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Dieses Thema hat 151 Antworten
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Sophiee^^ Offline

Mitglied


Beiträge: 276

06.11.2011 13:27
#76 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Danke für die Kommentare!

@Greta: Dieser Teil ist für dich, weil dir wirklich ALLES auffällt

Viel Spaß!


Mal überlegen… was hab ich früher gemacht, wenn ich frei hatte? Meistens hab ich… ferngesehen. Medizinbücher gelesen, Golf gespielt, manchmal auch Überstunden gemacht… oder ich hab eine Frau aufgerissen. Ne, alles unpassend… keine gute Beschäftigung. Fernseher tot. Medizinbücher lesen… weiß ja schon alles. Golf spielen- es regnet, und ich hab keine Ahnung, wo hier ein Golfplatz ist. Überstunden hab ich vorher schon ausgeschlossen. Frau aufreißen- nur wenn’s Hasenzahn ist… in einer Beziehung darf man ja nicht fremdgehen.
VERDAMMT! Gibt’s hier keine Beschäftigung?! Vielleicht sollte ich die SMS doch abschicken… dann ist sie überglücklich und haut früher ab, weil sie mich auch vermisst…

Marc ging auf „Entwürfe“, aber als er diese drei kleinen Worte las, schüttelte er den Kopf und löschte sie wieder. Dann warf er das Handy auf den Couchtisch und legte sich seufzend hin. Ja, da war sie wieder. Die Langeweile.
Eine Beschäftigung fiel ihm noch ein. Gretchens Handy. Aber er verwarf die Idee gleich wieder. Er hatte heute schon genug geschnüffelt… wenn sie das rausfand, war sie sicher wieder ganz schön beleidigt.
Als hätte jemand Erbarmen mit ihm, klingelte sein Handy.
Mehdi!
„Kaan, hast du ne Lösung?“, rief er auch gleich in sein Handy, ohne auf’s Display zu schauen oder an eine Begrüßung zu denken.
„Marc Olivier?!“, meldete sich eine irritierte Stimme. Die so ganz und gar nicht zu Mehdi gehörte…
„Mutter?“, fragte er leise.
Na, das kann ja heiter werden…
Es herrschte Schweigen. Seine Mutter war irritiert, dass er sie mit ihrem Frauenarzt verwechselt hatte und er war überrascht, am gleichen Tag noch einmal von ihr zu hören.
Sie ist doch sonst nicht so anhänglich… gut, sie ist anhänglich, aber immer nur wenn sie irgendwas braucht. Braucht sie was? Hoffentlich nicht! Ist ja schlimm genug, dass sie uns übermorgen „besuchen“ kommt… oh nee,… jetzt hätt ichs fast vergessen! Es kann doch echt nicht mehr schlimmer werden!!
Als nach einer Weile immer noch Schweigen herrschte, beschloss er, etwas zu sagen.
Echt komisch der Tag heute… hat die ihre Zunge verschluckt? Das wär doch mal ganz was Neues!
„Was ist los?“, fragte er vorsichtig. Die Situation war so gar nicht Elke-Fisher mäßig…
„Guten Tag, Marc“, sagte sie, ohne seine Frage zu beantworten.
Was geht hier ab?! Hat sie mich gerade wirklich… begrüßt??! Und MARC genannt?!
„Guten Tag, Mutter“, erwiderte er, nur um dann seine Frage zu wiederholen. Diesmal eindringlicher. „Was ist los?“
„Nichts besonderes… ich wollte mich nur mal melden“
„Wir haben doch erst heute Morgen telefoniert…“
„Na gut, dann sag ich dir eben, was los ist, Olivier…“, seufzte sie- wieder ganz theatralisch.
Hey, Elke Fisher is back! Und dazu noch mein heißgeliebter zweiter Vorname…
„Nenn mich nicht Olivier!“, warf Marc ein, ein wenig beruhigt, weil es nichts Schlimmes sein konnte. Vielleicht wollte sie wirklich einmal nett sein. Das Problem dabei war, dass sie darin nicht besonders geübt war. Er grinste.
„Meine Verlegerin hat gerade angerufen…und sie hat gesagt, dass ich mir keinen Urlaub nehmen DARF…kannst du dir das vorstellen?! Ich arbeite das ganze Jahr über, und dann darf ich mir nicht EINMAL zwei Wochen freinehmen?! Das ist wirklich… die Höhe!“, regte sie sich künstlich auf.
Sie kann nicht kommen?! Okay, Gott liebt mich doch! Der Tag könnte noch gerettet werden…
„Tja, Mutter, was soll ich da ändern?“, grinste er breit.
„Hör auf, so zu grinsen, Marc Olivier! Du verstehst das nicht… sie sagte, erst wenn ich noch einen weiteren Band geschrieben habe, darf ich verreisen… das ist Gefangenschaft! Wie soll ich denn so schreiben? Im Moment bekomm ich sowieso nichts zusammen…“
„Nochmal: Ich kann dir da echt nicht helfen!“
Nein, ich will keinen ganzen Band schreiben… das kannst du dir echt abschminken, Mutter!
Als hätte sie seine Gedanken gelesen, seufzte sie noch einmal tief. Dann fuhr sie fort: „Naja, wenn du mir nicht helfen kannst, dann muss ich das wohl oder übel alleine machen… aber glaub nicht, dass ich den Urlaub vergesse! Spätestens in vier Monaten komme ich dich besuchen…“
Fuck!! Naja… aber zumindest ein Aufschub… ich wusste ja immer schon, dass man sie von nichts abbringen kann…leider!
„Wow, da freu ich mich drauf!“, meinte er ironisch, aber Elke überhörte den Ton und verabschiedete sich mit den Worten: „Ich werde dir bald die ersten Kapitel von „Breaking down“ zum Gegenlesen mailen!“
Breaking down? Also echt, ich dachte, sie ist besser als die „nordamerikanischen Trivialschlampen“. Dabei macht sie den Titel nach…tzz…
Genervt warf er sein Handy wieder auf den Couchtisch. Dann legte er sich ins Schlafzimmer und versuchte, zu schlafen.



Gretchen hatte hingegen ein paar Überstunden gemacht. Kathy hatte ihren Vater zwar beruhigen können, aber es war trotzdem der unsensible Chirurg durchgekommen. Irgendwann hatte sie sich ernsthafte Sorgen um ihr Trommelfell gemacht. Sie konnte es ihm nicht mal übel nehmen. Sie war nicht gerade besonders fleißig.
Wäre das anders, wenn Marc noch in Berlin wäre? Hm… aber ich will nicht, dass es anders ist. Sonst wären wir nämlich nicht zusammen!
Wenn das so weiterging, würde sie das Fellowship sicher bald verlieren… sie seufzte. Eigentlich wollte sie gar nicht mehr arbeiten. Nein, arbeiten wollte sie schon, aber nicht in diesem Ausmaß. Sie wollte keine Siamesischen Zwillinge trennen oder andere komplizierte Operationen durchführen. Es war auf jeden Fall interessant und auch toll gewesen, bei so einer OP dabei zu sein, aber in letzter Zeit erwischte sie sich immer wieder beim Wunsch, wieder im EKH arbeiten zu können. Ja. Sie war Ärztin und sie war mit Leidenschaft dabei, aber mit noch mehr Leidenschaft wollte sie eine gute Mutter werden. Und hier wurde sie einfach überfordert. Irgendwann konnte sie sowieso nicht mehr operieren. Seit ihrer Schwangerschaft wurde ihr manchmal schlecht, wenn sie Blut sah, und das konnte man als Ärztin gar nicht gebrauchen. Aber sie hatte einen Entschluss gefasst. Nur war sie sich nicht sicher, ob Marc da einverstanden wäre…
Vielleicht fühlt er sich dann wieder angegriffen und denkt, dass ich mich in sein Leben einmischen will… da haben wir’s wieder! SEIN Leben! Hoffentlich versteht er, dass es jetzt, wo wir zusammen sind, UNSER Leben heißt… hm. Ich geb ihm Zeit. Hat ja keine Erfahrung in Sachen Beziehung. Und wenn ich jetzt anfange zu kletten und versuche, ihn zu ändern, dann können wir’s gleich an den Nagel hängen… aber ich bin zuversichtlich. War ich jemals schon so glücklich?!
Jetzt konnte sie auch wieder lächeln. Sie verspürte plötzlich den Drang, irgendjemanden an ihrem Glück teilhaben zu lassen. Aber wen?
Ihre Mutter?
Nein, die würde sie nur wieder vollquasseln wie glücklich sie doch war, dass Gretchen endlich den richtigen Weg gefunden hatte und ob sie doch nicht wieder zurück nach Berlin kommen wollte… bla bla bla.
Ich möchte ja zurück, aber ich kann nicht! Es sind ja nur noch knapp zehn Monate, und die gehen sicher auch schnell rum. Haaach… zehn Monate NUR mit Marc!!!
Hm… wen könnte sie denn sonst anrufen? Mehdi?

Nein, eigentlich war sie noch ein wenig sauer, dass er vor Marc damals unbedingt prahlen musste…
Tzz…Männer! Einfach unverbesserlich!
Eigentlich kam nur noch einer in Frage…ihr Vater! Außer sie wollte von Sabine ihr neues Horoskop- oder noch schlimmer!- Schmärmereien über Dr. Gummersbach anhören! Nee, dann lieber ihr Vater.
Sie nahm ihr Handy aus dem Spint, öffnete danach das Fenster und wartete darauf, dass er abnahm. Währenddessen genoss sie die heiße Julisonne, die nach diesem verregneten Tag auch noch einmal rauskam und versuchte, die Kühle zu vertreiben.

Sophiee^^ Offline

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Beiträge: 276

09.11.2011 17:28
#77 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

DAAAAAAANKEE Leute


„Prof. Dr. Haase“, meldete sich ihr Vater.
Er muss auch immer jedem auf die Nase binden, dass er Professor ist. Dabei weiß er doch, dass ich es bin! Hihi…
„Hallo Papa!“, rief sie fröhlich. Wie hatte sie seine Stimme vermisst…
„Kälbchen!“, erwiderte er ebenso fröhlich. Sie konnte sich nicht einmal über ihren Kosenamen ärgern. Mittlerweile war dieser ja auch ein Teil von ihr geworden.
„Wie geht’s dir? Was machst du so? Welche Operationen…“, sprudelte es auch gleich aus ihm heraus, aber sie konnte ihn noch rechtzeitig stoppen.
„Papa, mal ganz langsam! Du weißt ja, dein Herz!“, neckte sie ihn ein bisschen.
Er schnaubte.
„Ich bin kerngesund, ja?! Und ich möchte eben wissen, was meine einzige Tochter so am anderen Ende des großen Teichs treibt!“
Er sagt das so, als wäre es was Schlechtes…dabei wollte er doch immer, dass ich ganz groß Karriere mache!
„Also, mir geht es gut, hab bis eben gearbeitet. Ist hier ganz schön anstrengend…“
„Ein Haase schafft alles, vergiss das nicht!“
„Ich weiß, ich weiß. Aber trotzdem… manchmal wünsche ich mir, wieder zu Hause zu sein und dort zu arbeiten… eigentlich bin ich ja nur gegangen, um…“, sie biss sich auf die Lippen.
„Wegen Meier bist du gegangen“, vollendete er ihren Gedankengang.
„Woher weißt‘n das jetzt?!“, fragte sie verblüfft.
„Ich bin dein Vater, ich weiß das einfach!“, erklärte er knapp, um dann mit dem eigentlichen Thema fortzufahren.
„Hab mir schon gedacht, dass das ganze Geforsche nicht so dein Ding ist… aber du musstest dich eben mal austoben! Jetzt weißt du ja, wo du wirklich hingehörst!“
Hääää?
Gretchen verstand wieder mal nicht, worauf ihr Vater hinauswollte, und sagte einfach unüberlegt das, was ihr als erstes durch den Kopf ging.
„Zu Marc?!“
„Nein, eigentlich meinte ich... hierhin. Zu deiner Familie, zum EKH… apropos! Was macht denn der Meier so?“
Das war aber ein schneller Themenwechsel…
„Du willst jetzt mit mir über Marc reden?“
Sie war erstaunt, aber auch ein bisschen misstrauisch. Sie wusste doch, wie gerne sich ihre Eltern in ihr Leben einmischten. Aber sie wollte nicht, dass ihr Vater Marc auch noch anrufen würde, um ihm eine Moralpredigt zu halten.
„Ja,… immerhin war er mein bester Oberarzt“
Bester Oberarzt??! Ja nee is klar?! Der will doch nur wissen, ob er es diesmal geschafft hat… und die Antwort ist…
…JAAAAA!!

„Also… er arbeitet hart, so wie ich auch…“
Ich und hart arbeiten… ach, ein bisschen flunkern darf man! Dann ist er stolz auf mich…auf uns!!
„…er hat mit mir zusammen Siamesische Zwillinge getrennt. Also Papa, da hab ich wirklich Panik gehabt, aber dann ist doch alles glatt gelaufen. Einer hat zwar…“, versuchte sie ihn abzulenken, weil sie keine Lust hatte, ausgehorcht zu werden. Sie würde zwar am liebsten in die ganze Welt hinausschreien, dass sie endlich mit ihrer großen Liebe zusammen war, aber wie eben schon erwähnt: ihre Eltern mischten sich gerne und viel zu oft in ihr Leben ein- vor allem in ihr Privatleben.
„Margarethe, eigentlich meinte ich, wie jetzt euer Verhältnis zueinander ist?!“, unterbrach er sie von der Neugier getrieben.
Sag mal, hat der mit Mama getauscht oder was?! Sie hat sich ja in der letzten Zeit überhaupt nie bei ihm gemeldet, soweit ich weiß…
„Ähm… wir sind jetzt offiziell zusammen…“
„Na, das hat aber gedauert… endlich hat er mal den Arsch hochbekommen“, nuschelte ihr Vater.
„Wie bitte?“
„Ich hab nur gesagt, dass ich mich für euch freue… und…weiter?“
Was denn noch?! Details erzähl ich ihm sicher NICHT!
„Ja, du weißt ja, er ist der Vater deines Enkelkindes…“
„WAS???!“, schrie der Professor völlig außer sich. Er wurde Opa?!
„DU BIST SCHWANGER??!“
Ooooooooookay. Wieso weiß er das nicht? Ich dachte, Mama…
…oh nein! MAMA! Haben die sich immer noch nicht vertragen?!

„Wieso erfahr ich das erst jetzt?! Und dann so…SO HINTENRUM??!“, rief er immer noch aufgebracht.
„Tut mir leid, Papa, ich dachte, Mama hätte es dir gesagt…“, sagte sie am anderen Ende kleinlaut.
„Tzzzz… deine Mutter! Wenn ich DIE in die Finger kriege… wie kann sie mir das nur vorenthalten?! Immerhin bin ich ja auch betroffen und…“, regte er sich weiterhin auf.
„Bitte lass Mama da raus, ja? Ihr geht es sowieso nicht gut, und wenn du sie dann auch noch zusammenstauchst… ich hätte dich selbst anrufen sollen. Tut mir leid, Papa!“
Noch einmal schnaubte er.
Ach Mist, Gretchen! Jetzt hast du ihren Ehestreit noch verschlimmert! Glanzleistung!! Wirklich eine Glanzleistung! Und jetzt muss ich retten, was noch zu retten ist!
„Papa, was ich dir noch sagen wollte… du wirst Opa!“, rief sie so fröhlich wie möglich und hoffte, dass sie ihn damit etwas beruhigen konnte. Tatsächlich lachte er kurz auf.
„Ach Kälbchen… ich freu mich so für dich! Wann ist es denn soweit? Ich muss unbedingt bei der Geburt dabei sein… oder willst du nicht wieder nach Berlin kommen?“
„Es dauert noch ein Weilchen… bin erst in der fünften Woche. Ich würde echt gerne kommen, aber… ich muss bleiben. Auf dem Vertrag steht „ein Jahr“ und davon ist noch nicht mal ein Viertel rum…“
Ein gutes hat die Sache ja… ich kann die Leute, die ich liebe, nicht nerven. Oh Gott… ich will gar nicht wissen, was ich bald alles für Komplexe bekommen werde! Hoffentlich flüchten nicht alle vor mir und lassen mich alleine… und mit alle meine ich vor allem Marc!
Wieso lande ich mit meinen Gedanken eigentlich immer bei ihm?! Das ist irgendwie nicht normal… aber was ist bei der Liebe schon normal?

„Ja, das habe ich nicht vergessen… aber ich vermisse dich trotzdem!“, seufzte er. Dass er Angst hatte, jetzt als „alt“ eingestuft zu werden, sagte er lieber nicht.
Ach, das hat er jetzt süß gesagt!
Gretchen lächelte zaghaft und erwiderte: „Ich vermiss euch auch…“
Kurz herrschte ein angenehmes Schweigen. Aber sie sah draußen einen Wagen vorfahren, den sie nur zu gut kannte. Sie lächelte jetzt breiter und verabschiedete sich bei ihrem Vater.
„Du, Papa, sei mir nicht böse, aber ich muss jetzt… ich meld mich mal wieder, ja?“
„Okay… hab mich gefreut, Kälbchen… ohne euch zwei Streithähne ist es einfach viel zu ruhig auf den Krankenhausgängen“
„Das kann ich mir vorstellen… grüß alle schon von mir! Tschüss, Papa!“
„Tschüss, Kälbchen!“
Sie legte auf und zog sich schnell um, denn Marc war gerade vorgefahren.
Er holt mich ab! ER HOLT MICH AB!!! Das heißt… er hat mich vermisst und konnte nicht warten, bis ich zu ihm komme! Haaaaaach… ich bin im Himmel!!

Sophiee^^ Offline

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Beiträge: 276

13.11.2011 13:13
#78 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Sorry Leute, hatte gestern keine Zeit...


Kurz darauf saß sie im Stationszimmer und trank den Tee, den sie sich schnell eingeschenkt hatte. Sie versuchte, so zu tun, als wüsste sie nicht, dass Marc gleich kommen würde. Scheinbar teilnahmslos blätterte sie in einer Zeitschrift, aber die Konzentration war einfach weg und dann gab sie es auf. Sie konnte sich noch nie gut verstellen. Also wartete sie einfach auf ihn. Lange konnte es ja auch nicht dauern.
Lalalalalalalaaaaaaaaaa… ach, wie schön! Ich hätte nie gedacht, dass er mal an sowas denken würde! Früher kamen ja die Frauen immer zu ihm… inklusive ich! Er war ja immer viel zu Stolz, um auch mal einen Schritt vorwärts zu machen… tja. Ich glaube, dass ändert sich jetzt! Ich kann nicht glauben, dass er mich abholen kommt! Naja… vielleicht wollte er auch einfach nur ins Krankenhaus. Aber an seinem freien Tag… was will er denn dann im Krankenhaus?! Eben! Ich bin optimistisch! Er hat mich vermisst!!!! Juuuuuuhuuuuuuu!!!!
Hihi! Ich kann nicht glauben, dass er mich vermisst hat! Ist doch komisch, oder?! Aber manchmal ist die Wahrheit eben komisch. Hach…

Verträumt schaute sie in die Luft und nahm gar nicht wahr, dass ihr Traumprinz bereits im Türrahmen stand und sie amüsiert musterte. Sie sah wieder einmal süß aus und er musste sich beherrschen, um nicht auch zu träumen. Er räusperte sich einmal kurz und grinste sie dann an. Sie wurde ein wenig rot und lächelte ihn dann auch schüchtern an.
„Na?“, fragte er vergnügt.
„Na?“, erwiderte sie lächelnd. Dann stand sie auf und er kam langsam auf sie zu. Sein Gesicht näherte sich ihrem immer mehr und sie ließ sich nur zu gerne küssen. Beim Küssen blieb es dann nicht mehr, irgendwann knutschten sie hemmungslos herum und vergaßen dabei, wo sie waren. Gretchen wurde jedoch unsanft in die Wirklichkeit zurückkatapultiert, als sie ein Räuspern vernahm. Sie löste sich widerwillig von Marc und schlug so unauffällig wie möglich seine Hand, die es sich unter ihrem Shirt gemütlich gemacht hatte, zurück. Ein bisschen beleidigt sah er sie an und wandte sich dann auch der jungen, gutaussehenden Frau zu.
„Hi Maggy!“, begrüßte Maria sie und versuchte, so wie immer auszusehen. Eigentlich war sie ziemlich unglücklich, denn ihr Ehemann Dr. Reiner hatte ihr die Wahrheit gesagt. Die GANZE Wahrheit.
„Hallo Maria…“, erwiderte Gretchen die Begrüßung.
Oh nein, die Arme! So wie sie aussieht, muss er es ihr wohl gesagt haben… aber er hat das Richtige getan. So sehr, wie sie sich lieben, werden sie sich schon nicht trennen. Hoffentlich…
„Ich wollte auch gar nicht stören, ich wollte nur mal vorbei…“
Erst jetzt merkte Gretchen, dass sie im Weg standen, also nahm sie kurzentschlossen Marcs Hand und zog ihn nach draußen.
Auch wenn ich ihr gerne helfen würde, jetzt will ich auch mal mit Marc alleine sein. Versteht sie sicher…
Bevor sie endgültig verschwanden, drehte sie sich allerdings nochmal um und sagte: „Maria, wenn du reden willst… ich bin für dich da. Lass dir einfach von deinem…“, sie räusperte sich umständlich, „…Mann meine Nummer geben!“
„Hmm…klar, danke“, nuschelte sie nur wenig begeistert und ließ die Beiden dann mit einem aufgesetzten Lächeln ziehen.
Gretchen sah nun wieder zu Marc und lächelte in verliebt an. Er grinste, gab ihr noch einen Kuss und zog sie dann ungeduldig hinter sich her.
Wenig später saßen sie in seinem Auto und lächelten sich verliebt an. Besser gesagt, sie lächelte verliebt, und er grinste sie dreckig an. Wenn sie nur wüsste, was ihm heute den Geldbeutel erleichtert hatte… jetzt grinste er noch mehr. Das bemerkte auch Gretchen, und als „Strafe“ dafür gab sie ihm einen Kuss und warf ihm dann einen „Jetzt-hab-ich-dich-aber“- Blick zu.
Ha! Jetzt kann ich ihn mal so richtig schön aufziehen… er hat mich vermisst!! Und das braucht er gar nicht zuzugeben… aber ich hör mir gerne seine schlechten Ausreden an!
Hach, das wird ein Spaß!

„Hattest es wohl sehr eilig, mich wiederzusehen“, begann sie auch gleich mit ihrem „Masterplan“.
Sofort veränderte sich sein Gesichtsausdruck. Er grinste jetzt nicht mehr, eher versuchte er, eine Erklärung zu finden. Seine Augen wanderten so schnell hin und her, dass sie gar nicht mit ihrem erwartungsvollen Blick nachkam. Mehr schlecht als recht redete er sich dann raus: „Ähm…ja nee… das war so… ich brauchte noch was aus meinem Büro. Sind ja schließlich zum Arbeiten hier, ne?! Und dann… dachte ich mir, hol ich dich mal ab, nicht dass du nicht mit deinen Stimmungsschwankung die armen Busfahrer verschreckst…“
Haha! Wirklich sehr witzig! Ich lass mich jetzt nicht provozieren, außerdem fahr ich immer mit der Bahn oder mit unserem Auto…tzz…
So, und da ist das Grinsen wieder. Nicht aufregen, Gretchen! Das will er doch nur, um von seiner miesen Ausrede abzulenken!

„Ach so… hm. Aber du warst doch gar nicht in deinem Büro?!“, tastete sie sich weiter.
„Doch, war ich…ähm… bevor ich ins Stationszimmer gekommen bin!“
Ich glaub ihm kein Wort.
„Klar…“, sagte sie grinsend.
Jetzt bin ich die, die grinst! Hihi… ach, so zwischendrin ein kleines Machtspiel ist echt unterhaltsam!
Ein paar Momente später wollte Marc losfahren, als er nochmal ihre Stimme hörte: „Und was hast du in deinem Büro geholt?“
„Du bist ja mal gar nicht neugierig, ne?!“, lenkte er ab und ließ den Motor an.
„Marc, du müsstest mich jetzt echt langsam mal kennen… das ist keine Neugierde, das ist Interesse an uns… ähm… deinem Leben“
Naja, vielleicht bin ich ein BISSCHEN neugierig… zum Glück hab ich mir das „unser Leben“ verkniffen. Sonst hätte er wieder diesen panischen Ausdruck im Gesicht gehabt und mich an der nächsten Ecke herausgeschmissen!
Aber das würde er doch nicht wagen… oder doch?! Nee… das wär ja echt…doof. Und neugierig…hm…interessiert war ich ja immer schon, besonders im OP, und da hat er mich auch noch nie rausgeschmissen… außer damals, als ich mit Mehdi zusammen war. Und das auch nur wegen seiner Eifersucht… ach, das war irgendwie voll süß, wie er sich aufgeregt hat. Also hab ich ihm damals auch schon was bedeutet…hat er aber echt gut versteckt, muss ich sagen!
Hm… irgendwie geht das bei mir automatisch, dieses „Unsere-gemeinsame-happy-Family“- Getue. Manno… da müsste es einen Ausschaltknopf geben. Vielleicht gibt es bei ihm einen „Macho“- Ausschaltknopf. Wär doch mal nen Versuch wert… kann ich danach ja seinen Körper danach absuchen…hihi!

„Aha?!“, meinte er nur skeptisch, während er seinen Mietwagen durch den Abendverkehr steuerte.
„Ja!“, bekräftigte sie noch einmal ihre Aussage. Was der nur wieder von ihr dachte!
„Und du bist dir ganz sicher, dass du mich nicht…“, begann sie wieder.
„Dich nicht, was?!“, unterbrach er sie und hielt den Blick starr auf die Straße gerichtet. Aber sie hatte trotzdem den Hauch eines Lächelns gesehen.
„Wieso gibst du nicht einfach zu, dass du mich vermisst hast?“, kam sie auch gleich zum Thema und drehte sich lächelnd zu ihm.
„Weils nicht stimmt…“, sagte er und sah ebenfalls kurz zu ihr rüber, „… es war so richtig schön ruhig in meiner Wohnung“
„Haha, sehr witzig, Dr. Meier!“, nuschelte sie leise, bevor sie ihre Arme vor der Brust verschränkte und trotzig meinte: „Und du hast mich DOCH vermisst!“
„Nee“, bestritt er es weiterhin.
Also, ICH hab ihn vermisst. Tja. Das bind ich ihm aber jetzt nicht auf die Nase. Was für ein Idiot… kann nicht einmal zugeben, dass… Gretchen! Stopp! Du darfst jetzt nicht beleidigt sein, er tut sich eben schwer, seine Gefühle zu zeigen. Seufz… Geduld war noch nie meine Stärke. Aber ich hab jetzt 15 Jahre lang auf ihn gewartet, da machen mir ein paar Monate nichts mehr aus…hoffentlich.
Es herrschte Schweigen. Wie automatisch nahm ihre Hand den Platz auf ihrem Bauch ein, bevor sie aus dem Fenster schaute, die Augen schloss und das Gesicht in die Sonne hielt. Lange blieb sie aber nicht in dieser bequemen Position, denn Marc hatte beschlossen, sie bei jeder roten Ampel mit den Blicken auszuziehen. Was sie auch bemerkte. Ihre Wangen nahmen einen leichten Rosè-Ton an und dann schielte sie vorsichtig zu ihm rüber. Er sah sie immer noch an und lächelte dabei breit. Er war einfach glücklich.

Sophiee^^ Offline

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Beiträge: 276

16.11.2011 16:26
#79 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

„Maaaaarc! Lass das!“, sagte sie nervös.
„Was denn?“, fragte er unschuldig.
„Schau mich nicht so an“, meinte sie und rutschte auf ihrem Sitz rum.
„Wieso denn nicht?“, fragte er grinsend.
Das erinnert mich an damals… nur hat er mich damals aufgefordert, ihn nicht so anzusehen. Also haben wir Rollen getauscht… echt ne…komische Vorstellung! Muss ich jetzt einen auf Obermacho machen?!
Sie schüttelte wegen ihren Gedanken nur den Kopf, was Marc als Aufforderung sah, noch weiter zu gehen. Provozierend legte er die Hand auf ihr Knie und dabei kassierte er einen entgeisterten und einen ein wenig nervösen Blick vom Beifahrersitz.
Oh…Gott. Nimm sofort die Hand da weg! Sonst…sonst… mist!
„Ach komm, hör schon auf!“
Sie versuchte, seine Hand irgendwie wegzuschlagen, aber er blieb hartnäckig und grinste immer breiter. Fast schon Honigkuchenpferd-mäßig. Seine Hand wanderte weiter nach oben.
Ooooooooooookay… hör nicht auf! Biiiiiiiitte, mach weiter…
…hä?! Was??! Er soll natürlich aufhören… wir sind ja mitten in der Stadt… in nem Auto!

