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Dieses Thema hat 29 Antworten
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 Pausierende und abgebrochene Fortsetzungen!
Seiten 1 | 2
Dr.Ryina Offline

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Beiträge: 279

25.02.2011 18:19
3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Hallo ihr Lieben, da bin ich wieder

Also ihr habt es wirklich nur Schneewittchen zu verdanken, dass ich wieder in die Tasten gehauen habe. Danke noch einmal dafür.

So, ich habe nun also eine neue Marc/Gretchen Story geschrieben. Hier eine kurze Erklärung & Zusammenfassung.

Erklärung:

Meine Geschichte setzt in der letzten Folge von DD an, unterscheidet sich allerdings. Afrika ist in meiner Geschichte überhaupt kein Thema. Meine Geschichte zielt eher darauf ab, was meiner Meinung nach in den Folgen gefehlt hat, nämlich Marcs Kampf mit seinen Erinnerungen und seinen Gefühlen die durch den kleinen Jungen und das Erscheinen von Frau Schnippel wieder hochgekommen sind. Und Gretchens Kampf mit Marcs Reaktionen auf das Gesamtergebnis.

Zusammenfassung:
Nachdem Marc mit Gretchen eine heile Familie gespielt hatte, waren so viele Erinnerungen wieder in ihm hochgekocht, doch die Einlieferung von Frau Schnippel und das Erscheinen des kleinen Jungen hatten Marcs Welt auf den Kopf gestellt. Zu grauenvoll waren die Erinnerungen an damals, zu tief die Wunden die sie hinterlassen hatten. Und ausgerechnet Gretchen hatte nun alles herausbekommen und sah ihn mit diesem Blick an. Mitleid. Etwas das Dr. Marc Meier verabscheute wie kaum etwas Anderes. Wieso konnte Gretchen nicht einsehen, dass das mit ihnen niemals etwas werden würde? Wieso konnte sie nicht verstehen, dass sie etwas besseres verdient hatte als ihn? Wieso musst er nun auch noch gegen ihre Liebe ankämpfen, nur weil sie nicht verstehen konnte, dass er Angst davor hatte so zu werden wie sein Vater?


So und nun noch eine Bitte in eigener Sache: Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn ihr mir einen Kommentar hinterlassen würdet. Nur so kann ich wissen, dass Interesse an der Story besteht, dass sie gelesen wird und ob sie euch gefällt. Kommentare geben mir die Lust mich hinzusetzen, weiterzuschreiben und schnell etwas neues zu posten! Also bitte nehmt euch die kurze Minute und gebt mir ein kleines Feedback, ich würde mich wirklich sehr darüber freuen!Image and video hosting by TinyPic

ICH WÜNSCHE EUCH VIEL SPAß BEIM LESEN!!!!



Kapitel 1

An diesem Arbeitstag wusste Marc nicht was auf ihn zukam. Dieser scheinbare Tag wie jeder Andere war alles, außer ein Tag wie jeder Andere. Das vertraute Gesicht von Frau Schnippel zu sehen hatte ihn mitgenommen, gerade weil die Ereignisse des vorherigen Tages noch so präsent für ihn waren. Doch spätestens als Marc die Wunden des Jungen entdeckt hatte war alles wieder hochgekommen. All das was er in den vergangenen Jahren erfolgreich verdrängt hatte.

„Marc, wir sollten das Jugendamt einschalten!“, sagte Gretchen, während Marc sie noch einmal ansah.
„Ich werde sie informieren.“, sagte er, wobei Gretchens Blick auf seinem Gesicht ruhte. „Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich sagen, dass es dich wirklich mitnimmt.“, sagte Gretchen, wobei Marc den Raum verließ ohne auf ihren Kommentar einzugehen. Stattdessen begab er sich auf direktem Weg zu dem kleinen Jungen, der noch immer verloren auf der großen Liege im Behandlungszimmer saß.
„Bin ich jetzt krank?“, fragte er ängstlich und sah Marc dabei vorsichtig an, der dem Jugnen ein Lächeln schenkte.
„Nein Tim, bei dir ist alles in Ordnung. Du bist ein richtig starker und tapferer Junge.“, sagte Marc und zog sich einen Hocker vor die Liege.
„Ich bin gar nicht so mutig.“
„Wer sagt das?“
„Das ist nicht wichtig.“
„Hör mal zu Tim. Du weißt, dass ich ein Doktor bin und ich habe gesehen, dass du ganz viele blaue Flecken hast. Tut dein Vater dir das an?“, fragte Marc, wobei Tim seinem Blick auswich.
„Hey Großer, es macht nichts. Mit mir kannst du darüber reden.“
„Ich bin hingefallen.“
„Weißt du als ich in deinem Alter war und auch ein bisschen älter, da musste ich auch immer sagen, dass ich hingefallen bin, aber das war nie die Wahrheit. Ich musste immer lügen, obwohl ich nicht lügen wollte.“, sagte Marc einfühlsam, während Tim ihn betrachtete.
„Ich hatte einen ziemlich schlimmen Vater, der immer sehr wütend auf meine Mutter und mich war.“
„Mein Vater ist auch oft sehr wütend.“
„Das habe ich mir schon gedacht.“
„Aber du darfst niemandem etwas erzählen!“
„Mein Vater hat immer gesagt, dass meine Mutter ganz krank wird,, wenn ich jemandem etwas erzähle.“, fuhr Marc weiter fort.
„Ist deiner Mama was Schlimmes passiert?“
„Nein. Du brauchst keine Angst haben.“
„Kann ich jetzt nach Hause? Ich will zu Mama.“
„Ich werde jetzt noch ein bisschen telefonieren müssen, aber deine Mama rufe ich auch an.“, sagte Marc, was Tim ein Lächeln entlockte.
„Hast du Hunger oder Durst?“
„Ich habe Hunger.“
„Gut, dann werden wir mal sehen wer mit dir mal etwas essen geht. Es gibt hier ganz liebe Schwestern. Du musst mir aber auch etwas versprechen.“
„Was denn?“
„Das was wir gerade besprochen haben ist ein Geheimnis unter uns Männern, okay?“
„Okay.“ Tim lächelte, während Marc sich erhob und Tim noch einmal über den Kopf strich. Im Flur angekommen lehnte Marc sich erst einmal gegen eine Wand, wobei er die Augen geschlossen hatte. Wie lange hatte er diese Bilder nicht mehr vor Augen gehabt.
„Marc? Alles in Ordnung?“, fragte Gretchen, während Marc seine Augen wieder öffnete und neben Gretchen auch Schwester Sabine entdeckte.
„Sabine. Hierhin!“, sagte er, während Sabine direkt zu ihm herüberkam.
„Hier drin sitzt ein kleiner Junge der Hunger hat. Gehen Sie mit ihm in die Cafeteria und kaufen Sie ihm alles was er haben möchte. Sollte er nichts haben wollen kaufen Sie es ihm trotzdem.“; sagte Marc und holte einen Geldschein aus seiner Hose, welchen er Sabine in die Hand drückte.
„Aber ich kann hier nicht weg.“
„Sagt wer? Ich bin hier der Oberarzt und wenn ich sage, dass sie jetzt mit Tim in die Cafeteria gehen, dann ist das mit Sicherheit keine Bitte!“, stellte Marc klar, während Sabine die Tür zum Behandlungszimmer öffnete.
„Marc?“, fragte Gretchen Ernst, die noch einmal nachhören wollte, ob bei Marc alles in Ordnung war.
„Ich bin jetzt telefonieren und möchte in der nächsten halben Stunde nicht gestört werden, es sei denn jemand trägt seinen Kopf sonst unter seinem Arm. Versuch niemanden umzubringen in dieser Zeit.“, sagte Marc ausweichend und verschwand dann in seinem Büro während Gretchen ihm nachdenklich hinterher sah. Irgendetwas stimmte nicht, dachte Gretchen als sie in den Raum der Kindergärtnerin Frau Schnippel ging um noch einmal nach ihr zu sehen. Sie erwähnte Tim, da die Kindergärtnerin ihn gut kennen musste und sprach dabei ihren Eindruck laut aus, dass Marc sich sehr um den Jungen kümmern würde, wobei Gretchen nicht im Entferntesten darauf vorbereitete war, was nun kam.

Gretchen betrachtete die Kinder lächelnd, die um Marcs ehemalige Kindergärtnerin Frau Schnippel herum tanzten, wobei zeitgleich alles einen Sinn zu ergeben schien. Plötzlich war alles so logisch, wobei Gretchen die Tragik des Ganzen kaum verdauen konnte. Wie sollte sie Mark nun gegenüber treten? Jetzt wo sie endlich verstanden hatte was eigentlich mit ihm los war.
„Hasenzahn. Die Bilder? Wird das heute noch was?“, fragte Marc und sah Gretchen dabei fordernd an.
„Marc.“, erwiderte Gretchen erschrocken.
„Herrgott noch mal heulst du?“, fragte Marc mit geweiteten Augen, wobei Gretchen erst jetzt bewusst wurde, dass sich ihre Wangen tatsächlich nass anfühlten.
„Nein!“, sagte sie wie automatisiert und wischte sich dabei die Tränen mit dem Ärmel ihres Arztkittels von der Wange um an Marc vorbei zu stürmen, der sie allerdings am Arm festhielt. „Bist du immer noch sauer wegen gestern?“, fragte Marc nach, da er unbedingt verhindern musste, dass Gretchen wegens seines Verhaltens gegenüber dem Jungen Verdacht schöpfte, erntete von Gretchen allerdings lediglich einen ausweichenden Blick. Marc wusste, dass er Gretchen verletzt hatte. Er hatte sie gebeten ihn endlich in Ruhe zu lassen, allerdings hatte er sich noch niemals zuvor so sehr gewünscht, dass sie für ihn da war.
„Glaubst du ernsthaft, dass es mich noch mitnimmt wenn du mich wie ein minderwertiges Stück Fleisch behandelst?“
„Ein riesengroßes Stück Fleisch.“, schob Mark hinterher, während Gretchen direkt weiter stürmte. Sie wusste nicht wie sie ihm begegnen sollte. Marc blieb ratlos auf dem Flur stehen und sah Gretchen hinterher. Wieso konnte sie nicht verstehen, dass sie etwas Besseres verdient hatte als ihn? Wieso war sie so fixiert darauf mit ihm zusammen zu sein, wo er ihr doch niemals das geben konnte, was sie sich von ihrem Leben erhoffte, was sie verdient hatte. Wer garantierte ihm, dass er nicht zu seinem Vater werden würde? Marc schauderte es bei dem puren Gedanken daran und kurz kam das Bild in ihm hoch, wie Gretchen ohnmächtig auf die Motorhaube seines Autos gesunken war. Marc hatte sich nichts anmerken lassen, doch tief in seinem Inneren war er so geschockt, dass ihm noch immer die Luft wegblieb. Marc atmete tief durch und öffnete dann die Tür eines Behandlungszimmers.

....to be continued!

Dr.Ryina Offline

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Beiträge: 279

28.02.2011 13:38
#2 Kapitel 2 Zitat · antworten

Kapitel 2

„Reiß dich zusammen Meier!“, sagte er durch zusammengebissene Zähne zu sich selber. Das alles konnte ihn doch nach all den Jahren nicht immer noch berühren. Wieso waren diese grausamen Gedanken überhaupt wieder an die Oberfläche gekommen und nicht dort geblieben wo sie hingehörten?
Marcs Gedanken gingen zu dem kleinen Jungen zurück, welchen er am Morgen behandelt hatte. Hoffentlich erging es ihm in seinem Leben nicht einmal annährend so wie es ihm selbst ergangen war.
„So Frau Bender, dann werfen wir mal einen Blick auf ihre Bilder.“, sagte Marc mit laut erhobener und gefestigter Stimme als er das Behandlungszimmer betrat, nur um dort noch immer keine Bilder vorzufinden.
„Sag mal sehe ich hier aus wie der Praktikant oder was? Hasenzahn, die verdammten Bilder! Das ist doch selbst für dich nicht zuviel verlangt!“, wetterte Marc im Aufenthaltsraum angekommen, während Gretchen ihm diese direkt vor die Brust knallte.
„Na geht doch. Und jetzt zügig zur Patientin, wir haben ja nicht den ganzen Tag Zeit!“ Gretchen nickte und folgte Marc dann. Wie gerne würde sie ihn jetzt einfach nur in den Arm nehmen, ihn feste an sich drücken und ihn nachträglich vor all dem beschützen, was ihm widerfahren war. Frau Schnippel hatte ihr nicht viel erzählt, doch den Rest konnte sie sich von selber erklären. Es erklärte ihr einiges, was sie an Marc niemals verstanden hatte. Sie wusste nun das es pure Angst war, die ihn dazu trieb sie immer und immer wieder von sich weg zu stoßen und seine Mauer aus Gemeinheiten aufrecht zu erhalten und immer weiter auszubauen, nur um bloß keine Gefahr zu laufen sich verletzbar zu machen.
„So, Frau Bender, sie haben sich die Hand gebrochen!“, sagte Marc und neigte dabei den Kopf etwas.
„Die schlechte Nachricht ist, dass wir sie operieren müssen, zumindest wenn sie ihre Hand als etwas anderes als als Schaufel benutzen möchten. Ich denke sie haben ja nicht nur Gartenarbeit zu erledigen, nicht wahr?“, sagte Marc amüsiert grinsend und sah dabei Gretchen an, die ihn stumm von der Seite betrachtete. Er wartete auf ihr tadelndes „Marc!“, doch Gretchen blieb stumm und sah ihn dabei an, als würde sie ihm gleich das Gehirn durch sie Schädeldecke saugen.
„Was?“, fragte Marc, während Gretchen durch seine plötzliche Aufmerksamkeit in die Realität zurückgeholt wurde. Sie sah Marc kurz ins Gesicht und schüttelte dann den Kopf. „Nichts. Gar nichts. Alles bestens.“, sagte Gretchen, wobei Marc verständnislos den Kopf schüttelte.
„Konzentrieren wir uns dann bitte wieder auf die Patientin, ja?“
„Die Hand ist gebrochen. Uh, das sollten wir operieren.“, sagte Gretchen nachdem sie die Bilder ebenfalls noch mal betrachtet hatte, wobei Marc die Augenbrauen gehoben hatte. „Danke für die fachlich qualifizierte Einschätzung, die ich Frau Bender bereits vor Minuten mitgeteilt habe.“, sagte Marc, während Gretchen leicht errötete.
„Worauf wartest du? OP vorbereiten.“, sagte Marc und klatschte dabei in die Hände.
„Jaha ist gut!“, entgegnete Gretchen genervt. Marc sah Gretchen kurz hinterher und verließ den Raum dann ebenfalls kurz nach ihr. Er fragte sich was am heutigen Tag in sie gefahren war. Das gesamte Verhalten passt überhaupt nicht mit ihrem Streit von gestern zusammen. Marc hatte sich heute auf alles vorbereitet. Auf totale Ignoration, auf Gretchens wütende Seite, auf viele Tränen, doch diese Abwesenheit und diese Blick die sie ihm zuwarf passten überhaupt nicht dazu. Nachdem sie die Operation erfolgreich beendet hatten, traf Gretchen im Aufenthaltsraum auf Marc, der mit einem Apfel über der aktuellen Tageszeitung brütete. Sie setzte sich neben ihn, wobei sie schnell wieder in ihren Gedanken versunken war.
„Herrgott noch mal, jetzt sag schon was los ist!“, sagte Marc und legte dabei genervt seine Zeitung zur Seite.
„Was?“
„Nicht was. Was ist los?“
„Wieso? Was soll los sein?“
„Wenn du jetzt versuchst unschuldig zu klingen, dann misslingt es dir ungemein!“
„Wieso sollte ich unschuldig klingen wollen?“
„Jetzt lenk nicht vom Thema ab.“
„Ja, das sagt ja gerade der Richtige.“
„Wieso?“, fragte Marc verwirrt, während Gretchen nun tief durchatmete.
„Mein Gott Marc ich weiß Bescheid.“
„Bescheid worüber?“
„Über deine schwere Kindheit. Ich weiß, dass du einiges durchgemacht hast.“
„Ich weiß nicht wovon du redest!“, sagte Marc sofort.
„Doch das weißt du. Jetzt hör auf es wieder abzustreiten.“
„Was hat Frau Schnippel dir erzählt?“
„Sie hat eigentlich gar nichts erzählt, aber ich kann mir den Rest auch denken. Dann auch die Sache mit dem Jungen heute morgen. Ich habe es verstanden Marc.“, erklärte Gretchen, während Marc sich mit der Hand durchs Gesicht fuhr.
„Viele Dinge machen jetzt einfach mehr Sinn. Ich verstehe jetzt einiges und weiß jetzt warum du mich immer von dir weg stößt.“
„Oh bitte nicht. Hör auf dich aufzuspielen wie Sigmund Freud!“
„Man muss nicht Sigmund Freud zu sein um zu verstehen, dass du Angst davor hast dich zu binden und eine eigene Familie zu gründen.“
„Ich werde niemals und merk dir das ein für alle mal NIEMALS eine Familie gründen. Weder mit dir noch mit sonst irgendeiner dahergelaufenen!“, sagte Marc und stand dann abrupt vom Tisch auf.
„Weil du Angst hast.“, fügte Gretchen hinzu, was Marc allerdings bereits nicht mehr gehört hatte. Gretchen wusste, dass sie nun gegen einen noch dickeren Panzer ankämpfen musste als normalerweise. Marc war derweil direkt durchgestürmt zur Toilette, wo er sich in einer Kabine einschloss und sich mit beiden Armen und hängendem Kopf an der Kabinenwand abstützte. Er versuchte seinen hektischen Atem zu kontrolliere und merkte, dass Tränen in ihm aufstiegen.
„Hör auf Meier! Hör auf!“, sagte er wütend zu sich selber, wurde allerdings noch wütender. Sie hatte es niemals erfahren sollen. Jetzt sah sie ihn mit diesem Blick an, war besorgt, doch er wollte niemanden der sich um ihn sorgte. Er wollte dass alles was nun wieder hochkam einfach nur vergessen, so wie er es die letzten Jahre vergessen hatte. Marc konnte dem Drang seine Hand mit voller Wucht vor die Kabinentür zu schleudern nur mit Mühe widerstehen. Er musste operieren, seine Hände waren sein Kapital. Gerade als er glaubte den Kampf gegen sich selber gewonnnen zu haben, kam das Bild seines Vaters wieder in ihm hoch. Marc erinnerte sich daran wie er blutend und verletzt am Boden gelegen hatte und konnte das schäbige Lachen seines Vaters genau hören. Marc zuckte selbst zusammen als es schlussendlich sein Kopf war der mit Wucht gegen die Kabinentür prallte. Erschrocken über sich selber taumelte Marc gegen die gegenüberliegende Wand und hielt sich dann Halt suchend daran fest.
„Verdammt!“, fluchte er als er merkte, dass Blut an seiner Wange entlang lief. Er hatte die Kontrolle verloren, doch gleichzeitig hatte es ihm unheimlich geholfen, denn die Bilder waren nun wenigstens vorübergehend aus seinem Kopf verschwunden. Marc schloss die Kabinentür auf und ging noch immer mit unsicheren Schritten zum Spiegel herüber.
„Verdammte scheiße!“, fluchte er nun laut und riss etwas Papier aus dem Spender.

„Doktor Haase!“, rief Schwester Sabine aufgeregt, während Gretchen kurz die Augen verdrehte. Sie hatte sich extra zurückgezogen weil sie Ruhe brauchte. Sie musste überlegen. Dringend überlegen! Und das möglichst bevor sie Marc das nächste Mal begegnete. Gretchen las die Zeilen vor sich noch einmal durch.
„Liebes Tagebuch, wieso habe ich das alles nicht früher bemerkt? Es gibt Dinge die ich scheinbar nie wahrhaben wollte. Das Geheimnis um Marc Meier ist gelüftet!“, prangte in den Seiten ihres Tagebuchs.
„Doktor Haase!“, rief Sabine erneut.
„Jaha!“
„Doktor Haase, wo ist Doktor Meier?“, fragte Sabine, während Gretchen sie genervt ansah. „Piepen Sie ihn an.“
„Das habe ich schon. Ich war auch schon in seinem Büro, aber alles was ich gefunden habe war sein piepsender Piepser in diesem Kittel hier.“, sagte Sabine, während Gretchen nur kurz desinteressiert aufsah, was sie binnen Sekunden erneut tat.
„Wo kommt das Blut her?“, fragte sie alarmiert.
„Das weiß ich nicht. Ich bin ja kein Spion, aber wo ist Doktor Meier?“ Gretchen klappte ihr Tagebuch zu und erhob sich dann.
„Glauben Sie er ist verletzt Frau Doktor?“
„Äh ja, das glaube ich Sabine.“
„Gott, stellen Sie sich vor er irrt hier umher, blutend, verletzt….“
„Sabine, wir sind hier in einem Krankenhaus. Ich schätze er wird es höchstwahrscheinlich überleben!“, unterbrach Gretchen sie, wobei sie das ungute Gefühl ebenfalls nicht verdrängen konnte.
„Haben wir einen Notfall, oder warum haben Sie Doktor Meier angepiept?“
„Nein nur einen Privatpatienten mit Chefarztbehandlung.“
„Gut, der soll warten. Ich werde sehen ob ich Doktor Meier finde.“, sagte Gretchen und überlegte dabei nicht lange. Sollte Marc verletzt sein stand er wohlmöglich im OP und kümmerte sich um die Wunde.

....to be continued!

Kommentare zur 3.Story von Dr. Ryina

Dr.Ryina Offline

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Beiträge: 279

02.03.2011 18:24
#3 Kapitel 3 Zitat · antworten

Kapitel 3

Gretchen ging zum OP Plan herüber und machte sich dann auf den Weg zum ambulanten OP Trakt. Lediglich Nummer drei und fünf waren frei.
„Marc?“, rief sie als sie die erste Tür auftrat und fand Marc direkt auf einer Liege, wobei er dabei war einen Faden vorzubereiten.
„Mein Gott was ist passiert?“, fragte Gretchen und war mit wenigen Schritten bei Marc angekommen.
„Gestolpert.“, erklärte Marc schnell. Er war noch immer vollkommen erschrocken darüber wie sehr es mit ihm durchgegangen war. Das war auch der Grund weshalb der Faden in seiner Hand dermaßen zitterte, was auch Gretchen direkt aufgefallen war.
„Leg dich zurück.“, sagte sie während Marc ihr sofort gehorchte.
„Was denkst du was du vorhast?“, fragte er nachdem Gretchen die Wunde gesäubert hatte und zur Nadel griff.
„Vermutlich nicht dich verbluten zu lassen, von daher wäre es schlauer dich zu nähen.“ „Glaubst du ernsthaft, dass ich dir das überlassen werde?“
„Ja, das denke ich.“, erwiderte Gretchen, während Marc sich aufrichtete.
„Marc, du legst dich jetzt augenblicklich wieder hin. Ich habe keine Lust auf diese elendigen Diskussionen. Wir sind beide noch im Dienst. Du wurdest angepiept. Entweder du lässt mich das hier hinter mich bringen, oder ich sage meinem Vater Bescheid, dass der diensthabende Oberarzt mit einer Kopfverletzung genäht werden muss, was dann automatisch keine OP am morgigen Tag bedeutet. Also such es dir aus!“, sagte Gretchen ernst und hörbar wütend.
„Du drohst mir?“
„Sehr richtig.“
„Das gefällt mir.“, scherzte Marc grinsend, während Gretchen die Augen verdrehte und Marcs Wunde dann nähte.
„Auf was bist du gestürzt?“
„Eine Wand.“
„Eine Wand?“
„Ja, sie ist nicht aus dem Weg gegangen.“
„Wie unhöflich von ihr, obwohl der große Dr. Meier den Weg brauchte. Fertig. Sollen wir noch ein CT machen?“
„Mit Sicherheit nicht.“
„Übelkeit, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen?“
„Hör auf deinen Oberarzt zu bedrängen und lass dein geringfügiges Wissen bitte an anderen minderbemittelten Kassenpatienten aus, ja?“, sagte Marc und stand dann von der Liege auf, wobei er seine Wunde erst im Spiegel betrachtete, bevor er sich ein Pflaster von Gretchen darauf kleben ließ.
„Doktor Meier, sind Sie verletzt?“, fragte Sabine sofort als Marc das Schwesternzimmer betrat.
„Sie hätten sich ja auch mal nützlich machen können. Da ist ja immer noch Blut auf dem Kittel.“, entgegnete Marc und sah Sabine dabei an.
„Na los, worauf warten Sie? Neuer Kittel!“, befahl Marc, während Schwester Sabine sich auf den Weg machte. Gretchen dagegen sah Marc an, der sich noch einmal am Tresen abstützte. Er sah noch immer vollkommen mitgenommen aus, doch Gretchen kannte ihn gut genug um zu sehen, dass es nicht von seinem Sturz kam, sondern davon was in ihm vorging. Marc merkte, dass Gretchen ihn anblickte und richtete sich direkt auf, wobei er sich räusperte und sich die Schultern wieder straffte als Sabine ihm den neuen Kittel überreichte. Gretchen lächelte leicht. Der Kittel schien immer wie ein Schutzschild auf Marc zu wirken. Wie ein Superheldenkostüm, dass er sich überstreifen konnte und womit sofort alles gut war.
„So, weshalb hatten Sie mich angepiept?“, fragte Marc bei einem Blick auf seinen Piepser. „Ein Patient mit Oberarztbehandlung wünscht nach ihnen.“
„Tja, verständlich. Wenn man den Besten haben kann, dann sollte man auch den Besten nehmen, nicht wahr?“, fragte Marc rhetorisch und schritt dann dicht gefolgt von Gretchen aus dem Aufenthaltsraum heraus.
Marc atmete tief durch als er seinen Arztkittel an seine Garderobe hing und in seine Jacke schlüpfte. Er wollte jetzt nicht aufhören zu arbeiten, er wollte nicht aufhören im Krankenhaus herum zu laufen, er wollte nicht nach Hause gehen und dort mit seinen Gedanken alleine sein und doch wusste er, dass ihm nichts anderes übrig blieb. Sein Kopf schmerzte und er wusste, dass er am morgigen Tag wieder einen klaren Kopf brauchte um die Operationen unbeschadet durchzustehen. Als er das Krankenhaus verlassen wollte hielt Gretchen den Aufzug auf und stieg ebenfalls ein.
„Was macht der Kopf?“
„Was machen die Kilos?“
„Marc!“
„Schönen Feierabend.“, sagte Marc und stieg dann aus dem Aufzug aus.
„Marc warte bitte!“, sagte Gretchen, während Marc stöhnend stehen blieb und sich nach Gretchen umdrehte.
„Es tut mir leid, ich wollte dir nicht zu nah treten heute.“
„Gretchen, ich habe es dir gestern bereits gesagt, nicht jeder braucht dich!“, sagte Marc, während Gretchen abwehrend die Hände hob.
„Ich wollte es nur sagen und ich weiß, dass du mich brauchst. Und jetzt hör auf gemein zu werden, ich will nur helfen.“
„Ich brauche deine Hilfe nicht!“, rief Marc ihr hinterher, da es nun Gretchen war, die weitergegangen war. Sie reagierte nicht mehr auf ihn, wobei Marc ihr noch kurz hinterher sah bevor er zu seinem Auto herüber ging. Zuhause angekommen fand er seine Wohnung still wie immer vor, wobei er direkt zum Kühlschrank herüber ging um sich ein Bier herauszuholen. Er spülte die Kopfschmerztabletten damit herunter und schaltete den Fernseher an. Irgendetwas musste es schaffen ihn von allem abzulenken. Das zumindest war es was Marc sich einredete, bis er versuchte am Abend in den Schlaf zu kommen, was ihm natürlich nicht annährend gelang, so dass er mitten in der Nacht wieder aufstand. Er überlegte kurz Schlaftabletten zu nehmen, entschied sich dann aber dagegen, da er nicht mehr genug Zeit hatte bis zum nächsten Morgen.
Marc war froh als es am Morgen endlich soweit war, dass er ins Krankenhaus fahren konnte. Die Arbeit würde ihn ablenken.

