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Karo Offline

PJler:


Beiträge: 946

02.06.2019 19:20
#326 RE: Story von Karo Zitat · antworten

REMSCHEID


April 2.10 – Gretchen und Professor Haase telefonieren



Gretchen erreichte Ihren Vater erst am nächsten Abend.
„Hallo mein Kind!“
„Papa, wie geht es Dir?“
„Endlich wieder Alltag.“ Professor Haase lachte. „Deine Mutter ist furchtbar aufgeregt. Jochen hat mich bekniet sie mitzunehmen aber da war nichts zu machen. Wie geht es Dir, Kälbchen. Du klingst sehr gut!“
„Mir geht es gut, Papa. Ich soll Dir Grüße von Marc ausrichten. Er hat den Job in Hamburg.“
„Das habe ich bereits von Deiner Oma erfahren. Mit ihr habe ich eben telefoniert. Hans reibt sich die Hände, weil er meint, er hätte mir was weggenommen.“ Ihr Vater lachte. „Oma hat sich deswegen etwas Sorgen gemacht. Dass Professor Neuroth den Tipp von mir hatte, fand sie dann wieder sehr lustig. Vor allem war Doktor Meier alles andere als bescheiden.“ Franz prustete seiner Tochter ins Ohr. „Professor Neuroth hat ihn ausführlich gebrieft, was die Gehaltsstrukturen bei Hans angeht.“
„Also lachst Du Dir fast mehr ins Fäustchen?“
„So hat es Oma auch ausgedrückt.“
„Wie geht es ihr?“
„Gut. Momentan ist sie mit Elda alleine, Andrea ist ständig zu irgendwelchen Fortbildungen unterwegs.“
„Ob sie jemals ruhiger wird?“ Gretchen lachte. „Wie geht es denn Jochen?“
„Dein Bruder scheint für sich das Passende gefunden zu haben. Er hat ja schon immer sehr viel Spaß an seinen Kneipenjobs gehabt. In der Strand-Bar von Luisas Eltern geht er voll auf.
Die beiden sind echt froh, dass er sich darum kümmert. Vor allem hat Jochen richtig gut spanisch gelernt. Wo er nie ein wirkliches Sprachtalent war.“
„War ich auch nie...“
„Aber Du hast gelernt. Das war auch nie seins.“ Vater Haase lachte wieder. „Bärbel war der Meinung, dass das Haus von Peters Eltern hier in der Nähe sein muss. Sagt Dir San Telmo was?“
„Ja! Natürlich. Das ist dieser kleine Ort, von wo die Schiffe nach Dragonera starten. Die Finca war in den Hügeln, bei Andratx. Aber das sag Mama bitte nicht – sie fährt glatt dahin.“
„Mit Peters Eltern hast Du Dich doch immer gut verstanden, oder?“
„Ja, aber damit habe ich nichts mehr zu tun. Auch wenn sie wirklich liebe Menschen sind.“ Gretchen zögerte etwas, doch dann fuhr sie fort. „Ich habe damals alle Türen zu gemacht, bewusst oder unbewusst. Deswegen war Remscheid so ziemlich die schlechteste Option für eine Reha. Zu nah dran.“
„Vielleicht ist ja die eine oder andere Tür nur angelehnt? Oder es macht Dir wieder jemand auf? Hast Du nie wieder an Deine Freunde gedacht? Und Kälbchen – Du hattest immer so viele Freunde. Dafür habe ich Dich schon immer bewundert!“
„Nein, Papa. Ich habe nicht mehr darüber nachgedacht, sowas verdrängt man als Gretchen Haase. Aber weißt Du was? – Ich schwimme wieder. Und vorgestern habe ich einem Jungen das Leben gerettet. Ich war schneller als alle Rettis... und... schneller als Marc.“
„Das ist mein Kälbchen! Vielleicht bekommst Du ja nochmal eine Medaille?“
„Diesmal würde ich dem Bürgermeister eine scheuern, wenn er mir an die Brüste geht.“
„Ihr habt es mir ja erst hinterher gesagt.“
„Heute würde Marc auch was sagen.“ Gretchen kicherte. Er hatte sie auf dem Ärzteball gegen jede Tanzaufforderung verteidigt. Wie sie selbst auch jede Bitte abgelehnt hatte.