„Marc!“, zischte sie nochmal leise, obwohl es ihr gefiel. Und ihm schien es auf zu gefallen, jedenfalls ließ er es nicht bleiben. Er liebte es, sie auf die Palme zu bringen.
Wie…lange sind die Ampeln denn auf rot??!
Die Ampel schaltete auf grün.
Gott sei Dank!
„Marc?!“
Durch den fragenden Unterton aufgeschreckt fragte er genervt: „Was?!“
„Die Ampel ist grün“
Aber er war immer noch nicht wirklich aus seinen Fantasien aufgetaucht. Dementsprechend reagierte er auch auf ihre Feststellung.
„Hä?“
„Marc, die AMPEL ist GRÜN. Du kannst jetzt WEITERFAHREN“, sagte sie nochmal extra laut und quittiert wurde das alles auch noch vom Hupen der Autos hinter ihnen. Seufzend nahm er seine Hand wieder weg und fuhr konzentriert weiter, nicht ohne den Arschlöchern hinter ihnen, wie er sie nannte, den Mittelfinger zu zeigen.



Haha… sie kann’s wohl kaum erwarten, bei mir anzukommen…
Nach einer mehr oder weniger ruhigen Fahrt durch Washington kamen sie dann bei Marc zu Hause an. Gretchen war kaputt von der Schicht und wollte eigentlich nur noch schlafen. Sie setzte sich schnaufend auf das Sofa und streckte ihre schmerzenden Füße aus. Sie hatte ganz vergessen, wie anstrengend es sein kann, shoppen zu gehen.
Marc beobachtete das alles skeptisch.
Wenn die jetzt wegpennt, dann… dann kann ich echt für nichts mehr garantieren! Und falls es so nichts wird… hab ja immer noch meine Geheimwaffe… unter dem Bett!
Grinsend ging er auf sie zu und setzte sich neben sie. Sie lächelte ihn verklärt an und gab ihm einen kurzen Schmatzer auf den Mund, den er sich gefallen ließ. Aber er wollte mehr, das wusste sie. Alle Männer würden in so einer Situation mehr wollen. Ähm, nicht, dass sie Marc in eine Schublade mit allen anderen Männern auf der Welt stecken wollte, aber… ach. Komische Gedanken waren das mal wieder! Alle nur aus der Müdigkeit entstanden! Sie gähnte.
Hm… über was sie wohl jetzt wieder nachdenkt? So, wie sie wieder guckt… sicher was schön naives oder verrücktes. Sonst wär sie ja nicht Gretchen „Hasenzahn“ Haase!...
…aber ein müder Hasenzahn! Das lässt sich ändern!

„Willst du was essen?“
Schlagartig schien sie wieder hellwach zu sein, wär sie doch fast neben ihm weggedöst.
„Klar!...ähm, ich meine, gerne“, räusperte sie sich umständlich. Ein leichtes Lächeln huschte über seine Lippen und dann verschwand er in der Küche.
Zum Glück hab ich vorhin noch eingekauft. Damit Hasenzahn was Anständiges zwischen die Beißerchen kriegt!
Befremdlich musterte er die Nudelpackung. Das Prinzip vom Kochen kannte er ja, aber er hatte sich nie darauf „hinabgelassen“ zu kochen.
Und das wird sich JETZT sicherlich nicht ändern!
Er steckte den Kopf durch die Tür und sah, wie Gretchen es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht hatte. Als sie sich auf einmal nicht mehr alleine in diesem Raum fühlte, sah sie sich um und warf Marc dann einen fragenden Blick zu. Dieser zwinkerte ihr nur kurz zu, sodass ihr Herz einen kleinen Hüpfer machte.

http://www.youtube.com/watch?v=ViwtNLUqkMY&ob=av2n (Beyonce feat. Jay-Z- Crazy in Love)

„So Hasenzahn, du kannst dann jetzt kochen“
„Äääh…“, kam es daraufhin von ihr. Als sie aber seine Worte vollständig verstanden hatte, funkelte sie ihn an.
„Das ist jetzt nicht dein Ernst?!“, echauffierte sie sich, während sie aufstand und sich drohend vor ihm aufbaute. Naja, sie wollte es. Aber er war einfach zu groß. Nicht nur auf eine Art schaute er von oben auf sie herab und meinte bockig: „Also, ICH werde ganz sicher nichts kochen!“
Haha! So, das ist jetzt die Strafe für das „Und-du-hast-mich-doch-vermisst“-Gequatsche!
„Und ich schon, oder wie?!“, regte sie sich weiter auf.
„Ey, du bist die Frau“, schmunzelte er. Daraufhin wütete sie wie ein Orkan. Sie hatte ganz vergessen, wie er manchmal sein konnte. Als sie sich ins Gedächtnis rief, dass er das gar nicht so meinte, versuchte sie, sich abzuregen. Das funktionierte aber nicht so, wie sie das wollte. Hm. Zum Glück schimpfte sie nur so leise wie möglich vor sich hin, während sie auf und ab lief und dabei von der besagten Person belustigt beäugt wurde.
„Blöder Arsch… also echt, irgendwann muss ich ihm noch hinterherputzen… wie meine Mutter! Nee, das lass ich nicht zu! Bin eine starke Frau… lass mir doch nichts befehlen, schon gar nicht von so einem… so einem… Depp! Boah… außerdem kann ich gar nichts kochen! Bind ich ihm aber nicht auf die Nase… er ist doch nur zu stolz, um sich auf das Niveau einer Frau… nein, eines Hausmütterchens!... hinabzulassen! Tzz… der kriegt jetzt was zu hören, der Macho!“
Die letzten Worte waren dann doch etwas zu laut und so hatte sie auch Marc mitbekommen.
Jaaaaaa?! Was bekomm ich jetzt zu hören? Grins.
Als aber dann doch nichts kam, reizte er sie weiter (er sah es immer noch als Rache) und versuchte dabei, so ernst wie möglich auszusehen.
„Kannst du dann vielleicht mal anfangen? Ich hab Hunger…“
Und sie wohl eindeutig auch… ist wohl die blödeste Frage, die man ihr stellen kann. Hast du Hunger? Haha.
„Halt die Klappe, Marc!“, rief sie barsch, bevor sie, fast schon höhnisch, grinsend hinzufügte: „Du willst doch nur, dass ich koche, weil du es nicht kannst…“
Bitte??!
„Klar kann ich kochen! Ich lass mich nur nicht darauf herab, ist immerhin Frauensache“, flunkerte er. Ehrlich gesagt- er wusste nicht, ob er kochen konnte. Er hatte es nie ausprobiert.
„War ja klar, dass du keine Schwäche zugeben kannst, du… Macho!“

Sophiee^^ Offline

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Beiträge: 276

20.11.2011 10:47
#80 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Tut mir leid, gestern hatte ich wieder keine Zeit...
Aber Kommis bekomm ich doch trotzdem, oder?



Gretchen war jetzt richtig in Fahrt. Auf irgendeine komplett komische Art und Weise fühlte sie sich gut dabei, zu streiten.
Will die jetzt hier ewig lange weiterdiskutieren? Da sind wir ja schneller, wenn wir was bestellen… aber dieses Mal werde ich gewinnen…äh… aber kann es sein, dass sie das mit dem „Schwächen zugeben“ zweideutig gemeint hat??!
„Wow wow wow! Komm mal wieder runter, ja?! Ich hab doch nur…“, versuchte er es dann doch irgendwie zu retten, aber sie fuhr einfach fort: „Nur? NUR?! Du hast mich so behandelt, als wär ich deine…Putze oder sonst was! Und du kannst dich nicht mal entschuldigen… ich dachte wirklich, dass jetzt alles besser wird, wenn wir…“
Marc ging schnell zu ihr hin, hielt ihr den Mund zu und flüsterte: „Verstehst du jetzt gar keinen Spaß mehr?“
Ihre Augen funkelten immer noch kampflustig, aber als Marc sie schelmisch angrinste, musste sie auch lächeln. Daraufhin nahm er seine Hand wieder weg.
Gott sei Dank konnte ich die Predigt noch aufhalten! Aber ich werde trotzdem gewinnen!
Er sah sie gespielt ernst an und sagte: „Das Essen macht sich nicht von alleine“
„Boah“, sagte sie nur augenverdrehend und lief in die Küche, um sich dort ratlos umzusehen.
Zufrieden mit sich selbst setzte er sich aufs Sofa. Aber dort konnte er sich auch nur mit einer Fachzeitschrift die Zeit vertreiben, die er eh schon beinahe auswendig kannte. Irgendwann beschloss er, sich ein Bier zu holen.
Dann kann ich ja schon mal nachschauen, was Hasenzahn so anstellt…
So leise wie möglich öffnete er die Tür, aber Gretchen schien schwer beschäftigt zu sein. Amüsiert lehnte er sich gegen den Türrahmen und beobachtete sie dabei, wie sie seine Küchenschränke durchwühlte und dabei leise vor sich hin redete. Leider zu leise, wie er enttäuscht feststellen musste.
Haha! Für dieses Bild hat es sich allemal gelohnt. Sauer ist sie sowieso nicht auf mich… und wenn schon, dann nicht mehr lange!
Hm… wenn ich so überleg, könnte ich das Kleid behalten… bis sie mal so richtig wütend auf mich ist und ich nicht mehr mit meinem Dackelblick durchkomme… wenn sie es dann sehen würde, wäre alles vergessen… ich will ihr ja nicht immer so ein geldfressendes Teil kaufen müssen… wow. Ich bin echt hinterhältig! So wie Mehdi… ähm, es ist aber nicht so, dass mir das die Frauen beigebracht haben… ja. Das war ich schon immer! Hab’s nur nie gezeigt…genau!
Okay, zurück zum Thema… soll ich es ihr gleich geben?! Dafür bekomm ich sicher geilen Sex. Na gut, wir haben heute sowieso ganz sicher Sex…(okay, bei Hasenzahn weiß man nie)… aber sie wäre noch glücklicher mit dem Kleid. Und sie würde sehen, dass ich mir Mühe gebe- aber das höchstens einmal im Jahr; ich geb ihr doch nicht alles, was sie will, so weit kommt‘s noch!- und dadurch wäre sie NOCH glücklicher. Und wenn sie glücklich ist, bin ich das auch…
…boah Meier, wenn sie deine Gedanken lesen könnte, würde sie sicher Räder schlagen vor Glück. Und dann würde sie sich irgendwas brechen. Naja, glücklicherweise gibt’s Gedankenlesen ja nicht… wie oft hätte mir das wohl die Eier abgeschnitten?

Durch einen lauten Knall aus seinen Gedanken aufgeschreckt sah er auf. Gretchen hielt sich den Daumen und jammerte leise vor sich hin. Dann drehte sie sich um und rief: „Nichts passiert! Ich bin…“
Abrupt brach sie den Satz ab und fragte: „Wie lange stehst du da schon?!“
Er grinste süffisant.
„Eine Weile“
Schlagartig wurde sie ein wenig rot. Er hatte sie doch nicht etwa… beobachtet??! Und das, während sie versuchte, etwas Essbares zusammenzubekommen? Naja… noch war sie nicht soweit, sie hatte die ganze Zeit einen Topf gesucht… und sich dabei den Daumen geklemmt. Als sie daran dachte, kam der Schmerz auch schon zurück. Mit unglücklichem Gesichtsausdruck schaute sie darauf, seufzte und hielt ihn unter kaltes Wasser.
„Wie weit bist du denn?“, fragte er provozierend und ging auf sie zu.
„Ähm… du, es gibt gleich Essen… hab nur…ähm…“, stammelte sie und versuchte ein Lächeln aufzusetzen.
„Und… wo genau ist das Essen?!“, ging er noch einen Schritt weiter. Darauf schaute sie ihn ertappt an.
Man, so langsam krieg ich wirklich Hunger… seit wann hab ich denn nichts mehr gegessen?!
„Ähm…“
„Jaaaa?!“
Sie hielt seinem Blick nicht mehr stand und stöhnte entnervt auf.
„Boah Marc, ich kann nicht kochen! Das müsstest DU ganz genau wissen…“, sagte sie und sah zu Boden.
Woher sollte ich das bitte wissen?! Okay, ich weiß es ja… aber es ist so lustig, sie zu foppen…
Als Marc nichts darauf erwiderte, hob sie allerdings wieder den Kopf und sah ihm in die Augen. Wie erwartet grinste er. Viel zu breit, wenn man sie fragte.
„Jetzt grins nicht so! Das ist eine Katastrophe… als Frau muss man kochen können! Und ich, als Tochter der legendären Bärbel Haase, sollte es erst recht können! Ein Wunder, dass sie mich noch nicht verstoßen hat…“, meinte sie niedergeschlagen.
Boah, was bin ich froh, dass sie nicht so ist wie ihre Mutter…
„Dafür hast du andere Dinge, die du gut kannst“, versuchte er sie ein bisschen zu trösten.
„Ach ja?! Und die wären?“
Heulen, sich mit Schokolade vollstopfen, Tagebuch schreiben und mich anschmachten. Ja, das sind ihre am meisten ausgeprägten Fähigkeiten…
Dr. Meier sprach die Gedanken dann doch nicht aus, was zur Ursache hatte, dass er in Erklärungsnot geriet. Was konnte sie denn sonst noch gut?
Nachdem Marc nichts außer Gestammel herausgebracht hatte, drehte sie sich weg und versuchte immer noch, einen Topf zu finden.
Sie ist jetzt nicht beleidigt, oder?! Och nee… sollte das Kleid wohl doch schon holen.
Als sie es gar nicht mehr erwartet hatte, begann er dann doch noch zu sprechen: „Du bist eine super Ärztin… du bemühst dich, redest mehr mit den Patienten als sonst jemand, munterst sie auf, auch wenn es dir selbst schlecht geht. Du hast ein großes Herz… manchmal frag ich mich, ob es nicht vielleicht zu groß ist… sollte man mal untersuchen lassen…“, er zwinkerte ihr zu, da sie sich bereits wieder ihm zugewandt hatte und gerührt zuhörte.
„…jedenfalls bist du noch mit Freude dabei, die die meisten schon im Studium verlieren… und das macht dich auch so einzigartig. Du bist tollpatschig, zickig und naiv und siehst immer alles rosa, aber dadurch wirst du noch süßer… wenn du immer versuchst, dich aus irgendeiner Situation noch zu retten, hast du dieses Lächeln… und da ist man sofort glücklich. Vielleicht ist es auch nur bei mir so, aber das ist doch auch schon was, oder?!... Naja, jedenfalls bin ich froh, dass du nicht wie deine Mutter bist… ähm, jetzt nichts gegen deine Mutter, eine Putzfrau kann ich zwar immer gebrauchen, aber… ich glaub da würde ich dich nicht lange aushalten“
Wow… war das grade wirklich ich?!
Überglücklich fiel sie ihm um den Hals. Zufrieden drückte er sie an sich und atmete ihren Duft ein.
„Danke Marc“, hauchte sie ihm ins Ohr, was ihm eine dicke Gänsehaut bescherte. Sie löste sich ein wenig von ihm, sah ihm kurz, aber intensiv in die Augen und gab ihm dann einen langen, zärtlichen Kuss. Irgendwann schmeckte er allerdings etwas Salziges auf seinen Lippen und löste sich sachte von ihr. Belustigt sah er sie an. Wieder ganz Marc-Meier-like ergänzte er seinen Bericht: „Und Heulen kannst du auch ganz gut“
„Also wirklich!“, rief sie lächelnd, schlug ihm leicht auf den Oberarm und widmete sich wieder dem Kochen zu. Lächelnd begann sie, Wasser in den Topf zu schütten. Aber dann drehte sie sich nochmal um, da sie eine, wie sie meinte, geniale Idee hatte.
„Lass uns doch zusammen kochen!“, rief sie begeistert und lächelte.

Kommentare zur Story von Sophiee^^ (15)

Sophiee^^ Offline

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23.11.2011 18:33
#81 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Marc fiel das Lächeln aus dem Gesicht.
Ja, das wird toll… Marc und ich, kochen zusammen, wie ein ganz normales Pärchen. Außerdem kann ich ihn dann damit aufziehen, dass er’s nicht kann…hihi.
„Was?“, fragte er sie.
Er macht schon wieder dieses Gesicht… göttlich!
„Wir können ja zusammen kochen!“, wiederholte sie immer noch begeistert und strahlte ihn an.
„Vergiss es!“, rief er, verschränkte die Arme und grinste wieder provozierend. „Willst du nicht auch mal was alleine schaffen?“
Und schon ist er wieder der Alte… mehr Stimmungsschwankungen als ich, wirklich! Davor noch so süß… als er mir gesagt hat, was für eine tolle Ärztin ich bin… und was ich für ein großes Herz habe… muss ihn ja viel Überwindung gekostet haben… kann man das als Liebesgeständnis werten?!... wahrscheinlich schon… haaaaach… mein Marci! Schmelz…
Ähm… Gretchen! Er wartet auf ne Antwort! Und es wär gut für mich, wenn sie zumindest ein bisschen schlagfertig wäre!

„Ja… aber… ich muss die Schwangerschaft durchstehen!“, verteidigte sie ihre Ehre stotternd und als er nur lachte, setzte sie noch mit Schmollmund nach: „Ach komm schon, Marc! Das wird sicher total lustig“
„Tzzzz… sowas mach ich sicher nicht“, meinte er und bezog wieder die Abwehr- Haltung.
Was für ein Spielverderber….
Aber dann hatte sie einen Geistesblitz. Sie versuchte, das triumphierende Grinsen zu verstecken, aber Marc hatte das Zucken um die Mundwinkel schon bemerkt. Misstrauisch beäugte er sie.
So, dann muss ich’s wohl anders machen…
Sie drehte sich um und sagte scheinbar leichthin: „Okay, dann geh schon mal ins Wohnzimmer. Bist mir wahrscheinlich eh keine große Hilfe…“
Wie sie es erwartet hatte, fühlte er sich herausgefordert und sagte mit einem gefährlichen Unterton: „Was willst du damit sagen?“
Der Plan ist aufgegangen! Noch ein kleines Machtspiel und dann hab ich meinen Willen!
Aber dass er immer gleich alles so wörtlich nehmen muss…

Nochmals wandte sie sich ihm zu und lächelte unschuldig: „Du musst dich nicht dafür schämen, dass du nicht kochen kannst. Ich versteh das besser, als du denkst“
Unter seiner Oberfläche brodelte es. Oh ja, sie hatte einen wunden Punkt getroffen. Man sagte Marc Meier nicht, was er kann und was nicht. Nein, so ganz stimmte das nicht: man sagte gar nicht, dass er irgendwas nicht konnte. Denn er konnte alles. Und so ein paar läppische Nudeln zu kochen, das würde er auch schaffen. Immerhin war er nicht nur irgendwer. Aber so leicht kriegte sie ihn nicht.
„Hatten wir das Thema nicht schon mal?“, fragte er gelangweilt, nahm sich einen Apfel und biss hinein.
„Aktuell ist es immer noch“, erwiderte sie ebenso gelangweilt und versuchte, so professionell wie möglich auszusehen, als sie den Topf mit dem Wasser auf den Herd stellte.
Kann man beim Kochen eigentlich professionell aussehen?! Ich meine, ich muss ja nicht irgendwelches Fleisch zerlegen… okay. Ich muss einfach so tun, als könnte ich es. Hab ihm zwar schon gesagt, dass ich es NICHT kann, aber ist doch egal. Ich kann ja gut schauspielern. Ich war die beste Julia! Jawohl!
„Naja“, meinte er nur mit einem abwertenden Unterton und schmiss den Apfelputz in den Mülleimer.
Wie kann man nur so schnell einen Apfel essen?! Das gibt’s doch nicht!
„So, dann mach ich jetzt mal weiter“, machte sie sich selbst Mut.
Mit ratlosem Gesichtsausdruck nahm sie die Nudelpackung in die Hand und studierte die Gebrauchsanweisung.
Englisch! War ja klar…
Ähm… Gretchen… wir sind in Amerika, hier ist alles Englisch. Müsstest mittlerweile auch du mitbekommen haben…
Gut! Das hilft mir jetzt auch nicht weiter! Es ist Englisch und es bleibt Englisch! Und ich kann es ja… also wieso jammer ich hier in Gedanken rum? Ist doch kinderleicht…
Das Wasser zum Kochen bringen… bin dabei. Dann die Nudeln reinwerfen und ein paar Minuten kochen lassen. Aufpassen, dass nichts anbrennt.

„Aber bitte steck die Küche nicht in Brand, ja?“, neckte er sie weiter. Er hatte sich wieder ein bisschen beruhigt. Solange sie ihm nicht noch einmal vorwarf, dass er etwas nicht konnte…
Falls das der Fall sein sollte, wirst du es schon noch früh genug erfahren, Mister Oberschlau!
„Solltest du nicht schon lange im Wohnzimmer sitzen?“
„Ich muss doch sichergehen, dass dir nichts passiert“
„Was soll das denn jetzt wieder heißen?“, funkelte sie ihn an.
„Naja, du bist eben nicht besonders geschickt und da dachte ich…“
Lass das mit dem Denken mal schnell wieder… grrrrrrr… wie schafft er es nur immer, mich zur Weißglut zu treiben???! Gut. Ich muss ruhig bleiben. Ich drück ihm jetzt noch eine rein, bestenfalls hab ich ihn am Haken und er hilft mir beim Kochen, ansonsten verzieht er sich beleidigt ins Wohnzimmer. Damit kann ich auch leben, solange er das endlich lässt!!
„Ich bin aber sicher geschickter als du!“
Wow, Wahnsinn, Gretchen. War wieder mal super gekontert.
„Aha?!“, sagte er nur grinsend.
„Beim Kochen meine ich“, rechtfertigte sie sich murmelnd, bevor sie sich wieder der Gebrauchsanweisung widmete.
Hmm… so trocken will ich die Nudeln auch nicht essen. Hat er denn keine Soße oder so?
Sie begann wieder damit, die Kuchenschränke zu durchstöbern. Sie hatte auch bald ein Glas mit Tomatensoße gefunden… nur da gab es ein Problem: es war im obersten Regal. Und da kam sie nicht ran.
Boah, dieser Idiot! Das hat er sicher mit Absicht gemacht, nur um es mir noch schwerer zu machen, als es ohnehin schon ist! Manno… wie soll ich denn da hochkommen? Mit nem Stuhl? Bei meiner Tollpatschigkeit, da fall ich ja runter… nicht empfehlenswert!
Marc beobachtete Gretchen immer noch. Die schien seine Anwesenheit gar nicht zu bemerken, denn sie fluchte wieder leise vor sich hin und starrte auf das Glas mit Tomatensoße. Innerlich lachte er sich ins Fäustchen. War ne tolle Idee, das da oben zu deponieren. Er kam ja leicht ran.
Margarethe, es sind nur ein paar läppische Zentimeter! Wenn ich vielleicht ein bisschen hochspringe… es könnte zwar sein, dass ich alles runterwerfe, aber zumindest hätte ich die Soße. Was hab ich für einen Hunger! Hoffentlich dauert es nicht zu lange.
Als sie verzweifelt versuchte, zum Regal raufzuspringen, konnte er nicht mehr anders. Er musste lachen.
Okay, er hat sich NICHT ins Wohnzimmer verzogen. Manno. Das ist so gemein.
„Was ist jetzt so witzig?!“, rief sie sauer. Sie verstand ja selbst nicht, wieso er sie immer so wütend machen konnte.
Er sagte nichts dazu und gab ihr das Glas.
„Hier bitte, eure Hoheit!“, gluckste er immer noch lachend und machte sich auf den Weg ins Wohnzimmer.
Tzzz… Hoheit! Soviel ich weiß, mussten Prinzessinnen nicht selbst kochen…
Sie beschloss, ihre Wut an den Nudeln auszulassen, und kochte einfach weiter. Irgendwann würde sie damit auch fertig werden. Und mit Marc, so schwor sie sich, würde sie es auch aushalten. Er war so, und eigentlich wusste sie das auch. Wenn er wäre, wie die Männer, mit denen sie zuvor zusammen war, wäre es wohl wieder so eine langweilige Beziehung.
Ja, ich werde mit den Hürden zurechtkommen.

Sophiee^^ Offline

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26.11.2011 20:17
#82 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Nachdem sie die „Hürden“ alle bewältigt hatte, saßen die beiden beim Essen. Und sie hatte ihn sogar dazu gebracht, den Tisch aufzudecken. Er hatte zwar gemurrt, aber dieses Mal hatte sie wieder gewonnen. Nach dem ganzen „Ich Tarzan- du Jane“- Getue hatte sie das aber auch wirklich verdient. Und durch diesen kleinen Triumph war sie auch wieder milder gestimmt. Sie lächelte Marc über den Tisch hinweg an, der wenig begeistert in den Nudeln herumstocherte.
Tzz… das hat er sich selbst zuzuschreiben. Wenn er es besser könnte, dann hätte er sich die Nudeln ja selbst kochen können. Jetzt muss er das essen. Also, mir schmeckt es super. Liegt aber wahrscheinlich daran, dass ich endlich was hinbekommen habe… ich bin stolz auf mich. Schwangerschaft! Ich bin bereit!
„Und?“, fragte er dann und musterte sie erwartungsvoll, fast schon neugierig.
Häää? Kann er sich vielleicht ein bisschen klarer ausdrücken?
„Was denn?“
„Du wolltest mir doch alles erzählen… über das Ars…“
Als er Gretchens Blick sah, verbesserte er sich schnell: „…ich meine, über den Reiner…“
Sie erzählte ihm dann schnell die Kurzfassung, als dann die Geschichte mit dem Kuss kam, regte er sich wieder ein bisschen auf, aber er ließ sich schnell wieder beruhigen. Was ein Augenaufschlag und ein süßer Schmollmund alles bewirken konnten…
Als sie fertig war, war er erstmal ein bisschen verwirrt. Dann sagte er: „Oh mein Gott…“
Was?! Was ist denn jetzt los?
„Was ist denn, Marc?“
„Das ist doch total krank… hätte nie gedacht, dass der Egomane ne Familie hat…“, erklärte er sich dann.
„Hast ja auch bald eine, Mister Ego“, schmunzelte sie, aber dann stockte sie. Eigentlich sollte es ja nur scherzhaft gemeint gewesen sein…
Scheiße! War das jetzt… zu voreilig? Ich weiß ja, dass er Panik bekommt, sobald das Thema „Familie“ auf den Tisch kommt…warum auch immer. Super Gretchen! Wie war das noch? Hat dir deine Mutter nicht beigebracht, erst zu denken und dann zu reden?!
Oh nein… er hat schon wieder diesen Gesichtsausdruck. Pure Panik. Was ist, wenn er jetzt wieder wegrennt? Das halt ich nicht aus. Jetzt, wo ich ihn gerade erst bekommen habe…nicht hyperventilieren, ich werde ihn nicht verlieren. Ich mach nur wieder aus einer Mücke einen Elefanten.
Okay, bevor er abhauen kann, wechsel ich einfach das Thema… dann denkt er, das war nur ein Witz. War es ja auch… nur mit wahrem Kern. Gibt’s das überhaupt? Witze, an denen was Wahres dran ist? Kann ich mir irgendwie nicht vorstellen…
…nicht der richtige Moment, um darüber nachzudenken! Los, du musst jetzt ablenken!

