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Dieses Thema hat 5 Antworten
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 Erfindet eure eigene Fortsetzung!
Marcie Offline

Student:

Beiträge: 107

20.03.2018 02:25
Story von Marcie - "Schulsanitäterin Haase im Einsatz" Zitat · antworten

So, hier ist meine erste Doctor's Diary Fanfiction. Sie spielt während der Schulzeit von Gretchen und Marc, es wird aber wahrscheinlich einen Epilog geben, der zum Zeitpunkt von Staffel 1 spielt und erklärt wie die veränderten Ereignisse in der Oberstufe sich auf Gretchens und Marcs Zukunft auswirken.

Hoffe es gefällt euch!

Schulsanitäterin Haase im Einsatz

Kapitel 1

Das elfte Schuljahr fing für Gretchen Haase ziemlich gut an – naja, jedenfalls besser als die letzten sechs Jahre auf dem Gymnasium. Der Schuldirektor hatte in Absprache mit dem Kollegium und der Elternvertretung – allen voran Gretchens Vater – beschlossen einen Schulsanitätsdienst zu gründen. Es hatte sich auch eine Gruppe engagierter Schüler gefunden, die sich mit Feuereifer in die Ausbildung – eine Art erweiterter Erste Hilfe Kurs – stürzten. Nun ja, okay. Gretchen hatte sich mit Feuereifer in die Ausbildung gestürzt. Sie hatte sogar, da sie als einzige über 16 war, die Fortbildung zur Sanitätshelferin gemacht. Die anderen fünf Schüler aus den Klassen 7 bis 9 waren wohl eher erfreut darüber, dass sie für die Ausbildung und auch für die auftretenden Einsätze von der Schule freigestellt wurden.

Apropos Einsätze – in den drei Wochen seit sie fertig ausgebildet waren hatte es genau einen gegeben – ein Fünftklässler hatte sich in der Pause das Knie aufgeschlagen. Gretchen hatte ziemlich viele Lacher kassiert, als sie – stilecht mit Warnweste und Notfallkoffer - mit dem stolzen Ausruf: „Zur Seite, ich bin vom SSD!“ herbei geeilt war um die Wunde des „schwerverletzten“ 10-jährigen zu säubern und mit einem Pflaster zu verarzten.

Natürlich war es wieder Marc Meier aus der 12 gewesen, der am lautesten gelacht hatte. „Hey, Hasenzahn, kriegen jetzt alle ab Kleidergröße L diese Warnwesten? Muss aber noch ein Aufdruck drauf: ‚In Deckung, Wal im Anmarsch! ‘ oder so.“
Konnte der nicht endlich mal aufhören sich über sie lustig zu machen? Schließlich war ihre Aufgabe wichtig! Und eine tolle Vorbereitung fürs Medizinstudium. Insgeheim hatte sie ja gehofft, dass ihr Einsatz als souveräne Ersthelferin Marc beeindrucken würde. Aber das hatte sie ja nicht mal geschafft indem sie ihm damals in der sechsten das Leben gerettet hatte. Undankbarer Kerl! Und überhaupt, sie trug gar nicht Größe L, sondern M! Naja meistens. Okay, manchmal. Wenn die Sachen groß ausfielen. Aber das war gar nicht der Punkt. Der war nämlich, dass sie eine wichtige, verantwortungsvolle Position innehatte und bestimmt auch bald die Gelegenheit bekommen würde bei einem echten Notfall zu glänzen. Vielleicht würde sie einen Luftröhrenschnitt durchführen und damit jemanden in letzter Sekunde vor dem sicheren Tod bewahren. Oder beim Schwimm-Unterricht, bei dem sie ja wegen ihrer Chlor-Allergie nur zusehen konnte, heldenhaft ein ertrinkendes Kind retten und wiederbeleben, weil der Sportlehrer gerade auf Klo war und der Bademeister damit beschäftigt eine Prüfung für ein Schwimmabzeichen zu überwachen. Und sie würde ins Fernsehen kommen! … Und dabei voller roter Pusteln sein wegen dem blöden Chlor. Und Marc hätte wieder was zu lachen. Toll.

Angesichts dieser trüben Aussichten hatte sich Gretchens anfängliche Euphorie in Bezug auf den Schulsanitätsdienst doch etwas abgekühlt und aufgrund des Mangels an Einsätzen hatte sie schon beinahe vergessen, dass sie diese wichtige Position innehatte als sie an einem heißen Freitag in der sechsten Stunde vor sich hin döste. Das tat sie sonst normalerweise nicht, aber wie gesagt: Freitag, fast 30 Grad, sechste Stunde. Sie war ja schließlich auch nur ein Mensch. Außerdem hatten sie gerade Mathe, mit Ausnahme von Sport Gretchens schwächstes Fach, in dem sie froh war wenn sie eine drei schrieb. Und überhaupt, wer brauchte schon Kurvendiskussion?
Gretchen wurde durch das Öffnen der Tür aus ihrem Dämmerschlaf geweckt. Torsten – ein rothaariger Zwölft-Klässler, der öfter mit Marc abhing – öffnete die Tür.

„‘Tschuldigung, Herr Krämer, kann ich Haase mal kurz ausleihen? Beim Sport hat wer ‚nen Tennisball an den Kopf gekriegt und ich soll wen vom Sanitätsdienst holen.“

Herr Krämer, ihr uralter Mathelehrer, schaute den Eindringling erst verwirrt an, wie immer in den seltenen Fällen, in denen in seinem Unterricht jemand lang genug aufwachte um ihn etwas zu fragen, dann nickte er unwirsch, offenbar genervt, dass jemand es wagte seinen immens wichtigen Unterricht wegen so etwas Unwichtigem wie einem möglichen Schädelbasisbruch zu stören.

Eifrig packte Gretchen ihre Schultasche mit den eilig verstauten Schreibsachen und folgte Torsten. Kopfverletzung bedeutete immer, dass der Verletzte nicht unbeobachtet bleiben durfte, sie würde also bei ihm oder ihr bleiben bis – je nach Ergebnis ihrer Untersuchung - ein Elternteil oder ein Krankenwagen ihn oder sie abholen würde.

„Wir müssen noch schnell zum Sekretariat, den Notfall-Koffer holen“, erklärte Gretchen Torsten.

„Wofür brauchst du denn ‚nen Verbandskasten für eine Beule?“ fragte er.

„Da sind auch Cool-Packs drin“, erklärte sie rasch.

„Das machst du also? Marc ein Cool-Pack in die Hand drücken? Und dafür dieser ganze Aufstand mit der Ausbildung?“

Gretchen sah den Jungen geschockt an. „Marc?! Marc Meier?!“

„Einen anderen Marc gibt’s bei uns in der Stufe nicht. Was ist, kommst du jetzt oder kümmerst du dich um Marc nicht, weil er ja sooo böse zu dir ist?“

Gretchen beschleunigte ihre Schritte. Im Laufen erklärte sie dem Idioten: „Also erstens kümmert sich der SSD um jeden, ist ja unser Job. Und zweitens ist dieser ‚Aufstand mit der Ausbildung‘ nötig um erkennen zu können ob Marc eine Beule hat und ein Cool-Pack braucht oder ob er einen Schädelbasisbruch hat und wir einen Krankenwagen rufen müssen!“

Oder vielleicht doch lieber einen Hubschrauber? Gretchen erreichte das Sekretariat, griff wortlos nach dem Notfallkoffer ohne sich auch nur die beeindruckende Weste anzuziehen und rannte so schnell sie konnte Richtung Turnhalle, den verdutzten Torsten im Schlepptau.

Marcie Offline

Student:

Beiträge: 107

23.03.2018 15:42
#2 RE: Story von Marcie - "Schulsanitäterin Haase im Einsatz" Zitat · antworten

So, hier ist Kapitel 2. Ich habe beschlossen mich an die Datumsangabe aus Staffel 3 zu halten, nach der Gretchen 2010 30 wird. Somit spielt meine Story 1996. Ich habe es so gedreht, dass Gretchen in der ersten Hälfte des Jahres geboren und somit mit 6 eingeschult wurde, während Marc Ende des Jahres geboren und mit 7 eingeschult wurde. Gretchen ist in dieser Geschichte also 16 und Marc fast 18.

Kapitel 2

Als Gretchen die Turnhalle erreichte sah sie sich suchend um, entdeckte aber von Marc keine Spur. Der Unterricht schien ganz normal weiter zu gehen.

„Wir haben Marc im Material-Raum abgelegt“, erklärte Torsten bevor Gretchen fragen konnte.

„Etwa allein?!“ rief Gretchen entsetzt aus. Selbst wenn Marc nur eine Gehirnerschütterung hatte konnte es sein dass er ohnmächtig wurde, sich erbrach und daran erstickte!

„Ne, Jule und Laura sind bei ihm.“

Na toll, die beiden Oberschlampen aus der Zwölf, von denen sie ziemlich sicher war, dass sie beide schon mit Marc im Bett gewesen waren. Andererseits traf das laut Gerüchteküche auf mindestens die Hälfte der Mädels aus der Oberstufe zu. Aber wenigstens war Marc nicht allein.

Gretchen folgte Torsten in den relativ großen Raum, in dem es von Matten, Bällen, Tennis- und Hockeyschlägern und anderem Sportequipment wimmelte. Eine der Matten hatte jemand nahe der Tür auf den Boden gelegt und darauf lag Marc. Genau genommen nur von den Füßen bis zu den Schultern. Sein Kopf lag im Schoß von Jule, einer Schönheit mit glatten blonden Haaren und großen Brüsten. Auf diese hatte Marc einen ausgezeichneten Blick, denn Jule hatte sich mit dem Oberkörper weit genug nach vorn gelehnt um Marc einen Panoramablick auf ihren Busen zu bieten. Laura hockte neben Marc auf der Matte und hatte eine Hand rein zufällig sehr tief auf Marcs Bauch gelegt. Noch ein paar Zentimeter tiefer und die Hand wäre zwischen seinen Beinen. Gretchen rollte die Augen.

Da weder Marc noch die Mädchen ihr Eintreffen bemerkt hatten (wie auch? Die Mädels waren damit beschäftigt um Marcs Aufmerksamkeit zu buhlen und Marc war mit ihnen beschäftigt) sagte Gretchen laut: „Okay, ihr könnt jetzt gehen, ich übernehme ab hier.“

Marc gönnte Gretchen nur einen kurzen Blick und wendete sich dann an Torsten:

„Warum hast du denn die angeschleppt?“ fragte er genervt.

