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Lorelei Offline

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Beiträge: 7.453

28.08.2012 17:27
#1326 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Bevor es gleich weitergeht, noch eine kleine Anmerkung zum Text: Der Einstieg ist farblich unterlegt, weil wir noch mal einen klitzekleinen Blick zurück wagen. Im Text selbst sind auch noch ein paar Wörter oder Sätze zusätzlich dick hervorgehoben, um zu verdeutlichen, was von dem Gespräch bei Marc ganz besonders hängen geblieben ist und was damit auch zeigt, wieso er danach so durcheinander ist. Falls noch Fragen offen sind, ihr wisst ja wo ihr mich findet. Ganz liebe Grüße, Lorelei



Marc Olivier? ... Ich... *langes Zögern u. leises fluchendes Gemurmel* ... Ich weiß nicht, was ich... *räusper* ... Ich habe deine Nachricht gehört, Marc. Ich habe alle deine Nachrichten gehört, die du mir in den letzten Tagen übermittelt hast, nur dass ich nie... den Mut... *räusper* ... Es tut mir leid! Du hast natürlich allen Grund der Welt, wütend zu sein. Das wäre ich auch. Mein Abgang war... unglücklich. Aber es... ist... einfach... besser... so? ... *ein langer tiefer Atemzug* ... Ich hoffe, du kannst mir irgendwann verzeihen, auch wenn ich es nicht verdient habe. Ich war dir nie die Mutter, die du verdient gehabt hättest. Ich hätte vieles gerne anders gemacht, aber das Leben lässt sich nun mal nicht zurückspulen und neu starten, so gerne man es wollte. Das wirst du auch noch merken, mein Sohn. Du hast die Chance, es besser zu machen. Habe keine Angst vor dem, was auf dich zukommt. Ich weiß, dass du es wunderbar meistern wirst. ... *schnief* ... Ich bin stolz auf dich, mein Junge, vergiss das bitte nie! Pass gut auf sie... auf euch... auf! Auch wenn ich anfangs meine berechtigten Vorbehalte hatte und nicht verstehen konnte oder wollte, was du an dieser... dieser Person findest, aber Gretchen ist ein Engel. Sie ist die einzig Richtige für dich. Sie bringt deine positiven Seiten zum Vorschein. Fast so wie... dein Vater ... bei mir. Oh Olivier... *seufz* ... Ich wünschte mir, ich könnte... *Taschentuchschnäuzen* ... Nein, es ist nun mal so, wie es ist. Selbst wenn ich könnte, ich kann es nicht rückgängig machen. Manchmal stellt einen das Leben vor Herausforderungen, die einen erkennen lassen... *ein langer Atemzug* ... Jeder hat sein Päckchen zu tragen und ich trage meines. ... Kümmere dich gut um ihn, Marc! Halte ihn fest! Ihr beiden müsst zusammenbleiben. Das würde mich glücklich machen. Irgendwann werdet ihr verstehen, wieso ich so gehandelt habe, wenn ich nicht mehr... *schnief* ... Verzeiht mir! Ich... hab euch lieb. Das hätte ich euch viel öfter sagen sollen. ... *schluchz* ... Ich muss jetzt Schluss machen. Es ist auch schon spät. Wenn die Schwe... Ääähhh... Sag deinem Vater bitte nichts! Er würde es nicht verstehen. Ich will nicht, dass er nach mir sucht. Er kann gerne in der Villa wohnen bleiben. Dort wartet übrigens noch ein Paket auf dich und Gretchen. Ich hoffe, ich bin nicht zu spät dran wie mit dem Verlag. Isabel kümmert sich um alles. Ich will dich mit der Abwicklung nicht belästigen. Du hast jetzt andere Dinge im Kopf. Alles Gute für alles! Deine... *schluchz* ... Mama. An den Gedanken, Großmama zu werden muss ich mich wohl noch gewöhnen. ... *schluchz* ... Pass gut auf dich auf, mein Junge.“

Piep...Piep...Piep.


Das monotone Piepen seines Telefons hatte sich fest in sein Hirn eingebrannt. Er hörte es immer noch wie ein nervtötender Tinnitus im Ohr, den er nicht loswerden konnte und dessen Behandlung sich äußerst langwierig gestaltete. Es übertönte IHRE Worte. Er hatte ewig gebraucht, bis er die Bedeutung jedes einzelnen kleinen Satzfetzens endlich erfasst hatte, auch wenn dennoch Teile des Telefongesprächs aus Unachtsamkeit, Überforderung und totaler Verwirrung verloren gegangen waren. Dabei ergaben sie im Zusammenhang gesehen eigentlich gar keinen richtigen Sinn. Er kannte eigentlich nur andere Lektionen Fisher-Deutsch/Deutsch-Fisher. Seine Mutter musste ihm nicht sagen, dass sie stolz auf ihn war. Ob sie nun seine plötzlichen Familienpläne damit meinte oder seinen Lebenslauf im Allgemeinen. Das stand für ihn außer frage und dennoch rührte es ihn irgendwie. Es war ein seltsam beklommenes Gefühl, das ihn in der Herzgegend erfasste. Auch dass sie endlich ihre ewige Abneigung gegen Gretchen ad acta gelegt hatte und diesen kleinen unbedeutenden Unfall im Fitnessstudio endgültig vergessen hatte. Komisch, dachte Marc Meier mit einem Mal. Sie hatte sie noch nie Gretchen genannt und dann noch umrahmt von diesen blumigen Umschreibungen, die man sonst nur von ihren Romanheldinnen kannte.

Und wieso war ihr so wichtig, dass er sich gut um seinen Dad kümmerte? Sie hatte ihn doch einfach so aus einer Laune heraus in den Wind geschossen. Sie hatte also kein Recht, jetzt wehmütig zu werden, um die Wogen zu glätten. Sie hatte es so gewollt. Damit musste sie nun leben. Auch mit der Tatsache, dass er ihr ganz sicher nicht verzeihen würde, dass sie abgehauen war und ihn mit seinen tausend Fragen und Problemen alleine ließ. Würde er doch nicht oder? Dachte sie wirklich, es würde ihm etwas bedeuten, wenn sie ihm sagte, dass er ein guter Vater werden würde, dass sie ihm dahingehend bedingungslos vertraute, dass sie sich aufrichtig für ihn freute? Dabei stand doch noch gar nicht offiziell fest, dass die Familie jetzt tatsächlich um ein Mitglied vergrößert werden würde. Er war total verwirrt. Das alles, was sie gesagt hatte, ergab doch gar keinen Sinn. Denn der Grundtenor, der in all ihren Worten mitschwang, passte einfach nicht ins Bild. Das alles klang so endgültig, irgendwie nach Abschied. Und das konnte doch gar nicht sein? Wieso sollte es auch? Bislang war diese hysterische Frau doch immer zu ihm zurückgekehrt. Manchmal schneller als ihm lieb war.

Wenn sie erst einmal ihre Wunden geleckt hatte, würde sie eh irgendwann bald wieder auf der Matte stehen. Das war so sicher wie die Tatsache, dass ihre bescheuerte Romanreihe niemals Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste stürmen würde. Dazu war sie einfach nicht dreckig genug. Da mussten schon mehr Sex, mehr SM und dunkle gestörte Typen mit reichlich Schotter rein, die unscheinbare Mauerblümchen ordentlich anhimmeln konnten. Gott, er war echt am Arsch! Jetzt dachte er schon über das Inhaltsverzeichnis neuer Dr.-Rogelt-Schmonzetten nach. Er musste sie echt vermissen! Nein, er vermisste sie NICHT. Ganz und gar nicht. Überhaupt nicht. Schließlich war er kein kleines Mädchen. Und verdammt noch mal, was sollte das heißen, sie würden irgendwann verstehen?

Scheiße, dachte Marc mit einem Mal und hielt den Atem an, wieso hab ich nicht nachgefragt, wo sie steckt? Er hätte sie festnageln sollen anstatt komplett seine Zunge zu verschlucken. Hatte er überhaupt ein Wort erwidert? Nein, hatte er nicht! Sie hatte ihren üblichen Monolog runtergerattert, wenn auch nicht ganz so souverän und selbstverliebt, wie er es sonst von ihr gewöhnt war. Sie hatte ungewöhnlich schwermütig und rührselig am anderen Ende der Leitung geklungen, gleichzeitig aber auch ziemlich entschlossen. Hatte sie gegen Ende etwa tatsächlich geweint? Wieso reagierte sie plötzlich so emotional? Das tat sie doch nie. Er hatte seine Mutter noch nie weinen gehört geschweige denn gesehen. Mit Ausnahme von jenem schicksalhaften Nachmittag vor über zwanzig Jahren, als sie seinen Dad hatte gehen lassen. Sie war doch diejenige gewesen, die sich einfach so von einem Moment auf den anderen aus dem Staub gemacht hatte. Ohne ein plausibles Wort der Erklärung. Und das war auch diesmal am Telefon ausgeblieben. Er verstand sie einfach nicht. Bereute sie etwa, dass sie seinen Vater ein zweites Mal im Stich gelassen hatte? Wollte sie ihrem Sohn mit ihrem Rückruf irgendetwas sagen? War in ihren Worten irgend so ein weibischer Code versteckt, den er erst noch entschlüsseln musste? Wollte sie zurückkehren? Aber wieso dann diese nach Abschied klingenden Worte?

Die Gedanken in seinem Kopf kreisten wild umher, so dass Marc die immer lauter werdende Männerstimme neben sich anfangs gar nicht gehört hatte. Bis sich eine große Pranke auf seine Schulter legte und leicht an ihm rüttelte. Er schaute Mehdi mit großen Augen an. Dieser hatte denselben Blick aufgelegt. Dieselbe Spur von Unsicherheit und Besorgnis war darin zu lesen. Aber auch ein Hauch von Nervosität. Mehdis Wangen waren gerötet. Sein Puls raste. Immer wieder strich sich der Halbperser mit seiner Hand über den Nacken. Er schien nachzudenken, dann redete er wieder auf ihn ein. Es dauerte einen Moment, bis Marc den Ton zu Mehdis Lippenbewegungen gefunden hatte, der seine eigenen Gedanken übertönte...

Mehdi: Marc? Hörst du mir überhaupt zu?
Marc (seine Verwirrtheit mit einem schmalen Lächeln überspielend): Klar? ... Was hast du noch mal gesagt?
Mehdi (erleichtert, dass er sich endlich Gehör verschafft hat, aber auch zunehmend nervös): Also noch mal, aber bitte bitte raste nicht gleich aus! Hör mir erst zu! Du musst mir unbedingt zuhören! Dann kannst du schimpfen, toben, mir eine runterhauen, wie du magst. Ich hatte meine Gründe. Das musst du wissen. Wir sind beide Ärzte. Wir haben beide einen Eid geleistet. Wir müssen die Wünsche unserer Patienten respektieren, egal wie falsch sie manchmal sein könnten. Wärst du an meiner Stelle, du hättest auch gezögert. Aber mittlerweile ist mir klar, dass das falsch war. Weil ich zu sehr selbst mit involviert bin. Du bist mein engster Freund und ich liebe dich. Du bist Teil meiner Familie. Verstehst du?

Hat der zu lange an Svens Selbstgebrannten geschnüffelt oder was wird das hier? Für Mehdi keinen Schnaps mehr heute!

Marc (versteht kein Wort u. sieht seinen Freund unwirsch an): Wovon zum Teufel redest du, Mann? Ich hab grad echt andere Sorgen, als deine irren Hieroglyphen zu deuten.

Mehdi schloss für einen Moment seine Augen, atmete tief ein und aus und deutete gedanklich ein Kreuz, bevor er seine Augen wieder öffnete und seinen besten Freund mit ernster freundschaftlicher Miene anschaute und instinktiv nach dessen Hand griff, was Marc nur noch verwirrter machte. Wo war er hier hingeraten, wenn ein Frauenarzt ihm öffentlich ein schwules Liebesgeständnis machte? Hilfe! Der verwirrte Oberarzt hob skeptisch seine Augenbrauen und starrte auf seine Hände, die von nassen Pandabärenpranken vereinnahmt wurden. Er war so entsetzt, dass er nur mit halbem Ohr darauf hörte, was Mehdi ihm nun mitteilte...

Mehdi: Deine Mutter ist krank, Marc, ernsthaft erkrankt.

Die Stunde der Wahrheit war gekommen und das nicht nur für die beiden Männer im Wohnzimmer.

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.453

30.08.2012 13:38
#1327 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Auch im Badezimmer einige Türen weiter war die Stunde der Wahrheit angebrochen. Mit immer größer werdenden Augen starrte Gretchen Gabi an, die ihr, nachdem es mit einfachen klar verständlichen Worten nicht funktioniert hatte, nun mit eindeutigen Blicken etwas begreiflich zu machen versuchte. Es dauerte einige Sekunden, wenn nicht gar Minuten, bis sowohl Worte als auch Gestik und Mimik der brünetten Krankenschwester endlich die richtigen Gehirnregionen der blonden Assistenzärztin erreicht hatten und in die richtige Botschaft umgewandelt worden waren. Wie in Zeitlupe drehte sich Gretchens Lockenkopf zur Seite und erfasste die still vor sich hin glucksende Freundin am Boden, die nervös auf ihrer Unterlippe herumkauend immer wieder ihre lilafarbene Star-Trek-Uniform gerade zog, um nicht zu viel Bein preiszugeben, und nun zaghaft ihren Blick hob, aber diesen sofort wieder senkte, als sie Gretchens Aufmerksamkeit auf sich gerichtet registrierte. Es gab selten Momente, in denen Gretchen Haase wirklich sprachlos gewesen war:

Als sie als kleines Mädchen mitbekommen hatte, dass sich in der immer größer werdende und extrem ulkig aussehenden Murmel, die ihre Mama stolz vor sich her schob, ein kleines Brüderchen versteckt hielt, von dem sie überhaupt nicht verstand, wie er da überhaupt hineingekommen war und warum sich aus dem braven pflegeleichten Baby schon recht bald ein richtiger Rotzlöffel entwickelte, den sie am liebsten nach seiner Mandel-OP mit vier im Krankenhaus zurückgelassen und gegen ein viel netteres Schwesterchen ausgetauscht hätte. ... Als ihr eine gehässige Schulkameradin in der ersten Klasse erklärt hatte, dass es gar keinen Weihnachtsmann geben würde, was Klein-Gretchen bei der anschließenden Schulweihnachtsfeier auch sofort trotzig falsifizieren wollte. Beim Versuch, dem Weihnachtsmann den weißen Rauschebart zu entreißen, hatte sie jedoch unter dessen Kostüm ausgerechnet ihren eigenen Papa vorgefunden, mit dem sie dann an ihrem wohl traumatischsten Weihnachten kein Wort mehr gewechselt hatte, was sie bis zu den Würstchen mit Kartoffelsalat auch tapfer durchgehalten hatte. ... Als sie an einem heißen Sommertag auf einem Spielplatz in Mitte das erste Mal in die traurig schimmernden wunderschönen smaragdgrünen Augen eines kleinen Jungen geblickt und sich sofort unsterblich in ihn verliebt hatte, obwohl sie noch nicht einmal dessen Namen gekannt hatte. ... Als sie eben jenen kleinen Prinzen wenige Wochen später lässig an das rostigrote Klettergerüst ihrer neuen Schule gelehnt wieder gefunden hatte und er sich als größter Idiot unter der Sonne herausgestellt hatte, in den sie sich aber trotzdem jeden Tag mehr verliebte trotz all der fiesen Streiche und Späße, die er mit ihr bis zum Abi trieb, und von dem ihr bis heute nur die positiven magischen Momente in Erinnerung geblieben waren. ... Als sie sich dann nach Jahren zufällig im Krankenhaus ihres Vaters wieder getroffen hatten und er sich als ihr selbstverliebter arroganter Machooberarzt herausgestellt hatte, in den sie trotz all seiner Gemeinheiten und fiesen Sprüche sofort wieder verliebt war und es wohl auch für immer bleiben würde. ... Und ganz besonders sprachlos war sie, nachdem sie von den Affären ihrer Eltern erfahren hatte, die ihr ganzes heiles Weltbild komplett durcheinander gebracht und sie an ihrem Glauben an die wahre Liebe zweifeln lassen hatten. ... Das gleiche galt auch für ihre „Kurzehe“ mit dem angeblichen Millionär, der sie so tief hatte stürzen lassen, ihr aber gleichzeitig auch endgültig die Augen geöffnet hatte, dass es für sie immer nur den Einen geben würde. ... Und als eben dieser Eine, Marc Meier, plötzlich auf Rügen leibhaftig vor ihr gestanden hatte, als sie gerade von ihm geträumt und ihn zu sich gewünscht hatte, und er ihr auf unvergleichlich schöne Weise endlich seine Liebe gestanden hatte. Wie er einige Monate glückliche Beziehung später dieses Versprechen am romantischsten Ort der Welt, an ihrem See, erneuert und konkretisiert hatte. Oder heute morgen, als er ihr aufgeregt seinen geheimen Herzenswunsch mitgeteilt hatte, dass er sich ein kleines Gretchen oder einen kleinen Marc mit ihr vorstellen könnte. Und nicht zu vergessen die „Spontanhochzeit“ vor wenigen Stunden, die diesen unglaublichen Tag endgültig unvergessen machen würde. In genau diese Dimensionen passte auch die unfassbare Nachricht von Sabines Schwangerschaft, die gerade definitiv einen der oberen Plätze ihrer Top-Ten-Liste erklommen hatte. Sie musste mehr erfahren!

Die aufgekratzte Ärztin ließ sich vorsichtig neben ihre aufgelöste Freundin auf den hellen Marmorboden rutschen, der sich dank der Fußbodenheißung wohlig warm anfühlte. Die hockende Position war ihr nämlich mit der Zeit unangenehm geworden und war ihr ziemlich auf den Rücken gegangen, den sie nun kurz mit ihrer flachen Hand massierte. An die Badewanne gelehnt war dagegen definitiv bequemer. Schwester Gabi tat auf der anderen Seite genau dasselbe. Sie rückte zu Sabine auf, strich ihren Petticoat glatt, dessen tausend Unterschichten sich auftürmten wie eine mehrstöckige Baisersahnehochzeitstorte, und griff instinktiv nach deren Hand. Sie wusste selbst nicht, wieso sie das tat. Ihre Gedanken drehten sich. Sie konnte es ebenso wenig fassen wie Gretchen. Welche Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet das in ihrer eigenen schrägen Astrowelt lebende Mauerblümchen des Krankenhauses eventuell auch schwanger sein könnte. Die Vorstellung, mit ihr zusammen mit den Kinderwagen durch den Krankenhauspark zu schlendern, kam ihr so surreal vor. Gabi musste plötzlich breit grinsen, weil es so absurd erschien, und presste ihre Lippen fest aufeinander, damit die anderen nichts davon merkten. Aber näher betrachtete fühlte sich der Gedanke gar nicht mal so schlecht an, dachte sie im nächsten Moment und wurde mit einem Mal nachdenklicher. Dann hätte sie nämlich jetzt jemanden, mit dem sie sich austauschen könnte über all die Sorgen und Nöte einer Schwangeren. Das hatte ihr vor einem Jahr bei ihrer ersten unglücklichen Schwangerschaft gefehlt. Nichts gegen Mehdi, er war ein toller aufmerksamer Mann und ein wunderbarer einfühlsamer Gynäkologe, aber seine belehrenden Vorträge konnten manchmal schon recht nervig werden. Und welche hormonausgelösten Gefühlsstürme da wirklich in einem vorgingen, konnte doch nur eine ebenso Leidgeprüfte nachvollziehen und kein Lehrmediziner, der gleichzeitig auch noch der Vater des Kindes war. Gedankenverloren strich sie sich mit ihrer freien Hand über ihren flachen Bauch und stellte sich mit einem verträumten Lächeln vor, wie er wohl reagieren würde, als sie plötzlich von Gretchens hysterisch kreischender Stimme aufgeschreckt wurde. Seltsam! Genauso hatte sie vor einer Viertelstunde auch reagiert, nachdem sie endlich etwas aus der hyänenhaft schluchzenden Heulboje herausbekommen hatte und danach minutenlang vor Schreck ihre Sprache verschluckt hatte.

Gretchen: AAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHH!!!!!!!!!!!!!!!!!! Aber das ist doch wunderbar, Sabine. Oh ich freu mich so für dich. Herzlichen Glückwunsch.

Gretchen erdrückte ihre perplexe Freundin fast mit ihrer herzlichen und überglücklichen Umarmung. Ungestüm wiegte sie sich mit ihr hin und her und drückte ihre Wange fest gegen Sabines’. Gabi konnte nur amüsiert die Augen verleiern angesichts dieses ekelhaft rührigen Moments, in den sie schließlich auch mit einstieg und etwas mitwippte. Die Hormone machten auch sie ganz emotional. Anders konnte sie sich ihr bescheuertes Verhalten nicht erklären. Erst als die aufgeregte Assistenzärztin es verdächtig in ihren Armen zu zucken bemerkte und sie heiße Tränentropfen auf ihrer nackten Haut wahrnahm, lockerte sie ihren Klammeraffengriff und schaute beunruhigt in das verweinte Gesicht der gar nicht mehr so heldenhaft wirkenden Star-Trek-Offizierin, das schon wieder von einem gewaltigen Tränenfluss erfasst und mitgerissen wurde. Zärtlich zog sie Sabine wieder zu sich in die Arme, tauschte dabei mit Gabi hilflose Blicke aus, die auch nur ratlos mit den Schultern zucken konnte, und streichelte sanft über Sabines Rücken, bis die erste Welle erst einmal verebbte und sie merklich ruhiger wurde. Dann nahm Gretchen ihre beiden Hände in ihre und hielt sie fest gedrückt, während sie Sabine eindringlich in die Augen schaute, die sich beschämt senkten. Gretchen konnte nur bedingt nachvollziehen, was in der Braut vorging.

Gretchen: Das ist ein überwältigendes Gefühl, nicht?

...versuchte die angehende Ärztin einfühlsam ihre eigenen ersten Erfahrungen mit einzubringen, um der völlig aufgelösten Frau Mut zu machen. Schließlich könnte es ja gut möglich sein, dass sie beide bald zusammen mit dem Kinderwagen durch die Flure des EKHs spazieren würden. Was für ein wunderbarer Gedanke! Gretchen musste unweigerlich lächeln. Ihre Augen strahlten. Denn seit wenigen Stunden befand sie sich ebenfalls in diesem bewegten Ausnahmezustand, den eine Vielleicht- oder Bald-Schwangerschaft mit sich brachte. Am liebsten würde sie Sabine mitreißen und mit ihr durchs Badezimmer tanzen, auch wenn es total albern wäre und Gabi sich sicherlich über sie lustig machen würde. Aber das wäre ihr egal. Die Überdosis an Glückshormonen, die sich seit Marcs Geständnis und ihrer Entdeckung angestaut hatte, musste nun mal einfach raus. Nur dass Schwester Sabine ganz anders auf diese wunderbare Nachricht reagierte wie sie selbst. Sie wirkte völlig mitgenommen und sichtlich überfordert. Gretchens schlechtes Gewissen, es vielleicht etwas übertrieben zu haben mit ihrer Vorfreude, meldete sich bei ihr. Doch im gleichen Moment nickte Sabine auf die Frage ihrer Freundin hin leicht mit dem Kopf und sah sie zaghaft lächelnd an. Gretchen lächelte erleichtert zurück. Endlich eine Reaktion, die keine nassen Füße machte. Mitfühlend versuchte sie mehr aus der Krankenschwester herauszubekommen...

Gretchen: Seit wann weißt du es?

Schwester Sabine war immer noch kaum fähig, einen geraden Satz zu sagen und schniefte unter lautem Trompetengeräusch in das Toilettenpapier, das Gabi ihr ungefragt hinhielt. Sie bedankte sich mit einem knappen Lächeln bei ihrer guten Kollegin und richtete ihren Blick nun mit klopfenden Herzen zur anderen Seite, wo ihre Trauzeugin saß und sie liebevoll anblickte. Sabines Stimme klang holprig und aufgeregt, aber zumindest hatte sie endlich ihre Sprache wieder gefunden.

Sabine: Heu...heute Morgen. Mir ist schon seit Tagen so... so komisch. Ich dachte erst, es wäre nur die... die Aufregung wegen der Hochzeit, aber dann... dann... *schnief* ... wurde es mir plötzlich klar.
Gabi / Gretchen (beide gleichzeitig erstaunt): Heute?

Oh! Wie magisch! Das Schicksal meint es heute aber besonders gut. Mit uns! Hihi! Als hätte der Klapperstorch sein Nest direkt über dem EKH aufgebaut. Hach... wie ist das schön.

Ich fresse nen Besen, wenn’s auch noch am selben Tag gezeugt wurde. Das gibt’s doch nicht. Sabine und schwanger? Zwei Dinge, die man sich gar nicht zusammen vorstellen kann. Wie Marsmännchen vor dem Brandenburger Tor.


Sabine (senkt schüchtern ihren Blick): Ja!
Gretchen (erinnert sich): Deshalb warst du also heute Morgen in Mehdis Praxis? Du hättest doch was sagen können. Ich wäre doch mitgegangen.
Sabine: Ehrlich?

Sabines Kopf lief rot an und sie schämte sich fürchterlich, sich ihrer besten Freundin nicht schon viel früher anvertraut zu haben, aber sie hatte einfach Angst gehabt, dass sich ihr leiser Verdacht bestätigen könnte und mittlerweile war sie sich ziemlich sicher. Ihre Reaktion war Gretchen Antwort genug. Sie streichelte Sabine sanft über den Handrücken, konnte ihre angeborene Neugier aber nicht zurückhalten...

Gretchen: Was hat er gesagt? Wie weit bist du denn? Ist alles in Ordnung?
Sabine (sieht Gretchen mit ihrem üblichen steten Sabine-Blick an): Nichts!
Gabi (verdutzt hakt sie nach): Wie nichts?
Sabine (trocken): Dr. Kaan war nicht da.
Gretchen: Stimmt ja. Der war den ganzen Vormittag mit den Drillingen beschäftigt.
Sabine (der Gedanke an eine gynäkologische Untersuchung lässt sie noch röter anlaufen): Ich... ich wollte mich ja auch nur... erst mal... informieren.
Gretchen: Verstehe!

Genau wie ich auch. Ich kann’s ja selbst immer noch kaum fassen. Die Nachricht muss auch erst einmal verdaut werden. Ich kann sie da voll und ganz verstehen.

Gabi (kann es immer noch nicht glauben u. forscht nach): Und jetzt? Bist du dir sicher, dass du wirklich schwanger bist, Sabine? Vielleicht ist es ja doch nur die Aufregung wegen der Hochzeit? Also ich kenne eine Freundin, der ist genau das gleiche passiert. War ihr am Ende furchtbar peinlich vor ihrem Bräutigam. Der hatte die Neuigkeit nämlich gleich stolz den ganzen Gästen verkündet.
Sabine (blickt Gabi aus großen Kulleraugen fragend an): Ziemlich, ja.

Das ist ja mal ne Bombe. Wow! Wir beide also?

Gabi (nickt langsam mit dem Kopf u. grübelt weiter laut vor sich hin): Hmm...? Ihr habt also auch nicht... ääähhh... *räusper* ... War dir übel? Also... bis auf vorhin. Das war schon ähm... ja eindeutig... und echt ekelig. ... Ist dir häufig schwindelig in letzter Zeit oder bist du mal umgekippt? Bist du empfindlich, was bestimmte Gerüche betrifft? Spannen deine Brüste so komisch? Und kommt dir dein Kittel plötzlich eine Nummer zu klein vor, obwohl er tags zuvor noch eins A gepasst hat? Bist du ständig müde und fühlst du dich emotional gerade völlig auf den Kopf gestellt und durchgeschüttelt, dass du gar nicht mehr weißt, wo oben und unten ist? Und könntest du ständig was essen, egal was und wo und total durcheinander? Oder wird dir allein schon beim Gedanken an ein bestimmtes Gericht total schlecht?

Gabi bemerkte im Augenwinkel die verdutzten Blicke ihrer beiden Kolleginnen, die sie musternd ins Visier genommen hatten, und hielt abrupt inne mit ihrer Eigendiagnose. Sie wurde augenblicklich rot im Gesicht und versuchte dies mittels ihrer ganz eigenen Coolness zu kaschieren.

Gabi: Äh... Sorry, das bringt der Job so mit sich.
Gretchen (misstrauisch): Aha?

So aufmerksam kenne ich Gabi gar nicht. Mhm...? Das mit dem zu engem Kittel kommt mir grad sehr bekannt vor. Ebenso das mit dem Gefühlschaos, das ja erst von mir erfunden wurde. Hihi! Das ist doch verrückt. Sabine ist auch schwanger! Wahnsinn! Unsere Kinder könnten zusammen aufwachsen. Hach...

