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Dieses Thema hat 8 Antworten
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 Erfindet eure eigene Fortsetzung!
Choconussa Offline

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Beiträge: 330

22.05.2017 02:35
Story von Choconussa Zitat · antworten





| It was a dream, but - we won't stop dreaming |






Ein paar kleine Worte. Dies hier, ist sicherlich kein Meisterwerk und trotzdem, bin ich noch heute, verdammt stolz, auf diese Geschichte. Nicht nur, weil ich endlich ein Hobby gefunden habe, welches mich fesselt, sondern auch, weil ich durch diese Geschichte, einen der wichtigsten Menschen in meinem Leben kennen lernen durfte. Diese Geschichte, war der Anfang einer wundervollen Freundschaft, weswegen ich beschlossen habe, hier ein bisschen daran zu arbeiten. Eine kleine Überarbeitung, schadet dem Ganzen sicher nicht. Keine Sorge, bei "Alte Liebe - neues Glück", wird es hoffentlich ganz bald weiter gehen - da habe ich schon wieder ein bisschen was schreiben können. Hier könnt ihr mir gern ein paar Worte hinterlassen.





|Einleitung|

Ein Jahr und drei Monate, war es nun her – der Afrika-Plan. Gretchen hatte damals beschlossen, Marc den Rücken zu kehren und ihm seinen Wunsch, ihn in Ruhe zu lassen, zu erfüllen. Sie war fest entschlossen gewesen, doch konnte sie nicht ahnen, dass Sabine dem charmanten Oberarzt, mal wieder nicht standhalten konnte und ihm den Brief, den Gretchen für ihn hinterlassen hatte, noch am Vorabend ihrer Abreise geben würde.

Beim Lesen des Briefes, fasste Marc den Entschluss, zu ihr zu fahren und sie von ihrem Vorhaben abzuhalten. Sie konnte nicht einfach so fahren.

Als er vor der Tür der Haase Villa stand, war Bärbel ganz aus dem Häuschen gewesen – aber Gretchen hätte ihn eigentlich gar nicht mehr sehen wollen, bevor sie flog. Doch als er ihr sagte, warum er bei ihr war, konnte sie ihr Glück kaum fassen. Schnell schnappte sie sich ihre Zahnbürste und schon waren die beiden verschwunden.

Sie verbrachten eine unglaublich schöne Nacht miteinander, eine, die sie wohl nie mehr vergessen würden.






Kapitel Eins - Gefühlschaos!






Nun war sie schon seit drei Monaten wieder zurück in Berlin. Dankend, hatte sie ihre Stelle als Assistenzärztin wieder angenommen und war so schlecht gelaunt, wie noch nie. Seit über einem Jahr schrieb sie nun schon an ihrer Facharbeit, die in ein paar Tagen, abgegeben werden sollte. Eigentlich, war sie damit schon seit einer Woche fertig. Doch mit dem was sie geschrieben hatte, war sie noch nicht ganz zufrieden und je näher der Tag der Abgabe rückte, desto nervöser wurde sie. Leider, sah man ihr ihre schlechte Laune nicht nur an – denn, jeder der ihr in die Nähe kam, wurde angeschnauzt.

Mit finsterer Miene schrie sie ins Schwesternzimmer, „SABINE! Ich hätte gern einen Kaffee!“, ehe sie ihre rosa Handtasche, die sie nun seit einigen Jahren begleitete, in ihren Spind pfefferte.

Schwester Sabine, die treue Seele des Elisabeth Krankenhauses, zuckte kurz zusammen, stand aber sofort auf, um der Bitte der Frau Doktor nachzukommen. Auch wenn Frau Doktor Haase in der letzten Zeit, immer etwas forsch war, verstand die Krankenschwester, dass Gretchen sichtlich neben der Spur war.

Er hingegen, konnte nur mit dem Kopf schütteln. Viel zu verständnisvoll war diese Frau. Auch ihm gegenüber und das nun schon seit vielen Jahren.

„Sag mal Hasenzahn… Muss du am frühen Morgen so rumbrüllen?“, fragte er lächelnd, als er sich an den Türrahmen anlehnte und die Arme vor seiner Brust verschränkte. Doch anstatt eine Antwort von ihr zu bekommen, erntete er nur einen verächtlichen Blick, ehe sie sich, mit ihrem Kaffee in der Hand, auf zur Visite machte. Irgendwer musste hier ja arbeiten, wenn der Herr Oberarzt meinte, er müsse mal wieder Smalltalk halten.

„Meier? Wo ist meine Tochter und warum zur Hölle, stehst du hier rum, wie ein Sack nasse Wäsche?“, fragte Franz Haase verwundert, als er Marc kopfschüttelnd im Türrahmen stehen sah.

Gespielt erleichtert drehte Marc sich zu seinem Chef und Schwiegervater in Spe um, „Herr Professor! Wie schön sie zu sehen“, schleimte er gewohnt herum, doch wurde er schnell ein wenig forscher, „Sagen Sie mal, hatte Gretchen heute Morgen schon mal einen Anflug von guter Laune? Oder geht das hier jetzt so weiter, bis die Sache mit der Facharbeit endlich mal vom Tisch ist?“

„Du weiß doch wie das ist, wenn…“, wollte Franz gerade zu einer Erklärung ansetzten, doch eine etwas angehobene und sehr angespannte Frauenstimme, die sonst mit Engelszungen sprach, schnitt ihm das Wort ab, „Ja Papa, Marc weiß wie das ist! Der Herr könnte allerdings seinen Arsch endlich mal zur Visite bewegen“, mit jedem einzelnen Wort, war sie lauter geworden und sauer sah sie zu Marc auf, der absolut überrumpelt war, von ihrem Auftritt, „Wäre jedenfalls sehr nett, Doktor Meier! Ich bin Assistenzärztin und nicht die Stationsleitung. Ich würde mich ungern in deine Aufgabenbereiche schummeln, wir beide wissen ja, wie ungern du teilst.“

Tief atmete er durch die Nase ein und schloss seine Augen. Tag ein, Tag aus, ob bei ihm, in der Öffentlichkeit, oder hier im Krankenhaus. Sie wurde immer unangebracht laut und zumeist sogar ohne Grund. So wie jetzt gerade. Was bildete sie sich eigentlich ein? Er war hier Oberarzt und rief zur Visite auf und nicht sie. Langsam hatte er von ihrem ewigen rum Gekeife die Nase voll. Also entschloss er sich, seinen Geduldsfaden endlich mal reißen zu lassen und ihr gegenüber, auch wenn ihr Vater ihn sicherlich irgendwann dafür erdolchen würde, mal wieder etwas lauter zu werden, „Och Gretchen, echt jetzt mal. Hör auf dich hier so aufzuspielen. Ich entscheide wann wir mit der Visite anfangen und zweitens, versteh ich dein verdammtes Problem nicht! Du schreibst an deiner Facharbeit nun über ein Jahr und ich habe sie mittlerweile so oft gelesen, dass ich einen Vortag darüber halten könnte. Wie oft habe ich dir gesagt, dass ich die Arbeit perfekt finde und ich nicht denke, dass du das vermasseln könntest? Und trotzdem machst du seit zwei Wochen nichts Anderes mehr, als sie immer und immer wieder zu lesen. Du überarbeitest sie jeden Tag und jeden Abend, wird sie mir wortlos vor die Nase geknallt!“

Doch seine Freundin hatte nur ein verächtliches Schnauben für ihn übrig, „Marc, deine Meinung ist mir heute Morgen, sowas von egal!“

Böse funkelten sie sich an und Marc musste zu seinem Bedauern feststellen, dass es das erste Mal seit drei Tagen war, dass sie sich mal wieder richtig in die Augen sahen und sich so nahe waren. Augenblicklich, wurde sein Blick ein wenig weicher, doch wollte und konnte er nicht schon wieder klein beigeben. Jeden noch so kleinen Streit, hatte Gretchen gewonnen – diesmal nicht! Er war es wirklich leid.

„Herrje, der Morgen hat gerade erst begonnen. Was hat der Doktor Meier denn so früh schon verbrochen, dass sie hier so rumkeifen, Frau Haase?“, schob sich Frau Doktor Hassmann ins Schwesternzimmer und machte sich prompt am Tisch breit, um ihr Frühstück zu genießen. Gretchen hingegen, wand sich tief einatmend von Marc ab, damit sie nicht auf der Stelle explodierte, „Frau DOKTOR Haase, Frau Doktor Hassmann. Eigentlich weiß ich ja, dass sie nicht einmal ihrem eigenen Spiegelbild Respekt entgegenbringen können, allerdings sollte man sich in manchen Situationen einfach mal darüber im Klaren sein, dass eine gesunde Portion davon, nicht verkehrt ist. Es ist nicht sonderlich höflich, sich in Gespräche anderer einzumischen!“

„Jetzt reg dich mal wieder ab, Hasenzahn. Wir sind hier nicht in meinem Büro, also kann sich jeder in unser ‚Gespräch‘, wenn du es so nennen willst, einmischen und zweitens, spreche ich dich auch nur vor den Patienten mit deinem Doktortitel an.“

Wütend funkelte sie ihren Gesrpächspartner an, „Du solltest es dich auch nicht wagen, mich auch nur ein einziges Mal, Hasenzahn, vor den Patienten zu nennen!“, funkelte sie Marc böse an und fuhr etwas freundlicher fort, „Ich gehe jetzt zur Visite. Kommst du jetzt mit, oder willst du hier weiter in der Hauptzentrale der InTouch bleiben?“

Nun war es Franz leid. Marc Meier stand hier, wie ein Häufchen Elend, griff seiner Tochter mehr als nötig unter die Arme und wurde bei jeder Gelegenheit, angefahren. Eigentlich wollte der Professor sich wirkich heraushalten, immerhin waren die beiden alt genug. Doch, leise beschlich ihn das Gefühl, dass die beiden vielleicht doch mehr Probleme zu haben schienen, als sie sich selbst eingestehen wollten.

Die ersten Wochen, nachdem die beiden aus Afrika wiederkamen, waren sie unzertrennlich gewesen. Er musste öfter mal auf der Station nachsehen, ob denn auch alles in Ordnung war. So ruhig und harmonisch war es zwischen den beiden gewesen. Sie arbeiteten geflissentlich weiter. Nur manchmal, konnte man sie schmusend und knutschend, im Schwesternzimmer antreffen. Sie waren glücklich gewesen. Die Beschwerdebriefe, über den unsagbar unfreundlichen Chirurgen ließen nach und die Kollegen, freuten sich, über das angenehme Arbeitsklima. Doch die letzten Wochen, war es vorbei, mit der Harmonie. Immer öfter, war Gretchen bei ihnen und schlief in ihrem Kinderzimmer und wenn sie bei Marc war, kamen die beiden am nächsten Morgen, stillschweigend, zur Arbeit. Niemand, nicht einmal Bärbel, oder Doktor Kaan wusste, was in den vier Wänden von Doktor Marc Meier und Doktor Gretchen Haase, vor sich ging. Wenn man jedoch genau hinhörte und hinsah, konnte man es sich schon irgendwie denken. Sie verbrachten immer weniger Zeit miteinander. Gretchen, schien nur noch an ihrer Facharbeit zu sitzen und Marc hatte, als leitender Oberarzt der Chirurgie, einen straffen Arbeits- und Zeitplan. Er musste sich um die Akten, die OP-Planung, den Schichtenplan und die Versicherungsfälle kümmern. Da war es doch nur mehr als verständlich, dass er, wenn er nach Hause kam, einen entspannten und ruhigen Abend verbringen wollte. Beim Professor selbst, war dies nicht anders. Er war froh, dass Bärbel, wenn er nach Hause kam, immer auf ihn wartete. Gretchen wartete sicherlich auch jeden Abend auf ihren Göttergatten. Allerdings wohl eher am Laptop sitzend, über ihre Facharbeit gebeugt. Halbherzig, ging sie auf Marcs Annäherungsversuche ein, seit einigen Tagen, scheinbar gar nicht mehr. Das bemerkte man an den sehnsüchtigen Blicken, die der sonst so taffe Marc, seiner Liebsten zuwarf. Und Marcs Abende waren wohl spätestens dann gelaufen, wenn Gretchen ihm die ausgedruckte Facharbeit, wortlos auf den Tisch knallte, im Bad verschwand und die Laune des Oberarztes, den Siedepunkt erreichte.




TO BE CONTINUED



Choconussa Offline

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22.05.2017 03:57
#2 RE: Story von Choconussa Zitat · antworten





Kapitel Zwei - Wer hat hier eigentlich die Hosen an

feat.

Flashback: Die Doktorarbeit







Also fasste sich der Professor ein Herz und, „Weißt du Kälbchen, mach die Visite doch heute mal allein, hm?!“

„Wie bitte?“, hauchten Marc und Gretchen wie aus der Pistole geschossen und sahen ihren Chef entgeistert an, der nur belustigt erwiderte, „Ja. Ich würde gerne etwas mit Doktor Meier besprechen.“

Freundlich nahm Franz Marc bei der Schulter, doch dieser löste sich noch einmal von ihm und drehte sich zu seiner Liebsten um, die nur mit den Augen rollen konnte und sich gerade umdrehen wollte, als Marc sich räusperte, „Was willst du noch Marc?“, fauchte sie genervt.

„Bessere Laune, Gretchen. Beim Mittag, okay?“, hauchte er ihr liebevoll zu und sah ihr leidenschaftlich in die Augen.

Doch der erhoffte Kuss, blieb aus. Sie drehte sich schnaubend um, sammelte Sabine ein und ging. Da stand er nun, der begehrteste Arzt in ganz Berlin. Wie ein verliebter Volltrottel, mit geschürzten Lippen und absolut fassungslos. Er konnte einfach nicht glauben, wie kalt dieses blonde Geschöpf sein konnte. Das Personal, hatte da eine eigene Theorie. Sie tuschelten alle, der viele Umgang mit ihm, würde sie so unausstehlich werden lassen. Er tat dies immer mit einer lockeren Handbewegung ab und sagte dazu nichts. Es ging niemanden etwas an, was zwischen ihnen war. Man konnte ja wohl noch ein bisschen Privatsphäre erwarten, auch wenn man zusammenarbeitete. Nur einen Menschen gab es, mit dem er wirklich redete – Mehdi!

Doch dieser erwiderte immer nur, „Sei doch froh. Anscheinend wird aus ihr doch noch eine richtige Chirurgin. Hast dich ja immer beschwert, sie wäre zu weich, für den Job!“. Er nahm das alles gar nicht ernst und schien nicht zu verstehen, dass es ihm in der letzten Zeit, wirklich schlecht ging. Er machte sich ja nicht nur Sorgen um sich, oder um seine Beziehung. Vorrangig, machte er sich Sorgen um Gretchen. Sie schlief wenig, stand jeden Morgen zwei Stunden früher auf, saß dann in der Küche und arbeitete weiter an ihrer dämlichen Facharbeit. Sie frühstückte nicht und wenn man ihr dann zu nahekam, stampfte sie genervt ins Bad. Egal was er versuchte, er kam einfach nicht mehr an sie heran. Innerlich, zerriss es ihn. Sie entfernte sich von ihm und es tat weh, abends allein ins Bett zu gehen, nur um morgens, ebenso allein, wieder aufzustehen.



Flashback


„Marc?“, fragte sie vorsichtig. Sie waren bereits seit einer Woche in Afrika und der eitle Chirurg, versuchte sich gerade, notdürftig, mit einer Flasche Wasser zu waschen. Er war äußerst gereizt und angespannt, weil es ihm anscheinend ziemlich gegen den Strich ging, zu welchen Bedingungen er hier leben und behandeln musste. Was auch der Grund dafür war, dass er nur ein kurzes „Hm?!“, brummte. Sie kannte ihn nun schon ihr halbes Leben und sicherlich verstand sie seine Körperhaltung, also versuchte sie ihr Anliegen, so vorsichtig wie nur irgendwie möglich anzusprechen, „Ich möchte gerne meine Facharbeit schreiben.“

Prompt hörte er auf sich zu waschen und sah verwundert zu ihr auf. Zum ersten Mal, seitdem er sie im Fahrstuhl wiedererkannt hatte, hörte er, dass sie SOETWAS, wollte.

„Wie? Was? Ich meine...“, stotterte er überfordert, weil er nicht wusste, ob sie ihn nun nur beeindrucken wollte, oder ob sie es wirklich ernst meinte.

„Ich möchte meine Facharbeit schreiben, habe ich gesagt Marc“, erwiderte sie nun etwas selbstsicherer, „Wenn wir zurückfliegen, möchte ich meinen Facharzt machen. Ich mein, die letzten Monate in Berlin, habe ich nur darüber nachgedacht, was zwischen uns ist. Ich habe mir Sorgen um dich gemacht und hatte Angst dich vielleicht für immer zu verlieren. Ja und jetzt bin ich in Ouagadougou, behandle todkranke Kinder und habe für meinen Facharzt, noch nicht einen Handschlag getan. Das hier, sollte der erste Schritt sein. Der erste Schritt, in ein unabhängiges Leben“, erschrocken sah Marc zu ihr auf, „Ja Marc! Auch wenn wir jetzt sowas wie eine Beziehung führen, will ich mich nie wieder abhängig machen, von einem Mann. Das hat mir immer nur Unglück gebracht.“

„Du, da habe ich sicherlich nichts gegen Gretchen. Ich bin nur etwas, erstaunt. Bisher hast du dich vor solchen Aufgaben immer gedrückt“, grinste er sie breit an und sie wusste, dass er damit auf ihre Doktorarbeit anspielte.

„Das war einmal. Es wird langsam Zeit, sich auch über andere Dinge im Leben, Gedanken zu machen. Ich mein, was wenn das mit uns nicht klappt und ich meinen Facharzt noch nicht gemacht habe? Dann bin ich noch immer nur Assistenz und ich würde sehr gern, für mich selbst sorgen können“, zum ersten Mal, hörte er sie von einer Zukunft sprechen, in der es nicht darum ging, ihn für sich zu erobern, ihn in Ketten zu legen, oder ihm Vorwürfe zu machen, dass er keine Zukunft mit ihr haben wollte.

„Chrm… Chrm…“, räusperte er sich, „Vielleicht solltest du dich wirklich mal langsam damit auseinandersetzen“, langsam ging er auf sie zu und nahm lächelnd, ihr Gesicht in seine Hände, „Mit anderen Dingen, musst du dich ja jetzt nicht mehr beschäftigen.“, schloss er und küsste sie.

Natürlich wusste Gretchen, dass er sich selbst damit meinte und obwohl er sie fest in seine Arme geschlossen hatte, schaffte sie es, ihm mit der flachen Hand, auf den Oberarm zu schlagen. Noch während er sie küsste, musste Marc anfangen zu lachen und im Hintergrund schmunzelte Mehdi, „Da habt ihr zwei es endlich gepackt und schon kann Marc die Finger nicht mehr von dir lassen, he?“

Es war schwer für den Gynäkologen gewesen, zu akzeptieren, dass seine besten Freunde, zueinander gefunden hatten – doch war keiner der beiden, jemals, annähernd so glücklich gewesen, wie sie es jetzt gerade waren. Er freute sich für die beiden. Das brachte er auch immer wieder an, wenn Marc ihn mal dabei erwischte, wie er Gretchen verträumt ansah.

Als Marc sich wieder gefangen hatte, schlang er seinen Arm um die Taille seiner Freundin, „Darf ich vorstellen? Frau Doktor Margarethe Haase, Chirurgin.“

Gina und Mehdi, hatten keinerlei Ahnung, was hier los, oder was in den Chirurgen gefahren war und sahen sich verdattert an, während Gretchen die Augen leidend verdrehte, „Assistenzärztin, in der Chirurgie Marc – noch immer.“

„Eben Hasenzahn. Noch! Wenn wir zwei deine Facharbeit fertig haben, bist du endlich Chirurgin und eine sehr gute, noch dazu“, antwortete er ihr ganz ernst, „Du hast deine Hände!“

Gina Amsel, traute ihre Ohren kaum. Hatte Marc Meier, ihrer besten Freundin gerade ein Kompliment gemacht – quasi, auch rückwirkend?

