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Dieses Thema hat 253 Antworten
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 Pausierende und abgebrochene Fortsetzungen!
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Fran Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 644

12.03.2010 20:34
Story von Fran Zitat · Antworten

Ich hatte alles was sich ein Mädchen wünschte. Die weisse Limousine hatte die glänzende Kutsche ersetzt, das Schloss war noch das gleiche und der Mann…der Mann war ein besserer geworden.
Doch mein Märchen sollte sein Happy End noch nicht gefunden haben…


„Margarethe!“
Der weinerliche und besorgte Aufruf meiner Mutter liess Gretchen herumfahren. Am Rande hörte sie das Piepsen von zahlreichen Piepsern und als ihr Blick auf ihren Vater fiel, blieb ihr Herz stehen. Ihre Mutter hielt seinen Kopf in ihren Händen, und als Gretchen sich nach vorne stürzen wollte, hielt sie eine Hand zurück.
„Gretchen, nein!“
Als sie sich umwandte, schaute Alexis besorgt und mit warnendem Blick auf ihren Vater, aus wessen Nase Blut tropfte. Innerhalb von wenigen Sekunden wurde ihr klar, was geschah.
Gaby drängte sich an ein paar Gästen vorbei und versuchte eilig die Kirche zu verlassen. Besucher stolperten über die Bänke und rissen die Gardinen und Blumen hinunter.
Alles schien wie in Zeitlupe an ihr vorüberzuziehen.
Gretchen spürte, wie Alexis seinen Arm um ihren Bauch legte und sie nach hinten zog. Als sie nach vorne schaute, und weitere Menschen mit blutenden Nasen erkennen konnte, sah sie eine Person, die eine andere Richtung als nach draussen einschlug.
„Gretchen! Gretchen!“
„Marc!“ Gretchen stiess sich nach vorne und sah zu, wie er den Gang, vorbei an den drängenden Leuten, nach vorne rannte.
„Nein du Idiot, du musst…Alexis, ich muss-“
„Nein, musst du nicht. Ich schau doch nicht zu wie du dir dein Hochzeitskleid versaust. Jetzt komm schon, wir müssen hier raus!“ Er verstärkte seinen Druck um ihren Körper um sie in Sicherheit zu bringen. Nur leider war es die falsche Richtung.
„Marc, du musst hier raus, es ist alles verseucht hier!“, rief Gretchen und versuchte den Schleier aus ihrem Gesicht zu kriegen. Sie spürte wie sich ihr Fuss in ihrem Kleid verhedderte und fuchtelte nach Alexis Arm, als sie eine Stufe ungewollt übersehen hatte. „Woaah.“
Durch ein Büschel ihrer Haare konnte sie erkennen, wie Marc ein Taschentuch vor seine Nase hielt, eine Person aus dem Weg stiess und mit grossen Schritten auf sie zu kam. „Das war mir schon klar, als der den Raum betreten hat.“, sagte er grob mit einem Seitenhieb auf Alexis und versuchte die Zigarette zwischen seinen Lippen zu balancieren.
„Jetzt sag mal, es ist verboten in meiner Kirche zu rauchen!“, beschwerte sich Gretchen und fuchtelte nach der Zigarette, doch Marc schob seinen Kopf nach hinten. „Es ist auch verboten ein hinterfotziges Arschloch zu heiraten, aber du hörst ja doch nicht.“
„Also ich-“
„Hasenzahn, das wird mir jetzt definitiv-“ Er schob seine Zigarette tiefer in seinen Mund, bückte sich, schob seine Arme unter Gretchens Rücken und hob sie mit einem Schwung hoch, „zu kompliziert. Ihr Weiber könnt nicht alles immer totdiskutieren und das ist hier ja komplett überflüssig!“
„Marc! Meine Mutter, sie ist noch-“
„-am Leben was erstaunlich ist, da sie dich jeden Tag ertragen muss. Na los jetzt. Ist ja nicht auszuhalten hier…“ Er stiess die Türe vor ihm mit dem Fuss auf und versuchte sein Gleichgewicht mit Gretchen zu halten, worauf er jedoch fluchend gegen den Türrahmen kippte.
„Marc! Was zum Teufel…tust du da!“ Gretchen bekam den Rahmen zu spüren.
„Jetzt stell dich nicht so an Hasenzahn, ist ja genug Fett da, das abfedert!“
„Alexis!“ Gretchens Blick fiel über Marcs Schulter nach hinten und schaute ihren Mann mit wütendem Ausdruck an, „würdest du mir BITTE mal helfen?“
„Was soll ich denn deiner Meinung nach tun wenn dieser verdammte Prolet…wenn dieser verdammte…Hinterwäldler dich…“ Alexis langte sich an die Stirn und schloss für einige Sekunden die Augen.
„Alexis?“ Gretchen hielt inne und sah zu, wie Alexis zu Boden fiel, „Alexis! Marc!“ Sie schlug mit ihrem Brautstrauss auf dessen Rücken.
„Marc, Alexis, Alexis, Marc, sag mal Hasenzahn vielleicht kannst du dich endlich mal entscheiden?“ Marc lief mit ihr auf die kleine Wiese vor der Kirche.
„Jetzt sag mal! Lass mich runter du Idiot, Alexis ist zusammengebrochen!“
„Was?“, schnaubte Marc amüsiert auf und wandte sich um, „wenn hier jemand zusammenbrechen darf, dann bin das wohl ich.“
„Das reicht. Das reicht, lass mich runter Marc, oder du wirst es definitiv bereuen.“, sagte Gretchen verbissen und schaute ihn erzürnt an.
„Das werde ich wohl jetzt schon, da ich höchstwahrscheinlich einen bleibenden Rückenschaden davontragen werde.“ Bevor ihm Gretchen dazwischenreden konnte, wandte Marc sich um und entfernte sich von der Kirche, „ganz abgesehen davon wird dein von Bourbon nicht der einzige sein, der in der Kirche rum liegt.“
„Von BUREN Marc, sag mal, dieses Talent der totalen Gleichgültigkeit, das wird man nicht einfach so los, nicht wahr?“
„Wohl genau so schnell wie dich…Hasenzahn?“ Marc wandte sein Gesicht langsam ihr zu und lächelte sein fast erstaunliches Lächeln, bevor er seine Augen verdrehte und einige Stufen zum Parkplatz hinunterlief.
„Du sag mal, was wird das eigentlich? Ich kann beim besten Willen auch selber gehen?“ Gretchen fischte die Zigarette aus seinem Mund und warf sie über die Schulter.
„Wobei wir schon beim nächsten Thema wären.“, sagte er, schaute kurz der Zigarette nach und lief mit grossen Schritten zwischen ein paar Autos durch, wobei er schwer ins Schnaufen geriet, „die Wahrscheinlichkeit dass du zurück zur Kirche zu diesem Flachwixer von Bourbon-„
„BUREN!“
„-rennen würdest, ist erstaunlich hoch. Wahrscheinlich würdest du den Pfarrer zwingen euch noch zu verheiraten, obwohl er schon halb tot ist.“
Gretchen presste die Lippen aufeinander und versuchte ihre aufkommende Erzürnung im Griff zu behalten.
„Zweitens - Verdammt bist du schwer Gretchen, hast du vor der Hochzeit noch einen Kuchen verspeist oder was.“ Marc liess sie ungeschickt neben seinem silbernen BMW Cabrio zu Boden und stützte die Hände in die Knie.
Gretchen richtete ihr Kleid, worauf sie ihn mit ihrem Blumenstrauss eine überbratete. „Jetzt sag ich dir mal was.“
Marc schaute mit rotem Kopf hoch und atmete tief durch. „Danke Marc, du hast mir das Leben gerettet, ich werde für immer in deiner Schuld stehen…?“
„Mit Sicherheit nicht. Du hast vielleicht mein Leben gerettet, aber die Leute dort oben, meine Gäste Marc, von meiner perfekten Hochzeit, die-“
„Wenn das deine Vorstellung von einer perfekten Hochzeit war, dann will ich nicht wissen, wie eine perfekte OP für dich aussieht. Und jetzt steig ein, du kannst dich später noch bei mir bedanken. Los.“ Er öffnete die Türe und machte eine Handbewegung sodass sie einstieg, und setzte sich neben sie ans Steuer.
Gretchen verfrachtete ihr Kleid in den engen Beifahrerraum und versuchte es so runterzudrücken, sodass sie noch etwas sehen konnte.
Marc, der das Schauspiel für einige Sekunden teilnahmslos betrachtet hatte, schaute sie fragend an, den Schlüssel in der Hand inne haltend.
„Ja was? Willst du endlich fahren oder mich die ganze Zeit anstarren?“, fragte Gretchen bissig und versuchte weiterhin ihr Kleid runterzudrücken.
„Tut mir leid ich habe mich nur gerade gefragt…wo genau der Zündschlüssel ist, da deine perfekte Hochzeit mein Auto übernommen hat. Hätten wir ein Dach, würden wir wohl ersticken.“
Gretchen seufzte schwer auf.
„Vielleicht willst du das Kleid unter deinen Hintern schieben, dann bleibt es wenigstens dort.“
„Marc, bitte. Fahr endlich!“
Er schnaubte grinsend auf und schüttelte den Kopf als er den Motor anwarf und mit rasendem Tempo den Parkplatz verliess.
Als Marc mit hohem Tempo zu der Klinik fuhr, versuchte Gretchen ihr Kleid so weit wie möglich unten zu behalten. Ihre Haare peitschten im Wind und ihr Schleier löste sich halbwegs und schlug nach links aus, sodass sich Marc teilweise bücken musste. „Verdammt Hasenzahn, krieg mal dein Kleid unter Kontrolle!“
„Das ist nicht so einfach!“, schrie sie und versuchte ihr Kleid unter ihren Hintern zu schieben, „ganz davon abgesehen, wäre das Dach jetzt hilfreich!“
Marc versuchte dem Schleier so gut es ging auszuweichen, bis sich dieser gänzlich löste und an seinem Kopf hängenblieb. Er fluchte laut und zerrte das Stück Stoff weg und liess es los, worauf es vom Gegenwind erfasst wurde.
„Was-?! Marc!“ Gretchen richtete sich auf, schaute nach hinten und konnte im wilden Durcheinander ihrer Haare erkennen, dass der Schleier an der Antenne des Autos verfangen hat.
Gretchen versuchte ihre Haare zu bändigen, jedoch ohne grossen Erfolg.
Marc, der das Schauspiel durch den Rückspiegel verfolgte, versuchte sie mit der rechten Hand wieder auf den Sitz zu ziehen. „Verdammt Gretchen, setzt du dich wieder hin!“
„Ich muss den…jetzt lass mich gefälligst…den Schleier!“
Marc konnte nicht alles durch den Wind verstehen, aber er versuchte ihr Kleid nach unten zu drücken. Gretchen lehnte sich weiter nach hinten und streckte ihren Arm nach dem Schleier aus, welcher wild an der Antenne um sich schlug.
Marc lenkte das Auto mit einer Hand auf eine Ausfahrt zu. „Jetzt lass diesen Scheissschleier endlich und setz dich wieder hin!“, schrie er nach hinten, doch Gretchen sah und fühlte nur noch eines.
Den Schleier, der nur noch wenige Zentimeter von ihren Fingerspitzen entfernt war, sowie der plötzliche, kühle Aufwind, der sich unter ihr Kleid schob.

Oh bitte nicht.

Fran Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 644

14.03.2010 00:22
#2 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

„Oh nein, da ist Mehdi!“ Gretchen schrumpfte zusammen, als Marc sein Auto auf den Parkplatz lenkte.
Schon von weitem konnte sie ihn bei der Türe mit zwei weiteren Ärzten erkennen, welche lange, gelbe Uniformen anhatten.
„Marc, mach was!“, sagte sie bittend und versuchte noch tiefer in ihrem Sitz zu versinken, „wenn er mich in deinem Auto sieht, versteht er doch die Welt nicht mehr!“
„Und was soll ich nach deiner Meinung nach machen? Ich könnte ihn höchstens anfahren.“
„Marc!“
„Jaa, was denn?“ Er wandte langsam den Kopf und sah sie ungläubig und fragend zugleich an, „schau lieber zu, dass dein Kleid unten bleibt.“ Ein schelmisches Lächeln strich sich über seine Lippen.
„Das ist nicht witzig!“, sagte sie bissig und versuchte ihre Haare so ins Gesicht zu streichen, dass Mehdi sie nicht erkennen konnte.
„Vielleicht haben wir doch Glück und diese Typen holen ihn ab.“ Er nickte auf die Männer in den Anzügen, lenkte den BMW in die Parklücke und stellte den Motor ab, worauf er zu Gretchen hinüber sah. „Du siehst echt beschissen aus Hasenzahn.“
Gretchen liess ihre Arme fallen und gab auf, ihre Haare, welche in alle Richtungen abstanden, zu bändigen. „Ach und das ist meine Schuld, oder wie?“
„Hättest nicht unbedingt nach deinem Schleier suchen müssen.“
„Hättest auch das Dach zu deinem Auto dazukaufen können!“ Gretchen öffnete die Türe erzürnt und versuchte sich aus dem Wagen zu hieven. Nach ein paar, wilden Sekunden riss sie ihr Hochzeitskleid an sich und warf die Türe zu.
„Hasenzahn, das ist ein Cabrio.“ Er schaute sie einen Moment ernst an, schüttelte dann den Kopf und stieg ebenfalls aus, „das ist wie eine Schokoladentafel ohne Verpackung, ohne ist es viel cooler. Hab ich auf jeden Fall gehört. Oder gesehen.“ Er warf Gretchen einen vielsagenden Blick zu, welcher sich über ihren Körper zog, zeigte dann lässig mit dem Schlüssel auf sein Auto, schloss es ab und schlenderte, mit den Händen in den Hosentaschen rüber zum Eingang.
„Das ist ja wohl…unglaublich, was der sich-“, murmelte Gretchen erregt mehr zu sich selber, machte ein paar Schritte und stolperte nach vorne.
Ihr Kleid hatte sich in der Türe verklemmt.

Na toll. Hatte meinen Hochzeitstag echt anders vorgestellt. Wüsste nicht wie es jetzt noch peinlicher werden könnte.

Gretchen riss an dem Stoff und kickte das Auto mit ihrem Fuss, worauf sie das Gleichgewicht verlor und zur Seite kippte. Sie schlug auf den gepflasterten Boden auf und merkte, wie ihr die Tränen über die Wangen liefen. Das war definitiv Welten von dem entfernt, dass sie sich als perfekten Hochzeitstag ausgemalt hat.
„Gretchen?“
Gretchen öffnete ihre Augen und wimmerte innerlich nur noch mehr auf. Mehdi hatte sich über sie gebückt und schaute sie fragend an. „Alles in Ordnung?“
Gretchen nickte und setzte ein falsches Lächeln auf. „Klar! Wieso auch nicht? Stimmt was nicht?“
„Naja, du liegst hier weinend auf dem Boden, halb unter Meiers Auto…ich hoffe doch nicht du hast versucht dich selber zu überfahren?“
„Ppph, ach was!“, sagte Gretchen und winkte gekünstelt lachend ab, „ich bin doch so ne’ schlechte Autofahrerin, das würd’ ich ja gar nicht hinbekommen, ne.“
„Hm.“, machte Medhi und studierte sie für einen kurzen Moment.
Gretchen strich sich über die Wangen und versuchte die Tränen zu verwischen. „Also…wie sieht’s im Krankenhaus aus?“
„Die Gyn ist abgeriegelt, eine afrikanische Krankheit ist ausgebrochen. Wie sieht’s in der Kirche aus?“
„Meine Gäste sind mit Nasenbluten zusammengebrochen und das bevor der Pfarrer fertig reden konnte.“
„Wie dumm.“, meinte Mehdi, doch Gretchen konnte schwören, dass seine Augen kurz aufgeblitzt hatten.
„Ja…ziemlich.“, sagte sie leise und konnte nicht aufhören in seine Augen zu schauen. Mehdi schaute sie mit einem warmen Blick an. Seine dunklen, braunen Augen liessen nicht von ihr ab.
Gretchen räusperte sich und riss ihren Blick ab, indem sie anfing ihr Kleid glattzustreichen.
„Wir sollten ins Krankenhaus. Deine Gäste werden sicher in den nächsten Minuten eintreffen.“ Mehdi legte die Stirn in Falten, als ob er sich konzentrieren musste und machte sich daran, Gretchen auf die Beine zu helfen. Diese riss an ihrem Kleid sodass es plötzlich riss, und ein kleines Stück des Stoffes in der Türe hängen blieb. Sie versuchte dies zu überspielen und setzte ein kurzes, schwaches Lächeln auf. „Also dann.“ Gekonnt warf sie ihre Haare nach hinten und hoffte, dass der klägliche Versuch ankam.
Mehdi lächelte ein schwaches Lächeln und holte zu ihr auf.
„Wo ist Knechtelsdorfer?“, fragte Gretchen, während sie die Tür zum Krankenhaus aufstieg und sie fast in eine Horde von Männern in gelben Anzügen rannte, „der war doch bei dir oder nicht?“
„Den hat’s erwischt.“, antwortete Mehdi und legte eine Hand zaghaft an Gretchens Seite um sie in den Gang auf der linken Seite zu führen, „ich konnte noch raus…obwohl ich mich, was das betrifft, nicht allzu gut fühle, weil es der Patientin noch schlechter ging.“
„Sag das nicht.“, sagte Gretchen, wandte sich um und sah Mehdi etwas besorgt an.
„Wieso?“, fragte er und legte die Stirn etwas in Falten, „sie hat doch damit angefangen.“
„Nein, nicht das.“, antwortete sie und schüttelte den Kopf, „dass du dich deswegen nicht gut fühlst. Ich bin froh geht es dir gut.“ Sie lächelte zaghaft, was er noch schwächer erwiderte, „also ich mein…dir geht es doch gut, oder?“
„Natürlich.“, antwortete er. Sein Blick fiel hinter ihren Kopf und das Lächeln verschwand.
„Hasenzahn, ich kann deine Unterhose von hier aus sehen.“
Gretchen sperrte die Augen auf und sah zu, wie einige Männer in gelben Anzügen den Kopf nach ihr reckten. Sie lächelte gezwungen und fuchtelte mit den Armen am Hinterteil ihres Kleides umher. „Das meint er nicht so. Den hat’s erwischt, also ganz bös.“, sagte sie und winkte mit einer Hand vor ihrem Kopf umher um zu signalisieren, dass Marc nicht ganz richtig im Kopf war, „schon von Geburt an, ist also angeboren.“
Die Ärzte in den Anzügen schaute sie einen Moment an und wandten sich dann ab.
„Also sag mal, MARC!“ Gretchen drehte sich auf dem Absatz um und schaute ihn wütend an, „wie kannst du nur-“ Marc stand einige Meter von ihr entfernt, die Arme vor der Brust verschränkt. Er selber trug ebenfalls einen gelben Anzug.
„Unterbrechen meinst du?“, endete er den Satz mit einem höhnenden Unterton, „du solltest dich gefälligst mal umziehen! Ich habe deine Unterhose schon die halbe Fahrt ertragen müssen!“
„Deine Unterhose?“, fragte Mehdi etwas verwirrt, worauf sich Gretchen wieder umdrehte und sich dabei bemühte, das Kleid an ihrem Hintern zusammenzuhalten.
„Nicht so wie du gerade denkst, also das…das war ganz anders. Ganz anders. Nicht wie ihr Männer euch das gleich vorstellt, da war noch ein Schleier und Fahrtwind…“
Mehdi runzelte die Stirn und legte etwas amüsiert den Kopf schräg, worauf Gretchen die Arme in die Luft warf. „Also ist ja auch egal jetzt! Wir haben wichtigeres zu tun, oder nicht?“ Sie wandte sich um, und war eifrig damit beschäftigt, ihr Kleid am Rücken zusammenzuhalten.
Mehdi lächelte kurz auf und stieg in den Lift zu seiner rechten.

„Das hättest du wohl auch etwas leiser sagen können, Marc!“, sagte Gretchen wütend als sie sich ins Schwesternzimmer schleppte.
„Du hättest mich ansonsten nicht gehört, oder?“, sagte er und zog seine Schutzmaske hinunter. Gretchen fiel auf, dass seine Haare total verwuschelt waren, „ganz davon abgesehen, scheint es, als hättest du generell Probleme zu erkennen dass es unten wohl etwas….zieht?“ Er verzog seine Lippen zu einem schelmischen Lächeln.
Gretchen erwiderte nichts sondern fing an, sich aus dem Hochzeitskleid zu schälen. Nach ein paar Sekunden hielt sie inne und schaute hoch. „Würdest du dich bitte mal umdrehen?“
„Ach Hasenzahn, das Schlimmste habe ich doch bereits schon hinter mir.“, meinte Marc, seufzte auf, wandte sich um und besah die Pläne am Schrank vor ihm, „oder vor mir, ich glaube das Bild wird sich für ewig in meinen Kopf gebrannt haben.“

Ignorieren. Einfach ignorieren. Das ist einfach. Darum schaffe ich das ja auch jeden Tag aufs Neue.

Gretchen warf die Haare nach hinten, öffnete ihren Spint und versuchte ihre wilde Mähne zu glätten. „Weisst du schon, wann meine Gäste eingeliefert werden?“
„Ja, wir haben einen Anruf vor einigen Minuten bekommen. Sag mal…hast du Probleme?“ Marc drehte sich ungefragt um und schaute Gretchen mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Erstaunen an.
„Seh ich etwa so aus?“, fragte sie genervt und versuchte den Reissverschluss ihres Kleides aufzubekommen.
„Generell ja, aber jetzt besonders.“
„Ach Marc.“ Gretchen liess die Schultern hängen und liess sich gegen ihren Spint fallen, „es ist alles falsch gelaufen.“
Marc seufzte, warf seine Schutzmaske auf den Tisch vor ihm und lief zu Gretchen hinüber. „Na komm.“
Gretchen richtete sich wieder auf, zog ihre Haare nach vorne und liess Marc den Reissverschluss aufmachen. „Danke…“
Marc liess seinen Blick über ihre Rücken wandern, worauf er seine Hände auf ihre Schultern legte. „Wird schon wieder Hasenzahn.“
Gretchen fühlte, wie er ihr mit seinen Daumen über ihre Haut strich. „Meinst du?“, fragte sie mit einem traurigen Unterton, „ich wüsste nicht was noch schlimmer sein könnte, als eine geplatzte Hochzeit, einen kranken Vater, ein Pfarrer der nicht mal fertig sprechen konnte und die Tatsache, dass das halbe Krankenhaus unter Quarantäne steht.“
„Du hast das Desaster auf der Autobahn vergessen.“
„Jaa, danke, ich werde mich auch immer gerne daran erinnern…?“, sagte sie leise und liess genervt den Kopf hängen.
„Jetzt sei nicht so negativ. Es wird alles wieder gut. Irgendwann.“, sagte er und räusperte sich.
Gretchen schaute wieder auf und wandte sich langsam um, sodass sie direkt vor ihm stand. „Du sag mal…Seit wann bist denn du so gefühlsduselig?“
„Wer? Ich?“, fragte Marc und schnaubte auf, „bin ich nicht!“
„Doch, bist du.“
„Bin ich nicht.“, sagte er mit Nachdruck und senkte etwas den Kopf nach unten, „und auch wenn, hier sterben womöglich Menschen, das ist…das wäre dann vielleicht…traurig.“ Marc räusperte er sich und versuchte seine Haltung zu bewahren.
Gretchen legte die Stirn in Falten und schaute ihn etwas verwirrt an. „Seit wann interessiert es dich ob-“
„Oh Gretchen bitte, wir haben hier Wichtigeres zu tun. Zieh dich endlich mal um, ist ja nicht mit anzusehen hier.“, sagte Marc, zeigte an ihr rauf und runter und schob sich an ihr vorbei. Er schnappte sich die Maske und setzte sie sich wieder auf. „Im zweiten Stock, in fünf Minuten.“, sagte er und verlief den Raum.
Gretchen schaute ihm etwas perplex nach, wandte sich jedoch um und entledigte sich ihrem beschädigten Kleid.

Ignorieren. Einfach ignorieren. Das ist einfach. Darum schaffe ich das ja auch jeden Tag aufs Neue. Oder so.

Fran Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 644

16.03.2010 18:31
#3 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

(Anmerkung/Tipp: Falls ihr einen YoutubeLink sehen solltet - lest nicht weiter, bevor ihr das Lied hört ;-) )


Die drei Betten hinter der Glaswand waren besetzt und ein leises Piepen der Monitore war zu hören. Auf der rechten Seite lag Mehdi’s Patientin und hatte die Augen geschlossen. Knechtelsdorfer und eine Schwester füllten die weiteren Betten aus.
Kurz nachdem Gretchen den Raum betreten hatte, wurde die Türe ein weiteres Mal geöffnet.
„Meier!“
Ein weiterer Mann im gelben Anzug betrat das Zimmer. Er hatte eine hellbraune Mappe bei sich und hielt sie vor sich hin. „Die Blutergebnisse.“
„Danke.“ Marc griff nach der Mappe, worauf Gretchen ein paar Schritte näher trat um die Ergebnisse zu sehen.
„Scheisse…“, murmelte Marc nach einer Weile, „die hat halb Afrika mitgenommen.“
„Zeig mal her.“, meinte Gretchen und zog die Mappe zu sich hinunter, „ja haben die uns eine Auswahl gegeben oder warum sind da so viele Krankheiten aufgelistet.“
Marc wandte langsam den Kopf. „Weil sie die vielleicht…alle haben, Hasenzahn?“
„Ach Marc, das ist unmöglich.“ Gretchen riss die Mappe an sich, ging ein paar Schritte und schaute sich die Ergebnisse nochmals genauer an.
„Hallo…?“ Eine krächzende Stimme riss ihre Aufmerksamkeit auf sich.
„Können Sie mich hören?“ Marc trat einen Schritt näher an die Absperrung, worauf die Frau nickte. Sie schaute sich um und Gretchen bemerkte, wie schlimm sie aussah. Ihre Haut war bleich, die Ränder unter den Augen gelblich und ihre Stirn Schweissperlen besetzt.
„Wo bin ich?“ Ihre Stimme war ein bisschen leiser als ein Flüstern.
„Ziemlich in der Scheisse Frau aus dem Urwald!“
„Was er eigentlich damit sagen will, Frau…Frau…“ Gretchen warf einen Blick auf die Mappe, konnte jedoch keinen Namen finden, und schaute wieder auf, „also, was er damit sagen will ist, dass Sie bei uns in guten Händen sind!“, sagte sie schnell und schubste Marc beiseite, „wir werden uns schon um Sie kümmern.“ Sie schaute die Frau mit einem Lächeln an und hoffte, dass dies durch ihre Stimme zu erkennen war.
„Du, äh, Gretchen.“ Marc packte Gretchen am Arm, drehte sie zu sich um und wandte sich mit ihr zusammen mit dem Rücken zum Zelt hin, „warum genau versprichst du der Patientin dass wir sie wieder hinbekommen?“
„Hab ich doch gar nicht!“, erwiderte sie leise und schon fast beleidigt, „allemal besser als ihr zu sagen, dass sie in der Scheisse steckt! Das tut man nicht, Marc!“
„Ja, man nimmt auch keinen Tropencocktail mit nach Hause und bezeichnet es nett als Souvenir?“
„Also das stimmt doch gar nicht, sie kämpfte nur für-“
„Oder man wird aus der Kirche gerettet und bedankt sich nicht mal dafür.“, sagte Marc und schaute Gretchen mit einem schiefen Lächeln durch die Schutzmaske an, „ganz zu schweigen davon, dass sich die betreffende Person sich nicht mal um die schwer problematischen Rückenverletzungen, die sich der Retter zugezogen hat, kümmert.“
„Also das ist unglaublich.“, zischte Gretchen fassungslos, „wie kannst du jetzt nur im Entferntesten an das denken Marc!“
„Im Entferntesten wäre ja noch zu ertragen gewesen. Für mich war das relativ realitätsnah.“, meinte er, zog Gretchen die Blutergebnisse wieder aus der Hand und streckte demonstrativ den Rücken durch, „und ich wette sogar, du hast dir das gewünscht.“
„Was?“
„Na das ich dich aus dem Schlamassel wieder raushole, in den du dich da wieder reingeritten hast Hasenzahn.“
Gretchen presste die Lippen zusammen und wurde durch seine spitzbübische Art nur noch wütender. „Das habe ich nicht!“, sagte sie und betonte das Wort „nicht“ ausdrücklich.

Wenigstens nicht die ganze Zeit. Verdammt Gretchen, er kennt dich einfach zu gut.

„Und auch wenn.“, sagte sie leise und trat wieder neben ihn vor die Absperrung, „dann hätte das also ganz anders ausgesehen.“
„Ach ja?“, fragte er und schaute sich wieder die Mappe an.
„Klar.“

(KLICK http://www.youtube.com/watch?v=6AH7e3qK0EA)

Also die Umstände wären mal ganz anders gewesen. Zuerst mal alles in Slowmotion.
Meine Gäste wären alle noch am Leben gewesen und hätten geklatscht, als Marc mich geküsst hätte. Er hätte mich hochgehoben, wieder geküsst, mir in die Augen geschaut und unter Ächzen…eh, nein, unter Liebe gesagt, dass er mich liebte… Dann hätte er mich rausgetragen und es hätte Blumen geregnet, die Kinder (nicht unsere) hätten draussen auf uns gewartet und den ganzen Weg zu der Kutsche mit Blumen berieselt….Mmh…und an der Kutsche hing das Schild „Forever and for Always“.


