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Dieses Thema hat 101 Antworten
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Karo Offline

Mitglied

Beiträge: 250

14.11.2017 19:11
#101 RE: Story von Karo Zitat · antworten

BERLIN


Oktober 2.20 – Feierabend


Am Freitag beendete Marc seinen Dienst schon um 16 Uhr. Bernd Ullstein war da und auch Cedric stand auf Abruf bereit. Normalerweise war es immer schon dunkel, wenn er vom Krankenhaus wegfuhr. Er gab sich nicht die Mühe, einen Parkplatz zu suchen sondern parkte vor der Garage von seinen Nachbarn. Die kannten sein Auto und konnten sich melden. Wenn er den alten Volvo dort abstellte, wussten sie aber auch, dass er nie lange dort stehen blieb.

Das Navi hatte ihm die Auskunft gegeben, dass er mit dem Auto weniger als 30 Minuten fahren würde, um zum Café Goja zu kommen. Was er allerdings an Zeit sparen würde, das fraß das City-Parkhaus dann in Euros an Parkgebühr. Aber egal, Bus und Bahn kamen für ihn nicht in Frage!

Er betrat seine Wohnung. Das rote Licht des Anrufbeantworters meldete in stoischem Takt, dass er einen Anruf verpasst hatte. Er drückte den Knopf.

„Marc-Olivier – ich hoffe sehr für Dich, dass Du mich heute Abend nicht vergisst! Ich erwarte Dich pünktlich vor dem Café Goja!“

Sabine hatte ihm einen Zeitungsartikel hingelegt, in dem etwas über das Verlagstreffen im zurzeit angesagten Café Goja berichtet wurde. Er hatte den Artikel zwar überflogen, aber da es ihn nicht wirklich interessiert hatte...

Sicherlich wäre es nicht das Schlechteste zu wissen, was einen erwarten würde. Wo sollte er nun eine Zeitung... Die Nachbarn fielen ihm ein. Natürlich überließen die beiden Marc die heutige Tageszeitung. Nach einer ausgiebigen Dusche machte er es sich auf seiner Couch bequem und zwang sich, den Bericht über die Veranstaltung bewusst zu lesen.

Das Verlagshaus van Steen lud seine besten Autoren einmal im Jahr zu einen Abend wie diesem ein. Der fand immer in der Stadt des erfolgreichsten Schriftstellers statt. In diesem Jahr war Elke Fisher diese Ehre, bereits zum zweiten Mal, zuteil geworden. Der neueste Band ihrer Doktor Rogelt-Reihe gehörte zwar nicht zu den erfolgreichsten Neuerscheinungen, aber immerhin sorgte diese Reihe nun schon 20 Jahre für steten Erfolg im Verlag. Neben dem Text war ein Foto seiner Mutter platziert – Marc grunzte. Das Foto war mindestens fünf Jahre alt.

Karo Offline

Mitglied

Beiträge: 250

19.11.2017 17:50
#102 RE: Story von Karo Zitat · antworten

BERLIN


Oktober 2.21 – Café Goja


Natürlich fand sich Marc pünktlich vor 18 Uhr und sogar vor seiner Mutter am Café Goja ein.

Der Chirurg musste nicht lange warten, bis Elke Fisher aus einem Taxi stieg. Er beobachtete sie. Seine Mutter war eine attraktive Frau, der man ihr Alter wirklich nicht ansah. Was sie ja auch immer zu verbergen versuchte.

(„Warum soll ich sie dann nur begleiten? Niemand wird glauben, dass sie mich bereits mit 15 zur Welt gebracht hat!“)

Die elegant gekleidete Frau kam nun auf den Eingang zu. In der Dunkelheit konnte glücklicherweise niemand den winzigen Augenblick erkennen, in dem Wärme und Freude über ihr Gesicht huschten, als sie den Wartenden erkannte. Der kam nun auf sie zu. „Guten Abend, Mutter!“
„Marc-Olivier, ich wusste doch, dass ich Dich gut erzogen habe.“
„Ja, und ich werde diese Wohlerzogenheit den ganzen Abend beibehalten – vorausgesetzt, Du nennst mich einfach nur Marc!“
„Aber...!“
„Nein Mutter! Kein Aber!“ Er blieb stehen, bevor sie das Gebäude betraten. „Es ist Deine Entscheidung. Ein Olivier und ich bin weg!“
„Das ist Erpressung!“ Sie wollte noch nicht aufgeben. Olivier war schließlich das Besondere am Namen ihres Sohnes. Einfach nur Marc, das war zu banal. Marc Meier gab es viele, ihr Sohn war einzigartig!
„Das habe ich von Dir gelernt. Also?“
„Hm.“ Sie rümpfte die Nase. „Ich habe wohl keine andere Wahl.“

Sie machte einen Schritt auf den Eingang zu, doch ihr Sohn blieb stehen. „Kommst Du jetzt?“
„Nein!“
„Marc-O...“
„Versprich es mir!“
Elke wurde langsam böse. „Was soll das Theater?“
„Das Theater...“ Marc zeigte auf den Eingang, „...fängt erst an, wenn wir durch die Tür gehen. Ich muss das nicht haben. Wir könnten auch einfach irgendwo zusammen was essen gehen!?“
Die Erfolgsautorin riss entsetzt ihre Augen auf. „Bitte?“

