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Dieses Thema hat 151 Antworten
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 Erfindet eure eigene Fortsetzung!
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Sophiee^^ Offline

Mitglied


Beiträge: 276

22.08.2011 15:49
#51 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Seite drei, wir kooooooooommen!!
(Wundert euch nicht, ich bin ein verrücktes Huhn )

Danngeb ich euch mal den nächsten Teil, bevor ich einen Doctor's Diary Nachmittag bzw. Abend (oder auch Nacht ) mache!

Viel Spaß!


Seine männlichen Instinkte wollten sie einfach nur küssen, aber sein Verstand und sein Herz sagten ihm, dass sie das nicht wollen würde.
Er legte sich also neben sie ins Bett und versuchte nochmals, einzuschlafen. Gretchen wollte sich eigentlich nur noch in seine Arme flüchten, aber er schien zu müde zu sein. Deshalb drehte sie ihm den Rücken zu und schloss die Augen. Sie versuchte, den schlimmen Streit mit Mary und ihre sonstigen Sorgen aus ihren Gedanken zu verbannen, aber es gelang ihr nicht besonders gut.
Unterdessen hatte Marc die Augen wieder aufgeschlagen. Auch wenn er hundemüde war, ließ ihn ihre Anwesenheit nicht ruhig schlafen.
Komm schon Meier, sie ist eine Frau, und so wie sie heute drauf war, wird sie wohl öfter hier schlafen. Also gewöhn dich daran, verdammt, und sei nicht so aufgewühlt! Du brauchst deinen Schlaf!
Aber er schaffte es nicht. Seine Augen tasteten sich an ihrem Rücken entlang, erforschten ihn. Er konnte sich nicht daran sattsehen, auch wenn es nur ihr Rücken war. Ob sie wohl schon schlief?
Und wenn schon, sein größter Wunsch in diesem Moment war, diesen Rücken zu berühren, die Wirbel nachzufahren und den Beweis zu erhalten, dass ihre Haut wirklich so weich war, wie sie aussah.
Irgendwann konnte er sich nicht mehr beherrschen und seine Fingerspitzen ließen sich auf einem Wirbel nieder. Zufrieden betrachtete er die Gänsehaut, die sich an dieser Stelle bildete. Sie war also doch noch wach, sonst hätte sie seine Finger nicht gespürt.
Gretchen spürte ein wohliges Kribbeln, als er an ihren Wirbeln entlang weiterfuhr und dann nahm sie schnell seine Hand und drückte sie fest. Kurz darauf hatte sie sich nah an ihn geschmiegt. Und er war froh, dass niemand da war, um ihm diesen Moment kaputt zu machen.
Ich kann es nicht mehr bestreiten. Ich liebe sie. Dafür gibt es so viele Beweise. Einer davon: ich kuschle hier mit IHR- sie ist auch bekannt als Hasenzahn, eine nervige, nicht-mehr-meine-Assistenzärztin und meine irgendwie-doch-fast-Freundin. Ich bin verloren. Hoffnungslos verloren. Wo ist der alte Meier hin, der bei solchen Kuschelaktionen die Frau sofort rausgeworfen hätte? Vielleicht ist er im Urlaub, seit sie hier in Washington ist. Auf den Malediven? Auf Hawaii? Wo auch immer er ist, ich hoffe er hat Spaß dabei, sich mit Frauen zu vergnügen und mich hier gnadenlos im Stich zu lassen! Jetzt bin ich ein romantischer Vollpfosten, der nicht mal diese perfekte Situation ausnützt….
Aber was soll‘s? Ich fühl mich gut, übermäßig gut, also ist es ja okay…

Nach längerem Schweigen, in dem Marc dann doch fast einschlief, weil er sich ebenso wie Gretchen so wohl fühlte, wollte sie ihm dann doch alles erzählen. Sie wollte mit jemandem darüber reden.
„Marc?“
„Hm?“, brummte er. Er drückte sie noch fester an sich.
„Willst du immer noch wissen, was passiert ist?“
Schlagartig schlug er die Augen auf. Die Neugierde war doch größer als die Müdigkeit.
„Klar“, meinte er etwas zu frech. Er konnte ihren vorwurfsvollen Blick direkt vor sich sehen, obwohl ihr Gesicht für ihn versteckt war, deshalb fügte er noch hinzu: „Ähm…also, nur wenn du es willst, Hasenzahn.“
Jetzt lächelt sie. Ich seh es zwar nicht, aber ich weiß es. Ich kann sie halt immer zum Schmunzeln bringen.
Gretchen holte noch einmal tief Luft und erzählte ihm von dem Streit mit Mary (wobei er das Gesicht verzog) und davon, dass sie den Kurs hinschmeißen würde (jetzt grinste er, aber er versuchte, es zu verbergen).
Das mit Mary wird schon wieder ins Lot kommen, aber dass sie den Kurs hinschmeißt, das find ich super. Dann ist sie nicht öfter als nötig mit Reiner zusammen. Aber wieso will sie den Kurs eigentlich schmeißen…?



„Und wieso willst du den Kurs lassen? Ich weiß ja, dass ich besser bin, aber…“, setzte Marc an, aber Gretchen stieß ihm schon sanft den Ellbogen in den Magen. Dann lachte sie. Aber das verging ihr schnell wieder.
Was der schon wieder von sich denkt… ja, er ist der Beste, aber das bind ich ihm nicht an die Nase… sein Ego ist sowieso schon so groß, dass es fast ungesund ist…
Und was sag ich jetzt? Wenn ich ihm von dem Kuss erzähle, wird er sauer und platzt vor Eifersucht… ich kann so schlecht lügen. Aber jetzt muss es sein, auch wenn ich eigentlich keine Geheimnisse mehr wollte. Aber er hat auch welche vor mir.

„Ähm, ich hab einfach nichts Neues gelernt, und es war nur langweilig, weil ich eben alles schon konnte… hatte ja einen guten Lehrer…“, versuchte sie überzeugt zu klingen. Aber Marc durchschaute sie. Er setzte sich auf.
„Du lügst“, sagte er. Sein scharfer Verstand war eben ein Segen Gottes.
„Gar nicht!“, protestierte sie.
Mist, mist, mist… wieso muss es ihm gerade jetzt wichtig sein, dass ich ehrlich bin?
Gretchen beschloss, es dabei zu belassen und sich schlafend zu stellen, oder zumindest müde. Aber bald darauf hatte Marc wieder einen Geistesblitz.
„Wieso habt ihr eigentlich gestritten?“, bohrte er weiter.
Man! Wo sind die guten Lügen, wenn man sie mal braucht? Scheiße!
„Ja, also, das war so... sie hat gesagt, dass ich mich nicht für sie interessiere, und dann war sie so frech, und dann bin ich durchgedreht… meine Gefühle mussten einfach raus…“
Das wird ihn nicht überzeugen…. MIST!!!!!
„Ach so war das… verarschen kann ich mich auch alleine, sogar besser als du… Jetzt sag schon! Was war der wahre Grund? Und worin soll der Zusammenhang zwischen dem Kurs und dem Streit sein?“
„Man, da gibt’s keinen Zusammenhang! Ich hab doch gesagt, zuerst war der langweilige Kurs und dann war der…“ Schnell biss sich Gretchen auf die Lippe.
Jetzt hätte ich ihm fast von dem Kuss des Arschlochs erzählt… bitte sei einmal nicht neugierig!
Gott? Ich hab einen Wunsch. Kannst du mich vielleicht ganz ganz ganz schnell auf eine einsame Insel verfrachten und erst zurückbringen, wenn alles geklärt ist? Bitte, das wird ein Einzelfall bleiben! Komm schon!!

Sie drückte die Augen zu und hoffte, aber als sie die Augen einen Spalt öffnete, war sie immer noch in Marcs Schlafzimmer.
„Der…?“, half Marc ihr auf die Sprünge.
„Mein Gott, ist doch nicht so wichtig! Ich bin müde, lass uns schlafen gehen“
„Also ich bin nicht müde. Und ich bleibe so lange wach, bis du mir alles erzählt hast“ Trotzig verschränkte er die Arme. Gretchen drehte sich nun zu ihm.
Na gut. Wenn du es willst, dann gerne. Aber so einfach kriegst du mich nicht, mein Lieber.
Gretchen setzte sich auch auf und setzte einen Schmollmund auf.
„Marc, ich bin wirklich müde!“, quengelte sie.
„Gretchen, ich will es wirklich wissen!“, erwiderte er frech.
Okay, dann helfen wohl nur mehr die Mittel einer Frau.
„Vielleicht sag ich es dir ja irgendwann…“, sagte sie, während sie ihn verführerisch anschaute und den Kopf ein wenig schief legte. Als sie ihm auch noch einen kleinen, aber atemberaubenden Kuss schenkte, war es ganz um ihn geschehen. Er schien in einem Tagtraum verschwunden zu sein. Zufrieden, dass ihr Ablenkungsmanöver geklappt hatte, legte sie sich wieder hin und stellte sich schlafend.
Zum Glück hat’s geklappt. Ich wusste nicht, dass ich so ne Auswirkung auf ihn habe. Das ist toll, kann ich ihn öfter ablenken, besonders in solchen Situationen.
Was er wohl träumt? Hoffentlich ist es nicht zu versaut…ich will gar nicht wissen, in welcher Kleidung ich unter ihm liege…aber es muss ja nicht versaut sein, vielleicht ist es romantisch. Sonnenuntergang, Pferden, Prinzessinnenkleidern, mit allem drum und dran. Das wäre schön.
Ach, wenn ich ihm doch einmal in den Kopf gucken könnte…

Nach kurzer Zeit war Marc aber wieder in der Realität angekommen und seufzte. Gretchen lag neben ihm und schien zu schlafen. Was jedoch schlimmer war, sie schien mitbekommen zu haben, wie nervös sie ihn manchmal machte. Das war ja sowas von peinlich…
„Das ist nicht fair Hasenzahn…“, flüsterte er leise und strich ihr die Strähne, die ihr Gesicht verdeckte, aus dem Gesicht. Und da sah er auch ihr Lächeln, das sie mühsam zu unterdrücken versuchte.
„Hasenzahn? Du schuldest mir immer noch eine Antwort“
Man. Jetzt hab ichs wieder versaut. Blöde Lachmuskeln.
„Ich weiß, dass es nicht fair war…“, nuschelte sie.
„Ich meinte doch gar nicht das!“, rief er ein wenig lauter und ein bisschen verärgert. Gretchen setzte sich nochmals auf.
„Jetzt schrei hier nicht so rum! Ich will einfach nicht, dass du dich aufregst, aber das tust du ja sowieso!“ Sie zog eine beleidigte Schnute.
„Und wieso? Du kommst mitten in der Nacht hierher, vollkommen verheult und aufgebracht, fragst, ob du hier bleiben kannst, und erzählst mir nur in Bruchstücken was passiert ist. Sonst wäre es mir ja egal, aber bei dir ist das etwas anderes. Ich mach mir Sorgen!“
Er macht sich Sorgen? Wie süüüüüüüüüüß. Er hat gesagt, dass es bei mir etwas anderes wäre. War das ein indirektes Liebesgeständnis??
Gretchen war glücklich, und auf einmal wollte sie es ihm erzählen. Aber nur unter einer Bedingung.
„Gut, ich erzähle es dir…“, setzte sie an und Marc lächelte zufrieden.
„…aber nur, wenn du mir versprichst, mir dein Geheimnis zu erzählen“

Oh- oh! Was jetzt wohl paasiert?

Sophiee^^ Offline

Mitglied


Beiträge: 276

25.08.2011 12:18
#52 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Sofort gefror ihm das Lächeln auf den Lippen und kurz darauf war es einem fassungslosen Ausdruck gewichen.
Was weiß sie? Ich hab doch nur meinen Vater erwähnt, nie ein Geheimnis… Fuck… was soll ich jetzt sagen?
„Ich hab kein Geheimnis“, meinte er kühl und starrte an die gegenüberliegende Wand. Aber die Vergangenheit holte ihn schnell wieder ein…

Marc wachte auf und freute sich: heute war sein 10. Geburtstag, er würde viele Geschenke bekommen und seine Freunde würden alle kommen und mit ihm feiern. Sie würden Fußball spielen und er würde sicher viele Tore schießen. Marc lächelte.
Er ignorierte, dass es erst sechs Uhr morgens war und schlich die Treppen runter in die Küche. Dort hatte seine Mutter schon spät am Abend alles vorbereitet. Der Frühstückstisch war gedeckt, eine riesige Torte stand in der Mitte und auf dem restlichen Platz stapelten sich die Geschenke. Sollte er sie jetzt schon öffnen? Oder wäre seine Mami dann sauer?
Nein, das wäre sie sicher nicht. Immerhin hatte er Geburtstag, da durfte sie nicht sauer sein. Es war sein Tag, ab jetzt war sein Alter zweistellig. Er war groß und stark. Das wusste er, weil er letzten Dienstag den 11-jährigen Anton beim Armdrücken besiegt hatte.
Stolz lächelte er und sah sich die Geschenke genau an. Es waren viele große, aber auch zahlreiche kleine dabei. Langsam stöberte er in den Geschenken und öffnete sie.
Da war das brandneue Modell des Chevrolet in schwarz! Das hatte er sich schon gewünscht, als er es im Schaukasten gesehen hatte. Mit offenem Mund drehte und wendete er es. Das musste sofort zu seinen anderen Modellautos!
Schnell raste er in sein Zimmer zurück und stellte ihn zu den anderen Autos. Er konnte sich gar nicht daran sattsehen, aber irgendwann war die Neugierde über die anderen Geschenke größer. Später konnte er es ja immer noch ansehen, dachte er sich. Er lief wieder zurück in die Küche und hörte gar nicht das leise, unterdrückte Weinen aus dem Schlafzimmer.
Wieder zurück bei seinen Geschenken riss er ungeduldig eines nach dem anderen auf. Da waren ein Fußball und die dazugehörigen Torhandschuhe, die er stirnrunzelnd musterte. Hatte seine Mutter etwa schon wieder vergessen, dass er Stürmer war und nichts mit Handschuhen anfangen konnte? Auf der zugehörigen Karte stand: „Für meinen großen Marc Olivier, du wirst sicher alle Tore halten können. Ich bin stolz auf dich!“
Kopfschüttelnd legte er sie dann doch zu den anderen Sachen dazu.
Als er alles ausgepackt und sich bei manchen anderen Geschenken wie ein Honigkuchenpferd gegrinst hatte, schaute er sich um. Die Küche glich einem Schlachtfeld. Auf der einen Seite lagen alle Geschenke auf einem Haufen und auf der anderen Seite lagen die Reste des Geschenkpapiers. Das meiste sah so aus, als ob es ein Hund zerfetzt hatte, aber Marc dachte sich nichts dabei. Die Putzfrau würde schon alles wegräumen.
Er sah auf die Uhr. Es war schon fast acht Uhr und seine Eltern waren noch immer nicht gekommen. Vielleicht hatten sie den Wecker nicht gehört, aber Marc hatte Hunger und er wollte nicht alleine seine Geburtstagstorte anschneiden.
Er tapste die Treppen hinauf und öffnete leise die Tür des Elternschlafzimmers.
„Mami? Papi?“, sagte er laut und sah, dass niemand da war.
Hatte er vorher gedacht, dass die Küche wie ein Schlachtfeld aussah, so nahm er es jetzt wieder zurück. Die Bettdecke lag am Boden, Kleidungsstücke lagen überall herum und der wandhohe Spiegel, auf den seine Mutter so stolz war, hatte einen großen Sprung. Fassungslos schaute er sich genauer um und trat ein. Da sah er auch, dass das Familienbild von ihm, seinem Vater und seiner Mutter zerschlagen war. Es sah aus, als ob es jemand willkürlich zerstört hätte, aber er hoffte inbrünstig, dass es ein Versehen war. Er zog vorsichtig das Foto heraus und strich darüber. Er fühlte, dass etwas nicht stimmte. Der Verdacht bestätigte sich auch, da er auf dem Lieblingskleid ihrer Mutter, das sie gestern anhatte, Blut fand. Sein schlechtes Gefühl wuchs, aber er redete sich ein, dass es Tomatensoße war. Wieso sollte auch Blut auf ihrem Kleid sein? Vielleicht hatte sie sich ja geschnitten, was sie aber nie tat. Deswegen war es Tomatensoße. Ja. Es war stinknormale Tomatensoße.
Als er das Gefühl einigermaßen erfolgreich unterdrückt hatte, sagte er noch einmal leise: „Mami??!“
Da erst hörte er das Schluchzen aus dem Badezimmer. Langsam schritt er darauf zu, aber in diesem Moment klingelte es an der Tür. Für einen Moment wusste er nicht, was er tun sollte, aber dann beschloss er zu öffnen. Vielleicht war es ja sein Vater, dann konnte er mit ihm mit seinem Modellauto spielen, nachdem er nach Mutter gesehen hatte.
Schnell rannte er nach unten und öffnete. Aber es war nur die beste Freundin seiner Mutter.
Freudestrahlend gab sie ihm einen großen Schmatz auf die Wange.
„Alles Gute, Marc! Jetzt bist du schon so groß, ich wusste noch, als du in den Windeln gelegen bist, aber jetzt… schon ein junger Mann! Da müssen die Mädchen aber aufpassen, dass sie dir nicht verfallen!“
Den restlichen Wasserfall an Worten blendete er aus und rieb sich die Wange. Ihre Freundin war manchmal so peinlich! Sie stöckelte an ihm vorbei in die Küche und rief: „Wo ist denn deine Mutter? Ihr habt ja noch gar nicht die Torte angeschnitten!“
Marc antwortete: „Ich weiß nicht, was los ist. Papa ist nicht da und Mama sitzt auf dem Klo und heult!“
Nun wechselte ihr Gesichtsausdruck von freudestrahlend zu besorgt. So schnell es mit ihren zehn- Zentimeter Absätzen ging lief sie die Treppe hoch, dicht gefolgt von Marc. Sie lief in die Toilette und fand dort wirklich seine Mutter. Marc blieb im Türrahmen stehen und blickte stumm auf die Szene, die sich ihm bot. Seine Mutter war verheult, ihr Gesicht war verquollen und sie war ganz rot um das Auge. Fast so wie ein blaues Auge, aber seine Mutter prügelte sich nicht. Er durfte das ja auch nicht. Während seine Mutter getröstet wurde, machte er sich wieder so seine Gedanken.
Was ist passiert? Wieso ist das Schlafzimmer ein Schlachtfeld? Wieso dachte niemand an ihn, obwohl er Geburtstag hatte? Und wo war sein Vater??
Und da war auch schon wieder das Gefühl, aber diesmal unterdrückte er es nicht. Dieser Tag war nicht normal…
„Marc Olivier, bitte geh nach draußen!“, sagte Frau Fisher leise und ihre Stimme brach wieder. Ein Schluchzer ertönte und Marc zuckte zurück. Er hatte seine Mutter noch nie so verzweifelt gesehen. Er tat so, als würde er gehen, aber er versteckte sich hinter der Tür. Da begann auch schon das Frauengespräch.
„Was ist passiert?“, fragte die Freundin eindringlich und besorgt.
„Ich…ich weiß auch nicht. Alexander ist sturzbetrunken nach Hause gekommen, während ich hier aufgeräumt habe… Als ich seine Fahne gerochen habe, habe ich mich schon gleich gewundert. Er trinkt NIE… Ich hab das noch nie erlebt... Ich hab ihn gefragt, was passiert sei und er hat begonnen… rumzubrüllen. Er hat mich eine… intrigante Schlampe genannt und wieso ich ihm das angetan habe… ich habe nichts verstanden, aber er hat begonnen, alle meine Kleider aus dem Schrank zu werfen und alles herumzuschmeißen…er hat den Spiegel zerschlagen… er sagte, ich solle aus seinem Haus verschwinden…ich hab ihn angeschaut, als wäre er komplett durchgeknallt…und dann ist er…geplatzt vor Wut…er hat seine Ironie ausgepackt, er meinte, ich habe wohl nicht gemerkt, dass ich ihn betrogen habe…aber das habe ich doch nicht! Ich weiß nicht… woher er das hat… ich hab ihn nicht betrogen, das würde ich nie… ich liebe ihn… das habe ich dann auch gesagt, und dann hat er gelacht und mich…geschlagen… er hat weiter gebrüllt, aber ich hab mich dann hier eingesperrt… ich hatte richtig Angst vor ihm…Oh Gott, was ist passiert?? Ich hab doch nichts getan…ich kann nicht glauben, dass er mich wirklich…geschlagen hat…“
Die Stimme seiner sonst doch so starken und selbstbewussten Mutter war immer wieder gebrochen und leiser geworden, aber sie hatte alles heruntergeleiert wie eine Predigt. Marc hatte Mühe gehabt, ihr zu folgen. Aber als er das gehört hatte, stolperte er zurück und schüttelte immer wieder den Kopf. Nein, das konnte nicht sein… sein Vater war kein Prügler, er rastete nicht einfach aus…
Er stolperte immer weiter zurück und seine Mutter bemerkte ihn auch jetzt. Sofort bereute sie, dass sie ihn nicht eigenhändig aus dem Schlafzimmer gebracht hatte. Das war doch keine Geschichte für so ein kleines Kind! Er würde ewig Angst haben, immer traumatisiert bleiben… und das wollte seine Mutter nicht verantworten.
„Marc Olivier, das stimmt alles nicht. Ich hab das erfunden, das war eine Geschichte für den neuen Dr. Rogelt Band… Papa kommt gleich, er wollte dir noch Fußballkarten für das nächste Heimspiel kaufen… ich habe nur geweint, weil die Story so ergreifend ist!“, versuchte seine Mutter zu lügen. Aber Marc wusste, dass sie log. Es war einfach zu viel Gefühl in ihrer „Geschichte“ gewesen, als dass es wirklich eine Lüge sein konnte. Ihre anderen Erklärungen, die sie herauskramte, während sie sich langsam erhob, wollte er gar nicht hören. Er hielt sich die Ohren zu und rannte hinaus. Die Tränen behinderten seine Sicht, aber er kämpfte sich weiter voran. Als er schon am Fuß der Treppe angekommen war, schrie sie laut: „Marc Olivier, bleib hier!!“
Er fand seinen Namen eigentlich immer toll, aber auf einmal hasste er ihn. Olivier, wie sein Vater ihn immer nannte. Olivier, wie sein Vater ihn unbedingt taufen wollte, wer weiß, wieso. Der Vater, der zum Prügler mutiert war, obwohl er immer so lustig und liebevoll zu Beiden war. Marc wusste dass seine Mutter gelogen hatte, er fühlte, dass die Geschichte stimmte. An diesem Tag, der eigentlich der Schönste dieses Jahres werden sollte, lernte Marc, wie es war, zu hassen. Wirklich richtig zu hassen.


Marc saß da wie versteinert und starrte immer noch auf die Wand. Nun machte sich Gretchen Sorgen. Sie wusste nicht, was sie mit diesem Satz angerichtet hatte. Marc lebte mehr in der Vergangenheit als in der Gegenwart, zumindest in diesem Moment. Das Verdrängen hatte in letzter Zeit immer öfters nicht geklappt, aber jetzt konnte er es einfach nicht mehr. Mit Mary zu reden hatte ihm schon geholfen. Auch wenn er es nie glauben konnte, aber reden half wirklich.
Zu gerne wollte er Gretchen alles erzählen. Seine tolle Kindheit, die wegen einem Abend den Bach runter war und zur Hölle auf Erden wurde. Sie hatten Angst, den Vater anzuzeigen, er hatte sie immer bedroht und eingeschüchtert. Irgendwann hat die Freundin seiner Mutter das nicht mehr mit ansehen wollen. Auf Wunsch von Elke hatte sie ihn nie angezeigt, aber als Marc dann immer öfter ohne grund bewusstlos wurde, wurde es zu viel. Und als Marc im Krankenhaus wieder aufwachte, sagte man ihm, dass sein Vater Sozialstunden leisten musste. Sozialstunden! Einen noch weniger sozialen Menschen gab es gar nicht! Der sollte ins Gefängnis kommen und dort verrotten…
In der Schule ließ Marc seine Wut dann meistens an Schwächeren aus. Er wusste, wieso er immer gemein zu allen war, und als Gretchen, ein kleines Pummelchen in Latzhosen, glücklich strahlend mit ihren Eltern daherkam, da wusste er gleich, wer sein neuestes Opfer werden würde.
Ihre Eltern liebten sie mehr als alles andere, und das kotzte ihn einfach an. Wieso war das alles nur so ungerecht verteilt? Wer wollte schon gut aussehen, wenn man Eltern, Freunde oder vielleicht eine Frau hatte, die einen über alles lieben?
Seine Mutter verschanzte sich den ganzen Tag in ihrem Zimmer und schrieb ungefähr hundert Seiten von ihrem blöden Arztroman pro Tag, sein Vater war sowieso unauffindbar, zum Glück. Nach den Sozialstunden war er einfach abgehauen und niemand hatte ihn davon abgehalten. Jedenfalls war er von dem Augenblick an wütend und neidisch auf Gretchen und er ließ keine Gelegenheit aus, um ihr das auch zu zeigen.
Im Nachhinein tat ihm das manchmal leid, aber er konnte es sowieso nicht mehr ändern. Und jetzt lag sie ja neben ihm.
Er lächelte leicht. Sie schaffte es immer, ihn kurz abzulenken. Er brauchte nur an sie zu denken, dann war nur mehr sie da. Er konnte es einfach noch nicht glauben, aber sie gehörte ihm wirklich, voll und ganz.
Vielleicht nicht mehr lange, wenn du so weitermachst!

http://www.doctorsdiaryfanforum.de/t2702f146-Kommentare-zur-Story-von-Sophiee-11.html

Sophiee^^ Offline

Mitglied


Beiträge: 276

28.08.2011 01:01
#53 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Weil ich so gut drauf bin, kriegt ihr den Teil schon jetzt... ist ja auch schon Sonntag.

Viel Spaaß und Danke an die Kommischreiber!

PS. Bei dem Teil war ich wieder mal ein bisschen kreativ...


„Marc, was ist los?“, fragte sie leise.
Um seine Panik zu überspielen, sagte er betont müde: „Ich bin müde, ich schlaf jetzt. Du bist sicher auch müde.“
Sie musste gähnen. Ja, sie war wirklich müde. Aber locker lassen wollte sie nicht.
„Gut, aber wir reden morgen!“
Dann schmiegte sie sich wieder an ihn und kurz darauf konnte Marc ihre leisen, regelmäßigen Atemzüge hören. Sie war wirklich erschöpft.
Ich kann es ihr nicht erzählen, auch wenn ich es so sehr will. Ich will, dass sie sich mir gegenüber normal verhält, und das wird sie nicht, wenn sie alles weiß. Mitleid konnte ich noch nie gebrauchen.
Scheiße, was soll ich ihr morgen erzählen? Wie ich mich grade benommen habe war so gar nicht meine Art, und das weiß sie.
Wieso kann ich es nicht einfach vergessen? Ich bin ein erwachsener Mann und nicht mehr das Kind von früher… seit mehr als zehn Jahren hab ich den Arsch nicht mehr gesehen, auf den ich einmal so stolz war. Vielleicht ist das auch der Schlüssel. Ich hab ihn so sehr geliebt, und er hat mich enttäuscht. Diese Erkenntnis bringt mir aber gar nichts, leider… ich werde ihn nie wieder sehen, und ich glaube, das ist auch besser so…nein, ich weiß es…

Er drückte Gretchen noch fester an sich. Sie war so warm und weich und strahlte ein beruhigendes Gefühl aus. Er fragte sich, ob sie wirklich schon immer so war. In der Schule war sie ja ganz anders gewesen. Ein wohlerzogenes, spießiges Professorentöchterchen, die unbedingt Ärztin werden wollte. Und jetzt? Sie war zwar immer noch ein Professorentöchterchen, aber spießig? Ne. Definitiv nicht, das wusste er, seit sie ihm damals den Vorschlag gemacht hatte, mit ihm zu schlafen. Und das nur, um zu wissen, ob sie etwas für ihn empfand!
In diesem Augenblick war er ein wenig enttäuscht von ihr gewesen. Er wusste, dass das nicht ihre Art war. Er hätte wirklich gerne mit ihr geschlafen, sogar öfters, aber in diesem Moment hatte er Schiss bekommen. Vor ihr, vor einer Frau. Wie tief war er nur gesunken? Sie hatte ihm nie etwas von einer Beziehung gesagt, nur unverbindlicher Sex. Besser hätte er es gar nicht treffen können, wenn da nicht dieses Gefühl für sie da war, vor dem er immer noch Angst hatte. Liebe. Sie war so mächtig. Und es fühlte sich so gut an, wenn er bei ihr war. Noch nie hatte er solche Gefühle für eine Frau, nur Gretchen konnte es ihm entlocken.
Aber er hatte gekniffen, sie außerdem noch beleidigt, um nicht als Waschlappen da zu stehen. Er dachte, er hätte noch Zeit, aber dann warf sie sich diesem Betrüger an den Hals und heiratete ihn auch noch…
Und er lässt mich jetzt immer noch nicht in Ruhe… ich glaub, ich brauch trotzdem ne Kopfschmerztablette…
Seine Schläfe pochte. Und pochte. Und pochte. Je mehr er versuchte, sich zu entspannen, desto gnadenloser und stärker wurde das Pochen. Er fühlte sich noch schlechter als davor. Er schwitzte. Immer wieder versuchte er, einzuschlafen, aber die Gedanken und die Gefühle ließen ihn nicht. Eine Kopfschmerztablette schien ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, selbst die paar Schritte zum Klo hätten ihm all seine Kraft abverlangt. Müde ließ er sich in die Kissen sinken.
Noch lange blieb er in diesem Halbschlaf- Zustand, bis er irgendwann in einen Fieberschlaf fiel.
Unruhig wälzte er sich hin und her. Er flüsterte zwischendurch immer wieder unverständliche Dinge vor sich hin. Irgendwann wurde er lauter und er schlug wild um sich. Er traf Gretchen, die bereits beim Aufwachen war, fest auf den Rücken, sodass sie fast vom Bett gefallen wäre. Verwirrt sah sie sich um und merkte, dass Marc sie fast aus dem Bett gedrängt hatte. Sie war kurz eingeschnappt, aber als sie sich umdrehte und sich beschweren wollte, sah sie ihn.
Er war verschwitzt, seine Haare klebten ihm an der Stirn und er schien hohes Fieber zu haben. Im Gegensatz zu vorhin war er wieder ruhiger geworden, auch wenn er sich immer noch wälzte und leise redete.
„Nein, lass mich… ich hab doch gar nicht… nein, Papa, nicht Mama… blödes Modellauto…“
Gretchen konnte überhaupt keinen Zusammenhang erkennen. Lass mich? Wer sollte ihn lassen? Und was hat er nicht getan? Und Papa, nicht Mama? Blödes Modellauto? Was konnte das wohl bedeuten? Sie wusste, dass Träume immer etwas mit dem Unterbewusstsein zu tun hatten und dass man in ihnen auch viel verarbeitet…
Vielleicht würde sie einen Schluss daraus ziehen können, aber nur, wenn sie ganz wach war. Aber Marc konnte sie nicht schlafen lassen, er war einfach zu unruhig. Sachte hielt sie ihn am Arm, aber überraschenderweise zuckte er zurück. Sie dachte, er wäre erschrocken und somit wach, aber er schlief immer noch.
„Fass mich nicht an! Polizei muss helfen…so geht das nicht… ich will das nicht mehr… aua!“, sagte er ein wenig lauter. Okay. Es stimmte wirklich etwas nicht mit ihm. Sie sah es als ihre ärztliche Pflicht, ihn aus seinen bösen Träumen zu holen. Deshalb rüttelte sie ihn fester, und langsam kam er aus seiner Vergangenheit wieder zurück.
„Gretchen? Was ist los, warum hast du mich geweckt?“, fragte er schwach und stöhnte danach auch gleich auf.
Na toll. Ich hatte grade geschlafen, nicht besonders gut, aber immerhin, und sie weckt mich auf. Was soll das?
„Du hast geredet und hast mich fast aus dem Bett geschmissen…“, erwiderte sie besorgt, „du bist auch ganz verschwitzt! Hast du Fieber?“
„Blödsinn!“
Er schnaubte. Er hatte seit seinem Fast- Tod kein Fieber mehr gehabt, und wenn er es hätte, würde er es wohl merken. Er würde sich schlapp fühlen, Kopfschmerzen, zu heiß haben und seine Kopfhaut würde außerdem vor lauter Schweiß jucken. Er kratzte sich am Kopf.
„Bestreit es nicht! Hast du irgendwo einen Fiebermesser?“
Langsam rappelte sie sich auf und ging ins Bad, um erstmal alle Schränke zu durchwühlen.
„Gretchen, mir geht’s gut, und jetzt komm wieder her. Es ist mitten in der Nacht“, brummte er und rieb sich die Schläfe.
Es geht mir zwar überhaupt nicht gut, aber wenn sie die ganze Zeit vor Sorge um mich hier herumwuselt, dann krieg ich noch mehr Kopfschmerzen…
„Ich seh doch, dass es dir nicht gut geht! Verkauf mich nicht für dumm. Wo ist denn dieser verdammte Fiebermesser??“
„Ich hab keinen!“, rief er genervt.
Sie kam zurück, die Hände in die Hüften gestemmt, mit zerzausten Haaren und müdem Blick. Trotzdem war sie noch sexy. Und da er offensichtlich sehr hohes Fieber hatte, bekam er auch gleich Halluzinationen.

