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Dieses Thema hat 41 Antworten
und wurde 9.679 mal aufgerufen
 Bora Dagtekin
Seiten 1 | 2
Jennifer ( gelöscht )
Beiträge:

23.07.2008 10:37
Interviews mit Bora Zitat · antworten
Sonntagsfragen an Bora Dagtekin (Teil 1)

Seine Serie «Doctor's Diary» schlägt sich bei RTL am Montagabend recht erfolgreich - im Herbst kommen neue Folgen des von ihm geschriebenen Formats «Türkisch für Anfänger». Mit Quotenmeter.de sprach Autor Dagtekin über das RTL-Format, die Chancen auf eine zweite Staffel und Kopien von US-Serien.

Bora, die erste Ausstrahlung von «Doctor’s Diary», war quotentechnisch sicherlich recht erfolgreich. Berichte uns doch einmal, wie ihr diesen ersten Montagabend verbracht habt und wie du dann von den Einschaltquoten erfahren hast.
Steffi Ackermann, die Produzentin von der Polyphon hat im Zuge der EM ein Public Viewing organisiert und da haben wir gemeinsam mit dem Cast und dem Team die zwei Folgen geguckt. Am nächsten Morgen hat mich Steffi angerufen und der Tag war dann erst mal gerettet - trotz dickem Schädel. RTL hat ja auch super getrailert, ich bin also davon ausgegangen, dass es läuft - aber dass die Folge 2 dann sogar noch zwei Prozent mehr hatte, war echt super.

Inzwischen ging es ein bisschen bergab – eine endgültige Entscheidung über die Zukunft des Formats soll nach der Ausstrahlung aller Folgen fallen. Bist du zuversichtlich, was eine zweite Runde angeht?
Bergab? Wir sind von 16,3 um 20.15 Uhr am Starttag auf 16,5 in der fünften Folge. Für mich ist das ein Aufwärtstrend, für den kurz mal Anlauf genommen werden musste. Nächste Woche rechnen Experten übrigens mit 32,3 Prozent. Im Ernst – der Sender ist hochzufrieden und wir alle auch. Als wir 15 Prozent hatten, habe ich mich schon geärgert, weil das einfach nicht über Senderschnitt ist, aber dass wir gestern dann wieder mit 16,5 Prozent Marktanteil im Rennen waren und «My best friend`s wedding» schlagen konnten, ist für mich persönlich der Beweis, dass wir mit «Doctor’s Diary» das Genre Romantic Comedy anständig hinbekommen haben und das auch honoriert wird. Solche Quoten schaffen ja momentan nicht mal die deutschen Komödien im Movie Bereich.

Und das obwohl wir horizontal erzählen, was ja bei Sendern immer als Quotenkiller verschrien ist. Ich hoffe, dass dieses Märchen jetzt endlich widerlegt ist und deutsche Sender endlich wieder den Machern erlauben im 45er Bereich anständige Cliffhanger und Geschichten über mehrere Folgen zu machen. Das ist schließlich die Idee einer Serie. Alles andere ist für mich eine Reihe.

Dazu waren wir trotz Schwankung jeden Montag Marktführer um 20.15 Uhr. Zwar nur knapp, aber es ist doch eigentlich auch schön, dass der Montag gerade bei allen Sendern ganz gut funktioniert.Es muss ja nicht immer ein Programm ausgelöscht werden. Ein bisschen gerecht verteiltes Glück haben die Sender ja auch mal verdient.

Was denkst du? Geht es in eine zweite Staffel?
Ich habe keine Ahnung, wofür sich Frau Schäferkordt entscheiden wird, aber ich gehe doch stark davon aus, dass wir weitergemacht werden, wenn wir weiterhin so stabil bleiben. RTL hat uns bis jetzt immer unterstützt und gerade Frau Schäferkordt hat im Bereich Marketing und Trailerschaltung besonderes Augenmerk auf «DD» gelegt, was sich ausgezahlt hat und wofür ich ihr dankbar bin. Ich hoffe inständig, dass RTL uns weiterhin so stark bewirbt und betrailert und freue mich insbesondere riesig über den tollen Online-Content, denn es ist wichtig, dass dem Zuschauer klar gemacht wird, dass der Sender hinter einem Fiction-Format steht. Bei «DSDS» wird ja auch schon wieder für 2020 getrailert.

Sollte es also in die zweite Staffel gehen, wäre das natürlich klasse, weil sich eine Serie erst nach sechs bis acht Folgen so richtig warmgelaufen hat. Danach ist eigentlich erst der wahre Anpfiff für eine Serie.

Wäre denn das komplette Team wieder mit an Bord, oder gibt es Figuren, die sicher nicht mehr dabei wären?
Hmm. Wir werden natürlich zuerst Diana Amfts Rolle an einem Magenbruch sterben lassen, Dr. Meier die Zulasssung entziehen und Dr. Kaan wird in den Irak abgeschoben.

Nein, ich denke doch, dass alle mit dabei sein werden. Mir ist nichts Gegenteiliges bekannt.Natürlich trägt ein Sender auch immer das Risiko, dass er irgendwen aus dem Team verliert, wenn er sich zu lange Zeit lässt, eine Verlängerung zu entscheiden. Ich hoffe, dass das nicht passiert. Übrigens ist der Einfluss von Fanbriefen und Telefonanrufen beim Sender nicht zu unterschätzen.

Sollte es nicht weitergehen, war das Team mit Steffi Ackermann von Polyphon und Ulrike Leibfried von RTL aber so großartig, dass wir sicherheitshalber neue Projekte in Vorbereitung haben. «DD» wird für mich immer ein schönes Projekt bleiben, dessen Entstehung allen viel Spaß gemacht hat. Egal, ob es weitergeht oder nicht.

Hauptfigur ist Dr. Gretchen Haase – sicherlich ein Charakter, der ähnlich viel Potential hat wie ein Gil Grissom oder ein Dr. House. Nur über den Vornamen bin ich zunächst gestolpert. Müssen besondere Figuren heutzutage besondere Namen haben?
Nö. Aber Lenas und Annas und Silvias gibt es ja nun wirklich genug. Der Name "Gretchen" ist eigentlich eine kleine Hommage an den Jugendroman „Gretchen Sackmeier“ von Christine Nöstlinger, den ich gerade mit Hofmann&Voges fürs Kino adaptiere und ansonsten haben die Namen in «DD» für mich eigentlich so einen ironischen Kick. Marc Meier klingt so ein bisschen wie das zweite Ich eines uncoolen Superhelden. Der Peter Parker des Krankenhauses sozusagen. Frau Hassmann hat was Bissiges, und eine Familie "Haase" zu nennen, fanden wir irgendwie lustig. Das ist doch die Hauptsache. Wir müssen die Namen ja auch ständig lesen. Außerdem passt es zu Gretchens Charakter. Sie ist wohl eher Haase, als Fuchs.

In erster Linie müssen die Namen ein Gefühl auslösen. Das mag bei dir jetzt Verwunderung gewesen sein, für uns haben die Namen etwas Märchenhaftes, oder zumindest etwas sehr Liebenswertes, was wiederum ja auch die Farbe der ganzen Serie sein soll.

Die Namen sind aber auf jeden Fall einprägsam. Sonst muss man ständig in den Dialogen die Vornamen erwähnen, damit irgendwann jeder die 20 blonden Frauen auseinander halten kann. "Hallo Anna, wie geht es dir denn?" - "Ach Julia, da bist du ja." - "Anna, wir müssen reden" - "Lass uns doch in mein Zimmer gehen, Julia, oh, jetzt ruft mich gerade Claudia an…“

Bora, ich weiß, dass du dich darüber geärgert hast, dass es anfangs hieß, «Doctor’s Diary» sei eine Kopie von «Grey’s Anatomy». Wovon hast du dich als Autor wirklich inspirieren lassen?
Ich hab’ mich in der Tat geärgert. Gar nicht, weil ich es so schrecklich finde, mit etwas verglichen zu werden, aber nur weil eine Ärztin mal einen Quickie mit ihrem Oberarzt einlegt, ist es gleich «Grey»? Soweit ich mich erinnere, wurde bereits in der Schwarzwaldklinik ziemlich viel rumgevögelt. Und Dr. Stefan Frank war auch schon ein Aufreißer-Arzt, der Frauenherzen gebrochen hat! Wieso wurde noch nicht aufgedeckt, dass die Amis uns das alles geklaut haben!??

Ich kann aber nur sagen: ich habe es bis heute nicht geschafft, eine ganze Folge «Grey’s» zu Ende zu gucken. Ich kann es also gar nicht kopieren. Es ist mir einfach nicht komisch genug und viel zu talky. Ich kritisiere aber nur die Tonalität, und verfluche nicht die Idee. Denn die Idee ist genial: Sex and The Surgery. Sofort klar, was da passiert und wie die Stories sein müssen. Es wäre schön, wenn in Deutschland endlich mal gute Ideen erkannt würden, anstatt sie sofort zu zerreißen und zu analysieren, was darin jetzt wo schon mal wie vorkam. Es kam sowieso alles schon mal irgendwo vor. Es gibt ja auch die Theorie, dass es nur 20 Plots auf der Welt gibt, die ständig wieder neu variiert werden.

Wenn man sich amerikanische Zeitungen anguckt, da werden zum Season-Start ganze Sonderhefte gedruckt, in denen Neustarts und neue Staffeln bejubelt und in Internet-Foren ihr Kult-Faktor beschrieben wird. Und bei uns heißt es immer nur: „Boah, schon wieder wieder ne Frau in der Hauptrolle, das ist doch voll geklaut von «Sex and the city».“

Aber daran kann ein Fernsehmacher doch wenig ändern…
Ich arbeite also weiter daran, dass die Leute Fernsehen auch mal schön finden. Man kann so viel machen, was im Kino gar nicht geht und ich hoffe, dass es jetzt bei uns auch mal anfängt, dass die Leute etwas einschalten, weil es ein bestimmter Regisseur oder ein Autor gemacht hat oder ein Produktionsfirma, von der sie etwas anderes Gutes kennen. Ein Sender ist nicht der Produzent. RTL oder ProSieben sind nicht per se doof, nur weil ein Format mal mies ist.