....to be continued!

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Dr.Ryina Offline

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08.03.2011 16:05
#4 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 4

„Morgen Marc, schon hier?“, fragte Gretchen als sie in den Aufenthaltsraum hereinkam, während Marc sich bereits den zweiten Kaffee einschenkte.
„Ja, manche Menschen haben Verantwortung.“
„Bist du gut auf die Operation vorbereitet?“
„Gretchen sehe ich aus wie ein PJtler?“, fragte Marc kopfschüttelnd und setzte sich dann wieder an den Tisch zu seiner Zeitung und seinem Frühstück, dass er noch nicht einmal angesehen, geschweige denn angerührt hatte. Er wusste, dass er essen musste. Die Operation würde fast fünf Stunden gehen, was er ohne eine ausreichende Mahlzeit vorher nicht aushalten würde, denn auch der fehlende Schlaf war nicht gerade etwas, dass für seine gute Form am heutigen Tag sprach.
„Was macht der Kopf? Und jetzt keine null acht fünfzehn Antwort! Ich hatte vergessen, dass wir heute die große OP haben, sonst hätte ich meinen Vater doch noch auf dich gehetzt, oder zumindest ein CT gemacht.“
„Alles bestens.“
„Hast du geschlafen?“, fragte Gretchen, während Marc den Blick wieder von ihr abwandte. Gretchen nickte kurz, während sie sich selber hinsetzte. Marc konnte sie mit seinen Sprüchen von sich weg halten, doch er hatte sie noch nicht einmal angelogen, denn Lügen war nicht gerade Marcs Stärke.
„Ich könnte ja auch meinen Vater auf Abruf halten.“
„Du könntest auch weiterhin diese fettigen Schokoteile in dich hinein schieben und dann an Ort und Stelle platzen.“, antwortete Marc bei einem kurzen Blick von seiner Zeitung auf die Schokoladenkekse die Gretchen bereits zum Frühstück verdrückte, während Gretchen diese frustriert in die Schachtel zurück schmiss und sie von sich schob, was Marc mit einem amüsanten Lächeln wahrnahm.
„Bist du soweit? Dann legen wir jetzt los. Wer weiß wie lange wir tatsächlich brauchen werden. Obwohl ich habe die Operation ja selber geplant. Stimmt. Na dann werden wir ja im Zeitplan bleiben.“, sagte Marc und stand dann auf.
„Sabine abräumen und dann mitkommen!“, befahl Marc als Sabine den Raum betrat. Im OP angekommen legten Marc und Gretchen direkt los, wobei Marc die Operation professionell wie eh und je absolvierte, ohne Komplikationen konnten sie den Patienten eine viertel Stunde vor der errechneten Operationsdauer wieder zumachen.
„Du siehst erschöpft aus.“, stellte Gretchen fest, als sie sich nach der Operation neben Marc wusch.
„Komisch, dabei habe ich doch nur gerade fünf Stunden lang ein Menschenleben gerettet.“, konterte Marc, klatschte sich dann allerdings doch noch etwas von dem kalten Wasser ins Gesicht.
„Marc Olivier!“, erklang die Stimme von Elke direkt als Marc und Gretchen aus dem OP herauskamen.
„Oh Mutter, bitte nenn mich nicht so!“, entfuhr es Marc direkt bevor er sich zu seiner Mutter umdrehte, die den Gang entlang kam.
„Ich sitze hier seit über zehn Minuten in deinem Büro und warte!“
„Oh ja, es tut mir unendlich leid, das sich erst die Operation vollenden musste. Was machst du überhaupt hier?“, fragte Marc, während Elke theatralisch in ihre Handtasche griff und etwas hervorholte.
„Tada!“, sagte sie lächelnd und wedelte dann mit etwas vor Marc Nase herum.
„Ich habe ein neues Kapitel zu meinem neuen Meisterwerk hinzugefügt.“, sagte Elke, wobei Gretchen kurz die Augen verdrehte.
„Hier überschätzt sich einer mehr als der andere!“, sagte sie, während Elke ihren Blick senkte und Gretchen dann kritisch beäugte.
„Bitte?“
„Nichts, nichts.“
„Gott, was geht Sie das überhaupt an? Haben sie gerade keine Scheidung?“, fragte Elke, während Marc seine Mutter mit geweiteten Augen ansah. Gretchen drehte sich direkt um und ging zum Aufzug herüber. Das musste sie sich nicht bieten lassen.
„Mutter, wenn irgendjemand diese Frau beleidigt, dann bin ich das!“, sagte Marc, was Gretchen noch genau hören konnte.
„Mein Gott Marc Olivier, es ging sie einfach nichts an.“
„Dann zeig dein neues Meisterwerk mal her.“, sagte Marc nun mit der lammfrommen und verständnisvollen Stimme, mit der er seiner Mutter stets gegenüber trat.
An diesem Abend war Marc nicht traurig als er endlich Feierabend hatte und nach Hause gehen durfte, denn heute war er erschöpft und müde, was auch dazu führte, dass er direkt einschlief. Tatsächlich schienen auch die Bilder in seinem Kopf und die Erinnerungen sich wieder beruhigt zu haben. Das zumindest glaubte Marc bis zum nächsten Tag
Er war gerade bei einem Patienten fertig als er Schwester Sabine rufen hörte.
„Doktor Meier!“, wiederholte sie.
„Ich habe Mittagspause.“
„Tim ist hier.“
„Was?“, fragte Marc, während Gretchen ihn direkt ansah.
„Tim ist hier. Der kleine Junge der…..“
„Herrgott Sabine, ich weiß schon wen Sie meinen.“
„Sein Vater….es ist wieder passiert und er will sich nur von Ihnen behandeln lassen.“, beendete Schwester Sabine ihren Satz, allerdings war Marc schon losgelaufen. Gretchen folgte ihm nun und prallte bald vor Marc als er vor der Tür abrupt innegehalten hatte. Sie sah ihm direkt ins Gesicht, wobei sie sehen konnte, dass es ihm schlecht ging.

....to be continued!

Kommentare zur 3.Story von Dr. Ryina (2)

Dr.Ryina Offline

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Beiträge: 279

09.03.2011 20:03
#5 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 5

„Marc, du musst das nicht tun. Ich kann mich auch um Tim kümmern.“, bot Gretchen an. „Paperlapap!“, sagte er und stieß dann die Tür zum Behandlungszimmer auf. Tim saß mit einer blutenden Nase auf einer Liege, seine Mutter mit einer Kopfwunde direkt hinter ihm. „Es ist wieder passiert.“, sagte Tim resigniert, während Marc kurz nickte, dem das Bild des kleinen Jungen durch Mark und Bein ging.
„Ich habe an die Automesse gedacht. Es war gar nicht schlimm!“
„Was für eine Automesse?“ , fragte sein Mutter nun.
„Doktor Meier hat mir erzählt, dass er immer an die Automesse gedacht hat, da er so gerne mal dort gewesen wäre. Immer wenn er von seinem Vater geschlagen wurde, dann…“
„Ja, Tim, jetzt sehen wir uns mal deine Wunde an.“, unterbrach Marc ihn abrupt. Tim sah ihn direkt mit weit aufgerissenen Augen an und nahm eine Duckhaltung an, als Marc sich nährte. „Es tut mir leid, ich wollte unser Geheimnis nicht verraten. Ich bin ein dummer Junge!“, sagte Tim sofort, während Marc tief Luft holte und Tim dann ganz behutsam die Hände auf die kleinen Arme legte, die sein Gesicht bedeckte.
„Tim, ich bin dir nicht sauer und ich würde dir auch niemals weh tun!“, sagte Marc, was bei Tim zur Entspannung führte.
„Aber du hast gesagt ich sollte nichts ausplaudern was du mir erzählt hast.“
„Es ist okay.“
„Wieso erzählst du dem Kind, dass es sich vorstellen soll auf einer Automesse zu sein? Damit die Schläge schöner werden oder was?“, fragte Gretchen Marc leise als sie ein Stück von dem Jungen entfernt standen.
„Ja, richtig. Damit man die Schläge und die Demütigungen aushält.“
„Er kann sich dem doch nicht einfach hingeben.“
„Nein genau. Er ist ja auch schon fünf, er kann seinem Vater bestimmt die Stirn bieten. Gott Gretchen komm in die Realität zurück!“, sagte Marc und drehte sich dann wieder zu Tim um. „Jetzt wollen wir mal sehen, dass wir deine Nase wieder hinkriegen. Sie soll ja später nicht so aussehen wie meine, oder?“, fragte Marc und lächelte Tim dabei an. Nachdem er ihm die Nase wieder gerichtet hatte wollte er sich gerade der Mutter zuwenden als Schwester Sabine die Tür öffnete.
„Doktor Meier, der Vater ist da.“, sagte sie mit einem vorsichtigen Blick auf Tim.
„Oh ja, dass ist wunderbar. Er soll bitte hereinkommen.“
„Hallo. Was ist passiert?“, fragte Herr Krause, während seine Frau direkt von einem Autounfall sprach. Marc sah sie kurz an und schüttelte dann den Kopf.
„Frau Krause warten Sie mal bitte kurz mit Tim draußen. Ich muss Herrn Krause noch etwas zu ihrer weiteren Behandlung erklären.“, sagte Marc, während Frau Krause sich erhob und mit Tim an der Hand den Raum verließ. Gretchen sah Marc skeptisch an.
„Gretchen, würdest du bitte auch….?“
„Nein!“
„Gretchen!“
„Marc!“
„Sie wollten etwas mit mir besprechen?“, fragte Herr Krause, während Marc sich von seinem Hocker erhob.
„Ihr Sohn hat sich die Nase gebrochen. Wissen Sie eigentlich wie weh das tut?“, fragte Marc, während Herr Krause den Kopf schüttelte. Marc packte Tims Vater von hinten, wobei er seinen Kopf mit Wucht gegen eine Wand schlug.
„Marc!“, kreischte Gretchen sofort, doch Marc schenkte ihr keinerlei Beachtung. Er hob Herrn Krause, der leicht zu Boden gegangen war an den Haaren wieder hoch.
„Tut’s weh, ja? Gut, dann kann ich Ihnen ja gleich noch zeigen wie weh die Kopfwunde ihrer Frau tut!“, fügte Marc hinzu, wobei Herr Krause erneut gegen eine Wand flog. Herr Krause hatte sich schnell von dem Aufprall erholt als Marc es erwartet hatte, wobei ihn nun ebenfalls ein Schlag in die Magengegend traf.
„Nein! Halt aufhören! Verdammt aufhören!“, schrie Gretchen und umfasste Herrn Krause dabei von hinten. Zumindest versuchte sie es.
„Marc, hör auf! Hör auf!“, schrie Gretchen, wobei Marcs Faust Herrn Krause erneut traf, der nun zu Boden ging. Gretchen, die sich ebenfalls nicht mehr halten konnte, war mit ihm zu Boden gegangen und sah Marc nun schockiert an, während all der Hass direkt aus Marcs Augen wich als er Gretchen am Boden sah. Die Bilder der Realität vermischten sich mit seiner Erinnerung, was Marc zurücktaumeln ließ. Gretchen rappelte sich nun vom Boden auf und sah Marc an, der abwehrend die Hände hob.
„Bleib weg. Bleib zurück!“
„Marc, es ist alles in Ordnung!“
„Nein, nichts ist in Ordnung. Habe ich dich verletzt?“, fragte Marc während Gretchen den Kopf schüttelte.
„Mich nicht. Mir ist nichts passiert?“
„Ist das Blut? Blutest du?“, fragte Marc und sah dabei auf Gretchens Hand.
„Nein, das ist von Herrn Krause. Ich bin nicht verletzt Marc.“ In Marc schwappten die Bilder wieder hoch wie Gretchen vor gerade einmal drei Tagen wegen ihm K.O. gegangen war und nun war es wieder mit ihm durchgegangen. Marc stürmte an Gretchen vorbei aus dem Zimmer, wobei er draußen direkt Tim erblickte.
„Hör mir zu, sollte dein Vater noch einmal wütend werden, dann versprich mir mich sofort anzurufen, ich werde sofort kommen!“, sagte Marc und entfernte sich dann, wobei er sich in sein Büro zurückzog, noch immer hastig atmend. Jetzt hatte Gretchen erneut gesehen was für ein Monster er war und zu was er fähig war. Gretchen piepste derweil ihren Vater an, der direkt herbeigeeilte kam.
„Was ist hier passiert?“, fragte er als er Gretchen mit Herrn Krause vorfand.
„Kann ich dir das ein anderes Mal erklären?“, fragte sie, während Franz bei dem flehenden Unterton seiner Tochter nickte.
„Wo ist Meier?“
„Dem ging’s nicht gut.“
„Was heißt dem ging’s nicht gut?“
„Kann ich dir das auch irgendwann mal erklären?“
„Ich weiß nicht, ob das nicht ein bisschen zuviel den Guten ist Kälbchen.“
„Papa bitte vertrau mir einfach.“ Franz nickte etwas, wobei Gretchen froh war als alle versorgt waren und sie sich endlich auf direktem Weg zu Marc begeben konnte. Dieser war derweil gefühlte einhundert Mal in seinem Büro auf und ab gelaufen, wobei er verzweifelt versuchte wieder herunter zu kommen, was ihm bis jetzt kläglich misslungen war.

....to be continued!



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11.03.2011 15:53
#6 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 6

„Marc!“, sagte Gretchen direkt als sie die Tür geöffnet hatte und Marc erblickte, der noch immer durch sein Büro lief, die Hände über dem Kopf, hastig atmend.
„Geh weg Gretchen, geh raus!“, sagte er beinah flehend.
„Marc, hör zu, es ist alles in Ordnung. Herr Krause, Tim und seine Mutter sind versorgt.“, sagte Gretchen, während Marc kurz nickte.
„Nichts ist in Ordnung Gretchen!“
„Marc, du musst dich dringend beruhigen!“
„Ich…ich werde jetzt nach Hause gehen.“
„Ich habe meinem Vater gesagt, dass es dir nicht gut ging, mehr habe ich ihm nicht erzählt.“ „Du hättest ruhig erwähnen können, dass ich vollkommen durchgedreht bin.“
„Ich denke das alles hat dich unheimlich an deine eigene Situation erinnert, was? Aber Marc, du darfst eines nicht vergessen. Herr Krause ist nicht dein Vater.“, sagte Gretchen und merkte an seiner Reaktion, dass sie den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.
„Ich werde jetzt gehen.“, sagte Marc und nahm seine Jacke dabei von der Garderobe.
„Soll ich mitkommen?“, bot Gretchen nun an.
„Was?“
„Soll ich mitkommen? Ich denke es ist nicht gut wenn du jetzt alleine bist.“
„Gretchen, checkst du es nicht? Ich brauche dich nicht!“, sagte Marc und atmete dann noch einmal durch.
„Geh und stopf weiter Schokoladenkekse in dich hinein, damit du noch hässlicher und noch fetter wirst!“
„Weißt du was ich bemerkenswert finde? Dass du dich ernsthaft darum gesorgt hast, dass du mich körperlich verletzt. Als wenn das weher tun würde!“, rief Gretchen und stürmte dann mit Tränen in den Augen aus Marcs Büro, wofür sie sich im Nachhinein hätte umbringen können, denn sie wusste, dass Marc sie extra herausgeekelt hatte und obwohl sie dafür gekämpft hatte immun gegen seine Gemeinheiten zu werden, so konnte sie doch nicht vollkommen aus ihrer Haut heraus. Und trotz all den Jahren mit Marc Meier und der Wahrheit, die sie nun über Marc kannte, verletzten Gretchen seine Worte. Gretchen lief nicht weit, sondern drehte sich dann auf dem Absatz wieder um, wobei sie kurze Zeit später wieder in Marcs Büro stand, der nun aufgehört hatte im Raum herum zu laufen. Stattdessen stand er hängendem Kopf vor seinem Schreibtisch.
„Es ist egal, dass du versuchst mich wegzuekeln!“, sagte Gretchen nun, wobei Marc bei ihren Worten zusammenzuckte. Er drehte sich wortlos um und schob sich dabei an Gretchen vorbei. Er wollte einfach nur noch weg von hier, einfach nur noch raus. Die frische Luft traf Marc beinah unvorbereitet, da er blindlings vorangelaufen war, doch er blieb nicht stehen sondern ging schnellen Schrittes weiter zum Auto um auf direktem Weg nach Hause zu fahren. Marc schloss die Wohnungstür hinter sich und glitt daran herab zu Boden, wobei er den Kopf in seinen Händen vergrub. Wie konnte es noch heute so schrecklich wehtun? Marc blieb eine ganze Weile so dort sitzen, bevor er sich aufrappelte und zu seiner hauseigenen Apotheke herüber ging. Er musste dringend den Kopf frei bekommen. Marc ging die kleinen Ampullen und Tablettenschachteln durch und hielt dann bei dem Narkosemittel Propofol inne. Er liebte es Arzt zu sein, denn Marc wusste, dass er an gar nichts mehr denken würde, sobald er sich das Mittel verabreicht hatte. Marc band seinen Oberarm ab und setzte sich dann die Spritze in die Armbeuge, wobei er froh war auf der Couch zu sitzen, denn das Mittel entfaltete beinah augenblicklich seine Wirkung. Marc war es gerade noch gelungen den Gurt um seinen Arm zu lockern, bevor er in sich zusammensackte. Gretchen versuchte derweil zum vierten Mal Marc zuhause und auf dem Handy zu erreichen, beides ohne Erfolg, weshalb Gretchen ihr Handy resigniert wegpackte. Marc wollte offensichtlich alleine sein. Als Gretchen am nächsten Morgen zur Arbeit erschien ging sie direkt durch in Marcs Büro, wo von diesem allerdings noch jede Spur fehlte. Gretchen warf einen Blick auf ihre Uhr. Marc war normalerweise immer früher da als sie. Gretchen wollte gerade in den Aufenthaltsraum gehen um zu hinterfragen ob jemand etwas von Dr .Meier gehört hatte, als dieser am Ende des Flures auftauchte.
„Hallo.“, sagte Gretchen, was von Marc knapp erwidert wurde bevor er in seinem Büro verschwand. Gretchen überlegte kurz hinterher zu gehen, wartete allerdings im Pausenraum auf Marc, wobei sie ihm schon einmal eine Tasse Kaffee eingoss. Marc war derweil noch immer vollkommen neben der Spur und benötigte auch für die kleinsten Dinge scheinbar die doppelte Konzentration. In seinem Anflug von Verzweiflung und Selbstzerstörung hatte er die Dosis am gestrigen Abend definitiv zu großzügig kalkuliert. Marc schöpfte sich noch einmal kaltes Wasser ins Gesicht, bevor er zum Pausenraum herüber ging, wo Gretchen bereits am Tisch saß. Er blickte auf seinen Kaffeebecher der mit dampfendem Kaffee gefüllt war und überlegte dann kurz ihn einfach zu nehmen und wieder in sein Büro zu verschwinden, doch er wusste, dass Gretchen dann auch nicht locker lassen würde. Ganz im Gegenteil.
„Geht’s dir gut? Du bist kalkweiß.“, sagte Gretchen, während Marc nur nickte und dann den Kaffee zur Hand nahm, wobei seine Hände so sehr zitterten, dass Marc sich den heißen Kaffee über seine Hand zappelte.
„Verdammt!“, fluchte er laut und stand dann auf, wobei er kurz nach hinten taumelte. Gretchen war ebenfalls sofort aufgestanden und wollte nun zu Marc herüber gehen, der allerdings schon wieder aus dem Pausenraum herausstürmte. Gretchen folgte ihm auf den Flur, wobei sie sehen konnte, dass Marc zur Toilette abbog. Gretchen ging zu Marcs Büro herüber und wartete dort auf Marc, der sie direkt genervt ansah.
„Was ist los?“, fragte Gretchen, wobei Marc mit den Schultern zuckte und sich auf seinen Schreibtischstuhl setzte. Ungerührt von Gretchens Anwesenheit schlug er eine Akte auf, wobei Gretchen nun zum Schreibtisch herüberkam und diese wieder zuschlug.
„Streck deine Hände aus.“
„Wieso sollte ich?“
„Du bist kaltschweißig, blass, zitterig, also was ist hier los?“
„Herrgott kannst du mich nicht einfach in Ruhe lassen?“
„Nicht wenn du der einzige diensthabende Oberarzt hier bist!“
„Ich habe alles unter Kontrolle.“
„Dr. Meier, Dr. Haase ein Notfall!“, rief Schwester Sabine, während Marc sich langsam erhob, wobei es allerdings wieder einen kurzen Moment dauerte bevor sich sein Kreislauf stabilisiert hatte.
„Ich werde meinen Vater holen lassen, wenn es etwas kompliziertes ist.“, erklärte Gretchen sofort, während Marc sie vernichtend ansah.
„Du wirst tun was ich dir sage, der Rest ist meine Sache!“, entgegnete er bestimmend und ging dann mit Gretchen los.
„Gordon, was haben wir?“, fragte Gretchen sofort.
„Älterer Mann nach Sturz von einer Leiter nicht mehr ansprechbar. Offener Armbruch, Verdacht auf innere Verletzungen.“
„Gretchen, Röntgen und CT, ich bin in zwei Minuten da.“, sagte Marc und bog dann noch einmal in sein Büro ab. Er wusste, dass er Mist gebaut hatte und nun wartete ein Patient höchstwahrscheinlich auf eine Operation.

....to be continued!


