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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 361 mal aufgerufen
 Erfindet eure eigene Fortsetzung!
Crunchy Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 403

23.10.2019 13:34
Story von Crunchy Zitat · Antworten

Doctor’s Diary – Männer sind die beste Medizin

Fanfiction written by Crunchy

Stay

"It was a dream! But … we won’t stop dreaming!"

[M]arc & [G]retchen



Vorwort

Liebe Leser!

Da ist Crunchy wieder und macht das DD-Fandom unsicher. Zwar nicht in alter Manier, sodass an einem Abend mal acht Kapitel über die Bühne gehen, aber … Sie gibt sich Mühe. Es ist einfach viel zu lange her, dass ich die Doktoren Meier und Haase durch den Fleischwolf gedreht und Euch den ein oder anderen Nerv gekostet habe.

Vor ein paar Tagen wollte ich meine erste Geschichte noch einmal lesen, weil ich immer sehr stolz darauf bin. Nun ja … Wenn man sich Rechtschreibung, Grammatik und Orthographie genauer anschaut, fragt man sich: Warum? Diese Frage ist durchaus berechtigt und ich möchte sie Euch beantworten … Weil diese Geschichte der Anfang einer wundervollen Freundschaft war. Dadurch, dass ich mich getraut habe etwas öffentlich zu machen, durfte ich den besten Menschen kennenlernen, der mir seit langem über den Weg gelaufen ist. Heute – vier Jahre später – ist diese verrückte Nudel, die jedes einzelne Kapitel gelesen und reviewt hat, nicht mehr wegzudenken. Gemeinsam schreiben wir an einer Geschichte, vielen One-Shots und dem ein oder anderen Feiertagsspezial. Es macht immer wieder Spaß! Und ich bin mir sicher, dass ich, wenn ich sie nicht kennengelernt hätte, das Schreiben irgendwann wieder an den Nagel gehangen hätte, weil ich niemanden hatte mit dem ich das teilen konnte.

Nun mache ich mich daran diese Geschichte (It was a dream) zu sanieren. Von Grund auf. Textlich wird sich ein bisschen was verändern, vielleicht sogar ein kleines bisschen der Plot und ganz bestimmt die chronologische Reihenfolge.

Wie immer:

Bei dieser Geschichte handelt es sich um eine frei erfundene Fortsetzung zur deutschen TV-Serie „Doctor’s Diary – Männer sind die beste Medizin“. Ich leihe mir die vorhandenen Charaktere der Serie nur aus. Die Rechte an den vorhandenen Charakteren u.ä. liegen bei Bora Dagtekin und RTL/ORF. Idee, Entwurf, frei erfundene Charaktere u.ä. sind und bleiben mein geistiges Eigentum.

Jetzt haben wir aber genug geschwätzt – oder? Wir steigen direkt nach dem Serienfinale ein und schauen mal, was Marc Meier und Gretchen Haase so anstellen. Sie sind halt einfach nicht Romeo und Julia, hm?!
Viel Spaß!

Copyright ©Crunchy

Alle Rechte vorbehalten

Für @Mellow, einen der wenigen Menschen, die mich emotional erreichen können und die ich dafür nur noch mehr liebe!




Kapitel Eins – Ouagadougou

Liebes Tagebuch,
die Eingewöhnung in Ouagadougou läuft, um es freundlich auszudrücken, mehr schlecht als recht. Niemand hat gesagt, dass es einfach werden würde … Meine Eltern haben ja auch versucht mir das auszureden und so naiv zu glauben, dass es einfach werden könnte, bin nicht einmal ich. Aber ich traue mich an die vage Behauptung, dass es für mich allein wesentlich einfacher wäre. Nur bin ich nicht allein, wie du ja bereits weißt. Heute wünschte ich mir die drei wären nicht mitgekommen! Zwei Tage sind nun vergangen seit wir in Paspanga, am Aéroport International de Ouagadougou-Burkina Faso, angekommen sind. Bereits unmittelbar nach unserer Ankunft beschlich mich ein unangenehmes Gefühl. Heimweh, wirst du jetzt denken. Weit gefehlt! Bei dem Anblick der sich uns bot, war ich mir fast sicher, dass Marc den nächsten Flieger zurück nach Hause nehmen würde. Auf uns wartete nämlich ein hochgewachsener, nur mit einer Leinenhose und Sandalen bekleideter, Afrikaner, der sich uns als Zwambe Woubayehu vorstellte. Dabei zeichnete sich auf seinem Gesicht ein 1000-Watt Lächeln ab, welches ansteckend hätte wirken können, wenn es nicht so verstörend gewesen wäre. Glaub’ mir; es gleicht einem Wunder, dass Marc bis jetzt noch immer nichts gesagt hat! Weder zu oder über Zwambe, der im Übrigen sehr nett ist. Klar … Man muss hin und wieder mal nachfragen, wenn man sich mit ihm unterhält, weil sein Deutsch wirklich schlecht ist. Aber wir alle wachsen mit unseren Aufgaben und ich bin mir sicher, dass er von uns ebensoviel lernen kann, wie wir von ihm. Er hat uns schon so viel gezeigt … Allerdings glaube ich kaum, dass außer Mehdi und mir noch jemand etwas davon mitbekommen hat. Denn – wer hätte es gedacht? - Gina und Marc haben nichts besseres zu tun, als sich in einer Tour anzufauchen. Schlimmer als Geschwister, sag’ ich dir! Und wenn er nicht gerade dabei ist Gina zu beleidigen, streitet er sich mit Mehdi. Wie kleine Jungs, die sich um ein Spielzeugauto kabbeln. In diesem Fall bin ich das Spielzeugauto – jedenfalls kommt es mir manchmal so vor!


Seufzend ließ sie ihren Kugelschreiber sinken und sah nachdenklich zu der kleinen Holzhütte, in der sie zurzeit wohnten. In einer guten Stunde würden sie aufbrechen. Vom SOS-Kinderdorf in Ouagadougou ging es auf direktem Wege nach Sierra Leone, wo Samira mit ihrer Tochter auf sie wartete. Zwambe hatte organisiert, dass das Ärztegespann bei der aufgeschlossenen Frau, die vor einigen Jahren ihren Mann verloren hatte, wohnen könnte solang sie dort aushalfen. Gretchen freute sich über den Tapetenwechsel und sie war sich sicher, dass es auch den anderen nicht schaden würde, wenn sie endlich aus der stickigen Hütte rauskommen würden. Zwar erwartete sie noch immer kein 5-Sterne Hotel, aber immerhin Feldbetten. Hier schliefen sie auf Heuballen, was besonders dem Chirurgen, für den es ein leichtes wäre nach Paspanga zu fahren und sich dort ein Hotelzimmer zu nehmen, aufregte, der eindeutig bessere Standards gewohnt war. Die Gemüter waren leicht verstimmt. Besonders in der eitlen Männerfraktion, war man mit der Gesamtsituation unzufrieden … Die andere Hälfte der Männer, die die emotional noch zu erreichen war, war - was die Lebensumstände anging – wesentlich härter im Nehmen. Wo der eine immerzu maulte, sich mit nichts zufrieden gab und seine schlechte Laune an anderen ausließ, lief der andere mit einem Lächeln durch die Gegend, welches die Frauen reihenweise dahinschmelzen ließ. Bei den Frauen wurde um die Wette gezickt. Die eine beschwerte sich in einer Tour über die Sonne, die Luft und die mangelnde, wenn nicht sogar vollkommen ausbleibende, Versorgung. Es nervte sie, dass sie schwitzte, weil ihre Brille ständig von der Nase rutschte und sie sie, damit sie vernünftig arbeiten und behandeln konnte, richten musste. Die andere führte einen regelrechten Kleinkrieg mit ihren Haaren. Aufgrund des ständig wechselnden Standortes und der sich immer verändernden Luftfeuchtigkeit, machten die langen Locken was sie wollten. Zudem kam, dass sie leicht unterzuckert war, was ihrem Nervenkostüm einige Löcher bescherte. Urlaub war definitiv anders!