(Music off)

„Ich wette, dass es eine total kitschige Hochzeit gewesen wäre mit Blumenregen und Kinder die dann draussen warten und der Kutsche nachrennen.“, sagte Marc und strich ein paar Sachen auf dem Dokument durch.
„Also, ganz sicher nicht.“, antwortete Gretchen und lachte amüsiert und ertappt, „und sowieso, bei dem heutigen Strassenverkehr wäre das auch zu gefährlich mit den Kindern.“
Marc wandte langsam den Kopf und erwiderte dann mit einem ungläubigen Unterton „Mhm…“
Es vergingen ein paar Sekunden, bis Marc wieder etwas sagte. „Ich hoffe einfach die Kinder waren nicht unsere.“
„Natürlich nicht, die hätten wir ja auch erst nach ein, zwei Jahren.“
Marc wandte ihr wieder den Kopf zu.

Gretchen Haase, du Vollidiot!

„Also ich mein jetzt nicht die von mir und dir!“, sagte sie schnell und zeigte nervös zwischen Marc und ihr hin und her, „ist ja auch gar nicht möglich bei deiner Inkompetenz.“
„Impotenz…Gretchen. Impotenz.“
„Ah, dann gibst du es also zu?“, sagte sie und reckte den Kopf siegessicher.
Marc stützte sich mit einer Hand an der Glasscheibe vor ihm ab und lehnte sich etwas nach vorne, wobei Gretchen etwas zurückwich.
„Das einzige was ich zugebe, Hasenzahn, ist dass du mir eines Tages danken wirst.“, sagte er leise und schaute ihr zwischen den Augen hin und her, „und dass deine Inkompetenz dich wieder mal in die völlig falsche Richtung verschlagen hat.“
Gretchen erwiderte seinen Blick für ein paar Sekunden. „Und was wäre dann die richtige Richtung?“

Oh bitte sag zu dir. Sag in deine Arme, dein Leben, deine Wohnung, deinen Familienvan!
GRETCHEN!


„In meine-“

Gretchen hielt die Luft an, als er stockte. Marc räusperte sich und stand wieder aufrecht hin. „In meinen Notfall. Parterre.“
Gretchen merkte wie ihr Zuckerspiegel sank und schaute ihn etwas verwirrt an. „In den…Notfall?“
„Ja…das ist der Ort, wo Leute ambulant versorgt werden müssen?“, half Marc auf die Sprünge, „also, los…! Ich komme dann nach.“
Sie blieb einen Moment stehen, nickte, und wandte sich dann um.
Aus den Augenwinkeln konnte Marc anhand ihrer Haltung erkennen, dass sie sich wohl etwas anderes vorgestellt hatte.

(KLICK http://www.youtube.com/watch?v=J0y2dDlFmLg )

„Nebenbei bemerkt.“, meinte Gretchen und wandte sich nochmals um, die Hand bereits schon am Türgriff, „ist das das Krankenhaus meines Vaters. Also wenn die Ambulanz dann irgendjemandem gehört, dann sicher mir. Ich bin hier sozusagen die…die…“
„Die…Prinzessin des Krankenhauses…?“, fragte Marc mit einem ungläubigen Unterton.
Gretchen straffte die Schultern und reckte wiederum den Kopf. „Ich meinte eigentlich die Stellvertretung…Marc. Prinzessinnen gibt es nur im Märchen.“
Die Türe fiel ins Schloss und Marc schaute immer noch in die gleiche Richtung.
„Ja mei, die hat’s Ihnen jetzt aber gegebn.“
„Ach halten Sie die Klappe Knechtelsdorfer!“

Fran Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 644

18.03.2010 21:04
#4 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

Gretchen drückte genervt auf den Knopf am Süssigkeitenautomaten. „Jetzt komm schon…“, sagte sie verbissen und kickte den Automaten, als der sich nicht bewegte. Sie atmete tief aus und schaute die Schokolade hinter dem Glas an.

Immer das gleiche. Alles was ich haben will, ist entweder nicht zu haben, ausverkauft, mit zuviel Sport verbunden oder hinter einer Glaswand.
Ausser dem Tropencocktail. Den braucht man ja nun wirklich nicht.


Plötzlich spürte sie, wie jemand hinter ihr, ihre Hand nahm und wieder zum Knopf führte.
„Manchmal geht es nur mit ein bisschen mehr Gefühl.“
Unter der Führung der männlichen Hand, drückte sie den Knopf noch einmal und sah zu, wie die Schokolade nach unten fiel.
„Danke…“, sagte Gretchen, schnappte sich die Schokolade und wandte sich um.
Mehdi schob die Hände in die weissen Hosentaschen und lächelte sie an. „Zuckernot?“
„Kompetenznot…“, erwiderte Gretchen leise, packte die Schokolade aus und biss eine Ecke davon ab.
„Das glaube ich nicht.“, entgegnete Mehdi, legte die Stirn in Falten und schaute sie gutmütig an.
Gretchen schaute ihn von unten an und legte automatisch den Kopf schief. „Wieso?“
Mehdi legte den Kopf ebenfalls schief. „Ich denke nicht, dass du so schlanker aussiehst.“
Gretchen, der es bewusst wurde, räusperte sich, streckte den Kopf und biss wieder in die Schokolade.

Doofe Schwester Sabine. Doofe Promis.

„Wieso bist du eigentlich nicht angezogen?“, fragte Gretchen und schaute ihn fragend an.
Mehdi zog die Augenbrauen hoch.

Na toll. Jetzt denkt er noch du stellst in dir die ganze Zeit nackt vor. Super Gretchen.

„Ich meine, so wie ich. Im Schutzanzug.“, korrigierte sie sich und winkte mit der Schokolade von oben nach unten.
„Weiss steht mir besser.“, meinte er und zuckte mit den Schultern.
„Ja mir auch, ich sehe aus wie die fette Version von Biene Maja.“, entgegnete Gretchen und zeigte an sich hinunter.
Mehdi lächelte. „Nein, ganz sicher nicht. Ich bin nicht an vorderster Front, sondern kümmere mich um meine anderen Patientinnen auf der Gynäkologie.“
„Aber warst du nicht dabei als es passiert ist…?“, fragte Gretchen erstaunt und biss wieder eine Ecke ab.
„Doch. Aber ich wurde für gesund empfunden. Scheint als hätte ich spezielle Kräfte oder so was.“, sagte er grinsend.

Mmmhm…und ich wette mit diesen Augen verwandelt er die Beine von jeder Frau in Doktor Müllers Sahnepudding…
Halt. Stopp. Bin eigentlich traurig und sollte mich garantiert nicht auf solche Hypnosetricks einlassen.
Diese Ärzte überall treiben mich noch in den Wahnsinn.


Gretchen räusperte sich und nickte. „Dann bin ich froh, dass es dir gut geht. Sieht so als, als hätte deine Patientin halb Afrika mit nach Deutschland genommen.“
„Wie schlimm ist es? Ich wollte eigentlich gerade die Ergebnisse vom Baby abholen.“
„Ziemlich.“, erwiderte Gretchen, „So ein Mix aus Ebola, Dengue-Fieber und Fleckfieber.“
Mehdi nickte langsam und legte die Stirn in Falten. „Hört sich nicht gut an.“
„Gar nicht…deine Patientin ist schon wach, aber sie sieht nicht allzu gut aus. Wie geht es dem Baby?“
„Bislang unbeschadet.“, erwiderte Mehdi in Gedanken, „aber die Gefahr besteht, dass es noch ändern könnte. Ich glaube aber nicht, dass es viel abbekommen hat, da es anfangs auf die Babystation gebracht wurde.“
Gretchen seufzte und schob die Schutzbrille ebenfalls nach oben.
„Du siehst müde aus.“, stellte Mehdi fest und schaute sie besorgt an.
„Naja…war ein langer…Tag. Also jetzt nicht zeitlich bemessen, ist ja erst…“, sie schaute sich kurz um, „-halb eins.“

Wo wir eigentlich unser Hochzeitsessen gehabt hätten.

Gretchen biss ein grosses Stück Schokolade ab. Sie merkte, wie Mehdi sie für eine Weile studierte. „Vielleicht ist es besser so.“, meinte er leise.
„Naja, weiss nicht.“, sagte Gretchen und verzog die Lippen zu einem Lächeln, obwohl ihr nach Weinen zumute war, „hab mir das ganze anders vorgestellt.“
„Vielleicht war es ein Zeichen.“, sagte Mehdi und als Gretchen aufschaute, sah sie wieder in seine dunklen Augen.

Hirn an Gretchen. Melde Verlust und beantrage Schadensersatz!

„Ein…ja, vielleicht. Also…vielleicht muss ich ja dann halt einfach hier stehen und wieder Schokolade essen.“ Sie wandte ihren Blick mit grosser Anstrengung von ihm ab, „so wie immer. Immer auf die kleinen Dicken.“
„Du bist nicht dick.“, sagte Mehdi und schaute sie etwas verwundert an.
„Wenn es so weiter geht, dann mit Sicherheit.“, erwiderte Gretchen verdrossen und gerade als sie wieder abbeissen wollte, nahm ihr Mehdi die Schokolade weg, knackte sich die Hälfte weg und schob sie in den Mund.
Gretchen schaute ihn perplex an und sah zu, wie er, fast konzentriert, die Schokolade ass. „Also was-?“
Mehdi hob eine Hand um sie abzuklemmen. Er schluckte die Schokolade hinunter und verzog seine Lippen zu einem Lächeln.

Doktor Müller wird ganz dringend in der Notaufnahme erwartet!
Für einmal, der Pudding soll verschwinden!


„Ich lass dich doch nicht alleine stehen. Dann sind wir jetzt halt beide klein und dick.“
„Aber du bist doch viel grösser als ich…“, erwiderte Gretchen etwas verwirrt.
„Es kommt nicht immer auf die Grösse drauf an.“, sagte Mehdi und schob die Brille wieder auf Gretchens Nase, „das ist doch sowieso der Lieblingsspruch von euch Frauen.“
„Also meiner ist eher, „es kommt immer auf die Kleidergrösse drauf an, „aber-“
Mehdi grinste und setzte die Schutzmaske vorsichtig über Gretchens Nase und Mund. „Entweder du gehst an den Ort an den du jetzt hin musst, oder du legst dich eine Weile hin und ruhst dich aus.“
„Also eigentlich muss ich in den Notfall…“, sagte Gretchen und packte die Schokolade, die noch übrig war, ein.
„Wegen dem Tropencocktail?“

Nein, wegen Herzschmerz. Beantrage dringend Notfallversorgung in Form von Taschentüchern, noch mehr Schokolade, eine starke Schulter, so wie Meh- Gretchen, reiss dich zusammen!

Gretchen nickte stockend. „Also ich…hoppel dann mal runter. Ich mein, meine Gäste sollten jeden Moment eingeliefert werden und mein Vater ist dabei, und Marc wartet schon sicher.“, sagte sie und versuchte ein Lächeln zustande zu bringen. Obwohl er dies nicht sehen konnte, zog er seine Mundwinkel schwach nach oben. „Sicher.“
Gretchen wandte sich um und lief zum Lift.

Wie süss dass er sich Sorgen macht. Sollte jedoch nicht darauf eingehen. Muss jetzt den König des Krankenhauses retten und mich später, in ein paar Jahren, um den Prinzen kümmern.

Fran Offline

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20.03.2010 17:43
#5 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

An dieser Stelle danke für eure lieben Kommis Super Ansporn. Für alle Marc-Liebhaber - ich habe heute Morgen etwas geschrieben, was euch definitv gefallen wird. Kleiner Hacken - ihr müsst euch noch bis Chapter 13 gedulden Anyway, viel Spass bei diesem Kapitel!

„Frau Doktor, warten Sie!“
Gretchen hob den Fuss zwischen die Türe, sodass sie wieder aufging. Eine kleine, gelbe Person schlüpfte in den Lift und stand neben Gretchen.
„Schwester…Sabine?“, fragte sie und schaute die kleinere Person neben sich an.
„Ja Frau Doktor. Ist das nicht ein schöner Anzug…“, sagte diese und strich an sich hinunter, „er macht so schlank.“
Gretchen wandte den Kopf. „Ach ja? Finden Sie?“, fragte sie und versuchte ihr Interesse zu verstecken.
„Gelb streckt doch so schön…es wird das neue Schwarz hat’s im Fernsehen geheissen. Währendessen weiss extrem in die Weite zieht…“

Weiss zieht in die Weite? Weiss macht Fett? Mehdi sieht aber gar nicht fett aus…

„Ach was, das macht doch nicht fett.“, meinte Gretchen und lachte etwas nervös auf, „es zeigt nur die…Ränder nicht so genau auf. Die Form geht halt ein bisschen verloren.“

Ich bin jeden Tag dicker als ich denke und merke es nicht mal. Oh Gretchen.

Die Türe schob sich beiseite und sie traten hinaus in den Flur im Parterre. Einige Ärzte standen in gelben Anzügen in den Gängen und warteten auf Gretchens Gäste.
„Naja, nun wird man wenigstens nicht auf sein Äusseres beschränkt, nicht wahr.“, sagte Sabine und lief neben Gretchen her, „so wie alle – hallo Kollege.“
Gretchen merkte, wie Schwester Sabine jemandem zunickte und winkte. „Sagen Sie mal, wie erkennen Sie denn die Leute?“
„Oh das tue ich nicht, Frau Doktor.“, erwiderte Sabine, „aber wir sind doch alle Kollegen und arbeiten Hand in Hand für’s gleiche Wohl.“
Obwohl Gretchen Sabine’s Gesicht nicht vollständig sehen konnte, wusste sie genau, wie sie momentan lächeln würde.
„Das einzige was ich finde, ist das wir alle gleich bescheuert aussehen.“
„Du sag mal Hasenzahn, wo warst du die längste Zeit?“
Gretchen und Sabine blieben stehen und wandten sich um, als sie eine weitere Gestalt vor ihnen sahen.
„Ooh, das ist-“
„Nein Sabine, das ist kein Kollege, es ist nur Marc.“, meinte Gretchen trocken.
„Ich warte schon seit mehr als fünf Minuten auf dich! Hast die Treppe genommen und den Atem unterwegs verloren oder wie?“, fragte er vorwurfsvoll und machte ein paar Schritte auf sie zu.
„Nein Marc, ich brauchte nur einen…der Frauen versteht.“, antwortete Gretchen wahrheitsgetreu, reckte ihren Hals und fühlte plötzlich die Schokolade in ihrer Tasche.
„Hast die Bravo gelesen oder wie?“
„Nein aber vielleicht täte es dir gut, den Duden in die Hand zu nehmen, da du anscheinend die Bedeutung dieses Wortes nicht verstehst!“, sagte Gretchen leicht angesäuert und schob sich an Marc vorbei.
„Äh, Hasenzahn, was genau ist los?“, fragte Marc und ging ein paar grössere Schritte um sie aufzuholen.
„Das fragst du jetzt nicht im Ernst, oder?“, erwiderte Gretchen und merkte, wie ihr die Tränen aufstiegen.
„Hey, hey, hey, hey, hey, hey.“ meinte Marc, griff nach ihrem Arm und zog sie schnell in ein freies Zimmer. Er zog seine Schutzmaske hinunter und schob seine Brille nach oben.
Gretchen verschränkte die Arme vor der Brust und schaute in alle jeglichen Richtungen, nur nicht zu Marc.
„Atme mal durch, vielleicht würde dir das helfen.“, sagte dieser und schaute sie ruhig an.
Gretchens Blick fiel auf seine Haare, welche wieder in alle Himmelsrichtungen abstanden.
„Jetzt hör du mal zu.“, sagte Gretchen und zerrte an ihrer Maske, bis diese auch unten war, „heute ist wohl mit Abstand der beschissenste Tag meines Lebens und du hast nichts anderes zu tun, als faule Sprüche darüber zu klopfen. Meine ganzen Gäste werden in den nächsten Minuten hier eingeliefert, ja, und währenddessen ich versuche alles unter einen Hut zu kriegen, stellst du auch noch meine Kompetenz in Frage!“
Gretchen atmete schwer und versuchte sich zu beruhigen. „Ach verdammt.“ Sie riss sich die Schutzhaube vom Kopf, wischte eins zwei Tränen weg und strich sich die Haare nach hinten. Mit der Zeit wurde es zu heiss unter dem Ding.
„Es ist nicht deine Kompetenz die ich in Frage stelle Hasenzahn…“, antwortete dieser ruhig und legte die Stirn etwas in Falten, „sondern dein Mass.“
„Ach, jetzt machst du dir auch noch Gedanken über meine Masse oder was! Ja, warum nicht grad alles auf einmal, mit Gretchen kann man’s ja machen!“ Sie pustete wütend aus und wandte den Kopf ab.
„Nicht deine körperlichen Masse du Idiot.“, sagte Marc, hob die Hand und drehte ihr Gesicht wieder ihm zu, „dein psychisches Mass. Ich glaube von deinem körperlichen Mass müssen wir gar nicht anfangen, da kommt sowieso jede Hilfe zu spät.“
Gretchen öffnete den Mund und liess die Arme sinken. Gerade als sie etwas erwidern wollte, legte Marc einen Finger auf ihre Lippen, was sie kurz erstaunte.
„Heute ist für uns alle ein ziemlich beschissener Tag.“, sagte er und behielt seinen Finger vor ihrem Mund, „okay? Aber wir alle bringen es irgendwie auf die Reihe.“
„Ach, wolltest du auch heiraten? Ist mir gar nicht aufgefallen.“, meinte Gretchen trocken und verschränkte wiederum die Arme vor der Brust.
„Ich-“, begann Marc doch hielt inne. Er schloss den Mund und schien für einige Sekunden zu überlegen.
Gretchen studierte seinen Gesichtsausdruck und schaute auf seinen Finger hinunter.
Plötzlich nahm er diesen weg und schaute zwischen ihren Augen hin und her. „Du schaffst das schon Hasenzahn. Du hast ein dickes Fell.“ Seine Augen wanderten hinunter.
„Ach Marc, bitte! Ich kann jetzt wirklich keine Seitenhiebe auf meine Figur mehr ertragen.“
„Ich habe ja gar nichts gesagt!“
„Du hast es gedacht.“, antwortete Gretchen und erwiderte seinen Blick.
Marc sagte nicht, sondern schaute sie nur an. Gretchen sah, wie seine Augen zu ihren Lippen hinunterging.

Oh nein. Nein! Ich kann doch jetzt nicht Marc küssen, ich bin ja noch nicht mal fertig verheiratet! Obwohl…dann ist es ja noch schwerer ihn zu ….Oh Gott, bin reif für die Insel.

Sein Gesicht war nur noch wenige Zentimeter von ihrem entfernt.
„Hasenzahn…?“, sagte er leise und Gretchen, wessen Hirn sich bereits schon davonmachte, brachte nur noch ein Hauch eines „Ja…?“ zustande.

Hirn an Gretchen. Melde Systemabsturz!

Marc hob seine Hand wiederum und sie spürte, wie er ihr mit zwei Fingern über die Wange strich. Gretchens Herzschlag beschleunigte sich und sie zog seinen Duft ein, welcher so gut roch. Er bewegte seinen Kopf nach vorne und sie spürte seinen Atem auf ihren Lippen.
Plötzlich hörten sie wie Türen aufschlugen und Gretchen zuckte zusammen. Stimmen drangen an ihre Ohren und sie konnte hören, wie Leute eingeliefert wurden.
Marc hatte ebenfalls inne gehalten und hatte wieder die Augen geöffnet, welche direkten Blickkontakt mit den ihren aufnahmen.
Gretchen räusperte sich. „Meine Gäste sind da, Marc…“ Sie versuchte ihren Blick zu lösen und sich vom Fleck zu bewegen.
„Hmhm…wenn die Umstände anders wären, würde ich sagen, wir schicken sie wieder nach Hause.“
Gretchen wusste nicht, was sie erwidern sollte. Marc schenkte ihr jedoch ein schwaches Lächeln, löste sich und setzte seine Maske wieder auf. „Aber unter diesen Umständen würde ich mal meinen, wir retten das Leben deiner Gäste.“
„Ja.“, sagte Gretchen leise und lächelte schief, als auch sie sich wieder bereit machte.
„Käme ja ansonsten nicht so gut in der Anzeige oder im Rückblick, na.“ Er schaute sie einen Moment an, setzte dann seine Brille wieder auf und öffnete die Türe. „Also los.“

Fran Offline

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21.03.2010 20:44
#6 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

So meine Lieben, für den Sonntag noch ein Kapitel für euch :) Muss übrigens noch was richtigstellen - habe mich bei den Kapiteln vertan, und das schöne ich-könnte-die-Stelle-mit-Marc-mehr-als-nur-einmal-lesen, kommt erst in Kapitel 17 zum Zug...wenn es keine Änderungen mehr gibt (nicht hauen! )
Hierbei erstmal viel Vergnügen ;) Hoffe es gefällt euch weiterhin!


Gretchen rannte eiligen Schrittes nach vorne und war geschockt, wie viele Tragen das geliefert wurden. Sie suchte mit ihren Augen nach ihrem Vater,
konnte ihn aber nicht erkennen. Es herrschte Chaos, eine Person nach der anderen wurde in die Notaufnahme geliefert und von Männern in gelben Anzügen entgegengenommen.
„Gordon!“, rief Gretchen, schob sich an einigen Leuten vorbei und erreichte den Sanitäter, „hast du meinen Vater gesehen?“
„Woher soll ich wissen wie Ihr Vater aussieht?“, fragte dieser und schaute sie etwas verwirrt an, währenddessen er ein paar Handtaschen der Frauen in die Hand eines Notfallarztes drückte.
„Ich bin’s Gretchen! Mein Vater? Der Oberarzt?“
„Aah, Gretchen, sorry, ihr schaut ja alle gleich bescheuert aus.“, meinte dieser und schaute sich dann um, „er sollte eigentlich mit dem nächsten Wagen kommen.“
„Okay.“, sagte Gretchen und wartete draussen auf den nächsten Krankenwagen.
„So Sachen können aber auch nur dir passieren, was?“, fragte Gordon und schloss die Türen zum Krankenwagen.
„Jaa, war auch mit totaler Absicht?“, meinte Gretchen genervt.
„Also wenn du mich fragst, dann habt ihr sowieso nicht zusammengepasst. Du hast doch immer was mit Meier und Kaan gehen, oder nicht?“
„Also ich wüsste nicht, was dich das angeht!“, entgegnete Gretchen etwas aufgebracht, „und es ist nicht wahr!“
„Geht aber rum.“

Na toll. Bin das Krankenhausflittchen und wusste es nicht mal.

Gerade als Gretchen etwas erwidern wollte, lief Gordon um den Wagen herum und zeigte hinter ihren Rücken. „Der liegt übrigens da drüben.“
„Was? Wer?“, fragte Gretchen alarmierend und wandte den Kopf.
Gordon schüttelte grinsend den Kopf. „Dein Mann?“

Oh verdammt. Alexis. Kann nicht glauben, dass ich den vergessen habe!

„Danke Gordon!“, rief Gretchen und machte sich wieder auf in das Gewühl von Patienten und ihren Gästen.
„Gretchen! Oh Gretchen, hier drüben!“
Gretchen hielt inne und sah sich um. Die Dame vom Kiosk winkte ihr zu und deutete ihr, rüberzukommen. Gretchen suchte mit ihren Augen immer noch nach Alexis und schob sich zwischen den Ärzten durch um die Trage mit der Frau zu erreichen.
„Frau Müller, wie geht es Ihnen?“
„Oh Kind, das tut mir ja so leid!“, sagte sie und griff nach Gretchens Hand, „das ist ja nicht gerade der beste Hochzeitstag nicht?“
„Nein, also…nicht wirklich.“, sagte Gretchen und versuchte die aufkommenden Gefühle unter Schach zu halten, „aber wie haben Sie mich eigentlich erkannt?“
„Ach Kind, ich erkenne doch deinen Hintern egal in welchem Anzug oder Kleid du steckst.“
„Das ist ja auch gut so, man soll ja nicht mit Fremden reden!“, sagte Marc und klopfte auf die Schulter von Frau Müller, „wie geht es Ihnen?“
„Oh, ist das nicht der schnuckelige Arzt auf den du so abfährst, Gretchen?“
„Äh…der…“
„Ja ist er es?“, fragte Marc und wandte ihr den Kopf zu. Gretchen wusste genau wie er sie anschaute und sie kniff die Augen zusammen um ihn bissig anzusehen. „Nein, nein das ist er definitiv nicht Frau Müller.“
„Ist er denn hier irgendwo?“, fragte sie und zog Gretchen ein bisschen zu sich hinunter, sodass sie etwas stolperte und ihren Kopf genau neben Marc’s hatte, „nur unter uns zwei, aber als ich schon letztes Mal da war, da ist er mir auch aufgefallen. Ist ja ein ganz strammer Bursche, nicht wahr?“
Gretchen lachte gekünstelt. „Jaa, ein ganz, ganz strammer Bursche, Frau Müller. Er hat’s aber ein bisschen im Kreuz, also…“
„Oh, das ist aber übel…ich habe es manchmal auch im Kreuz, das geht ganz schön in die Beine. Das passiert, wenn man zu schwer hebt, weißt du Gretchen.“
„Ganz genau Frau Müller, ganz genau.“, meinte Marc und klopfte wieder auf ihre Schulter, worauf sie Gretchens Hand losliess, „also, dann wollen wir mal, ne! Wollen ja diese ganze Tropengeschichte nicht warten lassen!“ Er gab der Trage einen Stoss, und gab einem weiteren Arzt ein Zeichen, sodass er Frau Müller mitnahm.
Gretchen atmete tief durch und versuchte Marc so gut es ging zu ignorieren. Wieder ging die Türe auf und zwei weitere Personen wurden eingeliefert. Gretchen streckte den Kopf und konnte ihren Vater erkennen. Sie schob sich an Marc vorbei und ging grossen Schrittes auf ihn zu. „Wie geht es ihm?“, fragte sie den Sanitätshelfer, der ihn gerade an zwei weiteren Ärzten übergeben hatte.
„Stabil, mehr können wir leider nicht sagen. Das Nasenbluten hat aufgehört, er gehört aber dringend untersucht. Wisst ihr was hier abgeht?“
„Ja, das totale Chaos…“, meinte Gretchen und schaute umher.
„Margharethe! Margharethe!“
Gretchen drehte sich um und sah ihre aufgelöste Mutter auf sie zukommen. „Wie geht es Franz denn? Wird er wieder gesund Margharethe?“
„Mama jetzt beruhige dich erstmal.“, meinte Gretchen und überlegte sich zeitgleich wie ihre Mutter sie ebenfalls erkennen konnte, „es wird schon alles wieder gut werden!“
„Aber ich hoffe doch, oh Gott Margharethe, ich habe ihm doch erst gerade verziehen und habe meine Affäre beendet, und jetzt liegt er da im Krankenhaus und…und was hast du da eigentlich an Kind?“
Gretchen schaute kurz an sich hinunter. „Das ist unser Schutzanzug Mama, wir glauben es ist eine Tropenkrankheit.“
„Ja gab es denn da keine schöneren Farben? Du siehst aus wie ein Schlumpf mit Gelbsucht, Margharethe.“
„Mamaa!“, sagte Gretchen warnend und ging mit ihr ein paar Schritte, „ich denke es wäre das Beste wenn du nach Hause gehen würdest. Hast du irgendwelche Beschwerden oder fühlst du dich anders?“
„Nein, nein ich glaube nicht…ausser den üblichen Beschwerden, aber das ist ja jetzt nicht so wichtig…“
„Gordon?“ Gretchen winkte Gordon zu, der zu ihr hinüber lief.
„Hör zu Mama, Gordon wird dich nach Hause fahren, in Ordnung?“, sagte Gretchen und richtete sich an den Sanitäter, „ihr seid ja jetzt hier fertig, oder?“
„Soweit ja.“
„Ich gebe dir Bescheid wenn es was Neues von Papa gibt, in Ordnung?“, fragte Gretchen ihre Mutter die etwas unsicher nickte. „Kann ich den gar nichts für ihn machen?“, fragte Bärbel aufgelöst und versuchte immer wieder einen Blick über Gretchens Schulter zu werfen.
„Nicht im Moment nein, aber wir kümmern uns gut um ihn. Also geh jetzt mit Gordon mit.“
„Also los Frau Haase!“, sagte dieser mit Übermut und legte einen Arm um ihre Schulter, „dann fahren wir mal zu den Sternen!“
Bärbel drehte sich unsicher um, und Gretchen hob euphorisch beide Daumen hoch.

Fran Offline

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22.03.2010 19:08
#7 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

Kapitel 6 - und vielen Dank für die vielen, lieben Kommis Ich glaube...Ich glaube ich habe soeben einer meiner Lieblingsszenen geschrieben..und ich denke, dass ihr sie seeeehr mögen werdet Ihr müsst euch leider noch bis Kapitel 24/25 gedulden... Viel Spass!


Nachdem ihre Mutter eingestiegen war, seufzte Gretchen und lief wieder ins Krankenhaus. Sie musste Alexis finden.
„Hasenzahn!“
Gretchen liess die Schultern hängen und wandte sich um. „Was denn?“
„Würdest du dich bitte hier rüber bewegen und mir helfen?“
Gretchen seufzte und lief einige Schritte auf ihn zu. „Marc ich wollte eigentlich nach Alexis sehen.“
„Ja, darum!“, meinte Marc und zeigte auf den Patienten neben ihm auf der Trage.
„Was…?“ Gretchen lief eilig auf die Trage zu und konnte Alexis erkennen der die Augen geschlossen hatte und bewusstlos schien. „Alexis! Alexis?“ Gretchen strich mit ihrer Hand über sein Gesicht.
„Bewusstlos! Aber vielleicht hilft es wenn du ihm eine reinhaust, funktioniert anscheinend bei Alkoholikern.“, meinte Marc und untersuchte seine Pupillen mit einer kleinen Leuchte.
„Marc!“, zischte Gretchen, „du redest hier von meinem Mann! Also, Fastmann. Meinem…Exverlobten, nenn es wie du willst.“
„Wir bringen ihn rüber in die Zwei, los. Schwester Sabine, antraben!“, schrie Marc und nickte nach vorne. Sie fuhren Alexis durch die Gänge bis Gretchen sich umwandte und mit dem Rücken eine Türe aufstiess.
„Schwester Sabine, Werte untersuchen, Hasenzahn, Blut nehmen aber vorsichtig wenn ich bitten darf.“ March drückte das Klemmbrett Gretchen in die Hand.
„Äh, Marc, also das bin ich jetzt.“, meinte Gretchen und reichte das Klemmbrett Schwester Sabine.
„Oh.“, meinte Marc und schaute von Alexis auf, „sorry, konnte deinen Hintern nicht sehen.“
Gretchen presste die Lippen aufeinander und kratzte sich am Kopf.

