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Karo Offline

Alter Ha(a)ser:


Beiträge: 1.004

21.11.2019 22:24
#351 RE: Story von Karo Zitat · Antworten

MARC 21


„Ich habe Dich etwas gefragt, rede!“

(„Halt den Mund, halt ja den Mund. Sauer ist er eh, aber jedes falsche Wort macht es schlimmer.“)

„Gut, wie Du willst. Der Gürtel wird Dich schon zum Reden bringen.“

(„Es ist egal – wenn ich schweige, ist es falsch. Reden sowieso.“)

„Was willst Du hören?“

„Bitte?“

„Wenn ich was sage, ist es falsch. Wenn ich nichts sage – auch. Also sag mir, was Du hören willst.“

„Du hältst Dich wohl für schlau?“

Marc schloss nur die Augen, als der Gürtel ihn traf.

(„Es tut nicht weh, es tut einfach nicht weh.“)

(„Raff es endlich, „Nichtreden“ ist immer die bessere Wahl!“)

Karo Offline

Alter Ha(a)ser:


Beiträge: 1.004

21.11.2019 22:33
#352 RE: Story von Karo Zitat · Antworten

Mai 2.2 - Brief an Gretchen


Gretchen,

alles Gute zum Geburtstag! Martin und ich wünschen Dir Gesundheit, Glück und Zufriedenheit.

Happy Birthday – Ney zu-noogo

Wie geht es Dir? - Niis kibaare?


In ein paar Tagen werden uns die ersten Kinder verlassen. Wir haben hier schon letzte Woche ein Fest für sie organisiert. Da die Regenzeit bald beginnt, gehen viele Kinder weg, da sie zu Hause auf den Feldern helfen müssen. Auch wir hier sind schon mit den Vorbereitungen beschäftigt.
Das Fest war wirklich schön, Naiya und Solange hatten mit den Kindern Lieder und Tänze eingeübt, Christian und Fritz haben wahrlich ein Rind gekauft, das die Frauen tagelang zerlegt und gekocht haben. Es wurden viele Geschichten erzählt und auch Du wurdest immer wieder erwähnt.

Alle denken mit Freude an Dich zurück und immer wieder fragen uns die Menschen, besonders Frauen.

Yamb / Fo yiinsa? – Wie geht es Deiner Gesundheit?

Sie alle sprechen immer wieder Segnungen für Dich aus. Sie wünschen Dir

Wend na lebga laafi – komm gesund zurück!
Wend na ganagi laafi – Erhole Dich gut!
Ney zinuugo – Viel Glück!


Es ist schön, dass Du uns mit dem letzten Brief Fotos mitgeschickt hast. Du siehst so viel besser aus, als wie wir Dich zuletzt gesehen haben. Glücklich. Das Bild von Dir und Marc ist wundervoll. Ihr seid ein schönes Paar. Die Mädchen und Frauen haben vor allem Dein Kleid bewundert.

Gretchen, ich kann verstehen, dass es Dich schmerzt, dass Dein Bruder ein Baby hat. Aber Du bist so fair und freust Dich für sie über einen gesunden Jungen. Nun bist Du eine

Pugdba – Tante!

Und dass es schwer sein muss, dass Gina ein Kind bekommt, das sie nicht gewünscht hat. Aber Du weißt selbst, dass es der Lauf des Lebens ist. Auch ich bin glücklich, meine Freundin, auch Martin und ich werden ein Kind haben.
Gretchen, ich bin sehr glücklich über die Schwangerschaft, auch wenn es erst die 8. oder 9. Woche ist. Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass auch Du eines Tages wieder ein Kind erwarten wirst. Ohne Dich wäre Martins und mein Wunsch nicht (nie) in Erfüllung gegangen. Natürlich wissen wir, dass noch viel passieren kann, aber

Wend na songodoh – Möge Gott uns helfen.

Ich wünsche Dir alles Gute. Richte Marc, Mehdi und Deinen Eltern ganz herzliche Grüße aus.
Und natürlich lässt auch Martin grüßen.

Wend na kiengi pelega – Habe Mut/sei stark

Wend na kond nidaare – Bis zum nächsten Mal


Roula

Karo Offline

Alter Ha(a)ser:


Beiträge: 1.004

21.11.2019 22:38
#353 RE: Story von Karo Zitat · Antworten

KÖLN


Mai 2.3 – Jetzt ohne Marc



Eine Träne lief Gretchen über die Wange. Sie freute sich sehr mit Roula, dass sie ein Kind erwartete. Und sie wünschte ihr alles Glück. Man konnte jedoch schwerlich davon ausgehen, dass die Schwangerschaft ohne große Komplikationen verlief. Die Geburt war wohl das kleinste Übel, wenn sie rechtzeitig genug einen Kaiserschnitt einplante.

Trotzdem hatte ihr die Nachricht einen Stich ins Herz gejagt. Jetzt hätte sie ihr Baby schon im Arm gehalten. Mutter. Anscheinend hatte die Natur etwas gegen das Natürlichste der Welt: Das Muttersein.

