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Dieses Thema hat 15 Antworten
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 Erfindet eure eigene Fortsetzung!
Luedd Tiny Offline

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Beiträge: 215

07.03.2016 20:58
Kopf über Herz von Luedd Tiny Zitat · antworten

Hallo ihr Lieben

Ja, es ist soweit. Ich trau mich nochmal. Und da meine Internet jetzt auch eeeeeendlich wieder funktioniert,
kann es ja auch los gehen.

Die Story setzt an die letzte Folge der dritten Staffel ab der Szene in Marc´s Büro an. Welche genau, werdet ihr gleich lesen. Die meisten werden diese Szene bestimmt mitsprechen können :-) Wie es dann so weiter geht - lasst euch überraschen !

Kommentare könnt ihr gerne auf meine bisherige Kommentarseite hinterlassen. Würde mich auf jeden Fall sehr freuen.

Viel Spaß beim Lesen.

LG Luedd Tiny

****************************************************************************************************




G:Marc?............OLIVIER
M:Boah, lass mich!
G: Du wolltest dem Jungen schon helfen oder?
M: Ist das jetzt auch eine Spezialität, misshandelte Kinder zu bertreuen?Hast du irgendeine Liste, von der du alle Probleme der Welt abarbeitest, in die du dich noch nicht eingemischt hast?
Montag: Obama anrufen, nochmal wegen der Wirtschaftskrise quatschen, Dienstag bei BP nachhaken, ob auch wirklich kein Öl mehr ausläuft, Mittwoch Angela zum Kaffee einladen, vielleicht ein paar Ratschläge zur Rentenreform geben. Oh, und nicht zu vergessen, dein Frontbesuch im nahen Osten mit Karaoke in den Frieden.
G: Weiß du was?Also langsam hab ich echt das Gefühl, dass vor allem du auf so eine Liste gehörst
M: Ja genau, und zwar auf die Liste der Männer, die eine neue Identität brauchen, damit du sie endlich in Ruhe lässt.

Gretchen überlegte kurz, ob sie ihre Gedanken laut ausprechen sollte. Doch noch bevor sie ihre Gedanken zuende führen konnte, rutschten ihr die Worte bereits heraus. Zwar leise, aber für Marc doch hörbar.


G: Keine Angst, bist mich bald los.
M: Ja, hoffentlich. Ist ja nicht mehr normal.

Ohne Marc eines weiteren Blickes zu würdigen, drehte Gretchen sich auf den Absatz um und verließ den Raum mit einem lauten Türknallen.
Marc schaute kurz auf, kräuselte die Stirn, wandte sich nach einem kurzen Kopfschütteln aber wieder seiner Lektüre zu.

Gretchen lief durch die Gänge des EKH und wurde sich einer Sache immer bewusster. Sie musste raus aus diesem Trott, raus aus dem Krankenhaus, raus aus Berlin. Einfach weg, wenn sie sich nicht weiterhin von Marc demütigen lassen wollte. Und das jeden Tag. Immer wieder aufs Neue. Nachdem er ihr gestern schon mehr als deutlich gesagt hatte, dass sie ihn endlich in Ruhe lassen sollte, so hatte er jetzt das Fass zum Überlaufen gebracht. Sie hatte es immer gut gemeint mit ihm. Hatte immer hinter ihm gestanden.War nach seinen Beleidigungen und Bloßstellungen immer wieder aufgestanden. Sie wusste, dass sie selbst auch kein einfacher Mensch war. Sie konnte nerven. Sie klettete. Aber im Grunde meinte sie es immer nur gut.
Auch wenn sie mittlerweile die Gründe seines Verhaltens erahnte, so konnte es nicht weiter gehen.

Gretchen steuerte geradewegs auf das Zimmer von Fritz zu.

F: Ah, die Frau Doktor. Na, haben Sie es sich anders überlegt?
G: Wie mans nimmt.
F: Sie wären mir wirklich eine Hilfe.
G: Ich mach´s.
F: Ehrlich?
G: Hm.
F: Sie tun etwas Gutes, glauben Sie mir. Die Kinder werden Ihnen danken. Und glauben Sie mir,
dort wissen die Kinder Hilfe wirklich zu schätzen. Hier bei uns ist das doch alles selbstverständlich. Sie werden die Reise nicht bereuen. Und ich komm ja bald nach. Dann schaukeln wir das Baby da unten zusammen.
G: Äh ja...bitte noch nicht an die große Glocke hängen. Ich habe noch nicht mit meinen Vater gesprochen.
F: Der wird schon nichts dagegen haben. Kann doch stolz sein, eine Tochter zu haben, die so ein Projekt
startet.
G: Gut, denken Sie an Ihre Medikamente. Ich meld mich noch mal vor der Abreise.
F: Danke Frau Doktor. Sie helfen mir wirklich weiter.
G:Ich tu mein Bestes.

Am Abend teilte Gretchen ihr Vorhaben ihren Eltern mit. Franz war,wie erwartet, stolz auf sein Mädchen.
Bärbel hingegen hatte leichte Zweifel.Schließlich war die Versorgung in einigen Ländern Afrikas nicht gerade die Beste und die Suche nach dem richtigen Mann schmiss sie natürlich auch ein ganzes Jahr zurück.

G: Mama, ich bin keine 40, sondern 30.
B: Trotzdem Margarethe, deine Uhr tickt.
G: Mama, ich werde übermorgen fliegen,komme was wolle. Bitte akzeptiere es.
Papa, ich möchte dich bitten, mit deiner Verkündung über mein Verbleib zu warten, bis ich abgereist bin.

FZ: Meinst du, es könnte dich noch jemand aufhalten?
G: Ich habe einfach keine Lust auf irgendwelche Diskussionen.Und wenn du mit „jemand“ Marc meinst,
da kann ich dich beruhigen. Er wird mich definitiv nicht aufhalten. Je schneller er mich los ist, umso besser.
B: Sagt er das?
G: Quasi. Wie dem auch sei, ich werde mich von den Kollegen persönlich verabschieden, aber häng es bitte nicht schon morgen an die große Glocke, okay Papa?
FZ: Wie du meinst.
G: Danke. Ich geh ins Bett. Vielleicht hilfst du mir morgen beim Packen,Mama?Ich hab nur Spätschicht.
B: Selbstverständlich Kind.
G. Danke, gute Nacht.
FZ/B: Gute Nacht.

Am nächsten Morgen machte Gretchen sich auf den Weg in die Klinik. Mit einem murmeligen Gefühl im Bauch. Zuvor beim Koffer packen, war sie noch zuversichtlich gewesen. Freute sich auf ihre neue Aufgabe.
Aber je näher sie dem Krankenhaus kam, desto schneller stieg die Unsicherheit. War sie überhaupt soweit?
Würde sie es wirklich alleine packen? Ganz alleine? Gretchen war so in Gedanken, dass sie gar nicht merkte, dass sie vor dem Fahrstuhl fast mit Mehdi zusammen gestoßen wäre.

ME: Gretchen, hey, alles in Ordnung?
G: Hm..em...was?
ME: Ob alles in Ordnung ist?Du siehst so abwesend aus.
G: Em... ne...ich meine ja...also es ist alles in Ordnung.
ME: Okay, denn hab einen schönen Tag.

Mehdi war schon ein paar Schritte gegangen, als er noch einmal aufgehalten wurde.

G: Du Mehdi?
ME: Hm?
G: Wann hast du denn Schluss?
ME: In genau...warte... 23 Minuten.
G: Okay.
ME: Ist wirklich alles in Ordnung?
G: Können wir vielleicht kurz in den Park gehen?
ME: Äh...okay.

Mehdi ging zurück zu Gretchen und musterte sie noch einmal. Gretchen allerdings schaute unschuldig nach unten.

ME: Na denn,komm.

Sie waren ein paar Schritte gegangen. Als Gretchen sich sicher war, dass niemand Bekanntes in Hörweite war, drehte sie sich zu Mehdi um.

G: Du Mehdi?
ME: Na, nun sag schon was du willst.
G: Also es ist so...ich …
ME: Du?
G: Ich geh weg.
ME: Wie, du gehst weg?Wie meinst du das?
G: Das ist nicht so einfach.
ME: Ich merk´s schon. Also? Fährst du in Urlaub?
G: Ne.
ME: Ich weiß es klingt absurd, aber so wie du rumstotterst, könnte man meinen, du
verlässt das Elisabeth Krankenhaus.
G: Berlin.
ME: Wie Berlin?
G: Wieso überhaupt absurd?
ME: Noch mal von vorne. Du gehst weg- aus Berlin?
G: Ja.

Mehdi allerdings konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.
G: Warum lachst du?
ME: Gretchen, wenn du mich veräppeln willst, musst du dir schon was anderes ausdenken.
Aber für den Anfang nicht schlecht.
G: Bitte was?
ME: Naja, es...
G: Machst du dich lustig über mich? Du denkst, ich veräppel dich? Ist es so unrealistisch, dass ich vielleicht Berlin mal verlassen würde?
ME: Em ...ja...also unrealistisch ist vielleicht...das falsche Wort...
G: Ne mein Lieber, es ist nämlich realistisch. Ich werde Berlin verlassen, morgen.
Und ich wollte mich von dir verabschieden. Aber das hätte ich mir auch sparen können. Jetzt weiß ich ja, was du von mir hälst.
ME: Wie jetzt, du verlässt Berlin?
G: Tja, da hast du wohl nicht mit gerechnet. Das kleine, naive Blondchen kriegt allein doch sowieso nichts auf die Reihe. Das denkst du oder? Wieso traut mir eigentlich niemand etwas zu?
ME: Du meinst es tatsächlich Ernst?
G: Ja Mehdi, ich meine es Ernst. Weiß du, ich muss hier einfach mal raus aus dem Trott, ich halt´s nicht mehr aus.
ME: Marc?
G: Ach der... der kann mir gestohlen bleiben. Weiß du, ich will endlich mal was alleine schaffen.
ME: Wo geht’s den hin? Nach London zu deiner Freundin?
G: Nach Afrika.
ME: Afrika??
G: Ja. Wir haben einen Patienten hier. Er ist Arzt ohne Grenzen und kann leider im Moment nicht wieder zurück,weil er noch operiert werden muss und es noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, bis er wieder komplett geheilt ist.
ME: Und du sollst ihn vertreten?
G: Quasi.
ME: Wie lange dauert es denn, bis er wieder gesund ist?
G: So, um die 8 Wochen.
ME: Ach Gretchen, 8 Wochen gehen doch schnell rum,hm? Im Nu bist du wieder hier.
G: Ein Jahr?
ME: Wie ein Jahr?
G: Ich bleibe ein Jahr dort unten. Das Projekt geht über ein Jahr und dann kommen neue Ärzte.
ME: Ein Jahr?
G: Ein Jahr.
ME: Oh.
G: Deswegen wollte ich mich verabschieden.
ME: Jetzt schon?
G: Ich fliege morgen.
ME: Morgen schon?So kurzfristig?
G: Ja.
ME: Okay. Sag mal, was sagt denn eigentlich der Meier dazu?

Gretchen schaute leicht beschämt zur Seite.

ME: Lass mich raten, er weiß es noch nicht?
G: Und das soll auch so bleiben. Ich möchte, dass du es für dich behälts, bis ich weg bin.
ME: Was? Wieso das denn?
G: Ich habe einfach keine Lust auf Diskussionen okay? Und auch keine Lust auf sein Gespötte.
Du weiß doch wie er ist. Denn kommt wieder „ Hälts du doch eh nicht lange aus“ oder „ Du kommst eh nächste Woche wieder“. Ich hab da keine Lust drauf, verstehst du?
ME: Okay. Wann geht denn dein Flieger?
G: Um 12:00.
ME: Okay. Denn sehen wir uns wohl erstmal nicht,hm?
G: Scheint so. Ich bin ja nicht aus der Welt. Und ich glaube, so ein Tapetenwechsel tut mir mal ganz gut.
ME: Glaubst du ernsthaft, dass sie da unten Tapeten haben?
G: Ach Mehdi, du weiß doch wie ich das meine.
ME: Schon gut. Denn bleib gesund,hörst du? Und vergess uns nicht hier.
G: Werde ich ganz bestimmt nicht.
ME: Komme heil wieder und meld dich mal.
G: Versprochen.

Gretchen und Mehdi nahmen sich noch einmal fest in die Arme, wurden aber Sekunden später
unsanft unterbrochen. Auch Marc wollte gerade das Krankenhaus für seine Spätschicht betreten, als er von
Weitem das eng umschlungene Pärchen erkannte.

M: HASENZAHN!Umziehen, zack zack. Du bist zu spät.

G: Weiß du jetzt, was ich meine?
ME: Jap und soll ich dir was sagen?
G: Na?
ME: Ich habe jetzt Feierabend.
G: Ach, du wieder.
ME: Na komm, wollen wir den Meier mal nicht warten lassen.
G: Sind ja nur noch 9 Stunden.
ME: Und du bist dir sicher,dass...?
G: Ja Mehdi, kein Wort zu niemanden.
ME: Okay.

Marc war währendessen schon vorgegangen und hatte sich in der Umkleide bereits umgezogen, als Mehdi und Gretchen dazu stießen.

M: Na, fertig geturtelt?
ME: Na Meier.
G: Hallo Marc.
M: In 5 Minuten ist Visite. Tagebuch schreiben musst du also später.

Damit verließ Marc die Umkleide.

G: Nur noch 9 Stunden Gretchen, das schaffst du.
ME: Die Zeit wird schnell vergehen und im Nu bist du wieder da. Machst gut Gretchen.
G: Du auch.

Mehdi drückte Gretchen noch einen Kuss auf die Wange und verließ dann ebenfalls die Umkleide.
Sein Abgang wurde von Marc jedoch nicht übersehen. Als Gretchen als Letzte aus der Umkleide trat, wurde sie auch gleich deshalb von Marc angesprochen.

M: Was läuft denn da wieder mit Kaan?
G: Wollten wir nicht Visite machen?

Marc trat dicht an Gretchen um ihr ins Ohr zu flüstern.

M: Wenn du denkst, du machst mich mit Kaan eifersüchtig, vergiss es. In 100.000 Jahren nicht.
Also lass es, bevor du dich vollkommen lächerlich machst....

Sabine?
S: Ja, Herr Doktor?
M: Visite, auf geht’s.

Gretchen schnappte einmal nach Luft, schloss die Augen und schüttelte den Kopf.

M: Das gilt auch für dich, Hasenzahn!!

Gretchens letzter Arbeitstag schleppte sich so dahin.Gegen Abend ließ sie sich im Schwesternzimmer auf einen Stuhl fallen und atmete tief aus.

G: Bin ich froh,wenn der Tag vorbei ist.
S: Ist alles in Ordnung Frau Doktor?
G: Ja, wieso?
S: Sie sind so ruhig heute.
G: Finden Sie?
S: Ja, und das obwohl der Dr Meier wieder richtig gemein zu Ihnen ist. Seine Sprüche im OP vorhin, die waren wirklich nicht sehr nett.
G: Ach Sabine, wenn man mit dem Mann Jahre lang zur Schule gegangen ist, ist man irgendwann abgehärtet.
S: Aber sie geben ihm doch sonst immer so schön Kontra. Aber heute kam da gar nichts. Das kennt man gar nicht von Ihnen.Ich glaube, dem Doktor Meier kommt das auch sehr komisch vor. So wie der Sie immer angesehen hat.
G: Egal. Sabine?
S: Ja Frau Doktor?
G: Ich möchte heute mit Ihnen zusammen Feierbabend machen.
S: Gehen wir noch wohin?
G: Nein, aber ich möchte noch etwas mit Ihnen besprechen.
S: Oh, um was geht es denn?
G: Später okay?

Im selben Moment kommt auch Marc ins Schwesternzimmer.

M: Sabine?Kaffee!!
G: Marc,kann man das auch bisschen netter sagen?
M: Wow, du redest ja doch noch. Habe schon gedacht, dir hat´s die Sprache verschlagen,heut.
G: Wieso?
M: Na, weil heut gar keine dummen Kommentare von dir kommen. Kein Rumgezicke,kein Geheule.Oder hat Mehdi dir die Sprache rausgevögelt?
G: Weiß du was?
M: Ne, und ich will es auch gar nicht wissen.
G: Wenn ich „rumzicke“ passt es dir nicht. Wenn ich nicht rumzicke passt es dir auch nicht....
M: Ich hab gesagt, ich will es nicht wissen.
G: Ach, du kannst mich mal.

Damit rauschte Gretchen aus dem Schwesternzimmer und hinterließ einen verdutzten Marc.
Auch Sabine kam dieser Abgang komisch vor.

M: Solche Worte, aus ihrem Mund? Was ist denn mit der los?
S: Das wüsste ich auch gerne. Aber sie wird’s mir später bestimmt verraten. Wissen Sie Herr Doktor, die Frau Doktor will etwas mit mir besprechen und es klang sehr mysteriös.
M: Ja, ist bestimmt so spannend wie die Romane meiner Mutter.Nämlich gar nicht. Ich geh etwas Essen.
Schauen Sie nochmal nach der Patientin in der 8.
S: Selbst verständlich Herr Doktor.

Einige Zeit später war Gretchen´s letzter Arbeitstag geschafft. Sie war gerade dabei ihren Spint zu räumen, als auch Marc eintrat.

M: Na, auch schon Schluss?
G: Wie du siehst.

Gretchen rang mit sich, ob sie Marc nicht doch etwas von ihre Reise erzählen solle. Sie hatte auch arg mit sich zu kämpfen, entschloss sich aber dann doch dagegen.

M: Alles okay bei dir?

Mit dieser Frage hatte Gretchen nicht gerechnet. Sie wollte ihm nicht in die Augen schauen, da sie sehr gegen die aufkommenden Tränen kämpfte . Immerhin sah sie ihn jetzt das letzte Mal-
bevor sie Berlin für ein Jahr verlassen würde. So versteckte sie sich hinter ihrer Spinttür.

G: Was sollte nicht okay sein?
M: Irgendwie bist du anders heut.
G: Das bildest du dir ein.
M: Aha.
G: Ja.

Marc hatte sich bereits umgezogen und lehnte nun an seinen Spint.

M: Gretchen?
G: Hm?
M: Schau mich mal an.
G: Du siehst doch, ich packe gerade.
M: Hm, und das schon ne halbe Ewigkeit. Dein Spint müsste fast leer sein.

Marc ging auf Gretchen zu,zog sie ein Stück vom Spint weg und schloss ihre Spinttür.
Das leichte Zittern in ihrer Stimme hatte er nicht überhört. Und dann geschah es.
Gretchen hob ihren Kopf und schaute Marc direkt in die Augen.

Aus ihren Augen,welche zuvor schon leicht schimmerten, seilte sich nun die erste Träne ab, was Marc mit gekräuselter Stirn ebenfalls zur Kenntnis nahm.

Luedd Tiny Offline

Mitglied


Beiträge: 215

11.03.2016 14:34
#2 RE: Kopf über Herz von Luedd Tiny Zitat · antworten

Im selben Moment betrat Schwester Sabine die Umkleide, realisierte allerdings zu spät, dass es ein
eindeutig ungünstiger Moment war.

S: Frau Doktor, wir können sofort los, ich muss nur...noch...schnell....oh, ich störe wohl.

Für Gretchen kam Sabine gerade recht, so konnte sie ihren Blick abwenden.

M: Ich wollte schon den heutigen Tag pink im Kalender anstreichen, aber du hast das Heulen ja doch nicht verlernt. Denn ist ja wieder alles beim Alten. Bis morgen
S: Bis morgen Herr Doktor.

Marc grinste einmal frech, schob Sabine zur Seite und verließ schließlich die Umkleide. Hätte er sich den Spint genauer angesehen, hätte er erkannt,dass dieser komplett leer geräumt war. Vermutlich hätte er dann
anders reagiert.

Gretchen hatte eigentlich damit gerechnet, dass Marc noch einmal nachfragen würde.
Ob wirklich alles in Ordnung sei.Ob es ihr gut ginge. Was los sei. Aber nein. Marc Meier ist und blieb ein gefühlskaltes Arschloch. Wieso sollte er auch nachfragen? Wieder ein Beweis dafür, dass Gretchen ihm gleichgültig war. Und wieder ein Grund mehr, endlich eine Auszeit zu nehmen.

S: Aber Frau Doktor, was ist denn los?Sie weinen ja.
G: So ein Idiot.
S: Hat er mal wieder was gemeines gesagt?
G: Ach Sabine...

Gretchen schulterte ihre Tasche und lief ins Schwesternzimmer. Sie lief zum Fenster und schaute auf den
Parkplatz.

G: Sabine, ich werde Berlin verlassen.
S: Was? Nein Frau Doktor,das können sie doch nicht machen.
G: Doch Sabine. Genau genommen, MUSS ich es machen. Es kann doch so nicht weiter gehen.
Immer diese Streitereien am Arbeitsplatz. Marc bringt mich jeden Tag zur Weißglut. Er verletzt mich so oft.
Und er weiß, dass er es tut. Das ist ja das Schlimme. Ich muss hier einfach raus, verstehen Sie?
S: Deshalb war der Herr Doktor so gemein heute zu Ihnen.
G: Nein, der weiß es noch gar nicht.
S: Aber Sie können doch nicht gehen, ohne sich von ihm zu verabschieden.
G: Doch genau das kann ich. Und sollte ich ihm jetzt damit weh tun, was ich nicht glaube, so hat er es nicht
anders verdient.
S: Aber vielleicht will er ja gar nicht,dass Sie gehen.
G: Ich will es aber Sabine.
S: Aber vielleicht merkt er ja,dass er Sie doch liebt, wenn er weiß das Sie gehen wollen. Und er hält Sie dann davon ab. Das wäre so romantisch.
G: In 100.000 Jahren nicht Sabine. Er hat mir mehrfach gesagt, dass ich ihn in Ruhe lassen soll.
Mehr als deutlich. Jetzt kriegt er das, was er will. Es ist also in seinem Sinne. Ich habe lange genug gewartet. Es wird Zeit, dass ich mein Leben in den Griff bekomme. Das ich mal was alleine schaffe. Ganz alleine.

Gretchen drehte sich wieder zum Fenster und schaute auf den Parkplatz, wo gerade ein Marc Meier auf sein Auto zusteuerte. Und wieder begannen ihre Augen zu schimmern.

G: Mach´s gut Marc.

S: Wann wollen Sie denn fliegen?
G: Morgen.
S: MORGEN??? Aber es ist doch gar nichts organisiert. Wir können ja nicht mal richtig Abschied feiern.
Und wo fliegen Sie überhaupt hin?
G: Genau das will ich ja auch nicht. Ich hasse Abschiede. Sie und Mehdi sind die Einzigen, die es wissen und das soll auch so bleiben. Von allen anderen kann ich mir doch nur Gespötte anhören. Wissen Sie, ich hab manchmal das Gefühl, dass mich hier niemand wirklich Ernst nimmt. Ich fliege nach Afrika.
S: Das stimmt nicht Frau Doktor. Ich nehme Sie sehr wohl Ernst.
G: Das ist auch lieb von Ihnen Sabine. Aber ich will es auch allen Anderen mal zeigen, was in mir steckt.
Für die bin ich hier nur das kleine Professorentöchterchen, die alles in Hintern.., entschuldigen Sie die Ausdrucksweise, gesteckt bekommt. Ich will das nicht mehr. Und ich wollte mich von Ihnen verabschieden. Sie sind mir doch sehr ans Herz gewachsen.
S: Sie mir doch auch Frau Doktor, Sie mir doch auch.
G: Und hey, jetzt nicht weinen. Ich bin nicht aus der Welt.
S: Melden Sie sich mal?
G: Versprochen. Und wer weiß, vielleicht kehre ich ja eines Tages doch zurück.
S: Na, das hoffe ich doch sehr.

Gretchen schloss Sabine in ihre Arme und drückte sie einmal fest an sich.

S: Kommen Sie heil wieder Frau Doktor.
G: Werde ich machen.
S: Sind Sie auch mit dem Fahrrad?
G: Ja, aber ich bleib noch einen Moment.
S: Ganz allein?
G: Ganz alleine. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Machen Sie es gut.
S: Sie auch. Bis bald hoffentlich.
G: Tschüss Sabine.

Gretchen verließ das Schwesternzimmer und spazierte durch die Gänge des Elisabeth Krankenhauses.
Was hatte sie hier alles erlebt.Hier hatte sie Mehdi kennen gelernt. Hier hatte sie Alexis näher kennen gelernt. Wobei sie an dieses Kennenlernen nur ungern zurück dachte. Hier hat sie eine Menge gelernt.
Hatte ihre Doktor Arbeit geschrieben. Und sie hatte Marc wieder getroffen. Nach über 10 Jahren.
Und er war immer noch der selbe Macho wie früher. Er hatte sich kaum geändert. Nur ganz selten
zeigte er Gretchen auch die andere Seite. Seine weiche Seite. Anscheinend leider zu selten.

Nachdem Gretchen noch einmal alle Gänge abgegangen ist, schaute sie noch einmal auf der Babystation
vorbei, bevor sie sich auf den Heimweg machte. Ein kleines Lächeln huschte ihr über die Lippen.

G: Auf geht’s.


Als Sabine am nächsten Tag zur Spätschicht ins Krankenhaus kam, traf sie im Stationszimmer Mehdi
und Maria an.

S: Guten Tag zusammen.
ME: Hallo Schwester Sabine.Na, geht die Spätschicht los?
MA: Apropro Spätschicht, wo ist eigentlich Dr Haase? Sie wollte sich mit mir noch eine
Akte ansehen, damit sie morgen bei der Hirn-OP assistieren kann.
ME: Ah, Sie wissen es gar nicht? Komisch Gretchen sagte, sie wollte sich von den Kollegen persönlich
verabschieden.
MA: Ach, hat sie mal wieder kurzfristig Urlaub?

Sabine und Mehdi schauten sich gleichzeitig an. Mehdi schaute auf seine Armbanduhr und nickte einmal kurz.