Doch zumindest eine von ihnen, war auch gar nicht zum Urlaub machen dort. Gretchen Haase wollte helfen. Die medizinische Versorgung verbessern, kranke Kinder retten und über sich selbst hinauswachsen. Zwei von ihren Begleitern griffen ihr tatkräftig unter die Arme. Besonders Mehdis Anwesenheit war ein Segen! Viele der schwangeren Frauen oder solche die es werden wollten, suchten ihn auf. Zehn Kinder hatte er, in den zwei Tagen in denen sie vor Ort waren, bereits zur Welt gebracht – Tendenz steigend! Neben der Unterstützung, die sie der Ärztin ohne Grenzen auf Zeit zuteil werden ließen, schienen Gina Amsel und Mehdi Kaan Langeweile zu haben. Sie hatten sich ein Hobby gesucht, welchem sie mit Begeisterung nachgingen: Marc in den Wahnsinn treiben.

„Es geht dich nichts an Mehdi“, knurrte Marc. Seit einer halben Stunde wurde er von, einem etwas highwirkenden, Gynäkologen mit Fragen gelöchert, die er nicht bereit war zu beantworten. Wie gern würde er seinen besten Freund unangespitzt in den Borden rammen – und das nicht nur mit seinen Blicken! Wütend warf er sein dreckiges Hemd aufs Bett und zog ein neues aus seinem Rollkoffer.

„Ich will doch einfach nur wissen, ob es etwas gibt, was ich kenne und du noch nicht!“

Ruckartig schnellte Marcs Kopf hoch. „Dein Ernst?“, fragte er und zog die linke Augenbraue skeptisch hoch. Mehdi zuckte daraufhin nur unbeeindruckt mit den Schultern. Er kannte den Chirurgen zu lang um vor dem Ameisenblick, der sich deutlich anbahnte, Respekt zu haben. „Hör zu, Mehdi“, fuhr Marc fort, während er sich das frische Hemd zuknöpfte. „Ich kann nichts dafür, dass du in die Kategorie „beste Freundin“ gerutscht bist, und sie von mir nicht loskommt. Finde dich endlich damit ab!“

„Würde ich“, sagte Mehdi ehrlich. „Wenn ich davon ausgehen könnte, dass du es wirklich ernst meinst und das nicht nur Sex für dich ist. Aber wir beide kennen dich gut genug um zu wissen, dass es nicht lange dauern wird bis du sie enttäuscht. Und wer darf dann wieder den Tröster spielen? Wer ist für sie da, wenn du Scheiße baust? Ich!“

„Es zwingt dich niemand dazu, Mehdi. Die emotionale Schelle holst du dir freiwillig ab“, antwortete der Chirurg nüchtern. „Und da du daran eine perverse Freude zu haben scheinst: Ja, wir hatten Sex. Guten Sex! Mehr musst du nicht wissen. Obwohl … Ich werde auch noch sehr viel Sex haben!“

„Pff“, schnaubte der Strubbelkopf beleidigt auf. „Mit den Nutten in Berlin oder was?“

Lachend klopfte Marc seinem Freund auf die Schulter. „Ich war es nicht, der zehn Jahre mit einer Nutte verheiratet war. Gretchen und ich haben uns keine ewige Lie- … Äh! Treue geschworen.“

„Aha!“ Überrascht sah er den Chirurgen von der Seite an. „Weiß Gretchen davon oder stellst du sie wieder vor vollendete Tatsachen? Wenn sie nichts davon weiß, dann belass’ es doch einfach dabei, ja? Dann habe ich eventuell doch noch Chancen bei ihr.“

„Auf jeden Fall!“ Grinsend verschränkte Marc die Arme vor der Brust. „Du bekommst sie nur besoffen in die Kiste, Mehdi.“

„Sagt mal … Schämt ihr euch eigentlich nicht?“ Mit in den Händen in die Seiten gestemmt, funkelte Gina die Streithähne böse an. „Gretchen ist kein Stück Fleisch, welches auf dem Viehmarkt an den Meistbietenden verscherbelt wird.“

Marc rollte nur genervt mit den Augen und drückte sich an ihr vorbei.Die Frau hatte Nerven! Spielte sich als gute Samariterin auf, war jedoch tausendmal schlimmer als Mehdi und er es je hätten sein können. Er sah gar nicht ein, sich auf ihre Spielchen einzulassen. Dafür war in dem letzten halben Jahr zu viel passiert.

Mehdi hingegen sah die Blondine Schuldbewusst aus seinen braunen Rehaugen an. Dieses Weichei!, dachte Marc kopfschüttelnd.

„Weißt du Marc“, sagte Gina langsam. Sie schien sich ihre Worte genau zu überlegen. „Weil du so ein selbstverliebter Arsch bist wollte ich, dass sie Alexis heiratet.“

„Der wäre natürlich die bessere Alternative gewesen“, fauchte Marc ungehalten. „Der Betrüger Frank Muffel oder wie er letztendlich hieß, in dessen Arme sie du mit deiner dreisten Lüge getrieben hast.“

„Ich weiß wirklich nicht, wie oft ich mich noch dafür entschuldigen soll“, maulte sie. „Ja, es war falsch von mir und ich habe viel zu spät erkannt, dass da so viel mehr zwischen euch ist als man auf den ersten Blick sehen kann. Trotzdem wäre es besser für sie, wenn sie einen anderen Mann finden würde!“

„Pass auf was du sagst, Amsel!“ Die Augen des Chirurgen funkelten gefährlich auf.

Unbeeindruckt von seinem wütenden Gesicht und dem erhobenen Finger, fuhr Gina fort. „Als du beinahe gestorben wärst habe ich erst gemerkt, wie sehr sie dich liebt. Sie liebt dich von ganzem Herzen, Marc. Ich wollte und will sie doch nur beschützen. Keiner von uns möchte sehen, wie sie hier sitzt und sich die Augen ausheult, nur weil du es wieder nicht auf die Kette bekommst und sie enttäuscht. Denn das ist der große Unterschied zu Alexis: Von ihm wurde sie verletzt … Es tat nur kurz weh. Von dir würde sie maßlos enttäuscht werden.“

Der Chirurg hatte dafür nur noch ein verächtliches Schnauben übrig. Sollte sie doch machen und denken, was sie wollte! Ein letzter angefressener Blick zu Mehdi, und schon war Marc aus der Hütte hinausmarschiert. »Kommt drauf an, wie lange ich Ihre Tochter aushalte«, hatte er Franz zugerufen. Inzwischen war er sich aber nicht mehr so sicher, ob sein Urlaub von Gretchen oder von den Flachpfeifen, die sich ihre Freunde nannten, abhängig war. Es war doch immer dasselbe. Jeder, egal ob Freund oder Familienmitglied, musste sich in ihr Verhältnis zueinander einmischen. Sicher – es war von Anfang an kompliziert und keiner der beiden hatte dazu beigetragen, dass es nicht noch verworrener wurde. In den Augen aller Beteiligten, war jedoch er des Übels Wurzel und das ging ihm langsam gewaltig gegen den Strich. Frustriert setzte er sich in den Sand und sah sich um. Irgendwo im Nirgendwo, dachte er und kniff die Augen zusammen, weil die Sonne ihn blendete. Wie sehr vermisste er jetzt den schattigen Platz unterm Baum auf dem Krankenhausgelände?