(„Du hast mich schon verstanden, Mutter!“)

„Also gut, Du sollst Deinen Willen haben. Kein Olivier. Aber dafür wirst Du der perfekte Sohn sein!“

(„Was auch sonst?“)

„Deswegen bin ich hier!“

Als sie sich bei ihm einhakte, fiel ihr auf, wie gut ihr Sohn aussah. Sonnengebräunte Haut statt seiner üblichen Krankenhausblässe. Um die sympathischen Augen zeigten sich erste Fältchen. Das freundliche Lächeln für die Empfangsdame vertiefte seine Grübchen.
(„Wie sein Vater!“)
Elke zuckte bei diesem Gedanken zusammen. Marc bemerkte es und sah seine Mutter fragend an. Sie schüttelte den Kopf. Wann hatte sie ihren Sohn zuletzt gesehen? Er kam ihr reifer vor, aber vielleicht machte das auch der ordentlich in Form gebrachte Dreitagesbart, der von den ersten grauen Härchen durchzogen war.

„Elke, wie schön, dass Sie es einrichten konnten!“ Ein Mann um die 60 kam auf sie zu. „Sie sehen wieder großartig aus, meine Liebe! Der Herr Sohn hat es also geschafft, Herzlich Willkommen. Kommen Sie, ich stelle Sie meiner Familie vor!“

Der Mann, er stellte sich selbst als Erhard van Steen vor, war Elkes Verleger und Gastgeber des heutigen Abends. Seine Frau, Gabriele Vogel van Steen unterhielt sich gerade mit Gisela Lilienthal, der Agentin von Elke Fisher.

„Wo ist denn nun unsere Tochter schon wieder? Gabriele, kannst Du nicht ein bisschen besser auf das Kind achten?“

Gisela hakte sich bei Marc ein. „Das „Kind“ ist 27 und sie weiß sehr gut selbst auf sich aufzupassen.“ Sie lachte den Chirurgen fröhlich an. „Doktor Meier, schön Sie auch mal wieder zu sehen! Sie sehen gut aus, so frisch. Waren Sie in Urlaub?“
„Gisela, die Freude ist ganz auf meiner Seite.“

(„Höflichkeitslüge!“)

„Sie bringen mich ganz in Verlegenheit, aber ja, ich habe gute drei Wochen Urlaub hinter mir.“ Er fing sich einen warnenden Blick der Mutter ein.

(„Keine Sorge, ich sage schon nichts...“)

(„Warum eigentlich nicht? Für mich war es ja Urlaub!“)


(„Halt Dich zurück, solange sie sich an ihr Versprechen hält, bin ich der perfekte Sohn.“)

Elke hatte es tatsächlich geschafft, ihren Sohn als Doktor Marc Meier vorzustellen, vermutlich hatte der Chirurg als einziger das winzige Stocken gehört, als sie sich zusammenreißen musste, nicht seinen verhassten Zweitnamen zu nennen.

Eine Weile unterhielt sich Marc mit Gisela, dann mit dem Verleger. Er erfuhr, dass der Verlag in diesem Jahr sein 20jähriges Jubiläum feierte und der Erfolg des Verlagshauses van Steen eng mit dem Erfolg von Elke Fisher, einer Autorin der ersten Stunde, zusammenhing. Was den Verleger viel zufriedener stimmte war, dass Elke Fisher endlich ihren Widerstand gegen die Verfilmung der Romanserie aufgegeben hatte. Wobei das wohl eher auf das „geringfügig“ verbesserte finanzielle Angebot zurückzuführen war.

„Wir bekommen schon seit rund 10 Jahren immer wieder Anfragen und Angebote, die Serie endlich ins TV zu bringen. Doch ihre Mutter blieb hart. Die Kilimandjaro-Folge war bisher das erfolgreichste Buch.“

(„Ach, sieh mal einer an...“)

„Ich schätze einfach, weil es mal anders geschrieben war.“

(„Das hätte ich in Afrika wissen sollen!“)

„Einfach mehr Action! Mit ihrer Vampirgeschichte lag sie dann natürlich auch voll im Trend, sodass den TV-Produzenten jetzt keine Wahl blieb als deutlich mehr Geld zu bieten. Aber anscheinend haben Sie das Karriere-Erfolgs-Gen von Ihrer Mutter geerbt. Sie ist sehr stolz, dass Sie als jüngster Oberarzt Deutschlands gelten.“

Genau diese stolze Mutter verlangte nun wieder die volle Aufmerksamkeit ihres Sohnes. „Ich würde Dich gerne ein paar Leuten vorstellen!“
„Natürlich, Mutter.“
Zu seiner Überraschung führte sie ihn zu einer lustigen Damenrunde. Er erkannte Gisela, die anderen waren ihm unbekannt.

