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 Erfindet eure eigene Fortsetzung!
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Lorelei Offline

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Beiträge: 7.269

14.09.2009 14:14
Story von Lorelei Zitat · antworten

Hallo ihr Lieben! Ich habe mich auch mal vom Staffelfinale inspirieren lassen und eine mögliche Fortsetzung geschrieben. Ich hoffe, euch gefällt es! Viel Spaß beim Lesen! Ich würde mich über Kommentare freuen… ;-)

Und so frage ich Sie, Margarethe Haase, wollen Sie den hier anwesenden Alexis von Buren zu ihrem angetrauten Ehemann nehmen, ihn lieben und ehren, bis dass der Tod Sie scheidet, dann antworten Sie mit „Ja, ich will“. Ich schaute ihm tief in die Augen und sagte es einfach, ohne groß zu Überlegen: „Ja ich will!“ Und es fühlte sich gut an, ich war glücklich, er war der Richtige! Und dann küssten wir uns. Was für ein Kuss, ich hab jetzt noch weiche Knie … Doch dann brach plötzlich alles über mir zusammen: Ich hörte meine Mutter rufen, Gretchen, dein Vater ist zusammengebrochen! Ich drehte mich zu ihr um und dann lief plötzlich alles in Zeitlupe ab… Ich rannte zu meinem Vater, hörte, wie im Hintergrund plötzlich die Pieper ansprangen, ein seltsames Summen, was so gar nicht in diese Situation passte, wir waren ja in einer Kirche, alles war für eine Hochzeit geschmückt - meine Hochzeit mit Alexis von Buren, einem schnuckeligen Millionär, der in den letzten dreieinhalb Monaten mein Herz im Sturm erobert hatte. Und dabei dachte ich doch immer, dass jemand ganz anderes für immer in meinem Herzen festsitzen würde: MARC MEIER! Ich habe eigentlich immer ihn gesehen, wenn ich in meinen Träumen zum Traualtar geschritten bin. Aber heute war es kein Traum, ich hatte heute tatsächlich einen anderen geheiratet, vor seinen Augen! Ich habe genau gemerkt, dass er am Eingang gestanden hat, ich habe seine Blicke gespürt. Für einen kurzen Augenblick hatte ich auch noch die Hoffnung, dass er dazwischenrufen würde: „TUE ES NICHT, GRETCHEN! Er ist der Falsche! Ich sollte an seiner Stelle stehen!“ Aber nichts geschah. Marc würde sich niemals ändern, nicht für mich! Deshalb ist ein klarer Schnitt genau das Richtige! Marc ist nicht mehr Teil meines Lebens. Meine Zukunft gehört einzig und allein Alexis. Bei ihm bin ich mir sicher, dass er mich aufrichtig liebt.
Doch jetzt hatte sich der eigentlich schönste Tag in meinem Leben in einen Alptraum verwandelt - eben noch auf Wolke Sieben, stand ich nun am Abgrund. Mit einem Atemschlag hatte sich meine Traumhochzeit in eine Katastrophe verwandelt, deren Ausmaße ich jetzt noch nicht kannte …
Ich erreichte meinen Vater, er war ohnmächtig, bleich wie eine Wand und Blut lief aus seiner Nase. Oh Gott, das kann nur eines bedeuten… Nein, das darf nicht sein … PAPA!!!!!



Sie hat es tatsächlich getan!!!! Sie hat diesen Flachwichser ohne zu Zucken geheiratet!!!! Wie konnte sie nur? Marc lief völlig durcheinander durch die Straßen Berlins. Warum hat sie das getan? Um mir eins auszuwischen? Oder liebt sie ihn wirklich? Marc schüttelte den Kopf. Nein, das kann nicht sein! Dieser Gedanke war für ihn einfach unvorstellbar. Ziellos lief er weiter….
Warum glaubt sie mir nicht, dass ich es ehrlich mit ihr meine? Mann, ich könnte mich ohrfeigen! Warum hab ich nur mit ihrer Freundin…? Von wegen Freundin! Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde! Wenn die mir noch mal in die Quere kommt, bring ich sie um!! … Scheiße!!!… Die Bilder gehen mir einfach nicht aus dem Kopf. Wie sie da steht, ihn anstrahlt, so wie sie mich immer angesehen hat... “Ja, ich will!“ Immer wieder hörte er diese Worte. Er hielt sich die Ohren zu. Sch…!!!! Ich konnte mir dieses Schauspiel nicht mehr mit ansehen und bin einfach gegangen, ohne ein Wort, es tat einfach zu weh… Oh Mann, so beschissen hab ich mich noch nie gefühlt… So muss sie sich wohl gefühlt haben, als ich Gaby damals den Antrag gemacht habe. Da fing die ganze Scheiße erst an... Wenn ich nicht... Er griff sich an den Kopf … Ich verdammter Idiot! er ging weiter durch einen Park und schmiss vor lauter Wut auf sich selbst einen Papierkorb um. Eine alte Dame sah ihn wütend an: „Sie Rowdy Sie!!!“ Er hatte sie gar nicht wahrgenommen. Er konnte keinen klaren Gedanken fassen. Alles Mögliche ging ihm durch den Kopf: Wie sie vor fast einem Jahr plötzlich im Fahrstuhl vor ihm gestanden hatte, er hatte sie natürlich sofort erkannt, sie sah toll aus, kein Vergleich zu damals in der Schule, wo er sie immer fertig gemacht hatte…, - das wollte er sich aber damals nicht eingestehen. Ja, sie hatte ihn irgendwie beeindruckt mit ihrem Können im OP, ihrem Umgang mit den Patienten, einfach mit ihrer ganzen Art... Er wusste auch nicht warum, aber er liebte die Spielchen mit ihr! Das machte ihn irgendwie glücklich... Dann sah er den Kuss im Fahrstuhl, als er ihr gesagt hatte, dass sie sich einfach nehmen sollte, was sie wollte... Irgendwie war er beeindruckt, sie konnte auch anders! Das reizte ihn. Aber ich hab’s versaut, wollte mir nicht eingestehen, dass ich Gefühle für sie hatte. Marc Meier und Gefühle, das geht gar nicht!!! Und so stürzte er sich wieder in die Sache mit Gaby. Der größte Fehler in seinem Leben!!! Dass sie dann mit Medhi…, gut, ich war sie endlich los, wollte ich ja, aber irgendwie war ich schon eifersüchtig auf ihn. Auf ihr Glück... Glück, ein Gefühl, das er noch nie gekannt hatte... Und dann kam der Moment, nachdem plötzlich alles anders war: Als ihr Herz plötzlich aufgehört hatte zu schlagen, setzte meins auch aus… Ich wollte sie nicht verlieren, sie war mir zu wichtig geworden, und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich war in sie verliebt!!! Das war offensichtlich… Sie spürte das gleiche, das hab ich bei unserem Dornröschenkuss gemerkt. Ein flüchtiger Moment, der dein ganzes Leben auf den Kopf gestellt hat… Zu kurz!!! Denn dann kam die Sache mit Gaby und alles ging den Bach runter… Ich wusste, sie würde mir nie wieder vertrauen und machte wieder auf Oberarsch, um es ihr (und mir) leichter zu machen … aber ich kam einfach nicht von ihr los… Jedes Mal wenn ich sie sah, setzte mein Verstand aus. Wie konnte mir das passieren, mir, Marc Meier! Jedes Mal, wenn ich sie sah, wollte ich sie einfach nur greifen und küssen… Der Kuss auf dem Flur, als Susanne…, und als sie später im Brautkleid vor mir stand… ich war hin und weg … ich hätte sie auf der Stelle geheiratet!!! Und das, obwohl ich so etwas eigentlich nie auf dem Plan hatte… Als sie dann bei mir in der Dusche vor mir stand, so verletzt und so verzweifelt… Wahnsinn, ich konnte mich nicht beherrschen… ich wollte sie und sie… Sch…!!! Ich hab alles falsch gemacht! Ich hätte ihr die ganze Geschichte mit dem Unfall schon viel früher beichten sollen. Aber ich war zu feige, mein verdammter Stolz, zugeben zu müssen, das ich einen Fehler begangen hatte… War ja klar, dass sie das alles irgendwann selbst rausfinden würde… An dem Punkt hatte ich sie endgültig verloren. Seit dem Tag machte sie komplett dicht… Und warf sich diesem Börsenheini an den Hals… Wenn ich den sehe, fliegen bei mir alle Sicherungen durch… Und jetzt ist sie mit dem ver… Er konnte es nicht aussprechen, zu tief saß der Schmerz. Ach, was nützt jetzt diese ganze Grübelei, es ist vorbei, endgültig! Ich mach mich doch nicht noch mehr zum Trottel und renn ihr nach! Nee, niemals! Soll sie doch glücklich werden mit dem Fuzzy… Ich bin es jedenfalls, mein Job ist mein Leben, das war immer schon und wird es immer bleiben. Den Rang wird mir keine Frau ablaufen! Dachte es und ging zurück zu seinem Wagen.

Plötzlich verdunkelte sich der Himmel, Blitze zuckten am Horizont, Sturm kam auf, so als ob sich etwas Schlimmes zusammenbrauen würde. Es fing an zu regnen, aber Marc merkte es nicht. Immer wieder gingen seine Gedanken zu Gretchen. Der Kuss vorgestern… Er wusste, das war seine letzte Chance... Oder hätte er doch auf Medhi hören sollen und es ihr einfach sagen, diese beschissenen drei Worte, die jede Frau schwach werden lassen. Aber er bekam einfach nicht die Klappe auf. Er wusste nicht warum… Und gestern war es zu spät… Sie hatte die ganze Nacht über ihn nachgedacht, sie zweifelte also doch… Sie hätte vielleicht… Und ich Idiot hab alles kaputt gemacht! Die verpasste Chance, seine letzte Chance, nagte an seinem Ego… Mann Meier, hör endlich auf, in Selbstmitleid zu baden! Bist du ein Mann oder eine Memme! Sie ist VERHEIRATET!!! Vergiss sie ein für alle mal! Doch er konnte es nicht... Er versuchte, sie sich mit aller Gewalt aus dem Herzen zu reißen… Doch Gretchen hielt sein Herz besetzt, Fensterplatz, VIP-Lounge... Wie es wohl geworden wäre, wenn wir… Nein, verdammt!! Ich bin nun mal kein Beziehungsmensch, das wäre nie gut gegangen mit uns. Irgendwann hätten wir uns gehasst und das wäre, glaube ich, schlimmer, als die Situation jetzt. Ich muss mich damit abfinden. Gretchen Haase ist passé!!

Plötzlich klingelte sein Handy und riss ihn aus seinen Gedanken. Och nee, Medhi! Der will jetzt nicht echt wissen, ob sie..., ob ich sie... Nee, das kann ich jetzt echt nicht ab!!! und drückt ihn weg!


Scheiße, er geht nicht ran. Wenn man einmal deine Hilfe braucht, Meier!
Medhi: Schwester Ingeborg, können Sie mich hören?
Knechtelsdorfer: Was ist denn mit der? Das sind doch die gleichen Symptome wie bei der Patientin? Ist das ansteckend? ... Scheiße, ich hab sie angefasst! Muss ich jetzt... Eh, ich hab echt schiss...
Medhi: Hey, bleiben Sie ruhig! Kümmern Sie sich weiter um die beiden Patientinnen! Ich muss die Gyn abriegeln, keiner darf mehr hier rein oder raus, verstanden?
K: Und was ist mit mir?
M: Das werden wir dann sehen. Muss telefonieren!
M: Hallo, Elisabeth-Krankenhaus hier, wir haben hier einen „Code Red“ auf der Gyn! Kommen Sie sofort! Ich glaube es ist...
Er beschrieb die Situation und legte dann auf. Atmete tief durch, sperrte die Türen zur Gyn zu und schnappte sich erneut sein Handy...


„Geht das denn nicht schneller! Gordon mach doch was! Das ist mein Vater, der hier auf der Trage liegt! Ihr Chef!!! Es zählt jede Minute!“ Wir saßen im Krankenwagen, Mama heulte die ganze Zeit. Was ist denn mit ihm? Wieso wacht er denn nicht wieder auf? - „Mama, beruhige dich, wir sind ja gleich da!“ Ich konnte ihr nicht die Wahrheit sagen. Wenn meine Befürchtung stimmte, dann … Oh Gott, ich weiß nicht, ob ich das verkraften könnte... “Wir sind da!“ Sie sprang aus dem Krankenwagen und schob zusammen mit Gordon ihren Vater in die Notaufnahme...


Schon wieder Medhi. Eh, der gibt keine Ruhe.
Marc schrie ins Telefon: WAS ist? Was macht du denn für einen Terror? Ich weiß, es ist schwer für dich, mir geht’s ja auch beschissen, aber wir müssen der Wahrheit ins Auge sehen. Sie hat ihn tatsächlich geheiratet!
Medhi: Das ist mir scheißegal, ich brauch dich hier!!!!
MM: Was? Seit wann ist dir Haasenzahn so egal? Du brauchst mich? Soll ich dir jetzt das Händchen halten oder was?
MK: Es ist ernst Marc! Wir haben hier ein Problem... also, ich glaube, hier ist... ähm ... wie soll ich sagen ...
MM: WAS??? Eh spuck es endlich aus! Hab nicht ewig Zeit!!!
MK: Ok, stell dir „Apocalypse Now“ vor und multipliziere es mal drei, dann kann du annähernd verstehen, was hier gerade los ist!
MM: Bitte was? Eh, was soll der Scheiß? Sie hat nur geheiratet! Mehr nicht!!! Das werden wir schon irgendwie überleben!
MK: Das vielleicht schon, aber nicht die Epidemie!
MM: Was? Spinnst du? Was denn für eine Epidemie? Medhi, ich hab dir schon einmal gesagt, keine Horrorfilme mehr nach Mitternacht!!!
MK: Das ist mein voller Ernst! Hier ist die Hölle los! Hab schon die Behörden informiert.
MM: Was? Ich versteh nur Bahnhof!
MK: Eine Patientin von mir ist vorhin zusammengebrochen, ihr lief Blut aus der Nase, ganz schwache Vitalzeichen… Sie wird es nicht schaffen!!! Also wenn mich nicht alles täuscht, könnte das auf Ebola oder Denguefieber hindeuten. Schwester Ingeborg ist auch schon zusammengebrochen, sie weist dieselben Symptome auf, sie hatte am engsten Kontakt zu der Patientin… Marc, es ist ernst! Die Frau war erst einen halben Tag hier und jetzt… Verstehst du? Habe die Gyn schon abgeriegelt. Die werden hier eine Quarantänestation aufbauen, vorerst, wenn nicht noch mehr.... Scheiße, jetzt ist der Knechtelsdorfer umgekippt!!!
MM: Das kann doch nicht wahr sein! Wir sind hier in Deutschland, wie kann denn hier Ebola ausbrechen?
MK: Sie kam vor drei Tagen aus Afrika zurück und hat hier entbunden!
MM: Oh…
MK: Scheiße, Scheiße, scheiße… Das darf nicht wahr sein… Gretchen!!!
MM (schreit ins Telefon!!): Was ist los verdammt???
MK: Komm sofort her! Gretchen … eingeliefert! … Marc bist du noch dran?
Marc hörte ihn nicht mehr, er hatte nur Gretchen gehört und war sofort in seinen Wagen gesprungen. Oh Gott, wenn ihr etwas passiert, dann… und fuhr auf dem schnellsten Weg ins Krankenhaus…


Gretchen war mit ihrem Vater in der Notaufnahme angelangt. Hä? Niemand hier? Wieso ist denn hier keiner? Sie blickte sich um. Auch die Gänge waren leer… Endzeitstimmung! Oh Gott, sind wir die letzten Überlebenden??? Plötzlich kam eine Person in einem gelben Schutzanzug um die Ecke. - „Tut mir leid, aber Sie können hier nicht bleiben, das Krankenhaus steht unter Quarantäne. Versuchen Sie es bitte in der Charité! - „Was? Sind Sie verrückt geworden! Ich habe hier einen Patienten und der muss versorgt werden. Sofort! Und wieso Quarantäne? Gibt es etwa noch mehr Opfer?“ - „Woher wissen Sie das?“ Gretchen sah ihn entsetzt an. - „Was ist hier passiert? Ich heiße Dr. Margarethe Haa… ähm ... von Buren, ich bin Assistenzärztin hier in der Chirurgie!“ Er kam näher. - „Hören Sie, meine Name ist Prof. Dr. Ulrich Schmidt. Ich komme vom Tropeninstitut Berlin. Bitte, Sie müssen jetzt gehen! Hier besteht höchste Ansteckungsgefahr!“ Sie blickte auf ihren Vater. - „Aber er hat doch auch….“
Erst jetzt sah er sich den Patienten auf der Trage genauer an. Er schien dieselben Symptome zu haben. - „Ok, sofort mitkommen! Wann sind die ersten Symptome aufgetreten?
Gretchen: Etwa vor einer halben Stunde. Erst Nasenbluten, dann ist er zusammengebrochen, ganz schwacher Puls …
Schmidt: Also dieselben Symptome wie bei den anderen.
G.: Den anderen? Wie viele sind betroffen?
Sch.: Zwei Frauen und ein Mann. Mit wem hatte er noch Kontakt?
G.: Wir waren auf einer Hochzeit, meiner Hochzeit, wie Sie vielleicht sehen können (hatte noch immer ihr Hochzeitskleid an!). Er ist mein Vater und er ist der Chef des Elisabeth-Krankenhauses, Prof. Dr. Franz Haase. Also er hatte, soweit ich weiß, nur Kontakt mit den anderen Gästen, sie sind noch alle in der Kirche. Ich habe schon die Behörden informiert und ...
In dem Moment klingelte sein Telefon: „Ok, St. Michaeliskirche, Team zusammenstellen! Ich kümmere mich um die Klinik.“ Er legt auf. - „Ok, mein Kollege hat gerade ihre Angaben bestätigt. Das Gelände wird weiträumig abgeriegelt… Ihre Gäste bleiben vorerst in der Kirche in Quarantäne, bis wir Genaueres wissen über den Virus. Kommen sie bitte mit auf die Gyn.“
G.: Die Gyn? Aber wieso auf die Gyn?
Sch: Dort ist der Virus zuerst aufgetreten.
Sie schaute ihn entsetzt an und konnte nicht glauben, was er gerade gesagt hatte. Oh Gott, Medhi! Er war nicht in der Kirche!!!!
Als sie auf die Station kamen, sah sie erst das ganze Ausmaß der Katastrophe: dutzende Männer in gelber Schutzkleidung, Schutzfolie, Absperrbänder… Prof. Dr. Schmidt sprach sie an: „Frau Dr. von Buren, da wir davon ausgehen müssen, dass auch sie Kontakt mit dem Erreger hatten, müssen wir sie und ihre Mutter ebenfalls in Quarantäne stecken. Zur Sicherheit!“ Sie betraten die abgeriegelte Station.


Medhi stand am anderen Ende des Ganges und konnte nicht glauben, was er da sah: Gretchen im Brautkleid! (wunderschön wie eine Prinzessin und gleichzeitig unendlich verzweifelt!) Sie kam mit einer Trage auf ihn zu, darauf lag ihr Vater. Er ließ fast sein Handy fallen und konnte nur noch schreien: „Scheiße, Scheiße, scheiße… Das darf nicht wahr sein…. Gretchen!!!“ „Komm sofort her! Gretchen hat gerade ihren Vater eingeliefert!“ „Marc bist du noch dran?“
Gretchen sprach ihn an: „Medhi, was zum Teufel ist hier los?“ Er erzählte ihr alles. Gemeinsam schoben sie Franz in das Zimmer, wo schon Knechtelsdorfer und Schwester Ingeborg lagen. Ein Bett war zugedeckt! Geschockt fragte sie ihn, wer das sei. „Ist sie…?“ - „Ja, gerade eben!!!“ Sie brach in Tränen aus. „Oh Gott, mein Vater … wir müssen…“ Wie in Trance machte sie ihre Abläufe, Blutabnehmen, EKG, …
Medhi nahm ihr die Geräte aus der Hand. - „Hey Gretchen, setz dich erst mal. Ich mach das schon!“ Doch sie konnte nicht stillsitzen. Ihr Vater rang tatsächlich mit dem Tod! Die Vorstellung, dass sie ihn tatsächlich verlieren könnte, ließ sie schier verzweifeln. Bilder aus ihrer Kindheit schossen ihr durch den Kopf… Medhi sprach sie vorsichtig an: „Gretchen, wir müssen dir jetzt auch Blut abnehmen.“ Sie ließ es ohne Worte über sich ergehen. Sie war zu geschockt. Auch Medhi war verzweifelt, er wusste nicht wie er ihr helfen oder sie trösten könnte… „Gretchen, deine Mutter fragt nach dir, vielleicht gehst du besser zu ihr. Wir kümmern uns schon um Prof. Haase.“ Sie verließ das Zimmer…

Wie ein Geist schwebte sie im weißen Brautkleid durch die Gänge. Sie konnte keinen klaren Gedanken fassen. Alles lief wie im Film ab, immer wieder sah sie das Bild, wie er plötzlich zusammensackte, wie hilflos sie sich fühlte... Sie wollte ihn nicht verlieren ...
Plötzlich stand Marc vor ihr. Wie ein Prinz in goldener Rüstung! Sie fiel ihm um den Hals. „Bitte hilf ihm, er darf nicht sterben, das verkrafte ich nicht!!!“
Marc: Wer? Etwa?
Gretchen: Mein Vater!
Marc: Der Professor? Oh Gott, ich dachte schon … Er griff sich an den Kopf. Sie lebt!!! Oh Gott, danke!!!
Gretchen: Marc, bitte mach was!
Er nahm ihre Hand und sie gingen zusammen ins Zimmer…

Die Chancen standen schlecht für Franz. Immer wieder setzte sein Herz aus … Er kämpfte ums Überleben… Marc und Medhi taten alles, was sie konnten… Gretchen stand nur daneben und war wie betäubt… Beide machten sich Sorgen um sie. „Gretchen, vielleicht ist es besser, wenn du dich etwas hinlegst! Wir kümmern uns schon um ihn!“ - „Nein, ich will bei ihm bleiben!“ - „Gut, dann bleib du bei deinem Vater, ich kümmere mich um Knechtelsdorfer. Medhi, was ist mit Schwester Ingeborg?“ - „Sieht schlecht aus, ich glaube, sie wird es wahrscheinlich nicht schaffen!“ Die drei kämpften als Team verbissen um das Leben ihrer Patienten. Die ganzen Konflikte, Missverständnissee und unausgesprochenen Gefühle der letzten Zeit waren Nebensache...


Währenddessen brach im Krankenhaus allmählich Panik aus. Die Nachricht vom Ausbruch eines Virus hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Patienten, Ärzte, Krankenschwestern, alle liefen durcheinander. Es war schwer, einen Überblick zu behalten. Männer in Schutzanzügen sperrten das Krankenhausgelände ab, doch die Pressemeute stand schon vor der Tür. Prof. Schmidt vom Tropeninstitut versuchte sie zu beschwichtigen. - „Ja, es ist richtig, wir haben hier vier Verdachtsfälle, noch wissen wir nicht, um was es sich genau handelt, die Patienten sind isoliert, die Untersuchungen laufen. Ich kann Ihnen im Moment noch nichts Weiteres sagen.“ - Dass eine Patientin bereits verstorben war, verschwieg er wohlwissendlich - Er versuchte das Chaos zu koordinieren. Die nicht betroffenen Abteilungen wurden evakuiert, die Patienten auf andere Krankenhäuser verlegt.

Die Gyn war isoliert und gleichte einem Science-Fiction-Film. So musste sich ET also gefühlt haben, als die ihn… dachte Marc und schüttelte den Kopf. Nein, ernst bleiben! Konzentrier dich! Unter dem Mikroskop versuchte er herauszufinden, um welchen Stamm es sich genau handelte.
Gretchen blieb am Bett ihres Vaters und hielt seine Hand.
Medhi: Gretchen, du musst in das andere Zimmer gehen. Du und deine Mutter, ihr seid noch nicht infiziert. Gretchen, das ist sicherer, bitte!
Sie schüttelte nur mit dem Kopf, Tränen liefen ihr das Gesicht herunter. „Nein, ich bleib hier, er braucht mich!“
Medhi: Schon ok! Ich lass euch erst mal allein. Wenn was ist, ich bin bei Marc im Labor...

Medhi: Und weißt du schon mehr?
Marc: Nein, nur noch eine Probe… Warte!… Scheiße!!! Er griff zum Hörer: Prof. Schmidt, ich habe die Ergebnisse....
Medhi schaute durch das Mikroskop, dann in die Bücher, die vor ihm lagen: Scheiße!!
Schmidt: Ich höre.
Marc: Es ist eindeutig der Ebolaerreger! Eine besonders schwere Form.
Schmidt: Ok, bin sofort bei ihnen!
Scheiße, wie soll ich ihr das nur sagen! … Dein Vater wird sterben! Das verkraftet sie nicht!
Medhi dachte in dem Moment genau dasselbe.
Medhi: Marc, ich habe hier die Blutproben von Gretchen und ihrer Mutter.
Marc riss sie ihm förmlich aus der Hand: Warum sagst du das denn nicht gleich?
Medhi: Und???
Marc: Ähm, sieht ganz ok aus, vorerst! Aber die Inkubationszeit ist noch nicht rum, also falls sie doch… Er konnte es nicht aussprechen.
Marc: Wir stecken die beiden erst einmal in ein Zimmer und müssen abwarten.
Medhi: Wir werden sie aber nicht vom Bett ihres Vaters wegbekommen.
Marc: Was? Sie ist noch immer bei ihm? Bist du wahnsinnig! Er rannte aus dem Labor. In dem Moment kam Dr. Schmidt um die Ecke. - „Ich wollte mir die Ergebnisse… Hallo? Dr. Meier...“ Doch der war schon im Fahrstuhl verschwunden.

Marc schaute durch die Glastür, sah ihre Verzweifelung und ihm lief eine Träne die Wange hinunter. Ok, Meier, ganz professionell… Das sagt sich so leicht… und trat ein.
Marc: Gretchen, ich muss mit dir reden.
G.: Marc, hast du die Werte?
Er schaute zu Boden, schluckte und ging zu ihr.
Sie hatte es sofort in seinen Augen gelesen. Es ist Ebola!!!
Marc: Gretchen, ich …
G.: Sag es nicht, bitte!!! … sie weinte hemmungslos.
Marc sagte nichts und wollte sie gerade tröstend in den Arm nehmen, als plötzlich Medhi die Tür aufriss. „Marc, es geht los?“
Marc: Was???
Medhi: Vor der Tür stehen etwa zwanzig Krankenwagen. Sie bringen die Leute aus der Kirche!
Gretchen schreckte hoch. „Nein!!!!“
Medhi: Wir brauchen jede Hand. Gretchen, auch wenn es dir schwer fällt, wir können im Moment nicht mehr für deinen Vater tun als abzuwarten … Wir brauchen auch dich!
Gretchen: Hast Recht. Mein Vater hätte das Gleiche getan. Sie griff sich einen Schutzanzug und ging mit beiden zum Eingangsbereich.
Marc: Auf in den Kampf!!!

Doch was sie dort sahen, übertraf bei Weitem ihre Erwartungen. Immer mehr Patienten wurden eingeliefert. Im Krankenhaus herrschte absolutes Chaos. Auf den Gängen standen überall Betten bereit. Ärzte und Krankenschwestern in Schutzanzügen rannten durcheinander… Prof. Schmidt versuchte, alles zu koordinieren.
Schmidt: Da sind Sie ja endlich. Ich habe Ihre Ergebnisse ins Institut geschickt. Meine Leute kümmern sich um das Gegenmittel. Keine Sorge! Erst einmal müssen wir hier wieder Herr der Lage werden. Ok, das sind Ihre Hochzeitsgäste, Frau Dr. von Buren, also wäre es das Beste, wenn Sie sie in drei Gruppen aufteilen würden: Gruppe 1: unmittelbarer Kontakt mit ihrem Vater, Gruppe 2: geringer Kontakt, Gruppe 3: kein Kontakt.
Gretchen: Ok! Geht klar.
Sie lief durch die Menge. Alexis stürmte auf sie zu. „Schatz, alles in Ordnung mit dir? Bist du ok?“
G: Ja, schon gut, die Werte sind ok. Aber ich muss jetzt meine Arbeit machen. Warst du mit meinem Vater zusammen?
A: Nein, ich habe ihn erst in der Kirche gesehen, als du mit ihm …
G: Schon gut, du bist in Gruppe 3, deine Schwester und deine Mutter auch, geht bitte mit Dr. Rössel mit.
A.: Aber ich…
G: Alexis, tu was ich dir sage!
Marc grinste ihn an. Muss schon sagen, sie hat den ganz schön unter dem Pantoffel!!!
G: Ok, weiter! Sabine, Gigi, … Ihr gehört in Gruppe 1. Ihr geht zusammen mit Medhi und Marc mit!!
Sabine: Was heißt denn das jetzt Gruppe 1?
Marc: Tja, Sie werden mal herausfinden, wie sich ET im Zelt gefühlt hat!
Gretchen schaute ihn böse an: Marc, das ist jetzt nicht die Zeit zum Scherzen! Es ist Ernst! Sabine, das muss nichts heißen, aber sie waren mit meinem Vater zusammen, es kann sein dass Sie...
S. (reißt die Augen auf): ... dass ich infiziert bin!!! Aber ich will noch nicht sterben! Ich hab doch noch so viel vor… ich wahr doch letzte Woche erst bei der Wahrsagerin und die hat keinen Ton gesagt, dass ich bald… sie hat doch bloß etwas von einem großen Unbekannten mit gelben Anzug erzählt… stockt und blickt auf Marc in seinem gelben Schutzanzug … oh!!!
M: Eh, Sabine, Sie halten den ganzen Verkehr auf!!! Mitkommen!!! ZZ… Ziemlich zügig!
Gigi: Kann ich euch irgendwie helfen?
M: Du ganz bestimmt nicht!! Schaut sie böse an. (Schlampe!!) Sie ihn böse zurück!!! (Wichser!!)
G: Gigi, das ist lieb von dir, aber du bist jetzt als Patientin hier und ehe wir nicht deine Werte haben… Am besten du kümmerst dich um die anderen, beruhigst sie, damit sie nicht in Panik ausbrechen.
Ok, das wäre erst einmal geschafft. Was nun? Sie wischte sich den Schweiß von der Stirn und schaute sich um. Alles war irgendwie so surreal hier... Eben hatte sie noch in der Kirche gestanden und den Mann ihrer Träume geheiratet. Und jetzt rang ihr Vater mit dem Tod!! Das sollte doch eigentlich der schönste Tag in ihrem Leben werden, jetzt war es womöglich ihr letzter! Dachte es und ging mit ihren Patienten (Gruppe 2) auf Station.

Das Krankenhaus stand unter Quarantäne und ein Wettlauf gegen die Zeit begann... Medhi, Marc und Gretchen kämpfen mit vereinten Kräften verzweifelt um das Leben ihrer Patienten... Bei Gruppe 3 konnte nach ein paar Stunden Entwarnung gegeben werden. Alexis durfte nach Hause gehen, wollte es aber nicht. Er wollte ihr beistehen. Er hatte doch vor wenigen Stunden noch gesagt in guten wie in schlechten Zeiten… Aber Gretchen schickte ihn einfach weg...

Ihrem Vater ging es weiterhin sehr schlecht. Verzweifelt versuchten Marc und Gretchen ihn stabil zu halten, bis das Gegenmittel eintreffen würde… Medhi kümmerte sich um die anderen Patienten… Marc und Gretchen waren im Labor, als Medhi dazukam und sagte, dass Schwester Ingeborg gerade verstorben sei… Gretchen sah ihn entsetzt an. - „Oh nein, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch mein...“ Marc legte ihr tröstend den Arm über die Schulter. - „Noch ist es nicht zu spät! Die kommen gleich mit den Antikörpern, da bin ich mir sicher! Ich, ähm wir werden alles unternehmen, damit er stabil bleibt und uns bald wieder durch das Krankenhaus hetzen kann. Versprochen!“ Ein kleines Lächeln kam über ihre Lippen… Da war sie wieder diese Vertrautheit! - „Wir sind schon ein Super-Team nicht?“ Das hat er noch nie gesagt! dachte Gretchen.
Medhi war die Annäherung der beiden nicht verborgen geblieben. Beschämt sagte er: - „Ich wollte nicht stören. Ich muss dann mal wieder hoch.“ sagte es und wollte gerade gehen, als ihm plötzlich schummrig wurde, er musste sich am Türrahmen festhalten. Auch Gretchen hatte das bemerkt: - „Medhi, alles ok mit dir? Du siehst ganz blass aus!“ Medhi sagte nichts, fasste sich an die Nase… Blut!!! … und sackte zusammen!
Gretchen schrie: MEEEEDDHHIII!!! und rannte auf ihn zu: Nein, nicht du auch noch, das verkrafte ich nicht!!!
Marc: Geh weg von ihm! Ich mach das schon! schnappte sich eine Liege und brachte ihn auf Station. Gretchen brach weinend zusammen. Das ist ein Alptraum, ja das kann nur ein Alptraum sein, wach auf Gretchen, wach endlich auf!!! Doch es war bittere Realität.

Herzstillstand! Sch… Defi!!! … Aufladen… Alle wegtreten… Nichts… noch mal… Bitte nicht Medhi! Verdammt! Ich brauche dich doch hier in diesem Irrenhaus! Marc schrie ihn an… Aufladen… Wegtreten… Endlich, ein leises, konstantes Piepen war zu hören! Gott sei Dank!!! Eh, Alter, mach nie wieder so einen Scheiß!!!

Marc verließ das Zimmer, ging ein Stück den Gang entlang und rutschte dann an einer Wand zu Boden. Das ist ein Alptraum… das kann nicht sein… wieso muss heute alles aufeinander kommen? Gretchen kam auf ihn zu, sah ihn wie ein Häufchen Elend am Boden sitzen, sie setzte sich zu ihm: „Bitte sag nicht, dass er… ?“ Sie weinte. - „Hey, ganz ruhig, ich hab ihn wieder aus dem Reich der Zombies geholt!“ - „Maarc!!“ - „Ok, tut mir leid, mir ist auch nicht zum Lachen zu Mute. Es war echt knapp! Er ist erst einmal stabil.“ - „Danke!!“ - „Hmm…“ Sie saßen eine Weile einfach so da, keiner sagte ein Wort, keiner traute sich, den anderen anzusehen… Doch plötzlich drehten sie sich gleichzeitig um und schauten sich lange an… Auch Marc hatte Tränen in den Augen. Ihm ging die Sache also auch ganz schön zu Herzen. So hatte sie ihn noch nie gesehen … irgendwie sanft und verletzlich… sie fasste seine Hand, er schaute sie an, wischte ihr eine Träne von der Wange. Sie waren sich wieder so nah, doch keiner der beiden traute sich einen Schritt weiterzugehen… sie hielten sich einfach nur fest. Er umarmte sie schließlich und sie ließ ihren Tränen freien Lauf. Alles brach aus ihr heraus: die Sorge um ihren Vater und Medhi ließ sie fast verzweifeln.
Marc versuchte sie zu beruhigen: Hey, ganz ruhig, wir bekommen das schon wieder hin!
Gretchen: Wirklich?
Marc: Ja! Gott, hat heute einfach nur einen schlechten Tag. (upps, nee, das klang jetzt nicht gut!) Gretchen, sorry, das wollte ich nicht sagen.
Aber sie reagierte nicht auf seine Worte. Er hielt sie immer noch im Arm. Oh, sie ist eingeschlafen!!! Er lächelte sie an und wollte ihr übers Haar streichen, da sah er plötzlich … Blut!!! … Scheiße, GRETCHEN, hey, tu mir das nicht an! … nicht du auch noch!… Er nahm sie auf den Arm und rannte über die Station. Alles passierte wie in Zeitlupe....