„Was sitzt du denn hier so nachdenklich rum?“ Schräg hinter ihm ertönte die schönste Stimme im gesamten Universum. Sie konnte ihn beruhigen und gleichermaßen zur Weißglut treiben. Schmunzelnd drehte er den Kopf zu ihr rum. „Ich wurde mal wieder vertrieben“, antwortete er und beobachtete, wie die Blondine ihr Tagebuch in ihrer Handtasche verstaute, ehe sie sich zu ihm setzte und sich an seine Seite schmiegte. Ein unglaublich schönes Gefühl; wenn auch gewöhnungsbedürftig. Eine ganze Weile saßen die beiden schweigend da und sahen einigen Kindern beim Spielen zu. Es war wirklich bemerkenswert. Diese Kinder hier, hatten so wenig und gaben sich damit vollkommen zufrieden. Zuhause in Deutschland, wäre das undenkbar …

„Was hast du eigentlich den ganzen Vormittag getrieben?“, fragte Marc plötzlich. Stirnrunzelnd sah er auf den blonden Lockenkopf herunter. Wenn er genau darüber nachdachte, hatte er sie nur heute morgen kurz gesehen als sie sich mit Gina für den morgendlichen Rundgang durchs Dorf verabschiedete.

„Ich bin vor Gigi geflüchtet“, antwortete Gretchen leise. „Sie wollte mich mal wieder belehren und so lieb ich sie auch habe …“ Den von Marc genuschelten Einwurf „Warum auch immer!“ ignorierte sie. „Ich kann es langsam nicht mehr hören.“

„Womit wir schon zwei wären.“ Nachdenklich sah er in die Ferne. „Vielleicht war das doch keine so gute Idee ...“, hauchte er.

„Äh … Was – jetzt – genau?“, fragte Gretchen vorsichtig und löste sich aus der Umarmung, um ihn besser ansehen zu können.

„Das alles hier, Gretchen“, sagte er leise und verknotete seine Hände ineinander, denen er auf einmal besonders viel Interesse schenkte. „Fang’ jetzt nicht gleich wieder an zu heulen, ja? Aber … Schau’ dich doch mal um.“ Langsam drehte er den Kopf in ihre Richtung. „Kein Wasser, keine vernünftigen Behandlungsmöglichkeiten. Es wäre besser, wenn wir Mehdi und die Brillenschlange einfach hier lassen und zurück nach Berlin fliegen.“

„Das können wir doch nicht machen, Marc“, empörte die Blondine sich. „Mehdi ist Gynäkologe und Gina -“

„Ist Chirurgin“, unterbrach er sie scharf. „Von wegen Kinderärztin! Nebenbei bemerkt, werden hier eh mehr Kinder geboren als Blinddärme entfernt. Du wirst also keine Ausrede finden.“

Enttäuscht presste sie die Lippen aufeinander und sah wieder zu den Kindern, die noch immer mit ihren Steinen Murmelstoßen spielten. Zwei Tage! Zwei Tage und er warf das Handtuch. Sie hatte nicht erwartet, dass er es bis zum Ende durchzog, aber einen Monat hätte sie ihm schon gegeben. „Ich war nie eine Frau die Entscheidungen treffen konnte, aber die hier, zieh’ ich durch“, zitierte sie sich selbst ohne den Blick abzuwenden. So entging ihr der verwunderte Gesichtsausdruck ihres Freundes, der nun beeindruckt nickte. „Ich will das hier, Marc!“ Entschlossen sah sie ihn an. „Mit oder ohne dich … Wenn du zurück willst, dann geh. Nicht, dass ich nicht traurig wäre – aber ich würde dich nie zwingen bei mir zu bleiben, wenn du es eigentlich nicht willst. Weil es dann nicht echt wäre.“

„Gretchen, ich -“ Marc unterbrach sich, denn plötzlich viel ein gewaltiger Schatten auf die frischverliebten, und sah vorsichtig nach oben. Zwambe hatte sich direkt vor ihnen aufgestellt und blickte emotionslos nach unten. „Äh?“ - war der weniger intelligente Kommentar des Chirurgen.

„Wenn wir Sierra Leone, ick euck sage wie ihr Gluck“, brummte Zwambe mit dunkler Stimme. „Ihr alleine nix schaffe. Ick euck helfe!“

„Ähm … Wir kommen darauf zurück, ja?“ Eilig stand sie auf und klopfte sich den Sand vom Rock, bevor sie an Marcs Hemdärmel zupfte. „Komm’, wir müssen noch packen.“

„Also – ich würd’ das jetzt schon gern’ noch ausdiskutieren, Gretchen!“

„Komm’ schon. Das wird mir langsam unheimlich“, flüsterte sie ihrem Freund zu. „Wir können das auch noch später besprechen.“ Freundlich lächelte sie Zwambe an, während Marc es ihr gleichtat, leichtfüßig aufsprang und sich den Sand von der Kleidung klopfte. Zum Abschied hoben sie kurz die Hand und stampften schließlich, die „Ihr braucke Hilfe“-Rufe ignorierend, zurück zu ihrer Hütte, in der sich zwei Ärzte merkwürdig verhielten. Merkwürdiger als sonst!

Mehdi und Gina packten gemeinsam ihre Koffer, halfen sich gegenseitig und lachten die ganze Zeit über verliebt. Hier und da wurde eine zärtliche Berührung ausgetauscht und die Gesprächsthemen, waren widerlich zukunftsorientiert. Marc und Gretchen tauschten fragende Blicke untereinander aus, denn auch auf der Ladefläche des Jeeps, als sie nach Sierra Leone fuhren, wurde es nicht besser. Mittlerweile sprachen sie über Kinder. Ja oder nein? Wenn ja, wie viele. Mädchen oder Junge? Kindernamen! Marc wurde immer mulmiger zumute … Er hasste solche Unterhaltungen wie die Pest! Ganz besonders im Beisein seiner verträumten Freundin, die - wie sollte es auch anders sein? - grenzdebil lächelte und sich eine ihrer langen Haarsträhnen auf dem Finger aufrollte. Wenn das nicht langsam mal aufhörte, würde er von dem ganzen Kopfschütteln noch ein Schleudertrauma bekommen. Er konnte ja nicht ahnen, dass es pure Berechnung der beiden war … Gina beobachtete ihn genau und stellte mit Genugtuung fest, dass der Chirurg nervös wurde. Immer wieder sah er, leicht ängstlich, zu Gretchen und zappelte ungewohnt häufig mit dem rechten Bein.
Endlich in Sierra Leone angekommen, lachte sich Gina Amsel eins ins Fäustchen. Sie wussten, dass ihre Gastgeberin eine Tochter hatte … Dass Nuomi gerade einmal sieben Jahre alt war, hatte man ihnen jedoch nicht gesagt. Dementsprechend war es wenig verwunderlich, dass Marc ziemlich sparsam aus der Wäsche sah, als die kleine Maus ihm zur Begrüßung überschwänglich in die Arme sprang.

„Doktorgesicht lustig!“ Lachte sie und wies mit dem Zeigefinger auf Marcs verwirrtes Gesicht.