ME: Es ist 14:00, damit sollte sie den deutschen Boden verlassen haben.
MA: Die kommt auch mit allen durch. Kann hier machen was sie will.Professortöchterchen
ME: Ah, ich verstehe.Kein Wunder,dass Gretchen sich nicht persönlich von Ihnen verabschiedet hat. Bei Ihnen aber, oder Sabine?
S: Ja, mir hat sie „Tschüss“ gesagt.
MA: Wird jetzt hier auch noch ne große Abschiedszeremonie gefeiert, nur weil Madame im Urlaub ist?
S: Aber sie ist doch nicht im Urlaub.
ME: Gretchen ist weg.
MA: Wie weg?


Im selben Moment betritt auch Gabi das Stationszimmer.

GA: Wer ist weg?
MA: Die Haase.
S: Die Frau Doktor hat Deutschland verlassen.
MA: Sabine, nun lassen sie sich doch nicht alles aus der Nase ziehen.
ME: Gretchen geht für ein Jahr nach Afrika.
GA/MA: Afrika? Ein Jahr?
ME: Sie vertritt da ein Arzt, der hier irgendwie Patient ist und noch nicht wieder fliegen darf, weil
er noch eine OP hinter sich bringen muss. Und der Heilungsprozess nimmt wohl auch einige Zeit in Anspruch.
MA: Ein Jahr?
ME: Ne, aber sie bleibt wohl ein Jahr unten.
S: Sie ist ganz allein.
GA: Na, da hat der Dr Meier es wohl endlich geschafft, sie zu verscheuchen.
S: Der weiß es noch nicht.

Den letzten Satz hat Marc allerdings mit aufgeschnappt, der jetzt ebenfalls das Stationszimmer betritt.

M: Mahlzeit!Wer weiß was noch nicht?
GA: Ach Marc, von dir hat sich der Klops also nicht verabschiedet?
M: Äh, wieso verabschieden?
GA: Du hast sie in die Flucht geschlagen.
M: Kann mich mal jemand aufklären?

Doch Gabi antwortete nicht mehr, ließ Marc unwissend stehen und verließ das Stationszimmer.
Marc schaute in die Runde, aber keiner sagte was.

M: Sabine, wird’s bald?

Sabine allerdings traute sich nicht, ihren Chef anzusehen, weshalb Mehdi eingriff.

ME: Gretchen hat Berlin verlassen.
M: Ach hat das Professorentöchterchen sich mal wieder kurzerhand Urlaub genommen ohne ihren Chef zu fragen? Irgendwann wird sie nochmal ihr blaues Wunder erleben und dann hat sie ihren Papi nicht im Rücken.
S: Aber...
M: Kein aber. Meint hier, sie kann sich alles erlauben.
MA: Mein Reden.
ME: Hörst du überhaupt mal zu?
M: Was willst du denn jetzt?
ME: Gretchen ist weg.
M: Ja, das hatten wir doch gerade.
ME: Herr Gott nochmal. Sie ist ganz weg. Sie hat Berlin verlassen. Genauer gesagt Deutschland und wenn
man´s ganz genau nimmt, sogar Europa.
M: Ja klar.

Doch nachdem Mehdi und Sabine Marc weiterhin ernst ansahen, realisierte auch er, dass es sich nicht um einen blöden Scherz handelt.

S: Jetzt haben sie ja das was sie wollen.

Damit verließ auch Sabine das Stationszimmer.

MA: Mein Gott Meier, sie ist nur ne Frau. Kommt doch bestimmt ne nette Nachfolgerin, hm? Schönen Feierabend die Herren.

Maria betrat die Umkleide und ließ Mehdi und Marc somit allein.

M: Seit wann weiß du´s?
ME: Gestern. Und frag mich jetzt bitte nicht, warum sie dir nicht „Tschüss“ gesagt hat. Das weiß du selber.
Tja Meier, nun ist der Zug auch für dich abgefahren.
M: Warum hast du nichts gesagt?
ME: Ich musste ihr versprechen, dass ich dir nichts sage.
M: Tzzz... Wo ist sie hin?
ME: Afrika
M: Afrika?
ME: Ja , sie vertritt da einen Arzt. Der ist hier irgendwie Patient und kann noch nicht fliegen, wegen ner OP oder so.
M: Mein Gott, was macht ihr denn hier für ein Fass auf, der ist in paar Wochen wieder fit.
ME: Marc, Gretchen bleibt ein Jahr dort unten.
M: Ein Jahr?
ME: Jap. Sie will endlich mal was alleine schaffen.
M: Alter weiß du wo der Tropenwichser her kommt? Das ist kein Paradies da unten.
ME: Macht sich da jemand Sorgen?
M: Soll sie doch glücklich werden mit den Buschaffen. Spätestens wenn da einer an irgendeiner Pest verreckt , steht sie hier wieder auf der Matte. Aber weiß du was? Das kann sie vergessen. Bei mir braucht sie nicht wieder ankommen.
ME: Du weißt aber schon, dass ihr Vater das Krankenhaus hier führt?
M: Ach halt´s Maul. Die wird schon sehen, was sie davon hat. Um was wollen wir wetten, dass sie in spätestens, sagen wir 2 Monaten, mit ihren fetten Hintern wieder bei Papi angekrochen kommt?
ME: Ich wette nicht Marc. Denn im Gegensatz zu dir, glaube ich an Gretchen und ich wünsche ihr, dass sie das erreicht, was sie mit dieser Auszeit eigentlich bezwecken will. Nämlich vor allem DICH vergessen.
M: Schafft sie sowieso nicht. Was ist denn schon ein Jahr? Die läuft mir seit 15 Jahren hinterher.
Wenn die erstmal wieder hier ist...
ME: Wer sagt denn, dass sie wieder kommt?Vielleicht gefällt es ihr da unten ja sogar.
M: Glaubst du die Scheiße, die du von dir gibst?
ME: Menschen ändern sich Marc.
M: Aber keine Gretchen Haase.
ME: Und ein Marc Meier auch nicht . Sonst wäre sie wohl noch hier. Ach ja...Afrika....da wollt ich schon immer mal hin. Immerhin jetzt ein guter Grund dort Urlaub zu machen. So, ich hab jetzt Feierabend.Schönen Tag Meier
M: Arschloch

Mehdi verließ das Stationszimmer und Marc betrat die Umkleide, um seine Spätschicht anzutreten.
Als er umgezogen aus der Umkleide kam, stand bereits ein Becher Kaffee auf dem Tisch, welchen Sabine
ihrem Kollegen schon zubereitet hatte. Marc setzte sich an den Tisch und nahm sich eine Zeitschrift.
Das Klingeln des Telefons nahm er gar nicht wahr. Erst als Sabine ein „Frau Doktor“ erwähnte,schoss sein Kopf in die Höhe, mit finsteren Blick zu seiner Stationsschwester, welche im selben Moment auch den Blick
auf ihn gerichtet hatte. Sabine allerdings wandte sich schnell wieder ab und war gerade dabei das Stationszimmer mit dem schnurlosen Telefon zu verlassen als sie mit Professor Haase zusammenstieß.

S: Oh Herr Professor, entschuldigen Sie...

Doch Sabine wurde von einem nicht gerade gering aufgebrachten Dr Meier unterbrochen, welcher nun mit
ausgestreckten Zeigefinger auf Sabine zu ging.

M: Ist das Hasenzahn?

Luedd Tiny Offline

Mitglied


Beiträge: 215

19.03.2016 14:50
#3 RE: Kopf über Herz von Luedd Tiny Zitat · antworten

S: Nein.

Beschämt wandte Sabine sich ab und huschte am Professor vorbei.

F: Margarethe kann gar nicht...

Doch Marc ignorierte die Worte seines Chefs und lief Sabine hinterher.

M: SABINE!!

Er bekam sie am Ellbogen zu packen und drehte sie nicht ganz sanft zu sich, um ihr das Telefon aus der Hand zu reißen.Das Schauspiel ließ der Professor sich natürlich nicht entgehen.

M: Her damit! …. Hasen....Gretchen?

Gretchen erschrak regelrecht als sie die aufgebrachte Stimme ihres Oberarztes hörte

G: Äh Marc?
M: Ne der Weihnachtsmann. Hast du n` Arsch offen? Beweg dein Arsch hierher, aber pronto
G: Tzz... Ein „Ich wünsche dir alles Gute“ wäre eher angebracht. Aber was erwarte ich überhaupt von dir.
M: Ich wünsch dir gar nichts...weil du gar nicht... sag mal, wieso rufst du überhaupt an?
G: Das habe ich mit Sabine schon besprochen. Ich muss jetzt.
M: Das ist nicht dein Ernst jetzt?Du kannst nicht einfach....
G: Du wolltest, dass ich dich ENDLICH in Ruhe lasse.
M: Aber doch nicht so!
G: Wie denn dann?
M: Lass uns das hier besprechen,okay?

Gretchen ließ sich einen Moment Zeit ,auf die Frage zu antworten, da sie merkte, dass ihr die Tränen kamen.

M:Gretchen?
G:Ich kann nicht. Mach´s gut Marc.

Marc wollte gerade etwas erwidern, er hörte jedoch nur noch ein „Tuten“ in der Leitung.

M: Gretchen?....Hey? Verdammt!!

Sabine war sich nicht sicher, ob sie das Richtige tat, aber sie handelte nach Gefühl. Auch wenn es vielleicht nicht im Interesse ihrer Frau Doktor war.

S: Ihr Flieger hat Verspätung.
F: Oh, naja, der Frankfurter Flughafen ist groß, gibt ja genug Geschäfte.
M: Frankfurt?
F: Na, sie fliegt über Frankfurt.
S: Ich weiß nicht, wann der Flieger geht, aber eben war sie noch in...
M/F: In??
S: Berlin.

Marc schloss seine Augen und schnaufte einmal durch. Wenn er wollte, dass sie hier blieb, blieb ihm nur diese eine Chance.
Nur Sekunden später drückte er Sabine Telefon und Kittel in die Hände, welche sich sichtlich über Marc´s Reaktion freute und somit leicht schmunzelte.

M: Ich warne Sie, nur EIN Wort zu jemanden,dann gnade Ihnen Gott.
S: Verstanden.
F: MEIER, SIE HABEN DIENST!!
M: HAB NE PRIVATPATIENTIN AUßER HAUS.

Verträumt schaute Sabine Marc hinter, bemerkte aber gerade rechtzeitig etwas Wichtiges in seiner Kitteltasche.

S: Jetzt wird doch noch alles gut....Oh....HERR DOKTOR MEIER!
M: WAS?
S: IHR SCHLÜSSEL!!

Sabine hielt das klimpernde Bündel hoch

M: AAARG!

Verärgert lief Marc noch einmal zurück und nahm der entgegen gelaufenen Sabine den Schlüssel ab.
Ein „Danke“ blieb allerdings aus.

Franz schüttelte den Kopf und ließ die immer noch verträumt blickende Sabine einfach stehen.

F: Kälbchen Kälbchen, was hast du da nur angerichtet.


S: Wie romantisch.


War es wirklich soweit, dass er einer Frau hinterher lief? Gott, wie tief war er nur gesunken, dachte er. Wenn er wirklich wollte, dass sie hier blieb, wären ein paar ehrlich und sanftere Worte vielleicht angebracht. Er malte sich bereits verschiedene Situationen aus. Was er in welcher Situation sagen sollte. Nur musste er sich auch auf den Straßenverkehr konzentrieren, der leider so gar nicht nach seiner Nase verlief. Wie hätte es auch anders sein sollen.
Zum ersten Mal, aber ganz bewusst, erinnerte er sich an seine Worte „Du nervst einfach nur, lass mich endlich mal in Ruhe“ , oder „ Die Männer, die eine neue Identität brauchen, damit du sie endlich in Ruhe lässe“ .
Die Worte schallten regelrecht in seinem Gehirn. An der nächsten roten Ampel schlug er einmal kräftig auf das Lenkrad.

M: SCHEIßE

Hatte er mit diesen Worten alles kaputt gemacht? Ein Hupen holten ihn aus seinen Gedanken zurück.
Die Ampel vor ihm, war auf grün gesprungen, was er eindeutig versäumt hatte.
Er wusste zwar, dass er nicht ganz unschuldig an dieser Situation war. Aber das sie nicht ein Sterbenswörtchen von ihrem Vorhaben erwähnt hatte, kratzte ihn doch ein wenig. Alle wussten Bescheid, nur er nicht. Sie war doch sonst solch eine Quaseltasche, redete manchmal bevor sie nachdachte. Ebenfalls leuchtete ihm nun ihr merkwürdiges Verhalten ein. Wäre alles normal gewesen, hätte sie ihm
Paroli geboten. Hätte rumgezickt. Natürlich war es ihm auch mal Recht, dass keiner etwas gegenan sagte. Sich alle ihm fügten. Und sicher,hätte er jetzt seine Ruhe, aber er würde die "kleinen" Streitereien missen, ganz bestimmt. Er liebte es, sie zu foppen. Niemand sprang so gut darauf an wie Gretchen. Und keiner traute sich ihm Paroli zu bieten, bisschen eine Gretchen Haase erneut in seinem Leben trat. "Sein" Hasenzahn.

M: JETZT FAHR ENDLICH DU IDIOT.


Marc hatte gerade einen der Parkplätze erreicht. Natürlich müsste er ein Parkticket ziehen, doch das würde ihm Zeit kosten. Und die Zeit hatte er nicht. Er wusste nicht mal, ob er überhaupt noch rechtzeitig kam.
In der Abflughalle angekommen versuchte er sich einen Überblick zu verschaffen.
Dabei fiel ihm ein, dass er nicht mal wusste wohin genau sie flug. Afrika war groß. Eine Information, die er sich beim Ticketschalter einholen musste. Diese waren Gott sei Dank nicht weit weg.

M: Wann geht der nächste Flug nach Afrika?
ST: Wohin soll es denn gehen junger Mann?
M: Was? Wohin?
ST: Naja in welches Land genau wollen Sie denn reisen?
M: Kein Ahnung. Hebt jetzt in den nächsten Minuten irgendein Flieger ab?
ST: Also ich kann Ihnen Kaptstadt anbieten, in etwa einer Stunde?
M: Ist es der, der Verspätung hat?
ST: Nein, so wie es im Moment aussieht, wird der Abflug pünktlich sein.
M: Es muss hier irgendein Flug geben, NACH Akrifa, der etwa 2 Stunden Verspätung hat.
ST: Aber nicht nach Kapstadt.
M: JA WOHIN DENN?
ST: Wir hatten heute Mittag ein Flug nach Ouagadougou, der nicht pünktlich starten konnte.
M: Sitzt da eine Margarethe Haase drin?
ST: Tut mir Leid, darüber darf ich Ihnen keine Auskunft geben. Außderdem ist der Flieger bereits gestartet.
M: Wie gestartet?
ST: Na, der Flieger hat bereits abgehoben, vor etwa 25 Minuten. Den deutschen Boden verlassen.
M: Was?
ST: Ich merk schon, da sollte wohl jemand nicht fliegen, hm? Soll ich Ihnen einen Flug buchen dorthin?
Morgen früh geht bereits der nächste Flieger.

Doch Marc beantwortete die Frage nicht, sondern drehte sich einfach um und schlenderte mit hängenden Schultern Richtung Ausgang.

Luedd Tiny Offline

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21.03.2016 15:08
#4 RE: Kopf über Herz von Luedd Tiny Zitat · antworten

Kurz vor dem Ausgang drang allerdings die Stimme des Lautsprechers in seinen Ohren

„ Die Fluggäste des Fluges LX2367 nach Frankfurt werden zum Boarding gebeten“

Den Anfang und das Ende der Aussage blendete er aus. Das Stichwort Frankfurt holte ihn aus seinen
Gedanken zurück. Erst jetzt realisierte er, dass sein Gespräch mit der Dame am Ticketschalter völlig
umsonst war. Immerhin hatte der Professor doch erwähnt,dass sie über Frankfurt fliege.

M: FUCK!!!

Er drehte sich um und sah, dass die Dame gerade dabei war den Schalter zu schließen.
Jetzt müsste er sich doch tatsächlich die Blöße geben, noch weitere Fragen zu stellen.
Gott, was tat er nicht alles für diese EINE Frau. Schnell ging er eiligen Schrittes zurück zum Schalter.

ST: Na, darf es doch ein Ticket nach Ouagadougou sein?
M: Der Flug nach Frankfurt, der eben durchgesagt wurde, ist der verspätet?
ST: Sie haben es heut mit verspäteten Flügen, hm?
M: Können Sie mir einfach die Frage beantworten,geht das?
ST: Nein.
M: Was nein, wozu sitzen sie denn hier, verdammt nochmal?
ST: Der Flieger hat KEINE Verspätung und JA es gab ein Flug nach Frankfurt, der verspätet
war, falls sie das wissen wollen. Aber auch der ist bereits gestartet. Und übrigens:
WIR sitzen hier NICHT, um verknallten Männern Auskunft über irgendwelchen Flügen zu geben,in denen ihre Angebetete sitzen könnte, wenn man denn weiß, wo sie überhaupt hin ist. Was bei Ihnen jawohl nicht der Fall ist. Schönen Tag noch.

Die charmante Dame drückte sich an Marc vorbei und ließ ihn verdutzt stehen.

M: Wer sagt denn, dass ich verknallt bin,hm?

Doch die Dame antwortete nicht darauf und maschierte weiter. Marc hingegen ließ ein zweites Mal seine Schulter hängen und verließ diesmal endgültig den Berliner Flughafen.


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PROLOG

Er marschiert geradewegs auf das Büro seines Kollgens zu, hielt aber inne,bevor er die Tür öffnete, als er von drinnen Stimmen vernahm.

G: Mehdi, Marc darf das nicht erfahren, hörst du?
ME: Marc macht sich Sorgen.
G: Tzz....Sorgen.
ME: Wirklich. Und das jawohl auch berechtigt.
G: Bitte, du darfst ihm nichts sagen. Das macht alles nur noch schlimmer.

Marc hatte allerdings die Schnauze voll. Er wollte endlich wissen was Sache ist. Kurz entschlossen, piepte er Gretchen einfach an.

G: Na, toll,wenn man vom Teufel spricht. Ich kann dir doch vertrauen, oder? ...MEHDI!
ME: Ich versprech´s.
G: Weiß du, ich hab keine Lust auf sein Gespötte.
ME: Glaubst du ernsthaft, dass Marc sich darüber lustig machen würde??Ja, Marc kann ein Arschloch sein, aber...
G: Bitte Mehdi! Ich muss jetzt...

Gretchen hatte die Tür bereits geöffnet, stand aber noch mit dem Rücken zum Gang und wunderte sich nun über den erschrockenen Gesichtsausdruck ihres besten Freundes. Als sie hinter sich die Stimme ihres Oberarztes vernahm, schloss sie die Augen.

M: Was darf Marc nicht wissen?
G: Hast du uns belauscht?Spinnst du? Haben wir ein Notfall oder warum piepst du mich an?
M: Jep, haben wir.

Marc schob Gretchen zurück ins Büro seines Kollegen und schloss hinter sich die Tür.

M: Also?
G: Was also?
M: Was ist los verdammt?
G: Nichts, das hab ich schon mal gesagt.

Marcs Augen verharrten auf Gretchens Gesicht. Dabei blickte er einmal kurz zu Mehdi, welcher es für besser hielt, die Zwei allein zu lassen.

ME: Ich lass euch mal allein.
G: Was?Nein. Es gibt hier auch nichts zu besprechen. Es ist nichts los, dass hab ich dir schon mehrfach gesagt. Und jetzt lass mich durch, ich muss arbeiten.

Marc gewährte Mehdi den Durchgang, Gretchen allerdings nicht.

G: Marc, was soll das?
M: Ich will wissen was los ist
G: Es ist...
M: Und jetzt komm nicht mit „Es ist nichts“. Es ist was, das sieht ein Blinder.
G: Sagt wer? Du? Du kennst mich doch gar nicht richtig.
M: Stimmt, es ist normal, dass du DERMAßEN agressiv auf Männer reagierst.
G: Männer wie dich meinst du? Wundert´s dich? Weil ich dir nicht mehr sofort um den Hals falle, wie damals? Weil ich nicht mehr so schnell schwach werde, wenn du mir zu nahe kommst?
M: Zu nahe kommen? Wann komm ich dir denn zu nah? Wenn sich unsere Hände beim Operieren berüheren? Selbst dann zuckst du zurück. Du WEIGERST dich regelrecht vor und nach dem OP zusammen mit Kollegen den Waschraum zu nutzen. Du trägst bei fast 30 Grad draußen, LANGärmige Shirt´s.

Bei jedem Satz hatte Gretchen das Gefühl, ein Stück zu schrumpfen. Hatte Marc etwa doch etwas bemerkt?

M: Aber weiß du was das Schlimmste ist?

Gretchen traute sich nicht ihn anzusehen, da sie das Gefühl hatte, Marc würde sie mit seinen Worten
ersticken.

M: Du lachst nicht mehr. Und das, seitdem du zurück bist. Und jetzt erzähl mir NICHT, dass das normal ist.
Das bist nicht mehr du.Genauso wenig meldest du dich 7 Wochen nicht bei deinen Eltern. Oder ziehst sofort zuhause aus, als du zurück in Berlin warst.

Hatte Mehdi etwa doch Recht? Machte Marc sich wirklich Sorgen? Das konnte nicht sein. Sie hatten nicht ein einziges Mal Kontakt gehabt, während ihrer Zeit in Lambarene. Sie hatte gehofft, er würde sich vielleicht mal melden. Aber vergebens. Ihre Eltern konnte sie bis jetzt immer vertrösten, aber Marc schien hartnäckig zu bleiben. Nur Mehdi wusste bescheid.

M: Zieh mal deine Ärmel hoch.
G: Bitte was?
M: Hast mich schon verstanden.
G: Ich muss jetzt arbeiten. Lass mich durch.

Doch Marc versperrte ihr weiterhin den Ausgang.

M: Entweder machst du es freiwillig oder ich tu es.

Gretchen merkte die aufkommenden Tränen , versuchte aber stark zu bleiben. Ihre Stimme allerdings geriet ins Flüstern.

G: Marc, bitte lass mich.
M: Gretchen, ich mein es Ernst, entweder DU oder ICH!
G: BITTE!!

Noch nie hatte Marc so ein flehenden Blick seitens Gretchen gesehen und es schnürte ihm regelrecht
die Kehle zu. Die Tränen,welche ihr in den Augen standen, waren da nur Nebensache.



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Luedd Tiny Offline

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23.03.2016 14:27
#5 RE: Kopf über Herz von Luedd Tiny Zitat · antworten

Etwa 5 Monate nach Abreise kam ein etwas aufgelöster Professor Dr Haase ins Stationszimmer
der Chirugie geschlichen. Marc und Mehdi, welche gerade eine Kaffeepause einnahmen, nahmen
dieses mit gekräuselter Stirn zur Kenntnis.

M: Herr Professor, alles in Ordnung?
FR: Hat Schwester Sabine gerade Dienst?
M: Äh ja, die macht gerad ihre Runde bei den Patienten. Stimmt was nicht?
FR: Naja, Sie brauch ich das wohl nicht fragen, aber Dr Kaan vielleicht. Sagen Sie, wann hatten Sie das letzte Mal Kontakt mit meiner Tochter?


Franz hatte zwar nicht ihren Namen erwähnt, aber doch zuckte Marc kurz zusammen, nachdem die Worte
zu ihm durchdrangen.

ME: Äh, ist schon ne Weile her, wieso?
FR: Länger als 6 Wochen?
ME: So aus dem Kopf kann ich das nicht genau sagen, aber ich denke ja. Ist irgendetwas nicht in Ordnung?

Gerade kam auch eine fröhlich gestimmte Sabine ins Stationszimmer.

S: Oh Herr Professor, guten Tag.
FR: Schwester Sabine, gut, dass ich Sie treffe. Hatten Sie in letzter Zeit Kontakt mit Margarethe?
S: Ich habe vor kurzem einen Brief erhalten. Soll ich ihn holen?Ich hab ihn in meinen Spint.
FR: Wann war das?
S: Vor 2 Wochen ungefähr. Wieso, ist etwas nicht in Ordnung? Oh Gott, ist etwas passiert mit der Frau Doktor?
FR: Na, ich hoffe nicht.
S: Aber hat sie sich bei ihnen denn nicht gemeldet?
FR: Vor etwa 6 Wochen das letzte Mal. Und im Moment scheint sie unerreichbar zu sein.

Auch Mehdi nahm diese Information stirnrunzelnd zur Kenntnis.

FR: Sagen Sie mir Bescheid, wenn sie sich wieder meldet.
S: Selbstverständlich.
FR: Danke, dann...Weiter machen die Herrschaften.
ME: Komisch, das ist so gar nicht Gretchen´s Art. Ihre Familie ist ihr heilig.

Nachdem Marc nichts erwiderte,hakte Mehdi nochmal nach.

ME: Findest du das etwa nicht seltsam?
M: Ich?
ME: Ja, siehst du hier noch jemanden?Die erste Zeit hat sie sich doch regelmäßig gemeldet und jetzt gar nicht mehr? Also ich finde das schon merkwürdig.
M: Ja, schön für dich.
ME: Was ist,wenn wirklich was passiert ist?
M: Mein Gott, nun scheiß dir mal nicht gleich ins Hemd.
ME: Als wenn dir das so egal ist.
M: Jap, ist es. Hast du eigentlich nichts zu tun?
ME: Doch, ich werde jetzt mal versuchen, Gretchen ausfindig zu machen. Wünsch mir Glück.
M: Du, da hab ich eindeutig Besseres zu tun.
ME: Boah Meier, die wievielte Frau ist es jetzt, die du abgeschleppt hast?
M: Also an einer Hand kann ich sie nicht mehr abzählen.
ME: Auch so wirst du Gretchen nicht vergessen.
M: Wen?
ME: Du bist echt nicht mehr zu retten.
M: Da spricht der Neid was? Wird´s schon langweilig mit Naddl?
ME: Ne, im Gegenteil. Ich brauch keine 20 Frauen im Bett , um Spaß zu haben.
M: Die würdest du auch niemals kriegen, Kaan.
ME: Selbstverliebtes Arschloch.
M: Ja ja, ich hab dich auch lieb SCHATZ!!

