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Lorelei Offline

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Beiträge: 7.338

15.03.2011 23:07
#951 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo ihr Lieben , heute habe ich leider keinen neuen Teil für euch. Dafür erwartet euch aber auf meiner Kommiseite eine kleine Überraschung. Auf Anfrage eurer Forumskollegin Anni habe ich mich todesmutig an eine Zusammenfassung meiner FF gemacht. Damit auch den Frischlingen hier im Forum, die sich nicht an mein Mammutwerk herantrauen und die die mittlerweile 38 Seiten bisher abschreckt haben, ein leichter Einstieg in die aktuelle Handlung ermöglicht wird. Ich hoffe, ihr freut euch drüber. Hat mir nämlich sehr viel Mühe gekostet, das alles aufzuarbeiten. *Schweiß von der Stirn wisch*

Wenn ich es schaffe, geht es morgen, wie gewohnt weiter.

Liebe Grüße u.

eure Lorelei

PS: Hier der Link zu meiner Kommiseite:

Kommentare zur Story von Lorelei (161)

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.338

16.03.2011 17:22
#952 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

So ihr Lieben , ich hoffe der 'kleine' Exkurs gestern hat euch gefallen? Aber jetzt geht es weiter im Text. Auch wenn ihr es mir nicht glaubt, es weihnachtet sehr. Naja noch nicht ganz. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Man muss schließlich erst einmal ein bisschen Atmosphäre schaffen. Heute möchte ich euch daher ein unwiderstehliches Duo vorstellen. Viel Spaß mit den beiden! Ich hatte ihn auf jeden Fall. Upps! Das klang jetzt sehr doppeldeutig. Äh... Ihr werdet schon sehen. Liebe Grüße, eure Lorelei




Eine Woche später - Heiligabend

Dr. Marc ‚Olivier’ Meier hatte ein Problem, ein Problem, das auch der beste und talentierteste und jüngste Chirurgengott der Nation nicht allein hätte lösen können, und das war nicht die Tatsache, dass er heute Abend zum offiziellen Weihnachtsessen bei der „schrecklich netten Familie“ seines Chefs und Schwiegervaters in spe geladen war und dementsprechend Manieren zeigen und Charme versprühen musste. Nun ja, das Problem hatte an sich schon auch gewissermaßen damit zu tun, eigentlich war es sogar ein Hauptbestandteil des ganzen furchtbaren Weihnachtsallerlei, denn als ungewollt adoptiertes Mitglied im Kreise der Familie Haase waren auch ihm diverse Pflichten auferlegt worden, auf die er soviel Bock hatte wie auf eine Wurzelbehandlung und die er in den letzten Tagen bewusst immer und immer weiter vor sich her geschoben hatte, bis es fast zu spät dafür gewesen war. Einen Haaschen Tobsuchtsanfall am morgendlichen Frühstückstisch und einen Anruf seines nicht minder aufgebrachten Vorgesetzten später steckte der begabte Oberarzt jetzt mitten drin im weihnachtlichen Schlamassel, aus dem es kein Entkommen gab, zumindest jetzt zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Ja, Dr. Meier hatte ein Problem, ein ziemlich gewaltiges, zwei Meter großes Problem, das schwer auf seinen Schultern lastete, aber er war ja nicht allein...

MM (flucht laut vor sich hin): Alter, jetzt hilf mir mal gefälligst! Ich krieg das elende Ding nicht allein rein.
MK (zögert): Marc, ich hatte eigentlich nicht vor noch...
MM (seine Stimme geht panisch eine Oktave höher, als er seinem Kumpel dazwischenfährt): Was? Eh ich heb mir nen Bruch, wenn ich das allein machen muss. Jetzt komm schon, verdammt! Zu irgendwas muss dein neues Fitnesstraining ja nütze sein.
MK (hebt drohend seine rechte Hand u. funkelt ihn böse an): Wenn du noch einmal einen blöden Spruch wegen Gabi bringst, dann... dann...
... verließ ihm die Schlagfertigkeit, die er eh noch nie besessen hatte.
MM (muss dann doch ungewollt grinsen): Was dann? Plünderst du meinen Kühlschrank? Hetzt mir Haasenzahn auf den Hals, weil der arme kleine Mehdi geärgert wurde? ... Ach nee, geht ja gar nicht, du versteckst dich ja vor ihr! Also gut für mich.
MK: Ich verstecke mich nicht vor ihr!
MM (zieht sein linkes Augenlid nach unten u. sieht ihn amüsiert an): Nicht? Haasenzahn wollte schon ne Suchanzeige bei den Bullen für dich stellen, weil sie dich seit über einer Woche nicht mehr gesehen hat.
MK (schaut ihn erstaunt an): Echt?
Boah, so ein Idiot! Zieht den Schwanz ein, nur weil er glaubt, Haasenzahn hätte nun angeblich ein ganz anderes Bild von ihm. Dabei ist das das gleiche verweichlichte Bild wie immer. Das zeigt mir sein Auftritt gerade wieder.
MM: Kaan, natürlich nicht! Mann, wieso glaubst du mir nicht, dass Gretchen nicht sauer auf dich ist? War sie nie! Du kennst sie doch. Ein Herz für alles und jeden und besonders für verknallte Minderheiten! Sie kriegt sogar immer so einen beschissen rührseligen Blick, wenn sie an dein Liebes....dingsda mit deiner äh... Stationsschwester denkt. Also hör endlich auf, ihr krampfhaft aus dem Weg zu gehen! Das ist ja nicht auszuhalten.
Weichei!
MK (schaut ihn ganz wehleidig an): Ich hab sie enttäuscht. Ich weiß nicht, wie ich das je wieder gut machen soll?
MM (rollt mit den Augen): Indem du mir jetzt mit dem beschissenen Teil hier hilfst. Außerdem kann ich aus eigener Erfahrung sagen, und ich hab schon viel größere Dinger gerissen als du, dass sie nie lange nachtragend ist.
Und bei dir Memme sowieso nicht! Wenn sie könnte, würde sie dich eh sofort adoptieren und in ihre Kuschelteddysammlung stecken. Unverständlicherweise!
MK (blickt ihn hoffnungsvoll an): Wirklich?
Hat sie mir wirklich verziehen?
MM (stöhnt genervt u. richtet ein Stoßgebet gen Himmel): Boah! Nicht rumheulen, du Waschlappen! Aussteigen aber subito!

Marc grinste seinen Kumpel durch das Beifahrerfenster unverschämt an. Mehdi sah ihn kurz verunsichert an, runzelte die Stirn, dann öffnete er seufzend die Tür seines Wagens und stieg aus. Er zog seine Handschuhe über und blickte nun beunruhigt auf die schwere Last auf seinem Dachgepäckträger...

MK: Konnte es nicht auch ne Nummer kleiner sein?
Pah! Natürlich kommt es auf die Größe an!
MM (schaut ihn angesäuert an): Eh! Erst nicht mitkommen wollen und dann Kritik üben!
Arsch!
MK (verschränkt seine Arme u. funkelt Marc böse an): Du hast mich quasi dazu genötigt. Ich hab eigentlich Bereitschaft.
MM (zuckt unbeeindruckt mit den Schultern): Pah! Die du nur mit Dumm-rum-sitzen im Büro verbracht hättest oder mit.... Naja, Gabi vögeln, kannste ja auch noch während der Nachtschicht ne.

Marc grinste seinen Kumpel schweinisch an und löste dann die Halteseile am Gepäckträger. Mehdi warf seinem unverschämten Freund ein paar Giftpfeile hinterher, dann half er ihm schließlich, als dieser die Knoten nicht aufbekam und ungeschickt daran herum zog....

MK: Auch wenn du es mir nicht glaubst, wir werden auch besinnlich feiern. Zwar nur im Krankenhaus, aber der Ort ist ja eigentlich auch egal. Hauptsache man verbringt den Heiligabend zusammen mit den Menschen, die man liebt.
Amen!
MM (kann sich sein dreckiges Grinsen immer noch nicht verkneifen): Kann mir schon vorstellen, wie das aussehen wird. In etwa so, wie ich euch vorhin im Büro erwischt habe.
MK (wird etwas rot im Gesicht u. räuspert sich verlegen): Also so langsam müsstest du das mit dem Anklopfen mal gelernt haben.
MM (kontert lachend): Und so langsam müsstest du das mit dem Abschließen mal gelernt haben. Ein Wunder, dass ihr noch nicht aufgeflogen seid.
Recht hat er! Wir müssen uns endlich mal zusammenreißen. Wenn es nur nicht so schwer wäre. Hach... meine süße Maus!
MK (lenkt schnell ab, indem er den letzten Knoten löst und die Seile vom Wagendach zieht): Ja, ähm.... Soll... soll ich hinten oder vorne halten?
MM (kann sich kaum noch zusammenreißen, weil diese Steilvorlage einfach zu herrlich ist): Fragst du das Gabi auch immer vorher?
MK (entrüstet): Eh! Ich kann auch wieder fahren, Marc!
Uuuhhh!!! Jetzt bekomme ich aber Angst. Hahaha! Oh war der gut!
MM (amüsiert sich königlich): Wäre in diesem Fall vielleicht etwas ungünstig, wenn du an der nächsten Kreuzung keine Massenkarambolage verursachen willst. Es sei denn, du willst für die Klinik Patienten akquirieren? Als momentaner leitender Direktor kann ich das natürlich nur befürworten. Ich glaube, wir hatten noch niemanden, der von einer fliegenden Tanne erschlagen wurde.

Marc hielt sich den Bauch vor lauter Lachen und krümmte sich immer wieder, weil ihm sein Zwerchfell so wehtat. Mit allerletzter Kraft hielt er sich mit einer Hand an Mehdis Auto fest. Sein sichtlich angesäuerter Freund konnte wegen dem Meierschen Blödsinn nur mit dem Kopf schüttelten und entschied sich für eine Flucht nach vorn und für die Baumspitze, die er nun mit beiden Händen umschloss....

MK: Sag mal, war heute Morgen irgendwas in deinem Frühstück, weil du heute so übertrieben witzig bist?
MM (hört auf zu lachen u. sieht ihn plötzlich ernst an): Dieser Tag ist eh nur mit ganz viel gutem Humor zu ertragen.
MK: Naja, gut würde ich jetzt nicht unbedingt behaupten.
Boah! Du Arsch!
MM: Eh!

Die beleidigte Leberwurst streckte drohend seinen Arm nach ihm aus, was diesmal Mehdi zum Lachen brachte, bevor sie sich dann doch dagegen entschied und auch Hand an die riesige Nordmanntanne legte. Der Halbperser, der von Marcs Abneigung, was besinnliche Familienfeste und Feiertage betraf, wusste, versuchte ihm Mut zu machen....

MK: Komm, die paar Stunden bei den Haases wirst du schon überleben. Es gibt Schlimmeres.
MM: Yep! Eine Lesung meiner Mutter.
MK (lacht): Eben! Und für deine Belohnung wegen der ganzen Strapazen hast du ja schon selber gesorgt.
MM (schaut ihn wehleidig an): Na hoffen wir mal, dass wir rechtzeitig wieder aus der Hölle entkommen können.
MK: Ich zünd ne Kerze für euch an.
MM (sprachlos angesichts Mehdis nicht vorhandener Schlagfertigkeit): Eh! Das ist nicht witzig ja.
MK (schmunzelt): Doch! Ich finde schon. Aber was tut man(n) nicht alles für die Karriere und den heimischen Haussegen, hmm?
MM (beleidigt): Du Arsch! Wir können gerne tauschen.
MK (grinst u. stachelt ihn auf): Gerne! Ich habe aber noch zwei überfällige Schwangere auf meiner Station liegen. Wenn du die dann bitte auch übernehmen würdest.
MM (verzieht sein Gesicht): Gott bewahre nein! Dann ziehe ich lieber das hier bis zum bitteren Ende durch. Hab ja immer noch ne gute Ausrede, hier schnell wieder zu verduften.

Marc zwinkerte seinem Kumpel zu. Mehdi, der von seinen Plänen wusste, verstand sofort und lächelte ihn an...

MK: Und Gretchen hat echt keinen Schimmer, was du mit ihr vorhast?
MM (seine Augen beginnen unweigerlich zu leuchten u. irgendwie ist er auch stolz auf seine Idee): Nö! Miss Marple ist diesmal nicht auf irgendwelche Indizien gestoßen.
MK (freut sich aufrichtig für ihn): Schön! Sie wird begeistert sein.
MM (hat immer noch ein paar Zweifel): Na hoffentlich. Hat genug Schotter gekostet.
MK: Ich hätte ja nie gedacht, dass du so eine romantische Ader hast.
Ok, es reicht! Ich hätte es wissen müssen. Frag den Frauenflüsterer nie wieder um Rat. Er wird es immer gegen dich auslegen. Scheißkerl! Der ist doch eh nur neidisch, weil er seiner Tusse nur nen ollen Schuhkarton bieten kann.
MM (ihm ist die Sache dann doch etwas unangenehm u. er wehrt sich gegen diesen unzumutbaren unmännlichen Verdacht): Halt die Klappe und hilf mir endlich!

Mehdi lachte nur, was Marc nur noch mehr auf die Palme brachte. Der Chirurg warf seinem besten Freund einen letzten bösen Blick zu, dann machte er eine kurze Kopfbewegung und deutete auf den Baum. Der Gynäkologe nickte ihm zu. Und mit einem Ruck hatten die beiden das Ungetüm von Mehdis Wagen heruntergehievt. Marc, der die Schwere der Nordmanntanne unterschätzt hatte, lehnte diese gegen die Fahrertür und verschnaufte einen Moment. Mehdi protestierte aber dagegen und hielt den Baum mit Sicherheitsabstand an der Spitze fest....

MK: Vorsicht! Nicht dass er Kratzer abbekommt.
MM (kleinlaut): Fällt bei den hundert anderen Schrammen an deiner Schrottkarre eh niemand auf.
MK (murrend): Eh! Wir hätten ja auch deinen Wagen nehmen können.
MM (lehnt sich lässig gegen Mehdis Wagen u. grinst frech vor sich hin): Is frisch lackiert und außerdem hätte das eh nicht ganz gepasst.
MK (ruckelt am Baum): Es hätte ja auch nicht unbedingt die größte Tanne des Grunewalds sein müssen! Aber Monsieur muss sich ja mal wieder beim Schwiegervater einschleimen.
MM (wehrt sich gegen die Vorwürfe): Eh! Ich muss gar nichts ja. Die ham halt ein großes Wohnzimmer.
MK (glaubt ihm kein Wort): Klar!?
MM: Jaaa! Außerdem hat der Professor gemeint, unter zwei Meter kommt ihm nicht ins Haus.
Muss wohl irgend so ein bescheuertes Prestigeding sein. Wer hat den Größten und so! Bescheuert! Was ist das eigentlich für ein beklopptes Ritual, sich Grünzeug ins Haus zu stellen? Reicht das nicht, dass die Dinger einem schon in der Natur immer im Weg stehen?
MK (mustert die große Tanne skeptisch): Aha!
Wir hatten ja früher immer einen Plastikbaum. Der war auch schön. Uns hat er gereicht. Lilly hat ihn geliebt. Wie ihre Augen immer gestrahlt haben. Ob die beiden dieses Jahr auch feiern? Wenn ich nur wüsste, wo sie sind! Ich würde alles dafür geben.

Mehdi wurde richtig wehmütig, als er an seine verschollene Familie dachte. Es war das erste Weihnachtsfest, das er ohne seine geliebte Tochter verbringen würde. Ein trauriges Fest! Deshalb war er unendlich froh über jegliche Ablenkung, ob es nun die Doppelschichten im Krankenhaus oder die Stunden mit seiner Freundin oder eben ein kleiner Ausflug mit seinem besten Kumpel in den Wald waren. Er war dankbar dafür. Marc, der beunruhigt über die plötzliche Gemütsveränderung seines Freundes war - Oh je! Family Blues! -, raffte sich schließlich auf und animierte ihn zum Weitermachen....

MM: Also packen wir’s an!

Mehdi, der unvermittelt aus seinen traurigen Gedanken gerissen wurde, nickte ihm zu. Gleichzeitig hoben sie den schweren Baum an und trugen ihn unter enormer Kraftanstrengung zum Eingang der Haaschen Villa, wo sie ihn schnaufend absetzten. Marc klingelte Sturm. Aber niemand öffnete die Tür....

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.338

17.03.2011 17:45
#953 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Verwundert sah Mehdi seinen besten Freund an, der ebenso ratlos kuckte...

MK: Ist sie nicht da?
MM (versucht irgendetwas durch das Glasfenster in der Tür zu erkennen): Eigentlich müsste sie schon! Haasenzahn ist schon heute Morgen um 8 Uhr aus dem Haus gestürmt in weihnachtlicher Mission.
MK: Ach?
MM (zuckt mit den Schultern, als er nichts erkennt u. sieht Mehdi nun an): Yep! Sie hat gemeint, sie bräuchte den ganzen Tag zum Kochen, falls was schief läuft, was ja wohl zu erwarten ist.
MK (erstaunt): Gretchen kocht?
MM (rollt mit den Augen): Noch so ein Grund, warum ich hier schleunigst wieder weg will. Hoffentlich gibt’s nen McDonalds auf der Strecke.
MK (schmunzelt): Unterschätzt du sie da nicht ein wenig?

Marc wollte gerade zu einer Erklärung über die bescheidenen Kochkünste seiner Freundin ansetzen, als man im Haus plötzlich Geschirr klirren hörte...

MM (sieht Mehdi amüsiert an): Ich denke nicht!

Die beiden Freunde brachen in schallendes Gelächter aus, weil sie sich in etwa vorstellen konnten, wie es wohl gerade in der Haaschen Küche aussah und wie Gretchen, chaotisch und tollpatschig wie sie nun mal war, ein riesiges Tohuwabohu veranstaltete. Nachdem sich sein Zwerchfell ein wenig beruhigt hatte, drückte Marc erneut auf die Klingel. Diesmal hörte man gleich eine gehetzt wirkende weibliche Stimme von drinnen, die nur noch annähernd Ähnlichkeit mit dem engelsgleichen Stimmchen hatte, welches die beiden Männer sonst immer betörte...

G: JAAAA... DOCH! ... GLEICH! ... JOCHEN, du hättest aber auch mal an die Tür gehen können.

Eine genervte männliche Stimme schlug sofort zurück...

J: Eh, du hast mich gerade erst zum Badputzen gezwungen, SCHWESTERHERZ. Mein Arm steckt bis zur Achsel in der Toilette. Sorry, dass ich gerade beschäftigt bin.
G: Ich hätte auch alles so belassen können. Dann würden Mama und Papa sofort sehen, dass du die letzten Tage nur Party gemacht hast.
J: Du bist doch nur beleidigt, weil du nicht eingeladen warst.
G (sarkastisch): Sicher! Getreu dem Motto „90-60-Saufen“ was? Da hab ich echt DIE Party des Jahrhunderts verpasst.
J (kleinlaut): Hast du!
G: Pff! Und bring dann endlich auch die leeren Bierflaschen hier weg! Es riecht überall im Haus noch nach Alkohol. Da kommt kein Räucherkerzchen dagegen an. Mama merkt das sofort, wenn sie ihren ersten Fuß hierein setzt. Du weißt doch, wie pingelig die ist.
J (gereizt): JAAA!? SONST NOCH WAS?
G (platzt bald der Kragen): JOCHEN! Ich komm gleich hoch und mach dir Beine!
J: Uhhh! Da bekomm ich aber Angst.
G: Boah! Na warte! SO NICHT, mein Freundchen! Ich bin immer noch die Ältere von uns beiden.

Marc ließ genervt seinen Kopf hängen und auch Mehdi schaute ziemlich betröppelt drein angesichts der geschwisterlichen Herzlichkeit, die ihnen gerade entgegenschlug. Außerdem quetschte ihm die Mördertanne lebensnotwendige Organe ein, weil er zwischen ihr und dem Treppengeländer eingeklemmt war. Aber Marc, der gar nicht merkte, dass er den Baum immer mehr in Mehdis Richtung drückte, hatte schnell genug von dem Haaschen Schmierentheater und brüllte in altbekannter Oberarztmanier durch die Haustür...

MM: HAASENZAHN, verdammt, wenn du heute Nacht noch Spaß mit mir haben willst, dann beweg endlich deinen süßen Hintern hierher! ABER ZZ!!!

Zwei Sekunden nach dem Notruf sprang auch schon die Haustür auf und die bezaubernde blonde Küchenfee erschien, mit einer weißen Chefkochschürze gekleidet, die schon diverse undefinierbare Flecken aufzuweisen hatte, an der Tür und schaute ihren sauer dreinblickenden Traummann ganz verlegen an....

GH: Hallo.... Schatz!
MM (giftet sie gereizt an): Wurde auch mal Zeit. Eh, ich frier mir hier den Arsch ab und ihr ratscht die ganze Zeit.
GH (senkt schuldbewusst den Kopf): Tut mir leid. Ich... ich hatte da ein kleines Problem... in der Küche.
MM (kann sich ein leichtes Grinsen doch nicht verkneifen, als sie sich verlegen über die dreckige Schürze streift): Schon klar!?
Doch McDonalds!
GH (hat seinen ironischen Unterton durchaus mitbekommen): Ein kleines, Marc!
MM (kuckt unschuldig in die Luft): Ich hab nichts gesagt.
GH (funkelt ihn beleidigt an): Aber gedacht!
MM (rollt genervt mit den Augen, weil sich die kusslose Begrüßung in eine Endlosdiskussion verwandelt u. er immer noch in der Kälte steht): Jetzt lass uns endlich rein, verdammt!
GH (schaut ihn ungläubig an u. zieht eine Augenbraue hoch): Euch? Zählst du dich und den Baum schon als zwei?

Gretchen kam nicht umhin, zu schmunzeln, während über dem charmanten Oberarzt allmählich eine kleine Rauchsäule aufstieg. Mehdi, den man anscheinend völlig übersehen hatte, was auch kein Wunder war, schließlich stand er hinter der Tanne, bog die Baumspitze, die vor seinem Gesicht hing, etwas zur Seite und gab sich zu erkennen....

MK: Er meint mich.
GH (perplex): Oh! Mehdi? Wie schön! Ich hab dich gar nicht gesehen.

Gretchen errötete leicht und auch Mehdi fühlte sich seltsam unwohl in dem Moment, was auch ein wenig damit zusammenhing, dass sich die beiden seit seinem aufschlussreichen Geständnis letzte Woche nicht noch einmal gesprochen hatten und er nicht wusste, wo sie nun standen. Verlegen lächelten sie sich an und beide wussten nicht so recht, was sie jetzt sagen sollten. Außerdem war es eine ziemlich bizarre Situation, in der sie sich gerade befanden, da die große Nordmanntanne ihnen im Weg stand und Gretchen quasi von einem Baum die Hand gereicht bekam. Beide konnten sich schließlich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als sie sich die Hände schüttelten. Das Eis war gebrochen.

Marc, der das absurde Schauspiel Augen rollend beobachtet hatte, platzte allmählich vor lauter Ungeduld der Kragen. Er wollte endlich den bescheuerten Baum loswerden....

MM: Könnt ihr euren Smalltalk nicht auf später verschieben? Das Teil hier ist verdammt schwer.
GH (löst sich von Mehdi u. schaut Marc beschämt an): Oh! Natürlich! Aber ihr kommt hier nicht rein.
MM (klappt fassungslos die Kinnlade runter): Äh... WAS? Eh ich hab Stunden in diesem verfickten Wald verbracht, um euch euren blöden Baum der Glücksseligkeit zu besorgen und jetzt willst du ihn nicht? Hast du sie noch alle?
MK (weist ihn in seine Schranken): Marc!
MM (hat die Schnauze voll): Ja, ist doch wahr!
GH (beäugt misstrauisch die riesige Tanne): Ich hab vorhin erst gewischt und wenn der nadelt, dann.... Marc, nadelt der?
MM (sprachlos): Bitte? Eh seh ich aus wie ein beschissener Botaniker?
MK (klärt Gretchen beruhigend auf, auch wenn es ihn wahnsinnig macht, dass Marc mit dem Baum vor ihm hin u. her wackelt u. er immer wieder Äste ins Gesicht geschlagen bekommt): Es ist eine Nordmanntanne. Die halten sich lange und nadeln nicht so sehr.
GH (klatscht glücklich in die Hände u. strahlt Mehdi an): Perfekt!
Papa wird Augen machen. Oh, ich freue mich schon so sehr auf ihr Gesicht, wenn sie wiederkommen. Der Baum ist so toll und v.a. riesig! Hach... Weihnachten kann kommen. Juhu!
MM (sieht Mehdi ungläubig an): Bist du jetzt neuerdings nebenberuflich Baumschüler oder was?
MK (hält sich den Baum aus dem Gesicht u. funkelt seinen Freund an): Marc, wenn du dem Förster in der Plantage genauer zugehört hättest, wüsstest du das auch.
Klugscheißer!
MM (schlägt zurück): Und wenn du nicht so beschissen gesägt hättest, wären wir schon seit ner Stunde wieder hier.
GH (sieht überrascht zu Mehdi): Oh! Du warst auch im Wald? Das ist aber nett von dir. Danke!
MK (lächelt sie an): Mache ich doch gerne.
Dieser Schleimer!
MM (muffelig): Du musst jetzt nicht auf netten Samariter machen, Kaan. Vorhin hast du mich noch angepisst, weil ich dich mitgeschleift hab.
MK (lässt sich nicht provozieren u. sieht ihn ruhig an): Du hättest auch einfach nur nett fragen brauchen, Marc, dann wäre ich auch so mitgekommen.
Arsch! Der will doch nur, dass Haasenzahn ihn wieder als verweichlichten Frauenversteher vergöttert und nicht als Frauen flachlegenden Schmalspurcasanova sieht! Pah! Die Tour vermiese ich ihm. Außerdem soll sie keine anderen Männer neben mir vergöttern und den schon mal gar nicht. Das wäre ja die Höhe!
GH (sieht Marc eindringlich an): Du könntest wirklich etwas netter sein, Marc.
MM (fassungslos, weil sich die beiden anscheinend gegen ihn verschworen haben): Sag mal, geht’s noch? Ich reiß mir hier nen Arsch auf, um an Heiligabend noch an einen verfickten Weihnachtsbaum zu kommen und ihr....
GH (fällt ihm ins Wort): Ich hab dir schon letzte Woche gesagt, dass du das nicht auf den letzten Drücker erledigen sollst. Wenn Papa das wüsste!
Boah! Jetzt komm mir nicht so!
MM (setzt einen Fuß auf die Schwelle): Papperlapapp! Können wir jetzt rein? Oder willst du warten, bis Frühling wird und ihn im Garten einpflanzen. Als Nichtgärtner kann ich dir aber auch sagen, dass das nichts werden kann, weil er keine Wurzeln mehr hat.
GH (versperrt ihm den Weg): Danke für deinen „Grünen-Daumen“-Vortrag, Marc, aber nein, nicht durch den Flur! Nehmt bitte die Terrassentür!
MM: Boah!

Marc stöhnte nur genervt und verdrehte theatralisch die Augen. Mehdi lächelte Gretchen dagegen freundlich an und nickte zustimmend mit dem Kopf. Dann packten die beiden Männer den Baum, gingen vorsichtig die Treppe wieder hinunter und stapften durch den Schnee, der ihnen bis zu den Knöcheln reichte, zur Rückseite des Hauses, wo Gretchen schon an der Terrassentür auf die beiden wartete...

GH: Schuhe aus!
MM (regt sich sofort wieder auf): Was? Aber sonst geht’s dir noch gut oder was?
Ich hab so die Schnauze voll! Echt jetzt! Noch ein Wort mehr und du kannst den Familienscheiß heute Abend vergessen und den Rest auch. Ich lass mich doch nicht verarschen.
GH: Das Parkett, Marc! Ich lasse euch doch nicht, den Schneematsch ins Haus tragen. Mama würde euch umbringen.
MM: Boah!

Marc stöhnte wieder und tat schmollend wie ihm befohlen wurde. Mehdi hielt derweil draußen, so gut es eben ging, den Baum fest. Dann war er an der Reihe, drückte die Tanne grinsend gegen Marcs Brustkorb, der ihn deswegen am liebsten erwürgt hätte, und zog gemächlich seine Schuhe aus und betrat anschließend auf Socken das Haasche Wohnzimmer. Er schaute sich interessiert um. Es war schließlich das erste Mal, dass er bei Familie Haase zu Hause war...

MK: Schön habt ihr’s hier.
MM (drückt ihm den Baum wieder in die Hand u. flüstert kaum hörbar in sein Ohr): Schleimer!
GH (lächelt Mehdi an): Danke! Kommt rein! Ich zeig euch, wo das Monstrum hin soll.
MK (funkelt Marc schelmisch an, was mit einem giftigen Blick quittiert wird): Monstrum ist gut.

Die beiden Männer trugen den schweren Baum an die vorhergesehene Stelle, wobei sie fast den Kronleuchter von der Decke geholt hätten, aber ein rechtzeitiger kreischender Schrei der Hausherrin verhinderte gerade noch so das Schlimmste, und setzten ihn in den Ständer, den Gretchen, die mit Schaufel und Besen hinter den beiden hergelaufen war, schon bereitgestellt hatte. Marc und Mehdi machten die Tanne fachmännisch fest und gerieten dabei gehörig ins Schwitzen, während Gretchen ein paar verloren gegangene Nadeln zusammenkehrte. Schließlich standen die drei vor dem monströsen Weihnachtsbaum und bewunderten ihn - die eine mehr, der andere weniger. Der blonde Engel staunte wie ein kleines Mädchen kurz vor der Bescherung und bekam ganz glasige Augen bei dem schönen Anblick...

GH: Wow! Ist der schön! Den habt ihr gut ausgesucht.

Mehdi, von dem die Anspannung vor der ersten Begegnung mit Gretchen abgefallen war, lächelte seine wieder beste Freundin erfreut an...

MK: Danke!

Marc fühlte sich sofort wieder außen vor und mischte sich gereizt ein...

MM: Eh ich hab ihn ausgesucht!
MK (kann es nicht lassen, den Macho ein wenig zu ärgern): Ich hab ihn gesägt.
Dieser hinterhältige Sack! Klaut der mir einfach die Lorbeeren! Na warte!
MM (schaut ihn bedrohlich an, was Mehdi noch mehr amüsiert): Alter, fällst du mir jetzt in den Rücken?
Ach Marc, du bist so leicht zu durchschauen. Bist du die ewige Reviermarkiererei nicht langsam leid?

Hmm... Die Vorstellung, die beiden in sexy Holzfällermontur, gefällt mir ganz gut. Also ich glaube, Karo würde Marc sicherlich ganz gut stehen. Hmm... und wie er dann mit offenem Hemd die Axt im Walde schwingt. So richtig männlich und martialisch. Der Schweiß rinnt seinen gestählten Oberkörper hinab, er setzt die Axt ab, wischt sich über die Stirn, nimmt sich eine Wasserflasche und kippt den Inhalt über seinen Adoniskörper, dann schüttelt er sein nasses Haar und.... RRRR!!! Äh... stopp! Was denke ich denn hier schon wieder? Wir haben Weihnachten und stehen nicht in Kanada im Wald. Das ist jetzt echt der falsche Zeitpunkt für solche Phantasien. Und bevor sich die beiden Holzköppe hier die Birne einschlagen, greife ich mal lieber ein.

Gretchen, die einen erneuten Disput „ihrer“ beiden Männer unbedingt vermeiden wollte - schließlich war Weihnachten, das Fest der Liebe und der Harmonie -, schlichtete mit einem bezaubernden Lächeln auf dem Lippen und einem sexy Augenaufschlag, was beide gleichzeitig beruhigte...

GH: Ok, ihr habt ihn beide ausgesucht und ich bin echt stolz auf euch.

Sie grinste ihre beiden Paschas an, stellte sich in ihre Mitte und legte links und rechts ihren Arm um deren Taille und schaute zum noch ungeschmückten Weihnachtsbaum...

GH (verträumt): Weihnachten kann kommen.
MM: Und geht hoffentlich auch schnell wieder.
Blödmann! Aber ich lasse mir den schönen Tag nicht von meinem Muffelchen kaputt reden.
MK (dreht seinen Kopf in Marcs Richtung): Ach komm, tief in deinem Herzen freust du dich doch auch.
MM (leugnet vehement, um seinen Ruf nicht noch mehr zu versauen): Pah!
Mehdi hat so Recht! Werde später Beweisfotos schießen und sie ihm schicken. Hihi!
MK (flüstert Gretchen geheimnisvoll ins Ohr, woraufhin Marc nervös seinen Kopf reckt): Er hatte auf jeden Fall sehr viel Spaß im Wald gerade.
GH (schmunzelt): Das hab ich mir gedacht.
MM (funkelt die beiden beleidigt an): Ich hab das gehört.
Verräter!

Gretchen ließ Mehdi los und drehte sich nun ganz zu ihrem Weihnachtsmuffel um, der ihre eindringlichen Blicke gekonnt ignorierte und zu den Familienfotos auf dem Kaminsims starrte. Wieso stand da eigentlich auch eins von ihr und ihm, fragte er sich irritiert, während Gretchen ihn intensiv anschaute und vorsichtig am Arm packte...

GH: Schatz, jetzt sei doch nicht die ganze Zeit so muffelig.
MM (trotzig): Bin ich gar nicht.
MK (kleinlaut): Bist du wohl!
MM (faucht Mehdi an): Schnauze oder ich veröffentliche am Schwarzen Brett ein paar dunkele Geheimnisse von dir.
GH (streichelt ihm beruhigend über den Arm): Marc!
MM: Och du, das würde den Tratschvorrat für die nächsten Monate sicherlich füllen.

Marc funkelte Mehdi bitterböse an. Aber dieser schüttelte nur amüsiert den Kopf, wusste er doch, dass er seinem Freund vertrauen konnte und dieser das niemals in die Tat umsetzen würde. Gretchen schlichtete wieder, indem sie ihr Muffelchen einfach am Kopf packte und ihn stumm küsste. Der überrumpelte Chirurg war daraufhin wirklich für eine Sekunde völlig sprachlos...

GH: So wieder gut jetzt?
MM: Äh...
GH (grinst ihn verschmitzt an u. dreht sich dann zu Mehdi um): Gut! ... Und was gibt es sonst so neues?

Mehdi wollte gerade etwas erwidern, als ihm Marc, der inzwischen nach dem unglaublichen Kuss wieder in die Realität zurückgefunden hatte, unverschämterweise dazwischenfuhr...

MM: Äh... sagt mal, riecht ihr das auch?
GH (irritiert): Was denn?
MM (reckt sein Riechorgan in die Höhe): Riecht irgendwie komisch? Findet ihr nicht?
MK (macht es ihm nach): Jetzt wo du es sagst, ja... schon!

Gretchen fiel es plötzlich wie Schuppen von den Augen und sie sprang aufgeregt davon...

GH: Oh Gott! Der Braten! Ich wollte doch vorhin den Braten rausholen.

Lorelei Offline

Mitglied


Beiträge: 7.338

18.03.2011 17:36
#954 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Grützi und hallo miteinander! Ja, es war ja irgendwie abzusehen, dass Gretchen eventuell ein wenig überfordert mit der ganzen Weihnachtsorganisation sein würde, aber der Rettungstrupp ist ja jetzt da, der das Feuer löschen kann, falls es denn eins gibt und sie den Feuerlöscher rechtzeitig finden. Viel Spaß mit der neuen Merry-Christmas-Episode und danke für eure lieben Kommis (die Überraschung hat’s euch wohl angetan, hmm? ) Liebe Grüße, Lorelei



Im Nu war Gretchen in der Küche verschwunden. Die beiden stehen gelassenen Oberärzte schauten erst sich verwundert an, dann ihr hinterher. Marc konnte sein schadenfrohes Lachen kaum zurückhalten. Irgendwie hatte er es ja befürchtet. Das konnte doch nur so ausgehen. Er würde einen grausamen Hungertod erleiden. Zumal er nach den anstrengenden Stunden in der Natur nun ein leichtes Hungergefühl verspürte. Aber gut, dass er vorhin noch vorsorglich ausreichend Proviant besorgt hatte. Nicht dass sie am Ende noch verhungern müssten. Schließlich hatte er heute noch etwas vor mit seiner verhinderten Köchin.

Mehdi, der auch anfangs schmunzeln musste, folgte ihr aber, als er plötzlich ein lautes Fluchen aus der Küche vernahm, gefolgt von einem Schmerzensschrei...

GH: Mist verdammter! ... Aua!

Als der besorgte Frauenarzt die Küche erreicht hatte, hielt sich Gretchen gerade ihre rechte Hand unter den kalten Strahl des Wasserhahns in der Spüle...