„Tut mir Leid, heute tanze ich nur einen Tanz und der gehört Doktor Meier!“
Sie hatten tatsächlich nur einmal getanzt. Zu einer Musik, die scheinbar aus einer anderen Welt kam, aus Magie entstanden, von Träumen inspiriert.


„Papa – ich danke Dir tausendmal für das Kleid. Wie Marc mich angesehen hat! Wir waren nicht lange da auf diesem Ball, aber er hat jede Minute genossen. Ich auch, solange ich die Kraft dazu hatte.“
„Ich warte auf Fotos!“
„Klar, Marc wollte sich direkt morgen darum kümmern. Heute war er nur noch schnell bei Professor Neuroth, weil er schon zum Mai wechseln will. Er hat noch Urlaub und Überstunden, nach seiner Rechnung muss er gar nicht mehr antreten. Das passte ihm ganz gut, weil er noch bei so ´nem Wettbewerb mitmacht. Manager of tomorrow oder so.“
„Hm, davon habe ich im Flugzeug gelesen und an Marc gedacht. Weißt Du, bei ihm scheint alles immer so leicht zu gehen. Probleme löst er im Handumdrehen. Siehe Doktor Kalila, der Junge ist für uns ein wahrer Glücksgriff. Jetzt wo ich auch auf Gina verzichten muss...“

„Papa... was treibt Mehdi da? Gina hat gesagt, dass er noch eine...“
„Ja, die PJlerin. Das trifft mich jetzt nicht so sehr, da sie hier definitiv keine Assistenz bekommen würde. Das war von Anfang an Marcs Meinung und mittlerweile muss ich ihm zustimmen. Dabei war sie immer eine engagierte Studentin.“
„Zwischen Theorie und Praxis ist halt immer noch ein Unterschied.“

„Da hast Du Recht. Kälbchen – kann ich irgendwann wieder mit Dir rechnen? Hm, vermutlich nicht, wenn Marc jetzt nach Hamburg geht?“
„Ehrlichgesagt – ich stecke den Kopf nicht nur bei meiner Vergangenheit in den Sand, sondern auch bei meiner Zukunft. Noch tiefer. Papa, ich habe keine Ahnung.“
„Wie auch immer – ich habe Dich natürlich auch gerne hier. Aber Du solltest trotzdem mal darüber nachdenken, die Reha ist schneller um als Dir lieb sein wird.“
„Das befürchte ich – trotz Verlängerung.“
„Das war ja zu erwarten. Kälbchen – versprich mir, dass Du darüber nachdenkst.“
„Jaja.“
„Margarete!“
„Ja, Papa. Ich... verspreche es Dir.“

(„Er sagt ja nicht, wann!“)

„Gut – und nicht erst nach der Reha!“

(„Menno!“)

„Jaaa.“

Karo Offline

PJler:


Beiträge: 946

02.06.2019 19:26
#327 RE: Story von Karo Zitat · antworten

REMSCHEID


April 2.11 – Wiedersehen



Bevor Gretchen an ihre Zukunft denken konnte, holte die Vergangenheit sie ein.

„Peter?! Was tust Du hier?“

Vor ihr stand ihr Ex-Verlobter. Seine Haare waren noch länger und noch mehr durcheinander, als bei ihrem letzten Treffen, in Berlin, vor einer langen Zeit. So wortlos wie er damals gegangen war, so wortlos sah Doktor Peter Weniger seine langjährige Lebensgefährtin an. Er hob seine rechte Hand, in der er die gerollte Tageszeitung hielt, wie zur Erklärung.

„Ich musste mich überzeugen, dass Du es wirklich bist.“
„Gut, ich bin es nicht!“ Sie wollte ihn stehen lassen.

