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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 407 mal aufgerufen
 Erfindet eure eigene Fortsetzung!
Crunchy Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 410

13.04.2020 16:29
Story von Crunchy und Mellow Zitat · Antworten

Alte Liebe - Neues Glück



Begrüßung

Hallöchen, ihr Lieben!

Nachdem wir uns so lange so unglaublich rar gemacht haben, was uns schrecklich leid tut, melden wir uns vorsichtig zurück. Mit dem Anspruch diese Geschichte fortzuführen und zu beenden. Lange Zeit hat sich in mir etwas gesträubt mich wieder dranzusetzen und zu schreiben. Was genau es war, kann ich gar nicht mal sagen. Ich denke, dass es etwas damit zu tun hat, dass ich irgendwie nicht will, dass das hier irgendwann mal zu Ende ist, aber leider... wird es das sein. Dem muss man einfach ins Auge sehen. Auch wenn es einfach unfassbar traurig und schade ist. Aber schon damals habe ich gesagt, dass ein Ende auch immer ein neuer Anfang sein kann und daran halte ich einfach mal fest. Weil wir nun schon so lange nichts mehr gemacht haben an der Geschichte, auch wenn noch einige Kapitel in Reserve sind, wird diese Geschichte von Kapitel Eins an noch einmal aufpoliert. In den letzten vier Jahren konnte ich einiges an Erfahrung sammeln und denke, dass es schon etwas hermachen würde, wenn ein bisschen Politur aufgetragen wird.

Nun aber genug geschnackt. Für Kommentare hier entlang ansonsten: Viel Spaß!

Vorwort


Bei dieser Geschichte handelt es sich um eine frei erfundene Fortsetzung zur deutschen TV-Serie „Doctor’s Diary – Männer sind die beste Medizin“. Wir leihen uns die vorhandenen Charaktere der Serie nur aus. Die Rechte an den vorhandenen Charakteren u.ä. liegen bei Bora Dagtekin und RTL/ORF.

Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen wären rein zufällig. Idee, Entwurf, frei erfundene Charaktere sowie Orte, sind und bleiben unser geistiges Eigentum.

Ein ganz besonderer Dank geht an dieser Stelle an die liebe @Mellow. Ich finde es wahnsinnig toll mit Dir zusammen an dieser Geschichte zu werkeln. Danke für Deine Mühen, das was ich Dir gebe, zu lesen, zu korrigieren, umzuschreiben und zu kommentieren. Danke für Deine Ideen, die sich so wahnsinnig gut umsetzen lassen und immer genau meinen Geschmack treffen.

Diese Geschichte setzt nicht am Serien-Finale an, sondern spielt knapp zwei Jahre nach der Folge „Na toll! Ohne Marc ist alles doof“, Staffel 2 Episode 12. Frank Muffke, alias Alexis von Buren, spielt in dieser Geschichte keine Rolle!

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!


「Einleitung

Liebes Tagebuch,

wir alle suchen unser ganzes Leben nach einem Menschen, dem wir blind vertrauen können. Einem Menschen, der uns ohne Worte versteht, immer für uns da ist und sich die Last des Lebens mit uns teilt.
Auch ich war auf der Suche nach eben jenem Menschen. Gerade als ich dachte, dass ich ihn gefunden hätte, war er auch schon wieder weg und ich allein. Nun ja… nicht so allein! Aber ich fühlte mich im Stich gelassen.

Marc Meier war immer der Eine gewesen. Wer außer dir, wüsste das besser? Von meiner Kindheit an, bis heute, war er derjenige, der alles mit mir teilen sollte. Und gerade als er soweit war mir das zu geben, was ich mir schon fast nicht mehr zu träumen gewagt hätte, packte seine Vergangenheit ihn und zog ihn von mir weg … Dafür habe ich ihn gehasst. Dafür, dass er mir das Herz gebrochen hat. Und trotzdem sitze ich heute hier und schreibe dir von ihm. Ich glaube einfach nicht, dass es jemals einen anderen geben wird oder geben sollte. Ich glaube, dass dieser Mann mein Schicksal ist!

Wir mussten beide erkennen, dass wir unsere Augen vor den Dingen, die wir nicht sehen wollten, verschließen können. Wir konnten unsere Herzen aber nicht vor dem, was wir beide nicht mehr fühlen wollten, verschließen.



「Kapitel № Eins - Metamorphosis


Er fühlte sich gut… jedenfalls im Moment. In seinem Bett, nicht allein und er fühlte sich gut. Die Frau, die unter ihm lag, stöhnte, keuchte, krallte ihre Nägel in sein Fleisch und er fühlte sich gut. Schneller, härter und tiefer stieß er zu und trieb sie beide zu einem langersehnten Höhepunkt. Er liebte es den Frauen dabei zuzusehen. Jede einzelne hatte er ins Nirwana befördert und sie dabei beobachtet. Auch bei dieser, würde er sich die Genugtuung nicht nehmen lassen. Voller Vorfreude drückte er die Arme durch und sah auf das weibliche Wesen herab.

Doch was er da unter sich zu sehen bekam, machte ihn weder glücklich noch zufrieden. Seine Gespielin verzog das Gesicht auf eine sehr skurrile Art und Weise.

»Simulierst du hier gerade ’nen Schlaganfall oder was?!«, spie er ihr entgegen und sprach somit gleich den ersten Gedanken, der ihm gekommen war, aus. Ergebnis war, dass sie ihn überrascht ansah und unnatürlich mit ihren langen Wimpern klimperte. Sie war völlig außer Atem und scheinbar nicht in der Lage dazu, mehrere Wörter aneinanderzureihen um einen ganzen Satz zu bilden.

»Ähm… also… also eigentlich...«, stotterte sie und er musste sich wirklich zusammenreißen, nicht die Augen im Kopf zu verdrehen. »Eigentlich war das ein Orgasmus«, sagte sie schließlich mit fester Stimme.

»Gut!« Schulterzuckend rollte er sich von ihr runter. »Nach erste Hilfe wäre mir jetzt auch echt nicht gewesen.«

»Oh!«, stieß sie überrascht aus. »Dann hat es dem Unnahbaren also gefallen, ja?«

»Der Sex?«, fragte er ohne sie anzusehen oder auch nur daran zu denken die Augen zu öffnen. Entspannt lag sein Unterarm auf seiner Stirn, das Gesicht gen Zimmerdecke gerichtet. »Mh … War eher mittelmäßig, um nicht zu sagen… schlecht. Aber es war immerhin Sex und somit besser, als selbst Hand anlegen zu müssen.«

»Bitte?«, fragte sie und ihre Stimme klang seltsam schockiert. »Willst du mir etwa weismachen, dass dein Gestöhne und Gekeuche nur Show war? Ich bin nicht schlecht im Bett.« Er konnte spüren, dass sie die Decke zu sich zog. Wahrscheinlich bedeckte sie damit gerade ihren Körper, um ihn vor ihm zu verstecken. Als ob ihn das kratzen würde … Viel wichtiger war, dass sie aufhörte zu reden!

»Pass auf… es war ganz nett, okay?«

»Nett? Nett ist die kleine Schwester von Scheiße!«, höhnte die glockenhelle Stimme in seiner Erinnerung, die ihn nicht losließ und ihn sich wünschen ließ, dass man ihm das Hirn amputierte! Oder rausvögelte, was die Intension seiner vorübergehenden Ablenkung zu sein schien.

»Ich werd’ dir schon beweisen, dass ich eine Granate bin, die du nie mehr gehen lassen willst«, sagte sie bestimmt und setzte sich auf ihn. Und ihm nächsten Augenblick, machte sie ihn sprachlos – was nicht viele schafften. »Jetzt werde ich dich mal so richtig einreiten.«

Gierig rieb sie sich an seinem Becken, beugte sich vor und küsste seinen Hals. Ihre Hände strichen sanft über seinen Brustkorb. Bereits jetzt spürte er, wie das Blut in seinem Körper die Reise gen Süden antrat. Ihre Lippen wanderten immer tiefer und er glaubte ihre warme Zunge überall spüren zu können. Die Kühle, die der Spur folgte, war eine willkommene. Genießerisch schloss er die Augen. Schon lange durfte er nicht mehr in den Genuss kommen, was ihn daran erinnerte, dass er unbedingt zusehen sollte! Aber das was da zwischen seinen Beinen hockte und seinen Schwanz in die Hand nahm, ihn sanft massierte und schließlich mit den vollen Lippen umschloss, war nicht das was er dort sehen wollte. Es war nicht richtig! Nein… das ging so nicht.