(„Immerhin, die haben Spaß!“)

„Meine Damen, das ist mein Sohn, Doktor Marc Meier. Er ist Oberarzt am...“
„Entschuldige Mutter, nicht ich bin hier die Hauptperson.“ Lieber freiwillig im Schatten seiner Mutter als bewunderter Karrieresprössling. Zu den Damen gewandt fuhr er fort: „Marc reicht völlig.“

Spinnst Du? Was soll diese falsche Bescheidenheit?

„Nicht so bescheiden, junger Mann. Was man erreicht hat, das darf man auch sagen.

Meine Worte!

Die Damenrunde war sich einig, doch der junge Mann verstand es charmant, das Gespräch wieder in eine andere Richtung zu drehen.

Weichei!
Das impliziert vorhandene Eier...
Was zu beweisen wäre


„Verzeihen Sie, dass wir Ihr Gespräch unterbrochen haben.“
„Ach, das war nichts Wichtiges.“
„Also, Karin, ich muss doch sehr bitten. Natürlich ist unsere Fan-Reise mit Elke Fisher wichtig.“

(„Von was reden die da?“)

„Ja das hat ihre Mutter bestimmt schon erzählt? So eine tolle Sache... Es gab einen Wettbewerb zu der 20jährigen Doktor Rogelt-Geschichte und wir haben gewonnen.“
„Und der Preis ist eine Reise?“

(„Hoffentlich weit weg... diese Kegelclubtouren...“)

„Ja, der Verlag zahlt uns eine Woche in der Schweiz. Mit Ihrer Mutter!“
Marc verschluckte sich an seinem Champagner.

(„MIT MEINER MUTTER???“)

Diesen Gedanken musste man sich auf der Zunge zergehen lassen. Elke Fisher auf Kegelclubtour in die Schweizer Alpen.

(„Zumindest sollte ich da mal nachfragen...“)

„Das wird bestimmt wunderbar.“ Die Frau, die Karin hieß, klatschte in die Hände. „Auf einer Skihütte mit Elke Fisher. Ob man da im November schon Ski fahren kann?“
„Natürlich, Karin. Das ist doch bestimmt auf 7000 Metern? Da liegt doch immer Schnee.“
„Ottilie... nicht mal die Schweiz hat Berge mit 7000 Metern.“
„Stimmt, aber wir wollen uns ja auch nur so ein bisschen fühlen wie auf dem Kilimandjaro.“
„Da reicht Schnee. So hoch muss das nicht mal sein.“
„Und nicht so weit. Der Killermann steht doch in Südafrika?“

„Kilimandjaro. Kenia.“ Marc war nicht sicher, ob er das gerade träumte. Redeten diese fünf angetrunkenen Damen wirklich über eine Woche mit seiner Mutter? Im Schnee? Fast hatte er Mitleid mit Elke. Aber sie hatte dem wohl zugestimmt. Oder konnte der Verleger seine Autoren zu solchen Aktionen verpflichten? Er sollte besser mal nachfragen...
Er sah sich suchend um.
Seine Mutter stand an der Bar und hatte einen großen Cognacschwenker in der Hand. „Mutter?“
„Die werden mein Tod sein, Oli... Marc!“
„Geschenkt.“ Er grinste sie an.
„Mach Dich nur lustig über mich.“
„Ehrlichgesagt frage ich mich eher, wie es dazu kommen konnte?“
„Sie haben mich betrogen.“
„Das war mein erster Gedanke, aber Dich? Austricksen? Das kann ich kaum glauben?“
„Nimm mich nicht auf den Arm!“
Marc prustete wieder. „Tut mir Leid, Mutter. Aber Dir ist klar, dass ich das noch eine Weile genießen werde – also statt Dir. Elke Fisher goes Kegelclub. Wer hätte das gedacht.“
„Ich muss das verhindern. Oder Du.“

(„Vergiss es. Ein Attest schreibe ich Dir nicht.“)

„Wann soll das sein? Im November? Wo genau geht es hin?“
„Wenn es wenigstens ein schicker Skiort wäre. Sankt Moritz oder so. Aber irgendwo auf einer Hütte? Womöglich kein Bad, dafür Holzhacken und Kühe melken?“
„Da muss Dir doch der neue Doktor Rogelt aus den Fingern fließen... ich meine, auch ein Doktor Rogelt macht mal Urlaub. Oder wird nach einem Kunstfehler zwangsversetzt? Ja, ich glaube, das wäre gut. Zwangsverreiste Autorin schreibt über zwangsversetzten Karrierearzt.“
„Hörst Du auf, Dich auf meine Kosten zu amüsieren?“
„Mutter, Du hast mich hergeschleppt. Nun sei froh, dass ich wenigstens etwas Spaß habe. Gibt es hier eigentlich auch was zu Essen oder muss man gegen den Hunger antrinken?“
„Ich interessiere mich nicht für Essen, das weißt Du. Aber ich glaube, im Wintergarten haben sie ein paar Häppchen stehen.“ Sie deutete in eine vage Richtung.
„Ich schaue mich mal um.“ Damit ließ Marc seine Mutter mit ihrem zweiten Cognac alleine.