Sein Kumpel zuckte mit den Schultern. „Ich sollte wen vom SSD holen und sie war die einzige von der ich wusste, dass sie dazu gehört. Hat ja genug Aufstand gemacht beim letzten Mal,“ antwortete er grinsend.

„Du kannst dann mit den beiden gehen,“ sagte Gretchen kühl zu Torsten und deutete auf die beiden Mädchen, die immer noch keine Anstalten machten aufzuhören Marc zu begrabschen.

Jule beugte sich noch tiefer über Marc, wodurch ihre Brüste fast sein Gesicht berührten, und gab ihm einen Kuss, bevor sie endlich Marcs Kopf losließ und aufstand. Auch Laura gab Marc einen Kuss – diesmal eindeutig mit Zunge! – wobei ihre wunderschönen dunkelbraunen Locken ihm ins Gesicht fielen. Dann folgten die beiden endlich Torsten und ließen Gretchen mit Marc allein. Kurz musste Gretchen daran denken, dass sie bisher nur einmal mit Marc allein gewesen war, als er in den Ferien plötzlich mit seinem Fußball in ihrem Garten gestanden hatte. Und diese Begegnung hatte mit einem Kuss geendet! Rasch verdrängte sie diesen Gedanken aus ihrem Kopf. Sie war schließlich hier um Marc zu untersuchen, darauf musste sie sich konzentrieren. Außerdem hatte Marc ihrer Meinung nach für einen Tag schon mehr als genug geküsst.

Gretchen stellte den Notfallkoffer ab und setzte sich neben Marc auf die Matte. Der setzte sich auf und ihr entging weder das unterdrückte Stöhnen noch das leichte Schwanken seines Oberkörpers. Doch Marc musste natürlich gleich wieder den Coolen spielen.

„Hast ja diesmal die schicke Weste gar nicht an“, sagte er lapidar.

Gretchen beschloss nicht auf den Kommentar einzugehen und einfach mit ihrer Untersuchung anzufangen.

„Wo genau hat dich der Ball denn getroffen?“, fragte sie als erstes.

Marc deutete auf eine Stelle seitlich und relativ weit oben und vorne am Kopf.

Frontalhirn-Bereich. Ich muss also auf Anzeichen für Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen und auf Symptome wie Gereiztheit, Aggression, Größenwahn und mangelndes Taktgefühl achten. Wenig hilfreich, bis auf die Denkstörungen ist das ja Marcs Normalzustand.

„Okay, dann werde ich die Stelle jetzt erstmal abtasten, so kann ich fühlen ob der Schädelknochen gebrochen ist. Das wird etwas wehtun, tut mir leid“, warnte Gretchen ihn.

„Mach schon.“

So sanft wie möglich tastete Gretchen Marcs verletzten Kopf ab, trotzdem keuchte er auf, als sie die Beule berührte.

„Entschuldige,“ sagte Gretchen mit echtem Bedauern. Sie hasste es Marc weh zu tun.

„Man, Hasenzahn, hör gefälligst auf dich zu entschuldigen und mach hinne!“ schnauzte er sie an.

Schnell beendete Gretchen ihre Untersuchung. Der Knochen fühlte sich heil an, Gott sei dank. Auch Blut konnte sie nicht sehen, was aber nicht heißen musste, dass es keine inneren Blutungen gab.

„Gereiztheit kann ein Symptom für ein Schädel-Hirn-Trauma sein, weißt du,“ sagte Gretchen, nachdem sie mit dem Abtasten fertig war.

„Das ist vor allem ein Symptom für Hasenzahn nervt!“ antwortete er unwirsch.

„Okay, dann gebe ich dir jetzt erstmal ein Cool-Pack, das sollte gegen die Schmerzen und die Schwellung helfen“, sagte Gretchen, bemüht sich von Marcs Gemaule nicht aus der Fassung bringen zu lassen.

Gretchen holte ein Instant-Cool-Pack aus dem Notfallkoffer, aktivierte es und reichte es Marc, der es auf die Beule drückte.

„Ist dir schwindelig oder übel?“ fragte Gretchen weiter.

Marc seufzte genervt, schien sich dann aber aus welchem Grund auch immer zu entscheiden ihr die Wahrheit zu sagen. „Etwas schwindelig.“

„Warst du nach dem Unfall ohnmächtig?“

„Ja, aber nur ganz kurz sagen die anderen.“

„Das ist gut. Wenn du länger als 15 Minuten ohnmächtig gewesen wärst, wäre das ein schlechtes Zeichen,“ erkärte Gretchen.

„Toll. Heißt das ich kann jetzt gehen?“ fragte Marc.

„Nicht so schnell, ich bin noch nicht fertig mit der Untersuchung. Ich stell dir jetzt ein paar Fragen, um zu sehen, ob du geistig orientiert bist, okay?“

Marc seufzte. „Bringt es was, wenn ich nein sage?“

„Nein“, antwortete Gretchen entschlossen. „Welches Datum haben wir heute?“

„4. September 1996“, antwortete er genervt. Das stimmte.

„Und wann bist du geboren?“

„9. November 1978. Und woher willst du jetzt wissen, ob das stimmt?“ fragte er herausfordernd.

„Ich weiß, wann du Geburtstag hast, Marc“, antwortete Gretchen. Und fügte – ein bisschen zu spät – hinzu: „Dein Fanclub macht ja genug Wirbel darum.“

„Und offenbar gehörst du dazu. Aber im Grunde wusste ich das ja schon lange, Hasenzahn.“

Marc grinste dreist.

„Klar doch, wo du mir so viel Anlass gibst dich zu mögen.“ Gretchen rollte die Augen.

Bevor Marc noch mehr sticheln konnte fragte sie: „Wieviel ist 7 * 3 + 9?“

So konnte sie seine Konzentrationsfähigkeit, die Arbeitsgedächtnisleistung und das Langzeitgedächtnis in Form von einfachen Rechenregeln gleichzeitig testen. Gretchen war richtig stolz auf sich.

Marc seufzte tief. „30. Sind wir jetzt fertig mit dem Idiotentest?“

„Ja, ich denke das reicht. Ich messe jetzt noch deinen Blutdruck und dann überprüfe ich, ob Mimik und Berührungs-Sensibilität normal sind, das ist bei schwereren Kopfverletzungen nämlich oft nicht so.“

Marcs Blutdruck war in Ordnung.

„Okay, dann zur Mimik. Kannst du das nachmachen?“ fragte Gretchen und schnitt eine Grimasse.

„Das werde ich ganz bestimmt nicht nachmachen! Ich will ja nicht so bescheuert aussehen wie du.“

Gretchen seufzte. „Okay, lassen wir das. Böse gucken und gemein grinsen kannst du ja und das sind anscheinend sowieso die einzigen Gesichtsausdrücke, die du drauf hast. Dann überprüfe ich nur noch ob deine Berührungs-Sensibilität normal ist.“

Gretchen strich Marc sanft über die Wange. Er sah sie überrascht und verwirrt an.

„Spürst du das?“ fragte Gretchen.

„Hm?“ machte Marc. Er wirkte ziemlich abwesend und starrte sie weiter mit verwirrtem Gesichtsausdruck an.

Oh nein! Plötzliches Abdriften war gar nicht gut!

„Marc!“ schrie sie ihn an.

„Au!“ rief Marc und drückte die Hand auf seinen schmerzenden Kopf. „Schrei doch nicht so! Was ist denn?!“

„Ich habe dich gefragt, ob du die Berührung in deinem Gesicht gespürt hast und du hast nicht reagiert! Also, hast du das jetzt gespürt oder nicht?!“ fragte Gretchen nervös.

„Klar hab ich das gespürt! Ich war nur überrascht als du auf einmal anfingst mich zu begrabbeln.“

„Ich hab‘ dich nicht begrabscht, ich hab dich untersucht!“ erklärte Gretchen empört.

„Ja, klar, was immer du sagst. Bist du denn jetzt fertig? Kann ich endlich nach hause gehen?“

„Wenn dein Vater oder deine Mutter dich abholen kommen schon. Ist denn einer von beiden das ganze Wochenende da? Du warst ohnmächtig und dir ist schwindelig, du hast also wahrscheinlich eine Gehirnerschütterung.Weitere Symptome wie Übelkeit und Lichtempfindlichkeit zeigen sich oft erst nach Stunden. Du darfst in den nächsten 24, besser 48 Stunden nicht allein sein und heute Nacht muss dich jemand einmal pro Stunde wecken und prüfen ob du orientiert bist“, erklärte Gretchen.

Marc starrte sie an als hätte sie gerade verkündet Aliens seinen auf dem Schulhof gelandet.

„Hast du ‘nen Vollknall?! Ich werde in zwei Monaten 18, ich lass mich doch nicht mehr von meiner Mama von der Schule abholen! Und ich lass mich auf gar keinen Fall jede Stunde wecken.“

„Tja, dann muss ich wohl einen Krankenwagen rufen, um sicher zu stellen, dass du vernünftigt überwacht wirst. So lasse ich dich auf keinen Fall nach hause gehen, das kann ich nicht verantworten“, erklärte Gretchen ruhig aber bestimmt.

„Pass mal auf, ich gehe wann und wie ich will, ob es dir passt oder nicht!“ schimpfte Marc.

„Nein, tust du nicht. Es ist meine Pflicht einen Krankenwagen zu rufen, wenn ein möglicher Notfall vorliegt, sonst wäre das unterlassene Hilfeleistung. Ob der Patient dann mitfährt oder nicht ist normalerweise seine Entscheidung, aber da du eben erst in zwei Monaten 18 wirst ist es die Entscheidung deiner Eltern. Und die willst du ja nicht anrufen“, erklärte Gretchen ruhig.

„Verdammt, Hasenzahn, mein Vater ist auf der Arbeit und meine Mutter schreibt an einem Buch und will nicht gestört werden! Kann ich dir das mit dem Krankenwagen denn gar nicht ausreden?“ Jetzt sah er sie regelrecht flehend an.

„Naja, es gäbe noch die Möglichkeit, dass ich mit zu dir komme und über Nacht bleibe. Wenn ich meinem Vater die Situation erkläre wird er das schon erlauben.“

Gretchen sah Marc abwartend an.

