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Karo Offline

PJler:


Beiträge: 986

10.03.2019 00:08
#276 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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Januar 2.1 – Die ist es


„Wollen wir später noch was trinken gehen?“
„Lust hätte ich schon, allerdings habe ich für den Nachmittag eine Wohnungsbesichtigung ausgemacht.“
„Ich könnte Dich begleiten und anschließend kehren wir irgendwo ein. Nur wenn es Dir Recht ist.“
Marc grinste. „Ich gehe um Viertel nach Drei hier los, mit Dir oder ohne Dich.“ Sascha hatte einen Hang zum Zuspätkommen.
„Ist ja gut...“

(„Wie gut, dass er neugierig ist. Er wird rechtzeitig da sein.“)

So war es auch und nach einem zehnminütigen Fußweg standen die beiden Ärzte vor einem Mehrfamilienhaus.

(„Die Lage ist 1A!“)

„Na das nenne ich mal gut gelegen.“ Der dunkelhaarige Mann nickte anerkennend. Er selbst hatte mit dem Auto mindestens 20 Minuten Weg – je nach Verkehr auch schon mal das Doppelte an Zeit. Er sah an dem Haus hinauf. „Etwas futuristisch, oder?“ Er zeigte auf eine Wand aus Stahlbeton.
„Außen ist mir relativ egal.“ Marc grinste und drückte den Klingelknopf mit dem genannten Namen. „Wir müssen in den ersten Stock.“

Der Makler begrüßte sie kurz. „Entschuldigen Sie mich einen Moment, Doktor Meier, ich bin gleich für Sie da. Sehen Sie sich doch einfach schon um.“

Schon nach dem ersten Rundgang durch die Dreizimmerwohnung war sich Marc sicher: Die ist es!

Er hatte in den letzten Tagen einige Wohnungen angesehen, darunter sogar mehrere, die er sofort gemietet hätte – wenn es um ihn allein gegangen wäre. Doch er hatte weder Gretchen noch ein Kind darin gesehen, wenn er sich das überhaupt vorstellen konnte. Irgendwo hatte immer ein „Aber“ gesteckt. Hier waren sich Kopf und Bauch sofort einig.
Schon auf den Fotos war ihm das spitzwinkelige Echtholzparkett aufgefallen. Die Wohnung war hell und modern und praktischerweise mit vielen Einbauschränken ausgestattet. Das warmweiße Bad hätte er sich größer gewünscht, aber das Wichtigste war drin – eine Badewanne. Fast wurde für Marc zur Nebensache, dass zur Einrichtung eine Waschmaschine und ein Trockner gehörten. Rechts vom Bad befand sich das kleinste Zimmer. Durch das zweiflügelige Fenster kam selbst in dieser dunkleren Jahreszeit viel Licht herein. Er holte etwas aus seiner Jackentasche und platzierte es auf der grauen Fensterbank.

(„Perfekt!“)

Der Korridor mündete in die riesige Wohnküche, von der ein weiteres Zimmer abzweigte. Auch hier war das bodentiefe Fenster mit grauem Stein umrandet. Marc drehte sich und sah zurück durch die Tür auf die hochglänzende Küchenzeile. Sowohl in der gefliesten Rückwand als auch bei den Bodenplatten fand sich der graue Farbton, der alle Fensterrahmen zierte. Er sah seinen Kollegen durch die Glastür hinaus auf den Balkon treten.

Gerade als Marc die großzügige Wohnküche durchquerte, verabschiedete der Makler das Ehepaar. „Besprechen Sie sich nicht zu lange, es gibt viele Interessenten.“

(„Am liebsten wäre dem doch eine sofortige Zusage...“)

(„Wow! Das ist mehr als ein Balkon!“)




„Das ist eine Loggia, was Doktor Meier?“ Der Makler kam zu ihnen hinaus. Er zeigte auf das, was Sascha als futuristisch bezeichnet hatte. „Diesen Vorbau muss man nicht mögen, aber er schützt diesen Platz vor Wind und trotz des nackten Betons wirkt es sehr gemütlich.“
„Sie müssen mich nicht mehr überzeugen – ich nehme diese Wohnung!“
„Bitte?“ Der Makler war irritiert.
„Marc?“ Auch Sascha war nicht sicher, ob er richtig gehört hatte.
Der spontan entschlossene Chirurg grinste. „Sie haben richtig gehört. Ich möchte diese Wohnung mieten!“

Karo Offline

PJler:


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10.03.2019 00:13
#277 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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Januar 2.2 – Am Abend



„Gefällt es Dir etwa nicht bei uns?“ Eveline schüttelte lachend ihre Locken. Ihr Mann hatte ihr immer noch völlig ungläubig von Marcs spontanem Entschluss berichtet. „Die Jungs werden ganz schön traurig sein.“
„Die Jungs oder ihr?“ Marc grinste. In den vergangenen zwei Wochen, die er nun das Gästezimmer im Hause Nussbaum belegte, hatten die Eltern schon zweimal die Gelegenheit des kostenlosen Babysitters genutzt und waren ausgegangen. „Außerdem – ich bin ja nicht aus der Welt.“
„Du hast eine so große Wohnung gemietet, um unseren Kindern ein Zimmer einzurichten?“
„Meine drei Zimmer in Berlin sind größer. Ein Zimmer mehr hätte es durchaus sein können.“
„Vier Zimmer für Dich alleine?“ Vier Augen sahen ihn verständnislos an. „Warum?“
„Ich hoffe, dass Gretchen bald aus Afrika zurückkommt.“
„Zu Dir?“

(„Vor allem weit weg vom Erzeuger des Kindes!“)

„Wohin denn sonst?“
„Sie kommt doch auch aus Berlin?“
„Ja. – Und?“
„Ich weiß nicht... ich stelle mir das komisch vor. Dahin „nach Hause“ zu gehen, wo ich nicht zu Hause bin?“ Eveline zuckte mit den Schultern.

(„Ob ich es sagen soll...?“)

Seine Zunge war schneller als der Geist. „Sie wird keine Zeit haben, darüber nachzudenken.“ Marc grinste, die Gesichter seiner Freunde waren immer noch ratlos. „Sie ist schwanger. Sie ist aber noch unentschieden, ob sie es dort oder hier zur Welt bringen will.“

„Du wirst Vater?“ Die Frau seines Kollegen sah ihn mit offen stehendem Mund an, ihr Mann lachte: „Jemand anderes wäre jetzt schon seltsam...“

(„Wenn Du wüsstest...“)

„Dann waren die Schuhe von Dir?“ Sascha erinnerte sich an das rosafarbene Paar Babyschuhe, das auf dem Fenstersims gestanden hatte und dem Makler ein Rätsel aufgegeben hatte.
„Ja.“ Prustete Marc, der den Makler erfolgreich gehindert hatte, die Schühchen zu entfernen.
„Dann wird es ein Mädchen?“
„Nein. Aber das war beim Kauf noch nicht bekannt.“
„Leonie war auch als Junge angekündigt. Wir waren darüber sehr froh – weil wir ja hauptsächlich Jungensachen hatten. Jetzt bin ich schon glücklich über die weibliche Verstärkung. Ich weiß nicht, ob ich es mit vier Jungs aushalten würde!“
„Wieso vier?“ Ihr Ehemann zählte im Kopf schnell seine Kinder durch. „Habe ich was verpasst?“
„Bist Du kein Junge?“
„Wenn Du es so siehst...“ Der Chirurg lachte.

„Ab wann kannst Du denn in die Wohnung?“
„Sobald ich den Mietvertrag unterschrieben habe bekomme ich die Schlüssel.“ Marc sah das nachdenkliche Gesicht des neuen Freundes. „Ich habe ab morgen Spätschicht. Babysitten kannst Du vergessen!“

Bevor er sich in das Gästezimmer zurückzog nahm er dem Ehepaar das Versprechen ab, nichts über die schwangere Freundin verlauten zu lassen.

Karo Offline

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10.03.2019 00:17
#278 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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Januar 2.3 - USZ



Natürlich hatte er bemerkt, dass die eine oder andere Mitarbeiterin versuchte, seine Aufmerksamkeit zu erlangen. Auch das Getuschel war ihm aufgefallen. Es war ihm allerdings schlichtweg egal. Sein Beruf hatte ihn nach Zürich geführt und Marc schätzte sich glücklich, dass er sich spontan sehr wohl fühlte. In der Stadt aber auch im Universitätsspital.
Natürlich war es eine Umstellung – vom kleinen, persönlichen Elisabeth-Krankenhaus auf diese riesige Uni-Klinik mit ihren unzähligen Fachzentren und Instituten. Allein die Klinik für Unfall-Chirurgie, die von Professor Neuroth geleitet wurde, hatte fast mehr Angestellte, als das Elisabeth-Krankenhaus. Zwei stellvertretende Klinikdirektoren gehörten ebenso zur Führungsriege wie Doktor Nussbaum als Leitender Arzt, sowie der Leiter des Forschungslabors, die Klinikmanagerin und die Leiterin des Pflegedienstes Andrea Nystel. Sie war schnell mit Marc aneinander geraten, im Gegensatz zu anderen Kollegen war Marc auch bei hygienischen Kleinigkeiten nicht nachsichtig.

Zum Team gehörten neben der Klinikleitung 12 Oberärzte, davon waren – Marc eingeschlossen – vier mit erweiterter Verantwortung betraut. Zurzeit waren außerdem 15 Assistenzärzte in der Ausbildung. Nein, man konnte das Elisabeth-Krankenhaus nicht mit dem USZ, dem Universitätsspital Zürich, wie es korrekt hieß, vergleichen. Bisher hatte er nicht mal alle Mitarbeiter seines Fachzentrums gesehen.

Deswegen hatte er auch alle Assistenzärzte zu einer kurzen Versammlung gebeten. Wenigstens die Kollegen, für die er verantwortlich war, wollte er kennenlernen. Auch informierte er sich in Einzelgesprächen über den derzeitigen Ausbildungsstand und die verschiedenen Wünsche der Nachwuchsmediziner. Gleichzeitig machte er seine eigenen Erwartungen deutlich. Schnell merkten alle, dass Marc tatsächlich einforderte, was er verlangte. Das war vor allem bedingungsloses Interesse an der Medizin.

„Sie legen gleich richtig los, Doktor Meier. Die meisten Kollegen lassen es langsamer angehen und konzentrieren sich erstmal darauf, sich zurechtzufinden.“ Dabei hatte Professor Neuroth ihm anerkennend auf die Schulter geklopft.

Karo Offline

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17.03.2019 12:49
#279 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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Januar 3.3 – Assi-Stunde 1



Marc sah in die Runde. Von den 15 Assistenzärzten hatte er in den vergangenen zwei Wochen erst neun persönlich kennengelernt. „Deswegen bin ich sehr erfreut, dass Sie ausnahmslos meiner Einladung gefolgt sind.“ Er stellte sich selbst vor und bat dann kurz die ihm noch unbekannten Mitarbeiter, sich ihrerseits vorzustellen.
„Falls sich diese Information noch irgendwo im Klinikorbit befinden sollte – ich bin seit Januar für Sie beziehungsweise Ihre Ausbildung verantwortlich. Ich möchte mich bei den Kollegen entschuldigen, die ich in ihrem wohlverdienten Urlaub gestört habe, aber mir war es wichtig, Sie zeitnah kennenzulernen...“

Marc erläuterte, wie er sich die Zusammenarbeit vorstellte, beantwortete Fragen und fragte selbst. „Ich werde nach und nach mit jedem einzelnen noch ein persönliches Gespräch führen. Unabhängig davon möchte ich eine feste Gesprächsrunde pro Woche verpflichtend für alle einrichten. Ich rede nicht über stundenlange Aktionen – die übrigen Kollegen sollen nicht darunter leiden. Der Zeitrahmen soll zwischen 30 und 60 Minuten liegen – je nach dem. Auch wenn diese Zeit konsequent für Sie zur Verfügung stehen wird können Sie sich mit Fragen jederzeit an mich wenden. Damit ich Sie und Ihre Arbeitsweise besser kennenlernen kann, möchte ich Sie bitten, mir Ihre Logbücher zur Verfügung zu stellen.“
„Können Sie da nicht digital drauf zu greifen?“
„Doch, Doktor Nölchen, das könnte ich.“ Der Fragende war überrascht, dass der neue Oberarzt direkt seinen Namen wusste. „Ich bevorzuge einfach bedrucktes Papier. „Monitor“ haben wir eh schon viel.“
Er erklärte außerdem, wie er sich die Untersuchungsberichte und Dokumentationen vorstellte, die praktizierte Methode sei zwar normal aber entsprach nicht seiner Vorstellung von professioneller Arbeit. Zu guter Letzt forderte er sie auf, sich zurückzuerinnern. „Das ist Ihre freiwillige Wochenaufgabe. ´´Wann habe ich beschlossen, Medizin zu studieren und warum?``
Für die kommenden Meetings werde ich mit Professor Neuroth nach einem passenden Termin suchen und Sie rechtzeitig informieren. Vielen Dank!“

Nicht alle verstanden, was er mit der „freiwilligen Wochenaufgabe“ bezweckte und so löste sich die Versammlung mit unterschiedlichen Meinungen auf. „Noch mehr Arbeit“, „Was will der damit bezwecken?“ oder „Hausaufgaben – als wären wir Kinder“. Marc grinste.

Eine schwarzhaarige Ärztin traute sich nicht recht, ihn wirklich anzusprechen. Er beobachtete sie aus den Augenwinkeln, beendete aber dann ihre Zwickmühle: „Frau Doktor Wyss?“
„Ich würde das Angebot mit dem Logbuch gerne annehmen – verbunden mit einer Bitte.“
„Es mit den Augen der fachärztlichen Prüfungskommission anzusehen?“ Zwei Assistenzärzte waren laut Professor Neuroth so weit, sich zur Prüfung anzumelden. Diese Frau war eine von ihnen. Jetzt schien sie verlegen.
„Professor Neuroth hat mich bereits darauf hingewiesen, dass Sie und Doktor Kalila bald fertig wären. Deswegen habe ich tatsächlich Ihre beiden digitalen Versionen auf dem PC. Allerdings wäre mir das Logbuch ausgedruckt lieber.“
Frau Doktor Bianca Wyss lächelte dankbar. „Ich bringe es Ihnen mit. Vielen Dank!“

Karo Offline

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17.03.2019 12:52
#280 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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Januar 3.4 – Doktor Khalil Kalila



So wie Doktor Wyss dachten auch die anderen Ärztinnen, im Gegensatz zu den überwiegend männlichen Kollegen. Und so stapelten sich bald die Logbücher der Mitarbeiterinnen auf seinem Schreibtisch. Die Ausnahme war Doktor Khalil Kalila, der ein Problem besonderer Art hatte.

„Stopp, lassen Sie mich das verstehen. Die Klinikleitung hat Ihnen mitgeteilt, dass Ihr Assistenzarztvertrag Ende April ausläuft, egal ob Sie die Facharztprüfung gemacht haben oder nicht?“
„So habe ich es verstanden.“ Er überreichte Marc ein Schreiben.

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass Ihr dreijähriger Vertrag Ende April ausläuft. Bitte melden Sie sich daher rechtzeitig zur Facharztprüfung an. Wir schließen eine weitere Verlängerung Ihres Weiterbildungsvertrags aus. Mit freundlichen Grüßen...

„Ein dreijähriger Vertrag für einen Facharzt der Chirurgie? Ich dachte, auch in der Schweiz gelten fünf Jahre Weiterbildung?“
„Mein Medizinstudium in Ägypten ist das Problem. Dort habe ich bereits als Chirurg gearbeitet. Ich musste fliehen, da ich mich bei den Landesführern unbeliebt gemacht hatte. Hier wurde nur ein Teil meines Studiums anerkannt und natürlich scheiterte es an der Sprache. Ich bin also wieder zur Universität gegangen und habe Deutsch gelernt – die erforderlichen Scheine habe ich nebenbei gemacht. In einem Jahr die Scheine aus den letzten drei Semestern – eine reine Formsache. Die Ärztekammer tat sich schwer damit, mir den Facharzt anzuerkennen, auch wenn ich bereits mehrere Jahre als Doktor der Chirurgie gearbeitet hatte. Ich sollte durch eine bestimmte Anzahl an OPs meine Fachqualifikation beweisen und dann vorzeitig die Facharztprüfung machen. Ich habe mich letztes Jahr bereits zur Prüfung angemeldet, doch plötzlich wusste man nichts mehr von einer Verkürzung der Assistenzzeit.
Ich dachte, dass ich mich halt einfach noch mehr reinhänge und die erforderliche Anzahl an Eingriffen durchführe. Für die Uniklinik war das kein Problem – nun wollen die mir erzählen, dass mein Logbuch immer noch nicht vollständig ist, weil bei vielen OPs die Beurteilung durch einen Oberarzt fehlt.“
„Sie haben ohne Oberarzt operiert? Als Arzt in Weiterbildung? Verstehen Sie mich nicht falsch – ich habe durchaus den Eindruck, dass Sie wissen, was Sie tun. Trotzdem gibt es klare Linien und nach denen dürfen Sie nicht ohne Überwachung operieren.“
„Das weiß ich jetzt auch!“
„Was fehlt denn genau?“ Marc überflog die Aufstellung. „Gehen wir mal davon aus, dass die weiterhin nicht nachsichtig sein werden – dann haben wir theoretisch etwas mehr als zwei Monate Zeit – wenn Sie sich um einen Termin im späteren April bemühen vielleicht zwei Wochen mehr. Das kann funktionieren allerdings wird Ihnen dann keine Zeit mehr bleiben, sich auf die Prüfung vorzubereiten.“
„Ich brauche keine Vorbereitungszeit, ich brauche OPs. Im Ernst, Doktor Meier, die Prüfung mache ich so.“

(„WOW, ganz schön selbstbewusst.“)

„Wie lange haben Sie denn schon Berufserfahrung aus Ihrem Land?“
„Ich habe bereits vier Jahre gearbeitet – und selbst Studenten betreut.“
„Hm. Ich werde sehen, was ich für Sie tun kann.“
„Ich muss mich zwei Monate im Voraus zur Prüfung anmelden.“
„Dann schnüren Sie schon mal Ihre Laufschuhe, Doktor Kalila.“

Karo Offline

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17.03.2019 13:01
#281 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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Januar 3.5 – USZ



„Was machen wir mit Doktor Kalila? Da scheint es viele Ungereimtheiten zu geben.“
„Ich vermute, dass er einfach immer irgendwie durchgerutscht ist.“
„Weil es keinen wirklich interessiert hat.“ Marc konnte nicht verstehen, dass man diesem Kollegen nicht jede mögliche Unterstützung zukommen ließ. Die Ausbildungsrichtlinien waren strikt und sie hatten ihre Gründe. Aber dieser Mediziner war fertig ausgebildet und sein berufliches Vorankommen scheiterte am Desinteresse der vorgesetzten Stellen.
„Ich meine, er hat die ursprünglich geforderten Zahlen erbracht, schon im letzten Jahr. Er hätte längst wieder normal arbeiten können.“
„In der Ärztekammer gab es letztes Jahr viele Vorfälle und Skandale, die zu einer kompletten Neubesetzung geführt hat. Ich schätze, dass Doktor Kalila da einfach unter die Räder gekommen ist.“
„Ich werde ihn unter diesen rausziehen. Die Personen sind andere, aber nicht die Absprachen. Ihre Einverständnis vorausgesetzt, frage ich da einfach mal nach.“
Der Vorgesetzte nickte. „Tun Sie das.“
„Für den Fall, dass ich nichts ausrichten kann und die fehlenden Eingriffe noch durchgeführt werden müssen, werde ich Doktor Kalila bevorzugt im OP-Plan berücksichtigen. Ebenso Doktor Wyss. Da werden die Kollegen hoffentlich Verständnis für haben. Besteht Frau Doktor Wyss Ihre Prüfung, dann endet ihr Vertrag doch Ende April, richtig?“
„Ja.“
„Ist bekannt, was Frau Doktor Wyss dann vorhat?“
„Nein. Nur in Ausnahmefällen übernehmen wir die Mitarbeiter in ein ordentliches Angestelltenverhältnis. Warum?“
„Weil die Kollegin noch zahlreiche Überstunden und Urlaubstage geltend machen kann. Ich wollte ihr das als Lernurlaub vor der Prüfung anbieten.“
„Jeder Assistenzarzt bekommt sieben Tage Sonderurlaub zur Prüfungsvorbereitung.“
„Dann hat sie noch fünf oder sechs Wochen für die verbliebenen Eingriffe.“
„Ihr Katalog ist doch erfüllt?“
„Ja – aber es sind ein paar Sachen dazwischen, die ich so nicht akzeptieren würde. Ich habe mir das Logbuch mit der Kollegin zusammen angesehen und ihr bereits die meiner Meinung nach inakzeptablen Dokumentationen gezeigt.“
Er sah das verblüffte Gesicht des Professors und erklärte: „Gängige Praxis ist das eine – eine professionelle Ausbildung das andere. Natürlich reicht, was sie geliefert hat. Aber gut ist was anderes – vor allem die Berichte vom Anfang.“ Dann lachte er. „Herr Professor – Doktor Wyss wird nicht zur Nacharbeit gezwungen. Sie sieht das bereits als Wiederholung und Vorbereitung.“
„Hm. Und was hat es mit dieser Hausaufgabe auf sich?“ Ihm waren bereits verhaltene Beschwerden zu Ohren gekommen.
„Eine freiwillige Sache. Ich finde, es schadet nicht, mal rund zehn Jahre zurückzudenken und sich zu fragen, warum man Medizin studieren wollte.“
„Was bezwecken Sie damit?“
„Eigenmotivation. Ich glaube die wenigsten haben begriffen, wie fantastisch die Medizin ist. Welche Möglichkeiten sie trotz aller Grenzen bietet. Natürlich werden Ärzte hochangesehen. Aber man muss dafür auch sehr viel opfern. Und ich rede nicht allein von Zeit! Nein, ohne Begeisterung für das, was wir tun, geht es nicht!“

Professor Neuroth nickte. Doktor Meier hatte wahrlich Recht und die Assistenzärzte konnten von ihm nur profitieren. „Ich habe Ihren Vorschlag bezüglich der Assi-Stunde geprüft und ich denke, wir sollten das ausprobieren. Der Fall von Herrn Kalila zeigt ja, dass es wichtig ist, sich mehr um die Belange unserer Auszubildenden zu kümmern. Rechnen Sie allerdings nicht damit, dass Ihnen jeder begeistert um den Hals fallen wird.“
„Machen Sie sich wegen mir keine Gedanken. Ein bisschen Gegenwind kann manchmal ganz erfrischend sein.“

Natürlich gab es Unstimmigkeiten. Nicht nur bei den Kollegen, die sich einem veränderten Einsatzplan fügen mussten.
„Als hätten die Assistenzärzte nicht genug Freiheiten!“ Auch die Assis waren wenig begeistert. Vor allem, weil Marc auch in der zweiten Woche wieder eine freiwillige Aufgabe stellte.

