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Lorelei Offline

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Beiträge: 7.269

04.11.2012 23:00
#1351 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Etwa zur gleichen Zeit im EKH

Die Braut selbst schlief währenddessen nach der ganzen Aufregung des gestrigen Abends noch tief und fest zusammengerollt wie ein Murmeltier auf der äußerst bequemen Patientenliege hinter dem Paravent in Dr. Kaans Praxisräumen. Ebenso wie ihre Trauzeugin, die sich gleich nebenan in den Behandlungsstuhl gelümmelt hatte und deren Beine davon locker herunterbaumelten, während sie sich im Schlaf in ihren Mantel als Deckenersatz gekuschelt hatte. Ein seliges Lächeln lag auf ihren leicht geöffneten Lippen, das mit einem Mal jedoch verschwand, als nämlich plötzlich unvermittelt die Bürotür geräuschvoll aufgerissen wurde und beide Traumprinzessinnen unsanft im Sturzflug von ihrer Wolke sieben Kontakt mit dem harten Fußboden der Realität aufnehmen mussten. „Aua!“, stöhnten die beiden „verunglückten“ Grazien gleichzeitig auf, als sie so plötzlich das glatte Laminat unter ihren Händen spürten, und rappelten sich langsam auf, während sie ihre verspannten Knochen und ihre schmerzenden Hinterteile massierten, auf denen sie soeben unsanft gelandet waren. So richtig wussten die beiden Schlafmützen noch gar nicht, was ihnen gerade passiert war. Hatten sie so stürmisch geträumt und sich gegenseitig mitgerissen? War ihre freundschaftliche Verbindung schon so stark, dass sie sogar das gleiche träumten? Gretchen und Sabine sahen sich gegenseitig in ihre verschlafenen Augen und wischten sich den Sandmännchenstaub aus den Augen, während sie im Gesicht der anderen nach Antworten suchten und ihr Gehirn ebenfalls aus seinem Tiefschlaf erwachte und so langsam auf Touren kam.

Die Ursache für den ungelenken Morgenappell der beiden Freundinnen stand derweil wie angewurzelt in der Tür und drückte die Patientenmappen, die sie in den Händen gehalten und beinahe fallen gelassen hatte, mit Schnappatmung fest gegen ihren bebenden Brustkorb. Die Krankenschwester mit den frisch nachgefärbten rötlich schimmernden Haaren war nach dem erschreckenden Gepolter einem Herzinfarkt nahe und brauchte einen Moment, um sich zu beruhigen. Sie atmete heftig ein und aus. Ihre Brust schmerzte und das Adrenalin puckerte in ihren Venen. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass um die Zeit schon jemand in der Praxis des sympathischen Gynäkologen mit dem türkischen Migrationshintergrund warten würde. Professionalität war nun gefragt, dachte sie sich aufgeregt, als sie langsam ruhiger wurde und wieder Luft bekam, und strich sich eine verirrte Strähne ihrer kupferroten Haare hinter das Ohr. Sie kniff die Augen zusammen, öffnete sie wieder und schloss souverän die Tür hinter sich. Dann trat sie näher heran, um die Patientin zu begrüßen, die sich komischerweise hinter dem großen Schreibtisch versteckt hielt, und ihr zu sagen, dass Dr. Kaan heute nicht im Haus sei, sie sie aber gerne an eine charmante Kollegin verweisen könnte, die in wenigen Minuten ihren Wochenenddienst aufnehmen würde.

Am Schreibtisch angekommen hielt die pflichtbewusste Lernschwester jedoch plötzlich inne. Sie hatte im Augenwinkel eine Bewegung bemerkt und sich erneut furchtbar erschrocken. Und tatsächlich, um die Ecke saß noch jemand im Schneidersitz am Boden und rieb sich die müden Augen. Die Schwester runzelte verwundert die Stirn und drehte ihren Kopf zur Seite Richtung Behandlungsstuhl und Untersuchungsliege. Die andere Frau... das war doch... Sie riss die Augen weit auf und öffnete ungläubig den Mund, ohne jedoch etwas sagen zu können, und schüttelte schließlich überfordert ihren dröhnenden Kopf. Erst jetzt hatte sie erkannt, um wen es sich bei den beiden Damen genau handelte, die frühmorgens lautstark durch die Praxisräume der Gynäkologie gepoltert waren. Dementsprechend ging ihre Stimme auch eine Oktave nach oben, als sie die beiden schließlich sichtlich überrascht ansprach...

Bärbel: MARGARETHE! ... Schwester Sabine? ... Was macht ihr denn hier?

Gute Frage, nächste Frage?

...dachte sich die Blondine mit dem schmerzenden Hinterteil hinter dem Schreibtisch, unter den sie noch dämlicherweise krabbeln wollte, um sich darunter zu verstecken, als sie anhand der orangefarbenen Clocks ihre Mutter erkannt hatte, und kniff ertappt die Augen zusammen.

Gretchen: Mama?

...gab Gretchen ebenso überrascht kleinlaut von sich und krabbelte mit hochrotem Kopf unter dem gynäkologischen Stuhl hervor, von dem sie gerade unsanft heruntergepurzelt war. Jeder einzelne Knochen ihres Körpers tat ihr weh. Bei Gelegenheit würde sie Mehdi empfehlen, bequemere Möbelstücke für seine Praxis zu organisieren. Sie fühlte sich, als wäre sie soeben vom Pflaumenbaum im Garten ihrer Eltern gefallen. Das war ihr übrigens mit sieben Jahren tatsächlich schon einmal passiert, als sie das leckere Obst hatte pflücken wollen, das so verlockend über ihrem süßen Lockenschopf direkt über der Schaukel, auf der sie gesessen hatte und die ihr Vater an einem der breiten unteren Äste angebracht hatte, gebaumelt und förmlich nach ihr und ihrem knurrenden Magen geschrieen hatte. Damals war sie noch ein sehr, sehr dickes Kind gewesen und sie hatte das Knirschen von zerberstendem Holz unter ihren Füßen selbst jetzt noch im Ohr. Gretchen kratzte sich am Ohr und stand mühsam vom Fußboden auf, zupfte ihre Kleidung zurecht und hielt ihrer ebenfalls verunglückten Freundin die Hand hin, um ihr aufzuhelfen.

Sabine (überfordert): Frau Haase? ... Danke!

...flüsterte Sabine Gretchen mit zusammengepressten Lippen ins Ohr, nachdem sie deren Mutter verlegen begrüßt hatte, und strich sich ihre zerknitterten Sachen glatt. Auch sie war knallrot angelaufen wie eine Tomate. Nur kam das und das aufkommende Hitzegefühl in ihrem Körper vor allem daher, dass sie noch gar nicht richtig verstand, wo sie war und wie sie überhaupt hierher gekommen war. Sie hatte doch gerade eben noch selig geschlummert und von ihrem Günni geträumt. Von seiner sexy Star-Trek-Uniform, seinen Muskeln und seinen süßen spitzen Ohren, die sie ihm angeknabbert hatte, weil sie aus Marzipan geformt waren. Und von der Hochzeit! Die Hochzeit! Oh nein! Sabine hielt sich erschrocken die Hand vor den Mund, in dem sie komischerweise noch immer den Geschmack von Marzipan hatte. Hatte sie gestern Marzipan gegessen? Als sie ungeduldig auf Gretchen und die Testergebnisse gewartet hatte, war sie an der Süßigkeitenschublade von Dr. Kaan gewesen, ja, und hatte in die angerissene Pralinenschachtel gelugt, die sie darin gefunden hatte, und hatte heimlich eine oder zwei Pralinen heraus stibitzt.

Wie in Zeitlupe lief nun der gestrige Tag noch einmal in ihrem Kopf ab. Das Standesamt, der romantische Nachmittag mit Günni im Café, Kate und die Kostüme, die Überraschung von Gretchen, die vielen Glückwünsche und strahlenden Gesichter der Polterabendgäste, Azadehs Prophezeiung und die Reaktion von Dr. Meier, ihr Unwohlsein, Schwester Gabi und die Toilette. Das Baby, dachte die Vielleicht-Schwangere atemlos und versteckte sich hinter ihrer Freundin und Vertrauten und klammerte sich regelrecht an ihr fest. Sie waren hierher gekommen, um herauszufinden, ob sie tatsächlich schwanger waren. Beide! Gretchen war vielleicht auch schwanger! Auch? Was war mit den Tests passiert, fragte sich Sabine verunsichert und blickte erst ihre behandelnde Ärztin schüchtern an, dann deren Mutter, die sie so eindringlich musterte, dass sie vor Scham auf ihre Füße schauen musste. Mittlerweile war ihr kochendheiß zumute und sie begann unter dem dicken Pulli, den Dr. Haase ihr geliehen hatte, zu schwitzen.

Gretchen war derweil nicht minder aufgeregt. Schließlich hatte ihre Mutter sie quasi inflagranti erwischt. Der Tatort und die Sachlage waren wohl eindeutig. Es war nur noch eine Frage von Sekunden, bis bei der Übermutter der Schalter umspringen würde. Die Haasentochter schloss ängstlich die Augen und zählte in Gedanken schon einmal bis zehn.

Eins... zwei... drei... vier... fünf... sechs... sieben... acht... neun... neun ein Viertel... neuneinhalb... neun drei Viertel... Oh Gott, bitte, bitte, nicht! ... Neun äh... sieben achtel? ... Mist! Ich hätte in Mathe besser aufpassen sollen. ... Okay, hab ich eine andere Wahl? ... Nein! ... Ich bin stark. ... Ich ergebe mich meinem Schicksal. ... Ich hab schließlich schon Schlimmeres gemeistert. Stromschläge, Fallschirmsprünge, eine mordlüsterne Irre. Was soll schon groß passieren? ... Außer dass ich einen Tinnitus bekomme, wenn sie ausflippt. Sie war ja gestern bei Jochen auch schon völlig aus dem Häuschen. So schlimm kann es also gar nicht werden. Sie hat sich schließlich schon an den Gedanken gewöhnen können, plötzlich Oma zu werden. Also worauf wartest du noch? ... Ok! ... Zehn!

Doch nichts passierte. Vorsichtig öffnete Gretchen ihr linkes Auge und ließ es durch den Raum schweifen. Der Blick ihrer Mutter war immer noch starr und entschlossen auf sie und Sabine gerichtet und sie fühlte sich so, als hätte sie am Weihnachtsabend heimlich am Braten genascht, wie sie es, bis sie dreißig war, fast zur Perfektion trainiert hatte, und wäre diesmal dabei erwischt worden. Die Luft war zum Zerreißen gespannt. Die unheimliche Ruhe war kaum auszuhalten. Wie zwei Schulmädchen, die etwas angestellt hatten und zur Direktorin zitiert wurden, standen Gretchen und Sabine vor der zweifachen Mutter, die verwundert von der einen zur anderen blickte und auf eine Erklärung wartete, die jedoch ausblieb. Sehr verdächtig. Es war schließlich die neugierige Bärbel, die die quälende Stille in der Arztpraxis durchbrach...

Bärbel (mütterlich streng): Margarethe, ich habe dir eine Frage gestellt. Was habt ihr hier zu suchen? An einem Samstag, an dem ihr aus gutem Grund gar nicht zum Dienst eingeteilt seid.
Gretchen (sieht unsicher zu ihr auf u. stammelt nervös, während sie auf ihrer Unterlippe kaut): Ich... Wir... Ähm...
Oh nein, mein Kopf ist vollkommen leer. Hilfe! Wo bleiben gute Ausreden, wenn man welche braucht?
Sabine (ist mittlerweile wieder zu sich gekommen u. kommt ihrer Freundin nun stammelnd zu Hilfe): Jung...gesell...innen...abschied!
Bine!? Ich könnt dich knutschen! Mach ich vielleicht heute noch.
Bärbel (konzentriert ihren fassungslosen Blick nun auf ihre blonde Kollegin, die hinter Gretchen hervor tritt u. sich neben sie stellt): Wie bitte? Junggesellinnenabschied? Um die Zeit? Auf der Gynäkologie?

Braucht es mehr Beweise, warum eine nervöse Ärztin mit ihrer noch nervöseren Freundin in einer Frauenarztpraxis neben Ultraschallgerät und Behandlungsstuhl hockt? Marc bringt mich um, wenn es Mama vor ihm erfährt. Apropos, wo sind eigentlich die Ergebnisse abgeblieben? Oh Gott! Nicht dass die schon die Runde machen? Wir sind so was von geliefert!

Gretchen (läuft ertappt knallrot an u. versucht sich herauszureden): Äh... ja, wir... wir sind nach der Party noch durch die Klinik gezogen, weil... weil das ist ja unser Arbeitsplatz, und sind dann irgendwie äh...
Sabine (beendet Gretchens Satz nicht minder nervös): ...hier gelandet.
Bärbel (staunt): Ach?
Gretchen (lächelt verlegen u. senkt ihren Blick): Wir... wir müssen wohl eingeschlafen sein.
Bärbel (schmunzelt): Das hab ich gesehen. Und warum seid ihr ausgerechnet hier gelandet? Das ist doch gar nicht eure Station.

Mist! Warum muss Mama auch immer so hellwach und aufnahmefähig am Morgen sein? Eine Frühaufsteherin wie Papa. Und investigativ wie... wie eine Bild-Reporterin. Hilfe!

Sabine (gerät nun auch ins Straucheln u. klammert sich an Gretchens Hand): Weil... äh... weil...
Gretchen (hilft nun ihrerseits Sabine aus der Patsche): Weil Mehdi also... Dr. Kaan in seiner Schublade noch Kekse hatte. Im Schwesternzimmer gab’s keine mehr.
Sabine (kleinlaut u. dämlich vor sich hin grinsend): Und Marzipan!
Gretchen (sieht Sabine verwirrt an): Marzipan?
Wie kommt sie denn jetzt auf Marzipan? Das ist doch voll eklig. Ich glaube, mir wird schlecht.
Bärbel (blickt die beiden verdutzt an): Wegen Keksen und Marzipanschokolade brecht ihr in das Büro von Dr. Kaan ein?
Sabine (vorlaut): Die Tür war offen.
Gretchen: Genau! Und wir hatten nun mal ähm... Hunger.

Gretchen Haase, hiermit ist es offiziell, Marc hatte immer Recht, du bist die schlechteste Lügnerin der Welt.

Sabine (beißt sich verschämt auf die Lippen u. murmelt unterstützend): Ja.
Bärbel (kommt um den Schreibtisch herum u. baut sich sichtlich empört vor ihrer Tochter auf): Also Gretchen, wirklich.
Gretchen (beschwichtigend u. kleinmädchenhaft): Mama!
Bärbel (gibt einen ihrer üblichen belehrenden Vorträge): Du hättest doch anrufen können, wenn die Canapés nicht reichen. Wie sieht denn das aus, wenn die Gastgeberin und Tochter des Klinikchefs betteln gehen muss? So hab ich dich nicht erzogen, mein Kind.
Oje, das hat mir gerade noch gefehlt.
Gretchen (verdreht gequält die Augen): Mama, so war das doch gar nicht. Der Polterabend war schon vorbei. Wir sind danach noch spazieren gegangen. Es hat so schön geschneit und du weißt doch, wie sehr ich frischen Schnee mag. Und irgendwie standen wir dann plötzlich vor der Klinik. Wir wollten uns aufwärmen und noch einen kleinen Snack für den Heimweg nehmen. Das ist alles.

Du meine Güte, jetzt klappt es doch. Ich wusste gar nicht, dass ich so flunkern kann. Muss am schlechten Einfluss von Marc liegen. Hihi! Marc! Oje, ich hätte mich noch einmal bei ihm melden sollen. Der ist doch bestimmt stocksauer, dass ich nicht zu Hause geschlafen habe. Oh nein, das gibt Ärger. Es sei denn... ich habe gute Nachrichten. Ich muss Mama unbedingt loswerden und dann schnell runter ins Labor gehen, bevor hier der Betrieb so richtig losgeht. Sabine ist doch auch schon ganz hibbelig.

...kam es Gretchen plötzlich in den Sinn und so bekam sie erst gar nicht richtig mit, wie ihre Mutter ihr eine Frage stellen wollte. Aber Sabine stupste ihre grübelnde Freundin mit der Schulter an und so hörte die Tochter doch aufmerksam zu, was Bärbel Haase zu sagen hatte.

Bärbel: Die Canapés haben also doch gereicht?
Das ist natürlich alles, was sie interessiert. Zum Glück!
Gretchen (mit beruhigender Stimme bauchpinselt sie ihre Mutter): Ja, Mama. Die Fingerhäppchen wurden hoch gelobt. Von allen. Vielleicht solltest du dich doch aufs Catering konzentrieren oder Kochkurse geben.

Ein stolzes Lächeln schlich sich auf die schmalen Lippen der fabelhaften Küchenfee und sie klemmte sich eine verirrte Strähne hinter ihr rechtes Ohr. Gretchen blickte Sabine an, die zuckte nur überfordert mit den Schultern. Gretchen seufzte, als sie den verklärten Blick ihrer Mutter erkannte und versuchte den Moment zu nutzen, um die Inquisitorin endgültig loszuwerden. Ihr kribbelte es schließlich in den Fingern, endlich die Ergebnisse der Bluttests zu studieren.

Gretchen: Und du? Was machst du eigentlich hier?
Bärbel: Na ich hab doch Frühdienst. Ich hab getauscht, damit ich später auf die Hochzeit gehen kann. Du weißt doch, als Frau deines Vaters und Chefs habe ich auch gewisse gesellschaftliche Verpflichtungen.
Gretchen (verdreht unmerklich die Augen): Ah ja.
...uns zu nerven und in den Wahnsinn zu treiben.
Bärbel (schaut misstrauisch zwischen Gretchen und Sabine hin und her): Apropos Hochzeit, sag mal, Gretchen, habt ihr jetzt nicht den Termin beim Frisör?
Was?
Gretchen (fasst sich an den Mund u. wird plötzlich hektisch): Oh Gott, ja, wie spät ist es denn?
Bärbel: Viertel nach neun.
Sabine (plötzlich auch hellwach u. in Hochzeitspanik): Oh nein, um neun wollte die Stylistin bei dir sein, Gretchen. Wie wollen wir das denn jetzt noch schaffen?

Warum muss auch alles auf einmal kommen? Ich weiß gar nicht, wo mir der Kopf steht. Hilfe! Ruhig bleiben, Gretchen! Tschakka, wir schaffen das. Also Labor, Taxistand, Penthouse. In Lichtgeschwindigkeit! Jetzt könnte ich wirklich diese Technik gebrauchen, von der Günni immer in seinen Rollenspielen spricht. Beam me up, Mr. Spock! Oder so ähnlich.

Gretchen (schnappt sich ihre Tasche vom Stuhl u. läuft mit Sabine an der Hand Richtung Tür): Wir müssen los, Mama. Danke, dass du... uns geweckt hast.
Bärbel (ein strahlendes Lächeln erscheint auf ihren Lippen): Gern geschehen. Weißt du, ich hatte gerade im Labor zu tun und da ich heute ausnahmsweise noch einmal für die Gynäkologie eingeteilt bin, weil hier heute Personal fehlt, ihr wisst ja, die Grippewelle geht rum, hat man mir gleich die beiden Mappen hier mit Blutergebnissen mitgegeben. Wo soll ich die eigentlich hinlegen?
Gretchen (während sie gerade in ihren Mantel schlüpft und mit ihrem Schal kämpft, deutet sie unwirsch auf Mehdis Schreibtisch, wird dann aber doch hellhörig und blass): Leg sie einfach dahin. ... Labor, sagst du?
Oh Gott! Mama hält unser Schicksal in den Händen. Bitte, lieber Gott, mach, dass sie nichts gemerkt hat!
Sabine (zieht sich auch gerade ihre Jacke an u. hält ebenfalls inne, um mit Gretchen ungesagte Blicke zu tauschen; als diese ihr zunickt, wird auch sie aschfahl im Gesicht): Oh!
Sind das etwa unsere? Ich glaub, ich kipp weg.

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.269

07.11.2012 10:02
#1352 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Mit zittriger Hand klammerte sich Schwester Sabine an Gretchens Schulter fest, um nicht jetzt an Ort und Stelle in Ohnmacht zu fallen. Ihr war ganz schummrig zumute. Gretchen griff nach der eiskalten Hand ihrer Leidensgenossin und hielt sie fest. Die beiden aufgeregten Frauen beobachteten aufmerksam, wie Schwester Bärbel die beiden Mappen in die Ablage von Dr. Kaans Schreibtisch legte und noch ein Staubkügelchen von der Tischplatte wegwischte, und hielten beide den Atem an. Als die Frau des Professors sich umdrehte, bemerkte sie die seltsamen Blicke der beiden und sprach sie misstrauisch darauf an...

Bärbel: Ist noch was? Ich dachte, ihr habt es eilig?
Gretchen (zieht eine Unschuldsmiene u. zupft vor dem Spiegel über dem kleinen Waschbecken in der Nische demonstrativ ihre Haare zurecht): Was? Ja. Nein, nein, äh... wir haben noch einen Moment. Die Haare! Ganz zerzaust. So können wir doch nicht auf die Straße. Aber du, geh du doch schon ruhig weiter! Du hast doch sicherlich zu tun?
Bitte, bitte, bitte! Lass bitte ihren Pieper anspringen!
Bärbel (wiegelt mit einer lockeren Handbewegung ab u. kommt auf die beiden zu u. streicht bei Sabine die abstehenden Haare glatt): Ach! Eigentlich ist es ziemlich ruhig heute. Wochenende eben. Ich begleite euch noch nach unten.
Mist!
Gretchen (versucht ihre überfürsorgliche Mutter loszuwerden u. sieht sie eindringlich an): Das... das ist wirklich nicht nötig, Mama.
Bärbel (lächelt sanftmütig): Na gut! Dann sehen wir uns später in der Kirche. Ich wünsche dir alles alles Gute, Sabine. Die Ehe ist ein heiliges Sakrament, das...
Oh nein, bitte nicht!
Gretchen (ungeduldig fährt sie ihr ins Wort): Mama!
Bärbel (tadelnd): Ach Kind, jetzt sei doch nicht so unromantisch. Vielleicht stehst du ja auch bald wieder an ihrer Stelle.
Ja! Das wäre echt schön.

Ein verklärtes Grinsen schlich sich auf Gretchens Lippen, als sie plötzlich an die Spontanhochzeit von gestern Nachmittag und Marcs Reaktion darauf denken musste, dann fiel ihr jedoch die Betonung des kleinen Wörtchen „wieder“ auf und sie blickte ihre Mutter grimmig an. Diese zwinkerte ihrer Tochter nur lächelnd zu und wandte sich dann wieder an ihre jüngere Kollegin. Schwester Sabine wusste gar nicht, wie ihr geschah, als Bärbel plötzlich ihre beiden Hände in ihre legte und diese fest gegen ihren Brustkorb drückte.

Bärbel: Du weißt schon, wie ich es gemeint habe. Viel, viel Glück Sabine. Dr. Gummersbach ist wirklich ein wunderbarer Fang und er liebt dich.
Sabine: Danke!

...erwiderte die Braut schüchtern. Bärbel ließ ihre Hände los, drehte sich um und verließ das Zimmer genauso anmutig, wie sie vor wenigen Minuten hereingekommen war. Gretchen atmete erleichtert aus, nachdem die Tür endlich ins Schloss gefallen war. Sie rannte zum Schreibtisch und schnappte sich die Akten aus der Ablage und versteckte sie schnell unter ihrem Mantel. Gerade noch rechtzeitig, denn ihre Mutter steckte in dem Moment noch einmal ihren Kopf durch die Tür...

Bärbel: Kinder, wo bleibt ihr denn? Ihr müsst euch jetzt wirklich beeilen. Bis zur Trauung ist wirklich nicht mehr viel Zeit. Die Frisur, das Make-up, das Kleid, das erledigt sich nicht in OP-Geschwindigkeit.
Gretchen (genervt schiebt sie sich an ihrer nervigen Mutter vorbei durch die Tür): Jaaa, Mama!
Sie kann es einfach nicht lassen. GRRR!!! Hätte mich auch gewundert, wenn doch.
Bärbel (hält Sabine freundlicherweise die Tür auf, die Gretchen mit schnellen Tippelschritten folgt): Hach... wenn ich mich da an meine eigene Hochzeit zurückerinnere. Als wäre es gestern gewesen. Franz war so ein Nervenbündel. Wir haben sogar die falsche Kirche angefahren. Wenn der Pfarrer nicht so kulant gewesen wäre, dann...
Gretchen (fällt ihr augenrollend ins Wort): Dann wärt ihr heute trotzdem verheiratet. Komm, Sabine!

Gretchen hakte sich bei Sabine unter und die beiden liefen rasch den Flur der Gynäkologie vor. Dicht gefolgt von Bärbel Haase, die mit Trippelschritten flink zu den beiden aufgeholt hatte. Noch immer in bester Butterböhnchen-Plauderlaune versteht sich.

Bärbel: Jetzt erzählt doch mal, wie war denn der Polterabend? Ihr habt noch gar nichts erzählt.
Gretchen (genervt): Schön, Mama.
Sabine (strahlt glücklich): Ja, schön. Die Überraschung ist euch wirklich gelungen.
Bärbel (gerät ins Schwärmen): Na das hört sich doch gut an. Wenn ich mich da an meinen eigenen Polterabend zurückerinnere. Hach... Damals in den 70ern lief das ja auch nicht viel anders ab als heutzutage. ... *kicher* ... Ich glaube, ich hatte einen kleinen Schwips. Dein Vater zieht mich noch heute gerne deswegen auf. Ihr habt doch hoffentlich die Nacht vor der Hochzeit getrennt voneinander verbracht, Sabine? Gretchens Vater war da ja nicht so geduldig. Der ist doch tatsächlich um Mitternacht mit der Leiter gekommen und hat...

HILFE!!!

Gretchen (stoppt abrupt den Redefluss ihrer Mutter, bevor es noch peinlicher wird): Mama! Lass gut sein, bitte!
Bärbel (hebt theatralisch die Arme u. lässt sie wieder fallen): Meine Güte, Margarethe, was bist du denn heute Morgen so grantig? Heute ist so ein schöner Tag.
Gretchen (versucht ihrer redseligen Mutter zu entkommen u. hastet den Flur der Chirurgie vor, so dass Sabine kaum noch hinterher kommt): Ich bin nicht grantig. Du weißt genau, dass wir seit zwanzig Minuten einen Termin haben.
Bärbel (schmollt): Ja, ja, schon gut, ich habe verstanden.
Gretchen (atmet erleichtert auf, auch weil sie sieht, dass vor ihnen der Fahrstuhl gerade die Türen öffnet): Gut!
Bärbel: Was ist eigentlich mit deinem Marc? Weiß er, dass du hier bist? Er hat heute Morgen schon ganz zeitig bei uns angerufen. Mir scheint, er hat dich vermisst.
Gretchen (wird langsamer u. sieht ihre Mutter nun mit großen Augen an): Ach?
Mist! Ich hätte mich bei ihm melden sollen. Er sucht mich bestimmt schon. Mein Marcilein!
Bärbel (lächelt verträumt): Du hast ihn wirklich gut erzogen, Gretchen. Männer muss man auch mal alleine lassen, damit sie merken, was sie an uns haben. Und dein Marc, der liebt dich wirklich. Der vergöttert dich ja richtig. Meinst du, er hat daran gedacht, dass heute Valentinstag ist?
Heute ist Valentinstag?
Gretchen (wird rot): Mama!

Als wäre es Gedankenübertragung gewesen, klingelte in dem Moment Gretchens Handy. Die drei Frauen schauten sich an. Gretchen zog ihr bimmelndes Telefon aus ihrer Jackentasche und begann augenblicklich zu strahlen, als sie sah, wer der Anrufer war. Sie zeigte ihrer Mutter das Display. Diese lächelte nur wissend, gab ihrer Tochter einen kleinen Kuss auf die Stirn und winkte Sabine zum Abschied, dann zog sie sich dezent ins Schwesternzimmer zurück, an dem sie gerade vorbeigelaufen waren und wo sie auch gleich auf einen nette Kollegin zum Quatschen traf. Gretchen lief wie auf Wattewolken neben Sabine nebenher, während sie das Handy langsam an ihr Ohr führte. Vor dem Fahrstuhl, der leider direkt vor ihnen wieder die Türen verschlossen hatte, blieben sie stehen. Sabine drückte auf den Knopf, um ihn zurückzuholen, und blickte immer wieder nervös auf ihre Armbanduhr. Sie waren so spät dran. Bis 14 Uhr war nicht mehr viel Zeit, dann erwartete Günni sie nämlich vor dem Traualtar. Hach... Günni! Ob der auch so aufgeregt war wie sie selbst? Gretchen versank derweil in ein Gespräch mit ihrem Liebsten, der sie offenbar tatsächlich sehnlich vermisst hatte. Ihr Herz schlug gleich einige Takte schneller, als sie seine besorgte Stimme am anderen Ende der Leitung hörte und ihm säuselnd antwortete...

Gretchen: Maaarc! Es tut mir soooo leid, ich hätte dich noch mal anrufen sollen. ... Was? ... Gut! Ich bin doch mit Sabine unterwegs. Gleich haben wir doch den Termin beim Friseur und wir... (Sie schaut auf, als es „pling“ macht und der Fahrstuhl seine breiten Türen öffnet. Ein vergnügt vor sich hin grinsender Dr. Stier begrüßt die beiden wartenden Damen mit einer eleganten Armbewegung und einer charmanten Verbeugung und zwinkert ihnen zu, als er an ihnen vorbei schwebt und Richtung Umkleide geht. Die beiden Frauen schauen sich verwundert an und schütteln verwirrt den Kopf und treten in den Aufzug ein, der sofort seine Türen schließt.) ... Nein, Marc, Schatz, es ist wirklich alles in bester Ordnung. Mach dir keine Sorgen. Wieso bist du überhaupt so nervös? So kenn ich dich gar nicht. Mama meinte schon, du hättest bei ihnen angerufen? ... (Während Gretchen ihren Freund zu beruhigen versucht, der in einer seltsam besorgten Stimmung ist, und gespannt seinem Gestammel lauscht, lugt Sabine immer wieder verstohlen auf Gretchens Bauch, wo die Aktenblätter unter der Jacke hervorkucken. Sie ist angespannt und nervös und würde am liebsten nach ihnen greifen. Sie verkneift es sich aber und lauscht weiter gespannt dem Telefonat und den Häppchen, die sie davon mitbekommt.) ... Oh! Okay? Was habt ihr gestern Abend eigentlich noch gemacht? Ihr wart so schnell weg. Geht es Günni gut? Ihr habt doch hoffentlich keine Dummheiten mit ihm angestellt? Keine verwüsteten Zimmer, Tattoos an verbotenen Stellen und wilde Löwen wie in dem einen Junggesellenfilm, den wir neulich gesehen haben? ... (Gretchen lacht ins Handy, bemerkt aber im Augenwinkel Sabines schockierten Blick und lächelt beruhigend; sie folgt ihr nach draußen, als die Aufzugtüren sich im Erdgeschoss öffnen.) ... Dann bin ich ja beruhigt. Aber trotzdem klingst du komisch. Ist wirklich alles in Ordnung, mein Schatz? ... Wo bist du eigentlich? Bist du unterwegs? Du sprichst aber durch die Freisprecheinrichtung oder? Du weißt, dass ich es nicht ausstehen kann, wenn du mit dem Handy am Ohr Auto fährst. ... Jaaahaaa! ... Nein, du musst uns nicht abholen. Wir nehmen ein Taxi. ... Im Krankenhaus. ... Äh... nur so. Wir... wir hatten hier noch was vergessen. ... (Die beiden Blondinen sehen sich verschämt an und schreiten nebeneinander her durch das Foyer. Vor der Krankenhaustür schauen sie sich hektisch um und winken ein wartendes Taxi herbei.) ... Und du? Was hast du noch vor? Treffen wir uns zuhause? ... Ach so? Was ist denn passiert? ... Okay, ja später. Es ist eh... Was? Du Schatz, wir steigen gerade ins Taxi. Wir sind spät dran. Die Friseurin wartet bestimmt nicht ewig bei uns vor der Tür. ... Ich hab dich auch lieb. ... Und ja, es ist wirklich alles okay. Du musst dir keine Sorgen machen. ... Wir sehen uns dann dort. Kuss!

Gretchen deutete einen Kuss an und legte schließlich verträumt lächelnd auf. Sie wurde rot, als sie bemerkte, wie der Taxifahrer grinsend zu ihr nach hinten blickte und stieg nach Sabine in den Wagen. Dabei rutschten ihr die Papiere aus der Jacke. Sabine fing sie rechtzeitig auf, während Gretchen sich umständlich anschnallte. Mit großen Augen blickte die schöne Ärztin nun auf die beiden Mappen. Ihre Freundin tat es ihr gleich. Das Taxi war inzwischen losgefahren.

Sabine (beißt sich nervös auf die Lippen): Was machen wir jetzt?
Gretchen (mit klopfendem Herzen starrt sie die Mappen an): Wir schauen nach.
Sabine (reißt die Augen weit auf u. hyperventiliert gleich): Jetzt? Hier?
Gretchen (lugt kurz zum Fahrer, der sich zum Glück aufs Fahren konzentriert, u. schaut entschlossen zu Sabine): Ja! Wir können uns doch eh nicht gedulden bis zuhause.
Ich will es jetzt endlich wissen.
Sabine (wischt sich ihre schweißnassen Hände an der Hose ab): Ich bin ganz aufgeregt.
Gretchen (klappt mit zittrigen Händen die erste Akte auf): Ich auch. Hier. Das sind deine Ergebnisse, Susi Vogel.
Sabine (irritiert): Susi Vogel?
Gretchen (klärt sie schmunzelnd auf): Wenn ich unserer richtigen Namen verwendet hätte, dann hätten es die Spatzen doch schon längst vom Dach des EKH gezwitschert und meine Mutter hätte nicht so ruhig reagiert.
Sabine (kann sich ein Grinsen nicht verkneifen): Stimmt!
Gretchen (reicht ihr ihre Mappe u. nimmt ihre eigene zur Hand): Das ist meine. Uschi Meyer. Ich weiß, nicht sehr einfallsreich. Aber was sollte ich machen? Lass es uns gleichzeitig öffnen, ok?

Sabine nickte ihr stumm zu. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, ihr war schlecht und ein dicker Kloß blockierte ihr Sprachzentrum. Gretchen ging es nicht viel anders. Schließlich hielt sie hier gerade ihre Zukunft in den Händen. Plötzlich hatte sie doch Schiss. Das Blut rauschte nur so in ihren Ohren. Vielleicht hätte sie es doch zusammen mit Marc machen sollen? Er hatte so komisch am Telefon geklungen. Irgendwie niedergeschlagen und traurig. Es tat ihr in der Seele weh, ihn so zu erleben. Eine kleine Träne rutschte ihre Wange hinab. Die Sache mit seiner Mutter und dem seltsamen Telefonat gestern Abend hing ihm noch immer nach. Marc brauchte sie jetzt. Und vielleicht war das hier, was sie gerade in ihren schweißnassen Händen hielt, genau das, was sie beide jetzt brauchten. Ein Hoffnungsschimmer, der ihnen neue Kraft gab. Es hing nur vom Ergebnis ab. Gretchen blickte aufgeregt zu Sabine, die ebenso nervös sie aufmunternd anlächelte, und wusste plötzlich, was sie zu tun hatte. Sie nickte ihr lächelnd zu. Mit zittrigen Fingern öffneten die beiden Freundinnen die Umschläge und studierten fachmännisch die losen Blätter darin, während der Taxifahrer immer wieder verstohlen einen Blick in den Rückspiegel riskierte. Das Verhalten der beiden attraktiven Ladys auf der Rückbank kam ihm schon sehr suspekt vor. Die hektische Flucht aus dem Krankenhaus. Das verschlüsselte Telefonat. Ihre unverhohlene Nervosität. Die geheimen Papiere in ihren Händen. Dann die Codenamen, von denen sie flüsternd gesprochen hatten, die ihn noch misstrauischer stimmten und an die Zeit, in der Berlin noch geteilt war, erinnerten und an die Schikanen, denen seine Eltern damals ausgesetzt waren, nur weil sie zum kranken Großvater in den Westen ausreisen wollten. Hier war doch etwas oberfaul, dachte er mit zunehmend mulmigem Gefühl im Magen, das konnte er förmlich riechen. Vor allem weil die beiden geheimnisvollen Spioninnen plötzlich gleichzeitig in Tränen ausbrachen und sich stumm umarmten. Er hatte nicht nur Angst um seine kostbaren Lederrücksitze und drückte schnell auf die Tube, um seine mysteriösen Passagierinnen schleunigst an ihren Zielort zu bringen. Er wollte schließlich nicht in irgendetwas mit hineingezogen werden. Berlin war schon ein gefährliches Pflaster. Das wusste er nicht nur aus den Krimis im Ersten, sondern vor allem aus jahrelanger Erfahrung als Berliner Taxifahrer.

Lorelei Offline

Mitglied


Beiträge: 7.269

09.11.2012 14:03
#1353 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Verwundert starrten Sabine und Gretchen dem flüchtenden Taxi hinterher, das mit quietschenden Reifen in die Richtung davon fuhr, aus der sie vor wenigen Sekunden gekommen waren. Der schweigsame Fahrer hatte noch nicht einmal ein Trinkgeld haben wollen und hatte regelrecht gedrängelt, dass sie endlich ausstiegen und er weiter seines Weges konnte. Komisch! Doch lange dachten die beiden Freundinnen nicht darüber nach, was dem seltsamen Kauz wohl über die Leber gelaufen war. Ihre Gedanken waren eh ganz woanders. In anderen Sphären sozusagen. Auf einer rosaroten Wattewolke und vorm Gitterfenster zum Bällchenparadies bei Ikea. Seufzend sahen sie sich an und blinzelten zaghaft gegen die Sonnenstrahlen an, die ihre Gesichter blendeten. Blicke, die Bände sprachen und alles bedeuteten. Gretchen senkte überfordert ihren Kopf, presste ihre Lippen zusammen und kramte in ihrer Handtasche nach einer Packung Tempos. Dann trat sie versöhnlich lächelnd näher an ihre völlig aufgelöste Freundin heran, deren Tränenspur in ihrem blassen Gesicht im Schein der strahlenden Wintersonne glitzerte wie die kleinen sonnenbestrahlten Eisschollen, die auf der Spree schwammen, nahm sie tröstend in den Arm und tupfte ihr liebevoll jede einzelne Träne von der Wange, die in den letzten Minuten unaufhörlich die Schleusen verlassen hatten. Sabine lächelte dankbar, schluckte die wieder aufkommenden Tränen tapfer hinunter und strich Gretchen unbeholfen über den Rücken. Die unterschiedlichsten Gefühle tobten gerade in ihrem Körper und brachten alles völlig durcheinander. Sie hatte einen dicken Kloß im Hals und wusste nicht, wie sie angemessen reagieren sollte. Freud und Leid lagen eben nah beisammen, das hatte sie gestern noch in Gretchens uns Marcs Horoskopen gelesen. Dass es aber gerade so kommen würde, daran hätte die passionierte Hobbyastrologin nicht im Traum gedacht.

Doch Sabines freundschaftliche Sorge war unbegründet. Gretchen Haase war die Tapferkeit in Person. Sabine hatte schon immer ihre Stärke bewundert. Sie wüsste nicht, wie sie an ihrer Stelle reagiert hätte. Doch Gretchen freute sich wirklich aufrichtig für ihre Freundin und drückte sie noch einmal fest gegen ihre Brust und wog sie sanft hin und her, auch wenn die Enttäuschung doch schon groß war, dieses Wunder der Natur nicht mit ihr teilen zu dürfen. That’s life, sagte sie sich schließlich aufmunternd. Das Leben schlug eben gerade bei ihr immer andere Pfade ein, als man eigentlich gehofft und erträumt hatte. Das war schon seit ihrer Kindheit so gewesen. Als sie Marc Meier zum ersten Mal getroffen hatte, damals auf dem Spielplatz in der Ferdinandstraße, hatte sie sofort gewusst, dass er der Eine war, der Junge, mit dem sie zusammen sein wollte, den sie irgendwann heiraten und mit dem sie viele, viele Kinder haben würde, mit dem sie alt werden wollte. Sie hatte sogar schon den perfekten Zeitplan für ein glückliches Leben zu zweit in ihr rosarotes Tagebuch aufgeschrieben, da hatte sie ihn noch nicht einmal richtig gekannt.

Aber Gretchen Haase und Marc Meier waren leider nie das Traumpaar der Schule geworden so wie in ihrer blumigen Fantasie. Marc hatte nie ihre Schultasche getragen oder ihr bei den komplizierten Mathehausaufgaben geholfen. Er hatte sie nie getröstet, wenn sie im Sportunterricht mal wieder komplett versagt hatte. Stattdessen hatte er nur gelacht und sich mit seinen fiesen Freunden über sie lustig gemacht. Sie hatte nie von ihm in der Schulstunde einen Zettel bekommen, auf dem sie eine von drei Antwortmöglichkeiten ankreuzen sollte. Stattdessen durfte sie Papierkügelchen aus ihrem widerspenstigen Haar pulen, mit denen er sie beschossen hatte, was alles andere als eine romantische Geste war, von der sie immer geträumt hatte. Er hatte nie spontan vor ihrer Haustür gestanden, um sie ins Kino einzuladen, wo sie gehofft hatte, den ersten Kuss von ihm zu bekommen, so wie es immer in den Highschool-Filmen ablief, die sie in ihrer Jugend immer so gerne geschaut hatte. Dass sie diesen einen sanften ersten Kuss von Marcs butterweichen Lippen doch noch bekommen hatte, damals im Garten ihrer Eltern unter dem alten Pflaumenbaum, schien die ganze Schulzeit über nur ein atemberaubend schöner Traum gewesen zu sein. Als hätte die Realität einmal kurz am goldenen Tor zum Märchenreich geklopft, in das sie sich in einsamen Stunden immer hineingeträumt hatte. Dieser Kuss war das eine Fünkchen Hoffnung, an dem sie sich immer festgehalten hatte, dass Marc doch noch irgendwann zu seinen Gefühlen und zu ihr stehen würde. Aber er hatte es nie getan. All die Jahre nicht. Stattdessen hatte er keine Gelegenheit ausgelassen, um sie zu ärgern und zu piesacken. Sie hatte es mal stumm, mal vorlaut ertragen, weil sie immer noch glaubte, etwas hinter seiner frechen coolen Fassade und seinen süßen verschmitzten Grübchen und den geheimnisvollen smaragdgrünen Augen zu erkennen. Nämlich dass sie sich auf dem Spielplatz und im Garten nicht getäuscht hatte und dass ihr Tagebuch doch Recht hatte, dass da etwas Besonders zwischen ihnen war und man dem Blindfisch einfach nur den richtigen Weg weisen musste, egal wie peinlich und tollpatschig man sich dabei anstellte. Aber Marc Meier war stur geblieben. Konsequent hatte er lieber andere Mädchen vor ihren Augen auf dem Schulhof geküsst. Er hatte sie auch nicht zum Abschlussball eingeladen, nach dem die Hollywood-Teenyfilm-Liebhaberin am liebsten geplant hätte, mit ihm ihr erstes Mal zu erleben, das einfach nur wunderschön hätte werden sollen. In diesen Genuss war schließlich ein anderer geraten, weil irgendwann nach sieben Jahren gemeinsamer Schulzeit, die er ihr mehr als nur einmal zur Hölle gemacht hatte, auch das letzte Fünkchen Hoffnung verglimmt war, dass aus ihnen beiden doch noch etwas werden würde.

Was ihr von Marc Meier schließlich geblieben war, war eine Illusion, ein einziger wunderschöner Tanz, während dem doch noch etwas aufgeblitzt war, was sie all die Jahre immer gespürt hatte, aber der leider nicht alle Ewigkeit gedauert hatte. Träume waren eben doch Schäume. Diese bittere Erfahrung hatte Gretchen Haase beim Erwachsenwerden machen müssen. Ihre beiden Leben hatten sich in ganz andere Richtungen entwickelt. Erst nach zwanzig Jahren sollten die Schäume vom Spielplatz sich endlich lösen und der Blindfisch doch endlich sehen lernen. Sie hatten sich wieder getroffen und über noch mehr verwobene Pfade endlich zueinander gefunden. Diesmal aber mit der Garantie, „und sie lebten glücklich und zufrieden bis in alle Ewigkeit“, wie sie es einst an einem Sommertag im Jahr 1989 in ihr Tagebuch geschrieben hatte. Mag es da zu verwundern, dass man den nächsten Schritt ins ewig währende Glück etwas beschleunigen wollte? Das Schicksal musste doch auch mal auf ihrer Seite sein nach dem ewigen Hin und Her? Das war doch nur gerecht. Aber was war schon gerecht auf dieser Welt?

Dabei hatte es sich schon so real angefüllt. Wenn man, in dem Falle Frau, es denn vorher tatsächlich spüren konnte? Also quasi direkt nach der Empfängnis sozusagen. Richtig eindeutige Symptome hatte sie schließlich noch nicht an sich bemerkt. Außer dass sie Marcs blöden Machosprüchen immer sehr gereizt und bockig gegenübertrat, aber das tat sie schließlich immer. Aber man musste diesen Blödmann ja auch immer in seine Schranken weisen, sonst würde er einen gar nicht mehr ernst nehmen. Reine Erziehungsmaßnahme also. Und dass sie keine Modelmaße besaß, das war auch kein Geheimnis. Nur dass Marc diese kleinen Pfündchen zu viel auf den Hüften entgegen seiner eigenen Aussagen sehr zu schätzen wusste, das schon. Auch einen gesunden Appetit hatte sie seit jeher, speziell was Schokoladenprodukte anbelangte. Da könnte jeder ihre Mutter fragen. Alles hätte jedenfalls so gut zusammengepasst. Sie waren endlich angekommen. Sie war glücklich mit Marc und er mit ihr. Er liebte sie, stand in allen Lebenslagen zu ihr und dachte zum ersten Mal in seinem Leben überhaupt über dieses heikle Thema nach, vor dem sie immer Angst gehabt hatte, es anzusprechen, weil sie gedacht hatte, sie würde ihn damit überfordern. Aber er wollte es auch. Das allein war doch schon ein großes wunderschönes Wunder.

Sie hatte sich das alles schon so schön ausgemalt, wie es mit einem kleinen Gummibärchen in ihrem Bauch so wäre, wie Marc damit umgehen würde und welche aufregenden Pfade ihr gemeinsames Leben einschlagen würde, wenn es schließlich auf der Welt wäre. Aber es sollte eben noch nicht sein. Blödes Schicksal, auf das mal wieder überhaupt kein Verlass war. Aber warum aufregen und schmollen, sie hatten doch schließlich auch noch alle Zeit der Welt. Sie waren jung und beruflich auf einem guten Weg. Die Zeit zu zweit, die ihnen so lange verwehrt geblieben war, war doch auch schön. Außerdem gab es noch so viele andere Herausforderungen anzupacken, allen voran Marcs Mutter zu finden und sie mit ihrem Mann auszusöhnen und Sabine einen unvergesslichen Tag zu bereiten, der schon so unvergesslich begonnen hatte. Die traurige Ärztin schluckte die wieder aufkommenden Tränen schnell herunter und sammelte sich kurz, während die Sonnenstrahlen ihre Nase kribbelten. Sie zog die Nase kraus, schulterte schließlich ihre Handtasche und drückte die Patientenmappen an ihren Körper. Dann nahm sie Sabine an ihre freie Hand und zog die überrumpelte Frau mit sich ins Gebäude. An der Haustür begegneten sie einem Nachbarn, Herrn Lowinsky, der gerade mit seinem Mops „Shakira“ Gassi gehen wollte. Er nickte der schönen Dreißigjährigen und ihrer Freundin nur stumm zu und ging Richtung Brücke über die Spree. Die beiden Frauen huschten derweil ins Haus und stiegen in den Aufzug, dessen Türen zum Glück noch offen gestanden hatten.

Schweigend standen Sabine und Gretchen nun nebeneinander in dem Stahlgefährt, das langsam Stockwerk um Stockwerk erklomm, und schauten konzentriert auf die Digitalanzeige. Beklommen blickte die blonde Krankenschwester zur Seite und zog ihre gelbe Mütze vom Kopf, die sie nun in ihren schweißigen Händen knetete. Sie wusste genau, dass die Frau Doktor traurig war, auch wenn sie es nicht offen zeigte, um ihr die Freude nicht zu nehmen. Aber sie beobachtete ganz genau, dass das zauberhafte Lächeln, das sie ihr schenkte, nicht ihre Augen erreichte und dass sie mit ihren Gedanken ganz weit weg zu sein schien. Wenn es möglich wäre, würde Sabine am liebsten mit Gretchen tauschen, damit sie dieses unglaubliche Wunder erleben durfte, für das sie selbst sich eigentlich noch nicht bereit fühlte, aber leider ging das nun mal nicht. Schließlich hatten sie die Bluttests ganz genau studiert. Dort hatte es schwarz auf weiß gestanden. So viel gab selbst ihr bescheidener Sachverstand als Krankenschwester in der Chirurgie her. Ihre deutlich erhöhten Beta-HCG-Werte im Blut wiesen eindeutig darauf hin, dass sie tatsächlich schwanger war. Und noch etwas hatten die Freundinnen festgestellt, nämlich dass sie beide dieselbe Blutgruppe teilten. Aber das war jetzt nebensächlich.