„Sie müssen meine Tochter entschuldigen“, sprach Samira ihn direkt an und trug mit ihrer klaren Aussprache nicht dazu bei, dass sich der Ausdruck in seinem Gesicht änderte. „Nuomi ist ein sehr aufgeschlossenes Kind, seitdem Fritz regelmäßig bei uns ist. Schade, dass er erkrankt ist.“ Kurz sah sie bedrückt zur Seite, was Gretchen ein Stirnrunzeln entlockte. Doch schnell strahle Samira wieder. Keine Spur mehr von Bedauern in den Augen. „Kommen Sie, ich zeige Ihnen Ihre Zimmer.“

Crunchy Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 403

05.11.2019 00:19
#2 RE: Story von Crunchy Zitat · Antworten

Kapitel Zwei – Malaria

Marc Meier hatte die Schnauze gestrichen voll! Jeden Tag dasselbe … Ohne jemandem über sein Vorhaben in Kenntnis zu setzen, schnappte der Chirurg sich in den frühen Morgenstunden den ahnungslosen Zwambe und bat ihn darum, ihn schnellstmöglich nach Paspanga zu bringen. Verwirrt folgte der Afrikaner seinem Schützling zum Wagen und betrachtete die Erscheinung des Arztes genau … Er hatte sich verändert! Anstelle der langen Anzughose und des hellblauen Hemdes trug er heute ein Achselshirt und dünne Bermuda Shorts, mit Seitentaschen. Die sonst perfekt nach hinten frisierten Haare lagen einfach locker auf … Mit der Sonnenbrille auf der Nase und den Flipflops an den Füßen könnte man meinen, der deutsche Arzt wäre auf Sonderurlaub in Sierra Leone. Am Anfang ihrer Bekanntschaft mochte das noch zutreffend gewesen sein, doch mit jedem Tag den der Chirurg länger in Afrika war, änderte sich sein Verhalten. So auch gegenüber der Arbeit, die seine Freundin verrichtete. Er beschwerte sich immer weniger über die Zustände und packte lieber mit an. Mit jedem noch so kleinen Wehwehchen konnten die Bewohner zu ihm kommen und wenn er einmal nicht weiterwusste, verwies er an seine Kollegen oder zog seine bessere Hälfte zurate. All das in beinahe perfekt gesprochenem Französisch. Selten brauchte Marc seine Hilfe. Weswegen Zwambe heute besonders erstaunt war … Was hatte er nur vor?

„Weißt du, wann ich das letzte Mal eine Dusche gesehen habe?“, fragte Marc seinen Fahrer aufgebracht. „Vor sechs Wochen, Zwambe“, fuhr er unbeirrt fort. „Dagegen wird jetzt sofort etwas unternommen. Ich stinke wie ein Iltis! Geb’ einfach Gummi und dann ab nach Hause.“

Es gab einfach Dinge, die änderten sich nie. Marcs Eitelkeit zum Beispiel … Oder die schmachtenden Blicke der Gretchen Haase, die vor einigen Minuten von lautem Fluchen auf dem Hof aufgeweckt wurde, und ihrem Freund, der sich seines Shirts entledigt hatte, bei der Arbeit zusah. Sie wusste nicht, was er da versuchte zusammenzubasteln, aber wenn es nach ihr ginge, bräuchte er nie wieder etwas anderes zu tun. Sein gebräunter Oberkörper zierte ein leichter Schweißfilm und es zeichneten sich bei jeder seiner Bewegung Muskeln ab, von denen Gretchen bisher nicht einmal wusste, dass sie da waren. Vielleicht sollte sie, wenn sie miteinander schliefen, doch mal genauer hinschauen … Oder sie taten es zur Abwechslung mal im Hellen? Erschrocken über sich selbst, riss die Chirurgin die Augen weit auf. Warum sieht er denn auch so gut aus? Für den Körper braucht der doch ’nen Waffenschein!, dachte sie frustriert und schmollte innerlich.

Sie wollte sich gerade abwenden, da griff Marc nach einer Wasserflasche, legte den Kopf tief in den Nacken und trank. Mit jedem Schluck, jedem Hüpfer seines ausgeprägten Adamsapfels, schwanden ihre Hirnaktivitäten. Als er sich schlussendlich noch etwas Wasser übers Gesicht kippte und das durchsichtige Nass an seiner Brust entlang rann, stöhnte sie leise, jedoch nicht leise genug, und genüsslich auf.

„Ich höre, dir gefällt was du siehst“, sagte Marc vergnügt und ließ seine Grübchen tanzen. „Nicht weiter verwunderlich … Oder?“ Grinsend stellte er die Flasche ab und schlenderte zu seinem Blondschopf.

„Du … Du wusstest, dass ich … Also … Dass ich hier stehe, oder?“, stotterte sie peinlich berührt, zwang sich ihm in die Augen zu sehen und ihre Hände bei sich zu behalten.

„Oh ja“, hauchte er ihr anzüglich ins Ohr. Schmunzelnd nahm er ihr leises Wimmern wahr, strich ihr zärtlich die Haare zurück und setzte leichte Küsse auf ihren Hals. Sofort presste sie ihren Körper an seinen und griff beherzt in seine Haare. „Komm’“, raunte er ihr zu, zog sie an der Hand neben sich her und presste sie, ehe sie auch nur den kleinsten Einwand erheben konnte, gegen einen Baum. Ihm war es herzlich egal, dass sie eigentlich eher auf die Kuschelnummer im Bett stand und sowas noch nie gemacht hatte. Irgendwann war schließlich immer das erste Mal und mit ihm sollte sie, nach Möglichkeit, noch viele erste Male erleben. „Behalt’ deine Hände bei dir und lass’ mich machen“, flüsterte er ihr zu, während er sich am Saum ihres Trägertops zu schaffen machte, um es ihr schnellstmöglich über den Kopf zu ziehen und ihre Haut an seiner zu spüren. Gerade als er es soweit hochgezogen hatte, dass es ihr Gesicht vollständig bedeckte und sie die Arme in freudiger Erwartung hob, zupfte Etwas an seiner Hose.

„Du Grete untersucht?“, fragte dieses Etwas neugierig.

„Oh mein Gott, Marc!“ Ja, so in etwa hatte er sich das vorgestellt. Weniger erschrocken und mehr lustvoll geschrien, aber der Wortlaut passte zu dem Film, der in seinem Hirn auf Dauerschleife lief. Mit fest aufeinander gepressten Lippen und mahlendem Kiefer ließ er die zappelnde Blondine los. Soviel zur Einöde!

„Was machst du Giftgnom denn schon hier, hm?“, fragte er Nuomi sanft. „Wolltest du nicht mit Taio und Inaya spielen gehen?“
Verliebt beobachtete Gretchen, wieder vollständig hergestellt und Gesellschaftsfähig bekleidet, wie Marc vor Nuomi in die Hocke ging um mit ihr auf Augenhöhe zu sprechen.

„Nix spielen. Taio viel warm“, antwortete das kleine Mädchen.

Hellhörig geworden kniete sich nun auch die Blondine vor ihre kleine Freundin. „Wie lange ist Taio denn schon warm, Nuomi? Weißt du das?“ Nachdem Nuomi mit dem Kopf geschüttelt hatte, rieb Gretchen sich die Hände und legte sie dem Mädchen auf die Stirn und unter ihrem Kleid auf den Rücken. „Mh, du hast kein Fieber. Das ist gut.“ Erleichtert atmete sie aus und sah zu ihrem Freund. „Was machen wir?“, fragte sie ihn.

„Wir machen gar nichts. Du gehst mit Nuomi rein und untersuchst Samira. Ich gehe mit Mehdi und Zwambe rüber in die Pension“, sagte er schnell. „Ich schaue mir Taio an. Mehdi soll sich die Schwangeren anschauen. So ein Mist!“

„Marc?“ Eindringlich sah sie zu ihm auf. „Wir haben keine Labordiagnostik um das ordentlich zu untersuchen. Wenn es Malaria ist können wir nur prophylaktisch, wahrscheinlich mit falscher Medikation, behandeln und müssen weitere Symptome abwarten.“

„Das weiß ich auch, Hasenzahn“, fauchte er. Verzweifelt fuhr er sich mit der Hand durch die Haare. Da er noch immer leicht verschwitzt war, standen sie ihm nun wirr ab. Doch das war ihm gerade völlig egal. Er musste den Jungen untersuchen und eine Malaria-Infektion ausschließen. Erst vor zwei Tagen, war ihnen ein älterer Herr unter den Händen weggestorben und er wollte unbedingt vermeiden, dass sich dies wiederholte. Womöglich noch an einem neunjährigen! Doch Gretchen hatte recht: Ihnen fehlten zurzeit die Möglichkeiten. Die bestellte Lieferung aus Berlin ließ noch eine Woche auf sich warten. Bis dahin könnte es bereits zu spät sein … „Geh mit Nuomi rein, Gretchen und schick mir Mehdi raus. Je schneller wir handeln, desto besser!“ Er zog die Chirurgin mit sich hoch, nahm ihren Kopf zwischen seine Hände und gab ihr einen kurzen Kuss. „Na los!“