Einfach ignorieren. Los Gretchen du kannst das, das ist ein Kinderspiel.

„Ich frag mich ob der auch so aussieht wenn er getrunken hat.“, sagte Marc und hob beide Augenlieder von Alexis hoch.
„Also Marc, bitte!“, meinte Gretchen und schob ihn beiseite, „jetzt lass mich mal…“
Marc hob beide Hände und verschränkte diese dann vor der Brust.
„Alexis?“, fragte Gretchen leise und strich vorsichtig über seine Wange, „kannst du mich hören?“
„Ach jetzt gib ihm schon einen Klaps.“, meinte Marc gelangweilt.
Gretchen wandte den Kopf, entschied sich jedoch, nichts zu sagen.
„Alexis, wach auf!“, sagte sie noch einmal und nach ein paar Sekunden, bewegte dieser seinen Kopf. Er fing an etwas zu murmeln und dann öffnete ein bisschen seine Augen.
„Alexis, ich bins, Gretchen!“, sagte sie leise und strich noch einmal über seine Wange.
„Was…“, murmelte er und versuchte seine Augen zu öffnen, „was…siehst aus wie…Monsterbiene…“
Gretchen hörte wie Marc ein Aufprusten zu unterdrücken versuchte.
„Jetzt hört’s aber auf, du siehst gar nicht besser aus!“, zischte Gretchen Marc zu, der jedoch nur näher kam um Alexis genauer anzusehen.
„Hallo von Bourbon?“
„BUREN Marc, BUREN!“
„Hören sie mich?“, fragte Marc und zündete nochmals mit dem Licht in seine Augen, worauf dieser den Kopf etwas wegdrehte. „Was…bin ich tot…oder was…“
„Nein du bist nicht tot.“, sagte Gretchen bestimmt.
„Noch nicht.“
Bevor Gretchen etwas erwidern konnte, fuhr Marc fort. „Also, Sie weisen bestimmte Anzeichen auf eine tropische Krankheit auf. Die schlechte Nachricht ist, das wir noch nicht genau wissen welche von drei und die gute ist, dass Sie noch nicht mit der Monsterbiene verheiratet sind.“
„Doch Marc…das sind…wir…fast?“, sagte Gretchen und versuchte bestimmt zu klingen, was jedoch in ein Stottern fiel.
„Ach ja?“ Marc schaute sie ernsthaft an und Gretchen wusste genau was er meinte. Sie erwiderte nichts, sondern wandte sich Alexis zu. „Wir kümmern uns schon um dich, es wird alles sicher wieder gut.“
„Lissi…“, murmelte dieser plötzlich und liess seinen Kopf auf die rechte Seite fallen.
„Lissi?“, wiederholte Marc etwas verwundert, „ich verstehe ja die vielen Namen die man dir gibt Kälbchen, aber Lissi?“
„Oh Marc, nenn mich nicht so.“, erwiderte Gretchen leise, „und bevor du wieder deine kranke Fantasie spielen lässt, Lissi ist seine Schwester.“
„Ah.“ Marc nickte und sein Blick fiel auf Schwester Sabine, die das Klemmbrett an die Brust gedrückt hatte, und die ganze Szenerie mit grossen Augen verfolgte. „Also Schwester Sabine, wie sieht es aus?“
„Also fast…fast wie aus dem Buch Ihrer Mutter, Band vier, als sich Doktor Rogelt im Krankenbett befindet und-“
„Sabine.“, unterbrach Marc sie trocken, „die Werte.“
„Oh, die Werte, natürlich…“ Sabine zog das Klemmbrett nach vorne und schaute sich die Werte an, „sein Zustand scheint stabil zu sein, Blutungen sind keine aufgetreten, er weist jedoch eine erhöhte Temperatur auf…das klingt nach Fieber…“, sagte sie und schaute langsam auf.
„Ja! Fieber!“, meinte Marc aufmüpfig, „und hätten wir Sie nicht, dann hätten wir absolut keinen Schimmer. Also, Gretchen!“, fuhr er fort und wandte sich an sie, „dann nimm Blut ab und schick es in das Labor damit wir wissen, welches Fieber dein Opfer hat.“
„Kann das nicht Schwester Sabine machen? Ich möchte nach meinem Vater sehen.“, sagte Gretchen und schaute Marc an.
„Ja…gut. Aber heute noch wenn’s geht.“, erwiderte dieser und winkte Sabine an Alexis ran.
„Ich komme später dann wieder.“, meinte Gretchen, bückte sich nach vorne und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Sie zuckte zurück als sie Marc bemerkte und als Alexis wieder anfing zu murmeln.
„Müssen das…Land…verlassen…können nicht…Lissi…“
„Was hat er gesagt?“, fragte Marc als er die Türe aufmachen wollte.
„Äh…nichts.“, meinte Gretchen, richtete sich auf und lief zu Marc hinüber, „irgendwas mit Zug verpassen, aber das ist ja auch jetzt nicht so wichtig.“
„Für mich hörte sich das eher nach Land verlassen an.“, entgegnete Marc, stiess eine weitere Tür auf um den Kopf durchzustrecken und liess sie dann wieder ins Schloss fallen, „na endlich.“ Er riss sich die Maske vom Kopf und strich sich durch die Haare.
„Was ist los?“, fragte Gretchen und reckte den Hals um etwas sehen zu können.
„Alle Souvenirs sind verpackt und hinter Glaswänden. Dreh dich um sonst kommst du nie aus deinem Bienenkostüm raus.“ Marc packte sie an der Schulter und machte sich daran den Reissverschluss runterzuziehen als Gretchen plötzlich versuchte, sich aus seinen Händen zu befreien. „Also bittee! Ich kann das ja wohl auch noch selber.“, meinte sie und versuchte den Reissverschluss wieder nach oben zu ziehen.
„Äh, runter ist andere Richtung?“, meinte Marc und hob beide Augenbrauen.
„Ja…ich weiss.“, sagte Gretchen bestimmt, lief an ihm vorbei und zog sich die Maske ebenfalls vom Kopf.
Marc blieb einen Moment stehen bis er zu ihr aufholte. „Ah ich verstehe…du hast nichts drunter an Hasenzahn…“
„Natürlich habe ich was - hallo, guten Tag.“, Gretchen nickte einem Arzt, den sie zwar noch nie zuvor gesehen hatte zu und fuhr fort als dieser ausser Hörweite war, „-drunter an Marc!“
„Und wieso habe ich dann das Gefühl, dass ich kleine rote Herzen durch deinen Anzug-“
„Also jetzt hört’s aber auf!“, zischte Gretchen und wandte sich um. Marc stand direkt hinter ihr und schaute sie amüsiert an.

Oh Gott diese Haare…er sieht aus wie James Dean nur doppelt so sexy und verwuschelter.

„Ja…Hasenzahn?“
Gretchen konnte eindeutig erkennen, dass er sich amüsierte. Sie öffnete den Mund um etwas zu sagen, schloss ihn dann wieder und suchte nach den passenden Worten.

Und dieses Lächeln…verdammt Gretchen, jetzt konzentrier dich aufs Wesentliche!

„Nur zu deiner Information.“, meinte sie dann und versuchte so selbstsicher wie möglich zu klingen, „es sind keine Herzen. Es ist…war ja schliesslich mein Hochzeitstag.“
„Und das soll heissen? Dass ich das nächste Mal besser hinschauen soll oder wie?“
„Ach Marc!“ Gretchen warf seufzend die Arme in die Luft, wandte sich um und lief zum Schwesternzimmer.

Fran Offline

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23.03.2010 19:48
#8 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

Eine Spur kürzer als sonst, aber doch noch ein Kapitel vor dem grossen Sat1-Movie.. Guten Appetit!

Gretchen öffnete ihren Spint, worauf ihr das Foto von Alexis und ihr auffiel. Es zeigte sie zusammen am Eis essen, welches vor allem an ihrer Nase zu finden war. Er hatte sich prächtig amüsiert.
Gretchen seufzte und suchte nach einer Trainings- oder Jeanshose.

Wieso hat er gesagt er muss das Land verlassen? Wegen mir? Ach Gretchen, du hast das bestimmt wieder missverstanden. Niemand will doch das Land wegen dir verlassen…hoffentlich. Die Stadt oder den Bezirk vielleicht, aber das Land? Nein…

Als sie ihren halben Spint ausgeräumt hatte, fand sie eine alte Jeans, die ihr sogar noch passte. Sie knallte die Türe zu, knöpfte ihren Kittel zu und strich sich die Haare hinter die Ohren.

Gut. Sehe professionell aus. Muss mich jetzt nur noch professionell benehmen. Ab jetzt keine Achtung den Männern gegenüber und mich auf Arbeit konzentrieren.

Gerade als sie aus dem Schwesternzimmer herausgetreten war und ihren Kugelschreiber in die Brusttasche schieben wollte, horchte sie auf.
„Entschuldigung, aus dem Weg bitte!“
Gretchen hob reflexartig ihren Arm hoch um ihren Mund mit dem Ärmel ihres Kittels zu bedecken. Eine Trage wurde von zwei, immer noch verkleideten Ärzten, an ihr vorbeigeschoben. Der Mann auf der Trage krümmte sich und beugte sich zur Seite als er husten musste. Gretchen sprang schnell nach hinten, konnte jedoch dem Blut nicht entkommen – ihr Kittel und Hals wies Blutspritzer auf.
„Scheisse!“, fluchte einer der Ärzte, „gehen Sie nach unten um sich den Impfstoff spritzen zu lassen, sonst sind sie in wenigen Stunden auch so weit!“
Gretchen nickte hastig und machte sich auf in den Lift um nach unten zu fahren. Sie hielt sich immer noch das Stück Stoff vor dem Mund und drückte eilig auf den Knopf in der Hoffnung, der Lift würde schneller fahren.

Impfen! Oh Gretchen wie bescheuert kann man sein.

Der Lift ruckelte nach unten und blieb nach wenigen Sekunden stehen. Die Türe schob sich zur Seite und Gretchen steuerte das Medikamentenzimmer an.
„Ah Doktor Haase, da sind Sie ja…“, sagte Schwester Sabine und steuerte mit einer Mappe auf sie zu, „ich habe die Blutwerte von ihrem Mann…“
„Bleiben Sie weg Schwester Sabine, ich suche gerade die Impfungen für die…diesen Cocktail…“, meinte Gretchen etwas zerstreut und zog eilig ein paar Schränke auf.
„Warten Sie Frau Doktor, ich helfe Ihnen…“, sagte Schwester Sabine, zog eine Schublade und eine Spritze hervor, „wissen Sie, ich habe mich schon geimpft als ich eine Studienreise nach Afrika gemacht habe.“ Sie sass an einen Tisch und machte die Spritze bereit. Gretchen setzte sich vor sie und wischte sich mit einem Taschentuch die Spritzer vom Hals.
„Es ist unglaublich.“, meinte Gretchen währenddessen sie ihren Ärmel nach oben schob, „zuerst platzt meine Hochzeit, dann wird mein Verlobter und mein Vater eingeliefert, und dann kommt auch noch Meier, der…“ Gretchen hielt inne und räusperte sich, als Schwester Sabine mit grossen Augen aufsah.
„Der sie die längste Zeit küssen will…“, sagte Sabine in ihrer träumerischen Art und zog die Flüssigkeit in die Spritze, „wissen Sie Frau Doktor, ich persönlich finde dass er ein riesig grosses Macho Arschloch ist…“
„Ja, da sind Sie eigentlich nicht alleine.“, meinte Gretchen und sah demonstrativ weg.
„Und wenn ich die Wahl hätte…dann würde ich doch Doktor Kaan nehmen…“
„Was nicht zur Frage steht, Schwester Sabine.“ Gretchen warf ihre Hand vor ihren Mund als Schwester Sabine die Nadel setzte, „ich interessier mich nämlich für gar niemanden ausser für Alexis.“

Du bist eine so schlechte Lügnerin Gretchen. Gib es doch zu, du bist froh, dass die Hochzeit nicht stattgefunden hat.

„Oh das ist doch gar nicht wahr!“, meinte Gretchen aufgebracht und als Schwester Sabine aufsah, schrumpfte sie in sich zusammen, „ich mein…dass es nicht weh gemacht hat. Also…das war ja jetzt wie ein Mückenstich, ne.“
„Ich habe noch gar nicht gestochen Frau Doktor…“
„Nicht?“ Gretchen schaute nach unten und sah, wie Schwester Sabine die Nadel an ihre Haut hielt, „also, das geht mir jetzt ein bisschen zu lange, ich muss noch nach meinem Vater sehen. Warten Sie.“
Gretchen stand auf und lief zum Schrank hinüber, wo sie die richtigen Impfungen fand. Sie riss Schwester Sabine die Spritze aus der Hand und leerte von jedem der zwei Fläschchen ein bisschen in die Spritze.
„Aber Frau Doktor, das ist doch nicht richtig…“
„Jaa, richtig ist so vieles nicht, aber wir machen es trotzdem.“

Sachen wie fast Marc Meier zu küssen oder daran zu denken Doktor Müllers Pudding zu abonnieren.

„Hier.“ Gretchen krempelte ihren Arm wieder hoch und hielt ihn Schwester Sabine hin, „und bitte machen Sie es schnell, sonst kippe ich noch um bevor Sie es überhaupt getan haben.“
Gretchen kniff die Augen zusammen als sie spürte, wie Schwester Sabine ihr die Impfung spritzte. Als sie die Spritze herausgezogen hat, tupfte sie das wenige Blut mit Watte ab und klebte ein kleines Pflaster darüber. „So…fertig.“
„Danke.“, sagte Gretchen und rollte ihren Ärmel wieder nach vorne, „und Sie können sich also vergewissern Schwester Sabine, dass ich Alexis liebe und ihn heiraten will. Und falls etwas rum gehen würde, was dieser Wahrheit nicht entspricht, dann…dann stellen Sie das richtig.“
„Alles klar Frau Doktor…“
„Gut.“, meinte Gretchen und nickte überzeugt, „dann gehe ich jetzt und schaue nach meinem Vater.“
„Aber Frau Doktor, die Werte von Herr von Buren.“, sagte Sabine, stand eilig auf und hielt Gretchen die Mappe hin.
„Oh. Richtig.“, sagte Gretchen und lachte gekünstelt auf, „verlier ja fast den Überblick hier.“ Sie versuchte bestimmt zu wirken und hoffte, dass Schwester Sabine ihr dies abkaufte.
„Also mal sehen…“ Gretchen atmete tief durch und warf einen Blick auf die Ergebnisse, „Gott sei Dank…es ist nur das Fleckfieber. Spritzen Sie ihm bitte eine Dosis Doxycyclin und geben Sie ihm ein Einzelzimmer in der Quarantäne. Das sollte dann eigentlich auch nicht zu lange dauern. Ich werde später nach ihm sehen.“
Schwester Sabine nickte und suchte den passenden Impfstoff.
Gretchen wandte sich um fiel gegen den Türrahmen. Sie räusperte sich, stiess sich davon ab und versuchte das plötzlich aufgetretene Schwindelgefühl zu ignorieren.

Fran Offline

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24.03.2010 19:14
#9 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

Euer Wunsch ist mir Befehl..


Als sie im dritten Stock angekommen war, suchte sie die einzelnen Räume nach ihrem Vater ab. Ein Mann im gelben Anzug kam gerade aus einem der Krankenzimmer. „Entschuldigen Sie bitte!“
Der Mann blieb stehen und wandte sich um. „Ja?“
„Ich suche Professor Doktor Haase, er wurde vor knapp einer halben Stunde eingeliefert. Ist er da drin?“
„Ja, Doktor Meier ist gerade bei ihm.“

Super. Wäre ja auch zu schön gewesen. Na gut. Kopf nach oben, Rücken durchstrecken, Professionalität an den Tag legen.

Als Gretchen die Türe öffnete, strauchelte sie automatisch zur Seite und konnte sich noch an der Türklinke halten. Wieder Schwindelgefühl.
Als Marc, der im Vorzimmer stand sich umwandte, versuchte Gretchen ihre Haare zu richten versuchte den Zwischenfall mit einem Lächeln zu überspielen.
„Alles klar?“
„Das wollte ich dich eigentlich gerade fragen.“, sagte sie, räusperte sich und versuchte den Rücken durchzustrecken, als sie zu ihm hin lief, „also nicht auf dich jetzt bezogen, da ist ja sowieso schon alles verloren. Mein Vater?“
„Mhm…“, meinte dieser wenig überzogen und schaute sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. Er studierte sie für wenige Sekunden. „Geht’s dir gut oder mache ich dich etwa nervös?“
„Du also, ich möchte mich jetzt eigentlich auf meinen Vater konzentrieren?“, erwiderte Gretchen und zeigte durch die Scheibe, „wie sieht es aus?“
Marc schaute kurz an ihr hinunter. „Besser. Du hast was angezogen?“
„Marc!“, zischte Gretchen, „mein Vater!“ Sie griff nach den Ergebnissen in seiner Hand und lief hin und her.
„Er hat niedrige Blutwerte.“, sagte Marc und schob die Hände in seine Hosentaschen, „ganz davon abgesehen weist er verschiedene Anzeichen von Fleckfieber und eine schwache Version von Ebola auf.“
„Oh nicht doch…“, seufzte Gretchen und liess sich an die Wand fallen, „was hat er bekommen?“
„Antibiotika. Das Fleckfieber ist relativ einfach in den Griff zu kriegen aber bei der Ebola brauchen wir dringend ein Rekonvaleszentenserum.“
„Blut von jemanden der es…der es überstanden hat?“
„Genau.“ Marc schaute sie an und sah zu, wie sie mit ihren Händen über ihr Gesicht strich, „du siehst etwas bleich um die Nase aus Hasenzahn.“
„Ja ist auch kein Wunder bei der ganzen Action hier.“, erwiderte sie seufzend.
„Du sag mal…ist das Blut da auf deinem Kittel?“ Er zeigte auf die Blutspritzer auf dem weissen Stoff.
„Mich hat einer angehustet als ich aus dem Schwesternzimmer gekommen bin.“
„Ist es-“
„Nein, es ist nicht tödlich Marc, tut mir Leid. Ich habe mich kurz danach geimpft.“, erwiderte sie leicht angesäuert.
„Gut…“, erwiderte Marc leise und nickte langsam, „du und äh, Gretchen…“ Er rieb sich das Kinn und kam einen Schritt auf sie zu, „wie kommst du darauf das ich…das ich wünschte du wärst…also nicht mehr…hier?“
„Und wie kommst du darauf, dass ich aus dir überhaupt noch, in irgendeiner Art, schlau werden sollte?“, entgegnete Gretchen und merkte, wie sie langsam wütend wurde.
„Äh, bitte?“
„Jetzt frag nicht so blöd! Irgendwo liegt Alexis rum und zuerst redest du wie immer mit mir, dann versuchst du mich zu küssen um mich dann wieder wie eine…eine zweitklassige Krankenschwester zu behandeln!“
„Jetzt beruhige dich erstmal Hasenzahn.“, sagte Marc ruhig.
„Ja natürlich, schluck alles hinunter und lass es ja nicht raus! Mann Marc, ich bin keine sechzehn mehr, ich habe Prinzipien und ich möchte alles auf die Reihe kriegen aber das geht nicht, wenn du ständig mit meinen Gefühlen Billard spielst und versuchst die ständige Zeit einzulochen!“
„Ein…zulochen?“, wiederholte Marc und schaute sie amüsiert und etwas verwirrt an, „also wenn du jetzt meinst…einlochen, dann meinst du…?“
„Das ist jetzt unglaublich.“, zischte sie und schob sich an ihm vorbei.

Oh nein. Nicht schon wieder.

Ihr Körper fiel zur rechten Seite an die Wand und sie griff nach der Stuhllehne neben ihr.
„Hey, hey, hey!“ Marc machte einen Satz nach vorne und griff ihr unter die Arme, „was ist denn los mit dir Hasenzahn? Hast für zwei Stunden keine Schokolade gehabt oder wie.“
„Geht schon…geht schon.“, sagte Gretchen und schluckte. Sie griff nach dem Türgriff um sich auf den Beinen zu halten und merkte, wie heiss ihr wurde.

Na toll. Herzrasen, Schweissausbrüche, Übelkeit.


„Bist du sicher?“, fragte Marc und versuchte ihr Gesicht zu sehen, doch Gretchen versuchte sich von ihm zu lösen.
„Jaa Marc, ich schaff es schon, ist ja nichts.“, entgegnete sie etwas genervt und riss die Türe auf. Plötzlich blieb sie stehen und Marc bemerkte, wie sie anfing zu schwanken.
„Oh Hasenzahn, bitte nicht.“
Gretchen wurde schwummrig und als sie einen Schritt nach vorne machen wollte, merkte sie, wie alles um sie rum dunkel wurde. Der Raum entfernte sich und sie fühlte, wie sie ohnmächtig wurde.
„Wouw!“ Marc streckte seine Arme aus und konnte Gretchen noch auffangen. Er ging etwas in die Knie und pustete schwer aus, „also sag mal! Hat dir anscheinend gefallen in der Kirche!“ Er verzog seine Lippen zu einem Grinsen, was aber schnell wieder verschwand und er schaute mit gekrauster Stirn nach unten. „Hasenzahn?“ Er rüttelte ein paar Mal, doch Gretchen wurde nicht wach.
„Na toll.“

Fran Offline

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25.03.2010 20:47
#10 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

Extra lang für euch :)


http://www.youtube.com/watch?v=pY9b6jgbNyc

Es war einer dieser Momente die man nicht wirklich bemerkte. Alles was passierte, geschah nur noch in Zeitlupe, so als ob man die letzten Sekunden noch geniessen wollte.

Marc lief mit Gretchen in den Armen durch die Gänge und trat die nächste Türe, welche in ein Patientenzimmer führte, mit dem Fuss auf. Er lief zum Bett hinüber um sie abzulegen und schrie über seine Schulter nach einer Schwester.
Er strich Gretchen ein paar Strähnen aus dem Gesicht, legte seine Hand an ihre Wange und bückte sich zu ihr hinunter. „Gretchen?“
Seine Hand fuhr zu ihrer Stirn und er fühlte, wie warm sie sich anfühlte.
Die Zimmertüre krachte gegen die Wand und Schwester Sabine kam herein und blieb mit grossen Augen vor dem Bett stehen.
Marc wandte sich von Gretchen ab und sah Sabine konzentriert und verbissen an, als diese ihm erklärte, wie sie sich geimpft hatte.
„Na toll…“, murmelte dieser und krempelte ihren Ärmel hoch, „na los Sabine, tun Sie etwas und stehen nicht nur da rum!“

Es war einer dieser Momente, wo man nicht viel hört, wo Worte nicht viel zählen, sondern die Taten für sich sprechen.

Marc sass neben Gretchens Bett und rieb sich mit beiden Handballen in den Augen. Er seufzte und strich sich durch die Haare. Den Kittel hatte er über das freie Bett geworfen und er trug nur noch ein türkises Shirt zu der weissen Hose.
Sein Blick fiel auf die Uhr neben dem Bett, welche kurz nach 20.00 Uhr anzeigte. Marc rutschte im Stuhl nach unten und verschränkte die Hände hinter seinem Kopf.
Er hörte, wie die Türe aufging und eilige Schritte auf ihn zukamen. Mehdi erschien im Türrahmen und er schaute mit grossen Augen auf Gretchens Bett. „Was ist passiert?“, fragte er, kam hinüber und setzte sich vorsichtig auf die Bettkante.
„Sie hat Frau Doktor gespielt und sich einen Impfcocktail verabreicht.“, antwortete Marc und schaute müde auf Gretchen.
Mehdi ergriff langsam Gretchens Hand und streichelte mit dem Daumen über ihren Handrücken. „Und wie sieht es aus?“
Marc schaute einen Moment auf Mehdis Hand und stützte dann mit einem Räuspern seine Ellbogen auf seine Knie ab, und rieb sich die Hände. „Wieder besser. Blutwerte sind chaotisch, das ist aber eigentlich nicht sonderlich überraschend.“
Mehdi schüttelte langsam den Kopf. „Armes Gretchen…der Tag war einfach zu viel.“
Marc erwiderte nichts, sondern stützte seinen Kopf auf seiner Hand ab.
„Wie lange schläft sie jetzt schon?“, fragte Mehdi und schaute ihn kurz an.
„Seid knapp vier Stunden.“
Mehdi schaute Gretchen für eine Weile an. Sie trug einen Patientenkittel, der nur noch an den Schultern zu sehen war und von ihren offenen Haaren zum Teil verdeckt wurde.
„Ich kann sonst bei ihr bleiben. Du könntest vielleicht auch eine Mütze Schlaf vertragen.“, meinte Mehdi und nickte Marc zu, der die Hand wieder hinunter nahm.
„Ich sollte die…die Werte im Auge behalten.“ Er nickte auf das Gerät neben Gretchens Bett zu, „aber ich rufe dich ansonsten.“
Mehdi nickte langsam und schaute auf ihre Hand die in seiner lag und von seinem Daumen vorsichtig gestreichelt wurde.
„Sie braucht vor allem Ruhe und Schlaf.“, meinte Marc, stützte seine Hände auf die Knie und stand auf, „aber ich geh mir rasch einen Kaffee holen.“ Er lief um das Bett herum und ging hinaus in den Gang, wo er die Arme kurz streckte.
„Gretchen…hörst du mich?“ Mehdi rutschte an der Bettkante ein Stück nach oben, behielt ihre Hand jedoch in seiner. Mit seiner freien Hand strich er ihr über die Wange. „Gretchen?“
Er spürte und sah wie sie ihren Kopf leicht bewegte, jedoch nicht aufwachte. Mehdi strich ihr einige Male über die Wange. „Schlaf…“, sagte er leise, bückte sich langsam nach unten und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Er legte seinen Vorderkopf an den ihren und schloss für ein paar Sekunden die Augen, bis er sich wieder gerade hinsetzte.
Mehdi konnte hören wie sich Schritte näherten und legte Gretchens Hand wieder auf das Bett. Marc kam mit einem Kaffee in der Hand wieder zurück.
„Ich komme später nochmals vorbei.“, sagte Mehdi und schob beide Hände in die Kitteltaschen, „piepst du mich an, wenn etwas ist?“
Marc nickte müde. „Klar.“
„Danke.“, erwiderte Mehdi, warf einen letzten Blick auf Gretchen, und lief aus dem Zimmer.
Marc nahm einen Schluck vom Kaffee, rieb sich die Augen und setze sich wieder auf den Stuhl neben Gretchens Bett.

Alles was ich hören konnte, war ein fernes Piepsen, das an meine Ohren drang. Und ein dröhnendes Geräusch, das meinen ganzen Kopf auszufüllen schien. Ich wusste weder was passiert war, noch wo ich war. Ausser, das die Kopfschmerzen stärker als jeder Kater war.

Gretchen bewegte den Kopf auf die rechte Seite und versuchte ihre Augen zu öffnen. Der Raum lag im Dunkeln und sie konnte ihre Augen leichter öffnen, da nichts blendete. Sie spürte, dass sie in einem Bett lag und die Decke bis zu ihren Schultern hoch gezogen war. Das Piepsen des Monitors neben ihrem Bett klang rhythmisch und normal. Als Gretchen ihre Hand bewegen wollte, merkte sie, dass sie mit einer Infusion verbunden war.
Sie merkte wie steif ihr Körper war und fragte sich, wie lange sie schon dalag. Gretchen wandte den Kopf um sich die Zeit auf dem Wecker anzusehen – halb drei Uhr morgens. Sie blinzelte einige Male, als ihr Blick auf eine Person neben ihrem Bett fiel. Da es dunkel war, konnte sie nicht viel erkennen. Das einzige Licht, das in den Raum drang, kam aus dem kleinen Vorzimmer.
Gretchen versuchte ihre Beine zu strecken und merkte, wie verspannt sie war. Das musste auch die Person neben ihrem Bett sein, da dieser nach vorne gelehnt, auf ihrem Bett zu schlafen schien.
Gretchen streckte die Hand aus und berührte den Arm der Person.

Das ist doch nicht etwa Marc…diesen Traum ist mir aber neu.

„Was?“
Gretchen erschrak und zuckte zurück, als Marc total verschlafen und mit den Haaren in alle Himmelsrichtungen abstehend, nach oben schnellte. „Nur die Trockenreinigung, danke.“
Gretchen legte ihre Stirn in Falten und musste dann grinsen, wie verwirrt er aussah. Marc blinzelte einige Male und wandte sich dann ihr zu. „Hasenzahn.“
„Hey…“, sagte Gretchen und merkte, wie sich ihre Stimme davon gemacht hatte. Sie wollte sich räuspern, als Marc sich aufrichtete und eine Hand an ihre Wange hielt. „Ssht…überanstreng dich jetzt nicht, sonst können wir wieder von vorne anfangen.“
Er fühlte ihre Wange und ihre Stirn. „Fühlst dich schon kühler an.“ Er setzte sich neben sie und stützte sich mit einer Hand auf der anderen Seite ab, „wie geht es dir?“
Gretchen schaute in sein Gesicht, welches schwach- und schief lächelnd zu ihr hinab sah.
„Müde…und übel. Hast du die ganze Zeit hier gesessen?“
„Was? Nein.“, sagte er prompt und Gretchen konnte anhand seiner Augen erkennen, dass er log, „ich kam vor einer Stunde vorbei um die Werte zu checken, da bin ich wohl eingeschlafen.“
„Gar nicht…“, erwiderte sie und grinste zurück.
„Musst du immer alles besser wissen.“, meinte er und schaute zwischen ihren Augen hin und her.
„Sonst kommt man ja nicht gegen dich an…“, sagte sie und merkte, wie sich ihre Stimme am Ende des Satzes davon machte. Sie räusperte sich kurz. „Was ist passiert?“
„Du Hasenzahn, hast dir selber einen Cocktail verabreicht, der dich regelrecht in meine Arme getrieben hat.“
„Oh nein…“, meinte sie und schloss die Augen, worauf sie mit einer Hand an ihre Stirn fasste.
„Ich hoffe du weißt, was das bedeutet.“
„Das sogar Medikamente mich-“

Nein. Bin nicht klar, entschuldigt aber nicht unkontrolliertes Flirten mit Marc Meier.