(„Bloß weg hier!“)

„Gretchen! Was ist mit Dir geschehen?“
„Ich wurde betrogen?“
„Das meine ich nicht. Du bist ein Schatten Deiner selbst.“
„Du machst reizende Komplimente.“
„Ich bin geschockt, entschuldige bitte.“

Sie nickte nur.

„Was ist mit Dir geschehen? Warum bist Du hier?“
„Ich habe mich in Afrika mit einer Mücke angelegt.“

Peter musste etwas überlegen. „Malaria?“
„Ja.“
„Was hast Du in Afrika gemacht?“
„Gearbeitet.“
„Du?“ Wieder dieser erstaunte Blick.

(„Vermutlich fragt er sich immer noch, ob ich es wirklich bin.“)

Gretchen lachte. „Ich bin halt immer für eine Überraschung gut!“

„Ich hätte nicht gedacht, dass ich Dich nochmal wieder sehe. Und dann lese ich von einer Doktor Margarete Haase aus Berlin, dass sie in Remscheid einem Jungen das Leben rettet.“
„Und da musstest Du gleich nachsehen, ob mit Fotoshop gearbeitet wurde?“ Gretchen spielte auf ihr sehr dünnes und blasses Foto an. „Ich möchte nicht unhöflich sein, aber ich bin auf dem Weg zu einer Anwendung.“

„Darf ich auf Dich warten?“

(„Ich sollte mich mit meiner Zukunft beschäftigen, nicht mit meiner Vergangenheit.“)

Sie zögerte.
„Ja.“ Hörte sie ihre Stimme. „Ich komme in die Cafeteria. Ungefähr in einer Stunde.“

„Okay.Bis später.“

Karo Offline

PJler:


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10.06.2019 20:34
#328 RE: Story von Karo Zitat · antworten

April 2.12 - Tagebuch


Liebes Tagebuch,

unverhofft kommt oft... wenn ich mit solchen Sprüchen anfange... oh je oh je...
Peter ist aufgetaucht. Plötzlich stand er vor mir. Er war total überrascht, dass ich es war, von der er in der Zeitung gelesen hat. Obwohl das Bild auch wirklich nicht eindeutig ist 

Ich muss sagen – wir hatten einen wirklich angenehmen Nachmittag, haben uns voneinander erzählt. Von der Gegenwart. Unsere Vergangenheit haben wir außer Acht gelassen. Fairerweise muss ich sagen, dass ich mich mehr weiterentwickelt habe als er. Ich finde sogar, dass er sich ein bisschen zu sehr gehen lässt. Früher hatte er ja immer schon einen Zottelkopf... als einzige Anspielung auf früher habe ich ihm wortlos ein Haargummi hingehalten. Er wusste schon, was ich meine. Wobei ich hier meistens die Haare geflochten habe, ist einfach praktischer bei den ganzen Anwendungen. Da habe ich als Privatpatient wirklich viel auf dem Plan, im Gegensatz zu meinen beiden Kaffeetanten. Das ist übrigens nicht despektierlich gemeint, wir haben uns selbst so genannt. Die drei Kaffeetanten.
Zurück zum Zottelkopf. Peter hat noch immer die Praxis in Höhenberg, so wie wir sie damals geplant hatten. Klein und groß unter einem Dach.


Dr. med. Margarete Weniger, Allgemeinmedizin
Dr. med. Peter Weniger, Kindermedizin


Nur, dass auf dem Schild heute ein anderer Name steht. Seine Teilhaberin ist allerdings zehn Jahre älter als er, da ist er nicht interessiert. Mich hat es auch nicht interessiert. Komisch, da sitze ich mit einem Menschen, der mir sehr wehgetan hat. Aber ich unterhalte mich mit ihm, als sei nie was geschehen.
Liebes Tagebuch – ob es nicht sinnvoller wäre, mit meiner Vergangenheit ins Reine zu kommen, bevor ich Zukunftspläne mache? Vielleicht wird es Zeit, alte Dämonen herauszufordern – und abzuhaken. Ich glaube, mit Peter habe ich schon angefangen!