Sabine (antwortet zögerlich auf Gabis Fragen, die sie sich eine nach der anderen lange durch den Kopf gehen lässt): Ja? Also teils, teils, denke ich. Bei der OP von Dr. Meier heute Mittag musste ich auch rausgehen, weil mir schummrig geworden ist und ich seinen Anweisungen nicht mehr folgen konnte. Die Desinfektionsmittel rochen aber auch intensiv. Vielleicht sollte ich der Oberschwester empfehlen auf Biologisch umzustellen?
Gretchen (zuckt verwirrt mit den Schultern): Vielleicht?
Sabine (schaut abwechselnd von Gretchen zu Gabi u. zurück): Mir ging’s aber schnell wieder gut mit etwas Wasser im Gesicht, Frischluft und einem heißen Kamillentee. Aber Hunger hab ich jetzt nicht sonderlich viel mehr. Muss ich jetzt mehr essen? Am Buffet ist doch schon alles leer geräumt.
Gretchen (spricht zu sich selbst): Echt? Vielleicht sollte ich Mama anrufen, damit sie uns noch was fertig macht? Hmm...? Ach was, eigentlich ist es schon spät. Hauptsache die Getränke gehen uns nicht aus. Muss ich dann gleich noch mal kucken.

Gabi (in Gedanken): Hmm... Die Symptome sind eindeutig!
Sabine (fängt augenblicklich wieder leise an zu weinen u. vergräbt ihr Gesicht in ihren Knien): Oh Gott, das darf einfach nicht sein.
Gretchen (legt tröstend ihren Arm um ihre Schulter u. zieht sie zu sich): Hey nicht wieder weinen, Sabine! Ein Baby ist doch kein Grund zu weinen. Das ist ein Geschenk und kein Grund, gleich die ganze Hochzeit abzusagen.
Gabi (fühlt sich etwas hilflos u. weiß nicht wirklich, was sie sagen soll): Eben! Ich weiß gar nicht, was du hier für einen Aufstand machst. Andere heiraten auch und gerade weil sie schwanger sind.
Gretchen (plappert ohne nachzudenken u. hält sich gleich darauf die Hand vor den Mund): Das sagt die Richtige.
Gabi (angefressen): Sag nicht, du bist noch sauer, weil ich’s drauf angelegt habe? Eh ich war nicht zurechnungsfähig damals.
Jaha! Trotzdem...
Gretchen (der Schmerz ist immer noch da, auch wenn er unter einem Mikroskop kaum noch zu finden ist): Nein. Doch. Nein. Das spielt doch jetzt keine Rolle mehr. Sabine ist jetzt wichtiger.

Die beiden Frauen kamen miteinander überein, dass das stimmte, und richteten ihren Blick wieder auf ihr gemeinsames Sorgenkind, das mit hängenden Schultern und Trauermiene zu ihnen hoch schaute...

Sabine: Aber was mache ich denn jetzt?
Gabi (kleinlaut): Heiraten!
Gretchen (konzentriert sich ganz auf Sabine u. nicht auf das vorlaute Mundwerk von Mehdis Freundin): Du traust dir nicht, Günni etwas davon zu sagen, stimmt’s?

Sabine schüttelte verlegen den Kopf und senkte ihren Blick wieder. Einzelne Tränen kullerten langsam ihre Wange hinab. Gretchen lächelte sanftmütig und strich ihr die verwischte Schminke mit einem Stück Klopapier aus dem Gesicht.

Gretchen: Dachte ich mir. Habt ihr denn noch nie das Thema Kinder angesprochen? Will er keine Kinder? Ich hatte immer den Eindruck, er mag Kinder. Kinder mögen ihn auf alle Fälle.
Sabine (schnieft u. schnaubt einmal laut in ihr Taschentuch): Doch, ja, ich denke schon. Aber... ich hab doch nicht gedacht, dass das so schnell passieren könnte. Wir kennen uns noch nicht mal vier Monate.
Gabi (nachdenklich): Glaub mir, das passiert manchmal schneller, als man denkt.
Gretchen (ebenso emotional): Stimmt.

Die beiden Frauen schauten sich an, wandten ihren Blick jedoch schnell wieder irritiert ab und blickten betreten auf den Badezimmerboden. Sabine schaute abwechselnd ratsuchend von der einen zur anderen und murmelte leise etwas vor sich hin, bis sich die nächsten Tränen in ihren Augen sammelten...

Sabine: Ich kann nicht mit Günni reden.
Gabi (sieht sie wieder an mit einem leicht amüsierten Schmunzeln auf den Lippen): Hast du Schiss, dass er tot umfällt wie seine Patienten?
Gretchen (tadelnd hebt sie ebenfalls ihren Blick): Gabi!
Gabi (gereizt funkelt sie die empörte Ärztin an): Ja, was? Er ist doch Pathologe oder nicht?
Boah! Manchmal könnte ich sie... GGGRRR!!!
Gretchen (ignoriert Gabis wenig hilfreichen Kommentar u. widmet sich wieder ihrem Schützling): Er wird es verstehen, Sabine. Ganz bestimmt.
Sabine (blickt sie hoffend an): Meinst du?
Gretchen (lächelt zuversichtlich u. drückt ihre Hand): Ich bin mir sicher. Er liebt dich doch. Er will dich heiraten.
Sabine (unsicher): Aber das... das war so nicht geplant. Wie konnte das nur passieren?

Gabi (kann einfach nicht ihren vorlauten Mund halten): Ich muss dir wohl nicht die Geschichte von den Blumen und Bienen erzählen oder?
Sabine (fährt sie gereizt an): Das weiß ich doch, Gabi.
Gabi (hält schützend ihre Hände hoch): Gut, ich war mir nicht so sicher, also was deine äh... Erfahrungsdichte betrifft und so.
Gretchen (schaut Sabine beruhigend an, deren Wangen eine tiefdunkle Farbe angenommen haben): Babys kommen, wann sie wollen, Sabine. Die richten sich nicht nach einem geordneten Zeitplan. Daran wird sich auch ein Planungsfanatiker wie Herr Gummersbach gewöhnen müssen.
Könnte spannend werden! Hihi! ... Gretchen! Für billige Witze ist wohl nicht der rechte Augenblick! ... Ich weiß. Tut mir leid.
Sabine (hat da so ihre Zweifel): Aber es ist ja nicht nur das?
Gretchen (verwundert): Was denn dann? Was ist so schlimm, dass du deinen Traummann nicht mehr heiraten kannst, Sabine?



Fortsetzung folgt...

Ich habe diese Episode noch mal in zwei weitere Teile unterteilt, da sie doch etwas länger geworden ist als gedacht. Aber unser Bienchen zu bearbeiten dauert eben. Ich hoffe, ihr habt trotzdem viel Spaß an der Szene „Die Braut, die sich nicht traut“. Liebe Grüße, Lorelei

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.453

01.09.2012 20:42
#1328 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Schwester Sabine senkte verschämt ihren Kopf und biss sich auf ihre Unterlippe, während sie von gespannten Blicken zweier Damen durchbohrt wurde. Mittlerweile war sich die Hobbyastrologin selbst nicht mehr so sicher, wieso sie so heftig reagierte. Eigentlich sollte sie sich doch freuen und das hatte sie sich anfangs ja auch. Ein Baby mit ihrem Günni, das war ein Traum. Die Erfüllung ihrer Liebe. Trotzdem blieb da ein Aber. Dieses beklemmende Gefühl in ihrer Brust blieb weiterhin bestehen, so dass sie am liebsten gleich wieder losheulen würde. Zaghaft schaute sie nach langem Zögern wieder zu den beiden Mädels hoch, die die Welt nicht mehr verstanden, und antwortete endlich auf Gretchens Frage...

Sabine: Das gehört sich einfach nicht.
Gabi (stutzt u. versteht nun gar nichts mehr): Hä? Was? Schwanger zu sein? Ich wüsste nicht, dass das neuerdings in Deutschland unter Strafe steht. Wobei manchen Leuten würde man schon raten, sich besser nicht fortzupflanzen.
Gretchen (tadelt Gabi mit giftigen Blicken u. wendet sich wieder Sabine zu): Gabi! ... Wie meinst du das, dass sich das nicht gehöre, Sabine?
Sabine (flüstert): Na vor Gott!
Gretchen (überrascht): Oh! Ok?
Gabi (baff): Im Ernst? Ich wusste zwar, dass du abergläubisch bist, aber so sehr?
Sabine: Meine Eltern waren streng gläubig, müsst ihr wissen. Sie haben auch erst geheiratet und dann... ähm... ja... mich bekommen. Vor der Ehe bringt Unglück.
Gabi (klappt sprachlos die Kinnlade herunter): Ach komm, Sabine, auch wenn du dich so kleidest, wir leben nicht mehr in den Fünfzigern. Und selbst da haben viele geheiratet, weil sie’s nicht lassen konnten, also... die Hosen oben zu lassen.
Sabine (staunt): Ehrlich?
Gretchen (rollt mit den Augen angesichts so viel Kragenowschen Taktgefühls): Wirklich sehr anschaulich, Gabi.
Gabi (grient sie hämisch an): Bitte, bitte!
Gretchen: Aber jetzt mal ernsthaft. Sabine, ich denke, sie wollte damit nur sagen, dass es nichts gibt, für das du dich schämen solltest. Weder vor Gott, noch vor Günni, deinen Eltern oder uns. Ich bin mir sicher, die beiden schauen morgen ganz stolz vom Himmel zu dir herunter.
Sabine (dicke Krokodilstränen sammeln sich in ihren Augen): Ja?
Gretchen (legt ihre Hand an ihre Wange u. verdrückt ebenfalls ein kleines Tränchen): Ja!
Sabine (schnieft): Danke!
Gabi (übertreibt es mal wieder mit ihren tapsigen Aufmunterungsversuchen): Genau! Und hey, heute kontrolliert keiner mehr das Laken am Morgen nach der Hochzeitsnacht. Wir leben in modernen Zeiten, Sabine. Du musst dich vor niemandem verantworten. Also kannst du auch beruhigt in den Ehehafen schippern. Freie Fahrt voraus!
Gretchen (blitzt sie ungläubig an): Gabi!
Gabi (blitzt unbeeindruckt zurück): Ja, was? Is so!

Ich geb’s auf!

Sabine (geknickt): Ihr mögt ja beide Recht haben. Aber wir... wir wollten eigentlich damit warten, wie es sich gehört. Ihr wisst schon. Bis zur Hochzeits...*räusper*...nacht. Ich wollte mich für den Richtigen aufsparen. Für einen ganz besonderen Moment.
Gretchen (ihre Augen strahlen die Braut an): Hach... Wie romantisch! Und er ist der Richtige?
Sabine (zum ersten Mal lächelt sie wieder): Ja!
Gretchen (tätschelt verträumt ihre Hand): Das ist doch schön. Ein wirklich schöner Gedanke, Sabine. Eigentlich sollten viel mehr Menschen danach leben.
Gabi (rollt theatralisch mit den Augen angesichts so vieler kitschig biederer Gedanken): Ach kommt, wir leben doch nicht mehr im Mittelalter oder bei den Amish. Sex spielt sich heutzutage immer und überall ab und das ist auch gut so.
Gretchen (unsanft von der rosaroten Kitschwolke gekickt): Da spricht die Expertin.
Gabi (funkelt sie an): Neidisch?
Gretchen (blitzt zurück): Hab ich nicht nötig.
Gabi (zieht überrascht von so viel Schlagfertigkeit ihre Mundwinkel nach oben): Hört, hört! Marc Meier hat tatsächlich eine extrem positive Wirkung auf dich. Gefällt mir.

Bleib ruhig! Geh nicht darauf ein! Diese Genugtuung gebe ich ihr nicht. Pah!

Sabine (meldet sich auch wieder zaghaft zu Wort): Aber bei uns ist das anderes. Wir haben noch Werte und Prinzipien. Und dazu gehört auch, kein... kein... ähm... ja.... Dings... vor der Ehe.
Gabi (richtet ihre Augen wieder gespannt auf ihre Kollegin): Und wie willst du dann schwanger geworden sein, liebes Bienchen? Wie die heilige Jungfrau Maria? Durch Gedankenübertragung? Oder hast du deine Tarotkarten irgendwie gezinkt oder im Mondschein auf ner Waldlichtung einen Liebestrank gebraut, den du ihm dann heimlich in seine Proteinshakes gekippt hast?
Gretchen (blickt sie vorwurfsvoll an): Jetzt setze doch Sabine nicht so unter Druck, Gabi. Es ist nun mal passiert. Ein kleines magisches Hochzeitswunder, über das wir uns freuen und es nicht tot diskutieren sollten.

Sabine (nickt ihrer Verteidigerin dankbar zu u. beginnt nun mit hochrotem Kopf stockend davon zu erzählen): Wir... wir haben nur das eine Mal. Also äh... In der Silvesternacht, nein, eigentlich war schon Neujahr. Günni hatte mir während der Feierlichkeiten diesen hochromantischen Antrag gemacht und ich hab ... *kicher* ... „ja“ gesagt. Dann waren wir arbeiten. Die ganze Nacht. Weil wir doch alle Notdienst hatten. Wir waren gar nicht müde, als wir früh am Morgen in unsere Betten gefallen sind. Jeder in seinem eigenen Zimmer wohlgemerkt. Wie gesagt, wir... wir... *räusper* ... wollten uns aufsparen. Aber irgendwie, ich war noch so aufgekratzt, weil wir tatsächlich bald heiraten würden. Und da putzen nicht funktioniert hat, bin ich noch zu ihm. Günni konnte auch noch nicht schlafen und hat in seinen Comics geblättert. Wir haben dann Eierlikör getrunken und geredet. Über alles. Wie wir uns unsere Hochzeit vorstellen, wen wir alles einladen und wo wir feiern wollen und so. Und dann... Ich weiß gar nicht mehr genau, wie es dazu gekommen ist. Ich glaube, er hat mir meine Beule am Hinterkopf massiert. Ich war doch ohnmächtig geworden, als er mich in der Cafeteria gefragt hat. Und dann...

Gabi (reißt panisch die Augen auf, weil sich Bilder in ihrem Kopf bilden, die sie nicht unbedingt sehen möchte): Sabine, zu viele Details!
Sabine (lächelt beschämt): Und ja äh... *räusper* ... Dann ist es irgendwie passiert. ... *kicher*
Gretchen (schmilzt bei der romantischen Geschichte regelrecht dahin u. sieht Sabine ganz verzückt an): War es schön?
Sabine (lächelt u. ihre Wangen färben sich zart rosa): Ja! Günni war sehr aufmerksam.
Gretchen (streichelt ihre Hand): Das ist doch die Hauptsache. Ich freu mich für dich.
Gabi (kann nicht leugnen, ebenfalls gerührt zu sein): Oh Sabine, ich wusste ja gar nicht, dass du Männer so leicht um den Finger wickeln kannst. Gratuliere!
Sabine (das glückliche Gesicht weicht wieder einem verzweifelten): Ich? Ich... Nein, ich hab alles kaputt gemacht. Der Moment ist dahin und jetzt bin ich auch noch... *schnief*
Gretchen (versucht die Situation zu retten): Hey das stimmt doch gar nicht. Günni liebt dich.
Gabi (hilft ihr unterstützend dabei, um ihr schlechtes Gewissen zu bereinigen): Wenn er dich nicht lieben würde, hätte er dir nicht gleich nach ein paar Wochen so einen pompösen Antrag gemacht. Er muss sich ziemlich sicher sein mit dir. Und Kinder gehören zu einer Ehe nun mal auch dazu. Freu dich doch einfach. Es gibt kein Problem. Genieße das Gefühl! Es gibt kein schöneres.
Gretchen (sieht Gabi sichtlich beeindruckt an, dann schaut sie wieder zu Sabine, die ebenso gerührt ist u. sich hektisch die Tränen wegwischt): Das finde ich auch.

Sabine (blickt hoffend zwischen den beiden hin und her): Meint ihr wirklich? Er wird völlig überfordert sein. Er kommt mit Veränderungen nicht sonderlich gut klar.
Gretchen: Aber natürlich. Er wird ein toller Vater sein und du eine tolle Mutter. Du bist aufgeregt. Das ist doch ganz verständlich. Die Hormone, die Hochzeit und dann komme ich auch noch mit dieser Überraschungsparty. Das kann einen schon mal durcheinander bringen.
Sabine (unsicher): Aber ich muss es ihm doch sagen oder nicht? Ich meine davor?
Gabi (kleinlaut): Wozu? Er kriegt doch schon das Komplettpaket geliefert. Das Siegel ist doch eh schon drauf. Ihr wart schon beim Standesamt. Vergessen? Da hattest du doch auch kein Problem damit?
Sabine (hat immer noch Bedenken): Ja, schon, aber vor Gott? Ich kann ihn doch in der Kirche nicht anlügen. Das geht doch nicht.
Gabi (verdreht die Augen): Du lügst doch gar nicht. Du verschweigst ihm nur ein klitzekleines Detail, das ja eh noch nicht bestätigt ist. Oder hab ich das richtig verstanden? Hast du schon einen Test gemacht?
Sabine (schüttelt verlegen den Kopf): Nein! Sollte ich aber vielleicht?
Gabi: Wäre vielleicht angebracht?

Oh Mann, wir reden hier stundenlang und am Ende ist vielleicht noch falscher Alarm.

Gretchen: Sieh es doch mal so, Sabine. Ein tolleres Hochzeitsgeschenk kann es doch gar nicht geben. Ihr steht am Traualtar, tauscht die Ringe aus, sprecht eure Gelübde und küsst euch zärtlich. Und du flüsterst ihm ins Ohr, dass ihr schon bald eine richtige kleine Familie sein werdet. Das ist doch hochromantisch.
Genauso würde ich es auch machen. Hach...
Sabine (genießt diesen wunderschönen Gedanken, aber ein kleiner Restzweifel bleibt): Ja, nicht? Aber ich würde mich trotzdem sicherer fühlen, wenn ich Gewissheit hätte.
Gretchen: Verstehe!
Geht mir ja genauso.

Gretchen sah Sabine an und sie erwiderte ihren Blick, der mit einem Mal nachdenklicher wurde, so als ob sie bestimmte Szenarien durchgehen würden. Wie aufs Stichwort stand Gabi plötzlich auf, lief zum Waschbecken rüber und holte ihre Handtasche, in der sie nun zur Verwunderung der beiden hektisch kramte. Als sie gefunden hatte, was sie gesucht hatte, kam sie mit samt der Tasche zu den beiden zurück und blieb direkt vor Sabine stehen, die erst irritiert zu ihr hoch schaute und dann fragende Blicke mit Gretchen austauschte, die auch ziemlich verwirrt dreinblickte, als Gabi plötzlich ihre entschlossene Stimme erhob...

Gabi: Ok, du willst also Gewissheit noch vor der Hochzeit? Gut, die kannste haben. Damit sich das hier nicht noch weiter unnötig in die Länge zieht und unsere Männer noch Verdacht schöpfen und sich fragen, was wir hier drin so lange zu schaffen haben, solltest du das hier benutzen, Sabine.

Lorelei Offline

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03.09.2012 23:19
#1329 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Schwester Gabi zauberte einen Zauberstab aus ihrer quietschgelben Handtasche. Nein, bei näherer Betrachtung entpuppte sich der Zauberstab als Schwangerschaftstest, den sie nun ihrer vielleicht schwangeren Kollegin direkt vor die Nase hielt. Die beiden Frauen trauten ihren Augen kaum und starrten die übermütige Brünette ziemlich verwundert an. Konnte Gabi etwa Gedanken lesen? Und wo hatte sie denn den Test so schnell her? Das konnte doch kein Zufall sein? Gretchen musterte Mehdis Freundin ganz besonders intensiv und deutete mit fragendem Blick und ausgestrecktem Arm auf ihre Hand, die die längliche schon etwas zusammengedrückte Verpackung noch fest umklammert hielt. Gabi wurde unter den musternden Blicken augenblicklich mulmig zumute. Natürlich konnten die beiden nur zu einem Schluss kommen, wieso sie ausgerechnet heute einen Schwangerschaftstest dabei hatte. Scheiße, wie blöd war sie denn? Gedanklich schlug sie sich die Hand vor die Stirn. Waren das schon die ersten Anzeichen für eine Schwangerschaftsdemenz? Hektisch wedelte die ertappte Frau mit der Packung in der Luft herum, lachte hysterisch auf und redete sich betont belanglos heraus. Nicht dass Mehdis Busenfreundin und die Königin des Tratsches noch etwas mitbekamen, was sie absolut nichts anging.

Gabi: Ich arbeitete auf der Gyn.
Gretchen (hebt argwöhnisch ihre Augenbrauen): Deshalb schleppst du einen Schwangerschaftstest mit dir rum?
Mist! Mist! Mist!
Gabi (kneift die Augen zusammen u. versucht souveräner zu wirken, als sie eine plausible Ausrede zusammen spinnt): Natürlich! Bei uns kreuzen ständig junge Dinger auf der Station auf, die sich schämen, in die Apotheke zu gehen oder sich untersuchen zu lassen. Deshalb hab ich immer welche einstecken. Quasi für den... den Teenynotfall.
Sabine (verblüfft): Ach?
Gretchen (sichtlich beeindruckt, dass Gabi so mitdenkend ist): Du hast mehrere dabei?
Oh verdammt und zugenäht! Blöd ist sie nicht. Die zählt doch eins und eins zusammen und rennt zu Mehdi.
Gabi (errötet u. betet, dass sie nichts gemerkt hat): Äh... Ja!
Gretchen (staunt): Oh!

Wow! Mehdi hat echt einen positiven Einfluss auf sie. Aus ihr wird ja doch noch eine anständige Krankenschwester. Toll! Hmm... Ob es auffallen würde, wenn ich in einem unbeobachteten Moment mal in ihre Handtasche greife, um mir das Notfallpaket zu schnappen. Kommt mir ja auch zu Gute. Laut Mehdis letzter Untersuchung hab ich schließlich das hormonelle Profil eines Teenagers. Hihi! Ich wüsste zu gerne, ob ich auch... Oh Gretchen! Von all deinen bescheuerten Ideen ist das die Bescheuertste. Bei deinem Talent würde das doch eh schief gehen und dann wüsste gleich das ganze Krankenhaus, dass Marc Meier Papa wird. Papa Marc! Hach... wie süß klingt das denn? Ich bin so aufgeregt. Ich will auch schwanger sein, mit Sabine Strampler kaufen gehen, gemeinsam zu den Vorbereitungskursen und später zur Babyaerobic gehen, Kinderwagenrennen mit ihr im Park veranstalten. Okay, Gretchen, jetzt wird es echt albern. Der Hormoncocktail bekommt dir nicht.

Gabi (lenkt das Interesse von sich selbst ab u. fordert Sabine heraus): Also was ist jetzt Sabine? Schlaflose Nacht und verquollene Augen vorm Traualtar oder Gewissheit und ein besonderes Strahlen in den Augen, bei dem Günni ganz sicher nicht „Nein“ sagen kann?

Sabine war platt. Damit hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Sie fühlte sich, als würde sie von einem Moment zum anderen ins kalte Wasser geschmissen. Sie war darauf überhaupt nicht vorbereitet. Das alles ging so schnell. Sie hatte doch nur vorgehabt, ihren Günni zu heiraten und mit ihm auf einem weißen Schimmel in den Sonnenuntergang zu reiten und jetzt war sie höchstwahrscheinlich von ihm schwanger. In wenigen Minuten würde sie es sogar unwiderruflich blau auf weiß lesen können. Sabine war sichtlich überfordert mit der Situation und wusste überhaupt nicht, was sie tun geschweige denn denken sollte. Mit knallrotem Gesicht und zittriger Hand nahm sie zögerlich von Gabi den Schwangerschaftstest entgegen. Sie drehte ihn vorsichtig hin und her und betrachtete ihn von allen Seiten, als hielte sie etwas teures Zerbrechliches in ihrer schweißnassen Hand. Gabi verdrehte nur theatralisch die Augen, als sie das sah, und stützte ungeduldig eine Hand in ihre Hüfte. Also wenn das noch länger dauerte, dann würde es mit ihrem eigenen Test heute auch nichts mehr werden. Sie musste auch gerade gar nicht mehr so dringend wie vorhin, als sie in einem Rutsch eine dreiviertel Flasche Wasser auf einmal getrunken hatte, aber dann von der blonden Heulboje quasi von der Schüssel runtergeschupst worden war.

Gabi: Du musst darauf strullen, Sabine, damit es funktioniert.
Sabine (will nicht wie ein Kleinkind behandelt werden u. faucht zurück): Das weiß ich doch. Es ist nur...
Gabi (zunehmend genervt): Was SABINE?
Sabine (rot wie eine Tomate nagt sie an ihrer Lippe u. steht wie bestellt und nicht abgeholt im Zimmer herum): Ich... Ich muss grad nicht... Pipi.
Gabi (stöhnend greift sie sich an die Stirn): Oh Mann!
So wird das doch nie was. Wenn das so weitergeht, ist das Kind schneller da, als dass sie überhaupt den Test gemacht hat. Und da wird der Gummersbach erst kucken. Muss wohl doch noch ein Fach in der Patho frei geräumt werden.
Gretchen: Ich hol dir was zu trinken, Sabine. Und dann schauen wir zusammen. Als moralische Unterstützung. Nicht Gabi?

...schlug Gretchen vor, die die seltsame Diskussion stillschweigend verfolgt hatte und irgendetwas tun wollte und das tat sie dann auch. Schwerfällig kroch sie vom Boden hoch, legte sich ihre verschiedenen orientalischen Schleier wieder zurecht und zog die verrutschte Hose höher, damit ihr Jeannie-Outfit wieder perfekt saß. Dann ging sie zur Tür, drehte sich noch einmal vergewissernd um, lächelte und ließ die beiden Frauen für einen Moment alleine im Badezimmer zurück.

Es wäre doch gelacht, wenn wir die Hochzeit nicht so noch retten würden. Tschaka Gretchen!

Lorelei Offline

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05.09.2012 23:13
#1330 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo zusammen! Nach den Mädels sind die Jungs wieder dran. Der (oder die) Test(s) müssen also noch warten. Dafür wird es auch wieder etwas ernster, zumindest zu Beginn. Viel Vergnügen mit der neuen Episode und danke für euer Feedback. Ihr seid die Besten und eine unglaubliche Motivation. Ganz liebe Grüße gehen auch mal wieder an meine stillen Leser. Eure Lorelei



In der Zwischenzeit herrschte in einem abgegrenzten Nebenraum des Wohnzimmers, wo die restliche Partymeute unbehelligt fröhlich feierte, zwischen zwei Freunden eisernes Schweigen. Der einfühlsame Gynäkologe hatte seinem besten Freund mit möglichst schonenden Worten alles gesagt, was er über dessen Mutter wusste, was an und für sich eigentlich nicht viele Informationen waren, da man ihm als Nichtangehörigen keine näheren Behandlungsdetails von Frau Fisher anvertraut hatte und die Patientin selbst jegliche Kontaktaufnahme ihres nervtötenden ehemaligen Frauenarztes verweigert hatte. Mehdi rutschte nun ziemlich verunsichert auf seinem Platz neben Marc hin und her und wartete nervös auf das, was da wohl noch kommen mochte. Bis jetzt hatte er noch nicht reagiert. Verstohlen blickte Mehdi immer wieder zur Seite. Marcs Miene wirkte wie versteinert. Eingefroren. Er starrte stur geradeaus auf das Sonnenblumengemälde an der gegenüberliegenden Wand, das Gretchen unbedingt zur Verschönerung des Wohlfühlbereichs in der gemütlichen Nische unter der Treppe hatte haben wollen und nach einer zweiwöchigen Endlosdiskussion mit ihrem für die schönen Dinge der Welt blinden Grummelkönig auch arglistig mit den Waffen einer Frau durchgesetzt bekommen hatte. Irgendwie schien es so, als würden die Blüten ihre Köpfe hängen lassen und auch die warmen sonnigen Farben schienen mit einem Mal erblasst zu sein. Oder schien es nur ihm so? Marc hatte noch keinen Mucks zu seinem Geständnis gesagt. Er hatte noch nicht einmal eine Augenbraue verzogen. Hatte er überhaupt begriffen, was er ihm mitzuteilen versuchte?