Ohne auch nur einen weiteren Gedanken an die vergangenen Minuten zu verschwenden, setzte Gretchen sich eilig in Bewegung und stolperte beinahe über ihre eigenen Füße. Sie wollte gar nicht darüber nachdenken was passieren würde, wenn Taio wirklich an Malaria erkrankt wäre. Bei Marlec war es ganz schnell gegangen … Er war gerade einmal 61 Jahre alt geworden. Laut Marc hatte er sich mit der leichtesten der möglichen Arten von Malaria infiziert und trotzdem, war er innerhalb von wenigen Tagen gestorben. Gut … Er war schon älter und sein Immunsystem war durch sein Krebsleiden erheblich geschwächt. Doch auch die Kinder hatten kein ausgeprägtes Abwehrsystem. Nicht selten kam es vor, dass sie bereits kurz nach der Geburt an einer leichten Infektion starben. Dass Malaria nicht von Mensch zu Mensch, sondern nur übers Blut übertragbar war, war für die Chirurgin nur ein schwacher Trost. Viel zu oft verletzten sich die Einwohner … Bei der Arbeit, beim Kochen, beim Spielen. Immerzu hatten sie leichte bis mittelschwere Verletzungen zu versorgen.

„Mehdi!?“, rief Gretchen schon beim Öffnen der Tür. „Mehdi, Marc braucht dich!“


Erst in den späten Abendstunden kamen die Männer zurück. Sie sahen müde aus und waren verschwitzt. Und sie hatten schlechte Nachrichten im Gepäck! Es bestand keinerlei Zweifel daran, dass Taio an Malaria erkrankt war und der Chirurg hatte keine Ahnung, wie sie es schnellstmöglich behandeln konnten, damit er wieder fröhlich durchs Dorf rennen und den Erwachsenen die Nerven rauben konnte.

Erschöpft saß Marc auf dem Sofa. Neben sich Gretchen, die ihre Unterschenkel quer über seine Beine gelegt hatte und ihm beruhigend durch die Haare strich. Eine zärtliche Geste, die ihm die Anspannung nehmen sollte und vor der er noch vor einigen Wochen geflüchtet wäre. Heute ließ er es allerdings zu, legte den Kopf in den Nacken und schloss genüsslich seine Augen.

„Wir bekommen das schon irgendwie hin, hm?“, sagte die Blondine neben ihm aufmunternd.

Dieses hoffnungslos optimistische Weib würde ihn noch um den Verstand bringen. Da war er sich ganz sicher! Wenn nicht heute, dann eben morgen und wenn dann auch nicht … dann eben in einigen Jahren. Dabei sollte man eigentlich meinen, dass sie das schon lange geschafft hätte. Einen kleinen Rest an funktionierenden Hirnzellen hatte er jedoch behalten, weswegen er nun die Augen weit aufriss und sie entgeistert anstierte.

„Und wie? Wir haben keine Möglichkeit ihn zu isolieren und die Erreger hatte er schon länger in seinem Kreislauf“, maulte er sogleich drauf los. „Nuomi war beinahe täglich mit ihm zusammen und wir wissen nicht, ob da nicht eine Blutübertragung stattgefunden hat. Ganz abgesehen von den anderen Kindern, mit denen er jeden Tag spielt und deren Eltern.“

„Ja, Marc!“ Sie wusste welche Risiken bestanden und sie ihr vor die Nase zu halten, half ihr nicht dabei eine eloquente Lösung zu finden. „Trotzdem müssen wir die Nerven behalten und uns etwas überlegen. Was sollen wir Samira sagen?“, fragte sie mit erhobener Augenbraue. Sie wollte Nuomis Mutter nicht belügen, ihr die Wahrheit sagen jedoch auch nicht.

Pikiert wurde sie von ihrer besten Freundin angesehen. „Du kannst es ihr nicht nicht sagen“, sagte sie und schob sich ein Stück Mango in den Mund. Gina Amsel litt unter Schokolade- und Sexentzug. Mangos waren ihr einziger Trost. Nach einem langen Tag wie diesem, war sie nicht auszustehen und alle waren froh, wenn sie beleidigt den Rückzug antrat und ins Bett ging. Doch heute schien die Chirurgin ihren Freunden und irgendwie Anhängsel den Gefallen nicht tun zu wollen. „Wenn ihr Kinder hättet, würdet ihr auch wissen wollen, was Sache ist. Oder?“, fragte sie scheinheilig.

Als Marc erschrocken zu ihr rüber sah und sofort ein Stück von Gretchen wegrückte als wolle er die Flucht ergreifen, fiel es der Blondine wie Schuppen von den Augen. Gina machte das absichtlich! Ihr Gerede von der Zukunft, einer glücklichen Familie und Hochzeiten im Spätsommer …

„Denkst du nicht auch, dass dafür ein denkbar schlechter Zeitpunkt ist, Gigi“, fauchte Gretchen die Brillenträgerin gereizt an und verdeutlichte ihr somit, dass sie aufgeflogen war. Die würde sich auf was gefasst machen können! Es war schon ohne Einmischungen nicht einfach mit Marc, was an seiner Erfahrung liegen mochte – die eigenen, sowie die die er von seinen Eltern mitgenommen hatte.

„Wir müssen es ihr sagen“, flüsterte Mehdi. Den Blick auf den Tisch vor ihnen gerichtet, schüttelte er den Kopf. „Wenn sie es nicht weiß, wird sie es für schwachsinnig erachten Nuomi zuhause einzusperren.“

„Wer redet denn von einsperren, Mehdi?“, fuhr Marc dazwischen. „Man muss nur mehr auf sie Acht geben!“

„Und wie willst du das bei einer Siebenjährigen gewährleisten? Du kannst ihr nicht auf Schritt und Tritt folgen. Wir ebenso wenig wie Samira. Sie hat in der Pension genug Arbeit!“

„Mitnehmen können wir sie auch nicht“, stimme Gina zu. „Das wäre genauso gesundheitsgefährdend.“

Ratlos sahen sie sich an. Es musste eine Lösung her. Besser gestern als heute …


Vier Tage später standen sie jedoch noch immer vor einem Rätsel. Sie teilten die Schichten besser untereinander auf, sodass immer einer von ihnen in ihrem vorübergehenden zuhause auf Nuomi aufpassen und sie bespaßen konnte. Und trotzdem schaffte sie es immer wieder, ihnen zu entwischen und sie hatten keine Ahnung, wo sie sich aufhielt. Taios Eltern stritten vehement ab, dass sie bei ihnen war – doch das glaubte keiner von ihnen. Was ihnen zusätzlich auf den Magen schlug, denn die Medikamente, die inzwischen aus Berlin gekommen waren, schlugen nicht an. Die Labordiagnostik, die Gina durchführte um in Erfahrung zu bringen, gegen welchen Erreger sie behandeln mussten, zog sich ebenfalls in die Länge.

Zwischen all dem Stress glaubte Gina Amsel sich in Sicherheit wiegen und einem klärenden Gespräch mit ihrer besten Freundin aus dem Weg gehen zu können. Sie würde ihr nicht glaubhaft erklären können, warum sie so einen Zirkus veranstaltete. Doch da machte sie ihre Rechnung, wie so oft, ohne die blonde Naturgewalt, namens Margarethe Haase, die keinesfalls vergessen hatte, dass sie ihr auf den Zahn fühlen und herausfinden wollte, was zur Hölle ihr verdammtes Problem war!