Sie räusperte sich umständlich, rutschte kurz auf ihrem Stuhl herum und sagte dann wieder ernst: „Naja, also ich glaube ja nicht, dass das mit ihm und Mary was werden könnte… ich wünsche ihr jedes Glück, sie sind auch ganz süß zusammen, aber er ist einfach nicht der Richtige für sie…“
„Was redest du denn jetzt über die wahre Liebe?! Das war ne Affäre, sonst nichts“, meinte Marc realistisch wie immer und stopfte sich den Mund voll. Das was sie vorhin gesagt hatte, hatte ihn schon ein bisschen Angst gemacht… er, sie… und der Knirps…eine Familie? So eine, wie die, die er nie ganz hatte? Er schluckte umständlich die Nudeln herunter, während Gretchen wieder in den Schwarm- Modus verfiel.
„Aber das war doch auch was besonderes… sonst wäre er doch nicht eifersüchtig geworden… und Mary hat mir auch erzählt, dass er sie mal mit auf ein Konzert genommen hat… das ist doch keine Affäre, eher eine Verliebtheit, die aber keine Chance hat… das ist doch voll romantisch…“, seufzte sie, aber er holte sie schnell wieder auf den Boden zurück.
„Ach, hör doch auf mit dem peinlichen Gequatsche. Wahrscheinlich hat sie ihm den Sex verweigert, und er wollte einfach nicht mehr, dass sie beleidigt ist. Mit sowas kriegt man Frauen doch immer zurück… ins Bett“
Immer wieder schön, zu erfahren, wie viel Erfahrung er doch schon hat… aber ich versteh nicht, wieso er jetzt so raunzig ist. Etwa nur wegen dem „Wir sind eine Familie“- ehrlich, das müsste er eigentlich schon realisiert haben. Wir sind eine Familie, noch nicht zusammengewachsen, aber eine Familie sind wir trotzdem…
„Lass uns jetzt einfach essen, okay?“, beendete sie das Gespräch, das sich in eine Richtung entwickelte, die sie nicht beabsichtigt hatte. Abwesend stocherte sie in den leicht verkochten Nudeln herum. Sie schwieg beleidigt. Aber, obwohl sie es nicht wollte und obwohl sie wusste, dass er das meiste eh nicht so meinte (Marc Meier gehörte wohl nicht zu den normalen Männer, die Sachen nie „einfach nur so “ sagen, er meinte es meistens nicht so… oder zumindest anders, als man dachte), hatte sie schon an dem zu knabbern, was er gesagt hatte.
Er hat gesagt, dass ich peinlich bin…hat er das ernst gemeint? Ich bin peinlich? Für ihn auch? Wenn er… wenn er sich für mich schämt? Was kommt denn dann für ein Leben auf uns zu? Ich bleib bei Haus und Kind, und er macht große Karriere? Und wenn er nach Hause kommt, muss ich ihm geben, was er will… wenn er sich dann überhaupt für mich interessiert. Er hat dann wahrscheinlich eine Affäre, ich weiß davon, hab nur Angst, alleine zu sein, und er bleibt nur bei mir, damit ich für ihn koche und putze…
Ihr Gesichtsausdruck wurde mit jedem „kreativen“ Gedanken unglücklicher. Das merkte auch Marc irgendwann, nachdem er das eigene Gefühlschaos einigermaßen in den Griff bekommen hatte. Er ließ seine Nudeln Nudeln sein und beobachtete sie misstrauisch. Was hatte sie denn jetzt schon wieder?
Ach scheiße! Wieso kann er nicht einmal klipp und klar sagen, was er von mir hält, was er fühlt, oder zumindest, was er denkt…? Jede Frau braucht Bestätigung… auch verbal. Dann wäre doch alles einfacher, und ich bräuchte nicht mehr zu zweifeln!
Ich weiß ja, dass ich alles, was aus seinem Mund kommt, nicht zu ernst nehmen darf, aber manchmal hört man die Ironie eben nicht raus. Wer gibt mir denn die Garantie, dass er es nicht irgendwann DOCH so meint? Vielleicht kenne ich ihn lange, aber ich hab seine Launen nicht studiert. Bin ich allwissend, oder was?! Es gab keinen „Wie verstehe ich Marc Meier- am besten in zehn Tagen?!“- Kurs an der Uni…

Irgendwann, nach scheinbar endlosem Schweigen, ging ihm endlich ein Licht auf.
Diese verdammten Zweifel! Konnte sie das nicht einmal lassen und mit ihrem hübschen Lockenköpfchen an was anderes denken?! Es wäre ihm sogar egal, wenn sie über die neueste Herbstfarbe nachdenken würde, Hauptsache, die Zweifel wären dann weg.
Aha! Schon hatte er ein Gesprächsthema gefunden…
„Ähm… und, was hast du dir heute alles gekauft?“, versuchte er abzulenken. Normalerweise sprach er das Problem immer gleich und sehr uncharmant a la „Was ist jetzt schon wieder dein Problem?“ an, aber dieses Mal kam ihm ein Themenwechsel ganz recht. Naja, Frauengequatsche interessierte ihn zwar gar nicht, aber er konnte ja gut Interesse heucheln. Vergessen hatte er in seiner Gleichung nur, dass Gretchen wusste, dass ihn das nicht interessierte.
Aha… er will wissen, was ich gekauft hab?! Sicher… außerdem, er hat ja die Tüten gesehen… seufz… viel zu viel hab ich gekauft… und falls er denkt, dass Reizwäsche auch dabei ist… nee.
Aber das interessiert ihn doch überhaupt nicht… obwohl er wirklich interessiert aussieht…hmm…

„Das interessiert dich?“, fragte sie überrascht, aber auch mit einem Hauch von Misstrauen.
Er brummte nur und versuchte, zustimmend zu nicken. Seiner Erfahrung zufolge würde das weibliche Wesen ihn jetzt zwei Stunden zuquatschen, also schaltete er schon mal auf Durchzug und sah sie einfach nur an.
Okay… dann denk ich zumindest an was anderes. Ich lass ihn einfach mal das Thema wechseln… und wenn er dabei auch ein bisschen leidet… umso besser!
„Also, Kathy und ich haben quasi ganz Washington leergekauft…“
Ja, sie quatschte ihn wirklich zu. Aber nicht einmal Marc konnte so perfekt schauspielern, dass sie es nicht irgendwann merkte. Und dann beschloss sie, ihn ein wenig aufzuziehen.

Sophiee^^ Offline

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29.11.2011 13:38
#83 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

„Und da war so ein Kerl, der meinte, ich sollte mal ein Kleid für seine Freundin anprobieren…hilfsbereit, wie ich bin, hab ich natürlich nicht nein sagen können… und das Kleid war wirklich schön…“, fuhr sie fort.
„Aha…“, sagte er nur und aß weiter.
Normalerweise wär er hochgegangen wie eine Rakete… hihi. Stufe zwei wird eingeleitet!
„… aber dann kam ich alleine nicht rein, dann hat er mir reingeholfen…“
Kurze Pause…
…nichts. Okay, dann eben noch eine Stufe höher…

„…danach meinte er, ich sollte auch die Reizwäsche anprobieren… und ich hab ihm geholfen, die Handschellen auszusuchen…“
Also, wenn er jetzt nicht darauf anspringt, dann…
„Was??! Handschellen?!“, rief er, wieder zu den Lebenden zurückgekehrt, „Und welche Reizwäsche?!“
War ja klar, dass er nur das heraushört…haha.
Sie lachte einfach los. Das war wirklich ein amüsantes Spiel gewesen, und was das Beste war, es hatte die Zweifel verjagt. Zumindest für diesen Tag… und das war ihr für den Moment genug.



Hasenzahn hat mich verarscht… boah. Wieso hat sie nur das Wort „Reizwäsche“ in ihren unschuldigen Mund genommen?! Jetzt bin ich megascharf auf sie…
Als es ihm zu bunt wurde, unterbrach er bedrohlich ruhig ihr Gelächter: „Hasenzahn?“
Sie beruhigte sich wieder, wischte die Lachtränen aus den Augen und sagte belustigt: „Ja?“
„Wenn du mich nochmal so verarscht, dann muss ich dich hart bestrafen“, raunte er heiser.
Ihre Augen wurden groß, hektisch stand sie auf und nahm ihm den leeren Teller weg.
„Ich räum dann mal weg“, murmelte sie nur und verschwand so schnell wie möglich in der Küche, hoffend, dass er nicht gesehen hatte, dass sie rot war wie eine Tomate…
Und schon ist Miss Prüderie wieder zurück… aber das macht sie noch schärfer… echt… ich muss sie jetzt haben…
Leise folgte er ihr in die Küche. Sie stützte sich mit den Armen vor der Spüle ab und atmete tief durch. Wenn sie doch auch mal cool reagieren könnte… wieso klappte das bei ihr nie?
Während sie über ihre Prüderie grübelte, die in ihren Augen eigentlich keine war, genoss Marc mit leicht geneigtem Kopf die Aussicht auf ihren Hintern.
Ich mach einfach den klassischen Meier- Angriff… dann schmilzt sie wie Butter in der Sonne und hat keine Chance mehr… eigentlich schon ein bisschen unfair, aber das war sie ja auch!
Er näherte sich ihr langsam und bedächtig von hinten, während sie seine Anwesenheit schon zu spüren schien. Irgendetwas sagte ihr aber, dass sie sich nicht umdrehen sollte.
Er umschlang ihre Taille und küsste sie leicht auf die Wange.
„Was hast du denn jetzt schon wieder?“, fragte er dann doch, obwohl es nicht seinen Absichten entsprach.
„Nichts besonderes“, murmelte sie nur und fügte hinzu: „Ich hab dich heute nur vermisst…“
Naja, ist ja kein Wunder, ne?! Von meinem Aussehen, meinen beruflichen Fähigkeiten und meinem unvergleichlichem Charme abgesehen, hat sie sicher auch die ganzen Sprüche vermisst. Obwohl wir uns ja auch gesehen haben… zwischendurch. Eigentlich haben wir uns viel zu selten gesehen… aber dass ich sie auch vermisst hab, braucht sie ja nicht zu wissen!
Er beschloss im Stillen für sich, dass das jetzt genug Konversation für ungefähr eineinhalb Jahre war und begann, ihren Hals zu küssen. Nur ganz leicht… Sie schloss die Augen und genoss es still. Es fühlte sich einfach zu gut an, endlich stimmte mal alles in ihrem Leben. Gut, das meiste. Aber im Moment war sie einfach glücklich. Sie hatte zwei bemerkenswerte Frauen kennengelernt, sie sofort ins Herz geschlossen und sie war schwanger, von dem Mann, der ihre ewige Jugendliebe war und jetzt auch offiziell ihr Freund. Was wollte frau mehr? Außer den Spannungen zwischen ihr und Mary, die sich sicher auch bald auflösen würden, und ihren Komplexen, die sie immer noch nicht ablegen konnte, war alles perfekt.
Nun drehte sie sich doch zu Marc um und sah ihn überglücklich an. Er erwiderte ihr Lächeln, dann näherte sich sein Gesicht ihrem. Sie schloss wiederum die Augen, spürte schon seinen heißen Atem auf ihrer Haut und ersehnte seine Lippen.



Später lagen sie eng aneinander gekuschelt auf dem Sofa. Sie sagten nichts. Worte waren einfach überflüssig.
Das ist schön… ich will, dass es niemals aufhört. So gut hab ich mich noch nie gefühlt! Das liegt alles nur an Marc! Er macht mich glücklich! Das schafft sonst keiner… jedenfalls nicht in diesem Ausmaß! Wie konnte ich nur einmal glauben, ohne ihn leben zu können?! Mal ehrlich, mit Frank wäre ich nie glücklich geworden… da habe ich mir selbst etwas vorgelogen. Gott sei Dank ist das vorbei! Ob ich wohl noch mit ihm verheiratet wäre, wenn er nicht… uah… was für eine Vorstellung!! Zum Glück bin ich jetzt hier bei Marc…
Verliebt musterte sie ihn, während er vor sich hindöste und die Ruhe sichtlich genoss. Endlich war dieser Tag vorbei!
Wie süß er aussieht, wenn er vor sich hinträumt…
„Starr mich nicht so an“, murmelte er grinsend, die Augen immer noch geschlossen.
Woher…???!
„Ich… ich starre doch nicht!“
Sie bemühte sich, ihre Verlegenheit zu verbergen, aber er grinste nur noch breiter.
„Sicher!“, sagte er nur.
Gut, ich sag einfach nichts dazu. Was soll ich denn groß sagen?! Für den Tag hab ich genug Kleinkriege mit ihm geführt. Jetzt reicht‘s auch mal…
Sie kuschelte sich noch mehr an ihn, woraufhin er überrascht die Augen öffnete, sie aber gewähren ließ. Sie genossen weiterhin die Anwesenheit des Anderen. Es war still.
Hmmm… ich hätte nie gedacht, das man sich beim Macho Nummer eins mal geborgen fühlen könnte… ist aber so! Und das bleibt hoffentlich auch so… am liebsten würde ich nie wieder von ihm weggehen… vielleicht darf ich ja bei ihm einziehen… es wäre so schön… wir wären den ganzen Tag zusammen! Jaaaaa! Aber ob ihm das auch gefallen würde?! Er hat ja bis jetzt immer alleine gewohnt, soviel ich weiß… ob diese Nina oder wie seine „Freundin“- kann mir immer noch nicht vorstellen, dass er vor mir schon mal eine Freundin hatte…- heißt, auch bei ihm gewohnt hat? Soll ich ihn fragen?
Nee, lieber nicht, dann mach ich die ganze Stimmung kaputt… sollte mich vielleicht ablenken, damit die Frage nicht an mir nagt!
Okay… was steht alles an? Ich muss mich irgendwie mit Mary versöhnen, denn ich halt das nicht mehr aus… ein Tag und es war schon ein Tag zu viel! Ich vermisse es, wenn wir zusammen über unsere Tollpatschigkeit lachen oder bei Titanic zusammen weinen… aber wenn wir uns dann ausgesprochen haben, muss ich ihr von Dr. Reiner, Maria und Katherine erzählen… oh nein, das ist sowas von kompliziert! Lieber ein anderes Thema, sonst zerbreche ich mir noch den Kopf!

Während Gretchen weitergrübelte, über was sie grübeln könnte, dachte Marc darüber nach, ob er ihr nicht jetzt schon das Kleid schenken sollte… der Augenblick war eigentlich perfekt, und er konnte es nicht erwarten, wie sehr sie sich freuen würde… und was sie dann alles tun würde, um sich bei ihm zu bedanken… mhm… sein Blick streifte wie zufällig ihr Dekolleté. Er räusperte sich umständlich, was seine Freundin aber nicht mitbekam. Ihm war plötzlich ganz schön warm. Er rutschte auf der Couch herum, und Gretchen sah auf.
„Ist was?“, fragte sie ihn. Und ihre Stimme klang dabei so unschuldig, so ahnungslos, dass er lächeln musste und verheißungsvoll sagte: „Ich hab eine Überraschung für dich!“
„Echt?!“, fragte sie überrascht. Ihre Neugierde war geweckt. „Was denn für eine Überraschung?“
„Wenn ich es dir jetzt sagen würde, dann wäre es doch keine Überraschung mehr. Komm mit!“
Er zog sie auf die Füße und führte sie ins Schlafzimmer.
„So, jetzt mach die Augen zu!“, forderte er sie auf, „Und wehe, du blinzelst!“
Och menno, aber ich kann nicht mehr warten… er hat eine Überraschung für mich!!! Wie süß ist das denn??
Marc zog die große Tüte unter dem Bett hervor, bemüht, nicht zu viele Geräusche zu machen. Dann ging er zu Gretchen. Und jetzt?! Er wusste nicht recht, wie er sich jetzt verhalten sollte. Immerhin tat er das nicht jeden Tag.
Auf einmal fühlte er sich ein bisschen verlegen. War es wirklich eine gute Idee gewesen, ihr das Kleid zu kaufen, und sich somit die Eier noch ein bisschen mehr abzuschneiden? Nochmals räusperte er sich und drückte ihr die Tüte dann einfach in die Hand. Sie öffnete die Augen, betrachtete die Tüte kurz überrascht und sah dann hinein. Marc hielt gespannt die Luft an.
Oh… mein GOTT!!!


Danke, dass ihr meine Story mitverfolgt

Sophiee^^ Offline

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02.12.2011 14:07
#84 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Viel Spaß bei Martchens Problemen


Marc war sich nicht sicher, ob er das jetzt gut oder schlecht finden sollte. Nun ja… um sich etwas klarer auszudrücken: Hasenzahn heulte. Wie ein Wasserfall. Er glaubte, so sehr hatte sie noch nie geheult, jedenfalls nicht, wenn er Schuld war.
Okaaaay… ich fühl mich leicht überfordert. Wieso musste ich mich auch eine aussuchen, die wegen jedem Scheiß heult…
…na gut, eigentlich hat sie ja mich ausgesucht. Irgendwie bin ich hier das Opfer. Genau. Sie hat sich hinterhältig in mein Herz geschlichen und sich dort breitgemacht, dass ich genau solche Sachen mache, wie ihr Klamotten zu schenken.
Ich versteh das nicht. Wie kann sich eine Frau über sowas Lächerliches wie ein Kleid freuen? Nun ja… verstehen muss ich es ja nicht, das Wissen reicht auch. Und ich wusste, dass sie sich so sehr freuen würde, dass sie über mich herfällt… aber dass sie gleich heult??!

„Marc,… das ist so… süß von dir. Danke!“, schluchzte sie stockend und fiel ihm in die Arme.
Ähm… ich bin NICHT süß…
„Hasenzahn, zum letzten Mal, ich bin nicht…-“, setzte er an, aber sie drückte ihn fest, sodass er keine Luft mehr bekam. Sie wusste allerdings, was er sagen wollte. Sie lächelte und sagte mit weinerlicher Stimme: „Doch, du BIST süß!“
Und sie sagte es so überzeugend, dass er es einfach murrend hinnahm.
Was soll’s, abgewöhnen kann ich’s ihr eh nicht…
Er genoss die Umarmung noch ein bisschen, als Gretchen sich plötzlich löste und schneller im Badezimmer verschwand, als er gucken konnte.
Ähm… was geht denn jetzt?! Wieso bekomm ich jetzt keinen Belohnungssex? Oder zumindest nen Kuss? Ist das zu viel verlangt…? Boah, versteh einer die Frauen…
„Hasenzahn, was ist denn jetzt?“, rief er genervter als nötig, was ihre Freude aber nicht trüben konnte.
„Moment… ich will es nur mal anziehen!“, rief sie fröhlich und zog den Reißverschluss zu.
„Aber du hattest es doch erst heute Vormittag an!“
Also echt jetzt…
„Naja, aber ich… ähm…“, stammelte sie, während sie sich prüfend im Spiegel musterte. Es sah noch genau so aus, wie sie es in Erinnerung hatte. Und das gefiel ihr. Ihr gefiel ihr Spiegelbild. Sie lächelte und schwor sich, diese Erinnerung zu behalten, falls sie in den nächsten Monaten dick und deprimiert hier stand.
„Naja, aber ich…ähm…“, äffte Marc sie nach. Mein Gott, was hatte er denn jetzt für ein Problem? Augenverdrehend lief sie auf die Tür zu.
Typisch Frau, wirklich. Haben keinen Grund und trotzdem ziehen sie sich zehn Mal am Tag um… wo bleibt jetzt meine Belohnung?
„Was hast du denn jetzt auf einmal?“, fragte Gretchen, während sie die Tür öffnete und dann auf ihn zuging. Aber sie bekam keine Antwort, denn ihr Anblick hatte ihm die Sprache verschlagen. Er starrte sie an, ließ sie nicht aus den Augen, und ihr wurde das langsam unangenehm.
Wow… das ist.. wow. Gott sei Dank hat sie es nochmal angezogen… sie ist so… wunderschön.
Bevor Marc anfing zu sabbern, beschloss sie, einzugreifen. Sie überwand noch die letzten Zentimeter bis zu ihm und schaute ihm erwartungsvoll in die Augen.
„Marc!“, flüsterte sie. Er sah sie nur stumm an und lächelte. Wie schnell doch eine Stimmung umschlagen konnte.
„Du bist wunderschön“, sagte er leise, woraufhin sie noch mehr lächelte.
„Danke…“
Dann küsste sie ihn. Es sollte eigentlich nur ein kurzer, zärtlicher Kuss werden, aber Marc ließ sie nicht mehr von sich weg. Das merkte sie spätestens, als er an dem Reißverschluss des Kleides nestelte. Sie lächelte leicht, während er immer noch am Reißverschluss rumfummelte, aber gleichzeitig ihren Hals mit Küssen verwöhnte.
Egal, wie schön das Kleid auch an ihr aussieht… es muss…weg!
Naja, das Kleid schien seine Meinung allerdings nicht zu teilen, denn der Reißverschluss war ziemlich hartnäckig. Als Marc mit Gewalt daran riss, beschloss Gretchen, einzugreifen.
„Beruhig dich erstmal! Du machst ja das Kleid kaputt!“
„Es hält mich aber von meinem Vorhaben ab!“, motzte er. Sie grinste.
„Aha?! Was ist denn dein Vorhaben?“, wollte sie leicht belustigt wissen. Nun zogen sich auch Marcs Mundwinkel auseinander.
„Mein Vorhaben ist…“, begann er und ergötzte sich an Gretchens Blick, die eigentlich keine Antwort erwartet hatte, „… es sofort mit dir zu treiben, egal wo und mit welchen Hindernissen!“
Er begann wieder, ihren Hals zu küssen. Ja, er hatte sich das verdient.
„Boah Marc!“, stieß sie hervor und verfluchte ihre vor Scham geröteten Wangen. „Du bist mal wieder sowas von romantisch!“
Ich war heute schon viel zu romantisch für ein ganzes Leben, jetzt reicht’s auch mal! Ich hab ihr gesagt, dass ich eine Beziehung will (und zu einer Beziehung gehört Sex, wenn MANN will!), dann hab ich ihr das Kleid gekauft, ich hab sie sogar ABGEHOLT und ihr „du hast mich vermisst“- Gequatsche ertragen. Ist sie eigentlich nie zufrieden?
„Jaja, du darfst dann gerne die Klappe halten“, beendete er das Thema gewohnt ruppig. Vielleicht etwas zu ruppig für Gretchen und ihre Hormone.
„Du bist so…blöd!“, rief sie, stieß ihn von sich und machte sich wieder auf den Weg ins Badezimmer, nur dass sie die Tür dieses Mal knallte und zwei Mal abschloss. Er schnaubte genervt auf.
Was hat sie denn jetzt? Das müsste sie doch schon lange gewohnt sein… die Stimmungsschwankungen gehen mir schon gehörig auf den Geist!
Er ging zur Tür rüber und horchte daran. Leises Schniefen war zu hören. War ja klar. Sie heulte, schon wieder. Nur waren es dieses Mal keine Freudentränen.
Boah, echt jetzt… das ist doch… kacke!
„Hasenzahn, mach bitte die Tür auf“
„Du kannst dir dein „Hasenzahn“ sonstwohin stecken“, schniefte sie.
Oho, heute mal ganz frech?! Hat sie etwa vergessen, wer ihr das Kleid geschenkt hat?
„Komm schon, Gretchen, jetzt mach die verdammte Tür auf!“, versuchte er es weiterhin.
„Spar dir dein Gewinsel!“, schrie sie.
Ist die DOOF??
Eigentlich wollte er ihr die Meinung geigen, aber dann besann er sich darauf, dass es die Schuld ihrer Hormone war- und dass er, wenn er jetzt rummotzte, erst recht keinen Sex bekommen würde.
„Hör mal, es tut mir leid, okay? Ich dachte, du kommst inzwischen damit klar… ich bin eben so!“
Ich hab mich gerade… entschuldigt??! War das wirklich ich? Na super, jetzt sülz ich hier auch noch so schwul rum!
Stille. Das Schniefen hatte aufgehört. Gespannt wartete er, aber Hasenzahn kam nicht raus. Nach einer gefühlten Ewigkeit begann sie leise zu sprechen, nichts im Gegensatz zu dem Geschrei von vorhin: „Es ist nur so, dass… ich dachte, jetzt, wo wir eine richtige Beziehung haben, wird alles anders!“
Er seufzte.
„Wir sind erst seit heute Morgen zusammen, es kann sich doch nichts von Null auf Hundert ändern. Und außerdem… ich will mich nicht ändern. Ich finde mich ganz cool“, sagte er lächelnd. Sie lachte. Plötzlich war sie wieder glücklich. Sie war echt komisch drauf.
Sie wischte sich die Tränen weg, öffnete sie Tür und lächelte ihn an.
„Ich will auch nicht, dass du dich änderst… nur, dass du etwas einfühlsamer wirst“, sagte sie, nahm seine Hand und führte sie an den Reißverschluss. „Mit Gefühl kann man so viel schaffen“
Marc verstand, worauf sie hinauswollte und öffnete sanft und ohne Mühe den Reißverschluss. Dann sahen sie sich tief in die Augen, er nahm ihre Hand und hauchte einen Kuss darauf.
„Liebste Prinzessin, würden Sie mir die Ehre erweisen und mich ins Bett begleiten?“, fragte er gestelzt und fing sich darauf einen spielerischen Nackenschlag von der besagten Prinzessin. Aber sie lachte.
„Spinner“, sagte sie noch, bevor sie ihn stürmisch küsste und sie endlich ihr Verlangen stillen konnten.

Sophiee^^ Offline

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Beiträge: 276

05.12.2011 11:19
#85 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

So Mädels, jetzt kommt mal ein Zeitsprung, damit ich nicht immer auf der Stelle trete!

Vielen Dank für eure Kommis und viel Spaß!


http://www.youtube.com/watch?v=jZhQOvvV45w&ob=av2e (One Republic- Good Life)

Was bisher geschah…

Dr. Marc Meier und Dr. Gretchen Haase hatten eine schöne, aber oft auch sehr turbulente Zeit miteinander. Ihre Beziehung hatte so viele Auf und Ab’s erlebt wie keine andere und es schien auch nicht aufhören zu wollen. Aber sie waren glücklich, denn sie wussten, dass sie einander hatten und dass sie sich vertrauen konnten, sie waren sogar zusammengezogen, bzw. Marc hatte sie gebeten, bei ihm einzuziehen. Da hatten Streits über das Fernsehprogramm keinerlei Bedeutung, auch wenn sie sich oft so hineinsteigerten, dass Gretchen bei Mary schlief und sich die Augen aus dem Gesicht heulte und Marc Geschirr an der Wand zerschmetterte, was am nächsten Tag- nach der Versöhnung- wieder für Streitstoff sorgte. Wie auch immer, das konnte ihr Glück auch nicht trüben. Eigentlich waren sie froh, dass es bei ihnen nie langweilig wurde- auch wenn Gretchen sich oft ein wenig Normalität wünschte.

Gretchen hatte viele Stimmungsschwankungen, Fressattacken und Übelkeit mehr oder weniger heil überstanden. Sie hatte sich mit Mary versöhnt und sie waren wieder unzertrennlich (außer wenn Marc sie trennte, weil er auch etwas von Gretchen haben wollte), sie hatte Maria, Katherine und Dr. Reiner geholfen, mit der Situation klarzukommen und sich sogar ein wenig mit ihrem neuen Frauenarzt angefreundet (wie mit Mehdi- sie schien die Gynäkologen quasi anzuziehen wie das Licht die Motten… also, rein freundschaftlich nur) und sie war überglücklich. Sie arbeitete zwar nicht mehr und hockte den ganzen Tag nur rum und langweilte sich, aber auch das senkte ihre Stimmung nur ein wenig. Sie hatte Frau Stiegelmayer angerufen und sie gebeten, mit dem Geld, das in ihre „Karriere“ investiert wurde, jetzt Marc zu fördern. Frau Stiegelmayer wollte sie zuerst wieder nach Berlin schicken, aber als sie hörte, dass sie schwanger war, ließ sie Milde walten und stimmte zu. Endlich lief in ihrem Leben alles glatt! Nun ja, jetzt war Gretchen bereits kugelrund und fieberte dem nächsten Ultraschalltermin entgegen, an dem sie erfahren würden, welches Leben in ihr heranwuchs- Männlein oder Weiblein?

Marc ging es ebenfalls hervorragend. In den ersten Wochen hatte er fieberhaft versucht, Frank zu finden, hatte damit Mehdi terrorisiert, aber als er kein Lebenszeichen mehr ausmachen konnte, vergaß er die Sache langsam. Nun war längst Gras drüber gewachsen. Hätte man ihn gefragt, was denn jetzt mit Frank sei, hätte er sicher gesagt: „Frank? Wer?“. Auch Gretchens Stimmungsschwankungen hatte er leicht verletzt überstanden (einmal hatte sie ihm eine Vase an seinen göttlichen Kopf geworfen- die Narbe, die man eigentlich nicht mehr sah, hielt er ihr noch lange vor), und wenn es ihm zu heikel wurde, dann verschwand er einfach im Krankenhaus. Dort erwartete ihn allerdings ein anderes Schreckgespenst von Frau: Mary. Sie versuchte immer, mit ihm über seine Kindheit zu sprechen, und sie schien zu denken, dass sie sowas wie Freunde waren. Sie setzte sich in der Cafeteria an seinen Tisch, platzte ohne anzuklopfen in sein Büro und er hatte sie auch schon dabei erwischt, wie sie ihn duzte. Er wehrte sich meistens immer noch, aber er hatte gemerkt, dass sie sehr hartnäckig sein konnte- deshalb sprach er mit ihr über seinen Vater und seine Mutter, über die schlimmen, aber auch über die schönen Zeiten mit ihnen, und so langsam ging es ihm damit besser. Zwischendurch hatte er Aussetzer, dann war er ziemlich aggressiv, aber er beruhigte sich immer schnell wieder. Das Reden half. Nicht nur ihm, auch Mary.