Mehdis Sorge und innere Unruhe wuchs von Sekunde zu Sekunde an. Er kannte Marc gut genug. Ein schweigsamer Marc war nie gut und konnte unberechenbar werden. Der schlummernde Vulkan könnte jeden Moment ausbrechen. Immer genau dann, wenn man nicht damit rechnete. Deshalb ließ Mehdi seinen besten Freund auch nicht aus den Augen und war auf alle Eventualitäten vorbereitet. Im Augenwinkel nahm der aufmerksame Halbperser wahr, wie Gretchen zum Kühlschrank schlich und eine große Wasserflasche und eine XXL-Schokoladentafel herausholte, die sie sich unter den Arm klemmte, um die Kühlschranktür wieder schließen zu können. Mit scheuen Blicken schaute sie dann kurz vergewissernd zu den tanzenden und sich köstlich amüsierenden Partygästen im Wohnzimmer, die sich auch ohne Gastgeberin und Braut, die zum Glück noch nicht vermisst wurden, zu beschäftigen wussten. Sie entdeckte Mehdi und Marc in der Diele unter der Treppe und winkte bezaubernd lächelnd in deren Richtung, bevor sie sich umdrehte und schnell wieder aus seinem Blickfeld verschwand. Mehdi seufzte. Wie gern hätte er jetzt ihren Beistand gehabt. Wenn Gretchen Marcs Hand halten würde, wäre zumindest die Wahrscheinlichkeit geringer, dass er damit ausholen würde. Aber Marcs Freundin war schon längst wieder verschwunden. Was sie wohl so lange mit Gabi zu bereden hatte, wunderte er sich, wurde aber gleichzeitig auch wieder auf den stummen zur Salzsäule mutierten Marc aufmerksam. Er blickte seinen Freund vorsichtig von der Seite an, der, so verloren wie er da neben ihm saß, wie ein kleiner unschuldiger Schuljunge auf ihn wirkte, was sein Herz zutiefst berührte. Bloß nicht losheulen, sprach sich Mehdi Mut zu. Er räusperte sich merklich und erhob dann leise wieder das Wort in der Hoffnung auf irgendeine Reaktion von Marc...

Mehdi: Marc, du sagst ja gar nichts. Hast du verstanden, was ich gesagt habe? ... Deine Mutter...

Doch weiter kam der besorgte Frauenarzt nicht, denn urplötzlich schoss Marcs Kopf zu ihm herum und begann ihn mit stechendem Blick zu fixieren. Endlich kam die erhoffte Reaktion von ihm. Sie fiel überraschend anders aus als befürchtet, stellte Mehdi fest. Er rückte aber dennoch sicherheitshalber ein paar Zentimeter zurück bis zur Sofakante. Doch Marc, der deutlich blasser im Gesicht geworden war, sah seinen Freund lediglich aus leeren Augen an und fing leise an zu sprechen. Er wirkte seltsam gefasst und überhaupt nicht bedrohlich.

Marc: Sie hat dir unter Androhung der schlimmsten Strafen und juristischen Klagen verboten, mir was zu sagen? Stimmt’s?
Mehdi (beunruhigt von Marcs seltsam gefasster Ruhe, aber auch erleichtert, dem Ameisenblick zumindest vorerst entkommen zu sein): Äh...ja, ich hab’s versucht. Ich hatte sie nur zweimal an der Strippe, musst du wissen. Beim ersten Mal hat sie mich gar nicht zu Wort kommen lassen und wollte nur ihre Akte und bat um Stillschweigen. Und beim zweiten Mal hab ich verzweifelt auf sie eingeredet, aber sie... sie...

Marc hatte verstanden. Er schloss für einen kurzen Moment die Augen, richtete sie gen Decke und atmete tief ein und aus. Dann brach es plötzlich unvermittelt aus ihm heraus, so dass Mehdi erschrocken zusammenzucken musste. Marc war sauer, stinksauer um genau zu sein.

Marc: Das ist wieder soooo typisch. Wegen jedem kleinen Scheiß, ob Hühnerauge oder fetten eitrigen Pickel auf ihre gebotoxten Stirn, kommt sie bei mir angeschissen und verlangt gleich ne Not-OP samt goldenem OP-Besteck, aber jetzt, wo sie... wo sie... *schluck* ..., hat sie keine Eier in der Hose, uns das zu sagen. Das kotzt mich so dermaßen an. Diese Frau, die ... GGGRRR!!! Jetzt kapiere ich auch diese seltsame Abschiedsstimmung am Telefon. Sie verkriecht sich. Sie hat aufgegeben und sieht schon den Sensenmann. Dabei gibt es heutzutage zig neue Behandlungsmethoden. Ein Wort von ihr und Dad und ich hätten sie zu den Spezialisten der Spezialisten geschleift. Aber nein, Madame Diva macht es mal wieder mit sich selber aus und stößt Dad vollkommen vor den Kopf mit ihrer irren Flucht. Das ist doch krank, echt! Ich könnte sie...
Mehdi (versucht beruhigend auf seinen aufgebrachten Freund einzureden u. legt seine Hand auf seine Schulter): Marc, ich denke, sie war noch nicht so weit, um mit euch darüber zu reden. So eine Diagnose steckt man nicht so leicht weg. Gerade als Frau und bei ihrem starken Charakter. Sie wollte euch nicht wehtun. Jeder Mensch geht anders mit so was um. Aber jetzt hat sie sich bei dir gemeldet, das ist gut. Das ist ein Zeichen.
Marc (schlägt Mehdis Hand unsanft weg u. wird aufbrausend): Einen Scheiß weißt du, Kaan.

Ohne ein weiteres Wort sprang Marc vom Sofa auf, schob polternd den Beistelltisch beiseite, der ihm im Weg gestanden hatte, und machte sich auf zu gehen. Er musste einfach hier raus! Am schmalen Durchgang an der Treppe stieß er jedoch mit einer hoch gewachsenen Person mit Spitzohren zusammen, die gerade den Nebenraum betreten wollte und nun erschrocken zurückwich, als sich Dr. Meier unsanft an ihm vorbei schob und vom Treppengeländer seinen Kurzmantel schnappte, dessen Ärmel ihm nun mitten ins Gesicht schlug, was ihn gleich noch mehr erschreckte...

Günni: Haben Sie zufällig meine Verlobte gesehen, Herr Dr. Meier? Sie ist schon eine Weile nicht... Oooh! Vo...Vo...Vorsichtig, Herr Doktor!
Marc (sieht seinen Kollegen an, als sei er ein Außerirdischer u. schwingt sich desinteressiert seine Jacke über): Was? Boah, lassen Sie mich bloß mit dem Scheiß in Ruhe. Ich muss hier raus.

...sagte er dem perplexen Pathologen unverfroren ins Gesicht, drehte sich um und stürmte zur Wohnungstür, die er aufriss und hinter der er im nächsten Moment verschwand. Mehdi sprang seinem aufgebrachten Kumpel aufgeregt hinterher und prallte ebenfalls gegen den sichtlich verunsicherten „Mr. Spock“, der sich schützend ans Treppengeländer geklammert hatte, warf diesem einen entschuldigenden Unschuldsblick zu und griff sich ebenfalls seine Jacke von der Garderobe. Er konnte Marc doch in diesem Zustand nicht alleine gehen lassen.

Mehdi: Marc, warte! Bitte!
Günni: Und Sie, Dr. Kaan, wissen Sie vielleicht...? Äh... Dr. Kaan? Ha...ha...Hallo?

Doch der flüchtende Frauenarzt reagierte gar nicht auf den stotternden Mann in dem blauen Star-Trek-Kostüm, an dem er kommentarlos vorbei stolperte und der dem sich hektisch seinen olivgrünen Parka überwerfenden Oberarzt nur hilflos hinterher blickte, wie er durch eben jene Tür verschwand, durch die Dr. Meier kurz zuvor schon in derselben Warp-Geschwindigkeit entschwunden war. Günnis Augenlid zuckte verdächtig, als er in die verlassene Diele zurückschaute und Blickkontakt mit dem blubbernden Goldfisch aufnahm, der ihn direkt mit seinen riesigen Glubschaugen anzustarren schien. Er wechselte verunsichert die Blickrichtung und schaute wieder zur offen gelassenen Tür, die in Zeitlupe gen Schloss zurückschwenkte, dann sah er mit skeptischen Blicken an sich herunter. Seine Originaluniform der Sternenflotte saß doch perfekt. Er hatte sogar die Schuhe und die einzelnen Abzeichen eins zu eins nachgeschneidert. Er hatte doch schon unzählige Preise auf den verschiedenen deutschlandweiten Conventions damit gewonnen.

Als nächstes kontrollierte Günni seine Ohren. Die klebten immer noch fest. Was war es dann? Er beschloss, nachdem er sich vergewissernd umgeschaut hatte, ob er auch nicht beobachtet wurde, die Geruchsprobe durchzuführen. Erst überprüfte er mit vorgehaltener Hand seinen Atem. Gut, ein leichter Hauch von Knoblauch, den die Frau und die Tochter des Professors wohl aus Versehen zu viel ins Essen gemischt hatten, war schon zu bemerken, ebenso wie eine minimale Note gärenden Alkohols. Aber nicht zu stark, dass man damit gleich seine höchstgeschätzten Kollegen in die Flucht schlug. Als zweiten Schritt schob Dr. Gummersbach nun seine rechte Hand unter seine Achsel und führte sie danach mit einer geschwungenen perfekt eingeübten Armbewegung unterhalb seiner Nase vorbei. Seltsam! Er roch doch wie immer. Nach dem Deo und der selbstgemachten Seife, die Sabine ihm zum Zweimonatigen geschenkt hatte. Mysteriös, äußerst mysteriös, dachte der verwirrte Pathologe halblaut. Im gleichen Moment hörte er die Tür ins Schloss fallen und drehte sich wieder um. Günnis Verstand arbeitete auf Hochtouren. Während kaum jemand Notiz vom abrupten Abgang der beiden attraktivsten Ärzte des EKH genommen hatten, machte sich bei ihm jedoch ein ungutes Gefühl im Bauch breit. Es beflügelte den „Vulkanier“, dem auf den Grund zu gehen und den beiden Kollegen besser zu folgen. Dies alles schien doch sehr den Eindruck einer geheimen Geheimmission zu haben. Mr. Spock würde es schon richten. Die Sterne standen günstig. Und es war Vollmond. Eine Mondfinsternis stand kurz bevor.

Logbucheintrag 2222, Freitag, der 13. Februar, Sternzeit 22.34: Suche nach Lieutenant Uhura fortsetzen. Mich deucht, zwei mysteriöse Erdbewohner in zwielichtiger altertümlicher Rockerkluft haben etwas mit ihrem sonderbaren Verschwinden zu tun. Melde mich umgehend, wenn ich nähere Informationen erhalten habe. Mr. Spock. Logbucheintrag Ende.

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08.09.2012 13:41
#1331 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Im Stechschritt lief Marc Meier die Treppe hinunter und nahm dabei gleich zwei Stufen auf einmal, um möglichst schnell viele Meter zwischen sich und der bitteren Erkenntnis zu bringen, die er nicht wahrhaben wollte und konnte. Er hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, das Licht im Treppenhaus einzuschalten. Dunkelheit umschloss ihn wie eine schützende Hülle. Genau das brauchte er jetzt. Ruhe, einfach nur Ruhe, und keine peinlichen Partyspiele, mit denen sich gerade seine halbbesoffene Belegschaft lautstark in SEINER Wohnung die Zeit vertrieb, was nebenbei bemerkt schlichtweg verboten gehörte. Wenn er gewusst hätte, wie sich der Abend entwickeln würde, er hätte ihnen gar nicht erst die Tür aufgemacht. Aber zum Rausschmeißen hatte er momentan keine Lust und auch keine Kraft. Er musste erst einmal seinen Kopf freibekommen. Alles drehte sich und Mehdis Worte schienen darin wiederzuhallen wie ein Echo in einem verlassenen nebelverhangenen Tal: „Deine Mutter ist krank, Marc, ernsthaft erkrankt.“ „Aber jetzt hat sie sich bei dir gemeldet, das ist gut. Das ist ein Zeichen.“ Ein Zeichen? Bullshit! Wie konnte er ihm das erst jetzt sagen und ihn zwei beschissen lange Wochen im Ungewissen lassen? Und wieso konnte SIE nichts sagen und versteckte sich vor ihm, vor seinem Dad, vor der Realität? Er hätte doch alles Mögliche in die Wege geleitet. Er war doch immer für sie da gewesen, egal ob sie ihn wegen irgendwelcher Kleinigkeiten genervt oder zusammengeschissen hatte. Er war ihr Sohn, verdammt noch mal! Er würde alles für sie tun. Das wusste sie doch. Wie konnte sie ihn einfach so im Stich lassen? Schon wieder.

Marc war so sehr in Gedanken versunken, dass er die schleichenden Schatten in einer Ecke des Treppenhauses erst gar nicht bemerkt hatte. Doch als sich zu den seltsamen Schattenspielen, die durch das durch das große Flurfenster hereinbrechende Mondlicht an der Wand unnatürlich groß erschienen, auch noch sehr eindeutig zweideutige Geräusche hinzugesellten, die so gar nicht mit seiner inneren Stimmung in Einklang gebracht werden konnten, hielt er doch für einen Moment inne und drehte sich abrupt wieder herum. Marcs Augen weiteten sich ungläubig und sein Mund klappte auf. Doch es kam kein Ton heraus. Zu schockiert war er über das, was er gerade zu sehen bekam. Er schnappte nach Luft und wischte sich irritiert über seine Augen. Aber das Horrorbild blieb immer noch dasselbe und sein Magen rebellierte merklich. Wieso blieb ihm heute eigentlich gar nichts erspart, fragte er sich sichtlich angefressen und konnte seine Blicke wie bei einem schrecklichen Aufprallunfall dennoch nicht von dem bizarren Schauspiel abwenden, das ihm gerade unter extrem künstlerischen Freiheiten dargeboten wurde.

Zwei dunkel gekleidete Personen, eine größere männliche und eine zierlichere weibliche, die eng aneinander gedrängt an der mondbeleuchteten Wand links neben dem großen Flurfenster lehnten, fraßen sich gerade unter heftigem Geschmatze und gesäuselten „Ricks“ und „Marys“ gegenseitig auf. Eigentlich konnte nur ein geübtes Auge erkennen, dass es sich tatsächlich um zwei verschiedene Personen handelte, denn fast schien es so, als wären sie eins, so nah wie sie sich standen und sich mit Armen und Beinen umschlangen und verhakten. Man konnte kaum noch erkennen, wo der eine Körper aufhörte und der andere anfing. Die vier Hände schienen überall und nirgends zu sein. Die vier Beine waren ineinander verschlungen. Nur die stützende Wand hinter ihnen gab ihnen noch Halt, während sie sich intensiv mit den Lippen des anderen beschäftigten, daran zogen, kauten, schmeckten. Kein Blatt Papier passte mehr zwischen das offensichtliche Paar oder was auch immer sie darstellen wollten. Die Temperatur im Treppenhaus hatte mittlerweile Saunaniveau angenommen. Das spürte auch ihr entsetzter Beobachter unter seiner Hasselhoff- Gedächtnis-Lederjacke und dem Wintermantel, den er zusätzlich darüber angezogen hatte. Selbst die Fensterscheiben neben ihnen waren angelaufen, so dass man den leichten Schneefall draußen in der dunklen Nacht nicht mehr sehen konnte.

Erst als er einen Ruck im Rücken spürte, wachte Marc Meier wieder aus diesem lähmenden Albtraum auf. Sein Freund Mehdi war mit viel zu viel Schwung um die Ecke gekommen und hatte ihn mitgerissen. Sie stolperten, konnten sich aber am Treppengeländer abfangen. Mehdi entschuldigte sich nuschelnd und wollte noch etwas erwidern, als er aber ebenso irritiert das wild knutschende und fummelnde Paar vor sich entdeckte. Mit offenem Mund sah er von den beiden zu Marc. Dieser verdrehte nur angewidert die Augen und machte eine abfällige Geste mit der Hand. Es gab einfach Dinge im Leben, die sollte man(n) besser nicht miterleben und das dilettantische Schauspiel hier gehörte eindeutig dazu. Tja, fettarmes und leicht bekömmliches Knäckebrot war wohl doch nichts im Gegensatz zu einem ordentlich blutigen T-Bone-Steak, auch wenn es von mangelhafter Qualität war und schon seit Wochen unberührt im Tiefkühlregal vor sich hin gammelte, dachte Marc amüsiert und musste plötzlich schmunzeln. Mehdi machte es ihm nach. Er war sichtlich erleichtert, dass Marc wieder besser drauf war als noch Sekunden zuvor. In der Stimmung konnte man vielleicht mit ihm reden.

Dr. Stier und Dr. Hassmann schienen ihre beiden stummen Beobachter derweil noch immer nicht bemerkt zu haben und machten unberührt weiter mit ihrem immer heißer werdenden Spiel und gaben sich inbrünstig ihrer packenden erlösenden Leidenschaft hin, so dass es selbst Mehdi bald die Schamesröte ins Gesicht trieb und er sich hastig abwenden musste. Er fächelte sich mit einer Hand Luft zu und sah hilfesuchend zu seinem Kumpel, doch dieser hatte sich bereits angewidert weggedreht, als seine unschuldigen Augen beobachten mussten, wohin die vier suchenden Hände als nächstes wanderten und kräftig zupackten. Hatte er der rolligen Katzenfrau vorhin nicht mehr als deutlich klar gemacht, dass SEIN Haus nicht entweiht werden sollte? Und dann auch noch ausgerechnet mit DEM? Hatte Hassi denn gar keinen Geschmack mehr? Das war eindeutig zu viel des Guten für den sensiblen Chirurgen.

Marc: Oh Gott! Ich glaube, mir wird schlecht.

... sagte er mit spitzer Zunge hinter vorgehaltener Hand und ging einfach weiter, die nächsten Treppenstufen hinab, ohne seinen besten Freund überhaupt irgendeine weitere Beachtung geschenkt zu haben. Mehdi konnte gar nicht so schnell schalten, da war er auch schon mit wehendem Mantel um die nächste Ecke verschwunden. Der Halbperser blieb noch einen Moment wie angewurzelt in der „Sauna“ stehen. Die an die Wand gedrängte und unter glühenden Küssen leise aufseufzende Frau hatte für eine Sekunde ihre Augen geöffnet und erfasste ihren heimlichen Beobachter zufällig mit ihren glühenden leicht verschleierten Blicken. Ein zarter Rosaschimmer schlich sich sofort auf ihre Wangen, der Marias Ex-Lover schmunzeln ließ. Er spürte, dass ihr die Begegnung peinlich war, aber ein weiterer Blick in ihre flackernden Augen verriet ihm, dass sie sich gegen all das, was hier gerade passierte, nicht mehr länger hatte wehren können. Die so lange verdrängten und ignorierten Gefühle mussten einfach raus. Und irgendwie hatte er es auch geahnt. Ihr verräterisches Verhalten in letzter Zeit, die Gerüchte im EKH, die eifersüchtigen Blicke seines unfreundlichen Kollegen.

Auch wenn es ein seltsames Gefühl war, schließlich hatten sie sich lange Zeit sehr nah gestanden, Mehdi freute sich für Maria, dass sie endlich zu ihren Gefühlen stand und nicht mehr zu drastischen Mitteln wie einem attraktiven Schweden griff, um sich von Dingen abzulenken, die einfach da waren und die sich nicht wegreden ließen. Die Aussprache mit ihr vorhin, kurz bevor die Party begann, hatte ihr übriges getan. Als sie ihm auf seine neugierigen Fragen, was denn da mit ihrem unverschämten Exmann lief - und dass da etwas lief, war selbst Unbeteiligten im EKH bereits aufgefallen -, nicht hatte antworten können, hatte er es gleich gewusst. Es knisterte ja auch gewaltig zwischen den beiden. Das Treppenhaus stand ja bereits meterhoch in Flammen und eigentlich sollte er schleunigst die Beine in die Hand nehmen, wenn er sich dieselbige nicht noch verbrennen wollte. Tja, die Liebe ging eben manchmal verrückte Wege. Wer wusste das besser als er selbst, dachte Mehdi und lächelte. Maria erwiderte verlegen seine wissenden Blicke, war aber schnell wieder abgelenkt.

Der Mann, der Maria mit seinen zupackenden Händen fest umklammert hielt und sich gerade genüsslich an ihrem verführerischen Nacken zu schaffen machte, was ihr merklich zu gefallen schien, wie ihm ihr Aufseufzen zufrieden stellend verdeutlichte, hatte von den heimlichen Blicken der beiden gar nichts mitbekommen. All seine Sinne waren auf das faszinierende Wesen in seinen Armen konzentriert, das er ausgiebig erkunden musste, um endgültig sicher zu sein, dass dies alles kein Traum war und sie tatsächlich seine außer Rand und Band geratenen Gefühle erwiderte, sich ohne Zweifel darauf einließ und nicht mehr bockte wie eine verzogene kleine Göre, die stets auf Streit aus war. Mit beiden Händen glitt er nun ungeniert unter Marias dunkelblauen Wintermantel, umfuhr ihre aufregenden Rundungen, die in dem engen glatten Lederkostüm hervorragend zur Geltung kamen und ihn ganz verrückt machten. Er senkte seinen Kopf tiefer, wollte sie berühren, schnuppern, küssen. Seine Nasenspitze strich ihren grazilen Hals hinab, hatte nur ein Ziel vor Augen und fand es auch alsbald und vergrub sich unter einem glückseligen Seufzer darin.

Dieser äußerst gewagte Schritt war dann endgültig das eindeutig letzte Alarmzeichen für Dr. Kaan, sich schleunigst aus dem Staub zu machen, um sich nicht noch die Netzhäute in dieser hitzigen Atmosphäre zu verbrennen. Mehdi lächelte noch ein letztes Mal wohlwollend in Richtung seiner bildhübschen Ex-Affaire und zum Glück nun wieder guten Freundin, doch diese hatte bereits ihre Augen wieder geschlossen und genoss hingebungsvoll die stürmischen Zärtlichkeiten von Dr. Cedric Stier, diesem unmöglichen Machomann, den sie noch vor kurzem eigenhändig den Hals umgedreht hätte, den Hals, den sie nun am liebsten mit der Zunge entlang lecken würde. Ein leises Stöhnen entfuhr ihren Lippen, als Cedric mit seinem Mund ihr offenherziges Dekolletee berührte und quälendlangsam umkreiste. Sie streckte sich ihm erregt entgegen und vergrub ihre Hände tief in seinen Haaren und zog leicht daran, so dass er wiederum aufstöhnen musste, was im ganzen Treppenhaus als leise sinnliche Musik widerhallte.

Mehdi Kaan wollte gerade die erste Treppenstufe nach unten nehmen und den beiden offenbar schwer ineinander Verschossenen ihren wenn auch recht ungewöhnlichen Ruheort zurückgeben, als er plötzlich einen zaghaften länglichen Finger gegen seine linke Schulter gestupst spürte und so von der Verfolgung des flüchtigen Dr. Meiers abgehalten wurde. Fast zu Tode erschrocken drehte er sich herum und blickte nun in das blutrote Gesicht eines blau gekleideten Außerirdischen. Eine recht ungewöhnliche Farbgebung gerade bei den dunklen Lichtverhältnissen im Treppenhaus. Wo kam der denn auf einmal her, fragte sich der Gynäkologe verwirrt und fasste sich an sein für eine Sekunde stehen gebliebenes Herz. Seine Pupillen wanderten irritiert zwischen ihm und dem schmusenden Paar am Fenster hin und her...

Mehdi: Dr. Gummersbach?
Günni (sehr bemüht, nicht auf das hemmungslose Paar vorm Fenster zu schauen): Ha...ha...haben Sie nun meine Verlobte gesehen, Herr Dr. Kaan?
Mehdi (fühlt sich ein wenig überfahren): Äh... nein? Eigentlich... Nanu? Wo... wo ist Marc denn abgeblieben? Der war doch gerade noch...

Mehdi sah sich suchend um, nachdem auch sein Denkzentrum endlich mitbekommen hatte, dass sich sein bester Freund offenbar schon längst wieder aus dem Staub gemacht hatte. Seine suchenden Blicke erfassten zufällig noch einmal das leidenschaftliche Paar, das immer mehr die Kontrolle über sich verlor. Er wurde rot und beschloss, nun doch endlich schnell weiterzugehen, bevor es noch peinlicher wurde. Und außerdem hatte er schließlich noch einen wichtigen Patienten.

Mehdi: Ähm... ja, dann... ähm... schönen Abend noch und ja äh... Weitermachen!

...sagte er trocken in Marias und Cedrics Richtung und flüchtete eine Sekunde später um die Ecke, wobei er Dr. Gummersbach ganz vergessen hatte, der sich nun hilflos nach allen Seiten umdrehte, erneut an sich schnüffelte und die Welt nicht mehr verstand. Die Welt schien heute komplett verrückt zu drehen, dachte er aufgewühlt und erfasste als nächstes mit seinem steten Röntgenblick die Situation vorm Fenster. Wieso war es eigentlich so warm hier?

Logbucheintrag 2223, Freitag, der 13. Februar, Sternzeit 22.36: Änderung der thermischen Verhältnisse. Die Auswirkungen der beginnenden Mondfinsternis sind faszinierend. Wirklich faszinierend! Was wohl erst passieren wird, wenn der Kernschatten auf die Erde trifft? Unbedingt Sabine fragen! ... Oh! Purzelchen? Ich muss... Mr. Spock. Logbucheintrag Ende.

Lorelei Offline

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11.09.2012 14:55
#1332 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Dieser charmanten Aufforderung, die sie noch mit einem Ohr mitgeschnitten hatte, bevor sich ihr brillanter Verstand komplett verabschiedet hatte, kam Dr. Hassmann nur allzu gerne nach. Sie packte den Fledermausmann jetzt erst recht an seinen dunkelblonden Haaren, zog ihn mit beiden Händen zu sich hoch und umtänzelte aufreizend seine Lippenspitzen. Er grinste vorfreudig gegen ihren Mund und wollte nach ihr schnappen. Doch die sexy Katzenlady wich Batman geschickt aus. Jetzt war sie mal am Zug. Die selbstbewusste Oberärztin wollte selber die Initiative übernehmen, um zur Abwechslung mal ihn gegen die nächste Wand zu drängen, um endlich seine so betörend nach Aftershave, Rauch und nach Rick duftende Haut unter ihrer Zungespitze spüren zu können. Doch die zu allem entschlossene Catwoman schaffte nicht einmal eine halbe Drehung mit ihm, was nicht an Dr. Stiers erstaunlich fitten körperlichen Verfassung lag, da sie im gleichen Moment hinter seinem Rücken die entsetzten Blicke von Dr. Gummersbach auf sich gerichtet wahrgenommen hatte. Maria riss ihre Augen weit auf und sah den verwirrten Pathologen unmissverständlich an, dass er gefälligst Land gewinnen sollte. Doch dieser rührte sich nicht vom Fleck. Dafür spürte die bis in die Haarspitzen angespannte Ärztin nur umso deutlicher, als Cedric sich impulsiv gegen ihren gewagten Verführungsversuch wehrte und sie erneut kraftvoll mit seiner geballten Männlichkeit gegen die Wand presste, was sich in seiner Hose so alles rührte. Sie schnappte hörbar nach Luft und kollabierte fast, wenn er sie nicht festgehalten hätte. Ihre Konzentration war merklich eingeschränkt, ebenso wie die Motorik ihrer Gliedmaßen und Sprechorgane. Dennoch schaffte sie es irgendwie, den erregten Mann im Zaum zu halten und ihren ausgestreckten Zeigefinger mehrmals in seine Schulter zu bohren, der wegen ihrer verzweifelten Gegenwehr nur amüsiert seinen Blick heben konnte und sie nun mit gierigen Augen regelrecht verschlang. So leicht würde er sie nämlich nicht mehr loslassen. Nein, er würde die Wildkatze nie mehr loslassen.

Cedric: Was denn? Bereust du’s etwa schon, bevor es überhaupt so richtig angefangen hat?

...keuchte er atemlos in ihre Richtung, bevor er seine Lippen wieder um ihr Ohrläppchen legte und gefühlvoll daran zog, um sie so von der Richtigkeit ihres Tuns zu überzeugen. Maria seufzte leise auf und kämpfte verzweifelt dagegen an, nicht noch mehr die Kontrolle zu verlieren. Aber sie war wie Wachs in seinen Händen. Das war nicht gut. Gar nicht gut! Also entzog sie sich ihm abermals und sah dem verdutzten Mann nun flehend in die Augen, die er daraufhin leicht verdrehte, weil das widerspenstige Kätzchen so unvermittelt und völlig grundlos ihr sinnliches Spiel beenden wollte. Da musste schon ein Erdbeben oder ein Tornado kommen oder eine spektakuläre noch nie da gewesene Hirn-OP, wenn er sie wirklich freiwillig gehen lassen würde.

Maria: Nein, aber...
Cedric (legt seine beiden Hände zärtlich an ihre Wange u. sieht ihr eindringlich in die Augen, als er ihr ins Wort fällt): Kein Aber! Hör mal, weißt du eigentlich, wie es sich anfüllt, jedes Mal von dir einen Eimer eiswürfelgekühltes Wasser über den Kopf geschüttet zu bekommen? Das bringt mich irgendwann noch mal um. Ich will das nicht mehr und ich werd es auch nicht noch mal zulassen. Ich dachte, wir wären uns vorhin einig geworden, dass wir die Spielchen endlich sein lassen?
Maria (versucht verzweifelt etwas loszuwerden, doch er lässt sie einfach nicht zu Wort kommen): Das ist es doch gar nicht. Sieh doch...
Cedric (seine Blicke werden dunkler u. er stupst sie mit der Nasenspitze an, während er ihr gefühlvoll etwas zuraunt u. sie anschließend auffordernd küsst): Lass es doch endlich zu, Mary! Ich will dich! Ist dir das immer noch nicht klar?
Dieser.... GGGRRR!!! Wie verblendet kann man(n) denn sein?
Maria (reißt sich mit aller Kraft von ihm los u. funkelt ihn böse an): Boah Rick, verdammt! Merkst du überhaupt noch was?