Mehdi verlies kopfschüttelnd die Station und ließ einen nachdenklichen Marc sitzen.
Es war fast auf den Tag genau 5 Monate her, dass Dr Margarethe Haase Berlin den Rücken gekehrt hatte.
Eigentlich ein Tag wie jeder andere. Nur für ein Marc Meier vielleicht nicht ganz.
Die ersten Tage nach ihrer Abreise, war noch alles okay.Seinen spontanen Ausflug zum Berliner Flughafen
verdrängte er komplett. Nur Schwester Sabine und der Professor wussten davon. Aber so wie es schien, konnte sich die liebe Sabine auch wirklich mal an Anweisungen ihres Vorgesetzten halten. Hätte sie ihr kleines Schnäbelchen nicht gehalten, hätte spätestens Mehdi ihn darauf angesprochen. Aber es blieb aus.
Doch nach ein paar Wochen fing es an. Sie fehlte. Im Krankenhaus. Im OP. Ganz einfach, sie fehlte ihm.
Zum ersten Mal im Leben vermisste er eine Frau. Gretchen. Er hatte sogar in Erwägung gezogen, ihr
nachzufliegen. Sie zurück zu holen. Zurück zu ihm. Selbst Mehdi hatte ihn mehrmals dazu geraten.
Aber die Blöße wollte er sich nicht geben. Ein Marc Meier rannte keiner Frau hinterher. Er hatte es immerhin versucht. Hatte ihr am Telefon versucht klar zu machen, dass er nicht wollte,dass sie geht. Er wollte mit ihr reden. Er war ihr sogar zum Flughafen gefolgt. Leider ohne Erfolg. Er musste schmunzeln bei dem Gedanken. Hätte er sie tatsächlich abfangen können, wäre sie geblieben, da war er sich sicher. Oder?
Kannte er sie vielleicht doch nicht so gut?So wie sie damals am Telefon angemerkt hatte? Nein vermutlich würde sie es romantisch finden. Sozusagen ein Happy End. Romantisch.Das klang so absurd in seinen Augen. Marc Meier war alles andere als romantisch. Das hatte er in den letzten Wochen bewiesen.
Er war kein Typ für etwas Festes. Für eine Beziehung. Das war bei Nina schon nicht gut gegangen.
Er hatte endlich mal wieder Spaß. Ein Bierchen in der Bar, ein bisschen Gequatsche mit ner scharfen Braut und ab ging es ins Bett. Für eine Nacht .Nicht mehr und nicht weniger.Einfach nur Sex. Mehr wollte er nicht.
Brauchte er nicht. Er konnte nicht nachvollziehen, dass Mehdi sich wieder in eine Beziehung stürzen konnte.
Natürlich hatte Mehdi Gretchen auch ein wenig nachgetrauert.Aber er hatte kapiert, dass der Zug für ihn längst abgefahren war. Freundschaft, mehr war für die Beiden nicht drin. Auch er hatte es versaut. Als er sich damals für Anna entschieden hatte. Aber wer weiß, ob es wirklich lange gut gegangen wäre,
mit den Beiden . Immerhin war da noch Marc. Marc Meier. Einst, die Liebe ihres Lebens.
So vergingen die Wochen wie im Flug.Marc lenkte sich ab, mit vielen vielen Frauen. Nur wenn gelegentlich
ihr Name im Krankenhaus fiel, erinnerte er sich. Gelegentlich ist gut. Mindest einmal die Woche fragte Sabine in die Runde, ob die feine Frau Doktor sich gemeldet habe.
Und kaum betrat Professor Haase das Stationszimmer, war es mit der Ablenkung vorbei. Er wollte sich einreden, dass es ihm egal war, warum Madame sich nicht meldet. Aber es war ihm nicht egal. Auch ihm kam es spanisch vor, dass Gretchen solange nicht von sich hatte hören lassen. Mehdi hatte nicht unrecht. Ihre Familie war ihr heilig. Immerhin hatte sie sich bisher regelmäßig gemeldet. Aber wollte er sich da jetzt wirklich einmischen?Sein Leben lief doch gerade so gut. Er wollte nicht. Aber er tat es trotzdem.

M: SABINE?
S: Ja, Herr Doktor?
M: Geben Sie mir mal den Brief.
S: Aber...
M: KEIN Aber. Holen Sie ihn, JETZT!

Eingeschüchtert ging Sabine zu ihrem Spint und holte besagten Brief. Noch immer huschte ein Lächeln über ihr Gesicht, wenn sie den Brief sah. Wie hatte sie dich gefreut, als sie sah, dass ihre Frau Doktor sich doch tatsächlich bei ihr persönlich gemeldet hatte.Zurück ins Schwesternzimmer, hielt sie Marc den Umschlag zögerlich hin, welcher ihn nicht gerade sanft aus ihren Händen riss.

M: Her damit jetzt, mein Gott.
S: Herr Doktor, glauben Sie etwa auch, es ist...
M: Sabine, Mund halten.

Marc las den Brief sorgfältig durch. Eigentlich wollte er gar nicht wissen, was alles drin stand.
Eigentlich war er lediglich auf der Suche nach irgendeiner Zeitangabe. Wenn der Brief nur 3 Wochen alt war,
war vielleicht alles in Ordnung. Und es hatte wirklich nichts zu bedeuten, dass sie sich solang nicht gemeldet
hatte. Aber natürlich war dem nicht so. In dem Brief schrieb sie, dass nun bereits 3 Monate vergangen waren. Sie war bereits 5 Monate weg. Der Brief war also alt. Kaum zu glauben,dass die Post solange brauchte. Aber wer weiß , ob´s in der Nähe überhaupt eine Post gab. So wie er von Mehdi mal mitbekommen hatte, war es doch recht einsam dort, wo Gretchen sich aufhielt. Dieser Brief brachte also niemanden weiter.
Wäre ja auch zu einfach gewesen. Aber vielleicht hatte Mehdi schon etwas heraus gefunden.
Er würde morgen einfach bei Gelegenheit mal nachfragen. So ganz nebenbei.

Besagte Umsorgte befand sich allerdings gerade im Flieger Richtung Heimat, wovon niemand etwas ahnte.

Gegen Abend machte man sich im Hause Haase weiterhin Gedanken über den Verbleib von Gretchen.
Bärbel schluchzte bereits vor sich hin.

B: Aber Franz, wir können doch nicht hier sitzen und gar nichts tun. Was ist, wenn Margarethe wirklich etwas zugestoßen ist. Hast du denn Schwester Sabine mal gefragt? Oder den Gynäkologen? Mit dem hat sie sich doch auch gut verstanden. Ich hab Gina schon mal angerufen, aber die haben auch schon lange keinen Kontakt mehr gehabt. Das ist doch nicht unser Gretchen, Franz.
FR: Schwester Sabine hat vor 2 Wochen einen Brief erhalten und der Kaan hat auch schon länger nichts mehr gehört.
B: Aber das hört sich doch schon viel besser an.

Franz runzelte nur die Stirn, weil er seiner Frau nicht ganz folgen konnte.

B: Na, wenn sie sich vor 2 Wochen bei Sabine gemeldet hat, denn hat man ja was von ihr gehört.
Hätte sich aber auch ruhig mal bei uns melden können.
FR: Butterböhnchen, der Brief kann auch älter sein. Wer weiß, ob es da überhaupt so etwas gibt, wie die Post. Du hast Gretchen doch selber gehört. Der nächste Einkaufsladen ist 50km entfernt.
B: Ja, da wo sie jetzt vielleicht ist. In Lambarene direkt waren die Möglichkeiten schon besser.
FR: Das ist ja das,was mir Sorgen bereitet. Seit dem sie da weg ist, hat man nichts mehr von ihr gehört.
B: Franz, du meinst doch nicht....Oh mein Gott, vielleicht wurde sie entführt?
FR: Ich werde morgen mal die Telefonnummer von dem Fritz, oder wie der hieß, ausfindig machen.
Der war bei uns schließlich Patient und müsste irgendeine Nummer hinterlegt haben. Vielleicht kann der uns weiter helfen. Komm Butterböhnchen, lass uns zu Bett gehen.

Eine Stunde später war Franz bereits eingeschlafen und lag leise schnarchend neben seiner Frau.
Diese allerding konnte noch nicht in den Schlaf finden. Das Gretchen kein Lebenszeichen von sich gab,
lag ihr ganz schön auf den Magen. Sie wusste doch,dass ihre Mutter sich schnell Sorgen machte.
Doch plötzlich wurde sie von einem Gepolter aus ihren Gedanken gerissen und schreckte panisch auf.

B: Franz?....Franz, da ist jemand.
FR: Bärbel,es ist spät, wir müssen jetzt schlafen.

Doch auch Franz hörte nun Schritte im unteren Flur.

B: Oh Gott, Einbrecher!
FR: Nun mal man nicht den Teufel an die Wand, vielleicht ist es ja auch nur Jochen,
B: Aber der wollte erst am Wochenende kommen.

Franz schlug die Decke zurück, schlüpfte in seine Pantoletten und machte sich auf den Weg zur Tür.
Doch als ein leises Klopfen zu hören war, schreckte auch Franz zurück.

B: FRANZ!!

Doch dann ging die Tür langsam auf und das Ehepaar Haase traute ihren Augen kaum.

B: Margarethe.
F: Kälbchen?
G: Hallo Mama, hallo Papa. Ihr seid ja doch noch wach.

Bärbel und Franz sahen erschrocken zu Gretchen und betrachteten sie von oben bis unten.
Die Tränen konnte Bärbel nun nicht mehr zurück halten. Sie hielt sich die Hand vor dem Mund und blickte mit tränenverschmierten Augen zu Gretchen.

B: Kind,was haben sie mit dir gemacht?

Franz´ Blick war ebenfalls starr auf Gretchen gerichtet.


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F R Ö H L I C H E*** O S T E R N !!

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Luedd Tiny Offline

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03.04.2016 14:58
#6 RE: Kopf über Herz von Luedd Tiny Zitat · antworten

G: Och Mama, Papa, nun schaut doch nicht so. Wollt ihr mich nicht erstmal in den Arm nehmen?
F: Natürlich Kälbchen.

Franz ging auf seine Tochter zu und nahm sie vorsichtig in den Arm. Bärbel,welche sich ebenfalls
schon augerichtet hatte, stieg ebenfalls aus dem Bett, um ihre Tochter anständig zu begrüßen.
Dabei kullerten ihr einige Tränen aus den Augen.

G: Ach Mama, nun wein doch nicht. Ich bin doch wieder da.
B: Ich hab doch gleich gesagt, die Versorgung da unten ist überhaupt nicht gut. Sie nur Franz, nichts mehr
dran an unserem Mädchen.
G: Ach Mama, nun übertreib doch nicht. Ich bin eigentlich ganz zufrieden mit mir.
B: Und deine Haare? Wo sind deine schönen Locken geblieben?
G: Die sind doch nur geglättet, die kommen auch von alleine wieder...irgendwann.
B: Und blass bist du auch.
F: Da geb ich deiner Mutter recht, Kälbchen.
G: Also ich freu mich euch zu sehen. Nun macht doch nicht solch eine Trauermiene.
B: Wir uns doch auch Kind. Wir uns doch auch.
F: Wieso bist du denn jetzt schon zurück?
G: Seit mir nicht böse, aber ich würde jetzt echt gerne ins Bett.Ich erzähl euch alles morgen, versprochen.

Gretchen entzog sich der Umarmung und verließ rückwärts gehend das Schlafzimmer.

F: Gute Nacht mein Kind.
G: Nacht ihr Zwei.
B: Schlaf gut mein Kind.


Langsam öffnete Gretchen die Tür zu ihrem alten Kinderzimmer. Als sie Tür hinter sich geschlossen hatte,
ließ sie sich langsam an dieser herunter gleiten,zog ihre Beine an sich heran und lehnte ihren Kopf zurück.
Wie hatte sie diesen Geruch vermisst. Den Geruch ihres Zuhauses. Sie war froh wieder zuhause zu sein.
Doch jetzt wo sie zur Ruhe kam, musste sie daran denken. An die letzten 6 Wochen. Die wohl grausamsten Wochen ihres Lebens. Sie konnte nichts dagegen tun. Die ersten Tränen seilten sich ab und es wurden immer mehr. Wie lange hatte sie das unterdrückt. Endlich konnte sie alles heraus lassen. Endlich.
Doch sie musste sich beruhigen, nicht das ihre Eltern noch Wind davon bekamen. Sie schwor sich, dass
niemand davon erfahren würde. Niemand. Ja, sie hatte den Schritt gewagt. Sie wollte etwas alleine schaffen. Sie hatte etwas alleine geschafft. Das ihr Schritt so endet, dass konnte niemand ahnen.
So war aus dem einen Jahr nur 5 Monate geworden. Aber sie musste da raus. Länger hätte sie es nicht
ausgehalten. Und sie war so erleichtert, als ihre Eltern sie in den Arm nahmen. Ab dem Zeitpunkt war sie zuhause angekommen.
Schnell wischte Gretchen sich die letzten Tränen aus ihrem Gesicht ,raffte sich auf und nahm
aus ihrem Kleiderschrank einen alten Schlafanzug.Als sie ihre Hose ausgezogen hatte und ihr T-Shirt über den Kopof zog, konnte sie im Spiegel einen Blick auf ihren Armen werfen. Und wieder stiegen ihr die Tränen in die Augen . Auch vor Schmerz, aber vor allem vor Wut. Vorsichtig strich sie sich über die Arme, zog sich dann aber schnell das Nachtpyjama Oberteil über. Hoffentlich würde sie alles schnell vergessen können.
Gretchen konnte sich nicht einmal dazu aufraffen, sich im Bad frisch zu machen und Zähne zu putzen.
Schnell schlüpfte sie in ihr Bett und kuschelte sich dick in ihrer Decke ein. Vor Müdigkeit schlief sie schließlich kurze Zeit später erschöpft ein.

In einer anderen Ecke Berlins saß ein etwas besorgter Marc Meier und schaute Löcher in die Luft.
Seit Gretchen weg war hatte er kein Kontakt zu ihr gehabt.Lediglich über Mehdi und Schwester Sabine hörte er einige Anekdoten über ihr Leben in Afrika. Sobald ihr Name allerdings fiel, verschwand er meist augenrollend aus dem Raum. Nur um kurze Zeit später an der Tür zu lauschen, was über Gretchen geredet wurde.
Es ginge ihr anscheinend gut, sie hatte Spaß. In einem schwachen Moment hatte er Mehdi einmal gefragt,
ob Gretchen auch mal seinen Namen erwähnt hatte.Doch Mehdi erzählte nur, dass sie abblockte, sobald er nur den Namen „Marc“ erwähnte. Hatte sie wirklich so schnell mit allem abgeschlossen?
Wahrscheinlich hatte sie sich schon einem Afrikaner an den Hals geworfen. Alleine sein, das konnte Gretchen Haase doch sowieso nicht lange. Wahrscheinlich war das der Grund, warum keiner etwas von ihr hörte.
Sekunden später allerdings ,schüttelte Marc den Kopf. Selbst wenn sie einen neuen Freund hätte, ihre Familie wäre die erste, die davon erfahren würde. Irgendetwas war also faul an der ganzen Sache. Fragte sich nur was. Den Gedanken, dass wirklich etwas passiert sein könnte, wandte er ganz schnell ab.
Er beschloss, morgen einfach Mehdi zu fragen, ob der schon irgendetwas heraus finden konnte.
Marc leerte sein Bier mit einem letzten Schluck und machte sich dann ebenfalls auf ins Bett.


Am nächsten Morgen wurde Gretchen liebevoll von ihrer Mutter geweckt. Leise klopfte sie an ihrer Zimmertür.

B: Margarethe, bist du wach?
G: Jetzt ja Mama. Kannst rein kommen.

Bärbel öffnete langsam die Tür und lugte vorsichtig herein.

B: Frühstück ist fertig,
G: Gib mir 5 Minuten, ich komme gleich.
B: Und dann erzählst du uns alles, okay?
G: Ist Papa denn auch da?
B: Der hat sich heute frei genommen. Du glaubst gar nicht wie froh wir sind, dass du wieder da bist.
Aber warum hast du dich denn gar nicht gemeldet?
G: Gleich Mama, okay?
B: Natürlich Kind, bis gleich. Aber mache nicht zu lange, sonst werden die Eier kalt.
G: Ja ja.

Währendessen hatte Schwester Sabine einen freudigen Anruf des Professors entgegen nehmen können
und saß nun freudestrahlend im Schwesterzimmer. Der Professor hatte ihr mitgeteilt, dass er heute aus privaten Gründen, nicht im Hause sein würde. Nachdem Sabine schon weinerlich nachgefragt hatte, ob es mit ihrer Frau Doktor zu tun hatte,zeigte Franz Erbahmen und erzählte, dass seine Tochter seit gestern wieder im Lande wäre, woraufhin Sabine freudig aufschrie.Er kannte Schwester Sabine mittlerweile auch ziemlich gut und war sich sicher, hätte er ihr nichts erzählt, würden ihn morgen alle Kollegen mit einem mitleidigen Blick ansehen. Und das konnte Franz nun wirklich nicht gebrauchen. Und schließlich machte Sabine sich auch ein wenig Sorgen.

Sabine wollte gerade aus dem Schwesternzimmer stürmen, geradewegs auf die Gynäkologie zu Doktor Kaan, als sie mit ihrem Oberarzt zusammenstieß.

M: Mensch Sabine, passen Sie doch auf.
S: Entschuldigen Sie...es ist nur....ich muss...ich bin gleich wieder da.
M: Visite ist in 10 Mintuen.

Doch Marc bekam keine Antwort, sondern sah Sabine kopfschüttelnd hinterher, wie sie in Schnellschritt davon maschierte.

M: Weiber.

Sabine, die Höflichkeit in Person, stürmte gerade ins Büro von Dr Mehdi Kaan und wollte ihm die freudige Nachricht überbringen. Sie merkte allerdings zu spät, dass dieser gerade in einem Telefongespräch vertieft war.

ME: Sabine, können Sie nicht anklopfen? Ich telefoniere, wie Sie sehen.
S: Ich weiß, aber es ist...
ME: Nichts ist. Kommen Sie später wieder. Und dann klopfen sie gefälligst an.
S: Aber...
ME: Nichts aber, später okay?Später.
S: Es wäre wichtig .
ME: Das Gespräch hier ist auch wichtig und sauteuer. Und jetzt raus. Ich melde mich später bei Ihnen.

Doch Sabine ließ sich nicht abwimmeln.

S: Die Frau Doktor ist wieder da.
ME: Bitte was?
S: Die Frau Doktor Haase, sie ist wieder da.

Mehdi, der erst bei ihrer zweiten Ansage realisierte, was Sabine da gesagt hatte, legte den Hörer umgehend auf.

ME: Woher wissen Sie das? Und seit wann?

Aufgeregt nahm Sabine auf einem der Patientenstühle Platz.

S: Der Professor Dr Haase hat angerufen. Er hat sich einen Tag frei genommen. Aus privaten Gründen.
Ich dachte mir ja gleich,dass es mit der Frau Doktor zu tun hatte.
ME: Und dann?
S: Dann habe ich Ihn gefragt, ob es mit Frau Doktor zu tun hat.
ME: Und?
S: Er sagte, dass seine Tochter seit gestern wieder im Lande ist, wo sie auch wohl nichts von wussten.
Aber ich soll es noch nicht so groß an die Glocke hängen.
ME: Sabine?
S: Ja, Herr Doktor Kaan?
ME: In diesem Fall bin ich mal sehr dankbar über ihre Neugier.

Beschämt sah Sabine ihn an.

S: Soll ich dem Dr Meier Bescheid geben?
ME: Das lassen Sie mal meine Sorge sein, ich kümmere mich darum. Aber seien Sie doch so gut und reden
Sie wirklich nicht mit anderen darüber, einverstanden?
S: Sehr wohl Herr Doktor Kaan.
ME: Gut, dann....äh....schönen Tag.
S: Ihnen auch. Sie glauben gar nicht, wie froh ich bin,dass es ihr gut geht.
ME: Ich auch Sabine, ich auch.

Sabine schaute noch einmal verträumt in die Gegend, schreckte allerdings durch ein lautes Räuspern seitens Mehdi kurz zusammen und verließ dann mit eiligen Schritten die Gynäkologie. Immerhin hatte sie auch noch ihren Oberarzt im Nacken und der hasste ja bekanntlich, Verspätungen.

Mehdi atmete innerlich erleichternd auf. Er war zwar sehr froh darüber, dass es Gretchen anscheinend
gut ginge aber warum sie sich solange bei keinem gemeldet hatte, das ging ihm weiterhin durch den Kopf.
Vor allem aber war er gespannt auf Marc´s Gesicht. Ihm konnte er nichts vormachen. Anhand seiner Gesichtszüge konnte Mehdi deutlich absehen, dass auch ein Marc Meier sich einmal Sorgen machte. Aber er beschloss es erstmal für sich zu behalten. Eigentlich war es Marc ja sowieso egal.

Sabine hingegen tat ihrer Freude offen kund. Natürlich redete sie mit niemanden darüber,
aber sie strahlte über´s ganze Gesicht. Den ganzen Tag. Irgendwann schien es auch Marc zu nerven.
Immer wieder schaute sie verträumt in die Ecke und war regungslos. Erst ein lautes „SABINE!!“ holte sie zurück in die Realität. Dabei erledigte sie ihre Aufgaben heute äußerst gewissenhaft. Vertauschte keine Akten, war im OP stets aufmerksam und den Kaffee kochte sie auch perfekt. Bis dahin war also auch Marcs Laune ertragbar. Natürlich schwirrten ihm immer zwischendurch mal der ein oder andere Gedanke über Gretchen durch den Kopf, aber das blendete er immer wieder gekonnt aus.

Gegen Mittag nahm Mehdi gerade sein Mittagessen zu sich. Auch er lief den ganzen Tag mit einem Strahlen im Gesicht durch die Gegend. Nicht, dass er sonst nicht fröhlich wäre. Aber jetzt, wo er wusste, dass es Gretchen gut ginge, war er noch fröhlicher. Auch Marc bemerkte dies, als er sich Stirnrunzelnd zu ihm
an den Tisch setzte.

M: Was ist denn los hier im Krankenhaus? Schwester Sabine rennt auch die ganze Zeit mit einem Dauergrinsen durch die Gegend. Habt ihr ein Clown gefrühstück oder was?
ME: Also ich weiß ja nicht, was Sabine gefrühstückt hat, aber bei mir wars ein Marmeladenbrot.
M: Die ist heut sogar mal ganz patent, also für ihre Verhältnisse.
ME: Aha.

Nach ein paar Sekunden des Schweigens, entschied Marc, dass es ein guter Augenblick wäre, vielleicht mal dezent nach Gretchens Befinden zu fragen.

M: Und, gibt’s was Neues?
ME: Hm, bei mir?
M: Ja, sitzt hier sonst noch jemand am Tisch?
ME:Äh nö.
M: Also?
`
ME: Was also?
M: Man Kaan, ob´s bei dir was neues gibt?
ME: Nö, nichts,was dich interessiert.
M: Aha.

Mehdi zählte in Gedanken die Sekunden, die es noch dauern würde, bis Marc die entscheidene Frage stellen würde.

M: Hast schon was raus gefunden...wegen dings...?
ME: Dings?
M: Boah Kaan, du weiß doch wen ich mein.
ME: Marc, stell doch einfach die Frage, die dich bedrückt.
M: Bedrückt? Mich bedrückt überhaupt nichts.
ME: Na denn...
M: Ja denn...

Marc schnaufte genervt auf, als er sein Pieper hörte.

M: Kann man nicht einmal in Ruhe essen, meine Fresse.

Marc nahm noch den letzten Bissen von seinem Fleisch, stand dann auf und wollte gehen, hielt aber inne als Mehdi ihn noch einmal ansprach.

ME: Sie ist wieder da.
M: Hä?
ME: „Dings“ ist wieder da.
M: Wie da?
ME: Zurück in Deutschland.
M: Bitte?
ME: Gretchen ist zurück in Berlin.

Marc starrte nur auf den Tisch und regte sich nicht ein Stück. Erst als er merkte, dass auch er von Mehdi angestarrt wurde, zuckte er zusammen.


M: Tja, hab ja gleich gesagt, sie hält´s nicht lange durch.

Damit zog Marc mit seinem Tablett von dannen. Mehdi allerdings musste schmunzeln. Ein typische Marc Meier Reaktion.

Luedd Tiny Offline

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17.04.2016 21:18
#7 RE: Kopf über Herz von Luedd Tiny Zitat · antworten

Marc verschwand schleunigst aus der Kantine, um sein Notfall entgegen zu nehmen.
Auf dem Gang kam ihm bereits eine noch immer strahlende Sabine entgegen.

S: Herr Doktor Mei....
M: Was haben wir?
S: Der Patient in der 3 ist wach, ich sollte Ihnen doch...
M: Ja ja, geh ich gleich hin. Und stellen Sie mal ihr dämliches Grinsen ein. Ist ja abartig.Ach und außerdem....Wieso weiß hier jeder, dass...das...
S: Sie meinen,dass Frau Doktor wieder da ist?
M: Also?
S: Denn hat es Ihnen der Dr Kaan also endlich gesagt? Ich bin ja so erleichtert,dass es ihr gut geht. Allein die Vorstellung...
M: Sie haben eindeutig zu viele Romane gelesen.
S: Nur die von ihrer Mutter.
M: Noch schlimmer. Also,woher wissen sie das, na das...sie...äh...wieder da ist?
S: Also ich habe heute morgen....
M: Die Kurzfassung!!
S: Natürlich. Ich weiß es vom Professor. Der rief heut morgen an und hat sich ein Tag frei genommen.
Und da hab ich halt nachgefragt...
M: Schon klar, danke. Reicht mir.
S: Sie haben sich doch auch Sorgen gemacht, oder Herr Doktor?
M: Ich hab gar nichts und jetzt zack zack, zurück an die Arbeit.
S: Aber damals, als die Frau Doktor...
M: SABINE!!!!
S: Entschuldigung.
M: Abmarsch!

Sabine drehte sich auf den Absatz um und lief mit hängenden Kopf zurück ins Stationszimmer.
Wieso konnte dieser Mann nicht einmal zu seinen Gefühlen stehen?!

