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Karo Offline

PJler:


Beiträge: 857

08.04.2018 22:18
#126 RE: Story von Karo Zitat · antworten

ALPTRAUM WOHNUNG


Vergeblich versuchte Marc die Tür zu seiner Wohnung aufzuschließen. Keine Frage, es war der richtige Schlüssel und die richtige Tür, denn er konnte den Schlüssel problemlos drehen – leider ins Unendliche. Die Tür blieb versperrt.

Von drinnen hörte er die Stimme seiner Freundin. Gretchen klang besorgt.

„Marc wollte längst da sein, ich weiß gar nicht wo er bleibt? Ich rufe ihn nochmal an.“

„Vielleicht ist ihm ein Notfall dazwischen gekommen?“ Das war Mehdis Stimme.

„Nein, im Krankenhaus haben sie gesagt, dass er vor einer Stunde weg ist. Es klingelt...“

Marc spürte in dem Moment, wie es in seiner Tasche vibrierte. Schnell zog er das Handy hervor. „Gretchen?“
Es vibrierte weiter. Er konnte jede Taste drücken, es geschah immer das gleiche: Nichts.

„Warum meldet er sich denn nicht?“ Gretchen fing an zu weinen.

„Sch....“ Das war wieder Mehdi, der versuchte, die Ärztin zu beruhigen. „Nicht weinen, Gretchen, ich bin doch da.“

Durch die geschlossene Wohnungstür hörte Marc, dass sein Freund seine Freundin in den Arm nahm.
„Aber Mehdi! Marc und ich wollten uns einen schönen Abend machen und nun kommt er nicht. Nicht, dass was passiert ist?“

„Was soll denn passieren?“

„Das sehen wir in der Notaufnahme jeden Tag, was alles passieren kann!“

„Ach Gretchen, jetzt sieh doch nicht so schwarz. Irgendwas oder irgendwer wird ihn aufgehalten haben.“

„Das glaube ich nicht! Er wollte unbedingt pünktlich sein – ich wollte ihn doch überraschen. Schau mal...“

Marc hörte ein Kramen und Rascheln. Und Mehdis überraschte Stimme. „Babyschuhe?“

Marc zuckte zusammen. Babyschuhe...? Das hieß, dass Gretchen...

„Du bist schwanger?“

„Ja.“

Mehdi lachte. Gehässig. „Da wird Marc aber wirklich überrascht sein!“

„Unterschätz ihn nicht, Mehdi!“

„Gretchen, Du kennst Marc!“

„Ja eben!“

„Er kann nicht auf Dauer aus seiner Haut.“

„Wie meinst Du das denn jetzt schon wieder?“

„Er hat sich auch nicht gemeldet, als Du in Afrika verzweifelt auf eine Nachricht von ihm gewartet hast. Du hast jede Gelegenheit genutzt, ihm zu schreiben und er? Nichts.“

„Das ist halt nicht seins!“

„Beziehung und Treue ist auch nicht seins. Er stellt Fotos von Dir in Ecken, wo man sie garantiert nicht sieht. Da siehst Du, wie er zu Dir als seine Freundin steht. Und Du glaubst, er wird sich über Deine Schwangerschaft freuen?“

„Ich glaube, Marc hat noch nie Fotos von irgendwem aufgestellt?“ Gretchen schluchzte wieder. „Egal. Ich mache mir Sorgen! Und ja – er wird etwas Zeit brauchen, sich an den Gedanken zu gewöhnen. Aber die gebe ich ihm. Bis das Baby kommt ist noch...“

„Nimm ihn nur in Schutz, Gretchen. Bis das Baby kommt vögelt er noch schnell die eine oder andere und das hast Du nicht verdient. Hier, trink das erstmal.“

„Hm, Bissap, Danke, Mehdi.“ Marc hörte, das Gretchen ein paar Mal schluckte. Das Glas wurde auf der Kommode abgestellt.

„Und was habe ich Deiner Meinung verdient?“ Gretchens Stimme nahm einen flirtenden Ton an – oder bildete er sich das nur ein?

„Einen Mann, der Dich auf Händen trägt! Und sich vernünftig um das Kind kümmert – es kann ja nichts dafür!“

„Trägst Du mich?“

(„WAS?“)

Marc betätigte die Klingel, schlug und trat gegen die Tür. Die Nachbarin streckte den Kopf aus ihrer Wohnung und schimpfte. „Junger Mann, was soll das? Was machen Sie hier für ein Theater?“

„Schhht...“ Marc lauschte wieder an der Tür.

„Wohin Du willst!“

„Ins Schlafzimmer!“

„Nein, Gretchen! Nicht!!!“ Er brüllte und schlug mit der Hand gegen die Wohnungstür, wieder und immer wieder. Bis seine Hand blau war. Doch kein Geräusch drang nach innen in die Wohnung. Er versuchte erneut, den Schlüssel zu drehen. Nichts.

„Ich rufe gleich die Polizei, wenn Sie nicht aufhören. Machen Sie das bei sich zu Hause.“

(„Äh... das ist mein...“)

Er zeigte auf das Klingelschild.
Dr. M. Haase
Dr. M. Kaan

(„Bitte?“)

„Ja, ich weiß, wer da wohnt. Doktor Kaan ist ein so zurückhaltender, netter Mann. Er hat jetzt endlich eine richtig tolle Freundin. Naja, hat er ja auch verdient, nachdem sein vermeintlich bester Freund mit seiner Frau...“

(„WAS?“)

„...egal. Muss ich die Polizei rufen oder verschwinden Sie jetzt?“

Marcs Handy meldete den Eingang einer Nachricht.

„Du bist raus und ich bin drin!“

Das Display zeigte eine hämisch lachende Animation. Der Chirurg sah rot. Immer wieder warf er sich mit voller Kraft gegen die Wohnungstür. Wieder erreichte ihn eine SMS.

„Mittendrin statt nur dabei.“

Eine weitere Nachricht:

„Drinnen ist einfach besser als draußen!“
„Nichts kommt von außen, aber ich komme drinnen!“

„Draußen pfui, drinnen hui!“


Marc sank zu Boden. Um den Schmerz nicht zu spüren schlug er sich immer wieder mit der Handykante gegen die Stirn.

(„Gretchen, was ist passiert?“)

„Wer zuletzt lacht... kommt am besten...
Das Gift der Brillenschlange wirkt – oral, zum Beispiel in ihrem geliebten Bissap verdünnt quasi sofort, langzeitsexuell verabreicht, deutlich langsamer aber dafür höchst effektiv. Und wie es wirkt...
So fühlt es sich an, wenn der beste Freund sich Deine Frau nimmt.
Leb wohl, Marc! Viel Erfolg beim Karrieremachen. Ich mache in der Zeit Liebe mit Gretchen.
P.S. Ihr Kind wird meins sein!
P.P.S. Du hättest das nie gekonnt – sie glücklich zu machen! Vermutlich hat Anna mir Lilly deswegen untergeschoben! Du kannst es nicht!“


Sein Handy zeigte zum Abschluss das Bild einer blonden Frau, die den Fotografen glücklich anstrahlte.

„Ihren Ausweis bitte.“ Zwei Polizisten standen plötzlich im Treppenhaus und beugten sich über ihn.

„Bitte?“

„Da sind Sie ja endlich. Der randaliert hier schon die ganze Zeit an der Tür von Doktor Kaan und seiner Freundin.“

„Das ist meine Freundin!“

„Pfff... jemand wie Sie? So eine tolle Frau? Niemals. Was will denn so ein apartes Wesen mit einem rücksichtslosen Kerl wie Ihnen?“ Die Nachbarin bedachte ihn mit einem herablassenden Blick.
„Frau Doktor, passen Sie auf, nicht dass er sie noch schlägt.“

„Höchstens Sie auf Ihr dummes Maul. Und den Wichser da drinnen!“

Wieder eine SMS:

„Wichsen ist das, was ich gerade nicht mehr brauche...“

Wieder sammelte Marc all seine Kraft zusammen und warf sich trotz aller Halteversuche der Beamten gegen die Wohnungstür.

„Wenn Sie ihn nur kurz halten können, dann kann ich ihn sedieren.“ Marc sah eine Notärztin am Treppenabsatz stehen. Sie kam ihm irgendwie bekannt vor. Diesen Moment nutzte die eine Polizistin, ihn zu fixieren, seine Hände wurden auf dem Rücken zusammengebunden. „Ach, der charmante Doktor Meier? Na da haben wir ja wohl alle Glück gehabt. Sie waren einfach zu perfekt – solche Männer haben doch meistens ein verstecktes Problem. Hinterher stellen sie sich dann meist als Schläger heraus!“

„Verwunderlich ist das nicht, schließlich wurde er auch als Kind verprügelt. Hallo Marc!“ Die Notärztin sprach ihn nun direkt an. „Das war doch klar. Das konnte nicht gut gehen. Gretchen und Du, das passt doch nicht. Hat halt etwas gedauert, bis ihr das klar war. Soll sie doch mit dem Langweiler glücklich werden. Ich habe Dir was gegen die Schmerzen gegeben, gleich bist Du ganz entspannt.“ Zu den Sanitätern gewandt: „Bringen Sie ihn runter, dort kann ich ihn besser versorgen.“

„Unten bringe ich Dich dann rauf.“ Sie flüsterte ihm die Worte ins Ohr. „Wie lange hat es Dir keine mehr richtig besorgt...“

Wieder ertönte das Signal einer Nachricht:

„Das Gift der Brillenschlange wird auch aus Dir wieder den Alten machen, dann ist alles gut!“

Marc war zwar auf der Trage fixiert, aber angesichts seiner Wut schaffte er es, sich aufzurichten.

„Ich will aber nicht wieder der Alte sein!“ schrie er förmlich heraus. Wütend, hilflos, verletzt. Die Spanngurte zogen sich fest um seinen Körper, nahmen ihm jede Bewegungsmöglichkeit, nahmen ihm den Atem.

„Ich will nicht wieder der alte Marc sein!“ Er flüsterte es ganz leise und schloss die Augen.

Karo Offline

PJler:


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08.04.2018 22:26
#127 RE: Story von Karo Zitat · antworten

BERLIN


Oktober 4.16 – Café Sonne


Nach diesem Alptraum hielt er es nicht länger im Bett aus. Er sah nach seiner Stirn, die er im Schlaf mit seinem Handy malträtiert hatte. Die Beule war ordentlich, vor allem musste er auch ordentlich geblutet haben.

Wie so oft nach einem Alptraum kehrte Marc im Café Sonne ein, das heute gut besucht war.
„Doktor Meier, schön Sie wieder...“ Frau Böhm starrte seine Stirn an. „Oh Gott! Was ist Ihnen denn passiert? Haben Sie sich gestoßen?“
„Hallo Frau Böhm. Äh, ja.“
Die Menschenkenntnis der Verkäuferin sagte ihr, dass der junge Mann nicht weiter darüber sprechen wollte. „Was kann ich heute Gutes für Sie tun?“
„Einen ganz starken Kaffee und eine Zeitung, bitte.“
„Dann mache ich Ihnen einen Tassia Temperament. Den haben wir neu im Sortiment. Und Sie brauchen ein Frühstück. Wir haben ganz frische Kürbisbrötchen. Oder Rosinenbrötchen.“
„Ich bin nicht so süß, Frau Böhm.“
„Das mag ich jetzt nicht so recht glauben.“ Frau Böhm lachte sehr sympathisch. „Aber deswegen sollten Sie sie versuchen! Geht aufs Haus.“ Sie legte ein Milchbrötchen zu dem Gewünschten.
„Na gut, Sie haben mich überredet.“
„Der Artikel in der Zeitung ist wieder hervorragend.“
„Ja, Herr Langohr legt sich wirklich ins Zeug. Bisher bin ich nicht dazu gekommen, die Reportagen zu lesen.“
„Das sollten Sie aber tun! Lassen Sie es sich schmecken, Doktor Meier. Wovon ich allerdings ausgehe.“
„Danke Frau Böhm.“

Alle Tische waren belegt und Marc fand einen Platz bei zwei älteren Damen am Tisch. Schnell musste Marc einsehen, dass das süße Brötchen unglaublich gut war. Nicht zu süß, sondern herzhaftsüß und saftig. Erwartungsvoll schlug er die Zeitung auf. Thilo enttäuschte ihn nicht. In dem Bericht ging es diesmal hauptsächlich um die Entstehung der Krankenstation und die Freundschaft zwischen Martin und Fritz, der auf seine unkonventionelle Art schon vielen Menschen geholfen hatte. Nun schien es schwieriger als gedacht, die freundlichst gespendeten Sachen nach Sanssouci zu bringen. Zu teuer, zu aufwendig, zu unsicher, so die meisten Absagen der Spediteure. Burkina Faso lag weder praktisch am Meer, noch hatte es eine gute Infrastruktur.

Marc erinnerte sich, dass Martin einmal gesagt hatte, dass es mit der Bahnlinie kein Problem wäre, wenn die besser instand gehalten würde. Mittlerweile lag die Strecke in ihrer Nähe still, der Personenverkehr funktionierte eh hauptsächlich mit überfüllten Überlandbussen. Oder noch schlimmer: LKW´s. Er hatte einmal einen solchen LKW gesehen, auf dessen Ladefläche sich gefühlte fünfzig Personen befanden.
Bevor er weiter darüber nachdenken konnte, lenkten ein paar Worte seiner Tischnachbarinnen seine Aufmerksamkeit von Afrika weg nach Berlin.

„Und wie haben die jetzt festgestellt, dass Dein Bein schief zusammengewachsen ist?“
„Ich musste doch letzte Woche dahin, weil die Platten jetzt eigentlich raus müssten. Nur wissen sie nicht, ob das Bein stabil genug ist, wenn es nicht mehr durch Platten gestützt wird.“
„Und dann?“
„Keine Ahnung. Sie wollen noch weitere Untersuchungen machen, aber ich habe jetzt erst einen Termin für Januar bekommen.“
„Frag doch mal in diesem neuen Krankenhaus nach, die sagen doch immer, dass man da schnell einen Termin haben kann.“
„Privatpatienten vielleicht. Da bin ich doch gewesen.“

(„Das ist ja interessant!“)

„Dann ziehen die Ihre Karte durch und können einen weiteren Schein abrechnen.“

„Bitte?“ Die beiden Damen sahen Marc etwas verstört an.
„Entschuldigen Sie, wenn ich mich so einfach einmische. Aber das ist eine weitverbreitete Methode, den einen oder anderen Schein mehr abzurechnen.“
„Sie kennen sich da aus?“
„Ich verdiene mein Geld im gleichen Gewerbe.“
„Sie sind Arzt?“
„Ja, Chirurg. Am Elisabeth-Krankenhaus. Wenn Sie irgendwann vorbeikommen wollen, dann kann ich mir das mal ansehen. Allerdings wären Untersuchungsberichte durchaus hilfreich.“
„Sie wollen doch auch nur operieren.“
„Natürlich, das ist mein Job! Die Platten machen das Bein übrigens nicht stabil, sondern sie stabilisieren den Bruch, dass der heilen kann. Die sollten in jedem Fall raus, vor allem wenn schief geplattet ist.“
„Schief geplattet?“
„Sie meinen, nicht das Bein meiner Freundin ist schief gewachsen, sondern es wurde schlecht operiert?“
„Das wäre die logischste Erklärung, aber dafür müsste ich die Befunde sehen.“ Marc kramte eine Visitenkarte aus seinem Portemonnaie. „Falls Sie Interesse haben, ich bin öfter im Elisabeth-Krankenhaus anzutreffen. Allerdings wäre ein vorheriger Anruf ganz sinnvoll.“ Er grinste die beiden Damen an. „Ich habe öfter Verabredungen mit Platten und Beinen im OP.“
„Oh, vielen Dank, Doktor – Meier.“
„Verraten Sie mir Ihren Namen? Das macht eine Verabredung leichter.“ Marcs charmantes Lächeln entwaffnete die beiden Seniorinnen.
„Natürlich. Mein Name ist Ilse Porz.“

Karo Offline

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14.04.2018 17:27
#128 RE: Story von Karo Zitat · antworten

UNTERWEGS


Oktober 4.17 – Timmendorfer Strand 1


„Doktor Meier!“

Marc drehte sich in die Richtung, aus der er den Professor rufen hörte. Die Stimme seines Chefs klang kraftvoll und lebhaft. Man sah ihm seine Freude über den Besucher deutlich an, als er agil die Eingangshalle durchquerte.