Mit offenem Mund starrte Rick die wilde Furie an, die ihm doch tatsächlich einen Kuss verweigern wollte, obwohl sie es doch gewesen war, die vorhin überhaupt erst mit dem Küssen angefangen hatte. Was war denn jetzt schon wieder falsch? Er verstand diese Frau einfach nicht. Tausend Mysterien, tausend Facetten, tausend Gesichter, die er eigentlich alle zu kennen glaubte. Aber im Moment kamen sekündlich neue noch Faszinierendere hinzu. Es war ihm wirklich ein Rätsel, was seine Mary von ihm wollte. Wieso zog sie denn jetzt so alberne Grimassen?

Mittels Gestik und Mimik versuchte Maria ihrem begriffsstutzigen Gegenüber verzweifelt gestikulierend deutlich zu machen, dass sie nicht mehr alleine im Treppenhaus waren. Liebesgeständnisse, oder was auch immer er ihr in seiner unvergleichlichen Art mitteilen wollten, waren dabei nun wirklich mehr als unpassend. Und eigentlich wollte sie so etwas zum jetzigen Zeitpunkt nicht wirklich hören. Schließlich hatte sie noch nicht einmal die Gelegenheit gehabt, darüber ernsthaft nachzudenken, was hier gerade mit ihnen passierte. Aber wollte sie das überhaupt? Hatte sie nicht schon viel zu viel nachgedacht? Ein letztes Mal deutete sie mit weit auf gerissenen Augen unmissverständlich in eine Richtung. Es dauerte einen Moment, bis das Gehirn des zweitbesten Neurochirurgen Berlins wieder mit genügend Sauerstoff versorgt war und er endlich registrierte, was seine Fachkollegin und Herzdame ihm die ganze Zeit mitzuteilen versuchte. Es ging gar nicht um ihn! Verwundert drehte sich Dr. Stier um und entdeckte schließlich den ungebetenen Zaungast, der wie eine rote Laterne in der Dunkelheit leuchtet und mittels nervösen Tippgeräuschen seiner Schuhe Morsezeichen abgab.

Cedric: Dr. Gummersbach?

...erklang es erstaunt mit einer um mehrere Oktaven erhöhten Stimme. Cedric räusperte sich und fuhr sich mit der flachen Hand über seinen Kehlkopf, um wieder normal sprechen zu können. Das Blut in seinen Adern pochte und er konnte sich nur schwer auf sein Gegenüber konzentrieren, wenn doch jede Faser seines erhitzten Körpers auf die sexy Lady in seinen Armen ausgerichtet war, die ihre verzweifelte Gegenwehr endlich eingestellt hatte und nicht mehr zappelte.

Cedric: Können wir Ihnen irgendwie weiterhelfen?

...fragte er aus reiner Höflichkeit. Günni brauchte einen Moment, um sich einigermaßen zu fassen und seine durcheinander geratenen Gedanken wieder logisch strukturiert zu sortieren und starrte seinen fragend dreinblickenden Kollegen aus der Neurologie, dessen zerknittertes Hemd unter dem schwarzen Mantel einige der oberen Knöpfe verloren hatte, mit zuckenden Augenlidern an...

Günni: Ja? Meine...meine... Braut...
Cedric (schaut amüsiert zu Maria herab, die sich kraftlos an seinen Mantelkragen klammert): Nein, die Braut hier gehört allein mir.
Günni (starrt ihn verwirrt an): Was?
Maria (sofort wieder hellwach stupst sie ihn empört an; er umarmt sie nur noch fester, um das Gesagte zu unterstreichen, während sie sich heftig in seinen Armen windet, gegen seine Muskelkraft jedoch keine Chance hat): Spinnt du! Ich bin nicht deine...
Cedric (flüstert ihr verheißungsvoll ins Ohr, was ihr ungewollt eine Gänsehaut beschert): Das werden wir ja noch sehen.
Du mieser, mieser Mistkerl!
Günni (hat die Sachlage endlich erfasst u. wird noch röter im Gesicht, während er verschämt zu kichern beginnt): Nein, also äh... Ich meine... Haben Sie zufällig MEINE Braut gesehen? Also Fräulein Vögler?

Cedric griente erst Maria an, die gequält ihre Augen verleierte, ihn immer noch wegen seines unnötigen und völlig unangebrachten Machospruchs böse anblitzte, dann aber ihren Kopf erschöpft gegen seine Schulter lehnte, während ihre Hände ungeniert in seinen hinteren Hosentaschen eintauchten und auffordernd in seinen Po kniffen, was ihn kurzzeitig aus dem Konzept brachte. Nachdem Cedric wieder Luft bekommen hatte, rückte auch der hilflos dreinblickenden Bräutigam wieder in sein Blickfeld. Wenn er es sich nicht noch einmal mit seiner griesgrämigen Herzensdame verderben wollte, dann musste er den schrägen Vogel schleunigst loswerden. Außerdem hatte er gerade ganz andere Dinge im Sinn, als sich mit Pathologen und irgendwelchem Hochzeitskram zu beschäftigen. Dr. Stier zuckte also nur mit den Schultern und legte ein übertrieben freundliches Gesicht auf, mit dem er nun den Mann vom anderen Stern ansah...

Cedric: Hmm... keine Ahnung! Sieht mir ganz nach einer Brautentführung aus, würde ich sagen. Macht man doch bei solchen Gelegenheiten oder?
Günni (sprachlos u. verwirrt): Meinen Sie?

Cedric und Maria, die sofort schaltete und ihr Gegenüber kopfschüttelnd und ein Grinsen unterdrückend ansah, tauschten vielsagende Blicke aus und nickten gleichzeitig mit dem Kopf in Günnis Richtung, bevor sie sich wieder ganz aufeinander konzentrierten und vier flinke Hände gleich wieder aktiv wurden. „Mr. Spock“ geriet ins Grübeln und setzte zur Denkerpose an. Er erinnerte sich an das seltsame Verhalten seiner beiden Ärztekollegen von vorhin und schlussfolgerte dementsprechend. Er nickte dem Paar dankbar zu, das sich schon wieder mit Blicken gegenseitig aufzufressen schien und ihn komplett ausblendete, verabschiedete sich höflich, ohne darauf zurückzukommen, was die beiden hier eigentlich veranstalteten, wo er sie beide doch noch vor einer halben Stunde jeweils in Begleitung anderer paarungsbereiter Personen gesehen hatte, und beamte sich schließlich weg.

Logbucheintrag 2224, Freitag, der 13. Februar, Sternzeit 22.38: Neustart nach komplettem Systemzusammenbruch aufgrund verwirrender Bilder. Zielsuche immer noch die Gleiche. Habe eine mögliche Spur gewittert, der ich sofort nachgehen werde. Beam me up, Scotty! Mr. Spock. Logbucheintrag Ende.

Lorelei Offline

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13.09.2012 17:47
#1333 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

http://www.youtube.com/watch?v=krTnNfc9qPc


Maria Hassmann und Cedric Stier lachten erleichtert auf, als Dr. Gummersbach seine Antennen einzog und in Überschallgeschwindigkeit um die nächste Ecke verschwand und seine tapsigen Schritte immer leiser wurden, bis sie schließlich ganz verstummten. Endlich allein, dachten beide wohlwollend und ließen die sofort wieder knisternde Stimmung auf sich wirken. Während ihre Hände wieder auf neugierige Erkundungsmission gingen, lehnten sie ihre Köpfe an der Stirn gegeneinander. Ihr Atem ging schwer und kitzelte die sensible Haut des anderen auf prickelnde Art und Weise. Jede noch so kleine Zelle ihrer beiden Körper war hoch sensibilisiert. Die Anzeichen einer baldigen gewaltigen Eruption waren beiden offen bewusst. Dennoch hielten sie sich zurück. Ein Fünkchen Unsicherheit war immer noch auf beiden Seiten da und ließ sich auch nicht mit einem charmanten Lächeln wegwischen. In der Vergangenheit war einfach viel zu viel passiert. Es lag noch so viel Unausgesprochenes zwischen ihnen. Doch die Sehnsucht war noch größer.

Aufgewühlt sah Cedric Maria tief in ihre wunderschönen braunen Augen, die sofort aufblitzten, als sie seine intensiven Blicke auf sich gerichtet vernahm. Die gleichen Fragen, dachte sie, auf die auch sie keine Antworten fand. Und sie wollte nicht reden. Nicht jetzt. Nicht hier. Reden wurde eh viel zu überschätzt. Und Reden hatte zwischen ihnen beiden bislang immer alles kaputt gemacht. Vielleicht sollte sie doch einfach loslassen? Die letzten Minuten hatten so befreiend gewirkt, so irritierend das auch klingen mochte. Sie konnte sich nicht daran erinnern, wann sie sich das letzte Mal so gut gefühlt hatte. Selbst ihre anhaltenden Magenprobleme waren vergessen. Es würde ihr doch kein Zacken aus der Krone brechen, wenn sie den Moment, diese gelöste Stimmung zwischen ihnen beiden einfach nur genießen würde. Ohne Reue oder Misstrauen. Und das würde sie jetzt auch tun. Also schlängelten sich Marias Arme ganz langsam um Cedrics Hals und während sie sich sanft gegen seinen Oberkörper lehnte, kraulten ihre Finger zärtlich seinen Nacken. Er schnurrte entspannt unter ihren Fingerspitzen und hielt genießerisch die Augen geschlossen, als sie ihn schließlich leise ansprach...

Maria: Und jetzt?
Cedric (grinst): Das fragst ausgerechnet du?
Maria (funkelt ihn an, während ihre Finger seinen Rücken hinab Linien zeichnen): Ein ziemlich unsicheres Pflaster hier. Findest du nicht?
Cedric (schlingt grinsend seine Arme um ihre Taille u. presst sie so noch näher an sich heran, so dass jeglicher Fluchtversuch unmöglich wird): Schämst du dich etwa für mich?
Maria (blitzt ihn herausfordernd an, während sie sich lasziv in seine muskulösen Arme schmiegt u. ihre Hände tiefer wandern): Natürlich!
Cedric (sichtlich empört): Na warte, du Biest!

...erwiderte Cedric mit feurig aufblitzenden Augen auf ihre Koketterie. Dann geschah alles ganz schnell. Er hob seine freche Mary ungestüm an den Hüften hoch und setzte sie auf dem Fensterbrett wieder ab. Während sich ihre Beine krakenartig um seine Hüfte schlängelten und sie ihn erwartungsvoll von unten herauf anlächelte, beugte er sich schwer atmend zu ihr herab. Sein heißer kitzelnder Atem auf ihrer empfindsamen Haut ließ das glimmende Feuer in ihrem Körper wieder mächtig auflodern. Maria lehnte ihren Hinterkopf gegen die kühlende Fensterscheibe, als Cedric sie mit haschenden Küssen zu ärgern versuchte. Sie lachte nur, wich ihrem brennenden Verführer geschickt aus und stemmte eine Hand gegen seinen bebenden Brustkorb und flüsterte etwas leise mit deutlich erregter Stimme...

Maria: Nicht hier!

Cedric hielt mitten in seinem ungestümen Verführungsversuch inne, runzelte verwundert die Stirn und zog sich etwas zurück, um die widerspenstige Versuchung besser anschauen zu können, deren Augen immer noch diesen ganz besonderen Glanz aufwiesen, in dessen Bann er komplett gefangen war.

Cedric: Du willst doch nicht mit mir gesehen werden? Es gibt doch eh schon Gerede nach unseren „glanzvollen“ Auftritten heute.
Idiot!
Maria (sieht die beleidigte Leberwurst augenrollend an): Das ist mir doch völlig egal, Rick.
Cedric (hat da so seine berechtigten Zweifel): Tatsächlich?

Maria verdrehte erneut die Augen, die sie einen kurzen Moment still vor sich hin fluchend gen Decke richtete, um sich berechtigterweise zu fragen, wieso in drei Teufels Namen sie das hier eigentlich machte, umschlang dann aber urplötzlich seine Hüfte mit ihren langen Beinen und zog ihn so ganz nah zu sich heran, um unmissverständlich etwas klarzustellen. Die Botschaft war eindeutig. Cedric stöhnte auf und fuhr sich mit einer Hand über sein stolperndes Herz, als er seine Mary so nah an sich gepresst spürte und auch noch ihre Hände ins Spiel kamen. Was machte diese Frau nur mit ihm? Eine Achterbahnfahrt war nichts dagegen. Er schnappte nach Luft, während Maria ihr aufreizendes Spiel unberührt fortsetzte und mit der Fußspitze ihrer glänzenden schwarzen High Heels seinen Brustkorb entlang kreiste und ihn dabei verheißungsvolle Blicke zuwarf, die dazu führten, dass es ihm heiß und kalt den Rücken herunter lief.

Maria (verführerisch säuselnd): Findest du nicht, dass dieser Ort hier etwas ungemütlich und auf die Dauer ziemlich kalt werden könnte?
Cedric (funkelt sie an, als er endlich versteht, worauf sie hinaus will u. schnappt sich ihren sexy Fuß, umkreist ihre Knöchel gefühlvoll mit dem Daumen u. fährt dann ganz langsam mit einer Hand ihr schlankes Bein empor, was sie aufseufzen lässt): Mit dir würde es mir nie kalt werden, Mary. Im Gegenteil. Aber okay? Damit es nicht noch mal verfänglich für uns wird. Zu dir oder zu mir?
Machoarsch!
Maria (lockert triumphierend grinsend ihren Krakengriff u. stößt den plumpen Macho mit ausgestrecktem Bein von sich, so dass er zurückstolpert u sich am Treppengeländer festhalten muss): Plump wie eh und je.

Ein breites dreckiges Grinsen zeichnete sich auf sein Gesicht. Mit einer lasziven Bewegung, die jeden Mann, ob fünfzehn oder fünfundachtzig, ohnmächtig werden lassen könnte, stand Dr. Hassmann vom Fensterbrett auf und strich dem sprachlosen Machomann einmal aufreizend über seinen muskulösen angespannten Brustkorb, unter dem sie seinen beschleunigten Herzschlag deutlich spüren konnte, was sie für eine kurze Sekunde aus dem Takt brachte. Dr. Stier wollte sie packen, um ihr unmissverständlich zu zeigen, wer hier das Sagen hatte. Doch Maria wich ihm geschickt aus und ließ ihn einfach wie einen Tölpel wie bestellt und nicht abgeholt auf dem Treppenabsatz stehen. Der Wassereimer funktionierte eben immer noch am besten. Cedric ließ stöhnend seinen Kopf hängen, strich sich über die Stelle, die sie gerade mit ihren schwarz lackierten Fingernägeln berührt hatte und wo sich ein riesiges Brandmal gebildet hatte, das nun in sämtliche Körperregionen ausstreute, und sah der sexy Katzenfrau mit gierigen Blicken nach.

Sie spielt mir dir und du bist Wachs in ihren Händen. Du bist verloren. Renn weg, wenn du ihren Fängen noch entkommen willst!

Cedric: Da stehst du doch drauf.

...konterte der Neurochirurg schließlich mit heiserer Stimme. Maria war bereits mit eleganten damenhaften Schritten zwei Treppenstufen hinabgeschritten, als sie sich noch einmal zu ihrem vorlauten Exmann umdrehte. Verheißungsvoll zwinkerte er ihr zu. Sie lächelte nur geheimnisvoll, schnalzte mit ihrer Zunge und rückte ihren Mantel zurecht, der durch die wilden Stierschen Fummelattacken leicht zerknittert wirkte, wickelte anschließend ihren Schal wieder locker um ihren Hals und stolzierte grinsend die nächsten Treppenstufen hinunter, wobei sie leise etwas vor sich hin murmelte...

Maria: Wenn du wüsstest, worauf ich alles stehe?
Cedric: Glaub mir, das habe ich nicht vergessen.

...erwiderte Cedric kleinlaut mit einem vorfreudigen Grinsen auf den Lippen und verschlang die stolze Diva regelrecht mit seinen Blicken, als sie vor ihm im Halbdunkeln die Treppe hinab schritt. Seine begierigen Blicke klebten förmlich an ihrem knackigen Hintern, ihren ellenlangen schlanken Beinen und ihren schwingenden Hüften wie die sprichwörtliche Biene am Honigpot. Er kannte keine erotischere Frau als seine Mary und wünschte sich, er wäre die Biene. Wie ein hechelnder Hund folgte er ihr schließlich die Stufen hinab, fing sie ab und schob sie auf der nächsten Etage unvermittelt in den Aufzug, der gerade wie aufs Stichwort seine Türen geöffnet hatte. Mit beiden Händen stützte er sich dicht neben ihrem Kopf an der kühlen Stahlwand ab, drängte seinen erhitzten Körper gegen den ihren, der sich seinem eindeutig entgegenstreckte, und funkelte die sexy Verführerin verheißungsvoll an. Ihre Augen blitzten auf. Sie glühten regelrecht. Er las deutlich darin, dass sie ihn genauso wollte wie er sie. Dieses unbeschreibliche Glücksgefühl überwältigte ihn, lähmte ihn und forderte ihn gleichzeitig heraus. Er musste sie einfach haben. Er wusste nur nicht, ob er es noch bis zu seiner Wohnung schaffen würde, sich zurückzuhalten, sie nicht zu nehmen und zu berühren, wie es ihm gerade in den Sinn kam. Er schaffte es natürlich nicht! Wie auch, wenn die verlockende Versuchung so nah war? Brennende Lippen gingen der Lunte folgend auf Wanderschaft und wurden von einem sinnlichen Seufzer begleitet, der zwischen den engen Wänden leise widerhallte. Seine suchenden Hände hatten nur ein Ziel, sie zu berühren, suchten aber vergeblich den richtigen Halt, um dem beginnenden Feuersturm standzuhalten. Mit glühenden Blicken sah er zu ihr auf und flehte sie atemlos an...

Cedric: Verrätst du mir jetzt, wie man dieses verdammte Catsuit öffnet?
Maria (grient ihn amüsiert an u. lehnt sich ihm provozierend entgegen): Jetzt enttäuschst du mich aber, Rick, wenn du schon so leicht aufgibst. Ich dachte, die Forschung sei dein Steckenpferd.
Dieses Biest! Ich schwör’s dir, diese Nacht wirst du nicht vergessen. Sie wird sich dir einbrennen so wie jede einzelne Berührung von dir bei mir.
Cedric (zieht sie an den beiden Enden ihres Schals energisch zu sich, tänzelt mit ihr ungelenk durch den schmalen Raum u. drängt sie nun an die gegenüberliegende Wand, wo er beginnt, ungeniert unter ihrem Mantel ihren Rücken entlang zu tasten): Ich gebe niemals auf, was dich betrifft. Das müsstest du doch mittlerweile gemerkt haben. Also wo ist der verdammte Reißverschluss von dem Ding?
Maria (greift lachend nach seinen zupackenden Händen u. verschränkt ihre Finger mit seinen, während nun sie ihn zur nächsten Wand hin drängt u. ihn mit säuselnder Stimme anflunkert): Gemach, gemach! Was hast du’s denn auf einmal so eilig? Aber nun gut, damit ich auch etwas davon habe, verrat ich’s dir. Es gibt keinen Reißverschluss. Ich hab ihn mir in einer stundenlangen Sitzung direkt an den Körper schneidern lassen. Also musst du dir wohl oder übel etwas einfallen lassen, wie du mich hier wieder herausbekommst. Aber du bist doch ein schlaues Kerlchen oder nicht?
Cedric (gefangen in ihren intensiven Blicken, in denen ungeniert der Schalk aufblitzt): Du...

...stöhnte er noch mit erregter Stimme gegen ihren Hals und presste im nächsten Moment gierig seine feurigen Lippen auf die ihren, während der Fahrstuhl geräuschlos seine Türen hinter ihnen schloss.

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15.09.2012 14:09
#1334 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

In der Zwischenzeit war Dr. Mehdi Kaan im Eilschritt im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses angekommen und hatte sich suchend umgeblickt, aber seinen Freund Marc hatte er nicht bei dessen Vater angetroffen, wo er ihn im ersten Moment vermutet hatte. Er hatte zwar mehrfach bei Prof. Meier geklingelt, aber ihm wurde leider nicht geöffnet. Olivier schien ebenfalls nicht zuhause zu sein. Denn es war still in seiner neuen Wohnung, an dessen Tür noch immer das liebevoll verschnörkelte Namensschild von Dr. Marc Meier und Dr. Gretchen Haase hing, das lediglich von einem weißen mit durchsichtigem Klebestreifen festgehaltenen Zettelchen überklebt war, auf dem der Name des Professors in klaren schwarzen Linien geschrieben stand. Doch plötzlich hörte der besorgte Gynäkologe das dumpfe Geräusch einer zuschlagenden schweren Eisentür und schaltete sofort. Er lief zurück und riss die Tür zum Treppenhaus erneut auf und verschwand darin. Der Gesuchte war gerade dabei in seinen weißen Volvo zu steigen, als Mehdi unverfroren auf der Beifahrerseite zustieg. Marcs hochroter Kopf fuhr augenblicklich zu dem unverschämten Störenfried herum, nachdem dieser ihn unvermittelt mit sanftmütiger ruhiger Stimme angesprochen hatte...

Mehdi: Was hast du jetzt vor?
Marc (zuckt zusammen, weil er ihn nicht gleich bemerkt hat, u. malträtiert ihn nun mit seinem gefürchteten Ameisenblick): Boah Alter, was soll das? Kannst du mich nicht verdammt noch mal in Ruhe lassen?
Mehdi (verschränkt entschlossen seine Arme u. sieht ihn mitfühlend an): Nicht in dem Zustand!
Marc (eingeschnappt): Was soll das denn heißen? Ich bin kein Kleinkind, Mehdi, auf das man aufpassen muss. Also raus hier! Verpiss dich! Ich brauche deine beschissene Hilfe nicht.
So wie deine Mutter deine nicht will, hmm? Ihr seid euch ähnlicher, als du denkst.
Mehdi (ist mittlerweile auch ein Meister des Ameisenblicks, mit dem er ihn nun durchbohrt): Vergiss es! Ich lass dich jetzt nicht alleine.

Das bin ich dir einfach schuldig. Ich bin für dich da. So wie du immer für mich.

Dieser miese, blöde, kleine, nervige, dicke... GGGRRR!!! Wieso macht der das?


Und während die beiden Freunde sich nun gegenseitig mit bösen unmissverständlichen Ameisenblicken belagerten, dem anderen ein Augenzwinkern verwehrten und stumm hofften, der andere würde freiwillig nachgeben, öffnete sich wie von Geisterhand eine der hinteren Türen des Volvos und schloss sich unbemerkt wieder. Marc gab den vergeblichen Kampf gegen den wohl größten Sturkopf neben sich und seiner Mutter irgendwann auf, zog wütend den Gurt aus seiner Halterung, der sich ebenso widerspenstig aufführte wie der dicke Idiot auf dem Beifahrersitz, schnallte sich an, nachdem er diesen Kampf wenigstens gewonnen hatte, und startete ohne ein weiteres Wort den Wagen, um im nächsten Moment in einem Affenzahn aus der Tiefgarage zu fahren. An der Kreuzung zur Hauptstraße, an der er im letzten Moment mit quietschenden Reifen zum Halten gekommen war, wartete er einen Moment und atmete tief ein und aus. Er schien nicht zu wissen, wie es nun weitergehen sollte. Stur starrte er geradeaus auf die Straße, auf der einzelne Autos vorbeifuhren, und das Geländer, das den schneebepuderten Fußweg und die Spree voneinander trennte. Die Scheibenwischer des alten Volvos kämpften kontinuierlich gegen den zunehmenden Schneefall an. Marc ignorierte die fragenden Mädchenblicke von der Seite, drückte plötzlich auf die Tube und brauste schließlich den Wetterverhältnissen zum Trotz mit unbekanntem Ziel auf und davon. Mehdi wurde richtig in den Sitz gedrückt und er hielt sich während der Fahrt am Angstgriff an der Seite fest, den er nicht wieder losließ. Dem stillen Passagier ging es genauso. Erst ein paar Kilometer weiter - eine Ampel hatte gerade wieder auf Grün geschaltet und ein geradezu unheimlich ruhiger Dr. Meier war mit durchdrehenden Rädern angefahren - meldete sich der Geist von der Rückbank überraschend mit seiner üblichen monotonen einschläfernden Stimme zu Wort...

Günni: Ist das der Grunewald? Habt ihr da meine Braut versteckt? Das wird ja ein richtiges Abenteuer.

Plötzlich herrschte Totenstille im Wagen. Selbst die an dem immer langsamer werdenden Volvo vorbeirauschenden Autos und eine Feuerwehrsirene waren nicht mehr zu hören. Zwei Köpfe fuhren erschrocken herum und staunten nicht schlecht, als sie plötzlich in die unschuldige Miene eines sie seltsam erwartungsvoll angrinsenden „Vulkaniers“ blickten. Wie war das möglich? Wann und wie hatte der sich denn in ihr Auto gebeamt? War das rein physikalisch überhaupt möglich? Doch lange konnten die beiden entgeisterten Ärzte nicht darüber sinnieren, denn im nächsten Moment waren nur noch quietschende Reifen und ein lauter durchdringender Schrei zu hören, dann lange nichts mehr..............................

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18.09.2012 16:13
#1335 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Währenddessen in der Polterabend-Suite

Gabi: Meinst du, sie kriegt das hin, Gretchen?

...fragte die brünette Krankenschwester mit einem leichten Anflug von freundschaftlicher Sorge ihre blonde ungewöhnlich schweigsame Kollegin, die links neben der Badezimmertür an der Wand lehnte mit einer riesigen Tafel Schokolade in der Hand, die schon zu zwei Drittel von den drei Damen vorhin im Bad aus lauter Nervosität aufgenascht worden war und von der die Besitzerin derselben gerade gedankenverloren ein großes Stück abbrach und in ihren Mund schob, während sie selbst lediglich an einem abgebrochenen Fingernagel knabberte, schließlich entnervt aufgab und ihre Nagelfeile aus ihrer Handtasche zur Hilfe holte. Gretchen, die in Gedanken ganz bei Sabine und ihrer eigenen Situation war, schaute überrascht auf und beobachtete einen Moment lang, wie Gabi akribisch ihren Ringfingernagel wieder glatt schliff. Sie lehnte an der ihr gegenüber liegenden Wand und sah nach einer Weile mit großen Augen auf, weil das sonstige Plappermaul ihr nicht gleich auf ihre Frage geantwortet hatte, und deutete mit dem Kinn in Richtung Tür, bevor ihre Augen das raschelnde Silberpapier in Gretchens Händen erfassten und ihr Bauch lautstark darauf reagierte. Eigentlich hätte sie auch gerne noch ein Stück abgehabt, dachte Gabi wehmütig und zog unmerklich einen Schmollmund. Sie ignorierte jedoch das Knurren ihres Magens, feilte ihren Nagel zu Ende, begutachtete das Ergebnis und verstaute ihre Nagelfeile anschließend im Seitenfach ihrer gelben Handtasche.

So als ob Gretchen Gabis Gedanken gelesen hätte, reichte sie ihr über den Flur hinweg die angerissene Schokoladenpackung, die sie mit einem dankbaren Nicken entgegennahm und von der sie zwei extragroße Stücke abbrach, bevor sie ihr den Rest der Tafel mit einem verlegenen Lächeln wieder zurückgab. Sie konnte ja auch nichts dafür, dass sie gerade jetzt diese Gelüste nach Schokolade hatte. Noch eine Bestätigung für ihre These, fiel Gabi ungläubig auf und sie drückte ihre Designertasche automatisch gegen ihren Bauch, der nach noch mehr von dieser himmlischen Süßigkeit verlangte. Die blonde Schokoholikerin hatte inzwischen ihre Gedanken sortiert und ihre Sprache wieder gefunden.

Gretchen: Klar, schafft sie das! Das kennen wir doch alle. Also... ich meine, Frauen... im Allgemeinen. ... Schwangere Frauen. ... Also die, die’s gerade sind... oder äh... glauben, es zu sein.

...korrigierte sich Gretchen hastig, als sie noch während des Antwortens auf Gabis Frage merkte, was sie da eigentlich gerade aus Versehen von sich preisgegeben hatte, und blickte augenrollend zur gedimmten Deckenbeleuchtung und verfluchte dabei ihr vorlautes Mundwerk. Erst denken, dann reden, Gretchen, trichterte sich die Fastertappte wie ein stilles Gebet ein, während sie insgeheim mit geschlossenen Augen hoffte, Mehdis Freundin hätte nicht Lunte gerochen. Hatte sie doch nicht oder, fragte sie sich immer unruhiger werdend und richtete ein zusammengekniffenes Auge vorsichtig auf Gabi, während das andere noch geschlossen blieb. Und sie hatte ganz recht mit ihrer Vermutung. Schließlich spürte Gretchen ganz genau Gabis Blicke, die sich wie kleine Spielzeugpfeile auf ihren Bauch richteten und mit ihren Saugnoppen daran hängen blieben. Oh je, Marc würde sie umbringen, so viel war sicher.