Plötzlich standen an der Stelle, an der Gretchen gerade noch gewesen war, zwei Weltstars, die verschiedener nicht sein konnten: Hilary Duff- sie sah aus wie ein Engel, ihre blonden Haare strahlten und waren gelockt, sie trug außerdem ein weißes Kleid, das sehr gut zu ihr passte; und George Clooney, er sah sehr provokant aus mit seinem schwarzen Designeranzug und den geleckten Haaren. Sie lächelte ihn freundlich an und George grinste über beide Ohren. Was wollten zwei Stars in seiner Wohnung?? Plötzlich stank es nach Schwefel.
„Na, Meier?! Wie läuft’s denn so?“, fragte George.
„Alles…okay“, erwiderte Marc immer noch verwirrt durch den Anblick, der sich ihm bot.
„Okay ist gut! Also, dass du einmal so ein Waschlappen sein wirst, hätte ich nicht von dir gedacht!“, rief er nun und lachte laut.
„Bitte??!“, erwiderte Marc entrüstet. Er und ein Waschlappen??
Nun klinkte sich auch Hilary in das Gespräch ein, aber zuvor zischte sie George noch zu, dass er die Klappe halten solle. Dann drehte sie sich wieder mit einem bezaubernden Lächeln zu Marc um und begann mit zuckersüßer Stimme zu sprechen: „Marc! Wir sind in Gottes Auftrag hier!“
„Ja, du vielleicht, ich bin in meinem eigenen Auftrag hier! Ich sag dir, der wird sich schon wieder mir zuwenden, wart’s ab“, unterbrach George.
„Hör schon auf! So kommen wir nicht weiter!“, sagte sie und die beiden Stars begannen eine Diskussion. Marc verstand nur Bahnhof. Gottes Auftrag?? Waren die zwei bei einer Filmpremiere abgehauen, hatten Drogen oder sonstigen Kram genommen, und in seine Wohnung eingestiegen? Erklären konnte er es sich jedenfalls nicht, und das merkte auch Hilary, die nach kurzer Zeit die Zeterei von George einfach ignorierte.
„Ich bin Gottes Botin, ein Engel, und der da…“, sie schaute abschätzig auf George, „…der da ist in Satans Auftrag hier!“
„Ich bin nicht in Satans Auftrag hier, ich BIN der Satan. Warum glaubt mir das keiner??“
„Vielleicht, weil du in der Gestalt von George Clooney rumläufst? Das ist doch total unglaubwürdig!“
„Was kann ich denn dafür, wenn mir keiner eine Seele samt Körper für eine Nespressomaschine verkaufen wollte, außer er!“
„Du bist wirklich noch nicht lange im Geschäft. Der Teufel davor, der zurückgetreten ist, hatte zumindest Ahnung von seinem Job!“
„Gott, verdammt!“, rief er nun laut. Er hatte diese Diskussion so satt, und Gott schien das Gleiche zu denken, denn er schickte den Beiden Blitze vom Himmel.
„Vergib mir, Gott“, sagte Hilary und machte ein Kreuzzeichen, bevor sie mit leiser Stimme fortfuhr: „Könntest dich auch entschuldigen, dieses „verdammt“ hätte nicht sein müssen“
„Jaja, sorry…“, meinte George wenig überzeugend.
Marc räusperte sich. Er war mehr als überfordert. Was sollte den Gottes Auftrag sein? Oder Satans? Von wem auch immer…
Nun wandte sich der Engel ihm erneut zu und begann zu erklären.
„Gott will, dass du aufhörst mit deinem ständigen Hin und Her. Entscheide dich, es wird dir sicher leichter fallen, als du denkst!“
„Was soll ich denn entscheiden?“, fragte Marc vorsichtig.
„Das, was dein Herz dir sagt!“, ermutigte sie ihn. Aber er verstand immer noch nicht.
„Kannst du mal aufhören in Rätseln zu sprechen? Der Arme versteht dich nicht! Also…“, der Teufel wandte sich Marc zu, „Das heißt in klaren Worten: Entweder du erzählst deinem Hasenzahn die Wahrheit oder du lügst sie weiterhin an. Gott wird beim Lügen zwar sauer und schickt dich für immer zu mir, aber ich hätte ja nichts dagegen, einen wie dich könnte ich immer gebrauchen!“
Der Teufel alias George Clooney wollte ihm Angst machen, aber Marc hatte zu seinem Erstaunen kein bisschen Angst. Er war nur sauer.
„Was sollen denn die Spielchen? Ich werde wohl selbst entscheiden können, ob ich ihr die Wahrheit sage oder nicht. Geht irgendwo anders hin, ich bin nicht der einzige Lügner auf der Welt!“, sagte er und wollte sich wieder hinlegen, aber Hilary ließ ihn nicht.
„Aber du tust Gretchen weh!“
Schlagartig verkrampfte sich Marc. Ja, er wusste, falls er sie weiterhin anlügen würde, wäre sie sehr verletzt, aber sie machte es ja auch nicht besser.
„Denk sowas nicht!“, warnte sie ihn.
„Woher…?“
„Wir wissen alles. Alle deine schmutzigen kleinen Geheimnisse…“, sagte George und ließ sich in einem Sessel nieder. Es begann, verbrannt zu riechen.
„Das ist ein Designerstück!“, rief Marc empört und ging drohend auf Satan zu. Dieser grinste nur und stand wieder auf. Triumphierend schaute er den Engel an.
„Ich sagte doch, er ist eher was für mein Fachgebiet“
Hilary verdrehte die Augen, bevor sie wieder Marc ansprach: „Sie ist schwanger, im Moment kannst du dir nicht diese Ausrede geben. Und sie hat dich immer nur verletzt, wenn du sie verletzt hast.“
„Das stimmt nicht!“, kam prompt die Antwort.
„Ein sehr plumper Versuch sich rauszureden“, meinte der Teufel. Der Engel warf ihm einen vernichtenden Blick zu, und im selben Moment kamen wieder die Blitzte. Hilary horchte auf.
„Gott will, dass wir uns beeilen!“, sagte sie.
„Ich versteh immer noch nicht ganz, was ihr von mir wollt“, erklärte Marc, während er sich wieder aufs Bett setzte.
„Das hab ich doch schon gesagt! Du sollst dich entscheiden!“, sagte der Engel mit einem vorwurfsvollen Unterton.
„WAS SOLL ICH ENTSCHEIDEN???!“, schrie er nun. Sein Geduldfaden riss mit jeder Sekunde ihrer Anwesenheit mehr.
„Beruhige dich, Alter!“, meinte der Satan ruhig und sagte zu dem Engel: „Ich glaube, wir müssen Taten sprechen lassen!“
Hilary sah ein wenig verwirrt aus, aber als der Satan es ihr erklärt hatte, verstand sie. Sie fragte Gott, ob er einverstanden sei, und kurz darauf ertönten Schritte. Stöckelschuhe.


PPS: Hab mich ein bisschen von "Jesus liebt mich" inspirieren lassen(George Clooney als Satan )...will hier ja keine Schleichwerbung machen, aber wers nicht gelesen hat, dem kann ichs nur empfehlen...^^ Hatte viel Spaß beim Lesen...
Nächstes Mal gehts damit weiter...

Sophiee^^ Offline

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31.08.2011 15:35
#54 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Marc sah sich um, aber nirgendwo sah er eine Frau in Stöckelschuhen. Plötzlich war seine Wohnung in ein gleisendes, rotes und weißes Licht getaucht, als die Schritte näher kamen. Der Boden und die Decke hinter dem Engel und dem Teufel öffneten sich und zwei Frauen stiegen herauf und herunter. Marc konnte sie jedoch nicht sehen, da sie sich hinter seinen zwei Besuchern versteckten.
„Okay. Entscheide dich einfach für eine von den beiden“, sagte Hilary und sie ging auf die Seite.


http://www.youtube.com/watch?v=mLSvN1jXuJE (Katy Perry-ET)

Hinter ihr stand Gretchen. Sie war wunderschön. Ihre Locken flossen ihr glänzend über die Schulter und sie schien von innen heraus zu strahlen. Sofort fühlte er sich sicher und geborgen, er fühlte sich gut, und das nur bei ihrem Anblick.
Er wollte sich ihr Gesicht einprägen, Zentimeter für Zentimeter. Ihr roter, sinnlicher Mund, ihre leicht geröteten Wangen und ihre kleine Nase. Die Stirn, die Ohren, der Haaransatz, der Hals… er betrachtete alles, aber er traute sich nicht, ihr in die Augen zu schauen, aus Angst vor deren Wirkung.
Sein Blick wanderte weiter nach unten. Jetzt erst verstand er, dass sie nur weiße Unterwäsche trug. Er schluckte und versuchte den verräterischen Laut, der aus dem tiefen Inneren seines Körpers kam, zu unterdrücken. Sie sah aus wie ein Engel, der zweite, mit dem er heute zu tun hatte. Und dann auch noch einer in Unterwäsche… das brachte seine Männlichkeit wohl besonders stark hervor. Er betrachtete ihre Kurven und ihm schoss das Blut in die Leiste.
Ein wenig peinlich war das ihm ja schon, der Teufel grinste wieder so blöd und Hilary versuchte, ein Lachen zu unterdrücken. Warum zum Teufel…oder...äh… warum in Gottes Namen hatte sie nur Unterwäsche an?! Wollte man ihn absichtlich quälen? Diese Versuchung konnte doch nicht einfach von Gott kommen… vielleicht träumte er das nur. Er blinzelte. Nein. Kein Traum. Er ließ tolle Kurven tolle Kurven sein und sah wieder weg und dann sah er sie. Ihre Augen.
Blau und klar wie das Meer der Karibik. Eigentlich nur zum versinken da, und das tat er auch sofort.

Vor seinem inneren Auge sah er ein Häuschen an einem See, zwei Jungs tollten auf einer Wiese herum und er sah sich selbst, etwas älter, aber immer noch gutaussehend, wie er sie stolz dabei beobachtete. Marc hatte eigentlich immer Angst vor einer Familie, aber als er die beiden sah, überkam ihm ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Liebe. Ja, das musste sie sein, bei Gretchen hatte er es ja auch immer gespürt.
Apropos. Wo war Gretchen überhaupt?
Marc drehte sich zum Häuschen um und schritt auf die Eingangstür zu. Kurz zögerte er noch, aber als er tief eingeatmet hatte, trat er entschlossen ein. Und da war sie auch schon. Gretchen. Gab es einen schöneren Namen auf dieser Welt?
Ihr Anblick war ganz anders als der von vorhin. Sie war noch schöner, auch schon ein bisschen älter, und sie hielt ein Baby im Arm. „Ein Mädchen“, schoss es ihm durch den Kopf, und er sah es schon vor sich aufwachsen. Die Kindheit, dann die Pubertät,… aber er dachte immer nur an die schönen Dinge in diesen Zeiten, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass es mit einer Frau wie Gretchen und mit ihren gemeinsamen Kindern schlimme Zeiten geben konnte.
Am liebsten hätte er die beiden noch länger betrachtet. Gretchen hatte ihn so schön angestrahlt…

Auf einmal hörte er ein Schnipsen und er war wieder in seiner Wohnung. Er blinzelte verwirrt.
„Was ist los?“, fragte er.
„Wir haben keine Zeit für deine Träumereien. Jetzt kommt das Gretchen, das ich für dich hab“, sagte George und trat beiseite.
„Nicht nötig, ich nehm…“, wollte Marc sagen, aber dann stockte er.
Vor ihm stand das Sinnbild einer Frau, Gretchen, total sexy.
Sie stand da, in einem roten Dessous und sah ihn verführerisch an. Ihre offenen Haare sahen besonders weich aus und er wollte sie nur noch zwischen seinen Fingern spüren, aber er war zu abgelenkt vom Rest ihres Körpers. Sie strahlte ebenfalls, aber sie strahlte Gefahr aus, Risiko. Er liebte das Risiko. Und auf einmal war er sich nicht mehr so sicher, welches Gretchen er nehmen sollte.
Dieses Rot… für sie würde er seine Seele zehn Mal verkaufen.
Er musterte sie von unten nach oben.
Ihre Füße steckten in High Heels, was sie viel größer machte, die Beine waren lang, ihre Haut war straff und es schummelten sich ein paar Kilos weg, auch wenn diese ihm nie etwas ausgemacht hatten. Ihr dünnes, fast durchsichtiges Höschen ließ ihn tief schlucken und er ging sofort weiter mit seiner Observation. Aber was er dann sah, ließ ihn noch mehr schlucken.
Ihre Brüste waren groß und prall. Aber wirklich, sehr groß und sehr prall. Er spürte, wie ihm das Blut nochmals in die Leiste schoss, und er musste einfach hinstarren. Widerwillig riss er den Blick nach einigen langen Sekunden los und schaute ihr in die Augen, die vor Verlangen loderten. Und wieder begann er zu träumen.

Er sah sie perfekt drapiert auf seinem Bett liegen. Es war um ihn geschehen, als sie ihm mit rauer, verführerischer Stimme dazu aufforderte, herzukommen.
Langsam stand er auf und nun sah er ihr ins Gesicht. Er war sich sicher: dieses Geschöpf konnte nicht von Erden stammen. Es war viel zu überirdisch… es hatte so viel von einem Teufel und war trotzdem einfach Gretchen.
Diese vollen Lippen, sie waren so sinnlich, er wollte sie nur noch auf seinen spüren. Ihre Haut schien so weich zu sein, sofort wollte er sie streicheln. Und dann noch diese Augen… blau und tief, geheimnisvoll. Er wollte alle Geheimnisse wissen, er ertrug die Unwissenheit nicht.
Aber Moment Mal! Was sollte er denn jetzt zuerst machen? Er konnte doch wohl kaum ihre Brüste packen, sie gleichzeitig hochheben, ihre Wange streicheln, sie küssen und ihr in die Augen schauen? Er war zwar multitaskingfähig, aber er hatte doch nicht zehn Arme! Das könnte er im Vertrag mit dem Teufel auf jeden Fall mit einbeziehen. Grübelnd sah er sie an und sie zog eine Schnute, weil er nicht näher gekommen war und sie nicht einmal angefasst hatte.
„Ich kann auch wieder gehen, wenn ich dir nicht gefalle…“, meinte sie, stand auf und drehte sich weg.
„NEIN! Bleib hier! Ich weiß doch nur nicht… was ich… ach Mensch!“
„Ja?“, fragte sie, drehte sich um und sah ihn hilflos dastehen, „was ist denn los, Süßer?“
„Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll!“, gestand er. Sofort lächelte sie ihn anzüglich an.
„Dann muss ich eben anfangen!“, sagte sie und schritt auf ihn zu. Er konnte sein Glück kaum fassen. Dieses kleine Teufelchen wollte doch tatsächlich mit ihm schlafen.

Und wieder dieses Schnipsen. Oh, er hasste es so sehr. Er verwünschte den Teufel, als er wieder in die „Wirklichkeit“ zurückgekehrt war.
„Nanana! Ich würd mal nicht so denken, ohne mich gäbe es dieses Wunderwerk gar nicht!“, tadelte ihn George.
„Und, was sagst du?“, fragte Hilary und sah ihn abwartend an. Unentschlossen schaute er immer wieder zwischen den zwei Traumfrauen umher, aber er konnte sich nicht entscheiden.
„Was genau entscheide ich denn damit?“, fragte er mit unsicherer Stimme. Über einen Vertrag mit dem Teufel war dann doch noch zu diskutieren.
Die Antwort kam gleich und war kurz und knapp.
„Du entscheidest, ob du das echte Gretchen anlügen…“, sie zeigte auf das Teufelchen, „oder ob du ihr die Wahrheit sagen sollst!“ Nun zeigte sie auf das Engelchen.
„Wir wollten dir die Entscheidung erleichtern, weil du zwischen Dinge sicher leichter entscheiden kannst als zwischen Lüge und Wahrheit“, erklärte George, „also such dir einfach eine von den beiden aus…“
„Aber es ist so schwer“
„Hör auf dein Gefühl!“, ermutigte ihn Hilary.
Auf sein Gefühl… sein Gefühl sagte ihm…Engelchen…nein, Moment…Teufelchen??! Ach, er wusste es einfach nicht. Und da er dieses Spiel langsam satt hatte, fragte er einfach nach, was ihm durch den Kopf ging: „Kann ich nicht beide haben??“
Hilary und George sahen sich an. Schließlich trat Hilary zu George und sie tuschelten miteinander, während Marc wieder die Gretchens musterte. Es ging nicht. Er konnte sich einfach nicht entscheiden…
Nach mehreren Minuten, in denen Marc immer wieder verzweifelt zwischen den Gretchens hin und her geschaut hatte, wandten sich die zwei Boten wieder ihm zu.
„Tut mir leid, dann können wir dir nicht helfen“, sagte Hilary und zuckte mit den Schultern.

Sophiee^^ Offline

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03.09.2011 20:09
#55 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

„Hä?“, gab Marc eine nicht sehr professionelle Antwort. Sie kamen von Gott, Gott konnte doch jedem helfen. Amüsiert blickte der Satan ihn an.
„Ich hätte echt gedacht, du wärst noch der Alte. Tja, da hab ich wohl mein Glück verspielt. Muss ich mir jemand anderen suchen, der mir die Seele verkauft. Und nicht vergessen- man sieht sich immer zwei Mal im Leben!“
Er zwinkerte Marc noch einmal verschwörerisch zu und kurz darauf war er zusammen mit seinem Gretchen verschwunden, und endlich konnte Marc wieder frei durchatmen. Diesen Schwefelgestank hätte er nicht mehr lange durchgehalten. Aber er war immer noch verwirrt.
„Was soll das heißen, ihr könnt mir nicht helfen?“, wandte er sich wieder dem Engel zu. Sie lächelte ihn freundlich an.
„Gott hat jedem Menschen den freien Willen gegeben, um die eigenen Fehler zu machen. Mit diesem Traum wollte er dir nur die Augen öffnen“
„Und das heißt jetzt was genau?“
„Das war nur ein Trick, er wusste, dass du beide haben willst. Dieser Traum sollte dir zeigen, dass du die beiden zusammen schon längst hast, nämlich dein echtes Gretchen, und etwas tun musst, um sie auch zu behalten“, drückte sie sich etwas klarer aus.
„Aber ich versuch doch schon alles! Was kann ich dafür, wenn ich das…nicht kann“, meinte er verzweifelt.
„Du schafft das! Du musst dich nur trauen… und dich öffnen“, machte sie ihm Mut.
„Das ist aber nicht so leicht!“, rief er.
„Jetzt hör schon auf, dich ständig aus der Schlinge zu ziehen! Du willst nur nicht, das ist dein Problem!“, regte sie sich etwas auf. Sie verstand ihn nicht, wie die meisten Menschen auch nicht. Sie fanden die Liebe ihres Lebens, und hatten nichts Besseres zu tun, als vor ihrem Glück wegzulaufen. Sie schüttelte den Kopf.
Seufzend ließ er sich in den Sessel fallen und kaute gedankenverloren an seinen Nägeln.
„Ich bin für so was einfach nicht geschaffen… ich kann nicht jeden Abend von der Arbeit zurückkommen, Gretchen einen Kuss geben und mit ihr zusammen den Jauch schauen… das… das bin ich nicht“
Sie seufzte. Und startete noch einen Versuch. Es war zwar wirklich sein Problem, aber zu jedem Problem gab es auch die passende Lösung. Und sie wollte ihm dabei helfen, diese zu finden.
„Ich glaube nicht, dass sie das von dir verlangen würde. Sie weiß, dass du das nicht bist. Und wenn ihr euch wirklich liebt- und das ist ja mal offensichtlich- dann müsst ihr euch nicht füreinander ändern. Ihr werdet euch lieben, wie ihr seid. Ein bisschen ändern muss man sich immer… und außerdem: niemand ist für’s Alleinsein geschaffen.“
Marc schnaubte nur.
„Was glaubst du, warum Gott die Liebe erschaffen hat??! Damit alle vor ihr weglaufen?! Jetzt versteh doch endlich!“, regte sie sich noch mehr auf. Dieser Sturkopf war einfach unmöglich.
„Ich versteh doch auch nicht, wieso er sie erschaffen hat… wenn sie kaputtgeht, dann geht es einem schlechter als vorher! Was soll da der Sinn dabei sein?!“
„Das musst du alleine rausfinden“, sagte sie nun etwas versöhnlicher. Marc kaute immer noch auf seinen Nägeln, bemerkte es und ließ es ärgerlich bleiben. Er hatte noch nie Nägel gekaut, und das sollte sich jetzt ändern? Wieso hat Gott eigentlich sowas wie die Nervosität erfunden? Kriegt man eh nur abgebissene Nägel davon…noch schlimmer als die Liebe, echt!
„Wieso gehst du dann nicht?! Du kannst mir sowieso nicht helfen“, sagte er mehr zu sich selbst als zu Hilary. Er hing immer noch seinen Gedanken nach.
„Ja, stimmt, ich kann dir nicht helfen, DU bist der Einzige, der dir helfen kann. Ich werde jetzt gehen- aber denk daran, was ich dir gesagt habe!“
Sie verschwand mit ihrem Gretchen und plötzlich wusste Marc, was er zu tun hatte. Er musste um sein Mädchen kämpfen, bevor sie ihm noch davonlief.




Was ist denn mit dem los? Der ist ja komplett weg. In einer anderen Welt. Mannomann. Und er hat noch nicht einmal einen Fiebermesser? Hallo, jeder hat einen Fiebermesser!!
Okay, dann muss es eben ohne gehen…

Gretchen ging auf Marc zu, der immer noch nicht in der Wirklichkeit zurück war, und probierte alles aus. Sie kniff ihm in die Wange, rief immer wieder seinen Namen, sie setzte sich sogar auf ihn drauf. Aber nichts. Wenn er die Augen nicht offen gehabt hätte, hätte sie gedacht, er wäre ohnmächtig geworden. Irgendwann reichte es ihr, sie ging ins Bad, füllte eine Schüssel mit warmem Wasser und kam wieder zurück. Sie seufzte.
Ein Versuch noch…
„MARC OLIVIER!!!!“, schrie sie, aber er zuckte nicht einmal mit der Wimper.
Meine Güte, jetzt ist es nicht mehr normal. Ich muss ihn gewaltsam aufwecken, aber er hat doch Fieber… ich kann doch nicht einfach…
Sie holte noch einmal tief Luft, hielt die Schüssel über Marcs Kopf. Kniff die Augen zu- und schüttete das Wasser aus.
Nun bewegte er sich endlich wieder, und er schrie auf.
„Spinnst du?“, schrie er sie an.
„Jetzt hab dich mal nicht so! Du warst fast fünf Minuten weg! Ich hab mir Sorgen gemacht“, verteidigte sie sich gleich.
„Du hättest mich auch anders wecken können“, brummte er wütend und stand auf.
„Hab ich doch, aber du hast nie reagiert! Reg dich doch nicht so auf“, sagte sie und stützte ihn, als er auf dem Weg ins Bad immer wieder bedrohlich schwankte.
„Gretchen, es ist mitten in der Nacht, und du schüttest mir Wasser über den Kopf! Ich glaub das ist ein Grund, mich aufzuregen“
„Sag mal, hast du gehört, was ich gesagt hab? Du warst fünf Minuten lang weg, ich hab dich sogar gekniffen und du hast es nicht gemerkt“
Beleidigt zog sie eine Schnute.
Man, was hätte ich sonst machen sollen? Ihm dabei zuschauen, wie er immer weiter in seinen Traum versinkt?
Marc sah die Schnute, sogar doppelt, denn es ging ihm zwar besser, aber er fühlte sich immer noch schwach. Sofort tat es ihm leid, und er erinnerte sich daran, was er sich im Traum vorgenommen hatte.
„Tut mir leid, aber es geht mir nicht gut. Brauchst nicht beleidigt zu sein, hab’s nicht so gemeint… vielleicht hab ich das Wasser wirklich gebraucht…“
Die letzten Worte flüsterte er nur, sie hatte sie nicht gehört, aber sie war froh, dass er nicht wirklich sauer war. Er nahm sie in den Arm, aber sie löste sich gleich wieder.
„Du bist heiß!“, sagte sie und wurde sich erst später der Zweideutigkeit dieses Satzes bewusst. Marc hatte allerdings einen Spaß daran, sie ein bisschen aufzuziehen.
„Danke Hasenzahn, ich weiß“, sagte er und grinste.
„Du Blödmann!“, rief sie und boxte ihm lächelnd gegen den Arm. Er lachte ebenfalls und verschwand im Bad. Dort wo er gestanden hatte, hatte sich eine kleine Pfütze gebildet.
Gretchen schüttelte ihre Hand, die etwas schmerzte.
Mein Gott, wusste nicht, dass seine Muskeln so weh tun… mist, mist…
Sie holte sich ein Geschirrtuch aus der Küche. Gedankenverloren wischte sie den Boden.
Marc war total neben der Spur gerade. Was er wohl gedacht hat? Ich würde es so gerne wissen…
In letzter Zeit ist er aber öfters so in Gedanken versunken, so wie vorhin, als ich ihn gebeten habe, mir sein Geheimnis zu verraten. Es war doof von mir, ihn so unter Druck zu setzen. Ich glaube, es ist schlimm, sonst würde er nicht so ein großes Ding draus machen, alles zu vertuschen. Dagegen sind meine „Geheimnisse“ gar nicht so schlimm…
Oh man, ich war wirklich blöd. Kein Wunder, dass er so misstrauisch ist und mir nicht vertraut. Ich mach es ja nicht anders, will alles über ihn wissen… der Arme ist sicher total verunsichert.
Marc und verunsichert? Naja, kann man sich nicht gut vorstellen, aber er hat sich ja auch verändert. Zum Glück. Dieses ständige Macho- Gehabe hätte ich nicht mehr lange ausgehalten. Jetzt weiß ich, dass er es nicht so meint. Das hoffe ich zumindest.
Und für ihn muss ich mich auch ein bisschen verändern. Ich darf nicht mehr misstrauisch sein, nicht mehr neugierig und vor allem sollte ich versuchen, ihn nicht zu nerven. Es kann nämlich genauso schnell wieder zu Ende sein, wie es angefangen hat.
Ach, wieso kann es nicht einfach einfach sein? Ohne diese ganzen Probleme wäre es viel schöner… aber ich bin ja irgendwie die einzige, die Probleme macht. Ich hab Mary angeschrien, Marc emotional unter Druck gesetzt, obwohl ich weiß, dass die beiden keine Schuld an ihrer Situation hatten. Mary war sauer und enttäuscht von Christoph und Marc war besorgt, weil ich verheult mitten in der Nacht in seiner Wohnung auftauche.
Er war besorgt? Und ist es immer noch?? Bin ich wirklich so blöd?? Mist. Ich hätte ihm doch alles sagen können… ich mach das auch, jawohl…gleich morgen…
…oder doch erst übermorgen? Man muss ihn ja nicht strapazieren, er ist krank. Eifersucht beschleunigt die Heilung nicht… ja, ich glaube, ich warte noch…

„Hasenzahn, der Boden ist jetzt sauber genug!“, holte Marc sie aus ihren Gedanken. Sofort war sie wieder da und merkte, dass sie immer noch schrubbend auf dem Boden saß. Etwas unbeholfen stand sie auf und lächelte verlegen. Was für ne peinliche Situation.

Kommentare zur Story von Sophiee^^ (12)

Sophiee^^ Offline

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06.09.2011 13:58
#56 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Ich würde mir ein bisschen mehr Feedback wünschen... bin im Moment nicht sehr motiviert. Hab zwar genug Ideen, aber die Umsetzung scheitert...

Tja, genug geheult jetzt. Vielen Dank an Miriam, Nicki662, Chiara und Amira
Ihr seid die Besten!


„Und, geht’s schon besser?“, fragte sie und sah, dass er sich die Haare ebenso wie den Oberkörper getrocknet hatte.
„Hm, geht so“, meinte er wenig begeistert, „ich will einfach nur ins Bett“
Schlechte Idee. Das Bett ist nass.
„Ähm… das Bett ist nass“
„Deine Seite aber nicht“, sagte er und legte sich auch gleich dorthin.
„Und wo soll ich schlafen?“, fragte sie.
„Ich glaube, wir müssen ganz eng zusammenrücken!“, erwiderte er und grinste sie an.
„Marc, das geht nicht. Wir könnten nie schlafen“
„Wieso denn nicht?“
„Du hast Fieber, und wenn wir ‚ganz eng zusammenrücken‘ ist es noch heißer“
„Mach es nicht komplizierter als es ist und komm her!“, befahl Marc, „Ich hab doch eh kein Fieber mehr“
Gretchen tapste immer noch nicht überzeugt zu ihm rüber und fasste ihm an die Stirn.
„38,1“, sagte sie, „du hast noch Fieber“
Verblüfft fragte er: „Woher willst du das so genau wissen?“
„Von den Bundesjugendspielen“, erklärte sie.
Gretchen, du sollst doch erst überlegen, bevor du etwas sagst! Jetzt will er bestimmt wissen…
„Von den Bundesjugendspielen?“, wiederholte er skeptisch, aber er konnte sich schon denken, was sie meinte.
„Ja,ähm… ich war nie wirklich krank. Ich hab immer den Fiebermesser im Tee erwärmt, und davon weiß ich das eben…“, sagte sie verlegen und er lachte. Sie war einfach zu süß für diese Welt.
„Gretchen, du bist süß“, rutschte es ihm raus und sofort lächelte auch sie.
„Im Ernst?“, fragte sie nochmal.
„Ähm… also… ich hab Fieber!“, versuchte er sich zu rechtfertigen, aber Gretchen grinste wie ein Honigkuchenpferd. Marc seufzte innerlich. Er brachte sich immer mehr in peinliche Situationen, weil er aussprach, was er dachte. Am besten zwei Mal überlegen.
„Du bist auch süß!“, sagte sie und kuschelte sich nun doch an ihn.
„Bin ich gar nicht“, protestierte er leise, aber die Frau in seinen Armen war schon eingeschlafen und kurz darauf schlief er auch selig lächelnd ein.

Piep. Piep. Piep.
Was ist das? Verdammt, ich will schlafen!
Piep. Piep. Piep.
Halt die Klappe, blöder Wecker!
Piep. Piep. Piep.
„Marc, mach den blöden Wecker aus!“, nuschelte sie. Keine Antwort.
Sie öffnete die Augen. Es war schon Morgen.
Oh mein Gott… Das war vielleicht ne Nacht!
Es ist erst acht Uhr, ich will WEITERSCHLAFEN!

„MARC, MACH DEN BLÖDEN WECKER AUS!“, rief sie und zog sich die Bettdecke über den Kopf, da sie zu kalt hatte.
Zu kalt?? Moment, hier stimmt was nicht. Ich hatte doch die ganze Nacht zu heiß. Und das nur, weil Herr Oberschlau mich überreden konnte, bei ihm zu schlafen, obwohl er Fieber hatte. Und das wiederum, weil er so süß zu mir war. Ja, er war wirklich süß. Wie er rumgestammelt hat, nachdem er mir gesagt hat, dass ich süß bin. Er findet mich süß. Hach, ich liebe dieses Wort. Süß.
Okay, ich bin von Thema abgekommen. Zurückspulen. Ich hatte zu heiß. Jetzt hab ich zu kalt. Hm. Wieso hatte ich zu heiß? Ach ja, weil Marc Fieber hatte.
Ach so, mein Hitzepol ist nicht da. Aber wo ist er dann?

Gretchen lugte unter der Bettdecke hervor, und er war wirklich nicht da. Der Wecker hatte inzwischen Ruhe gegeben, aber sie stand trotzdem auf und wickelte sich die Bettdecke um den Körper. Verschlafen rieb sie sich noch einmal die Augen und ging auf die Tür zu. Sie öffnete sie und trat ins Wohnzimmer. Aber nichts.
„Marc, bist du da?“, rief sie. Immer noch keine Antwort. Gretchen ergriff die Panik.
Oh mein Gott. Er wurde entführt. Er ist verletzt. Liegt im Straßengraben. Sein Auto ist geschrottet. Er ist tot. Tot.
Nein, Gretchen, ganz ruhig, es geht ihm sicher bestens. Aber wo ist er, verdammt?