MK: Alles in Ordnung? Hast du dir wehgetan?
GH (sieht ihn betröppelt an, dreht den Wasserhahn zu u. nimmt sich ein Handtuch zum Händeabtrocknen): Geht schon! Ich bin nur mit dem Topflappen abgerutscht, als ich den Bräter aus dem Ofen holen wollte.
MK (tritt an sie heran u. begutachtet ihre leicht gerötete Hand): Oh! Zeig mal her!
GH (lächelt verlegen, als sie sich über ihre Hand streicht): Ist nicht so schlimm. Tut schon gar nicht mehr weh.
MK (ist beruhigt u. blickt nun auf das Haasche Chaos in der Küche): Kann ich dir sonst irgendwie helfen?
GH (leise und mit zuckersüßem Bambiblick): Ja, bitte!

Bevor ich hier noch alles kaputt mache. Ich werd nie so gut wie Mama werden. Kein Wunder, dass Marc sich schadenfroh ins Fäustchen lacht. Blöder Idiot! Sorgt sich nicht mal, ob ich mir vielleicht wehgetan haben könnte. Tzz... Aber Mehdi schickt dagegen der Himmel. Danke!

Mehdi lächelte und strich seiner besten Freundin aufmunternd über den Arm, dann trat er an den Übeltäter heran. Der Backofen stand offen und der Rost, auf dem der Bräter stand, war schon halb herausgezogen. Er hob einen der Handschuhe auf, den Gretchen herunter fallen gelassen hatte, und zog diesen über. Sie reichte ihm noch den zweiten, aber hielt sich weiterhin im Hintergrund, aus Angst vor dem, was sie gleich erwarten würde. Der Rauch war zwar verzogen, nachdem sie ein Fenster geöffnet hatte, und es roch auch nicht mehr so sehr angebrannt, wie es im ersten Moment den Anschein gehabt hatte. Aber was war nun wirklich mit dem Weihnachtsessen? Sie hatte Stunden damit zugebracht, damit alles - von der Füllung bis zur Soße - perfekt sein würde. Und jetzt sollte alles umsonst gewesen sein? Ihr persönliches Meisterwerk der Kochkunst, auf das sie doch eigentlich ganz stolz gewesen war. Mehdi nahm das Ungetüm schließlich vom Rost und stellte es auf der Herdplatte ab. Gretchen getraute sich nicht, hinzusehen, als er vorsichtig den Deckel anhob, und kniff die Augen zusammen... Mama wird mich umbringen, wenn es heute nur Briketts gibt. ... Zögerlich hakte sie nach, als ihr treuer Freund nicht sofort etwas sagte.....

GH: Und?
MK: Naja!?

... äußerte der Halbperser, dessen Augen auf den Braten gerichtet waren, kurz und knapp, was die blonde Assistenzärztin nicht wirklich weiterbrachte. Gretchen hielt die Anspannung schließlich nicht mehr länger aus und näherte sich ihrem Küchendesaster. Im selben Moment trat auch Marc in die Küche. Amüsiert betrachtete er das Trauerspiel vom Türrahmen aus, an dem er lässig gelehnt stand...

MM: Und? Ist der Flattermann tot?
GH (dreht sich schwungvoll herum u. giftet den Zweifler an): Maaarc!

Marc lachte nur. Aber bevor Gretchen schlagfertig auf den spöttischen Kommentar ihres Liebsten kontern konnte, äußerte sich Mehdi wieder äußerst skeptisch, woraufhin sie sich wieder nervös an ihn wandte...

MK: Naja!?
GH: Mehdi, jetzt lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen!
MK (sieht sie nun mit ausdruckslosem Gesicht an): Tot ist er auf jeden Fall.
GH (hält sich bestürzt eine Hand vor den Mund): Oh Gott!
Das ist mein Ende. Mama wird mich enterben. Wo krieg ich denn jetzt auf die Schnelle noch einen bereits zubereiteten Weihnachtsbraten her? Ich kann ihr ja schlecht die Fischstäbchen servieren, die massenweise noch im Gefrierfach liegen, weil Papa und Jochen die so gerne mögen. Wie sähe das denn aus? Das sieht doch nicht aus! Ich will sofort und auf der Stelle sterben.
MM (schadenfroh): Soll ich bei McDoof vorbeifahren?
GH (schaut ihn leicht irritiert an): Haben die denn da auch Gänsebraten mit Klößen und Rotkohl?
MM (überfordert, weil seine Süße ihn beim Wort genommen hat, aber er doch nur einen Scherz gemacht hat): Äh... was weiß ich denn?
Scheiße! Sie ist echt fertig oder?
MK (besonnen): Marc, ich denke nicht, dass das nötig wird.
MM/GH (synchron): Nicht?

Gretchen, die schon fast den Tränen nah war, und Marc, dessen schelmisches Lachen verstummt war, sahen ihren Freund gespannt an. Mehdi stocherte mit einem Bratenspieß im Fleisch herum und begutachtete die gebratene Gans von allen Seiten, dann kostete er einmal...

MK: Mmmhhh!!! Also ich würde sagen... auf den Punkt durch! Fünf Minuten länger und sie wäre hinüber gewesen. Glückwunsch! Du kannst dich also bei Marc für seinen guten Riecher bedanken.
MM (sprachlos): Äh....

Mehdi zwinkerte Gretchen frech zu, der mittlerweile alle Gesichtszüge entglitten waren, so fertig war sie mit ihren Nerven...

GH (völlig erstaunt): Nein?
MK: Doch! Schau selbst! Schmeckt hervorragend, vielleicht noch ein bisschen mehr Salz, aber ansonsten lecker. Mein Kompliment an die wunderschöne Köchin!

Unsicher begutachtete Gretchen nun die Weihnachtsgans von allen Seiten, sah dann wieder in Mehdis strahlendes Gesicht und dann zu Marc, der inzwischen herangetreten war und ihr Meisterstück ebenfalls äußerst skeptisch betrachtete... Das soll essbar sein? Na, ich weiß nicht. ... Als die junge Frau endlich wieder einen klaren Gedanken fassen konnte, fiel sie Mehdi schließlich erleichtert um den Hals und gab ihm ein kleines Küsschen auf die Wange...

GH: Danke, danke, danke!
MK (streicht sich verlegen über die Wange, nachdem sie ihn wieder losgelassen hat): Äh... Gar nichts für! Ich hab doch gar nichts gemacht. Das ist alles dein Verdienst.
Hach... Hab mein Talent zum Kochen entdeckt! Darauf hat Mama dreißig Jahre lang gewartet.
GH (fährt sich erleichtert mit einer Hand über die Stirn): Ich hatte echt Schiss.
MM (beobachtet die beiden misstrauisch): Und ich erst! Dein Vater wäre sicherlich nicht sonderlich begeistert gewesen, wenn er als erstes von der Feuerwehr begrüßt worden wäre.
GH (blitzt ihn an): Marc, ich hab doch gesagt, ich kann das.
Äh... Theoretisch vielleicht! Aber praktisch? Hmm... Noch ist der Kaan nicht umgekippt. Ich warte mal ab. Vielleicht setzt die Wirkung auch erst etwas später ein. Hmm... oder es ist doch genießbar? ... Nee, eher unwahrscheinlich. Außerdem würde der Vielfraß alles essen, wenn er so richtig Kohldampf hat. Als er damals seine bescheuerte Null-Diät gemacht hat, hab ich ihm auch ein Toastbrot mit Schuhcreme beschmiert serviert und es als fettfreies neues Supermittel aus den USA präsentiert, aber der Trottel hat es nicht gemerkt und gierig hintergeschlungen. Hahaha! War das ein Spaß! Der konnte zwei Tage lang keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen und hat fünf Kilo Bauchspeck verloren. Am Ende war er mir sehr dankbar dafür. Hahaha!
MM (zeigt grinsend auf den Ofen): Äh... ja, das haben wir gerade gesehen... und gerochen.
GH (verteidigt sich und ihre hervorragenden Kochkünste): Ich hab alles ganz genau nach Mamas Rezept gemacht. Wenn ihr nicht geklingelt hättet, dann wäre der ganze Stress hier auch gar nicht erst passiert.
MM (zickig): Wir können auch wieder gehen, wenn du uns nicht hier haben willst.
GH: So war das doch gar nicht gemeint, Schatz.
MM (schmollt): Klang aber so.
Wieso spielt er denn jetzt wieder die beleidigte Leberwurst? Kann er nicht einmal ein lobendes Wort sagen? Hast du toll gemacht, Haasenzahn. Ich bin stolz auf dich. Riecht super und schmeckt auch so. Ist das denn zu viel verlangt?
MK (versucht zu schlichten u. schaut zwischen den beiden hin u. her): Na kommt, lasst das doch! Ist doch alles gerade noch so gut gegangen, hmm?
GH (kann schon wieder lächeln): Ja!
MK (erwidert ihr Lächeln u. setzt den Deckel wieder auf den Bräter): Brauchst du sonst noch irgendwie Hilfe?
GH (zögerlich): Naja...

Gretchen schaute sich in der Küche um, in der sich dreckige Teller, Schüsseln und Töpfe stapelten, die noch von ihren Vorbereitungen herrührten und die sie noch nicht geschafft hatte aufzuwaschen, weil sie, während die Gans garte, auch noch Jochen und seinen Partyresten hinterher räumen musste...

GH: ... äh... vielleicht. Ich muss hier noch Klarschiff machen, der Pudding zum Nachtisch ist auch noch nicht fertig und... äh... Findest du die Soße hier geht so?

Gretchen reichte ihm eine Terrine. Mehdi nahm sich einen Löffel und kostete davon...

MK: Mmmhhh! So weit ganz ok, vielleicht noch...

Marc schaute den beiden ungläubig dabei zu, wie sie fachsimpelten... Will der jetzt hier einziehen oder was? ... und fuhr dazwischen, schließlich war er es gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen und nicht so eine blöde Gans...

MM: Äh... Was wird das hier? N’Kochkurs oder wie?
GH (dreht sich zu ihm um): Du hättest ja auch mal fragen können, ob du auch helfen kannst.
MM (sieht sie verständnislos an): Bitte? Also ich hab meinen Job schon erledigt und der steht im Wohnzimmer.
Gott, dass man Männer - Mehdi ist da die große Ausnahme - auch immer erst dazu auffordern muss, damit sie mal im Haushalt mit anpacken. Da muss irgendeine Synapse im Gehirn nicht richtig sitzen. Sollte eventuell Maria mal dazu befragen. Ich lerne gerne dazu.
GH: Ja, schon klar, aber noch ungeschmückt!
MM (zuckt mit den Schultern): Na und?

Gretchen warf Mehdi einen eindeutigen Blick zu, der daraufhin sein Grinsen kaum noch zurückhalten konnte und sich lässig gegen die Spüle lehnte, um die Reaktion seines antiweihnachtlich gestimmten Kumpels zu studieren, und ging dann auf Marc zu, dessen Hände sie ergriff. Verunsichert blickte er darauf und dann in ihre wunderschönen tiefblauen Augen, die ihn sofort unweigerlich in ihren Bann zogen. Ihm schwante Böses. Aber der verliebte junge Mann konnte seinen Blick nicht von ihr abwenden. Gretchen hielt ihren Kopf leicht schräg, legte ihren überzeugendsten Schlafzimmerblick auf und zog einen süßen Schmollmund. Dabei tätschelte sie sanft Marcs Handrücken, was seine Hände zum Zittern brachte...

GH: Könntest du nicht....

Lorelei Offline

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19.03.2011 17:02
#955 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

So anschnallen, es geht weiter! Viel Spaß und einen wunderschönen Samstag wünsche ich euch. Liebe Grüße, Lorelei




Marc, der regelrecht an Gretchens funkelnden Augen klebte, verstand im ersten Moment nicht, was seine unglaublich anziehend wirkende Freundin gerade von ihm wollte, als sie sich wie ein Schmusekätzchen an ihn schmiegte und verführerisch mit ihren Wimpern klimperte, bis ihm plötzlich ein Licht aufging, er abrupt ihre Hände losließ, einen Schritt zurücktrat und sie nun ungläubig anstarrte....

MM: Bitte? Willst du mir damit sagen, ich soll... äh... Hast du sie noch alle? Eh, seh ich aus wie dieser... dieser äh... Harald Glööckler?
GH (irritiert): Hä? Macht der nicht eher in Mode?
MK (kleinlaut): Und in RTL! Bald geht doch die neue Staffel von „Let’s dance“ los.
GH (sieht Mehdi fragend an, der begeistert mit dem Kopf nickt u. dann Marc mit seinem stechenden Blick fixiert): Echt?
MM (redet sich um Kopf u. Kragen, wobei seine Schlagfertigkeit immer mehr verloren geht): Der macht in alles und sieht dabei aus wie ein lebendig gewordener Christbaum.
GH (schmunzelt): Ah ja!?
Das passt ja. Aber Marc war auch schon mal witziger.
MK (kann sich nicht zurückhalten u. zieht Marc auf): Wenn man dir ein bisschen Schmuck anstecken würde und du...
MM (platzt gleich): Eh noch ein Wort und...
MK (treibt es auf die Spitze): Jaaa?
So ein Arsch! Den mache ich so was von fertig, wenn die Scheiße hier vorbei ist.
GH (versucht das Schlimmste zu verhindern, indem sie schnell dazwischenfährt, u. Marc auf diplomatische Art und Weise von der Wichtigkeit dieser Aufgabe zu überzeugen): Marc, bitte, wo liegt das Problem? Du hast doch schon in der Klinik Papas Leitung übernommen, also kannst du das auch hier. Quasi... als Herr des Hauses.
Oh! Ich bin gut! Verschaffe ihm Autorität. Das wirkt immer. Hihi!
MM (versteht überhaupt nicht, worauf sie hinaus will): Bitte?
Will die mich verarschen?
GH (klärt ihn über das Prozedere auf): Ja, und Papa zelebriert das immer richtig. Er legt sich eine gute Jazzweihnachtsplatte auf und dann macht er zuerst die Lichterkette an den Baum und dann die Kugeln und die Strohsterne. Und als letztes darf ich dann immer die Spitze aufsetzen.
Ich liebe das.

Sie verarscht dich! Eh wenn sie jetzt wirklich noch so ne bescheuert Jazzmucke auflegt, renne ich schreiend davon. So wahr ich Marc Olivier Meier heiße! Das ist echt zu viel. Eh ich mach mich doch hier nicht für sie und v.a. vor ihm zum Trottel. Kann er doch eigentlich machen. Ist doch eh gerade auf dem Schleimitrip. Arsch! Ich hab ihn um Unterstützung gebeten und nicht um Verrat.
MM (ironisch): Sonst noch was?
Hach... der Arme! Eigentlich tut er mir schon ein wenig leid, was jetzt nicht heißt, dass ich ihn davon kommen lasse. Nein! Es geht nicht anders. Sonst werde ich hier nie fertig, bis Mama und Papa zurückkommen. Und vielleicht kommt mein süßes Muffelchen ja dadurch zumindest ein bisschen noch in Weihnachtsstimmung.
GH (überlegt gespielt angestrengt): Nein! Das wäre eigentlich alles. Die Kisten mit dem Weihnachtsschmuck findest du auf dem Dachboden, gleich links neben der Tür unter dem Balken.
MM (schaut sie verunsichert an): Äh...
Sie will wirklich, dass ich so ne schwule Dekoschose mache?
GH (schaut ihn mit Zuckerschnute an): Kannst ja Jochen fragen, wenn du sie nicht gleich findest. Der ist gerade...

J: Hier! ... Wer soll mich was fragen?

Jochen war im selben Moment in der Küchentür erschienen und schaute nun erstaunt und leicht amüsiert auf das Chaos, dass seine Schwester und ihre beiden Männer hier angerichtet hatten. Gretchen ging gleich auf ihn los...

GH: Jochen, gut, dass du gerade hier bist.
J (fällt ihr gleich ins Wort u. macht sich einen Spaß daraus, die Chaosqueen aufzuziehen): Ja, äh... das roch irgendwie verkokelt und da wollte ich mal eben kucken, ob hier unten die Bude in Flammen steht und ich mich vielleicht besser in Sicherheit bringen muss.
MM (grinst): In Sicherheit bringen ist das richtige Stichwort.
GH (schaut ihn böse an, räuspert sich u. wendet sich dann wieder an ihren Bruder): Maaarc! ... (Marc lacht nur u. verschränkt seine Arme vor seinem Körper) ... Sehr witzig, Jochen! Aber hier ist alles in Ordnung, wie du siehst.
J (schaut erst auf die Geschirrberge u. dann auf ihre dreckige Schürze): Sieht... man.
GH (ignoriert seinen spöttischen Unterton): Du Jochen, zeigst du Marc bitte, wo er den Weihnachtsbaumschmuck finden kann und hilfst du ihm dann gleich auch noch beim Anschmücken.
Och nö! (MM/J)

Jochen sah zwischen dem genervt dreinblickenden Oberarzt und seiner keine Widerrede duldenden Schwester hin und her, fing dann plötzlich an breit zu grinsen und verschränkte abwehrend seine Arme...

J: Nö! Keine Zeit!
GH (sichtlich irritiert): Wie keine Zeit?
J: Ich mach jetzt los. Hast du Papas Autoschlüssel gesehen?
GH (verständnislos): Äh... was? Wo... wo willst du denn jetzt überhaupt hin? Wir sind hier noch lange nicht fertig.
J (cool): Also ich für meinen Teil schon. Mein Putzplan ist erfüllt. Soweit ich mich erinnern kann, stand nichts weiter auf meinem Aufgabenzettel.
MM (kann es nicht lassen, ebenfalls einen Einwand abzugeben): Auf meinem übrigens auch nicht.
GH (funkelt Marc böse an): Marc, halt die Klappe!
MM: Eh!
GH: Aber Jochen, du... du kannst doch nicht...
J (unterbricht sie schnell, bevor sie ihm noch irgendeine unnütze Aufgabe aufdrückt, auf die er noch weniger Lust hat als aufs Kloputzen): Außerdem sollte ich doch unsere Ellis abholen.
GH (schaut verwundert auf ihre Armbanduhr): Äh... Aber es sind doch noch drei Stunden hin, bis ihr Flieger landet.
J (grinst): Yep! Aber du hast ja auch gemeint, ich solle noch schnell die verräterischen Bierflaschen entsorgen. Muss eh noch mal in die Stadt. Also verbinde ich das gleich.
GH: Wieso das denn? Was willst du denn jetzt noch in der Stadt?
J (lässig): Geschenke besorgen!
GH (blickt ihn ungläubig an): Was? Sag jetzt nicht, dass du noch keine Geschenke hast!
J: Nö!
Das glaub ich jetzt nicht.
GH: Jochen, es ist Heiligabend. Die Geschäfte schließen gleich.
J (kleinlaut): Deshalb muss ich jetzt auch sofort los. Man sieht sich!

Jochen hatte den Autoschlüssel auf dem Fensterbrett entdeckt, schnappte sich diesen und war schon fast zur Tür raus, als Gretchen ihn noch einmal aufhielt....

GH: Jochen, warte mal! Eine Frage noch!
J (sichtlich genervt): Was denn noch?
GH: Kommt jetzt deine Freundin heute Abend auch zum Essen? Nur damit ich weiß, wie viele Gedecke ich auftragen soll.

Jochen druckste ungewohnt herum. Seine Augen wurden mit einem Mal trauriger...

J: Äh... Nö, da... kommt niemand mehr.
GH (erstaunt): Oh! Feiert sie bei ihren Eltern?
J (auf einmal gereizt): Keine Ahnung, ist mir auch so ziemlich egal.
Was ist denn jetzt los?
GH: Wieso?

Gretchen schaute ihren Bruder gespannt an. Jochen verdrehte nur angenervt die Augen. Er haderte mit sich, ob er es sagen sollte oder nicht, aber da er seine Schwester ganz genau kannte und wusste, sie würde nicht eher locker lassen und ihn auspressen wie eine Zitrone, bis sie die Wahrheit kannte, sagte er es schließlich, aber möglichst emotionslos, auch wenn der Gedanke daran ihn durchaus schmerzte...

J: Kristin hat sich von mir getrennt.
GH (sichtlich bestürzt): Das... das tut mir leid. Aber ich dachte, ihr... letzte Woche sah das alles noch...
J (spürt die Wut wieder aufsteigen, die er mittels ganz viel Bier und Partymachen mit seinen Kumpels bis jetzt erfolgreich unterdrückt hat): Ja! Letzte Woche hatte sie auch den neuen Assi auf der Intensiv noch nicht getroffen.
GH: Oh!
Der Arme!
MK (sieht Jochen mitfühlend an): Scheiße, Mann!
J (nickt Dr. Kaan kurz zu, dann senkt er seinen Blick wieder, weil er die bohrenden Blicke seiner Schwester nicht erträgt): Is schon ok. Ich überlebe es schon. Hätte eh auf Dauer nicht so gepasst. Also... äh... Ich muss dann auch...

Jochen schaute noch einmal gequält zu seiner Schwester, die ihn mitfühlend ansah und ihn am liebsten in den Arm genommen hätte, worauf er nun wirklich keinen Bock hatte, und quetschte sich dann schnell seinem Fluchtinstinkt folgend an Dr. Meier vorbei, der an der Tür zum Wohnzimmer stand und ihn als einziger eher unbeteiligt ansah. Kurze Zeit darauf hörte man auch schon die Haustür ins Schloss fallen....

GH: Der Arme! Er fällt auch immer nur auf die Falschen rein. Dabei schien die doch eigentlich ziemlich nett zu sein.
MM: Tja, Praktikant ist im Vergleich zu einem richtigen Arzt halt doch eher unsexy.
Und mit der hässlichen Visage findet der eh so schnell kein neues Opfer, das es mit ihm aushält. Zumindest nicht so eine Süße wie diese Katrin, oder wie die hieß. ... Scheiße eh, jetzt ist der abgehauen. Der sollte doch den Scheiß mit dem Baum machen. Hätte mich dann unauffällig verdünnisieren können. Mist, verdammter!
GH: Darum geht es doch auch gar nicht.
MM (zieht eine Augenbraue hoch): Nicht?
GH (lenkt schnell ab, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren): Egal! Wir müssen hier vorankommen. Also... Mehdi, wenn du bitte spülen würdest. Marc, du kümmerst dich um den Baum. Und ich mache jetzt erst mal den Nachtisch fertig und decke dann den Tisch.
MK (macht sich ans Werk): Ok!
MM (stöhnt genervt auf u. sieht seine Süße ziemlich wehleidig an): Muss das wirklich sein?
GH (energisch): Marc, keine Widerrede!
MM (murmelt gefrustet in seinen nicht vorhandenen Bart): So viel zum Thema „Ich sei heute hier der Herr im Haus“. Pah!
Werde mich dafür rächen!

Marc warf Mehdi noch einen letzten vielsagenden Blick zu, dann schlurfte er langsam aus der Küche, durchs Esszimmer und dann die Treppen hoch. Auf dem Dachboden angekommen, schaute er sich um und schnappte sich schließlich die beiden Kisten, auf denen in großen rosa Lettern „Weihnachten“ geschrieben stand, stieg lustlos die Treppen wieder hinunter und parkte die Kartons direkt vor dem Baum. Er verschnaufte kurz und schmiss sich in einen der gelben Sessel, legte seine Füße lässig auf den Couchtisch ab und lauschte nun dem angeregten Gespräch in der Küche, wo Mehdi gerade das dreckige Geschirr abspülte und Gretchen ihr Lieblingsdessert, nämlich Schokopudding, zubereitete...

Lorelei Offline

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20.03.2011 13:02
#956 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo ihr Lieben! Und immer noch in Weihnachtsstimmung trotz beginnendem Frühling vorm Fenster? Heute kümmern wir uns um die Wiederauffrischung einer Freundschaft. Viel Spaß! Sonnige Sonntagsgrüße von eurem Sonnenschein



http://www.youtube.com/watch?v=dr1ks-PHO3Y&feature=related


GH: Und was hast du heute noch so vor, Mehdi?
MK (schaut kurz auf u. dreht seinen Kopf in ihre Richtung): Nicht viel! Du weißt doch, dass ich die Feiertagsschichten übernommen habe.
GH (hört mit dem Rühren auf u. sieht ihn direkt an): Ach ja. Das hab ich ganz vergessen.
MK (quält sich zu einem kleinen Lächeln, dann senkt er seinen Blick wieder u. dreht sich zur Spüle um): Ist besser als zuhause rumzuhocken und Trübsal zu blasen.
GH (lässt die Puddingschüssel stehen u. geht zu ihm rüber; sie zögert erst, dann legt sie ihm tröstend ihre Hand auf die Schulter, worauf er zusammenzuckt u. sich ihr wieder zuwendet): Es ist schlimm für dich oder? So ganz... ohne... Lilly.
MK (blickt sie mit traurigen Augen an, hält aber ihren fürsorglichen Blick nicht lange stand u. dreht sich wieder zum Abwasch um): Hmm!
Oh Gretchen, du unsensible Kuh! Wie kannst du ihn nur darauf ansprechen?
GH (senkt verlegen ihren Blick u. tritt zwei Schritte zurück): Tut mir leid, ich... ich wollte dich nicht daran erinnern.
MK (ist mit dem Abwasch fertig u. zieht den Stöpsel, um das Wasser rauszulassen, dann dreht er sich wieder zu Gretchen um): Das muss dir nicht leid tun, Gretchen. Ich denke in letzter Zeit sehr oft an sie.
Oh! Gerade jetzt zu Weihnachten muss es ganz besonders schlimm für ihn sein. Wenn ich nur wüsste, wie ich ihm helfen kann.
GH (nachdem sie den Pudding in Gläser gefüllt hat, richtet sich ihre ganze Aufmerksamkeit wieder ihm): Hat Didi sich noch mal gemeldet?
MK (lehnt mit dem Rücken an der Spüle u. hält sich mit beiden Händen daran fest; er holt tief Luft u. gerät etwas ins Plaudern): Ja, aber die Suchaufrufe in Italien haben auch keine neuen Hinweise erbracht. Wir haben die Suche jetzt abgebrochen. Bringt doch eh nichts mehr. Ich kann jetzt nur noch auf Annas Vernunft hoffen.
Das hoffe ich auch. Wenn ich mir nur ein was wünschen könnte, dann ein Weihnachtswunder, nämlich dass die beiden wieder bei ihm vor der Tür stehen und endlich alles gut wird.
GH (mitfühlend): Hach... das ist alles so schlimm.
MK (lächelt sie zaghaft an, dreht sich wieder um u. trocknet nun das Geschirr ab): Ich komm klar. Mach dir bitte keine Sorgen.
GH (nickt ihm zu u. stellt nun den fertigen Pudding zum Abkühlen in den Kühlschrank; dabei kommt ihr ein Gedanke, den sie sofort äußert): Du, wenn dir... also falls dir die Decke auf den Kopf fällt, dann... also wenn du magst, du kannst heute Abend gerne mit uns essen. Ich würde mich wirklich sehr freuen.
MK (hält in seiner Bewegung inne u. schaut sie erstaunt an): Danke für die Einladung, aber ich...
GH (versucht ihn mit einem charmanten Lächeln zu überzeugen): Meine Eltern haben ganz sicher nichts dagegen. Im Gegenteil, sie lieben es, wenn sie die Bude voll haben. Oder musst du die ganze Zeit im Krankenhaus ausharren? Hast du akute Fälle auf deiner Station?
MK: Nein, das nicht, nur zwei Schwangere, aber da ist es noch nicht soweit bis zur Geburt.
GH (strahlt ihn begeistert an): Na, ist doch super! Dann lege ich noch ein Gedeck mehr auf. Dir wird’s bei uns gefallen. Es wird zwar sehr traditionell und spießig, aber auch sehr schön. Und Marc wäre sicherlich erleichtert, wenn er noch einen Leidensgenossen mehr hätte, was jetzt nicht heißt, dass du leiden müsstest. Also das geht bei uns immer ganz locker und entspannt zu. Besinnlich halt und...
MK (fällt ihr lächelnd in ihrem Redeschwall ins Wort): Ich hab schon verstanden, Gretchen und ich würde wirklich gerne bleiben, aber... naja... Gabi wollte eigentlich...
Upps! Ganz vergessen, dass es ihn jetzt nur noch im Doppelpack gibt.
GH (lächelt verschämt): Ach so, aber sie kann auch gerne mitkommen.


MM: Boah nee!

... stöhnte Marc plötzlich im Wohnzimmer laut auf und sprang anschließend schwungvoll aus dem Sessel. Er hatte nämlich genug gehört und schnappte sich die Lichterkette, die halb aus einer der Kisten herausragte. Er schüttelte immer wieder den Kopf, als er an den Weihnachtsbaum herantrat und diesen nun skeptisch von oben bis unten musterte. Schlimmer geht’s immer, dachte er sich und machte sich an die Arbeit. Die Aussicht auf ein Abendessen mit seiner Exflamme weckte ungeahnte Kräfte in ihm.


Mehdi, der Marcs enthusiastische „Begeisterung“ nicht mitbekommen hatte, lächelte dagegen Gretchen ganz überrascht an...

MK: Das ist nett von dir, aber...
GH: Aber?
MK (druckst unsicher herum): Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee wäre.
Nach allem, was war! Aber schon süß von ihr, dass sie sie einladen will. Sie scheint es wirklich zu akzeptieren, dass ich jetzt mit Gabi zusammen bin.

Ich weiß! Aber ich will ihm doch nur zeigen, dass ich seine Entscheidung für Gabi gutheiße. Irgendwie müssen wir uns doch auch arrangieren, jetzt wo die beiden zusammen sind.

GH (nimmt Mehdi das Wischtuch aus der Hand u. legt dann ihre Hände auf seine): Mehdi, hör mal. Ich hab nichts gegen Gabi. Ganz im Gegenteil, ich freu mich, dass ihr so glücklich seid.
MK (ganz gerührt von der Wärme in ihrer Stimme): Echt?
GH (lächelt): Echt! Ich hab euch auf dem Weihnachtsmarkt gesehen.
Oh!
MK (lächelt ebenfalls): Wir euch auch.
GH: Ach?
Hab ich gar nicht mitbekommen.
MK (nickt): Hmm!
GH (lässt seine Hände wieder los u. stellt sich seitlich neben ihn): Es läuft also richtig gut mit euch?
MK (seine Augen beginnen augenblicklich zu strahlen u. er gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er an seine Freundin denkt): Es ist einfach... toll. Jeder Tag ist wie ein Traum. Alles ist so neu und gleichzeitig sind wir uns auch so vertraut, als wäre es schon immer so gewesen.
Oh Gott, das klingt so süß. Ich könnt heulen.
GH (wischt sich verstohlen eine verirrte Freudenträne aus dem Auge): Das ist schön.
MK (ganz verträumt): Ja, das ist es.
GH (lächelt ihn an): Ich bin froh, dass wir jetzt so eine Vertrauensebene haben und über solche Dinge offen reden können.
MK (wird etwas rot, als er sie anschaut u. erwidert ihr schönes Lächeln): Ich auch.
GH: Also was ist jetzt? Kommt ihr?
MK (schüttelt langsam den Kopf, auch wenn er gerne zugesagt hätte): Ich glaube, Gabi hat schon im EKH was vorbereitet.
Das ist ja niedlich. Hätte ja nie gedacht, dass sie so sein könnte. Gabi wirkt immer so... naja... äh... ich kenn sie ja jetzt auch schon so eine Weile. Sie muss es wirklich so richtig erwischt haben. Und die Liebe versetzt ja bekanntlich Berge.
GH (schmunzelt): Oh! Na dann.
MK (streicht sich verlegen über das leicht gerötete Gesicht): Aber trotzdem danke für das Angebot.
GH (zwinkert ihm frech zu): Gegen deine neue Freundin komme ich anscheinend nicht an.
Du wirst immer etwas Besonderes für mich bleiben, Gretchen. Immer!
MK: Ich hoffe, du bist jetzt nicht enttäuscht?
GH (hebt abwiegelnd die Hände): Quatsch nein!
MK (lächelt): Dann ist es ja gut.

Die beiden standen nun eine Weile schweigend nebeneinander an der Spüle, bis Gretchen, der die ganze Zeit noch etwas auf der Seele gelegen hatte, ihren besten Freund noch einmal vorsichtig ansprach...

GH: Kann ich dich was fragen?
MK (dreht seinen Kopf verwundert zu ihr herum): Was denn?
GH (presst erst krampfhaft ihre Lippen aufeinander, dann spuckt sie es aber doch langsam aus): Hast du mal... was... von.... Maria gehört?
Oh!
Ich hätte das nicht fragen dürfen. Toll Gretchen, herzlichen Glückwunsch, du hast es mal wieder geschafft, der gerade noch lockerflockigen Stimmung einen Tiefpunkt zu versetzen.

MK (seufzt): Nein! Du?
GH (schaut ihn peinlich berührt an): Auch nicht, nein!
Ich weiß nicht, ob ich das gut oder schlecht deuten soll. Ach wieso ist das nur so kompliziert mit uns?
MK: Sobald sie wieder da ist, werd ich alles klären. Dieser ganze Schwebezustand tut uns allen nicht gut.
GH (nickt verständnisvoll): Verstehe! Du machst das Richtige.
Es gibt nun mal keinen anderen Weg.
MK (senkt schuldbewusst den Kopf): Auf Kosten einer Freundschaft.
GH (tätschelt aufmunternd seine rechte Hand): Einer wird immer leiden, Mehdi. Aber sie ist stark.
MK: Das hoffe ich.
GH (schaut ihm direkt in die Augen): Mach dir nicht so viele Gedanken, Mehdi. Das wird sich schon alles einrenken. Du weißt endlich, was... äh... wen du willst, das ist doch auch schon ein Geschenk.
Und dass Gabi ihm gut tut, das ist ja nicht zu übersehen. Sie tun sich gegenseitig gut.

Wenn ich dich nicht hätte! Du schaffst es immer wieder, mich wieder aufzubauen. Danke!

MK (kann schon wieder lächeln und schaut in ihren strahlendblauen Augen hin u. her): Hättest du gedacht, dass ich einmal mit Gabi zusammen sein würde?
GH: Willst du eine ehrliche Antwort?
Ich glaube, das ist schon die Antwort.
MK (ernst): Gretchen, ich weiß, dass du und sie... dass ihr eher ein... unschönes Verhältnis miteinander hattet, aber du kannst mir glauben, sie hat sich geändert. Sie ist nicht mehr dieselbe wie im letzten Jahr. Und das sage ich jetzt nicht durch die rosarote Brille.
GH (schmiegt sich lächelnd seitlich an ihn): Das weiß ich doch, Mehdi. Ich bin doch nicht blind. Weißt du, ich glaube vielmehr, da haben sich zwei einsame Seelen gefunden, die sich vielleicht nicht unbedingt gesucht haben, aber sich doch irgendwie gegenseitig gebraucht haben. Oh Gott, das klang jetzt furchtbar pathetisch. Ähm... Was ich eigentlich damit sagen will: Ihr beeinflusst euch gegenseitig im positiven Sinne. Ich hab dich selten so innerlich ruhig und ausgeglichen gesehen. Du hast deine Mitte gefunden. Und das hast du wirklich gebraucht, nach allem, was in den letzten anderthalb Jahren passiert ist. Gabi tut dir gut und das ist alles, was ich wissen muss.
MK (sichtlich gerührt): Wow! Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich hätte nicht gedacht, dass du so denkst.
Ach Mehdi, du Dummerchen!
GH (dreht sich ganz zu ihm herum u. schaut ihn ernst an): Bist du mir deshalb in den letzten Tagen aus dem Weg gegangen?
MK (senkt verlegen seinen Blick): Ich weiß, das war feige.
GH (streichelt ihm liebevoll über den Arm): Ach was, Schwamm drüber! Das kann doch unserer Freundschaft nichts.
MK (lächelt erleichtert auf u. reicht ihr seinen kleine Finger): Also immer noch „best friends forever“?
GH (lächelt ihn ebenso erfreut an u. hakt ihren kleinen Finger ein): Für immer und ewig.

http://www.youtube.com/watch?v=2vuaqDDr--Q

Doch plötzlich wurden die beiden innigen Freunde bei ihrem rührseligen Freundschaftsritual unterbrochen.

MM: Boah! Verdammte Scheiße eh!

... hörte man es nämlich plötzlich laut aus dem Wohnzimmer fluchen.