Genauso verdattert, schien Gretchen zu sein, denn so etwas, hatte sie aus seinem Mund noch nie gehört. Ehe jemand etwas darauf sagen, oder Marc rechtzeitig reagieren konnte, fiel sie ihm stürmisch um den Hals und küsste ihn. Er riss die Augen weit auf und torkelte, völlig von den Socken gerissen, ein paar Schritte nach hinten. Doch als er sich endlich gefangen hatte, deutete er Gina und Mehdi an, die allein zu lassen, schlang seine Arme um Gretchen und erwiderte ihren Kuss.


Flashback Ende



„Bitte setz dich doch Marc“, mit der rechten Hand, deutete Franz auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch, während er sich mit der linken abstützte um in seinem Chefsessel, Platz zu nehmen, „Wir müssen uns dringend mal über Gretchen unterhalten. Es geht so einfach nicht mehr weiter und ihre Launen machen mich noch wahnsinnig.“

Aufmerksam hörte Marc zu, denn der Professor sah nicht nur sehr ernst aus, sondern auch sehr besorgt, „Das ist verständlich“, nickte er freundlich.

„Ich weiß, es geht mich eigentlich nichts an und ich möchte wirklich nicht, dass du ins Detail gehst – aber… Was ist los bei euch?“, nun sah Franz ihn noch besorgter an, als zuvor, „Glücklicher, wie der Kaiser von China, kommt ihr aus Afrika zurück und nur ein paar Monate später, geht ihr euch durchgehend, bei jedem zweiten Wort, an die Kehle.“

Es war nicht seine Art, doch wenn ihn jemand verstehen würde, dann sicherlich Gretchens Vater. Also holte er tief Luft und fing an, zu erzählen, „ich weiß es nicht!“, kopfschüttelnd fuhr er fort, „Es ist nicht so, als wenn ich es nicht irgendwo verstehen würde. Gretchen hat eine unglaubliche Angst davor, Sie und mich zu enttäuschen. Ich meine, Sie halten so große Stücke auf sie – zurecht. Aber wie ich vorhin schon sagte, die Arbeit ist wirklich perfekt. Sie hat so viel Liebe und Herzblut in diese Arbeit gesteckt… Als ich sie das erste Mal gelesen habe, musste ich wirklich staunen. Seitdem dreht sich unser Alltag allerdings, um nichts Anderes mehr. Jeden Morgen, wenn ich in die Küche komme, sitzt sie in voller Montur, an der Arbeit und wenn ich abends, später aus dem Krankenhaus komme, sitzt sie wieder daran. Keine halbe Stunde später, klatscht sie mit die Blätter vor die Nase und verschwindet wortlos im Bad. Ich, ich weiß wirklich nicht mehr weiter.“

Mit festem Blick auf die Schreibtischplatte, nickte Franz nachdenklich, „Redet ihr noch miteinander? Außer über die Facharbeit?“

„Nein“, antwortete Marc nach kurzer Überlegung, „Kaum. Seit drei Tagen darf ich sie ja nicht einmal mehr anfassen“, plapperte er weiter, ohne darüber nachzudenken, was er da von sich gab.

„Wie bitte? Also… Du willst mir sagen, dass ihr nicht…“, schnell hob Marc die Hand, „Nein will ich… Also… Schon… Aber… Egal!“, betreten sah er zu Boden.

„Ich denke es ist an der Zeit, dass ich mal ein ernstes Wörtchen mit Margarethe wechsle. Kann ja so nicht weitergehen. Sie kann zwar ein ziemlicher Dickkopf sein“, nickend pflichtete Marc dem Professor bei, „allerdings sehe ich keinen Grund, ein solches Drama aus der Geschichte zu machen. Wenn du sagst, an der Arbeit gäbe es nichts auszusetzen, sollte ihr das genügen. Heute Abend erscheint ihr zum Essen!“

„Herr Professor, also ich glaube nicht, dass Gretchen“, wollte Marc seinem Chef diese Idee gleich wieder ausreden, doch dieser hob die Hand und deutete ihm an, zu schweigen, „Keine Widerworte. Ich will, dass in meinem Krankenhaus, endlich wieder Ruhe einkehrt. Heute Abend um zwanzig Uhr Meier. Gespräch beendet!“

In Gedanken versunken, lief er zurück auf seine Station. Das konnte wirklich heiter werden. Familienstreit bei den Haases, er mittendrin, statt nur dabei und nicht einmal ganz unschuldig daran. Sich weiterhin darüber den Kopf zu zerbrechen, konnte er jedoch nicht, denn im Schwesternzimmer, bekam er einige Akten vor den Brustkorb geklatscht und wurde niedergefaucht, „Aaaaah, da ist ja der feine Herr Oberarzt, der vergessen hat, meinen Vater daran zu erinnern, dass ich nicht befugt bin, die Patienten zu entlassen. Ich wäre dir wirklich sehr dankbar, wenn du die Güte hättest, das rückwirkend zu erledigen.“

Ohne sie weiter zu beachten, warf er einen Blick in die Akten und Gretchen erhob, mal wieder, die Stimme, „MARC! Ich bin nicht dazu da, dich an deine Pflichten zu erinnern, oder hinter dir aufzuräumen. Weder hier auf Station, noch im OP!“

„Gut. Dann lasse ich dich auch nicht mehr operieren. Was hältst du davon?“, meinte er fast schon beiläufig, während er noch immer die Akten durchsah. Er hatte die Schnauze voll für heute. Ihm wäre es egal gewesen, wenn sie ihn für den Rest des Tages ignoriert hätte. Und es schien vorerst zu wirken, „Schau mich nicht so entgeistert an Gretchen. Wenn du der Meinung bist, du bist nur hier, um mit zu assistieren, dann wirst du das auch wieder tun“, gerade wollte sie etwas erwidern, doch er hielt seine Hand an ihren Mund, um sie zum Schweigen zu bringen, „Weißt du… Pamp meinetwegen die Schwestern an… Die anderen Assistenten, oder mit Frau Doktor Hassmann – aber nicht mich! Ich bin ebenso wenig dein Fußabtreter, wie du meine Putze“, böse sah er sie an – doch er blieb ganz ruhig, während er sprach.






TO BE CONTINUED




Choconussa Offline

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22.05.2017 18:04
#3 RE: Story von Choconussa Zitat · antworten





Kapitel Drei - Kommunikationsschwierigkeiten







„Man Marc! So meinte ich das doch gar nicht“, jammerte sie – was Marc mit einem verwunderten Blinzeln zur Kenntnis nahm, „Äh? Gerade kackst du mich an und jetzt fängst du fast an zu heulen?“, er legte die Akte beiseite, „Okay… Was ist hier los Gretchen?“

„Ich muss in vier Tagen meine Facharbeiten abgeben Marc. Hier habe ich noch einen riesigen Berg an Akten abzuarbeiten. Ich bin gestresst, nervös und…“, kurz schloss sie die Augen, um sich ein wenig zu fangen, „…ich weiß einfach nicht mehr wo mir der Kopf steht Marc.“

Wenn er sie genauer betrachtete, sah sie wirklich aus, als wäre sie fertig mit ihrer Welt. War sie sogar ein wenig dünner geworden? Wie dem auch sei, er würde nicht wieder den Schwanz einziehen. Sie war es, die aus jeder noch so kleinen Mücke, einen Elefanten machen musste.

„Gut, dann begeb dich mal an die Bearbeitung, deiner Akten. Um sechzehn Uhr, machst du hier Feierabend und fährst nach Hause“, mit starrer Miene, drückte er ihr seine Autoschlüssel in die Hand, „und dann…“

„Marc!“, unterbrach sie ihn, „Ich kann um sechzehn Uhr nicht gehen. Wie haben eine OP.“

„Äh, ja…“, er räusperte sich, „Ich habe eine OP. So aufgebracht und durch den Wind wie du bist, werde ich dich nicht mit, in meinen OP nehmen. Du fährst um sechzehn Uhr nach Hause und sollte ich dich danach noch hier sehen, trete ich dich ins Auto Hasenzahn. Diesmal, mache ich keinen Spaß. Meinetwegen, geh die Facharbeit noch einmal durch. Wo die Bücher die du brauchst stehen, weißt du ja. Um 19:30 Uhr, hole ich dich ab. Wir sind bei deinen Eltern, zum Essen eingeladen, „nuschelte er und drückte sich ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen, an ihr vorbei, „Vielleicht hast du ja bessere Laune, wenn du dich mal nur, mit dir selbst beschäftigst.

„Hast du sie nicht mehr alle Marc?“, schnauzte sie ihm hinterher, „Das da ist meine Patientin, die nachher im OP liegt. Da will ich verdammt noch eins bei sein!“

Er wusste absolut nicht, was nicht daran zu begreifen war, dass sie so nicht zu operieren hatte. Sie war viel zu emotional in letzter Zeit und er wollte unbedingt verhindern, dass sie wegen ihrer momentanen Gefühlslage, irgendwelche Fehler machte. Und weil sie einfach nicht begriff, wie sie sich gab, wurde er lauter, „DAS hätttest du dir überlegen können, BEVOR du hier wieder den ganzen Morgen, ohne einen Grund dazu zu haben, rum scheißt! Und wenn du so weiter machst Gretchen, dann gehe ich sogar noch einen Schritt weiter und streiche dich für die komplette Woche, aus dem OP-Plan. Solange, bis du dich mal wieder beruhigt hast. Nimm dir deine Akten, gehe in mein Büro und bleib da. Ich denke, es tut dem Personal mal ganz gut, wenn es einen Tag lang, von deiner Launenhaftigkeit, befreit ist.“

„Ohoho!“, höhnte Maria Hassmann, „Eine Ansage vom Hausherren?“

Kopfschüttelnd beschloss Gretchen, ihre schlechte Laune, halt an der Hassmann auszulassen, „Sagen Sie mal Frau Hassmann – haben Sie nichts Besseres zu tun? Liften lassen – zum Beispiel?“

„Frau Haase“, grinste Maria unerwarteter Weise nur, „Sie nehmen den Raum zwar sehr ein, allerdings werde ich hier noch rein und auch durchpassen. Wenn Sie beide, private Gespräche führen wollen – der Meier, hat ein Büro. Auch wenn die Räumlichkeiten, nicht so viel Fassungsvermögen haben, wie dieser hier.“

„Gretchen? Wir sehen uns heute Abend, ich muss zu Patienten“, um seiner Aussage Nachdruck zu verleihen, hob er die Akten hoch, „und du, machst deine Akten fertig Hasenzahn.“

Marc war schon auf den Flur raus und fast um die Ecke gelaufen als Gretchen hinter ihm herrief, „Äh Marc? Essen wir nachher nicht zusammen, oder wieso, sehen wir uns erst heute Abend?“

„Sabine bringt dir nachher war zu essen- sollst ja heute noch fertig werden!“, rief er zurück und verschwand.

War das tatsächlich sein Ernst. Da sollte sie mal eben so, den ganzen Tag in seinem Büro bleiben.

„Pff“, schnaubte sie, nahm sich ihre Akten und machte sich schnurstracks, ohne auch nur irgendjemanden anzusehen, auf den Weg ins Büro ihres Oberarztes.

„Tja, ja, ja, ja… Da bekommt einer heute wohl keinen Sex“, grinste Doktor Hassmann ihre Orange an, als Mehdi zum Dienst erschien und augenblicklich dachte, er wäre gemeint, „Wie bitte?“

Ohne Morgengruß antwortete die Neurochirurgin, „Na der Meier!“, was Mehdi dazu brachte die Augen im Kopf zu verdrehen, während er sich einen Kaffee nahm, „Was hat er denn nun schon wieder angestellt?“

Doch Frau Doktor Hassmann, brauchte ihm nicht zu antworten, „Ich habe Gretchen für den heutigen Tag in mein Büro verbannt, sie ab sechzehn Uhr vom Dienst befreit und ihr angedroht, dies für die ganze Woche zu tun, sollte sie weiterhin so rumkeifen.“, erschöpft ließ er sich auf einen der freien Stühle am Tisch fallen. Besorgt sah Mehdi seinen besten Freund an, doch Maria, wusste nicht, was der Meier sich hier so hängen ließ, „Meier! Jetzt tun Se mal nicht so gestresst. Ihre ‚Assistenz‘ hatte die Visite ja schon…“

„Wissen Sie Hassmann“, unterbrach der Chirurg sie leise und hielt während er sprach, die Hände vor sein Gesicht, „Ich weiß nicht, was Sie sich anmaßen ein Urteil darüber zu fällen, ob ich gestresst bin, oder nicht. Ich verstehe auch nicht, warum Sie das Wort Assistenz so betonen. Was ich allerdings sehr gut weiß ist, dass ich absolut keine Lust mehr habe, zu diskutieren. Kann man denn nicht einfach mal zehn Minuten seine Ruhe haben, bevor Hasenzahn hier wieder reingeschneit kommt und die nächste Ansage vom Stapel lässt?“

Es hatte Maria die Sprache verschlagen. Vor ihr saß der vorlauteste Mensch, den sie je das Pech hatte, zu begegnen und dieser, wollte nicht diskutieren? Mehdi hingegen legte besorgt eine Hand auf Marcs Schulter, „Alles okay bei dir? Scheinst ja echt fertig zu sein.“

Mittlerweile waren auch Sabine und ‚Doktor‘ Knechtelsdorfer hin zugestoßen und gönnten sich, in einer kleinen Pause einen Kaffee. Ungeachtet ihrer Anwesenheit, begann Marc zu erzählen, „Das wärst du auch Mehdi, wenn du seit gut zwei Wochen, nicht vor dreiundzwanzig Uhr ins Bett kommen würdest, jeden Morgen um vier Uhr aufstehen würdest um nach deiner Freundin zu sehen und dann auch noch in einer Tour angekackt wirst.“

„Komm schon, so schlimm kann es ja wohl nicht sein Marc. Gretchen ist der liebste Mensch auf der Welt.“

„Na ja… Die Frau Doktor isch in letzter Zeit, scho a bissl greizt“, schaltete sich Maurice ungefragt ein, ehe er seiner Maria einen Kuss auf den Kopf drückte und für Marc war das Gespräch an dieser Stelle, beendet. Er hielt nichts davon, das Krankenhauspersonal mit seinem Privatleben zu behelligen. Es ging sie nichts an. Sehnsüchtig wartete er darauf, dass sein Pieper sich meldete. Er wollte nicht in sein Büro gehen, zu sauer war er noch auf Gretchen.

Eine halbe Stunde, lief er über seine Station, doch er fand nichts zu tun, außer Arbeiten die durchaus von einer Schwester, oder Knechtelsdorfer zu erledigen waren. Also entschloss er sich, eine Runde ins Grüne zu gehen. Sabine hatte er angewiesen, sollte etwas Wichtiges sein, solle sie ihn anpiepen und kurz darauf, saß er schon an einem Baum angelehnt und sah hinauf, in den Himmel.

Marc wusste nicht mehr wo ihm der Kopf stand und er betete inständig, dass die Zeit bis zur Abgabe der Arbeit, schnell umgehen würde. Als sie vor über einem Jahr damit um die Ecke gekommen war, konnte er ja nicht ahnen, worauf er sich da nur einließ. Gretchen war eine tolle Frau, keine Frage! Das wusste und schätzte er an ihr. Sie hatte sich immer um ihn gesorgt, ihm immer geholfen und war wirklich immer für ihn da. Doch nicht nur um ihn hatte sie sich gesorgt, sondern gleich um die ganze Welt. Er war noch immer erstaunt, wie sie in Afrika, unter den schlechtesten Bedingungen behandelt hatte. Wie sie immer wieder neue Medikamente aus Berlin anforderte, um so viele Kinder wie nur irgendwie möglich, zu retten. Er hatte die Frau fürs Leben gefunden…

Eine Weile, blieb er an Ort und Stelle sitzen, dachte lächelnd, an diese unglaublich sinnliche Frau, mit ihren unglaublich vielen Macken – ehe er wieder auf seine Station ging. Zu seiner Erleichterung, war das Schwesternzimmer leer, weswegen er sich schnurstracks an den Tisch setzte und begann, über das Abendessen, bei den Haases zu grübeln. Noch immer war er sich nicht sicher, dass es wirklich eine gute Idee gewesen war, dem Professor etwas zu erzählen. Allerdings musste Gretchen mal jemand davon überzeugen, dass ihr Verhalten unangebracht war… Seine Gedankengänge, konnte er jedoch nicht zu Ende denken, denn mit einem lauten Krachen, wurden ihm fünfzehn Akten vor die Nase geknallt.

„Bitteschön, Herr Doktor Meier“, lächelte Gretchen überfreundlich, als ihr Freund sie erschrocken ansah, „Ich hoffe Sie sind zur Abwechslung mal mit meinen Ausführungen zufrieden und geben mir nicht die Hälfte wieder zurück, damit ich noch einmal drüber schaue.“

Grinsend schüttelte er den Kopf. War sie also immer noch sauer auf ihn! Und das war sie wirklich. So zornig wie sie konnte, funkelte sie ihn an und überlegte sich ernsthaft, ihn zu erwürgen. Was bildete er sich eigentlich ein, sie einfach so freizustellen? Ohne mit ihrem Vater darüber zu reden und wenn er genau wusste, dass ihre erste eigene Patientin, heute im OP lag.

„Aber Frau Doktor Haase“, erwiderte er, nachdem er sich einmal mit den Händen übers Gesicht gefahren war, „Sie wissen doch, dass ich schauen muss, ob Sie Fehler machen. Nur so können Sie etwas lernen“, abschießend, grinste er sie frech an – in der Hoffnung, sie würde lächeln.

Jedoch schüttelte sie genervt den Kopf und ging, ohne ihm noch etwas zu sagen. Stöhnend, warf er den Kopf in den Nacken und fragte sich, ob er überhaupt noch etwas richtigmachen konnte. Kopfschütteln, widmete er sich den Akten und mit jeder einzelnen, wurde seine Laune ein wenig besser. Sie hatte mal wieder ganze Arbeit geleistet und hier und da, sogar noch Post-Its eingeklebt. Als er sie damals im Fahrstuhl wiedergetroffen hatte, hätte er niemals damit gerechnet, dass sie eine tolle Ärztin war und nun war er erstaunt darüber, dass sie sogar noch besser geworden war und ihm das Wasser reichen konnte…





TO BE CONTINUED




Choconussa Offline

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22.05.2017 20:13
#4 RE: Story von Choconussa Zitat · antworten





Kapitel Vier - Tratschtanten







Bei Marc angekommen, entledigte Gretchen sich ihrer Tasche und ihrer Jacke, setzte sich schnaubend auf das weiße Ledersofa und begann damit, wild in ihr Tagebuch zu kritzeln.

Kaum zu glauben, dass er sich noch immer so aufspielt! Dabei war ich ja eigentlich der Meinung gewesen, ich hätte ihm das einigermaßen abgewöhnt – jedenfalls, mir gegenüber. Er ist doch kein Gott! Ja ich weiß liebes Tagesbuch, ich hab ihn ja selbst zu einem gemacht. Aber nur in meinen Gedanken und meiner Traumwelt. Warum kann er mich denn nicht verstehen? Dass ich Angst habe… Was passiert, wenn die Facharbeit nicht gut genug ist, um den Facharzt zu bekommen? Mein Vater wäre enttäuscht und Marcs Bemühungen, wären umsonst gewesen. Das könnte ich mir einfach nicht verzeihen…

Nachdenklich sah sie zu dem Laptop, auf dem ihre Facharbeit gespeichert war und fasste einen Entschluss. Mit fahrigen Fingern, startete sie das Gerät, öffnete die Datei und löschte die Hälfte ihrer Arbeit. Der Teil, der sie am meisten störte, war nun endlich nicht mehr zu lesen. Lächelnd holte sie sich all die Bücher, die sie brauchte und wiederholte ihren Tagesablauf. Wie wild blätterte sie durch die Seiten, machte sich Notizen und tippte hier und da, etwas auf dem Laptop ein. Marc würde staunen. So einfach, würde sie sich nicht wieder von ihm kleinmachen lassen. Bald würde sie im OP stehen und besser sein, wie er – ob er damit nun einverstanden war, oder eben nicht.

