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Karo Offline

Alter Ha(a)ser:


Beiträge: 1.379

26.06.2020 09:51
#401 RE: Story von Karo Zitat · Antworten

HAMBURG


August 3.10 – Die Sache mit dem Herzen



Marc hatte Glück, es hatte nur kurz Probleme mit dem Mann aus dem Wasser gegeben, ansonsten war der Tag ruhig. Er beschloss, noch eine Kontrollrunde zu gehen und dann nach Hause zu fahren. Als der Chirurg gerade die ITS verlassen wollte, meldete der Empfang eine Frau Doktor Haase an. Kurzerhand stattete auch Gretchen dem Frischoperierten einen Besuch ab und natürlich kam sie mit ihm ins Gespräch. Auch die Verlobte bekam ihre dringende Frage beantwortet. Nicht so, wie sie sich das erhofft hatte, doch hier war jemand, der ihre Frage hörte, ihre Angst wahrnahm.

„Kann das neue Herz genauso lieben wie das alte Herz?“

„Ist es denn das Herz alleine, was liebt? Sind nicht alle Organe in das großartige Gefühl der Liebe involviert? Ja, man redet im Allgemeinen vom Herzen als Sitz des Gefühls. Aber folgen Sie mal dem Wort. Sie fühlen auch mit der Haut.“
Sie hatte schon die ganze Zeit beobachtet, dass die Verlobten sich ständig an der Hand hielten.
„Mit ihren Händen. Sie nehmen Reize wahr. Sind die jetzt anders als vorher? Was fühlen Sie, wenn Sie an das neue Herz denken? Ihre Frage „ob das Herz auch für Sie schlägt“, enthält das größte Glück, was sie beide aktuell fühlen. Denn es schlägt.“
Gretchen stand auf und sah sich die Dokumentationen an. „Es schlägt regelmäßig und kräftig. Ohne Stolpern oder andere Auffälligkeiten. Nehmen Sie erst einmal dieses Geschenk an.“

„Frau Doktor, natürlich sind wir dankbar. Trotzdem...“

„Niemand kann ihre Frage so gut nachvollziehen wie ich, glauben Sie mir das. Und ich hoffe, Sie werden mir eines Tages die Antwort sagen.
Wissen Sie, eine Herztransplantation ist nicht nur ein schwerer Eingriff – und da ist es egal, ob gleichzeitig eine neue Lunge transplantiert wurde. Der erste Schritt ist getan – die Arbeit der Chirurgen. Nun müssen Sie selbst ran. Nicht nur körperlich. Dafür stellt Ihnen die Medizin alles Mögliche zur Verfügung. Auch der Staat unterstützt sie. Sie werden für ein Jahr als schwerbehindert anerkannt und als Frührentner sind Sie abgesichert.“

Gretchen fragte an dieser Stelle nach der psychologischen Betreuung. „Ihre Kollegin hatte die Möglichkeit erwähnt...“

„Erwähnt?“ Gretchen sah Marc fragend an. „Meiner Meinung nach sollte jeder Transplantierte schon vorher psychologisch betreut werden. Wissen Sie – es gibt die unterschiedlichsten Reaktionen auf so einen Eingriff. Jeder geht anders damit um. Wir Ärzte lieben dafür das Schubladensystem. „Die Hilfsbedürftigen“, „die Dankbaren“, „die Gefährdeten“, die „Besonderen“, „die Erfolgreichen“.
Schon allein das erste Jahr ist eine Herausforderung. Sie müssen sich gründlich vor Infektionen schützen, dazu größere Menschansammlungen, Haustiere oder kranke Freunde meiden. Auch von Medium-Steaks oder Blumenerde raten wir ab, da sich hier Bakterien verstecken können.
Für viele heißt das, Rückzug aus dem sozialen Leben. Vereinsamung bis hin zu Depressionen oder Zwangsängsten können die Folge sein.
Andere kommen oft ins Krankenhaus und wollen mit einem Arzt sprechen. Dabei geht es vorrangig um Zuwendung und Ermunterung. Sie sind sehr besorgt, dass ihnen etwas zustoßen könnte, dabei sind sie meistens körperlich gesund.
Eine andere Reaktion kommt Ihrer Frage sehr nahe, denn es kommt durchaus vor, dass Transplantierte eine intensive Beziehung zu dem neuen Organ herstellen. Sie geben ihm Namen oder verleihen ihm personale Eigenschaften. Sie stellen eine intensive Beziehung zu ihrem neuen Organ her und natürlich entstehen dann Beziehungsprobleme mit dem Partner, der dann eine gewisse Eifersucht auf das Herz entwickelt.

Schon frühzeitig können Psychologen alle Beteiligten auf die neue Situation vorbereiten. Die meisten Partnerschaften und Familien leiden unter einer Herztransplantation. Sie haben bestimmt viele Aufgaben für ihren Mann übernommen, sind zwangsweise zum starken Part in der Beziehung geworden. War das immer so? Wie war es früher? Denn Ihr Partner wird aller Wahrscheinlichkeit seine Aufgaben zurückverlangen. Sie haben sich daran gewöhnt, auf ihn aufzupassen. Nun braucht er ihre Fürsorge nicht mehr. Konflikte sind die Folge. Dabei ist gerade eine stabile Partnerschaft sehr wichtig für die Genesung. Nicht nur Psychologen unterstützen sie während dieser Zeit, auch Selbsthilfegruppen sind eine großartige Erfindung. Meine persönliche Meinung ist, anfangs das eine, später mehr das andere. Wichtig ist, dass sie sich aktiv mit dem neuen Herzen auseinandersetzen. Alle beide. Jeder für sich und gemeinsam. Und Sie müssen wieder raus in die Welt. Mit aller Vorsicht, mit allen Auflagen ist das alleine eine riesige Herausforderung.