Lorelei Offline

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21.03.2011 14:38
#957 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Einen wunderschönen sonnigen Frühlingsanfang wünsche ich euch. Image and video hosting by TinyPic Ihr wollt Marc leiden sehen oder? Ein Problem hat er auf jeden Fall, was jetzt nicht unbedingt zwangsläufig mit dem Baumriesen zu tun haben muss. Viel Spaß mit Weihnachten im Frühling! Liebe Grüße, Lorelei



Gretchen und Mehdi enthakten ihre Finger, sahen sich kurz an und brachen in schallendes Gelächter aus. Sie beschlossen, dem ewigen Weihnachtsmuffel und sturen Machokerl, der selbst in der größten Not einfingrig an einem Felsen über einem Abgrund hängend nicht nach Hilfe fragen würde, dieselbige uneigennützig zu spenden. Und diese Hilfe hatte Dr. Meier offensichtlich bitter nötig, wie die beiden befreundeten Ärzte feststellen mussten, als sie das Wohnzimmer betraten. Einbeinig auf einem Stuhl stehend hangelte der todesmutige Chirurg gerade die sich immer wieder verheddernde Lichterkette um den Baum, der durch seine gewagte Hangelei gehörig ins Wackeln geriet, aber das Mistteil wollte einfach nicht halten. Und so bekamen Mehdi und Gretchen, die sich still und heimlich an Marcs Stuhl herangeschlichen hatten und nun zu ihm aufschauten, die ganze Palette seines Schimpfwörterwortschatzes zu hören.

MK: Kann man irgendwie helfen?

... fragte Mehdi schließlich nach einer Weile königlicher Unterhaltung mit spöttischem Unterton. Gretchen musste sich die Hand vor den Mund halten, um nicht laut loszulachen, als Marc vor Schreck fast vom Stuhl fiel und mit einem Mal die Lichterkette losließ, die nun lose um den Baum herum wedelte, so dass Gretchen und Mehdi jeweils einen Schritt zurücktreten mussten, um nicht von ihr umwickelt zu werden. Der verunglückte Elektrotechniker hielt sich krampfhaft an der Stuhllehne fest und schimpfte alsbald los...

MM: Sagt mal, habt ihr den Arsch offen?
MK: Wir wollten dir nur unsere Hilfe anbieten.

Mehdi und Gretchen sahen ihren motzenden Freund völlig unbeeindruckt an und schmunzelten leise in sich hinein, was den attraktiven Oberarzt erst so richtig auf die Palme brachte. Er setzte seinen tödlichen Ameisenblick auf und schlug erbarmungslos zurück, was aber bei beiden nicht wirklich schlagfertig rüber kam...

MM: Nein, danke! Ich will ja nicht, dass an deinen weichgespülten Händen ein Fingernagel abbricht.

Mehdi lachte nur und Gretchen schüttelte den Kopf. Bevor das gleich wieder in Streitigkeiten ausartete, schritt der blonde Weihnachtsengel schnell ein und wandte sich mit ruhigen Worten an ihren eingeschnappten Freund...

GH: Marc, Schatz, wieso hast du denn nichts gesagt? Die Leiter steht im Flur neben der Garderobe.
Ach? Echt? Scheiße!
MM (funkelt sie unbeeindruckt an): Pah! Mit Leiter kann ja jeder.
So ein Idiot! Hätte ruhig mal zugeben können, das er mal was nicht kann. Ist doch kein Weltuntergang oder? Aber er muss gleich eine Staatsaffäre daraus machen.

Mehdi trat ebenfalls näher an den Baum heran und hob die schlaff herunterhängende Lichterkette auf, dann drehte er sich zu Marc um...

MK: Sieht man! ... Pass auf! Ich halte, du machst sie fest!
Arsch!

Der angefressene Chirurg blickte böse von oben auf seinen scheißfreundlich lächelnden Freund hinab, aber sagte kein Wort des Widerspruchs. Er packte ebenfalls ein Ende der Kette und fixierte kommentarlos eine der Kerzen. Gretchen lächelte zufrieden, da ihr Liebster zwar immer noch schmollte wie ein kleines Kind, aber zumindest zu Zugeständnissen bereit war, und setzte sich auf die Couch gegenüber, um den beiden von dort aus entspannt bei der Arbeit zuzusehen. Wann bekam Frau schon mal zwei solche knackigen Ärsche zu Gesicht, grinste sie in sich hinein und schlug ihre Beine übereinander.

Nach einer Weile konzentrierter Werkelei fragte Mehdi bei ihr nach...

MK: Gretchen, ist in einem der Kartons noch eine zweite Lichterkette? Die hier allein wird wohl nicht ausreichen.
GH: Oh! Klar!

Gretchen sprang sofort vom Sofa auf und wühlte in einer der Kisten. Sie fand tatsächlich noch eine zweite Lichterkette und reichte diese Marc, der sie nur genervt anblickte und stumm weitermachte. Gretchen schüttelte nur den Kopf über so viel nicht vorhandene Weihnachtsvorfreude bei ihrem Liebsten. Sie entschied, dass es nur ein Mittel geben konnte, um ihn zumindest ein bisschen in Stimmung zu bringen, auch wenn es gemein war. Für ihn zumindest. Für sie bedeutete es eindeutig Spaß. Sie hatte schließlich vorhin, als sie so gemütlich auf der Couch gesessen und ihn intensiv beobachtet hatte, auch davon geträumt, das zu tun. Also warum nicht?

Mit einem schelmischen Lächeln auf ihren Lippen schlich die blonde Frau wie eine Katze einmal um den Weihnachtsbaum herum, was Marc schon ein wenig nervös machte. Die hatte doch eindeutig irgendetwas vor, dachte er sich beunruhigt und behielt seine aufregende Freundin argwöhnisch im Auge. Doch als sie wieder hinter seinem Rücken verschwunden war, hielt er diesen Gedanken für völlig abwegig und konzentrierte sich wieder auf seinen eigentlichen Job hier. Aber Gretchen hatte sich nicht wieder aufs Sofa gesetzt, so wie er vermutete. Nein, sie setzte gerade zu einem gewagten Angriff an. Zaghaft strich sie nun mit ihren beiden Händen über Marcs knackigen Hintern, dem dabei ganz anders wurde, der seine Augen weit aufriss, nach Luft schnappte und deswegen fast das Gleichgewicht verlor und sich am Baum festhalten musste, der daraufhin gehörig wackelte, was auch Mehdi auf der anderen Seite kurz verunsicherte. Als dieser aber sah, was Gretchen da gerade mit seinem Freund veranstaltete, konnte er sich ein schadenfrohes Schmunzeln nicht verkneifen. Marc protestierte dagegen lautstark gegen ihren dreisten sexuellen Übergriff, wobei sich seine Stimme mehrfach überschlug...

MM: Sag mal, was wird das, Haasenzahn?
GH (leckt sich lasziv über die Lippen u. fährt noch einmal gefühlvoll über seinen Hintern): Ich halt dich fest, damit du nicht vom Stuhl fällst... Schatz.

... gab sie unschuldig zurück und strich erneut über den knackigsten Arsch Deutschlands, bevor ihre Hände dort ihre endgültige Parkposition einnahmen. Marc spürte, wie ihm immer wärmer wurde... Dieses hinterhältige Biest! ... Er versuchte sich seine Unsicherheit nicht anmerken zu lassen und räusperte sich mehrmals umständlich...

MM: Damit erreichst du eher das Gegenteil, Haasenzahn. Wer hat eigentlich heute Dienst in der Notaufnahme? Nur damit ich weiß, wer mir dann die Knochen wieder zusammenschraubt, wenn ich hier runterknalle.
MK (amüsiert sich königlich über den verunsicherten Chirurgen): Der Rössel!
MM (verzieht sein Gesicht): Och nee, der kriegt mich nicht auf seinen OP-Tisch. Also lass mich endlich los, Haasenzahn!
Und wenn ich gar nicht will? Fühlt sich gerade saugut an. Hihi!
GH (grinst): Dass ich das mal aus deinem Mund hören würde.
MK: Das hab ich mir auch gerade gedacht.
MM: Eh!

Mehdi und Gretchen lachten laut auf, während Marc immer röter anlief. Das wurde auch nicht weniger, als seine unverschämte Freundin endlich ihre brandheißen Hände von seinem Hintern genommen hatte und er zumindest wieder kurz durchatmen konnte, denn er hatte die ganze Zeit den Atem angehalten, als sie Hand an ihn gelegt hatte. Er funkelte seine Freundin böse an, die immer noch schelmisch grinste und sich einen Spaß daraus machte, ihn zu ärgern. Haasenzahn würde heute schon noch ihre gerechte Abreibung bekommen, überlegte er sich und legte plötzlich ein äußerst zufriedenes Grinsen auf, dann nickte er Mehdi kurz zu, der sich nun möglichst zusammenriss, ihn nicht noch mehr zu provozieren, und ihm die Kette reichte, und machte diese weiter am Baum fest.

Gretchen wollte sich gerade dezent zurückziehen, als plötzlich ein Pieper und kurz darauf ein Handy ertönten. Mehdi, der gerade mit der Lichterkette hantierte und keine Hand frei hatte, drehte seinen Kopf zu seiner Freundin herum...

MK: Das sind meine. Gretchen, wenn du bitte mal...
GH (versteht ihn ohne viele Worte): Klar!

Mit einem Kopfnicken versuchte der Gynäkologe ihr zu verdeutlichen, wo sich die beiden technischen Geräte an seinem Körper befanden. Nämlich in seinen Gesäßtaschen! Marc riss entsetzt seine Augen ganz weit auf, als er sah, wie seine Freundin an seinem besten Freund Hand anlegen wollte....

MM (warnend): Eh! Du packst ihm jetzt nicht an seinen fetten Hintern!

Lorelei Offline

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22.03.2011 16:42
#958 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Mehdi verdrehte seine Augen angesichts Marcs grundloser und übertriebener Eifersucht und versuchte ihn irgendwie zu beruhigen, was natürlich nur scheitern konnte...

MK: Marc, das ist ein Notfall.
MM (ist kurz davor vom Stuhl zu springen, um auf Mehdi loszugehen): Ich geb dir gleich einen Notfall, du Arsch.

Gretchen schüttelte ungläubig den Kopf angesichts von Marcs unnötigen Gockelauftritt und versuchte ebenfalls zu schlichten, was aber ebenso nach hinten losging...

GH: Marc, jetzt reg dich ab, ja! Es ist ja nicht so, als ob ich das hier das erste Mal tun würde.
MM (entsetzt): Was?

Upps! Ungeschickt ausgedrückt! Aber was soll’s. Muss er eben durch. Und ich auch! Wobei ich das jetzt nicht unbedingt als unschön bezeichnen würde. Fühlt sich eher gut an. Knackig und... Oh Gott, Gretchen, ganz, ganz falscher Gedanke! Denke lieber an den Notfall! Ok!

Ohne auf Marcs eifersüchtigen Einwand zu reagieren, fasste Gretchen nun mutig an Deutschlands zweitknackigsten Hintern und zog auf der einen Seite Mehdis Pieper und auf der anderen sein Handy aus den Gesäßtaschen seiner Jeans hervor, welches immer noch läutete und dabei Marc Medlocks gute Laune verbreitete, die aber nicht bei jedem gut ankam. Marc hatte sich nämlich eingeschnappt von den beiden abgewandt. Gretchen ignorierte ihren Schmollhasen gekonnt und schaute zuerst auf den Pieper, der die Nummer der Gynäkologie des EKH anzeigte, dann auf Mehdis Handy...

GH: Es ist Gabi.
MM (lässt den Kopf hängen u. stöhnt genervt auf): Och nee!
Muss ich jetzt auch noch denen ihr Liebesgesülze anhören oder wie? Bitte nicht!
MK (ein kleines Lächeln huscht über seine Lippen, was auch Gretchen nicht entgeht): Oh! Würdest du bitte für mich rangehen?
GH (irritiert): Äh... Sicher!

Gretchen drückte die grüne Hörertaste und hielt das Handy an ihr Ohr....

GH: Hallo Gabi! ... Hier ist Gretchen! ... Weil er... Bei mir! ... Jaaa! ... Mit Marc. Er hat doch... Nee, ähm... du, das ist gerade schlecht, weil... Er kann grad nicht. ... Nein, das hat nichts... Er hängt quasi mit Marc in den Seilen. ... Nein, das ist keine Verarsche. Gabi, er erklärt’s dir später, ok. ... Ja, mach ich. ... Ich denke schon. Schöne Weih... Aufgelegt!

Gretchen rollte mit den Augen - Gabi stand Marc, was ihre Eifersucht betraf, in nichts nach. - und blickte dann zu Mehdi, der sie gespannt und abwartend ansah. Sie kam auf den Halbperser zu und steckte die beiden Gerätschaften wieder dorthin, wo sie sie vorhin herausgezogen hatte, was Marc wieder argwöhnisch beobachtete, und klärte ihn schließlich auf, als sie Mehdis eindringlichen Blick plötzlich bemerkte...

GH: Ach so! Äh... Es ist so... Bei Frau Fritsch ist die Fruchtblase geplatzt. Gabi bereitet den Kreissaal schon vor. Du sollst sofort zurück in die Klinik kommen.
MK (fährt sich mit einer Hand über den Mund): Oh! Doch schon heute! ... Gut! ... Das Christkind kommt. Ich muss.

Der Gynäkologe reichte Marc die letzten drei Lämpchen und wollte schon aufbrechen, als dieser ihn lautstark zurückpfiff...

MM: Du musst mal gar nicht, Alter. Wir machen das hier noch schnell fertig und dann können wir. Die zwei Minuten wird der Knirps ja wohl noch in der Gebärmutter warten können.
MK: Äh... Ok!?
GH (stutzt): Wieso „wir“... also ihr?
MM (sieht kurz von seiner Arbeit auf): Weil ich mit ihm mitfahren werde.
GH (schaut ihn verdattert an): Was?
Spinnt der? Der kann doch jetzt nicht hier einfach so abhauen.
MM: Vielleicht ist es dir noch nicht aufgefallen, Haasenzahn, aber ich bin mit Mehdis Karre hier.
GH: Na und?
MM (klärt sie auf u. wendet sich dann an Mehdi): Süße, wenn wir heute Abend hier rechtzeitig verduften wollen, dann brauchen wir einen fahrbaren Untersatz und den hole ich jetzt. ... Du kannst mich doch zu Hause absetzen oder Mehdi?
MK (nickt mit dem Kopf u. hilft ihm mit dem letzten Kettenstück): Klar, liegt doch auf dem Weg.
MM: Gebongt! ... So wir wären dann hier fertig.

Auch die zweite Lichterkette war vollständig angebracht und brannte sogar, wie Mehdi bei einem kleinen Testversuch feststellen konnte. Marc sprang sichtlich erleichtert, weil die Tortur endlich ein Ende hatte, vom Stuhl herunter und klopfte Mehdi zufrieden auf die Schulter. Gretchen schaute derweil ziemlich betröppelt aus der Wäsche...

GH: Aber wir können doch auch hier schlafen und Papa fährt uns dann morgen nach Hause.
MM: Nein, das geht nicht.

... schallte es alarmierend von der Garderobe zurück, wo sich Marc und Mehdi gerade ihre Jacken und Schuhe anzogen. Gretchen lief irritiert auf die beiden zu und stellte ihren Freund zur Rede...

GH: Wieso das denn? Es ist doch egal, ob wir nun heute oder morgen erst wieder fahren.
MM (mit leichter Panik im Blick, die er zu vertuschen versucht, indem er seinen Blick senkt): Ist es nicht!
GH (die Alarmglocken läuten u. sie baut sich vor dem Geheimniskrämer auf): Bitte? Marc Meier, du sagst mir jetzt sofort, was das zu bedeuten hat! Wieso willst du heute Abend so schnell hier wieder weg? Du hast doch irgendetwas vor.
Scheiße! Miss Marple ermittelt.

Marc, dem ausnahmsweise auf die Schnelle keine plausible Ausrede einfiel, wusste nicht, was er erwidern sollte. Mehdi sprang schließlich für seinen sprachlosen Freund in die Presche...

MK: Gretchen, vertrau ihm einfach!
Ich ihm vertrauen? Ganz falsche Wortwahl, Mehdi! Hier ist doch etwas oberfaul!
MM (reagiert panisch, weil er glaubt, Mehdi würde ihn verraten): Kaan!
MK (wirft ihm einen beruhigenden Blick zu u. umarmt dann die überrumpelte Frau zum Abschied): Ich wünsche dir ein wunderschönes Weihnachtsfest, Gretchen.
GH (kurz abgelenkt): Äh... Ich... dir... auch.

Marc nutzte Mehdis Ablenkungsmanöver, um schnell aus der Gefahrenzone zu verduften. Gretchen schaute den beiden Oberärzten nur erstaunt hinter, als diese schnell aus der Tür verschwanden und zu Mehdis Wagen hasteten... Was hat er denn vor? Plötzlich fiel ihr noch etwas ein und sie rannte ihnen nur in Hausschuhen hinterher...

GH: Maaarc!
MM (ist schon fast eingestiegen, als er sich zu ihr umdreht): Was?
Sie hat’s rausgekriegt oder? Verdammte Scheiße, wie macht die das immer? ... Rettungsplan? ... Leugnen!
GH (bleibt an Mehdis Fahrertür stehen, der bereits eingestiegen ist u. ungeduldig mit dem Zündschlüssel spielt, u. schaut zu Marc rüber): Mir ist gerade noch etwas eingefallen. Fährst du bitte, bevor du zurückkommst, noch in der Klinik vorbei?
MM (sichtlich verwirrt): Hä? Wieso das denn?
GH: Du musst noch die Plätzchen von Sabine abholen. Ich schaffe das nicht mehr. Außerdem ist Jochen mit dem Wagen weg. Und Mamas Auto hat nur Sommerreifen drauf. Ich komme hier nicht weg.
Auch das noch!
MM (genervt): Boah! Wieso backt die denn für dich?
GH: Weil ich keine Zeit zum Plätzchenbacken hatte und ihre fantastisch schmecken. Sie hatte neulich eine Dose davon mit und die waren...
MM (fährt ihr schnell dazwischen): Jaaa, ist angekommen. Stopp den Kalorienvortrag, sonst sitzen wir noch heute Abend hier.

Gretchen lächelte verlegen, stolperte tapsig noch zur Beifahrerseite und gab ihrem Schatz einen kleinen Abschiedskuss auf den Mund. Dieser lächelte nur, streichelte sanft über ihre Wange und schloss dann die Tür. Gretchen ging zum Haus zurück, winkte den beiden zu, als sie aus der Auffahrt fuhren, dann schloss sie die Haustür und trat wieder ins Wohnzimmer. Sie seufzte, als sie den noch immer ungeschmückten Weihnachtsbaum sah, schaute kurz auf die Uhr - sie hatte noch ausreichend Zeit bis zur Rückkehr ihrer Eltern - und schnappte sich schließlich eine der Weihnachtsschmuckkisten. Sie suchte die goldenen Christbaumkugeln heraus, legte diese vorsichtig neben den Baum ab, ging dann zur Stereoanlage rüber, suchte sich eine schöne Weihnachts-CD heraus und drückte auf Play.

http://www.youtube.com/watch?v=lOwJjt2xGmc

Sie wippte einen Moment zur lauten Musik mit, dann machte sie sich mit einem fröhlichen Lächeln auf den Lippen an die Verschönerung der noch nackten Nordmanntanne.


Währenddessen befanden sich ihre beiden Männer schon mit dem Auto auf dem Stadtring....

MM: Danke Mann für vorhin!
MK: Keine Ursache! Hauptsache du versaust es nicht.
MM (versteht nicht, was er von ihm will): Äh... Bitte?
MK (zwinkert ihm wissend zu): Na das, was du vorhast.
Was denkt der sich eigentlich?
MM (stellt da mal was klar): Ich hab gar nichts vor, klar?
MK: Klar!

... schmunzelte Dr. Kaan und konzentrierte sich wieder auf die schneenasse Fahrbahn, während Marc stumm aus dem Fenster schaute und seinen Plan noch einmal durchging. Ein kleines Lächeln huschte plötzlich über sein Gesicht. Auch wenn der Tag für ihn beschissen begonnen hatte und er zu niederen Arbeiten gezwungen worden war, würde ihm der Ausklang des Tages für alles andere entschädigen. Dessen war er sich sicher. Er nickte seinem besten Freund noch einmal zu, als dieser ihn bei sich rausgelassen hatte und verschwand dann schnell im Haus. Er hatte schließlich noch so Einiges zu erledigen bis heute Abend. Aber er ahnte ja nicht, dass ihn dort bereits jemand sehnsüchtig erwartete.


Und auch bei Gretchen Haase, die mit der Weihnachtsbaumverschönerung schon weit vorangeschritten war, kündigte sich unerwarteter Besuch an, denn es klingelte plötzlich an der Haustür.

Lorelei Offline

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23.03.2011 17:36
#959 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo ihr ungeduldigen Überraschungssüchtigen! Vielleicht sollte ich die Andeutungen lassen, damit ihr euch nicht allzu sehr an der Meierschen Geheimniskrämerei festbeißt. Denn der Weihnachtstag ist noch sehr, sehr lang und da kann noch viel Unvorhergesehenes passieren, was Marcs Pläne eventuell durchkreuzen könnte. So wie jetzt gerade. Dann werde ich mal aufklären, wer sich hinter Tür Nr. 1 versteckt hält. Viel Spaß (oder auch nicht )! Eure Lorelei




Ohne Aufzuschauen stürmte Marc Meier seine Wohnung, lief direkt durch ins Schlafzimmer und kam Sekunden später mit zwei bereits in aller Heimlichkeit vorsorglich gepackten Koffern zurück. Seine Wohnungstür hatte er nur angelehnt, weil er gleich wieder los wollte, und er war auch schon fast wieder zur Tür hinaus, um die Koffer schnell in seinem Volvo zu verstauen und anschließend ins Elisabethkrankenhaus zu fahren, als er plötzlich ein lautes Räuspern hinter sich vernahm, das ihn abrupt herumfahren ließ. Marc war so erschrocken, dass er die beiden Koffer noch an Ort und Stelle fallen ließ und sich an seine Brust fasste. Er trat einen Schritt zurück und lehnte sich unbewusst mit dem Rücken an die Tür, die daraufhin krachend ins Schloss fiel, und starrte nun ungläubig auf den unerwarteten Besuch, der auf seiner weißen Designerledercouch saß und ihn übertrieben freundlich anlächelte, was bei dem überraschten jungen Mann nur ein Stirnrunzeln hervorrief sowie ein flaues Gefühl in der Magengegend.

E: Marc Olivier!

... begrüßte ihn schließlich seine Mutter mit gewohnt tiefer rauer Stimme, die bei ihm jedes Mal eine Gänsehaut hervorrief, und seine eben noch so gute vorfreudige Laune war sofort wieder verflogen und wich Resignation. Sie war zurück! Er ließ seinen Kopf hängen, zögerte einen Moment und schaute dann vorsichtig wieder auf. Vielleicht hatte er sich ja getäuscht und sie war nur eine Halluzination, ein böser Albtraum. Aber nein, die vierundfünfzigjährige Erfolgsautorin, die sich ungefragt Zugang zu seiner Wohnung verschafft und somit seine Persönlichkeitsrechte verletzt hatte, saß immer noch seelenruhig auf seinem Sofa und schaute ihn auffordernd an. Er hasste es, wenn sie ihn so ansah, als ob sie etwas von ihm wollte. Miesepetrig stellte Marc seine Mutter schließlich zur Rede und ließ keinen Zweifel aufkommen, dass er sich über ihre Rückkehr alles andere als freuen würde, wie es sich eigentlich für einen liebenden Sohn gehörte...

M: Mutter! Was...? Verdammte Scheiße, eh, wie kommst du hier rein?

Er stieß sich von der Tür ab und ging auf sie zu. Vor der hellen Couch blieb er stehen. Elke, die ihre Beine elegant übereinander geschlagen hatte, sah ihren unverschämten Sohn mit funkelnden Augen vorwurfsvoll an...

E: Redet man so mit der Frau, die einen unter entsetzlichen Qualen zur Welt gebracht hat? Ich dachte eigentlich, ich hätte dir Manieren beigebracht, Marc Olivier.
Wie viele Jahre bekommt man eigentlich fürs Erdrosseln seiner eigenen Mutter? Also ich plädiere auf Notwehr!
M (rollt genervt mit den Augen): Und ich dachte eigentlich, ICH hätte dich gerade etwas gefragt, Mutter.

Elke schnaufte kurz auf, ignorierte seine Spitzfindigkeit und erhob sich von der Ledercouch, um ihrem Sohn von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Sie reichte ihm zur Begrüßung ihre zierliche faltige Hand, die er mit hochgezogener Augenbraue und äußerst skeptischen Blick erst unsicher musterte und dann langsam schüttelte, um sie sofort wieder loszulassen. Elke lächelte Marc scheißfreundlich an, was ihn zunehmend verunsicherte... Hier riecht doch was faul! Und das ist nicht ihr scheußliches Chanel-Wässerchen.

E: Freust du dich denn nicht, mich wieder zu sehen?
Fußpilz wäre mir lieber.
M (schaut sie ungläubig an): Äh... nein! Wenn du hier unangemeldet bei mir einbrichst.
E (klärt ihn auf): Ich habe doch einen Ersatzschlüssel.
Scheiße! Memo an mich selbst: Türschloss austauschen.
M (kratzt sich hinter dem Ohr u. denkt nach): Hatte ich dir den nicht abgenommen, als ich unser Mutter-Sohn-Gespann aufgekündigt habe?
E (ignoriert den Stich in ihrem Herzen, den die Erinnerung an ihren heftigen Streit bei ihr auslöst u. sieht Marc selbstsicher an): Nein!
M (murmelt in seinen nicht vorhandenen Bart): Hätte ich es mal gemacht.
E (echauffiert sich): Marc Olivier!
M (faucht sie an): Verdammt, ich weiß, wie ich heiße, Mutter. Also... was verschafft mir das unangenehme Vergnügen deiner Anwesenheit? Ich dachte, ihr sexelt gerade auf irgend so einem bescheuerten Kahn im Mittelmeer.
Bäh! Widerliche Verstellung! Welkes Fleisch, das... Aaaahhh! Ganz, ganz falscher Gedanke, Meier.
E (regt sich künstlich auf u. fächert sich mit ihrem Clutch Luft zu): Also ich muss doch sehr bitten! Das war eine Geschäftsreise.
M (lacht spöttisch auf): Ach? Kann man Sextrips neuerdings von der Steuer absetzen oder wie? Hmm... sollte ich mir vielleicht auch mal überlegen.
E (funkelt ihn böse an u. klärt ihn schließlich auf): Meine LESEREISE auf der Aidabella ist bereits gestern zu Ende gegangen, wenn du es genau wissen willst.
Warum gibt es eigentlich keine Eisberge im Mittelmeer?
M: Ah ja!? Und warum sollte mich das interessieren?
E: Es ist Weihnachten.
Hä? Wogegen ist die denn gelaufen, wenn sie daran gedacht hat?
M (gespielt unbeeindruckt): Ach ja? Oh! Gar nicht mitbekommen. Ich besitze nämlich keinen Kalender.
E: Dein spöttischer Unterton ist hier nicht angebracht.
M (lacht): Doch ich denke schon.
Also wenn sie jetzt noch fragt, ob wir uns zusammen unter ne bescheuerte Fichte setzen, dann kann ich sie definitiv für verrückt erklären und einweisen lassen.
E (verzieht keine Miene): Es ist ernst, mein Junge.
Bei dir ist immer alles ernst. Selbst wenn deine Assistentin dir deinen beschissenen Espresso nicht gebracht hat.
M (verschränkt amüsiert seine Arme vor seinem Körper): Wieso? Ist irgend so ein bekloppter Fan von dir aus Versehen vor lauter Begeisterung über deine Geistergeschichten über Bord gegangen und verklagt dich jetzt wegen seelischer Misshandlung?
E (faucht aufgebracht zurück): Marc Olivier, wie oft denn noch, das ist keine Geistergeschichte, sondern ein Vampirepos.
Ich sehe da keinen Unterschied. Ist doch alles scheiße.
M (kann es nicht lassen u. zieht sie auf): Ja, Tweilight mit „ei“! Wow! Ich bin beeindruckt. Halb Deutschland lacht schon darüber.
E (schnappt fassungslos nach Luft): Was? Du meinst, sie kaufen die Bücherläden leer und schicken mich damit auf Platz 1 der Spiegel-Bestseller-Liste?
Ok, in welcher Sphäre schwebt die denn schon wieder? Sollte den Flieger zur Notlandung zwingen, bevor mein Name auch noch in den Dreck gezogen wird. Und mein Ruf ist mir nun mal heilig.
M: Äh... Nein, sie lachen. Wobei es könnte durchaus sein, dass es irgendwo auf Platz 1 liegt.
E (macht eine große theatralische Geste in der Luft): Na also.
M: Äh... auf Platz 1 der dreistesten Plagiate, wollte ich eigentlich sagen. Haben die Amis schon eine millionenschwere Schadenersatzklage gestellt?
E (ihre Gesichtszüge entgleiten ihr u. sie weist den Vorwurf entschieden von sich): Ich muss doch sehr bitten. Bei mir ist alles rechtens.
Ja, mal abgesehen von den halbjährlichen Botoxbehandlungen, dem Fettabsaugen vor vier Jahren und der Nasenkorrektur, die ich letztes Jahr bei dir gemacht habe.
M: Du, in Zeiten, in denen selbst Politiker falsche Doktortitel tragen, solltest du vielleicht vorsichtig mit deiner Titelwahl sein. Man könnte sie gegen dich verwenden.
E: Mein Titel ist urheberrechtlich geschützt. Diese amerikanischen Trivialschlampen sind doch diejenigen, die...
M (fährt ihr grinsend dazwischen): ... die ordentlich Kohle gescheffelt haben. Sind sogar verfilmt worden, soweit ich weiß. Gretchen hat die Filme auch irgendwo hier rumliegen. Ich kann sie dir gerne zeigen.
E (hebt abwehrend ihre Hände u. stöhnt theatralisch auf): Gott bewahre nein! Außerdem zeugen doch diese pickligen unbegabten Highschoolmusicalkleindarsteller nicht von dem wahren Geist Transsilvaniens, der Mystik, dem Machismo, so wie ein gestandener Mann wie Dr. Rogelt, als er in Kapitel 7 von der mysteriösen Katherine in einen Vampir verwandelt wird. Das Böse, das erwacht. Der Bluttrieb, den er zurückhält, um seiner großen Liebe...
Boah ich glaube, ich muss gleich kotzen! Gott, welcher Idiot kauft sich bloß so einen Scheiß? Das grenzt ja fast schon an Körperverletzung. Also ich wäre auf jeden Fall von Bord gesprungen.
M (reißt seine Augen panisch ganz weit auf u. hebt abwehrend seine Arme, um das Schlimmste, nämlich eine stundenlange Rezitation aus ihrem misslungenen Werk, zu verhindern): Äh... bitte erspar mir die gruseligen Details!
E (macht ihm Vorwürfe): Du nimmst meine Arbeit gar nicht ernst.
M (grinst): Kann man ja auch nicht ernst nehmen, ne. Apropos, Ernst, äh... wo ist eigentlich Dad abgeblieben? Ich hab seinen Wagen gar nicht vorm Haus gesehen.

Auf die plötzliche Wende im Gespräch mit ihrem Sohn war die Erfolgsautorin nicht gefasst gewesen. Elke wich seinem stechenden fragenden Blick aus und setzte sich wieder aufs Sofa. Dass sie nicht gleich antwortete, verunsicherte den jungen Mann seltsamerweise... Was’n jetzt los? Hier ist doch was oberfaul. Ist Dad etwa vor ihren albernen Geschichten geflohen? Könnte ich verstehen. Wäre ich auch. ... Er setzte sich ihr gegenüber in den Sessel und fixierte sie mit seinen Argusaugen, die sie immer unsicherer werden ließen. Marc zählte schließlich eins und eins zusammen...

M: Ach! Verstehe! Da liegt also der Hund begraben.
E: Gar nichts verstehst du.

... gab seine Mutter plötzlich schnippisch zurück, bevor sie sich wieder wegdrehte. Marc verschränkte seine Arme, lehnte sich zurück und zog eine Augenbraue nach oben, als er direkt nachhakte...

M: Was hast du verbockt?

Elke, die auf ein Kreuzverhör nicht wirklich vorbereitet war, versuchte ihrem Sohn unauffällig auszuweichen. Als sie die beiden Koffer an der Tür stehen sah, fiel ihr etwas ein, mit dem sie vom eigentlichen Thema ablenken konnte. Leider ohne Erfolg.

E: Wollt ihr verreisen?
M (stöhnt auf): Mutter, du lenkst ab.
E (senkt ihren Blick u. versucht es auf die mütterliche Tour): Ich interessiere mich halt für dein Leben.
M (spöttisch): Seit wann das denn?
E: Schon immer.
M: Sicher! Komm, lass den Scheiß! Wo ist Dad?
E (druckst ungewohnt herum): Ich... ich... weiß... es ... nicht.
M (sichtlich irritiert): Bitte?
E: Ich nehme an noch in Barcelona.
M (beugt sich nach vorn u. sieht sie fragend an): Äh... und warum, wenn ich fragen darf?
E (kleinlaut): Ich habe einen Flug eher genommen.
Ich hab’s gewusst. Sie ham sich gezofft. Die beiden allein, das geht nicht gut. Scheiße! Und jetzt?
M: Das erklärt meine Frage eher sekundär. Also was ist mit Dad?
E (wiegelt ab): Nichts.
M (glaubt ihr kein Wort): Nichts? So wie du hier um den heißen Brei herumredest, ist da sicher nichts.
E: Doch!
M (platzt der Kragen): Boah Mutter, ich hab nicht ewig Zeit für den Scheiß hier.
E: Wo willst du denn hin? Es ist doch Weihnachten.
Jetzt lenkt die schon wieder ab! Ich hasse es.
M: Eben!
E: Sag nicht... Du entfliehst dem ganzen Theater oder? Gute Idee. Deshalb bin ich auch hier.
M (versteht nicht ganz, worauf sie hinaus will): Äh... was?
E: Und ich dachte schon, ich würde hier bei euch ein schreckliches Weihnachtswunderland vorfinden. Deine Freundin hat schon einen Hang zum Kitschigen, wenn ich hier so die hässlichen Kerzenleuchter sehe. Aber gut, dass du der Herr im Haus geblieben bist. Du darfst dich nicht von ihr unterdrücken lassen, versprich mir das.
Hat die sie noch alle? Was frage ich eigentlich? Natürlich nicht!
M (regt sich auf): Äh... hier unterdrückt niemand irgendwen, klar?
E (richtet sich auf u. sieht ihn gespannt an): Also wo fahren wir hin? Ins „Akropolis“ wie letztes Jahr? Eindeutig eine weihnachtfreie Zone. Also genau der richtige Ort für uns an diesem schrecklich besinnlichen Tag.
Die spinnt doch!
M (will sie loswerden): Äh... weg fahre ich schon, aber sicherlich nicht mit dir. Da wir gerade dabei sind, ich muss. War wie immer äh... nett.

Marc schenkte seiner Mutter ein gequältes Lächeln, sprang dann vom Sessel auf und ging zur Tür. Die überrumpelte Frau folgte ihm auf dem Fuße...

E: Marc Olivier, aber du kannst doch deine Mutter nicht in diesen schweren Stunden allein lassen.
Ich verbringe meine schweren Stunden lieber im Weihnachtswonderhorrorland als mit dir und deinen beschissenen Geschichten beim Griechen. Hab keinen Bock auf Knoblauch!
M (schnappt hörbar nach Luft u. fährt herum): Ja, kann ich schon! Und bitte lass die alberne Theatralik weg. Das ist ja nicht auszuhalten.
E (ihre Stimme wird mit einem Mal verzweifelter): Wo willst du denn jetzt hin? Wir sind hier noch nicht fertig.
M (unbeeindruckt): Also ich für meinen Teil schon. Ich muss los. Und tschüß!

Marc öffnete bereits die Tür. Elke hielt ihre Hand dagegen und schloss sie wieder. Ihr Sohn starrte sie daraufhin fassungslos an...

M: Was...?

Elke kämpfte mit sich. Ihre Gedanken und aufgewühlten Gefühle überschlugen sich regelrecht. Das bemerkte auch ihr Sohn, der mit einem Mal ruhiger wurde und ihr nun direkt in die Augen schaute, die unendlich traurig schimmerten. Ein ungewohnter Anblick für Marc, denn seine Mutter zeigte nie ihre Schwächen. Und Gefühle waren nun mal in ihren Augen eine Schwäche. Eine Tatsache, die auch er lange Zeit geglaubt hatte, bis ihm jemand vom Gegenteil überzeugt hatte. Nach einem Moment bedrückender Stille rückte die stolze Autorin endlich mit dem raus, was ihr die ganze Zeit schon auf der Seele gelegen hatte und weswegen sie eigentlich den Weg zu ihrem Sohn gesucht hatte...

E: Marc, dein Vater und ich...
M: Ja?

Marc schaute gespannt zwischen ihren Augen hin und her, als sie wieder ins Stocken geriet. Er ahnte, dass ihr Verhalten und ihr ganzer Auftritt hier nichts Gutes bedeuten konnten. Elke rang mit sich, sah ihrem Sohn plötzlich direkt in die Augen und sagte ihm schließlich die Wahrheit...

E: ... das funktioniert so nicht.

