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Lorelei Offline

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Beiträge: 7.274

14.07.2017 16:32
#1601 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Erst nach einer ganzen Weile hatten Sarah und ihre Freundinnen ihre beiden großen Helden wieder ziehen lassen, die sich nun endlich auch wieder ihrem Alter entsprechend verhalten durften. Naja, zumindest soweit dies überhaupt gewollt war. Mit einem breiten Grinsen auf den Mundwinkeln bequemten sie sich in irritierend vertrauter Eintracht wieder zu ihren weitaus erwachsener wirkenden Damen, die sie mit Argusaugen von der Sitzecke im Garten aus beim gemeinsamen Toben mit den Kindern beobachtet hatten. Marc scheute sich natürlich nicht, seine unliebsame Stationsschwester mittels nur eines strengen und äußerst wirkungsvollen Oberarztblickes von der Hollywoodschaukel zu kicken, um den dadurch freigewordenen Platz neben seiner hochschwangeren Herzdame zu erobern, die ihn für sein ruppiges Vorgehen natürlich sofort mit einem finsteren Blick tadelte, welcher jedoch nicht lange standhielt, weil sie einfach nicht anders gekonnt hatte, als ihren kindischen Herzprinzen ungeniert anzuhimmeln, was dieser selbstverständlich genüsslich zu seinem Vorteil auskostete, indem er seinen zuckersüßen Haasenzahn prompt stürmisch niederknutschte. Das ließ dann wiederum auch die Dame des Hauses schließlich frustriert aufseufzend von der Gartenschaukel flüchten. Leider stolperte sie dabei direkt in die Arme derjenigen Person, die sie heute absichtlich auf Abstand gehalten hatte. Und dieses äußerst konsequente Verhalten behielt Dr. Maria Hassmann auch jetzt noch stoisch bei, als sie den dreisten Kerl, der sich ihr ungeniert mit seinem nervig charmanten Dauergrinsen zu nähern versuchte, auch körperlich betont von sich fern hielt. Strafe musste schließlich sein, redete sie sich einmal mehr ein, als sie abwehrend ihren Arm vorstreckte...

Maria: Wag es nicht, Cedric Stier!
Cedric (lässt es sich trotzdem nicht nehmen, sein hinreißend säuerlich dreinblickendes Zicklein weiter zu provozieren): Was denn, meine Liebe?
Maria (funkelt ihn mit finsterer Miene unmissverständlich an): Tatsch mich nur einmal an und du fängst dir eine.
Cedric (lässt sich ihre Worte genüsslich auf der Zunge zergehen u. dreht augenzwinkernd den Spieß gekonnt um): Interessante Wortwahl. Denn ich habe in der Tat einen wunderbaren Fang gemacht.

Cedrics offensiver Flirtversuch aller Abwehrversuche seiner Angebeteten zum Trotz blieb nicht ohne Gegenwirkung. Hinterhältig charmant zu sein, das hatte er wirklich drauf. Das musste sich auch Maria einmal mehr leidlich eingestehen. Aber jemand anders reagierte diesmal schneller als die widerspenstige Neurologin, die gerade mehrmals tief seufzte, auf die pomadigen Anmachsprüche des selbsternannten Charmebolzens. Marc hatte seinen Kopf von seiner ihn verliebt anlächelnden Freundin weggezogen und guckte nun ziemlich angeekelt zu dem sich belauernden Pärchen bei den angrenzenden Obstbäumen...

Marc: Boah, Alter, von dem Geschleime bekommt man ja Ohrenkrebs. Halt dich mal zurück, Mann! Hier sind Kinder anwesend.
Gretchen (klapst ihm dafür leicht auf den Arm): Marc!
Marc (ist sich keiner Schuld bewusst u. grient meierlike zurück): Is so!
Er kann es nicht lassen. Menno! Dabei war das gerade so schön. Ich will noch mal.
Maria (funkelt provozierend in Cedrics Richtung): Wo er Recht hat, hat er Recht.
Marc (richtet seine zufrieden aufblitzenden Augen nun ebenfalls auf seinen Lieblingskontrahenten): Hm... Dass wir mal einer Meinung sein könnten, müsste in die Annalen des EKH eingehen. Aber bei dem Thema war das auch nicht sonderlich schwer.
Gretchen (zieht den Provokateur wieder zu sich, um ihn zu stoppen): Marc, jetzt lass sie doch!
Cedric (lässt sämtliche Spitzen gekonnt an sich abprallen u. bleibt mit stolzgeschwellter Brust die Coolness in Person): Ach, komm schon! Es läuft doch alles ziemlich prima. Alle sind gut versorgt und benehmen sich. Naja, mehr oder weniger.
Maria (verschränkt eingeschnappt ihre Arme vor ihrer Brust): Ziemlich ist relativ, mein Lieber.
Cedric: Ich spreche nur die Wahrheit aus, Baby. Schau mal da rüber!

Widerwillig ließ sich Maria von ihrem fürchterlich hartnäckigen Lebensgefährten an den Schultern packen und sanft herumdrehen. Sie blickte nun direkt auf die schrecklich gelbe Hüpfburg, auf der mittlerweile nur noch vereinzelt ein paar Kinder vergnügt herumhüpften, die ihr ausnahmslos unbekannt waren, aber vermutlich in irgendeiner verwandtschaftlichen Beziehung zu dem einen oder anderen Kollegen aus dem Krankenhaus stehen mussten, welche sie wiederum ebenfalls nicht zu Sarahs großen Tag eingeladen hatte. Dieser Gedanke ließ die Sechsunddreißigjährige schon wieder hörbar ein- und wieder ausatmen. Rick konnte schleimen so oft und so lange, wie er wollte, dieser verdammte Hornochse hatte ihr das trotzdem alles eingebrockt. Das stand ebenso fest wie die Tatsache, dass sie ihn auf ewig dafür bluten lassen würde. Da konnte er noch so charmant sein. Oder noch so gut aussehen in der knackig sitzenden hellen Anzughose und dem weißen, provokant aufgeknöpften Hemd über seiner makellos gebräunten Haut und dem dunklen Brusthaar. Oder sich noch so gut unter ihren Fingerspitzen anfühlen, die ihn kurz versehentlich gestreift hatten. Schnell zog Maria ihre Hände wieder zurück und verschränkte ihre Arme in demonstrativer Abwehrhaltung vor ihrer Brust und zeigte ihm im wahrsten Sinne des Wortes ihre kalte Schulter, die unter dem weißen Carmenoberteil verführerisch hervorblitzte, sodass Cedric mehrmals versucht war, sie genau dort leicht mit seinen Fingerkuppen zu berühren.

Aber dann entdeckte die sichtlich eingeschnappte Neurochirurgin plötzlich ihre kleine Tochter, die ab heute unwiderruflich eine große war und die sich gerade zusammen mit Lilly Kaan und Schwester Sabine, die ihren Mann mittlerweile bei der Kleinkinderbetreuung unterstützte, auf die Picknickdecke vor der Hüpfburg gesetzt hatte. Die beiden Mädchen herzten und busselten Sissi und Anton, die anfangs mit einem verkniffenen Gesicht darauf reagierten, aber letztlich anfingen, herzerweichend zu lachen, und nahmen dann jeweils eins der Babys auf den Schoß, um nun einem spannenden Schauspiel zu folgen, welches Sabines angeheiratete Clownscousine mit gar nicht mal so großem Tamtam veranstaltete. Die Kinder, allen voran die beiden Babys, schauten der kunterbunt gekleideten Gestalt gebannt dabei zu, wie sie in Sekundenschnelle lustige Luftballonfiguren bastelte, nach denen sich die kleinen Fäustchen schnell voller Ungeduld ausstreckten. Sie liebten das quietschende Geräusch der Ballons unter ihren Fingerspitzen und Sarah und Lilly liebten den vergnügten Ausdruck auf den Gesichtern der beiden kleinsten Partygäste, die sie gleich wieder innig dafür knutschen mussten, während Schwester Sabine und ihrem Mann gerührt die Tränen in den Augen standen und sie heimlich Händchen hielten.

Ein herzerweichender Anblick, der auch die taffe Oberärztin letztendlich nicht kalt lassen konnte. Ohne noch einmal groß darüber nachzudenken, gab sie prompt ihren Widerstand auf und ließ sich nun doch bereitwillig von ihrem Haus- und Hofidioten umarmen, der daraufhin sanft sein stoppeliges Kinn auf ihre nackte Schulter setzte, nachdem er anhand ihrer ihm nun zugewandten Körperhaltung erleichtert ihr Entgegenkommen registriert hatte. Die Zähmung der Widerspenstigen konnte manchmal so einfach sein, dachte er nur und konnte sich sein selbstgefälliges Schmunzeln nicht verkneifen, während er verliebt an ihren blumig duftenden Haaren roch. Wenn Mary freiwillig bereit war, sich auch darauf einzustellen, was selten genug passierte. Umso mehr genoss Cedric jetzt diesen Moment stiller Eintracht, den er direkt auf seine lange Liste wunderbarer Momente mit seinen Lieben setzte. Er hatte es geschafft. Er war angekommen.

Cedric: Und? War das jetzt so schwer?
Maria (könnte ihn immer noch erwürgen, aber lässt es für den Familienfrieden bleiben): Halt die Klappe, du Mistkerl!
Cedric (schließt seine Arme noch fester um ihre Taille u. schnuppert verliebt an ihrem Haar): Hm, charmant, das klingt doch wieder nach meiner Frau.
Maria (tritt ihm unsanft mit der Ferse ihrer Keilsandale auf den Fuß, aber behält die angenehme Position zwischen seinen Armen bei): Wenn du mich noch einmal als deine Frau titulierst, fängst du dir wirklich noch eine.
Cedric (schmunzelt in ihr Haar hinein u. streift mit seinen rauen Lippen sanft ihre nackte Schulter u. ihren grazilen Hals, ehe er schließlich mutig zum Frontalangriff übergeht): Tja dann nehme ich lieber einen Kuss.
Maria (zögert einen kurzen Moment): Guter Deal.

Maria hatte sich gerade wieder zu ihrem Lebensgefährten umgedreht, der sie mit diesem gewissen Hauch von erregter Vorfreude angrinste, und wollte ihm sogar schon bereitwillig entgegenkommen, als ihre selbsternannte Busenfreundin Gretchen sie jedoch unbedarft zurück in die Realität katapultierte und hysterisch mit beiden Armen wedelnd auf das blinkende Babyphone auf dem Gartentisch aufmerksam machte. Aber da hatte es die Zweifachmutter auch schon selber registriert. Ihre interne Alarmanlage hatte nämlich ebenfalls schon angeschlagen. Und so weit weg von dem hochmodernen Haus im kanadischen Stil, in das sie mit ihrem Exehemann und den Kindern vor einigen Wochen eingezogen war, waren sie gar nicht. Die Terrassentür stand nämlich sperrangelweit offen. Die ungebetenen Gäste aus dem EKH hatten es sich natürlich nicht nehmen lassen, die günstige Gelegenheit ausgiebig auszunutzen, um die neuen heimischen vier Wände ihrer hochgeschätzten Kollegen ausführlich unter die Lupe zu nehmen. Scheiß-Tratschpack und elende Spione, dachte Maria nur verärgert, während sie die Person, die sie dafür verantwortlich machte, gespielt freundlich anlächelte. Den Eimer kaltes Wasser hatte er daher mehr als verdient. Cedrics perplexer Gesichtsausdruck war nämlich einfach zu göttlich und die Steilvorlage, die sie noch gebraucht hatte, stellte sie zufrieden fest, ohne sich dabei natürlich etwas vor dem arglosen Mann anmerken zu lassen.

Cedric: Sie beherrscht ihr Timing.
Maria: Deine gerechte Strafe, mein Lieber.

...säuselte Maria verführerisch in sein Ohr und entzog sich ihm, kurz bevor sie ihn leidenschaftlich geküsst hätte. Ganz bedröppelt und seine Lippen noch spitz nach vorn gestreckt blieb Cedric nun auf der sonnenverbrannten Wiese zurück und schaute seiner aufregenden Freundin hinterher, die mit einem betont sexy Hüftschwung, der ihren koralleroten Plisseerock herumwirbeln ließ und garantiert ihm gegolten hatte, ins Haus eilte, wo seine jüngste Tochter ungeduldig krähend auf ihre Mama wartete. Er war seinen Frauen rettungslos verfallen, stellte der Hahn im Korb einmal mehr fest, grinste amüsiert in sich hinein und beschloss spontan, rüber zu Sarah und Sissi zu gehen, um sein akutes Liebesbedürfnis zu teilen und ebenfalls eine der lustigen Luftballonfiguren zu ergattern, die seine beiden Mädchen bereits freudestrahlend in die Höhe reckten. Mal sehen, was seine Mary dazu dann wohl sagen würde. Aber eine Giftnatter zu formen, schien nicht allzu schwer zu sein, dachte der schwerverliebte Familienvater schmunzelnd und setzte seinen Plan direkt in die Tat um.

Marc und Gretchen hatten in der Zwischenzeit gar nicht mitbekommen, dass sie mittlerweile alleine in der gemütlichen Sitzecke im Stier-Hassmannschen Garten zurückgelassen worden waren. Immer wieder küssten sie sich zärtlich, neckten sich spielerisch, lächelten sich verliebt an und der glückliche werdende Vater konnte einmal mehr nicht widerstehen, seiner hinreißenden Herzprinzessin immer wieder zärtlich über ihre kugelrunde Körpermitte zu streicheln, unter der anscheinend ähnliches Rambazamba vonstatten ging wie drüben auf der Hüpfburg, die er vorhin noch selber ordentlich in Beschlag genommen hatte. Mit hoch gezogener Augenbraue schaute er zu seiner Süßen hoch, die daraufhin bestätigend nickte und dabei leicht erschöpft wirkte, weil die beiden Zwerge heute ganz besonders anstrengend waren und einfach nicht zur Ruhe kommen wollten. Sie wusste gar nicht, in welche Position sie noch rücken sollte, um noch etwas länger einigermaßen bequem sitzen bleiben zu können. Zu stehen fiel ihr noch schwerer. Vom Hochkommen aus der Hollywoodschaukel ganz zu schweigen. Dafür würde später vermutlich ein Seilzug von Nöten sein. Oder wahlweise auch ein Gabelstapler, falls Dr. Stier so etwas in seinem Geräteschuppen beherbergte.

Marc litt still mit seiner Traumfrau mit und deutete immer wieder auf seine schicke Designerarmbanduhr, einem Geschenk seiner werten Frau Mutter, was Gretchen mit einem Schmunzeln und einem konsequenten Kopfschütteln erwiderte, das wiederum ihn zum Schmunzeln brachte. Der Wink mit dem Zaunspfahl funktionierte zwar, aber sein stures Mädchen hier wegzubewegen, ohne Gewalt anwenden zu müssen, war eine andere Angelegenheit. Aber der schlaue Herr Doktor hätte nicht Medizin studieren müssen, um nicht doch noch schnell Abhilfe für ihre akuten Probleme zu schaffen, indem er sich mit Schwung auf der Hollywoodschaukel zurücklehnte und diese dadurch ordentlich hin und her schwingen ließ. Gretchen konnte nur den Kopf schütteln angesichts Marcs verrückter Flausen, die seltsamerweise sogar zu funktionieren schienen. Die ungeborenen Zwillinge wurden tatsächlich etwas ruhiger. Die werdende Mutter konzentrierte sich darauf, dass ihr nicht gleich schwindelig werden konnte, lehnte sich zur Seite und bettete ihr Haupt entspannt auf dem Schoß ihres tollkühnen Helden, der dadurch die Gelegenheit bekam, sich erst recht ausgiebig ihrer Schwangerschaftskugel widmen zu können, an der sich seine meisterhaften Chirurgenhände förmlich fest dockten, um nun auch auf seine ganz eigene Weise mit den Zwergen zu kommunizieren, die unverschämterweise ihre schöne Mama ärgerten, dem sofort Einhalt geboten werden musste.

Marc (vollkommen konzentriert in sein Tun): Und? Funktioniert’s?
Gretchen (hat die Augen geschlossen u. grient genießerisch vor sich hin): Ein bisschen.
Marc (kann sich sein glückliches Strahlen nicht verkneifen): Müsste eigentlich dieselbe Wirkung haben wie in einer Wiege. Da können sie sich schon einmal an das Schaukeln gewöhnen. Das nennt sich frühkindliche Prägung oder so ähnlich.
Gretchen (klappt ihre himmelblauen Augen wieder auf u. himmelt ihren Herzprinzen hingerissen an): Du bist süß.
Marc (seine Miene verfinstert sich augenblicklich u. er kneift ihr zum Protest sanft in die Seite): Hey! Keine Beleidigungen im Umkreis von fünf Metern um meine Belegschaft. Ich hab einen Ruf zu verlieren.
Gretchen (nutzt diese Steilvorlage gekonnt, um sein riesengroßes Ego zu kitzeln): Wenn überhaupt, dann immer noch Papas Belegschaft. Außerdem hältst du dich im Krankenhaus ja auch nicht daran.
Marc (guckt sein schlagfertiges Mädchen erst beeindruckt, dann verschlagen an): Ansichtssache.
Gretchen (beißt sich auf die Lippen u. versucht ihr Kichern zu unterdrücken): Ansichtssache?
Marc (lehnt sich wieder leicht zurück u. lässt die Schaukel gemächlich weiterschaukeln): Jep! Und jetzt in diesem Moment sehe ich eben dich gerne an.
Gretchen (strahlt über das ganze Gesicht, als sie zu ihm hoch schaut, während er, ganz vernarrt in ihren verträumten Anblick, sich zu ihr runterbeugt): Und du bist doch süß heute.
Marc (runzelt verblüfft seine Stirn): Was? Nur heute?
Erwischt! Hihi!
Gretchen (kann sich das vergnügte Grinsen nun doch nicht länger verkneifen): Ach? Möchtest du jetzt etwa auch gebauchpinselt werden?
Marc (zwinkert ihr eindeutig zweideutig zu): Oh! Führe mich nicht in Versuchung, Haasenzahn. Ich möchte noch viel, viel mehr. Du hast es mir schließlich versprochen. Deshalb... Die haben sich gerade alle verzogen. Die Gelegenheit ist günstig. Die maximale Verweildauer von einer Stunde ist eh gerade überschritten worden. Alles andere müsste erst neu verhandelt werden und ich leg schon mal vorsorglich mein mir zustehendes Veto ein.
Er kann es nicht lassen. Aber ich auch nicht. Das ist schließlich nicht nur unser Tag.
Gretchen (lässt sich nur ungern von ihm wieder in eine gerade Sitzposition hochschieben): Maaarc! Lilly wäre total enttäuscht, wenn du ihren Auftritt für Sarah verpassen würdest. Ihr habt so lange zusammen geübt. Ihr Papa ist doch auch schon nicht da heute.
Marc (seufzt leidend auf): Weil er’s genau richtig gemacht hat. Was selten genug vorkommt.
Gretchen (zieht einen hinreißenden Schmollmund, dem er nicht widerstehen kann): Gar nicht.
Marc (gibt sich wohl oder übel ihrer reizenden Argumentation geschlagen): Du bist so eine Nervensäge. Wahnsinn! Aber dann lass uns wenigstens das Beste daraus machen und noch ein bisschen rumknutschen und etwas fummeln, bis das drittklassige Showprogramm losgeht.

...lockte der freche Kerl seine hübsche Herzdame und senkte prompt seinen Kopf, um seinen Worten eindrucksvoll Taten folgen zu lassen. Gretchens Schmollmund, der ihm verführerisch entgegengereckt wurde, war einfach zu verlockend und nicht zu widerstehen. Das verdächtige „Klick“ aus dem Hinterhalt bekam das bis über beide Ohren verliebte Paar deshalb gar nicht erst mit. Das verdächtige Schmunzeln, das hinterher folgte und in einem leichten Hustenanfall mündete, dagegen schon. Frustriert registrierten beide, während sich ihre Lippen langsam wieder voneinander lösten, dass sie definitiv nicht mehr alleine auf weiter Flur waren. Tja, das stellte mittlerweile auch das verträumte Häschen fest, das hatte man nun davon, wenn man sich freiwillig den eigenen Jahrestag mit anderen teilte. Sie hatte es so gewollt.

Anna (senkt langsam das Kameraobjektiv wieder u. grient das verschmuste Paar ungeniert an): Erwischt!
Marc (meckert u. grummelt gewohnt meierlike vor sich hin): Mann, ey, gehst du jetzt neuerdings unter die Paparazzis, oder was? Na herrlich! Nirgendwo hat man hier seine Ruhe. Das ist ja wie im Stationszimmer auf der Drei. Von dort hätte ich wenigstens gleich in den OP flüchten können.

Und genau dorthin wünschte sich der verhinderte Verführer jetzt mit leichter Resignation zurück, als sich neben Hobbyfotografin Anna Kaan, die von ihrem alten Freund Cedric aus längst vergessenen Escort-Zeiten für die Momentaufnahmen des Tages engagiert worden war, auch Dr. Hassmann wieder zu ihnen auf die Hollywoodschaukel gesellte. Und sie war diesmal nicht alleine gekommen. Sie hatte eine hinreißende Gesellschaft mitgebracht, auf die sich nun sämtliche Augenpaare im Garten lenkten. Im Arm hielt sie nämlich ihre vor knapp zwei Wochen geborene Tochter Sophie, die müde immer wieder ihre kleinen Äuglein auf- und zuklappte, während sich ihre kleinen Fingerchen an Marias luftiger Carmen-Bluse festklammerten. Marc Meier war dadurch wieder aus dem Fokus der anwesenden Damen gerückt, was ihm natürlich ganz und gar nicht passte und er mit einem leidenden Aufseufzen quittierte. Aber aus dem Augenwinkel heraus riskierte auch der coole Oberarzt den einen oder anderen verstohlenen Blick auf das - O-Ton Gretchen Haase - niedlichste Baby der Welt, das nicht nur bei ihm akute Herzrhythmusstörungen ausgelöst, wenn auch nicht gleich zu heftigen verzückten Quietschattacken wie aus dem Block der anwesenden Kinderkrankenschwestern aus dem Elisabethkrankenhaus geführt hatte.

Denn urplötzlich wurde auch der werdende Papa wieder ganz hibbelig und rutschte unruhig auf der Hollywoodschaukel hin und her. Er dachte gerade daran, dass auch er bald so ein kleines zerbrechliches Bündel in den Armen halten würde und das sogar noch in doppelter Ausführung. Die Aufregung erwischte ihn mit voller Wucht, obwohl er sich doch insgeheim vorgenommen hatte, nicht gleich jedes Mal durchzudrehen und die Beherrschung zu verlieren, wenn die Zwerge sich etwas zu deutlich bemerkbar machten oder irgendwer ihm irgendwo irgendein Baby entgegenreckte. Der hysterische Auftritt seiner Mutter neulich im EKH vor seinem besten Freund und die amüsierten Blicke der tratschenden Kollegen waren ihm nämlich eine Lehre gewesen. Ab sofort wollten Gretchen und er es ruhig und überlegt angehen. Das war doch verdammt noch mal nur eine Geburt. Eine stinknormale, simple Geburt. Ein Kinderspiel. Im wahrsten Sinne des Wortes. Aber sein rasendes Herz war mal wieder Welten davon entfernt, was rational in seinem Kopf festgetackert worden war. Gretchen konnte an Marcs staunenden Augen jedenfalls genau ablesen, welche Gefühlsstürme gerade in ihm vorgingen und drückte liebevoll seine Hand, um ihn und sich zu beruhigen, während sie neugierig ihrer Freundin Maria zuhörte, die mit einem Mal einen ganz anderen Ausdruck im Gesicht bekommen hatte als noch vor wenigen Minuten. Sie wirkte ganz ruhig und sanft und lächelte sogar leicht in Dauerschleife, was ihr Lebensgefährte zufrieden registrierte, der mit zwei knallroten Luftballonschlangen in der Hand, die er sicherheitshalber direkt hinter sich ins Haus kickte, weil er sie nicht mehr gebraucht hatte, an der Terrassentür stehen geblieben war.

Maria: Fehlalarm. Sie hat nur Aufmerksamkeit gesucht.
Marc (stichelt zynisch, nachdem er sich schnell wieder eingekriegt hat, u. legt demonstrativ den Arm um seine Freundin): Ganz die Mama.
Gretchen (stupst ihren spöttisch grinsenden Freund tadelnd mit der Schulter an): Marc!
Anna (hat die Kamera beiseite gelegt u. einen Gartenstuhl zur Hollywoodschaukel herangezogen, auf dem sie nun Platz nimmt): Ganz schön viel Trubel für ihre ersten Tage zuhause. Du hast dir das sicher anders vorgestellt, oder, Maria?
Maria (ist dankbar für das ehrliche Verständnis ihrer ehemaligen Patientin): Ach, das stört sie nicht sonderlich. Im EKH ging auch ständig die Tür auf und sie wurde ungefragt in Fantasiesprache bespaßt. Man selbst wird unsichtbar, aber sie hat schon jeden einzelnen rumgekriegt, der sich nach ihr erkundigt hat. Selbst die Oberschwester.
Anna (lächelt u. erinnert sich wehmütig an ihre erste Zeit mit Lilly noch im Krankenhaus): Kommt mir bekannt vor. Wobei, Ausnahmen bestätigen die Regel.
Marc (spürt plötzlich, wie alle Augen auf ihn gerichtet werden): Wieso guckst du mich dabei jetzt an?
Anna (zuckt wissend mit den Schultern): Och, nur so! Du hast dich ja auch erst Wochen nach Lillys Geburt bei Mehdi gemeldet, nämlich erst nachdem er mit ihr zweimal vergeblich bei dir auf der Matte gestanden hat, nachdem wir schon Wochen zuvor von Heidelberg zurück nach Berlin gezogen waren und er fünf Zimmer neben deinem sein Büro bezogen hatte.
Marc (ist sich keiner Schuld bewusst, obwohl der stechende Blick, den Haasenzahn jetzt auf ihn gelenkt hat, ihn unerklärlicherweise tierisch nervt): Ja, und?