Während Gretchen tippte wie eine Geisteskranke, wurde im Schwesternzimmer des Elisabeth Krankenhauses, mal wieder, über das leidige Thema Gretchen Haase diskutiert. Sie war doch, vor ihrer Afrika-Reise, die liebe und sanftmütige Parallele zu dem Doktor Meier gewesen. Und Sabine machte sich große Sorgen, ob die Frau Doktor, denn auch jemals wieder die Alte werden würde. Auch wenn sie nun eine Freundschaft mit Gabi pflegte, vermisste sie ihre Ansprechpartnerin, denn mit Frau Doktor Haase, war es immer etwas Besonderes gewesen.

„Sabine! Jetzt malen Sie hier mal nicht den Teufel an die Wand, ja? Die Haase hat einfach Stress“, plapperte Frau Doktor Hassmann fröhlich vor sich hin, in dem Glauben, sie könnten ungestört reden, „Ich weiß noch, wie ich damals meine Facharbeit schreiben musste… Gut, ich hatte keinen überheblichen, Möchtegerngott an der Backe. So selbstverliebt wie der Kerl ist und so sehr, wie er sie manchmal runterzieht, ist es kein Wunder, dass der Frau mal der Kragen platzt.

„Ach das glaube ich aber nicht Frau Doktor. Der Herr Doktor kümmert sich immer ganz toll um die Frau Doktor.“

„Ja, damit sie sich nicht auf ihn setzt!“, kam etwas angezickt von Schwester Gabi.

„Ich dachte Sie wären über die Meier-Geschichte hinweg – warum zicken Sie hier so rum? Ich denke einfach, die beiden haben viel Stress. Die Arbeit und dann der Trubel wegen der bevorstehenden Facharztprüfung…“

„Der Doktor Kaan. Immer um das Wohl seiner Liebsten besorgt“, höhnte Maria, was Mehdi sogleich das Lächeln aus dem Gesicht wusch, „Sie hat sich diesmal wohl ziemlich eindeutig entschieden, also können Sie aufhören, mit Rosen zu werfen!!!“

„Für den größten Idioten des Krankenhauses, hat sie sich entschieden!“

„Gabi!!!“, platzte es nun strafen aus Schwester Sabine heraus, doch Gabi redete unbeirrt weiter, „Kommt schon. Seien wir doch einfach mal ehrlich. Niemand weiß was Marc an ihr findet… Sie ist nicht sonderlich hübsch, sie ist fett und nicht gerade das, was ein Mann wie er verdient hätte! Er himmelt sie doch nur an, weil sie seine Assistenz ist und sie dicke Titten hat“, ungläubig schüttelten die anderen den Kopf, „Ist doch so! Dem sein Gehirn schaltet doch ab, sobald der Brüste sieht.“

Geduldig hatte er sich angehört, was das Personal zu sagen hatte. Doch das, war eindeutig zu viel des Guten. Sie erschraken, als er sich laut und umständlich räusperte – sogar Gabi wich ängstlich zurück, als sie Marcs Gesichtsausdruck sah, „Ich finde es wirklich bemerkenswert, wie hier absolut niemand in diesem Krankenhaus gedenkt, seiner Arbeit nachzugehen und sich stattdessen lieber den Mund über Kollegen, Vorgesetzte und Freunde“, sein Block ruhte bei diesen Worten auf Mehdi, „zerreißt. Ich weiß auch nicht, WARUM“, wurde er nun doch lauter, obwohl er sich vorgenommen hatte, ruhig zu bleiben, „in Gottesnamen, Sie sich hier hinstellen und versuchen, über unser Privatleben zu urteilen, ohne sich auch nur im Entferntesten, ein Bild davon zu machen“, sein Blick richtete sich auf Gabi, die sich schnellstmöglich verkrümelte, „Mir reicht es! Habt ihr nichts Besseres zu tun? Habt ihr noch nie Leute streiten sehen? Also, ich dachte ja wirklich nicht, dass es noch mehr Menschen auf diesem Planeten gibt, die ich aus ihrer rosaroten Blase befreien muss. Und jetzt sehen Sie zu, dass sie mit ihrem Arsch in Richtung Arbeit watscheln!!!“

Betreten sah Schwester Sabine zu Boden, doch Frau Doktor Hassmann, war von der Ansprache ihres Kollegen, ziemlich unbeeindruckt. Mehdi wusste allerdings, dass sie wirklich Mist gebaut hatten und augenblicklich nagte das schlechte Gewissen an ihm. Weswegen er sofort das Wort ergriff, „Marc, komm schon… Du weißt doch, dass wir immer hier sitzen und über alles und jeden reden. Das ist ja nun wirklich nichts Neues, oder?“, doch sein bester Freund, war nach wie vor, mehr als nur aufgebracht, „Mehdi! Reden und sich das Maul zerreißen, sind zwei ganz unterschiedliche Dinge und ich denke nicht, dass auch nur einer von euch, irgendwas über die Verhältnisse, in denen Gretchen und ich stehen, beurteilen kann“, mit diesen Worten wand er sich kopfschüttelnd ab und ging in sein Büro.

Das Getratsche war ja noch schlimmer, wie vor einem Jahr.

Natürlich war es nichts Neues, dass das Schwesternzimmer, für den neuesten Klatsch und Tratsch, die beste Anlaufstelle war – aber, LÄSTERN? Das würde und könnte er zukünftig, nicht mehr durchgehen lassen. Gretchen hatte so schon schlechte Laune und das zu genüge. Ohne, dass sie über solche Gespräche von ihren – na ja – Freunden, wusste. Sie und die Hassmann, gifteten sich zwar immer mal wieder an, doch konnten sie auch ganz normale Gespräche miteinander führen. Sie schätzten sich, beruflich.

Schwester Sabine war damals die erste gewesen, die voll und ganz hinter Gretchen stand, weswegen sie wohl auch ihre älteste Freundin hier war. Tja und Mehdi. Ihr bester Freund. Er wusste, dass Gretchen nicht immer einfach war. Die komplizierteste Frau auf der Welt, wie Marc zu jeder Gelegenheit zum Besten gab. Doch Mehdi wusste mehr, wie ihm eigentlich lieb war. Noch immer, hatte er daran zu knabbern, dass die beiden Mal ein Paar waren und der Umstand, dass er jetzt auch noch eine Beziehung mit der Brillenschlange einging, machte es auch nicht besser. Trotz allem, war er Gretchens bester Freund und sie wäre unglaublich verletzt, wenn sie nun wüsste, wie er nichts gegen diese ausgesprochenen Unverschämtheiten, unternommen hatte.

Während Marc in seinem Büro auf und abging, um sich ein bisschen abzureagieren, gingen die Gespräche im Schwesterzimmer weiter.

„Verhältnisse, sind das also nun“, schnaubte Maria verächtlich und Doktor Mehdi Kaan, versuchte die Damen wieder zur Vernunft zu bringen, „Er hat Recht. Wir sollten uns einfach raushalten. Die beiden führen eine Beziehung, haben ein Privatleben. Wir können jetzt nicht mehr über ihre nicht vorhandene und doch irgendwie anwesende Beziehung reden. Das ist Vergangenheit. Die beiden sind nun seit über einem Jahr liiert.“

„Ja ja. Ham Se ja Recht“, stieß sie genervt aus und machte sich auf den Weg zurück in die Neurochirurgie.

Sabine hingegen, war noch immer ganz verdattert. Wohingegen Mehdi kurz darüber nachdachte, ob er vielleicht doch lieber zu Marc gehen und mit ihm reden sollte, als dieser auch schon, zur Tür hinein kam.






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Choconussa Offline

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06.06.2017 17:21
#5 RE: Story von Choconussa Zitat · antworten





Kapitel Fünf - Abendessen, bei Familie Haase









„Mehdi?“, fing er behutsam an zu sprechen, während er seinen Blick noch immer auf die, in seiner Hand befindlichen Akte, gerichtet hielt, „Ich will nicht noch einmal sehen, wie du dem Personal gestattest, über uns zu reden. Wenn du mit Schwester Sabine über uns reden möchtest, tu dir keinen Zwang an. Sie weiß denke ich mehr als genug von Gretchen, um einigermaßen mithalten zukönnen. Dumm ist sie zudem auch nicht“, kurz lächelte er der Krankenschwester zu und Sabine war sich nicht sicher, ob er wirklich sie meinte, „Die Hassmann hat wohl noch immer keinerlei Verständnis dafür entwickeln können, warum sich hier jeder Mann gegen sie und für Hasenzahn entschieden hat. Über Gabi, brauchen wir uns denke ich, nicht unterhalten. Mehr wie Schwachsinn, wird sie in ihrem Spatzenhirn, so oder so nicht, zusammen bekommen“, enttäuscht sah er Mehdi an, „Warum du allerdings, als unser bester Freund hier sitzt und mit tratscht, ist mir nicht nur ein Rätsel, sondern auch unter aller Sau!“

Er war nicht laut geworden, er klang vielmehr enttäuscht.

„Marc, ich beabsichtige nicht irgendwen von euch beiden, zu verletzen“, rechtfertigte der Gynäkologe sich und sah dem Chirurgen, der sich ihm gegenübergesetzt hatte, in die Augen, „Ich wüsste allerdings gern mal, was zum Teufel mit euch beiden los ist. Es ist nicht auszu…“, er unterbrach sich und sah Marc, der kopfschüttelnd anfing zu lachen und sich im Stuhl zurückwarf, verwundert an.

„Weißt du Mehdi, wenn du mir mal zuhören würdest, anstatt dich in deinem Selbstmitleid zu suhlen, weil du Gretchen doch nicht um den Finger wickeln konntest, wüsstest du, was bei uns los ist. Sie ist unerträglich zurzeit.
Mehdi musste schlucken. Natürlich, schwärmte er noch immer von Gretchen und diese Schwärmerei, würde er wohl auch immer haben. Doch, dass Marc davon wusste und ihm dies als Vorwand für sein Desinteresse unterstellte, konnte und wollte er einfach nicht so stehen lassen.

„Ich bin sicherlich nicht in meinem Selbstmitleid versunken Meier!“, vielleicht sollte er einfach mal auspacken und sagen, was er wirklich dachte, „Natürlich bin ich verletzt, dass sie mit mir geschlafen hat und dann gleich wieder in deine Arme gerannt ist. So getan hat, also wüsste sie davon nichts mehr. Aber mehr als ihre Entscheidung zu akzeptieren, bleibt mir nicht. Außerdem, bin ich derweil auf dem besten Wege, eine engere Bindung zu Gina einzugehen“, nicht gerade eine sonderlich überzeugende Argumentation, weswegen er gleich wieder zum eigentlichen Thema kam, „Ich habe von dir immer nur von irgendwelchen Kleinigkeiten gehört, die mich nie dazu bringen würden, so mit dem Menschen, den ich von ganzem Herzen liebe, zu streiten, wie ihr es tut. Für mich war es einfach nur Kindergarten Marc, deswegen, habe ich dazu nichts weitergesagt!“


Betreten sah Marc auf seine Hände. Er wusste nicht, wie er es seinem besten Freund sagen sollte. Noch immer, fiel es ihm unheimlich schwer, über seine Gefühle zu reden. Mit Worten auszudrücken, was ihn wirklich beschäftigte. Doch schließlich, fasste er sich ein Herz…

„Weißt du… Die letzten Monate in Berlin, vor Afrika, hat sie mich in einer Tour enttäuscht“, sprach er, ohne aufzusehen, „Angefangen, bei ihrer bescheuerten Idee, wir müssten miteinander schlafen, damit sie weiß, ob sie über mich hinweg ist oder nicht. Über diese absolut hirnrissige Hochzeit, mit dem Betrüger. Dem Mitleidssex mit dir… Das hat mich so… Nein, nicht das sie mit dir geschlafen hat, hat mich enttäuscht. Dass sie zu feige war, mir davon zu erzählen, hat mich enttäuscht. Dass ich so empfand hat mir gezeigt, dass ich schon viel zu viel für sie empfunden habe, also habe ich sie wieder auf Abstand gehalten. Aber als ich dann den Brief in der Hand hielt… Ich dachte mir rammt einer ein Messer in den Magen, dreht es genüsslich um und lässt es mehrfach zurückschnellen. Ich war im Begriff, sie für immer zu verlieren“, noch immer hielt er seinen Blick auf seine Hände gerichtet, doch Mehdi glaubte zu wissen, was seinen besten Freund beschäftigte, „Du glaubst, sie trennt sich von dir? Marc das ist lächerlich, ich mein…“

„Tzz! Ich habe sie vor drei Wochen das letzte Mal im Arm gehalten, als wir einschliefen. Das letzte Mal geküsst, haben wir uns vor neun Tagen. Das letzte Mal Sex? Ist zu lang her. Sie lässt mich einfach nicht mehr an sich heran“, nun sah er Mehdi direkt in die Augen und dieser sah, dass es Marc wirklich nahe zu gehen schien, doch er grinste, „Und ihr denkt, wir würden nur wegen Kleinigkeiten streiten. Ihr habt keine Ahnung, also haltet auch den Mund. Ich muss jetzt los. Sind nachher bei ihren Eltern, zum Essen. Vielleicht melde ich mich danach bei dir, um mir anzuhören, was du mir noch zu sagen hast.“, mit diesen Worten, ließ er seinen besten Freund mit sich und seinem schlechten Gewissen allein.

Auf dem Weg nach Hause, musste der Chirurg, die ganze Autofahrt über, an das Essen bei den Haases denken. Wahrscheinlich, war seine Freundin noch immer sauer auf ihn und er kannte Hasenzahn lange genug, um zu wissen, dass sie ihm eine gewaltige Szene machen würde. Worauf hatte er sich da nur eingelassen?


Allerdings sollte ihm, was ihn zu Hause erwartete, vorerst, die Sprache verschlagen.

Enthusiastisch, schloss er die Tür auf und rief ins Wohnzimmer, „So Hasenzahn! Beautypalace – ist – zu – Ende“, mehr als geschockt stottern, konnte er nicht, bei dem was er sah. Sie hatte seine Wohnung, in ein Schlachtfeld verwandelt. Inmitten seiner gesamten Lehrbücher, Abermillionen von Zetteln und Berichtsheften, saß eine Blondine, die ihn fröhlich anlächelte, „Hallo Marc. Zwei Sätze noch, dann bin ich fertig. Willst du nicht schon einmal ins Bad gehen?“

Schneller als von ihm gedacht, fing er sich wieder, „Wenn ich nicht Gefahr laufen würde, einen Genickbruch zu erleiden, wenn ich mich hier durchkämpfe, würde ich das tun. Gretchen, was hast du gemacht?“

„Na, ich sollte doch noch einmal meine Facharbeit durchgehen“, zucke sie mit den Schultern und war sich keinerlei Schuld bewusst.

„Ich erinnere mich durchaus an meine Worte. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, dich darum gebeten zu haben, das Wohnzimmer zu verwüsten!“, langsam bahnte er sich einen Weg durch das Chaos, während Gretchen beschloss, ihn und seine Ausflüchte, einfach zu ignorieren, „So ich bin fertig. Geh mal schnell ins Bad Marc, sonst kommen wir noch zu spät“, freundlich lächelte sie ihn an und fuhr den Laptop herunter.

Irgendwann, so hoffte er, würde er diese Frau verstehen. Vielleicht nicht mehr in diesem Leben, oder in dieser Dimension – doch irgendwann. Ganz sicher!




Freudestrahlend, wurden sie in der haasischen Villa erwartet. Der Tisch war bereits eingedeckt und wie immer, wenn Bärbel in der Küche zauberte, wehte ein verführerischer Duft zu ihnen herüber. Und wie immer, wenn sie zum Essen eingeladen waren, machten Franz und Marc es sich, auf dem gelben Kort Sofa gemütlich, um die nächsten Dienstpläne zu besprechen. Gretchen konnte darüber jedes Mal, nur mit dem Kopf schütteln. Immerhin standen die Pläne, schon seit Wochen. Na ja, irgendwas, mussten die beiden ja zu bereden haben, dachte sie sich im Stillen.

Als Bärbel schließlich den Braten servierte, sah die Hausfrau erfreut dabei zu, wie genüsslich, alle aßen. Hier und da, wurde gescherzt und die Kochkunst der Gastgeberin, wurde, wie immer, hochgelobt. Vor allem aber, von Marc, der selten so etwas Gutes, auf den Tisch bekam. Er selbst, kochte nicht und behelligte abends, zumeist den Lieferservice. Und da Gretchen ungern das Hausmütterchen spielen wollte, machte er sich über ihre Kochkünste, die wohl eher nicht vorhanden waren, weil sie ihrem Vater doch sehr ähnlich war, gar keine Gedanken. Das Kantinenessen, welches Marc und Gretchen wohl am meisten zu sich nahmen, war keinerlei Erwähnung wert. Meist war es matschig, zäh wie Gummi und teilweise kalt. Das gute Essen, bei den Haases, war einer der Gründe, weswegen Marc bisher jeder Einladung seines Chefs, gefolgt war.

Denn eigentlich, waren die Abende einfach nur nervtötend. Immer und immer wieder, kam Franz darauf zu sprechen, wie stolz er doch auf sein ‚Kälbchen‘ war und er hoffte, dass Jochen auch irgendwann einmal, eine Richtung einschlagen und nicht immer an der nächsten Abzweigung, abbiegen würde. Und Bärbel, musste immer an sich halten, nicht gleich loszuweinen, wenn die beiden wieder gingen. Doch heute, war Marc angespannter, als sonst. Er wusste nicht, was Franz sagen würde und ihn beschlich noch immer das leise Gefühl, dass Gretchen ihn nach diesem Abend, mit dem Gartenmesser, aufschlitzen würde.

„Du Kälbchen, sag mal“, merkte Franz schließlich an und ein Hauch von Nachdruck, lag in seiner Stimme, „wie läuft es denn so mit deiner Facharbeit?“

Marc traute sich gar nicht aufzusehen. Er wollte so wenig wie möglich an diesem Gespräch teilhaben. Doch als Gretchen strahlend antwortete, „Super Papa! Habe sie vorhin abgeschickt“, sah er, halb über den Teller hängend, mit der Gabel, vor der geöffneten Futterluke, doch verwundert auf. Was hatte sie gemacht? Er bekam gar nicht mit, dass Franz ihn ebenso verwundert ansah.

„Aber du hast doch erst in ein paar Tagen Abgabetermin“, sagte der Professor erstaunt und beschloss, Marc nicht darauf anzusprechen. So verwundert wie dieser war, schien auch er nichts davon zu wissen. Gretchen allerdings, war der kurze Blick ihres Vaters, zu Marc, nicht entgangen und so sah auch sie zu ihrem Freund herüber, „Ja schau mich doch nicht so an, als wäre ich eine Fata Morgana!“


Gleichgültig, zuckte der braunhaarige mit den Schultern und widmete sich wieder seinem Braten. Er hatte heute einfach keine Lust zu reden und schon einmal gar nicht, zu streiten.

„Könntet ihr mir vielleicht einmal verraten“, stieß sie irritiert aus, „warum ihr mich alle so komisch anseht?“

„Also Kälbchen, so plötzlich…“

„Tja Papa, bin ich wohl doch einmal eher fertig, wie die anderen Assistenten“, freudestrahlend, aß sie weiter und bekam gar nicht mit, wie sehr ihr plötzlicher Stimmungsumschwung, die am Tisch sitzenden, verwirrte.