Da sie nicht wusste, wie sie den Satz vervollständigen sollte, zuckte sie schwach mit den Schultern und zeigte auf ihren Hals.
„Du verabreichst dir keine eigenen Medikamente mehr, alles klar?“ Er zog beide Augenbrauen nach oben und bückte sich leicht nach vorne.

Seine Haare sehen aus, als ob er hier die ganze Nacht gelegen hat…Oh Gretchen, ist das nicht süss.

„Machst du dir etwa Sorgen, Marc?“ Gretchen zog beide Augenbrauen nach oben und schaute ihn etwas amüsiert an.
„Ich…“ Er holte Luft, hielt aber inne und schaute sie einen Moment an, bevor er weiter sprach, „ich möchte nur gerne versichern, dass meine Ärzte auch voll einsatzfähig sind. Vor allem jetzt da…der König des Krankenhauses ausser Gefecht ist.“
Gretchen schloss die Augen und grinste. Sie fühlte sich erschöpft. „Wie geht es meinem Vater?“
„Stabil. Wir sind immer noch auf der Suche nach jemandem der es überstanden hat.“, antwortete Marc ruhig.
„Und Alexis?“
„Als ob er eine Flasche Bourbon intus hat. Womöglich hat er das auch.“
Gretchens Mund verzog sich zu einem schwachen Lächeln. „Darum also immer das Wortspiel…“
„Mhm…“, antwortete Marc, „schön dass du es auch noch begriffen hast Hasenzahn.“
Er schaute sie eine Weile an, liess seinen Blick über ihr Gesicht und ihre Haare wandern. Er hob langsam eine Hand, hielt eine Sekunde inne und strich ihr dann eine Strähne aus dem Gesicht. Sie bewegte den Kopf gegen seine Hand und er hielt wieder inne. Er seufzte leise auf und liess seinen Daumen über ihre Wange streichen.
„Weißt du…“, flüsterte Gretchen, „das habe ich mir immer gewünscht…“
Marc legte die Stirn in Falten. „Einen besoffenen Verlobten?“
„Nein…das hier…“
Er schaute sich kurz um. „Die…Tropengeschichte meinst du?“
„Ach Marc…“, seufzte Gretchen müde und gab auf. Sie legte ihren Kopf in seine Hand und es dauerte keine Minute, bis sie wieder in einen tiefen Schlaf verfallen war.

Fran Offline

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26.03.2010 19:34
#11 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

Aaaach ich schätze euch und eure Kommis sehr, wirklich :) Super Ansporn. Habe zwar momentan einen extremen Hänger, hoffe es kommt baald wieder Für euch geht es jetzt wieder mit einem längeren Kapitel weiter :)

Gaby biss in einen Bagel und schaute in jedes Patientenzimmer, ob alles in Ordnung war. Zurzeit war sie die Einzige auf den Gängen und als sie an einem Fenster vorbeikam, kontrollierte sie ihren Mund auf irgendwelche Krümel. Sie strich sich ihren Kittel glatt, biss in den Bagel und öffnete zeitglich eine Tür. Da auch dort alles in Ordnung war, ging sie weiter.
Als sie ein Quarantänezimmer passierte und einen Blick in das Zimmer warf, stockte sie. „Ja aber…“ Sie ging eiligen Schrittes zu der Türe und öffnete diese, „sagen Sie mal, was soll das?“
Der Mann drehte sich erschrocken um und griff sich an seine Brust. „Können Sie nicht anklopfen?“, murrte er und Gaby schaltete das Licht ein. Sie machte grosse Augen als sie erkannte wer es war.
„Alexis von Buren.“, meinte sie genüsslich und nickte, „wir planen wohl einen nächtlichen Ausflug?“
„Äh…“ Alexis wandte sich um und sah auf seine Tasche, die schon halb voll mit Kleidern war, „also…das sieht jetzt nicht so aus, wie Sie denken.“, sagte er und versuchte die Situation herunterzuspielen, doch Gaby hob nur eine Augenbraue. „Und was denke ich Ihrer Meinung nach?“
„Dass ich…also…“ Er schaute von der Tasche zu Gaby, welche die Arme vor der Brust verschränkte.
„Verkaufen Sie mich nicht für dumm. Ich kenne Ihr Geheimnis.“
„Mein...ich weiss nicht von was Sie reden.“, erwiderte Alexis, ging hinüber zum Schrank und schmiss ein paar Kleider in die Tasche.
„Nun ja, sagen wir es so.“, meinte Gaby und biss nochmals in ihren Bagel, „das dort ist nicht ihre Tasche und das hier-“ Sie zeigte mit dem Bagel auf die Werte vor seinem Bett, „sind garantiert nicht Ihre Werte.“
Alexis wandte sich um. „Was?“
„Alexis von Buren hat weitaus schlechtere Werte als Sie, Sie Hochstapler. Falls er überhaupt jemals existiert hat.“
Alexis hielt in seiner Bewegung inne und wandte sich mit zwei Pullovern zu ihr um.
„Ah, da sind wir aber sprachlos, nicht?“, meinte Gaby, „haben Sie ernsthaft gedacht, dass Ihnen niemand auf die Schliche kommen würde?“
„Hören Sie-“
„Ja?“
„Ich…möchte Gretchen nicht noch mehr verletzen als das ich es überhaupt schon getan habe.“, gab Alexis zu und warf die zwei Pullover in die Tasche auf dem Bett, worauf er dort stehen blieb und hinab schaute, „sie verdient weitaus etwas besseres als das.“
„Na da haben Sie ja den besten Ausweg gefunden.“, meinte Gaby besserwisserisch und schaute auf die vollgepackte Tasche.
„Sie darf davon nichts erfahren!“, meinte Alexis und schaute Gaby mit grossen Augen an.
„Ach und wie stellen Sie sich das vor, wenn ihr Bett plötzlich leer ist?“
Alexis schien einen Moment zu überlegen indem er sich wieder daran machte, die Tasche zu füllen. „Sagen Sie ihr, dass ich verlegt werden musste. In eine andere Klinik.“
„Glauben Sie mir.“, erwiderte Gaby und biss wieder in ihren Bagel, worauf sie einen Moment kaute, „diese Frau ist nerviger und anhänglicher als jedes Hundebaby.“
„Frank, abbiamo bisogno di andare il treno non è-“ Lissi erschien plötzlich im Türrahmen und schaute erschrocken von Gaby zu Alexis.
„Oh ein Italiener!“, meinte Gaby amüsiert und schaute von Lissi zu Alexis, „das würde ja dann auch die Schmalzlocken erklären.“
Alexis schaute sie verdrossen an.
„Es sei denn, das ist auch ein weiterer Schwindel.“, meinte Gaby und biss wieder in ihren Bagel.
„Frank, was geht hier vor sich?“, fragte Lissi steif und Alexis bemerkte, wie sie langsam und unbemerkt, ihre Hand hinter ihren Rücken geführt hatte.
„No, lascia, Lissi!“, sagte Alexis und hob die Hand, worauf er wieder zu Gaby schaute, „sie wird nichts sagen.“
„Das kommt ganz auf die Bedingungen drauf an…“, meinte Gaby und schnitt ein verräterisches Lächeln.
Alexis und Lissi tauschten einen schnellen Blick aus, worauf sich Alexis an Gaby wandte. „Was wollen Sie?“

Marc verharrte einige Sekunden in dieser Position und liess dann seinen Kopf hängen. Er merkte, wie er selber verspannt war. Seine Hand lag immer noch unter Gretchens Wange, und er zog sie vorsichtig und langsam hervor. Er zog die Decke nochmals nach oben, stand auf und griff nach seinem leeren Kaffeebecher, der auf dem Nachttisch stand.
Er liess seinen Kopf im Nacken kreisen, rieb sich diesen und verliess das Zimmer. Seine Schritte führten ihn den Gang hinunter.
Nach einer Weile kam er vor einem Fenster zum stehen. Gerade als er dabei war sein Genick zu massieren, stockte er. Er lehnte sich näher ans Fenster um mehr erkennen zu können. Er lief einige Schritte um die Türe zu öffnen und schaltete den Lichtschalter an.
Vor ihm lag ein leeres Bett.
Die Bettdecke lag zurückgeworfen halb auf dem Bett, die Infektionskabel lagen herrenlos auf dem Boden und der Monitor war abgestellt.
„Scheisse.“, murmelte Marc, wandte sich um, verliess das Krankenzimmer und schmiss den leeren Becher in den nächsten Abfalleimer.

Die Tür knallte gegen die Wand als Gaby fast vom Stuhl fiel. Sie hatte die Beine auf dem Tisch gelagert und zuckte zusammen als Marc mit grossen Schritten in das Schwesternzimmer hereinkam. „Sag mal, spinnst du eigentlich?“, sagte Gaby erbost und drehte sich auf dem Stuhl zu ihm zu, „diese verdammten Flecken krieg ich ja niemals raus!“
Marc konnte erkennen, dass sie eine Schale mit Früchten in den Händen hatte – die Hälfte Saft auf dem weissen Kittel.
„Gaby, wie steht es eigentlich um dein Sehvermögen?“, fragte Marc und öffnete einen Ordner mit den Entlassungspapieren.
„Wieso?“, fragte sie argwöhnisch und lief zum Waschbecken hinüber um die Flecken rauszukriegen.
„Weil das verdammte Bett von von Buren verdammt noch mal leer ist.“, sagte Marc und klappte den Deckel mit Schwung zu, sodass dieser an die Wand klatschte.
„Was?“
„Ja soll ich’s dir aufschreiben?“, fragte Marc genervt, „obwohl du es wahrscheinlich nicht mal lesen könntest. Komm mit.“ Er wandte sich um und lief mit grossen Schritten den Gang hinunter. Gaby huschte kurz zu ihrem Platz, schob eilig etwas unter ein paar Dokumente und folgte ihm. „Wo warst du eigentlich die ganze Zeit? Seid das mit der Hochzeit passiert ist, habe ich dich gar nicht mehr gesehen.“
„Gewisse Leute arbeiten….Gaby? Und sitzen nicht nur faul im Schwesternzimmer rum und warten bis die Schicht rum ist?“, sagte er und schaute sie giftig an, währenddessen er seinen Pieper nach vorne holte und ein paar Knöpfte drückte. Immer noch mit seinem Pieper beschäftigt, stiess er die Türe mit seinem Fuss auf, und schaltete das Licht an.
„Verdammt.“, meinte Gaby und schaute sich um, „der ist ja wirklich weg.“ Sie versuchte eine überzeugende Miene aufzusetzen.
„Jetzt hör aber auf Gaby, ich beneide dich fast um deine Auffassungsgabe.“, meinte Marc kalt und zog die Bettdecke weg.
„Naja.“, meinte Gaby und verschränkte die Arme vor der Brust, „vielleicht ist es ja auch besser so.“
„Besser?“ Marc hielt inne und schaute sie fragend an, „sag mal, hast du überhaupt eine Ahnung, was so etwas mit sich tragen kann? Patientenverlust in dieser Art ist nicht gerade ein Aushängeschild.“
„Und du hast das Gefühl das ist besser oder wie?“ Gaby zog eine Augenbraue hoch und griff nach einem Umschlag, der auf dem Nachttisch lag.
„Was ist das?“, fragte Marc und zeigte auf das Stück Papier.
„Wenn du mich fragst, sieht das nach einem Brief aus, könnte aber auch eine Briefbombe sein.“
„Jetzt gib schon her!“ Marc lief um das Bett herum und riss Gabi den Zettel aus der Hand.
„Es ist…verboten einen fremden Brief aufzumachen Marc!“, sagte Gabi vorwurfsvoll und schaute zu, wie Marc den Umschlag aufriss und über die Schulter schmiss. „Na und? Erpressung und Lügen sind auch verboten aber du tust es trotzdem jeden Tag.“
Marc setzte sich auf die Bettkante und faltete den Brief auseinander.
Gaby lehnte sich an den Türrahmen und verschränkte genüsslich die Arme vor der Brust. Nach einer Weile knüllte Marc den Brief zusammen. „Verdammte Scheisse!“, fluchte er und stand auf.
„Was ist denn los?“
„Dieser verdammte Wixer ist einfach so abgehauen, das ist los!“, sagte er, lief einige Schritte hin und her und kickte das Bett, „Scheisse!“
„Du solltest doch froh sein, oder nicht?“, giftete Gaby, „es ist ja glaub ich allen klar, dass du sie eigentlich willst.“
Marc hielt inne, drehte sich langsam zu ihr um und schaute sie ungläubig an. „Sag mal Gaby…du weißt schon was hier gerade los ist oder?“ Er zeigte auf das leere Bett vor ihm.
„Ja, ich sehe es klar und deutlich, Marc?“
„Gut. Wir sind hier in einen Krankenhaus und nicht beim beschissenen Herzblatt!“ Er knüllte den Brief noch mehr zusammen und schob ihn in die Tasche, „und du Gaby, wirst sicherlich nicht dafür bezahlt mit dem Rücken zur Türe deine Nachtschicht zu verbringe.“ Marc schaute sie wütend an und verliess den Raum, nicht ohne noch einmal laut zu fluchen.
Gaby drehte sich genüsslich um und schaute ihm nach. „Ja…wir alle kriegen schlussendlich das was wir verdienen.“

Marc’s Schritte führten ihn vorbei am Schwesternzimmer vorbei, wo er plötzlich innehielt und wieder zurück lief. „Knechtelsdorfer…was genau machen Sie da?“ Marc fasste mit einer Hand nach dem Türrahmen und lehnte sich in das Zimmer.
„Ah, der Doktor Meier!“ Knechtelsdorfer wandte sich um und war gerade dabei, seinen Kittel überzuziehen, „jo, i bin wieder ganz fit.“ Er setzte ein Grinsen auf und lief zu ihm hinüber.
„Und wer hat das entschieden?“
„Ja, eigentlich war i des ja selber. Wissen Sie, i hatte ja im Studium diesen Vortrag über Afrika und es gab da einige Punkte, die sich mit dem Thema der Krankheiten befassen. I mein, wär ja sonst ziemlich ungünstig, i hab ja Medizin studiert.“
„Ach ja?“, fragte Marc mit einem aufgesetzten Lächeln, das Gesicht gänzlich ungerührt, „überrascht mich immer wieder aufs Neue.“
„Ja und da hab i halt schon bereits gewusst, was es alles braucht, wenn man halt ins Bett gefesselt ist. Mi hats ja auch gar nicht wirklich erwischt, es war mehr wie eine leichte Briese.“
„Mhm…“ Marc nickte langsam, das Gesicht immer noch ungerührt, die Augenbrauen hochgezogen.
„Also i wär wieder total einsatzfähig, i kann Ihnen grad aushelfen wenn Sie’s möchten!“ Knechtelsdorfer stützte seine Hände in die Hüfte und schaute Marc mit einem grossen Grinsen an.
Marc schaute ihn einen Moment an. „Sie haben sich geimpft?“
„Freilich.“
„Auch das richtige?“ Marc schaute ihn kurz von oben bis unten an, als ob er klarstellen wollte, ob er auch nicht schwankte.
„Ja aber mit Sicherheit. Mit Verlaub Doktor Meier, aber i bin ned so bescheuert um mir falsche Sachen zu spritzen. I bin ja schliesslich Arzt.“
„Jaa, das behaupten so manche von sich.“
„Wie meinen?“
„Nicht so wichtig. Kommen Sie mit!“ Marc wandte sich wieder um, und lief Richtung Lift, „alles was Sie jetzt hören, muss unter uns bleiben, alles klar?“
„Sie können sich auf mich verlassen.“, meinte Knechtelsdorfer und streckte die Brust aus.
„Mhm…“
Der Lift schloss sich währenddessen Marc langsam den Kopf schüttelte.

Fran Offline

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27.03.2010 20:06
#12 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

Es war bereits schon Morgen als das Krankenzimmer von Gretchen von ersten Sonnenstrahlen erhellt wurde. Sie fühlte sich schlapp und müde, doch etwas schien sie aufzuwachen. Sie schnupperte und merkte, das ein vertrauter Geruch das Zimmer erfüllte.
Der Traum von letzter Nacht spielte sich noch einmal vor ihrem inneren Auge ab. Die Person an ihrem Bett, die Hand, die Führsorglichkeit, der-

Moooment. Habe das ungute Gefühl dass Traum gar kein Traum war.

Gretchen öffnete beide Augen langsam, in der Annahme, dass sie jemanden, jemanden speziellen neben ihrem Bett vorfand. Das erste was sie jedoch sah, war eine grosse, weisse Tasse.
„Margharethe…“
Gretchen wich etwas zurück und blinzelte ein paar Mal. „Mama!“
„Ja, ich bins.“, sagte Bärbel und setzte sich wieder auf den Stuhl nahe ihrem Bett, „und ich habe dir heisse Schokolade dabei, schau!“ Sie hob die Tasse wieder mit einem grossen Lächeln hoch und Gretchen erwiderte dies. „Was machst du hier? Du dürfest gar nicht hier sein!“ Gretchen schaute sich um, sie war jedoch alleine mit ihrer Mutter.
„Aber warum denn nicht?“, erwiderte Bärbel und ihre Laune schien eine Stufe zu sinken, „schliesslich muss ich doch für meine kleine Tochter schauen! Ich wollte dir ja eigentlich Tee bringen, aber du hast so tot ausgesehen, da habe ich gedacht ich mache dir eine heisse Schokolade. Und schau daher!“ Sie zeigte mit einer fröhlichen Handbewegung auf Gretchen.
„Jaa, schau daher.“, meinte Gretchen und versuchte die Fröhlichkeit zu erwidern, „mich haut halt nichts so schnell um, ne.“
„Ach wo auch!“, meinte Bärbel, winkte ab und setzte sich zu Gretchen aufs Bett, welche automatisch etwas zur Seite rutschte und die Tasse entgegennahm, „ich war ja bei deinem Vater Margharethe, und er sieht nicht so gut aus. So mit diesen vielen Schläuchen, das erinnert mich immer an diesen, wie heisst er jetzt nochmals…dieser Schauspieler aus dem Fernsehen…“
Gretchen zog beide Augenbrauen hoch und wartete bis ihre Mutter den Namen gefunden hat.
„Du weißt schon Margharethe, dieser…dieser Harold Schranzenegger, von Amerika.“
„Arnold Schwarzenegger Mama.“
„Ja, sag ich doch, wie in diesem Film, weißt du! Was hat er denn überhaupt?“ Sie schaute Gretchen mit grossen Augen an, welche die Tasse auf den Nachttisch stellte, und hoffte auf nichts Schlimmes.
„Eine Patientin von Doktor Kaan war im Ausland und die hat jetzt halb Afrika mit nach Deutschland genommen.“ Gretchen merkte, wie sehr dass sie noch müde war und schloss für eine Sekunde die Augen. Das tat gut.
„Wirklich?“, fragte Bärbel ungläubig und schaute erschüttert, „und das bei dieser hohen Einwanderungsrate, die wir jetzt schon haben…“
Gretchen öffnete wieder die Augen.
„Erst gerade letztens war ich einkaufen, und da waren vier dunkelhäutige Männer im Laden, Margharethe!“, erzählte Bärbel und griff theatralisch nach Gretchens Hand, „und bei denen weiss man ja nie, ob die vielleicht gefährlich sind oder nicht…im Fernsehen sieht man ja alles mögliche!“
„Mama…du darfst mich nicht so wörtlich nehmen.“, meinte Gretchen und hob den Kopf, „sie hat die Krankheiten von halb Afrika mitgenommen!“
„Oh, ja das ist ja noch viel schlimmer…“, meinte Bärbel, schrumpfte etwas in sich zusammen und legte auch noch die andere Hand auf Gretchens, „und das bei der Grösse von Afrika…ja kriegt ihr das denn wieder hin?“
„Ja…klar. Also das heisst, ich momentan ja nicht, ich bin jetzt sozusagen…ein Teil von Afrika.“, scherzte Gretchen trocken, worauf ihre Mutter wieder aufschaute. „Sag das nicht Margharethe! Vor ungefähr 30 Jahren war ich einmal in Afrika und habe dort diesen jungen Mann kennengelernt, er war ein Jäger von einem dieser verschiedenen Stämme, und-“
„Mama! Bitte!“, sagte Gretchen und hielt sich die Ohren zu, „das will ich gar nicht wissen, oder ich gehe freiwillig ins Koma!“
„Ach jetzt stell dich nicht so an.“, meinte Bärbel und klopfte ihre Hosen glatt, „du kannst dich schon glücklich schätzen, du hättest immerhin eine Chance auf einen afrikanischen, holländischen und…ja war das jetzt ein Amerikaner oder Engländer.“ Bärbel legte einen Finger auf ihre Lippe und schien für einen Moment zu überlegen.
„Mama…“, sagte Gretchen und zog ihre Decke höher, währenddessen sie nach dem Knopf suchte, der eine Schwester vorbeibrachte.
„Ja ist ja jetzt auch egal, schlussendlich hast du einen Vater, und das ist das Wichtigste, ne?“, sagte Bärbel breit lächelnd und zog die Decke von Gretchens Kopf hinunter, „ich habe dir übrigens deinen Trainer mitgenommen, den du zuhause immer anhast. Hier.“
Sie stand auf und ging hinüber zum anderen Bett, wo sie eine Tasche deponiert hatte. Sie zog den Reissverschluss auf und holte einen pinken Trainingsanzug hervor.
„Oh Mama, den kann ich doch nicht anziehen, der untergräbt doch meine Authorität!“, seufzte Gretchen und schlug die Decke zurück.
„Aber wieso denn?“, fragte Bärbel verblüfft und schaute auf die Kleidung zu ihrer Hand, „der ist doch todschick!“
„Ja, tod…schick, wie es der Name schon sagt.“, erwiderte Gretchen trocken und sah zu, wie ihre Mutter den Anzug auf ihr Bett legte.
„Auf alle Fälle besser als dieses Nachthemd, dass du da die längste Zeit anhast. Ist ja mal überhaupt nicht Figurbetont. Ich bin sowieso dafür, dass wir hier wieder richtig schöne Patientenkittel einführen sollten.“
„Mhm.“, erwiderte Gretchen und versuchte ein Lächeln zum Nicken zustande zu bringen. Sie nahm einen weiteren Schluck der Schokolade und merkte, wie es ihr übel wurde. Sie schaute in die Tasse, roch daran, konnte aber nichts erkennen. Gretchen stellte die Tasse auf den Nachttisch.
In diesem Moment klopfte es an der Türe und Gretchen erwischte sich dabei, wie sie erhoffte, dass es Marc war.

Wie kann ich nur an Marc denken? Alexis liegt irgendwo rum und ich denke andauernd nur an Marc…obwohl…kann ein definitives Zeichen sein. Genügend Anzeichen sind vorhanden. Könnte mich aber auch nur irren und seelischen, sowie körperlichen Beistand herbeisehnen, da Gemütsverfassung zurzeit sowieso nicht gut ist. Ja. Das wird es sein.

„Aah, Schwester Sabine, das ist aber auch schön, dass Sie hier sind!“, sagte Bärbel und schaute erfreut zur Türe hin.

*seufz* nicht Marc.

„Hallo Schwester Haase und…hallo Frau Doktor.“ Schwester Sabine stand mit einem Tablett vor dem Bett und schaute Gretchen mit grossen Augen an, „das ist schön, dass Sie wieder unter uns weilen.“
„Ja ich…war ja auch gar nicht tot. Also…ich hab ja nur geschlafen. Eine Weile.“, erwiderte Gretchen etwas verwirrt und erwiderte das Lächeln von Sabine.
„Natürlich, Frau Doktor…“, meinte Sabine und stellte das Tablett auf dem kleinen Tisch vor dem Bett ab, „wie fühlen Sie sich denn?“
„Erschöpfte und müde…irgendwie…übel. Aber meine Werte sind im Vergleich zu gestern schon um einiges besser.“
Plötzlich ging die Türe wieder auf und Gretchen schluckte.
„Guten Morgen.“ Mehdi erschien im Türrahmen und lächelte beim Anblick Gretchens.
„Oh Doktor Kaan, das freut mich aber, Sie auch wieder mal zu sehen!“, sagte Bärbel und lächelte ihn an, „Sie waren ja gar nicht bei der Hochzeit!“
„Jaa, Mama, das hat ja eben mit der Patientin von Afrika zu tun.“, bemerkte Gretchen leise und lächelte Mehdi zurück, obwohl dieser seine Augen fast nicht von ihr lassen konnte, als ihre Mutter mit ihm redete.

Oh nein. Augenangriff. Muss diese Blicke irgendwie ignorieren und abstossen. Ein durchsichtiges Schutzschild wäre hilfreich. Oder eine Sonnenbrille.

„Oh, ja, das war ja sehr tragisch. Wie geht es ihr denn jetzt?“, fragte Bärbel Mehdi, der sie dann doch noch freundlich anlächelte. „Zwischenzeitlich schon besser. Die passenden Medikamente zu finden gestaltet sich jedoch schon schwieriger. Sind Sie nicht im Dienst, Frau Haase?“
„Oh, also eigentlich, in gewisser Masse. Ich musste Gretchen nur noch schnell ein paar Sachen vorbeibringen und zuhause fällt mir ja ansonsten die Decke auf den Kopf. Meine ganze Familie liegt ja praktisch im Krankenhaus, da macht es ja am besten Sinn, wenn ich gerade hierbleibe.“
Mehdi schaute sie freundlich an und nickte.
Gretchen seufzte und Schwester Sabine meldete sich wieder zu Wort. „Frau Doktor…Woher wissen Sie denn, dass es Ihnen wieder besser geht?“
„Das… habe ich im Gefühl.“
„Ja, mein Mädchen macht vieles mit dem Gefühl, und meistens hat sie auch recht.“, sagte Bärbel und Gretchen ahnte Böses, „obwohl, alles kann man ja auch nicht mit Gefühl machen, Männer zum Beispiel, na Margharethe, da bist du doch so verstrickt…“
„Mama, könntest du mir einen Gefallen tun?“, fragte Gretchen mit einem übertriebenen Lächeln und griff nach ihrer Hand, „und für mich nach Papa sehen? Ich kann ja momentan so schlecht raus und würde gerne wissen wie es ihm geht.“
„Oh, aber natürlich. Dann lasse ich euch jungen mal alleine. Und wir zwei unterhalten uns dann noch später, Margharethe!“, sagte Bärbel mit einem Lächeln und machte sich daran, den Raum zu verlassen.
„Also…ich muss dann eigentlich auch mal…“, meinte Sabine und griff nach dem Tablett, welche Medikamente sie noch nicht angerührt hatte, „ich kann ja dann auch später nochmals kommen…“
Gretchen versuchte ihr mit einem Blick klarzumachen, dass sie hierbleiben sollte, jedoch erfolglos.
„Ich kann das ansonsten erledigen.“, meinte Mehdi und griff nach dem Tablett.
„Oh…“ Sabine schaute von Gretchen zu Mehdi und nickte dann, „das wäre sehr nett Doktor Kaan.“
Mehdi lächelte und ging dann hinüber zu Gretchens Bett.

Nicht in die Augen schauen. Einfach nicht in die Augen schauen. Nicht – oh menno.

Fran Offline

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28.03.2010 19:19
#13 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

Viel Vergnügen :) Wenn ich das anmerken darf..ich hatte grossen Spass die "Szene" mit Gigi zu schreiben

„Da hast du uns ja einen grossen Schrecken eingejagt.“, meine Mehdi und setzte sich neben Gretchen aufs Bett.
„Ja…tut mir leid.“, antwortete diese und presste die Lippen aufeinander, „war auch gar nicht mit Absicht…“
„Alles bis auf die Hochzeit, nehme ich an.“, meinte Mehdi und hob einen kleinen Behälter mit einer Tablette hoch.
Gretchen schaute ihn verdrossen an und griff nach der Tablette und dem Glas Wasser, dass er ihr hinhielt. „Könnt ihr endlich mal damit aufhören?“
„Mit was?“, fragte Mehdi undschuldig und schaute sie etwas erstaunt an.
„Ständig-“ Gretchen schluckte die Tablette, „ständig um mich rumzurennen und mich auf irgendeine Art…rumzukriegen. Das ist echt ermüdend!“ Sie liess beide Arme schwer auf die Decke fallen, „ich bin momentan schon müde genug, bezweckt ihr mich ins Koma zu rennen oder wie?“
„Es ist nicht meine Schuld, wenn Meier dich ohne Vorwarnung küsst.“, sagte Mehdi ruhig und verschränkte die Hände ineinander, worauf er zum anderen Bett hinüber sah.
„Ach und du würdest vorher noch fragen oder wie?“, meinte Gretchen und schaute ihn etwas ungläubig an.
Mehdi wandte ihr sein Gesicht wieder zu und schaute sie ruhig an. „Ich würde nichts machen, was dich in irgendeiner Hinsicht verletzen würde, Gretchen.“
Gretchen erwiderte seinen Blick.

Meydey, Meydey, sofortiger Abbruch des Blickkontaktes, oder es muss mit schweren Verlusten gerechnet werden.