Lorelei Offline

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25.03.2011 17:02
#960 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Nachschub ist fertig. Frisch aus der Produktion. Ich hoffe, ihr habt Spaß daran. Ich hatte ihn schon. Liebe Grüße und ein großes Dankeschön an meine fleißigen Kommibienchen und auch an die stille Leserschaft. Eure Lorelei



Eine Stunde später im Elisabethkrankenhaus

Es war ruhig, zu ruhig für seine Verhältnisse, dachte er, als er miesepetrig das Krankenhaus betrat und mit dem Fahrstuhl, der ausgerechnet heute in Schneckengeschwindigkeit lief, hoch in den 3. Stock fuhr. Aber es war ja zu erwarten gewesen, dass am 24. und über die restlichen Feiertage hinweg hier eher weniger los sein würde. Die wenigen Patienten, die aufgrund der Schwere ihrer Erkrankungen für die Weihnachtstage nicht zu ihren Familien entlassen werden konnten, wurden von einem Nottrupp an Pflegern, Ärzten und Schwestern unter Leitung von Dr. Rössel und Dr. Kaan betreut, die aufopferungsvoll ein besinnliches Weihnachtsfest in den heimischen vier Wänden gegen den gut bezahlten Feiertagsdienst im Krankenhaus getauscht hatten.

Schwester Sabine zählte auch zu jenen Glücklichen, die den Weihnachtsabend freiwillig und uneigennützig im EKH verbringen würden. Es war das fünfte Jahr in Folge, dass sie das so handhabte, denn die Alternative wäre ihre leere trostlose Zweizimmerwohnung ein paar Straßen weiter gewesen, in der sie nur ihre Goldfische, eine mit ein paar bunten Kugeln und reichlich Lametta geschmückte fünfzig Zentimeter kleine Plastiktanne und ihre fünfzigteilige Räuchermännchensammlung erwartete, die sie von ihren Eltern - Gott hab sie selig - geerbt hatte und zu der jedes Jahr ein neues Männlein hinzukam, das sie sich selber schenkte, weil sie ja sonst niemanden mehr hatte. Sie hätte den Abend allein vorm Fernseher und mit ihren Goldis plaudernd oder mit einem guten „Dr. Rogelt“ verbracht, wenn sie nicht die Chance gehabt hätte, wie jedes Jahr an ihrem Lieblingsort zu sein, ihrer Heimat, ihrem wirklichen Zuhause, nämlich bei den Patienten im Krankenhaus, die ebenso gezwungen waren, einsame Weihnachten zu verleben. Doch dieses Jahr war alles anders für die einunddreißigjährige Krankenschwester. Sie war nicht mehr länger allein. Seit einer Woche, drei Tagen und sechs Stunden hatte sie einen festen Freund, den besten, den es geben konnte, denn er zog es ebenfalls vor, am heiligen Abend etwas Gutes zu tun und im Krankenhaus zu verweilen.

Die frisch verliebte junge Frau probierte gerade in der Umkleide ihr Kostüm für die später stattfindende Weihnachtsfeier auf der Kinderstation an, als ein übel gelaunter Chirurg das Stationszimmer nebenan stürmte, sich hektisch dort umschaute und dann im gewohnten unfreundlichen Oberarschton nach ihr rief...

MM: SABINE! ... Verdammte Scheiße, wo steckt die schon wieder?

MK: Marc, geht’s auch einen Ton leiser? Es ist Weihnachten. Ein besinnliches, RUHIGES und vor allem friedvolles Fest.

... erwiderte plötzlich Mehdi auf den Meierschen Ausbruch, der gerade ebenfalls das Stationszimmer betreten hatte und seinen mürrischen Freund nun frech von der Seite angrinste. Er trug noch die grüne OP-Kleidung, da er gerade aus dem Kreissaal gekommen war, wo er einen gesunden Jungen entbunden hatte. Gereizt motzte Marc zurück...

MM: Du kannst mich mal!
MK (rollt mit den Augen, da Marc anscheinend noch immer nicht in Weihnachtsstimmung ist): Was ist denn dir über die Leber gelaufen? Vorhin warst du doch noch super drauf gewesen?
MM: Ja, vorhin, da war die Welt auch noch...

Der schlecht gelaunte Chirurg wollte gerade zu einer Erklärung ansetzen, da betrat Schwester Sabine die Bühne. Und das im wahrsten Sinne des Wortes! Denn sie war verkleidet und kaum noch wieder zu erkennen. Marc und Mehdi klappte gleichzeitig die Kinnlade nach unten, als sie völlig entgeistert das mit einer roten eng anliegenden Hose und einem giftgrünen Umhang, der von einem breiten schwarzen Gürtel mit großer silberner Schnalle gehalten wurde, bekleidete Männchen mit der ebenso grünen Zipfelmütze und dem aufgeklebten Spitzbärtchen betrachteten, das nur durch seine monotone Stimmlage noch ein wenig Ähnlichkeit mit der allseits beliebten Stasi-Sabsi hatte, die nun ihre beiden Arme ausbreitete und die beiden anwesenden Herren überschwänglich begrüßte...

S: Herr Dr. Meier! Da bin ich.
Ich glaube... ich brauche... einen Schnaps. ... Aber subito! ... Ich hab schon Hallus!
MM (dreht sich sprachlos zu Mehdi um, der sein Lachen kaum zurückhalten kann): Ich glaube, ich hab mich auf der Station geirrt. Oder gleich im ganzen Gebäude? Das muss die Irrenanstalt sein. Hätte ich das gewusst, hätte ich meine Mutter gleich mitbringen können.
MK (irritiert): Deine Mutter?

Die eingeschüchterte Stationsschwester, die die seltsamen Gedankengänge ihres Vorgesetzten nicht nachvollziehen konnte, ging mit gesenktem Kopf an den beiden breit grinsenden Oberärzten vorbei zu ihrem Schreibtisch, unter dem sie einen Beutel hervorzog, den sie nun mit zittriger Hand Dr. Meier reichte...

S: Die Frau Doktor hat mich angerufen und gesagt, sie würden gleich vorbeikommen, um die Plätzchen zu holen.

Der sichtlich irritierte Chirurg, der seinen Blick nicht von dem farbenfrohen Männchen abwenden konnte, riss ihr die Tüte mit dem großen Weihnachtsmanngesichtsabdruck unsanft aus der Hand, schaute kurz hinein und zog dann die große rote Keksdose heraus, die sich darin befand, und musterte diese argwöhnisch....

MM: Äh... ja! Und sie hat Ihnen auch aufgetragen, ein Kasperlekostüm anzuziehen? Warum auch immer.
Meine Süße versucht auch alles, um mich in Weihnachtsstimmung zu bringen, aber das hier ... ist definitiv der falsche Weg. ... Überlege, unseren kleinen Ausflug vorzuziehen, um dem ganzen Horror zu entkommen. ... Hier wird man doch bekloppt, echt eh!
S (schaut ihn verwundert an u. kichert dann wie ein kleines Mädchen): Nein, Herr Doktor, nein, das ist... das... das... ich bin... ein... Weihnachtself.
MM (zieht eine Augenbraue nach oben u. mustert sie ungläubig von Kopf bis Fuß): Ein...? Ah ja!? Ist mir gleich aufgefallen.
Definitiv reif für die Klapse! Aber das sage ich ja bereits seit Jahren.

Marc drehte sich zu seinem Kumpel herum, der direkt hinter ihm stand und auch nicht fassen konnte, was er da zu sehen und zu hören bekam, und wedelte mit seiner Hand vor seinem Gesicht herum, um Mehdi verstehen zu geben, dass die doofe Nuss wohl endgültig den Verstand verloren hatte. Der Frauenarzt grinste nur schelmisch und schaute dann wieder zu Sabine, die mittlerweile rot im Gesicht angelaufen war, weil sie so langsam merkte, dass es an ihrem seltsamen Outfit lag, dass die beiden Männer so komisch guckten. Mehdi versuchte ihr die Unsicherheit zu nehmen, indem er sie freundlich ansprach...

MK: Das ist für das Weihnachtsprogramm später oder?
S (lächelt verlegen u. streicht sich über ihren angeklebten Bart): Ja!
MM (sieht spöttisch zu Mehdi): Aha! Und du, wen spielst du? Jesus’ Geburtshelfer oder wie?

Marc konnte sich sein Lachen nun nicht mehr länger verkneifen und prustete los, während Mehdi ihn nur böse anfunkelte und den Kopf schüttelte. Sabine hatte dagegen neuen Mut gefasst und wollte ihren Chef über das von ihr geplante Weihnachtsprogramm für die Kinder aufklären...

S: Oh, wir führen aber kein Krippenspiel auf, Herr Doktor.
MM (ironisch): Och wie schade! Was dann? Ne schlechte Komödie? Dann wäre meine Mutter ja doch hier gut aufgehoben gewesen.
MK (schaut ihn fragend an): Ich höre hier immer, deine Mutter?
MM (rollt mit den Augen u. wiegelt ab): Hör mir bloß auf mit der.
Ihr Auftritt gerade hat mir schon gereicht. Scheißtag echt!

Mehdi wurde hellhörig und schaute seinen besten Freund nun erst recht interessiert an. Und auch Sabines Aufmerksamkeit war geweckt. Schließlich ging es hier um ihr großes Idol.

S: Geht es denn Ihrer werten Frau Mutter... also der Frau Fisher nicht gut, Herr Doktor?
Boah scheiße!

Dr. Meier legte seine Stirn in Falten und fuhr die neugierige kostümierte Krankenschwester barsch an. Schließlich ging Sabine nun wirklich nichts an, Fanliebe hin oder her, was bei seinen Eltern mal wieder nicht rund lief. Er hatte es ja selber noch nicht verstanden.

MM: Sabine, hatte ich Sie um Ihren belanglosen Kommentar gebeten? Nein! Also... abtreten! Aber ZZ! Und ziehen Sie sich gefälligst wieder um! Nicht dass die Patienten bei Ihrem Anblick vor Schreck das Weite suchen. Wäre schlecht fürs Geschäft.
S (schaut unsicher an sich herunter u. nickt dann eingeschüchtert mit ihrem Kopf): Jawohl, Herr Doktor.
MK (weist ihn zurecht): Marc! Jetzt lass sie doch.
MM (spielt sich auf): Ja, ist doch wahr! Das ist ein Krankenhaus und kein Zirkus.
MK (schmunzelt): Du klingst schon fast so wie dein Schwiegervater.
MM (beleidigt): Eh!
MK (lacht u. wendet sich noch einmal an Sabine, die im Begriff ist zu gehen): Sabine, das ist ein sehr schönes Kostüm. Die Kinder werden sich freuen.
MM (kleinlaut): Sicher!
S (lächelt Dr. Kaan geschmeichelt an): Danke!

Mehdi lächelte freundlich zurück. Marc rollte nur genervt mit den Augen angesichts der ekelhaften Schleimspur des Frauen- bzw. Elfenflüsterers. Die Elfe Vögler wollte gerade wieder in die Umkleide verschwinden, um sich - wie befohlen - für ihren Dienst umzuziehen, da kam ihr Dr. Gummersbach aus eben jenem Raum entgegen. Ein breites Lächeln zeichnete sich sofort auf ihrem Gesicht ab, als seine engelsgleiche Stimme in ihren angeklebten spitzen Ohren widerhallte...

Gü: Sabine, da bist du ja! ... Oh! Aber... das sieht doch... hervorragend aus.

Sabine kicherte verlegen und strich ihr Kostüm glatt, während Günni seine zauberhafte Freundin breit anlächelte, was man aber durch seinen angeklebten Rauschebart leider nicht erkennen konnte. Dafür strahlten seine Augen aber umso mehr...

S (geschmeichelt): Oh! Danke Günni! Du aber auch.

Dr. Meier und Dr. Kaan blieb dagegen der Mund offen stehen, als sie Dr. Gummersbach’s Kostüm sahen...

Lorelei Offline

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26.03.2011 21:30
#961 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Nanü? Ja, was trägt der Günni bloß für ein Kostüm? An Heiligabend. Für ein Weihnachtsprogramm auf der Kinderstation. Ich dachte, der Rauschebart wäre eindeutig gewesen. Anscheinend nicht. Da muss ich wohl schnell nachlegen. Viel Spaß mit dem neuen Teil und einen schönen Abend noch. Ach und nicht vergessen: Uhren vorstellen! Eure Lorelei




MM: Noch einer mit Blindheit gestraft.

... gab der verdutzte Chirurg schließlich nach fünf Sekunden des Resignierens und des Zuordnens der einzelnen Bilder, die sich gerade vor seinem inneren und äußeren Auge abspielten und alles andere als kompatibel waren, sarkastisch wieder und sah nun zu seinem besten Freund, der den in einen roten Mantel dick eingepackten Pathologen ebenso skeptisch von Kopf bis Fuß scannte. Doch Dr. Gummerbach bemerkte die amüsierten Blicke seiner beiden Kollegen nicht, denn er war dermaßen geblendet von Sabines märchenhaftem Anblick, dass er nur noch Augen für die Weihnachtselfe hatte und erst nach einer Weile mitbekam, dass er gar nicht alleine mit der bezaubernden Krankenschwester war, als die beiden Oberärzte nämlich hinter seiner Freundin in seinem Blickfeld erschienen...

Gü (streicht sich verlegen seinen Rauschebart glatt, der ihn überall und v.a. an der Nasenspitze kitzelt): Oh! Herr Dr. Meier! Dr. Kaan! Hallo!
MK (nickt ihm freundlich zu u. versteckt sein Grinsen hinter vorgehaltener Hand): Hallo!
MM (kann sich einen spitzen Kommentar nicht verkneifen u. muss sich stark zurückhalten, nicht laut loszulachen): Na das passt ja. Der Pathologe ist der Weihnachtsmann. Da werden die Hosenscheißer aber begeistert sein.
... wenn er den Leichensack aufmacht. Hahaha!
S (klatscht begeistert in ihre Hände u. sieht ihren persönlichen Traumweihnachtsmann ganz verträumt an): Eben!
Oh Gott! Die meinen das wirklich ernst? Ich muss hier raus aus diesem Schmierentheater. Unfassbar!
MM: Ist das auf deinen Mist gewachsen, Kaan?

... fragte Marc den schmunzelnden Gynäkologen hinter sich, der sich nun aus seiner Denkerpose löste, seine Arme vor seinem Körper verschränkte und dem größten Weihnachtsmuffel der Nation frech zuzwinkerte...

MK: Sonst hätte ich es machen müssen.
Hat wohl nicht ins Kostüm gepasst, hä? Hahaha! Aber der Totengräber sieht auch nicht viel authentischer aus. Ein Fatsuit wäre vielleicht angebracht, sonst werden die Plärrgeister eher Mitleid mit ihm haben und ihm ihre Schokosantas zurückgeben, weil sie Angst haben, Knecht Ruprecht würde verhungern.
MM (grinst Mehdi an): Ach? Verstehe! Du hättest aber den Bauch dafür gehabt.
MK (funkelt ihn beleidigt an): Eh! Das ist der OP-Kittel. Grün steht mir nicht.
MM (feixt): Klar!?
Das liegt nicht nur am Kittel und am Grün. Du siehst einfach scheiße aus in allem, was du trägst. Ein Wunder, dass das Dreckstück überhaupt auf dich abfährt. Hat ganz schön ihre Ansprüche heruntergeschraubt, die blinde Kuh.
MK (wirkt plötzlich unendlich traurig): Und glaub mir, die Kinderstation ist der letzte Ort, wo ich heute sein möchte.
Ich kann heute nicht in strahlende Kinderaugen sehen. Es geht einfach nicht. Es sind nicht ... *schluck* ... IHRE!

Oh! Scheiße! Fettnapf! Er ist im Familientief. Ich hätte es wissen müssen. Deshalb hat Haasenzahn ihn vorhin so betüddelt.

MM (senkt beschämt seinen Kopf u. klopft Mehdi entschuldigend auf seine hängende Schulter): Sorry Alter!
MK (lächelt kurz gequält auf): Schon gut!
Boah wenn die blöde Schlampe nicht endlich mal hier auftaucht!

Die plötzlich eingetretene peinliche Stille wurde aber schnell wieder von der aufgedrehten Stationsschwester im Weihnachtselfenkostüm durchbrochen, die ihren Chef erwartungsvoll ansah...

S: Kommen Sie denn später auch zur Weihnachtsfeier, Herr Dr. Meier?
MM (wacht aus seinen trüben Gedanken auf u. hebt abwehrend die Arme): Gott bewahre nein! Ich hab schon was vor.
Habe die grandiose Auswahl zwischen einer heulenden Mutter auf meiner Couch, einem heulenden Haasenzahn neben einer angebrannten Gans und einem heulenden Haufen kranker Kiddies. Welche Tür werde ich wohl öffnen?
S (leicht enttäuscht, weil Dr. Meier nicht kommt): Oh! Wie schade! Wir haben uns sehr viel Mühe mit dem Programm gemacht, Herr Doktor. Wissen Sie, für die armen kleinen Kinder, die an Heiligabend im Krankenhaus bleiben müssen.
Sehe ich so aus, als ob mich das interessieren würde?
MK (kann schon wieder lächeln): Schön Sabine!
Schleimer!
S: Kommen Sie denn, Herr Dr. Kaan?
MK (schaut peinlich berührt zu Boden): Äh... mal sehen.
Wohl eher nicht! Das würde mich nur runter ziehen.

Sabine gab sich mit dieser knappen Antwort zufrieden und verabschiedete sich schließlich zusammen mit Günni von den beiden Ärzten und verschwand mit ihm in der Umkleide, von wo man nun immer wieder ein kindisches Gekicher vernahm, bis Dr. Meier endgültig genug von dem peinlichen Geturtel hatte und die Tür hinter den beiden verknallten Dorfdeppen zuknallte. Anschließend ließ er sich erschöpft auf einen Stuhl fallen. Dr. Kaan, der sich inzwischen einen Kaffee geholt hatte, setzte sich neben ihn an den runden Tisch und legte sofort seinen fürsorglichen Blick auf...

MK: Was ist denn los?
MM: Nichts!
MK (lässt keine Ruhe): Marc?
Boah! Schlimmer als Haasenzahn echt.

Marc, der seinen Kopf mit seinen Armen auf der Tischplatte abgestützt hatte, schaute gequält zur Seite und erzählte seinem Freund schließlich stockend, was passiert war...

MM: Meine Eltern... haben sich... *schluck* ... getrennt.

Mehdi stellte seine Kaffeetasse, an der er eben noch genippt hatte, auf dem Tisch ab und fuhr sich mit einer Hand über sein Gesicht, dann sah er seinen sichtlich geknickten Freund mitfühlend an...

MK: Scheiße, Mann!

Marc sagte nichts darauf und fixierte stattdessen mit seinem eisernen Blick die rote runde Keksdose, die er vorhin von Sabine erhalten hatte, überlegte kurz, dann öffnete er sie, betrachtete skeptisch den herzchenförmigen Inhalt und nahm sich schließlich eins der Plätzchen heraus, schnüffelte daran und schob es schließlich zwischen seine Zähne. Nachdem er fünf Herzen herunter geschlungen hatte, bemerkte er Mehdis stechenden Blick im Nacken, der ihn zunehmend nervte, schob ihm als Ablenkungsmanöver unauffällig die Dose rüber, woraufhin sich der Halbperser schmunzelnd ebenfalls ein Plätzchen herausnahm, und fauchte ihn dann gereizt an, weil er seinen furchtbaren Bambiblick noch immer nicht ablegte...

MM: Spar dir den Mitleidsblick! War doch eh zu erwarten gewesen.
MK (schluckt den Keks schnell runter u. sieht Marc verständnisvoll in seine traurig schimmernden Augen): Meinst du? Also nach allem, was ich von dir gehört und von den beiden mitbekommen habe, hätte ich gedacht, dass...
MM (blickt ihn Stirn runzelnd an): Du kennst sie nicht.
MK: Was ist denn überhaupt passiert?
MM (zuckt mit den Schultern u. nimmt sich noch ein verziertes Herzchen aus der Dose): Keine Ahnung.
MK (hakt unbeeindruckt weiter nach): Waren die beiden nicht gerade auf Kreuzfahrt?
MM (will eigentlich nichts weiter dazu sagen, aber plötzlich sprudelt es regelrecht aus ihm heraus): Ja, ja, bis gestern. ... Eh ich hab noch vor zwei Tagen mit Dad telefoniert. Da schien noch alles in Ordnung zu sein. Friede, Freude, Eierkuchen. Alte Liebe rostet nicht. Sex, drugs and rock ’n’ roll. Honeymoon forever und so nen Scheiß hat er gezwitschert. Voll verknallt eben. ... Peinlich, ich weiß. ... Es gibt Dinge, die will man wirklich nicht so genau von seinen Erzeugern hören. Mir war’s echt egal, was die da treiben. Aber vorhin komme ich nach Hause und meine hysterische Mutter hockt in meinem Wohnzimmer und erklärt so nebenbei, das ginge so nicht mit den beiden. ... Muss ich das verstehen?
Die ham doch ein Rad ab, echt. Und wer muss es ausbaden? Ich! Eh geht zum Therapeuten und lasst mich in Ruhe mit eurem Scheiß! Ich hab auch Probleme, gravierende, nämlich irgendwie über diesen beschissenen Tag heute kommen. Echt schlimmer geht’s nimmer!
MK (brummelt nachdenklich): Hmm!
MM (verschränkt schmollend die Arme u. lehnt sich zurück, um mit dem Stuhl zu kippeln): Danke, Mann! Dein „Hmm“ ist wirklich sehr hilfreich.
Und so was schimpft sich Frauenversteher. Wobei... meine Mutter braucht wohl eher einen Drachendompteur.
MK (nimmt sich unbeeindruckt der Kritik noch einen Keks aus der Dose, kaut nachdenklich darauf herum u. versucht sich dann an einem Erklärungsversuch): Naja, du musst bedenken, deine Mutter ist beziehungstechnisch genauso verkorkst wie du.
Hat der mich gerade verkorkst genannt? Ich geb dir gleich ein „verkorkst“, du blöder Möchtegerncasanova, und ruf die Hassi an und erzähl der mal eine kleine Geschichte.
MM (kippt fast mit dem Stuhl um u. hält sich schnell an der Tischkante fest; dabei fixiert er Mehdi mit seinem bösen Blick): Bitte? Also das ist ja wohl... also... ich bin nicht wie meine Mutter! Klar?
Äh... ich enthalte mich mal lieber. Bin heute nicht in der emotionalen Lage, einem Meier-Tief auszuweichen.
MK (versucht sich zu erklären): So hab ich das doch gar nicht gemeint, Marc. Aber du kannst nicht leugnen, dass sie... naja... eher für unkomplizierte Verbindungen steht. Sie ist Künstlerin.
MM (schnauft auf): Jetzt übertreibe mal nicht! Wir wollen hier mal nicht die FAZ mit der Bild vergleichen.
MK (verdreht die Augen u. versucht es weiter): Was ich damit sagen will, deine Mutter ist schon immer... Äh... nein... anders. Also... Elke Fisher ist ein Freigeist. Die ticken nun mal anders als wir Normalsterbliche. Sie liebt ihre Freiheit, eine ungezwungene Lebensweise, ohne Konventionen und irgendwelche Zwänge. Typ Amour fou und so.
Hat der den Arsch offen? Was labert der denn da für eine gequirlte Scheiße?
MM (schaut ihn misstrauisch an): Woher willst du das denn wissen?
MK (blickt ihn unbeeindruckt an u. nimmt sich noch ein Herzchenplätzchen aus der Dose): Ich bin ihr Gynäkologe!
MM (verzieht angewidert sein Gesicht u. legt den gerade angebissenen Keks auf dem Tisch ab, da ihm sein Appetit mittlerweile vergangen ist): Wäh! Da bist du auch noch stolz drauf, was? Dass du... du... Bäh! Ist das ekelhaft.
MK: Jetzt bleib mal ernst, ok. Außerdem hab ich das so oder so ähnlich neulich zufällig in einem Interview von ihr gelesen in einer der Zeitschriften, die Schwester Sabine immer liegen lässt.
MM (verschränkt eingeschnappt seine Arme): Du musst mir nicht erklären, wie meine Mutter tickt. Ich kann ihr und ihren Neurosen seit dreiunddreißig Jahren nicht entkommen.
Aber irgendwie hat er schon erschreckenderweise recht damit.
MK: Du hast mich gefragt.
MM: Du musst auch immer jedes Wort auf die Goldwaage legen.
MK (grinst u. nimmt sich noch einen Keks): Was sagt denn eigentlich dein Vater zu der ganzen Sache?
MM (schiebt nun doch das bereits angeknabberte Herzchen in seinen Mund): Nichts!
MK (wischt sich ein paar Krümel aus dem Mundwinkel u. sieht Marc erstaunt an): Wie nichts?
MM: Der ist verschollen.
MK (erstaunt): Oh!
MM: Wahrscheinlich schämt er sich, weil er so blöd war, sich wieder auf sie einzulassen, wo er doch genau weiß, wie sie ist, oder er trinkt sich irgendwo einen über den Durst vor Liebeskummer oder was weiß ich.
MK: Machst du dir keine Sorgen?
MM (zynisch): Sorgen sind was für kleine Mädchen und Frauenärzte.
MK: Sehr witzig, Marc. Ich meine ja nur. Ihr steht euch ja mittlerweile schon sehr nahe, du und dein Vater.
MM (versucht sich seine Unruhe nicht anmerken zu lassen u. gibt sich unbeeindruckt): Na wenn er will, dass ich ihm sein Patschehändchen halte, dann muss er sich schon selber melden. Macht er aber nicht. Geht immer nur die Mailbox dran.
Was soll ich denn machen?
MK: Und was gedenkst du jetzt zu tun?
MM (zuckt mit den Schultern u. macht, bevor Mehdi sich erneut ein Plätzchen nehmen kann, den Deckel wieder auf die Dose u. grinst ihn an): Äh... ja was wohl? Haasenzahn glücklich machen und ihr ihr beschissenes besinnliches Weihnachtstrarafest geben, mich bei ihrem Papa und dem Butterböhnchen schön einschleimen und den Rest kennste ja.
Deine Lockerheit möchte ich haben.
MK (schüttelt amüsiert den Kopf, wird aber schnell wieder ernst): Und deine Mutter?
MM: Was soll mit der sein?
MK: Willst du sie jetzt in dieser Situation alleine lassen?
MM (verständnislos): Äh... Soll ich sie etwa mit zu den Haases schleifen? Ich bin doch nicht lebensmüde.
Das Butterböhnchen hat einen großen Messerblock und kann, glaube ich, auch ganz gut zielen.
MK (fassungslos über so viel Ignoranz): An Weihnachten sollte niemand alleine sein.
MM: Meine Mutter war nie allein. So viel dazu.
MK: Mann, du weißt doch, wie ich das meine.
MM: Die kommt schon klar. Meine Minibar ist gut gefüllt.
MK (fassungslos): Du hast sie in deiner Wohnung zurückgelassen?
Rausschmeißen hat ja nicht funktioniert. Will, warum auch immer, nicht zu sich nach Hause. Feiges Huhn!
MM (völlig unbeeindruckt): Na und?
MK (schüttelt den Kopf): Du bist echt unmöglich. Ich frag mich, wie Gretchen das überhaupt mit dir aushält.

„Das frag ich mich auch schon lange“, sagte plötzlich eine sexy Stimme im Hintergrund, die die beiden Männer augenblicklich herumfahren ließ...

Lorelei Offline

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28.03.2011 13:15
#962 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Einen wunderschönen Wochenstart wünsche ich euch allen. Image and video hosting by TinyPic Auch wenn es bei Oli und seinem Mokkapralinchen gerade nicht so optimal zu laufen scheint (ich enthalte mich mal jeglichem Kommentar ), läuft es bei anderen dagegen umso besser. Viel Spaß mit dem neuen Teil voller Zickigkeiten, Streitereien und ganz viel Liebe und Freundschaft. Eure Lorelei




Schwester Gabi, die sich gerade lässig in einen weißen Kittel geschwungen hatte, lehnte sich lässig gegen die Tür zur Umkleide, aus der sie gerade gekommen war, und schaute mit funkelnden Augen zu den beiden attraktiven Oberärzten, die in bester Stammtischhaltung in der Mitte des Schwesternzimmers saßen und sie wie eine Erscheinung aus einer anderen Welt anstarrten. Während Dr. Kaan völlig hin und weg von ihrem wunderschönen Anblick war - Gabi trug ein figurbetontes Oberteil und einen eng anliegenden kurzen Rock unter ihrem Kittel, den sie nun wie in Zeitlupe langsam zuknöpfte, und schwarze Strümpfe umhüllten ihre endlos langen Beine - und sie mit einem breiten verliebten Lächeln und leuchtenden Augen regelrecht anhimmelte und dabei alles um sich herum vergaß, hatte Dr. Meier nur ein müdes Lächeln für die biestige Krankenschwester übrig, die ihn einst zur Hochzeit zwingen wollte. Angewidert von Mehdis plötzlicher geistiger Umnachtung und dem auftretenden Sabberblick schoss er bissig zurück.

MM: Und ich frag mich, wie du es mit DER aushältst.

... konterte der miesepetrige Chirurg schließlich zynisch in Richtung des verknallten Frauenarztes, schob dann mit einem Ruck seinen Stuhl zurück und stand auf. Das Auftauchen seiner verhassten Ex war das Zeichen für ihn, schleunigst zu verschwinden. Hier flogen ihm eindeutig zu viele Liebes- und Giftpfeile umher und es galt sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Mehdi, der seine aufreizende Freundin nicht aus den Augen ließ und sich von Marcs spöttischen Kommentar völlig unbeeindruckt zeigte, erhob sich ebenfalls von seinem Stuhl und klopfte seinem unverschämten Kumpel freundschaftlich auf die Schulter...

MK: Das erkläre ich dir bei Gelegenheit bei einem kühlen Bierchen.
MM (verdreht die Augen angesichts der überschäumenden Glückshormone seines Freundes): Ich verzichte dankend. Du, ich muss jetzt los, bevor Haasenzahn auch noch Terror macht.

Mehdi nickte Marc wissend zu, der gerade in seinen Mantel schlüpfte. Gabi, die ihren Blick ebenfalls nicht von ihrem Liebsten abwenden konnte, war mittlerweile an die beiden Herren herangetreten. In einem unbeobachteten Moment legte sie ihren Arm um Mehdis Taille und strich ihm wie zufällig über seinen knackigen Hintern, woraufhin der Halbperser seine Augen weit aufriss und seine schöne Freundin überrascht ansah. Sein Puls erhöhte sich in Sekundenschnelle, sein Herz überschlug sich regelrecht und ein zartes Rosa zierte nun seine Wangen. Die freche Krankenschwester, die erreicht hatte, was sie wollte, grinste nur und nahm dem perplexen Mann nun auch noch seine Tasse Kaffee aus der Hand, nippte selber daran, verzog aber schnell ihr Gesicht, als sie merkte, dass er bereits kalt war und stellte die Tasse zurück auf den Tisch und fixierte nun Marc mit ihren schadenfrohen Blicken, der sich gerade die rote Keksdose vom Tisch genommen hatte, wegen der er noch einmal im Krankenhaus erschienen war, und konnte es nicht lassen, ihm noch einen Spruch reinzudrücken...

GK: Och sag bloß, dein Heimchen wartet schon sehnsüchtig am gedeckten Tisch mit dem Braten auf dich?
MM (blitzt sie an): Neidisch, weil ich dich letztes Jahr mit der doofen Gans zurückgelassen habe?
Das war eine Genugtuung. Die hat sich vielleicht damals aufgespielt, als ich breit grinsend verkündet habe, dass ich ihren ach so heiligen Abend und die restlichen Feiertage lieber meinen Forschungsarbeiten im Krankenhaus widmen würde. Hab viel geschafft - das war die reinste Erholung von der Irren - und von der Fachpresse und meinem Boss später viel Lob eingeheimst. Ich muss sagen, es hat schon was, eine kranke Verlobte im Haus zu haben. Hahaha!
GK (funkelt ihren Ex böse an, weil sie nicht mehr an ihr schlimmstes Weihnachtsfest - als einsame und ungeliebte Verlobte - erinnert werden will): Ganz so allein war ich ja nicht. Du hattest deine Brieftasche zu Hause vergessen und ich hab mit deiner Kreditkarte ein bisschen Homeshopping gemacht. Tja, wenn du schon selber kein Geschenk besorgt hast, musste ich eben dafür sorgen.
Blöde Ziege! Gott sei dank konnte ich die Bestellungen alle noch rechtzeitig stornieren. Wie alles andere mit ihr auch.
MM (versucht völlig unbeeindruckt zu kontern, was ihm nur teilweise gelingt): Du hattest nach den Weihnachtstagen aber trotzdem ganz schön viel zugelegt. Naja auch kein Wunder, wenn man den ganzen Braten alleine essen muss.
GK (faucht ihn getroffen an): Ich war schwanger, du Vollpfosten.
MM (rollt mit den Augen): Ja, nicht von mir, wenn ich das noch mal betonen darf.
Wieso können die beiden das nicht endlich lassen? Mehr wünsche ich mir doch gar nicht.

Bevor der sich anbahnende Streit der beiden noch eskalierte, schritt Mehdi ein...

MK: Jetzt hört doch mal auf mit euren kindischen Sticheleien!
MM (zeigt mit dem Arm auf Gabi): Sie hat doch damit angefangen.
GK (schlägt trotzig seine Hand weg): Eh! Gar nicht wahr.
MK (maßregelt seinen besten Freund): Du hättest ja auch nicht darauf eingehen müssen. Ich dachte, du wärst mittlerweile erwachsen geworden, Marc.
GK (kleinlaut): Merkt man.
MM (bissig zu Gabi): Eh!
MK (weist nun auch seine Freundin zurecht): Gabi!
GK (senkt ihren Blick u. nuschelt leise): Ich hab nichts gesagt.
MM (hat genug von dem ganzen Kindergarten): Also mir wird das jetzt echt zu blöd hier. Und tschüß!

Der schon aus diversen Gründen nicht besonders gut gelaunte Chirurg quetschte sich an seiner verhassten Exverlobten vorbei, die ihm unaufhörlich giftpfeilgetränkte Blicke hinterher warf, und war schon fast zur rettenden Tür hinaus, als Mehdi ihn noch einmal ruhig ansprach...

MK: Ich geb Bescheid, falls sich dein Vater hier meldet. Habt eine schöne Zeit!

Marc konnte sich dann doch noch zu einem kleinen Lächeln hinreißen und nickte seinem Kumpel kurz dankbar zu und machte sich anschließend aus dem Staub. Gabi, die sich mittlerweile ihrer Mordgedanken entledigt hatte, sah ihm verwundert hinterher...

GK (abfällig): Was für ein Problem hat der denn?
MK: Das übliche.
GK (stöhnt genervt auf): Gretchen?
Dem ist echt nicht zu helfen. Aber jedem das, was verdient hat.
MK (schmunzelt): Nein, die lieben Eltern.
GK (hebt ungläubig ihre Augenbraue): Ah ja!?
Na gut, die Mutter wünsche ich nicht mal ihm. Wahrscheinlich ist sie der Grund, warum er so verkorkst ist. Aber wenn interessiert’s? Mich nicht! Hauptsache ich bin endlich mit meinem Bärchen alleine. Gott, sieht der heute wieder anbettungswürdig aus.

Erleichtert, dass Marc Meier endlich das Weite gesucht hatte, richtete sich nun ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihren sexy Freund, der in seinem grünen OP-Umhang einfach nur zum Anbeißen aussah. Gabi lächelte ihn zuckersüß an und schmiegte sich katzengleich an seinen gestählten Astralkörper, aber Mehdi drückte sie sanft von sich weg und schaute ihr ernst in die Augen...

MK: Kannst du mir bitte einen Gefallen tun?
GK (sieht ihn ganz verträumt an): Alles, was du willst.
MK: Könnt ihr das in Zukunft lassen!
GK (versteht nicht, worauf er hinaus will, u. runzelt verwundert die Stirn): Was?
MK (holt tief Luft u. zeigt mit ausgestrecktem Arm auf die Tür, aus der Marc vor fünf Sekunden verschwunden ist): Euren ewigen Kleinkrieg. Soll das denn immer so ablaufen? Ich find das nicht mehr witzig.
GK (schiebt die Schuld meilenweit von sich): Denkst du, ich nicht. Aber er fängt doch immer damit an.
Was kann ich denn dafür, dass er mit der Vergangenheit nicht abschließen kann? Ich versuch’s zumindest... naja... ein wenig.
MK (vorwurfsvoll u. leicht enttäuscht): Ihr wart es beide, Gabi.
GK (gibt sich anfangs geknickt, lässt dann aber ihre Wut raus u. gestikuliert wild in der Luft herum): Ja, mag ja sein, aber... Ach Mehdi, wenn ich ihn sehe, dann... da legt sich halt ein Schalter um und ich kann dann nicht anders.
Er ist und bleibt ein Arsch und ich bereue den Tag, an den ich ihn kennen gelernt und mich auf ihn eingelassen habe. Der größte Fehler meines Lebens!
MK: Er ist mein Freund. Der einzige, den ich... Ähm... Wie soll das denn funktionieren, wenn ihr euch ständig an die Gurgel geht?
Das verletzt mich.