„Kälbchen, bist du dir sicher, dass alles in Ordnung ist?“, wollte Franz wissen – doch seine Tochter antwortete mit einer Gegenfrage, „Äh, ja! Wieso sollte es nicht?“

Also das war ja wohl die Höhe! Zwar freute Marc sich sehr über die gute Laune seiner Freundin, er verstand aber nicht, warum sie so tat, als wäre die letzten Wochen über, nichts passiert – also beschloss er, doch etwas dazu zu sagen, am Ende vielleicht etwas lauter, als zu Beginn gewollt.

„Mhmm. Chrm. Mal überlegen“, startete er langsam und ruhig, „Vielleicht weil du ganz plötzlich ein Strahlen im Gesicht hast, welches der Sonne wirklich Konkurrenz machen könnte? Nachdem du zuvor mehrere Wochen, wie eine Marc-Meier-Kopie, besser wie das Original, durchs Krankenhaus getrampelt bist und alles und jeden zur Schnecke gemacht hast?!“

„Ist doch alles wieder gut, hm?“, zärtlich strich sie ihm über den Arm und bei dieser, eher beiläufigen Berührung, blieb ihm nicht nur kurz die Luft weg, er war auch kurz zusammengezuckt.

„Kinder“, lächelte Bärbel aufmunternd in die Runde, „Jetzt esst erst einmal auf, ja? Danach kann man, bei einer gemütlichen Flasche Wein, weiterreden.“

„Ich wüsste nicht, was es da noch zu reden gibt Mama“, erwiderte Gretchen, woraufhin Marc sich kopfschüttelnd über den Rest seines Essens hermachte. Nur Franz Haase, war der Einzige am Tisch, der nicht einfach die Ruhe weghatte und sich damit zufriedengab. Hier ging es nicht nur darum, die Beziehung seiner Tochter, um die sie so lange gekämpft hatte, wieder in geregelte Bahnen zu lenken. Es ging auch um die Verpflichtung, seiner Mitarbeiter gegenüber, die schon anfingen, über das Verhalten der Tochter des Chefs, zu munkeln. Er hatte einen Ruf zu verlieren.

„Margarethe! Hier gibt es noch einiges zu klären. Dein Verhalten in den letzten Wochen, ob im Krankenhaus oder privat, waren nicht nur, nicht nachvollziehbar, sondern auch vollkommen unprofessionell!“

„Unprofessionell?“, fragte sie.

„Ja du hast mich schon richtig verstanden“, antwortete ihr Vater aufgebracht, „Immerzu beschwerst du dich, wenn man dich im Krankenhaus ‚Kälbchen‘ nennt“, grinsend nickte Marc im Hintergrund, „Du seist ja keine zwölf mehr und die Kollegen, könnten dich so nicht ernst nehmen. Und dann lässt du dich so von deinen Gefühlen leiten. Während deiner Studienzeit, war mir klar, dass du dich als Ärztin zu einem solchen Verhalten, hinreißen lassen würdest, aber das geht so nicht! Du sollst deine Gefühle im Zaum halten. Das habe ich dir mehr als einmal gesagt.“

„Papa, ich weiß grad wirklich nicht, was los ist. Ich…“, sie war den Tränen nahe – mal wieder. Marc blieb dies natürlich nicht verborgen, doch er war einfach nicht dazu in der Lage, sie tröstend zu streichen, oder in den Arm zu nehmen, weswegen er sich nur knapp entschuldigte, um auf der Terrasse, eine Zigarette zu rauchen.

„Könnte mich jetzt vielleicht mal jemand aufklären?“

„Ja, das kann ich“, zischte Franz, „Du siehst jetzt zu, dass du dich entschuldigst und des Weiteren, dulde ich ein solches Verhalten zukünftig nicht mehr!“

„Pff… Soll ich jetzt jeden persönlich anrufen und um Verzeihung bitten, oder was?“

Die Augen im Kopf verdrehend, zuckte der Klinikchef mit dem Kopf in Richtung Marc, der, in der Hocke sitzend, nachdenklich zu Boden sah. Fragenden Blickes, folgte Gretchen dem Kopfnicken ihres Vaters, nur um dann noch fragender, zurück zu ihren Eltern zu schauen.

„Ach Margarthe…“, seufzte ihre Mutter vorwurfsvoll mit dem Kopf schüttelnd.

„Kälbchen, ihm geht es schlecht.“

„Ja aber… Wieso denn?“

„Das fragst du dich noch? Ich weiß zwar nicht genau, was bei euch los ist, zurzeit. Aber ich weiß, dass du ihn bei jeder Gelegenheit anschreist und in der Luft zerreißt. Was ich im Übrigen“, fügte er an, „auch nicht mehr dulde. Also, auf Station. Er ist noch immer den Oberarzt.“

„Aber… Ich hab doch…“, langsam schien es ihr zu dämmern, „Wollt ihr mir jetzt weismachen, dass Marc zu euch gerannt ist?“





„Chrm“, räusperte er sich umständlich und Gretchen sah verständnislos, zu ihrem Freund auf, „Meinst du ich bin nicht in der Lage dazu selbst mit dir…“

„Allem Anschein nach, ja nicht“, unterbrach die Blondine ihn scharf, woraufhin ihr Vater sie in die Schranken weisen wollte, doch Marc hob die Hand und brachte ihn so, Vorzeitig zum Verstummen, „Ich schlage vor, du meldest dich bei mir, wenn du wieder normal geworden bist!“

Gerade als er sich seine Jacke nehmen wollte, griff die Chirurgin liebevoll seine Hand, „Marc ich…“, doch er unterbrach sie abermals, „Gretchen! Ich habe keinen Nerv mehr. Ich arbeite mich von morgens bis abends, dumm und dämlich. Ich rede mir im OP den Mund fusselig, damit du etwas lernst. Guck mich nicht so ungläubig an. Das was du als ‚ärgern‘ und ‚triezen‘ auslegst, ist nur Motivation. Umgekehrte Psychologie, Gretchen. Ich bin um deine Ausbildung immer bemüht gewesen!“

„Ja… Hättest doch nur was sagen müssen, dann hätte ich dich da nicht unnötig drum gebeten!“

Die beiden blendeten komplett aus, dass sie gar nicht allein waren…

„Oooooar! Darum geht es verdammt nochmal gar nicht. Ich helfe dir unglaublich gerne und es macht Spaß mit dir zusammenzuarbeiten“, echauffierte er sich, „Ich verstehe einfach nicht, warum du dich auf einmal so davon einnehmen und blenden lässt, anstatt einfach das zu machen, was du am besten kannst. Die Sachen auf dich zukommen lassen und gute Laune verbreiten.“

„Mensch Marc. Ich dachte Gigi hat dir bereits erzählt, dass ich durch jede Prüfung durchfalle, bevor ich es packe. Ich will das aber nicht. Ich will bestehen und das nicht gerade ebenso, weil ich eine gute Chirurgin sein will.“

„Deine Doktorarbeit Gretchen. Musstest du die noch einmal wiederholen“, fragte er, versuchte ihren Blick einzufangen und fuhr, nachdem sie einmal mit dem Kopf geschüttelt hatte fort, „Siehst du. Mach dir darüber nicht so viele Gedanken. Du bist eine verdammt gute Ärztin und mir eine große Hilfe. Heute Mittag als ich die Akten durchgesehen habe, musste ich wirklich schmunzeln. Die Post-Its, waren einfach zu herrlich.“

„Ich dachte mir ich“, flüsterte sie beschämt dem Boden zu.

„Du brauchst dich mir gegenüber, gar nicht zu rechtfertigen. Du hast deine Arbeit gemacht und nachdem du dir sicher warst, eine Diagnose gestellt – wie du es immer machst. Nicht eine lag daneben Gretchen. Es war alles auf den Punkt, richtig diagnostiziert und dabei hast du die Hälfte der Patienten, nicht einmal persönlich gesehen.“


Voller Stolz, sah Franz Haase zu seiner Tochter. Doch währte dieser Blick nur kurz, denn Gretchen zog Marc an seinem Hemdkragen zu sich herunter und küsste ihn zärtlich. Ihre Hände, streichelten über seinen strammen Rücken und als Marc endlich die Augen schloss, zog er sie mit der einen Hand, näher an sich heran, vergrub die andere, in ihren dichten Haaren und verlor sich in ihr.

Ganz verliebt sah Bärbel dem regen Treiben der beiden zu, wohingegen Franz es äußerst unangenehm war, seine Tochter und seinen besten Mitarbeiter, SO zu sehen und als der Kuss immer leidenschaftlicher und fordernder wurde, räusperte er sich mehrmals. Doch die beiden lösten sich nur ganz langsam voneinander. Tief blickten sie sich in die Augen, sahen das Verlangen, des jeweils anderen darin und wünschten sich, der Abend wäre schon zu Ende… Doch noch immer stand der Braten auf dem Tisch, der Nachtisch wartete im Kühlschrank auf seinen Einsatz und die obligatorische Scrabble-Runde, war auch noch nicht abgehalten worden.

Widerwillig, ergab sich Marc seinem Schicksal und setzte sich, nach dem aufmunternden Lächeln seiner Freundin, welches er so vermisst hatte, wieder an den Tisch.






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Choconussa Offline

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06.06.2017 19:11
#6 RE: Story von Choconussa Zitat · antworten





Kapitel Sechs - Versöhnung, Verwirrung, Verwandtschaft







Währenddessen bei Doktor Kaan


„…ja und dann, lässt der mich einfach sitzen!“, Mehdi saß zusammen mit Gina auf der Couch und war dabei, ihr von seinem Tag zu erzählen. Und die Chirurgin aus London, hörte ihm aufmerksam zu und wählte ihre Worte weise, bevor sie ihm Antwortete, „Weißt du… Irgendwo verstehe ich ihn ja, dass er auf das Gerede, keine Lust mehr hat. Ich weiß ja von Gretchen, wie lang, wie viel und vor allem, was alles geredet wurde. Aber ich denke auch, dass er es sich selbst zuzuschreiben hat, wenn er, von dieser Krankenschwester zum Beispiel, als notgeiler Macho abgestempelt wird.“

„Gina, es geht mir und ihm denke ich auch nicht, darum, was irgendwer von ihm denkt. Mir geht es in erster Linie darum, dass er an meiner Freundschaft zweifelt“, warf er aufgebracht ein.

„Ach Unsinn“, schüttelte die Brillenträgerin den Kopf, „Du bist, warum auch immer, sein bester Freund. Ich denke, er weiß ganz genau, dass du immer für ihn da bist, auch wenn du mal nicht sofort merkst, wenn etwas im Busch ist.“

Mit diesen Worten, lehnte sie sich entspannt, mit ihrem Glas Wein in der Hand zurück und genehmigte sich einen Schluck. Einige Minuten verstrichen, bis Mehdi sie von der Seite ansah und bedrückt sagte, „Er wollte mit mir reden…“

„Und warum, habt ihr nicht?“

„Na, weil das was die beiden da zu haben schienen, Kindergarten für mich war und ich nicht richtig zugehört habe.“

„Mh, was sagt er denn dazu?“, wollte Gina wissen, also erzählte Mehdi ihr, von allem, was er im Krankenhaus mitbekam und was Marc ihm, bei Gesprächen darüber, gesagt hatte, „Ich verstehe dich Mehdi, wirklich. Du machst dir Gedanken um die beiden, immerhin sind sie deine besten Freunde. Aber denkst du nicht auch, dass die beiden auch alt genug sind, um mit ihren Problemen, allein fertig zu werden?“

„Zumindest bei einem von den beiden, bin ich mir nicht so sicher. Hat Gretchen dir gegenüber, gar nichts erwähnt?“

„Von Problemen mit Marc nicht, nein. Ich weiß nur, dass sie ziemlich viel um die Ohren und deswegen wenig Zeit hat. Hin und wieder, hat sie mir einzelne Fragen zu den Themen ihrer Facharbeit gestellt. Ansonsten, schien es ihr aber immer sehr gut zu gehen. Aber in Bezug auf Marc, sprechen wir so oder so recht wenig.“

„Wieso? Ich dachte die Sache zwischen euch, wäre vom Tisch?“

„Das ist sie auch Mehdi“, seufzte sie auf, „Auch das, was in Afrika alles gesagt, oder eben nicht gesagt wurde, hat sich für meinen Teil, erledigt. Allerdings bin ich noch immer der Meinung, dass er ihr nicht guttut. Gretchen ist einfach schon immer eine Träumerin gewesen. Was passiert, wenn er ihr diese Träume, nicht erfüllen kann? Ihm seine Freiheit irgendwann, doch wieder fehlt und er sie eventuell betrügt?“

„Er würde sie nicht betrügen“, lachte Mehdi auf.

„Das weiß niemand von uns. Marc hat mich damals, mit seinen Worten, sehr verletzt und er wollte Gretchen verletzen. Vielleicht hat er sich in dem einen Jahr, geändert. Doch wer sagt, dass es auf Dauer, auch so bleiben kann? Die Garantie dazu, gibt uns niemand. Es kann aber auch ganz anders kommen und mein Gefühl täuscht mich.“

„Das hoffe ich doch sehr. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was passiert, wenn es nicht klappt, zwischen den beiden.“

„Viele Tafeln Schokolade, sehr oft Titanic, oder andere Liebesfilme, sehr viele Taschentücher und unglaublich viele Gespräche, von denen man nur die Hälfte versteht.“
Die beiden grinsten sich an und weil Gina bemerkte, dass die Geschichte ihren Freund nicht losließ, machte sie einen verblüffenden Vorschlag, „Ruf ihn doch einfach mal an. Eigentlich sollten die beiden schon wieder daheim sein. Lad sie zum Essen ein, mach irgendwas. Aber hör auf dir das Hirn zu zermartern, das bringt dir gar nichts, mh?“

„Du hast recht. Man Gina, tut mir leid, dass ich unseren Abend versaut habe…“

„Das hast du ganz und gar nicht. Reden ist wichtig. Eines der vielen Dinge, die deine beiden Freunde, immer wieder vergessen“, mit diesen Worten stand sie auf und ging ins Bad. Mehdi versuchte unterdessen, seinen besten Freund zu erreichen. Auf dem Festnetzanschluss, dem Handy, sogar eine kurze E-Mail schieb er ihm, ohne Erfolg.

„So ein Mist verdammter“, fluchte der Gynäkologe gereizt, weil er, wie schon die sieben Male zuvor, nur die Mailbox an die Strippe bekam.

„Allesch okay?“, fragte Gina, ohne Brille auf der Nase – dafür aber mit Zahnbürste im Mund, als sie mit dem Kopf aus dem Bad lugte.

„Dieser verdammte Sturkopf. Nirgendwo ist er zu erreichen. Dabei wollte er sich eigentlich melden und wenn man ihm dann zuvorkommen möchte, geht der nicht ran!“

„Vielleicht schlafen die beiden ja schon“, zuckte Gina mit den Schultern und hielt noch immer ihre Zahnbürste in der Hand, „Bärbel kann ja schon anstrengend sein manchmal. Ich versuch es gleich einfach mal bei Gretchen.“




Doch irgendwo, in einem Berliner Altbau, wurde noch lange nicht ans Schlafen gedacht. Zwar war es, wie immer, recht spät geworden, doch wen interessierte die Uhrzeit, wenn sich Deutschlands begabtester Jungchirurg, an einem weiblichen Hals festsaugte? Wen interessierte, dass penetrante Klingeln des Telefons, wenn eben besagter Mann, sich an einer geblümten Bluse zu schaffen machte und einen nackten Frauenkörper, gegen die kühle Wand drückte? Doch als das Handy gefühlt zum ein hundertsten Mal klingelte, wurde es selbst Gretchen etwas zu bunt.

„Marc?... Marc!... Marc, dein Handy… Willst du… Willst du nicht…“, sie konnte sich nicht mehr richtig konzentrieren. In ihrem Kopf, schien es nur noch geschmolzene Vollmilchschokolade zu geben und als ihr Verführer sich kurz von ihr löste, um sie frech anzugrinsen, war das Telefon wieder vergessen.

„Nein!“, sagte er bestimmt, hob sie hoch, ließ sie ihre Beine um seine Hüfte schlingen und trug sie ins Schlafzimmer…




Mitten in der Nacht, als der Oberarzt und seine erste Assistenz, vollkommen im Einklang mit sich selbst, Arm in Arm in dem großen runden Bett lagen, wollte Gretchen noch etwas loswerden, „Du Maaaahaaarc?“

„Hm?“, er war ganz froh, dass es dunkel war und sie sein Augenrollen nicht sehen konnte – er hasste es, nach dem Sex zu reden.

„Ich glaube, mein Vater hat recht“, führte sie kleinlaut fort und weckte somit Marcs Interesse, „Womit?“

„Ich muss mich bei dir entschuldigen Marc. Manchmal, wusste ich ja selbst nicht was mit mir los war. Vielleicht habe ich mich wirklich einfach, viel zu sehr, selbst unter Druck gesetzt. Immer allem genügen zu müssen. Ansprüche zu erfüllen. Ich mein, mein Vater will, dass ich eine gute Chirurgin werde und meiner Mutter wäre es ganz recht, wenn ich zu Hause bleiben und dir das Abendessen kochen würde. Du bist da immer völlig unvoreingenommen. Du hilfst mir, wenn ich Hilfe brauche und ich habe nichts Besseres zu tun, als dich nur noch anzuschnauzen.“

Erstaunt sah er hinunter, auf die blonde Lockenpracht, die es sich auf seiner Brust gemütlich gemacht hatte, „Heulst du?... Gretchen?“

„Es tut mir sooohooo leihihid“, wimmerte sie.

„Hey“, vorsichtig hob er ihren Kopf an, sodass sie ihn ansehen musste, „Es war wirklich nicht sonderlich schön, weil ich das Gefühl hatte, dich nicht mehr zu kennen. Aber so bist du normalerweise nicht und ich denke auch nicht, dass es noch einmal vorkommen wird, dass du so bist. Ich werde dir jetzt nicht sagen, dass dein Vater zu streng war. Immerhin, hat er Recht. Im Krankenhaus, bin ich vor allem eines: Dein Oberarzt, nicht dein Freund! Und es stimmt auch, dass du einfach oft, viel zu emotional reagierst. Du musst lernen das abzustellen.“

„Man das weiß ich doch. Es ist halt einfach schwer. Vielleicht ist das doch nicht das richtige für mich und meine Mutter hatte Recht.“

„Nach all der Arbeit, schon wieder Selbstzweifel?“

„Ja Herrgott nochmal, Maaarc“, echauffierte sie sich, „Ich bin aus irgendeiner Praxis vom Dorf, ins Krankenhaus gekommen, weil mich mein damaliger Verlobter betrogen hat. Ich wollte den Männern doch einfach nur beweisen, dass wir Frauen es auch ohne sie schaffen können und was passiert? Du tauchst wieder auf der Bildfläche auf und bringst meine komplette Gefühlswelt durcheinander. Ja und dann bin ich eigentlich auch nur deinetwegen geblieben, auch wenn ich meine Arbeit im Krankenhaus, wirklich gern mache.“

„Gretchen, ich werde mich jetzt, dafür das ich Arbeite, sicherlich nicht entschuldigen. Und wenn du mal ganz ehrlich bist, hast du es doch geschafft. Vielleicht ein bisschen anders, wie gedacht – aber damit gerechnet, hat keiner. Deinen Facharzt, hat du so gut wie in der Tasche, Professorentöchterchen“, grinste er sie an und obwohl sie es nur an seinem Tonfall erahnen konnte, wusste sie, dass es das war, was es immer war: Spaß!