Das ist wieder typisch Marc Meier. Kein Verständnis für das Glück anderer. Zum Glück hat sich das gelegt, was wohl auch ein bisschen Mehdis Hartnäckigkeit und Lillys Charme zu verdanken ist. Sie hat ihn geliebt, seitdem Mehdi sie ihm einfach dreist in die Arme gelegt und die beiden alleine gelassen hat. Zum Kennenlernen. Aber ich glaube, Marc würde es heute noch leugnen, dass es etwas mit ihm gemacht hat. Und jetzt wird er selber Vater. Wahnsinn!

Anna (ist nichts anderes von ihrem langjährigen Freund gewohnt): Och, nichts, nur so ein Gedanke. Danke übrigens, dass du an das Präsent für Lilly gedacht hast. Ich weiß, es wäre nicht nötig gewesen, aber für Lilly sind diese Tage auch eine aufregende Zeit.
Marc (wiegelt mit einer lässigen Handbewegung ab): Mehdi lag mir ja auch ewig damit in den Ohren. Obwohl ich immer noch nicht ganz kapiere, wieso, aber egal. Und du, du bist heute seine offizielle Vertreterin, oder was?
Anna (grinst): Quasi. Du weißt doch, er hat Bereitschaft. Viele kleine Babys haben ein Rendezvous mit ihm. Oder wohl eher die Mütter wollen unbedingt eins mit ihm haben. Seit der Berichterstattung über den engagierten Gynäkologen sind alle Berlinerinnen ganz heiß darauf, dass er sich um ihren Nachwuchs kümmert. Es ist total verrückt. Gabi hat mir da Geschichten erzählt, da fällst du vom Glauben ab. Manche sind sogar ganz außer sich, weil er ihnen für die nächsten Monate keine Termine bei sich geben will. Seine bevorstehende Elternzeit interessiert nur die wenigsten, obwohl alle ja quasi im selben Boot sitzen.
Gretchen (guckt verstohlen zu Marc rüber): Also mich interessiert sie schon.
Marc (bemerkt irritiert ihren eindringlichen Blick): Jetzt guck mich nicht so an, Haasenzahn! Als hätte mich dein Vater nicht für die ersten fünf Wochen freigestellt. Aber die Chirurgie kann man nicht ewig dicht machen, nicht so wie die Gyn. Kinder kommen da auch von ganz alleine.
Maria (spöttisch): Ach, ist das so? Da spricht aber der Experte. Wie viele Kinder hast du noch mal auf die Welt gebracht, Meier?
Marc (reagiert gereizt auf die Spötteleien seiner zickigen Kollegin): Mann, du weißt doch, wie es gemeint ist, Hassi. Aber wenn du es genau wissen willst, es waren zwei, eins im OP, eins im Fahrstuhl, Frau Kollegin. Und bei letzterem hab ich sogar nur einen Schnürsenkel als Hilfsmittel gebraucht.
Maria (wenn sie nicht gerade ihr Kind im Arm gehalten hätte, hätte sie dem arroganten Schnösel glatt applaudiert): Oh! Wow! Jetzt bin ich aber wirklich beeindruckt, Dr. Meier. Vielleicht sollte Mehdi seine freiwerdende Stelle mit deiner Wenigkeit besetzen, hm?

Ihr könnt mich alle mal. Dieser frustrierte Hühnerhaufen ist echt unsexy.

Anna (grinst zwischen den beiden sich anzickenden Oberärzten hin u. her): Jedenfalls steht Mehdis Telefon seitdem nicht mehr still. Und nachher kommt doch auch noch der rbb im EKH vorbei, um ihn zu interviewen. Wegen der Geschichte neulich und wegen der großen Demo morgen vorm Reichstag. Ihr kommt doch hoffentlich auch? Lilly ist schon ganz aufgekratzt deswegen. Sie hat zig Plakate gemalt und extra ihre Spielzeugkiste aussortiert für die Flüchtlingskinder.
Gretchen (nickt der bärenstolzen Mutter vorfreudig zu): Selbstverständlich.
Marc (guckt seine Freundin sichtlich empört an): Was? Spinnst du? Du bist hochschwanger.
Gretchen (zickt wortgewaltig zurück): Das ist keine Ausrede. Das ist die Voraussetzung. Schließlich demonstrieren morgen Schwangere und Mütter für eine sichere Zukunft ihrer Kinder in dieser Stadt und für mehr Engagement und Miteinander. Also, ich finde das großartig. Dieses Engagement sollte man würdigen. Damit nie wieder jemandem so etwas zustößt, was Mehdi durchleiden musste. Und viele andere auch, von denen nicht gleich die Medien berichten.
Marc (schüttelt fassungslos den Kopf u. schmollt): Ich glaube, bei euch drehen langsam die Hormone komplett durch. Aber bei Mehdi und dir ist das ja nichts Neues.
Gretchen (stupst ihn beleidigt mit dem Ellenbogen an): Ey!
Maria (wendet sich mitfühlend Lillys Mutter zu): Lilly hat es einigermaßen gefasst aufgenommen, oder? Das, was mit ihrem Vater passiert ist.
Anna (schluckt u. atmet einmal tief durch): Sie war letzte Woche noch sehr durcheinander und hat viel geweint. Sie hat es nicht verstanden. Aber wer tut das schon? Böse, dumme Menschen, die nicht kapieren, dass wir auf diesem Planeten alle gleich sind und die gleiche Daseinsberechtigung haben, gibt es überall auf der Welt. Man darf sich nur nicht zu sehr davon einschüchtern lassen. Mehdis Mutter und er haben viel mit ihr geredet. Auch über ihre Wurzeln. Und als sie gehört hat, was Berlins Schwangere während des „Festivals der Kulturen“ für diesen Sonntag geplant haben, war sie sofort Feuer und Flamme und will sich mit engagieren. Sie ist so toll. Kinder gehen ganz anders mit dieser Thematik um. Viel offener und selbstverständlicher. Von ihnen sollte man sich wirklich eine Scheibe abschneiden. Da kann man wirklich noch viel lernen.
Gretchen (greift sich bewegt an ihr Herz u. streicht sich anschließend ein kleines Tränchen aus dem Augenwinkel): Och, das ist so lieb von ihr. Ganz der Papa.
Marc (verdreht genervt die Augen): Oje! Offenbar zieht es jetzt alle vor die Kameras.
Gretchen (stellt das direkt klar): Nicht bewusst, deine Mutter schon.
Sabine (klatscht begeistert in ihre Hände u. erschrickt damit die Anwesenden, die ihr plötzliches Auftauchen aus dem Nichts noch nicht bemerkt haben): Oh, ja, Günni und ich sind schon ganz aufgeregt und freuen uns auf die Talkshow heute Abend mit Ihrer Mutter im Fernsehen, Dr. Meier.

Hilfe! Ich bin hier echt am falschen Ort. Hier sind doch wirklich nur Bekloppte.

Mittlerweile hatten sich auch die Gummersbachs wieder auf die Terrasse verirrt. Während Günni Klein-Anton bändigte, der wild auf seinen Armen herumzappelte und seinen Pflegepapa überall mit seinen Händen anzutatschen versuchte und dabei gefährlich auf sein lindgrünes Muscle-T-Shirt sabberte, leuchteten Sabines Augen schon voller Vorfreude auf das heutige Abendevent, das sie natürlich schon vor Wochen fest in ihrem Kalender notiert und mit ihren Fanclubfreundinnen ausführlich im Elke-Fisher-Forum diskutiert und analysiert hatte. Der Sohn von Sabines großem Idol konnte dieser freudigen Erwartung aber natürlich absolut nichts abgewinnen. Marc hatte nämlich schon den halben Vormittag genervt damit zugebracht, am Telefon die stetig steigende Nervosität seiner Mutter zu bändigen. Keine Ahnung, warum die selbsternannte Autorinnengöttin gerade heute so hypersensibel reagierte. Live war doch sonst immer ihr Steckenpferd gewesen, wunderte sich Elkes Sohn zum wiederholten Male und schüttelte schließlich entnervt den Kopf. Er beschloss, sich vorerst zu enthalten und vor den drängenden Fragen der Sonnenblumenkönigin - Sabine Gummersbach trug nämlich ein weißes Etuikleid mit riesigen Sonnenblumen darauf - schnell das Weite zu suchen. Das hatte er auch erfolgreich bei seiner Mutter versucht und seitdem hatte er sein Handy vorsorglich auf Aus gestellt. Mutters Pseudokarriere war jetzt Olis Job. Seiner war dagegen ein anderer.

Marc (wendet sich flink von dem verrückten Pärchen ab u. springt von der Hollywoodschaukel): Ja, ja, Papperlapapp, ich besorge uns erst mal was Flüssiges.
Das ist ja hier ansonsten nicht auszuhalten und ich spreche nicht von der Sommerhitze.
Gretchen (schaut schmunzelnd zu ihm hoch): Ich bleib beim Wasser, danke, Marc.
Marc (grient sie an u. gibt ihr einen kleinen Knutscher auf den ihm entgegengereckten Mund): Ist auf dem Rezeptblock notiert.
Gretchen (klimpert bittend mit ihren langen Wimpern): Bringst du mir auch noch was vom Buffet mit? Was Süßes. Und was Deftiges. Und...
Marc (feixt meierlike): ... was mit Schokolade. Schon klar. Sonst noch irgendwelche Herzenswünsche, Frau Doktor?
Gretchen (strahlt ihren Helden schwerverliebt an u. macht es sich auf der Hollywoodschaukel wieder bequem, auf der jetzt wieder etwas mehr Platz für sich u. ihre Babykugel ist): Nein, danke, das war’s vorerst. Ich bin wunschlos glücklich.
Marc (dreht sich mit rollenden Augen um u. schreitet davon): Okay!?!

Dann hoffe ich auch, dass das anhält. Ich hab nämlich heute noch was vor mit dir, Haasenzahn.

Anna (springt ebenfalls von ihrem Platz auf): Warte! Ich komm mit, Marc. Nachdem ich die ganze Zeit mit dem Fotoapparat unterwegs war, könnte ich jetzt auch was vertragen.
Marc (trottet lässig neben ihr her): Mir doch egal. Ähm... Du? Du schleichst hier doch schon etwas länger herum, Anna. Das war aber nicht Stiers Ernst, dass es hier heute auf diesem schrecklichen Rumsbums keinen richtigen Alk gibt, oder?
Anna (grient ihn von der Seite an, während sie langsam zusammen über die gemähte Wiese laufen): Willst du die positive oder die negative Antwort?
Marc (ahnt, was das zu bedeuten hat u. stöhnt frustriert auf): Auf jeden Fall die mit ordentlich Umdrehungen.
Anna (lehnt sich verschwörerisch in seine Richtung): Dann solltest du dich vertrauensvoll an Cedrics Schwiegereltern wenden.
Marc (bleibt abrupt mitten auf der Wiese stehen u. sieht sich nach denen um): Was? An die Expertin für Mord- und Totschlag?
Anna (lacht): Angst? Die könnte durchaus gerechtfertigt sein. Hannelores Spezialsommerbowle haut nämlich ordentlich rein. Aber verrate es nicht Maria. Cedric meinte, sie habe extra darauf bestanden, dass alles kinderfreundlich bleibt.
Marc (kann sich nun auch sein Lachen nicht verkneifen, guckt sich kurz nach seiner Kollegin um u. schreitet schließlich weiter voran): Ach, was, die ist doch nur angepisst, weil sie als Biomilchproduzentin nicht mittrinken darf.
Anna (gibt sich weiterhin geheimnisvoll): Das hast du jetzt behauptet.

Die zwei Freunde lachten sich an und als die beiden sich weiter in Richtung Buffet vor bewegten, kamen ihn Lilly und Sarah fröhlich lächelnd von der Hüpfburg entgegen, ließen sich kurz knuddeln, nachdem sie frecherweise versucht hatten, Marc zu zwicken, und gingen dann eilig mit ihren Luftballontieren weiter ihres Weges. Die stolze Schulanfängerin wollte ihrer besten Freundin nämlich unbedingt persönlich ihre kleine Schwester vorstellen, die mittlerweile an Marias Brust eingeschlafen war. Ungeduldig wippte sie nun auf ihren Sandalenzehen vor der Hollywoodschaukel hin und her und schaute ihre Mutter inständig von der Seite an, während sich Lilly kaanlike zurückhielt und stattdessen Baby Anton bestaunte, den mittlerweile Sabine von ihrem Mann übernommen hatte, damit dieser sein vollgesabbertes T-Shirt säubern konnte.

Sarah: Mami, Mami, dürfen wir auf Sophie aufpassen? Bitte, bitte!
Maria (hält ihren Zeigefinger vor ihre Lippen u. flüstert eindringlich in Sarahs Richtung): Psst! Sie ist gerade eingenickt.
Lilly (senkt verlegen ihren Blick): Entschuldigung!
Maria (lächelt das schüchterne Mädchen an u. bedeutet ihr doch näher zu kommen): Kein Problem. Ihr dürft sie ins Bettchen bringen. Rick, du passt auf, dass sie keine Dummheiten machen!
Cedric (salutiert ihr spielerisch mit seiner mittleren Tochter auf dem Arm zu): Ai, ai, Frau Kapitänin! Sissi ist auch schon total groggy. Günni und ich haben beschlossen, den Kids etwas Ruhe zu gönnen. Ich denke, wir packen sie alle zusammen in ein Zimmer.
Sarah (hüpft begeistert auf der Stelle): In meins, in meins!
Günni (mittlerweile frisch gewaschen u. desinfiziert zurück auf der Terrasse schaut er unsicher von einer Person zur anderen): Ja?
Maria (ignoriert Cedrics albernes Schauspiel wohlwissendlich u. wendet sich ihrem ungeduldig hin und her wippenden Schulkind zu): Na, dann mal rein mit euch, aber seid bitte leise, ja! Sarah?
Sarah (strahlt wie ein Honigkuchenpferd u. kann ihren Blick nicht von ihrem süßen Geschwisterchen lösen): Ja, Mami. Ich pass ganz doll auf.
Maria (nickt ihr stolz zu u. kämpft plötzlich mit ihren aufsteigenden Glückstränchen, die wie aus dem Nichts aufgetaucht sind u. die sie angestrengt zu vertuschen versucht): Gut! Na dann komm mal her, mein Schatz! Meine Große. Mein großes Mädchen!

Unvermittelt zog die stolze Mutter ihr Kind in die Arme und drückte es tigermamagleich an ihre Brust. Sarah wusste im ersten Moment nicht, wie ihr geschah, aber kuschelte sich anschließend doch kichernd an sie und wiegte sich mit ihr und Sophie sanft hin und her. Als Maria sie aber immer noch nicht wieder loslassen wollte, wurde die Fastsiebenjährige dann doch etwas ungeduldig und versuchte sich unbeholfen, aus der anstrengenden Krokodilsumarmung zu befreien.

Sarah: Mami, alles gut mit dir? Du kannst uns jetzt loslassen. Wir kommen auch alleine klar.
Maria (atmet heftig ein und aus u. will es am liebsten nicht wahrhaben): Sicher! Die Mami ist heute nur ein bisschen emotional.
Cedric (kann sich einen spöttischen Kommentar nicht verkneifen): Ein bisschen?
Maria (zischt ihrem Lebensgefährten empört zu, der sich der Gartenschaukel auf leisen Sohlen von hinten genähert hat): Halt die Klappe!
Sarah (schaut mit großen Augen zu ihr hoch): Meinetwegen?
Maria (lächelt sie gerührt an u. streicht ihr sanft übers Haar): Ja, ein bisschen. Das ist nur dieser Tag. Das gibt sich gleich wieder.
Sarah (kontert frech u. selbstbewusst wie immer, dass es ihren Eltern fast die Sprache verschlägt): Ist schon okay, Mami. Ich bin jetzt zwar in der Schule, aber ich bin immer noch die gleiche und ich passe auf dich, Papi und meine Geschwister auf. Damit wir immer alle zusammen sind.
Maria (kann jetzt erst recht ihre Gefühle nicht mehr im Zaum halten): Och, meine schlaue Kleine, bring mich nicht noch zum Weinen. Hier, nimm deine Schwester, aber vorsichtig! Sie soll schlafen. Dass heute alles etwas anders ist als sonst, macht sie schon nervös genug. Sophie braucht ihren Schlaf. Der kommt uns am Ende auch zu Gute.

Maria war so gerührt von ihrer großen Kleinen, dass der fette Kloß in ihrem Hals ihr fast die Sprache geraubt hätte. Von ihrer akuten Bewegungslähmung ganz zu schweigen. Sie bemühte sich, ihre taffe Oberärztinnenfassung zu wahren, legte Sarah vorsichtig Sophie in die Arme und schaute ihr seufzend hinterher, wie sie, unterstützt von Lilly, zusammen mit ihrem Vater, der Maria noch einmal über seine heruntergezogenen Sonnenbrille hinweg zärtlich zugezwinkert hatte, ins Haus ging. Gretchen war so ergriffen von der Szene, dass sie spontan nach der Hand von Sabine gegriffen hatte, die sich, nachdem sie sich von ihrem Pflegekind verabschiedet hatte, das Günni ebenfalls ins Bettchen bringen wollte, gerade neben ihre beste Freundin auf die Hollywoodschaukel gesetzt hatte.

Gretchen: Gott, ist das süß.
Sabine (kann nur bestätigend nicken): Ja! Eine hinreißende Familie.
Gretchen (schwärmt u. streichelt dabei andächtig ihren Babybauch): Also wenn meine beiden nur annährend so werden, wäre ich schon die glücklichste Mama der Welt.
Oh Gott! Wann ist das passiert, dass aus einem simplen Eigenheim die Pforte zur Hölle geworden ist? Wird Zeit, dass die Kinder rauskommen, damit wir alle wieder annähernd normal werden, was bei Haase schon schwer genug ist.
Maria: Wenn ihr jetzt auch noch anfangt zu heulen, muss ich euch leider des Platzes verweisen.

...gab Dr. Hassmann zynisch von sich, als sie sich, einigermaßen wieder gefasst, ebenfalls wieder zwischen den beiden Kolleginnen auf der Gartenschaukel niederließ und vom Beistelltischchen etwas zu knabbern in die Hände nahm, das noch nicht von der sichtlich hungrigen Hochschwangeren verputzt worden war, die ihr neidisch dabei zugeschaut hatte.

Maria: Also, ihr habt heute echt die Ruhe weg, was, Meier und du? Wie kommt’s?

Eine ähnliche Frage hatte gerade auch Anna Kaan an den besten Freund ihres Exmannes gerichtet, der, nachdem er in einem Zug das Bowleglas geleert hatte, das ihm Frau Polizeiobermeisterin a. D. Hassmann zum Probieren gereicht hatte, sich mittlerweile einen großen Teller geschnappt hatte, um vom Buffet etwas Leckeres für seinen Lieblingsvielfraß zusammenzustellen. Marc schaute gar nicht erst auf, als er Mehdis Ex gewohnt lässig darauf antwortete...

Marc: Das Stadium, in dem alle durchdrehen, haben wir längst überschritten. Jetzt gehen wir’s locker an.
Anna (kann sich ihr wissendes Schmunzeln kaum verkneifen, als sie sich ebenfalls einen Teller schnappt u. diesen mit einigen Leckereien bestückt): Ach, wirklich? Ich war letzte Woche im Krankenhaus meine Unterlagen abgeben, als ihr gerade mit euren Eltern den Laden ziemlich aufgemischt habt.
Marc (schaut dann doch kurz zu ihr rüber): Ich habe nicht behauptet, dass unsere Eltern schon in diesem Stadium angelangt wären. Wenn es nach Gretchens Mutter gegangen wäre, dann würde Haasenzahn schon seit Wochen einer anderen Patientin auf der Gyn das Bett abspenstig machen. Und wenn wir nicht interveniert hätten, hätte der Professor, der Verwaltung zum Trotz, den Wisch sogar ohne Vorbehalt unterschrieben und er sollte es eigentlich besser wissen. Und dass meine Mutter grundlos ausflippt, ist ja wohl nichts Neues. Ich bin froh, dass die sich wenigstens heute alle zurückhalten und sich auch mal wieder um sich selbst kümmern. Der Professor und seine Frau sind in der Oper, nee, warte, irgendwas draußen, fünfstündige Sonderaufführung von... weiß der Geier... auf der Waldbühne, glaub ich. Und meine Ellis, frag lieber nicht. Ich schwöre, ich zerre meine Mutter persönlich auf den OP-Tisch, wenn sie heute Abend auch nur irgendetwas Peinliches über mich im Fernsehen von sich gibt. Das Skalpell ist schon gewetzt.
Anna (grinst u. greift erneut beim Buffet zu): Ich kenn sie nicht persönlich, aber was ich so von Sabine gehört habe...
Marc (fährt ihr sofort über den Mund): Oh Gott, glaub der kein Wort. Schon schlimm genug, dass ich Mutters Hardcorefan nicht mehr loswerde, weil Haasenzahn sich einbildet, sie unbedingt sozialisieren zu müssen.
Anna (schaut verstohlen zur Sitzecke rüber): Also, ich mag sie irgendwie. Sie hat etwas Verschrobenes an sich. Nicht ganz von dieser Welt, aber doch immer da. Sie ist echt. Sie ist ehrlich. Sie hat für jeden ein offenes Ohr und ich glaube, sie hat mehr Durchblick im EKH, als manch einer von euch hochwohlgeborenen Oberärzten glaubt. Dasselbe gilt übrigens auch für ihren Mann, den ich vorhin dank Lilly endlich auch mal kennenlernen durfte.
Marc (folgt ihrem Blick u. schüttelt den Kopf, als er die unbeholfene Krankenschwester eine Weile neben Hassi u. Haasenzahn beobachtet): Ah ja? Und du hast jetzt auch den Durchblick, oder was?
Anna (grient ihn leicht hibbelig an): In gewisser Weise schon, ja. Ab Montag dann auf jeden Fall. Noch ein Neuanfang. Ich fühle mich ein bisschen wie Lilly und Sarah an ihrem ersten Schultag. Ha, wie passend! Aber verrate es ihnen nicht. Ich will da kein großes Ding draus machen.
Marc (stellt Gretchens Teller kurz ab u. verschränkt seine Arme vor seiner Brust, als er Anna forschend in Augenschein nimmt): Ach, ja, da war ja was? Fängst du nicht übermorgen in unserer Reha-Abteilung als Azubine an? Mutig!
Anna (spürt auf einmal, wie die Aufregung wieder hochkommt): Ich hätte nicht gedacht, dass das auf einmal so schnell gehen würde. Ich bin Gretchen unendlich dankbar dafür, dass sie sich so bei ihrem Vater für mich eingesetzt hat. Aber ein bisschen Bammel hab ich schon noch.
Marc (mustert sie ganz genau): Rückzug ist keine Option, Anna. Diesmal nicht.
Anna (blickt ihm direkt in die Augen): Das habe ich auch nicht vor, Marc. Ich will das wirklich. Das ist genau das, was ich machen will. Für die Patienten. Aber vor allem auch für Lilly und natürlich für mich. Ich kann das.
Marc (keine Spur von Hohn oder Spott ist in seinem Blick zu bemerken, als er sich nach kurzem nachdenklichen Zögern Gretchens Teller wieder schnappt u. zur Getränkeecke weiterzieht): Na, dann... n’Guten, hm! Start, meine ich.

Marc hatte Gretchens Teller zu Ende beladen, guckte kurz darauf und sah dann wieder rüber in Annas Gesicht, auf dem sich genau das breite, ansteckende Lächeln abzeichnete, das sie für ihn immer schon sympathisch gemacht hatte. Er hatte nur wenige Freunde und darunter schon mal gar keine Frauen. Aber Anna, die zählte er schon dazu. Damals wie auch heute noch. Egal, was für Bullshit sie in der Vergangenheit verzapft hatte, wofür er sie zeitweise wirklich arg gehasst hatte. Aber da war er schon lange drüber weg. Denn alle Beteiligten hatten mittlerweile neue Wege eingeschlagen. Teilweise überraschende Wege, aber sie hatten alle etwas gemeinsam. Die Wege, die man eingeschlagen hatte, machten definitiv glücklich. Und er hoffte für Anna, dass auch sie endlich zur Ruhe fand und ankam.