Warum muss er ihn auch so... Argh! Was soll ich denn machen? Ich hasse ihn. Er hasst mich. Das ist das einzigste, was wir gemeinsam haben. Also mal abgesehen von Mehdi. ... Oh nein! Jetzt kuck mich nicht so an mit deinen Rehaugen! Dem hält doch keine Frau lange stand. Hach...

GK (sieht ihn reumütig an): Es tut mir leid. Ich bemüh mich ja. Aber er könnte auch ein bisschen Entgegenkommen zeigen.
Stimmt!
MK (gibt sich mit dieser Antwort zufrieden u. streicht ihr sanft über den Arm): Das ist heute nicht sein Tag.
GK (kleinlaut): Alle Tage sind nicht seine Tage, wenn du mich fragst.

Mehdi lachte laut auf. Ein herzzerreißendes ansteckendes Lachen, in das auch Gabi alsbald einstieg. Doch plötzlich verstummte ihr gemeinsames Lachen, als sie sich mit einem Mal tief in die Augen schauten. Das magische Band, das sie beide verband, zog sie unweigerlich wieder an. Die Zeit schien stillzustehen. Mehdi schaute sich einmal kurz um, ob sie auch wirklich alleine waren, nahm dann Gabis zarte Hand und zog die brünette Schönheit in eine uneinsehbare Ecke des Stationszimmers. Gabi konnte gar nicht so schnell reagieren, da hatte Mehdi auch schon seine weichen Lippen auf die ihren gedrückt, um seine unendliche Sehnsucht zu stillen. Die überrumpelte Frau legte ihre freie Hand an seine Wange und streichelte diese sanft, als sie sich zärtlich küssten und der Realität des Krankenhauses für einen kurzen Moment entflohen. Als sie sich endlich wieder voneinander lösten, kam die verliebte Krankenschwester nicht umhin, glücklich vor sich hin zu lächeln. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals und sie konnte sich kaum noch auf ihren Wackelpuddingbeinen halten. Sie klammerte sich an seinem grünen OP-Kittel fest und sah Mehdi sehnsuchtsvoll in die Augen...

GK: Was... war... das... denn?
MK (lächelt sie ebenso umnebelt an u. drängt sie vorsichtig gegen die Wand): Das wollte ich den ganzen Tag schon machen.
GK (sieht in seinen feurig schimmernden Augen hin u. her): Ach? Ist das so?
MK (völlig gefangen von ihrem fesselnden Blick): Hmm!

Gabi strahlte ihren verträumten Liebsten verführerisch an, strich ihm mit einer Hand über den grünen OP-Umhang und küsste ihn erneut sanft auf den Mund. Mehdis Hände glitten ihre Seite entlang, fuhren ruhelos über ihren entzückenden Rücken und ihren süßen Po, während er ihren unglaublichen Kuss mit großer Leidenschaft erwiderte. Schnell hatten seine flinken Fingerchen ihren Kittel wieder geöffnet und erkundeten nun den aufregenden Inhalt darunter. Gabi genoss es sichtlich, wie er sie berührte. Und seine Küsse machten sie schier wahnsinnig. Sie würde sterben, wenn er seine Lippen jemals wieder von den ihren nehmen würde. Mehdi ging es da nicht anders. Sie vergaßen völlig Zeit und Raum. Der Moment gehörte nur ihnen. Aber die Natur brachte es nun mal mit sich, dass sie irgendwann auch wieder Luft holen mussten. Schweren Herzen lösten sie ihre Lippen schließlich doch voneinander und sahen sich nun schwer atmend in die vor Liebe strahlenden Augen. Beide lächelten glücklich und sie hielten sich an ihren Händen fest. Sie verschränkten ihre Finger miteinander und brauchten einen Augenblick, um wieder im Hier und Jetzt anzugelangen. Mehdis Augen klebten förmlich an Gabis atemberaubenden Körper, dessen weibliche Konturen durch das enge knappe Outfit heute besonders gut zur Geltung kamen...

MK: Du siehst hübsch aus.
GK (fühlt sich geschmeichelt, kann sich ihr freches Grinsen aber nicht verkneifen): Danke! Hab ich nur für dich gekauft.
MK (scannt ihren Körper noch einmal eingehend u. lächelt sie verschmitzt an): Ach? Deshalb bist du gestern nach dem Salsakurs noch mal weg in die Stadt?
GK (nickt leicht mit dem Kopf u. tut sehr geheimnisvoll): Hmm! Unter anderem.
MK (sieht sie fragend an): Unter anderem? Ich hab dich heute Nacht vermisst.
GK: Echt?
MK (küsst sie): Hmm! Ein unzumutbarer Zustand.
GK (lacht): Finde ich auch. Aber das kann uns ja heute nicht passieren.
MK: Naja, wir haben beide Spätschicht und ich hab heute Nacht auch noch Bereitschaft.
GK (legt ihre Arme um seinen Nacken u. sieht ihn ganz verträumt an): Deshalb hab ich ja auch was vorbereitet.
MK (seine Neugier ist geweckt): Ach?
GK: Für später. Nur für uns.

Mehdi strahlte seine süße Freundin schwerverliebt an. Diese zog ihn noch einmal ganz nah an sich heran, fuhr mit ihren warmen Lippen seine Wange entlang, schlich dann mit ihnen zu seinem Ohr, knabberte zärtlich an seinem Ohrläppchen, wovon er eine dicke Gänsehaut bekam, und hauchte dann verführerisch in sein Ohr...

GK: In zwei Stunden. Zimmer 308. Da sind wir völlig ungestört und ganz weit weg von dem Weihnachtspektakel, das Sabine in der Pädiatrie veranstaltet.
MK: Klingt gut. Ich freu mich.
GK: Und ich mich erst.

Mehdi nahm Gabis Kopf zwischen seine Hände und drückte ihr noch einen langen innigen Kuss auf den Mund, dann sah er ihr noch einmal tief in ihre strahlenden braunen Augen, streichelte ihr zärtlich über die Wange und verschwand anschließend in der Umkleide, um sich endlich der OP-Kleidung zu entledigen und sich einen neuen weißen Kittel anzuziehen...

MK: Bis später... Schwester Gabi.

Die junge Krankenschwester, die noch am ganzen Leib zitterte aufgrund der Nachwirkungen seines Abschiedskusses, überlegte eine Mikrosekunde, schaute sich dann noch einmal im Stationszimmer um und folgte ihrem Liebsten schnell in die leere Umkleide...

GK: Ich glaube, wir haben noch ein paar Minuten bis zur Visite... Herr Dr. Kaan.

Lorelei Offline

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29.03.2011 20:53
#963 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo ihr Lieben , weiter geht’s. Ich lasse mal offen, was Schwester Gabi noch von ihrem Oberarzt in der Umkleide möchte, sonst befürchte ich nämlich, dass meine Verlobte und unsere Trauzeugin noch völlig verbidisiert werden und zu schrägen Gesangs- und Tanzdarbietungen animiert werden (By the way, ich möchte bitte nicht „Moonlight Shadow“ als Hochzeitsmusik hören. ). Es wird allerhöchste Zeit zum eigentlichen Geschehen zurückzukehren und euch eine ordentliche Zuckerdosis Martchen zu verordnen. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragt euren Dr. Meier des Vertrauens. Und wir kommen des Rätsels Lösung allmählich näher, liebe ungeduldige Anni. Viel Spaß! Ich führe mal wieder eine Gruppenumarmung durch und bedanke mich für den regen Gedankenaustausch auf meiner Kommiseite. Ihr seid die Besten. Knutscha! Eure Lorelei




In der Zwischenzeit hatte Dr. Meier den Weg zurück zur Villa Haase gefunden, wo er schon sehnsüchtig erwartet wurde. Er stand bereits vor der Tür und starrte geistesabwesend auf das Windspiel über der Klingel, das sich ebenso wenig bewegte wie er sich selbst. Er zögerte einen Moment und fragte sich einmal mehr, ob er sich wirklich dem ganzen Haaschen Weihnachtsgedöns stellen sollte. Er schloss seine Augen und atmete noch einmal tief durch, dann drückte er auf den Klingelknopf. Es gab kein Zurück mehr. Keine fünf Sekunden später öffnete sich auch schon die Haustür und der junge Oberarzt hatte wahrhaft eine Erscheinung, die seine anfängliche Weihnachtsantipathie mit einem Schlag löschte. Ein wunderschöner blonder Engel strahlte ihn aus tiefblauen Augen an, die ihn sofort in ihren Bann zogen und nicht mehr losließen. Marc war wie gelähmt. Er konnte weder atmen noch sich vom Fleck bewegen. Sie war so schön. Er konnte nicht aufhören, die bezaubernde junge Frau anzusehen, deren Wangen eine zarte Röte zierte, die sie kaschierte, indem sie mit einer Hand eine verirrte Strähne hinter ihr Ohr klemmte. Nach den aufwühlenden Begegnungen der letzten beiden Stunden war dieser magische Anblick genau das, was Marc Meier gebraucht hatte. Gretchen Haase gab ihm Hoffnung, Liebe, Trost, alles, wonach er sich sehnte, es aber niemals offen zugeben würde. Marc fühlte sich mit einem Mal unheimlich geborgen, allein durch ihre bloße Anwesenheit. All der Kummer, den er eigentlich nicht an sich heranlassen wollte, weil er schließlich erwachsen und kein deprimiertes Scheidungskind war, und den er gerade eben noch vor seinem Kumpel mit seiner Coolness retouchiert hatte, war wie weggeblasen, als er Gretchen in ihrem atemberaubenden bodenlangen schwarzen figurbetonten Kleid sah. Sie trug ihre wallende Lockenmähne offen, so wie er es liebte. Er war wie bezaubert und lächelte vor Glück, dieses Zauberwesen sein eigen nennen zu dürfen. Sein Herz klopfte. Gefühle wurden frei. Unkontrolliert. Wild und durcheinander. Aber auch unglaublich schön. Zärtlich strich der verliebte Mann seiner Freundin über ihr golden schimmerndes Haar, das sich wie zarte Seide anfühlte. Gretchen war ganz bewegt von der Zärtlichkeit, die in Marcs Augen lag. Sie konnte nicht aufhören, ihre große Liebe anzusehen. Die verliebte Frau lächelte glücklich und neigte ihren Kopf in seine offene Handfläche.

G: Willst du... willst du nicht reinkommen, Marc?

... sagte Gretchen schließlich nach einer Weile mit klopfendem Herzen. Marc rührte sich immer noch nicht und sah sie einfach nur an. Die schöne Ärztin ergriff schließlich seine freie Hand und zog ihn ins warme Haus. Es war mittlerweile kalt geworden. Es schneite sogar ein wenig. Perfekt für ein wunderschönes Weihnachtsfest also, dachte die glückliche Weihnachtsfee und lächelte vor sich hin. Aber durch die kurzen Ärmel an ihrem dünnen Kleidchen frierte sie ein wenig. Sie schloss schnell die Tür hinter dem stummen Mann und strich sich über ihre kalten Arme. Marc konnte gar nicht anders. Es war wie ein inneres Bedürfnis, das er nicht kontrollieren konnte und das augenblicklich gestillt werden musste. Er legte Sabines halb leere Plätzchendose, die er in seiner linken Hand gehalten hatte, auf einer Treppenstufe ab und umschloss nun Gretchens Gesicht fest mit beiden Händen und küsste sie einfach ohne Vorwarnung. Er küsste sie wie im Rausch, dass sie kaum wusste, wie ihr geschah. Sie taumelte und konnte sich nicht dagegen wehren. Aber das wollte sie auch gar nicht. Zu schön war das Gefühl, das ihr Traummann in ihr auslöste. Ein Kribbeln durchzog ihren ganzen Körper und wärmte ihr Herz. Sie klammerte sich an Marcs Mantel fest und erwiderte seinen leidenschaftlichen Kuss, der sie völlig umnebelte. Zeit und Raum verschmolzen in diesem magischen Moment voller Liebe. Minutenlang gaben sie sich ihren Gefühlen hin, bis auch ihnen die Luft ausging und Marcs feurige Lippen sich langsam von Gretchens’ lösten. Er war völlig durcheinander und atmete schwer, aber fühlte sich unglaublich beseelt. Er lehnte seine Stirn gegen ihre und lächelte sie ganz verschmitzt an. Seine Augen leuchteten wie strahlendhelle Blitze und hielten sie gefangen. Gretchen, die noch in einer anderen Sphäre schwebte, hielt sich mit einer Hand an der Haustür und mit der anderen an Marcs Mantelkragen fest, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Ganz verträumt erwiderte sie sein zauberhaftes Lächeln und begrüßte ihn schließlich richtig...

G: Hallo!
M: Hey!

Der Wahnsinnskuss hatte Gretchens Sprachzentrum komplett lahm gelegt, aber auch Marc, der seinem Engel nun zärtlich über die Wange strich, brauchte eine Sekunde, um seine ungezügelte Sprachfähigkeit wieder zu finden...

G: Das... das war... ähm... äh...
M (sieht gespannt in ihren funkelnden Augen hin u. her): Ja?
G (errötet): Äh... wow!
M (schmunzelt vergnügt): Danke fürs Kompliment! Ich stehe immer wieder gerne dafür zur Verfügung.
Das war der absolute Wahnsinn.
G (sprachlos): Äh...
Was ist denn auf einmal mit ihm los?

Verschmitzt grinste der coole Casanova seine bezaubernde Principessa an, deren Wangen mittlerweile dunkelrot gefärbt waren. Gretchen versuchte verzweifelt ihre Fassung wieder zu erlangen und räusperte sich einmal verlegen, dann löste sie ihre innige Umarmung. Ihr Denkapparat nahm langsam wieder seinen Betrieb auf. Sie biss sich auf ihre Lippen und wollte Marc nun seinen Mantel abnehmen. Doch er kam ihr zuvor und ergriff hektisch ihre Hand...

M: Lass!
G (irritiert): Was denn?
M (sieht sie mit feurig schimmernden Augen an): Lass uns hier abhauen! Jetzt!
Spinnt er jetzt völlig?
G (überfordert von der plötzlichen Spontaneität ihres Freundes): Aber... wieso das denn? Wir... wir haben Verpflichtungen. Meine... meine Eltern kommen doch gleich und da muss alles perfekt sein.
Scheiß drauf!
M (schaut sie eindringlich an): Gar nichts muss, Haasenzahn. Komm, eigentlich brauchen wir doch diesen ganzen Familytrarascheiß gar nicht. Hauptsache wir haben uns.
G (blickt ihn ungläubig an): Äh... Ja schon, aber...?
M (küsst ihre Einwände weg): Kein aber!

Marc grinste sie spitzbübisch an, als er seine heißen Lippen von ihren löste und sie ihn ganz verklärt ansah, trat dann an die Garderobe heran und wollte ihren Mantel und ihren Schal vom Haken nehmen, als Gretchen sich plötzlich besann und sich noch einmal überfordert zu Wort meldete...

G: Marc, das geht so nicht.
M (verständnislos): Wieso denn nicht?
Ich will doch nur mit dir alleine sein und diesen ganzen Familyscheiß vergessen. Nur wir beide. Mehr will ich doch nicht.
G (nimmt seine beiden Hände in ihre u. sieht ihn liebevoll an): Marc, ich freu mich auf das Weihnachtsessen mit meinen Eltern. Ich hab sie echt vermisst in den zwei Wochen. Und ich hab mir wirklich viel Mühe gemacht mit der ganzen Organisation und dem Essen hier und das sicherlich nicht umsonst. Ich will den Abend genießen. Mit euch allen. Ihr seid doch meine Familie.
Ach Mann, Gretchen...

Ihre Botschaft war angekommen. Marc ließ geknickt seinen Kopf hängen und gab schließlich nach...

M: Ok, wenn du meinst.
Hat ja alles noch seine Zeit heute. Obwohl es schon schön wäre, wenn wir jetzt schon da wären.

Traurig zog der attraktive Oberarzt seinen Mantel aus und hing diesen über den ihren an die Garderobe, den er ihr gerade eben noch reichen wollte, um vor der Realität ins Paradies zu fliehen. Marc, der sich seine Enttäuschung nicht anmerken lassen wollte, um seinen strahlenden Weihnachtsengel nicht zu enttäuschen, und sie deshalb übertrieben freundlich anlächelte, trug einen dunklen Anzug, ein weißes Hemd und eine schwarze Krawatte. Gretchen lächelte verzückt, als sie bemerkte, wie gut ihr Schatz mal wieder aussah...

G: Du hast dich ja schließlich auch für heute Abend schick gemacht.
Nicht nur dafür, Haasenzahn. Ach scheiße eh, wieso kann ich ihr nie irgendeinen ihrer verfluchten Wünsche abschlagen? Das ist ein echter Fluch!
M (rollt mit den Augen): Ja, lass stecken.
Kann er sich nicht einmal für mich mit freuen? Ist das zu viel verlangt? Ich dachte, er wäre mittlerweile in der richtigen Stimmung für einen Abend mit meiner Familie.
G (bemerkt endlich, dass irgendetwas nicht stimmt u. hakt verwundert nach): Was hast du denn? Wieso bist du denn schon wieder so gereizt?
M (erst zickig, dann resignierend): Ich bin nicht gereizt. Ich... Ach... Es ist nur... Scheißtag eben.
Wieso musste meine Mutter mir auch den letzten Rest Stimmung nehmen? Ich hätte den Abend mit den Weihnachtshaasen irgendwie durchgestanden, aber jetzt? Ich kann mich nicht mal mehr auf das Danach freuen.
G (versucht ihn aufzumuntern u. sieht ihn mit strahlenden Augen an): Du wirst sehen, der Abend wird dich auf andere Gedanken bringen und wenn nicht, können wir immer noch zeitig wieder gehen, wenn du magst.
M (sichtlich überrascht): Echt jetzt? Ich nagele dich daran fest. Das ist dir klar oder?
G (schmunzelt): Schon klar. Außerdem bin ich ja auch auf deine Überraschung gespannt.

WAS?

Marc blieb fast das Herz stehen, als Gretchen das sagte und schaute den Spürhasen dementsprechend mit großen Augen und mit einem letzten Funken Hoffnung an, dass ihm Miss Marple nicht auf die Schliche gekommen war. Er wies jeglichen Verdacht entschieden von sich, aber leider nur mit mäßigem Erfolg...

M: Äh... Ü...ü...überraschung? Ich weiß nicht, was du meinst.
G (zieht eine Schnute u. nickt leicht mit dem Kopf): Denk nicht, ich hätte die Zeichen nicht bemerkt.
Scheiße! Das darf doch jetzt nicht wahr sein! Gott, wieso strafst du mich heute so? Was hab ich verbrochen? Das ist echt nicht fair.
M (räuspert sich nervös u. versucht sich seine Unsicherheit nicht anmerken zu lassen): Zeichen? Du sprichst mal wieder in Rätseln, Haasenzahn.
G (zwinkert ihm frech zu): Ich passe mich dir nur an.

Hihi! Wäre doch gelacht, wenn ich ihm nicht noch auf die Schliche kommen könnte. Einfach weiter improvisieren. Er wird sich schon verraten. Ich kenne doch meinen Marcischnuckiputzi. Du kannst mir nichts verheimlichen, mein Freund. Wobei... das hat er ja eigentlich schon erfolgreich geschafft. Ich weiß immer noch nicht, was er vorhat. Hmm... mal überlegen... Er will unbedingt noch heute Abend hier weg. Er drängt mich ja quasi schon dazu. Ob er wohl eine Reise gebucht hat? Aber wohin? Hmm... Vielleicht Paris? Hach... Dort muss es im Winter unglaublich schön sein. Hat Olivier gemeint. Aber gleich Paris? Ich weiß nicht. So genervt wie er heute scheint, wird er sich kaum freiwillig so eine geballte Überdosis Romantik geben. Und muffelig will ich ihn dort nicht haben. Er soll es schließlich auch genießen. Es muss etwas anderes sein. ... Vielleicht auch nur ein kleiner Ausflug? Ein Spaziergang oder Schlittschuhlaufen unterm Sternenhimmel. Gott, das wäre so romantisch, aber ist leider nicht meierlike genug. ... Aber Eis klingt schon gut. Habe neulich erst einen Artikel über so ein Eishotel in Norwegen gelesen. Da schläft man tatsächlich unter Eis und Schnee in einer Art Iglu. Wobei es hatte schon eher die Form eines Eispalastes. Genauso wie bei der „Schneekönigin“. Hmm... Klar wäre es schon schön, so ganz eng aneinandergekuschelt an Marc zu liegen. Aber mit tausend Lagen Klamotten, um nicht einen qualvollen Erfrierungstod zu sterben, ist das dann doch nicht so sexy, wie es vielleicht klingt. Hmm... Ob Marc eine Wollmütze stehen würde? Ich glaube, er hat schon ein Mützengesicht. Äh... was denke ich denn hier gerade? ... Konzentrier dich! Was hat Marc vor? Hmm... Ob er vielleicht...? Nein! Das hat er bestimmt schon längst wieder vergessen. Wir haben ja auch nie wieder darüber geredet. Schade eigentlich. Das war die schönste Woche meines Lebens. Und wenn ich mir etwas wünschen würde, dann sicherlich das. Ich war noch nie im Winter auf Rügen. ... Gott, ich halte das nicht mehr länger aus. Ich will das endlich wissen. Vielleicht hätte ich doch gleich mit ihm durchbrennen sollen. Er sitzt ja schon quasi auf glühenden Kohlen. Ich glaube, er ist genauso nervös wie ich. Hmm... Ja, wenn nur... wenn nicht... Wir können noch nicht hier weg. Nicht jetzt.

Na super! Alles für’n Arsch!

M (schüttelt ungläubig den Kopf): Eh!

Gretchen lachte. Und auch Marc konnte sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen.

G (lächelt zufrieden): Na siehst du, du kannst doch wieder lächeln. Und alles andere ... wird schon wieder. Ganz bestimmt!
M (sieht sie irritiert an): Äh... was?
Ok, ich glaube, ich sollte ihn endlich aufklären. Er ist genug wieder aufgebaut, um das jetzt zu verkraften. Hoffe ich zumindest.
G (holt tief Luft u. sagt es ihm schließlich): Du hast Besuch.

Marc schaute seine Freundin, deren Miene sich wieder in eine besorgte verwandelt hatte, ganz überrascht an...

M: Besuch? Ich? Hier?
Weiß doch eigentlich keiner, dass ich heute hier bin und mich zum Weihnachtstrottel mache. ... Kaan! Ich bring ihn um.

Gretchen nickte nur leicht mit dem Kopf, drehte sich um und lief zur Tür, die ins Wohnzimmer führte. Sie streckte ihren Arm aus und zeigte in den Raum. Der verdutzte Oberarzt folgte ihrem Blick und erkannte erstaunt, wer sich dort auf der Haaschen Couch niedergelassen hatte. Marc sah seinen Haasenzahn ungläubig an, der ihn nun zuversichtlich anlächelte. Dann fuhr er sich einmal über sein ganzes Gesicht, schloss die Augen und holte tief Luft. Zögerlich betrat er schließlich das weihnachtlich geschmückte Zimmer, während Gretchen plötzlich von einem Poltern an der Haustür abgelenkt wurde und diese vorsichtig einen Spalt öffnete...

Lorelei Offline

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31.03.2011 16:12
#964 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo zusammen! Dann lüfte ich jetzt mal das Geheimnis, wer vor der Tür steht. Ich empfehle, vorsorglich Ohrenschützer aufzusetzen. Viel Spaß! Und danke für eure lieben Kommis. Eure Lorelei




Noch bevor die sichtlich überraschte junge Frau überhaupt auch nur einen Ton sagen konnte, erreichte sie schon der geballte Wortschwall ihrer hysterischen Mutter, die schnaufend auf der obersten Treppenstufe angekommen war, ihren Koffer dort absetzte und nun ihre perplexe Tochter sofort an ihre mütterliche Brust drückte und ihr damit fast die Luft zum Atmen abschnürte...

B: Margarethe! ... Kind! ... Endlich daheim! ... Trautes Heim, Glück allein. ... *kicher* ... Hach wie schön. Gut schaust du aus. Hast du abgenommen? Oder liegt das an dem Kleid? Das streckt! Solltest du öfter tragen. ... Ich kann dir sagen... Der Flug... der war die reinste Katastrophe. Wie in einer Sardinenbüchse eingepfercht waren wir. Und das schimpft sich Business Class. Tzz... Als hätten wir alle nichts auf den Rippen. Aber was wundert mich das auch. Es gab ja nicht einmal etwas zu essen. Das musst du dir vorstellen, Margarethe. Bei fast zwei Stunden Flugzeit! Und die Getränke musste man teuer bezahlen. Früher gab es wenigstens noch ein Gläschen Sekt zur Beruhigung. Du weißt ja, ich habe ein klein wenig Flugangst. Also zumindest beim Start. Erst nach dreimal Nachfragen habe ich von der unfreundlichen Flugbegleiterin wenigstens ein Glas Leitungswasser bekommen. Unmöglich so was! Dabei hatte ich doch heute Morgen extra noch am Frühstücksbuffet einen Fressbeutel für uns vorbereitet. Na bevor sie die Reste alle wegschmeißen, hab ich mir gedacht, greif ich doch beherzt zu. Wäre doch schade drum gewesen, nicht? Jedenfalls... was passierte dann? Du kannst dir das nicht vorstellen, Margarethe. ... Diese Portugiesen haben mir doch tatsächlich am Flughafen den Beutel wieder abgenommen. Dachten die etwa, darin hätte sich eine Bombe befunden? Also wirklich... Manchmal übertreiben die es wirklich mit ihren ständigen Terrorwarnungen. Sehe ich etwa so aus, als könnte ich Bomben basteln? ... Du kennst doch meine Abneigung für alles Technische. Aber nein, den bösen Deutschen traut man anscheinend alles zu. Sogar meine Handcreme musste ich abgeben. Du weißt schon, die, die so gut riecht. Die hab ich doch neulich erst von Schwester Sabine bekommen. Also nein... Barcelona ist wirklich nicht mehr das, was es mal war....

Sie ist deine Mutter. Du... liebst... sie!

Gretchen versuchte verzweifelt, sich aus der mütterlichen Umklammerung zu lösen und endlich auch zu Wort zu kommen, aber leider ohne Erfolg...

G: Mama...

Franz Haase, der direkt hinter seiner Frau auf der Treppe stand und zum Reingehen drängte, versuchte es ebenfalls, aber er blieb ebenso wie Jochen, der den Koffer seines Vaters in der Hand hielt, diesen schließlich absetzte und endlos genervt dreinblickte, ungehört im Stau stehen...

F: Bärbel...

Denn die blonde Mittfünfzigerin redete ohne Luft zu holen weiter und tätschelte dabei immer wieder den Rücken ihrer vor Kälte zitternden Tochter, die gleich den Erfrierungstod sterben würde, wenn sie nicht endlich ins Haus gehen würden...

B: ... und dann der Flug selbst. Diese Luftwellen. Oder nein... wie heißt das noch mal? Löcher. Luftlöcher. Furchtbar sag ich dir. Ich dachte, ich müsste sterben.
J (kleinlaut aus den hinteren Reihen): Ich sterbe hier auch gleich.
F (schießt mit seinem Kopf zu ihm herum): Jochen!
J (genervt): Ja, ist doch wahr. Können wir nicht endlich reingehen? Ich frier mir hier den Arsch ab.

Gretchen schaffte es schließlich irgendwie während einer Atempause ihrer Mutter, diese sanft, aber bestimmt von sich weg zu schieben. Sie lächelte ihren Vater und ihren Bruder kurz aufmunternd an und wandte sich dann wieder an ihre Mutter, die sie mit einer einladenden Handbewegung ins Haus bat...

G: Mama, willst du nicht erst mal...

Doch Bärbel hatte ihrer Tochter gar nicht zugehört und sich zu ihrem Mann umgedreht, der sie sauer anschaute...

B: Nicht wahr? Franz, jetzt sag doch auch mal was dazu!

Doch der Professor sagte nichts weiter dazu. Er war vielmehr erleichtert, dass seine Frau endlich ihre Klappe hielt und etwas zur Seite getreten war. Mit einem kleinen erfreuten Lächeln auf den Lippen begrüßte er seine Tochter, die er kurz an sich drückte und dann gleich wieder losließ...

F: Hallo Kälbchen. ... Ich muss...

Franz, dessen Gesichtsfarbe sich mit einem Mal verändert hatte und der sich an seinen Bauch fasste, streichelte kurz mit seiner freien Hand über die Wange seiner Tochter, die ihn fröhlich anstrahlte, und stürmte dann schnell an ihr vorbei ins Haus und rannte im Spurt die Treppe hoch. Man hörte oben nur noch eine Tür zuknallen. Gretchen hatte ihm verwundert hinterher geschaut und blickte nun in das besorgte Gesicht ihrer Mutter, die ihr sofort die Erklärung für das seltsame Verhalten ihres Mannes lieferte...

B: Dein Vater hat den Flug noch weniger vertragen als das schaukelnde Schiff. Eine Katastrophe sag ich dir. Der ganze Urlaub war eine Katastrophe.

Na Bravo! Von wegen Honeymoon und zweiter Frühling! Wie soll ich denn in der Stimmung Marc wieder aufbauen und selber in Weihnachtsstimmung kommen? Irgendwie hab ich mir das alles ganz anders vorgestellt. Glückliche Eltern wohin man sieht. Und was hab ich stattdessen? Trennung, Unwohlsein und Hysterie. Tolles Weihnachten!

Gretchen verdrehte ihre Augen angesichts der übertriebenen Theatralik ihrer Mutter. Jochen tat es seiner Schwester gleich und wollte sich nun still und heimlich an seiner hysterischen Mutter vorbei schleichen, doch er hatte die Rechnung ohne Bärbel Haase gemacht, die ihn kurzerhand an der Schulter packte. Gretchen konnte sich ihr schadenfrohes Grinsen nicht verkneifen.

B: Jochenschatz, würdest du bitte unsere Koffer hoch ins Schlafzimmer bringen. Du hast ja gesehen, dein Vater ist... unpässlich.
J: Boah na super!

Jochen stöhnte laut auf und tat schließlich missmutig und mit hängenden Schultern wie ihm aufgetragen wurde. Als er an seiner Schwester vorbei schlurfen wollte, die am Türrahmen lehnte und sich immer wieder über ihre kalten Arme strich, flüsterte er ihr noch leise gehässig etwas ins Ohr, bevor er weiter stapfte...

J: Sie gehört jetzt ganz dir. Viel Spaß!

Gretchen verzog ihre Mundwinkel zu einem fiesen Lächeln und warf ihrem schelmisch grinsenden Bruder noch einen giftigen Blick hinterher, als er die beiden schweren Schalenkoffer schnaufend die steile Treppe hoch stemmte und dabei gefährlich ins Schwanken geriet. Gut, dass vier Chirurgen im Haus waren, dachte sich Gretchen schmunzelnd und Kopf schüttelnd. Bärbel, die ihrem vorlauten Sohn zufrieden nachgeschaut hatte, bis er oben angekommen war, blieb mit ihrer Tochter zunächst in der Tür stehen. Gretchen, die mittlerweile am ganzen Körper vor Kälte zitterte, bat sie endgültig herein...

G: Mama, willst du nicht erst einmal ankommen, hmm?
B (tätschelt ihre Wange u. lächelt Gretchen an): Ja, ja, hast ja recht. Zuhause ist es doch immer noch am schönsten. Aber das nächste Mal, wenn dein Vater eine Reise plant, gibst du mir vorher bitte Bescheid, damit ich ihm noch rechtzeitig ausreden kann, ein Schiff zu betreten.

....

Lorelei Offline

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01.04.2011 17:23
#965 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

So weiter geht’s mit der wortgewaltigen Bärbel Haase und einigem Seemannsgarn. Viel Spaß! Ihr wollt doch sicherlich auch Details von der Kreuzfahrt hören oder? Liebe Grüße u. schönen Start ins WE. Eure Lorelei




Bärbel plauderte munter weiter drauf los, als sie endlich das Haus betrat und Gretchen sichtlich erleichtert die Tür langsam hinter ihr schließen konnte und ihr anschließend aus dem Mantel half, den sie dann an die Garderobe im Flur hängte. Unvermittelt kamen sie wieder auf ihren Vater zu sprechen...

G: Haben denn die Tabletten gegen Seekrankheit gar nicht geholfen, die ich euch empfohlen habe? Ihr hattet doch eine Apotheke an Bord oder?
B (verdreht ihre Augen und wirft theatralisch ihre Arme in die Luft): Du kennst doch deinen Vater. Der weiß immer alles besser und lässt sich in nichts reinreden.
Typisch Papa! Als Patient unerträglich. Da ist sogar ein kranker Marc ein Lamm dagegen.
G (muss über ihren sturen Vater den Kopf schütteln u. hakt interessiert weiter nach): Aber es war doch bestimmt nicht alles schlecht auf eurer Kreuzfahrt, hmm?
B (fasst sich an ihr Herz u. beginnt augenblicklich zu strahlen): Na ja... Ja, die Ausflüge an Land waren schon schön und aufregend. Du kannst ja gar nicht glauben, was wir alles gesehen haben. ...
G (murmelt lächelnd): Ich kann’s mir vorstellen.
B (lehnt sich mit dem Rücken an die Wand im Treppenflur u. beginnt mit schwärmerischen Blick an die Decke ihre Erlebnisse aufzuzählen): Ja also... erst Barcelona. Am Abend, bevor wir an Bord der Aida gegangen sind, waren wir noch in dieser kleinen Tapasbar, wo ich mit deinem Vater schon einmal war, als wir noch knackige Jungspunde waren. Hach... war das schön, kann ich dir sagen. Dein Vater ist aber auch ein verkappter Romantiker! ... *kicher* ... Ich hab mich gleich wieder wie mit zwanzig gefühlt. Und wir haben dann die ganze Nacht... Äh... aber das... ist nicht für deine unschuldigen Ohren bestimmt. ... *kicher* ... (Gretchens Lächeln verschwindet abrupt und weicht einem schockierten Blick. Sie versucht krampfhaft an etwas anderes zu denken als an ihre Eltern im zweiten Frühling.) ... Am nächsten Morgen ging es dann los. Auf hohe See! Gott, war das aufregend. Wasser, wohin man nur sieht. ... Wir haben einen Zwischenstopp auf Mallorca gemacht und Palma besucht, aber das kannte ich ja bereits von unseren Sommerurlauben. Weißt du noch? ... (Gretchen nickte ihr lächelnd zu, während Bärbel weiter überlegte.) ... Dann haben wir, glaube ich, Korsika umschifft. Oder Sizilien? Hmm... Da müsste ich noch mal in den Prospekt schauen. Aber ich habe es auch in meinem Tagebuch notiert. ... Eine beeindruckende Kulisse, kann ich dir sagen, wie die meterhohen Wellen an die Kliffs geschlagen sind. Wie in diesen Naturdokumentationen, die dein Vater immer so gerne kuckt. Aber die reale Schaukelei war ihm dann, wie gesagt, nicht so gut bekommen und so konnte er den atemberaubenden Anblick nicht wirklich genießen. Also musste ich die Fotos schießen. Ich hoffe, die sind was geworden. Diese Digidings... diese Kamera ist aber auch schwer zu bedienen. Hmm... Und dann? Ach ja! Sogar in Italien haben wir einmal kurz Station gemacht. Das Essen, kann ich dir sagen, ein Genuss. Ein wahrer Genuss! Nicht zu vergleichen mit dem kleinen Italiener bei uns um die Ecke. ... Ja, und dann ging es weiter die Küste entlang. Monaco, Nizza, Cannes, St. Tropez. Du weißt schon, da wo sich die Reichen und Schönen gerne tummeln. Aber leider haben wir keine Bekannten getroffen. Es war allgemein ziemlich wenig los. Als ob alles im Winterschlaf gewesen wäre. Hach... Es hatte aber auch so seinen ganz besonderen Charme. Ich liebe Südfrankreich. Wir sollten mal in den Sommermonaten wiederkommen. Weißt du, die Brigitte, meine Bridgefreundin aus der Charlottenstraße, hat doch dort mal auf so einem Fest diesen einen Schauspieler getroffen. Wie hieß der doch gleich? Der ist ganz berühmt. Aus Hollywood. Der ist doch auch mit dieser anderen berühmten Schauspielerin zusammen. Adoptiert gerne Kinder in Afrika, glaub ich. Hmm... Ich komm nicht drauf.
G (unterbricht Bärbels angestrengten Denkprozess): Ist doch auch egal, Mama! Ich freu mich jedenfalls, dass ihr so viel Spaß hattet.
B (strahlt glücklich): Ja, den hatten wir wirklich. Größtenteils.
Ok, mittlere Katastrophe noch mal abgewendet. Sie ist wieder glücklich und zufrieden, so wie ich sie gerne mag.
G: Und sonst so? Was habt ihr an Bord gemacht? Da gab es doch sicherlich auch viele schöne Angebote.
B: Ja, ja, ich habe es mir im Wellnessbereich immer sehr gut gehen lassen. Massagen, Peelings, Cellulitebehandlungen, Schlammbäder. Aber das habe ich auch dringend gebraucht. Die Arbeit in der Klinik ist schon sehr kräftezehrend.