„Haben Sie denn die Arbeiten vom letzten Treffen schon bearbeitet?“

„Natürlich – allerdings hatte ich Ihren Namen nicht dabei?“

Marc hatte tatsächlich den wenigen, die sich auf sein Thema eingelassen haben, ein kurzes, bewertungsfreies Feedback gegeben. Auch mit den Logbüchern der Assis beschäftigte er sich nach und nach und diejenigen, die ihm zuhörten, mussten feststellen, dass Marc tatsächlich an ihnen und ihrer Ausbildung interessiert war. Dass er zu seinem Wort stand, auch wenn es unangenehm wurde.
Dennoch - der anfängliche Gegenwind blies zunehmend stärker, denn kaum einer hatte Verständnis für die Bevorteilung des Kollegen Doktor Kalila. Marc hatte bei der Ärztekammer nichts ausrichten können und es blieb wenig Zeit für die noch fehlenden Eingriffe. Deswegen suchte er erneut den Rat seines Vorgesetzten.

„Es gibt doch noch andere der Universität angeschlossenen Lehrkrankenhäuser. Könnte man nicht versuchen, Doktor Kalila dort die eine oder andere OP zu ermöglichen? Gegebenfalls im „Assistententausch“?“
„Theoretisch ist das keine schlechte Idee. Allerdings wird sich da der Ärztliche Direktor querstellen. Er hat schon nachgefragt, warum ausgerechnet Doktor Kalila von Ihnen hofiert wird.“
„Ausgerechnet Doktor Kalila? Ich versuche lediglich zu retten, was andere jahrelang versäumt haben! Das hat nichts mit hofieren zu tun! Das ist ja wohl eine Unverschämtheit!“
„Ihm gefiel auch nicht, dass Doktor Wyss so lange Urlaub bekommt.“
„Äh, wann soll sie den denn sonst nehmen? Im Mai, wenn ihr Vertrag durch ist?“
„Es sei nicht unsere Aufgabe, den Angestellten ihren Urlaub nachzutragen.“
„Es handelt sich hier um vertraglich zustehenden Urlaub. Die Arbeitsordnung gibt außerdem sehr detailliert vor, wie aufgelaufene Überstunden zu handhaben sind. Auch was die Regulierung der Überstunden angeht, halte ich mich korrekt an die Vorgaben der Arbeitsordnung. Mit freundlichen Grüßen an Professor Stricker.“

Fast hätte Professor Neuroth gelacht. Sein neuer Oberarzt war nicht dumm und schon gar nicht so dumm, sich angreifbar zu machen. Was er sagte hatte Hand und Fuß, was er forderte, das lieferte er selbst. Und feige war er schon gar nicht. Er sah genau hin und stellte unbequeme Fragen. Wie im Fall von Doktor Kalila. Hier hatten alle Verantwortungsbereiche versagt und der ausländische Arzt musste es ausbaden.

Und er selbst auch. Professor Neuroth seufzte unmerklich. „Doktor Meier – ich habe die Auflage bekommen Ihnen eine Frage zu stellen. Als Antwort soll ich nur ein klares Ja oder Nein akzeptieren.“

(„Was kommt denn jetzt?“)

„Vielleicht habe ich ja zufällig was Passendes dabei. Nur zu...“ Hätte Marc mit der Frage gerechnet, er hätte den Professor nicht so locker aufgefordert.

„Der Ärztliche Direktor möchte wissen...“
Professor Neuroth zögerte und seufzte erneut. Es half nichts... „Sind Sie homosexuell?“

(„Was?“)

„Wer? Ich?“
„Beantworten Sie diese unangenehme Frage einfach mit ja oder nein.“

„Ich werde diese Frage gar nicht beantworten. Es geht schlichtweg niemanden etwas an!“

Damit rauschte Marc aus dem Büro. Er und schwul? Fast hätte er gelacht. Doch diese Frage war eigentlich nur ein weiterer Beweis für die Intoleranz der Klinikleitung. Er hatte sich verkneifen müssen, Professor Neuroth gegenüber von Diskriminierung gegen Doktor Kalila zu sprechen. Doch genau so schätzte er diesen Professor Stricker ein. Dabei verdiente der ägyptische Mediziner jede Unterstützung.

Vor ein paar Tagen hatte er ihn auf seine Flucht angesprochen.

„Das Kasr El Ainy Krankenhaus ist ein staatliches Krankenhaus, die Patienten, die dort hinkommen, müssen für die Behandlung nicht bezahlen. Somit gehören die wirklich ärmsten Menschen Kairos zu den Patienten. Nach der Revolution 2011 bekamen wir die Auflage, bestimmten Menschen, eine medizinische Versorgung zu verweigern. Als ich trotzdem wie gewohnt weiter arbeitete wurde ich festgenommen und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Das staatliche Gefängnis ist übervoll und so brachte man mich in ein Zuchthaus. Mein Bruder konnte mir zur Flucht verhelfen, wurde allerdings erwischt und zum Tod durch Auspeitschen verurteilt.
Zuerst war ich einige Zeit in Spanien. Da das Medizinstudium in Ägypten komplett auf Englisch stattfindet, wollte ich über Gibraltar nach England weiter. Doch eine entfernte Cousine ist hier verheiratet, deswegen habe ich mich in die Schweiz durchgekämpft. Ihr Mann ist Anwalt und konnte für mich seine Beziehungen spielen lassen. Ich hatte keine Papiere, geschweige denn Zeugnisse... bis die ganzen Dokumente endlich da waren habe ich Tag und Nacht diese Sprache gelernt. Den Rest kennen Sie. Ich bin froh, um jeden Tag, den ich arbeiten darf aber mittlerweile bereue ich meine Entscheidung, nicht nach England gegangen zu sein.“

Karo Offline

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17.03.2019 13:06
#282 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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Januar 3.6 – Marc in Sorge



Die Geschichte des ägyptischen Chirurgen, der trotz des Erlebten immer noch ein höflicher und meistens gut gelaunter Mensch war, erinnerte Marc an die Andeutungen, die Gretchen gemacht hatte. Dass Roula trotz den unmenschlichen Qualen, die sie jahrelang hatte erleiden müssen, so ein fröhlicher und herzlicher Mensch geblieben wäre.
Gretchen...

(„Nein, Meier! Du hast genug zu tun. Zeit zum Träumen bleibt da nicht!“)

Im Gegenteil. Heute früh hatte er die veränderte Einsatzplanung mitgeteilt und seit dem prasselten die Beschwerden auf ihn nieder. Hatte man vorher kaum Notiz von dem Assistenzarzt genommen, reagierten die Kollegen auf die offensichtliche Bevorzugung des Ausländers mit Unverständnis – und Anfeindungen.

„Das habe ich nicht gewollt, Doktor Meier!“ Doktor Kalila saß kleinlaut in Marcs Büro.

„Das war zu erwarten. Auf Sie kommen harte Wochen zu, aber die Ärztekammer macht keine Ausnahme. Die erforderliche Anzahl OPs muss bis Februar erbracht werden. Ich habe Sie deswegen für diese Hammerschichten eingetragen, dass Sie mitnehmen können, was geht. Wenigstens Professor Neuroth und Doktor Nussbaum teilen meine Sichtweise. Ihnen bleibt nicht viel Zeit, Doktor Kalila.“

Obwohl es Marc die letzten Tage gut gelungen war, die Gedanken an Gretchen im Keim und in Arbeit zu ersticken, gelang ihm dieses heute nicht. Immer wieder drängte seine Freundin in sein Bewusstsein. Und immer löste sein folgender, heftiger Herzschlag ein beklemmendes Gefühl aus.

(„Ich muss nochmal versuchen, dort anzurufen. Sie soll nach Hause kommen, solange es noch geht.“)

Vermutlich würde das Baby Ende April zur Welt kommen.

(„Herr Professor Stricker: Ich bin nicht schwul – ich werde Vater!“)

Es ist immer noch das Kind eines anderen.

(„Es ist Gretchens Kind. Also ist es auch meins!“)

Was Du nicht sagst...

Karo Offline

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24.03.2019 15:11
#283 RE: Story von Karo Zitat · antworten

AFRIKA


Jan 4.1 – Gretchen und die Übelkeit



Gretchen hatte sich in ihr Zimmer zurückgezogen.Sie zweifelte wieder einmal, ob es nicht doch besser war, ihre Mission hier in Afrika abzubrechen und nach Hause zu fahren. Während die Ärztin grübelte, beobachtete sie die Flüssigkeit, die aus dem Plastikbeutel in den Schlauch tropfte und von da den Weg in ihre Vene nahm.

Es war Ende Januar und Temperaturen um 35°C erschwerten ihr das Dasein als Schwangere immens. Bis April konnte es auch noch heißer werden, Roula hatte sie gewarnt, dass 40°C und mehr keine Seltenheit seien. Sie litt häufig unter Kopfschmerzen, die aber meistens dann auftraten, wenn sie sich übergeben hatte - wenn nur endlich diese Übelkeit nachließe, die ihr einiges an Kraft raubte. Von daher hatte sie sich entschieden, sich wenigstens von Zeit zu Zeit Flüssigkeit intravenös zuzuführen. Durch die anhaltende Übelkeit hatte sie oft keine Lust, irgendwas zu trinken, geschweige denn zu essen. Das musste doch bald mal vorbei sein. Normalerweise trat die Übelkeit durch die Hormonumstellung nur in den ersten Monaten auf – nicht aber am Ende des 6. Schwangerschaftsmonats. Schnell verdrängte sie den immer wieder kehrenden, quälenden Gedanken. Das war nur die Hitze, ansonsten ging es ihr ja gut!

Gott sei Dank war Fritz da und erledigte die Fahrten in das Land, sodass sie sich momentan ausschließlich um die Patienten in der Krankenstation kümmern brauchte. Da nun täglich jemand dort war, waren die Tage nicht mehr so endlos lang, sondern die Kranken kamen wenn es nötig, nicht wenn ein Arzt da war.

Gretchen zweifelte wieder, ob es nicht doch sinnvoller wäre, das Kind in Deutschland zur Welt zu bringen. Aber was sollte sie zu Hause. In Berlin war nur der Erzeuger des Jungen.
Ihr Vater hatte erzählt, dass er offiziell in Marcs Wohnung eingezogen, da dieser nun tatsächlich in Zürich lebte. Nein, Berlin war keine Alternative. Winterkalt und ohne Marc – bei dem Gedanken fröstelte es Gretchen noch mehr. Trotz Mittagshitze.

Seit dem kurzen Telefonat hatte sie nichts mehr von Marc gehört. Vermutlich war er noch beschäftigt, sich in seinem neuen Job zurechtzufinden. Ihr Vater hatte ihr zu Weihnachten ein weiteres Geschenk von ihm überreicht. Marc hatte ihr eine wunderschöne Mappe geschickt, für ihre Dokumentationen über ihre ärztlichen Arbeiten in Afrika. Sie sah hinüber zu ihrem Schreibtisch. Mittlerweile war diese Mappe auch sehr gut gefüllt.
Ihr Vater hatte einen langen Brief für ihn mitgenommen. Unter anderem. Mittlerweile war sie unsicher, ob der kleine Baobab, den sie unter höchster Anstrengung aus dem knochentrockenen Boden gebuddelt hatte, eine gute Idee gewesen war.

(„Bestimmt denkt er, ich traue ihm das mit dem Kind nicht zu. Gretchen, Du Schaf. Jetzt forcierst Du seine Zweifel auch noch...“)

(„Schön langsam aufstehen, Gretchen, sonst wird Dir wieder schwindelig.“)


Gretchen richtete sich langsam auf. Der Tropf war durchgelaufen und sie entfernte die Nadel aus ihrem Arm und legte die Utensilien zur Seite, die würde sie später mit rüber zur Krankenstation nehmen. Momentan wollte sie es vermeiden, unnötig hin und her zu laufen. Die Hitze machte ihr gewaltig zu schaffen.

Die blonde Ärztin nahm sich ihre Mappe vom Schreibtisch und legte sich wieder auf ihr Bett. Sie hatte eine ganze Liste mit offenen Fällen, meist Schwangerschaften, die besondere Aufmerksamkeit erforderten.
Gretchen fragte sich, wie sie die Frauen im Umland aufsuchen sollte, wenn sie sich bei der Hitze selbst kaum aufrecht halten konnte. Sie musste nochmal mit Roula überlegen, ob es nicht sinnvoller war, die Schwangeren zur Geburt nach Sanssouci zu holen. Platz dafür hatten sie ja geschaffen.
Weil der Bettenraum direkt neben der Station weiterhin nur den Kranken zur Verfügung stehen sollte, hatten Roula und Gretchen hinter der Krankenstation ein paar Hütten aus Schwarzdornakazien aufbauen lassen. So hatten die Mütter wenigstens genug Privatsphäre während und nach der Geburt.

Sie sah wieder auf ihre Aufzeichnungen.
Géraldine würde einen Kaiserschnitt brauchen und vermutlich auch Kadi, während Proura wohl kaum Schwierigkeiten bekommen sollte, ihr Baby auf natürlichem Wege zu bekommen. Doch Gretchen war mit diesen Prognosen vorsichtig geworden. Sie hatte sich angewöhnt, den Frauen alle Möglichkeiten zu bieten. Bei Naiya, der 2. Frau von Domenic war es auch zu unerwarteten Komplikationen gekommen und das kleine Mädchen hatte Glück gehabt, weil sie hier in Sanssouci lebten. Irgendwo im Busch wäre Isabelle definitiv nicht lebend zur Welt gekommen und auch für Naiya hätte es übel enden können.

Die 17jährige hatte in drei Jahren vier Totgeburten gehabt. Fünf Schwangerschaften für ihren jugendlichen Körper. Mehdi hatte sich einmal mit Domenic in Ruhe über dieses Thema unterhalten.
Domenic war Lehrer in Sanssouci und gehörte zu den gebildeten Menschen in diesem Land. Aber es war heikel, mit den Männern über ihre Ehefrauen zu sprechen. Sie waren halt doch immer noch Eigentum. Und die brutale Tradition der Beschneidung gehörte zum Leben einer Frau dazu. Was beides zusammen anrichten konnte, hatte sie bei Roula gesehen. Die Afrikanerin hatte sich Gretchen anvertraut.

Mehdi hielt sie jedoch auf Wunsch der Pfarrersfrau daraus, obwohl ihr der Kollege sicherlich eine gute Hilfe gewesen wäre. Insgesamt hatte sie Roula dreimal operieren müssen, um die Spuren von Verstümmelung und Vergewaltigungen weitestgehend zu beseitigen. Roula wünschte sich ein Kind. Doch ohne die medizinische Hilfe war es nicht mal möglich gewesen, mit ihrem Mann zu schlafen. Ein afrikanischer Mann hätte sich sicherlich nicht damit abgefunden.

Gretchen erwachte und wusste einen Moment nicht, wo sie sich befand. Warum war es plötzlich so kalt? Sie setzte sich auf und dabei rutschte ihre Mappe zu Boden. Reflexartig beugte sie sich herunter und wollte nach dem Ordner greifen.

Das Schwindelgefühl kam umgehend.
Die junge Frau wartete, dass ihr Gleichgewicht zurückkehrte. Das dauerte dieses Mal ungewöhnlich lange. Sie richtete sich langsam auf. Im nächsten Moment durchzog ein krampfartiger Schmerz ihren Bauch.

(„Nein! Nicht das Baby...“)

Gretchen konnte nicht weiter denken, im nächsten Moment rutschte sie unter dem Krampf und dem Schwindelgefühl zu Boden.

(„Bitte nicht das Baby...“)

Die Ärztin traute sich nicht, sich vom Boden zu erheben. Doch wenn sie nicht erfrieren wollte, musste sie wohl oder übel auf die Füße kommen. Sie stützte sich am Bett ab, doch Gretchens Beine wollten nicht gehorchen und so zog sie das Laken von der Matratze und wickelte sich darin ein.

Sie musste wieder eingedöst sein. Gretchen fühlte sich steif. Warum lag sie in ein Laken gewickelt vor ihrem Bett? Sie versuchte sich zu orientieren. Sie schätzte den Abend auf irgendwas um 18 Uhr, die Sonne würde bald untergehen.
Gretchen fasste sich an ihren Bauch, erinnerte sich an den krampfartigen Schmerz.

„Gretchen? Wo bleibst Du...“ Roula betrat das Zimmer der Ärztin. „Mein Gott, was tust Du da? Gretchen, was ist passiert?“
„Ich weiß es nicht.“ Mit Hilfe der Afrikanerin kam Gretchen auf die Beine und setzte sich auf den Bettrand.
„Was hast Du mit dem Laken gemacht?“
„Mir war kalt, glaube ich.“
„Kalt? Bei fast 40° Grad?“ Roula bemerkte, dass Gretchen sich wiederholt an den Bauch fasste.
„Was ist?“
„Ich hatte eben einen stechenden Schmerz im Unterleib.“
„Das Baby?“
„Ich weiß es nicht Roula.“ Die Antwort kam aggressiv. „Ich hatte mich an den Tropf angeschlossen und danach wurde mir schwindelig.“

„War Dir schon öfter schwindelig, Gretchen?“
„Vielleicht...?“ Die Unsicherheit in Gretchens Stimme war Antwort genug für Roula. Ihr prüfender Blick lag auf der Ärztin. Die Afrikanerin legte ihre Hand an Gretchens Stirn. „Fieber?!“
„Ich denke nicht.“
„Gretchen, das war keine Frage. Dir war kalt und Du fühlst Dich heiß an.“
„Vielleicht habe ich mich erkältet.“
„Leg Dich erstmal in Dein Bett.“
„Ich muss noch nach dem kleinen Jungen sehen. Kizou, Du weißt, der mit den Hautparasiten.“
„Du legst Dich hin und ich sehe nach ihm.“

Gretchen schob sich ganz auf das Bett, als der nächste stechende Schmerz durch ihren Bauch fuhr. „Aaaahhhhhh“

„Gretchen?“ Roula sah auf ihre Freundin herunter, die sich unter den Krämpfen zusammen krümmte. Nach kurzer Zeit war der Krampf vorbei und der Körper der Ärztin lag erschöpft in den Kissen.
Roula sah noch einen Moment auf Gretchen, dann eilte sie die Veranda entlang zu ihrer eigenen Wohnung.