Mary war ziemlich einsam und unglücklich. Dr. Reiner hatte ihr alles erklärt und die Affäre, oder was auch immer das war, beendet. Es hatte ihr sehr wehgetan, und immer, wenn sie ihn sah, musste sie die Tränen zurückhalten. Sie liebte ihn, und er hatte mit ihr gespielt, sie benutzt, um seinen Kummer zu begraben. Gretchen konnte sie auch nicht aufheitern. Es war alles wieder an die Oberfläche gekommen, all die Dämonen aus ihrer Kindheit und Jugend- das einzige, was ihr irgendwie half, war, mit Marc zusammen zu sein. Mit jemandem, der das gleiche durchmachen musste, wie sie selbst. Dabei übersah sie allerdings, wie sehr sie ihn nervte. Er war der einzige, dem sie nichts vorspielte- sie hatte Gretchen von ihrem Liebeskummer erzählt, und Gretchen war ziemlich überfordert gewesen, immerhin hatte sie ja alles gewusst, ein Monat lang (!) hatte sie es ihr verschwiegen (mit riesigem schlechten Gewissen), bis Christoph sich endlich traute, ihr alles zu sagen- seitdem versuchte Mary, sie nicht zu sehr mit ihren Problemen zu belasten. Allerdings wusste Mary nicht mehr, wofür sie überhaupt lebte. Sie würde so gerne über ihn hinwegkommen, aber das war eben leichter gesagt als getan. Sie befand sich im schlimmsten Liebeskummer ihres Lebens, nur zeigte sie es niemandem.

Dr. Reiner ging es auch nicht gut. Maria war wieder zurück nach New York, zusammen mit Katherine. Sie wollte Zeit zum Nachdenken, denn sie hatte eingesehen, dass sie auch ein wenig schuld dran war, da er so einsam gewesen ist (und jetzt wieder war). Er war nicht besonders optimistisch. Er war immer schon Realist gewesen, und seine Chancen standen einfach nicht gut. Wahrscheinlich würde er bald auch zu der „zweiten Kategorie“ der Menschen gehören, die in Las Vegas heirateten- jede zweite Ehe, die dort geschlossen wurde, wurde auch wieder geschieden. Mit Mary war auch alles so kompliziert- wenn er sie im Krankenhaus sah, schaute sie ihm mit diesen großen, unglücklichen Kulleraugen an, die sich immer mit Tränen füllten und er fühlte sich einfach nur dreckig, weil er drei Frauen gleichzeitig das Herz brechen musste, und seines gleich mit. Der einzige Lichtblick in seinem Leben war sein Job. Und das machte ihn noch trauriger. Ein einsamer, unglücklicher, verbitterter Workaholic, ohne Familie, ohne Freunde.

Maria war sehr verwirrt. Sie wusste nicht, was sie fühlen, wusste nicht, was sie denken oder tun sollte. Noch nie war sie so ratlos gewesen. Seit er ihr die Wahrheit gesagt hatte, war das schon so. Und das war bereits eine sehr lange Zeit. Und da dieses Gefühl einfach nicht wegging, versuchte sie, es zu verscheuchen und machte weiter wie bisher. Sie nahm Alben auf, sprach sogar eine Synchronstimme in einem Zeichentrickfilm und arbeitete, arbeitete, arbeitete. Vergaß dabei fast ihre Tochter, die diese Situation hasste und megawütend auf den Verursacher, ihren Daddy, war. Katherine litt nur still, denn sie fand es sinnvoller, nicht traurig, sondern wütend zu sein. Es gab so viel, was sie derzeit wütend machte: ihr Dad hatte alle belogen und betrogen, ihre vermeintlichen Freunde sprachen nicht mehr mit ihr, nur weil sie sich nie gemeldet hatte, ihre Mum war völlig neben der Spur (was aber nicht erlaubte, ihre Tochter komplett zu ignorieren) und Tommy ließ sich auch nie blicken. Aber immer, wenn sie am liebsten die ganze Welt verflucht hätte, zwang sie sich zur Ruhe und sang, bis sie heiser war, da das das einzige war, das sie noch von ihrem alten Leben hatte. Und dann, sobald sie ihre Stimme hörte, die traurige Balladen zum Besten gab, stiegen ihr die Tränen in die Augen, die sie aber nicht zulassen wollte. Sie war stark, sie würde nicht weinen. Aber der Schmerz saß einfach tief.

Gretchen hatte oft versucht, sie zu erreichen, als sie nach New York zurückgingen, aber bei Maria kam sie überhaupt nicht weiter, da diese nicht reden wollte, und bei Katherine war es noch schlimmer, da sie irgendwann anfing, rumzubrüllen, dass Gretchen ihrem „Verräter- Vater“ ausrichten sollte, dass er sich nie mehr blicken lassen sollte. Natürlich tat sie das nicht, eigentlich hatte sie aufgehört, besonders viel mit ihm zu sprechen, was nicht mit der Arbeit zu tun hatte, und seit sie nur noch zu Hause war, hatte sie ihn nie mehr gesprochen. Sie verstand auch nicht, wie er das tun konnte- bei ihrem Vater hatte sie es immer noch nicht verstanden.

In Berlin war alles sehr ruhig. Im EKH arbeiteten alle routiniert und souverän, es waren zwei neue Ärzte angestellt, die Marc und Gretchen vertraten, aber ansonsten war alles wie immer. Professor Doktor Franz Haase und Bärbel Haase hatten sich noch nicht versöhnt, da er auf stur stellte und nicht verstehen wollte, dass er ihr genau dasselbe, sogar mehrmals, angetan hatte. Er fühlte sich einfach betrogen, und das hatte nichts mit dem Geld auf dem Konto für ihre gemeinsame Zukunft zu tun (es war ja wieder da), sondern damit, dass sein Butterböhnchen eine Affäre hatte und ihn quasi „ausgetauscht“ hatte. Das Gefühl war einfach nur mies. Bärbel fühlte sich auch schlecht. Sie langweilte sich, war nur zu Hause und putzte, kochte und tat, was sonst alles im Haushalt zu tun war. Aber sie konnte sich damit nicht ablenken und musste dadurch viel nachdenken. Jochen war ihr auch keine große Hilfe, da er sich immer mit Ausreden in sein Zimmer verdrückte und nichts mit seiner alten Mutter tun wollte. Gretchen hätte sie sicher auf andere Gedanken gebracht- Familie Haase vermisste Gretchen, ihre tollpatschige, aber liebenswürdige Tochter und Schwester (ja, sogar Jochen vermisste sie!).

Mehdi war im Gegensatz zu Frau Haase mehr als beschäftigt, da sein Job und Marc ihn sehr einspannten. Er hatte oft versucht, die Polizei doch noch zu animieren, nach Washington zu gehen und Frank Muffke zu schnappen, aber sie hatten sich quergestellt. War ja nicht ihre Aufgabe, wenn, dann sollte Interpol ihn suchen und einbuchten. Irgendwann, als Marcs Anrufe immer seltener wurden, hatte auch er die Hoffnung aufgegeben und die ganze Geschichte in den hinteren Teil seines Gehirns verbannt, damit er sich endlich wieder seinem eigenen Leben widmen konnte. Er hatte zwei Punkte zu erledigen: er würde Lilly und seine Frau finden; dann würde er sich seinem Privatleben widmen. Naja, bis jetzt war nicht viel herausgekommen, aber er wollte einfach nicht mehr unglücklich sein. Er hatte gemerkt, dass es nicht viel nutzte, Pillen einzuwerfen und auf ein Wunder zu warten, nein, er musste etwas tun. Aber leider gab es niemanden, der ihm half. So versuchte er, sich alleine durchzuschlagen, wie schon so oft.

Schwester Sabine war die wahrscheinlich glücklichste Person auf der Welt. Sie und Dr. Gummersbach waren jetzt fest zusammen, egal, was ihre Mutter dazu sagte. Oft hatte sie ein schlechtes Gewissen, da sie sich immer seltener um ihre Mutter kümmerte, aber dann sah sie ihren geliebten Günni, und wusste, dass es die richtige Entscheidung war, auszuziehen. Sie waren zwar beide ein wenig merkwürdig, aber doch war die Liebe, die sie verband, sehr tief. Es war längst keine alberne Verliebtheit mehr. Sie waren sehr glücklich, aber Sabine vermisste ihre Lieblingsärztin mit ihren Männer- und Gewichtsproblemen dennoch. Sie las ihr Horoskop immer noch, aber sie traute sich nicht, sie anzurufen. Und auch bei Schwester Gabi war alles wie immer. Sie sponn Intrigen, verführte unschuldige Männer und sah immer wunderschön aus. Sie benahm sich so, wie es eine selbstbewusste, sexy Krankenschwester zu tun hatte, aber innerlich sah es bei ihr anders aus. Sie war zerbrochen, seit ihr Kind damals gestorben war. Sie hatte zwar eingesehen, dass niemand schuld am Tod ihres Sohnes war, aber es schmerzte trotzdem. Aber sie hoffte, dass es auch bei ihr anders würde: dass sie sich verliebte, heiratete und Kinder kriegte. Das perfekte Leben eben.

Aber wer träumt nicht davon?

Ich hoffe, es hat euch gefallen!

Sophiee^^ Offline

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08.12.2011 10:41
#86 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Schneeee *_____*


4 Monate später

Oh Mist… wie geht nochmal mein Passwort?? Wieso muss ich es auch immer vergessen? Es ist doch nicht so schwierig, es waren… acht oder neun Buchstaben… glaub ich. Und etwas, dass ich ganz doll liebe. Hmm… kann doch nicht so schwer sein! Manno, ich will schauen, ob es was Neues bei meinen Freunden gibt… Facebook ist echt ne tolle Erfindung- außer dass man ein Passwort braucht, dass länger als sechs Zeichen sein muss-, vor allem, wenn man den ganzen Tag alleine rumsitzt und sich langweilt… naja, wo soll ich auch hingehen, nach zehn Minuten bin ich eh k.o. … wer hätte gedacht, dass Schwangere so viel zu tragen haben? Ist eigentlich logisch, aber man denkt das einfach nicht…
Na gut. Diese Gedanken bringen mich auch nicht weiter. Ich muss jetzt mein Passwort rausfinden!

„Hasenzahn?!“, kam es aus der Küche.
Was hat er denn jetzt für ein Problem?
„Jaaaaa?“, rief sie fragend zurück.
„Wo ist der Kaffee?“
Widerwillig legte sie ihr Notebook weg und stand vom Sofa auf, um in die Küche zu gehen. Sie hatte sogar genug Zeit, um sich einen pfiffigen Spruch auszudenken.
In der Küche stand Marc, mit dem sie jetzt schon seit vier Monaten mehr oder weniger glücklich zusammen war, und schaute sie mit hochgezogener Augenbraue an.
Was guckt er denn so doof? Noch nie ein fettes- korrigiere, schwangeres-, schokoladesüchtiges Trampeltier gesehen?
„Hier hier hast du das Telefon“, sagte sie und drückte ihm das schnurlose Telefon in die Hand, das er jetzt so anstarrte wie ein außerirdisches Wesen. Danach starrte er wieder sie an. Sein Blick sagte: „Hast du sie noch alle?“, aber stattdessen fragte er verwirrt: „Was… soll ich denn mit dem Telefon?“
So Gretchen, das ist jetzt deine Chance, ihm auch einmal eins reinzudrücken! Tschakka!
„Ähm… ich dachte nur, dass du bei den Heinzelmännchen anrufen willst, damit sie dir Kaffee kochen“, meinte sie gespielt ernst, bevor sie ehrlich fortfuhr: „Mein Gott Marc, ich bin nicht deine Putze, also koch dir deinen Kaffee gefälligst selber!“
Wow, das war echt beeindruckend. Dass ich so überzeugend und cool sein kann… ich bin stolz auf mich!
„Der korrekte Ausdruck für „Putze“ ist immer noch „Reinigungskraft““, erwiderte er nur selbstgefällig grinsend.
Und schon ist der Stolz verflogen…
„Halt einfach die Klappe, okay?“
Okay, dann mach ich ihm eben den beschissenen Kaffee…
„Wieso bist‘n denn so gereizt?“, seufzte er auf und stellte seine Ohren schon mal auf Durchzug, da jetzt sicher ein Vortrag folgen würde.
„Weißt du, nur weil du arbeitest und ich nicht, heißt das nicht, dass ich hier alles übernehmen muss… immerhin wohnen wir beide hier, und da du weißt, dass ich keinen Kaffee mehr trinke, könntest du auch tolerant sein und das selbst übernehmen. Oder es ganz bleiben lassen“, begann sie, während sie den Filter in der Kaffeemaschine mit Kaffeepulver füllte, „also, was ich eigentlich sagen will: du kannst mich mehr unterstützen. Ich hab schon genug an der Schwangerschaft zu knabbern“
„Bin ich Obama oder was? Falls es dir nicht aufgefallen sein sollte, ich arbeite dreizehn Stunden am Tag, da hab ich keine Zeit, den Staubwedel zu schwingen“
Naja, zumindest hat er zugehört,… der Arsch.
„Jaja, du mich auch“, nuschelte sie und wartete, bis der Kaffee durchgelaufen war. Sie wusste nicht, warum, aber heute war sie wirklich gereizt. Erst das Passwort, das ihr nicht mehr einfiel, dann musste sie Kaffee kochen, obwohl das jeder zwölfjähriger konnte und dann auch noch Marc mit seinen Sprüchen.
„Du kannst dann jetzt auch wieder gehen“, sagte Marc und gab ihr zu verstehen, dass sie jetzt wieder ins Wohnzimmer gehen konnte.
Boah, ich kann nicht mehr… aber wenn ich jetzt aufgebe, dann geht das immer so! Für den Rest unseres Lebens! Na gut, dann setz ich das kleine Machtspiel eben noch ein bisschen fort.
Schweigend setzte sie sich an den Küchentisch und ließ ihn nicht aus den Augen. Zuerst bemerkte er es gar nicht, aber dann fühlte er sich irgendwie merkwürdig. Er schaute in ihre Richtung. Verwirrt und leicht misstrauisch fragte er nach: „Ist was?“
Ihr Lächeln kam ihm schon sehr suspekt vor.
„Ich muss doch sichergehen, dass du dir nicht die Zunge am Kaffee verbrennst“, sagte sie, stand auf und knuffte ihm in die Wange, „Marcilein“
Er schlug ihre Hand weg und hatte ausnahmsweise nur ein Augenverdrehen für die Situation übrig.
Strike! Ich hab gewonnen! Ein kleiner Triumph ist besser als keiner. Dann kann ich mir ja wieder Gedanken um die wichtigen Sachen des Lebens machen…
…mein Passwort. Ich hab folgende Anhaltspunkte: neun Buchstaben und etwas, das ich liebe.

Ihr Blick fiel wieder auf Marc. Er las gerade Zeitung.
Hmm… war es Marcilein? Oder… MarcMeier?
Er rülpste laut, während er in der Zeitung weiterblätterte. Angewidert wandte sie den Blick wieder ab.
Nein, mit Marc hat es nichts zu tun…ganz sicher.
Gretchen grübelte weiter. Sowas konnte sie sich noch nie merken. Aber nach ein paar Minuten war das Nebensache, denn nun passierte wieder etwas mit ihrem Körper, das sie nicht ausstehen konnte. Und daran war nur ihre Schwangerschaft schuld.
Oh nein, es fängt schon wieder an…



Boah, die hat ja mal wieder eine Laune… am besten komm ich nicht zu nahe, sonst beißt sie mich noch. Ich würde ihr in dem Zustand alles zutrauen… oh, richtig. Sie ist ja schwanger, von mir. Was bedeutet, dass ich schuld da dran bin, dass sie so unausstehlich ist. Das ist kacke! Sie war ja früher schon nervig, aber jetzt… wann beginnt nochmal mein Dienst?
Marc schaute auf die Uhr. Es dauerte noch ein bisschen. Aber aus den Augenwinkeln registrierte er noch etwas anderes: Gretchen fummelte an ihren Brüsten rum.
Was… geht… ab??!
Amüsiert betrachtete er sie dabei, aber als er das Lachen fast nicht mehr zurückhalten konnte, fragte er: „Was tust du da?“
„Hä?“, schreckte sie auf und ließ von ihrem Busen ab. Sie wurde rot, wieder einmal. DAS hatte die Schwangerschaft leider nicht ändern können. „Wieso? Ich tu doch nichts. Alles wie immer“
Jetzt will sie ablenken… neenee, ich würde schon gern wissen, warum sie sie anfassen darf und ich nicht!
„Achso… dann hab ich mir also nur eingebildet, dass du dich selbst betatschst?“, provozierte er mit einem charmanten Lächeln.
Irgendwie ist das aber auch heiß…
„Man, ich betatsche mich überhaupt nicht selber!“, verteidigte sie sich sofort, aber mehr ließ sie ihn auch nicht wissen.
„Und was tust du dann?“
„Musst du nicht zur Arbeit?“
„Ich würde schon ganz gerne wissen, was du da so getrieben hast… oder den ganzen Tag machst“
„Hör schon auf… ich mach den ganzen Tag gar nichts. Und wenn du es unbedingt wissen willst… meine Brüste spannen. Schon wieder“
Gut, ab jetzt wird’s eklig. Bildet sich die Milch jetzt schon oder was soll das?...
…Meier, wieso denkst du überhaupt drüber nach? Los, hau ab, so schnell du kannst! Du musst sowieso bald zur Arbeit, und es schadet nicht, noch einmal über die Patientenakten drüberzuschauen!

Jetzt, wo sie es ausgesprochen hatte, fing sie wieder an, sie zu massieren, damit es endlich aufhörte, und dabei schaute sie Marc an wie Bambi allein im Wald.
„Kannst du mir nicht helfen?“, fragte sie mit den großen Kulleraugen.

So, der ganz normale Wahnsinn beginnt also wieder!
Ich freu mich über Kommentare!

Sophiee^^ Offline

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Beiträge: 276

11.12.2011 12:15
#87 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Ihr dachtet also alle, dass Marc ihr gerne bei ihren Schwangerschaftsproblemen hilft? Hätt ich nie gedacht...
Naja, im Fall könnt ihr es ja auch umschreiben... auf meiner Kommiseite
Kommentare zur Story von Sophiee^^ (16)

Trotzdem wünsch ich euch viel Spaß mit dem neuen Teil



„Ähm… ich? Sorry, ich muss jetzt gehen… kannst ja Mehdi anrufen, er ist ja Spezialist, ne?“, zog er sich aus der Schlinge und ging zur Haustür, um die Schuhe anzuziehen. Flüchtig registrierte er, dass Gretchen ihm gefolgt war.
„Du lässt mich genau jetzt allein?“
Ja… sieht so aus. Bitte wird jetzt nicht sentimental!!
„Ich… muss eben“, sagte er, hauchte ihr einen Kuss auf die Lippen und verließ die Wohnung. Tief atmete er ein. Gerade nochmal gut gegangen.
Ja, ich weiß, es ist mies, dass ich sie jetzt allein lasse, aber so langsam wächst mir das alles über den Kopf… ihr ganzen Launen, ihre Probleme, ihre Wünsche… wie soll ich da noch nachkommen? Das nervt vielleicht… Gott sei Dank kann ich mich zur Arbeit verdrücken… aber dort wartet auch ein Frauenmonster auf mich, dass meine ganze Vergangenheit aus mir raussaugen will… oh Gott, kann ich nicht zurückspulen?
„Nein, Marc, du kannst nicht, und wenn du ehrlich bist, dann willst du es auch nicht“, wisperte eine Stimme aus dem Teil des Gehirns, wo er eigentlich ein netter Kerl war. Und es stimmte: auch wenn Hasenzahn ihn in den Wahnsinn trieb und unglaublich fett war, auch wenn Mary ihn quasi stalkte und er seit langer Zeit keinen Sex mehr hatte, wollte er nicht tauschen. Denn er war glücklich. Glücklich in seiner Beziehung und in seinem Job.



Er ist so ein… Arschloch. Jetzt brauch ich mein Tagebuch!

Liebes Tagebuch!
Heute ist ein schlechter Tag. Ja, ich weiß, er hat gerade erst begonnen und man soll mit einem Lächeln in die Welt hinausgehen, damit sie zurücklächelt… blablabla. Aber heute scheint irgendwie alles schiefzugehen, was überhaupt schiefgehen kann. Marc hat sich mal wieder verdrückt, weil er nicht mit mir und meiner Schwangerschaft klarkommt (ähm, Entschuldigung, ich hab ihm nur gesagt, dass meine Brüste spannen… wenn er wüsste, was sonst noch in meinen Körper los ist, dann würde ihn das kaltlassen! ), dann musste ich sein Hausmütterchen spielen und zu guter Letzt hab ich mein Facebook- Passwort vergessen, sodass ich mich heute langweilen kann. Das kann ja was werden!
Aber ansonsten bin ich ganz glücklich. Die Beziehung mit Marc ist zwar anders, als ich es mir vorgestellt habe, aber eigentlich hätte ich es wissen müssen. Er kann nicht von einem Tag auf den anderen Romantiker/Hausmann/Vater werden… ob er es jemals schaffen wird? Das bezweifle ich auch, denn er selbst findet sich ja „cool“. Ich glaube, er will sich gar nicht ändern. Eigentlich will ich ja nicht, dass er sich ändert (ich liebe ihn ja so, wie er ist), nur, dass er ein bisschen einfühlsamer und… menschenfreundlicher wird. Ist das denn zu viel verlangt?! Hmm… anscheinend schon, denn er musste heute wieder einmal ein paar Sprüche loslassen. Aber ICH hab letztendlich gewonnen! Ja! Gott ist eine Frau, Margarethe Haase!
Obwohl… wenn ich so nachdenke, dann kann Gott gar keine Frau sein. Sonst hätte er wohl kaum eingerichtet, dass die Frau die Kinder bekommt. Hallo?? Wieso werden wir damit so gequält? Heißhunger, Stimmungsschwankungen, Übelkeit,… das ist doch krank! Leider kann man es nicht ändern… allerdings gibt es auch positive Seiten an der Schwangerschaft…

Schwangerschaft- Pro und Contra.

Pro:
- man darf essen, wann man will, was man will und wie viel man will, man wird sowieso fett
- man wird umsorgt
- man muss nicht mehr arbeiten und hat seine Ruhe
- alle sind verständnisvoll und denken sich nichts dabei, wenn man komisch drauf ist
- man erfährt, wie schön es ist, wenn LEBEN in einem heranwächst

Contra:
- man wird fett und somit unattraktiv für den Partner
- in manchen Fällen wird man nicht umsorgt (z. B. in meinem Fall- meine Mutter ist ja nicht da, und Marc… naja, Marc halt. Ich würde wahrscheinlich vor Überraschung in Ohnmacht fallen, wenn er sich um mich kümmert)
- manchmal ist es ohne Arbeit total langweilig, weil man nicht weiß, wie man sich beschäftigen kann und keine kleinen Brüder in der Nähe sind, die man nerven könnte (schon doof, dass ich hier in Washington bin! ICH WILL ZURÜCK NACH BERLIN!) und die Ruhe wird oft unerträglich
- Heißhunger, Stimmungsschwankungen (generell Überschuss an Hormonen), Übelkeit, Rücken- und Fußschmerzen

Okay, ein Contrapunkt weniger als bei den Pro‘s! Aber… meine Pro’s sind eigentlich alle im Contra schlechtgemacht… verdammt! Heute ist einfach ein schlechter Tag, ich kann mich nicht mal freuen, dass es mehr Vorteile als Nachteile gibt. Ach, liebes Tagebuch, das ist wirklich doof… sollte vielleicht meine Mutter anrufen und später Mary, vielleicht will sie ja vorbeikommen… na gut. Bis bald!
Dein Gretchen


Gretchen legte ihr Tagebuch beiseite und machte sich auf die Suche nach ihrem Handy. Wo war das nur wieder abgeblieben? Sie wollte gerade ihren Klamottenhaufen durchsuchen, als ihr Handy klingelte und sie somit wusste, dass es im Schlafzimmer war. Mühsam erhob sie sich vom Sofa und ging ins Schlafzimmer. Leicht außer Atem meldete sie sich: „Haase?“
„Margarethe, Schatz, wie geht es dir denn?“, rief ihre Mutter in den Hörer.
Das ist ja ein Ding…
„Mama! Ich wollte dich gerade anrufen! Mir geht es ganz gut, danke. Dir auch?“
„Ach, es geht so. Hab lange nichts mehr von deinem Vater gehört…“
Man, können die sich nicht endlich zusammenraffen?! Sie sind beide unglücklich mit der Situation und trotzdem unternehmen sie nichts, um es zu ändern! Ihr Stolz lässt es nicht zu… tzz… von wem hab ich denn meinen Kampfgeist geerbt?
„Hmm… vielleicht rufst du ihn mal an…“, tastete die junge Ärztin sich vorsichtig vor.
„Aber er will nicht mit mir reden, ich hab es doch versucht!“, flüsterte Bärbel. Am Ende des Satzes versagte ihr die Stimme und sie unterdrückte einen Schluchzer.
Oh nein… ich will sie in den Arm nehmen! Los, ab nach Berlin, Gretchen!
„Mama, bitte nicht weinen! Sonst muss ich auch noch weinen!“
„Tut mir leid, aber… es geht so viel schief im Moment. Du bist so weit weg, Jochen seh ich gar nicht mehr und dein Vater lebt immer noch in seinem Büro. Ich bin einsam“, weinte sie weiter.
„Du brauchst dich doch nicht entschuldigen… wenn ich könnte, dann…“, begann Gretchen, biss sich aber auf die Lippe.
„Ja?“, fragte Frau Haase erwartungsvoll.
Ich kann ihr doch nicht sagen, dass ich am liebsten nach Berlin zurückgehen wollte. Sie würde mich sofort holen kommen und dann muss ich die nächsten vier Monate in ihrer Obhut bleiben… nein, da ist mir die Langeweile lieber!
„Nichts… ähm… ich dachte nur, ich sollte lieber öfter anrufen…“
Super Ausrede, echt! Ich ruf doch jeden Tag an…
„Naja…“, beruhigte sich ihre Mutter langsam wieder, „… ich möchte aber nicht, dass du dich mit unseren Problemen belastest, weil du ja schuld daran bist, dass dein Vater ausgezogen ist…“
Na, vielen Dank auch! Wollte ich sie vorhin noch umarmen?!
„…erzähl doch mal! Wie geht es meiner Enkelin?“
Lächelnd legte Gretchen eine Hand auf ihren großen Bauch.
„Mama, zum letzten Mal: erst beim nächsten Ultraschalltermin erfahren wir, was es wird… und es scheint sich sehr wohl in meinem Bauch zu fühlen. Gerade hat es gestrampelt“
Es fühlt sich immer so toll an, wenn sie… ähm, oder er… strampelt. Es tut zwar ein bisschen weh, aber es ist schön… so schön…
„Ich bin so froh, dass du jetzt endlich den Weg einer glücklichen Frau gehst. Was hätte dir die Karriere denn groß gebracht, hm?“
Nein, diese Diskussion will ich jetzt nicht zum tausendsten Mal durchkauen…
Augenrollend antwortete sie: „Jaja, Mama… hab verstanden. Du, ich muss jetzt. War schön mit dir zu reden!“
Ohne auf einen Abschied zu warten, legte Gretchen auf und legte ihr Handy weg. Sie ging wieder ins Wohnzimmer und wollte einen Film schauen, als ihr ihr Tagebuch ins Auge fiel. Und plötzlich durchzuckte es sie wie ein Blitz.
Mein Passwort! T-A-G-E-B-U-C-H. Acht Buchstaben und etwas, das ich liebe! Ist doch klar!

Sophiee^^ Offline

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14.12.2011 08:12
#88 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Heute besonders früh, da ich den ganzen Tag weg bin
Danke meine vier lieben Kommischreiber

Viel Spaß!!