Sie werden mindestens eine Woche hier auf Intensiv sein, dann bis zu zwei Wochen auf der normalen Station. Es folgt eine Reha von fünf bis sechs Wochen Dauer.

Haben Sie das Problem erkannt? Der eine liegt hier und die andere sitzt dort. Draußen geht das Leben weiter. Dann kommt die Reha. Er da, sie dort. Danach wird er seine alte Fitness zu mindestens 50% wieder erlangt haben. Das klingt jetzt großartig für sie beide. Aber nach den Jahren, in denen sie ihre Leben nach seinem Herz gerichtet haben, werden sie beide nun völlig unvorbereitet in einen Alltag mit neuen Strukturen geworfen. Ohne Vorbereitung und Begleitung werden schwerere Zeiten folgen als sie jetzt hinter sich haben.

Der Mensch ist ein wunderbares Geschöpf, denn er ist anpassungsfähig. Aber das geht nicht von heute auf morgen.
Das Herz ist ein wunderbares Organ, denn es kann lieben auch wenn es schon zerbrochen war. Mit Füßen getreten wurde.
Von daher machen Sie sich um das Herz die wenigsten Gedanken. Respektieren Sie es, das ja. Und passen Sie darauf auf.

Aber sie beide – lassen Sie sich viel Zeit und nehmen Sie Hilfe in Anspruch. Es gibt Psychologen, die genau auf ihre Situation geschult sind, die Erfahrung mit Transplantierten und ihren Sorgen haben. Sie sollen sich auseinandersetzen aber nicht kämpfen müssen. Sie und ihr neues Herz sind vor allem in den ersten Monaten schwer verletzlich. Das erste Jahr wird ein Jahr kleiner Fortschritte sein. Es sind die kleinen Schritte, die Sie schätzen lernen müssen.“

Gretchen hatte sich während ihrer Rede an die Arbeitsfläche gelehnt. Jetzt stellte sie sich an das Fußende des Bettes. „Was für Hobbies hatten Sie vor Ihrer Erkrankung?“

„Wir haben in Südfrankreich ein Schiff liegen.“
„Sehr schön. Demnächst beobachten Sie die Schiffe auf der Alster oder erfreuen sich an Alsterrundfahrten. Probieren sie es aus, ein ferngesteuertes Boot zu lenken. Oder sie mieten sich eins der Tretboote und lenken selbst, während andere trampeln... suchen Sie sich kleinere Ziele. Denken Sie nicht an ihr Schiff als großes Ziel, auf Dauer frustriert das nur.“

Marc hörte fasziniert zu, wie Gretchen den beiden Fragen beantwortete, die sie vorher scheinbar nicht gehabt hatten.
„Danke Frau Doktor – vielleicht haben Sie ja eine Empfehlung für psychologische Unterstützung? Da haben wir nie wirklich drüber nachgedacht.“
„Da wird sich Doktor Meier bestimmt gerne drum kümmern.“ Sie legte Marc die Hand auf den Arm. Er war ungewöhnlich nachdenklich. Es stimmte, was Gretchen gesagt hatte.

(„Vor allem das mit den kleinen Schritten.“)

„Ja, ich werde mich darum kümmern.“

Sie verließen das Überwachungszimmer der Intensivstation.
„Was war das?“
„Hast Du Angst, ich adoptiere ihn? Oder gleich alle beide?“ Sein immerwährender Vorwurf, wenn sie sich zu sehr für das Seelenleben ihrer Patienten interessierte.
„Nein. Aber es ist erstaunlich, was doch für Fragen bestehen, obwohl Doktor Brenner ihn meiner Meinung nach wirklich gut für die OP vorbereitet hat.“
„Auf die OP vielleicht. Aber wenn er normalerweise von Larissa betreut wird, dann hat sie ganz ordentlich was versäumt.“
„Hm. Ich schätze, da habe ich auch einiges versäumt.“

Gretchen war etwas verwundert über seine Nachdenklichkeit. Früher hätte er sich einfach lustig über sie gemacht. Jetzt hatte er aufmerksam zugehört.

(„Der Pausenhof ist weg. Er nimmt mich ernst.“)

„Das nennt sich Professionelle Ärztliche Kommunikation. Die Weiterbildung hat Doktor Carstensen mir zum Facharzt geschenkt. Die Ausbildung setzt die Zielsetzung der Bundesärztekammer um, eine verbesserte Arzt-Patienten-Kommunikation zu erreichen. Würde Dir auch nicht schaden...“ Natürlich musste sie ihn aufziehen.
„Hasenzahn – es gibt die, die gut operieren und es gibt die, die gut quatschen.“
„Und - es gibt mich!“

(„Ha! Du hast es selbst gesagt – im OP war ich beeindruckend!“)

(„Toll, Meier... selbst angeschmiert...“)


„Können wir dann endlich los?“

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