Dahinter stecken Macher und wenn die sich mehr Mühe geben würden, hätten die Sender garantiert kein Problem damit. Die Kritik am Programm darf nicht immer nur an die Sender gehen, sondern auch an die Macher. Wenn man wirklich eine Vision hat und man sie ausdrücken kann, dann wird man nicht per se von der sender-internen Qualitätspolizei erschossen, sondern kriegt seine Chance.

Inspiriert hat Steffi Ackermann und mich wohl am meisten Bridget Jones und während der Umsetzung hat uns «Keinohrhasen» beruhigt, der dann parallel gestartet ist. Denn in den beiden Filmen werden Frauenfiguren nicht so lahmarschig und mit Samthandschuhen angefasst, sondern dürfen Screwball spielen und das Unperfekte wird zelebriert. Genau wie das bei den ganzen Jude Appatow Movies ja der Fall ist, oder allen Filmen mit Ben Stiller.

Da sind es allerdings immer die Jungs, die total chaotisch oder ungeschickt sind, die sich nicht entscheiden können, oder nerdig oder zu dick und uncool sind. In den 50er und 60er Jahren waren ja die Frauenrollen alle viel verrückter, verwirrter und lustiger.

Da sollte man eindeutig wieder hin. Und wenn es eh schon heißt, dass Serien fast nur von Frauen geguckt werden, dann kann man ja auch aufhören, Protagonistinnen alle schön, perfekt und zu kleinen Super-Ermittlerinnen zu machen. Wer soll sich denn mit so was identifizieren? Ich glaube, manche Serien vergessen, wahrhaftige Momente zu erzählen. Und ich vermute, dass Frauen das noch härter bestrafen als Männer.

Was sagst du allgemein zu Kopien? In den USA gibt es davon ja eine Menge.
Das Wort "Kopie" halte ich persönlich für unangebracht. Wenn man schon alles toll findet, was in Amerika gemacht wird und sich ständig mit den Amis vergleicht, dann kann man sich ja auch mal damit anfreunden, dass Fernsehunterhaltung in Amerika immer als „X meets Y“ entwickelt und gepitched wird. Also «Grey» ist «Emergency Room» meets «Sex and the City». «Desperate Housewives» ist «Sex and the City» meets «American Beauty».

Oder einfach eine Kinoprämisse, bei der man ein Geschlecht austauscht, zum Beispiel «Samantha Who», eine der erfolgreichsten Sitcoms auf ABC ist nichts anderes als «In Sachen Henry», der Kinofilm mit Harrison Ford mit einer Frau in der Hauptrolle. «Sex and the City» ist im Grunde nichts anderes als «American Pie» mit alten Frauen. «Doctor House» ist «CSI» als Arztserie. «Bridget Jones» ist 1:1 «Stolz und Vorurteil» als Komödie in die Gegenwart adaptiert.

«Fringe», die neue Serie vom «Lost»-Erfinder J.J.Abrams wird gepitched als «Akte X» meets «Der Höllentripp». Man kann fast immer die Inspirations-Quellen eines jeden guten Konzeptes ableiten. In Deutschland heißt das dann Kopie - und in Amerika ist es der Beweis, dass die Idee High Concept, scharf konzipiert ist, sofort zu Bildern im Kopf führt – und dann will sie auch jeder gerne kaufen.

Quelle:http://www.quotenmeter.de//
Jumper ( gelöscht )
Beiträge:

24.10.2008 14:18
#2 RE: Interviews mit Bora Zitat · antworten
Bissl älter der Bericht aber immerhin:

"Es wird Zeit, dass wir uns übereinander lustig machen"
Bora Dagtekin ist Autor von "Türkisch für Anfänger“
Von Vanja Budde

Im angeblich tobenden "Kampf der Kulturen" kommt eine ARD-Serie genau richtig: In "Türkisch für Anfänger" ziehen die Psychotherapeutin Doris und der Polizist Metin frisch verliebt zusammen. Sie gründen eine ebenso chaotische wie liebevolle deutsch-türkische Großfamilie. Autor Bora Dagtekin hat eigene Familienerfahrungen in die Drehbücher einfließen lassen.

Türkischer Jungmacho gegen deutsche Zicke: In der zusammen gewürfelten Großfamilie müssen in der ersten Folge von "Türkisch für Anfänger" erstmal die Fronten geklärt werden. Drehbuchautor Bora Dagtekin hatte diese Kämpfe selber nicht auszufechten: Seine Schwester ist zehn Jahre älter als er und sein Bruder neun Jahre. Bora ist das Nesthäkchen und durfte dem Vater trotzen, der für seinen jüngsten Sohn ein schickes Jurastudium ins Auge gefasst hatte und ganz bestimmt keine Karriere beim Fernsehen.

Boras Vater kommt aus der Türkei und ist Arzt, seine Mutter Deutsche und Lehrerin. Bora ist in Hannover aufgewachsen, lebt heute in München, ist derzeit Single, raucht wie ein Schlot, liebt die Filme von Tarantino und hört am liebsten deren Soundtracks.

Bora Dagtekin hat die dunklen Augen und Haare seines türkischen Vaters geerbt, Türkisch versteht er einigermaßen, spricht es aber nicht gut. Trotzdem fühlt er sich er als "halber Ausländer", sagt er. Es kommt drauf an, welches Blut dir durchs Herz fließt. Typisch Türkisch ist für ihn eine "gewisse Körperlichkeit", Temperament, Stolz, Familiensinn, lauter Streit, herzliche Versöhnung und Spontaneität. Deutsch-türkisches Zusammenleben war für ihn immer eine Selbstverständlichkeit. Und dieses Grundgefühl will er in "Türkisch für Anfänger" vermitteln.

"Also es ist keine Serie, die sich über Türken lustig macht. Sondern im Gegenteil werden eher so beide klassische Verhaltensweisen genutzt, um jedem Volk mal nahe zu legen, ein bisschen an sich zu arbeiten. Und jeweils den Mittelweg zu finden, der natürlich bei uns immer gefunden wird"

Dagtekins Eltern haben die ersten Folgen von "Türkisch für Anfänger" vorab gesehen und sich gut amüsiert, sagt Bora. Darin stürzen sich die emanzipierte Psychotherapeutin Doris und der sanfte, harmoniesüchtige Kriminalpolizist Metin mit ihren Kindern Cem, Yagmur, Nils und Lena in das Abenteuer Großfamilie.

Die Folgen, die der Zusammenprall der Kulturen hat, erzählt die Comedy-Serie zwar aus Sicht der 16-jährigen Lena. Die brisanteste Figur ist aber die streng gläubige Yagmur mit ihrem Kopftuch, die morgens um fünf zu Allah betet und die ganze Familie mit ihrem religiösen Eifer nervt.

"Wir sind extrem politisch, weil die ARD einfach viel ermöglicht. Und wir sind auch politisch unkorrekt, definitiv, so oft wir können. Wir geben den Türken richtig auf die Fresse, den Deutschen auch, also wir finden sogar noch das Komische in etwas, das ein totales Tabuthema ist: Da sind wir auch auf ne gewisse Art und Weise sehr, glaub ich, mutig, weil wir sagen nicht alle türkischen Mädchen sind prinzipiell unmodern oder sind uncool"

Und eben auch nicht die mit Kopftuch. Zunächst zwölf Folgen hat Bora Dagtekin als Head-Autor geschrieben. In den Tagen vor dem Start der Sendung war ihm schlecht vor Aufregung. Glauben wegen des Karikaturenstreits jetzt alle, dass Moslems keinen Sinn für Humor haben? Werden seine ironischen Gags beim Publikum ankommen? Das Erste will mit "Türkisch für Anfänger" ein innovatives Format anbieten, junges Publikum ködern, Deutsche und Türken gleichermaßen ansprechen. Bislang weiß niemand, ob das klappt, Bora kann nur hoffen.

Bora Dagtekin schreibt seine Drehbücher zu Hause als freier Autor. Er hat als Zeilenschinder für "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" angefangen und für RTL auch "Schulmädchen"-Folgen geschrieben. Dann begann er ein Drehbuch-Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg in Stuttgart und traf mit dem Konzept für "Türkisch für Anfänger" ins Schwarze. "Es wird Zeit, dass wir uns kräftig übereinander lustig machen", sagt Bora Dagtekin, "angesichts der Jahrzehnte, die Deutsche und Türken hier zu Lande schon zusammen leben."

Quelle: http://www.dradio.de 14.03.2006
MarBeaZz Offline

Alter Ha(a)ser:

Beiträge: 1.138

18.11.2008 13:32
Interview in DWDL.de am 18.11 Zitat · antworten
Bora Dagtekin: Das Genie hinter "Türkisch für Anfänger" (und "Doctor's Diary")
(18.11.2008) Mit seinen beiden Serien "Türkisch für Anfänger" und "Doctor's Diary" hatte Autor Bora Dagtekin bereits vor seinem 30. Geburtstag alle wichtigen Fernsehpreise gewonnen. DWDL.de sprach mit dem Hoffnungsträger der jungen deutschen Serie über die heute Abend startende, finale Staffel von "TfA" - und neue Projekte.

Herr Dagtekin, die dritte Staffel von "Türkisch für Anfänger" startet heute. Wieviel Zeit ist dann zwischen den ersten Ideen für eine dritte Staffel und der Ausstrahlung vergangen?

->Im März 2007 haben wir die ersten Brainstormings gehabt und Bögen für die Hauptfiguren zum ersten Mal diskutiert. Aber davon ist nicht mehr viel übrig geblieben. Die Staffel sollte die beste werden und das hieß vor allem: alles weg, noch mal neu denken.