So, nun muss ich aber schnell schlafen. Ich muss schon vor dem Frühstück zum Stationsarzt... einmal in der Woche sehe ich ihn dann doch. Vermutlich, weil ich Privatpatientin bin.

Mach´s gut.

Karo Offline

PJler:


Beiträge: 946

10.06.2019 20:40
#329 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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April 2.13 – Marc und Professor Neuroth



„Sie hätten mich einweihen sollen, Doktor Meier!“
„Herr Professor, ich kann für mich selbst sprechen. Außerdem spart das Ihre Zeit und Ihre Nerven.“
„Zeit ja, aber Nerven nein, denn nach Ihrem fulminanten Auftritt bei Professor Stricker musste ich quasi das Skalpell fallen lassen um beim Chefarzt anzutreten. Was haben Sie sich dabei gedacht?“
Er legte Marc den zweiten Umschlag hin. „Es wäre gut gewesen, wenigstens zu wissen wovon der Alte redet.“
„Ich fand es als fairen Vorschlag. Die Wahl hat „der Alte“, wie Sie ihn so schön betiteln.“ Marc grinste.
„Mir ist nicht nach Späßen, Doktor Meier. Auch wenn Ihre Forderung in der Tat nicht überzogen ist, Sie haben den Bogen überspannt. Das hier ist ein Schreiben, mit dem Ihre Kündigung akzeptiert wird...“

(„Bleibt denen ja auch nichts anderes übrig!“)

„...und ebenso Ihr Vertrag als Honorar-Operateur. Diese Idee finde ich durchaus in Ordnung, Ihren Preis angemessen. Trotzdem verstehen Sie hoffentlich, dass ich in diesem Fall ganz klar übergangen wurde. Das mag nicht Ihre Absicht gewesen sein – nein, natürlich nicht.“ Professor Neuroth wusste inzwischen, dass sowas nicht Marcs Art war. „Allerdings ist Professor Stricker zu keinen weiteren Zugeständnissen bereit. Er soll seine Sachen packen und verschwinden!
Der Schweizer Arzt sah mit einem Mal viel älter aus. Er nickte auf etwas hinter Marc. „Das gehört Ihnen. So leid mir das tut, ich muss Sie aus der Studie ausschließen.“

Marc erstarrte und der ältere Chirurg ließ sich erschöpft auf seinen Stuhl fallen, seine Gesichtszüge drückten Bedauern aus. „Ich habe Ihre Arbeiten bereits aus unserem System entfernt. Damit kann die Universität keinen Anspruch darauf geltend machen, falls Sie sich mit diesem Manager-Projekt beschäftigen wollen. Das ist so ziemlich das einzige was ich noch für Sie tun kann.“
Professor Neuroth beobachtete den versteinert wirkenden Chirurgen. Wie er vermutet hatte, hatte Marc bei seinem Vorstoß nicht an die Studie gedacht. Der Ausschluss traf den Deutschen nun genauso hart, wie ihn selbst vor ein paar Stunden, als der Klinikchef ihm wutschnaubend seine Entscheidung mitgeteilt hatte.

„Danke.“ Marc klemmte sich die Ordner unter seinen linken Arm. Die rechte Hand hielt er seinem zukünftigen Ex-Vorgesetzten hin.
„Nichts für Ungut, Doktor Meier. Ich melde mich bei Ihnen wegen der OP-Planung.“

Nach nicht mal vier Monaten verließ Marc wieder ein Krankenhaus. Nicht als Patient, sondern als Angestellter. Ex-Angestellter. Er drehte sich nicht einmal mehr um.

Karo Offline

PJler:


Beiträge: 946

10.06.2019 20:44
#330 RE: Story von Karo Zitat · antworten

April 2.14 - Tagebuch


Liebes Tagebuch,

ich könnte heulen. Der Anlass ist eigentlich ein schöner, mein Bruder hat einen gesunden Sohn und auch Luisa geht es sehr gut. Miguel ist schnell und problemlos (3 Stunden!!!) zur Welt gekommen. Mama und Papa sind natürlich total aus dem Häuschen. Vor allem Mama redet von nichts anderem. Verständlich! Natürlich kann sie nicht ahnen, dass mir diese Freude einfach nur weh tut.