„Idiot“, kicherte sie und kniff ihm leicht in die Seite, woraufhin gleich eine meiersche Ganzkörperkitzelattacke folgte…




Am nächsten Morgen, merkte man schon beim Betreten des Krankenhauses, dass etwas anders war. Es war ruhig. Zu ruhig. Und als Mehdi Kaan, an diesem Morgen das Stationszimmer betrat, hatte er mit allem gerechnet. Trauermienen, weil Doktor Meier und Doktor Haase sich gegenseitig erdolcht hatten. Die Nachricht, dass Marc das Land verlassen und Gretchen sich freistellen lassen hatte. Aber niemals hätte er, mit einer fröhlich vor sich hin summenden Gretchen Haase gerechnet, die sich gut gelaunt an der Kaffeemaschine zu schaffen machte. Er wollte sie gerade vorsichtig darauf ansprechen, da kam schon der nächste Strahlemann angerauscht. Pfiff Marc Meier da etwa die Titelmelodie, der bezaubernden Jeannie? Mehdi verstand die Welt nicht mehr und auch seinem besten Freund, stand die Verwunderung ins Gesicht geschrieben, denn das Bild, welches sich bot, war nicht das Bild, welches er morgens zu sehen bekam.

„SAAAA…Biin… Äh, wieso genau, kochst DU Kaffee?“, kurz räusperte er sich, denn seine Stimme war ein oder zwei Oktaven zu hoch geraten, als er seine Herzdame angesprochen hatte, die leicht aufseufzte, als sie ihm antwortete, „Sabine ist grad noch in der Patho. Günni irgendwas bringen… Ich hab nicht so genau hingehört – ach, guten Morgen Mehdi“, fügte sie an, als sie sich umdrehte…

„Ja… Äh, morgen.“

„Also, ich weiß ja nicht was der Oberarzt, der zur Vertretung hier war, so alles hat durchgehen lassen. So geht es aber nicht! Sie hat verdammt nochmal Schicht und hier zu sein. Nicht bei ihrem Kellerkriecher.“

„Och Marci. Nicht schmollen, hm? Bekommst ja gleich deinen Kaffee.“

„Du wirst ja schon wieder frech“, anzüglich grinste er sie an, „Hat dir die kleine Abreibung heute Nacht, wohl nicht gereicht, was?“

Verwundert sah Mehdi von Marc zu Gretchen und wieder zurück, „Ähm, alles okay bei euch?“

„Ja“, antworteten die beiden wie aus einem Munde.

Kopfschüttelnd, ließ er die beiden erst einmal allein und ging weiter, in die Umkleide. Allerdings war er sich kurze Zeit später sicher, dass zumindest Marcs gute Laune, nicht lange vorhalten sollte…

„Marc Olivi…“

„MUTTER, WAG ES DICH NICHT WEITERZUSPRECHEN!“, unterbrach er die Rufe über den Stationsflur laut und wünschte sich, zeitweise, auf einen anderen Planeten.

„Mein Junge. Deiner Mutter geht es gar nicht gut“, hauchte die Erfolgsautorin erschöpft und hielt sich, um ihr schlechtes Befinden, etwas zu verdeutlichen, die Hand vor die Stirn, als sie neben ihrem Sprössling zu stehen kam, der erwartungsvoll, zu seiner Mutter herübersah. Wohl in der Hoffnung, eine Erklärung von ihr zu bekommen, die, wie so oft, ausblieb.

„Okay“, seufzte er auf, „Warum geht es dir nicht gut?!“

„Ich glaube, irgendwas stimmt mit meinen Tabletten nicht, Olivier!“

„Nenn mich nicht so“, sagte er bestimmt, „Welche Tabletten Mutter?

„Na die, gegen meine Wechseljahre.“

Mit großen Augen, sah er in die Runde und glaubte, seine Mutter käme von einem anderen Stern, „Seh ich aus wie ein Gynäkologe?! Damit habe ich ja wohl nichts zu tun. Mach nen Termin bei Kaan. Der hat dich immerhin auf die Tabletten, die dir das Ganze im Übrigen, erleichtern soll und nichts bekämpft, eingestellt.“

„Guten Morgen, Frau Fischer“, kam besagter Oberarzt, mit schiefem Kittel schnell ins Stationszimmer geeilt, um den sich anbahnenden Tobsuchtsanfall, des Chirurgen, zu verhindern, „Wo drückt denn der Schuh, hm?“

„Also. Das möchte ich nicht unbedingt hier…“, antwortete sie mit einem Seitenblick auf Gretchen, „chrm…besprechen. Wenn Sie verstehen?“

Da stand sie nun, mit dem freundlichsten Lächeln, welches sie in den Untiefen ihrer Arroganz gefunden hatte und brachte ihren Sohn dazu, kopfschüttelnd auszuschnauben, während Gretchen ergeben dem Kopf in den Nacken fallen ließ. Mehdi hingegen, der immer die Ruhe selbst war, lächelte ebenso gekünstelt wie Elke und bat sie, ihn in sein Büro zu begleiten.

„Irgendwann“, sagte Marc seiner Freundin, als seine Mutter außer Hörweite war, „drehe ich ihr den Hals um. Wie lange macht sie das nun schon?“

„Seitdem wir wieder hier sind und sie uns eng umschlungen, in deinem Büro angetroffen hat. Ich kann mich auch noch genau an ihre Wortwahl erinnern“, übertrieben ahmte sie ihre Schwiegermutter in Spe nach, „Sie hat nicht genug Klasse, um mit einem so talentierten, jungen Mann auszugehen.“

„KEINE, der Frauen, die ich ihr vorgestellt habe, hatte genug Klasse.“

„Na ja – ne?“

„Na ja, ne – was?“, fragte er sie mit hochgezogenen Augenbrauen.

„Sonderlich viel im Kopf, hatten die Frauen die du sonst so hattest, ja nun wirklich nicht.“

„Mhm, stimmt. Aber was die nicht im Kopf hatten, hast du dafür an den Hüften.“

„Also… Pff… Ich mag mich, wie ich bin“, schmollte Gretchen.

„Halte ich für ein Gerücht“, zweifelte Marc direkt an und hatte sogar Beweise, „Ich habe den Diätplan, den du im Spind hängen hast, ganz genau gesehen. Der wird dir aber nicht viel nützen, Hasenzahn. Weihnachten steht vor der Tür. Deine Mutter wird unglaublich gut kochen, du wirst dich vollstopfen und am Ende, heulen!“

„Sach mal“, wollte sie sich über seine Unverschämtheit empören, doch Marc beachtete sie gar nicht und schlürfte, an der Wand angelehnt, genüsslich seinen wohlverdienten Kaffee.

„Na?“, kam Mehdi grinsend wieder hinzu und genehmigte sich ebenfalls, eine Tasse des schwarzen Golds, „Der heile Frieden bei euch schon wieder vorbei?“

„Bitte?“

„Guck doch nicht so selten dämlich aus der Wäsche Meier! Gestern seid ihr euch noch an die Gurgel gesprungen und heute ist in aller früh, Flower-Power ausgebrochen.“

Darauf wollte Marc nicht eingehen, „Was war mit meiner Mutter?“

„Nichts Weltbewegendes. Sie dachte, es wäre klug, zwei Tabletten auf einmal zu nehmen, weil sie die Abenddosis, immer vergisst. Sollte sich in ein oder zwei Tagen, also von allein regeln.“

„Gut. Dann geh ich jetzt schon einmal die Visite vorbereiten, also… Nachdem ich Sabine aus der Patho gezerrt habe. Duuuu könntest ja dann maaahal“, zuckte Gretchen mit dem Kopf in Richtung Mehdi, was bei Marc wieder mal ein Augenrollen seinerseits zur Folge hatte und sie fragte sich insgeheim, ob er davon nicht langsam Kopfschmerzen bekam. Doch sie gab ihm grinsend einen Kuss auf die Wange und schon war sie auf und davon. Sehnsüchtig, sah Marc ihr nach… Am frühen Morgen, kam ihm sicherlich so einiges in den Sinn, aber garantiert nicht, ein Kaffeekranz, mit Mehdi.






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Choconussa Offline

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22.11.2017 06:07
#7 RE: Story von Choconussa Zitat · antworten





Kapitel Sieben - Sabine und Günni Gummersbach
| Flashback Teil Eins - Eine Einladung |







Kurz darauf in der Pathologie


„Sabine?“, rief Gretchen leise in die Räumlichkeiten des Pathologen, als sie den Kopf durch die Tür steckte und erschrak. Sabine stand plötzlich direkt vor ihr, „Ja Frau Doktor?“.

„Chrm…chrm. Sind Sie soweit? Wir müssten langsam die Visite vorbereiten.“

„Oh je…“, hauchte die blonde Krankenschwester verträumt in die nicht vorhandene Ferne. „Der Kaffee.“

„Ach keine Sorge Sabine. Den habe ich schon gekocht. Wir wollen ja nicht, dass der Doktor Meier ungemütlich wird.“

„Bienchen geh doch schnell“, sagte Günther Gummersbach liebevoll zu seiner Ehefrau. „Wir essen ja dann später in der Kantine zusammen. Oberschwester Stefanie hat mir versichert, dass heute erst frisch geputzt wurde.“

„Achso! Ja dann geh ich mal, mein Puschelbärchen“, säuselte Sabine und stellte sich auf Zehenspitzen, um ihrem Mann schüchtern zu küssen. Bei diesem Anblick musste Gretchen verliebt lächeln, und erinnerte sich an die Hochzeit der beiden und den damit verbundenen Unannehmlichkeiten.



Flashback


Liebes Tagebuch,

du wirst es nicht glauben… Morgen ist es endlich soweit! Wir fliegen für zwei Wochen zurück nach Berlin. Und ich freue mich nicht nur darauf, meine Eltern wiederzusehen. Am meisten freue ich mich für Günni und Sabine. Kann gar nicht glauben, dass die beiden tatsächlich heiraten wollen. So schnell.

Hier bei uns in Ouagadougou ist weiterhin alles unverändert. Mehdi und Gigi verstehen sich blendend. Manchmal komme ich da gar nicht mehr mit. Immer wenn die beiden über Zukunftspläne sprechen, pflichteten sie sich so vehement bei. Als ob sie uns was verheimlichen würden. Hm. Vielleicht sollte ich doch mal wieder meine Spürnase einschalten.

Und Marc? Tja Marc! Er ist halt, nun ja… Marc. Es ist frustrierend. Ich verlange wirklich nicht viel von ihm. Wie auch? Mehdi erinnert mich ja ständig daran, dass ich ihn nicht drängen darf. Dabei frage ich mich langsam wirklich womit. Immerhin ist er nun schon seit drei Monaten mit mir hier. Ich möchte doch nur einen kleinen Einblick in seine Gefühlswelt haben. Etwas über seine Vergangenheit erfahren. An seinem Leben teilhaben… Oh. Ich höre ihn auch schon wiederkommen. Packe lieber schnell weiter… sonst darf ich mir wieder seine dummen Sprüche anhören.



„Hasenzahn?“, hörte sie ihn noch vor der Tür rufen und ehe sie sich versah stand er, mit nacktem Oberkörper in ihrem gemeinsamen Zimmer.

„Jahaaaa!“, flötete sie ihm zu und tat so, als wäre sie mit nichts anderem, wie ihrem Koffer beschäftigt.

„Hast du mein T-Shirt geseh-… Ach! Du hast es an“, grinste er vergnügt und blieb mit verschränkten Armen in der Tür stehen.

„Es ist halt bequem.“

„Hach! Und es riecht nach dir“, sang Marc in einer sehr schiefen und hohen Tonlage.

„Was genau, war das jetzt?“

„Och nüchts“, wiegelte er ab und sein Grinsen wurde immer breiter. „Ich wollte nur deinen Gedankengang zu Ende führen.

„So ein Blödsinn! Ich mag es halt“, schnaufte sie beschämt auf, wand sich allerdings, leicht errötend, sofort von ihm ab. „Weils von dir ist“, schloss sie kleinlaut.

„Mhm“, nuschelte Marc als Antwort. „Du Gretchen… Sag mal, wenn dieser Tropendoktor in zwei Wochen herkommen kann, können wir dann nicht einfach in Berlin bleiben?“

„Man Marc! Das habe ich dir doch schon dreimal gesagt“, echauffierte sie sich. „Ich will das hier wirklich durchziehen und ich dachte, wir wären uns einig!“

Und prompt, war er wieder da. Dieser Blick! Nach irgendeinem Ausweg suchend. Als ob er hoffte, Rettung zu finden und aus dieser Geschichte wieder herauszukommen. Dieser Gesichtsausdruck bedeutete vor allem eines: Wo ist der Notausgang?!

Wie immer, schmerzte es Gretchen ihn so zu sehen. Drei Monate waren vergangen. Drei Monate führten sie so etwas wie eine Beziehung. Sie lachten viel miteinander, küssten sich öfter, als dass sie Gespräche führten. Doch immer, wenn jemand über die Zukunft sprechen wollte, setzte Marc diesen Blick auf. Zu Anfang, war es noch ganz niedlich gewesen. Wie er ganz plötzlich, so verloren durch die Gegend blickte. Von Mal zu Mal, wurde es jedoch nicht nur nerviger, sondern auch schmerzhafter. Sie bekam Angst. Angst davor, wie Marc sich verhalten würde, wenn sie wieder in Berlin waren. Besonders im Hinblick auf die Hochzeit. Die Kollegen aus dem Krankenhaus und ihre Eltern würden dort sein und Marc kannte Bärbel nur zu gut. Er wusste, dass sie nur darauf wartete, ihre Tochter endlich unter die Haube zu bekommen. Schon als Gretchen ihrer Mutter eröffnete, dass Marc sie auf die Trauung begleiten würde, war die Hausfrau vollkommen aus dem Häuschen. „Aber Gretchen? Du musst mir versprechen, dass ihr nicht ohne uns heiratet. Und dann auch noch bei den Wilden“, hatte sie gesagt.

Gretchen wollte sich gar nicht ausmalen, was ihre Mutter auf der Hochzeitsfeier alles vom Stapel lassen würde. Sie musste unbedingt intervenieren!

„Du Marc? Mir wäre es ganz lieb, wenn wir meinen Eltern aus dem Weg gehen würden“, sagte sie nach reiflicher Überlegung.

„Wieso denn das?“, fragte Marc verwundert und faltete seine Hose, die er zuvor achtlos in den Koffer geworfen hatte. „Ich dachte ihr freut euch, euch zu sehen und Zeit miteinander zu verbringen.“

„Ja das schon. Ich möchte halt einfach nur nicht, dass du von meiner Mutter ständig umkreist und mit Fragen bombardiert wirst. Das ist alles.“

„Verstehe ich nicht. Deine Mutter ist doch… na ja… ganz – nett!“

„Maaaarc! Es geht mir doch nur darum, dass du dich nicht die ganze Zeit mit ihren Zukunftsplanungen rumschlagen musst. Wir gehen auf eine Hochzeit“, sagte sie und streckte dabei jedes Wort, als ob sie mit einem geistig Verwirrten sprechen würde. „Da klingeln bei ihr doch gleich die Glocken und ehe wir was machen können, ist sie schon in die Planungen für unsere Hochzeit verstrickt.“

Schlagartig hielt Marc in seiner Bewegung inne und sah erneut hilflos durch den kleinen Raum. Gerade als Gina den Raum betrat, setzte Gretchen sich betreten auf das großzügige Strohbett und sah zur Seite. Natürlich wusste ihre beste Freundin, dass ihr Tränen in den Augen standen und die Harvard Absolventin, wusste sofort was oder besser gesagt, wer, der Grund dafür war.

„Na?! Wieder das leidige Thema ‚Zukunft‘ zur Sprache gekommen?“, fragte sie bissig. Doch anstatt eine Antwort zu erhalten, sah sie, wie Marcs Hand automatisch seinen Hals entlangfuhr. Allerdings war diese Geste bei weitem kein Geheimnis und bestätigte somit ihren Verdacht. „Mein Gott Marc!“, fauchte sie ihn an.

„Was?“, fragte er verwundert.

„Wie lang genau, wolltest du jetzt noch so tun, als gäbe es nichts zu sagen?“

„Gibt es doch auch nicht“, räusperte er sich umständlich. „Ich geh dann jetzt maaaal…“

Offenbar suchte er mal wieder nach einer seiner peinlichen Ausreden, um der Situation möglichst unauffällig zu entkommen. Auch das kannte Gretchen nun schon zu genüge. Weswegen sie auch schon fast schmunzelte, als sie ganz unschuldig fragte: „Duschen?“

„Ja! Genau!“, nickte er ihr schnell zu. „Duschen. Ich geh jetzt schnell duschen.“

Draußen vor der Hütte in der sie wohnten, hatte man eine provisorische Dusche aufgebaut. Und der Idiot von einem Mann, den Gretchen von ganzem Herzen liebte, ging direkt in die Küche – wo allerdings keine Dusche auf ihn wartete. Lauthals fingen die Frauen an zu lachen. Als sie sich wieder etwas beruhigt hatten, nahm sich die blonde Brillenträgerin, sich ihrer besten Freundin an.

„Mausi?“, fragte sie. „Wie lang willst du ihm das jetzt noch durchgehen lassen?“

„Ich will ihn halt nicht drängen.“

„Nicht drängen?“, fragte Gina ungläubig. „Gretchen ihr turnt hier, verliebt bis über beide Ohren rum. Seit drei Monaten! Albern wie zwei Teenager kurz vor ihrem Abschlussball. Aber sobald jemand auch nur im Ansatz etwas über eure Zukunftsplanung wissen will, rauscht der ab! Und das auch noch überaus peinlich.“
„Ach Mensch Gigi“, jammerte Gretchen. „Vielleicht hat er ja auch einfach Angst.“

„Wovor soll Marc Meier denn bitteschön Angst haben?“

„Vor Nähe vielleicht? Oder sich jemandem ganz zu öffnen. Sich jemandem anvertrauen. Vielleicht denkt er, dass es bei uns irgendwann so wird, wie bei seinen Eltern“, erklärte sie wild gestikulierend. „Manchmal frage ich mich wirklich, warum die beiden nicht einfach so sein konnten, wie meine Eltern.“

„Nun ja. Die sind ja auch nicht gerade ein Paradebeispiel“, merkte Gina an.

„Wieso?“

„Die beiden haben sich fast scheiden lassen Gretchen.“

„Genau. FAST!“, sagte die Chirurgin und pfefferte aufgebracht ihre Haarbürste in ihren Koffer.

„Und trotzdem leben sie weiterhin getrennt.“

„Es ist halt nicht immer ganz so einfach. Sie befinden sich auf einem guten Weg.“

„Laut deiner Mutter“, erinnerte Doktor Amsel ihre beste Freundin. „Wie auch immer… Ich glaube nicht, dass Marc Angst vor Nähe haben könnte. Hat er ja auch nicht, wenn er mit dir schläft.“

„Das kannst du ja wohl nicht vergleichen Gina!“, echauffierte sie sich. „Emotional ist es doch was ganz anderes, als körperlich.“

„Vergiss es Gretchen. Du wirst noch ewig darauf warten, dass er dir sagt, dass er dich liebt, dich heiraten und dir Kinder schenken wird!“, mit diesen Worten erklärte Gina das Gespräch für beendet. Sie sah zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn darin sich Mühe zu geben, ihrer besten Freundin doch noch die Augen zu öffnen.

Und wenn Gretchen ehrlich zu sich selbst war und ganz tief in sich hineinhörte, war das, was Gina eben gesagt hatte, genau das, wovor sie am meisten Angst hatte. Sie hatte Angst, dass alles irgendwie in der Schwebe blieb. Oder schlimmer… Wenn er doch noch eine Möglichkeit finden würde, sich aus der Affäre zu ziehen. Wahrscheinlich kam daher der Wunsch, nach der Hochzeit einfach in Berlin zu bleiben. Dort hatte er wesentlich mehr Möglichkeiten. Diese Gedanken, machten sie wahnsinnig… Aber wer konnte ihr schon die Gewissheit geben, dass das mit Marc, für die Ewigkeit war?