„Martin?!“
Der Gerufene blickte erschrocken auf, als seine Frau aufgeregt in das Zimmer gestürzt kam. „Gretchen ist krank. Wenn Du mich fragst zeigt sie Malaria-Symptome.“

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24.03.2019 15:18
#284 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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Januar 4.2 – Sorgen



Marc hatte wieder einmal außerordentlich schlecht geschlafen. Seit er in Zürich war, hatte er zwar keinen Alptraum mehr gehabt, Ruhe oder sogar Erholung fand er allerdings nicht. Immer wieder beschlich ihn ein beklemmendes Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmte. Irgendwann war Elke von den Anrufen ihres Sohnes so genervt, dass sie ihm verbot, ihn öfter als einmal pro Woche anzurufen. Sie versprach ihm allerdings, im Elisabeth-Krankenhaus nach dem Rechten zu sehen. Die Oma freute sich hingegen über die regelmäßigen Anrufe des Enkels, nach dem gemeinsamen Weihnachtsfest hatte sie befürchtet, dass der Kontakt durch die große Entfernung wieder abreißen würde.
„Nein, Oma. Du wirst mich erst wieder los, wenn Du tot bist!“
„Vergiss es, Marc. Meine Werte sind gut und ich möchte noch etwas von Dir haben. Und Dich richtig kennenlernen!“

Elke gesund, Oma glücklich. Zuletzt blieb die Sorge, dass mit Gretchen etwas nicht stimmen könnte. Vor gut zwei Wochen hatte er das letzte Mal kurz mit ihr telefoniert, sie hatte schlapp geklungen, sie hatte es abgetan.

***
„Marc, ich bin im sechsten Monat schwanger und mein Bauch führt mittlerweile ein Eigenleben. Solange ich mich bewege, ist alles gut, aber wehe ich möchte mich mal ausruhen, dann fängt der Kleine an zu turnen. Wir haben Temperaturen um 35 Grad und mir ist heiß, mir ist heiß und mir ist heiß. Dazu diese häufigen Rückenschmerzen. Ich will nicht sagen, dass ich Kreislaufprobleme habe aber es ist wirklich anstrengend.“
Marc lachte liebevoll und überraschte Gretchen wieder einmal. „Ich habe darüber gelesen, dass der Bewegungsdrang des Kindes jetzt größer wird.
Solange Du Dich bewegst, wird es bewegt. Erst wenn Du zur Ruhe kommst, wird es selbst aktiv. Eigentlich ein gutes Zeichen, dass es ihm gut geht.“
„Du... liest?“
„Ich hatte das Glück, es zu lernen.“
„Das meine ich nicht, Marc. Du liest über Schwangerschaften?“
„Es ist wohl meine einzige Möglichkeit, irgendwie zu wissen, was bei Dir gerade passiert.“
„Ist das ein Vorwurf?“
„Du weißt, dass ich Dich gerne hier bei mir wüsste. Euch.“
„Ja... aber, Marc...ich...“
„Bald nimmt die Zeit Dir die Entscheidung ab.“
„Ich weiß...“ sie hatte es leise gesagt.

***
Seitdem hatte er keine Verbindung mehr nach Sanssouci bekommen. Insgeheim ärgerte er sich über sich selbst, dass er sie nicht nach Hause geholt hatte. Aber wann hätte er Zeit dazu gehabt? Sein Blick fiel auf den Kalender. Erst im März stünde ihm Urlaub zu, dann gingen aber wechselnd Kollegen in die Ferien und zwei der Assistenzärzte stünden kurz vor ihrer Facharztprüfung. Es war sein eigener Wunsch gewesen, für den Ärztenachwuchs verantwortlich zu sein, da konnte er sich nicht verdrücken.

(„Eigentlich wäre es jetzt einfach perfekt!“)

Marc griff zum Telefon. „Professor Neuroth, haben Sie gerade Zeit?“
Der Professor hatte und Marc suchte seinen neuen Chef in dessen Büro auf. „Das kommt mir sehr gelegen, Doktor Meier. Ich habe Ihr Exposé gelesen.“

Jeder Teilnehmer des Forschungsprojekts war angehalten, seine Vorstellungen der Zukunft der Medizin aufzuschreiben. Dabei war es egal, wie nah das Thema an der Realität lag. Erstmal sollte es ein Brainstorming sein. Der Studienleiter hatte den Abgabetermin auf Ende Februar terminiert, doch Marc hatte ihm schon vor wenigen Tagen seine Arbeit überreicht.
„Eine exzellente Arbeit. Man merkt, dass Sie sich bereits mit dem einen oder anderen Thema auseinandersetzen durften.“

(„Musste!“)

„Sie wissen, dass diese Studie eine Möglichkeit zur Habilitation bietet?“
„Natürlich.“
„Soso. Natürlich, also.“ Der Professor grinste seinen neuen Chirurgen an. „Sie haben aber auch mitbekommen, dass bereits mehrere Teilnehmer über eine Habilitation nachdenken?“
„Natürlich.“ Auch Marc grinste. „Aber – sie denken darüber nach. Ich sage Ihnen, dass Sie einen Teil meiner Arbeit bereits in den Händen halten.“
„Ich habe es mir fast gedacht, Doktor Meier.“
„Ich hoffe nicht, dass Sie jetzt ein fertiges Konzept verlangen.“ Marc grinste wieder.
„Nein, dafür ist es noch etwas früh!“
„Aprospros früh... weswegen ich Sie sprechen wollte...“ Marc erklärte dem Professor seine Überlegungen und endete mit der Frage. „Ob es wohl Ausnahmen von dieser Regel gibt und ich schon im Februar ein paar Tage frei nehmen könnte?“
„Ehrlichgesagt wüsste ich nicht, was dagegen sprechen sollte, eine Ausnahme zu machen. Tatsächlich könnten Sie frühestens im April Urlaub nehmen. Wenn es mit dem Urlaub nicht gehen sollte, kann man immer noch Ihre bereits zahlreichen Überstunden einsetzen. Ich muss das trotzdem vom Direktor absegnen lassen. Er hat mich eh um ein Gespräch gebeten, da werde ich ihm den Urlaubsantrag gleich vorlegen.“

„Wann im April besteht denn noch eine Chance?“

„Die letzten beiden Aprilwochen und die erste Maiwoche.“

(„Das Baby kommt Ende April.“)

„Können wir die drei Wochen direkt einloggen?“

„Natürlich. Aber eine Woche im Februar ist trotzdem aktuell?“
„Ja, klar. Zur Not auch einfach ein paar freie Tage. Lieber früher als später.“
„Ist gut, Doktor Meier, ich werde das veranlassen.“

(„Ich muss sofort gucken, wie Flüge verfügbar sind. Am besten zurück für zwei Personen!“)

Die Vorstellung, dass Gretchen vielleicht doch bald bei ihm in Zürich wäre, lockte ein glückliches Lächeln auf sein Gesicht.

Lass Sie da, Du hast eh kaum Zeit für Dich. Wenn sie und das Balg erst hier sind, dann hast Du keine ruhige Minute mehr.
Vielleicht keine ruhige Minute mehr aber eine wunderschöne Zeit. Erst das wachsende und werdende Leben, dann das Baby und mit ihr zu dritt.
Der Sinn des Lebens... mir kommen die Tränen.

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24.03.2019 15:26
#285 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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Januar 4.3 – Regeln



„Der Sinn des Lebens“ – darüber hatten heute die Assistenzärzte in der Assi-Stunde nachgedacht. Marc hatte diese Zusammenkunft der jungen Mediziner eingeführt, ein- bis zweimal pro Woche fand diese Veranstaltung nun statt. Was mittlerweile fast alle Assistenzärzte begrüßten, dass ein Arzt ausnahmslos Zeit für sie hatte, fand nicht bei allen Kollegen Anklang, mussten sie diese Stunde(n) irgendwie überbrücken.

Letzte Woche hatten sie einen schwerverletzten Mann auf dem OP-Tisch gehabt. Vermutlich hatte er sich das Leben nehmen wollen, der Zug hatte ihm statt dessen nur Arme und Beine abgerissen. Musste man einen Menschen retten, der nicht gerettet werden wollte? Nun war er gezwungen, ein Leben auszuhalten, das er nicht hatte leben wollen. Ohne Chance, es sich zukünftig wieder nehmen zu können.
Marc fühlte sich wieder einmal darin bestätigt, dass Mitgefühl und Gedanken um die Patienten die neutrale, medizinische Sicht behinderten. Er hatte einen Job zu machen – den Mann am Leben zu halten. So und nicht anders hatte er es geschworen.

Über dieses Thema kamen sie auf Patientenverfügungen zu sprechen. Zu wenig Menschen verfügten darüber und waren dann – wenn es schlimm kam – einem langen Hinsiechen ausgeliefert.

Marc hatte eine freiwillige Wochenaufgabe gestellt. Das Thema: „Patientenverfügung“.
Er war gespannt, was die Assistenzärzte ihm liefern würden. Er gab nichts vor, außer das Thema. Ob Einzel- oder Gruppenarbeit blieb seinen Schützlingen selbst überlassen.


Die Chirurgie hatte momentan 15 Assistenzärzte, für die Marc – auf eigenen Wunsch und zur Erleichterung der anderen Oberärzte – die Verantwortung übernommen hatte. Für ihn bedeutete das in erster Linie mehr Arbeit, doch die jungen Kollegen kapierten schnell, dass sie einen Chef bekommen hatten, der an ihrer Ausbildung interessiert war. Der streng über ihre Arbeit wachte. Mittlerweile traute sich keiner mehr, unvorbereitet zu einer OP zu kommen. Wollte auch keiner, denn Doktor Meier belohnte Einsatz mit dem Einsatz im OP-Plan. So wurden ihre OP-Kataloge schnell voller. Vor allem die beiden Assistenzärzte, die im April ihre Prüfung machen würden, profitierten quasi „auf der Zielgeraden“ von dem neuen Oberarzt.

Professor Neuroth klopfte sich immer wieder auf die Schulter, Doktor Meier hielt, was sich der Schweizer Professor von ihm versprochen hatte. Nicht nur, dass die Assistenzärzte deutlich engagierter waren, Marc war besonders wegen seiner zurückhaltenden, ehrlichen Art bei den Kollegen beliebt. Ja wohl – zurückhaltend.
Er hatte sich der Herausforderung gestellt und sich – zu seiner eigenen Überraschung wohlgemerkt – problemlos in das bestehende Team eingefügt. Natürlich brachte seine kompromisslose Position hinter den Assistenzärzten Unruhe rein, aber insgesamt respektierte man „den Neuen“ mittlerweile. Vor allem, weil das was er anpackte auch funktionierte.
Natürlich war besonders das weibliche Personal – egal ob Ärztin oder Krankenschwester – sehr angetan, von dem attraktiven Neuzugang. Natürlich versuchte die eine oder andere bei ihm zu landen. Fehlanzeige.

***
„Und deswegen haben wir immer noch die Befürchtung, dass Doktor Meier homosexuell sein könnte.“ Nicht nur der Ärztliche Direktor Professor Doktor Hubert Stricker sondern auch der Dekan der Medizinischen Fakultät schien besorgt zu sein. „Wissen Sie, wir sind für Tausende junge Menschen verantwortlich und können uns keine schlechten Vorbilder leisten.“
„Sie haben doch mit Doktor Meier über unsere Befürchtung gesprochen?“

„Natürlich“ Der Leiter der Chirurgischen Klinik, Professor Neuroth, schüttelte den Kopf. „Da gibt es nichts zu befürchten. Und ehrlichgesagt – ich verstehe Ihr Problem nicht?“

„Wenn Doktor Meier homosexuell sein sollte, dann ist er eine Gefahr für unsere Schutzbefohlenen.“ Professor Doktor Doktor h.c. Thomas Nagler sagte es so deutlich, dass selbst der Ärztliche Direktor erschrak. „So will ich das jetzt nicht sagen, aber...“
„Aber gerade die Assistenzärzte, also seine Schutzbefohlenen, sind sehr zufrieden mit unserem neuen Kollegen! Besonders Doktor Kalila und Doktor Wyss, die kurz vor ihrer Facharztprüfung stehen, haben nochmal richtig zugelegt. Es kann doch nur in unserem Interesse sein, wenn das Universitätsspital langfristig wieder in der Spitze der Lehrkrankenhäuser zu finden ist.“
„Selbstverständlich Professor Neuroth. Ich möchte Sie bitten, nur ein wachsames Auge auf Doktor Meier zu halten. Er hat sich genauso an Regeln zu halten wie jeder andere!“

„Hm, wo sie es gerade ansprechen...!“

Professor Neuroth hätte nie im Leben damit gerechnet, dass man die Urlaubsanfrage einfach so abschmettern würde. „Das ist gegen jede Regel, allein so eine Frage zu stellen, zeugt von einer übermäßigen Arroganz.“
„Im Gegenteil, ich fand die Argumentation von Doktor Meier logisch und nachvollziehbar. Sonst hätte ich mich sicherlich nicht mit dieser Frage an Sie gewandt.“
„Dann haben wir beide wohl eine ganz unterschiedliche Sicht auf die Dinge. Aber Ihnen fehlt die Erfahrung der Klinikleitung. Da müssen wir ständig aufpassen, dass uns die Mitarbeiter nicht auf der Nase herum tanzen.“
„Ja... vermutlich fehlt mir diese Erfahrung.“ Professor Neuroth war enttäuscht – eigentlich geschockt von der willkürlichen Entscheidung. Er zog sich in sein Büro zurück und beschäftigte sich längere Zeit mit den verschiedensten Freizeitansprüchen der Angestellten.

(„Überstunden haben zeitnah abgebaut zu werden – so wie es im Dienstplan passt! Es passt perfekt...“)

Er trug die freien Tage ein und rief auf der Station von Doktor Meier an.

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24.03.2019 15:33
#286 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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Februar 1.1 – Ich hasse Dich



Gretchen hatte kaum noch Kraft, sich gegen Fritz zu wehren. „Lasst mich einfach in Ruhe schla...“
„...sterben – ist es das, was Du willst?“ Der wuschelköpfige Mediziner war genervt. Und frustriert, da Gretchen auf keins der Malaria-Medikamente ansprach. Es blieb nur noch eine Möglichkeit. Konnte sie nicht einfach in Ohnmacht fallen?

Doch den Gefallen tat sie ihm nicht. Sich selbst auch nicht. So musste sie miterleben, wie Fritz sie mit der Nadel stach und den Beutel mit der lebensrettenden

(„tötenden“)

Infusion anhängte. Die Flüssigkeit brannte wie Säure in ihren Adern, erbarmungslos breitete sich der Schmerz aus. Konnte er nicht einfach auch ihr Herz zum Stehen bringen? Gretchen liefen die Tränen über ihre blasse Wange. Der kleine Junge hatte sich schon länger nicht mehr so intensiv bewegt, vermutlich fehlte auch ihm die Kraft dazu.
Sie hörte die Stimme ihres Freundes:

„Erst wenn Du zur Ruhe kommst, wird es selbst aktiv. Eigentlich ein gutes Zeichen, dass es ihm gut geht.“

„Es geht ihm nicht gut...“ Ihre Stimme war ein kaum hörbares Flüstern.
„Was hast Du gesagt?“ Fritz beugte sich über sie.
„Ich hasse Dich!“ Sie sagte es klar und deutlich. Schließlich kam die erlösende Bewusstlosigkeit.

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06.04.2019 22:18
#287 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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Februar 1.2 – Assistunde 2



Marc beendete die heutige Assi-Stunde. „Ich habe mir noch etwas für Sie ausgedacht. Das Ganze ist wie immer freiwillig, für diejenigen, die noch etwas Zeit für kleine Übungseinheiten haben. Dort in der Kiste finden Sie Zettel mit Aufgaben. Die Farben zeigen Ihnen, um welches Fachgebiet es sich handelt. Blau – Orthopädie/Unfallchirurgie. Rot – Notaufnahme. Gelb – Viszeralchirurgie. Es schadet ja nicht, sich auch mit Fragen eines anderen Fachbereichs auseinanderzusetzen. Die Kiste wird Ihnen hier ständig zugänglich sein. Ziehen Sie sich einen Zettel, dann werden Sie dort zwischen drei und fünf Fragen finden. Alle diese Fragen habe ich aus Facharztprüfungsprotokollen zusammengetragen. Seien Sie ehrlich sich selbst gegenüber – beantworten Sie die Fragen ohne irgendwelche Hilfsmittel. Sie haben eine Stunde Zeit. Es geht mir nicht darum, Sie zu prüfen, sondern Sie zu unterstützen. Sie können das für sich selbst machen oder mir geben. Im zweiten Fall werde ich Ihnen ein Feedback zukommen lassen. Wie gesagt – Sie müssen nicht, Sie dürfen. Dann möchte ich Frau Doktor Wyss und Doktor Kalila bitten, nochmal ein paar Minuten dazubleiben. Vielen Dank!“

Die beiden genannten Assistenzärzte hatten sich für Anfang April für die Facharztprüfung angemeldet. „Sie haben unterschiedliche Prüfungstermine.“ Er gab jedem seine Einladung. „Von Seite der Klinik wurde Ihnen vorher eine Woche Urlaub eingetragen – allerdings frage ich mich, was Sie in einer Woche lernen möchten. Darf ich offen sprechen oder sollen wir das einzeln besprechen?“

Die beiden jungen Ärzte nickten. Sie befanden sich schließlich in der gleichen Situation. Und vor allem – diese Frage hatte sie auch schon beschäftigt.

„Die eingetragene Woche ist von der Uniklinik zugestandener Sonderurlaub. Frau Doktor Wyss, bei Ihnen kann ich mit Ihrem bestehenden Urlaubs- und Überstundenanspruch 25 Tage eintragen. Das hieße, Ihr letzter Arbeitstag vor der Prüfung wäre Freitag, der 4. März. Ich würde dieses Wochenende als freies Wochenende eintragen. Bei Ihnen, Doktor Kalila wäre es der 16. März. Sie haben bis morgen Bedenkzeit. Beachten Sie allerdings, dass ich spätestens bis 13 Uhr im Haus bin.“
Die dunkelhaarige Medizinerin war über dieses Angebot doch sehr überrascht. „Das wurde noch nie so gesagt, also dass das geht, die vorherigen Assistenzärzte hatten auch nie mehr als diese eine Woche.“
„Ja, dann wundert es mich nicht, dass beide ihre Prüfungen wiederholen mussten. Korrigieren Sie mich bitte – für den Fall, dass Sie die Prüfung bestehen, wird Ihr Arbeitsvertrag zum 30. April automatisch enden. Wollen Sie dann NACH der Prüfung den Anspruch abbummeln?“
„Hm...“
„Überlegen Sie es sich.“ Er reichte ihr einen dicken Ordner. „Mit freundlichen Grüßen zurück – Sie waren fleißig!“
„Warum machen Sie das? Ich meine, keiner der anderen Oberärzte hat sich je der Art Mühe gegeben. Alles was wir zusätzlich machen, macht Ihnen doch auch Arbeit?“
„Ich hatte das Glück, einen interessierten Ausbilder zu haben. Der mich über viele Jahre begleitet hat. Der sich für die Medizin ebenso begeistern kann wie ich. Man kann nur das gut machen, was man gerne macht.“
„Deswegen auch der erste Aufsatz „Warum habe ich Medizin studiert?“
„Genau. Denken Sie an die Patientin, die nach Jahren der Dialyse eine neue Niere bekommen hat. Für uns Chirurgen mag es „nur eine Niere“ sein. Für die Patientin ist es ein Leben. Ein neues Leben, nachdem sie jahrelang nicht gelebt hat um am Leben zu bleiben. Obwohl ihr Leben nicht mehr lebenswert war.“

Die beiden Ärzte nickten und Marc sah, dass sie ganz bei ihm waren. „Im Grunde ist es egal, mit welcher Krankheit – Diagnose – Therapie wir zu tun haben. Uns interessiert das Leben. Wenn wir gewinnen ist es unser Können – und oft auch ein Wunder. Für diese täglichen Wunder haben Sie plus minus 10 Jahre gelernt. Jetzt sagen Sie mir, dass die Medizin nicht großartig ist!“

Der angehende Chirurg nickte und seine Kollegin sah Marc geradeaus an. „Ich finde es großartig, dass Sie da sind! Ich bitte Sie, den Urlaub so wie Sie den vorgeschlagen haben, einzutragen.“
Marc lächelte. „Sehr gerne, Frau Doktor Wyss.“

„Mir wäre es lieber, wenn ich einen Teil des Urlaubs für die Zeit von der Prüfung bis zum Ende einsetzen könnte. Vorher bringt mir das wenig.“
„Das ist Ihre Entscheidung. Die erforderlichen OPs müssen bis Ende Februar bei der Ärztekammer vorliegen. Alles danach ist nicht mehr relevant.“
„Ende Februar? Das heißt, sie konnten noch zwei Wochen rausschlagen?“
„Ja. Aber der Februar endet mit einem Wochenende und das beginnt bei denen freitags um 14 Uhr. Merken Sie sich den 25. Februar – den Donnerstag als äußerstes Abgabedatum. Denken Sie an einen Beleg – entweder von der Post oder von der empfangenden Person, wenn Sie es selbst hinbringen.“
„Vielen Dank, Doktor Meier.“

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06.04.2019 22:23
#288 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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März 1.1 - Cafeteria



Liebe Kollegen und Kolleginnen,

herzlich Willkommen in der Cafeteria und besonders Herzlich Willkommen im Team des Elisabeth-Krankenhauses, Frau Grimbart. Unsere neue Kollegin wird für 30 Wochenstunden auf der Chirurgie eingesetzt, dass nun das Loch gestopft ist, welches Schwester Sabine hinterlassen hat. Frau Grimbart – Schwester Ina – kommt von unserem Nachbarn, dem Katharinen-Hospital. Und sie hat sich für Ihren Einstand etwas Besonderes überlegt. Sie hat ein neues Wohnheim im Gepäck – zumindest konnte sie damals noch Doktor Meier den Hinweis geben, dass die ProVida das Mitarbeiterwohnhaus abstoßen will. Und nun getan hat – in die Hände der StaBe. Momentan wird das Haus soweit wie möglich saniert und ab Mitte März sollen Ihnen die ersten Einheiten zur Verfügung stehen. Die Kollegen, die Opfer des Wohnheimbrandes waren werden in der nächsten Zeit von Herrn Ullstein oder mir persönlich angesprochen werden.