Eine der größten Herausforderungen bei der dritten Staffel war doch sicherlich die Frage, wie man das Erwachsenwerden der jungen Rollen umsetzt. Was ändert sich bzw. was musste sich in der neuen Staffel ändern?

->Na ja, Die Teenies waren ja alle so im Bereich 16 bis 19 und hatte keine wirklichen Kleinkinderprobleme. Lena war schon immer etwas altklug. Aber die Schauspieler sind erwachsen geworden und das ist ja auch eine Chance auf eine Zielgruppenerweiterung. Wer Lena nicht in der Schule sehen wollte, freut sich jetzt vielleicht, dass sie sich durch das beschissene Berufsleben ackern muss. Die Herausforderung lag eher darin, für alle Ex-Teenager eine eigene Prämisse für eine Flügge-Werden-Story zu schaffen, deren Konflikte, Ereignisse und großen Momente dann trotzdem immer wieder in der Familie und mit den Eltern stattfinden. Wir springen jetzt erst 2 Jahre nach vorne zum Abitur und dann in der ersten Folge noch mal ein paar Monate nach vorne. Es stellt sich bei Cem und Lena die Frage, was verlangen die Eltern von uns? Was wollen wir? Und was passiert eigentlich, wenn wir gar nicht wissen, was wir wollen? Es ist schon so ein Generation Null Bock Ansatz mit drin. Und langsam finden Lena und Cem dann ihren Platz im Leben. Aber das dauert. Man ist ja mit Anfang 20 auch nicht wirklich erwachsen. Das Lustige ist, dass sie sich durch ihren Beziehungsstress gegenseitig davon abhalten, irgendwo anzukommen. Außerdem hatte jeder, die Redaktion, die Produzenten, die Schauspieler und auch ich, eine Menge an Ideen und Kritik gesammelt, was man ändern oder besser machen könnte. Das reicht von: „Och, Lena kann ja mal öfter die Haare offen tragen“, über „Was ist eigentlich mit Metins Mutter?“ bis zu „Cem wird doch garantiert irgendwann kriminell, oder?“ Und all diese kleinen Gedanken haben wir in der dritten Staffel berücksichtigt.

Mit Lenas Freundin Kathi taucht eine Person auf, die der Zuschauer bislang nur indirekt durch Lenas Videobotschaften kannte. War es von Anfang an geplant, Kathi irgendwann auch tatsächlich mitspielen zu lassen?

->Wir wollten das alle. Auch die Zuschauer haben oft nach Kathi verlangt. Und nach dem Zeitsprung war klar, dass Kathi nicht mehr in Amerika sein kann. Also nimmt Lena die Videobotschaften jetzt für ihren Vater auf und Kathi nimmt am wirklichen Leben Teil. Wir haben sehr lange gecastet und Cristina Do Rego, die auch schon in „Die Welle“ und „Pastewka“ rockt, spielt ein super Gegenmodell zu Lena.

Das Risiko ist natürlich enorm. Es gibt plötzlich eine zentrale Figur mehr, von der die Zuschauer schon gewisse Erwartungen haben. Wie zufrieden sind Sie selbst mit dem Ergebnis?

->Nach zwei Staffeln kennt man den Kosmos und den Stammcast so gut, da ist es gar kein Problem, neue Charaktere einzuführen. Kathi kommt, aber auch die türkische Oma und ein neuer Konkurrent, Julian Sengelmann, für Cem, der es auf Lena abgesehen hat. Außerdem haben wir in den Karrieregeschichten der Teenies mit Jan Sosniok und Bärbel Schleker zwei super Antagonisten geschaffen. Dieses Mal sind alle neuen Rollen sehr komisch und treiben die Comedy an. Ohne Nebenfiguren kann man seine Hauptfiguren in 52 Folgen gar nicht erzählen. Das Zentrum dieser Serie sind nach wie vor die drei Paare. Lena/Cem, Doris/Metin, Costa/Yagmur. Vor allem Lena und Cem haben wir dieses Mal in jeder Folge zum Mittelpunkt gemacht. Es ist sogar aufgeräumter als in den anderen beiden Staffeln, finde ich.

Gibt es sonst noch etwas, was die 3. Staffel von den bisherigen beiden Staffel - wenn auch nur im Detail - unterscheidet?

->Die Charaktere sind alle komplexer geworden. Lena ist nicht mehr so quirlig und patzig, sondern ist eine junge Frau geworden, die wirklich nach dem Sinn des Lebens sucht und etwas weicher geworden ist. Auch Cem setzt sich viel mehr mit der Frage auseinander, wer er denn eigentlich ist: Türke oder Deutscher? Außerdem erzählen wir wieder etwas schneller als in Staffel 2 und haben wieder mehr Multi-Kulti-Konflikte wie in Staffel 1 und auch mehr Außendrehs und Set-Pieces, die wirklich verrückt sind. Ich glaube, die Staffel zieht richtig gut an und steigert sich kontinuierlich zu großen Showdowns in den letzten acht Folgen.

Die fertigen Folgen liegen ja jetzt zum Teil schon seit einiger Zeit vor. Was ist schöner: Zum ersten Mal in kleinem Kreis die fertigen Episoden zu sehen. Oder die TV-Ausstrahlung mit der möglicherweise verhängnisvollen Quote am nächsten Morgen?

->Das schönste ist eigentlich immer der erste Rohschnitt, wenn man merkt, dass es funktioniert und sieht, dass nicht nur man selbst, sondern auch die Schauspieler erwachsen geworden sind. Und diejenigen, die schon immer erwachsen waren, sind einfach perfekt in ihre Rollen hineingewachsen. Aber so lange sind die Episoden noch nicht fertig. Die letzten sind erst vor wenigen Tagen aus der Mischung gekommen. Und jeder, der was gesehen hat, will weitergucken. Das ist eigentlich das schönste Kompliment.

Wieviel geben Sie denn eigentlich noch auf die Einschaltquote? Die war bei den ersten beiden Staffeln nicht berauschen - und dennoch wurde die Serie heiß geliebt.

->Der Sender hat gesagt, wir machen noch eine und ich habe gesagt, dann erzählen wir das jetzt zu Ende, denn es wird ja wohl eh die letzte Staffel werden. Nächstes Jahr gibt es eine neue Dailysoap um 18.50 Uhr. Selbst wenn wir jetzt eine gute Quote haben, würde es lange dauern, bis wir wieder eine Staffel senden können. Also haben wir jetzt noch mal so richtig Pulver verschossen und uns nichts aufgehoben. Das merkt man. Es geht zur Sache. Große Dinge passieren, die die Geschichten wirklich zu einem Ende bringen.

Nochmal konkret der Quote. Welche Erwartungen haben Sie?

->Ich wünsche mir, dass wir ab und zu mal an der Zweistelligkeit kratzen. Darauf wäre ich schon stolz. Aber wir haben keine spezielle Quote, die wir erreichen müssen. Denn wenn es nach dieser Staffel noch weitergeht mit TFA, dann im Kino.

Also wird die dritte Staffel die letzte Staffel fürs TV? Klingt jedenfalls gerade nach nem Finale?

->Ja, volles Programm Finale. Mit Liebe, Tod, Knast, Hochzeit und Schwangerschaft. Wer nicht lachen will, kann auch heulen.

Das klingt wild. "Türkisch für Anfänger" lebt ja in vielen Momenten auch davon, dass die Charaktere deutlich überzeichnet sind - eigentlich sogar unglaubwürdig übertrieben. Aber es stört nicht. Woran liegt das?

->Wir überhöhen oft, aber wir erden dann auch wieder sehr emotional. Wenn Doris sich wie eine Alt-68ern aufführt, aber gleichzeitig sehr echt und emotional reagiert, wenn ihr Vater sterbenskrank wird, dann geht sie einem einfach ans Herz. Alle Schauspieler bedienen den Sprung über die Schlucht von Komödie zu Drama extrem gut. Ich kann die Szene saukomisch beginnen und tieftraurig enden lassen, weil alle den Genre-Mix bedienen können. Das ist schon abgefahren, aber dadurch kriegt TFA seine eigene Tonalität und die Ironie, glaube ich.

Es hieß bei den ersten Staffeln, Sie haben auch manche selbst erlebte Story in der Serie verarbeitet. Ist das bei Staffel 3 auch noch so oder hat die Serie inzwischen ein Eigenleben entwickelt?

->Ich schreibe nicht autobiografisch. Klar kenne ich die Ausländerproblematiken und weiß, was bestimmte Emotionen sind und in Stoffbesprechungen erzählt dann jeder, wie er sich das bei einer Figur vorstellt, aber im Grunde steuern wir Macher nur die Themen bei. Die Argumente, Reaktionen und Einsichten kommen aus den Figuren. Die haben nach 36 Folgen eine dicke Backstory und daraus resultierend ein Eigenleben bekommen.

Immer wieder tauchen in der Serie Seitenhiebe auf das Mediengeschehen auf. Ein persönliches Anliegen von Ihnen?

->Nein, ich mag die Medien ganz gerne, ich arbeite ja für sie. Aber da TFA tonal von politischer Unkorrektheit geprägt ist, passt das einfach. Ich finde es peinlich, wenn im Fernsehen junge Menschen erzählt werden, aber keinen Bezug zur Popkultur haben. Natürlich lästert so jemand wie Lena über Britney Spears, oder eifert ein Cem 50Cent nach. Und natürlich macht es Spaß, als öffentlich rechtliches Produkt über Flachheit im Kabel Scherze zu machen. Dafür sind wir bei der ARD und haben 2 linksliberale Frauencharaktere im Cast. Und wenn wir Ausländerklischees entlarven, dann können wir doch die anderen Klischees gleich mit verarschen. Die ARD hat ja schließlich immer noch einen Bildungsauftrag. Den erfüllen wir gerne und mit einem Augenzwinkern.