„Also das…ja das hatten wir ja schon.“, erwiderte Gretchen, senkte den Blick und räusperte sich, „Also früher, da…und vor allem in der Kirche, da hat man sich ja das gleiche geschworen und doch sind wir alle im Krankenhaus gelandet, nicht.“, meinte Gretchen, versuchte ein Lächeln zustande zu bringen und schaute kurz von ihrer Bettdecke auf.
Mehdi legte seine Stirn in Falten. „Das heisst du glaubst nicht daran?“
„Was?“, fragte Gretchen, „an Hochzeit und das ganze glücklich sein für immer?“
„Mhm.“ Mehdi legte den Kopf etwas schief und schaute sie ruhig, aber neugierig an.
Gretchen schnaubte lächelnd auf. „Ich bitte dich, schon mein ganzes Leben dreht sich doch nur um Märchen. Wenn jemand an diesen ganzen…Quatsch glaubt, dann bin das wohl ich.“ Sie machte eine Pause und als Mehdi nichts erwiderte, fuhr sie fort. „Du kennst wahrscheinlich die Geschichte, als ich Marc in der Schule einen Kerzenleuchter auf den Kopf fallen gelassen habe?“
Mehdi erwiderte dies mit einem Lächeln. „Nein, das ist mir neu.“
„Ja ich…ich war sauer weil Susanne das Dornröschen spielen durfte, und ich nicht.“
„Und bist du es immer noch?“
„Was? Sauer?“, fragte sie zurück und schaute wieder auf.

Nein, habe meinen Dornröschenkuss zwischenzeitlich schon gekriegt.

Gretchen winkte lachend ab, „Ach nee du, das ist ja auch schon ewig her. Und sowieso, ich steh ja mehr auf Schneewittchen oder so.“, meinte sie und schaute wieder hinunter.
„Naja.“, meinte Mehdi und verschränkte die Hände wieder ineinander, „Vielleicht hast du ihn für immer geschädigt.“
„Oh, nein, das glaube ich nicht.“, meinte Gretchen und lachte ein bisschen auf, „ich mein, da müsste man ja was viel schweres fallen lassen als nur ein Kerzenleuchter. Ein…Klavier vielleicht oder so. Also, was auch immer, ich glaube das ist…schon so von Geburt an.“
Mehdi erwiderte nichts, sondern behielt seinen Blick auf die Decke gerichtet.
„Naja.“, meinte Gretchen und versuchte ein Lächeln zustande zu bringen, „geht halt alles nicht so wie im Märchen ab.“
Mehdi schaute mit den Augen auf und seufzte. „Nein…ansonsten wären die Dinge anders.“
Gretchen schluckte, währenddessen seine Augen wieder die ihren in Beschlag nahmen. „Ja…ja ansonsten…wärs wirklich ein Klavier gewesen.“, sagte sie leise und sah zu, wie Mehdis Mundwinkel sich zu einem Lächeln verzogen. „Oder ein ganzes Orchester.“ Er behielt seinen Blick auf sie gerichtet und bewegte seinen Kopf einen Zentimeter nach vorne, als er sich räusperte und ein paar Mal blinzelte. „Was ich dich eigentlich fragen wollte-“
Gretchen schluckte und sah ihn fragend an.
„Willst du vielleicht mit mir gehen?“
Gretchen holte Luft um etwas zu erwidern und schaute dann etwas verwirrt mit den Augen zur Seite. „Äh, also wenn du sagst gehen, dann…meinst du…?“
„Ein Stück, draussen, an der Sonne.“, ergänzte er sich schnell und legte kurz die Stirn in Falten, „an der frischen Luft, mit mir.“
„Ehrlich gesagt würde ich gerne nach Alexis sehen…“, meinte Gretchen langsam, „aber vielleicht danach?“
„Klar, gerne.“, erwiderte Mehdi mit einem Lächeln und stand mit dem Tablett auf, dass er auf den Tisch vor dem Bett lag, „ich schaue kurz nach ihm, dass er auch wirklich da ist. Ansonsten machst du den ganzen Weg für nichts.“
„Das ist lieb, danke Mehdi.“, meinte Gretchen und griff nach ihrem Trainer, „ich mach mich dann mal…Ausgangstauglich.“
„Alles klar.“, erwiderte Mehdi und lächelte sie zufrieden an, was Gretchen versuchte zu erwidern, als ihr Blick wieder auf ihren Trainer fiel.
Als er die Türe hinter sich geschlossen hatte, warf Gretchen die Bettdecke zurück, um sich umzuziehen. Als sie aufstand, bemerkte sie die Übelkeit, welche vorhin wieder abgeklungen hatte. Sie blieb einen Moment stehen bis sie um das Bett herum torkelte und das Badezimmer rechtzeitig erreichte.

Gigi kam in den Empfang und schaute sich zögernd nach einem Arzt um. Sie hielt ihre Tasche vor ihrer Brust, und als einer vorbei lief, räusperte sie sich. „Äh, Entschuldigung, wo finde ich denn Frau Doktor Haase?“, fragte sie und schob die Brille auf die Nase.
„Ah die is oben auf ihrem Zimmer, i glaub mit Doktor Meier.“
„Auf ihrem…mit…also warum jetzt?“, fragte Gigi verwirrt und überfordert.
Knechtelsdorfer blieb stehen und wandte sich um. „Ja der wollte sie nur noch mal kurz durchnehmen, wie jeden Morgen, des is ja auch ganz normal.“, er schaute Gigi kurz an, „sagen Sie mal, kennen wir uns nicht? Sind sie nicht die Freundin von Frau Haase und auch Ärztin?“
„Nun ja, ja.“, erwiderte Gigi, „aber sie…also oben…dann?“ Sie zeigte verwirrt mit einer Hand nach oben, worauf Knechtelsdorfer nickte. „Jaa, sie wissen schon, er wollte einfach kurz sehen, dass es ihr gut geht. Des gehört ja immerhin hier zum Service, wir kümmern uns so gut wie möglich um unsere Patienten.“, sagte er und nickte selbstverständlich.
„Pat…ienten? Also jetzt versteh ich gar nichts mehr.“, meinte Gigi und schob die wieder Brille hoch, „wieso Patient, die ist doch hier Ärztin!“
„Ah, ja, also die wurde auch noch flachgelegt, i mein, da kommt man ja auch nicht dagegen an, des können sie mir glauben. Sie ist ja auch nicht die Einzige.“
Gigis Gesichtsausdruck versteinerte sich und sie griff beherzter nach ihrer Tasche. „Ja…ja, das ist mir klar.“
„I musste ja selber auch schon dran glauben.“, erzählte Knechtelsdorfer und lief an ihr vorbei, wobei er ihren geschockten Gesichtsausdruck nicht bemerkte, „des ist wirklich keine schöne Geschichte. Da können Sie froh sein, haben Sie nicht dasselbe durchmachen müssen!“ Er zeigte mit dem Finger auf sie und lief ins Krankenzimmer, „I mein, diese Schmerzen sind ja des eine, aber des schlimmere ist ja noch die-“
Der Ton eines Aufpralles unterbrach ihn und er hielt inne. Er legte die Stirn in Falten, wandte sich um und sah wie Gigi mit dem Bauch auf dem Boden lag. „Äh…“
Am anderen Ende des Flures ging die Türe zum Lift auf und Marc kam ihnen entgegen. Er biss gerade in einen Apfel als er in ein eine Mappe schaute und den Gang hinunterlief. Einen knappen Meter bevor Gigi blieb er stehen. „Wow, äh, was soll das hier?“ Er schaute zu Knechtelsdorfer und zeigte mit dem Apfel auf Gigi.
„Ja, die is mir grad umgefallen, keine Ahnung wieso…“, meinte Knechtelsdorfer schnell, bückte sich und drehte Gigi um.
„Na schau einer an.“, meinte Marc genüsslich und legte den Kopf schräg, um sie besser zu erkennen, „die Brillenschlange.“
„Sie kennen einander?“, fragte Knechtesdorfer und legte Gigi’s Kopf gerade.
„Naja, mehr als mir lieb ist. Kein Wunder fällt die grad um, war wahrscheinlich Kapitulation.“, antwortete Marc.
„Wie bitte?“, fragte Knechtelsdorfer verwirrt, doch Marc biss in den Apfel und winkte kauend ab, „bringen Sie sie auf die Quarantänestation, das sieht mir zu sehr nach dieser Tropengeschichte aus.“ Er deutete auf ihre Stirn, welche mit Schweissperlen besetzt war.
„Alles klar Herr Doktor.“, meinte Knechtelsdorfer nickend und schaute sich nach einer Trage um.

Fran Offline

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29.03.2010 20:35
#14 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

„Du äh…was genau wird das?“ Marc blieb im Türrahmen stehen und zeigte mit einem Finger fragend auf Gretchen, welche am Bettrand sass und ihre Schuhe anzog.
„Ich vertrete mir ein bisschen die Beine…Marc.“, erwiderte Gretchen selbstverständlich und stand auf, worauf sie wieder auf ihr Bett zurück plumpste und sich mit den Händen abfederte. Der Schwindel setzte ihr zu.
„Ja, das sehe ich. Interessante Art sich die Beine zu vertreten.“ Marc warf die Akte auf das gegenüberliegende, freie Bett und stützte die Arme in die Hüfte. „Welcher Arzt hat dir denn dafür die Erlaubnis gegeben?“
„Äh, ich?“, sagte Gretchen und schaute ihn mit hochgezogenen Augenbrauen erstaunt an.
„Arzt, Hasenzahn, welcher Arzt.“, wiederholte Marc deutlich.
„Na guuut.“, erwiderte sie, stützte sich am Bettrand ab und stand vorsichtig wieder auf, „Mehdi kam vorbei und hat den Vorschlag gemacht, eine Runde zu gehen.“
„Dann geh doch eine Runde ums Bett…?“, schlug Marc naiv vor und zeichnete mit dem Finger einen Kreis um ihr Bett.
Gretchen warf ihm einen Blick zu und verlagerte ihr Gewicht von einer Seite zur anderen.
„Und überhaupt besitzt Mehdi die Kompetenz gar nicht, diese Erlaubnis zu geben. Er geht jeden Tag fremden Frauen an die Wäsche, er hat gar keine Ahnung hiervon.“ Marc wedelte mit der Hand an Gretchen runter und rauf.
„Ja du doch auch nicht und trotzdem sagst du allen was sie zu machen haben.“, meinte Gretchen ruhig und legte ihren Kopf etwas schief, „es sei denn…du meinst mich.“
„Was?“, fragte Marc etwas verwirrt und zog die Augenbrauen hoch.
„Ach du, ist ja auch egal, ne. Ich bin ja dann auch nicht alleine, Mehdi ist ja dabei.“
„Apropos nicht alleine, du errätst nie, über wen ich unten beim Empfang gestolpert bin.“, meinte Marc, setzte sich mit halb auf das Bettgeländer und biss vergnüglich in seinen Apfel.
„Jemand der Gott die Füsse küssen wollte, vielleicht?“, meinte Gretchen monoton und zog sich am kleinen Tisch vor dem bett vorwärts.
„Nnnnein, obwohl das vielleicht eine Option für dich wäre, da du höchst wahrscheinlich in den nächsten zehn Sekunden wieder hinfallen wirst.“, erwiderte er und kaute fertig.
„Danke für das Vertrauen, Marc?“, meinte Gretchen angesäuert und schaute ihn kurz an.
„Ich habe Vertrauen in dich, aber der Tisch ist bald zu Ende Hasenzahn.“, meinte er, deutete auf den kleinen Tisch und nahm einen weiteren Bissen.
„Du sag mal, ich bin keine Zehn Jahre alt mehr?“, antwortete Gretchen, „du könntest auch ein bisschen mehr Vertrauen in mich haben. Ganz nebenbei gemerkt, hast du immer noch nicht gesagt, wen du getroffen hast.“ Gretchen setzte einen weiteren Fuss vor den anderen und merkte mit Verdruss, dass der Tisch tatsächlich bald zu Ende war.
„Die ungefickte Brillenschlange des Jahrhunderts.“
Gretchen schnaubte auf. „Also so ungefickt ist sie ja jetzt auch nicht, ne?“
„Nun ja, das konnte man nicht so nennen…“, meinte Marc abwertend und zog eine Augenbraue hoch.
„Was wollte sie denn?“, fragte Gretchen, „ich bezweifle ja, dass sie dir die Füsse küssen wollte.“
„Na Gott sei Dank nicht, aber sie war schon auf der richtigen Höhe. Lag da einfach im Gang rum, als ich aus dem Auszug kam.“, meinte er und biss wieder in seinen Apfel.
„Was?“, fragte Gretchen erschrocken und drehte sich so schnell um, dass sie sich mit beiden Händen festhalten musste. Marc zuckte als ob er nach vorne rennen wollte, doch Gretchen merkte das nicht. „Geht es ihr gut?“
„Jaa, keine Panik, Knechtelsdorfer hat sie bereits schon entsorgt.“, sagte er und besah den Apfel in seiner Hand.
Gretchen schaute ihn erbost an, worauf er nach ein paar Sekunden aufsah und sie erstaunt ansah. „Ja was denn? Die musste man wegräumen, sonst wäre ich noch drübergestolpert!“
„Das ist meine Freundin Marc, also rede nicht so über sie! Ist ja unglaublich…“, sagte sie, schaute ihn schaltend an und versuchte wieder einige Schritte zu gehen, „ich werde sie auch noch kurz besuchen.“
„Mhm…“, meinte Marc und schaute sie mit seinem typischen Gesichtsausdruck an, der ihr nicht viel zumutete„ja…dann los.“ Er winkte ihr mit dem Apfel zu.
Gretchen lächelte kurz selbstgefällig und setzte einen Fuss vor den anderen. Der Tisch fand sein Ende und sie ging zwei Schritte, bis sie ihr Gleichgewicht mit ihren Armen wieder ausbalancieren musste und dann, von einer Sekunde nach der anderen, in die Knie ging.
Marc reagierte schnell, schoss nach vorne und schob seine Arme vor und hielt sie davon ab zusammenzubrechen. „Gib’s doch zu Hasenzahn. Du willst doch einfach nur in meinen Armen landen.“, sagte Marc genüsslich neben Gretchens Ohr, die sich etwas aufbrausend von ihm losschüttelte. „Na sag mal! Mein Blutdruck ist im Keller, das hat überhaupt nichts mit dir zu tun! Und jetzt lass mich bitte los.“, sagte sie genervt und schüttelte sich von ihm ab.
Marc zog seine Arme seufzend zurück. „Wo willst denn du eigentlich hin? Nur zu der Brillenschlange?“ Er warf den Apfel in den Eimer neben dem Bett.
„Und meinen Vater und Alexis besuchen.“, antwortete Gretchen ruhig und machte langsam einen Schritt nach dem anderen.
„Dein, dein…ja.“, Marc machte einen grossen Schritt um sie rum, bis er sich ihr in den Weg stellte. Er legte einen Finger an seine Lippen, als ob er sich konzentrieren musste, „also dein…das ist keine gute Idee.“
„Was? Wieso?“, fragte Gretchen und legte die Stirn in Falten.
„Weil…“ Marc suchte nach Worten, währenddessen er sie anschaute, „weil das gar nichts bringt, bis du da vorne bist, sind die ja schon entlassen.“
„Ha Ha.“, erwiderte Gretchen trocken und lief weiter.
„Also gut, ich wollte es dir eigentlich so nicht sagen, aber du hörst ja nicht.“
Gretchen hielt inne und sah seufzend hoch. „Was ist denn los Marc?“
Er öffnete den Mund um nach Worten zu suchen, bis Gretchen den Kopf genervt nach hinten fallen liess. „Also hör mal, meine Hochzeit ist geplatzt, mein Vater ist eingeliefert und ich selber bin irgendwie auf der falschen Seite momentan. Gibt es irgendwas, was meinen Tag noch besser machen könnte?“
„Eine…Tafel Schokolade?“
Gretchen schaute ihn verdriesslich an und schob sich langsam an ihm vorbei.
Marc presste die Lippen aufeinander und verdrehte die Augen. „Also gut! Wie du willst. Aber ich bin nicht der Schuldige, wenn du heulend in der Ecke sitzt.“
Gretchen hielt sich am Geländer des Bettes, wandte sich um und sah zu, wie Marc sich auf die Bettkante fallen liess und mit beiden Händen über sein Gesicht strich.
„Wieso sollte ich denn heulend in der Ecke sitzen?“

Weil das vielleicht der beschissenste Tag deines Lebens ist?

Marc strich die Haare nach hinten und liess dann die Schultern hängen. Er schaute sie für einen Moment an. „Wir wollten es dir erst sagen, wenn es dir wieder besser geht.“
„Jetzt sag schon Marc!“, meinte Gretchen und schaute ihn ungeduldig an, „ich bin nicht gerade die Geduldigste.“
Marc schob seinen Kopf zurück und schaute sie überrascht an. „Nicht?“
„Nein?“
„Hm.“ Er wandte den Kopf ab und schien zu überlegen.
„Was denn jetzt?“, fragte Gretchen seufzend und stützte sich mit beiden Händen am Geländer ab.
„Ich hab mich nur gefragt…“ Marc schaute auf, öffnete den Mund, schloss ihn dann wieder und fuhr nach einigen Sekunden fort, „nimmst du vielleicht Viagra?“
„Bitte? Wie…was? Bist du jetzt komplett übergeschnappt?“
„Also wenn du sagst dass das keine Geduld ist, die du seid der Grundschule an den Tag legst, dann muss es ja fast was sein. Das ist ja nicht normal.“ Er schaute amüsiert auf, bis er Gretchens Gesicht sah und stutzte kurz, „naja oder…doch, bei gewissen Leuten.“
Gretchen schloss für einen Moment die Augen und wandte sich dann wieder um.
„Okay Hasenzahn, bleib stehen, ich sag’s dir.“, gab Marc klein bei und liess den Kopf in den Nacken fallen.
Sie blieb wieder stehen, wandte sich aber nicht um.
„Von Bourbon ist leider-“
„Nicht da! Er ist nicht mehr da!“ Die Tür krachte auf und Mehdi kam herein. Er schaute mit grossen Augen zu Marc, der ihn aus einem Grund mörderisch anschaute und auf Gretchen, die nicht ganz verstand. „Nicht..mehr da? Was soll denn das heissen? Marc?“ Sie wandte sich fragend um.
„Ja!“ Marc stand auf, schnappte sich die Werte und lief zu Gretchen hin, währenddessen er Mehdi anschaute, „der Vollidiot ist nicht mehr da, weil er umgezogen ist!“
„Nenn ihn nicht Vollidiot Marc!“, murrte Gretchen und verschränkte die Arme langsam vor der Brust, darauf bedacht, nicht umzufallen.
„Wieso nicht? Du nennst mich doch auch andauernd einen Arsch.“
„Ja, weil du auch einer bist, vielleicht?“, meinte Gretchen und schaute ihn an als ob er komplett bescheuert wäre.
„Deinem Exverlobten sieht man doch schon weitem an dass er ein Idiot ist…“, murrte Marc, „und das er voll ist, sowieso.“
Mehdi versuchte ein Grinsen zu verkneifen, vor allem dann, als Gretchen ihm einen Blick zuwarf.
„Also.“, meinte sie und hob die Hände, „warum ist er umgezogen…genau?“
„Weil er… die…Pocken hat.“
„Die…Pocken?“, fragten Gretchen und Mehdi zeitgleich und schauten ihn überrascht an.
„Ja, das was Frauen das ganze Jahr rumtragen, einfach noch heftiger.“, meinte Marc und als Gretchen kurz wegschaute, fuchtelte Marc mit seiner Hand an seinem Hals herum, was so viel bedeutete, dass Mehdi die Klappe halten soll.
„Aber wenn er…alles in Ordnung?“, fragte Gretchen und schaute Marc etwas perplex an.
„Was? Ja, klar. Er hat nur…hier, am meisten. Am Hals, ganz übel.“
„Ja und…wo ist er jetzt?“, fragte Gretchen wieder und schaute zwischen den beiden hin und her.
„Auf der Intensiv…pockenstation.“, antwortete Mehdi und nickte.
„Wir haben eine…?“
„Ja! Haben wir, und du solltest da definitiv nicht hingehen.“, meinte Marc aufmüpfig, „Du siehst sowieso nichts, da geht’s zu wie bei E.T.“
Gretchen schien verwirrt zu sein und er und Mehdi tauschten einen schnellen, vielsagenden Blick aus.
„Pocken…wo hat er die denn bloss her?“
„Das ist ein Krankenhaus Hasenzahn, da findest du von Ebola bis Rheuma alles.“, meinte Marc und blätterte kurz durch ihre Krankenakte.
„Aber dann muss ich zu ihm, das geht so nicht!“, meinte Gretchen und griff nach Mehdis Kittel um nicht umzufallen. Dieser warf einen fragenden Blick zu Marc, der genervt die Augen verdrehte und Gretchen an den Schultern packte. „Hier bin immer noch ich der Oberarzt, und ich entscheide wer mit wem gehen soll.“
„Ach ja?“, fragte Mehdi und hob beide Augenbrauen, „scheint mir aber nicht die beste Lösung zu sein.“
Marc schaute ihn für einen Moment ruhig an. „Also hier entscheide immer noch ich, das ist meine Station hier?“ Er griff nach Gretchens Arm und zog sie zu sich hin.
„Dazu wärst du vielleicht in der Lage, würdest du Frauen überhaupt verstehen.“, erwiderte Mehdi hitzig und legte einen Arm um Gretchens Hüfte, um sie näher zu ziehen. Diese schaute etwas verwirrt auf ihren Arm und ihre Hüfte. „Also bitte, ich-“
„Oh, bring hier jetzt nicht deine verdammte Fachkompetenz ins Spiel, das hat überhaupt nichts mit dem zu tun!“, meinte Marc genervt und machte eine verwerfliche Bewegung mit dem Arm, worauf er Gretchen wieder ein Stück näher zog.
„Also ich darf doch-“
„Irgendjemand muss ja mal Fachkompetenz an den Tag legen, oder?“, sagte Mehdi hitzig und wandte sich danach zu Gretchen, „du kannst auch mit auf meine Station-“
„Sagt mal, spinnt ihr eigentlich?“, fragte diese aufgebracht und riss sich von Marcs Arm los und schob Mehdis beiseite, „ich kann auch selber entscheiden wo ich hingehöre!“
„Genau!“, meinte Mehdi und schaute Marc triumphierend an, „soll doch Gretchen sagen wohin sie will!“
„Als ob sie das könnte.“, meinte Marc leise und wandte den Kopf ab.
„Also Marc, wirklich!“, meinte Gretchen und sie war kurz davor mit dem Fuss aufzustampfen.
„Jaa was denn?“, erwiderte dieser und schaute sie an, „wenn es jemanden gibt der sich nicht entscheiden kann, dann bist das wohl du!“
Gretchen schaute von Mehdi zu Marc, die sich beide verbissene Blicke zuwarfen. „Du sagt mal, um was geht es hier eigentlich?“
Mehdis Blick huschte zu Gretchen.
„Ihr versucht mir jetzt nicht ernsthaft den Hof zu machen, oder?“
„Wir sind nur um dein, also ich, ich bin nur um dein Wohlergehen besorgt.“, antwortete Mehdi und bewegte seinen Arm richtig ihrer Taille, doch Gretchen machte einen Schritt vorwärts und stand somit in die Mitte des Raumes.
„Äh-“ Marc hob einen Finger als er bemerkte, wie sie anfing zu schwanken.
„Nein, du halt jetzt erst mal die Klappe Marc!“, erwiderte Gretchen hitzig, worauf dieser die Hand langsam sinken liess, „das kann ja wohl nicht euer Ernst sein!“ Sie schaute schwer atmend von Marc zu Mehdi, welche beiden etwas sagen wollten, doch Gretchen redete weiter, „nein, jetzt rede ich! Nur weil ihr Oberärzte seid, habt ihr noch lange kein Recht…noch lange kein Recht…“

Oh nein. Nein! Keinen Schwindelanfall bitte! Nicht jetzt!

„…also kein Recht mich hier so…rumzuschieben und…“ Mit einem Schlag wurde es ihr schwarz vor Augen und ihre Beine liessen nach.

Fran Offline

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30.03.2010 20:18
#15 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

Und weiter geht's...

Marc und Mehdi stürzten beide nach vorne und konnten je einen Arm greifen, sodass sie nicht auf den Boden fiel.
„Das war ja wieder klar.“, murmelte Marc und nickte aufs Bett, „los, schaffen wir sie hinüber.“
Mehdi und Marc hievten sie aufs Bett, worauf sich beide ihrem Gesicht widmeten und Mehdi anfing ihre Stirn zu fühlen. Marc hin dessen hielt inne und schaute ihn etwas sprachlos an. „Also, das ist meine Patientin?“
„Sie hat wieder erhöhte Temperatur.“, meinte Mehdi und schaute zu Marc, der sich vorne überbeugte und seine Hand wegklatschte. „Ich bin hier der Arzt, ich entscheide das.“
Mehdi seufzte und schaute besorgt auf Gretchen, währenddessen Marc ihre Stirn fühlte. „Sie hat…erhöhte Temperatur.“, sagte er leise und warf einen Seitenblick auf Mehdi, der ihm ein knappes Lächeln schenkte. „Sag ich doch. Auf meine Fachkompetenz kannst du dich ruhig verlassen.“
„Willst du jetzt anfangen meinen Job in Frage zu stellen?“, fragte Marc und stützte sich mit beiden Armen auf dem Bett ab.
„Ich bin lediglich um ihr Wohl besorgt.“, antwortete Mehdi und strich Gretchen über die Wange, welche noch halb quer im Bett lag.
„Ah und ich nicht, oder wie?“ Marc klatschte Mehdis Hand wieder weg und lehnte sich noch mehr übers Bett, als er merkte, dass Gretchens Arm im Weg war. Er nahm diesen und legte ihn aufs Bett. „Glaubst du ernsthaft ich mach diesen ganzen Zirkus hier mit wenn ich nicht…also wenn ich nicht…“ Er stockte und schaute auf die Bettdecke, während Mehdi lächelnd den Kopf schüttelte. „Das ist erbärmlich Meier, du kannst es ihr einfach nicht sagen.“
„Sei doch froh drum.“, meinte dieser leise und richtete sich räuspernd auf.
„Was ist eigentlich mit von Buren?“, fragte Mehdi argwöhnisch, „das war doch wohl ein Witz, oder?“
„Nein das war…eigentlich mein Ernst.“, antwortete Marc und war dabei davonzulaufen, als Mehdi sich noch einmal an ihn wandte. „Ich kann mich noch gut an unsere Abmachung erinnern Meier, aber die Spielregeln sind jetzt anders.“
„Äh…das ist momentan nicht das Wichtigste?“, fragte Marc und wandte sich langsam um, „die Frau braucht Ruhe, ein fiebersenkendes Medikament und das Ganze auf meiner Station! Unglaublich, dass du immer nur an das eine denkst.“
„Oder das andere, wenn man uns zwei vergleicht.“, meinte Mehdi grinsend und schob seine Hände in die Hosentaschen, „und sie kann auch auf meine Station verlegt werden.“
„Äh nein, kann sie nicht?“, erwiderte Marc und klopfte eine Zigarette aus der Schachtel, „Weil deine Patientenbetten so gross wie Schuhschachteln sind…?“, Mehdi schaute ihn verdrossen an „ganz abgesehen davon würde sie dort unter Gruppenzwang leiden und die längste Zeit nur heulen.“ Er schob die Zigarette zwischen die Lippen, „ich schicke eine Schwester nach ihr.“ Marc stiess die Türe auf und verliess den Raum.
Mehdi seufzte und legte die Bettdecke über Gretchen, als seine Aufmerksamkeit wieder durch das Hereinkommen einer neuen Person gerissen wurde.

Nachdem Marc seine Zigarette auf dem Boden ausgetreten hat, lief er ins Schwesternzimmer, lehnte sich über den Tresen und schnippte mit den Fingern. „Schwester Sabine, die Werte von Frau…äh…wie heisst diese Schreckschraube eigentlich.“
Schwester Sabine schaute auf. „Da müssen Sie schon präziser werden Doktor Meier…“
„Gretchens durch geknallte Freundin.“
„Ah, Gina Amsel meinen Sie…sind gerade reingekommen.“ Sabine stand auf und wuselte zu einem Tisch wo ein Haufen von Mappen lag. Sie nahm die oberste weg und reichte sie über den Tresen, „hier bitte.“
Marc lehnte sich mit den Armen auf dem kleinen Tisch und hob eins, zwei Blätter.
„Ist es etwas sehr Schlimmes…?“, fragte Sabine und schaute ihn ehrfürchtig an.
Plötzlich fing dieser an zu grinsen und blätterte noch einmal nach oben. „Sogar noch viel besser.“
„Und was?“
„Das sieht mir ganz nach Einzelzimmerbelegung aus.“ Er klappte die Mappe zufrieden zu und ging ein paar Schritte ins Zimmer hinein. „Knechtelsdorfer, mitkommen!“ Er klemmte sich die Mappe unter den Arm und verliess, mit Knechtelsdorfer im Anhang, das Schwesternzimmer.