Leider wird das Gefühl des Versagens nicht weniger. Ja, ich weiß, mein Kind ist dem Malariamedikament zum Opfer gefallen. Das hat nichts mit mir zu tun.
Aber diese quälende Frage nach den ersten drei Schwangerschaften. Eigentlich ist das schon sehr komisch, dreimal werde ich trotz Pille schwanger und dreimal verliere ich ohne Grund mein Kind.

Mit Mehdi war das anders... da habe ich nicht verhütet und bin quasi selber Schuld. Wobei ich nicht so betrunken war, wie ich Mehdi vorgemacht habe – ich wollte nicht mit ihm schlafen. Dass ich es trotzdem gemacht habe... Alkohol, Verzweiflung und einen unnachgiebigen Mann... Marc nennt es schon Vergewaltigung. Ich hätte schließlich "nein" gesagt. Habe ich auch. Geküsst habe ich Mehdi trotzdem. Ob er nicht mit mir geschlafen hätte, wenn ich energischer gewesen wäre?

Marc hat geschnaubt und ich hatte den Eindruck, dass er schon fast böse war: „Genau das ist der Grund, warum Frauen zu selten gegen ihren Vergewaltiger vorgehen. Sie suchen vor allem bei sich die Schuld.“
„Das klingt aber nicht nach Marc Meier – bei dem hatten Frauen doch eh immer die Schuld.“
„Ja – das ist immer noch so. Aber bei Vergewaltigung hört der Spaß auf. Und Sex ist vor allem genau das: Spaß!“
„Und hast Du Lust auf ein bisschen Spaß?“
„Mit Dir immer, Prinzessin!“
Puh... mit Marc verschwinden alle Sorgen und Probleme, mit Marc zählt einfach immer nur das Jetzt. Das Jetzt, in dem nicht nur unsere Körper eins werden, sondern vor allem auch der Moment danach. Auch wenn unsere Körper sich schon getrennt haben sind wir immer noch eins. Zwischen uns ist dann so viel Nähe, erstaunlich, dass es Marc nicht jedes Mal auf die Flucht treibt.

„Das war früher, Gretchen. Mit Dir ist das total anders – wundervoll.“

Marc kann wirklich schöne Wörter benutzen.

„Ich begehre Dich sehr.“

Das hat noch kein Mann so gesagt.

„Meine zauberhafte Freundin...“

Mir fällt es immer schwer das zu glauben. Aber vor allem liebe ich Marc wegen seiner Ehrlichkeit. Also sollte ich es glauben.

Ich denke schon den ganzen Tag, dass es sch... ist, dass Marc gerade jetzt nicht hier ist. Ich möchte, dass er mich in den Arm nimmt. Wegen Miguel. Wegen unserem eigenen Kind. Wegen ihm. Wegen mir. Wegen uns.

Wegen uns – ein schöner Schluss!
Bis bald!

Karo Offline

PJler:


Beiträge: 946

10.06.2019 21:00
#331 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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April 2.15 – Marc und Gretchen telefonieren



„Prinzessin, schläfst Du schon?“

„Nicht jede Prinzessin heißt Dornröschen.“

Im nächsten Moment klingelte ihr Telefon. „Wie machst Du das, Marc? Immer wenn ich Dich am meisten brauche...“
„Also immer...?“
„Spinner.“
„Vielleicht liegt es daran, dass ich Dich brauche? Gerade etwas mehr...“
„Was ist denn passiert?“
„Ich habe heute meine Papiere geholt. Das macht mir mehr aus, als ich dachte.“
„Du hast Dich in Zürich vom ersten Moment an wohl gefühlt, nicht? Bis auf Deinen Big Boss stimmte ja auch alles.“
„Hm. Am meisten trifft mich der Ausschluss aus dem Forschungsprojekt.“
„Das haben die nicht wirklich gemacht?“
„Doch, das einzige, wpmit sie mich richtig treffen konnten...“