Marcie Offline

Student:

Beiträge: 107

26.03.2018 13:24
#3 RE: Story von Marcie - "Schulsanitäterin Haase im Einsatz" Zitat · antworten

Kapitel 3

Marc sah sie entgeistert an.

„Bist du dermaßen verzweifelt, dass du nicht mal vor Erpressung zurückschreckst um in mein Bett zu kommen?!“

Gretchen schnappte nach Luft. Sie war ja von Marc allerhand Gemeinheiten gewohnt, aber das übertraf wirklich alles! Gretchen schäumte dermaßen vor Wut, dass sie ein paar Augenblicke brauchte um darauf etwas zu entgegnen. Sie unterdrückte die aufkommenden Tränen der Wut und Demütigung und warf Marc einen hasserfüllten Blick zu.

„Was bist du eigentlich für ein arrogantes, selbstverliebtes Arschloch?! Glaubst du echt alle weiblichen Wesen zwischen 14 und 40 liegen nachts wach und schmieden Pläne wie sie Marc-Supermacho-Meier dazu bringen können sie flach zu legen?!“

„Naja, vielleicht nicht alle. Ich nehme an wir sprechen nur von denen, die mich kennen, nicht von allen auf der Welt, ja? Dann gehe ich – konservativ geschätzt – davon aus dass 80 % das tun. Gibt ja immer noch die Lesben. Und die total frigiden, die gar keinen Sex wollen.“

Okay, Gretchen, bleib ganz ruhig, hau ihm keine runter. Er hat schließlich eine Gehirnerschütterung und Schläge ins Gesicht wären da echt kontraproduktiv.

„Pass mal auf, mir wird das hier alles zu blöd. Ich bin hier rein gekommen um dich zu untersuchen und zu entscheiden, ob ich deine Eltern oder einen Krankenwagen rufe. In deinem Fall kommt beides in Frage, die Entscheidung liegt bei dir. Wobei im zweiten Fall das Krankenhaus eh bei deinen Eltern anrufen würde. Keine Ahnung, warum ich das mit dem über Nacht bleiben überhaupt vorgeschlagen habe. Und nur mal so am Rande: Davon, dass ich zu dir ins Bett steige war nicht die Rede! Hast du mir eigentlich zugehört?! Du musst stündlich geweckt werden, das heißt ich hätte mit einem Buch und einem Wecker neben deinem Bett gesessen! Aber das Angebot ist abgelaufen, ich verbringe doch nicht mein halbes Wochenende damit mich von dir beleidigen zu lassen!“

Anscheinend ziemlich baff von Gretchens plötzlichem Temperamentsausbruch sah Marc sie einen Moment nur verwirrt an.

„Schon gut, hatte ja keine Ahnung dass du gleich so ausflippen würdest. Tust du doch sonst auch nicht bei meinen Sprüchen. Hör mal, ich hab keine Ahnung wann mein Alter nach Hause kommt, ist bei dem schwer zu sagen. Und meine Mutter wird echt ungehalten, wenn man sie in ihrem künstlerischen Prozess oder wie auch immer sie das nennt stört. Ich will die beiden echt nicht damit belästigen, okay?“

Versuchte Marc Meier gerade tatsächlich sie zu besänftigen? Und was stimmte eigentlich nicht mit seinen Eltern, dass sie nicht damit belästigt werden wollten, dass ihr Kind eine Gehirnerschütterung hatte? Ihr Papa hatte als Chefarzt in der Chirurgie weiß Gott viel um die Ohren, aber er wäre in so einem Fall sofort in die Schule gekommen. Und ihre Mutter hätte sie mit ihrer Fürsorge das ganze Wochenende über in den Wahnsinn getrieben.

Da Marc anscheinend bemerkt hatte, dass es ihr vorübergehend die Sprache verschlagen hatte, sprach er weiter.

„Du findest also echt, dass dieser Quatsch mit der Überwachung und dem Wecken sein muss? Und das ist keine Schikane oder so?“

Gretchen seufzte. „Ja finde ich und nein, ist es nicht. Wenn du mir nicht glaubst ruf halt deinen Hausarzt an und frag ihn. Er wird dir das Gleiche sagen.“

„Na schön. Wenn ich echt nur die Wahl habe zwischen Krankenhaus, meine Mutter vom Schreiben abhalten und dir wähle ich wohl oder übel dich.“

„Hatte ich mein Angebot nicht gerade zurück gezogen?“ fragte Gretchen mit hochgezogener Augenbraue.

Marc seufzte. „Komm schon, Hasenzahn, stell dich nicht so an.“

Das war für Marcs Verhältnisse fast ein ‚bitte‘.

„Na schön, ist ja gut. Ich rufe mal meinen Vater an und frag ihn ob das klar geht, aber ich denke schon.“

„Du meinst dein Vater lässt dich einfach so bei ´nem Typen übernachten?“

Marc klang skeptisch.

„Ist ja nicht einfach so, sondern aus medizinischen Gründen. Lass mich mal machen.“

Gretchen kramte ihr Handy aus der Tasche und rief die Handynummer ihres Vaters an, der zum Glück gerade nicht operierte und sich daher gleich meldete.

„Kälbchen, ist alles in Ordnung? Du rufst mich doch sonst nie auf der Arbeit an.“

„Keine Sorge, Papa, mir geht’s gut. Aber ein kleines Problem gibt es doch. Ich bin hier gerade bei einem Kind, das beim Sport einen Tennisball an den Kopf gekriegt hat. Der Junge scheint eine leichte Gehirnerschütterung zu haben. Er war kurz ohnmächtig und ihm ist etwas schwindelig, sonst geht es ihm gut. Er ist orientiert, keine Sensibilitäts- oder Mimik-Einschränkungen. Ich denke er muss nicht unbedingt ins Krankenhaus solange er sich schont und jemand da ist, der ihn heute Nacht stündlich weckt, oder Papa?“

„Ganz genau Kälbchen. Ruf‘ einfach seine Eltern an und bleib‘ bei ihm bis er abgeholt wird. Aber sag den Eltern, dass sie unbedingt einen Krankenwagen rufen müssen, wenn ihr Sohn verwirrt wirkt oder sie ihn nicht aufwecken können.“

„Ja, weißt du, das ist genau das Problem. Die Eltern arbeiten beide nachts und der Junge will einfach nicht ins Krankenhaus. Da habe ich gedacht ich könnte doch heute Nacht bei ihm bleiben, wenn du es erlaubst.“

„Kälbchen, das ist ja wieder so lieb von dir! Natürlich ist das in Ordnung. Brauchst du etwas von zuhause? Fährt deine Mutter euch zu dem Jungen nach Hause?“

„Nein, ich denke ich brauche nichts. Werde ja eh wach bleiben, da brauche ich keinen Pyjama und so. Und ich habe genug Hausaufgaben zu machen und zu lernen, damit kriege ich die Nacht schon rum. Wie wir zu dem Haus kommen weiß ich noch nicht. Vielleicht fährt uns einer der Lehrer oder einer der älteren Schüler, die schon einen Führerschein und nach der sechsten frei haben. Das kriegen wir schon hin.“

„Alles klar, Kälbchen, dann bis morgen. Du kannst jederzeit anrufen, wenn du nicht sicher bist, ob du einen Krankenwagen rufen solltest oder nicht.“

„Danke, Papa, bis morgen.“


„Ein Kind?“ fragte Marc mit hochgezogener Augenbraue, nachdem Gretchen aufgelegt hatte.

„Sollte ich meinem Vater etwa sagen, dass ich die Nacht beim 17jährigen größten Weiberheld der Schule verbringen werde?“

Marc grinste. „Irgendwie glaube ich dann wäre das Gespräch anders verlaufen. Ach übrigens, da du die Transportfrage aufgeworfen hast: Wir fahren ganz bestimmt nicht mit einem Lehrer, ist ja oberpeinlich. Und hallo?! Ich frage garantiert auch keinen meiner Kumpels ob er uns zu mir nach Hause fährt. Glaubst du ich will dass sich in der ganzen Schule das Gerücht breit macht ich hätte dich abgeschleppt? Wir nehmen ein Taxi. Und zwar steige ich hier alleine ein. Und du fährst mit dem Fahrrad los und wir gabeln dich hinter der nächsten Kreuzung auf. Klar?“

Gretchen versuchte sich nicht anmerken zu lassen wie sehr es sie kränkte, dass Marc sich offenbar schämte mit ihr gesehen zu werden.

„Schon gut! Ich weiß allerdings nicht was dein Problem ist. Du schleppst doch alles ab, was nicht bei drei auf dem Baum ist.“

„Hallo?! Das lasse ich nicht auf mir sitzen, ich habe einen Ruf zu verlieren! Ich hab‘ ja wohl Standards.“

„Und zwar? IQ unter 90 und Klamotten mit denen die Weiber auf dem Straßenstrich nicht auffallen würden?“ fragte Gretchen mürrisch.

„Schön, schlank und erfahren genug um zu wissen wie man einen Mann im Bett zufrieden stellt. Also alles was du nicht bist, Hasenzahn.“

Gretchen warf ihm einen giftigen Blick zu. Das würden ja tolle 24 Stunden werden.

Marcie Offline

Student:

Beiträge: 107

28.03.2018 12:53
#4 RE: Story von Marcie - "Schulsanitäterin Haase im Einsatz" Zitat · antworten

Kapitel 4

Eine dreiviertel Stunde später stand Gretchen zum ersten Mal vor Marcs Haus. Es war ein hübsches, aber nicht protziges Haus mit großem Garten in einer ruhigen Gegend.

Marc schloss auf und sie betraten ein geschmackvolles Foyer. Er ging nach rechts durch eine Tür und Gretchen folgte ihm in die Küche, während Marc sich schon am Kühlschrank zu schaffen machte und eine Pepsi heraus nahm. „Du auch?“ fragte er und Gretchen nickte.

„Wenn du was essen willst bedien' dich, ich hab keinen Hunger.“

Gretchen hatte schon etwas Hunger, aber es kam ihr ziemlich unhöflich vor sich einfach in einer fremden Küche zu bedienen ohne überhaupt der Hausherrin hallo gesagt zu haben.