„MAAAAAAAAAAAAAAARC???!“, schrie sie panisch und hörte gleich darauf ein Poltern und einen unterdrückten Fluch. Erst jetzt bemerkte sie die Wurst aus Mensch und Decke, die gerade vom Sofa gefallen war.
„Man, Hasenzahn, dein Rumgekeife macht meine Kopfschmerzen auch nicht besser…“, brummte er und hielt sich den Hinterkopf, der am Boden aufgeprallt war.
Scheiße, ist das peinlich. Wieso hab ich denn nicht auf das Sofa geachtet? Was soll ich denn jetzt sagen? Am besten gar nichts. Ja, das ist ne gute Idee.
Stille herrschte. Marc verzog sich wieder aufs Sofa und versuchte, weiterzuschlafen. Er hatte frei und es ging ihm beschissen. Eigentlich wollte er sich heute auf das Gespräch mit Gretchen vorbereiten, aber das sollte wohl einfach nichts werden. Er konnte ja nicht einmal mehr Wirklichkeit von Traum unterscheiden, deshalb hatte er ja auch auf dem Sofa geschlafen… Sein Traum spukte ihm immer noch im Kopf herum, und die Träume in seinem Traum ebenfalls. Was sollte er denn machen, wenn er Gretchen so sehr wollte und dann auch noch auf engstem Raum neben ihr liegen musste?
Eigentlich wollten wir ja reden. Über sein Geheimnis. Und über meins. Aber ich glaub, das ist nicht so ratsam, sonst bekommt er noch größere Kopfschmerzen… mein armer Marc…ich kann ihm nicht mal einen Tee kochen, weil ich Dienst hab und mit Dr. Reiner operieren muss…
Mist! Ich muss mit Dr. Reiner operieren? Und was ist mit dem Kuss? Und mit Mary?
Ich ziehe auf jeden Fall ein Gespräch mit Marc vor… ich will schwänzen. Aber wie kann ich ihm klarmachen, dass ich den Dienst schwänzen will? Freinehmen kann ich mir so kurzfristig nicht mehr… Ich würde mich ja krankschreiben, aber aus welchem Grund?

Marc hatte auch bemerkt, dass sie grübelnd im Raum stand. Er konnte sich einfach nicht aufs Schlafen konzentrieren, wenn sie im gleichen Raum stand. Zum Glück hatte sie die Bettdecke um ihren Körper geschlungen, sonst könnte er für nichts garantieren.
Oh Mist, wenn ich nicht bald anrufe, krieg ich noch mehr aufs Dach. Streng dich an, Gretchen, du brauchst diese Ausrede… ich will Mary nicht sehen, geschweige denn Dr. Reiner, der an dem ganzen Schlamassel schuld ist. Denk nach!!!
Angestrengt durchwühlte Gretchen jede Ecke ihres Gehirns, aber ihr wollte keine Ausrede einfallen. Sie selbst war nicht krank, das wusste Marc. Also ging das schon mal nicht. Wenn sie schwänzte und einfach einen Stadtbummel machte? Nein, das war nicht ihr Stil. Gut, schwänzen im Allgemeinen war nicht ihr Stil… vielleicht sollte sie doch einfach zum Dienst erscheinen, das Chaos mit Marc hatte sie ja auch jedes Mal mehr oder weniger heil überstanden.
Seufzend ging sie wieder ins Schlafzimmer um sich anzuziehen. Sie hatte nur die Sachen von gestern, aber in der Umkleide hatte sie noch genug Klamotten. Kurz darauf kam sie angezogen und frischgemacht wieder ins Wohnzimmer, wo Marc immer noch auf dem Sofa lag und sich stöhnend den Kopf rieb. Plötzlich kam Gretchen eine Idee, wie sie doch nicht zum Dienst erscheinen musste.
Das ist es! DAS IST ES! Ich muss mich um Marc kümmern. Genau. Er schafft es ohne mich nicht. Ich schwindle einfach ein bisschen bei der Höhe vom Fieber… ich glaub, er hat nur noch leichte Temperatur. Jetzt stellt sich die Frage, wie ich Marc das erklären soll… vielleicht freut er sich ja, wenn ich mich um ihn kümmern will.
„Geht’s dir jetzt besser?“, fragte sie erst einmal vorsichtig nach.
„Ne, überhaupt nicht“, sagte er leise und versuchte das Pochen in seinem Kopf zu ignorieren. Gretchen musste einen Freudenschrei unterdrücken.
„Ach, du Armer!“, seufzte sie gespielt besorgt und sofort wurde sie misstrauisch beäugt. „Soll ich dir vielleicht einen Tee machen?“
„Ich hab keinen Tee hier“
„Dann hol ich eben einen, hier um die Ecke ist doch ein Café“, meinte sie und wollte schon losrauschen, als Marcs Stimme sie zurückhielt.
„Ich find’s ja nicht schlimm, dass du dein Helfersyndrom dieses Mal bei mir einsetzen willst, aber hast du nicht Dienst?“

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09.09.2011 12:43
#57 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Mädels!

Vielen vielen Dank für die Kommis!

So, jetzt kommt ein neuer Charakter dazu. Sagt mir, was ihr von ihr haltet... und behaltet immer die Zeichen im Auge!


Mist. Wieso kann sein scharfer Verstand nicht einmal lahmgelegt sein? Ich mein, er hat Kopfschmerzen, da kann ich nie klar denken. Kann er mir nicht ein bisschen ähnlicher sein, zumindest jetzt?
„Ähm… ja, aber es sind keine OPs, deshalb dachte ich, ich nehm mir frei, um mich um dich zu kümmern“, log sie nicht sehr überzeugend.
„Also erstens war gestern der OP-Plan voll, vor allem mit deinem Namen, zweitens brauch ich niemanden der sich um mich kümmert, ich bin Arzt, und drittens bist du eine beschissene Lügnerin!“
Man, das weiß ich doch auch. Ich kann nicht lügen und ich muss heute den ganzen Tag arbeiten…mist.
„Aber… ich will mich um dich kümmern“, meinte sie trotzig.
„Du machst alles nur noch schlimmer“
Seufzend stand er auf und schlurfte in die Küche, um sich einen Kaffee zu machen. Als er zurückkam und sie immer noch in seiner Wohnung stand, versuchte er nochmal, ihr klarzumachen, dass er keine Hilfe brauchte.
„Hör mal, ich weiß, du willst die ganze Zeit nur bei mir sein, aber du hast Verpflichtungen. Verpflichtungen, die du selbst eingegangen bist, du wolltest das Fellowship ja unbedingt haben, und jetzt willst du mir sagen, dass du den Dienst schwänzen willst, um dich um mich zu kümmern? Was ich nebenbei so gar nicht brauche…“, erklärte er seine Sichtweise und nippte an seinem Kaffee. So langsam schärfte sich sein Verstand immer mehr.
„Ich will den Dienst nicht schwänzen! Ich will doch nur, dass es dir gut geht!“, protestierte sie. Jedoch mit wenig Erfolg.
„Wenn du willst, dass es mir gut geht, dann nerv mich nicht die ganze Zeit“, brummte er und starrte betrübt in seinen Kaffee. Koffein machte die Kopfschmerzen nicht besser, und so langsam fragte er sich, ob er nicht doch das Angebot vom Tee hätte annehmen sollen.
Oh nein! Schutzpanzer bröckelt! Scheiß Schwangerschaftshormone…
„Na gut, dann geh ich eben…“, meinte sie ein wenig traurig, da Marc sie wieder so gemein angeraunzt hatte. Aber das ließ er nicht auf sich sitzen. Er wollte nicht, dass sie traurig aus seiner Wohnung ging. Sonst würde sie vielleicht nie wieder kommen und mit Frank durchbrennen auf irgendeine noch nicht entdeckte Südseeinsel und fünf Kinder bekommen und er würde für den Rest seines Lebens unglücklich in den Kaffee starren. Er schüttelte den Kopf. Das Fieber war wohl immer noch nicht vergangen, wenn er solche kranken Gedanken hatte…
„Bitte sei nicht sauer… es geht mir einfach beschissen, okay? Ich will allein sein, du lenkst mich ab…“, versuchte er zu schlichten.
…und du nervst mich. Das wollte er wohl sagen. Aber ist eh nicht so schlimm, ich versteh ihn ja. Ich nerve mich selbst ja auch schon.
„Okay… Tschuldigung, dass ich nerve… ich weiß ich bin anstrengend, aber ich will die Leute heute einfach nicht sehen…“, sagte sie leise.
Sie nahm sich ihre Tasche, gab Marc noch einen Kuss auf seine heiße Wange und ließ ihn allein in der Wohnung zurück. Auf einmal wünschte er sich, er hätte sie nie fortgeschickt.

Dann mal ab ins Krankenhaus, auch bekannt als die neue Hölle von Gretchen auf Erden… naja, ich muss einfach professionell bleiben und mir nichts anmerken lassen… oh Gott… davon kann ich echt ein Liedchen singen…. Wann war ich denn schon einmal professionell? Ach, ich werde das schon irgendwie schaffen. Vielleicht kann ich dann nochmal mit Mary reden…NEIN…sie muss mit mir reden wollen!
Als sie vor der Haustür stand, musste sie feststellen, dass sie keine Ahnung hatte, wo sie war. Gestern war alles so dunkel gewesen und vor lauter Tränen hatte sie eh nicht gesehen, wo sie hingelaufen war.
Mist. Wie komm ich denn jetzt in meine Hölle?
Zurück zu Marc geh ich lieber nicht, er braucht Ruhe. Oh man, ich vermiss ihn jetzt schon. Ich seh ihn den ganzen Tag nicht…

Sie stand ein paar Minuten fieberhaft überlegend auf dem Bürgersteig, als sie jemand ansprach. Sie musste wohl sehr verloren aussehen.
„Entschuldigung, kann ich Ihnen helfen?“
Gretchen blickte auf. Vor ihr stand eine schlanke, gutaussehende Lateinamerikanerin, jedenfalls sah sie wie eine aus. Sie hatte lange, braune Haare, die in sanften Wellen bis kurz ober ihren Po fielen. Sie lächelte sie mit blitzend weißen Zähnen freundlich an und wartete geduldig auf eine Antwort.
„Ähm…ja, wenn man mir helfen kann?!“, antwortete Gretchen ein bisschen verlegen und lächelte ebenfalls.
„Wo wollen Sie denn hin?“, fragte sie und Gretchen erzählte ihr vom Krankenhaus und vom Oberarzt, der ihr den Kopf abreißen würde, wenn sie zu spät käme.
Die Frau lächelte und reichte ihr die Hand.
„Ich bin Maria, und ich weiß, wo dieses Krankenhaus ist. Ich wollte da auch gerade hin. Zufälle gibt’s!”
„Ich bin Gretchen“
Sie drückte ihre Hand kurz und sah sie dankbar lächelnd an. Maria lächelte ebenfalls. Aber plötzlich wurde ihr Blick ein bisschen verlegen.
„Gretchen… das kann ich nicht gut aussprechen…hast du vielleicht… noch einen Namen?“, fragte sie und strich sich eine braune Strähne hinters Ohr.
Okay, sie kann es echt nicht aussprechen… klingt wie Grätschn. Amerikaner!
„Mein eigentlicher Name ist Margarethe“, stellte die Ärztin sich nochmals vor, und ohne es wirklich zu merken, verbesserte sich ihre Laune durch Marias bloße Anwesenheit. Diese Frau hatte eine unglaubliche Ausstrahlung.
Ist wahrscheinlich Schauspielerin oder so was…
„Margarethe…“
Maria sprach den Namen so aus, als würde sie ein fremdes Gericht kosten, aber dann strahlte sie Gretchen mit unglaublich weißen Zähnen an.
„Ich nenn dich einfach Maggy, wenn das in Ordnung ist?“
Gretchen nickte.
Maggy… klingt zwar ein bisschen… ungewohnt, ist aber nicht schlimm. Gewöhn mich sicher dran.
Nach einigen Minuten Schweigen begann Maria mit Smalltalk.
„Du hast von einem Oberarzt erzählt“
„Ja, wenn ich zu spät komme, bin ich definitiv einen Kopf kürzer…“
Maria lachte herzhaft, Gretchen stieg schnell ein.
„Ich wusste ja gar nicht, dass mein Sweetie so eine crosspatch sein kann…“
Okay, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, war das irgendwas mit mein Süßer und… krosspätsch? Was isn das bitte?? Warum zum Teufel hat die einen Dialekt? Und wieso haben wir in der Schule nur britisches Englisch gelernt? Was soll uns das helfen, will ja niemand in England groß rauskommen, wenn er das auch in Amerika haben kann!!
Die zwei jungen Frauen unterhielten sich noch auf ihren Weg zum Krankenhaus, und, oh Wunder, sie erreichten es nach ungefähr 20 Minuten. Gretchen war gerade rechtzeitig gekommen, Dr. Reiner hatte die Visite aber schon alleine gemacht. Schien irgendwie heute in Workaholic- Stimmung zu sein, noch schlimmer als sonst…
Sie bedankte sich bei der Frau, die auch gleich über den Flur davonstöckelte und dabei mit ihrem Hintern wackelte. Auch wenn Maria es vielleicht nicht bemerkte, Gretchen fand, dass ihr erster Eindruck sie wie eine kleine Schlampe aussehen ließ. Ihr Outfit, wie sie auftrat, einfach alles äußerliche… aber bei den 20 Minuten, die sie zusammen verbracht hatten, waren sie sich auch schon ein bisschen nähergekommen, soweit das sprachlich möglich war. Sie waren halt Frauen!
Maria war nett, hilfsbereit und dauerfröhlich, ihre Lache war einfach ansteckend und sie hatte eine Teeny-Tochter. Wie verliebt sie ausgesehen hatte, als sie über ihren Sweetie gesprochen hatte, es war einfach zu süß gewesen und Gretchen hatte ihr auch ein wenig von Marc erzählt. Es tat ihr gut, mit Maria zu reden, mit Mary ging es ja im Moment nicht…
Maria ist echt sympathisch! Hab zwar nicht genau verstanden, wer ihr „Sweetie“ ist, aber das wird sie mir schon erzählen, sie ist ja so redselig... Ich bin ja sowas von froh, eine neue Freundin gefunden zu haben, bei Gigi will ich mich nicht immer ausheulen... Sie gibt mir immer so schlechte Ratschläge und ich kann ihr nicht mehr so wirklich vertrauen, nach der Sache mit Marc. Es ist etwas zerbrochen, wir sind zwar noch in Kontakt, aber mehr auch nicht... Hat man ja gemerkt, dass wir nicht mehr befreundet sind, das Telefonat von neulich war ja richtig peinlich...

„Hey Gigi, hier ist Gretchen!“
„Oh, hallo. Schön, mal von dir zu hören.“
„Und, wie geht’s dir so?“
„Ganz gut, danke. Und dir?“
„Ja, abgesehen von den Stimmungsschwankungen geht’s mir gut“
„Wieso denn Stimmungsschwankungen?“
„Ich bin schwanger“
Kurze Pause.
„Ah…Herzlichen Glückwunsch“
Peinliche Stille.
„Ich muss dann mal wieder. Tschüss!“
„Okay, tschüss.“


Kein Gekreische, kein Bombardieren mit Fragen, einfach nur „Herzlichen Glückwunsch“. War echt krank. Ich glaube, unsere Freundschaft existiert nicht mehr.
Ja, jedenfalls hoffe ich echt, dass das mit Maria klappt. Das lenkt mich sicher von dem Streit mit Mary ab... Oh Gott! Mary! Ich will sie nicht sehen,...
Was soll ich denn jetzt machen? Mit ihr reden? Ne, dann bekomm ich aufgequollene Augen vom Heulen... Vielleicht sollte ich ihr aus dem Weg gehen. Wird nicht einfach, unsere Schichten sind ja fast gleich...ich könnte sie auch ignorieren, aber so wie ich mich kenne, pack ich das eh nicht... Denk nach, Gretchen, deine Schicht fängt gleich an!
Jetzt weiß ichs! Wenn ich sie sehe, mach ich einfach das, was mir als erstes einfällt. Ganz spontan. Ja. Ich bin eine flexible Frau...

Gretchen sah auf die Uhr.
...die jetzt arbeiten muss!
Sie zog sich ihren Kittel über und betrat das Schwesternzimmer. Bis zur nächsten OP war noch viel Zeit. Auch wenn sie überhaupt keine Lust hatte, ihrem Chef zu begegnen, musste das jetzt sein. Sie war immerhin hier, um sich fortzubilden, nicht, um sich zu verstecken.
Wenn Marc doch bloß hier wäre! Ich vermisse ihn so... Das ist irgendwie komisch, hab ihn ja gerade erst gesehen...und er hat mich quasi rausgeschmissen... Manchmal bin ich so doof! Der Arme ist krank und ich hab nichts Besseres zu tun, als ihn zu nerven. Vielleicht sollte ich wieder zurück und mich entschuldigen...wo wohnt er nochmal?
Gretchen Grübeleien wurden von einem lauten, fröhlichen Lachen, das über den ganzen Flur schallte, unterbrochen. Neugierig trat sie hinaus, aber sie traute ihren Augen kaum.
Das ist jetzt nicht wahr, oder??!

Ich nehm gerne eure Spekulationen hier auf: Kommentare zur Story von Sophiee^^ (12)

Ich freu mich drauf!

Sophiee^^ Offline

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12.09.2011 18:58
#58 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Yeeeeei... der erste Schultag!
Und morgen schon die erste Stunde Latein...wird echt immer besser!

Tja, ich hoffe, eure Kommis können mich ein bisschen aufheitern??!

Viel Spaß mit Marc und seinen Problemchen...^^


Scheiße, wieso hab ich sie bloß weggeschickt? Sie wollte wegen mir den Dienst schwänzen und mich verwöhnen, und was tu ich? Super Meier, anstatt den bequemen Weg zu gehen kannst du dich jetzt langweilen. Wie ich das hasse!
Seufzend ließ Marc sich auf das Sofa nieder. Es ging ihm schon wieder viel besser, das Fieber war weg und die Kopfschmerzen konnte er jetzt einigermaßen ausblenden. Er musste einfach an etwas Schönes denken... Autos... Geld... Er als Chefarzt... Gretchen die zu Hause auf ihn wartete, zusammen mit ihren vier Kindern...
Vier Kinder??! Bist du nicht mehr ganz dicht? Schon genug, dass du bald EIN gefräßiges Maul zu füttern hast... Wenn es gefräßig ist...aber bei Hasenzahn als Mutter...Wie unser Kind wohl aussehen wird? Und was wird es überhaupt? Hoffentlich ein Junge, kann kein weiteres heulendes, Schokolade in sich reinstopfendes Monster vertragen...obwohl...wenn es ein so süßes Monster wie Gretchen wird, dann wären auch fünf davon nicht zu viel...
Gut, ich hab echt n Schuss. Jetzt wären wir schon bei fünf Kindern, und alles Mädchen. Ne Meier, so geht das nicht mehr weiter. Irgendwann bist du komplett verweichlicht...

Marc schüttelte den Kopf, in der Hoffnung, die Gedanken würden sich so in Luft auflösen. Das war natürlich nicht der Fall, zudem meldete sich wieder der Kopfschmerz. Er wollte den Fernseher einschalten, um die kommende Langeweile wieder zu vertreiben, aber er funktionierte nicht. Er überprüfte alle Kabel und Anschlüsse, aber er fand das Problem nicht.
„Scheiß Teil“, rief er verärgert und gab ihm einen Tritt. Auf einmal fing der Fernseher an zu rauchen und Marc war nun endgültig bewusst, dass das ein scheiß Tag war. Aber es sollte noch schlimmer kommen.
Er gab dem Hausmeister Bescheid, musste sich dessen Schimpftirade anhören und wurde von ihm dann wütend zurück in seine Wohnung geschickt, da Marc sich einen Spruch nicht verkneifen konnte. Wieder auf dem Sofa angekommen erwarteten ihn die "schlimmen" Gedanken- und die Langeweile.
Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde es jedoch interessanter, da ein Handy piepste. Und es war nicht seines, sondern Gretchens. Anscheinend hatte sie es vergessen. Verstohlen schaute er auf die Küchentür, hinter der sich ihr Handy verbarg.
Hm...ein bisschen Ablenkung kann nie schaden...und Gretchens Handy ist sicher voller Geheimnisse...
Langsam erhob er sich, ebenso langsam schritt er auf die Tür zu und öffnete sie. Er sah es auf dem Tisch liegen.
Wie kommt es denn hierher? War Gretchen in der Küche? Gleich weiß ich es...
Marc lugte in den Kühlschrank und tatsächlich: Der Schokoladenvorrat, den er extra für Gretchen angelegt hatte, war weg. Er musste lächeln. Das war typisch sein Mädchen!
Bevor er sich wieder seiner Neugier widmen konnte, klingelte es nochmal. Dieses Mal war es sein Handy. Genervt kehrte er wieder ins Wohnzimmer zurück und schaute auf das Display.
Och nee, was will meine Mutter denn jetzt? Ich hab kein Bock auf ihr Geschwafel über Dr. Rogelt!
Marc beschloss, seine Mutter zu ignorieren und Gretchens Handy nicht zu lange alleine zu lassen. Seines pfefferte er wieder zurück aufs Sofa, was es nicht davon abhielt, munter weiterzuklingeln. Kurz herrschte Ruhe, aber seine Mutter ließ nicht locker.
Boah, was soll das? Ich geh lieber dran und wimmel sie ab, sonst hab ich nie meine Ruhe!
„Meier“, kläffte er in sein Blackberry.
„Marc Olivier, es ist etwas Schreckliches passiert!“, sagte seine Mutter theatralisch.
Bitte nicht! Kann ich jetzt gar nicht haben...früher hatte sie für ihre Probleme nen Therapeuten...kann ihn verstehen, dass er seine Identität gewechselt hat und nach Südamerika ausgewandert ist!
„Mir geht’s beschissen, danke der Nachfrage“, sagte er trocken.
„Ich habe keine Zeit für solche... Wieso geht es dir denn schlecht?“
„Heuchel kein Interesse an mir und sag was du willst, Mutter. Ich hab ebenfalls keine Zeit für solche Diskussionen.“
„Nicht in diesem Ton, Olivier! Du weißt, dass ich mich für dich interessiere, sonst würde ich wohl kaum anrufen.“
„Jaja, wer‘s glaubt...“, nuschelte er.
„Wie bitte?“
„Nichts. Was ist jetzt dein Problem?“
„Es ist ein Desaster, eine Katastrophe!“, rief Elke und Marc verdrehte die Augen. Sie machte eine kleine Kunstpause und fuhr dann fort: „Ich habe eine Blockade. Die schlimmste in der Geschichte der Literatur! Alles, was ich zu Papier bringe, ist den Lesern nicht zumutbar, eine Schande! Ich fühle mich so alt und schwach, und das kommt alles nur von dem grauen Haar, das ich mir vor ein paar Tagen ausgerissen habe. Ich werde alt, Olivier, kannst du dir das vorstellen?“
Marc konnte nicht anders: er lachte laut los. Er konnte sich gar nicht mehr einkriegen, bis es Elke zu viel wurde und sie schrie: „Das ist nicht witzig, Marc!“
Sie schreit nie. Und sie nennt mich nur Marc, wenn’s ernst ist. Aber was hat sie schon von mir erwartet? Ihre Sorgen sind einfach zu lächerlich.
„Falls du glaubst, ich kann dir einen Schönheitschirurgen besorgen, hast du dich geschnitten.“
„Gar keine so schlechte Idee, aber meine ist besser. Ich werde eine Auszeit nehmen und verreisen.“
Ich hab das ungute Gefühl, dass jetzt was Schlimmes kommt...
„Und was hab ich damit zu tun?“, fragte er misstrauisch.
Ich werde auf keinen Fall noch so einen Groschenroman schreiben!
„Ich dachte mir, es wäre schön, wenn ich dich besuchen komme. Mein Flieger geht in zwei Tagen.“
„WIE BITTE???!“
Das kann sie sich ja sowas von abschminken! Die halt ich jetzt nicht aus! Beschließt das einfach so hinter meinem Rücken... Ich sollte wohl auch die Identität wechseln und mit Hasenzahn durchbrennen! Könnte ja den Herrn Müller fragen, ob er uns zwei falsche Pässe besorgt...ne, doch nicht. Bevor ich den um was bitte halt ich lieber meine Mutter aus. Ich muss sie von der Schnapsidee abbringen!
Elke hatte währenddessen schon ihre „gemeinsame Zeit“ geplant, aber jetzt wurde sie von Marc gereizt unterbrochen: „Du hattest noch nie so eine schlechte Idee. Auch wenn du herkommst, ich arbeite den ganzen Tag, manchmal auch die Nacht. Ich werde nie Zeit für dich haben, also vergiss es gleich wieder, okay? Geh doch auf irgendeine weit entfernte Insel ohne Internetanschluss und Handyempfang, dort kannst du sicher entspannen. Es gibt ja auch Verjüngungskuren!“
Hauptsache sie klebt mir nicht an der Backe!
„Es ist schon alles gebucht, du kannst mich nicht mehr davon abbringen! Ich erwarte dich am Flughafen, Olivier.“
„NENN MICH NICHT OLIVIER!!!“, schrie er aufgebracht in den Hörer, aber seine Mutter hatte schon aufgelegt.
Ach du Scheiße… ne, das ist nicht wahr… das ist echt der schlimmste Tag in meinem Leben… also bis jetzt… vielleicht ist der Tag ja doch noch für was gut, Gretchen kommt doch heute Abend wieder…
Oder?
Hoffentlich hab ich sie nicht verjagt mit meinem blöden Rumgezicke… ich weiß ja, dass sie nervt, und sie weiß das auch, aber ich musste es ihr ja nicht unbedingt auf die Nase binden… außerdem war es ganz süß, sie hat sich Sorgen um mich gemacht…schon wieder so ein verweichlichter Gedanke, ich glaub echt, ich spinne!!
Echt der schlimmste Tag in meinem Leben… oder ne… das war der Tag, an dem Gretchen mich als Köder für den Betrüger benutzt hat… nein, da gab’s noch schlimmere… als Gretchen fast gestorben war und ich später dieser dummen Schlampe den Heiratsantrag machen musste… noch schlimmer war allerdings, als ich diese MMS mit Gretchen und dem Betrüger in Las Vegas bekommen hab… eigentlich haben alle schlimmen Tage mit Gretchen zu tun… wie zum Beispiel der Tag ihrer Hochzeit…


Marc war es so leid. Er hatte es wieder versaut, und das nur wegen dieser bescheuerten Brillenschlange… hätte er sie doch nie so angebaggert!
Seit ihm bewusst war, dass er mehr für Gretchen empfand als ihm eigentlich lieb war, hatte er nur noch Scheiße gebaut. Gabis Heiratsantrag… all die blöden Sprüche…die Eifersucht gegenüber dem Millionär…seine Feigheit… hätte er ihr doch einfach früher alles gesagt! Alles! Er wollte, dass sie ihm vertrauen kann, und er wollte ihr auch vertrauen. Er wollte eine Beziehung. Er wollte sie lieben, sie verschlingen, mit Haut und Haaren. Aber nein, er konnte ja die Oberarsch-Maske nicht ablegen und musste sie weiterhin blöd anmachen… hätte er es doch gelassen!!
Hätte, wäre, wenn… Vorwürfe bringen mich jetzt auch nicht weiter. Ich hab verloren. Heute Nachmittag heiratet sie ihn. Muss ich wohl wieder meine Mauer aufbauen, für die ich 15 Jahre gebraucht habe und die sie in wenigen Monaten zerstört hat… Gefühle… wer braucht denn sowas schon? Ich hab ja meine Karriere… und mein Aussehen… und er hat Hasenzahn…Argh!!!
Marc wollte ihr alles sagen. Am Tag ihrer Hochzeit. Dass er sie brauchte. Dass er sie wollte.
Dass er sie liebte…


Der nächste Teil des Flashbacks kommt dann nächstes Mal!

Sophiee^^ Offline

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15.09.2011 14:20
#59 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

http://www.youtube.com/watch?v=X7RkSvnpPcs (Good Charlotte- The World is Black)

Und nun saß er in seinem Büro, ihm ging es hundeelend und er fragte sich immer und immer wieder, wie es nur so weit kommen konnte. Noch nie hatte ihn eine Frau so fasziniert wie Gretchen es getan hatte. Sie war so stark, aber doch so zerbrechlich, sie war schlagfertig, aber doch so liebevoll… sie war einfach sein Hasenzahn. Nicht Alexis‘ Sternchen. Das war doch einfach nicht sie, eine Millionärsgattin! Sie gehörte zu ihm und nur zu ihm, das war ihm mittlerweile klar geworden…
Aber das Schicksal schien es einfach nicht gut mit ihnen zu meinen. Immer hatte er Gelegenheiten verstreichen lassen, wozu sich auch groß anstrengen, er hatte ja keine Konkurrenz, sie liebte nur ihn. So glaubte er es zumindest. Und sie war auch nicht besser gewesen. Hatte ihm immer Gelegenheiten gegeben, sauer zu sein. Hatte ihn provoziert und genervt, um dann wieder lieb zu ihm zu sein. Die letzten drei Monate in denen sie verlobt war, waren die Hölle für ihn gewesen. Er musste sich das Geschwärme über die Hochzeit anhören, die verträumten Blicke von Gretchen und Sabine ertragen und versuchen, sich zu beherrschen, als er Gretchen und das neureiche Arschloch rumknutschen sah. Am liebsten hätte er ihn von ihr weggezerrt und ihm eine reingehauen, nur um dann selbst mit Gretchen rumzuknutschen….
Man, jetzt denk nicht mehr an diesen Scheiß… es ist endgültig vorbei. Ich werde sie eh nicht mehr lange sehen, dann lässt sie sich schwängern und geht bis an ihr Lebensende in den Mutterschutz…
Bei dem Gedanken daran, dass er Gretchen vielleicht nie wieder sah und ein Kind bekam, das nicht von ihm war, umschloss er krampfhaft seinen Kugelschreiber, bis die Knöchel weiß hervortraten. Er konnte einfach nicht mehr ohne sie leben…
Da, schon wieder! HÖR AUF SO EINEN SCHEISS ZU DENKEN!!!! Ich komm bald wieder in meinen alten Lebensstil rein, und dann vergess ich sie schneller als ich jetzt vielleicht denke. Vielleicht sollte ich das Krankenhaus wechseln, bei meiner Kompetenz bekomm ich sicher ne bessere Stelle…hab mir ja jetzt so Unterlagen für ein Fellowship in Washington besorgt. Washington! Geile Stadt, und was das Beste ist: ganz weit weg von Hasenzahn!
Und wenn ich dann große Karriere gemacht habe, werde ich mich darüber freuen, ihr blödes, glückliches, aber doch nur aufgesetztes Grinsen nie wieder sehen zu müssen…sie wird sich nämlich ärgern, dass sie nur noch Hausfrau ist. Genauso wie ihre Mutter!...
…nein, Marc, nicht an ihre Mutter denken!