Ja, und wie! Sie arbeitet ja auch nur halbtags und verteilt Tee an die Krebspatienten in der Onkologie. ... Ok, das war gemein. Sie ist ja auch schon fünfunddreißig Jahre aus dem Beruf raus. Sie macht ihre Sache ja auch ganz gut eigentlich. Außerdem ging es ja darum, dass Papa mal rauskommt aus dem ganzen Kliniktrott nach der Sache mit seinem Herzen letztes Jahr und der Virusgeschichte vor ein paar Monaten. Er ist ja auch nicht mehr ganz der Jüngste. Dass er selbst mal auf die Idee kommt, Urlaub zu nehmen, ist eigentlich... ja, äh... noch nie vorgekommen. Ich find’s gut. Also den Urlaubsgedanken im Allgemeinen. Nicht dass es ihm so schlecht ergangen ist und wohl auch noch geht. Ob ich mal nach ihm schauen soll? Er ist ja schon eine ganze Weile im Bad.

G (mit sorgenvollem Unterton): Und Papa?
B (seufzt u. sieht Gretchen nun wehleidig an): Mit deinem Vater war auf dem Schiff nicht viel anzufangen. Ich glaube, er hat sich das auch ganz anders vorgestellt. Die Überraschung ist ihm ja auch wunderbar gelungen. Und ich liebe ihn dafür, dass er das für mich getan hat. Aber er... ja, er ist dabei auf der Strecke geblieben. Das trübt das Ganze schon ein wenig.
G (setzt ein betroffenes Gesicht auf): Oh!
Das tut mir so leid. Armer Papa! Er hatte sich so gefreut, Mama eine kleine Freude zu bereiten.
B: Franz hat die ganze Zeit nur in unserer Kajüte verbracht oder in der Nähe der Örtlichkeiten, weil ihn schon der kleinste Ruckeler aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Das unruhige Meer und sein nervöser Magen, das passte halt nicht zusammen. Also mir persönlich hat das ja nichts weiter ausgemacht. Man hat es eigentlich auch gar nicht sonderlich gemerkt. Es handelte sich schließlich um ein riesiges Kreuzfahrtschiff. Sehr stabil gebaut. Stahl, glaub ich. Aber dein Vater war ja schon immer ein bisschen hypochondrisch veranlagt und bauscht Dinge, die gar nicht da sind, immer etwas auf. ... (seufzt erneut auf u. wirft ihre Arme theatralisch in die Luft) ... Ich sage dir, ich hab mit ihm was durch in den zwei Wochen. ... Ojemine! ... Ja, wer hätte denn auch damit rechnen können, dass das Mittelmeer in dieser Jahreszeit so ein unruhiges Gewässer ist.
G (kratzt sich am Ohr u. überlegt): Äh ja... Winterstürme eben.
Hab ich mal gesehen in den Naturdokus, die Papa immer gerne guckt. Also mir wäre das ja nichts. Weihnachten und Winter in Berlin ok, aber Mittelmeer dann doch eher im Sommer.
B (hebt tadelnd ihren rechten Zeigefinger): Erwähne dieses böse Wort bitte nicht in Gegenwart deines Vaters und erst recht nicht, dass es ihm nicht gut gegangen ist. Du weißt doch, er markiert gerne den starken Unerschütterlichen.
Wie wahr! Hihi!
G (grinst): Das kenne ich irgendwoher.
B (wieder ganz wehmütig): Und er war doch auch so stolz auf seine Idee mit der Reise. Du weißt ja aus eigener Erfahrung, dass Chirurgen sehr verschlossen sind, was Gefühlsbekundungen betrifft.
G (nachdenklich): Ja, das stimmt.
Marc ist genauso. Er macht ja auch ein großes Geheimnis um seine Überraschung. Hoffentlich fällt die jetzt nicht aus, jetzt wo er weiß, dass... Oh Gott! Bitte nicht! Ich freu mich doch schon so.
B (macht eine abweisende Handbewegung): Aber reden wir nicht weiter darüber. Das senkt nur die Stimmung.
G (nickt ihr erleichtert zu): Gut!

B (klemmt sich eine verirrte Strähne hinters Ohr u. sieht ihre Tochter nun durchdringend an): Und hier? Alles in Ordnung?
Okaaay!? Jetzt geht die Fragestunde los. Aber ich bin ja strenge Prüfungen gewöhnt.
G (lächelt sie freundlich an u. streicht sich ihr schwarzes Kleid glatt): Natürlich!
B (nimmt sie jetzt ganz genau unter die Lupe u. hebt skeptisch eine Augenbraue): Hast du zugenommen?
Klar! Ihr fällt auch jedes halbe Gramm auf. Sie sollte sich mit ihrer Spürnase bei Weight Watchers bewerben. Die suchen doch immer Leute. ... Hab ich gehört.
G (empört): Mama!
B (hebt unschuldig ihre Hände): Ich frag doch nur. Du konntest früher schon nicht den Weihnachtsplätzchen widerstehen und hast immer die Teigschüssel ausgeleckt. Weißt du noch, Gretchen?
G (trotzig): Ja, früher vielleicht.
Heute lasse ich lieber backen. Ist sicherer so. Wo hat Marc eigentlich die Keksdose hingetan?
B (schaut sich um u. will gehen): So dann will ich mich mal auf den Weg in die Küche machen, damit wir gleich auch etwas auf dem Tisch haben.
Das glaube ich jetzt nicht.
G (hält sie auf): Wieso? Ich hab doch schon alles vorbereitet.
B (sieht sie erstaunt an): Ach? Wirklich?
G (geknickt, weil sie ihr das nicht zugetraut hat): Ja, wir hatten das doch so besprochen, dass ich mich um das Essen kümmere und...
B (äußert ungeblümt ihre Skepsis): Naja, ich dachte halt...
Na toll! Da gibt man sich stundenlang die größte Mühe, dass alles perfekt wird und dann das.
G (sichtlich enttäuscht): Du hast mir das nicht zugetraut? Na schönen Dank auch.
B (seufzt u. verdreht die Augen): Jetzt sei doch nicht gleich wieder beleidigt.
G (trotzig): Bin ich gar nicht.
Ein bisschen vielleicht. Ist ja auch mein gutes Recht.
B (stupst ihr grinsend an die Nase): Das lese ich an deiner Nasenspitze ab, du Trotzkopf.
G (funkelt sie an): Mama, auch wenn du es mir nicht glaubst, das Weihnachtsessen ist von der Vorspeise, über den Braten, bis hin zum Schokodessert fertig, inklusive passender Weihnachtsatmosphäre. Der Kamin brennt, der Baum steht angeputzt im Wohnzimmer, die Lichter sind angezündet und der Tisch ist gedeckt.
B (fragt zögerlich nach): Und ich kann dir nicht...?
G: Nein, Mama, alles ist perfekt, so wie du dir das vorgestellt hast. Du kannst gerne die abgehakten Häkchen auf deiner To-Do-Liste kontrollieren.
B (wiegelt mit einer Handbewegung ab): Nicht nötig. Ich glaub dir ja.
G: Gut! Und das Essen schmeckt sogar. Das hat mir ein Gourmet bestätigt.
B (atmet erleichtert aus u. lächelt zufrieden): Ich bin stolz auf dich, Kind.
G (erwidert glücklich ihr Lächeln): Das wollte ich hören. In zwanzig Minuten können wir essen. Du kannst dich ja jetzt erst mal frisch machen, hmm?
B: Ja, vielleicht hast du Recht. Du scheinst hier ja alles gut im Griff zu haben.
G: Genau!

Bärbel nickte ihrer Tochter zu und wollte schon die Treppe hochgehen, um auch noch einmal nach ihrem Mann zu schauen, der immer noch im Badezimmer verschwunden war. Doch plötzlich drangen Stimmen an ihr Ohr, die ihre Aufmerksamkeit schürten...

B: Oh! Ist dein Marc schon da?
G: Ja, er und...

Gretchen wollte ihr gerade von ihrem zusätzlichen Essensgast berichten, da hatte Bärbel ihn auch schon im Gespräch mit seinem Sohn entdeckt. Ihr Kopf schoss sofort wieder zu Gretchen herum und sie stellte sie empört zur Rede...

B (schiebt Gretchen in eine Ecke des Flurs u. flüstert): Was macht denn DIESE PERSON in unserem Wohnzimmer?
Was ist denn plötzlich in sie gefahren? Ist sie etwa sauer? Aber warum?
G (irritiert): Äh... Ich hab ihn eingeladen.
B (ihre Stimme überschlägt sich fast): Du hast bitte WAS?
G (leicht eingeschüchtert wegen der heftigen Reaktion ihrer Mutter klärt sie sie vorsichtig über die Situation auf, aber Bärbel hört ihr gar nicht richtig zu): Ja, Marcs Vater geht’s nicht so gut und da dachte ich halt, er könnte hier mit uns... Es ist doch Weihnachten.
B (fällt ihr aufgebracht ins Wort u. fuchtelt mit ihrer rechten Hand wild in der Luft herum): Du schaffst mir diesen... diesen... Lustmolch sofort aus dem Haus. Haben wir uns verstanden?
G (ihr klappt völlig perplex die Kinnlade nach unten u. sie starrt sie an wie ein Auto): Äh... hast du gerade Lustmolch gesagt? Mama, ich dachte, du hättest Marc mittlerweile als meinen festen Freund akzeptiert.
B (verschränkt abweisend ihre Arme vor ihrem Körper u. lehnt sich ans Treppengeländer): Ihn schon. Aber sein Vater, der... der...
Ich verstehe gar nichts mehr!
G (redet für sie weiter, als Bärbel ins Stocken gerät u. immer roter im Gesicht wird): Du meinst Olivier? Aber was hast du denn auf einmal gegen ihn?
B (zögert einen Moment, dann platzt es aus ihr heraus): Er hat uns um unseren wohlverdienten Urlaub gebracht.
G (schaut verdutzt zwischen ihrer Mutter u. der angelehnten Tür zum Wohnzimmer hin u. her): Bitte was?

...

Lorelei Offline

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03.04.2011 09:53
#966 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo zusammen! Ja, die Mittelmeerkreuzfahrt war vielleicht doch nicht ganz so harmlos, wie es auf den ersten Blick den Anschein hatte. Interessante Gedanken habt ihr da, muss ich zugeben. Mich juckt es echt in den Fingern, noch ein paar Veränderungen vorzunehmen, aber das würde wohl dann doch sehr chaotisch enden. Gibt es eigentlich noch eine Steigerung von Chaos? Egal. Und ich will ja auch nicht noch mal wegen Ideenklau von meiner Penny Lane an den Pranger gestellt werden. Also bleibe ich bei meiner Version, die es auch in sich hat. Um es mit den Worten von Marc Meier zu sagen: Abgründe! Lange Rede, kurzer Sinn, hier bekommt ihr den nächsten Happen von Bärbels Katastrophenfahrt und welche Rolle Olivier Meier dabei gespielt hat. Viel Spaß. Freu mich wie immer auf euer Feedback. Eure Lorelei




Bärbel, die eigentlich nichts weiter zu dem leidigen Thema sagen wollte, das ihr seit Tagen zentnerschwer auf der Seele lastete, drehte sich kommentarlos um und ließ ihre perplexe Tochter einfach so stehen und ging die Treppe empor. Gretchen, die überhaupt nicht verstand, was hier los war, und ihrer Mutter fassungslos hinterher geschaut hatte, folgte ihr auf dem Fuße, nachdem sie einen kurzen Blick ins Wohnzimmer geworfen hatte und sah, dass die beiden Meier-Männer jeweils mit einer Flasche Bier in der Hand dort nebeneinander auf der gelben Cordcouch saßen, mit sturen Blick geradeaus auf den glänzenden Weihnachtsbaum, und sich gegenseitig anschwiegen. Ein typisches Männergespräch also! Zumindest bei den beiden war alles im grünen Bereich, dachte sie sich, als sie die Treppe hochging. Im Schlafzimmer angekommen, stellte sie ihre Mutter sofort zur Rede, die gerade damit beschäftigt war, ihren Koffer auszupacken...

G: Mama, du kannst mich doch nach so einer Behauptung nicht einfach so stehen lassen.
B (packt trotzig weiter aus, ohne sie anzuschauen): Und ob ich das kann, Margarethe. ... Ist er weg?
G (stellt sich ihr entschlossen in den Weg, damit sie sie ansieht): Nein, natürlich nicht. Olivier bleibt.
B (lässt die dreckige Wäsche zurück in den Koffer fallen u. funkelt ihre Tochter nun empört an): Margarethe, treib mich nicht zur Weißglut.
G (zeigt mit dem Finger auf sie u. fordert entschieden eine Erklärung): Nein, du treibst mich zur Weißglut, Mama, wenn du mir nicht sofort sagst, was passiert ist und wieso du so grantig auf Olivier reagierst. Ihr habt euch doch immer gut verstanden. Er ist mein Schwiegervater... also fast... quasi... irgendwann dann... demnächst.
Gretchen, konzentrier dich auf das Wesentliche!
B (zetert unbeeindruckt weiter): Ja, schlimm genug, dass wir seinen missratenen Sohn...
G (fällt ihr schnell ins Wort, bevor noch mehr Beleidigungen über ihren Liebsten fallen): Mama!
B (senkt erst entschuldigend ihren Blick, dann schaut sie sie direkt an): Ist ja gut. Ich hab mich in ihm getäuscht. Aber noch mehr habe ich mich in Prof. Meier getäuscht.
G (schaut sie fragend an u. wirkt ebenfalls wesentlich ruhiger): Wieso?
B (lässt sich auf ihr Ehebett fallen u. murmelt leise): Jetzt weiß ich wenigstens, woher dein Marc dieses sexistische Verhalten herhat. Es ist eindeutig angeboren.
Äh... ich glaube, ich hab mich verhört.
G (schnappt nach Luft u. muss sich am Kleiderschrank festhalten, vor dem sie gerade steht): Bitte?
B (schaut vorsichtig wieder auf; die Schamesröte ist ihr ins Gesicht geschrieben, als sie langsam mit der Sprache rausrückt): Er hat mich sexuell belästigt, Margarethe.
G (kann kaum glauben, was sie da hört u. schaut Bärbel dementsprechend perplex an): Was? Das... das glaube ich nicht. Doch nicht Olivier!
Klar, er flirtet gerne, auch mit mir, aber immer sehr charmant und respektvoll. Mama muss da etwas völlig in den falschen Hals bekommen haben.
B (sieht sie sichtlich verzweifelt an): Ich ja anfangs auch nicht, aber dann... dann... Es war so furchtbar.
G (versucht ihre Fassung zu wahren, die ihr gerade zu entgleiten droht, setzt sich neben ihre aufgelöste Mutter u. nimmt beruhigend ihre Hand): Wann soll das denn überhaupt passiert sein?
B (schaut schüchtern zu ihr rüber u. ist dankbar für ihre tröstende Hand): Vor drei Tagen.
G (lässt ihre Hand los u. sieht Bärbel ziemlich verwirrt an, denn in ihren Gehirnwindungen rattert es gewaltig, bis plötzlich eine Erkenntnis einschlägt wie eine Bombe): Das kann doch gar nicht sein. Olivier war doch auch verreist und war... Oh! ... Die Kreuzfahrt! ... Sag nicht... er war auch auf eurem Dampfer?

Das gibt’s doch nicht! Und ich hab neulich noch im Scherz zu Marc gesagt, wie grotesk es doch wäre, wenn seine und meine Eltern auf ein und demselben Schiff wären. Ein Eisberg wäre nichts dagegen. ... Oh Gott! Jetzt verstehe ich auch, warum sie immer Katastrophe sagt. Das ist wahrlich eine Katastrophe. Mama und Elke an ein und demselben Ort. Eine explosive Mischung. ... Dass sie Marcs Mutter hasst, ist schon klar. Aber wieso ist sie jetzt auch noch sauer auf Olivier? Der hat doch nicht wirklich...? Nein! Das kann ich mir nur schwer vorstellen. Mama ist doch überhaupt nicht sein Typ und überhaupt... Wieso hat er eigentlich nichts davon erzählt? Wir haben zwei Stunden durchgeredet und er hat mit keiner Silbe erwähnt, dass meine Eltern auch mit an Bord waren. Seltsam!

B (nickt leicht mit dem Kopf u. sieht Gretchen wehleidig an): Doch!
Oh je, also doch! ... Ein friedliches Weihnachtsessen kann ich jetzt wohl vergessen. Werde Marcs Angebot doch annehmen. Das ist mir echt zu viel jetzt.
G: Aber ihr habt am Telefon gar nichts davon erzählt.
B: Das war der Schock, Gretchen, der Schock! Und ich wollte euch ja auch nicht beunruhigen. Wie war eigentlich der Ärzteball? Hat Marc dich...?
G (sieht sie eindringlich an): Mama, jetzt lenk nicht ab! Ich will wissen, was mit Olivier war.
B (senkt peinlich berührt ihren Kopf u. beginnt schließlich doch stockend zu erzählen): Es... es war so furchtbar, Gretchen. ... Ich hab mich so... so benutzt gefühlt. So nackt und hilflos. ... Aber sag um Gottes Willen bitte deinem Vater nichts davon. Ich hab es ihm nicht erzählt. Ich konnte nicht. Du hast ja gesehen, es ging ihm nicht so gut. Und er schätzt ihn als Kollegen und als Freund.
G (versucht zu rekapitulieren, was ihre Mutter gerade gesagt hat u. es in die entsprechenden Zusammenhänge zu setzen, aber wirklich weiter kommt sie nicht): Stopp Mama! Mal ganz langsam, zum Mitschreiben. Inwiefern hat Olivier dich belästigt?
B (hält sich schützend die Hände vors Gesicht): Das ist mir so unendlich peinlich.
G (tätschelt ihre Hand u. sieht sie einfühlsam an): Mama, mir kannst du doch vertrauen.
B (ringt sich ein kleines Lächeln ab): Ja, ich weiß.
G: Also was ist wirklich passiert? Ich kann mir nämlich nur schwer vorstellen, dass Olivier auch nur annähernd fähig wäre, so etwas zu tun. Ich kenne ihn mittlerweile ganz gut. Er ist doch nett.
B (sieht sie ernst an): Die Netten sind immer die Schlimmsten, Margarethe.
Ja, das trifft vielleicht auf Peter und Günni, den Grabscher, zu, aber doch nicht auf Olivier. Er hat zwanzig Jahre lang der Liebe seines Lebens hinterher getrauert und sie dann mutig zurückerobert. Oder war der Frust zu groß, nachdem Elke... Hat er sich etwa betrunken und Mama... Nein! Sicher nicht! Ich würde für ihn die Hand ins Feuer legen.
G (auffordernd): Jetzt sag schon!
B (ringt nach Worten; ihr Herz wiegt schwer in ihrer Brust): Er... er hat... ähm... äh... also...
G: Was hat er?
B (atmet tief durch u. gesteht es ihr schließlich): Er hat sich nackt neben mich gesetzt.

....

Lorelei Offline

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04.04.2011 16:04
#967 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Ja, da seid ihr baff oder? Dunkle Vorlieben werden hier aufgedeckt. Dann werde ich mal weiter Licht ins Dunkle bringen. Wobei so dunkel ist es gar nicht mehr, denn ich wurde schließlich durchschaut. (Gratulation Andie und Krauli! Hätte ich einen Wettbewerb ausgeschrieben, dann hättet ihr jetzt einen Schokohaasen gewonnen. ) Ich wünsche euch allen einen wunderschönen Wochenstart, ihr Lieben. Und danke euch für eure tollen Kommis gestern. Ihr habt mir echt den Abend versüßt. Eure rundum glückliche Lorelei




Gretchen blieb der Mund offen stehen, als ihre Mutter zu Ende gesprochen hatte und ihren Kopf dann beschämt zur Seite gedreht hatte...

G: Bitte?
B (fährt schnell wieder herum u. echauffiert sich regelrecht über den nackten Professor): Ja! Ich war doch auch total schockiert. Ich wusste überhaupt nicht, wo ich hinschauen sollte. Und dieser Exo... Exi... Exe... äh... dieser Perverse hat noch nicht einmal den Anstand besessen, seinen... seinen... na du weißt schon... seinen Prof. Meier... den Großen... äh... Kleinen... angemessen zu bedecken. Stattdessen starrt er mich ungeniert von der Seite an. Und dieses Grinsen... dieses Grinsen, ich werde niemals dieses freche Grinsen vergessen.

Nerven an Gretchen! Brauche dringend eine Überdosis in Form reinster Zartbitterschokolade, um dieses Bild wieder loszuwerden, das sich gerade in mein Hirn brennt. Oh Gott! Das kann doch gar nicht... Oh! Moment! Ich analysiere... Ja, klar! Das ist es! ... Das klingt doch fast so, als ob... als ob sie... und er... dass sie... äh... Da es sich um meine Mutter handelt, kann es eigentlich nur so gewesen sein. ... Na da bin ich aber beruhigt. Wobei mich das Bild... Nein, Gretchen, denk an etwas anderes! Etwas Harmloses, Unverfängliches! Denk an Marc und die Tafel Schokolade!

G (hebt ihre Hand u. sieht ihre Mutter neugierig an): Eine kurze Zwischenfrage, wieso hat er sich unbekleidet neben dich gesetzt?
B (schaut sie völlig unbeeindruckt an u. antwortet mit trockener, monotoner Stimme): Na, ich war doch in der Sauna.
G (murmelt sichtlich erleichtert vor sich hin u. dreht dabei ihren Kopf ein wenig zur Seite, damit Bärbel ihr Schmunzeln nicht sieht): Ah... alles klar.
Alles andere hätte mich auch wirklich gewundert.
B: Nichts ist klar, Gretchen! Ich war aus Versehen in der Gemischten gelandet. Die Veranstalter hätten aber auch die Schilder deutlicher beschriften sollen. Woher hätte ich das denn ahnen sollen? Die anderen Male war ja nie etwas passiert. Ich war stets allein gewesen oder in einer netten Damenrunde. Ein kleiner Hinweis in deutscher Sprache wäre doch wirklich nicht zu viel verlangt gewesen oder? Der Service auf diesem... Dampfer ließ aber auch zu wünschen übrig. Also echt... dieses Englische versteht doch auch kein Mensch. Jedenfalls... Äh... Wo war ich?
G (hilft ihr Augen rollend auf die Sprünge): In der gemischten Sauna, Mama.
Also Marc flippt aus, wenn ich ihm diese Geschichte über Mama und seinen Vater erzähle. Hihi!
B (kratzt sich verlegen am Ohr): Ja, äh... das... das macht mir ja an sich auch nichts aus. ... (Merkt man, denkt sich Gretchen amüsiert und versucht krampfhaft ihr Schmunzeln zu unterdrücken.) ... Ich bin ja auch nicht prüde oder verklemmt oder so. ... (Bärbel zwinkert Gretchen zu, die daraufhin ihre Augen zu kleinen Schlitzen formt und ihre Mutter anfunkelt... Das sagt gerade die Richtige!) ... Ich war schließlich in den 70ern so was wie ein Hippie und hab schon viel Schlimmeres gesehen. ... (Ich will es gar nicht wissen.) ... Aber dieser... fiese... Mensch hat nicht aufgehört, auf meine Brüste zu schauen. Du weißt ja, die sehen noch ganz knackig aus für mein Alter und ich bin auch stolz auf die beiden...
Oh Gott! Hilfe, ich will hier raus!
G (schließt ihre Augen, um das Bild loszuwerden): Äh... Mama!
B (redet unberührt weiter u. wird dabei immer wütender): ... aber das gibt diesem Spanner nicht das Recht, mich so unverschämt anzustarren. ... Lustmolch! ... Ich werde ihn anzeigen.
Oh weh! Wieso in drei Gottes Namen muss ich mich eigentlich heute mit solchen Problemchen auseinandersetzen? Es ist Weihnachten, verdammt noch mal! Das Fest der Liebe, der Harmonie ... und nicht der nackten Tatsachen!
G (versucht sie milde zu stimmen): Mama, kann es sein, du übertreibst ein wenig? Ich meine, vielleicht war er ja genauso erstaunt, dich dort zu sehen wie du ihn.
B (regt sich künstlich auf): Also ich muss doch sehr bitten, dann hätte er ja mal was sagen können und nicht die ganze Zeit stumm vor sich herglotzen.
G: Vielleicht war es ihm ja genauso peinlich wie dir.
Er wird starr vor Schreck gewesen sein!
B (schüttelt den Kopf): Tzz... dieser Casanova hat meinen nackten Anblick doch genossen. Das hab ich genau gesehen. Ich kenne solche Männer zur Genüge. Nehmen sich, was sie kriegen können. Aber ICH lasse MICH nicht zum Sexobjekt abstempeln. ICH NICHT! Ich habe sofort meine Sachen genommen und bin rausgestürmt. Und ich könnte schwören, er hat mir dabei auf den Hintern geschaut.

Einbildung ist auch eine Bildung, Mama! Oh je, oh je, oh je! Also eigentlich klingt das alles schon sehr witzig. Das hätte auch mir passieren können. Wobei ich jetzt nicht unbedingt mit Marcs Vater die Sauna geteilt hätte. Äh... nein, dann lieber mit George Clooney oder Brad Pitt oder Ballack. Äh... hab ich gerade Ballack gedacht? Nee, Gretchen echt!

G (seufzt): Ach Mama...
B (schmollt): Nichts ach Mama! Du weißt ja noch gar nicht, was dann noch passiert ist.
G: Was denn?
Will ich das wirklich wissen?
B (plaudert ohne Luft zu holen weiter): Ich hatte mich gerade erst ein wenig beruhigt. ... Ich war im Pool schwimmen gewesen. Ich kann dir sagen, die Wassertemperatur... ein Traum. Wie in der Badewanne. ... Ich betrete also danach unsere Kajüte und da steht ER direkt wieder vor mir - diesmal angezogen muss ich dazu sagen - und glotzt mich wieder auf so unverschämte Weise an. Er hatte Franz auf dem Flur getroffen und du kennst ja deinen Vater... sie haben geredet und Karten gespielt.
G: Na... ist doch... schön.
B (echauffiert sich): Nichts ist schön, Gretchen! Ich konnte ihm nicht einmal in die Augen schauen, weil ich dachte, er sieht durch meinen Bademantel hindurch, und bin gleich wieder gegangen, nur um dann später von Franz zu erfahren, dass dieser Macho die ganze Zeit schon auf unserem Schiff war ... und zwar direkt im Zimmer nebenan.
G (kann sich ein Schmunzeln nicht mehr länger verkneifen): Zufälle gibt’s.
Marc bricht zusammen, wenn er das hört. Hihi!
B (ihre Stimme überschlägt sich regelrecht): Zufall? Das war der reinste Albtraum, weil ich jetzt ein Gesicht hatte.
G (greift sich verwirrt an die Stirn): Hä?
B (geht in den Flüsterton über): Na ich hatte dir doch neulich am Telefon von unseren Kabinennachbarn erzählt, die so laut... nachts... hmm... hmm...
G (weitet ihre Augen u. senkt dann schnell beschämt den Blick): Oh! Ich erinnere mich... dunkel.
B (gestikuliert mit ihren Armen wild in der Luft herum): Jede Nacht dieser ständige Terror und das stundenlange Sexgestöhne. Du weißt gar nicht, wie viel Ohropax ich in den zwei Wochen verbraucht habe. ... Dieser Prof. Meier ist ein ganz Schlimmer.
G (rollt entsetzt mit den Augen): Äh... so genau wollte ich das nun auch nicht wissen.
Oh Gott! Es gibt Dinge, die will man weder über seine Eltern, noch über seine Schwiegereltern wissen.
B: Denkst du ich? Ich glaube, der hat das extra gemacht.
G (sprachlos): Jetzt spinnst du aber. Wieso sollte er?
B (zuckt mit den Schultern): Na ich weiß nicht. Um mich zu beeindrucken vielleicht.
Ok, ich hätte nie gedacht, dass der Moment einmal kommen würde, in dem sie ihre eigene Durchgeknalltheit noch toppen könnte, aber das hier schlägt wirklich alles.
G (starrt sie ungläubig an): Mama, also wirklich.
B (nimmt kein Blatt vom Mund): Zumindest hat es deinen Vater sehr beeindruckt. Tagsüber war er ein Totalausfall, aber nachts war er umso aktiver. Ständig wollte er...
NEEEEEIIIIIIIIINNNN!!!!
G (reißt panisch die Augen weit auf): Mama, ist gut jetzt! Ich will das nicht hören.
B (nachdenklich): Nun ja, unserem Sexleben hat es wirklich gut getan. Das gebe ich zu. ... Aber dieser Olivier... Ich kann mich auch irren. Vielleicht habe ich mir die anzüglichen Blicke auch nur eingebildet.
G (kleinlaut): Sicher!
B: Er wusste ja bis zu diesem Zeitpunkt auch nicht, dass wir gleich nebenan waren. Die hätten die Kabinen aber auch wirklich schallsicherer bauen können. Weißt du, ich hab gedacht, der Vater von deinem Freund hätte die ganze Zeit so ein junges Mädchen, einen Kurschatten oder so, in seinem Zimmer gehabt.
G (verwirrt): Er war aber nicht auf Kur.
B: Leider nicht. Das Schlimmste weißt du nämlich noch gar nicht.

Was kann denn noch schlimmer sein, als... Oh, oh! ... Bin ich froh, nicht auf dem Boot gewesen zu sein. Mama und Elke. Das ist wie ein Tzunami, der alles niedermetzelt. Wahrscheinlich liegen Papas Magenprobleme auch eher daran.

G (leise): Ich kann’s mir denken.
B (ihre Miene verfinstert sich): Diese impertinente Person war auch mit an Bord.
G: Ich weiß.
B (sieht sie erstaunt an): Wie? Du hast das gewusst? Aber wieso hast du uns denn nicht gewarnt?
G: Äh... woher sollte ich denn ahnen, dass die beiden auf demselben Schiff ihre Kreuzfahrt machen würden wie ihr?
B: Also wenn ich gewusst hätte, dass er und diese Person auch auf unserem Schiff sein würden, dann wäre ich sicherlich schon am ersten Hafen wieder ausgestiegen. Weißt du, wie ich mich gefühlt habe, als die beiden dann auch noch am nächsten Morgen zusammen an unserem Frühstückstisch aufgetaucht sind? Scheißfreundlich hat sie getan. Aber ihre spöttischen Blicke habe ich sofort wahrgenommen. Alles gespielt. Ich habe mich so gedemütigt gefühlt. Aber die gerechte Quittung hat sie ja dann am Abend gekriegt beim Abschlussdiner.
Oh Gott, sie haben ES gesehen.
G (weist sie zurecht): Mama, das ist nicht witzig.
B (verschränkt trotzig ihre Arme u. sieht sie vorwurfsvoll an): Ach du weißt also auch schon davon?
G: Olivier hat es mir erzählt, ja.
B (ihre Gesichtszüge werden weicher, als sie Gretchens besorgten Blick wahrnimmt): Na ja, leid hat er mir ja schon ein wenig getan. Das war schon sehr rührend, was er für sie gemacht hat. ... Seit wann waren die beiden eigentlich wieder zusammen? Ich dachte, die wären geschieden? ... (Gretchen schüttelt den Kopf.) ... Du hast gar nichts erzählt. Aber egal! Das ist ja jetzt eh überholt. Hmm... Aber bei dieser furchtbaren Person hätte er eigentlich mit so einer Reaktion rechnen müssen.
G (fassungslos über ihre Taktlosigkeit): Mama, er liebt sie.
B (rollt mit den Augen): Wie kann man so eine lieben? Schreibt von Dingen, von denen sie keine Ahnung hat, schnappt sich die Ehemänner von anderen Frauen, betrügt und belügt sogar ihren einzigen Sohn ein halbes Leben lang und...
G (fällt ihr ins Wort): Sie bereut es aufrichtig. Und Marc hat ihr verziehen. ... Na ja, fast! ... Und Olivier auch.
B: Sie hat ihn trotzdem stehen gelassen. Wie die Leute alle gekuckt haben!
G (traurig): Ja, leider! Kannst du jetzt verstehen, warum ich ihn eingeladen habe?
B (seufzt u. schaut sie verständnisvoll an): Du hast ein viel zu großes Herz, Gretchen.
G (lächelt): Rate mal, von wem ich das habe.

Bärbel lachte zum ersten Mal wieder auf und drückte ihre herzensgute Tochter nun an ihre mütterliche Brust...

B: Dafür liebe ich dich, mein Kind.
G (wird tatsächlich etwas verlegen u. gibt ihrer Mutter schnell einen kleinen Kuss auf die Wange): Ach Mama! ... Ist alles wieder gut?
B (gibt schließlich klein bei): Ja! Aber ich möchte IHM nicht gegenüber sitzen.
G (grinst): Das ließe sich einrichten.

Die beiden lächelten sich an und standen schließlich vom Bett auf. Das Kofferauspacken verschob Bärbel auf später, denn es war schon reichlich spät geworden und sie musste sich doch noch für das gemeinsame Abendessen in Schale schmeißen. Sie widmete sich deshalb als nächstes ihrer Kleiderwahl und öffnete die Schranktür. Gretchen schaute ihr dabei interessiert zu und gab ihr töchterliche Ratschläge.

Lorelei Offline

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05.04.2011 17:20
#968 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo ihr Lieben , nachdem ich eure Lachmuskeln vielleicht etwas arg strapaziert habe (Sorry! ), wird es jetzt etwas ruhiger. Heute widmen wir uns nämlich endlich den Männern des Hauses. Aber ob euch das wirklich weiterbringen wird? Ich wünsche euch jedenfalls viel Spaß! Liebe Grüße, Lorelei




Marc Meier, der mittlerweile seit gefühlten fünf Stunden neben seinem wortkargen Vater auf der hässlichen gelben Cordcouch im Haaschen Wohnzimmer gesessen hatte, das momentan sehr viel Ähnlichkeit mit der Wichtelwerkstatt des Weihnachtsmannes aufzuweisen hatte, wenn man sich genauer in dem weihnachtlich dekorierten und vor Besinnlichkeit strahlenden Raum umschaute - Haasenzahn hatte mit der Schmückerei ganze Arbeit geleistet, aber nicht in den Augen des ewigen Weihnachtsmuffels, dem der Sinn nach etwas ganz anderem stand -, hatte irgendwann genug von den quälendlangen Schweigeminuten, die ihm keine wirklichen Antworten auf seine vielen Fragen liefern konnten, die ihm zwar, seitdem er seine Mutter vor knapp zwei Stunden einfach so stehen gelassen hatte, pausenlos in seinem Kopf herumgeschwirrt waren wie eine nervige Motte ums gleißende Licht, die er aber niemals gestellt hätte, da er ja schließlich ein echter Kerl war und der redete nun mal nicht über Beziehungsprobleme und Probleme im Allgemeinen und schon gar nicht über die Wehwehchen der eigenen Eltern. Echte männliche Männer so wie er, Chirurgen im Speziellen, Götter in weiß also hatten keine Probleme und zeigten niemals Schwächen. Gefühle machten einen zwar schwach, aber nicht so schwach, dass man sich plötzlich in Domian verwandelte und wie eine sektbeschwipste Mädchenclique die ganze Nacht durchquatschte, alles mögliche analysierte, interpretierte, hinterfragte und Sachen durchdiskutierte, die eh nicht mehr zu ändern waren. Und das war bei seinen durchgeknallten Eltern definitiv der Fall. Bei denen war eh Hopfen und Malz verloren. Warum daran festhalten? An ein glückliches Familienleben im Hause Meier-Fisher hatte er nach zwanzig Jahren ohne eh nie geglaubt. Also nahm es der toughe Oberarzt und Chirurgensohn gewohnt cool. Er nippte noch einmal an seiner Bierflasche, die nun halbleer war, und stellte diese dann auf dem Couchtisch ab, drehte sich zur Seite und schnauzte seinen sichtlich unglücklichen Vater, der wie ein Häufchen Elend in der anderen Ecke des Sofas saß und ein Sofakissen umarmte und bisher nicht mehr als nur ein leises „Hallo“ über die Lippen gebracht hatte, in gewohnt unfreundlicher Manier an. Genug war schließlich genug!