„Vielleicht später. Wo ist denn deine Mutter? Wir sollten ihr schon sagen, dass du verletzt bist.“

Marc seufzte. „Wohnzimmer.“ Er zeigte auf die Tür am gegenüberliegenden Ende des Flures. „Aber wie gesagt, sie wird nicht begeistert sein über die Störung.“

„Mensch, Marc, deine Mutter wird doch wohl wissen wollen, dass ihr Sohn eine Gehirnerschütterung hat!“

Entschlossen ging Gretchen zu der Tür auf die Marc gedeutet hatte und klopfte kurz.

„Was willst du?“ kam es genervt von drinnen.

Die freundlichen Umgangsformen schienen in der Familie zu liegen. Gretchen öffnete trotzdem entschlossen die Tür und sah sich einer hübschen Frau Anfang 40 gegenüber, die am Schreibtisch saß und ungerührt weiter tippte ohne auch nur aufzusehen.

„Frau Meier, ich bin Gretchen Haase, eine Mitschülerin ihres Sohnes. Ich bin beim Schulsanitätsdienst. Marc hat heute beim Tennis einen Ball an den Kopf gekriegt und hat eine leichte Gehirnerschütterung. Es ist wichtig, dass er in den nächsten 24 Stunden nicht allein ist, falls es zu Komplikationen kommt. Es kann noch Stunden später zu gefährlichen inneren Blutungen kommen. Deswegen muss Marc heute Nacht auch einmal in der Stunde geweckt werden.“

Jetzt sah Marcs Mutter auf. Na, bitte, geht doch!

„Und das soll ich jetzt machen oder was? Kindchen, ich habe einen Abgabetermin! Olivier!“ rief sie in den Flur.

„Boa, Mutter, nenn mich nicht so!“ sagte Marc, der mürrisch ins Wohnzimmer getrabt kam.

„Das dicke Mädchen hier sagt du bist verletzt. Du siehst aber ganz in Ordnung aus. Also was soll dieser Blödsinn?“ fragte Marcs Mutter genervt.

Das war ja wohl die Höhe! Erst beleidigte die Frau sie und dann nahm sie noch nicht mal die Verletzung ihres Sohnes ernst.

„Ich hab‘ ne Beule von `nem Tennisball und Hasenzahn hier spielt sich riesig auf, Chefarzt-Töchterchen und so. Jedenfalls besteht sie auf dem Überwachungs-Aufstand, sonst hätte sie einen Krankenwagen gerufen. Deswegen bleibt sie über Nacht hier,“ erklärte Marc genervt.

„Na, dann ist das ja geklärt. Und jetzt geht in dein Zimmer und stört mich nicht weiter, die anderen Mädchen, die du anschleppst, nimmst du doch auch gleich mit hoch ohne mich damit zu nerven,“ sagte sie unwirsch und wandte sich wieder ihrem Roman zu.

„Sie ist nicht eines von diesen Mädchen, Mutter!“ sagte Marc verärgert.

Verteidigte Marc sie etwa gerade? Oder wollte er nur nicht dass irgendwer dachte er würde mit ihr schlafen?

Wie dem auch sei, seine Mutter reagierte jedenfalls nur mit einem desinteressierten „Wie auch immer,“ ohne nochmal von ihrem Computer aufzusehen.

Marc packte Gretchen am Oberarm und zog sie aus dem Zimmer und in Richtung Treppe.

„Siehst du? Hab' ich dir doch gleich gesagt. Jetzt komm schon mit rauf.“

Immer noch verdattert folgte Gretchen ihm. Marc schien weder überrascht noch sonderlich betroffen über die teilnahmslose Reaktion seiner Mutter auf seine Verletzung zu sein. Offenbar war dieses Desinteresse für ihn normal! Plötzlich tat Marc Gretchen furchtbar leid. Wenn er in einem derart gefühlskalten Elternhaus aufgewachsen war, war es ja kein Wunder, dass Marc ständig so obercool tat und Angst davor hatte Gefühle zuzulassen. Ob sein Vater genauso war wie seine Mutter?

Marc öffnete die Tür zu seinem Zimmer und Gretchen sah sich neugierig um. Im Wesentlichen war es das coole Jungenzimmer, das sie erwartet hatte. In einer Ecke des Raumes, rechts von der Tür, stand ein 1,40 cm großes Bett mit einer Metallstange als Kopfteil. Über dem Bett hing ein großes Knight Rider Poster. Auf der einen Seite neben dem Bett stand ein Nachttisch, auf der anderen ein Relaxsessel. Etwa ein Meter vom Bett entfernt stand ein Hifi-Tisch mit großem Fernseher, Spielkonsole, Videorecorder und Stereoanlage. Gegenüber der Tür gab es einen Schreibtisch, auf dem ein Wirrwarr an Blättern und Fußball-Sticker-Heften herrschte und neben der Tür stand der Kleiderschrank. Jede freie Fläche war mit Fußball-Postern behängt und auf Möbeln und Stühlen lagen T-Shirts, Shorts und Socken herum, an der Wand lehnten Tennis-, Squash-, Hockey- und – zu Gretchens Überraschung - auch Golfschläger und ein Fußball und ein Basketball lagen mitten im Weg auf dem Boden. Was Gretchen allerdings wirklich überraschte war das große, vollgestopfte Regal gegenüber vom Bett, in dem sich keineswegs nur Comics, CDs und Video-Kassetten stapelten, sondern auch jede Menge Bücher. Offenbar las Marc in seiner Freizeit gern, wer hätte das gedacht.

Marc warf Schul- und Sporttasche auf den Boden.

„Ich geh‘ dann mal duschen und was anderes anziehen, ich trage ja immer noch meine verschwitzten Sportsachen. Bring‘ hier bloß nichts durcheinander!“

Gretchen sah ihn fassungslos an. „Nichts durcheinander bringen?! Dein Zimmer ist ein Saustall, nicht mal ein Hurrikan könnte hier noch mehr Chaos anrichten!“

„Die Fußballbilder sind geordnet und die Videos, CDs und Bücher auch,“ erklärte er ungerührt.

Nachdem Marc das Zimmer verlassen hatte konnte Gretchen nicht widerstehen ein bisschen zu stöbern. Wann hatte sie schon mal Gelegenheit einen Einblick in die Welt von Marc Meier zu erhalten? Zuerst sah sie sich die Bücher an, die tatsächlich geordnet waren. Es gab ein bisschen was von Stephen King, Krimis – hauptsächlich Sherlock Holmes – ein paar Bücher von TKKG, die wohl noch aus Marcs jüngeren Jahren stammten und – Gretchen staunte nicht schlecht – ziemlich viel richtige Literatur! Marc hatte „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee, „Die Physiker“ und „Der Richter und sein Henker“ von Dürrenmatt, „Andorra“ von Max Frisch, „Oliver Twist“ von Charles Dickens, „Der Graf von Monte Christo“ von Alexandre Dumas, „Schöne neue Welt“ von Aldoys Huxley, „Hüter der Erinnerung“ von Lois Lowry, „Die Judenbuche“ von Annette von Droste-Hülshoff und viele mehr. Die konnten unmöglich alle für die Schule sein. Es steckte also doch mehr Tiefe hinter Marcs cooler Fassade. Sie hatte es doch gewusst! Von den Videos wurde sie allerdings enttäuscht. Es waren fast nur Action-Filme und -Serien mit dem ein oder anderen Horror- und Science-Fiction-Film dazwischen. Außerdem gab es - wie Gretchen errötend bemerkte - eine große Auswahl an Pornos. Wie war Marc da überhaupt rangekommen?! Die waren alle ab 18!

„Na, suchst du nach Anregungen?“ fragte Marc, der unbemerkt hinter sie getreten war, mit einem dreckigen Grinsen.

Gretchen lief noch röter an und drehte sich zu Marc um. Er war zwar mit Shorts und T-Shirt vollständig bekleidet, aber seine Haare waren noch feucht und wie er da grinsend vor ihr stand sah er einfach verboten sexy aus.

„Ähm, nein! Natürlich nicht! Ich habe nach einem Buch für heute Nacht gesucht“, stotterte Gretchen.

Marcs Grinsen wurde noch breiter. „Zwischen meinen Pornos?“

„Ich hab' eben nicht wirklich geglaubt, dass deine Bücher und Videos sortiert sind, bei dem Chaos, das hier sonst herrscht“, behauptete sie lahm.

„Klar doch. Es wäre weniger peinlich für dich geworden, wenn du einfach zugegeben hättest, dass du rumgeschnüffelt hast.“

Darauf wusste Gretchen nichts zu sagen, also stand sie einfach unschlüssig im Raum rum, während Marc sich auf sein Bett fallen ließ. Die Tabletten-Schachtel in seiner Hand bemerkte sie erst, als er sie öffnete.

„Was ist das?“ fragte Gretchen.

Marc rollte mit den Augen. „Kopfschmerz-Tabletten, Hasenzahn!“

Gretchen kam näher und warf einen Blick auf die Schachtel. Es waren Aspirin.

„Die solltest du besser nicht nehmen bei einer Gehirnerschütterung. Aspirin und Ibuprofen erhöhen die Blutungsneigung. Dadurch kann aus einem kleinen blauen Fleck eine gefährliche Blutung werden. Nimm besser Paracetamol“, riet Gretchen.

„Tja, Klugscheißer, die haben wir aber nicht im Haus und mein Schädel dröhnt wie bei meinem letzten Mega-Kater, also nerv‘ nicht.“

„Wart‘ mal kurz.“ Gretchen kramte in ihrer Schultasche und förderte schließlich ein kleines Täschchen zutage, dessen Inhalt sie auf Marcs Bett schüttete. Der warf einen ungläubigen Blick auf das Sammelsurium an Tabletten-Briefchen.

„Mein Bruder und ich haben sowas immer dabei. Jochen natürlich entsprechende Kinder-Medikamente, er ist erst 10. Papa meint wir sollten auf alles vorbereitet sein.“

Gretchen reichte Marc ein Briefchen Paracetamol-Tabletten, von denen er kopfschüttelnd eine schluckte und mit der mitgebrachten Pepsi runter spülte.

Dann griff er nach der Fernbedienung und Gretchen stoppte ihn wieder.

„Fernsehen solltest du in den nächsten zwei Tagen nicht. Auch keine Video-Spiele und keine Musik, jedenfalls nicht zu laut und mit Bässen. Lesen ist auch nicht gut. Durch all das wird dein Gehirn zu sehr angestrengt und die Kopfscherzen werden schlimmer, wahrscheinlich kommt auch Schwindel und Übelkeit dazu, vielleicht auch Licht- und Geräuschempfindlichkeit“, dozierte Gretchen.