Dann habe ich noch eine freudige Nachricht – Doktor Gina Amsel ist in froher Erwartung. Herzlichen Glückwunsch. So sehr wir uns immer über Nachwuchs freuen, so schade ist es auch immer, wenn man weiß, dass eine zuverlässige Mitarbeiterin in absehbarer Zeit ersetzt werden muss. Frau Doktor Amsel wird bereits ab April nicht mehr zur Verfügung stehen.
Wir haben uns deshalb entschlossen, Frau Doktor Brickmann mit sofortiger Wirkung als Oberärztin der Chirurgie einzusetzen. Herzlichen Glückwunsch, Frau Kollegin.
Des Weiteren bin ich froh, dass Doktor Stier unserer Bitte gefolgt ist und die Stelle des Leitenden Oberarztes übernommen hat. Er wird dennoch weiterhin im Nachtdienst eingesetzt. Er ist auch Ihr Ansprechpartner für das leidliche Thema „Strukturveränderungen“. Vielen Dank und Herzlichen Glückwunsch Doktor Stier.

Seit zwei Tagen hält Frau Doktor Hundt ihre jüngste Tochter Maria im Arm. Mutter und Kind sind wohlauf. Natürlich sammeln wir in altvertrauter Weise wieder für ein Geschenk.

Ja, Frau Doktor Hassmann, auch Ihr Nachwuchs wächst und gedeiht prächtig – offensichtlich.
Für die Zeit, in der Doktor Hassmann nicht zur Verfügung steht, wird die Neurochirurgie geschlossen werden. Das Stationspersonal wird auf die anderen Stationen verteilt, womit wir spontan die meisten Engpässe schließen können. Sobald das „Umbauprojekt Wohnheim“ abgeschlossen ist, werden wir hier mit der Vergrößerung und der Modernisierung der Radiologie beginnen. Wie immer stehen Ihnen die wichtigsten Infos im Intranet zur Verfügung.

Mehr außer dem gewohnten Gläschen Sekt habe ich nicht für Sie.

Vielen Dank für Ihr zahlreiches Erscheinen und einen guten Tag!

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06.04.2019 22:33
#289 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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März 1.2 – Marc angreifbar?



„Mensch, Marc – wo warst Du? Und wie siehst du überhaupt aus?“ Angesichts des leichenblassen Kollegen war Sascha Nussbaum nun sehr besorgt.
„Ich bin seit 25 Stunden auf den Beinen, die meiste Zeit davon war ich im OP. Tut mir Leid, wenn ich nicht frischer aussehe.“
„Das meine ich nicht. Weißt Du, was der Alte für ein Theater gemacht hat?“ Mit der „Alte“ war Professor Stricker gemeint. „Du hattest noch keinen Anspruch auf Urlaub.“
„Ich hatte genug Überstunden und die können so eingesetzt werden, wie es für die Klinik passt. Da kann er nichts gegen machen.“
„Du bist so stur!“
„Ich bin vor allem müde.“

Trotzdem blieb Marc nach Schichtende im Krankenhaus. Auch wenn er mit dem Fahrrad kaum fünf Minuten Für den Heimweg brauchte, Gretchen war hier. Genauer gesagt auf der Intensivstation bei Doktor med. Didier Bareilly, dem medizinischen Leiter der Inneren Medizin. Fachgebiet Tropenkrankheiten.

„Doktor Meier? Sie sollten nach Hause gehen und schlafen. Ich bin die ganze Nacht hier und kann Sie jederzeit anrufen.“
„Ich weiß. Aber ich kann nicht weggehen.“ Er strich der grauenhaft blassen Patientin ein paar Strähnen aus dem Gesicht.

„Marc... nicht gehen...“

„Ist sie wach?“ Doktor Bareilly schaute verdutzt von der Patientin zu den Monitoren, dann wieder zu der Patientin.
„Nein, sie redet nur immer wieder mal.“
„Und wenn ich Ihnen ein Bett fertig machen lasse?“
„Vielleicht später.“

Später fand er den Chirurgen schlafend.
(„Nicht gerade die bequemste Haltung.“)
Er rief in der Chirurgie an und bat die Nachtschwester, den Kollegen rechtzeitig vor dem Schichtwechsel zu wecken.

***
Professor Stricker wollte gerade aus seinem Auto steigen, als er den ungeliebten Chirurgen aus dem Komplex der Inneren Medizin kommen sah. Er beobachtete den Arzt, der erstmal am Aschenbecher stehen blieb und eine Zigarette rauchte, sich währenddessen in alle Richtungen streckte und dehnte.
„Na, Herr Kollege, haben Sie sich da nicht verlaufen?“ Sprach wer zu sich selbst, doch dann öffnete sich die Tür und jemand sprach zu ihm. Er meinte, durch die verspiegelte Scheibe Doktor Bareilly zu erkennen. Ein Arzt war es in jedem Fall, das war deutlich an dem weißen Ärmel auszumachen, der Doktor Meier irgendetwas hinhielt. Die beiden Mediziner sprachen noch ein paar Worte, dann lief Marc in die Richtung seines eigenen Gebäudes.

Vermutlich hätte Professor Stricker diese Beobachtung sogar vergessen, wenn er nicht mittags die beiden Ärzte zusammen in der Kantine gesehen hätte und später nochmal Doktor Bareilly in die Arme gelaufen wäre – im Komplex der Unfallchirurgie.

„Haben Sie sich verlaufen Doktor Bareilly?“
„Professor Stricker, nein. Ich brauchte den Rat von Doktor Meier bezüglich einer Patientin bei uns.“
„Doktor Meier? Soso...“

Später zitierte er Professor Neuroth zu sich. „Klären Sie das. Von wegen, er ist nicht homosexuell. Jetzt zieht er schon Kollegen mit rein.“
„Ich kann Ihnen nicht folgen?“
„Er schleicht sich morgens von der Inneren und trifft sich zum Essen mit Doktor Bareilly.“
„Er hat auch bei Doktor Nussbaum gewohnt.“
„Doktor Nussbaum ist verheiratet und hat zwei Kinder.“
„Drei.“
„Jetzt werden Sie nicht unverschämt.“
„Herr Professor, mit Verlaub. Was haben Sie gegen Doktor Meier? Sie wissen so gut wie ich, dass er nicht angreifbar ist. Im Gegenteil – Sie sollten froh sein, dass jemand wie er hier ist. Stellen Sie ihm die Frage nach seiner sexuellen Orientierung bitte selbst. Es geht uns überhaupt nichts an.“
„Das sehe ich anders, wir sind schließlich für unsere Angestellten verantwortlich.“
„Wie Sie bereits festgestellt haben – dafür fehlt mir die Sicht der Klinikleitung.“

Und so machte sich noch am gleichen Tag der neue Oberarzt auf den Weg zum Klinikchef. „Herr Professor, Sie wollten mich sprechen?“

(„Mal sehen, ob er den Überstundenabbau anspricht.“)

„Sind Sie homosexuell?“ Die Frage traf Marc völlig unvorbereitet.
„Bitte?“
„Sie haben mich schon verstanden.“
„Das geht Sie nichts an.“
„Das sehe ich anders, ich bin schließlich für viele junge Menschen verantwortlich. Nur mal an die 15 Assistenzärzte unter Ihnen zu erinnern.“
„Vierzehn. Für Doktor Kalila fühlt sich niemand verantwortlich. Oder wie wollen Sie die erneute Zulassungsverweigerung erklären?“
Professor Stricker fing an zu schwitzen und schnaufte. „Das ist eine Frechheit, was erlauben Sie sich?“
„Ich hoffe auf eine Antwort, ich weiß nämlich auf das „warum?“ vom Kollegen keine.“
„Meinen Sie nicht, dass ich mit der Klinikleitung genug andere Probleme habe? Nein, woher wollen Sie das wissen.“
„Ich weiß sehr wohl, was es heißt, eine Klinik zu leiten. Zugegeben, das Elisabeth-Krankenhaus ist eine andere Größenordnung. Aber über Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern brauchen Sie mir nichts zu erzählen.“
„Und warum treiben Sie sich ständig auf der Inneren herum?“
„Ich besuche da jemanden.“
„Sie wurden mit Doktor Bareilly gesehen. Beim Mittagessen.“
„Das ist in der Tat sehr verwerflich.“
„Doktor Meier, ich warne Sie. Lassen Sie ihre hom... Finger bei sich und bringen Sie nicht Mitarbeiter in Verruf, die hier schon jahrelang gute Arbeit verrichten.“
„Meine homosexuellen Finger, wollten Sie sagen? Haben Sie auch fachliche Kritik oder war es das?“
„Raus!“
„Vielen Dank, Herr Professor!“

Sascha fing ihn ab. „Was wollte der Alte von Dir?“
„Du kriegst auch alles mit, oder?“
„Ich habe drei Kinder.“
„Soweit ich weiß, gehöre ich nicht dazu.“
Sascha grinste. „Also sag schon...“
„Er befürchtet, dass ich schwul sein könnte. Eine Gefahr für die Menschheit.“
„Warum sollen Schwule nicht auch Vater werden?“ Er grinste. Doch Marc war nicht nach Scherzen zumute. „Komm mit.“ Er schob den Freund in Richtung Innere Medizin.
„Was hast Du vor?“

Marc antwortete erst, als sie am Fenster zur Intensivstation standen. „Darf ich vorstellen? Das ist Gretchen.“
Sascha verstand erst nicht, was Marc ihm sagen wollte. Schließlich... „Sie ist hier?“
„Deswegen musste ich so plötzlich weg. Und es war keinen Tag zu spät. In Malaga haben wir den Flug für eine Notoperation unterbrochen. Seit vier Tagen ist sie nun hier.“ Er sah den fragenden Blick. „Malaria. Das Kind hatte keine Chance. Ich hoffe, dass sie erst zu Bewusstsein kommt, wenn sich ihr Zustand noch etwas mehr stabilisiert hat.“
„Entschuldige, Marc! Das ist ja furchtbar...“

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06.04.2019 22:51
#290 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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März 1.3 – Gretchen in Zürich



Gretchen fühlte sich hundeelend. Doktor Bareilly hatte ihr wohl von den Nebenwirkungen des neuen Präparates erzählt, aber dass die Medikamentenumstellung ihr so übel mitspielen würde, damit hatte sie nicht im Entferntesten gerechnet. Übel war das richtige Stichwort. Seit sie am Morgen die Augen aufgemacht hatte, meinte sie, sich übergeben zu müssen. Das wäre ihr fast am liebsten gewesen, denn meistens wurde es danach besser. Doch sie erbrach sich nicht, dafür blieb die Übelkeit.

(„Die Übelkeit von der Malaria war ein Spaziergang dagegen!“)

Am späten Nachmittag kamen Kopfschmerzen dazu und sie zwang sich mehr zu trinken. Das letzte, was sie zusätzlich wollte, war ein Migräneanfall.
Als Marc nach einem anstrengenden Operationsmarathon endlich nach Gretchen sehen konnte, erschrak er angesichts der sehr blassen und kraftlosen Freundin.
„Du siehst ja schrecklich aus.“

(„Dass es immer noch schlimmer geht...“)

„Hey Marc!“ Sie lächelte ihn an und schon waren ihre Augen wieder zugefallen. Der Arzt war irritiert.

(„Sag mal...!“)

„Gretchen?“ Er beugte sich über die blonde Frau.
„Nicht so laut, Marc. Ich habe das Gefühl, mein Schädel platzt und die Übelkeit macht mich wahnsinnig.“
„Warum hast Du denn nichts gesagt?“
„Ich kann nicht...“ sie flüsterte.
„Hat denn niemand mal nach Dir gesehen?“
„Ich weiß es nicht, Marc.“
„Moment, ich gehe mal...“
„Nein, bleib einfach hier, ja?“ Er stand im Raum und sah auf seine geschwächte Freundin herab.
„Nicht gehen, Marc!?“ Ihre hilflos zitternde Stimme traf Marc mitten in sein Herz.
„Okay, schon gut.“ Er zog seinen Kittel aus und setzte sich an Gretchens Seite. Bevor er ihre Hand nahm, drückte er den Rufknopf. Der Arzt fuhr mit der freien Hand über Gretchens Gesicht. Die zarte Haut fühlte sich warm an.
Nach einer gefühlten Stunde – es waren jedoch keine drei Minuten – betrat eine Krankenschwester das Zimmer.

„Ist was?“ Dann erkannte sie in dem Mann auf dem Bett den Chirurgen Doktor Meier. „Wie kann ich helfen?“
„Ihren Job zu machen wäre durchaus hilfreich!“
Die Krankenschwester guckte irritiert. Was bildete sich der Kerl ein? Das hier war schließlich die Station von Doktor Bareilly.

„Ja, was denn? Hat hier zwischendurch mal jemand nach Frau Doktor Haase gesehen? Fieber messen wäre angebracht und eventuell – also nur, wenn es nicht zu viel ist – dann könnten Sie was gegen Übelkeit und Kopfschmerzen holen.“ Wenn Marc in einer Sache keinen Spaß verstand, dann war es, wenn Gretchen leidete.

„Aber Doktor Bareilly hatte doch gesagt, dass Frau Doktor diese Nebenwirkungen zu erwarten hat.“

„Ach und deswegen ist das dann okay?“ Marc wurde ungeduldig. „Ich kümmere mich selber darum, sehen Sie zu, dass Sie wenigstens die Temperatur messen.“ Er fischte sein Fon aus dem Kittel und rief den Stationsarzt an. Eine Viertelstunde später war Gretchen versorgt, sie hatte leicht erhöhte Temperatur, wohl eher, weil sie außer wenig Mineralwasser nichts zu sich genommen hatte.

Doktor Bareilly hatte sie mit einer Infusion versorgt, die mit Wirkstoffen gegen Übelkeit, Schmerzen und Fieber angereichert wurde. Als Marc nach seiner Abendbesprechung wieder zu ihr kam, begrüßte ihn ein deutlich fitteres Gretchen. Natürlich sah man ihr die Strapazen des Tages noch an, aber ein strahlendes Begrüßungslächeln für den Freund gelang ihr sehr gut.
„Marc!“
„Du siehst deutlich besser aus. Hallo Prinzessin.“ Er beugte sich zu ihr und gab ihr einen zärtlichen Kuss.
„Doktor Bareilly war eben nochmal hier, er sagte das gleiche. Ich bekomme später nochmal eine Infusion für die Nacht, da mich heute niemand überreden kann, auch nur an Essen oder dergleichen zu denken.“
„Schade, ich habe extra ein Schokobrötchen mitgebracht.“ Marc legte eine Papiertüte auf den Tisch.
„Bah, geh weg damit.“ Gretchen drehte sich weg. „Marc wirklich. Allein der Geruch sorgt schon wieder für Übelkeit. Auch wenn ich Dir sehr dankbar dafür bin, dass Du mir eine Freude machen wolltest. Nur heute bitte nicht. Oder indem Du es weit weg tust.“
Marc warf die Tüte auf die gegenüberliegende Fensterbank. Sie sah seine Enttäuschung. „Tut mir Leid, Marc!“
„Schon gut, Gretchen. Hauptsache, Dir geht es wieder besser.“ Er legte ihr die Hand auf die Stirn.

(„Ah, normale Hauttemperatur.“)

„Die Temperatur ist wieder normal.“
„Und sonst? Die Kopfschmerzen und die Übelkeit?“
„Beides ist jetzt auszuhalten. Wobei mich diese Übelkeit wirklich nervt. Genau das brauche ich eigentlich nicht. So fing ja alles an...“

Marc war nicht sicher, ob sie noch was sagen wollte. Dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. „Gretchen? Als die Malaria anfing, also mit der Übelkeit – da dachtest Du die Übelkeit sei wegen der Schwangerschaft?“ Er sah ihr direkt in die Augen, hielt ihren Blick gefangen.

„Hm... Ich denke ja.“ Sie wich seinem Blick aus indem sie ihre Augen schloss. Der Stich, der ihr ins Herz fuhr, ließ sie zusammenzucken. Er nahm ihre Hand und führte diese an seine Lippen.

(„Gib ihr Zeit!“)

Er wartete. Dann öffnete Gretchen ihre Augen, setzte sich auf und sah Marc fest an. „Auch wenn es komisch ist oder falsch gedacht war – ich hatte von Anfang an kaum Schwangerschaftsbeschwerden. Die Übelkeit kam erst sehr spät. Das sollte im 5. Monat zwar eigentlich so gut wie weg sein, aber Ausnahmen bestätigen ja die Regel. Habe ich gedacht.“
Sie machte eine Pause, langsam füllten sich ihre Augen mit Tränen. Ihre Stimme klang nun sehr verzweifelt. „Ich wollte doch einfach nur schwanger sein...“

„Gretchen, warum bist Du nicht nach Hause gekommen?“
„Du warst ja weg aus Berlin. Und auch wenn Du gesagt hast, dass Du in Zürich auf uns wartest...“ Sie brach ab und Marc sah, dass sie nach Worten suchte.

„Du warst Dir nicht sicher?“
Die Verletzlichkeit in seinen Augen tat ihr weh. „Hm... weißt Du... Kopf und Bauch machen oft ganz unterschiedliche Dinge. Auch wenn Du rational bereit warst, das Kind anzunehmen... es war immer noch das eines anderen Mannes. Einen Mann, den Du mal Freund genannt hast. Ich auch. Ich hatte Angst, dass das immer wieder für Ärger sorgen würde. Zwischen Mehdi und uns und vermutlich auch – zwischen uns. Ich meine, erinnere Dich an das Fiasko mit Monikas Kind. Und wir haben doch alle gesehen, was war, als Gabi...“

„Verdammt!" Er wollte sie nicht anherrschen. "Entschuldige bitte. Aber hier bist Du. Nicht Gabi. Außerdem war ich bei ihr sicher, dass es nicht von mir war.“
„Dieses war auch nicht von Dir!“
„Das ist was anderes, Gretchen. Gabi war nicht die erste, die sich eingebildet hat, dass aus einer Affäre mehr werden könnte – wie auch immer.“
„Aber es hätte von Dir sein können!“
„Nein!“ Seine Antwort klang sicher und überzeugt. Gretchens Blick hingegen fragte und Marc antwortete: „Kondome schützen, Gretchen. Solltest Du wissen.“ Er grinste sie frech an. „Nicht nur vor ungewollten Schwangerschaften sondern auch vor genug anderen unangenehmen Folgen.“ Nun sah er sie offen an. „Ich habe mit vielen Frauen Sex gehabt. Aber nie ohne Gummi. Selbst bei Nina habe ich keine Ausnahme gemacht und mit der war ich drei Jahre zugange - äh, zusammen.“

(„Irgendwie.“)

„Jetzt guck nicht so ungläubig, Gretchen.“ Er schmunzelte. Wusste genau, was seine Freundin gerade dachte.