Er konnte sie zwar stabilisieren, aber ihre Werte waren überhaupt nicht gut. Die Zeit drängte. Verdammt, wo bleiben die mit den Antikörpern!!! Bei Gretchen schienen die Symptome gravierender zu sein als bei den anderen Patienten. Dann plötzlich Kammerflimmern ... Nulllinie... NEIN!!!! ... Du lässt mich hier nicht allein, verstanden!! Marc kämpfte verzweifelt und mit Tränen in den Augen um ihr Leben … Noch mal aufladen! … Los, machen Sie schon! … „Herr Dr. Meier, es ist zu spät! Sie ist….“ - „Rössel, verdammt, aufladen!!! Dann mach ich es eben selbst!“ Er nahm sich den Defi... Immer noch Nulllinie... Nein!!!... bitte lieber Gott, mach was!… Nimm von mir aus mich, aber nicht sie! … bitte!… ich fleh dich an! … Doch nichts geschah... Verzweifelt sackte er neben ihrem Bett zusammen. Er hatte den Kampf verloren. Die Frau, die er über alles liebte, war TOT!!! Und ich hab ihr noch nicht einmal gesagt, dass ich sie liebe! Gott, ist das jetzt die Strafe für mein beschissenes Verhalten ihr gegenüber oder was soll das? Warum nimmst du mir sie weg? Seine ganze Verzweifelung brach aus ihm heraus. Vor fünf Minuten hatte er sie noch glücklich im Arm gehalten, sie fast geküsst, und jetzt sollte alles vorbei sein???
...
Dann sprang plötzlich die Tür auf. Prof. Schmidt vom Tropeninstitut stand vor ihm: Die Antikörper sind da, wir haben den richtigen Stammerreger gefunden und...
Marc blickt zu ihm hoch.
Schmidt: Oh, das ist doch die Frau Dr. von Buren! Ist sie etwa?
Marc erschrak: Nein, ist sie nicht!!! Geben sie schon her!
Er riss ihm das Mittel aus der Hand und spritzte es ihr.
Schmidt: Aber Dr. Meier, sie ist tot!!! Wir müssen die anderen...
Doch er hörte ihm nicht zu... Er blickte zu den Apparaten, dann zu Gretchen... Nichts geschah... Bitte, verdammt, wach auf! Ich mach alles, was du willst. Ich hör auf mit den blöden Sprüchen, bring dir jeden Tag Schokolade mit, von mir aus akzeptiere ich auch, dass du verheiratet bist, aber bitte wach endlich auf, verdammt!… Doch nichts geschah…
Schmidt: Dr. Meier, es ist zu spät!
Marc: „Nein, es ist nie zu spät!“ Er richtete sich auf und küsste sie. Strich ihr über die Stirn. „Bitte, geh nicht!! Ich liebe dich doch!!!“ In dem Moment gingen die Apparate wieder an, ein langer Atemzug war zu hören... Oh, Gott, verdammt, sie lebt!!!! Und brach neben ihrem Bett zusammen! Marc Meier hatte Gretchen zurück ins Leben geholt!


Was in der Zwischenzeit geschah
Währenddessen war Alexis, oder wie er eigentlich mit richtigem Namen hieß: Frank, mit seiner Schwester und seiner „Mutter“ in die Villa von Buren zurückgekehrt. Gretchen hatte ihn einfach am Traualtar stehen gelassen und war mit ihrem Vater in die Klinik geeilt. Er und die restliche Hochzeitsgesellschaft mussten noch stundenlang in der Kirche ausharren: Sicherheitsmaßnahme der Polizei. Quarantäne - so ein Scheiß!!! Er wollte doch einfach nur zu seiner frischangetrauten Ehefrau und ihr beistehen... Aber man ließ sie nicht gehen. Als sie dann endlich ins Elisabeth-Krankenhaus gebracht worden waren, war er froh, sie gesund zu sehen und wollte sie umarmen. Aber sie hatte ihn gleich angepammt, er solle sie in Ruhe lassen, sie müsse sich um die Patienten kümmern. Und das vor den Augen dieses Oberarschs! Habe sein dämliches Grinsen genau gesehen. Ich könnte dem jedes Mal eine reinhauen, wenn ich ihn sehe. Hoffentlich erwischt ihn der Virus!!! Dann wäre endlich Schluss mit dem Scheiß … Und sie würde sich endlich ganz auf mich einlassen. Irgendwie spürte er, dass sie die Sache mit Marc noch nicht ganz abgeschlossen hatte. Das machte ihn wütend und traurig zugleich. Abends durfte er jedenfalls dann nach Hause. Entwarnung! Super! Und was bringt mir das! Jetzt verbringe ich unsere Hochzeitsnacht allein!

Seinen Hochzeitstag hatte er sich jedenfalls ganz anders vorgestellt. Die prunkvolle Hochzeitsgala im Garten der Villa war abgesagt worden. Es war still. Totenstill! Der Wind fegte über die leeren Tische im Garten,... Weil die Klinik weiterhin unter Quarantäne stand, durfte Frank auch nicht mehr zu Gretchen... Frustriert wartete er auf eine Nachricht von seiner Braut, aber nichts passierte ...

Mechthild nutzte geschickt die Gunst der Stunde und erinnerte ihn an ihre Abmachung, aber er reagierte gar nicht auf ihre anzüglichen Sprüche. - „Na, komm schon, wir müssen doch ausnutzen, dass deine Frau gerade verhindert ist!“ - „Eh, haben Sie sie noch alle! Da sterben gerade Menschen! Und Sie wollen nur...!“ - „Du solltest ruhig etwas netter zu deiner „Mutter“ sein!“ - „Ich sollte gar nichts!“ Wütend ließ er sie einfach stehen und schloss sich in der Bibliothek ein. Sie rief ihm noch hinterher: „Wir haben eine Abmachung, Kleiner, vergiss das nicht!“ - „Warum hat es sie nur nicht erwischt?“ sagte er leise vor sich hin. -„Wen?“ Erschrocken drehte er sich um: „Ach du bist es Lissy! Ich dachte schon die Alte ist...“
Lissy: Was ist los mit dir Frank? Ich sehe doch, dass irgendetwas nicht stimmt. Ist es wegen dem Virus? Machst du dir Sorgen? Hey, deine Braut ist tough! Die packt das schon! Und dann könnt ihr auch bald eure Hochzeitsnacht nachholen! Läuft ja nicht weg!
Frank: Das ist es nicht nur. Ich, wir, stecken tief in der Scheiße, Lissy!
L.: Was? Was meinst du damit? Hat sie etwa rausgefunden, dass du nicht... aber sie hat dich doch geheiratet!
F: Nicht sie?
L: Wer sonst? Doch nicht etwa die alte blinde Kuh?
F: Doch! Sie ist gar nicht so blind, wie wir alle gedacht haben. Ich glaube, die hat noch mehr Dreck am Stecken als wir!
Frank erzählte ihr alles, er ließ nichts aus.
L: Die will was von dir??? Das glaube ich jetzt nicht!
Frank war völlig fertig. Er wusste nicht mehr weiter. Hinzu kam noch das schlechte Gewissen Gretchen gegenüber. Ihm kamen zunehmend Zweifel, ob er das falsche Spiel aufrechterhalten sollte und Gretchen ein Leben lang belügen sollte oder ob er ihr endlich die Wahrheit sagen sollte, denn mit seinen Gefühlen für sie hatte er nie gelogen ...
Es folgen Rückblenden in die Vergangenheit (Was hat es mit den vielen Pässen auf sich? Durch welchen dummen Zufall ist er in die Rolle des Alexis von Buren geraten? Wer war er wirklich?).

F.: Ich muss es ihr sagen! Es geht nicht anders!
L.: Und das fällt dir jetzt ein, Frank? Wir hätten schon viel eher hier abhauen sollen!
F: Ich kann nicht ohne sie!
L: Ach, und da ziehst du es lieber vor, die Alte zu vögeln!!! Frank, mehr betrügen geht echt nicht!
F: Scheiße… Du hast ja Recht!
Frank lief im Zimmer auf und ab und überlegte hin und her, aber er wusste nicht, wie er aus der Sache wieder rauskommen sollte. Die ganze Geschichte lief so langsam aus dem Ruder.
Lissy: Scheiße Frank, wir stehen kurz davor, dass alles auffliegt. Wir müssen hier weg! Die Alte wird ihre Klappe nicht ewig halten, da bin ich mir sicher!
Frank: Ich kann hier nicht weg! Verstehst du das denn nicht? Ich habe gerade geheiratet! Ich bin glücklich! Zum ersten Mal in meinem Leben!
L: Selbsttäuschung ist auch eine Täuschung, Frank! Blick der Wahrheit ins Gesicht: Du bist ein Betrüger!!! Du kannst dieses Leben nicht weiterführen! Die Hochzeit war eine Schnapsidee! Ein Betrüger wird sesshaft… Du glaubst echt noch an Märchen, Frank!
F: Ich will sie nicht verlieren!
L: Frank, wenn du so weitermachst, wirst du sie auf jeden Fall verlieren! Also vergiss sie, pack deine Sachen und wir verschwinden hier!
In dem Moment klingelte sein Handy: Wer? Schwester Sabine? Können Sie mal etwas langsamer sprechen? Hallo? Ich verstehe Sie nicht? Was ist mit Gretchen? Nein!!! … Er ließ sein Handy fallen. Lissy schaute ihn entsetzt an: „Was ist los?“ Sie nahm sein Handy in die Hand: „Hallo? Was ist?“
Frank: Ich muss sofort ins Krankenhaus! sagte es und war schon fast zur Tür raus.
Lissy: Warte Frank, du darfst nicht zu ihr!
F: Was? Das ist doch sicher auf dem seinem Mist gewachsen!
L: Das Krankenhaus steht unter Quarantäne! Die lassen niemanden rein!
F: Aber, wenn sie stirbt und ich ihr noch nicht gesagt habe, wer ich wirklich bin, dann… Nein, ich fahr da jetzt hin!
L: Frank! (Sie hält ihn fest) Du kannst ihr jetzt nicht helfen! … Er brach weinend in ihren Armen zusammen.


Gaby nutzte währenddessen die Chance des allgemeinen Chaos - sie war auch eine der Glücklichen der Gruppe 3, die am Abend entlassen worden sind - und schrieb Alexis von Buren einen Erpresserbrief:
Ich weiß, was Sie getan haben! Sie sind nicht Alexis von Buren! 1 Mio. € oder ich sage ihrer Frau alles. Und die Polizei interessiert sich sicherlich auch ganz brennend dafür, was ich hinter der Wand gefunden habe!
Dass sie damit gleichzeitig verraten hatte, dass sie wohl unter den Polterabendgästen gewesen sein musste, merkte Gaby zu diesem Zeitpunkt noch nicht! Doch nicht Alexis bekam den Brief in seine Hände - er war viel zu sehr mit seinen Selbstzweifeln und der Sorge um Gretchen beschäftigt -, sondern seine „Mutter“ nahm den Brief entgegen. Sie versuchte natürlich sofort herauszufinden, wer hinter der Erpressung stecken könnte und zwar nur mit einem einzigen Ziel, den lästigen Mitwisser auszuschalten! Denn was keiner ahnte, sie hatte ihren eigenen Sohn auf den Gewissen und im Geheimgang eingemauert! (Rückblende in die Vergangenheit)


Zwei Tage später
Gretchen war immer noch bewusstlos und hatte hohes Fieber, doch sie lebte. Marc wachte an ihrem Bett, hielt ihre Hand stundenlang, ihm war egal, was die anderen über ihn dachten, er wollte einfach nur bei ihr sein… Er flüsterte ihr leise zu, dass er sie nicht verlieren wollte und dass er sie liebte, in der Hoffnung, sie würde endlich aufwachen. Sie hörte diese Worte auch, aber dachte es sei nur ein Traum ...

Traum und Realität verschwammen. Gretchen träumte: was wäre gewesen, wenn die Hochzeit anders verlaufen wäre? Anstatt ihres Bräutigams Alexis sieht sie plötzlich Marc am Traualtar stehen … verschwommen sieht sie Bilder aus der Vergangenheit: vom Schulhof, seinen Demütigungen, der ersten Begegnung mit Marc im Fahrstuhl, ihrem ersten Kuss, dem Dornröschenkuss, der Leidenschaft unter der Dusche, dem Kuss am Polterabend, dann den traurigen Blick von Marc, als sie in die Kirche schreitet... Hatte sie etwa den Falschen geheiratet? ... Immer wieder tauchen auch Bilder von Alexis auf, der immer mehr in den Hintergrund rückt und im Schatten steht, sein Gesicht ist nicht zu erkennen - die Andeutung eines dunklen Geheimnisses vielleicht? Ziemlich verworrene Bilder quälten Gretchen während ihres Fiebertraums,… Sie wälzte sich hin und her, doch Marc hielt beruhigend ihre Hand...


Das Krankenhaus war noch einmal am Rande einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Das Gegenmittel hatte bei den meisten Patienten angeschlagen. Medhi, Knechtelsdorfer und Franz wachten aus dem Koma auf. Bärbel hatte Franz in ihrer Sorge die Affäre und das gestohlene Geld gebeichtet! Was sie jedoch nicht wusste, er hatte alles mit angehört. Eine Ehekrise bahnte sich bei Haases an.... (doch das ist eine andere Geschichte!) Nur bei Gretchen schien das Mittel nicht so schnell zu wirken. Sie war immer noch bewusstlos und hatte hohes Fieber. Marc wusste nicht mehr weiter, verbrachte jede freie Minute an ihrem Bett und hielt ihre Hand.
Gretchen träumte weiterhin: traumhafte Märchensequenzen erscheinen, in denen Marc immer wieder als tapferer Prinz auftaucht, aber immer wieder von einem fiesen schwarzen Ritter Alexis aufgehalten wird - ein ganz anderes Bild von Alexis, das Gretchen bisher noch nicht kannte! Als sie im Fieber plötzlich Alexis Namen rief, erkannte Marc schließlich, was ihr fehlte und er rief Alexis ins Krankenhaus, der ihn am Krankenbett ablöste. Sie tauschten böse Blick aus. Beide waren eifersüchtig auf den jeweils anderen!
Verzweifelt und enttäuscht, dass Gretchen ihn anscheinend wirklich nicht mehr liebte, ließ Marc die beiden allein und ging zurück in sein Büro, wo er traurig aus dem Fenster in den Park schaute und seiner verpassten Chance nachtrauerte… Er glaubte, Gretchen endgültig verloren zu haben. Wie konnte es nur soweit kommen, er und Gefühle, nein, das würde er nicht noch einmal zulassen; er machte wieder dicht und baute wieder eine riesige innere Mauer auf...

Auch Alexis/ Frank war über den Zustand seiner Liebsten erschüttert. In seiner Verzweiflung wollte er ihr endlich sein Geheimnis gestehen, doch im selben Moment schlug Gretchen plötzlich ihre Augen auf. Glücklich schloss er sie in seine Arme, auch Gretchen war glücklich, glaubte sie doch, dass er die ganze Zeit an ihrer Seite gestanden hatte; sie hatte seine Hand und seine Wärme immer gespürt; dass es eigentlich Marc gewesen war, ahnte sie nicht. Alexis’ Geständnis blieb aus ...

Die Träume hatten Gretchen zwar verwirrt, aber da sie glaubte, Alexis habe ihr die ganze Zeit beigestanden, verdrängte sie ihre Zweifel und die Unsicherheit schnell wieder. Er ist der Richtige! Marc hätte das nie gemacht! Nein, ich werde nicht noch einmal an Marc Meier denken! Diese Phase ist endgültig vorbei! Ich bin eine glücklich verheiratete Frau mit einem Mann, der mich wirklich liebt und in guten wie in schlechten Zeiten zu mir steht!


Nach ein paar Tagen ging es ihr wieder sichtlich besser und sie nervte Schwester Sabine und ganz besonders Marc damit, endlich entlassen zu werden und wieder arbeiten zu dürfen! Irritiert bemerkte sie aber Marcs zurückhaltendes Verhalten ihr gegenüber. Er hatte sich in den letzten Tagen - außer bei der Visite - nicht bei ihr blicken lassen… Schon komisch irgendwie, aber egal, was soll ich mir über ihn den Kopf zerbrechen. Habe jetzt mein eigenes Leben und da gehört Marc Meier ganz bestimmt nicht dazu!!!

Gretchen wurde schließlich entlassen und holte mit Alexis erst einmal die verpassten Flitterwochen nach, aber irgendwie merkte sie schon, dass etwas nicht stimmte, sie wusste nur noch nicht, was es war...

Marc lenkte sich derweil so gut es ging mit Arbeit ab und ließ Schwester Sabine an seinem schroffen Befehlston verzweifeln. Das alte Obermacho-Arschloch war wieder da, nein, eigentlich war es ja nie weg gewesen!

Franz erholte sich zu Hause von seiner Erkrankung. Er hatte Dr. Meier vorübergehend die Geschäftsführung der Klink überlassen, der damit sichtlich überfordert war (Computer und Papierkram sind ja nicht wirklich sein Ding, aber wozu hatte er denn Sabine!). Bärbel hatte Franz von ihrer Affäre und dem gestohlenen Geld erzählt. Es bahnte sich eine Ehekrise bei Haases an, doch da auch er kein Kind von Traurigkeit war (Bärbel warf ihm immer wieder seine eigenen 3 Affären vor!), versöhnte er sich schnell wieder mit ihr. Jetzt lag es an Bärbel, das Geld nach Hause zu bringen. Dass Bärbel einen heimlichen Nebenverdienst hatte, hatte sie Franz aber weiterhin verschwiegen. Das Hanfplantagengeschäft florierte prächtig, wäre da nicht Sabine, die durch Zufall (oder wohl eher Tollpatschigkeit) auf Bärbel, Gordon und Knechtelsdorfer stieß… Aber das ist eine andere Geschichte!

Auch Medhi hatte die Epidemie zum Nachdenken gebracht. Er sinnierte über sein gescheitertes bisheriges Leben - seine Traumfrau verheiratet, seine Frau eine Nutte, die mit seinem Kind abgehauen war (er war fest davon überzeugt, dass Lilly seine eigene Tochter war, auch wenn Anna vielleicht etwas anderes behauptet hatte, er liebte seine Tochter und wollte alles tun, um sie zu finden; er schaltete sogar einen Detektiv ein…), Wohnung verkauft, um seine Schulden bei dem Zuhälter seiner Frau zu begleichen, alle seine Ersparnisse waren weg! Er beschloss, endlich sein Leben wieder in den Griff zu bekommen: keine Tabletten mehr und keine Fressanfälle, und v.a. nicht gleich wieder verlieben! Da er pleite war und sich allein keine eigene Wohnung leisten konnte und Schwester Stefanie ihn endgültig aus dem Schwesternwohnheim geworfen hatte, kam er vorerst bei Marc unter. In ihrer Männer-WG suhlten sie sich erst einmal gegenseitig im Selbstmitleid … wegen Gretchen!


Gretchen kehrte schließlich glücklich und mit neuen Kräften aus ihren Flitterwochen zurück; alle Sorgen und Zweifel wegen Alexis waren wie weggeblasen; sie blickte optimistisch in ihre Zukunft; endlich hatte sie das, wovon sie schon immer geträumt hatte: sie war verheiratet mit einem charmanten und gutaussehenden Millionär, der sie über alles liebte. Gut gelaunt nahm Gretchen ihren Dienst in der Klinik wieder auf. Anscheinend hatte sich dort nichts verändert. Marc Meier war derselbe arrogante und selbstverliebte Macho-(Ober-)-Arsch, der Gretchen mit seinen Sprüchen zur Weißglut brachte - dass das alles nur seine Taktik war, um mit der ganzen Situation zurechtzukommen, dass sie jetzt verheiratet war, ließ er sich nicht anmerken; nur in unbeobachteten Momenten schaute er ihr traurig nach (was Sabine natürlich erfreut zur Kenntnis nahm!).

Auch Medhi versuchte so gut es ging mit der Situation klarzukommen und spielte den guten und verständnisvollen Freund, auch wenn es ihm schwer fiel (er versank öfters in Tagträumen, in denen er mit Gretchen glücklich zusammen war; Kinder sprangen um die beiden herum - darunter auch Lilly!); er litt still in sich hinein und versuchte sie zu vergessen; er nahm sogar Marcs Ratschlag an, sich doch auch mal mit anderen Frauen zu treffen; ein Date mit Frau Dr. Hassmann wurde aber zu einem peinlichen Reinfall; er versuchte krampfhaft, nicht mehr als Weichei rüberzukommen, machte auf Macho, was eher lustig und peinlich war, als erfolgreich; er merkte schnell, dass das einfach nicht seine Art war und so blieb er allein ...


Zunächst schien Gretchen glücklich mit Alexis (endlich eine funktionierende Beziehung!) und nervte alle - v.a. Marc, Medhi und Frau Dr. Hassmann - damit, wie toll doch das Eheleben war, dachte auch über Kinder nach (Bärbel wünschte sich nichts sehnlicher als Enkelkinder, sie wollte doch so gerne eine junge Oma sein!), wurde aber durch das seltsame Verhalten von Alexis, den das schlechte Gewissen plagte, immer unsicherer (er sagte öfters kurzfristig Verabredungen ab oder verschwand von einem Moment auf den anderen, zog sich oft für Stunden in die Bibliothek zurück und dann diese ständigen Anrufe, nach denen er immer verschwand!); in solchen Momenten dachte Gretchen auch wieder häufiger an Marc (Tagträume!)...

Und dann brachte sie eine einzige Begegnung mit Marc ganz aus dem Gleichgewicht:
eines Abends war sie zusammen mit Marc im Fahrstuhl, als dieser stecken blieb; sie hasste enge Räume; hielt sich krampfhaft an der Wand fest; aber sie wollte keine Angst zeigen, schon gar nicht vor Marc; sie konnte sich schon seine Sprüche denken, der hätte sie dann monatelang damit aufgezogen: Nein, Gretchen bleib stark! Auch Marc war unsicher; wochenlang war er ihr so gut es ging aus dem Weg gegangen und dann brachte eine kurze Begegnung mit ihr ihn gleich wieder so aus dem Takt? Die beiden rührten sich nicht; beide trauten sich nicht, etwas zu sagen; sie schauten sich nicht an; jeder stand in seiner Ecke; aus Sekunden wurden Minuten, aus Minuten eine Stunde und noch immer keine Reaktion von beiden. Gretchen wurde immer nervöser, immer wieder drückte sie den Hilfeknopf, aber niemand meldete sich. Es war schon spät, beide hatten Spätdienst gehabt; wahrscheinlich war keiner mehr da. Sie setzte sich schließlich auf den Boden, kramte in ihrer Tasche: Gott sei Dank, ein Schokoriegel war noch da. Marc hatte sich auch hingesetzt, spielte mit seinem Autoschlüssel hin und her, immer wieder lugte er heimlich zu Gretchen; als sie den Riegel rausholte, musste er schmunzeln; das bemerkte auch Gretchen: na toll, jetzt sitzen wir hier fest und ich kann nur ans Essen denken! Was denkt der denn jetzt von mir? Der kommt mir bestimmt gleich mit einem blöden Spruch! Aber nein, Marc sagte immer noch kein Wort. Oh Gott, was für eine blöde Situation, irgendeiner von uns muss doch jetzt mal etwas sagen! Und Gretchen brach endlich das Schweigen: „Sieht ganz so aus, als ob wir hier die ganze Nacht festsitzen werden. Also falls du Hunger hast und mich ganz lieb fragst, gebe ich dir auch ein Stück ab.“ - „Schon, gut, ich hab schon schlimmere Sachen überlebt. Du kannst den ganzen Riegel haben. Ich bin heute mal großzügig.“ Das klang zwar alles noch etwas verkrampft, aber das Schweigen war gebrochen. Beide lächelten sich an. - „Gut, wer nicht will, der hat schon.“ Und nun? worüber sollten wir denn reden? Hmm, vielleicht die Arbeit? - „Die Blinddarm-OP heute war ganz schön knapp. Wie konnten die dem in der Charité sagen, dass es nur ne Magenverstimmung ist?“ - „Ja, hätte eben gleich zu den Besten kommen sollen!“ Wieder Schweigen. Nee, Arbeit ist doch kein gutes Thema. - „Und wie läuft es so mit dir und Medhi, also ich meine eure WG.“ - „Was sonst?“ Beide mussten lachen. - „Läuft ganz gut. Er räumt auf, putzt, wäscht die Wäsche, kocht. Keine Haushälterin ist besser!“ - „Lass ihn das bloß nicht hören. Sonst bist du ihn gleich wieder los!“ - „Nee nee, er ist der Beste. Mit keinem kann man besser ein Bierchen trinken und…“ - „über Frauen quatschen!“ - „Was hast du denn für eine Meinung von uns Männern? Frauen quatschen! Wir trinken unser Bierchen, gucken Fußball und schweigen. Das ist so eine Evolutionssache. Wir wissen auch ohne Worte, was der andere gerade denkt!“ - „Ach so, aber Medhi mag doch gar keinen Fußball!“ Beide mussten lachen. Das Eis war gebrochen. Die halbe Nacht quatschten sie über dies und das. Warum haben wir das nicht schon früher hinbekommen? dachte Gretchen. Sie wollte gerade noch etwas sagen, als sie merkte, dass Marc eingeschlafen war. Wie süß er aussieht, wenn er schläft. Stopp Gretchen, du findest Marc Meier nicht süß, du findest überhaupt keine anderen Männer süß, du bist verheiratet! Sie zog sich in ihre Ecke zurück, lehnte sich an die Wand und versuchte auch zu schlafen. Sie konnte es nicht, immer wieder schaute sie zu Marc. Sie konnte ihren Blick nicht von ihm wenden. Plötzlich machte er die Augen auf und schaute sie direkt an. Es knisterte gewaltig. Warum ist es denn plötzlich so warm hier, ging doch eigentlich bis eben? Marc konnte nicht anders, sie zog ihn magisch an, er rückte immer näher an Gretchen heran und auch sie kam ihm näher, als sie eigentlich wollte. Es war magisch. Sie schauten sich an, ihre Köpfe kamen sich immer näher, Gretchen schloss die Augen. Nur diesen einen Kuss!, dachte sich Gretchen; sie konnte schon seinen Atem spüren, als es plötzlich einen Ruck gab, der Fahrstuhl fuhr wieder; beide zogen erschrocken ihre Köpfe zurück und sprangen auf; die Tür ging auf: Schwester Sabine und Medhi standen vor ihnen! Medhi schaute entsetzt zu den beiden; er spürte, dass hier etwas gelaufen war: „Was macht ihr hier…?“ fragte er stockend. Doch keine Reaktion. Gretchen nahm schnell ihre Tasche und verschwand und ließ einen perplexen Marc zurück: Was war das eben? Sabine wollte gerade etwas sagen, da rauschte auch Marc aus dem Aufzug an ihnen vorbei. Medhi und Sabine schauten sich an und dann Marc nach. Gretchen stürmte aus dem Krankenhaus. Nein das durfte nicht sein, sie konnte doch nicht etwa immer noch… Sie schüttelte den Kopf. Nein, ich darf mich nicht noch einmal so vergessen!...


In der Zwischenzeit war Alexis’ „Mutter“ zum Schein auf die Erpressung eingegangen, da sie herausfinden wollte, wer dahinter steckte; Gaby lief damit blindlings in ihr Verderben (Sie träumt schon als reiche Jetsetterin durch Saint Tropez und Mailand zu stolzieren! Marc würde noch Augen machen!…); aber auch Alexis hatte von der Erpressung Wind bekommen u. spionierte Mechthild hinterher, die mit einer Pistole zum vereinbarten Übergabeort ging...


Währenddessen war Gretchen (noch immer etwas verwirrt durch die Nacht im Fahrstuhl) sauer, weil Alexis mal wieder mit einer seltsamen Ausrede ihre Verabredung abgesagt hatte: ich gebe mir hier solche Mühe und kein Entgegenkommen von ihm! Ihr kamen zunehmend Zweifel, dass irgendetwas nicht stimmte (Hat er etwa eine Affäre?? Vielleicht mit seiner Assistentin? Die hängen doch ständig zusammen! Das glaubt Gretchen zunächst!). Gretchen besprach ihre Beziehungsprobleme mit Sabine im Schwesternzimmer. Marc belauschte die beiden zufällig und freute sich wie ein kleines Kind, dass es bei Gretchen doch nicht so toll lief, wie sie immer behauptete; bei der nächsten OP würde er ihr mal auf den Zahn fühlen! Grinsend ging er zurück in sein Büro; Sabine u. Gretchen beschlossen, ihrem Mann hinterherzuspionieren...
Die beiden fuhren zusammen zur Villa, wo sie durch Sabines Tollpatschigkeit auf verschiedene Puzzleteile stießen; Sabine war mit ihrer Tasche an der Statue hängen geblieben und die Tür zum Geheimgang hatte sich geöffnet. - „Eine Geheimtür? Das ist ja wie im Gruselkabinett!“ Dort fanden sie aber nicht wie Gaby damals die Leiche vom echten Alexis von Buren - die hatte ihre „Schwiegermutter“ vorsorglich woanders versteckt -, dafür aber die falschen Pässe: George Clinton, Jacques Sarkozy, Enrique Martin, Jason Bourne, Frank Steinmüller… Was hat das alles zu bedeuten?Sie durchsuchten auch das Zimmer ihrer Schwiegermutter, die sich in letzter Zeit auch ziemlich seltsam verhalten hatte. - Irgendwie hatte Gretchen das Gefühl, dass sie gar nicht so blind war, wie sie immer vorgab; warum hätte sie sonst die Untersuchung immer wieder verschieben sollen? - Doch ihnen fiel nichts Verdächtiges weiter auf, naja gut, für eine Blinde hat sie verdächtig viele Zeitschriften hier!

Währenddessen sah Gaby plötzlich in den Lauf einer Pistole; doch Alexis konnte Mechthild zunächst überwältigen, dabei stürzte Gaby u. blieb bewusstlos liegen; Mechthild überzeugte ihn schließlich, dass Gaby verschwinden musste; widerwillig stimmte er zu u. sie legten die bewusstlose Gaby in den Kofferraum und fuhren zurück zur Villa, wo sie sie erst einmal im Geheimgang verstecken wollten, bis sie wussten, was sie mit ihr machen würden...

In der Zwischenzeit durchsuchten Gretchen u. Sabine immer noch die Villa, als sie plötzlich den Wagen von Alexis hörten; hinter einem Vorhang versteckt sahen sie, wie die beiden einen größeren Gegenstand in dem Geheimgang schleppten; Frau v. Buren sagte nur, dass er die Klappe halten sollte, sonst ginge sie zur Polizei u. würde ihn als Schuldigen dastehen lassen; Alexis ging - er war ja noch mit Gretchen verabredet; auch seine Mutter verließ das Zimmer; Gretchen u. Sabine waren geschockt, was hatte das alles zu bedeuten? Sie beschlossen, im Geheimgang nachzuschauen...

Frank war verzweifelt und wusste nicht mehr ein noch aus; er hatte endgültig begriffen, dass es Mechthild war, die ihren eigenen Sohn auf dem Gewissen hatte; sie würde vor nichts zurückschrecken; und er hatte sich zum Mittäter gemacht; sie hatte ihn in der Hand; es gab anscheinend keinen Ausweg mehr. Oder doch? Was wäre, wenn er mit Gretchen fliehen würde? Er beschloss, endlich reinen Tisch zu machen u. rief Gretchen an...

Gretchen wollte gerade den Hebel der Statue umdrehen, als plötzlich ihr Handy klingelte; Sch…; panisch ging sie ran, in der Hoffnung, dass ihre „Schwiegermutter“ es nicht gehört hatte; am Telefon war Alexis, der sich entschuldigte, dass er nicht zur Verabredung gekommen war u. sich für heute Abend mit ihr verabreden wollte, Gretchen sagte zu, um ihn loszuwerden u. legte schnell auf; sie verschwand mit Sabine im Geheimgang... Überraschend fanden sie dort eine gefesselte und geknebelte Gaby; Gretchen wollte ihr gerade das Pflaster vom Mund abziehen, als Mechthild zurück ins Zimmer kam; sie hatte doch ein Geräusch gehört; sie schaute sich um, nichts... Die drei Frauen rührten sich nicht, aus Angst, sie hielten die Luft an; die Alte telefonierte mit einem Komplizen: „hier ist etwas, was beseitigt werden muss...“ Die drei Frauen schauten sich entsetzt an. Die Alte verließ das Zimmer und wenig später hörte man ihren Wagen davonfahren.
Sabine befreite Gaby u. die drei verließen panisch das Haus; es blieb keine Zeit für Fragen, als Beweis nahmen sie die gefälschten Pässe mit…
Die drei liefen vom Grundstück weg, als wäre der Teufel hinter ihnen her. Erst nach ein paar Kilometern hielt Gretchen endlich an, sie konnte nicht mehr. Sie konnte nicht fassen, was in den letzten Minuten passiert war. Wen hatte sie da nur geheiratet!
Auch Sabine war außer Atem u. stellte als Erste Gaby zur Rede, was hier überhaupt los sei. Gaby, die noch unter Schock stand, gestand alles, was sie wusste, dass sie damals auf dem Polterabend, den geheimen Gang gefunden hatte, von dort ein Gespräch zwischen Alexis u. seiner angeblichen Mutter angehört hatte, dass er nicht Alexis von Buren sei, dass sie in dem Gang eine Leiche gefunden hatte - vermutlich den echten Alexis von Buren - und dass sie versucht hatte, Alexis zu erpressen; ist aber nach hinten losgegangen, denn plötzlich stand Frau von Buren mit einer Waffe vor ihr u. Alexis hatte sie dann mit seiner kranken „Mutter“ entführt…
Gretchen war geschockt: sie hatte einen Mörder geheiratet? Das konnte nicht sein! Jetzt verstand sie auch endlich die Zeichen in ihren Träumen? Alexis hatte tatsächlich ein dunkles Geheimnis! Aber die Tragweite erkannte sie erst jetzt.
Was nun? Was sollten sie nun tun? Die Polizei rufen? Wer sollte ihnen diese hanebüchene Geschichte glauben? Ohne richtige Beweise? Die Leiche war weg. Ob die Pässe reichen würden? Und die Entführung von Gaby? Nach der Sache damals auf dem Polizeirevier glaubt der doch niemand mehr irgendetwas! Die Drei standen also mitten im Grunewald, allein, ohne Auto, ohne Plan ...

Gretchen entschloss sich schließlich, Marc anzurufen: „Ähm Marc, wir sind da in so eine blöde Situation geraten. Kannst du uns vielleicht bitte abholen?“
Marc war ziemlich genervt, seit der Sache im Fahrstuhl waren sie sich mehr schlecht als recht aus dem Weg gegangen, hatten kaum u. wenn nur beruflich miteinander geredet u. dann sollte gerade er ihr aus der Klemme helfen? Nein danke, soll sich doch ihr Mann um sie kümmern. Das ist nicht mehr seine Baustelle. Er wollte gerade auflegen, als er Sabines Stimme hörte: „Herr Doktor, aber es geht um Leben u. Tod!!!“ Dann ein Schrei… Das Telefonat brach ab…
Gaby hatte die beiden hinter ein Gebüsch gezerrt, als sie den Wagen von Frau von Bu-ren um die Kurve fahren sah; Gretchen war gestolpert u. einen Abhang hinuntergefallen - daher der Schrei!
Marc war irritiert, irgendetwas stimmte da doch nicht, er wollte der Sache nachgehen und stürmte aus seinem Büro, direkt in Medhis Arme, der zu ihm wollte - sie waren zu einem Bierchen verabredet. Marc erzählte ihm von dem seltsamen Telefonat u. dass Gretchen anscheinend Hilfe brauchte. Da gab es auch für Medhi kein Halten mehr. Zu zweit fuhren sie mit quietschenden Reifen vom Krankenhausparkplatz...