Immer noch hielt er den Kugelschreiber krampfhaft fest, bis er irgendwann zerbrach. Seufzend ließ Marc sich in den Sessel zurücksinken und schloss die Augen. Es wäre so schön, wenn man Gedanken einfach abstellen könnte… oder Gefühle abstellen könnte… vielleicht gab es irgendwo einen Reset-Knopf? Alles löschen, was er jemals für Gretchen gefühlt hat und fühlt und sie behandeln wie eine normale Kollegin?
Ja klar, ich könnte mich auch ins Koma saufen oder meinen Schädel so lange gegen die Wand hauen, bis ich ne Störung im Gehirn kriege und sie von ganz allein vergesse…
Er sah auf die Uhr. Es dauerte nicht mehr lange bis zur Hochzeit. Wenn er hingehen wollte, musste er sich beeilen.
Soll ich hingehen? Hab eigentlich keinen Bock darauf. Aber wenn ich nicht hingehe, reimen sich alle mal wieder was zusammen… ich muss hin… ob man in der Kirche wohl Metallica hören darf?
Marc fuhr nach Hause, duschte und zog sich an. Deprimiert betrachtete er sein Spiegelbild.
Was ist bloß aus dem selbstbewussten Frauenmagnet geworden? Hat mich wohl hier einfach im Stich gelassen…
Er fuhr zur Kirche, aber er konnte noch nicht reingehen. Er war einfach noch nicht dazu bereit. Mit zitternden Fingern zog er die Zigarettenschachtel raus und zündete sich eine an. Kurz verspürte er eine Ruhe, die aber bald von der Nervosität abgelöst wurde. Er zündete sich noch eine an. Und noch eine. Er hielt sich erst zurück, als er die weiße Limousine in die Auffahrt fahren sah…
Gleich werde ich sie sehen… hoffentlich sieht sie nicht zu gut aus… vielleicht lässt sie auch die Hochzeit platzen… weil sie mich liebt…nur mich…
Auf einmal war die Hoffnung wieder da, als die Tür der Limousine sich öffnete und sie am Arm ihres Vaters heraustrat. Wenn sie unglücklich aussah, dann wäre es vielleicht noch nicht zu spät…
Aber Fehlanzeige. Sie sah glücklicher aus als jemals zuvor, und sie war wunderschön. Sie strahlte. Und Marc kam es vor, als ginge sie nur auf ihn zu. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass das Arschloch sie so glücklich machen konnte… vielleicht malte sie sich ja aus, wie sie Marc heiratete…
Er machte sich aber nicht mehr lange etwas vor. Ihr Blick hatte ihn nur kurz gestreift, also war er ihr wohl einfach egal geworden. Den Kuss auf dem Polterabend hatte sie ja auch auf eine sehr schmerzhafte Art beendet. Die Wange tat überhaupt nicht weh, viel zu abgelenkt war er von der Wunde in seinem Herzen.
Die ganze Zeit hatte er hochmutig geschaut, um sich nichts anmerken zu lassen, aber kurz, nur ganz ganz kurz, war ein Riss in seiner Fassade aufgetaucht. Nämlich als er dachte:
Was wäre, wenn sie mich heiraten würde?
Dass die Brillenschlange auf einmal so viel besser aussah, wurmte ihn auch ein bisschen. Aber jetzt war es Zeit, in die Kirche zu gehen. Er holte noch einmal tief Luft und sprach sich selbst Mut zu, dann betrat er die Kirche und blieb ganz hinten stehen. Er konnte unmöglich sitzen, er wollte das jetzt einfach hinter sich bringen, um sich dann in irgendeiner Bar zu betrinken.
Wieso dauert das so lange? Wieso? Kann ich nicht einfach vorspulen?
Ihm fiel auf, dass er nervös auf den Fingernägeln kaute und ärgerte sich gleich darauf wieder.
Ja das läuft ja super mit dem Wiederaufbau der Chinesischen Mauer! Jetzt reiß dich mal zusammen!
Irgendwann war es soweit. Der Trauspruch. Der Pfarrer fragte, ob jemand etwas gegen die Eheschließung einzuwenden habe und kurz spielte Marc mit dem Gedanken, nach vorne zu stürmen, Gretchen zu packen und mit ihr durchzubrennen…irgendwohin, wo sie alleine waren, wo sie niemand stören konnte und wo sie ihre Liebe leben konnten… aber er verwarf ihn gleich wieder, denn Gretchen sah so glücklich aus und er wollte ihr die Hochzeit nicht versauen.
Seit wann denk ich denn an ihr Wohlergehen? Hab ich doch sonst auch nie. Scheiße, ich kann das einfach nicht…
Er wollte einfach nur mehr raus. Raus aus der Kirche, weg von seinen Gefühlen, zurück zu seinem alten Ich. Quälend lang zogen sich die Sekunden, während der Pfarrer Gretchen fragte, ob sie diesen neureichen Pisser heiraten wolle. Einen klitzekleinen Funken Hoffnung hatte er immer noch, vielleicht würde sie ja nein sagen.
Mit hoffnungsvollem Blick schaute er nach vorne, und hörte, wie sie klar und deutlich sagte: „Ja, ich will“
Ja, ich will…
Ja, ich will…
Ja, ich will…
Es brannte sich ein, in sein Herz, in seine Gedanken, in seine Seele…und seine Hoffnung starb. Endgültig.
Ja, ich will…
Ja, ich will…
Ja, ich will…
Immer wieder hörte er sie das in Gedanken sagen, und als sie sich auch noch küssten und alle die Frechheit besaßen, aufzustehen und das zu beklatschen, hielt er es nicht mehr aus. Wütend und verletzt lief er nach draußen. Er begann zu rennen. Das Auto ließ er einfach stehen. Er rannte so schnell, wie er noch nie in seinem Leben gerannt war, den ganzen Weg bis zu seiner Wohnung.
Ja, ich will…
Die schlimmsten Worte, die er je von Gretchen gehört hatte.
Vollkommen durchgeschwitzt und keuchend kam er an, stapfte die Treppen hoch, trat die Tür zu seiner Wohnung ein und knallte sie gleich darauf wieder zu. Er konnte sich nicht mehr beherrschen. Alles, was er in die Finger bekam, schmiss er durch die Wohnung, er trat die Stühle um, er ließ seiner Wut freien Lauf. Irgendwann gab es nichts mehr, dass er zerstören konnte, und Verzweiflung machte sich in ihm breit. Schwer atmend ließ er sich auf das Sofa nieder, seine Wut verrauchte… und ihm wurde bewusst…
Wenn ich so wütend und verzweifelt bin, gibt es dafür nur einen vernünftigen Grund:
Ich liebe sie so sehr, dass ich für ihre Liebe sterben würde…

„VERDAMMTE SCHEISSE!!!!!“


Ja, aber auch die schönsten Tage in meinem Leben hatten mit ihr zu tun… okay, die schönsten Momente. Hab’s ja eh meistens versaut mit irgendeinem Spruch… aber trotzdem. Eigentlich hatte ich schon immer was für sie übrig… sie wollte immer stark sein, und das war sie auch, sie ist die beste Assistenz die ich jemals hatte und ihre Tollpatschigkeit ist einfach nur süß… und sie hat mich erobert! Klingt jetzt irgendwie krass, eigentlich sollte ich sie ja erobern… hatte aber nie Bock drauf, und wenn ich es versucht habe, hat sie mich immer zurückgewiesen… komisch, dass das Schicksal hat immer neue Proben für uns.
Scheiße Meier, glaubst du jetzt an Schicksal? Ne, echt, die hat dir sowas von die Eier abgeschnitten…
Wo war ich eigentlich? Ach ja, einer der schlimmsten Tage meines Lebens… mir geht’s scheiße, meine Mutter kommt in zwei Tagen und ich hab Hasenzahn vergrault, zudem muss ich die ganze Zeit grübeln, weil der beschissene Fernseher nicht funktioniert und ich werde langsam und qualvoll an Langeweile sterben…

Sophiee^^ Offline

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18.09.2011 12:44
#60 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Marc versuchte, Themen wie seine Mutter zu verdrängen und tigerte durch die Wohnung auf der Suche nach einer Beschäftigung. Es kam ihm so vor, als hätte der Kopfschmerz sich durch das Gespräch mit seiner Mutter verdreifacht. Wegen einem grauen Haar wollte sie eine Pause einlegen? Die Frau hatte sie doch echt nicht mehr alle…
Aber sie war ja seine Mutter. Zwar behandelten sie sich nicht besonders gut, aber in den Tiefen ihrer Seelen waren sie doch froh, einander zu haben. Marc war die einzige Stütze für Elke gewesen in der schweren Zeit vor fünfzehn Jahren und das hatte sie innerlich eng zusammengeschweißt, auch wenn sie nie zeigten, wie sehr sie sich brauchten. Marc war immer froh gewesen, dass seine Mutter da war. Zumindest in seiner Nähe, die meiste Zeit hatte sie sich ja in ihrem Zimmer eingesperrt und ihn alleine gelassen. Er konnte es ihr nicht verübeln, schließlich war auch er stark traumatisiert. Er hatte ihr nie Vorwürfe gemacht.
Aber irgendwann ging es doch zu weit mit ihrer Verschanzung.
Als Marc studierte, nahm er sich eine eigene Wohnung, zusammen mit Mehdi, obwohl seine Mutter doch in der Nähe der Uni wohnte. Elke hatte Angst, dass sie Marc auch noch verlieren könnte, und deshalb besuchte sie ihn ziemlich oft. Das ging ihm auf die Nerven, und seitdem hatten sie dieses komische Verhältnis. Marc wollte kein Muttersöhnchen mehr sein, und nach ein paar Jahren hatte sie das akzeptiert. Jetzt besuchte sie ihn nur noch, wenn es um sie selbst ging. Wenn sie Hilfe bei ihrem Roman brauchte oder wieder einmal Jahrestag hatte. Und er besuchte sie nur, wenn sie Geburtstag hatte oder wenn er Geld brauchte. Ja, das Leben war eben hart als Student.
Aber das hieß nicht, dass sie sich nicht liebten.
Boah, ich wollte doch nicht an Mutter denken…
Marc stand im Badezimmer. Dort gab es auch nicht, was ihn hätte ablenken können.
Im Schlafzimmer erinnerte ihn nur alles an Gretchen, also auch unpassend, seine Sehnsucht war sowieso schon unerträglich. Und das erst nach ein paar Stunden.
Ich bin ein Anderer. Hab mich komplett verändert, und das nur wegen ihr. Aber ich bereu es nicht. Wieso sollte ich, wenn Hasenzahn jetzt mir gehört?
Wohnzimmer- nein, da war seine Mutter präsent. Während des ganzen Telefonats hatte er sie auf der Couch sitzen sehen und ihre Stimme gehört, so als käme sie nicht aus dem Telefonhörer, sondern von der Couch.
Er streunte weiter und kam in die Küche. Dort sah er Gretchens Handy liegen, dass gerade wieder piepste.
Bin ich blöd oder was??? Langweil mich hier die ganze Zeit rum und im Nebenzimmer liegt das Spannendste in dieser Wohnung? Alles nur, weil Mutter mich so abgelenkt hat…
Er nahm das Handy in seine Hand. Zwei neue Nachrichten, beide von Mary.
Hm… welche soll ich zuerst öffnen? Aber sieht man das nicht, wenn ich sie öffne? Ach egal. Gretchen checkt das eh nicht. Hoffentlich. Will mir keinen Vortrag über Privatsphäre anhören…ich glaub, ich nehm die, die gerade gekommen ist…
Mit einem Klick war er schon ein bisschen schlauer:

Gretchen, warum antwortest du denn nicht? Bist du noch sauer?

Aha. Gretchen ist als sauer auf sie. Aber warum?
Noch ein Klick, aber dieser brachte ihm nur Wut. Scheiß Neugierde, da kam doch immer so was raus.

Hey Gretchen!
Ich weiß, es ist total feige von mir, dir ne SMS zu schreiben. Aber ich glaub, ich verkrafte das nicht, wenn wir uns sehen. Ich bin halt nicht so gut im entschuldigen und ich will nicht losheulen. Was wahrscheinlich passieren wird, wenn ich dich sehe.
Ich mach mir Sorgen um dich! Wo bist du? Du bist nicht nach Hause gekommen. Ich kann das ja verstehen, dass du sauer bist, aber es ist halt scheiße gelaufen. Ich hab einfach Rot gesehen und das an dir ausgelassen! Dabei ist Christoph ja der Arsch! Nur um mich eifersüchtig zu machen küsst er dich…was ist das denn bitte für ne kranke Aktion!
Okay, jetzt noch mal klarer: Tut mir echt leid, ich hab mich total blöd verhalten. Sorry! Kannst du mir verzeihen?
Verzweifelte Grüße,
Mary.
PS: Bitte komm wieder nach Hause, es ist so leer ohne dich!


DER HAT WAS GETAN???? DER ARSCH HAT DOCH NICHT MEINEN HASENZAHN ABGEKNUTSCHT??????????!!! ICH POLIER IHM DIE FRESSE, EGAL OB ICH DANN MEINEN JOB VERLIER!!!
Und jetzt war Marc der, der Rot sah.



Gretchen rieb sich die Augen. Das konnte doch nicht sein! Was war denn plötzlich in dem Krankenhaus los? Waren alle völlig durchgeknallt?
Also, Maria sieht vielleicht aus wie ein spontaner Mensch, aber dass sie gleich einen wildfremden Mann abknutscht, hätte ich nie gedacht. Und dann auch noch Christoph… sie hat doch gesagt, dass sie einen Freund hat, der nebenbei auch noch hier arbeitet. Wer ist es eigentlich? Ach, das Krankenhaus ist so groß, ich treffe jeden Tag neue Leute… Oder ist es ihr Ehemann, oder doch nur ne Affäre?? In „Sweetie“ kann man viel hineininterpretieren…
In Gretchens Gehirn ratterte es weiter, während am anderen Ende des Ganges die Knutscherei weiterging. Zumindest von einer Seite. Maria hatte die Augen geschlossen und genoss nun diesen Kuss, auf den sie fast drei Monate gewartet hatte. In diesem Moment verstand sie nicht, wie sie es nur so lange ohne ihn ausgehalten hatte…
Christoph jedoch war nicht sehr begeistert von diesem sehr stürmischen Liebesbeweis. Nur zaghaft stieg er mit ein, er fühlte sich einfach schlecht dabei, sie zu küssen, nach all den Stunden mit Mary. Nein, nicht schlecht, er fühlte sich so richtig mies. Das Doppelleben machte ihn ziemlich fertig, deshalb war er in letzter Zeit noch kindischer und gemeiner geworden.
Mit weit geöffneten Augen ließ er den Kuss über sich ergehen und versuchte die Gewissensstiche zu unterdrücken. Teilnahmslos blickte er über den Gang- und sein Blick blieb an seiner Assistenz hängen. Seine Augen weiteten sich noch ein wenig mehr und er fing an zu schwitzen. So zärtlich wie er konnte beendete er den Kuss und schob Maria leicht von sich. Diese lächelte ihn überglücklich an. Er sagte, dass er jetzt weiterarbeiten müsse und verschwand schnell in sein Büro.
Also, dass war jetzt echt komisch… sie sahen irgendwie so…vertraut aus. Als würden sie sich schon ewig kennen. Dr. Reiner schien aber nicht besonders begeistert gewesen zu sein… im Gegensatz zu Mary… sie sah so glücklich aus… kann es vielleicht sein, dass ihr „Sweetie“… Dr. Reiner…ist??! Nein, das glaub ich nicht… Dr. Reiner kann vielleicht fies sein, aber hier Mary so feige zu belügen… oh mein Gott, und ich bin Zeuge, dass er sie betrügt! Ich muss es Mary sofort sagen. Auch wenn ich noch ein bisschen sauer bin, aber wir sind doch immer noch Freundinnen! Beste, um genau zu sein!
Aber zuerst muss ich mir von Maria die Bestätigung dafür holen… sonst seh ich wieder ein Fettnäpfchen!
Wow, ich bewahre mich gerade vor einem eventuellen Fettnäpfchen! Das ist mir ja noch nie gelungen! Ich bin stolz auf mich… hm… aber vielleicht ist ja alles ganz harmlos… und Maria ist seine Schwester… er hat ja mal so nebenbei erwähnt, dass sein Vater Amerikaner ist und er noch eine Halbschwester hat, da sich sein Vater von seiner Mutter getrennt hat… und in ihrer Familie könnte es doch üblich sein, sich mit einem Kuss zu begrüßen… mit Zunge… und ziemlich zärtlich…jede Familie hat ja so seine eigenen Traditionen…

Noch ein wenig zögerlich ging sie auf Maria zu und fragte: „Was war das denn gerade?“
Das war wohl ein bisschen zu direkt. Mist! Und dazu noch mit so einem Unterton…super Leistung Gretchen, echt!
Maria hatte schon gemerkt, dass Christoph nicht wirklich bei der Sache war, aber sie schob es auf die Überarbeitung. Und dann kam auch noch die Frau daher, die sie erst seit Kurzem kannte, aber die ihr doch sehr sympathisch war, und fragte sie so unverschämt, was das gerade war. Ein wenig zickig antwortete sie: „Ich brauche doch keine Erlaubnis um meinen…“
Sie wurde aber von einem durchdringenden Piepsen unterbrochen. Gretchens Pieper.
Ah, da braucht mich wohl jemand… aber in seinem Büro? Wieso das denn?
„Sorry, Ich muss gehen“, entschuldigte sich Gretchen und machte sich auf den Weg zu seinem Chef.
„Okay…aber ich muss nicht eifersüchtig werden, oder?“, rief Maria ihr hinterher, plötzlich wieder vergnügt.
Ich glaub’s ja nicht. Was soll das heißen, ob sie nicht eifersüchtig werden soll? Der ist also echt mit ihr zusammen? Spinnt der Arsch? Hat er zwei Eisen zugleich im Ofen? Oder vielleicht noch mehr? Ich check das einfach nicht… wieso wollen Männer immer so viele Frauen haben? Wenn man(n) die Richtige sucht, muss man(n) ja nicht mehrere gleichzeitig ausprobieren, oder? Was für ein Macho! Und jetzt bestellt er mich einfach mal so in sein Büro! MIT SEINEM PIEPER!!!
Sie stürmte in das Büro ihres neuen Vorgesetzten und schrie auch gleich sauer los: „Was ist denn verdammt nochmal mit dir los? Erst Mary und jetzt Maria? Ist dir eine nicht genug? Also echt, ich versteh euch Männer nicht!“
Verblüfft drehte sich Dr. Reiner mit seinem Stuhl um. Er hatte die ganze Zeit teilnahmslos aus dem Fenster geschaut, aber diese harsche Ansage hatte er nicht erwartet. Man redet schließlich nicht so mit seinem Chef. Zuerst wollte er zurückmotzen, aber dann sah er ein, dass sie recht hatte. Er wusste ja auch nicht, was mit ihm los war.
„Woher kennst du Maria?“, fragte er daher nur monoton.
Mehr sagt der nicht dazu??! Kein „Sorry, ich wollte sie eigentlich gar nicht küssen“? Ich könnte echt… also dass er Mary so hintergeht… ich glaub, ich… oh man, ich bin so sauer, dass ich nicht mal meine Gedanken fertig kriege! Also wenn er nicht mein Chef wäre, dann…dann… würd ich ihm so eine knallen, dass er hintenüber kippt. Ja, genau das würde ich tun… blödes Arschloch!
„Das ist doch scheißegal!! Sag mir jetzt, was mit dir los ist!!“

Sophiee^^ Offline

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21.09.2011 16:49
#61 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Kommis??! *bettel*

PS: Ich weiß, es ist sehr unwahrscheinlich, dass jemand wie Dr. Reiner mit seiner Assistenzärztin seine Probleme bespricht, aber ich wollte, dass ihr ihn auch mal versteht... okay, nicht unbedingt verstehen... ach ist doch egal!


Das ist doch echt nicht normal!!!
„Ich hab keine Ahnung…“, sagte er die Wahrheit. Von diesem ehrlichen Blick in seinen Augen ein bisschen beruhigt setzte sich Gretchen auf den freien Stuhl und sah Dr. Reiner durchdringend an, aber er wich ihrem Blick aus. Sie hatte aber lange genug in seine Augen geschaut, um seine Gefühlsage herauszufinden.
Definitiv schlechtes Gewissen… also wollte er ja vielleicht gar nicht…Gretchen! Wenn er nicht gewollt hätte, hätte er wohl auch nichts gemacht! Also bleib hart!
„Kannst du das vielleicht ein bisschen näher erklären?“, bohrte sie weiter. Jetzt war sie doch ein wenig neugierig geworden.
„Wieso sollte ich das meiner Assistenzärztin erzählen?“
Hm… gute Frage! Aber ich bin ja nicht nur ein Assi, ich bin auch Marys beste Freundin… also, glaub ich jedenfalls… ich weiß ja nicht, ob Mary kämpfen will… ist echt ganz schön kompliziert im Moment und jetzt verstrickt es sich immer weiter… also ich hab unsere Freundschaft wegen diesem Streit noch nicht aufgegeben!
Wie soll ich denn jetzt reagieren? Verständnisvoll? Ne, ich hab kein Verständnis für das, was er abzieht und ich kann ja nicht lügen, hat man ja heute gesehen… Wütend? Dann wird er auch sauer und erzählt erst recht nichts… aber ich könnte…

„Ich bin nicht nur deine Assistenzärztin, sondern auch die beste Freundin von Mary. Ich könnte es ihr jederzeit erzählen…“, meinte sie mit einem leicht drohenden Unterton.
Oh-oh, war das vielleicht zu dick aufgetragen?
Dr. Reiner sprang auf. Das ging jetzt echt zu weit! Zuerst wollte sie ihn ausquetschen und dann drohte sie ihm auch noch, falls er nichts erzählte?
„Willst du mir etwa drohen?!“, schrie er und funkelte sie wütend an. Jetzt war sie ganz schön eingeschüchtert und hielt sich beschützend den Bauch.
„Eigentlich nicht…“, erwiderte sie kleinlaut und schaute ihn entschuldigend an, „…du musst nur verstehen, dass ich es ihr sagen muss. Das macht man eben so, wenn man befreundet ist. Man hat keine Geheimnisse voreinander. Und wenn du mir nicht erzählst, was das sollte, kann ich nur meine Sichtweise erklären… und das war ja ziemlich eindeutig.“
„Ach, war es das?“
Jetzt weicht der mir schon wieder aus! Man, irgendwann dreh ich noch durch! Ich dachte, in diesem Krankenhaus wäre alles anders und nicht mehr so kompliziert und voller Geheimnisse oder Intrigen…naja, nicht unbedingt Intrigen… aber ich mein doch nur…ähm…
„Okay, wenn du es nicht sagen willst, dann geh ich eben…“, sagte sie und stand auf.
„Nein, ich erzähl dir ja die ganze Geschichte, jetzt setz dich verdammt nochmal hin!“, rief er und setzte sich ebenfalls. Er schaute sie nochmal zweifelnd an.
„Es ist ne ziemlich lange Geschichte!“, lenkte er nochmal ab.
„Ich hab Zeit!“
Sie sah auf die Uhr. Naja, eigentlich müsste sie eine Blinddarm-OP machen, aber dann würde sie das dann eben später erledigen.
„Naja, nicht wirklich…“
„Komm schon!“
„Jaja… aber bitte unterbrich mich nicht, ja?“

Es begann alles, als Dr. Reiner zu seinem Vater nach Amerika zog. Die USA hatten ihm immer schon gefallen, viel besser als Deutschland. Nach langem Zweifel ließ er dann seine Mutter alleine, sie akzeptierte aber die Entscheidung ihres Sohnes, da sie unbedingt wollte, dass er glücklich wurde. Wie es eben jede Mutter wollte.
Als er 20 Jahre jung war, stieg er ins Flugzeug und flog bis nach New York, wo sein Vater mit seiner neuen Frau lebte und arbeitete. Sein Vater hatte den Traum, dass sein Sohn irgendwann seine Plattenfirma übernahm und da glücklich wurde, aber Christoph hatte immer das Bedürfnis gehabt, Menschen zu helfen, und so begann er in New York mit einem Medizinstudium. Am Anfang hätte er es fast wieder geschmissen, weil er einer der schlechtesten war. Aber dann schöpfte er neuen Mut.
Wegen Maria.
Er hatte sie im Winter in einer Bar singen gesehen- und sich sofort unsterblich verliebt. Wie sie da auf der kleinen Bühne stand, so selbstsicher und glücklich lachend, das hatte ihn einfach verzaubert. Er sah schon ihre ganze Zukunft vor sich, mit dem Haus und den gemeinsamen Kindern. Die wahre Liebe, er hatte sie endlich gefunden, und das schon auf den ersten Blick.
Jeden Abend kam er in die Bar, um sie singen zu hören. Ihre Stimme war unvergleichlich. So oft hatte er schon vor ihrem Zimmer gestanden, aber er hatte sich nie getraut, zu klopfen. Eines Tages stand er jedoch zu lange vor der Tür, und gerade als er sich umdrehen wollte, öffnete sie sich und er bekam sie mit voller Wucht gegen den Kopf geknallt. Er schrie auf und hielt sich mit geschlossenen Augen die Stirn.
„Oh mein Gott! Sorry, ich hab Sie nicht… haben Sie sich wehgetan?“
Er öffnete die Augen wieder und Maria stand vor ihm und sah ihn besorgt an.
„Nein, danke der Nachfrage. Ich fühl mich gut“, jetzt, seit du hier vor mir stehst, fügte er noch in Gedanken hinzu. Er lächelte sie ein bisschen verlegen an, sie lächelte zurück. Auch sie hatte gleich eine zarte Verbindung zwischen ihnen gespürt, und so fragte sie ihn spontan, ob er noch was trinken wolle. Erfreut sagte er zu und sie gingen an die Bar.
Sie redeten und lachten bis spät in die Nacht, das Band wurde immer stärker, und schließlich küssten sie sich eine gefühlte Ewigkeit lang. So gut hatten sie sich beide lange nicht mehr gefühlt. Sie waren verliebt bis über beide Ohren.
Ein völlig hirnrissiger Gedanke beschäftigte Christoph aber schon die ganze Zeit. Er war so verrückt, dass er Christoph mit jeder Sekunde besser gefiel. Er fühlte sich so geborgen und so wollte er sich auch den Rest des Lebens fühlen, und ihm kam es vor, dass es Maria auch so ging. Aber sollte er es wirklich wagen? Sie kannten sich doch erst seit ein paar Stunden…
Maria nahm ihm dann die Entscheidung ab, indem sie ihn so schön anlächelte, dass er gar nicht anders konnte. Er ließ sich auf die Knie fallen, all seine Angst war verschwunden und er fragte sie spontan: „Willst du meine Frau werden?“
Ja, er hielt um ihre Hand an, schon nach ein paar Stunden. Zuerst war sie so überrascht, dass sie keinen Ton rausbrachte und den immer nervöser werdenden Christoph einfach nur anstarrte. Aber ihr Gefühl sagte, dass es darauf nur eine Antwort gab. Überglücklich antwortete sie: „Ja klar, du Spinner!“
Sie fiel auch auf die Knie und umarmte ihn stürmisch. Noch am selben Abend flogen sie nach Las Vegas und heirateten dort, und dann hatten sie die schönste Hochzeitsnacht aller Zeiten.


„Wow… ähm… das ist echt…wow! Dass du dich das getraut hast!“, unterbrach Gretchen seine Erzählung.
„Ich hab doch gesagt, du sollst nicht unterbrechen!“, sagte Dr. Reiner schneidend und sofort verstummte Gretchen wieder.

Sie blieben noch eine Woche lang in Las Vegas, aber dann fiel Christoph siedend heiß ein, dass er immer noch Student war und einige wichtige Vorlesungen verpasst hatte, Maria fiel ein, dass sie eigentlich arbeiten müsste, aber sie machten sich keinen Stress. Niemand konnte ihr Glück trüben. Sie flogen zurück nach New York, erzählten ihren Familien, die sich schon Sorgen gemacht hatten, von der Hochzeit und suchten eine Wohnung. Beide waren ziemlich knapp bei Kasse, aber zusammen schafften sie alles, das sagten sie sich immer.
Nach ein paar Monaten unendlicher Liebe erzählte Maria ihm während einem Abendessen in einem Restaurant freudestrahlend, dass sie schwanger sei. Christoph war so glücklich, dass er mitten im Restaurant aufsprang und sie so lange umarmte, bis sie fast keine Luft mehr bekam. Bevor sie überhaupt essen konnten, knallte Christoph hundert Euro auf ihren Tisch, entführte seine schwangere Ehefrau und brachte sie direkt zur Freiheitsstatue. Er trug sie hunderte von Stufen nach oben, nur um ihr dann dort oben noch einmal seine Liebe zu gestehen und sie zu küssen.
„Ach Gott, wie romantisch!“, seufzte Gretchen. Dr. Reiner warf ihr einen „Noch-ein-Mucks-und-du-bist-tot“- Blick zu und fuhr dann mit der Erzählung fort.
Sie konnten es kaum erwarten, bis das Baby endlich da war. Christoph hatte sich ein Semester Auszeit genommen, um sich um seine Frau zu kümmern. Er hatte schon ein bisschen mit ihren Stimmungsschwankungen zu kämpfen und manchmal zofften sie sich ganz schön, aber sie hörten nie auf, sich zu lieben. Auch wenn sie es gewollt hätten, sie hätten nie aufhören können, sich zu lieben, dafür war das alles viel zu tief und zu stark.
Endlich kam ihre kleine Tochter Katherine auf die Welt. Sie war das bezauberndste Wesen, das er je gesehen hatte, die perfekte Mischung aus Maria und ihm selbst. Als er zum ersten Mal in diese kleinen braunen Augen schaute, war es schon um ihn geschehen. Die Kleine hatte ihn sofort in seinen Bann gezogen, Maria auch, und daran konnten keine volle Windeln oder vollgesabberte Hemden etwas ändern.

Sophiee^^ Offline

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25.09.2011 09:55
#62 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Sorry, hatte gestern keine Zeit...

Ein paar Monate nach der Geburt stellte Christoph Maria seinem Vater nun endlich persönlich vor, dieser war sofort begeistert von der jungen, fröhlichen Sängerin und bot ihr einen Plattenvertrag an. Sie nahm ihr erstes Album auf, das in New York sehr bekannt wurde, und Christoph ermutigte sie in schlechten Momenten, nicht aufzugeben. Ebenso ermutigte sie ihn, als er mit dem Gedanken spielte, das Studium aufzugeben, um mehr Zeit für seine beiden liebsten Frauen zu haben. Durch sie schöpfte er neuen Mut und da er so glücklich war, fiel ihm alles viel leichter. Er wurde schnell der Beste seines Jahrgangs, was er sich nie zu träumen gewagt hatte, und schloss das Studium erfolgreich ab. Er bekam gleich eine Probezeit als Assistenzarzt der Chirurgie in einem New Yorker Krankenhaus, auf die bald eine Festanstellung folgte, und war glücklicher als jemals zuvor. Er hatte die schönste, lustigste und beste Frau der Welt, dazu noch die süßeste Tochter des Universums und er lebte seinen Traum. Auch Maria ging es gleich, ihr Traum war es auch immer gewesen, Sängerin zu werden und ihre große Liebe zu finden, zu heiraten und eine Tochter zu bekommen.
Mittlerweile war Dr. Christoph Reiner ein begnadeter Chirurg und Oberarzt in New York, Maria war eine regional berühmte Sängerin mit zwei aufgenommenen Alben und ihre Tochter wuchs immer schneller heran. Immer noch konnte nichts ihr Glück trüben. Naja, fast nichts.
Dr. Reiner hatte vor zwei Jahren die Stelle in Washington angeboten bekommen. Es war eines der besten Krankenhäuser des Landes, und es war eine riesen Chance für ihn. Aber er wollte sie nicht annehmen, weil er nicht eine Sekunde ohne seine zwei Süßen sein wollte. Und das müsste sein, wenn er sie annehmen würde. Er wollte Kathy nicht aus der gewohnten Umgebung reißen, in der Pubertät war das ja das Schlimmste, sie von ihren Freunden zu trennen. Maria sang wieder in einer Bar, und dort konnte sie nicht kündigen, da sie einen Vertrag unterschrieben hatte. Also konnte er sie nicht mit nach Washington nehmen.
Da er aber wusste, dass die Beiden ihn überreden wollten, sich die Chance nicht durch die Lappen gehen zu lassen, verschwieg er ihnen das Angebot. Da hatte er jedoch die Rechnung ohne Katherine gemacht. Sie hatte den Brief gefunden, ihn Maria gezeigt und ihren Vater zur Rede gestellt. Dieser wusste nicht, was er sagen sollte, und da es genauso kam, wie er befürchtet hatte, entbrannte der erste große Familienstreit, bis er murrend das Angebot annahm. Natürlich waren alle todtraurig, aber sie nützten die letzten Wochen und hatten gemeinsam die beste Zeit ihres Lebens.
Am Flughafen gab es dann einen tränenreichen Abschied. Dr. Reiner gefiel die neue Stelle sehr, er fühlte sich geehrt, aber er konnte immer nur an seine Frau und seine Tochter denken. Immer, wenn er frei hatte, flog er nach New York, oder sie flogen nach Washington. Ihre Liebe verblasste nie, aber ihre Sehnsucht wuchs immer mehr.
Nach einem Jahr bekam allerdings auch Maria ein Angebot, nämlich, eine Tour zu starten. Noch ein Traum schien in Erfüllung zu gehen, aber das würde bedeuten, dass sie die drei Monate Sommerferien ihre Familie nie sehen würde. Es kam zum zweiten Familienstreit, und schließlich verabschiedete sie sich schweren Herzens von ihnen. Katherine wohnte die Hälfte der Ferien bei Christoph, sie hatten viel Spaß zusammen, aber sie vermissten Maria sehr. Als sie es nicht mehr aushielten, sie nur am Telefon zu hören, besuchten sie ein Konzert von ihr und waren beide mächtig stolz auf sie. Kathy wollte den Rest der Tour auch noch mitgehen, sie wollte auch Sängerin werden, und so blieb Christoph alleine zurück.
Dann wurde die Tour verlängert, und danach fuhren die beiden Frauen auch noch nach Europa, um dort die Tour fortzusetzen. Dr. Reiner war sehr unglücklich, da er sie die meiste Zeit nie erreichte oder sah, und dann wurde er einsam. Und wütend, da Katherine einfach die Schule abgebrochen hatte und jetzt als Backgroundsängerin ihr Geld verdiente.
Ja, und dann kam Mary. Eine süße, schöne, sexy Deutsche, und auf einmal fühlte er sich nicht mehr einsam.