„Aber...“
„Nein, Gretchen, im Ernst! Du bist die erste und einzige Frau, bei der das komplett in Vergessenheit geraten ist. Ich habe schlichtweg an nichts anderes gedacht, als an Dich. Uns. Und hinterher – da war es dann auch egal. Ich meine, bei Dir konnte ich ja sicher sein, dass Du nichts hast. Den Vorteil, mit einer Ärztin zu schlafen, habe ich vorher nie bedacht.“ Er lachte fast übermütig, wurde dann aber wieder sachlich. „Dass Du schon schwanger warst... ich schätze, das war einfach Schicksal.“

„Tolles Schicksal.“ Sie suchte nach der Fernsteuerung und brachte das Kopfteil in eine aufrechte Position. Dann legte sie sich zurück, das Gespräch strengte sie an. Trotzdem wollte sie nicht aufhören, Marc schien heute durchaus für ein gutes Gespräch zu gebrauchen zu sein. „Wärst Du tatsächlich so cool gewesen? Ich meine genau das was Du jeder unterstellst, wäre doch eingetroffen. Und es wäre nicht mal von Dir gewesen... Großartig... Gretchen Haase hat es wieder mal versaut...“

Er beugte sich näher an sie heran, sah ihr ganz offen in die Augen. „Hast Du deswegen nichts gesagt? Weil es Dir peinlich war? Ich meine, Du hast es ja nicht mal Deinen Eltern erzählt, als die über Weihnachten bei Dir waren.“

Wieder schlich sich eine Träne in Gretchens Augenwinkel. Sie schüttelte zaghaft den Kopf, antwortete sehr leise: „Papa wusste wegen der Gerüchte Bescheid. Mama mochte ich es nicht sagen. Ihre Kommentare können ganz schön gemein sein. Nein, Marc. Es war mir nicht peinlich. Ich war nur nicht sicher, ob ich überhaupt gut genug wäre...“ Sie fuhr sich mit ihrer Hand über die Augen, doch die Tränen, die sie wegwischte wurden umgehend durch neue ersetzt.

„Bitte?“ Marc verstand nicht.

„Das war nicht... also...“ Sie musste sich sehr anstrengen... „Ich hatte vorher schon drei Fehlgeburten. Immer zwischen dem 3. und 4. Monat. Als ich mich endlich sicher fühlte, also als der 4. Monat um war, da habe ich mich gut gefühlt. Die Übelkeit hat mir nichts ausgemacht – im Gegenteil. Ich konnte so sicher sein, dass er noch da ist und lebt. Ich mochte die Übelkeit, so schräg das jetzt klingen mag. Deswegen habe ich mir keine Gedanken gemacht. Als ich begriffen habe, dass die Übelkeit nichts mit der Schwangerschaft zu tun hatte, da war es schon zu spät.
Mir blieb nur die harte Malaria-Therapie. Aber das konnte ich nicht. Ich konnte nicht entscheiden, unser Kind zu töten.“ Gretchen weinte mittlerweile sehr heftig, ihr Körper wurde immer wieder vom Schluchzen durchgeschüttelt. Marc zog seine verzweifelte Freundin fest in seine Arme und hielt sie schützend an seine Brust, in der ein mitfühlendes Herz vor Liebe heftig schlug.

„Du wärst für unseren Sohn gestorben?“ Es war mehr Feststellung als Frage.

„Ja, Marc. Ich habe drei Babys verloren, einfach so. Ohne medizinischen Grund. Ihn wollte ich nicht auch verlieren.“

Er hielt seine Freundin nun mit etwas Abstand zu sich, dass er ihr geradewegs in die Augen sehen konnte. „Aber...“ er stellte sich die Konsequenz vor „...Du hättest Dich mit ihm verpisst!? Ich habe Dir das schon einmal gesagt. Du kannst nicht einfach abhauen, mich zurücklassen. Was soll ich denn ohne Dich machen?“ Mit der letzten Frage nahm seine Stimme einen panischen Klang an. Marc zog sein Gretchen wieder ganz fest an sich.

(„Nie mehr lasse ich Dich los, mein Gretchen!“)

Pfff... sag´s ihr doch, sag´s ihr doch!
Ausnahmsweise mal ein guter Vorschlag.
Schon mal was von Ironie gehört?


„Ich lasse Dich nie mehr los, Gretchen!“

Schon mal sowas Ehrliches gehört?
Pfff... Rumgesülze...


„Danke, Marc!“
„Reiner Egoismus Gretchen!“
„Solange es zu meinem Besten ist, kannst Du Deinen Egoismus ausleben wie Du willst!“ Sie versuchte, die letzten Tränen wegzublinzeln. Marc nahm ihr Gesicht in seine Hände und küsste sanft die salzigen Tropfen von ihrer Haut.
„Danke Dir Gretchen. Dass Du mir das anvertraut hast.“
„Wem denn sonst, Marc?“
„Was... ist mit Deinem Ex-Verlobten?“
„Es war ihm egal, glaube ich. Du bist schwanger? Hm. Du hattest eine Fehlgeburt? Hm. Okay.“
„Ich wünsche mir, dass es uns überlassen bleibt, wann wir an... hm... Familie und so denken. Aber für den Fall, dass Du irgendwann wieder schwanger sein solltest, dann sag es mir, ja?“
„Versprochen!“ Gretchen lächelte glücklich an Marcs muskulöser Brust. Noch viele Tränen fanden den Weg in sein T-Shirt. Darunter schlug sein Herz. Ehrlich und aufrichtig. Ganz fest presste Gretchen ihr Ohr an den Herzschlag. „Ich lasse Dich auch nie mehr los, Marc!“

Karo Offline

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15.04.2019 22:18
#291 RE: Story von Karo Zitat · antworten

BERLIN


März 1.4 - Cafeteria



Liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute stehe ich vor einem Wechselbad der Gefühle.

Wie bereits vor einer Woche angekündigt, wird das neue Wohnhaus in absehbarer Zeit bewohnbar sein. Die Geschädigten des Wohnheimbrandes werden in den nächsten Tagen und Wochen ihren neuen Wohnraum beziehen. Wir haben Ihre Hilfe für die betroffenen Kollegen schon immer gelobt und ich werde nicht müde zu betonen, wie großartig Sie sich gegenseitig unterstützen.
Dank unserem – ich darf respektvoll – Haus- und Hof-Reporter sagen, haben wir viel Zuspruch aus der Öffentlichkeit bekommen. Auch Patienten, die während dieser Zeit unsere Gäste waren, haben sich anerkennend über Ihren Zusammenhalt geäußert. Auf Initiative mehrerer freundlicher Damen wurde in den vergangenen Monaten Geld gesammelt. Wir haben lange überlegt, was wir mit diesem Geld anfangen. Der Brand des Wohnheims mag der Auslöser gewesen sein, aber wir sind der Meinung, dass die gespendete Summe Ihnen allen zur Verfügung gestellt werden sollte.

Deswegen möchten wir Sie bitten, Vorschläge und Ideen zu sammeln. Sie werden in Kürze einen entsprechenden Thread im Intranet finden.

Jetzt möchte – muss ich Danke sagen. Wie Sie alle wissen verabschieden wir unseren langjährigen Kollegen Doktor Friedhelm Rössel in den wohlverdienten Ruhestand. Für Sie, Doktor Rössel beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Ich weiß, dass Sie sich seit langem darauf freuen und bereits viele Pläne für Ihre Charlotte geschmiedet haben. Für diejenigen unter Ihnen, die es nicht wissen, Charlotte ist ein kleines Hausboot am Müritzsee.

Ich wünsche Ihnen im Namen des ganzen Kollegiums von Herzen alles Gute und viel Spaß und Erfolg bei allen Vorhaben, die Sie nun starten werden. Vielen Dank für 12 Jahre sehr gute und zuverlässige Zusammenarbeit. Wir haben uns schon frühzeitig um personellen Ersatz kümmern können, menschlich wird uns Ihre ruhige und besonnene Art fehlen. Herr Ullstein, Doktor Stier und ich dürfen Ihnen stellvertretend im Namen der StaBe und des Elisabeth-Krankenhauses ein kleines Dankeschön überreichen.


Bernd Ullstein trug mit Hilfe von Doktor Cedric Stier eine Korkplatte heran. Eine Künstlerin oder ein Künstler hatte auf recht abstrakte Weise versucht, den Müritzsee und seine Umgebung zu malen. In der Mitte klebte ein Playmobil-Hausboot. Viele handschriftlich beschriebene Zettel waren mit roten Fahnen festgepinnt.

Verehrter Kollege, wenn man Sie auf Ihre Pläne nach dem Arbeitsleben ansprach, haben Sie immer gerne von Ihrem Hausboot auf dem Müritzsee erzählt, das Sie in den letzten Jahren mehr instandgehalten als genutzt haben. Nun werden Sie es nutzen und damit Sie nicht so viel Zeit haben, uns zu vermissen, haben wir für Ihr Freizeitprogramm an verschiedenen Stationen gesorgt. Die Vorschläge kamen von Ihren Kollegen und jeder konnte sich an einem Projekt beteiligen. Wir haben hier zum Beispiel einen Besuch mit Kutschfahrt im Wildpark Boek, eine Tageskarte im Luftfahrtmuseum in Rechlin-Nord, ebenfalls in Rechlin-Nord einen Flug mit dem Wasserflugzeug über die Mecklenburgische Seenplatte, eine Saison-Karte für die Müritz Therme in Röbel, der Besuch eines Parkkonzerts in Waren mit Höhenfeuerwerk, das Wisentgehege in Schorssow oder Golfspielen in Malchow.

Sie sehen, es wird Ihnen nahezu unmöglich sein, uns zu vergessen.

Natürlich erkennt auch die StaBe Ihren loyalen Einsatz über all die Jahre an und das tut sie gerne. Herrn Ullstein ist es vorbehalten, Ihnen diesen Dank auszudrücken.


Wie schon zu früheren Gelegenheiten, musste Bernd Ullstein sich sehr zusammennehmen. Er hasste es, vor so vielen Menschen sprechen zu müssen.
(„Das hier ist jetzt eine Kleinigkeit gegen die Rede vom letzten Jahr!“)

„Doktor Rössel, damit Sie weiterhin in Bewegung bleiben und diese liebevoll ausgesuchten Orte auch erreichen können, haben sich auch Professor Stangl und Doktor Bertrand eine Kleinigkeit für Sie überlegt. Sie übernehmen die Liegegebühren für 1 Jahr für Ihre Charlotte. Vielen herzlichen Dank und alles Gute für Sie, Doktor Rössel.“

Der scheidende Chirurg wusste nicht, was er sagen sollte. Gerührt und sprachlos schaute er immer wieder auf den Müritzsee, winkte mit dem Umschlag, den Bernd Ullstein ihm überreicht hatte und schüttelte immer wieder fassungslos den Kopf.

„Ich danke Ihnen allen...“ Seine Stimme ging im Applaus des Kollegiums unter.

Sabine, die heute ausnahmsweise die Schule schwänzte, stand zwischen ihrem Freund Doktor Günni Gummersbach und Schwester Gabi. „Wie soll das denn mal werden, wenn Professor Haase in den Ruhestand geht?“

Das wollte sich niemand vorstellen!

Karo Offline

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15.04.2019 22:33
#292 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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März 2.1 – Anhörung



Er konnte es nicht leugnen, er war nervös. Hinter der Tür, die er gleich durchschreiten musste, tagte die Klinikleitung. Wegen ihm. Warum hatte man ihm nicht gesagt. Nur, dass man nicht sicher wäre, ob man ihn weiter beschäftigen wollte.

„Doktor Meier, kommen Sie bitte herein.“ Charlotte König, die Chefarztsekretärin, hielt ihm erwartungsvoll die Tür auf.
„Danke, Frau König.“ Marc atmete noch einmal kräftig ein und aus, dann war er gesammelt und bereit. Mit aufrechter Haltung betrat Doktor med. Marc Meier selbstbewusst den Raum. Acht Personen saßen um einen Versammlungstisch und erwarteten ihn mit unterschiedlichsten Mienen. Ihm wurde ein Eckplatz zugewiesen. Der Chirurg begrüßte jeden einzelnen, das gab ihm selbst Zeit und Gelegenheit, diese Kommission einzuschätzen.
Links von ihm saß Doktor Bareilly, der ihm freundlich zu nickte. Daneben der Geschäftsführer Janson Briard, der Ärztliche Direktor Professor Doktor med. Hubert Stricker, sein Stellvertreter Doktor med. Beat Negeli, sein Vorgesetzter und Klinikdirektor der Unfallchirurgie, Professor Doktor med. Wido Neuroth, der ihm ein beruhigendes Lächeln schenkte. Frau Andrea Jystel, die Pflegeleiterin und der Vertreter des Betriebsrates, Doktor med. Urs Chantier. Der Herr auf seiner rechten Seite wurde ihm als Prof. Doktor Doktor h.c. Thomas Wagner, Dekan der Medizinischen Fakultät, vorgestellt.
Etwas abseits hatte Charlotte König als Protokollführerin ihren Platz wieder eingenommen.

Professor Stricker wollte wohl keine Zeit vergeuden: „Doktor Meier, ich danke Ihnen, dass Sie sich bereit erklärt haben, uns Rede und Antwort zu stehen. Wie Sie sich vorstellen können, geht es um Ihre – nun etwas spontane Abreise am 4. Februar nach – äh, Bur... Afrika.“

„Es war der 3. Februar, allerdings war der Tag mein freier Tag. Burkina Faso.“

„Äh, ja. Danke. Aber für uns interessiert nur der 4. Februar beziehungsweise die Zeit ab dem 4. Februar, wo sie unentschuldigt der Arbeit fern geblieben sind... für – äh mehrere Tage. Erst am 12. Februar waren Sie wieder regulär im Dienst.“

„Entschuldigen Sie, Professor Stricker, bereits am 11. Februar stand Doktor Meier wieder im OP.“ Charlotte König stellte die Fakten klar. „Und wenn man davon ausgeht, dass nach regulärer Rotation der 11. und 12. Februar für Doktor Meier frei war, dann...“

„Dann hat er gar nicht so viel geschwänzt? Danke Frau König, das Datum interessiert uns hier nicht, es geht rein um die Sache.“

„Natürlich, Herr Professor.“ Sie nahm den Chefarzt beim Wort und strich alle Datumsangaben aus dem Protokoll.

„Doktor Meier, Sie können sich bestimmt vorstellen, dass Sie uns mit ihrer Aktion arg in Schwierigkeiten gebracht haben. Im Grunde haben Sie es zu verantworten, dass wir den ganzen OP-Plan einer Woche so gut wie canceln mussten.“
„Herr Professor, ich bin nach wie vor der Meinung, dass der Überstundenabbau den Regeln entsprach. - Überstunden sind so schnell wie möglich mit Freizeit auszugleichen, sobald es vom Klinikalltag passt. - Ja, es war spontan und innerhalb der Urlaubssperrfrist, aber die Schuld an der geänderten OP-Planung weise ich zurück. Ich bin der Meinung, dass auch ohne mich der Wochenplan praktikabel war. Letzte Woche waren drei Chirurgen krankgeschrieben und es ging auch.“

Professor Neuroth nickte zustimmend. Seiner Meinung nach war die konsequente Absage fast aller OPs reines Kalkül des Ärztlichen Direktors gewesen. Wenn Doktor Meier schon mal einen Grund zur Beschwerde gab, dann musste man den auch nutzen.

Während er sehr gerne mit dem pflichtbewussten und ehrlichen Oberarzt zusammenarbeitete, hatte der Ärztliche Direktor in dem deutschen Chirurgen schnell einen neuen Sündenbock gefunden.
Doch leider ließ sich der nicht so einfach zum Selbigen machen. Er arbeitete gut – sehr gut. Zuverlässig und immer einsatzbereit. Wenn es irgendwo Probleme gab, konnte man den jungen Chirurgen jederzeit anrufen. Er half, er beriet oder er kam. Zu jeder Tages- und Nachtzeit war er für jeden Kollegen ansprechbar.
Doch alles Private hielt Doktor Meier zurück. Er gab nichts von sich preis.
Dass ein attraktiver und erfolgreicher Chirurg seine Vorzüge nicht permanent nutzte, um an Frauen heranzukommen, nicht mal Interesse an dem anderen Geschlecht zeigte, führte bei Professor Doktor med. Hubert Stricker zu Vermutung, dass Marc Meier homosexuell sein musste. Allein der Verdacht katapultierte den neuen Kollegen direkt auf die Abschussliste. Als Chefarzt der Uniklinik trug er schließlich Verantwortung. Nicht nur für seine Mitarbeiter, sondern auch für die über 20.000 Studierenden der Universität.

„Ich bitte Sie! Sie sind einfach abgehauen. Das können Sie jetzt aber nicht mit den Krankschreibungen der Kollegen vergleichen! Eine Krankschreibung ist schließlich ein offizielles Dokument. Sie sind hingegen ohne Genehmigung in den Urlaub geflogen. Bitte schildern Sie der Kommission einmal, was Sie zu dieser Tat angetrieben hat.“

Marc war das Getue des Chefarztes zu dumm. „Hören Sie, was mich wozu angetrieben hat ist letztendlich nebensächlich. Sie hatten eine offizielle Urlaubsanfrage meinerseits auf dem Tisch, die bereits von allen anderen Stellen abgesegnet worden war. Die Verweigerung Ihrerseits kann ich bis heute nicht nachvollziehen – Urlaubsregelung hin oder her. Es waren genug Kollegen da, außer Willkür gab es keinen Grund, die Anfrage abzulehnen.
Glücklicherweise reichten die in den ersten Wochen aufgelaufenen Überstunden aus und wurden im besagten Zeitraum eingesetzt. Es handelt sich also weder um ungenehmigtes Fernbleiben vom Dienst und schon gar nicht um eine Wohlfühl-Urlaubsreise.
Ich habe keine Ahnung, um was es hier wirklich geht, aber ich bin mir sicher, dass Sie mir kaum etwas Dienstliches vorwerfen können außer, dass wir die eine oder andere Situation unterschiedlich sehen. Die Personalie Doktor Kalila zum Beispiel. Wir haben einen fertig ausgebildeten Chirurgen in unseren Reihen und anstatt ihm jede Unterstützung zu gewähren, wirft man ihm Steine in den Weg – aus Desinteresse und Bequemlichkeit. Engagement muss von beiden Seiten kommen.

Despektierlich ist auch Ihre Unterstellung, dass ich homosexuell sein könnte und...“ er warf einen Seitenblick auf Doktor Bareilly, „...eine Beziehung mit Doktor Bareilly führen würde.“
Der Tropenmediziner saß wie vom Donner gerührt. „Was ist los?“

Doch Marc ließ sich nicht beirren. „Meine „Beziehung“ zu Doktor Bareilly ist rein medizinisch, denn er ist der behandelnde Arzt von Doktor Margarete Haase, meiner Freundin. Ihre Befürchtung, dass ich schwul sein könnte, sei hiermit entkräftet.
Tatsache ist, dass ich nach Ouagadougou geflogen bin, weil ich Doktor Haase nach Hause holen wollte. Dass sie krank war, schwer krank, wusste ich nicht. Dadurch kam es allerdings zu Komplikationen für den Rückflug.
Ich schätze, dass Doktor Bareilly deswegen hier sitzt? Um Ihnen meine homosexuelle Neigung zu bestätigen? Falls es doch um die medizinischen Fakten über den Gesundheitszustand von Doktor Haase gehen sollte – ich hoffe, Sie haben daran gedacht, sich die Unterschrift der Patientin zu holen.“

(„Mein Punkt! Gretchen hat keine Ahnung von dieser Anhörung!“)

„Es ist im Grunde auch nicht relevant, denn ich war schließlich erst vor Ort über den wirklichen Krankheitszustand im Bilde. Mein Handeln ist schlichtweg menschlich nachvollziehbar. Mir ist sehr bewusst, dass ich mich weit aus dem Fenster gelehnt habe, aber gegen die Regeln verstoßen habe ich nicht! Egal, ob ich diese Regeln für sinnvoll halte oder nicht. Im Grunde ist mein Verhalten für Sie kaum tolerierbar. Ich möchte nicht in Ihrer Haut stecken. Was haben Sie für eine Wahl – Pest oder Cholera.
Pest – Trittbrettfahrer. Sie mahnen mich ab oder was auch immer und alle Mitarbeiter verlieren auf einen Schlag den Respekt und bleiben der Arbeit fern.
Cholera – Rauswurf. Sie sind konsequent, statuieren ein Exempel. Aber Sie verlieren einen guten Mitarbeiter.“

„Sie halten sich für einen guten Mitarbeiter?“ Die Pflegeleiterin unterbrach ihn schnaubend.