Dr. Marc Meier saß in seinem Büro und arbeitete an Papierkram. Er hatte schon mehr als die Hälfte seines Dienstes hinter sich. Jetzt, wo das Fellowship nur ihm alleine gehörte und Gretchen aufgehört hatte, wurde er wirklich mehr gefördert. Er durfte komplizierte OPs durchführen und wurde auch mit spannenden Fällen konfrontiert. Manchmal waren sie ihm aber zu spannend, denn sie nahmen ihn auch ziemlich mit. Er strich sich über die Augen. Erst heute musste er eine Schwangere operieren, die in einer Pfütze ausgerutscht war. Okay, es war weder spannend noch besonders schwierig gewesen, aber er hatte gemerkt, wie schnell so etwas passieren konnte. Was wäre, wenn Gretchen auch einmal ausrutschen würde? Immerhin war es Anfang November. Da konnte so etwas schnell passieren, vor allem, wenn man so tollpatschig war wie sein Hasenzahn.
Vielleicht sollte ich ihr einfach verbieten, aus dem Haus zu gehen… aber eigentlich geht sie eh nicht mehr raus, nach zehn Minuten kommt sie sowieso völlig außer Atem wieder zurück. Ist es wirklich so anstrengend, mit so einem Bauch rumzurennen?...
…Wieso frag ich mich das eigentlich?! Ich will es ja nicht wissen und ich bin ganz froh, dass die Frauen die Kinder austragen…

Kurz sah er ein Bild vor sich: Gretchen war gertenschlank und er hatte den Babybauch. Er schüttelte den Kopf und das Bild verflog wieder. Was das wieder für Gedanken waren! Das war der Stress…
Er gähnte kurz und widmete sich dann wieder seiner Arbeit, dieser Zustand war aber nur von kurzer Dauer. Es klopfte an seiner Tür.

http://www.youtube.com/watch?v=YKI4gmosWY4 (Miley Cyrus- Fly on the wall)

„Herein“, rief er genervt.
Hoffentlich keine Patienten mehr, von deren Problemen hab ich genug… weiß ich doch nicht, ob das Baby heil geblieben ist… bin ja kein Gynäkologe und damit bin ich auch vollauf zufrieden…
Mary öffnete die Tür und lächelte ihn kurz an.
Oh nee, DIE schon wieder…
„Dr. Thompson! Wo drückt der Schuh?“, fragte er und lächelte gekünstelt.
„Naja, eigentlich wollte ich…“, sprach sie, hielt aber inne, bevor sie von vorne begann: „…Ich wollte nur…“
Mein Gott, ist es so schwierig, einen deutschen Satz zu bilden??!
„Ja?!“, drängte er sie. Jetzt war er definitiv nicht mehr zu Scherzen aufgelegt. Sie atmete tief durch.
„Ich wollte nur fragen, ob Sie noch… reden wollen. Bevor ich Feierabend mache“
Weiber! Sie kommt in mein Büro, um zu fragen, ob ich reden will??! Also echt, ich versteh die einfach nicht!
„Nein, Sie können dann gehen“, sagte er, ohne das gefakte Lächeln aus dem Gesicht zu nehmen.
Bitte lieber Gott, mach, dass sie verschwindet!
Mary ging näher auf ihn zu und setzte sich auf den Stuhl, der vor seinem Schreibtisch stand. Sie wurde dabei misstrauisch von Marc beäugt, der seine Hoffnungen mittlerweile aufgegeben hatte. Es gab tatsächlich eine Frau, die noch mehr nerven konnte, als Hasenzahn es tat.
„Marc, wenn du nicht darüber redest, dann gehen die Dämonen aus der Vergangenheit nie weg. Ich gehe seit kurzem wieder zum Therapeuten, ich weiß, dass du…“
Dämonen aus der Vergangenheit? Wo sind wir hier, „Voodoo für Anfänger“, oder was?
„Ich kann mich nicht daran erinnern, Ihnen das „Du“ angeboten zu haben, Dr. Thompson, und nein, ich werde mich nicht zu so einem Seelenklemptner auf die Couch setzen“
„Ja, aber wenn Sie…“, setzte sie erneut an, wurde aber von Marc unterbrochen, der heftig mit der Hand auf seinen Schreibtisch schlug.
„Nur, weil Dr. Reiner Sie abserviert hat, heißt das nicht, dass Sie jetzt zu mir kommen können um mich zu „therapieren“, wann immer Sie wollen, kapiert?! Wenn Sie einsam sind, dann kaufen Sie sich einen Hund, und jetzt RAUS aus meinem Büro, verdammt nochmal!“, schrie er.
Eingeschüchtert stand Mary auf, brabbelte eine Entschuldigung und lief auf die Tür zu. Hoffentlich sah Dr. Meier ihre Tränen nicht, denn dann wäre ihre Image noch mehr im Arsch. Als sie schon fast aus dem Büro war, rief Marc sie nochmal zurück.
„Wenn Sie medizinische Fragen haben, können Sie natürlich immer zu mir kommen“, sagte er grinsend und so freundlich, dass sie glaubte, sie müsse jetzt kotzen. Sie setzte auch nochmal ein gestelltes Lächeln auf und verließ das Büro. Aber so schnell wurde er sie nicht los. Sie wusste, über Probleme musste man reden, und spätestens, wenn das Kind von ihrer besten Freundin und ihm da war, würde die Vergangenheit ihn einholen. Und das wollte sie mit jedem Preis verhindern, auch wenn er ihr immer wieder unter die Nase rieb, dass Dr. Reiner sie betrogen hatte, beziehungsweise sie benutzt hatte, um zu betrügen.
Mir sei Dank, sie ist endlich weg. Hartnäckig ist sie schon, das muss man ihr lassen. Aber ich glaube, jetzt hab ich sie endgültig verjagt. Ist ja ihre Schuld, dass ich sie so anraunzen muss, wenn sie mich immer zum Reden zwingt. Nur, weil ich mich ein paar Mal geöffnet habe, heißt das nicht, dass ich das jetzt immer tue, besser gesagt, ich werde es sogar nie mehr tun. Was hilft schon reden?
Dr. Marc Meier hatte anscheinend vergessen, wie gut ihm die Gespräche getan hatten, die sie immer wieder geführt hatten, obwohl er nie wollte. Stattdessen hatte ihn dieses Gespräch wieder an etwas erinnert. Etwas, das sehr lange zurücklag.

Kurz nach Marcs zehntem Geburtstag, an dem für ihn eine Welt zerbrach, ging es seiner „Familie“ immer noch nicht besser. Sein Vater war verschwunden gewesen. Bis auf ein paar Nachrichten auf der Mailbox seiner Mutter, in denen er sich immer und immer wieder entschuldigt hatte, war nichts von ihm zu hören. Eigentlich sollte alles in Ordnung sein, jetzt, wo er weg war, aber das Gegenteil war der Fall. Marc vermisste den Vater, der mit ihm Fußball gespielt und ihm immer zugehört hatte, aber der schien irgendwo in seinem „neuen“ Vater verloren gegangen zu sein. Sein Vater hatte nie um Entschuldigung gewinselt, er war immer stark gewesen und hatte überhaupt keine Fehler gemacht, sodass er sich nie entschuldigen musste. Tief in seinem Inneren hoffte Marc immer noch, dass sein Vater, sein RICHTIGER Vater, wieder zurückkommen würde. Aber das würde wohl nicht passieren.

Marc strich sich erneut über die Augen. Nein, darauf würde er sich jetzt nicht einlassen. Er würde sich jetzt nicht erinnern. Es lag alles schon mehr als 15 Jahre zurück, es war quasi in einem anderen Zeitalter passiert, und das sollte ihn nicht mehr beschäftigen. Er stand auf und flüchtete aus seinem Büro, vor seinen Erinnerungen, vor seinen Gefühlen. Auf der Suche nach Ablenkung ging er ins Schwesternzimmer. Dort regte er sich natürlich sofort auf, weil kein frischer Kaffee gemacht war.
Als das warme Gebräu kurz darauf seine Kehle hinunter rann und er dem Regen draußen zuschaute, fühlte er sich tatsächlich ein bisschen besser. Und das eingeschüchterte Gesicht der Schwester erst! Ja, das half ihm weiter. Aber noch mehr weiterhelfen würde ihm, wenn er Gretchen sehen könnte. Sie war zwar fett, pardon, schwanger, und sie nervte mehr als zuvor, aber trotzdem wollte er sie um sich haben. Es war einfach schön zu wissen, endlich einmal geliebt zu werden. Lächelnd machte er sich wieder zurück auf den Weg zu seinem Büro. Er hatte dieses schmerzende Thema mehr als erfolgreich verdrängt, und irgendwann, da war er sich sicher, würde er es ganz vergessen.



Willkommen auf Facebook
Oh jaaa, jetzt komm ich endlich rein!
Gretchen schien Marc überhaupt nicht zu vermissen, als sie eifrig auf der Tastatur herumtippte. Sie war schon richtig süchtig geworden, aber das fiel ihr selbst gar nicht auf. Naja, was sollte sie auch sonst tun, so ganz alleine? Bis Mary kam dauerte es immerhin noch etwas…
Hm… was haben wir denn da? Keine Logs?? Waaaaaaas?? Aber was soll ich denn dann machen..??
Ach, nicht den Kopf hängen lassen, ich finde schon was Lustiges! … was ist denn das?

Gebannt schaute sie auf den Bildschirm, bevor sie die Gruppe „Elisabethkrankenhaus, Berlin“ anklickte.
Sie haben mich zur Gruppe hinzugefügt? Wie süß ist das denn?! Obwohl ich schon seit mehr als einem halben Jahr nicht mehr dort arbeite… hach, die sind so lieb! Das hat sicher alles Papa eingefädelt, damit „seine zweite Familie“ auch online in Kontakt bleiben kann!! Sooo süß!- Jetzt nicht emotional werden, ablenken!- Wer ist denn alles online?
Nur die Hassi?? Hm, eigentlich sind wir ja ganz gute Freundinnen, immerhin waren wir ja zusammen auf der Studentenparty… ich versuchs mal, mehr als mich psychisch fertigzumachen kann sie ja auch nicht tun…

Sophiee^^ Offline

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17.12.2011 13:48
#89 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Wie wär's, eine Portion Hassi?!
Ob ihr wollt oder nicht, ihr kriegt sie


GH: Hallo Frau Doktor Hassmann!
Dr. MH: Frau Doktor Haase? Sie?
GH: Ja, ich! Wie geht es Ihnen denn?
Dr. MH: Wie soll es mir schon gehen?! Ich bin rundum glücklich!

Boah, die hat ja mal wieder ne Laune… hab doch nur eine ganz unverbindliche Frage gestellt…
GH: Achso… also wenn Sie nicht wollen, müssen wir auch nicht chatten.
Dr. MH: Neenee, hab in der Pause eh nichts anderes zu tun.
GH: Erzählen Sie doch mal was! Mir ist so langweilig =(
Dr. MH: Wieso sollte ich?!

Hä?? Aber sie hat doch geschrieben, dass sie nicht anderes zu tun hat…
GH: Naja, ich dachte… Sie wollen vielleicht einfach mal reden, jetzt, wo wir Freundinnen sind…
Dr. MH: Freundinnen??!

Upps… zu viel?! Es stimmt aber irgendwie…. Wir sind doch Freundinnen?
Dr. MH: Freundinnen duzen sich meines Wissens…
GH: Danke für das Angebot! ;) Ich bin Gretchen!
Dr. MH: Eigentlich meinte ich das nicht… ach egal! Sie können mich eh nur virtuell nerven…ähm, ich meine, du kannst…;)

Ich glaube, sie ist ein wenig aufgetaut… sie hat mir das „Du“ angeboten! Jetzt ist der Tag nicht mehr ganz so langweilig!
GH: Ja, und jetzt kannst du mir doch was erzählen! Was läuft in deinem Leben so?
Dr. MH: Hm… eigentlich alles wie immer.

Aha, sie will mir also doch nichts erzählen… ich hab aber was gehört…
GH: Wie, ist es mit Dr. Knechtlsdorfer schon vorbei? (:
Dr. MH: Nein… aber… er nervt ein wenig.
GH: Kann ich verstehen… weißt du, er hat mich immer dermaßen genervt mit dem ganzen Konkurrenzkampf, ich wusste manchmal echt nicht, wo mir der Kopf steht!
Dr. MH: Stopp! Zieh nicht über ihn her! Er kann auch ganz lieb sein…
GH: Tschuldigung…(: Liebst du ihn? *grins*
Dr. MH: Noch direkter geht’s nicht, oder?
GH: Unter Freundinnen redet man eben über solche Dinge…
Dr. MH: Nur weil wir seit heute offiziell befreundet sind, heißt das nicht, dass wir gleich kuscheln müssen.

Kann sie das Biestgetue nicht einmal ablegen? Ich hab auch Gefühle!!
GH: Tut mir leid… aber du könntest wirklich netter sein! Ich hab doch nur eine Frage gestellt…
Dr. MH: Such dir doch normale Fragen aus, zum Beispiel „Wie ist denn das Wetter in Berlin“. Du bist viel zu neugierig, Haase!

Wieso sollte mich das Wetter in Berlin interessieren? Ich bin doch nicht dort… und hier regnet‘s, mal wieder!
GH: Ich bin überhaupt nicht neugierig!
Kurze Pause.
GH: Also gut, wie ist das Wetter in Berlin? (:
Dr. MH: Es regnet. Schon die ganze Woche lang…
GH: Aha.
Dr. MH: Na gut… jetzt bin ich mal nicht so. Kann ich dich auch mal was fragen?
GH: Klar, was du willst.
Dr. MH: Ist es echt wahr, dass du schwanger bist? Von Meier, dem Arschloch?
GH: Du ziehst auch über meinen Freund her! *beleidigt*
Dr. MH: Also doch… dein FREUND!! (:
GH: Ja…
Dr. MH: Und? Bist du schwanger?
GH: Ja…
Dr. MH: Im wievielten Monat denn?
GH: Im sechsten…
Dr. MH: Ach, auf einmal so wortkarg?!
GH: …
Dr. MH: Versteh schon… tut mir leid, dass ich Meier ein Arschloch genannt hab. Ich dachte eigentlich, der würde sich nie binden.
GH: Tja, jetzt hast du ja den Gegenbeweis. (:
Dr. MH: Ja, stimmt. Meine Pause ist vorbei, muss weiterarbeiten! Tschüss, bis zum nächsten Mal! (:
GH: Okay, tschüss…

Dr. Maria Hassmann ist offline.

Oh manno… was soll ich denn jetzt machen!? Sind alle offline. Hmm… ich könnte einen Film schauen. Nur welchen?! Ich hab doch alle schon gesehen… was schau ich immer, wenn ich nicht weiß, was ich schauen soll?? Titanic.
Umständlich stand Gretchen auf, nachdem sie sich abgemeldet und das Notebook heruntergefahren hatte, und ging rüber zum Fernseher. Mittlerweile hatte sie diese Technik auch verstanden und kurz darauf lief auch schon die Vorwerbung. Als sie sich gerade gemütlich in die Decke eingewickelt und die erste Tafel Schokolade angebrochen hatte, klingelte es.
Nanu, wer ist denn das?
Kurz überlegte sie, ob sie einfach nicht öffnen sollte, aber dann war sie doch erfreut über die Abwechslung, schaltete den Fernseher aus und lief zur Tür, um zu öffnen. Draußen stand Mary. Sie begrüßten sich mit einer Umarmung und Gretchen ließ sie herein.
Ach, ich freu mich, dass sie da ist…
„Und, wie war’s bei der Arbeit?“, fragte Gretchen vergnügt.
„Frag gar nicht erst!“, stöhnte Mary und ließ sich auf das Sofa plumpsen. „Du kannst glücklich sein, dass du den ganzen Tag nichts tun musst!“
Ja, das sagt sich so leicht… aber lange hältst du das nicht durch!
„So schlimm?“, fragte sie nochmal nach und signalisierte somit, dass sie mit ihr über alles reden konnte.
„Weißt du, das ist alles so stressig, besonders, wenn du einem Arzt aus dem Weg gehen musst, der auf derselben Station arbeitet…“
Sie hat immer noch Probleme Dr. Reiner zu sehen… kann ich aber verstehen. Soviel ich weiß, war er ihre große Liebe und die vergisst man nicht von einem Tag auf den anderen.
„Ja, das versteh ich… aber ansonsten ist doch alles in Ordnung?“, hakte Gretchen nach, da Mary auf einmal sehr traurig aussah.
„Ja ja, alles bestens. Nur das Übliche, man wird vom Vorgesetzten runtergemacht, muss die Drecksarbeit erledigen und darf nicht eine unangebrachte Bemerkung machen“, lächelte Mary leicht.
„Marc macht dich runter?“, fragte sie erstaunt.

Sophiee^^ Offline

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20.12.2011 15:32
#90 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

@Greta: Es stimmt schon, für Schwangerschaftsurlaub ist es noch zu früh, aber ich hab es mir so vorgestellt, dass sie das Fellowship nun ganz auf Marc "übertragen" hat. Keine Ahnung, ob das echt geht, wahrscheinlich wäre es Vertragsbruch oder sowas, aber in meiner Doctor's Diary- Welt ist es eben so.

Also ist er bei der Arbeit immer noch der Alte… ich muss mal mit ihm reden. Mary ist meine beste Freundin und auch eine gute Ärztin, und das rechtfertigt nicht sein Verhalten…
„Nein, nein, … ich bin es ja gewohnt“
„Soll ich mal mit ihm reden?“
Als Mary Gretchens besorgtes Gesicht sah, bekam sie wieder ein schlechtes Gewissen. Sie wusste, warum Marc so war, wie er war, und sie erzählte es ihrer besten Freundin nicht, die manchmal auch unter seinem Verhalten litt. Das war wirklich das Letzte! Zwar fand sie kleine Lügen nicht schlimm, aber das nagte schon an ihr.
„Nein, es ist ja nicht schlimm. Verscherz es dir nicht mit ihm… er wird schon seine Gründe haben“
Ja, natürlich… nur wüsste ich die Gründe mal gerne…
„Egal! Lass uns jetzt nicht über die Arbeit reden“, grinste Mary plötzlich.
„Was ist denn?“, fragte Gretchen neugierig.
„Zieh dich einfach an und komm mit“, meinte sie geheimnisvoll.
Waaas?? Rausgehen?? Oh nee… ich will nicht…
Sie seufzte leidig auf: „Muss das sein?“
„Süße, hör mal: du sitzt jetzt seit mehreren Monaten hier in dieser Wohnung rum und langweilst dich zu Tode. Ich will das ändern, wir könnten uns mal wieder amüsieren“
„Aber wir können uns doch auch hier amüsieren, nicht woanders… draußen ist es kalt und nass…“, quengelte sie weiter.
„Wenn du wüsstest, wo wir hingehen, würdest du ohne mit der Wimper zu zucken mitkommen. Und erst recht ohne diese Quengelei“, lächelte Mary.
„Wenn du es mir sagen würdest, dann könnte ich entscheiden, ob ich mit will“
Jetzt bin ich aber schon neugierig… wohin sie mich wohl entführen will??
„Komm einfach mit. Du wirst es lieben“, sagte sie und gab Gretchen damit zu verstehen, dass sie nun keine Ausrede mehr gelten lassen würde.
Na gut, solange ich rechtzeitig wieder hier bin…
Kurze Zeit später befanden sich Gretchen und Mary auf dem Weg in die Stadt. Es war wirklich erstaunlich, wie Gretchen feststellte. Sie lebte in so einer aufregenden Stadt und merkte es nicht einmal! Sie lag lieber den ganzen Tag auf der faulen Haut und tat nichts. Aber jetzt waren ihre alten Energien, allen voran die Neugier, geweckt. Sie lachten, schwatzten und machten verrückte Fotos von sich. Sie hatten sehr viel Spaß und sie kümmerten sich nicht um die Leute, die sie genervt oder auch belustigt anstarrten. Ja, sie waren sehr glücklich, und Gretchen vergaß sogar, dass sie einen dicken Bauch hatte. Normalerweise würde sie sich schämen, obwohl sie wusste, dass es ganz normal war, schwanger zu sein. Nein, es war sogar unglaublich schön, aber sie hatte sich doch lieber versteckt.
„Ja, und dann hat die „Zeitmaschine“ angefangen zu rauchen und er hat geschrien: „Meine Mutter hat schon wieder den Trockner angelassen. Mach den verdammten Trockner aus, ich brauch Energie!“ und ich war richtig enttäuscht, weil ich nicht in die Zukunft reisen konnte. Wenn ich jetzt daran denke… das war so zum Schießen!“, erzählte Gretchen von ihrer Jugend „Naja, und am nächsten Tag hat Marc mir mal wieder das Nutellabrot auf die Brille geschmiert. Also alles beim Alten!“
Mary gluckste vor Lachen, aber dann beruhigte sie sich langsam wieder, denn sie war an ihrem Ziel angekommen.
„So, da wären wir!“, sagte sie, gespannt auf Gretchens Reaktion.
Das Kino? Naja, ich hab ja lange keinen Film mehr gesehen, aber ich glaube nicht, dass gerade etwas läuft, dass mir wirklich gefallen würde… aber andererseits hätte Mary mich dann nicht hierher geschleift. Sie kennt mich und weiß, was ich mag. Na gut, ich vertrau ihr. Der Nachmittag wird sicher toll! Ist er ja jetzt schon!
„Und was schauen wir uns an?“, fragte sie. Mary schmunzelte. Würde sie einmal auf das riesengroße Plakat schauen, wüsste sie ja, womit sie sie überraschen wollte. Gut, dann würde sie eben erst danach ausflippen.
„Ich hab schon Karten bestellt, wir müssen sie nur drinnen abholen!“, ließ Mary die Frage offen.
Man, jetzt könnte sie mir aber echt mal sagen, was…oh…
Mary hatte ihre Mütze abgenommen und schüttelte jetzt ihre kurzen roten Haare, als Gretchen endlich das Plakat sah. Und daraufhin kreischte wie ein Teeny-Girl bei Justin Bieber.



„Dr. Meier?“
Hä? Was? Kann man nicht einmal kurz die Augen schließen und nur ein bisschen träumen? Von einem scharfen blonden Engel, der überhaupt nicht fett und neurotisch ist, aber trotzdem noch Gretchen bleibt? Nee, zu viel verlangt…
Marc rieb sich über die Augen und öffnete sie daraufhin. Was er sah, überraschte ihn, sehr sogar.
„Dr. Reiner?“
Was will der hier? Ich schwöre, wenn das nichts Medizinisches ist, dann…
„Ich wollte mit Ihnen die OP von Herrn Jones durchgehen. Wie Sie wissen ist das meine letzte Operation bevor ich nach New York zurückgehe und ich möchte, dass diese konsequent erledigt wird“
Nur so zur Info, ich bin der Beste, klar? Und nur weil du das Feld räumst heißt das nicht, dass ich nachlassen werde! Tzz… eingebildetes Arschloch!
Marc lächelte aber stattdessen und ließ sich auf das Gespräch ein. Natürlich wussten beide bestens über die bevorstehende Operation Bescheid und somit war das Gespräch entsprechend schnell beendet. Zumindest aus Marcs Sicht, der Christoph danach höflich, aber bestimmt, bat, zu gehen. Aber Dr. Reiner lag noch etwas auf dem Herzen, das er unbedingt loswerden wollte.
„Ich bräuchte dann noch Ihren Rat“
Wie? Hat er gerade wirklich gesagt, dass er meinen Rat braucht?! Träume ich??...
…nee, der da kommt in meinen Träumen sicher nicht vor! Dann doch lieber Hasenzahn- auch in schwangerer Version!

Dr. Reiner sah Marcs zweifelnden und überraschten Blick und erklärte sich: „Ich weiß, wir hatten nicht den besten Start…“
Bei uns war noch nie etwas gut, seit, ähm… lass mich nachdenken… vier Monaten!!
„… aber ich schätze Sie trotzdem als Arzt und Kollegen. Ich würde gerne wissen, was Sie davon halten, dass ich gehe“
Ich finde seine Entscheidung scheiße, von einem der wichtigsten und renommiertesten Krankenhäuser der USA in ein städtisches Krankenhaus in New York zu wechseln, wo man vor allem mit Geschlechtskrankheiten zu tun hat und das nur, weil er bei seiner Frau und seiner Tochter sein will. Aber wenn er es so will,… ich werde ich nicht davon abhalten. Und das werde ich ihm jetzt verklickern.
„Ich verstehe Ihre Entscheidung, da sie bei der Frau sein wollen, die Sie lieben…“
… und so oft betrogen haben…
„… und ich bewundere Sie für Ihren Mut. Das würde sich nicht jeder trauen, vor allem weil Ihre Frau im Moment nicht sehr…äh… sagen wir mal so, Sie ist nicht gerade Ihr größter Fan. Trotzdem kann ich Ihnen da nicht weiterhelfen, Sie müssen selbst wissen, was wichtig für Sie ist“
Die Psychologiekurse an der Uni haben also doch was gebracht! Gut gemacht, Meier!
„Danke“, sagte Dr. Reiner. Er schien sich durch die Worte seines Kollegen wirklich bestärkt zu fühlen, obwohl er irgendwie ahnte, dass es ihm sowieso scheißegal war. Er drehte sich zur Tür und wollte gerade gehen, als er es sich doch noch einmal anders überlegte und Dr. Meier mit seinen Augen fixierte.

Was er wohl will?

Sophiee^^ Offline

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24.12.2011 13:12
#91 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Tut mir leid, gestern hatte ich ein Problem mit dem Internet...
Aber ihr kriegt den Teil heute!

Ich wünsche euch allen fröhliche Weihnachten und schöne Feiertage!



„Da wäre noch eine Sache: Könnten Sie Dr. Thompson bitte mitteilen, dass ich ab jetzt nicht mehr hier arbeite?“
Er hat ihr das nicht gesagt? Feigling.
„Natürlich“, lächelte Marc künstlich.
„Und ich hab auch noch einen Rat für Sie: Wenn Ihnen Ihre Freundin wirklich wichtig ist, dann sollten Sie aufhören, sich so ignorant zu benehmen. Das kann nach hinten losgehen“, lächelte Dr. Reiner ebenfalls falsch und fügte dann noch hinzu: „Auf Wiedersehen, Dr. Meier! Vielleicht sieht man sich ja mal wieder“ Dann schloss er breit grinsend die Tür hinter sich.
„Du mich auch, Wichser“, murmelte Marc nur und widmete sich wieder seinen Patientenakten.
Wann war ich gerade bitte ein Arschloch? Woher weiß er, dass mir das alles schnuppe war? Idiot. Denkt, er weiß alles. Gott sei Dank bin ich den los.
Obwohl er sich einredete, dass Dr. Reiner ein Vollidiot war, hatte er doch an dem zu knabbern, was er gesagt hatte. Vielleicht war es wirklich an der Zeit, sich weiterzuentwickeln. Für Gretchen. Und das Kind.



„Oh mein Gott, Mary, du bist total übergeschnappt!“, quiekte Gretchen immer noch aufgekratzt.
„Manchmal muss man einfach übergeschnappt sein!“, rief Mary und kreischte gleich los, als sie eine Menschenmenge vor dem Kino sah.
„Da drüben ist er, los!“, schrie sie und zerrte Gretchen hinter sich her.
Der Film war so toll! Ich hab so gelacht… aber noch schöner war es, mit Mary Zeit zu verbringen…
„Komm schon, hör auf nachzudenken, so eine Gelegenheit gibt’s nicht alle Tage!“
Gretchen ließ sich mitziehen und kreischte auch gleich los, als sie den berühmten Mann sah, um den jede Menge Frauen standen und ihn anschmachteten. Orlando Bloom. Ein Traum wurde wahr…
„Gut, wir machen es wie abgemacht, okay? Sonst kriegen wir nie ein Autogramm!“, sagte Mary. Dann legte sie Gretchen ihre Hände auf die Schultern und sah ihr eindringlich in die Augen.
„Du musst nicht nervös sein!“
Dennoch nickte Gretchen ein wenig nervös.
Er ist sicher total genervt von dem, was ich gleich anstelle. Ich spiele die schwangere-Frau-Karte aus. Aber egal, ich hab’s Mary versprochen, und es stimmt- da würden wir nie und nimmer durchkommen.
Sie atmete noch einmal tief durch, dann dachte sie an etwas Trauriges- der Vogel, den sie vor ein paar Tagen tot auf der Fensterbank gesehen hatte- und schon kamen die ersten Tränen. Sie schluchzte laut, woraufhin sich die meisten Frauen genervt umdrehen und Mary Orlando Bloom zurief: „Sie könnten sie trösten, mit einem Autogramm“
Er schien die Nummer zu durchschauen, er lächelte aber trotzdem, stellte sich neben Gretchen und gab ihr drei Autogrammkarten mit seiner Unterschrift drauf. Sie konnte ihn nur ansehen. Ein Hollywoodstar stand direkt neben ihr. Schüchtern lächelte sie ihn an, aber dann traute sie sich zu fragen: „Für wen ist denn das dritte Autogramm?“
Er schenkte ihr wieder ein bezauberndes Lächeln, woraufhin sie fast geschmolzen wäre, und antwortete verschmitzt: „Na für Ihr Baby. Es wird sich sicher freuen. Herzlichen Glückwunsch!“
Unsicher lachte sie, aber dann kam Mary dazu und stahl sich einfach einen Kuss von ihm. Fassungslos starrten beide sie an, die anderen Frauen protestierten und als die Bodyguards näher kamen, beschlossen Gretchen und Mary, abzuhauen. Sie bedankten sich noch einmal und machten sich kichernd davon.
„Verrückte Hühner“, dachte Orlando Bloom noch, bevor er sich wieder seinen anderen weiblichen Fans widmete.
„Du spinnst!“, japsend vor Lachen stützte sich die schwangere Blondine an einem Baum ab.
„Na Gott sei Dank!“, erwiderte Mary nur grinsend, „Sonst hättest du dich nie getraut!“
Ja, das stimmt wohl. Sie traut sich aber auch echt alles…
„Wie geil ist das denn?! Wir haben ein Autogramm von Orlando Bloom!!“, rief sie und hüpfte auf und ab. Sofort lachten sie wieder, sie kriegten sich fast nicht mehr ein. Als sie schon fast keine Luft mehr bekamen, machten sie sich auf den Heimweg, denn es war schon ziemlich kalt.
„Ich muss nochmal nach Hause, aber ich komm dann danach wieder. Wenn’s dir nichts ausmacht“, sagte Mary und umarmte sie noch kurz. Dann wirbelte sie wieder herum und machte sich auf den Weg zu ihr nach Hause.
„Mary!“, rief Gretchen ihr noch nach, „Danke, dass du mich heute mitgenommen hast. Das hab ich echt gebraucht!“
Sie drehte sich um, lächelte und zwinkerte ihr zu: „No Problem, Sweetheart! Dazu sind Freunde doch da“
Und dann verschwand sie endgültig in der Dämmerung.
Was würde ich nur ohne sie machen… ich bin froh, dass ich sie habe.
Gretchen schloss die Tür auf und warf sich gleich darauf wieder in ihren rosaroten Trainingsanzug. Sie nahm ihr Tagebuch und begann lächelnd zu schreiben.