Copyright ©Crunchy 11/2019
Alle Rechte, einschließlich der Vervielfältigung, Veröffentlichung, Bearbeitung und Übersetzung, bleiben vorbehalten, Crunchy

Crunchy Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 403

09.11.2019 00:07
#3 RE: Story von Crunchy Zitat · Antworten

Kapitel Drei – Schlangen, Doktorarbeit und Leidenschaft im Sand

Wie jeden Morgen, krähte der Hahn im Dorf und weckte Anwohner, und Gäste. Im Gegensatz zu sonst, bekam Gina nur mühsam die Augen auf. Die Nacht war zu kurz gewesen, als dass sie beschwingt aus dem Bett hüpfen könnte. Taio hatte plötzlich Blut gespuckt, was ihren Malariaverdacht nicht entkräftete und zusätzliche Anhaltspunkte, für weitere Erkrankungen gab. Gretchen hatte sich am Tag zuvor den Magen verdorben. Weil seine erste Assistenz mit Magenschmerzen im Bett lag, zog Marc Gina hinzu. Ehe sie sich versah, wurde sie mit ihrem schlimmsten Albtraum konfrontiert. Marc Meier war äußerst penibel, was seine Arbeit anging und duldete keine Fehler. Dass der Flüssigkeitsmangel an ihrer Konzentration zehrte, interessierte ihn nicht. Sie solle gefälligst darüber stehen und die Arschbacken zusammenkneifen. Seine Boshaftigkeit konnte nur einen Grund haben. Gretchen musste ihm von ihren Bedenken erzählt haben!

Stöhnend schwang sie die Füße aus dem Bett, setzte die Brille auf die Nase und streckte sich gähnend. Wenn sie gewusst hätte, was sie erwartete, wäre sie im Bett geblieben. Aber Gina hatte keine Ahnung! Wie jeden Morgen schlurfte sie in die Küche, wo ein ungewohntes Bild auf sie wartete. Ihre beste Freundin stand mitten im Raum! Mit einem breiten Lächeln im Gesicht, hielt sie ihr eine Tasse Kaffee hin. Als hätte sie nur darauf gewartet, dass sie kam.

„Guten Morgen, Gigi“, flötete sie ihr entgegen und bereits jetzt, hätte sie Lunte riechen können.

Gretchen Haase war immer die Letzte, die aus dem Bett kroch. Und Marc trug nicht gerade dazu bei etwas an diesem Umstand zu verändern. Die beiden waren meistens die letzten am Tisch. Den Grund dafür, wollte sie lieber nicht wissen! Davon abgesehen, war die Blondine ein Morgenmuffel.

„Morgen“, brummte die Chirurgin verschlafen. Ohne das geringste Anzeichen von Misstrauen, nahm sie die Tasse Kaffee entgegen, die ihre Freundin ihr anbot. „Danke. Warum bist du schon auf?“, setzte sie hinzu und sah sich suchend um. Wo Gretchen war, war Marc Meier nicht weit. Auf ihn konnte sie beim besten Willen verzichten! Besonders am frühen Morgen und erst recht, wenn »Hasenzahn« in der Nähe war.

„Ich hab’ gedacht wir beide machen uns mal einen entspannten Tag“, antwortete Gretchen gut gelaunt. „Mit Marc ist das abgesprochen. Er kümmert sich heute vorwiegend um unsere Fälle und Samira bleibt heute zuhause, bei Nuomi.“

„Und was macht Mehdi?“, wollte Gina wissen.

„Der ist heute wahrscheinlich den ganzen Tag in der Pension.“ Schulterzuckend goss sie sich ebenfalls etwas Kaffee ein. „Malous Mann kam vor einer Stunde angerannt. Bei den beiden scheint es loszugehen. Für unseren Geschmack zu früh! Und anstrengend für Malou. Steißgeburt oder Kaiserschnitt, bleibt abzuwarten.“

„Schmerzhaft“, kommentierte sie trocken. Weswegen Frauen so begeistert vom Kinderkriegen waren, war für sie schwer nachzuvollziehen. Monatelang watschelten die Frauen herum wie ein überreifes Fass. Vernachlässigten sie die Pflege, riss die Haut unangenehm auf. Der eigene Körper veränderte sich ständig und nachhaltig. Und am Ende der Quälerei, mussten sie höllische Schmerzen ertragen. Erstrebenswert fand sie das nicht!

„Mhm“, stimmte Gretchen ihr zu. „Marc ist direkt mit rüber gefahren. Er wollte unbedingt wissen, wie es Taio heute geht. Hat die halbe Nacht kein Auge zugetan.“

„Wie wir alle, Gretchen.“

„Ich befürchte, dass Marc gar nicht mehr geschlafen hat.“ Nachdenklich biss sie auf der Innenseite ihrer Wange herum. „Ihn nimmt das mehr mit, als ich dachte.“

„Es würde mir, an deiner Stelle, zu denken geben, wenn ihn das kalt lassen würde. Immerhin reden wir hier von einem Kind, Gretchen“, äußerte Gina unvermittelt ihre Gedanken. „Du weißt, wie er ist.“

Das verdächtige Zucken des linken Auges ihrer besten Freundin ignorierte sie. Ein fataler Fehler …

„Ach! Weiß ich das?“, fauchte die Blondine. „Ich hatte in den letzten Wochen das Gefühl, dass du mehr Ahnung davon hättest, wer und wie Marc ist.“

Nun horchte sie doch auf. „Wie kommst du darauf?“, fragte sie nervös und rückte ihre Brille zurecht. Sie würde jetzt lieber in Torso eines Unfallopfers herumwühlen, als Gretchen anzusehen. Dabei hätte sie eigentlich damit rechnen müssen. Obwohl sie sich schon lange kannten, ging sie der Blondine auf den Leim. Weil sie nie damit rechnete, dass Gretchen die Konfrontation suchte. Sie war eben schon immer ein sehr friedliebender Mensch und ging Streitigkeiten lieber aus dem Weg. Gretchen gehörte früher, bevor sie sich von Peter getrennt und zurück nach Berlin gezogen war, zu der Sorte Menschen, die eher in eine Jauchegrube sprangen, als anderen die Meinung zu sagen. Sie selbst hatte ihr Verhalten immer fasziniert beobachtet. Wenn sie kurz vorm Explodieren stand, blieb Gretchen ruhig und gelassen. Und meistens ging die Strategie auf. Die Leute ärgerten sich viel mehr, wenn sie nicht auf die Plumpen Provokationen eingingen. Also biss sie die Zähne zusammen und ignorierte die Idioten, die ihr das Leben schwer machen wollten. Warum musste Gretchen ausgerechnet jetzt mit ihrer Tradition brechen?

„Deine Kommentare zum Thema Familie, waren ein guter Anhaltspunkt“, antwortete Gretchen. Entweder hatte sie sich gut überlegt, was sie sagen wollte oder handelte rein nach Gefühl. Beide Optionen würden nicht zu ihrem Vorteil verlaufen, das wusste Gina bereits jetzt. „Lange habe ich mich gefragt, was du damit bezweckst. Erkannt habe ich es erst, als Taio krank wurde. Du versuchst Marc zu vergraulen“, urteile sie aufgebracht. „Und ich würde jetzt gerne wissen warum!“

„Das hat keinen besonderen Grund, Gretchen“, entgegnete sie so überzeugend, wie möglich. „Ich will Marc nicht vergraulen. Mich interessiert es nur, was andere darüber denken. Aber sei doch mal ehrlich. Was zeigen dir seine Reaktionen?“

„Du brauchst dir keine Mühe geben es aussehen zu lassen, als würdest du das nicht mit Absicht machen, Gigi“, warnte Gretchen sie leise. „Immer wenn Marc und ich nicht in deiner Nähe sind, steckt du den Kopf mit Mehdi zusammen. Kaum sitzen wir ruhig zusammen, fängst du an über Zukunftsplanungen zu reden. Ja, Marcs Reaktionen sind eindeutig. Es ist mit jedoch egal, wie er heute reagiert. Für ihn ist das ebenso neu, wie für mich.“

„Ach komm!“ Frustriert schüttelte sie den Kopf. „Der Kerl würde am liebsten den nächsten Flieger nach Deutschland nehmen. Wann siehst du endlich ein, dass diese Beziehung ins Nichts führen wird und dir alles andere als guttut?“