Marc warf ihr nur einen genervten Blick zu und schaltete den Fernseher ein. Er zappte solange herum bis er eine Wiederholung dieser schwachsinnigen neuen Serie über die Autobahnpolizei fand. Gretchen hatte nur die Vorschau gesehen in der immer irgendetwas explodierte und beschlossen, dass es sich nicht lohnte sich sowas anzusehen.

Gerade fand eine wilde Verfolgungsjagd mit lauten Sirenen und flimmerndem Blaulicht statt. Gretchen seufzte. Genau das richtige für jemanden mit einer Gehirnerschütterung. Von dem Lärm und den rasend schnellen Bewegungen wurde ihr schwindelig und sie hatte keinen Ball an den Kopf gekriegt.

Gretchen setzte sich auf den Sessel neben dem Bett und beobachtete Marc besorgt. Wie sie befürchtet hatte dauerte es nur wenige Minuten bis seine Gesichtsfarbe einen ungesunden blassen Ton annahm und sich Schweiß auf seiner Stirn bildete. Trotzdem starrte er trotzig weiter auf den Bildschirm. Sturer Idiot.

Da Marc damit beschäftigt war sie demonstrativ zu ignorieren nutzte Gretchen die Gelegenheit aufzustehen und sich neben ihrer Pepsi auch möglichst unauffällig den Papierkorb neben dem Schreibtisch zu greifen, den Müllbeutel heraus zu nehmen und den leeren Mülleimer unauffällig in Griffweite zu platzieren, als sie sich wieder auf dem Sessel niederließ. Gretchen war ziemlich sicher, dass Marc ihn gleich brauchen würde.

Sie sollte Recht behalten. Weitere fünf Minuten später stöhnte Marc, hielt sich die Hand vor den Mund und versuchte schwankend aufzustehen.

Schnell griff Gretchen sich den Mülleimer, setzte sich neben Marc aufs Bett und hielt ihm gerade noch rechtzeitig den Eimer vors Gesicht.

„Hab ich dir doch gesagt“, murmelte Gretchen, aber ihre Wort klangen eher mitleidig als vorwurfsvoll und sie streichelte Marc beruhigend den Rücken während er sich erbrach.

Als Marc fertig war stellte sie den Eimer neben das Bett und schaltete den Fernseher aus.

„Geht’s wieder?“ fragte sie mitfühlend.

„Wie soll's mir schon gehen, Hasenzahn? Mir ist speiübel, ich hab den Geschmack von Kotze im Mund, mein Schädel dröhnt und es fühlt sich an als würde das ganze beschissene Zimmer sich drehen!“

„Hey, schnauz mich nicht an, ich kann nichts dafür. Denkst du, du schaffst es ins Bad, wenn ich dich stütze? Dann kannst du dir die Zähne putzen.“

„Ja, geht schon,“ meinte Marc und klang jetzt eher peinlich berührt als sauer. Auch wenn er das natürlich nie zugeben würde.

Gretchen wollte Marc gerade den Arm reichen als sie sah, dass Marc nicht nur den Eimer getroffen hatte, als er sich übergeben hatte, sondern auch den Ärmel von ihrem pinken T-Shirt.

„Oh...“ Das Ganze war ihr ziemlich peinlich.

Marc folgte ihrem Blick und sah jetzt wirklich verlegen aus.

„Du kannst eines von meinen Shirts anziehen“, bot er an.

„Danke“, sagte Gretchen.

Sie drehte Marc den Rücken zu und zog schnell ihr Shirt aus und eines, das über dem Schreibtischstuhl hing (und herrlich nach Marc roch), an. Sie hoffte Marc hatte nicht zu viel gesehen, denn es war ein warmer Tag und daher trug sie unter ihrem T-Shirt nur einen BH. Das letzte, was sie wollte, war, dass Marc einen Blick auf ihren unbedeckten Bauch erhaschte. Er machte schließlich auch so schon genug blöde Bemerkungen über ihre Figur.

Nachdem sie sich umgezogen hatte half Gretchen Marc auf und aus seinem Zimmer heraus. Ihm war offenbar wirklich schwindelig, denn er stützte sich auf dem ganzen kurzen Weg ins Bad auf sie. Sie musste gleich unbedingt nochmal seinen Puls fühlen. Im Bad stützte Marc sich mit einer Hand auf dem Waschbecken ab, während er sich mit der anderen rasch die Zähne putzte, bevor er sich von Gretchen wieder in sein Zimmer helfen ließ.

Dort half Gretchen Marc sich aufs Bett zu setzen und rückte sein Kopfkissen zurecht, damit er bequem liegen konnte. Dann griff sie nochmal in ihre Schultaschen-Apotheke und reichte Marc noch eine Paracetamol und eine Vomex.

„Die andere Tablette hilft gegen Übelkeit“, erklärte Gretchen.

Ihr Blick fiel auf eine Mineralwasser-Flasche, die neben der Pepsi auf dem Nachttisch stand.

„Du schluckst die Tabletten diesmal besser mit Wasser, ist besser für den Magen“, riet Gretchen und zu ihrer Überraschung hörte Marc auf sie.

Er legte sich hin und Gretchen ließ die Rollos an seinem Fenster herunter.

„Zu viel Licht ist gerade nicht gut für dich. Ich bin gleich wieder da.“

Gretchen griff nach dem Mülleimer, in den Marc sich erbrochen hatte, und ihrem T-Shirt und nahm beides zum säubern mit ins Bad. Außerdem brachte sie aus dem Badezimmer einen mit kühlem Wasser getränkten Waschlappen mit.

Als sie zurück ins Zimmer kam stellte sie den Mülleimer ab und hängte ihr T-Shirt zum Trocknen über den Schreibtisch-Stuhl. Dann setzte sie sich neben Marc aufs Bett und legte ihm das feuchte Tuch über Augen und Stirn.

„Ich fühle nochmal deinen Puls“, erklärte sie in sanftem Ton.

Der Puls war etwas langsam, aber nicht besorgniserregend.

„Versuch ein bisschen zu schlafen“, riet sie Marc anschließend.

„Würd ich ja gern, aber es fühlt sich an als würde das verdammte Bett sich drehen. Außerdem ist mir immer noch schlecht und mein Kopf tut weh“, maulte Marc.

„Gib den Tabletten noch ein paar Minuten Zeit um zu wirken, dann sollten die Kopfschmerzen und die Übelkeit weg gehen.“ Gretchen zögerte. „Bei Schwindel hilft es normalerweise einen festen Punkt zu fixieren, aber du hast ja die Augen zu. Es kann auch helfen sich auf einen taktilen Reiz zu konzentrieren“, sagte Gretchen und nahm Marcs Hand.

Okay, das mit dem taktilen Reiz war schlicht erfunden und einen festen Punkt zu fixieren half wohl nur gegen Seekrankheit. Aber sie hoffte, dass es Marc doch ein bisschen gut tun würde, wenn sie tröstend seine Hand hielt. Und ohne die Ausrede hätte er das nie zugelassen.

Marcie Offline

Student:

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08.04.2018 00:42
#5 RE: Story von Marcie - "Schulsanitäterin Haase im Einsatz" Zitat · antworten

Kapitel 5

Ob es nun die beruhigende Wirkung ihrer zärtlichen Geste war oder einfach die Tatsache, dass die Medikamente wirkten, wusste Gretchen nicht, jedenfalls war Marc etwa 10 Minuten später eingeschlafen.

Gretchen sah auf die Uhr, damit sie wusste, wann sie Marc wecken musste. Dann verfrachtete sie das Chaos auf Marcs Schreibtisch kurzerhand auf den Boden und machte sich an ihre Hausaufgaben. Die Lehrer hatten bei der Hitze ein Einsehen gehabt und ihnen wenig aufgegeben, sodass Gretchen mit ihren Hausaufgaben bereits fertig war, als es Zeit wurde Marc zu wecken.

Sie setzte sich neben Marc aufs Bett und berührte ihn sanft an der Schulter. „Marc, wach auf...“

Marc öffnete die Augen und sah sie etwas verschlafen an. Er sieht so süß aus mit verwuschelten Haaren und diesem verschlafenen Blick. Rasch rief Gretchen sich selbst zur Ordnung. Sie war nicht hier um Marc anzuschmachten, sondern um sicher zu stellen, dass es ihm gut ging.

„Wie geht’s dir?“

Marc setzte sich im Bett auf und Gretchen bemerkte erleichtert, dass er bei der Bewegung nicht mehr schwankte. Auch seine Gesichtsfarbe sah wieder gesünder aus.

„Ganz gut. Noch ein bisschen Kopfschmerzen, sonst okay.“

„Das ist gut. Wenn du magst kannst du jetzt weiter schlafen.“

„Ne, schon okay, ich fühle mich ja wieder ganz fit. Außerdem habe ich Hunger.“

Marc sah auf die Uhr. Es war kurz nach 16 Uhr. „Kein Wunder, ich habe seit der Pause heute Morgen nichts mehr gegessen. Hast du schon was gegessen, während ich geschlafen habe?“

„Nein, hab‘ ich nicht. Ich wollte dich nicht allein lassen. Außerdem kann ich doch nicht einfach bei euch in die Küche gehen und mich bedienen, “ sagte Gretchen verlegen.

„Klar kannst du. Meine Mutter hat nix dagegen, solange du sie in Ruhe schreiben lässt. Aber okay, dann kannst du ja gleich für uns beide was zu essen machen.“

„Wieso denn ich? Du wohnst doch hier.“

„Und ich bin verletzt! Ich dachte du bist hier um dich um mich zu kümmern. Außerdem: Sehe ich aus als könnte ich kochen?“

Gretchen rollte die Augen. „Ich bin hier um deinen Gesundheitszustand zu überwachen, nicht um dich zu bedienen. Was machst du denn sonst, wenn deine Mutter zu beschäftigt zum Kochen ist?“

„Tiefkühlpizza oder Lieferservice, was sonst?“

„Worauf hast du denn Lust?“ fragte Gretchen.

Marc grinste anzüglich und einen Moment wusste Gretchen nicht warum, bis ihr auffiel, wie man ihre Worte deuten könnte.
Gretchen wurde rot und Marcs Grinsen wurde noch breiter. Na, dem scheint’s ja wirklich besser zu gehen.