Lorelei Offline

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14.09.2009 16:53
#2 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Währenddessen bereitete Frank alles für seine Flucht vor, besorgte sich drei Flugtickets, sagte seiner Schwester Bescheid, sie solle doch heimlich aus der Villa ein paar Sachen für sich u. Gretchen holen und die gefälschten Pässe: „Wir müssen hier weg, Frau v. Buren wird zu gefährlich, aber sei vorsichtig, die Alte ist zu allem fähig, wir treffen uns 20 Uhr im Restaurant. Ich werde Gretchen alles sagen.“ Frank war fest davon überzeugt, dass sie ihm folgen würde, wenn sie erst einmal alles wusste - er ahnte ja nicht, wie tief sie bereits in die Geschichte verwickelt war,…

Währenddessen hatten Marc u. Medhi die Stelle im Wald erreicht, die Gretchen beschrieben hatte, doch von den Frauen war keine Spur. Erst nach einer Weile sahen sie Sabine, die panisch mit den Armen winkte: was wird das jetzt für eine Geschichte, dachte sich Marc. Erst als die beiden näher kamen, sahen sie, dass Gretchen verletzt war. Sie hatte sich bei dem Sturz den Knöchel verstaucht. Gaby saß wie paralysiert an einem Baum u. zitterte. - „Was ist hier passiert?“ Doch keine der drei konnte etwas sagen, zu tief saß der Schock des gerade Erlebten. Marc nahm Gretchen auf den Arm u. Medhi Gaby u. brachten beide zu seinem Wagen; Sabine folgte ihnen; panisch sagte sie immer wieder: „Wir müssen hier weg!“ Marc war genervt u. fragte, was die ganze Scheiße hier soll. „Ist der Teufel hinter euch her oder was?“ „So ähnlich“, murmelte Sabine u. drängte ihn zum Aufbruch. Die ganze Fahrt über herrschte Totenstille im Wagen. Gretchen fing leise an zu weinen, auch Gaby schluchzte, Sabine sah sich immer nur panisch um, ob ihnen auch niemand folgte…

Inzwischen hatte Franks Schwester das Nötigste in der Villa zusammengesucht, nur die Pässe hatte sie nicht gefunden. Plötzlich hörte sie eine Autotür zuschlagen. Frau v. Buren war zurück u. sie war nicht allein. Schnell versteckte sich Lissy auf dem Balkon, als die beiden ins Zimmer traten. - „Lassen Sie sie verschwinden! Was mit ihr passiert, ist mir egal, Hauptsache Sie hinterlassen keine Spuren.“ Lissy riss die Augen auf und geriet in Panik. Sie schaute nach unten auf das Blumenbeet. Ok, das könnte gehen. Mit einem beherzten Sprung rettete sich Franks Schwester vom Balkon u. rann-te zu ihrem Wagen, den sie vorsorglich ein paar Straßen weiter geparkt hatte,…
Der Handlanger öffnete die Tür zum Geheimgang u. rief: „Sie ist weg!“ Mechthild reagierte geschockt: Wie konnte das sein? „Frank!!! Dir werde ich es heimzahlen!“ Da fiel ihr Blick auf einen lilafarbenen Schal. - Den kenne ich doch! Er wird ihr doch nicht …

Währenddessen erreichten Marc u. die anderen die Klinik. In der Notaufnahme versorgte er liebevoll Gretchens Knöchel. Sie blickten sich tief in die Augen und Gretchen dachte, wie konnte sie nur so naiv und blind sein! Da steht ihr Traummann u. sie heiratet einen Betrüger und Mörder!
Ihre Verzweifelung wandelte sich plötzlich in Wut; sie sprang auf, hatte dabei aber vergessen, dass ihr Knöchel verletzt war, und fiel von der Liege. Marc musste schmunzeln. Da war sie wieder, sein tollpatschiges Gretchen, das er so lange vermisst hatte; im gleichen Moment besann er sich aber wieder - er wollte ja keine Gefühle mehr zulassen - und fragte sie in einem barschen Ton, was die Scheiße im Wald gera-de sollte: „Du hältst mich u. Medhi von unserem hart verdienten Feierabend ab u. schickst uns in die Pampa, um drei hysterische Weiber einzufangen!“
Gretchen war auf diese Reaktion nicht gefasst. Hatte er sie nicht gerade heldenhaft aus dem Wald vor der bösen Hexe gerettet? Und jetzt das?
Medhi mischte sich ein: „Spinnst du, merkst du nicht, dass die drei unter Schock ste-hen! Wenn sie sich beruhigt haben, werden sie uns schon sagen, was passiert ist!“
Das saß erst mal. Marc hielt erst mal die Klappe u. schaute sich noch mal Gretchens Knöchel an, als plötzlich ihr Handy klingelte: „Schatz, wir treffen uns 20 Uhr in unse-rem Restaurant, ich habe dir etwas Wichtiges zu sagen!“
Gretchens Blick erstarrte, sie zitterte am ganzen Körper. Das war Alexis Stimme am Telefon. Sie brachte nur ein „Gut. Geht klar!“ heraus u. ließ ihr Telefon zu Boden fal-len.
Auch Marc u. Medhi blieb ihre Reaktion nicht verborgen. Scheint ja nicht gerade, die große Liebe zu sein! Die beiden schauten sich an und schrieen plötzlich beide gleich-zeitig los: „Was hat das Schwein dir angetan?“
Doch Gretchen reagierte nicht; ihr liefen immer wieder die Bilder vom Nachmittag durch den Kopf, vermischt mit Bildern, als sie noch glaubte, mit ihm glücklich zu sein; sie schüttelte den Kopf u. sagte nur leise: „Das kann nicht sein! Das darf einfach nicht sein!“
Marc wurde immer ungehaltener, schüttelte sie u. blickte ihr fragend in die Augen, die sich mit Tränen füllten; Gretchen konnte nicht mehr, sie fiel in Marcs Arme und weinte bitterlich,…
Medhi war in der Zwischenzeit damit beschäftigt, Gaby aus ihrer Trance zu holen, er gab ihr ein Beruhigungsmittel; auch sie begann zu weinen u. faselte etwas von einer Pistole, Leiche, Erpressung; er konnte sich aber keinen Reim daraus machen,…
Sabine lief währenddessen in der Notaufnahme wie ein aufgescheuchtes Huhn hin u. her, sie brach als Erste das Schweigen: „Wir müssen die Polizei rufen!“
Da erwachte auch Gretchen aus ihrer Trance (sie hatte die Umarmung mit Marc ge-nossen, diese Vertrautheit hatte ihr lange gefehlt): „Nein, das geht nicht!“
Sabine: „Aber er hat ihn umgebracht!“
Marc u. Medhi rissen die Augen auf!
Gretchen: „Aber das wissen wir doch gar nicht genau!“ (sie hatte immer noch einen Funken Hoffnung, dass etwas Gutes in Alexis steckte oder wie auch immer er mit wirklichen Namen hieß)
Jetzt wachte auch Gaby endlich auf: „Bist du bescheuert? Ich habe die Leiche gese-hen. Ich habe gehört, was die beiden beredet haben. Sie haben mich mit einer Waffe bedroht und entführt. Und das Telefonat vorhin? Die wollte mich beseitigen lassen!“
Marc u. Medhi verstanden immer noch kein Wort! „Sagt mal, habt ihr nen schlechten Krimi gesehen oder was?“
Sabine: „Schön wär’s, das ist bittere Realität! Alexis von Buren ist nicht Alexis von Buren! Er ist ein Betrüger und Mörder! Und ich werde jetzt die Polizei rufen!“
Medhi u. Marc: „Was? Ist das euer Ernst! Gretchen, sag du doch auch mal was dazu?“
Doch die Worte von Sabine trafen sie wie ein Schlag ins Gesicht. Das ist kein böser Traum! Das ist wahr! Und Gretchen brach wieder in Tränen aus. Sie konnte nichts sa-gen, der Schock saß zu tief.
Sabine erzählte nun aufgeregt die ganze Geschichte. Marc konnte nicht glauben, was er da hörte. Er wurde immer wütender: „Ich bring den Kerl um!“ Er wollte schon aus dem Zimmer stürmen, als Gretchen ihn festhielt: „Nein Marc, bitte nicht!“ Er drehte sich um: „Willst du ihn etwa davon kommen lassen? Sag bloß, du liebst den immer noch?“ (Verzweiflung u. Wut lagen in seiner Stimme)
Gretchen: „Ich muss ihm die Chance geben, mir alles selbst zu sagen!“
Marc: „Aber das ist Selbstmord Gretchen! Ich lass dich nicht zu ihm und wenn ich dich hier einsperren muss!“
Gretchen: „Marc, bitte, ich habe mit ihm gelebt, er ist kein schlechter Mensch, das glaube ich einfach nicht. Er hat mich geliebt, dessen bin ich mir sicher. Noch nie hat mich jemand so sehr geliebt wie er (Marc u. Medhi verspürten einen tiefen Schmerz, als sie das sagte!), das habe ich gespürt. Das kann nicht alles gelogen sein!“
Marc: „Von Norman Bates glaubten auch alle, dass er kein schlechter Kerl ist!“
Gaby: „Eh, wie naiv bist du eigentlich! Er hat ihr doch geholfen, als sie mich in den Kofferraum gehievt haben!“
Medhi: „Wer hat ihm geholfen?“
Sabine: „Die böse Stiefmutter!“
Medhi: „Ok, wir müssen einen klaren Kopf behalten u. uns jetzt genau überlegen, was wir machen. Gretchen, wir werden nicht umhinkommen, die Polizei einzuschalten. Das ist kein Kavaliersdelikt. Es geht hier um Mord und Entführung. Und wir wissen nicht, wie er reagieren wird, wenn er bemerkt, dass du sein Geheimnis kennst!“
Sabine: Ein Undercovereinsatz! Das habe ich in Band 25 von „Dr. Roggelt in Gefahr“ gelesen. Da hat er sich…
Marc: Sabine, halten Sie die Klappe!
Gretchen: Nein, das ist eigentlich gar keine schlechte Idee!
Marc: Bitte was? Spinnst du?
Gretchen: Ich bin doch in einer Stunde mit ihm verabredet. Ich werde ihm vorspielen, dass ich nichts weiß und ihm irgendwie ein Geständnis entlocken.
Marc: Hasenzahn, das klappt nie! Du bist die schlechteste Schauspielerin, die ich kenne! Das würden die dir nicht mal bei „Verbotene Liebe“ abnehmen!
Gretchen: Maaaaaaaaarcccc!!! Nein ernsthaft, das ist die einzige Möglichkeit. Er ver-traut mir. Er hat mir ja auch abgenommen, dass auf dem Polterabend nichts zwischen uns war.
Marc: Was?
Gretchen: War ja klar, dass du den Kuss wieder vergessen hast! Hatte ja auch keine Bedeutung weiter!
Das saß erst mal. Von Marc kam keine Reaktion. (Natürlich hatte er den Kuss nicht vergessen, diese Blöße wollte er sich aber nicht geben!)
Medhi: Ok, wir machen das so, aber nur unter einer Bedingung: Ich sitze auch im Re-staurant und sobald er überreagiert, greife ich ein.
Marc: Was? Spinnst du? Nur weil du einmal eine halbe Stunde Karatetraining hattest, willst du hier plötzlich gleich den Helden spielen? Das ist ja wohl mein Part!
Alle: Wieso?
Gretchen: Das würde mich aber auch interessieren!
Marc schaute zu Boden und druckste vor sich hin: Naja, weil..., ja weil…
Gretchen: Kommt da noch was? Also das dauert mir jetzt alles zu lange. Ich muss gleich im Restaurant sein. Ich brauche noch etwas anderes zum Anziehen. So kann ich ja nicht hingehen, der denkt sonst, ich bin aus irgendeinem Erdloch gekrochen und ich mach mich erst recht verdächtig. Also Medhi, am besten wir fahren zusammen zum Restaurant, wir parken etwas abseits und du gehst etwas eher rein, da gibt es so einen Tisch gleich hinter der Garderobe, dort kann man sich gut verstecken und alles beo-bachten. Ich geh schnell in die Umkleide u. zieh mich um. Wir treffen uns in einer viertel Stunde an deinem Wagen.
Und schon war Gretchen aus der Tür raus, ohne dass Marc noch etwas dazu sagen konnte.
Sabine: Ein echter Krimi! Wie aufregend!
Marc: Medhi, ich komm mit. Das klappt doch nie!
Medhi: Nee Marc, heute bin ich es, der ihr mal den Arsch rettet. Du würdest doch eh keine fünf Minuten stillsitzen und gleich auf den losgehen. Nee, Marc, das ist mir zu riskant.
Marc: Gut, du hast ja recht. Aber… Ich könnte ja im Auto bleiben u. das Restaurant beobachten, falls er abhaut?
Medhi: Nee, ist mir immer noch zu riskant. Du bleibst hier und behältst die Stellung. Gaby ist noch nicht ganz klar im Kopf. Wäre besser, wenn jemand bei ihr bleibt.
Marc: Die ist doch nie klar im Kopf!
Gaby: Das habe ich gehört, du Arsch! Auf deine Hilfe kann ich verzichten!
Als Marc sich zu Gaby umdrehte, nutzte Medhi die Gelegenheit und verließ die Not-aufnahme. Gretchen wartete schon an seinem Wagen. Medhi fragte noch mal, ob sie das wirklich durchziehen will. - „Ja! Ich will endlich Klarheit!“ Und sie fuhren los. Marc lief noch zum Eingang, aber das Auto war schon weg. Sch…! murmelte er vor sich hin. Das bekam auch Sabine mit, die plötzlich hinter ihm stand. „Wir sollten vielleicht doch die Polizei informieren?“ Das hörte Marc schon gar nicht mehr, denn er rannte bereits wie in Trance zu seinem Wagen,…


Währenddessen saß Frank in seiner Limousine und überlegte, was er Gretchen alles sagen wollte. Er probte seine Rede: „Gretchen, also du weißt, dass ich dich über alles liebe, und was ich dir jetzt sage, hat überhaupt nichts mit meinen Gefühlen für dich zu tun, … Sch…, das klingt alles zu pathetisch. Oder vielleicht: Gretchen, ich muss für ein paar Monate (eigentlich ja Jahre, das kann ich ihr ja irgendwann mal bei Gele-genheit genauer erklären!) geschäftlich ins Ausland und ich möchte, dass du mitkommst. Ich kann ohne dich nicht leben! Vor dir war ich nur ein halber Mensch, irgendetwas hatte mir immer gefehlt, ich war immer allein und ich will das alles nicht mehr. Ich will mit dir zusammen sein… ja, das ist es, so mache ich es!“
- Plötzlich sprang die Tür auf: „Mensch, du hast mich vielleicht erschreckt, ich dachte schon, es ist die alte Schreckschraube! Hast du alles bekommen?“ - „Ja. Fast!“ - „Wie meinst du das!“ - „Naja, ich habe die Pässe nicht gefunden und dann kam die Alte mit so einem Schrank von Typen wieder und ich bin vom Balkon gesprungen, um irgend-wie da wegzukommen. Du meintest ja, dass …“ - „Schon gut Lissy, ich bin froh, dass du heil hier angekommen bist!“ - „Und was machen wir jetzt? Wenn die die Polizei einschaltet, dann haben die unsere Namen und Fotos!“ - „Ich weiß es nicht! Ich weiß nur, dass ich es Gretchen heute sagen muss und ach scheiße…“ - „Du tust das Richtige, Frank!“ - „Meinst du? Ich habe nur Angst, dass sie mir nicht verzeiht und nicht mitkommen will. Dann wäre mir alles egal!“ - „Frank, es ist gleich 20 Uhr!“
- In der Zwischenzeit waren auch Gretchen u. Medhi am Restaurant angekommen.
- Medhi: „Willst du das jetzt wirklich durchziehen? Wir können noch zurück und die Polizei rufen?“
- Gretchen (hektisch u. nervös): „Nein, wir ziehen das jetzt durch. Geh schon mal vor, Alexis wird gleich da sein!“
- Medhi ging zum Restaurant, drehte sich noch einmal um und Gretchen nickte ihm zu. Sie lief vor Aufregung hin und her. Hoffentlich geht nichts schief. Plötzlich hörte sie ein leises Pfeifen hinter sich und drehte sich langsam um (scheiße, er hat mich gesehen!) und wer stand vor ihr: Marc!
- G.: Marc! Spinnst du? Was machst du hier? Wir waren uns doch einig, dass…
- Marc: Ihr wart euch einig, ich habe da andere Pläne.
- G.: Wie meinst du das? Du kannst nicht mit ins Restaurant!
- Marc: Ja. Das ist mir schon klar. Aber irgendjemand muss doch das Restaurant bewa-chen, falls er abhaut!
- G.: Marc, du hast wohl zu viel „Alarm für Cobra 11“ geschaut. Du bist nicht Semir Gerkan. Ist dir das klar? Das passiert hier in echt!
- Marc: Ja, das weiß ich, aber ist dir das auch klar?
- G.: Ähm, natürlich! Ok, also bitte bitte bleib hier!
- Marc: Ich werde mich dann mal dahinten positionieren. Da habe ich einen guten Blick auf das Restaurant und die Limousine.
- G.: Die Limousine? Oh Gott, er ist schon da! Was ist, wenn er Medhi gesehen hat? Wir sind aufgeflogen! Sch…!!!!
- Marc nahm sie in den Arm und versuchte sie zu beruhigen: „Hey, reg dich ab. Alles wird gut!“
- G.: Woher weißt du das?
- Marc: Am Ende von Märchen siegt doch immer das Gute über das Böse!
- Gretchen sah Marc plötzlich mit anderen Augen an. Er war ihr plötzlich wieder so nah, wie damals nach dem Stromschlag. Plötzlich hatte sie auch wieder diese Stimme im Kopf, die sie während ihrer Fieberträume immer wieder gehört hatte: „Ich will dich nicht verlieren. Ich liebe dich.“ Und schlagartig wurde ihr klar: Das waren Marcs Worte! Es war immer Marc! Wie konnte sie nur so blind sein. Er liebte sie, dessen war sie sich nun sicher. Deshalb hatte sie auch wieder den Mut, Alexis entgegenzutreten. Denn ihr Held, ihre große Liebe, die sie so lange nicht zulassen wollte, war in der Nähe, um notfalls einzugreifen. Sie löste sich von Marc und ging zum Restaurant. Er schaute ihr lange verträumt nach, bis ihm einfiel, dass er ja auch noch eine Aufgabe hatte.
- Marc positionierte sich also hinter einem Baum in der Nähe der Limousine, deren Tü-ren sich gerade öffneten, Alexis und seine Schwester stiegen aus. Alexis wirkte nervös, das fiel auch Marc auf und beunruhigte ihn zugleich. Was hat der nur vor?

- Gretchen betrat das Restaurant und schaute sich um. Alexis war noch nicht da. Wo war Medhi? Gut hinter der Garderobe, sein Blick gab ihr Mut. Der Ober wies ihr einen Tisch am Fenster zu, deshalb sah sie auch gleich Alexis kommen: Komisch, der bringt seine Schwester mit. Wenn es überhaupt seine Schwester ist, vielleicht haben die beiden mich die ganze Zeit betrogen und hinter meinem Rücken gelacht, wie dumm, blond und naiv ich doch gewesen bin. Wie konnte ich nur auf den reinfallen? Gretchen wurde immer wütender, zerknüllte ihre Papierserviette. Als sie die beiden zur Tür reinkommen sah, versuchte sie sich zu beruhigen. Ok, Alexis von Buren oder wie auch immer, ich mach dich fertig!- Frank strahlte über das ganze Gesicht, als er seine große Liebe sah und begrüßte sie, sie wich aber seinem Kuss aus, was ihn irritierte, aber da er sie heute Mittag versetzt hatte, konnte er das schon verstehen.
- G.: Alexis, schön, du hast deine Schwester mitgebracht. Ist ja ein richtiges Familienessen. Hätte ich meinen Eltern und deiner „Mutter“ auch Bescheid geben sollen?
- A. (stotternd): Ähm, nee nicht nötig, ich habe eigentlich nur mit euch beiden etwas zu besprechen.
- G.: Ok, dann schieß mal los! (bei diesen Worten musste sie kurz stocken!) Was brennt dir auf dem Herzen?
- A.: Wollen wir nicht erst einmal etwas essen? Herr Ober, wir hätten gern die Weinkarte.
- G.: Warum reden wir nicht gleich? Nach deinem Anruf war ich so neugierig!
- Alex gerät ins Schwitzen, seine Schwester versuchte ihn zu beruhigen und legte ihre Hand auf sein Bein. Das fiel auch Gretchen auf: Also doch, er hat eine Affäre mit ihr! Wie viele Geheimnisse hat er denn noch vor mir? Du Lügner, Betrüger, Mörder, Heiratsschwindler!!! Sie lächelte gequält. Der Ober brachte den Wein. Gretchen, die sonst eher zurückhaltend ist, was Alkohol betrifft, nahm ihr Glas und leerte es in einem Zug. Alexis war schockiert: Ok, sie war sauer wegen heute Mittag. Ich muss sie erst mal ruhig stimmen, dann kann ich ihr alles sagen…
- Medhi beobachtete die ganze Szene u. merkte, dass Gretchen allmählich auf 180 geriet. Bleib bloß ruhig!
- A.: Ok, du bist immer noch sauer. Es tut mir leid, dass ich heute Mittag verhindert war. Ein Geschäftstermin.
- G.: (jaja, von wegen Geschäftstermin, du wolltest Gaby um die Ecke bringen!!!): Ja, ich bin sauer, vor allem weil ich wegen dir zeitiger Schluss gemacht habe u. auch noch ne Standpauke vom Meier abbekommen habe. (Mann, ich kann ja richtig lügen!!! Und das ohne rot zu werden!!! Hätte ich vielleicht schon früher mal ausprobieren sollen!!!)
- A.: Es tut mir wirklich leid! Wie kann ich das wieder gut machen?
- G. (Indem du mir endlich die Wahrheit sagst, du Arsch!!!): Weiß nicht? Was hättest du denn anzubieten?
- Alexis geriet immer mehr ins Schwitzen. Das mit dem Geständnis rückte immer mehr in weite Ferne. Das merkte auch seine Schwester: „Na, wie wäre es denn mit einer Reise? Ihr seid immer so gestresst von eurer Arbeit. Ihr müsst mal abschalten.“ Sie zwinkerte ihrem Bruder zu, der den Wink natürlich sofort verstand.
- G. (Hä? was wird das denn jetzt? Der will mit mir verreisen? Oh Gott, er will mich verschleppen, getarnt als 2. Flitterwochen damit keiner was merkt, oder was? Hilfe, ich muss hier weg!): Eine Reise?
- A.: Ja, 2. Flitterwochen wären doch schön. Ich muss eh demnächst für längere Zeit ins Ausland. Komm doch einfach mit? (Puh, das wäre geschafft!)
- G.: Was heißt längere Zeit?
- A.: Naja, so ein paar Monate können es schon werden.
- G.: Monate??? Und das sagst du mir einfach so nebenbei zwischen Vorspeise und Hauptgericht! Und was mache ich mit meinem Job? Ich kann doch meine Patienten nicht so lange alleine lassen?
- A.: Du hast doch jetzt dein Examen in der Tasche. Jede Klinik auf der Welt würde dich mit Kusshand nehmen!
- G.: Das klingt ja fast so, als möchtest du für immer weg?
- A.: Also, ähm, naja, wir leben doch in einer globalisierten Welt. Die Welt ist ein Dorf. Heute Berlin, morgen Rio, übermorgen Tokio,… Wir sind doch jung, lass uns etwas von der Welt sehen!
- G. (Hä??? Was wird das denn jetzt? Also Entführung klingt irgendwie anders! Ich muss anders nachhacken!): Ja, das ist ja schön und gut, aber du hast mir nie gesagt, dass du aus Berlin weg möchtest. Mein ganzes Leben ist hier: meine Familie, meine Freunde, mein Job (und v.a. Maaarc!!!). Ich fühl mich hier wohl und bin zufrieden mit meinem Leben, so wie es ist. Ich kann hier nicht einfach so weg, nur weil der feine Herr mal wieder eine seiner Launen hat!
- A. (Ok. Scheiße sie wird sauer!): Gretchen, ich will dich zu nichts zwingen (will ich eigentlich schon), das ist nur so eine Idee. Wir können auch ein anderes Mal darüber reden.
- Seine Schwester stößt ihn ans Bein und blickt ihn wütend an. (Wir haben keine Zeit, du Idiot!!) Das wusste auch Frank, für diesen Moment wusste er aber nicht, was er Gretchen noch sagen sollte. Gut, dass erst einmal das Essen kam.
- G.: Ok, dann lass uns erst mal essen.
- Doch der Appetit war ihr vergangen. Was wollte er ihr denn damit sagen? Dass er mit ihr abhauen wollte? Unsinn, welcher Betrüger flieht schon mit seinem Opfer. Naja, Bankräuber nehmen ja auch Geiseln mit, als Schutzschild für die Polizei. Sch…! Wie komme ich hier nur wieder weg?
- Auch Medhi wurde zunehmend unruhig. Warum machte sie denn nichts? Sie redeten ja nicht einmal mehr. Er stocherte nervös in seinem Salat.
- Auch Marc wurde immer nervöser. Warum dauerte das denn alles solange? War doch eine Scheißidee!!! Medhi, ich reiß dir den Kopf ab, wenn das schief geht!
- Alexis bekam mit, dass Gretchen kaum etwas aß, was so gar nicht ihre Art war: Gretchen, was ist los? Du lässt doch sonst kein Essen stehen!
- G. (Was los ist? Soll das ein Witz sein! Du bist ein Lügner, Betrüger, Mörder und wer weiß noch was! Ich habe Angst um mein Leben, da kann man auch mal auf ein Essen verzichten oder?): Nichts! Nur keinen Hunger!
- Lissy wurde immer nervöser, weil ihr Bruder einfach nicht mit der Sprache rausrückte: „Alex, kann ich dich mal kurz unter vier Augen sprechen?“
- G. reagierte irritiert: was soll das denn jetzt?
- A.: „Ok. Gretchen, entschuldigst du uns einen Moment?“ Die beiden standen auf und gingen in Richtung der Toiletten. Gretchen schaute ihnen nach. Was sollte sie nur tun? Wie konnte sie ihm endlich das Geheimnis entlocken? Ratlos blickte sie zu Medhi, der auch nur mit den Schultern zuckte.
- L.: „Frank, wenn du es ihr nicht bald sagst und ewig hier rumdruckst, hau ich alleine ab. Die Alte wird doch merken, dass etwas nicht stimmt, wenn wir alle nicht da sind. Und nach der Sache mit der Krankenschwester heute Morgen, wird sie nicht lange zögern und uns auch suchen.“
- A.: „Ja, ich weiß, aber was soll ich machen? Gretchen ist jetzt schon so komisch und…“
- L.: „Naja, auch kein Wunder bei deiner seltsamen Geschichte von Globalisierung und Weltreise! Wenn du jetzt nicht die Klappe aufmachst, sag ich es ihr.“
- A.: „Ok, ich mach schon. Lass uns zurück zum Tisch gehen.“

- Marc lief währenddessen vor dem Restaurant auf und ab. Ich muss da jetzt rein. Irgendwas ist schief gelaufen. Er wollte gerade, sein Versteck verlassen, als ein Wagen hinter der Limousine parkte, eine alte Frau stieg aus, lugte durch die Fenster und schaute dann zum Restaurant: „Das hätte ich mir ja auch gleich denken können. Du bist wirklich der schlechteste Betrüger, den es gibt, Frank!“ Sie ging zum Restaurant.
- Marc erschrak, erst jetzt erkannte er, dass es die alte Frau v. Buren war, er griff zum Handy u. wollte Gretchen warnen, aber da war schon zu spät, sie hatte das Lokal schon betreten. Marc rief Medhi an, doch auch er hatte den neuen Gast schon erkannt.
- Mechthild ging geradewegs auf den Tisch zu, an dem Gretchen gerade allein saß. Diese war so mit ihren Gedanken beschäftigt, dass sie gar nicht merkte, wer sich neben sie setzte. Erst als ihre „Schwiegermutter“ sagte, dass es ganz schön frisch heute sei und sie ihr ihren lilafarbenen Schal gab, bemerkte Gretchen sie und erschrak, denn sie hatte sofort erkannt, dass Mechthild wusste, dass sie die Wahrheit kannte und dass sie es war, die Gaby befreit hatte. Dass sie ihren Schal verloren hatte, bemerkte sie erst jetzt.
- In dem Moment, als Frau von Buren das Restaurant betreten hatte, hatten sie auch Frank und Lissy erkannt. Sie schreckten zurück und versteckten sich hinter dem Türrahmen. Was sollten sie jetzt tun? Gretchen war in höchster Gefahr.
- Auch Medhi und Marc beratschlagten sich am Telefon, was sie nun unternehmen sollten: „Scheiße, Medhi, mach was! Ich komm rein!“
- Gretchen begrüßte ihre Schwiegermutter, sie versuchte ihre Angst zu verbergen und sich so locker und normal zu verhalten, wie sonst auch, was in einer Situation wie dieser nahezu unmöglich schien.
- G.: Schwiegermama, wie schön, du bist auch hier. Ich dachte, Alexis hätte vergessen, dir Bescheid zu geben.
- M: Das hat er, in der Tat.
- G.: Und du bringst mir meinen Schal mit. Wie aufmerksam von dir! Und ich dachte, ich hätte ihn irgendwo liegen gelassen!
- M: Das hast du auch, mein Kind! Und weißt du, wo ich ihn gefunden habe?
- Gretchen zuckte zusammen. Oh Gott, sie weiß es, sie wird mich umbringen! Wo zum Teufel steckt nur Alexis? Oder war das sein Plan, er lockt mich hierher und seine Mutter erledigt die Drecksarbeit? Dieser feige Mistkerl! Der kann sich nicht mal selber die Hände schmutzig machen!
- Frank wusste nicht, was er tun sollte. Einerseits musste er fliehen, Frau von Buren würde ihn nicht einfach davon kommen lassen. Andererseits konnte er die Frau, die er über alles liebte, nicht mit ihr alleine lassen. Er wusste ja, dass Mechthild Zeugen gerne von der Schippe springen lässt. Er musste handeln und zwar jetzt!
- Das dachten sich auch Marc und Medhi. Medhi stand von seinem Platz auf, Marc verließ sein Versteck und ging auf das Restaurant zu und auch Frank näherte sich langsam Gretchens Tisch…

- Währenddessen ging das Gespräch an Gretchens Tisch weiter…
- M.: Gretchen, tue doch nicht so! Ich weiß, dass du mit meinem angeblichen Sohn unter einer Decke steckst! Aber nicht mit mir!
- G.: Was? Ich weiß nicht, wovon du redest?
- M.: Ja ja, mein Name ist Hase, ich weiß von nichts! Das nehme ich dir nicht mehr ab! Du hast diese erpresserische Krankenschwester befreit. Dein Schal lag im Geheimgang. Also sag mir nicht, dass du nichts weißt. Und jetzt sitzt du hier und planst mit diesem Betrüger eure Flucht! Ich werde das nicht zulassen. Die Beweise werden alle auf ihn deuten, dafür werde ich sorgen. Ihr werdet euch nirgendwo sicher fühlen kön-nen.
- G.: Wir planen hier gar nichts! Und überhaupt… Ich werde nirgendwo mit ihm hingehen. Alexis ist ja sogar jetzt noch zu feige, mir ins Gesicht zu sagen, dass er mich die ganze Zeit angelogen hat. Wahrscheinlich ist er schon längst über alle Berge…
- Frank - immer noch versteckt hinter einer Palme - schreckte zurück, Gretchen wusste also alles, die ganze Zeit, und hat sich nichts anmerken lassen!
- Frau von Buren wurde immer ungehaltener: Er heißt nicht Alexis! Aber das scheinst du ja schon zu wissen! (Gretchen wird unruhiger!) Und deshalb glaube ich dir kein Wort! Ich habe eine Waffe in meiner Tasche und du wirst jetzt langsam mit mir zusammen das Lokal verlassen. Dann werden wir mal sehen, wie Frank reagieren wird. Niemand legt sich mit mir an!
- Sie stand auf und packte Gretchen am Arm, natürlich ohne Aufsehen zu erregen. Die anderen Gäste bekamen von alle dem nichts mit. Gretchen blieb keine andere Wahl. (Sch… ! Wo bleibt denn nur Medhi?)
- In dem Moment ging alles plötzlich ganz schnell. Bevor Medhi überhaupt reagieren konnte, kam Frank aus seinem Versteck: „Lass sie los! Sie hat mit der ganzen Geschichte nichts zu tun. Du willst mich, also hier bin ich! Bringen wir es hinter uns!“
- Gretchen blickte ihn überrascht an. Er ist noch da? Aber ich dachte… Entschlossen schaute Frank ihr ins Gesicht, der Moment der Wahrheit war gekommen: „Gretchen ich liebe dich, das musst du mir glauben. Ich wollte dir immer die Wahrheit sagen, aber irgendwann war der passende Moment vorbei, wenn es den überhaupt gegeben hat. Ja, ich habe dich angelogen, die ganze Zeit, ich bin nicht der tolle Millionär Ale-xis von Buren, mein wirklicher Name ist Frank Steinmüller. Um dir die ganzen Umstände zu erklären, wie ich in diese ganze Geschichte geraten bin, fehlt mir hier die Zeit, aber eins musst du mir glauben, Gretchen, mit meinen Gefühlen für dich war ich immer ehrlich; ich habe dich immer geliebt und ich werde dich immer lieben, egal was heute noch passiert,…
- Mechthild: Oh, wie rührend! Der arme Schwindler hat ein Gewissen! Das wird dir nichts nützen, mein Lieber. Ich habe die Villa so präpariert, dass alle Hinweise darauf deuten, dass du meinen Sohn umgebracht und seine Identität übernommen hast. In diesem Moment durchsucht die Kripo die Villa und wird auf ein paar interessante Indizien stoßen. Ein anonymer Anrufer hat ihnen einen Tipp gegeben. Bei deiner Flucht sind dir ein paar Fehler unterlaufen, du hast die Tür zum Geheimgang offen gelassen, die Kripo wird dort die Leiche meines Sohnes finden, mit deinen Fingerabdrücken! Mir kann man nichts nachweisen. Ich bin nur eine arme, alte, blinde Frau, ich habe in den letzten Wochen meine Medikamente nicht genommen, bin daher etwas verwirrt. Wie sollte ich da erkennen, dass du nicht mein Sohn bist?
- Die alte Dame lachte über das ganze Gesicht, denn sie wusste damit hatte sie ihn in der Hand. Sie hielt immer noch Gretchen fest.
- Gretchen war schockiert. Irgendwie glaubte sie ihm, dass er nur durch widrige Umstände in die ganze Geschichte geraten war, aus der es nun keinen Ausweg mehr gab. Sie spürte, dass er es ehrlich meinte, als er gesagt hatte, dass er sie liebte. Aber wie konnte sie ihm helfen? Sie war es ja, die mit einer Pistole bedroht wurde. Mit Tränen in den Augen rief sie ihm zu, dass sie ihm verzeiht: „Hau jetzt ab! Du musst fliehen! Ich komm schon irgendwie klar!“
- F.: Nicht ohne dich!
- G.: Ich kann nicht! Bitte geh! Die Polizei kann jeden Moment da sein! (Hoffe ich mal!)
- F.: Ich geh nicht ohne dich!
- M.: Hier geht niemand irgendwohin! Ich habe eine Pistole, wie du sehen kannst. Ich muss mich schützen, schließlich bin ich einem Betrüger und Mörder auf den Leim gegangen, da kann sich leicht ein Schuss lösen. Notwehr, wenn du verstehst. Dummerweise stand aber das Blondchen im Weg!
- Das war das Zeichen für Frank, er rannte auf sie zu, es kam zu einem Gerangel, er wollte ihr die Waffe entreißen, ein Schuss fiel, alle drei sanken zu Boden, Panik brach aus, die Gäste stürmten aus dem Lokal, zurück blieben nur Medhi und Lissy, die entsetzt zum Tisch schauten, an dem gerade noch Gretchen gesessen hatte ...