Er kam nicht weit, denn der engagierte Verleger nahm ihn wieder in Beschlag. Marc war nicht sicher, ob er den Menschen leiden konnte. Man konnte sich zwar vernünftig unterhalten, aber irgendwas störte ihn an seinem Gegenüber. Erst der vierte Versuch sich abzusetzen gelang. Klammheimlich huschte der schlanke, junge Mann in den Wintergarten.

(„Riecht es hier nach Pizza?“)

Dieser Raum war nur spärlich beleuchtet, eigentlich waren lediglich die angerichteten Häppchen belichtet...

(„Ah, schön. So sehe ich wenigstens, dass der Fisch schon so gut wie über ist!“)

...sodass Marc nicht sah, dass sich noch eine weitere Person vor der Gesellschaft versteckt hatte.

(„Ich rieche doch eindeutig Pizza!“)

***
Eine schmale, unscheinbare Frau beobachtete den Mann am Buffet. Er war ihr schon aufgefallen, als er das Café betreten hatte. Eigentlich hatte sie vorgehabt, sich heimlich zu verdrücken, aber wegen ihm war sie dann doch geblieben. Beobachtete das Treiben – und ihn – aus dem sicher abgedunkelten Wintergarten heraus. Sie war sich nicht sicher, ob sie ihn nicht schon mal gesehen hatte. Nun schien er zu überlegen, ob und nach was er greifen sollte. Er sah gut aus. Wie alt mochte er sein? Anfang-Mitte 30? Was machte er hier? Und vor allem – sollte sie ihn ansprechen?

„Die Häppchen mit den Oliven sind ganz in Ordnung!“

Marc erschrak und sah sich suchend um. Es war doch niemand hier gewesen?

(„Du riechst Pizza und hörst Stimmen?“)

„Entschuldigen Sie, ich wollte Sie nicht erschrecken.“ Die Frau hatte auf einem Tisch gesessen und rutschte nun in den Stand. „Ansonsten kann ich Ihnen noch Pizza anbieten, zwar nicht mehr ganz warm, aber sicherlich frischer als...“ Sie hob lachend einen Karton vom Stuhl.

„Da sage ich doch nicht nein!“

(„Hatte ich mich nicht getäuscht. Es war Pizza!“)

„Ich hatte gerade schon die Befürchtung, dass meine Sinne verrücktspielen – Pizzageruch und eine Stimme im Ohr.“ Marc saß neben der Unbekannten auf dem Tisch und aß zufrieden die restlichen Pizzastücke. „Dabei habe ich kaum etwas getrunken.“
„Oh, das sollten Sie ausnutzen. Man bekommt nicht immer einen Pommery als Prosecco und einen Moet & Chandon als Standardgetränk. Aber für die Feinschmecker hauen sie hier auch schon mal eine Flasche Dom Perignon unters Volk.“
„Schade, dass kaum einer eine Flasche für 150€ zu schätzen weiß.“
„Sie aber?“
„Hm. Als ich meinen Facharzt mit dem bisher besten Ergebnis in Deutschland gemacht habe, hat meine Mutter mir eine Flasche Armand de Brignac Champagner Brut Gold 6 l Methusalem geschenkt. Der Literpreis liegt um die 1000€. Damals habe ich versucht, die Unterschiede zu finden. Ich finde auch Champagner, wo die Flasche 30-40 Euro kostet, durchaus in Ordnung.“
„Damals?“ Die brünette Frau sah ihn von oben bis unten an. Jetzt fiel es ihr ein – sie kannte ihn aus der Zeitung. Ihre Eltern hatten ihr Links zu diversen Zeitungsartikeln geschickt, damit sie sich auf den heutigen Abend vorbereiten konnte. Den Gästen nicht ganz unwissend gegenüberstand.

Jetzt schenkte der gutaussehende Mann ihr ein perfektes Lachen.
„Das ist fast acht Jahre her. Der Bart wird schon grau.“ Er packte kurzerhand den Pizzakarton zur Seite und sprang vom Tisch. Förmlich hielt Marc ihr die Hand hin und zwinkerte.

„Ich bin Marc, 33. Chirurg.“

(„Angeber. Den Chirurg hättest Du ruhig weglassen können!“)

Keine Bescheidenheit!
Es steht Dir gut.
Eier stehen Dir gut – und da fehlt noch ein Beweis!


(„So jung? Und wie bescheiden er ist.“)


Sie musste lachen. „Stella, 27. Buchhändlerin. Sie sind der Sohn von Elke Fisher?“ Sie ergriff die feine Chirurgenhand. Sie fühlte sich gut an. „Und wann trinkt man 6 Liter Champagner?“
„Keine Ahnung. Diese Flasche habe ich noch. Es ist fast unmöglich, aus ihr in ein Glas einzuschenken. Sie ist viel zu schwer.“
Ihr Blick glitt an seinem Körper herunter. Natürlich entging ihm das nicht.