Liebes Tagebuch!
Hab ich davor geschrieben, dass heute ein schlechter Tag ist? Oh nein, der Tag ist sogar super! Die Welt hat tatsächlich zurückgelächelt! Ich bin so glücklich. Heute ist so ein schöner Tag… ja, es ist kalt, die Sonne hat sich nie gezeigt und es ist nass, aber das hat mir alles gar nichts ausgemacht.
Am Anfang des Tages war wieder alles wie immer. Kleines Gezanke mit Marc, er verzieht sich zur Arbeit und ich bleibe alleine hier und langweile mich. Aber ich hab es mir so ausgesucht, also darf ich mich nicht beklagen… ich hab mit Maria gechattet. Dr. Hassmann. Sie hat mir das „Du“ angeboten… *freu* Ich glaube, wenn ich wieder zurück bin, können wir Freundinnen werden.
Jedenfalls kam dann irgendwann Mary vorbei. Wir haben erst ein wenig gequatscht und dann meinte sie, ich solle mich anziehen. Hatte gar keine Lust, wegen den vorhin genannten Wetterverhältnissen ;), aber dann hat sie mich doch überreden können. Gott sei Dank, sag ich nur!
Sie hat mich zum Kino geschleift. Ich dachte mir nur „Ins Kino kann ich immer gehen“, aber dann hab ich das Plakat gesehen. Den neuen Film von Orlando Bloom. Premiere (eine Kinopremiere in Washington? Hab ich noch nie gehört, aber für alles gibt es ja ein erstes Mal!). Und Mary hatte zwei Karten, woher, das hat sie mir immer noch nicht gesagt. Aber manche Sachen will man ja gar nicht wissen. Und dann kam natürlich das Kreischkonzert! Ich hab mich so gefreut, korrigiere, WIR haben uns so gefreut!!! Den Film wollte ich schon sehen, als ich noch in Berlin saß und mich mit Marcs Launen auseinandersetzen musste! Und der Film war wirklich super, witzig, spannend, romantisch… ich hätte nie gedacht, dass Orlando Bloom mal eine Weihnachtskomödie dreht, aber es war so schön… wenn mein Marci auch dagewesen wäre… ne, doch nicht, der hätte mich nämlich nie an Orlando rangelassen…ja, er war da! Und ich hab ein Autogramm! Ich dachte nie, dass ich auf Knopfdruck heulen kann, aber dieses Mal hat’s geklappt! Vielleicht habe mir die Hormone geholfen… und dann hat er mich so süß angelächelt und mir zwei Autogramme gegeben…eins für mich und eins für mein Baby… er hat mich zu meiner Schwangerschaft beglückwünscht… haaaaaaaach, ich schmelze!!! ICH HABE MIT ORLANDO BLOOM GEREDET! UND ER HAT MICH ANGELÄCHELT!!! Welche Frau kann das schon von sich behaupten?? Der Haufen hinter ihm hat mich ganz schön böse angefunkelt… aber dann kam das Verrückteste: Mary hat ihn geküsst! Einfach so! Dass sie sich das traut… und das, obwohl sie ja in Dr. Reiner verknallt ist… ganz schön doll, wie ich bemerken sollte… aber sie hat gelacht, das ist das Wichtigste!


Gretchen wurde vom Klingeln unterbrochen. Sie erhob sich vom Sofa, ließ ihr Tagebuch achtlos liegen und öffnete die Tür. Es war Mary, die jetzt mit zwei DVDs und einer Tüte voll Schokolade reinkam.
„Hey, schon alles verdaut?“, fragte Mary verschmitzt.
„Du glaubst nicht, was ich alles schon verdaut habe, also bitte“, antwortete Gretchen grinsend und bedeutete Mary, sich zu setzen.
Wow, ich bin echt cool.
„Aha, also war es nichts Besonderes, ein Autogramm von Orlando Bloom persönlich zu bekommen?“, neckte sie sie weiter.
„Oh Gott, das war so geil!“, rief Gretchen aus.
Und jetzt bin ich nicht mehr cool. Was soll’s, keine Frau wäre in der Situation cool. Außer Hassi vielleicht. „Auch er ist nur ein Mann und wir wissen alle, was sie eigentlich wollen“… obwohl, mit ihm würde ich schon…
…Stopp! Keine Fantasien! Du bist in einer glücklichen Beziehung und du liebst deinen Freund über alles und du willst keinen anderen! Außerdem bist du sowieso fett und er würde dich nicht in eine Millionen Jahren nehmen, also wär das Thema sowieso abgehakt.
Naja, aber solche Gedanken sind ja irgendwie auch total normal… ich meine, ich bin schwanger, da passiert das schon mal… auch nicht schwangeren Frauen passiert das die ganze Zeit… und wenn dann plötzlich so ein sexy Schauspieler vor einem steht, dann ist das überhaupt nicht abwegig, sondern eher die natürliche Reaktion… und als er seiner Freundin im Film gesagt hat, dass er sie liebt… haaach… diese Worte kann man dann schon mal auf sich selbst projizieren… okay, träumen kann zwar gefährlich werden, aber es ist auch nicht verboten! Also! Niemand kann meine Gedanken lesen… falls schon, dann braucht derjenige irgendwann mal ne Therapie… so kompliziert und verrückt wie sie manchmal sind… hehe…

Sophiee^^ Offline

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27.12.2011 16:38
#92 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Ich hoffe, ihr hattet schöne Feiertage!


„Ja, das war es wirklich!“, lachte Mary.
„Du hast ihn geküsst! Ich würde mich das nie trauen“
„Ich weiß“
„Und das obwohl du ja in Christoph verliebt bist… also ich könnte nie einen anderen küssen, wenn ich verliebt wäre. Ach, ich Schusselchen, ich bin ja verliebt… wie kann man das nur vergessen? Passiert dir das auch manchmal, dass du Sachen vergisst die eigentlich unwiderruflich in deinem Gehirn eingebrannt sein müssten? Manchmal vergesse ich, dass ich schwanger bin und dann wach ich auf und- bamm!- da ist ein riesen Bauch. Das ist doch total verrückt“, plapperte sie immer weiter. Noch hatte sie nicht bemerkt, dass Mary’s Gesichtsausdruck beim Namen „Christoph“ traurig wurde. Er hatte sie verarscht, benutzt und dann weggeschmissen, als wäre sie ein altes Möbelstück, das man einfach auf den Sperrmüll schmeißt. Sofort fühlte sie sich wieder mies. Dieses Arschloch! Er konnte ihr aber auch alles verderben!
Was hat sie denn jetzt?!
Auch Gretchen hatte irgendwann ihre gekippte Stimmung bemerkt. In Gedanken ging sie nochmal ihre Worte durch und stutze.
Ich bin so ein unsensibles Trampeltier!
„Oh Gott, Mary, es tut mir so leid! Ich wollte nicht… du weißt ja, wenn ich mal rede, dann…“, entschuldigte sie sich mit schlechtem Gewissen.
„Ist schon gut“, unterbrach Mary sie und versuchte ein Lächeln, was ihr aber gründlich misslang.
„Ich weiß, dass es dich beschäftigt. Lass uns doch reden“, näherte Gretchen sich nach kurzem Schweigen wieder an.
„Wenn ich darüber rede, dann muss ich heulen“, sagte sie und lachte humorlos. Als sie bemerkte, dass ihre Augen brannten und bald sicher die ersten Tränen kommen würden, stand sie auf, entschuldigte sich und ging ins Bad.
Super, Margarethe Haase! Der tolle Tag hat einen Tiefpunkt erreicht… es gibt wohl einfach keine perfekten Tage!
Mary brauchte ziemlich lange im Bad. Gretchen glaubte, dass sie alleine sein wollte und deshalb beendete sie ihren Tagebucheintrag.

Ich kann so unsensibel sein! Hab Mary gerade zugequatscht, darüber, wie schön es ist, verliebt zu sein und hab auch erwähnt, dass sie total in Dr. Reiner verschossen ist… sie wird traurig und ich check es nicht mal! Ich sollte wohl nicht länger darüber nachdenken… was Anderes, was Schönes:
Man, ich glaub es immer noch nicht! ICH HABE ORLANDO BLOOM LIVE UND IN FARBE GESEHEN!!!
Upps… sollte dich schleunigst verstecken, jetzt kommt nämlich mein persönlicher Orlando Bloom nach Hause. Wer weiß, vielleicht wird der Tag ja noch besser? Hihi.
Dein Gretchen


Sie hörte, wie Marc die Wohnungstür aufschloss und legte ihr Tagebuch schnell weg.
Was wird Marc wohl sagen, wenn Mary da ist?... ach egal. Sie ist meine Freundin und das ist unsere Wohnung… außerdem kennt er sie, sie ist ja seine Assistenzärztin. Vielleicht verstehen sie sich ja gut und ich hab das nie so richtig mitgekriegt?



„Bin zu Hause“, rief er, während er sich Jacke und Schuhe auszog.
„Hey Marc“, begrüßte sie ihn, stand auf und ging strahlend auf ihn zu. Dann gab sie ihm einen Kuss.
Wow, womit hab ich das nur verdient? Sie ist gut drauf? Hätt‘ ich nach der Stimmung heute Morgen nicht erwartet…
„Wie war’s bei der Arbeit?“, fragte sie ihn, immer noch lächelnd. Das Lächeln konnte er ihr wohl nicht aus dem Gesicht wischen.
„So wie immer…“, antwortete er kurz und knapp, bevor er in die Küche ging und sich ein Glas Wasser einschenkte. „Und wie war’s bei dir?“
Oh, wie sie grinst, muss ja ein schöner Tag gewesen sein. Kann mir nicht vorstellen, dass es hier so interessant ist…
„Heute ist ein schöner Tag!“, sagte sie, „Ich war im Kino!“
„Du?“, fragte er ehrlich überrascht. Er trank schnell sein Glas aus, dann ging er ins Wohnzimmer und setzte sich aufs Sofa. Gretchen folgte ihm und setzte sich auch.
Bis zum nächsten Kino ist es sicher weit… hat sie sich das wirklich angetan? Sie ist doch sonst immer zu faul, nur um den Block zu gehen um einzukaufen… seit dem gibt es nur noch Fast Food.
Aber ich finde es süß, dass sie so glücklich ist…

„Ja. Es lief ein super Film, über Weihnachten und Liebe…“, schwärmte sie, während sie wieder zurückdachte.
„So ein Film ist sicher perfekt für dich“, schmunzelte er.
„Mit dir wär’s noch perfekter gewesen“, sagte sie und kuschelte sich an ihn. Er zog eine Augenbraue hoch, aber es gefiel ihm trotzdem.
Sie will kuscheln… wie immer, bis ich dann etwas in ihren Augen Falsches sage und sie dann heult… aber dieses Mal nicht. Ich sag einfach gar nichts und lass sie erzählen.
„Ich war mit Mary da. Ohne sie wär ich wahrscheinlich nicht so gut drauf“
War doch klar, dass sie nicht alleine ins Kino geht.
Marc schmunzelte immer noch. Sein Lächeln war gar nicht mehr aus dem Gesicht zu kriegen. Wie süß sie doch war! Sie träumte… vielleicht von ihm.
Als ob ich in so einen Film gehen würde! Tzz… Weihnachtslovestories, in denen dann irgendwann ein Weihnachtswunder geschieht… das gibt’s eben nur in Filmen!
„Und dann kam das Beste: es waren Premierenkarten, und wir haben Orlando Bloom gesehen!“
Orlando Bloom? Naja…
„Und wir haben Autogramme bekommen… er hat mir Glück gewünscht, zu unserem Baby. Kannst du dir das vorstellen? Er hat mit mir geredet! Obwohl ich fett bin und geschwollene Füße habe… oh Gott, er ist so sexy!“, schwärmte sie weiter.
Ähm… bitte?! Sie hat also nicht von mir geträumt? Was glaubt sie eigentlich…
„Also bitte“, schnaufte er, seine Eifersucht kaum noch unter Kontrolle haltend, „wenn der sexy ist, bin ich der Weihnachtsmann“
Sie lachte. Er war schon wieder eifersüchtig. Sie hatte doch sowieso keine Chance, wenn sie schwanger war, und sie wollte doch keinen anderen. Aber das musste er ja nicht wissen…
„Du bist der Weihnachtsmann? Wieso hab ich dann mit neun meine Glitterbarbie nicht bekommen?“
Sie will spielen!
„Weil du ein böses Mädchen warst in dem Jahr“
„War ich das?“, funkelte sie ihn belustigt an und er nickte überzeugt. „Und warum hast du dann immer Weihnachtsgeschenke bekommen?“
Ich und Weihnachtsgeschenke?! Soweit ich weiß, haben wir nach der Sache mit meinem Erzeuger nicht mehr Weihnachten gefeiert… war auch schwierig für mich zu glauben, dass es einen guten Mann namens Santa Claus gibt, der mit seinen Rentieren umherzieht und Geschenke verteilt…
„Ich werde mir doch wohl selbst Geschenke schenken, ich bin doch nicht blöd“, meinte er und versuchte, zu grinsen. Er hasste es, sich zu erinnern, wenn es ihm gerade gut ging.
„Schön, Mister Oberschlau“, sagte sie grinsend. Dann beschloss sie, dass genug gesagt war und kuschelte sich noch enger an ihn. Es war einfach ein schöner Moment, aber er sollte nicht lange dauern.

Sophiee^^ Offline

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30.12.2011 10:21
#93 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

So liebe Leute, heute ein wenig früher. Aber ich muss euch enttäuschen... den neuen Teil gibt's erst nächstes Jahr
Und ich hoffe, dass ihr die Story da auch weiterhin verfolgt!

Ich wünsch euch noch einen guten Rutsch, aber bitte rutscht nicht aus!

Viel Spaß!!
Eure Sophie



„Gretchen?“, rief jemand fragend in den Raum.
Was macht DIE denn hier??!
„Was macht sie hier?!“, fragte er Gretchen sogleich und rutschte ein wenig von ihr weg. Sie setzte sich auf und antwortete: „Ich hab doch erzählt, dass wir im Kino waren. Stört es dich etwa, wenn sie hier ist?“
Und ob mich das stört! Das durchgeknallte Weib in meiner Wohnung? Es reicht doch schon, dass ich sie bei der Arbeit den ganzen Tag sehe und sie mich nervt. Hier will ich mir das nicht geben! Ich schmeiß sie raus!
Aber wenn ich sie rausschmeiße, wird Hasenzahn sicher fragen was ich gegen sie habe. Wenn ich ausweiche, beginnt sie wieder zu zweifeln, eine gescheite Lüge fällt mir grade nicht ein und wenn ich sage, dass sie mich nervt, dann will sie wissen, warum. Und das sag ich ihr ganz sicher nicht… bis jetzt hat es ja ganz gut geklappt, auch ohne meine Vergangenheit zur Sprache zu bringen. Ich will das nicht kaputtmachen, nur damit Gretchen mich dann mit Kuhaugen ansieht und mich genauso nervt wie diese Psychotante!

„Nein, aber ich dachte, wir wären jetzt allein…“, wich er aus und stand auf, um sich in Sicherheit zu bringen. Wer weiß, was Mary tat, wenn sie ihn sehen würde. Er wollte gerade ins Bad, traf aber zu seinem Schrecken Mary, die gerade aus dem Badezimmer kam. Und, was noch schlimmer war, sie sprach ihn an.
Oh nein, bitte, bitte nicht!
„Hallo Marc“, begrüßte sie ihn und lächelte, „Wie geht’s dir?“
Sie duzt mich. WARUM ZUR HÖLLE DUZT SIE MICH??!
Gretchen kam dazu und beobachtete die beiden, aber sie sahen sie nicht.
„Hallo Dr. Thompson. Gut, und selbst?“, fragte er und versuchte, nicht auszurasten. Warum verstand diese Peron nicht, dass sie ihn ganz schön in die Scheiße reiten konnte? Wenn Gretchen wieder begann zu zweifeln…
„Besser, danke. Aber geht es dir wirklich gut?“, fragte sie noch einmal nach.
Sie hat schon wieder dieses Psychologen- Lächeln aufgesetzt. Wieso kann sie nicht Beruf wechseln?! Dann würde sie mich nur therapieren, wenn ich ihr 200 Dollar pro Stunde zahle…
Er lachte ein falsches Lachen und näherte sich ihr bedrohlich, während er ihr zu zischte: „Hören Sie verdammt nochmal auf mich zu duzen!“
Jetzt wurde Gretchen misstrauisch. Was hatte Marc ihr gerade zugeflüstert? Was lief da? Sie war neugierig, denn sie wusste nur zu gut, wie Marc sein konnte. Vielleicht hatte er genug von ihr… wieso duzten sie sich eigentlich? Ob sie miteinander… Sie beschloss, einzugreifen. Sonst würde sie nur weiterlauschen und somit noch verrücktere Gedanken bekommen. Also ging sie noch einmal leise zurück und rief nach Marc.
Gott sei Dank, ich werde erlöst!
Er warf Mary noch einen „Halt-gefälligst-die-Klappe-oder-du-bist-tot“- Blick zu und lief zu Dr. Haase zurück.
„Was ist denn?“, fragte er und bemühte sich, besorgt zu klingen. Er würde jetzt alles für sie tun. Und Gretchen hatte etwas vor: sie wollte Mary fragen, was das gerade war und dann würde sie sie nach Hause schicken. Sie wollte alleine mit Marc sein. Aber wenn sie mit ihr reden wollte, musste Marc erstmal gehen.
„Kannst du mir Eis besorgen? Ich hätte gerne Schokolade, Vanille und Erdbeere“, sagte sie und zeigte ihren überzeugendsten Schmollmund.
Es ist November und sie will Eis? Na gut, wieso nicht. ich dachte eher an Weihnachtskekse, Lebkuchen oder Ähnliches… ich bring einfach alles mit.
„Na gut“, brummte er lustlos (immerhin hatte er immer noch einen Ruf zu verteidigen), kassierte noch einen Kuss von Gretchen und verschwand wieder durch die Tür. Natürlich merkte er, dass sie ihn nur loswerden wollte; eigentlich müsste er beunruhigt sein, aber irgendwie vertraute er Dr. Thompson, dass sie sein Geheimnis nicht ausplaudern würde. Es gab zwar keinen Kodex, aber er hoffte dennoch, dass sie sich schlau anstellte und Hasenzahns Fragen irgendwie auswich. Schlimmstenfalls würde sie es nicht schaffen und Hasenzahn würde ihn heulend und voller Mitleid erwarten, wenn er wieder da war.
Irgendwie wollte er nicht, dass Gretchen es wusste. Er wollte es ihr nie erzählen. Sie hätte dann ein anderes Bild von ihm und er hatte Angst, dass sich das auf ihre Beziehung auswirken könnte. Dass sie ihn wie ein armes Waisenkind behandelte, obwohl das alles schon so lange her war. Aber er wollte keine Mutter, er wollte eine Freundin.
Draußen atmete er tief durch. Er beschloss, zum nächsten Supermarkt zu laufen. Es war ja nicht weit und die kalte Luft würde ihm sicher guttun.



„Wie versteht ihr euch eigentlich?“, fragte Gretchen gerade heraus. Mary kam mit zwei Tassen Tee zurück und sah sie fragend an.
„Wer versteht sich mit wem?“
„Na, ich meine, du und Marc…“, fragte sie weiter, während sie in ihrem viel zu heißen Tee rührte. „Heiße Liebe“, ihre Lieblingssorte.
„Hm… eigentlich ganz gut“, wich Mary ihr aus und setzte sich in den Sessel gegenüber.
Wieso weicht sie aus??
„Eigentlich?“
„Sei doch nicht so misstrauisch. Wir sind nur Kollegen… naja, nicht mal das, er ist mein Vorgesetzter“
Ja, mein Vorgesetzter war er auch. Und jetzt bin ich nach einem langen Weg seine Freundin und sitze schwanger in unserer gemeinsamen Wohnung rum.
Okay, ich sollte wirklich nicht misstrauisch sein. Sie haben nur ein ganz normales, kollegiales Verhältnis… aber wieso duzt sie ihn dann?

„Und wieso duzt du ihn?“
Darauf wusste Mary keine Antwort. Sie wusste nicht einmal selber, warum sie ihn immer duzte. Wollte sie Vertrauen aufbauen? Ihm helfen? Oder wollte sie nur sich selbst helfen, weil sie einsam und unglücklich war?
„Ähm…also… wir sind mal ins Gespräch gekommen“, versuchte sie zu erklären, ohne bei Gretchen gleich Alarmbereitschaft auszulösen, „Mit fremden Menschen kann man manchmal besser reden… und sich Geheimnisse anvertrauen…“
Geheimnisse?? Welche Geheimnisse???
Mary stoppte sofort. Jetzt hatte sie zu viel verraten. Sie wusste doch, wie empfindlich Schwangere auf solche Nachrichten reagieren. Und wenn die Schwangere dann auch noch Gretchen Haase hieß, wurde es erst recht schwierig, das Misstrauen zu beseitigen.
„Er redet mit dir? Über seine Geheimnisse?“, fragte Gretchen lauernd.
Sie reden… und Marc redet nie mit Frauen, außer es ist beruflich oder ich bin es… oder er hat früher Frauen gefragt, ob sie noch einen Kaffee wollen, nachdem sie…
Nein, das kann nicht sein. Mary und er… nein. Das kann ich nicht glauben!

„Es deutet aber alles darauf hin“, wisperte das Teufelchen ihr zu. Es war wirklich schwer, in so einen Situation optimistisch zu bleiben.
„Nein, wie kommst du denn da drauf? Ich hab das nur so gesagt, als Beispiel. Lass uns doch über etwas anderes reden“, winkte sie mit einem falschen und übertrieben fröhlichem Lachen ab. Gretchen sagte daraufhin nichts. Eine unangenehme Stille breitete sich aus.
Und wieso glaub ich ihr das nicht? Genau. Weil ich mich genauso verhalten würde, wenn ich etwas zu verbergen hätte. Ich würde lachen, es als absurd hinstellen und dann ablenken. Mary ist mir einfach zu ähnlich.
Die Stille hielt an. Irgendwann hielt Mary es nicht mehr aus.
„Ich geh jetzt besser…“, murmelte sie, stand auf, nahm ihre Tasche und verließ die Wohnung.
„Ja. Tschüss“, sagte Gretchen nur nachdenklich und rührte weiter in ihrem Tee, nachdem die Tür bereits ins Schloss gefallen war.



Marc Meier, tu so, als wäre nichts gewesen und verhalte dich wie immer. So wie ich Hasenzahn kenne, ist Dr. Thompson immer noch bei uns zu Hause. Ich muss unauffällig bleiben.
Boah, hoffentlich ist diese doofe Psychologin endlich weg…

Er sah seine Wohnung schon. Er sah, wie die Tür sich öffnete und Mary rauskam. Sie sah ganz anders aus als vorhin. Irgendwie nachdenklich, angeschlagen, nicht mehr so fröhlich,… und was ihn an meisten beunruhigte: sie sah schuldbewusst aus.
Was hat sie getan??!

Sophiee^^ Offline

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02.01.2012 11:22
#94 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Bevor sie in die nächste Straße einbiegen konnte, hatte Marc sie schon eingeholt.
„Dr. Thompson! Was ist passiert?“, fragte er sogleich und schaute ihr forschend in die Augen. Er war nicht der Typ für dummen Small Talk.
„Sie hat Fragen gestellt…“, sagte sie nur und senkte den Blick.
„Und?“
„Ich hab etwas gesagt, was sie… eventuell… misstrauisch gemacht hat“, gab Mary schließlich zerknirscht zu.
„Was haben Sie gesagt?“, fragte er mit drohendem Unterton nach.
„Nur, dass man fremde Personen oft besser Geheimnisse anvertrauen kann“
Scheiße…
„Haben Sie sie nicht mehr alle? Sie müssten doch wissen, wie schnell Hasenzahn sich was einbildet! Und dann spielt sie Detektiv“, wurde Marc lauter. Mary schaute zur Wohnung zurück und hielt den Zeigefinger vor den Mund: „Psst, nicht so laut! Sonst kann sie uns hören“
„Macht das einen Unterschied? Sie haben mit einem einzigen Schlag ihr ganzes Vertrauen mir gegenüber zerstört!“
„Jetzt übertreib mal nicht!“, versuchte Mary ihn zu beruhigen.
„Wie oft noch, verdammt nochmal! Sie sollen aufhören mich zu duzen!“, rief er nun noch lauter, wurde aber sofort wieder leiser, „Und ich übertreibe gar nicht!“
„Egal! Gehen Sie jetzt rein, sie wartet sicher schon auf Sie!“, sagte sie, drehte sich um und eilte zur nächsten U- Bahn Station.
„Dumme Schlampe“, murmelte er noch wütend, bevor er noch einmal tief durchatmete und dann seine Wohnung betrat. Gretchen klappte ertappt ihren Laptop zu. Marc versuchte, sie ganz normal anzulächeln und reichte ihr die Tüte. Sie nahm sofort das Eis raus, holte sich einen Löffel und begann zu essen. Marc setzte sich aufs Sofa.
Scheiße. Die dumme Kuh hat alles kaputt gemacht. Hasenzahn wird zuerst mich ausquetschen, dann sie und dann reimt sie sich etwas total Unwahrscheinliches zusammen. Und der einzige, der drunter leidet, bin ich, weil sie mich dann provoziert, bis ich irgendwas Dummes sage, was ich gar nicht so meine, und sie wieder mal heulend zu Mary rennt, obwohl die an allem schuld ist. Aus Mitleid beschließt die dann, ihr die Wahrheit zu sagen, dann werde ich behandelt wie ein zerbrechliches kleines… Ding und sie fragt sich, was sie falsch gemacht hat, weil ich ihr nichts gesagt habe. Verdammt! Wieso werde ich so bestraft, jetzt, wo eigentlich alles ganz gut läuft?

http://www.youtube.com/watch?v=6OsCaVKN_DY (Leona Lewis- Happy)

Nachdem sie genug Eis für ein paar Stunden gegessen hatte, kehrte sie ins Wohnzimmer zurück, wo Marc versuchte, sich mit fernsehen abzulenken. Sie setzte sich neben ihn und kuschelte sich an seinen Arm. Überrascht schaute er auf sie herab.
„Ich bin froh, dass es dich gibt“, sagte sie leise, während ihre eine kleine Träne über die Wange rann. Kurz darauf war sie schon eingeschlafen. Neben ihr saß Marc, erstaunt und sehr nachdenklich.