„Ah, Doktor Kaan, sind Sie noch ein bisschen bei Margharethe geblieben, wie nett.“, sagte Bärbel lächelnd und kam zum Bett hinüber, „ich bin ja froh sind Sie da, ich kann diesen Meier nicht wirklich einschätzen.“
„Da sind Sie nicht die Einzige, Frau Haase.“, erwiderte Mehdi und hielt seinen Blick auf Gretchen gerichtet.
„Ja ist sie denn schon wieder eingeschlafen…“, meinte Bärbel seufzend und nahm neben dem Bett Platz, „das hat sie schon immer gerne gemacht, essen und schlafen, schon als Kind.“
„Mhm…“ Mehdi nickte lächelnd.
„Ich wollte ja eigentlich noch mit ihr über diese Hochzeit sprechen, das ging ja einfach alles zu schnell. Sind ja dann plötzlich alle umgekippt. Auch Alexander, der Arme.“, sagte sie leise und winkte ab, „ich wollte ihn eigentlich besuchen, aber der war ja gar nicht mehr dort! Wissen Sie wo die ihn hingebracht haben?“
Mehdi räusperte sich und nickte schwerfällig. „Er hat anscheinend die…Pocken.“
„Was?“, fragte Bärbel etwas atemlos und lehnte etwas nach vorne, „ja, so eine Art Windpocken meinen Sie?“
„Äh…genauere Ergebnisse liegen noch nicht vor.“, meinte Mehdi und sein Blick fiel auf die Uhr, „wenn Sie mich entschuldigen Frau Haase, ich habe noch einen Termin. Die Schwester wird sicherlich bald mit dem Medikament kommen.“
„Oh, ja natürlich.“, sagte Bärbel und lächelte, worauf ihr Mehdi zunickte und den Raum verliess.
Bärbel büschelte Gretchens Decke und strich diese glatt. „Also wenn ich dich wäre Margarethe, dann würde ich ja sicher diesen Türke nehmen…der schaut aus als ob er dich verkraften könnte.“

„Also! Knechtelsdorfer, erklären Sie doch mal der Patientin, warum sie hier ist.“ Marc lehnte sich genüsslich gegen die Wand, wo er Gigi gut im Auge hatte.
„Mit Vergnügen Doktor Meier!“, meinte Knechtelsdorfer pflichtbewusst und schlug die Mappe zu seiner Hand auf, „also der Schwächeanfall ist auf eine Schwäche des Immunsystems zurückzuführen, welche sich von einer normalen Grippeinfektion weiter entwickelt hat.“
„Eine Immunschwäche?“, wiederholte Gigi und schaute die beiden verwundert an.
„Was heisst, dass du nicht wegen mir ohnmächtig geworden bist.“, meinte Marc und verzog seine Lippen zu einem selbstgefälligen Grinsen, worauf Gigi ihm einen drohenden Blick zuwarf.
„Des wiederum bedeutet, dass Sie sich mit dem Lassa-Fieber angesteckt haben.“
„Lassa-Fieber…“, wiederholte Gigi und überlegte einen Moment.
„Das Lassa-Fieber wird über bluthaltige Schwebestoffe in der Atemluft sowie durch direkten Kontakt mit Blut übermittelt.“, erklärte Marc und ging ein paar Schritte, „aber du als…was? Kinderärztin? Oberärztin? solltest das ja wissen.“
„Und ihr seid alle schon geimpft?“, fragte Gigi und zeigte auf Knechtesdorfer und Marc.
„Ja aber selbstverständlich.“, antwortete Knechtelsdorfer, „natürlich is es Pflicht sich in einem-“
„Und warum liege ich dann in diesem beschissenen Zelt hier?“, fragte Gigi aufgebracht und zeigte auf die Absperrung rund um sie.
„Das ist nicht für dich, sondern alle die dich ertragen müssen!“, meinte Marc aufmüpfig, zog einen Kugelschreiber aus der Brusttasche, und unterschrieb etwas auf dem Formular der Ergebnisse, „wir wollen uns ja nicht noch mehr zumuten als wir ohnehin schon ertragen müssen, nicht? Und da ich die Sicherheit meiner Ärzte sicherstellen muss-“ Er grinste sie keck an und sah mit Vergnügen, wie sich ihre Wangen rot verfärben, „muss ich dich leider für eins, zwei Wochen hier behalten.“
„Wenn ich hier raus bin, dann-“
„Ja?“, fragte Marc und hielt inne, als er den Raum verlassen wollte.
Gigi nickte mit zusammengepressten Lippen. „Du wirst schon sehen, du…du…!“ Sie zeigte mit dem Finger auf ihn und Marc schauderte es sichtlich. „Ooh…da hat der Doktor Meier aber Angst.“ Er hob die Hand vor den Mund und schaute sie angsterfüllt an. „Mh!“
Marc riss die Türe auf und stiess sie mit dem Fuss ganz auf, bevor er den Raum verliess.
„Also, Sie brauchen sich echt keine Sorgen zu machen.“, sagte Knechtelsdorfer mit einer Selbstverständlichkeit und hielt die Mappe vor sich hin. Gigi schaute ihn wütend an, was er aber nicht mal merkte. „Sie sind in guten Händen und der Doktor Meier wird Sie auf jeden Fall jeden Tag kurz durchnehmen um Ihr Wohlbefinden zu garantieren.“
Gigi sperrte die Augen auf und Knechtelsdorfer nickte zufrieden und verliess den Raum.

Fran Offline

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31.03.2010 22:05
#16 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

Marc klopfte gegen die Absperrung, welche ihn von Gigi trennte.
Diese öffnete die Augen und schaute sich einen Moment verwirrt um, bis Marc sich an sie wandte. „Na? Gut geschlafen?“
„Oh ja, bestens.“, meinte sie säuerlich und richtete sich auf, worauf sie ihn misstrauisch anschaute. Marc grinste sie an und zuckte Kaugummi kauend mit den Augenbrauen.
„Was willst du?“, fragte sie vorsichtig und zog die Decke ein wenig höher.
„Was denkst du denn?“
„Also wenn du mich jetzt durchnehmen willst ja, dann kannst du gleich wieder-“
„Äh, was?“ Marc hob eine Hand und schaute sie schief an, „wieso sollte ich das tun, das letzte Mal war schon traumatisierend genug.“
Gigi schob ihre Brille hoch und streckte den Rücken durch. „Das musst du mir nicht sagen.“
Marc lachte und schüttelte den Kopf. „Ah, als ob du es nicht genossen hättest…immerhin könntest du mir ein bisschen Dankbarkeit erweisen.“
„Dank…Dankbarkeit?“, wiederholte Gigi baff und schaute ihn an, worauf sie künstlich auflachte, „für den wohl schlimmsten und…undankbarsten und…absolut miesesten Sex den ich je hatte?“
„Aah, das…“ Marc machte eine kleine Pause, worauf er sie überrascht anschaute, „das war dann also gar nicht dein erstes Mal?“
Gigi schaute ihn wütend an, und presste die Lippen so fest zusammen, dass sie eine schmale Linie bildete.
„Ja, also, was auch immer!“ Marc schob die Hände in die Hosentaschen und lief um die Absperrung herum, während Gigi ihn immer im Blick hatte, „deine Werte sind im Grunde genommen nicht die Schlimmsten.“
„Danke für die Aufklärung, Doktor Meier.“, meinte Gigi mit schnippischem Unterton, „da ich eine leitende Oberärztin bin, bin ich mir meiner Werte sehr wohl im Klaren.“
„Dennoch…“, meinte Marc und wandte sich auf dem Absatz um, „bin ich immer noch dein Schlüssel, dass du hier raus kannst.“
Gigi studierte ihn für einen Moment. „Was willst du?“
„Ich will, dass du Gretchen die Wahrheit erzählst.“, antwortete er und lief nahe an die Absperrung heran.
„Die Wahrheit über dich? Da gibt es nicht viel zu erzählen, dein Ruf ist dir ja meilenweit voraus.“
„Drei Wörter Brillenschlange, genau drei Wörter wirst du wieder klarstellen.“ Marc stützte sich mit einer Hand an der Absperrung ab und lehnte sich nach vorne.
„Ah, diese Worte, natürlich…“, antwortete Gigi, schob die Lippen vor und nickte, „ja, also die Lösung für das Problem wäre dann eher „wir hatten Solosex“ oder so etwas in der Art.“
„Verarsch mich nicht, sondern stell die Dinge einfach so hin wie sie sind, in Ordnung?“, sagte Marc trocken und schaute genervt an.
„Wie wäre es dann mit „Er ist winzig“?“, schlug Gigi keck vor und verschränkte die Hände auf der Bettdecke.
„Fast so amüsant wie „drei Wochen Quarantäne“.“
Gigi verging das Lachen und sie schaute ihn wieder finster an.
„Jaa, da vergehen einem die Sprüche, nicht…“, meinte Marc und lächelte sie wieder künstlich an während er nickte, „also mach es, dann sind wir dich auch wieder früher los, kapiert?“ Er nahm seinen Arm weg, entfernte sich von der Absperrung und schaute sich ein paar Dokumente an der gegenüberleigenden Wand an.
„Ich hoffe du bist dir im Klaren, das ich nur das Beste für Gretchen will, ja? Und dieser von Buren da, der liebt sie wirklich, und der kann das auch zeigen!“
„Mhm…ja, er muss sie abgöttisch lieben.“, gab Marc zu und grinste künstlich als er an den Brief, welcher sich immer noch in seiner Hosentasche befand, dachte.
„Genau.“, meinte Gigi bestätigt, nickte, und schob die Brille hoch, „und das mein Lieber, das was er kann, das kannst du nicht.“
„Natürlich kann ich das, aber ich sehe keinen Grund warum ich dasselbe tun sollte, wie er.“
„Weil es nicht in deiner Natur liegt, ganz einfach.“, ergänzte Gigi und verschränkte die Arme vor ihrer Brust.
„Ja und da bin ich doch ganz froh, dass wir in verschiedenen Klimazonen leben.“, meinte Marc, wandte sich um und schaute sie künstlich lächelnd an.
Gigi schaute ihn verwirrt an, doch Marc war schon dabei die Türe zu öffnen. „Überlegs dir Brillenschlange, und das nicht allzu lange wie es bei Blondinen üblich ist.“
„Das ist eine Tönung!“, rief Gigi, doch die Türe war schon dabei ins Schloss zu fallen.

„Frau Doktor! Frau Doktor, sind Sie wach?“
Gretchen wurde durch ein Stupsen an ihrem Arm wach gerüttelt. Sie öffnete benommen ihre Augen und merkte, dass sie im Bett lag.

Wie komm ich denn jetzt hier hin. Stand ich nicht noch grad…und waren da nicht grad....

„Schwester Sabine.“, meinte Gretchen und zuckte etwas zurück, da diese über ihr Gesicht lehnte.
„Oh Frau Doktor, da sind Sie ja endlich wieder.“, meinte diese freudig und setzte sich mit einem Schwung auf ihr Bett.
Gretchen liess ihre Augen kurz durch den Raum schweifen und merkte, dass es Morgen sein musste. Ihr Wecker auf dem Nachttisch zeigte halb Zehn.
„Wie geht es Ihnen Frau Doktor?“, fragte Sabine mit einem breiten Lächeln und wedelte mit einem Stück Papier in beiden Händen.
„Ganz gut glaube ich…“, meinte Gretchen und richtete sich ein bisschen auf. In der Tat fühlte sie sich besser, „gibt es etwas?“
„Ja, ich habe ganz tolle Neuigkeiten für Sie.“, gluckste Sabine und schaute auf das Dokument in ihrer Hand, „es ist ganz neu und ich habe es gerade in die Finger gekriegt. Da habe ich gedacht, ich bringe das Ihnen sofort, damit Sie es auch lesen können…“
„Oh Sabine, ich bin wirklich nicht an diesem…Schund interessiert was Frau Fischer geschrieben hat.“
„Oh nicht doch…“, meinte Sabine und schüttelte leicht den Kopf, „nein, das ist etwas ganz anderes…bitte.“ Sie hielt das Dokument Gretchen hin, welche ein paar Mal ihre Augen aufsperrte, um ein besseres und klareres Bild zu bekommen.
Sabine klatschte aufgeregt einmal in die Hände und verschränkte dann diese vor ihrem Mund ineinander.
Gretchen erkannte das Dokument als Ergebnisse aus dem Labor und…

Oh mein Gott. Das sind die Werte von Papa.

Gretchen blätterte nervös durch die einzelnen Seiten und liess ihre Augen rasch über die einzelnen Zahlen und Wörter gleiten. Plötzlich blieb ihr Blick an einem Wort hängen.
„Positiv!“ Gretchen schaute auf und Sabine klatschte wiederum. „Ja, er hat Fremdkörper entwickelt, ist das nicht wunderbar!“
„Positiv!“ Gretchen wiederholte das Wort lauter und war plötzlich so erleichtert und glücklich, dass sie kurzerhand Schwester Sabine umarmte. Gretchen lachte und warf die Arme in die Luft. Plötzlich war ihr der Grund warum sie ans Bett gefesselt war egal, und auch ihr Gemütszustand hatte sich um 180 Grad gewendet.

Nachdem Marc Gigi besucht hatte, führten in seine Schritte zum Labor, wo er die neuesten Werte von Doktor Haase abgeholt hatte. Er besah sich kurz die Unterlagen und seufzte innerlich erleichtert auf. Seine Schritte führten in zu seinem nächsten Patienten.

(http://www.youtube.com/watch?v=Khme9kIZBHo)

Seinen Blick auf die Unterlagen von Gretchen gerichtet, stiess er die Türe auf und ging einige Schritte in den Raum. „Herzlichen Glückwunsch Hasenzahn, dein-“
„JA! WOHOO!“
Marc schaute von unten nach oben auf und sah, wie Gretchen auf ihrem Bett hüpfte, die Arme wild in die Luft warf und vor sich hin tanzte. Er öffnete den Mund um etwas zu erwidern, schloss ihn dann aber wieder.
Sein Blick fiel auf Schwester Sabine, die vor dem Bett stand und sich auf ihre Art und Weise freute indem sie mehr schlecht als recht tanzte.
„Äh…“ Marc zeigte auf Gretchen, worauf Schwester Sabine ihn mit einem grossen Lächeln bemerkte. „Oh Doktor Meier, ich habe der Frau Doktor die guten Nachrichten übermittelt…“
„Welche? Dass es kalorienfreie Schokolade gibt?“
„Nein nein, diese Neuigkeiten.“, meinte Sabine kichernd und hob das Dokument mit den Werten hoch, „ihr Vater wird durchkommen.“
„Jaa, das…wusste ich auch.“, meinte Marc und schaute dann wieder sprachlos auf Gretchen, welche ihn nun auch bemerkte.
„Oh Marc!“ Sie beruhigte sich ein bisschen, strich sich die Haare aus dem Gesicht und machte sich daran vom Bett zu springen.
„Äh, Hasenzah das würde ich vielleicht nicht-“, begann Marc und machte ein paar Schritte auf sie zu, doch diese machte schon einen Sprung vom Bett.
Gretchen landete mehr schlecht als recht auf ihren Füssen, und Marc konnte sie grad noch abstützten.
„Mein Vater kommt durch!“, sagte sie breit lächelnd und umarmte ihn in seiner Freude.
„Äh, das…ja.“ Marc räusperte sich und erwiderte diese Umarmung steif indem er ihr ein paar Mal auf den Rücken klopfte. Sein Blick fiel auf Schwester Sabine, welche die Arme um sich selber gelegt hatte und zufrieden seufzte. „Sabine, könnten Sie dann mal…?“ Er nickte mit seinem typischen Gesichtsausdruck auf die Tür zu und pfiff durch die Lippen.
„Oh, aber natürlich…“, meinte diese und setzte sich in Bewegung, „ich möchte bei keinerlei Visite stören…“ Sie lächelte Marc verschmitzt an, der ihr einen tötenden Blick zuwarf, doch diese verliess seelig den Raum.

Fran Offline

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02.04.2010 17:47
#17 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

Happy Easter euch allen :)

„Seine Werte sind besser, nach den Laborergebnissen zu beurteilen haben sich über die letzte Nacht einige Fremdkörper entwickelt.“, sagte Gretchen freudig und löste sich halbwegs aus der Umarmung, behielt ihre Hände aber auf seinen Schultern.
„Ja das…wollte ich dir eigentlich auch gerade mitteilen.“, meinte Marc und erwiderte ihr Lächeln schwach, während er ihr in die Augen schaute.
„Ach Marc, ich bin so erleichtert.“, seufzte Gretchen schwer und umarmte ihn neu. Marc führte seine Hand wieder etwas staksig zu ihrem Rücken, legte diese dann aber darauf.
„Ich habe das Gefühl, dass es wieder besser wird, wieder aufwärts, verstehst du?“
„Mhm…“, meinte dieser und nickte etwas schwerfällig.
Gretchen seufzte wiederum zufrieden und verharrte einen Moment in dieser Position. Nach einigen Sekunden bemerkte sie, wie gut es sich anfühlte. Sie bewegte ihren Kopf leicht auf legte ihn auf seine Schulter.
Marc holte tief Luft als er dies bemerkte und atmete durch die Nase aus. Er schloss für einen Moment die Augen und kam nicht drum rum, den Duft ihrer Haare einzuatmen.
Sie merkten nicht, wie lange sie so dastanden und als Gretchen realisierte, dass Marc sich nicht aus der Umarmung löste, merkte sie, dass er mit seinem Daumen über ihren Rücken strich.
Obwohl sie sich wohlfühlte und am liebsten die Umarmung nicht mehr gelöst hätte, löste sie sich langsam von ihm. Marc entfernte seine Hand, indem er ihr über ihre Taille strich, bis Gretchen nahe vor ihm stand. Sie lächelte schief und wurde sogar etwas rot, als sie peinlich berührt zu ihm aufsah.
„Entschuldige…das war die Freude.“, meinte sie und sie bemerkte, dass sie nicht recht wusste, wohin sie mit ihren Händen sollte.
Er schaute sie ernsthaft an, jedoch erkannte sie die kleinen Grübchen in den Ecken seiner Augen erkennen, die auf das Grinsen hinwiesen, dass sie liebte.
„Ist schon gut.“, meinte er leise und Gretchen kam nicht drum rum, seinen Blick zu erwidern. Er schaute sie einen Moment so an und als sie bemerkte, wie die Fingerspitzen seiner Hand die ihren berührten, machte ihr Herz einen Doppelschlag.
„Keinen Grund gleich rot zu werden Hasenzahn.“, meinte Marc und verstärkte sein verschmitzes Grinsen umso mehr.
„Ach ich bin…doch nicht rot.“, meinte diese nervös lächelnd und liess ihren Blick zu seinem Mund wandern, „kommt vom…springen.“

Meines Herzens das jeden Moment aus meiner Brust raus springt, Marc Meier attackiert und auf die nächste Seite des Raumes wirft.

„Mhm…“ Seine Finger berührten sanft die ihren und Gretchen zuckte kurz zurück, erwiderte jedoch die Geste. Sie merkte, wie er seinen Kopf langsam nach unten führte und was noch viel schlimmer war, dass sie ihren nicht wegbewegte.
„Marc…!“, flüsterte sie leise und fast wehleidig, als sein Gesicht nur noch wenige Zentimeter von ihrem entfernt war.
„Gretchen…?“, erwiderte dieser leise und es wurde ihr weich in den Knien, als sie seine Stimme hörte und seinen Atem auf ihren Lippen spürte. Ihre Finger hatten sich mittlerweile scheu ineinander verhackt und zuckten bei jeder neuen Bewegung.
Gretchens Herz setzte für einen Moment aus, als seine Lippen langsam die ihren berührten und sein Atem diese kitzelte. Ihr Gehirn hatte sich völlig verabschiedet und sie behielt die Augen verschlossen.

Beide zuckten plötzlich zurück, als die Türe hinter ihnen mit einem Schwung aufging. „Guten Morgen Margharethe!“
Gretchen und Marc lösten ihre Finger, worauf Gretchen sich abwandte und über ihre Lippen strich und Marc sich räusperte und ebenfalls abwandte. Er strich sich durch die Haare und versuchte einen professionellen Gesichtsausdruck aufzulegen.
„Oh, Margharethe, du stehst ja schon wieder!“, meinte Bärbel und kam mit einem grossen Blumenstrauss in den Raum geschneit, worauf sie ihre Tochter mit einem breiten Lächeln anschaute.
„Ja…“, erwiderte diese und versuchte das Lächeln etwas zögerlich zu erwidern, ihr Blick jedoch fiel auf Marc, als sich Bärbel kurz abwandte. Marc erwiderte ihren Blick und presste die Lippen zusammen.
„Ja Kind, geht es dir denn wieder besser?“, fragte ihre Mutter, währenddessen sie den Blumenstrauss, den sie mitgebracht hatte, auf ihren Nachttisch stellte.
Gretchen behielt ihren Blick auf Marc und nickte. „Ich…weiss nicht..eigentlich…viel besser.“
Marc holte tief Luft, erwiderte ihren fast sehnsüchtigen Blick, räusperte sich und verliess den Raum.

Fran Offline

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03.04.2010 20:28
#18 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

Danke für die lieben Kommis Ich verspreche euch hiermit hoch und heilig, dass Gretchen und Marc es...vielleicht noch fertigbringen...


Marc zog tief an seiner Zigarette, worauf er den Rauch durch die Lippen entliess. Er lehnte sich ein bisschen aus dem Fenster im Treppenhaus und dachte nach.
Nach ein paar Minuten hörte er Schritte und er wandte seinen Kopf leicht ab um zu erkennen, dass es Mehdi war.
„Alles klar?“
„Jep.“, antwortete Marc und zog wieder an seiner Zigarette.
Mehdi schaute ihn für einen Moment an und bemerkte seinen wippenden Fuss. Er seufzte, öffnete das zweite Fenster, zog eine Tüte von Keksen aus seiner Kitteltasche und hielt sie Marc hin. Dieser zögerte nicht lange und griff nach zweien, worauf er den ersten in den Mund schob und eifrig darauf rumkaute. Mehdi griff sich ebenfalls einen und nahm einen kleinen Bissen. „Wir sind noch schlimmer als Gretchen.“, meinte er und schaute in die Ferne.
„Ach was.“, meinte Marc und schnaubte auf, „uns fehlt die jahrelange Übung.“
„Diese Sache mit von Buren.“, begann Mehdi und schaute Marc an, „das war doch gelogen oder nicht?“
Marc warf ihm einen kurzen Blick zu. „Die Tatsache dass er nicht mehr in seinem Bett liegt, nicht.“
„Und das macht dich nervös?“
„Wie kommst du auf die Idee dass ich nervös bin?“, fragte Marc und zog wieder tief an seiner Zigarette.
„Nur so.“, meinte Mehdi und zuckte mit den Schultern, „vielleicht weil du Gretchen geküsst hast?“
Marc verschluckte sich am Rauch und hustete, während Mehdi selig an einem weiteren Keks knabberte.
„Das ist nicht wahr.“
„Ach komm schon Meier.“ Mehdi liess die Hand mit dem Keks wieder sinken und wandte sich zu ihm um, „das einzige was dich nervös macht sind entweder zu wenig OP’s oder Gretchen. Und da es dir momentan nicht an Patienten mangelt, kann es nur sie sein.“
Marc öffnete den Mund um etwas zu erwidern, entschloss sich dann aber dafür, die Zigarette wieder zwischen die Lippen zu schieben.

In der Zwischenzeit sass Gretchen auf ihrem Bett und hatte die Beine ineinander verschränkt. Ihre Mutter war von der Neuigkeit ihres Vaters fast ausgeflippt und nach wenigen Sekunden wieder verschwunden.
Gretchen strich sich die Haare zurück und lehnte sich im Bett vorne über. Ihre Gefühlswelt glich einem riesigen Chaos.

Punkt 1: Bin fast mit Alexis von Buren verheiratet.
Punkt 2: Hätte Marc Meier schon fast zweimal geküsst.
Punkt 3: Sollte Problem erkennen und ultimativ lösen.
Punkt 4: Habe mich seid Hochzeit Punkt 1 noch nie persönlich gewidmet.


Gretchen öffnete die Augen und richtete sich wieder auf.

Punkt 5: Sollte mich Punkt 4 Schrägstrich 5 widmen, jedoch liegt Punkt 2 erheblich im Weg.

Nach einigen Minuten lehnte sie sich über ihr Bett und griff nach der Mappe, welche vorne angemacht war. Sie klappte diese auf und besah sich ihre Werte. Gemäss ihrem letzten Bluttest, war der Impfcocktail schon fast aus ihrem Blut verschwunden. Nachdem sie kurz überlegt hatte, schnappte sie sich ihre Strickjacke und stieg aus dem Bett.

Marc behielt die Zigarette zwischen seinen Lippen, als er die Hand in seine Hosentasche schob und den zerknüllten Zettel hervorzog. Er hielt ihn Mehdi hin und zog mit der freien Hand wieder an seiner Zigarette.
„Was ist das?“, fragte Mehdi mit gekrauster Stirn und nahm den Zettel entgegen.
„Lies einfach.“ Marc drückte die Zigarette auf dem Sims aus, „und gib mir die Kekse.“
Mehdi schob das Pack hinüber, als er den Brief auseinanderfaltete, einen Fuss über den anderen legte und sich mit den Ellbogen, wie Marc, auf dem Sims abstützte.
„Sternchen.“ Er schaute Marc mit verzerrtem Gesichtsausdruck an, der dieser schulternzuckend erwiderte. „Hab doch immer gesagt der ist schwul.“
„Hast du nie gesagt.“
„Muss man auch nicht, jeder denkt’s doch.“ Er schob einen Keks in den Mund und kaute, mit dem Blick in der Ferne, darauf rum.
Als Marc einen Seitenblick auf Mehdi warf, konnte er erkennen, wie diesem langsam die Gesichtszüge entfielen. Als er fertig gelesen hatte, zerknüllte Mehdi den Brief langsam und er presste seine Lippen zusammen.
„Und. Was denkst du?“, fragte Marc und schaute ihn an.
Mehdi schüttelte den Kopf, wobei er immer noch den Brief so fest zusammenknüllte, dass seine Knöchel weiss heraus stachen. „Ich bring ihn um.“
„Jep, ich auch.“, meinte Marc und verschränkte die Arme mit der Packung in der Hand, „Keks?“
Mehdi schob seine Hand schnell in die Packung und griff nach ein paar.
Nach ein paar Sekunden konnten sie hören, wie eine Tür aufging und Schritte näher kamen. Gabi hüpfte die Treppen hinunter und blieb mit einem Apfel in der Hand stehen. „Alles klar mit euch?“, fragte sie und schaute die beiden suspekt an.
„Geh weiter Gabi.“, antworteten beide monoton und schoben je einen Keks in den Mund.
„Ist ja schon gut…“, meinte diese, verdrehte die Augen und lief die Treppe hinunter.
„Ach Gabi, warte mal.“ Marc wandte sich auf und drehte sich um, worauf diese auf der untersten Stufe stehen blieb und aufschaute. Marc legte die Stirn in Falten und stützte sich mit den Händen hinter sich am Fenstersims ab. „Du hattest doch Nachtschicht, als von Bourbon verschwunden ist, nicht?“
Mehdi wandte den Kopf und schaute zwischen Marc und Gabi hin und her, den Mund voller Kekse.
„Ja, Marc? Vielleicht kannst du dich noch daran erinnern, dass du mich aus der Pause geholt hast?“, erwiderte diese schnippisch, hob beide Augenbrauen und biss in ihren Apfel.
„Ja, tut mir leid das ich dich in deinem Leben gestört habe...“, erwiderte Marc mit einem künstlichen Lächeln und schaute kurz weg, worauf er sich aber wieder an sie wandte, „die Vorschrift schreibt eindeutig vor, dass regelmässige Durchgänge gemacht werden müssen, am Abend, um Mitternacht und in der Nacht und wenn es mich nicht täuscht, dann warst du eigentlich kurz davor auf deinem Rundgang.“ Er hob beide Augenbrauen und schaute sie abwartend an.
Gabi hörte auf zu kauen und es war deutlich, dass sie am überlegen war. „Und jetzt?“
„Mensch Gabi, stell dich nicht dümmer an als du aussiehst.“ Marc liess seinen Kopf nach hinten fallen, schaute sie aber dann wieder direkt an, „du wusstest bereits dass dieser Vollidiot weg war.“
Mehdi hatte zwischenzeitlich aufgehört zu kauen und schaute sie ebenfalls an.
„Ich habe auf meiner letzten Runde nicht gesehen dass er schon weg war, weil ich…ich…“
Marc tauschte einen kurzen Blick mit Marc, worauf beide sich in Bewegung setzten und die Treppe hinunter sprangen.
Gabi schluckte, wandte sich um, öffnete die Türe hinter ihr und lief eiligen Schrittes den Gang, der gut besucht war, entlang. Marc und Mehdi liefen eilig hinter ihr her und als sie auf fast gleicher Höhe waren, griffen beide unter ihre Arme.
„Hey, verdammt, spinnt ihr eigentlich?“, beschwerte sich Gabi und versuchte sich gegen die beiden zu wehren, jedoch erfolglos.
Mehdi und Marc steuerten sie durch eine weitere Türe und fanden sich im Labor wieder. Sie schoben Gabi von sich, worauf diese ihre Arme festhielt. „Das tat weh, ihr Vollidioten!“
Marc und Mehdi verschränkten beide ihre Arme und blockierten somit die Türe. „Also.“, meinte Marc.
„Mhm!“, ergänzte Mehdi kauend. Marc warf ihm einen verwirrten Blick zu, konzentrierte sich dann aber wieder auf Gabi. „Was weißt du?“
„Ich weiss gar nichts, ihr Volldeppen!“, antwortete diese beleidigt und rieb sich die Arme.
„Ach komm schon Gabi, alleine die Tatsache dass du es wahrscheinlich mit jedem männlichen Oberarzt in dieser Klinik getrieben hast, zeigt das Gegenteil.“, antwortete Marc.
„Äh, also mit mir nicht.“ Mehdi zeigte mit dem Finger auf seine Brust und schaute Marc etwas verstimmt an.
„Entschuldige.“
„Keine Ursache.“
„Sagt mal, habt ihr euch irgendwie verschworen?“, fragte Gabi etwas verächtlich und schaute zwischen den beiden hin und her.
„Du und auch wenn, geht dich das überhaupt nichts an, ja?“, fragte Marc zurück und zeigte mit dem Finger auf sie, „und jetzt sag uns schon endlich was du weißt, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit.“