„Weißt du, am Anfang waren wir sowas wie gute Freunde“, erzählt Dr. Reiner mit einem seligen Lächeln.
„Echt? Das hat Mary gar nicht erzählt“, erwiderte Gretchen überrascht.
„Sie hat dir wohl mehr verschwiegen…“, seufzte er, „…wahrscheinlich hat sie dir nur die schlimmen Dinge über mich erzählt.“
Ja, da könnte er durchaus recht haben…zwischendurch hat sie zwar beteuert, dass er auch lieb sein kann, aber dann hat sie schon wieder eine neue Gemeinheit herausgekramt und ich hab das Liebe vergessen…
„Ja ähm…manchmal waren auch ganz süße Dinge dabei…“, stotterte sie verlegen. Er zog eine Augenbraue hoch.
„Sie muss zwar noch sehr viel lernen, aber ich habe sie sofort gemocht. Als Freundin. Ich wollte einfach nicht mehr einsam sein… du weißt gar nicht, wie es ist, wenn der Kontakt zu den Menschen abbricht, die man am meisten liebt…“
Ach Gott, der Arme! Jetzt kann ich schon verstehen, warum er das alles macht. Das muss schrecklich für ihn sein…
„Du kannst doch mit mir reden…jetzt, wo du mir schon alles erzählt hast“
Mitfühlend legte sie eine Hand auf seinen Arm. Er schaute ihr in die Augen und sah, dass sie es ernst meinte.
„Du bist also nicht sauer, dass ich dich gestern geküsst habe? Ich hab schon gehört, dass…naja…dass ihr euch ganz schön gezofft habt…das wollte ich echt nicht! Ich bin so ein Idiot!“
„Ich war sauer! Ich weiß, dass du es nur aus Eifersucht gemacht hast, aber dass du dann gleich mich nehmen musst… ich hab so langsam die Schnauze voll von diesem Kindergarten! Ich dachte, wenn ich nach Washington komme wird alles anders als in Berlin…“
Neugierig fragte er, was das für ein Kindergarten gewesen sei, aber sie winkte nur ab und sagte eindringlich: „Jetzt geht es um dich! Ich will jetzt verdammt nochmal wissen, was Sache ist!“
„Wie jetzt?“, fragte er verwirrt und schaute sie erschrocken an.
Warum verstehen Männer eigentlich nie, auf was frau hinauswill? So schwer von Begriff kann man(n) ja gar nicht sein!
„Ich will wissen, ob du Mary liebst, und warum jetzt auf einmal Maria wieder da ist!“
Er druckste eine Weile herum und dann begann er wieder: „Ich hab Mary immer gemocht, und wir sind Freunde geworden. Aber ich glaube, du weißt, was herauskommt, wenn Männer und Frauen Freunde werden…“
Und wie ich das verstehe! Wie bei Mehdi damals…wie hab ich doch so schön und weise gedacht? „Der Sex kommt einem immer dazwischen…“, ach ja, wie wahr, wie wahr…
„…irgendwann war es ein Bier zu viel und wir sind im Bett gelandet. Und dann hat sie mir am nächsten Morgen gesagt, dass… ähm… sie sich in mich…verliebt hat. Auf einmal war alles so kompliziert! Sie hat mich im Büro besucht, und ich konnte nie die Finger von ihr lassen… ich weiß auch nicht, warum. Irgendetwas ist an ihr, was mich fasziniert. Ich kann einfach nicht klar denken, wenn sie bei mir ist. Und ich hab auch begonnen, etwas zu fühlen… aber ich hab es nie zugegeben. Es sollte einfach nur eine Affäre sein. Ich hab nie vergessen, dass sie in mich verliebt ist, und dann, kurz bevor du aus Deutschland gekommen bist, stand auf einmal Maria in der Tür und meinte, die Europatour sei zu Ende und sie konnte sich nie melden, weil es zeitlich einfach nicht ging. Plötzlich war ich nicht mehr sauer, denn ich wusste, dass ich sie ab jetzt wieder haben würde. Falls du denkst, ich hätte irgendwann aufgehört, sie zu lieben… nein, ich hab sie so sehr vermisst! Ebenso wie meine Tochter! Ich war so glücklich! Alles war perfekt! Sie hatte mir dann erzählt, dass sie wieder nach New York müsse, um ein neues Album aufzunehmen, und da wurde das Glück wieder ein bisschen gedämpft. Aber zumindest war sie im Land! Kurzzeitig hatte ich Mary komplett vergessen, aber als Maria dann wieder weg war, erinnerte ich mich wieder an sie. Zuerst wollte ich die Affäre beenden, aber ich konnte nicht. Sie hat mich so schön angelächelt, als ich bei ihr in der Tür stand. Ich brachte es nicht übers Herz, sie zu verletzen, und hab die Affäre fortgeführt, aber immer mit einem schlechten Gewissen. Dann hat gestern plötzlich Maria angerufen und meinte, dass sie auf dem Flughafen warten würde. Deshalb bin ich auch so schnell verschwunden. Ich musste noch einmal kurz ins Krankenhaus, und dann hat Mary uns zusammen gesehen. Ich fühle mich so mies. Oh Gott, ich bin so ein blöder Arsch!“
Klarer Fall von „ich weiß nicht, was ich fühle“…
Dr. Reiner vergrub den Kopf in seinen Händen. Jetzt, da Gretchen die ganze Geschichte kannte, konnte sie ihn erst richtig verstehen. Er war eigentlich kein Macho. Nur ein liebender Ehemann, der im Stich gelassen wurde und sich in einer verfrühten Midlife-Crisis zu befinden schien.
„Was soll ich bloß tun?“, fragte er sie um Rat.
Oh nein. Ich bin vielleicht gut im Ratschläge geben im Falle von „Wie angle ich mir meinen Traummann“-obwohl, da hatte ich selbst auch schon einige Schwierigkeiten-, aber ihm kann ich unmöglich einen guten Rat geben…auf eine Frage hat er mir allerdings immer noch keine Antwort gegeben…
„Ähm… Liebst du Mary denn?“
„Ich weiß es einfach nicht, verdammt!“, rief er nach ein paar Sekunden verzweifelt.
„Oh. Das erschwert die Entscheidung allerdings…“
„Was denn für eine Entscheidung?“, fragte er verblüfft.
Das fragt der doch nicht ernsthaft?
„Ja du kannst unmöglich so weitermachen wie bisher!“
„Ja ich weiß… aber ich hab keine andere Wahl!“
„Bitte?“, rief sie empört.
Keine andere Wahl??! Ist der jetzt komplett übergeschnappt? Er kann doch die Beiden nicht so verarschen! Er selbst leidet ja auch darunter und Mary noch mehr…Maria scheint wohl noch nichts mitbekommen zu haben, aber das ist auch nur eine Frage der Zeit! Vielleicht ist er doch ein Macho…
„Naja… Maria ist ja nur für eine Woche hier… Kathy ist noch in New York, ich könnte mir Urlaub nehmen…“
„Aber du kannst sie doch nicht einfach so verarschen! Entweder du bleibst bei ihnen oder du entscheidest dich für Mary!“
„Das ist aber so schwer! Ich kann ohne die drei einfach nicht leben!“
Unter anderen Umständen wäre das jetzt süß gewesen…
Plötzlich wusste Gretchen, was sie zu sagen hatte: „Also, wenn ich in so einer Situation stecken würde, dann…“
Sie wurde aber unterbrochen, denn auf einmal riss jemand die Tür auf und stürmte ins Büro.

Sophiee^^ Offline

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28.09.2011 15:30
#63 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Krank

Aber ihr bekommt trotzdem nen Teil.


Ein stocksaurer, nein, das wäre zu milde ausgedrückt, ein rasender, vor Wut blinder und total eifersüchtiger Dr. Marc Meier rannte durch die Flure dieses neuen, riesen Krankenhauses und suchte seinen Hasenzahn. Aber er fand sie einfach nicht.
Der Arsch ist doch komplett irre. Es reicht schon, dass ich Hasenzahn vor einem miesem Arschloch in diesem verfickten Krankenhaus beschützen muss, und jetzt kommt der ach so tolle Oberarzt und küsst sie. Einfach so. Boah ich könnt echt… NIEMAND KÜSST MEINEN HASENZAHN AUSSER ICH!!!!
Deswegen hat sie gestern so rumgedruckst! Sie wollte mir den wahren Grund nicht nennen, weil da noch mehr läuft. Ich hab schon alle Stockwerke durchgekämmt und sie nirgends gefunden, das heißt dann wohl, dass sie mich angelogen hat. Wahrscheinlich hat sie gar keinen Dienst, liegt bei dem Arsch zuhause im Bett und lacht sich über den verliebten Trottel, der ich geworden bin, schlapp. Aber so leicht lass ich mich nicht verarschen, Hasenzahn, das wird Konsequenzen haben…

„Boah Marc, wieso gibst du Gretchen jetzt die Schuld? Dr. Reiner hat sie doch geküsst, sie wollte das doch gar nicht! Sie hat doch dich, was soll sie denn mit dem Trottel?“, rief ihm die Stimme der Vernunft zu.
Ja, kann ja sein, aber trotzdem. Sie hat ne Schwäche für Oberärzte und Arschlöcher… und da ich jetzt so ein Waschlappen geworden bin, sucht sie sich einfach nen neuen…
„Es macht überhaupt keinen Sinn, was du da denkst! Gretchen liebt dich, jetzt, in der Vergangenheit und in der Zukunft erst recht. Warum geht das nicht in deinen Dickschädel??!“
Vielleicht hast du recht…aber sie hat mich angelogen!
„Ja, weil du ihr eine Szene gemacht hättest. Sie hatte einfach Angst vor deiner Reaktion. Und so wie du dich aufführst, war das ja auch berechtigt! Außerdem lügst du sie auch an!“
Hey, das wird mir jetzt echt zu blöd! Zu welcher Seite hältst du überhaupt??!
„Logisch zu ihrer“
Aber du bist MEIN Gewissen… oder meine Vernunft… oh mein Gott, was mach ich denn hier? Ich streite mit meinem Gewissen! Ich bin komplett durchgeknallt…
Marcs Wut auf Gretchen verrauchte und wich der Enttäuschung, da sie ihm nicht die Wahrheit gesagt hatte. Ja, er hatte ihr auch nicht die Wahrheit gesagt, aber das war doch nur zu ihrem Besten… er wollte nicht, dass es ihr schlecht ging. Und sie war ja die gewesen, die ohne Lügen leben wollte, und dann sagte sie ihm einfach, dass gar nichts gewesen war mit dem notgeilen Spinner…
HASENZAHN GEHÖRT MIR!!!!!! Der kann sie nicht einfach so küssen, verdammt! Dieser Vollpfosten kriegt jetzt ne Tracht Prügel, die sich gewaschen hat. Wollte sich an Gretchen aufgeilen und hat sie angemacht…dieser Wichser soll seine dreckigen Griffel von meinem Mädchen lassen. Verdammt, wo ist sie nur?? Wie groß kann so n Krankenhaus denn bitte sein, dass sie sich gut verstecken kann??!
Im Stationszimmer angekommen, polterte er auch gleich los: „Wo ist sie?!“
Die Schwester zuckte zusammen und sah ihn dann mit großen Augen an. Sie bekam kein Wort heraus. Das war das erste Mal, dass Dr. Meier sie angesprochen hatte, wenn es nicht um die Arbeit ging. Ihre Freude wurde aber gedämpft, da er nach dieser Ärztin fragte, die schwanger von ihm war.
Sie seufzte kurz auf und hatte die Frage ganz vergessen, bis Dr. Meier erneut schrie.
„WO IST SIE???!“
Zu allem Übel kam jetzt auch noch ein aufgetakeltes, ca. 16-jähriges Mädchen mit klappernden Absatzschuhen und Handtäschchen dahergelaufen und sprach die von der Situation überforderte Schwester an:„Sorry, ich würde gerne zu Dr. Chris Reiner. Können Sie mir sagen, wo sein Büro ist?“
Ihre Stimme klang melodisch, fast so als würde sie sie trainieren. Vielleicht war sie ja Sängerin.
Was will denn die Kleine da von „Chris“ Reiner? Vielleicht ist sie ja auch eine Affäre von ihm! Sexuelle Belästigung an Minderjährigen! Der Typ hat sie doch echt nicht mehr alle…
Die Schwester antwortete dann auch noch dem Mädchen vor ihm und beschrieb ihr den Weg. Diese lächelte ihr noch einmal kurz zu, musterte Marc beim Vorbeigehen interessiert und stöckelte davon.
Boah Scheiße, die ist ja echt schlimmer als Sabine! Haaaaaallooo, ich warte auch auf eine Antwort!! Wo ist Hasenzahn?? Sie kann wohl nicht von Erdboden verschluckt sein!
Oh nein… was ist, wenn Frank sie wieder angepiept hat und er jetzt irgendwo mit ihr hin ist um…Mist, ich muss sie finden!

Marc fragte noch einmal ruhiger, da sie ihm sonst vor Angst nicht antworten würde, und bemüht freundlicher: „Wissen Sie, wo Dr. Haase rumschwebt?“
„Oh, warum haben sie das nicht gleich gesagt?“, sagte nun die Schwester und Marc rollte mit den Augen, „sie ist bei Dr. Reiner, in seinem Büro“
Ey, was will die denn bei dem Arschloch? Wollte sie nicht heute unbedingt zu Hause bleiben um ihm aus dem Weg zu gehen???! Ich versteh die Frau einfach nicht!
Ohne ein Wort rauschte er weiter nach oben, und die Fantasie, dass sie doch was mit ihm haben könnte, verschwand doch nicht ganz aus seinem Kopf, obwohl er eigentlich selbst wusste, dass das nie sein könnte. Gretchen konnte einem einfach nichts vorspielen. Und ihm schon gar nicht.
Er sah das Teeny-Mädchen, oder wohl eher die junge Frau, wie sie zielstrebig an Dr. Reiners Büro vorbeistolzierte. Er schmunzelte ein bisschen, aber als er vor der Tür stand, verging ihm das gleich wieder und die altbekannte Wut kam zurück. Ohne anzuklopfen stürmte er ins Büro und ließ die Tür ins Schloss krachen, bevor er wie ein wildgewordenes Rhinozeros auf Christoph losging.
„Du bist echt so ein…“, schrie er wütend und wollte ihm schon eine knallen, als er von Gretchen an der Schulter festgehalten wurde. Er zuckte zusammen und drehte sich um, sodass er ihr in die Augen sehen konnte.
„Spinnst du jetzt oder was?“, fauchte sie ebenso laut, „Wir hatten etwas Wichtiges zu besprechen!“
Wichtiges zu besprechen?! WICHTIGES ZU BESPRECHEN??! Sag mal, jetzt hackts aber echt?????!!!
„WICHTIGES ZU BESPRECHEN???!!“, brüllte er und jetzt war Gretchen die, die zusammenzuckte.
Dr. Reiner saß ein wenig eingeschüchtert in seinem Sessel. Er fühlte sich nicht wohl, und daran waren nicht nur Dr. Meier und seine Schimpftirade schuld, die eigentlich gar nicht wirklich ihm galt: „Ich glaube, DU bist die, die spinnt!! Ich hab mir gestern echt Sorgen gemacht, als du so aufgelöst warst. Ich hatte keine Ahnung, was mit dir los war, ja! Ich dachte, „Scheiße, vielleicht ist ja was mit dem Baby“ oder „Fuck, was hab ich jetzt schon wieder falschgemacht?“. Und dann erfahr ich über so ne scheiß SMS, dass der Widerling dich abgeschlabbert hat!! Findest du das eigentlich witzig, mich so zu quälen??! In letzter Zeit hab ich ja versucht, dir ein bisschen entgegenzukommen, aber meistens ziehst du dich dann zurück. Weißt du, was für ein scheiß Gefühl das ist, dass du mir nicht vertraust?“
Gretchen wollte mit Tränen in den Augen etwas einwerfen, aber Marc ließ sie nicht zu Wort kommen. Er war nun eindeutig ruhiger, nachdem er sich das endlich von der Seele geredet hatte, und sagte nun verächtlich an Christoph gewandt: „Und du blöder Arsch küsst dann meine Freundin, also echt! Wie tief bist du nur gesunken? Scheint Dr. Thompson wohl nicht mehr zu reichen!“
Mit zusammengebissenen Zähnen versuchte Marc, die aufkommenden Gefühle, die hauptsächlich aus Wut bestanden, zu unterdrücken, damit er nicht Dr. Reiner die schlimmsten Schimpfwörter an den Kopf warf. Mittlerweile hatte er sich soweit beruhigt, dass er wieder an seine Karriere dachte, die wohl leiden würde, falls Dr. Reiner das bei Frau Stiegelmayer meldete. Auf der Suche nach Ablenkung wanderten seine Blicke zu Gretchen, die ihn mit verheultem Gesicht ansah und aus seinem Gefühls-Vorrat kam jetzt auch noch das schlechte Gewissen.
Scheiße, eigentlich wollte ich doch nur ihn anscheißen. Mist! Ich will nicht, dass sie weint! Und erst recht nicht wenn ich der Grund bin…
Schnell sah er weg, und dann sah er Dr. Reiner ins Gesicht. Bei seiner Visage nahm wieder die Wut Überhand, aber er suchte wieder Ablenkung. Er ballte die Faust und sah ihm in die Augen. Christophs Blick war überraschend leicht zu deuten. Sonst war immer eine gewisse Distanz und professionelle Kühle in seinem Blick. Er trug seine Gefühle nicht für alle sichtbar mit sich spazieren. Aber dieses Mal war er fassungslos und vielleicht auch ein bisschen missgelaunt, da Marc sein „Geheimnis“ von Mary wusste. Aber ein Ausdruck wunderte Marc besonders: Da war ein schlechtes Gewissen. Aber warum?
Von Marcs Beobachtungsaktion ein bisschen nervös geworden, sah Dr. Reiner sich gezwungen, etwas zu sagen. Er kratzte sich verlegen am Kopf und versuchte es mit einem kleinen Lachen.
„Ja, sorry, ähm… das war echt ne blöde Situation gestern…“
Er lächelte wieder ein bisschen unsicher und sah an Marc vorbei zu Gretchen, der die Tränen bereits getrocknet waren. Aber sie hatte nur Augen für Marc. Also, für das, was sie von ihm sah. Also den Rücken. Einen angespannten Rücken…
Ach so…ja dann ist ja alles klar. Friede, Freude, Eierkuchen. Ist der eigentlich bekloppt??! Jetzt soll ich zufrieden sein, oder wie? Oder ihm VERZIEHEN HABEN??! Der hat wohl zu viel Fastfood gefressen… nicht gut für das erbsengroße Gehirn, mit dem er komischerweise Arzt geworden ist…
Marc stieg zum Schein in sein Lachen ein, nur um dann abrupt aufzuhören und wieder zu schreien: „Ja, das war es allerdings! Die gehört mir, klar???!“
„Marc“, sagte jemand leise. Er drehte sich um. Ihre Augen waren traurig. Schlagartig wurde er auch traurig, weil er mal wieder der Grund war, warum die Frau, die er liebte, traurig war.
„Bitte lass uns nachher reden, ja?“, sagte sie und versuchte, ihre Stimme stark klingen zu lassen, was ihr aber misslang. Wieder stahlen sich Tränen in ihre blauen Augen. Marc ging auf sie zu du nahm sie in den Arm. Beruhigend strich er ihr über die Haare, während sie still vor sich hin weinte.
„Bist du noch sauer?“, flüsterte sie zwischen zwei Schluchzern so leise, dass nur er es verstehen konnte.
„Nein“, sagte er zärtlich und hielt sie noch ein bisschen fester.

Sophiee^^ Offline

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01.10.2011 13:49
#64 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Hab mich ein bisschen auskuriert und bin wieder fit zum schreiben. ^^

Danke für die Kommis

Weitere sind natürlich immer erwünscht.

Kommentare zur Story von Sophiee^^ (13)


Eigentlich war ich nicht auf dich sauer, Hasenzahn. Immer nur auf das Arschloch. Ich wollte dich nicht so anfahren. Es tut mir leid.
Gretchen schien seine Gedanken gehört oder zumindest erraten zu haben, denn jetzt lächelte sie ein wenig.
Dr. Reiner fühlte sich irgendwie fehl am Platz und wollte schon verschwinden, obwohl es ja eigentlich sein Büro war, als plötzlich die Tür noch einmal aufgerissen wurde.
„DADDY!!!!“, rief Kathy, schmiss ihre Handtasche in irgendeine Ecke und rannte auf ihn zu, nur um sich dann in seinen Armen vorzufinden. Sie schlang die Beine um seine Hüfte und er wirbelte sie herum. Er freute sich so, sie wiederzusehen, dass er all seine Sorgen auf einmal vergaß. Nur seine kleine große Katherine konnte das bei ihm auslösen.
„Kathy, my sweety little girl! Ich dachte, du bist in New York??!“, rief er, ließ sie wieder auf den Boden und drückte sie ganz fest an sich.
Als sie seine Worte vernahm, löste sie sich abrupt von ihm und sah ihn vorwurfsvoll an und sagte: „Daddy, das „sweety little girl“ ist sowas von peinlich! Kannst du dir das nicht mal abgewöhnen?“
Daraufhin lachte ihr Dad nur und nahm sie noch fester in den Arm. Seine beiden Gäste, einer davon glücklich und gerührt lächelnd, der andere irritiert mit Kinnlade am Boden, hatte er ganz vergessen.
Daddy??! In was für einem Film bin ich eigentlich?? Seit wann hat der wild rumfickende Typ ne Tochter? Ist das etwa Dr. Thompson Kind?
„Hasenzahn, wärst du so gütig, mir zu erklären, was hier abgeht?“, flüsterte er, ohne den Blick von Vater und Tochter zu wenden.
Sie freute sich für Christoph, dass er auf einmal so glücklich war, und raunte zurück: „Später!“
Dann wollte sie ihn aus dem Büro schieben, aber gerade kam ein Pfleger rein und meinte, dass alles bereit für die OP sei.
Dr. Reiner wurde aus seiner heilen Welt gerissen und strahlte den Pfleger an, was dieser mit einem unwohlen Gefühl zur Kenntnis nahm. Dr. Reiner war so gut wie nie so glücklich wie jetzt. Er wollte sich auch nicht stören lassen und jetzt mit seinem geliebten Töchterchen in Ruhe einen Kaffee trinken, deshalb sagte er locker und gelöst: „Dr. Meier, das übernehmen Sie.“
„Ähm…“
Was erlaubt der sich? Hallo? Der ist nicht mein Chef, und nur, weil er länger da ist als ich, heißt das nicht, dass er mich rumkommandieren kann! Wir sind gleichgestellt… und eigentlich hab ich ja frei…
„Keine Widerrede, und Gretchen, du assistierst ihm“
Seine Tochter guckte verstohlen vom empörten Gesicht von Marc bis zum überraschten von Gretchen und dann in das überglückliche von ihrem Papa. Sie flüsterte: „Daddy, wovon redet ihr denn? Du weißt genau, dass ich es nicht mag, wenn du Deutsch redest!“
„Nichts, Kitty-Kat, nur eine Operation…“
„Was ist denn das für eine Operation?“, fragte Gretchen neugierig.
Ja, das würd mich auch mal interessieren… bis jetzt waren alles nur OPs, die ich in Berlin auch schon durchgeführt habe und nichts aus den Fellowship-Unterlagen… vielleicht ist es dieses Mal was Spannendes…
„Wir müssen jetzt gehen!“, warf der Pfleger ein und schaute erwartungsvoll von einem zum Anderen.
„Sie müssen Siamesische Zwillinge trennen. Sie sind am Kopf und an den Schultern zusammengewachsen, die Überlebenschance ist sehr gering, also strengen Sie sich an und zeigen Sie, was Sie können!“, erklärte Dr. Reiner.
Jetzt macht der einen auf Motivations-Coach. Kann doch nicht so schwer sein, die zu trennen… Gott und seine Gehilfin schaffen ja schließlich alles, ne?
Wie geil, ich darf wieder mit Hasenzahn operieren!!!

„Siamesische Zwillinge?!“, konnte Gretchen gerade noch mit quietschender Stimme fragen, dann wurden sie auch schon vom Pfleger mitgezogen. Verunsichert ging sie neben Marc her, der sich auf die OP freute.
Endlich mal was Neues!
„Marc, ich weiß nicht, ob ich das kann!“, wisperte sie leise.
„Ach was, wir schaffen das schon!“, ermutigte sie Marc und nahm ihre Hand. Er drückte sie kurz und lächelte sie dann an, und schlagartig lächelte sie auch und wirkte auch nicht mehr so verunsichert.
Sein Ärger war verflogen, kurz fragte er sich, ob sie das wirklich schaffen würden, aber er war zuversichtlich. Erstens war ja ein Spezialist dabei, also jemand, der solche OPs regelmäßig durchführte, zweitens war er ein begnadeter Chirurg und drittens schaffte er mit Hasenzahn zusammen alles.



Die OP war eigentlich gut verlaufen. Wie Dr. Reiner schon gesagt hatte, war die Überlebenschance sehr gering. Jimmy und Johnny wurden auf ewig getrennt, Johnny hatte ein großes Opfer für seinen Bruder erbracht. Er wäre fast gestorben, jetzt lag er auf der Intensivstation und kämpfte weiterhin um sein Leben. Wenn er überlebte, würde er aber große Schäden davontragen.
Gretchen und Marc lagen im Bereitschaftszimmer auf dem Bett, auf dem Gretchen ihm gesagt hatte, dass er der Vater ist. Sie hielten sich fest im Arm und schwiegen. Romantik erfüllte die Luft.
Er ist nicht sauer auf mich. Er ist total eifersüchtig geworden… ich konnte zum Glück noch eine Prügelei verhindern. Ich wusste, dass er so reagieren würde. Aber es war auch irgendwie berechtigt. Das hätte echt nicht sein müssen, also das mit dem Kuss. Dr. Reiner ist schon ein komischer Kauz.
Ich hätte nie gedacht, dass seine Familie der Grund ist, dass er so abweisend zu Mary ist. Gefühlskrüppel? Arschloch? Ja, das könnte man glauben. Wenn ich so darüber nachdenke, dann ist er wirklich komisch… ja, er war einsam, aber das ist doch lange kein Grund, Mary Hoffnungen zu machen und sie dann so schlecht zu behandeln. Und Maria und Katherine so zu belügen und zu betrügen… also echt, Männer wissen auch nicht, was sie wollen!
Aber bei seiner ganzen Lebensgeschichte ist mir schon aufgefallen, dass er die beiden wirklich über alles liebt. Er würde alles für sie tun. Hach. Das ist echt süß.
Tja, Marc hätte sich aber ein anderes Timing aussuchen können mit seiner Eifersuchtsnummer bzw. Gockelauftritt. Endlich werde ich mal um Rat gefragt, dann fällt mir auch einer ein und dann darf ich ihn nicht aussprechen. Also ich glaube, Christoph liebt Maria immer noch so wie früher, und, auch wenn es Mary wehtun wird, das mit ihr ist wahrscheinlich nur so was wie eine „kurzzeitige Verwirrung der Gefühle“. Ich muss noch einmal mit ihm reden. Aber nicht jetzt. Später.

Marc strich mit seinem Daumen über Gretchens Handrücken. Ihr wurde wieder warm, und für einen Moment kam es ihr so vor, als hätte ihr Baby einen Sprung in ihrem Inneren gemacht, auch wenn das eigentlich gar nicht möglich war.
„Das hast du gut gemacht, Hasenzahn“, flüsterte ihr Marc ins Ohr, „ich bin stolz auf dich!“
Er gab ihr einen Kuss aufs Haar und sie kuschelte sich noch enger an ihn.
So offen hat er noch nie mit mir geredet… er ist stolz auf mich. Hach.
„Marc?“
„Hmm?“
„Glaubst du, dass Johnny überleben wird?“
„Ich bin mir sicher“
„Aber wie kannst du dir da so sicher sein?“
Marc zögerte kurz, aber dann sprach er trotzdem seinen Gedanken aus.
„Ich fühle es!“
Sie lächelte.
„Ich glaube, Jimmy könnte ohne ihn nicht leben“
Er brummte nur, sie sah das als Zustimmung.
Jimmy kann ohne Johnny nicht leben, und ich kann ohne dich nicht leben, du Knallkopf. Oh Gott. Wenn ich mir vorstelle, ohne dieses Lächeln, dieses Gesicht, diese Sprüche… nein, ich darf es mir nicht vorstellen. Er ist ja hier. Bei mir. Und das hoffentlich für immer.
Sie drehte sich um, sodass sie ihm in die Augen schauen konnte.
„Bist du wirklich nicht mehr sauer?“, fragte sie unsicher, aber sie versuchte standhaft zu bleiben und schaute ihm weiterhin in die Augen.
„Nein“, sagte er ohne Umschweife und gab ihr einen kurzen, zärtlichen Kuss.
Wieso kann er nicht immer so sein? So zärtlich, so lieb, so süß, einfach zum Knuddeln.
Aber das wird wohl nie so sein… dann wäre er auch nicht mehr mein Marc. Ich liebe ihn. Mit all seinen Macken.

„Kann ich dich noch was fragen?“
Genervt rollte er mit den Augen.
„Muss das sein? Das zerstört doch den…ähm…dings… Moment!“
Gretchen kicherte und gab ihm dann einen Kuss.
Okay, dann eben keine Frage mehr…
„Du bist so ein Knallkopf, weißt du das?“, sagte sie immer noch grinsend und erntete dafür ein Schnauben und ein empörtes „Ey!“.
„Aber ein süßer Knallkopf!“, fügte sie noch hinzu, dann drehte sie sich wieder um, nur um sich dann noch enger an ihn zu kuscheln.
„Gretchen, das Wort „süß“ ist im Zusammenhang mit mir non existent!“
Das brachte sie wieder zum Kichern, aber irgendwann herrschte wieder die angenehme Stille.

Sophiee^^ Offline

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04.10.2011 16:01
#65 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Hallo allerseits...

Ich denke, der erste Gretchen- Teil wird euch gefallen... der Marc- Teil... hm... vielleicht.

Kommentare zur Story von Sophiee^^ (13)


Ich liebe diese Stille… normalerweise mag ich das ja nicht… es hat immer so was von „wir haben uns nichts mehr zu sagen“… aber diese Stille ist so…anders. So mit einem Hauch Romantik…
Sie ließ noch einmal das ganze Gespräch mit Dr. Reiner Revue passieren, dann das plötzliche Auftauchen von Marc und dann kam auch noch das Fräulein Tochter dazu. Bei Marcs Eifersuchtsaktion fiel ihr aber etwas auf. Etwas, das sie breit lächeln ließ. Und das blieb ihm nicht verborgen.
„Was grinst du denn so?“, fragte er, während er mit einer ihrer Locken spielte.
„Du hast mich deine Freundin genannt“, platzte sie auch gleich heraus und strahlte ihn an.
Und ich hab’s nicht einmal gemerkt, ich bin so blöd…
Auf einmal wurde Marc ganz nervös und er setzte sich auf.
„Ja…also…ähm…“, stotterte er und fuhr sich durch die Haare, was zur Folge hatte, dass ihm Strähnen ins Gesicht fielen. Gretchen setzte sich auch auf und schaute ihn erwartungsvoll an.
„Wir wollten doch reden!“, erinnerte sie ihn. Er holte tief Luft, schloss einmal kurz die Augen und meinte: „Gut, reden wir“
Er will mit mir reden? Ohne dass ich ihn zwinge??! Marc, ich bin so stolz auf dich!
Sie umarmte ihn und drückte ihn glücklich an sich. Sie konnte auch nicht verhindern, dass sich ein paar Freudentränen in ihre Augen stahlen. Nach einer gefühlten Ewigkeit schob er sie sanft von sich und räusperte sich.
„Wir wollten doch reden?!“
„Ja“, sagte sie mit vor Freude bebender Stimme.
„Oh nee, wieso heulst du denn jetzt?“, seufzte er, als er ihre Tränen bemerkte.
„Ich bin so glücklich“
Da lächelte auch Marc, aber er wurde schnell wieder ernst. Er holte noch einmal tief Luft.
„Also… ich finde einfach, dass das mit uns… das ist echt…ähm… was Besonderes. Und ich will keine Affäre. Davon hatte ich genug in meinem Leben. Ich möchte… eine Beziehung“
Die junge Ärztin wusste nicht, was sie sagen sollte. Stille Freudentränen rannen ihr immer noch über das Gesicht. Er hatte den Blick abgewandt, aber als er keine Antwort erhielt, sah er doch auf.
„Was sagst du dazu?“, fragte er verunsichert und knetete seine Hände.
„Ich…bin glücklich“, antwortete sie und lächelte.
„Hä?“
„Marc!“, rief sie vorwurfsvoll.
„Was denn?!“, meinte er. Er schien wirklich nicht zu verstehen, dass das gerade sowas wie ein „Ja“ war.
Boah echt, sonst ist er nie so ein Nichtschecker…
„Muss ich jetzt meine Zustimmung geben, oder was?“, meinte Gretchen ein wenig genervt von seiner Begriffsstutzigkeit.
„Ähm…ja??!“
„Du weißt, dass ich schon seit 16 Jahren auf diesen Moment warte? Und jetzt bist du dir nicht sicher, ob ich eine Beziehung will? Ich dachte, das sei klar“, stellte sie es richtig, aber er schien immer noch auf der Leitung zu stehen.
„Boah Marc, natürlich will ich eine Beziehung!“, rief sie und fiel ihm dann noch einmal um den Hals. Glücklich und erleichtert erwiderte er die Umarmung. Sein selbstsicheres Grinsen war wieder zu sehen, und er wusste, dass er das schaffen würde. Er hatte gerade für Gretchen seine heißgeliebte Freiheit aufgegeben und sich Fesseln angelegt. Und er bereute es überhaupt nicht, im Gegenteil, es machte ihn zum glücklichsten Menschen auf der Welt.
Sie hielten sich noch lange im Arm, aber Gretchens Blick wanderte wie zufällig zu seiner Armbanduhr. Erschrocken über die Uhrzeit löste sie sich von ihm und sprang auf.
„Ich muss arbeiten!“
Hektisch versuchte sie, ihre Kleidung und ihre Haare wieder ein bisschen zu ordnen, als Marc aufstand und sie beruhigte.
„Du weißt, dass Stress schlecht ist?“
Sie ließ die Frage einfach offen stehen, gab ihm einen flüchtigen Kuss und verließ den Raum. In der Tür blieb sie noch einmal stehen und drehte sich um.
„Fahr nach Hause und ruh dich aus. Glaub mir, das wirst du brauchen“, meinte sie und lief dann in die Umkleide, um sich für die nächste Operation fertig zu machen.
Ich glaub, das hat er nicht verstanden. Aber er wird schon wissen, wie anstrengend ich bin.
Gretchen, du musst ihm Zeit lassen. Er will es sicher langsam angehen lassen…immerhin ist es seine erste Beziehung…
Ich bin seine erste, ernste Beziehung!!! Juhu!!!!!!
MARC MEIER UND GRETCHEN HAASE SIND EIN PAAR!