Schwester Gabi blickte die stotternde Blondine in der Tat misstrauisch an, doch wunderte sie sich weniger über Gretchens Wortwahl als über ihre seltsamen Gesichtsverrenkungen, die sie gerade veranstaltete. Also wenn sie damit den Deutschen Comedypreis gewinnen wollte, dann musste sie sich schon mehr anstrengen. Rot wie eine dicke überreife Tomate stand die Freundin von Dr. Meier vor ihr und versuchte mit ihren vielen durchsichtigen rosa „Jeannie“-Schleiern ihre knallroten Wangen zu kaschieren, was natürlich völlig misslang und noch mehr Argwohn säte. Doch Gabi Kragenow war gleichzeitig auch so sehr auf sich selbst und ihre eigene Situation fixiert, die durch die Parallelität der Ereignisse bei Sabine die ganze Zeit präsent war, dass sie die abstrusen Gedanken, die ihr in den Sinn gekommen waren, schnell wieder als irrsinnig von sich schob. Sie lächelte Gretchen unwirsch an. Die lächelte kurz zurück und mümmelte dann hastig die Reste der Schokoladentafel auf, ohne auch nur einmal wieder zu ihrer Kollegin aufzuschauen. Da diese auch nicht wusste, was sie während der quälendlangen Wartezeit mit sich machen sollte, griff sie noch einmal in die Seitentasche ihres Clutchs und feilte nun ausgiebig jeden einzelnen Nagel ihrer Finger nach. Als sie damit fertig war, wollte sie die Nagefeile wieder in ihrer Handtasche verstauen. Diesmal wählte sie ganz aus Gewohnheit das Mittelfach, in dem sie nun plötzlich ein paar Dinge zu greifen bekam, die ihre ganze Aufmerksamkeit von jetzt auf gleich einfingen. Jetzt war sie diejenige, die rot im Gesicht anlief und hektisch hin und her schaute. Sie hatte einen Entschluss gefasst, der keinen Aufschub mehr duldete...

Gabi: Du, ähm... Gretchen? Kann ich dich mit ihr alleine lassen? Ich will mal eben nach Mehdi schauen. Der hatte heute noch gar nichts von mir.

Gretchen griente Mehdis Freundin vergnügt an und machte eine abwiegelnde Handbewegung in Richtung Badezimmer. Süß, wie ein Gedanke an Mehdi Gabi so erröten lässt. Hach ja, die beiden müssen sich wirklich ganz doll lieben, dachte Gretchen völlig entzückt und entließ Gabi natürlich sofort zu ihrem Herzallerliebsten. Was ihr eigenes Herzblatt wohl gerade machte, fragte sie sich im selben Moment und schmunzelte über sich selbst. Ob er noch schmollend in der Ecke saß? Marc sah immer so süß aus, wenn er schmollte.

Gretchen: Klar doch, wir werden das Kind schon schaukeln. Also du weißt, wie ich das meine. *kicher*

Du bist so albern, Gretchen!

Gabi schenkte der kichernden „Jeannie“ ein kleines Lächeln und ließ sie allein im Flur zurück. Als die schöne Krankenschwester das Wohnzimmer betrat, schaute sie sich suchend im Raum um. Einige der Polterabendgäste zappelten und tanzten ausgelassen auf der improvisierten Tanzfläche vor den großen Panoramafenstern, andere flirteten mit dem Gute-Laune-DJ und bestachen ihn für ihre ausgefallenen Musikwünsche mit leckeren Cocktails, die wiederum der süße, aber stockschwule Barkeeper für sie mixte. Wieder andere saßen in und um der gemütlichen Couchlandschaft und plauderten angeregt miteinander, machten alberne Partyspiele, lachten und scherzten lauthals. Nur ihren Mehdi konnte Gabi in der angeschäkerten überwiegend weiblichen Menge nicht entdecken. Seltsam, dachte sie verwundert, schob sich an den tanzenden Kollegen vorbei und trat ans Fenster, um einen kurzen Blick auf die Terrasse zu werfen. Doch auch dort war niemand zu sehen, wie sie durch die halbangelaufene Fensterscheibe erkennen konnte. Der zunehmende Schneefall hatte wohl auch die wenigen Raucher unter den Gästen nach drinnen vertrieben und auch die Feuer und die Kerzen auf der Terrasse hatten den Kampf gegen die Natur verloren und waren mittlerweile erloschen. Es war dunkel draußen. Selbst der Vollmond versteckte sein Grinsegesicht nun hinter den dicken Schneewolken, die ihre Schleusen geöffnet hatten und unzählige weiche Wattebäusche gen Boden flattern ließen.

Mit einem verträumten Lächeln auf den Lippen und glänzenden Augen beobachtete Gabi das zauberhafte Naturschauspiel und träumte gedankenverloren vor sich hin, während sich ihre beiden Hände ganz unbemerkt auf ihren Bauch niederließen und diesen zärtlich zu streicheln begannen. Sie stellte sich vor, Mehdi stünde direkt hinter ihr, würde sich an sie schmiegen und seine sanften warmen Hände auf ihre legen und sie würden schweigend zum Takt der Musik langsam hin und her wippen und ihre Gesichter in der Fensterscheibe anlächeln. Eine wunderbare Vorstellung, die auch ihr Herz ganz in Aufruhr versetzte. Gabi bildete sich sogar ein, dass es in ihrem Bauch ein wenig rumorte, so als ob sich der kleine Poltergeist, der sich dort höchstwahrscheinlich eingeschlichen hatte, bemerkbar machen wollte, was natürlich nach sechs Wochen noch völlig unmöglich war. Aber trotzdem, allein der Gedanke an dieses Gefühl, wie es sich wohl anfühlen würde, machte sie unwahrscheinlich glücklich und es nahm ihr jegliches Gefühl von Angst, mit dem Sabine sie vorhin noch völlig wahnsinnig gemacht hatte. Es gab überhaupt keinen Grund sich zu verstecken, wenn man sich wirklich liebte. Ganz automatisch entwickelte sich aus dem verliebten Lächeln ein breites glückliches Grinsen auf Gabis Lippen, das sich auch in der Fensterscheibe widerspiegelte, vor der sie gerade mit geschlossenen Augen stand. Sie merkte gar nicht, dass jemand hinter ihr ihren sonderbar verklärten Blick eingefangen hatte und nun näher kam.

Keine Ahnung, wie lange Gabi Kragenow so gedankenverloren vor dem großen Panoramafenster gestanden hatte, doch urplötzlich wurde die junge Frau von jemandem herumgerissen. Die erschrockene Krankenschwester wusste überhaupt nicht, wie ihr geschah. Im nächsten Moment spürte sie auch schon, wie sich zwei dünne Ärmchen um ihren Hals schlangen. Sie wurde stürmisch durchgeknuddelt, wie es eigentlich nur eine Person immer mit ihr veranstaltete, und am Ende der verwirrenden Überrumplungsaktion trug ihr Spiegelbild und sie selbst links und rechts auf ihrer Wange knallpinke Lippenstiftspuren, die so gar nicht ihre Farbe waren, von jemand anderem dagegen umso mehr. Ein fröhliches aufgekratztes Stimmchen riss Gabi schließlich endgültig aus ihren Babygedanken. Es war Chantal, ihre mittlerweile beste und liebste Freundin und Vertraute!

Chantal: Gabi, Mausi, Mensch, da bist du ja. Ich dachte schon, du tauchst gar nicht mehr auf. Wo warst du denn die ganze Zeit? Du kannst doch deinen Schnuckiputz nicht so lange alleine lassen. Der sah vorhin ganz traurig aus.
Oh nein! Mein armer Schatz! Ich hab viel zu lange gezögert. Wenn er jetzt enttäuscht ist?
Gabi (schaut sich wieder suchend um u. fixiert die Nische unter der Treppe, wo aber keiner mehr ist): Was? Wo ist er denn?
Chantal (zuckt mit den Schultern u. grient sie an): Keine Ahnung. McSexy ist aus der Tür gestürmt, als wäre der Teufel persönlich hinter ihm her und dein McDreamy ist gleich auf dem Fuße hinterher.
Wieso das denn? Ich versteh das nicht. Er hat sich doch so auf den Abend mit mir gefreut. ... Mit DIR, du dumme Nuss! ... Mist! Ich hab’s versaut.
Gabi (durcheinander): Ach? Das ist aber komisch. Hmm...? Eigentlich wollten wir doch noch zusammen einen Happen essen.
...und die ganze Nacht durchtanzen. Ja, wenn mir nicht von jeder Umdrehung schlecht werden würde. Ich hätte es ihm gleich sagen sollen, als er mich so liebevoll begrüßt hat. Und jetzt ist er weg. Wo bist du?

Gabi zog ihr Telefon aus ihrer Handtasche und schaute verwundert aufs Display. Keine neuen Nachrichten. Einem spontanen Impuls folgend wählte sie Mehdis Nummer und hielt das Handy an ihr Ohr, während sie ihre Freundin entschuldigend ansah. Diese lachte nur. Wie zwei erwachsene Menschen sich gleichzeitig so sehr vermissen konnten, war schon sehr süß anzuschauen. Da verflog doch auch gleich der Ärger über diesen blöden, blöden Knallkopf, der ihr doch vorhin tatsächlich vorgeworfen hatte, sie würde sich Dr. Stier an den Hals werfen, während sie den unschuldigen Jochen zum Babysitten abkommandiert hatte. Mehdi hatte sich aufgeführt wie ihr Vater. Dabei hatte Cedric sie geküsst und nicht umgekehrt. Sie hatte doch gar nicht zurückgeküsst. Männer! GGGRRR!!! Die glaubten doch auch nur das, was sie sahen. Gabis leise enttäuschte Stimme riss Chantal schnell wieder aus ihren Gedanken...

Gabi: Er geht nicht ran.
Chantal (klaut ihr das Handy u. packt es weg): Umso besser, dann hab ich dich auch mal für mich alleine. Ihr klebt doch eh immer nur zusammen. Komm, lass uns anstoßen. Auf einen wunderbaren Mädelsabend. Ich hab endlich mal babyfrei, das muss gefeiert werden. Du musst unbedingt einen für mich mit trinken. Du glaubst ja nicht, was mir heute passiert ist. Bist du schon mal von einer Dampfwalze überrollt worden? Also genauso fühlte es sich an, als Jochens...

Ohne Punkt und Komma plappernd zog Chantal ihre perplexe Freundin, die nur die Hälfte von deren aufgeregten Monolog mitbekam, zur Bar, von der gerade ein beschwipster Dr. Sven Sorenson leicht schwankend in Begleitung zweier hübscher Damen - die eine dunkelhaarig, die andere rothaarig - aufstand, die ihm kichernd hilfsbereit ihre Schultern zum Anlehnen anboten und mit ihm im Arm zur Wohnungstür schwankten und anschließend nach einem kurzen Handgruß in die lustige Polterrunde torkelnd das Penthouse verließen. Dr. Kate Marple, die beliebte Assistenzärztin und talentierte Geschichtenerzählerin, die gerade vor begeisterten Zuhörerinnen wieder eines ihrer schlüpfrigen Meisterwerke zum Besten gegeben hatte, und Dr. Kristin Roth, die angehende Anästhesistin, die fröhlich mitgesponnen hatte, waren sofort alarmiert. Sie tauschten wortlos Blicke aus und sprangen ebenfalls auf, entschuldigten sich und folgten den beiden feuchtfröhlichen Damen auf dem Fuße aus der Tür. Als Anstandswauwaus versteht sich, um Schlimmeres zu verhindern. Denn schließlich kannten sie ja ihre Pappenheimerinnen Azadeh Kaan und Pippi Langstrumpf, die nach einem Glas zu viel gerne mal zu Dummheiten aufgelegt waren. Gretchens und Marcs Schulkamerad sollte besser vorgewarnt werden. Und insgeheim hätten sie nämlich auch gerne noch ein Stück von der Sahneschnitte abbekommen. Chantal bestellte in der Zwischenzeit bei dem gut aussehenden Barkeeper, der dem attraktiven Schweden wehmütig hinterher schaute und in der Hoffnung, er würde noch einmal zurückkehren, seine Blicke gar nicht mehr von der Wohnungstür lösen konnte, eine Apfelsaftschorle und ein Glas Sekt. Doch Gabi kam ihr zuvor und korrigierte hastig die Bestellung ihrer Freundin...

Gabi: Äh... für mich bitte keinen Sekt. Schorle reicht. Danke!
Chantal (unterbricht verdutzt ihren Redefluss): ...... Und jetzt sind wir irgendwie... na ja halt zusammen. So richtig. Seine Mutter hat mich sogar am Sonntag zum Familienessen eingelassen. Kannst du dir das vorstellen? Ich weiß gar nicht, was ich davon halten soll. Das geht auf einmal alles so schnell. Jochen hat zwar gesagt... Nanu? Kein Sekt? Du lässt doch sonst kein Glas Champagner stehen. Bist du etwa schwanger?

...fragte Chantal frei heraus, wie ihr der Mund gewachsen war, und wollte damit eigentlich nur einen Scherz machen. Doch an dem plötzlich aschfahl gewordenen Gesicht ihrer Freundin konnte sie erkennen, dass sie wohl zufällig voll ins Schwarze getroffen hatte. Kein Wunder, dass ihre Kinnlade nun mit einem lauten Knall auf das Parkett krachte...

Chantal: Nee, sag nicht...?

Oh verdammt!

Doch Gabi hatte sich schnell wieder gefangen und hielt Chantal die vorlaute Klappe zu und schaute sich vergewissernd um. Zum Glück hatte niemand etwas von dem Fast-Kreischanfall ihrer Freundin mitbekommen. Das wäre der absolute Supergau gewesen, wenn das morgen in der Klinik die Runde gemacht hätte. Aber die Reihen der Partygäste hatten sich zum Glück mittlerweile gelüftet. Nur noch ein größeres Grüppchen Schwesternschülerinnen und Pfleger saß auf der Couchlandschaft und diskutierte lautstark die Auftritte diverser Kollegen am heutigen Abend. Zwei Personen hatten dabei besonders für Eindruck gestiftet. Es wurde gekichert und gelacht und die beiden Damen an der Bar wurden gar nicht weiter beachtet.

Gabi: Warum machst du nicht gleich eine Durchsage mit dem Mikro? Ich glaube, da hinten haben sie es noch nicht mitbekommen.
Chantal (ergreift ihre Hand u. würde am liebsten mit ihr auf und ab hüpfen, so sehr freut sie sich): Mensch, das sind doch super Neuigkeiten und ich quatsch dich hier mit Jochens nerviger Mama und seinen Babysitterqualitäten voll. Seid wann weißt du es? Wieso hast du denn nichts gesagt? Gott, ist das toll. Ich freu mich so für dich und Mehdi. Er ist so ein toller Vater, also... wenn er mal nicht den Oberbeschützer raushängen lässt wie vorhin.
Gabi (flüstert): Weil ich es heute erst gemerkt habe. Und bitte, bitte, schwöre mir, dass du niemanden etwas sagst, vor allem nicht Mehdi. Nicht solange ich nicht sicher bin, ob es tatsächlich stimmt.
Chantal (sieht sie mit großen Augen an): Wie? Hast du denn noch gar keinen Test gemacht? Ich würde umkommen vor Ungewissheit. Als ich damals den ersten Verdacht hatte, hab ich auf der Stelle alles stehen und liegen gelassen.
Gabi (sinkt auf ihrem Hocker zusammen u. nimmt erst einmal einen großen Schluck aus ihrem Glas): Du weißt ja gar nicht, was hier los ist. Ich hätte doch schon längst einen gemacht, wenn nicht immer etwas dazwischen kommen würde. Es ist wie verhext. Es ist ja nicht so, dass ich Schiss hätte, aber... Ach ich weiß auch nicht.
Chantal (quatscht ihr vorlaut dazwischen): Na dann lass uns sofort einen machen? Vorne an der Ecke hab ich eine Nachtapotheke gesehen.
Gabi (hält das energische Mädchen zurück): Ich war schon in der Apotheke und hab welche einstecken.
Chantal (staunt u. reißt Gabi vom Hocker herunter): Na umso besser. Worauf wartest du dann noch? Wo ist denn das Bad hier in diesem Luxusapartment? Meinst du, McSexy hat goldene Wasserhähne?
Gabi (verdreht die Augen u. versucht ihre euphorische Freundin etwas runter zu bekommen): Nein, hat er nicht. Außerdem ist das schon besetzt und ehrlich gesagt möchte ich hier nicht unbedingt...
Chantal (schaut zu den kichernden Mädels auf den Sofas, die vom lustigen DJ dazu animiert werden, noch eine Runde zu tanzen): Schon klar. Dann... lass uns zu mir gehen. Ich wollte eh mal nach dem Rechten schauen. Jo hat noch nicht einmal angerufen, wie es mit Celinchen läuft. Das lässt mir gar keine Ruhe. Er mimt bestimmt den coolen Typen, der keine Hilfe braucht, aber ich kenn doch mein Mädchen. Sie hat bis jetzt noch jeden klein gekriegt. Aber süß ist es schon, dass er sich so eine Mühe gibt. Ich glaube, er mag mich wirklich.
Gabi (ergibt sich der kindlichen Euphorie): Okay, okay! Aber gib mir vorher mein Handy wieder. Ich gebe Mehdi noch schnell Bescheid, wo ich stecke, falls er noch mal hierher zurückkommt. Und können wir bitte auf dem Weg zu dir noch an ner Currywurstbude halten oder so. Ich hab gerade irgendwie einen Bärenappetit darauf.

Als Gabi in das sehr überzeugende Grinsegesicht ihrer Freundin schaute, konnte sie gar nicht anders, als „ja“ zu sagen. Lachend schnappten sie sich ihre Jacken von der Garderobe, hakten sich am Arm der anderen ein und verließen zusammen den Partyort, an dem es mittlerweile deutlich ruhiger geworden war. Allmählich löste sich die Veranstaltung auf. Nur noch ein paar vereinzelte Schwestern tanzten mit Cocktailglas in der Hand zu psychedelischer Musik mit dem DJ, zwei Pflegern und dem Barkeeper im Wohnzimmer umher.

Die Gastgeberin selbst, die von dem Ganzen nichts mitbekam, stand derweil noch immer zögernd vor der Badezimmertür. Sie lauschte angespannt. Seit über zwanzig Minuten hatte sich darin nichts gerührt. Also klopfte sie nun zaghaft an der Tür und steckte anschließend vorsichtig ihren Lockenkopf ins Zimmer, um nach dem Rechten zu schauen...

Gretchen: Bist du soweit, Sabine? Ich komm jetzt rein, ja?

Lorelei Offline

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21.09.2012 13:15
#1336 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Pinklady166, mein Teufelchen, mein Zuckertütchen, mein Fusselhuhn, meine Apothekerin, Elsbeth, wir werden dich niemals vergessen. Kuss! Dein Schätzelein




Gretchen wartete Sabines Antwort gar nicht erst ab und betrat langsam das helle lichtdurchflutete Badezimmer. Die Assistenzärztin war peinlich darum bemüht, ihre Hand vor den Augen zu halten, um nichts sehen zu müssen, was nicht für andere Augen bestimmt war. Als nach ihrem Eintreten noch immer keine Reaktion von ihrer Freundin kam, schaute sie dann doch zwischen zwei Fingern hindurch. Gretchen war erstaunt, dass sie Schwester Sabine immer noch auf der Toilette sitzend vorfand und drehte sich rasch peinlich berührt um...

Gretchen: Oh! Tut mir Leid, du bist noch...

Doch plötzlich vernahm die verlegene junge Frau wieder dieses verdächtige leise Schniefen, begleitet von einem tiefen kehligen Schluchzer, das sie heute Abend schon so oft vernommen hatte. Seufzend drehte sich Gretchen wieder um und ging mit sorgenvoller Miene auf die weinende Braut zu. Jetzt erst bemerkte sie, dass diese mit zusammengezogenen Beinen auf dem Klodeckel saß und ihr Gesicht in ihren Knien vergraben hatte. Sie hockte sich neben die Krankenschwester, nahm ihre Hand und streichelte sanft über den Handrücken. Sabine hatte eiskalte Hände. Ihre Haltung ließ für Dr. Haase nur eine Schlussfolgerung zu...

Gretchen: Also bist du es?
Sabine (schaut verwundert auf): Was? ... Oh! ... Nein!
Hmm... Schade!
Gretchen (fühlt Sabines Enttäuschung mit u. tätschelt liebevoll ihre Hand): Hey! Das ist doch nicht schlimm. Dann passiert es eben ein anderes Mal. Ihr habt wunderbare Jahre vor euch, du und Günni. Irgendwann werdet ihr mit Sicherheit Kinder haben. Ganz bestimmt.
Sabine (schüttelt unwirsch den Kopf u. fängt wieder lauter an zu schluchzen): Nein, du... du verstehst nicht, Gretchen. Ich... Ich hab’s schon wieder total verbockt.
Ojemine! Wie schreibt man das eigentlich? Gretchen, konzentrier dich!
Gretchen (versteht nun gar nichts mehr): Also... bist du... doch... schwanger? Sabine, du musst wirklich nicht den Kopf hängen lassen. Wir sind doch alle für dich da. Gabi, ich, Günni...
Sabine (merklich durcheinander): Nein. Doch. Nein. Ich weiß nicht.
Sie ist ja völlig durch den Wind.
Gretchen (versucht das Nervenbündel zu beruhigen u. legt den Arm um ihre Schulter): Oh! Hast du noch nicht drauf geschaut? Was hat denn der Test gesagt, Sabine?
Sabine (schüttelt sich los u. sieht ihre Freundin verzweifelt an): Das ist es ja. Ich weiß es nicht.
Gretchen (runzelt die Stirn): Wie meinst du das?

Sabine wusste nicht, wie sie es ihrer begriffsstutzigen Freundin noch begreiflicher machen sollte. Ihr war das alles so furchtbar peinlich. Am liebsten würde sie sich wie ein Erdmännchen ein Loch in die Erde graben und für immer darin verschwinden. Mit ausreichender romantischer Lektüre und genügend Proviant, natürlich alles Bio, versteht sich. Schließlich musste man etwas für seinen Körper tun, wenn es schon an Licht mangelte. Also stand die blonde Krankenschwester unvermittelt von der Toilette auf und hob mit hochrotem Kopf den Klodeckel hoch und trat einen Schritt beiseite. Sie biss sich vor Scham auf die Unterlippe, als sie Gretchen schüchtern ansah und gleich darauf ihren Blick wieder senkte.

Sabine (zögerlich): Er ist... mir ... in die Toilette gefallen. Ich war so nervös und dann... ist es passiert.
Gretchen (riskiert ungläubig einen Blick hinein u. weißt nicht, was sie darauf sagen soll): Oh! Das... das ist ähm... ja... *räusper*

Völlig sprachlos starrte die blonde Ärztin Schwester Sabine an, die schon wieder den Tränen nah war und heftig zu schluchzen begann. Plötzlich brach in ungewohntem Tönen alles aus ihr heraus, was sich in den letzten Stunden an Unsicherheiten angestaut hatte...

Sabine: Ich bin total unfähig. Ich bin doch gar nicht bereit. Das endet doch auch nur wieder im totalen Chaos. So wie das hier. Ich kriege noch nicht mal einen Test zustande, geschweige denn ein Kind groß zu ziehen.
Gretchen: Ach Sabine, das stimmt doch nicht. Komm mal her!

Gretchen zog ihre zweifelnde Freundin tröstend in ihre Arme und streichelte ihr sanft über den Rücken, um sie zu beruhigen. Sie spürte, wie sich Sabine langsam entspannte und sich erschöpft gegen sie lehnte. Das war einfach alles zu viel für die unerfahrene Krankenschwester. Sie hätte es wissen müssen. Sie hätten ganz anderes herangehen müssen. Gretchen tupfte der Heulboje die letzten Tränen von der Wange und sah sie nun entschlossen an. Sabines Trauzeugin hatte nämlich eine Idee...

Gretchen: Weißt du was? Wir angeln jetzt den Test aus der Toilette. Nicht, dass ihn noch jemand entdeckt und peinliche Fragen stellt. Und dann...
Sabine (fällt ihr abrupt ins Wort u. sieht sie mit großen Kulleraugen an): Aber geht der dann denn noch?
Gretchen (hat das Plastikstäbchen bereits unter akrobatischen Verrenkungen herausgeangelt u. ungesehen in Klopapier eingewickelt in den Mülleimer geworfen): Äh... Ich ... denke ... nicht? Aber das ist jetzt auch egal, denn ich habe eine andere Idee. Ich kenne eine viel sichere und unkompliziertere Methode, um herauszufinden, ob du schwanger bist oder nicht. Und dann verrate ich dir vielleicht sogar noch ein Geheimnis.
Sabine: Ein Geheimnis?

Die Aufmerksamkeit der zutiefst unglücklichen Krankenschwester war sofort geweckt. Das war genau Gretchens Absicht. Sie lächelte Sabine geheimnisvoll an, deren Augen immer größer wurden und die wieder diesen gewissen Sabinetypischen Ausdruck innehatten, wenn sie mal wieder die Neugier gepackt hatte, der Gretchen sonst eigentlich immer nervte, aber diesmal freute sie sich darüber. Sie wusch sich schnell ihre Hände, trocknete sie ab und streichelte Sabine liebevoll über die Wange und nahm anschließend ihre Hand, die sie fest drückte und mit sich zog. Stumm folgte die Braut ihrer Trauzeugin aus dem Badezimmer, in dem sie gefühlte hundert Stunden verbracht hatten, und lief gemeinsam mit ihr zurück ins Wohnzimmer.

Gretchen: Komm mit! Aber erst müssen wir Marc und Günni ablenken. Wir können ja sagen, dass wir Mädels noch etwas unter uns machen wollen, hmm? So junggesellinnenmäßig und so? Sie sind Männer. Sie werden uns das abkaufen und keine Fragen stellen.

Sabine nickte Gretchen brav zu, auch wenn sie unsicher war, was ihre Freundin genau mit ihr vorhatte. Im Wohnzimmer angekommen, mussten die beiden Frauen jedoch feststellen, dass sich ihre Männer offenbar schon längst verdrückt hatten. So wie ein Großteil der Partygesellschaft ebenfalls. Es war mittlerweile kurz vor Mitternacht. Die meisten ihrer Kollegen, bis auf wenige Ausnahmen, die ebenfalls zur kirchlichen Trauung von Dr. Gummersbach und Sabine Vögler eingeladen waren, hatten morgen früh schon wieder Dienst im Krankenhaus und waren deshalb vermutlich schon eher aufgebrochen. Die Blicke der überraschten Freundinnen streiften durch die offenen Räume. Das Buffet in der Küche war komplett leer geräumt. Dafür türmte sich das Geschirr neben der Spüle. Die leeren Flaschen standen aufgereiht auf dem Tresen der offenen Küche, der als Bar gedient hatte. Die Nische unter der Treppe war bis auf dem Goldfisch leer. Die Feuerkörbe auf der Terrasse waren ebenso wie die weißen heruntergebrannten Stubenkerzen erloschen. Die Getränkevorräte waren aufgebraucht. Das letzte Musikstück war gespielt. Der Gute-Laune-DJ und der Barkeeper waren gerade dabei, ihre restlichen Sachen zusammenzupacken und verabschiedeten sich höflich bei der verdutzten Gastgeberin, der das abrupte Ende ihrer Feier, das ziemlich überraschend für sie kam, eigentlich ganz gelegen war. Sie wollten gleich noch mit der übrig gebliebenen Mädelsrunde um die Häuser ziehen. Schwester Greta und ihre fröhlichen Kolleginnen winkten der Braut und der Trauzeugin noch von der Tür aus zu, bedankten sich für den supertollen Abend und hakten sich dann bei den beiden Herren ein und verschwanden laut kichernd im Treppenhaus.

Gretchen und Sabine folgten ihnen nach einigen Minuten. Sie hatten sich inzwischen umgezogen, denn ihre Kostüme als „Bezaubernde Jeannie“ und „Leutnant Uhura“ aus Star Trek waren nicht für kalte Februarnächte gemacht, und hatten zusammen noch ein bisschen Klarschiff gemacht. Damit es wieder einigermaßen wohnlich wurde und Marc Meier sich später nicht zu sehr aufregen würde, wenn er nach Hause kam. Richtig Aufräumen konnte sie schließlich auch immer noch am Sonntag, dachte seine Freundin, als sie sich ein letztes Mal in der Dachgeschosswohnung umschaute. Gretchen versuchte dann noch schnell Marc zu erreichen, um zu fragen, wo er denn genau steckte, aber er ging leider nicht an sein Handy. Sie sprach ihm lediglich eine kurze Nachricht auf die Mailbox, dass sie noch etwas Ultrawichtiges mit der Braut zu erledigen hätte. Hochzeitskram und so. Davon verstand ihr Schnuckiputzi ja eh nichts. Und es war noch nicht einmal gelogen. Schließlich ging es hier tatsächlich in gewisser Weise um die Rettung der Traumhochzeit und des Seelenzustandes der hypernervösen vielleicht schwangeren Braut. Gretchen küsste Marcs Foto auf ihrem Handy - ein heimlich geschossenes Schlummerfoto von ihm, auf dem er mit zerzausten Haaren in ihrem gemeinsamen Bett lag und seine süßen Grübchen so entzückend hervorstachen ebenso wie die niedlichen Kissenabdrücke auf seiner Stoppelwange - und steckte es anschließend, nachdem sie es noch einmal an ihr Herz gedrückt hatte, verliebt grinsend in ihre rosa Tasche.