Lorelei Offline

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14.09.2009 21:05
#3 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

- Marc wollte gerade über die Straße zum Restaurant gehen, als er plötzlich von mehreren Männern zurückgehalten wurde: „Eh, was soll das! Ich muss da rein, meine Freundin ist in Gefahr!“ - „Eben drum, deswegen sind wir hier.“ Erst jetzt erkannte er, dass es SEK-Beamte waren, die um das Lokal in Stellung gingen. „Wir haben einen Anruf aus dem Krankenhaus erhalten, dass hier möglicherweise eine Geiselnahme stattfindet.“ - „Gott sei Dank, Sabine!!“ Das ich das mal sagen würde! Gut, hat ja keiner gehört! - „Na dann machen sie doch endlich was!“
- Doch plötzlich hörte man einen Schuss fallen! „Neeeeeeeeeeiiiiiiiinnnnnnnnn!“ Wie in Zeitlupe rannte Marc zum Restaurant, aus dem die Gäste panisch strömten; auch die Beamten stürmen das Lokal. Gretchen, Frank u. Frau von Buren lagen am Boden. Alles war voller Blut. Medhi kontrollierte gerade die Vitalzeichen: „Sie ist tot!“
- Marc schrie verzweifelt: Nein!!!! Das kann nicht sein! Das darf nicht sein! Ich liebe dich doch! Gretchen!!!
- In dem Moment schlug Gretchen die Augen auf: Was hast du gerade gesagt?
- Marc (hielt sich geschockt die Hand vors Gesicht): Was? Gretchen!! Oh Gott, scheiße, Medhi, wie kannst du sagen, dass sie tot ist!
- Medhi: Ähm, ich hatte nicht sie gemeint, du Idiot!
- Marc beugt sich zu Gretchen runter: Alles ok?
- G.: Den Umständen entsprechend! Man wird ja nicht jeden Tag als Geisel genommen und fast erschossen. Ihr hättet ruhig mal eher eingreifen können! Erst da fiel ihr auf: Was ist eigentlich mit Alexis?
- Medhi: Streifschuss am Bein. Ich rufe einen Krankenwagen.
- Der Einsatzleiter des SEK kam auf Gretchen zu: Ok, junge Dame. Was ist hier genau passiert?
- Marc: Eh, die Frau steht unter Schock. Können Sie das nicht später machen?
- SEK: Je eher wir wissen, was hier los war, desto eher können wir den Schuldigen zur Verantwortung ziehen (blickte zum verletzten Frank).
- G.: Er hat mit der Sache nichts zu tun.
- Marc: „Was?“ Flüstert ihr ins Ohr: „Spinnst du?“ Sie wies ihn mit einem bösen Blick in die Schranken. (Halt die Klappe!)
- Frank: Gretchen, nein, du musst das nicht tun!
- G.: Doch ich muss das tun. Das bin ich dir schuldig. Du hast mir das Leben gerettet. Und jetzt rette ich deins.
- F.: Du bist mir gar nichts schuldig.
- Doch Gretchen war mit dem Polizisten schon an einen Tisch gegangen und schilderte ihre Sicht der Ereignisse. Marc schaut ihr nur entgeistert nach: Der bescheißt und entführt sie und sie gibt ihm noch ein Alibi!?!
- Medhi kümmerte sich währenddessen um Frank und brachte ihn zum Krankenwagen. Marc ging ihnen nach. Noch ehe die Trage im Wagen war, packte er Frank am Kragen: „Ich mach dich fertig, wenn du auch nur einmal wieder in ihre Nähe kommst! Ich weiß nicht, was sie gerade vorhat, aber ich packe aus, wenn du sie nicht in Ruhe lässt!“
- Frank: „Passen Sie auf sie auf! Gretchen ist eine wunderbare Frau, die es verdient hat, auf Händen getragen zu werden. Ich hatte sie nicht verdient. Mir war von Anfang an klar, dass sie mich nicht so liebt, wie ich sie, aber die wenige Zeit, die wir zusammen verbracht haben, war die schönste Zeit in meinem Leben. Jetzt liegt es an Ihnen, sie glücklich zu machen!“
- Marc ließ ihn los. Die Wagentüren schlossen sich und der Krankenwagen fuhr davon. Marc blieb vorm Restaurant stehen und zündete sich eine Zigarette an. „Was für ein Penner!“ Aber Recht hatte er schon irgendwie. Wenn ich sie nicht hätte gehen lassen, wäre sie gar nicht erst in diese Scheiße geraten…
- Nach einer halben Stunde verließ auch Gretchen endlich das Lokal. Sie sah Marc an einem Baum stehen, der anscheinend mit sich selbst sprach und gar nicht bemerkte, wie sie näher kam: „Führst du Selbstgespräche? Ich dachte immer, nur ich hätte diese alberne Angewohnheit.“
- Marc: Nee, ich hab nur eine Notiz auf mein Handy gesprochen, was ich morgen noch erledigen will.
- G.: Ach so, aber du hast gar kein Handy in der Hand!
- Marc: Hab ich gerade eingesteckt.
- G.: Kann ich es mal sehen?
- M.: Eh, du willst jetzt nicht echt mein Handy sehen?
- G.: Eigentlich nicht. Kannst du mich nach Hause fahren?
- Marc: Gern.
- G.: Moment! Eigentlich habe ich ja jetzt kein Zuhause mehr! Und zu meinen Eltern kann ich im Moment nicht. Die würden zu viele Fragen stellen. Das pack ich im Moment nicht.
- M.: Willst du mit zu mir?
- G.: Hmmm!
- Ohne ein weiteres Wort gingen sie zu seinem Wagen, stiegen ein und fuhren los. Nach ein paar Minuten der Stille versuchte Marc ein Gespräch zu beginnen: „Und, ähm, was hast du den Bullen für eine Geschichte aufgetischt? Also, dass du den jetzt noch in Schutz nimmst,… Gretchen? Hörst du mir überhaupt zu?“ Er schaute zum Beifahrersitz. Gretchen war eingeschlafen.
- Nach 20 Minuten Fahrt erreichten sie seine Wohnung, aber das bekam Gretchen schon gar nicht mehr mit. Sie war in einen tiefen Schlaf gefallen und musste die Dinge, die geschehen waren, erst einmal verarbeiten. Marc nahm sie auf seinen Arm und trug sie in seine Wohnung. Er legte sie auf sein Bett, zog ihr die Schuhe aus und deckte sie liebevoll zu. Er hockte sich neben das Bett und schaute sie lange Zeit an. Erst zögerte er, dann strich er mit der Hand sanft über ihr Haar, dann über ihre Wange. Er lächelte dabei. Nach einer Stunde, in der er sie einfach nur anschaute, legte auch er sich endlich schlafen,im Wohnzimmer auf der Couch.

Lorelei Offline

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14.09.2009 22:24
#4 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

- Am nächsten Morgen wachte Gretchen als Erste auf. Sie wusste für einen Moment nicht, wo sie war. Oh Gott, war das alles nur ein Traum? Das war alles so absurd, das konnte nur ein Traum gewesen sein. Dann sah sie das Blut auf ihrem Kleid. Nein, das war kein böser Albtraum, es war bittere Realität. Sie sah ihr Leben in einem Scherbenhaufen: Sie hatte einen Betrüger geheiratet, der sie zwar so liebte, wie sie es sich immer von einem Mann gewünscht hatte, ihr aber eine falsche Identität vorgespielt hatte; er hätte nie etwas gesagt, wenn das gestern nicht passiert wäre. Sie fing an zu weinen.
- Durch ihr Schluchzen wurde auch Marc wach. Er ging ins Schlafzimmer. Besorgt fragte er, ob alles in Ordnung sei.
- G.: Nichts ist in Ordnung, Marc. Mein Leben liegt in Trümmern. Warum muss ich auch immer an solche Typen geraten? Erst Peter, der mich vor der Hochzeit betrügt, dann Medhi, der mich für eine Nutte verlässt - gut, das wusste er damals noch nicht, aber trotzdem! -, dann…
- Sie hörte auf, denn sie merkte, wie Marc sie gespannt anstarrte: „Na, was kommt jetzt? Was habe ich alles getan? Dich betrogen, weggestoßen, beleidigt, gedemütigt und tausendmal verletzt!!!!“
- G.: Marc, das wollte ich nicht sagen.
- M.: Hast du aber gedacht! Und vielleicht hast du damit auch Recht!
- G.: Ich wollte eigentlich nur sagen, dass mein Leben ein Epos des Scheiterns ist!
- M.: Du kannst ja mal meiner Mutter schreiben, die ist immer auf der Suche nach neuem Stoff. Und nach dem Krimi gestern, hör ich bei ihr schon wieder die Tasten tippen!
- G.: Marc, kann man mit dir überhaupt ein ernsthaftes Gespräch führen? Ich schütte dir hier gerade mein Herz aus und du kannst nur Witze machen!
- M.: Ok, tut mir leid!
- G.: Wow, hab ich richtig gehört? Ein Marc Meier entschuldigt sich!
- M.: Ja, kannst mir ja einen Stempel ins Bienchenheft geben!
- G.: Marc, du tust es schon wieder!
- M.: Ok, ich halt schon die Klappe.
- G.: Wie hast du das gerade gemeint, dass ich Recht habe?
- M.: Ähm, ich weiß nicht, was du meinst?
- G.: Maaaaaaaarc!!!
- M: Ok, was willst du noch hören. Dass ich ein Arsch bin, weißt du ja. Ein Macho, der sich hinter dieser Fassade nur versteckt, um keine Gefühle zeigen zu müssen. Ach ja, ich vergaß, ein Marc Meier ist gar nicht zu Gefühlen fähig!
- G.: Mensch Marc, du könntest durchaus auch als Psychologe durchgehen. Perfekte Psychoanalyse!
- M: Gretchen, ich versuch hier ein ernsthaftes Gespräch u. jetzt machst du die Witze oder was?
- G.: Hab ja vom Meister gelernt! (sie lacht.)
- M.: „Na super, aber wenigstens kannst du wieder lachen!“ Auch er lächelt sie jetzt an. Für einen kurzen Moment sagten beide gar nichts mehr und schauten sich nur an. Ein Knistern lag in der Luft.
- Nun war es Gretchen, die die Stille durchbrach: „Marc, du hast da gestern etwas gesagt, als ich am Boden lag. Hast du das ernst gemeint?“
- Marc: Was meinst du?
- G.: Als du dachtest, ich sei tot!
- M.: Gretchen müssen wir wirklich jetzt darüber reden? Es ist früh am Morgen, ich hatte noch keinen Kaffee und hab noch nicht geduscht. Willst du zuerst ins Bad? Ich besorg dann erst mal Brötchen oder willst du lieber Schokohörnchen? Nach dem ganzen Chaos gestern, bist du bestimmt unterzuckert. Fünf Stück reichen doch oder?
- G.: Marc? Du weichst mir schon wieder aus.
- M.: Ich bin dann gleich wieder da!
- G.: Marc! Wenn du jetzt gehst, bin ich weg!
- M.: Ok, Gretchen, was willst du denn noch hören? Dass ich ein verdammter Idiot bin, der die Klappe einfach nicht aufkriegt? Ich bin ein Mann, wir haben es nicht so mit Reden und dem ganzen Gefühlsdings und so. Wir handeln lieber.
- G.: Handeln?
- M.: Na, ich meine, also…
- G.: Wenn es dir so schwer fällt, dann kann es dir ja nicht so wichtig sein!
- M.: Gretchen, du machst mich wahnsinnig!
- G.: Oh ja, das wollen Frauen hören!
- M.: Kannst du nicht mal die Klappe halten, wenn ich dir etwas zu sagen habe!
- G.: Bis jetzt kam ja noch nichts Brauchbares!
- M.: Greeeeeetchen!!!
- G.: Schon gut, ich halte ja meinen Mund. Also!
- M.: Ok, ähm, das mit uns, ist ziemlich blöd gelaufen. (G.: Hat der gerade uns gesagt? Es gibt ein uns! Bloß jetzt nicht ausrasten! Oh, ich habe ihn fast soweit!) Wir haben aber beide Fehler gemacht. Die Geschichte mit Gaby, ich wollte ja mit dir reden, ich hatte sie auch schon rausgeschmissen und hätte zur Not auch die beruflichen Konsequenzen getragen, aber du hast mir ja nicht zuhören wollen. Ich habe so viel versucht und dann stehst du in meinem Büro u. willst Sex, um über mich hinwegzukommen! Was sollte das? Ich war enttäuscht. Und dann fängst du plötzlich was mit diesem Irren an, heiratest ihn auch gleich noch. Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Bei mir stellst du dich so an und den heiratest du schon nach einer Woche, betrunken in Las Vegas! Ich habe doch gekämpft! Auf meine Art! Mensch, Gretchen, du kennst mich doch, mehr ist echt nicht drin! Ich habe dir sogar einen Antrag gemacht, gut ist vielleicht jetzt nicht so gut gelaufen wegen Medhi. Aber ich habe Initiative gezeigt. Also ich war schon bereit. Deshalb hab ich dich ja auch auf dem Polterabend geküsst. Ich dachte, du verstehst, was ich dir damit sagen wollte.
- G.: Aber du hast mit Gigi geschlafen!
- M.: Och nee, jetzt komm nicht schon wieder mit dieser Geschichte!
- G.: Wie soll ich dir denn glauben, wenn du in einem Moment mich küsst und dann mit meiner besten Freundin in die Kiste springst!
- M.: Das habe ich nicht, wie oft soll ich dir das noch sagen. Ja, ich wollte dich eifersüchtig machen, das gebe ich ja zu, und wir haben auch ein bisschen rumgemacht im Wasser. Aber…
- G.: Rumgemacht?
- M.: Also nur Küsse! Wirklich! Ich konnte einfach nicht mehr. Nein, ich wollte nicht mehr. Ich habe die ganze Zeit nur an dich gedacht. Dass diese blöde Kuh dann behauptet hat, wir hätten gepoppt, also… Ne schöne beste Freundin hast du da! Da ist Gaby ein Lamm dagegen!
- G.: Du hast nur an mich gedacht?
- M.: Ja!
- G.: Aber wieso hast du dann nicht die Hochzeit gestürmt, mich entführt und wir wären in den Sonnenuntergang geritten…
- M.: Gretchen, das ist jetzt nicht dein Ernst oder! Eh, bin ich Richard Gere, der eine durchgeknallte Julia Roberts verfolgt?
- G.: Durchgeknallt! Du nennst mich durchgeknallt?
- M: Nee, also Julia Roberts ist durchgeknallt! Du nicht! Obwohl… Aber hey, woher sollte ich denn wissen, dass du mitgekommen wärst. Du hattest mir klar zu verstehen gegeben, dass ich keine Chance mehr habe.
- G.: Also hast du dir doch überlegt, vielleicht die Hochzeit zu sprengen?
- M.: Das spielt doch jetzt keine Rolle mehr.
- G.: Für mich schon! Also ja oder nein?
- M.: Das ist jetzt nicht dein Ernst?
- G.: Ja oder nein?
- M.: Vielleicht!
- G: Und warum hast du es dann nicht getan?
- M: Gretchen, jetzt reicht es aber langsam! Irgendwann kommt einfach der Moment, in dem man weiß, dass man verloren hat. Und da mach ich dir nicht deinen Traum von einer Märchenhochzeit kaputt.
- G.: Danke! (Danke? Hab ich jetzt wirklich danke gesagt? Gretchen, der hält dich doch jetzt für total bekloppt! Danke, dass du mich einen Lügner und Betrüger hast heiraten lassen! Oh Mann, Gretchen, dass geht echt gar nicht!)
- M.: Ok, ähm, ich glaube diese Unterhaltung gerät so langsam aus den Fugen. Du solltest erst mal duschen u. ich besorg uns was zum Frühstück.
- G.: Ok, dann bis gleich.
- Gretchen ging ins Badezimmer. Während sie duschte, gingen ihr immer wieder seine Worte durch den Kopf. War das jetzt eine Liebeserklärung? Was soll ich davon hal-ten? Wieso kann er nicht einfach die magischen drei Worte sagen? Ich kann das doch auch. Moment. Habe ich ihm das überhaupt schon mal gesagt? Sie überlegte und hielt den Atem an: Nein, habe ich nicht! Das kann doch nicht sein! Wie kann ich von ihm verlangen, dass er mir das sagt, wenn ich selbst nicht dazu fähig bin. In meinem Tagebuch habe ich es tausendmal geschrieben, aber wirklich gesagt habe ich es noch nie - weder zu Medhi, noch zu Alexis, ähm Frank, und auch nicht zu Marc! Sie war geschockt über dieser Erkenntnis, zog sich an und setzte sich ins Wohnzimmer.
- Marc kam mit einer großen Tüte vom Bäcker zurück und fand eine nachdenkliche Gretchen. Sie bemerkte gar nicht, dass er zurückgekehrt war, so sehr war sie in ihre Gedanken vertieft. Er ging in die Küche und machte Kaffee. Soll ich ihr das jetzt einfach so sagen: Ähm, Gretchen du hast gestern richtig gehört, Marc Meier lii…
- Da hörte er, dass die Tür zugefallen war, Gretchen war gegangen. Was war das jetzt? Wieso ist sie plötzlich abgehauen, ohne ein Wort zu sagen? Er wollte Gewissheit und rannte ihr die Treppen hinterher, doch als er unten ankam, war sie schon weg…

Lorelei Offline

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14.09.2009 22:45
#5 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

- Gretchen lief ziellos durch die Straßen Berlins. Alle möglichen Gedanken gingen ihr durch den Kopf: der gestrige Tag, die Beziehung zu „Alexis“, Marcs Worte. Sie konnte keinen klaren Gedanken fassen. Sie bemerkte gar nicht, dass sie plötzlich vorm Krankenhaus stand. Erst als jemand „Gretchen“ rief, wachte sie aus ihrer Trance auf. Es war Medhi.
- Medhi: Ist alles in Ordnung? Geht’s dir gut? Der gestrige Tag muss…
- G.: Schon gut Medhi, ich will nicht darüber reden!
- M.: Ok, kann ich verstehen. Deine Eltern suchen dich. Sie machen sich große Sorgen. Wo warst du denn die ganze Nacht?
- G.: Bei Marc.
- M.: Marc? Ok, verstehe!
- G.: Nein, gar nichts verstehst du! Mein Leben ist ein einziger Scherbenhaufen!
- M.: Tja, damit kenne ich mich eigentlich ganz gut aus! Also wenn du reden willst, ich bin immer für dich da!
- G.: Danke. Im Moment wäre ich froh, wenn du mich einfach nur in den Arm nehmen könntest.
- Das tat er dann auch. Beiden tat es gut. Gretchen fühlte sich schon immer wohl und geborgen in seinen starken Armen. Und auch Medhi genoss ihre Nähe. Beide schlossen die Augen und hielten sich nur fest.
- Marc dachte sich schon, wo er Gretchen finden konnte. Und er hatte Recht. Doch was er dann sah, gefiel ihm gar nicht: Gretchen in den Armen von Medhi! Versteh einer die Frauen! Da macht man ihr ein Liebesgeständnis (sollte zumindest eins werden!) und die rennt gleich heulend zum Nächsten! Wütend fuhr er wieder vom Parkplatz.
- Nach einigen Minuten lösten sich die beiden wieder.
- M.: Wieder alles gut?
- G.: Ja geht schon! Wie geht’s Alexis?
- M.: Das fragst du jetzt nicht wirklich?
- G.: Doch! Er ist, ähm war schließlich mein Ehemann. Und ich glaube, ich muss mich mit ihm aussprechen.
- M.: Hat er gestern nicht schon genug gesagt und getan?
- G.: Ich möchte ihn trotzdem sehen.
- M.: Er hat ausdrücklich gewünscht, dass du nicht zu ihm gelassen wirst.
- G.: Bitte was? Das soll er mir ins Gesicht sagen!
- Gretchen ließ Medhi einfach stehen und betrat das Krankenhaus. Als sie auf der Station ankam, rannte ihr schon Sabine entgegen und umarmte sie: Frau Doktor, bin ich froh, dass es ihnen gut geht!
- G.: Ja, danke Sabine. Auf welchem Zimmer liegt er?
- S.: Wer?
- G.: Na wer wohl? Mein Mann! (Bei dem Wort wurde ihr ganz anders!)
- S.: Sie wollen zu ihm? Aber er hat sie betrogen, fast umgebracht und…
- G.: Ja Sabine, aber er hat mir auch das Leben gerettet. Und ich muss jetzt mit ihm reden. Also wo ist er?
- S.: Zimmer 310. Aber die Polizei kommt in einer halben Stunde und holt ihn ab?
- G.: Was? Aber ich habe denen doch gesagt, dass er nichts damit zu tun hat.
- S.: Sie haben was? Aber er ist ein Verbrecher!
- G: Ja vielleicht, aber er liebt mich!
- S: Ach so!
- Und schon war Gretchen verschwunden. Auch Medhi hatte ihre Worte gehört. Sabine fragte ihn, was genau gestern Abend im Restaurant passiert ist, doch Medhi reagierte nicht, traurig ging er zurück zum Aufzug.
- Gretchen erreichte das Zimmer von Frank. Ein Polizist saß davor: „Sie dürfen hier nicht rein!“ - „Ich bin seine behandelnde Ärztin.“ - „Ok, dann gehen sie rein.“ Gretchen holte tief Luft und betrat sein Zimmer…

Lorelei Offline

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14.09.2009 23:29
#6 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

- Frank hatte gar nicht bemerkt, dass jemand in sein Zimmer gekommen war. Er schaute aus dem Fenster und trauerte Gretchen nach. Leise murmelte er: „Ich bin so ein Idiot!“
- G.: „Das kannst du laut sagen!“
- Überrascht drehte sich Frank zu ihr um: „Gretchen! Was machst du denn hier? Ich hatte doch der Schwester gesagt, dass ich…“
- Sie schauten sich einen Moment lang nur an, dann sagte Gretchen: „Ok, du hast 20 Minuten Zeit, mir alles zu erklären, in einer halben Stunde kommt die Polizei und nimmt dich mit aufs Präsidium und dann wäre es wohl besser, wenn du hier verschwunden bist.“
- Frank schaute sie erstaunt an: „Warum machst du das? Das habe ich nicht verdient. Ich werde dazu stehen, was ich in der Vergangenheit getan habe.“
- G.: Ich mache das, weil du mich liebst.
- F.: Gab es wenigstens einen Moment, wo du meine Gefühle auch erwidert hast?
- G.: Als ich ja gesagt habe.
- F.: Wirklich?
- G.: Wollen wir jetzt eine Endlosdiskussion führen, wer wann wen wie viel geliebt hat? Oder sagst du mir jetzt endlich die ganze Wahrheit?
- Frank berichtete also aus seinem Leben, er ließ nichts aus: der frühe Tod seiner Eltern, plötzlich war er allein für seine Schwester da, Schulabbruch, kleine Nebenjobs, um sich über Wasser zu halten, bis er jemanden kennen lernte, der ihn mit falschen Papieren versorgen konnte, so wurde aus dem armen Schlucker ein Abiturient mit Einserabi, dann ein diplomierter BWLer, der sich bestens auf den Finanzmärkten der Welt auskannte, ein perfekter Täuschungskünstler, der in jede Rolle schlüpfen konnte. Eines Tages lernte er dabei auch Alexis von Buren kennen, dem er ein lukratives Geschäft einbrachte, zum Dank hatte er ihn und seine Schwester in seine Villa eingeladen. Als sie dort eintrafen, war aber niemand da, die Tür stand offen, also gingen sie rein, doch von Alexis war keine Spur, auf seinem Schreibtisch lag nur eine Notiz, dass er eine Auszeit brauche und erst mal für zwei oder drei Jahre untertauchen würde. Tja, da hat er eben dessen Identität übernommen, keiner wusste, dass der echte Alexis weg war, er hatte vorher schon immer ein sehr zurückgezogenes Leben geführt, kaum jemand kannte sein Gesicht, das nutzte Frank für seine Zwecke; er wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, dass ihn seine eigene Mutter umgebracht hatte; es war ein angenehmes Leben als Millionär, Partys, Autos, Frauen, Reisen, Geld, aber irgendetwas hatte ihm immer gefehlt…
- F.: … und dann kamst du in mein Leben geflattert. Plötzlich war alles anders! Ich wollte dieses Leben nicht mehr. Diese Lügen und Betrügereien und die ständige Gefahr aufzufliegen. Ich fühlte mich seit langem wieder als mich selbst.
- G.: Aber du hast nie etwas gesagt!
- F.: Nein, ich war zu feige. Die Angst, dich zu verlieren, war einfach größer. Ich war glücklich. Zum ersten Mal in meinem Leben. Dass du dich für mich entschieden hattest und nicht mehr ewig dem Meier hinterhergelaufen bist, hat mich zum glücklichsten Menschen auf der Welt gemacht. Und ich habe alles um mich herum vergessen, auch dass ich eigentlich jemand anderes war. Alles war perfekt. Tja, und dann tauchte plötzlich die echte Mutter von ihm auf. Ich geriet in Panik, war kurz davor abzuhauen. Aber da warst du. Ich habe dich geliebt. Ich konnte nicht gehen.
- G.: Hätte ich sie doch bloß nicht für dich gefunden! Wenn ich gewusst hätte…
- F.: Mach dir keine Vorwürfe. Die Geschichte wäre früher oder später auch irgendwie anders aufgeflogen.
- G.: Aber ihr habt doch gemeinsame Sache gemacht? Die Entführung von Gaby!
- F.: Ich wollte sie aufhalten. Gaby hatte uns erpresst. Sie hatte die Leiche von Alexis gefunden u. wollte dir und der Polizei alles sagen, wenn sie nicht 1 Mio. € erhält. Mechthild wollte sie ausschalten. Das musste ich verhindern. Ich bin kein Mörder! Leider ist dann alles irgendwie schief gelaufen und ich musste ihr bei der Entführung helfen. Tja, den Rest kennst du ja.
- G.: Hmm.
- F.: Gretchen, ich habe hier einen Brief für dich, da steht noch einmal alles drin. Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass du hier auftauchst. Du findest darin auch die Annullierungsunterlagen für unsere Ehe. Da ich nicht der bin, für den ich mich ausgegeben habe, ist die Ehe ohnehin ungültig. Du musst nur noch unterschreiben. Gretchen, du musst mir glauben, ich wollte mit dir mein Leben teilen, mit dir Kinder haben, alt werden. Aber es sollte nicht sein. Ich liebe dich. Ich will nur, dass du glücklich bist. Ich habe gestern etwas begriffen, er liebt dich wirklich, auch wenn er es dir vielleicht nicht oft gezeigt hat, er liebt dich mehr, als ich es je könnte. Und dass du ihn genauso liebst, wusste ich sofort, als ich euch beide zusammen gesehen habe. Lauft nicht vor euren Gefühlen davon. Nutzt die Zeit, die ihr habt, sie ist manchmal kürzer, als man denkt. Deshalb habe ich jede Minute mit dir genossen. Ich hoffe, du kannst mir irgendwann verzeihen.
- Gretchen wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie begann zu weinen: „Alexis, entschuldige, Frank, du musst jetzt gehen, sie kommen gleich.“
- F.: Nein, Gretchen, ich bin schon zu lange weggelaufen. Ich muss endlich dazu stehen, was ich getan habe.
- G.: Aber die Beweise sind erdrückend. Sie werden dich wegen Mordes anklagen.
- F.: Tja, ich war aber auch nicht so dumm, wie die Alte vielleicht geglaubt hat. Ich habe bei jedem Gespräch mit ihr ein Tonband mitlaufen lassen. Die Bänder hat meine Schwester der Polizei zugespielt. Mein Anwalt meint, es wird hauptsächlich nur um die Betrügereien gehen, also wahrscheinlich so fünf bis sechs Jahre; das mit Frau von Buren war Notwehr, das kann schließlich jeder im Restaurant bezeugen, und an der Leiche von Alexis hat man auch Haare von seiner Mutter gefunden,…
- G.: Woher weißt du das alles?
- F.: Schwindler haben überall ihre Ohren. Du solltest jetzt gehen, die Polizei ist gleich da. Sonst kommen die noch auf dumme Gedanken.
- G.: Was ist mit Lissy? Wer kümmert sich jetzt um sie?
- F.: Sie ist untergetaucht. Niemand weiß, dass sie hier war. Sie ist gerne das Phantom. Sie kommt schon zurecht.
- G: Und du willst wirklich nicht fliehen?
- F.: Gestern wollte ich das auch noch. Aber nur mit dir! Aber heute ist mir klar geworden, dass ein Leben auf der Flucht weder für dich noch für mich in Frage kommt. Man kann nicht immer nur den einfachsten Weg nehmen und weglaufen. Manchmal muss man sich auch dem Leben stellen, Gretchen!
- Gretchen dachte nach. Er hatte Recht. Wie Recht er doch hatte! Ihr kamen die Tränen.
- F.: Gretchen, es ist lieb von dir, dass du mir helfen willst, das zeigt mir, dass ich dir doch nicht ganz egal bin.
- G.: Frank, ich…
- F.: Sag nichts. Es war ein schöner Traum, an den ich immer wieder gern zurückdenken werde. Und jetzt geh!
- Gretchen ging zur Tür und drehte sich noch einmal um: „Ich verzeihe dir!“ Wirft ihm eine Kusshand zu und verlässt das Zimmer. Langsam und mit Tränen in den Augen lief sie den Gang hinunter. Polizeibeamte kamen ihr entgegen. Sie betrat das Schwesternzimmer und ließ sich auf einen Stuhl fallen und fing bitterlich an zu weinen. Schwester Sabine versuchte, sie besorgt aufzufangen, aber Gretchen ließ niemanden an sich heran. Sie blickte auf, in diesem Moment wurde Frank in Handschellen vorbeigeführt. Sie versuchte aufzustehen, um wenigstens noch einen Blick von ihm zu erhaschen, doch ihr fehlte die Kraft dazu. Sie brach weinend zusammen. Alles brach in diesem Moment aus ihr heraus: die verpasste Chance mit Marc, ihre schnelle und unüberlegte Heirat mit „Alexis“, sein Verrat, die Geiselnahme, das Gespräch mit Frank eben und die nicht geäußerten Gefühle für Marc. Sie war am Ende ihrer Kräfte. Frank verschwand aus ihrem Leben, so schnell wie er aufgetaucht war. Sie würde ihn nie wieder sehen…

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14.09.2009 23:43
#7 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

- Sabine war besorgt, so verzweifelt, hatte sie ihre Frau Doktor noch nie gesehen. Sie versuchte Dr. Meier zu erreichen, aber der hatte sein Handy ausgeschaltet.
- Marc fuhr ziellos durch Berlin, nachdem er Gretchen zusammen mit Medhi gesehen hatte. Warum stieß sie ihn schon wieder von sich? Sie waren sich heute Morgen so nahe gewesen, er hatte ihr alles gesagt, was ihm in den letzten Monaten auf der Seele gelegen hatte und sie hatte sich ihm auch geöffnet. Nachdem er sie gestern fast verloren hatte, war er endlich bereit für das Abenteuer Beziehung, dessen war er sich eben noch ganz sicher gewesen. Und jetzt? Was wollte sie denn noch von ihm?
- Gretchen saß immer noch wie ein Häufchen Elend im Schwesternzimmer. Sabine wusste nicht, wie sie sie beruhigen sollte. Also versuchte sie jetzt Medhi zu erreichen.
- M.: Kaan! Was gibt’s?
- S: Herr Doktor, kommen sie schnell, Frau Dr. Haase ist…
- Medhi hatte beim Namen Haase schon den Hörer fallen gelassen und war aus seinem Büro gestürmt. Dabei rannte er fast Schwester Gaby über den Haufen, die eigentlich zu ihm wollte, um über das Erlebte gestern zu sprechen. Aber Medhi nahm sie gar nicht wahr und war schon in den Aufzug gestiegen.
- M.: Schwester Sabine, was ist mit ihr?
- S: Sie hört einfach nicht auf zu weinen. Vor ein paar Minuten hat die Polizei den Herrn von Buren, ach nee der heißt doch, wie heißt der noch gleich, egal, abgeführt. Und da ist sie zusammengebrochen. Sie wollte ja noch unbedingt mit ihm reden. Wie sie noch mit dem reden kann, nachdem was er ihr alles angetan hat.
- M: Sabine!!!
- S.: Ja, ähm, ich habe versucht den Dr. Meier zu erreichen, aber da ging nur die Mailbox ran. Also habe ich Sie gerufen. Was hat sie denn?
- M: Schon gut, den brauchen wir nicht. Sieht mir nach einem Nervenzusammenbruch aus infolge des Schocks gestern. Ich werde ihr ein Beruhigungsmittel spritzen. Bereiten Sie ihr ein Zimmer vor. Sie bleibt zur Beobachtung über Nacht hier. Vielleicht informiere ich noch einen Psychologen.
- S.: Psychologen?
- M: Ich glaube, sie muss unbedingt mit jemanden reden. Sie ist am Ende ihrer Kräfte und wenn sie das alles nicht richtig verarbeitet, sondern verdrängt (sie verdrängt ja gerne Tatsachen!), kann sie leicht in eine Depression fallen. Ich kenn mich damit aus.
- S.: Sie?
- M.: Ähm, Schwester Sabine, was ist mit dem Zimmer?
- S: Wird erledigt, Herr Doktor.
- Medhi beugte sich über Gretchen und strich ihr übers Haar: „Es wird alles gut. Hörst du? Ich gebe dir jetzt eine Beruhigungsspritze und dann bleibst du über Nacht hier. Ich sage deinen Eltern Bescheid, wo du bist. Ok?“
- Gretchen sagte nichts. Sie schaute nur starr auf den Boden und umklammerte immer noch Franks Brief. Ihre Augen hatten keine Tränen mehr. Sie nahm gar nicht wahr, dass Medhi sie auf den Arm nahm und in ein Zimmer legte. „Gretchen, ich bin immer für dich da! Ich liebe dich doch!“ flüsterte er ihr zu. Doch Gretchen sagte nichts, schloss die Augen und schlief ein.
- Medhi hatte Dienstschluss. Er rief noch schnell Gretchens Eltern an, die sich riesige Sorgen um ihre Tochter gemacht hatten, und versuchte diese zu beruhigen; dann ging er schnell in sein Büro, holte seine Jacke und verließ das Zimmer sofort wieder; er hatte nicht gesehen, dass Gaby immer noch dort auf ihn wartete; auch an ihr hatten die gestrigen Ereignisse ihre Spuren hinterlassen; sie hatte niemanden, mit dem sie sonst über alles reden konnte; irgendwie fühlte sie sich Medhi verbunden und wusste, dass nur er sie verstehen würde; doch Medhi hatte das Krankenhaus bereits verlassen und fuhr zu seiner und Marcs Wohnung.