Das Schicksal hatte entschieden, gleich beim ersten Mal, und das hatte doch auch eine gewichtige Bedeutung. Sabine glaubte nun mal an das allmächtige Universum, das die Geschicke der Welt und ihrer Menschen lenkte. Schließlich hatte das Universum ihr auch ganz unverhofft ihren Günni geschickt. Das erste Wunder ihres bislang so unaufregenden einunddreißigjährigen Lebens. Wie der wohl auf die Neuigkeit reagieren würde? Würde er vorm Traualtar aus den Hochzeitsschuhen kippen? Sollte sie es daher bis nach der Kirche für sich behalten? Aber sie konnte doch nicht mit einer Lüge dieser Größenordnung in die Ehe gehen? Sie glaubte nun mal an Gott und das heilige Sakrament der Ehe? Ob sie jetzt mit Ärger von oben zu rechnen hätte? Was würden ihre Eltern ihr nur raten? Warum konnten die beiden jetzt nicht bei ihr sein an diesem wichtigen schicksalhaften Tag? Sie hatte so viele Fragen. Nun drifteten auch Sabines Gedanken langsam davon, bis Gretchen, die sich mittlerweile wieder gefasst hatte, sie leise ins Hier und Jetzt zurückholte...

Gretchen: Sabine, du musst dir keine Sorgen machen. Mir geht es gut. Im ersten Moment war ich enttäuscht, ja, das stimmt. Ich hab ja auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich gerne ein Kind von Marc hätte. Aber es ist, wie es ist. Es ist wirklich ok. Das wäre doch auch ein riesiger Zufall gewesen, wenn ich auch... Ich meine, wir haben uns gerade erst dafür entschieden. Wir haben den Gedanken noch gar nicht richtig setzen lassen können. Dass ich das ein oder andere Mal aus Unachtsamkeit die Pille vergessen habe, das war ja so auch gar nicht ähm... geplant. Ich bin nur manchmal echt ein Schussel, gerade wenn ich im Stress bin. Aber egal. Sprechen wir nicht mehr von mir. Alles ist gut. Heute ist dein Tag, Bine. Und ich freue mich wirklich riesig für dich... für euch. Genieß es! Und mach dir keinen Kopf! Lass uns lieber auf die Hochzeit einstimmen, hmm?

...versuchte die Trauzeugin mit einfühlsamer Stimme die schweigsame Braut zu beruhigen. Diese schaute sie nun mit großen Augen an und malträtierte aus Überforderung und durcheinander geratenen Gefühlen weiterhin ihre gelbe Wollmütze in ihren Händen, die farblich perfekt mit ihrem Mantel harmonierte. Schüchtern erhob sie ihre Stimme und verriet Gretchen, was sie im Innersten beschäftigte...

Sabine: Aber... Günni?
Gretchen (lächelt aufmunternd u. streichelt mit dem Handrücken ihre Wange): Wir machen dich jetzt hübsch für deinen Bräutigam. Alles andere wird sich schon ergeben. Er wird sich freuen. Ganz bestimmt. So ein zauberhaftes Hochzeitsgeschenk bekommt nämlich nicht jeder. Und ein schöneres Omen vom Universum da oben gibt es schließlich auch nicht.
Sabine (sichtlich gerührt u. dankbar): Danke! Für alles. Dass du meine Freundin bist. Ich hab dich wirklich sehr lieb

...schluchzte Sabine aufgewühlt und fiel ihrer Freundin spontan um den Hals, die gar nicht wusste, wie ihr in diesem Moment geschah. Gretchen drückte die Heulboje ebenfalls unter Tränen fest an sich und erwiderte Sabines liebevolle Geste...

Gretchen: Ich dich doch auch.

In diesem Augenblick öffneten sich auch die Türen des Fahrstuhls, der das Obergeschoss erreicht hatte. Die beiden Frauen hatten sich gerade wieder gesammelt und die letzte Freudenträne, welche die Wange hinuntergekullert war, mit dem Ärmel weggewischt, als plötzlich eine aufgebrachte Stimme sie aus ihren Gedanken riss...

Lorelei Offline

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11.11.2012 19:36
#1354 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Gabi: Sag mal, habt ihr den Arsch offen? Ich frier mir hier seit Stunden den Hintern ab und ihr kreuzt erst jetzt auf. Wo zum Teufel wart ihr?

Gretchen und Sabine traten sichtlich überrascht aus dem Aufzug und lugten Köpfchen an Köpfchen vorsichtig um die Ecke, um herauszufinden, ob die fiese finstere Stimme, die sie erschaudern und zusammenzucken lassen hatte, zu der Person gehörte, die sie dahinter vermuteten. Und tatsächlich! Auf dem breiten Fensterbrett neben der Tür zu Gretchens und Marcs Appartement saß eine sichtlich aufgebrachte brünette Frau in einer schwarzen gefütterten Lederjacke über ihrem kurzen knallig gelben Strickkleid, die ihre langen schlanken in dunkelblaue Jeansleggins und kniehohe schwarze Stiefel gehüllten Beine herunterbaumeln ließ, einen kuscheligen ockerfarbenen Wollschal dick um ihren Hals gewickelt hatte und einen Schokoriegel in ihrer rechten Hand hielt. Als sie die neugierigen Blicke der beiden Frauen auf sich gerichtet bemerkte, schob sie sich ertappt den Duplo hastig in den Mund und sprang danach etwas zu schwungvoll von ihrer unbequemen Sitzgelegenheit herunter. Sie schnappte sich schwankend den weißen Kleiderbeutel, der über dem Treppengeländer gehangen hatte, und legte sich diesen über ihren rechten Arm und zog anschließend ihre Handtasche vom Fensterbrett vor dem großen Bullaugenfenster, das auf die Dachterrasse zeigte, und riss mit der hektischen unüberlegten Bewegung beinahe das violette Usambaraveilchen vom Sims, das dort unschuldig in voller Blüte gestanden hatte. Die stinksauere Krankenschwester achtete nicht weiter darauf und stapfte mit böse auffunkelnden Augen und mächtiger Rauchwolke über ihrem Kopf auf ihre beiden Kolleginnen zu, die sie verdutzt musterten und reflexartig gleich wieder einen Schritt rückwärts Richtung Aufzug traten, der ihnen jedoch in diesem Moment den rettenden Fluchtweg verwehrte und seine Türen schloss, und baute sich bedrohlich vor ihnen auf. Gretchen und Sabine waren zu überrumpelt, um angemessen zu reagieren. Schließlich konnten sie vor der wilden Furie Kragenow ja nicht zugeben, dass sie in dem ganzen Gefühlschaos, das sie gerade wie eine Lawine überrollt hatte, Mehdis Freundin schlichtweg vergessen hatten, die sich gestern bei der „Wir päppeln Sabine wieder auf“-Aktion im Haasschen Badezimmer einfach so zum Hochzeitsstyling heute Morgen eingeladen hatte und nun berechtigterweise ihr Recht einforderte.

Gretchen (presst kleinlaut die Lippen zusammen u. schaut eingeschüchtert zu ihr hoch): Gabi!?
Sabine (verlegen weicht sie Gabis bedrohlichem Blick aus u. hält sich schutzsuchend an Gretchens Hand fest, die sie fast zerdrückt): Es tut uns so leid, Gabi. Wir haben... verschlafen.
Gabi (ihre dunkle Miene verändert sich schlagartig u. wird weicher; sie blickt die beiden nun ziemlich verdutzt an): Hä? Ihr habt verpennt? Am Hochzeitstag? Ich hätte die Augen keine Minute zugekriegt, wenn ich an deiner... ääähhh... Habt ihr gar nicht hier geschlafen? Wo wart ihr denn?
Gretchen (weicht Gabis neugierigen Blicken geschickt aus u. kramt hektisch in ihrer Handtasche nach dem Türschlüssel, dann tritt sie an ihr vorbei vor die Wohnungstür): Nein, wir... wir mussten gestern noch etwas erledigen und das... na ja... ääähhh... ach egal. Jetzt sind wir ja da. Guten Morgen, Gabi!
Ich weiß nicht, ob es Sabine recht wäre, wenn ich Gabi einweihe. Die Nachricht ist noch so frisch. (GH)
Sabine (tauscht mit Gretchen vielsagende Blicke aus u. blickt dann mit Unschuldsmiene zu Gabi): Ja. Hallo Gabi!
Gabi (blickt skeptisch zwischen den beiden hin und her): Hallo!

Die verheimlichen mir doch etwas! (GK)

...schlussfolgerte Schwester Gabi und zog misstrauisch eine Augenbraue nach oben, während sie Sabine mit ihren durchdringenden Blicken fixierte, die diesen jedoch ertappt auswich. Also doch, hier lief doch etwas hinter ihrem Rücken ab, dachte die brünette Krankenschwester eifersüchtig, nicht darüber eingeweiht worden zu sein. Inzwischen hatte Gretchen endlich den Schlüssel in ihrer Tasche gefunden, wedelte damit erleichtert grinsend vor den Gesichtern der beiden Mädels herum und steckte diesen schnell ins Türschloss, als ihr plötzlich noch etwas einfiel. Sie drehte sich abrupt herum und sah sich suchend auf dem schmalen Gang und vor dem Zugang zum Treppenhaus um, dann wandte sie sich fragend der skeptischen Gabi zu, die die beiden geheimniskrämerischen Blondinen keine Sekunde aus den Augen gelassen hatte...

Gretchen: Du, sag mal, Gabi, wie lange wartest du eigentlich schon hier? Hat sich Frau Stier nicht gemeldet?
Gabi (kleine Fragezeichen steigen über ihrem Kopf auf, als sie Gretchen irritiert anblickt): Frau Stier?
Gretchen (zunehmend beunruhigt schaut sie noch einmal Richtung Treppenabgang): Ja, die Haarstylistin, sie war für um neun bestellt. Ist sie nicht aufgetaucht?
Oh, oh, mein Puls rast schon wieder. Bitte, bitte, lass jetzt nichts mehr schief gehen! Für Sabine bitte! (GH)
Gabi (kratzt sich verwundert an der Stirn): Ah! Meinst du, diese quirlige Rothaarige mit der tollen Pippi-Langstrumpf-Frisur, die hier auch mit Verspätung vor einer Viertelstunde aufgekreuzt ist, samt schreiendem Kleinkind und zwei Hunden im Schlepptau und einem riesigen Metallkoffer, den sie mühsam hinter sich her gezogen hat?
Kind? Hunde? Pippi Langstrumpf? Hä? (GH/ SV)
Gretchen (denkt angestrengt nach, denn sie kennt sie auch nur vom Hörensagen, u. schaut Gabi schließlich gespannt hoffend an): Äh... ja, das müsste sie sein. Kate hat sie uns empfohlen. Wo ist sie denn?
Oh, oh! Irgendetwas läuft hier gerade echt schief, hab ich das Gefühl? (GK)
Gabi (fängt an, amüsiert zu grinsen): Das Mädel war völlig durch den Wind und wenn du mich fragst, sichtlich überfordert. Ich meine, kreuzt hier einfach mit Kind und Kegel zu einem Job auf. Als ich sagte, dass ich nicht weiß, wo ihr steckt und wann ihr die Güte haben würdet, hier aufzukreuzen, hat sie kurz verzweifelt auf ihr Handy geschaut, genölt, fast geweint, dann geflucht und hat auf der Stelle kehrt gemacht, weil die kleine Heulsuse auf ihrem Arm keine Ruhe geben wollte und das ganze Haus zusammen geschrieen hat.
Sabine (leichte Verzweifelung kommt auf, als sie vorsichtig nachhakt): Was? Aber... aber sie kommt doch wieder?
Bitte, bitte, bitte! Was hab ich denn getan, dass heute gar nichts klappt? Das muss einfach klappen! Sabine hat sich ihre Traumhochzeit verdient und sie soll für ihren Günni umwerfend aussehen. (GH)
Gretchen (hofft noch, obwohl sich schon längst ein schlimmer Verdacht in ihrem Kopf breit macht): Natürlich kommt sie wieder. Oder?
Scheiße! Ich glaube, wir haben wirklich ein Problem. (GK)
Gabi (raubt Gretchen seufzend die letzte Hoffnung u. kann Sabines traurigen Lämmchenblicken nicht länger standhalten): Ich... glaube... nicht. Sie hat sich tausendmal entschuldigt und gemeint, ihr Bruder hätte ihr die Kleine aufgedrückt, obwohl etwas anderes ausgemacht gewesen wäre, und dass sie auch noch halb elf bei einem anderen Termin außerhalb der Stadt sein müsste. Hundemesse, was weiß ich. Seid ihr sicher, dass sie wirklich Friseurin ist? Ich meine für Menschen.
Katastrophenalarm hoch neun! Hilfe! Was mach ich denn jetzt? Die arme Sabine! Bleib ruhig, Gretchen, denk nach! Denk nach! Es gibt immer für alles eine Lösung. (GH)
Gretchen (blitzt Gabi gereizt an): Natürlich! Ich hab doch gesagt, dass Kate sie empfohlen hat. Sie hat schon das Styling für ihre Hochzeit gemacht und Kate war sehr zufrieden. Ich hab Fotos gesehen. Sie sah umwerfend aus.
Sabine (kurz vorm finalen Nervenzusammenbruch läuft sie hysterisch von einer zur anderen Ecke des schmalen Gangs, bleibt stehen u. lässt resignierend die Arme fallen, während ihre Unterlippe verdächtig bebt): Aber... aber... was wird denn jetzt? Meine... meine Hochzeit? Wir müssen doch... *schnief * ... Oh nein! Alles, aber wirklich alles geht schief. ... *schluchz* ... Ich hab den Polterabend gesprengt, hab die Nacht im Krankenhaus verbracht und konnte nicht noch einmal mit meinem Purzel reden. Der will mich bestimmt gar nicht mehr, wenn er das alles erfährt. Und meine Haare sehen auch aus wie vom Strubbelpeter. ... *schnief* ... Und schwanger bin ich auch noch.

Lorelei Offline

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13.11.2012 14:52
#1355 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Und schon kullerten unaufhörlich die ersten Tränen bei der Braut, die sich verzweifelt die Hände vors Gesicht schlug. Gretchen konnte das nicht mehr länger mit ansehen. Entschlossen packte sie Sabine an der Hüfte und schob das heulende Elend durch die offene Tür in die Wohnung und platzierte sie auf einem Hocker in der Küche. Mit sanfter Stimme redete sie Sabine gut zu und holte ihr ein Glas Wasser zur Beruhigung. Gabi lief den beiden mit offenem Mund hinterher, legte ihr Kleid und die Handtasche auf dem Sessel im Wohnzimmer ab und folgte den beiden mit flinken Tippelschritten in die offene Küche, wo Sabine hastig ihr Wasser hinunterschluckte und von Gretchen liebevoll getröstet wurde. Hatte sie das gerade richtig verstanden, fragte sich die Krankenschwester mit bleischwerem Herzen...

Gabi: Also bist du doch schwanger? Der Test war positiv?

Oh mein Gott, oh mein Gott!

Gabi wusste nicht, wieso sie es tat, aber sie trat näher an Sabine heran, noch bevor diese schluchzend auf ihre Frage reagiert hatte, umarmte sie von hinten und drückte sie herzlich Wange an Wange an sich, während sich auch ihre Augen langsam mit dicken Tränen füllten. Ihre überrumpelte Freundin wusste gar nicht, wie ihr geschah. Ihr Tränenfluss war auf der Stelle versiegt und sie blickte mit weit aufgerissenen Augen irritiert zu Gretchen, die ebenso erstaunt von Gabis spontanem Gefühlsausbruch auf die junge Frau mit den Krokodilstränen schaute, die Sabine gar nicht mehr loslassen wollte und sie nun von einem zum anderen Ohr grinsend hin und her wog, so dass sie beinahe von ihrem Stuhl geplumpst wäre, an dem sie sich mit beiden Händen krampfhaft festklammerte.

Gabi: Oh ich freu mich so für dich, Sabine. Das ist toll. Ein unbeschreibliches Gefühl.

...seufzte die brünette Krankenschwester glücklich und drückte, überwältigt von ihren eigenen hormongetränkten Gefühlen, noch einmal fest ihre Wange gegen die von Sabine. Dann löste sich Gabi endlich von ihrer perplexen Freundin, wischte sich wenig damenhaft mit dem Handrücken erst über ihre feuchten Augen, dann über ihre laufende Nase und zog im Anschluss langsam ihre Jacke aus und entwickelte sich aus ihrem dicken engmaschigen Schal, weil ihr plötzlich sehr warm geworden war. Als sie sich wieder zu ihren beiden Kolleginnen umdrehte, bemerkte sie die verdutzten Gesichter von Schwester Sabine und Dr. Haase auf sich gerichtet und wurde augenblicklich rot. Sie lächelte verschämt, drehte sich schnell mit zusammengekniffenen Augen wieder um und kramte gespielt beschäftigt in ihrer Handtasche nach einem Taschentuch, wobei beinahe das Überraschungsgeschenk für Mehdi herausgepurzelt wäre. Sie hielt die Tasche schließlich fest an ihre Brust gedrückt und ließ sich in den gemütlichen Sessel sinken, vor dem sie gerade gestanden hatte, als sie die Mädels, welche sie immer noch mit fragenden Blicken durchbohrten, schließlich wieder anschaute und in gewohnter Manier anschnauzte, um von ihrem emotionalen Ausbruch abzulenken...

Gabi: Ja, was? Darf man sich nicht mitfreuen?
Gretchen (zuckt ertappt zusammen u. errötet nun auch etwas): Äh... ja!? Natürlich!
Aber man darf sich doch mal eine Sekunde wundern, wenn gerade du so dermaßen emotional wirst. Komisch war das schon.
Sabine (lächelt ihre Freundin treuherzig an): Danke Gabi. Das bedeutet mir wirklich sehr viel.
Gott, Gabi, reiß dich mal zusammen! Du benimmst dich oberpeinlich. Ich weiß doch auch nicht, wieso ich gerade so ausflippe.
Gabi (wiegelt hektisch ab u. erhebt sich wieder von ihrer Sitzgelegenheit, an deren breiten Lehne sie sich nun wenig lässig lehnt, weil der Sessel immer wieder davon rutscht, bis er am Couchtisch zum Halten kommt u. die darauf befindlichen Matchbox-Autos davon rollen lässt): Schön, dann... Ähm... Hui, ist das schon spät. Ich glaube, wir sollten uns ans Werk machen, damit das noch was wird mit der Hochzeit und so. Findet ihr nicht?
Ja, sie hat vollkommen Recht. Oh! Wer hätte gedacht, dass ich das je über sie sagen würde. Hihi! Im Grunde hat sie doch einen weichen Kern. Sonst hätte sich Mehdi ja auch nicht in sie verliebt. Gut, dann... Oh Gott, wo fangen wir bloß an? Mir schwirrt total der Kopf.
Gretchen (sieht Gabi hoffend an): Du hilfst uns?

Gott, was mache ich eigentlich hier? Die Alternativen wären ein heißer Halbperser, der total auf dich steht, ein reizloser katergeplagter Pathologe, den Mehdi hoffentlich für das Bienchen wieder aufgepäppelt bekommt, die süße Lillymaus und Mehdis Mutter, die mich immer so finster mustert. Ein Blick von ihr und sie weiß genau, was Sache ist. Ein Wunder, dass sie gestern im Badezimmer nichts gemerkt hat, als ich doofe Kuh peinlich vorm Spiegel posiert habe. Uah, lieber nicht mehr daran denken. Du kümmerst dich jetzt um die beiden verzweifelten Blondinen, die haben es schließlich wirklich nötig, dann um dich, damit Mehdi hin und weg aus den Latschen kippt, wenn er dich sieht. Na, kleines Murmeltier, was sagst du dazu? Die Mama kriegt das schon hin, oder?

...fragte die Krankenschwester mit einem verklärten Lächeln auf den Lippen ihren Bauch, über den sie verdächtig lange ihre beiden Hände hielt, bis sie merkte, was sie da eigentlich gerade tat, und hastig ihre Finger wegzog und mit sichtlich geröteten Wangen zu den beiden Frauen am Küchentresen blickte und diese schließlich eindringlich von Kopf bis Fuß einer Kragenowschen Musterung unterzog, um sich von den flatternden Schmetterlingen in ihrem Bauch abzulenken...

Gabi: Klar! Ich übernehme die Haare, du das Gesicht. Obwohl... vielleicht solltet ihr euch erst einmal etwas frisch machen. Ihr seht furchtbar übermüdet aus und ihr, entschuldigt, wenn ich das sage, aber ihr müffelt etwas. Habt ihr unter einer Brücke geschlafen?
Gretchen (legt ihren Kopf schief u. blinzelt Gabi zynisch an, dann wendet sie sich wieder der blassen Braut zu): Witzig! Komm, Sabine, du kannst schon mal ins Bad vorgehen und dich frisch machen, wenn du willst. Gabi und ich holen nur eben schnell alles für Frisur und Make-up, dann machen wir uns ans Werk. Wir kriegen das schon alleine hin. Versprochen! Dein Kleid hängt übrigens in dem Zimmer gegenüber vom Bad, falls du es suchst. Wir helfen dir dann nachher auch mit dem Anziehen.
Sabine (springt auf u. stolpert aufgeregt davon, da es jetzt endlich ernst wird): Okay!?
Gretchen: Handtücher findest du im Regal, Bine.

...rief Gretchen ihrer hibbeligen Freundin noch schnell hilfsbereit hinterher, als diese um die Ecke verschwand und kurz darauf die Badezimmertür ins Schloss fiel. Dann sprintete die aufgescheuchte Ärztin auch schon rasch die Holztreppe empor ins Schlafzimmer. Gabi wusste im ersten Moment gar nicht, was sie tun sollte und folgte dem blonden Wirbelwind schließlich gemächlichen Schrittes nach oben. Die Gelegenheit, das Heiligtum der Heiligtümer anzukucken, das ließ sich die Ex-Verlobte von Dr. Meier nämlich bestimmt nicht entgehen. Schließlich hatte sie gestern keine Gelegenheit dazu gehabt, in der Casa Meier etwas ausführlicher zu spionieren. Staunend blieb sie auf der obersten Treppenstufe stehen und schaute sich in dem in sanften Gelbtönen gestrichenen Schlafzimmer um, das durch die breite Fensterfront von den Sonnenstrahlen hell durchflutet wurde.

Wow! Ich muss schon sagen, Geschmack hat sie ja. Die Puffhöhle vom Meier war ja auch nicht gerade naja glamourös. Eher steril und kalt wie in den OPs bei uns im Krankenhaus. Der sture Arsch hat ja auch nicht zugelassen, dass man irgendwas verändert. Wie hat die das bloß geschafft?

Gabi: Nett!

...kommentierte Gabi kurz und bündig das Gesehene und trat dann doch in das Zimmer. Irgendwie fühlte es sich komisch an, hier zu sein. Am liebsten würde sie auf der Schwelle wieder kehrt machen. Gretchen schaute überrascht auf, nachdem sie in einer der oberen Schubladen der Kommode gekramt und diverse Utensilien hervorgeholt hatte, strich sich eine verirrte Strähne ihrer wilden Lockenmähne hinters Ohr und lächelte verlegen in Gabis Richtung. Vielleicht hätte sie vorher aufräumen sollen, bevor sie jemand hereinbat? Überall lagen schließlich Klamotten herum, weil sie sich gestern für kein Kostüm hatte entscheiden können, bis Marc entschieden durchgegriffen und sie in die „bezaubernde Jeannie“ verwandelt hatte. Und wo kam eigentlich die leere Sektflasche auf ihrem Nachtschränkchen her? Marc hatte sie doch vermisst letzte Nacht. Mist! Sie würde sich heute intensiv um ihren Schatz kümmern, nachdem sie sich zuerst um die Braut und die Absicherung der Hochzeit gekümmert hatte.

Gretchen: Was? Oh! Ähm... ja, danke. Nimmst du bitte das alles hier mit nach unten. Irgendwo muss ich auch noch eine Schachtel mit Schmetterlings- und Blümchenhaarspangen haben. Die würden doch super zu Sabines blonden Haaren passen. Oder meinst du, das wäre zu viel? Wegen dem Schleier? Ah... da ist sie ja.

Gretchen hüpfte fröhlich vor sich hin plappernd zurück zur Treppe und drückte der verdutzten Gabi ein rosafarbenes Glätteisen mit Hello-Kitty-Aufdruck, einen Lockenstab aus derselben Kollektion und eine riesige Tüte Lockenwickler in den unterschiedlichen Größen, Formen und Farben in die Hände, tapste über den flauschigen Teppich zurück zur Kommode und zog noch eine rosageblümte Schachtel aus dem Schieber. Dann warf sie sich noch schnell den weißen Kleidersack über den Unterarm, der an einer der Schranktüren gehangen hatte und in dem sich ihr wunderschönes Trauzeuginnenkleid befand, und lief eilig damit hinter Gabi die Treppe hinunter. Vor der Badezimmertür blieben die beiden Frauen schließlich stehen. Sie sahen sich an, grinsten verschwörerisch und Gretchen klopfte auf ein Zeichen von Gabi hin zaghaft an die Tür...

Gretchen: Bist du soweit, Sabine?
Sabine: Gleich.

...kam es hektisch durch die Tür zurückgeflüstert, dann hörte man etwas klirren und ein genuscheltes „Entschuldigung“. Die beiden Frauen schüttelten schmunzelnd den Kopf und beschlossen, den kleinen Moment zu warten, den die nervöse Braut noch für sich im Badezimmer brauchte. Gretchen und Gabi schauten sich an und pressten jeweils aus derselben Verunsicherung, welche die peinliche Stille mit sich brachte, die gerade am Entstehen war, die Lippen aufeinander. Sie wussten einfach nicht, worüber sie miteinander hätten reden sollen, und wandten ihre Blicke peinlich berührt jeweils in eine andere Richtung ab, bis Gretchen schließlich augenrollend die Initiative ergriff und die gegenüberliegende Tür aufschloss. Gabi hob ihren Blick und sah ihrer Vorgesetzten neugierig hinterher, wie diese in dem knallrosa gestrichenen Zimmer ihr Kleid und die roséfarbene Schachtel auf das Prinzessinnenbett legte, das darin stand, und in eine Ecke hinter die Tür huschte...

Gretchen: Willst du das Hochzeitskleid sehen?
Gabi (überrascht): Klar.

Gabi löste sich von der Wand, an der sie mit dem Rücken gelehnt hatte und schritt in das rosa Zimmer, das deutlich im Kontrast zu dem geschmackvollen Stil der restlichen Wohnungseinrichtung stand, und schaute sich mit neugierig gerümpfter Nase um. Gretchen nahm ihr die Frisurutensilien ab und legte diese auf ein kleines Nachtschränkchen, das seltsamerweise die Form eines Pferdekopfes hatte. Was war das denn? Gabi zog verwundert die Augenbrauen nach oben. Hatten Hanni und Nanni etwa schon ein Kinderzimmer in Petto? Oh Gott! War da etwa auch etwas in Gange? Bitte, bitte, nicht! Gabi ertappte sich dabei, wie sie Gretchens properen Körper Zentimeter für Zentimeter scannte. Eigentlich wie immer, obwohl der rosa Pulli schon etwas unvorteilhaft an ihr aussah, murmelte sie in sich hinein und verwarf den albernen Gedanken auch gleich schon wieder. Als ob der Meier sich ein Kind anhängen lassen würde. Der war doch selber noch ein unbelehrbares Kind. Das wusste sie aus eigener qualvoller Erfahrung.

Gabi hatte an der Wand über dem Kopfende des Bettes eine Zeichnung von Lilly entdeckt, die nun ihr Interesse geweckt hatte, - sie kannte Lillys Malstil durch die vielen Bilder, mit denen sie Lillys Kinderzimmer und den Kühlschrank in der Küche verschönert hatte, mittlerweile schon ganz gut -, und schlussfolgerte richtig, dass der kitschige Raum wohl nur als Gästezimmer diente. Wahrscheinlich für Gäste, die man schnell wieder loswerden wollte. Denn wer konnte schon bei diesem Albtraumschweinchenrosa gut schlafen? Gabi schüttelte es innerlich. Dann wurde sie jedoch abgelenkt. Gretchen wedelte wild mit ihren Armen vor ihrer Nase herum und Gabis Blick blieb plötzlich an einer Schaufensterpuppe hängen, die ein weißes Hochzeitskleid trug, auf das Gretchen die ganze Zeit schon mit ausgestrecktem Arm und breitem Grinselächeln zeigte, und Gabi klappte sprachlos den Mund auf.

Gretchen (erwartungsvoll): Gefällt’s dir?
Gabi (weiß nicht, was sie sagen soll und rümpft die Nase): Ja.
Wow! Ich muss zugeben, ich konnte mir Sabine vorher nicht wirklich in einem Brautkleid vorstellen, überhaupt in einem Kleid, aber das... das... wirklich, also, ja, das passt gut zu ihr. Die richtige Mischung zwischen schlicht und elegant.
Gretchen (strahlt glücklich): Wir haben bestimmt sämtliche Boutiquen Berlins abgeklappert, bis wir das richtige gefunden hatten.

...erklärte die aufgeregte Trauzeugin mit stolz geschwellter Brust und drehte sich einmal beschwingt mit der Puppe im Kreis. Die traurigen Gedanken von vorhin waren mittlerweile verschwunden und Gretchen war komplett im Hochzeitsfieber angekommen, was sie nicht verhehlte und es war ansteckend. Auch Gabi lächelte und nickte anerkennend, was Gretchen wohlwollend zur Kenntnis nahm. Schließlich verließen die beiden Frauen das Zimmer auch schon wieder und blieben auf dem Flur vorm Badezimmer stehen. Von Sabine war immer noch keine Spur. Gretchen nutzte den Moment und durchbrach das neuerliche peinliche Schweigen zwischen ihnen beiden mit scheuem erwartungsvollem Blick in Gabis dunkelgrüne Augen...

Gretchen: Danke, dass du uns hilfst, Gabi. Ich weiß, das ist nicht selbstverständlich nach allem, was war. Ich meine, zwischen uns.
Och nee, nicht die Leier wieder! Irgendwann muss auch mal gut sein!
Gabi (lächelt peinlich berührt u. versucht dem peinlichen Moment mit einem lässigen Spruch aus dem Weg zu gehen): Hey, das... das spielt doch schon lange keine Rolle mehr. Und ich kann dich doch mit dem Nervenbündel nicht alleine lassen. Zumal sie jetzt tatsächlich auch noch schwanger ist. Hysterie hoch zwei, kann ich da nur sagen. Ein kleines Alienbaby, wer hätte das gedacht.
Gretchen: Ja.

...murmelte die schöne Ärztin sichtlich bewegt und dachte an den Moment zurück, als sie es vorhin im Taxi in Sabines Augen gelesen hatte. Doch bevor Gretchen weiter in verträumte Gedanken versinken konnte, öffnete sich vorsichtig die Tür des Badezimmers, hinter der sich eine scheue Braut versteckt hielt, die sich in ein großes flauschiges lilafarbenes Handtuch gewickelt hatte. Ein weiteres zierte ihren Kopf wie ein großer Turban. Gabi schob schmunzelnd die Tür ganz auf und stapfte entschlossen hinein und packte das schüchterne Mädchen an der Hand und zog es mit sich ins Nebenzimmer, wo ein Verschönerungsprogramm der Extraklasse und das Hochzeitskleid auf Sabine warteten...

Gabi: Dann werden wir dich jetzt mal in die schönste Braut verwandeln, die Berlin und der Gummerbach je gesehen haben. Deinem Mr. Spock sollen schließlich die Augen aus dem Kopf fallen, wenn er dich sieht. Und du Gretchen, du machst dich jetzt auch erst einmal frisch. Ich bin hier eh erst einmal länger beschäftigt. Dann bist du an der Reihe.

Kichernd blickte Gretchen den beiden fröhlichen Frauen hinterher, machte tänzelnd eine halbe Drehung und verschwand selbst im Badezimmer. Wer hätte gedacht, dass Gabi so nett sein konnte, dachte die blondgelockte Ärztin beschwingt und stellte ein Liedchen vor sich her summend die Dusche an.

Lorelei Offline

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15.11.2012 17:13
#1356 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Zweieinhalb Stunden später ging die Tür des rosaroten Mädchenzimmers im Meier-Haasschen Penthaus wieder auf, das in ein provisorisches Friseur- und Kosmetikstudio verwandelt worden war, und drei wunderschöne kunstvoll frisierte Grazien schritten elegant und stilsicher in ihren langen Kleidern heraus und hüpften ungehalten den schmalen Flur vor. Im Wohnzimmer angekommen drehten sich alle einmal schwungvoll vor einem großen Standspiegel im Kreis, den Gretchen extra aus dem Gästezimmer hervorgeholt hatte, während die anderen anerkennend pfiffen und Beifall klatschten. Die drei fröhlichen Frauen kicherten wie kleine Mädchen und nippten jede noch einmal an ihrer Apfelsaftschorle. Dann hieß es endlich aufzubrechen. Das Mittagessen hatten sie beschlossen, sausen zu lassen, auch wenn hier und da ein knurrender Magen zu hören gewesen war, aber dazu blieb jetzt keine Zeit mehr. Sie waren schließlich spät dran und bis zum Hochzeitsbüffet würde man es schon aushalten. Gretchen half der traumhaftschönen Braut dabei, in eine kuscheligwarme weiße Pelzstola und lange weiße Handschuhe zu schlüpfen, während Gabi schon ungeduldig in Mantel und Schal an der Tür stand und mit den frisch manikürten Fingernägeln nervös am Rahmen tippte. Als letzte war Gretchen an der Reihe, die noch einmal in Gedanken alles durchging, ob sie nicht noch irgendetwas vergessen hatten. Hatten sie nicht! An alle Eventualitäten war gedacht, strahlte Gretchen glücklich und hüpfte in vorfreudiger Stimmung noch einmal auf der Stelle auf und ab. Dann nahm auch sie endlich ihren edlen roséfarbenen Wollmantel, der passend zum Kleid und den Handschuhen in der gleichen Farbe gehalten war, von der Garderobe und ihre Handtasche. Sie würde sich im Fahrstuhl zurechtmachen, den die beiden Mädels schon ungeduldig gerufen hatten.

Zwei Minuten später stand die kleine Hochzeitsgesellschaft vor dem Mehrfamilienhaus mit der schicken Glasfassade, die wunderschön von der Wintersonne angestrahlt wurde. Natürlich zogen die drei Frauen die Blicke der am Ufer der Spree entlang spazierenden Passanten auf sich. Sie achteten jedoch nicht darauf und schauten sich stattdessen suchend vor dem Eingang um. Die Sonne strahlte noch immer von einem wolkenlosen azurblauen Himmel herab und ließ den Pulverschnee der letzten Nacht wie magisch glitzern. Es war wirklich ein wunderschöner Tag. Perfekt zum Heiraten, das dachte sich mittlerweile auch Sabine, die ihre Mädels erfolgreich in den letzten Stunden bearbeitet hatten und die jetzt, zwar noch immer megaaufgeregt, glücklich dem Ereignis ihres Lebens entgegen sehnte.

Gabi: Was ist denn jetzt?

...entfuhr es schließlich der ungeduldigen Krankenschwester, die nicht mehr länger in der Kälte warten wollte. Und Gretchen, die sich angesprochen fühlte, wurde plötzlich blass im Gesicht. Ganz langsam hob sie ihre in einen rosafarbenen Handschuh gehüllte rechte Hand an ihren Mund und blickte mit weit aufgerissenen Augen zwischen Gabi und der glücklich vor sich hin grinsenden Braut hin und her, die nichts und niemand mehr aus der Ruhe bringen konnte und die mit sich und dem Universum völlig im Reinen war. Misstrauisch verfolgte Gabi die Veränderung in Gretchens Mienenspiel und äußerte auch ohne Umschweife ihren Verdacht...

Gabi: Was ist los?
Gretchen (schluckt u. wird rot): Ich hab doch etwas vergessen.
Sabine (völlig ahnungslos): Was denn?
Gretchen (senkt beschämt den Blick u. würde am liebsten auf der Stelle im Erdboden versinken, als sie den beiden Frauen flüsternd ein Geständnis macht): Wie wir zur Kirche kommen.
Gabi: Du willst uns verarschen?

Geschockt starrten die beiden Krankenschwestern die blonde Assistenzärztin an, die panisch ihre Hände vors Gesicht hielt und im ersten Schockmoment wirklich nicht mehr weiter wusste. Wo sollten sie denn jetzt auf die Schnelle noch ein Taxi herbekommen? Gerade zur Mittagszeit. An einem Samstag, an dem sowohl die Berliner Fashion Week eröffnet wurde, als auch die Kanzlerin Staatsgäste aus Griechenland erwartete. Marc konnte sie auch nicht fragen, da er ihr Auto zur Werkstatt gebracht hatte und bereits mit dem Porsche seiner Mutter, der eh nur zwei Sitze hatte, vorgefahren war. Und Mehdi, der war laut Gabis stöhnender Aussage während des Haarefönens vorhin mit dem angeschlagenen Bräutigam beschäftigt, der ja bekanntlich die Braut vor der Hochzeit nicht im Brautkleid sehen durfte, und hätte mit Lilly und ihm auch schon das Auto voll. Es war zum Verzweifeln. Sie hatte doch an alles gedacht und jetzt das! Die endgültige Katastrophe! Der atomare Supergau! Sie würden es nicht mehr rechtzeitig zur Trauung schaffen, die in exakt achtundsiebzig Minuten beginnen würde. Sabine, die sie so lange bearbeitet hatten, damit sie ihrer Traumhochzeit samt Babyglück glücklich entgegensehnte, erkannte so langsam die Tragweite des Problems und war schon wieder den Tränen nahe. Es war schließlich überraschenderweise Schwester Gabi, die die Nerven behielt...

Gabi: Sabine, jetzt wird nicht geheult, verstanden! Das Kunstwerk in deinem Gesicht hat über eine Stunde gedauert und ich fang bestimmt nicht noch mal mit dem Spachteln an. Ich finde eine Lösung. Wartet hier!

Gabi blickte Sabine drohend in die glitzernden Augen, die sofort ihre aufkommenden Tränen herunterschluckte, und stapfte zurück ins Gebäude, wo es wärmer und wesentlich ruhiger als auf der Straße war. Im Eingangsbereich blieb sie stehen und zückte ihr Handy. Gretchen und Sabine, die ihrer Freundin langsam gefolgt waren, bekamen nur ein paar Häppchen von dem Telefonat mit, während sie brav vor der Tür warteten...

Gabi: Gabi hier. ... Jep! Halt die Klappe und hör genau zu! ... Ich rede, hab ich gesagt. ... Es ist ein Notfall. Also quasi. Obwohl, doch, ja, schon irgendwie. Was ich damit sagen will, ich... Jetzt quatsch mir doch nicht ständig dazwischen! Nicht ich! Mir geht’s gut. ... Wirklich! Das war doch nur, weil ich... Ähm... Ach egal. Hör mir doch einfach nur zu! ... Gut! Lass alles stehen und liegen und komm sofort zur Meier-Wohnung an der Spree. ... Sag mal, für wen hältst du mich eigentlich? Natürlich nicht! ... Jetzt komm endlich! ... Ja, jetzt! ... Boah! Mir ist egal, wenn ich dich gerade geweckt habe. Es ist wichtig, verdammt. ... Das weiß ich selber, du Idiot. Mann, du schuldest mir was. Bitte! ... Ich würde es nicht sagen, wenn es nicht so wäre. ... Okay, gut, danke. Bis gleich. Du rettest uns wirklich den Arsch.

Sichtlich erleichtert legte die Krankenschwester auf, atmete noch einmal tief durch und kam dann grinsend auf die beiden Kolleginnen zu, die sie erwartungsvoll anschauten.

Gretchen: Wen hast du angerufen?
Gabi (tut geheimnisvoll): Unser Taxi in den siebten Hochzeitshimmel.
Sabine: Ehrlich?

Sabine und Gretchen schauten sich fragend an und Gabi lachte nur, als sie die verdutzte Braut kurz an sich drückte und ihr beruhigend über die Schulter tätschelte. Dann ging sie einige Schritte und schickte dabei noch schnell eine Nachricht an ihren Liebsten. Sie verstaute das Handy wieder in ihrer Tasche und zog schnell ihre Handschuhe wieder über ihre klammen Finger. Und in dem Moment sah sie es auch schon kommen. Das bestellte „Taxi“ war da!

Gabi (nickt anerkennend u. winkt ihm zu): Wow! Auf ihn ist echt Verlass. Da ist er schon.
Sabine (blinzelt gegen die Sonne an): Wer?
Gretchen: Gabi, das ist doch nicht dein Ernst?

...stieß Gretchen geschockt hervor, als sie erkannte, wer sich ihnen gerade in rasender Geschwindigkeit näherte und schließlich mit quietschenden Reifen direkt vor ihren Füßen zum Halten kam. Grinsend wandte sich Gabi von der sichtlich fassungslosen Ärztin ab und klopfte an die Fahrertür, durch dessen beschlagene Scheibe ihr jemand zuwinkte, und drehte sich noch einmal zu ihren perplexen Freundinnen um, denen die Kinnlade nach unten geklappt war.

Gabi: Man sollte stilecht reisen, wenn man in unserem Metier heiraten will. Findet ihr nicht?

...gab die brünette Krankenschwester keck von sich und half der völlig sprachlosen Braut beim Einsteigen. Gretchen kletterte ihr kopfschüttelnd hinterher. Das würde ihr doch niemand glauben, wenn sie das jemandem erzählen würde. Sie schloss ihre Augen und betete für eine rechtzeitige und vor allem heile Ankunft in Göberitz. Gabi stieg als letzte auf der Beifahrerseite zu und schon begann die Fahrt ins Brandenburgische zur Kirche, wo in einer Stunde eine Traumhochzeit stattfinden sollte.

http://www.youtube.com/watch?v=rTq7w8P6_2I

cherrylady Offline

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16.11.2012 22:44
#1357 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

wann kommt der nächste teil? Ich bin richtig gespannt drauf wie es weitergeht.! ;) LG.

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.269

17.11.2012 13:39
#1358 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Währenddessen lief ein aufgeregter junger Mann zum wiederholten Male nervös vor der Pforte der wunderschönen barocken Göberitzer Dorfkirche auf und ab. Den Kragen seines dunklen Wintermantels hatte er sich tief ins Gesicht gezogen und er pustete sich immer wieder warme Luft in seine eiskalten Hände, damit ihm ein bisschen wärmer wurde. Auch wenn die Sonne vom strahlendblauen Himmel herab schien und schönstes Hochzeitswetter herrschte, war es sehr kalt an diesem 14. Februar. Immer wieder schaute der attraktive Mann den verschneiten und mit rosafarbenen Bändern an den schneebedeckten Sträuchern gesäumten Weg in Richtung Straße vor, dann auf seine Armbanduhr und wieder zurück in die Kirche, die sich bereits zur Hälfte mit der Hochzeitsgesellschaft gefüllt hatte. Die vordersten Bankreihen waren bereits von Familie und Freunden besetzt. Vereinzelt hatten sich im hinteren und seitlichen Bereich einige kleine Grüppchen gebildet. Man redete miteinander, begrüßte sich, freundete sich an und scherzte miteinander. Allen voran Professor Haase war sehr gut aufgelegt und zog jeden mit seinen Anekdoten in den Bann. Es herrschte allgemein eine recht gelöste, aber dennoch angespannte Stimmung im hochzeitlich dekorierten Kirchenraum, vor allem wenn man den langen schmalen mit rosa und weißen Rosen und Bändern geschmückten Gang entlang weiter nach vorn schaute, wo der Bräutigam vor dem Altar aufgeregt mit dem Pfarrer sprach, der behutsam auf ihn einredete und ihn mit göttlichen Weisheiten vorm endgültigen Nervenzusammenbruch abhielt.

Der im schicken dunkelblauen Anzug und farblich dazu passendem Mantel gekleidete Mann an der Tür lachte, als er sich daran zurückerinnerte, wie er Dr. Gummersbach noch vor wenigen Stunden orientierungslos und kaum ansprechbar in verunglückter Marienkäferstellung auf dem Teppichboden seines Wohnzimmers vorgefunden hatte, ihn unter höchsten körperlichen Anstrengungen unter die eiskalte Dusche ins Badezimmer geschleift und schließlich bei ihm zuhause nach einem ordentlichen Katerfrühstück in einen vorzeigbaren Bräutigam verwandelt hatte, den doch jede Frau gleich vom Fleck weg heiraten würde, wenn er nicht schon glücklich an Schwester Sabine vergeben wäre. Dr. Kaan wandte seinen sichtlich amüsierten Blick wieder nach draußen ab, zog die schwere Kirchentür hinter sich zu, damit nicht noch mehr kühle Februarluft in den Kircheninnenraum kriechen konnte, und vertrat sich auf dem Kirchhof ein bisschen die Beine. Der frisch geschneite Schnee der letzten Nacht knirschte unter seinen Füßen. Er liebte dieses Geräusch, erinnerte es ihn doch an seine eigene Kindheit, die er in einem ebenso ruhigen kleinen Ort außerhalb von Berlin verbracht hatte. In besinnlicher Stimmung schaute er sich um. Kinder spielten in der Nähe im Schnee und schienen sichtlich Spaß an der weißen Pracht zu haben. Er lächelte, als eines der Kinder fröhlich auf ihn zu gehüpft kam und nun heftig an seinem Mantelsaum zupfte, während es mit strahlenden Bambiaugen zu der Rotnase nach oben schaute.

Lilly: Papa, wann geht es denn endlich los?

...fragte Lilly quenglig. Mehdi beugte sich liebevoll zu seiner ungeduldigen Tochter herab, die ihre Handschuhfingerchen unter seinen wärmenden Mantel schob und ihren Vater mit aller Kraft, die sie aufzubieten hatte, umarmte, und strich ihr zärtlich über die langen gewellten Haare, die ihr in seidigen Bahnen über die Schulter fielen, und rückte ihre rosa Puschelohrenschützer wieder zurecht, die während seiner zärtlichen Streicheleinheit etwas verrutscht waren. Mit sanfter Stimme erklärte er ihr die Sachlage...

Mehdi: Bestimmt gleich, mein Schatz. Weißt du, es ist nämlich Tradition, dass die Braut immer etwas zu spät zur Hochzeit kommen muss. Das bringt Glück.
Lilly (sieht ihren Papa mit großen ungläubigen Kulleraugen an u. kichert): Ehrlich? Das ist aber ein blöder Brauch. Onkel Günther ist schon total zappelig. Der hat vorhin in der Kirche eine Vase mit Strohblumen umgeschmissen. Das hat vielleicht gescheppert. Gretchens Mama hat sich total erschrocken.
Mehdi (beugt sich grinsend zu der Grinsekatze in seinen Armen herunter u. gibt ihr einen kleinen Eskimokuss an die Nase): Weißt du, jeder Bräutigam ist nervös vor seiner eigenen Hochzeit. Das ist ganz natürlich.
Lilly: Warst du das auch, Papa?
Mehdi (lächelt wehmütig): Natürlich.
Lilly: Und die Mama auch?
Mehdi (seufzt, als er an den einst schönsten Tag seines Lebens zurückdenkt, u. lenkt lieber schnell wieder vom Thema ab, bevor er noch ganz sentimental wird): Ja, sehr sogar. Hast du die Mama eigentlich heute schon angerufen?
Lilly (strahlt ihn an, während sie eifrig mit dem Kopf nickt): Ja, gleich nach dem Frühstück mit Opas Telefon. Aber wir haben nur ganz kurz geredet, weil sie dann zur Aquatherapie musste. Weißt du, weil das mit den Übungen mit der Muskulatur doch im Wasser einfacher geht.
Mehdi (lehnt seine Stirn gegen die ihre u. drückt sein tapferes Mädchen fest an sich): Ich weiß, mein Schatz. Sollen wir ihr später ein Foto von dir schicken mit dem Handy? Du in deinem tollen neuen Kleid.
Lilly (klatscht begeistert in die Hände u. dreht sich vor ihm einmal im Kreis u. posiert dabei wie ein kleines Mannequin): Au ja! Mit dem Blümchenkörbchen. Zusammen mit Sarah.

Mehdi lächelte kopfnickend, drückte seine kleine Tanzmaus noch einmal fest an sich und knöpfte ihr anschließend die aufgegangenen obersten Knöpfe ihres rosa karierten Mantels zu und rückte auch den dicken Schal zurecht, weil es doch recht kalt an diesem Februartag war. Lilly zappelte widerwillig in seinen Armen herum, ließ es sich aber gefallen, als sie in die zurechtweisenden Augen ihres Vaters schaute. Dieser blickte gerade über ihren Kopf hinweg zu den drei anderen spielenden Kinder vor der Kirchenpforte, als seine Kollegin Dr. Hassmann heraustrat und sich mit gequältem Gesichtsausdruck, aber trotzdem mit einem leichten Anflug eines Lächelns im Kirchhof nach ihrer Tochter umschaute.