Seine Konzentration verlor sich in Gedanken. Gedanken, die ihn quälten. Die ihn von innen heraus auffraßen, die er nicht ertragen konnte. Mit einem Ruck zog er ihren Kopf hoch, zwang sie ihn anzusehen. Der kurze Schatten, der über ihr Gesicht huschte signalisierte ihm, dass sie das Blitzen in seinen Augen gesehen hatte. Anders als bei allen anderen, machte es ihr keine Angst… das konnte er spüren. Es stachelte sie an! Grinsend wollte sie wieder zu seinem pochenden und zuckenden Glied abtauchen, dort weitermachen, wo sie gerade unterbrochen worden war – aber sein Griff wurde fester. Seine Augen verengten sich und seine Hände vergruben sich tief in ihrem Haar.

»Wolltest du mich nicht richtig einreiten?«, fragte er heiser und zog sie ruppig auf seinen Schoß. Er wusste, welche Wirkung er auf sie hatte. Sie wollte ihn schon so lange. Dieses Weib hatte sich so schamlos angebiedert, dass es ihm zu langweilig wurde … Doch endlich, endlich durfte sie ihn spüren. Er gab sich ihr hin, ließ sie ihm körperlich nahe kommen. Minutenlang sah er dabei zu, wie sie es genoss. Hemmungslos stöhnend hob sie ihr Becken, strich sich immer wieder durch die Haare, massierte ihre wippenden Brüste. Ein Anblick, der so manchen Mann alles vergessen ließ. Ihn jedoch nicht!

Es gefiel ihm einfach nicht. Er wollte nicht, dass jemand anderes die Kontrolle übernahm. Er brauchte die Kontrolle! Er war derjenige der bestimmte in welchem Tempo der Akt vollzogen wurde. Ohne lange darüber nachzudenken, umschloss er fest ihr Becken, drückte sie an sich und drehte sie mit einem weiteren Ruck um – schon lag sie wieder unter ihm. Was er unter sich sah, war aber noch immer nicht das, was er unter sich sehen wollte! Er schloss die Augen, trieb ab in seine Gedanken und sah endlich wieder SIE … Die EINE! Er konnte ihren Erdbeermund sehen, der sich, leicht geöffnet, zu einem seligen Lächeln kräuselte. Hörte ihr leises, sinnliches Stöhnen. Einem Reflex geschuldet, griff er zu den Brüsten der Frau unter sich. Jedoch war das was er spürte nicht das, an das er sich erinnerte. Sie waren einfach zu klein! Nein, so ging es nicht … Er griff in ihre Haare, verlagerte sein Gewicht um ihr nicht wehzutun. Aber er konnte nicht das samtene Haar spüren, welches immerzu nach Vanille roch. Diese Haare hier waren strohig, verknotet und eindeutig nicht so dicht und lang.

Doch er konnte sich noch genau an das Gefühl erinnern, wenn er seine Hände in ihren Haaren vergrub. Er erinnerte sich an eben jenes Gefühl, welches er immer gehabt hatte, als sie noch bei ihm war. Als wäre es erst gestern gewesen. Diese alles verschlingende Glückseligkeit, wenn sich ihre Beine um seine Hüften legten, ihn enger an sie pressten, sodass kein Blatt Papier mehr zwischen ihnen Platz hatte. Ihre zarten Hände, die sich in seinen Schultern festkrallten. Ihre weichen Lippen, die auf ihrem Weg zu ihrem Ziel, zärtlich sein Ohr streiften. Der heiße Atem auf seiner Haut. Die Zähne, die sanft an seinem Ohrläppchen knabberten.

Mit einem Mal, wurde das Verlangen dringender. Vorbei war es mit der Vorsicht, die er hatte walten lassen. Er stieß einfach unkontrolliert zu. Schnell, hart und ohne die geringste Gefühlsregung, fickte er sie. Dieses Stück Fleisch, welches unter ihm lag. Es war ihm egal, ob sie vom Kurs abkam oder nicht. Nur unterbewusst nahm er war, dass sie nicht mehr bei der Sache war. Es störte ihm nicht im Geringsten. Er nahm sich was er wollte, was er brauchte und dachte dabei, woran er denken wollte. Er hörte, was er hören wollte. Wieder und wieder stieß er in sie, biss in ihren Hals und versuchte auszublenden, dass er nicht so grazil war. Er wollte zurück… wenigstens in Gedanken wieder bei ihr sein und es genießen.

Inzwischen war aus seinem Stöhnen ein unkontrolliertes Keuchen geworden und der Schweiß tropfte ihm von der Stirn. Wenn er so weitermachte, würde ihm wohl gleich das Herz in der Brust explodieren. Aber er wollte es noch nicht enden lassen! Vielleicht sollte er… Nein, er durfte nicht rücksichtsvoller werden. Die Augen fest geschlossen, dachte er an das einzige, was zählte und seiner Kehle entfuhr ein kurzes, aber tiefes Grollen.

Leider schoss es ihm in diesem Moment nicht nur aus den Lenden, sondern auch aus seinem Mund.

»Mhmmm … BOAH, GRETCHEN!«, stöhnte er laut und brach dann erschöpft, völlig außer Atem, über seiner Gespielin zusammen. Die plötzlich unter ihm wand wie ein Wurm.

»Aber ich… ich heiße Marina«, stotterte sie weinerlich.

Und wenn sie Annegret heißen würde… es würde ihn nicht interessieren. Warum mussten Frauen immer quatschen? Er war noch gar nicht wieder richtig da … In Gedanken war er noch ganz woanders und zum Teufel – da wollte er auch bleiben!

»Du… das ist mir scheißegal«, hauchte er leise an ihrem Ohr, aber nicht minder bedrohlich. Wieder rollte er sich auf die Seite, die Augen geschlossen und wartete. Was jedoch folgen sollte, trat nicht ein. Empört riss er die Augen auf und drehte den Kopf nach links – sie lag noch immer da. Leicht zitternd, den Tränen nahe und starrte an die Decke. »Okay.« Sich räuspernd setzte er sich auf. »Ich weiß ja nicht, was du dir in deinem Spatzenhirn ausgemalt hast, als ich dich mit zu mir genommen habe«, sagte er mit der Feinfühligkeit eines Elefanten, das wusste er – aber warum sollte er sie belügen? »Aber du bist nur eine schnelle Nummer gewesen. Eine, die sich jetzt in ihre geschmacklosen Klamotten wirft und sich ganz schnell aus dem Staub macht! Wo die Tür ist, weißt du ja bereits.«

»Das ist es also, was du immer willst. Schnell einen wegstecken, vielleicht auch zwei. Die Frauen reihenweise durchficken, wund scheuern und dann fallen lassen, wie eine heiße Kartoffel!« Verächtlich schnaubend rutschte sie an die Bettkante, griff nach ihrer Unterwäsche. »Wir sind Frauen, kein Wild.«

»Herrgott nochmal! Du warst zum Ficken hier und nicht zum Reden. Wenn ich das wollen würde, würde ich mich auf die Couch legen«, maulte er drauf los. Wütend griff er nach seinen Zigaretten. Wahrscheinlich hatte er genau das nötig! Sein Verschleiß war wirklich ungesund – von seinen Gedanken mal ganz abgesehen. Während Marina wütend durchs Zimmer stampfte und ihre Sachen zusammensuchte, die vor einigen Stunden in einem Anflug von plötzlicher Leidenschaft durchs Schlafzimmer geflogen waren, steckte wich der Mittdreißiger eine Zigarette an. Den Qualm pumpte er tief in seine Lungen und genoss die beruhigende Wirkung des Nikotins.