Am nächsten Morgen wachte Gretchen auf. In den Armen von Marc. Sie lagen beide auf dem Sofa. Sie lächelte glücklich. Aber als sie nochmal an den letzten Tag zurückdachte, ebbte das Lächeln ein bisschen ab. Sie war sehr unsicher gewesen, wegen dem, was Mary gesagt hatte. Und natürlich hatte sie gleich an die schlimmste Möglichkeit gedacht. Das Unwissen hatte sie sehr unruhig gemacht. Und sie wollte mit jemandem darüber reden. Nur mit wem?
Bevor sie weiter in Gedanken versinken konnte, bewegte sich auch Marc. Er streckte sich mit geschlossenen Augen und schmatzte kurz zufrieden. Danach öffnete er die Augen und lächelte, als er sie sah.
„Morgen“, flüsterte sie glücklich lächelnd.
„Morgen“, erwiderte er, lehnte sich ein wenig näher zu ihr rüber und küsste sie, lang und intensiv. Sie sahen sich in die Augen. Die blauen, strahlenden Augen trafen auf die grünen, tiefen Augen. Dieser Moment hatte etwas Magisches an sich. Das merkte auch das Baby, denn es fing wie verrückt an zu strampeln und beendete somit den Moment, da Gretchen aufschnaufte und sich den Bauch hielt. Marc fragte sofort alarmiert: „Was ist los? Ist etwas mit dem Baby?“
Glücklich über seine Fürsorge lächelte sie und erklärte: „Nein, es strampelt nur“
Dann nahm sie Marcs Hand und legte sie auf ihren dicken Babybauch. Daraufhin grinste er.
„Ich wusste es!“, rief er.
„Was denn?“, fragte Gretchen ahnungslos.
„Es wird ein Junge“
„Woher willst du das wissen?“
„Ein Mädchen kann nie und nimmer so fest strampeln“
„Ach ja?“, fragte sie belustigt.
„Ja!“, sagte er vollkommen überzeugt.
„Willst du wetten?“
„Klar. Ich bin mir wirklich sicher“
„Okay, ich wette, dass es ein Mädchen wird, und der, der gewinnt, hat einen Wunsch frei“, sagte sie und hielt Marc ihre Hand hin. Er grinste noch breiter: „Einen Wunsch?“
„Alles was du willst!“
„Abgemacht!“, schlug er ein. Dann fuhr er fort: „Wenn der Junge wüsste, dass du um sein Geschlecht wettest, wäre er sicher enttäuscht von dir“
„Sie wird es verstehen“, neckte sie ihn. Dann sah sie auf die Uhr. „Oh“
„Was?“
„Musst du nicht ins Krankenhaus?“, grinste sie. Er sah ebenfalls auf die Uhr und sprang gehetzt auf. Er zog sich um, suchte seinen Autoschlüssel und wollte schon verschwinden, als Gretchen ihn aufhielt.
„Hast du nicht was vergessen?“
Grinsend kam er zurück, küsste sie hingebungsvoll und flüsterte ihrem Bauch zu: „Mach der Mama keine Probleme, sonst lässt sie alles an mir aus!“
Er kassierte einen Schlag auf den Hinterkopf, aber er streckte ihr nur jungenhaft die Zunge raus und verschwand durch die Haustür, um glücklich grinsend in sein Auto zu steigen und ins Krankenhaus zu fahren.
Gretchen schüttelte nur lächelnd den Kopf über diesen Spinner.
„Bitte sei ein Mädchen. Aber auch wenn du keines bist… ich hab dich trotzdem ganz doll lieb“, flüsterte sie ihrem Bauch zu. Dann beschloss sie, einen Film zu schauen und machte es sich auf dem Sofa gemütlich.



Nachdem Marc alle Operationen erledigt hatte, saß er in seinem Büro und schrieb die Berichte. Das war das, was er am meisten hasste am Arztberuf: jeder kleine Schritt musste dokumentiert werden. Seufzend rieb er sich über die Augen. Eigentlich war er gut gelaunt. Er war ganz schön überrascht über Gretchens Verhalten. Sie hatte ihn nicht „unauffällig“ ausgefragt, sie war nicht nachdenklich oder misstrauisch gewesen, sie hatte ihm nur gesagt, dass sie froh darüber war, dass es ihn gab. Und es war ihm mehr als recht, dass sie so reagiert hatte. Man musste doch nicht immer alles totquatschen.
Er schüttelte kurz den Kopf und konzentrierte sich wieder auf die Arbeit. Später, als er fast alles fertig hatte, wollte er sich einen Kaffee holen, aber ein Klopfen hielt ihn davon ab. Er bat den Besucher herein.
„Guten Tag, Doktor Meier“, begrüßte ihn Mary, „kann ich reinkommen?“
Was will die schon wieder?
„Sie sind ja schon drinnen“, seufzte er. Sie schloss schnell die Tür und setzte sich.
„Was wollen Sie diesmal?“, fragte er, bevor sie herumstammeln konnte.
Wenn sie wieder reden will, dann schmeiß ich sie sowieso hochkant raus. Das müsste sie so langsam mal wissen…
„Ich wollte nur fragen, ob ihr streitet“, sagte sie und knetete ihre Hände.
„Nein“, antwortete Marc trocken.
…aber fast. Und das alles nur, weil Frauen ihre Klappe nicht halten können.

Sophiee^^ Offline

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08.01.2012 19:25
#95 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Tut mir echt leid, manchmal kann ich echt unzuverlässig sein...
Ich hoffe, ich krieg doch den einen oder anderen Kommi?!



„Nein?“, wiederholte Mary erstaunt, „Aber… ich dachte…“
„Dachte ich auch“, unterbrach er sie, „aber sie hat nichts gesagt“
„Und was tust…tun Sie jetzt?“, fragte sie.
Was soll ich denn schon tun??!
„Gar nichts. Ist doch alles geklärt“
„Aber… Sie können doch nicht einfach nichts tun! Auch wenn es jetzt so scheint, als ob alles in Ordnung sei, Gretchen wird ihr Misstrauen sicher nicht für immer verdrängen können…“
„Ja, das Misstrauen, dass Sie mit ihrem Gerede gesät haben! Und wenn ich auf einmal doch reden will, wird sie doch erst recht misstrauisch. Also überlassen Sie das mal lieber mir“
„Aber…“, begann Mary, aber Marc warf ein: „Mein Gott, ich komm klar, okay? Es ist scheiße, was mit meinem Vater war, und ich hab auch früher ziemlich viel Mist gebaut. Aber ich weiß ganz gut, was ich tu, ich brauch keinen Babysitter. Bitte mischen Sie sich nicht weiter ein“
„Wie stellen Sie sich das vor? Wenn Sie Gretchen verletzen, dann… sie ist meine beste Freundin und…“, sagte sie empört, wurde aber wieder unterbrochen: „Dann reden Sie doch mit ihr und nicht… nein. Vergessen Sie es einfach. Ich werde Hasenzahn nicht noch einmal verletzen.“
„Ja, das sagen doch alle Männer“, schnaubte sie und stemmte die Hände in die Hüften.
„Apropos Männer“, erinnerte sich Marc an seine Aufgabe, „ich soll Ihnen von Dr. Reiner mitteilen, dass er zurück nach New York zieht. Er hat gestern seinen letzten Dienst beendet“
„Er… geht?“, flüsterte sie. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. „Sie entschuldigen mich?“, fragte sie und verließ das Büro schnell, ohne auf seine Antwort zu warten.
Jepp… so kann’s gehen. Und er sagt, ich bin ein Arschloch? Hat sich wohl nie selbst im Spiegel angesehen.
Dr. Meiers Mitleid hielt sich natürlich in Grenzen, und er beendete seinen Papierkram schneller als gewohnt. Er fragte die Schwester noch, ob noch etwas anstehen würde. Sie sagte, dass seine Freundin in der Cafeteria warten würde. Überrascht, aber auch erfreut machte er sich auf den Weg in die Cafeteria, wo er Gretchen tatsächlich sitzen sah. Aber sie war nicht alleine. Ihr Frauenarzt saß neben ihr und sie lachten gerade über etwas.
Also, manchmal fühl ich mich wie in einer Parallelwelt. Gretchen ist befreundet mit dem Frauenarzt, der irgendwie immer einen unglücklichen Ausdruck in den Augen hat, und den nur sie aufheitern kann. Wie Mehdi! Und dann ist noch ihre beste Freundin, die mich nervt… obwohl, sie ist nicht so schlimm wie die Brillenschlange. Und mit der ist Hasenzahn eh nicht mehr befreundet. Dann noch eine Schwester, die auf mich steht und gleichzeitig total hirnverbrannt ist. Eine Mischung aus Gabi und Sabine- brr, das ist gruselig. Zumindest ist hier kein Chefarzt, der mich rausschmeißt, wenn ich sie scheiße behandle.
Er ging zu ihrem Tisch und setzte sich dreist dazu.
„Hey Schatz!“, sagte Gretchen erfreut und drückte ihm einen Schmatzer auf den Mund. Er grinste.
Sie muss auch immer ihr Revier markieren.
„Hey, was machst’n du hier?“
„Ich wollte dich besuchen kommen, und dann hab ich Dr. Star getroffen und da dachte ich mir: warum geh ich nicht mit ihm `nen Kaffee trinken?, ja, und jetzt bin ich hier. Nur darf ich keinen Kaffee trinken, deswegen auch die heiße Schokolade“, plapperte sie drauflos.
Sie ist eine viertel Stunde mit der Bahn hierher gefahren? Süß.
„Und? Wann bist du hier fertig?“, fragte sie, nachdem sie ihm alles mitgeteilt hatte, was besprochen wurde.
„Hmm…“, er schaute auf die Uhr, „…eigentlich kann ich gehen. Ist eh nichts los hier“
„Schön“, freute sie sich und hatte dabei ihr unvergleichliches Lächeln auf den Lippen.
„Aber wir müssen noch mal kurz bei der Notaufnahme vorbei“
Immerhin krieg ich von dem Sanitäter, der wie Gordon aussieht, noch Geld… ich wusste, dass Dr. Reiner innerhalb eines halben Jahres das Handtuch wirft! Ja, so eine Wette nebenbei ist eine gute Einnahmequelle…
„Och Manno…“, klagte sie, „…wenn ich Blut sehe, wird mir schlecht!“
„Du wirst schon keines sehen“, lächelte Marc und reichte ihr die Hand, als sie sich von Dr. Star mit einem „bis morgen!“ verabschiedete. Hand in Hand liefen sie durchs Krankenhaus, wurden von vielen angestarrt, aber das war ihnen egal. Sie boten eben ein komisches Bild, na und? Sollten die sich doch um sich selbst kümmern.
Marc holte sich seinen Wetteinsatz, während Gretchen wartete. Sie hatte ein mulmiges Gefühl. Sie hoffte, dass niemand eingeliefert wurde. Früher hatte es ihr nie etwas ausgemacht, Blut zu sehen… eigentlich fand sie es schon als Teenager interessant. Aber jetzt, wo sie schwanger war, wurde ihr eben schnell schlecht. Deshalb konnte sie mit Marc auch keine Actionfilme schauen, obwohl alles nur Kunstblut war.
Gerade als er kam, wurde jedoch eine Patientenliege hineingeschoben. Eine junge Frau, das Gesicht blutüberströmt. Gretchen wollte nicht hinsehen, aber wegsehen konnte sie auch nicht.
„Dr. Meier, wir bräuchten Sie noch kurz“, rief ein Sanitäter. Er wurde von Gretchen zurückgehalten.
„Marc, ich fühl mich nicht gut“, sagte sie und hielt sich die Hand vor den Mund.
„Geh schnell zur Toilette, ich komm gleich“, speiste er sie schnell ab und lief zur Patientin. Er ließ sich die Fakten sagen, ordnete Röntgen und CT an, meinte aber, dass sie nur auf die Neurologie müsste. Dann lief er auf die nächste Damentoilette und rief: „Gretchen, geht’s dir gut?“
Nachdem sie sich übergeben hatte, fühlte sie sich tatsächlich ein wenig besser, sie wusch sich nur noch kurz und verließ dann die Toilette.
„Naja, eigentlich müsste ich bereits daran gewöhnt sein“, sagte sie, lächelte ihn aber dann doch an. „Wollen wir nach Hause fahren?“
Er nickte und nahm wieder ihre Hand. Sie gingen zu seinem Auto und fuhren zu sich nach Hause, um einen gemütlichen Abend zu zweit zu verbringen.



Nach einer kurzen Autofahrt kamen beide zu Hause an. Marc war müde und hungrig, Gretchen war sowieso immer hungrig. Da die beiden keine Lust hatten zu kochen, bestellten sie sich Pizza. Danach legte Marc sich aufs Sofa, während Gretchen sich im Bad frischmachte und dabei nachdachte.
Gott sei Dank gibt es Mehdi!

Am vorigen Tag

http://www.youtube.com/watch?v=FWia2Ot03HM (Luttenberger*Klug- Sag doch einfach)

Es kann nicht sein… nein, er und Mary, eine Affäre? Das ist einfach zu absurd… sie liebt doch Dr. Reiner, und die Zeit, in der man in zwei Männer verknallt sein kann, ist definitiv vorbei! Und Marc hat sich doch auch verändert… wir sind in einer Beziehung, wir erwarten ein Kind… ja, ich bin fett, und wir hatten lange keinen Sex mehr… aber heißt das, dass er ihn sich irgendwo anders holt? Und dann ausgerechnet bei Mary? Das würden sie mir doch nicht antun!
Oder doch?
Was weiß ich denn schon? Ich weiß nicht, wie sie miteinander umgehen, ich war so lange nicht mehr im Krankenhaus. Vielleicht verbergen sie es einfach? Ich kenne Marc doch. Er kann lügen, ohne mit der Wimper zu zucken, wenn es darauf ankommt. Und Mary kenne ich auch noch nicht so lange… vielleicht ist sie gleich wie Gigi?
Das ist so eine schlimme Vorstellung, ich will nicht mehr darüber nachdenken… oder doch. Ich will darüber reden. Aber mit wem?
Mit meinen Eltern sicher nicht; meine Mutter ist dann am Boden zerstört, weil ich wieder keine Beziehung hingekriegt habe und mein Vater reißt Marc die Rübe ab. Sabine? Auch nicht besser. Hassi? Nein, wir sind doch erst seit heute befreundet. Gabi? – Wie komm ich bitteschön auf sie? Nein, da wäre Sabine noch besser… hmm…
Klar! Ich kann mit Mehdi reden!

Gretchen holte aufgewühlt ihr Handy und wählte seine Nummer. Es ging nur die Mailbox ran. Dann wählte sie seine Nummer im Krankenhaus, aber da nahm nur die biestige Gabi ab und meinte, dass Dr. Kaan gerade nicht da wäre. Verzweifelt versuchte sie noch weitere Nummern. Dabei dachte sie immer noch an Marc. Wieso konnte er ihr nicht einfach sagen, dass er sie liebte? Dann würde sie vielleicht nicht mehr zweifeln… was war denn an diesen kleinen Worten so schwierig?
Komm schon! Marc kommt gleich nach Hause!
Als sie ihn nicht erreichte, beschloss sie, auf Facebook zu schauen. Vielleicht war er ja online…und tatsächlich! Er war online.

Sophiee^^ Offline

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11.01.2012 17:19
#96 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

So, es geht hier dann auch weiter, diesmal pünktlich

Und hier ist die große Auflösung, warum Gretchen sich überhaupt nicht wie Gretchen verhalten hat!



GH: Mehdi! Gott sei Dank, ich muss mit dir reden!!!!!
MK: Ganz ruhig, denk an deinen Knirps. Hallo erstmal. Was ist denn los?
GH: Ich weiß einfach nicht, was ich denken soll. Marc hat vielleicht eine Affäre.
MK: Er hat WAS??! Ich komme sofort zu euch!
GH: Nein Mehdi, warte!
MK: Okay… jetzt nochmal ganz langsam! Bist du sicher?
GH: Ich weiß nicht… er hat sich komisch verhalten, als Mary, meine beste Freundin und seine Assistenzärztin, da war. So, als hätte er was zu verbergen. Und einmal haben sie geflüstert. Und sie hat ihn geduzt. Das macht man doch nicht mit seinem Vorgesetzten??!
MK: Das hast du schließlich auch gemacht ;)
GH: Das ist nicht witzig!!!
MK: Wow, ist ja gut! Gibt es sonst noch Hinweise?
GH: Ja, Mary ist immer ausgewichen, als ich sie nach ihrem Verhältnis zueinander gefragt habe. Immer so einseitige Antworten, verstehst du? Und sie hat von einem Geheimnis geredet, über das man mit Fremden oft besser sprechen kann und so…
MK: Geheimnis? Meinst du, sie meinte damit ihre „Affäre“?
GH: Wieso setzt du das unter Anführungszeichen? Findest du das so absurd, oder was??
MK: Zum letzten Mal: beruhige dich bitte.
GH: Ich BIN ruhig!
MK: Okay… also, meine Meinung: das ist totaler Quatsch.
GH: Wie??
MK: Ich glaube, dass du dir etwas einbildest.
GH: Aber…
MK: Lass mich ausreden… ähm… -schreiben. Ich kenne Marc jetzt schon ziemlich lange, und ja, er hat sich die meisten Jahre aufgeführt wie ein Arschloch. Er hat dumme Witze gerissen, Sabine total fertiggemacht und hatte eine Frau nach der anderen. Öfters auch Affären. Seine einzige Freundin war im Studium, Nina, und sie hat auch kurzzeitig bei uns in der Bude gewohnt. Daraus wurde aber auch nichts. Nichtsdestotrotz war er immer ein guter Freund und hat mir geholfen, besonders als Anna ins Koma fiel und ich alleine mit Lilly und meinen Depressionen war…
GH: Mehdi, tut mir leid, dass ich dich unterbreche, aber Marc kommt sicher gleich nach Hause!
MK: Okay, okay. Aber Marc ist anders, seit du ans Krankenhaus gekommen bist. Er ist charmanter, klar, ohne seine dummen Sprüche geht nichts, aber er hat sich wirklich gebessert. Er hat eine Frau noch nie so gut behandelt wie dich, und ich glaube, er liebt dich wirklich. Und er würde jetzt sicher nicht alles auf’s Spiel setzen wegen einer dummen Affäre.
GH: Aber er sagt es nie! Wie kannst du dir dann so sicher sein? Er kann gut lügen…
MK: Ja, aber bei seinen Gefühlen kann er nicht lügen, weil man sie sieht. Dir muss doch aufgefallen sein, wie eifersüchtig er immer war?
GH: Ja, aber…
MK: Gretchen, jetzt vertrau ihm doch einfach mal, verdammt! Du machst immer da Probleme, wo keine sind!
GH: Was? Aber Mehdi…
MK: Nein, kein Aber! Es ist so. Ich sage, dass er dich liebt, und ich habe eine sehr gute Menschenkenntnis.
GH: Meinst du wirklich?
MK: Vertrau ihm! Und vertrau mir! Er liebt dich… auch wenn ich das nicht gerne sage. Es ist trotzdem die Wahrheit.
GH: Danke Mehdi…
MK: Ich muss jetzt, ciao Gretchen!
Mehdi Kaan ist offline.
„Danke… du bist ein guter Freund. Ich werde mich revanchieren“, flüsterte sie.
Er hat recht. Marc hat sich wirklich Mühe gegeben. Ich sollte ihm auch mal etwas dafür geben.
Am besten Vertrauen.

Gretchen hörte, wie die Wohnungstür aufgeschlossen wurde. Hektisch klappte sie den Laptop zu. Sie lächelte. Durch Mehdis Worte wurde sie bestärkt.
Und was das Beste war… Marc hatte das Eis mitgebracht!


Gretchen lächelte. Marc sollte sich wohl bei Mehdi bedanken, aber Gott sei Dank wusste er nichts von ihrem kurzzeitigen Misstrauen. Sie verließ das Bad und sah ihn, wie er selig auf dem Sofa schlummerte. Er sah dabei einfach zum Anbeißen süß aus. Gretchen setzte sich auf die Couchlehne, neben seinen Kopf, und strich sanft durch seine Haare.
Wie kann man nur so glücklich sein? Besonders einfach war es nicht,… aber jetzt wird alles besser. Ja Margarethe, du hörst jetzt ganz einfach auf zu zweifeln! Es ist irgendwie alles so leichter… wenn ich ihm einfach vertraue. Und deshalb versuch ich das mal.
Es klingelte. Marc wachte auf, verschlafen rieb er sich über die Augen, dann erblickte er sie. Er grinste verschmitzt.
„Soll ich zur Tür gehen?“, fragte er.
„Das werde ich wohl gerade noch schaffen“, schnaubte sie und stand umständlich auf. Ja, der Bauch war manchmal wirklich störend. Marc drückte ihr immer noch grinsend ein paar Dollarscheine in die Hand und legte sich wieder auf die faule Haut.
Gretchen öffnete die Tür, wo ein junger, pickliger Teenager stand und das Geld nahm, dabei aber den Blick nicht von ihren Brüsten abwandte. Sie lächelte. So einen würde sie auch bald haben. Erschrocken hielt sie inne. Hatte sie sich gerade gewünscht, einen Jungen zu bekommen? Aber sie wollte doch immer ein Mädchen…
Obwohl… so ein kleiner Charmebolzen wär auch süß.
Sie unterbrach ihre Gedanken und wollte ihm die Pizzen abnehmen, aber er ließ sie einfach nicht los. Zu gebannt war er von diesem Anblick.
Also, das nervt jetzt aber wirklich! Ich hab Hunger!
„Ja, die heißen Brüste“, belehrte sie ihn und riss ihm in einem Moment der Unachtsamkeit die Pizzen aus der Hand. „Den Rest kannst du behalten“
Dann schloss sie die Tür. Auf dem Sofa saß ein grinsender Marc.
„Was war das denn?“
„Ach, nur so ein Teenager, der in Bio nicht aufgepasst hat“, winkte sie ab. Er wollte sich allerdings nicht von der Stelle bewegen. Also ging sie einfach schon einmal vor in die Küche.
„Wohin gehst du?“, rief er ihr sogleich fragend hinterher.
Wonach sieht’s denn aus?
„In die Küche“
„Aber wir können doch auch im Wohnzimmer essen“
„Nein, wir werden in der Küche essen, wie jedes normale Pärchen es tut!“
„Meinetwegen“, murrte er, „aber du weißt schon, dass wir kein normales Pärchen sind?“
„Ach nein?“
„Nein“, sagte er, während er auf sie zuging und ihr einen Kuss aufdrückte. Dann sah er ihr tief in die Augen. „Wir sind ein besonderes Pärchen!“
Das war es! Er kann gar keine Affäre haben! Er liebt mich!
Sie lächelte gerührt und belohnte ihn mit einem längeren Kuss.
„Das hast du jetzt süß gesagt, Schnuckiputzi“, meinte sie.
„Ähm…“, wollte er widersprechen, aber sie hielt ihm den Finger an den Mund und sagte: „Wir essen jetzt. Basta.“
Nach den vier Monaten sollte er sich langsam daran gewöhnen, süß genannt zu werden! Und immerhin ist es ja wahr… er ist süß, wie Erdbeereis mit Sahne.

Sophiee^^ Offline

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14.01.2012 10:59
#97 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Und, habt ihr Freitag den 13. alle lebend überstanden?


„Du Marc?“, wagte Gretchen sich vor, als sie fast mit dem Essen fertig waren.
„Hmm?“, brummte Marc nur, den Blick immer noch auf seine Pizza gerichtet.
Klar, die Pizza ist ja auch viel wichtiger als mein Anliegen…
Sie verdrehte die Augen, was er zum Glück nicht sah.
„Ich wollte mit dir über etwas sprechen“, ging sie noch einen Schritt weiter.
„Ich hör schon zu“, sagte er, konzentrierte sich aber immer noch auf sein Essen.
So, dann platz ich einfach raus. Es wird ihm sowieso die Sprache verschlagen…
„Ich will, dass Mehdi unser Kind holt“, sagte sie ohne Umschweife. Marc verschluckte sich vor Überraschung an seinem ach so interessantem und leckerem Essen. Er hustete und röchelte, bis ihm die Tränen in den Augen standen.
Oh mein Gott, bitte erstick nicht!!
Gretchen stand so schnell sie konnte auf, ging zu ihm hinüber und klopfte ihm auf den Rücken, bis der Husten abebbte.
„Geht’s wieder?“, fragte sie besorgt.
„Sag mal, hast du sie noch alle?“, krächzte er, während er sich die Tränen aus den Augen wischte.
„Wieso?“
„Wieso soll Mehdi unser Kind holen? Ich dachte, du bist so dicke mit Dr. Star?“
„Ja, aber Mehdi ist mein bester Freund… und deiner auch!“, wollte sie ihn überzeugen.
„War er vielleicht mal, bis er dich gebumst hat!“
Reitet er immer noch darauf herum?
„Zum letzten Mal, ich war betrunken“
„Das gibt ihm nicht das Recht, das auszunutzen“
Ist irgendwie schon süß, wie sehr er immer noch auf Mehdi eifersüchtig ist!
„Marc, ich hab mich aber so entschieden!“
„Aber wieso denn? Bis jetzt hast du davon noch kein Wort erwähnt“
Ja, aber er hat mir wirklich geholfen, und somit hat er auch dir geholfen, Marc! Und deshalb will ich, dass er es holt…
„Es ist einfach so. Ich möchte ihn mal wieder sehen“
„Das einzige, was du von ihm sehen wirst, wird sein Lockenschopf sein, wenn er in deinem Schoß vergraben ist und den kleinen Scheißer rausholt“, sagte er spitz.
„Sehr witzig!“, meinte sie augenverdrehend.
„Und was ist, wenn ich das nicht will?“, fragte er bockig.
„Was hat er dir denn getan?“
„Hab ich schon gesagt“
„Marc, das ist Vergangenheit! Es gibt nur noch uns beide“, versicherte sie ihm.
„Aber er steht immer noch auf dich. Du brauchst es nicht abzustreiten, du weißt es doch auch“
„Das ist doch total lächerlich!“
„Du siehst ja auch nicht die Zeichen“
„Zeichen?“, fragte sie verblüfft nach.
„Ja, Zeichen“
Es herrschte eine kurze Stille.
„Denk bitte mal drüber nach“, beendete sie das Thema, nahm ihre Teller und räumte sie in die Spülmaschine. Marc verschwand im Schlafzimmer. Er setzte sich an den Schreibtisch und versuchte, sich mit Arbeit abzulenken. Er klappte sein Notebook auf, aber die Konzentration war einfach verflogen.



Ich verstehe nicht, warum Gretchen so sehr will, dass Mehdi unser Kind holt. Bis jetzt bin ich immer davon ausgegangen, dass Dr. Star die Geburt begleiten wird, aber sie hat mal wieder andere Pläne. Warum dieser plötzliche Sinneswandel?
Und warum hab ich selbst etwas dagegen, dass Kaan nach Washington kommt? Ist es, weil er Gretchen geliebt hat, oder sie immer noch liebt? Oder weil ich immer noch sauer bin, weil er sie gebumst hat, obwohl er wusste, wie ich fühle? Eigentlich sollte ich ihr diesen Gefallen tun… schließlich will ich einen Schritt auf sie zugehen, und Mehdi hat mir bei der Suche nach Frank geholfen. Es ist zwar nichts dabei rausgekommen, aber er hätte mir ja auch nicht helfen müssen.
Nachgedacht habe jetzt. Aber ich werde ihr jetzt nicht gleich ihren Willen geben… so viel Stolz besitze ich noch!
Wie fühle ich eigentlich für Gretchen? Liebe ich sie? Bedingungslos? Gehört es zur Liebe, dass man von „der Einen“ manchmal so sehr genervt ist, dass man nur noch raus will und am besten alles vergessen und die Zeit zurückdrehen will? Will ich die Zeit zurückdrehen?

Lange dachte er darüber nach. Er hörte das Geschirr in der Küche klappern und Gretchen leise und schief singen, trotzdem war es das Schönste, das er je gehört hatte.
Nein. Ich will sie nicht zurückdrehen. Eigentlich bin ich ziemlich glücklich. Es gibt Ausnahmen, aber jeder hat schließlich seine eigenen kleinen Probleme. Und ich fühle mich wohl in ihrer Nähe. Ihr Lächeln bereitet mir Herzklopfen und weiche Knie, etwas, das ich, als Dr. Marc „unnahbar“ Meier, nie zuvor gefühlt habe. Und wenn wir uns küssen… und das ist gar nicht vergleichbar mit dem Sex!
Aber ist das schon alles? Die Liebe habe ich mir irgendwie… spektakulärer vorgestellt. Vielleicht so mit Gedankenlesen oder so…
Vielleicht sollte ich es ihr sagen. Ich liebe dich. Kann doch nicht so schwer sein.