Mehdi: Natürlich machen wir das so! Geht ihr schon einmal vor in die Sakristei, Lilly. Dort könnt ihr dann auch eure Jacken ablegen und euch schon einmal mit den Körbchen aufstellen, so wie Günnis Mutter das euch vorhin gezeigt hat. Es geht bestimmt gleich los.
Lilly (zieht eine Schnute): Können wir nicht noch ein bisschen draußen spielen? Bitte Papa! Gabi und Bine sind doch noch gar nicht da.
Mehdi (gibt seufzend nach, weil er seiner Maus einfach nichts abschlagen kann): Ok, aber nur noch fünf Minuten, ja. Wenn euch kalt wird, geht ihr aber gleich rein.

Das von einem zum anderen Ohr strahlende Mädchen nickte eifrig mit ihrem Köpfchen und rannte wieder zu Sarah Hassmann und den anderen beiden Blumenkindern rüber, den zehn- und siebenjährigen Söhnen von Günnis Cousine Gudrun, die sich gerade mit Schneebällen bewerfen wollten, es aber dabei beließen, als sie die strengen Blicke von Sarahs Mutter bemerkten. Diese gesellte sich nun mit tief in ihren Manteltaschen vergrabenen Händen zu dem schmunzelnden Familienvater, der seiner Tochter hinterher blickte, die erst einmal ausgiebig mit ihrer Großcousine Azadeh knuddelte, die gerade mit ihrer Freundin Kate Marple ihren Weg gekreuzt hatte.

Maria: Nicht sehr konsequent, Herr Doktor.
Mehdi (grient Maria an u. zwinkert ihr zu): Heute an diesem schönen Tag mache ich mal eine Ausnahme. Hallo Maria!
Maria (zögert erst, dann legt sie doch ihre Hand an seinen linken Arm, um sich zu einem kleinen Begrüßungsküsschen auf die Wange heranzubeugen): Ah ja? Hallo Mehdi! Sag mal, geht das heute auch noch irgendwann mal los? Der Gummersbach macht einen ganz verrückt mit seiner Nervosität.
Mehdi (gibt ihr auch noch ein etwas unbeholfenes Küsschen auf die andere Wange u. lächelt sie schmunzelnd an, nachdem er sie wieder losgelassen hat): Es kann sich nur noch um Stunden handeln.
Maria (rollt theatralisch mit den Augen u. stöhnt gequält auf): Na toll! Und dafür opfere ich auch noch bereitwillig einen freien Samstag.
Mehdi: Hey! Es geht bestimmt gleich los. Gabi hat mir vor gut einer Stunde eine Sms geschrieben, dass sie sich gerade auf den Weg gemacht haben.
Maria (kann sich eine kleine Spitze nicht verkneifen): Und ich hab mich schon gefragt, wo du deine...
Mehdi (kleinlaut): Lebensgefährtin.
Maria (verdreht erneut abfällig die Augen): Ja, genau, ... gelassen hast. Dann kann ja nichts mehr schief gehen.
Mehdi (verdrängt das mulmige Gefühl, das Maria mit ihrem leicht spöttischen Kommentar bei ihm ausgelöst hat, u. mustert sie von der Seite): Du siehst gut aus.
Maria (scannt ihn auch unauffällig von der Seite): Dito! Im schicken Anzug hast du mir schon immer gut gefallen.
Mehdi (fühlt sich geschmeichelt u. kann sich ein Grinsen nicht verkneifen): Soso?

Die schöne Oberärztin, die sich heute für ein violettes Spitzenkleid samt dazu passendem Wollmantel und Hut entschieden hatte, ging nicht näher auf den beginnenden kleinen Flirt mit ihrer Ex-Affäre ein, weil ihr wachsames Auge gerade beunruhigt ihre kleine Tochter bemerkt hatte, die gerade unter lautstarker Anfeuerung zweier frecher Rotzlöffel zum Hechtsprung von der Schneewehe hinter der Kirchentür ansetzte, und schrie in unüberhörbarer Oberarztlautstärke auf, so dass selbst ihr charmanter Kollege neben ihr zusammenzuckte...

Maria: SARAH! Ich hab dir schon dreimal gesagt, SCHLUSS mit dem Unfug! Du machst dir nur dein neues Kleid schmutzig, das DU unbedingt haben wolltest, falls du dich erinnerst, Fräulein. Willst du die ganze Zeit im nassen Kleid in der Kirche sitzen und frieren? Wir haben keine Wechselsachen dabei. Also ab rein da! Du wartest jetzt drinnen!
Sarah (quengelt): Ach Mama!?
Maria (konsequent): Nichts Mama! Ich sage das nur einmal oder wir fahren gleich nach Hause. Haben wir uns verstanden?
Sarah (steht wie ein begossener Pudel auf dem Schneehaufen u. schnieft verdächtig, als sie widerwillig mit Lillys Hilfe wieder herunterkraxelt): Nein, bleiben! Bitte, Mama!
Mehdi (kommt den beiden Mädels heldenhaft zu Hilfe): Lillymaus, die fünf Minuten sind um. Nimmst du Sarah bitte mit in die Kirche und zeigst ihr, wie wir vorhin den Gang zum Altar geübt haben? Du bist die Älteste, du hast die Verantwortung.
Lilly (nimmt strahlend ihre Freundin an die Hand u. zieht sie ins Kirchengebäude; die beiden Gummersbach-Jungs stolpern ihnen mit Händen in den Hosentaschen ihrer schwarzen Anzüge treudoof hinterher): Ja, Papa! Komm mit!
Mehdi (wendet sich wieder grinsend der strengen Mama Hassmann zu): Konsequent genug?
Maria (rümpft abwertend die Nase, kann sich dann aber ein Lachen auch nicht verkneifen): Hmm... Zufall.
Mehdi (kontert grinsend): Nein, Erziehung!
Maria (wendet augenrollend ihren skeptischen Blick ab u. bleibt an einem wartenden Grüppchen Schwestern hängen, die wild durcheinander schwatzend vor der Kälte nun auch ins Innere der Kirche flüchten): Papperlapapp! Wie lange wollen die uns eigentlich noch mitten in der Pampa warten lassen? Es ist schon gleich halb drei. Auf der Einladung stand aber 14 Uhr.
Mehdi (grient sie von der Seite an): Warum denn so ungeduldig? Hast du heute noch etwas vor?
Maria (sieht ihn mit aufblitzenden Augen an): Ich? Nur das Unvermeidbare.
Mehdi (blickt sie gespannt an): Das da wäre?
Maria (zynisch): Gelangweilt das schlechte Schauspiel beobachten und mir ein kostenloses, aber vermutlich viel zu deftiges Büffet genehmigen. Oder was denkst du denn?
Mehdi (lacht): Hast du etwa etwas gegen Hochzeiten?
Maria (verdreht die Augen u. grient ihn schließlich an, als ihr etwas einfällt): Wenn sie sich nicht vermeiden lassen. Aber ich bin ja auch nicht diejenige, die gleich vor jedem seiner Partner auf die Knie fällt. Hat irgendwie etwas Erniedrigendes an sich, findest du nicht?
Mehdi (geht nicht näher auf die gegen ihn gerichtete Spitze ein u. verfolgt interessiert ihr wechselndes Mienenspiel, denn er hegt einen leisen Verdacht, dem er nun auf die Spur kommen möchte): Du bist heute ziemlich gut gelaunt.
Maria (lässt sich nichts anmerken u. sieht ihn lässig an): Findest du? Muss wohl an dem billigen Sekt liegen, den mir vorhin die hysterische Mutter vom Gummersbach aufgedrängt hat. Jetzt weiß ich auch, wieso er so geworden ist, wie er ist.
Mehdi (forscht neugierig nach, weil Maria das breite Lächeln trotz all der abfälligen Sprüche nicht ablegen kann, das ihr Gesicht auf wunderbare Weise ziert): Und das hat keinen anderen Grund?
Verdammt! Dieser verdammte Möchtegernfrauenversteher! Der kann dir gar nichts, Maria!
Maria (zieht misstrauisch eine Augenbraue nach oben, während sie ihm genau in die Augen schaut): Der da wäre, wenn ich fragen darf?
Mehdi (zuckt gespielt unschuldig mit den Schultern u. weicht ihren strengen Blicken aus, wobei er hinter ihr jemanden an der Kirchmauer ein paar Meter weiter entdeckt, der seine Aufmerksamkeit plötzlich weckt): Weiß nicht. Nur so.
Maria (stellt sich ihm ins Blickfeld u. sieht ihn unmissverständlich an): Wenn du auf irgendetwas anspielen willst, das du glaubst, gesehen zu haben, dann lass es lieber. Ich schau mal nach den Kindern. Nicht dass sie noch irgendeinen Blödsinn anstellen. Vorhin ist schon eine Vase zu Bruch gegangen. Ich kenn doch meine Pappenheimerin.

...sagte Maria noch und ließ einen perplexen Gynäkologen vor der Kirchentür zurück. Dabei hätte er so gerne mehr erfahren, was es mit der Sonderaufführung „Die Zähmung der Widerspenstigen“ letzte Nacht im Meierschen Treppenhaus auf sich hatte. Aber egal, der Tag war noch lang. Und nach ein paar Gläsern Champagner würde er schon noch aus der sturen Frau herauskitzeln, was da wirklich im Dunkeln gemunkelt wurde. Dass sich seit gestern definitiv etwas verändert hatte, konnte man Maria nämlich deutlich ansehen. Er kannte sie schließlich gut genug. Und es stand ihr wirklich gut zu Gesicht, vor Glück von innen heraus zu strahlen, auch wenn das Äußere noch immer krampfhaft versuchte, dies zu verbergen. Aber jetzt war erst einmal jemand anderes wichtig. Mehdi lief den schmalen Trampelpfad entlang, der zum eingeschneiten Friedhof führte, und blieb schließlich vor der Person in dem marineblauen Kurzmantel stehen, die mit dem Rücken lässig an der Mauer der Kirche lehnte und eine Zigarette nach der anderen rauchte.

Mehdi: Hey!

...sprach er Marc leise an und lehnte sich seitlich neben ihm an die Wand. Der nachdenkliche Oberarzt, dessen Blick in die weite Ferne schweifte, hatte seinen Freund erst gar nicht kommen gesehen, nickte ihm aber nun mit einem schmalen Lächeln, das seine Augen nicht erreichte, als Begrüßung zu und pustete ihm anschließend die Rauchwolke seiner Zigarette direkt ins Gesicht. Mehdi verschloss angewidert die Augen und schüttelte schmunzelnd den Kopf, dann öffnete er sie wieder und musterte das Gesicht seines besten Freundes argwöhnisch. Er sah müde und abgeschlagen aus. Man sah ihm die Sorge an, die ihn seit gestern Nacht gepackt hatte, was auch ihn tief berührte. Vorsichtig fühlte er nach...

Mehdi: Wie geht’s dir?




Auf vielfachen Wunsch könnt ihr an der Stelle sehen, was die einzelnen Beteiligten zur Hochzeit von Sabine und Günni tragen. Den Anfang machen...

Die süßen Blumenmädchen

Lilly Kaan





Sarah Hassmann




Dr. Maria Hassmann




Dr. Marc Meier und Dr. Mehdi Kaan


Quelle: Google Pics

Lorelei Offline

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19.11.2012 23:54
#1359 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Der nicht für seine Gesprächigkeit in Gefühlsangelegenheiten bekannte Starchirurg des Berliner Elisabethkrankenhauses ließ sich natürlich nicht in die Karten kucken und von einem weichgespülten Frauenarzt mit Helfersyndrom schon einmal gar nicht. Er schnipste den aufgerauchten Zigarettenstummel lässig weg und blickte seinem besten Freund mit hochgezogener Augenbraue und schmalem Lächeln souverän in die sorgenvollen Rehäuglein, während er mit einer ausladenden Geste Richtung Kircheneingang zeigte...

Marc (zynisch): Wonach sieht es denn aus, hmm? Prima! Die Hochzeit des Grauens beginnt gleich und ich freu mich riesig. Yeah! Wo gibt’s Popcorn?
Okay!? Es geht ihm zumindest den Umständen entsprechend gut. Dann bin ich ja beruhigt.
Mehdi (lässt sich nicht von seinen blöden Sprüchen verunsichern u. bleibt mit ernstem Gesichtsausdruck vor ihm stehen): Klar! Sieht man. Du hättest nicht alleine in der Villa bleiben sollen, Marc. Hast du überhaupt ein Auge zugemacht?
Marc (reagiert gereizt): Ich bin kein Kind mehr, Mann.
Mehdi (sieht ihm eindringlich in die Augen): Doch! In dem Fall bist du es schon.
Boah, geht der mir vielleicht auf den Wecker mit seiner ewigen Betüddelei. Ich komm schon klar... mit Mutters... Scheiße! Der schafft es noch und man(n) fängt an zu heulen. Vergiss es!
Marc (verdreht genervt die Augen u. lenkt schnell vom heiklen Thema ab): Mir geht’s gut, ok! Lass es endlich gut sein mit deinen bescheuerten Mutterinstinkten. Damit kannst du von mir aus Gabi nerven, aber lass mich damit gefälligst in Ruhe, ja. Hat der Gummersbach gestern eigentlich noch Ärger gemacht?
Na super, er lenkt mal wieder ab. Dabei hab ich es doch nur gut gemeint. Ich bin für dich da, du sturer Bock.
Mehdi (verzieht keine Miene): Du hast mit deinem Kräutertee mit Schuss erfolgreiche Arbeit geleistet, Marc. Kein Mucks mehr bis heute Morgen, als er vom Sofa geplumpst ist.
Marc (grient selbstgefällig vor sich hin, bis er Mehdi plötzlich mit ungläubigen Augen anstarrt): Nee, jetzt? Du hast das Alien mit zu dir nach Hause genommen? Da hat sich dein Gabimäuslein aber so rüüüchtig gefreut, hmm? Haha!
Bleib ruhig! Bleib in deiner Mitte! Er meint es nicht so! Es ist Marc!
Mehdi (funkelt ihn eingeschnappt an): Wenn ich es nicht getan hätte, dann hätten wir vermutlich jetzt ein riesiges Problem. So ganz ohne Bräutigam.
Marc (lehnt sich lässig mit dem Rücken an die Kirchenmauer u. verschränkt die Arme vor seinem Körper, während er Mehdi weiterhin angrinst): Och du, nicht unbedingt. Dann müsste ich nämlich nicht mehr länger in dieser völlig unzumutbaren Gegend im verschneiten Nirgendwo festsitzen. Ich hab weiß Gott Besseres zu tun.
Mehdi: Was ist eigentlich mit deinem Wagen?
Marc (fasst sich mit theatralischer Geste ans Herz): Autsch! Und noch ein Stich direkt mitten ins Zentrum.
Mehdi (rubbelt an seinem winzigen kaum sichtbaren Pflaster an der Stirn u. senkt betroffen den Blick): Tut mir leid.
Marc (wiegelt mit einer lockeren Handbewegung ab u. wird wehmütig): Ach was? Die Flachwichser machen bis morgen ne komplette Durchsicht und dann krieg ich nen Kostenvoranschlag, ob’s sich noch lohnt, was zu machen. Es sieht aber nicht gut aus. Mann, hätte ich das gewusst, hätte ich mir den Tüv letzten Monat echt sparen können. Ach, es ist doch alles scheiße.

Marc kickte wütend mit dem Fuß einen Schneebatzen davon, der in einem Rhododendronstrauch gegenüber landete, von dessen Ästen nun der leichte Pulverschnee herabrieselte, und fuhr sich anschließend mit beiden Händen durch seine Haare, die danach leicht zerzaust locker zur Seite fielen. Mehdi beobachtete seinen Freund misstrauisch aus dem Augenwinkel heraus. Hinter seinem Ausbruch steckte doch mehr dahinter...

Mehdi: Marc, es ist doch nicht nur das Auto, oder?

Marc schaute auf. Die Augen der beiden dicken Freunde trafen sich und verständigten sich ohne Worte. Resignierend ließ der sonst so coole Chirurg seinen Kopf hängen, den er nun leicht schüttelte. Mehdi kam einen Schritt näher heran und legte tröstend eine Hand auf seine Schulter, was Marc entgegen seiner Art gewähren ließ. Einen Moment lang herrschte Stille zwischen den beiden, welche nur von dem Gelächter und fröhlichen Geplapper in der Kirche unterbrochen wurde, das durch die verzierten großen Fenster herüberschallte. Dann begann Marc kaum hörbar zu sprechen und es kostete ihm sichtlich Überwindung, wie sein mitfühlender Freund feststellte. Seit Stunden hatte der sonst so taffe und über allem stehende Oberarzt nur diesen einen Gedanken im Kopf, der ihn genauso wenig losließ wie das Schicksal seiner Mutter...

Marc: Gretchen ist nicht schwanger.

Mehdi blickte Marc überrascht an, der hilflos seinen Blick suchte und diesen aber schnell wieder abwandte, weil er ihm in seiner aktuellen Verfassung nicht standhalten konnte, und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. Mit sanfter einfühlsamer Stimme redete er auf seinen sichtlich mitgenommenen Freund ein, um ihm wieder Mut zu machen...

Mehdi: Verstehe! Aber hey, beim nächsten Mal... Ich meine, ihr habt doch alle Zeit der Welt. Ihr seid jung und gesund und ihr liebt euch. Das ist kein Weltuntergang.
Marc (löst sich von ihm u. läuft einige Schritte, bis er sich wieder zu Mehdi umdreht u. ihn lauter als gewollt anfährt, dann aber schnell wieder leiser wird, als ihm die Worte ausbleiben): Das weiß ich doch, Mann. Es ist nur...
Mehdi (mitfühlend hakt er nach, während er ihn keine Sekunde aus den Augen lässt): Was?
Marc (schüttelt unwirsch den Kopf, weil er das Gefühlswirrwarr selbst albern findet, das ihn gerade aus der Bahn zu werfen versucht, u. zieht hektisch seine Zigarettenpackung aus der Manteltasche u. zündet sich erneut eine Kippe an, an der er lange zieht, ehe er den Rauch in Mehdis Richtung pustet): Ach ich weiß doch auch nicht. Ich... Ähm... Mann, ich hätte nicht gedacht, dass es mich so trifft, dass sie’s nicht ist. Verstehst du? Das ist doch verrückt.
Mehdi (lächelt gerührt): Das ist nicht verrückt, Marc. Du wünschst dir ein Kind. Das ist das Natürlichste, was es gibt auf der Welt.

Schwätzer! Gott, verdammt, lass dich nicht so gehen, Meier! Sonst wirst du noch genau so ein Warmduscher wie er. Was ist bloß los mit mir? Ich hab das Gefühl, alles, aber wirklich alles läuft gerade total aus dem Ruder. Dabei war gestern um die Zeit noch alles bester Ordnung.

Marc (trotzig): Das sagst du doch nur, weil es dein tägliches Brot ist.
Mehdi: Das sage ich als Vater, Marc. Nichts kann einem mehr Kraft und Hoffnung geben, wenn es einem schlecht geht, als ein Blick in die Augen deines Kindes. Glaub mir! Wenn Lilly nicht hier wäre, ich...
Marc (jetzt wird’s ihm zu gefühlsduselig): Mann, Mehdi!
Mehdi (fasst sich wieder): Wie geht es Gretchen damit?
Scheiße! Das macht mich noch verrückt.
Marc (schluckt u. kriegt nur noch ein geflüstertes Krächzen hin): Ich hab keinen Schimmer.
Mehdi (versteht nicht ganz u. sieht ihn mit großen Augen an): Wie?
Marc (zieht noch einmal an seiner Kippe, die ihm diesmal überhaupt nicht schmeckt, u. wirfst sie achtlos in den Schnee): Ich hab Haasenzahn seit der Party gestern Abend noch nicht gesehen. Am Telefon gibt sie sich aber locker und fröhlich wie immer.
Das ist ja das Komische. Ich kenn sie doch. Sie ist nicht diejenige, die so schnell wieder zur Tagesordnung übergehen kann, wenn ihre Träume platzen.
Mehdi: Aber woher weißt du dann, dass sie es nicht ist?
Marc (sieht ihm seufzend in seine treudoofen kastanienbraunen Augen): Ich hab einen dieser Tests bei uns im Mülleimer gefunden. Er war negativ.
Mehdi (ganz der erfahrene Gynäkologe): Du weißt, das muss nichts heißen.
Marc (blitzt ihn gereizt an, dann wird sein Blick wieder weicher und sorgenvoller): Ich bin Arzt, Mann, und nicht blöd! Ich weiß selber, dass die Dinger in den ersten Tagen und Wochen auch falsch liegen können. Es ist nur, ich meine, du kennst Gretchen. Sie wird das auch wissen, aber irrational wie sie manchmal sein kann, muss es sie auch getroffen haben. Sie nimmt sich doch sonst immer alles zu Herzen. Sie heult doch schon, wenn ein Spatz aus Altersschwäche tot vom Dach fällt. Ich glaube, sie will es mir verheimlichen, um mich nicht unnötig zu beunruhigen, oder sie verdrängt es, keine Ahnung.
Mehdi: Frauen mit Kinderwunsch gehen unterschiedlich mit so was um, Marc. Gib ihr Zeit! Sie wird schon mit dir reden, wenn sie bereit dazu ist.
Marc (unsicher): Meinst du?
Mehdi (lächelt ihn aufmunternd an): Sie ist Gretchen.
Marc (Mehdis Lächeln ist ansteckend): Jep! Erst kommen alle anderen, dann Schokolade, dann lange nichts, dann sie selber.
Mehdi: Sie ist taffer, als du denkst, Marc. Die Hochzeit hier ist ein Herzenswunsch von ihr. Die Ablenkung tut ihr bestimmt gut.
Marc (seufzt resignierend auf): Ich weiß. Ausgerechnet die beiden Pappnasen vom anderen Stern heiraten und Haasenzahn ist völlig aus dem Häuschen.

Einen Moment lang herrschte wieder Schweigen zwischen den beiden Männern vor der Kirche, während dem jeder jeweils seinen eigenen Gedanken nachhing. Zögerlich suchte Mehdi nach einer Weile noch einmal das Gespräch, weil es ihm einfach ein Grundbedürfnis war...

Mehdi: Du hast ihr noch nichts von deiner Mutter erzählt oder?
Marc (schüttelt den Kopf u. schließt für einen Moment die Augen, bevor er sie wieder öffnet u. Mehdi direkt ansieht): Wie denn? Sie und Sabine sind momentan wie siamesische Zwillinge und ich will ihr die Vorfreude nicht nehmen, jetzt, wo sie... na, du weißt schon.
Mehdi (sieht ihn voller Stolz an u. kann auch eine Träne der Rührung nicht verbergen): Du bist ein toller Freund, weißt du das eigentlich?
Okay, Timeout!
Marc (verdreht leidend die Augen, bevor er ihn mit einem angedeuteten Ameisenblick fixiert): Ach komm, lass endlich den bekloppten Psychoscheiß, Dr. Freud! Ich hab doch nur... Was... zum... Teufel...? Eh, was geht denn jetzt hier ab?

Marcs wachsame Augen hatten plötzlich etwas in der Ferne entdeckt, das langsam näher kam. Er kniff die Augen zusammen und sah noch einmal an Mehdi vorbei Richtung Straße, um sich zu vergewissern, ob er richtig lag. Dann löste er sich einem Reflex folgend von der Kirchenmauer und lief mit eiligen Schritten an seinem verdutzten Kumpel vorbei, der ihm verwirrt hinterher schaute und ihm schließlich den Trampelpfad durch den Schnee folgte, nachdem er das Gleiche erkannt hatte und nun seinem inneren Impuls Folge leistete. Diese Reaktion war ebenso wie bei Marc seiner Berufung als Arzt geschuldet. Da reichte schon das kornblumenfarbig aufleuchtende Licht und der Klang eines Martinshorns in der Ferne aus oder allein der Anblick eines an ihm vorbeibrausenden Krankenwagens, um sämtliche Sinne zu aktivieren und ihn in akute Alarmbereitschaft zu versetzen. An der Straße auf dem Dorfplatz angekommen, blieben die beiden Männer stehen und rieben sich noch einmal ungläubig die Augen, die von den durch die Baumallee hindurch blinzelnden Sonnenstrahlen geblendet wurden. Als das Objekt mit dem blauen Leuchtsignal auf dem Dach mit schneller Geschwindigkeit immer näher kam und einige Meter vor ihnen ein Bremsmanöver einleitete, um den Parkplatz neben der Kirche anzusteuern, sahen sie sich an und schüttelten verwirrt den Kopf. Es war Dr. Meier, der schließlich als Erster seine Sprache wieder fand und trocken seine Vermutung äußerte...

Marc: Sag bloß, den Gummersbach hat’s jetzt doch noch umgelegt?
Mehdi (schaut schulterzuckend zurück zur geschlossenen Kirchentür, wo alles ruhig erscheint): Also ich hab keinen Krankenwagen gerufen.

In diesem Moment blieb der RTW direkt vor den Füßen der beiden pflichtbereiten Ärzte stehen, die erschrocken zwei Schritte zurückwichen und langsam wie in Zeitlupe ihre Köpfe hoben. Sie wunderten sich noch, wieso an den beiden Außenspiegeln des Fahrzeugs jeweils ein noch in Klarsichtfolie verpackter schockgefrorener Blumenstrauß gebunden war, als sie verblüfft erkannten, wer dort eigentlich im Führerhaus saß...

Lorelei Offline

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22.11.2012 14:00
#1360 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Marc: Sagt mal, seid ihr noch bei Trost, hier mit nem RTW aufzukreuzen? Euch ham se doch ins Hirn geschissen!

...polterte Marc Meier auch schon rot vor Wut in gewohnter unüberhörbarer derber Oberarztlautstärke los und zeigte seiner Ex-Verlobten und ihrem breit grinsenden Chauffeur, der sich bei näherem Hinsehen als Rettungssanitäter Gordon Tolkin herausgestellt hatte, durch die Frontscheibe des Krankenwagens den Vogel. Während Dr. Kaan im Gegensatz zu Dr. Meier die Sachlage offenbar richtig eingeschätzt und schmunzelnd langsam zur Beifahrertür schritt, um diese charmanterweise für seine bezaubernde Freundin zu öffnen, um ihr aus dem Wagen herauszuhelfen, pöbelte der aufgebrachte Oberarzt weiterhin wild gestikulierend vor dem RTW und trat eine richtige kleine Schneise in den eingeschneiten Gehweg, auf dem er gerade stand.

Marc: Wisst ihr eigentlich, was das kostet? Der Professor betet uns tagtäglich vor, dass wir sparen sollen und ihr macht hier auf Klinikkosten ne fröhliche Spazierfahrt quer durch Brandenburg. Ihr seid doch nicht mehr ganz dicht. Das wird Konsequenzen haben, das schwör ich euch.

... drohte der Chirurg mit Chefarztambitionen unmissverständlich seinen beiden dreisten Kollegen im RTW. Mehdi hatte mittlerweile die Beifahrertür geöffnet und man hörte nur noch Gordon, dem nach dem Meierschen Anschiss, der sich gewaschen hatte, das Grinsen förmlich im Hals stecken geblieben war, etwas sichtlich beunruhigt vom Fahrersitz zu Gabi rüber sagen, die von den bewundernden Blicken ihres charmanten Freundes völlig eingenommen war, der ihr gerade mit seinen starken Händen aus dem Wagen helfen wollte, und nichts mehr um sich herum mitbekam außer ihn...

Gordon: Eh ihr habt doch gesagt, das gibt keinen Ärger, Gabi?

Doch die schöne Krankenschwester in dem dunkelblauen knielangen Kleid und Mantel hörte dem um seinen Job bangenden Rettungsassistenten überhaupt nicht mehr zu. Viel zu sehr hing sie bereits an den strahlenden kastanienbraunen Augen ihres Liebsten, der sie mit Leichtigkeit an der Hüfte packte und sie sanft aus dem Führerhaus hob und sicher auf dem schneebedeckten Boden absetzte. Flink hatten sich ihre Arme um seinen Nacken geschlungen, um sich daran festzuklammern, weil sie vor lauter Herzklopfen ganz weiche Knie bekommen hatte, und sie grinste Mehdi verliebt von unten herauf an, der sie nun fest an sich zog, ihre Nase mit seiner kitzelte und sie spontan auf ihre verführerischen roten Lippen küsste, die sie ihm sehnsuchtsvoll entgegengestreckt hatte. Ihre sanfte Begrüßung löste auch bei dem verliebten Halbperser so einige Schmetterlingsstürme in seinem Bauch aus und er hatte den pöbelnden Dr. Meier hinter sich für einen Moment sogar völlig vergessen. Atemlos löste er sich von ihr und blickte seiner Freundin tief in die Augen, deren glänzende Sprenkel ihn völlig in den Bann zogen...

Mehdi: Hi!
Gabi (begrüßt ihn ebenso schwärmerisch): Hi!
Mehdi: Du siehst wunderschön aus, Gabi.

...flüsterte Mehdi völlig verzaubert in Gabis rechtes Ohr und gab der errötenden Frau noch ein kleines Küsschen auf die Wange hinterher, das sie nun gänzlich in seinen Armen dahin schmelzen ließ, ehe er schließlich entschlossen ihre Hand nahm und sie zusammen zu dem tobenden Rumpelstilzchen gingen, das noch immer in Teufelsanbeterstellung stinksauer vor dem Krankenwagen hin und her hüpfte und den armen Sanitäter, der sich nicht aus dem Führerhaus traute, durch die Frontscheibe des RTW mit dem bösen Ameisenblick traktierte, den nun auch Schwester Gabi abbekam, als er sie und Mehdi neben sich bemerkte. Mutig stellte sich die junge Frau ihrem durchgeknallten Ex-Verlobten entgegen, der mal wieder völlig unnötig den Oberlehrer und Chef heraushängen ließ, obwohl sein zweites Wohnzimmer, die Klinik, Luftlinie fünfundfünfzig Kilometer entfernt war.

Gabi: Jetzt reg dich mal ab, Marc! Es ist doch nichts weiter passiert.
Es ist mir echt ein Rätsel, wie Gretchen es mit diesem Kotzbrocken überhaupt aushält. Gott, und ich musste mir gerade eine verdammte Stunde lang Lobeshymnen über den Idioten und seine ach so tolle Forschung anhören, um jetzt ausgerechnet von ihm Vorwürfe an den Kopf geworfen zu bekommen. GRRR! Danke Haase! Das war das erste und letzte Mal, dass ich mit dir nen Ausflug mache. (GK)
Marc (schreit die Krankenschwester aufgebracht an): Ich reg mich solange auf, wie ich will.
Mehdi (versucht ihn zu beruhigen u. legt seine freie Hand an Marcs Schulter): Marc! Geht’s vielleicht auch in einem anderen Ton? Das ganze Dorf hört zu.
Jetzt nimm sie bloß nicht in Schutz, du verknallter Dorfdepp! Sie hat Scheiße gebaut! Das ist offensichtlich. (MM)
Marc (weicht ihm geschickt aus u. blitzt ihn nun stocksauer an): Ja, was? Du weißt genauso wie ich, dass das so nicht in Ordnung ist. Vom lästigen Papierkram mal ganz abgesehen, der jetzt wahrscheinlich noch auf uns zukommt.
In sich gekehrt und ruhig war er mir weiß Gott lieber. Muss er seine Frustration jetzt ausgerechnet an meiner Freundin auslassen? Das ist doch kein Weltuntergang. Gretchen hat doch auch schon mal den RTW geklaut und hat ihn mitten auf einer viel befahrenen Straße stehen gelassen. Da hat auch kein Hahn danach gekräht. Aber nein, der Obergockel muss natürlich jetzt ein Exempel statuieren. GRRR! (MK)
Gabi (versucht ebenfalls den Herrn Oberlehrer zu besänftigen, obwohl er ihr gehörig auf den Senkel geht, was man ihr deutlich anhört): Mann, wir hatten keine andere Wahl, ok. Das war... quasi... ein Notfall. Ein... Hochzeitsnotfall! Sonst würden wir nämlich jetzt noch immer bei dir vor der Wohnung stehen. Aber nein, der werte Herr Doktor musste ja ausgerechnet letzte Nacht seine Schrottkarre gegen eine Schneehaufen lenken, anstatt uns und die Braut heute wohlbehalten zum Altar zu geleiten.
Marc (zeigt ihr erneut den Vogel u. gibt sich uneinsichtig): Bitte? Ein Hochzeitsnotfall? Seid ihr bekifft oder an was habt ihr geschnüffelt?
Mehdi (tadelnd): Marc, jetzt ist aber gut!
Marc (setzt ein gehässiges Grinsen in Richtung Gabi auf): Aber ich bin mal gespannt, was der Professor dazu sagen wird, wenn er von eurer... „Dienstreise“ erfährt? Der ist nämlich keine fünf Meter Luftlinie entfernt.
Das würde er nicht wagen? (GK)
Gordon (geschockt u. in Panik): Was? Äh... vielleicht sollten wir mein Baby doch lieber etwas unauffälliger parken?

... kam es von einem sichtlich blassen Rettungssanitäter gesprochen, der sich nun doch todesmutig aus seinem Wagen getraut und sich dem pöbelnden Oberarzt auf fünf Meter genähert hatte, um auf Gutwetter zu machen. Auf eine Untersuchung durch den Chefarzt persönlich hatte er nämlich nun wirklich keinen Bock. Wer wüsste schon, auf was der sonst noch stoßen würde. Bei seiner heiklen Fracht. Gabi kam dem zaudernden Gordon schließlich zu Hilfe und wendete sich kompromissbereit an Dr. Meier...

Gabi: Vielleicht? ... Marc, wenn es sein muss, dann nehmen wir das alles auf unsere Kappe. Auch die Braut, die ja schließlich irgendwie rechtzeitig hierher gebracht werden musste. Dafür wird bestimmt auch Prof. Haase Verständnis haben.
Marc (ringt mit sich u. würde am liebsten jetzt in den OP stürmen, um etwas aufschneiden zu können, aber das EKH ist dazu leider zu weit entfernt): Tzz... Ihr habt vielleicht Nerven, echt.
Gabi (sieht ihn und besonders Mehdi eindringlich an): Es tut uns jedenfalls leid, ok. Auch wegen der Verspätung. Aber wir mussten unterwegs noch einen Toilettenstopp einlegen und eh wir auf der verlassenen Landstraße eine Tanke gefunden hatten, hatten wir uns auch schon verfahren.
Mehdi (legt seinen Arm liebevoll um ihre Schulter u. lächelt sie aufmunternd an): Ist schon ok, Schatz. Hauptsache ihr seid jetzt da. Der Bräutigam wäre ansonsten vermutlich komplett durchgedreht. Und wenn es sein muss, lege ich auch noch ein gutes Wort bei Gretchens Vater ein.
Gabi (deutet mit ihren Lippen ein kaum hörbares schüchternes Danke an, das er mit einem bezaubernden Lächeln und einem kleinen Küsschen erwidert): Danke!
Marc: Weiber!

... stöhnte Marc sichtlich entnervt auf, als er das Paar schon wieder beim Turteln erwischte, obwohl die Abgelegenheit noch nicht vollständig geklärt war. Gabi verdrehte nur die Augen und überhörte wohlwissendlich seinen völlig unnötigen frauenverachtenden Kommentar, um sich auf Wichtigeres zu konzentrieren. Schließlich hatte sie heute noch etwas vor und hatte dazu während der Fahrt bereits einen ausgeklügelten Plan ausgetüftelt. Mehdi lachte nur und schmiegte sich an seine süße Freundin, seinen steten Blick immer noch auf Marc fixiert, der mit verschränkten Armen neben dem Krankenwagen stand und schmollte wie ein kleiner Junge, dem man sein Lieblingsspielzeug weggenommen hatte. Gordon hatte sich mittlerweile umgedreht, um den Sicherheitsabstand zwischen sich und dem tosenden Vulkan Meier zu vergrößern, da man bei ihm nie einschätzen konnte, ob noch ein weiterer alles mitreißender Ausbruch nachfolgte. Er öffnete auf ein Zeichen von innen hin die Seitentür des RTW, hinter der nun eine junge bildschöne Frau zum Vorschein kam, die ihr bodenlanges Taftkleid etwas raffte, das gerade von einem Windstoß erfasst wurde, um die richtige Stufe zum Aussteigen zu erwischen, und die mit finsterer Miene an Gordon vorbei zu ihrem eingeschnappten Schatz herüberschaute, der sie jedoch noch nicht entdeckt hatte...

Gretchen: Marc Meier, hör auf zu kläffen und hilf mir lieber mal!

Wie vom Blitz getroffen wandte sich der Angesprochene herum und blickte nun völlig perplex mit immer größer werdenden Augen zu der offenen Krankenwagentür, auf dessen oberstem Absatz sein Gretchen wie die Heldin Jeanne d’Arc mit wehendem Haar über allem thronte, nur ohne Schwert und Rüstung, dafür aber genauso entschlossen und mutig. Jetzt traf ihn der himmlische Blitz erst recht und zwar mitten ins Herz, das auf einmal aufgeregt anfing zu pochen. Sein Puls raste. Sein Mund, der langsam aufging und herunterklappte, war auf einmal staubtrocken. Marc hatte aufgehört zu atmen und starrte völlig fasziniert auf das wundersame Wesen, dessen seidig glänzende goldene Locken von einer kühlen Brise aufgewirbelt wurden und nun fröhlich um ihren Kopf herumtanzten, die sich ihre schöne Besitzerin jedoch mit ihrer zarten kleinen Hand hastig hinters Ohr strich, weil sie sie störten und ihr die Sicht auf ihren Grummelkönig nahmen. Jetzt kam ihr wunderschönes dezent geschminktes Gesicht erst recht zur Geltung. Die langen getuschten Wimpern, das zarte Rosa auf ihren Lidern und ihrem leicht geöffneten sinnlichen Mund. Gretchens Wangen glühten rot, vor Aufregung oder Wut, er wusste es nicht. Doch er musste sie einfach anschauen. Ihre himmelblauen Augen schimmerten wie tausend Sterne am Firmament. Fast schien es so, als ob über ihr ein heller Lichtkranz thronte, wie er es schon einmal an ihr erlebt hatte, als Gretchen nach Susannes Unfall wie aus dem nichts plötzlich im Hochzeitskleid auf ihn zugeschwebt gekommen war und er wie gelähmt zu keiner rationalen Reaktion mehr fähig gewesen war und er für den Hauch einer Sekunde sogar den völlig irrsinnigen Gedanken im Kopf hatte, sie trotz der unzumutbaren Gegend gleich in die nächste Kirche entführen zu wollen. Ja, ja, ja! Dieses kleine Wort hatte auf Endlosschleife in seinen Ohren geklingelt.

Und auch jetzt schien es so, als umhüllte Gretchen diese engelhafte Aura von damals, die in Wirklichkeit von der tiefstehenden Sonne erzeugt wurde, die hinter dem Krankenwagen langsam hinter den Baumreihen versank. Die Zeit lief nur noch in Zeitlupe ab. Alles andere um ihn herum, die Kirche, Mehdi, dessen Freundin, der bekiffte Sanitäter und der eigentlich unübersehbare Krankenwagen verblassten. Er sah nur noch SIE! Diesen wunderschönen Engel mit Flügeln aus Gold und dem reinen Herzen. Seine Freundin in zartes Rosé, ihre Lieblingsfarbe, gehüllt. Die Eine in seinem Leben, die für ihn da war, egal was war oder noch auf ihn zukommen würde. Die einzige Person auf der Welt, der er bedingungslos vertraute. Sein Glück. Sein Gewissen. Seine Hoffnung. Sein Schicksal. Seine Frau, die ihn von einer Sekunde zur andere mit der Kraft einer ganzen Football-Mannschaft umhauen konnte. Und das tat sie wirklich. Sie hatte ihn verzaubert, richtig verhext. Mit nur einem einzigen Blick in ihre leuchtendblauen Augen, welche die dunklen Schleier des Ungewissen auf einen Schlag vertrieben hatten.

Seine Gedanken tanzten wild durcheinander. Doch Marc lächelte. Aus tiefstem Herzen heraus hatten sich seine Mundwinkel nach oben gezogen und präsentierten nun seine blütenweißen Zähne. Sein unwiderstehliches Strahlelächeln, dem so einige Frauen reihenweise verfallen waren. Und eine im Speziellen. Sie sah so unfassbar schön aus, schoss es ihm mit einem Mal durch die wenigen Synapsen in seinem Kopf, die in diesem Moment noch zu irgendeiner Sinnesaufnahme fähig waren. In ihrem verspielt geschnittenen rosa Mantel über ihrem märchenhaften bodenlangen Wallekleid, das ihr wie auf den Leib geschneidert schien. Wie für Engel gemacht. Seinen Engel! Ungeniert blieben seine bewundernden Blicke auf ihrem offenherzigen Dekolletee hängen, das durch den geöffneten Mantel zwar nur angedeutet war, aber seine Fantasie sofort auf Touren brachte. Und dann war da noch dieser Anhänger ihrer silbernen Kette, die beiden ineinander verschlungenen Herzen, die im Sonnenlicht genauso schimmerten wie ihre strahlenden auf ihn gerichteten Augen. Gretchen trug tatsächlich sein Geschenk. Eigentlich trug sie es ja immer, aber zum ersten Mal war ihm dies so richtig bewusst aufgefallen. Es vervollkommnte das Gesamtkunstwerk nur noch, das gerade vor ihm stand auf der obersten Stufe des RTW und ihn mit gerunzelter Stirn fragend anschaute.

Die wild in seinem Bauch aufflatternden Schmetterlinge ließen Marc taumeln. Ihm war flau und er hatte plötzlich total weiche Knie, was er so gar nicht von sich kannte, weil es Männern wie ihm sonst eigentlich nie passierte. Und so konnte der völlig verzauberte Mann auch nicht verhindern, dass er plötzlich den Halt unter seinen Füßen verlor und rücklings in den puderweichen Schnee plumpste, als das tollpatschige Häschen beim hastigen Verlassen des Krankenwagens auf den Saum ihres Kleides trat, dadurch Gordons helfende Hand verfehlte und so gänzlich ihr Gleichgewicht verlor und direkt in Marcs Arme purzelte und es sich nun auf seinem Bauch bequem machte. Zumindest war ihr verdutzter Freund nach dieser Haaschen Glanzleistung der Extraklasse wieder im Hier und Jetzt angelangt und starrte sein Mädchen nun unverblümt in ihr puderrot angelaufenes Gesicht. Auch die akute Sprachlähmung hatte sich durch den abrupten Sturz wieder gelöst...

Marc: Du siehst nicht nur so aus, du bist umwerfend!
Gretchen (schämt sich mal wieder in Grund und Boden u. sieht ihren Schatz mit zusammengekniffenen Augen entschuldigend an): Tschuldigung!
Marc: Ich weiß ja, dass du auf mich fliegst, aber musst du das immer so wörtlich nehmen? Aber jetzt weiß ich wenigstens, wozu ihr den Krankenwagen tatsächlich braucht. Danke, dass ihr mitgedacht habt.

...gab der Unglücksrabe atemlos in gewohnter charmanter Schlagfertigkeit von sich und schenkte seiner Tollpatschqueen sein bezauberndstes Lächeln, die daraufhin kicherte und ihren Kopf beschämt gegen seinen bebenden Brustkorb drückte, während die drei umstehenden Personen sich ein Schmunzeln nicht verkneifen konnten. Der Anblick war einfach herrlich, wie das weite rosafarbene Wallekleid von Dr. Haase den Herrn Oberarzt fast gänzlich zu bedecken schien. Es war schließlich Mehdi, der den beiden Verunglückten aufhalf und Marc den Schnee von der Rückseite seines Mantels klopfte. Dieser ließ währenddessen sein Mädchen nicht eine Sekunde aus den Augen. Er hielt Gretchens Hand fest umschlossen und blickte aufgewühlt in ihren Augen hin und her, die seine sehnsuchtsvollen Blicke auffingen und erwiderten. Er war einfach nur glücklich, dass sie jetzt endlich bei ihm war. Aus einem Impuls heraus zog er Gretchen noch näher an sich heran und küsste sie einfach unter den verblüfften Augen seiner Freunde und Kollegen, die sich daraufhin dezent etwas zurückzogen. Denn Dr. Meier schien nicht darauf aus zu sein, seine Freundin in nächster Zeit wieder loslassen zu wollen.

Und das hatte er tatsächlich nicht vor. Marcs Hände umfassten Gretchens Gesicht und streichelten sanft ihre Wangen, während er all die unterdrückten Gefühle, Sorgen und Nöte in den gefühlvollen Kuss hineinlegte, die ihn letzte Nacht um den Schlaf gebracht und ihn heute Morgen so sehr durcheinander gebracht hatten, dass er schon gedacht hatte, noch verrückt zu werden. Doch jetzt war sie da, sein Haasenzahn, und er fühlte sich auf einen Schlag wieder besser, ruhiger und gelöster. Wie befreit. Mit ihr schien einfach alles möglich zu sein. Alles würde gut werden. Gretchen war derweil viel zu überrumpelt von der Intensität des Kusses, den Marc ihr schenkte, als dass sie dem irgendeine Gegenwehr hätte entgegensetzen können. Also ließ sie es beruhen und küsste ihren liebeshungrigen Schatz voller Liebe zurück. Denn auch ihr tat es gut nach der enttäuschenden negativen Nachricht von heute Morgen und der ganzen Aufregung um die fast verpasste Hochzeit ihren Liebsten einfach nur bei sich zu spüren. Mit einer Leichtigkeit, wie nur er sie vermochte, nahm er ihr jegliche Anspannung. Sie fühlte sich geborgen und beschützt. Alle Sorgen und Probleme waren auf einmal wie weggeblasen. Alles war gut und würde gut bleiben, solange sie nur zusammen waren und sich Halt gaben.

Gabi und Mehdi sahen indessen verlegen zu Gordon rüber, der mit den Händen in den Hosentaschen seines legeren grauen Anzugs ratlos an seinem RTW lehnte und auch nur mit den Schultern zucken konnte, sich schließlich augenrollend von dem sich verschlingenden Paar abwandte und in Gedanken die offene Tür des Krankenwagens schloss. Es war schließlich Mehdi, der flüsternd die Initiative ergriff. Schließlich musste es ja irgendwie weitergehen.

Mehdi: Vielleicht sollten wir erst einmal in der Kirche Bescheid geben, dass ihr jetzt da seid und die Trauung gleich losgehen kann. Ich glaube, die beiden brauchen noch einen Moment.
Gordon (blickt amüsiert wieder zu dem knutschenden Paar): Man könnte fast meinen, die beiden sind diejenigen, die vorm Altar erwartet werden.

Während Mehdi lachend zustimmte, gab Gabi nur ein verächtliches Schnaufen von sich und ließ sich von ihrem Schatz kopfschüttelnd zur Kirche ziehen. Gordon trottete ihnen mit etwas Sicherheitsabstand hinterher. Und das zu Recht. Denn als seine beiden Kollegen den Eingang der Kirche erreicht hatten, blieben sie davor stehen und Dr. Kaan nahm sich ein Beispiel an Dr. Meier. Er zog seine Freundin nämlich auch spontan in die Arme und gab ihr einen langen innigen Kuss, der gefühlvoll erwidert wurde. Arm in Arm betraten sie anschließend das Kirchengebäude, wo sie raunend von der Hochzeitsgesellschaft begrüßt wurden.



Tadaaa! Hier habt ihr die Kleider unserer Mädels: Image and video hosting by TinyPic


Gretchen Haase





Gabi Kragenow





Quelle: Google Pics

Lorelei Offline

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26.11.2012 14:39
#1361 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Dr. Meier und Dr. Haase hätten sich vermutlich ewig ineinander verloren, wenn nicht während ihrer äußerst gefühlvollen Begrüßung ein entscheidendes Detail völlig in Vergessenheit geraten wäre. An der Tür des Krankenwagens, vor der sie sich etwas abseits liebevoll umarmten und die Gordon unachtsam wieder zugeschoben hatte, stand schon seit geraumer Zeit eine schüchterne Krankenschwester im spitzebesetzten Hochzeitskleid, die es nach einigem ruckligen Hin und Her irgendwie geschafft hatte, die schwere Schiebetür des RTW ohne Hinzufallen wieder aufzubekommen, nachdem sie dahinter wie auf Kohlen ungeduldig auf ihren großen Auftritt gewartet hatte, zu dem man sie aber noch immer nicht abgeholt hatte, was ihr so langsam spanisch vorkam, und die nun gar nicht wusste, wo sie ihre verlegenen Blicke zuerst hinwenden sollte, so innig wie sich das Liebespaar vor ihren Augen liebkoste und nun, nachdem es einmal kräftig nach Luft geschnappt hatte, verliebt miteinander plänkelte...