„Was war das denn?“, murmelte Marc und berührte wie zufällig seine Lippen, „Ich soll mich also ausruhen?“
Er blieb noch ein bisschen im Bereitschaftsraum stehen und dachte darüber nach, was gerade geschehen war. Er hatte eine Beziehung. Seine erste, wohlgemerkt. Nun ja, nicht die erste, aber die erste, bei der er es ernst meinte. Das mit Nina war nur eine Art Experiment, ob er für Beziehungen gemacht war. Nachdem sie schon nach ein paar Wochen- Wochen des Grauens- den Bach runter war, hatte er beschlossen, dass er nicht für solche Arten von Bindungen gemacht war.
Ist echt komisch, dass sie immer überall herumerzählt, dass wir drei Jahre zusammen waren…tzz… nur, weil sie mir drei Jahre lang gefolgt ist…
Er war ein Karrieremensch. Eine Beziehung schränkte ihn nur ein oder nervte ihn. Außerdem scheiterten sie sowieso irgendwann und machten einen unglücklich, das hatte er ja bei seinen Eltern gesehen.
Bevor er noch weiterdenken konnte, schüttelte er sich und befahl seinen Beinen, nach draußen zu gehen. Jetzt, wo er nicht mehr wütend war, bekam er wieder Kopfschmerzen.
Ich sollte wirklich nach Hause gehen und mich ausruhen…
Er trat auf den Flur und lief in Richtung Ausgang, als die Schwester nach ihm rief. Er schloss die Augen, dann seufzte er genervt auf und machte sich auf dem Weg zum Schwesternzimmer.
„Was ist?“, fragte er barsch und schaute sie erwartungsvoll an.
Wahrscheinlich irgendeine blöde Kleinigkeit… manche Schwestern können echt einfältig sein!
„Ich wollte ihnen nur mitteilen, dass Herr Müller sich heute Morgen aus dem Krankenhaus geschlichen hat. Bis jetzt ist er noch nicht zurückgekehrt“
Was???!! Scheiße, der ist doch nicht etwa abgehauen? Hat er was gemerkt? Aber die Polizei ist doch gar nicht hier??
„Und Sie haben nichts gemacht, um ihn aufzuhalten?“, fragte er versucht cool. Die Schwester merkte, dass es nur die Ruhe vor dem Sturm war, und das machte sie nervös. Dementsprechend stotterte sie herum: „Ähm… Ich wusste nicht… er sagte, seine Ehefrau wartet auf ihn… und dann…ist er gegangen“
„Hat der den Arsch offen?“, schrie Marc ungehalten und stürmte aus dem Raum. Er rannte auf den Aufzug zu, der sich gerade schließen wollte, und hielt die Hand hinein. Er öffnete sich wieder, und Marc trat ein. Er beachtete die zwei anderen Personen gar nicht, die ihn interessiert musterten, und tigerte im Aufzug hin und her.
Ich muss ihn finden. Ja. Und dann nehm ich ein Geständnis von ihm auf und geb’s der Polizei- wobei das sehr schwierig werden wird… aber es muss einfach klappen. Sie müssen mir einfach glauben. Er darf nicht wieder frei sein. Außerdem ist er sicher noch ganz schwach von der OP und er nimmt noch starke Schmerztabletten. Es dauert nicht mehr lange und er liegt irgendwo bewusstlos rum…
Fahrig strich er sich über die Stirn, als er von seinem Kollegen angesprochen wurde: „Wieso sind Sie denn so nervös, Dr. Meier?“

Bitte keine

Sophiee^^ Offline

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07.10.2011 13:48
#66 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Vielen vielen Dank für die ganzen Kommis!! Werde sie wahrscheinlich heute noch beantworten...

@Greta
Manno! Ich wollte doch keine ... naja... sorry


„Was?“, sagte dieser überrascht und drehte sich zu der Stimme um.
Oh nein. Nicht der Reiner und seine Brut! Ich hab gar nicht gecheckt, dass hier noch jemand drin ist…
„Ist die OP nicht gut verlaufen?“, fragte er noch einmal misstrauisch nach. Nun fühlte sich Marc vor den Kopf gestoßen.
„Natürlich ist sie gut verlaufen! Bin schließlich der Beste, ne?“, meinte er und versuchte, selbstsicher zu grinsen. Dr. Reiner grinste sowieso die ganze Zeit, und nun mischte sich auch noch seine Tochter, die die Konversation der Ärzte gespannt mitverfolgt hatte, ein: „Daddy, wer ist das? Ist er neu?“
„Ja, bin ich!“, antwortete Marc an seiner Stelle und reichte ihr die Hand, „Ich bin Dr. Meier aus dem schönen Deutschland!“
„Oh, ich bin Katherine, Chris‘ Tochter“
Ne, echt? Das hätt’ ich nicht mitgekriegt, so oft, wie du ihn „Daddy“ nennst…
Marc lächelte sie gekünstelt an und drehte sich wieder um.
Wie lange braucht denn dieser scheiß Aufzug noch??
„Verraten Sie mir, warum Sie so nervös sind?“, wiederholte Christoph Reiner seine Frage und schaute ihn neugierig an.
Er versuchte, ein Seufzen zu unterdrücken, und kramte nach einem guten Spruch. Fehlanzeige. Er fand keinen. Nur weil dieser Volltrottel abgehauen ist, konnte er sich nicht mehr konzentrieren. Angestrengt freundlich erwiderte er: „Ich hab keinen Bock auf Small Talk“
„Aha?!“, sagte Dr. Reiner nur und verschränkte die Arme. Marc fühlte sich herausgefordert, drehte sich wieder um und sagte um einen lockeren Umgangston bemüht: „Jeder hat so seine Probleme…“
Er grinste Christoph nun an. Dieser verstand sofort, dass er auf sein „kleines“ Problem mit Mary anspielte und hielt die Klappe bis zum Ende der Fahrt.
Endlich Ruhe… gut, wo war ich vorhin? Ach ja. Ich muss den unbedingt finden… scheiße, wo soll ich nur anfangen? Die Schwester meinte, er hätte sich wieder ne Frau angelacht. Und dann benutzt er sie, um abzuhauen??! Der Typ ist so widerlich…
Er könnte überall sein! Also echt, hier sind auch nur alle dumm wie Stroh. Wieso hat die blöde Pute ihn nicht aufgehalten? Er hatte keine Entlassungspapier, da kann man ihn doch nicht einfach so gehen lassen??! Wo sind wir hier? Ich dachte echt, hier wäre es anders als in Berlin… aber immer noch das gleiche Kasperletheater…

Endlich unten angekommen stieg Marc aus und wollte schon davonrauschen, als Dr. Reiner ihn zum Stehenbleiben aufforderte. Noch genervter, falls das überhaupt noch ging, drehte er sich wiederum um und bemühte sich nicht einmal um ein Lächeln.
„Das ist jetzt vielleicht ein bisschen spontan, aber könnten Sie heute Nachmittag was mit Kathy unternehmen? Ich würde Gretchen auch freigeben… es ist echt wichtig, ich muss was mit ihrer Mutter klären…“
Hä? Ist der total bekloppt?
„…bitte, ich werde mich auch revanchieren!“
Flehend blickte er ihn an.
Jap, er ist bekloppt. Und wahrscheinlich auch noch stolz drauf.
„Es ist sicher eine Erfahrung für Gretchen und Sie, jetzt, wo Sie doch auch Eltern werden…“, versuchte er weiter verzweifelt Marc zu überreden, und hoffte darauf, dass Marc jetzt das sagte, was er hören wollte.
„Hab ich den Moment verpasst, in dem wir ewige Treue geschworen haben und uns Freudentränen heulend in die Arme gefallen sind?“
Nein, das wollte er nicht hören.
„Bitte!“
Er setzte einen Hundeblick auf.
Glaubt der, das nutzt was bei mir?
Oh ne, er sieht aus wie Mehdi, wenn der was von mir will…
Hm… Gretchen würde es sicher gefallen. Und wir hätten frei… beide… wir könnten der Kleinen ein bisschen Kohle geben und dann kann sie shoppen gehen… und Gretchen und ich könnten…
Nein, Meier, lass dich nicht ablenken! Du musst den Arsch finden! Auch wenn du wolltest, du hättest sowieso keine Zeit!

„Sorry, hab schon was vor…“, rief Marc, während er weiterging. Dr. Reiner ließ er mit seiner Tochter zurück.
Ich glaub, ich muss nochmal Mehdi anrufen… scheiße!!!
Noch im Gehen suchte er sein Handy, aber er fand es nicht.
Mist, ich hab’s zu Hause vergessen… wär ich doch nicht so schnell hergekommen… und dann auch noch zu Fuß! Bin ich blöd oder was? Jetzt kann ich die ganzen 20 Minuten heim latschen…
Wieso bin ich so gestraft? Ich dachte, jetzt, wo ich endlich mit Hasenzahn zusammen bin, würde alles gut werden… naja, nicht alles, aber dass mir so eine Scheiße passiert, hätte ich auch nicht gedacht…




In der Mittagspause saß Gretchen in der Cafeteria und schlang die Nudeln herunter, die sie sich geholt hatte. Sie war unendlich glücklich, so glücklich, wie sie nur sein konnte, wenn Marc wieder einmal alles richtig gemacht hatte. Sie hätte Bäume ausreißen können, am liebsten würde sie vor Glück schreien.
Lieber nicht, sonst haben hier alle den endgültigen Beweis, dass ich bescheuert im Kopf bin. Ich sollte lieber weiteressen und von Marc träumen…
Aber sie schwor sich, ihn nicht unter Druck zu setzen, denn dann wäre er schnell wieder überfordert und würde weglaufen.
Gretchen, du darfst ihn nicht zu etwas drängen, was er nicht will. Du darfst nicht mehr an ihm zweifeln oder ihm nicht vertrauen. Oh Gott, wieso hab ich ihm eigentlich nicht vertraut? Ja, es ist sehr viel zwischen uns vorgefallen, vor allem Schlechtes, aber er hat sich ja geändert. Das hab sogar ich mitgekriegt. Also, ab jetzt werde ich ihm vertrauen.
Das gestern war echt blöd von mir. Er hat sich Sorgen gemacht! Um mich! Und ich, was tu ich? Lüg ihn einfach so an. KEINE GEHEIMNISSE MEHR! Das ist echt wichtig, Margarethe Haase! Vergiss das nicht!

Gretchen holte sich noch eine Portion, dann setzte sie sich wieder hin und dachte über die Zukunft nach. Sie konnte nicht verhindern, dass das Bild von einem Einfamilienhaus mit Garten, in dem drei Kinder herumtollten, in ihren Gedanken auftauchten, nicht zu vergessen Marc, der Chefarzt im Elisabethkrankenhaus war und nach einem anstrengenden Arbeitstag glücklich und zufrieden nach Hause zu seiner Frau und seinen Kindern zurückkehrte. Sie seufzte leise. Auch wenn Ärztin ihr Traumberuf war, ihr größter Traum war immer noch eine glückliche Ehe und eine Familie. Mit Marc.
Verträumt stocherte sie in ihren Nudeln, als Dr. Reiner sich mit seiner Tochter zu sich an den Tisch setzte. Sie bekam es gar nicht mit, erst als das Gespräch zwischen den Beiden lauter wurde.
„Ich bin alt genug, um alleine zu bleiben. Washington ist kleiner als New York, ich werde mich schon nicht verlaufen!“, zeterte Kathy und funkelte ihren Vater kampflustig an. Dieser schüttelte nur den Kopf und erwiderte genauso stur: „Keine Widerrede, ich finde schon jemanden!“
„Wie oft hab ich dir gesagt, dass ich kein kleines Mädchen mehr bin! Entspann dich doch mal, echt jetzt“, beschwerte sie sich augenverdrehend. Christoph schaute sie vorwurfsvoll an, dann wandte er sich an Gretchen, die das Gespräch der beiden Streithähne still mitverfolgt hatte.
„Gretchen, könntest du dich bitte heute Nachmittag ein bisschen um Katherine kümmern? Bitte, ich würde gerne etwas mit meiner Frau klären… du weißt schon!“
Will er es ihr sagen? Oh nein, die Arme… es ist echt nicht schön, zu erfahren, dass der eigene Ehemann fremdgegangen ist… das war bei Mama auch so schlimm… oh Gott, ich versteh immer noch nicht, wie Papa das nur tun konnte!
Gretchen, du schweifst wieder ab!!

Sie lehnte sich näher an Christoph und flüsterte: „Willst du es ihr sagen?“
Katherine interessierte sich zum Glück im Moment nur für ihr Handy, auf dem sie gerade wie eine wilde rumtippte und dabei glücklich und leicht verträumt grinste. Christoph nahm das beruhigt zur Kenntnis, bevor er ebenfalls leise antwortete: „Ja… ich finde es einfach nicht fair… mein schlechtes Gewissen bringt mich um! Ich glaub, ich brauch ne Pause…“
„Aber du…du wirst dich doch nicht trennen?“, fragte Gretchen beunruhigt.

Sophiee^^ Offline

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Beiträge: 276

10.10.2011 15:16
#67 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Da bin ich wieder!

Tja, mehr gibt's auch nicht zu sagen. Danke für die Kommis und viel Spaß!!


Nein, das kann er ihnen doch nicht antun! Das würde allen dreien das Herz brechen…
„Ich…weiß nicht. Ich hab doch gesagt, ich brauch ne Pause. Und das werde ich ihr heute sagen!“, meinte er entschlossen, aber seine Hände zitterten. Er war nervös. Um das zu überspielen, sagte er: „Was ist denn jetzt? Ich geb dir frei, ihr könnt ja ins Kino oder so…?!“
Upps, ich Dummerchen. Hab die Frage ganz vergessen…aber bin ich ihr nicht zu langweilig?
„Ja, wieso denn nicht?“, meinte sie und lächelte den Teenager vor sich an, aber sie hatte die Augen immer noch nicht von dem Bildschirm genommen.
Wie die grinst… da kann doch nur ein Typ im Spiel sein…
Gretchen, jetzt ebenfalls wissend grinsend, stand auf und brachte den Teller weg, als Dr. Reiner nun zufrieden seine Tochter aus ihrer Traumwelt holte.
„Siehst du, ich wusste doch, dass sie sich gerne um dich kümmert. Ich wünsche euch beiden viel Spaß! Ihr werdet euch sicher super verstehen. Aber bitte kommt in spätestens zwei Stunden wieder!“
Katherine wusste, dass Widerstand zwecklos war, und verdrehte nur entnervt die Augen, was Gretchen auch mitbekam, da sie wieder auf ihrem Stuhl saß.
Okay, Gretchen, deine erste Übung als zukünftige Mutter. In spätestens 15 Jahren musst du mit so einer kleinen Zicke zurechtkommen… ich war ja auch nicht anders. Ich schaffe das!
Sie holte noch einmal tief Luft, dann stieß sie so euphorisch wie möglich hervor: „Ich bin Gretchen. Und… was machen wir dann heute?“
„Wenn’s nach mir ginge, gar nichts“, nuschelte Kathy, aber Gretchen hatte sie gut verstanden.
Gut, Gretchen, was wolltest du in so einer Situation immer machen??? Komm schon, streng dein Hirn an… sie ist leicht gelangweilt und scheint sich nach ihrem Freund zu sehnen. Ganz klar- shoppen und dann Sich-mit-Schokolade-vollstopfen. Aber nicht zu viel Schokolade, sonst passt man nicht mehr in die neuen Klamotten…Perfekt. Das will ich auch mal wieder machen…
„Also Kathy- ich darf doch Kathy sagen, oder?“, versuchte sie, mit ihrem fröhlichen Getue die Stimmung aufzulockern. Als die angesprochene Person leicht misstrauisch nickte, fuhr sie im gleichen Ton weiter: „Ich glaube, wir sollten Washington unsicher machen. Shoppingmeile, wir kommen!“
Den letzten Satz hatte sie ein bisschen zu laut gerufen, denn der gesamte Speisesaal drehte sich zu ihnen um und sah sie irritiert und etwas belustigt an, während sie sich verlegen eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich.
Upps. Peinlicher geht’s nicht mehr, Gretchen! Aber was soll’s. Von denen lass ich mir doch nicht die Laune verderben! Außerdem habe ich es geschafft: SIE LÄCHELT!
Auf das Gesicht des Teenagers hatte sich der Hauch eines Lächelns eingeschlichen, und auf einmal fand sie Gretchen eigentlich gar nicht mehr so schlimm. Da Tomas sich sowieso seit Langem nicht mehr bei ihr meldete, hatte sie ab jetzt keinen Grund mehr, auf ihn oder auf seinen Anruf zu warten.
Sie stand auf, lächelte noch einmal zaghaft und ließ sich dann von Gretchen mitziehen, der es immer mehr Spaß machte, sie mit belanglosen Kleinigkeiten, wie zum Beispiel dem Wetter, zuzutexten. Aber es störte Kathy nicht. Sie fühlte sich bei ihr wohl und fast wie zu Hause, was auf Tour immer nur ein weit entfernter Traum war. Zu Hause wurde sie früher auch immer mit Gesprächen über das Wetter genervt. Jetzt war das anders. Es ging entweder um eine OP, die ihr Vater durchgeführt hatte, oder um den neuesten Plattenvertrag, bei dem ihre Mutter NOCH mehr Geld verdienen würde.
Ja, Kathy liebte ihre Familie- über alles. Aber manchmal wünschte sie sich eine normale Familie, die immer zusammen zu Abend aß und sich über die Versager in Quizshows aufregten. So wie es früher immer ihr Vater getan hatte, während seine Ehefrau in seinen Armen lag und ihn belustig musterte.
Ich weiß es, wir werden viel Spaß haben…
Nachdem Gretchen sich umgezogen hatte, waren die beiden auch schon losgezogen. Auch wenn Kathy sich im ersten Moment nicht für die Geschäfte begeistern konnte, änderte sich das schnell, denn sie ließ sich von Gretchens Laune anstecken. Diese war sofort Feuer und Flamme.
Wow… das ist ja total super hier… ich wollte ja immer schon losziehen, aber ich hab nie Zeit gefunden… wegen der Arbeit! Wenn ich gewusst hätte, was es hier alles für Klamotten gibt, wäre ich schon längst los… vom Shoppen nimmt man ja auch ab… auch wenn das nichts bringt, ich werde jetzt eh immer mehr zunehmen.
Bei den Kommunikationsschwierigkeiten half ihr zum Glück Kathy weiter, die komischerweise immer wusste, was Gretchen der Verkäuferin sagen wollte. Zwischendurch fand die werdende Mutter auch für Katherine ein paar Teile, und in der Umkleide hatten die Beiden sehr viel Spaß. Gretchen vergaß, dass sie jetzt dreißig war und fühlte sich wieder wie ein shoppingsüchtiger Teenager, und Kathy machte der Altersunterschied nichts aus. Sie machten eine Art Modenschau, aber irgendwann konnten sie sich vor Lachen nicht mehr halten. Sie verließen die Kabine kichernd wie kleine Mädchen und kauften fast den gesamten Laden leer. Die Verkäuferinnen atmeten erleichtert aus, als sie die Geschäfte verließen.
Lachend und schwatzend schlenderten sie in der Fußgängerzone und setzten sich in ein kleines Café. Dort konnte Gretchen zum ersten Mal ohne schlechtes Gewissen einen Eisbecher essen. Sie lehnte sich zurück und genoss den ersten Löffel. Es war wirklich ein verdammt heißer Sommer.
Ist doch egal, ich werde jetzt sowieso fett.
Es störte Gretchen aber nicht, dass sie dick wurde. Im Gegenteil- sie freute ich darauf.
Wenn mein Mädchen genau so süß wird wie Kathy, dann wär ich echt zufrieden. Ähm ja… falls es ein Mädchen wird…
Jetzt will ich aber wissen, wer ihr Lover ist…

Verschmitzt grinsend wandte sie sich nun dem Teenager zu und fragte neugierig: „Und, willst du mir erzählen, wer dein Freund ist?“
Kathy schob sich einen großen Löffel Eis in den Mund, um nicht sofort antworten zu müssen, aber irgendwann war das auch runtergeschluckt. Außerdem hatte sie das Gefühl, dass sie darüber reden wollte.
„Tomas ist nicht mein Freund“, sagte sie wehmütig. Gretchen merkte sofort, dass die Stimmung gekittet war, stellte ihren Eisbecher auf den Tisch und fragte ein bisschen besorgt über Kathys plötzlichen Tonfall: „Was ist denn los?“
„Naja… also, wir kennen uns aus der Schule… wir waren beste Freunde…oder sind es immer noch…ach ich weiß es doch auch nicht!“, versuchte Kathy anzufangen, aber ihre Stimme brach und es stahlen sich schon ein paar Tränen in ihre Augen. Verzweifelt vergrub sie ihr Gesicht in den Händen.
Oh nein, die Arme! Was denen wohl passiert ist?
Gretchen, du darfst jetzt nicht zu neugierig sein! Dass sie angefangen hat, heißt doch schon, dass sie mit mir darüber reden will, also darf ich sie zu nichts drängen! Sie wird schon alles erzählen…ich kann ja warten…gut, ich bin nicht wirklich die Geduldigste, aber dieses Mal reiß ich mich am Riemen. Ich hab sie echt gern… hihi… ich hab jetzt einen Teeny als Freund, wer hätte das gedacht?
Und da sie jetzt meine Freundin ist, muss ich sie trösten und ihr beistehen. Jawohl!

Sie strich ihr beruhigend über den Rücken und reichte ihr ein Taschentuch. Katherine bedankte sich und putzte sich ausgiebig die Nase. Gretchen bemerkte, dass alle im Café sie anstarrten. Gerade wollte sie Kathy vorschlagen, zu gehen, als diese das schon übernahm.
„Wollen wir nicht irgendwo anders hingehen? Wenn mich alle so anstarren, kann ich nicht drüber reden…“, flüsterte sie Gretchen mit immer noch weinerlicher Stimme zu. Die Ärztin bezahlte und sie machten sich auf den Weg in den Park. Ihre Shoppingtour war hiermit beendet, auch wenn sie eigentlich nur eine Pause einlegen wollten.
Naja… ich kann eigentlich froh sein, dass mich ihr emotionaler Ausbruch gebremst hat… besser für mein Portemonnaie. Bei dem mickrigen Assi-Gehalt… es ist zwar besser bezahlt als in Berlin, aber trotzdem. Hey, wir Assistenzärzte retten auch Leben! Kann das beim Finanzamt oder wo auch immer niemand in das Gehalt einfließen lassen??!
Sie setzten sich auf eine Bank. Kathy schniefte noch ein bisschen, aber dann war sie bemüht darum, stark zu klingen.
„Es war vor ungefähr zwei Jahren. Daddy ist gerade nach Washington gezogen, und ich hab ihn schrecklich vermisst. Meine Mutter auch, aber sie zeigte es nicht. Sie dachte, wenn sie vor mir die Starke spielt, dann würde ich es besser verkraften. Und da starke Frauen nun mal auch viel arbeiten, war ich die meiste Zeit alleine. Für mich war das alles ganz neu. Mein Vater war nie länger als eine Woche weg, und nun lebten wir hunderte von Kilometern weit entfernt. Mir kam es so vor, als würde er am anderen Ende der Welt leben. Er meldete sich zwar jeden Tag, aber es war eben… anders. Früher kam er immer abends nach Hause, oder morgens, je nachdem, wie sein Dienst gelegt war. Meine Mutter war auch den ganzen Tag im Studio und hat Songs aufgenommen… ich hab sie manchmal begleitet, ich will nämlich auch Sängerin werden… aber es hat mir nur oberflächlich Spaß gemacht. In dieser Zeit war ich unglücklich… ich meldete mich nicht mehr bei meinen Freunden, weil ich sie mit meiner Laune nicht runterziehen wollte. Und als ich einmal meiner Mutter einen Kaffee holte, hab ich ihn dann getroffen. Naja, sagen wir mal so: Ich hab mich umgedreht, und er stand so dicht hinter mir, dass ich ihm den Kaffee übers T-Shirt geschüttet hatte. Und das besserte meine Laune nicht gerade. Ich hab ihn vor dem ganzen Starbucks zur Schnecke gemacht, was ihm einfällt, mich so zu erschrecken und ihm klargemacht, dass ich die Reinigung nicht zahlen würde…“
Kathy lächelte bei der Erinnerung an diesen Moment, aber dann räusperte sie sich und fuhr fort: „Irgendwie hatte ich Bock auf einen richtigen Streit, so mit allem drum und dran. Keine Ahnung, wieso. Aber er hat mir diesen Gefallen nicht getan. Er hat gelacht. Er konnte sich gar nicht mehr einkriegen! Als er sich auch noch auf den Schenkel geklopft hat, sind bei mir alle Sicherungen durchgebrannt und ich hab ihn angeschrien, dass er mich nicht auslachen soll. Aber dann hat er mir in die Augen geschaut und die haben so gefunkelt, dass ich auch angefangen habe zu lachen. Die anderen Leute, die die ganze Szene wie ne Sitcom verfolgt hatten, lachten auch. Da wurde es aber den Angestellten zu viel und sie haben uns beide rausgeschmissen…Draußen haben wir dann weiter gelacht, eine gefühlte Ewigkeit, dann hat er sich vorgestellt und mich nach meiner Telefonnummer gefragt. Und dann haben wir uns öfter getroffen, im Kino oder in dem berühmten Starbucks, in dem wir uns kennengelernt hatten. Alle dachten, wir seien ein Paar, aber wir waren nur beste Freunde. Das dachte ich jedenfalls…“

Gretchen als shoppingsüchtiger Teenager...

Sophiee^^ Offline

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13.10.2011 17:40
#68 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Nun seufzte sie.
„Naja… meine Mutter hat dann auch ein Angebot bekommen, nämlich, eine Tour zu starten“
Gretchen nickte. Das wusste sie ja schon von ihrem Vater. Kathy ließ sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen und fuhr fort: „Erst dachte ich: ,Na toll, schlimmer kann’s nicht mehr kommen´, aber sie wollte eigentlich gar nicht annehmen. Zuerst wollte ich, dass sie bleibt, aber sie war unglücklich, weil sie diese Chance einfach offen ließ. Das hab ich dann auch bald gemerkt, und in den Ferien hat sie die Tour gestartet. Ich bin erstmal zu Daddy nach Washington gekommen…wir hatten echt viel Spaß und waren froh, uns endlich wieder jeden Tag zu sehen. Aber… etwas fehlte. Ich hab mir eingeredet, dass ich meine Mum vermisse. Hab ich ja auch, jeden Tag! Aber sie war nicht dieses Etwas. Tomas hat mir gefehlt. Wir haben zwar den Kontakt immer gehalten, aber Skype ist ja nicht das Gleiche… mir ging das aber nicht in den Schädel, also, dass er mir fehlte. Meine anderen Freunde hab ich kein bisschen vermisst. Das klingt jetzt vielleicht komisch… ist aber so.
Als ungefähr die Hälfte der Ferien vorbei war, hab ich die Nähe meines Vaters nicht mehr genossen. Ich war irgendwie… traurig. Später hab ich gemerkt, dass es Sehnsucht war…“
Dr. Haase musste lächeln, aber Kathy winkte nur ab.
„Nicht, was du jetzt denkst. Ich hab ihn nur als Freund vermisst, aber noch mehr Sehnsucht hatte ich nach dem Singen. Ich hab immer gesungen, manchmal auch bei meiner Mutter im Studio… und es nistete sich langsam ein Plan in meinem Kopf ein: Ich wollte wieder zusammen mit meiner Mutter singen… und da die gerade in der Nähe- weiß nicht mehr, wo- ein Konzert gab, haben Daddy und ich es spontan besucht. Wir waren so stolz! Und als ich sie so sah, auf dieser Bühne, wie sie uns anstrahlte- da bekam ich noch mehr Sehnsucht. Ich hab mich zu meinem Vater gedreht, ihn mit meinem Dackelblick angesehen und hab gesagt: „Ich will da auch rauf!“ Es war mitten im Konzert… zuerst hat er gelacht, weil er meinte, ich mach einen Witz. Aber als ich ihn dann angefunkelt hab… ich kann es immer noch nicht leiden, wenn ich ausgelacht werde…ist er mit mir in der Pause zu meiner Mum und ich hab sie so lange angebettelt, bis sie mich auf der Bühne, ganz ganz hinten, man durfte mich nicht sehen, sitzen ließ. Es war so ein unglaubliches Gefühl, da oben! Und genau in dem Moment wusste ich, warum ich in letzter Zeit so… abwesend war. Ich wollte dieses Gefühl nie vermissen. Naja, und dann durfte ich eben mit auf Tour…
Ja, ich weiß, das hat jetzt nichts mit Tommy…äh… ich meine Tomas…“, verbesserte sie hastig, „…zu tun, aber du musst auch die Vorgeschichte kennen. Daddy war nicht besonders begeistert, aber Mum war froh, mich mitnehmen zu können. Aber erst musste ich noch mal nach New York, um mein ganzes Zeug einzupacken. Hatte irgendwie das Gefühl, dass die Tour länger dauern würde… und gerade, als ich mit drei Koffern und zwei Taschen aus der Tür war, lief ich wieder in Tomas rein. Das ist bei uns sowas wie eine Gewohnheit geworden…“
Katherine lächelte verklärt, als sie an diesen Moment zurückdachte. Aber als sie Gretchens Blick sah, fuhr sie schnell fort.
Ach, wie süß! Sie ist echt verknallt… und wieso ist das dann so schlimm??!
„Also… er meinte, er habe gehört, dass ich wieder in der Stadt sei, und dann wollte er mich besuchen. Er hat auch gesagt, dass er mir etwas sagen wolle… Ich hab ihn dann umarmt und ihm freudestrahlend erzählt, dass ich jetzt endlich meinen Traum leben könnte, aber ich hatte das Gefühl, dass er sich nicht wirklich darüber freute. Nun ja, eigentlich war mir das echt egal, ich war Feuer und Flamme und hab geredet und geredet… wie ein Wasserfall! Irgendwann wurde es ihm zu bunt… und dann hat er mich einfach geküsst!
Es war wirklich schön, und ich hab mich gut gefühlt. Es war nicht mein erster Kuss, aber der Erste, bei dem ich auch… wie soll ich sagen? Ähm… mehr gefühlt habe. Genau! Bis zu diesem Zeitpunkt war mir überhaupt nicht bewusst, dass ich auch schon lange in ihn verliebt war… nach einer gefühlten Ewigkeit, die dann doch zu schnell vorbeigegangen ist, hat er sich von mir gelöst und… ich werde nie diesen Blick vergessen. Dann hat er zu mir gesagt: „Kat, ich bin in dich verliebt, schon seit ich dich das erste Mal gesehen habe“ Danach hat er mir noch einen Kuss gegeben und ist abgehauen.
Zuerst hab ich gar nichts geschnallt, mechanisch meine Taschen und Koffer genommen und bin zum Flughafen… wäre ich nicht so in Schockstarre versetzt gewesen, hätte ich wahrscheinlich die Tour sausen lassen und den Flieger verpasst, um wieder zu ihm zurückzukehren. Hab ich aber nicht. Bin zu meiner Mum geflogen, und dann ab in den Bus.“
Sie seufzte.
„Manchmal wünschte ich, ich hätte ihn noch ein letztes Mal besucht… später wurde mir dann auch klar, was da abgelaufen war, und es war mir so peinlich! Hallo, der Typ war dabei, als ich geduscht habe… ähm… ich meine, er saß auf dem Klodeckel und hat mir das Handtuch gereicht… ich hab mit ihm über alles geredet. Über ALLES!! Und er war die ganze Zeit verschossen in mich… obwohl ich so einen Quark von mir gegeben habe… du kannst dir das nicht vorstellen…“
Bei der Erinnerung daran schlug sie die Hände vors Gesicht. Es war ihr wohl immer noch sehr unangenehm. Gretchen strich ihr tröstend über den Rücken.
„Und? Was ist sonst noch passiert?“, fragte sie. Sie konnte einfach nicht anders. Ihre Neugier war stärker als sie.
„Na nichts!“, erwiderte Kathy und nahm die Hände wieder vom Gesicht.
„Nichts?!“, fragte die Ärztin und Liebesexpertin misstrauisch.
Das glaub ich jetzt eher nicht… er kann ihr doch nicht einfach seine Liebe gestehen und dann… nichts??!
„Das ist ja das Komische daran! Seit er damals verschwunden ist, hat er sich nie mehr gemeldet. Weder auf Anrufe, noch auf SMS…“
„Moment…“, unterbrach Gretchen, „… aber wieso hast du dann vorhin so verträumt auf dein Handy geschaut?“
„Das hast du bemerkt?!“, fragte sie leicht panisch, „Ich dachte immer, ich könnte meine Gefühle gut verbergen… meinst du…“
„Nein, dein Vater hat davon nichts mitbekommen…ist mit seinen eigenen Problemen beschäftigt…“
Hoffentlich weiß er, was er da anrichtet… falls Maria etwas von Mary und ihm erfährt… es wird ihr das Herz brechen!
„Was denn für Probleme?“, fragte Kathy auf einmal interessiert.
Upps! Gretchen, pass besser auf, was du sagst! Die ist ja genauso neugierig wie ich…
„Ähm… Probleme… mit… einer Krankenschwester!“, stammelte sie und hoffte, dass das nicht allzu komisch klang.
Ja ne is klar… mit ner Krankenschwester! Gretchen, du bist heute echt blond!!
„Ach so… ja, manche Krankenschwestern können‘s echt nicht lassen… ist es immer noch die Oberschwester, die ihm wegen jedem Scheiß die Hölle heißmacht?“
Ooooooookay…. Keine Ahnung! Ähm…
„Genau die ist es!“, sagte sie und hoffte, dass der Teeny nicht mehr nachhakte, was dann auch der Fall war. Sie saßen schweigend nebeneinander auf der Parkbank, bis Gretchen dann doch noch einmal fragte: „Und WIESO hast du dann so in dein Handy gestarrt?“
„Ich hab mir alte Mitteilungen durchgelesen… von ihm“, sagte sie etwas verlegen und strich sich das braune Haar hinter die Ohren.
Ach wie süüüüüüüüß!!
Nun lächelten sich beide an, aber sie merkten, dass es schon wirklich spät geworden war. Ohne sich abzusprechen standen sie auf und gingen wieder Richtung Krankenhaus.
Dr. Reiner hat echt ne super Familie… und er ist jetzt auch nicht mehr so schlimm. Naja, bis auf die Tatsache, dass er die „drei wichtigsten Frauen in seinem Leben“ total verarscht hat und seine Familie jetzt zerstört- oder zumindest in eine tiefe Krise stürzt. Wenn er es Maria jetzt sagt, dann… Mist! Ich glaube, sie ist nicht der Typ Frau, der einfach so bei einem Typ bleibt, der sie verarscht und betrogen hat. Sie ist selbstständig. Aber so wie es klang, müssen sie sich echt lieben. Das kann man doch nicht einfach wegwerfen! Man kann nur mit der großen, besonderen, wahren, EINEN Liebe bedingungslos glücklich werden!
Hoffentlich wird alles gut! Irgendwie erinnert mich das an Mama und Papa… ob sie jetzt ihre Krise überstanden haben? Ich bin ja nicht wirklich unschuldig daran…seufz! Wieso machen sie es sich so kompliziert?!? Sie lieben sich doch trotzdem, oder? Mit all ihren Macken… ach Menno! Ich verkrafte das nicht, wenn sie sich trennen! Und sie verkraften das auch nicht… wieso verstehen sie das nicht?? Ich glaube, ich sollte nochmal mit Mama…
…wow. Ich… ich MUSS es haben!