Vielleicht war er heute Abend wirklich ein bisschen zu weit gegangen … Nicht nur vielleicht! Er wusste, dass es so war. Es kümmerte ihn nur nicht. Er hatte sie um nichts gebeten, sie zu nichts gezwungen. Sie war freiwillig mit ihm gekommen und hätte verdammt nochmal etwas sagen, ihn von sich stoßen können. Dass er sie im besoffenen Kopf eindeutig angemacht und beinahe in den Wahnsinn getrieben hatte, blendete er wohlweislich aus. Warum sollte er auch einen Gedanken daran verschwenden? Sie war eine von vielen und morgen Abend, würde eine andere ihren Platz einnehmen.

Für ihn zählte im Moment nur eines: Die Erkenntnis, dass er nicht einmal mehr Sex haben konnte ohne an SIE zu denken. Dabei versuchte er es jetzt schon so lange … Nicht mehr an sie zu denken.

Richtiges Zeitgefühl? Absolute Fehlanzeige. Hätte er seinen besten Freund nicht, der ihn regelmäßig zur Schnecke machte, wüsste er gar nicht, dass es bereits neun Monate her war. Die Zeit war vergangen wie im Fluge. Dank der vielen Arbeit und der vielen, wirklich sehr vielen, Frauen. Womit er schon beim nächsten Thema war.

Richtig viel Sex? Ja! Mit unglaublich heißen Frauen? Nein! Er würde nicht lügen: Sie sahen allesamt gut aus, aber er fand immer etwas, was ihn an ihnen störte. Meistens waren die Hüften zu schmal, die Augen zu braun, die Haare zu kurz, die Haut zu dunkel, zu groß, zu dünn, zu leise, zu laut … Keine hatte etwas an sich, das SIE ersetzen konnte. Gut war der Sex auch nicht. Annehmbar, oftmals nicht einmal befriedigend. Es fehlte einfach dieses ganz besondere Gefühl, welches er nur bei IHR fühlen konnte.

Glücklich? Im Leben nicht! Marc Meier … Jüngster und begabtester Chirurg in ganz Deutschland, der seine Operationen durchführte, sein Personal ununterbrochen zur Sau machte, sich fast täglich mit seinem Chef stritt, eine Frau nach der anderen abschleppte und am Ende des Tages doch allein, dafür betrunken, auf seinem Sofa lag. Und wie jeden anderen Abend in den vergangenen neun Monaten, machte sich auch heute Abend ein unglaublich bedrückendes Gefühl in seiner Brust breit, als Marina mit einem lauten »Arschloch!!!« aus der Wohnung stürmte.

To be continued

Original Writing 18.01.2016
Alle Rechte, einschließlich der Vervielfältigung, Veröffentlichung, Bearbeitung und Übersetzung, bleiben vorbehalten, ©Crunchy und ©Mellow.

Crunchy Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 410

18.04.2020 04:03
#2 RE: Story von Crunchy und Mellow Zitat · Antworten

「Kapitel № Zwei - Reason

»Was denkst du dir eigentlich dabei?«, wurde er heute schon zum siebten Mal gefragt und das ein einer Lautstärke, die seinem brummenden Schädel alles andere als guttat. »Mensch Marc! Du kannst doch nicht jede Krankenschwester und jede Ärztin in diesem Krankenhaus flachlegen, um sie dann in den Wind zu schießen. Du wirst hier hinter vorgehaltener Hand schon als männliche Wanderhure betitelt.«

»Als ob es mich interessieren würde, was diese Dilettanten von mir denken. Die meisten von denen sind gelangweilt von ihrem eigenen Sexleben, mit der frigiden Ehefrau oder dem impotenten Mann, der nur noch mit blauen Pillen seinen ehelichen Pflichten nachkommen kann«, erklärte er gelangweilt. »Außerdem hatte ich noch nicht jede … Da fehlt noch einiges, ganz davon abgesehen, dass ich auch gar nicht jede haben will.« Schulterzuckend griff er nach einem Kugelschreiber und begann abwesend damit zu spielen.

»MEIER!«, brüllte der Mann vor ihm außer sich. Gott sei Dank hatte er noch keinen Schaum vorm Mund, sonst würde er sich wirklich unwohl fühlen … Zumal er sich unangenehm an vergangene Zeiten erinnert fühlte. »Wir sind hier nicht im Zirkus, mein Junge. Traurig, dass ich dich immer wieder daran erinnern muss. Benimm dich doch mal deinem Alter entsprechend«, spie er ihm entgegen. »Manchmal habe ich wirklich das Gefühl einen Teenager vor mir zu haben, der sich bei seinen Freunden und den Frauen profilieren will. Du gehst nicht auf die Zwanzig, sondern mit großen Schritten auf die Vierzig zu.«

»Danke – ich weiß, wie alt ich bin und wie viele Jahre noch vor mir liegen«, äußerte er gereizt. Zu gern würde er sich nun darüber aufregen, dass man ihm – mal wieder! - bei der Arbeit die Leviten lesen wollte. Soweit sollte es aber nicht kommen.

»Das kommt mir manches Mal nicht so vor, Marc«, seufzte sein Gegenüber ergeben auf. »Du bist leitender Oberarzt, nicht der König vom Ballermann. Es wird Zeit, dass du mal wieder runterkommst. Und sollte dein unangebrachtes Verhalten etwas mit dieser Frau zu tun haben, über die du ja nicht reden willst, deren Name man nicht einmal mehr aussprechen darf, dann geh doch bitte endlich zu ihr.«

»Warum glaubt ihr eigentlich immer, dass alles, was ich mache, etwas mit dieser… dieser… dieser dicken Frau zu tun hat?«, spie er. Das Grinsen seines Gesprächspartners zeigte ihm deutlich auf, dass seine Beleidigungen schon einmal besser gewesen waren. Und er wusste, dass es stimmte. Wenn es um SIE ging, setzte alles aus. Wo er zuvor noch zynisch gewesen war, wurde er plötzlich ziemlich schwulstig und konnte oft einen klaren Gedanken mehr oder etwas in Worte fassen.

Neun gottverdammte Monate und noch immer wurde sein Hirn, wenn er an sie dachte oder jemand von ihr sprach, zu Wackelpudding, welcher in Vanillesoße schwamm. Noch immer konnte er sie einfach nicht vergessen. Vollkommen egal, wie oft er sich ins Delirium trank. Völlig nebensächlich, wie viele Frauen er abschleppte und wie tief er sich in seiner Arbeit vergrub. Dabei hatte er wirklich geglaubt, dass dieser klare Schnitt alles ändern würde.

»Ich habe mit ihrem Vater gesprochen ...«

»Und?!«

»Ihr geht es gut.«

»Schön«, brummte Marc. Wenigstens einem von uns, dachte er mürrisch.

»Meine Güte … Fahr endlich nach Berlin und sprich dich mit ihr aus! Deine Launen sind nicht zu ertragen.«

»Glaubst du etwa, dass ich nach München gezogen bin, nur um ein paar Monate später, wie ein geschundener Köter an ihrer Tür zu kratzen?«, wollte Marc aufgebracht wissen. »Ich wollte meine Ruhe, verdammt. Es hilft einfach nicht, wenn ständig darauf rumgehackt wird!«

»Marc… wir meinen es doch nur gut. Du wirst in ein paar Jahren Vierzig und solltest langsam sesshaft werden. Dass du das nur bei ihr kannst ist und inzwischen allen mehr als bewusst – nur dir offenbar nicht. Lieber vögelst du dich durch München und bist fest in dem Glauben, dass du sie so vergessen könntest.« Er holte tief Luft. »Schwester Marina hat mir erzählt, was gestern Abend vorgefallen ist. Dass ein Mann, wenn er gerade eine Frau beglückt, den falschen Namen stöhnt, soll schon was heißen.« Grinsend faltete er seine Hände auf der Schreibtischplatte ineinander, als wolle er für ihn beten.