Anna: Nanu? Keine Spitze in meine Richtung heute?
Marc: Wieso? Du hast dich doch jetzt für einen passablen Weg entschieden. Wer Medizin macht und respektiert, hat auch meinen Respekt verdient. Die eine oder andere hier anwesende Person natürlich ausgenommen.

Marc schaute demonstrativ zu Dr. Hassmann rüber, zu der sich nun auch Dr. Stier wieder gesellt hatte, der seiner Freundin hinter der Hollywoodschaukel kopfüber einen schleimigen Kuss auf die Lippen gedrückt hatte, was der beobachtende Unfallchirurg mit einem angeekelten Augenrollen kommentierte, ehe er sich wieder Lillys Mutter zuwandte. Aber Anna kannte ihren guten Freund gut genug, um zu verstehen, wie er seine Worte gemeint hatte. Sie nickte Marc lächelnd zu, reichte ihm eine Wasserflasche und griff dann selbst beherzt am Buffet noch einmal zu. Für sich und Lilly natürlich, auf deren Suche sie sich gleich noch machen würde. Ihr Auftritt stand nämlich unmittelbar bevor und sie sollte sich vorher noch ein bisschen stärken, damit ihr Lampenfieber nicht allzu groß wurde.

Dr. Meier war in der Zwischenzeit langsam wieder zu den drei Damen auf der Hollywoodschaukel getrottet, von denen sich eine gerade gefährlich schwankend erheben wollte. Er war so perplex von dem blasswangigen Gesicht seiner schwangeren Freundin und der Vorahnung, dass sie jeden Moment ohnmächtig zur Seite kippen könnte, dass er Maria unvermittelt Gretchens pappvollen Teller in die Hände drückte, um seiner Süßen zu Hilfe zu eilen, der jedoch bereits Schwester Sabine unter die Arme gegriffen hatte. Mindestens ebenso besorgt wie Gretchens aufgeregter Lebensgefährte, der mit seinen Worten mal wieder schneller agierte als mit seinem Denkapparat, der augenscheinlich unter einem akuten Aussetzer litt, wie zumindest seine irritierten Beobachter Hassmann und Stier gleichermaßen schlussfolgerten. Und nicht nur die.

Marc: So, das war’s. Das ist das Zeichen. Wir machen die Biege. Ich gucke mir das nicht noch mal an, Haasenzahn. Jetzt ist Schluss.
Gretchen (etwas irritiert von Marcs ruppiger Art, mit der er sie gepackt hat, fängt sie sich wieder u. guckt verwirrt zu Cedric u. Maria rüber, die beide synchron mit den Schultern zucken u. den aufgebrachten Chirurgen weiter interessiert beobachten, der sich in Hilfestellung hinter Gretchen platziert hat): Marc!
Marc (wedelt aufgewühlt mit seinem Zeigefinger vor ihrer Nasenspitze herum): Nee, ich diskutiere das nicht mit dir.
Maria (hat sich zusammen mit ihrem Freund auf der Schaukel zurückgelehnt u. beobachtet nun amüsiert das Meierliche Laienschauspiel): Oh! Das wäre mir neu.
Marc (zischt sie ungehalten an): Ach, halt doch die Klappe, Hassi! Du hast doch keine Ahnung.
Gretchen (wirft sich sauer zwischen die beiden): Marc, bitte! Es war doch gar nichts. Mir geht’s gut.
Sabine (guckt unsicher zwischen allen Beteiligten hin u. her u. hält Gretchen weiter behutsam am Arm fest, damit ihre Freundin nicht noch mal ins Schwanken gerät): Vielleicht wäre es doch besser...
Marc (hebt anerkennend eine Augenbraue, als er kurz auf die kleinlaute Krankenschwester blickt, u. schaut dann Gretchen dementsprechend schlaumeierhaft an): Mensch, Schwester Sabine, aus Ihnen wird ja doch noch eine passable Krankenschwester. Du solltest auf sie hören, Haasenzahn!
Sabine (fühlt sich unheimlich geschmeichelt u. lässt die sichtlich empörte Gretchen unbemerkt los): Danke, Dr. Meier.
Gretchen (verschränkt eingeschnappt ihre Arme über ihrem Babybauch): Hallo? Ich stehe immer noch neben euch. Ihr könnt auch mit mir reden, wenn ihr was zu sagen habt.
Marc: Dann pflanz dich eben wieder hin, Haasenzahn, wenn dir immer noch schwindlig ist. Ich hol nur eben den Wagen.
Gretchen (rollt theatralisch mit ihren Augen, als sie sich ihm eindrucksvoll in den Weg stellt): Stopp! Marc, jetzt komm mal wieder runter! Niemand geht hier irgendwohin. Zumindest nicht bevor wir Lillys Konzert gehört haben.

Ich fasse es nicht, dass sie jetzt unbedingt auf Trotzköpfchen machen muss. Ey, das eben war doch offensichtlich. Das hier alles ist definitiv zu viel für sie und die Kurzen.

Marc (will immer noch protestieren, wird aber gar nicht erst zu Wort gelassen): Haa...
Gretchen (fährt ihm angesäuert über den Mund u. stemmt demonstrativ ihre Hände in die Hüften): Jetzt lass mich bitte ausreden, Marc! Dass ich schnell Kreislaufprobleme bekomme, müsste dir nicht neu sein. Das hat vor allem mit diesem Zustand hier zu tun, an dem du nicht gerade unschuldig bist. Es gibt einen Grund, warum ich aufstehen wollte und ich sehe gar nicht ein, wieso ich das jetzt mit dir vor unseren Freunden diskutieren muss. Aber bitte, wie du willst. Wenn du dich damit besser fühlst. Ich bin aufgestanden, weil ich, erstens, nicht mehr länger sitzen konnte und mir kurz die Beine vertreten wollte und zweitens, weil ich einem dringenden Bedürfnis folgen wollte und dem komme ich jetzt auch nach.
Maria (grinst spöttisch zu dem perplexen Oberarzt rüber, der mit seiner heruntergeklappten Kinnlade ein Bild für die Götter abgibt): Ich glaube nicht, dass sie damit dich gemeint hat, Meier.
Marc (lässt sich schwerfällig auf die Sitzbank gegenüber der Hollywoodschaukel fallen): Boah, ihr macht mich alle fertig heute, echt.
Gretchen (seufzt, geht einen Schritt auf ihn zu u. legt ihre Hand an seine Wange, damit er wieder zu ihr hochguckt): Marc, alles wieder gut? Ich bin dir nicht böse. Ich finde es sogar süß, wenn du immer gleich überreagierst.
Marc (protestiert direkt wieder): Ich hab nicht überreagiert. Ich bin Chirurg. Ich sortiere nur die Fakten.
Gretchen (lächelt u. ist sichtlich hingerissen von ihrem fürsorglichen Freund): Ich weiß, Schatz. Es ist nur, die Platzproblematik und die damit verbundenen anderen ähm... naja Einschränkungen lassen sich nun mal nicht damit lösen, dass du mich komplett in Watte packen möchtest. Die bleiben bestehen und werden vermutlich noch größer und größer. So fühlt es sich zumindest an. Ich versuche, mich irgendwie damit zu arrangieren. Mir bleibt auch nichts anderes übrig. Ich habe die vergangenen acht Monate nichts anderes getan und die letzten Wochen schaffen wir auch noch. Und wenn wirklich etwas wäre, dann würde ich mich schon melden. Lass uns entspannt bleiben! Glaub mir, das funktioniert am besten. Das hat doch auch die vergangenen Tage ganz gut funktioniert. Oder?
Marc (schaut sanftmütig zu ihr hoch u. nickt ihr leicht zu, dann senkt er den Kopf wieder u. wirkt ziemlich geknickt, weil er sich vor allem über sich selbst ärgert): Ist angekommen.
Gretchen (nickt zufrieden): Na, also. Darf ich dann...?
Marc (nuschelt in seinen Dreitagebart hinein): Nur zu!
Sabine (macht sich ebenfalls Sorgen um ihren niedergeschlagenen Vorgesetzten, nähert sich ihm vorsichtig, will ihm die Hand auf die Schulter legen, traut sich aber nicht u. tritt wieder an ihre Freundin heran, die dabei ist, zu gehen): Ich begleite die Frau Doktor, nur wenn es recht ist, Herr Doktor.
Marc (hat sich wieder einigermaßen gefangen u. wiegelt mit einer lockeren Armbewegung ab): Ja, ja, was steht ihr dann noch so lange hier herum, hm? Abmarsch, aber zz, ziemlich zügig! Je schneller du wieder da bist, umso schneller kannst du das hier während des Gitarrensolos auffuttern und dann machen wir wirklich die Biege. Das diskutieren wir dann aber wirklich nicht mehr. Wir haben dann schließlich noch ein richtiges Date.
Gretchen (guckt augenrollend zu ihren Freundinnen rüber): Danke, Marc, dein Verständnis ist mal wieder riesengroß.
Cedric (schmunzelt u. schnappt sich einen Happen vom Teller): Nicht nur das.
Marc: Alter!

Und während Marc seinen ehemaligen Erzfeind grimmig ins Visier nahm, der sich dreist auf Gretchens und Sabines Platz gesetzt hatte und ihn mit seinen unnötigen Wortmeldungen langweilte, waren die beiden Freundinnen kopfschüttelnd über den Terrasseneingang ins Haus gegangen. Dicht gefolgt von Anna Kaan mit dem Snackteller für ihre Tochter, die sie zusammen mit Sarah bei den schlafenden Babys vermutete. Ein anderer Teller war dagegen unbemerkt in den Besitz einer anderen hungrigen Ärztin übergegangen, die sich gerade gierig über das von Dr. Meier liebevoll arrangierte Menü für seine Herzdame hermachte. Und auch Dr. Stier griff beherzt zu, wie Marc nun empört feststellte...

Marc: Ey, das war mein Teller, also, Gretchens.
Cedric (kontert kleinlaut, nachdem er sich genüsslich ein Bruschettateilchen in den Mund geschoben hat): Das ist unkorrekt. Der gehört zur Kollektion aus unserem Esszimmerschrank. Ein Geschenk meiner Schwiegereltern zur Hochzeit.
Marc (glaubt sich verhört zu haben): Och, hab ich was verpasst?
Maria (funkelt den spöttisch grinsenden Mann eingeschnappt an): Haha! Du hättest ihn mir ja auch nicht direkt vor die Nase halten müssen, Meier. Ich hab vorhin gestillt. Ich brauche meine Nervennahrung.
Marc (will das gar nicht wissen u. wendet sich deshalb lieber seinem Lieblingsstreitpartner zu, um Frust abzubauen u. zu stänkern, leider mit eher mäßigem Erfolg): Und du, musst du dich wieder einschleimen, damit dich deine Exschwiegereltern wieder lieb haben, hm? Übrigens, interessante Storys, die deine Schwiegermama über dich ausplaudert. Hab sie gerade kennengelernt. Sehr sympathisch.
Maria (dreht den Spieß einfach um u. kommt Cedric damit zuvor): Doch nicht so entspannt, wie ich dachte.
Cedric (pflichtet seiner Liebsten feixend bei): Das unterschreib ich sofort.
Marc (ärgert sich maßlos darüber, dass er von den beiden aufs Korn genommen wird): Ach, ihr könnt mich alle mal. Als ihr euch noch gehasst habt, war ihr mir deutlich sympathischer.

Mit Schwung drehte sich der eingeschnappte Chirurg von seinen sich in ungewohnter Eintracht gegen ihn verschworenen Kollegen um und marschierte mit großen Schritten zurück zu den anderen Gästen, die sich einer nach dem anderen gerade von Marias Mutter ein leckeres Glas Sommerbowle einschenken ließen. Maria und Cedric guckten dem Flüchtenden nur schmunzelnd hinterher und widmeten sich dann schnell wieder den Leckereien auf ihrem erfolgreich eroberten Teller.

Cedric: Ich hab mich nicht lustig machen wollen. Die Steilvorlagen kamen nun mal von ihm. Er wirkt wirklich schrecklich unentspannt.
Maria: Hätte mich auch gewundert, wenn dem nicht die Düse gehen würde. Haase ist schließlich überreif.
Cedric (schaut ihr fasziniert beim Naschen zu): Sie hält sich aber tapfer. Du übrigens auch.
Maria (lässt ihr Teilchen direkt wieder auf den Teller plumpsen u. starrt ihn an): Was soll das denn bitteschön heißen?
Cedric (kann es nicht lassen, sie ein wenig zu provozieren): Naja, wenn man bedenkt, dass du mich vor nicht einmal einer halben Stunde noch filetieren und auf den Grill werfen wolltest. Apropos Grill, wollte dein Vater nicht grillen? Den sollten wir vorwärmen, damit wir nach dem Showteil auch gleich loslegen können.
Maria (guckt ihn einen Moment lang unberührt an u. genehmigt sich dann genüsslich das letzte Bruschettateilchen): Ich weiß nicht, was du meinst.
Cedric (beobachtet sie schmunzelnd): Türlich. Gib’s zu!
Maria: Was soll ich zugeben?
Cedric (grinst selbstzufrieden): Dass ich das alles hier perfekt geplant und durchdacht habe. Ich weiß, dass du mir das nicht zugetraut hast. Ich mir ja stellenweise auch nicht. Aber für dich wachse ich doch immer gerne über mich hinaus. Ich bin dir schließlich auch ein halbes Jahr lang hinterhergelaufen.
Idiot! Ich hätte ihn doch länger zappeln lassen sollen.
Maria (gibt sich betont unbeeindruckt): Dass ihr Chirurgen auch immer und überall gelobhudelt werden wollt. Faszinierend! Du bist ja schlimmer als Meier.

Und als hätte dieser es gerochen, stand er bei diesem Stichwort auch schon wieder vor dem befreundeten Paar und griente dieses mit einem bunten Glas in der Hand frech an, mit welchem er ihnen anschließend zuprostete, bevor er einmal ausgiebig daran nippte.

Marc: Das wage ich zu bezweifeln. Und jetzt rückt den verdammten Teller wieder raus, ihr Diebe! Hochschwangeren Frauen die Grundlebensmittel wegzufuttern ist nicht gerade die feine englische Art.
Maria (guckt etwas irritiert auf das Glas in seiner Hand): Hat meine Mutter etwa schon wieder Bowle gemacht? Ist da etwa Alkohol drin? Ich bring sie um. Das war so nicht abgemacht.
Marc: Tja, schade, dass du das nicht verifizieren kannst, Frau Oberplanmeisterin. Pech gehabt! Mehr beschwipste Früchte für uns. So heißt übrigens auch der Drink.

...griente Marc seine verdutzte Kollegin süffisant an, deren suchender Blick Bände sprach. Aber bevor Maria ihre Eltern für den Versuch, Cedrics Party zu sprengen, hätte zur Rede stellen können, nahm ihr eine andere Person die Sicht auf diese. Aufgeregt und etwas außer Atem war Anna Kaan aus dem Haus gerannt gekommen und hatte sich vor den drei Chirurgen in der Sitzecke aufgebaut, die nun irritiert zu ihr hochblickten. Es dauerte einen gefühlt ewig langen Moment, bis Lillys Mutter ihre Sprache wiedergefunden hatte. Doch das, was sie zu sagen hatte, sorgte für reichlich Unruhe unter den anwesenden Ärzten.

Anna: Ich glaube, wir haben ein Problem.

Lorelei Offline

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28.07.2017 22:53
#1602 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

„Was für ein Problem, Anna? Wo... steckt... Haasenzahn“, stieß Dr. Marc Olivier Meier nach etwa dreieinhalb sprachlosen Sekunden merklich alarmiert aus, während der man eine Stecknadel hätte fallen hören können und sich so einiges in den rasend hin und her springenden Gehirnwindungen des allseits beliebten und hochtalentierten Berliner Chirurgen getan hatte, und sprang unvermittelt von der Sitzbank auf, um sich nun gefährlich nah vor Anna Kaan zu positionieren, die daraufhin irritiert einen Schritt zurückschreckte und etwas durcheinander von einer Person zur anderen schaute, die sie alle mit großen Augen erwartungsvoll anstarrten. Auch Dr. Maria Hassmann und Dr. Cedric Stier waren mittlerweile, einer vagen Vorahnung der Kinder betreffend, von ihren Plätzen aufgestanden und blickten die sich sichtlich besorgt umblickende Frau im bodenlangen geblümten Secondhandsommerkleid mit eindringlichen Mienen an. Doch bevor Lillys Mutter auf die drängenden fragenden Blicke ihrer Freunde hätte reagieren können, bekam der rastlose werdende Familienvater, dessen Synapsen kurz vorm Implodieren standen, nach gefühlt endlos langem Schweigen endlich die Antwort auf seine dringliche Frage, jedoch von überraschend unerwarteter Seite...

Gretchen: Was ist mit mir?
Marc: Äh...?

...konnte der Angesprochene nur noch verwirrt stammeln und starrte die putzmunter vor ihm stehende und ihn auf ihre gewohnt liebreizende Art und Weise anstrahlende Blondine und ihre ebenso konsterniert dreinblickende Busenfreundin Sabine, die an ihr klebte wie eine Fruchtfliege am mit überreifen Obst gefüllten Weidenkörbchen, mit tellergroß erweiterten Augen an, als wären die beiden soeben mit einem Raumschiff hinter dem Haus notgelandet und täten nun ihre ersten vorsichtigen Schritte auf dem blauen Erdtrabanten. Es dauerte einige Sekunden, bis das kurzzeitig außer Gefecht gesetzte Gehirn des sonst so kleinlauten Oberarztes wieder hochgefahren war und er sich wieder einigermaßen gefangen hatte. Als er dann auch die Motorik über sein äußeren Extremitäten wiedererlangt hatte, hielt Marc nichts mehr auf seinem Platz und er stürzte sich an der perplexen Anna vorbei, die wie ein Fisch an Land nach Luft geschnappt hatte, auf seine völlig verblüffte Freundin, die sich angesichts der fragenden Blicke, die von allen Seiten auf sie gerichtet waren, verwundert umschaute, um sie mit seinen besitzergreifenden Fangarmen in Gefangenschaft zu nehmen und nie wieder loszulassen.

Sehr zur Verwunderung von Schwester Sabine, die bis eben als treue Schützenhilfe hinter der Hochschwangeren gestanden hatte und von ihrem rabiaten Chef unsanft zur Seite gedrängt worden war, wobei ihr ihr weißer Sonnenhut von ihrem blonden Bob gepurzelt war. Aber auch ein fragender Blick zu ihrem Ehemann, der ganz allein auf der zertrampelten Wiese neben der quietschgelben Hüpfburg stand und abwesend in den azurblauen Himmel über dem See blickte und demzufolge den kleinen Aufruhr unter den Kollegen auf der Terrasse gar nicht mitbekommen hatte, half der passionierten Hobbyastrologin nicht viel weiter, die ihrer besten Freundin doch gerade eben noch begeistert das aktuelle Tageshoroskop erklärt hatte. Dabei stand doch der Mars im Sternzeichen der Jungfrau und würde heute Abend die Bahn der Venus kreuzen, die wiederum ganz nah am Neumond am Firmament leuchten würde. Das in Verbindung mit den immer noch anhaltenden Perseiden war eine äußerst seltene und aufregende Konstellation, die aber außer Sabine Gummersbach und Sarah Hassmann, die den beiden Erwachsenen neugierig im Haus zugehört hatte, niemanden zu interessieren schien. Am allerwenigsten vermutlich ihren sehr geschätzten Doktor Meier, der seine Herzdame gerade mit einem so zärtlich besorgten Blick bedachte, dass dieser auch das kleine Herz der sterndeutenden Krankenschwester ordentlich zum Puckern brachte. Sabine konnte gar nicht anders. Sie musste sich flink in die Arme ihres Schnurzelchens schmiegen, der, ganz überrascht von der offenherzigen Liebesbekundung seines Purzelchens, erst dadurch wieder ins Hier und Jetzt auf die Erde in die Runde der versammelten Kollegen zurückkehrte und seiner Seelenpartnerin verliebt den breitkrempigen Hut wieder auf ihr hübsches Köpfchen setzte. Ohne Ausnahme alle Augenpaare waren auf das junge Glück gerichtet, das alsbald Eltern werden würde, aber offenbar noch nicht jetzt in diesem Augenblick, wie es für den Hauch einer Sekunde gerade noch den Anschein gehabt hatte, wovon selbst der zerstreute werdende Papa bis eben fast noch überzeugt gewesen wäre.

Marc: Ich dachte...
Gretchen (guckt verdutzt zu ihrem Freund u. wandert dann langsam mit ihren verwunderten Blicken eine Person nach der anderen ab): Was dachtest du? Was guckt ihr denn alle so komisch? Ist etwas passiert, während wir kurz im Bad waren und ja, einen kurzen, okay, einen etwas länger dauernden Moment bei den Babys verweilt haben? Aber die Drei sind so niedlich, wenn sie schlafen. Wie kleine Puppen in verschiedenen Größen, nur eben in echt.

...gab das putzmuntere Häschen schließlich arglos die in ihren Augen wohl plausibelste Erklärung für ihr kurzzeitiges Fernbleiben von sich und lehnte sich anschließend mit einem verträumten Lächeln auf den Lippen zärtlich an die starke Schulter ihres verdutzten Freundes, der offenbar während ihrer kurzen Abwesenheit das Sprechen verlernt hatte. Merkwürdig, wirklich sehr merkwürdig, dachte Gretchen nur, hatte den Gedanken aber im nächsten Moment auch schon wieder vergessen, weil Marc so betörend nach den Köstlichkeiten vom Buffet duftete und weil ihm ein paar widerspenstige Strähnen ins Gesicht gerutscht waren, die sie ihm nun liebevoll aus der Stirn zu streichen versuchte, was irgendwie nicht zu funktionieren schien. Sie rutschten immer wieder zurück, was Marc schließlich auch tierisch nervte, aber Gretchen beließ es so, denn dies gab ihm eine extrem verwegene und jugendliche Note. Irgendwie sexy und unnahbar. Wie früher auf dem Schulhof, wenn ihn irgendetwas schwer beschäftigt hatte, Marc das aber auch auf hartnäckiges Nachfragen hin nicht hatte zugeben wollen, weswegen er sich letztlich meistens bockig in seine Ecke hinter der Hecke am Spielplatz verkrochen hatte, wo er jeden weggebissen hatte, der ihm auch nur einen Schritt zu nahe gekommen war. Gretchen wusste auch nicht, warum sie gerade jetzt daran zurückdenken musste, konnte aber auch nicht aufhören, den coolen Jungen vom Schulhof ungeniert von der Seite anzuschmachten, der schon damals ihr Herz im Sturm erobert hatte, was nicht unbeobachtet blieb. Dr. Stier und Dr. Hassmann, die nach Annas Ausruf für einen kurzen Moment ebenfalls irritiert gewesen waren, weil ja eventuell auch etwas mit ihren Kindern hätte sein können, konnten sich ihr wissendes Grinsen nun auch nicht mehr länger zurückhalten. Ebenso wenig wie ihre ungebetenen neunmalklugen Kommentare. Sehr zum Leidwesen von Dr. Meier, der in diesem Augenblick den perfekten Blitzableiter abgab.

Maria: Ob etwas passiert ist? Anscheinend nichts von Belang, aber ich denke, Dr. Meier sieht das anders.
Marc (schreckt ertappt auf u. zischt der zickigen Kollegin grimmig zu): Bitte?
Maria (schmunzelt süffisant in seine Richtung): Och, nichts. Oder doch?
Marc (stöhnt gereizt auf): Boah, du genießt das richtig, oder, Hassi?
Maria (grient ihn an, nachdem sie kurz vergewissernd zu ihrem schmunzelnden Lebensgefährten geschaut hat, der ihr wissend zunickt): Och, auch nicht mehr als du, denke ich.
Marc (verschränkt eingeschnappt seine Arme vor der Brust u. ignoriert die biestige Kollegin u. ihr treudoofes Anhängsel, das zu allem, was von ihr kommt, weicheimäßig ja und amen sagt): Sehr witzig!
Sabine (guckt fragend zu Gretchen, die auch nur unschlüssig mit den Schultern zucken kann): Ach so?
Gretchen (will noch mal nachhaken, kommt aber nicht mehr dazu): Was war denn nun?

Sarah: Mamiiii! Mami! Geht’s jetzt los?

...stürmte nun auch noch zur Erheiterung aller der Ehrengast des Tages in die aufgescheuchte Runde unter den Obstbäumen und lenkte damit endgültig alle erfolgreich von der blasswangigen Anna Kaan ab, die immer unruhiger geworden war, aber noch immer nicht zu Wort gekommen worden war. Jeder Versuch, sich bemerkbar zu machen, wurde ignoriert beziehungsweise überhaupt nicht wahrgenommen. Es war wie verhext. Alle waren plötzlich wie elektrisiert. Sarah war in ihrem wunderhübschen Wallekleidchen unvermittelt angerannt gekommen und hatte sich an die Taille ihrer Mutter gehangen und schaute nun niederschmetternd anbetungswürdig zu ihr hoch. Niemand hätte der zuckersüßen ABC-Schützin, die einen eindeutigen Schokobart über der Oberlippe trug, in dem Augenblick widerstehen können. Auch nicht ihr bärenstolzer Vater, der, nachdem er ihr grinsend die Schokolade mit dem Finger weggewischt und selber davon genascht hatte, pappfrech das Wortrecht übernahm und damit alle, bis auf Marc und eben Anna, zum Schmunzeln brachte.