(„Wenn wir Männer euch Frauen auf diese Art ansehen, dann ist immer gleich die Hölle los.“)

„Jetzt darf ich Sie mindestens einmal genauso ansehen...“
„Was?“ Stella fühlte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss, gut, dass es hier recht dämmrig war. „Darf ich fragen, warum Sie hier sind?“
„Och, ich dachte, es wäre mal wieder Zeit für eine Champagnerprobe.“

(„Marc Meier, flirtest Du gerade?“)

Endlich!


„Dann sind Sie aber sehr schlecht vorbereitet. Da geht man niemals mit leerem Magen hin.“
„Deswegen bin ich froh, Sie getroffen zu haben. Vielen Dank für die Pizza. Ich muss aber mal wieder nach meiner Mutter sehen. Ich bin als ihre Begleitung und moralische Unterstützung hier.“
„Viel Spaß da draußen. Verraten Sie mich bitte nicht, falls mich jemand sucht.“
„Keine Sorge. Schönen Abend noch.“
„Bis später!“

Das war deutlich!

***
„Wo warst Du denn? Ich suche Dich schon überall!“
„Ich hatte Hunger.“
„Da habe ich Dich aber nicht gesehen.“
„Jetzt bin ich ja da. Was war denn?“
„Nichts. Aber ich nehme Dich ja nicht mit hier hin, dass Du mit Abwesenheit glänzt. Erhard vermisst schon den ganzen Abend seine Tochter. Dabei müsste sie sich doch gerade um die Verlagsbelange kümmern.“
„Du wolltest Sie mir hoffentlich nicht vorstellen?“
„Ich bitte Dich!“ Elke war entrüstet. „Warum das denn? Sie studiert ja noch. In Hamburg – Literaturwissenschaften und Verlagswesen. Damit sie es später leichter hat, wenn sie den Verlag übernimmt. Aber dann sollte sie sich wohl eher mal zeigen.“
„Hat Dein Verleger in Hamburg nachgesehen?“
„Sehr witzig, Marc!“
„Ich gebe mir Mühe!“
„Du kannst schon charmant sein, wenn Du willst.“

(„Was ist denn nun los?“)

„Besonders, wenn ich muss. Eine unserer Gemeinsamkeiten, würde ich sagen?“
„Haben wir überhaupt Gemeinsamkeiten?“

(„Äh, meint sie die Frage jetzt ernst?“)

„Fragst Du das jetzt im Ernst?“
„Nein. Natürlich nicht. Wir haben ja nicht mal den gleichen Namen.“

(„Das führt unweigerlich zu der nächsten Frage...“)

„Warum eigentlich?“

„Bitte?“ Sie hustete. Elke sah ihren Sohn irritiert an, der sie erwartungsvoll beobachtete. Hier, im renommierten Café Goja, stellte er eine der Fragen, die sie fürchtete und aus Prinzip nicht beantwortete.
„Nein! Versuch es gar nicht. Du weißt sehr gut, dass ich mit dem Thema fertig bin. Ich will nichts davon wissen!“ Sie ließ den Arm ihres Sohnes los und entfernte sich in Richtung der Bar.

(„Du hast angefangen. Naja, Alkohol stellt wenigstens keine Fragen. Auch wenn es Dir dadurch nicht besser geht!“)


***
„Doktor Meier! Da sind Sie ja wieder. Wir hatten Sie schon vermisst!“
Der Club der Kegelfrauen eilte auf ihn zu. „Sie können sich ebenso unsichtbar machen, wie Ihre Mutter, oder? Aber wir haben sie ja demnächst eine Woche für uns. So richtig komplett. Dann sieht man auch mal die private Frau, nicht nur die toughe Autorin, die Karrierefrau. Erst hatten wir ja Angst, dass es in so einen schicken Ort wie St. Moritz geht. Aber die Familie des Verlegers hat wohl ein kleines Chalet, das sie uns zur Verfügung stellen.“
„Ein Chalet?“
„Ja, wunderbar, nicht? Ich stelle mir da ein kleines feines Schlösschen drunter vor. Vielleicht mit so gemütlichen Erkern. Nicht groß, es ist zweistöckig, insgesamt 6 Zimmer. Und wenn dann schon Schnee liegt... ganz romantisch!“

(„Eine komfortable Holzhütte in den Schweizer Bergen...“)

„Wo befindet sich dieses Chalet?“
„Wir fahren alle nach Zürich, von dort bringt uns dann ein Bus dahin. Sind dann wohl nochmal zwei Stunden Fahrt, das Chalet ist aber ganzjährig problemlos mit dem Auto zu erreichen. Wäre ja auch noch schöner, wenn wir alle zu Fuß... ich meine, Ihre Mutter würde das ja bestimmt locker schaffen.“
„Was?“
„Im Schnee den Berg hinauf laufen.“

(„Ganz bestimmt! Mit genug Alkohol dabei...“)

„Ich meine, Ihre Mutter ist ja wirklich fit. Aber sie ist ja auch noch deutlich jünger als wir!“

„Sie schmeicheln ihr!“
„Nein, nein. Wenn man erst 50 ist, dann nimmt die Fitness rapide ab. Aber da hat sie ja noch was Zeit!“

(„Zurück in die Zukunft?“)

„Wie alt sind Sie eigentlich, junger Mann?“

(„Äh, falsche Frage...“)

„Jünger als die grauen Haare es vermuten lassen! Aber beruflich ist das für mich nicht schlecht. Gibt mir mehr Autorität.“
„Stimmt es, dass Sie so jung Oberarzt sind? Ich meine, mal was bei einem Fantreffen gehört zu haben.“ Karin gab ihm kaum Gelegenheit auf die Fragen zu antworten.