Was sie wohl meint?
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Sophiee^^ Offline

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16.10.2011 17:19
#69 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Die überaus wichtigen Gedankengänge der jungen Ärztin wurden von einem Schaufenster an der anderen Seite der wenig befahrenen Straße unterbrochen. Kathy war einfach weitergegangen und hatte nicht bemerkt, dass Gretchen abrupt stehengeblieben war und nun das wunderschöne Kleid anstarrte, das ihr sicher gut stehen würde.
Es war hellblau und knielang, außerdem war es noch mit einem gewagten Ausschnitt, aber das störte sie nicht. Im Gegenteil- sie hatte sich sofort in dieses schöne Stück Stoff verliebt, aber es sah nicht so aus, als wäre es billig. Sie seufzte. Mit ihrer angeschlagenen Brieftasche würde sie das nie bezahlen können.
So langsam wurde ihr bewusst, dass sie es auch nicht brauchte. Sie würde sowieso nicht lange hineinpassen. Aber was halfen diese Gedanken, wenn sie schon rettungslos verloren war? Sie musste es einfach haben, weil sie es wollte, nicht, weil sie es brauchte.
Katherine war ihr schon ein paar Schritte voraus, als sie merkte, dass die Person, der sie gerade angeregt etwas erzählt hatte, zurücklag. Gretchen hatte ihre Einkaufstüten fallen lassen und starrte immer noch auf die andere Straßenseite, als hätte sie eine Erscheinung. Kathy folgte ihrem Blick und musste lächeln. Das Kleid war wirklich schön, und sie hatte sofort bemerkt, dass Gretchen es haben wollte.
Langsam näherte sie sich der abwesenden Frau und packte sie sachte am Arm. Gretchen erschrak kurz, aber als sie merkte, dass es nur Kathy war, entspannte sie sich wieder. Sie nahm ihre Tüten und wollte schweren Herzens weitergehen, aber da hatte sie die Rechnung ohne Kathy gemacht, die sie jetzt über den Zebrastreifen zog und in das Geschäft schob. Bevor sie überhaupt schnallte, was abging, hatte Kathy schon der Verkäuferin Bescheid gegeben.
„Was soll das?!“, zischte Gretchen leise, „Es ist sowieso viel zu teuer!“
Kathy lächelte sie verschwörerisch an.
„Ich hab doch nichts von Kaufen gesagt, aber anprobieren wirst du es wohl dürfen, oder?“
Ja, ich will es ja anprobieren, aber wenn ich es erstmal anhabe, könnte es sein, dass ich damit wegrenne. Und ich bin keine Diebin, das überlass ich anderen Menschen, denen ihre Zukunft egal ist!
„Aber… ich will nicht wissen, wie gut es mir steht“, versuchte sie schwach, Kathy davon abzubringen. Diese grinste sie nun an.
„Aber ich will es wissen!“, meinte sie, und als die Verkäuferin Gretchen das Kleid überreichte und sie bat, sich umzuziehen, war auch ihr Widerstand geschmolzen. Ihre Beine bewegten sich wie automatisch auf die Umkleiden zu, ebenso automatisch zog sie sich aus und schlüpfte in das Kleid. Sie fühlte sich sofort wohl darin, und sie sah wunderschön aus. Es passte wie angegossen und hatte exakt die gleiche Farbe wie ihre Augen. Der Rock schwang ein bisschen hin und her, als sie sich, immer noch von dem jugendlichen Eifer getrieben, drehte und dabei kicherte. Es war wie für sie gemacht.
Das Kleid ist ja wie für mich gemacht… oh…ich liebe es! Ich muss es einfach haben…seufz…
Sie trat mit leicht wehmütiger Miene aus der Umkleide und schenkte Kathy und der Verkäuferin ein kleines Lächeln. Denen stand der Mund offen, aber Kathy lächelte auch gleich.
„Du siehst wirklich wunderschön aus, Maggy!“, sagte sie mit strahlendem Lächeln, und die Verkäuferin nickte anerkennend.
„In der Tat… es sieht so aus, als wäre es nur für Sie gemacht!“, meldete sie sich nun auch zu Wort und lächelte dabei.
Geschleime, damit ich es kaufe… komisch, genau das hab ich vorhin auch gedacht. Oder meint sie es wirklich ernst? Das Lächeln ist doch nicht aufgesetzt!
Äh, Gretchen, sie hat dir gerade ein Kompliment gemacht, also bedank dich, wie du es bei deinen Eltern gelernt hast!

„Äh…Dankeschön“, stammelte sie ein bisschen verlegen und drehte sich selbst noch einmal zum Spiegel. Ja, es stand ihr wirklich super. Und es passte auch perfekt. Schon wieder ein Seufzen.
Schade, dass ich es nicht mehr lange anziehen kann… aber nach der Geburt ist auch noch Zeit… wenn das nur nicht so lange hin wäre!
„Ich würde es so gerne kaufen…“, flüsterte sie vor sich hin, während sie sich immer noch im Spiegel musterte.
„Dann mach doch!“, sprach Kathy leichthin und grinste über die Reaktion, die jetzt kommen würde.
„Spinnst du?! Das ist sauteuer…“
Erschrocken über ihre unfreundliche Reaktion und ihre Ausdrucksweise- das musste an Marc liegen- entschuldigte sie sich kleinlaut bei Kathy und schob noch nach: „Aber es stimmt… das kann ich mir nicht leisten! Hallo, das sind fast Fünfhundert Dollar!“
„Wieso willst du denn sparen, irgendwann sind wir sowieso alle tot und unser Geld ist dann auch weg“
Sehr liebe Methode, mich zu überzeugen, Kathylein.
„Ich brauch das Geld für andere Sachen…“, sagte Gretchen in Gedanken an ihr Baby, und bevor Kathy noch irgendwas sagen konnte, um sie umzustimmen, fuhr sie fort: „…außerdem würde es mir sowieso nicht lange passen!“
„Hä?!“
Sie unterdrückte den Impuls, die Augen zu verdrehen, und sagte es einfach direkt hinaus: „Ich bin schwanger und esse wie ein Scheunendrescher“
Plötzlich kreischte sie laut auf, sodass alle Anwesenden zu Tode erschraken, und die Ärztin fand sich auch gleich eingequetscht zwischen zwei dünnen Armen wieder. Als der Schockmoment überstanden war, lächelte sie und erwiderte die Umarmung.
Genau diese Reaktion hätte ich von Gigi erwartet…naja, die Umarmung fällt flach, weil sie ja in London ist, aber ich denke, die Freundschaft ist wirklich hin… hach, was bin ich froh, dass ich Maria, Kathy und…Mary hab. Alle drei hab ich sofort ins Herz geschlossen.
Kathy löste die Umarmung, dann begann sie mit einem Wasserfall, den Gretchen aber nicht ganz verstand (ihre Englischkenntnisse hatten sich schon stark verbessert, seit sie in Washington war, aber wenn sie so schnell redeten verfielen sie oft in diesen amerikanische Dialekt, und da half ihr das perfekte britische Englisch auch nicht mehr weiter), nur, dass Kathy fragte, wie lange, wer der Vater war und ob es ein Junge oder Mädchen war. Bevor sie noch mehr laberte, wurde sie von Gretchen unterbrochen, als sie kurz und bündig erklärte: „Fünfte Woche, Dr. Marc Meier, hoffentlich ein Mädchen“
Kurz war Katherines Euphorie durch diese Äußerung gestört, aber dann sagte sie: „Dr. Marc Meier? Der süße Arzt, der vorhin auch im Büro war?“
„Ja…“, antwortete sie und strich sich eine Strähne hinters Ohr, „… und genau deshalb kann ich das Kleid nicht kaufen. Weißt du, was man mit fünfhundert Dollar alles machen kann? Ich muss noch so viel kaufen… das hat zwar noch Zeit, aber trotzdem, es wäre einfach verantwortungslos…“
„Dreh dich mal!“, forderte der Teeny sie plötzlich heraus.
Hä??! Wo kommt das denn auf einmal her? Wir reden grade über den Preis!
„Aber…aber…“
„Ja?!“
„Ist das nicht albern?“
„Mach’s doch für mich. Ich will das mal sehen!“
Sie lächelte so schön, dass Gretchen nicht widersprechen konnte und sich noch einmal drehte. Und noch einmal. Sie lachte dabei herzlich, während die anderen Frauen sie bewundernd beobachteten.
„Jetzt komm schon… ich zahl auch die Hälfte, aber das kannst du dir nicht durch die Lappen gehen lassen!“
Also… jetzt hat sie aber echt nen Schuss!
„Das kommt gar nicht in Frage! So schnell wird es nicht weg sein, ich spar lieber und kauf’s mir ein anderes Mal!“

Sophiee^^ Offline

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19.10.2011 20:40
#70 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Etwas spät, aber ihr kriegt den Teil noch. Latein lernen und Zettelwirtschaft in der Bank fordern eben ihren Tribut...

Und es geht auch mal wieder bei Marc weiter!



Schweren Herzens wollte Gretchen wieder in der Umkleide verschwinden, als Kathy’s Stimme sie davon abhielt: „So ein Kleid ist SICHER gleich weg! Los, kauf es einfach und denk einmal nicht an die Konsequenzen. Dann bist du halt blank, na und? Irgendwann kriegst du das Geld schon wieder, und dafür…“, sie zeigte begeistert auf das wunderschöne Kleid, „lohnt es sich allemal!“
Naja… ich will es wirklich haben und…nein Gretchen, es geht nicht! Du kannst nicht immer alles haben, was du willst! In Zukunft musst du auch verzichten können, vor allem, wenn der kleine Racker da ist. Also üb schon mal! Die paar Wochen werde ich schon packen… dann merk ich mir mal die Größe… in ein paar Wochen pass ich da schon nicht mehr rein. Kaum zu glauben!
Sie sah die Ärztin immer noch mit diesem herausfordernden Blick an, aber Gretchen beschloss, hart zu bleiben. Nein, sie brauchte andere Sachen jetzt dringender als das Kleid, zum Beispiel… bequeme Joggingklamotten!
… in denen Marc mich sicher sehr sexy finden wird. Ach…
„Nein! Ich kauf es ein anderes Mal!“, wiederholte Gretchen eindringlich, und Kathy gab schließlich auf, sie umzustimmen.
„Aber dreh dich bitte noch einmal!“, wünschte sie sich. Das schlug sie ihr dann nicht ab, und sie wollte es auch noch einmal tun. Also drehte sie sich, so lange, bis ihr schwindlig wurde und sie Bauchweh bekam vom fröhlichen Lachen, aber die beiden Frauen waren nicht die einzigen, die sie dabei beobachteten…




Marc merkte noch nichts davon, dass seine- nun auch offizielle- Freundin ohne ihn sehr viel Spaß hatte. Seine Laune war im Keller. Nein, sie war schlimmer. Viel schlimmer noch als am Morgen, als er wutentbrannt und mit der festen Überzeugung, Dr. Reiner die Fresse zu polieren, den ganzen Weg zum Krankenhaus gesprintet war. Seine Kopfschmerzen meldeten sich wieder zu Wort, und, obwohl er wusste, dass er sich schonen musste, zog er mit seinem Auto los. Er hatte keinen Plan, wo er Frank suchen sollte. Washington ist groß. Aber bevor er Mehdi anrufen wollte, brauchte er immer noch diesen verdammten Beweis, um die Polizei in die Staaten zu lotsen.
Boah scheiße… wieso ich?? Was soll das? Solange er noch im Krankenhaus war, hatte ich Zeit, na gut, auch nicht besonders viel, aber jetzt hab ich gar keine mehr… tzz…. Von wegen Amnesie! Er hat mich schon im ersten Moment erkannt, und jetzt sitzt er wahrscheinlich in irgendeinem Flugzeug und lacht sich scheckig…
Er beschloss, in weniger belebten Gegenden zu suchen. Diese Gegenden waren, wie er sich schon gedacht hatte, die schlimmsten. Möchtegern- Gangster, die misstrauisch und vielleicht auch ein bisschen neidisch seinem Auto nachsahen, leicht bekleidete Frauen, die einem ganz bestimmten Job nachgingen und sich fragten, was dieser attraktive Mann in so einer Umgebung zu suchen hatte, und zuletzt noch die ganzen Straßenköter, die die unbekannte „Blechmaschine“ anbellten. Er hatte es echt satt, sich da durchzuschlängeln, aber immer, wenn er wieder nach Hause fahren wollte, kam ihm ein Bild in den Sinn, dass ihn dazu animierte, weiterzumachen. Gretchen. Wie sie ihn anlächelte. Oder wie sie lachte, wie sie bedröppelt dreinschaute, wenn sie etwas nicht verstand. Das Naivchen namens Gretchen. Sein Naivchen! Und sobald er diese Bilder vor Augen hatte, lächelte er unbewusst und fuhr entschlossen weiter. Entschlossen, diesen Kerl hinter Gitter zu bringen, wie er es verdient hatte.
Aber je mehr Zeit verging, desto mehr verging auch seine Hoffnung wieder. Die Chancen standen sowieso mehr als mies. Irgendwo ertönte eine Polizeisirene, und Marc fühlte sich irgendwie unwohl. Wie im falschen Film. Er wollte eigentlich auch nur zurück in sein kuscheliges Bett. Wenn möglich mit Hasenzahn.
Wo ist sie eigentlich? Immer noch im Krankenhaus?
Er fuhr in eine kleine Seitenstraße, da er hier nicht wenden durfte und steuerte wieder Richtung Krankenhaus. Da auf dieser Straße nicht viel los war, ließ er seinen Blick an den Geschäften entlanggleiten, aber dann sah er etwas und machte eine Vollbremsung.
Was zum Teufel…??!
Mit großen Augen sah er noch einmal genauer hin, aber seine Augen hatten ihn nicht betrogen. Wäre auch neu für ihn. Seine Adleraugen täuschten ihn nie. Da war doch tatsächlich Hasenzahn und drehte sich wie ein kleines Mädchen… und hatte dabei ein wunderschönes Kleid an. Jetzt, da er wusste, dass er richtig sah, konnte er seine Augen nicht von ihr wenden. Sie war so wunderwunderschön, und dann auch noch in so einem Kleid, das ihr gerade so gerecht wurde…
Hach, wie hab ich das nur verdient…
Sofort schüttelte er den Kopf bei dem komischen Gedanken.
Meier, geht’s noch?! Was soll jetzt der verweichlichte Gedanke?! Also echt, das geht zu weit. Sollte mal wieder was richtig Männliches machen… naja, aber hier im Umfeld gibt’s ja keinen richtigen Mann, und alleine macht das alles keinen Spaß. Da bin ich lieber mit Hasenzahn zusammen… im Bett, versteht sich!
Ja, geht doch! Endlich andere Gedanken! Obwohl ich mich eigentlich schon ein bisschen an die Weichei- Gedanken gewöhnt habe… boah ey, gerade hab ich was anderes im Sinn, und dann erinner ich mich selbst daran… Meier! Wie kannst du so einen Scheiß denken, wenn du SIE beobachtest und sie dabei noch so unheimlich… schön, sexy, atemberaubend, unglaublich, süß… -streiche das letzte wieder, gibt’s ja nicht in meinem Wortschatz… ääh, außer, wenn es Gretchen komischerweise aus mir rauskitzeln kann… - …aussieht?!

Er konnte die Augen nicht von ihr wenden, er fühlte sich, als hätte er eine Erscheinung. Alles schien stillzustehen und sie drehte sich in Zeitlupe. Sie wurde von einer nicht sichtbaren Lichtquelle erstrahlt, aber diese selbst strahlte nicht so sehr wie ihr Lächeln.
Wahrscheinlich kommt das Strahlen davon… von ihrem unvergleichlichen Lächeln…
Das war der letzte gescheite Satz, den Marcs Gehirnwindungen übertragen konnten. Er sah eine Reihe Bilder vor sich, während sie sich immer noch vor seinem inneren Auge drehte.
Marc hielt ein neugeborenes Baby im Arm und strahlte mit Gretchen um die Wette, die erschöpft neben ihm in einem Patientenbett lag…Marc kniete vor Gretchen, hatte einen Ring in den Händen, Freudentränen stahlen sich in ihre Augen… sie liefen Hand in Hand und lachend am Strand entlang, Marc trug einen Anzug, Gretchen ein Hochzeitskleid… ihre drei Kinder tollten auf einer Wiese, während das Ehepaar sich im Arm hielt und zärtlich küsste…
Nochmals schüttelte Marc den Kopf. Genau die gleichen Bilder hatte er schon einmal vor sich gesehen, damals, als Gretchen in Gabis Brautkleid auf ihn zugelaufen kam. Nur konnte er es sich damals nicht erklären und hatte es auf ein Bier zu viel am Vorabend geschoben. Jetzt wusste er, wieso er diese unmännlichen Gedanken hatte: Er liebte sie, und insgeheim wünschte er sich genau das. Familie. Hochzeit. Und dass alles nur mit ihr. Aber er konnte das einfach nicht…
Plötzlich blitzte wieder der komische Traum von letzter Nacht auf. Genau das hatte er dem „Engel“ gesagt… dass er es nicht konnte. Wichtige Sätze schwirrten ihm durch den Kopf, während er immer noch sein Gretchen ansah, und dabei erst wirklich verstand, was der Traum sollte.

„Gott will, dass du aufhörst mit deinem ständigen Hin und Her.“
„Jetzt hör schon auf, dich ständig aus der Schlinge zu ziehen! Du willst nur nicht, das ist dein Problem!“
„Ihr werdet euch lieben, wie ihr seid.“
„Aber du tust Gretchen weh!“
„Niemand ist für’s Alleinsein geschaffen.“
„Also, dass du einmal so ein Waschlappen sein wirst, hätte ich nicht von dir gedacht!“
„Was soll der Sinn der Liebe sein?!“
„Hör auf dein Gefühl!“


Plötzlich wusste Marc, was er zu tun hatte. Er musste um sein Mädchen kämpfen, bevor sie ihm noch davonlief.
Er lächelte sanft. Ja, er wusste, was er zu tun hatte. Er musste Frank hinter Gitter bringen. Er musste Gretchen und sein noch ungeborenes Kind glücklich machen. Aber was er genau jetzt musste, wusste er nur zu genau: er musste ihr dieses Kleid kaufen.

Kommis??! Wär total lieb von euch Danke schon mal im Voraus...
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PS: Ist es echt wahr?! Es geht nicht weiter???!! Sind die total bekloppt?? Wie sollen wir denn ohne unsere Lieblingsdroge überleben??

Sophiee^^ Offline

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22.10.2011 10:19
#71 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Schon ein wenig erholt von der Nachricht, aber ich denke nicht, dass sie aufhören... kann ich mir nicht vorstellen. Irgendwann, und sei es auch erst in fünf Jahren, geht es sicher weiter! Hoffe ich...


Auch wenn seine Brieftasche sicher darunter zu leiden hatte, er musste es einfach kaufen. Der Gedanke daran, dass irgendeine andere Frau dieses Kleid anhatte, machte ihm irgendwie ein komisches Gefühl. Früher fand er an Kleidern nichts besonders, außer, wenn sie einen besonders „großzügigen“ Schnitt hatten. All das hatte sich geändert, seit er Gretchen zum ersten Mal in so einem Kleid gesehen hatte. Ja, es hatte sich wirklich viel verändert, seit er sie wiedergetroffen hatte. Er lächelte. Wo würde er wohl heute stehen, wenn sie nie ins EKH gekommen wäre?
Er ließ den Wagen einfach mitten auf der Straße stehen und ging zielstrebig auf das Geschäft zu. Das Kleid war einfach für sie gemacht, und als er jetzt sah, wie sie es mit wehmütiger Miene zurückgeben wollte, betrat er das Geschäft. Das Bimmeln des Glöckchens ließ die Frauen aufhorchen, und die Verkäuferin war überrascht, hier einen Mann vorzufinden. Es war eine reine Damenboutique, und sie konnte ja nicht ahnen, zu wem der gutaussehende Mann gehörte. Kathy hatte ihn gleich wiedererkannt, und die letzte Frau bekam vor Überraschung die Zähne nicht auseinander.
„Dr. Meier?!“, fragte Katherine nach ein paar Schweigesekunden überrascht, woraufhin Gretchen sie ebenso überrascht ansah und endlich das Sprechen wiederlernte.
„Ihr kennt euch?!“
„Ja, eigentlich hätte er deinen Part übernehmen müssen, er meinte aber…“, setzte sie zu einer Erklärung an, wurde aber von dem Mann unterbrochen, der sich irgendwie fehl am Platze fühlte.
„… dass er noch zu tun hätte!“
Gretchen konnte nichts sagen. Nur zu einem dusseligen „Oh“ konnte sie sich hinreißen lassen.
Wieder schwiegen alle.
Was geht denn hier ab? Was hat Hasenzahn mit der Kleinen da zu schaffen? Und warum redet sie nicht?
Als hätte sie seine Gedanken gelesen, trat sie jetzt einen Schritt auf ihn zu und sagte: „Hey Marc!“
Dann lächelte sie ihn ein wenig verlegen an und biss sich auf die Unterlippe, aber das machte sie noch süßer. Er erwiderte die Begrüßung und sah ihr einfach nur in die Augen.
Wieso sind ihre Augen so blau??! Da kann man ja keine klaren Gedanken fassen… hach…
Meier, hör auf zu schmachten!

Er räusperte sich umständlich und steckte die Hände in die Hosentaschen.
Boah, wieso führ ich mich jetzt so we ein Teeny auf? Der einzige Teeny hier im Raum ist doch immer noch die Reiner!
„Was… machst du denn hier?“, fragte er sie.
„Dr. Reiner hat mich für seine Dienste missbraucht…“, versuchte sie zu scherzen, aber als sie Marcs entgeisterten Blick sah, schob sie schnell hinterher: „…er wollte, dass ich was mit seiner Tochter unternehme“
Die uns mit so einen Neugierde anstiert, dass ich ihr am liebsten eine Tüte über den Kopf ziehen würde… zum Glück versteht sie nicht, was für einen Quark wir da reden. Doch verliebte Teenys!
„Ah…“, war das Einzige, was er dazu zu sagen hatte.
Jap, definitiv verliebte Teenys!
Katherine konnte gar nicht aufhören, die beiden interessiert, vielleicht ein bisschen zu interessiert, zu mustern. Das merkte auch Gretchen, die sich zu ihr umdrehte und mit den Lippen formte: „Schau mich nicht so an!“
Daraufhin grinste sie nur wissend und drehte sich demonstrativ weg, um Smalltalk mit der Verkäuferin zu machen.
Dr. Haase holte noch einmal tief Luft- sie konnte sich wirklich nicht erklären, wieso sie jetzt so nervös war- und wandte sich wieder ihrem Freund zu, der aber die ganze Szene nicht mitbekommen hatte. Ihre Rückenansicht war ja auch viel interessanter.
„Hey“, sagte sie nochmal und versuchte, ihn nicht anzuschmachten. Das war aber ganz schön schwierig, weil er so wie immer aussah- also zum Anbeißen. Und das, obwohl er tiefe Augenringe vom ganzen Stress hatte.

http://www.youtube.com/watch?v=cqcXnjAx7dk&ob=av2e (Silbermond- Das Beste)

Jetzt lächelte er, weil sie angestrengt versuchte, ihn nicht anzuhimmeln. Aber er hatte es auch schwer. War sie immer schon so wunderschön gewesen?
Dieses Mal wiederholte er die Begrüßung nicht, stattdessen trat er einen Schritt näher und gab ihr einen zärtlichen Kuss. Sie strahlte wieder so unvergleichlich wie vorhin und verschränkte die Hände hinter seinem Nacken. Unendliche Sekunden lang sahen sie sich einfach nur in die Augen und die Stimmung griff auch gleich auf die anderen Anwesenden zu. Die Verkäuferin seufzte leise und hielt sich eine Hand ans Herz, als sie dieses Pärchen beobachtete. Man sah sofort, dass das die große Liebe war, die sie aber immer noch nicht gefunden hatte. Kathy dagegen dachte wehmütig an ihren Tommy, wo er steckte und was er wohl machte.
Marc und Gretchen bekamen davon aber gar nichts mit. Sie dachte einfach nicht mehr und war glücklich, als sie in Marcs smaragdgrünen Augen versinken konnte. Nun war es ihr egal, ob es so aussah, als würde sie ihn anhimmeln. Längst hatten beide vergessen, wo sie waren. Er war einfach erleichtert, diese blauen, strahlenden Augen zu sehen. Es schien so, als würden sich alle seine Probleme mit einem Blick in diese wunderschönen Augen lösen. Aber seine Augen wanderten ebenfalls weiter und blieben an ihren Lippen hängen. Volle, sinnliche, rote Lippen, die einfach geküsst werden mussten. Langsam sank sein Kopf zu ihrem runter und sie schloss bereits wie automatisch die Augen. Wie ein Hauch legten sich seine Lippen auf ihre. Beide genossen diesen zärtlichen Kuss, er versuchte nicht einmal, ihn zu intensivieren. Aber auch der schönste Moment war irgendwann vorbei, wie sie bedauernd feststellen mussten. Sie lösten sich, wenn auch leicht widerwillig, aber Gretchen wollte wissen, was er hier machte.
Was soll ich denn jetzt sagen?? Ich kann ihr doch nicht sagen, dass mir ein Patient weggelaufen ist! Und dann auch noch so ein gefährliches Arschloch! Willkommen zurück im Lügensumpf…
„Ich… wollte einfach die Stadt erkunden. Hab ja noch nicht so viel davon gesehen“, fiel ihm schließlich ein. Sie hakte nicht nach, wofür er ihr echt dankbar war. Sie wollte ihm Vertrauen entgegenbringen, da sie wusste, dass ihm das sehr wichtig war. Vor ein paar Wochen hätte sie nie gedacht, dass für ihn so etwas Lächerliches wie Vertrauen eine Rolle spielen würde. Aber ihr gefiel es, wie Marc sich verändert hatte und es immer noch tat.
„Und dann hast du mich gesehen und…“, wollte sie ergänzen, aber Kathy kam ihr grinsend zuvor.
„…und Sie konnten einfach nicht weiterfahren, weil dieser Engel Sie so fasziniert hat“
Hä? Wie konnte sie das wissen… und wieso versteht sie Hasenzahn? Gretchen hat Deutsch geredet… echt, die Jugend von heute ist einfach nur mehr rotzfrech…tut so, als ob man überhaupt nichts checkt und dann fällt man einem auch noch ins Wort…
Dr. Haase drehte sich überrascht zu ihr um und sah sie mit einer Mischung aus Erstaunen und Vorwurf an. Doch sie fragte auch hier nicht, zu neugierig war sie, was Marc zu sagen hatte.
Mit einem Schmunzeln nahm er ihre neugierigen Blicke zur Kenntnis, um dann mit einem charmanten Zwinkern zu sagen: „So kann man es auch ausdrücken…“
Irgendwie ist es doch ganz gut, dass sich die kleine Kröte eingemischt hat. Hätte das nie so rübergebrachte, wahrscheinlich hätte es so geendet, dass Gretchen wegen mir heult, weil sie wieder einmal alles in den falschen Hals kriegt. Bin eben nicht so geübt in Komplimenten… aber „du bist wunderschön“ werde ich wohl noch so hinkriegen, oder?
Gretchen konnte ihr Grinsen gar nicht mehr ausknipsen, aber es wurde etwas abgeschwächt, als sie wieder zum Kleid schaute. Er folgte ihrem Blick und sah verwundert, dass sie auf die Tür zuging. Als sie merkte, dass niemand ihr folgte, drehte sie sich wieder ihnen zu und sagte: „Lasst uns wieder ins Krankenhaus fahren. Marc, könntest du uns mitnehmen?“
„Aber…“, wollte er widersprechen, aber sie hatte bereits die Tür geöffnet und war rausgegangen. Marc wandte sich dem Teeny zu, der mindestens genauso überrascht wie er dreinblickte. Ohne, dass er nachfragen musste, seufzte sie: „Aber sie wollte das Kleid so sehr… sie hat irgendwas von Verantwortung gefaselt, dass es egoistisch gegenüber eurem Kind wäre…“
Euer Kind…euer Kind… euer Kind…
Unser Kind… muss seine Mutter in diesem schönen Kleid unbedingt sehen…
„Könntest du mir bitte einen Gefallen tun?“, fragte er Katherine gedankenversunken.
„Welchen denn?“
„Geh doch noch mit Gretchen ein bisschen bummeln… ich hab noch was zu erledigen. Dann bring ich euch ins Krankenhaus“
Nun grinste Kathy verheißungsvoll, denn sie ahnte, was er vorhatte. Deshalb folgte sie Gretchen auch schnell und versuchte, sie zu überzeugen. Das gelang ihr aber erst, nachdem sie Gretchen aus ihren Träumereien rausreißen konnte.

Sophiee^^ Offline

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25.10.2011 14:18
#72 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

allerseits!