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12.03.2011 19:09
#7 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 7

Marc atmete ein paar Mal tief durch, bevor er seinen Medikamentenschrank öffnete und eine weitere Ampulle herausholte. Wieder band er sich den Arm ab und verabreichte sich dieses Mal ein Medikament, dass sowohl Kreislauf stabilisierend, wie auch aufputschend wirkte. Er musste jetzt einfach wieder fit sein, auch wenn das bedeutete einen Fehler mit dem nächsten Fehler zu beantworten. Als Marc zu Gretchen zurückkam entging dieser nicht, dass Marc wieder fit war, obwohl sie es im Enddefekt nicht wahr haben wollte. Wie befürchtete benötigte der Patient schnellstmöglich eine Operation. Marc spürte Gretchens bohrenden Blick auf den beiden Einstichstellen an seinem Arm als sie sich für die Operation steril wuschen, doch zu seinem Erstaunen sagte sie nichts. Sie schwieg und auch während der Operation tauschten sie sich nur aus bezüglich der Dinge die für die Operation relevant waren. Erst als Marc wieder in seinem Büro angekommen war öffnete sich die Tür erneut und Gretchen kam zögernd herein.
„Mach jetzt kein Drama daraus!“, sagte Marc sofort, hielt dann allerdings Inne als Gretchen zu weinen begann.
„Wieso heulst du denn jetzt?“
„Marc, was tust du dir nur an?“, fragte Gretchen leise.
„Nichts. Es war ein Ausrutscher. Es geht mit gut, alles ist in Ordnung.“
„Was hast du dir gespritzt?“
„Gretchen belassen wir es dabei. Es war dumm, ich weiß es und gut.“
„Nichts ist gut verdammt noch mal!“, sagte Gretchen nun, wobei sie ungewohnt laut geworden war, was auch Marc erschrocken hatte.
„Vor ein paar Tagen verprügelst du einen Menschen, weil er an dein Auto gekommen ist, dann schwappt deine gesamte Vergangenheit wieder über dich, du prügelst einen Mann Krankenhausreif und jetzt tauchst du hier mit Einstichstellen auf! Ich werde nicht dabei zusehen wie dich das zu Grunde richten wird.“, fuhr Gretchen fort, während Marc sich mit den Händen durch sein Gesicht fuhr.
„Ich habe alles unter Kontrolle!“
„Nein Marc, du hast überhaupt nichts mehr unter Kontrolle.“
„Es waren lediglich Ausrutscher und es kommt nicht mehr vor.“
„Sag mir doch einfach wie ich dir helfen kann!“
„Ich brauche keine Hilfe.“
„Du spritzt dir weiß Gott was in die Venen um zu vergessen was damals vorgefallen ist. Herrgott Marc, merkst du noch was?“
„Gretchen, diese Unterhaltung ist jetzt beendet.“
„Ja, das ist schön einfach, oder? Einfach die Unterhaltung beenden wenn es unangenehm wird, richtig. Das konntest du ja schon immer gut. Aber so einfach wird es heute nicht. Ich habe deine Mutter angerufen.“
„Was?“
„Ich habe deine Mutter angerufen und ihr erzählt was hier in den letzten Tagen passiert ist.“ „Bist du wahnsinnig?“
„Nein Marc, sie wird dir helfen.“
„Mein Gott Gretchen, du hast keine Ahnung was du angerichtet hast!“, sagte Marc plötzlich und stand dabei abrupt auf.
„Wo war sie als du sie angerufen hast?“
„Woher soll ich das wissen?“, fragte Gretchen und sah Marc verwirrt an, als dieser seine Jacke von der Garderobe riss.
„Sag deinem Vater Bescheid, ich habe jetzt frei.“, rief Marc im Laufen, während Gretchen die Augen weitete. Sie hatte keine Ahnung was nun schon wieder los war. Gretchen überlegte kurz ihrem Vater zu erzählen, was alles geschehen war, doch sie beschloss Marc noch eine Weile zu beschützen und zu decken, auch wenn sie damit das Risiko einging, dass er sich noch mehr zu Grunde richtete. Marc war derweil direkt zum Haus seiner Mutter gefahren, wobei er kein einziges Verkehrsschild beachtet hatte. Falls Gretchen auch bei Elke wieder all die alten Wunden aufgerissen hatte, dann konnte er nur hoffen noch rechtzeitig zu kommen. Elke nahm seit Jahren regelmäßig starke Antidepressiva und war bereits ein paar Mal wegen ihrer schlimmen Depressionen in der Klinik gewesen. In jedem Jahr erreichte ihre kritische Stimmung den Höhepunkt an dem Tag, an dem sie endlich den Schritt gewagt hatte und mit Marc vor seinem Vater davongelaufen war. Elke wurde seit diesem Tag von den heftigen Schuldgefühlen geplagt, denn erst an diesem Tag war ihr durch ein schreckliches Ereignissen bewusst geworden, was sie Marc mit ihrem eigenen Verhalten angetan hatte. Der Tag der Trennung war der Tag, an dem Olivier Meier von der Polizei festgenommen wurde, nachdem er Elke verprügelt und seinem Sohn die Nase mit der bloßen Hand zertrümmert hatte. Erst an diesem Tag war Elke aufgewacht und hatte endlich den Schritt gewagt alles hinter sich zu lassen. Sich nur auf ihre Romane zu konzentrieren und überheblich über allem zu stehen war ihre Art gewesen mit der Vergangenheit umzugehen, obwohl Marc wusste wie kaputt auch Elke in ihrem Inneren war. Marc hatte ihr niemals Vorwürfe gemacht, denn er wusste, dass seine Mutter sich diese oft genug machte. Er hatte ihren Wandel von Elke Meier zu Elke Fischer, der gefeierten, anerkannten und hoch geschätzten Romanautorin mitbekommen. Es war Elkes Art sich die Anerkennung und Aufmerksamkeit zu holen, die sie brauchte um über all die Demütigungen und die Schwäche der Vergangenheit hinweg zu kommen. Marc war Arzt geworden und überwand diese Dämonen so Tag für Tag aufs Neue und Elke verschaffte sich mit jedem Lob eines Fans ihr falsches Selbstwertgefühl. Außerdem konnte sie in ihrem Romanen dies Art von Liebe und Hingebung ausleben, die sie nie bekommen hatte und auch nie bekommen würde. Marc konnte sich noch genau an Elkes ersten Selbstmordversuch erinnern. Es war am ersten Jahrestag nach der Trennung. Die Bilder verursachten bei Marc eine schmerzhafte Gänsehaut und er konnte einfach nur hoffen, dass Elke momentan genug gepuscht war durch ihren neuen Roman um den Schilderungen von Gretchen standhalten zu können. Marc hatte ihr sein Leben lang vorgespielt keine Probleme mit dem zu haben, was passiert war, was ihm selbst dabei geholfen hatte alles zu verdrängen. Nun allerdings, wo Gretchen ihr höchstwahrscheinlich erzählt hatte wie es ihm dabei ging, befürchtete Marc, dass seine Mutter sich erneut die gesamte Schuld dafür gab.
„Mutter!“, rief Marc und schellte und klopfte gleichzeitig an der Tür. Ihr Wagen stand in der Einfahrt, was ein sehr gutes Zeichen war.
„Mutter!“, rief Marc erneut, wobei ihm allerdings niemand öffnete. Marc lief um das Haus herum und sah in die einzelnen Fenster. Er hatte seit Jahren keinen Haustürschlüssel mehr von seinem einstigen Zuhause. Elke hatte dies aufgrund ihrer vielen Männerbekanntschaften nicht gewollt. Auch etwas wo sie sich Bestätigung und Anerkennung suchte.
„Mutter! Scheiße!“, rief Marc direkt als er durch die Verandatür die leblose Gestalt seiner Mutter am Boden erkennen konnte.

....to be continued!


Ich weiß schon jetzt, was ihr zum Ende sagen werdet



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20.03.2011 14:41
#8 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 8

Marc zögerte nicht lange und zog seine Jacke aus, die er sich provisorisch um die Hand band, wobei er mehrere Male mit voller Wucht gegen die Scheibe schlug und trat, bis dass diese schlussendlich zerbrach. Er war so froh, dass seine Mutter seine Hinweise auf eine dringend notwendige neue Diebstahlschutzverglasung ignoriert hatte, denn durch die neuen Fenster hätte er sich nicht so einfach einen Eintritt zum Haus verschaffen können. Elke lag auf dem Rücken, wobei Marc sie vorsichtig umdrehte. Er fühlte nach ihrem Puls, der nur noch schwach vorhanden war. Auf dem Tisch stand ein leeres Pillendöschen, wobei Marc nun sein Handy hervorholte und einen Notruf absetzte. Gott sei Dank war er noch rechtzeitig dort und wusste bis zum Eintreffen der Rettungskräfte was zu tun war, weshalb die Chance, dass seine Mutter das alles nicht überstehen würde, sehr gering war. Als Marc mit Elke auf der Trage ins Elisabethkrankenhaus herein lief blieb Gretchen beinah starr vor Schock.
„Hasenzahn, alles vorbereiten. Magen auspumpen und Kochsalzlösung. Schnell!“, rief Marc und ging dann mit in das Behandlungszimmer herein, wo er in voller Routine weiter arbeitete. „Okay, zur Überwachung auf die Intensivstation und ich will direkt informiert werden, sobald sie zu Bewusstsein kommt, sollte ich gerade nicht da sein. Und verständigt die Psych KG, ich denke es ist notwendig.“, sagte Marc, nachdem seine Mutter soweit stabilisiert war und blieb dabei mit Gretchen im Behandlungszimmer zurück.
„Marc, ich….ich wusste das nicht….ich meine ich wollte das nicht…..ich wollte doch nur….“ „Was wolltest du nur? Dich einmischen in Dinge die dich verdammt noch mal nichts angehen!“, brüllte Marc, wobei Gretchen bereits wieder weinte.
„Du hättest sie umgebracht hätte ich sie nicht so schnell gefunden!“, brüllte Marc weiter, während Gretchen nun weinend den Raum verließ. Marc blieb noch ein paar Minuten dort um sich zu sammeln, bevor auch er den Raum verließ um in seinem Büro die Krankenakte anzulegen. Er brauchte diese Routine nun, bevor er wieder zu Elke ging und sich an ihr Bett setzte. Marc wusste, dass sie zeitnah nicht aufwachen würde, allerdings wollte er da sein, wenn es so weit war. Er musste sie dringend davon überzeugen, dass es ihm gut ging. Wovon er Elke allerdings bei Weitem noch mehr überzeugen musste war es, sich selbst helfen zu lassen, wobei eine zwangsweise Einweisung im Rahmen des Psych KG aufgrund aktuell bestehender Eingefährdung so oder so unabdingbar war.
Als Gretchen am Morgen wieder auf Marc traf redeten beide kein Wort miteinander. Marc war lediglich kurz im Pausenraum um sich erneut einen Kaffee zu holen, da der Kaffee auf der Intensivstation ebenso unausstehlich war, wie am Kaffeeautomaten auf der Etage. Ihm war nicht entgangen, dass Gretchen rot geweinte Augen hatte, doch er konnte mit all dem jetzt einfach nicht umgehen.
„Mutter?“, fragte Marc sofort, als Elke sich leicht regte und ihren Sohn dann ansah. „Wo….wo bin ich?“
„Gott sei Dank im Krankenhaus.“
„Aber ich wollte doch….ich wollte doch….“
„Ja, ich weiß, aber ich habe dich rechtzeitig gefunden. Wieso hast du dass den schon wieder getan? Ich dachte wir hätten beim letzten Mal etwas verabredet.“
„Ja aber die Ärztin hat angerufen und mir erzählt wie sehr du leidest.“
„Mutter sieh mich an, es geht mir wunderbar. Gretchen ist nur sauer, weil ich nicht mit ihr reden will. Es geht mir doch nicht schlecht, dass weißt du doch. Das alles ist doch schon so lange her, ich denke da überhaupt nicht mehr drüber nach.“
„Wirklich nicht?“
„Aber natürlich nicht und das weißt du doch auch. Du weißt doch, dass es mir gut geht. Gretchen hat übertrieben, so wie sie das immer tut. Du kennst sie doch auch.“
„Als ich gehört habe, dass es dir schlecht geht habe ich mir solche Vorwürfe gemacht.“
„Das weiß ich, aber wir haben das doch jetzt besprochen. Mir geht es schlecht wenn du so schlimme Dinge machst wie heute.“
„Ich weiß.“
„Ich habe schon bei deiner Ärztin angerufen. Du wirst dich wieder behandeln lassen müssen.“
„Wie geht es Dr. Meiers Mutter?“, fragte Gretchen an Sabine gewandt.
„Ich habe keine Informationen. Es ist ja auch nicht unsere Station.“ Gretchen nickte abwesend und wollte sich etwas von dem Kaffee einschütten, wovon Sabine sie allerdings abhielt.
„Hier ist der richtige Kaffee.“, sagte sie und deutete auf eine andere Kanne.
„Dr. Meier holt sich hier immer Kaffee und ich habe Koffeinfreien aufgeschüttet, denn der Herr Doktor sollte dringend mal etwas schlafen. Außerdem müsste er mittlerweile durch den ganzen Kaffee schon einen Herzinfarkt haben.“ Gretchen sah Sabine dankbar an und ging dann zum Tisch herüber, wobei sie aufstöhnt als sie sich hinsetzte.
„Frau Doktor haben Sie immer noch Schmerzen?“
„Nur ganz leicht Sabine, kein Grund sich Sorgen zu machen.“, sagte Gretchen und atmete dabei tief durch. Sie musste sich dringend etwas um sich selber kümmern, sobald ihre Sorgen um Marc gestillt waren.
„Wer hat heute Dienst?“
„Dr. Meier.“
„Was?”
„Ihr Vater ist auf dem Fachkongress und Doktor Stellner hat sich krank gemeldet.“
„Was?“, fragte Gretchen erneut, da sie die Zusammenhänge erst langsam verstand.
„Dr. Meier bleibt bis morgen früh im Dienst. Danach folgt Dr. Brinkmann.“
„Das kann nicht Ihr ernst sein. Dr. Meier ist bereits seit 24 Stunden hier. Durch die Sache mit seiner Mutter hat er kein Auge zugemacht und auch vorher ging es ihm nicht gut.“
„Ich kann ihnen nur sagen, dass Dr. Meier auch nicht begeistert war, aber es ist nun mal seine Station und wenn niemand anderes da ist, dann muss er halt hier sein. Das hatten wir doch schon ganz oft.“
„Ja, aber nicht wenn es Dr. Meier so ging!“, sagte Gretchen und richtete sich dann auf, wobei sie wieder innehielt.
„Frau Doktor, ich werde es Dr. Meier erzählen mit ihren Schmerzen.“
„Nein, dass werden Sie nicht tun, denn ich denke die Schmerzen sind eher etwas für Dr. Kahn.“
„Oh, dass kenne ich….als ich…:“
„Sabine, danke. Wir sehen uns zur Visite.“
Marc hatte sich derweil mit dem diensthabenden Oberarzt der Intensivstation ausgetauscht. Der Psychologe wurde im Laufe des Vormittags erwartet, wobei Marc ausdrücklich darum bat sofort informiert zu werden. Er ging nur kurz in sein Büro herüber um sich den Arztkittel über zu streifen, bevor er zur Visite ging, wo bereits alle auf ihn warteten.
„Wie geht es deiner Mutter?“, fragte Gretchen nach Abschluss der Visite, während Marc sie nur kurz ansah.
„Dafür, dass du sie beinah umgebracht hast ganz in Ordnung.“, sagte Marc, wobei er für einen kurzen Moment dachte, dass Gretchen unnatürlich blass war, doch auch hier redete er sich wieder ein, dass er keine Zeit dafür hatte sie nun zu bemitleiden. Sollte sie doch sehen, was sie mit ihrem dauernden Helfen angerichtet hatte.
Marc brachte die erste Schicht glänzend hinter sich, wobei er erleichtert erfuhr, dass seine Mutter zugestimmt hatte in die Psychiatrie verlegt zu werden, was für den nächsten Tag geplant war. Marc begleitete ihren Transport bis zum Krankenwagen, da er das Krankenhaus aufgrund seines Dienstes nicht verlassen konnte. Er hatte nicht eine Minute geschlafen und in den Morgenstunden machte sich dies nun bemerkbar. Am Morgen wurde eine Operation fällig, die Marc und Gretchen schweigend zusammen absolvierten, bis Marc mitbekam, dass Gretchen immer wieder schwer atmete. Er sah auf und entdecke ihr verschwitztes Gesicht. „Hast du vor mir hier in die Naht zu kotzen oder was wird das?“, fragte Marc gereizt, während Gretchen ein Stück vom Tisch zurücktrat.
„Ich bin seit 52 Stunden im Dienst, was ist deine Entschuldigung?“
„Mir ist schlecht.“
„Wieder zu viele Schokoladenkekse gefrühstückt was? Geh raus und kotz dich aus. Wer braucht schon nach 52 Stunden hier noch eine Assistenz.“
„Marc wir sind doch durch.“, sagte Gretchen und verließ dann den OP, während Marc sich wieder der Naht widmete. Als er nach der Operation wieder in sein Büro herüber ging, ahnte er nicht, was dieser Tag noch grauenhaftes mit sich bringen würde. Marc fielen die Augen direkt zu als er an seinem Schreibtisch Platz nahm. Nach der Konzentration, welche er komplett für die Operation gebündelt hatte, waren nun auch seine letzten Kraftreserven aufgebraucht. Nur noch drei Stunden bis zum Feierabend.
„Dr. Meier!“, erklang die allarmierende Stimme von Schwester Sabine und riss Marc dabei aus seinem Schlaf.
„Sie müssen sofort mitkommen!“, rief Sabine aufgeregt, während Marc sich noch immer sammelte, bei Sabines nächsten Worten allerdings sofort hellwach war.
„Dr. Haase ist zusammengebrochen!“, rief Sabine.



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26.03.2011 11:46
#9 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 9

Marc wusste nicht wie, doch er lief beinah automatisch los. Ungeachtet seiner Kreislaufprobleme nach der langen Zeit auf den Beinen. Marc blieb abrupt stehen als er Gretchen auf dem Boden im Pausenraum liegen sah.
„Sie hatte Schmerzen im Bauch. Seit Tagen, aber sie wollte sie oder Dr. Kahn nicht damit belasten.“, erklärte Sabine, während Marc noch immer Probleme hatte in seine Routine überzugehen als er sich neben Gretchen kniete.
„Soll ich Dr. Kahn informieren?“ Marc kontrollierte Gretchens Puls, wobei ihm sofort ihr heißer Kopf auffiel. Er schob ihren Pullover nach oben und taste dann ihren Bauchraum ab, wobei er aufsah.
„Sabine, trommeln Sie alle zusammen um einen OP vorzubereiten.“
„OP?“
„Los, los, los, melden sie einen perforierten Appendix an.“
„Sind Sie sich sicher?“
„Nein noch nicht, aber wenn es sich bestätigt will ich in wenigen Minuten einen OP zur Verfügung haben!“, sagte Marc und hob Gretchen dann vom Boden auf um sie in sein Büro zu tragen, wo ihm unter anderem ein Ultraschallgerät zur Verfügung stand.
„Verdammt!“, fluchte Marc als er einen genauen Überblick bekam und sah dann auf Gretchen, wobei er ihr kurz durchs Gesicht streichelte.
„Du wirst verdammt noch mal durchhalten!“, sagte er und hob sie dann wieder hoch, da noch dringend ein Röntgenbild angefertigt werden musste. Nachdem auch dieses seinen Verdacht bestätigt hatte, brachte Marc Gretchen zum OP herüber, der durch Sabine und Gabi tatsächlich schon organisiert worden war. Marc wusch sich steril, wobei er auf seine zitternden Hände sah. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals und das Adrenalin, das durch seine Adern floss, bereitete ihm Kopfschmerzen. Er wusste das Gretchen in Lebensgefahr schwebte und dass nun jede Minute zählte. Wieso hatte sie denn nichts bemerkt oder nichts gesagt? Das alles hätte verhindert werden können.
Marc atmete noch einmal tief durch bevor er den OP betrat.
„Hängen Sie ein Tuch vor ihr Gesicht.“, befahl Marc, während ihm der Mundschutz zugebunden und die Handschuhe angezogen wurden: Er wollte und konnte ihrem Gesicht jetzt nicht stand halten.
„Skalpell.“, befahl er, wobei seine Hände noch immer zitterten als er zum Schnitt ansetzte. Marc schloss seine Augen und ließ seinen Kopf kreisen, wobei er versuchte einen freien Kopf zu bekommen. Er durfte seine Emotionen jetzt nicht zulassen! Marc nickte zufrieden als er sich beruhigt hatte und begann dann routiniert mit dem Eingriff. Nachdem Marc zum Ende der Operation die Bauchwunde mit einer antibiotischen Lösung durchgespült hatte, nähte er den Bauchraum wieder zu und sah dann auf. Gretchens Werte waren so gut wie in dieser Situation möglich. Erst jetzt ließ Marc seine Umgebung wieder etwas mehr auf sich einwirken, wobei er direkt den Erschöpfungszustand seines Körpers spürte.
„Dr. Haase kommt zur Überwachung auf die Intensivstation. Die Infusion mit der Antibiotikumkur kann direkt angehängt werden.“, sagte Marc, wobei Schwester Sabine das Tuch entfernte. Marc sah nur kurz auf die intubierte Gretchen und sah dann schnell wieder weg. Er musste hier raus. Marc befreite sich ruckartig von seiner OP Kleidung und stützte sich dann am Waschbecken ab. Er war vollkommen am Ende, was sein Körper ihm mehr als deutlich signalisierte. Marc ließ sich langsam zu Boden sinken und lagerte dann seine Beine hoch, da er eine Ohnmacht vermeiden wollte.
„Marc, alles klar?“, fragte Gabi, welche ebenfalls in den Vorraum gekommen war.
„Ich bin seit 56 Stunden auf, also kann ich bitte einfach mal meine verdammte Ruhe haben?“, schnauzte Marc, während Gabi abwehrend die Hände hob.
„Alles klar, es geht dir gut!“, antwortete sie im selben Tonfall, beschloss dann allerdings Dr. Kahn von den Ereignissen zu erzählen, da sie so plötzlich aus der Gynäkologie in die Chirurgie abkommandiert worden war.
„Was ist die Entschuldigung der Kollegen mir Sie hier abzuziehen?“, fragte Mehdi direkt als Gabi in sein Büro zurückkam.
„Oh, sie hatten einen sehr guten Grund. Marc hat Dr. Haase gerade Notoperiert.“
„Was?“, fragte Mehdi direkt allarmiert und richtete sich auf.
„Ihr ist der Blinddarm durchgebrochen, geht ihr aber gut.“
„Gott!“
„Dr. Kahn? Ich fasse es nicht, dass ich das jetzt sage!“, sagte Gabi und hielt Mehdi davon ab direkt zu Gretchen zu verschwinden.
„Was zu sagen?“
„Könnten Sie bitte erst nach Dr. Meier sehen? Es geht ihm glaube ich schlecht.“
„Was soll das heißen?“
„Er ist seit irgendwas um die 50 Stunden auf und liegt mit Kreiskaufproblemen im OP Vorraum. Vielleicht wäre es ganz gut, wenn Sie erst dort vorbeischauen würden. Dr. Haase wird auf die Intensivstation gebracht.“, erklärte Gabi, während Mehdi kurz nickte und dann loslief. Im OP angekommen trat er die Tür zum Vorraum auf, wo Marc noch immer am Boden lag.
„Alles okay?“, fragte Mehdi, während Marc ihn kurz ansah.
„Nichts Gynäkologisches.“, scherzte Marc halbherzig.
„Witzig.“, entgegnete Mehdi und hockte sich dann neben Marc.
„Ich hab Hasenzahn operiert, für Fettabsaugen blieb allerdings keine Zeit.“
„Marc, du brauchst jetzt nicht scherzen.“
„Wieso, ich fand ihn witzig.“
„Ich nicht. Stehst du jetzt auf?“
„Meinetwegen. Hier kann man sich nicht mal fünf Minuten ausruhen.“
„Auf jeden Fall nicht wenn man als Chirurg mit angewinkelten Beinen im Vorraum liegt.“, sagte Mehdi und half Marc dann beim Aufstehen.