Cedric: Der Alarm war vielleicht etwas vorzeitig, aber unser lieber Marc kommt ja gerne zu früh, nicht?
Marc (kann nur von den sanften Händen seiner Liebsten noch vor möglichen Handgreiflichkeiten zurückgehalten werden): Ey! Hast du dir die Witze von der albernen Clownin da drüben abgeschrieben oder was soll das? Auch wenn du jetzt neuerdings im Doppelpack daherkommst, bist du Gockel auch nicht witziger als sonst.
Sarah (guckt verdutzt zu ihrem Papa rüber, zuckt mit den Schultern u. schnappt sich besitzergreifend seine Hand, um ihn nun ungeduldig hinter sich herzuziehen): Was für ein Alarm? Ich meine doch, dass Lilly gleich auftreten wird. Mit der Gitarre. Ist das nicht aufregend? Kommt ihr alle mit rüber? Gleich geht’s los. Juhu! Ich freue mich so.
Cedric (versucht einen Blick von Lillys Mutter zu erhaschen, nachdem ihm wieder eingefallen ist, dass sie ja noch etwas sagen wollte, aber Sarah hat ihn schon ungeduldig von ihr u. Maria weggezogen): Ach so, ja, na dann? Gehen wir mal rüber zur Showbühne, hm? Mary, hab ich dir eigentlich schon verraten, was für ein megagutes Programm ich da auf die Beine gestellt habe?
Maria (traut ihren Ohren kaum u. will dem Angeber direkt die Meinung geigen, weil er den Bogen schon wieder gefährlich überspannt, kommt aber nicht dazu, weil sich ihr Kulleraugen in den Weg stellen): Wag es ja nicht, Rick!
Sarah (freut sich wie ein Honigkuchenpferd u. greift nun auch nach der Hand ihrer verdutzten Mutter, um sich auch bei ihr einzuhaken): Au jaaa! Mami, komm! Gretchen! Bienchen! Onkel Marc! Ihr auch!
Gretchen (guckt grinsend zu Marc, der seinen Kopf gequält runterhängen lässt, u. schaut dann auffordernd zu Sabine u. Günni): Selbstverständlich, mein Schatz! Ich freue mich doch auch schon. Kommst du, Marc? Danach hast du’s dann ja auch geschafft.
Marc (sofort geht ein Ruck durch seinen Körper u. er grinst wieder bis über beide Ohren): Dein Wort in Gottes Gehörgang, also, in meinen.
Gretchen (schmiegt sich verliebt schmunzelnd in seine Arme): Du bist so blöd, aber lieb hab ich dich trotzdem.

Sarahs Vorfreude auf Lillys Auftritt wirkte natürlich direkt ansteckend. Die Fastsiebenjährige schlenderte zwischen ihren Eltern zur provisorischen Bühne am Bootssteg und ließ sich von den beiden immer wieder an den Armen hoch wirbeln und jauchzte dabei glücklich vor sich hin. Für die Schulanfängerin war dies heute natürlich bislang der beste Tag in ihrem Leben. So viel stand definitiv fest. Gretchen guckte der süßen Familie angetan hinterher, blieb aber noch etwas zurück. Aber nicht weil ihr Körperumfang ihr mal wieder Probleme bereitete, nein, sie wollte nur ihren von Marc so liebevoll zusammengestellten Teller mitnehmen, um während Lillys Auftritt unbeobachtet ein bisschen zu naschen. Aber sie fand lediglich ein leeres Exemplar auf ihrem Platz, als sie zur Hollywoodschaukel zurückkehrte, und schaute deshalb fragend zurück zu Marc, der daraufhin lässig mit den Schultern zuckte und mit dem Kinn rüber zum Buffet deutete.

Marc: Da gab es ein kleines Missverständnis. Naja, Mundraub trifft’s wohl eher. Die zwei Pappnasen sind aber auch geizig, eh, und gönnen niemanden irgendetwas.
Gretchen (überrascht, aber denkt sich nichts weiter dabei): Oh! Dann... naja, schaue ich eben selber noch mal, was es so gibt, bevor es losgeht. Die Hauptakteurin fehlt ja eh noch, wenn ich mich so umschaue. Möchtest du auch was, Bine?
Sabine (lächelt ihrer aufmerksamen Freundin freundlich zu u. guckt anschließend verliebt zur Seite zu ihrem Mann, der ihr liebevoll den Arm um die Taille gelegt hat): Gerne! Du auch, Schnurzelchen?
Schnurzelchen? Oh Gott! Wo bin ich hier bloß gelandet? Definitiv im Gruselkabinett. Und was stellt Haasenzahn da gerade dar? Sterbender Schwan oder flügellahmer Pinguin? Schwan, definitiv, Schwan! Ein bisschen blass vielleicht in Ausführung und technischer B-Note, aber das sexy wackelnde Hinterteil holt es wieder raus.
Marc (noch etwas unschlüssig steht er wie bestellt u. nicht abgeholt vor der Hollywoodschaukel, von der sich Gretchen gerade ungelenk ihre Handtasche schnappt): Gut? Und dir geht’s...?
Gretchen (ahnt, was er sagen will, u. kommt ihm zuvor, während sie sich glücklich an ihn schmiegt u. ihm ein kleines Küsschen auf die Lippen presst): Bestens, Marc, bestens! Ihr müsst also nicht gucken, als wäre sonst was passiert. Kommst du, Sabine! Günni? Anna, was ist mit dir?
Günni/ Sabine (antworten ihr ehrfürchtig im Schmunzeln auslösenden Chor): Selbstverständlich, Frau Doktor.

Und schon schlenderten die Drei auch schon davon, um noch schnell vor dem angekündigten Showprogramm das Buffet zu plündern, und ließen Marc und Anna auf der mittlerweile verlassenen Terrasse zurück, während alle anderen Gäste, angefeuert von einer euphorischen Sarah Hassmann, die ihnen wild zuwinkte, langsam ihre Plätze vor der improvisierten Bühne am Bootsteg einnahmen. Marc wollte ihnen auch gleich folgen, hatte aber vorher noch ein Hühnchen mit Mehdis Exfrau zu rupfen, die ungewohnt ruhig und apathisch geblieben war, nachdem sie anfangs noch für solche Aufregung gesorgt hatte.

Marc: Apropos, Missverständnis, Anna, wo wir schon einmal dabei sind, das nächste Mal etwas mehr Taktgefühl, ja! Bei meinem überfälligen Mozartkügelchen verstehe ich nämlich überhaupt keinen Spaß. Klar?
Anna (wacht abrupt aus ihren Gedanken wieder auf u. richtet ein leises Stoßgebet gen Himmel, weil sie endlich erhört wird, u. stellt sich Marc in den Weg, als er gehen möchte): Warte, Marc! So war das doch überhaupt nicht gemeint. Ich habe doch gar nicht behauptet, dass etwas mit Gretchen oder den Kinder... Wobei... Das habt ihr euch doch selber eingeredet. Ihr habt mich ja gar nicht erst zu Wort kommen lassen. Dann hätte ich das auch gleich aufklären können. Es gibt nämlich wirklich ein Problem, Marc. Ein ziemlich großes, wenn man bedenkt, worauf alle, und eine junge Dame ganz besonders, gerade gespannt warten. Das macht die Sache nicht gerade einfacher. Nicht nur für mich. Ich weiß ehrlich nicht, was ich noch machen soll.

Marcs Blick folgte verwundert Annas Arm, der zur improvisierten Konzertbühne neben der gut besuchten quietschgelben Hüpfburg zeigte, vor welcher man provisorisch einige Bank- und Stuhlreihen aufgebaut hatte, auf denen schon einige Gäste Platz genommen hatten, aber er wartete immer noch auf die Pointe, die jedoch ausgeblieben war.

Marc: Ja, und? Mann, Anna, rumzudrucksen ist nicht gerade hilfreich. Und noch eine zeitliche Verzögerung kann ich echt nicht gebrauchen. Im Gegensatz zu dir hab ich heute nämlich noch was vor.
Anna (schaut sich um, ob auch niemand anders zuhört, u. verrät es schließlich im Flüsterton, als sie noch näher an ihn herantritt): Ich weiß. Euer Jahrestag. Gretchen schwärmt davon schon ohne Ende. Aber die Welt dreht sich nicht nur um euch beide, auch wenn ihr das gerne so sehen möchtet. Ich gönne euch das auch, aber es geht um Lilly, Marc. Sie mag nicht mehr auftreten.
Marc (sichtlich überrascht starrt er die besorgte Mutter an u. versteht die Pointe nicht): Bitte?
Anna (wirft ratlos ihre Arme in die Luft u. guckt immer wieder in Richtung Wohnhaus): Ich hab schon alles versucht. Sie mag nichts essen. Sie mag nichts hören. Sie macht komplett dicht. Sie will nicht mehr. Sie hat sich hinter den Sofas verkrochen und die Decke über den Kopf gezogen. Ich hab sogar versucht, Mehdi zu erreichen, damit er ihr gut zuredet, aber er steht gerade im OP. Irgendein längerer komplizierter Eingriff, ich weiß auch nicht.
Marc (noch mehr überrascht): Mehdi operiert? Kann der das überhaupt?
Anna (funkelt ihr Gegenüber angesäuert an, weil es sie nicht ernst nimmt): Marc, bitte, das ist nicht der Zeitpunkt für blöde Ärztewitze. Es ist ernst. Die warten alle auf Lilly. Und sie ist todunglücklich, weil sie niemanden, vor allem Sarah nicht, enttäuschen möchte. Sie hat solches Lampenfieber. Ich hab das total unterschätzt, Marc. Kannst du nicht noch mal mit ihr reden? Ihr habt so einen guten Draht zueinander. Ihr habt doch tagelang zusammen geübt.
Marc (mault meierlike): Weil ihr mich dazu genötigt habt, weil die Scheißmusikschule noch Ferien hat. Ich hab mir das auch nicht ausgesucht. Sie kommt immer mit der Klampfe an.
Anna (guckt ihn eindringlich an): Marc, bitte!
Marc: Boah, wieso muss eigentlich immer ich die Karren für euch aus dem Dreck ziehen, hm? Steht mir auf die Stirn getackert, mit mir kann man es machen, oder was?

...stellte Marc die rhetorische Frage mehr sich selbst als seinem hibbeligen Gegenüber, das unruhig mit beiden Füßen hin und her wippte und mit einem schräg verzogenen Gesicht und einem flatterig winkenden Arm ziemlich auffällig auf die ungeduldigen Blicke der wartenden Gastgeber reagierte, die fragend zur Bühne zeigten, wo lediglich eine einsame, an einen leeren Stuhl gelehnte, bunt beklebte Gitarre auf das bevorstehende Programm hindeutete. Aber bevor Anna Mehdis bestem Freund darauf antworten konnte, hatte dieser die Lösung bereits für sich selbst gefunden. Er raffte sich auf und ging schnurstracks zu der geöffneten Terrassentür, vor der er jedoch noch einmal kurz innehielt und sich zu Lillys Mutter umdrehte, die ihn mit großen Augen so durchdringend ansah, wie es Lilly auch manchmal machte, wenn er sie überrascht hatte.

Marc: Okay, bevor du oder irgendeine Genvariante von dir und dem Frauenversteher weiter nerven, Rollentausch. Ich übernehme die Kurze, du behältst die Mozartkugel im Blick. Wehe, du lässt sie auch nur eine Sekunde aus den Augen, dann ist nämlich ein für alle Mal Schluss mit den Nettigkeiten! Und bevor irgendwer fragt, wo sie bleibt, Künstler verspäten sich immer. Vor allem die, die sich tatsächlich für welche halten, obwohl sie eigentlich gar keine sind. Halt sie hin! Ich werde ja heute auch den liebenlangen Tag hingehalten. Das nennt sich dann also ausgleichende Gerechtigkeit, oder so.
Anna (ihr fällt ein zentnerschwerer Stein vom Herzen): Danke, Marc! Du... du bist...
Marc (wiegelt genervt ab): Ja, ja, behalte dein geheucheltes Gesäusel für dich oder schenke es deinem ominösen Chatfreund, den du uns immer noch vorenthältst, falls er überhaupt existiert. Du schuldest mir was. Obwohl... Das tust du ja eh schon, seitdem du Mehdi seiner Schuldlast mir gegenüber entbunden hast. Von dem her, vergiss es einfach!

Anna hätte den unnahbaren Chirurgen mit der großen Klappe am liebsten vor lauter Dankbarkeit in ihre Arme gezogen, aber da war er ihr auch schon entwischt und im Haus verschwunden. Außerdem hatte Gretchen ihr von den Sitzbänken am Ufer aufdringlich zugewinkt. Sie hatte ihrer neuen Freundin nämlich einen Platz neben sich und Sabine freigehalten und naschte dabei unentwegt von ihrem Teller, den sie zum verzückten Amüsement der anwesenden Kollegen, die sich ihre neugierigen Blicke nicht verkneifen konnten, auf ihrem gigantischen Babybauch abgestellt hatte. Lillys aufgewühlte Mutter kam nicht umhin, sich ebenfalls zu einem kleinen Lächeln hinreißen zu lassen, welches ihr unheimlich gut tat und ihre Anspannung merklich linderte. Anna schaute sich noch einmal zum Haus um, seufzte leise und begab sich dann auch endlich zu den anderen Partygästen. Marc würde das schon schaukeln. Würde er doch, oder?

Lorelei Offline

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28.07.2017 22:54
#1603 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Während Anna noch einigermaßen zuversichtlich war, dass das vorbereitete Programm für die Schulanfängerin nicht ins Wasser fallen würde, und freundlich in die Runde der wartenden Konzertbesucher blickte, war ihr Retter in der Not noch nicht so wirklich davon überzeugt, was er hier gerade tat. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch durchschritt er den Wohnbereich des edelholzvertäfelten Hauses und blickte sich um. Er musste nicht lange suchen, um die vermisste Gitarristin zu finden. Sie hatte sich tatsächlich eine kleine Trutzburg zwischen Sessel und Couchlandschaft gebaut und nur ihre nackten, nervös hin und her wackelnden Füße guckten unter der beigefarbenen Decke hervor, die sie sich über den Kopf gezogen hatte, damit niemand sie entdecken konnte. Marc konnte nicht anders. Er musste direkt grinsen, weil die kleine Mäusedame genauso vorhersehbar agierte wie ihr werter Papa, wenn er einen seiner wenigen schlechten Tage hatte. Also dachte er auch nicht lange darüber nach, was zu tun war, und pflanzte sich direkt vor den Eingang des Schutzverstecks und stupste die Neunjährige grob mit seinen gelben Chucks an. Lillys Aufmerksamkeit war ihm spätestens dann gewiss, als er sie fast schon beiläufig lässig von der Seite anquatschte...

Marc: Nettes kleines Versteck, Lillyfee. Aber ist es auch einer Prinzessin wie dir überhaupt würdig? Oder spielst du Cinderella? Dann bräuchtest du aber für die Authentizität ein paar Staubflusen mehr hier drin. Ich befürchte aber, die Bude hier ist zu neu und zu steril und Stier und Hassmann sind zu pingelig, als dass du hier so was finden würdest. Draußen ist aber ein Sandkasten. Von dem her...
Lilly (fühlt sich sichtlich ertappt u. hält sich erschrocken die Hand vor den Flüstermund, an dem verräterische Schokospuren kleben): Psst! Nicht so laut, Onkel Marc! Die Babys schlafen doch nebenan. Wenn wir die wecken, krieg ich bestimmt noch mehr Ärger.
Wieso Ärger? Oje, das wird wohl doch eine schwierigere Geburt, als ich dachte. Sie ist ja völlig durch den Wind.
Marc (überlegt angestrengt, wie er vorgehen soll): Ach was, du machst es genau richtig.
Lilly (linst schüchtern unter der Decke hervor): Findest du?
Marc (lächelt die süße Maus sehr überzeugend an u. hat eine Idee): Na, logo, vor dem nervigen kunterbunten Remmidemmi da draußen kann man nur eins machen, sich nämlich schleunigst zu verkriechen. Die unerträgliche gute Laune ist echt nicht auszuhalten. Hast du noch einen Platz für mich?
Lilly (zögert eine kleine Sekunde u. rückt dann doch vorsichtig zur Seite, damit er sich der Länge nach in die hintere Ecke fläzen kann): Okay? Und was machen wir jetzt?
Marc (streckt schmunzelnd die Beine aus u. lehnt sich mit dem Rücken bequem an die Sofaseite): Na, du bist mir vielleicht eine Gastgeberin. Du bist doch diejenige, die sich hier häuslich eingerichtet hat, Lilly.
Lilly (läuft ertappt rot an): Stimmt! Darf ich dir was verraten, Onkel Marc?
Marc (nickt wissend, aber tut so, als wüsste er von nichts): Schieß los!

Na, das ging doch einfacher, als ich gedacht habe. Ich komme hier doch noch rechtzeitig weg. Halleluja!

Lilly (beißt sich nervös auf ihre Unterlippe u. knobelt mit ihren Fingern): Ich hab mich wirklich hier drin versteckt.
Marc (gespielt überrascht): Ach?
Lilly (guckt ihn ganz verlegen an): Ich weiß, dass das total albern und kindisch ist, aber ich kann da jetzt nicht raus.
Marc (greift zur Seite, um sich besser abzustützen, u. fasst dabei direkt in einen Haufen aus klebrigen Schokoladenpapier, wie er irritiert u. auch irgendwie amüsiert feststellt): Musst du doch auch nicht, wenn du nicht willst. Wenn ich ehrlich bin, will ich auch nicht wieder da raus.
Lilly (beobachtet verunsichert, wie sich ihr großer Freund die Hand an einem Zipfel der Decke abwischt): Ehrlich?
Marc (schaut ihr direkt in die fragend umherhuschenden Augen u. entlockt ihr ein kleines zaghaftes Lächeln): Es zwingt dich doch keiner. Außer mich vielleicht. Freiwillig bin ich nämlich bestimmt nicht hier. Also auf der Feier im Allgemeinen. Zu dir komme ich jedoch jederzeit gerne.
Lilly (schmiegt sich erleichtert an seine Seite): Ich hab dich auch gerne bei mir, Onkel Marc.
Marc (lächelt u. ist sichtlich hingerissen von der süßen Maus, die sich nicht traut): Na, das beruht auf Gegenseitigkeit. Echt scheiße, dass Mehdi heute nicht auch hier sein kann, hm? Ich glaube, wir hätten hier drunter echt viel Spaß zusammen haben können. Dein Schlossentwurf hat was, ist aber noch ausbaufähig.
Lilly (unweigerlich kullern die Tränchen): Die Babys im Krankenhaus brauchen Papa doch. Damit sie einen guten Start ins Leben haben.
Oje, sie glorifiziert schon wieder. Alter, beweg deinen fetten Arsch hierher! Das ist verdammt noch mal dein Job hier und nicht meiner.
Marc (ihm bricht das Herz, sie so unglücklich zu sehen, u. legt sanft einen Arm um ihre Schulter, um sie kurz, aber innig an sich zu drücken): Aber er fehlt dir trotzdem, oder?
Lilly (streicht sich die Tränchen schnell wieder weg u. strahlt auch schon wieder zu ihm hoch, wenn auch nur schwach): Er hat vorhin angerufen und mir viel Glück gewünscht.
Marc (nickt verständnisvoll): Und das hat nicht geholfen, hm? Gegen das Lampenfieber, meine ich.
Lilly (rückt etwas von ihm ab u. guckt ihn aus großen glasigen Augen an): Woher weißt du das?

Weil ich allwissend bin.

Marc (grinst triumphierend, weil er sie an der Angel glaubt): Ich bin Oberarzt. Ich weiß und kann alles. Und ich habe mit meinen Diagnosen noch nie fehl gelegen.
Lilly (kleinlaut): Doch.
Marc (reagiert etwas unwirsch auf ihren unerwarteten Einwurf): Bitte? Du hast kein Lampenfieber?
Lilly (schaut ihm ganz geknickt in die irritiert fragenden Augen): Doch, schon, aber ich glaube, es ist ein ganzer Lampenladen mit Fieber.
Marc (lacht herzhaft auf u. steckt die Kleine damit direkt an): Mist! Das hab ich unterschätzt. Sorry! Aber die Pointe war richtig gut, Lillymaus. Du hast es drauf. Nicht nur das.
Lilly (strahlt ihn für einen kurzen Moment an, dann kommt aber die Nervosität wieder hoch): Danke! Ich fühle mich trotzdem nicht wohl, Onkel Marc. Ich glaube, ich werde krank. Ich hab schrecklich Bauchweh, mir ist schlecht, meine Hände sind ganz schweißig und meine Knie sind totaler Wackelpudding. Ich kann da nicht raus. Ich glaube, ich hab alles vergessen. Ich kann nicht mehr spielen.
Marc (setzt zur gespielten Denkerpose an): Hm... Deine Symptome sind eindeutig.
Lilly (guckt ihn aus großen unsicheren Augen an): Und was mache ich jetzt? Alle warten auf mich. Sie werden total enttäuscht sein. Aber ich will nicht, dass Sarah enttäuscht ist. Sie hat sich so gefreut und ich hab sie doch so lieb. Bis zum Mond und wieder zurück.

Oh Gott! Ein Dramalevel wie ihr Vater. Hilfe! Es müsste Leitbögen geben für Situationen wie diese. Das wäre doch mal ein Geschäftsmodell, anstatt alberne Broschüren herauszugeben, wie „Windelwechsel leichtgemacht. Fünf Schritte, wie auch der unsicherste Papa zum wahren Profi wird“. Pah! So einen Unfug braucht doch kein Mensch. Stier vielleicht, aber ich nicht.

Marc (erwidert ihren eindringlichen Blick): Tja, ziemlich verzwickt das Ganze. Hm...? Dann wirst du wohl oder übel über deinen Schatten springen müssen.
Lilly (schaut ihm mit tellergroß erweiterten Augen in das zuversichtliche Gesicht): Und da rausgehen? Und was ist, wenn ich wirklich nicht mehr spielen kann?
Marc (kontert keck): Hast du’s schon probiert?
Lilly (zuckt kraftlos mit den Schultern): Geht nicht. Sarahs Papa hat meine Gitarre und die Noten vorhin schon zur Bühne gebracht, als Mama und ich hier heute Mittag angekommen sind und bei den Vorbereitungen geholfen haben.
Marc (verdreht schmunzelnd die Augen): Na, so ein Idiot aber auch.
Lilly (ihr ist überhaupt nicht zum Schmunzeln zumute): Gar nicht! Das ist allein mein Fehler. Ich hätte wissen müssen, dass ich noch nicht soweit bin, um vor Publikum zu spielen.
Marc (will ihr Mut machen): Aber das hast du doch schon. An Gabis Geburtstag neulich.
Lilly: Das war doch was ganz anderes, Onkel Marc. Da waren wir unter uns. Jetzt sind da draußen aber ganz viele Leute. Viel mehr, als ich gedacht habe. Hätte ich das gewusst, hätte ich mich von Sarah nicht überreden lassen. Sie hat sich das so gewünscht und ich hab gedacht, ich kann das, kann ich aber nicht.
Marc (sieht das alles ganz locker): Na und? Die meisten kennst du doch auch aus dem Krankenhaus. Keiner tut dir was Böses.
Lilly (lässt geknickt den Kopf hängen): Und wenn doch?
Marc (seufzt nachdenklich u. sucht ihren Blick): Du denkst doch an Mehdi, oder?
Lilly (schaut wieder zu ihm hoch u. schüttelt aufgewühlt den Kopf): Nein, nicht so. Ich weiß, dass es ihm gut geht und ihm nicht noch mal so was passieren wird. Und ich weiß, dass er stolz auf mich ist, egal ob ich nun auftrete oder nicht.

Ach Süße! Was machst du bloß mit mir? Worüber reden wir hier eigentlich? Anna hätte vielleicht besser Haasenzahn fragen sollen. Sie wüsste, wie wir uns aus diesem Schlamassel herausziehen könnten. Wo ist hier das Hintertürchen, durch das wir verduften könnten?