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04.04.2010 20:19
#19 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

Gretchen streckte den Kopf um die Ecke und schaute nach ob die Luft rein war. Als sie niemanden sehen konnte, schlich sie weiter. Da sie niemandem begegnen wollte, nahm sie die Treppe. Auf der Suche nach der Pockenstation, passierte sie die Quarantänestation. Als sie an einem Fenster, welches Einblick in das Zimmer gab, vorbeikam, blieb sie einige Meter weiter stehen.
„Das war doch nicht…“ Gretchen wandte sich um und ging die wenigen Schritte zurück, wo sie nicht schlecht staunte. Sie stiess die Türe auf und ging in die Mitte des Raumes.
„Oh Knechtelsdorfer hauen Sie ab, ich habe keinen Bock dass mich Meier wieder durch- oh.“ Gigi hatte sich umgedrehte und starrte auf Gretchen, welche ihren Blick etwas verwirrt erwiderte. „Dass Marc dich wieder durch…sucht?“
„Gretchen was machst du denn hier? Ich dachte du bist selber auch eine Patientin!“ Gigi schob die Brille hoch, so wie sie es oft tat und sah zu, wie Gretchen um ihr Zelt herumlief und sich auf das freie Bett daneben setzte. „Ach ich hab mich irgendwie selber ausser Gefecht gespritzt…Aber was wolltest du denn…?“
„Knechtelsdorfer hat sich vor wenigen Minuten angemeldet um mir Blut abzunehmen.“, antwortete Gigi und verdrehte die Augen.
„Und was hat…also Marc…?“, fragte Gretchen verwirrt und hob beide Augenbrauen.
„Nichts wichtiges.“, sagte Gigi und winkte ab, „wie geht es dir denn?“
„Gut…gut.“, erwiderte Gretchen und versuchte ein Lächeln aufzusetzen, was ihr aber auf einmal misslang. Sie schrumpfte zusammen und merkte, wie auf einem Schlag die Tränen in ihr hochstiegen. „Beschissen…beschissen.“
„Oh Süsse, nicht weinen!“ Gigi rutschte an die Absperrung heran, und sah zu, wie Gretchen ihr Gesicht in ihrer Hand verbarg.
„Es ist alles so scheisse, wirklich.“ Gretchen liess die Schultern hängen und warf die Arme in die Luft, „es hätte doch alles so schön sein können, mit der…der Hochzeit und halt alles später mit der Torte und dem Essen und…und anstatt das bin ich hier und…und Alexis ist sonst wo und ich versteh’s einfach nicht.“, schluchzte sie und vergrub ihr Gesicht wieder in ihren Händen.
„Wieso, was ist denn mit Alexis?“, fragte Gigi verwundert.
„Der hat die Pocken…“, antwortete Gretchen leise und liess den Kopf hängen.
„Die…Pocken.“, wiederholte Gigi trocken, worauf Gretchen schniefend nickte.
„Das ist doch wieder typisch Mann.“ Gigi schüttelte verbissen den Kopf, „ein kleiner Windhauch und die fallen um.“ Sie machte eine wegwerfende Handbewegung.
„Und da ist auch noch…da ist noch Marc und der war da und hat mich halt aus der Kirche getragen, obwohl das Alexis’s Job war, ich hab extra vorher versucht nichts mehr…mehr zu essen und dann hätte ich ihn noch beinahe geküsst und…ach Gigi es ist alles so verkehrt.“ Gretchen liess sich aufs Bett fallen und wischte sich mit dem Handrücken über die Wange.
„Du hättest Marc beinahe geküsst?“
„Zweimal.“, antwortete Gretchen nickend und schluchzend.
Gigi seufzte. „Du kreierst deine Hochzeitsnacht aber auch mal anders.“
Gretchen schluchzte noch mehr auf und vergrub ihr Gesicht zwischen ihren Haaren.
„Ach Gretchen, bitte hör auf zu weinen!“, bat Gigi und rutschte noch mehr an die Absperrung heran, „es tut mir leid, ich hätte das so nicht sagen dürfen…“
„Und weißt du.“ Gretchen richtete sich auf und kümmerte sich nicht um die Haare, welche an ihren Wangen klebten, „ich hab mir extra ein Punktesystem aufgebaut ja, und…und wollte eigentlich Alexis besuchen aber das geht eigentlich nicht da sich…da sich Punkt 2 und 1 in die Quere kommen, was Punkt 4 somit unmöglich macht.“
Gigi schaute etwas verwirrt zur Seite. „Also ich kenn jetzt deine Liste nicht genau…“
„Ich kann Alexis nicht unter die Augen treten wenn ich…wenn ich fast…“ Gretchen schaute schniefend auf und schaute Gigi für einen Moment an.
„Wenn du fast Marc geküsst hättest?“, half Gigi und schaute sie mitfühlend an.
Gretchen nickte. „Und ich hab mich nicht mal gewehrt…ich bin ein totales…totales Beziehungsmonster.“ Sie schloss wieder die Augen und fing an zu schluchzen.
„Ach Gretchen, das bist du doch nicht!“, sagte Gigi und versuchte sie zu beruhigen, „du bist ganz toll, jeder Mann kann sich glücklich schätzen, wenn er dich doch hat!“
„Dann sag das den Männern…muss wohl auch der Grund sein, warum Marc dich gebumst hat.“, sagte Gretchen leise und hielt ihren Blick auf ihre Hände gerichtet.
Gigi senkte ihren Blick ebenfalls. „Was das angeht…also das…das war nicht ganz so.“
Gretchen schaute schniefend auf. „Was?“
„Also wir…-“
Plötzlich konnten beide hören wie jemand der Türe näher kam.
„Schnell verschwinde!“, sagte Gigi hastig und winkte sie weg, worauf Gretchen sich nach hinten fallen liess, über das Bett rollte und mit einem lauten Aufklatschen auf dem Boden landete. „Autsch…“
„Psst!“

Fran Offline

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05.04.2010 19:16
#20 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

„Also Frau Amsel, dann wollen wir mal Blut abnehmen.“ Knechtelsdorfer betrat den Raum mit einer silbernen, kleinen Schüssel in der Hand, worin eine Spritze lag. Er selber trug einen gelben Anzug und öffnete auf der Seite den Zugang um zu Gigi zu gelangen. Diese schaute mehrmals nervös zum anderen Bett hinüber, wo Gretchens Kopf langsam erschien um die Situation abzuchecken.
Als Knechtelsdorfer die Spritze bereit machte, versuchte Gigi Gretchen durch Winken zu signalisieren, dass sie sich wieder bücken sollte.
„Äh, is alles klar bei Ihnen?“ Knechtelsdorfer schaute sie durch die Maske mit gekrauster Stirn an.
„Was? Natürlich, ich hab nur…nur Angst vor Spritzen.“, meinte Gigi und setzte ein künstliches Lächeln auf.
„Ah, da müssen Sie keine Angst haben.“, meinte Knechtelsdorfer und schob den Ärmel ihres Hemdes nach oben, „eigentlich können Sie ja froh sein, nehme ich Ihnen Blut ab. Doktor Meier ist da nicht so feinfühlig.“
„Pphh.“
Gigi sperrte die Augen auf und räusperte sich laut.
„Was war denn des?“ Knechtelsdorfer hielt inne und schaute sich im Raum um.
„Das war ich.“, meinte Gigi, „das war mein…mein Bauch. Ja. Üble Geschichte.“
„Ah…ja was auch immer.“ Er setzte die Spritze an.
„Wo ist denn eigentlich Doktor Meier?“, fragte Gigi und schaute weg, hinüber zu Gretchen, wessen Haarschopf schon wieder zu sehen war. Gigi schaute sie warnend an und schüttelte leicht den Kopf, worauf diese, Augen verdrehend sich wieder bückte.
„Ah der is auf der anderen Station. Muss auch noch schauen wie es um die Blutwerte bei Gretchen Haase steht.“
Wieder schoss Gretchens Kopf in die Höhe und diesesmal sperrte sie die Augen auf. Gigi nickte fast nicht merklich zu der Türe und konnte mit ansehen, wie Gretchens Haarbüschel sich langsam nach vorne bewegte.
„Wow also das machen Sie ja super!“, meinte Gigi und lachte ihn gekünstelt an, als dieser ihr Blut abnahm, „ich bin ja auch gar nicht ohnmächtig oder so.“
Gretchen kam langsam hinter dem Bett hervorgekrochen und hielt ihren Blick konstant auf den Rücken von Knechtelsdorfer fixiert.

Nur nicht umdrehen…einfach nicht umdrehen…oh Gott, dreh dich nicht um!

„Jaa, es kommt halt immer auf die Art drauf an, wie man des macht, wissen Sie. Aber, was sage ich Ihnen, Sie sind ja selber Oberärztin.“, meinte Knechtelsdorfer grinsend und zog die Spritze heraus, „So! Dann hätten wir des auch geschafft.“
Gerade als er sich umdrehen wollte, hielt Gretchen geschockt inne und Gigi wandte sich schnell an Knechtelsdorfer. „Äh, sagen Sie mal, ich wollte Sie eigentlich die längste Zeit schon etwas fragen!“
Gretchen atmete tief aus und kroch so schnell und so leise wie möglich weiter.
„Ja?“, fragte Knechtelsdorfer zurück und wandte sich wieder zu ihr um.
„Also…diese Sache, diese…äh…“ Gigi warf einen Seitenblick auf Gretchen, welche die Türe schon fast erreicht hatte, „diese Sache mit Meier, diese…von wegen durchnehmen und so.“
Gretchen hielt inne, wandte den Kopf und schaute ihre Freundin fragend und perplex an.
„Das meinten Sie ja nicht so wie Sie es gesagt haben, nicht?“
„Äh, ich verstehe jetzt ehrlich gesagt nicht ganz-“
„Ja, Sie wissen schon…wenn Sie sagen der Meier würde jemanden durchnehmen, aber es ist dann gar nicht wahr…obwohl man es so gesagt hat, dann wäre das eigentlich nur eine…Lüge gewesen.“, schloss sie seufzend und warf einen Blick auf Gretchen, welche ihre Mundwinkel zu einem schwachen Lächeln verzogen. Gigi erwiderte dies und nickte.
„Also, ich versteh das nicht so ganz.“, meinte Knechtelsdorfer und schaute in die Luft, „wenn einer halt nicht die Wahrheit sagt, obwohl man es behauptet hat, dann wäre es eigentlich nur-“
„Ach wissen Sie was, ist ja auch egal, ne.“, meinte Gigi keck lächelnd, „das war nur ein Gedanke, nichts weiter.“
Knechtelsdorfer schaute sie einen Moment an und nickte dann verwirrt mit dem Kopf. „Mhm…“
Als er sich umdrehte, fiel die Türe leise ins Schloss und Gigi atmete leise und schwer aus.
„Also diese Frauen machen mich noch ganz wahnsinnig.“, sagte Knechtelsdorfer leise zu sich selbst und schüttelte den Kopf, währenddessen er den Raum verliess.

Gretchen hin dessen sprintete so schnell und ungemerkt sie konnte durch die Gänge. Zu Ihrer Überraschung schaffte sie es in ihren Gang zu kommen, ohne gesehen zu werden. Als sie um die Ecke bog, blieb ihr Herz kurz stehen.

Oh verdammt. Marc im Anmarsch. Brauche Ablenkungsmanöver. Hoffe spontan auf einen Stampede von Afrika.

Es waren nur noch wenige Meter zu ihrer Tür und Marc, der seinen Blick auf eine Mappe geheftet hatte, passierte gerade eine durchsichtige Glastüre, welche etwa zehn Meter von ihrer Zimmer entfernt war.
Gretchen biss sich auf die Lippe und wagte es. Würde er nicht aufschauen, dann würde er sie auch nicht sehen. In dem Moment, als sie einen Fuss in den Gang setzte, konnte sie Schwester Sabine erkennen, welche hinter Marc her rannte. Gretchen hielt inne.
„Doktor Meier, Doktor Meier!“
Marc blieb genervt stehen und wandte sich halb um. „Was denn?“
„Ich habe hier die Werte von…oh Allmächtiger.“ Sabines Blick fiel auf Gretchen, welche die Augen aufsperrte und den Kopf so hastig schüttelte, dass ihre Locken wild hin und her flogen.
„Ja Sabine, fallen Sie aber nicht gerade auf die Knie…“, meinte Marc, verzog seine Lippen zu einem aufgesetzten Lächeln und zog ihr die Mappe aus den Händen.
„Von…einem neuen Patienten-“
„Ah, gut. Danke.“ Marc schob die Mappe unter die andere die er schon in der Hand hatte und wollte weiterlaufen als Sabine einen Schritt nach vorne machte und ihn am Ärmel packte. Marc schaute mit hochgezogenen Augenbrauen auf ihre Hand. „Schwester Sabine, würden Sie mich bitte niemals mehr anfassen?“
Gretchen hielt die Luft an und schlich weiter der Wand entlang.
„Ich wollte Ihnen eigentlich nur sagen dass Sie heute wieder mal…“, ihr Blick huschte zu Gretchen, welche Haare noch das einzige waren, das noch zu sehen war. Sabine verzog ihren Mund zu einem seligen Lächeln, „wieder mal so richtig scheisse aussehen…“
„Ah.“ Marc nickte schwer und sah kurz an Sabine hinunter, „das gleiche dass Sie wohl jeden Morgen denken wenn Sie in den Spiegel sehen, hm?“
Er warf ihr einen letzten Blick zu, wandte sich dann um und hielt einen Moment vor der Türe inne. Er räusperte sich, warf den Kopf kurz in den Nacken und stiess die Türe zu Gretchens Zimmer mit dem Fuss auf.

Fran Offline

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06.04.2010 20:36
#21 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

Hallo ihr Lieben!
Bitte entschuldigt die einstündige Verspätung, ich hab angefangen Kate's FF zu lesen, welche ziemlich lange und fesselnd ist. Anyway, schauen wir also, was Marc bei Gretchen so anstellt... :-)
BTW - Gehört zu meinen Lieblingskapiteln - daher, vielleicht ein bisschen länger

Viel Spass und danke für eure lieben Kommis


„Also Hasenzahn, ich- wieso bist denn du angezogen?“ Marc zeigte etwas verwirrt auf Gretchen, welche mit ihrem pinken Trainer auf dem Bett sass.
„Äh, wäre es besser wenn ich nackt wäre oder wie?“, fragte Gretchen irritiert zurück und schaute kurz an sich hinunter.
„Oh nein, lass.“, meinte er und winkte ab, als er einen Stuhl mit dem Fuss an ihr Bett rüber schob, „ich gehe später essen und bevorzuge eigentlich etwas runterzukriegen.“
Er setzte sich auf den kleinen Stuhl und rollte auf den kleinen Tisch zu, um eine silberne Schale mit einer Spritze zu fassen.
„Marc ich…“, begann Gretchen, schluckte und schaute ihn an, „ich glaube wir müssen…reden.“
Marc behielt seinen Blick auf die Spritze auf seinem Schoss. „Jaa, Hasenzahn, die Aktion auf dem Bett war nicht deine beste Idee.“
„Ach Marc…“ Gretchen seufzte und senkte ihren Blick auf ihre Finger, „ich mein doch nicht das…ich mein…die Sache mit Alexis und…mit dir.“
„Mit mir?“, fragte Marc und schaute kurz hoch, „was soll mit mir sein.“
„Ach jetzt…jetzt stell dich doch nicht so an. Du weißt genau was ich meine.“ Gretchen schaute wieder auf und versuchte die aufkommenden Tränen zu unterdrücken.
Marc seufzte stockend auf als er dies bemerkte und versuchte dies mit einem künstlichen, schwachen Lächeln zu überbrücken. „Es ist nur eine Spritze Hasenzahn, jetzt heul nicht gleich wieder los.“

(http://www.youtube.com/watch?v=j6XZsau7CSk)

Gretchen behielt ihren Blick auf ihn gerichtet und bewegte ihre Hand leicht, sodass ihre Fingerspitzen die seinen berührten. Marc hielt inne und schaute durch die wenigen Strähnen von Haaren, welche ihm in die Augen fielen, auf seine Hand.
Er räusperte sich und rollte näher zu ihr hin, die Spritze in der Hand. „Na komm.“
Gretchen presste die Lippen aufeinander um nicht zu weinen, schob ihren Ärmel hoch und hielt ihm ihren Arm hin. Sie wandte ihren Blick ab und schaute auf die Bettdecke.
Marc setzte die Spritze an und liess seinen Blick auf ihr Gesicht fallen. Gretchen schniefte und wischte sich mit der freien Hand die Tränen von den Wangen.
„Es tut nicht weh…“, meinte er leise und stupfte leicht gegen ihre Haut.
„Doch…doch das tut es.“, erwiderte sie, presste die Augen zusammen um die Tränen zurückzuhalten und wandte ihr Gesicht noch mehr ab.
Marc atmete tief aus und schrumpfte etwas in sich zusammen, als er die Nadel in ihre Vene einführte. Er schaute etwas beunruhigt auf Gretchen, welche versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Jedoch bemerkte er wie sie zusammenzuckte und mit der freien Hand die Bettdecke so fest hielt, dass ihre Knöchel weiss hervortraten.
Marc zog langsam das Blut in die Spritze und als sie ihren Griff um die Decke noch mehr festigte, fühlte sie, wie er leicht mit dem Daumen der Hand, welche ihren Arm hielt, über ihre Haut strich.
„Ist schon fertig.“, meinte er und räusperte sich leicht, als er die Spritze wieder herauszog. Mit der freien Hand fasste er nach einem Wattebausch, welches er auf den blutenden, kleinen Einstich drückte. „Siehst du.“, sagte er und versuchte ein Lächeln zustande zu bringen, „du hast es überlegt.“
Gretchen schaute auf ihren Arm und nickte. „Ja…wie immer.“, sagte sie mit belegter Stimme und wischte sich wiederum die Tränen weg.
Marc behielt seine Hand auf ihrem Arm und bewegte leicht seinen Daumen um diesen zu streicheln. Er nahm ein kleines Pflaster, zog den kleinen, weissen Zettel mit seinen Zähnen weg und klebte dann das Pflaster auf ihrem Arm.
„Also wenn…“, begann er und räusperte sich wiederum, „wenn die Ergebnisse gut sind, dann kannst du…kannst du gehen.“
Gretchen schaute ihn an, worauf er ihren Blick erwiderte. Er schaute sie von unten nach oben an, mit einem Gesichtsausdruck, welchen sie nicht viel auf seinem Gesicht erkennen konnte. Er presste die Lippen ebenfalls leicht aufeinander, die Augenbrauen berührten die Haare welche ihm in die Stirn fielen und seine Hand lag immer nach an ihrem Arm.
Gretchen versuchte die Tränen zu unterdrücken, was ihr aber nicht gut gelang. „Wieso kannst du nicht…kannst du nicht einfach…“
„Ich weiss es nicht.“, antwortete er leise und senkte für einen Moment seinen Kopf.
Leise Tränen liefen über Gretchens Wange. Marc lehnte nach vorne und strich sich mit der freien Hand über sein Gesicht, worauf er den Ellbogen auf ihrem Bett abstützte. Er schloss für einen Moment die Augen und atmete lange aus.
„Ich verstehe das nicht Marc…“, sagte Gretchen leise.
Marc behielt die Augen geschlossen und Gretchen spürte, wie er stockend seinen Daumen über die gleiche Stelle streicheln liess.
Sie streckte langsam ihren anderen Arm aus und berührte seine Hand, welche seinen Kopf stützte. Er öffnete die Augen und schaute geradeaus auf die Decke, als Gretchens Finger nach seinen griffen. Marc wehrte sich nicht sondern erwiderte die Geste zögerlich.
„Ich verstehe das nicht…“ Gretchen schluchzte leise und spürte, wie er seinen Griff um ihre Hand verstärkte und dann endlich aufschaute. Er verzog seine Lippen zu einem nicht sonderlich überzeugenden, sehr schwachen Lächeln. „Dann bist du vielleicht nicht die Einzige.“
Sie schaute ihn fast sehnsüchtig an, währenddessen immer noch Tränen über ihre Wangen liefen und Marc hob seine rechte Hand von ihrem Arm, und strich mit einem Finger über ihr Gesicht. „Bitte hör auf zu weinen Hasenzahn…sonst musst du dich wirklich noch ausziehen.“
Gretchen kam nicht drum rum ihre Lippen zu einem Lächeln zu verziehen, worauf sie schniefte. Sie schüttelte den Kopf und senkte ihn wieder.
„Ich weiss nicht mehr wo mir der Kopf steht…“, gab sie leise zu und schniefte wiederum.
Marc liess seine Hand langsam sinken und atmete langsam durch die Nase aus. Er legte seine Hand auf die Decke, sodass seine Fingerspitzen wieder die ihren berührten.
Mit der anderen griff er kurzerhand in seine Hosentasche um ein Taschentuch, welches schon ein bisschen zerknittert war, herauszuziehen. Er hielt es hoch, welches Gretchen dankend entgegennahm. Sie wischte sich über die Nase und die Wangen, worauf sie die Hand wieder senkte und neben die von Marc legte.
„Alexis ist sonst wo…“, sagte sie mit belegter Stimme und Marc schaute sie kurz an und bemerkte ihre roten, geschwollenen Augen, „und ich habe noch nicht…ich habe ihn noch nicht gesehen. Und dann…dann warst du hier und wir haben…“ Sie schaute ihn wieder kurz an, was er erwiderte. „Ich weiss.“, sagte er und räusperte sich leicht. Er senkte wiederum den Kopf und schaute auf seinen Schoss.
„Wieso…“, fragte sie mit tränennassen Wangen und schaute auf seine Hand, welche sie langsam ergriff, „wieso…kann ich mich einfach nicht…nicht von dir…“
Er schaute wieder auf und presste die Lippen zusammen. „Ich weiss es nicht…Ich bin nicht…“ Er hielt inne, räusperte sich leicht und griff nach ihrer Hand, welche er wieder mit dem Daumen streichelte, „ich bin nicht…der Beste für dich Gretchen.“ Er versuchte wiederum ein Lächeln zustande zu bringen, was ihm jedoch misslang.
„Und wer ist es dann…“, fragte sie leise und schaute ihn an.
Marc schaute auf die Bettdecke. „Du wolltest heiraten…da solltest du es eigentlich wissen.“
„Was wenn ich den…“, begann sie, schluckte und wandte ihr Gesicht ab indem sie auf die Bettdecke schaute.
Marc schaute sie fast sehnsüchtig an und schloss den Mund, worauf er für einen Moment nichts erwiderte. Nach einer kurzen Weile nahm er seine Hände von ihrer Bettdecke indem er sich aufrecht hinsetzte. Gretchen schaute ihn wieder an und wollte ihn kurz zurückhalten, schloss ihren Mund jedoch wieder.
„Du solltest…“, meinte Marc, presste die Lippen kurz aufeinander und schaute auf einen Punkt am Boden, „du solltest dir sicher sein wenn du…wenn du jemanden heiraten willst.“ Er schaute auf.
„So wie du?“, fragte Gretchen und bemerkte, wie ihre Stimme immer noch belegt war.
Marc senkte seinen Blick wiederum und verzog seine Mundwinkel zu einem einseitigen Lächeln. „Nicht so…hiermit meine ich.“ Er sah sie an während er seine Hand auf sein Herz legte.
Gretchen schluckte und atmete tief ein.
„Und jetzt keinen faulen Spruch darüber dass ich weiss wo sich das Herz befindet, Hasenzahn.“, meinte Marc und versuchte sein künstliches Lächeln zu erweitern, worauf jedoch ein solches, echtes, auf Gretchens Gesicht erschien.
„Alles klar?“, fragte er leise und besah sie wieder, worauf sie ein paar Mal nickte.
„Ich…“ er stand auf und nahm die Blutprobe mit sich, „komme dann später nochmals. Um…nach dem Rechten zu sehen.“
Gretchen nickte und wischte sich mit dem Taschentuch wieder über die Wangen. Marc schaute sie für einen weiteren Moment an, bis er sich umwandte und leise den Raum verliess.

Fran Offline

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07.04.2010 20:30
#22 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

Daanke für eure lieben Kommentare Das freut mich sehr, wenn es euch gefallen hat. Da muss halt auch manchmal der weiche Kern von Marc durchschauen...so wollen und lieben wir es ja :-)
Falls ihr irgendwelche Vorschläge, Kritik oder sonstiges habt, einfach melden :) Freue mich über jede Art! Viel Spass nun beim nächsten Teil - wieder extra länger für euch


http://www.youtube.com/watch?v=vUD98hVxr4o&feature=related

Gretchen wandte sich auf die andere Seite um und zog die Decke bis ans Kinn. Ihre Wangen waren immer noch feucht und sie strich mit einem Finger über die Stelle an der sie Marc berührt hatte. Sie schloss die Augen und seufzte tief.

Marc zog die Bürotüre hinter sich zu und rutschte daran hinunter. Nachdem er einen Moment lang den Boden visiert hatte, strich er mit beiden Händen seine Haare nach hinten.

Alexis griff seine Tasche fester und schaute noch einmal zurück auf den Berliner Bahnhof. Lissi rief seinen Namen aus dem Fenster und Alexis’ Blick fiel auf seine Schwester, die ihn entnervt ansah und ihm deutete, sofort einzusteigen. Wieder schaute er zurück.

Mehdi öffnete die Schublade seines Schreibtisches und holte eine Tafel Schokolade heraus, die er auf den Tisch vor sich legte. Er vergrub sein Gesicht in seiner Handfläche und als er seine Augen wieder öffnete, fiel sein Blick auf das Familienfoto das seitwärts von ihm stand. Er streckte seine Hand aus und stürzte dieses langsam nach vorne, mit dem Bild nach unten.

Gretchen lehnte sich über ihr Bett und griff nach ihren Pantoffeln, welche unter dem Bett lagen. Sie schlüpfte hinein, lief durch ihr Zimmer und warf einen Blick in den Spiegel. Sie schniefte, strich sich die Haare zurecht und strich sich noch einmal über ihr Gesicht. Nach ein paar Sekunden öffnete sie die Türe zu ihrem Zimmer und lief den Gang hinunter.

Ich musste Dinge klarstellen und mir über meine Gefühle bewusst werden. Ich brach jede Spielregel die es zu brechen gibt und das ohne Rücksicht auf jemanden zu nehmen, der mich wirklich zu lieben scheint. Der niemals weggehen oder sich abwenden würde.
Ich musste mit Alexis sprechen.


Gretchen stieg in den Lift um nach unten zu fahren. Sie wusste nicht in welchem Stockwerk Alexis lag, also würde sie jemanden fragen müssen. Als sich die Lifttüre am schliessen war, hörte und sah sie jemanden auf den Lift zuspringen.
„Halt, Stopp! Ich will noch mit!“ Frau Hassmann sprintete nach vorne und schob sich zwischen die schliessenden Türen. Sie zog ihren Kittel zurrecht, als sie Gretchen sah. „Ah Frau Doktor Haase. Wieder unter den Lebenden?“
„Naja…“, meinte Gretchen, verschränkte die Arme vor der Brust und versuchte ein möglichst überzeugendes Lächeln aufzusetzen, „halbwegs.“
„Sehen aber ziemlich gut aus.“, sagte Doktor Hassmann und besah sie kurz, „also für Ihre Verhältnisse.“
„Danke.“, meinte Gretchen und strich sich vorsichtshalber und klammheimlich nochmals über ihre Wangen.
„Wo soll’s denn hingehen?“, fragte Doktor Hassmann und drückte den Knopf um in den zweiten Stock zu gelangen.
„Das…weiss ich eigentlich selber nicht so genau.“
„Also nichts Neues.“
Gretchen versuchte dies zu überhören und fing an eine Strähne zwischen ihren Fingern zu drehen. „Ich such eigentlich diese…Pockenstation. Wissen Sie vielleicht wo die ist?“
„Eine Pockenstation?“, wiederholte sie und schaute sie etwas irritiert an, „noch nie davon gehört. Ich wüsste nicht das wir so etwas haben.“ Sie kaute auf ihrem Kaugummi und schob ihre Hände in die Kitteltaschen.
„Komisch…“, meinte Gretchen und legte die Stirn in Falten.
„Wen suchen Sie denn?“, fragte Doktor Hassmann und schaute sie kaugummikauend an.
„Meinen…also…Alexis von Buren.“, sagte Gretchen und räusperte sich. Ihn als Ehemann zu bezeichnen missfiel ihr.
„Ah Ihren Mann? Ich habe ja gehört, dass die Hochzeit irgendwie gesprengt wurde.“, sagte Frau Hassmann und richtete sich die Fransen im verschwommenen Spiegelbild der Lifttüre, „dumme Sache.“
„Ja…ja, eine wirklich…dumme Sache.“ Gretchen wandte den Blick ab und besah sich die Knöpfe des Liftes. Dieser stoppte und die Türen öffneten sich im zweiten Stock.
„Also wenn Sie zu dem wollen, der ist auf der Quarantänestation.“, meinte Frau Hassmann als sie ausstieg, „ich glaube den hats ja auch selber flachgelegt. Typisch Mann sage ich da nur, vertragen heutzutage gar nichts mehr.“
„Ja…Danke!“, sagte Gretchen und winkte ihr kurz zu, bevor sich die Türen wieder schlossen. Sie drückte den Knopf für den dritten Stock und fuhr eine Etage höher. Ihr Blick fiel auf ihre Schuhe und erst jetzt schien sie zu bemerken, dass sie immer noch den pinken Trainer anhatte.

Na toll. Sehe aus wie Miss Piggy.