- Währenddessen war auch Marc in die Wohnung zurückgekehrt, hatte sich auf die Couch fallen lassen und den Fernseher eingeschalten, aber das Programm interessierte ihn nicht, er dachte die ganze Zeit über Gretchen nach. Wie hatte er es nur zulassen können, dass er - Marc Meier - ihr seine Gefühle offenbart hatte. Nee, das würde ihm nicht noch einmal passieren.
- Er war so in Gedanken vertieft, dass er gar nicht mitbekam, dass Medhi nach Hause gekommen war. Auch Medhi war viel zu sehr mit seiner Sorge und seinen wiederaufkeimenden Gefühlen für Gretchen beschäftigt, dass er Marc gar nicht wahrnahm: Sie scheint diesen Alexis wirklich sehr geliebt zu haben, sonst wäre sie nicht so zusammengebrochen. Was ist, wenn sie sich etwas antun will? Damals nach der geplatzten Hochzeit mit Peter wollte sie ja auch von der Brücke springen. Der Gedanke ließ ihm keine Ruhe. Er nahm seinen Autoschlüssel und verließ sofort wieder die Wohnung. Erst als die Tür zuknallte, wachte Marc auf: „Medhi?“ Doch niemand war zu sehen.
- Medhi fuhr zurück zur Klinik und wachte die ganze Nacht an Gretchens Bett. Er hielt ihre Hand und streichelte sanft darüber: „Ich pass auf dich auf. Ich lass dich nicht allein!“ Mit diesen Worten schlief auch er endlich ein.

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15.09.2009 00:32
#8 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

- Nach einer schlaflosen Nacht musste auch Marc wieder in die Klinik. Er hatte Frühschicht. Mit extrem mieser Laune verließ er den Aufzug und ging ins Schwesternzimmer, um die Unterlagen für die Visite zu holen. Dort wartete schon eine aufgeregte Schwester Sabine auf ihn.
- S: Ach, Herr Doktor Meier da sind Sie ja endlich!
- M.: Es ist sieben Uhr morgens und Sie scheuchen hier rum wie ein Huhn auf Speed! Wo sind die Unterlagen? Ist der Knechtelsdorfer noch nicht da? Also wenn der noch einmal zu spät kommt, fliegt der! Der ist ja zu nichts zu gebrauchen.
- S. (Der hat ja wieder eine Laune! Müsste der nicht besser drauf sein, jetzt wo die Frau Doktor endlich frei ist. Oh Gott, die Frau Doktor, das hab ich ja ganz vergessen, dass muss ich ihm ja noch sagen!): Ähm, Dr. Meier. Ich muss…
- M.: Sie müssen gar nichts. Ich muss jetzt zur Visite.
- S.: Aber…
- Marc brachte die Visite schnell hinter sich, nur noch ein Zimmer fehlte. Er schaute in die Unterlagen, als er die Tür öffnete. Was er dann sah, darauf war er nicht gefasst: Gretchen? Was? Er schaute noch einmal in seine Unterlagen. Tatsächlich Margarethe Haase, 30 Jahre, Nervenzusammenbruch. Er blickte zu ihrem Bett, doch sie war nicht allein. Medhi schlief auf einem Stuhl neben ihrem Bett, sein Kopf lag neben ihrem und er hielt immer noch ihre Hand fest.
- Marc räusperte sich: Ähm, was soll das hier?
- Medhi schreckte hoch: „Marc!“ Da merkte er erst, dass er noch immer Gretchens Hand hielt. Er zog sie zurück: „Ähm, das ist jetzt nicht so, wie es aussieht! Obwohl, wieso entschuldige ich mich eigentlich bei dir? Ich habe das gleiche Recht hier zu sein, wie du auch.“ Deshalb griente er ihn dann auch nur an.
- Marc: Warst du die ganze Nacht hier?
- Medhi: Ja, was dagegen?
- Marc: Nee, wieso sollte ich?
- Medhi: Eben!
- Marc: Du hättest gestern wenigstens etwas sagen können!
- Medhi: Du warst ja nicht zu erreichen!
- Marc: Bitte was? Eh ich war zu Hause. Du warst doch auch da. Aber anstatt was zu sagen, bist du gleich wieder abgerauscht!
- Medhi: Echt? Hab dich nicht gesehen!
- Marc: Das merkt man. Du hast ja eh immer nur Augen für…
- Medhi: Was wird das jetzt hier? Eine Eifersuchtszene oder was?
- Marc: Eifersüchtig? Ich? Auf was denn?
- Medhi (grinst!): Auf mich vielleicht!
- Marc (gerät langsam auf 180!): Du spinnst ja! Das wird mir jetzt echt zu albern.
- Medhi: Mir auch! Und, willst du gar nicht wissen, was gestern los war?
- Marc: Ähm, ja natürlich. Also sie hatte einen Nervenzusammenbruch, steht hier. Wer hat sie versorgt?
- Medhi: Ich.
- Marc: War ja klar. Du spielst ja neuerdings ständig den Helden!
- Medhi: Neidisch?
- Marc: Och Medhi, hör endlich auf mit dem Scheiß! Bin ich froh, dass heute keine Assis weiter da sind und sich diesen Mist anhören müssen.
- Medhi (grinst): Ja, wäre ganz schön peinlich für dich geworden!
- Marc: Was?
- Medhi: Ok, Schluss mit den Scherzen. Gretchen ist gestern im Schwesternzimmer zusammengebrochen, ich habe ihr ein Beruhigungsmittel gespritzt, sonst hätte sie sich wahrscheinlich nie beruhigt. Die ganze Geschichte mit diesem von Buren hat ihr mehr zugesetzt, als sie vielleicht jetzt zugeben mag. Ich denke, sie sollte sich vielleicht professionelle Hilfe suchen. Ich hab schon mal bei Dr. von Hirschhausen nachgefragt. Er schaut sie sich heute Nachmittag mal an.
- Marc: Sie braucht doch keinen Psychofuzzi!
- Medhi: Oh doch, ich denke schon. Sie ist am Ende. Du hast sie nicht gesehen, Marc. Ich weiß, wie das ist, wenn alles plötzlich über einem zusammenbricht und man keinen Ausweg mehr sieht.
- Marc: Aber das lässt sich doch nicht vergleichen, Medhi! Die springt schon nicht gleich von der nächsten Brücke!
- Medhi: Weiß man’s? Sie hat diesen Kerl wirklich geliebt.
- Marc: Glaubst du? Also mir hat sie da etwas ganz anderes erzählt.
- Medhi: Marc, du hast sie gestern nicht gesehen. Sie hatte noch einmal mit ihm gesprochen, bevor er von der Polizei abgeholt wurde.
- Marc: Was? Aber wie konntest du sie zu ihm lassen!
- Medhi: Du kennst doch Gretchen. Wenn sie etwas will, kann keiner sie aufhalten!
- Marc: Und, ähm, weißt du vielleicht, was sie mit dem besprochen hat? Will sie jetzt bei ihm bleiben oder was? Besucht sie ihn jetzt jede Woche im Knast und backt ihm einen Kuchen mit Pfeile drin?
- Medhi: Sag mal, was ist denn mit dir los?
- Marc: Ähm, nichts!
- Medhi: Aha! Und das soll ich dir glauben? Du bist doch nur angepisst, weil sie sich bei mir ausgeheult hat und nicht bei dir!
- Das saß erst mal. Marc wollte nicht ewig weiter diskutieren: „Gut, anscheinend weißt du ja über alles besser Bescheid. Sie ist deine Patientin. Dann kann ich ja gehen.“
- Medhi: Ja das wäre schön. Wäre gerne noch etwas mit ihr allein!
- Eins zu Null für Medhi. Er liebte es, Marc mit seiner Eifersucht zu provozieren. Er grinste Marc nur an, der daraufhin das Zimmer verlassen wollte. In dem Moment wachte Gretchen auf: „Wo bin ich? Medhi? Marc? Seid ihr das?“
- Marc drehte sich um: Gretchen, du bist wach?
- Medhi: Wie fühlst du dich?
- G.: Naja, geht so. Wie lange habe ich denn geschlafen?
- Medhi: Knapp 17 Stunden!
- G.: Was? So lange? Wieso bin ich überhaupt hier?
- Marc: Du hattest einen Nervenzusammenbruch.
- Medhi: Schwester Sabine hat dich gefunden. Weißt du noch, die Polizei hat …
- G.: Ach ja, die haben meinen Mann abgeholt.
- Marc: Deinen Mann?
- G.: Ähm, ich meine Frank.
- Medhi: Frank?
- G.: Ja er heißt eigentlich Frank Steinmüller.
- Marc: „Müssen wird dich jetzt Gretchen Steinmeier nennen?“ Marc wollte die Situation auflockern und lustig wirken, das war es dann aber leider doch nicht, denn Medhi und Gretchen schauten ihn nur böse an.
- Medhi: Noch nie etwas von Taktgefühl gehört, Marc?
- G.: Medhi, lass ihn! Er hat ja Recht.
- Medhi: Was?
- Marc grinste ihn an.
- G: So eine Geschichte kann ja auch nur mir passieren. Das naive, dumme Blondchen verliebt sich in einen Betrüger. Oh Gott, ich sehe mich schon in einer Rosamunde Pilcher-Verfilmung.
- Alle mussten schmunzeln.
- Medhi: Und jetzt? Was hast du jetzt vor?
- G.: Was wohl? Die Ehe annullieren lassen, meine Sachen aus der Villa holen (Oh Gott, ich muss da wieder hin; wenn ich daran denke, wird mir ganz anders; ich weiß nicht, ob ich das packe!), wieder bei meinen Eltern einziehen, mir ihre blöden Kommentare anhören, dass sie ja immer gewusst haben, dass mit Alexis etwas nicht stimmt - ja, wenn ihr das alle gewusst habt, wieso hat mich dann bloß niemand vor ihm ge-warnt? - und ich werde still vor mich hin leiden, einen Schokoriegel nach dem anderen verputzen und immer dicker werden, bis mich kein Mann mehr attraktiv findet. Ist vielleicht auch besser so. Ich habe echt die Schnauze voll von Männern! Ich werde jetzt Karriere machen. Ja, die Arbeit macht mich glücklich. Wer braucht schon Männer?
- Medhi und Marc schauten sich nur an und waren sprachlos…

- G.: Ok, wie lange soll ich noch hier bleiben? Mir geht’s gut. Könnt ihr mir wirklich glauben. Ich geh jetzt.
- Medhi: Ähm, eigentlich wollte heute Nachmittag noch Dr. von Hirschhausen nach dir schauen.
- G.: Wieso der denn? Ich brauche doch keinen Psychologen!
- Marc: Das habe ich Medhi auch schon gesagt.
- Medhi: Nach der ganzen Geschichte wäre es vielleicht besser, wenn du dich mal mit ihm unterhalten würdest. Er kann dir Strategien aufzeigen, wie du das alles besser verarbeiten kannst.
- Marc: Eh Medhi, Gretchen hat zwar manchmal ihre neurotischen fünf Minuten, aber deshalb muss sie doch nicht gleich auf die Couch!
- G.: Maarc!! Medhi, das ist ja echt lieb von dir, dass du dir Sorgen machst, aber ich komme schon alleine damit klar.
- Medhi: Aber es wäre besser, wenn du…
- G.: Kein aber! Ich gehe jetzt. Marc, gibst du mir bitte die Entlassungspapiere.
- Marc: Ich sage Schwester Sabine Bescheid.
- G.: Gut. Dann kann ich ja morgen wieder arbeiten kommen.
- Medhi: Was? Du willst morgen schon wieder arbeiten? Marc, sag doch auch mal was dazu!
- Marc: Eh, ich hab doch gesagt, sie ist deine Patientin!
- G.: Bitte was?
- Medhi: Sie ist aber deine Assistenzärztin! Kannst du das verantworten?
- Marc: Naja, wenn sie sich fit fühlt, dann spricht eigentlich nichts dagegen. Ablenkung tut ihr bestimmt gut.
- G.: Ich brauche keine Ablenkung! Mir geht’s gut!
- Medhi: Und das meinst du jetzt auch wirklich? Also mir ging es damals ähnlich wie dir, als meine Frau den Unfall hatte und im Koma lag. Ich habe mir auch ständig eingeredet, dass alles in Ordnung sei. Das war es aber nicht. Wenn ich nicht…
- G.: Medhi! Das war doch eine ganz andere Situation! Und hör auf, mich ständig mit Anna zu vergleichen!
- Das saß erst mal. Medhi war verletzt. „Und was war das dann letztes Jahr auf der Brücke? Da standest du auch vor einem Scherbenhaufen und wolltest…“
- G.: Medhi, ich habe dir schon einmal gesagt, dass ich gar nicht springen wollte!!!
- Marc: Was? Das glaube ich jetzt nicht! Haasenzahn war die Irre, die du aus dem Wasser gezogen hast???
- Gretchen schaute ihn wütend an. „Ich habe IHN aus dem Wasser gezogen und nicht er mich!“
- Medhi: Aber du bist gesprungen!
- G.: Ja, aber nur weil du ins Wasser gefallen warst! Ich bin Ärztin. Ich habe mich dazu verpflichtet, anderen zu helfen.
- Marc konnte sich ein Lachen nicht mehr verkneifen. Die Situation war einfach zu albern!
- G.: Marc, hör auf zu lachen!
- Medhi: Du redest dich immer raus oder? Gut, du willst dir also nicht helfen lassen! Bitte! Aber komm dann nicht an, wenn du doch eine Schulter zum Ausheulen brauchst. Ich habe es echt satt, immer nur dein Seelentröster zu sein…
- G.: Medhi, jetzt sei doch nicht gleich wieder beleidigt! Mir geht es gut. Es ist alles geklärt.
- Marc: Was ist geklärt?
- G.: Naja, also, ich habe mich mit Frank ausgesprochen und ihm verziehen. Alles ist gut.
- Marc: Du hast was?
- G.: Ja, das habe ich. Ich wusste immer, dass er ein guter Mensch ist, sonst hätte ich mich ja auch nicht in ihn verliebt!
- Marc: Man kann dich belügen, betrügen, entführen und umbringen und du würdest immer noch den Papst um Vergebung für ihn bitten!
- G.: Maaaaarc!!!
- Marc: Und ähm, bist du es immer noch…, also ähm…, bist du immer noch in ihn ver…, ver…, ähm verliebt?
- G.: Ich weiß nicht, was dich das jetzt angeht.
- Marc: Bitte? Aber gestern?
- Medhi spitzte die Ohren. Also doch, irgendetwas ist in der Nacht zwischen den beiden vorgefallen!
- G.: Marc, ich glaube nicht, dass hier der richtige Ort und die richtige Zeit ist, um das zu besprechen.
- Marc: Doch! Du schuldest mir eine Erklärung?
- G.: Bitte was? Ich schulde dir was?
- Marc: Du bist gestern einfach ohne ein Wort abgehauen. Unsere Unterhaltung war noch nicht beendet! Du wirfst mir immer vor, dass ich dir nicht zuhören würde und jetzt machst du das gleiche mit mir? Was soll das?
- Medhi: Ok Leute, ähm, wenn ihr zwei allein sein wollt? Ähm, es ist schon spät... Gleich fängt mein Dienst an. Ich muss wieder ein paar Frauen an die Unterwäsche! Gretchen, es tut mir leid, wenn ich überreagiert habe. Also wenn noch was ist, du kannst mich immer anrufen. Tag und Nacht. Ich bin immer für dich da. Ich bin dann mal weg.
- Medhi hätte schon gerne gewusst, worum es in diesem Gespräch eigentlich ging, aber so viel Taktgefühl hatte er dann doch, dass das hier nur eine Angelegenheit zwischen den beiden war. Er wollte nicht wieder nur das dritte Rad am Wagen sein. Also verließ er das Zimmer und machte sich auf den Weg in die Gyn.
- Die beiden hatten gar nicht gemerkt, dass Medhi gegangen war, so vertieft waren sie in ihr Streitgespräch.
- G.: Marc, ich…
- M.: Wieso ziehst du dich immer gleich zurück, wenn ich einen Schritt auf dich zugehe?
- G.: Vielleicht weil ich gerade nicht die Kraft dafür habe. Es ist so viel passiert. Ich muss erst mal über alles nachdenken.
- M.: Bei dem Penner hast du nicht so viel nachgedacht! Nein, du hast ihn gleich geheiratet! Und jetzt verzeihst du ihm die ganze Scheiße auch noch? Du hättest mir ja auch gleich sagen können, dass du ihn noch liebst.
- G.: Marc, das ist alles ganz anders. Du verstehst das nicht, ich…
- M.: Ich verstehe so vieles nicht, Gretchen. Anstatt zu reden, rennst du gleich los und wirfst dich Medhi an den Hals.
- G.: Das hab ich nicht!
- M.: Red keinen Scheiß! Ich hab euch doch gesehen. Gestern vorm Krankenhaus. Und dann schläft der auch noch hier an deinem Bett.
- G.: Medhi hat hier geschlafen?
- M.: Ok, mir reicht es jetzt langsam. Die anderen sind dir anscheinend wichtiger als ich. Wenn du weißt, was du willst, kannst du dich ja melden. Aber ich weiß nicht, ob ich dann noch will. Ich hab echt die Schnauze voll.
- Marc rauschte aus dem Zimmer. Eine verdatterte Gretchen blieb zurück. Sie flüsterte nur noch leise: Es tut mir leid Marc! Aber ich kann im Moment nicht. Es ist viel zu viel passiert, was ich erst mal verarbeiten muss. Ich weiß nicht, ob ich jetzt die Kraft für eine solche chaotische Beziehung hätte. Oh Gott, hoffentlich hab ich ihn jetzt nicht für immer vergrault…

Lorelei Offline

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15.09.2009 00:55
#9 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

- Marc rauschte den Gang hinunter, warf die Unterlagen ins Schwesternzimmer (Sabine: Was ist denn mit dem los?) und lief zu seinem Büro, riss die Tür auf und schlug sie wütend hinter sich zu: Was will die Alte eigentlich von mir? Was soll ich denn noch alles machen? Nee, echt, es reicht langsam …
- Gretchen packte ihre Sachen und verließ ebenfalls ihr Zimmer. Sie schaute noch im Schwesternzimmer vorbei, ob ihre Papiere schon fertig wären. Sabine war froh, sie wieder auf den Beinen zu sehen: „Frau Doktor, wie schön. Geht es ihnen wieder gut?“
- G.: Naja, den Umständen entsprechend. Sind meine Papiere fertig?
- S.: Oh, ähm, Moment. Dr. Meier hat gar nicht gesagt, dass sie heute schon entlassen werden! Was war denn mit dem los? Der ist hier rein gerauscht, hat die Papiere hingeschmissen und ist wütend wieder rausmarschiert.
- G. (Sch… ich bin so eine blöde Kuh!): Ähm, weiß nicht! Was sollte mit ihm sein? Der ist doch immer schlecht drauf! Marc Meier eben!
- S.: Ach so! War er denn nicht bei ihnen?
- G.: Ähm, ja schon.
- S.: Und?
- G.: Sabine, was ist mit meiner Entlassung?
- S.: Ach ja! Hier, bitteschön. Wollen Sie noch einen Kaffee? Wir könnten reden? Ich würde so gerne wissen, was vorgestern im Restaurant …
- G.: Danke Sabine, aber ich will nur noch nach Hause.
- S.: Kann ich verstehen. Dann gute Besserung Frau Doktor!
- Gretchen stieg in den Aufzug, lehnte sich an die Wand und machte die Augen zu. Warum hab ich nur wieder alles kaputtgemacht? Er liebt mich doch!
- Gretchen verließ das Krankenhaus. Am Eingang wartete schon ihr Vater auf sie. Medhi hatte ihn angerufen, dass er seine Tochter jetzt abholen könne.
- Franz: Kälbchen, du siehst blass aus. Willst du nicht lieber doch noch einen Tag länger hier bleiben?
- G.: Nein, ich will nur noch nach Hause.
- F.: Gut, dann steig ein! Die Mama wartet schon auf uns.
- G.: Aber bitte keine weiteren Fragen! Das pack ich heute nicht!
- F.: Schon gut. Ich rede mit deiner Mutter. Sie wird dich schon in Ruhe lassen.
- G.: Danke!
- Marc stand am Fenster und schaute traurig auf den Parkplatz. Er hatte natürlich gleich den Wagen vom Professor erkannt. Gretchen stieg gerade ein. Auch sie blickte noch einmal zu seinem Bürofenster hoch. Beide dachten: Warum ist das nur so schwierig mit uns? Warum können wir nicht einfach glücklich sein?

...

Lorelei Offline

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15.09.2009 16:11
#10 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

- Einige Zeit war seit den turbulenten Ereignissen vergangen. Gretchen versuchte so gut es ging, die Sache zu verarbeiten. Sie hatte sich doch noch dazu entschlossen, nach ihrem Zusammenbruch einige Tage frei zu nehmen und wollte weggefahren. An die Ostsee. Hier hoffte sie, endlich einen klaren Kopf zu bekommen.
- Bärbel war natürlich gar nicht davon begeistert, dass ihre Tochter alleine verreisen wollte: „Gretchen, ich halte das für keine gute Idee, dass du allein nach Rügen fährst! Alleine, also wie sieht das denn aus!“
- G.: Das tun Singles gewöhnlich, Mama! (Bei dem Wort Single musste sie kurz schlucken!)
- B: Aber Gretchen… Du bist immer noch verheiratet!
- G.: Mama, wie oft denn noch, ich bin und war nie verheiratet! Die Ehe ist ungültig, weil Alexis (bei dem Namen wurde ihr ganz anders!) nicht Alexis ist… und ich möchte da eigentlich auch gar nicht mehr darüber reden!
- B.: Du wolltest ja die ganze Zeit nicht mit uns reden. Woher sollen wir dann wissen, dass…
- G.: Es stand doch auch genug in der Zeitung!!! Oder hast du die ganzen Reporter vergessen, die die letzten zwei Wochen in unserem Garten gecampt haben! Du hast denen doch sogar jeden Morgen Kaffee vorbeigebracht. Da war sogar einer von CNN da, Alexis, ähm Frank, hatte wohl auch was mit dieser Lehman-Bank-Sache letztes Jahr zu tun, du weißt schon, Bankencrash, Finanzkrise und so… Einer der Reporter ist immer noch da, weil er sich so wohl bei uns fühlt. Der hofft wahrscheinlich immer noch auf seinen großen Durchbruch als Boulevardreporter bei Sat1 mit einer Exklusivgeschichte wie „junge, etwas korpulente Ärztetochter aus Berlin fällt auf Millionenbetrüger herein und wird beinahe Opfer seiner schwarzen Witwe“, ähm nee Mutter oder Schwiegermutter? Ich hätte vielleicht doch als Studium generale Journalistik belegen sollen und nicht Ethnologie, ok das ist eine andere Geschichte - wo war? Der hätte vielleicht mal eher ins Internet schauen sollen, da war schon keine zwei Minuten nach dem Schuss ein Foto der toten Irren bei Facebook und ein Zeuge, ich glaube, es war der trottelige Kellner, der kaum einen Teller halten konnte, twitterte was das Zeug hielt… Hat, glaube ich, einen Preis für seine Sonderreportage von der BILD-Zeitung bekommen… Und RTL verhandelt gerade über die Filmrechte. Wer wohl meinen Part spielen wird? Also ich wäre ja für Angelina Jolie, und George Clooney spielt Frank - der hat doch in dem einen Film, wie hieß der doch gleich, war auf jeden Fall eine Zahl dabei, hmm, egal, diesen Betrüger gespielt, passt ja irgendwie, ach nee, der hat glaub ich Kasinos ausgeräumt zusammen mit Brad Pitt. Oh ja, Brad Pitt übernimmt dann die Rolle von Marc!!! Ich in den Armen von Brad Pitt, träum…, seufz… Obwohl, hat der nicht auch gerade Stress mit seiner Alten… hmmm??
- B.: Gretchen, was soll das denn jetzt? Warum bist du denn jetzt so zynisch?
- G.: Vielleicht, weil ich zur Tür raus will. Was du vielleicht an meinen beiden Koffern erkennen könntest, die ich seit einer dreiviertel Stunde in der Hand halte…
- B.: Du willst also immer noch fahren!
- G.: Jaaaaaaaaa, verdammt!
- B.: Also Kind, ich weiß nicht. Vielleicht hatte dieser Doktor Lan doch Recht. Du solltest mit einem Psychologen sprechen! Du hast dich tagelang in deinem Zimmer eingeschlossen, Celine Dion rauf und runter gehört und kaum etwas gegessen. Du siehst schon ganz mager aus!
- G.: Mama, wie oft denn noch, er heißt Khan!
- B.: Bitte?
- G.: Medhi Khan!
- B.: Das weiß ich doch. Übrigens hat der vorhin schon wieder für dich angerufen, zum sechsten Mal heute. Er macht sich doch solche Sorgen um dich! Vielleicht solltest du doch mal mit ihm reden!
- G.: Mama, ich hab dir gesagt, ich will mit niemanden sprechen. Und das klingt ja fast so, als suchst du dir schon wieder einen neuen Schwiegersohn aus! (Hmm, Medhi hat nur sechsmal angerufen, seltsam, er lässt nach, gestern waren es noch elfmal und letzte Woche zwanzigmal, die fünfmal abgezogen, die er vor der Tür stand und Papa ihn abwimmeln musste. Hat der mich etwa schon vergessen?)
- B.: Einer muss sich ja darum kümmern!
- G.: Maaaaama! Ich hab echt genug jetzt! Ich will weder, dass man mich zum Seelenklempner schickt noch dass man mich verkuppelt. Verstanden! Ein Mann ist das letzte, was ich jetzt gebrauchen kann!!!!
- B.: Gretchen, Schatz, du bist unglücklich! Denkst du, ich schau mir das Häufchen Elend noch länger an. Ich will dir doch nur helfen.
- G.: Helfen, jeder will mir nur helfen! Das ist ja auch lieb von dir, aber ich muss das alleine tun. Ich muss mal raus hier, sonst fällt mir noch die Decke auf den Kopf. Rügen ist genau das Richtige!
- B.: Aber gleich verreisen? Du kannst doch auch wieder arbeiten gehen. Das hat dir doch sonst immer gut getan, anderen Menschen zu helfen! Du bist so eine gute Ärztin!
- G.: Das kommt jetzt nicht echt von dir oder? Ich dachte ich gehör an den Herd!
- B.: Gretchen, was soll das denn jetzt schon wieder. Hast du vergessen, dass ich jetzt auch vollberufstätig bin!
- G.: Mama, du hilfst halbtags in der Onkologie aus und schenkst den Patienten Tee ein, mehr nicht! Mittags bist du doch eh schon wieder zu Hause und betüddelst Papa.
- B.: Greeetchen! Du weißt ja gar nicht, was im Krankenhaus los ist. Die sind völlig unterbesetzt und müssen Doppelschichten schieben, seit du und Papa weg seid. Gestern ist doch der Herr Dr. Knechtelsdorfer tatsächlich im OP eingeschlafen, seine Hand steckte noch im Bauch des Patienten und…
- G.: Mama, du weißt doch das mich der Krankenhaustratsch nicht interessiert! Außerdem ist der kein Doktor, der hat doch noch nicht mal die Zwischenprüfung geschafft.
- B.: Seid wann das denn? Du schreist doch immer, wir sollen ruhig sein und ziehst den Telefonstecker raus, wenn die Frauke Ludowig kommt!
- G.: Mama, es reicht jetzt langsam.
- B.: Du solltest wieder arbeiten gehen. Die brauchen dich dort! Der Doktor Meier ist völlig überfordert. (G.: Er braucht mich!!!!Seufz!!!)Schwester Sabine hat mir erzählt, dass er seit drei Tagen in seinem Büro übernachtet. Sie hat ihn letzte Nacht gesehen, er war über seinen Unterlagen eingeschlafen. (Wie süß!!! Gretchen hör auf, über Marc nachzudenken. Du wolltest erst einmal keine Männer mehr, also zieh das jetzt auch durch!!!)Dass der Papa ihm seinen Chefsessel überlassen hat, kann ich ja gar nicht verstehen, der ist doch gerade mal dreißig.
- G.: Dreiunddreißig! (Scheiße, hatte der nicht vorgestern Geburtstag? Mist, ich sollte ihm vielleicht eine SMS schicken - "alles Liebe von deiner durchgeknallten Fast-Freundin, die sich nicht entscheiden kann und lieber in ihr Kopfkissen heult, anstatt wild und ungezügelt mit dir rumzumachen" - oder?, nee lieber nicht, sonst denkt der wieder, ich will was von ihm und kommt noch hierher und will „reden“, naja eigentlich will ich schon, aber nicht jetzt, Gretchen hör auf zu grübeln, Mama kuckt schon so komisch, sonst merkt sie noch, dass ich…, nee stopp, Gretchen, Konzentration jetzt!)
- B.: Woher weißt du das denn so genau?
- G. (Mist, sie hat doch was gemerkt! Rausreden, Gretchen, rausreden!): Wir sind zusammen zu Schule gegangen, er war drei Klassen über mir! (Ich hab doch jedes Jahr seinen Geburtstag gefeiert, gut bei mir allein im Zimmer, war ja nie eingeladen, aber trotzdem hab ich immer an ihn gedacht und hab ihm sogar jedes Jahr ein Geschenk besorgt! Sogar letztes Jahr noch, zwei Tage vor Peters und meiner Hochzeit hab ich…, sch… ist das auch schon ein Jahr her? Gretchen hör auf nachzudenken! Ob er sauer ist, weil ich ihm nicht gratuliert habe? Kann ihm ja bei Gelegenheit eins der siebzehn Geschenke geben, die noch auf unserem Dachboden liegen!)
- B.: Gretchen, bist du noch da?
- G. (upps, zulange nachgedacht): Ähm, ja, natürlich. (ich glaube jetzt sollte ich so langsam mal hier abhauen!)
- G.: Mama, ich fahr dann jetzt!
- B.: Gut, Reisende soll man nicht aufhalten. Aber versprich mir, dass du jeden Tag anrufst und uns schreibst. Und grübele nicht so viel, geh auch mal aus!
- G. (verdreht die Augen!): Ja, mach ich. Ich bin dann mal weg.
- Gretchen ging zur Tür der Villa Haase hinaus. Davor wartete bereits seit geschlagenen zwei Stunden der Taxifahrer, der sie zum Bahnhof bringen sollte. Gut, dann nehme ich eben einen Zug später, Hauptsache ich komme hier weg!
- Franz: Ist sie schon weg? Ich wollte mich doch noch bei ihr verabschieden.
- B.: Ich konnte sie nicht aufhalten, leider!
- F.: Die Reise wird ihr schon gut tun. Sie braucht die Ablenkung. Wirst sehen, in zwei Wochen kommt ein neues Kälbchen zurück!

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16.09.2009 17:26
#11 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Marc und Medhi waren in den letzten beiden Wochen gewohnt ihrer Arbeit nachgegangen und versuchten, möglichst nicht an Gretchen zu denken, was ihnen sichtlich schwer fiel, denn sie hatte sich seit jenem Morgen nicht mehr bei ihnen gemeldet. In der Klinik und zu Hause versuchten sie sich möglichst aus dem Weg zu gehen. Die Stimmung war irgendwie gedrückt. Sie sahen sich wieder als Konkurrenten im Kampf um Gretchen, was ihre Freundschaft belastete. Medhi dachte schon darüber nach, ob er nicht besser wieder bei Marc ausziehen sollte. Aber seine finanzielle Lage ließ ihm keine andere Wahl. So arrangierten sie sich, so gut es eben ging…

Franz war immer noch krank geschrieben und ließ sich zu Hause von seiner Frau betüddeln, die sich aber auch immer noch heimlich dem Hanfplantagengeschäft widmete. Irgendwer muss sich ja schließlich um unsere Finanzen kümmern! … Franz genoss die Zeit mit seiner Frau. Nachdem sie ihm die Sache mit der Affäre und dem gestohlenen Gold gestanden hatte, waren sie sich so nah wie seit Jahren nicht mehr. (Gut er hatte sie zwei Wochen zappeln lassen, mit Scheidung gedroht, sie war sogar für kurze Zeit ins Schwesternwohnheim gezogen, aber die Sehnsucht war größer, größer noch als der Geschirrberg in der Küche! Und als dann die Sache mit Gretchen passiert war, holte er seine Frau zurück in die Villa. Allein wäre er schließlich mir dem heulenden Elend nicht klargekommen!) Das Geturtel ihrer Eltern ging Gretchen jedenfalls gehörig auf die Nerven (Kann man hier nicht mal in Ruhe trauern und nachdenken, nee, überall nur glückliche Paare!!!)- ein weiterer Grund, um wegzufahren! … Gut ihre Altersvorsorge war weg, aber Hauptsache sie waren glücklich. Deshalb ging Bärbel jetzt auch nur noch halbtags in die Klinik. Komischerweise vermisste Prof. Hasse seine Arbeit überhaupt nicht, was ihn sehr nachdenklich stimmte. Vielleicht sollte ich doch in zwei Jahren meinen Ruhestand antreten. Eigentlich wollte ich ja noch nicht… So alt bin ich ja auch noch nicht, aber nach der ganzen Virussache erkennt man, was einem wichtig ist im Leben! Mal sehen, wie sich der Meier in meiner Abwesenheit schlägt. Vielleicht ist er der geeignete Kandidat für meine Nachfolge?

Marc hatte seit der Epidemie die Stellvertretung von Prof. Haase als Chefarzt der Klinik übernommen. Deshalb hatte er meist sehr viel zu tun - Papierkram, OP-Planung usw. - Eigentlich ja gar nicht seine Stärke, denn den Kampf mit dem Computer verlor er meistens. Aber wozu gab es denn Schwester Sabine! Sie bekam natürlich immer als Erste seine schlechte Laune ab. Dass der Grund für seine miese Stimmung Gretchen war, hatte Sabine sofort gemerkt. Als sie seine Berichte schrieb, war sie auf einen Ordner mit Fotos gestoßen - alles nur Bilder von Gretchen! Also doch, ich habe es immer gewusst!! Bei Gelegenheit würde sie ihn mal darauf ansprechen. Aber nur wenn er mal gut drauf ist. Also wahrscheinlich nie!!! Marc war eigentlich ganz froh über die viele Arbeit. Muss ich wenigstens nicht so oft an sie…, hey, was soll das denn jetzt Meier, ich denke doch nicht an…, nee, ganz bestimmt nicht, also echt jetzt… Er schüttelte seinen Kopf und machte sich wieder an seine Arbeit. Da jetzt auch der Dienstplan in seinen neuen Arbeitsbereich fiel, konnte er seinen Dienst so legen, dass er Medhi weder in der Klinik noch zu Hause über den Weg laufen musste.

Medhi ging es da nicht anders. Er ging Marc aus dem Weg, obwohl er doch schon gerne gewusst hätte, was noch zwischen den beiden vorgefallen ist, nachdem er Gretchens Zimmer verlassen hatte. Aber dann hatte er eine Unterhaltung zwischen Schwester Sabine und Schwester Stefanie mitbekommen, dass Marc wohl ziemlich wütend aus ihrem Zimmer gestürmt sei und schimpfend durch die Flure zum OP-Bereich gestampft sei. Bei der OP muss er dann wohl sehr ausfallend zu Schwester Sabine gewesen sei. Sie ist heulend aus dem OP gestürmt und hat sich den restlichen Tag auf der Toilette eingeschlossen. Wie Sie das nur mit diesem Wombat aushalten, ich hätte längst die Station gewechselt. Scheiß Ärzte!!! Medhi war daraufhin wieder etwas beruhigt. Gut, er hat es wieder versaut!!! Ich werde später mal bei ihr anrufen, vielleicht braucht sie ja eine Schulter zum Ausheulen. Mist, das wollte ich ja nicht mehr, Medhi, reiß dich zusammen!! … Er hat sie dann aber doch noch abends versucht, anzurufen. Und die nächsten Tage auch, sie ließ sich aber immer abwimmeln oder die Mailbox ging ran. Eines Tages ist er dann einfach zu ihr nach Hause gefahren, aber ihr Vater meinte, sie sei nicht da - Weight-Watcher-Treffen! Ach so, ich dachte, das ist erst nächste Woche! Und ist wieder gegangen. Medhi hatte es dann in den nächsten vier Tagen noch einmal probiert, aber kein Erfolg. Einer der Reporter vorm Haus hat ihm noch gesagt: die gibt keine Interviews!!! Ich hab’s auch schon versucht, aber keine Chance… Ich stehe schon seit zwei Wochen hier! Wollen Sie vielleicht einen Kaffee? Frau Prof. Haase hat gerade Frischen vorbeigebracht… Aber Medhi war schon gegangen. Gut sie will also nicht mit dir reden! Dann lass ich es eben. Soll sie doch selber sehen, wie sie damit fertig wird … Gut, einmal ruf ich noch an!