Marc: Na, dann, wo liegt das Problem?
Lilly (senkt verlegen ihren Blick u. zieht sich wieder in sich zurück): Dass alle mich angucken werden und dann verspiele ich mich bestimmt.
Marc (rollt ungesehen mit den Augen): Wirst du nicht, Mäuschen. Wir haben doch zusammen trainiert. Setz dich nicht so unter Druck! Die da draußen sind nicht wichtig. Die haben eh keine Ahnung. Als ob auch nur einer von den Idioten jemals ein Instrument in den Händen gehalten hätte. Blende sie aus! Du musst hauptsächlich für dich spielen. Dann klappt das schon.
Lilly (bleibt skeptisch): Ich weiß nicht.
Marc (merkt, dass er sie wieder am Haken hat): Ich verrate dir jetzt mal ein Geheimnis, Lillyfee. Weißt du, so unter Chirurgenkünstlern und ähm... Dings hier... Künstlern im Allgemeinen. Ohne Ausnahme jeder ist aufgeregt vor einem Auftritt, ob nun als Musiker, Bühnenschauspieler oder Gast in einer semipopulären Talkshow auf einem drittklassigen Sender, den keine Welt guckt. Alle haben vorher Lampenfieber.
Lilly (staunt u. hört ihm weiter gebannt zu): Echt?
Marc: Das ist ganz natürlich. Das gehört quasi zum Programm mit dazu. Weißt du, der Adrenalinhaushalt wird dadurch enorm angekurbelt. Man spürt zusätzliche Kräfte, die einen erst antreiben und pushen, da jetzt rauszugehen. Dieser zusätzliche Energieschub motiviert ungemein. Blut schießt durch die Venen. Das erklärt übrigens auch deinen rote Birne und die zusätzliche Schweißbildung. Die Synapsen im Gehirn sind hoch aktiviert. Man ist aufnahmebereiter. Konzentrierter. Man kann gar nicht mehr anders, als da dann rauszugehen und alles zu geben. Die angestaute Energie muss ja auch wieder irgendwohin. Und wenn du erst da oben stehst und die ersten Takte gespielt hast, ist die anfängliche Angst sofort vergessen. Und Gitarre spielen ist wie Fahrradfahren und Se... äh..., das verlernt man nicht.
Lilly (denkt angestrengt darüber nach u. findet es durchaus plausibel): Geht es dir auch so, wenn du auftrittst?

Was denn für Auftritte? Damals, als Mutter mich in ihrer pseudoexperimentalistischen Phase dazu genötigt hat, als Erziehungsmaßnahme in die blöde Theater-AG einzutreten? Ganz, ganz schlechtes Thema. Die Bühnenstücke waren eher lächerlich, als dass man davor Schiss haben musste. Pah! Iwo! Die Blamage war von vornherein mit eingeplant. Haasenzahn hat schließlich auch mitgespielt. Hähä!

Marc (schmunzelt in sich hinein): Oh, du, mein letztes Strandkonzert, das ist Jahre her und das hab ich auch nur durchgezogen, um die Mädels aus der Oberstufe auf der Klassenfahrt... ääähhh... Was ich eigentlich sagen wollte, ein bisschen vielleicht, aber das darfst du niemandem verraten. Das ist ein unausgesprochenes Geheimnis unter Dingens hier ähm... Musikern.
Lilly (stimmt ihm mit einem hinreißenden Lächeln zu): Okay!
Marc (schaut ungeduldig zur Terrassentür, vor der das Gemurmel am See langsam lauter wird): Und, denkst du, du kannst dich überwinden, da jetzt rauszugehen und ein bisschen zu zupfen?
Lilly (zieht sich wieder ängstlich in sich zurück): Das klingt mir alles noch zu theoretisch.
Marc (verdreht leicht angenervt die Augen): Jetzt klingst du wie meine Biolehrerin. Ähm... Aber dafür ist doch die Praxis da. Übung macht den Meister, wie man so schön sagt, und die paar Leute da draußen sind doch die perfekten Probanten dafür. Nicht sehr anspruchsvoll, vollgefressen, demnach zufrieden und sowieso ein bisschen angeschäkert von der Bowle von Sarahs Oma.
Lilly (schaut ihn aus ihren hypnotischen Mandelaugen eindringlich an): Du bist lustig, Onkel Marc. Ich traue mich trotzdem nicht.

Boah! Nicht schon wieder! Wir drehen uns im Kreis. Hilfe!

Marc (ist mit seinem Latein fast am Ende): Okay, dann... ähm... versuche es mal so, wie es die meisten anderen auch bei akutem Lampenfieber machen.
Lilly (reckt neugierig ihr Näschen in die Höhe): Wie denn?
Marc (muss unweigerlich grinsen): Das beste Mittel, um sich von der eigenen Nervosität abzulenken, ist, dass du dir die Leute im Publikum einfach nackt vorstellen musst.
Lilly (macht extragroße Augen u. fängt an zu kichern): Was? Das geht doch nicht, Onkel Marc.
Marc (ist merklich davon überzeugt): Und ob das geht! Das mache ich meistens auch so, wenn ich Fachvorträge halte.
Lilly (staunt ungläubig): Ehrlich? Ich kann das nicht. Dann müsste ich ja die ganze Zeit lachen. Ich will mir Onkel Günni und Tante Biene nicht nackt vorstellen.
Oh Gott! Diese Bilder... Wo kann man den Film wieder löschen? Der gehört auf den Index.
Marc (verzieht schockiert sein Gesicht): Okay, das ist ein Punkt. Hm? Und wenn du dir unter den Gästen nur eine einzige Person herauspickst, die du anschaust, während du spielst? Gretchen oder Sarah zum Beispiel. Für die ist die ganze Chose doch eh bestimmt. Das beruhigt, glaub mir, wenn du dir den Menschen ansiehst, dem du bedingungslos vertraust, den du auf deiner Seite weißt und der dir alles abnimmt, selbst falls du’s verhauen solltest, was du natürlich nicht tun wirst. Schließlich kannst du ja Gitarre spielen.
Lilly (denkt einen langen Moment darüber nach, der Marc wie eine Ewigkeit vorkommt): Hm? Das könnte vielleicht funktionieren.
Halleluja! Was für eine Geburt! Jetzt brauche ich dringend noch ein Glas „beschwipste Früchte“ oder ne Kippe.
Marc: Na, dann...Raus da, Prinzessin! Du schaffst das schon.

Als Lilly tatsächlich unter der Decke hervorkrabbelte und mit einem zuckersüßen verlegenen Lächeln auf den Lippen aufstand und anschließend ihr hübsches Sommerkleidchen zurechtzog, hätte Marc am liebsten laut in die Hände geklatscht, aber er konnte sich gerade noch so beherrschen. Yes, man, er hatte es immer noch drauf, klopfte er sich gedanklich auf die eigene Schulter und versuchte, ihr flink hinterher zu klettern, wobei die wackelige Deckendachkonstruktion jedoch nachgab. Sehr zum Amüsement von Lilly, die ihn kichernd beobachtete, als er das kratzige Wollteil schimpfend von sich strampelte und anschließend in einer eleganteren Bewegung zu der frechen Grinsefee aufsprang. Trotz des kleinen, unschönen Tollpatschmomentes, den er schnell in die Annalen des Nicht-Geschehen-Seins verdrängte, stand dem Chirurgen die Zufriedenheit deutlich ins Gesicht geschrieben. Aber das gute Gefühl hielt nicht lange an. Denn als Lilly aus dem Fenster nach draußen zum See schaute, verschwand das hinreißende Lächeln auch schon wieder aus ihrem Gesicht und sie blickte scheu zu ihm hoch. Marc konnte sich ein lautes Seufzen nicht verkneifen...

Marc: Was ist denn jetzt wieder?
Lilly (greift vorsichtig nach seiner Hand, lässt sie nicht mehr los u. sieht bittend zu ihm hoch): Du, Onkel Marc, würde es dir etwas ausmachen, mich zu begleiten?
Marc (bleibt skeptisch, als er auf die kleine hochradioaktive Hand blickt u. das schüchterne Mädchen eindringlich mustert): Nicht unbedingt. Aber ich bring dich rüber, wenn du dir das wünschst. Ich wollte eh noch mal zum Getränkestand.
Lilly (drückt nun etwas kräftiger seine Hand): Nein, ich meine, ob du mit mir mit auf die Bühne gehst und mitspielst.
Marc (reißt merklich überrumpelt die Augen auf): Bitte?
Das kann doch nicht ihr Ernst sein? Sie verhohnepoppelt äh... verhohnepiepelt dich doch.
Lilly (fleht ihn aus ihren einnehmenden Samtaugen zuckersüß an): Bitte, Onkel Marc, nur das eine Mal! Ich fühle mich viel sicherer, wenn du dabei bist. Und es macht doch immer so viel Spaß, wenn wir zusammen musizieren. Das klappt viel besser, als wenn ich Frau Schnabelstedt in der Musikschule vorspielen muss. Sie mag die neuen Lieder nicht, die du mir beigebracht hast. Ich aber schon. Seit wir an Gabis Geburtstag damit angefangen haben, bin ich viel, viel besser geworden. Deinetwegen.
Marc (seufzt): Lilly...

Marc kämpfte sichtlich mit sich. Aber wie hätte er nach diesen eindringlichen Worten diesem Bambiblick noch länger widerstehen können? Das wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Nahezu unmenschlich. Wer hätte schon so grausam sein können? Er musste sich wohl oder übel geschlagen geben. Aber leider kam er gar nicht erst dazu, sich der Zuckermaus zu erklären, die ihn mit den gleichen fesselnden Augen wie ihr Vater zu hypnotisieren versuchte. Weil sein „Lieblingsfreund“ Nummer eins unvermittelt ins Zimmer gepoltert kam. Dieser Vollpfosten!

Cedric (schaut verwundert von der kleinen Person zur großen, die von Lilly innig gedrückt wird): Was ist denn nun? Ich dachte, Lilly wollte für Sarah ein paar Songs Gitarre spielen? Wir sitzen alle schon da drüben und warten. Oder soll ich die Clownin noch mal vorschicken? Ich glaube aber, deren Repertoire ist langsam aufgebraucht. Sarah hat schon herausgefunden, wie das mit den Karten funktioniert und erzählt es brühwarm ihren Freundinnen weiter.
Marc (stöhnt entnervt auf u. meckert den unsensiblen Störenfried direkt an): Jetzt mach mal die jungen Pferde nicht so scheu, du Nervensäge! Noch nie was vom akademischen Viertel gehört? Ach nee, hast du nicht, du hast es ja immer gänzlich ausgereizt und bist, wenn überhaupt, erst zum letzten Drittel in die Vorlesung reingeschneit.
Cedric (überhört die Meierschen Spitzen gekonnt): Haha! Das war doch immer deine Ausrede gewesen, wenn du mal wieder bei einem deiner Mädels versackt bist. Aber ich wusste nicht, dass dies auch für angehende Gymnasiastinnen gilt.
Lilly (stellt sich mit stolzgeschwellter Brust vor Sarahs Vater hin, der ihr frech zugezwinkert hat): Doch! Wir kommen gleich. Wir mussten nur... ähm... üben. Uns... abstimmen.
Marc (sein Kopf fährt irritiert zu ihr herum): Ey, ich hab noch nicht zugestimmt.
Lilly (grient ihn herzerweichend an): Doch!

Was mache ich eigentlich hier? Ich hätte mit Haasenzahn den ganzen Tag im Bett lümmeln und Morsezeichen der Zwerge deuten können. Das steht in jedem vernünftigen Dings hier... Beziehungsrahmenvertrag, Absatz Jahrestage und sonstige Verpflichtungen. Mich zum Horst zu machen, aber nicht. In seinem vielleicht. So dämlich wie der Drecksack schon wieder guckt.

Marc (ärgert sich maßlos über seine eigene Unnachgiebigkeit): Na, wie es ausschaut, bist du wieder gut drauf, hä? Na gut, aber das bleibt wirklich die Ausnahme, Lilly. Ein einziges Mal! Ich werde demnächst für dich nicht mehr so oft in die Presche springen können, Fräulein. Stier, rück mal deine bescheuerte Gitarre raus, zack, zack!
Cedric (guckt ihn etwas unwirsch an): Was willst du denn mit meiner Gitarre? Woher weißt du überhaupt, dass ich eine besitze?
Marc (grient ihn süffisant an): Denkst du etwa, ich wüsste nicht mehr, wie du immer die Erstsemestlerinnen mit deiner ekelhaften Schleimmasche angelockt hast, um ihm Seziersaal heimlich nachts Party zu machen? Ja, ja, Roxette-Songs covern. Weiß Maria eigentlich von deinem heimlichen Misstalent? Außerdem habt ihr mich neulich dazu genötigt, bei eurem überstürzten Umzug zu helfen. Ich hab das Teil da reingeschleppt. Sei froh, dass ich es dir nicht vor die Stirn geklatscht habe, du Blitzmerker. Verdient hättest du es.
Cedric (verdreht genervt die Augen, bleibt aber die Ruhe in Person): Ja, ja, lass mal gut sein, Kumpel! Ich müsste dafür aber kurz bei den Kids rein. Also halte bitte für einen Moment deinen Schnabel! Ich spiel immer für Sissi, wenn sie schlecht geträumt hat, musst du wissen. Sarah steht auch drauf. Aber du willst nicht wissen, wie Sophie darauf reagiert hat, als ich sie gestern mit Sheeran in den Schlaf wiegen wollte. Drama, sag ich nur, Drama.
Marc (blickt ihm ungläubig hinterher, als er sich einem der Zimmer zuwendet, u. wechselt mit Lilly vielsagende Blicke): Was sollte daran denn bitteschön neu sein? Das ist bei euch doch eh immer Programm. Steht das nicht sogar auf eurem Klingelschild?

Ohne weiter auf Meiers nervtötende Sprüchesalven zu achten, schlich Cedric auf leisen Sohlen in das Zimmer seiner mittleren Tochter, die zum Glück ebenso wie Klein-Anton, den man neben die Eineinhalbjährige gebettet hatte, tief und fest ihr wohl verdientes Nachmittagsschläfchen hielt. Auf genauso leisen Sohlen schloss er die Zimmertür auch schon wieder hinter sich und reichte seinem skeptisch dreinblickenden Kumpel nun mit einem leicht mulmigen Gefühl im Bauch das Corpus delicti, nach dem er unverschämt verlangt hatte.

Marc (reißt Cedric die Gitarre förmlich aus der Hand u. lässt ihn danach einfach stehen): Ich hoffe, die ist auch gestimmt. Wenn nicht, bist du schuld, wenn Lilly ihr Konzert verhaut.
Lilly (schaut ihm protestierend hinterher): Was?
Marc: Wirst du nicht, Süße. Nur für den Fall der Fälle sollte man immer einen Schuldigen bestimmen. Das ist auch so ein ungeschriebenes Gesetz, weißt du. Macht der Bieber auch so, hab ich gehört.

...griente Marc erst keck seinen kleinen Schützling an, der ihm daraufhin wieder zufrieden zunickte und ihm schnell zur Terrassentür hinterher tapste, und schaute dann noch einmal mit spöttischer Miene auf seinen verdutzten Kollegen, der immer noch nicht verstanden hatte, was das alles hier überhaupt zu bedeuten hatte. Wann hatte er eigentlich die Kontrolle über seine eigene Feier verloren, fragte sich Dr. Stier verwirrt und hetzte den beiden mit flinken Füßen schließlich nach draußen hinterher, um Schlimmeres zu verhindern.

Cedric: Das erklärt aber immer noch nicht, was du jetzt vorhast, Meier.

Aber der Schelm dachte nicht im Traum daran, das nervige Nachfragen des sichtlich beunruhigten Gastgebers aufzuklären. Denn er war schon komplett fokussiert auf das, was gleich passieren würde. Augen zu und durch, war Marcs Devise. Je eher es vorbei war, umso eher war es auch schon wieder vergessen und er konnte sich endlich sein Häschen schnappen und mit ihm verduften. Und genau diese junge Dame pickte er sich jetzt auch im Publikum heraus, um sie ungeniert anzustarren, während sich Lilly Sarah zuwandte, die ihre drei Jahre ältere Freundin erwartungsvoll anlächelte. Das sichtlich nervöse Mädchen schnappte sich ihre Gitarre, legte sie sich mit einigen Mühen um die Schulter und setzte sich schließlich mit einem verlegenen Lächeln auf den Lippen auf ihren auf dem Steg bereitgestellten Stuhl. Ihr kleines Herzchen klopfte Lilly bis zum Hals, aber da sie ihren großen besten Freund an ihrer Seite wusste, war die Aufregung nicht mehr ganz so schlimm wie noch vorhin.

Ein erwartungsvolles Raunen ging durch die Reihen des Publikums, nachdem die beiden endlich die improvisierte Bühne am Seeufer geentert hatten. Und vor allem Gretchen Haase staunte Bauklötzchen, denn dass Marc mit in Lillys Auftritt involviert sein würde, war ihr neu. Doch weder ein fragender Blick zu Sabine zu ihrer Linken, die ebenso verwundert und doch sehr angetan mit den Schultern zuckte und aufgeregt nach der Hand ihres Mannes gegriffen hatte, noch zu Maria auf dem Sitzplatz direkt vor ihr, die ihren Freund sichtlich irritiert ansah, als dieser sich ohne ein Wort der Erklärung neben sie setzte, noch zu Anna zu ihrer Rechten, die Marc unendlich dankbar zunickte und dann ganz verzückt ihr Töchterchen in Augenschein nahm, dem sie nun kräftig die Daumen drücken würde, half ihr wirklich weiter. Aber schließlich bemerkte die verträumte Ärztin Marcs eindringlichen Blick, der nahezu hypnotisch auf sie gerichtet war, und alles um sie herum verschwand. Natürlich bis auf das aufgeregte Gezappel ihrer ungeborenen Kinder in ihrem Bauch, den sie sanft mit beiden Händen festhielt. Es gab nur noch sie beide. Und das Mikrofon, das Marc unwirsch in die Hand genommen hatte, um nun völlig unvorbereitet irgendetwas da reinzuquatschen, das zumindest für die anderen irgendeinen Sinn ergab. Denn er selbst hatte immer noch keinen blassen Schimmer, was er hier eigentlich gerade machte und wie es überhaupt dazu gekommen war.

Marc: Ja, äh... Leute, kleine Planänderung. Wobei, eigentlich... nicht. Kannst das Reha-Team also gleich wieder abbestellen, Stier! Denn ihr seht mich gar nicht. Ich bin überhaupt nicht hier. Und falls das irgendwer später doch behaupten sollte, bekommt der was auf die... ääähhhh... bekommt der eine kleine, aber feine Sonderbehandlung im Krankenhaus, zu der ihr euch freiwillig melden werdet. Warzenentfernung, Hämorridenverödung, Darmspiegelung, Urinkulturen anlegen. Sucht euch was aus der Patientenpalette aus! Hähä! Nein, kleiner Scherz am Rande. Ich bin, wie gesagt, eigentlich gar nicht hier. Weil diese junge Dame hier ... (zeigt stolz auf das schüchterne Mädchen neben sich, das verlegen ins Publikum winkt u. hinter der riesigen Gitarre kaum zu erkennen ist) ... im Mittelpunkt stehen sollte. Sie hat lange geübt, um so gut zu werden, wie sie bereits ist, auch wenn sie selbst das noch nicht von sich denkt. Ich glaube aber, ihr werdet sie bestimmt vom Gegenteil überzeugen. Ihr wisst, was euch blüht, wenn ihr was Falsches sagt, ne. Es ist ihr allererster Auftritt vor großem Publikum. Also würdigt das entsprechend. Und für sie ist es natürlich auch eine ganz besondere Freude, diese junge Dame hier unten... (zeigt mit ausgestrecktem Arm auf die Zappeline in der ersten Reihe, die ihn u. Lilly mit Zahnlückenlächeln aufgeregt angrient) ... an ihrem großen Tag entsprechend zu feiern. Das ist für dich, Kröte. Unsere Lilly Superstar. Ohren auf und zuhören! Diese Konstellation wird es, wenn überhaupt, nur dieses eine Mal geben. Also, auf drei geht’s los, Lilly. Bereit?

„Juhu, Onkel Maaarc ist auch dabei“, flötete Sarah euphorisch in die Runde und konnte nur von ihrer Mutter vor weiteren unüberhörbaren Entzückungsbekundungen gebremst werden, die ihr sanft von hinten die Hand auf die Schulter gelegt hatte. Marc guckte auffordernd zu Lilly und zählte mit den Fingern drei ab. Sie holte noch einmal tief Luft und nickte ihrem Duettpartner schließlich zu, sodass sie synchron mit ihrem Gitarren-a-cappella beginnen konnten, das natürlich bei den Gästen einschlug wie eine Bombe. Allen voran bei Marcs Freundin, die ganz verzückt vor sich hinschmachtete und gar nicht mitbekam, wie begeistert auch Schwester Sabine von der Darbietung von Dr. Meier und der außerordentlich begabten Tochter von Dr. Kaan war. Fröhlich wippte sie mit ihrem Mann zu den eingängigen Gitarrenklängen mit.

https://www.youtube.com/watch?v=ZJR8-KMamzQ

Maria Hassmann wirkte dagegen anfangs noch etwas verstört und konnte ihre ungläubigen Blicke nicht von ihrem verhassten Chirurgenkollegen abwenden, der Bryan-Adam-mäßig lässig in die Saiten haute, aber dezent im Hintergrund blieb, um Lilly Kaan nicht die Schau zu stehlen. Marias Lebensgefährten ging es auch nicht viel anders. Er hatte mit allem gerechnet. Dass Meier auf irgendeine verquere Art und Weise die Feier sprengen würde, zum Beispiel. Aber ganz bestimmt nicht mit so was. Er war vollkommen baff und irgendwie auch beeindruckt davon, in welche unerwarteten Dimensionen sich seine kleine, aber feine Party für seine älteste Tochter entwickelt hatte, die bis zur letzten Sekunde fast noch auf der Kippe gestanden hatte.

Cedric: Also wenn mir einer vorher erzählt hätte, dass ausgerechnet der Meier irgendwann bei uns im Garten aus freien Stücken eine Show bieten würde, um unsere Tochter zu bespaßen, ich hätte den sofort in die nächste Geschlossene überwiesen.
Maria: Meine Rede, mein Lieber. Meine Rede! Das ist alles so unwirklich.
Gretchen (schwärmt in den höchsten Tönen u. erntet damit von ihren Kollegen ungläubige Blicke): Unwirklich, aber so schön.
Sabine (ebenso schwärmerisch): Ja!
Anna: Lilly hatte tierisches Lampenfieber, müsst ihr wissen.

...versuchte Lillys bärenstolze Mutter gerade Marcs überraschendes Auftauchen auf der Bühne zu erklären, als sie plötzlich von ihrem Telefon abgelenkt wurde, auf dem sie schon die ganze Zeit nervös mit ihren Fingern herumgewischt hatte. Jetzt hörte sie endlich den vertrauten Ton, auf den sie ungeduldig gewartet hatte. Sie hatte ihn endlich an der Strippe und auch auf dem Bildschirm ihres Smartphones. Wenn auch etwas verwackelt und verpixelt. Hauptsache, er verpasste nicht diesen besonderen Moment im Leben ihrer gemeinsamen Tochter.

Mehdi: Anna? Was ist los? Du hast mehrfach versucht mich zu erreichen? Ist was mit Lilly?
Anna: Das ist los, Mehdi. Schau mal!

Anna drehte ihr Handy so, dass auch ihr Gesprächspartner einen Blick auf die Seebühne erhaschen konnte. Der überrumpelte Oberarzt im Dienst reagierte so perplex darauf, dass er sofort das Reden einstellte und gebannt dem Gitarrenspiel seiner Tochter lauschte, die überraschend von seinem besten Freund auf einer zweiten Gitarre begleitet wurde und dies sogar mit gar nicht mal so großem Unwillen, wie man an Marcs verschmitztem Grinsegesicht deutlich ablesen konnte, das immer wieder zu Lilly schaute, die sich mit großem Eifer ins Zeug legte und damit ihr entzücktes Publikum regelrecht von sich einnahm. Das war sein Mädchen. Seine Lilly! Mehdi konnte seine Augen nicht von diesem wunderbaren Bild lösen.