Marc (atemlos): Hallo meine Schöne!
Gretchen (ebenso aufgewühlt öffnet sie ihre Augen u. strahlt ihren Prinzen an): Hallo!
Marc (streicht Gretchen lächelnd mit seiner freien Hand, die nicht wie die andere an ihrer Taille liegt, über die Wange u. gibt ihr erneut einen stürmischen Kuss auf ihre sinnlichen Lippen): Endlich!
Gretchen (grient den bis über beide Ohren verliebten Mann schmunzelnd an u. verschränkt ihre Arme fest hinter seinem Nacken, um ihm weiterhin so nah zu sein): Wow! Also wenn ich gewusst hätte, dass du mich sooooo doll vermissen würdest, dann hätte ich schon früher einmal eine Nacht woanders verbracht. Ich kann ja Sabine fragen, ob sie mir ihr...
Marc (lockert seinen Klammeraffengriff u. blitzt den blonden Frechdachs gespielt drohend an, als er sie unterbricht): Untersteh dich!
Gretchen (grinst u. geht gar nicht weiter darauf ein u. kuschelt sich stattdessen nur noch anschmiegsamer in seine starken Arme): Du hast mir auch gefehlt. Du kannst dir gar nicht vorstellen wie sehr.
Marc (sein Blick wird mit einem Mal nachdenklicher, als er ihr Gesicht aufmerksam mustert): Ich weiß. Alles ist gut, ok?
Gretchen (bemerkt verwundert die Veränderung in seiner Stimme u. hebt neugierig ihren Kopf von seiner Schulter, an die sie sich gerade erst geschmiegt hatte): Ist irgendwas?

Gretchen löste ihre Umarmung, nahm stattdessen seine eiskalten Hände in ihre und hielt sie vor ihrem Körper fest umschlossen. Dann schaute sie ihren Liebsten mit forschender Miene an, der wie vorhin am Telefon seltsam ernst und bedrückt auf sie wirkte, und versuchte etwas in seinen Augen zu lesen. Marc, der innerlich mit sich kämpfte und sich am liebsten selbst ohrfeigen würde, weil er sich so schnell etwas hatte anmerken lassen, nickte nur leicht merklich mit dem Kopf und suchte zögerlich Blickkontakt mit seiner aufmerksamen Liebsten, den er sogar aufrechterhielt. Er antwortete jedoch nicht.

Gretchen: Du sagst es mir aber?

...fragte die besorgte Assistenzärztin unsicher, der nicht entgangen war, dass ihm etwas auf dem Herzen lag. Wieder nickte der stolze Oberarzt mit einem scheuen Lächeln auf seinen zusammengepressten Lippen. Gretchens Blick klebte die ganze Zeit an seinen stechend grünen Augen, deren Pupillen unruhig hin und her wanderten. Sie spürte instinktiv, dass etwas war, was Marc belastete. Aber sie respektierte auch, dass er im Moment nicht darüber sprechen wollte.

Gretchen: Später?

...fragte sie fast schüchtern nach, um ihn nicht zusätzlich unter Druck zu setzen. Anstatt ihr zu antworten, legte Marc seine Stirn an die von Gretchen, atmete einmal tief ein und aus und sah seiner Freundin anschließend beruhigend in ihre glasigen himmelblauen Augen, so dass sich auch bei ihr die innere Anspannung wieder löste. Egal, was war, sie sah Marc deutlich an, dass er wirklich mit ihr darüber reden wollte. Das war ein Fortschritt. Dazu wäre er früher vermutlich nie bereit gewesen. Aber es machte sie auch in gewisser Weise stolz, dass er ihr jetzt soweit vertraute, ihr seine Sorgen und Probleme anzuvertrauen und ihnen nicht mehr mit Coolness und Ignoranz begegnete, wie er es sonst immer getan hatte. Gretchen ahnte die ganze Zeit schon, in welche Richtung seine Gedanken gehen könnten. Elkes Anruf! Aber jetzt war nicht der Moment für solch ein wichtiges Gespräch. Auch wenn sie gerne selbst reden wollte. Sie hatte ihm schließlich auch noch etwas mitzuteilen, auch wenn es ihr schwer fallen würde, ihn damit noch zusätzlich zu belasten, gerade wo er doch schon so unglücklich wegen seiner verschwundenen Mutter war, die nun offenbar endgültig alle Brücken hinter sich abbauen wollte. Wieso tat sie ihm das nur an? Er war doch auch nur ein kleiner Junge, der geliebt werden wollte.

Gretchen schlang ihre Arme beschützend um Marcs Rücken. Er tat es ihr gleich. Ihre gegenseitige Umarmung wurde immer fester. Tröstlicher. Wie ein Rettungsanker auf offener stürmischer See. Sie krochen gegenseitig mit den Armen unter den Mantel des anderen. Und so standen sie einen Moment lang da in der verschneiten Dorfidylle und hielten sich einfach nur Wange an Wange fest, während die Sonne ihre Gesichter kitzelte und ihnen ein kleines erlösendes Lächeln abrang. Sie fühlten sich wohl in der dörflichen Stille, die nur durch ein wiederholtes zaghaftes Räuspern unterbrochen wurde, welches nach mehreren einschüchternden Fehlversuchen diesmal auch endlich Gehör fand. Schlagartig öffnete die schöne Trauzeugin ihre himmelblauen Augen. Mit einer hektischen Bewegung löste sie sich von ihrem anlehnungsbedürftigen Freund und drehte sich hastig zum Krankenwagen um. Mit einem beschämten entschuldigenden Lächeln blickte sie Sabine in die Augen, die dieses erleichtert mit beruhigender Ruhe erwiderte, und eilte schließlich zu ihr.

Gretchen: Sabine!

Auch Dr. Meier reagierte nun endlich und wandte sich irritiert herum. Er hatte gar nicht gemerkt, dass sie nicht unbeobachtet geblieben waren. Als er seine Stationsschwester im RTW nach mehrfachem Hinsehen endlich als diejenige welche erkannt hatte, verschlug es Sabines Chef im ersten Moment tatsächlich die Sprache. Und diesmal nicht, weil sie sich auf Station mal wieder komplett dämlich angestellt hatte.

Marc: Schwester Sabine!? ... Sie... Sie sehen ja tatsächlich wie eine echte Dings... ähm... Braut aus?

...gab er perplex von sich und starrte mit weit aufgerissenen Augen fragend zu Gretchen, die den Ignoranten dafür mit einem bösen Blick tadelte.

Gretchen: Natürlich Marc! Wie sollte sie denn sonst aussehen? Sei so lieb und hilf ihr bitte!

...wies sie Marc streng an und deutete auf Sabines zitternde linke Hand. Die rechte hatte sie nämlich selbst schon ergriffen, um ihr aus den Krankenwagen helfen zu wollen. Widerwillig ergab sich der grummelige Oberarzt seinem Schicksal und half der Braut augenrollend aus ihrer misslichen Lage. Zum Glück hatte er sie länger als nötig an ihrem eiskalten Händchen festgehalten. Denn als Schwester Sabine den ersten aufgeregten Schritt in Richtung Kirche setzen wollte, rutschte sie doch tatsächlich auf der einzigen millimeterkleinen zugefrorenen Pfütze auf dem Weg aus. Doch Marc bekam sie noch rechtzeitig zu fassen und wirbelte den hysterisch aufkreischenden Tollpatsch zu sich herum, der nun durch die hektische tanzähnliche Bewegung ungebremst direkt gegen seinen gestählten Heldenkörper prallte. Verlegen senkte Sabine ihren Blick, als ihr Oberarzt sie an beiden Schultern packte und die wackelige Braut wieder aufrichtete. Ein verschmitztes Grinsen konnte Marc sich natürlich nicht verkneifen.

Marc: Nana, nicht so stürmisch, Schwester Sabine! Auch wenn das Bedürfnis sicherlich groß ist so kurz vor dem Gang zum Schafott, aber fremdgetatscht wird nicht! Und Sie wollen doch schließlich von dem Leichenfled... äääähhhhh.... Günni heile und in aller Unschuld empfangen werden, ne?
Gretchen (klatscht dem frechen Sprücheklopfer empört auf den Arm): Marc!
Sabine (läuft knallrot an u. schaut verlegen auf ihre weißen Brautschuhe, deren Spitzen unter dem weiten Brautkleid hervorlugen): Ja!
Marc (zwinkert erst Gretchen, dann Sabine grinsend zu): Gut! Na dann?
Gretchen (blitzt Marc tadelnd an, während sie Sabines wunderschönes Kleid zurechtzupft, ihre Haare u. den darin kunstvoll eingearbeiteten Schleier richtet u. ihr anschließend den Brautstrauß in ihre zitternden Hände drückt): Danke Marc! So ich glaube, wir sollten die anderen nicht mehr länger warten lassen, hmm. Dein Günni wartet sicherlich schon ganz ungeduldig.

Gretchen lächelte Sabine auffordernd an. Die aufgeregte Braut nickte nervös mit ihrem Köpfchen, in dem heilloses Durcheinander herrschte, und blickte in Richtung Kirche, wo bereits die Kirchenglocken angefangen hatten zu läuten. Doch Sabine konnte sich einfach nicht rühren. Die hochzeitswillige Krankenschwester war so nervös und durcheinander, dass sie sogar für einen Moment verlernt hatte, wie man einen Schritt vor den anderen setzte. Die aufmerksame Trauzeugin, der dies nicht entgangen war, half ihr schließlich auf die Sprünge und hakte sich bei ihr unter. Und so schritten die beiden Freundinnen zusammen Arm in Arm zur Kirche, wo sie bereits ungeduldig erwartet wurden. Marc war derweil an Ort und Stelle stehen geblieben und blickte den beiden Frauen nachdenklich hinterher.

Ein Gedanke hatte ihn wieder erfasst, der ihn schon seit gestern nicht mehr losgelassen hatte und sich nach den neusten Neuigkeiten nur noch mehr verfestigt hatte. Nur dass er überhaupt nicht wusste, wie dieser umzusetzen wäre. Aber vielleicht war das alles ja wirklich nur eine bescheuerte Schnapsidee? Ein kindisches Hirngespinst. Er stand ja völlig neben sich. Genau das war es! Die Ereignisse der letzten Stunden und Tage hatten ihn fast durchdrehen lassen. Er musste endlich wieder klar werden. Für sich und für Gretchen. Sah sie nicht schön aus heute? Zum Verlieben! Der abgelenkte Chirurg schüttelte wegen seiner abstrusen hin und her schwankenden Gedankengänge den Kopf, konnte aber dennoch nicht aufhören, ihr bewundernd hinterher zu starren. Vor der Kirchentür angekommen, merkte Marcs Freundin, dass etwas nicht stimmte und drehte sich um. Verwundert schaute sie zu ihrem Traumprinzen rüber, der sich noch immer nicht vom Fleck weggerührt hatte.

Gretchen: Einen Moment, Bine! Ich bin gleich wieder da. Warte hier!

...entschuldigte sie sich bei ihrer Freundin, die ihr lächelnd zunickte und diesen letzten Moment der Ruhe nutzte, um sich zu sammeln und gedanklich auf das Jawort und ein Geständnis vorzubereiten, und lief eilig den verschneiten Weg zurück zur Straße vor. Vor ihrem Schatz, der sie gar nicht auf sich zu kommen gesehen hatte, blieb sie stehen und sprach ihn aufgeregt an.

Gretchen: Was ist? Kommst du nicht mit in die Kirche, Marc?
Marc (räuspert sich verwirrt, weil er plötzlich das vertraute azurblaue Augenpaar wieder direkt vor sich sieht): Du weißt, ich hab’s nicht so mit Kirchen.
Das ist es? Denkt er immer noch an diese längst vergessene Episode meines Lebens?
Gretchen (runzelt die Stirn): Marc! Ich stehe zwar mit am Altar, aber die Hauptpersonen sind diesmal andere. Unsere Freunde!
Marc: Das weiß ich doch.
Gretchen (spürt den deutlichen Unterton in seiner Stimme): Aber?
Marc (schaut sich suchend um u. entdeckt etwas an einer Ecke der Straße, was ihn erleichtert aufseufzen lässt, denn die Idee in seinem Kopf nimmt endlich eine klare Form an, wenn ihm denn das Glück hold bleibt): Kein Aber! Ich ... ich komm gleich nach. Ich muss nur kurz... ähm... noch wohin.

Wo will er denn jetzt noch hin? Aufs Klo oder was? Marc benimmt sich heute echt widersprüchlich. Ich hätte wissen müssen, dass ihm das heute alles zu viel wird. Mein armer Schatz! Wenn der Kirchgang vorbei ist, kümmere ich mich nur noch ausschließlich um dich.

Gretchen (bleibt misstrauisch): Okay!? Aber du kommst wirklich nach? Mir bedeutet der Tag heute wirklich viel.
Marc (legt lächelnd eine Hand an ihre Wange): Versprochen!
Gretchen (sieht ihn mit glänzenden Augen an): Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen.
Gott, Haasenzahn, weißt du eigentlich, wie süß du gerade bist? Genau dafür liebe ich dich! Und genau deshalb mache ich das ja auch. Ich hoffe nur, es klappt, so wie ich es mir vorstelle, und ich mache mich nicht komplett zum Horst. Boah Meier, du bist echt bescheuert!
Marc (lacht u. beugt sich zu einem Kuss heran): Genügt dir das als Pfand?

Zaghaft legte Marc seine warmen Lippen auf ihren Mund. Gretchen seufzte wohlig auf, als das vertraute Kribbeln sie erfasste, und schlang instinktiv ihre Arme um seine Taille. Doch Marc zog sich viel zu schnell wieder zurück und lächelte sie an. Gretchen zog dementsprechend schmollend eine Schnute. Marcs Lächeln wurde breiter.

Marc: Mehr?

Gretchen nickte eifrig mit dem Kopf und strahlte ihr Herzblatt vorfreudig an wie die Sonne, die gerade ihre blonden Haare goldig schimmern ließ. Marc schüttelte nur schmunzelnd den Kopf und wandte sich zum Gehen um, um sich im nächsten Moment jedoch noch einmal herumzudrehen und die beide Enden von Gretchens rosafarbenem Mantel zu packen. Mit einem kraftvollen Ruck, der sie fast von den Füßen riss, zog er den süßen Schmollhaasen in seine Arme und presste stürmisch seine Lippen auf die ihren. Forsch drang seine Zunge in ihren leicht geöffneten Mund ein und umtänzelte die ihre. Stöhnend beugte sich Gretchen ihm entgegen und fuhr unter dem Einfluss des stürmischen Kusses mit ihren Händen seinen Rücken hinab, bis sie seinen Po erreicht hatte, in den sie nun neckisch hinein kniff, weil er sie so geärgert hatte. Schmunzelnd löste Gretchens Märchenprinz die innige Umarmung auf und sah den Frechdachs gespielt tadelnd an, der ihn mit Unschuldsmiene angrinste...

Marc: Nanana! Wer wird sich denn gleich vor dem Gang in die Kirche noch versündigen?

Gretchen griente ihren Machomann triumphierend an, streckte ihm die Zunge heraus und drehte sich auf der Stelle um, um in Windeseile zurück zu Sabine zu eilen, vor der sie stehen blieb und sich noch einmal umwandte, um Marc eine Kusshand zuzuwerfen. Er hatte sein Mädchen natürlich keine Sekunde aus den Augen gelassen, wie sie mit hoch gerafftem Kleid und wehendem Haar engelhaft davon geschwebt war, und fing ihren zugeworfenen Kuss ein und hielt sich seine Hand nun theatralisch gegen seine linke Brust. Gretchen kicherte. Dann drehte auch er sich um und überquerte in schnellen Schritten die Dorfstraße, um seine geniale Idee in die Tat umzusetzen. Was er wohl vorhatte, fragte sich Gretchen mit zunehmender Neugier, ließ sich aber dann von der knarrenden Kirchentür davon ablenken, in der nun ein kleines Mädchen in einem süßen weißen weiten Kleid erschien, das auf einmal aufgeregt losquiekte, so dass auch die Braut Sabine erschrocken zusammenzuckte, die gerade mit ihren Gedanken ganz woanders gewesen war.

Sarah: SIE SIND DA!

...quiekte Sarah Hassmann fröhlich, was durch die ganze Kirche schallte und ihre Mutter auf ihrem Platz peinlich berührt zusammensinken ließ. Schmunzelnd ging Gretchen vor der kleinen Schreihälsin in die Knie und tätschelte ihr liebevoll über ihr mit Schmetterlingsspangen hochgestecktes Haar. Hinter ihr erschien in dem Moment Lilly Kaan, die genauso zuckersüß aussah wie die Tochter von Dr. Hassmann, und zwinkerte ihr zu. Lilly lächelte und fiel ihrer großen Freundin glücklich in die Arme, die sie fest an sich drückte und dann ausgiebig von Kopf bis Fuß musterte.

Gretchen: Ihr seht aber toll aus.
Lilly (strahlt über beide Backen): Du aber auch, Gretchen. Ich mag die Farbe.
Gretchen (fühlt sich sichtlich geschmeichelt u. beugt sich zu ihr herab): Dankeschön! Und ich verrate dir auch ein Geheimnis. ... Ich auch.

Lilly kicherte fröhlich und schaute nun mit immer größer werdenden Augen zu der wunderschönen Braut neben Gretchen, die sie nun artig begrüßte. Sabine lächelte, als auch das andere Blumenmädchen ihr ehrfurchtsvoll die Hand reichte. Gretchen hätte heulen können vor Rührung, so süß war dieser Moment. Aber sie erinnerte sich gleichzeitig auch daran, dass sie heute einen wichtigen Job zu erfüllen hatte, und schritt nun entschlossen zur Tat...

Gretchen: So ihr Süßen, stellt ihr euch jetzt bitte auf! Es geht los! ... Bist du bereit, Bine? ... Du musst überhaupt nicht aufgeregt sein. Günni liebt dich.

Gretchen positionierte die beiden Mädchen und die beiden anderen zuckersüßen Blumenkinder vor der Braut, dem sie alle vier artig Folge leisteten, und reichte ihnen mit Kates und Azadehs freundlicher Unterstützung die reichlich gefüllten Blumenkörbchen, welche die vier nun fest umschlossen in ihren kleinen zitternden Händchen hielten. Aufgeregt schauten sie immer wieder nach hinten, während Gretchen Sabine den wärmenden Bolero und die Handschuh abnahm und das Brautkleid zurechtzupfte, bis es perfekt saß. Anschließend drückte sie ihrer aufgeregten Freundin noch einmal ermutigend die Hände, schaute ihr tief in die Augen und wünschte ihr alles Glück der Welt. Dann ließ sie sie mit den Kindern alleine zurück und lief eiligen Schrittes den schmalen Gang zum Altar vor und zwinkerte unterwegs der einen oder anderen Kollegin zu und wich auch dem strengen Blick ihrer Mutter aus, die wegen der Verspätung tadelnd den Kopf schüttelte und ihrem Mann etwas zuflüsterte. Dieser nickte seiner Tochter jedoch ermutigend zu und gab seiner schmollenden Ehefrau einfach einen kleinen Kuss auf die Lippen, damit sie Ruhe gab, was auch erfolgreich war, denn sie lächelte ihren Mann nun verliebt an und hielt tätschelnd seine Hand.

Gretchen legte derweil schnell ihre und Sabines Sachen beiseite, begrüßte höflich den Herrn Pfarrer, den nervösen Bräutigam und dessen Trauzeugen, den Mann von Günnis Cousine, und platzierte sich neben dem Altar. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals und sie war mindestens genauso nervös wie die Braut selbst am anderen Ende des Gangs, die bereits hinter den breiten verzierten Holzschwingtüren, die Kate und Azadeh ihr hilfsbereit aufhielten, zu sehen war. Ein Blick zu Dr. Gummersbach auf der anderen Seite des Altars zeigte der Trauzeugin, dass er völlig hin und weg von seiner wunderschönen Braut war. War er vorher noch zappelig auf der Stelle von einem Fuß auf den anderen getreten, so war er plötzlich ganz ruhig und starrte mit rührseligem Blick nach hinten. Gretchen glaubte sogar, das eine oder andere Tränchen in seinen Augen erkennen zu können. Ein Anblick, der ihr richtig das Herz aufgehen ließ und auch bei ihr die Schleusen öffnete.

http://www.youtube.com/watch?v=Fk6Qx9DKEX8

Besonnen schaute sie nun zur Braut, deren Blick auch ihren zukünftigen Gatten fixiert hatte. Und schon setzte die Musik ein und die vier Kinder marschierten auf ein Zeichen von Sabines Freundinnen hin mit einem strahlenden Lächeln Blumen streuend vor der wunderschönen Braut in die Kirche ein, begleitet von einem bewundernden Raunen der Gäste, die sich nun alle langsam von ihren Bänken erhoben, als Schwester Sabine anmutig und ohne zu stolpern an ihnen vorbei schritt und schließlich vor Günni am Altar stehen blieb, der sie aus einem sprachlosen Impuls heraus in seine Arme zog und glücklich an sich drückte. Auf das verlegene Räuspern des Pfarrers hin lösten sich die beiden schließlich peinlich berührt wieder voneinander. Nur Sabines Hand ließ der glückselige Bräutigam die ganze Zeit nicht mehr los, während sie vorm Altar standen. Die Hochzeit des Jahres konnte somit beginnen.



Ihr habt lange darauf gewartet und vermutlich haben viele geglaubt, dass es nicht passieren würde. Aber es passiert tatsächlich! Hier habt ihr sie: das glückliche Brautpaar Gummersbach. Tadaaaa!

Unser Bienchen Image and video hosting by TinyPic




Und ihr glücklicher Bräutigam, der ruhig noch etwas besonnener und mit mehr Güte im Blick dreinschauen könnte





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Lorelei Offline

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30.11.2012 14:17
#1362 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Hallo ihr Lieben! Kurz vorm ersten Advent wird es tatsächlich besinnlich. Hier habt ihr den nächsten Teil von der Hochzeit des Jahres. Image and video hosting by TinyPic Ich hoffe, ihr habt viel Freude daran. Ganz liebe Adventsgrüße und ein dickes Dankeschön an all meine Leser, auch die stillen, die ich hiermit auch mal wieder grüßen möchte. Eure Lorelei



Die kirchliche Trauung von Dr. Gummersbach und Sabine Vögler war bereits seit einigen Minuten im Gange, als genau bei der entscheidenden Frage, ob denn jemand etwas gegen diese Verbindung einzuwenden hätte, plötzlich eine laut knarrende Tür im hinteren Bereich der Kirche zu hören war und sich sämtliche Köpfe des anwesenden Publikums, einschließlich die des sichtlich irritierten Brautpaares, erschrocken nach hinten umwandten und nun ungläubig in das breit grinsende Gesicht von Dr. Marc Meier guckten, der soeben nicht gerade geräuschlos in den Kirchenraum gepoltert gekommen war und jetzt so gar nicht verstand, was für ein Aufsehen alle auf einmal um ihn machten, und der als Spontanreaktion entspannt in Richtung des graumelierten Pfarrers, der den unerwarteten Störenfried mit versteinerter Miene fixiert hatte, mit beiden Händen ein lässiges Peacezeichen andeutete, wofür seine sichtlich entsetzte Freundin vorm Altar am liebsten im nächsten Kellerloch versunken wäre, weil es ihrem lieben Pappenheimer mal wieder an jeglichem Respekt mangelte und ihm offenbar nichts und niemand heilig war, um sie hier und heute vor aller Welt und Gott zu blamieren. Na der konnte was erleben, wenn sie ihn in die Finger bekam. Trotzig verschränkte die schöne Trauzeugin ihre Arme und blitzte ihren unmöglichen Freund am anderen Ende des langen Gangs tadelnd an.

Der irritierten Blicke und dem Getuschel seiner Kollegen zum Trotz schlurfte der lässige Oberarzt nun mit Händen in den Manteltaschen unbeeindruckt den schmalen Kirchengang vor, um sich einen freien Platz in der ansonsten gut besuchten Kirche zu suchen, den er hinter der Bankreihe von Mehdi und Gabi auch tatsächlich fand, die ihn beide augenrollend ansahen und synchron missbilligend den Kopf schüttelten, was Marc mit einem noch breiteren Grinsen quittierte, bevor sie sich wie die anderen Hochzeitsgäste wieder dem Geschehen am Altar widmeten und sich verliebt aneinander kuschelten. Lilly Kaan grinste den Störenfried hinter sich dagegen vergnügt an, stützte ihre Ellenbögen auf der Rücklehne der Bank und ihr Gesicht auf ihren Händen ab und begrüßte ihren supercoolen Lieblingsonkel mit einem herzerweichenden Strahlelächeln, als dieser sich, nachdem er der Zuckermaus zur Begrüßung einmal über das freche Stupsnäschen gestreift hatte, schwerfällig auf die unbequeme Holzbank plumpsen ließ. Eine andere Dame, nämlich die brünette Mittdreißigerin direkt neben ihm, reagierte wegen des plötzlichen Auftauchens des Obermachos des Krankenhauses jedoch alles andere als erfreut. Eben noch den starren Blick fest auf den Bildschirm ihres Smartphones fixiert, ohne auf das aufgeschreckte Gemurmel der anderen Gäste zu achten, sah sie Dr. Meier nun fassungslos in die vergnügt aufblitzenden Augen.

Maria: Jetzt hab ich sie abgeschickt, verdammt! Kannst du nicht aufpassen, du Idiot, du!

...zeterte Maria Hassmann nicht gerade leise los, was ihr tadelnde Blicke der Gäste von der Kirchenseite des Bräutigams her einbrachte, und schaute sichtlich verzweifelt auf das über das Display ihres Telefons huschende Briefchensymbol, das sie auch mit hektischem Hin und Her Tippen nicht mehr stoppen konnte. Marc feixte nur amüsiert und beugte sich über Sarah Hassmanns Kopf hinweg zu der meckernden Oberärztin herüber, um zu spiekern, mit wem die Oberzicke vom Dienst heimlich Smsen schrieb. Obwohl dem plötzlich in seinem Kopf wieder auftauchenden grauenhaften Spielfilm aus düsteren Treppenhäusern nach zu urteilen, konnte er sich die Antwort schon denken. Er verzog angewidert das Gesicht und ignorierte die hartnäckige Kitzelattacke der kleinen Hassmann neben sich, die mit ihren flinken Fingerchen erfolglos nach der Aufmerksamkeit ihres Lieblingsspielkameraden zu haschen versuchte und dabei unachtsam ihr Blumenkörbchen unter die vordere Bank fallen gelassen hatte, nach dem sie nun unter seltsamen akrobatischen Verrenkungen erfolgreich, aber jedoch mit Blütenverlusten angelte.

Um die würde er sich auch noch kümmern, dachte Marc schmunzelnd, als die ungelenke Zappeline ihm aus Versehen einen Fußtritt ans Schienbein gab, während sie sich unter der Bank wieder aufgerichtet hatte. Jetzt bekam erst mal die große Hassmann ihr Fett weg. Denn es war einfach nur herrlich anzusehen, wie die sonst so souveräne Emanze wegen so einer Nichtigkeit wie einer verschickten Mms so aus der Haut fuhr. Er liebte es einfach, seine Konkurrentin um den Chefarztposten bis aufs Blut zu reizen und so hatte er wenigstens eine befriedigende Beschäftigung während der langweiligen Zeremonie, die ihn eh nicht sonderlich interessierte und die er nur wegen Haasenzahn besuchte, die ihm immer wieder verstohlene Blicke zuwarf und sichtlich erleichtert registrierte, dass ihr Marcischnuckiputzi offenbar seine gute Laune zurückgefunden hatte. So wie der gerade über beide Backen grinste und seine süßen Grübchen präsentierte. Ein verträumtes Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht und sie konnte gar nicht mehr böse sein wegen seines unmöglichen Auftritts gerade eben. Aber die verliebte Assistenzärztin hörte ja auch nicht mit, wie ihr spiellauniger Schatz gerade ihre Freundin aufzog...

Marc: Nanana! Heimlicher Sms-Verkehr und Fluchen in den heiligen Hallen Gottes. Also, ich kenn mich ja mit dem ganzen Kram nicht so sonderlich gut aus, aber ich glaube nicht, dass das hier erlaubt wäre. Das entspricht doch bestimmt so einigen Vater-Unser und Rosenkränzen und weiß der Geier was noch für päpstliche Bullen als Abbitte? Aber hey, da drüben ist der Beichtstuhl. Geh nur und wasch dich rein! Ich kümmere mich derweil um die Kurze hier.

Wenn Blicke töten könnten, Marc Meier hätte vermutlich in dem Moment das Zeitliche gesegnet und das nicht durch Überkitzelung durch kleine Mädchenhände. Maria blitzte den Sprücheklopfer zickig an und wäre ihm am liebsten an die Gurgel gesprungen, wenn sie nicht gerade mitten während einer Hochzeit in einer Kirche neben ihrer kleinen Tochter gesessen hätte. Also versuchte sie, ruhig zu bleiben und den Oberarsch vom Dienst anderweitig zur Strecke zu bringen.

Maria: Sehr witzig, du Blödmann! Wer im Glashaus sitzt, der möge nicht mit Steinen werfen. Oder wie heißt das? Ich lass dir also gerne den Vortritt. Denn bis du mit deinem Sündenregister durch bist, dann sind meine banalen Wortentgleisungen schon längst verjährt.

Wo sie Recht hat, hat sie Recht.

Marc nickte anerkennend mit dem Kopf und hätte seiner Kollegin fast noch zu ihrer überraschend schlagfertigen Antwort applaudiert, wenn er nicht mitten in einem Festgottesdienst gesessen hätte. Maria hätte ihm aber wahrscheinlich auch dann nicht weiter zugehört, denn sie rang bereits wieder mit sich und der Technik in ihren Händen. Das Display ihres Handys leuchtete nämlich auf und vermeldete ihr gerade die Ankunft einer neuen Nachricht, die sie eigentlich gar nicht haben wollte. Zum Glück hatte sie ihr Telefon auf Stummmodus geschaltet. Das hätte sonst noch peinlicher werden können, als es eh bereits war. Verdammt! Sie hatte das alles nicht gewollt. Nur weil ER sich ein Foto von seiner Tochter wünschte und sie deshalb heute Morgen so komisch angeglüht hatte, hieß das doch nicht gleich, dass sie ihm diesen Gefallen auch noch erfüllen musste. Wie hatte sie es überhaupt zulassen können, dass er sie so hinterhältig manipulierte? Mistkerl! An welchen Knöpfen hatte er gedreht, abgesehen von den offensichtlichen? Maria wurde augenblicklich rot und versuchte die unsinnigen Bilder, die ihr gerade im unpassenden Augenblick durch den Kopf schossen, abzuschütteln. Es gelang ihr eher mittelprächtig.

So sollte es wirklich nicht laufen. Sarah war tabu. Zumindest im Moment. Und sie wollte nun mal die Oberhand behalten. Sie musste sie behalten. Er sollte nicht schnippen und sie sofort springen. So war sie nicht. Außerdem war das ein Missverständnis gewesen, redete sich Dr. Hassmann die Peinlichkeit schön. Ein unkontrollierter Muskelreflex. Nicht mehr und nicht weniger. Sie hatte doch nur das niedliche Bild betrachten wollen, das ihre Tochter mit ihrer Freundin vorm geschmückten Altar zeigte. In mädchenhafter Modelpose wohlgemerkt. Sarah hatte so süß gelacht und sie sah wie ein Engel in dem blütenweißen Kleid aus. Ein Engel, der es faustdick hinter den Ohren hatte nebenbei bemerkt, aber das sollte die alleinerziehende Mutter später noch merken. Wieso machte sie nur so selten Fotos von ihr? Das musste sich ändern, hatte sich Maria überlegt. Sie hatte doch selbst nicht gewusst, warum sie dann plötzlich SEINE Adresse aufgerufen hatte. Und im selben Moment war es auch schon passiert.

Nur weil dieser blöde, blöde Idiot ihren abstrusen Gedankengang gestört hatte, hatte sie aus Versehen auf Senden gedrückt. Eigentlich müsste sie Schmerzensgeld von ihm verlangen. Wegen seelischer Grausamkeit oder so. Und von Gretchen gleich mit. Die hatte ihr das alles doch erst eingebrockt mit ihrer immer wiederkehrenden Lobrede auf Dr. ‚Oberarsch’ Stier. Vielleicht hatte er sich ja geändert? GRRR! So naiv konnte doch wirklich nur die Haase sein. Aber trotzdem, was sollte sie Rick denn nun antworten? Maria wollte gar nicht wissen, was er ihr gerade zurückgeschrieben hatte. Nein, nein, nein! Also schaltete die Ärztin das Telefon entschlossen aus und ließ es in ihrer Handtasche verschwinden, bevor sie noch komplett durchdrehte und sich noch so einen Fauxpas leistete. Was IHN betraf, brauchte sie einfach einen klaren Kopf. Sie brauchte Abstand, um sich klar zu werden, was die letzte Nacht zu bedeuten hatte. Sie konnte sich jetzt nicht mit ihm auseinandersetzen. Nicht jetzt. Nicht hier. Und heute schon einmal gar nicht. Er hatte doch jetzt erst einmal das, was er wollte.

Wieder etwas ruhiger, aber immer noch mit einem deutlich erhöhten Pulsschlag lehnte sich Maria Hassmann an die unbequeme Banklehne zurück, nachdem sie sich vorher noch ein weiteres Kissen in den Rücken geschoben hatte. Marc hatte die sichtlich verwirrt wirkende Neurochirurgin währenddessen mit neugierigen Blicken beobachtete und die Rädchen in seinem Gehirn rotierten auf Hochtouren. Madame Oberzicke hatte also dunkle schmutzige Geheimnisse, dachte er sichtlich amüsiert und überlegte schon angestrengt, wie er dieses Wissen zu seinem Vorteil nutzen könnte. Im selben Augenblick wurde er jedoch abgelenkt, als er es plötzlich an seinem rechten Ärmel ruckeln bemerkte. Er sah verwundert an sich herab und verdrehte die Augen, als er direkt in ein strahlendblaues Kulleraugenpaar guckte, das ihn neugierig musterte wie ein Bambi den gefüllten Futtertrog. Er runzelte die Stirn und zog misstrauisch eine Augenbraue nach oben, um die flatterige Motte abzuwehren. Aber da war es bereits zu spät. Sie hatte nämlich schon ihr freches Mundwerk aufgeklappt. Mit eindeutiger Absicht, ihn zu Tode zu nerven.

Sarah (vorwurfsvoll): Du bist zu spät!
Marc (zuckt unschuldig mit den Schultern u. lehnt sich lässig zurück): Na und?
Sarah (tadelnd): Das gehört sich aber nicht.
Marc (lässig): Wer sagt das?
Sarah (kleinlaut): Na ich!
Marc (kann nicht ernst bleiben u. beginnt zu schmunzeln, als er sich etwas zu ihr herabbeugt): Klar! Aber weißt du was, ICH darf das. Ich bin Arzt!
Sarah: Mama aber auch.
Marc (grinst spöttisch in Richtung Muttertier): Das behauptet sie.
Maria (in ihrer Ehre gekränkt schaut sie auf): Eh!
Mehdi: Psst!

...kam es plötzlich von vorne geflüstert und unterbrach die vergnügliche Zickenepisode. Mehdi legte seinen Zeigefinger auf seine Lippen und deutete mit der anderen Hand nach vorn, wo es jetzt offenbar ernst wurde. Das Brautpaar war aufgestanden und stand sich nun Hand in Hand gegenüber, während der Pfarrer die alles entscheidende Frage an Dr. Gummersbach richtete. Das ließ nun auch den Meckerkönig und die ungekrönte Meckerprinzessin verstummen, die nun wie alle anderen Gäste auch artig nach vorn blickten.

Pfarrer: ... Und so steht es bereits in der Bibel. Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie stellt sich nicht ungebärdig, sie suchet nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freuet sich aber der Wahrheit; sie verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles. Die Liebe hört niemals auf. Möge Ihre Liebe auch niemals enden, liebes Brautpaar. Wenn Sie sich nun bitte erheben würden? ... Und so frage ich Sie, Dr. Günther Gabriel Gregorius Gummersbach, wollen Sie die hier anwesende Sabine Elisabeth Vögler zu Ihrer angetrauten Ehefrau nehmen, sie lieben und ehren, bis dass der Tod sie scheidet, so antworten Sie mit „Ja, ich will, mit Gottes Hilfe“.

Alles war nun mucksmäuschenstill in der Kirche und wartete gespannt auf die Antwort des aufgeregten Bräutigams, der seine Braut verliebt anlächelte. Alle bis auf Eine, welche die Tragweite der gesprochenen Worte noch nicht kannte und sich auf ihrem unbequemen Platz tierisch langweilte. Viel lieber wollte sie weiter mit dem coolen Onkel Doktor albern. Der konnte nämlich immer so schön Grimassen ziehen. Also ruckelte sie erneut kräftig am Ärmel von Dr. Meier, so dass dieser genervt seinen Blick, der eben noch auf seiner strahlendschönen Freundin gelegen hatte, die gerührt das Brautpaar beobachtete und immer wieder das eine oder andere verstohlene Tränchen mit einem Taschentuch aus dem Augenwinkel wegtupfte, senkte und die freche Göre tadelnd anblitzte, die ihn mit einem unwiderstehlichen Schmollblick anstierte...

Sarah: Darf ich auf deinen Schoss, Maaarc?
Marc: Nein! Und jetzt halt die Klappe, du Plappervogel, und guck nach vorne! Da spielt nämlich die Musik. Also... mehr oder weniger.

...flüsterte Marc mit strenger unmissverständlicher Stimme und schaute wieder nach vorn zum aktuellen Geschehen. Aber Sarah Hassmann wäre nicht Sarah Hassmann, wenn sie diese Antwort akzeptieren würde. Also kraxelte sie einfach ungefragt auf den Schoss ihres grummeligen Banknachbars.

Marc: Was zum...

...erwiderte der überrumpelte Mann verdutzt auf diese unverschämte Nichtachtung seiner Worte und wollte schon in Richtung ihrer Aufsichtspflicht vernachlässigenden Mutter weiterpoltern, die das Ganze amüsiert verfolgt hatte, aber jetzt wie die anderen gespannt nach vorn zum Altar schaute, wo Günni Sabine gerade klar und deutlich ohne zu stottern sein Jawort schenkte, wenn Klein-Sarah nicht in dem Moment ihre dünnen Ärmchen unter seinen warmen Mantel geschoben und soweit um seinen Körper geschlungen hätte, wie sie konnte, und sich nun an seinen flauschigen Pullover gekuschelt hätte. Marc war so perplex, dass er im ersten Moment überhaupt nicht wusste, wie er angemessen reagieren sollte. Er hatte gar keine andere Wahl. Sie hatte ihn mit ihren fiesen Kinderwaffen völlig wehrunfähig gemacht. Das war so unfair! So fies! Aber irgendwie auch süß. Seufzend legte der Überrumpelte eine Hand stützend an ihren Rücken, damit sie nicht von seinem Schoss herunterpurzelte, während er wieder mit verwirrtem Gesichtsausdruck nach vorn schaute, wo Gretchen ihn mit ihren gerührten Blicken fixiert hatte.

Ihr verklärter Blick war auch für ihn entwaffnend und so lächelte er die wunderschöne Trauzeugin mit seinem typischen Marc-Meier-Lächeln an, die dies herzlich erwiderte. Marc mit einem Kind auf dem Arm zu sehen, war auch für sie ein magischer Anblick, der sie nicht mehr losließ und den sie für die Ewigkeit festhalten wollte. Und auch der ungewollte Kinderbetreuer löste sich keine Sekunde von Gretchens fesselnden Blicken und bekam so kaum mit, wie der Pfarrer nun auch der sichtlich aufgeregten Braut die alles entscheidende Frage stellte. Er kriegte noch nicht einmal mit, wie alles in der Kirche plötzlich den Atem anhielt, als Schwester Sabine ihre Antwort immer länger hinauszögerte und stattdessen hektischen Blickkontakt mit ihrer Trauzeugin suchte, die ihr auffordernd zuzwinkerte, doch endlich zu antworten, um den immer größer werdenden peinlichen Moment zu beenden. Doch die Braut brachte zur Verzweifelung von Dr. Gummersbach, der immer blasser wurde, einfach keinen Ton heraus.

Lorelei Offline

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04.12.2012 13:39
#1363 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Nach einem erneuten peinlich berührten Räuspern des ebenso wie Günni unter heftiger Schnappatmung leidenden Pfarrers sah Sabine diesen mit ihren großen treudoofen Kulleraugen entschuldigend an, schnappte sich plötzlich Günnis zittrige Hand und entführte den völlig überrumpelten und über seine eigenen Füße stolpernden Bräutigam unter dem entsetzten Raunen der Hochzeitsgäste, die von ihren Plätzen aufsprangen, in den Beichtstuhl nebenan und zog hastig den Vorhang hinter sich zu.

Pfarrer: Äh... so... so geht das aber nicht. Frau... Frau Vögler, was... was...? Hallo?

...gab Pfarrer Gotthilf protestierend von sich und wedelte sich mit einer Hand Luft zu, als er wie die anderen auch den beiden Flüchtenden ungläubig hinterher schaute. Er stand völlig neben sich und musste sich mit einer Hand an seinem Pult festhalten. Er hatte zwar schon dem einen oder anderen „Nein“ eines Brautpartners beigewohnt, aber das, was sich gerade hier in diesem Moment vor seinen Augen abspielte, das war ihm in seiner gesamten dreißigjährigen Kirchenkarriere noch nicht untergekommen. Dr. Haase, die noch immer von den verliebten Blicken ihres Liebsten verfolgt wurde, der noch nicht einmal die spitzen Kommentare von Frau Dr. Hassmann mitbekommen hatte, dass das mal eine Hochzeit ganz nach ihrem Geschmack sei, versuchte den aufgewühlten Pfarrer mit sanfter Stimme zu beruhigen, auch wenn sie nicht wirklich wusste, wie sie das bewerkstelligen sollte. Sie war ja selber wie vor den Kopf gestoßen und konnte kaum glauben, welche Entwicklung die bis dahin ganz ruhig und geordnet verlaufene Hochzeit auf einmal genommen hatte.

Gretchen: Äh... Das ähm... ja... Einen Moment, bitte, Herr Pfarrer! Ich bin mir sicher, die beiden kommen gleich wieder zurück. Die beiden haben nur noch etwas zu klären, denke ich.

Gott, Sabine, warum ausgerechnet jetzt? Hättest du die zwei Minuten nicht noch warten können, Gewissensfrage hin oder her? Hilfe, mein Puls rast! Was mache ich denn jetzt? Und was mache ich erst, wenn Günni nicht... Nein! Bloß nicht daran denken! Alles... wird... gut!

Die gutmütige Trauzeugin, deren Herzschlag sich vor lauter Aufregung heftig beschleunigt hatte, hatte diesen Gedanken kaum zu Ende gedacht, da hörte man plötzlich einen dumpfen Aufschlag und einen schrillen Kreischton, der alle in der Kirche erschrocken zusammenzucken ließ und nun auch Marc aus seinen verträumten Gedanken aufweckte, in denen seine spontane Idee gerade immer mehr Formen angenommen hatte. Dem hippokratischen Eid verpflichtet, sprang er von seiner Bank auf und drückte der verdutzten Oberärztin ihre Tochter wieder in die Arme, die natürlich deswegen quengelnd protestierte, weil es so schön kuschelig in Marcs Armen gewesen war und sie gerade am Wegdösen gewesen war. Marc folgte seiner Freundin, die den perplexen Pfarrer am Altar stehen gelassen hatte, und Mehdi, der ebenfalls aufgesprungen war, um zu helfen, zum Beichtstuhl, aus dem jetzt zwei schlanke Anzugbeine unter dem Vorhang hervorlugten. Er tauschte mit Gretchen und Mehdi fragende Blicke aus, die auch nur ratlos mit den Schultern zucken konnten, und riss den dunkelroten Samtvorhang schließlich mit einem kraftvollen Ruck entschlossen zur Seite, um ihn eine halbe Sekunde später unter dem ungläubigen Raunen der Hochzeitsgäste, die auch gerne einen neugierigen Blick riskiert hätten, wieder zuzuziehen und dann in Mehdis Arme zu taumeln, der direkt hinter ihm gestanden hatte und den verschreckten Oberarzt jetzt unter einem amüsierten Grinsen stützen musste, während Gretchen neben den beiden knallrot angelaufen war und nun verlegen ihren Blick senkte. Sie hatte es ihm also gesagt! Und er hatte reagiert! Wie man(n) eben in solchen Situationen reagierte. Genauso, wenn auch etwas dezenter, hatte sich Sabines Freundin das vorgestellt. Die ganze panische Aufregung gestern, heute, jetzt hätten sie sich also sparen können. Aber so war es nun mal in der Liebe. Immer das ganz, ganz große Drama, bevor die ganz große Liebe begann. Darin war sie ja selbst die beste Expertin.

Marc (verzieht angewidert sein Gesicht): Ich glaub, ich bin blind.
Gretchen (stößt ihm tadelnd in die Seite): Marc!
Pfarrer (kommt näher u. wirkt verärgert, weil man offenbar sein Gotteshaus zum Narren hält): Was ist denn nun? Wird heute noch geheiratet oder nicht? Wenn nicht, dann müsste ich Sie jetzt alle bitten, die Kapelle doch bitte zu verlassen.
Mehdi (versucht ruhig und besonnen zu schlichten): Es ist alles in Ordnung, Herr Pfarrer. Es kann gleich weitergehen.

Und tatsächlich! In dem Moment lüftete sich der Vorhang wieder. Auch wenn Günni noch etwas wackelig auf den Beinen erschien, so gelang es ihm dennoch, gestützt von seiner liebreizenden Beinahe-Frau entschlossen zurück zum Altar zu schweben. Natürlich waren die beiden peinlich berührt wegen des Chaos, das sie gerade ungewollt hervorgerufen hatten. Aber dennoch lag ein besonderer Glanz in den Augen des Bald-Ehepaares, den nur Gretchen Haase erkennen konnte, während sich alle, die anwesenden Krankenschwestern und Lernschwester Bärbel im Speziellen, tuschelnd fragten, was da wohl gerade vorgefallen war. Gretchens Herz schlug gleich ein paar Umdrehungen schneller, als sie sich, nachdem sie kurz den perplexen Marc voller Glück und Vorfreude umarmt hatte, an ihren Platz zurückstellte, und sie grinste glücklich in die Runde verdutzter Gesichter. Ihr Blick traf Gabi in der zweiten Reihe, zu der und Lilly sich Mehdi gerade wieder gesetzt hatte. Ein Blick auf das Brautpaar genügte und die Krankenschwester verstand und grinste zurück, was Mehdi verwundert registrierte.

Mehdi: Weißt du, was da gerade los war?
Gabi (gespielt unwissend schmiegt sie sich an seine Seite u. träumt in Gedanken von ihrer eigenen Enthüllung): Nö! Vermutlich der letzte Hochzeitspanikanfall. Kennt man doch.
Mehdi: Naja, in diesem Ausmaß nicht unbedingt direkt vorm Altar.

...murmelte der Gynäkologe sichtlich verwirrt und schaute zu Lilly herab, die auch nur unwissend mit den Schultern zucken konnte und das alles als Teil der Veranstaltung ansah und sich nun an den anderen Arm ihres Papas kuschelte. Auch Marc war zurück zu seinem Platz neben den Hassmann-Frauen geschlurft, während der Pfarrer vorn am Altar noch mit den richtigen Worten rang. Die kleine Sarah blickte den Oberarzt fragend an, der sich gähnend an die Lehne der Holzbank zurücklehnte und für eine Sekunde seine Augen schloss. Die Welt der Erwachsenen war einfach ein großes spannendes Mysterium für die Sechsjährige, das es unbedingt zu erforschen galt.

Sarah: Ist Sabine krank?
Marc (stupst ihr grinsend an die Nase): Nee, nur nicht von dieser Welt!
Sarah (sieht nun fragend zu ihrer Mutter, die sich ein Schmunzeln nicht verkneifen kann u. die Kleine jetzt auf ihren Schoss hebt): Hä?
Maria (drückt sie fest an sich): Da gibt es eigentlich nichts zu verstehen, mein Schatz. Guck lieber nach vorne! Es geht weiter.

Pfarrer (schaut unruhig in die Runde): Also, wenn sich dann alle wieder beruhigt haben, dann fange ich noch einmal von vorne an. ... Wo waren wir? ... Ah ja! Frau Sabine Elisabeth Vögler, sind Sie gewillt, den hier anwesenden Dr. Günther Gabriel Gregorius Gummersbach zu Ihrem rechtmäßig angetrauten Ehemann zu nehmen, ihn zu lieben und zu ehren, bis dass der Tod Sie scheidet, dann antworten Sie endlich mit „Ja, ich will, mit Gottes Hilfe“.

Wieder hielt die Hochzeitsgesellschaft gespannt den Atem an. Doch Schwester Sabine zögerte diesmal nicht. Mit einem verliebten dankbaren Blick auf Günni gerichtet, drückte sie zärtlich dessen zittrige Hand und antwortete schließlich mit einem strahlenden Lächeln auf den Lippen ganz euphorisch...