Währenddessen hatte auch Schwester Sabine ihrem Günni Schatz noch schnell eine Sms geschickt. Es war ja schließlich eh Tradition, dass Braut und Bräutigam die Nacht vor der Hochzeit getrennt verbrachten. Sie wunderte sich zwar, dass er ohne Abschied vom Partyort aufgebrochen war, was so gar nicht zu ihm passte, aber machte sich keine weiteren Gedanken darüber. Sie war einfach zu aufgeregt wegen dessen, was Gretchen noch mit ihr vorhatte und ob sie tatsächlich in anderen Umständen war. Die beiden Freundinnen zogen schließlich ihre warmen Wintermäntel, Schal und Handschuhe über, schauten noch einmal vergewissernd in alle Ecken, ob auch alle Kerzen und Lichtquellen gelöscht waren und zogen anschließend die Wohnungstür hinter sich zu. Zurück blieb ein zufriedener kleiner Goldfisch, der im Licht einer lila Lava-Lampe ruhig seine Bahnen zog. So viel Aufregung wie an diesem Abend war er gar nicht gewohnt. Schließlich gingen seine beiden Herrchen immer sehr handzahm miteinander um. Doch plötzlich spürte er eine Vibration, die den Kleinen aus dem Rhythmus brachte. Hektisch wedelte er mit seiner Schwanzflosse. Das Wasser im Glas schlug kleine Wellen, während wie aus dem Nichts ein leise kicherndes Pärchen die Wendeltreppe hinuntergepoltert kam und den kleinen Paul Anka ganz verschreckte, der sich sofort in sein Häuschen zurückzog und die Fensterläden unten ließ.

Küssend und schmatzend standen „Tarzan“ Fuchs und seine „Jane“ Brinkmann nun im Flur des Meier-Haasschen Anwesens und hatten jetzt richtig Lust, auf der Party noch einmal ordentlich die Sau rauszulassen. Erst als die beiden merkten, wie seltsam ruhig es in der abgedunkelten Wohnung des griesgrämigen Oberarztes war, lösten sie sich von den Lippen des anderen und schauten sich verwundert um. Sie liefen von einer Ecke zur anderen, sahen sogar im Badezimmer und in der Besenkammer nach. Doch es war keiner mehr da. Irritiert blickten sie sich an und zuckten mit den Schultern. Es war doch gerade mal Mitternacht. Wo waren denn alle auf einmal hin, fragten sich Oberschwester Stefanie und Dr. Rüdiger Fuchs verunsichert, die schon viel schlimmere und ausschweifendere Feiern ihrer feiersüchtigen Kollegen im Schwesternwohnheim hatten miterleben müssen. Leise riefen sie noch einmal in die Dunkelheit, ob denn noch irgendjemand da sei. Als keine Antwort zurückkam, fingen beide plötzlich schallend an zu lachen und hielten sich schließlich japsend in den Armen. Nachdem sie sich wieder einigermaßen beruhigt hatten, ließ Stefanie sich von ihrem Liebsten in ihren Mantel helfen. Mit feurigen Augen blickte sie den nur mit einem gewagten Lendenschurz bekleideten rothaarigen Mann an und half ihm in seine Wechselsachen, damit er sich draußen in der Kälte nicht verkühlte. Schließlich hatten sie heute noch etwas vor. Dann umarmte sie ihn stürmisch und sie verließen zusammen Hand in Hand die Wohnung von Dr. Meier und Dr. Haase. Im selben Augenblick erreichte ein Wagen das Elisabethkrankenhaus...

Lorelei Offline

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24.09.2012 17:13
#1337 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Achtung, Achtung, Lesen nur auf eigene Gefahr! Ich weiß, das animiert euch erst recht dazu. Trotzdem sollten die Kücken heute besser draußen bleiben. Dem Rest wünsche ich viel Spaß. @ Katchen: Du wolltest doch Bananenkuchen. Wohl bekomms! @ Pippi/ Frau Ungeschickt: Und wisst ihr jetzt Bescheid? Liebe Grüße und einen schönen heißen Wochenstart, wünscht euch eure Lorelei



...und ein anderer hielt ein paar Kilometer weiter mit quietschenden Reifen im Schneematsch vor einem weiß getünchten Haus in einer Reihenhaussiedlung am Stadtrand von Berlin. Ohne darauf zu achten, die Scheinwerfer auszuschalten, sprang ein dunkelgekleideter Mann mit zerzausten Haaren aus dem schwarzen sehr schnittigen Wagen, lief in einem Affenzahn um das Auto herum, wobei er beinahe auf einer eisglatten Stelle ausgerutscht wäre, riss ungestüm die Beifahrertür auf und zog die hübsche Frau mit den ellenlangen Beinen, die dort auf dem Beifahrersitz saß, stürmisch in seine Arme. Mit glühenden Augen, die sich mit seinen verfingen, schmiegte sie sich an seinen gestählten Körper wie ein handzahmes Kätzchen, das schnurrend menschliche Nähe suchte. Sofort spürte er ihre brennenden Lippen auf seinem Mund und ihre flinken Hände auf seinem Hintern, den sie in eindeutiger Absicht gegen ihren Körper presste. Er stöhnte auf, überwältigt von der Gefühlslawine, die in seinem Körper tobte, drängte sie gegen den Jaguar und rutschte mit ihr die Konturen des edlen Sportwagens entlang. Die kühle Nässe der darauf ruhenden Schneeflocken, die unaufhörlich vom Himmel rieselten, nahmen die beiden innig verschlungenen Personen gar nicht wahr, als sie die Motorhaube entlang glitten, sich kichernd wieder aufrichteten und schließlich wild knutschend im Eilschritt durch einen kleinen Vorgarten zur Haustür torkelten, an der sie sich nun Körper an Körper Halt suchend abstützten.

Die Handhabung des Haustürschlüssels gestaltete sich jedoch komplizierter als eine OP am offenen Gehirn. Erst fand er den Schlüssel nicht, dann zitterte seine rechte Hand so sehr, dass er das Schlüsselloch nicht gleich traf. Eine andere Hand war dagegen umso zielsicherer. Sie zerrte an seinem schwarzen Mantel, der schon halb von seinen Schultern heruntergerutscht war, und tastete seinen Rücken hinab, zog spielerisch sein Hemd aus dem Hosenbund und fuhr anschließend direkt darunter. Haut auf Haut. Kalte kreisende Finger, die eine Gänsehautlawine nach der anderen bei ihm auslösten, während sein Blut gleichzeitig in seinen Adern zu kochen begann. Sie wusste noch immer ganz genau, welche Knöpfe sie bei ihm zu drücken hatte. Und genau deswegen war seine eigene Motorik auch etwas eingeschränkt. Schließlich gelang es ihm aber doch. Er hatte die Wildkatze herumgedreht und gegen die weiße Eingangstür gedrängt. Schnaufend fanden seine suchenden Lippen ihren Hals, den er quälend langsam hinab glitt, während heiße Atemspuren in den Nachthimmel aufstiegen. Plötzlich ein Klick, und die Tür sprang doch auf und mit ihr fielen sie in das Haus ein, das einst ihr gemeinsames Zuhause gewesen war.


http://www.youtube.com/watch?v=krTnNfc9qPc


Nun fielen auch die letzten Hemmungen sowie ihre Mäntel zu Boden. Der Adrenalinkick, der seit der aufregenden Aufzugsfahrt und der anschließenden recht unruhigen Autofahrt, bei der das freche Biest ihn mit seinen Spielereien regelrecht um den Verstand gebracht und beinahe einen Auffahrunfall provoziert hatte, ihre Körper in Aufruhr versetzt hatte, schlug nun erbarmungslos zu. Maria Hassmann sprang Cedric Stier in die Arme, der taumelnd zwei Schritte zurückstolperte und so die offen gelassene Haustür mit einem lauten Knall ins Schloss stieß. Ihre Beine umwickelten seine Hüften, ebenso wie ihre Arme seinen Oberkörper. Ihre Lippen umgarnten seinen Hals und schlängelten sich empor. Seine Hände packten ihren knackigen Po. Er torkelte mit ihr im Arm durch den schmalen Flur zur Schuhkommode, um Halt zu finden, und setzte sie schließlich dort ab. Der dort oberhalb an der Wand angebrachte Spiegel, gegen den er seine Mary nun lehnte, wackelte gefährlich, während das auf der Kommode befindliche Festnetztelefon, die Schlüsselschale und noch diverse andere Dinge polternd zu Boden krachten. Es störte die beiden nicht. So intensiv auf ihr gefährliches Spiel konzentriert, nahmen sie nicht mehr viel um sich herum wahr.

Sich heftig küssend glitten sie die Wand entlang und rissen dabei die Garderobenverankerung samt daran hängenden Jacken aus der Wand, die nun nur noch an einem Dübel haltend über der Kommode hin und her schwenkte. Gleichzeitig hatte Maria Cedrics teures Designerhemd aufgerissen. Die Knöpfe sprangen in alle Richtungen davon. Cedric entfuhr ein lauter Seufzer, als er Marias eiskalte Hände über den hauchdünnen Flaum seines Brustkorbes streichen spürte. Tiefrote Striemen hinterließen ihre schwarz lackierten Fingernägel auf seiner braungebrannten Haut. Er stöhnte an ihren Hals, in den er anschließend hinein biss, um der Erregung Herr zu werden. Jetzt ließ auch sie ihren Gefühlen freien Lauf und stöhnte sie laut hinaus, während sie sich erregt an seinen erhitzten Körper presste. Das Leder ihres verführerischen Katzenkostüms klebte an seiner nackten Haut, machte ihn rasend. Wenn er doch nur einen Weg finden würde, es loszuwerden. Er hatte schon im Fahrstuhl so einiges versucht, war jedoch am Ende an der Herausforderung und der Schnelligkeit des Stahlgefährts gescheitert.

Maria nestelte bereits an seinem Gürtel und am Bund seiner Hose, als Cedric sie abrupt wieder auf ihre wackeligen Füße setzte, stürmisch herumwirbelte und hart gegen die gläserne Tür, die in die Küche führte, drängte. Die überraschte Oberärztin genoss die kühlende Wirkung, die von der Glasscheibe ausging, auf ihrer erhitzten Wange sehr und grinste in freudiger Erwartung über das, was sie wohl gleich noch erwarten würde. Ihre schweißigen Hände, die er über ihren Kopf fest gegen das Glas drückte, suchten vergeblich nach Halt. Sie rutschten die Scheibe hinab und hinterließen einen feuchten Film an der Küchentür, gegen die ihr Verführer sie immer energischer drängte. Cedric hatte sie so sehr mit seinen Armen und seinem Körper eingekesselt, dass sie sich nicht mehr länger bewegen konnte. Sie spürte seine aufregende Erregung an der Hüfte. Jede Faser ihres Körpers schrie nach ihm, verlangte nach Erlösung. Sie wollte ihn spüren. Ganz nah. Haut auf Haut. Den Schweiß. Die extreme Reibung zweier polarisierender Körper in wilder Ekstase. Maria seufzte erregt auf bei diesem verlockenden Gedanken und frohlockte mit eindeutiger Absicht mit ihrem an sein Becken gedrückten Hinterteil. Doch offenbar schien der unverschämte Machomann sie quälen zu wollen. Denn in dem Moment merkte sie, wie Rick sie unvermittelt los ließ.

Ihre Sinne waren zu sehr abgelenkt, als dass sie registrierten, was er als nächstes vorhatte. Schon stand er wieder hinter ihr. Ihre flackernden Augen konnten sein verschwommenes typisch grinsendes Gesicht in der Glasscheibe erkennen. Sie hasste es, wenn er sie so ansah und versuchte sich aus seiner erneuten Umklammerung herauszuwinden. Leider vergebens! Sie bemerkte an ihrem Spiegelbild, dass er etwas silbrig Glänzendes in seinen Händen hielt. Sie konnte es nicht genau erkennen, spürte es jedoch im nächsten Moment an ihrem Rücken, wie der Griff einmal ganz langsam ihre Wirbelsäule hinab fuhr. Sie erschauderte. Sämtliche Härchen hatten sich unter dem wohligen Schauer aufgerichtet. Was hatte dieser Mistkerl nur mit ihr vor, fragte sie sich vorfreudig mit bebendem Herzen. Doch da war es bereits passiert. Der Schnitt saß perfekt. Im Nachhinein konnte sich Dr. Hassmann nicht mehr erinnern, ob es eine Schere oder ein Skalpell gewesen war, viel deutlicher war dagegen die Erinnerung an die überwältigende Reaktion ihres Körpers, als die starken Hände von Dr. Stier die beiden Schnittenden packten und das Kostüm mit einem gewaltigen Ruck bis zu ihrem Poansatz aufrissen. Es kam ihr wie eine Erlösung vor. Der Druck, die Enge war wie weggeblasen. Sie hatte selten so etwas Erregendes erlebt.

Als nächstes spürte Maria eben jene rauen Chirurgenhände auf der nackten Haut ihres nun freigelegten Rückens. Eine Gänsehaut folgte den Linien seiner Fingerspitzen. Ganz sanft wanderten sie ihre Wirbelsäule entlang nach oben, um im nächsten Moment umso ungestümer um sie herumzufahren und ihre Brüste zu umfassen. Seine freche Exfrau hatte sehr zur Freude von Dr. Stier keinen BH getragen, was ihn in seiner Euphorie regelrecht umgehauen hatte. Er konnte sich nicht mehr länger zurückhalten und da jegliche zickige Gegenwehr ausblieb, zögerte er nicht länger und schritt ungeniert zur Tat, um ihm und seiner Mary grenzenlose Lust zu bescheren. In einem kontinuierlichen Rhythmus knetete er ihre Brüste, zwirbelte ihre Brustwarzen zwischen Zeigefinger und Daumen, so dass sie sich alsbald aufrichteten und gegen seine Handinnenfläche drückten. Das Gefühl war unbeschreiblich. Maria stöhnte auf. Alles zog sich in ihrem Unterleib zusammen. Ihr Po rieb aufreizend auffordernd an seiner Hüfte. Er grinste nur schelmisch und ließ seine heißen Lippen auf ihrem Nacken nieder, den er genüsslich liebkoste, während seine rechte Hand weiterhin ihre Brust bearbeitete und die andere gen Süden wanderte und quälend lange ihren Bauchnabel umkreiste. Irgendwie schaffte es Maria, ihre Arme endlich wieder frei zubekommen, die er samt ihrem Körper gegen die gläserne Küchentür stemmte. Ihre eine Hand griff nach hinten in seine Haare und zog kräftig daran, so dass er laut aufschreien musste, und die andere legte sich auf seine auf ihrem Bauch und schob diese selbstbewusst in ihren Schoss, der noch von den Resten ihres zerrissenen Catwoman-Outfits verhüllt war. Cedric zog scharf Luft ein, als seine Finger unvermittelt ihre intimste Stelle berührte. Maria stöhnte lustvoll auf und riss ihren Exmann an den Haaren herum und presste ihre glutroten Lippen wild auf die seinen. Ein heißer Tanz begann.

Nun gab es auf beiden Seiten keine Halten mehr. Auch die restlichen Fetzen von Marias Catwoman-Kostüm sowie seine Anzughose, die Boxershorts, Schuhe und Socken landeten inmitten des Chaos, das bereits zerstreut auf dem Stierschen Flurfußboden lag. Im nächsten Moment hatte Cedric seine Geliebte auch schon gepackt, auf der Flurkommode abgesetzt und war eine Sekunde später bereits in ihr. Marias Arme und Beine hatten sich krakenartig um seinen Körper geschlungen und drückten ihn gegen den ihren. Vor Lust laut aufschreiend nahm sie ihn in sich auf, passte sich schnell seinem ungestümen Rhythmus an, der sie sofort in andere Sphären katapultierte. Sie nahmen sich für Zärtlichkeiten und Neckereien keine Zeit mehr. Es sollte schnell gehen. Sie wollten sich spüren. Die Lust. Die Ekstase. Die Leidenschaft. Und einen unvergleichlich gewaltigen Orgasmus, der sie in nie gekannte Höhen schoss und sie schließlich gen Boden sinken ließ, auf dem sie sich nun Arm in Arm wieder fanden. Ein Blick in die glühenden Augen des anderen genügte, um zu wissen, dass dies erst der Auftakt einer nicht enden wollenden zügellosen Nacht gewesen war.

Lorelei Offline

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26.09.2012 16:25
#1338 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Juhu Mädels , ich hoffe, ihr habt euch gut erholt vom letzten Teil. Heute geht es wesentlich ruhiger zu, obwohl, naja, es könnte schon auch mal etwas lauter werden. Und so ganz ohne Blessuren findet das Ganze auch nicht statt. Also viel Spaß und liebe Grüße, eure Lorelei



Auch am anderen Ende der Stadt schien die Nacht kein Ende finden zu wollen. Doch hier waren die aufgeheizten Gefühle der Beteiligten weder erotischer noch feierwütiger Natur. Alle, einschließlich des unheimlichen Verursachers dieser unglücklichen Misere, waren aufgewühlt, nachdem was ihnen vor einer knappen Stunde beinahe passiert wäre, als sie die Blaulichter fast zu spät entdeckt hatten und gerade noch so unter mädchenhaftem Gekreische und panischem außerirdischen Gestammel mit quietschenden Reifen vor dem abgesperrten Stück Straße zum Halten gekommen waren, wo die Feuerwehr gerade mehrere von dummen Idioten, die die Hauptstadt bereits seit mehreren Monaten in Aufruhr versetzten, angezündete Luxusautos zu löschen versuchte. Der Puls der beiden Männer, die sonst nichts und niemand aus der Bahn werfen konnte, lag immer noch auf über 180, obwohl sie mittlerweile in schützenden vier Wänden im Halbdunkeln auf einem mit teurer weißer Spitzenbettwäsche und einem schwarz-weißen einem Schachbrett nachempfundenen Quilt bezogenen Kingsize-Bett saßen. Seine Hand zitterte merklich, als er dem Gesicht seines besten Freundes, das bei dem abrupten Bremsvorgang und der dadurch verursachten leichten Drehung des Wagens dummerweise Kontakt mit dem Armaturenbrett aufgenommen hatte, erneut näher kam und den wiederholten Versuch nochmals abbrach, um daraufhin im gewohnten scharfen Ton zu motzen...

Marc (gereizt): Jetzt halt still, verdammte Scheiße!
Mehdi (verzieht sein Gesicht u. rückt sicherheitshalber von seinem aufbrausenden behandelnden Arzt ab): AU!!! Gehst du immer so ruppig mit deinen Patienten um, Marc?
Marc (wedelt grinsend mit Nadel und Faden vor Mehdis Gesicht herum, das daraufhin noch blasser wird, als es ohnehin schon ist): Wenn sie nicht endlich ihr Maul halten und herumzicken wie kleine Mädchen, ja. Ich kann auch einfach zustechen, während du weiter hin und her ruckelst, aber ob Gabi dich dann mit ner Narbe so groß wie Italien noch nehmen würde, wage ich zu bezweifeln.
Mehdi (verschränkt beleidigt seine Arme): Sehr witzig. Aber das tut wirklich scheiße weh, Mann. Mein Kopf zerspringt gleich.
Marc (streckt seine Schultern u. nimmt wieder eine professionellere konzentrierte Haltung ein): Jetzt sei kein Frosch, Mehdi! Die örtliche Betäubung müsste eigentlich schon längst wirken. Und ich hab’s ja auch gleich. Nur noch drei Stiche, dann papp ich dir ein Pflaster drauf. Kriegst auch noch nen Bienchenstempel für Tapferkeit, wenn du willst, du Waschlappen.
Mehdi (hält mit zusammengebissenen Zähnen still u. atmet die Phantomschmerzen weg, während er leise vor sich hin murmelt): Das war wirklich knapp.
Marc (nachdenklich auf die Wunde an der Stirn seines Freundes konzentriert, die er liebevoll zusammenflickt): Hmm!
Mehdi (spürt den Schreck noch in allen Knochen): Wenn die Lichter und der Schneehaufen nicht gewesen wären...

Dr. Meier nickte gedankenverloren mit dem Kopf und verdrängte die sich immer wieder vor seinem geistigen Auge abspielenden Bilder und die laute Stimme des ermittelnden Polizeiobermeisters von vorhin schnell wieder, der ihm wegen des Beinahecrashs mit einem Feuerwehrfahrzeug im Einsatz gehörig die Leviten gelesen und erst damit aufgehört hatte, ihm einen Vortrag über die deutsche Straßenverkehrsordnung und die Fahrweisen bei schlechten Witterungsverhältnissen wie diesen zu halten, als er ihm ebenso lautstark erwiderte, dass sie Ärzte im Einsatz waren und ihm scheinheilig ihre Hilfe angeboten hatte, falls es bei den Autobränden Verletzte gegeben hatte, was zum Glück nicht der Fall gewesen war. Marc schnitt den Faden sorgfältig ab, legte sein Operationswerkzeug anschließend beiseite, zog die Gummihandschuhe aus und griff nach der Schachtel mit den Pflastern im Arztkoffer, der geöffnet neben ihm auf dem großen Bett lag. Während er die Verpackung öffnete und sich eins der Pflaster zurechtlegte, verdrehte er die Augen und linste kurz zur Tür, die nur angelehnt war. Er hörte leise Stimmen, achtete aber nicht weiter darauf, weil ihm die Galle schon wieder hochkam...

Marc: Wenn der Außerirdische nicht gelandet wäre! Der ist doch an allem Schuld. Eh, ich schwör’s dir, die Werkstattrechnung zahlt ER und wenn er dafür einen Kredit aufnehmen muss, diese Schwachbirne.
Mehdi (murmelt etwas in seinen Dreitagebart): Ich glaube nicht, dass der noch zu retten ist.
Marc (sieht überrascht auf u. drückt grinsend das Pflaster über die Naht, wobei er nicht gerade zärtlich vorgeht): Günni? Wem sagst du das! Wenn der unbedingt die Schreckschraube heiraten muss, selber schuld. Eh, wie kommt der überhaupt auf die bescheuerte Idee, wir hätten die Stasi-Sabsi gekidnappt. Der spinnt doch. Der hat doch zu lange am Formaldehyd im Leichenschauhaus geschnuppert. Der hat doch wirklich nicht mehr alle Tassen beisammen, aber wen wundert das bei der schrägen Kombi. Haasenzahn sollte den beiden ein Service zur Hochzeit schenken, damit nicht noch mehr Leerstand entsteht.
Mehdi (verzieht vor Schmerzen sein Gesicht u. streicht sich vorsichtig über die Wunde): Mann Marc, ich meinte damit eigentlich dein Schätzelein.
Marc (die Grinsemiene weicht einem angesäuerten Gesicht, während er seinem Kumpel auf die Finger klatscht, damit kein Dreck an die Wunde kommt): Boah! Ich mach den so zur Schnecke, wenn die das nicht wieder hinbekommen. Ich häng an der Karre. Ich fahr die mit Unterbrechung seit über fünfzehn Jahren.
Mehdi (klopft ihm mitfühlend auf die Schulter): Ich weiß. Diese innige Liebe hält schon genauso lange wie unsere.
Marc (schließt grummelnd den Arztkoffer u. stellt ihn neben das Bett): Hahaha, du Spaßvogel! Der schuldet mir auf jeden Fall ein Auto. Den nagele ich fest. Dafür wird er so einige Wagenladungen Leichen unter die Erde bringen müssen, echt.
Mehdi (verdreht angesichts des theatralischen Marcs die Augen): Marc, das ist nicht witzig. Dr. Gummersbach steht genauso unter Schock wie wir.
Marc (verschränkt beleidigt die Arme u. kuckt ihn böse an): Ich steh nicht unter Schock. Das war doch Pippifax. Aber... wobei... wenn ich mir dich so anschaue... hmm... damit könntest du dich bei ner Geisterbahn bewerben. Denn mit der Visage lässt dich wohl keine Frau mehr freiwillig unter ihren Rock kucken. Tja, musst dich wohl beruflich umorientieren.
Mehdi (eingeschnappt): Witzig!
Marc (grient ihn vergnügt an): Ja, nicht? Du musst dich darauf gefasst machen, dass es erst blau, dann grün-gelb wird. Sind nicht gerade deine Farben. Ich würde es mit einer Augenklappe versuchen. Oh warte, ich glaube, Haasenzahn hat noch eine übrig. Haha! Oder du fragst am besten mal, ob Gabi dir ihren Concealer leiht, damit nicht alle vor dir wegrennen müssen, du Hochzeitsschreck.
Mehdi (streckt die Zunge raus): Hahaha! Trotzdem danke, Mann.
Marc (verzieht die Lippen zu einem schiefen Lächeln): Kein Thema! Ich konnte doch nicht verantworten, dass du heute wegen zu starkem Blutverlust schwächelst. Ich brauch dich doch als Best Buddy auf der Hochzeit des Grauens. Ich geh da nicht alleine hin. Das kannste knicken.
Mehdi (lehnt sich grinsend zur Seite an Marcs Schulter, die er anstupst): Mir geht’s gut. Mach dir keine Sorgen. Mich haut nichts so schnell um.
Marc (grinst): Gut! Mutter hätte dich nämlich umgebracht, wenn du ihren achttausend Euro teuren weißen Designerteppich, den sie extra aus Kambodscha oder weiß der Geier woher importiert hat, mit deinem Blut besudelt hättest. Sie kann nämlich kein Blut sehen, sondern nur über Blutsauger schreiben.

Marcs Grinsemiene verschwand mit einem Mal und er wurde ganz ruhig. Er schien plötzlich ganz weit weg zu sein. Mehdi ahnte, in welche Richtung Marcs Gedanken gehen könnten, und blieb an seine Schulter gelehnt neben seinem Freund sitzen. Es war still in dem luxuriösen Schlafzimmer, das nur von der grellen auf ihn und seine Wunde gerichteten gold verzierten Nachttischlampe beleuchtet war. Auch im Erdgeschoss, aus dem eben noch zwei Männerstimmen zu hören gewesen waren. Zum ersten Mal in dieser aufwühlenden Nacht kehrte wieder so etwas wie Ruhe ein. Der Beinahecrash und die Fastverhaftung, die zweite in diesen Monat für unseren werten Dr. ‚Großschnauz’ Meier, waren nämlich nicht der einzige Aufreger gewesen, den die drei Herren vom Berliner Elisabethkrankenhaus an diesem Abend erwartet hatte. Auch dieser Schreck ließ noch im Nachhinein den Blutdruck des angeschlagenen Halbpersers wieder nach oben schnellen und sein Herz schneller schlagen. Denn beinahe hätte er nicht nur über dem linken Auge einen kleinen Cut gehabt, sondern auch auf der anderen Seite einen noch viel größeren. Die Person in dem weißen Gewand hatte nämlich schon ausgeholt, als sie wie ein Geist plötzlich vor ihm und seinen beiden Kollegen aufgetaucht war...

Lorelei Offline

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01.10.2012 16:46
#1339 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Sorry, es hat diesmal etwas länger gedauert als sonst, aber die meisten wissen ja warum. Heute geht es aber weiter. Der eine oder andere hatte ja schon den richtigen Riecher, um wen es sich denn bei dem unheimlichen Geist handeln könnte. Viel Spaß und schönen Start in die neue Woche. Eure Lorelei



Da es sich als schwieriger als gedacht gestaltet hatte, mit der verunfallten alten Rostlaube von Dr. Meier weiterzufahren, die trotz eifrigen Bemühens von Dr. Gummersbach, der offenbar ein heimliches Talent für Motoren und Raketenantriebe besaß, nicht mehr anspringen wollte und schließlich unter Beinahetränen als unschuldiges Opfer höherer Gewalt zurückgelassen werden musste, waren die drei Oberärzte des renommierten Berliner Elisabethkrankenhauses die restlichen zweieinhalb Kilometer, die noch vor ihnen gelegen hatten, bei heftigem Schneetreiben zu Fuß gelaufen und schließlich als durchgefrorene Eisbären vor der Haustür von Elke Fisher angelangt. Unterbewusst hatte Dr. Kaan es die ganze Zeit schon geahnt, dass die anfänglich planlose Irrfahrt des verzweifelten Mannes durch halb Berlin wohl genau hier enden würde. Im Schoße der geliebten Mutter sozusagen.