Derweil bei Marc

Der Chirurg war, nachdem er vollkommen verwundert festgestellt hatte, dass er an die Küchenzeile gelaufen war, doch noch vor die Tür gegangen. Er musste den Kopf frei bekommen. Irgendwo im Nirgendwo, dachte er, während er neben Zwambe herlief. Zwambe Woubayehu hatte sie damals vom Landeplatz abgeholt. Er war nicht nur dafür zuständig, dass sie problemlos von A nach B kamen, er war den vier deutschen Ärzten in den drei Monaten, in denen sie in seinem Dorf lebten, auch ein guter Vertrauter geworden. Der Afrikaner hörte immer zu, wenn es Probleme gab und Marc wusste nicht warum, aber bei ihm konnte er reden. Immer wenn er sich überladen fühlte, begleitete er Zwambe bei seinem abendlichen Kontrollgang und redete sich alles von der Seele. So auch heute.

„Du reden mit sie!“, sagte Zwambe laut und auch wenn Marc sich inzwischen gut an seine Aussprache gewöhnt hatte, musste er noch immer ganz genau hinhören, damit er alles verstand.

„Worüber? Sag mir, worüber ich mit ihr reden soll.“

„Angste“, antwortete der hochgewachsene Afrikaner, als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt. „Du sagen sie Angste. Dann versteht.“

„Angst. Pff… ich habe keine Angst!“

„Du viel Angste. Wenn behandel Baby und sie strahle, Du Angstegesicht“, meckerte Zwambe. „Warum Du Angste?“

„Zwambe, ich habe keine Angst“, sagte der Chirurg mit Nachdruck. „Ich habe einfach keine Lust, mein ganzes Leben zu verplanen. Das ist mir zu früh. Verstehst du was ich meine?“

„Ick versteh! Sie nickt verstehe. Du bei sie musse reden. Dann sie verstehe. Dann es leicht. Immer schwer bei Liebe nickt rede. Problem. Nickt gut.“

Natürlich verstand Marc, was sein afrikanischer irgendwie Freund ihm damit sagen wollte. Doch näher darauf eingehen, wollte er diesmal nicht.

„Ick sehe verstehe. Du musse gehe rede. Sie viel weine. Gutes Frau Du hast. Du nickt mache Problem, weil nickt rede.“, waren Zwambes letzten Worte an ihn, ehe sie getrennte Wege gingen.




Als Marc an der Hütte ankam und wieder in das gemeinsame Zimmer ging sah er, wie Gretchen noch immer genau da saß, wo sie schon gesessen hatte, als er gegangen war. Sie hing ihren eigenen Gedanken nach und wr so sehr darin versunken, dass sie ihn nicht sofort bemerkte. Marc wusste, dass es von Tag zu Tag schwieriger werden würde, sich ihr zu erklären und langsam gingen ihm auch die Ausreden aus.

Zwambe hatte vollkommen recht. Er musste endlich mit ihr reden. Irgendwann… Doch noch nicht heute. So gern er auch wollen würde – er konnte einfach noch nicht aus seiner Haut.

„Marc?“, riss Gretchen ihn aus seinen Gedanken, nachdem sie sich bereits hingelegt hatte. „Hab ich Schokolade im Gesicht oder warum starrst du mich so an?“

„Na ausnahmsweise ja mal nicht, ne?!“, grinste er sie frech an.

„Mir ist grad wirklich nicht nach deinen dummen Scherzen!“

„Wonach wäre dir denn dann?“, flüsterte der Chirurg anzüglich, als er es sich neben ihr bequem machte und zärtlich ihre Schulter liebkoste.

„DANACH, ist mir auch nicht Marc!“

„Okay. Raus mit der Sprache! Was ist los Gretchen?“

„Nichts.“, kam mit brüchiger Stimme zurück.

„Hmm, nichts!“, sagte er und sein Tonfall ließ darauf schließen, dass er ihr nicht glaubte. „Danach sieht es mir aber nicht aus, wenn die Brillenschlange mich anschaut als würde sie mich jeden Moment umbringen wollen und du hier sitzt, als wäre gerade auf der ganzen Welt, die Schokoladenproduktion eingestellt worden.“

Mehr wie ihren Freund ungläubig anzuschauen, brachte sie nach dieser dreisten Aussage, nicht zustande.

„Also. Sag mir bitte was los ist Hasenzahn.“

Böse funkelte sie ihn an: „Was, wenn ich nicht darüber reden möchte, OLIVIER?“

Marc holte tief Luft um gerade seine gewohnte Antwort auf diesen verhassten Namen zu geben, als Gretchen ihre Hand hob und ihm bedeutete zu schweigen.

„Weißt Du Marc, ich habe Angst davor, nach Hause zu fliegen. Auch wenn es nur für kurz ist. Meine Eltern, werden uns am Flughafen abholen und dann… Dann sehen sie, dass das zwischen uns nicht das ist, was sie denken, dass es ist. Sie werden unglaublich enttäuscht sein. Na ja. Meine Mutter wird enttäuscht sein. Mein Vater wird dich wahrscheinlich Zwangsversetzen“, erklärte Gretchen. „Wahrscheinlich lässt du wieder den Obermacho raushängen. Und unsere Kollegen werden auf der Hochzeit Fragen stellen. Ob da jetzt was zwischen uns ist und wenn ja, was. Keiner von denen weiß, dass du wegen meiner hier bist und nicht, um mir auf die Finger zu schauen. Immerhin bin ich ja nur eine naive Assistenzärztin!“, schmollte sie beinahe und Marc verdrehte ungesehen die Augen. „Versteh mich nicht falsch. Ich freue mich darauf, endlich mal wieder in Berlin zu sein. Aber ich mache mir einfach Gedanken, über die Fragen, die wir uns selbst noch nicht einmal beantworten können.

Wieder griff Marc, wie bei einem Reflex an seinen Hals: „Hasenzahn! Sabine und dieser merkwürdige Kellerkriecher heiraten. Meinst du nicht auch, die Leute werden über andere Dinge reden? Das wird mit Sicherheit die abgedrehteste Hochzeit, des Jahrtausends. Und selbst wenn sie reden sollten… Lass sie doch!“

„Mir ist es aber nicht egal was die anderen von mir denken!“, antwortete sie ihm aufgebracht.

„Hör zu. Merk dir endlich, dass es vollkommen egal ist, was die Kollegen sagen. Wichtig ist nur, dass du weißt, wer du bist, was du machst und wo du stehst. Und deine Eltern, werden sich am meisten freuen dich endlich wiederzusehen.“

„Mhmmm“, schmollte Gretchen - er hatte mal wieder nichts verstanden, „Ich schlaf jetzt. Morgen wird ein langer Tag.“

„Schlaf gut“, er beugte sich über sie um sie zu küssen, jedoch drehte sie sich einfach von ihm weg.

Er war sich ziemlich sicher, dass sie sich, wenn sie überhaupt schlafen konnte, in den Schlaf weinen würde…







TO BE CONTINUED




Choconussa Offline

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22.11.2017 23:37
#8 RE: Story von Choconussa Zitat · antworten





Kapitel Acht - Zurück in die Heimat
| Flashback Teil Zwei – Ankunft in Berlin |






Der nächste Morgen verlief weitestgehend, ohne viele Worte. Zumindest zwischen Marc und Gretchen. Mehdi und Gina hingegen, plapperten die ganze Zeit über die Dinge, die sie dringend in Berlin erledigen wollten. Das meiste davon, zusammen. Und obwohl die Berliner Assistenzärztin sehr erpicht darauf war, endlich herauszufinden, was genau da zwischen ihren Freunden passierte, hörte sie nur mit einem halben Ohr zu. Ein Umstand, der besonders Mehdi verwunderte.

„Was ist denn los mit den beiden?“, fragte Mehdi als sie in Burkina Faso am Flughafen ankamen, um ihre fünfzehn Stündige Reise nach Berlin anzutreten.

„Ach… wie immer halt Mehdi.“

Kopfschüttelnd sah er zu seinem unverbesserlichen besten Freund herüber, „Wird er es denn nie lernen?“

„Ich weiß es nicht“, antwortete die Chirurgin ihrem Leidensgenossen seufzend und reichte der Dame am Gate ihr Flugticket. „Ich kenne ihn zu wenig, um mir darüber ein Urteil bilden kann. Auch wenn ich Gretchen gestern meine eindeutige Meinung zu dem Thema, gesagt habe.“

„Hm. So wie ich dich mittlerweile kenne, nicht durch eine Blume oder?!“

„Nein. Ganz direkt. Manchmal braucht sie das einfach“, grinste sie über die Schulter, als sie die Flugastbrücke betrat, die sie direkt in den Flieger führen würde. Während Mehdi sein Ticket abgab und darauf wartete, dass die nette brünette Dame vor ihm, ihm seine Boarkarte gab, dachte er darüber nach, sich Marc vielleicht doch zu einem ernsthaften Männergespräch an die Brust zu nehmen, wenn sie wieder deutschen Boden unter den Füßen hatten.

Doch als die vier Ärzte bequem im Flieger saßen, fiel dem Gynäkologen auf, dass diesmal etwas anders war. Er hatte es nun schon so oft miterlebt, wenn das Chirurgenpaar sich gegenseitig an die Gurgel gegangen war. Nicht zuletzt wegen irgendwelchen Kleinigkeiten. Für gewöhnlich gifteten sie sich an. Diesmal jedoch, war die Stimmung eher bedrückend. Ihm fiel auf, wie die beiden sich immer und immer wieder aus den Augenwinkeln ansahen, jedoch kein Wort miteinander wechselten. Ganz zur Überraschung seiner Wenigkeit, war es diesmal Marc, der Gretchens Aufmerksamkeit zu erlangen versuchte. Die filigrane Hand des Chirurgen, griff immer wieder zu der seiner Freundin und drückte diese kurz. Stirnrunzelnd beobachtete Mehdi diese Geste und war drauf und dran, sich in seinem Sitz nach vorn zu beugen, um Marc dezent zu fragen.

Doch wäre dies nicht sonderlich klug von dem Halbperser gewesen. Marc Meier war innerlich aufgewühlt und zerrissen. Der junge Starchirurg wusste, worum es Gretchen ging. Sie wollte, dass er vor aller Welt zu ihr stand. Zu ihrer Beziehung stand. Zwar sollte der feste Händedruck andeuten, dass er immer für Gretchen da sein würde und sie nicht im Stich lassen würde, aber ganz sicher, war er sich dann doch nicht. Wer konnte ihnen schon die Garantie dafür geben? Er wusste nicht, ob er schon bereit dazu war... Das einzige was er definitiv wusste war, dass er nicht wollte, dass sie traurig war. Schon einmal gar nicht seinetwegen.

Sie flogen insgesamt 15h und 15 Minuten von Burkina Faso, über Istanbul mit einem zwei Stündigen Aufenthalt und als sie endlich in Berlin Tegel ankamen, war es bereits 21:25 Uhr am Abend. Genüsslich sog das Ärztegespann, die frische Berliner Abendluft ein und besonders Marc wirkte, als wäre ihm sämtliche Last von den Schultern gefallen, als er aus dem Flugzeug ausstieg.

„Willkommen zu Hause Frau Doktor Hasenzahn“, grinste Marc seine Freundin vergnügt an. Diese war jedoch gar nicht gut auf ihn zu sprechen, weswegen sie nur genervt antwortete, „Mhmm... du mich auch!“.

„Komm“, brummte er und zog Gretchen ungefragt in seine Arme. „Wird schon nicht so schlimm werden... und jetzt: Auf in den Kampf!“.

Als wäre am gestrigen Abend nichts Besonderes vorgefallen, küsste der Chirurg seine Assistenzärztin kurz auf die Nase, und lief Arm in Arm mit ihr in Richtung der Ausgänge. Gretchen war vollkommen überrumpelt von dieser Aktion. Irgendwie fühlte sie sich halb entführt und halb genötigt, doch der Mann zu ihrer Rechten, schien wild entschlossen. Wenigstens einer, dachte sie still. Denn als sie kurz über ihre linke Schulter blickte sah sie, dass auch Gina und Mehdi den Oberarzt hinterher sahen, als käme er von einem anderen Stern.

„Was genau wird das hier Marc?“, fragte sie schließlich doch. Sie konnte sich einfach keinen Reim auf sein Verhalten machen. Allerdings schien er nicht vorzuhaben, sie zu erleuchten.

„Wirst du schon noch früh genug merken“, antwortete er knapp und wechselte das Thema. „Setzt mal dein Honigpferdgrinsen auf. Da vorn hüpft deine Mutter.“


Aufgeregt winkend, zappelte Bärbel Haase auf der Stelle herum, weil ihr Mann sie von hinten an ihrer Jacke festhielt. Sonst wäre sie ihrer Tochter wahrscheinlich in die Arme gesprungen vor lauter Freude darüber, sie endlich wiederzusehen.

Überschwänglich wurde die Blondine von ihrer Mutter in die Arme geschlossen, als sie und ihr Freund es endlich geschafft hatten, sich durch die Menschenmasse zu kämpfen.

„Ach meine kleine Margarethe", weinte die Hausfrau glücklich und weckte den Eindruck, ihre Tochter jemals wieder loslassen zu wollen, was besonders ihrem Mann missfiel.

„Bärbel nu lass doch mal. Sie bekommt ja gar keine Luft mehr“, merkte Franz streng an und versuchte mit größter Mühe, seine Frau irgendwie von seinem Kälbchen zu lösen, nur um sie, nachdem er es endlich geschafft hatte, ebenfalls ordentlich zu knuddeln. Fester als zuvor die kleine rothaarige Professorenfrau, drückte der stolze Vater sein Gretchen an seine Brust und küsste mehrfach ihren Kopf.

Schmunzelnd beobachtete Marc das Schauspiel, während Bärbel Gina ebenfalls mit einer Umarmung begrüßte. Er wusste, wie sehr sich die Familie Haase liebte. Wie wichtig ihnen der Zusammenhalt war und auch, dass es nie etwas geben würde, was sich zwischen Gretchen und ihre Eltern drängen konnte. Und doch, war die Blondine mehr als überfordert, von der Herzlichkeit ihrer Eltern. Nur mit Müh und Not schaffte sie es, sich von ihrem Vater zu lösen damit er, nach dieser Knuddelarie, auch Mehdi und Marc begrüßen konnte. Gina wurde von ihm ebenfalls herzlich in die Arme geschlossen, immerhin kannte er die Chirurgin mit der Hornbrille schon seit vielen Jahren und behandelte sie, wie eine zweite Tochter. Einzig und allein Mehdi und Marc, wurden von ihm eher reserviert begrüßt, wohingegen Bärbel zumindest den Gynäkologen kurz an sich drückte. Marc hatte von beiden Elternteilen, nur einen flüchtigen Handschlag zu erwarten. Daran störte sich der Berliner jedoch nicht. Umarmungen mit Eltern, Freunden oder anderen menschlichen Wesen, abgesehen von Gretchen, waren ihm ohnehin zuwider.


Nachdem Gretchen ihrer Mutter mit Nachdruck erklärt hatte, dass Mehdi mit Nachnamen Kaan und nicht Laan hieß, brachen sie auf, zu den Parkplätzen, wo ein dunkelgrauer Minibus auf sie wartete, den Franz eigens gemietet hatte. Zwar war die Rückbank seines Mercedes äußerst geräumig, doch bezweifelte er stark, dass Gretchen, Gina und Mehdi dort zusammen Platz finden würden. Und dann war da ja auch noch sein bester Chirurg, der seinen Volvo in ihrer Garage untergestellt hatte und somit keinen fahrbaren Untersitz hatte. Die vier Ärzte hatten zurzeit keine bezahlte Arbeit, ihre Gehälter gingen, abzüglich der zu bezahlenden Rechnungen, an die Vertretungsärzte. Und da Mehdi noch immer keine feste Bleibe in Berlin hatte, Gina noch immer in London wohnte und Gretchen so oder so zu ihnen kommen wollte, bot es sich an, sie einfach alle für die zwei Wochen in denen sie in Berlin waren, wohnen zu lassen. Das Haus war so oder so viel zu groß, nur für Bärbel und ihn allein. Jochen war noch immer in Hamburg, um sein Studium zu beenden und kam nur in den Semesterferien zu Besuch nach Hause, wenn er nicht gerade wieder eine Freundin hatte, bei der er einige Tage lebte, bis sie sich schließlich wieder trennten.

So hatte Bärbel mit ihrer Tochter verabredet, dass Marc Jochens Zimmer beziehen würde. Mehdi sollte ins Gästezimmer einziehen und die Frauen, sollten sich Gretchens Kinderzimmer teilen. Am nächsten Tag hatte sie bereits begonnen, alles für ihren Besuch herzurichten. Sie hatte die Fenster geputzt, Staub gewischt, alle Schränke und Betten einmal abgerückt und gesaugt. Die Gardinen und Vorhänge, ließ sie von der Haushälterin abnehmen und waschen. Bezogen wurden die Betten erst am Morgen der Ankunft und sie hatte Franz losgeschickt, um für Gina ein vernünftiges Gästebett zu kaufen, welches in Gretchens Zimmer passen würde, ohne dass sie etwas verändern mussten.

„Ich habe ganz toll für euch gekocht Kinder. Schmorbraten, mit frischem Kaisergemüse und Klößchen. Na du isst doch sehr gerne Klößchen Gretchen“, plapperte Bärbel während der Fahrt direkt drauf los, ohne wirklich zu überlegen, was sie sagte. „Ihr habt da in Afrika bestimmt nicht eine vollwertige Mahlzeit bekommen. Wobei man dir das ja gar nicht ansieht Kindchen", sprach sie ihre Tochter direkt an und sah freundlich lächelnd nach hinten. „Oh! Du wirst doch wohl nicht schwanger sein?“.

Mit einem 'Hab ich es dir nicht gesagt?'-Grinsen, sah die Chirurgin ihren Freund an und beschloss ihrer Mutter auf diese Frage, keine Antwort zu geben. Stattdessen, übernahm Marc für sie und als sie hörte, was er da sagte, sah sie ihn wie einen Auffahrunfall an.

„Nein Frau Haase. Soweit wir wissen, ist sie das nicht“, lächelte er freundlich, wie der perfekte Schwiegersohn und sah dann, fragend, die Blondine neben ihm an. „Wir könnten das morgen allerdings direkt einmal abklären lassen. Was meinst du?“

Aus dem Auffahrunfall, wurde eine Massenkarambolage, als Gretchen Gina ansah, die sich bei ihrem entsetzten Gesichtsausdruck das Lachen verkneifen musste und zu allem Überfluss auch noch Mehdi, in die Unterhaltung miteinstieg.

„Dann komm ich mit und schau mir das mal an“, sagte der Gynäkologe. „Ich wollte so oder so einmal auf Station und schauen, was sich so alles getan hat, in unserer Abwesenheit“.

„Hach!“, seufzte Bärbel auf dem Beifahrersitz schwärmend auf. „Unsere Margarethe kann sich wirklich glücklich schätzen, so gute Freunde zu haben!“.

„Pff... Freunde!“, schnaubte Franz auf. „Butterböhnchen du weißt ganz genau, dass der Meier unsere Tochter inzwischen bespringt.“

„Also wirklich Franz!“.

Es begann eine hitzige Unterhaltung darüber, ob es angebracht wäre, solche Bemerkungen zu machen und ob Franz sich denn gar nicht für seine Tochter freute.

„Wie lang fährt man eigentlich so zum Haus der Eltern?“, flüsterte Marc seiner Freundin beiläufig ins Ohr, als es darum ging, ob es verantwortungsbewusst gewesen war, den Chirurgen hinter Gretchen herlaufen zu lassen.