„Das hast du nicht zu entscheiden, Gina. Es mag sein, dass ihn das überfordert. Es kann sogar passieren, dass er irgendwann die Flucht ergreift“, lenkte Gretchen ein. „Aber ich will mir nicht vorwerfen müssen, dass wir es nicht versucht hätten.“

„Du vergisst dabei allerdings, dass nur du diejenige bist, die bei diesem Versuch etwas zu verlieren hat. Glaubst du auch nur eine Sekunde daran, dass er dich vermissen würde?“, fragte sie. Da sie keine Antwort erwartete, fuhr sie unbeirrt fort. „Nein, Gretchen. Er würde sein altes Leben weiterleben, als wäre nie etwas gewesen.“

Dessen war sie sich sicher! Sie glaubte nicht daran, dass Marc sich geändert hatte. Ihrer Auffassung nach, war Gretchen ein Forschungsprojekt. Nicht mehr und nicht weniger. Je eher ihre Freundin das erkannte, desto besser. Für alle Beteiligten. Doch, wie so oft, stieß sie auf taube Ohren.

„Ich möchte, dass du damit aufhörst. Misch dich nicht in Angelegenheiten ein, von denen du nur die Hälfte verstehst.“

„Gretchen, du wirst deine Phantasie von der idyllischen Vorstadtromantik nicht bekommen. Nicht mit Marc Meier“, gab sie zu bedenken. Sie wollte das Thema nicht unter den Tisch fallen lassen. Hier bot sich gerade eine hervorragende Möglichkeit ihrer Freundin die rosarote Brille von der Nase zu nehmen. Es wäre dumm jetzt nachzugeben. „Ich will dich doch nur vor einer Enttäuschung bewahren.“

„Das kannst du ganz beruhigt meine Sorge sein lassen, Gina!“, versicherte Gretchen ihr. Sie war alt genug um auf sich selbst aufzupassen. Dafür, dass sie noch ganz am Anfang standen, lief es erstaunlich gut zwischen ihnen.

Körperliche Nähe ließ Marc ohne Vorbehalt zu und langsam, aber stetig, schien er sich auch auf emotionaler Ebene öffnen zu können. Dass sie dabei allein sein mussten, störte sie absolut nicht. Sie war einfach nur froh ihm näher kommen zu können. Ginas Aussagen trugen jedoch nicht dazu bei, dass es noch besser werden konnte. Sie warfen Marc eher mehrere Meter in seinem Verhalten zurück. Sofort flickte er die bereits eingerissene Mauer und zog sich dahinter zurück. Er brachte unbewusst Abstand zwischen ihn und Gretchen, was der Chirurgin allerdings nicht entging. Sie spürte seine geistige, manchmal auch körperliche Abwesenheit nur allzu deutlich.

„Wenn du meinst“, sagte Gina gleichgültig. Sie würde sich nicht den Mund verbieten lassen! „Beschwer’ dich nachher aber nicht bei mir, wenn du deine Traumhochzeit nicht bekommst. Und die wirst du nicht bekommen“, fügte sie leicht gehässig an.

„Wer sagt denn, dass ich das nach Alexis oder Frank, überhaupt noch will?“

„Ich bitte dich, Gretchen. Wir alle wissen, dass du genau das willst. Deine kleine Märchenhochzeit mit Marc Meier, die du bereits in der fünften Klasse haarklein durchgeplant hattest“, höhnte sie. Die Kleinmädchen-Fantasien ihrer Freundin waren ihr schon immer ein Dorn im Auge gewesen. Natürlich würde sie sich auch über einen Partner freuen. Aber sie würde dabei niemals die Realität aus den Augen verlieren und Realitätsverlust, war das einzige, worüber man hier reden konnte!

„Lass es einfach sein, Gina! Ich will keine Provokationen mehr hören.“, forderte Gretchen. „Und jetzt gehe ich rüber und helfe Marc, wenn du nichts dagegen hast.“

„Wenn ich nichts dagegen habe?“ Bitter lachte Gina auf. „Ich habe nicht um eine derartige Unterhaltung gebeten, Gretchen.“

„Es wäre auch ein Wunder gewesen, wenn du von selbst auf dein Fehlverhalten zusprechen gekommen wärst.“

Die Enttäuschung in ihrer Stimme war nicht zu überhören und der verletzte Blick, ging Gina durch Mark und Bein. Sie wollte nicht, dass Gretchen sauer auf sie war oder gar enttäuscht. Sie wollte, dass ihre Freundin nachdachte. Nach Möglichkeit bevor sie nach Berlin flogen, um der Hochzeit von Sabine Vögler beizuwohnen. Spätestens bei den Feierlichkeiten, würde Marc ein Licht aufgehen und Gretchen würde, wie sie es immer tat, mit ihm in Deutschland bleiben und ihren Träumen hinterher rennen. Auf der Strecke blieb dabei nur sie selbst und Gina nahm sich fest vor, das zu verhindern!

Doch bereits am Abend bemerkte sie, wie schlecht ihre Chancen standen.


Marc hatte in den letzten Tag jede freie Sekunde damit verbracht, sein Bauvorhaben in die Tat umzusetzen und nun verfügten sie über eine provisorisch zusammengezimmerte Dusche unter freiem Himmel. Im Haus von Samira gab es nur ein altes Becken und etwas, was einer Badewanne ähnelte, jedoch kein Wasser bei sich behalten konnte.

Selbstverständlich war es der Bauherr höchstselbst, der sein Werk testete. Nur mit einer engen schwarzen Boxershorts bekleidet, stand er unter dem Sieb, welches den Duschkopf ersetzte und goss über eine Schnur immer wieder frisches, wenn auch kaltes, Wasser nach. Zwar war das hier noch immer nicht das Gelbe vom Ei, jedoch um Welten besser, als sich notdürftig mit einer Flasche Wasser abzuwaschen und sich danach noch immer dreckig zu fühlen. Er hätte das hier so gern genossen. Sich ausgiebig gewaschen, was allerdings nicht möglich war, denn die Wasservorräte waren begrenzt. Aber vor allem wollte er es in Ruhe genießen.

Wie immer machte man ihm einen Strich durch die Rechnung. Was hatte er erwartet?, fragte er sich in Gedanken. Sie war schon immer eine sehr redselige Person gewesen.

„Marc? Können wir reden?“, fragte sie vorsichtig und lugte um die Ecke. Was sie zu sehen bekam, ließ ihr schon wieder das Wasser im Mund zusammenlaufen. Ihre Begegnungen beschrieb sie ihrem Tagebuch als dreifacher N-Moment; nah, nass, nackt. In diesem Fall halbnackt, aber nah dran. Wirklich viel bedecken tat der dünne Stoff nicht. Sie konnte klar definiert die Gesäßmuskulatur sehen und wenn er sich umdrehte, würde ihr Blick ungewollt in Zonen rutschen, die in der Öffentlichkeit lieber verdeckt blieben.

Er hielt die Augen geschlossen und brummte nur ein kurzes „Hmm“, in der Hoffnung, dass diese Unterhaltung nicht lange andauern oder viel geistige Konzentration forderte. Entspannung, war heute sein Motto! Die kurze Nacht und der darauffolgende lange Tag, hatten ihren Tribut gefordert. Heute wäre ihm sogar nach einer schönen Runde Loveboat, ganz nach Gretchens Geschmack. Von dem Gedanken schien seine Freundin meilenweit entfernt.

„Ich würde gern mit dir zusammen meine Facharbeit schreiben“, sagte sie mit Bedacht. Sie verstand seine Körperhaltung und wusste instinktiv, dass sie nur ein falsches Wort sagen musste und mit dem Ameisengesicht in die ewigen Jagdgründe geschickt wurde.