„Herr Professor, Sie sehen gut aus!“
Marc, der sich die ganze Fahrt über Gedanken um die Klinik gemacht hatte, bereute es spätestens in diesem Moment überhaupt nicht mehr, der Arbeit den Rücken gekehrt und sich ein freies Wochenende gegönnt zu haben.
„Ich sag´s ja ungern, Meier, aber, das kann man von Ihnen nicht behaupten! Wetten, es ist Ihr erster freier Tag seit Sie aus Afrika zurück sind?“
„Sie wissen doch, wie das ist?“
„Ja, nur zu genüge. Aber ich lerne gerade, dass es auch anders sein kann... Und auch Sie werden feststellen, dass der Kasten am Montag noch steht. Wie war die Fahrt? Ehrlichgesagt, ich hatte früher mit Ihnen gerechnet. War bestimmt viel Verkehr.“
„Naja, dem Freitagmittag angepasst... ich konnte allerdings dem Strand nicht wiederstehen und war erst noch an der Seebrücke spazieren.“
„Oh, das kann ich gut verstehen. Ich gehe dort auch gerne spazieren – bei Wind und Wetter.“
„Bei Wind und Wetter fand ich die Spaziergänge mit meinem... äh, ist auch egal...“ Schnell brach er ab. Während er am Strand entlang gelaufen war, hatten sich seine Gedanken über die Ostsee nach Rügen auf gemacht. Der Strand spielte für ihn diese bekannte Komposition aus Wind und Meeresrauschen, manchmal stimmten die Möwen ihren krächzenden Gesang an und zweimal trommelten Fahnen dazu, angepeitscht durch den starken Wind.

Karo Offline

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14.04.2018 17:31
#129 RE: Story von Karo Zitat · antworten

Marc 7

„Marc, komm nach Hause, der Wind wird stärker.“

„Aber Opa, wir sind noch nicht fertig.“ Der Zehnjährige zeigte auf die beiden Schilder des Deich- und Küstenschutzes, die noch nicht an ihrem Bestimmungsort befestigt waren.

„Das können wir auch morgen noch machen, es wird zu gefährlich.“

„Das ist nur Natur, Opa. Du sagst doch immer, man soll sie achten, aber nicht fürchten! Ich mag sie sogar. Besonders, wenn es so ist, wie jetzt.“

Der Opa hatte die handwerklichen Aktionen beendet aber sie hatten sich am Strand entlang zurück gekämpft, gegen den schnell stärker werdenden Sturm. Die Oma hatte geschimpft, dass sie einen Umweg gemacht hatten und sie dennoch mit einem heißen, duftenden Kakao in Empfang genommen.

Karo Offline

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14.04.2018 17:58
#130 RE: Story von Karo Zitat · antworten

UNTERWEGS


Oktober 4.18 – Timmendorfer Strand 2


„Meine Familie hatte früher ein Ferienhaus in Kiel, da waren wir oft, als die Kinder noch klein waren. Die Strände der Ostsee finde ich einfach kindgerechter, wenig Tide, feiner Sand und recht flaches Wasser... obwohl ich von klein auf mit Ebbe und Flut vertraut war. Die Nordsee mit ihrem Wattenmeer ist anders faszinierend.“

(„Ich war noch nie an der Nordsee...“)

„Ich war mit den Kindern bei jeder Witterung draußen, meine Frau hielt da nichts von aber immer einen heißen Kakao parat, wenn wir wiederkamen.“ Der Professor lachte. „Gretchen ist immer nur mitgegangen, weil sie Angst hatte, keinen Kakao zu bekommen – Wissen Sie was? Bevor wir im Niendorfer Hafen Essen gehen, lade ich Sie ins Lütje Teehus ein. Da gibt es herrlichen Kakao.“ Er grinste Marc an. „Sie dürfen natürlich auch Kaffee trinken, ich glaube, das ist eher Ihr Ding?“
Marc grinste ebenfalls. „Kakao ist in Ordnung – ausnahmsweise. Aber sagen Sie es nicht Ihrer Tochter!“

Dass der alte herzkranke Mann Kakao bevorzugt mag ja seinem Alter angepasst sein – aber Du?

(„Ja ich! – Verpiss Dich... wenigstens heute!“)


***
Sie hatten sehr gut gegessen und sich über verschiedenste Themen jenseits von Krankenhaus oder OP-Tisch unterhalten. Schließlich hielt es der Professor nicht mehr aus. „So, Meier. Nun sagen Sie endlich, wo das Problem liegt. Egal, welche Schwierigkeiten es gibt – raus damit!“
„Herr Professor?“
„Ach kommen Sie, irgendwo drückt der Schuh, sonst wären Sie doch nicht hier... also was ist mit dem Krankenhaus?“
„Äh, Sie hoffen jetzt aber nicht auf ein Problem, oder? Dann müsste ich Sie enttäuschen.“
„Wie, es ist wirklich nichts?“
„Ich bin gerade nicht sicher, welche Antwort Ihnen lieber wäre...“
„Sie kennen mich ebenso gut wie ich Sie.“ Professor Haase lachte, sah Marc dann aber wieder an. „Ich höre...?“
Marc schüttelte den Kopf. „Nicht hier...“

Er wusste warum. Als er das Thema Neuorientierung ansprach explodierte der Chefarzt augenblicklich. Erst schimpfend dann schweigend stapfte der Chirurg neben Marc am Strand entlang, Richtung Rehaklinik. Auf Höhe von Marcs Hotel bog der Jüngere ab und deutete dem Vorgesetzten, ihm zu folgen.

Der Professor machte keinerlei Anstalten, die graue Mappe mit dem Aesculapstab in die Hand zu nehmen. Angewidert sah er sie nur lange an.

„Herr Professor, ich kann Ihnen nur raten, das zu lesen. Sie werden einige Stellen finden, die ich markiert habe – egal ob positiv oder negativ. Wobei wirklich Schlechtes quasi nicht existent ist.
In den 54 Seiten geht es wirklich um eine Neuorientierung. Die Beteiligten der StaBe haben sich wirklich Mühe gegeben, neutral und sachlich zu argumentieren oder vorzuschlagen. Was mir immer wieder aufgefallen ist, dass man als Klinik wirklich mitreden kann – soll. Natürlich steht unter dem Strich eine Gewinnoptimierung, aber für jedes Haus sieht der Weg anders aus. Individualität ist hier gefragt. Dass wir andere Grundvoraussetzungen haben als, zum Beispiel die Gersfeld-Klinik in der Rhön liegt auf der Hand. Mir gefällt besonders gut, dass alle Krankenhäuser des Verbundes vorgestellt werden.“

Marc schlug die entsprechende Seite auf und als sich der Professor immer noch weigerte, grinste er ihn verschmitzt an: „Solide in dem Umsatzzahlen aber konstant unter den fünf bestbewertesten Häusern, nach Patientenumfragen. Es ist nicht viel, was sie über unser Elisabeth-Krankenhaus schreiben aber es drückt alles aus.“

So sah es wohl auch der Chefarzt, denn ein zaghaftes Lächeln erschien auf seinen Lippen.

„Ganz ehrlich, Herr Professor – beißen Sie sich durch die Mappe, wenn Sie über unschöne Worte stolpern, dann lesen Sie einfach weiter. Ihr Herz wird keinen Schaden nehmen.“ Marc lachte und auch der Professor konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Doktor Meier hatte den Plan, in ihm Interesse zu wecken und das gelang ihm gerade ganz gut.

„Der erste Schritt soll sein, dass sich die Krankenhäuser selbst einschätzen. Stärken, Schwächen, Potential. Also eine Standortbestimmung. Da ist erstmal nichts Gefährliches dran, ganz im Gegenteil. Schon hier kann man sich im Grunde überlegen, in welche Richtung man will und die Ausarbeitung entsprechend beeinflussen. Für diese Dokumentation haben die Krankenhäuser drei Monate Zeit. In Anbetracht unserer speziellen Situation mit dem KatHo konnte ich die Frist auf sechs Monate verlängern, allerdings bezweifle ich, dass wir dann schon konkret wissen, wie der Mitbewerber unsere Zahlen beeinflusst.
Sie sehen, die StaBe will vorwärts, aber sie bricht es nicht über die Kante. Im Grunde ist alles offen. Wir bestimmen, was passieren kann. Ich glaube, das einzige was momentan für die StaBe wichtig ist, ist zu sehen, wie sehr sich die Krankenhäuser mit ihrer eigenen Lage einschätzen. Plätschert der Klinikalltag vor sich hin, liegt das Haus in einem Dornröschenschlaf oder sind die Verantwortlichen immer bereit, sich auf neue Situationen einzustellen. Wer mehr mitmacht, bekommt auch mehr. So würde ich zwischen den Zeilen lesen. Auch wenn ich Ihre Skepsis voll und ganz verstehen kann – es gibt erstmal keinen Grund für eine ablehnende Haltung.“

„Sie sind ehrlich angetan, von dem Ding, oder?“ Der Professor konnte noch immer nicht ganz glauben, was er sah. Dann äußerte er Zweifel anderer Art. „Hm, aber das passt doch alles nicht zusammen. Die beiden Herren kommen her und versprechen uns Stellen, die sie uns eine Woche später wieder streichen, weil sie erst ein Konzept wollen?“

„Nein... die Stellen bekommen wir – allerdings ist der Deal, eine erste Einschätzung sofort... die wollten Sie nicht mit dem Thema belasten und...“

„Das wollten die von Ihnen... von wegen Kennenlerngespräch unter sechs Augen...“
„Äh, ja...“
„Und Sie haben mir nichts gesagt?“
„Nein. Und so wie Sie reagieren bin ich froh, gewartet zu haben bis Sie deutlich fitter sind.“ Marc sah den Chefarzt unsicher an. „Glauben Sie mir, die beiden hatten genauso Probleme damit, dieses Thema an Ihnen vorbei anzusprechen wie ich. Auch wenn ich theoretisch dazu befugt wäre, dieses Projekt selbstständig anzugehen... ich kann das nicht... also ohne Sie... also machen.“ Er ärgerte sich selbst, dass er jetzt anfing zu stottern. Ihm fehlten doch sonst nicht die richtigen Worte. „Mein Plan war von Anfang an, Sie zu besuchen. Aber das sagt sich jetzt natürlich sehr einfach...“

Marc hatte nicht gelogen. Den Professor zu besuchen, war von Anfang an sein Vorhaben gewesen, doch jetzt sah es so aus, als wäre ein Nettigkeitsbesuch nur vorgeschoben. Dabei hatte ihn das Strahlen seines Chefs bei der Begrüßung sehr berührt. Ein Mensch, der sich freute, ihn zu sehen. Und nun...

Verkackt!
Quatsch. Er kennt Dich schließlich gut genug!
Um mit dem Schlimmsten zu rechnen...?


„Machen Sie sich keinen Kopf, Meier. Ich kenne Sie lange genug um zu wissen, wann Sie mir nur Honig um den Bart schmieren wollen...“ Er grinste verschmitzt.

(„Äh...ja...“)

Siehst Du, alles gut.
Quatsch, das ist einfach nur peinlich...


„Das ist meine erste Ausarbeitung, ich möchte Sie bitten, diese zu lesen. Und nun lassen wir das Thema ruhen und ich begleite Sie zur Klinik.“
„Ich würde schon gerne wissen, was so los ist...?“
„Vergessen Sie das! Ich habe mein erstes freies Wochenende und möchte nicht mal gedanklich im Krankenhaus sein – sagten Sie nicht voraus, dass es Montag noch stehen wird?“

Professor Haase lachte und schlug dem jüngeren Kollegen auf die Schulter. „Klar steht der Kasten dann noch! Also auf geht´s – am Strand entlang?“

Karo Offline

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17.04.2018 14:08
#131 RE: Story von Karo Zitat · antworten

BERLIN


Oktober 4.19 – Mehdis Welt 2


Mehdi musste der unschönen Wahrheit ins Gesicht sehen – Marc war tatsächlich weg gefahren und hatte ihn hungrig zurückgelassen. Klar, der Kühlschrank war nicht leer, aber alles musste zubereitet werden. In Sanssouci hatte er sich weder ums Kochen noch hinterher ums Abräumen kümmern müssen.

In einem Fach des Telefonschränkchens fand er ein Lieferserviceprospekt. Er wählte die Nummer und bestellte.

„Möchten Sie den Boten bezahlen oder haben Sie eine Kundennummer?“

Mehdi vermutete, dass es sich dabei um die handschriftliche Zahl auf dem Prospekt handelte. „Ja, warten Sie – 4711MM“
„Dann buchen wir das wie immer auf Ihre Sammelrechung, Doktor Meier?“
„Bestens!“
Perfekt – Marc zahlte. Für Mehdi war das selbstverständlich, schließlich kaufte Marc auch die Lebensmittel. Außerdem hätte er ja nicht wegfahren müssen... den Professor besuchen. Aber Marc war schon immer ein Schleimer gewesen!

Mehdi wühlte noch in der einen oder anderen Schublade herum, in der Hoffnung die Telefonnummer von Marcs Putzfrau zu finden. Fehlanzeige. Plötzlich sah er das blinkende Licht des Anrufbeantworters.
(„Gretchen?“)
Bestimmt hatte sie sich überzeugen wollen, dass er gut angekommen sei. Er drückte auf Play.

„Guten Tag Doktor Meier, hier spricht Otto Wurm von der Detektei Wurm. Doktor Falk hat uns in Ihrem Namen beauftragt, nach Anna und Lilly Kaan zu suchen. Ich hätte da noch ein paar Fragen...“

(„Löschen!“)

(„Arschloch!“)

(„Er weiß es garantiert – das Bastardkind dieser Schlampe ist von ihm!“)


In Mehdi tobte die Wut. Er hatte es ja vermutet. Marc hatte ihm seinen Balg an den Geldbeutel geheftet, während der feine Chirurg das Leben genoss.
Was wollte Gretchen nur mit so einem? Wobei... das hatte sich ja nun erledigt. Mehdi lächelte selig, als er an das Kind dachte. Sein Kind in Gretchens Bauch. Marc oder er – das Schicksal hatte entschieden!

In seine Gedanken hinein klingelte es und er sprang auf – der Lieferdienst war aber wirklich schnell.
„Ja doch!“ Brüllte er, als es wiederholt klingelte – und nochmal, dann sprang der Anrufbeantworter an. „Hallo Marc, hier ist Stella. Schade, vermutlich bist Du schon unterwegs... aber vielleicht weißt Du auch schon, dass sowohl der Elbtunnel als auch das Dreieck Hamburg-Süd dieses Wochenende gesperrt sind und deswegen überall viel Stau sein wird. Ich...“

(„Was denn jetzt? Nicht zum Professor? Wer ist denn jetzt Stella? Und Hamburg? Erzählt mir was von Beziehung mit Gretchen und vögelt sich schon längst wieder durch Deutschland!“)

„Hallo Stella, Marc ist schon unterwegs. Das tut mir leid.“
„Äh...“
„Oh, entschuldigen Sie bitte. Ich passe auf seine Wohnung auf, ich heiße Mehdi.“
„Äh, also... tut mir Leid, das wusste ich nicht. Ich bin etwas verwirrt, denn er wollte eigentlich erst Samstagfrüh los?“
„Er besucht auf dem Weg seinen Chef in der Reha. Er ist einfach eine treue Seele.“
„Ach so, na dann hört er es ja vielleicht übers Radio. Ich wollte Sie nicht stören, Mehdi.“
„Oh, das ist kein Problem. Eine schöne Stimme zu einem schönen Namen. Ich meine, den Namen habe ich ja in den letzten Tagen schon oft gehört aber...“
„Wie bitte?“
„Marc freut sich sehr auf das Wiedersehen mit Ihnen!“
„Oh...“
„Darf ich Sie um etwas bitten?“
„Ehm...“
„Es ist Marcs erstes freies Wochenende seit Wochen. Weil sein Chef doch krank ist. Herzinfarkt, wissen Sie. Und Marc möchte nicht, dass der Professor sich Sorgen macht, deswegen... ach was rede ich. Machen Sie sich und ihm einfach einen schönen Tag! Er hat es wirklich verdient!“
„Nichts anderes hatte ich vor. Einen schönen Abend, Mehdi – Ihre Stimme ist aber auch nicht ohne...“
„Oh, danke. Machen Sie´s gut, Stella!“

Mehdi legte auf und blickte nachdenklich auf das Telefon. Er hatte es gewusst. Marc würde sich nie ändern. Dass die Frau etwas von ihm wollte, wenn da nicht sogar schon was lief, hatte er jetzt mal vermutet. Wie es aussah, hatte er richtig getippt. Stellas Stimme hatte erfreut geklungen, als er ihr sagte, dass Marc ihren Namen öfter erwähnt hätte. Er hoffte wirklich, diese Stella würde ihn zum Vögeln animieren können.