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29.03.2011 20:34
#10 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 10

„Ich brauche deine Hilfe nicht!“, stellt Marc sofort klar.
„Ich weiß.“, entgegnete Mehdi und war gleichermaßen froh wie immer nicht auf Marc gehört zu haben, dem natürlich abrupt die Beine unter dem Körper nachgaben.
„Beine durchdrücken! Meier!“, rief Mehdi mit zusammengebissenen Zähnen, da er Probleme hatte Marc oben zu halten
„Meier!“, rief er noch einmal, ließ Marc dann allerdings zurück auf den Boden sinken, wo er ihm eine leichte Ohrfeige verpasste, die Marc dazu brachte ihn wieder anzusehen.
„Seit wann hast du Kreislaufprobleme?“, fragte Mehdi, während Marc bereits wieder ein
„hab ich nicht!“, nuschelte.
„Nein, du natürlich nicht!“, gab Mehdi zurück und besorgte dann eine Spritze. Marc selbst wusste, dass seine Kreislaufprobleme daher rührten, dass er sich bereits mit Kreislaufmitteln nach der vermeintlichen Dosis Narkosemitteln über Wasser halten musste. Seitdem hatte er weder ausreichend Schlaf, noch ausreichende Ruhe bekommen, was sich in der momentanen Situation gnadenlos niederschlug. Mehdi kam derweil mit der Spritze zurückgeeilt und nahm Marcs Arm zur Hand, wobei ihm ebenfalls die Einstiche auffielen.
„Was hast du schon genommen?“, fragte er an Marc gewandt, der mittlerweile wieder leicht weggedämmert war, weshalb Mehdi ihm erneut eine Ohrfeige gab.
„Was hast du schon genommen?“, fragte er erneut, doch Marc war noch immer zu tief bewusstlos.
„Verdammt!“, fluchte Mehdi und hob Marc dann hoch. Er wusste, dass Marc nicht abgeneigt war sich ab und an selber Arzneimittel zu verabreichen um über seine Leistungen herauszugehen. Allerdings wusste er auch, dass er Marc das Mittel nicht einfach verabreichen konnte, wenn er nicht wusste, ob Marc es sich bereits selber gespritzt hatte, denn er wusste genau so gut, dass Marc, wenn er sich dann mal etwas spritzte, keine halben Sachen machte und die Höchstdosis gerne bis aufs Äußerste ausreizte. So viele Meinungsverschiedenheiten hatte es diesbezüglich schon bei ihnen gegeben. Mehdi brachte Marc in ein Behandlungszimmer herüber und schloss ihn an einen Monitor an um die Werte zu überprüfen, die definitiv zu schlecht waren, was dafür sprach, dass Marc sich das Medikament nicht in den letzten Stunden verabreicht hatte. Wechselwirkungen konnte Mehdi ebenfalls halbwegs ausschließen, beschloss dann allerdings doch auf Nummer sicher zu gehen und Marc stattdessen einen Zugang zu legen um ihn an einen Tropf anzuschließen. Als Marc seine Augen wenig später wieder öffnete schreckte er direkt hoch, wobei er kurz fluchte als die Nadel an seinem Arm riss.
„Kahn!“, brüllte er, während Mehdi ihn direkt ansah.
„Was machst du hier?“, fragte Marc und sah an dem Tropf hoch.
„Dafür sorgen, dass ich dich nicht umbringe. Ich hab die Einstiche an deinem Arm gesehen. Was um alles in der Welt hast du dir schon wieder in die Adern geschossen? Du weißt doch was ich darüber denke.“
„Ja, sorry Dr. Sommer, beim nächsten Mal werde ich dich erst um Rat fragen! Verdammt, du hättest mir einfach was spritzen können.“
„Genau und mögliche Überdosierungen und Wechselwirkungen völlig außer acht lassen können.“
„Gott, deshalb bist du auch kein richtiger Arzt geworden. Du wärst ein Alptraum in der Chirurgie. Wo bleibt die Risikofreude?“
„Du lenkst vom Thema ab, denn du bist derjenige, der mal wieder Scheiße gebaut hat.“ „Misch dich nicht in Dinge ein, von denen du keine Ahnung hast.“ Marc sah wieder an dem Tropf hoch und ergab sich dann seinem Schicksal, indem er sich wieder auf die Liege sinken ließ. Er wusste, dass er um die vollständige Infusion jetzt nicht herum kommen würde.
„Wie geht es Gretchen?“, fragte Mehdi nun nachdem er sich sicher war, dass Marc wieder vollkommen da war.
„Perforierter Appendix. Ich meine wie zum Teufel konnte ihr das passieren? Sie ist selber Chirurgin, oder so was wie Chirurgin. Sie hätte es merken und wissen müssen!“
„Vielleicht hatte sie keine Zeit sich darum zu kümmern.“
„Wieso sollte sie keine Zeit dazu gehabt haben?“
„Keine Ahnung. Sag du es mir. Du kennst Gretchen doch auch gut genug um zu wissen, dass sie sich immer zu große Sorgen um alle anderen Leute macht und sich dabei vergisst. Ich weiß nicht ob ihr irgendjemand aktuell einen Grund dazu gegeben hat.“, sagte Mehdi und sah Marc dabei durchdringend an, während dieser regungslos vor sich starrte. Das durfte alles nicht wahr sein. Diese Frau machte ihn wahnsinnig! Marc sah an seiner Infusion hoch, die sich ihren letzten Zügen nährte.
„Hol schon mal Tücher.“, sagte Marc und setzte sich auf, während Mehdi den Kopf schüttelte. „Der Zugang bleibt drin und du wirst schön eine weitere Infusion bekommen!“, sagte er bestimmend, während Marc sich bereits von der aktuellen befreite. Als er aufstand merkte er selbst, dass er noch immer außerordentlich wackelig auf den Beinen war.
„Ich werde den Zugang drin lassen und mir die Infusion später selbst verabreichen.“, sagte Marc und verließ dann das Behandlungszimmer. Mehdi musste nicht fragen wo Marc hinwollte, denn genau das war der Ort an dem er nun auch am liebsten sein würde.
Als Marc Gretchens Zimmer betrat kontrollierte er direkt alle Werte, die ihn zufriedenstellten, bevor er sich einen Stuhl zum Bett zog. Er strich Gretchen ein paar ihrer Haare aus dem Gesicht und setzte sich dann geduldig neben sie, wobei es nicht lange dauerte, bis dass Gretchen wieder zu sich kam.
„Hey.“, sagte sie als sie auf Marc blickte, während dieser noch wartete bis Gretchen ihn wirklich wieder klar ansah.
„Sag mal hast du sie eigentlich noch alle?“, wetterte er los, wobei Gretchen den Kummer in seinen Augen sehen konnte.
„Dein verdammter Blinddarm ist geplatzt! Wie untalentiert kann man eigentlich als Chirurgin sein, dass einem der eigene Blinddarm platzt? Du hast in Lebensgefahr geschwebt verdammt noch mal!“, fuhr Marc fort, wobei Gretchen die Tränen in seinen Augen sehen konnte.
„Aber du hast mich gerettet.“
„Das ist kein verdammtes Märchen hier. Du hättest draufgehen können bei der Aktion. Du warst bereits im septischen Schock als ich dich gefunden habe!“
„Marc, es ist gut. Mir geht’s gut!“
„Ja, dir geht’s gut, weil ich dich operiert habe. Sonst würde es dir jetzt nicht gut gehen, sonst würden wir jetzt gar nicht miteinander reden.“
„Marc mir geht es gut!“, bekräftigte Gretchen nun wieder, die sehen konnte wie vollkommen aufgelöst Marc war, der noch immer gegen seine Tränen kämpfte. Sie nahm seine Hand, doch Marc zog sie direkt zurück.
„Das war verdammt bescheuert!“
„Wieso hast du einen Zugang im Arm?“, fragte Gretchen nun, da Marc seine Hand vor ihr weggezogen hatte, was ihren Blick auf seinen Arm gelenkt hatte.
„Nicht wichtig. Wir haben mit einem Antibiotikum gespült und dich auch direkt an die Infusion angeschlossen. Ich denke es wird….“
„Marc, ich kenne die Abläufe. Wieso hast du einen Zugang im Arm.“
„Jetzt hör auf dich schon wieder um mich zu kümmern, während du so krank bist!“
„Das kann ich nicht.“
„Dann musst du es lernen.“
„Sag mir bitte, dass du dir den Zugang nicht selber gelegt hast um….um….wieder Dummheiten zu machen.“
„Dann hätte ich mir mit Sicherheit nicht so einen sichtbaren Zugang gelegt. Es war Mehdi. Kreislauf. Alles in bester Ordnung.“
„Fahr nach Hause Marc.“
„Mit Sicherheit nicht.“
„Du bist vollkommen am Ende und morgen geht die Schicht weiter.“
„Ich werde hier bleiben. Du solltest jetzt auch schlafen. Ich….ich bleibe einfach hier.“, sagte Marc und setzte sich dann wieder auf seinen Stuhl, während Gretchen die Augen schloss. Sie hatte noch keine Kraft mit ihm darüber zu diskutieren.
„Kannst du meine Mutter anrufen?“, murmelte Gretchen noch, bevor sie wieder in den Schlaf abdriftete.



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03.04.2011 14:02
#11 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 11

Nachdem Marc den Professor informiert hatte, setzte er sich direkt wieder zu Gretchen und beobachtete sie beim schlafen, wobei ihn die gleichmäßigen und monotonen Geräusche selbst ganz müde machten, so dass ihm die Augen zufielen. Als Gretchen wieder wach wurde, fiel ihr Blick direkt auf den schlafenden Marc, der vollkommen auf seinem Stuhl zusammengesunken war.
„Kälbchen?“, flüsterte eine Stimme von der anderen Seite, wobei Gretchen ihren Kopf drehte und ihre Eltern erblickte.
„Was machst du denn nur?“, fragte ihre Mutter direkt, während Gretchen ihren Vater anblickte.
„Es war dumm, ich hätte es merken müssen, aber jetzt geht es mir wieder gut. Ich habe wirklich gedacht es sei was gynäkologisches.“, erklärte Gretchen sofort.
„Meier hat bereits mit einem Antibiotikum durchgespült und….“
„Papa, ich weiß schon alles.“
„Gut. Das sollte wieder werden Deine Werte sind hervorragend den Umständen entsprechend. Ich denke Meier hat ganze Arbeit geleistet.“
„Das hat er auch. Papa wir waren unterbesetzt. Marc ist jetzt bestimmt seit 60 Stunden auf den Beinen.“
„Was?“
„Elke hat versucht sich umzubringen und Marc hat die gesamte Nacht bei ihr gesessen und danach begannen schon die Schichten. Er hat einen Zugang im Arm, wohl Kreislaufprobleme.“, sagte Gretchen und sah ihren Vater dabei bittend an.
„Wieso hat Elke versucht sich umzubringen?“
„Das ist eine längere Geschichte.“
„Du bist mir noch eine ganze Menge Erklärungen schuldig!“
„Jetzt bin ich aber krank.“
„Genau Franz, das Kind ist krank, jetzt lass sie doch in Ruhe.“, schaltete sich auch Bärbel ein, während Franz resigniert nickte und auf Meier sah.
„Ist er in Ordnung?“, fragte Franz lediglich, was Gretchen mit einem Kopfschütteln beantwortete.
„Ich glaube nicht.“
Franz kontrollierte kurz den Zugang an Marc am und sprach ihn dann an.
„Meier! Wach werden!“, sagte der Professor mit lauter und autoritärer Stimme und klopfte Marc dabei feste auf den Arm, was bei Marc scheinbar direkt wieder alte Erinnerungen hervorbrachte, denn noch ehe sich der Professor versehen konnte, hatte Marc sich bereits in eine Schutzhaltung begeben.
„Marc!“, sagte nun auch Gretchen, während Marc aufsah, wobei der Schock und die Panik aus seinem Gesicht wichen als er den Professor erkannte.
„Was war dass denn Meier?“
„Ich habe geschlafen.“, versuchte Marc zu erklären und richtete sich dann auf, wobei er wieder taumelte. Franz hielt ihn reflexartig am Arm fest, während Marc tief durchatmete. „Meier, seit wann haben Sie Kreislaufprobleme? Damit haben Sie doch sonst keine Probleme!“
„Habe ich auch nicht.“, sagte Marc und sah Gretchen dankbar an, die ihrem Vater scheinbar nichts von all dem was in den letzten Tagen vorgefallen war, erzählt hatte.
„Haben Sie bereits Infusionen bekommen?“
„Ja eine.“
„Waren Sie bewusstlos?“
„Ja.“
„Wie lange?“
„Ich habe keine Ahnung.“
„Kommen Sie Meier, wir kümmern uns jetzt erst mal um Sie.“
„Das ist nicht nötig Herr Professor, ich komme klar.“
„Sieht man.“, entgegnete Franz nüchtern und sah dann an seinem Arm herab, welcher Marc noch immer stabilisierte. Gretchen nickte Marc kurz zu, bevor dieser mit ihrem Vater das Zimmer verlassen wollte.
„Dr. Meier?“, rief Bärbel nun noch, während sich Marc noch einmal herumdrehte.
„Danke, dass Sie unserer Tochter das Leben gerettet haben.“, sagte sie, während Marc Gretchen ein kleines Lächeln schenkte.
„Was sollte ich denn ohne Sie machen?“, sagte er sanft und verließ dann den Raum, während Bärbel sich um ihre Tochter kümmerte. Franz verabreichte Marc eine weitere Infusion, während Mehdi es sich nicht nehmen ließ ebenfalls zu Gretchen zu gehen.
„Meier, ich möchte, dass Sie jetzt nach Hause fahren.“
„Es geht schon wieder besser.“
„Das war keine Bitte. Ich brauche meinen fähigsten Oberarzt morgen wieder in voller Frische. Jetzt wo Margarete auch noch ausfällt brauchen Sie alle Kraftreserven.“
„Sie haben recht Herr Professor.“
„Haben Sie jemanden der Sie abholen kann?“, fragte Franz beantwortete sich die Frage dann allerdings selber, denn er wusste, dass Marc niemanden hatte.
„Wir werden Sie gleich mitnehmen. Margarete braucht so oder so Ruhe.“, sagte Franz und stand dann auf.
„Sie werden so lange hier liegen bleiben bis ich wieder da bin!“, befahl er und ging dann zum Krankenzimmer seiner Tochter herüber.
„Bärbel, wir fahren jetzt.“, sagte Franz, während Bärbel sich erhob und Gretchen das Haar aus dem Gesicht strich.
„Und bleib schön liegen mein Schatz und iss etwas, damit du wieder zu Kräften kommst.“, sagte Bärbel, während Gretchen ihre Augen verdrehte und dabei ihren Vater ansah, der ihr ein Lächeln schenkte.
„Bis morgen Kälbchen. Wir nehmen Meier jetzt mit.“
„Fahren wir ihn nach Hause?“, fragte Bärbel, während sie ihre Tasche nahm.
„Nein, wir werden das Gästezimmer vorbereiten. Er wird heute Nacht bei uns übernachten und erst einmal was gescheites Essen bevor ich ihn morgen mit hier hin nehmen werde.“ „Danke Papa!“, sagte Gretchen dankbar, während Franz ihr kurz zunickte und dann mit Bärbel den Raum verließ. Marc war direkt wieder eingeschlafen und schreckte hoch als ihn der Professor nun schon zum zweiten Mal an diesem Tag aus dem Schlaf riss. Dieses Mal allerdings um einiges sanfter als noch beim letzten Mal. Es hatte ihm gereicht zu sehen, wie sehr sich sein Oberarzt erschrocken hatte.
„Meier, Sie fahren jetzt mit zu uns.“, eröffnete Franz Marc die Tatsachen als sie losgefahren waren.
„Was? Nein. Herr Professor bei allem Respekt aber….“
„Meier, Sie haben meiner Tochter das Leben gerettet. Ich weiß nicht was in den letzten Tagen vorgefallen ist. Obwohl ich es niemals erwartet habe, hüllt Margarete sich in eisiges Schweigen und ich glaube wir beide wissen, dass ihr das nicht einmal annährend ähnlich sieht, also muss sie allen Grund dazu haben und ich danke es hat etwas mit Ihnen zu tun. Solange Sie ihre Arbeit gut machen ist mir der Rest egal, aber jetzt sind Sie am Ende. Das passiert uns Chirurgen ab und an. Und was wir dann brauchen sind bestimmt keine alkoholischen Getränke und Fast Food alleine vor dem heimischen Fernsehen. Ich habe das mit Elke erfahren, das reicht um Sie heute Abend nicht alleine nach Hause fahren zu lassen, also Protest zwecklos. Wir werden Ihnen das Gästezimmer fertig machen und Bärbel wird das Abendessen weiter zubereiten. Sie können Margaretes Portion essen.“, sagte Franz.
„Ich weiß nicht ob ich das schaffe.“, scherzte Marc, verstummte dann allerdings sofort, als er den bösen und dennoch amüsierten Blick des Professors im Rückspiegel entdecken konnte.



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04.04.2011 19:06
#12 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 12

Marc war es sichtlich unangenehm als er Gretchens Eltern ins Haus folgte. Alles was er nun wollte war sein Bett.
„Gehen Sie nach oben, machen Sie sich frisch. Ich werde ihnen ein Hemd leihen, die Größe dürfte ja passen.“, sagte Franz und nickte Marc dann zu als er nach oben ging. Marc kannte sich gut genug aus um das Gästezimmer, sowie das Badezimmer von Gretchen zu finden. Marc lächelte bei der Unordnung die Gretchen hinterlassen hatte und ging dann unter die Dusche. Auf dem Weg zurück ins Gästezimmer stieg Marc bereits der leckere Geruch des Essens in die Nase, weshalb er sich direkt auf den Weg nach unten machte, wo der Esstisch schon gedeckt war. Marc hielt kurz inne und überlegte ob er nicht doch noch eine Ausrede finden konnte, denn das alles hier war ihm so fremd, dass er einfach fliehen wollte, doch der Professor hatte ihn bereits entdeckt und deutete auf den Tisch.
„Setzen Sie sich Meier. Es gibt Kartoffeln, Braten und Gemüse.“
„Vielen dank.“, sagte Marc und setzte sich dann. Er füllte sich zaghaft etwas zu Essen auf und merkte wieder wie kaputt er war, als das Besteck in seinen Händen zitterte und er selbst Probleme dabei hatte den Braten zu schneiden. Franz sah dies ebenfalls und sah Marc dann kurz ins Gesicht. Er würde am nächsten Morgen mit seinem Oberarzt reden müssen. Dringend. Marc war froh über das angenehme Schweigen beim Essen. Er wollte helfen beim abräumen, doch Bärbel forderte ihn auf alles stehen zu lassen.
„Meier, gehen Sie nach oben und schlafen Sie aus. Wir treffen uns in zehn Stunden wieder hier unten, in Ordnung?“
„In Ordnung. Vielen Dank für das leckere Essen Frau Haase.“ Bärbel nickte lächelnd, während Marc unendlich froh war als sein Kopf endlich das Kopfkissen berührte. Heute hatte er keine Angst vor Alpträumen oder Schlafstörungen, denn er war einfach nur komplett erledigt.
Als der Wecker am nächsten Morgen schellte, fühlte Marc sich noch immer gerädert, aber der Schlaf hatte ihm zweifelsohne sehr gut getan. Er nahm erneut eine ausgiebige Dusche und ging dann nach unten, wo der Professor bereits auf ihn wartete. Der Frühstückstisch war reichlich gedeckt und Marc nahm die Einladung Platz zu nehmen nur allzu gerne an.
„Ich habe bei den Kollegen angerufen, der Dienst beginnt erst in einer Stunde.“, sagte Franz, während Marc auf seine Uhr sah.
„Aber ich dachte….“
„Nein, ich habe allen Grund Sie ein paar Minuten lang hier zu behalten. Was war in den letzten Tagen los?“, fragte Franz, während Marc sich auf dem Stuhl zurücklehnte. Er hatte gewusst, dass diese Situation kommen würde.
„Sie können sich auch in Schweigen hüllen, dann werde ich Margarete drängen.“
„Nein!“, sagte Marc sofort und räusperte sich dann.
„Lassen Sie Gretchen außen vor. Sie hat wirklich nichts mit all dem zu tun.“
„In Ordnung.“
„Ich habe ein paar private Probleme, wie Sie ja sicherlich an dem Selbstmordversuch meiner Mutter sehen können, aber meine Arbeit wird dadurch in keiner Weise beeinflusst.“
„Was war an dem Tag an dem ich Gretchen bei dem Patienten helfen musste. Ich habe nur die Aussage meiner Tochter bekommen, dass Sie sich nicht gut gefühlt haben.“
„Das ist so nicht ganz richtig.“
„Das dachte ich mir bereits.“
„Ich bin mit dem Mann aneinandergeraten.“
„Was?“
„Es war kein guter Tag. Aber wir brauchen nichts zu befürchten. Er wird keine Anzeige erheben.“
„Wollen Sie mir damit etwa sagen, dass Sie diesen Mann krankenhausreif geprügelt haben?“ „Richtig.“
„Wegen eines solchen Vorfalls müsste ich Sie umgehend suspendieren.“
„Das weiß ich. Außer Gretchen hat niemand etwas mitbekommen und glauben Sie mir eins, dieser Mann hatte es einfach verdient. Er hat seinen Sohn vermehrt geschlagen und ihm schlussendlich die Nase gebrochen.“
„Was?“
„Wir haben das Jugendamt informiert. Alle rechtlichen Schritte sind eingeleitet worden. Ich wollte ihm nur kurz zeigen wie es sich anfühlt, wenn man sich die Nase bricht. Es wird nicht wieder vorkommen.“
„Ich bin nicht über diesen Vorfall informiert. Sollte es doch zu einer Anzeige kommen werde ich mich nicht schützend vor Sie stellen.“
„In Ordnung.“
„Und jetzt zu den Einstichen an Ihrem Arm.“, sagte Franz, während Marc kurz die Augen weitete.
„Doktor Kahn wird daneben gestochen haben, nehme ich an.“, schwindelte Marc sofort.
„Ich bin der Professor! Versuchen Sie erst gar nicht mich zum Narren zu halten Meier. Ich bin keiner Ihrer Assistenzärzte, denen Sie so etwas vielleicht weiß machen können.“
„Ich kann mir die Einstiche nicht erklären.“
„Entweder Sie werden mir in den nächsten zwei Minuten eine vernünftige Erklärung abliefern, oder ich werde Sie wirklich bis auf weiteres suspendieren.“
„Was?“, fragte Marc schockiert.
„Sie haben Führungsverantwortung und ich muss mich jederzeit auf Sie verlassen können!“ „Propofol und Kreislauf anregende Mittel.“
„Meier!“
„Es tut mir leid. Ich sagte ja, dass ich ein paar persönliche Probleme hatte. Ich habe alles unter Kontrolle.“
„Sie sind bis auf Weiteres suspendiert.“
„Was?“
„Sie haben ganz genau verstanden was ich gesagt habe.“, sagte Franz und stand dann abrupt auf.
„Sie können mich momentan gar nicht suspendieren! Die Station ist hoffnungslos unterbesetzt.“, sagte Marc, was Franz in seinem Schritt inne halten ließ. Er stand mit dem Rücken zu Marc und überlegte kurz bevor er sich wieder zu diesem umdrehte.
„Ich will Ihre Fußvenen sehen.“
„Was?“
„Wenn ich Sie jetzt schon nicht suspendieren kann, dann will ich wenigstens sicher gehen, dass sie mich nicht anlügen.“, sagte Franz, während Marc aufstand und seine Fußvenen dann freilegte.
„Ich habe kein Suchtproblem.“, stellte Marc klar und setzte sich dann wieder hin.
„Was nicht ist, dass kann ja noch werden. Kriegen Sie das auf die Reihe Meier. Ich werde Sie genau beobachten und wenn ich genau sage, dann meine ich auch genau.“, sagte Franz, während Marc nickte und dann vom Frühstückstisch aufstehen wollte.
„Sie werden ausgiebig frühstücken bevor ich Sie mit auf Station nehme, verstanden?“, stellte Franz klar, während Marc ein Brötchen aus dem Korb nahm.



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07.04.2011 18:30
#13 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 13


Im Krankenhaus angekommen ging Franz direkt durch zu seiner Tochter, während Marc zur Station herüber ging, wo wie befürchtet genug Arbeit auf ihn wartete.
„Guten Morgen Kälbchen, wie geht’s dir denn?“, fragte Franz und kontrollierte dabei Gretchens Werte.
„Ganz gut. Mein Fieber geht zurück.“
„Das ist gut. Dann hat Meier ja trotz allem gute Arbeit geleistet.“
„Wie geht’s Marc?“
„Nichts worüber du dir Sorgen machen müsstest.“
„Hast du mit ihm geredet.“ Franz nickte und sah seine Tochter dann an. Er wusste, dass er sie mehr belasten würde, wenn er nun nicht mit ihr über alles sprach.
„Ich weiß nicht was er für Probleme hat, aber es geht nicht in Ordnung, dass du ihn deckst Kälbchen. Ich werde ein Auge auf ihn haben.“
„Das habe ich auch.“
„Gut, dann sind wir uns einig.“ Marc hatte derweil direkt die Visite übernommen und musste dann gemeinsam mit Knechtelsdorfer, der zu einer Doppelschicht verdonnert worden war, in den OP. Erst danach hatte er Zeit zu Gretchen zu gehen, wobei er schon zuvor von Schwester Sabine erfahren hatte, dass es ihr gut ging.
„Na liegst du faul hier rum?“, fragte Marc als er den Raum betrat, während Gretchen ihn anlächelte.
„Ich habe kein Fieber mehr.“
„Na Gott sei dank wurdest du von einem wahren Meister operiert.“
„Marc ich wollte dir noch danken.“, sagte Gretchen, während Marc sich einen Stuhl heranzog. „Brauchst du nicht. Obwohl es wirklich dämlich war, dass dir der Blinddarm geplatzt ist.“ „Das weiß ich, aber du hast mich gerettet.“
„Ich habe dir schon mal gesagt, dass das hier kein Märchen ist.“
„Auch das weiß ich, aber du bist und bleibst jetzt mein Held.“ Marc stand abrupt wieder von seinem Stuhl auf und kontrollierte dann Gretchens Krankenakte, bevor er zum Monitor herüber ging und dort ebenfalls alles überprüfte. Erst dann setzte er sich wieder hin und blickte Gretchen an. Sie wusste, dass ihm ihre Worte zuvor unangenehm gewesen waren, weshalb er das Thema galant umgangen war.
„Die Werte sehen doch gut aus.“
„Das weiß ich doch schon.“
„Ich dachte nur, dass du vielleicht Wert auf die Meinung eines richtigen Arztes legst.“
„Mein Vater hat sie schon kontrolliert.“
„Das ist was anderes.“
„Geht’s dir wieder besser?“
„Diese Frage solltest du mir beantworten.“
„Du hast dir diese Frage bei mir schon selbst beantwortet. Du warst ziemlich am Ende gestern.“
„Ich habe versucht deine Portion Braten zu verschlingen, habe eine Dusche genommen, übrigens nettes Duschgel, und dann zehn Stunden geschlafen.“
„Sind deine Hände wieder ruhiger?“
„Hasenzahn, ich habe keine Kreislaufprobleme.“
„Das habe ich gestern gesehen.“
„Du weißt woran es lag.“
„Ja, weiß ich das?“
„Wie auch immer. Ich wollte nur sehen wie es dir geht. Ich denke du wirst die Tage auf meine Station verlegt.“
„Ich kann’s kaum erwarten.“ Marc nickte und stand dann auf. Als seine Schicht am Abend beendet war, nahm Marc das Telefon in seinem Büro zur Hand um sich nach seiner Mutter zu erkundigen. Ihm wurde die Auskunft erteilt, dass sie sich weiter auf dem Weg der Besserung befinden würde, es allerdings für den momentanen Therapieprozess das Beste wäre wenn sie keinen Besuch empfangen würde. Marc musste sich mit dieser Aussage zufrieden geben und ging dann noch einmal zu Gretchen herüber, wo gerade Dr. Schneider das Zimmer von Gretchen verließ.
„Hallo Meier. Was übersehen bei der OP?“, fragte er, während Marc ihn fragend ansah. „Bitte?“
„Das Fieber ist wieder rapide gestiegen.“
„Was?“
„War ein Scherz mit der OP. Wir haben das Antibiotikum gesteigert.“, sagte Dr. Schneider, während Marc Gretchens Tür aufstieß. Gretchen lag fiebernd in ihrem Bett, wobei Marc sofort die Werte kontrollierte.
„Ich habe nichts übersehen!“, sagte er zu sich selbst und blickte dann auf Gretchen, wobei er versuchte die Panik herunter zu schlucken, die gerade in ihm heraufgekrochen war. Marc zog sich wieder einen Stuhl heran und ließ sich dann darauf sinken. Das Fieber war nicht bedrohlich und der Verlauf nur eine geringfügige Komplikation und trotzdem übermannte Marc eine ihm kaum bekannte Sorge, die er schon am gestrigen Tag so deutlich verspürt hatte. Gretchen durfte einfach nichts passieren. Sie hatte es nicht verdient so leiden zu müssen. Marc beschloss sie in der heutigen Nacht nicht alleine zu lassen und stand dann auf um wenig später mit einer Schale und Tüchern zurück zu kehren. Marc feuchtete das Tuch an und legte es Gretchen dann vorsichtig auf die Stirn, was sie kurz etwas murmeln ließ. Er würde sich um sie kümmern. Als Gretchen am nächsten Morgen wach wurde kitzelte sie direkt das verrutschte Tuch auf ihrem Gesicht, was sie langsam davon nahm. Erst dann fiel ihr Blick auf Marc, der zusammengesunken auf einem Stuhl neben ihrem Bett saß, wobei sein Kopf auf ihrer Hand ruhte, die er mit seiner Hand umschlossen hatte.
„Marc?“, flüsterte Gretchen, was Marc direkt hochschrecken ließ.
„Alles in Ordnung?“, fragte er sofort.
„Ich glaube schon. Was machst du hier?“
„Du hattest starkes Fieber. Ich bin nur kurz vorbeigekommen.“, redete sich Marc heraus, wobei Gretchen genau erkennen konnte, dass Marc noch immer das Hemd ihres Vaters trug. „Hast du mir kalte Kompressen gemacht?“, fragte Gretchen, wobei Marc ihr die Kompresse wortlos aus der Hand nahm und dann nach dem Fieberthermometer griff.
„Marc ich habe dich etwas gefragt.“, sagte Gretchen, doch Marc steckte ihr bereits das Fieberthermometer in den Mund.
„Wenigstens eine Möglichkeit wie du endlich mal die Klappe hältst.“, sagte er grinsend und schaute dann auf das Thermometer.
„Wieso nicht gleich so?“, fragte er zufrieden als er feststellte, dass das Fieber wieder gesunken war. Marc sah gedankenverloren auf seine Uhr und schreckte dann auf. „Verdammt!“, entfleuchte es ihm.
„Ich muss zur Visite. Bis später und keine Dummheiten mehr!“, sagte Marc und lief dann aus dem Zimmer heraus.