Aus Marcs Gesicht war sämtliche Farbe gewichen … Wie er diese geschwätzigen Weiber doch hasste! Wenn das so weiterging, brauchte sich niemand mehr Sorgen um seine Reputation innerhalb der Klinik machen. Er würde lieber in den Puff gehen und für sein Vergnügen blechen, als dass immer alles brühwarm auf dem Tisch seines Vaters landete. Wäre er doch nur an eine Klinik in der Schweiz gegangen, anstatt das Angebot seines Papis anzunehmen. Aber damals war ihm alles egal gewesen … Er wollte nur weg aus Berlin und das Angebot war eine gute Gelegenheit gewesen. Leitender Oberarzt der chirurgischen Abteilung der Universitätsklinik.

Der Plan war ein anderer gewesen, aber das Fellowship in Washington hatte Hasenzahn ihm ordentlich versaut und weiter in dem Krankenhaus zu bleiben, wo sie war, wo ihre Familie war, kam für ihn nicht in Frage. Überhaupt in dieser Stadt zu bleiben, bedeutete den blanken Horror für ihn. Doch jedes Mal, wenn er vor seinem Vater saß wie ein kleiner Schuljunge, bereute er seine Entscheidung.

»Was… Chrm, chrm … Was macht sie so?«, fragte er seinen Vater leise – der schon wieder dieses ekelhaft wissende Grinsen auf den Lippen hatte.

»Sie hat letzten Monat ihre Facharztprüfung bestanden. Mit Bestnoten!«

»Schön!« Nachdenklich nickend musste er ein Lächeln unterdrücken. Es war wirklich schön, dass sie es endlich geschafft hatte. Wenn er nur daran dachte, wie lange sie dafür gebraucht hatte und wie oft sie sich vor Prüfungen drückte … »Ich gehe dann jetzt wieder arbeiten«, sagte er schnell und sprang förmlich aus seinem Sessel auf. Er wollte nicht noch mehr an sie denken, sonst würde er nachher noch zum Telefon greifen, um ihr zu gratulieren. »Natürlich nur, wenn du nichts dagegen hast.«

»Wie könnte ich?« Zufrieden lächelte Olivier seinen Sohn an. Als dieser seinen Kittel gerichtet hatte und den Türknauf in der Hand hielt, fügte er an: »Und Marc? Fahr doch einfach mal nach Berlin, ja? Sonst hole ich Berlin irgendwann her!«

Kopfschüttelnd lief er durch die Gänge – schlechter konnte ein Tag doch gar nicht anfangen! Was bildete sich diese Marianna - oder wie auch immer sie hieß – eigentlich ein?

»Blöde Schlampe«, grummelte Marc übellaunig vor sich her und rempelte im Vorbeigehen jeden an. Ob nun Kollege oder Patient. Ausgerechnet seinem Vater musste sie von ihrer kleinen Liaison erzählen. Dabei war der Mann sicherlich kein Kind von Traurigkeit. Olivier Meier hatte selbst ein Weib nach dem anderen zwischen den Laken, wenn auch nicht täglich. Marc wusste, dass es nicht richtig war und vor einigen Wochen, hatte er sich noch um eine andere Herangehensweise bemüht.

Er hatte monatelang viel Zeit in die Arbeit investiert und sich einen Namen in der Klinik gemacht. Niemand sollte glauben, dass er die Stelle nur wegen seines Verwandtschaftsverhältnisses bekommen hatte. Er bewies dem letzten Lästermaul, dass er sich diese Stelle verdient hatte – mit Wissen und Können. Die Frauen beachtete er zunächst gar nicht und wenn er doch einmal das Verlangen nach Sex hatte, musste halt der ein oder andere Porno herhalten. Es war nicht dasselbe, furchtbar langweilig, aber er verschaffte sich wenigstens Erleichterung. Dieser Art der Befriedigung funktionierte recht gut – bis zur verhängnisvollen Weihnachtsfeier, auf der er sich bis zum Erbrechen hatte volllaufen lassen.

Ehe er sich versah lag er in einem weichen Bett, auf einer weichen Frau und schlief mit ihr. Nicht einmal, nicht zweimal … Fünfmal bestieg er sie und fühlte sich danach wie benommen. Er fühlte nichts, er dachte an nichts und er fühlte sich ausgelassen. Er fühlte sich gut. Von diesem Tag an, schleppte er fast täglich eine Frau ab. Immer mit einer gehörigen Portion Alkohol im Blut, die ihm das Denken erschwerte. Bis vor einigen Wochen, als ihm klar wurde, dass dieser Alkoholkonsum seinem Körper auf Dauer nicht gut tun würde. Seitdem war er also „clean“, wenn man das so nennen wollte und nahm sich den Rest der weiblichen Belegschaft vor. Manchmal sogar zwei Frauen auf einmal.

Ich bin doch wirklich nicht mehr zu retten!, dachte er.

»Ey, Meier!«, hallte laut über den Flur.

In der Hoffnung es sei jemand anderes gemeint, drehte er sich nicht um. Aber wer sollte sonst gemeint sein? Ein Herr Meier, lag seines Wissen nach nicht auf der Station. Ein anderer Meier arbeitete hier nicht, mal ausgenommen von seinem Vater – doch niemand würde sich wagen den Professor so zu rufen. Also meinte man doch ihn und wie er befürchtet hatte, wurde er sogleich in eine nervende Unterhaltung gezwungen. Mal wieder ging es, wie schon seit Wochen, um diesen dämlichen Ärztestammtisch – Schrägstrich – Geburtstag. Zu seinem Ärgernis musste er dort antanzen und zwar, O-Ton Olivier, in erstklassiger Garderobe. Warum musste bei seinen Eltern eigentlich immer alles erstklassig sein? Sein lieber Herr Vater konnte sich glücklich schätzen, dass er überhaupt dort erschien – und wenn er nur im Trainingsanzug kam.

»Und, bringst du jetzt jemanden mit?«, fragte Sebastian Gesenhues ihn.

»Nein!«, antwortete er knapp. Er war genervt. Das sollte Sebastian ruhig merken. Gab es eigentlich noch eine andere Frage? Seit Wochen, fragte der Kollege nichts anderes mehr.

»Komm schon, Marc. Wie sieht das denn aus, wenn du als einziger ohne Begleitung kommst?«

»Äh… als hätte ich mein Hirn nicht in Salzsäure getränkt?«, meinte er und steckte sich eine Zigarette an.

»Die paar Meter bis vor die Türe, hättest du jetzt auch noch warten können«, meckerte Sebastian drauflos und bedachte den Glimmstängel mit bösen Blicken, als sei er ein böser Dämon, der gekommen war um seine Seele zu holen.

»Nur weil du aufgehört hast zu rauchen oder es versuchst, muss ich noch lange keine Rücksicht darauf nehmen.«

»Mein Geld ist mir einfach zu schade, Marc. Mal abgesehen von meiner Gesundheit. Aber egal. Was anderes: Was ist mit Frau Schröhr?«

»Mit wem?«, fragte Marc verständnislos. Er kannte keine Frau Schröhr? Oder etwa doch?! Hatte er eine Frau Schröhr in seinem Bett? Gott! Er konnte sich die Vornamen doch schon nicht merken, wie sollte er sich da an die Nachnamen erinnern?!

»Die Patientin mit dem Aneurysma? Soll ich sie übernehmen, bleibt sie auf deiner Station, bleibt sie in der Klinik, wird sie verlegt – was machen wir mit ihr?«

»Kannst sie gerne auf deine Station verlegen«, antwortete er gleichgültig.

»Du hast keine Ahnung, von wem ich spreche. Oder?« Frech grinste Sebastian ihn an, weil er wusste, dass er mit der Annahme nicht falsch lag. Aber was erwartete man auch von ihm? Man konnte sich immerhin nicht alle Patienten merken und sie auf Knopfdruck abrufen.

Marc Meier war zweifelsohne ein hervorragender Arzt. Als Mensch war er jedoch ein Griff ins Klo! Sebastian selbst, war Gefäßchirurg und arbeitete eng mit dem Chirurgen zusammen. Die meiste Zeit über, waren sie damit beschäftigt sich die Patienten hin- und herzuschieben. Allerdings nicht, weil es so spaßig war. Der eine war immer der Meinung, dass der Patient in den Fachbereich des anderen gehörte. Deswegen hatte es ihn gewundert, dass Marc besagte Patientin noch nicht übergeben hatte. Die Frau hatte ein Aneurysma und das behandelte eindeutig die Gefäßchirurgie, auch wenn Marc sicherlich dazu in der Lage war, es ebenso gut zu behandeln, wie er selbst. Zu ihrem Leidwesen trennte der Chef die Bereiche jedoch sehr streng, was bedeutete, dass Marc solche Operationen meistens verwehrt blieben.