Marc und Medhi versuchten also beide irgendwie mit der angespannten Situation zurechtzukommen. Während Medhi den direkten Weg versuchte - erst mal als guter „Freund“ Präsenz und Verständnis zeigen, Anrufe (sehr viele Anrufe!!!), SMS (lieber nicht zu viele, hat damals schon nicht geklappt, aber trotzdem …), fünfmal täglich Gruscheln bei Ärzte-VZ (gleich mal schauen, ob sie Marc in ihrer Freundschaftsliste hat…, gut, hat sie nicht, Marc ist nicht bei Ärzte-VZ! Und bei Facebook? Nee, auch nicht, aber hey, da gibt es verschiedene Gruppen, mal sehen, hmm… „Selbsthilfegruppe Marc-Meier-Opfer“, „Marc Meier ist das größte Arschloch, das es gibt, aber ich komme trotzdem nicht von ihm los!“, Gretchen ist bei beiden Mitglied!!!)-, wählte Marc die Taktik Gefühle komplett ignorieren (Marc Meier kennt keine Gefühle!!!) und arbeiten, arbeiten, arbeiten,… (das kann ich schließlich am besten, naja, neben der anderen Sache... ) Das ging die ersten beiden Tage auch ganz gut so, aber dann erwischte er sich doch dabei, als er während einer OP öfters nach links schaute und dann plötzlich „Haasenzahn, kannst du hier mal anständig absaugen!“ sagte. Knechtelsdorfer schaute ihn entsetzt an: „Ooarber Herr Dr. Maiiir, ich bin gar nicht….“ Hmmm, komisch seit wann hat die denn so nen bescheuerten Dialekt drauf!!! dachte sich Marc und merkte immer noch nicht was los war: „Na, wird das heute noch was!!!“ Dr. Rössel brach schließlich in Lachen aus und auch Schwester Sabine konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen: „Herr Dr. Meier, vermissen Sie die Frau Doktor?“ Da erst merkte auch Marc beschämt, was er gerade gesagt hatte (Sch… sch… sch…!!!!) und blickte entsetzt in die Runde. Um sich keine Blöße geben zu müssen, schnauzte er erst mal Schwester Sabine an, die dann völlig fertig aus dem OP lief. Er schaute keinem der beteiligten Ärzte in die Augen, blickte betreten auf den Patienten und versuchte konzentriert weiterzuarbeiten. Er war rot angelaufen (Das war ihm noch nie passiert! Ihm ist ja sonst nie etwas peinlich!) und erklärte das damit, dass es hier so scheißwarm war. Nach der OP rannte er schon fast aus dem Saal, schmiss die OP-Sachen in die Tonne, stürmte aus dem OP-Bereich raus, den Gang runter und schloss sich für die nächsten zwei Stunden in sein Büro ein. Scheiße, was war das denn eben!!! Ok, wo ist der Dienstplan? Muss mir dringend ein neues OP-Team zusammenstellen … Dann ließ er den Stift fallen, drehte sich um und schaute zum Fenster hinaus. Was hat sie nur aus dir gemacht, Meier! Trottel vom Dienst war doch eigentlich ihr Job!!! Er vermisste sie und das war jetzt auch ihm endlich klar geworden. Vielleicht sollte ich sie doch anrufen? … Nee, kommt gar nicht in Frage, ich renn doch keiner Frau hinterher! Bin ich Medhi oder was? Nee, nee, die muss sich schon bei mir melden und sich entschuldigen! Drehte sich wieder zum Schreibtisch und kramte in seinen Akten. Irgendwann schlief er darüber ein…

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17.09.2009 13:30
#12 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Es ist Nacht, Meeresrauschen ist in der Ferne zu hören, der Mond spiegelt sich im Wasser, leise hört man ein bekanntes Lied (Annie Lennox - Why
http://www.youtube.com/watch?v=ILJxICUIbCY), Marc geht langsam die Strandpromenade entlang. Plötzlich sieht er sie, sie lehnt an einem Geländer und schaut verträumt aufs Meer, der Wind weht ihr eine Strähne ins Gesicht, sie streift sich durchs Haar. Er schaut sie einfach nur an und lächelt. Endlich ist der Moment gekommen, ich werde es ihr sagen, jetzt!!! … Langsam geht er weiter auf sie zu … Sie hört Schritte, langsam dreht sie sich um, jetzt hat auch sie ihn erkannt, sie strahlt über das ganze Gesicht … Er kommt näher … Auch sie löst sich vom Geländer und geht langsam auf ihn zu … in Zeitlupe! … Dann steht sie vor ihm, ist ihm plötzlich wieder ganz nah, sie schauen sich lange nur still an … „Marc, ich warte schon so lange auf dich!“ Seine Hand streift ihr durchs Haar, dann wandert sie langsam über die Wange … sie nimmt seine Hand, schaut ihm tief in die Augen … Ihre Köpfe nähern sich einander, sie schließt ihre Augen … Leise flüstert er: „Gretchen ich, ich …“ - „MARC!“ - „Gretchen, ich …“ - „MAARC!!!“ - „Jaaa??“ - „MAAARC!!!“ - „Haasenzahn, kannst du mich nicht mal ausreden lassen!!!“ - „MAAAARC!!!“ - „Waaaas???“ - „MARC OLIVIER!!!“ Marc schlägt die Augen auf. „Mutter! Was zum Teufel machst du hier am Strand?“ - „Strand, wovon redest du?“ Er blickte sich schnell um, erst jetzt erkannte er, dass er noch in seinem Büro war. Er hatte alles nur geträumt!!! Er lässt seinen Kopf auf den Schreibtisch fallen. „MAAARC OLIVIER!!! Bist du endlich wach? Und was faselst du überhaupt von deiner komischen Assistenzärztin?“ Marc blickt entsetzt hoch: „Hab ich nicht!!! Und überhaupt, was machst du hier! Hast du schon wieder Vorsorge? Medhi ist aber heute nicht da!“
Elke: Wir waren verabredet, schon vergessen?
Marc: War das heute???
E.: Natürlich, heute war doch die Präsentation meines neuen Romans „Dr. Roggelt lebt! Liebe auf 3500m, Band 49“.
M. (verdreht die Augen): Du schreibst Schmonzetten für alte frustrierte Jungfern, Mutter, keine Romane!
E.: Marc Olivier, ich muss doch sehr bitten!
M: Mutter, wie oft denn noch, nenn mich nicht Olivier!!!
E.: Was bist du denn so gereizt! Muss ja ein schlimmer Alptraum gewesen sein?
M. (Und was für einer! Oh Gott, hätte letzte Woche nicht diesen Scheiß-Mädchenfilm mit Medhi schauen sollen!!!): Ähm, ja, weiß nicht mehr. Wann sollen wir los? Bin gleich fertig!
E.: Marc, es ist 23.30 Uhr. Die Veranstaltung ist längst vorbei!
M. (Gott sei dank, das hätte ich heute nicht mehr ertragen, höchstens mit einer Flasche Wodka!!!): Gut, dann kann ich ja weiterschlafen!
E.: Marc O… Du könntest ruhig mal etwas mehr Engagement zeigen! Schließlich hast du ihn ja geschrieben!
M.: Hör ich richtig! Du gibst zu, dass du dir mal hast helfen lassen! Wow, wo ist der Kalender, das muss ich rot anstreichen, das kann ich später noch meinen Kindern erzählen!! (stockt plötzlich bei dem Gedanken. Kinder?? Was denn für Kinder?? Oh Gott Meier, nie wieder Frauenfilme!!!)
E.: Marc!!
M: Mutter, ich höre!!! Danke Marc, dass du mir mal wieder den Arsch, ähm, meine Karriere gerettet hast!!! Wie so oft!!! Danke mein Sohn!!!
E.: Ähm…
M.: Kommt da noch was??? Da kannst du ja dann endlich gehen!!!
E.: Marc, weswegen ich eigentlich hier bin…
M.: War ja klar, du kommst eh immer nur vorbei, wenn du etwas von mir willst!!!
E.: Marc, kannst du mir die Nummer von deiner dicken Assistenzärztin geben?
M.: Bitte was? Was willst du denn von der??? Im Übrigen bin ich der Einzige, der sie dick nennen darf!
E.: Naja, ich habe die Geschichte mit dem Betrüger und dem Mord in der Zeitung gelesen und da kam mir die geniale Idee für mein neues Buch…
M.: Eh, das ist jetzt nicht dein Ernst!!!
E.: Doch, Krimis sind genau das, was die Menschen gerade lesen wollen!
M.: Mutter, gib es zu, ich bin bei der Geburt vertauscht worden oder? Ich kann nicht glauben, dass du meine Erzeugerin bist!!!
E.: Marc, werd jetzt nicht ausfällig! Ich weiß gar nicht, was du hast. Ich stell ihr ein paar Fragen, recherchiere ein bisschen hier im Krankenhaus und in der Villa von Buren und mehr nicht!
M.: Mutter, du verlässt jetzt augenblicklich mein Büro!!
E.: Marc, was hast du denn auf einmal?
M: Eh raffst du es nicht, ich finde es unmöglich, wie du dich am Leid anderer aufgeilen willst, alles nur für den Profit und dafür, dass dein Name wieder vor den Feuchtgebieten in den Bestsellerlisten steht!
E.: Naja, hat ja auch ewig gedauert, bis die endlich vom Thron gestoßen wurde. Aber die Zeiten sind jetzt vorbei, Elke Fischer is back!
M.: Mutter!!! Du kotzt mich an!
E.: Sag mal, wie redest du eigentlich mit mir!
M.: Ich hätte das schon vor Jahren so machen sollen! Nur wegen dir bin ich so …
E.: Bist du was?
M.: Nur wegen dir kann ich nicht …
E.: Ja, was denn?
M.: Ach vergiss es!
E: Gibst du mir nun ihre Nummer? Ich will ungern ihren Vater fragen. Du weißt schon warum!
M: Nein!!! Und du lässt sie in Ruhe, hast du verstanden! Sie hat schon zu viel durchgemacht, um sich jetzt noch mit meiner durchgeknallten Mutter auseinandersetzen zu müssen.
E.: Maarc!! So wie du sie verteidigst, könnte man ja meinen, dass du …
M.: Und wenn schon. Das geht dich gar nichts an!
E.: Du denkst doch nicht wirklich darüber nach, ob du …
M: Mutter, hau endlich ab!!!
E.: Marc, die ist doch überhaupt nicht deine Liga! Die ist ja fast schlimmer als dieses hinterhältige, erpresserische Biest, das du mal heiraten wolltest. Warum fällst du nur immer auf solche Frauen rein? Dein Vater war genauso! Außerdem hatte mich diese dilettantische Ärztin einmal fast auf dem Gewissen!
M: Schade, dass es nicht geklappt hat! Aber beim nächsten Mal helfe ich ihr gerne dabei nach!!!
E.: Maaarc!!! Ich will doch nur dein Bestes!!!
M.: Ja, das Beste wäre, wenn du hier endlich verschwinden würdest!
E.: Marc, wir haben noch immer nicht geklärt, worüber ich denn sonst schreiben soll?
Oh Mann, ich werd die anscheinend nie los!! Gott, ich hab dich noch nie um etwas gebeten, aber mach irgendwas, dass die endlich hier abhaut - Erdbeben, Komet, Windhose oder wenigstens Schwester Sabine, die kommt doch sonst immer in den unmöglichsten Situationen reingeschneit, warum nicht jetzt!!! Biiiiitte!!!! Er starrte gebannt auf die Tür, aber nichts passierte…
E.: Marc ich rede mit dir!!!
M.: Ich will aber nicht mit dir reden!
E.: Als Kind warst du nie so bockig!
M.: Ja, da hast du mich wenigstens immer mit Geld bestochen, dass ich raus zum Spielen gehe und du dann Zeit für deine tausend Liebhaber hattest!!! Hey, das ist es doch, wie wäre es damit, schreib doch einen Ratgeber „Sex im Alter“. Verkauft sich bestimmt gut. Und du kennst dich ja bestens damit aus! (Marc grinst sie hämisch an.)
Elke nahm wütend ihre Tasche und rauschte aus seinem Büro. Endlich!!!
Keine fünf Minuten später, klopfte es erneut an seiner Tür.
M.: Eh, das darf doch nicht war sein! Was denn noch???
Die Tür öffnete sich langsam und Schwester Sabine schaute vorsichtig rein: Herr Dr. Meier …
M. (Oh nee, nicht die auch noch!): Hätten sie nicht schon eher kommen können!!!
S. (schaut ihn verwundert an): Haben sie mich erwartet?
M.: Ich nicht, aber meine Mutter.
S.: Oh Frau Fischer war da!
M.: Ja, so heißt sie.
S: Heute war doch die Präsentation von ihrem neuen Roman. Ich wäre so gerne dabei gewesen, wo ich doch fast mitgeschrieben hätte, gut, nachdem Sie alles umgeschrieben hatten, war eigentlich nicht mehr viel davon dabei, aber…, naja, ich hatte ja Dienst!
Marc verdreht die Augen: Was zum Teufel wollen sie hier?
S. (zuckt zusammen): Ähm, Notfall, Unfall auf der A9.
M.: Gut, bin gleich da, bereiten Sie schon mal alles vor! Und zum Mitschreiben fürs nächste Mal, meine Mutter kommt hier nicht noch mal unangemeldet in mein Büro. Ist das klar???
S.: Ähm.
M.: Ob das klar ist?
S.: Ja, Herr Dr. Meier.
Zitternd verlässt sie sein Büro, Marc atmet noch mal durch, steht auf und folgt ihr in die Not-aufnahme.

...

Lorelei Offline

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17.09.2009 14:29
#13 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Währenddessen stieg etwa 350 km Luftlinie nördlich von Berlin Gretchen aus dem Zug. Endlich da! Schön, die Meeresluft, hmm, fühl mich gleich wesentlich besser… Schon komisch früher hab ich die Rügenurlaube mit meinen Eltern immer gehasst, nicht wegen der peinlichen Familienspiele und den blöden Radtouren um die gesamte Insel, sondern Rügen bedeutete immer vier Wochen Trennung von Marc! Gut wir waren nicht zusammen, aber in Berlin konnte ich wenigstens immer an seinem Haus vorbeifahren und schauen, was er gerade machte. Er ist anscheinend nie weggefahren. Ob er deshalb so geworden ist, weil er nie in den Urlaub fahren durfte? Naja, bei der Mutter wäre ich auch nicht mitgefahren! Was ist eigentlich mit seinem Vater? Das weiß ich gar nicht, hat er nie erzählt, gut warum auch, wir waren ja nicht befreundet! Würde mich aber trotzdem interessieren! Werde bei Gelegenheit mal nachhaken … Seine Mutter war, glaube ich, nur selten da, man hat sie jedenfalls nie gesehen, Marc spielte immer allein im Garten. oh Gott, er war einsam!!! Vielleicht hätte ich doch mal bei ihm klingeln sollen? Einmal hätte ich es fast getan, mein Finger lag schon auf der Klingel, da ging plötzlich die Tür auf und er stand direkt vor mir, musterte mich von oben nach unten, mein Herz schlug mir bis zum Hals, wie konnte jemand nur so gut aussehen, diese verwuschelten Haare, die enge Jeans, eben David Hasselhoff in jung! - „Was willst du denn hier?“ Ich brachte keinen klaren Satz zusammen... Er schaute mich immer noch an. Oh Gott, Marc Meier nahm mich tatsächlich wahr! Ich konnte immer noch nichts sagen... „Och nee, du bist eine von den Zeugen Jehovas nicht? Du bist echt arm dran, keine Geburtstagsfeiern, kein Weihnachten und anscheinend bringen die euch nicht mal das Sprechen bei! Hier nimm! Kannst du bestimmt mehr gebrauchen als ich.“ Er ging an mir vorbei, schnappte sich sein Fahrrad und fuhr davon. Ich blieb zurück, schaute ihm lange nach und hatte nun einen Zwanzigmarkschein in der Hand. Das Geld liegt noch heute in meiner Spardose! Mist, hätte den vielleicht mal umtauschen sollen, ham ja jetzt den Euro, egal, Hauptsache er hat mir etwas geschenkt. Er hat sich Sorgen um mich gemacht! Das ist doch schon ein bisschen wie Liebe! Naja, auf dem Schulhof hat er mich dann nicht mehr erkannt, war auch besser so, wenn die anderen gedacht hätten, ich sei bei den Zeugen, wäre meine Schulzeit wohl die Hölle geworden …

Gretchen wachte wieder aus ihren Gedanken auf. Ich bin keine fünf Minuten auf der Insel und ich denke schon wieder an ihn! Und dabei bin ich doch hierher gekommen, um mein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Ich wollte nachdenken, über das was passiert war und was vielleicht noch passieren könnte. Aber nein Marc Meier spukte schon wieder durch meine Gedanken. Jetzt ist aber Schluss! Es war bereits zehn Minuten vor Mitternacht. Kein Taxi in der Nähe, gut, dann eben zu Fuß. Ich muss zusehen, dass ich das Hotel finde. Hotel Riviera - denen fällt auch kein originellerer Name ein oder. Nach einer dreiviertel Stunde Suche durch den ganzen Ort fand sie es dann auch endlich. Es lag genau gegenüber vom Bahnhof! Sie musste den Portier aus dem Bett klingen, es war ja schon fast ein Uhr nachts und sie hatte ihre Ankunft eigentlich für 16 Uhr angekündigt. Grimmig öffnete er ihr die Tür, gab ihr die Schlüssel und zeigte ihr, wo sich ihr Zimmer befand und verschwand wieder. Na toll, der hat mir nicht mal bei den Koffern geholfen. Kann ja ein spannender Urlaub werden! Hoffentlich spuckt der mir morgen früh nicht in den Kaffee, weil er sauer auf mich ist! Sie öffnete die Tür, betrat das Zimmer und fiel todmüde auf ihr Bett. Sie schlief sofort ein …

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17.09.2009 15:09
#14 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Nach überstandener OP beschloss Marc doch lieber nach Hause zu fahren. Er hatte die letzten drei Tage Doppelschichten geschoben und brauchte dringend neue Klamotten und etwas Schlaf. Scheißegal, ob Medhi da ist, ich muss hier aus dem Irrenhaus raus, hier kommt man nur auf dumme Gedanken! Der Rössel hat mich gerade die ganze Zeit so blöde von der Seite angeschaut und musste immer wieder grinsen. Hätte dem fast eine reingehauen. Am besten ich bleibe morgen gleich ganz zu Hause. Dann bleiben mir die dummen Kommentare erspart. Vorhin im Fahrstuhl hat mich die olle Hassmann auch so blöde von der Seite angemacht. - „Na Dr. Meier, Sie können es ja kaum noch erwarten, dass unser blondes Prinzesschen wieder da ist, nicht? Wie die es immer wieder schafft, dass alle Männer hier ihr nachlaufen! Schon erstaunlich!“ Hab gar nicht auf sie reagiert, hab so getan, als ob ich ne SMS bekommen hätte. Hmm, sie hat sich immer noch nicht gemeldet!! Meier, du tust es schon wieder!! War ein langer Tag! Er ging zu seinem Auto, stieg ein und fuhr los. Was sie wohl gerade macht? Warum ist die Ampel denn so lange rot, Mann das dauert wieder!! Sie hätte mir ja wenigstens eine SMS zum Geburtstag schicken können! Naja, woher soll sie das auch wissen, hat mir schließlich die letzten Jahre auch nicht gratuliert!! Na endlich, grün! Er trat aufs Gas und schoss über die Kreuzung... Direkt in eine Radarkontrolle!!! Na super, der Tag erobert so langsam die Top Five der beschissensten Tage meines Lebens (Platz 5 heute!!!, Platz 4 der Heiratsantrag für Gaby, Platz 3 der Tag, an dem ich Haasenzahn beinahe meine Liebe gestanden hätte, Platz 2 Gretchen heiratet den Flachwichser, Platz 1 als ich dachte, sie sei tot. Oh Mann, in den letzten Wochen hat sich die Liste ganz schön verändert oder hab ich mich verändert??? Nee, bin immer noch der Alte! Naja, bis vor kurzem waren die ersten fünf Plätze eigentlich nur von meiner Mutter und meinem Va…, Erzeuger besetzt… Wieso denke ich denn jetzt an den?) - „Führerschein und Fahrzeugpapiere, bitte!“ Marc war immer noch in Gedanken und hatte das Klopfen an seinem Fenster erst gar nicht bemerkt. - „Führerschein und Fahrzeugpapiere, bitte!“ - „Ja, geht klar, hier!“ - „Wir waren wohl ein bisschen zu schnell unterwegs, nicht?“ - „Ähm, kann sein!“ - „Haben Sie etwas getrunken?“ - „Nee!“ - Steigen Sie bitte mal aus!“ - Och, nee jetzt, das kann doch alles nicht wahr sein! „Hören Sie, ich bin Arzt, ich wurde zu einem Notfall gerufen und…“ (Oh ja, ich bin mein eigener Notfall! Kaum Chancen auf Rettung!!) - „Ja, warum sagen Sie uns das denn nicht gleich? Wir haben auch noch was anderes zu tun! Hier ihre Papiere und gute Weiterfahrt!“ Marc stieg wieder ein und fuhr schließlich nach Hause. Es war ruhig in der Wohnung. Anscheinend schlief Medhi schon. Gut, muss ich mir wenigstens nicht auch noch von ihm einen Spruch reinziehen. Aber zu früh gefreut … Plötzlich ging das Licht an, Medhi war auf der Couch eingeschlafen und war durch sein Gepolter aufgewacht.
Medhi: Eh Meier, geht’s auch leiser!
Marc: Sorry, wusste nicht, dass du…
Medhi: Mann, siehst du scheiße aus!!! Der Bürostuhl ist wohl mit der Zeit zu unbequem geworden was?
Marc: Medhi, ich hab echt keinen Bock jetzt auf dein blödes Gelaber, ich will nur noch pennen!!! Nacht!!!
Medhi: Tja, die Taktik Selbstbeschiss funktioniert wohl doch nicht so gut, wie du dachtest?
Marc: Was???
Medhi: Der OP-Tratsch!!!
Marc: Häh??? Medhi, was willst du eigentlich von mir?
Medhi: Dr. Rössel hat da ein paar interessante Sachen von eurer OP heute Nachmittag erzählt!
Marc: Seid wann interessierst du dich für Gallenstein-OPs? Willst du jetzt doch noch ein richtiger Arzt werden? Glückwunsch zu dieser weisen Entscheidung!
Medhi: Maarc!! Jetzt aber im Ernst! Man kann vor seinen Gefühlen nicht wegrennen. Verdrängen funktioniert nicht, hab ich monatelang versucht, es geht nicht, sie schlagen mit einer gewaltigen Welle zurück und dir geht’s dann noch beschissener als vorher!
Marc: Vielen Dank für die Psychoanalyse, Dr. Freud!
Medhi: Gern geschehen!
Marc: Medhi, was soll ich dir sagen? Hä?? Dass ich sie liebe? Dass sie mir nicht mehr aus dem Kopf geht? Dass ich sie vermisse? Geht’s dir dann besser?
Medhi: Nein! Aber dir vielleicht!
Marc: Och Medhi, hör auf mit dem Scheiß!!! Sie will nicht und basta!
Medhi: Sie will nicht??? Hat sie dich etwa wieder mit Gaby oder dieser Gigi erwischt?
Marc: Medhi!! Das reicht mir jetzt! Echt! Ich geh pennen!
Medhi: Ja, wie hast du es dann wieder versaut???
Marc: Ich habe ihr nur gesagt, was ich für sie empfinde!
Medhi: Wirklich? Du hast es wirklich getan???
Marc: Willst du es noch schriftlich? Ich will da wirklich nicht mehr darüber reden!
Medhi: Ich fass es nicht, Marc Meier steht zu seinen Gefühlen! Das ich das noch erleben darf! Ja, dann ist ja alles in Butter!
Marc: Bitte??? Sag mal, hast du mir nicht zugehört? Sie will nicht!!! Und überhaupt, macht dir das gar nichts aus? Du bist ihr doch selbst gerade eben noch nachgerannt! Ich dachte ihr ... , naja,... ich hab euch doch auf dem Parkplatz gesehen und dann hast du bei ihr im Zimmer geschlafen und ...
Medhi: Bist du mir deshalb aus dem Weg gegangen?
Marc: Naja, vielleicht!
Medhi: Hör zu Marc, ja ich liebe Gretchen, ich kann nichts dagegen tun, dir geht’s ja auch nicht anders. Aber mir ist in den letzten Tagen so Einiges klar geworden. Ich hab mich die ganze Zeit für sie zum Trottel gemacht, das ganze Krankenhaus lacht schon über mich, aber das war mir egal, ich hab gedacht, wenn ich mich anstrenge und kämpfe, ihr zeige, dass ich immer für sie da bin, dass mich dann irgendwann auch mal so lieben kann, wie ich sie. Aber sie liebt mich nicht! Hat sie nie! Ich habe sie tausendmal angerufen in den letzten Tagen, aber von ihr kam keine Reaktion …
Marc: Bei mir hat sie sich auch nicht gemeldet!
Medhi: Ehrlich??? Gut, wo war ich? Ich war doch nie mehr als nur ein guter Freund für sie, das hab ich jetzt kapiert. Vielleicht war sie mal einen Moment lang in mich verliebt, aber in ihrem Herzen schlug immer nur dein Name, Marc! Damit muss ich klarkommen! Damals auf dem Parkplatz, da war nichts, sie war am Ende und brauchte eine Schulter zum Ausheulen. Tja, ich bin irgendwie immer gerade in der Nähe, wenn sie unglücklich ist. Und das im Zimmer, naja, ich wollte dich doch nur provozieren! Hör zu Marc, ich steh euch nicht mehr im Weg, das stand ich eigentlich nie, sie hat ja immer nur dich gesehen!
Marc: Und was soll ich jetzt tun?
Medhi: Ich weiß es nicht! Auf die Zeichen achten!
Marc: Was denn für Zeichen?
Medhi: Das wirst du dann schon sehen!
Marc: Was denn für Zeichen? Eh Medhi, du arbeitest viel zu viel mit Frauen! Du sprichst in Rätseln! Also ich kann dir immer noch nen richtigen Job auf der Chirurgie besorgen! Bin ja der Chef!
Beide lachten, Medhi klopfte ihm auf die Schulter. - „Ich geh jetzt schlafen!“ - „Ja, Nacht! Und danke fürs Zuhören!“ - „Gar nichts für!“ Irgendwie fühlte Marc sich erleichtert. Die Freundschaft mit Medhi war gekittet. Und ES war endlich ausgesprochen. Er wusste, was er wollte: Gretchen! Er wollte nicht mehr auf ihre Entscheidung warten, er wollte um sie kämpfen und ihr zeigen, dass er es ehrlich meinte. Aber erst morgen ...

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18.09.2009 11:37
#15 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Rügen

Ein neuer Morgen, ein neuer Tag, ein neues Leben! Mit diesem Gedanken wachte Gretchen auf. Endlich mal wieder durchgeschlafen, keine Albträume von bösen Hexen und falschen Prinzen! Hab nicht mal an Marc gedacht!!! Die Selbsttherapie macht erste Erfolge! Sie setzte sich auf, wuschelte durch ihre Mähne, stand auf, ging zum Fenster und schaute hinaus aufs Meer. Die Sonne schien… Es war ein perfekter Tag!
Hmm, was mache ich heute als erstes? Ja, Frühstück! Ich hab seit gestern Mittag gar nichts mehr gegessen! Schon komisch, da muss man erst betrogen und entführt werden, bis die Sommerdiät endlich wirkt! Ich hab doch bestimmt abgenommen in den letzten Wochen? Gleich mal schauen, ob der Bikini vom letzten Jahr noch passt... Sie kramt in ihrer Tasche... Sch…, wo ist der verdammte…? Mist vergessen! Also doch nix mit Strandtag heute! Sie durchwühlt weiter ihre Reisetasche, wirft alle ihre Sachen aufs Bett,... Sch... und das Buch vom Hirschhausen Glücksdings… hab ich auch vergessen… Nun werde ich nie erfahren, wie ich glücklich werde!!! Toller Urlaub, Gretchen, echt! Nahm sich einen Schokoriegel (sie hatte vorsorglich ein paar Packungen mitgenommen! Man weiß ja nie...) und überlegte. Und was mache ich dann heute? Wandern? Nee, ganz bestimmt nicht, hab ich schon mit meinem Vater immer gehasst! Naja, vielleicht shoppen gehen? Ja, das macht eine Frau glücklich. Dafür hätte der Hirschhausen auch kein Buch schreiben müssen!!! Wird hier doch wohl ein paar Läden geben, wo ich mir einen schicken Bikini besorgen kann... Ja, das mache ich so. Gretchen machte sich noch schnell frisch und wollte dann frühstücken gehen...

Eine halbe Stunde später
Habe das Frühstück verpasst!!!! Gut, es war schon halb eins, aber man ist doch schließlich im Urlaub. Da hat man einen anderen Rhythmus. Deshalb ist bei mir mittags erst Frühstückszeit. Habe das auch dem Typen am Empfang versucht zu erklären, der hat mich nur blöd angeschaut, war der gleiche wie gestern Abend, hab ihn erst nicht erkannt, hatte ja den Benjamin-Blümchen-Schlafanzug nicht mehr an, er hat nur gesagt, Frühstückszeit ist von 7 bis 11, aber ich kann Ihnen noch einen Kaffee anbieten, habe dankend abgelehnt... Jetzt saß sie wieder in ihrem Zimmer, ihr Magen knurrte lauter als die Klimaanlage. Toll, wieso habe ich mir eigentlich Halbpension ausgesucht, ich werde hier noch verhungern …, naja, hat wenigstens etwas Gutes, dann passe ich wenigstens in den Bikini, wenn ich wieder nach Hause komme! Werde jetzt erst mal in der Stadt etwas essen gehen, dann einen Bikini kaufen und später vielleicht doch noch an den Strand gehen...

Drei Stunden später
Gretchen ist zurück in ihrem Zimmer, schmeißt sich auf ihr Bett. Na toll, Shoppen ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Gut, das ist hier ja nicht Berlin, aber trotzdem … Habe gefühlte 200 Bikinis anprobiert, gut es waren nur fünf, aber der Aufwand, um da rein zu kommen, hatte sich so angefühlt. Ich habe einen ganz komischen Körper, für mich gibt es nichts Passendes mehr zum Anziehen!! Also nee, die haben hier wirklich nur bis Größe 38, das gibt es ja nicht... Und dann die Modelle, ich glaube, die stammten noch aus der Zeit vor der Wende, an der Wand hing ein Plakat von der Wahl der Miss DDR 1988, ich glaube die Gewinnerin (war wohl die Verkäuferin!!!) hatte denselben Bikini an wie ich… Bin dann schnell wieder raus aus dem Geschäft. Also nix gegen die DDR, die hatten es schon nicht leicht..., bei der Bademodenkollektion ist es aber auch kein Wunder, dass die alle zum FKK gegangen sind!!! Das wäre ja überhaupt nichts für mich! Würde jetzt nicht sagen, dass ich prüde bin, liegt eher an meinem Trauma:

Es war, glaube ich, unser dritter Ostseeurlaub, ich war dreizehn, also kurz vor der Pubertät, nee eigentlich war ich schon mitten drin, steckte gerade in meiner Elternrebellionsphase… Ich wollte einfach nicht mit, war ja eigentlich schon alt genug, um allein klar zu kommen. Es war der Sommer, nach dem Jahr, in dem Marc sich so rührend um mich gekümmert hatte - hatte den Zwanzigmarkschein in einem Rahmen über mein Bett gehängt wie eine Trophäe! -, ich wollte den Sommer mit ihm verbringen, gut, er wusste noch nichts von seinem Glück, aber ich hatte mir geschworen, dass ich dieses Mal bei ihm klingeln würde, um zu fragen, ob wir vielleicht mal ins Kino gehen oder so. Habe meine Rede wochenlang geübt: „Hey Marc, war zufällig in der Nähe, wollte dich fragen, ob du vielleicht mit ins Kino gehen willst! Star Wars! (Männerfilm funktioniert immer gut!)“ Er wäre bestimmt gerührt gewesen, dass ich gemerkt habe, dass er einsam ist und hätte bestimmt ja gesagt, da bin ich mir sicher. In meiner Phantasie hätten wir dann im Kino wild rumgeknutscht …
Aber nein, meine Eltern wollten ja unbedingt an die Ostsee! Sie haben mich ausgetrickst! Mein Vater meinte, ob ich ihn nicht mal in der Klinik besuchen möchte. Ich spielte damals schon mit dem Gedanken, Ärztin zu werden und deshalb war ich natürlich begeistert. Gut, ich hatte mich schon gewundert, warum meine Mutter und Jochen auch mit im Wagen saßen, aber dachte mir nichts weiter dabei, Familienausflug eben, als wir aber zur Autobahn abbogen und nicht zum Stadtring, hatte ich erste Zweifel, ...
War jedenfalls stinksauer, ich hatte mir geschworen, den ganzen Urlaub kein Wort mehr mit ihnen zu wechseln, wollte auch an den Ausflügen nicht teilnehmen, blieb also die meiste Zeit auf meinem Zimmer (ist übrigens dasselbe, in dem ich jetzt gerade sitze!!!) und schmollte. Und dachte die ganze Zeit nur an Marc, der wohl wieder den ganzen Sommer allein in seinem Garten verbrachte, der Arme!! (Naja, ganz so allein war er dann doch nicht. Hab nach den Ferien erfahren, dass er jede Woche eine Poolparty für die ganze Schule geschmissen hat, zumindest für die, die nicht mit ihren Eltern verreist waren. Noch heute erinnern sich alle an jenen legendären Sommer!!! Na toll und ich saß auf Rügen fest!!! Habe später auch noch über vier Ecken gehört, dass er wohl mit Susanne Leibholz rumgemacht hat … im Kino! Eh, das war ja wohl mein Platz gewesen!!!)
Naja, nach fünf Tagen Abschottung war mir langweilig geworden und ich erkundete den Ort. Suchte eigentlich nur einen ruhigen Platz, wo ich die letzten 20 Pop-Rocky-Sommerromane lesen konnte. Jedenfalls lief ich über den Strand an den ganzen Touris vorbei, die ja alle so viel Spaß hatten, kam an eine Absperrung, stieg drüber, denn ich hatte gesehen, dass ein paar Meter weiter eine kleine abgelegene Bucht war… Setzte mich dort hin und packte meine Bücher aus ...
Ich saß schon eine Weile da, als mich plötzlich jemand von hinten ansprach: „Was machst du hier?“ Leicht genervt antwortete ich:„Lesen, sieht man doch!“ Ich drehte mich nicht um und las weiter. - „Wenn du hier bleiben willst, musst du dich aber ausziehen!“ - „Bitte was??? Hast du sie noch alle!!!!“ drehte mich wütend um und da sah ich es erst: Ich war am FKK-Strand!!! HILFE!!! Und vor mir stand ein etwa fünfzehnjähriger pickliger Möchtegernmacho, der sich wohl für den Allergrößten hielt und mich dämlich angrinste. Wobei das mit der Größe bei ihm nicht ganz so stimmte … Gut, wo sollte ich auch sonst hinschauen! Wollte gerade meine Sachen zusammenpacken und schnell abhauen, da meinte er: „Hey, das muss dir nicht peinlich sein, für jeden gibt’s ein erstes Mal!“ - „Ganz bestimmt nicht mit dir!“ Drehte mich um und rannte los, blieb dabei leider mit dem Fuß in meiner Tasche hängen und legte mich lang in den Sand. Seine dreckige Lache war meilenweit zu hören! Tja, natürlich hatte ich jetzt die Aufmerksamkeit auf meiner Seite! Immer mehr Leute - alle nackt!!! Naja, auch kein Wunder, war ja auf einem FKK-Strand! - kamen auf mich zu. Ich machte die Augen zu, wollte ja nicht blind werden und dann hörte ich plötzlich eine mir allzu vertraute Stimme: „Gretchen, was machst du denn hier?“ Das darf doch jetzt nicht wahr sein!! Meine Mutter und mein Vater am FKK-Strand!!! So wie Gott sie geschaffen hatte!!!! Brauchte drei Jahre Therapie, bis ich dieses Bild wieder vergessen hatte! Den Typen, er hieß glaube ich Ingo, hab ich später noch mal wieder gesehen. Wohnte auch bei uns im Hotel. Der grinste mich beim Frühstück immer so dreckig an!!! Am letzten Abend wollte er mir seine Briefmarkensammlung zeigen. Habe dankend abgelehnt, hatte schon genug gesehen!!! Das war dann erst mal für eine Weile unser letzter Ostseeurlaub gewesen …

Naja, hab mal wieder ausgeschweift. Aber hier erinnert mich eben jeder Ort an meine Kindheit. Wahrscheinlich hab ich ihn deshalb ausgesucht, um endlich einen klaren Kopf zu bekommen und mit allem abzuschließen. Tja, das mit dem Strand wird heute wahrscheinlich nichts mehr, wird eh überschätzt, und bevor ich mir von quengelnden Kindern einen Frisbee an den Kopf werfen lasse oder von einem fünfzigjährigen Möchtegerngigolo schief angegafft und als potentielles Kurschattenopfer auserkoren werde, lasse ich das eben ganz. Strand ist eh ungesund, UV-Strahlen, Hautkrebs und so… nee danke! Bin Ärztin, hab schon viel Schlimmes gesehen!