(„Auch ok. Frag einfach weiter...“)

Ottilie bestätigte: „Ja, da war eine Krankenschwester, die mit dem Sohn von Elke Fisher zusammenarbeitet! Die war schon ganz schön schräg drauf.“

(„Ich bringe Sabine um!“)

Marc fühlte sich allmählich in die Ecke gedrängt. Die Damen versuchten mit Gewalt, etwas über seine Mutter zu erfahren. Ausgerechnet von ihm, wo er am wenigsten wusste, wie sie tickte. Er dagegen versuchte immer wieder etwas über die Reise zu erfahren. Besonders interessierte ihn, wie es überhaupt dazu gekommen war. Doch die Damen waren so sehr mit ihren eigenen Fragen beschäftigt, dass sie sie gar nicht auf seine hörten. Marc hatte jedoch Glück, seine Rettung nahte.

„Doktor Meier, ich sehe, unser Gewinnerkreis hat Sie schon adoptiert?“ Frau Vogel van Steen hakte sich bei ihm ein. „Entschuldigen Sie, meine Damen. Ich darf Doktor Meier für eine Weile entführen?“
„Die Weile darf gerne ein bisschen länger dauern“, raunte Marc und setzte sein charmantes Meierlächeln auf.
„Ja, die sind intensiv. Ich bin auch noch nicht überzeugt, dass die Idee von meinem Mann eine gute war. Sie sind ja sicherlich von der Gruppe informiert worden.“ Sie grinste Marc von unten herauf an.
„Natürlich. Ich frage mich nur, wie meine Mutter dazu kommt, sich darauf einzulassen?“
„Ich habe keine Ahnung. Als mein Mann sagte, dass Frau Fisher ihre Unterschrift gegeben hat, dachte ich, dass er mich auf den Arm nimmt.“
Marc zögerte einen Moment, doch die Frage musste gestellt werden. Wenn auch eher indirekt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sowas freiwillig macht.“
„Das impliziert eine Frage?“
„Ja. Und genau genommen eine Unterstellung!“

(„Gut, das war jetzt nicht höflich, aber es interessiert mich halt!“)

„Sie meinen, Ihre Mutter wurde...?“

(„Betrogen?“)

„...Hm, ausgetrickst?“ Marc fand ein nettes Wort, doch seine Stimme klang durchaus scharf. „Aber die Abtretung der Romane ans Fernsehen ging mit rechten Dingen zu?“
„Da war ich anwesend. Ja. Was nicht heißt, dass es mich weniger überrascht hätte, ich meine wir verhandeln ja schon mehr als zehn Jahre.“
„Manchmal überrascht sie einen doch noch!“
„Wo ist sie überhaupt?“
„Sie flüchtete, als die Kegelclubdamen über mich herfielen.“

„Gabriele! Du hast Doktor Meier gefunden!“

(„Der nächste Überfall und ich habe keine Chance wegzulaufen, so fest hat sie sich eingehakt.“)

„Ich lasse ihn auch vorerst nicht vom Haken, Erhard!“
„Aber meinen Arm lassen Sie leben? Ohne den kann ich nicht arbeiten!“
„Sie sind Leitender Oberarzt am Elisabeth-Krankenhauses, wenn ich mich Recht erinnere? Über Sie und Ihren Chef war doch ein großer Bericht in der Zeitung? Ich finde soziales Engagement ja echt lobenswert! Dann will ich mal nicht so sein.“ Die Verlegergattin lockerte den Griff um Marcs Arm geringfügig. „Nicht, dass wir uns mal in für mich ungünstiger Position wieder sehen.“

„Ungünstige Position?“ Marc bekam große Augen.

(„Meine Mutter ist garantiert Ihre ungünstigste Position, gute Frau!“)

„Naja, man weiß ja nie, welchen Arzt man als Patient mal erleben darf.“
„Ja. Andersrum übrigens genauso.“ Marc zwinkerte der eingehakten Dame zu.
„Ich hoffe, dass wir auf unsere Tochter auch mal so stolz sein können wie Ihre Mutter auf Sie.“ Der Verleger schien wirklich ärgerlich zu sein.
„Warum denn nicht?“

(„Gefährliches Thema...“)

„Sie hätte hier eine großartige Chance, schon während ihrem Studium im Verlag mitzuarbeiten. Aber sie studiert lieber gemütlich vor sich hin. In Hamburg. Wo man eben mal nicht hin kann, um nach dem Rechten zu sehen.“
„Hm. Das könnte der Grund sein?“ Marc würzte seine Vermutung mit einem Meier-Lächeln.
Die blonde Verlegergattin lachte. „Unsere Tochter studiert Literaturwissenschaften und Verlagswesen in Hamburg. Sie soll den Verlag mal übernehmen.“