Sabine: Ja, ja, ja! Ich will! ... Ich will!

...und fiel ihrem Mann danach spontan um den Hals. Er taumelte etwas, fing sich jedoch rechtzeitig wieder und drückte seine Frau, die ihm so viel bedeutete, glücklich an sich und steckte ihr zittrig den Ehering an den Finger, der nach dem dritten Fehlversuch dann auch endlich passte. Die beiden Frischvermählten küssten sich bereits innig, als der Pfarrer noch sein Schlusswort sprechen wollte...

Pfarrer: Dann erkläre ich Sie hiermit zu Mann und Frau. Sie dürfen die Braut... Ach was soll’s, Sie machen ja eh, was Sie wollen. Ich habe fertig!

Erschöpft gab der Pfarrer auf und ließ sich kopfschüttelnd auf einen Stuhl neben dem Altar fallen und wischte sich den Stressschweiß von der Stirn, während der Jubel und Applaus der anwesenden Gäste losbrach, der den nicht enden wollenden zärtlichen Hochzeitskuss des frisch vermählten Brautpaares begleitete. So eine verrückte Hochzeit hatte er wirklich noch nicht erlebt und er betete innerlich zu Gott, dass er in Zukunft zum Schutz seines schwachen Herzens von solchen Extremhochzeiten doch bitte verschont bliebe. Und auch Dr. Meier musste schmunzeln. Ihn hatte es wirklich vor diesem Tag gegraust und am liebsten hätte er Notschichten im Krankenhaus geschoben, um dem ganzen peinlichen Trara um Liebesschwüre und archaische Rituale aus dem Weg gehen zu können, aber er musste zugeben, das war mal eine Hochzeit ganz nach seinem Geschmack. Verrückt und lustig. Eine Show, die dem Quatsch-Comedy-Club würdig wäre. Und trotz all der Absurditäten und amüsanten Bilder konnte sein Haasenzahn nicht anders, wie Marc mit einem seligen Blick auf dieselbige beobachtete, und tupfte sich heulend die Freudentränen mit einem weißen Taschentuch aus dem Augenwinkel. Dieser Anblick ging nicht nur ihm nahe. Als das Jawort gefallen war, konnten sich auch Mehdi und Gabi nicht zurückhalten und küssten sich zärtlich. Ebenso wie das Ehepaar Haase, das vor ihnen saß und liebevoll die Lippen spitzelte und sich nun glücklich umarmte.

Das frisch vermählte Ehepaar Gummersbach schien währenddessen auch in einer ganz anderen Welt zu schweben. Noch im Kuss vereint, wirbelte Günni ganz entgegen seiner ruhigen und überlegten Art seine Frau einmal im Kreis herum. Als er von ihr abließ und seine Hände auf ihren Bauch und seine Wange an ihre legte, stand schon die erste Gratulantin vor ihnen, die erst ihren Kollegen aus der Pathologie lange und innig, dann unter erneutem Tränenschleier Sabine an sich drückte und ihr leise etwas ins Ohr flüsterte. Gretchen brauchte einen Moment, bis sie ihre brüchige Stimme wieder gefunden hatte und die beiden Überglücklichen nun mit einem Strahlelächeln ansah...

Gretchen: Herzlichen Glückwunsch, ihr beiden. Mögen all eure Wünsche und Träume in Erfüllung gehen. ... Einer ist ja bereits auf dem Weg. ... (flüstert sie augenzwinkernd etwas leiser als das Vorhergesagte, was sowohl Braut als auch Bräutigam rot werden lässt, die beide erst einmal für sich beschlossen haben, das große Geheimnis vorerst für sich zu behalten) ... Einen anderen habe ich mir jedoch für jetzt vorbehalten. Ich habe da nämlich noch etwas für euch. Quasi zum krönenden Abschluss eures Traugottesdienstes. Schaut mal!

Mit immer größer werdenden Augen schaute das überglückliche Paar in die aufblitzenden blauen Augen der schönen Trauzeugin, die ihnen geheimnisvoll zuzwinkerte und dann ein Handzeichen in Richtung Empore gab, wo wie aus dem Nichts plötzlich vor der gewaltigen Orgel ein Chor und ein Sänger auftauchten, die zusammen ein Liebeslied anstimmten, das Gretchen leise für sich mitsummte, während sie den Blick ihres „Mannes“ in den Reihen der Gäste suchte und auch einfing. Alle Köpfe drehten sich herum, als die ersten engelsgleichen Töne von oben erklangen. Alle bis auf einen! Denn Marc Meier hatte in diesem Moment nur Augen für seine wunderschöne „Frau“, die ihn verliebt anlächelte.


http://www.youtube.com/watch?v=9GqwbjDv3AU&feature=related

Lorelei Offline

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06.12.2012 16:54
#1364 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo ihr Lieben! Dann schauen wir doch mal, was der Nikolaus heute in euren Stiefeln hinterlassen hat. Viel Spaß und liebe Nikolausgrüße, eure Lorelei



Einige Minuten nach dem Musikauftritt und den ersten euphorischen Glückwünschen der Hochzeitsgäste, die sich um sie gedrängt hatten, folgte das glückliche Brautpaar Gummersbach den vier fröhlichen Blumenkindern, die wild in alle Richtungen ihre Blumenkörbchen entleerten und Richtung Ausgang hüpften, feierlich über den Rosenblätterteppich aus der Kirche hinaus nach draußen in die wunderschöne glitzernde Winterlandschaft, wo sie bereits von ihren versammelten Kollegen und Kolleginnen aus dem Elisabethkrankenhaus mit einem großen roten auf ein weißes Klinikbettlaken gemalten Herz begrüßt wurden, während Günnis Familie und Freunde auf der anderen Seite fleißig Reiskörner auf die Frischvermählten herabrieseln ließen, um dem Wunsch nach einer fruchtbaren und kinderreichen Ehe Ausdruck zu verleihen, und ihnen ihre Glückwünsche übermittelten. Von der übereifrigen Lernschwester Bärbel und Dr. Kate Marple wurde Günni und Sabine jeweils eine Schere gereicht. Sie sollten nun zusammen das riesige Herz ausschneiden und der Bräutigam sollte anschließend seine Braut durch das ausgeschnittene Herz tragen und ihr damit symbolisch den Weg in ihr gemeinsames Glück weisen, was dem sichtlich aufgeregten und total überrumpelten Paar sogar ohne Schnittverletzungen und tollpatschiges Stolpern gelang. Unter dem tosenden Applaus der Hochzeitsgäste wirbelte Dr. Gummersbach seine Liebste unter dem wiedereinsetzenden Reisregen noch einmal im Kreis herum, nachdem er sie über die Schwelle seines Herzens getragen hatte, und stellte sie schließlich wieder sicher auf den Boden ab, weil sie ihm doch etwas zu schwer geworden war und er sich nicht die Blöße geben wollte, und griff nun beherzt nach ihrer Hand, die er fest drückte, während er sie glücklich verliebt anstrahlte, was sie mit einem verlegenen Lächeln erwiderte.

„Küssen! Küssen!“, rief man ihnen plötzlich von den Seiten der kichernden Schwesternschaft laut zu. Günni und Sabine zierten sich erst, konnten dem fordernden Druck der Menge aber nicht lange standhalten und zögerten nun doch nicht, sich und den Schreihälsen vom Dienst ihre Liebe auf sehr zärtliche Art und Weise zu beweisen, wenn auch hinter vorgehaltener Hand, die der Pathologe als Sichtschutz vor neugierigen Blicken vor sein und Sabines Gesicht hielt, was natürlich für große Lacher auf Seiten der Gäste sorgte. Kaum hatten sich die Verliebten wieder voneinander gelöst, fanden sie sich plötzlich den Kollegen aus der Pathologie gegenüber, die mit Hilfe von Prof. Haase und Günnis Vater einen Sägebock mit einem Holzstamm und einer stumpfen Säge herankarrten, den sie unter den misstrauischen Blicken des Pfarrers direkt vor dem Eingang der Kirche aufbauten. Der altertümliche Hochzeitsbrauch des Holzsägens stand für die gemeinsame gleichberechtigte Arbeit, die das Brautpaar in ihrer Ehe versuchen möge. Er symbolisierte die notwendige Balance von Reden und Hören, von Aktivsein und Seinlassen und die notwendige Aufmerksamkeit für die jeweiligen Bedürfnisse des Partners.

Gespannt verfolgte das begeistert aufklatschende Publikum, wie Günni und Sabine nun jeweils ein Ende der Säge in die Hand nahmen und sich mit leicht verunsicherten Blicken ansahen. Doch der versierte Pathologe kannte sich im Umgang mit Sägen, mit Knochensägen um genau zu sein, schließlich aus und schenkte der eingeschüchterten Krankenschwester ein aufmunterndes Lächeln, das diese mit einem zaghaften Kopfnicken erwiderte. Gemeinsam machten sie sich also daran, den schneenassen Stamm zu zersägen, was anfangs noch ein sehr unkoordiniertes Unterfangen war. Beide und besonders Sabine waren ja bekannt für ihre Tollpatschigkeit, die im Zusammenspiel noch deutlicher hervortrat, wie schmunzelnd beobachtet wurde. Sie hatten die Säge erst in die falsche Richtung gezogen, dann war sie auch noch hängen geblieben und steckte nun fest. Alles Ruckeln und Rütteln half nichts. Die anwesenden Männer mussten ran und so kam es, dass plötzlich vier Männer, einschließlich des Bräutigams und des Professors, nach einem erfolgreichen, aber zu kraftvollen Zug an der Säge mit dem Hinterteil zuerst im Schnee landeten, was vor allem den Kindern sehr viel Spaß bereitete, die wild jubelnd im Schnee um sie herumhüpften.

Als sich alle wieder aufgerappelt und den Schnee abgeklopft hatten, versuchten es die Frischvermählten erneut. Sabine und Günni waren mittlerweile ganz schön ins Schnaufen geraten und ihre knallroten Köpfe leuchteten in der ansonsten schneeweißen Landschaft. Wieder ging es anfangs nur zögerlich voran, was die frierenden Gäste und vor allem den wieder versöhnlich gestimmten Pfarrer langsam unruhig werden ließ. Die Gummersbachs brauchten eben etwas länger als vielleicht andere Brautpaare, die mit den gleichen Anfangsproblemen der Ehe zu kämpfen hatten, um den richtigen Dreh herauszufinden. Mit Hilfe eines zugeflüsterten Tipps von Gordon, der sich mit Holz und Grünpflanzen im Allgemeinen offenbar gut auszukennen schien, fanden sie schließlich ihren Rhythmus und sägten, was das Zeug hielt. Das Ehepaar Gummersbach zog an einem Strang, was durch die lauten Anfeuerungsrufe und das Klatschen der um sie herumstehenden Gäste ihrer Hochzeit nur noch bestätigt wurde.

Während das Brautpaar vor der Kirchentür weiter mit einem dicken Holzklotz kämpfte und ihn schließlich auch erfolgreich bezwang, befand sich Sabines Trauzeugin noch in der Sakristei im Innern der Kirche und sammelte dort nach einem eiligen Gang auf die Örtlichkeit die vergessene Winterbekleidung von Sabine und der Kinder ein. Die aufmerksame Trauzeugin hörte die Begeisterungsrufe im Innenhof, spürte es heftig in ihren Fingern kribbeln und wollte sich unbedingt sputen, um auch mitfeiern zu können. Doch als sie in den Kirchenraum zurückflitzte, entdeckte sie dort überraschenderweise, dass in einer der ansonsten leeren Bankreihen noch Marc saß und sie jetzt mit seinem typischen unwiderstehlichen Meier-Grinsen angrinste, das die Schmetterlinge in ihrem Bauch aufflattern ließ. Mit einem breiten Lächeln auf den Lippen kam sie näher und blieb schließlich direkt vor dem Mann ihrer Träume stehen. Sie legte die Mäntel der Kinder und den von Sabine über die Lehne der vorderen Holzbank und schlüpfte derweil in ihren eigenen.

Gretchen: Was machst du denn noch hier? So ganz alleine. Die haben draußen schon mit dem Programm angefangen. Komm lass uns auch vor die Tür gehen!

... forderte Gretchen ihren Freund mit engelsgleicher Stimme und sexy Augenaufschlag auf und schlang sich dabei ihren dicken rosaroten Wollschal zweimal um den Hals und knöpfte sich im Anschluss ihren Mantel zu. Doch Marc, der seine bildhübsche Freundin intensiv beobachtete, blieb ruhig und unbeeindruckt auf seinem Platz sitzen und zog sie plötzlich an den Enden ihres Schals zu sich herunter auf die Bank, mit eindeutiger Absicht, ihr jetzt einen Kuss aufdrücken zu wollen. Die überrumpelte Ärztin wich dem sündigen Verführer jedoch protestierend aus und rückte aus Selbstschutz bis zur Kante der Bank zurück...

Gretchen: Maaarc! Nicht hier!
Marc: Wieso denn nicht? Ich hab mir jetzt fast eine halbe Stunde das äußerst schräge Theaterstück angetan und hab mich dabei diversen Gefahren ausgesetzt. Ich denke, für die Mühe und den Leidensdruck, den ich neben den Hassmann-Weibern ausgesetzt gewesen war, habe ich mir schon den einen oder anderen Kuss verdient. Findest du nicht?

...griente Marc seine Herzdame verschmitzt an und ließ dabei seine Grübchen wirken. Doch Gretchen, die in solchen Fällen zu neunundneunzig Prozent eigentlich immer schwach wurde, blieb standhaft und schüttelte entschieden den Kopf. So leicht war sie nicht zu haben. Und hier schon einmal gar nicht!

Gretchen: Ja, ich danke dir ja auch, dass du das alles freiwillig mitgemacht hast und ich bin auch sehr stolz auf dich, falls du das hören willst, aber ich werde dich jetzt ganz sicher nicht als Entschädigung hier in der Kirche küssen. Ich bin schließlich katholisch!
Marc (glaubt sich verhört zu haben u. starrt sie verwirrt an): Äh... Ja, und? Das bedeutet jetzt was?
Gretchen (völlig überzeugt von dem, was sie sagt): Dass Küssen in Kirchen nicht erlaubt ist.

Diese widerspruchsbeladene Gretchen-Logik haute den studierten Akademiker mal wieder komplett von den Füßen. Er konnte nicht mehr an sich halten und lachte los, was durch den Echoschall der hohen Kirchenmauern bei Gretchen gar nicht gut ankam, die sich ziemlich veralbert vorkam und nun dementsprechend eine Schmollschnute zog.

Marc: Und was haben dann der Leichenfledderer und seine neue Buddelgehilfin gerade mehr als anschaulich getan?
Gretchen (trotzig blitzt sie ihn an): Marc, du sollst nicht so über sie sprechen! Und außerdem dürfen die das ja auch.
Marc (versteht nur noch Bahnhof): Und wo ist da jetzt genau der Unterschied, wenn ich fragen darf?
Gretchen (kleinlaut): Sie sind verheiratet!
Marc (kommt sich so langsam vor, als wäre er bei „Verstehen Sie Spaß“ gelandet u. kuckt auch dementsprechend dämlich aus der Wäsche): Ah ja? Also dürfen deiner Meinung nach, wenn ich das richtig verstanden habe, nur Verheiratete in Kirchen knutschen?
Gretchen: Genau!
Marc (muss unweigerlich schmunzeln über Gretchens ernsten Gesichtsausdruck): Aber wenn ich dich erinnern darf, vorhin im Beichtstuhl haben sich die beiden, vor der Eheschließung wohlgemerkt, auch nicht gerade sittlich verhalten.
Gretchen (auch dafür hat sie ihre eigene Logik): Deshalb sind sie ja dafür auch in den Beichtstuhl gegangen.
Marc (sein Zwerchfell schmerzt schon vor lauter Lachkrämpfen): Okay!? Kuss und Buße inklusive oder wie? Haasenzahn, du strotzt heute mal wieder nur so vor Logik echt.
Gretchen (beleidigt): Eh! Das ist nicht witzig, Marc. Ich meine das vollkommen ernst!
Marc: Ja, aber genau das ist ja das Witzige. Aber ok, wenn das so ist, dann müssen wir eben...

Marc sprach den Satz gar nicht zu Ende, sondern sprang stattdessen auf und zog Gretchen mit sich in Richtung Beichtstuhl. Unter heftigem Protest und blaue Flecken auslösender Gegenwehr zog er den Vorhang zu und näherte sich gefährlich Gretchens entsetztem Gesicht...

Gretchen: Marc, ich warne dich!
Marc (grinst): Und ich warne jetzt den da oben schon mal vor, denn ich werde dich jetzt küssen.

Und noch bevor die verdutzte Assistenzärztin etwas erwidern konnte, hatte Dr. Meier seinen entschiedenen Worten schon Taten folgen lassen und legte Gretchen seine warmen weichen Lippen auf den Mund. Wie konnte sie sich jetzt denn noch wehren, dachte die Überrumpelte verzweifelt und ließ ihn dennoch gewähren. Ihre Knie waren weich wie Pudding. Sie musste sich also in der engen Kabine an dem unverschämten Mann festhalten. Doch Marc hatte gar nicht vorgehabt, das katholische Mädchen zu kompromittieren. Sein Kuss war zart. Fast wie ein Windhauch. Unschuldig. Federleicht, aber doch intensiv. Und Gretchen genoss ihn und das prickelnde Gefühl in ihrem Bauch sehr.

Gretchen: Du bist wirklich unmöglich, Marc.

...gab sie atemlos von sich, als Marc sie wieder losgelassen und zufrieden grinsend den Vorhang wieder aufgezogen hatte. Mit zuckersüßer Unschuldsmiene schaute er seinen Haasenzahn an und half ihr über die Stufe aus dem Beichtstuhl...

Marc: Bin ich nicht! Ich hab mir nur mein mir zustehendes Recht genommen.
Gretchen (schaut ihn schockiert an): Bitte?
Marc (lacht u. zieht die Empörte wieder in seine Arme): Nun ja, wir haben ja gestern quasi dasselbe getan wie Günni und die Stasi-Sabsi gerade eben. Für mich sind wir’s auch irgendwie. Also darf ich meine Frau auch küssen, wann und wo ich will. In Krankenhäusern, in Penthauswohnungen, an Seeufern, bei deinen Eltern im Badezimmer, in Gärten und in Fahrstühlen, in heimlichen Zimmern in dunklen Kellergängen, an Ostseepromenanden und in schmierigen Hotels, in Spaßbädern und Grotten, auf Spielplätzen und Schulhöfen und auch in Standesämtern und Kirchen.

Diese durchaus nachvollziehbare Marc-Logik war wiederum für Gretchen völlig entwaffnend. Glücklich warf sie sich ihrem Marcilein an den Hals und drückte dem verdutzten Romantikmuffel einen dicken Schmatzer auf die Lippen, gerade in dem Moment, als er etwas aus seiner Manteltasche holen wollte, um das davor Gesagte zu untermalen. Doch Marc kam nicht mehr dazu, denn ein Quietschstimmchen und deren lautes Echo im Kirchenraum machten ihm plötzlich einen Strich durch die Rechnung...

Sarah: Maaarciiii!!! Greeetchen!!! Wooooo bleibt iiiiihr denn? Die wollen Fooootoooos machen.

Nur widerwillig löste sich der Oberarzt von seiner Liebsten und drehte sich seufzend um. Sarah Hassmann stand wie ein Unschuldsengel zwischen den Bankreihen und griente die beiden an, während sie ungelenk in ihren warmen Wintermantel schlüpfte. Marc zog seine Hände aus seinen Manteltaschen, drückte auf deren Außenseiten, um zu überprüfen, dass auch nichts ungewollt herauspurzelte und die Ausbeulungen nicht zu verräterisch wurden, und wandte sich dann augenrollend Gretchen zu. Die schöne Ärztin konnte jedoch nur schmunzeln über Marcs gequälten Gesichtsausdruck und hakte sich schließlich bei ihm unter und ging mit ihm zu dem zuckersüßen Mädchen mit dem frechen Mundwerk rüber. Auf dem Weg dorthin flüsterte Marc Gretchen etwas ins Ohr, was sie aufkichern ließ...

Marc: Die bringt mich noch mal ins Grab.
Gretchen: Quatsch! Du warst vorhin supersüß zu ihr.
Marc (protestierend geht seine Stimme eine Oktave nach oben): Supersüß? Nee, supergeduldig, während sie supernervig gewesen ist. Noch nerviger als ihre nervige Mutter. Doppeltnervig, wenn man bedenkt, wer noch in dem fürchterlichen Genpool mit drinsteckt.
Gretchen (kuschelt sich lachend an den Arm ihres Grummels): Papperlapapp! Du warst trotzdem toll. Und wenn du immer noch Zweifel hast, kann ich dir nur sagen, die sind völlig unberechtigt. Schau doch, wie die Mädels dich anhimmeln und wie du aufblühst, wenn sie bei dir sind. Du kannst wunderbar mit Kindern umgehen. Du bist wunderbar!
Marc: Aufblühen? Bin ich ne Primel oder was?

Marc schüttelte den Kopf. Nur weil die beiden Mädels ihn mochten und wegen ihrer verworrenen Familiensituationen irgendetwas in ihm sahen, was er nicht sah, hieß das doch nicht gleich, dass er das mit einem eigenen kleinen Wesen auch so gut hinbekommen würde wie mit Sarah und Lilly, die im Großen und Ganzen doch ganz pflegeleicht waren, wenn sie ihren Willen bekamen. Er beobachtete, wie Gretchen Sarah ausgehfertig machte und musste dann doch lächeln. Sie war so tapfer. Man merkte ihr überhaupt nicht an, dass sie traurig war, weil es noch nicht geklappt hatte. Ob er sie darauf ansprechen sollte? Besser nicht! Gretchen lebte mit den Mädchen gerade so richtig auf. Nach Sarah war nun nämlich auch Mehdis Tochter an der Reihe, die gerade bibbernd aus der Kälte zurück in die Kirche geeilt gekommen war. Gretchen reichte der Neunjährigen ihre Jacke, den Schal und die Ohrenschützer und das durchgefrorene Mädchen schlüpfte schnell in die warmen Sachen.

Danach gingen alle zusammen, jeder mit einem der Mädchen an der Hand, nach draußen, wo sich bereits alle für das obligatorische Hochzeitsfoto aufgestellt hatten und nur noch auf das Ärztepaar Haase-Meier gewartet hatten. Gretchen reichte Sabine ihren warmen Bolero, in den die frierende Braut schnell schlüpfte, und dann stellte sie sich mit Marc neben das verliebte Brautpaar. Auf der anderen Seite standen Günnis Familie und Freunde und dahinter die Schwesternschar aus dem Krankenhaus, befreundete Pfleger und Sanitäter, der Professor mit seiner Frau, daneben Dr. Kaan und seine Freundin, seine Tochter und seine Cousine, dahinter die beiden Hassmanns und die befreundeten Assistenzärzte Roth und Marple sowie die Kollegen aus der Pathologie. Der Fotograf stand schon bereit und gab letzte Anweisungen...

Fotograf: So und der Bräutigam mit etwas mehr Güte im Gesicht. ... Ja genau so. ... Die Blumenkinder bitte auf die unterste Treppenstufe. ... Perfekt! ... Und nun sagen alle „Ärztehochzeit“.

Marc verdrehte leidend die Augen und stand kurz davor, Reißaus zu nehmen, wenn Gretchen ihn nicht angestupst und seine Hand fest gedrückt hätte. Er lachte nur. Sie lachte verliebt zurück. Und plötzlich riefen alle zusammen „Ärztehochzeit“ und es machte klick. Das Bild war im Kasten. Es folgte noch ein zweites und ein drittes und auf jedem waren neben dem überglücklichen Brautpaar mehrere sich verliebt anstrahlende Pärchen zu entdecken.

Lorelei Offline

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09.12.2012 14:51
#1365 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Einen schönen 2. Advent euch allen! Eure Lorelei



Nachdem die obligatorischen Hochzeitsfotos geschossen worden waren, versammelte sich die Gästeschar an der Straße vor der schneebetupften Kirche, um sich gemeinsam auf den Weg zur Hochzeitsfeierlocation zu begeben, und staunte nun nicht schlecht, als sie dort auf dem angrenzenden Parkplatz neben einem Krankenwagen, an dessen Außenspiegeln zwei Blumensträuße traurig ihre Köpfe hängen ließen und der vor allem das Interesse von Prof. Haase geweckt hatte, den aber dessen Tochter mit engelhaft säuselnder Überzeugungsstimme und „Bütte-bütte-bütte-Papa-nicht-böse-sein-ich-bin-doch-deine-Lieblingstochter-und-hab-dich-ganz-doll-lieb-Blick“ zur Erleichterung von Gordon und Gabi gutmütig stimmen konnte und der die ganze RTW-Odyssee-Episode, die ihm Gretchen gerade wild gestikulierend erzählt hatte, mit Humor nahm, mehrere geschmückte Schlitten entdeckten, die von edlen weißen Schimmeln angeführt wurden. Braut und Bräutigam Gummersbach waren völlig baff und gerührt und nicht nur die Kinder waren hellauf begeistert von der Aussicht, gleich eine aufregende Schlittenfahrt unternehmen zu dürfen. Bärbel Haase, die passionierte Reiterin und ehemalige Juniorendressursiegerin, war völlig aus dem Häuschen und Gretchen musste so einiges tun, um die hysterische Hausfrau und Neulernschwester in ihrem Übereifer zu bremsen, damit die hohen Rösser nicht aufscheuten und sich vor Schreck mit den schweren Schlitten auf und davon machten oder sich gar noch auf der Flucht vor der sirenenähnlichen Kreischstimme verletzten, während Marc in der Zwischenzeit in einem intensiven Gespräch mit Franz Haase vertieft war, der interessiert nachgefragt hatte, was es denn mit dessen spontanen Urlaubsplänen auf sich hatte, mit denen sein Schwiegersohn in spe ihn am Morgen beim Frühstück am Telefon überrumpelt hatte. Schließlich war sein bester und engagiertester Oberarzt nicht gerade bekannt dafür, sich freiwillig seinen ihm vertraglich zustehenden Urlaub zu nehmen, zu dem ihn der Chefarzt in der Vergangenheit in der Regel dienstlich hatte zwingen müssen. Marcs Haltung, was freie Tage und Urlaub betraf, hatte sich erst mit dem Auftauchen seiner Tochter geändert. Und nun nahm sich Dr. Meier tatsächlich den gesamten Jahresurlaub, wo doch das neue Jahr gerade erst begonnen hatte, und dann sollte das nichts mit seinem Kälbchen zu tun haben? Das war Franz schon spanisch vorgekommen, obwohl sich die beiden Turteltauben immer noch total verliebt gaben, wie seine wachsamen Augen in der Kirche gerührt mitbekommen hatten.

Doch der zu allem entschlossene Chirurg blieb seiner eingenommenen Haltung treu, vorerst keine weiteren Pferde scheu machen zu wollen, zumal der Professor ja ziemlich eng mit seinem Vater befreundet war und damit die Gefahr potentiell sehr groß war, dass die beiden schneller hinter sein Geheimnis kommen könnten, als dass er mit seiner Mutter die heikle Situation ausdiskutiert und sie zur Vernunft gebracht hätte. Er spielte auf Zeit. Was blieb Elkes Sohn auch anderes übrig, solange er nicht wusste, wie es wirklich um sie stand. Marc hatte sich auf der langen Fahrt nach Göberitz durch brandenburgische Alleen und die immer gleichen Landstraßen schon eine geeignete Ausrede zurechtgelegt, die man ihm auch abnehmen würde, falls die Frage aufkommen sollte, was er denn so lange in der Schweiz zu tun habe. Seine eigene Habilitation kam ihm daher sehr gut gelegen. Auch dem Chefarzt des Elisabethkrankenhauses war natürlich bekannt, dass man in der Schweiz an den gängigen Instituten viel versprechend an einer Stammzellentherapie für Paralysepatienten arbeitete, die auch einen Großteil seiner Abschlussarbeit ausmachen sollte. Stolz klopfte Franz Haase daraufhin seinem Schützling auf die Schulter, dem das äußerst unangenehm war und der daher Blickkontakt zu Gretchen suchte, aber da die gerade mit ihrer eigenen Mutter beschäftigt war, nur mit Mehdis verständnisvoller Miene vorlieb nehmen musste, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen.

Währenddessen erklärten Günnis Eltern, die einen kleinen Reiterhof inkl. Tierarztpraxis und Pferdezucht in der Nähe betrieben, dass sie dem Brautpaar und seinen Gästen aus der Großstadt mit diesem Geschenk eine kleine Freude bereiten wollten. Die Schlitten würden sie zum romantisch an einem Waldrand gelegenen Landhotel von Günnis Tante bringen, das sich im Nachbarort befand und in dem auch die Hochzeitsfeier stattfinden würde. Doch vorher würden sie alle erst einmal eine kleine Schlittenfahrt durch den Ort und die angrenzenden verschneiten Wälder unternehmen, um den Gästen die wunderschöne Landschaft und das zauberhafte Göberitz näher zu bringen. Die Hochzeitsgäste und das Brautpaar waren selbstverständlich begeistert von dieser wunderbaren Idee und bedankten sich herzlich bei den Bräutigamseltern. Nur Dr. Meier zog angefressen eine Schnute, nachdem er von seiner Liebsten aus der Haasschen Inquisition befreit worden war, und war alles andere als begeistert von der Aussicht, dass er gleich bei der Arschkälte so ein Höllengefährt betreten musste, das noch nicht einmal Räder hatte und nur über zwei Pferdestärken verfügte, während der am Straßenrand geparkte und auf Hochglanz polierte Porsche seiner Mutter über 220 besaß sowie den außerordentlichen Vorteil einer Heizung, an der er jetzt liebend gern seine klammen Chirurgenfinger gewärmt hätte. Aber Gretchen hatte ihrem Schmollhasen keine andere Wahl gelassen, hatte ihre Arme um den frierenden Grummel gelegt und hatte ihn mit wärmenden Küssen von der Romantik und den Vorteilen so einer Schlittenfahrt überzeugt.

Das Brautpaar, das im ersten Schlitten zusammen mit Günnis Eltern Platz genommen hatte, sowie die anderen Gäste hatten sich bereits aufgeteilt und es sich in mehrere Lagen Decken und Felle eingewickelt in den acht Schlitten bequem gemacht, die man für sie bereitgestellt hatte, als Gretchen ihren meckernden Machomann, der ihre Kussattacke natürlich als Anmache falsch verstanden hatte und sie gar nicht mehr loslassen wollte, endlich mit aller Kraft in den letzten Schlitten geschoben hatte. Liebevoll hatte sie den eingeschnappten Chirurgen, der seine Freundin mit Argusaugen bei ihrem Tun beobachtete, in die warmen Wolldecken und Felle gehüllt und sich anschließend mit ihren Körper ganz nah an ihn herangekuschelt. Und mit dieser entzückenden Aussicht entspannte auch der Grummelkönig endlich und ließ seine Vorbehalte vorzeitlichen Reisemobilen gegenüber ruhen. Gretchen lächelte ihn von unten herauf zufrieden an. Marc konnte gar nicht anders, als seinen süßen und so unschuldig dreinblickenden Haasenzahn erneut sanft zu küssen und seine Arme ganz fest um ihren properen Körper zu schlingen, der so angenehm weich und warm war. Nach einer Weile lösten sich die beiden wieder von den Lippen des anderen und schauten sich verliebt in die glänzenden Augen. Gretchen nutzte den Moment, bevor die Fahrt durch den Schnee endlich losging, um ein Gespräch in Gang zu bringen...

Gretchen: Was wollte mein Vater denn von dir?
Marc: Später!

...wiegelte Marc locker ab, der in diesem Augenblick noch keine Lust auf tiefsinnige Gespräche hatte, und schon hatte er seine heißen Lippen wieder mit den ihren versiegelt, um seine Süße auf diese angenehme Weise zum Schweigen zu bringen. Mit Erfolg. Auch was den Wärmehaushalt der verschlungenen Körper betraf. Obwohl ein eisiger Wind um ihre leicht geröteten Nasen wehte, war den beiden überhaupt nicht kalt. Im Gegenteil. Gretchen fühlte sich wie im Himmel. Auf Wattewolken. Gab es etwas Romantischeres als eine Kutschfahrt mit dem Liebsten durch schneebedeckte Felder und Wälder? Es fehlte eigentlich nur noch, dass sich die weißen Schimmel endlich in Bewegung setzten und man das süße Glockengeräusch hören konnte. Doch noch standen die Pferde still auf dem Parkplatz vor der Kirche. Irgendetwas schien den Ausflug in die wilde brandenburgische Natur noch zu verzögern. Aber egal, das war kein Grund, nicht weiter verliebt zu kuscheln und zu knutschen, dachte die Blondine und spitzelte schon vorfreudig ihre Lippen. Doch ihre euphorische Vorfreude wurde jäh gebremst, als das Paar plötzlich unter sich einen heftigen Ruck verspürte. Gleichzeitig öffneten Marc und Gretchen instinktiv die Augen. Aber der Schlitten war noch nicht angefahren. Stattdessen schauten die beiden jetzt in ein grinsendes Mädchengesicht und die genervtere ältere Version desselben Gesichts daneben...

Maria (meckert augenrollend): Boah! Ihr habt aber nicht vor, jetzt die ganze Fahrt über Speichel auszutauschen? Hier sind Kinder anwesend!
Marc (poltert ebenso genervt zurück): Doch! Also sucht euch gefällig eine andere Mitfahrgelegenheit!
Maria (würde nichts lieber tun als das): Geht nicht!
Sarah (strahlt das Paar gegenüber strahlend an u. ist in ihrer kindlichen Euphorie kaum zu bremsen): Darf ich zwischen euch sitzen? Bitte, bitte, Marci!
Marc (verwirrt schaut er zwischen den beiden Hassmanns hin und her): Was?
Maria (erklärt Marc das Dilemma, während sie es sich und ihrer Tochter bequem macht): Bis auf euren waren die anderen Schlitten schon alle voll besetzt. Und nein, du bleibst auf meiner Seite sitzen, Sarah.
Sarah (quengelt): Och Mama?
Marc (protestiert vehement gegen diese Dreistigkeit u. verweist mit ausgestrecktem Arm auf den Ausstieg): Dann lauft ihr eben oder nehmt den Krankenwagen. Ein gern genutztes Reisegefährt übrigens, ne Haasenzahn.
Gretchen (blitzt ihn an): Witzig, Marc, sehr witzig!
Marc (beugt sich zu Sarah rüber, die ihren großen Freund mit Kulleraugen ansieht): Du wolltest doch bestimmt schon mal mit dem RTW fahren, hmm? So ein bisschen Tatütata! Darauf stehen doch kleine hyperaktive Ärztetöchter, oder?
Sarah (hellauf begeistert): Au ja!
Gretchen (bremst ihn aus): Marc, bring sie nicht auf dumme Gedanken! Außerdem fahren wir bereits.
Marc (merkt es jetzt auch resignierend): Na toll!

Marc verdrehte leidend die Augen und versank fast unter den Wolldecken auf seinem Sitzplatz, während Sarah Hassmann sich umdrehte und begeistert die trappelnden Pferde vor sich beobachtete und ihrer Freundin Lilly im Schlitten vor sich eifrig zuwinkte. Sarahs Mutter konnte sie kaum ruhig halten. Immer wieder rutschten ihr die Decken von den Schultern, als sie Sarah wieder auf den Sitz runterdrückte, und sie fror bitterlich unter ihrem viel zu dünnen Mantel. Ein warmer Kerl, an den man sich zur Wärmehaushaltregulierung ankuscheln könnte, wäre jetzt tatsächlich nicht schlecht, dachte Dr. Hassmann verzweifelt, packte sich schließlich Sarah und schlang ihre Arme um die Zappeline und zog sich die wärmenden Felle zurecht. Gretchen ließ sich derweil von den beiden muffeligen Oberärzten nicht die Laune verderben. Sie kuschelte sich an Marc, wärmte ihre Hände in seinen und schaute begeistert nach allen Seiten, um jedes kleinste Detail der Winterlandschaft in sich aufzunehmen. Der Winter hatte schon etwas Magisches, Märchenhaftes. Auch Dr. Meier beruhigte sich schließlich und begnügte sich damit, interessiert die Mimik seiner Freundin zu studieren und heimlich mit ihr unter der Decke zu kabbeln, weil er seine frechen Finger nicht bei sich behalten konnte und Gretchen den dreisten Kerl immer wieder zur Raison bringen musste.


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Lorelei Offline

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12.12.2012 22:55
#1366 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Nach einer etwa halbstündigen Kutschfahrt durch verschneite Felder, Wiesen und Wälder erreichte die fröhliche Hochzeitsgesellschaft, die unterwegs dank eines ausreichenden Vorrats an köstlichem in Thermoskannen gereichtem Glühwein das eine oder andere lustige Liedchen angestimmt hatte, durchgefroren, aber glücklich den Landgasthof von Günnis Tante und seinem Patenonkel, wo sie bereits mit heißem Kaffee, Tee und Kakao und der dreistöckigen Käsesahne-Hochzeitstorte erwartet wurden, auf deren Spitze natürlich für die Star-Trek-Liebhaber traditionell eine kleine Mr.-Spock- und Leutnant-Uhura-Marzipanfigur gesetzt worden war. Zwar nicht mit Spitzohren, dafür aber mit schwarzem Zylinder und Brautschleier auf dem Kopf. Die Kinder Lilly Kaan und Sarah Hassmann und die beiden Neffen von Günni waren natürlich die Ersten, die bei dem Brautpaar ungeduldig mit ihren Tellern anstanden, um das erste Stück von der riesigen Torte abzubekommen, die die beiden gerade zusammen angeschnitten hatten. Man sagte ja im Volksmund, dass derjenige, der die Hand auf dem Messer oben behielt, am Ende das Sagen in der Beziehung haben würde, aber das war trotz geübtem Kennerblick einer Bärbel Haase bei Günni und Sabine nicht auszumachen, die gerade nahezu symbiotisch das Kuchenmesser in den Händen hielten und fleißig ein Tortenstück nach dem anderen verteilten, bis das hungrige Brautpaar selbst endlich an der Reihe war, um ihr deutliches Magenknurren zu stillen. Ihr Hochzeitstag war bisher sehr lang und anstrengend und vor allem unerwartet turbulent verlaufen, so dass sie bis jetzt noch nicht wirklich die Gelegenheit dazu gehabt hatten, etwas zwischen die Zähne zu bekommen, und nun auch ordentlich bei ihrer eigenen Hochzeitstorte zugriffen und sich kichernd gegenseitig fütterten, während Familie und Freunde neben ihnen an der langen u-förmig gestellten festlich geschmückten Tafel vor den riesigen Fenstern zum Wintergarten kleine Reden hielten und an der der breiten Fensterfront gegenüberliegenden Wand in Endlosschleife Kinder- und Jugendfotos und aktuelle Liebesfotos der Brautleute projiziert wurden.

Auch Dr. Gretchen Haase griff nach dem romantischen Ausflug an der frischen Luft beherzt am Kuchenbüffet zu. Sehr zum Vergnügen von Dr. Marc Meier, der sprachlos mit seinen ungläubigen Blicken verfolgte, was seine Liebste da gerade so alles wild durcheinander in sich hineinschaufelte, um ihren Zuckerspiegel wieder in den Grenzbereich nach oben zu treiben, und der schließlich sogar kampflos seinen eigenen Teller opferte, damit das arme Häschen nicht gänzlich vom Fleisch fiel. Aber ehrlich gesagt hatte er auch nicht wirklich Appetit nach den Neuigkeiten der letzten Stunden, die er noch zu verdauen hatte. Außerdem fühlte er sich beobachtet. Die ganze Zeit. Und von allen Seiten. Irgendjemand hatte es offenbar nicht gut mit ihm gemeint und wenn er denjenigen, der für die Tischordnung zuständig gewesen war, in die Finger bekommen würde, könnte es für diese unverschämte Person äußerst kritisch werden. Und da war Einseifen im frisch geschneiten Schnee vor der Haustür noch die harmloseste Foltermethode, die ihm gerade durch den Kopf ging, als er misstrauisch seine Blicke umherschweifen ließ.

Marc hatte ja an sich nichts dagegen, dass er die ganze Zeit Mehdis ebenso überladenen Teller wie Gretchens vor Augen hatte, denn er war es ja nicht anders gewöhnt von den beiden. Aber musste man ihm ausgerechnet seine nervige Ex-Verlobte direkt gegenüber setzen, die die ganze Zeit an seinem besten Kumpel herumtatschte, immer wieder ekelhaft verknallt aufkicherte und sich an ihn herankuschelte wie ein hungriges verwahrlostes Kätzchen, dem man die Milch geklaut hatte, und die erstaunlicherweise auch sehr großen Appetit zu haben schien. Und das nicht nur auf den Frauenflüsterer. Seit wann stand die denn so auf Süßes? War sie nicht sonst immer auf Dauerdiät gewesen, um ihre 34 zu halten? So viel hatte Marc zumindest mitbekommen während dieser leidigen kurzweiligen Episode in seinem Leben, die er schon längst aus seinem Gedächtnis gestrichen hatte, ebenso wie die Erinnerungen an die magere Auswahl zwischen einem angeschnittenen Apfel und einem Naturjoghurt, die während dieser schlimmen Verlobungszeit in seinem Kühlschrank geherrscht hatte, weswegen er die freie Zeit zwischen seinen Dienstens meistens in der Cafeteria des Krankenhauses oder in seiner Stammkneipe anstatt zuhause verbracht hatte. Und wenn er so die fülligen Bäckchen der kauenden Krankenschwester betrachtete und zu seinem dicken Kumpel rüberschwenkte, dann kam ihm plötzlich ein schlimmer Verdacht. Oh Gott, die beiden entwickelten sich doch nicht etwa zu so einem schrecklichen Pärchen, das die Eigenarten des jeweils anderen aufsog und auf sich übertrug, das ständig aufeinander abgestimmte Klamotten trug - Oh Gott, Gabi trug ein dunkelblaues Kleid und Mehdi ein genau dazu passendes Jackett; dass er selbst fast denselben blauen Anzug wie der Gynäkologe trug, übersah er dabei wohlwissendlich - und das die Sätze des anderen beendete? Diese Schreckensvorstellung traf den Chirurgen in Mark und Bein, weswegen er seinem besten Freund einen mitleidigen Blick schenkte und sich überlegte, dem armen Tropf später das eine oder andere Bier auszugeben, um ihn auf seine Seite zurückzuziehen. Währenddessen machte sich Gabi tatsächlich an dem Teller von Mehdi zu schaffen und putzte diesen mit tatkräftiger Unterstützung von Lilly ratzbatz leer, die sich kichernd von der anderen Seite mit ihrer Gabel an den Kuchenteller ihres Papas herangeschlichen hatte, ohne dass der Bestohlene etwas davon mitbekam, weil er in einen angeregten Smalltalk mit dem Brautpaar verwickelt war, das ihm gegenüber rechts neben Marc und Gretchen saß.

Nicht genug, dass er gezwungen war, die Turteleien einer Gabi Kragenow sowie die keuschen Küsse des bizarren Brautpaares Gummersbach aus direkter Nähe ertragen zu müssen. Nein, neben ihm oder besser gesagt schon fast auf ihm saß auch noch die kleine Nervensäge aus der Kirche, die ihm mit ihren neunmalklugen Was-ist-das-und-wieso-ist-das-so-Fragen dermaßen auf den Senkel ging, dass ihm schon die Ohren klingelten, und die auch noch gerade unverschämterweise seine Hose voll krümelte, während sie sich einen Keks nach dem anderen in ihre volle dauerplappernde Schnute schob, was weder sie noch deren Mutter offenbar zu stören schien, die irgendwie dämlich vor sich hingrinsend aus dem Fenster schielte und ihren Kuchenteller fast unberührt gelassen hatte. Wie lange musste er das alles noch aushalten, fragte sich der leidende Oberarzt verzweifelt und ignorierte Sarahs Zuckerblick und deren aufgeplusterte dicke Backen und schaute stattdessen zur anderen Seite. Direkt in Gretchens Strahlegesicht. Er seufzte resignierend, fixierte mit seinen stechenden Augen den kleinen Krümel an ihrem Mundwinkel, leckte sich mit der Zunge über seine eigenen Lippen und neigte sich schließlich spontan zu einem Kuss herüber, um ihr, wie es sich für einen anständigen und aufmerksamen Freund gehörte, den Krümel wegzuschlecken, was Gretchen verlegen aufkichern ließ, während sie Marc peinlich berührt mit ihrer freien Hand wegzuschieben versuchte. Mit wenig Erfolg. Ihr hartnäckiger Freund ließ sich nämlich nicht so leicht von seiner süßen Zuckerschnute vertreiben und nahm nun auch noch deren Hand in seine und streichelte diese sanft unter dem Tisch, was Gretchen verträumt erwiderte, ehe sie, verliebt an ihn gelehnt, das Gespräch mit Mehdi wieder fortsetzte, den sie soeben neugierig gefragt hatte, was es denn mit dem Pflaster über seiner linken Augenbraue auf sich hatte und ob er wohl wieder ungeschickt mit dem Skelett in seiner Praxis Karate geübt hätte. Dabei sollte er doch nicht mehr ohne sie trainieren, wenn er keine Zerrung riskieren wollte, tadelte ihn die junge Frau mit Grinsemiene. Darüber musste selbst Mehdi kurz auflachen und spürte sogar für eine Sekunde den damaligen Schmerz an seiner Hüfte wieder. Er fuhr sich mit einer Hand darüber und blickte schmunzelnd über den Tisch, wobei er anstatt Gretchen aus gutem Grund seinen Kumpel Marc fixierte. Und so erzählte der Gynäkologe mit einer Heidenruhe der entsetzten Ärztin von dem kleinen Aufprallunfall mit einer Schneewehe, den die drei Männer gestern Nacht mehr oder weniger unbeschadet überstanden hatten und von dem Marc ihr noch nichts erzählt hatte, der seine fassungslose Freundin, nachdem sie ihm einen tadelnden Blick zugeworfen hatte, mit Unschuldsmiene angriente, als wäre überhaupt nichts geschehen, wofür der unverschämte Mann natürlich gleich einen schmerzhaften Seitenkick von Gretchens Faust abbekam. Sie wäre vor Sorge gestorben, wenn sie das alles gewusst hätte. Aber Marc schaffte es, mit sanfter Stimme an ihrem Ohr Gretchen wieder zu beruhigen. Und bis auf den Fasttod seines geliebten Schätzeleins war ja auch wirklich nichts weiter passiert.

Am anderen Ende der langen festlich geschmückten Tafel wurde währenddessen unter der Wirkung des einen oder anderen Gläschens Sekt gelacht und gescherzt und viele Anekdoten über Katastrophenhochzeiten, Hochzeitsbräuche und -traditionen und die Ehe im Allgemeinen erzählt, bis die Band, die am anderen Ende des Saals gerade ihr Equipment aufgebaut hatte, plötzlich das erste Lied anstimmte und das Brautpaar unter den wilden Anfeuerungsrufen der heiteren Schwesternschaft zum Hochzeitswalzer aufgefordert wurde. Tapsig stolperten Günni und Sabine nun auf die noch leere Tanzfläche und begannen zögerlich zu tanzen. Zumindest sollte es wie tanzen aussehen. Anfangs schien es noch ganz ungelenk zu wirken, was die beiden Frischvermählten da gerade veranstalteten, doch nach den ersten vorsichtigen Schrittversuchen kamen die Erinnerungen an die vielen Tanzstunden in den letzten Wochen zurück und es klappte schon ganz gut mit den beiden. Gerührt beobachteten die Gäste, die allesamt verstummt waren, das tanzende Paar, dann sprangen auch schon die ersten auf, um die beiden auf der leeren Tanzfläche zu unterstützen. Auch Mehdi hielt seiner Freundin seine rechte Hand hin. Gabi zögerte erst, weil sie nach der Sahneschlacht gerade eben etwas müde geworden war, aber ein Blick in die strahlenden auffordernden Rehaugen ihres Liebsten genügten und ließen sie überzeugen, sich doch von Mehdi entführen zu lassen, der, bevor sie mit Herzklopfen die Tanzfläche betraten, seiner kleinen Tochter noch zuflüsterte, dass sie beim nächsten Lied an der Reihe sein würde. Lilly kicherte nur albern und ließ ihren Papa mit dessen Freundin ziehen, während sie weiter über den Tisch hinweg lautstark mit Sarah plapperte, so dass sich Marc nun endgültig wünschte, er hätte Ohrenstöpsel eingepackt. Auch die Haases hatten sich inzwischen aufs Parkett gewagt. Franz verbeugte sich galant wie ein Charmeur der alten Schule vor seiner Frau und Bärbel schmolz bei diesem Anblick regelrecht dahin und sie ließ sich nun mit großem Vergnügen von ihm führen.