Wie gut, dass Gretchen schon schwanger war, sie würde nicht traurig sein. Er kramte das Ultraschallbild hervor und sah es an. Gretchen erwartete ein Kind. Von ihm, Mehdi.
Sie hatte Glück, denn er konnte aufrichtig lieben!

Karo Offline

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22.04.2018 00:23
#132 RE: Story von Karo Zitat · antworten

UNTERWEGS


Oktober 4.20 – Hamburg


Marc hatte sich entgegen seinen ersten Plan, nur schnell einen Kaffee zu trinken, doch für ein ausgiebiges Frühstück entscheiden. Oder eher war es die Hotelbesitzerin, eine resolute, im Alter schon fortgeschrittene Dame, gewesen, die seine frühstückslose Abfahrt kopfschüttelnd verboten hatte. „Hinsetzen, Doktor Meier. Ich verspreche Ihnen, Sie werden es nicht bereuen.“
Sie hatte Recht! Marc hatte noch nie in seinem Leben ein so gutes Omelett gegessen.

(„Ob sie mir sagt, wie sie es gemacht hat?“)

Nicht das auch noch?
Warum eigentlich nicht?
Bitte?

(„Ja, warum eigentlich nicht...?“)

Hättest Du noch Eier, könntest Du es damit versuchen... peinlich


„Natürlich kann ich Ihnen sagen, wie das geht. Aber wissen Sie... kommen Sie mit. Sie müssen es ausprobieren...“

Marc schaffte es im dritten Versuch, das Omelett heile auf den Teller zu bekommen.

„Sehen Sie, damit können Sie Ihre Freundin dann beeindrucken. Omeletts sind nicht schwer, nur ein bisschen Übungssache. Wenn Sie die Dame dann irgendwann damit überraschen wollen, machen Sie mehr Eiermasse, dann fangen Sie nicht immer von vorne an, wenn es in die Hose geht.“ Sie legte Marc eine Hand auf den Arm und lächelte ihn an. „Sie sieht bestimmt gut aus?“
Marc lächelte zurück. „Ja, das tut sie.“
Die Seniorin sah ihn erwartungsvoll an und Marc zückte sein Smartphone.
„Oh ja. Und Ihre Freundin ist wieder der Beweis, dass die weiblichen Kurven einfach attraktiver sind.“ Sie kicherte. „Meinen Omeletts verdanke ich mittlerweile 38 gute Ehejahre.“

Später als geplant aber bestens gelaunt machte sich der Berliner Chirurg auf den Weg nach Hamburg, wo ihn eine andere Dame schon ungeduldig erwartete.

***
Spätestens mit Ankunft in dem gebuchten Hotel war bei dem Berliner von guter Laune nichts mehr zu spüren, denn von ihm lag keine Reservierung vor und das Haus war aufgrund der Automesse ausgebucht. „Wie übrigens alle Hotels in der Stadt.“ Wie ihm die Rezeptionistin belehrend mitteilte. Er konnte argumentieren wie er wollte, das Papier in seiner Hand, welches eine Buchung belegte, war wertlos.

„Was?“ Motzte er in sein Telefon, welches nun zum x-ten Mal anhaltend klingelte. „Oh Stella... entschuldige...“

***
Der Tag war wie eine Achterbahnfahrt gewesen. Vom Omelett-Hoch in Timmendorfer Strand ging es direkt ins Hotel-Tief in Hamburg. Der Besuch der Automesse hatte dann wieder für einen Stimmungsaufschwung bei Marc Meier gesorgt. Stella war von seiner Idee nicht begeistert gewesen, doch sie wollte Marc diesen Gefallen nicht verwehren. Natürlich merkte er schnell, dass sie mit Autos wenig anfangen konnte, nicht mal die Luxusschlitten ließen sie Herzklopfen bekommen. Das hatte sie eh...
„Dann sag doch mal, was Du fährst?“
„U-Bahn?“
„Oh, gleich die ganz dicken Dinger?“

Sie hatten Spaß und als sie später in der Innenstadt unterwegs waren, war die Wahl-Hamburgerin in ihrem Element.
„Stella – Du bist eine tolle Stadtführerin. Das Tüpfelchen auf dem „i“ wäre ein Restaurant. Ich sterbe vor Hunger.“
„Wonach ist Dir denn?“
„Ehrlichgesagt – ich hatte Autos. Jetzt richte ich mich nach Dir.“
„Dann Pizza – damit hab ich Dich schon mal gerettet.“ Sie hakte sich bei Marc ein. „Ich habe da was im Kopf, das ist aber nicht in der Nähe...“
„Okay...“

Der Weg hatte sich gelohnt. Die Pizzeria Felicita hielt, was der Name versprach, auch wenn Marc anfangs irritiert darüber war, dass es keine Karte gab. Hier bestellte man seine Pizza an der Theke, wo man den Belag selbst zusammenstellte. Der Fantasie, dem Hunger oder der Kreativität wurden keine Grenzen gesetzt.
„Und – sind Sie glücklich?“ Fragte der Kellner, als er die Teller abräumte.
„In jedem Fall!“ Marc war satt und zufrieden.
„Gutes Essen ist so wichtig wie eine schöne Frau.“ Er hatte Marc zugezwinkert.
„Das stimmt!“ Eine blondgelockte Ärztin tauchte vor seinem geistigen Auge auf und zauberte ein Lächeln auf seine Lippen. Das entging Stella natürlich nicht und bereitete ihr eine kleine Gänsehaut. In der U-Bahn lehnte sie sich mit geschlossenen Augen an Marc. „Du weißt, wo wir raus müssen? Nur, falls ich einschlafe.“ Natürlich schlief sie nicht, auch wenn sie ihn das glauben lassen wollte.
„Du kannst aufhören, schlafend zu spielen. Wir sind gleich da.“ Marc schob Stella grinsend von sich. Sie sah ihn irritiert an.
„Dein Atem hat Dich verraten. Schon vergessen? Ich bin Arzt...“
„Oh...“
„Und Du bist sicher, dass ich nicht in Deiner WG störe?“ Eigentlich hatte er geplant, am frühen Abend wieder Richtung Lübeck zu fahren, doch Stella hatte sein Hotelproblem unkonventionell gelöst.
„Nee, ich habe Sturmfrei. Sind beide ausgeflogen – Mallorca und Nachtdienst.“ Er sah ihr an, was sie dachte, grinste.

Ein schöner Tag – und eine noch bessere Nacht! Bald bist Du wieder der Alte!

Ihm fiel der letzte Alptraum ein. Mehdis SMS...

„Das Gift der Brillenschlange wird aus Dir wieder den Alten machen, dann ist alles gut!“

(„Nein! Ich will nicht wieder der Alte sein!!!“)

Das Smartphone in seiner Jackentasche meldete eine eingehende Nachricht.

„Ich bin wer!“

„Pfff...“

(„Löschen.“)

„Ich werde es Dir zeigen!“

(„Boah Alter... lass mich in Ruhe! Löschen...“)

„Ich war zuerst mit ihr zusammen!“

„Sehr richtig. Du warst! Und ich bin!“


Er schaltete das Telefon aus. Und kurz darauf wieder ein. Dann wieder aus. Er war in Hamburg, selbst wenn das EKH zusammenfiele, er könnte eh nichts tun. Schaltete es doch wieder ein.

„Bist Du sehr müde oder trinken wir noch was?“ Sie würde zu gerne noch etwas über den attraktiven Gast erfahren, der bisher so wenig von sich preisgegeben hatte. Worüber hatten sie eigentlich den ganzen Tag gesprochen? Ihr Studium und die Arbeit in der Buchhandlung. Das Verhältnis zu ihren Eltern und dem Verlag, der Abend im Café Goja... Elke Fisher und den Leserwettbewerb. Das Elisabethkrankenhaus, Professor Haase und der Besuch bei seinem Chef. Aber immer wieder hatte Marc das Gespräch geschickt von sich weg gelenkt.

Sie kam mit einer sündhaft teuren Flasche Wein und zwei Gläsern, setzte sich sehr dicht neben ihn. „Noch von Larissas Geburtstag – Du weißt die bestimmt zu schätzen... Kannst Du die öffnen?“
„Klar.“ Er rutschte ein Stückchen weg von ihr, schnell war der Korken aus dem Hals gezogen.
„Auf einen schönen Tag – Abend!“ Stella sah ihm direkt in die Augen. Mit dem Klang der anstoßenden Gläser spürte Marc ihre Hand auf seinem Oberschenkel. „Stella... das...“

Darum bist Du doch her gekommen!
Sicher?
Klar – „kommen“ ist das Stichwort!
Gehen wäre die Alternative!
Dann geh Du doch... er kann es jedenfalls nicht mehr...


Stellas Hand war ein kleines Stückchen höher gewandert. Immer noch sah sie Marc an, wusste allerdings nicht, was sein Minenspiel zu bedeuten hatte. Ihre Hand wanderte langsam weiter, dann unterbrach ein lautes Klingeln jegliche weitere Aktivität.

(„Scheiße... das Krankenhaus!“)

„Stella, hör auf – Meier!?“

„Marc? Ich bin´s Gabi... um es kurz zu machen – Mehdi ist auf dem Weg hier her, es haben sich Zwillinge angekündigt und Doktor Hundt wollte ich nicht anrufen. Ihr ging es den ganzen Tag schon nicht gut und es war viel los... ich hoffe, das ist okay?“
„Äh, ja – und wäre jetzt sowieso nicht mehr zu ändern, nicht?“
„Also keine gute Idee?“
„Doch – dann kann er meine Wohnung nicht noch mehr verwüsten.“
„Wie?“
„Egal... wenn er wieder auf den Geschmack kommt, kann er gleich mit im Wochenplan berücksichtigt werden.“
„Das wäre nicht schlecht – Doktor Hundt kann meiner Meinung nach nicht mehr so, wie sie gerne würde... das sieht sie natürlich nicht ein!“
„Schon klar.“
„Marc – ich muss zu der Patientin. Entschuldige die Störung.“
„Ist nicht schlimm, Gabi. Bis Montag.“

Ist nicht schlimm...? Du warst gerade dabei loszulassen...

(„Niemals...“)


Nein, soweit würde er es nicht kommen lassen.

Wie Du es drehst und wendest – kommen ist immer gut.
Gehen auch.

(„Lasst mich in Frieden...“)


Das Handy hielt er noch fest, es landete mit Schwung auf dem Wohnzimmertisch. Erschöpft ließ sich Marc auf dem Sofa zurückfallen, schloss die Augen und seufzte.

(„Wenn Doktor Hundt jetzt...“)

„Schlechte Nachrichten?“
„Hm... ich kann jetzt eh nichts machen...“
„Ich aber – dafür sorgen, dass es Dir gut geht.“

Ja!!! Endlich!
Und dann?


Er spürte ihre Hand in seinem Schritt und ihren Atem an seiner Wange. Millisekunden später waren es auch ihre Lippen. Dünn und hart...

Wie und dann...? Ist doch einfach... Nochmal...?
Das meinte ich nicht...


„Lasst mich in Ruhe!“

Energisch schob er Stella von sich und während er sich heftig über Kopf und Stirn rieb sprang er auf. Sie sah ihn völlig verständnislos an. „Was... aber...?“
„Ich muss los... äh, nach Berlin.“
„Jetzt?“
„Ja.“
„Marc – das ist unverantwortlich.“
„Hier zu bleiben wäre unfair – Dir gegenüber.“
„Ich sehe das genau umgekehrt. Jetzt zu verschwinden wäre unfair...“
„Stella, ich kann das nicht...“

Du bist so ein Waschlappen!
Sie wäre stolz auf Dich.
Sie ist enttäuscht...


„Aber...“ Sie sah Marc an. „Und ganz unverbindlich...?“

Perfekt!
Keine blauen Augen...
Perfekt – sag ich doch
Kein goldenes Haar
Aber auf einem Silbertablett

(„Strohmatratze würde mir reichen!“)


„Nein, Stella. Ich habe eine Freundin.“
„Oh.“
Plötzlich hatte Marc eine Ahnung. „Du warst Dir sicher, dass nicht...?“
Sie nickte, immer noch völlig perplex.
„Meine Mutter ist der Meinung, sie passt nicht zu mir. Ich vermute, sie hat mich ins Café Goja genötigt, um mich Dir vorzustellen. Tut mir leid...“
„Deine Mutter? Äh... also ich habe gestern bei Dir angerufen, ich wollte Dich vor dem Verkehrschaos warnen und da hatte ich Deinen Mitbewohner am Telefon. Und der hat sehr deutlich gesagt, dass...“
„Bitte? Mehdi hat... was?“
„Gesagt, dass Du... ähm, naja, Dich sehr auf unser Treffen freust...“
„Er wusste nicht, dass ich nach dem Besuch beim Professor noch hier hin fahre. Geschweige, dass er je Deinen Namen gehört hätte.“
„Genau das hat er aber gesagt.“
„Was?“
„Dass Du ständig von mir redest!“
„Dieser Wichser.“ Marc war außer sich vor Wut. „Er rafft nicht, dass er keine Chance bei ihr hat...naja, morgen wird er erstmal raffen, dass er keine Bleibe mehr hat.“

Irgendwas musste er jetzt tun, um seine Wut loszuwerden.

Vögeln?

(„Laufen! Ich habe sogar zufällig die Joggingschuhe im Auto!“)


„Was hast Du jetzt vor?“ Stella sah entsetzt, dass Marc nach seinen Autoschlüsseln suchte. „So solltest Du aber nicht fahren!“
„Laufen, Stella. Ich muss meine Wut ablaufen.“
„Mir wäre es wohler, wenn ich Dich begleiten würde...?“
„Ich warte nicht an jeder Straßenecke!“
„Darauf lasse ich es ankommen!“ Sie grinste, schließlich hatte sie den Hanseatischen Halbmarathon gewonnen. Vielleicht konnte sie doch noch punkten.

Karo Offline

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22.04.2018 00:27
#133 RE: Story von Karo Zitat · antworten

BERLIN


Oktober 4.21 – Café Sonne


Marc kam ultramiesgelaunt in Berlin an. Er hatte ein richtig schlechtes Gewissen, schlecht und zu kurz geschlafen und sich dann ohne Frühstück auf die Rückfahrt gemacht. Am Schweriner Kreuz verlor er eine Stunde im Stau, immerhin hatte er sich mit 15 km/h vorwärts bewegen können. Diese Geschwindigkeit schätzte er jedoch erst, als er bei Neuruppin dann in einer Vollsperrung stand. Eine Baustelle kurz vor Berlin kostete ihn weitere Nerven.

Er explodierte, als er im Flur seiner Wohnung in ein Stück Pizza trat. Mehdi schien nicht da zu sein, er vermutete den Halbperser noch im Krankenhaus. Kopfschüttelnd stand er in dem Raum, den er mal als Wohnzimmer bezeichnet hatte. Es half nichts, von alleine machte sich dieses Chaos nicht sauber und so beseitigte er die schlimmsten Spuren von Mehdi. Die Couch konnte er nur noch dem Sperrmüll zuführen, oder ob Frau Schlüter eine Geheimwaffe gegen Lebensmittelflecken aller Art und Farbe kannte? Er überlegte kurz, schließlich war Sonntag. Aber wenn er morgen erst wieder im Krankenhaus wäre...

***
„Ja, Großer Gott noch, was ist denn hier passiert?“
„Ich würde es als Missbrauch meiner Gastfreundschaft bezeichnen...“
„Das Sofa können Sie vergessen, Doktor Meier... wie gut, dass Sie keinen Teppich haben. Oh je... und erst Ihr Arbeitszimmer...die Klamotten... ob man die wieder sauber bekommt?“
„Das sind seine Sachen. Die packen Sie in einen blauen Sack, dann kann er sie leichter raustragen.“
„Wegwerfen wäre die bessere Alternative.“
„Viel mehr als das was hier verteilt ist, hat er nicht mehr... da hängst man an jedem Stück Dreck!“ Er hielt ein dunkles Hemd hoch, an dem Spaghetti fest verkrustet waren.
„Da bin ich ja erstmal beschäftigt...“
„Danke, Frau Schlüter.“
„Keine Ursache, Doktor Meier. Sie sehen allerdings so aus, als bräuchten Sie einen ordentlichen Kaffee – oder ein Bett!“
„Beides, Frau Schlüter. Allerdings...“ Er hielt ihr den zerbrochenen Wassertank seines Kaffeevollautomaten hin. „Wird das nichts...“
„Soll ich Ihnen am Kiosk einen holen?“
„Nein, lassen Sie mal... ich habe eine andere Idee.“ Bestimmt hatte das Café Sonne geöffnet.