DANKE DANKE DANKE... ihr seid richtig lieb!!! Image and video hosting by TinyPic

Viel Spaß bei Gretchens Träumereien


„Mist… Marc, ich pass einfach nicht rein!“, keifte sie verzweifelt durch die Tür und zerrte an ihrem Reißverschluss herum.
Ist das alles scheiße! Irgendwas muss immer schiefgehen! Dabei dachte ich, ich hätte die Schwangerschaftskilos bald wieder runter…
„Gretchen, wir müssen jetzt los, beeil dich mal!“, kam es ebenso genervt zurück.
„Sag mal, hast du was an den Ohren? Ich krieg den verdammten Reißverschluss nicht zu!“
„So, jetzt reicht’s! Ich komm rein!“
„NEEEEEEEIN!“, kreischte sie hysterisch und schloss schnell ab. „Du darfst mich nicht sehen, das bringt Unglück!“
Er seufzte und versuchte verzweifelt, die Tür aufzubekommen. Er war schon nervös genug, da fehlte ihm gerade noch seine neurotische Freundin, die er endlich gefragt hatte. Bei dem Antrag war er so glücklich gewesen, obwohl er sich damals schon denken konnte, wie grauenhaft die nächsten Monate für ihn werden würden. Und seine schrecklichen Vorstellungen wurden sogar übertroffen, aber komischerweise fand er es süß, wie sehr Gretchen sich in die Hochzeitsvorbereitungen gestürzt hatte. Zumindest zu Anfang. Irgendwann wurde es ihm zu viel, dann hatte er sie einfach im Schlaf entführt. Zum Glück war noch nichts bezahlt.
Sie hatte sich jedenfalls sehr erschrocken, als sie auf dem Flughafen aufgewacht war. Es dauerte allerdings eine Weile, bis sie schnallte, dass es sich nicht um einen Traum handelte. Daraufhin sah Marc ihr amüsiert dabei zu, wie sie einen Nervenzusammenbruch der Stufe sieben hatte. Als sie aber gar nicht mehr aufhören konnte, versuchte er, sie zu beruhigen. Er erzählte ihr ruhig und bestimmt, dass ihre gemeinsame Tochter bei ihren Eltern war, sie in zwanzig Minuten auf die Malediven flogen und dass die Hochzeit abgesagt war. Sie heulte noch mehr, hörte aber schlagartig auf, als Marc ihr übers Haar strich und ihr ins Ohr flüsterte, dass er sie in diesem Paradies heiraten wollte.
Jetzt, als sie verzweifelt versuchte, in dieses Kleid reinzukommen, rief sie sich nochmal seine schönen Worte ins Gedächtnis, damit sie nicht noch hysterischer wurde.
„Es ist doch egal, wie und wo wir heiraten und wie viele Zuschauer wir haben. Das wichtigste ist, dass wir uns lieben“
Langsam beruhigte sie sich wieder, indem sie immer und immer wieder diese Worte vor sich hinsagte und dabei tief ein- und ausatmete. Sie hantierte immer noch an ihrem Reißverschluss herum und rief dann wieder Richtung Tür: „Ist der Pfarrer schon da?“
Auch Marc bemerkte, dass Gretchen wieder ruhiger wurde und antwortete: „Ja, er wartet schon sehnsüchtig darauf, uns zu trauen. Bist du drin?“
Wenn ich’s wäre, würde ich schon lange in deinen Armen liegen, du süßer Vollidiot!
„Nein…“, flüsterte sie.
Vielleicht sollte ich ihn doch fragen… ist ja sonst niemand da… außer…
„Marc?“, rief sie wieder mit zuckersüßer Stimme.
„Ja?!“
Man hörte das Misstrauen genau heraus, er wusste doch, das sie immer etwas wollte, wenn sie diesen Ton anschlug. Er konnte aber gar nicht lange grübeln, da sagte sie auch schon, was sie wollte.
„Kannst du den Pfarrer herholen? Er kann mir ja reinhelfen“
„Hast du den Arsch offen? Ich lass dich doch nicht von irgendeinem anderen betatschen!“, schrie er fast genauso hysterisch wie seine Verlobte vorhin.
Ach, die altbekannte Eifersucht… aber so redet man nicht mit seiner großen Liebe!
„Marc!“, rief sie vorwurfsvoll, um dann wieder einen versöhnlichen Ton anzuschlagen.
„Er ist Pfarrer, da wird er mir schon nichts weggucken!“
„Trotzdem!“, beharrte er stur und verschränkte trotzig die Arme vor der Brust.
Sie wurde wieder unruhig, da sie schon sehr spät dran waren. Noch einmal riss sie ruckartig an ihrem Reißverschluss, der das weiße Brautkleid verschließen sollte. Es funktionierte nicht. Es sammelten sich wieder Tränen in ihren Augen.
Zum Glück hab ich wasserfestes Make-Up… zumindest etwas Positives…ja Gretchen, tief durchatmen und positiv denken! Du bist hier auf einer wunderschönen Insel, dein Traummann würde dich sicher auch nackt heiraten und es ist niemand da, der unser Glück stören könnte…
„Maaaaarc…“, flüsterte sie mit weinerlicher Stimme und lehnte sich gegen die verschlossene Tür. Der Angesprochene hatte den Ton auch mitbekommen und schon seufzte er auf.
„Nicht heulen, Hasenzahn! Du weißt doch, was ich dir am Flughafen gesagt habe. Das gilt heute und auch den Rest unseres Lebens noch… wenn du willst, können wir auch erst in ein paar Tagen heiraten, wir haben ja noch genug Urlaub. Aber bitte, bitte hör jetzt auf zu heulen!“
Gretchen konnte wieder lächeln. Immer wieder erstaunlich, wie sehr Marc Meier sich weiterentwickelt und verändert hat…
…und das nur wegen mir! Hach… ich will ihn sofort heiraten! Aber er darf mich nicht sehen… vielleicht sollte ich nochmal nach dem Pfarrer fragen…
„Ich will dich ja jetzt heiraten… aber das geht nicht, wenn der blöde Reißverschluss noch offen ist. Irgendwann rutsch mir ja das Kleid runter!“
Mit einem dreckigen Grinsen im Gesicht, das sie zum Glück nicht sah (dann wäre sie noch hysterischer geworden), erwiderte er: „Also ich finde diese Vorstellung nicht schlecht… im Gegenteil, ich würde…“
Tja, so viel zum nackt heiraten…
„Marc!“, unterbrach sie ihn mit einem warnenden Unterton in der Stimme.
„Ja, mein Gott, ich weiß, wie ich heiße…“, sagte er nun wieder genervt und ließ den Kopf gegen die Tür fallen.
„Könntest du nicht nochmal drüber nachdenken, den Pfarrer zu holen, damit er mir…“, startete sie einen neuen Versuch, der aber sofort unterbunden wurde.
„Auf keinen Fall! Lass mich jetzt rein, ich sehe dich ja sowieso gleich“
Boah… für ihn ist das ja auch nicht schlimm, er glaubt nicht an Schicksal… ich will aber kein Unglück! Nein, nein, NEIN!!!
„Es ist aber viel schöner, wenn du mich erst am Strand siehst… Sonnenuntergang, eine leichte Brise vom Meer, Palmen im Hintergrund… und wir beide mittendrin! Wenn du mich jetzt schon siehst…“
…war alles umsonst!
Marc schwieg. Ja, es war sicher schöner, wenn er seine Traumfrau in ihrem wunderschönen Kleid erst vor dem Pfarrer sah. Aber… aber er konnte doch nicht einfach so einen anderen Mann zu ihr schicken, damit er sie anzog! Eifersucht brodelte wieder in ihm hoch. Er konnte es einfach nicht verhindern, aber nur der Gedanke daran, dass irgendein anderer Mann sie quasi nur in Unterwäsche sah, machte ihn krank. Sein Gockelimage konnte er einfach nicht ablegen.
„Bist du noch da?“, kam eine leise, verunsicherte Stimme aus dem kleinen Bad ihrer Strandhütte. Er lächelte. Er liebte ihre Stimme, vor allem, wenn sie so verunsichert klang. Sein erster Impuls war, zu sagen, dass er nie mehr ging, aber das klang dann sicher irgendwie komisch. Obwohl… Gretchen würde sich sicher freuen wie ein Schneekönig. Außerdem würde das auch nicht der Wahrheit entsprechen, denn er würde jetzt losgehen und den Pfarrer holen.
„Ja“, flüsterte er ebenso leise und setzte seufzend nach: „Ich schick jetzt den Pfarrer zu dir, und dann warte ich drüben am Strand. Zufrieden?“
„Danke, Schatz!“, stieß sie erleichtert hervor.
Wenn ich könnte, würde ich ihn jetzt abknutschen…

Sophiee^^ Offline

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28.10.2011 12:12
#73 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Dann hörte sie, wie leise Schritte davongingen. Sie stand auf und musterte sich im Spiegel. Ihre Augen waren ein bisschen rot, aber das war ja nicht schlimm. Danach würde sie sowieso in Freudentränen ausbrechen.
Es wird alles gut. Gleich werden wir heiraten! WIR WERDEN HEIRATEN! Gretchen Haase heiratet Marc Meier! Gretchen Meier… hm. Gewöhnungsbedürftig, aber doch schön. Etwas Besonderes… wir sind etwas Besonderes!
Sie strahlte. Dabei sah sie aus wie eine glückliche Braut. Was sie ja auch war. Was gab es denn Schöneres, als seine große Liebe zu heiraten und Kinder zu kriegen? Eines hatten sie ja schon. Ihr süßes kleines Töchterchen Sophia. Es wäre noch viel perfekter, wenn sie jetzt auch hier wäre. Aber sie hatte eingesehen, dass es doch viel schöner war, wenn sie alleine heiraten. Wo sollten sie sie denn unterbringen während der Flitterwochen? Der Flug würde ihr sicher nicht guttun, und dass ihre Familie und ihre Freunde nicht da waren, war ihr eigentlich auch nicht mehr so wichtig. Die meisten waren sich sowieso sicher, dass Marc sich drücken würde. Sie verdrehte die Augen. Manchmal kam es ihr so vor, als wollten sie sie alle vor Marc schützen, aber sie brauchte keinen Schutz. Sie liebte ihn. Und er liebte sie. Wer wollte schon vor der Liebe beschützt werden?
Es klopfte leise an der Tür. Der Pfarrer kam mit eingezogenem Kopf herein und sah sie verunsichert an.
Oje! Marc hat ihm wohl ganz schön den Kopf gewaschen… der Arme! Der würde doch nie… das wäre ja lächerlich!
Sie lächelte ihn aufmunternd an, dann drehte sie sich um und bat ihn höflich, den Reißverschluss zu schließen. Auch er hatte zu Beginn Schwierigkeiten, aber als sie den Bauch so fest einzog, dass sie fast keine Luft mehr bekam, hatte er es schließlich geschafft. Nun war er es, der sie anlächelte, da sie von null auf hundert sehr nervös geworden war. Er klopfte ihr leicht auf die Schulter, sagte: „Auf geht’s!“ und lief schon los. Sie biss sich auf die Unterlippe, dann atmete sie noch einmal tief durch und folgte ihm.
Zwischen den Palmen blieb sie stehen und genoss das Bild, das sich ihr bot. Marc stand am Strand und schaute nachdenklich auf’s Meer, in dem gerade die Sonne versank. Er sah einfach perfekt aus in dem Anzug und mit den vom Wind zerzausten Haaren. Wie ein junger Gott. Und das war er auch. Ihr Gott. Sie konnte gar nicht anders, als ihn anzubeten.
Hab ich dieses Glück echt verdient?
Es war schon dämmrig, das Meer rauschte und der Himmel war blutrot.
Rot ist die Farbe der Liebe…
Sie wischte sich die Freudentränen aus den Augen und lief langsam los. Als hätte er ihre Ankunft bemerkt, drehte er sich wie in Zeitlupe um. Da war sie. Seine wunderschöne, aufregende, neurotische, liebevolle, wilde, süße, große Liebe. Er konnte gar nicht mehr aufhören zu lächeln, als er sie in diesem Kleid sah. Sie war immer noch die Antwort auf alle seine Fragen. Auf einmal sah er verschwommen. Irritiert bemerkte er, dass auch Tränen in seinen Augen standen und wischte sie schnell verstohlen weg. Er war ja kein Mädchen.
Gretchen verspürte den Drang, auf ihn zuzulaufen, aber sie riss sich am Riemen und lächelte ihn voller Liebe an. Er lächelte genau so zurück. Nach einer gefühlten Ewigkeit war sie bei ihm angekommen du sie sahen sich tief in die Augen.
Da begann auch schon der Pfarrer zu sprechen…


„Sag mal, auf welchem Planeten bist du grade?“
Häääääääää?? Was?? Was redet der Pfarrer denn da? Er soll doch nur den Trauspruch sprechen, verdammt! Das ist doch nicht so schwer…ach egal, wir überspringen das einfach!
„Ja, ich will…“, hauchte sie. Als Antwort bekam sie darauf nur ein „Hä??“ und kurz danach ein „Was willst du?!“, was sie in Panik geraten ließ.
Will… will er mich jetzt doch nicht heiraten? Oh nein… er traut sich doch nicht!!
Gretchen was kurz vorm Hyperventilieren, was auch Kathy besorgt mitbekam. Was war nur in Maggy gefahren? Was wollte sie denn?
„Maaaaaaaaaaaaaggy!! Komm wieder zurück nach Washington!“
Als sie ihren neuen Spitznamen hörte, blinzelte sie und fand sich in einer dreckigen Seitengasse wieder, der Himmel war grau und es schien bald anfangen zu nieseln.
Wo… wo bin ich denn?
Irgendjemand wedelte mit der Hand vor ihrem Gesicht herum, und als sie Kathys Gesicht sah, seufzte sie leise auf. Sie war in Washington. Alles bloß ein Traum.
„Was ist denn?“, fragte sie und versuchte, dabei nicht genervt zu klingen.
Manno, wieso hat sie mich aus diesem schönen Traum gezogen??!
„Dein Lover musste nochmal schnell irgendwohin. Er meinte, er nimmt uns später mit, wir sollten aber noch eine Runde in der Stadt machen“, erklärte sie ihr- oder besser gesagt Marcs- Anliegen.
„Och nee, bitte nicht! Meine Füße wollen nicht mehr…“, quengelte die fast- Chirurgin, fragte sich dabei aber auch, was Marc wohl zu tun hatte. „…ich will nach Hause!“
Oder zu Marc. Zu Hause ist es ja momentan nicht besonders… ähm… harmonisch.
„Eigentlich müsstest du ja noch arbeiten… Daddy hat nur was von zwei Stunden gesagt…“
Scheiße!!!
„Scheiße!!!“, rief sie und wollte sich sofort auf den Weg zur nächsten U- Bahn begeben. Nur, wo war die nächste U- Bahn?
„Moment!“, hielt die melodische Stimme von Katherine sie ab, „Dr. Meier wollte uns doch mitnehmen…“
Doppel- Scheiße! Wo ist er denn??
Gretchen sah sich um, aber sie konnte Marc nirgendwo ausmachen, aber sie sah seinen Wagen- mitten auf der Straße?! Was war denn in ihn gefahren? Naja, diese Straße ist ja Gott sei Dank nicht so befahren…
Ich ruf ihn einfach an… So weit kann er ja nicht sein…
Mist, wo hab ich denn mein Handy??...
…oh nee, das muss noch bei Marc sein. Super! Hoffentlich hat er nicht reingeschaut… Gretchen! Jetzt mal nicht den Teufel an die Wand, vertrau ihm doch einfach!

Gretchen seufzte.
Wenn das nur so einfach wäre…
„Kannst du mir bitte dein Handy leihen?“, fragte sie.
„Wieso?“, hakte Katherine nach.
„Ich hab mein Handy bei Marc vergessen… und ich würde ihn gern anrufen, ich will keine Zeit mehr verlieren… ist immerhin ein Stipendium, da muss man schon was für machen!“
Naja… so ernst ist es mir eigentlich nicht. Wollte nur Marc ärgern. Aber ich bereu es nicht… apropos… sollte mal Frau Stiegelmayer anrufen. Muss sie ja aufklären, mit dem Baby und so… oh nein, das kann ja was werden! Hoffentlich schickt sie mich nicht wieder zurück nach Berlin…ist zwar mein zu Hause, aber ich fühl mich nur zu Hause, wenn ich bei Marc bin…
„Ähm…“, wand Kathy sich. Sie konnte ihn jetzt nicht anrufen. Was würde dann aus seiner Überraschung werden?
Gretchen wurde von diesem Laut aus ihren Gedanken gerissen und musterte sie jetzt ein bisschen ungeduldig.
„Was ist denn jetzt? Kann ich es bitte haben?“
„Also… ich weiß wirklich nicht, ob…“
Typisch Teeny! Ihr Handy ist ihr Heiligtum, das darf niemand anfassen…
„… er hat gesagt, es ist wichtig, und ich glaube nicht, dass es eine gute Idee wäre, ihn zu stören… außerdem… hab ich seine Nummer nicht“
Eigentlich hab ich gedacht, die Jugend von heute würde bessere Ausrede finden. Naja. Ist irgendwie auch ein bisschen süß, aber ich muss ihn wirklich anrufen!

Sophiee^^ Offline

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31.10.2011 09:50
#74 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

„Ich kann seine Nummer auswendig. Bitte! Dein Vater wird mir den Kopf abreißen… über zwei Stunden sind wir schon lange hinausgeschossen!“
Marc hätte das jedenfalls früher getan… hach…vermiss das schon ein bisschen, ihn als Chef zu haben… jetzt seh ich ihn ja fast nie auf der Arbeit…
„Das würde mein Vater nie tun!“, protestierte sie lautstark.
„Naja, ich weiß nicht…“, murmelte Gretchen und streckte ihre Hand aus. Dabei setzte sie ihren überzeugendsten Bambiblick auf und bettelte: „Bitte, bitte! Hast auch was gut bei mir!“
Da sah Kathy ihre Chance: Jetzt würde sie Gretchen vom Geschäft weglocken können, in dem Marc immer noch war und darauf wartete, dass sie endlich losgingen.
„Gut…“, gab sie nach, „…aber dafür gehst du noch ein Stück mit mir spazieren“
Murrend stimmte sie zu und sie setzten sich in Bewegung, immer in Richtung Krankenhaus. Nachdem sie ein Stück gegangen waren, bekam sie dann auch ihr Handy und tippte Marcs Nummer ein. Sie hielt es sich ans Ohr und…
...besetzt?! Mit wem sollte er denn jetzt telefonieren? Oder hat er… er hat mich doch nicht weggedrückt?!
Grübelnd drückte sie auf den roten Knopf. Katherine fragte nicht weiter und nahm ihr Handy wieder entgegen.
Aber wieso sollte er mich wegdrücken? Ich hab doch mit Kats Handy telefoniert, die Nummer kennt er nicht. Und er geht sicher ran, auch wenn er sie nicht kennt. Könnte ja das Nobelpreis- Komitee sein, das darf er doch nicht aufhängen! Komisch…
Andererseits… vielleicht hat er ja zu tun. Kathy meinte ja, es sei wichtig. Was er wohl macht? Ist er noch in dem Geschäft? Ich hab ihn nicht weggehen sehen… naja, aber ich war ja auch weg vom Fenster. Also echt, wenn ich mal anfange zu träumen, da könnte ein Meteorit neben mir einschlagen und ich würde es nicht checken! Hihi… ja, das klingt ganz nach mir!
Aber wenn er wirklich noch im Geschäft ist, dann… oh Gott… will er etwa..??! Will er mir das Kleid kaufen?! Nee… das wäre zu schön, um wahr zu sein… also etwas, was Marc sicher nicht tun würde. Leider… hm… vielleicht sollte ich es nochmal probieren?

„Kathy? Krieg ich bitte nochmal dein Handy?“
Seufzend und ohne ein Zeichen des Widerstands gab sie es ihr. Gretchen drückte auf Wahlwiederholung und wartete gespannt…
…jetzt ist nur noch die Mailbox dran! Hat er es ausgemacht? Was jetzt? Aufhängen oder draufsprechen? Wenn ich draufspreche komm ich sicher wie ne nervige Klette rüber… was ich ja auch bin. Ist ja noch nicht so lange her, seit wir uns gesehen haben… aber wenn ich aufhänge, weiß er nicht, wer angerufen hat…
Bevor sie eine Entscheidung fällen konnte (worin sie echt nicht gut war) ertönte schon der Piep und sie wurde quasi dazu gezwungen, was zu sagen. Stotternd begann sie…
„Hey Marc! Hier ist Gretchen… ich telefonier mit Kathys Handy, weil meines hab ich bei dir vergessen und…“
Schweif nicht ab!
„…ähm…nicht so wichtig…ich weiß, ist jetzt nicht wirklich lange her, seit wir uns gesehen haben, aber ich wollte nur fragen, wo du bleibst?! Ich…, also wir, müssen ganz dringend ins Krankenhaus und du… du willst sicher auch wieder nach Hause… also, zu dir nach Hause mein ich. Ich will dich ja jetzt nicht stressen oder so…“
…aber wenn du nicht bald kommst, hab ich einen Kopf weniger!
„… aber es ist echt dringend… eigentlich hatte ich nur zwei Stunden frei, und die hab ich schon verdoppelt…quasi… und ich weiß nicht, wann die nächste U- Bahn fährt… außerdem hast du uns ja angeboten, uns mitzunehmen…wir sind schon ein Stück vorgegangen…Richtung Krankenhaus… also… bitte ruf zurück, ja?...“
Das klingt ja total… doof. Manno! Aber hab ich…?
„…Hab ich gesagt, wer dran ist? Hier ist Gretchen!“
Sie drückte nochmals auf den roten Knopf und schlug sich dann mit der Hand gegen die Stirn.
Ich bin sowas von idiotisch! Wieso hab ich nicht aufgehängt, als ich noch die Gelegenheit hatte?! Konnte aber ja auch nicht anders kommen… die Fettnäpfchen zieh ich ja immer noch an!
Der Teenager hatte zwar nicht verstanden, was sie gesagt hatte, aber sie hatte natürlich gemerkt, wie sie gestottert hatte und konnte da schon das Grinsen fast nicht verkneifen, aber als sie sah, wie sie sich selbst schlug, konnte sie echt nicht mehr. Sie lachte. Daraufhin schaute Gretchen ein bisschen gequält zu ihr hinüber.
Na toll! Ich werde ausgelacht. Aber sie meint es ja nicht böse… ich würde mich wahrscheinlich auch auslachen, wenn es nicht so peinlich wäre…juhu, Marc wird mich sicher auch auslachen! Das wäre dann das wievielte Mal in meinem Leben?!
Nach ein paar Minuten hatte sie immer noch nicht aufgehört. So langsam nervte es Gretchen. Themenwechsel war angesagt!
„Du Kathy…“, sagte sie, um das Thema zu wechseln, „… wieso hast du mich eigentlich vorhin verstanden? Also, im Laden?“
Die Angesprochene wischte sich die Lachtränen aus den Augen und versuchte sich zu sammeln. Immer noch über beide Ohren grinsend antwortete sie wahrheitsgemäß: „Ich hab euch nicht verstanden“
„Wie? Aber du hast doch…“
„Ihr seid eben echt durchschaubar… das hätte ich immer erraten! Ich hätte nicht gedacht, dass mein Satz SO gut gepasst hat…“, erklärte sie.
„Wir…wir sind durchschaubar?“, fragte Gretchen mit leicht kieksender Stimme. Ja, sie wusste, dass sie ihre Gefühle nicht verstecken konnte, aber dass ihre Liebe wirklich so offensichtlich war…
„Hm… andere Ausdrücke, die euch beschreiben würden, wären… zauberhaft, lieb, süß, unglaublich, einfach einzigartig, eben die wahre Liebe. Und durchschaubar. Sogar bei Dr. Meier…“
Kathy hatte gar keine Zeit mehr, ihren Satz zu beenden, denn sie wurde von Gretchen stürmisch umarmt.
Das war soooooooooooo süüüüüüüüüüüß von ihr…
„Danke, Katherine!“, hauchte sie überglücklich. Sie ließ sie aber bald darauf wieder los, um noch einmal nachzufragen: „Du findest also, dass wir ein schönes Paar sind?“
„Klar… das sieht man doch aus zehn Metern Entfernung!“, lächelte sie.
Nochmal drückte sie Kathy fest an sich. Sie wollte gar nicht mehr loslassen. Nach Luft ringend versuchte Kathy, ihr noch so junges Leben vor einem Erstickungstod zu bewahren.
„Also, eigentlich lass ich mich gerne zu Tode quetschen… aber wenn es dann wirklich funktioniert, will ich nicht mehr…“
Upps… das war vielleicht ein bisschen fest…
Leicht widerwillig ließ sie wieder los. Kathy lächelte sie an, aber sie war immer noch neugierig. Jetzt hatten sie ja genug Zeit…
„Aber jetzt erzähl mal… du bist schwanger? Und jetzt bitte ausführlich!“
Sie grinsten sich an und gingen langsam weiter.
Gut, dann erzähl ich ihr mal alles… auch wenn ich eigentlich ins Krankenhaus müsste, aber ich denke, Kathy wird ihren Daddy schon beruhigen können…
„Das ist so toll! Weißt du, das Baby ist noch soooo winzig... ungefähr einen halben Zentimeter groß. Und man kann die Beine auch noch nicht vom Rest des Körpers unterscheiden… aber sein Herz schlägt schon!“
Strahlend legte sie eine Hand auf ihren Bauch. Ja, so musste sich eine Mutter fühlen.



Etwas zufriedener als davor verließ er das Geschäft mit einer Tüte. Das Kleid war ganz schön teuer, aber das war es ihm wert gewesen. Allein wenn er danach ihr Strahlelächeln sah…unbewusst fing er an zu grinsen und vor sich hinzuträumen. Ganz zu schweigen davon, was er wohl für seine Aktion hier bekommen würde… jetzt grinste er noch mehr. Aber ein Hupen ließ ihn aufhorchen.

Sophiee^^ Offline

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03.11.2011 18:58
#75 RE: Story von Sophiee^^ Zitat · antworten

Danke für die vielen Kommis, hab mich ganz doll gefreut! Und ich bedank mich auch bei den stillen Lesern

@Miriam: Ach komm schon, mir kannst du's ja sagen...


Er schaute auf und sah, dass ein altes, klappriges Auto hinter seinem wartete. Er hatte ganz vergessen, dass er nicht einmal einen Parkplatz gesucht hatte. Er beeilte sich zu seinem Wagen zu kommen und startete den Motor. Schon wieder hupte das Auto hinter ihm.
Mein Gott, was ist das denn für ein Arschloch? Jetzt wird er doch zwei Minuten seines mikrigen Lebens opfern können… sieht man ja, bei der Schrottkiste!
Marc machte sich nicht einmal die Mühe, ihm den Mittelfinger zu zeigen und fuhr schnell weiter. Bei nächster Gelegenheit blieb er stehen und rief Mehdi an.
„Marc?“, fragte dieser am anderen Ende der Welt überrascht.
„Hättest wohl nicht mehr mit mir gerechnet, hä?“, sagte Marc und grinste verschmitzt.
„Naja… eigentlich nicht…“, antwortete Mehdi zögernd.
Hm… sollte vielleicht nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen… er klingt schon wieder so… komisch. So, wie er klingt, seit Anna abgehauen ist…
„Wie geht’s dir?“, fragte Marc deshalb.
„Hm… eigentlich alles wie immer. Aber seit ihr beide nicht mehr hier seid, ist es schon ein bisschen langweilig geworden“
„Ja, das kann ich mir denken“
„Und dir so?!“
„Ach du, kann nicht klagen…“, flunkerte er ein bisschen. Was Mehdi auch gleich bemerkte.
„Wenn du nicht klagen könntest, würdest du wohl kaum anrufen“, sagte er ein bisschen angepisst.
„Was biste denn jetzt so gereizt?“, sagte Marc genervt.
„Du hast dich nie gemeldet, außer, wenn du irgendwas wolltest!“, beklagte er sich sogleich.
Boah, was hat er denn jetzt? Wir sind zwar Freunde, aber Beste schon lange nicht mehr. Spätestens als er mit Gretchen gevögelt hat war er nicht mehr mein bester Freund…
„Da bist du selbst schuld!“, meinte der Chirurg jetzt bockig.
Er will mir ja helfen, immerhin geht’s um Hasenzahn. Und da er sie ja… liebt…
Bei dieser Erkenntnis musste er schlucken, aber er fing sich gleich wieder.
„Ach ja?! Und wieso?“
„Ich hab dich ja nicht gebeten, Hasenzahn zu „trösten““
„Wirfst du mir das immer noch vor? Hast du etwa immer noch nicht gecheckt, dass Gretchen NUR DICH…“
„Ja, is gut jetzt…“, unterbrach Marc ihn barsch.
Wie schnell man wieder zu der altbekannten schlechten Laune kommen kann…
„Meier, sag schon, was du willst. Ich hab gleich ne Zwillingsgeburt…“
„Na gut… ähm… es ist so: ich hab keine Ahnung, wie ich beweisen soll, dass der Typ wirklich Frank ist… aber er war zumindest…“, stotterte er. Er wusste nicht, wieso er plötzlich so zögerte. Mehdi war ihm immerhin die einzige Hilfe, auch wenn er plötzlich so frostig war.
„Marc!“, rief Mehdi vorwurfsvoll, „Entweder du spuckst es jetzt aus oder ich muss auflegen. Sie haben mich schon in den Kreissaal gerufen“
Das ist wichtiger als irgendeine Geburt, verdammt!
„…ich wollte sagen, er war zumindest da. In Reichweite. Aber jetzt ist er…weg“, beendete er seinen Satz. Schweigen herrschte. Mehdi konnte nicht glauben, was er hörte. Er war weg? Schon wieder entwischt? Und das, obwohl er sich den Knast redlich verdient hätte?
„Was soll ich jetzt tun?“, fragte Marc ratlos.
„Ich… keine Ahnung. Hast du ihn schon gesucht?“
„Mehdi, Washington ist zehn Mal größer als Berlin, und in Berlin würde man ihn sicher auch nicht finden. Er hat ne Frau, wahrscheinlich verstecken die sich irgendwo…“
„Ich muss jetzt echt auflegen. Aber ich überleg mir was. Ich ruf dich später an, okay?“
„Okay“, sagte Marc in den Hörer, er hatte aber schon aufgelegt.
Er sah, dass er eine Nachricht auf der Mailbox hatte. Er wunderte sich, denn er kannte die Nummer nicht.
Kurz darauf war seine gute Laune wiederbelebt worden. Die Nachricht von Gretchen war einfach nur süß gewesen, wie rumgestammelt hatte. Und als er dann zurückgerufen hatte und sie ein bisschen damit geneckt hatte, konnte er ihr vor Scham rotes Gesicht vor sich sehen. Grinsend lenkte er sein Auto wieder auf die Fahrbahn. Sie waren gar nicht weit gekommen, und er sah sie auch bald, wie sie sich angeregt unterhielten. Er fuhr an die Seite, aber als sie weitergingen, hupte er einmal. Erschrocken drehten sie sich um, und als er Gretchen sah, lächelte er. Sie auch. Und Kathy lächelte, weil die beiden so süß waren.
Es hatte angefangen zu nieseln, und sie stiegen schnell ein. Alle schwiegen, aber es war ein angenehmes Schweigen.
Ein wenig widerwillig ließ er sie beim Krankenhaus raus, er selbst hatte ja immer noch frei. Er seufzte und sah den Beiden hinterher.
Ich könnte mir was Besseres vorstellen, als sie einfach wegzulassen… ach Mensch. Sollte besser nach Hause fahren. Können die blöden Kopfschmerzen nicht endlich verschwinden?
Als seine Herzdame sich noch einmal umdrehte, ihm zuwinkte und dabei so unvergleichlich lächelte, wurde er von einem warmen Gefühl durchströmt. Und als sie weg war, bemerkte er einen Stich. Sehnsucht. Jetzt schon… wie sollte das werden, wenn… falls sie sich mal länger nicht sahen?
Noch ein Seufzer verließ seine Kehle. Aber er blieb nicht lange stehen und fuhr wieder zu seiner Wohnung. Nach einem kurzen Zwischenstopp im Supermarkt war er auch bald da. Dort angekommen holte er die Tüte mit dem Kleid aus seinem Auto, versteckte sie unter dem Bett und gönnte sich danach eine heiße Dusche. Er merkte, wie sich seine Muskeln langsam entspannten, und sofort fühlte er sich besser. Seine Schläfe pochte nur mehr leicht, sodass er es unterdrücken konnte. Er zog sich eine Boxershorts und sein M- Shirt an und lümmelte dann auf dem Sofa. Die Dusche schien sein Gehirn außer Kraft gesetzt zu haben, denn er dachte nichts. Naja. Man denkt ja immer, aber er dachte wirklich nur unwichtige Sachen. Und das tat ihm gut.
Aber irgendwann war es ihm doch zu langweilig geworden. Er hatte versucht, den Fernseher irgendwie zu reparieren- obwohl er gar nicht wusste, was fehlte-, aber er hatte es bald aufgegeben.
Was soll’s… läuft eh nur Schrott…
Dann schaltete er das Radio ein. Aber das verschaffte ihm auch keine Ablenkung… nicht mal Metallica konnte ihn ablenken!
Vielleicht sollte ich doch nochmal ins Krankenhaus… wofür bin ich der Beste? Und dann seh ich… eventuell…Hasenzahn wieder… sie und ihre blauen Augen… ihre Haare… ihren Mund… und ihren Körper… haaaaaaach…
Nachdenklich, eigentlich ohne zu wissen, was er tat, nahm Marc sein Handy in die Hand und tippte darauf herum. Auf dem Display stand „Ich vermisse dich“. Und der Empfänger wäre Hasenzahn. So, jetzt nur noch auf die „Senden“-Taste drücken…
NEIN!!!
Im letzten Moment stoppte er seinen Finger, der sich eigenständig gemacht hatte und drückte die SMS weg. Erleichtert atmete er aus. Seine Ehre und seine Eier waren damit gerettet!
Meier, SCHALT ENDLICH DIESEN VERDAMMTEN SCHMACHTMODUS AUS!!! Damit tust du niemanden einen Gefallen! Und wenn du dort auftauchst, kommt wieder nur das blöde Getratsche… und Hasenzahn hat mich dann auch bei den Eiern. Nein! So viel Stolz hab ich noch, dass ich an einem freien Tag zu Hause bleibe!!

Kommentare zur Story von Sophiee^^ (15)
Würd mich freuen

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