Oh Gott, jetzt ist es mir aufgefallen … das dreckige Grinsen… der Typ am Empfang, das ist der vom FKK-Strand damals!!! Hoffentlich hat der mich nicht erkannt!!! Werde mir morgen gleich ein neues Hotel suchen!!!
...

Fortsetzung folgt... Dann gehts weiter mit Berlin! Würde mich über Kommentare freuen!!! Image and video hosting by TinyPicImage and video hosting by TinyPicImage and video hosting by TinyPic

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19.09.2009 10:48
#16 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Berlin am nächsten Morgen

Eh, was ist das denn, neeeeeee, ich will noch schlafen... Marc fuchtelte wild mit den Armen. Sonnenstrahlen spielten auf seinem Gesicht und kitzelten ihn wach, er drehte sich um und zog sich die Decke über den Kopf. Noch schlafen… Er nickte wieder leicht ein. Er stand wieder am Strand und sah sie am Geländer stehen, aber rührte sich nicht von der Stelle. Hä, wieso laufe ich denn nicht los? Meier, los jetzt! Aber nichts passierte. - Meier! Ja, ich mach ja schon… Meier!!! … Meeiiier!! Er rührte sich nicht. Kuschelte stattdessen mit seinem Kissen. Hach, Gretchen! Lächelte und kuschelte noch mehr mit seinem Kissen. Medhi konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Das Bild war einfach für die Götter!!!! Gretchen, hmmm!!! Medhi wurde langsam ungeduldig. „MEEEIIIIER! Soll ich noch mit dem Wasserschlauch kommen oder wann gedenkst du mal aufzustehen?“ Marc schlug die Augen auf. - „Och, nee Medhi! Eh, ich hatte ne 48-Stunden-Schicht, ich will pennen!“ - "Ach so, und ich dachte, du wolltest etwas ganz anderes! Na dann! Dann werde ich mich wohl um Gretchen kümmern müssen!“ Schlagartig war Marc hellwach! Medhi grinste ihn an. Hab gewusst, dass das bei ihm wirken würde! - „Eh, spinnst du! Mein Baby gehört zu mir, verstanden!!!!“ Sprang aus dem Bett und verschwand im Bad. Medhi rief ihm noch hinterher: „Ich mach dann mal Kaffee!“

Marc und Medhi saßen am Frühstückstisch. Marc wirkte nachdenklich und rührte mit dem Löffel in seinem Kaffee. Medhi verdrückte gerade sein fünftes Nutellabrötchen.
Medhi: Und was hast du nun vor?
Marc: Ich weiß es nicht.
Medhi: Du wirst doch wohl einen Plan haben?
Marc schüttelte den Kopf und rührte weiter in seinem Kaffee.
Medhi: Marc Meier, der jede haben kann, weiß nicht, wie man eine Frau erobert!!! Das ich das noch erleben darf! Wo ist dein Kampfgeist geblieben? Das klang doch gestern alles noch ganz anders!
Marc: Und was würdest du an meiner Stelle tun?
Medhi: Marc Meier fragt MICH - wie nennst du mich immer? Weichei - tatsächlich, wie man eine Frau zurückerobert??? Warte, muss meinen Kalender holen und den Tag rot anstreichen!
Medhi grinste ihn an.
Marc: Hey, hör auf damit und gib mir wenigstens ein paar konstruktive Ratschläge! Du bist ja neuerdings der Frauenversteher!
Medhi: Danke, welch eine Ehre! Werde mir das Diplom dann im Büro an die Wand hängen! Damit jede(r) auch mitbekommt, dass ich jetzt deinen Job übernommen habe!
Marc: Komm, hör auf mit den Witzen. Es geht hier schließlich um Gretchen!
Medhi hörte auf zu lachen, schluckte und atmete tief durch. Was mach ich hier eigentlich? Ich helfe Marc, meine Traumfrau zu erobern! Bin ich verrückt geworden! Oh Gott, Medhi, du hast echt eine selbstmasochistische Ader! Im Mittelalter hätte man keine Streckbank zum Foltern gebraucht, man hätte mir nur Marc und Gretchen hinstellen müssen… Er schüttelte den Kopf. Nein, hör auf mit den Gedanken! Er ist dein bester Freund! Und Gretchen… sie hat es verdient endlich glücklich zu sein. Also reiß dich zusammen!
Marc: Medhi? Irgendwer zuhause?
Medhi: Ja!
Marc: Ja und? Kommt da noch was? Oder muss ich Erika Berger anrufen?
Medhi: Wohl eher Dr. Sommer!
Marc (verdreht die Augen): Du bist mir eine echte Hilfe, Mann!
Medhi: Immer wieder gern!
Marc: Ja, was denn nun? Was soll ich machen?
Medhi: Ganz einfach. Fahr zu ihr hin und sag ihr genau das, was du mir gestern Nacht gesagt hast.
Marc: Das ist alles? Da hätte ich ja auch selbst drauf kommen können!
Medhi: Eben!
Marc: Und was ist, wenn sie mich immer noch nicht sehen will?
Medhi: Hartnäckig bleiben! Präsenz zeigen! Anrufen, Smsen, Gruscheln...
Marc: Bitte was?
Medhi: Ist so eine Internetsache!
Marc: Ach so, und das mag sie?
Medhi: Ja, ich denke schon! Ach und lies dir mal ihre Gruppen durch! Ist ganz interessant und aufschlussreich!
Marc: Hä? Was? Was denn für Gruppen?
Medhi: Ach egal.
Marc: Ich will dir ja nicht reinreden Medhi, aber deine Taktik hat ja bei ihr bisher nicht so wirklich funktioniert!
Medhi (traurig): Ähm… Naja, vielleicht war ich einfach nicht der Richtige!
Marc: Ok, ähm, vielleicht hast du ja Recht. Ich fahr am besten erst mal zu ihr und sehe dann weiter...
Medhi: Und wenn sie dir die Tür nicht aufmacht, kannst du ja immer noch zum Balkon hochklettern und einen auf Romeo machen!!
Marc: Das ist jetzt nicht dein Ernst oder? Das erinnert mich da an so ein blödes Theaterstück in der Schule, ist ganz blöd gelaufen!!!
Medhi lacht sich schlapp: Du hast Theater gespielt???
Marc: Wenn du das jemanden erzählst, bist du tot!!!
Medhi: Weiß nicht, ob ich mich zurückhalten kann!!! Also, wenn du mir das nächste Mal einen blöden Spruch reindrückst, hab ich was gegen dich in der Hand, Meier!!!
Marc (leicht wütend): Hör auf mit dem Scheiß! Ich muss los!
Medhi: Na dann auf in den Kampf…

Marc verschwand in seinem Zimmer, Medhi blieb in der Küche zurück. Wehmütig erinnerte er sich an seine Zeit mit Gretchen: ihre erste Begegnung auf der Brücke, dann später im Krankenhaus, er hatte sich vom ersten Moment an zu ihr hingezogen gefühlt, ihre tollpatschige und ehrliche Art hatten ihn sofort fasziniert, dann das Treffen mit seinen Eltern - dass sie mitgespielt hatte, da war es endgültig um ihn geschehen -, dann der Kuss auf dem Ball - ich hab immer noch jeden Tag das Lied im Kopf - und die Nacht danach! Ich wollte sie nie wieder loslassen! Wir wären eine tolle Familie gewesen. Lilly hat sie geliebt. Ihm lief eine einzelne Träne übers Gesicht. Aber es sollte einfach nicht sein! Es war eine traumhaft schöne Zeit, aber leider viel zu kurz… Vielleicht war es einfach nicht die richtige Zeit oder der richtige Ort? Nein, wir waren einfach nicht füreinander bestimmt! Ob er sich je wieder so verlieben könnte? Im Moment konnte er sich das nicht vorstellen …

Marc kam zurück in die Küche: Du sitzt ja immer noch hier! Hast du nicht seit fünf Minuten Dienst?
Medhi schaute entsetzt auf die Uhr: Scheiße, schon so spät!!! Und heute kommt doch deine Mutter zur Vorsorge …
Marc (grinst): Viel Spass!!!
Medhi (grinst provokativ zurück): Naja, hatte ja noch einen Notfall zu versorgen!!!
Marc: Hey! Und was meinst du? Geht das so?
Medhi schaute ihn erst jetzt richtig an: Sag mal, ich will mich ja eigentlich nicht mehr bei euch, ähm dir einmischen, aber hast du ein Vorstellungsgespräch bei der Bank oder was?
Marc: Hä? Was stimmt denn an dem Outfit nicht? (Hab ich gerade Outfit gesagt? Nee, jetzt oder? In Gegenwart von Medhi entwickle ich mich ja noch zur Frau!! Geht gar nicht! Wir müssen mal wieder einen zünftigen Männerabend machen. Und endlich mit diesem Gefühlsscheiß aufhören...)
Marc steht in einem schwarzen Anzug und Krawatte vor ihm. Er musterte sich noch einmal von oben nach unten im Spiegel!
Marc: Ist doch ok so? Frauen stehen doch auf Männer in Anzügen!
Medhi: Ja, kann ja sein, dass du das mal in einer der vielen Frauenzeitschriften, die unter deinem Bett liegen, gelesen hast, aber …
Marc: Eh, die gehören mir nicht! Müssen wohl noch von Gaby sein! Also was stimmt jetzt an dem Anzug nicht?
Medhi: Naja, sieht alles irgendwie steif aus, eben nicht Marc-Meier-like!
Marc: Bitte?
Medhi: Und außerdem fehlt noch irgendetwas?
Marc (stöhnt): Was denn?
Medhi verschwindet kurz in seinem Zimmer und kommt mit einer roten Rose zurück.
Marc: Eh, das ist jetzt nicht dein Ernst? Das geht gar nicht!
Marc Meier steht jetzt im Anzug und mit Rose in der Küche seiner Wohnung. Medhi kann nicht mehr und prustet los... Marc schaut ihn böse an! - "Na, Ross Antony, womit willst du mich jetzt noch demütigen?"
Medhi lacht sich kaputt: Nee, ähm, ist schon ok so!!! Naja, wenn ich nicht wüsste, dass du das bist, könnte man glatt meinen, jemand anderes steht vor mir!
Schnappt sich sein Handy und macht ein Beweisfoto. Das glaubt mir sonst niemand! Und außerdem, wer weiß, wofür das später noch mal nützlich sein kann! Falls er es versaut, kann ich immer noch damit eine Anzeige für ihn im Internet aufgeben, also, wenn Gretchen ihn loswerden will und so ... Mensch Medhi, du kannst ja richtig fies sein!!!
Marc schaut ihn grimmig an: Gut, Jackett und Schlips lasse ich weg. Bin ja nicht Kai Pflau-me!
Medhi: Wirklich? Ich dachte eigentlich schon!
Marc: Medhi!!!
Medhi: Ok, ok, wird schon klappen, sie wird dir um den Hals fallen und ihr könnt zusammen in den Sonnenuntergang reiten!
Marc: Medhi, also für dich wirklich keine Frauenfilme mehr!
Medhi: Tja, und wenn sie immer noch nein sagt, dann kann ich es ja noch mal versuchen!
Er grinste ihn an. Marc wirkte leicht verunsichert: „Ganz bestimmt nicht!“ Und ging zur Tür. Er drehte sich noch einmal um: „Ach Medhi, ähm, kannst du mich vielleicht heute in der Klinik vertreten?“ Medhi lachte ihn an und nickte: „Geht klar, hast ja gemeint, ich solle mal in einen richtigen Beruf reinschnuppern! Warte mal, du hast noch was vergessen!“ Er stand auf und gab ihm die Rose.
Marc: Soll ich die wirklich... ???
Medhi: Marc, hast du denn gar nichts von mir gelernt? Das ist das wichtigste Utensil zur Eroberung einer Frau!!!
Marc nahm sie und zog die Tür hinter sich zu. Ok, jetzt oder nie!!

...

Lorelei Offline

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19.09.2009 14:48
#17 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Zur gleichen Zeit auf Rügen

Bin heute extra zeitig aufgestanden, um das Frühstück zu erwischen. Hab mich extra ganz weit hinten hingesetzt, damit mich der Irre vom Empfang nicht sieht, leider hab ich dabei nicht bedacht, dass das Büffet neben der Rezeption aufgebaut war, … Naja, hab mich dann nach einer halben Stunde Überlegen doch getraut, war gerade keiner an der Rezeption. Hab mir schnell fünf Schokocroissants, zwei Brötchen, Nutella und einen Apfel geschnappt, den Kaffee hab ich aber stehen gelassen … Tee ist eh gesünder! … Beim Rausschleichen bin ich ihm dann leider direkt in die Arme gelaufen! - „Na so stürmisch heute?“ Wollte gar nicht mit dem reden, aber jetzt drängte er mir ein Gespräch auf. - „Heute schon so zeitig unterwegs? Dabei hätte ich für Sie heute extra eine Ausnahme gemacht und das Büffet eine Stunde länger stehen gelassen!“ Was wird das denn jetzt, will der mit mir flirten? - „So ganz alleine hier?“ Nee, du stehst mir ja im Weg, du Idiot! - „Irgendwie kommen Sie mir bekannt vor!“ Bloß weg hier, Gretchen! Ich ließ ihn einfach ohne Antwort stehen und bin schnell zum Hotel raus. Zwei Straßen weiter bin ich gleich ins nächste Hotel rein und hab nach einem freien Zimmer gefragt…

Zwei Stunden später
Sitze in meinem neuen Hotelzimmer!!!! Mann, hat der blöd gekuckt, als ich plötzlich bei ihm ausgecheckt habe. Aber ich hätte bar bezahlen sollen, denn als er auf meine EC-Karte schaute, schrie der plötzlich los: - „Also doch, ich kenn dich doch... du bist das pummlige Mädchen vom FKK-Strand!!!“ Die ganze Lobby hörte mit! Mann, war mir das peinlich!!! Ich schnappte mir meine beiden Koffer und rannte raus, wusste gar nicht, dass man mit zwei Riesentrolleys so schnell laufen konnte - selbst mit den beiden Koffern hätte ich noch bei den Bundesjugendspielen gewonnen!!

So, wird Zeit, dass ich mich mal bei meinen Eltern melde.
G.: Hallo Mama, ich bin’s!
B.: Gretchen, Liebes, bist du auch gut angekommen?
G.: Ja, Mama.
B.: Und das Hotel, immer noch so schön wie damals?
G.: Ähm, nee, hab das Hotel gewechselt. Waren mir zu viele dreckige Kakerlaken da!
B.: Oh!!! Und wie ist das Wetter?
G: Schön!
B.: Kannst du auch in ganzen Sätzen sprechen?
G.: Mama, ich wollte mich eigentlich nur melden, dass ich gut angekommen bin. Kannst du mir mal den Papa geben!
B: Der ist im Krankenhaus.
G: Was? Ist alles in Ordnung?
B: Ja, er will nur nach dem Rechten sehen.
G: Tja, der hält es auch nicht lange zuhause aus!
B: Gretchen! Papa hat mir versprochen, ruhiger zu treten.
G: Wenn der erst einmal wieder Klinikluft geschnuppert hat, kommt der nicht mehr so schnell nach Hause!
B.: Und du? Wann kommst du wieder? Du hältst es doch auch nicht lange ohne die Klinik aus, da bist du wie dein Vater!
G: Mama, ich bin erst den dritten Tag hier!
B.: Du fehlst uns halt hier! Und wir machen uns doch Sorgen!
G: Müsst ihr nicht, mir geht’s schon besser. Die Seeluft tut mir gut! Ich muss dann auch mal Schluss machen. Will noch raus ans Meer!
B: Gut, dann noch viel Spaß, aber meld dich bald wieder!
G.: Mach ich! Versprochen!
So, dann auf zum Meer! Ich habe vorhin beim Vorbeirennen eine schöne Stelle zum Nachdenken gefunden, einen einsamen Felsen, da geh ich jetzt hin. Denn dafür bin ich ja eigentlich hierher gekommen.

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Lorelei Offline

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20.09.2009 11:12
#18 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Berlin

Marc saß seit einer geschlagenen Stunde in seinem Volvo vor der Villa Haase. Mensch, beweg endlich deinen Arsch und geh da jetzt rein! Das kann doch nicht so schwer sein!!! Er atmete tief durch, zog den Zündschlüssel ab und stieg aus. Er sah hoch zu ihrem Fenster. Nichts zu sehen! Langsam ging er auf die Haustür zu. Er zögerte. Ok, Marc Meier, Stunde der Wahrheit! Du klingelst jetzt und sagst ihr, was du zu sagen hast. (ja, was eigentlich???)
Er klingelte. Bärbel riss stürmisch die Tür auf.
B.: Ja, was ist denn noch? Ich habe Ihnen doch schon hundert Mal gesagt, wir geben keine Interviews!
M. (zögerlich): Ähm, Frau Prof. Hasse, ich…
Erst jetzt hatte Bärbel erkannt, wer eigentlich vor ihrer Tür stand.
B.: Sie??? Was wollen Sie hier?
M.: Ist sie da?
B: Ich wüsste nicht, was Sie das angehen sollte.
M.: Ich muss sie…
B: Sie müssen gar nichts, Herr Meier, schönen Tag noch!
Sie wollte gerade die Tür wieder schließen, aber da stellte er schon seinen Fuß in die Tür.
B: Was soll das? Gehen Sie!
M: Bitte, ich muss sie sprechen!
B. (genervt): Sie will niemanden sehen! Und Sie schon gar nicht!!!
M: Das soll sie mir selber sagen.
Er drängt sich an Frau Haase vorbei in das Haus.
B: Sagen Sie mal, sind Sie verrückt geworden! Das ist Hausfriedensbruch!
M: Verrückt ist, glaube ich, genau das richtige Wort. Ich bin ver…
Bärbel unterbrach ihn und schrie: Verlassen sie SOFORT mein Haus oder ich ruf die Polizei!
M (bettelte schon fast!): Bitte, ich will doch nur eine Minute mit ihr reden, dann bin ich auch gleich wieder weg.
B: Sie ist nicht da!
M: Nicht?
B: Denken Sie jetzt, ich würde Sie anlügen?
M: Nein, das hab ich nicht so gemeint. Wo ist sie denn?
B: Das geht Sie gar nichts an.
M (enttäuscht): Ok, ähm, es tut mir leid, dass ich sie belästigt habe und Sie vom Putz…, ähm, von was auch immer abgehalten habe.
B: Schon gut! Gehen Sie endlich!
M: Frau Haase,…
B: Was denn noch?
M.: Können Sie die ihr geben (gibt ihr die Rose) und ihr ausrichten, dass ich jetzt weiß, was ich will.
Bärbel nahm die Rose und schmiss die Tür vor seiner Nase zu. Sie warf sie gleich in den Mülleimer. Ich lasse es nicht noch einmal zu, dass sie verletzt wird!
Sch…, irgendwie hab ich gerade ein Déjà-Vu! Ob sie wirklich nicht da ist? Er schaute zu ihrem Fenster hoch. Hmm, nichts zu sehen. Ob ich vielleicht doch den Balkon… Nee, ganz blöde Idee, am Ende bin ich noch mit dem Drachen allein im Haus… Lieber nicht! Und wo ist sie dann? Er stieg in seinen Wagen und fuhr los … Vielleicht ist sie ja in der Klinik!
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Lorelei Offline

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21.09.2009 10:39
#19 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Rügen

Ich hätte vielleicht vorhin genauer hinschauen sollen. Der Felsen lag doch etwas weiter draußen, als sie gedacht hatte. Sie musste ein Stück durchs Wasser waten … Nach einer halben Stunde Kraxelei hatte sie es endlich geschafft. Sie war oben angekommen. Huch, jetzt wäre ich fast wieder runtergerutscht und ins Wasser gefallen! Also wenn mich jetzt einer gesehen hätte, der hätte mich für komplett bescheuert gehalten. „Also Verrückte gibt es hier, Erwin!“ - „Nein, Bertha das ist doch die neue Tourismuskampagne der Insel Rügen. Lebende Statuen! Das hat schon in London gut funktioniert. Und kennst du nicht die Nixe in Kopenhagen? Oder Loreley am Rhein? Mit güldenen Haar lockte sie die Seemänner ins Verderben! Ihre Schiffe zerschellten an den Felsen...“ Naja, das mit dem goldenen Haar stimmt ja, aber das mit dem Verderben ist es ja wohl andersrum! Ich bin ja wohl hier die Belogene, Betrogene und Enttäuschte und nicht umgekehrt.

Naja, ich hatte mir nun mal diese Stelle hier ausgesucht. Wo hätte ich sonst hingehen sollen? Am Ende wäre ich noch wieder in der Bucht der Nudisten gelandet! Nein! Das hier ist genau der richtige Ort zum Nachdenken… Ein Felsen im Meer… ja, das hat schon irgendwas Romantisches… Es war früher Nachmittag, die Sonne schien und ein sanftes Lüftchen wehte durch Gretchens Haar. Sie setzte sich aufrecht hin und blickte nachdenklich über das Meer zum Horizont. Also gut Gretchen, jetzt Butter bei de Fische, Lebensbilanz ziehen!

Hmm, wo fängt man da eigentlich an? Gut, ich habe schon mehrere Sinnkrisen gehabt, aber so richtig nachgedacht habe ich noch nie über mein Leben. Bin eigentlich immer gleich von einer Katastrophe zur nächsten gestürzt… Irgendwie ziehe ich die immer magisch an. Wahrscheinlich haben die sich im Himmel abgesprochen, bei mir das ganze Pech der Welt abzuladen. Ja, vielen Dank auch! Mit Gretchen Haase kann man es ja machen! Die ist es ja gewohnt, mit allem fertig zu werden. Aber ich will das nicht mehr! Ich will doch auch einfach mal nur glücklich sein! Ist das denn zuviel verlangt!
Und was ist jetzt? Stehe mal wieder am Abgrund, zum hundertsten, nein tausendsten Mal: Neuanfang! Das sagt sich so leicht. Mit 18 träumt man davon und kann es gar nicht erwarten, endlich von zuhause weg zu kommen. Wahrscheinlich habe ich mich deshalb für ein Studium in Köln entschieden und nicht Berlin. Ich wollte es allein schaffen und nicht, weil mein Vater Professor an der HU ist. Ich wollte mich beweisen... ich wollte unabhängig sein… das ging die ersten Wochen auch ganz gut, aber dann bin ich im ersten Semester Peter begegnet, nach einer Woche sind wir gleich zusammengezogen, haben alles zusammen gemacht, Seminare, Freizeit... und dann am Ende des Studiums wollten wir heiraten, eine eigene Praxis aufmachen und eine Familie gründen. Mein Leben war vorgezeichnet... aber dann kam alles anders: Wieder ein Neubeginn, diesmal in Berlin. Diesmal wollte ich alles anders machen. Ich wollte unabhängig sein, mich auf meinen Job konzentrieren, endlich das machen, was ich immer wollte: Chirurgin sein. Und dann trat ausgerechnet er wieder in mein Leben, den ich eigentlich für immer aus meinem Leben streichen wollte: Marc Meier! Der meine Kindheit zur Hölle gemacht hat und in den ich trotzdem bis zum Abi verliebt war. Und ich tat es wieder... ich machte mich abhängig von einem Mann und trat dabei von einem Fettnäpfchen ins nächste!!! Ich wollte ihm imponieren, zeigen, was ich drauf habe und er machte mich wieder die ganze Zeit nur fertig. Mein hart erkämpftes Selbstbewusstsein wackelte und ich fühlte mich wieder ganz klein. Ich hasste das, aber ich kam einfach nicht von diesem Idioten los. Ich war wieder verliebt, schlimmer noch als in der Schule! Ich versank wieder in eine Traumwelt, in der wir beide glücklich zusammen waren, blendete die Realität komplett aus, dachte er könnte sich ändern, wegen mir! Träume sind auch Schäume, Gretchen! Ich ließ mich wieder demütigen und verletzen. Aber ich wollte das nicht mehr! Deshalb stürzte ich mich in die Beziehung mit Medhi. Er war so anders als Marc. Tja, wieder so ein Neuanfang, der gründlich in die Hose ging. Kenn ich ja nicht anders! Dann kam wieder Marc, ich dachte wirklich, dieses Mal packen wir das zusammen, aber nein, er heiratet lieber Schwester Gaby als ... Und ich stand wieder vor den Trümmern. Mit einem Fallschirmsprung wollte mich endlich in ein neues Leben stürzen, ein unabhängiges Leben ohne Männer, ohne Marc Meier! Aber nein, Gott macht sich ja einen Spaß daraus, mich zu quälen und schickt mich gleich wieder in die Arme des Nächsten... Warum machst du das nur mit mir? Womit hab ich das nur verdient? Wirklich, mein Leben ist eine Aneinanderreihung von Katastrophen - ein Epos des Scheiterns!!! Damit wird man nicht so leicht fertig!!! Das muss auch ein Marc Meier verstehen! Oh Gott, ich hab ihn einfach stehen gelassen. Das wird nie etwas mit uns beiden! Bei einem solchen tragischen Fall wie mir läuft doch jeder Mann davon!!! Toll Gretchen, jetzt sitzt du wieder ganz tief drin in der Deprischeiße…

Tja, und was gibt meine Lebensbilanz sonst noch so her?
Hmm, ich bin eine erfolgreiche Ärztin… naja, wobei erfolgreich auch relativ ist! Marc lässt mich ja eh nur Blinddärme machen, das kann sogar der Knechtelsdorfer, wenn er bekifft ist… Aber ich habe meine Doktorarbeit mit Summa cum lauda bestanden! (was hat eigentlich der Lauda damit zu tun? Ach, egal!) Bin jetzt offiziell eine richtige Ärztin und ich bin stolz darauf, wirklich, ich werde bei Gelegenheit meinem Vater um eine Gehaltserhöhung bitten oder eher betteln! Mit den paar Kröten, die man als Assi verdient, kann ja nichts werden, sonst muss ich doch noch mal so eine blöde Studie mitmachen. Was ist eigentlich aus dem Sandström geworden? Egal...


Ok was noch? Wohne immer noch bei meinen Eltern! Mit 30!!! Das geht echt nicht! Werde mir eine eigene Wohnung suchen, sofort, wenn ich zurück in Berlin bin!! Bin eine eigenständige und unabhängige junge Frau, da werde ich doch wohl auch alleine zurechtkommen. Obwohl, dann müsste ich selber kochen, was ich nicht kann, selber putzen, was ich nicht will... Naja, aber wenigstens müsste ich mir das peinliche Geturtele der beiden nicht mehr mit anhören! Und mir blieben die blöden Kommentare meiner Mutter erspart, wenn ich mal einen Mann mit nach Hause bringe... gut, habe ich bisher noch nie gemacht... wären ja gleich wieder geflüchtet, wenn sie meine Mutter kennen gelernt hätten... und außerdem welche Männer? Wollte doch erst einmal unabhängig bleiben und mich nicht gleich wieder in eine Beziehung stürzen. Aber für den Fall der Fälle wäre es vielleicht doch ganz gut eine eigene Wohnung zu haben... Oh Gott, ich sehe schon meine Mutter heulend zusammenbrechen. Das war schon schlimm, als ich zu Alexis gezogen bin, und jetzt will ich ja wirklich endgültig ausziehen. Muss mir eine Strategie überlegen, aber nicht jetzt, hab ja noch zwei Wochen Zeit dafür...

Gut was noch? Bin kurz vor meinem Traumgewicht, naja, wohl eher Traum als Gewicht! Ich kann ja morgen mal joggen gehen, Meeresluft soll ja die Fettzellen schneller verbrennen... Da ich mein Pensum heute schon absolviert habe - die spektakuläre Flucht aus dem Hotel -, könnte ich mir doch eigentlich den Schokoriegel hier leisten... Mist, wieso ist der denn ganz nass? Na, toll, meine Tasche hing die ganze Zeit im Wasser! Aber egal, ich esse ihn trotzdem...

Was sonst noch? Lebensbilanzziehen ist doch schwieriger als ich dachte. Macht man das überhaupt schon mit 30? Midlifecrisis fängt doch eigentlich erst mit 50 an oder? So war es zumindest bei meinen Eltern... Oh Gott, ich bin ein hoffnungsloser Fall!!! Hätte auf Medhi hören sollen und zum Therapeuten gehen. Hat ja Calista Flockhard auch gemacht und die ist jetzt glücklich mit Harrison Ford!! Was macht die eigentlich jetzt? Hab die Serie lange nicht gesehen!!! Oh, schweife schon wieder ab…

Was waren eigentlich meine Träume früher? Mit 30 wollte ich eigentlich mit einem tollen Mann glücklich verheiratet sein, zwei Kinder haben, ein Haus mit Garten und Pool im Grünen, eine erfolgreiche Ärztin sein, eine sensationelle medizinische Entdeckung gemacht haben, die mit Preisen überhäuft wird,… ich wollte doch einfach nur glücklich sein! Und jetzt? Ein ewiges Gefühlschaos, vier Heiratsanträge, drei Hochzeitskleider, zwei gescheiterte Ehen... gut, eigentlich war ich ja nie wirklich verheiratet, aber nah dran!
Peter hatte mich vor der Hochzeit betrogen - hmm, ist jetzt genau ein Jahr her, was wohl aus dem geworden ist? Ach ja, Steffi hatte mir letztens gesmst, dass sie ihm die Approbation entzogen haben, ist wohl aufgeflogen, dass er beim Examen beschissen hatte...
Na toll, ich ziehe Betrüger und Lügner ja magisch an!!!
Sie hatte plötzlich Franks Brief in der Hand und musste schlucken. Dabei habe ich bei ihm lange gedacht, dass er der Richtige ist! Ihr lief eine Träne das Gesicht hinunter. Letzte Woche war ich beim Anwalt, nur eine Unterschrift und Alexis, ähm Frank, war endgültig Vergangenheit. Nächste Woche ist seine Anhörung, sieht wohl ganz gut aus mit den 5 bis 6 Jahren (das hat mir der Sat1-Typ erzählt! Wollte mich interviewen als ich gerade ins Taxi gestiegen bin. Der Arme tut mir richtig leid. Jetzt läuft ihm auch noch seine Topstory davon. Werde bei Gelegenheit der Redaktion von Akte einen Brief schreiben, er hat sich ja bemüht...). Wie wohl unsere Zukunft ausgesehen hätte? Ich habe schon unsere Kinder durch den Garten toben sehen…, war ein schöner Traum, aber dann kam wieder diese Hexe ins Bild. Sie hatte komischerweise das gleiche Kostüm an, wie ich in der 6. Klasse, als wir Hänsel und Gretel aufgeführt haben. Ich wollte ja eigentlich Gretel spielen (Marc war übrigens Hänsel!!), aber dann hat doch Susanne die Rolle bekommen. Frau Saalfrank hatte gemeint, die Hexe passt doch viel besser zu dir, da kannst du mal so richtig aus dir rausgehen! Ja toll! Und was hat mir das gebracht? Am Ende hat mir Marc einen Arschtritt verpasst und ich bin mit dem Pappbackoffen zusammengebrochen... das Publikum hat gegröllt vor Lachen - ich habe genau gesehen, wie meine Mutter am Boden lag und sich gekringelt hat vor Lachen und mein Vater hat alles gefilmt! Oh Gott, hoffentlich existiert der Film nicht mehr! Wenn den jemand sieht, ist mein Ruf endgültig ruiniert! Muss unbedingt beseitigt werden! Werde nach meiner Rückkehr den Dachboden aufräumen, wollte ja eh noch nach einem Geschenk für Marc suchen… Naja, jedenfalls, Frau Saalfrank meinte, das war die beste Aufführung, die sie je hatten. Noch heute hängt ein Foto von mir (wohl eher von meinem Hintern!!!) und Marc in der Schulaula!!! Beim Klassentreffen nächstes Jahr werde ich es unauffällig verschwinden lassen...