Marc, dessen Laune mittlerweile den arktischen Gefrierpunkt erreicht hatte, nachdem er die ersten anderthalb Kilometer strengen Fußmarsches den armen Pathologen dermaßen rundgemacht hatte, dass dieser sich nicht mehr getraut hatte, auch nur einen Mucks von sich zu geben, um nicht noch im Schnee eingeseift oder in der ihm fremden Umgebung ohne Navi zurückgelassen zu werden, hatte gerade nach dem Hausschlüssel greifen wollen, als plötzlich eben jene Tür zum Haus seiner Jugend unvermittelt aufgerissen wurde und man sich einem Mann mit grimmiger Miene im weißen Freizeitanzug und Baseballschläger im Anschlag gegenüberstand, der sich nach den ersten bangen Schrecksekunden zum Glück als Marcs Vater herausgestellt hatte, der Einbrecher und keine Schneemänner vor der Tür vermutet hatte.

Wie es sich im Anschluss bei einer Tasse wärmenden Lavendelblütentees herausstellte, hatte eine ungestillte Sehnsucht auch Prof. Meier in sein altes Zuhause gezogen. Er hatte auf Hinweise auf den Verbleib seiner verschollenen Frau gehofft, dabei war ihm aber etwas ganz anderes in die Hände gefallen, das ihm nun keine Ruhe mehr ließ. Sein Gesicht, das vor lauter Sorge um Jahre gealtert zu sein schien, hatte Bände gesprochen, als er sich mit dem neusten Romanmanuskript der Starautorin in der Hand wieder auf das blütenweiße Designersofa gesetzt und die losen Blätter an seine bebende Brust gedrückt hatte. Mehdis schlechtes Gewissen war sofort geweckt worden. Wie auch das des Sohnes des Hauses, der mit dem Durcheinander in seinem Kopf und seinem Herzen nicht wirklich umzugehen wusste. In Anbetracht der schlimmen Tatsachen, die Marc heute erfahren hatte und die alles ändern würden, fühlte dieser sich kaum in der Lage, seinem sichtlich emotionalen Dad länger als nötig gegenüberzutreten und so hatte er sich als Ablenkung seinen blutenden Freund Mehdi geschnappt und sich mit ihm in das Schlafzimmer seiner Mutter im Obergeschoss zurückgezogen, wo er auf deren hypochondrisches Drängen hin schon seit Jahren einen mit allen Raffinessen ausgestatteten Arztkoffer deponiert hatte, um nun hier seinen besten Kumpel, der zur Ironie des Schicksals als Einziger der drei etwas abbekommen hatte, was er in seinen Augen wegen dessen Geheimniskrämerei eigentlich auch verdient hätte, ärztlich zu versorgen, während sich Olivier Meier unten im Wohnzimmer dem verwirrten Günni Gummersbach annahm, der leichenblass im Salon auf dem Kanapee neben dem Kamin saß und seit dem Fastunfall noch keinen Mucks gesagt hatte, außer dass sich seine vermisste Braut wohl doch nicht hier in den heiligen Hallen ihres großen Idols befand, wo er sie vermutet hatte. Aber vielleicht hätte er auch einfach nur mal auf sein Handy schauen sollen, um sich zu vergewissern, dass es seinem Bienchen in der Obhut ihrer reizenden Trauzeugin sehr gut ging, wie sie ihm noch vor wenigen Minuten in einer Sms mitgeteilt hatte.

Nach einem Moment des gemeinsamen besinnlichen Schweigens richtete Mehdi Kaan dann doch wieder das Wort an seinen nachdenklichen Freund, der neben ihm wie ein kleiner verloren wirkender Junge stumm aus dem Schlafzimmerfenster schaute, vor dem sich der Mond unter nachlassendem Flockenwirbel wieder in seinem vollen Kleid präsentierte. Die Mondfinsternis hatten sie während der aufwühlenden letzten Stunden leider verpasst. Doch die fand offenbar gerade im Herzen des Sohnes von Elke Fisher statt, deren leise Telefonstimme dort immer noch nachhallte.

Mehdi: Was wirst du jetzt tun?
Marc (dreht seufzend seinen Kopf zur Seite u. sieht ihn mit traurigen Augen an): Das, was du auch tun würdest. Deshalb hast du mich doch eingeweiht.
Mehdi (schaut ihn ernst an): Ich hab es dir gesagt, weil du mein Freund bist. Du hättest genauso gehandelt.
Marc (nachdenklich): Ja, vermutlich.
Mehdi: Wann willst du aufbrechen?
Marc (zögerlich): Lieber heute als morgen. Aber...
Mehdi: Aber?
Marc (sieht ihn direkt an u. seufzt): Ich will Gretchen nicht den schönen Tag verderben. Sie freut sich doch schon seit Wochen auf diesen ganzen Kitsch und ist ganz aus dem Häuschen, weil die Sabsi den Trottel heiratet. Du kennst sie ja.
Mehdi (mitfühlend): Sie hätte Verständnis. Das weißt du.
Marc (fährt sich seufzend mit einer Hand durch die Haare): Ich weiß und genau deshalb mache ich das ja auch für sie. Sie ist so euphorisch und glücklich. Und es ist ja nicht nur das. Nach allem, was heute passiert ist, all die überraschenden Entscheidungen für unsere Zukunft und dann noch die spontane Ho... äääähhh... Stopp, Meier! Zu viele Infos für ein angeschlagenes Gemüt wie den Frauenflüsterer. ... Ach Mann, ich weiß doch auch nicht. Außerdem hab ich, so wie’s aussieht, keine Karre mehr. Und bei den beschissenen Wetterverhältnissen würde ich es nicht mal bis ins Erzgebirge geschweige denn bis in die Alpen schaffen. Und ich muss erst noch ein paar Dinge klären, bevor ich ihr da unten so rüüüchtig die Hölle heiß machen kann.
Mehdi (ahnt, worauf er hinaus will u. hakt vorsichtig nach): Du meinst... Olivier?

Scheiße ja, was mache ich denn mit dem? Das packt der doch nicht, so wie der drauf ist.

Marc schaute gedankenverloren zur angelehnten Tür, durch die ein kleiner Lichtstrahl vom Flur hereinströmte. Er hörte seinen Vater im Untergeschoss lachen. Endlich lachte er wieder, dafür müsste man dem Gummersbach eigentlich einen Pokal überreichen anstatt ihm einen überzuziehen, weil er das hinbekommen hatte, wie auch immer, dachte Oliviers Sohn und wandte sich mit ernster Miene wieder Mehdi zu...

Marc: Bevor ich nicht weiß, wie genau der Stand der Dinge ist, will ich ihn damit nicht belasten. Das verstehst du doch oder?
Mehdi (hin und her gerissen): Ich weiß nicht. Ich finde, sie braucht euch beide, um endlich zu begreifen, dass sie das nicht alleine durchstehen muss.
Marc (rollt mit den Augen): Du kennst meine Mutter, Mehdi. Die Stürmung von Fort Knox ist nichts dagegen. Ich will erst sehen, wie’s ihr wirklich geht und wieso sie so zumacht. Dann kann ich ihn immer noch nachholen. Das wäre dann quasi der nächste Therapieschritt.
Mehdi (nachdenklich stimmt er ihm schließlich zu): Hmm... ok, ich denke, ich verstehe, was du vorhast. Sie zu irgendwas zu drängen, was sie nicht will, ist vielleicht der falsche Weg. Du wirst schon wissen, was du tust. Ich werde ihm nichts sagen. Versprochen.
Marc: Danke Mann.

Marc lächelte seinen besten Freund dankbar an. Dieser erwiderte Marcs Lächeln, das mit einem Mal wieder einer nachdenklichen Miene wich. Die eines besorgten liebenden Sohnes. Aufgewühlt blickte er in Mehdis Augen hin und her auf der Suche nach jedem Funken Hoffnung, der ihm Mut machen konnte. Er musste jetzt stark sein, wenn sie es schon nicht sein wollte. Er hatte selten so viel Angst empfunden wie in diesen bangen Stunden. Es war nur vergleichbar mit dem Moment, als er Gretchen hatte wiederbeleben müssen nach dem Stromstoß, den der kaputte Herzschrittmacher eines Patienten verursacht hatte, oder als er sie für verloren geglaubt hatte, als in dem Restaurant, wo sie eigentlich nur diesen Arsch von Betrüger festnageln wollten, ein Schuss aus der Waffe von Mechthild von Buren gefallen war. Der Schmerz, den er damals empfunden hatte, fraß sich wieder durch seine Eingeweide und packte mit eiskalter Hand nach seinem Herzen. Es schüttelte ihn und er schloss für eine Sekunde seine Augen, bevor er Mehdi wieder eindringlich ansah...

Marc: Sie... sie wird es doch schaffen? Ich meine, heutzutage da... da... *schluck* ... stirbt man doch nicht gleich? Die Statistiken besagen doch, dass nur noch jeder achte... *räusper* ... Der Mist ist doch heilbar, oder?
Mehdi (sieht ihn mitfühlend an u. versucht ihm, Hoffnung zu geben, auch wenn ihm selbst zum Heulen zumute ist): Sie ist in den besten Händen, Marc. Sie darf sich nur nicht aufgeben.
Marc (wischt sich eine verstohlene Träne aus dem Augenwinkel u. versucht vor seinem Kumpel stark zu sein): Verstehe!
Mehdi (breitet seine Arme aus u. sieht ihn auffordernd an): Hey! Komm mal her!
Marc (sieht ihn ziemlich skeptisch an): Äh... was soll das werden, wenn ich fragen darf?
Mehdi (rutscht näher heran u. versucht seine Arme um ihn zu legen): Eine tröstende Umarmung?
Marc (rückt in leichter Panik weg): Woah! Jetzt ist aber gut mit deinem Gutherzentum, Mehdi. Ich komm klar.
Mehdi (sieht ihn eindringlich an, er hat es doch nur gut gemeint): Marc, es ist keine Schande, auch mal Schwäche zu zeigen. Das macht einen nur menschlicher.
Marc (verdreht die Augen u. springt unvermittelt vom Bett auf): Mehdi, wir sind Männer und keine Mädchen. Also hopp, auf! Dad ist schon viel zu lange allein mit dem Irren. Nicht dass er ihn noch in ein kleines grünes Männchen verwandelt oder so.
Mehdi (lässt die Schultern hängen u. sieht grinsend zu ihm hoch): Ai ai Kapitän!
Ich werde trotzdem für dich da sein, ob du’s willst oder nicht. Du musst nicht immer den Helden spielen, lass dir auch mal helfen.
Marc (legt den Kopf schief u. ein ironisches Lächeln umspielt seine Lippen): Ich glaube, das Schmerzmittel lassen wir weg. Die Spritze von vorhin hat schon viel zu viel Schaden bei dir angerichtet.

Marc griente seinen Kumpel an. Dieser schüttelte nur amüsiert den Kopf und erhob sich ebenfalls vom Bett. Vielleicht ein bisschen zu schnell für seinen Geschmack. Ein leichter Schwindel befiel Mehdi, so dass Marc ihn kurz stützen musste. Jetzt war er wieder derjenige, der sich Sorgen machte, auch wenn er es mit seinem lockeren frechen Mundwerk zu vertuschen versuchte...

Marc: Ok, ich geb dir doch noch was. Ich glaube, du hast auch noch eine kleine Gehirnerschütterung abgekriegt, aber das du was am Kopf hast, wusste ich ja bereits. Wenn du kotzen musst, das Bad ist nebenan. Tja, das wird dann wohl heute nix mehr mit dem Besaufen auf der Hochzeit der Außerirdischen. Hiermit erteile ich dir nämlich offiziell ein striktes Alkoholverbot. Der wirkt sich nämlich nicht so gut aus in Verbindung mit Schmerzmitteln. Schade, jetzt kannst du dir nicht mal mehr die Braut und Gabi schön trinken. Tja, Pech gehabt. Hähä! Du, aber im Ernst, wir machen am besten am Montag zur Kontrolle noch ein Schädel-CT, um zu schauen, ob noch alle Synapsen richtig sitzen. Bis auf die üblichen weiblichen Neurosen denke ich, werden wir aber nichts finden. Reine Routine also.
Mehdi (blickt seinen grinsenden Freund grimmig an, als er ihm das Aspirin aus der Hand reißt u. es mit einem Glas Wasser hinunterschluckt): Witzig! Aber ich bin froh, dass du zumindest deinen Humor nicht verloren hast. Das lässt mich hoffen.

...sagte Dr. Kaan kleinlaut, trank noch einen Schluck Wasser hinterher und ließ einen sprachlosen Dr. Meier im Schlafzimmer stehen, der ihm aber eine Sekunde später eilig nach unten in den Salon folgte, wo Prof. Meier Dr. Gummersbach erfolgreich unter Zuhilfenahme eines edlen Tropfens Cognac therapiert hatte, der nun wie ein Wasserfall drauflos quatschte, über sein ausgefallenes Hobby und die Sternenflotte sinnierte und von seiner Braut in den höchsten Tönen schwärmte, die er noch heute kirchlich zu heiraten gedachte.

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04.10.2012 17:11
#1340 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Marc und Mehdi bemerkten als Erste die Wehmut, die sich im Laufe von Günnis blumigen Erzählungen, die von einer gewissen regelmäßigen Lektüre diverser Rogelt-Bände zeugten, auf Oliviers Gesicht geschlichen hatte. Die zweite Hochzeit mit der Liebe seines Lebens war schließlich auch erst ein paar Wochen her. Nie hätte der renommierte Starchirurg geglaubt, dass er schon wenige Tage später, die nebenbei bemerkt trotz vieler emotionaler Aufs und Abs die glücklichsten seines Lebens gewesen waren, alleine hier in ihrem gemeinsamen Heim sitzen würde und alles, was ihm von seinem Mokkapralinchen geblieben war, ein paar voll geschriebene Seiten Papier sein würden. Der Blick von Elkes Mann fiel immer wieder auf eines der ersten Blätter und der Widmung, die sich darauf befand. Das machte auch Marc Meier irgendwann stutzig, der sich gerade lässig von der Hausbar einen Whisky geholt hatte, seinem Vater sowie Günni ebenfalls einen reichte, mit dem er mittlerweile so etwas wie einen stummen intergalaktischen Frieden geschlossen hatte, und sich dann wieder neben Mehdi auf das zweite Sofa fläzte, der sich mit einem Glas Wasser begnügen musste...

Marc: Was’n das?
Olivier (hat seinen Sohn nicht gleich gehört u. schaut nun verwundert auf): Was? ... Oh! Das? Ähm... Das... ist... von ihr. Elkes neustes Manuskript, das ich druckfertig für den Verlag auf ihrem Schreibtisch gefunden habe, als ich nach Hinweisen zu ihrem Verbleib gesucht habe.
Marc (Unruhe macht sich in ihm breit u. er fasst sich an seinen Hals, den ein Kloß blockiert, den er auch mit Alkohol nicht wegbekommt, den er gerade seine Kehle hinabkippt): Ach?
Olivier (sieht ihn etwas verlegen an): Ich weiß, du hast mich gewarnt, noch einmal hierher zu kommen. Aber... ich konnte einfach nicht anders. Hier fühle ich mich ihr nah.
Sch...! Nicht gut! Gar nicht gut!
Marc (fühlt sich gar nicht wohl dabei u. trinkt den Rest Jack Daniels gleich auf ex): Dad!?
Olivier (nippt ebenfalls an seinem Glas, stellt es auf einem Untersetzer auf dem edlen Glastisch ab u. schaut aufmunternd zu seinem Sohn rüber): Mach dir nicht so viele Gedanken um mich, mein Sohn. Mir geht es gut. Besser denn je, um genau zu sein. Und ich werde mich auch nicht mehr weiter hängen lassen.
Marc (hebt argwöhnisch eine Augenbraue u. lässt seinen Vater nicht mehr aus den Augen): Wirklich?
Olivier (nickt leicht mit dem Kopf u. lächelt hoffnungsfroh, als er sich zurücklehnt u. einen Arm auf die Sofalehne legt): Ja, dank deiner Schwiegereltern in spe.
Marc (glaubt sich verhört zu haben): Bitte?
Olivier: Ich habe mich vorhin lange mit Franz und seiner Frau unterhalten. Sie haben mir Mut gemacht. Und als Bärbel so nebenbei anmerkte, Elke hätte sich vor einigen Tagen in der Klinik gemeldet, konnte ich mich nicht zurückhalten. Ich musste einfach hier nach dem Rechten schauen. Ich hatte die leise Hoffnung, sie sei vielleicht wieder zu uns zurückgekehrt.
Boah, muss sich das Butterböhnchen eigentlich in jeden Dreck einmischen? Was fällt der eigentlich ein? Äh... Moment mal! ... Was?
Marc (horcht auf, schaut vergewissernd zu Mehdi, dem es ähnlich geht, u. richtet sich auf dem Sofa auf, an dessen Kante er vorrutscht, als er sich etwas über den Tisch beugt): Das ist sie aber nicht! Das hätte ich dir auch gleich sagen können. Äh... Moment! Sie hat in der Klinik angerufen? Wieso hat Gretchens Mutter das nicht erwähnt?
Olivier: Du weißt doch, wie zerstreut sie manchmal sein kann. Gerade jetzt, wo sie zum ersten Mal Oma geworden ist.

Mehdi (sieht irritiert zu Marc u. flüstert ihm etwas zu): Bitte? Ich dachte, ihr wüsstet noch nicht, ob ihr...
Boah, die Haase-Weiber bringen mich echt noch mal ins Grab!
Marc (blickt seinem Freund bedrohlich in die Augen u. hebt einen Zeigefinger, während er zurückflüstert): Halt die Klappe, Mann! Nicht sie! Das Butterböhnchen ist doch wegen Jochen so aus dem Häuschen. Uns hat sie zum Glück nicht aufm Kieker. ... Noch nicht!
Mehdi (jetzt dämmert es ihm): Ach so, du meinst, wegen Chantal und dem Baby?
Marc (verdreht genervt die Augen): Jep! Wenn Jo’s Braut so heißt? Blitzmerker!
Olivier (hat die beiden tuschelnden Männer eine Weile irritiert beobachtet u. richtet sich nun ungeduldig an Marcs Freund): Hast du eine Ahnung, was Elke von dir wollte, Mehdi? Sie hat bei dir im Büro angerufen, so wie ich das verstanden habe. Hat sie noch irgendeine Nachricht hinterlassen? Frau Haase konnte sich nicht genau erinnern. Weißt du vielleicht, was mit meiner Frau ist?
Sch...! Was mache ich denn jetzt bloß?
Mehdi (das schlechte Gewissen lähmt ihn, je länger er unter Druck gesetzt wird u. so schaut er mit hochrotem Kopf hilfesuchend zu Marc rüber): Ääähhh...

Na super! Wie viel hat er denn noch verschwiegen? Weichei!

Marc (hilft dem Stotterer aus der Patsche u. sieht ihn dabei eindringlich an): Ach was, lass gut sein, Dad. Mehdi war zwei Wochen weg, das weißt du doch. Sie wollte bestimmt nur ihren Vorsorgetermin absagen. Was weiß ich denn?
Mehdi (tauscht mit Marc vielsagende Blicke aus, fühlt sich aber gar nicht gut dabei, Olivier weiterhin etwas zu verschweigen): Äh... Ja, genau. So muss es gewesen sein.
Olivier (lehnt sich enttäuscht zurück): Ach so. Verstehe. Und ich dachte schon...
Marc (prescht ihm schnell ins Wort): Mann, Dad, jetzt lass den Kopf nicht hängen. Das wird sich schon alles irgendwann irgendwie aufklären.
Hoffe ich! Wenn ich ihr den Kopf zurechtgerückt habe. Mann, Mutter, du hast keine Ahnung, was du hier anrichtest.
Olivier (nachdenklich sieht er seinen Sohn an u. deutet auf die Blätter in seiner Hand): Aber was ich nicht verstehe, ist das hier. Sie lässt mich einfach so in unseren Flitterwochen stehen mit nichts außer einem kleinen nichts sagenden Zettel und schreibt dann wenig später so schöne Dinge über mich. Es will mir einfach nicht in den Kopf.
Marc: Hä?

Marc starrte seinen Vater an, als hätte er ihm gerade auf Suaheli geantwortet, und verstand nicht, was er ihm damit zu sagen versuchte. Günnis Antennen waren dagegen umso aufnahmefähiger. Er hatte schließlich vorhin unter rührigen Tränen die gefühlvollen Worte lesen dürfen, die ihm der Vater seines Kollegen aufgewühlt gezeigt hatte, nachdem auch er ihm von seiner großen Liebe erzählt hatte und dass man sie festhalten sollte, solange man die Chance dazu hatte. Und so fühlte sich der aufmerksame Pathologe und baldige Ehemann nun dazu beauftragt, die ganze Sache aufzuklären, um irgendwie mithelfen zu können, wo er doch heute schon für so viel Chaos gesorgt hatte, was ihm im Nachhinein unendlich peinlich erschien. Dr. Meier reagierte doch nur so gereizt auf ihn, weil er seine geliebte Mutter über alles vermisste. Er hatte im Laufe des Abends ganz neue Seiten an dem sonst so schroffen Arzt entdeckt und zu schätzen gelernt. Sein Bienchen hatte im Grunde immer recht damit gehabt, wenn sie ihren Oberarzt vor ihm verteidigte. Er hatte das Herz am rechten Fleck, auch wenn er dies nie offen zeigte. Und was öffentliche Gefühlsbekundungen betraf, waren sie sich sogar ein bisschen ähnlich.

Günni (kleinlaut): Die Widmung für den neuen Roman von Frau Fisher. Das ultimative Ende der wunderbaren Dr.-Rogelt-Reihe. Sabine wird völlig aus dem Häuschen sein, wenn ich ihr das erzähle.
Marc (sieht Günni an wie einen Außerirdischen u. versteht nur noch Bahnhof): Was ist damit?
Hä? Ich versteh das nicht. Hat sie nicht am Telefon gesagt, sie würde die Sache abwickeln lassen?
Olivier (Tränen schießen ihm sofort wieder in die Augen, als er seinen Sohn den Grund für seine neu geschöpfte Hoffnung nennt): Es ist die schönste Liebeserklärung, die ich je von ihr bekommen habe.
Wie jetzt?
Marc: Gib mal her!

Marc sprang von der Couch auf, beugte sich über den Glastisch und riss seinem Vater das Manuskript unsanft aus den Händen, wobei einige der Zettel zerknittert wurden. Hastig überflog er Zeile um Zeile der einleitenden Worte des finalen 55. Bandes von „Dr.-Rogelt. Der ewige Triumph der Liebe“ und schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf. Dabei murmelte er etwas in seinen Dreitagebart, was nur sein Kumpel neben ihm mitbekam...

Marc: So eine blöde, blöde Idiotin.

Mehdi lugte Marc neugierig über die Schulter, als er versuchte, die romantische Widmung der Autorin an ihren Mann ebenfalls zu lesen und dabei heftig schlucken musste...

„Por mi corazón, der mir gezeigt hat, dass die wahre Liebe wirklich alles überwinden kann. Ich werde dich immer lieben. Vergiss das bitte nie! Ich habe dir das in der Vergangenheit viel zu wenig gesagt. Aber du warst und wirst immer meine ewige Muse bleiben, auch wenn Monique und René jetzt allein ihre Wege gehen werden. In Liebe, dein MP.“

Während die beiden Freunde ungläubig Elkes Worte wieder und wieder lasen und anschließend sich bekabbelnd die losen Blätter bis zur letzten Seite durchblätterten, auf der in großen Lettern tatsächlich ein finales „ENDE“ geschrieben stand, meldete sich auch der Mann der erfolgreichen Schriftstellerin von der anderen Seite des Tisches wieder zu Wort...

Olivier: Ich glaube nicht, dass sie mich verlassen hat. Nicht nach dem hier! Sie hat unsere Geschichte aufgeschrieben, Marc. Und wer so schreibt, so emotional und liebevoll ehrlich, der verlässt nicht. Irgendetwas muss passiert sein, dass sie zurückschrecken lässt, mir in die Augen schauen zu müssen. Aber ich werde kämpfen, mein Junge. Kämpfen! In der Liebe muss man einfach kämpfen und das werde ich.

Oje! Das hat mir gerade noch gefehlt!

Mehdi und Marc schauten gleichzeitig auf, sahen erst den entschlossenen Mittfünfziger, dann sich selbst an. Sie wussten beide nicht, was sie darauf erwidern sollten. Und das mussten sie auch nicht, denn Olivier murmelte einfach entschlossen weiter, während er Elkes Selbstporträt über dem Kamin mit liebvollen Blicken in Augenschein nahm...

Olivier: Ich werde sie nicht aufgeben. Nicht noch einmal. Ich werde sie finden und ihr beweisen, dass sie sich vor unserer Liebe nicht verstecken muss, egal warum sie so große Angst davor hat. Und sie schreibt doch selber, dass unsere Liebe alles überwinden kann. René und Monique haben schließlich auch alle Hürden und Lawinen überwunden und leben nun glücklich mit ihren sieben Kindern in ihrem Landhaus mit integrierter Hausarztpraxis und Suchtklinik im Süden Frankreichs.
Günni (kleinlaut): Genau!
Ok! Das ist der letzte Beweis. Mutter ist vollkommen durchgeknallt! Was haben die der für Medikamente gegeben? Das Ende ist pilcherekelhaft und nicht fisherwürdig! Ich brauch dringend nen Schnaps. Oder ich nehme zur Betäubung gleich Mehdis Schmerzmittel. Auch gut!
Marc (schaut erst irritiert zu Günni, dann peinlich berührt zu seinem Vater, der daneben sitzt u. vor sich hin träumt): Ach Dad! Das ist jetzt echt nicht dein...
Olivier (fällt seinem Sohn ins Wort u. schenkt ihm ein liebevolles entschlossenes Lächeln): Nein, lass nur, mein Sohn! Ich weiß schon, was ich tue. Und es ist schließlich nicht das erste Mal, dass ich deine Mutter zur Vernunft bringe.
Marc (gibt sich überfordert geschlagen u. wird immer kleiner auf der Couch): Was du nicht sagst?
Den Part kenne ich zur Genüge.
Olivier: Ach, bevor ich es vergesse, auf Elkes Schreibtisch liegt noch ein Paket für dich und Gretchen.
Marc (runzelt verwundert die Stirn u. dreht sich um): Ein Paket? ... Dort wartet übrigens noch ein Paket auf dich und Gretchen. Ich hoffe, ich bin nicht zu spät dran... Das Paket! Das hab ich ganz vergessen.

...murmelte Marc gedankenverloren und erinnerte sich plötzlich daran, dass seine Mutter während ihres seltsam emotionalen Telefonats von heute Abend auf der Dachterrasse so etwas erwähnt hatte. Was sollte dieser generalstabsmäßige Abschied eigentlich? Die spinnt doch! Sofort sprang er auf und lief nach nebenan. Mehdi machte es ihm gleich und folgte seinem Freund auf dem Fuße ins Arbeitszimmer von Frau Fisher.

Und dort lag das besagte Paket tatsächlich in der Mitte des akribisch aufgeräumten Schreibtischs aus massivem weiß gestrichenen Eichenholz, an dem Marcs Mutter so viele unsäglich grauenhafte Schmonzetten-Romane geschrieben hatte. Es war klein, handlich und hatte in etwa die Größe eines ihrer Taschenbücher in ihrem deckenhohen weißen Bücherregal, in dem ausschließlich ihre eigenen Werke aufgereiht nebeneinander standen. Das rechteckige Päckchen glitzerte verlockend im Lichtschein der kleinen Schreibtischlampe, welche Marc soeben eingeschaltet hatte und welche die „Goldene Henne“, die Elke Fisher vor zwei Wochen in Abwesenheit als Publikumsliebling gewonnen hatte, und ihre heiß geliebte Autogrammkarte von Roland Kaiser, mit dem ihr seit Jahren von eben jener Zeitschrift, die ihr diesen Preis verliehen hatte, eine Affäre nachgesagt wurde, beleuchtete. Es war mit goldenem Geschenkpapier umwickelt und zeugte von Elkes hochwertigem Geschmack.

Marc wusste nicht wirklich, was es damit auf sich haben könnte und drehte das Paket misstrauisch hin und her. So kam ein weißer Briefumschlag darunter zum Vorschein, der sofort sein ungeteiltes Interesse weckte. Er trug in schnörkeliger Schrift seinen Namen, „Marc Olivier“. Marc verdrehte die Augen. Sie konnte es einfach nicht lassen. Selbst aus der Ferne konnte sie ihn nerven ohne Ende. Er legte das Geschenk beiseite und griff nach dem weißen Umschlag. Mehdi blieb die ganze Zeit dicht hinter ihm und ließ ihn keine Sekunde aus den Augen, damit sein zu aufbrausendem Verhalten neigender Freund nicht noch einmal überreagierte. Leise sprach er ihn an und knibbelte dabei an seinem Pflaster über der Augenbraue, das ihn nervig zwickte...