„Boah, Marc! Ich meine was du essen möchtest!“

„Wie wär’s mit Sushi?“ schlug Marc vor.

Gretchen verzog das Gesicht. „Igitt. Ich werde nie verstehen wie man rohen Fisch mit Seetang essen kann.“

„Hätte ich mir denken können. Pizza?“

Darauf konnten sie sich einigen. Marc holte eine Karte von einer Pizzeria aus der obersten Schublade seines Schreibtisches und sie bestellten Hawaii für Gretchen und Speciale für Marc. Als es eine halbe Stunde später klingelte wollte Gretchen ihr Portemonnaie herausholen, um Marc das Geld für ihre Pizza zu geben, aber der winkte ab.

„Schon gut. Wenn du schon Krankenschwester spielst kann ich wenigstens für deine Verpflegung sorgen.“

Nachdem sie gegessen hatten machte Marc es sich wieder im Bett bequem und schaute Gretchen, die im Sessel neben ihm saß, auffordernd an.

„Tja, Hasenzahn und was machen wir jetzt? Da ich diesen tollen Sommer-Nachmittag im abgedunkelten Zimmer verbringen soll und du fernsehen, zocken und lesen auf die Verbotsliste gesetzt hast bleibt nicht mehr viel.“

Das stimmte allerdings. Darüber hatte sie überhaupt nicht nachgedacht. Hier saß sie mit Marc Meier, der nun gar nicht mehr schläfrig wirkte, in seinem Zimmer und hatte keine Ahnung, was sie mit ihm anfangen sollte. Okay, das war nicht so ganz wahr. Es gab schon ein paar Dinge, die sie gerne mit Marc machen würde, aber daran sollte sie jetzt besser nicht denken…

„Wir könnten ja was spielen“, schlug Gretchen vor.

Marc sah sie verständnislos an. „Spielen?“

„Ja. Monopoly oder Scrabble oder so.“

Marc grinste anzüglich. „Also unter Spielen verstehe ich ein bisschen was anderes, Hasenzahn.“

„Mensch, Marc! Denkst du eigentlich auch mal an was anderes?!“

Er lachte. „Selten. Aber im Ernst, wir haben gar keine Brettspiele. Nur Karten und Würfel. Wir könnten meiern, passt doch.“

„Meiern?“

„Sag bloß das kennst du nicht?“

Gretchen schüttelte den Kopf.

Marc lachte. „Naja, sollte mich eigentlich nicht überraschen. Ist ein Partyspiel. Ein Saufspiel, um genau zu sein.“

Gretchen sah Marc missbilligend an. „Marc, nur weil es dir besser geht heißt das nicht, dass du anfangen kannst zu saufen!“

Er seufzte gespielt theatralisch. „Ist ja gut, war mir irgendwie klar, dass das auch auf dem Index steht. Aber mal im Ernst, wenn wir das Spiel ein bisschen abwandeln geht’s auch ohne Saufen.“

Marc holte einen Würfelbecher mit zwei Würfeln aus einer Schublade. „Also pass auf, normalerweise geht das so: Wir würfeln abwechselnd mit zwei Würfeln. Wer gewürfelt hat guckt unter den Becher ohne dem, der als nächstes dran ist, den Wurf zu zeigen. Man kann dann entweder nochmal würfeln oder sich mit dem Wurf zufrieden geben. Dann sagt man dem nächsten, was man gewürfelt hat. Du musst aber nicht die Wahrheit sagen, kannst auch bluffen und behaupten, du hättest was anderes gewürfelt. Der nächste muss dann entscheiden, ob er dir glaubt oder ob er dir vorwirft zu lügen. Saufen muss wer die niedrigste Zahl hat, wer beim Flunkern erwischt wurde oder wer seinen Mitspieler fälschlich beschuldigt hat zu lügen. Wichtig ist noch, dass ein Pasch immer höher ist als andere Zahlen. Eine 11 ist also besser als eine 65, klar? Tja und dann gibt es noch eine nette Ausnahme und das ist die 21. Das ist das Beste, was es gibt, deswegen heißt’s auch Meier, “ erklärte Marc mit einem Zwinkern.

Gretchen lachte. „Kein Wunder, dass du das Spiel magst.“

„Ja, wer das erfunden hat muss von mir gehört haben. Außerdem ist es echt lustig, vor allem mit steigendem Alkoholpegel. Aber da du ja die Spaßbremse spielen musst, dachte ich mir wir spielen einfach mit Punkte zählen. Bei einem Pasch hängen wir eine 0 dran. Und ein Meier ist dann natürlich glatte 1000 Punkte wert. Die Runde gewinnt wer als erstes 1000 Punkte hat. Wie klingt das?“ fragte Marc.

„Nach zu viel rechnen für einen Freitagabend. Ich finde wir sollten die ursprünglichen Regeln beibehalten, nur dass der Verlierer nicht trinken, sondern eine Frage des anderen beantworten muss. Aber ehrlich!“ schlug Gretchen vor und hoffte, dass Marc einverstanden wäre. Das war die Gelegenheit den coolen Marc besser kennen zu lernen.

„Das ist dann ja quasi ‚Wahrheit oder Pflicht‘ in der Feiglings-Variante ohne Pflicht. Ne, Hasenzahn, ist doch Kindergarten.“

Das hatte sie befürchtet. Aber so leicht würde Gretchen nicht aufgeben.

„Ich glaub‘ ja eher, dass du der Feigling bist“, stellte sie herausfordernd fest.

Wie sie erwartet hatte reagierte Marc empört. „Ich ein Feigling? So ein Blödsinn! Wie kommst du auf so eine Schwachsinns-Idee?“

„Ich glaube du hast Angst, dass dein cooles Image leidet, wenn ich durch deine Antworten einen Blick auf den wahren Marc erhasche.“

„Ich hab‘ vor gar nichts Angst, Hasenzahn. Und auch auf die Gefahr hin deine Klein-Mädchen-Träume zu zerstören: Der coole Typ, den du aus der Schule kennst, ist der wahre Marc. Also gut, spielen wir meinetwegen nach deinen Regeln.“

Gretchen unterdrückte ein Grinsen. Manchmal war Marc einfach so herrlich leicht zu durchschauen.

Ja, das Kapitel ist kürzer als die davor. Aber so habt ihr die Gelegenheit Euch aktiv einzubringen, wenn ihr mögt. Falls es eine oder mehrere Frage(n) gibt, von denen ihr möchtet, dass Marc oder Gretchen sie beantworten könnt ihr mir das gerne in die Kommentare schreiben.

Marcie Offline

Student:

Beiträge: 107

25.04.2018 15:45
#6 RE: Story von Marcie - "Schulsanitäterin Haase im Einsatz" Zitat · antworten

So, hier kommt ein extra langes Kapitel. Nochmal vielen Dank an Karo, von der fast alle Fragen stammen. Alle konnte ich nicht einbauen, sonst wäre es einfach zu lang geworden. Ich hoffe das ist okay.

Kapitel 6

Marc rutschte ein Stück und klopfte einladend auf den Platz neben sich im Bett.

„Komm rauf, Spielwiese ist hier.“

„Marc!“

Er rollte die Augen. „Boah, Hasenzahn, ich werd‘ dich schon nicht angrabschen. Und das Bett ist seit dem letzten Sex bezogen worden. Also hab‘ dich nicht so.“

Gretchen ließ sich gegenüber von Marc auf dem Bett nieder und er ließ sie zuerst würfeln. Sie würfelte eine 31. Was für ein toller Start. Also entschloss sie sich nochmal zu würfeln und hatte diesmal eine 43.

„43.“

Marc würfelte einmal. „54.“

„Will ich sehen“, verlangte Gretchen.

„Heißt dass du beschuldigst mich zu lügen?“

Gretchen nickte und Marc deckte auf. Es war wirklich eine 54.

„Aber netter Versuch, Hasenzahn. Ohne hättest du auf jeden Fall verloren. Also, mal überlegen was ich dich schönes fragen kann...“ sagte Marc mit einem dreckigen Grinsen.

Jetzt wurde Gretchen ein wenig nervös. Was auch immer er fragen würde wäre ziemlich sicher unter der Gürtellinie.

„Hast du schon mal rumgeknutscht?“

Gretchen war erleichtert, sie hatte Schlimmeres befürchtet.

„Ich wurde schon geküsst, ja.“

Von dir! Vor drei Jahren im Garten. Hast du das etwa vergessen?

Zu Gretchens Überraschung verdrehte Marc die Augen.

„Ich hab‘ nach rumknutschen gefragt, nicht nach küssen, Hasenzahn!“

„Wo ist denn da bitte der Unterschied?“ wollte Gretchen wissen.

„Küssen kann ein ganz harmloses FSK 6 Küsschen sein. Knutschen ist länger und mit Zunge. Die Hände bleiben dabei auch nicht untätig und meistens verschwinden sie auch mal unter dem Shirt. Und wenn der Typ es gut macht bist du danach so richtig schön heiß und kannst den Hauptgang kaum abwarten“, erklärte Marc mit einem frechen Grinsen.

Gretchen wurde rot.

„Also?“ hakte Marc nach. „Schon mal gemacht?“

„Ähm, nein. Also nicht nach deiner Definition, wobei ich keineswegs sicher bin, ob die allgemeingültig ist.“

Marc lachte. „Hab‘ ich mir gedacht. Also weiter.“

Er würfelte, wieder nur einmal. „55.“

Wenn das stimmte war ihre Chance das zu überbieten extrem gering, also probierte Gretchen ihr Glück.

„Du lügst.“

Er seufzte. „Okay, hast mich erwischt. Es war nur ‘ne 32. Also, was willst du wissen?“

Gretchen überlegte eine Weile.
„Wenn du drei Wünsche frei hättest, was würdest du dir wünschen?“

„‘Nen gut bezahlten Job mit genug Leuten die ich rumscheuchen kann, ein schickes Penthouse und einen Porsche.“

„Wirklich? Wenn du alles haben könntest wäre es so was? Nur Materielles, Statussymbole?“ fragte Gretchen ungläubig.

„Klar, was denn sonst?“

„Liebe zum Beispiel.“

Marc seufzte. „Komm mal raus aus deiner rosa Traumwelt, Hasenzahn. Geld und Statussymbole sind Sicherheit, Macht und ein gutes Leben. Davon hast du auf lange Sicht mehr.“

„Nein, hast du nicht! Liebe ist das was dir am meisten gibt!“ widersprach sie heftig.