„Hm, geht es dabei generell um so eine Studie oder betrifft es genau dieses Thema?“
„Was meinst Du?“
„Naja, Forschungsprojekte wird es immer wieder geben. Egal welches Thema, Dein Kopf braucht diese Aufgaben. Oder ist es tatsächlich dieser spezielle Inhalt?“
„Ich glaube, meinem Kopf wäre das tatsächlich egal. Aber die Fragestellung ist einfach interessant und auch wichtig. Vor allem war es eine Fortführung der Arbeit, die ich bei Deinem Vater gezwungenermaßen kennenlernen musste. Durfte. Ich glaube, deswegen hängt nicht nur der Kopf mit drin, sondern auch mein Herz.“

„Ich würde Dich jetzt einfach gerne in den Arm nehmen.“
„Ich würde das jetzt einfach gerne annehmen.“
„Aber diese beiden OPs machst Du trotzdem noch? Das lässt der zu?“
„Sascha hat Urlaub und Professor Neuroth hat mich deswegen empfohlen. Erstaunlich finde ich es trotzdem, dass er mich nochmal in den OP lässt.“
„Er handelt im Interesse der Patienten.“
„Meinst Du? Ist auch egal. Das Geld werde ich für das Umzugsunternehmen brauchen. Aber ohne geht es nicht... ich hoffe, dass der Makler direkt was Vernünftiges dabei hat.“
„Wann fährst Du?“
„Ich fliege am Mittwoch.“
„Schade.“
„Für einen Tag macht alles andere keinen Sinn.“
„Allein für eine Umarmung würde es Sinn machen.“
„Ist was passiert?“

„Jochen hat einen Sohn.“
„Prinzessin...“ Marcs Herz krampfte, als er sich ausmalte, wie sehr seine Freundin unter dieser Tatsache leiden musste.

„Mutter und Kind geht es gut und Mama bombardiert mich mit Fotos.“
„Gretchen, das tut mir Leid. Also nicht, dass es allen gut geht. Sondern für Dich. Kann Sie sich nicht denken, dass Dir das weh tut?“
„Sie würde es vergessen.“
„Sie würde...?“
„Marc, Mama weiß nicht, dass ich schwanger war. Papa ja, wegen dem ganzen Drumherum. Aber Mama habe ich es nicht gesagt. Ich hatte einfach keine Lust auf ihre Gemeinheiten.“
„Deine Mutter weiß es nicht?“
„Bitte keine Vorwürfe!“
„Nein. Aber dann darfst Du Dich wohl auch nicht wundern. Aber – sie war doch bei Dir? Da hat sie nichts gemerkt?“
„Ja, stell Dir das vor. Meine Mutter, die sowas immer auf 20 Meilen gegen den Wind wittert... ausgerechnet bei der eigenen Tochter merkt sie nichts.“
Marc lachte kopfschüttelnd. „Und bei mir reden alle von einer gestörten Mutter-Kind-Beziehung.“
„Das ist ja nicht von der Hand zu weisen.“
„Wir arbeiten dran. Sie hat mir eine Postkarte aus Paris geschrieben.“
„Wer?“
„Lady Diana.“
„Die ist doch tot?“
„Hasenzahn... meine Mutter hat mir eine Postkarte geschickt.“
„Was sagt sie zu Deinem Umzug?“
„Hm...“
„Hm – es ist ihr egal?“
„Hm – sie weiß es nicht.“

„Deine Mutter weiß es nicht?“

(„Macht die mich gerade nach?“)

„Verarscht Du mich gerade?“

(„Ha!“)

„Nö. Das ist eine ernstgemeinte Frage. Nicht, dass sie Dich nachher vergeblich in Zürich sucht?“

„Hasenzahn!“

(„Leider hat sie nicht mal Unrecht!“)

Jetzt kicherte Gretchen.