M: Jetzt sag endlich was! Wie lange willst du noch hier stumm wie ein beschissener Karpfen rumhocken? Das nervt.
O (blickt mit traurigen Augen auf u. nimmt endlich seinen ganzen Mut zusammen, um seinem Sohn ein Geständnis zu machen, das sein Herz gebrochen hat): Marc, mein Junge, es fällt mir schwer, das jetzt zu sagen, aber...
Herrgott noch mal, in der Theatralik steht er Mutter in nichts nach!
M (fährt sich mit einer Hand seufzend übers Gesicht u. bringt es emotionslos direkt auf den Punkt): Ihr habt euch getrennt! Na und? Schwamm drüber!

Heult hier rum wie ein kleines Mädchen oder Haasenzahn! Also wirklich! Was hat er denn erwartet? Mutter ist eben Mutter! Das wusste er doch vorher. Hat sie schließlich vor zig Jahrzehnten warum auch immer geheiratet und ist dann aus gutem Grund von ihr abgehauen. Hätte wahrscheinlich jeder so gemacht. Keiner hält es nämlich länger als zwei Wochen mit ihr aus. Also... kein Drama! Mein Bedarf an Dramen aller Art ist nämlich in letzter Zeit bei weitem gedeckt, wenn ich da so an Mehdi oder Haasenzahn denke. Und wenn jetzt auch noch Mutter und er... Ach Scheiße, Mann, du wolltest doch nicht mehr über diesen ganzen Mist nachdenken. Das ist ihr Problem, verdammt noch mal, und nicht meins. ... Wo bleibt eigentlich Haasenzahn? Hätte großen Bock, sie über die Schulter zu schmeißen und von hier zu verduften. Ich glaube, bei der Trauerstimmung hier hätte sie sicherlich nichts dagegen.

O (sichtlich schockiert über seine Worte fasst er sich an sein heftig schlagendes Herz u. sieht Marc tief verunsichert an): Was? Hast du... Hast du etwa mit ihr geredet? Hat sie dir das so gesagt?
M (etwas irritiert von seiner heftigen Reaktion): Äh... jaaa!? So in der Art.

Hä? Wie jetzt? Ich dachte, das sei klar. Was gibt’s denn an „das funktioniert so nicht“ falsch zu verstehen? Finito, Ende, aus! ... Oder etwa nicht? ... Boah, ich check mal wieder gar nichts mehr. Aber ich will’s ja auch gar nicht erst. Ich hab genug von dem ganzen Scheiß hier.

O (lässt sich resignierend an die Sofalehne zurückfallen u. fährt sich durch seine Haare): Ich verstehe diese Frau einfach nicht.
M (verdreht genervt die Augen): Ja, du, äh... das ist ja an sich nichts Neues. Ich hab sie noch nie verstanden und ich muss sie und ihre hysterischen Phasen schon seit dreiunddreißig Jahren ertragen. Aber ist jetzt auch egal. ... (nimmt seine Bierflasche u. leert sie in einem Zug, dann schaut er seinen Vater an u. zeigt zum Esstisch) ... Isst du mit uns mit?
O (nickt leicht mit dem Kopf u. schaut Richtung Flur, wo er Gretchen und ihre Familie vermutet; er hat nicht mitbekommen, dass sie längst nach oben gegangen sind): Gretchen hat mich eingeladen, aber ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist. Frau Prof. Haase ist irgendwie komisch zu mir.
M (lacht): Nicht nur zu dir. Das ist ihr Normalaggregatzustand.
O (hebt eine Augenbraue u. denkt nach): Ach?
M (schaut nun ebenfalls Richtung Flur): Ich frag mich eh, wo die alle bleiben. Gretchen hat so einen Terz gemacht, dass ich ja hier pünktlich aufkreuzen soll und jetzt lässt sie uns wie bestellt und nicht abgeholt hier dumm rumsitzen. Allmählich bekomme ich nämlich doch Hunger.


Marc strich sich gerade mit einer Hand über seinen knurrenden Magen und Olivier trank sein Bier aus, als es plötzlich unerwartet an der Haustür klingelte. Das hörte man auch im oberen Stockwerk der Villa Haase, wo Bärbel gerade nur im Unterkleid bekleidet vorm Schlafzimmerspiegel stand und Gretchen nun panisch anstarrte...

G: Beruhige dich, Mama! Ich mache auf. Du ziehst dich jetzt schnell an und schaust dann mal nach Papa. So langsam mache ich mir doch Sorgen um ihn. Und wo ist eigentlich Jochen abgeblieben? Dieses Faultier...

Es klingelte erneut, diesmal Sturm. Gretchen, die abrupt aus ihren Gedanken gerissen worden war, wurde hektisch und verließ schnell das elterliche Schlafzimmer, um die Treppe herunter zu stürmen...

G: Oh! ... Die Tür! ... Komme! ... Moment!

Lorelei Offline

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06.04.2011 17:24
#969 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Einen wunderschönen guten Tag, ihr Lieben!
Den heutigen Teil möchte ich gerne meiner lieben Neuleserin Sissi widmen, die es gestern Abend geschafft hat, dass ich mit offenem Mund vor meinem Läppi gesessen habe, mit dicken Freudentränen in den Augen, weil ich einfach nur gerührt war. Wenn ihr wissen wollt warum, dann schaut bitte mal auf meiner Kommiseite vorbei.
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Ich danke dir, du Vogerl. Du bist einfach die Größte. Ich würde mich eigentlich gerne bei dir mit einem supertollen Martchen-Erdbeer-Special oder einem tanzenden Kai Schumann bedanken, aber es muss hier ja schließlich der Reihe nachgehen, ne. Ein Sturm kommt auf. Eigentlich sollte ich deswegen alle Fenster und Türen sichern, aber leider muss die Haustür wohl doch geöffnet werden. Wo bliebe denn der Spaß, wenn eine gewisse Person hier nicht auch noch auftauchen würde oder? Also Augen zu und durch!

Eure noch immer völlig gerührte Lorelei





Fünf Sekunden später riss die Tochter des Hauses atemlos die Haustür auf. Gretchen konnte gar nicht so schnell kucken, da stürmte auch schon der Tornado Elke Fisher wie eine tosende Naturgewalt an ihr vorbei ins Haus und schaute sich hektisch im Flur um...

E: Wo ist er?
G (hält mit einer Hand die Tür fest u. starrt Elke völlig überrumpelt an): Äh... Frau... Frau Fisher...
E (sieht sie ungeduldig an u. tippelt mit dem Fuß auf und ab): Zeit ist Geld, Kindchen. Er ist doch hier oder?
G (eingeschüchtert): Ja, äh... er... er ist...

Gretchen ließ langsam die Haustür ins Schloss fallen und zeigte völlig überfordert von dem bühnenreifen Auftritt ihrer Frau Schwiegermutter in spe, die ein edles graues Chanelkostüm unter ihrem wehenden Mantel trug, in Richtung Wohnzimmer. Elke folgte ihrem Blick und wollte sich gerade in Bewegung setzen, aber der Gesuchte kam ihr zuvor. Er war bereits aufgrund des Krachs und der kreischenden Frauenstimme, die ihm nur allzu gut bekannt war, vom Sofa aufgestanden und erschien im gleichen Moment an der Tür zum Flur. Ungläubig starrte Marc auf seine hysterische Mutter, die sich mit ihrem kleinen Guccitäschchen Luft zu fächelte und ihn dabei böse anfunkelte...

M: Sag mal, hast du den Arsch offen, hier aufzukreuzen?
E (ihre Augen formen sich zu kleinen Schlitzen u. sie echauffiert sich mit gewohnter rauer tiefer Stimme): Marc Olivier, nicht in diesem Ton!
M (funkelt zurück): Eh, das kann ich wohl gut und gerne zurückgeben.

Gretchen, die ebenso verunsichert über den überraschenden Auftritt von Elke Fisher war wie deren Sohn, versuchte die Ruhe zu bewahren, um einen Eklat zu verhindern, der vielleicht auch noch ihre Eltern auf den Plan bringen könnte, die seit der Affäre ihres Vaters eh nicht sonderlich gut auf die Erfolgsautorin zu sprechen waren...

G: Wollen Sie... äh... willst du nicht erst einmal hereinkommen, Elke?

Elke setzte ihre Maske wieder auf und lächelte ihre Schwiegertochter in spe kurz gespielt höflich an und nickte leicht mit dem Kopf. Dabei musterte sie die junge Frau in ihrem schwarzen figurbetonten Kleid eingehend, was Gretchen aber sehr unangenehm war - kannte sie doch die spitzen Kommentare der zierlichen Person über ihre Figur zur Genüge - und sich in leicht geröteten Wangen bei ihr widerspiegelte, die sie mit einem freundlichen Lächeln zu überspielen versuchte. Doch Marc, dem es ganz und gar nicht recht war, dass sie blieb, schob seine dreiste Mutter unsanft Richtung Haustür, was diese mit einem bösen giftigen Blick quittierte...

M: Will sie nicht. ... Geh!
G (versucht zu schlichten): Marc! Lass sie doch...
E (fällt ihr schnell ins Wort u. regt sich über ihren unverschämten Sohn auf): Was erlaubst du dir eigentlich? Erst lässt du deine arme Mutter...
M (lacht spöttisch auf): Du warst doch noch nie arm.
E (blitzt ihn an, aber ignoriert seinen sarkastischen Einwurf u. fährt mit ihren Vorwürfen fort): ... lässt mich ohne ein tröstendes Wort...
M (unterbricht sie erneut mit zynischem Unterton): Seit wann hast du denn Trost nötig?
Sie hat ihn doch abserviert oder?
G (streicht ihm über dem Arm u. schaut ihn vorwurfsvoll an, woraufhin er verständnislos mit dem Kopf schüttelt): Marc!
E (blickt kurz zu Gretchen u. redet mit stetem Blick auf ihren Sohn unberührt weiter): ... lässt mich... kommentarlos... allein... in deiner Wohnung zurück, ohne mir zu verraten, wo du hin willst. ... Erst in der Klinik hat mir dein charmanter Kollege verraten, wo du eigentlich steckst. ... Und dann...
Elender Verräter!

Das gibt’s doch nicht! Dieser unsensible, herzlose... argh!

G (sieht schockiert zu ihren Freund, der selbstgefällig lächelt): Was?
M (lehnt sich lässig an den Türrahmen u. blitzt seine Mutter an): Ja, ich hab dir gesagt, dass ich keine Zeit habe. Du wolltest doch unbedingt bleiben. Also? ... Und wo meine Minibar ist, weißt du ja. Kannst gerne damit deine eigenen Vorräte aufstocken. Und jetzt... (er zeigt mit ausgestrecktem Arm zur Tür) ... Tschüß!

Elke funkelte ihren frechen Sohn bitterböse an und sprach unbeeindruckt weiter. Dabei war ihr Blick aus gutem Grund auf Gretchen gerichtet, da sie ganz genau wusste, dass Marcs Freundin sein respektloses Verhalten in keinerlei Weise gutheißen würde...

E: ... und dann wagst du es, mich hier wieder rauszuschmeißen?
M (verschränkt abweisend seine Arme): Ja, so sieht’s aus.
Nerven an Gretchen! Familienfrieden in Gefahr! Sofort eingreifen! ... Wenn das so einfach wäre!
G (sieht ihn eindringlich an): Marc, das ist deine Mutter.
M (spöttisch): Ach echt? Und ich dachte, es wäre die Avon-Beraterin.
E (kleine Rauchsalven steigen langsam über ihrem Kopf auf): Marc Olivier!
G (wird allmählich sauer): Marc, deinen Zynismus kannst du dir echt sparen.
E (stimmt ihr anerkennend bei): Meine Worte!

Boah ich fass es nicht. Seit wann ist Haasenzahn denn auf ihrer Seite? Das ist echt unfair.

M (ihm platzt gleich der Kragen, als er plötzlich auf seine Mutter zustürmt, seinen Zeigefinger in ihre Schulter bohrt und dabei abwechselnd in ihr überrumpeltes Gesicht und die Treppe hoch schaut): Verdammt, was willst du hier? Ich glaube nämlich nicht, dass Frau Prof. Haase sonderlich begeistert wäre, ausgerechnet dich hier in ihrem Haus anzutreffen, Mutter.

Upps! Stimmt! Oh Gott, hoffentlich hat sie nichts mitbekommen. Nach der gemeinsamen Kreuzfahrt ist sie doch besonders schlecht auf sie zu sprechen. Hach... wieso muss heute auch alles aufeinander treffen? Kann nicht einfach nur ein stinknormaler Heiligabend mit leckerem Essen, tollen Gespräche und Hausmusik sein?

G (murmelt leise): Das ist schon ein Argument, ja.
E (sieht es auch ein, aber will noch unbedingt etwas loswerden): Marc, bitte, nur fünf Minuten, lass uns reden!

Marc ließ stöhnend seinen Kopf hängen und sah seiner Mutter dann direkt in ihre Augen, die ungewohnt traurig schimmerten. Ob er es wollte oder nicht, das machte doch irgendwie Eindruck auf den sturen Sohn... Mann, wieso...? Argh!

M: Ok, fünf Minuten, aber mehr nicht.
E (ein kleines erleichtertes Lächeln huscht über ihre Lippen): Danke!
M (verwundert): Äh... Hab ich mich verhört oder hast du gerade tatsächlich ‚danke’ gesagt? Das sind ja ganz neue Töne.
G: Marc!

Marc verdrehte genervt die Augen und machte schließlich eine ausschweifende Handbewegung, um seine verrückte Mutter nach draußen zu bitten...

M: Lass uns rausgehen!
E (hat berechtigte Einwände u. hält in der Bewegung inne): Junge, es ist kalt draußen. Es schneit.
M (sichtlich genervt von dem Theater): Boah was denn noch?
G (stimmt ihr bei): Eben! Geht doch ins Wohnzimmer!
M (fährt herum u. zeigt kein Verständnis, im Gegenteil er regt sich auf): Äh... Bist du Panne? Hast du vergessen, wer dort...

Upps! Erst denken, dann einladen, Gretchen! Nachdem, was Olivier erzählt hat, ist das vielleicht keine so gute Idee, wenn die beiden ausgerechnet hier zusammentreffen. Hach... was muss das auch so kompliziert mit den beiden sein? Ich hatte mich so gefreut für die beiden. Ich meine, das wäre für den Familienfrieden schon gut, wenn alle glücklich wären. So für spätere Geburtstage, unsere Verlobung, den Polterabend, die Hochzeit, die Taufe unserer Kinder und... Äh... ich schweife ab. ... Und jetzt ist von Familienharmonie keine Spur mehr. Papa küsst die Kloschüssel, Mama schämt sich, Jochen interessiert das nicht die Bohne, Olivier ist todunglücklich, Elke hysterisch und Marc sauer. Tolles Weihnachten echt!

G (schließt ihre Augen u. fasst sich beschämt an ihre Stirn): Oh ja! Stimmt.

Elke wurde hellhörig und hakte nach...

E: Wieso? Sitzt Franz dort nur in Unterhosen oder wie? Als ob ich diesen Anblick nicht zur Genüge kennen würde.
Oh Gott! Wenn Mama das hören würde, dann gäbe es Mord und Totschlag. Ich muss sie rausschaffen, bevor sie was mitkriegt. Verschiebe den Kampf um den Familienfrieden auf später... auf nächstes Jahr. Genau. Kommt Zeit, kommt Rat. Und bis zur Hochzeit ist bestimmt auch noch ewig hin. Ja, leider! Äh... nicht ablenken lassen, Gretchen!
M (schockiert): Mutter!
Wenn ich könnte, würde ich Bärbel sogar das Messerset reichen, falls sie eins braucht. Unmöglich echt! Was muss sie auch mit jedem männlichen Wesen zwischen 25 und 65, ob verheiratet oder nicht, aus Berlin rumfi... Bäh! Widerlicher Gedanke!

Marc wollte seine unverschämte Mutter gerade zusammenscheißen, als plötzlich eine Stimme aus dem Wohnzimmer das kleine Grüppchen im Flur erreichte und die Aufmerksamkeit auf sich lenkte...

O: Marc, ist alles in Ordnung?

Na super! Der Supergau ist eingetreten. Rettung zwecklos.

Elke riss ihre Augen weit auf, als sie die tiefe Stimme richtig zuordnete, und fasste sich an ihre linke Brust. Ihr Gesicht war leichenblass und ihre Beine zitterten, als sie wie ferngesteuert den ersten Fuß nach vorn setzte und an Marc vorbeiging, der sie nicht davon abhalten konnte. Auch Gretchen hielt den Atem an, wusste sie doch um die Ereignisse an Bord des Kreuzfahrtschiffes. Mit klopfendem Herzen schritt die elegante Mittfünfzigerin auf die Tür zu und schaute mit angstverzerrtem Gesicht vorsichtig in das weihnachtlich dekorierte Wohnzimmer der Familie Haase. Ihre dürren Fingerchen umklammerten ihr kleines schwarzes mit Strasssteinchen verziertes Guccitäschchen, als sie ihren noch immer unverschämt gutaussehenden Ehemann auf der hässlichen gelben Couch erkannte. Ihr Mund öffnete sich nur ganz langsam. Nur ein leiser Ton kam heraus, als sie seinen Namen hauchte...

E: Oli!

Lorelei Offline

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07.04.2011 20:39
#970 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Prof. Dr. Dr. Olivier Meier, der so tief in Gedanken versunken war, dass er gar nicht mitbekommen hatte, wer sich da lautstark und gewaltig Zugang zur Haase-Villa verschafft hatte und dort mit seinem Sohn einen verbalen Faustkampf vollführte, war ebenso überrascht, seine bildschöne Ehefrau hier vorzufinden, die ihm doch in den letzten Tagen den zweitschlimmsten Liebeskummer seines Lebens bereitet hatte. Auch er reagierte sichtlich aufgewühlt und konnte ihren Kosenamen nur leise hauchen, während sein Herzschlag umso deutlicher zu hören war...

O: Mokkapralinchen!

Seine Stimme brach ab. Er räusperte sich und fuhr sich mit der rechten Hand über sein strahlendweißes Hemd. Er zögerte eine Sekunde. Dabei ließ er die sichtlich aufgewühlte Frau an der Tür nicht aus den Augen. Sie wich seinen eindringlichen Blicken aus. Schließlich sprang der weltbekannte Chirurg vom Sofa auf und kam auf die drei Personen im Hausflur zu, die ihn gespannt anschauten. Die Luft war zum Zerreißen gespannt. Gretchen nahm instinktiv Marcs Hand, was dieser mit einem dankbaren Lächeln quittierte. Doch Elke wich zurück. Grimmig sah sie ihrem nervösen Sohn ins Gesicht und machte ihm unerwartet Vorwürfe...

E: So ist das also! Du bist auf seiner Seite. Das hätte ich mir ja gleich denken können.

Völlig überfordert von der Situation und den Gedanken, die durch seinen Kopf schossen, schaute Marc zwischen seiner aufgebrachten Mutter und seinem herannahenden Vater hin und her, bis sein Blick auf Gretchen ruhte, die hilflos zwischen allen Fronten stand und innig hoffte, dass ihre Eltern im oberen Stockwerk nichts von der ganzen Szenerie hier mitbekommen würden...

M: Äh... was denn für Seiten? Ich stehe auf keiner Seite. Wenn schon, dann nur auf meiner eigenen.

Elke Fisher hatte verstanden. Sie schnaufte kurz laut auf, klemmte sich dann ihr Handtäschchen unter den Arm, warf ihrem Verräter-Sohn und ihrer Schwiegertochter in spe noch einen letzten flüchtigen Blick zu, in dem man durchaus ihre Verletztheit wahrgenommen hätte, wenn die Situation nicht so bizarr und verwirrend gewesen wäre, dann öffnete sie schnell die Haustür und verschwand hinaus, noch bevor ihr Ehemann sie erreicht hatte. Dieser blieb in der Wohnzimmertür stehen und blickte in die ratlosen Gesichter von Gretchen und Marc, die ihn fragend anschauten. Dann packte es ihn. Olivier schnappte sich seinen Mantel, warf ihn schnell über und folgte seiner Frau in schnellen Schritten nach draußen. Elke hatte bereits das Tor der Einfahrt erreicht, als er sie am Arm packte und ruckartig zu sich herumdrehte. Er schaute die heftig zappelnde und zeternde Furie durchdringend an und verstärkte noch seinen Griff an ihren beiden Armen, damit sie ihm nicht erneut davonlief...

O: Kannst du mir mal erklären, was überhaupt in dich gefahren ist, Elke?


Marc und Gretchen blieben in der offenen Haustür stehen und schauten erst sich an, dann zu dem heftig gestikulierenden Paar am Gartentor...

M: Kannst du mir mal erklären, was das gerade sollte?
G (zuckt mit den Schultern): Ich gebe es nur ungern zu, aber diesmal bin ich wirklich überfragt.
M: Na Gott sei dank weiß du mal einmal nicht alles besser als ich.
G (stupst ihn in den Arm): Eh!

Marc schmunzelte und schlang von hinten seine Arme um Gretchens schlanke Taille. Sein Kinn platzierte er auf ihrer rechten Schulter und sah dann wieder nach vorn zu seinen streitenden Eltern. Er rollte genervt mit seinen Augen. Peinlicher ging es nun wirklich nicht mehr, dachte sich der verzweifelte Sohn und sog Gretchens verführerisches Parfum ein, das ihn umnebelte und Sorgen Sorgen sein ließ und ihn schnell wieder auf andere Gedanken brachte. Er lächelte, als Gretchen nach seinen Händen griff, die auf ihrem flachen Bauch ruhten, ihre Finger mit seinen verschränkte und ihn noch näher an sich heran zog. Sie fühlte sich so gut an, dachte der verliebte Mann und schloss für einen Moment seine Augen. Wie ein Schmusekätzchen schmiegte sich die verliebte Assistenzärztin an ihren liebesbedürftigen Oberarzt und spürte die Wärme, die von ihm ausging. Sein Herz schlug. Auch wenn er cool tat, ganz egal war es ihm nicht, was mit seinen Eltern war oder nicht war. Langsam drehte sich der blonde Engel zu ihrem Schmusekater um. Sie sahen sich tief in die Augen und verstanden sich auch ohne viele Worte. Gretchen wollte Marc gerade küssen, als sie auf der obersten Treppenstufe plötzlich ihre Mutter wahrnahm, die neugierig um die Ecke lugte...

B: Margarethe, was war das denn gerade für ein Radau an der Tür?

Gretchen seufzte und ließ ihren Liebsten, der aufgrund der unerwarteten Störung gequält dreinblickte und den Kopf hängen ließ, schweren Herzens los und schob ihn zurück ins Haus und schloss schnell die Tür hinter sich, damit ihre Mutter nicht mitbekam, was sich gerade vor dem Haus abspielte. Sie strich sich betont auffällig eine Strähne hinters Ohr und sah mit aufgesetztem Lächeln zu ihrer neugierigen Mutter hoch...

G (flunkert): Och nichts! ... Sternensänger!
B (erstaunt): Ach?

Gretchen stupste ihren Freund an der Schulter an, damit er mitspielte. Dieser grinste nur frech zwischen den beiden Haase-Frauen hin und her...

M: Yepp! Grottenschlechter Gesang! Ich hab sie verjagt.

Bärbel blickte verdutzt zu den beiden hinab, klemmte sich dann eine Strähne hinter ihr Ohr, nickte mit dem Kopf und verschwand anschließend wieder um die Ecke...

B: Oh na dann... danke ich dir, Marc. Gretchen, wir sind hier gleich fertig. Deinem Vater geht es auch schon wieder etwas besser. Er zieht sich noch schnell etwas anderes an. Dann kommen wir runter. Könntest du ihm vielleicht ein paar Zwiebackscheiben vorbereiten? Ich denke, den Gänsebraten wird er noch nicht vertragen können.
G: Sicher, Mama!

Gretchen nickte ihrer Mutter freundlich zu, als sie um die Ecke bog, und wandte sich dann wieder an ihren Freund, der immer noch nicht aufhören konnte zu feixen...

M: Sternensänger, hmm? Du hast meine Mutter noch nicht singen gehört.

Gretchen lachte und kuschelte sich wieder in seine starken männlichen Beschützerarme, die so viel Geborgenheit ausstrahlten. Für einen Moment schien alles gut. Sie sah Marc tief in seine leuchtendgrünen Augen, die sie fesselten und nicht mehr losließen. Er erwiderte ihren sehnsüchtigen Blick und senkte vorsichtig seinen Kopf, bis sich ihre Lippen endlich trafen und sich zu einem innigen Kuss vereinten, der sie für einen Augenblick aus der Familienrealität entführte.

Lorelei Offline

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09.04.2011 10:45
#971 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Einen wunderschönen guten Morgen, ihr Lieben. Er hat ihn! Und das gleich im Doppelpack! Congratulation, Mr. Fitz! Ich ziehe meinen Hut vor diesem Ausnahmetalent! Nach dieser tollen und mehr als verdienten Überraschung gestern Abend, habt ihr auch eine verdient. Ich glaube, es ist nämlich an der Zeit, euch zu verraten, was auf der Kreuzfahrt wirklich vorgefallen ist, mal abgesehen von einem Saunabesuch der besonderen Art. Viel Spaß mit dem ersten Teil des Fisher-Meierschen Rückblicks! Eure Lorelei





Das Liebespaar hatte sich schließlich ins warme Wohnzimmer zurückgezogen, nachdem Gretchen die letzten Vorbereitungen fürs Abendessen getroffen hatte und den Braten noch einmal in den Ofen geschoben hatte. Marc und seine Küchenfee standen nun Arm in Arm am Fenster mit bestem Blick auf die Einfahrt der Haases und auf Olivier und Elke, die sich dort leidenschaftlich fetzten...

O: Elke, ich habe dir eine Frage gestellt, verdammt noch mal.

Doch die Angesprochene reagierte nicht auf seinen eindringlichen Appell. Sie wollte nur noch weg, weg von ihm, der Situation, einer Aussprache, einfach von allem, und versuchte sich von ihrem impertinenten Mann loszureißen, der sie immer noch im Klammergriff festhielt und mit flehendem Hundeblick ansah, weil er nicht verstand, was mit ihr los war und warum sie ihn auf einmal so entschieden von sich stieß. Elke zappelte und wand sich, trat ihm auf die Füße, fauchte und kratzte, aber Olivier wollte sie nicht loslassen. Er würde sie nie wieder gehen lassen, das hatte er sich einst geschworen. Ein Leben ohne sie, das konnte und wollte er sich nicht mehr vorstellen. Er würde es nicht noch einmal überleben. Elke versuchte seinen durchdringenden Blicken auszuweichen und starrte stur auf den frisch gestreuten Gehweg. Sie wollte sich nicht äußern. Warum auch? Sie hatte auf dem Kreuzfahrtschiff eine Entscheidung getroffen und die war unabwendbar. Wieso konnte er das nicht verstehen? Wieso wollte er nicht verstehen, dass das mit ihnen niemals funktionieren würde?


M: Wenn ich könnte, würde ich sie umtauschen.

... murmelte Marc währenddessen in seinen Dreitagebart. Gretchen lachte und strich ihm zärtlich über seine stoppelige Wange...

G: Du weißt gar nicht, wie oft ich das schon über meine Eltern gedacht habe.
M: Erschieß mich, falls ich mich jemals so aufführen werde!
Mein armer Schatz! Es macht ihn doch mehr zu schaffen, als er zugeben will.
G (nimmt ihn in den Arm): Ach komm, jetzt übertreibst du aber. Olivier hat alles Recht dieser Welt, deine Mutter zur Rede zu stellen.

Marc drehte sich herum und sah seine Freundin erstaunt an...

M: Wie? Hat er dir etwa erzählt, was passiert ist?
G (nickt leicht mit dem Kopf u. sieht ihn mit ihren großen Kulleraugen aufmunternd an): Ja, dir nicht?
Stört mich irgendwie! Obwohl... nee, interessiert mich eigentlich nicht. Das ist doch Kinderkacke echt.
M (fährt sich mit seiner rechten Hand über den Nacken u. denkt nach): Äh... nee, nicht wirklich. Er war damit beschäftigt, Löcher in eure hässlichen Sofabezüge zu blicken.
G (sieht traurig aus dem Fenster zu dem graumelierten Mann, der seine hysterische Frau mit beiden Händen am Arm festhält u. nach Erklärungen ringt): Oh! So schlimm also?
Wieso nur hat sie das getan? Sie liebt ihn doch auch. So leidenschaftlich wie sie mit ihm streitet, da können nur große Gefühle dahinter stecken. Wovor hat sie nur so viel Angst?
M (schaut nun auch wieder aus dem Fenster u. schüttelt den Kopf): Wie die kleinen Kinder echt!
Und so was schimpft sich Vorbilder. Pah! Brauch ich nicht.

Gretchen schmiegte sich in die Arme ihres um Stärke bemühten, aber dennoch verwirrten Freundes und begann, ohne dass er es von ihr verlangt hatte, leise zu erzählen, was sich auf dem Kreuzfahrtschiff vor zwei Tagen zugetragen hatte......


Rückblick

Es war der letzte Abend der zweiwöchigen Kreuzfahrt auf der Aidabella im westlichen Mittelmeer gewesen. Abschiedsstimmung und Wehmut lagen in der Luft. Das große Schiff lag bereits in den Gewässern vor dem spanischen Festland vor Anker. In der Ferne konnte man schon die nächtlichen Lichter der Großstadt erkennen. Der Zielhafen, an dem in den frühen Morgenstunden angelegt werden sollte, war derselbe wie der Abfahrtshafen: Barcelona, die Hauptstadt Kataloniens, wo die meisten Urlauber noch eine Nacht in einem Hotel verbringen würden, bevor ihre Flieger sie zurück in die Heimat bringen würden. Es war eine ruhige, klare, aber sehr kalte Winternacht. Die meisten Passagiere hatten sich ins warme Innere zurückgezogen und begaben sich in den großen Festsaal des Schiffes. Traditionell fand dort am letzten Abend der Reise das große Abschlussdiner statt. Alle Passagiere, Besatzungsmitglieder und Künstler, die den Gästen in den vierzehn Tagen ein abwechslungsreiches Programm und exquisiten Service geboten hatten, waren geladen. In festlicher Abendrobe versteht sich. Ein Sieben-Gänge-Weihnachtsmenü wurde serviert, das der Sternekoch Steffen Henssler persönlich zubereitet hatte und das auf sehr großen Anklang stieß. Champagner floss ich reichlichen Mengen. Alle geladenen Gäste verbrachten einen ungezwungenen entspannten fröhlichen Abend zusammen und hatten viel Spaß miteinander. Es wurde viel gelacht und gescherzt, geredet und gesungen, gegessen und getrunken. Ein ganz besonderes auf Weihnachten eingestimmtes Showprogramm wurde während des Festdiners gezeigt, das deutschen Revuetheatern in nichts nach stand und von einer langen mit Anekdoten und Seemannsgarn gespickten Rede des Kapitäns eingeleitet wurde, der es sich nicht nehmen ließ, sich noch einmal bei allen Passagieren und Mitarbeitern zu bedanken. Feuerkünstler, Akrobaten, Clowns und Musiker und auch ein Weihnachtsmann, der kleine Geschenke an jeden verteilte, führten durch das dreistündige Programm, während die Gäste ein vorzügliches Sternessen genießen konnten.

Während des Dessertgangs wurde es hörbar ruhiger in dem großen Saal. Der letzte Programmpunkt stand an, nämlich eine kleine Preisverleihung. Zum einen wurden die besten Crewmitglieder gekürt, die von den Gästen selbst auf einem Stimmzettel, der in den Kabinen ausgelegen hatte, gewählt worden waren, zum anderen die zahlreichen Künstler, die die Reise begleitet hatten und den Urlaubern unvergessliche Erlebnisse beschert hatten. Nachdem bereits Steffen Henssler für seine hervorragenden Kochkünste sowie für seine angebotenen Kochkurse, an denen die eine oder andere Hausfrau mit großer Begeisterung teilgenommen und die neusten Rezepte kennen gelernt hatte, geehrt worden war, Udo Jürgens für seine musikalischen Darbietungen, Maite Kelly und Uwe Ochsenknecht für die abendlichen Musicalveranstaltungen sowie Thomas Hermanns für sein komödiantisches Talent, sollte auch noch eine deutschlandweit bekannte Autorin einen Preis entgegennehmen, die mit ihren Romantikromanen und ihrem neusten Werk, einer tragischen Vampirsaga, für Furore im Feuilleton gesorgt hatte.

Jeder Preisträger nahm seinen Preis, einen goldenen Lorbeerkranz, von einem Laudator entgegen, der ihm persönlich auf irgendeine Weise nahe stand. Waren es bei Uwe Ochsenknecht und Maite Kelly einer der Söhne, Jimmy Blue, ein aufstrebender Jungschauspieler und Sänger, der die Lobeshymne auf seinen Schauspielvater cool rappte und das Publikum damit zu frenetischem Applaus animierte, sowie der Bruder der beliebten Musicaldarstellerin und „Let’s dance“-Teilnehmerin, der Extremsportler Joey Kelly, der an Bord für das Fitnessprogramm zuständig gewesen war, so war man bei der Berliner Erfolgsautorin Elke Fisher lange Zeit unentschlossen gewesen, wer denn eine Rede auf sie halten könnte. Unnahbar wie sie war, gab die stolze Frau stets nur wenig von sich preis. Doch vielen begeisterten Teilnehmerinnen ihrer Lesereise war nicht entgangen, dass sie diesmal von einem charmanten älteren Herrn begleitet wurde, der nicht von ihrer Seite wich und ihr sehr nah zu stehen schien. In der Fangemeinde wurde viel getuschelt, spekuliert und recherchiert. Einer ihrer treusten Fans hatte schließlich die richtige Antwort gefunden. Sie hatte der Clubvorsitzenden des Berliner „Dr. Rogelt“-Fanclubs ein Foto des graumelierten attraktiven Mannes gemailt, der stets mit einem Lächeln auf den Lippen in den hinteren Reihen der täglichen Lesungen gesessen hatte und die egozentrische Autorin nie auch nur einen Moment aus den Augen gelassen hatte. Dr. Rogelt hatte endlich ein Gesicht bekommen, freuten sich die aufgeregten Leserinnen und begannen regelrecht für den charmanten Mittfünfziger zu schwärmen, dem das offenbar nicht zu stören schien. Die Gerüchte machten schnell die Runde an Bord. Und so hatten sich die Initiatoren der Abschlussveranstaltung dazu entschlossen, den renommierten Prof. Dr. Dr. Olivier Meier um eine Laudatio auf seine Frau zu bitten, dem dieser auch allzu gerne nachkommen wollte.

Lorelei Offline

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10.04.2011 17:07
#972 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo zusammen!
Ich weiß, ihr würdet euch lieber ein harmonischeres Weihnachtsfest wünschen, aber ich hab ja auch nie gesagt, dass es harmonisch sein würde. (Wäre ja auch irgendwie langweilig.) Aber keine Sorge, der Zuckerlevel bleibt zumindest bei Martchen noch auf dem gewohnten Level.

Aber jetzt geht’s erst einmal mit dem Rückblick weiter. Nur so viel zum Verständnis, es ist nicht die Sicht Gretchens, die ich hier darstelle, sondern ich hab es eher allgemeiner Natur gehalten, um auch die Gefühle der einzelnen näher darlegen zu können. Gretchen erzählt Marc dagegen nur das, was Olivier ihr berichtet hat. Darauf werde ich aber nicht näher eingehen, denke ich. So und nun viel Spaß. Die Laudatio folgt dann im nächsten Teil. Ich bin noch nicht ganz zufrieden damit, deshalb lasse ich sie heute noch weg. Ist eh schon ein langer Teil.

Ich wünsche euch noch einen schönen Rest-Sonntag. Eure Lorelei





Ein Raunen ging durch den Saal, als sich der unverschämt gutaussehende Chirurg unerwartet von seinem Platz erhob - Olivier hatte mit Elke, ihrer Lektorin und ihrem Manager an einem der vorderen Tische gesessen - und sich langsam mit einem Zettel in der Hand Richtung Bühne bewegte. Franz und Bärbel Haase, die weiter hinten gesessen hatten, schauten überrascht auf und waren ebenso wie alle anderen gespannt auf das, was gleich folgen würde. Aber am meisten war wohl die Preisträgerin selbst überrascht und schockiert zugleich. Was hatte er nur vor, dachte Elke panisch und schaute sich nervös im Saal um. Sie spürte die intensiven Blicke, die v.a. aus ihrer Fanecke auf sie gerichtet waren, und zum ersten Mal genoss die erfolgsverwöhnte Schriftstellerin das Bad in der Menge nicht.