Mehdi: Aber...
Anna (strahlt mit ihrer Tochter um die Wette, die offenbar keine Angst mehr hat, sich zu präsentieren): Ich gebe es nur ungern zu, aber das ist sein Verdienst.
Mehdi (ist den Tränen nahe): Echt? Und ich hatte schon die Befürchtung, sie will nicht auftreten. Lilly hatte solches Lampenfieber. Sie hat sich den ganzen Morgen zu Gabi ins Bett verkrochen und wollte nicht mehr rauskommen. Bis du geklingelt hast, Anna.
Gretchen (schiebt sich nun auch kurz vor den kleinen Bildschirm u. winkt Mehdi begeistert zu): Wirklich? Die Aufregung merkt man ihr gar nicht an. Sie wirkt so souverän und sicher. Sie spielt richtig, richtig toll, Mehdi. Du kannst stolz sein.
Mehdi (strahlt über das ganze Gesicht): Bin ich auch.
Anna (grient ihre Freundin keck von der Seite an): Ich weiß nicht, was du mit Marc gemacht hast, aber mach weiter so, Gretchen!
Gretchen (kichert wie ein kleines Mädchen u. guckt wieder gebannt nach vorn zu den beiden großen Talenten): Du wieder.
Sabine (winkt nun auch wie wild mit einem Arm vor der Smartphonekamera): Huhu, Dr. Kaan! Lilly hat wirklich ein außerordentliches Talent. Und der Herr Doktor natürlich auch.
Mehdi (versucht hinter den vielen Köpfen irgendetwas auf der Bühne zu erkennen): Zweifelsohne, Schwester Sabine. Es ist echt schade, dass ich gerade nicht bei euch sein kann.
Gretchen (lauscht andächtig den beiden harmonischen Gitarren, bis ihr verstört etwas auf dem Smartphonedisplay auffällt, auf das sie kurz wieder geschielt hat u. nun mit großen Augen kleben bleibt): Stimmt. Du fehlst. Äh... Sag mal, wo bist du eigentlich? Ist das etwa...?
Anna (registriert es jetzt auch, nachdem sie die ganze Zeit mit Filmen u. Lilly-Anhimmeln beschäftigt war): Sitzt du auf der Toilette?
Mehdi (fährt sich verlegen durchs Haar u. schiebt dabei seine dunkelgrüne OP-Haube vom Kopf runter): Ja, äh... nicht, was ihr denkt. Ich hab nur auf dem Weg vom OP in den Kreißsaal einen ruhigen Ort gesucht, um kurz mit euch telefonieren zu können. Ich will ja nicht drängeln, ich muss eh gleich weiter. Hier ist der Teufel los, kann ich euch sagen. Ein typischer Samstagnachmittag im Krankenhaus eben. Aber könntest du die Kamera bitte wieder etwas höher positionieren, damit ich unsere Maus richtig sehen kann, Anna? Du wackelst die ganze Zeit hin und her und ich hab das Gefühl, ich werde gleich noch seekrank.
Anna (jetzt fällt es ihr auch auf u. sie positioniert die Kamera neu): Oh! Sorry! Ist es so besser? Schau nur, ist sie nicht toll? Das ist unser Mädchen. Unsere kleine Zauberkünstlerin.
Mehdi (gerät unweigerlich ins Schwärmen u. kann sich das eine oder andere Glückstränchen nicht verkneifen): Ja! Nehmt ihr es bitte für mich auf, damit ich es später auch Gabi zeigen kann. Ich muss leider gleich wieder los. Sonst schaffe ich den Termin mit den Pressefuzzis nachher nicht rechtzeitig. Wenn ich könnte, würde ich ihn am liebsten schwänzen, um zu euch rüberkommen zu können.
Anna (lächelt verschmitzt u. hat vollstes Verständnis): Geht schon in Ordnung, Mehdi.
Gretchen (stimmt ihr zu u. zeigt wieder zur Bühne): Mach dir keinen Kopf! Wir vertreten dich würdig. Insbesondere er.
Sabine (lehnt sich verträumt zu Gretchen rüber): Ich wusste gar nicht, dass der Doktor Meier so gut Gitarre spielen kann, Frau Doktor.
Gretchen: Hm!

...summte Gretchen nur verliebt als Antwort, während sie sich vorstellte, sie wären ganz allein am Seeufer und Marc würde nur für sie spielen. Die hochschwangere Chirurgin war dermaßen hingerissen von der liebevollen Geste ihres Freundes, dass sie gar nicht anders konnte, als ihn ungeniert anzuhimmeln, was er natürlich direkt mitbekam, weswegen er sich trotz anfänglichem Widerwillen mächtig für sie ins Zeug legte. Und das wiederum spornte auch Lilly an, bei der keine Spur von Nervosität mehr zu spüren war und die zusammen mit Marc eine hinreißende Darbietung bot, die am Ende natürlich, wie sollte es auch anders sein, mit gebührenden Standingovations belohnt wurde. Den Ehrengast, für den die eigenwillige Aufführung hauptsächlich gedacht gewesen war, hielt dann natürlich nichts mehr auf ihrem Platz. Sarah stürmte zum Bootssteg, um ihre beste Freundin innig zu umarmen und zu knuddeln. Und bevor Dr. Meier auch noch daran glauben musste, legte er schnell Cedrics Gitarre beiseite und machte sich flinken Fußes aus dem Staub, um sich zu seiner Süßen zu gesellen, die ihn mit leuchtenden Strahleaugen begrüßte, welche sein adrenalingepushtes Herz direkt ein paar Takte höher schlagen ließen.

Marc: Und, wie war ich?
Gretchen (kichert mädchenhaft): Beeindruckend.
Maria (hegt da noch so ihre Zweifel, als sie sich zu den beiden umdreht u. ungeniert dazwischen plappert): Naja.
Cedric (kann sich auch eine kleine Spitze nicht verkneifen, während er den Arm um seine schmunzelnde Freundin legt): Irgendwie hab ich gewusst, dass er diese eine Frage auch in seinem Repertoire hat. Passt zu ihm und seinem verkümmerten Ego.
Marc (funkelt den lästigen Neider beleidigt an u. konzentriert sich auf das Wesentliche, nämlich auf seine Herzangebetete, um deren Schultern er locker seine Arme legt): Nope! Ich befürchte, ihr habt meine Eingangsrede außer Acht gelassen. Tja, ich glaube, ihr seid die Ersten, die jetzt dran glauben müssen. Was wäre euch lieber, Warzen oder Hühneraugen?
Gretchen (jetzt fällt es auch ihr wieder ein u. sie grient den Schelm über ihre Schulter hinweg kess an): Ach so, ja, du warst ja gar nicht da vorne mit dabei. Lilly war toll, oder? Sie wird immer besser.
Cedric (grient mit der Kollegin mit): Stimmt! Also ich habe da vorne auch nur ein äußerst talentiertes junges Mädchen gesehen. War da sonst noch was?
Maria (spielt das Spiel gleich mal mit): Ich wüsste nicht, was oder in dem Fall wer.
Marc (nickt wissend): Zu spät! Haasenzahn ist noch drin, aber euer Zeitfenster hat sich soeben geschlossen.
Cedric (grinst von einer Backe zur anderen): Tja, dein Pech, mein Lieber, mich wirst du in nächster Zeit nicht so häufig im Krankenhaus sehen.
Marc (funkelt den Angeber zufrieden an): Wieso Pech? Ich muss deine hässliche Visage nicht mehr ertragen. Dieser Tag entwickelt sich so langsam zu meinem Glückstag.
Gretchen (grient ihn verliebt an): Ach, echt?
Marc (zwinkert ihr eindeutig zweideutig zu): Jetzt erst recht, Haasenzahn. Du weißt ja, was passiert, wenn der Doktor Meier richtig gut drauf ist, ne.
Gretchen (windet sich flüsternd aus seinen Fangarmen, die sie von hinten spontan umschlingen): Maaarc!
Maria (dreht sich angewidert wieder zu ihrem Grinsefreund um): Oh Gott! Ich glaube, mir wird schlecht.

Sarah: Onkel Maaarc, noch maaaal!!!
Lilly: Au jaaa!!! Kommst du?

...schallte es jedoch plötzlich von der provisorischen Bühne zu dem Verführungskünstler rüber, für dessen Süßholzgeraspel Dr. Hassmann nur ein müdes Kopfschütteln übrig hatte, und machte ihm gehörig einen Strich durch die Rechnung. Perplex schaute er nach vorn zu den beiden verschworenen Grinsemädchen, die sich nun ungeduldig vor den drei Sitzreihen aufgebaut hatten und ihn mit dem Charme einer Spielzeugdampfwalze zu sich zu locken versuchten.

Marc: Das ist nicht euer Ernst?
Lilly/ Sarah (im Chor): Doooch!
Marc (lässt seinen Kopf gequält auf Gretchens Schulter fallen): Zu früh gefreut.
Gretchen (tätschelt ihm mit einer Hand sanft den Hinterkopf): Tue ihnen doch den Gefallen, Marc, hm?
Marc (grummelt unwillig in seinen Dreitagebart, während er ungeniert ihre zarten Streicheleinheiten genießt): Spielverderberin.
Maria (kann ihre Schadenfreude nicht verbergen): Wie war das noch mal mit der Verteilung von Pech und Glück, hm?
Marc (kontert prompt erfolgreich zurück): Ach, meinst du damit das blinkende Ding zwischen deinen Händen? Und es ist kein Vibrator.
Gretchen (klatscht ihm für den Spruch kraftvoll an den Arm): Marc!
Cedric (gibt sich Marcs Sprüchen gegenüber unbeeindruckt, nimmt Maria das blinkende Babyphone ab u. erhebt sich von seinem Platz): Soll ich gehen?
Maria (steht ebenfalls auf u. drückt Cedric mit sanfter Gewalt wieder auf seinen Platz zurück): Lass nur! Du bekommst schon noch oft genug die Gelegenheit dazu. Es ist Zeit für eine weitere Milchration. Die kannst du ihr leider nicht bieten.
Cedric (schaut seiner Traumfrau verliebt lächelnd hinterher, wie sie ins Haus geht): Okay, gib ihr einen Kuss von mir!
Marc (wedelt mit seiner Hand vor Cedrics ekelhaft strahlenden Augen herum): Äh... hallo? Hier spielt die Musik.
Sarah (kontert frech): Nein, aber da vorne.
Lilly (sieht ihren großen Helden unwiderstehlich bettelnd an): Onkel, Maaarc, nur eine Zugabe, ja? Zugaben sind auch ein ungeschriebenes Gesetz, hab ich gehört.
Boah! Das hat man nun davon, wenn man Kindern was beibringt. Der Bumerang kommt sofort zurück und knallt dir an die Rübe.
Marc (hat keine andere Wahl, als sich der geballten Mädchenpower geschlagen zu geben): Jetzt hetzt den Künstler doch nicht so! Kann man nicht mal fünf Minuten entspannen? Ich bin ja gleich da, ihr Nervkröten. ... Die Pflicht ruft, Haasenzahn. Aber danach stehlen wir uns wirklich davon. Noch mal mach ich das nämlich nicht mit. Also mach dich schon mal bereit!

...stöhnte Marc entnervt und lehnte seinen Kopf noch eine weitere Minute erschöpft gegen Gretchens Schulter. Sanft strich seine Freundin mit ihrer freien Hand über seine Wange, während sie bedächtig mit der anderen Hand ihren Babybauch tätschelte. Die Zwillinge hatten anscheinend auch Gefallen an dem besonderen Können ihres Papas gefunden und mussten dies ausdrücklich zur Geltung bringen. Sehr zum Leidwesen ihrer Mama, die zumindest auf Schwester Sabine sichtlich erschöpft wirkte. Aber bevor die emsige Stationsschwester der chirurgischen Abteilung des Elisabethkrankenhauses ihren sehr geschätzten Oberarzt darauf hätte aufmerksam machen können, hatte dieser sich bereits wieder erhoben und war mit gequältem Gesichtsausdruck zurück zu Lilly und Sarah getrabt, die offenbar vorhatte, diesmal mitzumusizieren. Von irgendwoher hatte die Schulanfängerin nämlich eine Triangel in die Hände bekommen, die sie dem verdutzten Chirurgen nun stolz entgegenhielt. Jetzt war er aber definitiv in der Hölle angekommen, dachte er nur und griff sich Cedrics Gitarre, um einmal kurz und klangvoll „Highway to hell“ anzustimmen.

Sabine: Alles in Ordnung, Frau Doktor? Du siehst blass aus.
Günni (teilt die besorgte Meinung seiner Frau u. reicht Dr. Haase ein Erfrischungstuch aus seiner Notfalltasche, die er immer bei sich trägt): Das finde ich aber auch, Frau Dr. Haase.
Gretchen (nimmt das Tuch dankbar entgegen u. tupft sich damit die Schweißperlen von der Stirn u. kühlt sich kurz den Nacken): Danke! Ich glaube, das liegt hauptsächlich an der Sonne. Mir ist hier ziemlich warm geworden.
Günni (hilft der Schwangeren gentlemanlike auf): Sollen wir dich wieder rüber zur Hollywoodschaukel bringen?
Gretchen (guckt in die Richtung der Sitzecke u. seufzt ernüchtert auf): Danke! Aber dorthin ist mittlerweile auch die Sonne hingewandert. Wenn ich ehrlich bin, würde ich mich kurz drinnen frisch machen wollen.
Sabine (nickt ihr zu): Ich begleite dich. Ich wollte auch mal nach Anton schauen. Unser Schatz müsste langsam wieder wach geworden sein. Das ist seine Zeit.
Günni: Ich suche uns derweil einen Platz im Schatten. Ja, Purzelchen?
Sabine (strahlt ihn an wie die glitzernde Abendsonne, die sich im See spiegelt): Das ist sehr aufmerksam von dir, Schnurzelchen.
Gretchen: Ihr seid so süß zu mir, danke.

... guckte Gretchen angetan zwischen den beiden hin und her. Sabine nickte ihr zu, reichte ihrem Mann ihren Sonnenhut, den sie für den Moment nicht mehr brauchte, und hakte sich bei ihrer Freundin ein, die mal wieder nach dem viel zu schnellen Aufstehen mit ihrem Kreislauf zu kämpfen hatte und brachte sie unter erneuten vertrauten Gitarrenklängen ins Haus, wo ihnen Dr. Hassmann mit ihrem weinenden Baby entgegenkam, das sie mit sanften Worten zu beruhigen versuchte. Gretchen konnte gar nicht richtig darauf reagieren, so gerne sie auch Sophies rosige Wange gestreichelt hätte. Ihr wurde auf einmal wieder schummrig und sie musste sich mit beiden Armen an der Sofalehne abstützen. Was war das denn gerade gewesen, fragte sie sich arglos, aber da war Schwester Sabine ihr schon besorgt zur Seite geeilt.

Sabine: Frau Doktor?
Maria (kommt nun auch beunruhigt auf ihre jüngere Kollegin zu u. mustert sie oberärztinnenhaft): Alles in Ordnung, Gretchen? Du siehst mir aber gar nicht gut aus.
Gretchen (hat sich schon wieder gefangen, kann aber die Schweißperlen auf ihrer Stirn nicht hinter ihrem ungewöhnlich gezwungenen Lächeln verbergen): Geht schon. Das war vielleicht doch etwas viel gerade. Die Hitze, die Aufregung, die Turnübungen der beiden hier drin. Ähm... Was hat die Kleine denn? Was weinst du denn so herzzerreißend, hm?
Maria (lässt sich nicht von der Schwangeren ablenken u. greift unbemerkt nach ihrem Arm, um ihren Puls zu checken): Hunger, das Übliche. Es kann ihr nie schnell genug gehen. Aber wem sag ich das? Lenk nicht ab, Haase! Wenn du hier jetzt schlappmachst, kriegst du richtig Ärger mit mir. Ich gebe ja zu, dass ich schon sehnsüchtig die Minuten zähle, bis ich euch endlich alle wieder losgeworden bin, aber so definitiv nicht.
Gretchen (versucht sie zu besänftigen): Maria!
Maria (funkelt sie unmissverständlich an): In diesem Haus wird nicht widersprochen. Schreib dir das hinter die Ohren! Sabine, holen Sie Dr. Haase ein großes Glas Wasser aus der Küche. Und du, du legst dich einen Moment hin und akklimatisierst!
Gretchen (schaut sich hilflos um): Maria, ich kann nicht. Marc...
Maria (lässt sie gar nicht erst zu Wort kommen u. guckt kurz vergewissernd aus dem Fenster in den Garten): Der ist mit den Kindern schon gut versorgt. So schnell lassen die ihn nicht aus ihren Klauen. Aber er wird mir die Hölle heiß machen, wenn ich mich nicht ordentlich um dich gekümmert habe. Also keine Widerrede! Das ist eine dienstliche Anweisung. Du legst dich jetzt ins Gästezimmer. Das Bett ist frisch bezogen. Ich wollte eigentlich meine Eltern da drin einquartieren, aber die können ruhig wieder ihren Weg nach Hause antreten. Ich kann nicht noch mehr Ärger gebrauchen. Ja, Miss Sophie, du bist ja gleich dran. Jetzt ist erst einmal die Mama mit Meckern dran.

Und bevor Gretchen noch einmal widersprechen konnte, hatte Maria sie mit ihrer freien Hand am Arm gepackt und zog sie ruppig hinter sich her in das hinterste Zimmer, wo sie sie mit sanfter Gewalt auf das gemütliche Doppelbett schob, obwohl sie dabei immer noch ihr krakeelendes Baby auf dem anderen Arm balancierte. Gretchen fühlte sich direkt entspannter, als sie sich schließlich der Länge nach hinlegen konnte. Vielleicht hatte sie diese kurze Verschnaufpause doch gebraucht. Nur fünf Minuten die Augen zumachen. Dann wäre sie auch bereit für den Höhepunkt des Abends. Ihre kleine intime Feier mit Marc zu ihrem ersten Jahrestag. Sabine, die den beiden Ärztinnen auf leisen Sohlen hinterher getrottet war, stand derweil noch etwas unschlüssig in der Tür. Maria nahm ihr das Wasserglas ab und stellte es neben das Bett aufs Nachtschränkchen, auf dem das aktuellste Familienfoto der wiedervereinten Familie Hassmann-Stier stand.

Sabine: Aber...
Maria (zwinkert erst Sabine, dann Gretchen vielsagend zu): Kein Aber, Schwester Sabine! Sie ruht sich jetzt erst einmal einen Moment aus. Dann ist sie später auch wieder fit für ihre besondere Abendgestaltung. Trinken nicht vergessen, Haase! In zehn Minuten bringen Sie ihr noch so ein Glas, Sabine. Und checken Sie, ob der Puls wieder rast oder abgesackt ist!
Sabine (nickt ihrer Oberärztin pflichtbewusst zu u. bemerkt im Hintergrund, wie im Nebenzimmer nun auch Anton u. Sissi anfangen sich zu melden): Jawohl, Frau Dr. Hassmann.
Maria (lächelt ungewöhnlich sanftmütig u. zieht sich langsam aus dem Raum zurück): Ich bin direkt nebenan, wenn du noch was brauchst, Gretchen, und stille erst einmal den kleinen Schreihals hier.
Gretchen: Ihr wieder.

...konnte Gretchen nur kopfschüttelnd auf die unerwartete und eigentlich überflüssige Hilfsbereitschaft ihrer beiden so unterschiedlichen Freundinnen antworten. Maria zwinkerte ihr wissend zu und starrte dann eindringlich auf die blonde Person, die ihr und Sophie den Ausgang versperrte. Bei Sabine dauerte es einen Moment, bis es endlich klick machte und sie folgte der grimmig dreinblickenden Oberärztin auf flinken Füßen aus dem Zimmer. Gretchen schaute ihnen noch nach, bis die Tür ins Schloss gefallen war, griff dann nach dem Wasserglas und nahm einen großen erholsamen Schluck daraus, dann legte sie sich wieder hin, drehte sich ein paar mal hin und her, bis sie die für sich perfekte Position gefunden hatte, und schloss schließlich ihre vor Müdigkeit schmerzenden Augen. Fast wäre sie auch gleich direkt weggenickt, wenn ihr Körper nicht etwas anders mit ihr vorgehabt hätte. Tischfußball der besonderen Art zum Beispiel. Es blieb nur eine Frage offen. Wer den ersten Ball geschossen hatte und sich nun als Sieger feierte?

Lorelei Offline

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20.08.2017 12:26
#1604 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

„Direkt eingetütet! Yeah! Ich hab’s immer noch drauf“, tanzte der junge Mann im schicken blauen Designerhemd, dessen oberste drei Knöpfe lässig offen standen, fröhlich jubilierend über das großzügige Rasengrundstück, welches hinter dem neuen Heim der Hassmann-Stiers zum angrenzenden kleinen See führte, von dessen Ufer aus zwei beleidigte, kleine, barfüßige Mädchen direkt hinterher wirbelten und sich dem Schelm schließlich protestierend in den Weg stellten, der sich gerade wie ein Weltmeister feierte. - „Gar nicht! Du schummelst, Onkel Marc“, merkte die Eine der beiden klagend an und brachte dabei ihre schönste Schmollschnute zur Geltung, während die Andere kichernd ihre Krakenarme ausbreitete, um sich an seine Seite zu schmiegen, und mit ihren faszinierend tiefgründigen Mandelaugen neunmalklug zu dem bestens aufgelegten Chirurgen hochblickte...

Lilly: Du hast uns hereingelegt. Schon wieder!
Sarah (stemmt schmollend ihre beiden kleinen Fäuste in die Hüften): Genau!
Oh Mann! Die zwei sind purer Zucker. Ich muss aufpassen, dass ich nicht direkt einen Diabetes mellitus entwickele, wenn das so weitergeht und mich hier keiner erlöst.
Marc (schaut sich gespielt verwundert um, so als ob er kein Wässerchen trüben könnte): Ach? Wie kommt ihr darauf? So was würde ich doch niemals tun. Tja, aber wenn ihr euch nicht darauf einigen könnt, was wir als Tor nehmen, dann hab ich eben schon einmal vorgelegt. Ronaldo zögert nämlich auch nicht, auch wenn er dabei im Gegensatz zu mir ziemlich bescheuert aussieht. Und ihr könnt nicht leugnen, dass ich nicht getroffen hätte. Obwohl ich zugeben muss, dass die Hüpfburg auch ein herrliches Ziel abgegeben hätte, wenn die Außerirdischen es nicht gerade zu bevölkern versuchen würden.

Demonstrativ blickte Marc zu der neongelben Hüpfburg direkt nebenan, auf welche gerade Schwester Sabine nach mehrmaligen Aufforderungsversuchen vonseiten der quietschvergnügten Lernschwesternbande von der Säuglingsstation des EKH unter Zuhilfenahme eines uneleganten Poschubsers ihres Ehemannes mühsam geklettert war, der dabei mit ungewohnter Leichtigkeit auf dem anderen Arm seinen Pflegesohn balancierte, der das seltsame Schauspiel seiner Familie auf unschlagbar treffende Art und Weise in Babysprache kommentierte. Jetzt konnten sich auch Marcs Fangirlies nicht mehr länger zusammenreißen und giggelten lautstark los, während sie sich jeweils an einer Seite ihres großen besten Freundes festkrallten, der es schon bereute, dass er sich nach der kleinen Zusatzeinlage als Lillys Hilfsgitarrist und Sarahs Triangellehrer von den beiden Nervkröten, die nicht müde zu kriegen waren, auch noch zu einem kurzen Fußballturnier hatte überreden lassen. Er war einfach zu weich geworden, schlussfolgerte er folgerichtig. Musste an der Hitze der Sonne liegen, die auch zu spätnachmittäglicher Stunde erbarmungslos auf das neu erworbene Angebergrundstück der Hassmann-Stiers herunterbrannte und dem einen oder anderen nicht nur in der Birne ziemlich zu schaffen machte.

Sarah: Das sieht aber ulkig aus.
Marc (schmunzelt mit den beiden mit): Hm! Künstlerisch nicht besonders wertvoll, in der B-Note durchgefallen würde ich sagen. Oder was denkt ihr?
Lilly: Wieso geht Onkel Günni denn nicht auch mit rauf? Er sieht ein bisschen verloren aus, so alleine wie er mit Anton davor steht und jedes Mal heftig zusammenzuckt, wenn Tante Biene zur Seite fliegt und Anton dazu vergnügt in die Hände klatscht.
Marc (kann bei dem grandiosen Bild, das ihm gerade geboten wird, nicht ernst bleiben): Keine Ahnung. Gummiallergie? Phobien? Sportattest?
Sarah (runzelt ihre kleine Denkerstirn u. folgt ihren ganz eigenen Interpretationen): Das sieht aber so aus, als ob das Bienchen keine Flügel hat.

Wenn sie welche hätte, müsste ich nicht ewig auf die Berichte warten und sie würde nicht bei der OP-Vorbereitung ständig trödeln. Zum Glück hab ich gerade meine Ruhe vor ihr und die Stasi-Sabsi kommt noch nicht so schnell wieder zurück auf Station. Ende August ist ja auch erst... Scheiße! Nächste Woche! Ich hab mal wieder ein Glück. Wahnsinn!

Marc (kleinlaut): Dafür hat sie aber einen Schuss.
Sarah (blickt ihm verständnislos in die zusammengekniffenen Schmunzelaugen): Was?
Marc (beißt sich auf die Lippen, um das Loslachen zu unterdrücken): Das wirst du irgendwann auch schon noch merken. Andere Frage. Wenn ihr schon die ganze Zeit Protest einlegen wollt, Bock auf eine Revanche? Es gibt dabei aber ein klitzekleines, nicht gerade unbedeutendes Problem, das wir, oder in diesem konkreten Fall ihr noch lösen müsst, wenn man es so sagen will. Äh... Wer holt jetzt eigentlich den Ball wieder aus dem Wasser? Der treibt langsam davon.
Lilly (sieht schlaumeierisch zu ihm hoch): Na der, der ihn reingeschossen hat, natürlich.
Sarah (stellt sich sofort auf Lillys Seite): Genau!

Diese hinterhältigen, kleinen...

Marc (durchaus angetan von ihrer zuckersüßen Hartnäckigkeit, aber das kann er auch): Bitte? Das ist aber nicht gerade Fairplay. Ihr seid doch die Torhüterinnen. Einmal im Tor, hat immer der Torwart den Freistoß. Ich dagegen bin Offensive und Stürmer in einem. Der Ball hat meinen Aufgabenbereich also verlassen. Das ist nicht mehr mein Job.
Sarah (verschränkt bockig ihre Arme): Das ist aber mein Ball. Den möchte ich gerne wiederhaben. Den hat mir nämlich Tante Biene geschenkt.
Marc (folgt seiner eigenen Logik): Dann soll die ihn eben holen.
Lilly (grinst u. greift nach Sarahs Hand): Sie ist beschäftigt. Und wir auch. Komm, Sarah, wir gehen auch noch mal auf die Hüpfburg und zeigen Biene, wie man richtig fliegen kann.
Sarah (hüpft begeistert in die Höhe u. verfehlt Marcs Füße dabei nur um wenige Millimeter): Au ja! Das macht megaviel Spaß.
Marc: Und mit mir nicht, oder was?