Marc schnappte sich seine Zigaretten und verzog sich in den Park. Ein paar Minuten Pause waren ihm noch geblieben. Nur leider bekam er nicht seine Ruhe. Auch Mehdi wollte die restlichen Minuten seiner Pause im Park genießen. Immehin schien die Sonne. Es war ein angenehmer Sommertag. Und der Sommer sollte Berlin auch in den kommenden Tagen nicht verlassen. Als er Marc am Baum sitzend sah, musste er abermals schmunzeln. Immer wenn ihn etwas beschäftigte, suchte er diesen Platz auf. Und dieses Etwas war in diesem Fall wohl eindeutig Gretchen.
Mehdi nahm neben Marc Platz und ließ sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Augenrollend nahm Marc es zur Kenntnis und drehte sein Kopf zur anderen Seite.

M: Was willst du Mehdi?
ME: Nichts besonderes. Was denkst du so?
M: Wie was denk ich?
ME: Na, ist dir mal aufgefallen, dass du immer diesen Platz wählst, wenn dich irgendetwas beschäftigt?
M: Bullshit. Außerdem beschäftigt mich nichts.
ME: Siehste, du machst dir also doch Sorgen.
M: Ach, halt die Schnauze.
ME: Aber ich geb dir Recht,ganz koscher ist die Sache trotzdem nicht.
M: Wie dem auch sei, mir egal. Meinetwegen hätte sie auch da unten bleiben können.
ME: Meinetwegen nicht. Ich freu mich,dass sie wieder da ist.
M: Rennst du ihr jetzt wieder hinter her?
ME: Eifersüchtig?
M: Bitte?Ist Naddl also doch nur eine Bettgeschichte?Du lernst ja doch noch vom Meister.
ME: Hör auf sie ständig Naddl zu nennen. Das hört sich irgendwie...
M: Schlampig an?
ME: Du und deine Ausdrucksweise.
M: Ja was, ist doch so. Bist ja genauso prüde wie Hasenzahn.

Nachdem Marc ihren „Namen“ ausgesprochen hatte, schloss er die Augen. Eigentlich wollte er ihren Namen doch gar nicht in den Mund nehmen.

ME: Und Nadine ist keine Bettgeschichte. Ich bin glücklich Marc. Wirklich glücklich. Aber wenn du nicht langsam dein Arsch hoch kriegst, wirst du es nie werden.
M: ICH BIN glücklich, check das endlich mal. Dafür brauch ich mir keine Frau an die Hacken binden.
So wie es gerade ist, ist es … perfekt.
ME: Sicher...

Nachdem beide kurz geschwiegen hatten, sprach Mehdi etwas an, was ihn schon lange auf der Zunge lag

ME: Was wolltest du ihr damals eigentlich sagen am Flughafen?
M: Äh...WOHER??....Sabine, ich bring sie um.
ME: Ich hab dich gesehen.
M: Wie gesehen?
ME: Ich bin noch mal zurück in die Umkleide, um mein Handy zu holen. Bei deinem Geschrei, kam man ja nicht drum um, nicht zu lauschen. Also, Sabine hat damit nichts zu tun. Aber erstaunlicherweise hat sie wirklich dicht gehalten. Bei mir ist jedenfalls nichts angekommen. Kaum zu glauben.
M: Und dann hälst du die ganze Zeit dein Maul?
ME: Mir war schon klar, dass es dir evtl unangenehm ist. Aber warum Marc?Warum? Gefühle sind nichts schlimmes, sieh es endlich ein.
M: Äh, wer sagt, dass ich Gefühle hatte für Hasenzahn?
ME: Hör dir mal selber zu. Wem willst du hier etwas vor machen? Denn erzähl mir doch mal,warum bist du zum Flughafen hin, hm?
M: Keine Ahnung. Kurzschlussreaktion. Das ist Vergangenheit.
ME: Sicher?
M: Sicher!

Mehdi wandte sich kopfschüttelnd ab und ging zurück ins Krankenhaus. Marc genoss den letzten Zug
seiner Zigarette,schnippte sie weit von sich weg und machte sich ebenfalls zurück an die Arbeit.



Gretchen hatte sich inzwischen ein zweites Mal hingelegt. Es waren bestimmt 3 Stunden, in denen
sie ihren Eltern Rede und Antwort gestanden hatte . Sie wollten alles genau wissen. Und so erzählte Gretchen ihnen von ihrer Zeit in Lambarene. Das sie zuerst etwas abseits von Lambarene tätg war und später dann weiter ins Landesinnere zog,welches auch der Grund dafür war, dass sie sich solange nicht melden konnte. Sie sollte dort nur als Aushilfe arbeiten, da ein Arzt dort ausgefallen war. Später dann sollte sie zurück nach Lambarene kehren. Ihrem Vater erzählte sie stolz von vielen Patienten, denen sie mit einfachen Mitteln helfen konnten. Wieviele Kinder sie zur Welt gebracht hatte. Immer wieder wurde ihr klar,
wie weit die Medizin in Deutschland doch fortgeschritten war, im Gegensatz zur der, in Afrika.
In Lambarene selber war die Versorgung noch einigermaßen aktzeptabel. Zumindest wurden hier und da
ein paar Medikamente geliefert. Was allerdings viel wichtiger war, waren diverse Impfstoffe. Und auf diese warteten sie teils vergebens. Und sie konnten nichts dagegen tun.

Am späten Nachmittag verließ Gretchen allerdings ihr wohliges Gemach und gesellte sich zu ihren Eltern, welche es sich gerade auf dem Sofa mit einem Glas Wein gemütlich gemacht hatten.

F: Ach Kälbchen, jetzt habe ich mir extra den Tag frei genommen und man bekommt dich den ganzen Tag nicht zu Gesicht.
G: Ach Papa, ich war halt noch sehr müde. Der Flug war ziemlich anstrengend.
B: Kein Wunder Kind. Du hast ja nichts mehr zuzusetzen. Ganz dünn bist du geworden.
G: Ach Mama, nun hör doch mal auf. Du tust gerad so, als bestände ich nur noch aus Haut und Knochen.
B: Viel fehlt da ja nicht.
G: Ach Mama. Mal was anderes. Habt ihr noch die Tageszeitung?
F: Seit wann liest du denn Zeitung?
G: Ich brauch den Immobilienteil.
B: Wie bitte?
G: Ich möchte mir eine Wohnung suchen, Mama.
B: Aber Kind, du bist doch gerade erst wieder da.
G: Ja und ich willl nicht wieder zurück in mein Kinderzimmer. Ich will endlich was Eigenes.
F: Kälbchen,ich bin stolz auf dich.
B: Aber Franz...
F: Bärbel, unser Mädchen wird erwachsen.
G: Also Papa bitte. Du tust gerade so, als sei ich in der Pubertät.
F: Naja manchmal...
G: PAPA!!! Habt ihr die Zeitung noch oder nicht?
B: In der Küche.
G: Danke Mama. Soll ich dir noch was helfen für das Abendessen?
B: Ist doch schon alles vorbereitet, mein Kind.
F: Na komm. Hol dir die Zeitung und dann schauen wir zusammen.

Gretchen holte sich die Zeitung aus der Küche und machte es sich gemütlich zwischen ihren Eltern.
Bärbel nahm ihre Tochter abermals fest in den Arm, was Gretchen kurz aufschrecken ließ.

G: AU, Mama, du erdrückst mich.
B: Bitte? Nun übertreibst du aber. Ich sag doch. Nur noch Haut und Knochen. Und deswegen machen wir morgen ein Wellness Tag, hm? Was hälst du davon?
G: Mutter, erst die Zeitung,okay? Und was interpretierst du in „Wellness Tag“?
B: Naja, mit allen drum und dran. Sauna,Massage.... Was ist für dich denn Wellness?
G: Was hält`s du von Eis essen?
B: Margarethe!
G: Lass uns erstmal in die Zeitung schauen. Vielleicht kann ich ja gleich ein Besichtigungstermin für morgen vereinbaren.
B/F: Morgen schon?
G: Na je schneller, desto eher seid ihr mich los,hm?

Gretchen drückte jeden eine Immobilienseite in die Hand und recherchierte ebenfalls ihren Eigenen.

F: Kälbchen?
G: Nenn mich doch nicht immer so. Hast doch vorhin selber gesagt, dass ich erwachsen werde.
F: Wie willst du denn die Wohnung finanzieren?

Gretchen hielt einen Moment inne bevor sie antwortete.

G: Na, wie wohl? Mit Geld. Ich....ich such mir einen Job, ist doch klar.
B: Aber wieso denn, Margarethe hat doch nicht gekündigt, sondern nur pausiert.
F: Für ein Jahr. Nicht für 5 Monate.

Kurz erinnerte sich Gretchen wieder an die letzten 5 Monate und bekam somit das Gespräch ihrer Eltern nicht mit.

F: Ihre Stelle musste ersetzt werden. Die anderen hätten das nicht ohne weiteres alles auffangen können.
B: Aber Franz, du als Professor...
F: Bärbel, lass Margarethe doch erstmal machen. In die Vitamin B-Kiste können wir immer noch greifen.

G: Bitte?Wir greifen nirgendwo rein. Ich bin durchaus in der Lage, mir ein Joob zu suchen. Gibt schließlich genug Krankenhäuser in Berlin.
B: Aber Margarethe, du bist ja auf mal ganz blass. Gehts dir nicht gut?
G: Nein nein, schon gut. Ich bin....nur müde, genau.
F: Schon wieder?
G: Immer noch besser gesagt. Lasst uns doch jetzt einfach nach Wohnungen suchen,hm?


Schon nach kurzer Suche fanden sie 2 passable Wohnungen für Gretchen. Etwas abseits gelegen.
Natürlich nicht zu weit entfernt von der Haasen-Villa, darauf hatte Bärbel bestanden. Und vor allem bezahlbar. Ja Gretchen würde den nächsten Schritt gehen. Ein eigenes Heim. Natürlich hatte sie sich immer wohl gefühlt bei ihren Eltern. Aber normalerweise war es immer nur „übergangsweise“ gedacht.
Aber jetzt wollte sie etwas Eigenes. Mit 32 könnte man schließlich auch langsam mal ausziehen.
Und ein neues Leben beginnen. Das Alte zurück lassen. Vor allem die Vergangenheit vergessen. Einfach nur vergessen.

Für die eine Wohnung konnte sie schon gleich am nächsten Tag ein Besichtigungstermin vereinbaren.
Natürlich hatten Franz und Bärbel ihr angeboten mitzukommen. Doch Gretchen hatte abgelehnt. Sie wollte es allein entscheiden. Immerhin war es ihre Entscheidung. Und sie ließ sich nicht mehr reinreden. Das hatte sie in der Vergangenheit viel zu oft getan.


Gegen Abend machte sich eine leicht übermüdete Dr Nadine Peters auf den Weg zu ihrem Lieblings-Gynäkologen . Vorsichtig klopfte sie an die Bürotür, woraufhin sie kurze Zeit später auch hinein gebeten wurde

NA: Hey Mehdi.
ME: Hey. Na, du siehst müde aus. Alles klar?

Nadine legte den Kopf in den Nacken, ging schließlich auf Mehdi zu und nahm auf seinem Schoß Platz.

ME: Lass mich raten, der Meier?
NA: Der macht mich wahnsinnig.
ME: Was hat er gemacht?
NA: Ach, der ist nur am Rummotzen. Egal was man macht, man macht es falsch.
ME: Ich glaube,da wirst du die nächsten Tage auch nicht von verschont bleiben.

Nadine schaute ihren Freund stirnrunzelnd an.

ME: Sprech ihn am Besten nicht darauf an. Aber...
NA: Ja?
ME: Gretchen ist wieder da.
NA: Gretchen?
ME: Deine Vorgängerin.
NA: Ah die. Ich dachte, sie wollte 1 Jahr weg bleiben?
ME: Ja, das dachte ich auch. Aber irgendwie … ich weiß auch nicht...aber plötzlich ist sie wieder da.
Man hat in den letzten Wochen nichts von ihr gehört. Ist eigentlich auch nicht Gretchen´s Art . Ihre Familie
war ihr immer heilig. Schon komisch alles. Naja, sie wird uns sicher bald Bericht erstatten
NA: Und Marc´s schlechte Laune hat mit ihrer Rückkehr zu tun?
ME: Sagen wir so. Die Zwei haben sich das Leben gegenseitig dermaßen schwer gemacht, schwerer
ging es gar nicht.
NA:Oh. Klingt kompliziert.
ME: Kompliziert ist gar kein Ausdruck. Dabei haben die Beiden sich geliebt, aber keiner der Beiden konnte über seinen Schatten springen. Und als Marc es dann wohl wollte, war es zu spät.
NA: Ist sie seinetwegen gegangen?
ME: Kann man so sagen. Vielleicht nicht nur. Sie wollte endlich mal was alleine schaffen.
NA: Okay.
ME: Wie dem auch sei. Du wirst sie bestimmt bald mal kennenlernen.
NA: Heißt das...dass...
ME: Dass?
NA: Na, das sie ihren Job zurück bekommt?
ME: Ne,dass glaub ich nicht.
NA: Aber ihr Vater ist doch der Chef hier?
ME: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gretchen überhaupt zurück zu uns kommt. Ich würde es mir wünschen,aber wenn sie jetzt wirklich den Absprung geschafft hat, was Marc anbelangt, denn wäre es unklug von ihr, hier wieder anzufangen. Das wühlt doch alles wieder auf.Obwohl, ehrlich gesagt, glaub ich nicht, dass sie jemals über ihn hinweg kommt. Aber Marc genauso wenig über sie. Auch wenn er es behauptet. Hab´s heut selber an seiner Reaktion gesehen. Schien nicht so, als sei es ihm egal.
NA: Oh je, klingt sehr nach Liebesdrama.
ME: Hör bloß auf. Egal. Ich würde mich freuen, wenn ich dich Gretchen mal vorstellen dürfte. Glaub mir, ihr werdet euch blendend verstehen.
NA: Meinst du?
ME: Ganz sicher.
NA: Na denn, warum nicht?
ME: Ich wollt sie die Tage sowieso mal anrufen. Aber jetzt....
NA: Jetzt?
ME: Machen wir Feierabend, was hält´s du davon?
NA: Gute Idee. Ich könnte gut in die Badewanne .
ME: Die Badewanne gibt’s auch bei mir.
NA: Na, da sag ich doch mal nicht nein, Dr Kaan.

Nadine drückte Mehdi noch einen sanften Kuss auf die Lippen, ehe die Zwei sich erhoben und den Weg in die Umkleide antraten.
Auch Dr Meier wollte gerade den Heimweg antreten als ihm das turtelnde Paar im Stationszimmer entgegen kam, was er augenrollend in Augenschein nahm.

ME: Ach Marc, auch Feierabend?
M: Wie du siehst. Und ihr so?
NA: Die Badewann ruft quasi nach uns.
M: Die...äh...Badewanne, ja...denn...lasst euch mal nicht aufhalten, nä?
ME: Und was machst du so?
M: Hab noch ne Verabredung. Also...euch dann viel Spaß beim....Baden...

Marc rang sich zu einem Grinsen, verschwand dann aber zügig in Richtung Aufzug.

NA: Meinst du, er geht zu ihr?
ME: Zu Gretchen? Niemals. Komm,lass uns verschwinden von hier.
NA: Gerne.

Nadine hakte sich bei Mehdi ein und so verließen auch sie das Elisabeth Krankenhaus.


Am nächsten Tag entkam Gretchen gerade noch einer weiteren Diskussion mit ihrer Mutter bzgl ihres Auszuges.

B: Aber Margarethe, warum denn so Hals über Kopf ausziehen, du bist doch gerade erst wieder hier.
G: Mama, ich muss jetzt wirklich los. Sonst komme ich zu spät.
B: Sicher, aber sei nicht zu voreilig mit deiner Entscheidung.
G: Natürlich Mutter.

Gretchen drückte ihrer Mutter noch ein Kuss auf die Wange und konnte so weitere Überredungsversuchen seitens Bärbels entkommen.
Sie nahm das Auto ihrer Mutter, für den Bus war sie mal wieder zu spät dran. Etwas was Gretchen sich nicht ganz abgwöhnen konnte. Ihre leichte Unpünktlichkeit.
Doch zu ihrem Besichtigungstermin erschien sie rechtzeitig. Sie hatte gerade dem Makler die Hand geschüttelt und sich vorgestellt. Ein durchaus attraktiver Mann, der sehr sympatisch zu sein schien.
Doch zu dem besagten Besichtigungstermin sollte es vorerst nicht kommen, denn als sie gerade die Wohnung betreten wollten, vernahmen sie hinter sich schrilles Quietschen von Autoreifen, ein Knall und lautes Aufschreien einer Menschenmasse.

G: Oh nein! Verdammt!

Luedd Tiny Offline

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25.04.2016 15:52
#8 RE: Kopf über Herz von Luedd Tiny Zitat · antworten

G: Entschuldigen Sie, ich muss kurz...Halten Sie mal bitte.

Lediglich ihre Handtasche drückte Gretchen dem netten Makler entgegen, bevor sie kehrt machte und zur Unfallstelle eilte.

Sie versuchte sich durch die Menschenmasse zu drängen, was sich als äußerst schwierig gestaltete.

G: Lassen Sie mich mal bitte durch, ich bin Ärztin.

Doch als sie das Unfallopfer erreichte, stockte ihr der Atem. Nebenbei bekam sie mit, wie jemand einen Rettungswagen alarmierte.

G: Oh nein.

Gretchen hockte sich zu dem kleinen Mädchen und drehte vorsichtig ihr Gesicht zu sich, bevor sie sanft zu ihr sprach.

G: Hey Kleine, hörst du mich? Ich bin Gretchen, kannst du mir sagen, wie du heißt?

Das Mädchen öffnete leicht ihre Augen. Gretchen fühlte nebenbei ihren Puls.

G: Du brauchst keine Angst haben, ich bin bei dir,ja?

Das kleine Mädchen versuchte zu lächeln, verzog allerdings das Gesicht, da es ihr Schmerzen bereitete.
Gretchen zog ihre Jacke aus und legte sie vorsichtig unter dem Kopf des Mädchen, den sie vorher vom
Fahrradhelm befreit hatte.

G: Ich bin ganz vorsichtig, okay? Bleib schön liegen und versuche ruhig zu atmen.

Gretchen nahm ein lautes Schluchzen wahr.

Passant: Ich habe sie nicht gesehen, es tut mir so furchtbar Leid. Sie wird doch wieder oder?
Gretchen: Hoffen wir mal.

Gretchen wollte aufstehen und sich den Inhalt des Rucksackes ansehen , welcher aufm Gepäckträger befestigt war, doch das Mädchen hielt sich krampfhaft an Gretchens Hand fest und fing an zu weinen.

G: Hey,keine Angst, ich lass dich nicht los. Ssht, alles wird gut.

Auch der Makler kam nun vorsichtig auf Gretchen zu und hockte sich neben sie.

MAK: Ui, sieht übel aus.
G: Hmm, wann kommt denn endlich der Krankenwagen? Können Sie mir einen Gefallen tun?
MAK: Gerne
G: Können Sie mal im Rucksack nachsehen, ob Sie ein Portemonnaie finden? Oder sonst irgendwelche
persönliche Dinge, Handy vielleicht?

MAK: Ein Portemonnaie ist hier.

Der Makler hielt es Gretchen hin, doch diese merkte gerade, dass das kleine Mädchen ihr Bewusstsein verlor.

G: Hey Kleine, bleib bei mir. Schön die Augen aufhalten. Erzähl mir, wie heißt du?
L:Lara

Es war nur ein Flüstern, aber Gretchen war heilfroh, dass sie überhaupt eine Anwort erhielt.

G: Lara. Das ist ein schöner Name. Kannst du mir auch sagen,wie alt du bist?
L: Acht Jahre bin ich.

Grechen atmete tief durch, als sie das Martinshorn hörte.

G: Gott sei Dank. Pass auf, jetzt kommt der Rettungswagen und bringt dich in ein Krankenhaus okay.
L:Nein.
G: Sssshhhtt, ganz ruhig. Ist ja gut.
L: Mit...
G: Mit?

Der Rettungswagen hielt direkt neben der Unfallstelle, aus dem nur eine Sekunde später 2 Rettungssanitäter stiegen.

GO: Moin,was ist passiert?

Gretchen kam diese Stimme sehr bekannt vor, weshalb sie sich umdrehte und direkt in die Augen ihres ehmaligen Kollegen blickte.

GO: SIE?
G: Hallo Gordon. Weiblich, 8 Jahre alt. Wurde angefahren. Verdacht auf Schädel-Hirn-Traum, Unterschenkelfraktur links und rechter Arm scheint gebrochen zu sein. Könnte jeden Moment das Bewusstsein verlieren. Also bitte SCHNELL ins Krankenhaus!!!

Gretchen versuchte sich wieder zu lösen, doch das Mädchen versuchte mit letzter Kraft Gretchens Hand zu halten.

G: GORDOIN!!! ICH SAGTE SCHNELL!! Und hören Sie auf mich anzustarren.
GO: Was? Äh ja...
G: Habe keine Angst, Lara. Ich bin bei dir und ich fahre mit ins Krankenhaus. Aber du müsstest mich kurz los lassen. Du kannst meine Hand gleich wieder haben.

Nur widerwillig ließ Lara Gretchen´s Hand los.
Die Sanitäter verfrachteten Lara vorsichtig auf die Trage und schließlich in den Krankenwagen.

MAK: Tja, unser Date verschiebt sich denn wohl.
G: Es tut mir Leid, aber...
MAK: Ich seh schon, Sie sind Ärztin.
G: Ich meld mich heut Nachmittag bei Ihnen.
MAK: Schon gut.

Die Türen waren bereits geschlossen und der Rettungswagen hatte sich in Bewegung gesetzt,als der Makler merkte, dass er noch immer Gretchens Handtasche in seinen Händen hielt. Er hatte es nur geschafft ihr noch den Rucksack der kleinen Lara in die Hand zu drücken. An die Handtasche hatte er nicht gedacht.

MAK:Auch das noch.

Derzeit im Krankenwagen


GO: Ich hab sie fast nicht wieder erkannt.

Doch Gretchen ging nicht weiter darauf ein, sondern konzentrierte sich weiterhin auf die kleine Lara.

GO: Sie sehen irgendwie...anders....aus.
G: Aha
GO: Wo sind ihre schönen Locken?
G: Gerade mal nicht anwesend.
GO: Witzig. Wie war´s denn so in Afrika?
G: Gut.
GO: Habe noch gar nicht wieder mit Ihnen gerechnet.
G: Tja, bin immer wieder für Überraschungen gut, was?


Nach weiteren 5 Minuten erreichten sie das Krankenhaus. Genauer gesagt, das Elisabeth-Krankenhaus.
Gretchen nahm die Umgebung gar nicht richtig wahr. Ihr Augenmerk war regelrecht auf die kleine Lara gerichtet, welche im Moment zu schlafen schien.

G: Jetzt kommen Sie, ein bisschen schneller. Wir dürfen keine Zeit verlieren.

Erst als sie das Krankenhaus betrat, schloss sie kurz die Augen, da ihr der vertraute Geruch in die Nase stieg. Die Krankenhausluft, wie hatte sie das vermisst. Vermisst?

Gretchen schüttelte kurz den Kopf und ging neben der Trage weiter ins Innere des Krankenhauses.
Sie wurden empfangen von einem Pfleger und einer langhaarigen brünetten Ärztin, die Gretchen unbekannt war.
Genau Marc´s Beuteschema. Und da war er. Der erste Gedanke nach so vielen Wochen. Der erste Gedanke an Marc Meier. Doch sie wurde aus ihrer Gedankenwelt gerissen, da sie von der brünetten Ärztin angesprochen wurde.

NA: Was haben wir?

Wie oft hatte Gretchen diesen Satz gehört. Nur in einer etwas anderen Tonlage. Gordon wollte schon los legen, aber Gretchen schnitt ihm das Wort ab.

G: Das ist Lara, 8 Jahre alt. Sie wurde von einem Auto angefahren. Unterschenkelfraktur links, rechter Arm scheint gebrochen zu sein. Verdacht auf Schädel-Hirn-Traum. Verliert immer wieder das Bewusstsein.
Zugang ist bereits gelegt.
NA: Hat sie einen Fahrradhelm getragen?
G: Ja hat sie, aber der Aufprall war denke ich trotzdem stark genug. CT und ….
M: Ja, das überlassen Sie mal den Oberarzt . Fehlt hier noch,dass wir uns von daher gelaufenen Passanten
vorschreiben lassen,was wir zu tun haben. Ich glaub es hackt.

Gretchen blieb aprupt stehen, als sie seine Stimme hörte und schloss die Augen. Leider hatte Marc dies zu spät gemerkt und lief förmlich gegen sie.

M: Ey, geht`s noch? Dr Peters, die Mappe!!
NA: Wie wär´s mit einem „Bitte“ Dr Meier?
M: Ja ja, und Sie gehen mal zu Seite hier.

Marc wollte sich gerade an Gretchen vorbei drängeln, als diese sich umdrehte.
Erst beim zweiten Blick erkannte Marc, wer da vor ihm stand.

M: DU?
G: Hallo Marc.

Marc musterte Gretchen von oben bis unten. Sein Blick blieb vor allem an Gretchens Haaren hängen. Alle anderen waren schon ein Stück weiter gegangen. Erst als sie bemerkten, dass Gretchen und Marc Ihnen nicht gefolgt waren, blieben Sie stehen. Marc hatte sein Zeigefinger auf ihre Haare gerichtet und wollte gerade was sagen, allerdings sah es eher aus wie Schnapp-Atmungen.

G: Marc, spar dir deine blöden Sprüche, wir haben ein Leben zu retten.

Gretchen wandte sich ab und eilte zurück zu den anderen. Nadine wurde es allerdings zu bunt.

NA: Braucht der Chef wieder eine Extraeinladung?Sind Sie die Mutter?
M: Alles, aber das bestimmt nicht!
NA: Hätte ja sein können.

Er würde sich hassen, für das was er sagen würde und Gretchen ihn sowieso. Aber jetzt wo er sie wieder gesehen hatte, war sie weg. Die Freude und Erleichterung darüber,dass es ihr anscheinend gut ging.
Die Wut war da. Die Wut darüber,dass sie einfach gegangen war, ohne nur ein Sterbenswörtchen zu erwähnen. Nicht mal eine Andeutung.