Die unnahbare Erfolgsautorin hatte sich stets bemüht, ihr Privatleben hinter verschlossenen Türen zu halten, um ihr Image als geheimnisvolle Göttin der Liebe zu wahren. Nur die wenigsten wussten, dass sie (noch) verheiratet war oder dass sie einen erwachsenen Sohn hatte. Sie hatte sich auch hier an Bord betont unauffällig verhalten und sich nur im geschlossenen VIP-Bereich öffentlichen Gefühlsbekundungen hingegeben, die ihr liebestrunkener Gatte einfach nicht lassen konnte und die sie auch insgeheim immer sehr genossen hatte. Sie hatten einen Pakt geschlossen. Und Olivier hatte sich damit zufrieden gegeben und hatte sie zu nichts gedrängt, das sie nicht wollte. Er war glücklich, sie in seiner Nähe zu wissen. Das allein war ihm schon das Größte.

Auch wenn Elke Fisher Preise aller Art gerne und überall entgegennahm - der Pulitzer war ihr bislang leider noch verwehrt geblieben, aber sie arbeitete hart daran -, war es ihr nicht recht, nun so öffentlich bloßgestellt zu werden, auch wenn ihr Mann es sicherlich nur gut gemeint hatte. Aber sie fühlte sich zunehmend unwohl bei dem Gedanken, was er ihr und allen anderen gleich sagen würde.

Unruhig rutschte Elke auf ihrem Stuhl hin und her und sah nervös zu ihrem Ehemann, der hinter ein kleines Pult auf der Bühne getreten war und seine große Liebe nun direkt anschaute. Da lag etwas in seinem Blick, das die schöne Mittfünfzigerin einerseits seltsamerweise irgendwie beruhigte, andererseits aber noch nervöser werden ließ. Sie konnte sich das selbst nicht erklären, was es genau war, aber es drückte schwer auf ihre Brust. Ihr Herz raste, ihr Puls drückte nach oben und ihr Hals war staubtrocken. Zwei Champagnergläser hatte sie bereits geleert, noch bevor ihr charmanter Laudator überhaupt ein Wort gesagt hatte, und sie bestellte sich gerade das nächste. Gedanken schossen wie wild durch ihren Kopf und brachten sie völlig durcheinander. ... Gedanken über die vergangenen vier unglaublich schönen Wochen voller inniger Liebe und tosender Leidenschaft, die wie im Flug vergangen waren und ihr bisheriges Leben völlig auf den Kopf gestellt hatten. Sie hatte ihre Tür weit geöffnet und akzeptierte nach Jahren mit unzähligen flüchtigen Affären wieder einen Mann an ihrer Seite, einen festen Partner, dem sie vertrauen konnte, ihre Jugendliebe, die sie nie vergessen hatte, ihr Corazón, ihren Oli, den sie all die Jahre verloren glaubte. Sie hatte nie auch nur zu träumen gewagt, dass er jemals wieder Teil ihres Lebens sein könnte, nach allem, was in der Vergangenheit passiert war, das sie zerstört hatte. Doch er hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass er sie wirklich zurück wollte. Bedingungslos. Ohne Vorbehalte. Weil er sie noch immer über alles liebte.

Olivier Meier war über sie gekommen wie eine riesige Welle, die ein Kreuzfahrtschiff zum Wanken bringen konnte, wie sie es in den letzten Tagen so oft hier erlebt hatte. Dieser Mann war einfach unglaublich. Unvergleichlich, einzigartig, aufregend, stark, selbstsicher, vorurteilsfrei, verständnisvoll, warmherzig, einfühlsam, liebevoll, aufmerksam, charmant, großzügig, verrückt, leidenschaftlich,... Sie könnte diese Liste noch unendlich lange fortführen, aber sie würde noch immer nicht alle Seiten an ihm fassen können. Er war noch derselbe Lausbub von früher, in den sie sich als junges Mädchen unsterblich verliebt hatte; der ihr Kontra geben konnte, was sich sonst nie jemand gewagt hätte; mit dem sie ihre ganze Jugend verbracht hatte, die so voller Träume über Liebe, Freiheit, Ungezwungenheit gewesen war, und mit dem es nie langweilig gewesen war; der sie einfach so aus einer liebestrunkenen Laune heraus nach Paris entführt und spontan in der Sylvesternacht geheiratet hatte; mit dem sie immer ihr Leben teilen wollte, was für eine gewisse Zeit auch funktioniert hatte - die glücklichste Zeit, die sie bislang überhaupt erlebt hatte -, aber irgendwann scheiterte, scheitern musste, weil sie einfach zu unterschiedlich geworden waren, ihre Träume verloren hatten und andere Ziele verwirklichen wollten. Ihre große unendliche Liebe war dabei auf der Strecke geblieben. Sie hatte ihn in einem selbstzerstörerischen Wahn von sich gestoßen. Sie hatte ihn bewusst unendlich verletzt, weil er ihr lästig geworden war. Ohne Reue. Die Reue kam erst, als es längst zu spät war. Sie hatte die Liebe ihres Lebens gehen lassen. Einfach so! Sie hatte das wertvollste Gut, das es gab, nicht geschätzt. Aus egoistischen, niederen Gründen. Sie hatte es nicht einmal versucht, ihn zurückzuholen, als sie gemerkt hatte, dass das Leben, das sie sich vorstellte und das sie ihrer Außenwelt vorspielte, doch nicht so das Wahre war, wenn es ohne Liebe war. Ohne seine Liebe!

Elke geriet immer mehr ins Grübeln. Sie hatte ihn eigentlich gar nicht verdient. Sie hatte ihn und seine bedingungslose Liebe nicht verdient. Sie war ein schlechter Mensch. Marc hatte immer mit allem Recht gehabt, das er ihr schonungslos entgegen warf, wenn sie ihm mal wieder kühl und distanziert, egoistisch und selbstgerecht, hochmütig und lieblos begegnete. Sein Vater hatte etwas Besseres verdient als eine Frau, die zwar in schillernden Farben über die Liebe schrieb, sie aber selbst nicht handhaben konnte. Die Liebe war ihr fremd geworden. Ihr Corazón weckte Gefühle in ihr, mit denen sie nicht umzugehen wusste. Sie hatte verlernt, wie man liebte, wie man die Liebe zurückgab, die einem selbst entgegengebracht wurde. ‚Die Liebe ist frei’, darüber hatte sie zig Romane geschrieben, hatte es in allen Formen ausgelebt, aber das war alles nicht echt, ging nicht tief genug, berührte nicht ihr Herz. Doch Olivier berührte ihr Herz in einer Art und Weise, die sie nicht verstand, die sie verwirrte, die ihr Angst machte.

Er berührte sie. Dazu musste sie nur wissen, dass er in ihrer Nähe war. Wie ferngesteuert war sie damals ins Krankenhaus gestürmt, als sie gehört hatte, dass er einen Unfall gehabt hatte, dass er überhaupt wieder in Berlin war, dass er nach all den Jahren zurückgekehrt war. Ihr Herz war das Organ, das sie in den letzten Jahren nie gespürt hatte. Sie hatte alle Körperregionen bis zur Erschöpfung trainiert, aber das Herz ließ sich nicht steuern. Es machte unkontrolliert das, was es wollte. Und es wollte Olivier zurück. Anfangs waren es nur stille Schreie gewesen, wenn sie auf ein altes Familienfoto aus glücklichen Zeiten gestoßen war oder wenn dieser verflixte 3. August näher rückte. An diesem schrecklichen Jahrestag wurden die Schreie ihres Herzens besonders laut und unerträglich, so dass sie fast immer ausrastete, Dinge kaputt machte, sich kaputt machte, weil sie sie mit aller Gewalt loswerden wollte. Seitdem ihr Mann wieder da war, verstand sie erst, wie sehr sie ihn doch all die Jahre vermisst hatte, wie leer ihr Leben doch gewesen war ohne ihn. Sie hatte ihn nie vergessen und sie würde es auch nie. Das hatte sich Elke mittlerweile eingestanden. Ihr Oli war der einzige Mann, den sie je an sich heran gelassen hatte, und er würde auch der Einzigste bleiben.

Sie hatte fast vergessen, wie schön es mit ihm gewesen war, wie schön es war, wenn er sie hielt, sie einfach nur mit diesen fesselnden Smaragdaugen ansah, sie küsste, liebte, bei ihr war. Sie hatte es ausgekostet. Keine Sekunde hatte sie ohne ihn verbracht. Die letzten vier Wochen zählten wirklich mit Abstand zu den Schönsten ihres Lebens. Sie fühlte sich befreit und gelöst wie schon lange nicht mehr, als sei ihr eine schwere Last abgenommen worden. Sie hatte sich komplett fallen gelassen, ihre sichere Maske abgesetzt und sich ihm ganz hingegeben. Sie hatte es genossen, genoss es immer noch.

Die beiden hatten die Orte bereist, die sie schon als junges Ehepaar besucht hatten. Es war wie eine Reise zurück in die Vergangenheit. Erinnerungen und Gefühle strömen so schnell und übermäßig auf sie ein, dass sie sie kaum fassen konnte. Es war schön, keine Frage, aber es überforderte sie zugleich. Olivier schien da ansetzen zu wollen, wo sie früher aufgehört hatten, glücklich zu sein. Er hegte zu große Erwartungen. Das wurde ihr mit jedem Tag mehr bewusst, wenn sie abends versuchte ihre Erlebnisse und Gedanken zu Papier zu bringen. Doch sie war wie gelähmt. Sie konnte nicht schreiben. Es waren Erwartungen, die sie nie und nimmer erfüllen konnte. Zwanzig Jahre lagen zwischen dem Hier und damals. Er war der Alte geblieben und sie liebte ihn auch wirklich dafür, doch sie war eine Andere geworden. Würde er mit der Person, die sie jetzt war, auf Dauer glücklich sein können? Könnte er wirklich damit leben? Oder würde er daran zerbrechen? Das könnte doch nie und nimmer gut gehen mit ihnen beiden, schoss es ihr in den Sinn. So viel stand auf dem Spiel. Allen voran Marc, den sie mehr verletzt hatte, als es einer liebenden Mutter zugestanden hätte. Sie würde ihn unglücklich machen. Sie würde alle in ihrem Umfeld unglücklich machen. Sie würde es zerstören, das dünne Band, das provisorisch mit Klebestreifen gekittet worden war und das ihre Familie, die seit zwanzig Jahren keine mehr war, zusammenhielt. Die aufgewühlte Frau strich sich seufzend über ihr Gesicht. Sie versuchte, sich zu beruhigen, die Fassade der stolzen allwissenden Autorin aufrecht zu halten, doch insgeheim wusste sie nicht mehr ein noch aus. Wo sollte das alles nur hinführen?

Elke war völlig durch den Wind, als sie den nächsten Beruhigungsschluck aus ihrem Champagnerglas nahm und dann zur Bühne in das strahlende überglückliche Gesicht von Olivier blickte, der Liebe ihres Lebens, der nun nach einem lauten Räuspern mit selbstbewusster Stimme entschlossen mit seiner Laudatio begann......

Lorelei Offline

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11.04.2011 17:36
#973 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo ihr Lieben!
Hier habt ihr sie endlich, Olis Rede. Sie ist leider etwas länger geworden als geplant und ich hab sie auch noch mal gesplittet. Aber wenn man bedenkt, dass ich erst überhaupt nicht wusste, was ich als Inhalt schreiben sollte, ist es mir am Ende doch ganz gut gelungen, finde ich zumindest. Was denkt ihr? Ich wünsche euch einen schönen Wochenstart. Eure Lorelei





Meine sehr geehrten Gäste, meine liebe Elke,

es ist mir eine große Ehre, dir hier heute Abend diesen Publikumspreis überreichen zu dürfen. Ehrlich gesagt, war es mir schon immer ein Herzenswunsch gewesen, dir auf diesem Wege meine Anerkennung zuteil werden zu lassen.


Olivier lächelte seine Frau liebevoll an. Jetzt huschte doch ein kleines Lächeln über ihre zarten Lippen. Dann schaute er in die große Runde, die ihm interessiert zuhörte...

Der eine oder andere von Ihnen wird sich sicherlich fragen, wer der alte Mann da auf der Bühne überhaupt ist, der hier über Dinge sprechen soll, von denen man(n) gewöhnlich nichts versteht. (Einige im Publikum beginnen zu lachen.) Deine treue Leserschaft, die bekanntermaßen überwiegend weiblicher Natur ist, versteht sicherlich, was ich damit meine, wenn sie an ihre besseren Hälften denken, die wahrscheinlich jedes Mal einen abschätzigen Spruch fallen lassen und sich dann entnervt umdrehen und das Weite suchen, wenn sie mal wieder mit einem schönen Glas Rotwein eingemummelt in eine Kuscheldecke auf der Couch oder im Bett sitzen und in deine romantische Romanwelt vertieft sind. (In der Dr.Rogelt-Fanecke wird das Lachen lauter. Es wird getuschelt, gescherzt und auch geschwärmt.)

Wovon ich eigentlich spreche, fragen sich sicherlich gerade die anwesenden Männer hier im Raum. Ich spreche von der Liebe, der romantischen, träumerischen Liebe, an der du uns, liebe Elke, in deinen zauberhaften Werken regelmäßig auf beeindruckende Weise teilhaben lässt. (Zwei, drei Fans klatschen begeistert in die Hände, hören aber sofort wieder auf, als niemand weiter einsetzt, und ziehen beschämt ihre Köpfe ein, während der eine oder andere Mann, der direkt daneben sitzt, genervt den Kopf hängen lässt.) Die komplexeste Sache der Welt zeichnest du mit so einer Vielschichtigkeit und Leichtigkeit, dass es selbst mich, den ignoranten Theoretiker und Akademiker, der das Phänomen ‚Liebe’ lediglich als eine Aufwallung des Hormons Oxytocin, auch Kuschelhormon genannt, das im Übrigen auch bei der Geburt eines Kindes oder beim Orgasmus freigesetzt wird (Einige können sich ein Grinsen nicht verkneifen.), definieren würde, tief berührt. (Olivier, der auch etwas rot im Gesicht geworden ist, streicht sich verlegen über sein Kinn. Um sich zu beruhigen, sieht er wieder zu der aufmerksamsten Zuhörerin im Raum.) Das klang jetzt vielleicht ziemlich fachtheoretisch, aber mir als Chirurgen fehlen einfach die passenden Worte, um dieses Gefühl, das schönste, das uns Gott gegeben hat, beschreiben zu können. Du warst immer die Wortkünstlerin in unserer Familie, Elke. (Ein Raunen geht durch den Saal. Das Tuscheln wird lauter. Einige schießen Fotos. Elke schließt beschämt ihre Augen.) Du hast immer gesagt, ich hätte deine Arbeit nie genug wertgeschätzt. Das stimmt so nicht ganz. Ich weiß es noch, als sei es gestern gewesen, als du mir stolz die erste Seite deines ersten Romanfragmentes gezeigt hattest, das du einer Eingebung folgend eines Nachts aufgeschrieben hattest. Ich kam gerade von einer lange harten Nachtschicht aus der Klinik nach Hause und wollte eigentlich nur noch die Beine hochlegen und schlafen gehen. Aber ich nahm mir die Zeit, weil du mich darum gebeten hattest, und las mir den Anfang deiner Geschichte durch. Die Geschichte eines jungen aufstrebenden Chirurgen.

Olivier lachte, als er nach einer kurzen Denkpause weiter sprach und sich dabei ein zweites Mal über sein Kinn strich...

Ja, ich gebe es zu, im ersten Moment hatte der Romanheld mich stark an mich selbst erinnert. Jung, dynamisch, ehrgeizig, zielstrebig und unverschämt gutaussehend. Aber Chirurgen sind nun mal dafür bekannt, ein bisschen mehr als der Durchschnitt selbstverliebt zu sein. (Man schmunzelt.) Mit stolz geschwellter Brust las ich also weiter, stutzte, las den Absatz erneut, Schamesröte setzte sich in meinem Gesicht fest, aber ich las weiter und mir wurde etwas klar. Meine Frau hatte mir kein Denkmal gesetzt, auch wenn mir die Rolle des Dr. Rogelt sicher gut gestanden hätte. (Man lacht.) Aber ich sollte vielleicht präzisieren, für diejenigen, die ihn nicht kennen. Es handelte sich um die Geschichte eines jungen aufstrebenden Chirurgen, frisch von der Uni, dem die Frauenherzen nur so zuflogen, der sich nahm, was er wollte, im Job wie außerhalb der Klinikpforten. Ein Frauentyp wie er im Buche steht. Nicht McDreamy, sondern eher McSexy, damit mich auch die jüngere Generationen hier verstehen. (Gekicher wird laut.) Quasi der moderne Casanova. Also das genaue Gegenteil von mir selbst.

Jetzt wurde lauthals in allen Ecken gelacht. Auch Olivier konnte sein charmantes Zahnpastalächeln nicht verbergen, was die eine oder andere Frau im Saal aufseufzen ließ. Doch dann wurde der charmante Laudator mit einem Mal ernster und schaute wieder direkt zu seiner Frau, die ihn mit großen schimmernden Augen ansah und sich nicht anmerken lassen wollte, wie sehr sie doch seine Worte berührten, aber gleichzeitig noch ein anderes Gefühl wachriefen.

Ich muss zu meiner Schande gestehen, ich habe es belächelt, habe dich stehen gelassen und bin einfach schlafen gegangen. Ich habe dich und deine hochtrabenden Pläne nicht ernst genommen und das tut mir heute unendlich leid, Elke. Du warst enttäuscht, zu Recht, weil ich dir nicht dieselbe Begeisterung entgegengebracht habe und dich nicht unterstützt habe in deinem Vorhaben, den deutschen Buchmarkt mit Ärzteromanen umzukrempeln. Ich habe damals noch nicht verstanden, was dir diese Schreiberei wirklich bedeutet hat. Ich konnte nicht sehen, was du gesehen hast. Aber jetzt, zweiundzwanzig Jahre, fast sechzig Romane „Dr. Rogelt“ und zahlreiche Preise später, verstehe ich, was du geschaffen hast. Du schaffst Träume, weckst tiefste Sehnsüchte, suchst die Liebe. Das ultimative Gefühl, das die Menschen eint, aber auch entzweit.

Olivier räusperte sich, sah sich verlegen im Saal um und sprach dann langsam besonnen weiter. Niemand sagte ein Wort, jeder hörte nur gebannt dieser fesselnden Stimme zu...

Aber ich will jetzt hier niemanden mit einem Vortrag über die Liebe langweilen. Ich bin zu sehr Theoretiker und würde vermutlich schneller wieder auf die hormonellen Prozesse zu sprechen kommen, wie Sie Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner „Ich liebe dich“ sagen würden. (Ein Lächeln überzog die Gesichter der anwesenden Gäste.) Und wir Chirurgen, Dr. Rogelt übrigens auch, handeln lieber, als dass sie offen und in großer Runde über ihre Gefühle sprechen, deren chemische Prozesse sie zwar runterbeten können, was aber nicht heißt, dass sie sie in der Praxis auch tatsächlich verstehen würden.

Der charmante Chirurg wandte sich nun direkt wieder an Elke, die ihn zwar ansah, aber innerlich hoffte, dass er endlich aufhörte zu reden und ihr ihren verdienten Preis in die Hand drückte, um dann mit ihm schnell der Peinlichkeit zu entfliehen, um ihm dann draußen gehörig die Meinung zu geigen...

Du hast mir immer vorgeworfen, dass ich nicht verstehen würde, was dich bewegt und was dich antreibt, so schöne Dinge über die Liebe zu schreiben, wie du es in deinen Büchern tust. Und damit hast du vollkommen Recht. Die Liebe ist schließlich die komplexeste Sache, die es gibt. Aber durch dich, meine liebe Elke, weiß ich, was sie wirklich bedeutet. Das war schon immer so, seit dem ersten Moment, den wir uns kennen.

Elke konnte nicht verhindern zu lächeln, so gerührt war sie über seine sanften Worte. Die Wangen der brünetten Autorin zierte nun ein zartes Rosé. Beschämt senkte sie ihren Blick und versuchte irgendwie, souverän mit dem Kribbeln in ihrem Bauch umzugehen. Voller Liebe sah Olivier seine Traumfrau an, als er ihr ein überraschendes Geständnis machte...

Du wirst staunen, wenn ich dir jetzt sage, dass ich sie alle gelesen habe, nein, ich habe sie nicht gelesen, ich habe sie regelrecht verschlungen. Denn deine Bücher waren das einzige Band, das uns über die vielen Jahre hinweg noch verbunden hat. Frag mich nicht, welche Mühen es mich gekostet hat, dein neuestes literarisches Kunstwerk in die Staaten liefern zu lassen. Ich war jedes Mal aufgeregt wie ein kleiner Junge, der auf den ersten Liebesbrief seiner Sandkastenfreundin wartete, wenn ein neues Paket aus Europa ankam. Brachte es doch einen Teil von dir zu mir. (Elke schluckt und sieht ihren Oli nun mit wässrigen Augen an. Er lächelt glücklich.) All die Jahre, Elke, waren verschwendete Jahre. Wie sagte doch Réné in Band 45 zu Monique, kurz bevor sie in den Flitterwochenflieger steigen wollte, um für immer aus seinem Leben zu verschwinden, „Was hat das Leben denn für einen Sinn, wenn ich es ohne dich verbringen muss?“ Und doch haben es die beiden nie geschafft, endgültig zusammen zu finden, sie lieben sich, aber irren immer noch umher in der weiten dunklen Welt. Damit muss endlich Schluss sein, Elke.

Ein leises Kreischen war aus den Fanreihen zu hören. Alle Köpfe drehten sich herum. Doch Oliviers Blick blieb entschlossen auf Elke gerichtet wie ihrer auch auf ihn...

Denn auch ich kann und will nicht mehr ohne dich sein. Nie mehr!

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.338

12.04.2011 16:06
#974 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Mädels, ihr habt mich echt verlegen gemacht mit euren Kommis. Image and video hosting by TinyPic Ich hätte nicht gedacht, dass die Rede bei euch so gut ankommen würde. Ich hab echt ewig daran herumgeschraubt, bis ich annähernd zufrieden war. War meine erste Laudatio und ich bin froh, dass ich sie nicht selber halten musste. Aber ganz ist der liebe Oli noch nicht durch. Ein wichtiger Part fehlt noch. Viel Spaß damit! Oder auch nicht! Ich setze mir schon mal vorsorglich dezent eine schwarze Sonnenbrille auf. Bussi u. Gruppenumarmung! Eure Lorelei




Elke hielt den Atem an. Wie gebannt sah sie ihren Mann an. Ihre Umgebung hatte sie längst ausgeblendet. Sie sah nur noch ihn. Ihr Corazón! Olivier legte sanft lächelnd seinen Zettel beiseite, den er für seine Rede eigentlich gar nicht gebraucht hatte, denn er hatte stets mit Blickkontakt auf seine Frau aus freiem Herzen gesprochen, und trat nun seitlich neben das Pult. Seine rechte Hand stützte er darauf ab. Sein Blick, der voller Liebe und Sehnsucht war, war direkt auf die schöne Brünette gerichtet, die im Bann seiner Worte gefangen war....

Du hast mich vor fünfunddreißig Jahren zum glücklichsten Mann auf dieser Welt gemacht, als du ja gesagt hast. (Ein Raunen geht wieder durch den Saal. Dann halten alle gebannt den Atem an. Selbst in der „Dr. Rogelt“-Fanecke ist es plötzlich mucksmäuschenstill.) Weißt du noch, es war eine ähnlich klare und kalte Dezembernacht gewesen. Ich hatte dich spontan nach Paris entführt, um zumindest für ein paar Tage dem Druck unserer Eltern zu entkommen, die nicht verstehen wollten, was das zwischen uns war. Wir waren jung und unbeschwert, frei wie die Vögel. Und unendlich glücklich. Du hattest deinen Sturkopf durchgesetzt und wir waren kurz vor Toresschluss noch als Letzte auf den Eifelturm gestiegen. Wir sogen die Magie dieses wunderbaren Ortes in uns auf. Du hattest deine Arme weit ausgebreitet, drehtest dich im Kreis und hast in den nächtlichen Himmel geschrieen. Ich lehnte am Geländer und habe dich völlig fasziniert beobachtet. Du sahst aus wie eine Göttin. Dein langes lockiges Haar wehte im eiskalten Wind. Deine Wangen waren leicht gerötet. Deine Augen strahlten wie eine Million Diamanten. Dein warmer Atem schimmerte in der Dunkelheit. (Ein leises Schniefgeräusch ist aus der Fanecke zu hören.) Und ich wusste mit einem Mal, dass es für mich niemals eine andere geben würde. Du warst die Eine für mich, Elke, immer schon. Und deshalb bin ich noch an Ort und Stelle vor dir auf die Knie gegangen und habe dich gefragt, ob du mich heiraten möchtest. (Ein lautes Schniefen und tiefe Seufzer sind jetzt auch aus einer anderen Ecke des Saals zu hören.) Du hast mich verrückt genannt - und das war ich in der Tat in diesem Moment, aber ich habe diesen Schritt nie bereut - und bist mir stürmisch um den Hals gefallen. Eine Woche später waren wir Mann und Frau. Das war neben der Geburt unseres Sohnes der schönste Tag in meinem Leben. Und jetzt, zu unserem 35. Hochzeitstag - ja, ich kann es selbst kaum fassen, dass es schon soweit ist - ist genau der richtige Zeitpunkt gekommen, um dieses Gelübde zu erneuern. Findest du nicht? Genauso spontan und verrückt wie beim ersten Mal.

Olivier machte eine Sprechpause und schaute in die Runde, die gebannt an seinen Lippen hing. Verschämt strich er sich über den Nacken, sprach sich leise Mut zu, denn seine Nervosität nahm nun überhand, und sah dann zu den Veranstaltern, die am Bühnenrand standen und auf einem kleinen Samtkissen ein goldenes Lorbeerblatt hielten, das für Elke Fisher bestimmt war. Aber auch sie waren völlig perplex über die überraschende Wendung während der Preisverleihung und hatten den eigentlichen Zweck der Veranstaltung längst vergessen...

Ich schwöre, das ist wirklich nicht geplant oder einstudiert und ich mache auch gleich Schluss hier. Nur so viel noch... Diesen Gedanken trage ich eigentlich erst seit vorhin im Kopf, als wir zusammen am Bug des Schiffes gestanden haben, der Wind durch dein Haar zauste, deine Augen funkelten, dein Atem schimmerte und deine Wangen glühten. Genauso wie damals in Paris. Ich kann es immer noch kaum fassen, dass wir unser Glück endlich wieder gefunden haben, nach all den Jahren, und ich will es nie wieder loslassen.

Olivier fasste sich an sein Herz und lächelte seine große Liebe nun überglücklich an, dann ging er auf der Bühne neben der Treppe, die in den Saal führte, auf die Knie. Er streckte Elke seine Hand entgegen. Entschlossen fragte der verliebte Mann sie schließlich das, was er noch auf den Herzen hatte...

Und deshalb frage ich dich, meine Lotusblüte, ob du mit mir ein zweites Mal nach Paris, unserem Refugium, reisen möchtest, um mit mir dort in der Sylvesternacht unser Eheversprechen zu wiederholen? Wir könnten morgen schon dort sein. ... Willst du... willst du mich noch einmal heiraten, Elke?

Der aufgeregte Arzt verstummte und sah seine Angebetete nun gespannt an. Ein Raunen ging durch den gesamten Saal, einige Frauen wischten sich Tränen aus den Augen und schnieften leise und alle Augenpaare waren auf die dunkelhaarige Autorin gerichtet, die mit schimmernden Augen zur Bühne blickte...

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.338

14.04.2011 16:43
#975 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallöchen!!!
Ok, es war wohl vorhersehbar gewesen, dass Olivier im Überschwang seiner aufbrodelnden Gefühle seinem Mokkapralinchen einen Antrag machen würde. Aber ob das nun mit Elkes Antwort genauso vorhersehbar sein wird? Wir werden sehen. Viel Spaß mit dem nächsten Teil und danke noch mal für eure tollen Kommis. Eure Lorelei





Elke Fisher war wie gelähmt. Sie konnte sich nicht bewegen. Oliviers liebevolle Worte hallten in ihrem Kopf, immer und immer wieder, gemischt mit Erinnerungen an damals. Das Hochzeitsfoto am Trocadero kam ihr in den Sinn. Oli hob sie hoch und drehte sich mit ihr im Kreis. Dann küsste er sie. Stürmisch. Leidenschaftlich. Zärtlich. Voller Gefühl. Minutenlang. Ohne Luftzuholen. Sie spürte den Kuss, der ihre Liebe besiegelte, noch immer auf ihren Lippen. Obwohl es fast fünfunddreißig Jahre her war. Ihr Herz schlug. Unregelmäßig. Schnell. Unkontrollierbar. Es war das einzigste Organ, das sie in diesem magischen Moment noch spüren konnte. War das alles nur ein Traum? Träumte sie etwa? War sie vielleicht gar nicht auf einem Kreuzfahrtschiff? Mit ihm, Olivier Meier, ihrer ewigen Jugendliebe, die sie zwanzig Jahre lang nicht gesehen hatte. Vielleicht hatte sie sich das alles auch nur eingebildet. Die aufregenden Wochen mit ihm. Die Reise. Die Nächte. Seinen Antrag. Das kam ihr alles so surreal vor, wie unter einem Schleier, als sei es lediglich ein Handlungsstrang in einer ihrer Geschichten. Aber sie konnte sich beim besten Willen nicht daran erinnern, jemals so etwas Dramatisch-Romantisches aufgeschrieben zu haben. Doch dann hörte die erstarrte Frau plötzlich wieder Oliviers sanfte, Gänsehaut auslösende Stimme, als käme sie aus weiter Ferne zu ihr...

O: Elke, willst du nicht zu mir auf die Bühne kommen?

War es doch die Realität, die ihr da so unvermittelt entgegenschlug? Ihre Lektorin, die ein schwärmerisches Grinsen auf ihren stark geschminkten Lippen trug, stupste sie am Arm an. Elke erwachte und sah die blonde Frau mit den kurzen Haaren völlig verwirrt an, als diese mit ihrem Kopf Richtung Bühne deutete. Sie folgte ihrem Blick und schluckte. Da war ER! Olivier! Vor ihr kniend. Strahlend. Hoffend. Liebend. Sie sah zu ihm. Liebend. Sehnend. Zweifelnd. Elke konnte es nicht kontrollieren. Sie war nicht mehr Herrin ihres eigenen Körpers. Alles geschah wie ferngesteuert, als stünde sie daneben und betrachtete sich selbst und das, was diese Person tat.

Wie in Zeitlupe erhob sich die schöne Erfolgsautorin von ihrem Stuhl, schob ihn zurück und zupfte sich ihr weißes elegantes Chanel-Kostüm zu Recht. Der aufgeregte Starchirurg lächelte vor Glück und hielt ihr immer noch erwartungsvoll seine zitternde Hand entgegen. Das Publikum hinter ihr begann zu applaudieren. Elke hörte es nicht. Sie sah ihrem Olivier noch einmal sehnsuchtsvoll in seine strahlendgrünen Augen, kappte das Band, drehte sich um und verließ unter den erstaunen Gesichtern aller Anwesender mit schnellen Schritten den Festsaal. Sie blickte nicht zurück. Die Gäste hielten den Atem an und hörten mit einem Mal auf, zu klatschen. Es war mucksmäuschenstill in dem weihnachtlich dekorierten Saal. Nur das Klappern ihrer Stöckelschuhe war noch zu hören, das immer leiser wurde, bis es ganz verstummte. Elke Fisher hatte den Saal verlassen. Die Gäste drehten sich synchron wieder um und schauten nun zur Bühne.

Olivier Meier war wie vor den Kopf gestoßen. Er hielt sich krampfhaft am Rednerpult fest und zog sich dran hoch. Er verstand die Welt nicht mehr. Gedanken schossen wie wild durch seinen Kopf. Es war doch alles perfekt gewesen. Sie liebten sich doch. Noch vor wenigen Stunden hatte sie ihm an Deck gesagt, wie sehr sie ihn liebte. Das hatte seinen Entschluss doch nur noch mehr reifen lassen. Er hatte gedacht, das wäre das perfekte Geschenk für ihren Hochzeitstag in einer Woche. Die Wiederholung ihres Liebesversprechens an demselben Ort wie damals. Verstand sie denn die Symbolik nicht? Er wollte ein Zeichen setzen. Ein Zeichen für ihre ewig währende Liebe. Ein Symbol für ihren Neuanfang. Wieso lief sie nun davon? Er konnte es nicht begreifen. Er versuchte, sich in Erinnerung zu rufen, was falsch gelaufen war, aber er fand den Fehler nicht. Sie waren doch glücklich. Bis jetzt.

Olivier konnte sich nicht rühren und starrte fassungslos zur Tür, aus der seine Frau vor wenigen Sekunden verschwunden war. Er hoffte, betete, flehte, sie käme zurück und würde ihn doch noch in den Arm nehmen, ja sagen, mit ihm morgen Abend auf dem Eifelturm stehen. Doch nichts dergleichen geschah. Die Tür blieb geschlossen. Ihm wurde mit einem Mal furchtbar kalt. Er zitterte. Er nahm das Getuschel um sich herum gar nicht richtig wahr, das allmählich einsetzte. Man starrte den Verlassenen wie ein Tier im Zoo an, bemitleidete ihn. Doch es war ihm egal. Erst als ihn der Veranstalter kurz am Arm rüttelte, wachte der enttäuschte Chirurg aus seinem Traum auf. Aber es war kein Traum. Es war ein Albtraum. Sie war einfach so gegangen. Ohne ein Wort. Sie hatte ihn stehen lassen. Hatte ihn verlassen?

Olivier sah durch den Mann hindurch, der ihn mitleidig ansah und nicht wirklich wusste, wie er die peinliche Situation retten sollte, als sei er ein Geist, stieß sich plötzlich vom Pult ab und ging hastig die dreistufige Treppe hinunter. Er bemerkte gar nicht, dass Prof. Haase an der Bühne stand und ihm aufmunternd auf die Schulter klopfte. Er ließ ihn einfach stehen und rannte eilig zur Tür, rannte über den langen Flur zum Fahrstuhl. Völlig außer Atem erreichte er ihre Kajüte. Doch dort war sie nicht. Er schaute sich hektisch um, lief alle Unterkünfte ab, dann das ganze Schiff, jeden Winkel, bis er schließlich völlig verzweifelt das Deck erreichte. Er atmete schwer. Sein Herz schmerzte. Er lehnte sich über die Reling und schaute aufs Meer, das ruhig vor sich hin plätscherte. In der Ferne waren die Lichter von Barcelona zu sehen. Er fuhr sich aufgewühlt durch seine Haare. Er zitterte. Er hatte keine Jacke an. Es war bitterkalt, aber er ignorierte die Kälte, die ihn umgab und die auch allmählich von seinem Herzen Besitz nahm.

Wie konnte sie ihn so bloßstellen? Er hatte ihr doch zum wiederholten Mal sein Herz geschenkt. Wollte sie es denn nicht? Wollte sie ihn nicht noch einmal heiraten? Aber wieso? Liebte sie ihn doch nicht so sehr, wie er sie liebte? Hatte er sich in den letzten Tagen so sehr in ihr getäuscht? Hatte sie ihm etwas vorgemacht? Hatte Marc am Ende doch recht gehabt? Olivier wollte, nein, er konnte es nicht glauben. Er hatte doch ihre tiefe Liebe gespürt. Eine einzelne verirrte Träne lief langsam seine Wange hinab. Er strich sie mit seinem Daumen weg. Dabei drehte er sich leicht zur Seite.............. und erstarrte. Da stand SIE! Schön wie eine Göttin und genauso unnahbar.

Elke sah wie er Gedanken versunken aufs offene Meer. Ihr Haar wehte im eiskalten Wind. Dachte sie an ihn? Bereute sie es? Er würde ihr sofort verzeihen, wenn sie ihm nur sagte, zeigte, dass sie ihn immer noch wollte, ihn liebte. Ganz automatisch setzten sich seine Beine in Bewegung, bis er hinter ihr zum Stehen kam. Einen Moment lang überlegte er, dann berührte er sie vorsichtig am Arm. Elke zuckte erschrocken zusammen und drehte sich langsam zu ihm herum. Sie wusste ganz genau, dass er es war. Er erschrak, als er in ihr Gesicht blickte. Sie weinte. Olivier hatte seine Frau noch nie zuvor weinen gesehen. Tief gerührt trat er einen Schritt auf sie zu und strich ihr zärtlich über die feuchte Wange. Sie ließ es ohne Widerworte geschehen und schloss ihre Augen. Ohne zu zögern nahm Olivier sie schließlich in seine starken Arme und drückte sie fest an sich. Sie bebte innerlich und klammerte sich an ihn. Er strich ihr gefühlvoll über den Rücken. Minutenlang standen sie so da und sagten kein Wort, bis sie sich endlich beruhigt und aufgehört hatte zu weinen.

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