Vom Bildungsauftrag der ARD mal kurz zu Ihrem zweiten Baby „Doctor‘s Diary“. Die RTL-Serie hat kürzlich den Deutschen Fernsehpreis und Deutschen Comedypreis gewonnen. Zwei neue Staffeln sind angekündigt. Wie geht‘s weiter?

->Vor allem schnell. Wir wollen mit Doctor`s Diary in der zweiten Jahreshälfte wieder bei RTL auf dem Schirm sein und drehen ab Februar/März 09 die nächsten 8 Folgen.

Fühlen Sie sich im Genre von "Türkisch für Anfänger" und "Doctor's Diary" wohl oder drängt es Sie auch zu anderen Stoffen? Die klassische Schubladen-Frage also...?

->Mit der UFA Cinema Produzentin Nina Maag machen Regisseur Christian Ditter und ich nächstes Jahr eine Actionkomödien-Adaption von Schillers „Die Räuber“ fürs Kino. Mehr Anspruch geht doch gar nicht. Aber die Serie wird immer meine größte Leidenschaft sein. Sowohl „Türkisch für Anfänger“, als auch „Doctor‘s Diary“ erzählen genre-übergreifend und passen damit in keine Schublade. Als Autor ist man aber eh relativ frei und wird selten auf ein Genre festgelegt. Aber selbst, wenn es so wäre - „Türkisch für Anfänger“ ist im Moment neben „Stromberg“ die einzige halbstündige deutsche Comedy-Serie. Man hat also relativ viel Platz in der Schublade und kann sich sehr großzügig einrichten.

Bitte vervollständigen Sie den Satz: Autoren in Deutschland sind...

->…zu selten am Set.

Und eine nicht ganz ernst gemeinte Frage: Wofür könnte das Kürzel DWDL Ihrer Meinung nach stehen?

->Doris würde glauben, dass es eine neue Casting-Show mit Dieter Bohlen ist.


Quelle: http://www.dwdl.de/article/story_18620,0.html

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Filomela ( gelöscht )
Beiträge:

23.04.2009 14:27
#4 Podcast mit Bora bei StichwortDrehbuch Zitat · antworten

Hier könnt Ihr Euch einen Podcast von einem Interview mit Bora und Oliver Schütte & Frank Zeller
vom Verband Deutscher Drehbuchautoren anhören:

http://www.stichwortdrehbuch.de/stichwor..._diary_rtl.html

Achtung: Ich glaube, Ihr benötigt dazu den Apple Quick Time Player

Jumper ( gelöscht )
Beiträge:

23.04.2009 18:04
#5 RE: Podcast mit Bora bei StichwortDrehbuch Zitat · antworten

Danke für den Link! Echt interessant.

Ich fand ja Bora´s Kommentar zu den Fällen cool:
Ich wusste eh schon dass die Leute sowieso nicht auf die Fälle stehen werden

Die laufen aber auch eher so nebenher ab.

Ann Offline

Moderatorin


Beiträge: 8.697

23.04.2009 20:36
#6 RE: Podcast mit Bora bei StichwortDrehbuch Zitat · antworten

Da hast du Recht

Fand es auch sehr interessant zu hören, wie das ganze eigentlich Zustande gekommen ist!
Also danke, Dörte

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Filomela ( gelöscht )
Beiträge:

23.04.2009 22:35
#7 RE: Podcast mit Bora bei StichwortDrehbuch Zitat · antworten

Zitat von Jumper
Danke für den Link! Echt interessant.

Ich fand ja Bora´s Kommentar zu den Fällen cool:
Ich wusste eh schon dass die Leute sowieso nicht auf die Fälle stehen werden

Die laufen aber auch eher so nebenher ab.


Gern geschehen!!!
Gut fand ich auch:"Steffi hat den ganzen Mädchenkram gemacht!"
Ganz toll, mal wieder so ein bißchen Hintergrund zu hören!!! Macht mal wieder Lust auf mehr!!

Flora Offline

Admine & Gründerin des DD-Fanforums


Beiträge: 7.047

03.07.2009 09:44
#8 Interviews mit Bora Zitat · antworten

Interview mit dem Erfolgs-Drehbuchautor Bora Dagtekin



Prinzipiell breche ich nicht gleich zusammen, wenn jemand meine Arbeit scheiße findet

02.07.2009 10:25 Uhr

Bora Dagtekin hat mit den Serien Türkisch für Anfänger (ARD) und Doctor´s Diary (RTL) eigentlich alles gewonnen, was man Drehbuchautor gewinnen kann. medienhandbuch.de interviewte den 31-jährigen vor dem Start der zweiten Staffel von Doctor´s Diary und erhielt sehr interessante Antworten:

medienhandbuch.de:
Doctor´s Diary ist eine Frauenärzteserie, die durch ihren ungewöhnlichen Humor und ihre seichte Intelligenz problemlos gemeinsam mit dem Freund/Mann geschaut werden kann. Würden sie diesem Statement zustimmen?

Bora Dagtekin:
Korrekt. Es gibt in der Tat Serien, bei denen es sich eher anböte, der Frau die Fernbedienung wegzureißen und sie für immer aus dem Wohnzimmer (in die Küche) zu jagen, wenn nicht sogar gleich die Scheidung einzureichen, sollte jemals wieder eine bestimmte Titelmelodie im Haus ertönen.

medienhandbuch.de:
Was waren die schönsten Reaktionen auf die erste Staffel?

Bora Dagtekin:
RTL: "Wir machen eine zweite Staffel". Fand ich eine sehr schöne Reaktion.

medienhandbuch.de:
Ab August ist die zweite Staffel von „Doctor's Diary“ zu sehen. Was war der ausschlaggebende Punkt für die Fortsetzung: Quote, Preise, Fans?

Bora Dagtekin:
Wir haben Anke Schäferkordt bestochen. Mit 200 Tafeln Schokolade. Abgesehen davon war die Quote ja auch mehr als anständig, sodass vielleicht schon 50 Tafeln gereicht hätten. Die Preise waren definitiv nicht der Grund, aber eine schöne Motivation sich wieder anzustrengen.


medienhandbuch.de:
Für die zweite Staffel aus ihrer Feder holen Sie u.a. den von „Türkisch für Anfänger“ bekannten Elyas M´Barek aus „Türkisch für Anfänger“ dazu. Was genau wird seine Rolle sein?

Bora Dagtekin:
Elyas spielt Maurice Knechtlsdorfer, einen österreichischen Assistenzarzt, der mit Gretchen Haase um die Gunst der Oberärzte kämpft und sie immer wieder herausfordert. Außerdem hütet er im Keller des Krankenhauses ein kleines Geheimnis...

medienhandbuch.de:
Harald Keller, Journalist und Grimme-Kommissionsmitglied, hat angeblich über sie gesagt, sie würden nur britische und amerikanische Vorbilder kopieren und "das 'Bridget Jones'-Prinzip mit seichten Krankenhausgeschichten" kreuzen. Trifft sie diese Kritik?

Bora Dagtekin:
Nein, das ist ja auch weniger Kritik an mir, als an der Grimme-Jury, die den Preis an mich und Steffi Ackermann vergeben hat. Das sollen die Damen und Herren Journalisten mal unter sich klären.
Die sind ja alle recht wortgewandt. Prinzipiell breche ich nicht gleich zusammen, wenn jemand meine Arbeit scheiße findet. Das spornt mich eher an. Ich will, dass Herr Keller mein nächstes Projekt liebt. Das wird ab jetzt mein Motto, wenn nicht sogar mein Lebensinhalt. Ich werde ab morgen mit einem Megaphon erste Formatideen vor seiner Haustür verkünden.

Trailer zur einer Folge in Staffel 1:



medienhandbuch.de:
Zurück zur zweiten Staffel: Was können sie uns über die Handlung bzw. die Highlights verraten?

Bora Dagtekin:
Es gibt einen muffigen, arroganten Millionär, der eine Eyes Wide Slut Party macht und nicht rafft, dass er einen Gehirntumor hat, Gretchen wird aus dem Flugzeug geworfen, wir haben einen tragikomischen Krebsfall einer alten Schulfeindin von Gretchen, Dr. Meier ist nach wie vor ein Arsch und will Schwester Gabi heiraten, Dr. Kaan muss seine behinderte Frau loswerden, eine Patientin hält eine Schwangerschaft für einen Darmverschluss, Gretchen will heiraten, hat aber noch keinen potentiellen Kandidaten, muss ihre Doktorarbeit fertig kriegen, steht aber so gar nicht auf "competition". Es geht witzig und spannend weiter. Im Laufe der Staffel gibt es dann viele abgefahrene Verwicklungen und Wendungen, neue Figuren, alte Vertraute - ich denke, dass die neuen Folgen wieder süchtig machen, wenn man das Format mag. Und wenn man das Format nicht mag, kann man trotzdem einschalten, einfach nur die Songs genießen und nebenbei super Steuererklärung machen oder Brettspiele spielen.

medienhandbuch.de:
Wann konkret soll es losgehen? Gibt es schon einen festen Sendeplatz?

Bora Dagtekin:
Ab 3. August, immer montags, 20.15 Uhr, bei RTL. Wir starten mit einem Staffelauftakt in Spielfilmlänge.

medienhandbuch.de:
Aus der Sicht eines Drehbuchautoren: Was sind die elementarsten Unterschiede für diesen Berufsstand zwischen einem öffentlich-rechtlichen und einem privaten Sender?

Bora Dagtekin:
Ach, die haben alle kein Geld. Ist also überall gleich schön.

medienhandbuch.de:
An welchen weiteren Projekten/Drehbüchern arbeiten sie momentan?