M: Dafür müsste sie erstmal einer bumsen.... wollen

Gretchen war entsetzt über seine Worte und blitzte ihn bitter böse an. Auch Nadine war die Wortwahl ihres Oberarztes mehr als unangenehm.

NA: Marc!
G: Ach,Marci immer noch beleidigt, dass ich dich nicht ran gelassen habe?
NA: Oh nein, bitte nicht. Sie kennen Ihn?
G: Ja leider. Und ich wünschte, ich würde es nicht tun
NA: Das wünschen sich wohl 90% aller Frauen in Berlin
M: Bitte?
G: Na, denn hat sich ja nichts geändert.
M: Wir konzentrieren uns denn mal wieder auf die Patientin.
G: Gute Idee. Also...

Gretchen drückte dem Pfleger den Rucksack in die Hand.

G: Da ist ein Portemonnaie drinnen, vielleicht können Sie sich das einmal ansehen und eine Nummer von ihren Eltern rausfinden.

Der Pfleger nahm dies stirnrunzelnd zur Kenntnis, da ihm Gretchen ebenfalls unbekannt war, wollte allerdings ihrer Bitte nachgehen, wäre da nicht ein gewisser Oberarzt, dem dies gewaltig gegen den Strich ging und somit die Trage mit dem Mädchen wieder angehalten wurde.

M: MOMENT!!!STOP!!! Spinnst du total? Du hast hier gar nichts zu sagen.
G: Marc, Lara schwebt vielleicht in Lebensgefahr. Die äußeren Verletzungen mögen....
M: Her damit.

Marc riss dem Pfleger den Rucksack aus der Hand und drückte ihm Gretchen gegen die Brust, welche daraufhin ein wenig zurück taumelte. Mit gestreckten Zeigefinger zeigte er drohend auf sie.

M: DU hast weder mein Personal anzuweisen, was es zu tun und zu lassen hat noch...
G: Marc, ich will nur helfen...ich...
M: Du bewegst dein fettenArsch von der Station und kümmerst dich darum, ihre Eltern ausfindig zu machen.
G: Aber....
M: Kein Aber...und jetzt mach ein Abgang.
G: IN DER ZEIT,WO DU HIER RUMMOTZT,HÄTTE DAS MÄDCHEN SCHON LÄNGST ZUM CT GEBRACHT WERDEN KÖNNEN.
NA: Sind Sie auch Ärztin?
G: Ja, und mir läge viel dran, wenn dieses Mädchen jetzt UMGEHEND untersucht wird.
M: Ärztin, tzz.

Die Sanitäter , als auch Nadine und der Pfleger hatten bereits ein Untersuchungsraum betreten, in den auch Gretchen ihnen folgen wollte, wurde von Marc allerdings barsch zurück gehalten.

M: DU verpisst dich jetzt!!
G: Marc,es reicht!!Wie redest du eig....
M: DU bist weder ihre Mutter noch gehörst du zum Personal, welches diesen Raum betreten darf, also RAUS!!!

Marc drückte Gretchen von der Tür weg und knallte diese hinter sich zu.

G: Du bist so ein Arsch!!!

Luedd Tiny Offline

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28.04.2016 15:18
#9 RE: Kopf über Herz von Luedd Tiny Zitat · antworten

Derweil im Untersuchungsraum

M: Meine Fresse...
N: Wer war das denn?
M: Niemand.
N: Niemand? Scheint,als würdet ihr euch ganz gut kennen.
M: Halt die Klappe. Wir machen ein Ultraschall und dann ab zum CT.
N: Ist ja gut.

Marc beugte sich über die Kleine und leuchtete in ihre Augen.

M: Hey, kannst du mich hören?....Lara?
L: Gretchen?
N: Ich bin Dr Peters und das ist Dr Meier,du bist im Elisabeth-Krankenhaus,wir werden dich jetzt untersuchen okay?Kannst du dich erinnern,was passiert ist?
L: Wo ist Gretchen?
N: Lara, wer ist denn Gretchen? Ein Kuscheltier?

Während Nadine behutsam auf Lara einredete, untersuchte Marc das kleine Mädchen und versuchte die Gedanken an Gretchen zu verdrängen.

N: Ist es vielleicht in deinem Rucksack?
L: Sie hat gesagt, sie bleibt bei mir.

Lara fing bitterlich an zu weinen und Nadine hatte Mühe die Kleine zu beruhigen.

N: Hey, shht, ganz ruhig Lara. Ist Gretchen deine Freundin?
L: Ich will zu Gretchen.
N: Wenn du mir sagst, wer Gretchen ist, kann ich dir vielleicht helfen.
M: Gib ihr was zur Beruhigung.
L: NEIN! Keine Spritze. Keine Spritze.
M: Der Unterschenkel ist gebrochen. Ist aber nichts kompliziertes.
L: Gretchen....sie wollte doch bei mir bleiben...

Und wieder fing die Kleine an zu weinen.

N: Moment. Marc, die Frau da draußen heißt nicht zufällig Gretchen?

Doch Marc ignorierte die Frage und untersuchte den gebrochenen Arm.

N: Hmm, schon klar.

Nadine maschierte geradewegs auf die Tür zu.

M: Ey, du holst sie hier nicht...

Doch Nadine hörte nicht auf Marc´s Gezetere, trat heraus und hielt Ausschau nach Gretchen, welche im Gang besorgt auf und ab lief.

N: Entschuldigung, Sie heißen nicht zufällig Gretchen?
G: Äh...ja.
N: Die Kleine fragt ständig nach Ihnen, also wenn Sie...

Doch Gretchen lief bereits an Nadine vorbei, geradewegs zum Untersuchungsraum, wo sich die kleine Lara nicht zu beruhigen schien.

N: ...bitte ...mit.... kommen würden.

Marc beugte sich gerade über sie und versuchte,auf seine Weise ,sanft auf sie einzureden,als Gretchen den Raum betrat, ihre Hand in ihre nahm und sich neben der Trage stellte.

L: Gretchen.
G: Hey Kleine, alles wird gut. Ssssht, beruhig dich.

Bitterböse Blicke wurden ausgetauscht.

M: Ab zum CT....Ja JETZT und nicht morgen.

Sowohl Gretchen als auch Nadine rollten die Augen, wanden sich allerdings ab. Nadine löste die Bremse der Trage und schob diese zusammen mit dem Pfleger zum CT. Gretchen lief neben der Trage und hielt weiterhin Lara´s Hand. Sie merkte allerdings, wie diese erschlaffte und sprach Lara sofort an.

G: Stop!! Hey Lara, mach deine Augen auf, hey...Mäuschen komm, nicht schlapp machen jetzt.
MIST!! Sie ist bewusstlos.
N: SCHEIßE!!Kommen Sie,SCHNELL!

Beim CT Raum angekommen, ließ Gretchen das kleine Mädchen los und blieb vor dem Raum stehen. Nadine lächelte ihr allerdings freundlich zu und bat sie ebenfalls hinein.

G: Danke!
N: Muss Marc ja nicht wissen.

Als würde sie es tagtäglich machen, bereitete Gretchen Lara für´s CT vor, während Nadine bereits den Nebenraum betrat, um die Röntgenaufnahme zu starten. Auch Gretchen bertrat nun den Nebenraum
um sich mit Nadine die Röntgenaufnahme anzusehen.

N: Scheint in Ordnung zu sein.
G: Gott sei Dank. Schädel-Hirn-Trauma war ja fast klar.
N: Gott sei Dank hat die Kleine ein Fahrradhelm getragen. Ist ja auch nicht mehr selbstverständlich heute.
G: Das stimmt wohl.
N: Die Unterschenkelfraktur muss operiert werden, da kann ich sie leider nicht mit herein nehmen.
G: Danke nochmal.

Die Zwei gingen zurück und befreiten die kleine Lara um sie für den OP vorzubereiten. Nadine wendete sich an den Pfleger

N: Herr Pein, bitte sagen Sie Schwester Tanja Bescheid, sie soll die Patientin für den OP vorbereiten lassen. Dr …
G: Haase
N: Dr Haase und ich bringen sie zurück zur Station.
P: Geht sofort los.
N: Danke....Frau Doktor Haase also. Haase mit Doppel-a?

Gretchen räusperte sich und schaute verlegen nach unten, während Nadine die Bremse der Trage löste und diese schließlich in Bewegung setzte.

G: Ja, mit Doppel-a
N: Sie sind aber nicht zufällig verwandt mit unserem Herrn Professor Doktor Haase oder?
G: Em...zufällig doch.
N: Nein, ehrlich? Moment....denn sind Sie Gretchen Haase?
G: Gut kombiniert.
N: Ich bin sozusagen ihre Nachfolgerin.
G:Oh...em...Sie Arme?
N: Sie meinen wegen dem Meier?
G: Naja, scheint,als hätte er sich nicht wirklich geändert. Aber, stellen Sie einfach auf Durchzug.
Er kann einfach nicht einsehen, dass auch die Assistenzärzte mal Recht haben.
N: So, wie eben, habe ich ihn lange nicht erlebt. Eigentlich war er die letzte Zeit ganz ertragbar.
G: Tja, wahrscheinlich hat er einen guten Ausgleich zur Arbeit.
N: Oh ja,den hat er wohl.

Gretchen richtete ihren Blick nach unten. Das Letzte was sie jetzt hören wollte waren irgendwelche Anekdoten aus Marc´s Sexleben.

N: Sie denken aber nicht....also das ich...
G: Nicht? Em ja....geht mich ja auch nichts an.Also...
N: Ich bin in festen Händen. Außerdem bin ich mir ein bisschen zu schade für diesen Macho. Aber viele andere jungen Damen in diesem Hause stört es nicht im Geringsten.Aber das scheint hier wirklich kein Geheimnis zu sein.

Die zwei Ärztinnen hatten den Fahrstuhl gerade verlassen und schoben die Trage mit dem kleinen Mädchen in Richtung OP, vor dessen Tür bereits ein genervter Marc Meier wartete. Zwei Schwestern nahmen die Trage entgegen um Lara für die OP vorzubereiten.

M: Ach,kommen die Damen auch nochmal? Du bist ja immer noch hier.
G: Jap, SHT 1. Grades, ansonsten unauffällig.
N: Hier sind die Aufnahmen.
M: Hast schon was herausgefunden?
G: Was herausgefunden?
M: Boah, Adresse oder Name des Mädchen´s vielleicht?
N: Marc, sie war doch die ganze Zeit...
M: Halt die Klappe und geh dich umziehen, OP ist schon vorbereitet.....Ja, wird’s bald!!!
N: Du kannst mich mal! Frau Dr Haase, war nett sie kennen zu lernen, falls wir uns nicht mehr sehen.
G: Mich auch. Ich denke, ich bleibe noch bisschen.
M: Wozu?
N: Ihnen scheint das Mädchen ganz schön ans Herz gewachsen zu sein.
M: Wolltest du dich nicht umziehen?
N: Bist du schon umgezogen? Nein! Also Marc, umziehen, aber ZACK ZACK!

Gretchen musste sich ihr Lachen verkneifen, weshalb Marc sich drohend vor ihr aufbaute.

N: Und du hörst auf zu lachen!!

Gretchen allerdings klatschte nur zwei Mal in die Hände und grinste ihn schelmisch an.

G: UMZIEHEN!!!
M: HASENZAHN! Seh zu,dass du etwas über das Mädchen herausfindest.

Auch Nadine musste sich das Lachen verkneifen,welche die Szene von Weitem beobachtet hatte.
Als Marc sie allerdings erspähte, suchte sie schnell das Weite und begab sich wirklich in die Umkleide.

Gretchen´s Blick allerdings war starr zu Boden gerichtet. In ihren Ohren erklang immer wieder das eine Wort.
Hasenzahn...

M: Äh...alles okay?

Keine Antwort

M: Hasenzahn?

Immer noch keine Regung. Erst als Marc seine Hand behutsam auf ihre Schulter legte, zuckte sie zusammmen, trat auch prompt 2 Schritte zurück und streifte seine Hand von sich.

G: Fass mich nicht an!
M: Woah, das geht bei dir denn ab?
G: Du ...musst Lara operieren....JETZT!!!

Ohne ein weiteres Wort ging Gretchen an Marc vorbei und machte sich eilig von dannen.
Sie brauchte frische Luft und zwar dringend. Marc blieb stirnrunzelnd stehen und schaute ihr nach.
Erst als er von Nadine in die Realität zurück geholt wurde, setzte auch er sich wieder in Bewegung.

N: MARC! Kommst du jetzt vielleicht mal?
M: Boah, halt die Klappe!

Als Gretchen draußen an kam, holte sie tief Luft. Wie konnte es sein, dass Marc sie von einen auf den anderen Moment so durch den Wind brachte. Und das nur durch ein einziges Wort. Hasenzahn.
Die kurze Berührung seiner Hand hatte ihr den Rest gegeben. Diese eine lächerliche Berührung.
Sie fragte sich, wie spät es wohl war und wollte auf Ihrem Handy nachsehen. Erst jetzt bemerkte sie, dass
sie ihre Handtasche nicht bei sich trug.

G: Auch das noch. So ein Mist!!

Und beim zweiten Gedanken fiel ihr auch ein, wer diese Handtasche in seinen Händen hielt.

Luedd Tiny Offline

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09.05.2016 21:39
#10 RE: Kopf über Herz von Luedd Tiny Zitat · antworten

Sie schloss ihre Augen und versuchte ihre wirren Gedanken zu sortieren. Vor allem den Gedanken an Marc versuchte sie auszublenden. Die Gesundheit der kleinen Lara stand an erster Stelle. Dabei fiel ihr ein, dass sie doch weitere Daten über das Mädchen heraus finden sollte. Besser gesagt, Marc hatte es ihr aufgetragen. Und schon wieder – ein Gedanke an Marc. Sie schüttelte den Kopf und machte
sich auf den Weg zurück ins Innere des Krankenhauses. Im Gang, auf einem der Stühle lag noch immer der Rucksack des kleinen Mädchens , welchen sie an sich nahm, um das Portemonnaie heraus zu nehmen.Die Adresse hatte sie immerhin schon. Nur konnte sie leider keine Telefonnummer finden. Heißt, sie müsste sich wohl mal auf die Suche nach einem Telefonbuch machen. Langsam schlurfte sie durch die Gänge des Krankenhauses, geradewegs auf das Schwesternzimmer zu. Zu ihrem Glück war dieses sogar besetzt und man konnte ihr weiter helfen. Nach einigen Recherchen stellte sich allerdings heraus, dass das Mädchen in einem Kinderheim aufwuchs. Allerdings wurde der Anruf dankend entgegen genommen, da sich die Betreuer schon um das kleine Mädchen sorgten. Gretchen war erleichtert, als man ihr sagte, dass sich jemand sofort auf den Weg machen würde. Denn würde Lara wenigstens nicht alleine sein, wenn sie aufwachte. Gretchen bedankte sich bei der Schwester und machte sich zurück auf den Weg zum OP.
Sie ließ sich auf einen der Stühle fallen und lehnte ihren Kopf an die Wand. Wieder schloss sie kurz die Augen. Sie entschloss sich zu warten, bis die OP beendet war. Schließlich wollte sie wissen, wie die OP verlaufen war. Natürlich war sie sich sicher, dass Marc sein Bestes tun würde. Aber sie war es Lara schuldig.
Immerhin hatte sie versprochen, dass sie bei ihr blieb.

Marc schmunzelte, als er Gretchen mit geschlossenen Augen auf den Stuhl sitzen sah.Sie hatte nicht einmal mitbekommen,dass die kleine Lara bereits in den Aufwachraum geschoben wurde. Erst als er räusperte schlug sie erschrocken die Augen auf. An die Wand gelehnt sprach er sie an.

M: Neuer Schlafplatz?
G: Bitte?...Äh... ich hab jawohl nicht geschlafen..
M: Schon klar.
G: Warum macht ihr Pause? Ist etwas passiert?
M: Hasenzahn, wenn du nicht gepennt hättest, hättest du mitbekommen, dass die Patientin vor 2 Minuten aus dem OP in Richtung Aufwachraum geschoben wurde.
G: Man Marc!
M: Ja was, kann ich doch nichts für das du hier ein Wald in Grund und Boden sägst...
G: Und schnarchen tu ich jawohl auch nicht. Du...
M: Ja?
G: Spinner.
M: Woah!! Hasenzahn...bist ja richtig schlagfertig geworden.

Gretchen schüttelte nur den Kopf und richtete ihren Kopf kurz zu Boden,ehe sie Marc wieder ansah.

G: Darf ich zu ihr?
M: Bitte?
G: Du hast mich schon richtig verstanden.
M: Äh, du bist nicht ihre Mutter.
G: Marc, ich hab dich nicht oft um irgendetwas gebeten. Jetzt tu ich es. Es ist doch nur kurz. Und zum Thema Mutter kann ich dir auch was sagen. Lara lebt in einem Kinderheim, die Betreuer wollten sich aber umgehend auf den Weg machen.
M: Es dauert noch, bis sie wach wird.
G: BITTE!

Marc schaute sie eindringlich an. Erstaunlicherweise hielt Gretchen seinem Blick stand, bevor er ihr durch ein Nicken signalisierte, eine Ausnahme zu machen.

M: Sie ist in der 2. Den Raum findest du selber.

Ohne ein weiteres Wort, verließ Marc die Station. Das „Danke“ von Gretchen, schnappte er allerdings auf.

Gretchen machte sich auf dem Weg zu der kleinen Lara, während Marc sich auf den Weg nach draußen machte. Er brauchte dringend eine Zigarette. Auf dem Weg kam ihm Nadine entgegen.

N: Na, haben wir uns ein wenig abreagiert?
M: Halt´s Maul!
N: Wo willst du denn jetzt hin?
M: Eine rauchen.
N: Ich komm mit.
M: Seit wann rauchst du?
N: Ich habe nie geraucht und werde es auch nicht mehr anfangen. Aber ein bisschen frische Luft könnte ich gut gebrauchen.
M: Und ich brauche meine Ruhe.

Marc und Nadine wollten gerade den Fahrstuhl betreten, als sie von einem Unbekannten angesprochen wurden.

MAK: Entschuldigung, ich suche jemanden, können Sie mir vielleicht weiterhelfen?
M: Sehen wir aus wie Auskunft?Nein!

Nadine hielt Marc´s Antwort mal wieder für völlig überflüssig und wandte sich augenrollend an den jungen Mann.

N: Wen suchen Sie denn?
MAK: Margarethe Haase. Sie müsste ein Mädchen im Rettungswagen begleitet haben und ich hab hier ihre Handtasche.

Bei dem Wort „Margarethe Haase“ hob Marc allerdings seinen Kopf und schaute den Kerl stirnrunzelnd an.
Nadine hatte währendessen einen Fuss in die Tür gestellt, sodass sich diese nicht schließen konnten.

N: Ja, das ist richtig. Ich glaube, sie ist sogar noch da, oder Marc?
M: Äh, woher soll ich das wissen?
MAK: Wissen Sie vielleicht wo sie sich aufhält? Denn kann ich Ihr die Tasche gleich zurück geben.
Wir haben sowieso noch etwas zu besprechen.

Marc schob Nadine ein Stück zur Seite und riss dem Mann die Tasche aus der Hand.

M: Wir machen das schon. Und tschüss!
MAK: Aber...

Nadine wollte ebenfalls noch etwas sagen, wurde allerdings von Marc in den Fahrstuhl gezogen und sorgte dafür, dass sich die Türen schnellst möglich schlossen.

N: Marc!

Freundlich grinsend hob er noch einmal die Hand. Das Grinsen allerdings erstarb, als sich die Türen geschlossen hatten.

MAK: Em....hallo?

Der Maker konnte leider nur noch hören, wie sich der Fahrstuhl in Bewegung setzte.

N: Sag mal,spinnst du? Du kannst doch die Besucher nicht einfach so dumm anmachen.
M: Ich rede hier, wie es mir passt , ich bin hier Oberarzt. Merk dir das endlich mal.
N: Die Masche könntest du übrigens auch mal ablegen, ist langsam langweilig.

Während sie die letzten Worte aussprach, entzog sie Marc die Tasche und hielt sie hinter ihrem Rücken
fest.

M: Ey, spinnst du? Her damit. Sofort!!!
N: Ich bring ihr die Tasche.
M: Gar nichts tust du,klar! Gibt´s du mir sie freiwillig?
N: Wozu, damit du darin rumschnüffeln kannst, bevor du ihr sie übergibst?
M: Bitte was? Da gibt es nichts...
N: Na, denn kann ich ihr die Tasche ja auch bringen.
M: Nadine!
N: Marc!

Nadine atmete erleichert aus, als sie hörte, dass sie auf der richtigen Station angekommen war und
trat auch gleich aus den Fahrstuhl.

N: Du wolltest doch eh eine rauchen. Also....

Ein zähneknirschender Marc wurde zurück gelassen, der nun kräftig auf die Taste „EG“ schlug.

Nadine entschloss sich, gleich im Aufwachraum nachzusehen, ob Gretchen noch da war. Es war immerhin der einzige Ort, wo sie hätte sein können. Auf dem Gang warten bis das kleine Mädchen wach war, würde sie garantiert nicht. Und sonst könnte sie immer noch dem Professor bitten, die Tasche mitzunehmen.

Ja Frauen waren neugierig. Hatten absolut keine Geduld und quatschen und tratschen konnten sie sowieso wie ein Weltmeister. Das Männer aber kein Stück besser waren, sah das männliche Geschlecht sowieso nicht ein. Nadine hätte schwören können, dass Marc Gretchen die Tasche nicht einfach so übergeben hätte. Und schließlich mussten Frauen zusammen halten.

Luedd Tiny Offline

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28.05.2016 23:42
#11 RE: Kopf über Herz von Luedd Tiny Zitat · antworten

Vorsichtig öffnete Nadine die Tür zum Zimmer der kleinen Lara, wodurch Gretchen aufschreckte.

N: Entschuldigung, ich wollte Sie nicht erschrecken.
G: Kein Problem, sind die Betreuer da?
N: Nein, noch nicht. Aber jemand hat ihre Handtasche abgegeben.
G: Oh, wie nett.

Nadine trat ans Bett und übergab Gretchen die Handtasche. Gretchen war erstaunt. Wenigstens mal ein Mann, der mit dachte.
Sie durfte auf keinen Fall vergessen, sich später bei ihm zu bedanken.

G: Vielen Dank. Denn brauch ich da wenigstens nicht hinterher telefonieren.
N: Netter junger Mann.
G: Ja, scheint so.
N: Ihnen ist das Kind ganz schön ans Herz gewachsen, hm?
G: Sie ist noch so klein. Und sie lag so hilflos auf der Straße, keiner hat sich irgendwie
getraut sie anzurühren. Und dann wächst sie noch in einem Heim auf.
N: Was ja nicht immer etwas Schlechtes zu bedeuten hat.
G: Ach, aber so eine Familie in geregelten Verhältnissen ist doch immer schöner.
N: Nicht immer Frau Dr Haase. Nicht immer...
G: Sie sprechen aus Erfahrung?

Doch Nadine antwortete zuerst nicht, sondern sah Gretchen etwas skeptisch an

G: Entschuldigung, ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten.
N: Kein Problem. Und ja, ich spreche aus Erfahrung. Ich bin auch in einem Kinderheim groß geworden.
G: Wahrscheinlich deshalb die starke Persönlichkeit.
N: Finden Sie?
G: Naja, es gibt wenig Leute, die Marc Konter geben.
N: Ach deshalb... denn haben Sie aber auch eine starke Persönlichkeit.
G: Wollen wir uns nicht duzen? Redet sich doch viel schöner,hm? Ich bin Gretchen.

Gretchen stand vom Stuhl auf und streckte Nadine die Hand entgegen.

N: Gerne. Nadine. Wie war es denn so in Afrika?

Gretchen erstarrte kurz, als sie das Wort „Afrika“ vernahm, fing sich aber kurze Zeit später wieder.

G: Äh...Du bist ja gut informiert.
N: Weißt ja selber, was das hier für eine Tratschhöhle ist.
G: Oh ja.
N: Außerdem hat Schwester Sabine immer eifrig berichtet, sobald sie etwas von dir gehört hat. Man könnte meinen, sie ist ein riesen Fan von dir.
G: Ach quatsch. Nun übertreib mal nicht.
N: Also? Magst du mir vielleicht bisschen erzählen von Afrika? Kaffee?
G: Em... ich muss jetzt leider los. Hab noch etwas zu erledigen...Ich musss...unbedingt den Makler noch anrufen, mich bedanken und so. Vielleicht ein anderes Mal.
N: Klar, wir sehen uns bestimmt nochmal.
G: Vielleicht.... Mach`s gut.... und danke für die Tasche.
N: Gern geschehen... bis bald.

Gretchen schloss die Tür hinter sich und atmete draußen tief durch während Nadine noch einmal die Werte
der kleinen Lara kontrollierte. Über Afrika sprechen,war das Letzte was sie jetzt noch wollte.

Gedankenverloren schlenderte sie den Gang entlang Richtung Ausgang. Nichts um sich herum nahm sie wahr. Auch dass sie bereits das Krankenhausinnere verlassen hatte, bemerkte sie nicht.
Dafür aber jemand anderes. Marc war nach seiner Raucherpause noch ein paar Minuten draußen geblieben. Auch ihn hatte die Begegnung mit Gretchen etwas aus der Bahn geworfen. Jetzt allerdings
schmunzelte er vor sich hin, als er sah, wer da völlig abwesend Schritt für Schritt auf ihn zusteuerte.
Er hatte damit gerechnet, dass sie wieder zu sich kommen würde, wenn sie ihn erblicken würde.Doch sie lief an ihm vorbei. Einfach so. Als er wahr nahm, dass sie geradezu auf einen Laternenpfeiler zusteuerte, entschied er sich doch, sie vor einer dicken Beule zu bewahren.

M: HASENZAHN!

Und es wirkte, Gretchen erstarrte. Wie sie diesen Namen hasste. Und dieser ihr doch gleichzeitig eine Gänsehaut verschaffte.

Langsam drehte sie sich um und blickte verwirrt in seine Richtung.