Sofort unterbrach er seine erste irgendwie Dusche und sah sie verwundert an. War das ihr Ernst? Oder wollte sie ihn nur beeindrucken? Vielleicht hatte er sich auch verhört. „Bitte?“, fragte er zur Vorsicht nach.

„Ich habe gesagt, dass ich gern mit dir zusammen meine Facharbeit schreiben würde, Marc“, wiederholte sie jetzt etwas lauter und selbstsicherer. „Wenn wir zurückfliegen, möchte ich endlich meinen Facharzt machen.“

„Warum so plötzlich?“, wollte Marc wissen und drückte sich einen Klecks Duschgel auf die Handinnenfläche, welchen er sofort auf seinem Körper verrieb. „Drückst dich davor doch schon seit einigen Jahren“, schob er nach.

„Ich weiß“, nuschelte sie beschämt. „In den letzten Monaten in Berlin habe ich mich voll auf dich und mich fokussiert, dabei hätte mein Augenmerk mehr auf meiner, deiner Meinung nach, nicht vorhandenen Karriere liegen sollen. Aber jetzt wo ich hier bin und den Menschen helfen kann und die vielen Frauen sehe, die so hart arbeiten ...“

Wild gestikulierend suchte sie nach den richtigen Worten. Sie wollte nichts Dummes sagen, sodass er sie auslachen würde. Der Gedanke, der in ihrem Kopf umherschwirrte, ließ sich schwer anders formulieren.

„Ich will unabhängig sein, Marc. Unabhängig von meinen Eltern, von dir oder Männern im Allgemeinen. Ich will auf eigenen Beinen stehen. Meinen Lebensunterhalt selbst verdienen und mit Stolz sagen können, dass ich etwas erreicht habe, in meinem Leben“, platze aus ihr heraus, ohne, dass sie Luft holte. Erschrocken über ihren emotionalen Ausbruch, sah Marc sie an und wie immer, deutete sie ihren Blick falsch. „Schau’ mich doch nicht so an. Ja, wir führen sowas ähnliches wie eine Beziehung. Trotzdem will ich mich nicht ins gemachte Nest setzen!“, erklärte sie ihm.

„Da ist auch nichts gegen einzuwenden. Ich begrüße das sogar, Gretchen“, versicherte er ihr. „Der Gefühlsausbruch kam nur unerwartet. Außerdem drückst du dich, seit ich dich kenne, vor solchen Mammutaufgaben.“ Er grinste sie breit an und automatisch wusste Gretchen, dass er an ihre Doktorarbeit dachte. Die hatte sie auch soweit vor sich her geschoben, bis ihr Vater den Brief von der Ärztekammer bekommen hatte und sie gezwungen war, sich darum zu kümmern. Diesmal sollte es anders werden!

„Genau das ist doch der Punkt. Ich drücke mich vor den wirklich wichtigen Dingen im Leben und ich denke, dass es mal langsam an der Zeit ist, etwas daran zu ändern“, antwortete sie. „Ich darf mich einfach nur nicht mehr von dir ablenken lassen. Mir widerstrebt es mein Leben lang, sollte das mit uns überhaupt funktionieren, die Assistenz hinter dem großartigen Marc Meier zu sein.“

„Ja, äh – was soll ich dazu jetzt sagen?“, fragte er konfus. Sie war nie die Assistenz hinter ihm, sondern immer die Assistenz neben ihm gewesen. Aber er würde einen Teufel tun und ihr das jetzt auf die Nase binden. Weswegen er unbedacht drauf los plapperte, was dem rosaroten Hirnzentrum seiner Freundin wohl alles andere als gut bekommen würde. „Auch wenn ich davon überzeugt bin, dass das mit uns tatsächlich klappen kann, denke ich, dass du recht hast. Vorausschauendes Denken ist nie verkehrt“, meinte er überzeugt.

Inzwischen hatte er sich den Schaum vom Körper gespült und ging nun langsam auf die Blondine zu. Lächelnd nahm er ihr Gesicht in seine Hände. „Musst dich ja nicht mehr auf andere Dinge fokussieren. Wobei ich dir raten würde, dich in gewissen Momenten nur auf mich zu fokussieren.“ Kaum hatte er dies ausgesprochen, presste er seine Lippen auf ihre. Erst als sie erschrocken die Augen aufriss und ihm fest gegen den Arm schlug, deutete sie seine Worte richtig. Obwohl er versuchte es zurückzuhalten, gluckste er belustigt auf und lachte leicht in den Kuss hinein.

„Könnt ihr auch mal die Finger voneinander lassen?“, unterbrach Mehdi mit gereizter Stimme den Augenblick. „Unfassbar, wirklich. Egal wann man euch sieht, hängt ihr mit den Lippen aneinander, wie Siamesische Zwillinge“, beschwerte er sich.

Für ihn war es schwer zu akzeptieren, dass Gretchen lieber Marc wollte, als ihn. Immerhin war er immer für sie da gewesen. Er hatte ihr zugehört, ihr beigestanden und sie immer wie eine ehrbare Frau behandelt. Nicht, dass er sich so gar nicht für die beiden freuen würde. Das tat er wirklich! Wann auch immer Marc ihn dabei erwischte, wie er Gretchen verträumt ansah, versicherte der Gynäkologe das seinem besten Freund. Sehen wie glücklich und frisch verliebt die beiden waren, musste er trotzdem nicht.

Widerwillig ließ Marc von Gretchen Lippen ab, stellte sich hinter sie und umschlang ihre Taille mit seinen Armen. Den Kopf legte er auf ihrer Schulter ab und betrachtete sie von der Seite. „Darf ich dir vorstellen, Mehdi? Frau Doktor Margarethe Hasse, Chirurgin“, sagte er stolz.

Diese Aussage verwirrte nicht nur Mehdi, sondern auch Gretchen, die ihn perplex ansah.

„Assistenzärztin der Chirurgie, Marc“, verbesserte sie ihn. Warum er sie Mehdi vorstellte, verstand sie zwar nicht, aber sie hatte gelernt, dass man kleinen Jungs ihren Spaß lassen sollte.

„Noch“, entgegnete er. „Wenn wir zwei mit deiner Facharbeit fertig sind, bist du endlich Chirurgin. Und eine verdammt gute, noch dazu. Du hast jetzt schon alles was du brauchst, Hasenzahn!“

Doktor Kaan traute seinen Ohren kaum. Hatte Marc Meier seiner Freundin gerade ein Kompliment gemacht? Verdattert sah er die beiden an. Ein Kompliment aus Marcs Mund, welches auch rückwirkend galt, war einen Eintrag im Kalender wert!

Ähnliches schien auch Gretchen zu denken, die sich ohne Vorwarnung in seinem Arm umdrehte, ihre Arme um seinen Nacken schlang und ihn stürmisch küsste. Völlig von den Socken gerissen, hatte Marc kurz Probleme damit, ihrem Handeln zu folgen. Doch es dauerte nicht lange, bis er sich gefangen hatte und Mehdi mit einer kurzen Handbewegung deutete, sie allein zu lassen. Dem kam der Gynäkologe nur zu gern nach. Erst als Mehdi außer Sicht war, erwiderte Marc ihren Kuss. Es dauerte nicht lange, bis sich daraus eine, nicht ganz jugendfreie, Knutsch-Fummelei entwickelte und sie zusammen im warmen Sand landeten.

„Marc, lass uns reingehen“, keuchte Gretchen außer Atem, als er ihre Lippen kurz freigab um ihr das lästige Top über den Kopf zu ziehen. „Du hast dich gerade erst gewaschen.“

„Macht nichts“, erwiderte er. „Kannst mich nachher gerne noch einmal waschen. Vielleicht ist das Ding ja doch stabiler, als es aussieht.“ Grinsend ließ er seine Augenbrauen tanzen und stellte damit eine weitere lange Nacht in Aussicht, wenn auch aus deutlich erfreulicheren Gründen!


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