***
„Doktor Meier – zu so ungewöhnlicher Zeit?“ Frau Böhm begrüßte ihren jüngsten Stammgast mit einem herzlichen Lachen.
„Ich dachte, ich sehe mir Ihren Laden mal bei Tageslicht an, wobei...“
„Am letzten Oktobertag glaubt man sich bereits Ende November... naja...“ Sie zeigte in die Auslage. „Die Lebkuchen sind schon da...“
„Glücklicherweise geht diese Entwicklung mit einer arbeitsintensiven Zeit einher, dass ich davon nicht so viel mitkriegen muss...“
„Da entgeht Ihnen was...“
„Das glaube ich nicht!“
„Ich beweise es Ihnen.“ Sie reichte Marc den gewohnten Kaffee, der schokoladig-fruchtige Gayo war zu seinem Standardgetränk geworden. Marc starrte auf den Lebkuchen, der auf einem Teller den Weg in seine andere Hand gefunden hatte. „Der geht aufs Haus – die nächsten können Sie dann kaufen.“ Sie zwinkerte ihm zu, er konnte nicht ablehnen.

Wollte er auch nicht mehr. Schon der erste Biss überzeugte Marc voll und ganz. Dieser Lebkuchen hatte außer dem Namen keine Gemeinsamkeit, mit allem Gleichnamigen, das er vorher gegessen hatte. Der Kaffee tat gut und das Gebäckteilchen lockte ein zufriedenes Lächeln auf seine Wangen.

(„Lebkuchen. Ob das von Leben kommt?“)

Jetzt geht diese Sinn-Spinnerei wieder los... das ist nur was für Blondchen...


Und schon war er auf dem Weg nach Süden. Aus dem warmen Ambiente des Café Sonne nahmen Marcs Gedanken Kurs durch das Oktoberschmuddelwetter, überquerten die Alpen und den Mittelmeerraum, flogen über die rote Erde des nordafrikanischen Kontinents und landeten schließlich bei einer wunderbaren Frau.

Karo Offline

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22.04.2018 00:29
#134 RE: Story von Karo Zitat · antworten

AFRIKA


Oktober 4.22 – Erinnerungen


Er wusste nicht, was es genau war, das diese Glückswellen auslöste. Reichte ein Blick aus ihren blauen Augen, war es das warme Lächeln oder die Lichtreflexe auf den goldenen Locken, in die er so gerne abtauchte.
„Was überlegst Du gerade?“ Sie saß ihm gegenüber und versuchte, eine Mango zu essen.
„Habe ich Dich wirklich ans Skalpell gelassen?“
„Haha, sehr witzig.“
„Nur für den Fall... gibt’s hier im Haus einen Erstehilfekasten oder muss ich Dich in die Krankenstation schleppen, wenn Du Dir die Hand amputiert hast?“
„Hast Du nicht gesagt, dass ich bei der Fußamputation sehr gut gearbeitet habe?“
„Wie hast Du gebettelt, dass ich dabei bin...“
„Stimmt. Hilfst Du mir jetzt auch?“
„Hasenzahn – die Mango ist bereits tot!“
„Ich dachte, Du bist der Beste?“
„Natürlich.“
„Dann ist sie bei Dir in guten Händen!“ Sie schob ihm den Teller mit der völlig ramponierten Mango zu.

***
Mangos... die in Afrika hatten mit denen in hiesigen Supermärkten wirklich nichts gemeinsam. Einmal hatte er im Supermarkt vor der Auslage gestanden. Kleine, hauptsächlich grüne Früchte mit klebrig-rötlichen Flecken. Daneben deutlich größere und farbenfrohere Flugmangos. Doppelt, fast dreifach so teuer, wie ihre unreifen Kollegen. Er hatte die Verkäuferin verwirrt, als er sie grinsend gefragt hatte, ob sie Mangos hätten. Noch bevor ihr Finger auf die grünen Früchte gerichtet hatte... „Also nein. Schade.“ Im Weggehen hatte er ihr gesagt, dass die Dinger in der Auslage keine Mangos seien.
„Was denn sonst?“
„Keine Ahnung – Elefantenpopel?“

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22.04.2018 00:31
#135 RE: Story von Karo Zitat · antworten

MARC 8


„Ich möchte die Elefantenpopel nicht essen.“
„Du möchtest immer irgendwas, diesmal möchte ich – dass Du das aufisst.“
„René, Du weißt genau, dass Marc keine Rosinen mag. Wieso mischst Du sie ihm immer wieder ins Müsli?“
„Es geht nicht immer, wie man es gerne hätte. So ist das Leben... je früher er das lernt...!“
„Marc, lass die Rosinen liegen und sieh zu, dass Du fertig wirst. Die Schule fängt um 8 Uhr an, ob mit oder ohne Dir.“

Nur ein Schlag hatte Elke niedergestreckt. Mit erhobener Faust über Elke gebeugt sah René seinen Sohn an. „Isst Du jetzt die Rosinen oder muss ich nachhelfen?“
Ohnmächtig vor Wut würgte Marc sein Müsli hinunter. Er versuchte, nicht auf die Rosinen zu beißen, sondern sie möglichst vom Löffel direkt hinunterzuschlucken. Endlich war das Schälchen leer aber der Junge rechnete trotzdem mit einem weiteren Schlag oder Tritt gegen seine Mutter. Doch René hatte eine andere Idee. Er stellte das Rosinenglas vor Marc. „Aufessen. Eine nach der anderen. Und schön kauen... wäre doch schade, wenn Du nicht wüsstest, wie Elefantenpopel schmecken.“

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29.04.2018 22:22
#136 RE: Story von Karo Zitat · antworten

BERLIN


Oktober 4.23 – Café Sonne


„Hallo Marc!“
Eine weiche, warme Stimme holte ihn zurück in die Gegenwart.
„Frau Schippel...“
„Verzeih mir, ich wollte Dich nicht erschrecken – Aus welchem Gedanken habe ich Dich denn gerade geholt“
„Elefan... äh, Afrika.“ Er deutete auf die freien Stühle. „Sie dürfen sich auch setzen, außer Sie stehen gerne mit einem Tablett in der Hand im Weg...“ Hinter der Kindergärtnerin warteten andere Kunden, vorbei zu können. Sie ließ die Leute durch.
„Die gehören zu mir, danke. Afrika... die Berichte über euch und diese Krankenstation gefallen mir gut. Diese Ärztin, das war doch...?“
Marc nickte. „Sie ist!“
Mehr brauchte er nicht sagen, Frau Schnippel verstand an seinem Lächeln, was er meinte. „Komm doch mal wieder vorbei, Marc. Schönen Sonntag!“
„Ihnen auch, Frau Schnippel.“

(„Der Bericht!“)

Jeden Samstag erschien eine neue Reportage. Er war schon Freitagmittag abgefahren. Mit dem Professor hatte er andere Dinge besprochen, das Vorhaben der StaBe und die beiden Neueinstellungen. Nach langem Hinundher hatten Bernd Ullstein und er sich für Doktor Schattmann und Doktor Brickmann entschieden. Beide erhielten jedoch einen bis Februar befristeten Vertrag – schließlich wollten sie keine Personalentscheidungen über den Kopf des Chefarztes hinweg treffen. So zumindest die offizielle Begründung, die beiden einleuchtete. Für ihn war es die einzig verträgliche Option, Doktor Brickmann zeitnah loszuwerden. Doch es war wie es wahr, sie brauchten Verstärkung!

Dann der schöne Tag in Hamburg, der für Marc in einem Dilemma geendet hatte. Er fühlte sich schlecht, dabei hatte er nicht mal etwas getan. Mehdi, dieser Idiot, hatte Stella Andeutungen gemacht, dass er Interesse an ihr hätte. Ihm kam es so vor, als würde Mehdi überhaupt nicht realisieren, dass er und Gretchen zusammen wären. Auch nicht, dass er ohne Marc gerade auf der Straße säße, also quasi jetzt. Frau Schlüter kämpfte sich momentan durch seine Wohnung, um genau das wieder daraus zu machen. Eine Wohnung. Momentan war es eher eine Müllhalde. Ob er renovieren musste?

***
„Frau Böhm? Würden Sie mir die Telefonnummer des Malers geben, der diese Oase gezaubert hat?“
„Dass Sie sich Ihre eigene Oase zaubern und uns nicht wieder besuchen?“
„Meine eigene Oase ja, aber ich komme wieder, keine Sorge!“

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29.04.2018 22:48
#137 RE: Story von Karo Zitat · antworten

BERLIN


November 1.1 - Cafeteria


◊◊◊
Herzlich Willkommen

zu unserem monatlichen Zusammentreffen in unserer Cafeteria.

Ich soll Ihnen herzlichste Grüße von Professor Haase ausrichten. Wie die meisten von Ihnen wissen dürften, habe ich mir ein freies Wochenende gegönnt und unseren Chefarzt in seiner Reha besucht. Glauben Sie mir, der Professor ist auf einem sehr guten Weg. Er wird in der nächsten Woche seine Reha beenden und anschließend noch ein wenig Urlaub machen, bevor er wieder an vorderster Front mitkämpft.

Vielen Dank für Ihre aktive Mitarbeit auf der neu geschaffenen Plattform „Krankenhaus-Visionen“. Diese Einrichtung ist von Ihnen gut angenommen worden und es kamen einige gute und konstruktive Beiträge. Es bleibt Ihnen weiterhin erlaubt, in Ihrer Arbeitszeit mitzuwirken, da es absolut keinen Grund zur Klage gibt, dass deswegen Ihre Arbeit leidet. Vielen Dank dafür.

Du bist so ein Schleimer!!! Sklavenschleimer...

Im Lauf des Tages werden Sie dort auch Informationen über unsere neuen Kollegen finden, die ich Ihnen kurz vorstellen möchte.

Ladies First, auch wenn Sie Doktor Barbara Brickmann, die uns erst ab Monatsende zur Verfügung stehen wird, bereits kennenlernen durften. Doktor Brickmann verfügt über langjährige Erfahrung in der Notfallaufnahme und in der Unfall-Chirurgie im Unfall-Krankenhaus in Fulda. Sie ist Fachärztin für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Herzlich Willkommen in Berlin, Frau Doktor Brickmann.

Die junge Dame zu meiner Linken ist Frau Monika Geier, die ihr praktisches Jahr bei uns verbringen wird. Sie kommt über Professor Haase direkt von der Uni zu uns und wird anfangs die Kollegen auf der Inneren unterstützen. In den ersten Tagen wird sich unsere Oberschwester Stephanie Brinkmann um Sie kümmern. Außerdem bitte ich besonders die Assistenzärzte, sich Frau Geier anzunehmen. Ich wünsche Ihnen einen leichten Einstieg, Frau Geier.

Der dritte im Bunde ist Doktor Lorenz Schattmann. Er wechselt kurzfristig zu uns. Am Havel-Klinikum in Oranienburg stand er als Facharzt für Allgemein- und Gefäßchirurgie seit fast zwanzig Jahren auf der Gehaltsliste. Ab sofort steht er mit seiner langjährigen Erfahrung bei uns im OP. Vielen Dank für den spontanen Wechsel und Herzlich Willkommen am Elisabeth-Krankenhaus, Doktor Schattmann.

Früher als erwartet verstärkt auch Doktor Mehdi Kaan wieder das Kollegium. Die Stationsleitung obliegt allerdings weiterhin Frau Doktor Hundt, auch wenn sie nicht mehr in vollem Stundenumfang zur Verfügung steht.

Dank Herrn Ullstein konnten wir recht schnell neue Mitarbeiter finden, sodass wir in den unfallträchtigen Monaten November und Dezember für die Notaufnahme gut aufgestellt sein werden.

Ein letztes Anliegen habe ich noch, wobei es sich eher um eine Bitte von Frau Doktor Hassmann und Doktor Knechtelsdörfer handelt, der ich mich anschließen möchte. Seit längerem wird über eine mögliche Schwangerschaft von Doktor Hassmann gemunkelt. Stoppen Sie bitte umgehend die Bemerkungen im Rücken der Kollegen. Ja, die beiden erwarten Nachwuchs, nein, sie haben nicht vor zu heiraten.

Herzlichen Glückwunsch, Doktor Hassmann und Doktor Knechtelsdörfer.

Stoßen wir heute auf eine gute Zusammenarbeit mit den neuen Kollegen und auf den unerwarteten Medizinernachwuchs an.

Karo Offline

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29.04.2018 23:01
#138 RE: Story von Karo Zitat · antworten

BERLIN


November 1.2 – unerwarteter Medizinernachwuchs


„Du hast endlich den Arsch hoch gekriegt und aufgeräumt! War doch gar nicht so schlimm, oder? Und Du hast gekocht – ich wusste doch, dass Du wieder zur Besinnung kommst, wenn Du erst wieder gevögelt hast!“
„Ich bin sogar so sehr bei Besinnung, dass ich Dir Deine Sachen gepackt habe. Und nein, der Gratin ist nicht für Dich.“
„Zu spät!“ Mehdi schob sich grinsend an ihm vorbei auf die Couch und begann, gut gelaunt, das Essen in sich reinzuschaufeln.
„Danach verschwindest Du mitsamt Deinen Sachen!“ Marc zeigte mit seinem Teller in Richtung der Wohnungstür.

Mehdi sah Marc nachdenklich an, schluckte ungefähr die Hälfte der Portion in seinem Mund runter und schmatzte fröhlich drauflos: „Unerwarteter Medizinernachwuchs im Hause Hassmann-Knechtelsdörfer? Da hast Du glatt noch was vergessen.“ Er schaufelte eine weitere Gabel Kartoffelgratin in sich hinein, obwohl er noch am Kauen war.

„Ab 500 Gramm wird es erst wieder deutlich.“ Marc verzog angewidert sein Gesicht. „Sag mal, wie isst Du denn?“
„Hast Du Angst um Deine Designercouch?“
„Die ist mittlerweile eh schon hin.“ Frau Schlüter hatte schnell aufgegeben, die Couch war nicht zu retten.
„Hab Dich nicht so.“
„Hab ich was gesagt?“
„Ja. Eben.“
„Zu wenig wie mir scheint. Der sicherste Platz für Dich wäre beim Essen in der Badewanne.“
„Dir wird Dein Lachen noch vergehen.“
„Das glaube ich nicht – wenn Du erst hier raus bist!“
„Ich bin Dein Freund!“
„Momentan bin ich wohl eher Deiner.“
„Ist auch egal. Zurück zum – Medizinernachwuchs. Du hast einen weiteren vergessen.“

Marc sah Mehdi verständnislos an.

(„Wen meint er denn jetzt? Doch nicht Doktor Hundt, die kam doch schon... Sabine? Bestimmt nicht. Gabi? Eher unwahrscheinlich... Oh Gott – Doktor Amsel?“)

„Das dauert für Deine gewohnte Rechenleistung zu lange!“ Mehdi sah Marc triumphierend an, der Chirurg stöhnte.
„Nein, Mehdi! Bitte nicht! Das ist eine Katastrophe!“
„Nein, wir freuen uns total.“

(„Hä? Die hat doch was mit Cedric?“)

„Ich habe doch gesagt, nicht gleich ans Heiraten und Kinderkriegen denken...“
„Aber genau deswegen bin ich hier. Ich lasse mich scheiden und dann gehe ich zurück zu Gretchen und dem Kind. Unserem Kind!“

In der nächsten Sekunde war es Marc selbst, der das Essen verteilte. Der Teller fiel klirrend zu Boden. Entsetzt pustete er den Inhalt seines Mundes in Mehdis Richtung – Kartoffelgratin feinversprüht auf dem gerade mühsam gereinigten Parkett, der Couch, dem Tisch und – Mehdi.
„Was?“ Hustete Marc.
„Medizinernachwuchs, Marc. Gretchen und ich bekommen ein Kind.“ Mehdi strahlte – obwohl vollgespuckt – wie ein kleines Kind zu Weihnachten. „Ist das nicht toll? Das, was ich mir schon so lange gewünscht habe...“
„Das glaube ich nicht!“
„Warte...“ Mehdi stellte seinen Teller auf die Polsterfläche neben sich und sprang auf. Keine Minute später hielt er Marc das Ultraschallbild unter die Nase. „Guck, sie ist jetzt schon Anfang des Vierten Monats. Tut mir Leid für Dich, Alter. Diesmal war ich schneller!“

Marc durchlebte einen Alptraum. Doch er schlief nicht. Stattdessen funkten Sätze des letzten Alptraumes durch sein Gehirn.