„Wenn Sie meine Meinung hören möchten – Ja! Diese `Kommission´ ist ein Zugeständnis an meine Arbeit. Vielen Dank dafür. Viele andere Ärzte hätten innerhalb der Probezeit bereits ihre Kündigung erhalten. Ohne Wenn und Aber wären sie vor die Tür gesetzt worden. Die Frage ist nur, warum Sie sich in meinem Fall solche Mühe machen?“
Marc sah einen nach dem anderen an. „Ihnen ist sehr bewusst, dass Sie meinen Rauswurf zwar pädagogisch aber nicht medizinisch vertreten können. Schon gar nicht, wo zwei der Assistenzärzte ganz kurz vor der Prüfungsphase stehen. Ach, ich vergaß – eine Assistenzärztin. Dem anderen wurde ja bekanntermaßen und zum zweiten Mal die Zulassung verweigert.“

Seine Stimme war ruhig, sachlich.
Früher hatte er immer darauf bestanden, der Beste zu sein. Heute sah er sich im Recht und er war einfach nur von seiner Arbeitsqualität überzeugt – die Quantität stand mit 80 Überstunden aus 2 Monaten offiziell zu Buche. Auf dem Gebiet war er nicht angreifbar.
„Welche Entscheidung Sie hier und heute treffen, ich habe diese zu akzeptieren. Ich wiederhole mich, ich bin mir keiner Schuld bewusst, außer dass ich vielleicht unbequem bin.
Eine Kündigung von Ihrer Seite würde ich wirklich aufrichtig bedauern. Ich arbeite sehr gerne hier und ich fühle mich in Zürich wohl. Ich allerdings bin von meiner Arbeitsqualität überzeugt. Jede andere Behauptung wäre eine glatte Lüge. Aber darum geht es ja hier auch nicht!“

Schon immer verfügte Marc über ein Höchstmaß an rhetorischen Möglichkeiten, die er auch bei dieser Gelegenheit abrief. Doch jeder in diesem Raum merkte, dass seine Worte nicht lange vorbereitet und zurechtgelegt waren. Seine Worte kamen ehrlich und aufrichtig von Herzen.
Niemand hatte bemerkt, dass die Tür vorsichtig geöffnet wurde und sich eine blasse Frau mit blonden Locken durch den Spalt drückte. Gerade rechtzeitig, um das Schlussplädoyer des Geliebten zu hören.

„Für den Chirurgen Doktor Meier gibt es viele Möglichkeiten, nicht aber für den Mann, Marc Meier. Ich habe schon vor längerer Zeit einem Vater versprochen, auf seine Tochter aufzupassen. Ebenso habe ich der Tochter versprochen, immer für sie da zu sein. Nichts anderes habe ich getan. Es tut mir aufrichtig Leid, aber ich würde es jederzeit wieder so machen!“

„Marc?“
Alle drehten sich erschrocken zur Tür. Der Angesprochene sprang auf. „Gretchen? Was tust Du hier?“ Er schob der kraftlosen Frau einen Stuhl hin, auf den sie seufzend zusammen sank.
„Sag mir lieber, was das hier ist?“ Sie betrachtete die Runde. „Acht gegen einen?“

„Wie kommen Sie denn hierhin?“ Doktor Bareilly stand nun an Marcs Seite.
„Mit dem Auto.“ Gretchen grinste ihren sympathischen Arzt an. „Ich habe mir erlaubt, den Rollstuhl vor der Tür zu parken.“
„Ihr Gesundheitszustand sollte Sie nicht zu Ausflügen animieren.“
„Das hat Schwester Jelena zu verantworten.“
„Wie?“ Gretchens Auftauchen hatte Marc überrumpelt.
„Sie fragte, wie diese Anhörung wohl für Dich ausgehen würde.“
Marc lächelte. „Und da musstest Du gleich diese Tour buchen?“
„Ich habe mich ganz brav im Rollstuhl fahren lassen!“
„Es war auch kein Vorwurf!“

(„Im Gegenteil.“)

„Aber den hat bestimmt Doktor Bareilly.“ Gretchen strahlte den Mediziner erwartungsvoll an.

„Ich hoffe, Sie haben wenigstens genug gehört?“ Der Oberarzt der Inneren Medizin erinnerte sich an Marcs letzte Sätze und hoffte, dass diese einzigartige Liebeserklärung in den richtigen Ohren gelandet war.
„Ich denke, das Wichtigste habe ich gehört.“ Sie nahm Marcs Hand. „Danke, Marc!“
„Du kannst Dich gleich bedanken, wenn ich Dich wieder in Dein Bett gepackt habe.“ Er wollte gerade den Rollstuhl bereitstellen, da rief ihn der Chefarzt zurück.
„Wir sind noch nicht fertig, Doktor Meier!“
„Sehen Sie, Herr Professor, noch ein Grund, warum ich nicht in Ihrer Haut stecken möchte. Ich habe Ihnen meine Meinung gesagt, mehr kann ich nicht hinzufügen. Nun liegt alles bei Ihnen. Guten Tag!“

Marc klopfte zum Gruß mit den Fingern auf die nächstbeste Tischplatte.

Doktor Bareilly grinste ihn anerkennend an und auch Professor Neuroth nickte ihm lächelnd zu. Doktor Meier war kein Feigling! Er musste alle Hebel in Bewegung setzen, dass Doktor Meier bleiben könnte.

Karo Offline

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15.04.2019 22:42
#293 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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März 3.1 – Spaziergang ohne Jacke




Ihm war kalt und er war ärgerlich. Bei herrlichem Frühlingswetter hatte Marc kurzerhand seine Pause verlängert und Gretchen in den Park gelockt. Angesichts der warmen Märzsonne war Gretchen wieder einmal zu dünn angezogen.
„Marc, es tut mir leid. Ich habe lange nicht annähernd an warme Kleidung denken müssen und jetzt passiert es halt einfach. Glaub bitte nicht, dass ich das extra mache.“
„Wie wäre es denn einfach mal mit Nachdenken. Ich möchte diese Diskussion nicht ständig führen. Du bist noch lange nicht in der Verfassung, dass Du Dir Gedankenlosigkeit leisten kannst. Es ist immer das Gleiche: Am Ende habe ich immer Recht und keine Jacke.“
„Willst Du sie wieder haben?“ Gretchen hoffte, er würde ablehnen.
„Kratz Dir Deinen Trotz von der Backe. Du weißt, dass Dich alles andere direkt zurück auf die ITS bringt. Bei der nächsten Gelegenheit überlege ich mir doppelt und dreifach, ob ich Dich zu einem Spaziergang einlade.“

(„Nein Marc! Bitte nicht!“)

Unter Androhung ununterbrochener Krankenhauslangeweile lenkte Gretchen sofort ein. „Ja du hast Recht und es tut mir Leid. Ich werde mich bessern.“ Sie griff nach der feinen Chirurgenhand. Sie fühlte sich kalt an.

(„Er friert wegen mir.“)

„Versprochen, Marc.“ Sie nahm seine Hand mit in die Jackentasche.
„Kann ich das schriftlich haben? Nur, dass ich Dir das bei Gelegenheit zeigen kann.“ Er grinste sie an.
„Zettel und Stift habe ich leider nicht dabei. Aber wenn Du willst, dann kann ich Dir das auch tanzen?“ Sie grinste ihn an.
„Ich meine das im Ernst Gretchen. Du warst schwer krank und ich habe keine Lust, Dich wieder halb tot zu sehen.“

(„Ich habe Dich einfach zu lieb.“)

Sag es ihr!
Weichei-Romantiker.
Und wenn schon.
Wie und wenn schon?
Die Worte liegen in der richtigen Reihenfolge und warten darauf, direkt in ihr Herz gesprochen zu werden.


„Ich habe Dich einfach sehr lieb, Gretchen!“

Gut so!

Sie sah ihn an, in ihren Augen glänzte es verdächtig. „Ja, es tut mir leid, ich habe das schon gesagt es auch so gemeint. Ich kann ja verstehen, dass du damit keinen Spaß verstehst aber glaubst du nicht mir geht diese Situation auch auf den Keks? Ich habe das Gefühl, dass ich nicht ich bin. Ich kann nichts mit mir anfangen und selbst dafür fehlt mir der Antrieb. Und im Moment weiß ich weiß auch nicht, wie ich zu mir zurückfinden kann. Ich fühle mich einfach nur wie ein krankes Anhängsel das ständig kontrolliert wird oder bemuttert werden muss.“

Sie schmiegte sich an ihren Freund, dessen linke Hand in der Jackentasche schnell wieder zu einer normalen Temperatur gefunden hatte. „Wechsel mal die Seite, Marc. Dann hat Deine rechte Hand auch was von Deiner Jackentasche.“

Doch der attraktive Arzt hatte eine andere Idee. Er ließ sein blondes Trotzköpfchen los, positionierte sich hinter ihr und steckte beide Hände in die entsprechenden Jackentaschen. Das Laufen fiel nun schwerer aber sie hatten Spaß.

„Ma-arc?“ Gretchen lachte seinen Namen. „Ich habe Dich auch sehr lieb.“

Kurz bevor das Paar das Spital betrat, löste sich der Chirurg von seiner Freundin. Mit dem Aufzug fuhren sie in die sechste Etage. Die beiden mitfahrenden Personen verließen den Fahrstuhl im zweiten Stock, eine Gelegenheit, die Marc sich traditionell nicht entgehen lassen konnte. Er drückte die Stopp-Taste. Ehe Gretchen wusste wie ihr geschah, war sie schon in eine heftige Knutscherei verwickelt.

„Danke für den Ausflug – tut mir Leid wegen der Jacke. Ehrlich!“ Sie klimperte mit ihren Augenlidern, doch ihre Stimme klang aufrichtig.
„Ist schon gut, ich habe es überlebt. Aber Du wirst es wieder gut machen – ich habe vor, Dich die nächsten Abende mit nach Hause zu nehmen. Vorausgesetzt, Du bist einverstanden, Dich abends selbst zu entlassen – auf eigenes Risiko. Doktor Bareilly ist nicht der Meinung, dass Du das tun solltest. Aber Du musst mal was anderes sehen und vor allem essen.“

„Meinst du das im ernst? Ich darf mit Dir nach Hause?“

(„Nach Hause... Gretchen Haase, Du weißt nicht mal seine Adresse!“)

Sein Herz erfüllte sich mit warmer Freude, als er in zwei glücklich strahlende, ozeanblaue Augen sah: „Darfst Du. Aber nur wenn Du morgens immer wieder brav mit ins Krankenhaus kommst.“

(„Ich darf tatsächlich hier raus, auch wenn es nur für die Nächte ist!“)

„Natürlich – Und ich darf Dich dann hier weiterhin von der Arbeit abhalten?“
Er stimmt in ihr Lachen ein: „Ich bitte darum, Hasenzahn!“

Der Ausflug endete für beide in Gretchens Zimmer, natürlich konnten die beiden Verliebten es nicht lassen, sich nochmal ausgiebig zu küssen.

„So, Hasenzahn. Sie zu, dass Du den Nachmittag nutzt, Dich nochmal auszuruhen. Wegen unseres kleinen Ausflugs gerade verschiebt sich mein Feierabend auf 20 Uhr. Ich hole Dich hier ab – mit Jacke bitte.“
„Sehen wir uns nicht zwischendurch nochmal?“
„Ich weiß es nicht. Wenn ich ein paar Minuten habe, dann versuche ich es. Aber erstmal habe ich noch eine Gallenblase auf dem Plan stehen.“
„Na dann... auf zum Messer wetzen, Doktor Meier!“

Sie verabschiedete den Geliebten mit einem der Küsse, bei denen der Chirurg schon mal ins Wanken kommen konnte.
„Du Biest!“
„Für Dich auch das, mein Schatz!“

Karo Offline

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15.04.2019 22:52
#294 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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März 3.2 – Zu Hause



Marc hatte keine Zeit mehr für einen Zwischenstopp bei Gretchen. Nach der Gallenblase, die einer der „Fast-Fachärzte“ komplett selbstständig und zu Marcs Langeweile tadellos durchführte, brachte der Helikopter noch einen Skiunfall rein.

Doktor Bareilly kam persönlich zu seiner Patientin und ermahnte sie, vorsichtig zu sein. Doch mittlerweile hatte er eine vage Vorstellung davon bekommen, dass Gretchen sich schneller mit Marc erholte als ohne. Vor allem war er sicher, dass Gretchen gut versorgt werden würde. Sein Kollege war fast mehr an der Genesung der attraktiven Frau interessiert als er selbst. Doktor Margarete Haase war vor gut fünf Wochen auf seiner Station gelandet, im wahrsten Sinne des Wortes. Von Afrika hatte man sie nach Malaga in Spanien ausgeflogen, wo sie notoperiert wurde. Sobald sie stabil gewesen war, hatte Marc gegen jeden medizinischen Rat den Weitertransport nach Zürich organisiert.
Anfangs hatte der Schweizer sich maßlos über das unverantwortliche Verhalten aufgeregt, von einem Mediziner hätte er anderes erwartet. Doch mittlerweile musste er einsehen, dass für Gretchens Gesundung vor allem eins – einer wichtig war: Marc.
Dass sich der Chirurg quasi bei der Patientin einquartierte, gefiel Doktor Bareilly überhaupt nicht. Eher fürchtete er, dass Marc ihm ständig in seinen Job rein reden würde. Doch auch in dieser Beziehung hatte er sich geirrt. Doktor Meier verlangte nur, über jede Therapie aufgeklärt zu werden. Verständlicherweise fragte er nach, aber insgesamt konnte sich der verantwortliche Mediziner nicht über den Deutschen Kollegen beschweren.

Als Gretchen ihre Unterschrift auf das Entlassungsformular gesetzt hatte, umspielte ein glückliches Lächeln ihre Lippen. „Ich hoffe, Sie vermissen mich nicht zu sehr, Doktor Bareilly. Aber ich bin gut aufgehoben.“
„Da bin ich mir sicher, Doktor Haase. Kommen Sie gut nach Hause!“ Damit verschwand er durch die Tür.
Gretchen sah dem Arzt nachdenklich hinterher. „Nach Hause? Ich weiß nicht mal seine Adresse...“

Die nannte Marc später dem Taxifahrer, der ihn säuerlich ansah. „Das ist jetzt nicht ihr Ernst.“
Gretchen sah Marc fragend an, aber ehe er irgendwas erklären konnte, hielt das Taxi schon wieder. „Da sind wir schon.“ Er hielt ihr das Eingangstor auf. Doch Gretchen stand regungslos auf dem Bürgersteig und sah an dem Haus hoch.

(„Das ist also „zu Hause“. Sein Zuhause.“)

Natürlich fiel auch ihr die seltsame Betonfassade ins Auge. Marc grinste. Sie würde mögen, was sich dahinter verbarg. Sie folgte ihm schweigend ins Treppenhaus, was Marc wunderte. Normalerweise redete Gretchen schon wieder sehr viel.

(„Ist sie unsicher?“)

„Wir müssen eins hoch – warte!“ Und schon hatte er sie gepackt und trug sie die Treppe hinauf.
„He...!“ Gretchen lachte.
„Du musst Dich schonen.“
Sie lehnte ihre Stirn an seine Wange. „Danke.“
Er roch so verdammt gut. Sie fühlte seine muskulösen Arme, die sie sicher hielten.
„Schade...“ Gretchen kicherte, als Marc sie wieder vorsichtig auf ihre Füße stellte. Nun stand sie vor der Tür und hatte auf einmal Angst. Das war Marcs Wohnung. Die er für sie und das Kind gedacht hatte. Nun war sie hier. Ohne das Kind. Ohne das Kind, das nicht seins gewesen war. Ohne das Kind, das er als seins angenommen hätte. Weil er sie wollte. Weil er sie liebte. Bedingungslos. Weil er ein wunderbarer Mann war. Und sie? Sie hatte versagt!

Gretchen schluchzte herzzerreißend, gerade als Marc ihr die Wohnungstür einladend offen hielt. Er war verwirrt.

„Gretchen?“

Statt auf die Wohnung zu, bewegten sich ihre Füße Schritt für Schritt zurück, bis sie mit dem Rücken an der Wand stand. Mit großen, unglücklichen Augen sah sie durch die geöffnete Tür, durch die Wohnung hindurch in die Weite. Fast schien es so, als wollte sie sich vergewissern, ob...

(„Ich habe versagt. Ich habe unser Kind umgebracht.“)

Gretchen setzte sich auf die weiter nach oben führende Treppe und verbarg ihr Gesicht zwischen den Knien, um die sie ihre Arme geschlungen hatte. Ihre Locken fielen zu allen Seiten über sie, als wollten sie sie schützen.

„Gretchen?“
Marc hatte keine Ahnung, was seiner Freundin gerade so großen Kummer machte, aber so verzweifelt hatte er sie noch nie gesehen. Er setzte sich neben sie und zog sie in seine Arme. Lange saßen sie einfach so da, bis Gretchen einfach keine Kraft mehr hatte.

„Geht’s wieder?“
Sie schniefte als Antwort und schluchzte noch ein paar Mal. Dann nickte sie traurig.
„Ja.“
„Na dann...“ Er stand auf und ehe sie sich bewegen konnte, hatte er sie wieder auf die Arme genommen. Sie lächelte zaghaft.

(„Mein Prinz!“)

„Willkommen, Prinzessin!“

(„Gott sei Dank sagt er nicht Zuhause!“)

Wäre da nicht dieses dumpfe Wissen um Versagen in ihr gewesen, Gretchen hätte den Abend sicherlich genossen. Nicht nur, dass ihr die Wohnung wirklich gut gefiel, Marc hatte in der letzten Zeit gut aufgepasst, wenn Gretchen vom Krankenhausessen genervt gewesen war. Wie oft hatte von einem ordentlichen gemischten Salat geschwärmt. Und als in der vergangenen Woche „Bratkartoffeln“ auf dem Plan standen, war Gretchen letztendlich einfach nur empört, wie man Lebensmittel der Art vergewaltigen konnte.

Während sie es sich auf der riesigen Sofaecke gemütlich machte, beobachtete sie ihren Freund, der sich um das Essen kümmerte. Es schmeckte großartig. Frische Pellkartoffeln und einen großen bunten Salat. Dazu frisch gebratene Putenbrust.

Sie verbrachte unendlich viel Zeit in der Badewanne, was Marc irgendwann mit einem Hinweis auf ihre Bauchnarbe beendete. Natürlich protestierte sie: „Die Fäden sind seit gut drei Wochen draußen.“
„Ja, es ist gut verheilt. Aber wir wollen doch, dass es so bleibt?“
„Och Menno...!“

„Hm, das war toll. Danke!“ Sie kuschelte sich an ihre Jugendliebe. Er spielte eine Weile mit ihren Locken und als er anfing ganz zärtlich ihren Kopf zu massieren, ließ sämtliche Anspannung von der jungen Frau ab. Wohlwollend grinsend nahm er den erleichternden Seufzer wahr. Kurz darauf war Gretchen eingeschlafen.

Marc hingegen konnte erst nicht schlafen. Immer wieder kam ihm Gretchens Nervenzusammenbruch in den Sinn. Was hatte er falsch gemacht? Vor allem – auf dem kurzen Weg. Sie war gut gelaunt ins Taxi gestiegen und hier, etwas mehr als einen Kilometer vom Krankenhaus weg, war sie ein verzweifeltes Häufchen Elend. Spätestens in der Badewanne ging es ihr wieder gut und auch mit dem Essen hatte er wohl alles richtig gemacht.

(„Vielleicht ist sie doch noch nicht so fit, wie sie uns glauben lässt!“)

(„Doktor Bareilly hat nicht umsonst von Gretchens Ausflug abgeraten.“)

(„Dann muss ich halt wieder im Krankenhaus schlafen!“)


Denn nichts gefiel ihm besser, als seine schlafende Freundin im Arm zu halten. Mit ihrem Duft in der Nase fiel Marc in einen tiefen, traumlosen und erholsamen Schlaf.

Karo Offline

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24.04.2019 21:28
#295 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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März 3.3 – Gretchen frustriert



Gretchen war enttäuscht. Der Tag hatte so gut angefangen – mit einem schlafenden Marc an sie gekuschelt. Sie hatte nicht mitbekommen, als ihr Freund zu ihr ins Bett gekrabbelt war.

Marc hatte diese Woche den Bereitschaftsdienst von seinem Kollegen übernommen. Ihm schien es nichts auszumachen, fast rund um die Uhr im Krankenhaus zu sein. Im Gegensatz zu ihr, der die Decke allmählich auf den Kopf fiel. Gretchen langweilte sich zu Tode, doch egal, was sie sich überlegte, allein der Gedanke an irgendeine Aktivität ließ sie erschöpft zurück in die Kissen fallen. Ihr nächtlicher Ausflug zu Marc war bereits ein paar Tage her und ihr Freund hatte versucht, über den Nervenzusammenbruch im Treppenhaus zu reden aber sie hatte nur ausweichend geantwortet. Was sollte sie auch groß dazu sagen? Das war sein Zuhause. Auch wenn ihr die Wohnung wirklich gut gefiel – es war seine. Egal, ob er auch an sie (und das Kind) gedacht hatte. Als Heim für sie drei. Er hatte nur wenig Möbel gekauft, das Nötigste. Erstens war Zürich teuer, zweitens hatte er wenig Zeit, um durch Möbelhäuser zu ziehen.

„Drittens – ich wollte, dass auch Du unser Leben mitgestaltest.“ Dabei hatte er sie verlegen angelächelt und sie war in seinem Blick, der tausendfach „Ich liebe Dich“ sagte, versunken.