Der Lift kam wieder zum Stillstand und die Türen öffneten sich. Sie begegnete ein paar Ärzten in gelben Anzügen welche ihr schiefe Blicke nachwarfen, was sie jedoch nicht interessierte.
Sie lief an jedem einzelnen Zimmer vorbei und schaute in dessen Fenster. Mit jedem Zimmer dass sie sich kurz anschaute, schlug ihr Herz schneller und sie wurde nervöser.
Beim dritten Fenster wurde sie jedoch anderweitig fündig. Das erste Mal seid ein paar Stunden fühlte sie Erleichterung aufkommen, als sie ihren Vater hinter der Scheibe erkennen konnte.
Sie studierte nicht lange und drückte die Türklinge nach unten. „Papa!“, sagte sie freudig und ging einige Schritte.
„Kälbchen?“ Doktor Haase hob den Kopf und ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, „oh ist das schön dich zu sehen!“
„Und wie ich mich erst freue.“, sagte sie erleichtert und ging um das Bett herum. Da sich der Zustand ihres Vaters erheblich gebessert hatte, war die Absperrung verschwunden. Gretchen machte Anstalten ihn zu umarmen, doch ihr Vater hob beide Hände abwehrend vor sich hin. „Ich glaube wir müssen uns mit dem noch gedulden solange ich nicht 100%-ig wieder fit bin.“
„Oh…ja, natürlich.“, meinte Gretchen lächelnd und setzte sich auf die Bettkante.
„Deine Mutter musste ich regelrecht davon abhalten mir um den Hals zu fallen.“, meinte ihr Vater und verzog seine Lippen zu einem Grinsen, „sie war so durcheinander und hat irgendwas von einem amerikanischen Schauspieler gefaselt, ich kann mich jetzt auch nicht mehr so genau daran erinnern.“
Gretchen musste Lächeln und schüttelte den Kopf.
„Wie geht es dir denn? Und wieso hast du deinen Kummertrainer an?“, fragte er und sah an ihr herunter.
„Ach mich hat’s auch irgendwie erwischt.“, meinte Gretchen und winkte ab, „ist aber nicht mehr so schlimm, mir geht’s wieder…besser.“
„Das ist gut. Und wie geht es Alexis? Es tut mir so Leid Kälbchen, deine ganze Hochzeit ist ja eigentlich in die Brüche gegangen wegen diesem Quatsch hier.“ Er zeigte an sich hinunter und schüttelte verdrossen den Kopf.
„Ach Papa…ist schon…in Ordnung. Ich weiss ehrlich gesagt nicht so recht wo er ist.“, gab Gretchen leise zur Antwort und schaute auf ihre Finger hinunter.
„Was meinst du denn damit?“, fragte ihr Vater verwundert und legte die Stirn in Falten.
„Ich bin halt irgendwie…verwirrt, verstehst du?“ Sie schaute wieder auf und schaute ihren Vater traurig an.
„Das warst du doch schon immer.“
„Danke…“, meinte sie und seufzte, „ich weiss nicht so recht…ob ich das richtige getan habe, weißt du?“
„Mit der Hochzeit meinst du?“
Gretchen nickte, worauf ihr Vater ihre Hand ergriff. „Ach Kälbchen. Als du noch ein Kind warst, wusstest du auch nie was du wolltest. Aber eins war dir schon immer klar, was deiner Mutter und mir aber noch bis heute ein Rätsel ist.“
„Das Schokolade nicht dick aber glücklich macht?“
Ihr Vater lachte auf. „Also das ist dir und deinem Kleiderschrank mittlerweile schon klar geworden denke ich.“
„Hach Papa…“ Gretchen schaute wieder auf ihre Finger und schniefte.
„Nein…was du immer schon wolltest und was wahrscheinlich keiner ausser dir versteht, war und ist dieser Meier.“, sagte ihr Vater und schaute sie nickend an, „warum, weiss kein Mensch.“
„Ja nicht mal ich wirklich…“, gab Gretchen zu und hob wieder ihren Kopf um in die Leere zu starren, „was ich will ist doch nur glücklich werden, verstehst du? So halt wie Mama und du einfach…ohne die Affären.“, sie warf einen schnellen Seitenblick auf ihren Vater, „und diese ganzen…Intrigen und das vertuschen und die Lügen und die-“
„Kälbchen...ist schon gut.“ Ihr Vater hob eine Hand und schaute etwas pikiert.
„T’schuldigung…“, sagte Gretchen leise und seufzte, „und Marc, der ist einfach…so ein richtiges, typisches…Arschloch. Aber dann hat er halt doch seine Momente und es wäre schön, wenn er die dann öfters hätte.“
„Vielleicht ist dann das der Grund.“, sagte ihr Vater und zuckte mit den Schultern, „wieso denkst du liebt mich deine Mutter immer noch?“
„Weil es in eurem Alter schwierig ist jemand neues fürs Leben zu finden?“
Ihr Vater legte den Kopf schief und schaute sie verdriesslich an.

Ups. Richtig.

„Also…ja entschuldige, das wäre ja eigentlich immer noch möglich…so nach den letzten Vorfällen.“
„Wenn du willst dass ich nicht grad noch einen Herzinfarkt bekomme, dann sollten wir diese Sachen nicht mehr erwähnen.“ Ihr Vater verschränkte die Hände auf dem Bauch, „deine Mutter und ich haben das bereinigt und haben uns für einen Neustart entschieden.“
„Da bin ich auch froh drum, wirklich.“, meinte Gretchen und griff lächelnd nach seiner Hand.
Ihr Vater erwiderte das und strich ihr dann übers Haar. „Du weißt doch was du willst Kälbchen. Folge deinem Herzen und es führt dich an den richtigen Ort.“
„Denkst du?“, fragte Gretchen unsicher.
„Solange du schlussendlich das hast was du schon immer wolltest…solange du glücklich bist, dann sind es deine Mutter und ich auch.“
Gretchen seufzte. „Danke Papa.“
„Kein Grund dafür Kälbchen. Aber vergiss nebenbei bitte deine Arbeit nicht. Wenn ich einmal für den Job hier zu alt bin, muss doch ein Haase an vorderster Front stehen.“
„Also, das sehen wir dann noch.“, meinte Gretchen, lachte auf und stand dann auf, „ich bin froh geht es dir wieder gut.“ Sie drückte seine Hand, was er erwiderte, „und wir sehen uns bald wieder.“
„Zuhause!“, sagte er und sah zu, wie sie zur Türe lief, „lange halte ich das hier sicherlich nicht mehr aus.“
Gretchen grinste und verliess das Zimmer.

Fran Offline

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08.04.2010 20:22
#23 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

Aaaayyy Bin momentan am durchstarten weil soviel Arbeit, aber eure Kommis und Meinungen machen mich wieder flott - also vieeelen lieben Dank für diese Super Ansporn und super Sache um zu
Also, wollen wir mal sehen, was denn auf dem Zettel steht, den Marc eingepackt hat... Viel Vergnügen.. :-)



Gretchen lief den Zimmern entlang und spähte in ein Fenster nach dem anderen. Als nur noch zwei Zimmer vor ihr übrig waren, schluckte sie und versuchte ruhig zu bleiben. Sie atmete tief aus und schaute in das erste Fenster. Sie erkannte einen Bekannten ihrer Eltern, der am schlafen war. Gretchen lief langsam zum letzten Fenster und erkannte, dass es dunkel war. Sie ging ein paar Schritte weiter zu der Türe, und machte diese langsam auf. Ihre Hand suchte nach dem Lichtschalter und betätigte diesen.
Ein ungutes Gefühl überkam sie, als sie ein leeres Bett vorfand und sie lehnte sich gegen die Wand hinter ihr. Wiederum schniefte sie, versuchte jedoch vehement die aufkommenden Tränen zu unterdrücken.

Wurde also womöglich doch verlassen. Wenn Alexis nirgends zu finden ist, liegt diese Tatsche klar auf der Hand.

Gretchen strich sich die Haare aus dem Gesicht, löschte das Licht ab und schloss die Türe leise hinter sich. Jetzt gab es nur jemanden, der die Wahrheit wusste.

Marc spritzte sich zum dritten Mal Wasser ins Gesicht und griff nach dem Tuch neben dem kleinen Waschbecken, welches er in seinem Büro hatte. Er wischte sich damit eilig über das Gesicht, warf das Tuch darauf zur Seite und stützte sich mit den Händen auf dem Waschbeckenrand ab. Er schaute in den Spiegel vor ihm. Eine Strähne hing in seine Augen und er seufzte auf und schloss diese.
Plötzlich ging hinter ihm die Türe auf und er erschreckte innerlich für eine Sekunde.
Mehdi schloss die Türe eilig hinter sich und lehnte sich dagegen, die Hände flach gegen die Türe gepresst.
„Bist du auf der Flucht, oder wie?“ Marc wandte sich um und hielt sich noch mit einer Hand am Waschbecken fest.
„Warum?“, fragte Mehdi und schaute fragend auf.
„Weil du so aussiehst.“ Marc lief hinüber zu einem Stuhl der gegenüber einer schwarzen Trage stand, und liess sich darauf nieder.
„Wenn dann nur vor mir selbst.“, antwortete Mehdi und setzte sich auf die Trage, „ich habe echt das Gefühl ich müsste ihm nachrennen und ihm jegliche Knochen brechen.“
„Ich weiss.“ Marc stützte sein Gesicht mit einer Hand ab und legte das linke Bein über sein rechtes Knie, „ist aber etwas schwierig unter diesen Umständen.“
„Ja…schade.“, meinte Mehdi und fixierte einen Punkt auf dem Boden, „weiss sie es?“
„Nein.“, antwortete Marc und schaute auf den Boden, „es sei denn sie stellt gerade das Krankenhaus auf den Kopf auf der Suche nach einer nicht existenten Pockenstation.“
„Wir müssen es ihr aber sagen.“
„Ach und wie?“ Marc schaute auf und verschränkte die Arme vor der Brust, indem er seine Ellbogen auf der Lehne abstützte, „Hey Gretchen, was wir dir noch ganz vergessen haben zu erzählen, du hast einen Betrüger geheiratet aber keine Panik, er ist abgehauen. Keks gefällig?“
„Hm.“ Mehdi senkte seinen Blick und legte die Stirn in Falten.
„Genau.“, sagte Marc leise und hob beide Augenbrauen.
„Wie geht es ihr eigentlich? Besser?“, fragte Mehdi und schaute Marc interessiert an.
„Ja, der ganze Mist den sie sich gespritzt hat ist eigentlich schon wieder draussen. Die Blutergebnisse werden mir baldmöglichst geliefert.“ Marc streckte seine Arme durch und verschränkte diese dann hinter seinem Kopf.
„Gut.“ Mehdi griff in seine Tasche und holte einen Schokoriegel hervor.
„Äh, was ist eigentlich mit dir los, das einzige was du noch machst ist essen oder wie?“, fragte Marc und schaute ihn irritiert an.
Mehdi hielt inne und schaute hoch. „Schadensbegrenzung. Besser als jemanden umzubringen, oder?“ Er biss verwirrt in den Riegel und kaute gedankenverloren darauf rum.
„Naja…“, meinte Marc und wurde durch ein Klopfen an der Türe abgelenkt, „na endlich, die Ergebnisse. Herein!“
Die Türe wurde langsam geöffnet. „Marc?“
Marc zuckte leicht zusammen, als er Gretchen in der Türspalte erkennen konnte. „Äh, ja?“ Er setzte sich aufrecht hin und stand eilig auf.
„Gut dass du da bist, ich wollte eigentlich…oh.“ Ihr Blick fiel auf Mehdi, der immer noch auf der Trage sass, und aufgehört hatte zu kauen. „Also was wird das jetzt, therapiert ihr euch gegenseitig oder wie?“
„Äh, nein, mit Sicherheit nicht.“, erwiderte Marc und schaute zwischen den beiden hin und her, „wir haben uns nur…unterhalten.“
„Ah…so.“, meinte Gretchen, verschränkte die Hände vor ihrem Schoss und nickte, „also ich wollte dich eigentlich fragen was es mit dieser Pockenstation auf sich hat, von der du mir erzählt hast.“
„Die…Pockenstation.“, wiederholte Marc und warf einen Seitenblick auf Mehdi, der die Augen ertappt aufsperrte, „ja diese Station…besteht eigentlich nur aus einem Zimmer das extrem abgelegen liegt.“
„Doktor Hassmann hat mir gesagt, dass es die gar nicht gibt.“, antwortete Gretchen ruhig und schaute zwischen seinen Augen hin und her, „und ich war ebenfalls auf der Quarantänestation aber da…da war er also auch nicht. Da kam mir halt so der Gedanke dass er tatsächlich verschwunden ist, aber das ist ja…also abstrus, ne.“ Sie versuchte ein Lächeln zustande zu bringen, obwohl ihr Puls schneller als üblich ging.
Marc holte Luft und presste die Lippen aufeinander. Gretchen hob beide Augenbrauen und schaute ihn fragend an. Als Marc in der ersten Sekunde nichts erwiderte, schaute sie zu Mehdi, der immer noch nicht am kauen war. „Ihr wisst doch was…nicht?“
„Äh, also…Gretchen.“, begann Marc und stützte beide Hände in die Seiten, „willst du dich vielleicht…setzen?“ Er zeigte mit einem Finger auf den Stuhl neben ihm und schaute sie fragend an.
„Nein…danke Marc. Ich möchte eigentlich nur gerne wissen was hier los ist.“, erwiderte sie ruhig.
„Marc jetzt schag esch ihr halt.“, meinte Mehdi, liess die Schultern hängen und nickte auf Gretchen zu.
„Ja, also gut.“, erwiderte dieser und holte tief Luft, „und äh…und du bist dir sicher dass du dich nicht setzen willst, vielleicht?“
„Marc, bitte!“, sagte Gretchen etwas vehementer.
„Ist ja schon gut. Also…im Grunde genommen haben wir ein Problem weniger.“
Gretchen schaute ihn verwirrt an aber blieb ruhig, obwohl sie innerlich zitterte. „Wie meinst denn du das jetzt?“

(http://www.youtube.com/watch?v=bc9cZe2bzEc )

„Ich…“ Marc legte den Zeigefinger auf die Lippen, wandte sich auf dem Absatz um und griff quer über seinen Schreibtisch. Er griff nach einem zerknüllten Zettel und hielt diesen Gretchen hin. „Der war eigentlich…also eigentlich für dich gedacht.“
Gretchen schaute ihn irritiert an und zerknüllte den kleinen Zettel, worauf sie mit den Augen drüber flog.

Sternchen,
Du wirst das jetzt womöglich nicht verstehen, aber lass es mich bitte kurz erklären. Du bist womöglich das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist. Du hast ihm einen Sinn gegeben. Trotz all dem, kann ich nicht mehr von mir davonrennen und mich, sowie dich weiter belügen. Es tut mir leid, muss ich dir das auf diesem Weg mitteilen…aber ich kann nicht bleiben. Es ist nicht wegen dir, wie gesagt, gibt es einige Dinge die du nicht weißt oder wissen kannst.
Ich hoffe, du kannst mir irgendwann vergeben, denn ich weiss nicht, ob ich es jemals könnte.
Alexis


Gretchen schluckte und nickte schwerfällig.
Marc tauschte einen kurzen, beunruhigten Blick mit Mehdi, der langsam von der Trage hinunter kam und zu ihnen hinüber lief.
Marc öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch Gretchen hob eine Hand und hielt den Blick gesenkt. „Sag jetzt…bitte nichts.“
Marc presste wiederum die Lippen aufeinander und strich sich über die Wange.
Es vergingen einige Sekunden bis Gretchen ihren Blick wieder hob und von Marc zu Mehdi schaute. Sie versuchte ein Lächeln zustande zu bringen, als leise und unkontrollierbare Tränen über die Wangen rannte. „Scheint als hätte er dann doch das Land verlassen müssen.“
„Gretchen, wir-“, begann Mehdi und machte eine kleine Pause, worauf er sie besorgt anschaute, „wir wollten es dir eigentlich…wir wollten nicht, dass du es so erfährst.“
„Ach und wie dann?“, meinte sie schniefend und hob kurz ihren Blick, senkte ihn aber schnell wieder, um die Tränen wegzuwischen.
„Wir…dachten an ein Paket mit seinen Körperteilen drin oder…so etwas in der Art.“ Marc bemerkte Mehdis Blick und wie er den Kopf schüttelte, und Marc zuckte nur entschuldigend mit den Schultern. „Ja, was denn…“
Gretchen zerknüllte den Brief langsam in ihrer Hand.
„Können wir etwas tun?“, fragte Mehdi leise und trat einen Schritt näher an sie heran.
Gretchen schaute auf und wischte sich wiederum über die Wange. Nach ein paar Sekunden griff sie nach der Schokolade in Mehdis Hand und biss eine Ecke davon ab. Sie schniefte, wandte sich um und öffnete leise die Türe.
Marc seufzte auf und Mehdi stützte beide Hände in den Seiten und schaute auf den Boden, als sie die Türe leise hinter sich schloss.

Ja, wenn es etwas gab, was uns immer treu ist, dann ist es wohl Schokolade. Obwohl ich wenig Hoffnung hatte, dass es mich in dem Moment glücklich machen könnte, war es mir ein kleiner Trost. Wenigstens bis ich mein Zimmer erreicht hatte und alleine war.

Fran Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 644

09.04.2010 20:39
#24 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

Danke für die lieben Kommentare Zum folgenden Kapitel, eine wichtige Info: Es handelt sich hierbei um die Einladung zu meinen absoluten Lieblingsteil welchen ich euch jetzt nicht mehr vorhalten möchte ...

Gretchen lag mit dem Rücken zu der Türe in ihrem Bett, die Beine angewinkelt und die Schokolade nah bei sich. Das Kissen unter ihr war bereits schon feucht, aber es interessierte sie genau so wenig, wie die Schokolade in ihrer Hand schon weich war.
Sie hatte die Laden hinuntergelassen und es drang nur noch wenig Licht in den Raum. Gretchen schniefte und schloss die Augen, als sie ihren Gefühlen freien Lauf liess.
Nach einer Stunde, so wie es ihr schien, bemerkte sie, wie es für einen Moment heller im Raum wurde. Die Türe ging leise auf und wieder zu. Sie hörte Schritte, welche zu ihrem Bett führten und hinter ihr stehen blieben.
Gretchen wischte sich erneut über das Gesicht und als sie spürte, wie jemand sich auf das Bett setzte, wehrte sie sich nicht.
„Na komm Hasenzahn.“
Gretchen schluchzte noch mehr auf, als Marc sie sanft bei der Schulter berührte und sie umdrehte. Sie behielt die Schokolade und das Taschentuch in ihrer Hand, als sie sich umdrehte und ihren Kopf auf seiner Brust platzierte. Er legte einen Arm um ihre Schulter und begann ihren Arm zu streicheln. Gretchen zog die Beine an und griff mit einer Hand nach seinem T-Shirt. Sie konnte nicht aufhören zu weinen. Der Frust, die Trauer, all das überrannte sie wie ein Expresszug.
„Sshht…“ Marc drückte sie fest an sich und strich über ihren Arm.

Ich wusste nicht wie lange dass wir so dort lagen. Das einzige was ich wusste, war dass es für ewig hätte sein können. Dass er mich für Stunden so festhielt und nicht mehr losliess.

Marc hörte nicht auf über ihren Arm zu streichen bis sie sich etwas beruhigt hatte. Nach einer Weile verfiel ihr heftiges Weinen in ein Schluchzen und unkontrolliertem Atmen.
„Alles gut…“, flüsterte Marc und streckte den Arm aus um die Decke zu erwischen, die er hochzog und ihr über den Körper legte, „ich bin ja da.“
Gretchens Augen wurden schwer und waren vom vielen weinen ganz geschwollen. Sie spürte seinen warmen Oberkörper und seinen ruhigen Herzschlag in seiner Brust. Gretchen schmiegte sich noch ein bisschen näher an ihm, sodass sie ihren Kopf über seinem Herz hatte.
„Versuch zu schlafen Hasenzahn.“, meinte Marc leise, als er die Decke fertig hochgezogen hatte.
Gretchen schluckte und schloss die Augen. „Es tut mir leid…“
„Wieso?“, fragte Marc und schaute auf sie hinab.
„Dein T-shirt ist ruiniert…“, flüsterte sie und Marc merkte, wie sie dabei war einzuschlafen.
Marc verzog seinen Mundwinkel zu einem schiefen Lächeln. „Und auch wenn…ich glaube nicht dass es dich stören würde, müsste ich es ausziehen.“
„Hm…“ Gretchen lächelte schwach und das letzte was sie spürte, war wie Marc ihr einen Kuss auf den Kopf gab.

Marc blinzelte als die Türe ein weiteres Mal aufgemacht wurde. Schnell ging sein Blick hinunter zu Gretchen, doch dieses war mittlerweile eingeschlafen.
„Sabine!“, zischte Marc und winkte sie hinüber.
„Oh…“, sagte diese und kam mit einer Mappe in der Hand hinüber, „dass ich…das noch erleben darf…“ Sie schaute mit grossen Augen auf Marc und Gretchen, welche immer noch sein T-Shirt hielt.
„Und wenn Sie das irgendjemanden sagen, dann wäre das auch das letzte gewesen, dass sie überlebt haben, ja?“ Marc griff nach der Mappe und klappte diese mit einer Hand auf, währenddessen die andere immer noch auf Gretchens Schulter lag.
„Die Blutergebnisse der Frau Doktor sind wieder einwandfrei…“, sagte Sabine leise.
„Na geht doch…“, murmelte Marc und reichte ihr das Dokument zurück, „Sie können ihre Entlassungspapiere schon mal vorbereiten.“
„Alles klar Herr Doktor…“, flüsterte Sabine, warf einen letzten Blick auf die beiden und wandte sich dann um.
„Sabine.“, zischte Marc und kniff ein Auge wegen dem Licht zu, „wie spät ist es?“
Sabine blieb stehen und wandte sich um. „Es ist kurz vor sechs Uhr Doktor Meier…Doktor Kaan war so frei hat und sich um ihre weiteren Termine gekümmert.“
„Ah.“ Marc zog die Augenbrauen erstaunt hoch und nickte, „danke.“
Sabine nickte kurz und verliess den Raum.
Marc atmete ruhig weiter und schaute auf Gretchen hinab. Er strich ihr sorgfältig ein paar Haare aus dem Gesicht, und merkte wie zerknautscht sie auf seiner Brust lag. Marc grinste und versuchte sich so vorsichtig wie möglich aus der Umarmung zu befreien. Er rutschte weg und platzierte ihren Kopf auf dem Kissen, worauf sie anfing zu murmeln. „Will noch nicht aufstehen…“
„Musst du auch nicht.“, flüsterte Marc und strich ihr noch einmal über die Haare und ihre Wange.
„Marc…“
Er presste die Lippen zusammen, zog die Decke hoch und verliess den Raum so leise wie möglich. Als er die Türe sanft hinter sich geschlossen hat, seufzte er und richtete seinen Kragen.
„Doktor Meier!“
Marc zuckte vor Schreck zusammen und langte sich an die Brust, worauf er den Kopf nach hinten fallen liess. „Ey erschrecken Sie mich doch nicht so!“
„Oh bitte entschuldigen Sie.“, meinte Knechtelsdorfer und hob abwehrend die Hände, „es gibt da ein kleines Problem in der Lobby und Doktor Kaan hat mich gebeten des Ihnen auszurichten.“
„Aha…“, meinte Marc und schaute ihn irritiert an, „na dann…Danke.“

Irgendeine Idee vielleicht?

Fran Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 644

10.04.2010 19:31
#25 RE: Story von Fran Zitat · Antworten

Uuuund...1:0 für Kate Aber! Keine Panik...lest, stellt es euch bildlich vor und geniesst...

Die Lifttüre öffnete sich und Marc lief, mit den Händen in den Hosentaschen, auf den Gang. Er schaute sich um und konnte nichts Spezifisches erkennen, bis er Mehdi am anderen Ende des Raumes bemerkte. Marc griff nach seiner Zigarettenschachtel und klopfte eine Zigarette heraus, welche er dann zwischen die Lippen schob. „Und, wo brennt’s?“
Mehdi stand an der Wand angelehnt, die Arme vor der Brust verschränkt und schaute mit einem finsteren Blick zum Eingang des Krankenhauses. „Da.“ Er nickte geradeaus und als Marc den Kopf etwas verrenkte, konnte er Gabi erkennen, welche mit irgendjemanden zu reden schien. „Also das einzige was ich hier als Problem bezeichne, ist das diese Person immer noch hier arbeitet.“, meinte er und versuchte seine Zigarette zwischen den Lippen zu balancieren. „Obwohl.“ Er hielt inne und schaute mit gekrauster Stirn auf den Boden.
„Was?“, erwiderte Mehdi und schaute ihn fragend an.
Marc zog die Zigarette aus dem Mund und schaute ihn fast amüsiert an. „Wenn der grosse Haase im Bett liegt, ist dieses Krankenhaus eigentlich führerlos. Und da ich eigentlich der Oberarzt bin, meinst du ich-“
„Vergiss es.“, meinte Mehdi monoton und wandte seinen Blick wieder nach vorne, „das wirst du dir in den nächsten Minuten sowieso abschminken können.“
„Und warum…genau?“, sagte Marc verunsichert und schob die Zigarette wieder zwischen seine Lippen.
„Ich bin mir nicht ganz sicher.“ Mehdi kniff die Augen etwas zusammen und hielt seinen Blick immer noch auf Gabi gerichtet, „aber so wie Gabi sich benimmt, ist das sicher kein Patient.“
Als Gabi sich abwandte und ihr Gesicht ersichtlicher war, bemerkten sie, wie aufgebracht sie schien. Sie machte wieder einen Schritt nach vorne und stiess eine Person weg, zeigte nach draussen und winkte dann vor ihrem Gesicht.
„Was zum…“, fragte sich Marc und legte die Stirn misstrauisch in Falten.
Nach ein paar weiteren Sekunden fiel ihm die Zigarette aus dem Mund.
Gabi entfernte sich und lief mit grossen Schritten zum Schwesternzimmer, worauf die Person ans Licht trat. „Verdammt jetzt stellen Sie sich nicht so an!“
„Ich bring ihn um.“ Gerade als Marc einen Schritt nach vorne machen wollte, hielt ihn Mehdi mit einer Hand auf seiner Brust zurück. Marc schaute perplex nach unten und dann zu Mehdi, der mit der freien Hand den obersten Knopf seines Hemdes aufmachte. „Äh, was soll das?“
Mehdi zog verbissen an seinem Knopf bis das Hemd aufsprang und stiess Marc leicht nach hinten. „Ich bring ihn um.“ Mit hochrotem Kopf lief er nach vorne, die Hände zu Fäusten geballt.
„Äh, warte mal?“ Marc hob den Finger und lief ihm eilig hinter her.
Alexis seufzte und bemerkte dann Mehdi, der wie ein Stier auf ihn zukam. „Hey, hey, warten Sie mal, ja!“, meinte er und bewegte seine Hände beschwichtigend vor sich, „ich wollte nur zu Gretchen um ihr-“

http://www.youtube.com/watch?v=-OCzkRjuecA

Mehdi holte aus und boxte ihm seine Faust senkrecht ins Gesicht. Alexis‘ Kopf fiel nach hinten und er stolperte gegen die Glasscheibe als er sich fluchend die Nase hielt, aus welcher Blut rann.
Mehdi schrie auf und hielt sich seine Hand, wobei er die Augen in Schmerzen zusammenpresste. „Verdammt hat der eine Nase aus Gold oder was!“
Marc verdrehte die Augen, machte ein paar grosse Schritte vorwärts, griff kurzerhand nach dem Kragen von Alexis und schleifte ihn durch die Schiebetüre des Krankenhauses.
„Du verpisst dich hier besser, verstanden?“, rief Marc und warf ihn nach vorne, sodass er stolperte. Alexis schaute auf, wobei sein Gesicht Blutüberströmt war. „Ich wollte es ihr doch nur erklären!“
„Boah jetzt verschwinde endlich!“, schrie Marc laut und zeigte auf den Vorplatz um ihm die Richtung zu weisen, „als ob sie einen wie dich Scheissbetrüger gebrauchen könnte!“ Marc zerrte seinen Kragen zurecht, warf ihm einen letzten, warnenden Blick zu und wandte sich um. Die Schiebetüre öffnete sich und Mehdi stand halb gebückt dort, die eine Hand mit der anderen umfasst und schaute ihn kopfschüttelnd und wehleidig an. „Wieso hast du ihn nicht fertiggemacht?“
„Weil Gott mir diese Hände nicht zum Verprügeln von neureichen, Betrügerfutzis gegeben hat!“, erwiderte Marc laut und hielt diese vor Mehdi hoch, „soweit kommt‘s noch!“
Mehdi wandte den Kopf und schaute nach draussen, als Alexis etwas rief. „Und du hast etwa das Gefühl du bist besser für sie oder was?“
Marc blieb mit dem Rücken zu der Türe stehen und legte einen tief genervten Gesichtsausdruck auf. Obwohl die Türe hinter ihm geschlossen war, konnte er ihn immer noch hören.
„Du bist überhaupt nicht besser als ich!“, rief Alexis und hielt sich mit einer Hand die Nase zu, als er von einem Fuss auf den anderen torkelte, „Gretchen müsste sich schämen mit dir an ihrer Seite!“
„Äh, Marc…?“ Gabi schaute ihn fragend an als sie aus dem Schwesternzimmer kam.
„Du!“, sagte Marc und zeigte mit dem Finger auf sie, „hältst jetzt erst mal die Klappe.“
Gabi schaute ihn wütend an, verschränkte die Arme vor der Brust und verlagerte ihr Gewicht auf einen Fuss.
„Du Pisser!“
Marc wandte sich auf der Stelle um, zog seinen Kittel aus und warf ihn Mehdi zu.
„Äh, was war jetzt genau noch wegen-?“
Marc schob sich zwischen die aufgehenden Türen und rannte hinter Alexis hinter her, der sich augenblicklich in Bewegung gesetzt hatte.
Mehdi ging ein paar Schritte zu der Türe hin und sah zu, wie Marc hinter Alexis Richtung Park rannte.

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