„Wenn mein Vater nen guten Tag hat, dann kann das gut und gerne mal zwei Stunden dauern.“

„Bitte? Das glaube ich nicht. Ich brauche von Tegel bis zu mir in Charlottenburg, je nach Verkehr nur gute 15 Minuten!“

„Natürlich nicht! Aber ich schaue nicht so genau auf die Uhr Marc“, antwortete Gretchen leise. „Kommt halt immer darauf an, wie schnell Papa fährt, wie gut die Ampeln schalten und wie der Verkehr ist“.

Tatsächlich kam Franz relativ gut durch den Berliner Verkehr und parkte den Minibus keine 30 Minuten Später, vor der Haase Villa. Schnell steigen sie aus und ganz besonders Marc hatte es eilig. Er wollte unbedingt nach seinem Volvo schauen, den er vom Flughafen hatten abholen und herfahren lassen. Laut Gretchen, stand sein treues Gefährt in der Garage und nachdem er einmal prüfend um seinen Wagen herumgelaufen war, um mögliche Schäden auszuschließen, setzte er sich zufrieden hinters Steuer. Mit geschlossenen Augen, hielt er zärtlich sein Lenkrad fest.

Als Gretchen ihn dort so sitzen sah, musste sie fast anfangen zu lachen. Wie ein kleiner Junge, der gerade das erste Mal, mit Erlaubnis seines Vaters hinterm Steuer eines Autos saß, fläzte Marc sich stolz in seinem Beifahrersitz. Manchmal war er wirklich ein unverbesserlicher Kindskopf, dachte sie lächelnd. Es fehlte nur noch, dass er Motorgeräusche nachahmte und auf das Gaspedal trat, um wie ein Rennfahrer durch die Garage zu düsen.

Im Seitenspiegel sah Marc seine Liebste, wie sie verliebt lächelnd am Garagentor auf ihn wartete. Zufrieden und vollkommen im Einklang stieg er aus, lief auf sie zu und nahm sie fest in den Arm. Wortlos drückte er sie so fest er konnte, ohne ihr wehzutun oder ihr einige Rippen zu brechen, an sich und hoffte inständig, dass sie seine Geste verstehen würde...





Bei Tische wurde, nachdem Bärbel das Abendessen, welches sie schon am Nachmittag zubereitet hatte, aufgewärmt und den Tisch eingedeckt hatte, ausgelassen gelacht. Sie genossen den Braten, der vorzüglich schmeckte und erzählten leidenschaftlich von ihrer Arbeit in dem Lepradorf Paspanga. Gretchen musste die Informationen aufgesogen haben und Marc wünschte sich, sie wäre bei ihrer Facharztprüfung genauso engagiert bei der Sache. Ein Blick in die Runde verriet ihm, dass Bärbel nur Bahnhof verstand und sie absolut nicht damit einverstanden war, dass die Ärzte es vorzogen in der Wüste zu wohnen, anstelle jeden Tag von einem Hotel in Ouagadougou aus, nach Paspanga oder noch weiter weg, ins gut einhundert Kilometer entfernte Nanoro zu fahren.

„Mama! Zwambe kümmert sich wirklich gut um uns. Abgesehen von Modernität, fehlt es uns an nichts“, erklärte Gretchen ihrer besorgten Mutter. „Jeden Tag bekommen wir pro Kopf eine bestimmte Literzahl Wasser. Damit müssen wir spülen und uns waschen. Meistens sitzen wir abends alle zusammen am offenen Feuer und kochen dort, auch mit den Einwohnern der Dörfer, in denen wir gerade sind und aushelfen. Mineralwasser, kaufen wir in Ouagadougou von unserem Erspartem. Jedoch meistens für die Bewohner der Dörfer, besonders für die Kranken“.

„Es ist wirklich auszuhalten Bärbel“, pflichtete Gina ihrer alten Schulfreundin unterstützend bei. „Ich dachte ja auch, wir würden direkt zu den Wilden fahren. Aber überraschender Weise, geht es dort doch recht zivilisiert zu“.





Als sie mit dem Nachtisch fertig waren, hatten sie Bärbel soweit davon überzeugen können, dass es ihrer Erstgeborenen in Afrika gut ging und sie sich keinerlei Sorgen zu machen brauchte. Franz nahm dies zum Anlass, ein paar Anekdoten aus dem Krankenhaus zum Besten zu geben. Bei dem ein oder anderen Gläschen Wein, wurde herzlich gescherzt und gelacht, bis sich Gretchen als erstes entschuldigte. Durch den Schlafmangel und dem anstrengenden Flug, war sie vollkommen geschafft und wollte zu Bett gehen. Jedoch schlief sie, als Gina ins Zimmer kam und sich in ihr Gästebett legte, noch immer nicht, weil die Auseinandersetzung mit Marc, am Abend zuvor, an ihren Nerven nagte. Sie musste sich unbedingt mit ihm aussprechen.

Auf leisen Sohlen schlich sich Gretchen aus ihrem Zimmer, durch den Flur, direkt in Jochens Zimmer, wo Marc, soweit sie durch das Licht im Flur erkennen konnte, im Bett saß.

„Marc? Hast du kurz Zeit?“, fragte sie leise, trat ein und schloss vorsichtig die Tür hinter sich.

„Nein!“, antwortete der Chirurg bestimmt mit geschlossenen Augen. „Ich prüfe wichtige Unterlagen.“

„Ähm... du liegst im Dunkeln auf der Matratze!“

„Eine Matratze ist ja wohl eine wichtige Unterlage“, lachte er während er das Nachtlicht anknipste. „Kannst mir ja helfen“, zwinkerte er Gretchen anzüglich grinsend zu und klopfte mit der Hand leicht neben sich. Mit der anderen Hand, hielt er die Bettdecke ein Stück hoch, damit die Chirurgin darunter schlüpfen konnte.

„Du Kindskopf“, schmunzelte sie und knuffte ihn, nachdem sie es sich neben ihm bequem gemacht hatte, leicht in die Seite. „Dass du auch immer gleich anzüglich werden musst!“

„Na ich bitte dich. Wo kämen wir denn hin, wenn der Spaß auf der Strecke bleiben würde?“

„Mhmm... Du hör mal, wegen gestern Abend-“, setzte sie zu einer Erklärung an. Doch Marc unterbrach sie, „Ist schon gut!“

„Was bitte?“

„Ich verstehe was du meintest Gretchen und ich kann dir nur versichern, dass ich versuchen werde, mein Bestes zu geben. Steck deine Erwartungen nur nicht zu hoch. Ich kenne das alles nicht wirklich... aber morgen, werde ich mit deinem Vater sprechen. Er hat mir einige Wochen vor unserer Abreise, etwas Wichtiges mit auf dem Weg gegeben, dafür wollte ich ihm danken. Und vielleicht, setze ich mich auch mit deiner Mutter zusammen... Für alles Weitere jedoch“, sagte er, „bitte ich dich um Zeit!“

„Natürlich lasse ich dir Zeit Marc“, antwortete Gretchen. „Alle Zeit der Welt. Ich will dich ja nicht gleich wieder vergraulen. Aber ich wüsste auch einfach gerne, wo wir zwei stehen. Verstehst du das?“

Tief sah Marc ihr in die Augen, nickte leicht schluckend und zig ihr Gesicht schließlich, ganz zärtlich, zu einem Kuss zu sich heran. Ganz vorsichtig, fast schon schüchtern, nahm er ihren Kopf in seine Hände und versuchte all seine unausgesprochenen Emotionen, in diesen einen Kuss zu legen. Als er den Kuss löste strich er ihr, mit seinen Daumen, zärtlich über die Wangenknochen. Noch hielt Gretchen die Augen geschlossen und genoss die Nachwirkungen, des Lippenbekenntnisses. Doch als Marc ihr leise zu hauchte, „Wir stehen genau hier...“, öffnete sie ihre Augen und erinnerte sich an ihre zweite gemeinsame Nacht.

Sie hatten damals eine ähnliche Unterhaltung geführt und nachdem Gretchen zum vierten Mal wiederholte, dass sie gern jemanden hätte, mit dem sie über ihre Gefühle reden konnte, fragte Marc: „Muss man immer über alles reden Gretchen? Kann man es nicht auch einfach – zeigen?“.

Und endlich verstand sie, was er ihr damit sagen wollte. Er war einfach nicht gut darin, über seine Gefühle und Gedanken zu sprechen. Solche Gespräche, schienen ihm nicht nur fremd zu sein. Inzwischen hatte sie sogar eine leise Ahnung, dass er Angst davor hatte. Er zeigte ihr, was er für sie empfand, indem er es ihr zeigte... Mit Taten! Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, lächelte sie ihren Obermacho glücklich an und kuschelte sich in seinen Arm, wo sie endlich die erlösende Schwärze überkam und sie ins Land der Träume beförderte.





Am nächsten Morgen, war in der Haase Villa das Theater groß. Aufgelöst kam Gina aus Gretchens Mädchenzimmer gelaufen, gerade als Franz ins Bad gehen wollte, um sich für den Tag herzurichten und berichtete, dass die Professorentochter verschwunden war. Natürlich hatte der Hausherr eine Ahnung, wo sein Kälbchen sich herumtreiben konnte und als er sie zusammen mit Marc in einem Bett vorfand, rief sein Gezeter auch Mehdi und seine Frau auf den Plan. Ehe Marc Meier sich versah saß er, nur in seiner Boxershort bekleidet, auf dem gelben Kort Sofa und bekam mal wieder eine von Franz berüchtigten Predigten auf den Tisch geknallt.

„Sie ist verdammt nochmal meine Tochter und nicht eines, Ihrer billigen Flittchen Meier“, brüllte der Professor mit hochrotem Kopf. „Solange Sie unter meinem Dach wohnen und noch nicht erwachsen genug sind, um zu ihren Gefühlen zu stehen, werden Sie ihre Finger von ihr lassen!“

„Chrm Herr Professor...“

„Nein Meier!“, donnerte Franz weiter drauf los. „Ihr Geschleime werde ich ebenfalls nicht weiter dulden. Schonmal gar nicht in meinem Haus!“

„Dessen bin ich mir bewusst Herr Professor und ich versichere Ihnen, dass ich ihre Tochter nicht als ein Flittchen ansehe oder sie nur als Bettwärmer an mich binde“, erklärte Marc kleinlaut. „Ihre Tochter ist... ja... also... sie...“.

„Was? Was ist meine Tochter für Sie? Hör auf so erbärmlich herumzustottern und spuck es aus!“

„Wissen Sie, warum ich noch immer in Afrika bin?“, fragte Marc und wartete ein Kopfschütteln seines Doktorvaters ab. „Weil ich nicht ein Jahr auf Ihre Tochter verzichten wollte. Sie ist mir sehr wichtig und ich habe sie sehr gern“.

Misstrauisch, beäugte Franz seinen einst besten Schüler.





Derweil waren Mehdi, Gina und Gretchen auf dem Weg ins Krankenhaus. Bärbel hatte sich von ihnen nicht beirren lassen und bestand darauf, dass der Gynäkologe ihre Tochter einmal gründlich untersuchte. Also hatte die Chirurgin nachgegeben und kam der Bitte ihrer treusorgenden Mutter widerwillig nach. Hätte sie allerdings gewusst, was für ein beschwerlicher Weg es bis zur gynäkologischen Abteilung werden würde, weil sie mit Fragen der Kollegen bombardiert wurden, wäre sie einfach wieder ins Bett gegangen.

„Also, wenn wir das nächste Mal herfahren, nehmen wir einen Regenschirm mit“, sagte Gina genervt, als sie es, nach der Blutabnahme geschafft hatten, sich bis zur Cafeteria durchzukämpfen. Bei einigen Tassen Kaffee und dem ein oder anderen Stück Schokoladenkuchen, warteten die drei Freunde auf die Ergebnisse aus dem Labor und sprachen über das ein oder andere Szenario, welches Gretchen erwarten könnte. Bis Gina eine hervorragende Idee kam.





Ungefähr dreieinhalb Stunden später, traf Gretchen beinahe der Schlag, als sie das Wohnzimmer betrat. Ihr Vater und ihr Freund, saßen in trauter Eintracht zusammen auf dem Sofa und sahen sich ein aufgezeichnetes Fußballspiel an. Nachdem sie verinnerlicht hatte, was sie vor ihren Augen abspielte, stellte sie sich provokant vor ihrem Oberarzt auf, der allerdings an ihr vorbei, weiterhin in die Glotze starrte und räusperte sich umständlich.

„Wir müssen reden Marc!“, sagte sie ernst und hielt dem fußballbegeisterten Jungspund, eine Mappe mit den Laborergebnissen vor die Nase, nach der er augenblicklich griff.

Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend, schlug er die Patientenmappe auf. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie tatsächlich mit einem Ergebnis zurückkommen würde. Es überrumpelte ihn. Doch als er sich das Ultraschallbild, welches ihm in die Hand gefallen war genauer ansah, versteinerte seine Miene, „Das ist... Warte mal! Da stimmt was nicht. Da steht 22+4. Das heißt doch...“, fragend sah er auf zu Gretchen und sah schon in ihrem Gesicht die Antwort, die er von allem wahrscheinlich am allerwenigstens hören wollte.

„Ja Marc“, schniefte sie mit belegter Stimme. „Es ist von Mehdi!“

„BITTE WAS?“, brüllte der Chirurg, sprang auf und sah entgeistert in die Runde. Auch Franz und Bärbel stand die Überraschung über diese Neuigkeit im Gesicht geschrieben.

„Also als wir damals miteinan...-“.

„Ich weiß wann ihr das letzte Mal sex hattet Gretchen“, unterbrach Marc ihre Erklärung gereizt. „Immerhin wurde es mir, mehr als deutlich aufs Butterbort geschmiert. Danke, dass du mich daran erinnerst. Mir war jedoch nicht klar, dass du, als Gynäkologe, zu blöd zum Verhüten bist!“, wand er sich bebend vor Wut oder war es Enttäuschung? an seinen besten Freund. „Ein Kind? Mein Gott! Sicherlich viel zu früh und schwierig für mich... Okay! Es wäre okay, weil ich dich liebe Gretchen! Aber ein Kind von IHM?“, schrie er und in seiner Rage, bekam er nicht mit, was er dort gerade von sich gegeben hatte.

Entgeistert wurde er von Gretchens Eltern und ihren Freunden angesehen. Mehdi entschloss sich schließlich, dem Ganzen ein Ende zu bereiten.

„Beruhige dich Marc! Sie ist nicht schwanger. Wir fanden es einfach nur witzig, dich mal so richtig auf die Schippe zu nehmen“, versicherte der Gynäkologe lächelnd.

„Ja sag mal, habt ihr den Arsch offen?!“, echauffierte sich Marc lauthals. „Siehst du mich etwa lachen Mehdi?“

„Nein, aber sei doch mal ehrlich...“

„Lass stecken Alter! Nie wieder, so eine Scheiß Aktion“, warnte er die fröhliche Runde vor sich, mit erhobenem Finger.

Gretchen, die seit dem ersten Gefühlsausbruch ihres Freundes, ein wahres Tränenmeer in den Augen stehen hatte, fand es wäre nun mal an der Zeit, sich zu äußern und sprach ihren Freund vorsichtig an: „Marc?“

„Was?“

„Ich liebe dich auch“, sagte sie glückich.

Ja das weiß... Moment mal! Wieso AUCH?“, fragte er verwundert – als es ihm auch schon wie Schuppen von den Augen fiel.

„Ein Kind? Mein Gott! Sicherlich viel zu früh und schwierig für mich... Okay! Es wäre okay, weil ich dich liebe Gretchen!“, hallte in Dauerschleife in seinem Kopf nach und die umstehenden Personen, konnten genau in seinem Gesicht sehen, was ihn in diesem Moment umtrieb. Nach einer Weile, löste sich die Schockstarre und er antwortete unsicher, „Ja äh... Freut mich!“ und brachte somit Gretchen dazu, sich ihm in die Arme zu werfen. Bärbel schniefte glücklich im Hintergrund, Franz sah stolz zu Marc auf und Mehdi und Gina, konnten sich vor Lachen beinahe nicht mehr halten...





TO BE CONTINUED




Choconussa Offline

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23.11.2017 04:57
#9 RE: Story von Choconussa Zitat · antworten





Kapitel Neun - Die Hochzeit Teil Eins
| Flashback Teil Drei - Mütter und Hektik |






Noch drei Tage, bis zur Hochzeit. Drei Tage, in denen Gretchen Zeit hatte, ihrer über motivierten Mutter ins Gewissen zu reden. Seit dem versehentlichen Liebesgeständnis des verliebten Chirurgen, war Bärbel 'Butterböhnchen' Haase auf Hochzeitskurs.


„Mama! Bitte, bitte nerv ihn nicht, ja?“, flehte Gretchen die Hausfrau an, die vollkommen in ihrem Element durch das Haus wuselte und den Staubwedel schwang. Sie hatten zur Abwechslung das Haus für sich allein und konnten ungestört reden. Der Professor war schon in den frühen Morgen zur Arbeit gefahren, Marc wollte seiner Mutter einen kurzen Besuch abstatten, zu dem Gretchen nicht unbedingt mitwollte und Mehdi und Gina, waren ins KaDeWe gefahren, um sich für die Hochzeit eine neue Garderobe zuzulegen. Also nutze die teilweise gelangweilte Chirurgin die Gunst der Stunde, um ihrer Mutter klarzumachen, dass Marc Zeit brauchte. Vergeblich!


„Kind ich weiß gar nicht was du hast“, sagte Bärbel und hielt kur in ihrem Tun inne, um ihre Tochter verständnislos anzusehen. „Der liebt dich doch. Das hat er vorgestern gesagt“.


„Ja - ich weiß Mama. Ich war dabei. Das heißt jetzt aber nicht, dass er für Gespräche und Gedanken über eine Hochzeit oder ähnlichem, schon bereit ist. Ich glaube auch ehrlich gesagt nicht, dass er gesagt hätte, dass er mich liebt, wenn er nicht so in Rage gewesen wäre. Ich will einfach nicht, dass Marc überfordert das Weite sucht“, verzweifelt sah die Blondine ihre Mama an, die noch immer mit der Hausarbeit pausierte und ihrer Großen einmal aufmunternd über den Oberarm streichelte, „Na gut Gretchen... ich werde mich ein bisschen zurückhalten!“

Ein bisschen ist zumindest schon einmal besser, wie gar nicht!, dachte Gretchen und bedankte sich schnell mit einem Wangenkuss bei Bärbel, „Danke Mama. Ich werde dich täglich daran erinnern“.




Bei anderen, verliefen die Gespräche nicht ganz so erfolgreich denn: Aller Anfang war schwer!


„Sie müssen sich in der Tür geirrt haben“, ertönte die rauchige Stimme keiner geringeren als Elke Fischer, Erfolgsautorin und Mutter des Mannes, der dort auf ihrer Schwelle stand, als sie nach dem Läuten der Schelle, die Tür ihres Glaspalastes geöffnet hatte. Sie hatte sein Auto bereits die Auffahrt entlang brausen sehen. Somit überraschte sie der Besuch nicht und sie konnte, wie von ihr persönlich erwünscht reagieren.

KNALL!

Laut krachend, fiel die Tür ins Schloss und Marc musste tatsächlich erschrocken mit dem Kopf zurückzucken, so nah an seiner Nase, hatte seine Mutter ihm die Tür zugeworfen. Er war verwirrt. Sonst beschwerte Elke sich immer, wenn er nicht, wie von ihr erwartet seitdem er ausgezogen war, schellte, sondern den Schlüssel benutzte. Und jetzt, wo er den geforderten Anstand aufbrachte, schmiss sie ihm doch tatsächlich die Tür vor der Nase zu. Und was sollte bitte ihre Aussage bedeuten?!