„Ihr Kind wird meins sein!“

„Das glaube ich nicht.“
„Marc, das mit Gretchen ist für Dich vorbei. Aber Du hast ja Stella. Und Deine Karriere.“

„Ihr Gift wird aus Dir wieder den Alten machen, dann ist alles gut!“

„Das hätte sie mir persönlich gesagt.“
„Pfff... sie hat ja nicht mal einen Brief für Dich geschrieben.“

Daran hatte Marc allerdings auch schon gedacht. Anfangs hatte er damit gerechnet, dass auch Mehdi Post überbringen würde.

„Du bist raus und ich bin drin!“

„Auch das kann ich nicht glauben. So wie Du drauf bist, hast Du den eher entsorgt?“
„Glaubst Du, mir macht das Spaß?“

„Mittendrin statt nur dabei.“

„Offensichtlich.“
„Marc Du bist mein Freund. Es ist schon komisch, dass ich Dir das sagen muss. Aber Gretchen wollte, dass Du es persönlich erfährst. Nicht am Telefon oder per Brief. Oder sogar in einer SMS.“

„So fühlt es sich an, wenn der beste Freund sich Deine Frau nimmt.“

„Mehdi, jetzt tu nicht so, als kennst Du Gretchen besser als ich. Ja, ich stimme Dir zu, sie hätte es persönlich sagen wollen. Aber es ist ein Unterschied ob persönlich von ihr oder persönlich von jemand anderem.“
„Wo ist der Unterschied?“
„So feige ist Gretchen nicht. Nein, Mehdi. Nach allem was war würde sie mir sowas selbst sagen.“
„Nicht, nachdem Du mit Stella im Bett warst... naja, vielleicht ist es ihr auch einfach nicht mehr wichtig?“

(„Was?“)

Marc wurde blass.

Du bist ihr egal. Da hast Du´s.
Quatsch. Da steckt was anderes hinter.
Da steckt vor allem was anderes drin. Und wächst und wächst und wächst...
Vielleicht ist es ja...
Ein Irrtum? Ich lach mich kaputt. Das Bild ist eindeutig.
Aber...
Kein Aber. Sie ist schwanger vom Frauenversteher und Du bist raus.
Warte bis ...
Bis das Kind da ist und vielleicht hat es ein Skalpell am Finger? Ich tippe eher auf ein Spekulum! Das wird ein Spektakulum. Aber mach Dir nur schön weiter was vor mit der großen Liebe. Die gibt es nicht. Nicht für Dich. Du bist ihr egal. Egal. EGAL!!!


Völlig von der Rolle verließ Marc wenige Minuten später die Wohnung. Er konnte keinen klaren Gedanken fassen, die Synapsen funkten Amok. Da wo einmal sein Herz gewesen war saß nun ein dicker quälend schwerer Schmerzensstein und pumpte Stacheln durch die brennenden Adern.

„Du hättest das nie gekonnt – sie glücklich zu machen.“

Es ist besser so! Du bist der Sohn Deines Vaters...


Marc wusste nicht wo er hin lief, er lief einfach dahin, wo seine Füße ihn hintrugen. Er erkannte nicht die ältere Frau mit Hund, die ihn grüßte, sah nicht das Rot der Fußgängerampel, hörte nicht das markerschütternd schrille Kreischen der Bremsen eines Sportwagens.

„Oh Mann, Marc!“
„Sie kennen Doktor Meier? Was hat er denn?“ Frau und Hund hatten den Autofahrer erreicht.
„Keine Ahnung. Oh Mann, der ist ja völlig neben der Spur?“

„Junger Mann, nehmen Sie ihr Auto gefälligst mal aus der Spur?“ Hinter ihnen hupten mehrere Fahrzeuge.

„Ja, ja, ist ja gut.“

„Nur mal nicht so ungeduldig, gleich ist eh wieder rot.“ Die Seniorin forderte die Autofahrer auf, sich zu beruhigen.

„Ich würde ihm ja hinterher gehen, aber bei dem Tempo habe ich keine Chance.“
„Ich stelle das Auto da vorne irgendwo ab, dann sehe ich, ob ich ihn finde. Oh Mann, der war schnell unterwegs... Hier ist meine Karte, man weiß ja nie...“
„Da haben Sie Recht. Ach, Sie schreiben diese Berichte über das Elisabeth-Krankenhaus und die Mission? Viel Glück, Herr Langohr.“
„Danke, Frau...?“
„Schneverdingen. Und das ist Wolfi.“
„Wolfi... oh Mann.“

Karo Offline

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30.04.2018 22:31
#139 RE: Story von Karo Zitat · antworten

BERLIN


November 1.3 – Marc ist weg 1


Die Stationsübergabe fand heute ohne den Leitenden Oberarzt statt.

„Hoffentlich ist nichts passiert.“ Sabine machte sich große Sorgen.
„Doktor Meier war noch nie krank.“
„Naja, mit dem Affenvirus war er mehr als krank und...“ Gabi wurde von Sabine unterbrochen. „Er hat auch mit Platzwunde und Gehirnerschütterung gearbeitet und die Schusswunde hat ihn auch nicht aus dem Krankenhaus fern gehalten.“
Doktor Hassmann war selten Sabines Meinung. „Ich muss gestehen, dass ich ausnahmsweise Sabines Befürchtung teile.“
„Danke, Frau Doktor. Aber was machen wir denn jetzt?“ Die Krankenschwester zeigte auf den OP-Plan.
„Tja, Sabine, da schlägt dann wohl ihre Stunde der Wahrheit. Die Knieprothese übernehmen Sie dann wohl.“
„Aber... Frau... Doktor... Hassmann... das kann nicht ihr ernst sein.“
„Wieso? Sie sind doch lange genug hier.“
„Ich finde das nicht komisch.“

„Gibt es nicht genug zu tun, oder was sitzen Sie hier rum?“ Ein schlecht gelaunter Oberarzt kam ins Stationszimmer. „Also, was ist los und was soll ich hier?“
„Wir haben eine OP zu vergeben. Sabine möchte die Knieprothese von Doktor Meier nicht übernehmen.“
„Wieso übernehmen? Ist Doktor Meier krank?“

„Das wissen wir nicht. Im besten Fall ja. Er ist nicht da, so sieht es aus.“
„Haben Sie ihn angerufen?“
„Also darauf sind wir ja noch gar nicht gekommen. Danke Doktor Stier für Ihren außerordentlich voranbringenden Lösungsansatz.“ Maria Hassmann schüttelte den Kopf. „Da war es gut, Sie her zu holen.“
„Sie können es gerne selbst nochmal versuchen.“ Sabine hielt ihm den Hörer hin. „Das wäre dann der 35. erfolglose Versuch.“
„Und das freut sie jetzt?“
„Äh... nein. Eigentlich nicht.“


***
„Mann geh endlich ran!“ Cedric Stier hatte gerade vier Stunden mit der Knieprothese im OP verbracht. Erstaunlicherweise fühlte er sich gut, so gut wie lange nicht mehr. Von Erschöpfung keine Spur. Nun versuchte er erneut den Leitenden Oberarzt des Elisabeth-Krankenhauses zu erreichen. Wie die unzähligen Versuche vorher meldete sich nur die Mailbox. Mittlerweile machte auch Cedric sich große Sorgen. Marc musste etwas zugestoßen sein, normalerweise war er zuverlässig und über sein Handy immer erreichbar. Er informierte Bernd Ullstein, der außerplanmäßig nach Berlin gekommen war, über sein Vorhaben.
„Es hilft alles nichts, ich fahre zu ihm nach Hause. Vielleicht ist Doktor Kaan da und weiß was los ist. Doktor Amsel kümmert sich um die Abläufe der Chirurgie.“
„Was machen wir denn jetzt mit den restlichen OPs?“
„Ich habe mir das schon angesehen. Doktor Schattmann und Doktor Rössel gehen zusammen und Doktor Amsel nimmt Doktor Knechtelsdörfer mit. Herr Stern geht in die Notaufnahme, wenn was ist ruft er Doktor Hassmann. Zur Not auch Doktor Rössel oder Schattmann. Glücklicherweise ist Doktor Meier nur für wenig Eingriffe vorgesehen.“

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30.04.2018 22:34
#140 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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November 1.4 – Cedric und Mehdi


Doktor Stier saß derweil in Marcs Wohnung und konnte nicht glauben, dass dieses wirklich die richtige Wohnung war. Mehdi hatte sich erstmal schlecht gelaunt unter die Dusche verzogen.
„Was weckst Du mich, ist was passiert?“
„Es ist bereits Nachmittag. Weißt Du wo Marc ist?“
„Nee. Der ist gestern Abend wortlos gegangen, nachdem er mich mit Essen vollgespuckt hat.“
„Bitte?“ („Gestern Abend?“)

Er traute sich nicht irgendwo Platz zu nehmen. „Wenn Du willst kannst Du einen Kaffee kochen.“ Mehdi brüllte aus dem Bad.

Cedric lehnte sich an die Arbeitsplatte und sah dem Kaffee zu, wie er in die Glaskanne lief. „Sorry, aber Marc hat noch keinen neuen Vollautomaten gekauft.“ Mehdi nahm sich kleckernd eine Tasse. „Das ist nicht schlimm, wird weggemacht.“
„Hier sieht es ja furchtbar aus, was ist denn passiert?“
„Marc ist völlig durchgedreht.“
„Warum?“
„Weil Gretchen mit ihm Schluss gemacht hat.“
„Was?“
„Er hat sie endlich betrogen. Aber das ist eigentlich unwichtig, denn Gretchen und ich bekommen ein Kind. Das gefällt ihm nicht.“
„Was?“ Cedric stellte seine Kaffeetasse hart auf die Arbeitsplatte, dabei schwappte etwas vom Kaffee aus der Tasse.
„Mach nicht so eine Sauerei, sonst schimpft Marc wieder mit mir.“
Cedric sah den Gynäkologen verständnislos an. Dieser kam wieder auf das vorige Thema zurück und lachte glücklich. „Ist das nicht toll? Gretchen und ich bekommen ein Kind. Einmal im Leben war ich schneller als der Meier.“
„Ah... und Du hast ihm das so gesagt?“
„Ja. Das war total lustig, weil er doch von unerwartetem Medizinernachwuchs gesprochen hatte. Das ist unser Kind ja auch. Unerwartet aber total schön.“
„Vor allem für Marc.“
„So ist das Leben eben. Normalerweise bin ich derjenige, der in die Röhre guckt. Er tröstet sich bestimmt gerade mit dieser Stella.“
„Und was sagt Gretchen dazu?“
„Die weiß es noch nicht. Ach, Du meinst... zu dem Kind? Was soll sie schon sagen? Sie freut sich.“ Er gluckste. „Natürlich freut sie sich.“
„Und das hat sie so gesagt?“
„Du kennst doch Gretchen.“
„Nein, wir hatten nur kurz das Vergnügen.“
„Ich erinnere mich – genau in der Nacht davor haben wir das Kind gemacht.“
„Das klingt ja wirklich nach einer guten Beziehung.“ Cedric schüttelte den Kopf und konnte die Neuigkeiten nicht fassen. „Und gestern hat sie angerufen?“
„Nee, wieso?“
„Wie hat sie denn dann Schluss gemacht?“
„Ich habe das gemacht. Also ihm von unserem Kind erzählt. Dass wir jetzt heiraten ist ja keine Frage.“
„Und das will Gretchen auch?“
„Ich mache mir da keine Sorgen.“
„Ich schon – um Dich. Hast Du was genommen?“
„Quatsch. Ich bin total glücklich!“
„Ich glaube, Du bist total wahnsinnig. Egal, wo ist Marc?“
„Ich weiß es nicht! Ist aber egal. Er ist gestern einfach weg. Bestimmt zu Stella.“
„Sein Auto ist noch hier. Und wer ist Stella?“
„Oh das ist gut, dann kann ich damit später zu meinen Eltern fahren. Die sind bestimmt ebenso aus dem Häuschen. Stella? Ach... keine Ahnung. Die interessiert mich nicht...“

Karo Offline

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30.04.2018 22:40
#141 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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November 1.5 – Marc ist weg 2


Er benachrichtigte Schwester Sabine von dem erfolglosen Versuch.
„Doktor Kaan weiß auch nichts? Schade.“
„Nein, er weiß nichts.“ („Scheint ihn auch nicht zu interessieren.“)

„Hoffentlich hat er sich nichts angetan.“
„Hoffentlich nicht.“
„Fahren Sie denn jetzt nach Hause?“
„Sind sie verrückt? Ich bin auf dem Weg ins Krankenhaus.“
„Oh Gott, Doktor Stier, sind Sie krank oder haben Sie sich verletzt?“
„Nein, aber...ich melde mich wieder.“
„Hä?“
Sabine sah den Hörer an. „Wieso fährt er denn ins Krankenhaus, wenn er gesund ist?“
Maria Hassmann sah von einer Krankenakte auf. „Wer?“
„Doktor Stier.“
„Äh... weil er hier arbeitet?“
„Ach so.“


***
Während Sabine rätselte, blieb Cedric das Herz stehen. Gerade berichtete der Staureport, warum es für ihn nur schrittweise weiter ging.

„Der Bereich um die Spreebrücke ist aufgrund eines Feuerwehreinsatzes großräumig gesperrt. Wer sich auskennt wird gebeten, den Bereich weitläufig zu umfahren.“

Für Cedric war diese Nachricht eindeutig. Diese Brücke wurde oft von verzweifelten Menschen genutzt, die sich das Leben nehmen wollten. In diesem Fall erfolgreich. Andernfalls hätten sie von einem Notarzt- oder Rettungseinsatz gesprochen. Er schlängelte sich konzentriert an der Unfallstelle vorbei. Gerade sah er, wie sie einen tropfenden Sack in den Rettungswagen schoben. „Um Gottes Willen, bitte nicht!“
Er hielt seinen Wagen neben einem Polizisten an. „Entschuldigung, ich bin Arzt, kann ich helfen?“
„Nein, vielen Dank. Dem ist nicht mehr zu helfen.“
„Aha. Wo bringen sie ihn hin?“
„Das Elisabeth-Krankenhaus hat die Aufnahme bestätigt.“
„Vielen Dank.“


***
„Doktor Stier, haben Sie...“
„Sabine, wer ist in der Notaufnahme?“
„Herr Stern, wieso?“
„Wo ist Doktor Schattmann?“
„Im OP mit Doktor Rössel.“
„Gut, ich möchte, dass Herr Stern zu Doktor Rössel in den OP geht und Doktor Schattmann ablöst. Der soll dann umgehend in die Notaufnahme kommen.“
„Äh, ja.“
„Nicht äh ja. Ja. Pronto.“
„Was heißt das?“
„Zackig.“
„Warum sagen Sie das denn nicht sofort?“


***
„Doktor Stier?!“ Assistent Stern sah den gehetzten Kardiochirurgen überrascht an, als dieser unerwartet in der Notaufnahme auftauchte.
„Sie gehen in den OP zu Doktor Rössel und tauschen mit Doktor Schattmann. Zackig.“
„Da kommt gleich was rein.“
„Ich weiß. Ich übernehme.“
„Aber...“
„Herr Stern – sehen Sie zu, dass Sie in den OP kommen.“
„Doktor Hassmann ist...“
„...schon da.“ Die Ärztin kam gerade zur Tür herein.
„Sie können auch wieder gehen, Danke Doktor Hassmann.“
„Sie sagen jetzt nicht, dass ich umsonst her gerannt bin? Ich bin schwanger!“
„Solange Sie auf hohen Absätzen ankommen, kann es noch nicht so beschwerlich sein. Und jetzt raus, alle beide!“

***
„Doktor Stier? Was ist los?“ Der gewünschte Chirurg erreichte wenige Minuten später den wartenden Chirurgen.
„Da kommt gleich ein Notfall rein. Also eigentlich kein Notfall mehr, sondern ein Fall für die Patho. Haben sie eben aus der Spree gezogen.“
„Das habe ich gerade im Radio gehört. Junger Mann, der von der Brücke...“ Er sah die versteinerte Miene des Kollegen. „Das ist doch... nicht...“
„Doktor Schattmann, nehmen Sie mir bitte nicht übel, wenn ich Sie habe rufen lassen. Für den Fall, dass er es ist, wollte ich keinen der langjährigen Kollegen hier wissen. Eine Wasserleiche ist kein schöner Anblick.“
„Sie glauben wirklich, dass...?“ Der neue Mitarbeiter musste sich setzen.
„Ich habe auf dem Weg hierher gesehen, wo sie ihn rausgezogen haben. Die Wohnung von Doktor Meier ist in der Nähe.“
„Oh mein Gott!“ Es blieb keine Zeit, sich weiter Gedanken zu machen, der Rettungswagen rollte die Zufahrt herauf.