Marc rollte die Augen. „Ja, klar. Los, würfel lieber.“

Sie würfelte eine 65 und sagte das wahrheitsgemäß, doch Marc überbot mit einem 4er Pasch.

„Das mit dem taktilen Reiz bei Schwindel hast Du Dir doch bestimmt ausgedacht, um mit mir Händchen zu halten, hab ich Recht?“ fragte Marc und sah sie dabei interessiert an.

Mist. Na schön, sie hatte ja auf Ehrlichkeit bestanden.

„Ja und nein.“

„Wie jetzt? Ja oder nein?“ hakte Marc nach.

„Ja zu ‚ich hab mir das nur ausgedacht‘. Aber nicht, weil ich mit dir Händchen halten wollte. Ich wollte dich damit trösten, dachte aber du lässt mich nicht wenn ich das einfach so mache.“

Marc sah sie ehrlich verblüfft an und ausnahmsweise verschlug es ihm die Sprache.

„Hat es dich getröstet?“ wollte Gretchen wissen.

„Hast du deine eigenen Regeln vergessen, Hasenzahn? Antworten auf Fragen musst du dir erst verdienen.“

Marc würfelte und strahlte. „Meier.“

„Ja, klar. Glaub ich dir nicht.“

„Ist aber so.“ Marc zeigte es ihr und stellte auch einen Moment später schon seine nächste Frage.

„Hast Du´s Dir schon mal selbst gemacht?“

Gretchen schluckte. „Was?!“

Marc lachte. „So naiv kannst nicht mal du sein, du hast schon verstanden.“

Gretchen wurde puterrot. „Nein.“

„Das kauf ich dir nicht ab. Du bist 16, bestimmt hast du dich schon mal selbst befriedigt!“

„Nein, hab ich nicht! Ehrlich.“

Marc schüttelte verblüfft den Kopf.

„Also, Hasenzahn, entweder bist du komplett frigide oder du wirst sowas von abgehen, wenn’s dir zum ersten Mal jemand macht, der weiß was er tut.“

War das ein Angebot?

Um die peinliche Situation zu beenden griff Gretchen nach den Würfeln. Sie hatte ein 2er Pasch, was Marc ihr nicht glauben wollte, also durfte sie wieder fragen. Zum Glück.

„Warum schläfst Du mit Mädchen, die Dir nichts bedeuten?“

Marc guckte sie an als wäre sie verblödet. „Weil’s Spaß macht natürlich.“

„Das reicht mir nicht. Spaß würd’s dir auch mit einer machen, die du echt gern hast. Vielleicht sogar mehr. Also warum immer Mädels, bei denen jeder merkt, dass sie dir völlig egal sind?“

„Weil es um Sex geht und nur darum, klar? Hab echt keinen Bock den Mädels Blumen zu kaufen, mir ihre Geburtstage zu merken und ihre Alten kennen zu lernen nur weil ich die Tussen ein paar Mal gebumst habe, klar?“

Gretchen schüttelte fassungslos den Kopf, und würfelte zweimal, erst eine 31, dann eine 42.

„44“, probierte sie zu bluffen.

Marc lachte. „Hasenzahn, versuch bloß nie Poker zu spielen, du bluffst dermaßen schlecht.“

Gretchen seufzte und deckte ihren Wurf auf, während Marc schon über seine nächste Frage nachdachte.

„Warum trägst Du eigentlich immer so scheiß Klamotten?“ fragte er schließlich. „ Dass Du nervst, lässt sich nicht ändern aber dass Du dabei noch scheiße aussiehst, schon. Naja, wenigstens ein bisschen...“

Gretchen sah Marc beleidigt an. „Was ist denn an meinen Klamotten auszusetzen?“

Marc zog die Augenbrauen hoch. „Wo soll ich da anfangen…“

„Mir gefallen die Sachen! Ich weiß echt nicht was dich daran stört.“

„Die Sachen sehen aus wie das was eine Sechsjährige ihren Barbies anziehen würde – eine farbenblinde Sechsjährige. Kriegt man ja Augenkrebs von. Außerdem trägst du meistens mehrere Lagen übereinander und deine Shirts sind immer so hoch geschlossen und weit geschnitten, dass man gar nicht sieht, dass du eigentlich ganz hübsche Titten hast.“

Moment, war das gerade ein Kompliment? Hat Marc Meier mir gerade ein Kompliment über mein Aussehen gemacht? Zwar nur über meine Brüste, aber immerhin. Moment!

„Woher willst du denn wissen wie meine Brüste aussehen?“

Marc deutete auf seinen Kleiderschrank. Zuerst begriff Gretchen nicht was er damit meinte, dann wurde ihr klar, dass man vom Bett aus den Schreibtisch im Spiegel des Schranks sehen konnte. Den Schreibtisch vor dem sie gestanden hatte als sie das T-Shirt gewechselt hatte.

„Du hast mich beim Umziehen beobachtet?!“ fragte Gretchen fassungslos.

Marc grinste und zuckte die Schultern. „Hättest ja ins Bad gehen können.“

„Ich bin hier geblieben weil es dir so dreckig ging! Ich hab‘ mir echt Sorgen gemacht! Außerdem dachte ich so mies wie’s dir ging hättest du andere Sachen im Kopf als zu spannern!“

„Tja, falsch gedacht.“

Gretchen schäumte vor Wut. Sie war wild entschlossen Marc mit ihren nächsten Fragen so richtig zu ärgern. Der konnte was erleben! Doch trotz ihres Zorns fühlte sich ein kleiner Teil von ihr geschmeichelt, dass Marc sie interessant genug gefunden hatte um wissen zu wollen wie sie ohne Shirt aussah. Und was er gesehen hatte hatte ihm offenbar gar nicht so schlecht gefallen.

Gretchen sah Marc böse an, aber der grinste nur und würfelte zweimal.

„52.“

Gretchen würfelte und lächelte triumphierend. „11. Warum will keine ein zweites Mal mit Dir ins Bett?

„Bitte?! Wer sagt das?“

„Alle. Also?“

„Also erstens stimmt das nicht. Mit einigen aus unserer Schule treib` ich es öfter. Gibt schon ein paar Mädels die einen guten Fick ohne Komplikationen zu schätzen wissen. Die anderen zicken halt rum wenn ich sie danach nach Hause schicke. Was kann ich dafür, wenn die sich in mich verknallen? Hab‘ jedenfalls nie einer was vorgemacht.“

Gretchen schüttelte den Kopf. „Du bist echt ein Arsch, weißt du das?“

„Auch schon gemerkt?“

„Hast Du eigentlich keine Angst, Dir was wegzuholen?“ fragte Gretchen fassungslos.

Marc lachte. „Normalerweise würde ich jetzt wieder sagen Antworten auf Fragen musst du dir verdienen, aber diese ist so offensichtlich, dass es die gratis gibt: Ich mach’s nie ohne Gummi.“

Na wenigstens etwas.

Gretchen würfelte eine 33. Marc würfelte zweimal, kam aber nur auf eine 53.

Sie beschloss Marc noch etwas weiter zu triezen, hatte er schließlich verdient nachdem er sie beim Ausziehen beobachtet hatte.

„Brauchst Du die Pornos, weil die Tussis in Deinem Bett scheiße sind oder brauchst Du die, weil Du nicht so gut bist wie Du denkst?“

Marc sah Gretchen verärgert an. „Weder noch. Natürlich bin ich gut, ich kenn‘ alle Tricks mit denen ich ein Mädel im Bett verrückt machen kann. Und wie ich dir schon sagte bevorzuge ich erfahrene Mädchen, die sehr gut wissen, wie sie mich zufrieden stellen können. Die Pornos sind – um es mit einem Bild zu beschreiben das du verstehst – eine kleine Zwischenmahlzeit.“

Na super, jetzt muss der wieder so anfangen.

Marc würfelte ein 6er Pasch, das Gretchen nicht überbieten konnte.

Er grinste diabolisch. Anscheinend hatte er vor jetzt seinerseits Gretchen ein bisschen zu ärgern.

„Welche Kleidergröße trägst du?“

Na super. das Arschloch wusste genau, dass Gretchen Gespräche über ihr Gewicht unangenehm waren. Doch dann kam ihr eine Idee. Sie trug ja gerade Marcs Shirt! Gretchen zog am Kragen des Shirts und verrenkte den Hals, um das Schildchen lesen zu können.

„M“, antworte sie mit einem Lächeln.

Marc schien einen Moment zu überlegen, ob er ihr das durchgehen lassen sollte, doch dann lachte er.

„Gut gekontert, Hasenzahn.“

Gretchen würfelte eine 32, Marc überbot mit einer 51.

Er grinste. „Bist du überall blond gelockt?“

Gretchen wurde rot. Idiot. „Nein. Also nicht so hell“, stotterte sie und Marc lachte über ihre Unbeholfenheit.

Diesmal überbot Gretchen Marcs 43 mit einem 5er Pasch.

„Warum hast du mich damals geküsst?“

Marc sah sie überrascht an. „Wie bitte?“

„Du hast mich geküsst. Bei mir im Garten. Im Sommer nach meinem 7. und deinem 8. Schuljahr. Und behaupte jetzt nicht du wüsstest davon nichts mehr. Also: Warum?“

Gretchen sah Marc auffordernd an und diesmal war er es, der äußerst peinlich berührt wirkte und ihr nicht in die Augen sehen konnte.

„Ich hab‘ mir schon als Kind so eine Art Trick angewöhnt. Wenn alles mies war und ich einfach nur weg wollte hab‘ ich das einfach gemacht. Nicht in echt, das ging ja nicht, aber im Kopf. Als Kind habe ich mir dann vorgestellt auf einem Piratenschiff zu sein oder so. Aber mit 15 war das einfach nicht mehr spannend. Also brauchte ich eine neue Phantasie. Und auch wenn’s kaum zu glauben ist, ich hatte bis dahin noch keine geküsst, also wusste ich ja nicht wie sich das anfühlt, um es mir dann später vorzustellen. Da hab‘ ich’s eben an dir ausprobiert.“

Gretchen wusste gar nicht, wo sie bei der Verarbeitung dieser Info ansetzen sollte. Das klang als sei Marc ziemlich unglücklich gewesen, wenn er sich weg träumen musste. Warum bloß? Und war er immer noch unglücklich? Und dann war da noch die Info dass sie –Gretchen Haase – das erste Mädchen gewesen war, dass Marc geküsst hatte. Wow!