(„Soll...“)

„Mit dieser Kombination wird ihr das Unternehmerleben dann leichter fallen als uns. Mein Mann und ich mussten uns alles Schritt für Schritt mühselig erarbeiten.“
„Deswegen werden Sie aber auch immer mehr Emotionen mit dem Verlag verbinden als Ihre Tochter.“
„Ja, sie musste als Kind natürlich viel zurückstecken. Ich meine, wir sind seit 23 Jahren im Geschäft, sie ist 27. Erst hatten wir nur einen kleinen Buchladen, dann kam mein Mann auf die Idee mit dem Verlag. Ihre Mutter war eine unserer ersten und sie ist unsere treueste Autorin.“

(„Und ich vermute auch die längste Zeit gewesen!“)

„Umso schlimmer, dass Sie Ihr diese Reise zumuten!“

Der Verleger mischte sich ein. „Wissen Sie, die Zeiten sind anders. Man muss sowas heutzutage machen, wenn man oben mitschwimmen möchte. Ich meine, ihre Bücher haben ja auch einen neuen Schwung bekommen. Erst die Action am Kilimandjaro, dann die Vampirgeschichte. Nun muss sie halt ihren eigenen, neuen Weg beibehalten. Irgendwie muss man ja auch das junge Publikum erreichen!“

„Äh, die Damen...“, Marc drehte sich zum „Kegelclub“ hin, „...sind aber nicht jung. Meine Mutter ist bestimmt jünger als ihre Groupies.“

„Die Zielgruppe des Wettbewerbs war auch eine andere. Also eigentlich war das sowieso ganz anders geplant. Manchmal muss man eben flexibel sein. Es sind dann eben doch die langjährigen Leserinnen, die das Rennen gemacht haben.“

(„Da könnte der Hund begraben sein. Mutter hat für was anderes ihre Zustimmung gegeben...“)

„Gabriele, anstatt dass Du Dich an einen jungen Mann klammerst, könntest Du mal besser nach unserer Tochter sehen!“ Dem Verleger missfiel, dass die Gattin sich anscheinend in Marcs Gesellschaft sehr wohl fühlte. Seine Frau blickte peinlich erschrocken auf Marc, löste sich spontan von seinem Arm und entfernte sich schnell. Marc blickte auf den untersetzten Mann herunter, er erinnerte sich an das erste Gefühl der Abneigung gegen diese Person.
„Sie schlafen mit meiner Mutter, die jünger ist als Sie. Also lassen Sie Ihrer Frau doch einen Abend mit einem jungen Mann an der Seite!“ Er drehte sich noch mal um. „Der besser aussieht als Sie!“
Marc ließ den verdutzten Mann stehen und ging in die Richtung, in die die Frau verschwunden war.

Er sah sogar im Halbdunkel des Wintergartens nach. Hier war niemand mehr, Stella war verschwunden.

Schade. Bei der hättest Du was reißen können!

(„Jetzt nicht!“)

(„Und später auch nicht!“)

(„Verschwinde!“)

Gut! Sehr gut. Weiter so!
Das werden wir sehen!


***
Er begegnete der jungen Frau, als sie die Treppe heraufkam. Sie lächelte ihn an.
„Na? Rausgetraut?“
„Ja. Hast Du meine Mutter gesehen?“
„Hm. Dazu fehlt mir jetzt eine Info...“

„Stella!“
Die Gerufene warf einen verschwörerischen Blick zu Marc, dann drehte sie sich zu dem Verleger um.
„Wo bist Du denn die ganze Zeit? Das werte Fräulein könnte sich hier mal um unsere besten Autoren kümmern. Das ist sehr unhöflich, sich als Gastgeber so zu verhalten.“

(„Was Du nicht sagst...!“)

„Keine Sorge, ohne Ihre sympathische Tochter wäre ich entweder verhungert oder an einer Fischhäppchenvergiftung gestorben.“ Marc ließ sich seine Überraschung nicht anmerken.
„Doktor Meier, meinen Sie nicht, dass Sie für den Abend unverschämt genug waren?“
„Och, ich kann großzügig sein! Aber wollen Sie mir meine Retterin nicht vorstellen? Als Gastgeber habe ich ja bisher nur Ihre Frau und Sie kennengelernt. Ihre Tochter kommt eindeutig nach Ihrer Frau!“

Erhard van Steen spürte seine Krawatte plötzlich ganz fest an seinem Hals anliegen. Langsam wurde er rot und er schnappte nach Luft. „Sie sind wirklich unverschämt!“

„Redest Du gerade von meinem Sohn?“ Elke war unbemerkt näher gekommen. Sie richtete sich zu ihrer vollen Größe auf und sah abschätzig auf den Verleger herunter. Ihr Sohn gab eine Erklärung. „Ich bat ihn, mir seine Tochter vorzustellen.“
„Marc O... oh, ich habe mein Glas irgendwo vergessen. Egal.“ Sie sah unsicher zu Marc, der zufrieden und erwartungsvoll grinste.