Karo Offline

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05.05.2018 22:46
#142 RE: Story von Karo Zitat · antworten

Liebe Mama, lieber Papa.
Lieber Papa, liebe Mama.

Wie ihr seht, kann ich mich wieder nicht entscheiden.

Mehdis spontane Abreise gibt mir die Gelegenheit, euch noch schnell einen Brief zu schreiben, in der Hoffnung, dass er ihn auch überbringt. Wir haben uns ziemlich böse gestritten. Egal, denn dann ist die Situation so, wie ich sie ursprünglich beabsichtigt hatte. Etwas alleine schaffen. Obwohl ich noch nie „nicht so alleine“ war wie jetzt. Auch wenn Marc unendlich weit weg ist, es fühlt sich nicht alleine an. Natürlich seid auch ihr weit weg, aber das ist etwas anderes.

In Sanssouci ist man sowieso selten alleine. Letzte Woche waren Jenny und ich mit Christian in Koudougou, wo wir eine Schülerin für ein Praktikum untergebracht haben. Was man so Krankenhaus nennt... Koudougou hat die einzige Uni, an der man in Burkina Faso Medizin studieren kann. Hier wäre Knechtelsdörfer wohl ein Held.
Pfui, Gretchen, Du bist böse. Aber was die Hassmann an ihm findet ist mir ein Rätsel. Gut, die meisten haben sich auch immer gefragt, was ich in Marc sehe. Ich bin froh, mich nicht getäuscht zu haben. Ich bin noch unschlüssig, ob ich Mehdi bitten soll, auch einen Brief für Marc mitzunehmen. Ich bezweifle, dass er ihn übergeben würde. Dazu war unser Streit einfach zu böse.
Mehdi ist mit Vorstellungen und Erwartungen nach Afrika gekommen, die sich nicht erfüllt haben. Daran haben alle anderen Schuld – ich wusste echt nicht, dass Mehdi so sein kann. Das war doch eigentlich immer Marcs Weg, die Schuld bei anderen zu suchen und die Verantwortung anderen zuzuschieben. Selbst wenn er sich ganz tief selbst in die Scheiße geritten hat.
Mit dem Unterschied, dass Marc sehr wohl weiß, dass er falsch liegt. Vielleicht nicht direkt, aber irgendwann. Anders könnte ich mir seine SMS nicht erklären. Eigentlich wollte ich ihn fragen, als wie letzte Woche telefoniert haben aber ich war so überrascht, direkt beim ersten Versuch eine Verbindung zu haben, dass ich nicht mehr wusste, was ich sagen oder fragen wollte.

Mama, weil ich weiß, dass Du ihm immer etwas weniger zutraust, hier eine neue, positive Fähigkeit. Marc kocht. Und da ich ihm immer viel zutraue: Bestimmt kocht er gut, wenn nicht sehr gut!

Papa, kannst Du kochen? Ach... wozu... Mama lässt ja niemanden an Herd und Hof...

Ich finde es toll, wenn ein Mann kochen kann. Es muss kein Meister sein, aber so, dass man ohne Pizzadienst über die Runden kommen kann. Dass Peter in der Küche großartig war, muss ich ja leider zähneknirschend zugeben. Ale...Frank hatte sich wohl eine fantastische Küche geliehen, aber dort fand er lediglich den Weg zum Kühlschrank, um eine Flasche Champagner zu holen. Ein Urteil über Mehdi spare ich mir. Ich habe mich total in ihm getäuscht. Ich habe nun hinter die Fassade aus verständnisvollem Lächeln und freundlicher Stimme gesehen – sehen müssen. Missgunst, Neid und Eifersucht...

Aber das ist jetzt gemein, denn vermutlich – nein, mit Sicherheit wirst Du – Papa – ja wieder mit ihm arbeiten.
Ich konnte es ja kaum glauben, dass Marc jetzt offiziell Deine Vertretung ist. Allerdings nur im ersten Moment. Natürlich konnte nur er es sein, den Du in die Nähe Deines Chefsessels lässt. Mich wundert allerdings, dass er den Job angenommen hat. Marcs Tisch ist der OP- nicht der Schreibtisch. Aber das ist die treue Seele in ihm. Vermutlich macht er es nicht gerne, aber er will Dir den Rücken frei halten. Und er wird es gut machen, dessen bin ich sicher.

Wenn Du eines Tages wieder fit bist, lass ihn bitte wieder in den OP.

Apropos... die Krankheiten der Regenzeit werden durch das Wetter verdrängt.

Allmählich ist die Feuchtigkeit weg und es ist nur noch heiß. Aber diese trockene Hitze verträgt man viel besser. Mich wundert es, dass ich noch keinen Sonnenbrand hatte. Könnt ihr euch an den Urlaub auf Rügen erinnern? Da war Jochen gerade zur Welt gekommen und wir hatten Andrea mit. Ich kann mich nur an wenig erinnern, aber dass ich da den fiesesten Sonnenbrand meines Lebens hatte, trotz T-Shirt und Sonnenhut, das weiß ich noch.
Aber vermutlich ist man hier einfach vorsichtiger. Und Strand gibt’s hier eh nicht...

Dafür ein weiteres Fest. Martin hat zum Allerheiligenfest eingeladen. Wenn es etwas gibt, was die Burkiner (korrekt heißt es Burkinabe) lieben, dann ist es feiern.
Deswegen waren Roula und Martin auch nicht mit in Koudougou. Ich glaube, Papa, Du würdest Martin mögen. Selbst Marc ist da aufgetaut. Wobei auch Martin nicht der Zugänglichste ist. Er lässt sich Zeit, Menschen kennenzulernen. Ein sehr besonnener Mann. Anders Roula. Auch wundervoll, klar. Aber sie agiert nach ihrem spontanen Bauchgefühl. Zwei völlig unterschiedliche Menschen, die da zusammengefunden haben.

Vielleicht klingt das jetzt doof. Aber manchmal denke ich, sie sind ein bisschen wie Marc und ich. Abgesehen von 10 Jahren, die die beiden zusammen sind. Bei Marc und mir sind es schon fast zwanzig... und wehe, ihr lacht jetzt. Und Mama, schüttel auch nicht den Kopf!

Wo war ich... ach ja, die nächste Medical Safari. Nächste Woche geht’s für eine ausgedehnte Tour nach Südwesten, in Richtung Bobo-Dioulasso. Unten bei Banfora wollen Roula und Martin Jenny und mir die berühmten Wasserfälle zeigen. Dort kann man wohl sogar baden – angesichts meiner Erinnerung an Sonnenbrände bin ich vom Schwimmengehen noch nicht so überzeugt. Mama – kannst Du Dich an den Schwimmwettkampf in Oranienburg erinnern? In dem Freibad gab es kaum ein Fitzelchen Schatten... ich behaupte ja, dass sich die Badeanzugspuren in meine Haut gebrannt haben.

Marc hat angedeutet, dass ihr sehr fleißig für Sanssouci sammelt. Von Martin weiß ich, dass Fritz Anfang Dezember herkommen möchte. Ich werde mir mal Gedanken machen, was ich gerne hätte und was ich brauchen kann – vielleicht kann ich von Bobo nochmal telefonieren und euch meine Wünsche mitteilen.
Papa, vielleicht kannst Du mir Marc einpacken?

Macht es ganz doll gut, Papa, Dir gute Besserung! Mama, geh´ ihm mit Deiner Fürsorge nicht ganz auf die Nerven.
Ich habe euch lieb, von Herzen,

Gretchen

Karo Offline

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05.05.2018 23:01
#143 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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November 1.7 – Mehdis Welt 3


„Ein bisschen zu viel Marc darin und viel zu wenig von unserem Kind. Tut mir Leid, Herr Professor.“ Mehdi zerknüllte den Brief und ließ ihn neben die Couch fallen. Das konnte morgen die Putzfrau wegmachen. „Hat sie mal was zu tun, für ihr Geld.“ Er kicherte. „Marcs Geld.“
Der Gynäkologe rollte sich auf die Seite und sah glücklich auf das gerahmte Bild. „Das ist wenigstens ein Bild. Nicht so ein kitschiges Hängemattengeschmachte.“ Ganz vorsichtig nahm er den Rahmen in die Hand und führte es an seine Lippen. „Du bekommst die wunderbarste Mami dieser Welt. Und ich die wunderbarste Frau der Welt. Und ich verspreche Dir, Du wirst garantiert kein Zwilling als Sternzeichen. Eher ein Widder, oder ein Stier, wie Deine Mami.“

Das Telefon holte ihn aus seinem Tagtraum. Es klingelte unaufhörlich. Endlich meldete sich der Anrufbeantworter.

„Hier ist Cedric. Marc, wenn Du das hörst – melde Dich bitte sofort bei mir. Mehdi, falls Du was von Marc hörst, sag bitte ebenfalls Bescheid. Danke.“

Der Arzt erhob sich. „Löschen. Wie alle anderen Nachrichten auch. Der soll bleiben, wo der Pfeffer wächst.“ Den kleinen Papierball wegtretend, warf er sich kichernd wieder auf die knackende Couch. Es lohnte sich nicht, noch irgendwas anzufangen, seine Eltern erwarteten ihn zum Kaffeetrinken.

Hektisch sprang er auf. „Scheiße!!! Ein guter Sohn bringt Blumen mit. Und eine gute Flasche für die Männer. Dann können wir direkt auf die Frohe Botschaft anstoßen. Es ist so schade, dass Gretchen nicht dabei sein kann.“

Mehdi überlegte kurz. Sein Blick fiel auf die Flasche Armand de Brignac Champagner Brut Gold 6 l Methusalem. Nein, die würde es zur Geburt geben. Jetzt tat es auch eine andere. Es stand schließlich genug hier herum. Er begutachtete die Flaschen in der gläsernen Vitrine. Seit wann trank Marc Whisky? Trank er ihn überhaupt? Keine der Flaschen schien offen zu sein. Vor allem schien er schottischen Whisky zu bevorzugen. Dalmore King Alexander III, Glendronach 24 Grandeur, Jura 10, Knockando 21 J-1990 Master Reserve – sogar mit passendem Glas. Er sah jede Flasche genau an. „Das kenne ich!“ Er hielt eine Flasche Glenmorangie Signet in der Hand. „Aber vermutlich kennt sie jeder. Also was anderes.“
Am Ende siegte Jura 10, ein Single Malt Scotch Whisky.

***
„Wie kommst Du ausgerechnet auf diesen wunderbaren Whisky?“ Fragte später der Vater.
„Die schottischen Whiskys sind einfach die besten.“
„Das finde ich auch. Wirklich, eine ausgezeichnete Wahl.“

Angesichts der Ankündigung, dass ihr Sohn wieder Vater wurde, waren Blumen und Alkohol natürlich Nebensache. „Oh Mehdi, das ist ja wunderbar. Aber warum wollt ihr denn unbedingt in Afrika bleiben?“
„Weil wir dort glücklich sind.“

***
Als er abends nach Hause kam, fand er die Wohnung nach wie vor leer. „Sehr gut. Vielleicht bleibt er einfach verschwunden!“
Stattdessen meldete der Anrufbeantworter neue Nachrichten.

„Marc-Olivier, ich wollte mich nur abmelden. Ich bin jetzt zwei Tage in Hamburg und dann in der Schweiz. Ich hoffe, es geht Dir gut. Bis dann.“

„Die verrückte Elke Fisher – löschen.“

„Hier ist nochmal Cedric. Mehdi, melde Dich mal bei mir, egal ob Du was weißt.“

„Nervensäge. Löschen.“

„Hallo Marc, hier ist Thilo. Ich habe Dich gestern Abend gesehen – ich mache mir Sorgen. Melde Dich mal bitte!“

„Keine Sorge, dem geht’s bestimmt gut. Und wenn nicht... auch egal! Löschen.“

Dann schrie er: „Zum Teufel mit Dir, Marc Meier!“

Wenig später klingelte es an der Wohnungstüre. Das ältere Ehepaar von nebenan. „Guten Abend, ist alles in Ordnung? Es hat gerade jemand geschrien.“
„Entschuldigen Sie vielmals, ich war kurz wütend.“
„Ja, in dieser Situation muss der Frust einfach raus.“
„Frust?“
„Nicht? Dann ist Doktor Meier wieder da?“
„Woher wissen Sie das denn?“
„Sein Kollege Doktor Rind war hier und hat sich erkundigt.“
„Sie meinen Doktor Stier?“
„Ihm wird doch wohl nicht zugestoßen sein?“
„Das wäre sicherlich die beste Lösung.“
„Bitte?“
„Äh, Entschuldigung. Ich bin etwas mitgenommen. Hoffentlich nicht. Das wäre schrecklich.“
„Dann hoffen wir weiter, dass er bald gesund und munter wieder da ist. Wenn wir irgendwas tun können... trotzdem einen schönen Abend!“
Mehdi schloss die Tür. „Gerade deswegen – einen wunderschönen Abend!“

Er wanderte durch die Wohnung. Das Arbeitszimmer musste jetzt weichen – zugunsten des Kinderzimmers. Er musste unbedingt Möbel kaufen.
Eine halbe Stunde später schickte er die Bestellung online ab. Mit Extra-Zuschlag für prompte Lieferung. Auf Rechnung von Doktor Marc Meier. „Perfekt!“

Karo Offline

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05.05.2018 23:08
#144 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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November 1.8 – Mehdi und Elke


Wieder klingelte es. „Was ist denn noch?“ Genervt riss Mehdi die Wohnungstüre auf, er erwartete erneut die Nachbarn.