Bora Dagtekin:
Im Moment beende ich die Adaption von Schillers "Die Räuber" als Kinokomödie, die UFA Cinema produzieren wird. Und in Preproduction ist das Drehbuch für die erste deutsche Agenten-Komödie, die ich auch wieder mit Steffi Ackermann von der Polyphon als kleines Event für RTL mache: "Undercover Love" mit Anja Kling in der Hauptrolle, Regie macht Franziska Meyer Price. Drehstart ist im Herbst. Und der Türkisch für Anfänger-Kinofilm ist auch immer noch im Gespräch.

medienhandbuch.de:
Welches ist ihre aktuelle US-Lieblingsserie?

Bora Dagtekin:
Ich bin sehr gespannt auf "Vampire Diaries", "V", die Invasionsserie, auf "Flash Forward" mit Ralph Fiennes und "Eastwick" wird bestimmt auch witzig. Momentan gucke ich DEXTER und THE RICHES.

Oh Mann, die muss ich ja alle noch kopieren! Na, das wird wieder ein Haufen Arbeit. Den Sommer kann ich wohl vergessen.

Das Gespräch mit Bora Dagtekin führte Oliver Hein-Behrens.

Quelle : http://www.medienhandbuch.de/news/prinzi...usiv-26570.html

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HipTin ( gelöscht )
Beiträge:

03.07.2009 11:45
#9 RE: Interviews mit Bora Zitat · antworten

^^stand das interview nicht gestern schon iwo auf der seite? mir kams so vor als hätt ich das gestern shco gelesen..

der typ ist echt klasse XD

Jumper ( gelöscht )
Beiträge:

03.07.2009 12:18
#10 RE: Interviews mit Bora Zitat · antworten

Zitat von HipTin
^^stand das interview nicht gestern schon iwo auf der seite? mir kams so vor als hätt ich das gestern shco gelesen..


Ja hier:
http://www.doctorsdiaryfanforum.de/t419f...4.html#msg87589

Flora Offline

Admine & Gründerin des DD-Fanforums


Beiträge: 7.047

03.07.2009 13:40
#11 RE: Interviews mit Bora Zitat · antworten

Dann ist es an der falschen Stelle reingesetzt worden.
Diese Seite ist dafür eröffnet worden,das die Interviews von Bora hier rein gehören .
Wenn ständig woanders gepostet wird,wie soll man da den Überblick behalten ?
Bitte überprüft ,bevor ihr etwas reinsetzt, ob dazu bereits ein Thema existiert.
So vermeiden wir das Durcheinander im Forum und es entstehen keine doppelten Beiträge mehr.


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milly Offline

Butterböhnchen:


Beiträge: 2.769

03.07.2009 14:58
#12 RE: Interviews mit Bora Zitat · antworten

ich stimme Flora zu ;)
wollte euch auch gestern darauf aufmerksam machen
wollte aber nicht als klugscheiserisch rüberkommen xD

kleene ( gelöscht )
Beiträge:

03.07.2009 17:53
#13 RE: Interviews mit Bora Zitat · antworten

Zitat von HipTin

der typ ist echt klasse XD

Jop. Ein sehr sympathischer Drehbuchautor...

Shunsaku ( gelöscht )
Beiträge:

04.07.2009 21:20
#14 RE: Interviews mit Bora Zitat · antworten

Herrlich!!
Ich habe beim lesen so gelacht, seine Sprüche sind echt die geilsten!
Allerdings frage ich mich, warum sie ihn älter gemacht haben...

Jumper ( gelöscht )
Beiträge:

05.07.2009 00:33
#15 RE: Interviews mit Bora Zitat · antworten

Zitat von Shunsaku
Allerdings frage ich mich, warum sie ihn älter gemacht haben...


Stimmt, noch isser ja 30 der gute Mann.

Vanessa Offline

Assistenzarzt:

Beiträge: 7.595

20.07.2009 02:34
#16 RE: Interviews mit Bora Zitat · antworten


Fernsehen für Fortgeschrittene
Es gibt sie: Deutsche Fernsehserien, die lustig und klug sind! Die besten schreibt BORA DAGTEKIN, der Star unter den Drehbuchautoren.


Manchmal sagt Bora Dagtekin ziemlich unsympathische Sätze. Zum Beispiel: „Als ich einen unserer Trailer sah, bei dem sie ohne mein Wissen Westlife als Musik hinterlegt hatten, habe ich das Kotzen gekriegt!“ Oder: „Wenn ich einen Film geschrieben habe, soll auf dem Plakat stehen: ‚Ein Film von Bora Dagtekin‘ – und nicht der Name des Regisseurs oder Produzenten.“ Oder auch: „Wenn ich überhaupt ein Vorbild habe, dann ist es J. J. Abrams.“ Abrams („Lost“, „Star Trek“) ist einer der erfolgreichsten Produzenten und Regisseure in den USA. Lernt man Dagtekin dann besser kennen, klingen diese Sätze nicht nur weniger unsympathisch. Sie helfen einem auch zu verstehen, warum der 30-jährige Drehbuchautor die größte Hoffnung des deutschen Fernsehens ist.

„Als ich einen unserer Trailer sah, bei dem sie ohne mein Wissen Westlife als Musik hinterlegt hatten, habe ich das Kotzen gekriegt!“:
Als Dagtekins neueste Serie “Doctor’s Diary“ im vergangenen Sommer auf RTL startete, gaben die Fernsehkritiker sie schon vor der Auftaktfolge verloren. „Kompletter Außenseiter ohne Chancen“, schrieb die Süddeutsche Zeitung. Zu viel deutsche Serien waren zuvor gefloppt. Doch es kam ganz anders. Die romantische Komödie um Assistenzärztin Gretchen Haase, die sich zwischen dem arroganten Oberarzt Marc Meier und dem sensiblen Gynäkologen Mehdi Kaan entscheiden muss, brachte RTL den Überraschungserfolg des Jahres: Topquoten über dem Senderschnitt und eine begeisterte Fangemeinde, die sich nach dem Ende der Staffel das Liebeswirrwarr gleich noch auf DVD kaufte. Wenige Monate später gab’s den Deutschen Fernsehpreis, dann den Comedy-Preis, schließlich den Adolf-Grimme-Preis.
„Bora Dagtekin hat ein Talent, das hierzulande beinahe einem Alleinstellungsmerkmal gleichkommt“, schwärmte die Grimme-Jury. RTL gab eine weitere Staffel in Auftrag. Sie startet nun am 3. August.
Bridget Jones im Krankenhaus – mit dieser einfachen Formel stand Dagtekin vor zweieinhalb Jahren vor Produzentin Steffi Ackermann. Die beiden kannten sich von der Filmhochschule in Ludwigsburg und wollten seitdem einmal zusammenarbeiten. Bei „Doctor’s Diary“ war es so weit. „Mit Bora zusammenzuarbeiten, ist absolut inspirierend“, sagt Ackermann. „Seine Bücher sind toll, aber er macht sich ja noch viel mehr Gedanken: um die Besetzung, das Setdesign, die Musik.“
„Gibt doch genug im deutschen Fernsehen, das kacke aussieht“, sagt Dagtekin und grinst. Wir stehen am Set der zweiten Staffel von „Doctor’s Diary“ in Berlin-Wannsee. Die Schauspieler sitzen in grüner OP-Kleidung auf Bierbänken und essen Nudeln und Gulasch. Dagtekin wird von der Hauptdarstellerin bis zur Regisseurin freudig begrüßt, selbst den Familienhund der Dagtekins kennt man schon am Set. Am Eingang zum stillgelegten Klinikgelände, auf dem heute gedreht wird, hängt noch ein Schild von der SAT.1-Produktion „Klinik am Alex“ – ein Überbleibsel von einem der vielen Serienflops der letzten zeit.
„Ich will, dass meine Projekte richtig gut aussehen“, sagt Dagtekin. Das heißt bei ihm: attraktive Schauspieler, liebevoll gestaltete Sets, aufwendige Inszenierungen. Für die zweite Staffel hat er einen teueren Außendreh in einem Learjet durchgesetzt. Darüber kann er sich heute noch freuen. Das Preisgeld, das er jüngst für den Bayerischen Fernsehpreis gewann, wollte er erst in einen Stunt stecken. „Als Produzentin freue ich mich über soviel Einsatz“, sagt Ackermann. „Als Freundin habe ich ihm geraten, sich selbst etwas Schönes zu kaufen.“
Die Entgrenzung von Beruf und Privatem, vollster Einsatz auch bei Kleinigkeiten, das ist Dagtekins Arbeitsprinzip. Er ist beim Casting der Schauspieler dabei und entscheidet noch im Schnitt, welche Musik unterlegt werden soll. Handelt er sich damit nicht auch mal Ärger ein, mit dem ständigen Reingerede? „Nö, ist doch hilfreich, was ich sage“, entscheidet Dagtekin, während wir am Set stehen. Die Schauspieler um uns herum schweigen einige bezeichnende Sekunden.