Natürlich hatte ihre Freundin Recht, das war der Lauf des Lebens und auch andere litten ihre Qualen.

(„Gretchen, Du bist ein Schaf. Wie lange hast Du nicht mehr richtig mit Gina gesprochen?“)

Sie schämte sich. Doch sie litt. Immer noch und immer wieder. Ihre Eltern waren so glücklich über den Enkel, es gab kaum ein anderes Thema als den kleinen Miguel. Eine weitere Träne suchte sich ihren Weg durch Gretchens Gesicht und noch eine. Sie schluchzte. Die Ärztin konnte ihre Gefühle noch nie unterdrücken und da sie keine Zeugen wollte, zog sie in ihr Zimmer zurück. Sie schluchzte wieder.

Es klopfte und im nächsten Moment stand ihre Mitbewohnerin Jo in der Tür.
„Gretchen? – Habe ich doch richtig gehört, Du weinst?!“
„Ist schon wieder gut.“ Die blonde Assistenzärztin versuchte zu lächeln.
„Das sehe ich. Was ist passiert?“ Sie sah den Brief. „Von Marc?“
„Nein. Von meiner Freundin aus Afrika. Sie bekommt ein Baby.“
„Und das rührt Dich zu Tränen?“ Keiner in Gretchens Umfeld wusste von ihrer Fehlgeburt.

„Nein, naja... blöd oder?“ Jetzt gelang das Lächeln. „Roula ist eins der schlimmsten Opfer, die ich in Afrika erlebt habe. Nicht nur beschnitten sondern immer wieder vergewaltigt, aufgerissen, schlecht verheilt... außer Narbengewebe war da nichts mehr. Als sie gesehen hat, was Mehdi und ich leisten können, hat sie sich mir anvertraut. Ich musste sie dreimal operieren, dass sie überhaupt wieder an Sex denken konnte. Stell Dir das mal vor – sie ist mit Martin seit über 10 Jahren zusammen, jetzt konnten sie erstmals miteinander schlafen. Dass sie so schnell schwanger geworden ist, grenzt schon an ein kleines Wunder. Ich wünsche ihr von ganzem Herzen, dass alles gut geht.“

„Also muss ich mir keine Sorgen machen?“
„Nein.“
„Und Marc?“
„Was meinst Du?“
„Er schien sehr sauer, als er abgefahren ist. Hattet ihr Streit? Ich meine, Du hast ihn nicht mal verabschiedet.“
„Nein. Wie es aussieht, sind wir nun getrennt.“
„Wie getrennt?“
„Er hat Schluß gemacht.“
„Warum?“
„So genau weiß ich es nicht. Irgendwie hat er gemerkt, dass ich mich nicht so ganz auf ihn einlassen kann.“
„Bist Du nicht traurig? Das klingt so abgeklärt.“
„Ich beschäftige mich hier gerade mit meiner Vergangenheit. Als ich vor zwei Jahren nach Berlin gegangen bin – zurückgegangen bin, da habe ich mich nicht umgesehen. Und plötzlich war Marc da. Er gehört nicht hierhin.
Nicht jetzt. Aktuell ist meine Gegenwart zu sehr mit meiner Vergangenheit belastet. Das mag total bescheuert klingen, nachdem Marc Schluß gemacht hat. Aber ihm gehört die Zukunft.“
„Gretchen? Er macht Schluß und Du redest von Zukunft?“
„Ja, bescheuert, nicht?“
„Gehst Du später noch mit ins ´Kabuff`?“
„Ne, Du. Heute nicht. Nach Feiern ist mir nicht.“
„Ich kann auch gerne bei Dir bleiben...“
„Nein. Ich kann auch gut mit mir alleine!“

Wenig später hörte sie ihre Mitbewohnerinnen Johanna und Valerie die Wohnung verlassen.

Karo Offline

Alter Ha(a)ser:


Beiträge: 1.004

21.11.2019 22:44
#354 RE: Story von Karo Zitat · Antworten

Mai 2.4 - Tagebuch


Liebes Tagebuch,

endlich Ruhe. Nicht, dass mich Jo und Vally nerven, aber hier war gestern so viel los, dass ich nichts und niemanden mehr sehen möchte. Es ist beängstigend, aber ich fühle mich gut. Frei. Das bin ich wohl auch. Marc hat Schluß gemacht. Das tut mir schon Leid, aber so wie ich es eben Jo gesagt habe – es passte irgendwie nicht mehr. Verrückt. Mein Leben lang will ich Liebe und Beziehung und so. Dann habe ich den Mann, den ich schon seit Jahrzehnten will und dann? Missachte ich seine Bitten, seinen Wunsch nach einem gemeinsamen Leben.
Jawohl, Marc möchte keine Fernbeziehung. Er möchte mit mir leben. Ich glaube, er war sehr enttäuscht, dass ich ihm nicht sofort um den Hals gefallen bin.