„Marc-Olivier! Ich habe es eilig!“ Ohne abzuwarten stürmte Elke Fisher in die Wohnung. Und stockte. „Was... was ist denn hier... los?“

Im Flur standen unzählige Säcke der Kleidersammlung.
„Ihr Sohn mistet für Sanssouci aus.“
„Hm.“ Elke sah den stark gebräunten Mediziner an. „Sie sind also auch wieder da. Ist mein Sohn hier?“
„Nein.“
Scheinbar glaubte sie ihm nicht, denn sie ging ins Wohnzimmer – und schnappte entsetzt nach Luft. „Sagen Sie, herrscht hier Krieg?“
„Wieso?“
„Sehen Sie sich doch mal um. Ich bin schon in der Wohnung von Doktor Marc Meier? – Was ist das?“ Ihr Blick fiel auf das gerahmte Ultraschallbild. Daneben, in einer kleinen Vase, eine einzelne rote Rose.
„Das ist wunderbar, nicht?“
Elke nahm das Bild in die Hand. „Gretchen“ stand gedruckt auf dem Seitenrand. „Oh Gott, ich muss mich setzen. Das darf doch nicht wahr sein?“
„Sie halten den Beweis in der Hand – schwarz auf weiß sogar.“
„Ich bin zu jung, um Oma zu werden.“
„Sie waren auch zu jung, um Mutter zu werden. Aber ich kann Sie beruhigen.“ Mehdi lachte. „Sie werden nicht Oma. Dafür dürfen sich doppelt für uns freuen.“
„Für uns?“ Elke war nicht sicher, was Mehdi meinen könnte.
„Ja, Gretchen und ich bekommen das Kind. Also alles in Ordnung – Sie werden nicht Oma.“
„Gretchen und – Sie?“
„Ja. Toll, nicht?“
„Wieso Sie?“
„Wer denn sonst?“
„Ich dachte, dass mein Sohn und Doktor Haase...“
„Als würde Ihr Sohn eine Frau wollen, die von seinem Freund ein Kind erwartet.“
„Aber wieso von Ihnen?“
„Weil wir miteinander geschlafen haben. Ganz einfach. Naja – Qualität setzt sich eben durch.“

Elke Fisher stand völlig verwirrt im unordentlichen Wohnzimmer. „Ich muss mich setzen, ich glaube ich falle in Ohnmacht.“ Sie ließ sich auf den nächsten Sessel fallen – ausgerechnet der, der am meisten vom gestrigen Abendessen abbekommen hatte.
„Ihhh, pfui Teufel, was sind Sie doch für ein Schwein.“
„Warum, nur weil ich Gretchen liebe? Ach, Sie meinten die Schweinerei von Marc. Ja, das war seine Reaktion, als ich gestern mit ihm Schluss gemacht habe.“
„Sie haben mit meinem Sohn Schluss gemacht?“
„Ja, quasi für Gretchen. Muss doch alles seine Ordnung haben. Ich bin jetzt nur hier, um mich scheiden zu lassen. Dann gehe ich zu Gretchen nach Afrika zurück, wir wollen ganz schnell heiraten.“

Allmählich war Elke wieder in der Lage, eins und eins zusammenzuzählen. „Und Sie wissen nicht, wo mein Sohn ist?“
„Nein, was auch irrelevant ist. Ich habe schon Möbel bestellt – aus dem Arbeitszimmer wird nun das Kinderzimmer. Muss ja doch schnell gehen, das Baby kommt schneller als erwartet.“
„Ich dachte, Sie gehen zurück nach Afrika?“
„Ja, klar. Gretchen und ich wollen ja heiraten.“
„Und das Kinderzimmer soll hier hin?“
„Natürlich. Jedes Kind braucht ein eigenes Zimmer.“

(„Der ist doch irre?“)
„Wenn Sie meinen Sohn sehen, dann richten Sie ihm bitte aus...“

„Nein, Frau Fisher. Ich bin weder der Dienstbote von Ihnen noch der Lakai Ihres Sohnes. Auch wenn Sie beide das gerne hätten. Und hören Sie auf, meinen Anrufbeantworter voll zu quatschen.“

(„Ich habe doch heute noch gar nichts getrunken.“)

Karo Offline

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09.05.2018 00:09
#145 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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November 1.9 – Marc ist weg 3


Im Chefarztbüro hatte eine kleine Gruppe beraten, wie man mit dem spurlosen Verschwinden des Leitenden Oberarztes umgehen sollte. Offiziell trug Bernd Ullstein Urlaub für Doktor Meier ein.
„Ich habe mit Doktor Amsel den Einsatzplan geringfügig angepasst, da Doktor Meier nur selten im Stationsalltag berücksichtigt wurde, war das kaum ein Problem. Seine Operationen werde ich durchführen. Frau Doktor Hassmann, wie Sie sehen, habe ich Sie vermehr als Hintergrunddienst eingetragen. Wenn Ihnen das angesichts Ihrer Schwangerschaft zu viel wird, dann sagen Sie das bitte.“ Doktor Stier schien seine Antriebslosigkeit vergessen zu haben.
„Sehr rücksichtsvoll, Herr Kollege. Aber noch laufe ich auf hohen Schuhen!“
„Gut, dann müssen wir wohl eine Vermisstenanzeige aufgeben. Die 24 Stunden sind eh bald rum.“
„Darum kann ich mich kümmern.“ Bernd Ullstein machte sich eine Notiz. „Haben wir wirklich keinen weiteren Anhaltspunkt, wo er sich aufhalten könnte?“
„Ich denke, da kann sich die Polizei dann drum kümmern. Wir haben anderes zu tun.“ Maria Hassmann hatte jedoch noch einen sinnvollen Vorschlag. „Auch wenn ich es für unwahrscheinlich halte – hat jemand daran gedacht, bei seiner Mutter nachzufragen?“
Marcs Mutter! Klar, eine kleine – winzige Chance. „Sabine kann Ihnen bestimmt die Telefonnummer von Frau Fisher geben!“
„Mir?“ Cedric stöhnte. „Wir ziehen Lose. Oder möchte jemand freiwillig...?“
Für Spielchen dieser Art hatte Bernd Ullstein jedoch keine Meinung. „Sie, Doktor Stier, die Mutter unseres Kollegen, ich die Polizei.“

***
Der Oberarzt betrat das Stationszimmer. Die oft merkwürdige Krankenschwester sah ihn erwartungsvoll an. „Und haben Sie ihn?“
„Sehe ich so aus als könnte ich ihn aus dem Hut zaubern?“
„Sie haben ja gar keinen Hut.“
„Manchmal habe ich Angst vor Ihrem Durchblick.“ Cedric fühlte sich durch Schwester Sabine immer gereizt. „Aber sie haben bestimmt die Telefonnummer seiner Mutter.“
„Die Telefonnummer von...“
Hinter Cedrics Rücken betrat eine adrett gekleidete Frau das Stationszimmer.
„Ja...von Elke Fisher!“
„Hinter Ihnen, Herr Doktor.“
Cedric drehte sich um und sah sich der gefragten Person gegenüber. „Frau Fisher...“
„Wo ist mein Sohn?“
Als niemand antwortete stellte sie die Frage erneut. „Wo ist Marc-Olivier?“
„Wir wissen es nicht. Sie waren unsere letzte Hoffnung.“ Der Oberarzt deutete der Mutter des Vermissten, ihm in die Richtung des Stationsarztzimmers zu folgen.“
„Schade...“ bedauerte Sabine. „Ihre Nervenzusammenbrüche sind immer sensationell.“ Sie wartete einen Augenblick und folgte dann, um in Sabine Manier an der Tür zu lauschen.

***
Elke Fisher brach nicht zusammen, dieses Mal nicht. „Doktor Stier, ich war bei meinem Sohn zu Hause.“
„Dann wissen Sie ja, was da los ist. Der Frauenversteher weiß nicht, wo Marc hin ist. Er sagt, er sei gestern Abend verschwunden.“
„Doktor Kaan ist verrückt.“
„Er war schon immer eine labile Persönlichkeit, aber dass es mal so schlimm werden würde... egal. Er ist gerade nicht das Problem.“
„Meinen Sie?“
„Wie meinen Sie das?“
„Er sagt, Marc wäre gestern Abend einfach so davon? Was ist, wenn er mehr mit dem Verschwinden von meinem Sohn zu tun hat?

***
„Wie in Doktor Rogelt, Band 23 – Alte Liebe rostet nicht, da entführt der eifersüchtige Ex-Lover von Monique den Doktor.“ Sabine war voll in ihrem Element.

„Frau Vögler, was machen Sie hier?“
„Äh, Herr Ullstein, ich wollte nur nachsehen, ob mit Frau Fisher alles in Ordnung ist.“
„Und das können Sie durchs Schlüsselloch erkennen?“
„Da sieht man nur Doktor Stier.“
„Wie Doktor Stier das wohl sieht, wenn Sie hier lauschen?“
„In Band 23 wurde Doktor Rogelt auch nur gefunden, weil jemand gelauscht hat.“
„Ähm, wer ist Doktor Rogelt?“
„Das ist der Romanheld von Frau Fisher. Das ist die Mutter von Doktor Meier. Doktor Rogelt hat...“
„Seine Mutter ist hier?“
„Ja, da drin.“
„Warum sagen Sie das nicht gleich? Abmarsch!“

Er wartete ab, bis Sabine verschwunden war, wartete sogar noch einen Moment länger, falls sie zurückkommen würde. Mit einem tiefen Atemzug betrat der braunhaarige Mann das Arztzimmer.

„Guten Tag, Frau Fisher? Ich bin Bernd Ullstein.“

Cedric wiederholte den Hinweis Elke Fishers, dass Mehdi doch mehr mit Marcs Verschwinden zu tun haben könnte.
„Müssen wir eigentlich Professor Haase informieren?“
„Ehrlichgesagt, über diese Frage habe ich auch schon nachgedacht, Doktor Stier. Ich weiß es nicht.“
„Franz wäre sicherlich sehr böse, wenn Sie nichts sagen.“ Elke kannte den Chefarzt eben auch.
„Ja, Frau Fisher, da mögen Sie Recht haben. Aber ich bin nicht sicher, ob diese Info seiner Gesundheit förderlich wäre.
Ich habe diese Entscheidung auf hinter den Polizeibesuch geschoben. Die haben gesagt, die schicken jemand.“

***
„Jemand“ waren die Beamten Kristin Rhoder und Peter Steinbruck. Als der den Namen Doktor Marc Meier hörte stöhnte er auf. „Nicht schon wieder.“
„Bitte?“ Obwohl Elke mit dem Beamten auf Augenhöhe stand, sah sie den Polizisten von oben herab an.
„Wir hatten mit Doktor Meier schon mehrfach das Vergnügen. Immer viel Aufwand für nichts.“ Erklärte der dunkelhaarige Polizist. „Sie sind seine Mutter? Dann kenne Sie ja sicherlich die Geschichte in Ihrem Haus?“
„Natürlich. Die Schuld meines Sohnes war das nicht! Unsere Anwälte prüfen den Sachverhalt. Deswegen wäre es gut, wenn Sie uns Kollegen schicken. Am besten Ihren Vorgesetzten. Wir sind kein Fall für jedermann.“
„Wollen Sie noch eine Klage wegen Beamtenbeleidigung?“
„Wenn ich jemanden beleidige, dann hört sich das anders an. Aber, junger Mann, ich kann mich benehmen. Also – zücken Sie Ihr Telefon und stellen eine Verbindung zu Ihrem Chef her.“
„Chefin. Die wird begeistert sein. Um die Uhrzeit. Wann sagten Sie, ist Meier verschwunden?“
„Herr Doktor Meier ist laut Aussage seines Mitbewohners seit gestern Abend verschwunden.“
„Das ist zu pauschal. Wir müssen uns an die 24 Stunden-Regel halten.“
Elke Fisher platzte der Kragen. „Sie müssen gar nichts, außer Ihren Hintern hier raus schieben. Ich kümmere mich selbst darum. Wozu kennt man genug wichtige Leute!“

Cedric ging die Situation auf den Geist und Marcs anstrengende Mutter nicht weniger. „Ich fahre zu Doktor Kaan. Vielleicht hat der sich ein bisschen eingekriegt und weiß doch was.“


***
Gabi Kragenow war gerade auf dem Weg in die Umkleide, als ihr die beiden Polizisten begegneten. Die Frau hatte eine Lockenmähne, ähnlich Doktor Haase. Nur dunkel. Und der Polizist?
Das war doch der Beamte, bei dem sie den Unfall angezeigt hatte. Anzeigen wollte. Das hatte ihr die Haase versaut – glücklicherweise, wie Gabi mittlerweile dachte. Sie beeilte sich möglichst unauffällig an den beiden Beamten vorbei zu kommen. Zu spät.

„He, Sie!“

(„Scheiße!“)

Peter Steinbruck war sauer. Diese Frau kannte er. Hatte sie nicht...
„Wen haben wir denn da?“ Er stellte sich der Krankenschwester in den Weg. „Schwester Gabi.“ Vom Namensschild wanderte sein Blick auf ihre Brüste. „Hm, helfen Sie mir, woher kennen wir uns?“
„Vielleicht haben wir mal miteinander geschlafen?“
„Besser nicht frech werden, kleines Fräulein.“
„Ich bin kein kleines Fräulein. Sie werden sicherlich wissen, dass Krankenschwestern nicht so gut verdienen. Ich bessere mir mein Gehalt etwas auf. Im Schlaf sozusagen. Und so wie Sie gerade auf meine Brüste geschaut haben...“
„Nein... Sie waren das. Sie sind das. Die verrückte, medikamentenabhängige Schwangere.“
„Sie sind ja nicht ganz dicht. Ich bin weder abhängig von irgendwas, noch habe ich ein Kind.“
„Aber gleiche eine Beleidigung wegen Beamtenbeleidigung.“
„Ihre Kollegin kann sicherlich die Verleumdung Ihrerseits gegen mich bezeugen? Guten Tag.“
„Nichts da...“ Er hielt Gabi am Oberarm fest. „Sie haben damals Ihren Verlobten anzeigen wollen. Der dann doch nicht Ihr Verlobter, sondern der von Ihrer Freundin war. Deren Ring Sie sich selbst gekauft haben wollten.“
„Klingt alles ganz logisch, was Sie da sagen. Hätten Sie nun die Güte, Ihre Griffel aus dem zu erwartenden Hämatom zu nehmen?“
„Aber Sie waren das! Ich bin ganz sicher!“ Der Griff wurde eher fester als lockerer.
„Sie tun mir weh!“
„Peter, lass sie los. Ich muss mich für meinen Kollegen entschuldigen.“ Die Polizistin mischte sich ein. „Du warst Dir auch sicher, dass Doktor Meier ein Einbrecher war. Dabei war er nur im Haus seiner Mutter.“
Gabi fing an zu grinsen. „Ach... das waren Sie? Wegen Ihnen saß unser Leitender Oberarzt eine Nacht schuldlos im Gefängnis? Ist ja interessant.“
„Ich kriege Sie dran, das verspreche ich Ihnen!Sie alle! Auch Doktor Meier!“ Während er diese Drohung aussprach wurde er von seiner Kollegin Richtung Aufzug geschoben. „Peter, halt endlich die Klappe. Der einzige, der hier ein Problem hat, bist Du.“
„Du musst ja nicht mit mir arbeiten.“
„Doch leider schon. Alle anderen hast Du schon vergrault.“

Karo Offline

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13.05.2018 20:55
#146 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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November 1.10 – Cedric und Mehdi 2


Er hoffte sehr, dass Mehdi mittlerweile etwas über den Verbleib von Marc wusste. Allerdings schien es diesen immer noch nicht im Geringsten zu interessieren. Im Gegenteil: Mehdi hatte angefangen, Kartons mit Marcs Sachen zu packen.

„Was tust Du hier?“
„Unser Kind braucht ein Kinderzimmer. Der Raum ist doch perfekt.“
„Das ist Marcs Arbeitszimmer. In Marcs Wohnung.“
„Hast Du noch nicht mitgekriegt – Marc ist weg.“
„Das ist richtig. Trotzdem ist es seine Wohnung. Sieh zu, dass Du das bis morgen wieder in Ordnung gebracht hast!“
„Genau. Ordnung – nichts anderes habe ich vor. Du würdest mir helfen, wenn Du schon was mitnimmst.“ Er zeigte auf die Kleidersäcke.
„Altkleidersammlung? – Wenn ich Marc gefunden habe, dann kümmere ich mich um Dich.“
„Du willst mir helfen? Das ist ja wunderbar. Die Wiedergutmachung für die Bumswette mit Gretchen. Das war nicht nett.“
„Das war zwischen Marc und mir. Damit hast Du nichts zu tun.“
„Wohl. Da war sie schon schwanger. Als Marcs Wiedergutmachung habe ich gestern schon die Möbel für das Kinderzimmer bestellt.“
„Du hast was?“
„Möbel bestellt. Auf Marcs Rechnung. Komm, ich zeige Dir das. Echt schick. Gretchen wird das bestimmt gefallen.“
„Bestimmt.“ Cedric war überzeugt, dass Mehdi tatsächlich verrückt geworden war.
„Und wenn Du jetzt noch hilfst... ich meine der Raum muss ja frei werden. Bevor die Möbel kommen muss hier auch noch renoviert werden.“
„Muss es wohl.“
„Super Cedric. Dann bis morgen!“ Mehdi widmete sich wieder den Kartons und Cedric nutzte die Gelegenheit, sich in der Wohnung umzusehen. „Saustall!“
„Hast Du was gesagt?“
„Laufstall. Hier wäre der perfekte Platz für einen Laufstall.“
„Ja, Du hast Recht.“ Mehdi betrachtete eingehend das Stück des Wohnzimmers, wo Cedric jetzt stand. „Bah, aber das Zeug muss weg.“
Er zeigte auf die Glasvitrine, in der Marc seine Whiskysammlung aufbewahrte.
„Darum kümmere ich mich morgen, Mehdi. Mach Dir keinen Kopf da drum.“ Er klopfte dem Irrsinnigen beruhigend auf die Schulter.
„Danke. Pfui, das muss aber sofort weg. Zuviel Marc drin.“ Er kickte eine Papierkugel durch den Raum. „Die Putzfrau kann das aufräumen. Schmierereien.“
„Stimmt, das muss weg. Darf ich nochmal das Bad benutzen, bevor ich fahre?“ Irgendwie musste er den Wahnsinnigen ablenken. Was auch immer es gewesen war – rosa Schrift und zu viel Marc drin?
„Klar, Helfern hilft man doch. Ich muss aber weitermachen. Du findest alleine raus?“
„Natürlich.“
„Seine Mutter musste ich rauswerfen.“
„Seine Mutter?“
„Ja, die verrückte Elke Fisher. Die wollte mir doch glatt sagen, was ich hier tun und lassen soll. Naja, die habe ich von ihrem hohen Ross runtergeholt.“ Mehdi kicherte hysterisch. „Mir hat niemand was zu sagen. Schon gar kein Marc Meier oder seine überzogene Mutter. Niemand!“
„Da hast Du Recht, Mehdi. Ich nehme schon zwei von diesen Säcken mit, okay?“
„Super, Cedric. Du bist wenigstens ein Freund.“
„Das wirst Du noch sehen.“ Jeder hätte die Drohung wahrgenommen. Nicht Mehdi Kaan. Der hüpfte aufgeregt wie ein kleines Kind. „Ich freue mich!“