Er bot ihr ein gemeinsames Leben – also das, was sie sich seit jeher gewünscht hatte. Und sie? Kein Zweifel, sie liebte Marc. Sie wollte ein Leben mit ihm. Später. Momentan hatte sie das Gefühl, nicht angekommen zu sein.

(„Immer noch nicht...“)

(„Endlich mal was alleine schaffen...“)


Das war ihr Wunsch gewesen, als sie nach Afrika aufgebrochen war. Spontan. Aber plötzlich hatte sie den Mut dazu gehabt.

(„Etwas alleine schaffen!“)

Du warst eh nicht alleine. Mehdis Frucht wuchs bereits in Deinem Bauch! Und geschafft hast Du auch nichts. Außer Dich selbst. Du hast so einen tollen Mann überhaupt nicht verdient!
Er liebt Dich, so wie Du bist. Erinnere Dich an sein zufriedenes und entspanntes Schlafgesicht.
Da sollten Dir erst recht Zweifel kommen. Marc Meier begnügt sich mit Kuscheln? Niemals.
Warum denn nicht?
Er ist ein richtiger Mann. Und die brauchen eben von Zeit zu Zeit was Handfestes!


Gretchen trommelte mit den Fäusten an ihre Stirn und stöhnte.

(„Ich will meine Ruhe!“)

Oktober – November – Dezember – Januar – Februar – März. Eure letzte gemeinsame Nacht liegt sechs Monate zurück – Sex Monate? Oder tatsächlich „Ohne Sex Monate“? Für Dich in jedem Fall. Aber ein halbes Jahr ohne dass Marc Meier Sex hat? Niemals. NIEMALS!


Sie verdrängte diesen erschreckenden Gedanken. Immerhin war Marcs Anwesenheit am Morgen das Positivste am ganzen Tag gewesen. Bei der Visite hatte Doktor Bareilly ihr dann mitgeteilt, dass aus medizinischer Sicht nichts gegen eine baldige Entlassung spräche – sieben Wochen Krankenhaus wären genug und sie könnte in einer anschließenden Reha sicherlich mehr tun, um wieder auf die Beine zu kommen.

„Reha?“ Gretchens Stimme klang entsetzt.
„Naja, für Alltag sind sie bei weitem nicht fit genug aber für Krankenhaus geht es Ihnen bald zu gut. Mehr können wir nicht für Sie tun, Frau Doktor.“

Er hatte eine Rehaklinik empfohlen, mit der er schon sehr gute Erfahrungen gemacht hatte und ihr direkt einen Prospekt da gelassen. Den hatte sie bisher erfolgreich ignoriert, doch mittlerweile war sie auch für Trotz zu müde.

(„Ich könnte ja ruhig noch was schlafen – vielleicht werde ich dann ja wach, wenn Marc...“)

Ob er sie wohl in der kommenden Nacht auch besuchen würde? Überhaupt – wo steckte Marc? Er hatte sich den ganzen Tag noch nicht blicken lassen.

Vermutlich steckt der in irgendeiner Wäschekammer – in irgendeiner Krankenschwester!
Blödsinn. Er arbeitet...
Das hat ihn früher doch auch nicht davon abgehalten.


„Und mich wird nichts abhalten, ihn zu besuchen!“ Der Trotz war zurück und sie stand entschlossen auf. Gerade als sie nach der Türklinke greifen wollte, klopfte es an die Tür und gleichzeitig wurde dieselbe schwungvoll aufgestoßen.

„Aua!“ Gretchen hielt sich die Stirn.
„Oh Gott, Prinzessin. Das tut mir Leid. Was machst Du hinter der Tür?“
„Ich dachte, ich brauche was Farbe im Gesicht.“
„Und da lässt Du Dir gleich mal ein Veilchen schlagen? Lass mal sehen.“ Vorsichtig hob er ihren Kopf ins Licht. „Hm, außer dem Kratzer auf der Stirn ist nichts zu sehen. Tut mir Leid, Prinzessin, da wirst Du doch zu Farbe und Pinsel greifen müssen. Vorausgesetzt Du möchtest mich in zwei Wochen auf den Ärzteball begleiten.“

War der Schlag so heftig gewesen, dass sie jetzt halluzinierte?

„Was?“ Das war bestimmt nur ein Traum. Nochmal: „Was? Was für ein Ärzteball?“

Marc lachte. „Erde an Gretchen. Der Begriff Ärzteball müsste Dir doch geläufig sein. Ach nee... warte mal... das heißt nicht, dass man sich mit Kolleginnen um einen Arzt streitet...“
Jetzt lachte auch Gretchen. „Ich würde mich immer um Dich streiten!“ Dann sah sie ihn mit ernster Miene an. „Aber ich fürchte, dann müssen wir uns erst mit Doktor Bareilly streiten – er will, dass ich in Reha fahre. Aber das weißt Du bestimmt. Was hältst Du davon?“
„Woher soll ich das wissen, Du bist die Patientin.“
„Redet er nicht mit Dir?“
„Nein. Warum sollte er?“
„Ich dachte...“
„Du bist fit genug, um Deine Arztgespräche selbst zu führen.“
„Darf ich auch selbst meinen Lieblingsarzt küssen?“ Ihre Lippen lächelten verführerisch und Marc ließ sich nur zu gerne auf eine zärtliche Knutscherei ein.

„Wann will er Dich denn entlassen?“
„Hat er nicht gesagt. Nur, dass ich lange genug hier war.“
„Da hat er nicht ganz Unrecht. Ich für meinen Teil hätte Dich allerdings gerne noch länger hier...“ Diesmal war es der Arzt, der den nächsten Kuss anzettelte.

(„Dann doch lieber Reha...?“)

Karo Offline

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24.04.2019 21:32
#296 RE: Story von Karo Zitat · antworten

März 3.4 - Tagebuch


Liebes Tagebuch

Heute ist einer der Tage, wegen denen sich Leute vor Züge werfen. Es ist alles eine große Katastrophe.
Die Klinik, die Doktor Bareilly wollte, wird von meiner Krankenkasse nicht bezahlt, da diese in der Schweiz liegt. Nun muss ich nach Remscheid. Jawohl, Remscheid – bei Köln. Ich könnte kotzen...

Das war schon ein Auslöser für schlechte Laune und dann habe ich den Fehler gemacht, nochmal nach einem irgendwie passenden Kleid für den Ärzteball zu gucken. Noch mehr Katastrophe. Alles, was nur annähernd bezahlbar ist, kann ich nicht anziehen. Darin sehe ich aus wie gekonnt und nicht gewollt... oder irgendwie so...
In keinem Fall kann ich in sowas auf die Straße, geschweige denn auf einen Ball. Schon gar nicht an der Seite eines Mannes wie Marc. Er verdient einfach die schönste Begleitung der Welt und das bin ich nicht. Doch – könnte ich sein. Ich habe ein Kleid gefunden, dass man als akzeptabel bezeichnen könnte und die Frau sagte, dass man es problemlos noch umnähen könnte. Aber es hat einen Preis, den niemand zahlen kann. Marc nicht und ich schon gar nicht.
Marc war süß. Er sagte, dass er es mir sogar kaufen würde, aber dass er einfach kein Geld mehr hat, weil er meinen Rücktransport bezahlt hat. Dabei habe ich das in der Versicherung drin, aber wie das so ist... sie zahlen erstmal nicht. Sie wollen ein Gutachten.
Wozu zahlt man solche Versicherungen, wenn die sich eh um alles drücken? Man könnte sich diese Summe auch jeden Monat aufs Sparbuch legen und – NATÜRLICH!!! MEIN SPARBUCH!!!

Ich muss irgendwie an das Geld drankommen. Hier sind doch tausend Banken, ob ich da einfach mal fragen gehe?

Ich kann ja schlecht zu Hause anrufen „Hallo, ich bin´s Gretchen, ich bin in Zürich bei Marc und bitte schickt mir mal Geld.“
Schlechte Idee. Aber immerhin ist das Sparbuch eine Idee!

Und hoffentlich auch die Lösung.
Machs gut!

Karo Offline

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24.04.2019 21:38
#297 RE: Story von Karo Zitat · antworten

BERLIN

März 3.5 – Professorenprobleme



Professor Haase schloss kopfschüttelnd die Tür hinter Monika Geier. Nicht, dass ihn die Nachricht über deren Schwangerschaft arg vor Probleme stellte, der Ausfalle einer PJlerin war wegzustecken. Aber das war nun die dritte Frau, die ein Kind von Doktor Kaan erwartete. Sein Kälbchen in Afrika, in ein paar Wochen bereits würde sie Mutter sein. Sie hatte etwas von Ende April gesagt. Gina, mittlerweile auch im sechsten Monat schwanger.

„Ich brauche dringendst Ersatz... hat man gerade gute Leute, da kommt so ein Frauenversteher und schwängert eine nach der anderen...“

Doktor Hassmann war nun in Urlaub – Resturlaub und die Neurochirurgie war vorerst aufgelöst worden. Sie hatten einfach keinen Ersatz finden können – für weniger als ein halbes Jahr war niemand für eine Schwangerschaftsvertretung zu bekommen. Nun gut, das Personal konnte man auf anderen Stationen gut gebrauchen. Momentan war Doktor Fuchs im Ruhrgebiet, wo man bereits länger mit dem neuen Gerät arbeitete. Nach Beendigung der Radiologie-Erweiterung würde ein externer Arzt zu ihnen kommen und die Mitarbeiter schulen. Eigentlich war diese Aufgabe Gina zugedacht worden, die bereits gute Erfahrung mit dieser Technik gemacht hatte. Kaan hatte den gemeinsamen Plan zunichte gemacht.

Der Chefarzt hatte mehrere Bewerbungen von Ärzten für eine Assistenzzeit vor sich liegen, aber irgendwie sprach ihn keine sofort an. Er bräuchte sie nicht mal einzuladen – da würde auch persönlich kein Funke sprühen. Noch hatte er etwas Zeit, aber der Geburtstermin von Doktor Hassmann kam unaufhaltsam näher und dann würde auch Doktor Knechtelsdörfer aus dem Dienstplan fallen. Erst Urlaub und dann Elternzeit.

Elternzeit... wie schön wäre es, wenn Gretchen das Baby hier bekommen hätte. Oder wenigstens in Zürich...

Seine Bürotür wurde schwungvoll geöffnet und eine atemlose Bärbel stand aufgelöst vor ihm. „Franz, Gretchen ist in Zürich. Sie hat heute Morgen angerufen, weil sie an ihr Geld wollte. Du weißt schon, das Sparbuch. Sie wollte sich wieder melden, aber das hat alles nicht geklappt und ich habe einfach die Rückwahltaste gedrückt – da war die Uniklinik dran.“

„Wieso ist Gretchen in Zürich? Bei Doktor Meier?“
„Nein, ich hatte die Empfangsdame am Telefon, sie sagte, dass Doktor Haase ihr Telefon abgemeldet hätte. Sie hat dann nachgesehen und Gretchen hätte sich über Nacht entlassen. Franz, was ist mit Gretchen? Warum ist sie in Zürich und warum ist sie im Krankenhaus?“

„Bärbel, da gibt es sicherlich eine Erklärung für.“
„Ja, die möchte ich haben. Aber persönlich.“
„Wie stellst Du Dir das vor?“
„Ich habe bereits gepackt und wir nehmen den Nachtzug. Dann sind wir morgen Vormittag schon in Zürich!“
„Ich kann hier nicht so...“
„Es geht um Deine Tochter. Da Doktor Stier sich ja nicht mehr um Gina kümmern muss, kann er sich hier wenigstens nützlich machen.“

Franz Haase war lange genug mit seiner Frau verheiratet um zu wissen, dass er aus dieser Nummer nicht herauskommen würde. „Ist gut, ich rufe Doktor Stier an.“
„Na bitte. Geht doch!“

Karo Offline

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29.04.2019 00:32
#298 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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März 3.6 – Du bleibst hier



Gretchen hatte auf Marcs Drängen entnervt nachgegeben. Natürlich konnte er nicht ständig bei ihr übernachten, aber bei ihm in der Wohnung fühlte sie sich nur noch nutzloser als eh schon. Immerhin hatte sie irgendwie geschafft, ihre Mutter um das Sparbuch zu bitten ohne in Erklärungsnot zu geraten. Natürlich hatte ihr niemand der hiesigen Banken helfen können. Von Marc konnte sie immerhin nochmal ihre Mutter anrufen und falls sie auf die Idee käme, die Rückruftaste zu drücken... Gretchen hatte das Telefon im Krankenhaus schon am Nachmittag abgemeldet.

Sie packte die wenigen Sachen, die sie brauchen würde und verließ das Zimmer. Marc würde sich bestimmt freuen, wenn sie ihn abholte.

Doch Marcs Laune war gar nicht gut. Kurz vor Feierabend hatte er einen Anruf von Cedric bekommen, der ihm sagte, dass Professor Haase und seine Frau mit dem Nachtzug nach Zürich fahren würden – ob Gretchen tatsächlich bei ihm sei?

Auf dem Weg – heute gingen sie zu Fuß – sprachen sie wenig und die blonde Ärztin bereute ihren Entschluss. Marcs Handy klingelte. „Ist gut, Danke Sascha.“
Anschließend war Marc wieder etwas entspannter und er legte sogar seinen Arm um Gretchens Schulter.

***
„Oh, das war lecker, Marc!“

(„Allein wegen des Essens müsste ich viel öfter mit zu ihm!“)

„Das könntest Du öfter haben.“ Er gab ihr einen Kuss. „Hm, das wirst Du öfter haben, denn Du wirst solange bei mir bleiben, bis Deine Eltern wieder weg sind.“

„Meine Eltern? Was ist mit denen?“
„Die sind auf dem Weg hier hin. Warum weiß ich nicht, Cedric hat mich vorhin angerufen, sie nehmen den Nachtzug. Sascha tauscht mit mir morgen die Schicht, das heißt ich habe den Vormittag frei. Das ist mein einziges Zugeständnis. Um Deine Eltern kümmerst Du Dich bitte selbst!“

(„Uuuupps...!“)

„Marc, das...“
„Ist mir egal. Ich will nichts hören!“ Es war nur eine Frage der Zeit gewesen, bis Gretchens Eltern erfahren würden, dass sie nicht mehr in Sanssouci war. Aber sie hatte sich geweigert, ihre Eltern zu benachrichtigen und er versprach, ihren Wunsch zu respektieren. Auch wenn er es nicht gern tat. Bestimmt würde der Professor ihm gehörig den Kopf waschen – vermutlich zu Recht.

„Doktor Bareilly wird mir den Kopf waschen wenn ich mich nicht an die Absprachen halte.“
„Doktor Bareilly ist informiert, dass Du über das Wochenende Elternbesuch hast. Soll Dir viel Spaß wünschen!“
„Marc...!“

(„Mist...“)

„Ja, was? Es sind Deine Eltern!“

Karo Offline

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29.04.2019 00:52
#299 RE: Story von Karo Zitat · antworten

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März 4.1 – Haase-Besuch



Nachdem Gretchen und Bärbel die Wohnung verlassen hatten, befürchtete Marc kurzzeitig ein weiteres Donnerwetter vom Vater seiner Freundin. Doch der starrte gerade versonnen auf ein Foto, das Marc und Gretchen mit Roula und Martin zeigte. „Ich verstehe nicht, dass man Ihnen anstatt uns mitgeteilt hat, dass Gretchen krank ist.“

„Hat man nicht.“ Marc war unschlüssig, ob er es sich auf der Couch bequem machen sollte.
„Wie?“ Der Professor blickte ihn nun verständnislos an.
Der jüngere Mediziner lehnte sich dann doch an den Sofarücken. „Ich bin auf Verdacht geflogen. Naja, ich hatte plötzlich das Gefühl, dass etwas nicht stimmt.“

„Das klingt eher nach meiner Tochter aber weniger nach Doktor Meier?“ Die Augenbrauen wurden fragend hochgezogen. Die Stimme des Professors ließ keine Ausflüchte zu.

Marc atmete heftig aus. Wo sollte er anfangen? „Seit ich aus Afrika zurück bin, letztes Jahr meine ich, habe ich Alpträume. Ich konnte zeitweise nicht in meiner Wohnung bleiben, weil sie mir so furchtbar kalt vorkam. Tot. Deswegen war ich meistens nur 1 bis 2 Nächte zu Hause, meistens nur, wenn ich Wäsche brauchte oder Sie mich geschickt haben. Dass ich im Krankenhaus übernachtet habe, heißt nicht, dass ich dort keine Alpträume hatte. Schwester Sabine ist auf diesem Gebiet ebenso Leid geplagt und sie hat mir viele hilfreiche Tipps gegeben, dass ich wenigstens gelegentlich vernünftig schlafen konnte.

Arbeit war das einzige, wobei ich mich sicher gefühlt habe. Da war ich ich. Ich, wie ich mich kannte und wie ich mich auf mich verlassen konnte.
Trotzdem war es schwer, ohne Gretchen. Ich rechnete immer damit, dass sie plötzlich um die Ecke kommt, irgendwelche Diagnosen anzweifelt oder einfach nur zu spät ist. Aber sie war nicht zu spät, sie war nicht da. Dafür kam immer wieder die Panik, dass sie weg ist. Nicht nur räumlich, sondern weg. Ich meine, wir kennen beide Gretchen. Meine ärgste Angst war, dass Doktor Kaan sein Glück wieder versuchen würde, war nicht ganz so weit hergeholt... aber auch Christian wäre nicht abgeneigt gewesen. In ganz schlimmen Tag- oder Nachtträumen – Alpträumen – war sogar Martin eine Gefahr.

Dass meine Mutter hier verunglückt ist, war für mich ein glücklicher Zu- beziehungsweise Unfall, auch wenn man das eigentlich gar nicht sagen darf. Für mich war es so. Im Grunde war es das Beste, was meine Mutter je für mich tun konnte – auch wenn sie das nicht beabsichtigt hatte.“

Marc grinste den älteren Chirurgen fast verlegen an.

„Ich habe mich hier sofort wohl gefühlt – ich war zwar nur Angehöriger, aber ich behaupte, als Arzt eines Krankenhauses kann man spontan eine Meinung zu der Arbeit in einem anderen Krankenhaus haben. Der Job, den Professor Neuroth mir angeboten hat, war meine Chance, aus Berlin wegzukommen. Hier war alles neu und nichts war mit Gretchen verknüpft. Was nicht heißt, dass ich sie mir weniger gefehlt hätte, oder dass die Alpträume damit weg waren. Aber ich konnte besser damit zurechtkommen.

Die Stelle hier ist besser als ich es mir vorgestellt hatte. Nicht nur mit Professor Neuroth passte alles, auch mit den meisten Kollegen. Vor allem mit Doktor Nussbaum verstehe ich mich sehr gut. Ich habe keine Erfahrung mit Freunden, oder wann man jemanden so nennen kann. Aber ein Kollege ist er schon lange nicht mehr.

Das Team in der Chirurgie ist riesig. Chirurgische Klinik – mit allen vorstellbaren Unterabteilungen. Was haben wir im EKH? Ein Oberarzt, maximal vier Chirurgen, naja, eigentlich waren es ja nur noch zwei und die zwei Assistenzärzte. Welche Eingriffe werden durchgeführt? Bis auf Ausnahmen Routine. Selbst die Notfälle werden irgendwann zur Routine. Die interessanten, großen
Sachen grast die Charité ab, oder das Nordstadtkrankenhaus mit seinem Transplantationszentrum.

Hier sind es insgesamt zwölf Oberärzte und 15 Assis. Die Krankheitsbilder sind so unterschiedlich und gerade mein Job, quasi Klinikintern überall dabei zu sein, ist eine Herausforderung.

Als ich hier angekommen bin habe ich mir überlegt, was ich in der freien Zeit tun kann. Nicht, wie früher, Couch, Bier, Fußball oder so. Sondern etwas anderes. Da ich mich hier von Anfang an wohl gefühlt habe, dachte ich, dass ich intensiv die Stadt kennenlernen möchte. Ich habe Stadtführungen mitgemacht, war in Museen, fast jeden freien Tag eins. Mit Doktor Nussbaum und seiner Familie bin ich über den See geschippert, auf Berge geklettert. Spieleabende. Insgesamt viel unterschiedlichstes Input“ – er tippte sich an den Kopf.

„Aber dann kamen die Alpträume und Zweifel zurück. Ob ich das kann, mit Ihrer Tochter. Doch insgesamt kam ich auch damit irgendwie klar, ich konnte die Träume gut verarbeiten und wegstecken.
Bis mich plötzlich diese schreckliche Ahnung plagte, dass etwas nicht stimmt. Kein Traum, keine Zweifel, einfach nur ein komisches Gefühl im Bauch. Egal, was ich anstellte, wie ich versuchte, mich abzulenken, dieses dumpfe Unbehagen blieb. Und immer wieder kam der Wunsch, dieses gute Leben hier mit ihr zu teilen. Ich war mir sicher, dass Gretchen Zürich mögen würde.