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12.04.2011 18:27
#14 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 14

Marc fluchte als er feststellte, dass er bereits eine halbe Stunde zu spät war.
„Doktor Meier, schön dass Sie uns auch beehren. Könnte ich Sie kurz draußen sprechen?“, fragte Franz wütend und ging dann mit Marc vor das Zimmer des Patienten.
„Wo waren Sie und wie sehen Sie überhaupt aus? Was war so schwer daran zu verstehen, dass ich Sie unter Beobachtung habe? Und dann erreicht mich doch ernsthaft ein Anruf, dass Sie nicht zur Visite erschienen sind.“, wetterte der Professor sofort los.
„Ich habe die gesamte Nacht am Bett ihrer Tochter verbracht!“, erklärte Marc als er endlich zu Wort kam.
„Was?“
„Sie hatte starkes Fieber.“
„Wieso um alles in der Welt hat mich niemand informiert?“
„Das dürfen Sie mich nicht fragen, sondern den Kollegen von der Intensivstation. Es tut mir leid, dass ich zu spät zur Visite bin, aber ich muss kurz eingeschlafen sein.“
„Herrgott Meier, schon wieder eine Nacht ohne Schlaf!“
„Aber mit einem ziemlich guten Grund.“
„Gehen Sie sich umziehen und frisch machen, ich werde die Visite heute leiten. Haben Sie Operationen heute?“
„Eine achtstündige in einer Stunde.“
„Na großartig. Dann gehen Sie etwas essen.“ Marc nickte und ging dann in sein Büro herüber. Wenn all das hier überstanden war brauchte er dringend ein paar Tage frei. Wenigstens hatte er aufgrund des ganzen Stresses in den letzten Tagen nicht einmal einen winzigen Gedanken an seinen Vater verschwendet. Was Marc nicht ahnen konnte war, dass ihm im Grunde genommen alles noch bevorstand.
Nachdem er die Operation beendet hatte ging Marc langsam in sein Büro zurück. Er hatte jetzt noch vier Stunden Dienst vor sich, wobei er überrascht war, als er den Professor in seinem Büro vorfand.
„Wie ist die OP gelaufen?“, fragte er sofort.
„Gut, Danke. Alles komplikationslos, wie erhofft.“, antwortete Marc, wobei sein Blick auf das abgedeckte Essen auf seinem Schreibtisch fiel.
„Ich habe Ihnen etwas von Bärbel mitgebracht.“, sagte Franz und deutete dann in die Richtung.
„Schwester Sabine hat es gerade gebracht, es ist also warm und Sie können sich stärken.“ „Danke.“, sagte Marc zögerlich und überrascht.
„Margarete geht es jetzt wieder sehr gut. Das Fieber ist ausgestanden, sie wird morgen hierher verlegt.“ Marc nickte und setzte sich dann hinter seinen Schreibtisch.
„Lassen Sie es sich schmecken Meier.“, sagte Franz und schloss dann die Tür hinter sich, während Marc ihm noch immer verwirrt hinterher sah. Franz hingegen ging zu seinem eigenen Büro herüber und war froh, dass er wenigstens etwas für Meier hatte tun können. An jenem Abend als es ihm so schlecht ging hatte Franz bemerkt, dass er einfach niemanden hatte, der sich um ihn kümmert, während seine eigene Tochter bereits darum bat nicht mehr so viel Besuch zu bekommen, da sich Freunde und Familie beinah pausenlos um sie kümmerten. Das alles tat Franz sehr leid, da es ihn an seine eigene Zeit als Assistenzarzt erinnert, wo er genauso alleine dort gestanden hatte wie Meier es nun tat, wobei Franz nicht einmal annährend ahnte was Marcs wirkliche Probleme waren.
Marc schaffte es nicht ganz aufzuessen, da direkt wieder ein Notfall eintraf. Dieser beschäftigte ihn auch noch über den Feierabend hinaus, so dass er erst eine halbe Stunde nach eigentlichem Dienstschluss wirklich darüber nachdenken konnte Feierabend zu machen. Marc ging kurz zu Gretchen herüber, die allerdings friedlich schlief. Er überprüfte leise ihre Werte und fuhr dann nach Hause. Er wollte endlich in seinem eigenen Bett schlafen. Als Marc zuhause ankam schloss er die Tür auf und leerte den Briefkasten, wobei ihm sofort ein handgeschriebener Umschlag auffiel. Marc legte seine Post gemeinsam mit seinem Schlüssel auf den Küchentisch und nahm den Umschlag dann hervor. Die Schrift war kritzelig und er öffnete den Brief gespannt, nur um darin einen selbstgeschriebenen Artikel über seine Arbeit zu finden, der vor kurzem veröffentlich wurde. Marc drehte den Brief noch einmal herum und suchte nach einem Absender. Wer auch immer sich diesen blöden Scherz mit ihm erlaubt hatte, hatte nicht einmal im Entferntesten den Mut gehabt einen Absender darauf zu schreiben. Bestimmt wieder irgendein Patient den er verärgert hatte. So etwas kam schon einmal öfter vor. Marc ging zum Kühlschrank herüber und nahm sich ein Bier heraus, mit dem er sich auf die Couch vor den Fernseher legte, den er allerdings schon nach wenigen Minuten wieder ausschaltete um zum Schlafzimmer herüber zu gehen. Er brauchte dringend schlaf.
Als Marc am nächsten Tag von seinem Wecker aus dem Schlaf gerissen wurde, fühlte er sich wie neugeboren. Im Krankenhaus angekommen teilte Schwester Sabine ihm direkt mit, dass Gretchen vor ein paar Minuten auf die Station verlegt worden war. Marc ging direkt durch zu ihrem Zimmer ohne sich vorher umzuziehen.
„Na endlich wieder da wo du hingehörst, nur auf der falschen Seite?“, fragte Marc, während Gretchen ihn anlächelte.
„Und du, endlich mal geschlafen und rasiert?“
„Ich hab deine Akte noch nicht bekommen, kümmere mich abergleich drum, damit wir dich so schnell wie möglich wieder zur Arbeit bekommen.“
„Wie sieht’s denn momentan aus?“
„Wo?“
„Personell?“
„Na ja, ich bin ja hier.“
„Und Assistenz?“
„Wer braucht so etwas schon.“
„Was ist denn mit Knechtelsdorfer?“
„Der hat drei Schichten hintereinander gemacht und kommt erst heute Abend wieder.
„Tut mir leid.“
„Was genau?“
„Das ich dich in einer so stressigen Zeit einfach alleine lasse.“
„Mach dir da mal keine Gedanken drüber. Du hast doch gerade selber gesagt, rasiert und geschlafen. Das ist viel wert! So und jetzt hörst du auf zu grübeln und machst es dir bequem. Ich komme später vorbei.“
„Hast du geplante Operationen heute?“
„Wie ich schon sagte, aufhören zu grübeln!“
„Bitte Marc, hast du?“
„Ja, drei.“
„Drei geplante OPs ganz alleine?“
„Hasenzahn!“
„Tut mir leid.“
„Selbst wenn, ich bin hier der Oberarzt und wenn ich sage, dass ich drei Operationen an einem Tag mache, dann werde ich das wohl einfach tun.“
„Ja, ja, ja.“
„Gut, dann bis später.“ Gretchen nickte und sah Marc dann hinterher als dieser ihr Zimmer verließ. Er sah wirklich ausgeruht aus und das erleichterte sie. Gleichzeitig machte sie sich allerdings schon wieder Sorgen, da er ganz alleine so ein Arbeitspensum vor sich hatte. Gretchen verdrehte über sich selber die Augen. Hauptsache sie machte sich schon wieder Sorgen. Hätte sie gewusst, dass sie sich bald wirklich Sorgen machen musste, wären ihr ihre Gedanken in dieser Minute wirklich lächerlich vorgekommen.



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15.04.2011 14:38
#15 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 15

Marc hingegen verließ Gretchens Zimmer mit einem breiten Grinsen auf seinen Lippen. Es war schön zu sehen, dass sie wieder Farbe im Gesicht hatte und eindeutig auf dem Weg der Besserung war. Es würde noch maximal drei Tage dauern bevor sie entlassen werden konnte, aber danach sollte sie schnell wieder zurück auf der Station sein und zwar als seine Assistenzärztin. Gretchen konnte in ihrem Zimmer die Aufregung auf der Station hören. Auch die Tatsache, dass niemand vorbeikam und auch Marc sein Versprechen nicht hielt um sie besuchen zu kommen oder nach ihr zu sehen, bestätigten Gretchens Ahnung, dass viel los sein musste. Sie durfte am heutigen Tag wieder aufstehen, weshalb sie langsam aus ihrem Bett aufstand und in ihrem Trainingsanzug vor ihre Tür ging. Draußen lief direkt Marc an ihr vorbei, wobei er inne hielt als er Gretchen erblickte.
„Was machst du da? Zurück in dein Bett!“, befahl er, lief dann allerdings weiter. Sein Kittel war blutbespränkelt gewesen.
„Schwester Sabine, was ist denn hier los?“, fragte Gretchen als sie Sabine entdecke, die ebenenfalls in einer für sie vollkommen untypischen Geschwindigkeit über den Flur lief.
„Wir haben drei Notfälle gleichzeitig reinbekommen.“
„Was?“
„Gott sei dank war der Herr Doktor gerade mit seiner Operation fertig.“
„Haben Sie meinen Vater informiert?“
„Nein, sollte ich ihn für Sie rufen?“
„Nein, ich dachte als Unterstützung für Dr. Meier.“
„Nein, dass hat er nicht gesagt.“ Gretchen nickte und schaute sich den Trubel noch ein paar Minuten an, bevor sie wieder in ihr Zimmer zurückging. Sie konnte Marc jetzt nicht helfen. Als er den Kopf wieder zu ihr ins Zimmer steckte waren seit seinem letzten Besuch bereits zehn Stunden vergangen.
„So, nun zu dir.“, sagte er und Gretchen konnte ihm die Strapazen des Tages im Gesicht ansehen.
„Warst du schon bei den anderen Patienten?“
„Was?“
„Na ja, bin ich jetzt die erste nach der du siehst, oder warst du schon bei den anderen Patienten?“
„Du bist die Erste, wieso?“
„Oh Gott, wann wirst du denn dann Feierabend machen?“
„Erst mal sehe ich jetzt nach den Stationspatienten und danach habe ich die Operation die zuvor verschoben worden ist.“
„Was war denn los heute?“
„Viel.“, antwortete Marc und schob dann Gretchens Pullover nach oben um den Verband frei zu legen.
„Ich gehe kurz alles holen.“, sagte Marc und kam wenig später mit den notwendigen Utensilien zurück um Gretchens Verband zu wechseln. Marc ging dabei so behutsam vor, dass Gretchen automatisch lächeln musste. Er war so sanft, dass sie nicht einmal etwas spürte. „Die Wunde sieht gut aus.“, stellte Marc fest, während Gretchen nur zur Decke sah.
„Was ist los Dr. Haase?“, scherzte Marc, während Gretchen ihn kurz wütend ansah. Marc wusste, dass sie sich ihre Wunde niemals selber angucken konnte, Chirurgin oder nicht. Nachdem Marc ein neues Pflaster angebracht hatte, musste Gretchen Fieber messen, wobei auch dies nicht mehr vorhanden war.
„Fast wie neu.“, sagte Marc als er langsam Gretchens Pullover wieder nach unten schob und tippte ihr dabei sanft auf die Nase, bevor er auf seine Uhr sah.
„Du musst mit Sicherheit weiter, oder?“, fragte Gretchen, da Marc auf ihrem Bett verharrte. Sie lachten beide als nicht Marc antwortete, sondern sein Magen laut losknurrte.
„In meiner Schublade sind Schokoladenkekse und Schokolade.“
„Natürlich!“
„Nimm dir ruhig etwas. Du scheinst zu verhungern.“ Marc nickte, während er die Schublade öffnete und Gretchen dann ansah.
„Und was ist mit den Gummibärchen, den Salzstangen und den Kokosplätzchen?“
„Ach die, na ja, hatte ich ganz vergessen!“
„Du hast mehr Auswahl als unsere Cafeteria, aber wieso wundert mich das überhaupt?“, fragte Marc lachend und machte sich dann über Gretchens Vorräte her.
„Die sind gut!“, sagte Marc mit vollem Mund und deutete dabei auf die Kokosplätzchen.
„Hat meine Mutter extra gebacken.“
„Mh, deine Mutter kann übrigens wunderbar kochen. Gestern gab es Rouladen mit Kartoffeln und Rotkohl.“
„Was? Woher weißt du das?“
„Na ja, heute scheine ich vergessen worden zu sein, aber gestern hat mir der Professor wieder deine Mahlzeit ins Krankenhaus gebracht.“, sagte Marc, während Gretchen lächelte. Sie war erleichtert, dass auch sein Vater ein Auge auf Marc hatte.
„Okay, dann gehe ich mal zu den anderen leidenden Menschen die noch alle versorgt werden müssen.“
„Wie lange dauert denn die OP noch?“
„Vier Stunden.“
„Was? Oh Marc.“
„Komm, dich habe ich mit über 50 Stunden auf dem Buckel noch operiert. Jetzt sind es gerade etwas mehr als 11, also.“
„Kommst du später noch mal rein?“
„Das tue ich immer wenn ich Feierabend hab.“
„Was?“
„Na ja, beim letzten Mal hast du tief und fest geschlafen, was ja auch Sinn der Sache ist. Bis später.“
„Ja bis später.“
Als Marc die letzte OP Naht hinter sich gebracht hatte atmete er erleichtert auf. Mittlerweile waren es 18 Stunden. Marc zog sich um und ging dann zu Gretchen herüber, die ihn direkt ansah als er die Tür öffnete.
„Hey, du schläfst ja noch gar nicht.“
„Ich habe gewartet. Alles in Ordnung bei dir?“
„Was soll nicht in Ordnung sein?“
„Keine Ahnung.“
„Siehst du. Und jetzt schlaf, du musst schnell wieder gesund werden.“, sagte Marc, wobei er ihr von der Tür aus zulächelte.
„Und du musst schlafen. Wann beginnt dein Dienst morgen?“
„Na ja genau genommen bleibe ich.“
„Was? Oh Marc, nicht schon wieder.“
„Ich habe es auch gerade erst erfahren, aber was soll ich machen? Wenn hier alle krank werden muss der Oberarzt es richten, richtig? Ich gehe jetzt ins Bereitschaftszimmer.“ Gretchens Blick fiel kurz auf das freie Bett neben sich, wobei auch Marc ihrem Blick folgte.



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18.04.2011 19:47
#16 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 16

„Hier hättest du auf jeden Fall mehr Ruhe und wir beide wissen wie ungemütlich das Bett im Bereitschaftszimmer ist.“, erklärte Gretchen, während Marc nickte.
„Gut, wieso nicht. Ich gebe der Nachtschicht Bescheid.“, sagte Marc und kam bereits nach kurzer Zeit zurück ins Zimmer.
„Es tut mir schon jetzt leid, wenn wir gestört werden.“, sagte Marc, während er sich auf dem Bett ausstreckte.
„Ich hoffe du kommst wenigstens etwas zur Ruhe.“
„Du musst dir keine Sorgen um mich machen, wirklich nicht Hasenzahn. Das ist nicht die erste Phase hier im Krankenhaus wo alles dermaßen stressig ist.“
„Das vielleicht nicht, aber es ist die erste Phase in der es dir privat schlecht geht.“
„Es ist nur die erste Phase in der du weißt, dass es mir privat schlecht geht.“, ergänzte Marc kurz und signalisierte Gretchen dann, dass er nicht weiter darüber reden wollte, indem er sich in seinem Bett einkuschelte und die Augen schloss.
„Schlaf gut Marc.“
„Du auch.“
Marc schaffte es wirklich drei Stunden am Stück durchzuschlafen, bevor die Tür unsanft aufgerissen wurde.
„Dr. Meier. Notfall.“, rief Schwester Simone in das Zimmer herein und schaltete dabei das Licht an, während Marc sich direkt aufsetzte. Er schaute zu Gretchen herüber, die ihn ebenfalls verschlafen anblinzelte.
„Bis gleich.“, sagte er und lächelte sie an bevor er seine Schuhe anzog. Der Notfall dauerte länger als es Marc lieb war und als er in Gretchens Zimmer zurück schlich waren bereits zwei Stunden vergangen. Marc blieb noch eine Stunde bis zum offiziellen Dienstbeginn, falls nicht noch etwas dazwischen kam. Der Nächste der die Tür öffnete war Franz, der vor seinem eigenen Dienstbeginn noch kurz nach seiner Tochter sehen wollte, wobei sein Blick auf das Bett neben seiner Tochter fiel. Franz wollte sich gerade darüber beschweren, dass Gretchen kein Einzelzimmer hatte, als er den Arztkittel von Dr. Meier entdeckte. Er hatte nicht gewusst, dass Meier schon wieder einen 36 Stunden Dienst absolvierte, doch als leitender Oberarzt der Station blieb ihm oftmals nichts anderes übrig. Franz wollte gerade wieder heraus schleichen als Gretchen ihren Vater anblickte.
„Guten Morgen.“, flüsterte sie, was von Franz erwidert wurde.
„Ich wollte nur sehen wie es dir geht Kälbchen.“
„Gut, ich hatte Oberarztüberwachung.“, scherzte Gretchen.
„War es ruhig für Meier?“
„Nein, aber immerhin hat er vier Stunden Schlaf mit Unterbrechungen bekommen.“ „Immerhin. Ich werde ihn jetzt aber wecken müssen. Er hat Visite, die ich nicht schon wieder für ihn übernehmen kann.“
„Lass mich das machen Papa. Wenigstens einmal sollte er sanft geweckt werden.“, sagte Gretchen während Franz nickte und dann das Zimmer verließ. Gretchen betrachtete kurz Marc schlafende Form. Er sah so müde aus, obwohl er dabei war zu schlafen. Gretchen hatte am Abend nicht einschlafen können und mitbekommen wie unruhig Marcs Schlaf war. Immer wieder hatte er etwas gemurmelt, oder sich hin- und hergewälzt und ausgerechnet jetzt, wo er endlich friedlich zu schlafen schien, musste sie ihn aus seinen Träumen heraus reißen.
„Marc?“, fragte Gretchen leise und streichelte Marc dabei behutsam über die Wange, während dieser langsam die Augen öffnete.
„Alles in Ordnung?“, fragte er sofort.
„Du musst zur Visite, sie beginnt in einer halben Stunde.“, sagte Gretchen, während Marc sie verschlafen anlächelte und ihre Hand nahm, die noch immer auf seiner Wange ruhte. Gretchen erwiderte Marcs Lächeln, während dieser ihre Hand wieder los ließ und sich aufsetzte.
„Vier Stunden sind vier Stunden.“, sagte er, während Gretchen Marc betrachtete.
Bevor Marc nach einem weiteren stressigen Tag am Abend nach Hause ging, rief er erst einmal in der Klinik seiner Mutter an. Heute lautete die Auskunft, dass seine Mutter zwar Besuch empfangen dürfe, allerdings niemanden sehen möchte. Marc akzeptierte dies und fuhr dann, nachdem er noch bei Gretchen vorbeigeschaut hatte, nach Hause. Auch heute fand er erneut einen handgeschriebenen Brief in seinem Briefkasten, dieses Mal bestand der Inhalt aus einem anderen Artikel. Diese Mal mit der Aufschrift „Dr. MARC …. Meier.“ Marc zeriss ihn kopfschüttelnd, wie auch den letzten Brief, und hörte dann seinen blinkenden Anrufbeantworter ab. Vier Anrufe, allerdings ohne Nachricht.
Als Marc am nächsten Morgen im Krankenhaus ankam, saß Gretchen bereits mit fertig gepackten Koffern auf dem Bett. Sie durfte am heutigen Tag endlich nach Hause, was Marc mit gemischten Gefühlen betrachtete. Er war froh, dass es ihr wieder so gut ging, doch er war auch traurig darüber, dass er sie nun zwei Wochen lang nicht jeden Tag zu Gesicht bekam.
Nach etwa eineinhalb Wochen und mehr als reiflichen Überlegungen nahm Marc sich nach Dienstschluss endlich ein Herz und setzte sich in sein Auto um zum Haus der Haases zu fahren.
„Dr. Meier.“, sagte Bärbel überrascht, während Marc sie ebenfalls begrüßte und ihr dann einen Blumenstrauß aushändigte.
„Ich wollte mich immer noch für das leckere Essen bedanken.“, sagte Marc, während Bärbel den Blumenstrauß überrascht entgegen nahm. Sie mochte Dr. Meier nicht und hatte nie einen Hehl daraus gemacht, da sie deutlich die Meinung vertrat, dass er ihrer Tochter nur Leid zufügte. Die Blumen überraschten sie genauso wie die Tatsache, dass er augenscheinlich ihre Tochter besuchen wollte.
„Ist Gretchen da?“, fragte er, während Bärbel nun zur Seite trat.
„Sie ist im Garten. Gehen Sie einfach durch.“, erklärte Bärbel, während Marc ihr zunickte und dann in den Garten ging, wo Gretchen auf einem Stuhl saß.
„Wie geht’s denn der Patientin?“, fragte Marc, während Gretchen überrascht herumfuhr. „Marc! Was machst du denn hier?“
„Hausbesuch dachte ich. Hier, ich habe dir was mitgebracht.“, sagte Marc als er eine überdimensionierte Tafel Merci Schokolade vor Gretchen auf den Tisch legte.
„Und, wie geht’s dir?“, fragte Marc, während Gretchen mittlerweile aufgestanden war.
„Sehr gut. Ich warte darauf, dass ich wieder zur Arbeit kommen kann. Ich habe das Gefühl ich weiß gar nichts mehr mit der Zeit ohne Arbeit anzufangen.“
„Das kenne ich.“, murmelte Marc und sah Gretchen dann wieder an
„Du siehst müde aus Marc.“
„Oh ja, dass bin ich auch, aber es geht mir gut. Und das ist auch der Grund weshalb ich hier bin. Es geht mir gut und deshalb….“, stockte Marc und deutete dann auf die Merci Packung auf dem Tisch, während Gretchen seinem Blick folgte und Marc dann wieder fragend ansah. „Und deshalb hast du mir Schokolade mitgebracht?“, fragte Gretchen mit gerunzelter Stirn. Normalerweise war sie die Königin der unvollendeten Sätze.
„Nein. Ich….ich wollte mich bei dir bedanken.“
„Bei mir?“
„Ohne dich und ohne deine Familie. Ich....ich weiß nicht was passiert wäre. Es geht mir jetzt wieder gut.“, sagte Marc, während sich auf Gretchens Gesicht ein breites Grinsen bildete. Sie wusste wie schwer es Marc gefallen sein musste herzukommen und all das zu sagen. Für Marc grenzte das alles hier schon fast an einen Gefühlsausbruch. Marc sah kurz hoch und war irritiert über Gretchens Grinsen.
„Ich hätte nicht herkommen sollen.“, sagte er schnell und wollte sich zum gehen wenden, doch Gretchen fasste ihn am Arm.
„Danke.“, sagte Gretchen nun, während Marc sie fragend anblickte.
„Danke, dass du hergekommen bist und so ehrlich warst.“ Marc nickte und sah Gretchen dann wieder an. Dadurch, dass sie ihn festgehalten hatte stand sie nun nur wenige Zentimeter von ihm entfernt. Marc wurde mit einem Mal bewusst, wie sehr er sie in den letzten eineinhalb Wochen vermisst hatte. Jeden Tag hatte er gehofft sie zu sehen, darauf gewartet, dass sie durch die Tür kam, doch nichts war geschehen. Marc beugte sich leicht nach vorne, wobei Gretchen zuerst zusammenzuckte als seine Lippen ihre vorsichtig berührten.
„Marc.“, flüsterte sie leise und es schien ihm so als würde sie sich wehren wollen, stattdessen erwiderte sie den Kuss mit voller Hingabe.
„Dr. Meier möchten Sie etwas trinken?“, fragte Bärbel nun und weitete die Augen als sie sah, dass Gretchen und Marc sich küssten. Bärbel entschuldigte sich und ging dann zum Telefon herüber.
„Haase.“
„Franz?“
„Bärbel? Ist etwas passiert?“
„Allerdings! Ich wusste von Anfang an, dass es Unglück bringen würde, wenn du Dr. Meier mit nach Hause bringst.“
„Wovon redest du Bärbel?“
„Die Kinder sind im Garten und küssen sich. So, jetzt hast du es!“


(Sorry, aber das passte jetzt so gut!)