Aber ehe sich Dr. Meier versehen konnte, waren die beiden frechen Mäuse ihm auch schon entwischt. Sie stolperten an dem sichtlich erschrockenen Pathologen vorbei, der sie hinter sich nicht gleich hatte kommen sehen, und erklommen im nächsten Moment auch schon das quietschgelbe Riesenminion, an dessen Rand sich eine blasse, blonde, gefährlich hin und her wankende Krankenschwester krampfhaft festklammerte, während der Rest der Hüpfburg ganz in der Hand der ähnlich wie in einem Synchronballett hüpfenden Lernschwestern war, in die sich Lilly und Sarah nun fröhlich mit einreihten, was für Sabines fehlenden Halt nicht gerade förderlich war.

Marc (schüttelt fasziniert den Kopf u. schaut den frechen Gören sprachlos hinterher): Diese kleinen Biester! Die Kerle werden es später mal schwer mit ihnen haben, aber so was von.
Viel Spaß, mein lieber Kaan! Und der Drecksack erst! Der hat das so was von verdient. Tja, das hat man davon, wenn man(n) während der Zeugung keine gescheite Anzahl an Y-Chromosomen zusammenbekommt. Naja, besser als wenn man nur Nieten verschießt, weil man selber eine ist.
Cedric: Was hast du gesagt? Haben sie dich endlich erlöst, hm? Also, nach der Bewährprobe hast du die Stelle als offizieller Haus- und Hofbabysitter definitiv sicher. Herzlichen Glückwunsch, mein Lieber! Wir können aber leider nur unter Tarif zahlen. Wir haben uns nämlich haustechnisch gerade finanziell ein wenig verausgabt. Ich hoffe, das ist trotzdem okay für dich, wo ich doch weiß, dass ihr sehr bald jeden Cent zweimal umdrehen müsst, weil ihr euch Knall auf Fall verdoppeln werdet? Mhm! Das schafft auch nicht jeder. Respekt!

...sprach ein sehr belustigter Familienvater den bedröppelt dreinblickenden Chirurgenkollegen unvermittelt an, der lächelnd die beiden Mädchen zwischen den übermütigen und offenbar deutlich angeschäkerten Krankenschwestern beobachtete. Die Stasi-Sabsi hatte es gerade wieder wankend von dem Ungetüm heruntergeschafft und lehnte sich nun, immer noch blass, aber erleichtert, an ihren außerirdischen Mann mit dem Baby-Alien, wie Marc noch halb im Augenwinkel mitbekommen hatte, bevor er sich mit Ameisenblick bewaffnet zu seinem spöttelnden Wie-auch-immer-Kumpel umdrehte, der sich wohl für den Witzbold des Jahres hielt, der er aber definitiv nicht war, zumindest nicht, was das Niveau seiner infantilen Bemerkungen betraf.

Marc: Du spuckst mir vielleicht Töne. Wer gibt denn hier ständig damit an, dass er seinen Hühnerhaufen voll im Griff hat, hä, und gleich ein ganzes Jahr weicheimäßig in Elternzeit gehen will, weil Frauchen Karriere machen will, was sie aber nicht schaffen wird, weil die besten und lukrativsten Plätze schon von mir besetzt sein werden? Dann zeig mal, was du wirklich drauf hast, du Angeber! Eine deiner unzähligen Stöpselinnen hat ihr Spielzeug verloren. Das schwimmt da drüben neben dem alten hässlichen Kahn. By the way, hast du vergessen, den am Steg festzuzurren oder macht damit gerade jemand einen kleinen Ausflug, um ungestört rumzuknutschen und unsittliche Dinge zu tun, die man vor Kinderaugen besser nicht tun sollte? Mhm... Die Idee hätte von mir sein können. Hast du Haasenzahn irgendwo gesehen?

...wechselte Marc urplötzlich das Thema und scannte im nächsten Moment akribisch jeden einzelnen Zentimeter des großzügig geschnittenen Gartens der Hassmann-Stiers, während Cedric unschön überrascht auf den knallroten Ball mit den schwarzen Punkten starrte, der immer wieder von der Gischt gegen das kleine Ruderboot geditscht wurde, das in krakeliger Kinderschrift in Glitzerfarben Sarahs Namen trug und das er am Mittag zusammen mit seiner Schwester für den krönenden Abschluss des bislang sehr gelungenen Schulanfangsfestes präpariert hatte.

Cedric: Ey, ihr habt aber nicht das Boot getroffen, oder? Mann, da ist für Nachher das Feuerwerk drin, du Vollpfosten. Wenn der Timer beschädigt ist und Wasser da rein gekommen ist, dann haben wir jetzt den Salat.
Marc (fährt abrupt zu dem verärgerten Familienvater herum u. guckt ihn ganz entgeistert an): Bitte was? Auch noch ein Feuerwerk? Spielt dazu dann auch noch die Staatskapelle? Du hast doch echt den Arsch offen, Stier. Findest du nicht, dass du so langsam ein bisschen übertreibst mit deinem Kinderbespaßungsprogramm? Das ist ein Zuckertütenfest und nicht der Berliner Opernball. Und zum Abi spendierst du der Kröte dann eine ganze Elefantenherde, die ein Wasserballett im rosa Tutu aufführt, oder was?
Cedric (verschränkt eingeschnappt seine Arme u. motzt direkt zurück): Ach, du hast doch keine Ahnung, Meier. Werd du erst mal Vater, dann reden wir weiter.
Marc (grinst süffisant u. dreht sich abrupt von der beleidigten Leberwurst weg): Mhm... Mein Stichwort. Ich bin dann mal weg.
Cedric: Und was ist jetzt mit dem verkackten Ball da drüben? Marc? Ey? Arsch!

Aber der Angesprochene hörte dem misstrauisch hinterher blickenden Neurologen gar nicht weiter zu, der nun auch noch von seiner ältesten Tochter, die Hand in Hand mit ihrer besten Freundin Lilly wild auf der Hüpfburg herumhüpfte und offenbar Augen und Ohren überall zu haben schien, prompt auf das Schimpfschweinchen verwiesen wurde, womit sie zahlreiche Gäste in direkter Hörweite zum Lachen brachte, nur ihren bloßgestellten Papa nicht, der sich schließlich widerwillig geschlagen gab, die Hosenbeine hochkrempelte und mutig in das zweiundzwanzig Grad warme Wasser stieg, um das Corpus delicti zurückzuholen und das vorbereitete Feuerwerk noch ein weiteres Mal auf Funktionsfähigkeit zu checken. Marc stiefelte derweil in schnellen Schritten über den von der Sonne verbrannten Rasen zu dem für das Abendessen mit verschiedenen Salaten, Dips und Soßen neu arrangierten Buffet, wo er Gretchen vermutete, aber auch dort war keine Spur von seiner immer hungrigen Herzangebeteten, wie ihm der freundliche Pförtner vom Empfang des Elisabethkrankenhauses bestätigte, der sich gerade über die ersten Biogrillwürstchen hermachte, die der Vater von Dr. Hassmann fröhlich auf dem eigens von ihm mitgebrachten Grill vor sich hin brutzelte, obwohl direkt daneben das hochmoderne und noch unbenutzte Hightechmodell stand, das sein Schwiegersohn sich erst kürzlich für gemütliche Grillabende am See angeschafft hatte.

Der verwunderte Chirurg schnappte sich ein weiteres Glas Sommerbowle spezial zur Beruhigung, das ihm von Marias Mutter herzlich angepriesen worden war, die spätestens seit dem gemeinsamen Auftritt mit ihrer geliebten Enkelin einen Narren an dem charismatischen Kollegen ihrer einzigen Tochter gefunden hatte, der doch so viel besser zu ihrer Maria passen würde als dieser ungehobelte Holzklotz und Taugenichts, der sich hinterhältig zurück in ihre Familie geschlichen hatte und anscheinend vor Gott und der Welt Narrenfreiheit besaß. Oder wieso sonst besaß der unverschämte Kerl als Einziger die Dreistigkeit, jetzt hier öffentlich baden zu gehen und das auch noch vollständig bekleidet? Sich um die geladenen Gäste zu kümmern, blieb also wieder einmal an ihr und ihrem Mann hängen. Typisch! Und während Hannelore Hassmann sich maßlos über ihren impertinenten Ex- und Wiederschwiegersohn ärgerte und ihrem gutmütigen Gatten ihr Leid klagte, der nur unbeeindruckt mit der Nasenspitze gezuckt hatte und gemütlich die Grillzange zum Einsatz brachte, um die hungrige wartende Meute zufriedenzustellen, war Marc einige Schritte weitergewandert und wandte sich nun in weiser Voraussicht an Anna Kaan, die mit gezücktem Handy auf der Hollywoodschaukel lümmelte und Nachrichten textete. Sie hatte ihre Riemchensandalen von ihren Füßen geschoben, hielt die Knie angewinkelt und bemerkte Mehdis besten Freund erst, als dieser sich direkt vor sie stellte und ihr das Sonnenlicht nahm.

Anna: Marc?
Marc (mustert sie eindringlich mit verschränkten Armen): Fällt dir was auf?
Anna (guckt verwundert über den Rand ihrer Sonnenbrille zu ihm hoch): Die Schattierung der Abendsonne um deine Silhouette macht richtig was her. Ja, stimmt, das sollten wir ausnutzen. Wenn du mich ganz lieb darum bittest, halt ich es für Gretchen fest. Damit sie auch von dir zuhause ein schönes Foto aufhängen kann. Falls du also noch kein Geschenk für euren Jahrestag hast, könntest du dich damit noch vor einer größeren Peinlichkeit retten.
Marc (hat der verschmitzt grinsenden Frau ungläubig zugehört, jetzt platzt ihm aber der Kragen): Sag mal, willst du mich verarschen?
Seit sie ihre innere Mitte oder was auch immer wiedergefunden hat, muckt sie ganz schön auf. Fast wie früher. Daher hat Lilly das also. Ich hab’s befürchtet.
Anna (rudert freundlich zurück, als sie merkt, dass Marc ihre Sprüche überhaupt nicht witzig findet): Das war nett gemeint, Marc. Weil ich weiß, dass sich Gretchen darüber freuen würde. Ich hab ihr übrigens gerade das Video von dir und Lilly geschickt. Ist richtig gut geworden. Aber ihr wart ja auch gut. Danke noch mal. Lilly war danach richtig glücklich.

Anna strahlte ihren guten Freund aus vollster Überzeugung an, der noch immer eine leichte Variante seines gnadenlosen Ameisenblickes in seinen dunkel schimmernden Augen aufwies, der jedoch schnell wieder einem sanfteren Ausdruck gewichen war. Denn der Auftritt mit Annas Tochter, das konnte er nicht leugnen, hatte ihm richtig Spaß gemacht. Er würde sich aber trotzdem nicht wiederholen. Denn nur die Besten der Besten hörten schließlich auf, wenn es am schönsten war. Wenn überhaupt, dann würde er ab sofort nur noch für seine eigenen Sprösslinge etwas vorsingen, äh... in die Saiten hauen. Wie kam er denn jetzt auf Vorsingen? Nur weil er vorhin bei seinem ACDC-Intro etwas zu inbrünstig mitgesummt hatte? Das war nie passiert. Er war schließlich auch gar nicht aufgetreten. Niemand hatte ihn gesehen, geschweige denn gehört. Das war allein Lillys Bühne gewesen und die ihres nervigsten Fans natürlich, der ihm gerade zum Glück mal fünf Minuten nicht an der Backe klebte wie eine lästige Schmeißfliege.

Marc (wiegelt mit einer lockeren Armbewegung ab): Kein Ding! Ich bin an den Hippokratischen Eid gebunden. Wenn irgendwer Hilfe wimmert, geht irgendein Automatismus los. Lässt sich nicht verhindern. Denn dann würde ich mich strafbar machen. Also, Schwamm drüber! Aber eine Sache schon noch. Da ist immer noch unser Deal, Anna. Solltest du nicht eine ganz bestimmte Person im Auge behalten, während ich ähm... beschäftigt bin, hm?
Anna (legt ihr Telefon neben ihr halbleeres Bowleglas auf den Gartentisch u. blickt sich suchend um): Oh! Das... Vorhin hat sie noch neben mir gesessen. Ich habe euer Video bearbeitet und die erste Kopie an Mehdi verschickt. Als ich wieder rüber gesehen habe, war sie dann weg. Aber ich glaube, nein, ich bin mir ziemlich sicher, dass Sabine bei ihr gewesen ist.
Marc: Sabine!

...murmelte Marc nur gedankenverloren, drehte sich auf der Stelle um und ließ seine gute alte Freundin einfach ohne ein weiteres Wort der Erklärung in der Sitzecke zurück. Anna blickte verwundert zur Seite, aber auch Sarahs Tante Elisabeth, die mit Blick auf das Wasser in einem gemütlichen Liegestuhl neben ihr saß und mit einem Strohhalm an ihrem Cocktail nippte und die alle wegen ihres Faibles für die Königshäuser Europas Sissi nannten und auf der aus grenzenloser Geschwisterliebe und Dankbarkeit auch der allseits beliebte schnuckelige Vorname von Cedrics mittlerer Tochter beruhte, wusste nicht, was dieser sonderbare Auftritt gerade zu bedeuten hatte. Sie war nämlich viel zu beschäftigt damit, ihren Lachanfall zu bändigen. Denn ihr großer Bruder kam gerade pudelnass vom See zurückgewatet. Mit einem leicht angenervten Ausdruck im Gesicht und seiner glitzernd roten Trophäe in der Hand, die er nun aus einem unerklärlichen Impuls heraus wie einen Volleyball in die Hüpfburg kickte. Direkt in die Arme seiner glücklichen Tochter, was Cedric jedoch gar nicht richtig mitbekommen hatte, weil er gerade sein pitschepatschenasses Hemd auswrang.

Das seichte Wasser bis zum Ende des schmalen Bootsstegs hatte nämlich so seine Tücken bewiesen. Von wegen knietief und kinderfreundlich, wie es in der Immobilienbroschüre beschrieben worden war. Cedric war eigentlich ganz gut bis zu dem verloren gegangenen Ball vorangekommen, hatte ihn sich geschnappt, hatte noch kurz in dem alten Holzkahn nach dem Rechten geschaut und war dann aber auf dem kurzen Weg zurück zum Ufer über irgendetwas gestolpert. Er war mit seinem großen Zeh daran hängen geblieben und hatte sich der Länge nach wortwörtlich nass gemacht. Einmal eine Komplettdusche. Bei dem vorherrschenden Sommerwetter eigentlich ganz angenehm, wenn auch unangenehm für das Gesamterscheinungsbild. Zumindest in seinen Augen. Die anwesenden Kolleginnen waren dagegen ganz anderer Meinung. Sie waren sichtlich angetan von dem ungeplanten Wet-T-Shirt-Wettbewerb im Programmheft, in dem Dr. Stier einen sehr guten Eindruck hinterlassen hatte. Dennoch guckte er ziemlich bedröppelt aus der Wäsche, als er unter dem schallenden Applaus seiner johlenden Gäste poseidonmäßig dem glasklaren Wasser entstieg. Ein Bild für die Götter war das. Und auch eins für die Hobbyfotografin Anna, die diesen göttlichen Moment natürlich direkt für Sarahs Fotoalbum für die Ewigkeit festhielt.

Marc Meier hatte Cedrics glanzvollen Auftritt derweil überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt und war in der Zwischenzeit zielgerichtet zur Hüpfburg spaziert, vor der sich die Gummersbachs auf eine Picknickdecke gesetzt hatten und ihr Pflegebaby bespaßten, das wie eine Schildkröte auf dem Rücken lag und wild zappelnd Arme und Beinchen in die Höhe reckte, während es von Sabine und Günni liebevoll das gut genährte Bäuchlein gestreichelt bekam. Der verdutzte Oberarzt war zwar kurz davon abgelenkt, weil Anton mal wieder sein besonderes Lachen aufgesetzt hatte, das furchtbar ansteckend wirkte und nicht von dieser Welt schien, aber sprach das Familienglück schließlich im nächsten Moment auf seine bekannt forsche Art unvermittelt an...

Marc: Schwester Sabine, wo steckt Haasenzahn? Sie hängen doch sonst immer wie ein zweiter Schatten an ihrem properen Hinterteil.
Sabine (zuckt erschrocken zusammen u. rappelt sich flink von der karierten Decke auf): Oh, Herr Doktor, wir haben Sie gar nicht kommen gesehen. Anton ist so drollig, wenn er rückwärts über die Decke zu robben versucht, obwohl seine Motorik das noch gar nicht richtig hergibt. Er ist ziemlich eigenwillig, was seinen starken Bewegungsdrang betrifft, müssen Sie wissen.
Muss ich... NICHT! Noch mehr unnützes Wissen blockiert nur die wichtigen Dinge. Wie zum Beispiel, wo zum Teufel sich Haasenzahn versteckt hält und wieso?
Marc (verdreht leidend die Augen u. wird langsam ungeduldig): Ja, ja, hinreißend. Also? Wo ist sie?
Günni (hält mit einer Hand seinen robbenden Pflegesohn fest u. schaut Richtung Haus): Die Frau Doktor hat sich einen Moment hingelegt, Dr. Meier.
Sabine (nickt mitfühlend): Ihr war einen Moment nicht so gut und die Frau Doktor Hassmann meinte...
Marc (fährt der arglose Stationsschwester stinksauer über den Mund): Verdammt, warum sagen Sie das denn nicht gleich? Wenn Sie nicht endlich damit aufhören, dauerzufaseln, werden Sie es nie zur Oberschwester bringen, Schwester Sabine.
Sabine (ihre blauen Augen leuchten freudig überrascht auf): Das würden Sie mir zutrauen, Dr. Meier?
Marc (schüttelt unwirsch den Kopf u. ist mit seinen Gedanken schon längst woanders): Jetzt nicht! Und in Zukunft nicht!

...fiel der sichtlich beunruhigte Oberarzt seiner übertrieben freundlich und euphorisch dreinblickenden Stationsschwester uncharmant ins Wort und ließ sie und ihren bedröppelten Mann direkt stehen, um mit eiligen Schritten zum Haus zu laufen, welches er im nächsten Moment auch schon schwer atmend und mit unruhig klopfendem Herzen betrat. - „Haasenzahn?“, rief er verunsichert in die augenscheinliche Leere des modern eingerichteten Wohnzimmers und bekam nach kurzem Warten, während dem er das Blut, das in Sturzbächen zu seinem Herzen gepumpt wurde, in seinen Ohren rauschen hörte, aus zwei angrenzenden Zimmern fast zeitgleich auch prompt eine entsprechende Antwort, jedoch mit jeweils unterschiedlicher Aussagekraft.

Maria (meckert hassmannlike durch die geschlossene Kinderzimmertür): Meier, geht das auch verdammt noch mal etwas leiser? In diesem Haushalt leben Kinder, falls dir das in deiner geistigen Umnachtung noch nicht aufgefallen ist. Also, Lautstärke runterdrehen! Klar?
Gretchen (äußert sich etwas weniger energisch durch die geschlossene Gästezimmertür gegenüber): Ich bin hier, Marc.

Selbstverständlich folgte der konsternierte Unfallchirurg lediglich der liebreizenderen Stimme der beiden befreundeten Ärztinnen in den hinteren Winkel des geräumigen Holzhauses. Er guckte sich jedoch zur eigenen Sicherheit vorher noch einmal vergewissernd um, ob die hormongeladene Helikoptermama nicht doch noch jeden Moment mit einem Nudelholz bewaffnet aus dem Babyzimmer herausgepoltert kommen könnte, was zum Glück nicht der Fall war, bevor er sich dem Gästezimmer gegenüber näherte. Mit klopfendem Herzen tippte Marc kurz geräuscharm an den Rahmen aus Teakholz und schlüpfte anschließend schnell durch die Tür, die er hinter sich direkt wieder schloss. Was ihn dann jedoch in dem kleinen unscheinbaren Raum erwartete, ließ sein wild schlagendes Herz einmal kurz aussetzen. Er registrierte selber gar nicht, wie sich seine Füße in schnellen Schritten auf das Bett zu bewegten, in das sich Gretchen, so gut es eben in ihrem Zustand möglich war, hineingekuschelt hatte. Sie wirkte unter der beigefarbenen Bettdecke furchtbar blass und erschöpft auf den sich beunruhigt fühlenden Oberarzt, der sich prompt auf die Bettkante setzte und seine Hand tief seufzend an ihre gerötete Wange legte. Verlegen schaute die Hochschwangere zu ihrem Herzprinzen hoch, der sie verliebt wie immer anlächelte, und es ging ihr flugs wieder etwas besser.

Gretchen (flüstert kaum hörbar): Tut mir leid.
Marc (runzelt verwundert die Stirn): Was tut dir leid?
Gretchen (kämpft mit den aufsteigenden Tränchen u. wimmert herzerweichend): Ich hab schlapp gemacht, Marc.
Marc (lächelt sanftmütig u. verständnisvoll u. wischt mit dem Zeigefinger liebevoll einzelne Kullertränen von ihrer Wange): Nichts, wofür du dich entschuldigen müsstest, mein Engel.
Gretchen (schnieft u. blinzelt die unaufhörlich kullernden Tränen angestrengt weg): Doch! Weil... weil... ich mich doch so auf diesen Tag heute gefreut habe.
Marc (sieht die hinreißende Heulsuse eindringlich an): Und?
Gretchen (senkt verlegen ihren Blick): Das weißt du ganz genau, Marc.
Marc (gibt sich betont unwissend u. bringt Gretchen damit leicht auf die Palme, was natürlich seine Absicht ist): Ach, tue ich das?
Gretchen: Marc!
Marc (grient die ungekrönte Schmollkönigin auf seine typisch spitzbübische Art an): Du musst es schon aussprechen, Haasenzahn.
Gretchen (der Groschen fällt u. die Tränen sind sofort vergessen, als sie den charmanten Provokateur ein weiters Mal gereizt von der Seite anfährt): Maaarc!
Marc (lacht u. tippt wie selbstverständlich auf seine teuere Designerarmbanduhr am Handgelenk): Sag es! Ich warte und das übrigens schon eine ganze Weile, die mich viele Nerven, mein Gehör und meinen rechten Passfuß gekostet hat. Ich glaube, mit mir ist heute nicht mehr viel anzufangen, wenn das so weitergeht. Ich werde hier als Kindersklave missbraucht, das war so nicht abgemacht.
Idiot! Ich weiß gar nicht, wieso ich immer wieder auf ihn reinfalle. Ach so, weil er...
Gretchen (verdreht theatralisch die Augen u. gibt schließlich nach): Okay?!? Unter Umständen, vielleicht, eventuell könntest du doch Recht gehabt haben. Der große, weise, allwissende Dr. Meier hat es vorausgesagt und ich hab mich stur gestellt und hab es ausgeblendet. Ja, ich habe mich überanstrengt, aber nur ein klitzekleines bisschen, weil es so warm ist und ich wegen heute allgemein ziemlich aufgeregt bin. Aber ich ruhe mich wirklich nur aus. Fünf Minuten. Ich bin gleich wieder fit und für dich da. Dann können wir auch.

Ach, mein Engel, das ist wieder so typisch für dich. Immer mit dem Sturköpfchen durch die Wand und zuerst alle anderen, bevor du auch mal drankommst. Eigentlich gehört dir der Hintern versohlt und die Versuchung ist groß, das auch noch nachzuholen. Ich hab jetzt schließlich mehr als nur einen Wunsch frei.

Marc (grinst zufrieden über das ganze Gesicht u. drückt ihr einen kleinen Kuss auf die selbstbewusst in die Höhe gereckte Nasenspitze): Das nenne ich doch mal eine Ansage. Das ist mein Mädchen.
Gretchen (lehnt sich schmollend in ihre Kissen zurück): Du bist so blöd.
Marc (ist völlig hingerissen von seinem Schmollhäschen): Und du bist...
Gretchen (richtet sich alarmiert wieder ein wenig auf, was sie ziemlich aus der Puste kommen lässt): Ich warne dich.
...süßer als jede einzelne, vermutlich schon längst zerflossene Süßigkeit in Sarahs sechzehn Zuckertüten.
Marc (tippt sie nur leicht mit dem Zeigefinger an u. schiebt ihr Trotzköpfchen zurück auf das weiche Kissen): Du sollst dich doch nicht aufregen. Okay?
Gretchen (setzt ihr schönstes Schmolllächeln auf): Dann darfst du mich aber auch nicht ständig provozieren. Oder überraschen. Oder...
Marc (schaut sie erwartungsvoll an): Ja?
Gretchen (strengt ihr Lockenköpfchen an): Ja, warte, ich komm noch drauf. Ich muss mich nur sortieren.
Marc (grinst): Oh, das kann dauern.
Gretchen (klapst ihm leicht mit beiden Händen auf den Arm u. lehnt sich dann erschöpft wieder in ihre Kissen zurück): Blödmann! Ich kann mich nicht konzentrieren, wenn du so... so... so bist. Ich hab das Gefühl, hier oben ist alles total durcheinander geraten. Ich kann nicht mehr richtig denken, von kontern ganz zu schweigen. Ich glaube, ich habe sogar vergessen, wie es ist, Chirurgin zu sein.
Marc (schüttelt den Kopf): Das glaube ich nicht. Du bist das zwar noch nicht so lange, aber das kann man nicht vergessen. Das ist wie Fahrradfahren und Sex.
Gretchen (boxt sich ihr Kopfkissen zurecht, auf das sie sich schließlich schwer seufzend bettet): Toller Vergleich, wo ich doch für beides momentan nicht gerade prädestiniert bin.
Marc (kniet sich vor das Bett u. lehnt sich mitfühlend zu ihr vor): Schatz, es ist alles in bester Ordnung. Wie immer. Also, so gut wie. Für die restlichen Prozente sorgen wir dann schon noch. Später.
Gretchen (sieht ihren Traumprinzen, der ihr frech zugezwinkert hat, aus großen faszinierten Augen an): Dann bist du wirklich nicht enttäuscht?
Marc (reagiert verdutzt, während er liebevoll ihr eiskaltes Patschehändchen streichelt): Enttäuscht? Wieso enttäuscht?