Ein bisschen komme ich mir vor wie Marty McFly alias Michael J. Fox, nur dass ich keine Zeitmaschine benötige, um in die Vergangenheit zu reisen.
Peter blieb nicht die einzige Person meiner Vergangenheit, die mich in Remscheid besucht hat. Besonders freue ich mich, dass ich wieder so guten Kontakt mit Sophie, Jo und Lisa habe. Erinnerst Du Dich? Mit ihnen habe ich in der ersten WG in Ehrenfeld gewohnt. Unsere Freundschaft hat nicht unter meiner Flucht gelitten. Natürlich gab es Redebedarf und auch eine große Portion schlechtes Gewissen. Aber jetzt ist alles geklärt und wir haben ein Fundament für die Zukunft. Nochmal würde ich die beiden nicht vergessen!

Mit Peter habe ich mich auch nochmal getroffen, aber ich finde ihn anstrengend. Ich frage mich wirklich, was ich in ihm gesehen habe. Sophie meinte, das läge einfach daran, dass er mich entjungfert hat. Da würde man sich schon mal einreden, dass der Typ was Besonderes sei. Ich weiß ja nicht... aber in jedem Fall bin ich deutlich erwachsener geworden. Nicht mehr so naiv und gutgläubig.
Vielleicht ist es genau das, was Peter zu der zweifelhaften Äußerung trieb, dass ich mich irgendwie verändert hätte – ich wäre anstrengender als früher.
Ich nenne es reifer. Natürlich sehe ich ihn nicht mehr mit den Augen der verliebten Zwanzigjährigen. Heute sehe ich ihn mit den Augen einer betrogenen Frau – Ärztin. Ich bin keine kleine Studentin mehr, die bewundernd zu einem Arzt – einem welterfahrenen Mann – auf blickt. Nein, Peter und ich begegnen uns auf Augenhöhe. Er kann mir nichts mehr vormachen. Und er könnte mir nichts mehr bieten.

Und was kannst Du Marc bieten? Außer einen dicken Po, blaue Augen und lange blonde Locken.
Ein großes Herz, ein warmes Lächeln und eine liebevolle Umarmung. Außerdem liebt er Deine langen blonden Locken. Vor allem offen. Im Gegensatz zu diesem Kinderarzt.
Man kann aber schon Rücksicht nehmen, wenn jemand nicht ständig Haare zwischen den Zähnen haben möchte.
Gott sei Dank keine Haare auf den Zähnen.
Deine Witze waren schon mal besser.


Die eine Frage ist berechtigt... was kann ich Marc bieten? Begegnen wir uns auf Augenhöhe?

Pfff... Gretchen Haase, dieser Mann ist Dir sowas von überlegen. Da wirst Du niemals die Augenhöhe erreichen – nicht einmal mit Highheels.

Wahrscheinlich würde ich ihm irgendwann langweilig und dann? Würde er eh Schluß machen. Dann lieber jetzt, wo wir quasi nur eine Fernbeziehung hatten. Und guten Sex. Da funktionieren wir.

Wie abgebrüht ist Marc eigentlich?

Liebes Tagebuch,

ich kann es nicht glauben: Marc Meier kommt her, um mit mir Schluss zu machen. Bevor er dieses jedoch tut, schläft er nochmal mit mir – und nochmal und nochmal und nochmal. Ein Abschiedsgeschenk?
Mein 31. Lebensjahr begann mit einem Heiratsantrag von Marc (unter anderem) – mein 32. Lebensjahr beginnt mit Sex mit ihm und doch ohne ihn. Was für ein originelles Geburtstagsgeschenk. Richtig guter Sex und der Laufpass. Super Marc!

Vielleicht war das Jahr doch ein Irrtum. Zum Schluss legen wir Gretchen nochmal so richtig flach, dass sie Marc Meier nie mehr vergisst? Pfff... ist mir die letzten 18 ½ Jahre nicht gelungen. Er wollte mir bestimmt nochmal zeigen, wie gut er im Bett ist. Jetzt zeigen wir ihr nochmal so richtig, was sie nicht mehr haben kann – und niemals mehr haben wird, denn keiner ist besser als Marc Meier.
Pah – ich kann auch mit anderen Männern guten Sex haben. Wenn ich etwas gelernt habe, dann zu wissen, was mein Körper mag.

Ich werde es Dir zeigen, Marc Meier! Ich mag Gretchen Haase sein – mit 31 immer noch keinen Facharzt, kein Geld, keine Karriere. Aber das stört die meisten Männer eh nicht. Hat zumindest beim Tanz in den Mai keiner nachgefragt.
Da bin ich übrigens davon ausgegangen, dass ich an meinem 31. Geburtstag auf der Straße sitze. So schlimm ist es dann nicht gekommen. Ich habe ein Dach über dem Kopf – wie gut, dass bei Jo und Valerie ein Zimmer frei war. Ich habe einen Job, den ich gerne mache und einen freundlichen Chef, der mich unterstützt. Marc hat mich eh immer nur klein gehalten.
Und jetzt gehe ich feiern! Ich habe schließlich noch nicht meinen Geburtstag gefeiert. Er hat mir den 30. versaut, den 31. lasse ich mir von Dir nicht kaputt machen, Marc Meier!

Auf geht´s!

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