Karo Offline

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13.05.2018 21:01
#147 RE: Story von Karo Zitat · antworten

BERLIN


November 1.11 – Marc ist weg 4


„Ich will jetzt sofort jemanden sprechen, der Ahnung hat!“ Elke Fisher war jetzt doch kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Sie telefonierte schon seit einer guten Stunde mit der Polizei. Zu den anwesenden Personen gerichtet: „Und was Richtiges zu trinken!“

Sie hätte irgendwie eine der Whiskyflaschen mitnehmen sollen. Wenigstens eine in Sicherheit bringen. Dieser verrückte Frauenarzt konnte damit sicherlich nichts anfangen, vermutlich ahnte er nicht mal, dass die Whiskysammlung ihres Sohnes mehrere Tausend Euro Wert war.
Alleine der Glendronach 24 Grandeur war eine Rarität. Limitiert auf nicht einmal 1200 Flaschen musste man mindestens 500 Euro für 0,7 Liter hinlegen.
Die meisten Flaschen hatte sie ihm geschenkt. Anfangs aus Verlegenheit, weil Sie keine Ahnung hatte, wofür sich ihr Sohn – außer Medizin – interessierte. Damit hatte sie unerwartet ins Schwarze getroffen. Aufgrund seines Jobs trank Marc kaum Alkohol, aber einen guten Whisky wusste er durchaus zu schätzen. Zum dreißigsten Geburtstag hatte sie ihm dann eine Kurzreise geschenkt, eine Rundreise durch die schottischen Destillerien. Er hatte sich wirklich gefreut. Andernfalls hätte er diese Reise nie angetreten. Das hatte sie überrascht. Seitdem favorisierte er den Single Malt Scotch Whisky.

„Ich hätte Doktor Stier bitten sollen, eine der Whiskyflaschen mitzubringen. Schade, dass der Irre sie nun in die Finger bekommt.“

„Sie meinen die Sammlung Ihres Sohnes?“ Cedric war unbemerkt wieder in das Zimmer getreten. „Keine Sorge, ich habe Doktor Kaan meine Hilfe beim Ausmisten angeboten – dann kann ich wenigstens ein paar Sachen vor dem Müll bewahren.“

„Er meint das Ernst, oder?“

„Was sagt denn Doktor Kaan?“ Sabine hatte den Cognac aus dem Chefarztbüro geholt. „Ich hoffe, das ist was, Frau Fisher.“
„Ah, vorzüglich. Diesen Cognac habe ich Franz geschenkt. Für...“
Sabine ahnte, was die Autorin sagen wollte und schnitt ihr das Wort ab. „Äh, ja. Und Doktor Kaan?“
Elke ließ sich heute leicht ablenken. „Ach so. Er will sich scheiden lassen und dann zur Haase nach Afrika zurück und sie heiraten.“

Cedric erklärte weiter. „Nebenbei baut er das Arbeitszimmer in ein Kinderzimmer um.“
„Was will er denn hier mit einem Kinderzimmer, wenn er nach Afrika geht?“ Sabine traf ausnahmsweise den Nagel auf den Kopf.
„Diese Frage stellt sich für ihn nicht. Da geht es nur um ihn, Doktor Haase und das Kind.“
„Was für ein Kind?“ Sabine war plötzlich hellwach.
„Doktor Haase ist schwanger und Doktor Kaan behauptet, es sei seins.“
„Aber wie kann Frau Doktor denn... von Doktor Kaan?“ Sabine bekam ihren Mund nicht mehr zu, was sie allerdings kaum am Reden hinderte. „Sie ist doch mit Doktor Meier... Dann wird mir einiges klar...“
„Nicht doch, Sabine, Ihnen?“
Die Krankenschwester überhörte diese Spitze des Oberarztes. „Aber deswegen er kann doch nicht einfach die Wohnung von Doktor Meier...“
„Oh... glauben Sie mir, wie er kann. Das sind kriegsähnliche Zustände.“ Elke Fisher fühlte sich gleich etwas besser, als der Cognac durch ihre Kehle brannte. „Was allein an Müll herumliegt.“ Sie dachte wehmütig an die schicke Designercouch. („Nur noch Sperrmülltauglich.“)

„Ich Idiot... jetzt wo sie Müll sagen – ich habe doch was mitgebracht.“ Er holte den Papierklumpen aus der Jackentasche.

„Kann man jetzt statt mit Pfandflaschen auch mit Altpapier ein paar Cent verdienen?“ Diese Frage konnte nur von Marcs Mutter kommen. „Was ist das?“
„Ich vermute ein Brief.“ Cedric entknotete das Bällchen vorsichtig.
Plötzlich sprang Sabine auf. „Rosa Schrift? Das ist ein Brief von Frau Doktor. Ich habe auch einen bekommen.“
„Sie haben einen Brief von Doktor Haase bekommen? Warum denn das?“
„Äh, zum Geburtstag. Nächste Woche. Ich habe ihn ausversehen schon auf gemacht.“ Sie hoffte auf Verständnis. „Aber noch nicht gelesen!“
„Wo ist dieser Brief?“
„In meinem Spint.“
„Her damit!“
„Aber Doktor Stier, der ist für mich für nächste...“
„Sabine, Sie können ihn hinterher wiederhaben und von mir aus bis zum Sankt Nimmerleinstag aufbewahren. Jetzt hilft er uns vielleicht weiter!“
„Meinen Sie, darin steht, wo Doktor Meier sich aufhält?“
„Ganz sicher, Sabine!“ Cedric verdrehte die Augen.
„Oh. Dann natürlich. Warten Sie, ich hole ihn.“

Währenddessen beschäftigte sich Cedric mit dem Brief. Als er sah, dass der Brief für den Professor und seine Frau war, hatte er einen Moment Skrupel. Aber nur einen Moment. („Egal, der Professor wird es verstehen.“)
Er begann zu lesen.

Karo Offline

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13.05.2018 21:04
#148 RE: Story von Karo Zitat · antworten

Bitte nicht wundern - ihr kennt ihn schon. Aber Cedric nicht



Liebe Mama, lieber Papa.
Lieber Papa, liebe Mama.

Wie ihr seht, kann ich mich wieder nicht entscheiden.

Mehdis spontane Abreise gibt mir die Gelegenheit, euch noch schnell einen Brief zu schreiben, in der Hoffnung, dass er ihn auch überbringt. Wir haben uns ziemlich böse gestritten. Egal, denn dann ist die Situation so, wie ich sie ursprünglich beabsichtigt hatte. Etwas alleine schaffen. Obwohl ich noch nie „nicht so alleine“ war wie jetzt. Auch wenn Marc unendlich weit weg ist, es fühlt sich nicht alleine an. Natürlich auch ihr, aber das ist etwas anderes.

In Sanssouci ist man sowieso selten alleine. Letzte Woche waren Jenny und ich mit Christian in Koudougou, wo wir eine Schülerin für ein Praktikum untergebracht haben. Was man so Krankenhaus nennt... Koudougou hat die einzige Uni, an der man in Burkina Faso Medizin studieren kann. Hier wäre Knechtelsdörfer wohl ein Held.
Pfui, Gretchen, Du bist böse. Aber was die Hassmann an ihm findet ist mir ein Rätsel. Gut, die meisten haben sich auch immer gefragt, was ich in Marc sehe. Ich bin froh, mich nicht getäuscht zu haben. Ich bin noch unschlüssig, ob ich Mehdi bitten soll, auch einen Brief für Marc mitzunehmen. Ich bezweifle, dass er ihn übergeben würde. Dazu war unser Streit einfach zu böse.
Mehdi ist mit Vorstellungen und Erwartungen nach Afrika gekommen, die sich nicht erfüllt haben. Daran haben alle anderen Schuld – ich wusste echt nicht, dass Mehdi so sein kann. Das war doch eigentlich immer Marcs Weg, die Schuld bei anderen zu suchen und die Verantwortung anderen zuzuschieben. Selbst wenn er sich ganz tief selbst in die Scheiße geritten hat.
Mit dem Unterschied, dass Marc sehr wohl weiß, dass er falsch liegt. Vielleicht nicht direkt, aber irgendwann. Anders könnte ich mir seine SMS nicht erklären. Eigentlich wollte ich ihn fragen, als wie letzte Woche telefoniert haben aber ich war so überrascht, direkt beim ersten Versuch eine Verbindung zu haben, dass ich nicht mehr wusste, was ich sagen oder fragen wollte.

Mama, weil ich weiß, dass Du ihm immer etwas weniger zutraust, hier eine neue, positive Fähigkeit. Marc kocht. Und da ich ihm immer viel zutraue: Bestimmt kocht er gut, wenn nicht sehr gut!

Papa, kannst Du kochen? Ach... wozu... Mama lässt ja niemanden an Herd und Hof...
Ich finde es toll, wenn ein Mann kochen kann. Es muss kein Meister sein, aber so, dass man ohne Pizzadienst über die Runden kommen kann.
Dass Peter in der Küche großartig war, muss ich ja leider zähneknirschend zugeben. Ale...Frank hatte sich wohl eine fantastische Küche geliehen, aber dort fand er lediglich den Weg zum Kühlschrank, um eine Flasche Champagner zu holen.
Ein Urteil über Mehdi spare ich mir. Ich habe mich total in ihm getäuscht. Ich habe hinter die Fassade aus nettem Lächeln und freundlicher Stimme gesehen – sehen müssen. Missgunst, Neid und Eifersucht...

Aber das ist jetzt gemein, denn vermutlich – nein, mit Sicherheit wirst Du – Papa – ja wieder mit ihm arbeiten.
Ich konnte es ja kaum glauben, dass Marc jetzt offiziell Deine Vertretung ist. Allerdings nur im ersten Moment. Natürlich konnte nur er es sein, den Du in die Nähe Deines Chefsessels lässt. Mich wundert allerdings, dass er den Job angenommen hat. Marcs Tisch ist der OP- nicht der Schreibtisch. Aber das ist die treue Seele in ihm. Vermutlich macht er es nicht gerne, aber er will Dir den Rücken frei halten. Und er wird es gut machen, dessen bin ich sicher.
Wenn Du eines Tages wieder fit bist, dann lass ihn wieder in den OP.

Apropos... die Krankheiten der Regenzeit werden durch das Wetter verdrängt.

Allmählich ist die Feuchtigkeit weg und es ist nur noch heiß. Aber diese trockene Hitze verträgt man viel besser. Mich wundert es, dass ich noch keinen Sonnenbrand hatte. Könnt ihr euch an den Urlaub auf Rügen erinnern? Da war Jochen gerade zur Welt gekommen und wir hatten Andrea mit. Ich kann mich nur an wenig erinnern, aber dass ich da den fiesesten Sonnenbrand meines Lebens hatte, trotz T-Shirt und Sonnenhut, das weiß ich noch.
Aber vermutlich ist man hier einfach vorsichtiger. Und Strand gibt’s hier eh nicht...

Dafür ein weiteres Fest. Martin hat zum Allerheiligenfest eingeladen. Wenn es etwas gibt, was die Burkiner (korrekt heißt es Burkinabe) lieben, dann ist es feiern.
Deswegen waren Roula und er auch nicht mit in Koudougou.

Aber nächste Woche geht’s für eine ausgedehnte Tour nach Südwesten, in Richtung Bobo-Dioulasso. Unten bei Banfora wollen sie Jenny und mir die berühmten Wasserfälle zeigen. Dort kann man wohl sogar baden – angesichts meiner Erinnerung an Sonnenbrände bin ich vom Schwimmengehen noch nicht so überzeugt.
Mama – kannst Du Dich an den Schwimmwettkampf in Oranienburg erinnern? In dem Freibad gab es kaum ein Fitzelchen Schatten... ich behaupte ja, dass sich die Badeanzugspuren in meine Haut gebrannt haben.

Marc hat angedeutet, dass ihr sehr fleißig für Sanssouci sammelt. Von Martin weiß ich, dass Fritz Anfang Dezember herkommen möchte. Ich werde mir mal Gedanken machen, was ich gerne hätte und was ich brauchen kann – vielleicht kann ich von Bobo nochmal telefonieren und euch meine Wünsche mitteilen.
Vielleicht kannst Du mir Marc einpacken? 

Macht es ganz doll gut, Papa, Dir gute Besserung! Mama, geh´ ihm mit Deiner Fürsorge nicht ganz auf die Nerven.
Ich habe euch lieb, von Herzen,

Gretchen

Karo Offline

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13.05.2018 21:06
#149 RE: Story von Karo Zitat · antworten

BERLIN


November 1.13 – Marc ist weg 5


Als er den Brief gelesen hatte war Cedric unendlich erleichtert.
(„Alles andere wäre auch quatsch gewesen!“)
Als es damals um die Herztransplantation ging, hatte er schon bei der ersten Fahrt im Aufzug gespürt, dass es zwischen Marc und der blonden Ärztin gewaltig geknistert hatte. Dann war Marc dieser Frau nach Afrika gefolgt, für den überzeugten Single-Chirurgen eher ungewöhnlich. Aber warum nicht. Er reichte den Brief weiter. „Das klingt nicht nach einer Trennung oder Trübsal.“

„Eventuell haben beide in Afrika mit Frau Do...“ Maria Hassmann erinnerte sich gut an den erbitterten Kampf um die Gunst von Doktor Kaan.
„Nein, haben sie nicht.“ Unterbrach Gina schnell. „Mit Sicherheit nicht!“

„Ich bin zu jung, um Oma zu werden!“ Elke nahm sich schnell noch einen Cognac.

„Freuen Sie sich denn nicht?“ Sabine hatte wieder in der Runde Platz genommen. In ihrer Hand hielt sie den Brief, den Mehdi ihr überbracht hatte.

„Sabine, ist das der Brief? Her damit.“
Zwei Sekunden später faltete er das Blatt auseinander. Der Brief an Sabine war sehr kurz.

Karo Offline

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13.05.2018 21:09
#150 RE: Story von Karo Zitat · antworten

ist wohl auch Doktor Haases Meinung


Liebe Sabine,

wenn ich mich recht erinnere, dann feiern Sie in nächster Zeit Ihren Geburtstag. Ich hoffe, dieser Brief erreicht Sie.

Happy Birthday – Ney zu-noogo

Sabine, ich hoffe, dass das Schicksal es lebenslang gut mit Ihnen meint, denn weil Sie Sabine sind habe ich den Mann, den ich schon ein Leben lang haben möchte. Bitte hören Sie nicht auf, Sie zu sein und verplappern sich weiterhin. Nerven Sie weiterhin, brechen Sie sich weiterhin die Knochen mit Ihrer unnachahmlichen Sitzhaltung, mischen Sie weiter Ihre selbstgemachten Cremes... Was auch immer jemand gegen Sie sagt, es ist egal.

Ich wünsche Ihnen ein Leben voller Sonnenschein.

Niemand weiß besser als ich, dass das kaum möglich ist, aber Wünsche müssen ja nichts mit der Realität zu tun haben.

Ich komme mir fast schäbig vor, Sie im gleichen Atemzug um etwas zu bitten. Vermutlich kommt Fritz im Dezember nach Sanssouci. Können Sie mir etwas über den Stier als Sternzeichen schreiben? Bitte nur Positives...

Vielen Dank.
Herzlichst,
Doktor Gretchen Haase

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