Wo war ich? Ach ja, meine Männerbilanz! Habe ich Frank eigentlich je wirklich geliebt? Ich weiß es nicht. Hmm, verliebt war ich schon. Als ich nach meiner Rettung aus der Kühlkammer bei ihm im Bett lag, hatte ich schon Schmetterlinge im Bauch, es fühlte sich so vertraut an, ich weiß auch nicht (oder lag es daran, dass ich geträumt hatte, dass Marc mich rettet und ich habe meine Gefühle auf Frank projiziert??? Nee, so kompliziert kann ich doch nicht sein oder???)… jedenfalls wie er mich immer angesehen hat… er war schon süß irgendwie! Verbrecher haben ja immer etwas Anziehendes an sich! Wenn ich da an George Clooney in dem einen Film denke… (hat der jetzt eigentlich die Rolle bekommen?)... Ähm,ich denke jetzt nicht wirklich darüber nach, wie aufregend es wäre mit einem Verbrecher zusammen zu sein? Also echt Gretchen! Naja, Marc kann ja mal im Supermarkt einen Schokoriegel mitgehen lassen!! … upps, schon wieder abgeschweift! …
Ich hätte mich einfach nicht so schnell auf Frank einlassen sollen! Ich wollte es doch diesmal eigentlich langsamer angehen lassen, aber nein… Denselben Fehler hatte ich schon bei Medhi gemacht. Ich hatte mit Marc noch nicht abgeschlossen. Irgendwie wollte ich es ihm ja auch heimzahlen, wie oft er mich verletzt hatte. Er sollte auch leiden, so wie ich all die Jahre! Aber sollte man sich deshalb gleich in eine Beziehung mit jemand anderem stürzen? Oh Gott, und ich hab ihn gleich geheiratet, wie konnte ich nur!!! Blond, blöd, naiv und rachsüchtig! Ob Marc wirklich so gelitten hat, wie er gesagt hat? Hmm, ist mir gar nicht so aufgefallen… gut, die traurigen Blicke… seine Sprüche waren auch schon mal besser und dieser ständige Hahnenkampf mit Alexis … Er war tatsächlich eifersüchtig!!! Wie konnte ich nur so blind sein? Ich achte doch sonst immer auf alle möglichen Zeichen, wieso damals nicht? Er hätte sich ruhig eine Signallampe umhängen können, die jedes Mal leuchtet, wenn Marc Meier Gefühle zeigt!!! Wie soll man denn sonst verstehen, was er eigentlich will? Woher soll ich denn wissen, was Verarsche ist und was echt? Er gibt mir immer Rätsel auf! Aber vielleicht ist es gerade dieses Rätselhafte, Geheimnisvolle und Unergründliche, was mich so fasziniert? Das war es wahrscheinlich auch bei Alexis, ähm Frank. Vielleicht habe ich im Unterbewusstsein immer gewusst, dass etwas nicht stimmt. Gut, wer hätte gedacht, dass dann so eine Geschichte dahinter steckt...
Plötzlich waren die Bilder von jenem Abend wieder da, sie zitterte. Wenn er nicht gewesen wäre, dann… Oh Gott, ich mag gar nicht daran denken. Er hat mich gerettet!!! Vor Mechthild, aber auch ein bisschen vor mir selbst! Er hatte es immer gewusst und mich trotzdem so geliebt, wie ich es verdient habe. Nur ich war blind oder wollte blind sein und hab mich verstellt. Ich habe aber immer nur den einen geliebt: Marc Meier!!!

Es klingelte. Upps, wer ist das denn jetzt? Ich wollte doch eigentlich das Handy ausmachen. Oh Medhi! „Wie geht’s dir? Wo steckst du? Bussi Medhi!“ Wie süß, er hat mich doch nicht vergessen! Er denkt immer noch an mich! Vielleicht hätte doch aus uns etwas werden können. Die drei Tage, die wir zusammen waren, gehören mit zu den glücklichsten in meinem Leben. Ich habe mich so geborgen gefühlt. Bei ihm habe ich immer gespürt, dass er mich aufrichtig liebt, auch jetzt noch…! Wenn das mit Anna nicht passiert wäre, wären wir dann noch zusammen??? Hmm, weiß nicht, vielleicht! Eine glückliche Familie Kaan, ich, Medhi und Lilly, das wäre schön gewesen. Es ist so viel passiert in seinem Leben. Wie er das nur alles verkraftet? Seine Tochter ist immer noch verschwunden. Vielleicht sollte ich ihm helfen, Plakate kleben, Suchanzeige im Internet und bei Aktenzeichen XY,… Medhi sollte wieder glücklich sein! Vielleicht findet er ja bald auch die Richtige. Ich bin es jedenfalls nicht. Ich würde es ihm von ganzem Herzen wünschen. Keiner hat es mehr verdient, glücklich zu sein, als er! Hmm, ich werde ihm vielleicht doch heute Abend noch zurückschreiben...

Tja, jetzt fehlt eigentlich nur noch eine Sache, über die ich mir Gedanken machen wollte...

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22.09.2009 10:19
#20 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Berlin

Marc erreichte nach einer halben Stunde Fahrt endlich das Elisabeth-Krankenhaus, er stellte seinen Wagen ab und lief über den Parkplatz zum Eingang. Noch wusste er nicht, was für ein Donnerwetter ihn gleich erwarten würde. Seine Gedanken waren nur bei seinem Gretchen, deren Herz er heute zurückerobern wollte ....

Ein paar Minuten zuvor hatte auch Prof. Franz Haase das Krankenhaus betreten. In seiner Abwesenheit hatte Marc Meier sein Büro genutzt. Was Franz aber dort erwartete, ließ ihm das Blut in den Kopf schießen. Das darf ja wohl nicht wahr sein. Ist hier ein Orkan durchgefegt? Franz war geschockt über den Zustand seines Büros: überall lagen unerledigte Aktenberge, fünf leere Kaffeetassen, ein Teller mit vergammeltem Obst, Kleidung von Marc auf Boden, … "Das glaube ich ja nicht!! MEEEEIIIEEERRR!!!"

Auch Medhi war auf dem Weg zum Chefbüro. Er hatte ja Marc versprochen, ihn heute zu vertreten. Was tut man nicht alles für einen guten Freund! Auch wenn dieser gerade in einer Mission unterwegs war, an deren Stelle er gerne gewesen wäre. Ich lasse ja alles mit mir machen. Ich mache seinen Job und er bekommt Gretchen! Was für ein Geschäft! Super Medhi! Der Preis für den Looser des Jahres geht an... dachte er und betrat den Aufzug. Dr. Hassmann huschte auch schnell noch rein. Seit ihrem verpatzten Date vor ein paar Wochen hatten sich die beiden nicht mehr gesehen. - „Und Dr. Kaan, rennen Sie immer noch dem Haasen hinterher?“ Medhi war erstaunt, dass sie überhaupt noch mit ihm reden wollte. - „Ähm, nee, ich hab’s endlich kapiert, sie liebt nur Marc Meier! Ich hab mich damit abgefunden!“ Sie reagierte überrascht. - „Wirklich? Also warum die Frauen alle auf den fliegen!“ - „Sie nicht?“ Medhi grinste sie an. - „Flirten Sie etwa mit mir?“ - „Ähm, nein! Funktioniert bei mir eh nicht!“ - „Kann es ihnen ja mal bei Gelegenheit beibringen!“ - „Jetzt flirten Sie aber mit mir?“ - „Ja!“ Medhi fragte leicht verlegen: „Und die Sache neulich? Ähm, ich …“ - „Schon vergessen!“ Sie strahlte ihn provokant an! Medhi wusste nicht, wie er damit umgehen sollte. Der Fahrstuhl hielt an. - „Ich muss hier raus, arbeiten!“ - „Schade, aber sie wollen anscheinend immer nur anderen Frauen an die Wäsche!“ Medhi schluckte und schaute sie überrascht an. Er wusste nicht, was er antworten sollte. - „Sie wissen ja gar nicht, was Sie verpassen!“ sagte Maria noch und dann schlossen sich die Aufzugtüren. Leicht verwirrt (was war das denn gerade??? Hat die mich etwa gerade angemacht???) betrat Medhi die Chirurgie und ging zum Büro von Prof. Haase...

Auch Marc hatte mittlerweile die Station erreicht. Er wollte im Schwesternzimmer nach Gretchen schauen, da kam ihm auch schon eine hektische Schwester Sabine entgegen: „Herr Dr. Meier, der Herr Professor, er...“ Da hörte er ihn auch schon brüllen „MEEEIIIIIER!!!!“ Scheiße!!!! Warum muss der ausgerechnet heute... Er nahm seinen ganzen Mut zusammen. Ok, da muss ich jetzt wohl durch! und ging zum Büro seines Chef ...

MEEEEIIIIIEEERRRR!!!!! schallte es durch das halbe Krankenhaus. Im selben Moment betrat Medhi das Chefbüro und wollte gerade wieder eine Kehrtwendung machen, als er Prof. Haase sah, der mittlerweile auf 180 war und ihn anbrüllte.
F: KAAN!!! Was machen Sie hier? Wo ist der Meier? Der kann was zu hören kriegen!
M: Ähm, der hat sich heute frei genommen, hat noch was Wichtiges vor.
F: WAS??? Und was ist mit dem Saustall hier?
M: Ähm, ich wollte mich gerade darum kümmern, Herr Professor. Marc hatte mich gebeten, hier die Stellung zu halten.
F: WAS???? SIE??? Ausgerechnet Sie? Müssen denn alle Verflossenen meiner Tochter hier so ein Chaos veranstalten! Das ist eine Klinik und keine Seifenoper!!!!

In dem Moment klopfte es an der Tür. Es war Marc Meier!
Beim Rausgehen sagte Medhi noch zu ihm: „Sorry Mann, er war schneller!“ Er flüsterte: „Und … ähm … wie ist es bei Gretchen gelaufen?“ Marc blickte ihn nur traurig an: „Jetzt nicht!“ und betrat das Büro.
Ok, er hat es wieder mal versaut!! Medhi schmunzelte leise in sich hinein, nahm sich sein Handy, schrieb Gretchen eine kurze SMS und flüchtete auf die Gyn. Bloß weg hier, sonst fang ich mir noch eine Abmahnung. Naja, die wird wohl gerade Marc kassieren. Der Arme, der hat es wirklich nicht leicht, erst eine Abfuhr von Gretchen und dann Standpauke vom Chef!

Franz war stinksauer und schrie seinen Oberarzt an: „MEIER!!! Denken Sie etwa, Sie könnten hier eine ruhige Kugel schieben, solange ich nicht da bin? Oder was soll das hier? Wieso sind die Akten noch nicht erledigt? Und wie sieht es hier überhaupt aus? Das ist hier keine Junggesellenbude, das ist MEIN Büro!!! Ich dachte, ich könnte mich auf Sie verlassen! War wohl eine Fehleinschätzung! Es war doch keine so gute Idee, dass ich Ihnen meine Stellvertretung übergeben habe! Das nehme ich hiermit zurück! Und ich habe tatsächlich darüber nachgedacht, Ihnen meinen Posten ganz zu übergeben, wenn ich in den Ruhestand gehe, ich habe ja sogar schon mit der Ärztekammer darüber gesprochen … Aber nach all dem hier wohl eher nicht!!!“
Marc musste schlucken. Wie ein kleiner Junge stand er vor ihm und schämte sich …
Scheiße, was mach ich denn jetzt? Will meinen Job nicht verlieren, aber Gretchen ja auch nicht!
Marc: Es tut mir wirklich leid, Herr Professor! Ich mache das wieder gut, versprochen! Aber hier war in den letzten Wochen die Hölle los. Durch den Ausfall von Ihnen, von Gre… ähm… Frau Dr. Haase und Dr. Knechtelsberger war alles etwas schwierig und dann ist Frau Dr. Ebersbach auch noch in Mutterschutz gegangen. Irgendwer musste ja die ganzen OPs machen... Wir haben alle Doppelschichten geschoben... Ich habe mich abends auch immer hingesetzt und einen Großteil der Akten bearbeitet (zeigt auf den rechten Stapel), aber ich bin auch nur ein Mensch. Ich kann mich nicht zerteilen. Es tut mir wirklich leid. Ich bin zwar Oberarzt, aber ich muss halt auch noch viel lernen. Ich bin Arzt mit Leib und Seele, deshalb bin ich auch lieber im OP als am Computer. Papierkram liegt mir halt nicht so... Ich kann mich nur entschuldigen!
Marc redete sich alles von der Seele. Er hatte noch nie zugegeben, dass er etwas nicht konnte und er einen Fehler begangen hatte. Aber in dieser Situation musste er die Karten offen legen.

Franz war erstaunt über so viel Ehrlichkeit. Das hatte er von seinem Oberarzt noch nicht gekannt.
Franz: So war ich auch mal, Meier!
Marc schaute ihn erstaunt an. Er hatte mit einem riesen Anschiss gerechnet. Er hätte sogar die Kündigung in Kauf genommen, denn zum ersten Mal in seinem Leben war ihm etwas wichtiger als sein Job. Und jetzt stand Franz ganz ruhig vor ihm.
Franz: Meier, da sind sie aber noch mal haarscharf an einer Abmahnung vorbeigeschrammt! Ich muss jetzt noch mal in die Verwaltung. Wenn ich wiederkomme, ist hier alles wieder pikobello! Verstanden!!! (wird lauter)
Marc (leicht eingeschüchtert): Ähm Herr Professor, eigentlich wollte ich …
Franz: Was denn noch?
M: Also, ich wollte Sie... ähm... noch fragen, ob Sie mir vielleicht sagen können, wo ich ihre Tochter finde.
F (erstaunt): Meine Tochter?
M: Ja. Ich war vorhin schon bei Ihnen zuhause, aber ihre Frau …
F: Bei uns?
M.: Ja, aber ihre Frau hat nur gemeint, sie sei nicht da. Ich suche sie schon den ganzen Tag.
F: Sie suchen meine Tochter?
M: Ja, ich muss ihr etwas sagen?
F: Was?
M: Das ist eine Angelegenheit zwischen mir und ihrer Tochter.
F (wütend): Wüsste nicht, was Sie noch mit meiner Tochter zu besprechen haben! Sie will im Moment niemanden sehen. Sie muss erst einmal die ganzen Geschehnisse verarbeiten.
M: Ja, das verstehe ich auch, aber ich muss sie wirklich dringend sprechen. Bitte, sagen Sie mir, wo sie ist.
F: Sie ist verreist!
M (enttäuscht): Verreist? Wohin?
F: Was interessiert Sie das denn überhaupt? Franz wird wieder etwas wütend.
Marc wollte keine Endlosdiskussion weiterführen, denn die Zeit hatte er nicht, er wollte zu Gretchen, so schnell wie möglich. Deshalb beschloss er jetzt alle Karten auf den Tisch zu legen.
Marc: Herr Professor, ich war gerade ehrlich mit ihnen, also bin ich es jetzt auch.
Er schloss seine Augen und atmete tief durch … „Ich liebe ihre Tochter!“
Marc wartete auf ein Donnerwetter, aber wieder passierte nichts. Er öffnete vorsichtig die Augen und sah Franz direkt in die Augen. Prof. Haase blieb ganz ruhig und schaute ihn nur an. Er schien überhaupt nicht überrascht zu sein! „Dafür haben Sie aber lange gebraucht Meier!“
Marc schaute ihn überrascht an: Bitte was? Und ich dachte Sie …
Franz: Denken Sie, ich habe keine Augen im Kopf, ich bin Chef hier! Ich bekomme alles mit! Und dass sie in Margarethe verschossen sind, hat ja wohl jeder hier im Krankenhaus mitbekommen, selbst der halbblinde Portier Guido am Eingang!
Marc musste schlucken und blickte beschämt zu Boden. Das hatte er nicht erwartet. Er stotterte vor sich hin...
M.: Ähm... ich will... also ich muss...
F: Schon gut Meier, ich weiß schon, was Sie vorhaben.
M: Sie wissen? Ähm...
F: Ja wie lange wollen Sie denn noch hier warten, bis sie in Rente geht? Jetzt zischen Sie endlich ab! Ich gebe ihnen eine Woche frei! Sie ist seit 3 Tagen auf Rügen.
M: Danke!
Marc stürmte aus dem Büro, rannte dabei fast Schwester Sabine über den Haufen.
F: Der Meier!!!
Er schüttelte den Kopf. Sabine betrat das Zimmer. Franz lächelte immer noch, sah dann jedoch Schwester Sabine und setzte wieder seine wütende Miene auf. „Sabine aufräumen!!!“

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23.09.2009 11:44
#21 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Mittlerweile hatte Medhi die Gyn erreicht. Dort wurde er von Schwester Gaby freudig begrüßt, die ihren ersten Arbeitstag seit der Entführung hatte. Sie hatte die Ereignisse eigentlich ganz gut weggesteckt, doch manchmal quälten sie immer noch Alpträume. Gaby lächelte, als sie Medhi erblickte. Medhi lächelte zurück.
Medhi: Schön, dass Sie wieder da sind. Sie haben mir hier gefehlt. Geht es Ihnen wieder gut?
Gaby nickte verlegen: Ja, den Umständen entsprechend!
M: Gut, dann an die Arbeit! Muss mich hier vor dem Chef verstecken!
G: Wieso das denn?
M: Lange Geschichte!
Beide lachten.
Gaby (leicht schüchtern!!!!): Ähm, ich habe Zeit!
Medhi: Schön, aber die Patienten nicht!! Rufen sie Frau Schöneberger rein!
Verwundert verspürte Gaby eine leichte Enttäuschung. Sie hätte gern länger mit ihm geredet, auch über die Sache damals. Sie hatte ja sonst niemanden zum Reden. Ihre Freunde - hatte sie je welche gehabt? - hatte sie alle vergrault. Sie fühlte sich einsam und allein. In letzter Zeit hatte sie häufiger an Medhi gedacht. Wie er sie aus dem Wald getragen und liebevoll versorgt hatte. So hatte sich noch nie ein Mann um sie gekümmert. Irgendwie fühlte sie sich zu ihm hingezogen. Sie wusste auch nicht, was es war. Waren es seine starken, beschützenden Arme oder seine ganze liebevolle Art? Er hatte ihr nie Vorwürfe gemacht, auch nicht damals bei der Geschichte mit Marc. Sie schätzte seine Ratschläge. Seine Meinung war ihr immer wichtig gewesen.
Verträumt stand Gaby noch immer am Türrahmen. Was ist denn heute los mit dir? So komisch hast du dich ihm gegenüber noch nie verhalten! Sieht ja fast so aus, als sei ich verliebt! Nee, echt nicht, doch nicht in den!!! Der läuft doch auch nur dem dicken Haasen hinterher!!! dachte sie und beobachtete ihn weiterhin, als Medhi plötzlich rief: „Wird das heute noch was, Schwester Gaby?“ Gaby zuckte zusammen und verließ eilig das Zimmer. Reiß dich zusammen Gaby, er ist nur dein Chef! Mehr nicht! Leider!
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24.09.2009 21:27
#22 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Mittlerweile war bereits Abend geworden, als Bärbel an Franz’ Bürotür klopfte. Sie hatte sich gewundert, dass er immer noch nicht nach Hause gekommen war. Eigentlich wollte er doch nur in der Klinik nach dem Rechten schauen.
B: Franz, wo bleibst du denn? Ich dachte, du wolltest nur kurz nach dem Rechten sehen und jetzt sitzt du schon wieder an deinem Schreibtisch.
F: Hier waren ein paar Sachen liegen geblieben.
B: Kann das nicht deine Vertretung machen? Du bist doch noch krankgeschrieben. Du wolltest dich doch schonen! Wo ist denn der Meier?
F: Hat sich frei genommen.
B: Frei genommen? Und da lässt der dich mit der ganzen Arbeit hier zurück? Also auf den ist ja überhaupt kein Verlass!
F: Schon gut, er hatte noch was Wichtiges vor?
B: Was Wichtiges vor? Soso! Bei uns einzubrechen?
F: Bitte was?
B: Ja, du hast schon richtig gehört. Der hat heute Mittag unser Haus gestürmt!
Franz musste grinsen.
B: Was ist denn da bitte so lustig dran?
F. Nichts!
B: Ich war kurz davor, die Polizei zu rufen. Der hat vielleicht Nerven!!! Also Franz ehrlich, ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee war, ihm deinen Stuhl zu überlassen. Er ist unzuvelässig, unberechenbar und gemeingefährlich!
F: Butterböhnchen, jetzt übertreibe aber nicht!
B: Ich übertreibe nicht! Er ist eine unmögliche Person! Du solltest ihn nicht zu deinem Nachfolger bestimmen! Der fährt dein Lebenswerk ganz bestimmt gegen die Wand!
F: Ach lass ihn. Er ist wie ich damals … voller Ehrgeiz und Liebe für den Beruf. Der geht schon seinen Weg.
B: Der? Der rennt doch auch nur jedem Rock hinterher! Also ich habe da Geschichten gehört …
F: Ich glaube, der rennt nur einem Rock hinterher!
B: Wem?
F: Na unserer Tochter!
B: Gretchen? Du spinnst ja! Der hat sie schon einmal betrogen mit dieser Schwester Gaby! Ich war froh, dass Gretchen ihn endlich vergessen hatte.
F: Da hast du aber nicht genau hingeschaut! Sie war immer in ihn verliebt und ist es noch!
B: Naja auf Rügen wird sie wohl einen klaren Kopf bekommen und endlich zur Vernunft kommen!
F: Wie du meinst, Butterböhnchen!
Er grinste sie an.
B: Was grinst du denn so komisch? Ist dir nicht gut?
F: Nein, ich bin nur glücklich.
B: Glücklich?
F: Ja.
B: Ja, und was ist der Grund für deine gute Laune?
F: Hmm, weil sich endlich alles zum Guten wendet.
B: Bitte was? Franz, du sprichst in Rätseln!
F: Tja, jeder hat so seine Geheimnisse!
B: Geheimnisse??? Oh Gott, er hat doch nicht etwa die Plantage entdeckt???
F: Ja.
B. Aber wir wollten doch immer offen und ehrlich sein.
F: Das sind wir doch auch.
B: Aber…
F: Nix aber. Komm lass uns nach Hause fahren! Ist schon spät.

...

Lorelei Offline

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24.09.2009 21:39
#23 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Am „Tag 1 nach Gretchen“ (so bezeichnete er es selbst, denn seit heute war sein Traum von Dr. Gretchen Haase und Dr. Medhi Kann endgültig ausgeträumt!) wurde Medhi plötzlich von zwei Frauen umworben. Schwester Gaby machte ihm schöne Augen im Büro und Dr. Maria Hassmann im Fahrstuhl. Er wusste gar nicht, wie ihm geschah. Wieso flogen plötzlich alle Frauen auf ihn? Etwa weil Marc Meier, Traum aller Schwestern und Ärztinnen nicht mehr zu haben war? Hatte er jetzt etwa die Stelle als begehrtester Jungesselle des Elisabeth-Krankenhauses eingenommen? ...

Medhi saß in seinem Büro und grübelte vor sich hin, schnappte sich sein Handy und wählte Marcs Nummer.
MM: Meier!
MK: Hey, ich bin’s. Wollte nur mal hören, ob dir der Chef den Kopf abgerissen hat? Hat er dich rausgeschmissen? Musst du jetzt Hartz4 beantragen? Du weißt, meine Finanzen sind auch nicht gerade rosig. Ob wir uns die Wohnung dann noch leisten können?
MM: Mann Medhi, nerv mich nicht!!!
MK: Also doch Scheiße gelaufen? Abmahnung???
MM: Nee, ist ganz gut gelaufen. Wird doch keine Stelle frei in der Chirurgie. Brauchst dich also nicht bewerben!
MK (leicht ironisch): Schade! Wo es doch so gemütlich bei euch ist!
MM: Medhi!!!
MK: Schon gut. Was hat er gesagt? Der war doch auf 180, als ich abgehauen bin! Wie hast du dich rausgeredet?
MM: Hab’s mal mit der Wahrheit versucht!
MK: Hä???
MM: Ich hab ES ihm gesagt?
MK: Hä? Was ES?
MM: Mensch Medhi, was bist du denn heute so schwer von Begriff!! ES!!!
MK: Nee ni? Du hast ES ihm gesagt und der hat dich nicht gefeuert?
MM: Nein, er blieb überraschenderweise ganz ruhig, hat mir freigegeben.
MK: Der hat dir freigegeben??? Nachdem du ihm so ein Chaos hinterlassen hast und ihm auch noch gesteckt hast, dass du in seine Tochter verknallt bist?
MM: Bin halt der perfekte Schwiegersohn für ihn!
MK: WAS?? Hat der das etwa gesagt?
MM: Nein, aber er hat mir verraten, wo Gretchen steckt.
MK: Echt? Und?
MM: Du, mein Akku ist gleich leer. Ich muss weiter... Will heute Abend noch...
Dann brach das Gespräch ab.
MK: Marc? ... Wo ist sie? ... Hallo?? ... Marc, bist du noch dran?
Hmm, aufgelegt! ... Scheiße!!!

Medhi saß noch eine Weile einfach so da, schaute traurig aus dem Fenster und dachte nach. Der hat wieder ein Schwein! Der schafft es auch immer wieder, den Karren aus dem Dreck zu ziehen... Und der Professor ist echt damit einverstanden? Das glaube ich ja nicht! Der hat damals so nen Aufstand gemacht, als Marc Gretchen betrogen hatte... Und jetzt? Gehört er jetzt schon zur Familie oder was? ...
Gaby betrat das Zimmer. Er hatte sie gar nicht bemerkt. Sie blieb an der Tür stehen und schaute ihn einfach nur an. Sie musste lächeln. Sieht süß aus, wie er so vor sich hin träumt! ... Gaby, hallo, geht’s noch? ... Du schmachtest jetzt nicht Dr. Kaan an oder? Sie räusperte sich. Medhi drehte sich um.
MK: Schwester Gaby?
Gaby: Dr. Kaan!
MK: Was ist? Wartet noch eine Patientin?
Gaby: Nein! Ähm, Marcs Mu... ähm... Frau Fischer hat vorhin den Termin abgesagt.
MK: Gott sei dank! Die könnte ich jetzt echt nicht ertragen!
Gaby: Ich auch nicht!
Beide mussten lachen.
MK: Gut, wenn nichts mehr ansteht, können Sie für heute Feierabend machen.
Gaby strahlte ihn an: Danke!!!
Gaby, nimm das blöde Grinsen aus deinem Gesicht!!! Der denkt sonst noch...
MK: Schwester Gaby?
Gaby: Hmm??
MK: Gibt’s noch etwas, was Sie mir sagen wollen?
Gaby musste schlucken und sah ihn überrascht an. Er hat doch nicht etwa gemerkt, dass ich...? Nein bin ich nicht!!!
Gaby antwortete leicht verlegen: Ähm, ich Ihnen etwas sagen? Ähm... nein!
MK: Gut, dann machen wir Schluss für heute.
Gaby (denkt kurz nach und traut sich dann doch noch zu sagen): Obwohl... vielleicht doch!
MK: Was?
Gaby: Ähm, also Schwester Stefanie hat mich doch jetzt auch aus dem Schwesternwohnheim geschmissen und ...
MK: Da wollten Sie mich fragen, ob Sie bei mir unterkommen können?
Gaby(überrascht und lacht verlegen): Ähm... also... nein... also... so hab ich das nicht gemeint...
MK: Hätte mich auch gewundert. Sie wissen ja, dass ich beim Meier wohne.
Gaby: Ja, das wäre keine so gute Idee! Außerdem habe ich doch auch schon eine neue Wohnung. Also worauf ich eigentlich hinaus wollte... also was ich eigentlich fragen wollte... ich habe da noch ein paar Kisten im Schwesternwohnheim liegen und ich habe doch kein Auto ... ähm, vielleicht könnten Sie ...?
MK: OK, geht klar. Ich helfe doch immer gern!!!
Er grinste sie an. Vielleicht komme ich ja so auf andere Gedanken und hab nicht ständig dieses Bild vor mir, wie er ihr sagt, dass... Medhi, ganz ganz schlechter Gedanke!!!
Gaby: Wirklich? Also ich möchte nicht, dass Sie sich irgendwelche Umstände machen! Also wenn Sie schon was vorhaben, dann können wir das auch ein anderes Mal machen.
MK: Nee, geht schon klar. Hab heute noch nichts vor. Außer Marcs Minibar und den Kühlschrank zu plündern!!!
Gaby war ihre Freude ins Gesicht geschrieben. Er ist so lieb! Ohne groß nachzufragen, hilft er einem! Der perfekte Mann eben! Wieso ist mir das nur noch nicht früher aufgefallen? Dann wäre mir einiges erspart geblieben!
Gaby: Danke!
MK: Gar nichts für! Ich verschwinde noch mal schnell in der Cafeteria. So in einer halben Stunde könnten wir dann los?
Gaby: Ja, ich warte dann hier!
MK: Ok, bis gleich!
Medhi ging zur Tür raus. Gaby ließ sich auf seinem Bürostuhl fallen. Wir sind verabredet! Das ist die Gelegenheit, ihn näher kennen zu lernen...

Lorelei Offline

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24.09.2009 21:51
#24 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

In der Cafeteria

Medhi saß allein an einem Tisch und stocherte in seinem Salat (Wo ist denn der verdammte Fetakäse???) - er hatte sich vorgenommen, nicht mehr in Fressattacken zu verfallen. Sein Anker war zwar weg, aber es würde sich schon ein neuer finden! In dem Moment setzte sich Frau Dr. Hassmann an seinen Tisch.
Maria: Und so allein hier, schöner Mann?
Medhi (blickt verlegen hoch): Ähm, Frau Dr. Hassmann!
Maria: Maria! Wir waren doch schon mal beim Du!
Medhi: Ähm, ja stimmt. Also... Medhi!
Maria: Ich weiß! Jetzt bräuchten wir nur noch etwas zum Anstoßen?
Medhi: Ja, aber du kennst ja die Finanzlage der Klinik. Sekt ist nicht!
Maria (zwinkert mit den Augen): Ich hätte da noch eine Flasche zu Hause im Kühlschrank!
Medhi: Ähm, was wird das jetzt hier? Machst du mich gerade an?
Maria (klimpert provokativ mit ihren Wimpern): Was dagegen?
Medhi wusste nicht, wie ihm geschah. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Er begann leicht zu schwitzen und stotterte vor sich hin: Also ähm... ich... ähm...
Maria: Du wirst ja rot, Tiger!
Medhi: Also, ich weiß nicht, ob das hier die richtige Umgebung ist...
Maria lacht: Hey keine Panik, ich vernasch dich schon nicht hier in der Cafeteria... Obwohl... schöner Gedanke!
Medhi starrte sie nur an.
Maria: Ich dachte, wir machen heute mal eine erste Lektion Flirten und so... Mehr nicht!
Medhi war wieder etwas beruhigt, denn so schnell wollte er sich eigentlich nicht trösten lassen.
Medhi: Ok, ähm... lief jetzt noch nicht so gut für mich oder?
Maria: Naja, aufbaufähig! Und was ist jetzt? Ein kleiner Absacker in einer Bar? Oder warten noch andere Frauen auf dich?
Medhi: Ähm Maria also... Heute ist ganz schlecht! Schwester Gaby hat mich gebeten, ihr beim Umzug zu helfen.
Maria: Du versetzt mich wegen dieser Schlampe! Heiße ich Haase oder was?
Medhi: Ich bitte dich, Schwester Gaby hat viel durchgemacht, erst das Kind, dann die Entführung...
Maria: Dir ist echt nicht zu helfen! Selbstmasochistisches Helfersyndrom nenn ich das!
Medhi: Bitte was?
Maria: Du hast schon verstanden! Deshalb wirst du auch nie eine Frau finden! Frauen wollen keine Freundin, die wollen einen richtigen Mann!!!
Medhi: Du klingst ja fast wie Marc Meier!
Maria: Tja, ich gebe es ungern zu, aber manchmal hat auch der Recht!
Medhi: Ok, ich sag Gaby ab!
Maria: Echt jetzt?
Medhi nickt: Hmm...
Maria: Ok, dann treffen wir uns gleich am Fahrstuhl!
Medhi: Ja. Dann bis später. Freu mich!
Maria: Ich mich auch!


Gaby wartete derweil im Büro auf Medhi und malte sich aus, wie wohl der Abend mit ihm verlaufen würde. Sie hatte vorhin all ihren Mut zusammengenommen und ihn gefragt, ob er ihr beim Umzug helfen könnte. Sie hatte sich eine kleine Wohnung in der Nähe des Krankenhauses gemietet. Sie wollte endlich ihr Leben wieder in den Griff bekommen. Sie wollte endlich die Vergangenheit hinter sich lassen, all die Enttäuschungen und Tränen … Sie wollte einen Neuanfang ohne Intrigen, Missgunst und Neid. Sie wollte allen zeigen, dass es auch eine andere Gaby gab.
Sie hatte sich darüber gefreut, dass Medhi ihr helfen wollte. Das wäre die Chance gewesen, ihn auch einmal außerhalb des Krankenhauses kennen zu lernen. Und wer weiß, vielleicht wird ja auch noch mehr daraus...
Aber Medhi sagte plötzlich mit einer kurzen SMS ab: Sorry schaff es heute doch nicht! Medhi. Gaby war enttäuscht. Anscheinend waren doch alle Männer gleich. Die Bestätigung dafür erhielt sie, als sie ihren Oberarzt zusammen mit Dr. Hassmann in den Fahrstuhl steigen sah. Arschloch! Hätte ich ja auch gleich wissen können, der wohnt ja schließlich bei Marc!!!

...


So das war erst mal der letzte Teil aus Berlin! Demnächst geht es dann weiter mit Gretchen auf Rügen!!! Würde mich übrigens über Kommentare freuen!!! Image and video hosting by TinyPicImage and video hosting by TinyPicImage and video hosting by TinyPic

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.269

25.09.2009 23:16
#25 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

So jetzt geht’s endlich zurück nach Rügen, wo Gretchen immer noch in Gedanken schwelgt... Viel Spass beim Lesen! Freu mich auf eure Kommentare!!!


Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen. Es war der 3. August 1989. Es war ein Sonntag. Es waren gerade Sommerferien. Ein Wendepunkt lag in der Luft. Nicht nur für Berlin und Deutschland, nein auch für mich selbst. In ein paar Wochen sollte ich die Schule wechseln. Endlich aufs Gymnasium! Ich zählte nun bald offiziell zu den Großen. Was mir auch ein bisschen Angst machte. Ich hasste Veränderungen. In solchen Situationen war ich immer unsicher und trat ganz bestimmt wieder in irgendein Fettnäpfchen, auch dort, wo eigentlich keines war. Die zogen mich schon immer magisch an!
Deshalb wollte ich mich vorbereiten. Ich wollte meine neuen Mitschüler mit Witz, Charme und Selbstbewusstsein beeindrucken. Ich wollte endlich auch zu den Coolen gehören. In der Grundschule hatte das noch keine so große Rolle gespielt. Gut, vielleicht doch ein bisschen... Alles scharte sich immer um Susanne Leibholz, während ich und Steffi, meine beste Freundin, immer im Abseits standen. Gut, wir sahen jetzt nicht so toll aus - die Kindermode in den 80ern war halt ziemlich ungünstig geschnitten. Und erst die Brillenmodelle!!! Ich sah aus wie Puck die Stubenfliege... Tja, was soll ich sagen, ich war ein Außenseiter. Ein kleines dickes uncooles Mädchen. Und wie das so ist als uncooler Außenseiter, versucht man eben durch Wissen zu glänzen. Damit trieb ich meine Lehrer fast immer zur Weißglut. Gut, aber es ist schon peinlich für eine Biologielehrerin nicht zu wissen, wie man einen korrekten Druckverband anlegt, eine Herzdruckmassage macht oder einen Arm eingipst... Das machte mich aber nicht beliebter, weder bei meinen Mitschülern (Streberin! Arzttochter!), noch bei meinen Lehrern. Einen Vorteil hatte es doch, sie wollten mich schnell loswerden und so bekam ich eine Super-Empfehlung fürs Gymnasium!

Jetzt sollte endlich alles anders werden... Eine neue Schule, ein neues Leben, ein neues Gretchen!!! Hatte meinen Schulstart minutiös geplant. Schon am ersten Ferientag besorgte ich mir ein cooles Outfit bei C&A. Ich war gerade in meiner Madonna-Phase. Lila Leggins, schwarzer Minirock, gelbes T-Shirt und rosa Glitzergürtel. Es musste bunt sein, wollte ja endlich auffallen. Gut, Klamotten waren also besorgt. Ich hatte mir auch vorgenommen, etwas mehr Sport zu machen, wollte ja auch noch in sechs Wochen in die Leggins passen, wollte ja nicht wie eine Presswurst aussehen! Bin deshalb jeden Tag fünfmal die Treppen zu meinem Zimmer hoch gerannt, anstatt wie sonst nur dreimal. Und ich hab beim Frühstück ein Schokobrötchen weniger gegessen. Gut, ich habe auch etwas für meine Fitness getan. Ich habe es sogar geschafft, meinem Vater zu überreden, dass ich Kontaktlinsen bekomme. Ich fühlte mich gut, fast erwachsen und schön. Ich sah ein perfektes Leben auf mich zukommen...

Doch dann kam alles ganz anders!


...

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