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22.04.2011 17:03
#17 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Lasst die Spiele beginnen

Kapitel 17

Gretchen und Marc waren derweil auseinander getreten, während Gretchen Marc tief in die Augen sah, wobei Marc ihren Blick erwiderte, statt wie normalerweise direkt wegzuschauen. „War das nur ein Dankeskuss?“, fragte Gretchen vorsichtig.
„Ich…ich habe….du warst nicht da….die ganze Zeit nicht und….und als du zusammengebrochen bist…also als du zusammengebrochen bist….ich….ich hatte so eine unglaubliche Angst und….und da ist mir so einiges klar geworden.“, brachte Marc nun heraus.
„Okay.“
„Gretchen, ich bin nicht gut für dich.“
„Red dir das nicht immer ein.“
„Ich rede mir das nicht ein, es ist die Wahrheit. Du hättest etwas Besseres verdient. Es wird niemals so sein wie du es dir vorstellst.“
„Woher willst du das wissen?“
„Weil ich ich bin Gretchen.“
„Zusammen kriegen wir das schon hin!“
„Aber…“
„Nein Marc, nichts aber. Du kannst nicht einfach hier herkommen und mich auf diese Art und Weise küssen, wenn du dann so redest! Ich will niemand anderen und ich will auch nichts Leichteres oder was auch immer. Eine Beziehung bedeutet immer Arbeit.“
„Aber ich weiß nicht ob ich das kann.“
„Ob du was kannst?“
„Eine Beziehung führen. Was hatte ich denn bis jetzt schon großartig?“
„Dann werden wir es zusammen lernen Marc!“, sagte Gretchen mit Nachdruck und küsste Marc dann wieder.
„Was macht eigentlich die Wunde?“, fragte Marc nun. Gretchen wusste, dass er jetzt nicht mehr reden wollte, aber die Worte die bis jetzt gesprochen worden waren reichten vollkommen aus. Sie würden es versuchen und gemeinsam würden sie es schaffen, so wie sie bis jetzt alles zusammen geschafft hatte. Gretchen schob ihren Pullover hoch, während Marc einen kritischen Blick darauf warf.
„Das gefällt mir nicht.“, sagte er ernst, während Gretchen selbst auf die Wunde sah. Laut Aussage ihres Vaters heilte die hervorragend und es gab nichts auszusetzen.
„Was?“, fragte Gretchen, während Marc, der sich zuvor vor sie gehockt hatte, sich wieder aufrichtete und Gretchen anblickte.
„Viel zu dünn geworden um die Wunde herum.“, sagte er, während Gretchen ihn auf den Arm boxte.
„Ich glaube da hilf nur eine Überdosis Schokolade.“
Marc war gerade im Begriff wieder nach Hause zu fahren als die Stimme des Professors erklang.
„Meier. Das ist eine Überraschung.“, sagte Franz und sah dann auf Gretchen, wobei ihm sofort ihre leuchtenden Augen und ihre glühenden Wangen auffielen.
„Bleiben Sie zum essen?“, fragte Franz, während Marc einen Blick auf die Uhr warf. Er hatte nicht bemerkt, dass es schon so spät war.
„Ich will keine Umstände machen, ich werde jetzt fahren.“, sagte er, während Franz den Kopf schüttelte.
„Bärbel hat sowieso schon für Sie mit gedeckt. Die Frage hatte sich also schon beantwortet. Eigentlich wollte ich auch nur sagen, dass das Essen jetzt fertig ist.“ Marc erhob sich und half Gretchen dann, die noch immer nicht flüssig aufstehen konnte, während Franz, der dies ebenfalls gerade tun wollte, einen Schritt zurück trat und zufrieden nickte. Marc umarmte Gretchen und nahm dann neben ihr am Tisch platz.
„Danke Frau Haase für die Einladung.“, sagte Marc und genoss das Essen mit Gretchen und ihrer Familie in vollen Zügen. Er selbst hatte ein solches Familienessen mit so viel Herzlichkeit und Freude niemals zuvor erlebt, so dass er auch heute wieder merkte, dass er eigentlich nur zuhörte und alles aufsog, ohne selbst viel beizusteuern. Was hätte er auch groß sagen sollen, schließlich kannte er solche friedlichen und glücklichen Runden dafür viel zu wenig.
In den nächsten Tagen schaffte Marc es aufgrund seines Dienstes nur zweimal Gretchen zu besuchen, wobei beide eine angenehme und unbeschwerte Zeit miteinander verbrachten. Als Marc am Montag wieder ins Krankenhaus ging war er voller Vorfreude Gretchen endlich wieder zu sehen.
„Guten Morgen!“, sagte Marc direkt als er in das Schwesternzimmer hereinkam, wo Gretchen grade ihren Kaffee auf den Tisch gestellt hatte. Das Zimmer war voll mit Schwestern und anderen Ärzten und Gretchen fragte sich gerade ob Marc ihre Beziehung wohl öffentlich machen würde als er zu ihr an den Tisch kam und ihr vor versammelter Mannschaft einen zärtlichen Kuss gab.
„Herzlich Willkommen zurück Dr. Haase.“, sagte Marc und lächelte Gretchen dabei an, während Gretchen ebenfalls über das ganze Gesicht strahlte.
„Guten Morgen Dr. Meier.“, erwiderte sie.
„Schwester Sabine, Kaffee.“, sagte Marc mit einem Lächeln an Sabine gewandt, die mit offenem Mund dort stand.
„In einer halben Stunde Visite mit dem wieder kompletten Team!“, sagte Marc und nahm dann seinen Kaffee zur Hand, bevor er in seinem Büro verschwand. Er hatte heute nur kleine OP’s angesetzt, damit Gretchen nicht direkt zu Anfang schon so lange im OP stehen musste. Gretchen war eindeutig dankbar dafür, auch wenn sie sich wie immer ohne Probleme schlug. „Dr. Meier, in ihrem Zimmer wartet ein Patient.“, sagte Schwester Sabine, als Gretchen und Marc lachend aus dem OP heraustraten.
„Ein Patient? In meinem Büro? Während der Stationszeit?“
„Ich bin nicht schuld! Irgendjemand wird ihn wohl dort hineingeschickt haben!“, sagte Sabine, wobei sie deutlich Angst davor hatte wieder Ärger zu bekommen.
„Ach schon gut. Dann sehen wir mal nach wieso der nette Herr so wichtig ist, dass er vom Chefarzt in dessen Büro aufgesucht werden muss.“, sagte Marc und gab Gretchen dann einen Kuss.
„Soll ich mitkommen?“
„Nein. Ruh dich ein bisschen aus. Ich komme gleich zum Schwesternzimmer herüber, dann machen wir Mittagspause.“; sagte Marc und ging dann zu seinem Büro herüber.
„So, guten Tag. Mein Name ist Dr. Meier.“, sagte Marc laut als er sein Büro betrat.
„Marc Olivier, was für eine tolle Überraschung nach all den Jahren.“, sagte eine tiefe Stimme, wobei Marc direkt erstarrte und die Augen aufriss als er die Stimme hörte. Als sich der Mann dann auch noch erhob und er dessen Gesicht sehen konnte blieb ihm beinah der Atem weg.



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25.04.2011 17:52
#18 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 18

„Was hast du hier zu suchen?“, fragte Marc direkt.
„Das ist nicht die Begrüßung die ein Vater nach all den Jahren von seinem Sohn erwartet.“, sagte Olivier Meier, während er seinen Sohn begutachtete.
„Ich habe keinen Vater und jetzt raus hier! Sofort!“
„Sieh mal an wie erwachsen du geworden bist. Dr. Meier. Man könnte ja schon fast stolz auf dich sein.“
„Ich scheiße auf deinen Stolz und jetzt raus hier!“
„Schöne Grüße von deiner Mutter.“
„Lass Mutter aus dem Spiel.“
„Wieso? Wir hatten so ein nettes Gespräch miteinander.“
„Was?“
„Na, was glaubst du denn wie ich dich gefunden habe? Es war nicht leicht. Die Auskunftssperre die ihr überall hinterlassen habt trägt Wirkung. Außerdem wusste ich nicht, dass du Arzt geworden bist. Nun ja, eine überaus überengagierte naive, junge Dummenärztin fand es unaufschiebbar, dass deine Mutter und ich uns nach all den Jahren mal aussprechen.“, erklärte Olivier, während Marc seine Hände noch fester zu Fäusten ballte. Er konnte nicht fassen, dass dieser Mann nun nach all den Jahren wieder vor ihm stand. Die Bilder von damals waren jetzt noch viel realer und nicht nur die Wut auf ihn war zurück, sondern auch die unüberbrückbare Angst vor dem Mann der noch immer größer und stärker zu sein schien.
„Ich fordere dich jetzt noch einmal auf sofort mein Büro zu verlassen, sonst werde ich den Sicherheitsdienst rufen.“, sagte Marc mit Nachdruck und hoffte insgeheim, dass sein Vater nicht wusste, dass das Krankenhaus gar keinen Sicherheitsdienst hatte.
„Den Sicherheitsdienst. Wie süß. Du kannst dich wohl immer noch nicht selber wehren, was? Dabei habe ich doch noch gar nicht angefangen mich für die Polizeianzeigen bei dir zu bedanken.“, sagte Olivier nun drohend und machte einen großen Schritt auf Marc zu, so dass ihm der Ausweg nach draußen versperrt war.
„Und was willst du jetzt tun? Mir wieder eine verpassen?“, fragte Marc.
„Eine verpassen? Nein, dass ist der falsche Ausdruck. Wir beide fangen gerade erst an, dass kann ich dir versprechen.“, sagte Olivier drohend.
„Ich wusste gar nicht, dass diese Arschloch einen so charismatischen und gut aussehenden Vater hat.“, sagte Gabi als sie ins Schwesternzimmer hereinkam, während Gretchen zunächst desinteressiert von ihrer Zeitung aufblickte.
„Wer hat einen charismatischen und gut aussehenden Vater?“, fragte Schwester Sabine nun in ihrer typischen Art nach.
„Na Marc.“
„Was?“, fragte Gretchen nun allarmiert.
„Sie kennen ihren neuen Schwiegervater wohl noch nicht, was?“
„Wo ist er Gabi?“, fragte Gretchen mit Panik in der Stimme.
„Wo ist wer?“
„Der Vater von Dr. Meier?“
„In seinem Büro, wieso?“, fragte Gabi, während Gretchen sofort die Augen aufriss. „Schwester Sabine rufen Sie meinen Vater und Dr. Kahn! Schnell!“, sagte Gretchen und lief dann los, während Sabine zum Telefon herüber stürzte. Sie hatte keine Ahnung was los war, aber es war deutlich ersichtlich, dass die Frau Doktor keinen Spaß gemacht hatte. Olivier Meier hatte seinen Sohn derweil regelrecht in die Ecke gedrängt. Er konnte ihm ansehen, dass er noch immer voller Angst war, denn der Blick erinnerte ihn an den des kleinen und ängstlichen Jungen.
„Weißt du, dass ich eine saftige Strafe aufgebrummt bekommen habe wegen deiner verkommenen Mutter und dir.“
„Rede nicht so über Sie!“
„Wieso, weißt du gar nicht, dass sie in der Psychiatrie ist? Sie ist bekloppt, dass war sie schon immer und das wird sie auch immer sein.“
„Hör auf!“
„Was sonst du kleiner erbärmlicher Feigling? Verkriechst du dich sonst wieder heulend unter deinem Schreibtisch oder was sonst?“, provozierte Olivier, während Marc ihn lediglich ansah. Auch nach all den Jahren war er noch immer erfüllt von Angst. Er wollte ausholen, wollte seinem Vater eine verpassen, wollte ihm alles heimzahlen, was er ihnen jemals angetan hatte und doch stand er einfach nur da und sah ihn an. Unfähig sich zu bewegen, unfähig noch etwas zu entgegnen. Schweiß rann ihm über die Stirn und er merkte, dass sein Herz zu rasen begann, während seine Atmung zunehmend flacher wurde, doch er konnte nichts daran ändern. Er konnte es nicht kontrollieren. Marc schloss die Augen als Olivier ausholte. Das hatte er schon als Kind immer so gemacht. Binnen Sekunden befand er sich wieder auf der Automesse, alles war wie früher.
„Aufhören!“, brüllte Gretchen direkt als sie die Tür öffnete, während Marcs Vater sich zu ihr umdrehte. Marc war derweil durch die Schläge seines Vaters zu Boden gegangen. Er war noch immer dabei seine Außenwelt nicht an sich heran zu lassen, so dass er auch nicht mitbekam als Gretchen den Raum betrat. Schwester Sabine und Schwester Gabi waren ihr gefolgt, wobei Gretchen ihre Panik unterdrücken musste als sie sah, dass Marc regungslos am Boden lag, die Arme schützend vor dem Kopf.
„Hör zu Schätzchen, wir unterhalten uns. Komm einfach später wieder!“, sagte Olivier abschätzig, während nun auch Sabine und Gabi hinter ihr auftauchten.
„Verlassen Sie das Krankenhaus, sofort!“, sagte Gretchen, während Olivier nur auflachte. „Sonst was?“
„Kälbchen, was geht hier vor sich?“, fragte Franz als er im selben Moment bei seiner Tochter angekommen war. Franz sah in den Raum herein und in das Gesicht des ihm vollkommen unbekannten Mannes. Erst beim nächsten Hinschauen sah er, dass Marc am Boden lag.
„Kälbchen ruf die Polizei.“, sagte Franz an seine Tochter gewandt, doch Gretchen war nicht einmal annährend in der Lage Marc hier alleine zu lassen, weshalb sie die Aufforderung an Sabine weitergab.
„Wer braucht denn die Polizei. Mein Sohn und ich, wir haben uns nur ganz normal miteinander unterhalten.“, sagte Olivier, wobei er sich nun aus Marcs Büro begeben wollte. „Sie werden schön hier bleiben bis die Polizei eingetroffen ist.“, sagte Franz, der versuchte sich sein Entsetzen nicht anmerken zu lassen. Sein begabtester Oberarzt lag regungslos auf dem Boden seines Büros und der Mann der ihm das angetan hatte, hatte sich soeben als sein Vater vorgestellt.
„Kälbchen, sieh nach Dr. Meier.“, sagte Franz, der sich vor Marcs Vater aufgebaut hatte. Keinen Schritt würde er aus seinem Krankenhaus machen, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden, was er seinem Oberarzt angetan hatte. Gretchen sah ihren Vater unschlüssig an, wobei im selben Moment Medhi zur Tür hereinkam.
„Was ist los?“, fragte er irritiert.
„Herr Meier wird mit uns hier warten bis die Polizei kommt.“; sagte Franz, wobei Mehdi geschockt die Augen weitete. Er kannte nur Teile der Geschichte, aber das alles hatte ihm schon gereicht. Mehdi baute sich nun neben Franz auf, so dass es unmöglich war für Olivier aus dem Krankenhaus zu kommen.
„Kälbchen, sieh nach Dr. Meier.“, sagte Franz nun erneut, während Gretchen endlich zu Marc herüber lief.




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30.04.2011 10:51
#19 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 19

„Marc?“, fragte sie leise als sie sich neben ihn kniete. Marc hatte die Augen geschlossen und die Arme fest vor seinem Kopf zusammengekrampft.
„Marc, nimm die Arme runter. Sieh mich an, ich bin es Hasenzahn.“, sagte Gretchen, doch Marc rührte sich keinen Zentimeter. Gretchen kontrollierte seinen Puls, wobei alles schnell ein Bild abgab. Sie riss Marcs Hemd auf und kontrollierte mit ihrem Stethoskop dann Marcs Herzschlag. Marc war in einen Schockzustand verfallen und musste nun dringend stabilisiert werden. Gretchen holte zuerst Marcs Schreibtischstuhl herbei und lagerte seine Beine darauf, wobei sie dann zu Marcs Medikamentenschrank herüber ging. Wie froh sie war, dass er in seinem Büro stand und immer gut gefüllt war. Natürlich hatte sie das an manchen Tagen verflucht, wenn Marc sein bester Kunde war.
„Kälbchen, was ist los?“
„Schockzustand. Herzfrequenz über 160.“; erklärte Gretchen nüchtern. Es bestand kein Grund nun Panik zu bekommen, dass wusste sie und doch hatte sie Probleme ihre Stimme und ihre Emotionen zu kontrollieren. Gretchen zog eine Spritze auf und ging dann wieder zu Marc herüber um sie ihm zu verabreichen.
„Wir brauchen einen Monitor und Sauerstoff.“, sagte Gretchen an ihren Vater gewandt, wobei ihr Blick kurz Marcs Vater streifte, der seinen Sohn belustigt betrachtete. Wie grausam konnte ein Mensch nur sein. Marcs Reaktion auf das Geschehene sagte ihr mehr als genug. Niemand fiel einfach grundlos in einen solchen Schockzustand. Gretchen wusste, dass es medizinisch kein Problem war Marc zu stabilisieren, sie wusste, dass sein Zustand nicht lebensbedrohlich war, sie wusste, dass er in spätestens eineinhalb Stunden wieder fit war und herumlaufen könnte. Er würde unter normalen Umständen noch nicht einmal einen Nacht zur Beobachtung bleiben müssen, sofern sie zuhause bei ihm war, das alles war es nicht was Gretchen Angst machte. Es war die Tatsache wie Marcs Psyche auf den Vorfall reagiert hatte. Und das war es was ihre unmenschlichen Sorgen bereitete. Sie wusste wie schlimm es um ihn stand, nicht physisch, aber psychisch und das war mehr als sie in ihren schlimmsten Alpträumen befürchtet hatte. Gretchen kontrollierte Marcs Puls per Hand und sah ihren Vater dann wieder an.
„Papa, Sauerstoff und Monitor.“, sagte Gretchen, wobei Franz Haase Herrn Meier auf keinen Fall aus den Augen lassen wollte.
„Gehen Sie bitte darüber und warten Sie mit uns bis das die Polizei eintrifft.“, sagte Franz, während Olivier ihn kurz ansah. Er wusste, dass für ihn die Hölle losbrechen würde, sollte die Polizei ihn schnappen.
„Papa.“, sagte Gretchen erneut, während Olivier seine Chance nutzte. Er schubste Franz unsanft zur Seite, wobei auch Mehdi ihn nicht mehr zu fassen bekam. Gretchen schloss kurz die Augen als sie nach dem ganzen Chaos mitbekam, dass die Polizei nun nicht sofort etwas gegen Marcs Vater unternehmen konnte.
Als Marc wieder zu sich kam schreckte er direkt hoch. Die Elektroden an seinem Brutkorb lösten sich und der Monitor begann zu schrillen, während ihn der Sauerstoffschlauch in seiner Nase zurückriss.
„Marc! Hey! Marc!“, sagte Gretchen laut, so dass Marc sie ansah. Seine panische Atmung normalisierte sich etwas, wobei auch die Erinnerungen zurückkamen.
„Was hat er gemacht?“, fragte Marc sofort und sah an sich herunter.
„Nichts. Du bist in einen Schockzustand gefallen.“
„Was? So ein Blödsinn. Schockzustand. Schwachsinn.“
„Marc, Herzfrequenz über 160, nicht ansprechbar, keine Indikation für eine Ohnmacht, kaltschweißig.“
„Blödsinn!“, wiederholte Marc und riss sich den Schlauch aus der Nase.
„Marc.“
„Hasenzahn. Mir fehlt nichts!“, versuchte Marc zu bekräftigen, während Gretchen sich auf seinen Bettrand setzte und vorsichtig eine Hand auf sein Gesicht legte. Die Angst und die Leere in seinen Augen war nicht zu übersehen.
„Wir brauchen nicht darüber zu diskutieren. Wie geht es dir?“
„Gut.“, sagte Marc, dem es schwer fiel Gretchens Nähe auszuhalten.
„Schmerzen die Rippen?“
„Ein wenig.“
„Zwei angebrochen Rippen und eine heftige Rippenprellung. Wir haben die starke Schmerzmittel gegeben..“
„Ach, sag bloß.“
„Marc, es tut mir leid, dass du das durchmachen musstest. Du solltest wissen, dass wir ihn nicht halten konnten, aber wir haben die Polizei informiert. Sie möchten gleich deine Aussage aufnehmen, falls du bereit dazu bist.“
„Was gibt’s da groß zu erklären? Mein Vater ist nach all den Jahren wieder aufgetaucht und hat genau da weitergemacht wo er aufgehört hat. Tolle Familie, oder?“
„Aber es gibt einen Unterschied zu damals und das musst du dir immer wieder vor Augen führen. Du bist jetzt nicht mehr alleine.“, sagte Gretchen, während Marc zur Seite sah. Er konnte Gretchen nicht in die Augen sehen.
„So, ich entlasse mich dann jetzt auch. Gibt ja eh keinen Grund weshalb ich hier sein sollte.“, sagte Marc und befreite sich dann von den Kabeln bevor er aus dem Bett aufstand.
„Du hast mein Hemd zerissen! Bist du irre?“, sagte er mit einem Blick an sich herunter. „Entschuldigung. Nur weil mein Freund und Oberarzt im Schockzustand auf über 160 zusteuerte. Wie konnte ich da nur darauf verzichten jeden Knopf einzeln zu öffnen. Wie dumm von mir!“
„Ich war nicht im Schockzustand.“
„Und ich trage keinen weißen Kittel.“
„Na ja über die Qualifizierung ihn zu tragen kann man sich ohne weiteres streiten.“
„Marc!“ Marc knöpfte seinen Arztkittel zu und schlüpfte dann in seine Schuhe.
„War sonst noch was?“
„Du wirst jetzt nach Hause gehen Marc.“
„Sagt wer genau? Ach, die Assistenzärztin.“
„Nein, die Freundin.“
„Mit der Freundin kann ich mich ja dann noch verabreden. Die Assistenzärztin hält sich jetzt mal ganz vornehm geschlossen und fertig.“
„Du wirst heute Nacht bei mir übernachten?“
„Werde ich das?“
„Sonst werde ich heute Nacht bei dir übernachten.“
„Wirst du das?“
„Wenn ich dir nicht meinen Vater auf den Hals hetzen soll, dann ja. Du hast ja Auswahlmöglichkeiten.“
„Oh ja, ich bin begeistert.“, sagte Marc bevor er aus dem Zimmer heraus marschierte.
„Dr. Meier?“, fragte ein Polizist, während Marc sich sofort zu ihm umdrehte. Das hatte er vergessen. Marc ging mit den Polizisten in sein Büro herüber und schilderte dann den Sachverhalt, wobei er im selben Atemzug eine Anzeige machte. Das Arschloch konnte niemals genug für das büßen, was er ihm angetan hatte und nun scheinbar auch weiterhin antat. Nachdem die Polizisten den Raum verlassen hatten, lehnte Marc sich in seinem Bürostuhl zurück, wobei ihm mit einem Mal die Tränen in die Augen schossen. Er hatte das Gefühl nicht atmen zu können, sobald er an seinen Vater dachte und das Gesicht wieder vor Augen hatte.