„Gretchen?“, rief er und stand auf. Er war fest entschlossen. Sie hatte es verdient. Und er war sich sicher.
„Ja?“, kam es zurück, und sie steckte ihren Kopf durch die Tür. „Was gibt’s denn?“
Plötzlich war er sich noch sicherer. Ihr hübsches Gesicht war ausschlaggebend.
„Ich wollte dir nur sagen, dass…“
Ihm versagte die Stimme. Sein Herz klopfte laut, seine Hände wurden plötzlich schweißnass, seine Knie waren Pudding, und sein Magen drehte sich um. Ein scheußliches Gefühl, aber auf seine eigenen Art auch schön. So nervös war er zuletzt, als Gretchen und Gabi bei der Polizei über seine Zukunft bestimmten und er nichts dagegen ausrichten konnte. Nur konnte er diese Nervosität genau jetzt nicht gebrauchen.
Wieso genau jetzt? Bin ich mir doch nicht mehr sicher?
„Ja?“, fragte sie erwartungsvoll und lächelte ihn dabei wieder so schön an, dass es ihn für einen Moment die Sprache verschlug.
„Also…ähm… Mehdi kann kommen. Ich hab nichts dagegen“, sagte er schnell. Er brachte es einfach nicht über die Lippen. Warum, das wusste niemand.
Meier, du bist so ein elendiger Feigling.
Sie jauchzte glücklich auf und schmiss sich ihm in die Arme.
„Danke, das bedeutet mir echt viel!“, murmelte sie an seinem Hals. Er lächelte. Irgendwann würde er es ihr sagen, das versprach er sich selbst.

Sophiee^^ Offline

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17.01.2012 13:56
#98 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

„Marci?“, flüsterte Gretchen im dunklen Schlafzimmer, „Schläfst du schon?“
Oh nein, was will sie denn jetzt? Ich wär fast eingeschlafen! Manno…
Er brummte unzufrieden. Er war ziemlich müde, und entsprechend genervt antwortete er: „Ja, ich schlafe schon!“
Sie kicherte.
Was gibt’s denn da zu lachen?
Er schlug die Augen auf und rieb sie sich, um die Müdigkeit mindestens einigermaßen zu vertreiben.
„Sag schon was du willst“, seufzte er leidig auf.
Ich freu mich schon richtig! Was soll ich dieses Mal machen? Soll ich ihr mitten in der Nacht von der Tanke Schokolade holen, weil sie ohne nicht überlebt, wie letzte Woche? Oder soll ich ihr das Telefon holen, damit sie ihre Mutter anrufen kann? Dumme Zeitverschiebung… vielleicht muss ich ihr aber auch ein Bad einlassen, weil sie das alleine nicht schafft. Irgendwann muss ich sie noch füttern, oder was?
„Ich hab Durst“, flüsterte sie immer noch. Widerwillig verließ er sein warmes Bett, nicht ohne noch einmal genervt aufzustöhnen. Er würde wieder ewig brauchen, um einzuschlafen. Sie musste ja nur die Augen zumachen, dann schlief sie wieder. Gemeinheit.
Er holte ihr ein Glas Wasser aus der Küche und trank auch selbst eines. Aber als er ins Schlafzimmer zurückkehrte, schlummerte sie wieder tief und fest.
Sie macht mich wahnsinnig!!
So leise wie möglich, um sie nicht noch einmal aufzuwecken und somit ihren Extrawünschen ausgeliefert zu sein, stellte er das Glas auf ihren Nachttisch und legte sich selbst wieder ins Bett. Trotzdem musste er auch über sie lächeln. So eine Frau gab es nicht zwei Mal auf der Welt. Mit dem Gedanken schlief er auch bald wieder ein und träumte weiter.

http://www.youtube.com/watch?v=Ko_kXWp2qOQ (Lady Gaga- Bad Romance)

„Frau Doktor Haase!“, rief Schwester Sabine. Sie suchte sie schon im gesamten Krankenhaus, wurde aber nie fündig. Der letzte Ort, wo sie suchte, war Dr. Meiers Büro. Sie hatte ihn sich für ganz zum Schluss aufgehoben, sie wusste doch, wie ruppig der Herr Doktor Meier werden konnte, wenn er für nichts und wieder nichts gestört wurde.
In dem besagten Büro wurde er aber tatsächlich gestört, nämlich von der Anwesenheit von Frau Doktor Haase. Sie lenkte ihn ab. Sie sollten zusammen die Operationen durchgehen, damit Dr. Haase gut vorbereitet war. Marc hatte nämlich beschlossen, dass sie auch einmal mehr Verantwortung bei den OPs übernehmen könnte. Für ihren Facharzt musste er sie immerhin fördern, damit sie die Prüfung auch schaffen würde.
Ich bin froh, dass Marc und ich endlich einigermaßen normal miteinander umgehen können. Bald ist er eh weg, in Washington… ich krieg das Fellowship ja sowieso nicht.
„Zum Schluss kommt noch die Lebertransplantation“, sagte sie mit Blick auf die Patientenakte. Oh, sie sah so sexy aus, wenn sie einmal professionell war und nicht immer heulte. Plötzlich sah sie auf, direkt in seine grünen Augen.
Wo ist er denn gerade mit seinen Gedanken? Hallo? Jemand zu Hause?
„Hallo, Marc, die Lebertransplantation!“, rief sie etwas lauter als nötig, um ihn aus seiner Starre zu holen.
„Ja, klar“, räusperte er sich und sie gingen die einzelnen Schritte schnell durch. Er war aber immer noch nicht recht bei der Sache. Er verfluchte sich dafür. Wieso war sie plötzlich so… anders? Früher hatte sie es nie so lange mit ihm gemeinsam ausgehalten, ohne ihm über ihr Verhältnis zueinander auszufragen. Irgendwie gefiel ihm das. Ja, er müsste sauer sein, weil sie sich auch für das Fellowship beworben hatte, aber komischerweise war er das nicht. Bekommen würde sie es sowieso nicht, und es war irgendwie süß, dass sie sich solche Hoffnungen machte.
Gerade, als sie fertiggeworden waren und sie gehen wollte, fragte er: „Sag mal, wie hast du Lebertransplantation eigentlich zu uns geholt? Der Patient war doch in der Charité, soweit ich weiß“
Dann weißt du genug. Hihi, vielleicht kann ich ihn ein bisschen eifersüchtig machen!
„Dr. Stier hat uns empfohlen“, sagte sie knapp, bevor sie ihm noch einmal zuwinkte und das Büro verlassen wollte. Schwester Sabine kam ihr jedoch zuvor, denn sie öffnete die Tür, ohne zu klopfen, wie Marc ärgerlich feststellte. Er konnte sie allerdings nicht zusammenstauchen, da sie sofort begann zu reden: „Frau Doktor, gut, dass ich Sie finde. Da ist ein Mann, der ständig nach Ihnen fragt“
Nanu? Ich wüsste jetzt nicht, wer das sein könnte…
„Ach ja?“, fragte sie und drehte sich zu Marc um. Mit Genugtuung musste sie feststellen, dass sich ein leicht eifersüchtiger Ausdruck auf seinem Gesicht breitgemacht hatte. „Ich komme! Tschüss Marc“
Dann zog sie schon die Tür hinter sich und Sabine zu und ließ Marc, neugierig und auch eifersüchtig, was er sich aber nicht eingestehen wollte, wie so oft, zurück.
„Wie heißt denn der Mann?“, fragte sie Sabine auf dem Weg ins Schwesternzimmer, wo er wartete.
„Er wollte mir den Namen nicht sagen. Aber mir kommt er ziemlich gruselig vor“, flüsterte sie ihr zu.
„Ach, Sabine, ist etwa schon wieder Vollmond?“, neckte sie die Schwester ein wenig.
„Nein. Aber bitte passen Sie auf sich auf, heute sagt ihr Horoskop, dass Sie eine unangenehme Überraschung erwartet“, sagte sie mit einem wilden Ausdruck in den Augen. Dann ging ihr Pieper los und sie sagte wieder ganz normal: „Oh, ich muss in die Notaufnahme. Sie sollten danach auch nachkommen“
Die einzige, die hier gruselig ist, ist Schwester Sabine!
Das Schwesternzimmer war bis auf einen großen, kräftig gebauten Mann leer. Er war dunkel gekleidet und trug eine Kapuze, die sein Gesicht verdeckte.
Aber… es scheint doch die Sonne. Hat er nicht zu warm?
Sie setzte ihr freundlichstes Lächeln auf und fragte: „Was kann ich für Sie tun, Herr…?“
„Müller“, antwortete der Mann mit tiefer Stimme.
Irgendwie habe ich jetzt ein komisches Gefühl…
„Gut, Herr Müller, was brauchen Sie denn?“
„Nichts Besonderes…“, murmelte er, „… nur dich!“
Dann packte er sie und erstickte ihren Schrei, nur um mit ihr in der Dämmerung zu verschwinden.


Gretchen wachte auf und fuhr hoch, bis sie kerzengerade im Bett saß. Einen Schrei konnte sie gerade noch unterdrücken. Ihr Atem ging schnell und unkontrolliert. Zuerst wusste sie nicht, wo sie war, aber als sie Marc neben sich schlafen sah, fiel es ihr wieder ein. Sie war in Washington. Sie war mit ihm zusammen. Sie erwartete ein Kind. Und hier gab es weit und breit keinen Herrn Müller, der sie mitnehmen könnte.
Sie sagte sich diese Tatsachen immer wieder leise vor, bis sie sich irgendwann einigermaßen beruhigte. Sie sah ein Glas Wasser auf dem Nachttisch stehen und stürzte es gierig hinunter.
Das war wirklich ein schlimmer Alptraum… und das obwohl ich immer, wenn Marc Horrorfilme oder Actionfilme schaut, das Weite suche… wieso träum ich so etwas?
Langsam stand sie vom Bett auf, darauf bedacht, Marc nicht aufzuwecken, und ging in die Küche. Sie war zu aufgewühlt, um zu schlafen, also wollte sie sich einen Tee machen. Das Wasser kochte auch sogleich, und den Teebeutel hatte sie auch schon in den Krug getan. Was jetzt noch fehlte, war viel Zucker und ihre Lieblingsschokolade.
So ein kleiner Mitternachtssnack kann ja nicht schaden… vielleicht beruhige ich mich dann auch, sodass ich mich wieder zu Marc ins Bett kuscheln kann…

Sophiee^^ Offline

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20.01.2012 13:48
#99 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Marc hörte leises Klappern aus der Küche. Sofort schlug er die Augen auf. Er verfluchte seinen Schlaf. Manchmal schlief er wie ein Stein und er würde nicht einmal ein Erdbeben bemerken und manchmal konnte das kleinste Geräusch seine schönen Träume kaputt machen.
Aber wer war das in der Küche? Einbrecher?
„Gretchen?“, flüsterte er fragend in die Dunkelheit hinein. Es kam keine Antwort. Er drehte sich um, ihre Bettseite war leer. „Dass sie nicht eine Nacht überstehen kann, ohne etwas zu essen“, schmunzelte er und stand auf. Langsam tapste er in die Küche. Es war dunkel, aber er sah Gretchen am Tisch sitzen und gedankenverloren in einer Tasse Tee rühren.

http://www.youtube.com/watch?v=ffej15-Dgl0&ob=av2n (Uncle Kracker- Smile)

„Na, wieder hungrig?“, überraschte er sie. Sie zuckte zusammen und entspannte sich erst, als Marc das Licht anschaltete.
„Ach, du bist’s“, stieß sie die angehaltene Luft hervor. Marc ging nahe an sie heran und flüsterte ihr ins Ohr: „Wer soll denn sonst hier sein, der große böse Wolf?“
„Vielleicht“, flüsterte sie zurück und brachte ihn somit zum Lächeln.
„Soll ich dir was verraten?“
„Was denn?“, fragte sie gespannt, und er näherte sich wieder ihrem Ohr.
„Ich hab ihn vorhin rausgejagt, er wollte dich auffressen“
Gott sei Dank gibt es Marc! Er schafft es immer, die Angst zu vertreiben.
Sie lachte befreit: „Und wieso wollte er mich fressen?“
„Weil du so lecker schmeckst“, antwortete er und gab ihr einen Kuss. Nach kurzer, angenehmer Stille fragte er: „Kannst du nicht schlafen?“
Sie seufzte. „Nein. Ich hab schlecht geträumt… und ich will nicht darüber reden. Kannst du mich nicht wieder zum Lachen bringen?“
„Also stellt Ihr mich als Euren Hofnarren an, Prinzessin?“
Hihi. Genau das mache ich!
Gretchen kicherte, während er einen Knicks machte und rumalberte.
Wie kann er nur mitten in der Nacht so witzig sein? Und wieso ist er nicht immer so? Hm. Aber dann könnte ich mich nicht mehr über solche Momente freuen, wenn sie jeden Tag da sind… und seine Sprüche sind auch nicht schlecht, wenn sie nur weniger beleidigend wären!
„Darf ich Euch zu einem Tanz auffordern, liebste Prinzessin?“, fragte er und reichte ihr seine Hand. Sie gluckste und kicherte immer noch: „Wer kann diesem Charme schon widerstehen?“
Und dann tanzten sie mehr oder weniger begabt durch die Küche. Aber es war ihnen egal, denn sie hatten Spaß und sie waren glücklich, das war das Einzige, das zählte.
„Du Hasenzahn, ich glaube, da ist etwas zwischen uns“, flüsterte er, nachdem sie genug herumgealbert hatten. Er schaute auf ihren Bauch und lächelte, sie ebenfalls.
„Weißt du, dass du spinnst?“, prustete sie dann los, als sie den eigentlichen Witz verstanden hatte.
„Nö. Wieso?“, tat er ahnungslos, ihn schüttelte dann aber auch das Lachen. Er wurde aber schnell ruhig. Er fühlte sich gut, und plötzlich fühlte er sich bereit.
„Gretchen?“
„Ja, liebster Hofnarr?“, lachte sie immer noch, aber davon ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen.
„Ich… ich liebe dich“
Gretchen verstummte schlagartig. Ihre Augen wurden groß, und als schließlich jedes Wort bei ihr angekommen war, füllten sich ihre Augen mit Tränen.
„Oh, Gretchen, bitte nicht…“
Sie umarmte ihn und flüsterte ihm ins Ohr: „Ich liebe dich auch, mein Spinner“
Sie standen eine halbe Ewigkeit so engumschlungen in der Küche und sagten nichts, Worte waren einfach überflüssig. Sie dachten auch an nichts, denn ihre Gefühle waren zu groß, um Gedanken zuzulassen. Irgendwann fanden sich ihre Lippen wie automatisch und verschmelzten zu einem zärtlichen Kuss. Sie liebten sich, und es war ein unbeschreibliches Gefühl.
„Komm, lass uns ins Bett gehen“, murmelte Marc als der Kuss wie von selbst aufgehört hatte. Sie antwortete nichts, nahm nur seine Hand und gemeinsam legten sie sich eng aneinander gekuschelt ins Bett. Sie schliefen besser als jemals zuvor und träumten von einem gemeinsamen, glücklichen Leben.

Am nächsten Morgen wachte Gretchen ausgeruht auf. Die Nacht war mehr als kurz gewesen, aber dafür die Schönste ihres Lebens. Wieso hatte sie gezweifelt? Marc liebte sie. Er hatte es gesagt, aber er hat sie schon immer geliebt. Nur war sie zu blind, um die Zeichen zu bemerken und sie richtig zu deuten. Eine gewisse Unsicherheit war immer schon da gewesen, aber jetzt waren ihre ganzen Zweifel wie weggeblasen. Sie war selbst überrascht, wie viel drei kleine Wörtchen ausrichten konnten.
Zufrieden streckte sie sich und strich über die Bettseite, auf der Marc lag. Also, jedenfalls sollte er da liegen, aber sie spürte nur ein Blatt Papier. Erschrocken und das Schlimmste ahnend schlug sie die Augen auf und las:

Morgen Schlafmütze!
Keine Panik, ich bin nicht abgehauen, hab dich nicht betrogen oder bereue was ich gestern gesagt habe. Also kannst du dich gleich wieder abregen, Prinzesschen. Ich wollte dich nur nicht wecken, weil du so süß geschlafen hast. Ich bin schon zur Arbeit, Frühstück ist gemacht. Bis heute Abend!
Marc


Darunter war noch etwas hingekritzelt, was er aber durchgestrichen hatte. Sie versuchte es zu entziffern, aber es war einfach nicht lesbar.
Also, ich tippe auf „Ich liebe dich“. Haaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaach, ich bin im Himmel!
Mit einem verträumten Grinsen stand sie auf und fand in der Küche, in der bereits so viel geschehen war, wie versprochen ein königliches Frühstück vor.
Daran könnte ich mich gewöhnen, dass er mich wie eine Prinzessin behandelt.
Sie frühstückte und dann schrieb sie ihr Tagebuch voll. Auf einer Seite stand nur „Marc Meier liebt Gretchen Haase, Gretchen Haase liebt Marc Meier“, und das immer wieder. Sie konnte einfach nicht mehr aufhören. Als ihr die Hand wehtat, klappte sie ihr Tagebuch schließlich zu und verstaute es wieder an einem sicheren Ort. Danach holte sie ihre CDs mit Liedern aus ihrer Kindheit und drehte die Musik voll auf. Sie tanze ganz verrückt dazu und sang in ihre Haarbürste, bis sie aus der Puste war. Schwer schnaufend setzte sie sich auf das Sofa, hörte langsamere Lieder und streichelte ihren Bauch. Nichts konnte ihr Lächeln aus dem Gesicht wischen. Keine Gedanken an die Vergangenheit oder an die Zukunft.
So glücklich war ich noch nie in meinem Leben. Jetzt hab ich den Beweis: Marc ist wirklich der Richtige. Er ist meine große Liebe.



Dr. Marc Meier war an diesem Tag glücklich. Niemand konnte ihm seine gute Laune verderben. Keine nervigen Schwestern, neurotische Patienten und sogar Mary schaffte es an diesem Tag nicht, ihn in den Wahnsinn zu treiben. Am liebsten würde er durch die Flure tanzen, aber er brauchte ja den Respekt. Und der würde flöten gehen, wenn er wie ein Irrer rumhampelte. Aber sein Grinsen konnte er einfach nicht ablegen, und seine Laune steckte alle an. Plötzlich schienen alle im Krankenhaus fröhlicher zu sein an diesem grauen Novembertag.
Er gönnte sich gerade einen Kaffee, als der Chefarzt ihn anpiepte. Er solle so schnell wie möglich in sein Büro kommen.
Was er wohl will?
Natürlich ließ er alles stehen und liegen und eilte zum Büro des Chefarztes. Er musste ein wenig lächeln, als er daran dachte, wie Prof. Dr. Franz Haase ihn immer wegen jeder Kleinigkeit in sein Büro bestellt hatte. Dort angekommen klopfte er sogleich ein und wandelte sein glückliches Grinsen in ein höfliches Lächeln um.
„Dr. Meier! Setzten Sie sich bitte“, begrüßte ihn der Chefarzt.
Okay, das heißt dann wohl, dass es länger dauern wird… hoffentlich muss ich ihm keinen Rat geben, wie früher immer bei Gretchens Vater!

*grins*
Sorry, mehr hab ich dazu nicht zu sagen

Sophiee^^ Offline

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23.01.2012 18:06
#100 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Viel Spaß, und ich bedank mich noch einmal bei euch allen
Ohne eure Unterstützung wäre ich nie so weit gekommen, es hilft ja nichts, wenn ich nur für mich alleine schreibe


Gespannt wartete Marc darauf, dass der Chefarzt begann zu sprechen. Wenn er drängen würde, wäre es unhöflich, aber er war trotzdem ziemlich neugierig. Dieser Chefarzt hatte ihn noch nie zu sich geholt, um unter vier Augen mit ihm zu reden, weswegen er ausschloss, dass es um so etwas banales wie ein Geschenk für den 35. Hochzeitstag ging.
Wo wir wieder bei dem Herrn Professor wären!
Nachdem er ein wenig aus dem Fenster geschaut hatte, um, wie Marc glaubte, sich die richtigen Worte zurechtzulegen, sprach er dann: „Es ist so, Dr. Meier, ich bräuchte Verstärkung in meinem Chirurgenteam, da Dr. Reiner zu unser aller Bedauern wieder nach New York zurückgekehrt ist“
Ja… und?
Der sonst so schnell begreifende Dr. Meier verstand wirklich nicht, worauf er hinauswollte. Sein Gesichtsausdruck war deshalb auch fragend, vielleicht auch ein wenig verwirrt.
„Worauf ich hinauswill,… ich würde mich wirklich freuen, wenn Sie unserem Team beitreten würden“
Wie… so richtig?
„Sie bieten mir eine Festanstellung an?“, fragte er äußerst überrascht.
Noch ein Beweis: ich bin der Beste. Wahrscheinlich auch weltweit.
„Ja. Ihr bisheriges Gehalt wird verdoppelt und Ihnen wird ihr Leihwagen geschenkt, quasi als Willkommensgruß“
Doppeltes Gehalt? Und ich kann den BMW behalten? Geil.
„Und? Wie entscheiden Sie sich?“, drängte der Professor ein wenig.
Und was wird Gretchen denken?
„Ja, aber… ich bin doch nur ein Jahr vom Elisabethkrankenhaus in Berlin freigestellt. Das ist doch eigentlich nur ein Stipendium, da vergibt man doch keine Festanstellungen, soweit ich weiß?“
„Wieso zweifeln Sie denn jetzt?“
Marc biss sich auf die Lippe. Vor ein paar Monaten hätte er dieses Angebot ohne mit der Wimper zu zucken angenommen. Aber die Sachen hatten sich geändert. Er war in einer Beziehung, er wurde Vater, er liebte seine Freundin… und die besagte Freundin liebte nun mal ihre Familie, und sie vermisste sie auch. Sie beklagte sich nie, aber er wusste, dass sie am liebsten zurück nach Berlin gehen würde.
„Ich muss erst mit meiner Freundin sprechen“, sagte er nach kurzem Zögern. Die Wahrheit war hier wohl die beste Lösung.
„Aber es ist doch Ihr Leben. Ich dachte nicht, dass Sie es von der Liebe abhängig machen würden“
„Sind Sie nicht verheiratet?“, fragte Marc.
„Geschieden“
„Dann tut es mir leid, sagen zu müssen, dass Sie meine Situation nicht verstehen“
„Oh doch, Meier, ich verstehe Sie sogar sehr gut. Aber irgendwann geht es kaputt und dann werden Sie bereuen, sich gegen die Karriere entschieden zu haben“
„Aber sie ist schwanger“
„Und Sie lieben sie?“
Er schluckte. „Ja“
„Ich sag es Ihnen: Denken Sie darüber nach. Sobald Sie Ihre Liebe gestehen, fühlen sich die Frauen sehr sicher und nehmen Sie und Ihre Bedürfnisse nicht mehr ernst. Und wenn Sie sich dann trennen, sind Sie das Arschloch, weil sie dann denkt, dass alles nur eine Lüge war“
„Es ist nicht immer so“, murmelte Marc, bevor er etwas lauter hinzufügte: „Ich denke darüber nach!“
„So gefallen Sie mir schon besser!“, sagte der Professor und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. Marc stand auf, da ihm vorkam, dass dieses Gespräch beendet war und verließ das Büro nach einem kurzen Abschied. Nachdem er die Tür hinter sich zugezogen hatte, stieß er die Luft aus, die er zuvor angehalten hatte. Geschlagen rieb er sich über das Gesicht und dachte auf dem Weg zum Schwesternzimmer nach.
Er ist geschieden… es gibt so viele, die geschieden sind. Ob es wahr ist, dass die Frauen einen nicht mehr ernst nehmen, sobald man ihnen die Liebe gestanden hat? Aber das kann ich mir bei Gretchen nicht vorstellen… sie hat so lange für meine… UNSERE Liebe gekämpft, das wirft sie sicher nicht einfach so weg. Wie ich sie kenne wird sie sich noch mehr an mich klammern… ich kann dagegen eh nichts tun. Oder doch nicht? Ach, das ist doch scheiße! Zum ersten Mal in meinem Leben bereue ich es, keine Erfahrung in Beziehungsdingen zu haben…
Aber sein Angebot… es ist der Hammer! Doppeltes Gehalt… Ich werde sowieso schon mehr als gut bezahlt. Und das Auto… aber dann muss ich umziehen. Ich in Washington? Für immer? Ist irgendwie unvorstellbar. Gretchen will sicher nach Berlin, sobald ich hier fertiggearbeitet habe. Sie will jetzt ja schon zurück, obwohl ich nicht verstehe, was genau sie dort vermisst. Ihre Familie ist ja nicht zum Aushalten!... aber trotzdem ist es ihre Familie. Deshalb wohl…
Und ich mag Berlin ja auch viel lieber als Washington. Es nervt mich, immer Englisch sprechen zu müssen, mich nervt die ganze Umrechnung von Dollar in Euro und erst Recht diese ganzen fetten Menschen, die den ganzen Tag in Fast Food „Restaurants“ ihre Zeit verbringen und sich krankessen. Die zu behandeln… das hasse ich. Denn an ihren Schmerzen sind nur sie ganz alleine schuld. Ja, in Berlin gibt es die auch, aber nicht in diesem Ausmaß wie hier.
Ich vermisse Berlin auch. Ich kann mir absolut nicht vorstellen, hier zu leben, mit Gretchen und unserem Kind. Aber wenn ich zurück ins Elisabethkrankenhaus gehen würde, wäre das ein ganz schöner Rückschritt in meiner Karriere...
Scheiße! Marc Meier weiß nicht, was er tun soll!
Karriere oder… Familie?




Lalalalala… was soll ich jetzt machen?!
Gretchen hatte, anders als an anderen Tagen, den ganzen Vormittag im Bad verbracht. Sie hatte sich die Badewanne eingelassen und ihr Lieblingsschaumbad reingetan, bis sie fast im Schaum versank. Und dann hatte sie sich so richtig entspannt. Mit geschlossenen Augen und ihrer Lieblingsmusik war das ja auch keine Kunst.
Immer wieder war vor ihrem inneren Auge die Szene gestern in der Küche abgelaufen. Wie sie sich nach dem Alptraum gefühlt hatte, wie Marc kam und charmant wie eh und je ihre Laune auf den Höhepunkt gebracht hatte, wie er plötzlich ernst wurde und dann diese drei kleinen, wunderschönen Worte gesagt hatte.
Ich liebe dich. Alleine sind die Worte nicht besonders spektakulär… „ich“ sagt man jeden Tag, und wer es zu oft sagt, wird gleich als selbstsüchtig abgestempelt. „liebe“… naja, das ist wirklich ein besonderes Wort. Aber nur in diesem Zusammenhang ist es wunderwunderschön. Ich sage ja auch „ich liebe Pommes“, und da ist es nicht wirklich besonders. „dich“… nur ein Personalpronomen in der deutschen Sprache… aber alle zusammen sind einfach unvergleichlich und sie können so viel ausdrücken. Und wenn es dann auch noch im richtigen Moment- obwohl es den eigentlich nie gibt- und mit dem richtigen Gefühl sagt, dann… es war einfach umwerfend. Ich hätte nie gedacht, dass Marc es jemals zu mir sagt. Gehofft habe ich es schon immer, aber… ich bin sprachlos. Gott sei Dank bin ich gestern nicht umgekippt. Und die Tränen hätte ich beim besten Willen nicht zurückhalten können…allein wenn ich nur dran denke, krieg ich ne Gänsehaut!
Gretchen öffnete die Augen wieder und registrierte, dass ihre Haut schon ganz schrumpelig war. Also wusch sie sich schnell die Haare und stieg aus der Wanne. Sie cremte sich ein, vor allem ihren Babybauch- die Haut dort war ziemlich empfindlich und wurde sehr schnell trocken- und dann zog sie sich die bequemsten Klamotten an, die sie finden konnte. Zum Schluss nahm sie noch ihre rosarote Kuscheldecke und machte es sich mit einem heißen Kakao und ein paar Tafeln Schokolade vor dem Fernseher gemütlich. Sie zappte durch die Programme, konnte aber nur Talk Shows finden, bei denen sie sowieso nichts verstand, da alle so schnell redeten. Also nahm sie wieder mal ihr Notebook zur Hand und surfte im Internet. Sie musste immerhin eine neue Gruppe für ihre Schwangerschaftsgymnastik finden, da Marc beim letzten Treffen in der Gruppe seine Klappe mal wieder nicht halten konnte und ein paar andere angehende Väter auf seine „Ich mach doch nicht den Scheiß mit, immerhin bekommt die Frau ja das Kind“- Seite gezogen hatte. Und wer musste das ausbaden? Natürlich Gretchen, die danach jede Menge schwangere, streitsüchtige Frauen an der Backe hatte, die sie nur besänftigen konnte, indem sie versprach, die Gruppe zu verlassen.
Plötzlich klingelte es. Genervt stöhnte sie auf und schaute auf die Uhr. Wer könnte das denn sein? Marc sicher nicht, der hatte noch länger Dienst und Mary wollte eigentlich erst noch in die Videothek… hm, vielleicht hatte sie das ausgelassen. Sie stand auf und ging zur Tür. Als es noch einmal klingelte, rief sie: „Ja ja, ich komme ja schon!“
Im selben Moment öffnete sie die Tür und glaubte nicht, was sie sah. Oder besser gesagt, wen sie sah.

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