M: Augen auf im Straßenverkehr

Doch Gretchen verstand seine Anmerkung nicht, weshalb er mit einem Nicken auf den Laternenpfeiler deutete. Gretchen drehte sich wieder um und starrte auf den Pfeiler.

G: Marc, glaubst du etwa ernsthaft, dass ich gegen den Laternenpfeiler gelaufen wäre?
M: Jap!

Marc lachte kurz auf, als er bemerkte,dass ihr eine leichte Röte ins Gesicht stieg. Wenigstens etwas, was geblieben war, dachte er.

G: Hättest du wohl gern gehabt, was?

Marc schüttelte kurz den Kopf und näherte sich Gretchen langsam, weshalb sie beschämt zur Seite schaute.

M: Wenn ich es gerne gehabt hätte, hätte ich dich laufen lassen, Hasenzahn.
G: Und hör auf mich Hasenzahn zu nennen. Wir sind nicht mehr in der Schule.
M: Bitte?
G: Und das schon seit über 15 Jahren nicht mehr, wie du vielleicht weißt.
M: Danke Marc, dass du mich vor nem dicken Einhorn bewahrt hast
G: Tzzz, als wenn ich dagegen gelaufen wäre. Du spinnst doch.
M: Außerdem hat dich „Hasenzahn“ sonst auch nicht gestört.
G: Sagst du.
M: Ja.
G: Tzz.

Beiden war die Situation recht unangenehm. Keiner wusste so recht, was er sagen sollte, weshalb sich beide abwanden. Gab es überhaupt noch was zu sagen?

G: Tja, denn... Viel Spaß noch bei der Arbeit.

Gretchen drehte sich um und wollte gehen. Allerdings mit etwas viel Schwung,sodass sie diesmal fast wirklich direkte Bekanntschaft mit dem Laternenpfeiler gemacht hätte. Marc stand immer noch hinter ihr und musste sein Lachen stark unterdrücken.

M: Deine Tollpatschigkeit hast du ja nicht verlernt.
G: Boah, musst du nicht arbeiten?
M: Na, ich wollte nur sehen, ob du es wirklich noch schaffst, an diesen Pfeiler vorbei zu kommen. Sonst hätte ich meine nächste Patientin gleich mitgenommen. Geht ja auch nicht mehr so in den Rücken jetzt...jetzt wo...
G: Ja Marc, sprech dein Satz ruhig zuende.
M: Na, noch schwerer bist du wohl nicht geworden, wie man sieht.
G: So, sieht man das?
M: Ja Herrgott nochmal, was willst du jetzt hören?
G: Nichts. Gar nichts.

Marc musterte Gretchen kurz von oben bis unten. Auch ein Blick auf ihre Hände warf er.

M: Trägst ja gar kein goldenes Gedöns an deiner Hand.
G: Sollte ich?
M: Na, sonst lässt du ja auch nichts anbrennen und dich gleich um den Finger wickeln.
G: Wie bitte?
M: Tja,aber wie man sieht, selbst die Afrikaner halten es nicht mit dir aus, Hasenzahn....Sonst wärst du wohl noch da,oder? Ein Jahr ist schließlich noch nicht um.
G: Sonst geht’s dir gut,oder?
M: Bis vorhin, gings mir gut.
G: Du meinst, bis ich dir unter die Augen getreten bin,was? Wenn du mich so scheußlich findest, warum redest du denn überhaupt mit mir?
M: Keine Sorge, kommt nicht wieder vor.
G: Ja hoffentlich!!

Marc drehte sich um und machte sich auf den Weg zurück an die Arbeit als er noch einmal von Gretchen angesprochen wurde.

G: Und übrigens: Einen EHEring trägt man in Afrika nicht an der Hand, sondern an einer Kette. Und DIE liegt bei mir Zuhause auf dem Nachttisch.

Marc schaute Gretchen mit großen Augen an, bekam allerdings kein Wort heraus. Erstaunt schaute er ihr hinterher. Und Gretchen spürte sie. Die Blicke auf ihren Rücken.

Luedd Tiny Offline

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30.05.2016 14:52
#12 RE: Kopf über Herz von Luedd Tiny Zitat · antworten

Marc brauchte ein paar Sekunden, ehe er sich wieder fing und sich zurück an die Arbeit machte.

Und Gretchens Gesicht färbte sich mittlerweile tomatenrot. Peinlicher hätte ihr Abgang gar nicht sein können, dachte sie. Ehering an einer Kette??? Etwas Blöderes hätte ihr eigentlich nicht einfallen können.
Dass Marc darauf gar nichts ewidert hatte und es somit schien, dass er glaubte, dass sie wirklich verheiratet war, schien sie auszublenden. Doch sein Gesichtsausdruck war es alle Mal wert.

Gretchen machte sich auf den Weg zum Taxistand, um endlich nachhause zu fahren. Kaum wieder in Berlin und schon gleich ein ereignisreicher Tag. Wo soll das nur enden, dachte sie sich?
Auf dem Weg nachhaus versuchte sie den freundlichen Makler zu erreichen , was ihr zu ihrem Glück auch gleich gelang. Sie konnte schon gleich einen neuen Besichtigungstermin für den nächsten Tag vereinbaren.
Geschafft legte sie ihren Kopf an die Fensterscheibe und schaute nach draußen. Dabei fiel ihr ein, dass sie sich auch um einen Job kümmern musste. Somit stand auch ihr nächstes Projekt schon fest.

Zuhause angekommen wurde sie natürlich sofort von ihrer Mutter in Beschlag genommen.

B: Margarethe, da bist du ja endlich.
G: Hallo Mama.
B: Ich dachte schon, dir sei was passiert.
G: Ach Mama, du wieder. Mach dir doch nicht immer gleich Sorgen. Ich bin erwachsen.
B: Wie war die Besichtigung?
G: Die hat leider nicht statt gefunden.
B: Aber wo warst du denn die ganze Zeit?
G: Im Krankenhaus?
B: Wie bitte?

Auch Franz kam gerade zum Wohnzimmer hinein.

F: Kälbch...
G: PAPA!!!!
F: Ich habe mal wieder Großartiges von dir gehört.
B: Wieso?
G: Ein kleines Mädchen ist von einem Auto angefahren worden.
F: Und unser Käl...unsere Tochter hat erste Hilfe geleistet und sie ins Krankenhaus begleitet.
Ich bin stolz auf dich!

Franz nahm seine Tochter fest in Arm und drückte ihr ein Kuss auf ihre Haare. Gretchen schloss kurz die Augen, da sie einen leichten Schmerz spürte. Somit drückte sie ihren Vater leicht von sich und schaute ihn entschuldigend an.

G: Papa, doch nicht so doll. Du erdrückst mich ja.
F: Na, ich werde meine Tochter jawohl nochmal drücken dürfen.
G: Sicher Papa.
F: Auf jeden Fall hast du gute Arbeit geleistet.
G: Apropro Arbeit... du weißt nicht, ob die umliegenden Krankenhäuser zufällig eine Stelle als Assistenzärztin
zu vergeben haben?
F: Aber...ich dachte...
G: Ja?
F: Ich dachte, du kommst zurück?
B: Zurück zu dem Dr Meier?
G: Mama!! Papa, ich wollte eigentlich etwas anderes ausprobieren?
F: Wie etwas anderes?
G: Na, im Elisabeth-Krankenhaus bin ich doch immer nur das Professorentöchterchen.
F: Aber das stimmt doch nicht.
G: Außerdem ist meine Stelle neu belegt.
F: Da finden wir sicherlich eine Lösung. Gutes Personal können wir immer gebrauchen.
G: Papa bitte.
F: Ich kann mich ja mal umhören.
G: Danke, bist der Beste....Ich geh nach oben. Bin echt müde.
F: Aber willst du denn nichts Essen?
G: Ich hab kein Hunger, danke Mama.
B: Aber Kind, du musst doch mal wieder essen. Schau dich doch an. Ganz dünn bist du geworden.
G: Ja ja, ich falle quasi vom Fleisch. Ich find mich gerade ganz gut, so wie es ist. Gute Nacht.

Die Tage darauf ging es für Gretchen ordentlich zu Sache. Der Besichtigungstermin war ein voller Erfolg.
Gretchen hatte sich sofort verliebt in die Wohnung. Sie passte perfekt zu ihr. Gut war, dass diese momentan auch nicht vermietet war, sie somit also gleich einziehen konnte.
Der kleinen Lara wurde auch jeden Tag ein kleiner Besuch abgestattet. Das kleine Mädchen freute sich jeden Tag riesig Gretchen zu sehen. Natürlich blieben so auch kurze Begegnungen mit Marc nicht aus.
Aber sie wechselten kein Wort miteinander. Wie Marc es damals bereits angedeutet hatte. „ Keine Sorge, kommt nicht wieder vor“ . Lediglich kurze Blicke wurden ausgetauscht. Auch Mehdi hatte sie einen Überraschungsbesuch abgestattet. So blieb es natürlich auch nicht aus, dass Nadine als Mehdi´s Freundin vorgestellt wurde. Zuerst war Gretchen ein wenig empört, da Mehdi nichts dergleichen erwähnt hatte.
Jedoch hatte Mehdi gleich gekontert, dass sie sich ja auch die letzten Wochen nicht gemeldet hatte.
Dem konnte Gretchen natürlich nichts entgegnen. Natürlich war es für Mehdi und Nadine selbstverständlich, Gretchen beim Umzug zu helfen. Und auch Gretchen´s Bruder Jochen opferte seine Zeit. Wenn auch not gedrungen. Bärbel und Franz ging das Ganze zwar immer noch ein bisschen zu schnell, aber auch sie packten mit an. Nadine und Gretchen schienen sich sehr gut anzufreunden. So verbrachten sie sogar einen Nachmittag zusammen, um Deko einzukaufen. Und sie hatten sichtlich Spaß, doch so ganz wollte die gute Stimmung nicht zu Gretchen durchdringen. Zu oft musste sie noch an die Geschehnisse der letzten Wochen denken. Vor allem Mehdi nahm das zur Kenntnis. Er kannte sie immerhin schon lang.Und es fehlte etwas.
Etwas ganz Besonderes. Es war der Glanz in ihren Augen. Und ihr Lächeln. Und ihre Locken. Aber die schienen Stück für Stück wieder zu erscheinen. Nadine war zudem aufgefallen, dass Gretchen nur von den ersten Monaten in Afrika erzählt hatte. Schon zwei mal hatte sie abgelenkt, als sie Gretchen auf die letzten Wochen ansprach. Natürlich hatte Mehdi sie sofort angesprochen, da Gretchen doch recht zurückhaltend war. Etwas was man nicht von ihr kannte. Im Gegenteil. Sie war doch sonst solch eine lebensfrohe Frau. Die mit offenen Herzen und meist einem Strahlen im Gesicht durch die Welt ging.
Auch Marc war es aufgefallen. Er hatte sie zwar immer nur kurz gesehen, aber ihm fiel sofort auf, das etwas anders war. Früher wäre sie auf ihn zugekommen und hätte ihn zumindest gegrüßt. Natürlich war ihm klar, dass er ja angedeutet hatte, nie wieder ein Wort mit ihr zu wechseln. Aber seit wann nahm sie seine Worte so ernst? Früher wäre ihr mindestens ein „Hallo“ über die Lippen gekommen, aber jetzt? Ein kurzer Blickwechseln, das war´s! Nicht ein Wort. Hatte Afrika sie wirklich so verändert? Mal abgesehen vom Äußerlichen. Die glatten Haare passten gar nicht zu ihr. Und das ein oder andere Pfündchen auf den Rippen hatte ihr doch auch gut gestanden. Irgendetwas stimmte nicht, dafür kannte sogar ein Marc Meier eine Gretchen Haase zu gut.

Doch so gut die letzten Tage auch verliefen, so sollte es leider nicht bleiben. Gretchen hatte gerade die zweite Nacht in ihren eigenen vier Wänden verbracht, da wurde sie von ihrem Vater persönlich ins Krankenhaus zetiert. Die Frage, ob denn irgendetwas mit Jochen oder ihrer Mutter sei, beantwortete er nicht, sondern bat sie nur, sich zu beeilen. Vielleicht war etwas mit der kleinen Lara?
Gretchen zog sich um und machte sich eilig auf den Weg ins Krankenhaus. Sie hatte gerade die Station erreicht, da kam ihr schon eine aufgeregte Schwester Sabine entgegen.

S: Frau Doktor, da sind Sie ja.
G: Sabine, was ist denn hier los?
S: Ich soll Ihnen von dem Professor ausrichten, dass Sie umgehend zu ihm ins Büro kommen sollen.
G: Okay...

Etwas abgehetzt öffnete sie die Tür zu dem Büro ihres Vaters, ohne anzuklopfen.

G: Papa, was ist denn los? Ist etwas passiert?
F: Setz dich, Margarethe.
G: Papa, ich denke, es ist irgendwas passiert?
F: Ist es ja auch.
G: Aber was ist denn, ist was mit Mama oder mit Jochen?
F: Ja, wenn du dich endlich setzen würdest, könnte ich dich aufklären.
G: Ist ja gut.

F: Ich habe eine Bitte an dich. Frau Dr....

Franz wollte gerade fortfahren, als er von einem Klopfen unterbrochen wurde.

M: Herr Professor, Sie haben mich..... angepiept.

Marc musste kurz schlucken, als er Gretchen vor dem Schreibtisch ihres Vaters sitzen sah.
F: Setzen Meier.
G: Papa, was macht denn Marc jetzt hier?
M: Ja, das wüsste ich auch gerne.
F: Wie gesagt, ich habe eine Bitte an dich, Margarethe.
M: Äh..

Mit einem strengen Blick gab er Marc zu verstehen, sich ruhig zu verhalten und zuzuhören.

F: Frau Dr Peters ist krank.
G: Nadine? Oh...ist es schlimm?
F: Sie hat sich beim Handball ein Kreuzbandriss zugezogen.
G: Oh nein... Die Arme.
F: Beim Golfen wäre das nicht passiert.
G: Kann ja nicht jeder golfen, ne?
M: Stimmt.

Marc schmunzelte Gretchen kurz an und erntete dafür einen giftigen Blick von ihr. Beide dachten an den Tag auf dem Golfplatz.

F:Deswegen habe ich eine Bitte.

Gretchen ahnte bereits Böses und bei Marc schien auch der Groschen zu fallen.

G: Papa, du sagst mir jetzt aber nicht...
F: Ich möchte dich bitten, sie zu vertreten.
G/M: Bitte?
F: Solange du noch keinen Job hast, tu deinem Vater doch bitte den Gefallen. Ich finde so schnell keinen Ersatz. Vor allem nicht solch ein guten Ersatz.

Gretchen musste kurz schmunzeln.

F: Herr Gott, ich weiß ja, dass es nicht immer einfach war zwischen euch. Aber ich denke, ihr seid alt genug
und könnt Berufliches und Privates trennen. Ihr seid ein eingespieltes Team und arbeitet Hand in Hand.
Es ist doch nur für ein paar Wochen.

Gretchen und Marc warfen sich undefinierbare Blicke zu. Beide wussten, dass es höchst wahrscheinlich
in einer Katastrophe enden würde.

F: Meint ihr, ihr kriegt das hin?....Meier, jetzt sagen Sie auch mal was!
M: Ich...äh... ich denke, dass ist zu schaffen.
G: Schleimer!
F: Margarethe??

Gretchen ließ sich kurz Zeit,antwortete dann aber.

G: Unter einer Bedingung!

Sowohl Marc als auch Franz schauten ihr fragend ins Gesicht.

G: Bis Nadi...ich meine Dr Peters wie einsatzfähig ist. KEINEN Tag länger.
F: Natürlich Kälbchen.
G: PAPA!!! Nicht schon wieder
F: Entschuldigung.
G: Und...
F: Und?
G: Du hörst dich weiter in deinem Freundeskreis nach freien Stellen um.

Franz schaute betreten nach unten. Zu gerne würde er seine Tochter wieder zurück holen. Schien aber schwieriger als gedacht.

F: Natürlich.
G: Papa, ich mein das Ernst.
F: Ja, ist ja gut. Ich hab´s verstanden.
G: Ich nehme an, ich soll morgen anfangen?
F: Nichts lieber als das.

Gretchen erhob sich und ging Richtung Tür. Franz gab Marc mit einem Nicken zu verstehen, dass auch er gehen konnte. Dieser erhob sich ebenfalls und maschierte leicht grinsend auf Gretchen zu

G: Gut, dann morgen Frühschicht!

Gretchen öffnete die Tür und schloss sie gleich hinter sich, was Marc erstaunt zur Kenntnis nahm.
War er doch davon ausgegangen,dass sie ihm die Tür aufhalten würde. Pustekuchen.

Grummelig nahm auch er die Türklinke in die Hand,was Franz schmunzelnd zur Kenntnis nahm.

F: Das wird schon Meier.

Marc nickte ihm noch einmal zu und schloss dann ebenfalls die Tür hinter sich.
Am Ende des Ganges konnte er Gretchen noch erspähen.

M: HASENZAHN!!!

Doch Gretchen ignorierte ihn. Diesen Kosename konnte er sich mal ganz schnell abgewöhnen.
Und Marc wusste, dass sie ihn ignorierte. Laut genug gerufen hatte er definitiv.

M: DR HAASE!!

Gretchen drehte sich lächelnd um und schaute Marc fragend an.

G: War noch was Dr Meier??

Luedd Tiny Offline

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04.06.2016 23:08
#13 RE: Kopf über Herz von Luedd Tiny Zitat · antworten

Marc´s Augen formten sich zu kleinen Schitzen. Wollte sie ihn etwa auf den Arm nehmen?

M: Morgen um 8:00 Uhr ist Visite!!
G: Ich kann es kaum erwarten.

Gretchen drehte sich wieder um und verließ die Chirugie. Marc hingegen schmunzelte vor sich hin.
Das könnten interessante Wochen werden, dachte er sich. Vielleicht bekäme er so auch heraus, warum
Gretchen sich so eigenartig verhielt. Doch bis dahin sollte es noch ein weiter Weg werden.

Gretchen kam gerade draußen an und verschaffte ihrer Lunge orderntlich Sauerstoff. Was hatte sie sich dabei nur gedacht? Zurück ins Elisabeth-Krankenhaus, war sie denn wahnsinnig? Gerade hier, wo alles anfing. Gerade rang sie mit sich , nicht sofort umzukehren und ihrem Vater wieder abzusagen. Aber wollte sie da stehen wie ein Feigling? Nein, ganz sicher nicht. Von Marc ließ sie sich nicht mehr unterbuttern. Und es waren ja nur ein paar Wochen. Wielange war man eigentlich krank geschrieben mit Kreuzbandriss?

Gretchen fiel ein, dass sie Lara ein Besuch abstatten könnte. Vielleicht aber sollte sie sie morgen früh auch einfach überraschen. Darüber würde sie sich sicher freuen. Gretchen nickte sich einmal selbst zu und machte sich auf den Weg zur Bushaltestelle. Ein Auto täte es eigentlich auch einmal., dachte sie sich.

Marc hatte die Visite hinter sich gebracht und machte sich nun auf den Weg in die Kantine um sein Mittagessen zu sich zu nehmen. An einem der Tische sah er Mehdi sitzen, zu dem er sich nun ebenfalls begab.

M: Na Kaan, wie geht’s Naddl?
ME: Marc, kannst du sie nicht, wieder jeder andere auch, NADINE nennen.
M: Ja ja...also?
ME: Ja was soll ich dir sagen, sie tanzt nicht vor Freude im Kreis?
M: Boah Kaan, da will man einmal freundlich sein und fragt nach dem Wohl der Angebeteten und kriegt auch noch ne patzige Antwort.
ME: Was allerdings nicht zusammen passt. Seit wann bist du freundlich?
M: Ha ha. Na nun erzähl schon.
ME: Sie hat Schmerzen, liegt den ganzen Tag eigentlich flach und dazu jetzt auch noch ne leichte Erkältung.
M: Und was hat man gesagt, wielange sie krank geschrieben ist?

Mehdi schaute ihn mit gekräuselter Stirn an.

ME: Bist du krank?
M: Bitte?
ME: Na, seit wann interessiert dich das Wohl meiner Freundin? Außerdem, müsstest du nicht Bescheid wissen, wielang deine Assistenzärztin ausfällt?
M: Naja, sie wird ja ersetzt, von daher....ist die Information wohl irgendwie....untergegangen. Außerdem würde ich ja nicht fragen sonst, ne?
ME: Wie bitte?
M:Hmm?
ME: Nadine wird ersetzt?
M: Jip.

Leicht grinsend schaute Marc Mehdi an.

M: Du hast mir immer noch nicht meine Frage beantwortet.
ME: Aber ihre Vertretung bleibt doch nur solange sie krank ist oder? Wie soll ich ihr das denn erklären, die denkt doch gleich, sie ist ihren Job los.
M: Tja, so schnell geht das Kaan.
ME: MARC! Das ist nicht witzig. Wieso weiß Nadine da überhaupt nichts von, dass hätte sie mir doch erzählt?
M: Ist wohl recht kurzfristig entschieden worden.
ME: Du scheinst ja gut informiert zu sein. Es doch vorgestern erst passiert.
M: Ja nun, bei uns ist immer was zu tun im Gegensatz bei dir da. Wir brauchen fähiges Personal.
ME: Nadine ist jawohl sehr fähig, ja. Glaub man nicht, dass du sie los wirst. Wer auch immer die Vetrretung ist... er wird sein Platz wieder für sie räumen müssen.
M: Er?
ME: Ja...oder....sie? Oh ne Meier....so wie du guckst, hast du SIE schon gesehen und es ist nur ne Frage der Zeit bis du mit deinen Augen versuchst sie auszuziehen. Aber Marc, stell dir vor, es gibt auch verheiratete Frauen oder vergebene Frauen, die dich nicht gleich anspringen.

Bei dem Wort „verheiratet“ stutzte Marc kurz. Hatte Gretchen ihm doch an den Kopf geworfen, dass sie nun auch verheiratet sei. Kurz wog er ab, ob er Mehdi wirklich mal danach fragen sollte. Entschloss sich aber schließlich dagegen. Immerhin hatte er in Zukunft genug Zeit, es selbst heraus zu finden. So bräuchte er sich nicht die Blöße geben. Somal Mehdi gleich wieder alles flasch verstehen würde.

ME: Was überlegst du? Wie du sie am besten rumkriegst?
M: Was?
ME: Na, du siehst so nachdenklich aus .
M: Quatsch, da muss der Meier nicht lange nachdenken.
ME: Schon klar. Wahrscheinlich passt sie genau in dein Beuteschema.

Marc antworte jedoch nicht, sah ihn allerdings schelmisch an.

ME: Lass mich raten: Blonde lange Haare, schlank, lange Beine und große Brüste?
M: Warte...1. Ja, 2. und 3. nein und 4. ja, sind ok.

Mehdi überlegte kurz und puzzelte sich seine Fragen mit Marc´s Antworten zusammen.

ME: Nicht schlank und keine langen Beinen. Na, denn muss sie ja unwahrscheinlich große Brüste haben, dass die es wieder wett machen.

Mehdi grummelte es allerdings eher vor sich hin. Marc verstand jedoch jedes Wort. Als Mehdi dann aufhörte zu kauen und sein Kopf plötzlich nach oben schoss, war ihm klar, das Mehdi ihn durchschaut hatte. Mit noch vollem Mund sprach er Marc dann darauf an.

ME: Aber dafür hat sie Locken und hört zufällig auf den Namen Gretchen, stimmt´s?

Mehdi kniff die Augen zu, in der Hoffnung er würde eine andere Anwort erhalten. Aber leider war dem nicht so. Er bekam gar keine. Woraufhin er dann vorsichtig wieder seine Augen öffnete. Marc nahm seine Mimik mit einem Lächeln zur Kenntnis.


ME: Marc, das ist nicht wahr?
M: Em...doch.
ME: Und Gretchen weiß davon?
M: Sie war doch selbst hier, vorhin.

Mehdi wusste daraufhin keine Antwort. Ihm wurde von jetzt auf gleich klar, dass bald wieder wieder reges Treiben auf der Chirguie herrschen würde.

M: Na, was guckst du jetzt so blöd? Du warst doch die ganze Zeit dafür, dass sie wieder kommt.
ME: Ja, aber nicht dafür, dass sie hier wieder anfängt, Marc.
M: Nie kann man es dir recht machen.
ME: War es deine Idee?
M: Bitte? Ich wusste davon nix
ME: Schon klar.
M: Glaubst du allen Ernstes,dass ich zum Haase renne und ihn bitte, sie wieder einzustellen?
ME: Ne, eher nicht.
M: Na siehste. Das war seine Idee.
ME: Und wie soll das laufen? Ihr zerfleischt euch doch schon, wenn ihr euch nur in die Augen seht.
M: Na, denn haben wir bis jetzt aber einen guten Schutzengel gehabt.
ME: Wieso? Habt ihr miteinander gesprochen? Über euch?
M: Quatsch. Wüsste auch nicht,was es da noch zu bequatschen gäbe.
ME: Gibt´s doch zu, du freust dich, sie wieder bei dir zu haben.
M: Na klar, endlich mal wieder jemand, den man ordentlich foppen kann.
ME: Och Marc, wann wirst du erwachsen?
M: Hasenzahn steht drauf.
ME: Oh ja und wie.

Beide widmeten sich ihrem Essen wieder. Marc allerdings brannte doch eine Frage auf der Zunge.
Mehdi räumte gerade zusammen und wollte sich erheben, als Marc ihn zurück hielt.

M: Mehdi, warte mal.
ME: Was denn noch?
M: Sag mal...
ME: Nun spuckst aus, ich hab nicht ewig Zeit.
M: Stimmt irgendetwas mit Hase...Gretchen nicht?

Mehdi schaute ihn skeptisch an. Schon lange hatte er nicht mehr so ein ausführliches Gesrpäch mit seinem Freund geführt.

M: Jetzt setz dich hin, muss ja nicht gleich jeder mitkriegen.
ME: Ich glaub du hast wirklich Fieber.
M: Was?
ME: Na erst erkundigst du dich nach Nadine...warte, jetzt ist mir auch bewusst warum. Du willst wissen, wielange sie ausfällt, damit du weiß, wielange Gretchen da ist.
M: Bullshit. Also?