„Wenn ich einen Film geschrieben habe, soll auf dem Plakat stehen: ‚Ein Film von Bora Dagtekin‘ – und nicht der Name des Regisseurs oder Produzenten.“:

Normalerweise verschwinden in Deutschland Drehbuchautoren im Abspann. Das ist bei Dagtekin nicht nur wegen seines Einflusses auf die Gesamtproduktion anders. Es liegt auch daran, dass sein Handwerk in seinen Serien sehr präsent ist: lustigere, temporeichere Dialoge als bei ihm gibt es im deutschen Fernsehen nicht. In „Doctor’s Diary“ sind es vor allem Gretchen Haase und ihre Jugendliebe Marc Meier, die sich wunderbar streiten. Als Gretchen Marc mit einem alten Schulfreund eifersüchtig machen will, beugt sich Marc genüsslich über die beiden rüber: „Na, ihr beiden seid ja richtig dicke.“ Ein abschätzender Blick über Gretchens Kurven: „Zumindest eine von euch.“ Doch auch Marc muss einstecken. Nachdem Gretchen ihm vorgemacht hat, wie man eine Patientin mit bloßen Händen reanimiert, rät sie ihm: „Gib der Patientin was kardioproduktives. Ist was für das Organ, das du nicht kennst – das Herz!“
Dass Dagtekin zu einer Art Marke geworden ist, liegt aber auch an seiner Biografie. Als Sohn eines türkischen Arztes und einer deutschen Lehrerin erlebt er zuhause in Hannover die Mittelschichtsvariante von Multikulti. Teile davon flossen ein in „Türkisch für Anfänger“, seine erste, ebenfalls mit Preisen überhäufte Serie. Als sie im März 2006 startete, hatten die Medien mit Dagtekin jemanden, mit dem sich eine Geschichte rund um die Serie erzählen ließ. Und mit dem sich ein Stück neue Fernsehnormalität feiern ließ.
„Bora hat entscheidenden Einfluss auf die Integration im Fernsehen genommen“, sagt Elyas M’Barek. Er hat in „Türkisch für Anfänger“ die Hauptfigur Cem gespielt, einen türkischstämmigen Teenager, der sich mal als Gangsta-Rapper versucht, mal seine anatolische Oma zur Markenpiraterie anstachelt. In der zweiten Staffel von „Doctor’s Diary“ spielt M’Barek nun einen österreichischen Arzt – eine Rolle, die seinem tunesisch-österreichischem Hintergrund näherkommt als der Cem. In anderen Produktionen wäre er für sie wohl trotzdem nie besetzt worden. „Ohne Bora würde ich nur Schüler mit Migrationshintergrund spielen“, sagt M’Barek. Später erzählt er, dass Dagtekin und er auf Branchenpartys schon mal verwechselt werden. Zwei südländische Typen auf einmal - das scheint manche Kollegen zu überfordern.

„Wenn ich überhaupt ein Vorbild habe, dann ist es J. J. Abrams.“:
„Die einen wollen Aufträge, die anderen Quote.“ So hat die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung einmal den Gegensatz zwischen Drehbuchautoren und Fernsehredaktionen beschrieben. Für Dagtekin gilt er so nicht. „Türkisch für Anfänger“ war vielleicht ein Prestigeprojekt, das sich die ARD trotz mauer Quote drei Staffeln lang leistete. Bei „Doctor’s Diary“ hat Dagtekin bewusst aufs Massenpublikum geschaut. „Man darf sich als Autor nicht zu schade für einen ordentlichen Heiratsantrag sein“, sagt er. Bei aller Gefälligkeit ist „Doctor’s Diary“ trotzdem keine plumpe Ranschmeiße ans weibliche Publikum. Zwar sind für Gretchen Figurprobleme ein Dauerthema, doch als Chirurgin gibt sie sich keine Blöße. „Außen Arzt, innen Frau“, bescheinigt sie sich selbst.
Hochglanzproduktionen, die auf die Quote schauen, aber gleichzeitig Qualität liefern – die Vorbilder, an denen sich Dagtekin orientiert, sind erkennbar angloamerikanisch. „Mir ist es egal, ob Kritiker schreiben, ‚Alles nur bei Bridget Jones geklaut!‘. Bei den Lesern bleibt Bridget Jones hängen, und sie schalten ein“, sagt er. „So funktioniere ich schließlich auch. Wenn irgendwo steht, ein Film sei eine schlechte Kopie von ‚Der Eissturm‘, gucke ich das trotzdem – weil ‚Der Eissturm’ mein Lieblingsfilm ist.“
„Wir haben in Deutschland zu wenige kommerzielle Autoren“, sagt Filmproduzent Thomas Friedl. „Vielleicht wird in der Ausbildung zu wenig auf das Unterhaltende abgestellt. Auffällig ist, dass die erfolgreichsten Kinofilme in der jüngsten Vergangenheit von Leuten stammen, die ihr Handwerk im Fernsehen gelernt haben.“ Friedl ist Geschäftsführer der Produktionsfirma ufa cinema. Für sie wird Dagtekin 2010 eine Kinoversion von „Die Räuber“ von Schiller schreiben und erstmalig auch koproduzieren. „Mir fällt eigentlich nur Helmut Dietl ein, der ähnlich besessen ist, im positiven sinne des Wortes“, sagt Friedl – Dietl hat unter anderem die Serie „Kir Royal“ gemacht. „Bora liefert Arbeit aus einem Guss. Das gibt es in Deutschland extrem selten.“
Auch was sein eigene Zukunft betrifft, hat sich Dagtekin in Richtung USA orientiert. „Ich habe jetzt schon bei vielen Projekten in Deutschland gehört: ‚Geil, aber das kriegen wir nie finanziert.‘ Da hatte ich die Schnauze voll“, sagt er. Seit diesem Frühjahr hat er eine Managerin in Los Angeles, mit der er bereits eine kleine Studiotour hinter sich hat. Dabei stellte er verschiedenen Produktionen Ideen für Filme und Serienpiloten vor. „Keine Ahnung, ob davon was klappt. Aber man braucht halt Ziele im Leben.“
Zunächst steht aber die zweite Staffel von „Doctor’s Diary“ an. Wenn die Quoten stimmen, wird RTL wohl bald grünes Licht für eine dritte geben. Außerdem ist noch ein Kinofilm zu „Türkisch für Anfänger“ in der Entwicklung und ein Serienpilot mit Elyas M’Barek geplant. Produzentin Ackermann ist sich sicher: „Bora hat mehr Ideen, als er je in seinem leben wird aufschreiben können.“


Bora Dagtekin...
...wurde 1978 in Hannover geboren. Noch während seines Studiums an der Filmhochschule in Ludwigsburg gab die ARD bei ihm die Serie „Türkisch für Anfänger“ in Auftrag. Er hat unter anderem auch „Schulmädchen“ für RTL sowie den Kinofilm „Wo ist Fred?“ mit Til Schweiger geschrieben.

Ich mag:
Schokolade – die Serie „The Riches“ – Emoticons – Stephen-King-Verfilmungen

Ich mag nicht:
Dass mein Bruder besser surfen kann als ich – vor der Kamera stehen – das Product-Placement verboten ist

http://www.diemitdemforum.de/viewtopic.p...=%20asc&start=0
(aus der neon)

Ponke ( gelöscht )
Beiträge:

23.07.2009 12:44
#17 RE: Infos Zitat · antworten
milly Offline

Butterböhnchen:


Beiträge: 2.769

23.07.2009 13:19
#18 RE: Infos Zitat · antworten

"Es gibt wieder einen Cliffhanger"

na supper schon wieder ein offenes ende -.-
aber soll ja auch eine Hochzeit geben uiuiuiu

sweety2000 Offline

Student:


Beiträge: 248

23.07.2009 14:02
#19 RE: Infos Zitat · antworten

Zitat von Ponke
Hier ein Interview mit Bora
http://www.serienjunkies.de/news/doctors-diary-22530.html


Danke für den Link! Ein wirklich sehr sehr interessantes Interview!!

Schwesterchen ( gelöscht )
Beiträge:

23.07.2009 16:18
#20 RE: Infos Zitat · antworten

War mal wieder sehr aufschlussreich!

HipTin ( gelöscht )
Beiträge:

23.07.2009 17:31
#21 RE: Infos Zitat · antworten

oh ja da geb ich dir recht^^

haufen infos..

Vanessa Offline

Assistenzarzt:

Beiträge: 7.595

02.08.2009 16:05
#22 RE: Infos Zitat · antworten

Buchautor von "Doctor's Diary"
"Ein ernstes Format ist einfacher"

Stuttgart - Für die ARD-Serie "Türkisch für Anfänger" wurde Drehbuchautor Bora Dagtekin mehrfach ausgezeichnet. Auch seine RTL-Serie "Doctor's Diary - Männer sind die beste Medizin" heimste Preise ein. Jetzt zeigt der Sender die zweite Staffel mit Diana Amft als chaotisch-liebenswerter Ärztin Dr. Gretchen Haase.

Deutsche Serien sind nicht immer erfolgreich. Was machen Sie besser?
Ich würde nicht sagen, dass ich etwas besser mache. Aber immer, wenn ich eine Vision habe, versuche ich, diese auch bis zum Ende mitzubetreuen und allen Beteiligten zu kommunizieren. Für mich ist es nicht damit getan, wenn das Buch geschrieben ist, sondern ich sehe mich eher als Autor des amerikanischen Systems, der mit dem Produzenten alle kreativen Entscheidungen vom Buch bis zur Ausstrahlung gemeinsam trifft. Ich bin auch bei Schnitt und Casting involviert. Mir ist es wichtig, dass ich bis zum Ende noch einmal etwas überarbeiten kann.



Sie sind bisher auf das komödiantische Fach abonniert. Könnten Sie sich auch ein ganz ernstes Format vorstellen?
Ernst ist einfacher. Und das machen viele andere, da wäre es dumm, wenn ich mir meine Nische nicht erhalten würde. Es gibt nicht so viele Autoren, die gerne etwas anderes als Krimi machen. "Tatort" und "Polizeiruf 110" sind typisch deutsche Genres, damit habe ich aber nicht so viel am Hut. Ich bin froh, dass ich dieses amerikanische Dramedy-Format bediene, eine Mischung aus Komödie und Drama.

Bei einer Serie wie "Doctor's Diary" kann der Grat zwischen lustig und albern schmal sein. Welche Art von Humor wollen Sie vermitteln?
Mir ist es wichtig, dass der Humor mit Ironie gepaart und geistreich und pfiffig ist. Ich möchte, dass auch Leute, die nicht so auf Romantik stehen, sagen können, ich schaue das wegen der Witze.

Ist es trotzdem eine Frauenserie?
Finde ich nicht. Sicherlich gucken Männer nicht zusammen "Doctor's Diary", sondern eher Fußball. Aber ich glaube, wenn Freunde oder Ehemänner mit am Fernseher hängenbleiben, können sie sich ebenfalls amüsieren. Es steht nicht "Bitte nur für Frauen" über meinem Schreibtisch, im Gegenteil, ich mache es auch für mich. Ich muss es auch gut finden, und das tue ich.