Und auch Gretchen Haase rutschte beim Anblick ihrer tanzenden Eltern unruhig auf ihrem Stuhl hin und her und schaute immer wieder verstohlen zu Marc neben sich, der jedoch keine Anstalten zu machen schien, ebenfalls tanzen zu wollen und stattdessen lieber mit Sarah Hassmann kabbelte, die ihn gerade zusammen mit Lilly geärgert hatte. Gretchen zog einen enttäuschten Schmollmund und schob sich frustriert die Gabel mit dem letzten Rest Käsesahnetorte in ihren Mund und beobachtete beim Kauen die einzelnen Tanzenden. Die Tanzfläche war mittlerweile gut gefüllt. Günni und Sabine sahen so glücklich miteinander aus. Die Hochzeit und die Babynachricht hatten die beiden noch stärker zusammengeschweißt. Ihre turtelnden Eltern übersah Gretchen lieber wohlwissendlich und schwenkte mit ihren Blicken weiter zum nächsten Pärchen. Auch Mehdi bewies einmal mehr, was für ein guter Tänzer er war. Schwester Gabi himmelte ihn ziemlich verliebt an - ein Verhalten, was man von der ehemaligen intriganten Zicke vom Dienst so gar nicht kannte - und schwebte mit ihm elegant durch den festlich geschmückten Saal. Dabei konnte man richtig neidisch werden. Gretchens Blicke wanderten weiter, an Marc und Sarah vorbei, und blieben schließlich an Dr. Hassmann hängen, die abwesend vor sich hin starrte und nicht einmal mitbekam, welchen Blödsinn ihr Kollege gerade mit ihrer Tochter veranstaltete.

Gretchen konnte sich gut vorstellen, dass es nicht gerade angenehm war, alleine zu einer Hochzeit zu gehen. Gut, ganz allein war sie ja nicht. Sie hatte die süße Sarahmaus bei sich, aber das war trotzdem etwas anderes. Eigentlich hatte Maria ja vorgehabt, mit Gretchens altem Freund Sven als Begleiter auf Sabines Hochzeit zu erscheinen, aber nachdem, was gestern Abend auf Günnis und Sabines Polterabend zwischen den beiden vorgefallen war und nach dem Telefonat zu urteilen, das Gretchen irgendwann zwischen Frisurherrichten und Kleidanziehen heute Morgen mit dem charmanten Schweden geführt hatte, wusste sie, dass er bereits überraschend aus Berlin abgereist war, um noch einmal bei seinem verletzten Bruder in der Reha vorbeizuschauen, bevor er am Montag endgültig zurück nach Göteburg flog. Irgendwie hatte das alles wie eine schlechte Ausrede geklungen und er hatte auch hastig wieder aufgelegt, ohne auch nur einmal nach Maria gefragt zu haben. Aber was sollte sie auch machen? Sie wollte sich schließlich nicht noch mehr vor ihm blamieren. Und sie konnte Sven ja kaum sagen, dass die Frau, mit der sie ihn vor Ewigkeiten vorgehabt hatte zu verkuppeln, eigentlich an jemand anderem hing, auch wenn sich das die sture Person selbst nicht eingestehen wollte und sich lieber selbst quälte, anstatt einfach mal mutig zu sein. Doch wirklich traurig sah Maria im Moment eigentlich gar nicht aus, wie Gretchen verwundert beobachten konnte. War das etwa ein kleines Lächeln auf ihren Lippen? Wo sie wohl gerade mit ihren Gedanken war? Die taffe Oberärztin wirkte anders als gestern, als sie resignierend vorzeitig die Feier verlassen hatte. Irgendwie sanfter, zerbrechlicher. Gretchen wollte sich gerade aufmachen, sich ein bisschen um die Alleinerziehende zu kümmern, als sie plötzlich bemerkte, dass Marc direkt vor ihr stand und ihr seine Hand hinhielt. Wann war der denn aufgestanden und vor allem was hatte er vor? Doch nicht etwa...?


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Lorelei Offline

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15.12.2012 14:33
#1367 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Doch genau das hatte Dr. Meier tatsächlich vor, nachdem er seine grübelnde Freundin schon eine ganze Weile verstohlen von der Seite beobachtet und sich gefragt hatte, was wohl der Grund für ihr ausdauerndes Stirnrunzeln sein könnte und wie man dies am einfachsten beheben könnte. Dass er eigentlich vor zwei anderen kleinen Damen flüchten wollte, behielt er dabei wohlwissendlich für sich. Stattdessen zwinkerte er seinem verdutzten Haasenzahn belustigt zu und zog sie auffordernd von ihrem Stuhl hoch...

Marc: Na komm, dem alten Angeber Kaan zeigen wir jetzt mal, wie man das richtig macht, ohne dabei auszusehen wie ein schwuler Tanzlehrer mit schweren Nierensteinen.
Gretchen (kichert u. schmilzt bei seinem Anblick regelrecht dahin): Marc!
Sarah (stellt sich dem Paar trotzig in den Weg u. klettert auf ihren Stuhl, um auf Augenhöhe zu kommen): Und was ist mit mir? Ich will auch!
Herrje! Wird man die denn gar nicht mehr los?
Marc (verdreht genervt die Augen u. zwickt der schmollenden Ärztetochter in ihre süße kleine Stupsnase): Äh... Okay? Wenn du ganz brav bist und keinen Schabernack mehr treibst, dann... VIELLEICHT... später. Jetzt möchte ich aber erst einmal mit dieser wunderschönen Frau tanzen.
Sarah (strahlt über das ganze Gesicht u. rubbelt an ihrer zwickenden Nase): Einverstanden!
Ablenkungsmanöver geglückt! Yeah strike!
Ist er nicht süß? Hach... am liebsten würde ich ihn gar nicht mehr loslassen.
Marc (denkt sich schon einmal angestrengt eine Ausrede aus, um der Kleinen doch noch zu entkommen): Gut?

Die kleine Sarah griente glücklich zu den beiden hoch. Marc packte die Grinsebacke und setzte sie wieder richtig auf den Stuhl, der in ihrem Übereifer schon leicht gekippelt hatte, und schob diesen an den Tisch heran. Gretchen schmolz bei diesem Anblick regelrecht dahin und ließ sich nun bereitwillig von ihrem Schatz auf die Tanzfläche ziehen und sank mit klopfendem Herzen in seine starken Arme. Einmal wirbelte er sie übermütig herum, dann legte auch er nach einem abgeguckten Blick auf das Kaan-Kragenow-Duo Gretchens andere Hand in seine und begann mit ihr zu tanzen und das gar nicht mal so schlecht, wie seine glückliche Herzdame feststellen musste.

Gretchen (verblüfft): Du kannst Walzer tanzen?
Marc (lässig abwiegelnd): Jep! Zu irgendwas müssen die lästigen Tanzstunden in der Neunten doch nütze gewesen sein.
Gretchen (grinst ihn frech an): Ich wusste gar nicht, dass du freiwillig so etwas Uncooles wie Tanzstunden mitgemacht hast, aber wahrscheinlich auch nur, um ungeniert Mädchen an den Hintern fassen zu dürfen.
Wird hier jemand frech? Na warte, Fräulein!
Marc (legt ungeniert eine Hand an ihren properen Hintern u. streichelt gefühlvoll darüber, womit er Gretchen aus dem Dreivierteltakt bringt): Hmm... das ist schon ein Argument, ja, aber ganz so freiwillig war das nicht. Meine Mutter hat halt immer sehr viel Wert auf gute Manieren und Umgangsformen gelegt und da gehörte das einfach dazu.
Gretchen (nach dem Stolperschritt über ihre eigenen Füße u. dem schmerzhaften Tritt auf Marcs linken Fuß bringt sie dessen freche Hand wieder in die richtige Position u. neckt ihn): Du und gute Manieren?
Marc (blitzt den Frechdachs gespielt beleidigt an u. erhöht das Tempo, um gekonnt an dem Angeberpaar Kaan-Kragenow vorbeizuziehen): Hey, jetzt unterschätze mal die Qualitäten deines Oberarztes nicht so, Haasenzahn! Ich kann drei verschiedene Krawattenknoten binden, weiß mit welchem Besteck man anfängt bei einem langweiligen Sieben-Gänge-Menü und ich kann Standard und ein bisschen Latein tanzen und ich denke, ich kann auch ganz gut Smalltalk halten, wenn’s sein muss. Schließlich hat mich meine Mutter, seit ich sechzehn war, auf zig Promievents und Lesungen geschleift.
Dass man mich da für ihren Toyboy gehalten hat, behalte ich mal lieber für mich. Das alles ist schon schräg genug. Mutter und ihr ewiger Jugendwahn! Hmm...
Gretchen (schaut Marc nachdenklich in die Augen): Du erzählst recht viel über sie in letzter Zeit.
Marc (wirkt mit einem Mal auch ernster): Ich hab auch recht viel an sie gedacht in letzter Zeit. Und seitdem ich weiß, dass sie...
Gretchen (schaut an ihm vorbei u. hört ihm gar nicht mehr zu, weil etwas anderes ihre Aufmerksamkeit geweckt hat): Was macht denn dein Vater hier?
Marc (aus dem Konzept gebracht): Was?

Marc, der gerade dabei war, allen Mut zusammenzunehmen, um Gretchen endlich die bittere Wahrheit zu beichten, hatte den Faden verloren und schaute verdutzt in Gretchens Gesicht, das Richtung Eingang zeigte. Er folgte ihrem Blick. Und tatsächlich! Sein Vater, der berühmte Starchirurg Prof. Dr. Dr. Olivier Meier, stand in der Tür und ließ sich gerade vom Personal den eingeschneiten Mantel abnehmen. Es hatte offenbar draußen wieder angefangen zu schneien. Als der Professor seinen Jungen entdeckte, erstrahlte sein Gesicht und er winkte seinem Sohn zur Begrüßung zu. Doch Marc war viel zu überrascht über dessen plötzliches Auftauchen, als dass er reagierte. Das Winken übernahm stattdessen seine Freundin, die sich abrupt aus Marcs Umarmung löste, seine Hand nahm und ihn aufgeregt mit zu seinem Vater zog, der soeben dem glücklichen Brautpaar zu dessen Vermählung gratuliert hatte. Auch Dr. Kaan und Schwester Gabi hatten sich zu dem Überraschungsgast gesellt, den Marc nun ungeniert ansprach...

Marc: Was machst du denn hier?
Olivier (zwinkert ihm zu u. nimmt lächelnd die Hand seiner Schwiegertochter in spe u. gibt ihr einen kleinen Handkuss, während er ihr dabei tief in die Augen schaut): Hallo mein Sohn! Gretchen! Du siehst mal wieder bezaubernd aus.
Gretchen (kichert errötend, was Marc die Augen verdrehen lässt): Oh ähm... danke, Olivier! Schön, dass du da bist. Ich wusste gar nicht, dass du auch eingeladen bist?
Olivier (wendet sich abrupt Marcs bestem Freund zu): Bin ich eigentlich auch gar nicht, Gretchen, aber nach gestern Abend... Dr. Kaan? Ich glaube, das hier gehört dir.

Olivier zog ein kleines rechteckiges in goldenes Papier umwickeltes Päckchen aus der Innentasche seines hellgrauen Jacketts und reichte es dem perplexen Gynäkologen, der im ersten Moment nichts mit dem Geschenk anzufangen wusste, während Gabis Augen neugierig zu glänzen begannen.

Mehdi: Äh... ich... verstehe nicht.
Olivier (klärt ihn schmunzelnd auf u. schaut anschließend zum Bräutigam u. seiner Braut, die dem Mann von Frau Fisher andächtig lauschen): Das musst du gestern Nacht in meinem Wagen vergessen haben, Mehdi, als wir zusammen Dr. Gummersbach nach oben getragen haben. Wie geht es Ihnen eigentlich, Günni? Aber bei dieser bezaubernden Braut kann es einem doch nur gut gehen. Herzlichen Glückwunsch noch mal!
Günni (schaut verlegen zu seiner Frau, die ihn mit großen Augen fragend ansieht): Äh... ja, natürlich. Ich bin sehr glücklich, Prof. Meier.
Olivier (klopft Günni anerkennend auf die Schulter u. zwinkert der errötenden Braut zu): Na, das hört man doch gerne.
Mehdi (erinnert sich wieder u. deutet auf das Paket): Um ehrlich zu sein, das gehört mir gar nicht.
Gabi (leichte Enttäuschung schwingt in der Stimme mit, als sie Mehdi fragend anblickt): Nicht?
Olivier (begrüßt nun auch Mehdis Freundin): Fräulein Kragenow, nicht?
Gabi (reicht ihm ihre Hand u. bekommt ebenfalls einen galanten Handkuss, der sie verlegen werden lässt): Ja? Ähm... Hallo, Herr Professor!
Mehdi (überreicht das Präsent Marc, der gar nichts damit anzufangen weiß u. mit seinen Blicken wie einem Pingpongball folgend von einer Person zur anderen schwenkt): Das ist deins.
Marc (starrt seinen Freund verwirrt an): Hä? Was? Quatsch!
Gretchen (himmelt ihren Liebsten glücklich an u. drückt zärtlich seine Hand): Du hast doch an Valentinstag gedacht?
Marc (wendet seinen Kopf nun völlig verwirrt zu seiner Liebsten herum): Valentins...was?
Mehdi (kommt Gretchens Erklärung zuvor, um das Missverständnis aufzuklären): Äh... nicht ganz, Gretchen. Eigentlich ist das euer Präsent, wollte ich sagen. ... Für die beiden!

...flüsterte der Frauenarzt leise Marc und Gretchen zu, damit das Brautpaar es nicht hörte, das direkt hinter ihm stand. Doch auch die wunderschöne Assistenzärztin stand im ersten Moment auf dem Schlauch und sah verwirrt zwischen ihm, Marc und Olivier hin und her. Mehdi seufzte und probierte es erneut mit einer Erklärung...

Mehdi: Marc und ich haben es gestern gefunden. Es lag bei Frau Fisher auf dem Schreibtisch. Mit einem kleinen Kärtchen drauf, „Für das Brautpaar“, und euren verschnörkelten Namen darunter. Klingelt’s jetzt?
Gretchen (so langsam geht ihr ein Licht auf): Oh? Oh! Oooohhh! Daran hab ich ja gar nicht mehr gedacht, nachdem Elke ähm...

Gretchen stoppte abrupt und hielt sich ihre Hand vor den Mund, um nicht zu viel preiszugeben, und schaute betreten zwischen Marc und Olivier hin und her, in deren Augen sie die Traurigkeit aufflackern sehen konnte, die allein schon die Erwähnung ihres Namens mit sich brachte. Die junge Frau nahm das Päckchen an sich und überreichte es feierlich Schwester Sabine, die nun ebenso wie Günni ziemlich verdutzt aus der Wäsche schaute.

Sabine: Noch ein Geschenk? Aber du hast doch schon so viel für uns getan, Gretchen. Das können wir nicht annehmen.

...brachte die gerührte Braut nur schluchzend über ihre dezent geschminkten Lippen. Günni nahm seine aufgelöste Frau tröstend in den Arm und Gretchen legte ihre Hand auf Sabines’. Auch die Trauzeugin war den Tränen nahe, als sie ihre Freundin eindringlich ansah...

Gretchen: Nein, im Gegenteil, Bine. Eigentlich müsste ich so viel mehr tun. Du warst immer für mich da. Seit dem ersten Tag, den wir uns kennen. Du hast dir mein Leid und meinen Kummer angehört, hast mich getröstet und mir Tipps und Ratschläge gegeben, wenn ich mal wieder wegen... na du weißt schon... am Verzweifeln war, ohne dass ich je gefragt habe, wie es dir gerade geht und welche Wünsche und Träume du hegst. Wir arbeiten schon so lange zusammen. Eigentlich wusste ich nicht viel von dir, bis wir uns in den letzten Wochen und Monaten richtig kennen gelernt haben. Ich hab dich wirklich sehr, sehr lieb, Bine. Wir sind Freundinnen geworden, beste Freundinnen sogar, wenn man es genau nimmt. Und ich wollte dich einfach überraschen. Mit etwas, was du liebst. Also nicht so sehr wie Günni natürlich. Aber woran eben dein Herz auch sehr hängt. Ich hab schon gedacht, es klappt nicht mehr, und hab deshalb anderweitig improvisiert. Aber jetzt ist es tatsächlich da. Hier das ist für dich. Für euch. Ein ganz besonderes Geschenk.

Mit einer gewissen Anspannung, die sie bis in ihre Fingerspitzen fühlte, griff Gretchen nach Marcs Hand, nachdem sie Sabine das goldene Geschenk überlassen hatte. Der verdutzte Chirurg hatte keine Ahnung, was seine Freundin damit bezweckte, spürte aber, dass es ihr offenbar wichtig war und hielt sich daher mit spöttischen Kommentaren zurück, die ihm auf der Zunge lagen. Und auch die anderen sahen nun gespannt dabei zu, wie Sabines zittrige Finger die große Schleife aufzogen und dann vorsichtig das Goldpapier abfriemelten. Als die überraschte Braut den Inhalt des kleinen Päckchens vor Augen hatte, wanderte ihre Hand ganz langsam an ihren Mund. Ungläubig riss sie die Augen auf, schaute erst vergewissernd zu Gretchen, die ihr ermutigend zunickte, dann zu Günni, der ebenso interessiert auf den Buchtitel linste und nun schmunzelte, dann zu Olivier Meier, dem Mann ihres großen Idols. Schließlich brach sie in Tränen aus und fiel ihrer besten, liebsten und tollsten Freundin spontan um den Hals, so dass Marc erschrocken zur Seite springen musste, um nicht selbst noch in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Fragend schaute er zu Mehdi, der auch nur mit den Schultern zucken konnte. Währenddessen reckten Gabi und Olivier neugierig ihre Hälse, um den Titel des Buches, das Sabine geschenkt bekommen hatte und wackelig gegen Gretchens Rücken presste, besser lesen zu können. „Ein Stolperschritt ins Liebesglück. Die Liebesgeschichte von Sabine und Günther Gummersbach. Eine Hochzeitssonderedition mit persönlicher Widmung der Bestsellerautorin Elke Fisher“, stand in großen Lettern darauf geschrieben. Während Gabi ihr spöttisches Lachen kaum unterdrücken konnte und sich am Arm ihres Freundes festklammern musste, weil das Ego ihrer Ex-Beinaheschwiegermutter das ihres missratenen Sohnes noch bei Weitem übertraf, war Olivier sämtliche Farbe aus dem Gesicht gewichen. Natürlich war es rührend von seiner geliebten Frau, dass sie ihrem größten Fan und der Vorsitzenden ihres Berliner Fanclubs so ein persönliches Hochzeitsgeschenk verfasst hatte. Aber was war mit ihm? Warum dachte sie nicht an ihn? Was war mit ihm und seinen Gefühlen? Wieso konnte sie ihm nicht erklären, was mit ihr los war, und ließ ihn mit tausend Fragen zurück, auf die er keine Antworten wusste?

Gretchen: Eure Geschichte, Sabine.

...hörte er seine Schwiegertochter in spe wie aus der Ferne sagen, während sein Sohn ihm aufmunternd eine Hand auf die Schulter legte, der gemerkt hatte, dass allein die Erwähnung von Elkes Namen seinen Vater mehr getroffen hatte, als er wollte. Dann hörte man Sabine schluchzen und aufgedreht plappern...

Sabine: Danke! Das... das ist das schönste Geschenk, das ich je bekommen habe. Schade, dass die Autorin nicht persönlich da ist. Ich würde mich so gerne auch bei ihr bedanken.
Gretchen: Ja?

...murmelte Gretchen gedankenverloren und entdeckte die einträchtigen traurigen Gesichter der beiden verlassenen Meier-Männer, was ihr eine tiefe Wunde ins Herz riss. Sie wollte gerade noch etwas erwidern, da erhob Günni schon das Wort und machte das beklommene Gefühl, das Mehdi, Marc, Gretchen und Olivier gerade ergriffen hatte, noch schlimmer.

Günni: Aber dafür ist doch ihr Mann anwesend, Bienchen. Herr Professor, wir haben gestern so einen schönen Abend miteinander verbracht, bis auf die äh... kurzfristige Unpässlichkeit meinerseits, und Sie können so wunderbar erzählen. Vielleicht wollen Sie etwas aus dem Werk Ihrer Frau vorlesen? Bitte! Das würde uns so viel bedeuten.

...forderte der Pathologe Olivier Meier gutmütig auf. Gretchen schluckte schwer und schaute entsetzt zwischen dem Brautpaar und den Meiers hin und her. Sie wusste einfach nicht, was sie tun, geschweige denn sagen sollte. Die Situation war so unangenehm. Aber da war ihr schon jemand zuvorgekommen, der sich schützend dazwischen warf.

Marc: Nein, das wird er nicht!

...wies Marc schroff die unschuldige Bitte des Bräutigams ab, der erschrocken über die heftige Reaktion seines Kollegen zusammenzuckte. Doch Marcs Vater fiel seinem Sohn überraschend ins Wort und legte seine Hand beruhigend auf dessen Schulter, während er wohlwollend zu dem verschreckten Pathologen schaute...

Olivier: Schon gut, mein Junge. Ich lese Ihnen gerne etwas daraus vor, wenn es Ihnen denn Recht ist, Günni? Ich weiß ja nicht, wie weit die Geschichte geht und ob es an manchen Stellen vielleicht zu delikat werden könnte. Sie kennen ja die Werke meiner Frau.
Marc: Oh Gott!

...konnte der entsetzte Marc nicht für sich behalten und hielt sich schon einmal vorsorglich die Ohren zu, weil es Dinge zwischen Himmel und Erde gab, die man(n) nicht hören sollte, weswegen Gretchen ihn mit einem bösen Blick tadelte und in die Seite boxte. Dieses kindische Verhalten des Chirurgen rief auch die Kinder auf den Plan, die den lustigen Oberarzt und dessen besten Freund nun eilig zu einem gemeinsamen Tanz nötigten, was Gretchen wohlwollend mit einem Hauch von Schadenfreude beobachtet, als sie sich mit Gabi am Kuchenbuffet Nachschlag besorgte und sie sich anschließend wieder an den Tisch zu Maria Hassmann setzten, während Günni und Sabine mit hochrotem Kopf zu ihren Plätzen zurückgingen und den neuen Gast der Hochzeitsgesellschaft vorstellten, der im Anschluss tatsächlich mit einem kleinen Auszug aus dem Liebesroman seiner Frau begann:

Seit Jahrhunderten, wenn nicht gar Jahrtausenden wird viel philosophiert und geschrieben über die Liebe. Doch wie die wahre Liebe tatsächlich aussieht, die einen Menschen mit einem anderen verbindet, wissen nur die allerwenigsten. Dies hier ist eine dieser Geschichten, die manche, die den Glauben und die Hoffnung an die eine wahre immer währende Liebe schon längst verloren haben, vielleicht für ein Märchen halten, aber sie ist wahr. Geschehen vor wenigen Monaten. Und heute mit der kirchlichen Segnung für immer besiegelt. Denn die Liebe trifft einen unvermittelt. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Oder wie ein Stolperschritt in die Arme eines Fremden. So geschah es nämlich eines Tages einer jungen Krankenschwester an einem renommierten Berliner Klinikum.....

Lorelei Offline

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18.12.2012 16:59
#1368 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Etwas später am frühen Abend dieses wunderschönen Wintertages trat Gretchen Haase beschwingt aus der erdrückenden Wärme des Festsaals, wo gerade nach dem Ende von Oliviers packender Lesung herzlich gelacht, geseufzt und geweint wurde, nach draußen vors Hotel und atmete durch. Auf der Schwelle stehend blickte die verträumte junge Frau, die ihr roséfarbenes Wallekleid gerafft mit beiden Händen hielt, in den wolkenverhangenen Himmel und sog die scharfe kalte Luft der beginnenden Abenddämmerung in sich auf, die gerade den Horizont in ein tiefes romantisches Orangerot tauchte. Eine willkommene Abwechselung für Sabines Trauzeugin nach der stickigen Luft drinnen im Saal, die ihr irgendwie nicht zu bekommen schien und der sie für einen Moment entkommen wollte. Es hatte leicht zu schneien begonnen und die Luft war erfrischend klar und roch verführerisch nach Schnee. Gretchen liebte diesen Winterzauber, seitdem sie ein kleines Mädchen war, als sie zum Ärger ihrer überfürsorglichen Mutter ganze Tage nur im Schnee verbringen konnte. Der Winter war einfach ihre Zeit. Neben dem Frühling natürlich, wenn alles Leben wieder erwachte und in schillernden Farben frisch erblühte. Oder den warmen Sonnenstrahlen des Sommers auf ihrer Haut. Oder dem bunten Spiel der sich verfärbenden Blätter im Herbst. Sie liebte es.

Die watteweichen Schneeflocken tanzten fröhlich kitzelnd auf der Nasenspitze der in den Himmel guckenden Ärztin umher, die sich nach einem kurzen Moment des Innehaltens und stillen Genießens naserümpfend schnell ihren dicken Wintermantel bis zum Kragen zuknöpfte und den warmen rosa Wollschal um ihren nackten Hals wickelte, bevor sie anschließend auch noch in ihre farblich dazu passenden Handschuhe schlüpfte. Dann schaute sie sich um. Ihre strahlenden blauen Augen musste nicht lange suchen, um in der herrlichen Winterlandschaft, die während der untergehenden Sonne und dem leichten Flockenwirbel ganz besonders intensiv glitzerte, zu finden, was sie suchten. Die schmale Rauchsäule vor dem Seiteneingang des romantisch am Waldrand gelegenen Landgasthofs war schließlich unübersehbar. Ebenso wie der Mann in dem dunklen Mantel, der lässig an der Wand neben der Tür lehnte und gedankenverloren Rauchkringel gen Himmel steigen ließ.

Schnell eilte die blonde Frau zu dem Raucher hinüber, stapfte dabei teilweise durch tiefen Schnee und schlich sich schließlich grinsend auf Zehenspitzen von hinten an ihn heran, weil sie dachte, ihr Grummel hätte sie noch nicht bemerkt, und schlang im passenden Moment ihre Arme um seine Taille, soweit sie es eben konnte. Doch Marc zuckte nicht wie erwartet erschrocken zusammen, als Gretchen ihn überraschend gepackt hatte, denn er hatte seine Liebste natürlich schon längst im Augenwinkel bemerkt, wie sie aus den Haus getreten war und sehnsuchtsvoll in den schneeverhangenen Himmel geschaut hatte, und schmiegte nun seine kalte Wange gegen die ihre. Jetzt war sie es, die kurz zusammenzucken musste. Doch schnell glich sich seine Hauttemperatur der ihren an und Gretchen lächelte und strich ihrem Schatz verträumt mit ihrer Handschuhhand über seine Bartstoppeln, während sie sich immer fester an ihn herankuschelte und sich an ihm wärmte.

Gretchen: Da bist du ja! Ich hab dich gesucht. Du hast das Ende verpasst. Ich glaube, Olivier hat noch etwas dazugedichtet. Was habt ihr gestern eigentlich bei ihm gemacht? Hast du Günni wirklich betrunken gemacht? Du weißt doch, dass er nicht... Maaarc? Hörst du mir überhaupt zu?
Marc: Hmm?

...murmelte Marc nur gedankenverloren, der dem plappernden Häschen überhaupt nicht zugehört hatte, und zog ein weiteres Mal an seiner Kippe, pustete den Rauch aus und drückte den Zigarettenstummel schließlich in dem Ascher neben der Tür zum Personaleingang des kleinen Hotels aus. Dann drehte er sich zu seiner Freundin herum, die ihn mit strahlenden fragenden Augen ansah. Zärtlich strich er mit seiner Hand ihre leicht von der Kälte gerötete Wange hinab. Gretchens Lächeln wurde breiter. Sie schloss ihre Augen und schmiegte ihren Kopf in seine warme Hand. Lächelnd kam er näher, umfasste ihr Gesicht mit beiden Händen, zog sie zu sich und küsste sie zart.

Gretchen: Wäh! Mwarc! Du schmweggst nach Zwigwarwetten. Dwas isch egwisch.

...nuschelte Gretchen protestierend während des zärtlichen Kusses und verzog angewidert ihren Mund. Marc löste sich sofort von ihren süßen Lippen und sah seine Liebste mit schlechtem Gewissen in den Augen entschuldigend an, bevor er in seine rechte Mantelinnentasche griff und eine Packung Kaugummis herauszog und sich anschließend einen davon lässig in den Mund schob.

Marc: Sorry!
Gretchen (schmiegt sich wieder zufrieden an ihn und legt ihren Kopf an seine Schulter): Macht doch nichts. Nur ich vertrag den Geruch im Moment nicht so besonders.
Marc (legt seine Hände um ihren Rücken u. lächelt): Schon ok! Ich halt mich zurück.
Gretchen (schaut lächelnd zu ihm hoch): Danke! Was machst du eigentlich hier draußen? Bist du geflüchtet?
Marc (seine Mundwinkel verziehen sich zu einem verräterischen breiten Grinsen): Du hast mich erwischt.
Gretchen (schlingt ihre Arme auch fester um seinen Körper u. grient ihren Liebsten an): Dann sollten wir den Mädels lieber nicht verraten, wo du gerade steckst. Sie suchen nämlich schon nach dir.
Marc (lacht u. schaut misstrauisch gen Haupteingang): Du weißt ja, ich hab einen Lauf bei Frauen, auch bei den Jüngsten.
Gretchen (stupst ihn an): Hey! Bild dir mal bloß nichts drauf ein, Herr Doktor! Aber Lilly und Sarah sind eh gerade abgelenkt und lassen sich von deinem Vater noch eine weitere Geschichte erzählen. Es ist richtig süß, wie sie alle um ihn herum vorm Kachelofen sitzen und gespannt lauschen. Olivier hat wirklich eine schöne Märchenopastimme.
Marc (wirkt nachdenklicher): Soso?
Gretchen (merkt, dass ihn etwas bedrückt u. will ihn ablenken): Komm, lass uns ein Stück gehen!

...schlug Gretchen spontan vor, um ihren Schatz ein bisschen aus seiner Lethargie zu reißen, die sie kaum ertragen konnte und die auch auf ihr Gemüt schlug. Marc nickte ihr stillschweigend zu, schenkte ihr ein kleines Lächeln und legte seinen Arm einladend um ihre Schulter. Seine Freundin nahm die Einladung gerne an und kuschelte sich verschmust an seine Seite und die beiden gingen ein paar Schritte. Erst stapften sie durch den angrenzenden Garten, von wo aus sie einen kurzen Blick in den Festsaal warfen, in dem eine heitere Stimmung herrschte, gelacht und getanzt wurde. Dann folgten sie der frei geschobenen Spur an den Grundstücksgrenzen entlang, wanderten an Stallungen, Scheunen und einem kleinen Gewächshäuschen vorbei, bis sie den Waldrand erreichten und Hand in Hand den schmalen Waldweg entlang liefen, bis sie an einer Lichtung vor lauter Schnee nicht mehr weiterkonnten, da der Weg nicht weiter vom Schneepflug frei geschoben worden war. Und so beschloss das Paar, zurück zum Hotel zu gehen. Es war schließlich mittlerweile dunkel geworden. Und der leichte Schneefall hatte auch zugenommen und entwickelte sich langsam zu einem richtigen dichten Schneetreiben, so dass die beiden Verliebten, die die ganze Zeit kein Wort miteinander gewechselt und einfach nur ihre Zweisamkeit genossen hatten, auf halbem Wege stehen blieben, sich suchend umschauten und sich in der zum Landgasthof gehörenden Scheune unterstellen mussten. Lachend strichen sie sich gegenseitig die dicken Schneeflocken von den Sachen und sahen sich schließlich an. Die ausgelassene Stimmung war mit einem Mal wieder Ernsthaftigkeit gewichen. Marc wich Gretchens eindringlichen Blicken aus und schaute sich in der Scheune zwischen den Heuballen und den landwirtschaftlichen Gerätschaften um. Gretchen folgte ihm auf leisen Sohlen und durchbrach schließlich die seltsame bedrückende Stille, die sich zwischen ihnen eingestellt hatte...

Gretchen: Was ist los, Marc?
Marc (dreht sich um u. sieht sie ausdruckslos an): Nichts!
Gretchen (spürt, dass er abzulenken versucht u. äußert ihren Verdacht): Du scheinst dich überhaupt nicht zu freuen, dass dein Vater hier aufgetaucht ist. Liegt es daran? Habt ihr euch gestern gestritten? Ist es das? Du versteckst dich doch vor ihm oder? Du hast kein Wort mit ihm gewechselt, außer als du ihm vor Günni und dem Vorlesen retten wolltest.

Marc seufzte resignierend auf, fuhr sich durch seine schneenassen Haare und ging einige Schritte durch die mit Heu und Stroh gefüllte Scheune, ehe er plötzlich stehen blieb, sich umdrehte und sich auf die mittlere Stufe einer kleinen Holztreppe lehnte, die nach oben in eine weitere Etage Heu führte. Er schüttelte den Kopf, als er Gretchens Blickkontakt suchte und nach den richtigen Worten rang...

Marc: Nein, das... das ist es nicht. Obwohl... doch... es hat schon auch mit ihm zu tun. Indirekt.
Gretchen (setzt sich zu ihm auf die Treppenstufe u. nimmt seine Hand, die sie fest drückt, während sie ihn fragend anschaut): Du machst mir Angst, Marc.
Marc (ringt schwer mit sich): Ich... ich weiß einfach nicht...
Gretchen (sieht besorgt zwischen seinen hektisch hin und her huschenden Pupillen hin und her u. versucht seinen Blick einzufangen): Was, Marc, was? Was beschäftigt dich so sehr, dass du nicht mit mir reden kannst? Du weißt, dass du mir alles sagen kannst, egal, was es ist.

Ein kleines Lächeln huschte über Marcs Lippen, das genauso schnell wieder verschwand, wie es gekommen war. Er lehnte seine Stirn haltsuchend gegen die ihre, suchte ihren Blick und senkte seinen Kopf zu einem zaghaften Kuss herab, ohne sie dabei aus den Augen zu lassen. Das war seine Art, Gretchen dafür zu danken, dass sie immer bedingungslos für ihn da war, ohne ihn unter Druck zu setzen. Es fiel dem sonst so taffen Chirurgen trotzdem schwer, die Tatsachen auf den Tisch zu legen, denn dann würden sie endgültig wahr werden und es gäbe kein Zurück mehr. Keine Hoffnung, dass dies alles nur ein schlimmer Albtraum war, den Mehdis unbedarft geäußerten Worte ausgelöst hatten, der ja bekannt dafür war, nicht besonders gut darin zu sein, zu scherzen. Aber es war nun mal kein Scherz. Er musste sich dem stellen. Er musste stark sein. Es ging schließlich um seine Familie. Seine Mutter. Also sammelte er sich ein letztes Mal. Er atmete noch einmal tief ein und aus, nahm dann Gretchens zittrige Hände in seine und sah seine sichtlich besorgte Freundin aufgewühlt an, bevor er sie schließlich aus allen Wolken fallen ließ...

Marc: Ich werde für einige Zeit weggehen.

Lorelei Offline

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21.12.2012 10:09
#1369 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Heute mal ohne lange Vorrede im Kommibereich, denn die Zeit rennt. Gegen uns! Mädels, es ist so weit. Da ich trotz ausführlicher Recherchen nicht herausfinden konnte, wann genau es denn heute passieren wird, habe ich vorsorglich schon jetzt den neuen (und letzten?) Teil meiner Story hochgeladen. Ich hoffe, ich habe damit ein recht befriedigendes Ende meiner Geschichte gefunden. Ich hätte sie gerne noch weiter erzählt, denn es sind noch viele Fragen offen geblieben, aber es sollte wohl nicht sein. Beschwert euch bitte bei den Mayas. Die sind schließlich für diesen Schlamassel zuständig, wenn deren endender Kalender heute die Welt ins Chaos stürzen wird. Es war mir jedenfalls eine große Freude, mit euch meine Ideen zu teilen und ich danke euch für eure Treue. Ich hab euch lieb und wünsch euch was zum Ende aller Tage.

Eure Lorelei , die sich jetzt in ihren Schutzbunker äh... ihr Schneckenhaus zurückziehen und dort der Dinge ausharren wird, die da kommen mögen.

PS: Ach ja und viel Spaß jetzt mit dem neuen Teil. Schnell lesen, bevor es vorbei ist!





Gretchen war wie vor den Kopf gestoßen. Wie betäubt löste sie ihre Hand aus Marcs fester Umklammerung und erhob sich langsam von der Treppe, auf der sie gesessen hatte. Ihre Ohren rauschten und sie taumelte etwas. Ihre Knie fühlten sich wie Gummi an, so dass sie sich am Geländer der Holztreppe festklammern musste, um nicht sofort und auf der Stelle umzukippen. Was hatte er gerade gesagt? Das konnte Marc doch nicht ernst meinen. Sie musste sich verhört haben. Aufgewühlt starrte sie ihren Freund nun von oben herab an, der sie mit zusammengekniffenen Augen unsicher anschaute und sich im nächsten Moment ärgerte, sich seine Wortwahl nicht vorher besser überlegt zu haben. Erste dicke Tränchen kullerten nämlich schon Gretchens gerötete Wangen hinab, als sie endlich ihre Stimme wieder fand und aufgewühlt ihren Gefühlen freien Lauf ließ...

Gretchen: Was? Aber... wieso? Hab ich was falsch gemacht? Geht dir das alles zu schnell mit uns? Marc, ich kann dich beruhigen. Wir sind nicht...
Marc (versucht vergeblich zu Wort zu kommen): Gretchen!?
Gretchen (plappert munter weiter drauflos, wie ihr ihre durcheinander geratenen Gedanken gerade durch den Kopf gehen): Wenn ich dich in irgendeiner Weise bedrängt habe, dann tut es mir leid. Ich weiß doch, dass ich mich manchmal in Dinge viel zu sehr hineinsteigere und dann...
Marc (steht ebenfalls auf u. schnappt sich ihre eiskalten Hände u. hält sie fest gegen seinen und ihren Körper gedrückt, während er sie eindringlich anschaut): Stopp, Süße, du verstehst das vollkommen falsch.
Gretchen (sieht ihm aufgewühlt in die Augen u. schluchzt): Aber du willst weg?

Der tiefe Schmerz, der aus Gretchens Stimme herauszuhören war, war herzerweichend für den jungen Mann, der selber völlig durcheinander war und sich nun am liebsten selbst eine Ohrfeige gegeben hätte, weil er so taktlos begonnen hatte und nicht mit einer solch heftigen Reaktion gerechnet hatte. Er zog das heulende Elend in seine Arme und drückte sie fest an seine Brust, während er ihr sanft über die Haare streichelte, damit sie sich wieder beruhigte...

Marc: Ssshhht! Hey! Ich will nicht, ich muss.

Gretchen hatte sich dank Marcs unmittelbarer Nähe einigermaßen wieder eingekriegt. Sie löste sich aus seiner Umklammerung, wischte sich mit ihren Handschuhen die Tränen aus dem Gesicht und blickte ihren zerknirschten Freund nun aus verheulten Augen fragend an...

Gretchen: Aber warum?
Marc: Komm, lass uns wieder hinsetzen. Ich erzähle es dir.

...flüsterte Marc mit sanfter Schmusestimme und reichte seiner aufgewühlten Freundin auffordernd seine Hand, die sie zögerlich annahm. Er zog sie vorsichtig die schmale Holztreppe empor und sie setzten sich auf die oberste Stufe des Heulagers, das sich hinter ihnen großräumig ausbreitete, von wo aus sie die Beine herunterbaumeln ließen. Ganz ruhig und leise begann Marc zu erzählen, was er gestern von Mehdi erfahren hatte und was ihn so sehr durcheinander gebracht hatte. Er berichtete ihr unverblümt alles, was er wusste, was im Prinzip nicht viel war, da auch sein bester Freund nicht mehr bei seiner starrköpfigen Mutter hatte in Erfahrung bringen können. Sichtlich geschockt folgte Gretchen seinen Worten und rückte mit jedem Wort mehr, mit dem sich Elkes Sohn ihr offenbarte, näher an ihn heran, weil sie einfach das Bedürfnis hatte, ihn zu trösten. Als er fertig war, ließ sie ihren Gefühlen freien Lauf. Ihre Tränen hatten schon längst wieder zu kullern begonnen, als sie ihre Arme um den im Moment wie ein hilfloser kleiner Junge wirkenden Mann schlang.

Gretchen: Marc, aber das ist ja schrecklich. Wieso hast du denn nichts gesagt? Du musst sofort zu ihr. Sie ist ganz allein.

...schluchzte Gretchen an seinen Hals, um den sie sich gerade klammerte. Mehr konnte sie auch nicht mehr sagen, weil ihr die Tränen und der fette Kloß im Hals die Worte nahmen. Tröstend drückte Marc seine aufgelöste Freundin an sich und tätschelte sanft ihren Rücken. Es kostete ihm viel Mühe, nicht selbst noch in Tränen auszubrechen. Aber er war ein Mann und Männer heulten nicht, es sei denn sie hießen mit Nachnamen Kaan und waren Frauenärzte und behandelte damit ihresgleichen. Er wollte, nein, er musste jetzt stark bleiben. Für sie, für sich, für seinen Dad und vor allem für seine Mutter, die gerade die größte Dummheit, die sie je begangen hatte, machte. Mit leiser Stimme redete er auf sein Mädchen ein, das sich mittlerweile regelrecht in seinen Mantel hineingekrochen hatte und sanft über sein Herz strich, das in dem Moment tatsächlich Streicheleinheiten gebrauchen konnte. So sehr hatte ihn nämlich das Schicksal seiner Frau Mama getroffen.

Marc: Ich weiß. Deshalb fahre ich ja auch für einige Zeit zu ihr.
Gretchen (sieht stolz zu ihm auf): Heute noch? Ich könnte es verstehen. Und Sabine und Günni bestimmt auch. Wir können sofort aufbrechen, wenn du willst.

Marc legte sanft seine Hand an die Wange seiner fürsorglichen Freundin. Ein kleines Lächeln umschloss seine Lippen, als er sie ansah. Jedes Mal aufs Neue war er überwältigt von ihrem riesigen Herzen, das nicht mal vor seiner störrischen Mutter Halt machen konnte. Genau deswegen liebte er sie. Und deshalb schenkte er ihr auch einen kleinen zarten Kuss auf die geröteten Lippenspitzen, bevor er sie wieder mit ernster Miene anschaute...

Marc: Nein! Stopp, nicht so voreilig! Die Schweiz liegt nicht gleich um die Ecke so wie Berlin, wie du weißt. Ich werde morgen fahren. Es ist soweit schon alles geplant. Mit deinem Vater habe ich die geänderten Dienstpläne auch schon abgeklärt.
Gretchen (überrascht): Du hast schon mit meinem Vater gesprochen?
Marc (reumütig): Ich weiß, ich hätte zuerst mit dir reden sollen. Aber du warst so glücklich über Sabines Hochzeit und das ganze Vorbereitungschaos.
Gretchen (gerührt wegen seiner Rücksichtnahme): Deshalb hast du nichts gesagt?
Marc (nickt u. wischt ihr eine verstohlene Träne aus dem Augenwinkel, die er sich anschließend von seinem Finger leckt): Ich wollte euch das alles nicht kaputt machen.
Ach mein Marcilein! Allein dafür müsste ich dich schon knuddeln!
Gretchen (sieht ihn mit ernster Miene an): Denkst du, ich hätte kein Verständnis dafür gehabt? Marc, dir geht es nicht gut. Das habe ich dir die ganze Zeit schon angesehen. Wir hätten nicht herkommen müssen, wenn du nicht gewollt hättest. Jetzt sind ganz andere Dinge wichtig.
Marc (trotzig): Ich will aber hier sein.
Gretchen (sieht ihn argwöhnisch an): Wirklich?
Marc (drückt ihre Hand u. schaut ihr aufrichtig in die Augen): Hey, ich hätte doch eh nicht eher weg gekonnt wegen meinem kaputten Wagen und zuhause wäre mir vermutlich irgendwann die Decke auf den Kopf gefallen. Die Hochzeit der Außerirdischen ist eine willkommene Abwechselung. Wirklich. Nur die Kids sollten deren Eltern mal besser im Zaum halten.
Gretchen: Weiß es Olivier?
Marc (schüttelt traurig den Kopf): Bis auf Mehdi und dir, weiß es niemand und das soll auch so bleiben. Bitte! Ich weiß, das ist viel verlangt, aber niemand, auch Dad nicht, soll das erfahren. Ich muss selber erst mal schauen, wie’s um sie steht. Sie wird schon nicht begeistert sein, wenn ich dort auftauche.
Gretchen (beginnt wieder zu weinen): Ich versteh das einfach nicht. Wieso will sie das alleine durchstehen?
Marc (resigniert): Das ist meine Mutter, wie sie leibt und lebt!
Gretchen (plötzlich kommt ihr ein schlimmer Verdacht): Ihr Anruf gestern, das klang doch wie ein Abschied. Sie... sie hat die Hoffnung aufgegeben. Das darf sie nicht!
Marc (kann ihrem eindringlichen Blick nicht standhalten u. schaut weg): Ich weiß.
Gretchen (drückt Marc noch fester an sich u. tätschelt ihm über den Rücken): Wenn du weinen willst, dann...
Marc (protestierend windet er sich erfolglos in ihrer Umarmung): Haasenzahn!
Gretchen (wiegt ihn wie ein kleines Kind in ihren Armen hin und her): Gefühle muss man rauslassen, Marc, sonst erdrücken sie einen irgendwann. Dafür musst du dich nicht schämen.
Marc (muss über ihre liebevolle kindlich naive Art dann doch schmunzeln): Hast du dich mit Mehdi abgesprochen? Der hat O-Ton fast genau das gleiche gesagt.
Weil er, im Gegensatz zu dir genau weiß, wie man in bestimmten Situationen zu reagieren hat. Hätte er sonst mit mir verschlüsselt über Marcs Mutter gesprochen, damit ich in gewisser Weise vorbereitet bin und Marc die Stütze geben kann, die er braucht.
Gretchen: Ich bin froh, dass er gestern für dich da war.
Marc (verdreht theatralisch die Augen): Ich weniger.
Gretchen (zieht eine Augenbraue nach oben u. mustert ihn intensiv): Bist du ihm böse?
Marc: Nein!
Das ist ja das Schlimme. Man kann ihm nie böse sein. Nicht mal, dass er früher hinter meinem Haasen her war.
Gretchen (misstrauisch): Die Schramme über seiner Augenbraue ist also nicht von dir?
Marc (löst sich aus ihrem Klammeräffchengriff u. sieht sie angesäuert an): Was? Haasenzahn! Verdammt, der hat beim Unfall das Armaturenbrett geküsst. Das war’s.
Gretchen (läuft vor Scham rot an u. macht sich neben ihm kleiner): Ich meine ja bloß. Er durfte als ihr Arzt nichts sagen. Er hat es Elke versprochen.
Manchmal hat das Leben als Arzt echt seine beschissenen Nachteile.
Marc (nuschelt in seinen Dreitagebart hinein u. lässt sich von seiner Freundin wieder in den Arm nehmen): Hmm!
Gretchen (sieht ihn voller Sorge an): Wie geht es dir wirklich damit, Marc?

Marc hasste Fragen wie diese und er rang sichtlich mit sich. Die Rolle als Angehöriger eines Patienten überforderte ihn. Er war das einfach nicht gewohnt und ehrlich gesagt hätte er gut und gerne auf diese Erfahrung verzichtet. Viel lieber wäre er jetzt wieder der Arzt, der mit Allheilmitteln Wunder bewirkte, und nicht der Sohn. Leise begann er mit brüchiger Stimme im Schutze der Dunkelheit zu sprechen. Nur der unklare Schein des Vollmonds erhellte die Scheune durch eins der Dachlukenfenster.

Marc: Diese Hilflosigkeit, nichts tun zu können, die...
Gretchen (tröstet ihn): Ich weiß. Aber du hilfst doch schon, indem du für sie da bist und ihr zeigst, dass sie nicht allein ist, egal, was früher zwischen euch war.

Marc konnte nicht mehr sagen. Die Angst griff mit ihrer kalten Hand nach seinem Herzen, umschloss es und lähmte ihn. Verkrampft klammerte er sich an seiner Freundin fest, die ihn tröstend seitlich an sich drückte und ihm so viel Beistand spendete, wie sie nur konnte. Auch ihr Herz wog schwer. Und das nicht nur wegen ihrer Schwiegermutter in spe, die allein in irgendeiner Klinik in der Schweiz weilte und mit ihrem Schicksal haderte. Sondern vor allem auch wegen Marc. Sie wusste, dass er mit solchen Situationen nur schwer umzugehen wusste, weil er nun mal nicht der empathische Typ war, der seine Gefühle vor anderen, selbst vor ihr nicht, offen legte. Und sie konnte es kaum ertragen, ihn so unglücklich zu sehen. Wie könnte sie ihm nur helfen, damit er wieder Mut fasste und die Hoffnung nicht aufgab?