Weil ich eine hoffnungslos übermütige und sich selbst überschätzende Närrin bin. Wenn mich niemand stoppen würde, würde ich vermutlich selbst im neunten Monat noch beim Berlin-Marathon mitlaufen und dabei hasse ich doch Laufen. Ich hätte es einfach besser wissen müssen. Nein, ich hab es gewusst, ich wollte es nur nicht wahrhaben. Weil ich unbedingt dabei sein wollte.

Gretchen (kämpft erneut mit den Tränen): Weil, weil... ich unseren Jahrestag vermasselt habe.
Marc (grient sie völlig hingerissen an): Glaub mir, Liebes, da braucht es eindeutig mehr für.
Gretchen (senkt verschämt ihren Kopf): Und wenn mehr nicht drin ist, Marc? Ich weiß, du hast dir viel, viel mehr versprochen von heute Abend. Und ich will ja auch. Wollte. Ich hab mir das so schön vorgestellt.
Marc (seufzt u. schaut dem schüchternen Häschen lange in die verweinten Augen, die immer wieder unsicher zu ihm hoch blinzeln): Haasenzahn, jetzt schau mich mal an! Denkst du wirklich, ich wäre ernsthaft davon ausgegangen, dass wir heute Abend zur Feier des Tages das Kamasutra rauf und runter zelebrieren würden? Ich gebe zu, der Gedanke klingt durchaus verlockend und ich weiß aus den Erfahrungen der Vergangenheit, dass wir dazu durchaus in beeindruckender Lage sein würden und für Experimente jeder Art bin ich immer empfänglich. Das weißt du. Dein Angebot vorhin hat mir im ersten Moment ziemlich die Beine weggezogen. Das kannst du mir glauben. Du bist und bleibst der absolute Wahnsinn. Unberechenbar und immer für eine Überraschung gut und dafür liebe ich dich unendlich. Aber ich bin kein Idiot, Gretchen. Davon laufen hier schon genug andere herum. Ich weiß, was möglich ist und was nicht. Das ist auch vollkommen okay für mich. Das war es in den vergangenen Wochen schon, während der ich dich immer wieder deswegen aufgezogen habe, wofür ich mich jetzt und hier offiziell entschuldige, und das wird es auch im Endspurt sein. Mein Schildkrötchen! Wir müssen nichts überstürzen und künstlich überhöhen, nur weil heute dieser eine besondere Tag ist, der mir übrigens genauso viel bedeutet wie dir, auch wenn ich es vielleicht nicht oft genug gesagt und stattdessen andauernd Scherze darüber gemacht habe. Aber Schatz, davon gibt es noch zigtausende und jeder einzelne ist besonders, weil ich sie zusammen mit dir verbringen darf. Selbst wenn du gerade so aktiv bist wie ein Nachtschattengewächs oder die voll gefressene Pandadame, die sich der Berliner Zoo für mehrere Hunderttausende im Jahr von den Reisfressern ausgeliehen hat. Du bist übrigens auch jeden einzelnen Cent wert. Ich würde sogar mein letztes Hemd dafür geben, um den Tag mit dir verbringen zu dürfen. Jeden einzelnen Tag, der noch kommen wird in unserem anstehenden Abenteuer.
Gretchen (hängt gebannt an seinem intensiven Blick u. jedes Wort von ihm trifft sie mitten ins Herz): Wirklich?
Marc (sieht ihr tief bewegt in die hoffenden Augen): Wirklich!
Gretchen (ein kleiner Restzweifel nagt dann doch noch an ihr): Aber der Tag sollte doch besonders werden.
Marc (kontert pfeilschnell): Ist er doch auch.
Gretchen (kann endlich wieder lächeln, weil sie ihm glaubt): Du bist ein charmanter Lügner, Marc Meier.
Marc (richtet sich gespielt empört auf): Wann hab ich denn gelogen, deiner werten Meinung nach, hm?
Gretchen (grient ihn plötzlich zuckersüß an): Du wolltest gar nicht hier sein.
Marc (kontert direkt gewohnt selbstbewusst): Aber ich bin hier!
Gretchen (freut sich ehrlich darüber): Also hattest du doch Spaß?
Marc (zögert seine Antwort einen kurzen Moment hinaus, damit seine gewählten Worte besonders eindrucksvoll zur Geltung kommen): Haasenzahn, ich weiß nicht, ob du es in deinem Weltschmerzdelirium mitbekommen hast, wenn nicht, dann schau mal auf die Nachricht, die dir Mehdis Ex gerade geschickt hat, aber ich stand vorhin vor der halben Belegschaft unseres Krankenhauses und hab mich komplett zum Affen gemacht. Mehr Spaß geht also nicht.

Er ist und bleibt mein Held! Mein Marc! Hach... ich liebe dich für immer und ewig.

Gretchen (ihre Augen strahlen wieder vor lauter Glück): Stimmt! Lilly und du, ihr wart so toll. Ich war darauf überhaupt nicht vorbereitet.
Marc (grinst verschmitzt): Du, ich auch nicht.
Gretchen (lächelt hingerissen): Aber ich fand es richtig süß von dir, dass du dich von ihr hast überreden lassen.
Marc (streicht sich zufrieden über seine stolzgeschwellte Brust): Die Firma dankt und nimmt zu jeder Zeit in jedweder Form Trinkgeld an. Alles wieder gut?
Gretchen (nickt lächelnd): Fast!
Marc (runzelt verwundert die Stirn): Nur fast?
Gretchen (schiebt sich ihre Hände unter das Kopfkissen u. schmachtet Marc neben sich verliebt an): Spielst du auch mal nur für mich alleine Gitarre?
Marc (schmunzelt u. setzt zur Denkerpose an): Eigentlich hab ich vorhin auf dem Höhepunkt meine kurzweilige Karriere beendet.
Gretchen (verzieht enttäuscht ihr Gesicht u. guckt demonstrativ an die Decke, wo sich verschwommen ein kleiner Spielfilm abspielt): Oh! Verstehe! Dabei hab ich mir das immer gewünscht. In meinen Träumen, als ich ein Teenager war. Ich hab mich damals mit Steffi und Susanne immer heimlich an den Strand geschlichen, wo die älteren Klassenstufen zusammen am Lagerfeuer gesessen haben, Geschichten erzählt, geflirtet, getrunken und Stockbrot gegessen haben, obwohl bei uns Schülern aus der Unterstufe in den Zimmern im Landschulheim schon lange das Licht hätte aus sein müssen und Frau Behrenbusch immer wie ein bissiger Wachhund auf uns aufgepasst hat, und hab mir vorgestellt, du würdest nur für mich Gitarre spielen. Der Wind in deinem Haar hat dir etwas richtig Verwegenes gegeben. Wie ein sexy Pirat, nur ohne Augenklappe und ähm... hinkendem Holzbein.
Marc (schüttelt bei der Vorstellung feixend den Kopf): Hätte mir auch nicht gestanden und mir vermutlich sämtliche Chancen bei den Mädels aus dem Mädcheninternat in Bayern verbaut, die zur gleichen Zeit im Landschulheim waren.
Gretchen (verliert sich regelrecht in ihre Schwärmerei von damals): Der Strand, das Lagerfeuer, über uns unendlich viele Sterne, Meerrauschen im Hintergrund. Also, ich fand das total romantisch. Finde ich immer noch. Schade, dass wir neulich, als wir an der Ostsee waren, nicht daran gedacht haben, deine Gitarre mitzunehmen. Ich glaube, wir waren zu spontan.

Von Weltschmerz in den Romantikmodus in weniger als fünf Sekunden. Neuer Rekord!

Marc (grinst vergnügt vor sich hin u. taucht in Gretchens zuckersüßen Tagtraum mit ein): Sind wir doch immer. Mit Strand kann ich vielleicht nicht unbedingt dienen, dafür müssten wir erst den Sandkasten der Mini-Hassmännin plündern, aber ein Strandkorb wartet zuhause auf unserer Dachterrasse. Die verwelkten Sommerblumen um uns herum tun es doch bestimmt auch als Kulisse für unser kleines, privates, intimes Date? Wir haben doch noch ein Date, oder?
Gretchen (grient ihren Traumprinzen ungeniert an u. schmiegt ihre Hand an seine): Denkst du, wir können über Berlin auch den Sternschnuppenregen sehen? Sabine meinte, die Perseiii...dingsbums würden noch mindestens eine Woche anhalten. Und dann ist da heute Abend auch noch so ein weiteres Himmelsspektakel. Ich hab nicht genau zugehört, aber es soll toll werden.
Marc (schaut ihr fasziniert in die leuchtendblauen Augen): Noch mehr Wünsche für die Kleinen? Haben wir neulich nicht schon genug gesammelt?
Gretchen (folgt ihrer ganz eignen Haasschen Überzeugung, mit der sie Marc prompt um kleinen Finger wickelt): Es kann nie genug davon geben und wenn es nur hilft, die beiden wieder etwas in Schach zu halten.
Marc (legt seine Hand instinktiv auf ihren Bauch unter der Decke u. spürt die Bewegungen der beiden strampelnden Babys deutlich): So schlimm?
Gretchen (will eigentlich nicht, aber fängt unkontrolliert wieder an, leicht zu weinen): Hm! Sie scheinen, eine ganze Fußballweltmeisterschaft an nur einem Tag abhalten zu wollen. Sie kommen eindeutig nach dir.

Na, das hoffe ich doch! Hey, nicht so doll, ihr beiden! Eure Mama braucht auch mal fünf Minuten für sich. Wir verstehen uns doch, oder?

Nein, Gretchen, nicht schon wieder! Nicht schon wieder weinen! Sonst vergraulst du Marc doch noch. Irgendwann ist seine Geduld mit dir nämlich auch zu Ende. Meine aber auch. Ich will mich nicht so fühlen. Ich hab euch doch so lieb. Ich möchte doch nur so gerne wenigstens mal zehn Minuten Siesta halten dürfen. Geht das? Bitte, ihr zwei! Dann dürft ihr auch wieder Finale spielen. Ich bastle euch auch einen Pokal, wenn ihr wollt.


Marc (massiert intuitiv ihren Bauch u. beobachtet dabei Gretchens Gesicht, das Bände spricht): Oh ha! Die Sturzbäche wieder. Weltuntergang, Klimakatastrophe oder was anderes?
Gretchen (zuckt überfordert mit den Schultern u. versucht irgendwie, Marcs Massage zu genießen, was ihr aber nicht gelingt): Ich weiß auch nicht, was heute mit mir los ist, Marc. Mir wird das alles zu viel momentan.
Marc (bettet seinen Kopf sanft neben ihrem u. schaut ihr tief bewegt in die feucht schimmernden Augen, während eine Hand weiter zärtlich ihren Babybauch streichelt): Ich verrate dir ein Geheimnis. Mir auch. Dich so zu sehen und nichts tun zu können, was hilft, macht es für mich auch nicht gerade einfacher.

Er ist so lieb. Wieso muss er gerade jetzt so lieb sein? Wenn er wenigstens seine Witzchen machen würde, würde mich das ein bisschen davon ablenken, dass ich nicht mehr kann und will und überhaupt. Wenn der Bienenschwarm nicht endlich damit aufhört, heb ich wirklich noch von ganz alleine ab, was zumindest einen entscheidenden Vorteil hätte. Ich müsste nicht mehr mit der Schwerkraft ringen und die hat sich noch mehr gegen mich verschworen als ihr beiden süßen Frechdachse.

Gretchen (Marcs liebevoller u. verständnisvoller Umgang mit ihr bringt sie gleich noch mehr zum Schluchzen): Ich kann gar nicht fassen, dass du mich immer noch so gern hast. Ich bin momentan unausstehlich und ständig lasse ich meine schlechte Laune an dir aus. Das will ich eigentlich gar nicht. Aber ich habe seit einer Woche nicht mehr richtig geschlafen. Und wenn ich es doch mal schaffe, einzuschlafen, wecken die beiden Rabauken mich spätestens nach einer halben Stunde wieder auf, weil sie zu den unmöglichsten Zeiten eine wilde Party schmeißen möchten, wofür ich absolut keine Kraft mehr habe. Ich weiß gar nicht, woher sie das haben. Vermutlich weil sie meine letzten Energiereserven angezapft haben. Ich fühl mich jedenfalls nur noch dick und hässlich. Ich hab Wasser in den Beinen. Meine Blase ist auf Dauerbetrieb eingestellt. Ich kann keinen Weg mehr alleine gehen, weil mir ständig die Puste ausgeht oder ich gar nicht erst hochkomme. Mir tut alles weh. Ich kann meine Füße nicht mehr sehen, was vielleicht auch besser so ist, weil ich so nicht sehen muss, wie ich Big-Foot-Abdrücke auf der trockenen Wiese hinter dem Haus hinterlasse. Sarah freut sich bestimmt darüber, wenn sie sie entdeckt und ihr Forschungsequipment auspacken kann. Ich musste sogar die Golfschuhe von meinem Vater anziehen, weil ich weder in meine, noch in deine Schuhe mehr hineinpasse, und die passen eigentlich zu gar nichts und hierzu erst recht nicht. Dabei wollte ich doch heute hübsch aussehen. Ich wollte das heute wirklich. Ich habe das nicht nur so dahergesagt. Ich wollte wenigstens noch einmal raus und etwas erleben. Zusammen mit dir. Ich wollte für dich schön sein, damit du mit mir angeben kannst, und für fünf Minuten hab ich mich auch tatsächlich so gefühlt. Weil ich gemerkt habe, wie du mich anschaust. Ich glaube, die anderen waren auch ganz schön beeindruckt. Ich bin ja auch ziemlich auseinander gegangen, seitdem ich im EKH aufgehört habe. Das Kleid hier ist das letzte Kleidungsstück, in dem ich nicht wie eine Presswurst aussehe, sondern nur wie ein außer Form geratener Regenbogen. Hab ich zumindest gedacht. Bis eben. Ach, Marc, es ist alles so schrecklich. Ich kann mich gerade selbst nicht besonders leiden.

Oje! Apocalypse now ist ein Scheiß dagegen.

Marc (schmiegt sich an die Seite des Trauerkloßes u. hält ihn schmunzelnd fest in seinen Armen): Dann übernehme ich das eben jetzt für uns beide. Ich mag dich nämlich genauso, wie du bist. Unberechenbar, oder na gut, vorhersehbar, vorlaut, klug und schlagkräf...fertig. Und du bist alles, aber bestimmt nicht unausstehlich und hässlich schon mal gar nicht. Mir kannst du ruhig glauben. Ich hab einen Blick für schöne Frauen. Und apropos Regenbogen, findet man an dessen Ende nicht immer einen Schatz? Ich glaube, ich hab ihn gefunden.
Gretchen (lässt sich durch seinen unverwechselbaren Charme tatsächlich zu einem kleinen Lächeln hinreißen, hält sich aber im nächsten Moment auch schon wieder den Bauch, weil sie das nervige Ziehen kaum noch aushält): Danke, du Schmeichler! Die Kobolde am Ende des Regenbogens sind aber ziemlich... Ooohh! Jetzt fängt das schon wieder an. Mit mir ist heute wirklich nicht mehr viel anzufangen. Ich glaube, mehr als kuscheln im Strandkorb ist nicht mehr drin. Tut mir leid.
Marc (zwinkert ihr eindeutig zweideutig zu u. robbt zum Bettende vor, um sich nun ausgiebig ihren schmerzenden Füße zu widmen, die er zunächst einmal von den hässlichen Schuhen befreit): Nix da! Lass das mal schön meine Sorge sein.
Gretchen (strampelt ihn ungelenk von sich weg): Marc, ich meine das wirklich ernst.
Marc (hält einen Fuß fest u. beginnt sie trotz heftigem Widerstand mit sanftem Druck zu massieren): Ernst ist mein zweiter, äh... dritter Vorname.
Gretchen (schaut erschöpft zu ihm runter): Maaarc, bitte! Ich will das nicht. Mir ist das unangenehm.
Marc (lässt schließlich los u. hält seine Hände in Unschuldspose hoch): Okay? Ist angekommen. Heute wirkt anscheinend gar nichts mehr.

Hätte nicht gedacht, dass ich mit meinem Medizinerlatein mal ans Ende geraten könnte. Darauf hätte Mehdi mich mal besser vorbereiten sollen, anstatt ständig wildfremden Leuten unter den Rock zu gucken oder sich vermöbeln zu lassen. Wobei, an letzterem hat er ja keine Schuld. Alter, wieso bist du heute nicht hier? Du wüsstest, was zu tun ist. Aber dafür räche ich mich noch an dir. Du bist mir eh wegen Prinzessin Lillyfee noch megaviel schuldig. Das wirst du niemals zurückzahlen können, mein nerviger Freund.

Gretchen (lockt ihren ratlosen Freund mit einem hinreißenden Lächeln wieder hoch zum Kopfende des Bettes, wo sie ihn schnell in ihre Arme schließt u. mit ihren Gedanken davon driftet): Danke für dein Verständnis, Marc! Ich weiß, ich bin momentan ziemlich...
Marc (knipst mit Zeigefinger u. Daumen ihre süße Schnute zu): Jetzt stopp mal deine Selbstgeißelung, Haasenzahn! Das bringt doch nichts. Alles ist gut, würde eine ganz bestimmte Person jetzt sagen, wenn sie den Termin hier nicht geschwänzt hätte. Und davon warst du doch vorhin auch noch überzeugt, hm?
Gretchen (lächelt unsicher, nachdem er ihre Lippen, die er nicht widerstehen konnte, sanft zu küssen, wieder loslässt, u. hadert immer noch mit sich u. der Gesamtsituation): Weißt du, ich liebe es, schwanger zu sein. Die vergangenen Monate waren unglaublich schön und unvergesslich. Aber ich glaube mittlerweile, es war vielleicht doch keine so gute Idee, ausgerechnet im Hochsommer schwanger zu werden. Ich hab die Nebenwirkungen total unterschätzt.
Marc (blickt ihr ungläubig in die ihn schüchtern fixierenden blauen Kristalle u. bügelt diesen völlig absurden Gedanken ganz schnell meierlike ab): Haasenzahn, das will ich nicht gehört haben. Klar? Das war mit Abstand die allerallerallerbeste Idee, die wir je hatten.
Gretchen (strahlt ihn mit ihren großen leuchtenden Augen erwartungsvoll an): Ja?
Marc (nickt ihr eifrig zu u. schnappt sich ihr kleines Patschehändchen, um es mit seinem über ihrem Babybauch zu verschränken): Aber so was von! Das nennt sich selbstprovozierende Prophezeiung, oder so ähnlich. Außerdem muss ich dich korrigieren. Du bist nicht im Hochsommer schwanger geworden, sondern zu einer völlig anderen Jahreszeit. Nachdem du nämlich bei eisigen Minustemperaturen mit deinem äußerst attraktiven Hinterteil auf eher zweifelhafte und hochakrobatische Art und Weise einen steilen Schneehang runtergerutscht bist und wir uns anschließend im Spaßbad wiederaufwärmen mussten. Obwohl, wenn ich mir das jetzt so genau überlege, dann hast du vielleicht doch recht. Es war doch ziemlich heiß in unserer Liebesgrotte. Vor allem du warst extrem heiß und willig. Ich hab mir ganz schön die Finger an dir verbrannt, du Luder. Mit entsprechender Wirkung. Von wegen Nebenwirkungen. Aber gut, dass du die mit deinem Lieblingsarzt des Vertrauens besprichst und nicht mit dem nächstbesten dahergekommenen Apotheker oder schlimmer noch, Mehdi.

Er ist so ein Spinner. Aber er hat recht. Ich wünschte, wir könnten uns noch einmal in diese Zeit zurückkatapultieren, als alles noch so frisch und völlig schwerelos und unbeschwert war. Dann könnte ich zumindest meinen Rodelunfall korrigieren.

Gretchen (läuft augenblicklich rot an, als sie an ihren ersten Liebesurlaub mit Marc im Paradies zurückdenkt u. was sie währenddessen dort alles angestellt haben): Marc, du bist unmöglich. Wie kannst du ausgerechnet jetzt daran denken?
Marc (zwinkert der knallroten Tomate vielsagend zu, während seine frechen Chirurgenfinger unter der Decke demonstrativ auf Wanderschaft gehen): Was heißt denn hier ‚ausgerechnet jetzt’? Vielleicht denke ich ja ständig daran zurück. An unsere sexintensivste Zeit. Mhm... Gerade jetzt, wo wir so aktiv sind wie Pandabären im Winterschlaf. Das soll jetzt aber keine Kritik sein.
Gretchen (die aufsteigende Hitze, die seine Berührungen bewirken, verwirrt sie zusehends): Maaarc!
Marc (genießt lachend ihr perplexes Gesicht u. konzentriert sich auf seine liebevolle Bauchmassage): Greeetchen, vielleicht ist da oben bei dir im Oberstübchen doch einiges ganz schön durcheinander geraten. Mit Mathe hast du’s nicht mehr so, oder? Dann rechne mal bitteschön acht Monate zurück, Fräulein Haase!
Gretchen (rollt theatralisch mit den Augen u. ignoriert die Gefühlsexplosionen in ihrem Körper, die sie völlig durcheinander bringen): Ich weiß, was vor acht Monaten war, Marc. Das Resultat ist schließlich nicht mehr zu übersehen.
Marc (nach einem kurzen Kuss auf ihre gigantische Babymurmel grinst er ihr pappfrech ins Gesicht): Gut, dann ist deine Schwangerschaftsdemenz ja doch noch nicht so ausgeprägt. Ich hatte schon Sorge. Nicht dass du mich darüber auch noch vergisst.
Gretchen (schüttelt lachend den Kopf, weil man mit dem Quatschkopf einfach nicht richtig reden kann): Du bist so blöd.

Aber danke für die Ablenkung! Ich hab das gebraucht.

Marc (gespielt ernst): Nein, bin ich nicht. Ich denke nur gerade für zwei, äh... vier. Und ich überlege gerade eine Strategie, wie wir dich und deine fußballbegeisterten Mitbewohner jetzt unbeschadet hier raus kriegen, ohne Aufsehen zu erregen. Ich würde ja gerne deine Tagebuchillusionen erfüllen und dich heldenhaft da raus tragen, aber ich bin mir nicht so sicher, ob meine Bandscheibe das noch mitmachen würde. Meinst du, Stier hat irgendwo eine Sackkarre? Obwohl, ein Gabelstapler tut es bestimmt auch.
Gretchen (tippt ihn empört an den Arm): Marc, du bist unmöglich. Kannst du nicht ein bisschen mehr Verständnis aufbringen? Mir ist wirklich nicht so gut heute und ich will einfach nur noch nach Hause.
Marc: Naja, du bist nun mal... unheimlich... schwer. Das lässt sich nicht leugnen. Obwohl ich zugeben muss, dass es echt seine Vorteile hat, jetzt einmal ungeniert behaupten zu können, dass du wirklich, aber so richtig wirklich dick bist.

Marc griente seine empörte Freundin auf unwiderstehliche Art und Weise an und sprang, bevor Gretchen noch einmal mit ihrem Arm hätte ausholen können, wieder aus dem Bett. Aber der Veralberten kam gar nicht in den Sinn, sich für Marcs Spruch zu revanchieren. Erstens, hatte er durchaus recht mit seiner uncharmanten Behauptung und zweitens, lenkten sie die Wundersterne in ihrem Bauch schon wieder eindrucksvoll mit ihrer ganz eigenen Homeparty ab. Ihr blieb regelrecht die Luft zum Atmen weg. Also musste jemand anderes die Rächerin der gefoppten Frauen dieser Welt spielen. Und dieser jemand stand auch schon wie aufs Stichwort prompt wortgewaltig parat und guckte mit seinem zuckersüßen Baby auf dem Arm amüsiert von seinem Platz an der geöffneten Tür aus zwischen dem sich heftig anflirtenden Paar hin und her und dachte sich so seinen eigenen Teil...

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