Wie wird sich die Serie noch entwickeln?
Steffen Groth als Millionär wird die dritte große Männerfigur und mischt die Geschichte und Gretchens Leben auf. "Dschungelkönigin" Ingrid van Bergen wird als seine Mutter zu sehen sein. Bei Gretchen erleben wir zudem ganz schöne berufliche Geschichten. Zum Beispiel, dass sie ihre Doktorarbeit noch gar nicht fertig geschrieben hat. Wir haben versucht, die Figuren alle noch genauer zu betrachten, in die Vergangenheit zu gehen und zu schauen, wo wollen sie hin? Und es wird eine Heirat geben.

Wann kommt die dritte Staffel?
Die ist noch in der Planung. Wir warten jetzt erst einmal auf die Quoten der zweiten Staffel. Ich finde es wichtig, dass man auf die Zuschauer reagiert, vielleicht finden sie irgendetwas nicht so gut oder etwas besonders spannend. Dann werden wir schauen, welche Geschichten wir weitererzählen, ob jemand rausfliegt oder ein Neuer hinzukommt. Ich liebe meine Figuren, aber wenn eine Figur nicht funktioniert oder genug Potenzial hat, dann muss man auch mal jemanden auserzählen.

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/st...ail.php/2148983

Vanessa Offline

Assistenzarzt:

Beiträge: 7.595

02.08.2009 20:24
#23 RE: Infos Zitat · antworten

Zum Start von "Doctor's Diary"
„Ich bin alle“

Bora Dagtekin gehört zu Deutschlands erfolgreichsten Drehbuchautoren. Die preisgekrönte Serie "Türkisch für Anfänger" stamm aus seiner Feder, jetzt startet auf RTL die zweite Staffel seiner ebenfalls ausgezeichneten Serie "Doctor's Diary". Im Interview spricht er über Humor, Chauvis und sein Erfolgsgeheimnis


Herr Dagtekin, gibt es ein Rezept für Witz?

Ja. Aber das kenne ich nicht. Es gibt ein Buch, „Handwerk Humor“ oder so ähnlich. Da geht es um Fallhöhe, um Schmerz und Wahrheit, solche Sachen. Ich denke, das Wichtigste ist, seine Sachen immer selber witzig zu finden. Wenn ich meine Drehbücher eine Woche liegen lasse und noch mal drüber- gehe, dann muss ich oft lachen. Dann weiß ich, dass es gut ist.

Sie bringen sich als Drehbuchautor auch am Set stark ein.

Ich habe dieses Mal das Creative Producing übernommen, mich mit dem Produzenten zusammengesetzt, um den kreativen Prozess, den Cast, die Ausstattung mitzubestimmen. Dieses Showrunner-Prinzip ist in den USA üblich und kommt langsam hier an. Ralf Husmann, der Autor von Stromberg und Dr. Psycho, macht das auch. Ich fordere es auch ein.

Muss man viele Preise gewinnen, um diesen Freiraum zu haben?

Das weiß ich nicht. Ich hab bei der ersten Staffel von „Türkisch für Anfänger“ auch schon eine große Fresse gehabt und nicht einen Preis. Ich glaube, wenn man als Autor mit Leidenschaft dabei ist, dann muss man auch sagen: „Nein, ich geh jetzt nicht raus aus der Besprechung. Nur weil Du Regisseur bist, heißt das noch lange nicht, dass Du mehr zu sagen hast als ich.“

Kann es sein, dass Sie das sind, was für Fernsehleute die Pest ist? Einer, der am Set rumhängt und reinredet?

Nein. Ich bin eher Quell der Erlösung. Ich bin ja jemand, der sagt, das und das ist die Vision. Und an die halten wir uns, damit wir am Ende stolz auf das Produkt sein können. Ich hab auch mit keinem Stress. Im Gegenteil. Ich verstehe mich super mit den Regisseuren, mit den Schauspielern.

Ihre Figuren sind perfekt gezeichnet. Woher wissen Sie , wie Menschen ticken?

Ich beobachte und versuche, viel mitzukriegen. Am besten funktioniert es, wenn man in den Figuren drin ist.

Sie sind also die „Doctor's Diary“-Protagonistin Gretchen Haase, eine moppelige, tapsige Romantikerin?

Ich bin alle. Ich weiß auch, wie der Chauvi Mark Meier tickt.

Das überrascht nicht. Sie sind rein biologisch schon auf der richtigen Seite.

Na ja, ich glaube nicht, dass Männer und Frauen so unterschiedlich ticken. Zumindest ist es nicht schwierig, die Figuren zu bauen. Nicht, wenn ich ehrlich in den Figuren abtauche. Ich erweitere das, was ich beim Abtauchen sehe und fühle, durch Dinge, die ich in meiner Umwelt mitbekomme. Von Freunden, Freundinnen, aus Artikeln, aus dem Fernsehen.

Und daher nehmen Sie die Witze?

Ich lese viel, vor allem Sach- und Fachbücher. „SZ-Wissen“, „Spiegel-Wissen“. „Liebe und wie sie entsteht“, „Wer bin ich und wenn ja wie viele.“ „Die Entstehung des Universums“. Ich sauge nicht so viel Fiction auf, ich sauge Fachwissen auf. Da liegt unglaublich viel Ursprung für Witze.



„Doctor’s Diary – Männer sind die beste Medizin“, RTL, 20 Uhr 15

Bora Dagtekin, 30, hat unter anderem die Serien „Türkisch für Anfänger“ (ARD) und „Doctor’s Diary“ (RTL) geschrieben, für die er auch mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 03.08.2009)

http://www.tagesspiegel.de/medien-news/D...rt15532,2863171

Vanessa Offline

Assistenzarzt:

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03.08.2009 15:31
#24 RE: Infos Zitat · antworten

"Meine Serie funktioniert bei allen Frauen"

Er ist 30 Jahre alt, und schon ein Star unter den TV-Drehbuch-Schreibern. Bora Datekin hat "Türkisch für Anfänger" erfunden und mit "Doctor's Diary" Erstaunliches geschafft: eine clevere Krankenhaus-Soap. Jetzt startet die zweite Staffel - Silke Burmester traf den Erfolgsautor am Set.

Bei RTL will man mal nicht so kleinlich sein. 3000 Hanfpflanzen? Na gut, 3000 Hanfpflanzen. Vom kleinen, zarte Pflänzchen bis hin zum ausgewachsenen, satten Busch. Bora Datekin ist begeistert: "Super sieht das aus! Total cool!" Begeistert durchschreitet er den Kellerraum. Ein Labor, die Spielstätte einiger Szenen seiner Krankenhausserie "Doctor's Diary", voll mit Gras. Ohne Samen, aber das wird man im Fernsehen nicht sehen.

Wenn Bora Datekin die Drehorte für die neue Staffel von "Doctor's Diary" besucht, kann ihn vieles begeistern. Die künstlichen Eiskristalle, die man der Hauptdarstellerin für die Szene in der Kältekammer an den Haaransatz geklebt hat, die liebevoll auf frostig getrimmten Laborutensilien, ein Geheimgang, dessen Herstellung 8000 Euro gekostet hat.

"DD ist schon aufwendiger produziert als andere Serien", räumt Produktionsleiter Frank Huwe ein. "Mehr Drehtage pro Folge, mehr Darsteller, teurere Darsteller, aufwendige Ausstattung. Aber das ist es wert."

Für die deutsche TV-Serie ist momentan vor allem er Gold wert: Bora Datekin, 30 Jahre alt, in Hannover als Sohn einer deutschen Lehrerin und eines türkischen Arztes geboren, Drehbuchautor von Beruf. Ein lebendiger, offener Mann mit einer großen Klappe und einer klaren Vorstellung davon, was er will, was er kann und was sich wo machen lässt. "Wenn ich irgendwas auf den Markt werfe oder pitche, dann liebe ich es und glaube auch daran, dass es funktioniert. Ich bin niemand, der in ein Meeting geht, ohne eine Vision zu haben."

"Hasenzahn, Stullen weglegen und dann die Messer wetzen"

"Türkisch für Anfänger", die mehrfach preisgekrönte ARD-Serie hat er 2004 geschrieben, da war er 25 Jahre alt. 2008 schickte RTL gemeinsam mit dem ORF seine Serie "Doctor's Diary" ins Rennen um die Quote. Und siegte. 16,5 Prozent holte "DD" im Durchschnitt, bis knapp unter 40 Prozent in der werberelevanten Zuschauergruppe der Frauen zwischen 20 und 29 Jahren. Jetzt startet die zweite Staffel.

"DD funktioniert wirklich bei allen Frauen", weiß der ehemalige Werbetexter Datekin. "Bei intellektuellen, bei bodenständigen, bei modernen, bei traditionellen". Dass dem so ist, hat einen schlichten Grund: Die Krankenhaus-Serie mit der Assistenzärztin Gretchen Haase als Hauptcharakter spielt mit der enormen Bandbreite moderner Geschlechterklischees. Bis kurz vorm Gehtnichtmehr.

Und so, wie es Datekin bei "Türkisch für Anfänger" gelang, die Klischees haarscharf vor Erreichen der Peinlichkeit zu brechen, gelingt ihm dies bei "Doctor's Diary". Gretchen Haase (Diana Ampft) ist Assistenzärztin auf Papas Station ("Hast Du schon Deine neuen Kollegen kennen gelernt, Kälbchen?") und seit Kindestagen in den größten Chauvi der Schule verknallt. Marc Meier (Florian David Fitz), jetzt ihr Oberarzt und einer, der keine Gelegenheit auslässt, ihr vermeintliche Unzulänglichkeiten unter die Nase zu reiben: "Hasenzahn, Stullen weglegen und dann die Messer wetzen."