Eine Regel hier besagt, dass man erst nach zwei vollen Monaten Betriebszugehörigkeit Anspruch auf Urlaub hat. Als ich trotzdem angefragt habe, sah Professor Neuroth keinen Grund, warum man nicht eine Ausnahme machen sollte. Der Ärztliche Direktor verweigerte jedoch seine Zustimmung und ich wusste nicht, was ich tun sollte. Professor Neuroth hat mir dann Überstunden eingetragen – dazu gab es andere Vorschriften. Naja... ich war sofort weg...“ Marc machte eine kleine, nachdenkliche Pause, sprach dann leise weiter: „Ich hätte keinen Tag später fliegen dürfen... Gretchen ist seit fast acht Wochen hier...“

Der grauhaarige Mann sah Marc entsetzt an. „Acht Wochen? Und Sie sagen nichts?“

„Nein. Ich musste es Gretchen versprechen... es tut mir wirklich Leid, Professor Haase!“

Der sah Marc prüfend an, nickte und griente, ihm kam der überstürzte Aufbruch des Chirurgen im Sommer in den Sinn. „Da kann ich ja noch froh sein, dass ich vorher noch von Ihrem Ausflug nach Afrika erfahren habe. Letztes Jahr, meine ich!“ Nun lachte der Professor, doch Marc erwiderte diese Freude nicht. Ruhig fuhr er fort: „Hm. Ich habe nicht groß über die möglichen Konsequenzen nachgedacht. Das kam mir nicht eine Sekunde in den Sinn. Zweimal war es eine richtige Entscheidung, nach Afrika zu fliegen. Auch wenn ich dieses Mal mit der Konsequenz leben muss, mir wieder einen anderen Job zu suchen.“ Er seufzte tief. Aber nun war es raus, er hatte es gesagt.

„Doktor Meier?“

Er sah den Professor offen und ehrlich an, nickte langsam. „Der Rauswurf war zu erwarten. Ich darf freundlicherweise solange hier arbeiten, bis ich einen neuen Job habe. Als Anerkennung und Dank für die gute Arbeit hier. Ich schätze, da hat Professor Neuroth alle Register gezogen, denn die hiesige Klinikleitung ist nicht für Mildherzigkeit bekannt. In meinem Fall schon gar nicht...“

„Die haben Sie rausgeworfen???“ Der Professor konnte es nicht glauben. Wer bitte war so verrückt, einen Chirurgen rauszuwerfen, der so gut und einsatzfreudig war, wie dieser junge Mediziner! „Sie wissen, dass ich Sie jederzeit mit Kusshand zurücknehmen würde?“

„Das weiß ich und ich weiß das sehr zu schätzen. Aber das wäre nicht ich. Zurückzukehren würde sich anfühlen wie Scheitern, wie ein Rückschritt. Und dafür ist Marc Meier bestimmt nicht zu haben.“

(„Ein bisschen was von mir ist schon noch da!“)

„Ich habe Bewerbungen nach Heidelberg, Nürnberg und Aachen geschickt. Oberarztstellen. Naja, wir wissen ja, wie lange das dauern kann. Ich hoffe nur, dass ich tatsächlich solange hier bleiben kann...“

„Wollte Gretchen deswegen, dass wir an ihr Geld schicken sollen?“

„Bitte?“ Jetzt war es der Jüngere der beiden, der völlig perplex die Augen aufriss.

„Deswegen sind wir hier?“
„Wegen Geld? Sie hat sie um...“ Marc war immer noch geschockt.
„Nein. Gretchen wollte kein Geld. Aber wir sollten ihr Bankunterlagen schicken. Warum hat sie nicht gesagt. Auch nicht, warum sie in Zürich ist. Unsere Tochter war nie gut uns etwas vorzumachen oder zu verheimlichen. Sie hat den Fehler gemacht, uns aus dem Krankenhaus anzurufen. Sie wollte sich zwar wieder melden, aber da das alles nicht klappte bei der Bank, hatte meine Frau die Idee mit der Rückruftaste. Da Gretchen das Telefon über das Wochenende abgemeldet hatte, wurde der Anruf natürlich an die Zentrale weitergeleitet. So sind wir hier.“

Marc schnaufte. Aber was, außer alles zu erzählen, konnte er tun?

„Gretchens Rücktransport war nicht eben billig. Ihre Versicherung zahlt das nicht, beziehungsweise nur die Kosten, die ein Krankenhausbesuch da unten gekostet hätte. Aus Großzügigkeit.“
Er schnaufte erneut – verächtlich. „Ein Rücktransport wäre medizinisch nicht notwendig gewesen.“

„Wer will das beurteilen? Ein Versicherungsheini?“

„Doktor Bareilly, Gretchens behandelnder Arzt, hat ein Gutachten in Auftrag gegeben. Daraus und vor allem aus den Unterlagen aus Malaga geht ganz klar die Dringlichkeit der Situation hervor. Alle Beteiligten sind der Meinung, dass...“

Professor Haase unterbrach ihn mit einer Frage. „Malaga? Wie kommen Sie jetzt auf Malaga?“

„Es war im wahrsten Sinne des Wortes die erstbeste Anlaufstelle. Die Krankenhäuser in Koudougou oder Ouagadougou waren keine Optionen für eine OP. Kairo wäre okay gewesen aber es war nicht schneller zu erreichen als Malaga. Weiter hätte es definitiv nicht sein dürfen...“ Marc erzählte dem Professor von Gretchens Not-OP und vom Weitertransport nach Zürich, ein paar Tage später, nachdem sich ihr Zustand deutlich gebessert hatte. „Wobei gebessert immer noch weit von gut war. Hier wurde sie für mehrere Tage in ein künstliches Koma gelegt, dass ihr Organismus erstmal zur Ruhe kommen konnte. Sie kann sich an nichts von dem erinnern. Das letzte, was sie weiß, ist, dass Fritz gegen ihren Willen die Malariatherapie gestartet hat. Als der Junge tot geboren wurde, hatte sie bereits das Bewusstsein verloren.“

Marcs leise Stimme wurde nur von seinem eigenen Seufzen unterbrochen. Stoßweise verließ die Anspannung der letzten Wochen seinen Körper. Verdammt, hatte er reden jemals so befreiend wahrgenommen? Ganz langsam trauten sich seine Mundwinkel in Richtung oben.

„Wie dem auch sei... so ein Gutachten dauert – und die Bearbeitung dann sowieso. Deswegen habe ich das erstmal bezahlt. Was so ziemlich alles ausschließt, was überflüssiges Geldausgeben heißt. Dazu zählt auch der Ärzteball. Sie haben Ihre Tochter gesehen – in ihren Klamotten kann sie baden, aber nicht aus, geschweige denn tanzen gehen. Im Unterschied zu früher würde ich sehr gerne mit Gretchen dorthin gehen. Wir waren jetzt mehrfach nach Kleidern gucken – das bezahlbare Sortiment ist eine Katastrophe, das passende Sortiment auch – finanziell. Schätze, da wollte sie helfen.“

Nun lächelte Marc. Ja, das würde zu Gretchen passen.

(„Meine Prinzessin!“)

„Das würde in jedem Fall zu Gretchen passen.“ Der Professor schmunzelte, besonders als er den verklärten Blick des Oberarztes sah. „Auch, dass sie nicht möchte, dass wir uns Sorgen um sie machen. Trotzdem hätte sie wissen müssen, dass wir neugierig werden, wenn sie ohne Erklärung Geld braucht. In Zürich, wo wir sie in Sanssouci glauben. Für mich stellt sich aber vor allem die Frage, ob sie für solch eine Veranstaltung fit genug ist?“

Marc grunzte. „Ist sie. Wird sie sein.“ Nun lachte er. „Die Aussicht zu diesem Ball zu gehen hat sie ein gutes Stück nach vorne gebracht. Sie ist seitdem ruhiger und rebelliert nicht ständig vor Langeweile gegen alles.“
„Gesundungs-Motivation?“
„Ja. Sie verbraucht einfach weniger Energie, um uns zu beweisen, dass sie fit ist. Sie ist nicht fit, aber tut alles, um fit zu werden.“
„Was passiert, wenn sie da nicht fit genug ist?“
„Das habe ich mir auch schon überlegt. Aber hingehen werden wir in jedem Fall. Sie soll ihre Freude haben. Und ich denke, dass sie sagen würde, wenn es ihr zu viel wird.“

Der Professor zögerte einen Moment – was hatte Doktor Meier gesagt? Im Unterschied zu früher würde ich sehr gerne mit Gretchen dorthin gehen? „Dass meine Tochter da mit Ihnen hin möchte, das ist klar. Aber dass ausgerechnet Sie dahin möchten?“

„Ich möchte nicht dahin, sondern ich möchte mit Ihrer Tochter dahin.“

Der Professor kam nicht mit. War dieser junge Mann vor ihm wirklich sein bester Oberarzt? „Macht das einen Unterschied?“

„Herr Professor...“ Marc lachte. „Niemand hier hat mich je mit einer Frau gesehen, keine Krankenschwester konnte sich Hoffnung auf wer-weiß-was machen, obwohl definitiv genug Angebote da waren.“ Er berichtete seinem Ex-Chef von den Anfeindungen der Klinikleitung, dass er homosexuell sein könnte.

Doktor Meier? Schwul? Der Chefarzt starrte den Freund seiner Tochter entgeistert an. „Homosexuell? Sie?“ Er fing an zu grinsen, doch dann konnte er sich nicht zurückhalten und er lachte schallend bis ihm die Tränen kamen. „Gretchen soll sich das Kleid aussuchen, was sie haben will. Diesen Auftritt gönne ich Ihnen – beiden!“ Der Professor schnappte nach Luft. Das Lachen hatte sich gegen die tragische Stimmung des Gesprächs durchgesetzt und der grauhaarige Mann sprühte plötzlich wieder vor Energie: „Es wird mir eine Freude sein, das zu spendieren!“

Marc konnte vor Überraschung nichts sagen. Eigentlich ging ihm das gegen den Strich, aber offensichtlich hatte der Professor gerade sichtlich Spaß. Ein verlegenes Lächeln zauberte die sympathischen Grübchen auf Marcs Wangen.

„Über die andere Rechnung reden wir auch nochmal. Wenn ich wieder Luft bekomme und klar denken kann. Sie haben doch bestimmt Bier im Haus? Ich glaube, ich möchte jetzt ein Bier!“ Schanufte und prustete der Professor.

***
Während der nächsten Tage lernte Professor Haase Marcs neuen Chef, Professor Neuroth besser kennen. Die beiden Mediziner waren auf einer Wellenlänge, nicht nur, was Doktor Meier anging. Von seinem schweizerischen Kollegen erfuhr er von Marcs mutigem Auftritt bei der Anhörung und er selbst stellte die Vermutung in den Raum, dass Marc der Klinikleitung einfach zu unbequem war. Nach wie vor konnte man keinen fachlichen oder dienstlichen Grund finden, warum man Marc gebeten hatte, sich um einen anderen Job zu bemühen. Für Marc war es eine Genugtuung, dass man ihm keine Kündigung aussprechen konnte.

Als Professor Haase nachfragte, was der Schweizer Kollege unter unbequem verstand, erzählte er ihm von Doktor Kalila, der nun Ende April ohne Vertrag und Facharzt sehen musste, wie er zurechtkam. Den Berliner Klinikchef interessierte natürlich auch die Studie und Professor Neuroth lud den Besucher spontan zum Abendessen ein.

Ein paar Tage später fuhren Franz und Bärbel beruhigt wieder nach Berlin. Auch für das EKH war bei dem Ausflug in die Schweiz etwas herausgesprungen – ein Vertrag mit einem neuen - fertigen Assistenzarzt für das Elisabeth-Krankenhaus mit Option einer anschließenden Übernahme als Chirurg.

Karo Offline

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29.04.2019 01:03
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März 4.2 – Forschungsarbeit



Die Beteiligten der Studie um Professor Neuroth hatten erste Überlegungen niedergeschrieben und das Treffen hatte hauptsächlich aus Diskussion bestanden. Interessanterweise gab es unter Medizinern kein einheitliches Wunschbild, wie eine Klinik funktionieren sollte. Natürlich war das Kernthema immer gleich: Geld. Oder besser das fehlende Geld. Verlebte und überholte Krankenhauseinrichtung, hygienische Kälte, unpersönliche Einrichtung... Marc hätte fast gelacht.

„Von unseren Patienten haben sich allenfalls Einzelfälle über die Klinikausstattung oder die Farbe der Bettwäsche Gedanken gemacht. Die hauptsächlichen Kritikpunkte lagen beim Personal oder beim Essen. Ein Krankenhausaufenthalt ist nun mal kein Urlaub und die Patienten sehen sogar den Unterschied. Einziger Anspruch, den alle haben, ist eine gute Versorgung. Medizinisch und – naja... Essen ist immer wichtig.“

„Eben. Aufgrund der medizinischen Versorgung ist es wichtig, die Geräte regelmäßig auszutauschen.“

„Das sehe ich anders. Wichtig ist, dass Sie mit dem vorhandenen Material so vertraut sind, dass sie damit problemlos umgehen können. Dann erst sind Sie in der Lage eine ordentliche Untersuchung durchzuführen. Ich behaupte, dass jeder ungefähr ein halbes Jahr benötigt, um ein neues Gerät einwandfrei bedienen zu können. Tauschen Sie – sagen wir alle fünf Jahre diese Geräte aus, dann haben Sie definitiv ein Problem.“

„Aber die Patienten verlangen modernste Diagnostik.“

„Die Patienten verlangen eine zuverlässige Diagnostik.“

Professor Neuroth machte sich von Zeit zu Zeit Notizen, überließ seinen Teilnehmern allerdings die Diskussion.

„...wir können auch wieder dahingehen, die Menschen vor der OP mit einer Flasche Whisky abzufüllen!“

„Das könnte mitunter teurer sein, als die gängige Anästhesie.“ Marc dachte an seine Whiskysammlung und lachte. „Jede Zeit hatte einen medizinischen Fortschritt, auch die Verwendung von Alkohol hatte vor einigen Jahrhunderten sicherlich ihre Berechtigung. Damit konnte man wenigstens etwas tun – versuchen – und von nichts tun auf eine 50:50 Chance war sicherlich eine Riesensache.
Aber überlegen Sie mal, wie viele Medikamente wir täglich einkaufen, verwenden oder am Ende wegwerfen. Aufgrund eines aufgedruckten Datums. Die Wirkstoffe sind viel länger haltbar, trotzdem müssen diese Präparate entsorgt werden. Das Geld haben Sie definitiv zum Fenster rausgeworfen. Dafür fehlt es woanders. Bei uns das Geld, woanders die Medikamente.“

„Sollen wir jetzt anfangen, die in die dritte Welt zu schicken?“

„Sammeln würde reichen – das Verschicken übernehmen Organisationen. Sinnvoller wäre es aber, gezielter einzukaufen.“
„Haben Sie jemals gesehen, wie sich die Preise staffeln? Da werden Sie gezwungen, große Mengen abzukaufen.“
„Dabei sollten doch eigentlich wir als Ärzte bestimmen, welches Präparat der Patient bekommt, nicht?“
„So ist es aber nun mal. Die Industrie bestimmt...“
„Aber ging es bei diesem Brainstorming gerade nicht um die Realität?“

„Ihr Wohltätergedanke in allen Ehren – ich kann Ihnen von meiner Zeit in Afrika berichten, dass die Menschen dort eh nur an ihre Kräuterhexen und Schamanen glauben. Mit westlichen Medikamenten können die nichts anfangen, geschweige denn sich leisten.“
„Aus meiner Zeit in Afrika stimme ich Ihnen teilweise zu – vor allem ist es immer ein Risiko, ob die Medikamente überhaupt richtig eingenommen werden. Das hat wiederum etwas mit Aufklärung und Vertrauen zu tun. In der Krankenstation von Sanssouci wurde mit beidem gearbeitet. Traditionelle Medizin und westlichen Medikamenten. Glauben Sie mir, achten Sie das eine, funktioniert auch das andere. Wenn Sie dort sind, können Sie nicht mit erhobenem Zeigefinger die Weisheit des Westens preisen. Sie müssen sich auf die afrikanischen Bräuche einlassen.“

„Sie sehen nicht so aus, als würden Sie Ihr Glück im Busch suchen.“

„Genau so war es aber.“ Marc lachte. Gretchen war sein Glück und wegen ihr war er im Busch gelandet. „Sicherlich geschah das zufällig. Aber geschadet hat es mir nicht!“

„Und seit dem verschreiben Sie bei Bluthochdruck keine Betablocker mehr sondern Ringelkraut und Hasenkralle?“

„Es geht nicht darum, mit Gewalt etwas zu verschreiben.“ Marc tippte sich an die Stirn. „Da oben fängt es an. Wenn ich einen Bluthochdruckpatienten auf den Tisch bekomme, dann haben alle Stellen vor mir versagt – angefangen beim Allgemeinmediziner, der vermutlich der erste ist, der diese Diagnose gestellt hat. Blutdrucksenkende Mittel gegeben und fertig. Wo ist die Aufklärung? In einem Nebensatz werden Hinweise zu einer gesunden Lebensführung überhört. Dann kommt vielleicht noch ein Herzspezialist dazu, der viele Untersuchungen macht und vermutlich auch ein Präparat verschreibt. Oder gleich die Einweisung ausstellt. Das freut den Chirurgen, weil er irgendwann operieren darf, aber ob es Sinn macht sei mal dahingestellt. Vor allem, wenn der Patient auch nach der OP seine Gewohnheiten nicht umstellt.“

„Jetzt sind es also wieder die Allgemeinmediziner Schuld.“

„Diese Fälle sind gängige Praxis. Und wenn wir von Schuld reden, dann sind alle Instanzen betroffen, denn auch der Chirurg könnte seine Informationspflicht vor die Aufklärungspflicht stellen. Das zugrunde liegende Problem haben wir alle: Mangelnde Zeit. Weder Sie als Allgemeinmediziner haben die Zeit, sich in Ruhe mit dem Patienten hinzusetzen und Alternativen zu besprechen.
Vor allem fehlt es in der Regel dann an der Begleitung. Seinen Alltag umzustellen macht man nicht mit dem Kopf – langgelaufene Pfade verlässt niemand so einfach.“

„Und wo wollen Sie die Zeit herholen?“

Nun mischte sich eine Frau ein, die Marc ein wenig an Gretchen erinnerte. „Nicht unbedingt die Zeit – aber es gibt Berufsgruppen, die sich mit diesen Themen hauptberuflich und alltäglich auseinandersetzen. Nicht nur präventiv, das sind leider die geringsten Klienten. Meistens handelt es sich dann schon um Erkrankungen – nehmen wir zum Beispiel Diabetes. Eine Volkskrankheit, die mit ein bisschen Engagement oftmals nicht einmal medikamentös behandelt werden muss. Aber die Werkzeuge dafür, die müssen vermittelt werden.“

„Dafür gibt es ja Rehazentren.“

„Und das ist meiner Meinung nach der größte Quatsch. Dort haben Sie alles – außer Alltag. Das Problem ist nicht, dass die Menschen den Umgang mit ihrer Krankheit lernen, sie müssen es schaffen, diese in ihren Alltag einzubauen.“
„Was wäre denn Ihr Vorschlag?“
„Die ambulante Wiedereingliederung. Diabetes ist kein Grund, wochenlang wegen einer Reha krankgeschrieben zu sein. Es ist nicht mal die günstigste Form – im Gegenteil. Eine Woche reicht aus, einfach um den Klienten an die Hand zu nehmen. Sie müssen seinen Alltag, seine Gewohnheiten kennen, um ihn so gut wie möglich unterstützen zu können. Das heißt auch, dass Sie mögliche Fallen frühzeitig erkennen. Und glauben Sie mir, Diabetes ist noch eine der einfacheren Stoffwechselerkrankungen. Fies wird es bei Allergien, wobei die in der Regel messbar sind. Die unterschiedlichsten Nahrungsmittelintoleranzen sind mittlerweile das Schwierigste in meinem Job.“
„Der da wäre?“ Der Allgemeinmediziner, der vorher schon mit Marc diskutiert hatte, sah die wortgewandte Sprecherin auffordernd an.

„Diätassistentin.“

„Kommt jetzt die Belehrung, dass die Alternativen schonender sind gegenüber der Schulmedizin?“
„Mein Eindruck ist, dass Sie zu den Unbelehrbaren gehören. Im Gegensatz zu dem Kollegen aus der Chirurgie, der bereits auf die Kombinationsmöglichkeit hingewiesen hat. Wo doch eigentlich die Chirurgie die wenigsten Alternativen zulässt. Außer, Sie greifen wirklich wieder zur Whiskyflasche.“ Sie kicherte und zwinkerte Marc zu.

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