„Entschuldige Marc. Aber Deine Mutter hat nun mal ein Händchen für den richtigen Zeitpunkt, wenn sie Deine Hilfe braucht.“

„Momentan braucht sie eher einen neuen Verleger. Naja, braucht sie weniger, will sie haben. Nach der Sache mit der Fanreise zur Skihütte, da hat man sie etwas verarscht.“
„Auf sowas würde sie sich nie einlassen – das weiß eigentlich jeder.“

„Und eigentlich müsste ihr Verleger auch wissen, dass sie sich sowas nicht gefallen lässt. Sie hat ihn jetzt auf Kostenübernahme und Schadenersatz verklagt. War ja quasi ein Arbeitsunfall.“ Marc lachte. „Über den Jahreswechsel war sie doch auf Leserreise auf einem Kreuzfahrtschiff. Da hat sie Blut geleckt. Ihre Agentin hat jetzt verschiedene Reedereien angeschrieben. Mal sehen, ob meine Mutter demnächst durch die Welt tingelt.“

„Davon träumt meine Mutter schon seit Jahren – einmal eine Hochseekreuzfahrt zu machen. Papa und sie haben schon öfter Flusskreuzfahrten gemacht. Meistens über besondere Hochzeitstage. Einmal haben sie uns mitgenommen. Von Passau ging es unter anderem über Wien und Belgrad ins Donaudelta.“
„Nach Rumänien?“
„Ja. Und zurück. In Bratislava waren wir jedenfalls auch. Und von irgendwo waren wir irgendwo in der Puszta. Ich habe noch nie so viel Staub gefressen, wie da.“
„Hasenzahn, Du bist ja schon richtig rumgekommen.“
„Wo warst Du denn schon überall?“ Ihre Stimme klang herausfordernd. „Was hat Deine Mutter Dir von der Welt gezeigt?“
„London und New York. Dresden. Und Schottland.“
„Schottland?“ Vor Gretchens Auge spielte sich gerade ein kleiner Film ab.

„Sie hatte eine Affäre mit Highlander!“
„Ist nicht wahr?“
„Natürlich nicht! Du hast das jetzt nicht geglaubt?“ Marc lachte schallend. „Hasenzahn, manchmal möchte ich Dich schütteln.“

„Ja komm... 10 Pferde würden sie nicht in die schottische Hochöde kriegen.“
„Da hast Du Recht. Nein, sie hatte mir irgendwann mal eine Whiskyreise dahin geschenkt. Wohl mehr aus Verlegenheit, weil sie keine Ahnung hatte, was sonst.“
„Und Du hast das gemacht?“
„Ja, verrückterweise. Aber es war echt gut und seitdem favorisiere ich den schottischen Whisky.“
„Das ist mir jetzt neu. Ich hätte Dich wenn überhaupt auf die Bierebene gestellt. Was weiß ich sonst noch nicht von Dir?“
„Ich kann Dir ja gelegentlich meine Whiskysammlung zeigen.“
„Aha.“

(„Aha? Etwas mehr Begeisterung, bitte.“)

„Was heißt denn hier ´aha`?“
„Peter hatte eine Briefmarkensammlung.“
„Und darauf bist Du hereingefallen?“
„Nein... leider nicht. Er war ganz schön sauer, dass ich nicht alle seine Alben sehen wollte...“ Gretchen lachte.