Mehdi war sich nicht sicher, ob er Marc von senen Gedanken in Kenntnis setzen soll. Irgendwie aber beschäftigte ihn die Sache mit Gretchen ja genauso.

M: Und jetzt komm mir nicht mit „Ich weiß nicht was du meinst“
ME: Ich weiß nicht,was mit ihr los ist. Ich habe das Gefühl, sie bedrückt irgendetwas.
M: Hast du sie mal angeschaut? Wieviel hat sie abgenommen 10kg? 15 kg? Sie redet kein Wort mit mir.
ME: Wunderts dich?
M: Mehdi, jetzt mal im Ernst. Ihr kommt nicht mal ein „Hallo“ über die Lippen.
ME: Ja, dir denn?
M: Du weißt doch was ich mein. Auch wenn wir uns noch so in den Haaren hatten. Für Gretchen war die Sache am nächsten Tag erledigt. Sie hat mich nie ignoriert oder so. Und wenn,denn hat sie es nicht lange durchgehalten. Sie war oft hier im Krankenhaus, wegen dem Mädchen, du weiß schon. Ein kurzer Blickkontakt, das wars. Das ist doch nicht Gretchen.
ME: Du machst dir ja wirklich Sorgen.
M: Mehdi, kannst du vielleicht einfach mal deine Meinung dazu sagen.
ME: Sagte ich doch. Ich denke auch, dass irgendetwas nicht stimmt. Wir haben sie auch schon darauf angesprochen, aber sie macht dicht.
M: Was auch nicht passt, die will doch sonst immer quatschen.
ME: Tja, wer weiß, vielleicht ändert sich das ja auch bald. Und damit meine ich nicht, dass du sie auf andere Gedanken bringen sollst, Marc.
M: Also ich wüsste schon...
ME: Soll die ganze Geschichte jetzt wieder von vorne losgehen? Kannst du sie nicht einfach in Ruhe lassen?Geht das?

Marc ärgerte sich jetzt schon, dass er Mehdi auf Gretchen angesprochen hatte. Wirklich weiter gekommen ist er dadurch auch nicht. Gereizt stand er auf,nahm sein Tablett und zischte Mehdi noch ein „NEIN“ zu, bevor er die Cafeteria verließ. Verdutzt blieb Mehdi sitzen und ließ die Schulter hängen.

ME: Na wunderbar.

Luedd Tiny Offline

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15.06.2016 15:11
#14 RE: Kopf über Herz von Luedd Tiny Zitat · antworten

Schnell machte Marc sich auf den Weg in den Park um eine Beruhigungszigarette zu rauchen.
Das eben geführte Gespräch hatte Marc doch ein wenig aufgewühlt. Er wusste doch selber nicht, wie das ablaufen sollte. Natürlich würde es das reinste Chaos werden. Es war ja jetzt schon quasi vorprogammiert.
Oder täuschte er sich vielleicht auch? Allen Anschein hatte sich Gretchen sehr verändert. Würde es das Arbeitsverhältnis vielleicht auch beeinflussen? Morgen würde er Gewissheit haben. In weniger als 24 Stunden. Mittlerweile war seine Wut ein wenig abgeklungen. Als er sie vor ein paar Tagen nach Monaten das erste Mal wieder gesehen hatte, war er zuerst wütend. Wütend darüber, dass sie damals einfach gegangen war. Ihm nicht einmal die Chance gegeben hatte, sie aufzuhalten. Er war sich sicher,dass Gretchen ihm vorwerfen würde, dass er Chancen genug hatte. Aber er brauchte nun mal den ein oder anderen Tag um zu kapieren, was wirklich Sache ist. Woher sollte er denn auch wissen,dass es seine letzte Chance war?
Aber so langsam verflog seine Wut. Wenn er ehrlich zu sich selbst war, hatte er sich auch Sorgen um Gretchen gemacht, als ihr Vater verkündetete, dass sie sich seit Wochen nicht gemeldet hatte. Und ebsenso erleichtert war er, als er das erste Mal wieder in ihre Augen blicken konnte. Wenn auch unter nicht gerade glücklichen Umstände. Aber selbst wenn Lara nicht gewesen wäre. Früher oder später wäre sie sicherlich
wieder im Krankenhaus aufgetaucht. Wäre sie doch,oder? Marc dachte an das Gespräch beim Professor.
Stirnrunzelnd nahm er zur Kenntnis, dass Gretchen sich eher dagegen gewehrt hatte, wieder in diesem Krankenhaus zu arbeiten. Erst jetzt realisierte er, dass sie als Gegenzug verlangt hatte, dass ihr Vater sich nach anderweitigen Stellen für sie umhörte. Aber warum? Gretchen hatte doch immer gerne im Elisabeth-Krankenhaus gearbeitet. Es war doch quasi ihr zweites Zuhause. Alles Grübeln half nichts, er würde so sowieso keine Antwort erhalten. Nicht heute, aber vielleicht morgen. Nach einem letzten Zug an seiner Zigarette, drückte er diese in einem der Aschenbecher aus und machte sich zurück an die Arbeit.
Ein paar Stunden hatte er noch auf den Zettel, bevor er in den Feierabend gehen konnte.

Derweil kam Gretchen zuhause an und ließ sich auf´s Sofa fallen. Kurze Zeit später raffte sie sich aber wieder auf und klappte ihren Laptop auf. Sie war auf der Suche nach einen Gebrauchtwagen.
Als sie aber sah, was die alles wissen wollten, um einen passenden Wagen anzubieten, war sie schon überfordert. So klappte sie den Laptop wieder zu und fragte sich, was sie als nächstes tun könnte. Ihr Badezimmer müsste noch gestrichen werden, die Wäsche könnte auch zusammen gelegt werden und durchgesaugt werden könnte auch mal wieder. Aber das könnte ja auch morgen erledigt werden.
Ihr kam derweil eine viel bessere Idee. Schnell bewaffnete sie sich mit einem Esslöffel,nahm eine Box Schokoeis aus dem Gefrierschrank,schnappte sich einen Küchenstuhl und machte es sich auf den Balkon gemütlich. Genau das konnte sie jetzt gut brauchen. Gretchen neigte ihr Gesicht der Sonne entgegen und schloss die Augen,während sie die Wärme genoss. Doch kurze Zeit später wurde es ihr doch zu warm, somit zog sie ihre Strickjacke aus und hing sie über den Stuhl. Und gerade als sie den nächsten Löffel zu ihrem Mund führen wollten, fiel ihr Blick auf ihre Arme. Schlagartig sank sie den Löffel wieder und lehnte ihren Kopf zurück. Mit einmal war ihr auch der Hunger vergangen, weshalb sie den Löffel zurück in die Eisdose lag.Sie ließ ihren Blick wandern. Erst über den rechten Arm. Und schließlich auch über den linken Arm.
Erinnerungen kamen hoch. Verzweifelt versuchte sie den dicken Klos herunter zu schlucken. Oft hatte sie es in der Vergangenheit geschafft, doch jetzt brachen die Dämme und die ersten Tränen seilten sich ab .
Sie wusste nicht wielange sie einfach da gesessen hatte. Das Eis hatte sich mittlerweile in eine Schokosoße verwandelt,was nun auch Gretchen verärgert zur Kenntnis nahm. Schnell erhob sie sich und brachte es zurück in die Küche. Eine Dusche täte ihr gut. Vielleicht müsste sie dann nicht mehr daran denken.
In den letzten Tagen hatte sie kaum Zeit dazu.Zeit zum Nachdenken. Doch jetzt, wo sie allein war und Zeit hatte, konnte sie nicht davor weglaufen. Gretchen begab sich ins Badezimmer, entkleidete sich und sprang schnell unter die Dusche. Sie ließ sich Zeit, genoss die Wärme und hatte die Augen die ganze Zeit über geschlossen.
So konnte sie auch keinen Blick auf die Wunden werfen.

Mehdi hatte inzwischen auch Feierabend und stattete seiner Liebsten einen Besuch ab. Nadine war im
Nordstadtkrankenhaus untergekommen, da die Sportstätte, wo sich der Unfall zugetragen hatte, näher an diesem Krankenhaus lag. Es war ihr aber Recht. Im „eigenen“ Krankenhaus als Patientin zu liegen, war nicht gerade ihr größter Wunsch. Und dann noch einen behandelnen Arzt namens Marc Meier??Nein,danke.

N: Hey, schön,dass du da bist.
ME: Na, wie geht’s dir?
N: Ging schon mal besser. Im warsten Sinne des Wortes. Und bei dir, wie war dein Tag?
ME: War auch schon mal besser. Sonst wurde mir die Pause ja mit deiner Anwesenheit versüßt.
N: Und wer hat sie dir heute versußt?
ME: Marc.
N: Oh
ME: Das kannst du laut sagen.
N: Wieso, was ist passiert?
ME: Du glaubst nicht, wer deine Vertretung sein wird.
N: Lass mich raten, irgendso eine Nachwuchsassistenzärztin, welche genau in Marc´s Beuteschema passt.


Augen verdrehend schaute Nadine Mehdi an.

ME: Fast.
N: Na, der lässt auch nichts anbrennen. Durfte er selbst aussuchen oder hat der Professor das gemacht?
ME: Der Professor.
N: Sicher.
ME: Du, ich muss dir da was erzählen, aber nicht gleich aufregen okay?
N: Na?
ME: Es ist so, also, solange sie noch keine neuen Job hat
N: Ja?..... Mehdi nun spuckst schon aus.
ME: Gretchen ist deine Vetrretung.

Geschockt schaute Nadine Mehdi an.

ME: Keine Angst. Es ist wirklich nur solange du krank bist.
N: Ja klar. Hab ich es nicht gleich gesagt? Naja, bessere Vetretung können sie wohl auch nicht finden.
ME: Süße, ich weiß,dass du genauso gut bist.
N: Das mag ja sein, aber was ist,wenn...
ME: Nadine, dass würde Gretchen niemals machen.
N: Aber sie ist doch die Tochter vom Chef.
ME: Schon, aber sie würde sich niemals deine Stelle unter die Finger reißen, wenn du wieder fit bist.
N: Aber das dauert doch noch, bis ich wieder fit bin. Wahrscheinlich hat sie sich dann wieder perfekt eingearbeitet und ich werde irgendwo anders hinein gesteckt.
ME: Glaub mir, das würde Gretchen nicht machen. Ich bin sowieso gespannt, wielange das gut geht.
N: Du meinst wegen Marc?
ME: Ich glaub,der hat schon wieder irgendetwas vor. Zumindest will er sie nicht in Ruhe lassen.
N: Vielleicht klappt es ja auch ganz gut.
ME: Schön wär´s. Aber das glaub ich erst,wenn es wirklich so sein sollte.

Nachdem Mehdi sich auf den Weg nachhaus gemacht hatte, grübelte Nadine noch hin und her.
Sie hatte Gretchen schon wirklich als Freundin ins Herz geschlossen. Und sie konnte sich auch nicht vorstellen, dass Gretchen wirklich so dreist wäre und Nadine´s Unpässlichkeit ausnutzte. Aber ein mulmiges Gefühl hatte sie trotzdem. Es war doch gerade alles so schön. Sie hatte endlich wieder einen festen Freund, einen einigermaßen gut bezahlten Job für ihre Position, der ihr auch noch Spaß machte und eine tollle Wohnung. Doch bevor sie weiter grübeln konnten, fiel sie in einen ruhigen Schlaf.

Jemand anderes hatte keinen ruhige Schlaf gehabt, weshalb sie sich aus dem Bett quälen musste, als sie am Morgen ihren Wecker am liebsten gegen die nächste Wand geschmissen hätte. Gretchen begab sich ins Bad, sprang unter die Dusche und machte sich anschließend für die Arbeit fertig.

Gerad pünktlich kam sie auf der Station der Chirugie an, wo sie von einer vor Freude strahlende Sabine in Empfang genommen wurde.

S: Frau Doktor, ich hab mich ja so gefreut, als ich heute Morgen erfahren habe, dass sie jetzt wieder hier arbeiten. Wie geht’s Ihnen denn?
G: Gut, danke der Nachfrage. Aber ich arbeite nicht wieder hier.
S: Nicht?
G: Nein, ich vertrete nur Dr Peters solange sie krank ist.
S: Achso, schade. Aber denn arbeiten wir ja trotzdem ein paar Wochen zusammen.

Auch Marc bertrat nun das Schwesternzimmer.

M: Morgen, fertig mit Kaffeeklatsch? Warum bist du noch nicht umgezogen, Hasenzahn?

Ohne eine Antwort zu geben, begab Gretchen sich in die Umkleide, was Marc stirnrunzelnd zur Kenntnis nahm. Redete sie jetzt nicht mal mehr mit ihm?

M: Sabine, ist die Visite vorbereitet?
S: Natürlich Herr Doktor. Ist es nicht schön, dass Frau Doktor wieder da ist?

Doch Sabine erhielt keine Antwort, da Marc sich gleich an Gretchen richtete, als diese aus der Umkleide zu den beiden stieß.

M: Da bist du ja endlich. Los, Visite jetzt.

Und auch darauf antwortete Gretchen nicht, weshalb Marc noch einmal stehen blieb und sich umdrehte.

M: Hat´s dir jetzt die Sprache verschlagen?
G: Wieso?
M: Weil keine dumme Antworten kommen.
G: Sei doch froh. Können wir dann?

Gretchen zog an Marc vorbei und öffnete die Tür zum ersten Patientenzimmer . Marc wollte, wie in der Vergangenheit auch, als Erster in das Zimmer eintreten und versuchte sich an Gretchen vorbei zu drängen,jedoch ohne Erfolg.

M: Seit wann gehen die Assistenzärzte voran, hm?

Doch auch diesmal beachtetete Gretchen ihn nicht, sondern widmete sich gleich der Patientin. Die kleine Lara freute sich riesig über den Besuch ihrer großen Freundin.

L: GRETCHEN! Da bist du ja endlich. Ich hab gestern schon auf dich gewartet.Wieso hast du denn einen Kittel an?
G: Guten Morgen kleine Maus. Tut mir Leid, dass ich gestern nicht da war, aber dafür habe ich eine kleine Überraschung für dich.
L: Echt, welche denn?
G: Wir sehen uns jetzt jeden Tag, ich vertrete hier eine Ärztin, die kurzfristig ausgefallen ist.
L: Oh, das ist aber toll.
M: So, haben wir es denn? Denn könnten wir auch endlich mal mit der Arbeit anfangen. Sabine, Blut abnehmen, Blutdruck messen . Wie geht’s dir heute Lara?
L: Jetzt geht’s mir viel besser, wo Gretchen da ist.
M: Aha....äh ja. Haszenzahn, Bein anschauen. Und nen neuen Gips kriegt sie auch gleich.

Doch Gretchen rührte sich nicht von der Stelle und schaute Marc nur böse an.

M: Ja, wird’s bald? Sabine , die Werte?
L: Wieso denn Hasenzahn?

Während Marc sich die von Sabine genannten Werte notierte, hatte Gretchen sich immer noch nicht von der Stelle gerührt.

M: Boah, würden Sie sich bitte noch einmal das Bein ansehen, DR HAASE?
G: Selbstverständlich Dr Meier. Geht doch.
M: Sabine, Sie legen dem Mädchen nachher ein neuen Gips an.

Nachdem Gretchen das Bein von dem Verband frei gelegt hatten, schauten Marc und Gretchen sich zusammen die Wunde an.

G: Sieht doch schon ganz gut aus.
M: Ja, hab ich ja auch operiert ne? Verband muss auch gewechselt werden.

Während Marc sich dem nächsten Patienten widmet, kümmerte sich Gretchen um den Verbandwechsel.

L: Kommst du mich nachher noch einmal besuchen.
G: Na klar, ich habe ja später Mittagspause. Vielleicht gehen wir denn auch mal kurz an die frische Luft.
L: Oh ja.
M: Das entscheide immer noch ICH.
L: Aber Gretchen ist doch auch Ärztin.
M: ASSISTENZärztin.
G: Marc, was wäre so schlimm daran, wenn ich mit Lara mal für 10 Minuten an die frische Luft gehe?
M: So, ab ins nächste Zimmer.

Lara wurde traurig, was man auch ihrem Gesichtsausdruck entnahm.

G: Hey Kleine, ich komme nachher nochmal okay? Vielleicht kann ich den Doktor bis dahin ja überzeugen?
L: Eigentlich war der sonst immer ganz nett, aber heute...
M: Kommst du jetzt endlich?
G: Bis später.

Gretchen warf Marc einen genervten Blick zu und verschwand ebenfalls aus dem Zimmer.


Außer ein paar blöde Sprüche seitens Marc, welche Gretchen aber gekonnt ignorierte, verlief die restliche Visite ruhig. Trotzdem brauchte sie eine kleine Verschnaufpause. Zwar konnte Marc keine Sprüche mehr machen hinsichtich ihrer Figur, aber als wertlose inkompetente Assistenzärztin hingestellt zu werden, ist auch nicht viel besser. Sie wollte sich gerade einen Schokoriegel aus dem Automaten holen, als Marc von der Seite angebraust kam.

M:Sag mal, was sollte das Ganze eben, bist du bescheuert?
G: Was genau meinst du?
M: Wenn ich dir irgendwelche Anweisungen gebe, hast du die auszuführen, verstanden?
G: Oh, hat der Marci Angst, seinen Ruf zu verlieren?
M: Gretchen, hör auf mit der Scheißé!
G: Oh, du kennst meinen richtigen Namen ja doch noch. Hör auf mich Hasenzahn zu nennen, dann kommen deine Anweisungen auch an.

Sie wollte sich an Marc vorbei drängeln, dieser hielt sie aber fest, woraufhin sie sich gleich wieder los riss.

M: Treib es nicht auf die Spitze, ansonsten bist du hier schneller wieder weg, als du denkst.
G: Von mir aus gerne, DR MEIER!!

Kopfschüttelnd ging sie den Gang weiter.

M: In 10 Minuten im OP!
G: Ja ja.
M: Wann und wo?
G: Niemals und nirgendwo

Marc machte sich auf den Weg zur Dachterasse um eine zu rauchen. So hatte er sich den ersten Arbeitstag mit Gretchen nicht vorgestellt. Okay, seinen Anweisungen hatte sie auch in der Vergangenheit öfter widersprochen. Aber sie war nie so distanziert, sobald er ihr zu nahe kam und sei es nur, um sich gemeinsam eine Akte anzusehen, ergriff sie regelrecht die Flucht. Und es hatte sie auch nicht gestört, wenn er sie mit Hasenzahn angesprochen hatte. Irgendwie hatte Gretchen sich gewaltig geändert.

Kurze Zeit später stand dann die erste gemeinsame OP an. Während Gretchen sich noch steril wusch, wartete ein leicht genervter Oberarzt schon im OP. Seine Laune bekam G retchen dann auch gleich zu spüren

M: Hast mal auf die Uhr geschaut?
G: Tut mir Leid.
M: Meine Fresse, in Afrika konntest du vielleicht machen was du willst, aber hier haben wir ein Zeitplan einzuhalten,kapiert? Das dürftest du wohl nicht vergessen haben.
G: Mein Gott, ich bin doch jetzt da.
M: Gut, fangen wir an.

Marc und Gretchen arbeiteten still vor sich hin. Es fiel kein einziges Wort, bis auf ein paar Fachbegriffe, die nötig waren.

M: Seit wann bist du denn so schweigsam?
G: Sei doch froh, sonst konntest du mein Gequassel doch nie leiden?


Marc nahm ihre Anmerkung nur augenrollend zur Kenntnis. Immer wieder blickte Marc zu ihr rüber, aber Gretchen starrte regelrecht auf den Patienten. Die Blicke seinerseits entgingen auch ihr nicht. Ohne ihn anzusehen, sprach sie ihn letztlich darauf an.

G: Hab ich irgendwas im Gesicht, oder warum guckst du mich die ganze Zeit an?
M: Weiß nicht, kann ja mal nachgucken, aber dafür müsstest du mich erst einmal ansehen.

Aber Gretchen wollte nicht. Sie wollte einfach die OP hinter sich bringen,wurde aber von Minute zu Minute unkonzentrierter, da Marc einfach nicht damit aufhörte,sie mit seinen Augen zu fixieren. Das führte dazu, dass Marc dann einmal vorsichtig ihre Hand nahm, um ihr zu zeigen, wo sie absaugen sollte. Gretchen zuckte allerdings gleich zurück.

G: Du kannst mir auch zeigen,wo ich absaugen soll.
M: Mein Gott, nun stell dich doch nicht so an.Wusste gar nicht, dass ich dich so nervös mache.
G: Du mich nervös? Tzz,wovon träumst du Nachts?

Doch Marc hatte Recht. Er machte sie nervös. Jede seiner Berührungen war Gift für sie. Sie war doch eigentlich über ihn hinweg. Aber sobald er sie berührte, kamen sie wieder zum Vorschein. Gefühle, die sie glaubte, nicht mehr zu existieren. Doch wie so oft täuschte sie sich.

M: Hasenzahn, jetzt konzentrier dich mal. Du machst das doch nicht zum ersten Mal, meine Fresse
G: Tschuldigung.
M: Was macht eigentlich....dein MANN?
G: Bitte?
M: Wie war die Hochzeit denn so?
G: Ach Marc, halt einfach die Klappe.
M: Wieso bist du denn eigentlich zurück? Wenn man heiratet , sollte man doch der glücklichste Mensch auf Erden sein. Warst wohl doch nicht so glücklich in Afrika, was? Bist dir auch sicher, dass es diesmal kein Betrüger ist?

Doch Gretchen gab ihm, wie sooft, keine Antwort darauf. Sie hoffte und betetet innerlich, dass die OP bald ein Ende hatte, denn es kamen ihr mal wieder Erinnerungen in den Sinn. Und sie kämpfte, wie schon am Abend zuvor, mit den Tränen.

M: Oder bist du schon wieder auf den Weg zur Scheidung und bist dehalb zurück gekommen?
Hat er es nicht mehr mit dir ausgehalten und sich ne andere gesucht?
G: Marc, ist dein Leben so langweilig, dass du dich über meines lustig machen musst?
M: Lustig machen? Irgendwie hab ich das Gefühl, dass du allgemein kein Großes Interesse hast über AFRIKA zu plaudern. Hast wohl gedacht, dass du da was besseres bist,hm? Wahrscheinlich war dem aber nicht so und jetzt kommst du wieder bei Papa angekrochen. Tzz, ich hab gleich gesagt, du hält´s kein Jahr durch.

Wüsste Marc, warum sie wieder gekommen war, hätte er sich die Spötterei verkniffen.Gretchen konnte Marc´s Worte nicht weiter ertragen. Er sollte sie einfach in Ruhe lassen.

G: Schwester Sabine, übernehmen Sie bitte!

Perplext nahm Sabine die Instrumente entgegen.

M: Äh, die OP ist noch nicht zuende....

Gretchen verließ ohne ein Wort den OP. In der Hoffnung Marc würde ihr nicht folgen, trat sie ans Waschbecken und verschaffte ihrem Gesicht eine ordentliche Position kaltes Wasser. Doch ihr Gebet wurde nicht erhört und so stand Sekunden später auch ein wütender Oberarzt im Vorraum.

M: Sag h mal, hackt es bei dir? Nur weil es in Afrika nicht so gelaufen ist, wie sich das Professorentöchterchen vorgestellt hat, kannst du hier noch lange nicht machen was du willst,verstanden?

Doch Gretchen hörte ihm nicht zu und war gerade dabei sich wieder Wasser ins Gesicht zu verschaffen, als Marc sie an ihrem Arm hochzog.

G: AU!

Ihr kurzer Aufschrei irritierte ihn, somit ließ er sie gleich wieder los.So fest hatte er nun wirklich nicht zugepackt.

M: Verstanden?
G: Lass mich einfach in Ruhe!

Das Zittern ihrer Stimme hatte er deutlich vernommen, dafür kannte er Gretchen zu gut.
Somit wusste er auch, dass sie weinte. Marc gab den Wasserhahn einen leichte Stoß, so dass nun vollkommene Stille herrschte.

M: Gretchen?

Da Gretchen keinen anderen Ausweg wusste, schaute sie ihn diesmal an, in der Hoffnung, er würde sie dann endlich in Ruhe lassen. Langsam drehte sie ihren Kopf zu Marc

M: Warum heulst du denn jetzt?

Gretchen tupfte ihr Gesicht kurz dem Ärmel ihres OP Kittels ab und war auf den Weg zur Tür. Ein leises „Das willst du nicht wirklich wissen“ nahm er allerdings wahr.

M: Äh, deine OP Kleidung gehört in die Tonne!!

Doch Gretchen ignorierte seine Anweisung und verschwand durch die Tür.

M: Gibt´s doch nicht. Macht hier was sie will.

Marc schleuderte seine OP Schürzte in die Wäschetonne, wusch sich ein zweites Mal steril und führte die OP alleine zu Ende.

Gretchen machte sich auf den Weg zur Umkleide, um schnell ihren Pulli und Kittel überzuziehen, die OP Kleidung würde sie einfach später entsorgen. Da Marc und Sabine im OP standen, Frau Doktor Hassmann und Gabi keine Schicht hatten, war sie sich sicher, dass sie für ein paar Minuten allein war. So holte sie eine Heilsalbe aus ihrer Handtasche und massierte einige Stellen ihrer Arme damit ein. Da sie noch immer aufgelöst war und hin und wieder aufschluchzte, bekam sie nicht mit, wie die Tür zur Umkleide ohne Anzuklopfen geöffnet wurde.

Luedd Tiny Offline

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22.06.2016 16:27
#15 RE: Kopf über Herz von Luedd Tiny Zitat · antworten

Mehdi wollte Gretchen, die immer noch mit dem Rücken zu ihm stand, gerade freundlich begrüßen, als er ihr Aufschluchzen hörte und sie somit etwas sanfter ansprach.

ME: Gretchen ?

Gretchen erschrak fürchterlich, weshalb sogar die Salbe fallen ließ und sich ruckartig mit ihrem Kittel bedeckte. Mehdi wollte auf sie zugehen und die Salbe aufheben. Aber Gretchen versuchte ihn daran zu hindern.

G: Mehdi,lass, ich heb das gleich auf.