Ihre Blicke trafen sich unvermittelt und unmissverständlich. Sie sahen sich an, lächelten aufmunternd und lasen die tröstenden Worte in den Augen des anderen. Und für den Hauch eines Augenblicks ging es ihnen auch wirklich besser. Marc griff mit seinen Händen nach Gretchens wunderschönem Gesicht und streichelte mit seinen beiden Daumen gefühlvoll über ihre tränenfeuchte Wange. Dann küsste er ihr die Tränenspur weg, bevor er schließlich seine Lippen sanft auf die ihren sinken ließ, wo er endlich den Trost fand, den er gesucht hatte. Erst küssten sie sich ganz sanft und unschuldig, dann wurden seine Küsse schnell fordernder. Gretchen ließ es geschehen und presste seinen Körper haltsuchend gegen den ihren, während ihre Hände ruhelos über seinen Rücken strichen. Die beiden Verliebten rutschten von der Kante des Heuschobers weiter nach hinten und fanden sich alsbald in einer Kuhle aus Heu wieder. Suchende Hände befreiten den anderen von Schal und Mantel, wanderten rastlos weiter, bis sie für einen kurzen Moment atemlos auseinander fuhren, um nach Luft zu schnappen. Fragend schauten sie sich an...

Gretchen: Marc?
Marc: Bitte!

Marcs leise Stimme klang wie ein Flehen. Und auch sein Hundewelpenblick ging ihr durch Mark und Bein. Aufgewühlt blickte Gretchen in seinen bettelnden Augen hin und her und sie wusste nun, wie sie ihrem traurigen Prinzen Trost spenden konnte. Sie drehte sich auf ihn, sah ihm noch ein letztes Mal intensiv in die traurigen Augen und küsste ihn schließlich...




PS 2: Fieses Ende oder? Hmm... Da bis jetzt noch nichts weiter passiert ist und die Welt noch nicht eingestürzt ist, werde ich wohl doch weiter schreiben. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen besinnlichen 4. Advent. Hiermit verabschiede ich mich dann auch in meinen wohl verdienten Weihnachtsurlaub. Schöne Feiertage, ihr Lieben!

Lorelei Offline

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30.12.2012 10:30
#1370 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Hallo ihr Lieben! Zum Jahresabschluss habe ich noch ein besonderes Kapitel für euch. Ich hoffe, ihr habt viel Freude daran. Ich wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr, wo wir uns hoffentlich alle frisch und munter wieder sehen werden. Liebe Grüße, eure Lorelei



Der dumpfe Silberschein des Vollmonds schimmerte durch die vergilbten spinnwebenverhangenen Dachfenster der alten Scheune des Landgasthofs Gummersbach in Göberitz, spielte mit den aufwirbelnden Staubfusseln, die wild durch die Luft tanzten wie kleine Glühwürmchen im Sommer, und legte sich schließlich auf die schattenumrissenen Konturen zweier eng umschlungener halbnackter Körper mitten im Heu. Ganz langsam waren Marcs Fingerkuppen ihre freigelegten Schulterblätter hinab gestrichen. Sie zogen ihre Kreise, entzündeten eine Gänsehautspur, der sie Millimeter für Millimeter folgten, und spielten an den kleinen widerspenstigen Häkchen des schwarzen Bustiers, dem atemberaubenden Oberteil von Gretchens wunderschönem Abendkleid. In Zeitlupe gelang es dem geübten Chirurg jedes einzelne dieser verlockenden Häkchen zu öffnen. Er glitt mit seinen warmen Händen darunter, schob es weiter auseinander und streichelte nun die weiche makellose Haut ihres entzückenden Rückens, die im Schein des vollen Mondes als einzigem Zeugen dieser heimlichen Zweisamkeit silbrig glitzerte, als hätte sich Mondstaub darauf gelegt. Gretchen legte ihren Kopf seitlich in den Nacken und seufzte genießerisch auf, als Marc den kunstvollen Zopf, den Gabi ihr frisiert hatte, zur Seite strich, um ihn ihr über die linke Schulter zu legen, und dann begann, die kleinen Sommersprossen auf ihrer nackten Haut zu zählen. Sie konnte ihren Verführer nicht sehen, sondern nur spüren, was er hinter ihrem Rücken gerade machte, und mit klopfendem Herzen erahnen, was wohl als nächstes folgen würde, was ihre Aufregung nur noch mehr steigerte. Marcs Bartstoppeln kitzelten sie, als er seine Lippen an die Stellen legte, die er soeben noch mit seinen tastenden Fingerspitzen entlang gefahren war. Ein wohliger Schauer durchzuckte ihren Körper, gefolgt von einer Hitzewelle, welche die eigentlich kühlen Temperaturen im Gummersbachschen Heuschober relativ vergessen machte. Ihr Herz brannte lichterloh, als Gretchen seufzend ihre Augen schloss und mit ihrer Hand nach hinten fasste, wo sie Marcs weiches Haar zu greifen bekam. Sie durchwühlte es kichernd. Marc rutschte mit seinem Kopf wieder höher, biss seiner Süßen einmal zärtlich als Strafe für ihre Frechheit in den Nacken, ehe er sie schwungvoll zu sich herumdrehte und seine forschen Lippen wild auf die ihren presste.

Ein ungestümer Kuss folgte, der Marcs nicht ganz so jugendfreie Absichten nicht verhehlte und währenddem er seine Liebste, die ihm mit ebensolcher Leidenschaft entgegenkam, mit dem Gewicht seines Körpers in das Bett aus Heu zurückdrückte, das er ihr unter Zuhilfenahme der beiden Mäntel und einer alten Wolldecke, die er in einer Ecke der Scheune gefunden hatte, bereitet hatte. Auch Gretchens Hände blieben nicht länger untätig. Die bildschöne Assistenzärztin hatte ihren Oberarzt schon längst von dem lästigen lilafarbenen Rollkragenpullover befreit, den er anstatt des weißen Hemdes, das sie ihm für heute passend zum marineblauen Anzug herausgelegt hatte, angezogen hatte, und ließ ihre warmen Hände zärtlich entlang seiner aufregenden Muskelpartien wandern, die sich unter dem Druck ihrer Fingerspitzen deutlich anspannten. Marc schnurrte wohlig unter den sanften Berührungen seiner bezaubernden Freundin und ging nun selber auf Wanderschaft mit seinen Lippen. Grinsend folgte er Gretchens heruntergerutschtem Oberteil, befreite sie endgültig davon und vergrub sein Gesicht anschließend zwischen ihren weichen vollen Brüsten, die sich ihm entgegen reckten und denen er nun eine ausgiebige Untersuchung widmete, für die er als Arzt vermutlich seine Approbation verloren hätte, wenn die blonde Aphrodite unter ihm seine Patientin gewesen wäre und nicht die Frau, die er über alles liebte, ehe er erkundend immer tiefer weiter wanderte auf der Suche nach dem Verschluss ihres wallenden rosafarbenen Tüllrockes, dessen Stoff unter den Bewegungen seines Körpers knisterte wie Geschenkpapier an Weihnachten. Dieser frohlockende Gedanke gab dem Geschenkauspacken doch gleich einen ganz neuen Sinn, dachte der spielfreudige junge Mann und schritt grinsend zur Tat.

Marc zog Gretchen mit sich hoch, presste die genießerische Grinsekatze an seinen nackten gestählten Oberkörper und zog mit Daumen und Zeigefinger langsam den Reißverschluss herunter, den er endlich zu greifen bekommen hatte, ohne dabei auch nur einmal den intensiven Blickkontakt mit seiner aufregenden Freundin zu lösen, die aufmerksam jede einzelne seiner Bewegungen registrierte und ihn geradezu mit feurigen Blicken dazu animierte. Das rosafarbene Tüllkleid rutschte daraufhin Gretchens schlanke Beine hinab und breitete sich zu ihren Füßen wie eine riesige Baisertorte aus. Lachend trat die junge Frau aus dem riesigen Stoffhaufen heraus und präsentierte sich ohne jede Scheu vor ihrem Freund in ihrer ganzen natürlichen Schönheit. Marc zog scharf Luft ein, als seine begeisterten Blicke ihre halterlosen zartrosa Strümpfe nach oben wanderten und an ihrem gleichfarbigen Spitzenhöschen kleben blieben, das nur das Nötigste verdeckte. Er schluckte schwer und spürte, wie seine Hose im Schritt immer enger wurde. Und auch die Temperaturen in der kalten Scheune glichen plötzlich einem Saunakessel. Sein Herz schien still zu stehen und selbst die Motorik seiner Gliedmaßen schien außer Gefecht gesetzt worden zu sein. Gretchen genoss Marcs bewundernde Blicke sehr, denn welcher Frau schmeichelte es nicht, vom eigenen Mann so sehr begehrt zu werden, dass es ihm völlig die Sprache verschlug. Bei Gelegenheit würde sie sich bei Sabine bedanken, die ihr zu dieser gewagten Wäschekombination geraten hatte, während sie zur selben Zeit in der Boutique für die Braut die unschuldigen weißen Dessous für die Hochzeitsnacht ausgesucht hatte.

Nun wurde auch Gretchen wieder mutiger. Anmutig wie eine edle Perserkatze schlich sie sich an ihren Schatz heran, fuhr mit beiden Händen gefühlvoll über seinen muskulösen Brustkorb und seinen straffen Bauch, strich sein angedeutetes Sixpack hinab und griff schließlich nach der Schnalle seines Ledergürtels, die sie geschickt öffnete, ebenso wie Knopf und Reißverschluss seiner blauen Anzughose, die sie in einem Ruck nach unten schob. Marc, der so abrupt aus seinen verwirrten Gedanken gerissen worden war, schüttelte nur überrascht seinen Kopf und half schließlich mit einem breiten spitzbübischen Grinsen auf den Lippen seiner lasziven Verführerin dabei, seine restlichen Sachen auszuziehen, die auf einem Strohballen zu ihren Füßen landeten. Langsam sanken sie danach wieder Arm in Arm zurück auf ihr Lager aus Heu und vergruben sich kichernd unter der vergilbten kratzigen Wolldecke als einziger zusätzlicher Wärmequelle. Die trockenen Gras- und Strohhalme unter ihnen kitzelten sie zwar, doch ließen sie sich davon nicht weiter stören. Gefangen vom sehnsüchtigen Blick des anderen küssten sie sich, erst ganz sanft, dann immer ungestümer und fordernder, und sie ließen sich einfach treiben auf einer Wolke aus purem Glück, die alle Sorgen für den Moment vergessen ließ. Immer höher und weiter, bis sie dem Mond, der sein helles Grinsegesicht dezent abgewandt hatte, fast „Hallo“ hätten sagen können. Stattdessen flüsterten sie sich gegenseitig etwas ganz anderes zu, als sie sich atemlos in die Augen schauten...

Marc: Gretchen, ich... liebe dich.
Gretchen: Ich liebe dich auch, Marc.

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01.01.2013 13:24
#1371 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Happy new year, ihr Lieben , und auch weiterhin viel Spaß mit meinem Mammut! Heute sind mal wieder die anderen dran. Nicht böse sein! Es gibt aber später auch noch mal eine Schalte zurück ins Heu. Liebe Grüße, eure Lorelei



Währenddessen im Hotel Gummersbach

http://www.youtube.com/watch?v=iJe3osgk8Vc&feature=related



Auch auf der Hochzeitsfeier der Gummersbachs im angrenzenden Landhotel war es mittlerweile etwas besinnlicher geworden. Nach einigen Anfragen der Gäste hatte die Band auf langsame Liebeslieder umgestellt und die Pärchen, allen voran die frisch vermählten Brautleute, tanzten glücklich eng umschlungen auf der Tanzfläche im Takt sanfter melodischer Klänge, die zum Träumen einluden. Nachdem der Abend hereingebrochen war und unwiderruflich seine dunklen Schatten über die zauberhafte Winterlandschaft geworfen hatte, hatte man die vielen im Raum verteilten cremefarbenen Kerzen angezündet, die als einzige Lichtquellen eine wunderbare romantische Atmosphäre in dem rustikal eingerichteten Hochzeitssaal schufen, der sich auch Dr. Kaan und seine Freundin Gabi nicht erwehren konnten. Ihre Blicke klebten schmachtend an den das Kerzenflackern widerspiegelnden Augen des anderen und so schwebten sie langsam in eleganten geschmeidigen Bewegungen über das Parkett. Ab und an drehte Mehdi seine Liebste gekonnt mit einer Pirouette im Kreis, ehe er sie lachend noch fester an sich presste und sie anmutig weitertanzten. Gabis rechte Hand klebte an seinem Brustkorb, direkt über seinem puckernden Herzen, während ihr anderer Arm seine Taille umschlang und ihre Finger in ruhigen Bahnen über den unteren Bereich seines muskulösen Rückens strichen, der sich unter seinem Hemd deutlich abzeichnete. Keine Sekunde hatte sie ihre goldglänzenden Augen von denen ihres Schatzes abgewandt. Ihr Herz klopfte wild in ihrer Brust und die verliebte Frau fragte sich schon seit einigen Minuten, ob vielleicht jetzt der Moment der Momente gekommen war für eine große Beichte, die alles von jetzt auf gleich für immer verändern würde. Sie hatte sich schließlich dafür eine romantische Stimmung gewünscht und noch romantischer konnte es an dem schönen Abend vermutlich nicht mehr werden. Es sei denn, es stellte sich noch heraus, dass Sabines Mann ein verkappter Minnesänger wäre, der seiner frisch angetrauten Braut eine hochromantische und hochemotionale Liebesbotschaft singen würde, wohlmöglich noch auf klingonisch, aber das wäre vermutlich auch für Gabi zu viel des Guten gewesen.

Was dachte sie hier eigentlich? Ihre Gedanken spielten schon wieder völlig verrückt mit ihr. Und auch Mehdi machte ihr die Sache nicht leicht. Kontinuierlich strichen seine filigranen Fingerchen über den schmalen Schlitz des Rückenausschnitts ihres dunkelblauen Kleides und brachten sie damit gänzlich durcheinander, sodass ihr nicht einmal mehr die richtigen Tanzschritte gelingen mochten. Ebenso wie der betörende Geruch, der von ihm selbst ausging und ungehindert ihre extrem empfindsamen Sinnesbahnen in ihrer Nase lahm legte. Sein männlich herbes Aftershave, vermengt mit etwas Schweiß, ganz, ganz viel Mehdi und dem Geruch dieser verführerischen Sahnetorte, die sie vorhin zusammen gegessen hatten. Diese gefährliche Mischung machte doch jede Frau völlig willensschwach. Und so legte Gabi ihren Kopf wie betäubt an seine Schulter, schnupperte mit ihrer Nasenspitze an seinem Hals und kraulte währenddessen gedankenverloren zärtlich seine sich heftig auf und ab bewegende linke Brustseite. Mehdi hatte sein Jackett und seinen Schlips abgelegt und hatte die obersten Knöpfe seines Hemdes geöffnet, nachdem sie vorhin einen wilden Salsa auf die Bühne gelegt hatten, so dass sie nun ungehindert Zugang zu seiner Haut hatte, mit der ihre Fingerspitzen unentwegt Kontakt suchten. Sie konnte gar nicht anders. Schmunzelnd dachte sie an den Tanz zurück, wie Mehdi sie plötzlich gepackt und herumgewirbelt und dabei leidenschaftlich angeguckt hatte wie ein feuriger Flamencotänzer. Sie schloss ihre Augen und träumte mit einem verliebten Lächeln auf den Lippen vor sich hin, während Mehdi seiner Herzdame leicht auf die Haare küsste, die kompliziert mit verschiedenen geflochtenen Zöpfen hochgesteckt worden waren, und weiter mit ihr über das Parkett schwebte, als würden sie über Wolken laufen.

Gabi: Meinst du, wir könnten irgendwo alleine sein?

...kam es plötzlich überraschend von dem Unterbewusstsein seiner Freundin gesprochen. Verwundert blickte Mehdi zu ihr herab und lächelte, als er Gabis verträumtes Lächeln entdeckte, das ihre wunderschönen roten Lippen schmückte, die er jetzt einfach aus einem inneren Impuls heraus küssen musste. Sein Zeigefinger strich ganz langsam ihren grazilen Hals empor, was unweigerlich bei Gabi zu einer Gänsehaut führte, und drückte dann vorsichtig ihr Kinn etwas nach oben. Und schon trafen sich ihre Lippen. Als hätte der Blitz eingeschlagen, öffnete Schwester Gabi ihre Augen und sah ihren Liebsten verwirrt an, der sie verschmitzt angrinste. Zärtlich streichelte seine Hand über ihre gerötete Wange, während er seinen Mund an ihr linkes Ohr führte und leise etwas mit sanfter Stimme hineinraunte...

Mehdi: Dein Wunsch ist mir Befehl.
Gabi (sieht ihn an wie ein Postauto): Hä?
Mehdi: Wo bist du nur die ganze Zeit mit deinen Gedanken, Gabimaus? Aber ich fühle mich natürlich unendlich geschmeichelt, wenn ich solch eine beeindruckende Wirkung auf dich habe.

...lachte Mehdi seine süße Freundin charmant an, die überhaupt nicht begriff, wovon er sprach, und ließ seine Hände ganz langsam ihre nackten Arme hinabstreifen, ehe er sie um ihre Taille schlang und er sich einmal mehr mit ihr zusammen zum Takt des Liedes drehte. Gabis Herz machte einen Aussetzer, als sie Mehdis betörende Stimme erneut an ihrem Ohr vernahm, in dessen Ohrläppchen er danach gefühlvoll hinein biss, um sein Gesagtes noch zusätzlich zu untermauern...

Mehdi: Ich will auch mit dir alleine sein.

Gabi sah ihren Schatz mit großen Augen an und seufzte leise, als er mit seiner Nasenspitze wie zufällig ihren Hals streifte. Dann drehte er sie plötzlich schwungvoll herum und stand nun dicht hinter ihr. Sie spürte seinen heißen Atem an ihrem Nacken. Seine Lippen waren ganz nah. Seine Hände ruhten genau auf dem großen Geheimnis, das sie noch immer geheim unter ihrem Herzen trug. Ihr Puls beschleunigte sich augenblicklich, als Mehdi gedankenverloren begann, ihren Bauch zu streicheln, und gleichzeitig seinen Kopf auf ihrer Schulter bettete. Viel zu schnell für ihren Geschmack zog er jedoch eine seiner Hände wieder weg. Sie schnappte nach der anderen, damit sie an Ort und Stelle liegen blieb und streichelte seinen Handrücken, ehe sie ihre Finger mit seinen verschränkte. Sie spürte, wie Mehdi an ihren Hals lächelte. Sein Atem kitzelte sie. Sie lächelte auch und wusste plötzlich, dass der Moment gekommen war. Doch erneut brachte Mehdi sie aus dem Konzept. Plötzlich hielt er ihr nämlich etwas vor ihr überraschtes Gesicht, das sie noch verwirrter stimmte, als sie es eh bereits war.

Mehdi: Und da kommt jetzt meine Überraschung ins Spiel.
Gabi: Ü...überraschung?
Mehdi (lächelnd drückt er ihr einen kleinen Kuss auf die rechte Wange): Schon vergessen? Heute ist nicht nur Sabines und Günnis Hochzeitstag, sondern auch Valentinstag.
Gabi (ihre Gedanken überschlagen sich, ohne dass einer davon wirklich klar ist): Oh!
Mehdi (hält ihr aufgeregt sein unverpacktes Geschenk hin, ohne dass sie wirklich wahrnimmt, um was es sich dabei genau handelt): Weiß du, was das ist? Willst du es nicht annehmen?

Lorelei Offline

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04.01.2013 17:10
#1372 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Erwartungsvoll blickte Mehdi seiner Gabi über die Schulter. Doch seine Freundin war völlig durcheinander und starrte unschlüssig auf den großen silbernen verzierten Schlüssel in seiner rechten Hand. Was hatte das zu bedeuten? Sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Eine Hand blieb auf ihrem Bauch liegen, mit der anderen nahm sie zittrig den Schlüssel entgegen und wandte ihren fragenden Blick nun zu Mehdi herum, der ihrem Gesicht ganz nah war und sie voller Vorfreude anstrahlte...

Gabi: Ein... Schlüssel?
Mehdi (ein breites freches Grinsen legt sich auf seine Lippen): Der Schlüssel zu meinem Herzen.
Gabi (schluckt u. sieht ihn verwirrt an): Wirklich?
Mehdi (zieht sie lachend in seine Arme): Nein, den hast du doch schon längst, mein Schatz. Weißt du eigentlich, dass du unheimlich süß bist, wenn du so verpeilt kuckst.
Gabi (empört sich beleidigt): Mehdi!
Mehdi (seine Umarmung wird noch fester u. einnehmender, während er seine Lippen gefährlich über ihren Hals streifen lässt): Doch bist du!
Gabi (windet sich in seinen Armen u. hält ihm schließlich den Schlüssel hin): Was hast du damit vor?
Mehdi (genießt es, sie weiter zu necken): Dich verführen, was sonst?

Mann Mehdi, du machst mich völlig verrückt mit deiner verspielten Art. Ich weiß überhaupt nicht mehr, was ich fühlen und denken soll, geschweige denn, was ich noch sagen wollte.

Gabi (stupst ihm in den Arm): Weißt du, dass du unausstehlich bist, wenn du verliebt bist.
Mehdi (lacht): Findest du?
Gabi (trotzköpfig schmiegt sie sich an seine Brust): Ja! Aber das Schlimme ist,...
Mehdi (runzelt die Stirn, als er zu ihr herab schaut): Was?
Gabi (sieht aufgewühlt zu ihm hoch): ... ich fahr voll darauf ab.
Mehdi (grinst zufrieden): Und fährst du auch auf ein romantisches Wochenende auf dem Land ab?
Gabi (verwirrt): Wie jetzt?
Mehdi (klärt sie endlich auf): Dieser Schlüssel ist gewissermaßen schon der Schlüssel zu unseren Herzen, mein Schatz, aber in Wirklichkeit öffnet er eine Tür hier im Hotel. Die Tür zu unserem Zimmer.
Gabi (reißt ungläubig die Augen auf u. versteht endlich): Nee jetzt?
Mehdi (lächelt glücklich, weil sein Plan funktioniert hat): Doch! Das ist meine Überraschung für dich. Zum Valentinstag.
Gabi (hakt noch einmal unsicher nach, um wirklich richtig zu verstehen): Wir bleiben hier? Über Nacht?
Mehdi (nickt u. schaut sie erwartungsvoll an): Ja! Bis morgen Nachmittag. Freust du dich? Ich dachte mir, nachdem ich so lange weg war, gönne ich uns ein bisschen Zweisamkeit, bevor uns der Alltag wiederhat.
Gabi (kann nicht anders u. fällt ihm glücklich um den Hals): Und wie ich mich freue. Du bist toll. Danke!
Mehdi (kann seine Liebste kaum bändigen u. drückt sie innig an sich; langsam fährt er dabei mit dem Zeigefinger frohlockend ihren nackten Arm empor): Du bist toll, Gabi! Und wenn du magst, dann können wir sofort hochgehen? Du wolltest doch alleine sein?
Gabi (guckt wie zufällig zu den tobenden Kindern in der Ecke): Und was ist mit Lilly?
Mehdi (lächelt): Meine kleine Prinzessin hat ihr eigenes Zimmer gleich gegenüber und meine Cousine hält ein Auge auf sie. Ich hoffe, dir macht es nichts aus, wenn wir morgen alle zusammen einen Ausflug machen. Ich hab Lilly versprochen, dass wir zu den Pferden von Günnis Eltern gehen.
Gabi (völlig sprachlos u. überwältigt von seiner gelungenen Überraschung): Du bist der tollste Vater... ähm... Mann auf der Welt.
Mehdi (legt seine Arme um ihren Nacken u. schaut sie mit leuchtenden Augen an): Ist das ein Ja oder ein Ja?
Gabi (haucht ihm zärtlich ins Ohr, während sie sich an ihn schmiegt wie ein zutrauliches Kätzchen): Ja, natürlich! Alles, was du vorschlägst, würde ich immer mit „ja“ beantworten.
Mehdi (küsst sie aus Überschwang): Hmm... wirklich? Ich freue mich jedenfalls schon darauf, dann mein Geschenk auspacken zu dürfen.

Demonstrativ strich Mehdi die Konturen von Gabis schlankem Körper entlang und zwinkerte seiner Herzdame verheißungsvoll zu, die überwältigt von ihren Gefühlen und Empfindungen gar nicht anders konnte, als ihn erneut leidenschaftlich zu küssen. Nase an Nase standen sie schließlich da. Sie hatten aufgehört zu tanzen und schauten sich tief in die Augen.

Mehdi: Nach diesem Kuss bin ich jetzt noch neugieriger geworden, womit du mich letzte Nacht schon überraschen wolltest. Du hast heute Morgen ein ganz schönes Geheimnis drum herum gemacht.

Mit einem Mal verschwand alle Farbe aus Gabis anfangs strahlendem Gesicht und sie stammelte verlegen, den Blick auf ihre dunkelblauen Stiefel gerichtet, ...

Gabi: Ähm... ja... das... ähm...
Mehdi (völlig hingerissen streift er mit seinen Lippen über ihre Ohrmuschel): Du bist ja total nervös. Was hast du nur mit mir vor?
Oh Gott, Mehdi, tue das nicht. Ich...
Gabi (ihr Herz klopft ihr bis zum Hals u. ihre Gedanken purzeln durcheinander): Ich... Ähm... Können wir... Ich meine... Gleich... Aber ich müsste noch mal... Also ich... mache mich nur noch einmal schnell frisch, dann... dann können wir... gerne... nach oben gehen.

...gab die aufgeregte Krankenschwester atemlos von sich, als sie sich von Mehdi losriss, hastig zu ihrem Platz stolperte und sich ihre Handtasche schnappte und dann plötzlich zum Ausgang des Saals flitzte. Irritiert blickte der stehen gelassene Frauenarzt der Flüchtenden hinterher...

Mehdi: Du kannst doch auch oben auf dem Zimmer... Da ist alles... Jetzt hat sie doch tatsächlich den Schlüssel mitgenommen.

Mehdi sah nur noch die zurückschwenkenden Türen, die ins Foyer des kleinen Hotels führten, und fuhr sich mit einer Hand verwirrt durch seine lockigen Haare. Dann wandte er sich herum und blickte nun direkt in das amüsierte braune Augenpaar einer kleinen Person in einem wunderschönen weißen Kleidchen, die ihn mit gestrecktem Hals von unten herauf anvisierte. Hatte sie etwa die ganze Zeit schon hinter ihm gestanden?

Mehdi: Lillymaus?
Lilly (grient ihn vergnügt an): Bist du verliiiebt, Papa?
Mehdi (läuft augenblicklich rot an u. fasst sich an seinen Hals, um die Färbung zu stoppen): Ist das so offensichtlich?
Lilly (sieht ihn mit breitem Grinselächeln an): Jaaa!!! Knutscht ihr deshalb so viel herum?
Mehdi (wird Hals aufwärts zur roten Tomate): Äh... Das... das ist doch nicht viel?
Oder doch? Oh Gott!
Lilly: Onkel Günni und Tante Bine küssen jedenfalls nicht so viel und die haben geheiratet.
Mehdi (schaut Richtung Brautpaar an der langen Tafel, das in eine Unterhaltung mit dem Professor und seiner Frau vertieft ist): Ja, äh... sie müssen sich ja auch um ihre Gäste kümmern. Da... da bleibt nicht so viel Zeit zum... ähm... Küssen.
Peiiiinliiiich!!!
Lilly (gibt sich schließlich mit dieser Antwort zufrieden u. schaut ihn gespannt an): Ach so? Und wie ist küssen so?
Mehdi (auch wenn es kaum möglich ist, der Familienvater wird noch röter im Gesicht u. versucht angestrengt abzulenken, während er langsam anfängt zu schwitzen): Was? Ähm... Schön? Schön! Lilly, sag mal, hast du heute von der „Ich-will-alles-wissen-Torte“ genascht oder was ist los mit dir?
Lilly (kichert): So was gibt es doch gar nicht.
Mehdi (hat sich wieder einigermaßen beruhigt u. beugt sich grinsend zu seiner neunmalklugen Tochter herab, stupst ihre Nase an u. hebt sein Mädchen schließlich hoch u. setzt es auf seinen Füßen ab): Oh, du weißt gar nicht, was es alles gibt auf der Welt, Lillymaus, und das ist auch besser... so. Und? Ähm... Hast du Lust, jetzt mit deinem alten Vater eine Runde zu tanzen?
Lilly (lässt sich nur widerwillig mitreißen u. schaut skeptisch auf ihre Füße herab): Oh Papa, das ist doch für Babys.
Mehdi (presst sie schmunzelnd an sich u. dreht sich mit ihr auf seinen Schuhen im Kreis): Für mich wirst du immer mein Baby bleiben, Lillymaus. Weißt du das denn nicht?

Kichernd schaute das kleine Mädchen zu ihrem Papa hoch, der ihr frech zuzwinkerte, und ließ sich nun doch bereitwillig von ihm über das Parkett tragen. Sie hatte diesen lustigen Tanzstil schon immer sehr geliebt, wenn sie das zusammen taten. Als die Musik jedoch wechselte und wieder flotter wurde, entwischte Lilly ihrem Vater dann doch und flitzte davon zu ihrer Freundin Sarah, die in der Spielecke mit den Gummersbacher Jungs stand und ihnen aufgeregt wild gestikulierend etwas erklärte, was zu allgemeinem Erstaunen führte. Lachend schaute Mehdi seiner Prinzessin hinterher, die nun auch von Marias sechsjähriger Tochter vereinnahmt wurde, und schüttelte den Kopf. Wenn die lieben Kinder doch immer so klein und unschuldig bleiben würden wie jetzt in diesem Alter, dachte er seufzend und spürte plötzlich seine vom Tanzen ganz trocken gewordene Kehle. Er beschloss, sich etwas zu Trinken zu holen und an der Bar auf seine Freundin zu warten, die offenbar auf die Toilette verschwunden war. Am Tresen angekommen, entdeckte er an dessen anderem Ende eine attraktive Frau in einem eng anliegenden bordeauxfarbenen Spitzenkleid, die alleine an einem Gläschen Rotwein nippte. Sie bemerkte ihn nicht, als er sich lässig neben sie auf einen der Hocker setzte und ihr neugierig über die Schulter lugte. Denn vor ihr auf dem Tresen lag ihr Smartphone, das sie nahezu hypnotisch anstarrte, ohne jedoch auf das Aufleuchten zu reagieren. Er konnte nicht genau lesen, was darauf geschrieben stand, aber er sah, dass ihr Mailfach geöffnet war.

Mehdi: Schlechte Nachrichten?

...fragte der Oberarzt unvermittelt seine nachdenkliche Kollegin und bestellte gleichzeitig per Handzeichen eine Flasche Wasser beim Kellner, der ihn fragend von der anderen Seite des Tresens angeschaut hatte. Maria Hassmann zuckte erschrocken zusammen und konnte gerade noch so mit ihrer Hand verhindern, dass ihr Rotweinglas umfiel und den köstlichen Traubeninhalt über ihr Telefon ausbreitete, das sie sich im nächsten Moment schnappte und schnell in ihrem Cluch verschwinden ließ. Sie konnte in Mehdis Augen die unverblümte Neugier förmlich lesen. Und auf eine erneute Kaansche Moralpredigt oder sonstige unnötige Kommentare über ihr nicht vorhandenes Liebesleben hatte sie überhaupt keine Lust. Außerdem wäre er der letzte, mit dem sie über so etwas reden würde, falls sie denn jemals gewillt sein würde, überhaupt zu reden. Aber es gab nun mal überhaupt nichts zu bereden, auch wenn sie Mehdis Qualitäten als verständnisvollem Zuhörer schon immer gerne geschätzt hatte und nicht nur das. Aber nicht heute. Und hier und jetzt schon einmal gar nicht. Maria zog die intime Einsamkeit an der Bar der heiteren Hochzeitsgesellschaft da drüben vor. Mehdi, der geübt darin war, die Gestik und Mimik seiner kühlen Kollegin und Irgendwie-Ex-Freundin zu deuten, ahnte, was oder bessere gesagt wer ihr die ganze Zeit schon im Kopf herumspukte und konnte es nicht bleiben lassen, sie auch direkt darauf anzusprechen. Irgendwie musste es doch möglich sein, ihrem Glück ein bisschen auf die Sprünge zu helfen. Das war er ihr einfach schuldig.

Mehdi: Warum machst du es ihm so schwer, Maria?

Lorelei Offline

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07.01.2013 16:51
#1373 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Zwei wütend aufblitzende dunkel geschminkte Augen trafen auf ein unschuldig dreinblickendes Rehäugleinpaar, das sehr von sich und seiner Meinung überzeugt zu sein schien. Im Gegensatz zu seinem uneinsichtigen Gegenüber, das sofort eine Abwehrhaltung gegenüber dem Mann eingenommen hatte, in den es noch vor kurzem sehr verliebt gewesen war und der jetzt meinte, sie durchschaut zu haben. Aber das hatte er NICHT! Naja, vielleicht ein Bisschen. Ein klitzekleines Bisschen, wenn überhaupt.

Maria: Ich wüsste nicht, was gerade DICH das angehen sollte, Mehdi? Und überhaupt, ich weiß gar nicht, was du meinst.
Den Schreiber der Sms vielleicht, die du seit einer geschlagenen Stunde ehrfürchtig anstarrst, als stünde die Anleitung zur Entschärfung einer komplizierten Bombeneinrichtung darin.
Mehdi (versucht es verständnisvoller und weniger mit der Tür durchs Haus): Maria, hör mal! Ich meine doch bloß, ich hab euch gesehen und ich denke einfach...
Kann er nicht einfach seine vorlaute Klappe halten? Ich brauche keine therapeutische Lebensberatung. Und von einem verkorksten Frauenarzt, der überall Blümchen und Bienchen sieht, seitdem er glaubt, verliebt zu sein, schon einmal gar nicht! Warum musste ich mich auch ausgerechnet von ihm erwischen lassen? Und vom Meier... und dem Pathologen. Oh Gott! Das ist alles... GGGRRR!!!
Maria (prescht ihm direkt ins Wort, weil sie nichts von diesem Thema hören will): Nein, lass es einfach, ok?
Mehdi (nimmt einen tiefen erfrischenden Schluck aus seinem Wasserglas u. mustert dabei sein Gegenüber nachdenklich aus dem Augenwinkel): Wo ist die glückliche Maria von vorhin geblieben?
Glücklich, was heißt das schon?
Maria (grimmig wendet sie sich von ihm ab u. ihrem Weinglas wieder zu): Glück wird viel zu hoch bewertet, Herr Dr. Oberschlau. Es ist eine völlig unberechenbare Komponente, der jegliche wissenschaftliche Nachweisbarkeit fehlt und deren Beweiskraft von Hollywood vollkommen verfälscht wurde. Und ich bin Realistin. Ich dachte, das wüsstest du.
Mit der Einstellung wird das doch nie was. Also ich mag Hollywood-Schnulzen.
Mehdi (stützt seinen Ellenbogen lässig auf der Theke ab u. schaut Maria durchdringend an): Und deshalb gehst du von vornherein vom Schlimmsten aus?
ER ist nun mal die schlimmste Plage auf Erden. Und gleich dahinter kommst du, Mr. Verständnisvoll!
Maria (strotzt nur so vor Sarkasmus): Wow! Du siehst ja doch etwas durch deine rosarote Brille, die du ständig auf deiner Nase trägst.
Mehdi (schmunzelt): Ich sehe damit klarer, als du denkst.
Maria (macht eine theatralische Geste in seine Richtung u. nippt anschließend an ihrem halbvollen Weinglas): Oh...natürlich! Ich vergaß, du hast ja einen Nebenjob als staatlich geprüfter Frauenversteher. Und was denkst du, deiner Meinung nach, gesehen zu haben, was andere nicht sehen?
Dass du unübersehbar bis über beide Ohren in ihn verknallt bist und du ihn umbringen könntest, weil das so ist.
Mehdi (lässt sich von ihr nicht aus der Ruhe bringen u. gibt offen zu, was er denkt): Dass du gestern für einen kurzen Moment endlich losgelassen hast, dich nicht mehr verstellt und dich so gegeben hast, wie du wirklich bist und fühlst.
Der spinnt doch! Die Turteleien mit seiner... seiner... *mir fällt noch nicht einmal ein passendes Schimpfwort ein* ... Neuen haben ihn ja komplett plemplem gemacht.
Maria (fordert ihn heraus): Und wie bin ich deiner Meinung nach wirklich?

Mehdi: Du sehnst dich auch nach einem Stück vom Kuchen, nach Liebe und Geborgenheit.
Maria (seufzt): Mehdi Kaan, der ewige Träumer von dem Guten in der Welt. Aber du solltest nicht von dir auf andere schließen. Ich bin zufrieden mit meinem Leben, so wie es ist.
Mehdi (lächelt): Ein bisschen zu träumen stände dir aber auch gut zu Gesicht, Maria. Mir hat dein Lächeln vor der Kirche gefallen und du brauchst gar nicht leugnen, wer dafür verantwortlich war. Ich hab euch schließlich gestern gesehen.
Ja, bohre nur noch tiefer in der Wunde, du Quälgeist. Wenn ich mich nicht dazu hingerissen hätte, wäre jetzt alles wesentlich einfacher und unkomplizierter. ... Glaubst du das wirklich? ... Scheiß Gewissen!
Maria (versucht sich nichts anmerken zu lassen u. wird wieder zynisch): Korrektur: Du solltest deine rosaroten Gläser doch austauschen lassen. Die hohe Dioptrienzahl vernebelt deinen Blickwinkel, mein Lieber.
Faszinierend, dass sie trotz alledem immer noch einen lockeren Spruch auf den Lippen hat. Es ist also doch noch nicht alles verloren.
Mehdi (muss dann doch kurz schmunzeln, ehe seine Mimik wieder ernster wird u. er sein leeres Wasserglas abstellt): Maria, jetzt mal ernsthaft. Höre auf, dir etwas vorzumachen. Das macht es doch nur noch schlimmer. Auch für dich. Er bedeutet dir etwas.
Maria (will das nicht wahrhaben u. wehrt sich vehement gegen diesen irrsinnigen Verdacht): Mehdi!
Mehdi (lässt sich nicht ins Wort reden): Jetzt lasse mich bitte ausreden, Maria. Gut, ich kenne ihn nicht gut genug, um ihn richtig einschätzen zu können und die Geschichten, die ich von dir und Marc gehört habe, wirken noch nach. Er ist kein guter Kerl, das ist mir klar, aber er scheint sich doch ehrlich zu bemühen. Er scheint aus seinen Fehlern gelernt zu haben.
Sag ich doch, er ist ein Träumer. Aber was soll man auch anders denken? Er ist immerhin mit Marc ‚Arschloch’ Meier befreundet. Das sagt doch schon alles über seine Menschenkenntnisfähigkeit.
Maria (verschränkt abwehrend die Arme): Und woran willst du das festmachen? Wie gesagt, du kennst ihn nicht.
Mehdi (kleinlaut): Ich habe eine gute Auffassungsgabe.
Maria (sarkastisch): Und das sagt mir der Mann, der fast ein halbes Jahr lang nicht checkt, was Sache ist.
Mehdi (sein schlechtes Gewissen wird unweigerlich gepackt u. er setzt den leidenden Hundewelpenblick auf): Es geht hier nicht um uns, Maria. Du weißt, die Ausgangslage war damals eine ganz andere, aber ich kann dir gerne noch einmal beteuern, wie leid mir das alles tut. Ich war ein Idiot!
Maria (seufzt resignierend u. stellt ihr Glas auf die Theke, da ihr der Wein nicht mehr schmeckt): Schon gut, lass stecken! Ich will doch auch nicht länger in der Vergangenheit kramen. Was bringt das schon?
Mehdi (zwinkert ihr lächelnd zu): Das wäre doch auch ein guter Ansatz für euch?
Okay, jetzt reicht’s!
Maria (blitzt ihn böse an): Es gibt kein Uns!

Mehdi (rollt theatralisch mit den Augen, ehe er sein Plädoyer weiter fortsetzt): Das wird es auch nicht geben, wenn du weiterhin so störrisch bleibst und nicht auf die Stimme in deinem Herzen hörst, denn die ist kaum noch zu überhören, auch wenn die Stimme in deinem Kopf ständig laut dazwischen quatscht. Ich weiß, du bist ein Kopfmensch. Du hast Pläne, wie du dir deine und Sarahs Zukunft vorstellst. Aber Pläne kann man auch ändern und modifizieren. Manchmal muss man eben vielleicht einfach mal über seinen Schatten springen und mutig sein.
So wie du oder was? Deine Wahl kann man durchaus als mutig bezeichnen. Mutig und naiv.
Maria (Mehdis Worte lassen sie nicht kalt): Das mag vielleicht in der Theorie einfach sein, aber die Realität ist eine ganz andere. Wenn ich ihn jetzt in unser Leben lasse, dann...
Mehdi (grinst): Sieh an, du hast also doch darüber nachgedacht?
Maria (funkelt ihn mit bedrohlichen Augen an): Mehdi, ich schwör’s dir, wenn du dich noch einmal lustig machst, dann kippe ich dir den Inhalt dieses Glases über den Kopf und ich habe richtig Lust, dir und den anderen eine ordentliche Szene zu liefern. Darauf warten die Lästerschwestern doch, seitdem du mit der Krankenschwester angebandelt hast. Schau nur, wie sie schon gespannt kucken.
Was bin ich froh, dass Maria nicht nachtragend ist.
Mehdi (schaut kurz zur Hochzeitstafel rüber, von wo aus ihn und Maria mehrere neugierige Augenpaare beobachten): Ok, ok, Gnade! Ich halte mich zurück. Ich wollte dir doch nur zeigen, dass ich für dich da bin, wenn du reden möchtest. Du musst nicht alles mit dir herumschleppen und in Wein ertränken. Ich höre zu. Ohne Vorbehalte oder spöttische Kommentare. Und ich kann auch Dinge für mich behalten.
Das will ich dir auch geraten haben.
Maria (sieht ihn resignierend an, als der Eispanzer langsam bricht): Ich weiß. Insgeheim will ich ja, aber...
Mehdi (nickt verständnisvoll): Dieses verflixte Aber kann manchmal eine ganz schöne Last sein?
Maria (stützt ihr Kinn mit ihren Händen auf dem Tresen ab): Wem sagst du das. Der nächste Schritt wäre, es ihr zu sagen. Ich hab’s versucht. Wirklich. Aber jedes Mal...
Mehdi (sieht sie eindringlich an): Wieder dieses Aber?
Maria (kleinlaut): Ja! Das Risiko ist einfach zu groß.
Mehdi: Und wenn ihr euch erst einmal ganz auf euch konzentriert, eure Klippen und Altlasten aus dem Weg räumt, um dann gemeinsam auf Sarah zuzugehen? Sie ist ein aufgewecktes taffes Mädchen. Sie wird es verstehen. Ganz bestimmt. Man kann Kinder nicht ständig vor allem beschützen. Sieh dir mich und Lilly an! Unsere Konstellation ist bei weitem nicht einfach, nach allem was war. Ich weiß, das alles ist schwer für dich, aber wenn man nicht wagt, erfährt man nie, wie es sein könnte. Viele schrecken vor solchen Entscheidungen zurück, weil sie denken, es würde eh nicht funktionieren. Dabei ziehen sie die Möglichkeit, dass es vielleicht doch klappen könnte, gar nicht erst in Betracht.

Maria (hat ihm aufmerksam zugehört u. blickt ihn nun mit ernster Miene an): Hast du dich deshalb für Gabi entschieden?
Mehdi (senkt seinen Blick, den er anschließend vorsichtig wieder hebt): Willst du das wirklich wissen?
Maria (schüttelt den Kopf u. sieht ihn plötzlich mit einem verschmitzten Lächeln an): Alles wäre so viel leichter, wenn du der Grund für meine Magenschmerzen wärst.
Mehdi (erwidert ihr Lachen): Meinst du wirklich, wir hätten es lange miteinander ausgehalten?
Hmm...? Unter Umständen...
Maria (grinst): Ehrlich? Dein ständiges Geknabber und Gewusel an den Ohren ging mir ziemlich auf die Nerven.
Mehdi (fasst sich theatralisch ans Herz): Autsch! Das tat weh.
Maria (grient ihn an): Ich wollte dich nicht vor den Kopf stoßen. Obwohl, doch schon ein bisschen. Du Casanova hast es ja auch gar nicht anders verdient. Da investiert man so viel Zeit und Energie und weckt bestimmte Seiten an dir aus dem ewigen Tiefschlaf und das kommt am Ende dabei heraus. Der Tiger streunt durch andere Savannen. Naja, egal. Es war schön mit uns, ja, weil wir wahrscheinlich beide genau das in dem Moment gebraucht haben. Aber...
Mehdi (resignierend): Immer diese Aber!
Maria: Stimmt! Aber... da schon wieder dieses blöde Wort ...irgendwas hat gefehlt.
Mehdi: Das Knistern und Lodern wie bei euch? Ein Wunder, dass wir gestern ohne Feuerlöscher den Gang durchs Treppenhaus überlebt haben.
Maria (zickig): Es gibt kein „euch“! Ich würde aber schon sagen, dass es zwischen uns beiden geknistert hat. Nur war die Flamme eher die eines Streichholzes.
Mehdi: Und wieder ein Schlag mitten in mein Selbstbewusstsein, das immer mehr daniederliegt.
Maria (grinst): Nun hab dich nicht so. Du weißt genau, wie ich das meine. Und ich bereue nichts und ich bin auch nicht mehr sauer. Du hast ja bekommen, was du wolltest. Auch wenn’s bei mir im Nachhinein vielleicht doch etwas mehr war, was ich gewollt habe. Aber egal. Mentales Tief überwunden.
Zumindest, was Tief Mehdi betrifft.
Mehdi (nachdenklich): Ich kann dir auch nicht sagen, warum es mit uns nicht funktioniert hat. Ich war immer gerne mit dir zusammen. Vielleicht, wenn Italien nicht gewesen wäre,... Ich weiß es nicht. Es gab dann einfach irgendwann einen Moment, da hat es bei mir klick gemacht. Und da wusste ich, dass es Gabi ist und ich so nicht mehr weitermachen kann.
Maria (wendet überfordert ihren Blick ab u. starrt ihr Weinglas an): So genau wollte ich es gar nicht wissen.

Mehdi (sieht sie verlegen an): Sorry! Und was ist nun mit dir und Cedric Stier? Seitdem er auf der Bildfläche aufgetaucht ist, bist du völlig durch den Wind. So hab ich dich nie erlebt.
Na toll, jetzt steht’s mir schon auf die Stirn getackert. Dieser elende Mistkerl raubt mir noch das letzte Bisschen Selbstwertgefühl. Aber das werde ich diesmal nicht zulassen! Nicht mit mir, Rick!
Maria (peinlich berührt fährt sie sich über den Hals u. sieht unsicher zu ihm rüber): Das ist dir aufgefallen?
Mehdi (grinst): Warum denkst du, hätte ich dich sonst auf dem Ärzteball vor dem unangenehmen Sprücheklopfer beschützt?
Maria (leise zu sich selbst flüsternd): Wenn es nur funktioniert hätte!
Da hat der ganze Mist doch erst angefangen.
Mehdi (staunt ungläubig u. seine Pupillen weiten sich): Nein?
Maria (bohrt ihren Zeigefinger in seine Brust u. funkelt ihn an): Du hast mich ja förmlich in seine Arme getrieben, du Schuft.
Mehdi (übt schwer daran, sich ein Schmunzeln zu verkneifen): Dafür entschuldige ich mich aufrichtig.
Maria (schüttelt lachend den Kopf): Ach was. Mittlerweile glaube ich fast, dass ich auch auf ihn hereingefallen wäre, wenn ich keine Zweifel an dir gehabt hätte. Er hat einfach etwas an sich, dass mich... Es ist... Ich weiß auch nicht... *seufzt* ... Ich hasse es!
Sie liebt es!
Mehdi (grinst): Das hab ich gestern gesehen.
Ich bring ihn um. Ich bringe beide um!
Maria (blitzt ihn an): Schön, dass du Spaß an der Sache hattest. Aber sexuelle Anziehung allein, die uns schon immer mehr als über das Normale hinweg verbunden hat, kann doch keine Basis sein? Wir haben uns damals schon viel zu schnell in Was-auch-immer gestürzt. Du weißt, wie es geendet hat. Und jetzt? Wir sind beide nicht alleine. Ich glaube, das scheint er in seinem Drang, mich unbedingt rumkriegen zu wollen, vergessen zu haben. Aber wen wundert das? Er war schon immer verantwortungslos, arrogant, ich-bezogen, rücksichtslos, unverschämt,...
Mehdi (schmunzelt): Du kannst noch so viele negative Dinge aufzählen, wie du willst, die Ausgangslage bleibt die gleiche. Er ist dir nicht egal. Du magst ihn, egal was er tut oder in der Vergangenheit getan hat. Und er mag dich. Das ist offensichtlich. Überall, wo du bist, taucht er unweigerlich auf. Ob im Krankenhaus oder... ähm... hier.
Maria (irritiert): Was?
Mehdi (beugt sich schmunzelnd zu ihr rüber u. flüstert ihr etwas zu): Vielleicht solltest du nicht mit mir, sondern mit ihm darüber reden, was dir alles Magenschmerzen bereitet? Jetzt ist die Gelegenheit. Er ist hier.