„Nee... jetzt echt?“
„Ja. Peter ist während der Jahre, die wir zusammen waren immer mit einem Freund in Urlaub gefahren. Ich durfte nie mit, damit er mir Postkarten schicken konnte.“
„Und darauf bist Du hereingefallen?“
„Wieso?“
„Als ginge es um Briefmarken... pfff!“
„Und wenn schon. Ich durfte immer nur mit nach Mallorca. Da konnte ich mir wenigstens den Flug leisten. Als Studentin kann man eben nicht durch die Welt reisen.“
„Pfff... was für ein Arsch.“
„Es ist auch egal.“

„Trotzdem... nein. Das ist indiskutabel. Wenn ich mit Dir verreisen wollte, dann so, dass es sich beide leisten können. Vermutlich würde ich Dich sogar einladen.“
„Hast Du ja – gibt es denn was Neues von der Versicherung?“
„Nein. Ist mir ehrlich gesagt auch egal. Du lebst und ich kann jetzt und hier mit Dir telefonieren. Nichts anderes ist wichtig für mich. Allerdings – wenn Du an Urlaub denkst, Hasenzahn, dann musst wohl eher Du mich einladen.“
„Bevor ich an Urlaub denke, möchte ich erstmal wieder arbeiten. Glücklicherweise verhindert die Reha, dass ich sofort nach Mallorca geschleppt werde, das Baby zu bewundern.“
„Vermutlich wirst Du nicht drumherum kommen.“
„Nein. Im Gegenteil...“ Gretchens Satz endete mit einem tiefen Seufzer. „Die wollen im Sommer heiraten und dann soll der Kleine auch getauft werden. Dann kann ich mich nicht drücken.“
„Nein, solange verlängern die Dich bestimmt nicht.“
„Apropos... ich muss jetzt versuchen zu schlafen. Ich habe schon um 7:30 Uhr den ersten Termin – Krankheitsverarbeitung.“
„Klingt nach Psychologie?“

„Ja.“ Gretchen lachte, sie hörte an Marcs Ton, was er davon hielt. „Ich soll es ausprobieren. Wenn es mir nichts taugt, kann ich es wieder streichen.“
„Naja... mit Deinem Neffen hast Du ja auch ein Thema. Dann können die nicht irgendwelche allgemeinen Fragen stellen und Dir die Antwort im Hals herumdrehen.“
„Das klingt, als hättest Du reichhaltige Erfahrung damit.“

(„Ich war Monatelang in einem Heim für Schwererziehbare...“)

„Schlaf gut, Prinzessin.“

(„Er lenkt schnell ab? Da muss ich bei Gelegenheit doch nochmal nachfragen...“)

„Du auch Marc.“

(„Sie fragt gar nicht nach? Normalerweise machen sie so spontane Themenwechsel doch misstrauisch?“)

Sie wird es irgendwann wieder hervorholen, wenn Du nicht damit rechnest.
So ist sie nicht.
Wie denn dann?
Sie ist eine tolle Frau – die einzige, die es bisher geschafft hat, ins Herz vorzudringen.
Ja, weil sie rücksichtslos ist. Sie macht, was sie will, egal, was andere wollen.

(„Ich will sie! Nur sie!“)

Mach Dir nur selber was vor.[/i
]

„Schnauze! Sie ist das Beste, was mir je passiert ist.“

[i](„Habe ich das jetzt gesagt oder nur gedacht?“)

Wegen ihr ziehst Du gerade wieder um...
Das Leben ist so. Hamburg ist auch nicht schlecht. Vor allem bist Du viel näher bei Deiner Oma.
Es gibt wichtigere Dinge, die Vergangenheit sind. Deine Affären beispielsweise. Da dienten Frauen einfach als Freizeitbeschäftigung und Befriedigung. Da war Dein Job das Wichtigste und jetzt? Nun ziehst Du innerhalb von sechs Monaten zum zweiten Mal um. Diese Frau kostet Dich einfach nur Geld. Was hättest Du Deine Whiskysammlung erweitern können.
Ein Leben zählt mehr als die beste Whiskysammlung der Welt.

(„Vor allem ihr Leben! Ohne sie kann ich mir meins gar nicht mehr vorstellen!“)

Du bist sowas von am Arsch!



Prinzessin – wenn ich es mir irgendwann wieder leisten kann, dann machen wir zusammen Urlaub. Wo Du willst. Ich lade Dich ein! Ich liebe Dich. Marc

Womit habe ich Dich verdient? Ich liebe Dich auch, Marc. Von ganzem Herzen

Paris wäre toll!

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