Doch Mehdi ignorierte ihre Worte. Ging vor ihr in die Knie und hob die Salbe schließlich auf und warf auch gleich ein Blick darauf.

G: MEHDI, ich sagte doch....
ME: Verdammt noch mal, was ist los mit dir Gretchen?
G: Es ist nix, das hab ich doch schon mal gesagt, wieso könnt ihr mich nicht einfach in Ruhe lassen? Gehst du jetzt bitte raus, ich würde mich gerne umziehen.

Mehdi ging in Richtung Tür und Gretchen versuchte erleichtert auszuatmen. Jedoch hatte Mehdi nicht vor, den Raum so schnell zu verlassen. Er ging zur Tür und schloss diese von innen ab.

G: Sag mal, was soll das? Ich hab gesagt, du sollst raus gehen.
ME: Ich gehe hier nicht eher raus, bevor du nicht geredet hast. Gretchen, wir machen uns alle Sorgen.
G: Das ist aber nicht nötig.
ME: Nicht nötig? Warum stehst du hier und weinst? Dich bedrückt irgendwas, das merk ich doch. Und nicht nur ich. Nadine hat es auch gemerkt und das obwohl sie dich nicht lange kennt. Gretchen, du bist einer der wichtigsten Menschen für mich und ich will das es dir gut geht. Also rede doch endlich. Was ist passiert in Afrika?
G: Wieso Afrika?
ME: Hält´s du mich wirklich für so dumm? Du hast dich total verändert, seit du wieder hier bist. Du lachst nicht mehr, deine Augen strahlen nicht mehr. Wo ist die lebensfrohe Gretchen?Für dich war die Familie immer heilig, warum hast du dich solange nicht gemeldet bei deinen Eltern? Was ist passiert? Und was hat es mit der Wundsalbe auf sich? Du kannst mir doch nicht erzählen, dass alles in Ordnung ist.

Die Dämme brachen. Gretchen schaute auf den Boden und die Tränen liefen. Ihr Körper zitterte vom Weinen, sie bekam kaum noch Luft. Mehdi ging langsam auf sie zu und legte seine Hände auf ihre Schultern. Langsam drückte er sie an sich. Zwischen Ihnen lag immer noch ihr Kittel.
Nach kurzer Zeit drückte Mehdi Gretchen ein Stück von sich weg und strich ihr langsam den Kittel herunter.
Gretchen ließ es geschehen. Aber sie traute sich nicht ihn dabei in die Augen zu sehen, zu sehr schämte sie sich. Als Mehdi den Kittel auf den Boden fallen gelassen hatte, traute er seinen Augen kaum, weshalb er Gretchen gleich wieder an sich drückte. Er wusste das irgendetwas vorgefallen sein musste. Und er hatte auch schon einen Verdacht. Er hatte sich aber gewünscht, dass dieser nicht der Wahrheit entsprechen würde. Wünsche gehen nur leider nicht immer in Erfüllung.

Nach einiger Zeit des Schweigens ließ Gretchen sich an ihrem Spint heruntergleiten. Mehdi tat es ihr gleich und setzte sich neben sie. Er wollte ihr Zeit geben, dass sie sich beruhigte, was sie nach ein paar Minuten auch tat. Und nach endlosen Schweigen fing sie endlich an zu erzählen.

G: Die ersten Wochen in Afrika waren wundervoll.Ich habe viele Menchen kennengelernt und die Arbeit war...ja... am Anfang echt gewöhnungsbedürftig . Das Krankenhaus in Lambarene ist technisch gesehen lange nicht so gut ausgerüstet, wie wir hier. Weiß du hier ist alles so selbstverständlich. Da überlegst du drei Mal ob ein CT wirklich nötig ist, weil es alles Geld kostet. Aber ich hatte Spaß an der Arbeit. Jeden Tag auf´s Neue überlegen, wie du medizinisch vorgehen solltest, wenn du nicht sie nötigen Untersuchungsgeräte hast. Du glaubst nicht wieviele Kinder ich auf die Welt gebracht hab und ich sag dir, sie lagen nicht immer mit dem Köpfchen nach unten. Aber wir haben´s jedes Mal irgendwie geschafft. Zusammen. Zusammen mit Mira. Mira kommt aus Österreich, ist Anfang 40 und war immer mal wieder zur Unterstützung da.
Die Menschen dort, haben uns respektiert. Sie haben uns geschätzt. Und sie haben sich tausend Mal bedankt, dass wir ihnen geholfen haben, ihre Kinder gesund zur Welt zu bringen. Weiß du, hier war ich für alle immer das Professorentöchterchen, dass alles in den Hintern gesteckt bekommen hat. Was nie stimmte. Ich habe auch hart für meinen Beruf gearbeitet.Hab genauso ein Studium wie alle anderen hier abgeschlossen.
Natürlich hab ich etwas länger gebraucht, um meinen Facharzt zu machen. Aber ich hab mich schon immer mehr auf die Praxis konzentiert. Ich habe es geliebt, den Menschen zu helfen. Und die Arbeit bringt noch mehr Spaß, wenn du es ab und zu auch mal gesagt bekommst, dass du gute Arbeit geleistet hat. Und man auch ma ein „Danke“ hört. Natürlich haben wir alle ein Eid geschworen und es ist unser Job, aber man hat doch noch mehr Spaß daran, wenn man auch ab und zu ein kleines Lob bekommt. Ein Lob von Marc?
Der würd sich eher ne Hand absägen, als mir mal ein paar nette Worte zukommen zu lassen. Aber in Afrika wurde ich geschätzt. Und das war ein tolles Gefühl. Ich hatte kaum Zeit nachzudenken, was auch gut war. Ich war einfach glücklich in dem Moment.

Gretchen machte eine Pause, weshalb Mehdi ihr kurz seinen Kopf zuwand.

G: Nach 3 Monaten ist Fritz denn ja wieder gekommen. Auch wenn er wirklich ein komischer Vogel ist, aber die Menschen dort lieben ihn. Er ist fast wie ein König dort. Man mag es kaum glauben,aber wir haben richtig gut zusammen gearbeitet. Und wenn ich ehrlich bin, ist er eigentich ein ganz netter Kerl. Wir haben immer viel gelacht. Kurze Zeit später war im Landesinneren ein Virus ausgebrochen. Fritz hatte mich gebeten, dort auszuhelfen, was mir auch Recht war. So würde ich immerhin noch mehr Leute kennenlernen. Ich hab mich erst selbst kaum wieder erkannt. Monate zuvor hätte ich mich nie getraut, dort allein hinzufahren.
Aber dort war so einiges anders. Es arbeitete dort breits ein Arzt. Naja, was man so Arzt nennen konnte. Aber er tat sein Bestes. Er hieß Soel und war um die 30, schätze ich. Es war sehr schwierig sich mit ihm zu unterhalten. Natürlich sprach er kein Deutsch, aber auf Englisch haben wir es denn irgendwie gepackt.
Kannst du dir das vorstellen? Ich und Englisch?... Ich merkte allerdings schnell, das etwas anders war im Gegensatz zu den Menschen in Lambarene.Die Menschen dort waren sehr ängstlich. Vor allem die Frauen und Kinder. Richtig eingeschüchtert. Kein Wunder. Die Frauen dort, hatten keinen Wert. Sie hatten nichts zu sagen, mussten aber trotzdem hart arbeiten. Ich dachte immer,dass gibt es nur im Fernsehen. Berichte aus Afrika, wo die Menschen kein richtiges Haus haben, auf irgendwelchen Pritschen schlafen und auch keine vernünftige Kleidung tragen. Aber ich hab es jetzt mit eigenen Augen gesehen. Und es war furchtbar.
Die Menschen dort wussten,dass ich da bin, um ihnen zu helfen. Aber ich wurde teilweise nur abwertig angeschaut. Vor allem von den Männer.Es war ein regelrechter Kampf an die Leute heranzukommen.Tagsüber ging es einigermaßen, weil alle Männer auf der Jagd waren. Einigen Frauen wurde verboten, mit mir zu reden. Dabei wollte bzw sollte ich ihnen doch nur helfen.Soel und ich arbeiteten hart, immerhin musste der Virus irgendwie bekämpft werden. Nach einiger Zeit konnten wir dann aufatmen.
Die Medikamente reichten aus. Einige Frauen und auch Kinder waren immer noch schlapp, weshalb ich entschied, solange zu bleiben, bis sie wirklich auf den Weg der Besserung waren. Ca. eine Stunde von dem Dorf entfernt, gab es so eine Art kleinen Imbiss. Von da aus hatten wir auch die Möglichkeit zu telefonieren.
Schließlich musste auch Fritz Bescheid wissen,das ich noch ein paar Tage länger dort bleibe. Im gleichen Zug hatte ich dann auch meine Eltern versucht anzurufen, leider vergebens. Also entschied ich, es in ein paar Tagen noch einmal zu versuchen.

Wieder machte Gretchen eine Pause. Mehdi nahm ihre Hand und drückte diese, da er ahnte, dass er nun die Wahrheit erfahren würde.

G: Eines Abends kam dann Sami zu mir und bat mir schnellst möglich mitzukommen. Ich dachte mir gleich das irgendetwas nicht stimmte. Er war wütend,sehr wütend...Er führte mich zu seiner Hütte aus der ich schon lautes Geschimpfe hörte. Als ich eintrat, bekam ich gerade noch mit, wie Sami´s Sohn seiner Schweter eine Ohrfeige verpasste und diese laut aufschrie. Die Frau war total am Ende. Sie zitterte am ganzen Körper und hielt sich krampfhaft ihre Hände vor ihrem Bauch

Auch Gretchen´s Augen begannen erneut zu schimmern und ihre Stimme zitterte.

G: Samia, so hieß die Frau ,war schwanger. Sie war erst 18, aber das war nicht das Hauptproblem. Der Bruder hatte heraus gefunden, dass es vom „falschen Mann“ war. Den Frauen dort wurde nur ein Mann zugesprochen. Und nur an diesen sollte sie sich halten. Selbst wenn sie nur einen anderen Mann hinterher schauten, kassierten sie Prügel.

Gretchen machte eine kurze Pause, um durchzuatmen.

G: Sami hat von mir verlangt, ihr ein Mittel zu spritzen, damit sie das Kind verliert.

Mehdi schaute sie mit großen Augen an. Auch sein Herz begann schneller zu schlagen.

G: Natürlich habe ich mich versucht zu wehren.Dass er das nicht von mir verlangen kann, schließlich sei ich Ärztin. Und an erster Stelle stehe, Menschleben zu retten und nicht zu töten. Sami passte das ganze natürlich überhaupt nicht. Wütend beschimpfte er mich. Natürlich habe ich nichts verstanden,da sie kein Englisch gesprochen haben..... Der Bruder allerdings konnte sich auf Englisch verständigen. Er griff nach meinen Armen und drückte zu. Er schrie mich an, dass ich ihr etwas geben soll, dass ansonsten mir auch etwas passieren würde oder sie es aus ihr heraus prügeln würde und ich dabei zusehen würde. Ich sollte also gut überlegen, was ich tue.... Ein Freund des Brudes zog mich aus der Hütte und brachte mich zurück in mein Camp, wo er natürlich die ganze Zeit Wache stand. Ich sollte nachdenken. Vor allem aber durfte ich mit niemanden darüber reden. Noch nie in meinem Leben, hatte ich solch eine Angst. Und ich wusste nicht was ich machen sollte. Ich meine, klar, hätte ich ihr etwas spritzen können, aber ich bringe doch kein Baby um. Ein Baby, was völlig unschuldig ist. Auf der anderen Seite, wollte ich mit ansehen, wie sie das Kind aus ihr herausprügeln? Würde ihr Vater und ihr Bruder wirklich soweit gehen und auf sie einschlagen, bis sie das Baby verlieren würde? Meine Gedanken kreisten und kreisten, ich hab nicht eine Sekunde geschlafen in der Nacht. Und das Schlimmste war, ich konnte mit niemanden darüber reden. Ich war allein.

ME: Hey, das bist du jetzt aber nicht,okay? Wir machen uns alle Sorgen Gretchen, wir erkennen dich überhaupt nicht wieder.
G: Ach Mehdi....
ME: Magst du weiter erzählen?

Gretchen atmete ein letztes Mal tief durch und erzählte auch den Rest ihrer Geschichte. Auch Mehdi standen die Tränen in den Augen, als er ihrer Geschichte lauschte. Sie erzählte ihm schließlich, dass sie gleich am Morgen von Sami überrascht wurde. Er drohte ihr nochmals, dass sie Abends in der Hütte zu erscheinen habe. Den ganzen Tag wurde sie von 2 Männern beschattet, während die restlichen Männer auf der Jagd waren, damit sie auch ja nicht fliehen würde. Sie wunderte sich auch, warum Soel noch nicht erschienen war. Er war doch sonst immer pünktlich.Doch sie hatte nicht viel Zeit darüber nachzudenken, da es wieder einige Schwächeanfälle gab, um die sie sich kümmern musste. Gretchen hatte sich vorgenommen, am Abend einfach nochmal mit dem Vater zu reden. Es muss doch eine Möglichkeit geben, dass irgendwie friedlich zu regeln. Es würde schwer werden, aber sie würde es versuchen.

G: Sie haben mir nicht mal die Chance gegeben, in Ruhe zu reden. Entweder ich händige ihn irgendetwas
aus oder ich durfte mit ansehen, wie sie die Sachen eigenständig in die Hand nahmen. Was hätte ich denen auch geben sollen? Wir haben nur die notwendigsten Medikamente dort. Und darunter fällt mit bestimmt keine, die einen Abort auslösen.

Gretchen schwieg und zum ersten Mal kam auch Mehdi zu Wort.

ME: Was hast du dann gemacht?
G: Ich hab mich geweigert. Und ich kann noch nicht mal sagen, dass es sich falsch angefühlt hat. Ich wollte nicht dafür verantwortlich sein. Niemals. Ich hab immer noch gehofft, dass alles nur ein Druckmittel war. So etwas grausames konnte doch niemand tun. Sein eigenes Kind verprügeln? Aber....
ME: Aber?

Gretchens Stimme war nur noch ein Flüstern

G: Dem war leider nicht so. Und weiß du was das Schlimmste ist?....Alle mussten hinsehen.
Die Mutter hat mich mit einem verhassten Blick angesehen, dass kannst du dir nicht vorstellen.
ME: Wie meinst du das? Sie MUSSTEN alle hinsehen?
G: Sie haben uns dazu gezwungen. Haben unsere Arme festgehalten und unsere Köpfe in die Richtung....
des Geschehens.... gezogen. Und wehe du hast die Augen geschlossen. Ich werde es nie vergessen...die Schreie der Frau, das Geschimpfe des Vaters und Bruders. Es hat uns keiner geholfen. Es musste uns doch jemand gehört haben. Aber alle anderen in den umliegenden Häuser haben so getan als sei alles in Ordnung. …... Irgendwann bin ich dann auf der Pritsche in meinem Camp aufgewacht, anscheinend wurde ich darüber getragen. Muss wohl ohnmächtig geworden sein.

ME: Kein Wunder.
G: Es war einfach nur furchtbar. Weiß du, ich glaube einfach, die hatten ein unheimliches Problem damit, dass ich als Frau dort hingeschickt wurde. Da haben die Frauen eine ganz andere Bedeutung. Und jetzt kommt da so eine dahergelaufene Weiße und meint alles besser machen zu können. Ich denke, wenn Fritz dort hingegangen wäre, wäre es nicht soweit gekommen.

ME: Gretchen, mach dir jetzt bitte keine Vorwürfe. Du hast doch dein best Mögliches getan.
G: Ja, aber ich mal mir auch sooft aus, was gewesen wäre, wenn ich anders gehandelt hätte.

Stillschweigend saßen die Beiden nebeneinander, Mehdi hatte mittlerweile ein Arm um sie gelegt und Gretchen ihren Kopf an seine Schulter gelehnt.

ME: Gretchen, ich muss dich das jetzt fragen, es lässt mir keine Ruhe.

Gretchen schaute Mehdi nur fragend an.

ME: Hast du...also falls... also
G: Sprich es aus Mehdi.
ME: Hast du dich untersuchen lassen?
G: Ja, ich bin gleich als ich aufgewacht bin, geflohen. Und man hat mich nicht mal aufgehalten.
Als ich dann nach 4 Stunden wieder in Lambarene angekommen bin, hat mich Mira gleich in Empfang genommen. Sie merkte sofort, dass irgendetwas nicht stimmte. Ich hab allerdings kein Ton heraus gebracht. Sie ist dann mit mir in ein naheliegendes Krankenhaus und hat darauf bestanden mich gründlich zu untersuchen. Ich denke mal, dass ich ansonsten auch Schmerzen gehabt hätte.

Wieder schwiegen die Beiden sich an.

ME: Weiß du denn, was mit Seol ist?
G: Ich habe keine Ahnung und ehrlich gesagt möchte ich es auch nicht wissen Mehdi. Ich wollte einfach nur nachhause.

Mehdi nahm Gretchen fest in den Arm, als plötzlich versuchte, jemand die Tür zu öffnen.

M: Ey, geht’s noch?
ME: Moment, bin gleich soweit.

Mehdi schaute panisch zu Gretchen.

G: Kein Stress. Ist nicht das erste Mal,dass Marc mich verheult sieht heute. Aber bitte versprich mir, dass du mit niemanden darübr redest. BITTE Mehdi.
ME: Versprochen... Danke.
G: Wofür? Ich glaube, ich habe zu danken.
ME: Danke, dass du dich mir anvertraut hast.

Gretchen lächelte ihm noch einmal zu bevor sie sich aufrappelte, sich ankleidete und ihren Spint schloss.Als sie die Tür aufschloss blickte sie in ein genervtes Gesicht ihres Oberarztes.

M: Na endlich.... Äh...Gretchen?

Gretchen wandte sich schnell ab und ging zügig an ihn vorbei. Auch Mehdi warf sich sein Kittel wieder über und trat aus dem Zimmer, was Marc verwundert aber auch leicht verärgert zur Kenntnis nahm.

M: Äh....hab ich was verpasst?

Luedd Tiny Offline

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Beiträge: 215

13.08.2016 20:00
#16 RE: Kopf über Herz von Luedd Tiny Zitat · antworten

Mehdi lächelte ihn kurz gequält an und machte sich ebenfalls aus dem Staub.

Gretchen machte sich auf den Weg zur Damentoilette. Kaltes Wasser konnte ihr Gesicht jetzt gut verkraften. Sie fühlte sich erleichtert. Es tat ihr gut, mal alles heraus zu lassen. Sie war sich sicher ,dass ihr kleines Geheimnis gut bei Mehdi aufgehoben ist. Er war wirklich ein wahrer Freund.

Nachdem sie eine weitere OP mit Marc hinter sich gebracht hatte, welche erstaunlicherweise ruhig von statten ging, machte sie sich auf den Weg in die Cafeteria, um eine Kleinigkeit zu essen.

Auch Marc trat in die Cafeteria und bemerkte Gretchen in der hintersten Ecke, welche ein wenig lustlos in ihrem Salat herumstocherte. Augenrollend nahm er sich ebenfalls einen Schokopudding auf sein Tablett und machte sich auf den Weg zu seiner vorübergehenden Assistenzärztin. Schnell zog er sich einen Stuhl zurück und setzte sich an den Tisch.

G: Äh...
M: Mahlzeit.
G: Marc ich würde gerne in Ruhe meine Pause genießen.
M: Na denn tu es doch.

Marc schaute sie verschmitzt an und schob ihr schließlich den Schokopudding herüber.

G: Marc, ich habe dich nicht gebeten, mir einen Pudding mitzubringen.
M: Boah, nun iss schon.
G: Nein,danke.
M: Schaden....tut´s dir....nicht.
G: Wie bitte?
M: Na, ich glaub halt, du brauchst so etwas ....na du weiß schon.
G: Ne, ehrlich gesagt nicht.

Augenrollend schaute er sich noch einmal um, um sicher zu gehen, dass ihn auch niemand sah und nahm schließlich den Teelöffel in die Hand, schaufelte sich ein kleines Häufchen Schokopudding darauf und hielt ihn Gretchen vor den Mund. Diese schaute ihn mit zusammen gezogenen Augenbrauen an.

M: Na, nun machen schon auf Hasenzahn, hm?

Nach dieser eigentlich recht lieblichen Geste musste Gretchen leicht schmunzeln, was Marc dazu alamierte Gretchen den Löffel regelrecht in den Mund zu schieben, worüber Gretchen sich auch im nächsten Moment gleich wieder efauschierte.

G: Marc!!
M: So, den Rest kriegst du ja wohl selber hin

Und schon knallte er ihr den Teelöffel auf ihr Tablet, natürlich samt Schüssel. Kurz räusperte er sich, bevor er sich seiner Pasta zuwand.

Gretchen schaute ihm etwas verwundert beim Essen zu, bevor sie sich ihr Tablett schnappte und sich schließlich erhob.

M: Äh, du bist noch nicht fertig?!
G: Hab keinen Apetit, aber danke.

Sie wollte gerade weiter gehen, als sie von Marc am Ellenbogen zurück gehalten wurde, worauhin Gretchen ihn fragend anschaute.

M: Setz dich mal.
G: Wieso?
M: Na, nun mach.

Gretchen ließ sich genervt wieder auf den Stuhl fallen.

G: Was gibt’s denn Marc?
M: Nun sei nicht immer gleich genervt, vielleicht will ich ja mal ganz normal mit dir quatschen.

Gretchen musste leicht schmunzeln, was Marc lächelnd zur Kenntnis nahm.

M: Du...also...wegen vorhin...im OP, ich wollte nicht...ich wollt dir nicht zu nahe treten okay?
G: Schon okay.
M: Wirklich?
G: Bin ja nichts anderes gewohnt von dir.
M: Tzz...
G: Ja was? Ist doch so.
M: Schon klar.
G: Wars das?
M: Was war denn da mit Mehdi in der Umkleide?

Gretchen schaute beschämt nach unten und versuchte ihre Stimmung zu überspielen.

G: Nix, was soll schon gewesen sein? Bist du etwa eifersüchtig?
M: Bitte was?Auf Kaan oder was?
G: Äh, ja Marc.
M: Ganz sicher nicht.
G: Na denn ist ja gut.
M: Sicher ist alles gut.

Gretchen wollte sich gerade wieder auf den Weg machen, als beider Pieper Alarm schlug.

G: Ess ruhig auf, ich geh schon vor.
M: Bin eh fertig.

Marc nahm ebenfalls sein Tablett und beide machten sich auf den Weg zur Notaufnahme.
Angespannt war die Situation. Beide spürten es deutlich. Und keiner der Beiden war sich sicher, ob sie jemals wieder ein ernstes privates Gespräch führen könnten. Die Zeit würde es bringen.


Beide erreichten den Aufzug in welchen sie zusammen einstiegen. Gretchen stellte sich mit dem Rücken zu ihm und drückte die entsprechende Taste zur Notaufnahme. Marcs Blick wanderte Gretchens Rücken entlang und blieb schließlich auf ihrem Po haften

M: Du hast abgenommen
G: Hmm

Langsam beugte sich Marc weiter zu Gretchen nach vorne. Gretchen erschrak als sie Marc`s Atem in ihrem Nacken spüren konnte. Leise flüsterte er ihr ins Ohr, was ihr eine Gänsehaut bescherte.

M: Sieht gar nicht mal so schlecht aus.

Gretchen wollte sich gerade abwenden, als die Fahrstuhltür aufging und zwei Sanitäter eine Trage mit einer Verletzten hineinschoben. Gretchen wurde somit direkt zurück in Marcs Arme befördert. Dieser nahm es schmunzelnd zur Kenntnis, als er ihren erschrockenen Gesichtsausdruck bemerkte. Ihre Wangen färbten sich außerdem leicht rosa. Eine Dame hatte sich neben der Verletzten gestellt und hielt dessen Hand.

GO: Frau Doktor Haase, so schnell sieht man sich wieder.
G: Gordon, was für eine Überraschung.

Übel sah die Frau aus.

G: Ist das unser Notfall?
GO: Sieht wohl so aus Frau Doktor. Gut sehen Sie aus.
G: Äh ja... danke.

Auch Marc hob seinen Kopf und schaute an Gretchen vorbei, zur Verletzten und schließlich zu ihrer Begleitperson. Doch im nächsten Moment kniff er die Augen gleich wieder zu. In der Hoffnung, sie hätte ihn nicht gesehen. Doch verebens. Er konnte sich schlecht hinter Gretchen verstecken.

ST: Marc, was machst du denn hier?
M: Äh, arbeiten?
ST: Du bist Arzt?
G: Ihr kennt euch?
M: Flüchtig.

Die Fahrstuhltüren öffneten sich und Marc war noch nie so dankbar, dass die Fahrstuhlfahrt ein Ende nahm.

M: So, was haben wir?
GO: Weiblich, 28 Jahre, Fahrradunfall. Autofahrer hat ihr die Vorfahrt genommen
ST: Und hat dann auch noch Fahrflucht begannen
G: Oh nein, haben Sie sich das Kennzeichen merken können?
ST: Leider nicht
G: So ein Mistkerl
ST: Das können Sie laut sagen.
M: So Hasenzahn, fertig mit Kaffeeklatsch? Ab ins Röntgen mit der Frau.
G: Marcilein, geh doch schon mal vor, ich komm denn gleich nach,ja?
M: Äh?

Dann wand sich Gretchen wieder an Stefanie, die Freundin der Verletzten,welche ein wenig verdutzt zwischen den Beiden hin und her schaute.
Marc folgte den Sanitäter zum Röntgen und ließ die Tür hinter sich laut ins Schloss fallen.

G: Sie dürfen leider nicht mit. Nehmen Sie doch im Wartebereich Platz, direkt dort um die Ecke.
Vielleicht können Sie schon einmal die Angehörigen informieren. Sobald ich mehr weiß, komme ich auf Sie zurück.

ST: Vielen Dank Frau..
G: Dr Haase.

Die Tür zum Behandlungszimmer ging ein weiteres Mal auf und ein lautes „DR HAASE“ erklang im Flur.

G: Jaha, meine Güte, ich komme ja schon.Wie Sie sehen, ich muss jetzt leider.
ST: Oh, ich liebe es,wenn er so rumzickt, macht ihn irgendwie …sexy.

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