»Du bist in der Unfallchirurgie!«, hatte der Professor mal durchs halbe Krankenhaus gebrüllt, weil Marc sich eine Herz-OP unter den Nagel reißen wollte. Es war kein Geheimnis, dass er nach mehr strebte und auch viel mehr von seinem Beruf wollte. Aber heute schienen ihn andere Dinge zu beschäftigen. Noch immer hatte er keine Antwort auf seine Frage bekommen und Marc steckte sich bereits die zweite Zigarette an.

»Was ist los mit dir?«, fragte Sebastian deshalb auch ziemlich direkt und wurde vernichtend angesehen. Das konnte Marc absolut nicht gebrauchen; Therapiegespräche á la Kaan. Das stand ihm so oder so bevor … Es war Mittwoch, Telefonabend. Warum hatte er sich darauf nur eingelassen.

»Nichts ist los. Was soll schon sein?«, erwiderte Marc und sah in die Ferne. Er wollte und würde nicht darüber reden. Mit niemandem! Nicht einmal mit sich selbst.

»Na ja – dein Alter hat vorhin ein paar Mal ordentlich...« Weiter kam Sebastian, denn ein paar Stockwerke über ihnen, brüllte eben erwähnter: »MARC OLIVIER MEIER! BEWEG DEINEN ARSCH AUF STATION, DU WIRST GESUCHT. IST JA WIRKLICH UNGLAUBLICH MIT DIR!«

In solchen Momenten fragte er sich immer und immer wieder, warum er eigentlich nach München gegangen war und ob es das wert gewesen war. Gretchen hatte ihm nie gesagt, wie anstrengend es war, wenn der Vater der Chefarzt war und alles und jeden herumkommandieren konnte. Inklusive IHM. Hätte sie ja ruhig mal erwähnen können.

Und wieder dachte er an sie … Augenrollend stöhnte er auf, warf seine Zigarette weg, klopfte seinem Kollegen auf die Schulter und machte sich auf den Weg – bevor noch jemand auf die Idee kam, eine Vermisstenanzeige zu schalten.

To be continued
Alle Rechte, einschließlich der Vervielfältigung, Veröffentlichung, Bearbeitung und Übersetzung, bleiben vorbehalten, ©Crunchy und ©Mellow.

Crunchy Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 410

26.04.2020 08:42
#3 RE: Story von Crunchy und Mellow Zitat · Antworten

「Kapitel № Drei - Pieces

»Einen Kaffee, ohne alles«, fuhr er die neue Krankenschwester am späten Nachmittag an, als er ins Schwesternzimmer kam. Die Brünette sprang fast sofort von ihrem Platz auf und fragte freundlich: »Ach, Sie trinken den ganz schwarz, ja?«

»Äh… auch ohne Kommentar!« Mit hochgezogener Augenbraue, sah er die kleine Frau ernst an. Da lobte er sich doch wirklich Schwester Sabine. Die quirlige Krankenschwester in Berlin hatte nie dumme Fragen gestellt, sondern einfach gemacht, was er von ihr wollte. Warum zum Teufel stellte sein Vater auch immer wieder neue Schwestern ein? Und… meinte er es nur oder wurden sie auch immer unattraktiver? Ohne ein Wort des Dankes, nahm er der Schwester die Tasse ruppig aus der Hand und machte sich auf den Weg in sein Büro.

Operationen standen heute keine mehr an … Es sei denn ein Notfall kam rein. Also konnte er sich ruhig eine kleine Auszeit gönnen. Außerdem musste er unbedingt von den Fluren. Schwester Marina hatte ganze Arbeit geleistet. Egal wo er sich heute aufhielt, er wurde vernichtend angesehen. Wenn Blicke töten könnten, hätte er heute ganz sicher das Zeitliche gesegnet. Besonders die eingeschworene Schwesternschaft hatte es auf ihn abgesehen – mit Ausnahme der neuen. Die wusste scheinbar noch nicht was es hieß auf seiner Station zu arbeiten und würde es wohl auch nie erfahren.

Dementsprechend freute er sich auf die Ruhe, die ihn in seinem Büro erwartete. Doch als er sah, wer schon vor seinem Rückzugsort auf ihn wartete und ihm nun entgegenkam, wäre er liebend gern wieder umgedreht, um etwas Smalltalk mit der neuen Krankenschwester zu halten.

Mit großen Schritten und wütendem Gesichtsausdruck kam sie direkt auf ihn zu. Als sie vor ihm zu Stehen kam, funkelten ihre Augen ihn böse an. »Marc Olivier Meier, duuu...Grmpfh!« Ohne Rücksicht auf Verluste, bohrte sie ihm ihren Zeigefinger tief in die Brust. »Marina ist eine meiner besten Freundinnen, du Arsch. Spinnst du?!«

»Davon hast du eine Menge, Melanie. Was willst du von mir?«, fragte er gelangweilt. Schon wieder fühlte er sich genervt. Langsam entwickelte sich der Spaß zu einer Realityshow, deren Rechte bei RTL lagen. Außerdem hatte er schon schlimmeres ertragen müssen, als eine Standpauke der besten Freundin, der Frau, die er fälschlicherweise mit dem Namen einer anderen angestöhnt hatte.

Backpfeifen – und davon nicht gerade wenige. Wo die trafen, wuchs kein Haarbüschel mehr und es blieb stundenlang ein rot schillernder Handabdruck auf der Wange. Ein kleiner. Sie hatte so unglaublich kleine, zierliche Hände. Weiche, helle Haut und – schon wieder! Das konnte nicht wahr sein. Tief durchatmend schloss er seine Augen. Er musste unbedingt auf andere Gedanken kommen.

»Dir macht es wohl echt Spaß die Frauen reihenweise zu verletzen, hm?«, fragte sie ihn verständnislos. Ihr Missfallen äußerte sie mit einem angewiderten Kopfschütteln. Marc blieb nichts anderes übrig, als sie fassungslos anzustarren.

»Jetzt mal ganz vorsichtig hier, ja! Ich verletze niemanden«, erwiderte er knurrend. »Die wissen alle, dass es sich nur um ein einziges Mal handelt, eine Nacht – nicht mehr. Nicht für den Rest unseres Lebens.« Er ließ seine Augenbraue einmal aufzucken und drückte sich dann an ihr vorbei.

Ruhe hatte er vor ihr jedoch keine. Was hatte er auch erwartet? Sie war immerhin eine Frau. Eine ganz besondere noch dazu! Eilig lief sie ihm nach und obwohl er im Stechschritt lief, holte sie ihn ein und hielt Schritt. »Hast du nichts zu tun, Melanie?«, fragte er sie schließlich genervt.

»Nein!«, antwortete sie patzig, biss sich aber gleich danach auf die Unterlippe. Scheinbar, besann sie sich gerade eines besseren – was bedeutete, dass sie etwas von ihm wollte. »Ich mein… doch, eigentlich schon. Ich wollte dich eigentlich was fragen. Am Wochenende hat der hochwohlgeborene Professor doch Geburtstag und alle kommen in Begleitung. Irgendein Verwandter wollte wohl vorbeikommen, der ist wohl irgendwie mit Sebastian befreundet und der bringt auch jemanden mit«, ratterte sie in einem Affenzahn herunter, dass es ihm schwer fiel, zu folgen. Doch eine Aussage erweckte sein Interesse.

»Sebastian hat eine Begleitung? Seit wann denn das bitte?«, wollte er wissen.