„Warum ich?“ hakte sie nach. „Es gab doch ein Dutzend Mädchen, die dich sicher gern geküsst hätten?“

„Nur ein Dutzend?“ fragte Marc mit hochgezogener Augenbraue. „Das ist ja wohl die Untertreibung des Jahrhunderts!“ Dann seufzte Marc. Ihm war das Thema wohl unangenehm. „Und was deine Frage angeht: Dafür gab’s zwei Gründe. Erstens wollte ich nicht, dass es ein Mädchen ist, bei der ich am nächsten Tag Schwierigkeiten hätte mich an ihr Gesicht zu erinnern. Hätte das Zurückrufen der Erinnerung wenn ich sie brauche ziemlich erschwert. Und zweitens.... Es war mein erster Kuss, ich wusste gar nicht so richtig, was ich da tue, okay? Und bei dir war ich sicher, dass du dich nicht über mich lustig machen würdest, wenn es scheiße ist, zufrieden?“

Gretchen nickte. Sie war sogar mehr als zufrieden mit der Antwort. Und deswegen (und weil Marc immer noch verlegen zu Boden guckte) fügte sie ehrlich hinzu.

„War übrigens gar nicht scheiße.“

Jetzt sah Marc auf. „Echt nicht?“

Gretchen lächelte und schüttelte den Kopf. „Ich fand’s schön.“

Marc grinste. „Dann müsstest du mal erleben wie ich heute küsse. Bin um einiges besser geworden.“

Gretchen wurde rot und ihr Herz schlug schneller. „Ich hätte nichts dagegen das zu testen.“

Hab ich das gerade wirklich gesagt?!

Aber Marc reagierte nicht mit einem dummen Spruch, sondern rutschte näher zu Gretchen und zog sie in die Arme. Einen Moment später waren seine Lippen auf ihren. Anders als vor drei Jahren blieb es nicht bei der kurzen Berührung. Marc streichelte ihre Lippen mit seinen und leckte schließlich sanft neckend mit der Zunge ihre Unterlippe. Es dauerte einen Moment bis Gretchen die stille Bitte um Einlass verstand, doch dann öffnete sie ihren Mund leicht und ließ zu, dass Marcs Zunge in ihren Mund glitt und zärtlich mit ihrer spielte.

Als Marc den Kuss beendete schlug Gretchens Herz bis zum Hals.

„Und?“ fragte Marc mit einem Lächeln.

Gretchen musste ein paar mal schlucken, bis sie ihrer Stimme wieder einigermaßen traute. Doch sie klang immer noch etwas heiser und außer Atem, als sie antwortete.

„Ja, du bist wirklich besser geworden.“

Marc räusperte sich. „Also, wollen wir weiter machen? Du bist dran mit würfeln.“

Was?! Wie konnte Marc nur nach diesem Kuss so schnell wieder zur Tagesordnung übergehen? Gretchen war immer noch schwindelig.

Trotzdem griff sie nach dem Würfelbecher und würfelte. Sie hatte ein 2er Pasch, das Marc nicht überbieten konnte.

Durch Marcs Offenheit und den Kuss ermutigt stellte Gretchen eine Frage, die sie schon lange beschäftigte.

„Warst Du jemals in ein Mädchen verliebt?“

Marc zuckte die Achseln. „Weiß nicht.“

„Wie kann man denn so was nicht wissen?“ fragte Gretchen ungläubig nach.

„Du wusstest nicht wie rumknutschen sich anfühlt und deswegen auch nicht ob du’s schon mal gemacht hast und ich weiß halt nicht wie sich verliebt sein anfühlt und deswegen eben auch nicht, ob ich es schon mal war.“

„Ich schätze dann warst du’s noch nicht. Wenn man verliebt ist dann weiß man das einfach, das kannst du nicht nicht bemerken. Du denkst dann nur noch an diese eine Person und träumst davon denjenigen zu küssen. Immer wenn ihr euch seht schlägt dein Herz schneller und bei jeder Berührung prickelt deine Haut als wäre sie elektrisch geladen“, erklärte Gretchen.

Marc sah sie nachdenklich an. „Das klingt so als würdest du das kennen.“

„Naja, kann ja nicht jeder nur auf unverbindlichen Sex stehen“, antwortete sie und hoffte, dass Marc nicht nachhaken würde.

Gretchen atmete erleichtert auf, als Marc sich damit zufrieden gab und würfelte. Gretchen konnte Marcs 54 nicht überbieten, also war er wieder mit fragen dran.

„Was würdest Du tun, wenn Du ein Tag ein Junge wärst? Ein beliebter Junge.“

Gretchen musste nicht lange überlegen.

„Die größte Außenseiterin um ein Date bitten.“

Marc verzog das Gesicht. „Ein Mitleids-Date?“

„Nein, du Arsch, kein Mitleids-Date! Wenn ich zu eurer ach so coolen Jungs-Gang gehören würde, würd`s mich interessieren wie jemand die Welt sieht, der ganz anders ist und Dinge, die ich täglich erlebe, von außen betrachtet. Ich würde wissen wollen, ob ihre Perspektive meine Weltsicht ändern könnte.“

Marc sah sie mit einem seltsamen Gesichtsausdruck zwischen Amüsiertheit und Interesse an.

„Du glaubst du könntest meine Weltsicht verändern?“ fragte er.

Gretchen nickte. „Ja, das glaube ich.“

Marc hatte noch immer einen nachdenklichen Gesichtsausdruck als er zweimal würfelte. Gretchen überbot Marcs 43 mit einer 52.

Sie beschloss Marc nach einem der Bücher zu fragen, die sie bei ihm gesehen hatte. Erstens wollte sie wissen, ob er die tatsächlich gelesen hatte und zweitens fand sie, dass das, was Menschen über Bücher dachten, viel über sie aussagte.

„Welcher Charakter aus Brave New World wärst du gerne?“

Marc dachte einen Moment nach. „Mustapha Mond, schätze ich.“

„Weil er der große Boss ist? Der Weltaufsichtsrat?“ fragte Gretchen nach.

„Das auch, ja. Vor allem aber, weil er der einzige ist, der den Durchblick hat. Die meisten anderen kennen ja nur das System und stellen es nie in Frage, weil sie entweder zu wenig Grips oder zu wenig Mut haben. Andere haben nur bedingt die Möglichkeit zu entscheiden, ob das System an sich gut ist, weil sie von außen kommen und da einfach nicht reinpassen, wie John. Manche sind unzufrieden mit dem System, haben aber nicht den Mumm oder den Einfluss etwas zu ändern, so wie Bernhard und Helmholtz. Mond ist clever, vielleicht der cleverste Charakter im ganzen Stück. Und ein Feigling ist er auch nicht. Er hat außerdem Macht, die Macht etwas zu ändern. Aber er hat sich mit den Gewinnen und Verlusten durch das neue System auseinandergesetzt und ist zu dem Schluss gekommen, dass sie in der bestmöglichen Welt leben und dass diese Welt es wert ist mit Einschränkungen zu leben.“

„Ohne Liebe und ohne Freiheit?“ Gretchen schüttelte den Kopf. „Keine Welt kann das wert sein.“

„Dann wärst du wohl gerne John, was? Der Typ aus dem Reservat, der ohne jeden Luxus, ohne Privilegien und ohne Aufstiegschancen und noch dazu als Außenseiter – weil der einzige Weiße – aber mit Freiheit und Liebe aufgewachsen ist. Dann kommt er in die Zivilisation, neugierig alles kennen zu lernen wovon er bisher nur gehört hat und in der Hoffnung seine kranke Mutter zu retten. Und was hat er davon? Er wird zur Zirkusattracktion, seine Mutter kratzt trotz moderner Medizin ab, er verliebt sich in ein Mädel, das nur Sex will und bringt sich am Ende um.“

„Er bringt sich nicht um, weil seine Erwartungen überzogen sind, sondern weil die Welt, in die er kommt, von allen natürlichen Gefühlen so weit weg ist, dass sie ihm nicht geben kann, was er braucht. Die Welt ist krank, nicht John“, widersprach Gretchen.

„Und unsere Welt ist es nicht?“ fragte Marc mit einer Heftigkeit, die Gretchen überraschte. „Ja, wir haben Liebe, wie toll! Es sei denn die Liebe wird zu Fanatismus oder man liebt jemanden, der einen nicht liebt oder der sich nach der ersten netten Zeit als Arschloch entpuppt. Dann bleibt von der Liebe nichts außer einem Haufen Scheiße. Und Freiheit? Glaubst du wirklich wir wären frei, Hasenzahn? Das ist Blödsinn. Wenn dein großer Traum wäre eine gefeierte Künstlerin zu werden, die nur Badewannen bemalt, würdest du das tun? Nein, würdest du nicht. Du musst nämlich bei der Berufswahl auch darauf achten, wie die Chancen stehen damit Geld zu machen. Und es gibt noch jede Menge weitere Dinge zu beachten. Könntest du so einfach nach Grönland ziehen, wenn das dein Herzenswunsch wäre? Nein, denn hier bist du gebunden, an jede Menge Menschen. Ganz zu schweigen davon, dass viele Leute einfach zu arm oder zu krank sind, um machen zu können was sie wollen. Sieh’s ein, Hasenzahn, wir sind genauso wenig frei wie die Leute in ‚Brave New World‘. Nur uns geht’s mies damit, denen nicht. Hier jagen die Leute vergeblich der großen Liebe und dem völlig frei gewählten Traumjob hinterher und sind dabei immer unglücklich. Dort kriegen die Leute den Job, der aufgrund ihrer vorher festgelegten Genetik am besten zu ihnen passt, Liebe und Freiheit kennen sie nicht und vermissen sie daher auch nicht. Und wenn sie doch mal schlecht drauf sind gibt’s Gute-Laune-Drogen und `nen schönen Gruppenfick und alles ist wieder in Butter.“

Darauf wusste Gretchen nichts zu sagen. Marcs desillusionierte Sicht der Dinge machte sie furchtbar traurig und sie fragte sich wie schon so oft, was Marc wohl erlebt hatte, das ihn so zynisch gemacht hatte.

„Ich bin müde, Hasenzahn. Ich hau mich hin. Nacht.“

 Sprung  
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