Das Gegenstück zu Meier ist der mit der Niedlichkeit eines Hundebabys versehene Gynäkologe Mehdi Kaan (Kai Schumann), der auch nicht so recht für eine Beziehung zur Verfügung steht, weil er seine just aus dem Koma erwachte Frau pflegen muss. Und als wäre eine sich nach Liebe verzehrende Romantikerin in dieser Konstellation nicht bereits eingeklemmt genug, lässt Datekin in der neuen Staffel auch noch einen Millionär sein Unwesen in Gretchens Herzen treiben.

Das klingt banal, das klingt nach Trash, das klingt nach den Romanen, die Elke Fischer, die Mutter von Marc Meier, schreibt - und wird doch von so viel Intelligenz, Ironie und Witz getragen, dass neben der Grimme-Preis-Jury auch die des Deutschen Fernsehpreises und die des Deutschen Comedy-Preises mit Begeisterung ihre Trophäen an den Jungautoren übergeben haben.

"Ich sauge Fachwissen auf"

Datekins Geschichten sind ein Sammelsurium an Beobachtungen, an Erlebtem, an Gelesenem. "Die Themen holt man sich aus dem erweiterten Umfeld. Man beobachtet alles. Den Buchmarkt, den Kinomarkt, alles, was irgendwie mit Kultur und Popkultur zu tun hat. Ich sauge nicht so viel Fiction auf," erläutert er seine Herangehensweise. "Ich sauge Fachwissen auf. Da liegt unglaublich viel Ursprung für Witze."

Entsprechend sind seine Figuren gebaut: komplexe Persönlichkeiten als Resultat komplizierter fiktiver Biografien. "Man muss immer zwei Seiten einer Figur haben und sich fragen, wo kommt jemand her, was will er und was hält ihn davon ab. Was sind die Mächte, die miteinander kämpfen?" Bei Gretchen scheinen durchaus mehrere Mächte am Werk. Die Hauptfigur ist geradezu eingekesselt von Vernunft und Ambition, vom Sexappeal diverser Männer in Weiß, dem Traum von Familie, ihrem Hang nach Selbstbestimmung und dem nach Schokolade.

Das ist nicht neu, das ist "Bridget Jones" ebenso wie schnödes Prinzessinnen-Prinzip. Und dennoch ist "Doctor's Diary" eine qualitative Ausnahme in der deutschen Serienlandschaft, die seit Jahren in einer kreativen Misere steckt. "Wenn es eine Krise in der unterhaltenden Fiktion gibt, dann muss man die Produktionsfirmen fragen, wo sind denn die guten Ideen? Wenn die Sender nicht viel pilotieren, liegt es vielleicht daran, dass viel Schrott reinkommt." Natürlich gibt es gute Autoren, sagt er, doch was ihm fehlt, ist die Leidenschaft bei den Machern: "Man hat selten das Gefühl, dass hinter einer Serie ein, zwei Leute stehen, die ihr Herzblut da reingesteckt haben."

Herzblut, Leidenschaft, davon scheint Datekin ausreichend zu haben. Im Herbst wird RTL seine neue Agenten-Comedy verfilmen, eine Bearbeitung von Schillers "Die Räuber" bereitet er ebenso vor wie einen "Türkisch für Anfänger"-Film fürs Kino.

Aber schon längst hat er seinen Aktionsradius erweitert. Auf das "Creative Producing", das Gestalten. Er will die Schauspieler mit aussuchen, die Szenen, die Dialoge mit ihnen durchgehen, bei der Ausstattung und der Kulisse mitreden. Ein Prinzip, das aus Amerika kommt und von deutschen Erfolgsautoren wie Ralf Husmann ("Stromberg") zunehmend praktiziert wird.

Es ist aber auch ein Prinzip, das Produzenten und Regisseure nerven kann, wenn plötzlich derjenige mitredet, der die Figuren erfunden hat. Doch der Erfolg scheint Bora Datekin Recht zu geben: "Ich finde das Casting schlecht in Deutschland. Gerade bei Serien. Oft liegen da nicht genug Spitzen drin, es wird sich nicht genug getraut." Im Gegensatz zu seinem Casting, versteht sich. Da frage der Sender etwa bei der Besetzung der intrigranten Schwester Sabine: "Ist die nicht zu abgefahren?". Lacht Datekin: "Und wir sagen dann, genau, das ist sie, die nehmen wir jetzt!"

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaf...,640013,00.html



Vanessa Offline

Assistenzarzt:

Beiträge: 7.595

04.08.2009 18:32
#25 RE: Infos Zitat · antworten

Du bist Berlin: Bora Dagtekin - Der Querdenker

Mit der TV-Serie "Türkisch für Anfänger" wurde der Drehbuchautor Bora Dagtekin auf einen Schlag bekannt. Nun läuft bereits die zweite Staffel seiner Arztserie "Doctor’s Diary" an, mit der er seinen Ruf als Innovator festigt.

Nun sitzt er vor einem, der talentierteste Komödienautor des Landes, Erfinder des grandiosen türkischen Machos Cem Öztürk, und er sieht dem Star aus der "Türkisch für Anfänger"-Serie auch noch ähnlich: die schwarzen Locken, das breite Lachen, die zusammengekniffenen Augen, sobald er nachdenkt. Der Gedanke liegt nahe: Ob er … ein wenig so ist wie Cem? "Na klar, Alter, weißt du, das ste­ckt in mir drin", sagt er im Schulhoftürkendeutsch, bricht aber sofort ab und lacht. Reingefallen.
Bora Dagtekin ist 30 Jahre alt, sein türkischer Vater ist Arzt, seine deutsche Mutter Lehrerin, er ist in Hannover geboren. Er schreibt Drehbücher. Man denkt ja oft: Autoren verarbeiten in ihren Geschichten die eigene Biografie, die Figuren schneiden sie auf ihre eigenen Hintergründe und Sehnsüchte zu. Als "Integrationsbeauftragten" titulierte ihn das Feuilleton, als er mit "Türkisch für Anfänger", dessen erste Staffel 2005 in der ARD anlief, die nahezu perfekte Multikulti-Komödienserie schrieb. "Ich bin aber kein Lehrbeauftragter", sagt Dagtekin. "Ich suche keine Randthemen, sondern solche, die alle betreffen. Bin ja nicht der Offene Kanal Berlin."
In "Türkisch für Anfänger" geht es um die deutsche Psychotherapeutin Doris Schneider und den türkischen Kommissar Metin Öztürk, die aus Liebe zusammenziehen, deren mitgebrachte Kinder sich dafür umso mehr zoffen. Über Allah, Ausgehen und Geschlechterrollen. Und sich doch ineinander verlieben. In den Geschichten steckte so viel Weisheit und Wahrheit, dass man kaum glauben konnte, dass ihr Autor damals erst 27 Jahre alt war. Dagtekin baute Klischees auf, dann zerlegte er sie. Wie beim stilisierten Cem, der sich als wahrer Romantiker herausstellt. Andere Figuren sind von Anfang an gegen den Strich gebürstet. Der türkische Polizist Metin? Den stellt man sich hart vor, er nennt seine Frau aber "Hasi". Oder Dr. Mehdi Kaan aus "Doctor’s Diary": klingt nach Rassekerl, leidet aber unter Depressionen und ist seiner Angebeteten einfach zu brav. Dr. Kaan (Kai Schumann) ist eine der Hauptfiguren aus Dagtekins zweiter Serie, "Doctor’s Diary", deren zweite Staffel am 3. August bei RTL startet.
Krankenhausserie. Das klingt in Deutschland nach Schmalz, 80er Jahren, Dr. Stefan Frank oder "Schwarzwaldklinik". Ein Format, von dem man denken könnte, es läge nicht unbedingt in Dagtekins Sucher. Er hat es als Herausforderung angenommen. "Ich wollte Medical machen, aber cool", sagt Dagtekin, wieder mit einem Lächeln. Detaillierter wird er nicht. Aber das ist ja auch typisch für Autoren: Wer viele Stunden mit Schreiben verbringt, der seziert ungern seine Arbeit. "Cooles Medical" jedenfalls ist ihm gelungen: In der Serie über die junge Ärztin Gretchen Haase (Diana Amft), die beruflich eine Heldin sein könnte, in der Liebe aber ein Pechvogel ist, verhält sich keiner so, wie man es in einer Arztserie, in klischeehaftem Sex and the Surgery-Settings wie "Grey’s Anatomy", vermuten würde.
Für seine zwei Serien hat Bora Dagtekin Preise bekommen. Darunter den Deutschen Fernsehpreis (für "Türkisch für Anfänger") sowie den Adolf-Grimme-Preis (für beide Serien). Disziplin, Ehrgeiz, sagt Dagtekin, das stecke hinter seiner Arbeit, hinter dem, was sich "Geheimnis eines Erfolges" nennen lasse. Dass er ein außergewöhnliches Talent hat, verschweigt er natürlich.
Dagtekins nächste Projekte klingen so, als seien sie ihm im Halbschlaf zugeflogen: "Undercover Love", eine Agentenkomödie für RTL im Stil von "True Lies". Es geht um Identitäten, die vor dem Ehepartner geheim gehalten werden – und darum, die Welt vor einem Faschistenregime zu retten, das Hitlers U-Boote als Geheimwaffe benutzt. Das also ist Projekt eins. Projekt Nummer zwei: eine actionlastige Kinoadaption von Schillers "Die Räuber". Mit dem Drehbuch dazu hatte er einst die Filmakademie Baden-Württemberg abgeschlossen. Der Inhalt? "'Fluch der Karibik', bloß im Wald." Und dann ist da noch seine vielleicht größte Herausforderung: die Kinoadaption von "Türkisch für Anfänger", die sich in der Vorbereitungsphase befindet. Er wird dafür ein Drehbuch in Spielfilmlänge vorlegen.
Er könne sich vorstellen, sagt er, irgendwann in den USA zu arbeiten. Dort, wo die besten Serien produziert werden. Sein Maßstab. Das muss wohl so sein. Es wird schwer, Bora Dagtekin hier zu halten.





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