»Nein, doch nicht Basti. Dieser geheimnisvolle Verwandte, über den noch nie jemand was gehört hat, der kommen soll und eine Begleitung hat. Frag mich bitte nicht, wer das sein soll – ich habe keine Ahnung und wenn ich ehrlich bin, interessiert es mich auch nicht sonderlich. Da alle in Begleitung kommen, wollte ich dich fragen, ob wir beide vielleicht zusammen hingehen sollen. Ich habe niemanden und du ja wohl auch nicht, obwohl du an jedem Finger dreißig Frauen hast.«

»Wir?«, fragte er überrascht und wägte nach ihrem Nicken das Für und Wider ab. »Eigentlich keine schlechte Idee. So müsste ich mich nicht einmal erklären, obwohl … Ich kann auch einfach arbeiten!«

Mit großen Augen sah sie ihn an und machte ihrem inneren Ärger auch gleich Luft. Dabei erinnerte sie ihn mal wieder an dieses blonde Wesen, welches ihm den Kopf verdreht hatte und 504,92 km Luftlinie von ihm entfernt war.

»Marc!«, zischte sie scharf. »Du hast es ihm versprochen.«

»Ja, und?«, erwiderte er konfus. »Er hat mir auch so vieles versprochen. Zum Beispiel, dass er sich nicht in mein Leben einmischt und mich nicht behandelt wie ein Kind, wie sein Kind. Dazu hatte er lange genug Zeit und hat es nicht getan, da muss er jetzt nicht mit anfangen!« Schulterzuckend wollte er sich abwenden, doch die verschränkten Arme und verengten Augen, ließen ihn einlenken. »Ist ja gut. Meine Güte … Gehen wir beide also zusammen. Was anderes: Hast du heute Abend schon was vor?«

Sie schien kurz nachzudenken und Marc wusste ganz genau, was sich in ihrem hübschen Köpfchen abspielte. In Gedanken ging sie das abendliche TV-Programm durch, um nicht ihre Lieblingsserie zu verpassen, die in seinem Fernseher unter Garantie nicht laufen würde.

»Nö, eigentlich nicht«, flötete sie ihm schließlich fröhlich entgegen. »Bei dir oder bei mir?«

»Wie immer, Melanie!«, sagte er schnell und wollte sich aus dem Staub machen. In seinen Kitteltaschen kramte er schon nach seinen Zigaretten, als er am Arm zurückgehalten wurde.

»Denk nicht so viel an sie«, flüsterte Melanie ihm traurig entgegen. Doch ihre Stimme, war nichts im Vergleich zu ihren treuen Augen, die ihn an die Wand nagelten – unfähig sich ihrem Bann zu entziehen. Ihr Blick wurde weich. Zärtlich strich sie mit ihrer Hand über seine stoppelige Wange.

»Melanie, ich denke nicht...«

»Hör endlich auf dich selbst zu belügen, Marc!«, meinte sie streng. »Das bringt dich nicht weiter. Vielleicht solltest du dich wirklich mal mit ihr aussprechen.« Ein letzter mitleidiger Blick und sie ging. Drehte sich einfach auf dem Absatz um und lief denselben Weg zurück, den er gerade erst gekommen war.

Mit gerunzelter Stirn sah er ihr nach. Sie kannte ihn nun knapp acht Monate und trotzdem, kannte sie ihn besser als jeder andere. Manchmal glaubte er sogar, dass sie ihn besser kannte als er sich selbst. Was war das nur mit ihr? Eindeutig etwas Besonderes!


Einige Stunden später klingelte sein Telefon. Anhand des Tones wusste er, wer ihn da versuchte zu erreichen – er musste nicht einmal hinsehen. Dafür fragte er sich, womit er das verdient hatte. Ausgerechnet heute, nachdem er gestern einen eigentlich sehr entspannten Abend gehabt hatte. Leider bleib ihm nichts anderes übrig als abzunehmen. Der Anrufer würde sicherlich keine Ruhe geben und auf seinem Mobiltelefon, oder schlimmer noch, auf seiner Festnetzleitung anrufen, wenn er jetzt nicht dranging.

»Meier!«, brummte er also genervt in den Hörer. Er wusste, dass der Anrufer wusste, wen er da am Apparat hatte. Allerdings spielte hierbei auch nur die Tonlage eine Rolle … Mit viel Glück, würde das Gespräch kurz ausfallen.

»Ach Marc«, seufzte Mehdi Kaan am anderen Ende der Leitung, als hätte man ihm gerade ein Snickers unter die Nase gehalten. »Immer diese herzlichen Begrüßungen.«

Wieder einmal verdrehte er die Augen und ließ sich in seinem Bürostuhl nach hinten fallen. »Laber keinen Scheiß, Kann. Was gibt es?«

»Nicht viel … Was nicht heißt, dass ich unser wöchentliches Gespräch ausfallen lasse.« Im Hintergrund ertönte ein unangenehmes Knarzen, was Marc sagte, dass auch der Gynäkologe es sich in seinem Bürostuhl bequem gemacht hatte. Warum er sich keinen neuen zulegte, würde er wohl nicht verstehen. »Wie geht es dir?«, fragte Mehdi und klang besorgt.

»Abgesehen davon, dass mit heute alle den letzten Nerv rauben wollen eigentlich ganz gut«, antwortete er müde und rieb sich mit einer Hand gähnend über die Augen. »Und bei euch… im schönen Elisabeth-Krankenhaus? Alles beim Alten?«

»Frag besser nicht, Marc. Hier ist die Hölle los. Sei froh, dass du in München bist. Der Professor hat mächtig viel um die Ohren und jetzt, wo Gretchen doch ihre Facharztprüfung bestanden hat, will sie mehr arbeiten. Bärbel macht darum einen riesigen Zirkus und allen das Leben schwer. Was eigentlich auch nachvollziehbar ist, aber das ist eine vollkommen andere Geschichte. Ansonsten laufen die Stationen auf Hochbetrieb. Keine Ahnung, was zurzeit los ist.«

»Und trotzdem findest du die Zeit anzurufen!« Schmunzelnd freute er sich tatsächlich nicht in Berlin zu sein. Ein gestresster Professor ist nie ein guter Umgang und da er so oder so auf der Abschussliste des alten Haasen ganz oben stand, würde er ohne Zweifel die volle Breitseite abbekommen, wenn er jetzt zugegen wäre.

»Kinder kommen zwar immer wieder, allerdings nicht im Minutentakt«, erwiderte Mehdi ernst.

»Alles klar, das reicht – mehr will ich nicht wissen«, wehrte Marc direkt ab. Auf eine Unterrichtsstunde in Frauenheilkunde konnte er verzichten. Männer waren eindeutig für anderes geboren. »Wie geht es Lilly?«, fragte er um das Thema zu wechseln.

»Sie wächst und gedeiht. Hat dir wieder ein Bild gemalt. Ich schicke es dir die Tage per Post zu, bin noch nicht dazu gekommen.«

»Keine Eile«, sagte Marc schnell. »Man fragt mich hier schon ständig, ob ich Kinder habe, weil hier ständig die Kritzeleien deines Mini-Mes auftauchen. Warum schickst du sie überhaupt ins Krankenhaus?«

Am anderen Ende der Leitung verschluckte sich der Gynäkologe wohl gerade an seinem Wasser, denn er keuchte sich die Seele aus dem Leib.

»Mehdi? Alles klar?!«

»Ja, alles in bester Ordnung«, antwortete angesprochener ziemlich aus der Puste. »Wenn ich deine Adresse hätte, würde ich sie dir nach Hause schicken. Aber aus einem mir unerklärlichen Grund, willst du sie mir nicht nennen.«

»Du weißt ganz genau, warum nicht«, stöhnte Marc genervt.

»Mein Gott! Meinst du wirklich, Gretchen würde sich gleich in den nächsten Zug setzen und losfahren oder was? Ich versichere dir, dass sie zurzeit ganz andere Dinge zu tun hat.«

»Schön für sie!«, meinte er bestimmt. Er wollte gleichgültig klingen. Gleichgültigkeit war immer gut. Neugierig war er trotzdem. Mist!

»Ja, das ist es wirklich«, erwiderte Mehdi und klang dabei äußerst verträumt, was den Chirurgen aufhorchen ließ. Mit einem Ruck saß er wieder aufrecht an seinem Schreibtisch.