„Stella, darf ich Ihnen meinen Sohn Marc vorstellen? Marc, das ist Stella van Steen, Erhards Tochter. Stella studiert in Hamburg Literaturwissenschaften und Verlagswesen.“ Bei diesem Hinweis wurde die schmale Frau blass.
„Dann sind Sie ja für die Zukunft gerüstet!?“ Seine versteckte Frage hörte nur sie.
„Marc ist Oberarzt der Chirurgie am Elisabeth-Krankenhaus bei Professor Haase.“

Diesmal war es Stella, die alle überraschte. „Professor Haase? „Mit Doppel-A?“ Das ist lustig. Meine WG-Kollegin studiert Medizin und ihr Vater ist auch ein Professor Haase, sogar mit einer Klinik. Da arbeitet sie jetzt auch.“

„So viele Zufälle kann es doch nicht geben?“ Elke tat diese Feststellung zwar ab, aber sie machte sich eine geistige Notiz. („Doktor Rogelt – Bruder!“)

„Doch. Professor Haase, also mein Professor Doktor Franz Haase hat mir von seiner Familie erzählt. Ein Bruder Hans ist in Hamburg, hat fünf Töchter. Die heißen aber nicht Haase, sondern haben den Namen seiner Frau. Den kenne ich aber nicht.“
„Temelova?“ Stella sah ihn an. „Larissa Temelova ist die älteste von fünf Schwestern.“
„Dann werden die das sein, soweit ich weiß ist er mit einer Russin verheiratet. Die Schwestern sollen etwas speziell sein.“
„Was für ein Zufall. Ja, Larissa ist eine – spezielle – WG-Kollegin. Mehr als zum Haushalt haben wir uns nicht zu sagen.“ Sie lachte. „Naja. Zu Guten Tag und Auf Wiedersehen reicht es schon noch.“
„Erhard, kommst Du mit etwas zu trinken zu organisieren? Die Kinder wollen bestimmt unter sich sein. Sind ja alt genug.“

(„Wofür?“)

Die Eier, Doktor Meier!
Oho – ein Reim?
Ein Bewies!

(„Wozu? Ich habe immer noch die Eier in meinem Namen!“)


Marc hob fragend eine Augenbraue. Seine Mutter lächelte ihn übertrieben freundlich an.

(„Also doch!“)

„Mutter!“
„Marc, ich weiß, dass Du Dich gerne um mich kümmerst, aber ich komme klar.“
„Klar, Mutter!“ Er sah den beiden verdattert hinterher. „Hat man Töne...“
„Haben Sie was gesagt?“
„Äh. Nicht wirklich. Sie überrascht mich immer wieder. Selten positiv.“
„Sie können mir glauben, dass ich manchmal gerne tauschen würde.“
„Nicht gegen meine Mutter!“
„Nee. Eigentlich eher den Vater.“
„Da kann ich nicht mit aushelfen.“
„Sie haben keinen...?“ Sie war nicht sicher, ob die Frage unhöflich war. „...Vater?“ Marc schüttelte den Kopf. „Nein. Und Deinen möchte ich ehrlichgesagt auch geschenkt nicht haben. Wir bleiben doch beim „Du“?“
„Eh. Ja natürlich. Danke, dass Du nichts gesagt hast.“
„Was denn?“
„Naja... Studentin... Buchhändlerin...“
„Ach ja. Diese Frage habe ich wohl erfolgreich unterdrückt.“
„Ich studiere, ja. Aber bereits nach dem ersten Semester habe ich diese langweiligen Sachen hingeworfen und mich für Mediendesign und Kommunikationswissenschaften eingetragen. Das läuft aber eher nebenbei zu meiner Ausbildung im Buchhandel. Ich liebe Bücher. Ich habe sogar ein halbes Jahr länger gelernt, um noch mehrere der sogenannten Wahlqualifikationen zu bekommen.“
„Sowas wie Spezialisierungen?“
„Ja. Es gibt insgesamt sechs, das richtet sich nach dem Ausbildungsbetrieb, in dem man lernt. Ich habe einmal gewechselt, um alles machen zu können.
Ich hoffe, wegen des Verlagswesens dabei wird irgendwann der Streit nicht allzu groß sein!“
„Hm. Ich glaube, da versteht Dein Vater keinen Spaß.“
„Tut er generell nicht. Aber warum hat er Dich so angegangen?“

Marc grinste.

(„Wie war das? Ein Gentleman...?“)

„Ich war wohl etwas sehr direkt. Hast Du Deine Mutter gesehen? Ich war eigentlich auf der Suche nach ihr. Vor gefühlt – zwei Stunden!“
„Sie war vorhin vor der Tür. Aber das ist schon eine Weile her – gefühlt zwei Stunden?“ Sie lächelte ihn an.

Schade! Sehr schade. Aber Du meinst ja, nicht zu wollen!

(„Schnauze!“)

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