Mehdi deutete mit seinem Kopf in Richtung Eingangstür. Maria folgte entsetzt seinem Blick. Und tatsächlich! Vor der breiten Glastür, die ins hell erleuchtete Foyer des Hotels führte, konnte sie ihren unmöglichen Exmann entdecken, der doch tatsächlich die Frechheit besaß, hier ungefragt auf der Hochzeit aufzutauchen, und sie jetzt ungeniert mit seinem ekelhaft charmanten Grinselächeln anlächelte, nachdem er ihre Blicke auf sich gerichtet registriert hatte. Das konnte doch nicht wahr sein? Was hatte der denn hier zu suchen, fragte sie sich fassungslos und blickte hilfesuchend zu Dr. Kaan, der nur mit den Schultern zuckte und sie ermutigend anschaute. Oh Gott, und wenn Sarah ihn entdeckt, dann...dann... Wie von der Tarantel gestochen sprang die Löwenmutter plötzlich auf und lief im wütenden Eilschritt über die halbleere Tanzfläche zur Tür, hinter der sie Dr. Stier vorfreudig erwartete, seinem zufrieden grinsenden Gesichtsausdruck nach zu urteilen.

Maria: Ja, ist der denn von allen guten Geistern verlassen.
Mehdi: Das würde ich durchaus unterstreichen. Er ist eben verrückt nach Mary.

...griente Mehdi seiner aufgeregten Kollegin hinterher und lehnte sich lässig mit dem Rücken an den Tresen zurück. Er nahm sich Marias halbvolles Weinglas, nippte kurz daran und genoss nun das Schauspiel, wie die temperamentvolle Oberärztin ihrem unverschämten Ex fast die Tür an den Kopf warf und ihn anschließend mit Gewalt aus dem Blickfeld der anderen, die ihren neuen Kollegen noch nicht entdeckt hatten, nach draußen ins Foyer verfrachtete....


http://www.youtube.com/watch?v=UPmRth8ODko

Lorelei Offline

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10.01.2013 15:04
#1374 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo alle miteinander! Weil ihr es euch so sehr gewünscht habt, bekommt ihr jetzt einen extralangen Ceria-Teil. Viel Spaß damit und bitte Schmerzmittel bereithalten! Die könnten eventuell von Nöten sein. Liebe Grüße, eure Lorelei



http://www.youtube.com/watch?v=AP6Z5ScKNsU


Die wütende Frau packte den Neurochirurgen an den Schultern und schob ihn mit aller Kraft, die ihre zarten Chirurginnenhände aufzubieten hatten, zur Seite. Von ihrem ausgestreckten rechten Arm an die Wand gedrängt, stellte Dr. Hassmann den unerwünschten Gast schließlich zeternd zur Rede, der mit sehr großem Vergnügen die gewaltsame Attacke auf sich selbst genossen hatte und die brünette Naturgewalt nun dementsprechend amüsiert angriente...

Maria: Was fällt dir ein, hier aufzukreuzen, Rick?

Eine kurze Sekunde der Unachtsamkeit der aufgebrachten Ärztin, die ihr Gegenüber mit sexy zornigen Blicken traktierte und zwischendurch immer wieder einen panischen Kontrollblick zum Festsaal warf, nutzte der von ihr Eingekesselte zu seinem Vorteil aus. Cedric wand sich aus Marias Umklammerung und drehte den Spieß einfach um. Geschickt hatte er seine widerspenstige Exfrau am Handgelenk gepackt und um 180 Grad gedreht. Jetzt war sie die Eingekesselte. Er stemmte seinen muskulösen Körper gegen den ihren und kesselte sie mit seinen beiden Armen ein, die er links und rechts von ihrem Kopf an die Wand drückte, ehe er ihrem hochrotem Gesicht gefährlich nahe kam. Die überrumpelte Neurologin spürte seinen heißen Atem an ihrem Hals. Sie roch sein aufdringliches Aftershave, das laut Werbung alle Frauen zu willenlosen Wesen werden ließ. Alle Sinne wurden dementsprechend auf Alarmbereitschaft programmiert, aber dennoch konnte die bedrängte Frau kaum kontrollieren, dass sich ihr Brustkorb aufgeregt auf und ab bewegte. Aufreizende Bewegungen, die seine Argusaugen mit großer Genugtuung beobachteten, bevor sie sich wieder auf Marias stechend scharfe Augen konzentrierten, aus denen giftgetränkte Blicke auf ihn geschossen wurden. Cedric lachte nur und zwinkerte seiner Herzdame frech zu, womit er sie natürlich noch mehr auf die Palme brachte, als er es eh schon mit seinem plötzlichen Auftauchen getan hatte. Er würde lügen, wenn er es nicht mit Absicht so gehandhabt hätte.

Cedric (frisst sie mit seinen Blicken förmlich auf): Och du, mir würde da schon so einiges einfallen.
Dieser...dieser...GGGRRR!!!
Maria (blitzt ihn böse an, während sie sich vergeblich aus seiner festen Umklammerung herauszuwinden versucht): Ich warne dich! Komm mir nicht zu nahe, sonst...sonst...
Cedric (provozierend): Sonst was?

Noch ehe der attraktive Arzt seine spöttische Frage ausgesprochen hatte, spürte er auch schon einen stechenden Schmerz in seiner Leistengegend, der von einem schwungvoll nach oben gezogenen weiblichen Knie verursacht worden war. Eigentlich ein wunderschönes zierliches anatomisch perfektes Knie, das er letzte Nacht noch intensiv gestreichelt hatte und das ihm jetzt aber zum Verhängnis geworden war. Cedric ließ die schlagkräftige Besitzerin des in sexy schwarzes Nylon gehüllten Knies sofort los und taumelte nach hinten, wo er ganz langsam an der Säule, die er als rettende Stütze gefunden hatte, herunter gen Boden sank und sich den Schmerzen, den Tränen und der Erniedrigung ergab, der er gerade zum Opfer gefallen war. Triumphierend schaute Maria zu der geknickten Person zu ihren Füßen herab und verschränkte mit Genugtuung ihre Arme vor ihrem Körper. Er hatte sie doch provoziert. Eigentlich hätte er damit rechnen können. In emotionalen Ausnahmesituationen reagierte manche Frau gelegentlich schon einmal über. Wie gut, dass in ihrem Stammfitnessstudio regelmäßig Selbstverteidigungskurse stattfanden, dachte die Oberärztin zufrieden und griente ihren vor Schmerzen aufstöhnenden Exmann an, der sich gerade wieder aufzurappeln versuchte.

Maria: Sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.
Dieses Biest! Ich hätte damit rechnen und mich besser auf die Defensive konzentrieren sollen. Aber wenn sie spielen will, bitte, das kann sie haben. Das kann ich auch!
Cedric (stöhnend richtet er sich wieder auf, kontrolliert, ob noch alles da sitzt, wo es hingehört, u. lehnt sich schließlich erschöpft mit dem Rücken gegen die Wand neben der gemeinen Attentäterin): Witzig, Mary, echt witzig! Welch eine herzliche Begrüßung! Ich freue mich auch, dich zu sehen.
Was nicht auf Gegenliebe beruht, mein Lieber!
Maria (blitzt ihn unmissverständlich an): Verschwinde!
Cedric (hat sich wieder einigermaßen gefangen u. schaut sie völlig unbeeindruckt mit dem Hauch eines spöttischen Lächelns an): Ich bin doch gerade erst gekommen, mein Schatz. Und ich gehe nicht eher, bis du mir eine Antwort gibst. Das bist du mir nach dem hier schuldig.
Wie bitte? Ich glaube, ich habe mich verhört! Hat der gerade „Schatz“ gesagt?
Maria (sieht ihn verständnislos an): Worauf denn? Ich habe dir ausdrücklich gesagt, dass ich Zeit brauche. Wieso... wieso kapierst du das nicht?
Cedric (rutscht mutig näher an die Widerspenstige heran u. zwinkert ihr zu): Was ja nicht heißt, dass man die Zeit nicht auch sinnvoll nützen könnte.
Das ist doch nicht sein Ernst? Hat die letzte Nacht ihm völlig die Sinne vernebelt oder was?
Maria (funkelt ihn sauer an u. geht vorsichtshalber auf Sicherheitsabstand): Wenn das ein unmoralisches Angebot sein soll, dann nein danke!

Cedric (lugt an ihr vorbei zum Eingang des Saals u. sein Blick verfinstert sich, als er seine Ex wieder anblickt): Weil er dir schon eins gegeben hat?
Maria (ihre Stimme geht eine Oktave höher): Bitte?
Er meint doch nicht etwa...? Ist er verrückt geworden?
Cedric (ein Hauch von Eifersucht schwingt in seiner Stimme mit, als er sich an das vertraute Bild der beiden an der Bar zurückerinnert): Kaum dreht man dir den Rücken zu, hängst du schon wieder an diesem Sensibelchen. Ist das fair? Antwortest du deshalb nicht auf meine Nachrichten?
Maria (starrt ihn fassungslos an): Oh bitte, Cedric, mache dich nicht lächerlich! Aber gut, wenn du es unbedingt wissen willst. Er ist wenigstens sensibel und versteht, wenn er es gut sein lassen soll. Also, wenn ich dich dann bitten darf, da drüben ist die Tür. Tschüss!
Cedric (denkt nicht mal im Traum daran, wieder zu gehen): Was findet ihr Frauen nur an solch ekelhaft langweiligen Frauenverstehern? Das ist mir echt ein Rätsel. Aber hey, ich verstehe auch, wie Frauen ticken. Letzte Nacht durfte ich ein wunderschönes Exemplar dieser verführerischen Spezies Mensch ganz genau studieren.
Idiot!
Maria (schüttelt den Kopf u. fährt ihn an): Boah Rick, sag nicht, du bist deswegen hier und riskierst deinen Job? Hast du nicht gerade Dienst?
Cedric (lehnt sich lässig an die Wand zurück): Ich mache gerade meine mir vertraglich zustehende Pause. Mein Telefon ist auf Bereitschaft geschaltet.
Verantwortungsloser Idiot!
Maria (zetert weiter): Und dann fährst du mal eben in deiner Pause fünfzig Kilometer und riskierst dabei Patientenleben? Was ist, wenn gerade jetzt jemand mit gefährlichen Kopfverletzungen eingeliefert wird? Du bist nicht nur verantwortungslos, du bist vollkommen verrückt.

Cedric (dreht sich abrupt zu der Besserwisserin herum, stemmt beide Hände neben ihrem Kopf an die Wand u. fixiert sie mit feurig auffunkelnden Augen): Ja, ich bin verrückt. Verrückt nach dir! Du kannst mir nicht so eine Nachricht schicken und dann nicht mehr reagieren. Das hat mich vollkommen wahnsinnig gemacht. Ich konnte mich nicht mal mehr darauf konzentrieren, eine einfache Schnittwunde zu nähen. Sieh, was du aus mir gemacht hast! Ich bin vollkommen handlungsunfähig.
Äääähhh... was? Was... wird... das... hier?
Maria (kann seinen fesselnden Blicken kaum entkommen u. wird zunehmend nervös): Ich hab dir nur ein Foto von Sarah geschickt. Das... das wolltest du doch?
Cedric (verschlingt sie mit seinen Blicken u. kann sein verliebtes Lächeln dabei kaum noch verbergen): Und auch eins von dir.
Maria (kleinlaut): Aus Versehen!
Dieser verdammte Touchscreen!
Cedric (löst sich von der Wand u. fährt mit seinen Blicken und seinem Zeigefinger aufreizend ihren rechten Arm hinab u. zieht dadurch eine Gänsehautspur hinter sich her): Seit Stunden stelle ich mir dich in diesem hautengen Kleid vor und kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ich musste dich sehen. Jetzt. Live. Und wie es sich gelohnt hat! Du siehst unglaublich aus.

http://www.youtube.com/watch?v=_a5LjHUuqPs

Cedric ging zwei Schritte zurück. Bewundernd wanderten seine Blicke Marias schlanken in violette Spitze gehüllten Körper hinab, was ihr merklich unangenehm war, denn sie verkrampfte sich zunehmend in ihrer Haltung. Am liebsten wäre sie geflüchtet, doch die Kopf-Bein-Koordination funktioniere nicht mehr. Sie war ihm hilflos ausgeliefert. Und das nutzte der elende Charmeur auch schamlos aus. Er kam ihr wieder näher, als sie wollte. Doch Maria wich ihm nicht aus und ließ es zu, wie er ihre Hand nahm, die andere an ihre Hüfte legte und plötzlich begann, mit ihr zum Takt irgendeines Liedes, das gerade im angrenzenden Veranstaltungssaal gespielt wurde, zu tanzen. Er war wirklich komplett verrückt. Und es war komplett verrückt, dass sie zuließ, was er mit ihr tat. Doch die sonst so taffe und unnahbare Oberärztin versuchte cool zu bleiben und sah Cedric betont emotionslos in seine feurig aufblitzenden Augen, die sie gegen ihren Willen schon wieder in seinen Bann zogen. Wie zum Teufel machte er das nur? Was sie hier taten, war gefährlich. Das musste aufhören! Sonst würde sie sich wieder verlieren. So wie letzte Nacht. Es stand viel zu viel auf dem Spiel. Doch irgendetwas hinderte sie daran, ihn loszulassen und den verführerischen Tanz zu unterbinden. Sie sah ihn an. Er lächelte nur.

Cedric: So in etwa hab ich mir unser Wiedersehen vorgestellt. Das ist wesentlich schmerzfreier als vorhin. Und friedlicher. Hatten wir uns nicht gestern auf Friedensverhandlungen geeinigt? Die liefen doch bisweilen ganz... harmonisch?
Maria (verdreht die Augen): Spinner! Eigentlich hatte ich gehofft, dass deine Schwester dir den Kopf gerade gerückt hat, nachdem sie uns heute Morgen erwischt hat, und ich endlich meine Ruhe habe vor diesem ganzen Irrsinn.
Cedric (lacht, bis er plötzlich ganz ernst wird): Glaub mit, Sissi hat mich in Stücke gerissen, bis ich komplett nackt vor ihr stand und ihr sagen konnte, dass ich dich...
Nein! Nein! Nein! Nein! Nein!
Maria (löst ihre Hand abrupt aus seiner u. legt ihren Zeigefinger an seine warmen geschmeidigen Lippen): Sag nichts, bitte!
Cedric (sein Gesicht ist ihrem ganz nah; er flüstert, während er ihr aufgewühlt in die Augen schaut): Warum nicht? Nach letzter Nacht müsste dir doch klar sein, dass ich...
Maria (schließt seufzend die Augen u. entzieht sich ihm): Es ist... kompliziert.
Cedric (seufzt resignierend): Falsch, du machst es dir kompliziert. Eigentlich ist es ganz einfach. Ein Mann. Eine Frau. Pure Anziehungskraft.

Mit jedem gehauchten Wort mehr, bedrängte er sie mehr. Wieder war Maria ausweglos an die Wand gedrängt und blickte ihrem Exmann mit klopfendem Herzen in die feurig auffunkelnden blauen Augen, die sie fixierten. Mit einigen Dingen hatte er vielleicht schon Recht, aber...

Maria: Du scheinst vergessen zu haben, dass da nicht nur ein Mann und eine Frau sind. Und das ist der Punkt, wo das Spiel aufhört, Rick.

Entschieden löste sich die alleinziehende Mutter von dem Vater ihres Kindes, trat einige Schritte zur Seite und verschränkte abwehrend ihre Arme vor ihrer Brust. Seufzend stellte er sich neben sie und sah sie eindringlich von der Seite an. Sie hatte Recht, aber...

Cedric: Das habe ich nicht vergessen. Ich denke jede Sekunde daran. Warum sonst habe ich in meiner Nachricht geschrieben, dass du die Hochzeitsfeier sausen lassen und zu mir kommen sollst?
Maria (kleinlaut): Sex?
Cedric (schmunzelt erst, wird dann aber schnell wieder ernst): Vielleicht später auch, ja! Du weißt, wie schwer ich dir widerstehen kann. Aber ich bin nun mal im Dienst und...
Maria (plappert ihm grinsend dazwischen): Das hindert dich doch sonst auch nicht daran, dir zu nehmen, was du willst.
Cedric: Nicht wenn ich die Verantwortung innehabe. Du weißt, ich brauche den Job.
Maria: Dann fahre besser zurück, bevor dich Meier oder der Professor hier erwischt.
Cedric (dreht sich wieder zu ihr herum u. legt seine Arme locker um ihre Schultern u. schaut ihr tief in die Augen): Nicht ohne Hoffnung!
Maria (sichtlich verwirrt): Hoffnung auf was?
Cedric (sieht aufgewühlt in ihren Augen hin und her, als er sie näher zu sich heranzieht, wogegen sie sich zu seiner Erleichterung nicht wehrt): Dass du hier die Segel streichst und mitkommst, mir von unserer Motte erzählst und mir noch mehr Bilder zeigst, wie es euch in den letzten Jahren ergangen ist, welche Träume und Hobbys sie hat, außer sich als du zu verkleiden und aus Kindergärten abzuhauen. Ich will euch kennen lernen, neu kennen lernen. Darum bin ich hier. Damit du verstehst, dass das alles kein Spiel für mich ist.

Maria (ehrlich bewegt, aber auch ziemlich überfordert): Wie stellst du dir das vor, Rick? Ich kann hier nicht so einfach weg. Ich bin mit Sarah hier, wie du weißt. Und ihr gefällt es hier. Das ganze kitschige Ambiente einer spießigen Hochzeitsgesellschaft. Ich weiß nicht, was ich ihr erzählen soll, wenn sie uns hier zusammen sieht oder ich einfach gehe. Mir geht das alles zu schnell. Versteh doch! Du darfst mich nicht bedrängen. Du versuchst es schon wieder mit der Brechstange, aber so geht das nicht. Ich kann das so nicht.
Cedric (hebt resignierend seine Hände u. weicht einen Schritt zurück, um ihr Freiraum zu geben): Okay, okay, es war ein blöde Idee, hier raus zu fahren. Keine Ahnung, was mich da geritten hat. Eigentlich wollte ich nur zum Imbiss um die Ecke, einen Happen essen, und plötzlich saß ich im Wagen auf der Avus.
Maria (sieht ihn aufgewühlt an, geht schließlich seufzend einen Schritt auf ihn zu, schlingt ihre Arme um seine Taille u. schmiegt sich für eine Sekunde mit geschlossenen Augen murmelnd an seine Schulter): Wie soll das nur funktionieren? Wir sind beide total verkorkst.
Cedric (lächelt u. genießt ihre Nähe sehr): Das hat Sissi auch gesagt.
Maria (sieht schmunzelnd zu ihm hoch): Eine kluge Frau, deine Schwester.
Cedric: Wenn ich das verbocke, will sie nie mehr auch nur ein Sterbenswörtchen mit mir wechseln.
Maria (kleinlaut): Würde ich auch gerne.
Cedric (stupst sie in die Seite): Hey! Du weißt gar nicht, was für eine Stütze sie für mich war und ist, nachdem das alles so dermaßen den Bach runtergegangen ist. Ohne sie sind Cheyenne und ich verloren.

Schweigen.

Dieses Thema hatte Maria Hassmann nämlich noch nicht an sich heran gelassen. Er hatte ein Kind mit der anderen! Dieser Stachel saß tief und infizierte die Wunde jedes Mal aufs Neue, wenn sie daran dachte. Sie wusste ehrlich gesagt noch nicht, wie sie damit umgehen sollte. Nur ganz zögerlich wagte sie sich heran, um zumindest die aufgetretene peinliche Stille zu durchbrechen...

Maria: Rick?
Cedric (sieht sie neugierig an): Was?
Maria (hält mit ihrer Meinung nicht vor dem Tor): Der Name...
Cedric (runzelt verwundert die Stirn): Was ist damit?
Maria: ... der geht gar nicht.
Cedric (seufzt lethargisch): Ich weiß. Sie ist Opfer einer von Sandys Launen. Aber ich stehe schon in Kontakt mit den Behörden. Ich will einfach alles vergessen, was mit ihr zu tun hat. Wer macht das schon? Lässt sein Kind für die Karriere zurück?

Wieder betretenes Schweigen.

Der Schmerz, der in Cedrics Stimme mitschwang, war Maria nicht egal, auch wenn sich allein schon bei der Erwähnung ihres Namens der Stachel wieder tief ins Fleisch gebohrt hatte. Sie hasste diese Frau, nicht nur für das, was sie ihr selbst angetan hatte. Aufmunternd schaute sie den alleinerziehenden Vater an, der seinen Kopf gegen ihre Schulter gelehnt hatte...

Maria: Wie soll sie heißen?
Cedric (schaut auf u. lächelt hoffnungsfroh): Sissi!
Maria (erstaunt): Wirklich?
Wer ist dieser Mann und was ist mit dem Original passiert?
Cedric (blickt sie leicht verlegen an): Sie weiß es noch nicht. Und ich weiß auch nicht, wie sie reagiert. Im Moment ist sie noch stinksauer, weil ich ihr heute nicht nur die Laune, sondern auch nen wichtigen Job und die Hundemesse kaputtgemacht habe, als ich ihr meine Kleine wieder aufgedrückt habe.
Maria: Das ist sie zu Recht. Du kannst die Verantwortung nicht ständig von dir schieben, Cedric. So funktioniert das nicht.
Cedric (verteidigt sich vehement): Es ist Wochenende und ich habe Bereitschaft, weil ihr alle hier seid. Finde mal am Wochenende eine angemessene Betreuungsmöglichkeit für ein Kleinkind in ihrem Alter.
Maria (ironisch): Babysitter?
Cedric (funkelt sie an): Ich habe mittlerweile ein eher angespanntes Verhältnis, was Nannys betrifft.
Maria (lacht): Hoho! Also doch etwas aus der Sache gelernt? Und ich dachte schon, nachdem du gestern auf dem Polterabend diese kleine Praktikantin geküsst hast, dass du wieder jemand Neues rekrutierst?
Cedric (sieht ihr aufrichtig in die Augen): Da war genauso wenig zwischen uns wie zwischen dir und diesem blonden muskelbepackten Knäckebrotfresser. Chantals kleine Tochter ist in der Babygruppe von Chenny, das ist alles.
Maria: Ach? Wenn sie mal nicht selbst Teilnehmerin ist.
Cedric (lacht): Du bist doch eifersüchtig?
Maria (trotzig): Tzz... Hättest du wohl gerne? Aber ich hab genau gesehen, was du mit dieser Aktion bezweckt hast.
Cedric (schmunzelnd zieht er sie noch fester in seine Arme u. verschränkt sie hinter ihrem Rücken): Dann sind wir ja schon zwei.
Maria (will sich nichts nachsagen lassen): Das sagst du. Ich finde ihn immer noch nett.
Cedric (zieht eine Augenbraue nach oben u. mustert sie argwöhnisch): Nett, hmm? Solange er nur nett ist?
Maria (neckt ihn): Ja!?
Cedric (schaut ihr tief in die Augen): Aber jetzt mal ernsthaft, Maria. Ich verspreche dir, es wird nie wieder so werden wie damals. Das bin ich einfach nicht mehr.

Maria (weicht seinen Beteuerungen u. seinen Blicken aus): Versprich nichts, was du nicht halten kannst, Cedric!
Cedric (blickt sie eindringlich an u. schmiegt sich noch fester an sie, um sie von der Ernsthaftigkeit seiner Absichten zu überzeugen): Wenn ich dich zumindest so halten darf, reicht mir das schon, um über den Tag zu kommen.
Maria (kann sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen, aber schiebt ihn schließlich energisch von sich, bevor sie doch noch schwach wird): Charmeur! Aber jetzt geh, bitte! Wenn dich hier jemand sieht. Ich habe keine Kraft für irgendwelche Erklärungen.
Cedric (ergibt sich seinem schweren Schicksal): Ich bin schon weg. Aber eine Frage noch, Mary?
Maria (fällt ihm sofort entschieden ins Wort): Ich kann hier nicht weg.
Cedric (verdreht die Augen): Das ist mir mittlerweile klar geworden. Ich wollte nur wissen, ...
Maria (leicht genervt): Was?
Cedric (deutet mit seinen Blicken zum Saal rüber): ...ob du mit dem Frauenarzt hier bist?
Idiot! ... Lass es lieber, Maria! Noch kannst du weglaufen.
Maria (lässt die Antwort offen u. schiebt ihn durchs leere Foyer vor die Tür): Auf Wiedersehen, Dr. Stier.
Cedric (lächelt erleichtert): Also nicht! Aber ist es nicht komisch, dass es immer noch so wirkt, als ob ihr euch gut versteht?
Maria: Weil wir es tun. Und jetzt verschwinde endlich! Eifersucht steht dir nicht. Lässt dich nur noch älter wirken, als du es eh schon bist. Und ich steh nicht so auf alte Säcke, die sich selbst bemitleiden.

Cedric stand schon auf der Schwelle, als er sich noch einmal umdrehte, Marias Hand nahm und sie lachend nach draußen in den Schnee zog, wo er sie zärtlich unter einer verschneiten Tanne küsste. Sein Herz drehte Loopings, als er spürte, dass sie sich diesmal nicht dagegen wehrte und ihn ohne Bisse oder Tritte zurückküsste. Lächelnd gingen sie schließlich auseinander. Er zurück zu seinem geparkten Jaguar, sie zur Eingangstür des Hotels, die sie bereits mit einer Hand offen hielt, als sie den unverschämten Neurologen noch einmal ansprach...

Maria: Rick?
Cedric (überrascht): Ja?
Maria (zögerlich): Falls ich jemanden für Sarah finde, dann... bestünde... vielleicht... die Möglichkeit, dass ich doch noch nach Berlin...
Cedric (versteht sofort u. strahlt sie dementsprechend glücklich an): Ich bin noch bis Mitternacht im Bereitschaftszimmer, dann kommt meine Ablösung und ich fahre nach Hause. Ich bleibe wach. Ich könnte eh keine Sekunde schlafen. Ich verrate mal nicht, dass das eventuell an dir liegen könnte. Ciao, Ciao, Baby!

...verabschiedete er sich mit einem breiten Grinsen auf den Lippen und stieg in seinen Wagen. Maria sagte nichts weiter darauf, drehte sich mit einem geheimnisvollen Lächeln auf den Lippen um und betrat beschwingt das Foyer des kleinen gemütlichen Landhotels. Sie konnte gar nicht so schnell reagieren, da stand sie plötzlich ihrer aufgeregten kleinen Tochter gegenüber, die ihren Hals nach oben streckte, um ihr neugierig ins Gesicht zu blicken...

Lorelei Offline

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13.01.2013 12:57
#1375 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

http://www.youtube.com/watch?v=GTKDM8UzOhA


Sarah: Mamiiii, was machst du denn hier draußen im Dunkeln? Hast du mit jemandem geredet? Wer war denn das?
Maria (läuft ertappt rot an u. gerät unter einer plötzlichen Hitzewallung leidend in höchste Erklärungsnot): Ich? Ähm... Nein!? ... Niemand!

...log die aufgeregte Mutter ihrer neugierigen Tochter unverblümt ins Gesicht und wandte ihren verräterischen hochroten Kopf schnell der Glastür in den Festsaal zu, in den Sarah sie gerade mit aller Kraft ziehen wollte, nachdem sie aber vorher noch einmal in aller Panik vergewissernd nach draußen geschaut hatte, wo zu ihrer großen Erleichterung der schwarze Jaguar wieder vom Parkplatz verschwunden war. Sarah blieb zwar misstrauisch, aber nahm ihrer Mutter die gestotterte Antwort schließlich ab. Denn es gab Dinge, die waren einfach viel interessanter. Und so plapperte das aufgeweckte Mädchen munter weiter drauflos, wie ihr der freche Schnabel gewachsen war, während sie ungeduldig an Mutters Hand zog.

Sarah: Mamiii, nun komm doch! Sabine will den Brautstrauß werfen und alle Frauen, die keinen Mann haben, sollen sich auf der Tanzfläche aufstellen. Duuu? Stimmt das, was Gretchens Mama gesagt hat, dass diejenige, die die Blümchen fängt, dann als nächste heiraten wird? Darf ich dann auch wieder Blumenmädchen sein? Oh, bitte, bitte, Mami!
Maria (sichtlich überrumpelt und überfordert zugleich bleibt sie in der offenen Tür stehen): Ääähhh... was?
Sarah (baut sich mit in die Hüften gestemmten Händen vor ihrer Mutter auf u. sieht sie mit leuchtenden Strahleaugen erwartungsvoll an): Du musst ihn fangen!

Marias Herzschlag setzte für eine kurze Sekunde aus und sie schaute verwirrt zu ihrer aufgeregten Tochter herab, die nervös an ihrem Rocksaum zupfte. Dann warf sie einen kurzen Blick nach vorn zu der Menge an aufgekratzten und angeheiterten Schwestern, die sich laut schwatzend und lachend in der Mitte des Saals vor der kleinen Bühne aufgereiht hatten, auf der bereits Schwester Sabine stand, die ihr Brautkleid gerafft hatte und sich gerade umdrehte, um die perfekte Wurfposition einzunehmen.

Maria: Was? Aber... wieso denn?
Sarah (beißt sich auf die Lippen u. schaut mit Kulleraugen zu ihrer Mutter hoch, ehe sie plötzlich loshüpft u. sich hinter sie stellt, um sie weiter in den Saal zu schieben): Damit du auch einen Mann bekommst, Mami, und nicht mehr so alleine sein musst.
Oh mein Schatz!
Maria (dreht sich abrupt herum u. schaut entgeistert zu ihrer Tochter herab): Sarah, ich... Ich wusste nicht, dass dir das so wichtig ist?
Sarah (sieht sie schüchtern an u. nickt verlegen mit dem Kopf, während sie die Füße verdreht u. an den Schleifen ihres weißen Kleides spielt): Ich will auch einen richtigen Papa haben. So wie Lilly.

...gab Marias Tochter zögerlich von sich und hatte damit zum ersten Mal die schlimmsten Befürchtungen der alleinerziehenden Mutter laut ausgesprochen. Sie konnte sich nicht mehr länger vormachen, dass Sarah keine Vaterfigur fehlte. Eigentlich wusste sie das schon längst. Alle Anzeichen standen darauf ausgerichtet, so wie sich die Sechsjährige immer an die Väter anderer Kinder, an ihren Großvater oder den einzigen Erzieher in ihrer Kindergartengruppe, ja, sogar an den unfähigen Meier klammerte. Aber was sollte sie denn machen? Das alles war alles andere als einfach für die Ärztin, die ihren eigenen verwirrenden Gefühlen hilflos gegenüberstand und mit einer endgültigen Entscheidung haderte und immer und immer wieder gedanklich die Für und Wider durchging, bis es ihr schon wieder auf den schwachen Magen schlug. Überrannt von unzähligen Gedanken und Emotionen ging Maria schließlich vor ihrem Mädchen in die Knie, nahm ihre kleinen Hände, drückte diese sanft und schaute ihr bewegt in die unschuldig dreinblickenden blauen Augen, die sie von ihrem Vater geerbt hatte, wie so viele andere Eigenschaften von ihm auch, und die sie unweigerlich immer und überall an ihn erinnern würden. Vielleicht hatte Cedric ja doch Recht und sie sah die Dinge viel zu kompliziert. Aber sie glaubte nun mal nicht daran, dass sich alles so einfach fügen würde. Dafür war sie viel zu sehr Realistin und viel zu wenig Träumerin wie Gretchen Haase, der das Glück einfach so zusprang, als hätte sie ein lebenslanges Abo dafür gepachtet.

Maria: Ach mein Schatz, so einfach wie du denkst, ist das nicht, ...

...begann Maria mit leiser Flüsterstimme zu ihrer Kleinen zu sprechen, die ihr aufmerksam zuhörte. Doch zu mehr kam die junge Mutter nicht, denn im selben Moment traf sie nach einem ins Mikro gekrächzten „Hopplahopp“ und einem noch lauteren nachfolgenden Publikumsecho ein Blumenstraußgeschoss am Kopf, der dann an den miteinander verschränkten Armen der Hassmann-Mädels abprallte und schließlich direkt vor ihren Füßen landete. Verstört blickten die beiden darauf, während im Hintergrund enttäuschte Seufzer und erstaunte „Ohs“ und „Ahs“ und schließlich Applaus und ein verspäteter Tusch einsetzten. Sarahs kleine Hand griff nach dem wunderschönen Blumenbouquet. Lächelnd hielt sie es einige Sekunden lang in ihren Händen, spielte Braut, zupfte an den rosafarbenen Blüten und schaute dann ihrer verdutzen Mutter ins Gesicht, die sich die schmerzende Stirn rieb und nicht so wirklich verstand, was hier gerade passiert war. Das war alles so surreal. Wie in einem schlechten Hollywood-Movie. Zu viele unsinnige Informationen für das Gedankenkarussell im Kopf der rational denkenden Neurochirurgin. Sarah streckte ihrer verwirrten Mama den Strauß schließlich freudig wie eine Trophäe entgegen...

Sarah: Gilt das auch als gefangen?

Mehdi: Also wenn ihr mich fragen würdet, würde ich sagen, eindeutig ja.

...unterbrach ein belustigter Gynäkologe die verwirrten Gedankengänge von Dr. Hassmann, die gerade eine ablehnende Antwort geben wollte. Er tätschelte den Kopf der Sechsjährigen, die den großen Mann wie ein Honigkuchenpferd angrinste, und zwinkerte Sarahs Mutter wissend zu, deren Miene sich auf der Stelle versteinert hatte. Beschwingt hüpfte Sarah zu ihrer Freundin Lilly davon, um ihr alles ausführlich zu berichten, während Maria noch unschlüssig mit herunterhängendem Arm, an dessen Ende ein Blumenstrauß hing, bei Mehdi stehen blieb. Wieder etwas gefasst, blitzte sie ihn an, boxte dem frechen Sprücheklopfer mit ihrer freien Hand tadelnd in die Seite und drückte ihm ungefragt den Strauß in die Hände, um das lästige Korpus Delicti endlich loszuwerden...

Maria: Witzig, Mehdi, witzig! Danke, dass du meine Tochter auf noch mehr dumme Gedanken gebracht hast.
Mehdi (grinst sich eins): Immer wieder gern.
Jetzt hätte er den Rotwein abbekommen, wenn ich ein Glas zur Hand gehabt hätte. Aber nie gibt es Alkohol, wenn man welchen braucht. Der Service hier in dieser Provinzklitsche ist echt unterirdisch!
Maria (funkelt ihn aufgebracht an): Antrag abgelehnt! Aber ich denke, du wirst mehr mit den hässlichen Veilchen anzufangen wissen. Oder hast du Gabi schon verschreckt? Ich hab sie schon eine Weile nicht mehr gesehen.
Mehdi (lässt sich nicht provozieren, da er genau weiß, dass sie es nicht so meint): Sie macht sich gerade frisch für unser Date später, wenn du es genau wissen willst. Aber danke für die Blumen. Am Valentinstag kann man die tatsächlich gut gebrauchen.
Maria (verdreht gequält die Augen): Ach, ist es schon wieder soweit für die Refinanzierung der schlecht laufenden Blumenindustrie? Du bist wirklich restlos verloren.
Mehdi (grinst vergnügt): Du aber auch. Das Leuchten deiner Augen verrät dich. Habt ihr alles geklärt?
Hmm...Ein Blumenstrauß im Gesicht würde ihm auch nicht schaden. Einmal links, einmal rechts. Noch ein paar Kratzer mehr würde es echt aufwerten. In Sarahs Handtasche hab ich bestimmt auch noch ein paar Biene-Maja-Pflaster, falls es zu blutig wird. Ha!
Maria (blitzt ihn ein letztes Mal zickig an, schnappt sich den Strauß Blumen u. stolziert damit zu ihrem Platz an der langen Tafel, die gerade für das Abendessen gedeckt wird): Blödsinn!

Mit einem wissenden äußerst zufriedenen Lächeln auf den Lippen schlenderte Mehdi mit etwas Sicherheitsabstand der eingeschnappten Oberärztin hinterher und setzte sich demonstrativ neben sie, nachdem er noch einmal zur Eingangstür geschaut hatte, wo er sekündlich seine Freundin zurückerwartete. Maria blickte sich ebenfalls um, ging die kleinen Namenskärtchen auf dem Tisch durch, die mit einer silbernen Spirale jeweils an einem Teelichtglas befestigt waren, und fand schnell eine bessere Adresse für diese verfluchten rosafarbenen Lilien, die sie fast zum Niesen gebracht hatten. Sie hasste Lilien und legte sie auf den freien Stuhl zwei Plätze rechts von ihrem, wofür sie einen wohlwollenden Blick und ein Lächeln der Braut kassierte, die gleich daneben saß. Die verträumte Häsin würde vermutlich mehr damit anzufangen wissen als sie selbst, dachte Maria und nickte Sabine kurz zu. In ihrem Kopf spukten momentan so viel Gedanken wild durcheinander, vor allem das, was ihre Tochter gerade gesagt hatte. Sie schaute zu ihr rüber in die Spielecke am Kachelofen. Wie aufs Stichwort kamen Sarah und gleich hinter ihr Lilly auf sie zugestürmt und fingen gleichzeitig an zu betteln...

Sarah: Dürfen wir noch mal raus in den Schnee zum Spielen? Oh bitte, bitte Mami!
Lilly: Nur ganz kurz, Papili! Büüüüüttte!

Die Erwachsenen schauten sich fragend an, warteten für die Kinder quälendlange zehn Sekunden und nickten ihnen dann synchron zu. Mehdi zog Lilly zu sich heran, parkte sie auf seinem Schoß und sah sie lange und intensiv an, während sie sich dankbar an ihren großen Papabär kuschelte. Auch Sarah fiel ihrer Mutter glücklich um den Hals, nachdem sie ihr ein „Ja“ abgerungen hatte.

Mehdi (lächelt Lilly an): Aber wirklich nur ganz kurz. Das Abendessen wird bald serviert. Und macht keinen Blödsinn! Ihr bleibt in Sichtweite des Hotels, ja? Du bist die Ältere. Du hast die Verantwortung. Ich vertraue dir.
Maria (sieht ihre Tochter eindringlich an): Hast du gehört, Sarah? Das gilt auch für dich. Keine Dummheiten!
Lilly (fällt ihrem Papa glücklich um den Hals u. drückt ihm einen dicken feuchten Schmatzer auf die Backe, bevor sie von seinem Schoß herunterhüpft): Du bist der beste Papa der Welt.
Sarah (neidisch fällt ihr Blick auf das glückliche Vater-Tochter-Gespann nebenan, dann umarmt auch sie ihre Mutter ganz fest und innig): Und du bist die tollste Mama der Welt.
Maria (kann sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen u. streicht ihr liebevoll übers Haar): Dann hoffe ich, du vergisst das nicht, meine Liebe. Und jetzt ab mit euch! Denk an Handschuhe, Mütze und Schal! Der Schneeanzug ist bei deinen Sachen.
Sarah: Jaahaa!!!

Quiekend verließen die beiden Mädchen blitzschnell den Saal, dicht gefolgt von den beiden Gummersbacher Jungs, die unruhig in einer Ecke auf die beiden gewartet hatten, und waren kurz darauf im Schnee spielend vor der breiten Fensterfront des Wintergartens zu sehen. Mehdi schaute seine Kollegin musternd an. Sie war schon wieder tief in Gedanken versunken. Da hatte wohl jemand wirklich Eindruck geschunden? Ohne Umschweife sprach er die alleinerziehende Mutter darauf an...

Mehdi: Kinder spüren einfach, was einem fehlt.
Maria (schaut verwirrt auf): Was?
Mehdi: Das, was Sarah gerade an der Tür gesagt hat.
Maria (ihre Miene verfinstert sich augenblicklich): Du musst deine Nase auch überall reinstecken, hmm? Du bist ja schlimmer als ein Mädchen.
Mehdi (lacht): Das sind eben die Nebenwirkungen meines Berufs.
Maria (geht nicht weiter darauf ein u. wird wieder melancholisch, als sie an die letzten Minuten zurückdenkt): Und ich dachte immer, sie wäre glücklich, so wie es ist. Das war nie ein Thema zwischen uns. Aber je älter sie wird,...
...desto mehr Fragen stellen die lieben Kleinen!
Mehdi (mitfühlend schaut er sie an): Hey? Sieh es doch als Zeichen. Vielleicht stehen gerade alle Anzeichen auf Familienzusammenführung? Die geheimen Wünsche deiner Tochter, der fast gefangene Brautstrauß, dein nerviger Stalker, der wie aus dem Nichts hier aufgetaucht ist. Was wollte er eigentlich? Hat ihn so schnell die Sehnsucht gepackt? Der macht dir ja richtig den Hof. Alte Schule! Das hätte ich ihm gar nicht zugetraut.
Maria (überhört den ironischen Unterton in Mehdis Stimme u. grummelt vor sich hin): Er ist ein Idiot.
Und ich bin es auch.

Da hat wohl nicht nur die kleine Version Eindruck geschunden, sondern auch die Große. Süß!


Mehdi lachte und wollte mit seiner gefühlsverwirrten Kollegin mit einem Glas Sekt auf die neusten Entwicklungen anstoßen, doch sie wiegelte schnell ab und wandte ihr Gesicht von dem nervigen Frauenversteher ab. Sie hielt sich ihre Handtasche gegen den zwickenden Bauch und schaute zum Fenster hinaus zu den vier spielenden Kindern im verschneiten Garten. Die alleinerziehende Mutter hatte keine Ahnung, was sie jetzt tun sollte. Doch je länger sie ihrer vergnügten Tochter dabei zuschaute, wie sie einen der Jungs kräftig einseifte, und sich gleichzeitig Ricks Worte sowie die Bilder von den beiden auf dem Krankenhausflur ins Gedächtnis rief, verfestigte sich ein Gedanke in ihrem Kopf, der allmählich immer mehr Formen annahm. Vielleicht war es doch endlich an der Zeit, einmal mutig zu sein und etwas zu wagen, vor dem sie am meisten auf der Welt Angst hatte.

Ihr Tischpartner Dr. Kaan blickte derweil sehnsüchtig zum Eingang. Allmählich machte er sich doch Gedanken, wo seine süße Freundin abgeblieben war, die vor mittlerweile einer knappen halben Stunde in den Waschraum verschwunden war. Hatte er sie mit dem süß gemeinten Valentinstagsgeschenk etwa doch überrollt und verstimmt? Eigentlich hatte er die Idee für ganz gelungen gehalten? Gut, Gabi träumte vielleicht nicht unbedingt von Kurzurlaub auf dem Bauernhof und er konnte ihr weder ein Wochenende in London noch eine Shoppingtour in Dubai bieten, aber es zählte doch immer noch der Gedanke, irgendwo zusammen glücklich zu sein. Und sie hatte doch gestrahlt? Und wie sie gestrahlt hatte! Sie hatte dieses gewisse Funkeln in den Augen, das ihm jedes Mal total den Kopf verdrehte, wenn er sie ansah. Gedankenverloren sank sein Blick auf den Bildschirm seines Handys, das eine Geisterhand aus seiner Hosentasche gezogen haben musste. War es bescheuert, sie jetzt anzurufen? Sie war doch nur auf Toilette ein paar Türen weiter. Er lächelte verliebt, als er das süße Schlummerfoto von ihr auf seinem Display betrachtete und strich zärtlich über die Konturen ihres hübschen Gesichts.

Und auch Maria Hassmann visierte ein Gesicht auf dem Display ihres Smartphones an. Schon komisch, dass sie überhaupt noch eins von ihm besaß. Aber sie hatte seine Nummer nie gelöscht. Für Notfälle, falls doch mal etwas mit Sarah sein sollte, was zum Glück nie eingetreten war. Stattdessen stand sie nun mitten in einem emotionalen Notfall, der sich durch Herzklopfen, verstärkten Pulsschlag, Bauchschmerzen, leichte Übelkeit und absolute Appetitlosigkeit äußerte. Sie schüttelte den Kopf über ihre abstrusen Gedanken, aber sie konnte einfach nicht vergessen, was vor wenigen Minuten vorgefallen war. Wie er sie geküsst und sich wie ein alberner Teeny Hoffnungen gemacht hatte. Und wenn sie ihm doch von ihrem Mädchen erzählte? Nur ein bisschen. Ein paar alte Kinderfotos hatte sie noch auf dem Handy. Maria ging ihre Dateien durch. Noch mehr befanden sich jedoch auf ihrem Arbeits-PC im EKH. Falls sie es doch tun würde, würde sie aber diesmal nicht schwach werden. Wenn er seine frechen Finger wieder nicht bei sich behalten konnte, konnte sie sich immer noch geschickt wehren. Ein Lob an ihren grandiosen Fitnesslehrer! Ja, das sah doch schon mal nach einem Plan aus, dachte die Neurochirurgin und lächelte zufrieden vor sich hin.

Eine Sache wäre da jedoch noch. Ein scheuer Blick wanderte ganz automatisch zur Seite und musterte die Konturen des attraktiven Oberarztes der gynäkologischen Station des Elisabethkrankenhauses, der gerade ein selten dämliches Gesicht machte, als er sein Handy nahezu hypnotisch anstarrte. Aber egal. Wenn er ihr schon dumm kam und das war heute nicht nur einmal der Fall gewesen, dann musste er eben jetzt herhalten. In gewisser Weise hatte er es ihr ja sogar angeboten.

Maria: Du, Mehdi, eigentlich hätte ich doch bei dir jetzt auf Lebenszeit ein paar Dinge gut oder?
Mehdi (schaut von seinem Telefon auf, das er sich schnell in die Jacketttasche steckt, u. sieht sie verwirrt an): Wie meinst du das?
Maria (fixiert ihn mit ihren stechend scharfen Augen): Ich weiß nicht, wie ich es besser umschreiben sollte, aber ich werfe einfach mal das Stichwort „Dreieck“ in den Raum.
Mehdi (schluckt schwer u. sieht sich vergewissernd um, ob auch niemand zuhört, ehe er seine Ex-Affäre ängstlich wieder anschaut): Oh ähm...
Maria (lacht sich scheckig über sein verdutztes Gesicht): Jetzt gerate nicht gleich in Panik, du Möchtegerncasanova. Das war ein Scherz! Ich will dich doch gar nicht an den Pranger stellen, was aber nicht heißt, dass ich mir diese verlockende Möglichkeit nicht doch noch für irgendeine Gelegenheit aufheben würde, falls du mir mal wieder blöd kommen solltest. Jetzt beanspruche ich lediglich einen kleinen Gefallen von dir. Mehr nicht.
Mehdi (sieht sie mit einer gewissen Ehrfurcht in den Augen an): Okay?
Maria (schaut kurz zum Fenster hinaus u. wieder zurück): Lilly ist doch alt genug und verantwortungsbewusst genug, um sich ein bisschen intensiver um Sarah zu kümmern, oder? Sie macht das heute Nachmittag doch schon ganz gut.
Mehdi (argwöhnisch folgt er ihren Gedankengängen): Meinst du als eine Art Babysitterin?
Maria: Sag das nicht in Sarahs Gegenwart, die killt dich sonst. Sie ist schließlich kein Baby mehr.
Mehdi: Verstehe?
Maria (betont beiläufig): Könnte ich sie denn bei euch lassen? Also irgendwann mal, falls sich die Gelegenheit ergeben sollte?
Ach, daher weht der Wind? Interessant!
Mehdi (ein breites wissendes Grinsen schleicht sich plötzlich auf Mehdis Gesicht): Sag mal, kann es sein, dass Cedric draußen im Wagen auf dich wartet?
Maria (wird blass u. schüttelt entschieden den Kopf): Nein! Das war eine rein hypothetische Frage.
Natürlich! Ich kann sehen, wie deine Nase nahezu sekündlich immer länger wird.
Mehdi (schmunzelt): Na dann antworte ich dir auch rein hypothetisch, dass sich Sarahs beste Freundin ganz bestimmt sehr über eine Übernachtungsfete mit deiner Tochter freuen würde, inklusive Ausflug zum Reiterhof der Gummersbachs. Ich hab nämlich zwei Zimmer hier im Hotel gebucht. Bis morgen Nachmittag.
Na toll, das heißt auf Deutsch, ich vermassele ihm gerade ein Romantikwochenende im Heu. Ach was soll’s? Das hat er sich selbst zuzuschreiben.
Maria (verschränkt desinteressiert die Arme u. lehnt sich auf ihrem Stuhl zurück): Und warum glaubst du, sollte mich das interessieren?
Mehdi: Och du, nur so!

...antwortete Mehdi keck, lehnte sich mit hinter dem Kopf verschränkten Armen an seine Stuhllehne zurück und zwinkerte Maria wissend zu. Der Halbperser genoss die zuckenden Mundwinkel sehr, die er bei seiner Kollegin beobachten konnte und die sich im Fenster widerspiegelten. Er konnte jedoch nicht sehen, dass sich die vier Kinder draußen im dunklen Garten mittlerweile still und heimlich auf und davon gemacht hatten.

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