„Pff... in der Tür geirrt!“, brummte er genervt zu sich selbst und drückte erneut auf die Türklingel. „Sie beweist ja mehr als eindeutig, dass ich hier sehr wohl richtig bin“.


Vier weitere Male, nahm er die Dienste des Klingelknopfes in Anspruch – doch die Tür blieb, wie die Male zuvor, fest verschlossen. In dem Inneren des Hauses, rührte sich nichts und niemand. Nicht einmal Isabell, die Assistentin seiner Mutter, die heute, wie eigentlich jeden Donnerstag, das Manuskript abholen und zum Verlag fahren sollte. Also entschied er sich, für die einzig verbleibende Möglichkeit: Sturmklingeln!

Und siehe da... „Wer hat dich eigentlich erzogen Olivier?“, spie seine Mutter ihm entgegen, als sie die Tür endlich öffnete. Es wirkte doch noch Wunder! Damit konnte er sie schon zu Schulzeiten, wenn er seinen Schlüssel mal wieder verloren oder vergessen hatte, zur Weißglut treiben.

„Äh - ich glaube das warst du Mutter. Ich bin übrigens Marc“, sagte er mit einem kurzen Fingerzeig auf seine Wenigkeit. „Also nenn mich bitte nicht Olivier“.

„Was willst du hier?“, fragte die Erfolgsautorin forsch und tötete ihren Sohn allein mit den scharfen Blicken aus ihren dunklen Augen.

„Willst du mich nicht erst einmal hereinbitten?“

„Spontan?“, fragte sie kühl und mit derselben Eiseskälte, die manchmal sogar dem sonst so abgebrühten Chirurgen eine Gänsehaut verpasste, erhielt er eine Abfuhr. „Nein!“

Tief ein und ausatmen Marc. Sie ist noch immer deine Mutter, erinnerte er sich im Stillen, damit er nicht doch noch einen Mord, der seiner Karriere sicherlich einen gewaltigen Dämpfer verpassen würde, begann.

„Olivier! Du hinterlässt deiner armen, kranken Mutter nur eine kurze Nachricht auf dem Anrufbeantworter, mit der Information, dass du nach Afrika gehen würdest“, meckerte Elke ihren verantwortungslosen Spross an. „Und ausgerechnet von Franz muss ich erfahren, dass du dort mit seiner pummeligen Tochter eine Affäre hast“.

„Du bist nicht krank Mutter!“, erwiderte Marc augenrollend und verschränkte seine Arme vor seiner Brust. „Du bist in den Wechseljahren und das ist nicht tödlich. Zum anderen, ist Gretchen nicht pummelig oder dick. Und nun erlaube mir eine Frage. Was soll ich bitte deiner Meinung nachtun, wenn du nie ans Telefon gehst?“.

„Du weißt genau zu welchen Zeiten ich meine Yogaübungen mache Olivier“, verteidigte sie sich mit hocherhobenem Kopf. „Da höre ich das Telefon nicht klingeln. Diese Diskussion hatten wir schon!“.

„Was bei weitem tödlicher Enden kann, als deine "Krankheit" Mutter“, höhnte er und zeichnete beim Wort Krankheit, Gänsefüßchen in die Luft, was seine Mutter zurecht als Belustigung auf ihre Kosten verstand.

„Mach dich nicht über mich lustig Oliver!“

Er schloss für einen kurzen Moment die Augen, zog durch seine Nase, tief Luft ein und versuchte gekonnt, diesen verhassten Namen zu ignorieren und in einem ruhigen Ton, weiterhin auf die Erfolgsautorin einzugehen, ohne sie noch weiter zu verärgern.

„Entschuldige Mutter. Ich wollte dich nur sehen und mich kurz bei dir melden“, sagte er reumütig und war selbst darüber verwundert, dass er es wirklich so meinte, wie er es sagte.


„Na gut mein Sohn“, sagte Elke, deren harte Schale bedrohlich anfing zu bröckeln. Immer wenn sie ihren Sprössling so vor sich sah, konnte sie ihm nichts mehr abschlagen. „Wie ich sehe, bist du bereits wieder zur Vernunft gekommen“, mit noch immer leicht steifer Miene, ließ sie Marc eintreten und folgte ihm in den geräumigen Wohn- und Essbereich des Hauses, wo sie sich gegenüber von ihm, auf einem der Sofas niederlies. „Was hast du dir nur dabei gedacht mein Junge? Mit dieser scheußlichen Person, die mich umbringen wollte, in dieses Land voller unterprivilegierter...“

„Untersteh dich, deinen Gedanken auszusprechen Mutter! Ich wollte halt bei Gret-“, unterbrach er Elke schnell und wurde, noch bevor er zu Ende sprechen konnte, ebenfalls unterbrochen, „Nein! Das möchte ich nicht aus deinem Munde hören Oli-“.

„NENN MICH NICHT OLIVIER!“, brüllte Marc und unterbrach seine Mutter abermals.

„Warum bist du denn so ungehalten? Möchte sie wieder heiraten?“.

„Nein, sie möchte nicht wieder heiraten Mutter, denn ich bin...“

„Gott sei Dank“, rief Elke und warf theatralisch die Arme in die Luft. „Mal ganz abgesehen, von dem armen Kerl, der den Rest seines Lebens mit dieser Frau und ihrer Familie verbringen muss, könnte ich deine Launenhaftigkeit nicht noch einmal ertragen!“

„Ich glaube ich gehe besser wieder“, sagte er grinsend, weil er freundlich bleiben wollte. Er hatte keine Lust mit seiner Mutter zu diskutieren. Es führte ja doch zu nichts.

„Das kommt überhaupt nicht in Frage Sohn. Du bleibst zum Essen. Wer weiß wann du das letzte Mal etwas Vernünftiges auf den Tisch bekommen hast“.

„Also eigentlich...“.

„Keine Widerrede Olivier. ich werde Antonio anrufen. Er soll und etwas zubereiten. Hoffentlich wird es diesmal heiß geliefert...“, murmelte sie sich in ihren imaginären Bart und stolzierte hinaus in den großen Flur, indem ihr Haupttelefon stand.


Selbstredend hatte er es bis zum Abend nicht geschafft, seiner Mutter zur sagen, dass er mit Gretchen eine Beziehung führte und nicht etwa, wie sie annahm eine Affäre und er deswegen auch schon bald wieder mit ihr zurück nach Afrika fliegen würde, weil er nicht neun Monate auf sie warten wollte.

Abgekämpft fuhr er sich mit den Händen durchs Gesicht, nachdem er sich in seinen Wagen gesetzt hatte. Das hier, hätte er sich wirklich sparen können!





Am Morgen der Hochzeit von Sabine Vögler und dem Pathologen Günni Gummersbach, ging Im Hause Haase, alles drunter und drüber. Der einzige der in den frühen Morgenstunden die Ruhe weg hatte, war Doktor Marc „Ich lasse mich durch nichts und niemanden, aus der Ruhe bringen“ Meier, der gemütlich am Esstisch saß und das Morgenblatt las. Die drei Frauen hingegen, liefen hin und her. Sie riefen sich mit Haarspangen im Mund unverständliche Sachen zu und Franz hatte alle Mühe, den aufgescheuchten Hühnerhaufen zu beruhigen. Und Mehdi schien über Nacht beschlossen zu haben, dass es nun endlich an der Zeit war sich sportlich zu betätigen. Seitdem er aufgestanden war, rannte er die Treppen zu den Schlafzimmern rauf und runter, um den Frauen das ein oder andere Utensil zu bringen. Oder er brachte Geschenke zu den Wagen, mit denen sie später zur kirchlichen Trauung fahren würden.


„Och Maaarc“, platze Gretchen unangekündigt in den Essbereich und zog seinen Namen, mal wieder, widerlich in die Länge. „Du sitzt da ja immer noch. Willst du dich nicht langsam mal umziehen?“, fragte sie ungeduldig und sah immer wieder zu der großen Standuhr. Kurz wollte der Chirurg von seiner Zeitung aufblicken, um ihr zu antworten, dass er nicht lange brauchen würde, als er sah, wie sie dort ihm Türrahmen stand.

„Na du hast es nötig“, meinte er mit hochgezogener Augenbraue. „Das fragt ausgerechnet du mich? Die Frau, die hier noch immer in ihrem Bademantel rumrennt und aussieht wie Schweinchen Dick!“.

„Macht mich rosa etwa dick?!“, rief sie panisch und sah an sich herunter.

„Nein... Mensch Gretchen das war doch nur-“.

„Einer deiner geschmacklosen Scherze, die ich nicht verstehe?“, fragte sie beleidigt. „Du weißt ganz genau, dass mein Kleid roséfarben ist!“

„Äh ja. Dafür sieht deine Frisur echt super aus“, lächelte er schwach und als Gretchen die Augen zusammenkniff fiel ihm auf, dass sie noch gar nicht fertig frisiert war.

„Dass dir das nicht weiterhelfen wird, ist dir aber schon bewusst oder?“, fragte sie, legte ihm die Zeitung aus der Hand, zog ihn von seinem Stuhl und schob ihn von hinten an, damit der Kerl sich endlich mal in Bewegung setzte. „Und jetzt geh dich mal schnell umziehen, ja? In einer Stunde ist die Trauung und die einzige die heute zu spät kommen darf, ist Sabine!“.

„Und ich dachte immer, der Bräutigam kommt zu spät“, fragte er verwundert über seine Schulter hinweg. „Ha! Oder er kommt gar nicht“, witzelte er weiter.

Mit vor Unverständnis weit aufgerissenen Augen, folgte Gretchen dem Witzbold nach oben und ging erst in ihr Zimmer, als sie gesehen hatte, dass Marc diesmal auch wirklich mit seinem Smoking im Badezimmer verschwunden war. Und bereute es sogleich, ohne vorher nachgeschaut zu haben, einfach hineingegangen zu sein. Gina war gerade damit beschäftigt, ihre Haare vernünftig zu fixieren und nutze zur Hilfe Haarspray. Eine Menge Haarspray. Hustend schloss Gretchen die Tür hinter sich und wedelte sich mit der Hand vor der Nase rum, als könnte sie den Dämpfen doch noch irgendwie entgehen.

„Mensch Gigi... musst du immer so viel Haarspray benutzen?“, meckerte die Chirurgin hustend.

„Ja muss ich. Meine Frisur sitzt sonst im Gegensatz zu deiner einfach nicht. Ich frage mich ja wirklich immer wieder wie du das so gut hinbekommst. Ey! Du hast ja immer noch deinen Bademantel an“, sagte sie vorwurfsvoll, nachdem sie ihre beste Freundin hinter sich im Spiegel entdeckt hatte und drehte sich mit vorwurfsvoller Miene, zu ihr um.

„Ja ich bin ja schon dabei!“, erwiderte Gretchen abgehetzt. „Marc war auch noch nicht fertig. Der hat noch die Zeitung gelesen“.

„Na der hat ja die Ruhe weg...“, sagte Gina unbeeindruckt und verdrehte die Augen im Kopf.

„Schon damals in der Schule“, packte Gretchen mal wieder eine der vielen Anekdoten ihrer gemeinsamen Schulzeit aus. „Es hat mal in der Aula gebrannt, ja? Und während alle schreien und rennen, um schnellstmöglich aus dem Schulgebäude zu kommen, läuft Mister Cool durch die Schule, als würde er einen Spaziergang an der Spree machen!“

„Da kann man ja wirklich nur hoffen, dass er bei euren Patienten eine andere Einstellung zu nutzen pflegt. Besonders, wenn es ein Notfall ist!“

„Selbstverständlich Gigi. Trotzdem ist er dabei immer total reserviert und abgebrüht“, sprach die Blondine in die Ferne, während sie sich, auf ihrem Bett sitzend ihre Schuhe anzog.

„Tja Mausi. Da könntest du dir so manches Mal eine große Scheibe von abschneiden“, grinste Gina sie durch den Spiegel hinweg an und erntete ein erbostes „Haha! Sehr witzig!“





Während die beiden noch damit beschäftigt waren sich gegenseitig die Reißverschlüsse ihrer Kleider zuzuziehen, das Make-Up zu überprüfen und Gretchens lange Mähne zu bändigen, wartete man im Wohnzimmer schon sehnsüchtig auf die beiden.

„Immer dasselbe mit euch dreien“, meckerte der Professor. „Aufgeregt und aufgescheucht wie die Gänse und dann werdet ihr nicht fertig.“

„Jetzt wird aber mal nicht unfair Franz. Wir Frauen brauchen eben länger“, verteidigte Bärbel ihre Tochter und geriet sogleich wieder ins Schwärmen. „Außerdem möchte Gretchen doch bestimmt den Doktor Meier beeindrucken.“

„Bärbel! Der Junge hat uns vor zwei Tagen bereits das 'Du' angeboten...“

Genervt von der Unterhaltung und dem Warten, lehnte Marc sich zu seinem besten Freund herüber und sagte leise: „Er hat recht. Erst hetzt Gretchen mich, damit ich mich umziehe und mich auch noch beeile und jetzt kommt sie selbst nicht in die Gänge. Lässt die uns hier mit ihren Eltern versauern. Als ob es noch nicht genug wäre, dass wir auf diese bescheuerte Cyberhochzeit gehen.“

„Du weißt wie Frauen sind Marc!“

„Ja weiß ich. Sie machen viel Wind und Theater um nichts und wenn sie dann endlich mal aus dem Bad kommen, sehen sie noch genauso aus, wie zuvor“, erläuterte der geschundene Chirurg und verdrehte, wie so oft, die Augen. Und als Gina Amsel schließlich im Wohnzimmer erschien, war er fast gezwungen seine Aussage zu revidieren.

Mehdi hingegen, war von dem Anblick den die Blondine bot, regelrecht erschlagen. Ganz anders als damals zur Hochzeit von Gretchen und dem Betrüger, trug sie die Haare heute offen. Sie waren nicht leicht strohig, wie sonst, sondern fielen ihr in kleinen Wellen, auf die Schulter. Sie trug ein bodenlanges Kleid dessen Rock für einen leichten Tütü-Effekt, gefüttert war. Die obere Lage war aus feinstem Chiffon. Das Oberteil des Kleides, hatte eine leichte Blumenspitze und war lichtdurchlässig. Um ihre Taille lag zudem noch eine Schärpe, die auf dem Rücken zu einer Schleife gebunden war. Die Farbe türkis, die sie ausgewählt hatte, brachte ihre Augenfarbe viel besser zur Geltung. Auf ihre Hornbrille mit dem Designergestell, hatte sie auch heute wieder verzichtet.

„Du siehst zauberhaft aus“, lächelte Mehdi sie an als er vor ihr zum Stehen gekommen war.

„Danke. Du... ähm. Du siehst auch nicht schlecht aus“, antwortete Doktor Amsel peinlich berührt, als der Gynäkologe ihr vorsichtig in den weißen Blazer half, den sie in der Hand gehalten hatte.

Marc der zu ihnen stieß, war jedoch keineswegs in Plauderlaune...

„Wo hast du Hasenzahn gelassen?“, fuhr er die vermeintliche Furie böse funkelnd an.

„Sie braucht noch einen kleinen Moment Marc.“

„Unfassbar“, meckerte der Chirurg. „Da jagt die Nervensäge mich nach oben, damit ich mich umziehe und kommt dann selbst nicht aus dem Quark. Wenn die nicht gleich ihren dicken Hintern hier runter bewegt, dann mache ich Waaaalfi-“, sagte er und als er sich zur Treppe umdrehte, blieben ihm die Worte im Halse stecken. Eigentlich hatte er sagen wollen, dass er Walfischfutter aus ihr machen würde. Doch stattdessen entfleuchte ihm bei ihrem Anblick nur ein leises „Wow!“.

Seine Freundin hatte sich, wie auch ihre Freundin, für ein bodenlanges Kleid entschieden. Jedoch war ihres schulterfrei und hatte einen herzförmigen Ausschnitt. Das Oberteil war zudem an der Taille und der linken Brust mit silbernen Pailletten bestückt. Unter dem Chiffon, befand sich ein Satinfutter. Ihr lange blonde Mähne, die sie offen trug, fiel ihr in fließenden Wellen über die rechte Schulter und wurde von hinten mit einigen unauffälligen Spangen, in Form gehalten. Das dezente Make-Up, dass sie aufgelegt hatte, ließ ihre ozeanblauen Augen strahlen und mithilfe des schwarzen Kajals, hatte sie es geschafft, ihnen einen besonderen Ausdruck zu verleihen. Heute strahlte sie nicht nur von innen heraus und dem Chirurgen fiel es unglaublich schwer, seinen Blick von ihr zu lösen. Als sie jedoch vor ihm stand, nachdem sie eleganter als von ihm erwartet die Stufen zu ihm heruntergelaufen war, legte er seine Hände leicht um ihre Taille und flüsterte ihr ins Ohr, „Du weißt aber schon, dass die gesamte Aufmerksamkeit heute der Braut zuteilwerden sollte und nicht dir oder?“

„Schleimer!“, erwiderte sie schmunzelnd.

„Du siehst bezaubernd aus Gretchen.“

„Dankeschön“, hauchte die Chirurgin erfreut und biss sich leicht auf die Unterlippe.

„Komm. Ich helf dir in deine Jacke.“

„Oh. Ich habe keine Jacke Marc. Ich habe hiiiiier“, sang sie als sie zur Garderobe lief und hielt ihm kurze Zeit später, einen roséfarbenen Chiffon-Schal vor die Nase, den sie sich um die Schultern legte und der für Marc eher aussah wie eine Gardine.

„Meinst du nicht auch, dass das ein wenig kalt werden könnte?“

„Wir haben Sommer Marc“, antwortete Gretchen. „Oh! Oder will der edle Prinz, mit der blonden Prinzessin bis spät in die Nacht hineintanzen?“, schwärmte sie verträumt. „Wenn ja, kannst du mir später einfach dein Jackett geben. Was schaust du denn jetzt so komisch?“

„Hast du grad mal eine Nadel für mich?“

„Eine Nadel?“, wiederholte sie verständnislos und Marc nickte. „Was willst du denn jetzt mit ´ner Nadel?“

„Ich will endlich die rosa Traumblase zerstechen, in der du seit sechzehneinhalb Jahren lebst“, antwortete Marc streng. „Hör endlich auf zu träumen. Ich bin kein Prinz und du keine Prinzessin!“


Vorsichtig strich Gretchen ihm eine verirrte Haarsträhne aus der Stirn. Leise und vielleicht auch ein kleines bisschen enttäuscht sagte sie, „Doch Marc. Heute sind wir, dass sehr wohl. Lass mir meine Träumereien. Du glaubst gar nicht, wie wichtig es ist, ab und zu einfach mal zu fantasieren, zu träumen und das auch auszuleben, auch wenn dem eigentlich gar nicht so ist.“

„Dann will ich dir heute mal nicht widersprechen“, sagte er. Ob er das nur tat, um sie nicht unglücklich zu machen, sich nicht mit ihr zu streiten oder weil er es ernst meinte, würde sie wohl nie erfahren. Er nahm sie bei der Hand und sagte, „Würde Ihre Hoheit es mir gestatten, sie zu meinem weißen Gefährt zu geleiten?“

„Die Drecksschleuder nennst du weißes Gefährt?!“, hörte die Blondine sich fragen und kaum hatte sie es ausgesprochen, hielt sie sich erschrocken die freie Hand an den Mund.
Unfähig etwas darauf zu erwidern sah Marc fassungslos zur Seite und schüttelte den Kopf. Wenn es um sein Auto ging, verstand der Chirurg keinerlei Spaß. Das wusste auch Gretchen, die sich sogleich entschuldigte.

„Tschuldigung“, sagte sie aufrichtig. Doch Marc murmelte nur „Mhmm“ und spielte weiter den verärgerten Doktor Frankenstein. Allerdings musste er sich, als er vor seinem Volvo stand zu seiner eigenen Schande eingestehen, dass weiß, definitiv anders war!






TO BE CONTINUED




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