»Schmachtest du ihr etwa wieder hinterher?«

»Was? Nein! So ein Blödsinn. Sie scheint im Moment einfach glücklich zu sein und das steht ihr, wie du sicherlich noch weißt. Eigentlich war ich ja der Meinung, dass sie nicht so schnell wieder auf die Beine kommen würde, nachdem du dich so feige aus dem...«

»Können wir über etwas anderes reden?«, unterbrach Marc laut. Darüber wollte er nicht noch mehr nachdenken müssen. Das hatte er heute zu genüge getan und es war zu viel des Guten!

»Wieso?«

»Weil… Mensch – ich will da einfach nicht weiter drüber reden! Irgendwann ist es auch mal gut, Mehdi.«

»Mh-hm, du bereust es!«

»Ich bereue gar nichts«, spie er resolut in den Hörer. »Mal abgesehen davon, dass ich mich darauf überhaupt eingelassen habe«, sagte er und wusste, dass es nicht stimmte. Doch er redete es sich immer und immer wieder ein und im ein oder anderen Moment, glaubte er sogar daran. Wenn da doch nur nicht sein bester Freund wäre, der es auch aus dieser weiten Entfernung schaffte all seine Gedanken mit einem Faustschlag zu zerschmettern.

»Ich bitte dich, Marc. Verarschen kannst du dich alleine. Du fragst dich nun schon seit mindestens drei Minuten, was sie anderes zu tun hat und warum sie glücklich ist, wo du doch nicht bei ihr bist. Warum sie nicht nach dir sucht ...«

»Ich frage mich gar nichts!« Wütend, weil Mehdi ihn immer durchschauen würde und weil er wusste, dass er sich gerade total zum Affen machte, zerbrach er einen Bleistift in mehrere kleine Teile, den Telefonhörer zwischen seinem Ohr und seiner Schulter eingeklemmt. »Was sie macht ist mit scheißegal!«, knurrte er.

»Das ist es dir nicht und das weißt du auch. Ihr ist es auch nicht egal, auch wenn sie es immer und immer wieder felsenfest behauptet und...«

Plötzlich flog Marcs Bürotür auf und Melanie, die zwischendurch das Feingefühl eines ausgewachsenen Elefanten hatte, platzte herein ohne darauf zu achten was gerade in dem Büro passierte – oder sie stören könnte.

»Marc, kommst du? Wir wollten doch… oh!«

»Wer ist denn das?«, fragte Mehdi interessiert und Marc biss sich auf die Wange. Natürlich, war das Waschweib neugierig und würde Hasenzahn brühwarm erzählen, dass eine Dame irgendwas von ihm wollte, sodass das blonde Lockenköpfchen ihre eigenen Schlüsse zog.

»Niemand ist das«, meinte er nur und wandte sich dann, mit sehr eindeutigem Blick, Melanie zu: »Warte am Auto«, warnte er.

»Äh… weißt du wie kalt es draußen ist?«

»Hm… vielleicht solltest du dir, wenn es doch so kalt ist, mal mehr anziehen.« Grinsend beäugte er den ziemlich kurzen Rock, der wohl kaum ihren Hintern verdeckte.

»Mich hat ’ne Schnapsleiche vollgekotzt und das war das einzige, was Marina in ihrem Spind hatte.«

Auch das noch! War er vor den Weibern denn nirgendwo sicher. Erst erinnerte ihn Mehdi an Hasenzahn und nun kam Melanie auch noch mit dieser tratschenden Furie um die Ecke. Kurz kramte er in einer der Schreibtischschubladen herum und warf Melanie einen Schlüssel zu.

»Dann warte halt im Auto und mach dir die Heizung an. Ich muss das hier noch erledigen. In Ruhe! Also… würdest du bitte gehen?«

»Telefonierst du etwa mit Berlin?«, fragte sie zwinkernd und grinste ihn frech an.

»Melanie!«, brummte Marc bedrohlich. »Geh! Bitte!«

»Gut … Beeil dich aber – ich habe echt Hunger!« Mit einem letzten eindeutigen Blick, drehte sie sich auf dem Absatz um und verließ das Büro genauso laut, wie sie es betreten hatte, was bei Marc zu einem erneuten stöhnen führte. Wer hatte nur versäumt dem Weib Manieren beizubringen?

»Wow, die hat dich aber ganz schön an der Leine, was?«, fragte Mehdi lachend.

»Hat sie nicht. Sie hat nur die falschen Freunde. Also… um noch einmal zum Thema zu kommen. Gretchen ist mir egal! Und wenn sie… was weiß ich. Es wäre mir auf jeden Fall egal. Und jetzt muss ich los – hast es ja gehört. Wir telefonieren morgen noch einmal.«

Bevor Mehdi auch nur ein Wort erwidern konnte, hatte Marc aufgelegt. Kopfschüttelnd sah der Gynäkologe auf seinen Apparat herab und fragte sich, wie man nur so stur sein konnte.

To be continued

Alle Rechte, einschließlich der Vervielfältigung, Veröffentlichung, Bearbeitung und Übersetzung, bleiben vorbehalten, ©Crunchy und ©Mellow.

Crunchy Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 410

01.07.2020 01:46
#4 RE: Story von Crunchy und Mellow Zitat · Antworten

「Kapitel № Vier - Shattered

»Du musst es ihm endlich sagen, Gretchen. Ich fühle mich nicht wohl dabei die ihn die ganze Zeit anzulügen«, sagte er eindringlich und suchte ihren Blick.

Aber sie hielt ihren Kopf gesenkt, damit er ihre Tränen nicht sah. Sie wollte nicht, dass jemand wusste, dass sie noch immer weinte. IHN noch immer liebte und nie würde vergessen können. Aber sie wollte auch nicht wieder zurück. Was sie sich in der letzten Zeit aufgebaut hatte, sollte nicht wieder mit ein paar kurzen Blicken, Berührungen oder Worten zerschlagen werden.

»Was soll das bitte bringen?«, fragte sie traurig. »Er wird nicht zurückkommen, Mehdi. Ganz zu schweigen davon, dass er es niemals akzeptieren würde. Es wäre ihm egal. So wie ihm immer alles und jeder egal ist.« Noch immer vermied sie es ihren besten Freund anzusehen. Wieder einmal konnte sie das verdächtige Kribbeln in ihrer Nase spüren und fluchte innerlich.

»Du weißt ganz genau, dass das nicht stimmt. Das habe ich dir mehr als einmal gesagt und versucht verständlich zu machen … DU bist wahrscheinlich der einzige Mensch auf dieser Welt, der ihm nicht völlig egal ist. Mal abgesehen von sich selbst«, erwiderte er ruhig. »Vielleicht wird er nicht sofort damit klarkommen oder postwendend zurück kommen, aber er weiß es und kann entscheiden. Sie ist nicht nur ein Teil deines, sondern auch seines Lebens. Und ich wette mit dir, dass er sie ebenso sehr lieben wird, wie dich«, schloss er leise und nahm sie in den Arm.

Das Zucken ihres Körpers war nun nicht mehr zu übersehen und es tat ihm unendlich leid. Er wollte sie nicht immer wieder daran erinnern und auf ihrem gebrochenem Herzen herumtrampeln, doch irgendwer musste den beiden einfach mal die Augen öffnen. Sie liebten sich noch immer und versuchten beide davor wegzulaufen. Marc lief dafür sogar mehrere Kilometer weit. Und sie? Sie lief in die Arme eines anderen Mannes. Ein Mann, der sie sicherlich liebte und auch gut mit der kleinen Sarah umging. Er würde jedoch nie das ersetzen können, was sie an jenem verhängnisvollem Tag verloren hatte.

Nur kurz ließ Gretchen sich von ihm trösten.

»Er liebt mich nicht, Mehdi«, schniefte sie traurig und sah zu ihm auf. »Er ist zu solchen Gefühlen einfach nicht fähig.« Sie wusste einfach, dass es nicht so war, wie Mehdi sagte. Marc hatte es selbst geschrieben.