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02.05.2011 16:02
#20 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 20

„Meier!“, rief der Professor direkt, während er die Tür aufstieß und in Marcs Büro marschierte. Marc hatte sich derweil so sehr erschrocken, dass er ruckartig von seinem Bürostuhl aufgesprungen war, der nun gegen die Wand prallte.
„Entschuldigung.“, sagte Franz sofort, dem erst jetzt bewusst wurde, dass er auf gar keinen Fall so hätte hereinstürmen dürfen. Nicht nachdem war passiert war. Marc normalisierte seine Atmung wieder und sah seinen Professor beschämt an. Was sollte er nach allem nur von ihm halten? Er versuchte die Schmerzen in seinen Rippen zu unterdrücken und ein neutrales Gesicht aufzusetzen.
„Meier, es….ich wusste nicht, dass Sie einen solchen Vater haben und es tut mir wirklich sehr sehr leid, was dort heute passiert ist. Ich hoffe es geht Ihnen wieder gut.“
„Alles in bester Ordnung.“
„Sie sind in einen Schockzustand verfallen Meier.“, stellte der Professor klar, während Marc sich mit den Händen durchs Gesicht fuhr.
„Ich weiß.“
„Sie brauchen Hilfe Meier. Sie wissen, dass der Zustand nicht rational medizinisch erklärbar ist. Er war psychisch initiiert.“
„Ich weiß.“
„Und auch die Reaktion gerade. Sie zittern noch immer. Das Gefühl von Panik, Druck im Brustbereich?“
„Herr Professor, bei allem Respekt, ich weiß!“, sagte Marc nun lauter und setzte sich in seinen Bürostuhl zurück.
„Gehen Sie nach Hause. Es wäre nett, wenn Sie heute Nacht nicht alleine sind, auch wenn das meine Tochter mit einschließt. Ich gebe Ihnen jetzt beiden frei und dann fahren Sie nach Hause.“
„Herr Professor, ich habe noch eine Operation und dann….“
„Die werde ich übernehmen. Und passen Sie auf die Rippen auf. Die Wange hat sich auch schon verfärbt.“
„Gretchen wird schon darauf achten.“, sagte Marc und zog dann mit schmerzverzehrtem Gesicht seinen Kittel aus, wobei Franz ihn unterstützte und ihm dann kurz die Hand auf die Schulter legte.
„Okay?“, fragte er, was Marc mit einem Nicken beantwortete, bevor er zu seinem Arzneimittelschrank herüber ging. Er musste sich dringend noch Schmerzmittel verabreichen bevor er nach Hause ging.
„Meier, Sie hatten genug für heute. Durch die Schmerzen müssen Sie durch.“, sagte Franz als er verstand was Marc vorhatte.
„Ich werde Margarete Bescheid geben. Sie wird gleich hier sein. Ach ja und Meier, Sie sind die gesamte Woche krank geschrieben.“
„Was?“, fragte Marc schockiert und sah den Professor dann an.
„Die Rippen brauchen Ruhe. Legen Sie sich in die Ecke und holen Sie sich Hilfe. Ich meine es ernst.“, sagte Franz und schloss dann die Tür hinter sich, während Marc leise fluchte. Er konnte und wollte nicht zuhause sitzen und er wollte jetzt alleine sein, doch er wusste, dass das unmöglich war. Marc sah sich noch einmal um, fast um sich zu versichern, dass er wirklich alleine im Raum war, bevor er zum Arzneimittelschrank herüber ging. Genug war ein dehnbarer Begriff und bei den Schmerzen war es bei Weitem noch nicht genug. „Kälbchen?“, rief Franz, während Gretchen aus dem Behandlungszimmer heraustrat. Sie hatte zwangsweise mit der Arbeit weiter gemacht.
„Ich möchte, dass du Dr. Meier jetzt nach Hause bringst und dort bleibst. Es geht ihm nicht besonders gut. Kannst du nicht vielleicht darauf hinwirken, dass er sich Hilfe sucht?“, fragte Franz, während Gretchen leicht auflachte.
„Ich glaube es wäre einfacher Frankreich davon zu überzeugen den Eifelturm aufzugeben und nach Deutschland auszuliefern.“
„Ich weiß. Aber versuch es doch wenigstens, ja?“
„Was glaubst du was ich die ganze Zeit über tue?“
„Gut. Ach und Meier ist krankgeschrieben, seine Rippenprellung und die angebrochenen Rippen sind nicht ohne und das bekommt er gerade zu spüren. Sorg für die Kühlung auf der Wange und….“
„Papa!“, sagte Gretchen und zeigte dabei wortlos auf ihr Namensschild mit eingeschlossenem Doktortitel.
„In Ordnung. Bis morgen dann.“
„Bis morgen Papa.“
Marc war gerade fertig als Gretchen in den Raum hereinkam. Sie konnte nur noch sehen, wie er sich die Armbinde abnahm und die Spritze in den Mülleimer warf.
„Marc!“
„Ganz ruhig. Nicht sofort wieder überreagieren, soviel Schokoladenvorräte um dich wieder herunter zu kriegen habe ich nicht zuhause. War gegen die Schmerzen.“, sagte Marc und stand dann langsam auf. Noch wirkte die Spritze schließlich nicht.
„Wollen wir?“
„Habe ich eine andere Wahl?“
Gretchen stellte den Sitz im Auto zurück, bevor Marc sich vorsichtig hereinsetzte. Wieso mussten Rippen eigentlich so sehr schmerzen?
„Wir fahren aber zu mir, oder?“, fragte Marc als Gretchen losfuhr, während diese ihn von der Seite aus musterte und kurz nickte.
„Weiß dein Vater wo du wohnst?“, fragte Gretchen nach langem Schweigen, wobei Marc nicht auf ihre Frage reagierte.
„Marc?“
„Was?“
„Weiß dein Vater wo du wohnst?“, fragte sie erneut, während Marc mit den Schultern zuckte und dann wieder aus dem Fenster sah.
„Ich weiß nicht, ob du das so einfach auf die leichte Schulter nehmen solltest. Hat die Polizei denn was dazu gesagt?“
„Was sollen sie dazu sagen? Sie prüfen jetzt die vorhandenen Akten und sonst nichts.“
„Hast du Angst?“, fragte Gretchen nun leise, wobei Marc ihr nur einen kurzen Blick schenkte. Es war sein Versuch sie wütend anzusehen, doch sie kannte ihn schon seit so vielen Jahren und sah die Angst in seinem Gesicht.
„Ich auch.“, erwiderte sie nur und bog dann bei Marcs Haus ein.




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05.05.2011 12:36
#21 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 21

Marc öffnete seinen Briefkasten und fand auch heute wieder den obligatorischen handgeschrieben Brief wieder. Ohne ihn zu öffnen wollte er ihn zerreißen, hielt dann allerdings inne und öffnete ihn doch. „Wo ist das Olivier geblieben?“, stand nun auf einem seiner Artikel, der im Brief mitgeschickt worden war.
„Von wem ist der?“, fragte Gretchen, die Marcs Gesichtsausdruck zu deuten versuchte. „Nicht wichtig.“, erwiderte er und zerknüllte den Brief dann. Er wusste also wo er wohnte. Auch der Anrufbeantworter blinkte wieder, wobei Marc den Knopf betätigte.
„Marc Olivier!“, erklang die aufgeregte Stimme seiner Mutter, während Marc automatisch die Augen verdrehte, dann allerdings inne hielt. Sein Vater war bei ihr gewesen.
„Marc Olivier, du musst dich in Sicherheit bringen!“, rief seine Mutter weiter, während Gretchen Marc betrachtete, der sich gedankenverloren seine schmerzende Seite hielt.
„Dein Vater ist wieder da. Er weiß wo du wohnst, wo du arbeitest, er weiß einfach alles. Er wird nicht aufhören bevor er dich nicht gefunden hat. Ich will nicht, dass das alles wieder losgeht.“, seine Mutter weinte mittlerweile, während Marc die Autoschlüssel griff und Gretchen dann ansah. Diese nickte ihm nur stumm zu und nahm die Autoschlüssel an sich. Marc konnte in seinem Zustand nicht fahren. Marc hatte derweil das Gefühl als hätte er sich überhaupt keine Schmerzmittel verabreicht, denn die Schmerzen die seinen Körper durchfluteten als er sich in den Sitz sinken ließ waren unmenschlich. Marc stöhnte leicht auf, während Gretchen, die derweil auf dem Fahrersitz Platz genommen hatte ihn skeptisch musterte.
„Geht’s dir gut?“
„Wieso sollte es mir nicht gut gehen?“
„Du warst im Schock, hast Beruhigungsmittel und stabilisierende Mittel erhalten, du hast zwei angebrochen Rippen und eine ziemlich üble Rippenprellung. Du hast starke Schmerzmittel erhalten und dir selber auch noch was in die Adern geschossen. Wieso also sollte es dir nicht gut gehen?“, fragte Gretchen während sie den Motor startete.
„Wir arbeiten an unserer Beziehung, was?.“, entfuhr es Marc, während Gretchen ihn fragend ansah.
„Was?“
„Das bedeutet für mich so was wie „red mit mir Marc!” “, kopierte Marc Gretchen, während diese ihn anlächelte.
„Gut gelernt!“
„Danke, ich gebe mir Mühe.“
„Also, wollen wir es noch mal versuchen?“
„Was?“
„Geht’s dir gut?“
„Nein, aber ich muss jetzt wirklich dringend zu meiner Mutter.“
„Okay.“
„Okay.“
Gretchen parkte den Wagen in der Nähe des Eingangs und ging dann zur Beifahrertür herüber, wo Marc sich mühsam aus dem Wagen quälte und erst einmal inne hielt als er seinen Oberkörper wieder ausstreckte. Dieser Bastard musste ihn mehrere Male hintereinander in die Rippen getreten haben. Alles andere würde diese Verletzungen nicht erklären.
„Soll ich mitkommen, wenn du mit deiner Mutter redest, oder soll ich draußen warten?“, fragte Gretchen, die fest damit gerechnet hatte, dass Marc sie darum bat draußen zu warten. Das alles war sehr persönlich und emotional und Gretchen wusste nicht, ob sie schon soweit waren, obwohl ihr Marcs Vertrauensbeweis im Auto sehr gut gefallen hatte. Sie merkte selber, dass er sich Mühe gab und versuchte sich unter Kontrolle zu halten und sie nicht weg zu stoßen. Dass ihre Beziehung aber auch gerade in dieser schweren Zeit und unter diesen Umständen beginnen musste.
„Wenn du mitkommen möchtest.“, sagte Marc, was Gretchen aufschauen ließ.
„In Ordnung.“, sagte sie und nahm dann Marcs Hand. Marcs Mutter wurde umgehend in das Besucherzimmer gebracht, nachdem Marc und Gretchen der Stationsschwester Bescheid gegeben hatten.
„Oh nein!“, rief Elke direkt als sie die Tür öffnete. Gretchen erschrak als sie Marcs Mutter sah. Sie war nicht zu vergleichen mit der Elke Fischer die sie kannte und die sie zuletzt in Erinnerung hatte. Diese Frau dort sah alt und zutiefst traurig aus.
„Reg dich nicht auf Mutter, es geht mir gut!“, sagte Marc direkt, während Elke auf ihn zulief und Marc an sich zog. Diesem entfuhr ein schmerzerfülltes Stöhnen, da Elke unsanft gegen seine Rippen geprallt war.
„Oh mein Gott! Marc Olivier!“, rief sie, während Marc leicht zusammengesackt war. „Marc!“, sagte nun auch Gretchen, doch Marc richtete sich bereits wieder auf:
„Rippen.“, sagte er kurz an seine Mutter gewandt, die mittlerweile weinte.
„Was hat er dir nur angetan?“, fragte sie leise.
„Nichts Mutter. Es ist alles in Ordnung. Es geht mir wirklich gut.“
„Er hat dich wieder verprügelt. Alles fängt wieder von vorne an. Er hat uns gefunden Marc.“ „Ich weiß Mutter, aber nichts fängt wieder von vorne an. Ich bin jetzt erwachsen. Er kann mir nichts tun.“, bekräftigte Marc, während Gretchen ihn skeptisch von der Seite ansah. Es war klar ersichtlich, dass er seiner Mutter ein gutes und sicheres Gefühl vermitteln wollte und das rührte sie. Schließlich hatte seine Mutter keine Ahnung wie es wirklich war.
„Ich habe die Polizei informiert, sie sind an ihm dran.“, erklärte Marc weiter, während Elke sich langsam beruhigte.
„Hat er etwas zu dir gesagt?“, fragte Marc an Elke gewandt.
„Etwas ist gut. Er ist hier nach all den Jahren mit einem Blumenstrauß aufgetaucht und hat ihn direkt in den Mülleimer geworfen. Er hat mich beschimpft und mich grob angefasst. Gott sei dank ist direkt ein Arzt dazwischen gegangen. Marc er hat geschworen, dass wir ihm das bezahlen werden. Er will Rache und er will uns fertig machen. Ich habe bereits mit der Polizei gesprochen.“
„Ich habe ihn auch schon angezeigt.“
„Was machen wir denn jetzt nur? Ich bin hier sicher und ich muss auch noch ein paar Wochen hier bleiben, aber was ist mit dir?“
„Mutter, ich bin erwachsen, ich kann sehr gut auf mich selber aufpassen. Außerdem weiß die Polizei ja Bescheid.“
„Du kennst ihn Marc, er wird nicht aufgeben und vor nichts zurückschrecken. Weißt du noch damals als er uns beide krankenhausreif geschlagen hat nur um uns dann nicht gehen zu lassen? Ich habe wirklich gedacht du verblutest in meinen Armen.“, sagte Elke an ihren Sohn gewandt, während Gretchen Marc kurz von der Seite ansah. Wie sollte sie ihm nur helfen? „Jetzt lass uns nicht über damals reden. Ich wollte dir nur Bescheid geben dass es mir gut geht und dass du dir keine Sorgen machen musst. Konzentrier dich auf dich selber, ja?“
„Ja.“
„Gut. Wir werden jetzt wieder fahren. Wenn was ist, dann ruf an.“
„In Ordnung.“
Die Rückfahrt zu Marcs Wohnung verlief in vollkommener Stille. Marc war scheinbar komplett in seinen Gedanken versunken und Gretchen beschloss ihn nicht zu stören, auch wenn es ihr extrem schwer fiel nicht zu reden.



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12.05.2011 13:00
#22 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 22

Vor Marcs Wohnung angekommen stieg Gretchen aus dem Auto aus und wartete, dass Marc es ihr gleich tat. Als sich nichts rührte ging sie zur Beifahrerseite herüber und öffnete sie.
„Kommst du?“
„Ich bin ja auf dem Weg, sieht man das nicht?“, fragte Marc ironisch und stieg dann mit Mühe aus dem Auto aus, wobei er sich am Wagen abstützen musste.
„Es wird Zeit, dass du dich endlich hinlegst.“
„Ach sag bloß.“, konterte Marc zurück und übergab Gretchen dann seinen Wohnungsschlüssel. Marc ging direkt durch ins Schlafzimmer, dicht gefolgt von Gretchen.
„Hast du Eis da?“
„Wieso kannst du eigentlich immer nur ans Essen denken?“
„Herrgott Marc, ich rede von Eis für deine geschwollene Wange!“, gab Gretchen zurück, was Marc leicht zum Lächeln brachte, so dass sich auch auf Gretchens Gesicht ein Lächeln abzeichnete.
„Im Gefrierfach.“
„Gut.“
„Da gibt’s auch noch Schokoladeneis.“
„Noch besser!“
Als Gretchen wieder zum Schlafzimmer herüber kam lag Marc bereits in Boxershorts und T-Shirt lang ausgestreckt auf dem Bett. Gretchen krabbelte hinzu und legte dabei Marcs Kopf auf ihren Schoß, wobei sie ihm vorsichtig das Kühlpack auf seine Wange legte. Marc zuckte kurz zusammen, entspannte sich dann allerdings sofort wieder.
„Marc, ich glaube wir müssen noch über etwas reden.“, sagte Gretchen nach wenigen Minuten, während Marc direkt seine Augen aufschlug und Gretchen musterte.
„Oh nein, was kommt jetzt?“, fragte er sofort abwehrend.
„Du…also ich denke…deine….“
„Hasenzahn!“
„Deine Reaktion auf das was heute geschehen ist war, wie du ja auch mitbekommen hast, sehr besorgniserregend und…ich möchte, dass du dir Hilfe suchst.“
„Boah Gretchen, jetzt komm!“
„Ich meine es ernst Marc. Ich werde dich nicht bedrängen, ich möchte dich nur bitten darüber nachzudenken. Du bist zutiefst traumatisiert, was am heutigen Tag vollends durchgebrochen ist. Ich weiß nicht, was du in deiner Kindheit alles durchmachen musstest. Ich weiß nur, dass es grauenhaft war und ich denke es wäre besser, wenn du mit jemandem darüber redest.“, beendete Gretchen ihren Satz, während Marc sie noch immer stoisch anblickte, allerdings nichts entgegnete.
„Was denkst du?“
„Ich dachte du willst mich nicht bedrängen.“
„Will ich auch nicht.“
„Gut.“
In der Nacht wurde Gretchen wach, da Marc neben ihr unaufhörlich etwas murmelte und seinen Kopf dabei von einer Seite zur anderen warf. Sie wollte gerade etwas sagen oder etwas unternehmen um ihn zu beruhigen, als Marc auch schon im Bett hoch schreckte.
„Ah, verdammt!“, fluchte er laut bei den Schmerzen, die seinen Körper aufgrund seiner Rippen durchzogen. Gretchen schaltete ihr Nachtlicht an und drehte sich dann zu Marc herum, der schwer atmend in seinem Bett lag.
„Alles okay?“
„Bist du schon mal mit gebrochenen Rippen im Bett hoch geschreckt?“
„Nein.“
„Gut, dann tu es auch nie.“, sagte Marc, der kalkweiß im Gesicht war.
„Soll ich dir was gegen die Schmerzen holen?“ Marc nickte kurz, während Gretchen ihre Bettdecke zurückschlug und dann zu Marcs Arzneimittelschrank für zuhause herüber ging. Gretchen verwunderte es nicht, dass dieser ähnliche Ausmaße hatte, wie der im Krankenhaus. Das hatte sie sich spätestens gedacht als Marc zugegeben hatte sich Narkosemittel zuhause gespritzt zu haben. Als Gretchen sich umdrehte schrie sie direkt laut auf als sie eine Gestalt vor der Verandatür erkennen konnte. Zumindest glaubte sie eine Gestalt zu erkennen.
„Marc!“, rief sie sofort, wobei Marc binnen Sekunden bei ihr angekommen war und ihrem Blick folgte.
„Da ist jemand draußen!“, sagte Gretchen, während Marc Gretchen wieder ansah.
„Willst du mich umbringen?“, fragte er und stützte sich dabei an der Wand ab, während Gretchen noch immer nach draußen sah.
„Aber da ist jemand.“
„Gretchen der Schatten ist von dem großen Baum im Garten.“, sagte Marc nüchtern, während Gretchen dies nach Marcs Beschreibung nun auch erkennen konnte.
„Aber ich dachte wirklich es wäre jemand dort.“, beendete Gretchen ihren Satz, wobei sie sich zu Marc umdrehte, von dem allerdings bereits jegliche Spur fehlte. Als Gretchen wieder zum Schlafzimmer herüber ging, konnte sie das Würgen von der Toilette hören.
„Marc?“
„Wag es bloß nicht herein zu kommen!“, rief Marc kurz, bevor er sich erneut übergab. Gretchen nahm auf dem Bett Platz und wartete bis Marc wieder aus dem Badezimmer herauskam. Er war noch blasser als jetzt eben, was seine mittlerweile violett grüne Wange auf unheimlich Art und Weise hervor hob.
„So große Schmerzen?“, fragte Gretchen, während Marc sie kurz ausdruckslos betrachtete und sich dann wieder ins Bett legte. Er war einfach fix und fertig. Der Alptraum war grauenvoll gewesen und dann auch noch Gretchen die um seine Hilfe geschrien hatte. Marc war sich sicher gewesen, dass er nun da war, dabei hatte es sich nur um einen blöden Baum gehandelt. Gretchen stand vom Bett auf und band Marcs Arm ab, wobei sie ihm Schmerzmittel spritzte.
„Es tut mir leid, dass ich dich so erschreckt habe. Ich glaube meine Phantasie ist einfach mit mir durchgegangen.“
„Na ja, das ist ja nichts Neues.“ Gretchen wartete bis Marc neben ihr wieder eingeschlafen war, bevor sie selbst in einen unruhigen Schlaf fiel. Das Bild vor ihren Augen verschwamm leicht, bevor sie Marc und sich selbst deutlich erkennen konnte. Sie trug ein mittelalterliches Kleid, dass ihrer Figur besonders schmeichelte, während Marc ihr als edler Prinz mit langem Schwert entgegen trat.
„Habe keine Angst holde Meid, ich werde uns vor meinem Vater dem König beschützen!“, sagte er mit geschwollener Brust.
„Oh Marc! Sie vorsichtig in deinem Kampf!“, rief sie, während Marc eine heroische Handbewegung machte.
„Fürchte dich nicht um mich, fürchte dich vor den Schmerzen die ich ihm zufügen werde am Tage unseres Kampfes.“, sagte Marc, wobei der Boden unter ihnen zu beben begann.
„Marc! Marc! So hilf mir doch!“, rief Gretchen im nächsten Moment, da sie an ihrem Arm weggezogen wurde. Als sie sich herumdrehte konnte sie ihren Entführer erkennen, es war der König Olivier, der sie davonzog, während Marc am Ende des Horizontes auftauchte.
„Ich sagte du sollst dich nicht fürchten!“, rief er und war binnen Sekunden bei ihnen angekommen.
„Eins muss dir klar sein Sohn, kampflos wird dieses Kapitel nicht zu ende gehen.“
„Ich fürchte mich nicht vor dir.“
„Das solltest du. Ich bin der König. Du hast keine Chance gegen mich, so klein und allein wie du bist.“
„Oh nein, er ist nicht allein!“, rief Gretchen nun und hob ebenfalls ein großes Schwert empor, wobei sie unter dem Gewicht nach hinten strauchelte.
„Holder Hasenzahn, lege das Schwert hinweg, es ist ein Kampf zwischen den königlichen Männern!“
„Aber ich möchte doch helfen!“
„Du kannst nicht helfen. Diesen Kampf muss ich ganz alleine durchstehen. Niemand kann mir dabei helfen!“, stellte Marc klar und sah dann auf seinen Vater, der sein Schwert ebenfalls hervorholte, nur dass es dreimal größer war als Marcs. Er würde keine Chance haben. Gleiches fiel auch Gretchen direkt auf, die keine Sekunde zögerte und sich heroisch vor Marc stürzte, so dass nicht er von dem großen Schwert des Königs getroffen wurde, sondern sie selbst.
„Nein!“, hallte der Schrei des Jungen Prinzen durch Mag und Bein.
„Holder Hasenzahn, was hast du getan?“, fragte Marc als er sich zu Gretchen herunterbeugte, die langsam die Augen schloss und aus ihrem Körper hinweg flog. Marc hingegen richtete sich auf und holte mit seinem Schwert aus, allerdings nicht um den König zu verletzen.
„Sie war alles was ich hatte!“, rief Marc, bevor er den Dolch mit voller Wucht in seinen eigenen Körper schlug.
„Endlich kann ich dir entfliehen!“, hauchte er zu seinem Vater, während es nun Gretchen war, die in ihrem Bett hoch schreckte. Das war der grauenvollste Traum, den sie seit Jahren gehabt hatte. Er folgte direkt nach dem Traum als die Bundeskanzlerin verkündet hatte, dass alle Schokoladenvorräte vernichtet wurden und das niemals wieder etwas des braunen Giftes hergestellt würde.



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15.05.2011 15:16
#23 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 23

Gretchen ergriff am nächsten Tag sofort die erste Gelegenheit die sich ihr bot um Marc anzurufen. Dieser hatte am Morgen überhaupt nicht mitbekommen, dass Gretchen gegangen war und auch jetzt dauerte es lange bis Marc das Telefon abnahm.
„Hab ich dich geweckt?“
„Geweckt? Blödsinn! Hast du mal auf die Uhr geschaut?“, wehrte Marc ab, wobei Gretchen genau hören konnte, dass er noch ganz verschlafen war. Es erleichterte sie, denn Schlaf hatte Marc wirklich dringend gebraucht.
„Ich kann so in circa vier Stunden hier weg. Soll ich was zu essen mitbringen?“
„Äh, wer genau hat gesagt, dass wir uns heute schon wieder sehen?“
„Marc!“
„Was Gretchen? Ich wollte schon gestern meine Ruhe haben!“
„Gestern hattest du auch einen echt miesen Tag. Also soll ich?“
„Hör auf zu klammern!“
„Herr Gott, hör du lieber auf alles zu verkomplizieren.“
„Ich verkompliziere Dinge? Ja, dass ist ja mal was ganz Neues!“
„Vor allen Dingen lenkst du vom eigentlichen Thema ab. Hör zu Marc, ich möchte bei dir sein heute Abend, okay?“
„Ich will nichts essen.“
„Auch in Ordnung. Bis heute Abend dann.“ Marc legte sein Handy wieder neben sich und kämpfte sich dann im Bett hoch. Gott sei dank waren die Schmerzen durch das lange Liegen weniger geworden. Marc ging zum Badezimmer herüber, wo er sich erst einmal eine ordentliche Dusche gönnte und dann zur Küche herüber ging. Er war froh, dass Gretchen heute Abend vorbeikam, aber das konnte er ihr ja nicht so mir nichts dir nichts zeigen. Er hatte schon so viel Schwäche zugelassen, Gretchen sollte auf gar keinen Fall merken, wie sehr er sie eigentlich brauchte. Es tat ihm schon Leid genug sie in all das mit herein gezogen zu haben. Er hatte die Angst in ihren Augen gesehen als sie vermutet hatte, dass jemand dort war. Er hatte die Panik gespürt, die ihren Körper durchflutet hatte. Das alles hatte sie nicht verdient. Gerade Gretchen, die so oder so immer überreagierte. Sie sollte sich nicht auch noch um ihn sorgen müssen, dass tat sie schon genug.