Flashback

Genüsslich streckte sie sich und konnte sich ein wohliges Seufzen nicht verkneifen. Eigentlich hatte sie nicht viel für Designermöbel übrig, aber dieses Bett hier war ein Traum! Sie hatte keine Rückenschmerzen und mehr als genug Platz. Ein kleines Paradies, wenn man morgens neben dem Mann aufwachen konnte, den man von ganzem Herzen liebte.

Aber… wo war besagter Mann? Sonst stand er nicht nie vor ihr auf – jedenfalls in der letzten Zeit nicht, mehr. Er hatte wohl Gefallen daran gefunden, dass der Kaffee schon fertig war, wenn er in die Küche getapst kam. Jeden Tag explodierte ihr Herz, wenn er verschlafen, mit zerzausten Haaren, auf Zehenspitzen durch die Wohnung tapste. Er war so unfassbar süß, wenn er noch total verschlafen war. Schon fast handzahm, wenn man es genau nehmen wollte. Das hielt bis zur allmorgendlichen Dusche, die seine Lebensgeister weckte und er die Herzlichkeit mal wieder im Moschusduft erstickt hatte.

Sie schälte sich aus dem Bett und lief suchend durch die Wohnung. Wo steckte er nur? Ein Notfall in der Klinik, kam ihr in den Sinn. Nicht selten kam es vor, dass er Bereitschaftsdienst schob und um diese Uhrzeit schon mehrere Stunden im OP stand. Seufzend trollte sie in die Küche, um sich einen Kakao zu machen und den Rest ihres freien Vormittags zu genießen.

Sofort fiel ihr der Brief auf der Anrichte, auf dem ihr Name stand, ins Auge und sie lächelte glücklich vor sich hin. Er war also doch nicht einfach gegangen, ohne ihr eine Nachricht zu hinterlassen. Voller Vorfreude riss sie den Umschlag auf und begann zu lesen. Doch mit jedem Wort, jeder weiteren Zeile, wurde ihr Blick ungläubiger. In ihren Augen sammelten sich Tränen und innerlich, starb sie tausend Tode.

Hasenzahn,
du weißt von allen wohl am Besten, dass ich nicht gut darin bin, meine Gefühle in Worte zu fassen und ich bezweifle, dass ich das schriftlich besser hinbekommen werde. Trotzdem will ich… Nein! Ich muss es einfach versuchen.

Du hast dich bestimmt schon gefragt, wo ich bin. Nun ja, ich… ich denke, dass es besser wäre, wenn ich gehe und wir uns nicht mehr wiedersehen. Ich habe einfach recht behalten; ich bin kein Mensch für eine Beziehung. Die ewigen Auseinandersetzungen, die ständige Rücksichtnahme. Ich kann einfach nicht mehr so leben, wie ich es gewohnt war und es stört mich nicht nur – es fehlt mir auch. Ich wollte wirklich für dieses eine Jahr nach Washington, Gretchen. Du hast überhaupt keine Vorstellung davon, was ich dort alles hätte lernen und später hier umsetzen und leisten hätte können. Die Freude darauf war so unendlich groß und ich dachte wirklich, dass du hinter mir stehst – aber du hast das gemacht, was du immer machst. Das Professorentöchterchen drückt einmal auf die Tränendrüse und schon leitet Papi alles nötige in die Wege, damit seine Prinzessin glücklich ist. Wie andere sich dabei fühlen, ist euch völlig egal.

Ich werde dir nicht sagen, dass es mir leidtut. Ich habe es dir damals mehr als einmal gesagt: Daraus wird nichts. Aber du konntest und wolltest einfach nicht locker lassen, also dachte ich, dass ich es einfach mal versuche. Hat nicht funktioniert. Würdest du jetzt vor mir stehen, würde ich wahrscheinlich mit den Schultern zucken.

Du hast versucht mich systematisch zu ändern, Gretchen. Vermutlich hast du es nicht einmal bemerkt. Aber ich habe es gemerkt. Wenn ich einen schlechten Tag habe, habe ich einfach einen schlechten Tag. Ich muss dann nicht mit einem grenzdebilen Lächeln durch die Gegend rennen wie Sabine und die ganze Welt umarmen. Aber genau das hast du von mir verlangt. Du wolltest, dass ich mit dir rede – dich teilhaben lasse. Du wolltest alles wissen, bis ins kleinste Detail. Ich kam mir vor, wie auf der Anklagebank.

Wenn das deine Vorstellung von einer Beziehung ist, dann musst du dir jemanden suchen, der dieselben Vorstellungen hat. Oder du kaufst dir einfach einen Hund. Würde dir sicherlich guttun, wenn du einen Grund hast dich mehr zu bewegen.

Ich habe einfach das Gefühl nicht mehr ich selbst zu sein. Das ist es mir einfach nicht wert. Und ich Vollidiot frage dich auch noch, ob du bei mir einziehen willst. Der Moment war einfach… Ach, ist doch egal!

Glaube mir bitte; die erste Zeit war schön und spannend. Es war etwas Neues und ich denke wir sind uns einig, wenn ich schreibe, dass wir ziemlich guten Sex hatten. Jedoch war es das dann auch schon wieder gewesen. Liebe… Das gibt es nicht, Gretchen und ich glaube, dass du aufhören solltest davon zu träumen. Wahrscheinlich konnte ich es dir deswegen niemals sagen. Weil ich nicht daran glaube und nicht fühle. Liebe ist für mich nur ein unbedeutendes Wort, welches jeder Mensch dir sagen kann – ohne es wirklich zu meinen. Ohne es zu fühlen. Versteh mich nicht falsch; ich mag dich. Ich mag dich wirklich! Aber ich fühle mich dir doch nur so verbunden, weil wir uns schon so lange kennen. Du bist ein Teil meines Lebens – irendwie.

Es würde nicht gutgehen, Gretchen und ich weiß einfach, dass es besser ist, wenn du jemanden findest der dir das gibt, was ich dir nicht geben kann.

Die Wohnung ist gekündigt, meine restlichen Sachen werden abgeholt und ich wäre dir dankbar, wenn du den Schlüssel bei Mehdi abgeben würdest. Er regelt dann alles weitere. Hattest ja nicht alle deine Klamotten bei mir – zum Glück!

Pass auf dich auf,
Marc

Sie konnte einfach nicht glauben, was sie da las. Sie war dermaßen geschockt, dass sie nicht einmal mehr mitbekam, dass die Wohnungstür sich öffnete und ein ziemlich verwirrter Gynäkologe auf sie zukam. Stimme Tränen liefen über ihre Wangen und der einzige Mensch der dazu in der Lage war sie versiegen zu lassen, war auf und davon.

Flashback Ende

Noch heute, neun Monate und ein paar Tage später, weinte sie. Allein in ihrer Wohnung, auf ihrer Couch, mit ihrer drei Monate alten Tochter auf dem Arm. Es tat noch immer genauso weh wie an diesem Morgen. Der Schmerz nahm ihr die Luft zum Atmen und eine unsichtbare Hand schloss sich um ihr Herz, um es auszuquetschen. Sie konnte nicht verstehen, warum er ihr das angetan hatte. Wie er ihr das überhaupt antun konnte. Sie war sich sicher gewesen, dass sie glücklich waren. Oder hatte er ihr wirklich nur etwas vorgemacht?

Ja, sie hatte ihm sein Fellowship versaut. Aber doch nicht weil sie nicht wollte, dass er beruflich auf der Strecke blieb, um mit ihr zusammen zu sein. Sie wusste damals gerade einmal vier Tage, dass sie schwanger war und wusste einfach nicht, mit wem sie darüber reden sollte. Also ging sie zu ihrem Vater. Sie hatte Angst ihrem Freund davon zu erzählen, weil sie wusste, dass er keine Kinder wollte. Er wollte auch nicht heiraten. Eine Familie gründen. Davon waren sie meilenweit entfernt gewesen. Und sie war sich ziemlich sicher, dass es für Marc noch heute so war.

Sie warf einen Blick zu dem Foto auf der Anrichte: Sie… zusammen mit ihrem neuen Freund, Thorben. Er war ein wundervoller Mann und er war Sarah ein wundervoller Vater. Sie war endlich glücklich!

Nein! Sie würde Marc nicht sagen, dass er in Berlin eine Tochter hatte ...

To be continued

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