„Komme.“, rief Marc als es um die in etwa verabredete Zeit an der Tür klingelt. Marc öffnete die Tür mit einem Lächeln, erstarrte dann allerdings augenblicklich als er seinem Vater direkt in die Augen sah. Er wollte die Tür wieder schließen, doch Olivier hatte bereits einen Fuß in der Tür und schob diese beinah mühelos auf. Was sollte Marc mit seinen Rippen auch dagegen halten.
„Was willst du hier?“, fragte er, während Olivier ihn nur anlächelte und dann eintrat.
„Ich dachte wir könnten unsere Unterhaltung fortführen, die in der Klinik unterbrochen worden ist. Ach ja und dein Besuch wird sich verspäten.“
„Was?“
„Es gab noch einen Notfall in der Klinik.“
„Was hast du getan?“, fragte Marc, während Olivier ihn nur anblickte.
„Ganz schön hübsch deine kleine Freundin.“
„Lass sie in Ruhe!“, sagte Marc und ballte dabei seine Hände zu Fäusten.
„Sonst was?“, fragte Olivier und schubste Marc dabei leicht nach hinten.
„Ich denke deinen Rippen schmerzen. Wir sollten vielleicht verhindern, dass du dort heute noch verletzt wirst, was?“
„Was willst du psychopathisches Arschloch?“
„Na, na, na, was ist das denn für eine Wortwahl? Ich denke wir beide wissen ganz genau was ich will.“
„Ich glaube das weißt nur du.“
„Ihr habt meine Leben zerstört, ist euch das bewusst? Während deine Mutter unter falschem Namen all diese Schundromane veröffentlicht hat und du ein verdammter Oberarzt geworden bist habe ich die Hölle durchlitten. Weißt du wie das ist, vorbestraft zu sein? Wenn ich dich erinnern darf war ich auch mal Arzt und nur durch euch habe ich meine Lizenz verloren. Weißt du wie sich das anfühlt seinen Lebensinhalt zu verlieren? Nein, dass weißt du nicht, denn du bist ja ein angesehener Chirurg, genau wie ich es auch einmal war. Aber ich kann dir eines versprechen, wenn ich mit dir fertig bin, wirst du am Boden sein und du wirst genauso wenig zurückbehalten wie ich. Ich werde dafür sorgen, dass du niemals wieder an einem OP-Tisch stehen wirst, ich werde dein Leben zerstören so wie du meins zerstört hast und wenn ich mit dir fertig bin, dann werde ich mit deiner Mutter weitermachen. Ich werde euch zerstören!“, sprach Olivier mit zusammengebissenen Zähnen.


„Und wie willst du das anstellen?“
„Was braucht denn ein Chirurg mh?“, fragte Olivier und blickte dabei beinah nebensächlich auf Marcs verkrampfte Fäuste.
„Ich weiß, dass du nicht damit leben könntest, wenn du nicht mehr im OP stehst. Das konnte ich auch nicht.“
„Und jetzt? Willst du mir jetzt die Hände abhacken, oder was hast du vor?“
„Nicht so voreilig. Das wäre zu einfach und zu langweilig. Aber ich verspreche dir, du wirst es merken.“, sagte Olivier nun lächelnd und ging dabei einen Schritt auf Marc zu.
„Wie wäre es, willst du mir nicht schon mal eine verpassen? Die Chance auf eine ordentliche Prellung steht gut dabei. Oder sind dir deine Hände zu heilig dafür?“
„Deine waren es dir ja nie.“
„Ich habe mich auch immer entsprechend geschützt.“, erklärte Olivier, wobei Marc im nächsten Moment von Oliviers Faust in der Magengegend getroffen wurde. Seine Rippen verursachten dabei einen unmenschlichen Schmerz, doch Marc wusste, dass es nur eine Warnung seines Vaters war. Hätte er ihn verletzten wollen, hätte er weiter oben zugeschlagen. Trotzdem blieb Marc die Luft zum atmen weg und er sank zu Boden.
„Glaubst du eigentlich du hast unser Leben nicht erstört?“, fragte Marc nun, während Olivier, der sich ihm eigentlich bereits wieder genährt hatte, inne hielt.
„Bitte was? Euer Leben zerstört? Guck dich um verdammt noch mal, du hast alles!“
„Und ich habe für das alles hier hart gekämpft! Ich bin genauso kaputt wie du.“
„Lächerlich, du hast keine Ahnung wovon du redest, aber bald, wenn dein Lebensinhalt nicht mehr da ist, dann können wir uns darüber unterhalten wie es ist.“, erklärte Olivier und verpasste Marc dann noch einmal einen Tritt, der Marc nach hinten überfallen ließ, so dass er lang auf dem Rücken lag.
„Ach ja und bevor ich es vergesse, schon mal als ersten Gruß.“, sagte Olivier und mühte sich dann kurz ab.


Marc versuchte wieder Herr seiner Sinne zu werden um zu erkennen was als Nächstes geschehen würde, doch da gab es bereits ein Knarren und ein großer Schmerz durchzog seinen rechten Arm. Er konnte hören wie Olivier die Wohnung verließ, aber es dauerte noch einen Moment bevor Marc erkennen konnte was passiert war. Olivier hatte seinen Couchtisch umgeschmissen, der nun auf seinem Arm lag. Marc versuchte sich aufzurichten oder seinen Arm zu bewegen, doch alles ohne Erfolg. Dafür merkte er, wie etwas warmes Flüssiges an seinem Arm entlang lief und den Boden unter ihm befeuchtete.
Gretchen packte derweil im Krankenhaus ihre Sachen zusammen und ging dann noch einmal bei Schwester Sabine vorbei.
„Wer auch immer der nette Anrufer mit der Notfallmeldung war, ich bin jetzt weg, so oder so. Falls der Notfall dann irgendwann noch eintrudeln sollte, dann hat ja auch irgendwer anders Dienst.“, sagte Gretchen, während Dr. Hassmann im selben Moment den Raum betrat. „Welcher Notfall? Wäre nett zu wissen für die Leute die hier noch Dienst haben.“
„Nichts neurologisches Dr. Hassmann.“, gab Gretchen zurück.
„Ein Mann hat hier angerufen und gesagt unten wäre ein Notfall, er hätte ihn abgelegt. Ein Mann mit gebrochenen Rippen und einem zerquetschten Arm. Ein Tisch wäre auf ihn gefallen, aber da war niemand.“, schilderte Sabine, während Dr. Hassmann kurz auflachte. „Haase, dass sie aber auch auf jeden Scheiß reinfallen müssen. Lächerlich.“, sagte Dr. Hassmann, während Gretchen hinter ihrem Rücken kurz eine Fratze schnitt, was Sabine mit einem zustimmenden Lächeln beantwortete.


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22.05.2011 11:23
#24 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 24

Gretchen parkte ihren Wagen hinter Marcs in der Auffahrt, wobei ihr sofort die geöffnete Tür auffiel.
„Hast du mich schon kommen hören? Es tut mir leid, dass ich mich verspäte, aber irgendein Spaßvogel hat in der Klinik angerufen und gesagt, dass….Marc?“, fragte Gretchen und weitete dann die Augen als sie das Chaos im Wohnzimmer sah, wobei sie beinah aufschrie als sie Marcs Füße entdeckte.
„Marc!“, rief Gretchen in Panik und rannte dabei auf Marc zu, wobei sie das Essen fallen ließ, dass sie doch für die beiden besorgt hatte.
„Hasenzahn. Der Tisch!“, sagte Marc sofort, während Gretchen seinem Blick folgte.
„Oh mein Gott.“
„Du musst ihn hochheben.“ Gretchen hallten die Worte des Anrufers wieder durch den Kopf…..ein zerquetschter Arm….ein Tisch ist auf ihn gefallen.
„Hasenzahn. Der Tisch. Beeil dich!“, wiederholte Marc, während Gretchen nun nickte und sich wieder aufrichtete. Schon beim herangehen konnte sie Blut sehen.
„Heb ihn hoch!“, sagte Marc erneut, während Gretchen alle Kraft zusammen nahm und den Tisch anhob, so dass Marc seinen Arm darunter hinweg ziehen konnte.
„Lass mich sehen.“, sagte Gretchen sofort und kniete sich wieder neben Marc, der bereits seine Hand und sein Handgelenk bewegte.
„Ist er gebrochen?“, fragte Gretchen, während Marc erleichtert den Kopf schüttelte. Gretchen holte den erste Hilfe Koffer hervor und wischte dann das Blut weg um sich einen Überblick zu verschaffen.


„Marc der Schnitt ist zu tief, du musst genäht werden.“, sagte Gretchen, wobei sie auf Marcs Beurteilung wartete, allerdings lag Marc nur stumm auf dem Boden und war mittlerweile kalkweiß.
„Okay, ganz ruhig. Du hast viel Blut verloren. Hast du weitere Verletzungen?“, fragte Gretchen, während Marc im ersten Moment nicht reagierte, so dass sie ihn erneut ansprechen musste.
„Nein. Lass uns die Wunde nähen.“
„Hier?“
„Wenn du es nicht machst, werde ich es tun.“
„Marc sie ist zu tief. Hier ist es doch nicht steril. Lass uns ins Krankenhaus fahren.“
„Nein Gretchen. Entweder du machst es, oder ich. Und wir werden nichts, aber auch wirklich gar nichts von der Wunde oder der Prellung im Krankenhaus erwähnen.“
„Marc, was soll das?“
„Ich werde in 6 Tagen wieder operieren und du weißt selber, dass das dein Vater niemals zulassen würde, wenn er wüsste, dass ich noch Fäden im Arm habe.“
„Ja, weil es auch richtig so ist. Du wirst deinen Arm doch noch überhaupt nicht richtig bewegen können, ganz zu schweigen von der Naht.“
„Nein, es ist nicht richtig. Das will er doch nur erreichen.“
„Wer?“
„Ach komm, vergiss es. Gib mir einen zweinuller Faden und dann ist gut.“


„Es war dein Vater, oder? Will er erreichen, dass du nicht mehr operieren kannst?“, fragte Gretchen, während Marc sich mittlerweile aufrichtete, dabei allerdings beinah wieder umfiel. Er hatte eindeutig zuviel Blut verloren und es war nur Gretchen zu verdanken, dass er nicht am Boden aufschlug.
„Wir müssen die verdammte Wunde nähen, wenn ich nicht verbluten soll.“, nuschelte Marc, während Gretchen ihn mehr zum Küchentisch herüber schleifte, als dass er selber ging. „Verdammt, am Küchentisch Marc. Wenn du eine Sepsis kriegst bist du alleine daran schuld.“ „Dann sorg dafür, dass ich keine bekomme.“, erklärte Marc, während Gretchen ihn vernichtend ansah.
„Ich kann nicht glauben, dass du ein halbes Krankenhaus hier zuhause hast.“
„Schadet ja nicht, wie du siehst.“


Gretchen desinfizierte alles weiträumig und sah Marc dann noch einmal an.
„Ist dir bewusst, dass du deinen Arm verlieren könntest, nur wegen dieser Aktion hier?“, fragte Gretchen ernst.
„Bin ich der Oberarzt?“, fragte Marc zurück, während Gretchen sich geschlagen geben musste. Mittlerweile blieb auch kaum noch die Zeit ins Krankenhaus zu fahren, bevor Marc das Bewusstsein aufgrund des Blutverlustes verlor. Sie mussten die Blutung so schnell wie möglich stoppen. Nachdem Gretchen Marc wieder zusammengeflickt hatte brachte sie ihn direkt zum Bett. Marc brauchte jetzt nur eines und das war Ruhe. Alle ihre Fragen würde sie ihm auch hinterher noch stellen können und daran, dass es sein Vater war bestand kein Zweifel.
Gretchen nahm das Telefon zur Hand und rief dann die Polizei an. Sie fragte Marc erst gar nicht. Die Beamten begutachteten Marcs Wohnzimmer und wollten dann zur Tatschilderung natürlich auch mit Marc persönlich sprechen. Gretchen erläuterte ihnen den momentanen Gesundheitszustand und bat die Beamten dann am morgigen Tag noch einmal wieder zu kommen.


Als Marc am nächsten Tag seine Augen aufschlug fühlte er sich wie gerädert. Sein Arm schickte stechende Schmerzen durch seinen Körper und der Blutverlust bereitete ihm höllische Kopfschmerzen.
„Guten Morgen.“, sagte Gretchen direkt, während Marc sie erschrocken anblickte.
„Ich fange heute eine Stunde später an.“, erklärte Gretchen, während Marc sich langsam aufrichtete.
„Ich habe gestern Abend noch die Polizei angerufen, sie haben sich alles angesehen und werden heute wiederkommen um mit dir zu reden.“
„Was fällt dir ein einfach die Polizei zu rufen?“, fragte Marc wütend.
„Marc du lagst halb verblutet in deinem Wohnzimmer und…..“
„Das gibt dir noch lange nicht das Recht einfach so über mein Leben zu bestimmen.“
„Marc, ich habe nur die Polizei gerufen und….“
„Und was ist, wenn ich sie nicht rufen wollte?“
„Du musst der Polizei alles geben, was sie gegen deinen Vater verwenden können.“
„Gott Hasenzahn, du glaubst auch wirklich, dass die liebe Polizei ihn schnappt und dann alles gut ist, was?“
„Ja, natürlich, dafür ist die Polizei doch da.“
„Glaubst du er wäre wirklich so blöd? Die Polizei wird nichts gegen ihn ausrichten können. Gott, dass macht die ganze Sache doch nur noch schlimmer.“, erklärte Marc und fuhr sich dabei mit seiner gesunden Hand durchs Gesicht.
„Und was willst du unternehmen, nichts? Willst du darauf warten, dass er dir Gott weiß was antut.“
„Er wird es so oder so tun.“
„Sag so was nicht Marc, wir kriegen dass….“
„Nein kriegen wir nicht Hasenzahn! Du weißt doch gar nicht wovon du redest. Du hast einfach keine Ahnung zu was dieser Mann alles fähig ist.“
„Na ja, ich glaube langsam verstehe ich es schon.“
„Du solltest jetzt auch gehen.“
„Was?“
„Na los, Hopp hopp, arbeiten!“
„Aber ich habe noch Zeit Marc.“


„Ja, aber ich will jetzt alleine sein.“
„Marc.“
„Was Gretchen? Lass mich jetzt einfach in Ruhe!“
„Du wirst mich nicht von dir wegstoßen.“
„Du nervst! Du klammerst! Lass mich einfach in Ruhe!“
„Marc!“, flehte Gretchen, während Marc sie kalt anblickte.
„Vielleicht war es falsch von mir einfach die Polizei zu rufen, aber ich wollte doch nur helfen.“
„Du willst immer nur helfen. Hast du heute morgen schon bei Greenpeace angerufen um dich davon zu überzeugen, dass die Urwaldrodung beendet ist, oder bei Obama um zu hinterfragen, ob du ihm bezüglich BP helfen kannst, damit auch wirklich kein Öl mehr ins Meer fließt, oder…..“
„Marc, es reicht.“
„Ja, mir reicht es auch Hasenzahn. Schön, dass du es selber einsiehst.“, sagte Marc, während Gretchen nun Tränen in die Augen stiegen.
„Und das war es jetzt wieder?“
„Das alles war so oder so ein Fehler.“, sagte Marc hart, während Gretchen nun vom Bett aufstand und weinend den Raum verließ. Marc sah ihr derweil hinterher und zuckte leicht zusammen als Gretchen die Wohnungstür hinter sich zuwarf. Das war der Moment an dem auch Marc die Tränen vollkommen unkontrolliert und unvorbereitet in die Augen stiegen, was ihn beinah selbst erschreckte. Marc kannte von sich selbst alles, Gefühlsausbrüche gehörten allerdings nicht im Entferntesten dazu. Er liebte sie so sehr, aber er konnte nicht zulassen, dass sein Vater ihm alles nahm. Niemand und schon gar nicht sein Vater würde je wieder die Kontrolle über sein Leben übernehmen. Außerdem wusste er, dass Olivier jegliche Drohung wahrmachen würde und Gretchen durfte nicht in Gefahr geraten. Niemals. Da war es schon besser ihr jetzt ein wenig Herzschmerz zu bescheren. An sich selbst dachte Marc dabei keine einzige Sekunde.




Kommentare zur 3.Story von Dr. Ryina (8)

Dr.Ryina Offline

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Beiträge: 279

24.05.2011 20:16
#25 RE: 3.Story von Dr.Ryina Zitat · antworten

Kapitel 25

Nach weiteren Tagen zuhause kehrte Marc planmäßig zur Arbeit zurück, wobei Gretchen direkt aufstand als sie ihn sah und den Raum verließ. Auch Schwester Sabine schenkte ihm nur einen bösen Blick und knallte ihm die Akten hin. Marc nickte leicht und nahm sich dann seinen Kaffee mit dem er schweigend im Büro verschwand. Erst zur Visite ließ er sich wieder auf der Station sehen. Schließlich hatte er sich zuvor in genug Patientenakten einlesen müssen und zusätzlich hatte er heute auch direkt eine große Operation. Zwar hatte er keine unheimlich großen Schmerzen mehr, aber wohl fühlte er sich nach wie vor auch nicht. Marc brachte die Visite routiniert hinter sich, wobei Gretchen ihm noch immer großzügig aus dem Weg ging.


Marc zuckte zusammen als ihn plötzlich eine Hand am Arm packte und dabei genau auf seine Nähte fasste. Gretchen hatte dies mitbekommen und musterte Marc sofort, wobei sie sich selber sofort für die Sorgen in ihrer Magengegend hasste. Sie ging schon einmal zum OP herüber um sich steril zu waschen, wobei sie gespannt war wie Marc alles verkraften würde. Er musste so oder so seinen Arm bei der OP entblößen und auch desinfizieren. Marc betrat wenige Sekunden später den Waschraum und sah Gretchen kurz an.
„Es verheilt gut.“, sagte er und deutete dabei auf seinen Arm, während Gretchen ebenfalls einen kurzen Blick darauf warf.
„Sei froh, dass du morgen die Fäden ziehen kannst. Irgendwer wird dich so oder so bei meinem Vater verpetzen. Ich hoffe für dich, dass du in der Lage bis das Skalpell ruhig zu halten, denn ich werde dir keinen, aber auch absolut gar keinen Gefallen tun.“, stellte Gretchen klar, bevor sie die Tür auftrat und in den OP herein ging. Marc atmete tief durch und folgte dann ebenfalls. Schwester Sabine hielt bereits seine Handschuhe bereit, während sie ihm sofort ins Gesicht blickte als sie die Wunde an seinem Arm sah.
„Dürfen Sie denn operieren Doktor Meier?“
„Hat Sie irgendwer nach Ihrer unqualifizierten Meinung gefragt?“, schnauzte Marc zurück und ging dann zum OP Tisch herüber.
„Skalpell.“, bat er und begann dann die Operation. Gretchen hatte nichts anderes von Marc erwartet, als dass er die Operation glänzend hinter sich brachte, was natürlich der Fall war.
Sie hatte nicht einmal auch nur ein leichtes Zittern im Operationsbesteck feststellen können und das obwohl sie mehr als penibel darauf geachtet hatte.


Marc war derweil froh als sie den Patienten endlich wieder zumachen konnten. Nicht nur weil sein Arm verkrampft war, sondern auch weil er die unheimliche Stille die von Hasenzahn ausging, kaum aushalten konnte.
„Aufwachstation und dann auf die normale, nach der OP braucht er keine Intensiv.“, sagte Marc und verließ dann dicht gefolgt von Gretchen den OP Saal, wobei er erst einmal seinen Arm ausschüttelte und versuchte seine Schultern zu lockern. Unter normalen Umständen hätte Gretchen jetzt seine Schultern massiert, hätte etwas getan, damit er sich besser fühlte. So befreite sie sich nur stumm von der Kleidung und wusch sich dann ihre Arme.
„Wie war es in den letzten Tagen auf Station?“, fragte Marc um die Stille zu durchbrechen und Gretchens Stimme vielleicht etwas zu hören.
„Du hast doch die Krankenakten.“, blaffte Gretchen zurück und verließ dann den Raum, während Marc sich am Waschbecken abstützte und sich kurz selbst im Spiegel betrachtete. Womit hatte er dieses grauenvolle Leben überhaupt verdient?


Als Marc am Abend das Krankenhaus verließ sah er sich gleich mehrere Male um bevor er ins Auto stieg. Seit dem Angriff in seiner Wohnung hatte er weder etwas von seinem Vater gehört, noch gesehen. Das Ganze war besorgniserregend.
Marc sah sich noch einmal um, wobei er sehen konnte wie Gretchen das Gebäude ebenfalls verließ und zu ihrem Fahrrad herüber ging. Wie gerne wäre er nun mit ihr in sein Auto gestiegen und nach Hause gefahren, doch er musste sie schützen. Marc zwang sich die Gedanken beiseite zu schieben und stieg dann in sein Auto ein um in seine einsame und ruhige Wohnung zu fahren. Marc konnte nicht ahnen, dass die Polizei am heutigen Abend Gretchen aufsuchte um mit ihr ebenfalls zu sprechen, so dass er erschrak als es Stunden später an der Tür schellte.

Marc war auf dem Sofa eingeschlafen und sofort hellwach. Er nahm den Baseballschläger, den er momentan immer in seiner unmittelbaren Nähe hatte.
„Wer ist da?“, rief Marc.
„Ich bin’s Gretchen.“, erklang Gretchens Stimme, während Marc direkt die Tür öffnete. Gretchens Blick fiel sofort auf den Baseballschläger in Marcs Hand, wobei sie sich fragte, wie viel Angst und Unruhe er Tag für Tag und Nacht für Nacht durchstehen musste. „Hasenzahn.“, sagte Marc sichtlich überrascht und verwirrt.
„Kann ich reinkommen?“
„Ja klar, aber natürlich.“ Gretchen schob sich an Marc vorbei, während dieser die Tür hinter sich schloss und dann den Baseballschläger zur Seite stellte.
„Die Polizei war gerade bei mir.“
„Die Polizei?“
„Ja, die Polizei, wegen deinem Vater. Mir ist einiges klar geworden.“
„Was meinst du?“
„Du hast der Polizei erzählt, dass er es vermutlich auch auf mich abgesehen haben könnte.“, sagte Gretchen, während Marc seinen Blick senkte.
„Ist das der Grund warum du mich weggestoßen hast Marc? Weil du glaubst mich so beschützen zu können.“
„Gretchen es geht nicht anders! Er wird auf nichts Rücksicht nehmen und vor nichts halt machen.“
„Gott Marc, dass ist die schönste Liebeserklärung die du mir je machen konntest.“


„Sag mal, geht’s noch? Was hat das bitte mit einer verdammten Liebeserklärung zu tun? Das alles hier ist kein scheiß Märchen Gretchen, du musst aufhören….“
„Stopp! Marc, du hast mich verlassen um mich vor deinem Vater zu schützen.“
„Ja und glaub mir, es ist besser so.“ Gretchen machte einen Schritt auf Marc zu, wobei sie sich der Gefahr bewusst war, dass Marc einfach zurückweichen würde, was allerdings nicht passierte, so dass Gretchen einen weiteren Schritt vortrat und Marc dann einen Kuss gab. „Hör auf damit!“, sagte Marc und trat einen Schritt zurück.
„Ich werde nicht aufhören Marc, weil ich dich liebe. Es ist mir egal was dein Vater vorhat, denn zusammen werden wir das schon hinkriegen. Wir passen einfach gegenseitig auf uns auf.“
„Du bringst dich wirklich in große Gefahr und ich weiß nicht, wie ich das zulassen kann.“ „Marc ich bin erwachsen, ich treffe meine eigenen Entscheidungen.“ Marc fuhr sich mit seinen Händen durchs Gesicht und sah Gretchen dann an.
„Wenn er dir etwas antut, dann….“
„Es ist okay, wir brauchen jetzt nicht über so etwas nachdenken. Ich werde gut auf dich aufpassen und ich weiß, dass du das gleiche bei mir tun wirst.“, sagte Gretchen und schmiegte sich dann wieder an Marc, wobei beide in einen zärtlichen und intensiven Kuss verfielen.
„Ich habe dich vermisst.“, flüsterte Gretchen, während Marc sie anlächelte und kurz nickte, was Gretchen als Zustimmung auffasste. Sie strich Marc durch sein Haar und begann dann langsam die Knöpfe seines Hemdes zu öffnen, während Marc mit seinen Händen unter Gretchens T-Shirt wanderte. In dieser Nacht gelang es Gretchen Marc wenigstens für ein paar Stunden von all seinen trüben Gedanken und den Sorgen zu befreien und auch als beide am nächsten Morgen erwachten war keine Panik oder Unwohlsein in Marcs Gesicht zu erkennen, so wie Gretchen es beim gemeinsamen Aufwachen eigentlich von ihm erwartet hatte. Auch Marc hatte dieses Gefühl erwartet, doch stattdessen musste er unwillkürlich grinsen und beugte sich zu Gretchen herüber um ihr einen Kuss zu geben.



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