Mehdi: Sie hat dir geschrieben. Das wusste ich nicht.
Marc (dreht seinen Kopf zu ihm herum u. sieht ihn unwirsch an): Sie scheint das alles akribisch geplant zu haben. Und wenn ich ihr nicht hartnäckig hinterher gewesen wäre, wäre sie vermutlich sogar damit durchgekommen. Gott, diese Frau macht mich echt wahnsinnig. Was denkt die sich eigentlich?
Mehdi (bleibt ruhig u. besonnen): Wahrscheinlich wollte sie alles regeln, falls...

Der verständnisvolle Frauenarzt brach seinen Satz abrupt ab, weil er Marc nicht weiter unnötig wehtun wollte. Doch Elkes Sohn hatte verstanden. Sowohl seinen besten Freund, der es nur gut gemeint hatte, als auch seine Mutter, die auf schlechte Nachrichten immer melodramatisch reagierte. Doch diesmal hatte diese sture Person dem Fass tatsächlich den Boden ausgeschlagen. Er drehte den ungeöffneten Brief misstrauisch in seinen Händen hin und her und drückte eine Ecke des Umschlages immer wieder nachdenklich gegen sein Kinn. Dann hielt er plötzlich inne und blickte direkt in Mehdis verdutztes Gesicht. Dessen braune Kulleraugen wurden ungläubig größer, als er mit Entsetzen beobachten musste, wie Marc den Brief seiner Mutter einfach so vor seinen Augen zerriss und die Einzelteile ungelesen in den Papierkorb unter dem Schreibtisch rieseln ließ...

Mehdi: Marc, was machst du da?
Marc (sieht ihn entschlossener denn je an, seine Augen funkeln dabei verdächtig auf): Ich bin nicht bescheuert, Mehdi. Ich weiß genau, was das ist. Das ist ein Abschiedsbrief. Genau wie ihr Anruf vor ein paar Stunden ein Abschied war. Aber zum Teufel noch mal, ich mache da nicht mit! Den Abschied kann sie knicken und wenn ich ihr höchstpersönlich das Chemotherapeutikum einflößen muss. Ich werde nicht aufgeben. Niemals! Da bin ich wie Dad.

Mehdi war sichtlich beeindruckt und trat einen Schritt heran, um Marc aufmunternd auf die Schulter zu klopfen, der gerade ein altes Familienfoto aus glücklichen Tagen entdeckt hatte und sanft zu lächeln begann, als er mit dem Finger zärtlich den Rahmen entlang fuhr. Genau diese Einstellung, wenn auch weniger meierhaft melodramatisch geschildert, war genau das, was Marcs uneinsichtige Mutter im Kampf gegen diese heimtückische Krankheit brauchte, dachte Mehdi und war sichtlich erleichtert, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Marc schaute auf. Die beiden Männer lächelten sich an. Dann fiel ihr Blick gleichzeitig auf das goldene Päckchen, das noch immer ungeöffnet auf dem Schreibtisch lag...

Mehdi: Und das Paket?

Marc zuckte mit den Schultern und wollte es wie schon den Brief zuvor in den Mülleimer schmeißen, als er plötzlich innehielt. Sein Handy hatte in seiner Hosentasche vibriert. Das tat es schon die ganze Zeit lang, er hatte es nur nicht eher gemerkt. Er legte das Päckchen zurück auf den Schreibtisch - Mehdi nahm sich seiner an und schüttelte es, um herauszufinden, was sich darin befand, aber da war nichts zu hören, es fühlte sich nur seltsam hart an - und nahm stattdessen sein Telefon in die Hand. Er begann unweigerlich zu lächeln, als er Gretchens süße, wenn auch etwas zerstreut wirkende Nachricht auf seiner Mailbox abhörte und schickte seiner Süßen schnell eine knappe Sms mit der Nachricht hinterher, dass alles ok sei, er bei Mehdi wäre und sie sich keine Sorgen zu machen brauche, wenn er sich auch keine machen müsste. Mehdi beobachtete beruhigt Marcs amüsiertes Mienenspiel und lächelte...

Mehdi: Gretchen, hmm?
Marc (steckt breit grinsend sein Handy in die Tasche seiner Lederjacke, wobei er aus Versehen den Schalter für die bunten Lämpchen aktiviert): Die machen noch irgend so einen Brautjungfernscheiß. Keine Ahnung. Weiber eben!
Mehdi (schmunzelt, als er beobachtet, wie Marc hektisch die Lichter seiner David-Hasselhoff-Gedächtnis-Jacke auszuschalten versucht, aber irgendein Kontakt scheint dabei kaputt gegangen zu sein u. so leuchtet der coole Macho weiter wie ein Weihnachtsbaum): Verstehe! Gabi ist auch mit Chantal unterwegs.
Marc (versucht die nervigen Lampen zu ignorieren, aber spürt, dass er vor Peinlichkeit rot im Gesicht wird, was ihn tierisch nervt): Meinst du, die sind zusammen? Eh wenn deine Braut auf nen Stripper für die Jungfrau Sabine besteht, dann ist mein Versprechen, sie nicht mehr zu piesacken, hiermit hinfällig. Die kann was erleben.
Mehdi (verdreht die Augen): Marc! Also erstens, denke ich, dass Sabine und Gretchen ganz sicher nicht für so was zu haben sind. Und zweitens, sind sie bei Chantal. Und da ist ein Baby und Jochen. Der wird schon aufpassen.
Marc (grummelig): Jochen!?

Am Ende muss der selber strippen. Oh Gott! Ich brauche dringend was zu trinken.

Mehdi: Apropos Brautjungfer, wo wir gerade beim Thema sind, da fällt mir noch was ein. Ich glaube, ich weiß jetzt, was es mit dem Päckchen auf sich hat.
Marc (will es gerade schon wieder entsorgen, als er überrascht aufschaut): Woher?
Mehdi: Olivier meinte doch, es sei auch für Gretchen, nicht?
Marc (irritiert): Äh ja? Und?
Mehdi: Gretchen hat mir erzählt, dass sie vor Wochen etwas bei deiner Mutter in Auftrag gegeben hat und so wie es sich anfühlt, könnte es genau das sein. Wahrscheinlich stand der Hinweis auch in dem Brief, den du zerrissen hast.
Marc (will das Geschenkpapier aufreißen, um nachzuschauen): Was?
Mehdi (reißt ihm das Päckchen noch rechtzeitig aus der Hand): Stopp! Das ist das Hochzeitsgeschenk für Sabine und Günni!
Marc (macht große Augen): Hä? War das nicht die Party der guten Laune bei mir zuhause? ... Och nee, sag nicht...? Haasenzahn hat nicht...?
Mehdi (lässt das Geschenk unter seiner Travolta-Lederjacke verschwinden, bevor es noch zu Schaden kommt): Doch! Du weißt doch, dass Sabine der größte Fan deiner Mutter ist. Liegt es da nicht nahe, dass Gretchen auf so eine Idee kommt?
Marc (verzieht angewidert das Gesicht): Erinnere mich bloß nicht daran. Die Sabsi hat mich heute mit ihrer doofen Fragerei nach meiner Mutter rasend gemacht.
Mehdi (lacht): Gretchen wollte ihr eine ganz besondere Freude machen. Das ist alles. Ist doch super, dass das wenigstens noch geklappt hat.
Marc (eingeschnappt): Na toll. Jetzt werden wir die Stasi-Sabsi nie mehr los. Die wird uns doch vor Dankbarkeit in ihre täglichen Mondgebete einschließen. Wobei, das macht sie wahrscheinlich eh schon. Kein Wunder, dass heute alles schief geht, was schief gehen kann.

Olivier: Wo bleibt ihr denn so lange, Kinder? Kommt, lasst uns noch einmal anstoßen. Morgen, nein, heute wird schließlich eine Hochzeit gefeiert.

...kam es abrupt mit heiterer Stimme von nebenan aus dem Wohnzimmer gerufen und riss Dr. Meier aus seinen wehleidigen Gedanken. Er verdrehte nur seufzend die Augen und blickte zum Frauenversteher, der ihn nur bescheuert angrinste und schon wieder an seinem Pflaster knibbelte. Wehleidiger Kerl! Wieso blieb ihm heute eigentlich gar nichts erspart, fragte Marc sich gequält und ließ seine Schultern hängen. Ausgerechnet der dämliche Pathologe, der sein geliebtes Schätzelein geschrottet hatte, musste seinem Dad den Glauben an die ewige rosarote Liebe zurückgeben und brachte ihn selbst damit in eine ziemliche prekäre Lage. Er musste schleunigst mit seiner Mutter sprechen und sie zur Vernunft bringen, bevor Olivier in seiner neu gewonnenen Euphorie von selbst herausfand, was hier wirklich los war. Und mit Gretchen musste er auch noch reden und das nicht nur wegen des albernen Geschenks, dessen sich Mehdi mittlerweile angenommen hatte, bevor er es heimlich entwenden und rechtzeitig vernichten konnte, bevor es noch jemand zu Gesicht bekam. Vielleicht war ein Schlückchen aufmunternden Alkohol jetzt doch genau der richtige Stimmungsaufheller, den er brauchte. Denn tief in sich drin fühlte er sich immer noch wie der unglückliche kleine Junge, der sich doch nur nach einer intakten glücklichen und vor allem gesunden Familie sehnte. Er schaute Richtung gläserne Schiebetür ins Wohnzimmer und setzte sein sarkastischstes Grinsen auf, das er in seinem reichen Repertoire aufzubieten hatte...

Marc: Haste auch noch was Stärkeres da als die Kinderplörre? Obwohl, nein, stopp, die, die kannste Mehdi überlassen. Das Mädchen verträgt nämlich heute nix mehr. Das hier ist doch schließlich so was wie ein Dings ähm... Junggesellenabschied, ne? Und was die Mädels können, können wir schon lange. Jetzt ist der Moment, wo du’s dir noch mal überlegen kannst, Gummersbach. Gefängnis oder Leichenschauhaus? Du hast die Qual der Wahl.

Lorelei Offline

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08.10.2012 14:18
#1341 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Ortswechsel! Es wurde auch Zeit, dass wir dieser Örtlichkeit auch mal wieder einen kleinen Besuch abstatten. Nicht dass sie in Vergessenheit gerät. Also viel Spaß im Elisabethkrankenhaus. Wer kein Blut sehen kann, sollte aber im Wartebereich warten. Schönen Start in die neue Woche, eure Lorelei



Zur gleichen Zeit, als die Jungs mit überschwappenden Schnapsgläsern miteinander anstießen und es sich feixend zu den Klängen einer alten Metallica-CD, die Marc in seinem Jugendzimmer gefunden hatte, auf den edlen Wohnzimmercouchen von Elke Fisher bequem machten, waren zwei aufgeregte Junggesellinnen in geheimer Geheimmission unterwegs. Ein Taxi hatte die beiden jungen Damen zu später Stunde ins Elisabethkrankenhaus gebracht. Sie hatten sich auf Zehenspitzen am schlafenden Pförtner und an der Nachtschwester vorbei geschlichen, die gerade gebannt die neueste nächtliche Wiederholung von „Dr. Stefan Frank“ verfolgte, und huschten nun möglichst unauffällig über den dunklen Flur der dritten Etage des altehrwürdigen Klinikgebäudes. Immer schnurstracks geradeaus, bis sie am Ende des Gangs das richtige Zimmer erreicht hatten, das zum Glück wie immer nicht abgeschlossen war und in das sie schnell ohne Aufsehen zu erregen ungesehen verschwanden. Schwester Sabine, die mittlerweile darüber aufgeklärt worden war, was Dr. Haase genau mit ihr vorhatte, setzte sich auf ihre freundliche Bitte hin mit heftig klopfendem Herzen und scheuem Blick auf die Patientenliege und ließ ihre kurzen Beine herunter baumeln wie ein kleines Mädchen, das bibbernd auf den Onkel Doktor wartete, der irgendetwas furchtbar Gemeines und Schmerzhaftes mit ihr vorhatte, während sie ihre übereifrige Freundin dabei beobachtete, wie diese im Sprechzimmer von Dr. Kaan die richtigen Utensilien zusammensuchte, die sie für ihr Vorhaben brauchte, das keineswegs gemein oder schmerzhaft sein würde. Nach zwei Minuten stand sie mit ihrem für sie so typischen Strahlelächeln wieder vor ihrer eingeschüchterten Kollegin und sah sie aufmunternd an, bevor sie sich Mehdis Bürostuhl heranzog und darauf Platz nahm. Auch Gretchen Haase war merklich aufgeregt, als sie sich zu ihrer Freundin vorbeugte, die nervös auf ihrer Unterlippe herumkaute und ihre Hände knetete...

Gretchen: So, Bine, ich werde dir jetzt Blut abnehmen. Das bringe ich dann ins Labor und mir nichts dir nichts haben wir dann deine Beta-HCG-Werte und wissen mehr. Hmm?
Sabine: Okay!?

... murmelte die blonde Krankenschwester schüchtern und zog langsam ihre Jacke aus. Sie krempelte den Ärmel des lilagestreiften Strickpullis nach oben, den ihr Gretchen vorhin geliehen hatte, um nicht mit dem Kostüm, das sie vorhin auf dem Polterabend getragen hatte, als sexy Star-Trek-Fanatikerin unter den Kollegen der Nachtschicht für Furore zu sorgen. Die Assistenzärztin merkte Sabines Unsicherheit, strich ihr sanft über die zitternde eiskalte Hand, dann zog sie ihren Arm näher zu sich heran und desinfizierte die betreffende Hautstelle. Sie schaute ihrer Freundin noch einmal vergewissernd in die blaugrauen Augen und schenkte ihr ein liebevolles Lächeln, das diese erwiderte und machte sich anschließend ohne Umschweife ans Werk. Ganz beiläufig begann sie, während sie die dünne Nadel positionierte, zu plaudern und weckte damit Sabines Neugier. Gretchens Ablenkungsmanöver funktionierte perfekt.

Gretchen: Und danach... bin ich an der Reihe. Zwei zum Preis von einem sozusagen. Oder... so ähnlich? Hihi! ... Ich verrate dir jetzt nämlich ein Geheimnis, aber du musst mir versprechen, dass du es niemandem weiter erzählst. Du bist sozusagen die Erste, die es erfährt. Also... fast! Mehdi weiß es schon, aber der kann schon allein aus beruflichen Gründen Geheimnisse für sich behalten. Also versprichst du’s mir, Bine? Kein Wort zu niemandem bitte!

Sabine schaute ihre Trauzeugin, die kurz lächelnd zu ihr aufgeschaut hatte, mit immer größer werdenden Augen an und merkte nicht einmal, dass Gretchen bereits das kleine Röhrchen mit Blut gefüllt hatte, nun vorsichtig die Kanüle herauszog und ein kleines Pflaster auf ihren Arm klebte und den Pulloverärmel wieder herunterkrempelte. Günnis Braut war vollkommen baff und brachte nur mühselig eine Antwort zustande. So sehr ratterte es nämlich gerade in ihrem Köpfchen, bis die Hobbyastrologin die Zusammenhänge richtig gedeutet hatte...

Sabine: Versprochen!

Gretchen lächelte zufrieden, wedelte grinsend mit dem Blutröhrchen vor Sabines ungläubigen Augen hin und her und legte es schließlich hinter sich auf den Schreibtisch. Dann schob sie bei sich selbst den Ärmel ihres rosafarbenen Pullis hoch und bereitete konzentriert ihre eigene Blutabnahme vor, während sie dabei langsam zu erzählen begann...

Gretchen: Marc und ich, wir... wir haben heute eine weit reichende Entscheidung für unsere gemeinsame Zukunft getroffen, wenn du verstehst, was ich meine.
Sabine (hängt gebannt an ihren Lippen u. es platzt nur so aus ihr heraus): Ihr habt geheiratet?
Gretchen (komplett aus dem Konzept gebracht, schaut sie auf, direkt in Sabines verdutztes Gesicht): Was? Wie? Äh... Das... irgendwie... auch, aber... auch wieder... nicht. Also äh...
Oje! Ist das kompliziert. Ich hab zu viel verraten. Mist!
Sabine (ihre Augen werden immer größer u. leuchtender u. sie selbst hibbeliger, als ihre Lippen ungläubig ein Wort bilden): Nein!?
Gretchen (wird augenblicklich rot im Gesicht u. ärgert sich mittlerweile überhaupt etwas erwähnt zu haben): Nein, natürlich nicht, also... nicht richtig. Was... was ich eigentlich sagen wollte, ich kann deine Unsicherheit verstehen. Wir... wir sind nämlich auch... *Luft hol* ... schwanger. Also... nein... vielleicht... Ich meine... wir haben heute beschlossen, eine Familie zu gründen. So ist es richtig.

Marcs Freundin knipste ihre Augen zusammen, um sich zu beruhigen und für einen Moment zu sammeln, und schaute schließlich nach einigen Sekunden Mucksmäuschenstille verunsichert auf, da Sabine nicht wie erwartet gleich auf ihre überraschende Verkündung reagiert hatte. Die blonde Vielleicht-Schwangere blickte direkt in ein weites Tränenmeer. Das hatte Gretchen mit ihrer Offenheit eigentlich nicht bezweckt gehabt. Sie wollte doch nur Vertrauen schaffen und Sabine die Angst nehmen, die sie in den letzten Stunden so sehr gehemmt hatte, dass sie aus lauter Dusseligkeit gleich einen Schwangerschaftstest in der Toilette versenkt hatte. Aber Sabine war richtig aufgewühlt und zog nun Gretchens Hand auf ihre Knie und drückte sie fest. Erst nach mehreren tiefen Schluchzern fand die hocherfreute Krankenschwester ihre Sprache wieder...

Sabine: Das... *schnief*... hab ich mir... *schnief* ... immer... *schnief* ... für euch... *schnief* ... gewünscht.
Gretchen (ganz gerührt u. auch den Tränen nahe): Ehrlich?
Sabine (tätschelt liebevoll Gretchens Hand u. will sie gar nicht mehr loslassen): Aber ja doch! Ich hab es immer gesehen. Dr. Meier kann sooooooo gut mit Kindern. Ob mit Patienten wie dem kleinen David zum Beispiel, den er damals ganz uneigennützig operiert hat, damit er auch mal Fußball spielen kann. Oder mit der frechen Kleinen von der Frau Dr. Hassmann oder mit Lilly Kaan, die sind ja ganz verliebt in den Herrn Doktor. Ihr werdet ganz, ganz tolle Eltern sein. Ganz bestimmt. Die Karten haben mir das verraten. Und der Vollmond. Der lügt nämlich nie. Auch wenn er mich in meinem Fall ganz schön überrumpelt hat.
Gretchen (jetzt ist es ganz um sie geschehen u. die Tränchen kullern nur so über ihr Gesicht): Ach Sabine, vorhin hab ich dir Mut gemacht und jetzt... *schnief* ... du mir.
Sabine (lächelt verlegen): Wir sind schon zwei Torfnasen, nicht Gretchen?
Gretchen (grinst u. wischt sich die Freudentränen aus den Augen, um sich wieder auf ihren Job zu konzentrieren, was ihr aber angesichts der Emotionalität des Moments schwer fällt): Stimmt! Hilfst du mir? Ich hab ganz zittrige Hände.
Sabine (nimmt der aufgelösten Ärztin ihr Arbeitswerkzeug aus der Hand u. lächelt sanftmütig): Aber natürlich. Vorsicht, das wird jetzt leicht pieken.

Schwester Sabine schaute konzentriert auf ihre Arbeit, als sich die Kanüle langsam mit Gretchens Blut füllte. Die blonde Ärztin rührte sich nicht und blickte in Sabines Augen und nicht auf ihren Arm, den die Krankenschwester gerade wieder losließ. Die unangenehme Prozedur war bereits beendet. Gretchen senkte überrascht ihren Blick.

Gretchen: Ich hab gar nichts gemerkt.
Sabine (drückt ihr ein Pflaster auf die Stichstelle u. legt das Röhrchen ebenfalls auf den Schreibtisch hinter Gretchen): Dr. Kaan hat mir mal gezeigt, wie man es richtig macht.
Gretchen (ahmt ihren besten Freund nach u. kichert anschließend wie ein kleines Mädchen): Das Geheimnis ist, tief, aber nicht zu tief.
Sabine (stimmt lachend mit ein): Genau! Seitdem ich es auch so mache, hat sich kein Patient mehr wegen mir beschwert.

Die beiden Frauen grienten sich an, umarmten sich kurz herzlich und drückten ihre tränenfeuchten Wangen aneinander, dann stand Dr. Haase langsam von ihrem Platz auf und trat an den Schreibtisch heran, wo sie unter Mehdis Unterlagen nach Aufklebern für die Blutröhrchen suchte und auch sofort fündig wurde. Und nicht nur das. Was machte denn die Patientenakte von Marcs Mutter bei Mehdi, fragte sie sich verwundert, reagierte dann aber auf den kleinen Hustenanfall von Schwester Sabine und vergaß die Angelegenheit gleich wieder. Durch die vielen Tränen, die Sabine heute unsinnigerweise in ihrer panikartigen Verzweifelung schon vergossen hatte, hatte sie einen ganz trockenen Hals bekommen. Dr. Haase nahm die beiden Blutröhrchen in die Hand, stutzte einen Moment und schaute von dem einen zum anderen und brachte die verschlüsselt beschrifteten Zettel schließlich an. Dann wandte sie sich wieder ihrer Freundin zu, die mit einem Glas Leitungswasser, das sie sich gerade geholt hatte, wieder auf der Liege Platz genommen hatte und ihre Beine baumeln ließ. Sie schaute gebannt zur Fotowand gegenüber, während sie an ihrem Wasserglas nippte. Gretchen folgte ihrem Blick und lächelte. Der Gedanke, dass sie beide vielleicht auch bald an Mehdis Pinnwand verewigt sein würden, oder besser gesagt ihre Nachkommen, gefiel ihr immer mehr. Beschwingt schwebte sie zur Tür, vor der sie stehen blieb, um sich noch einmal zu Sabine umzudrehen...

Gretchen: Ich bringe die hier nur schnell runter ins Labor. Ich bin gleich wieder da. Und während wir auf die Ergebnisse warten, können wir ja auch noch einen Ultraschall machen. Jetzt, wo wir schon einmal hier sind, hmm?
Sabine: Ja.

...antwortete Schwester Sabine gähnend und schaute Gretchen hinterher, wie sie ganz leise das Zimmer verließ.


Als die schöne Assistenzärztin nach knapp zwanzig Minuten und einem kurzen ungeplanten Abstecher ins Säuglingszimmer, wo sie die schlafenden Neugeborenen wie magisch hingezogen hatten, wieder zurück in die Praxis von Dr. Kaan kam, war Sabine bereits vor Erschöpfung eingeschlafen. Das war halt alles doch ganz schön viel gewesen für die junge Braut, dachte Gretchen und schmunzelte. Sie blickte sich suchend um, nahm sich eine Decke aus dem Regal unter der Wickelkommode und legte sie über ihre selig schlummernde Freundin, der sie im Anschluss noch einen kleinen Gute-Nacht-Kuss auf die Wange drückte. Sabine zog im Schlaf die Decke bis zu ihrem Kinn hoch und murmelte noch etwas leise vor sich hin...

Sabine: Ja, ich will, Günni. Ich will, ich will, ich will! Und jetzt will ich küssen.

Dann drehte sie sich auf die andere Seite und schlief ruhig weiter. Sabines Trauzeugin ging richtig das Herz auf, als sie das hörte. Die Hochzeit war also gerettet. Tschaka! Was sollte jetzt noch groß schief gehen? Gähnend schaute Gretchen auf die Wanduhr über der Tür und erschrak, als sie sah, wie spät es bereits war. Gleich zwei Uhr morgens! Oh Gott! Die Kosmetikerin würde heute Vormittag so einiges mit ihnen beiden zu tun bekommen, dachte Gretchen beunruhigt und fuhr sich über ihre müden Augen. Dann löschte sie das Licht in dem Zimmer, um die Braut nicht weiter unnötig beim Schönheitsschlaf zu stören. Anschließend wandelte die angehende Chirurgin durch den kleinen schmalen Raum, möglichst darauf bedacht, nirgendwo anzustoßen und Sabine nicht zu wecken. Sie spürte ihr Herz laut klopfen. Bald würde auch sie es wissen. Wie Marc wohl darauf reagieren würde? Ach Marc! Wenn er doch hier wäre? Sie hatte ihm ja eigentlich versprochen, dass sie den Test gemeinsam machen würden. Ob er deswegen sauer sein würde? Aber das Schicksal hatte es nun mal anders gewollt. Sabine war jetzt wichtig. Und er war ja gerade mit Mehdi unterwegs. Nach dem seltsamen Anruf seiner Mutter konnte Marc wirklich etwas Ablenkung gebrauchen. Was die beiden wohl gerade so trieben? Obwohl... wollte sie wirklich wissen, was Männer, die vor furchtbar kitschigen Polterabenden flüchteten, so alles des Nächten trieben? Besser nicht! Laut Sabine hatten sie ja auch Günni mit dabei. Hoffentlich kamen die beiden Knallköpfe nicht auf die Idee, mit dem armen Bräutigam irgendwelche archaischen Junggesellenrituale durchzuführen. Gretchen schüttelte unwirsch den Kopf - Mehdi würde schon aufpassen, dass sie nicht in irgendeinem Stripschuppen abstürzten - und konzentrierte sich wieder auf sich selbst.

Gretchens Hand strich unbemerkt über ihren Bauch. Sie spürte die Aufregung, die von Minute zu Minute stärker wurde, seitdem sie ihr Schicksal, das Röhrchen mit ihrem Blut, in die Hände genommen hatte. Sie hatte dem Laboranten schließlich gesagt, dass sie es eilig hatte. Mann war der sauer gewesen, weil er sein blödes Online-Pokerturnier abbrechen musste. Aber eine kleine Drohung mit ihrem Vater hatte gereicht und er hatte sich brav ans Werk gemacht. Sie konnte es also doch, Autorität auszustrahlen. Hihi! Gleich würde sie noch einmal runter gehen und die Ergebnisse abholen. Dann wüssten sie es endlich. Gott, war das aufregend. Nur mal kurz ausruhen, dachte Gretchen gähnend und setzte sich auf Mehdis bequemen Bürostuhl, sprang aber gleich wieder auf, als sie merkte, wie laut er knirschte. Ängstlich schaute sie zur Liege. Sabine schlief weiter tief und fest. Zum Glück! Und nun? Gretchen blickte zur Seite, überlegte einen Moment, verwarf den absurden Gedanken gleich wieder und kraxelte dann aber doch mangels Alternativen auf das seltsame Konstrukt von Behandlungsstuhl. Sie streckte ihre Beine aus und war überrascht, wie entspannend diese Position doch war. Vielleicht zu entspannend!

Obwohl sie es eigentlich nicht gewollt hatte, dauerte es keine fünf Minuten, da war auch sie tief in ihre magischen Traumwelten eingetaucht, wo sich die blondgelockte junge Dame auf einer wunderschönen weiten duftenden Blumenwiese wieder fand, in deren Mitte ein weißes Zelt mit offenen Außenseiten aufgebaut war. Darunter saß augenscheinlich eine Hochzeitsgesellschaft, ganz in weiß gekleidet, die erwartungsvoll zu ihr den Hügel hoch schaute. Da erst merkte Gretchen, dass sie selbst ein wunderschönes Brautkleid über ihrer riesigen Babymurmel trug, die sie mit beiden Händen festhielt. Sie lachte und hüpfte einmal glücklich im Kreis herum. Mit wehendem goldenen Haar, in das kleine rosa Röschen eingeflochten waren, rannte sie über die blühende Wiese, verlor dabei ihren langen spitzeverzierten Schleier, der an den kniehoch gewachsenen Mohnblumen hängen geblieben war, lief an ihrem staunenden Vater vorbei, den sie einfach am Ende des Gangs stehen ließ, um auf schnellstem Wege an den wartenden Hochzeitsgästen vorbei die trennenden Meter bis zu ihrem geliebten Bräutigam zu überwinden, der breit grinsend in lässiger Hasselhoff-Ledermontur, die so schön in bunten Farben blinkerte, neben dem stattlichen Standesbeamten mit dem lustigen Spitzbart am Kinn und dem fröhlichen rheinländischen Gemüt stand. Marc breitete seine Arme aus und empfing seine bildschöne ungestüme Braut mit klopfendem Herzen. Dreimal, viermal, fünfmal wedelte er sie jauchzend um seine eigene Achse herum, bis sie schließlich torkelnd aneinander Halt fanden, sich tief in die leuchtenden Augen schauten und gleichzeitig aus tiefsten Herzen „ja“ sagten, wie sie es vor wenigen Stunden schon einmal auf dem Standesamt in Charlottenburg getan hatten, und dann zärtlich küssten. Ein tiefer glücklicher Seufzer hallte in den dunklen Praxisräumen wider, während der Vollmond sein lächelndes Gesicht durch die Fensterscheibe zeigte und seine weißen Strahlen auf eine der schlafenden Bräute niederließ.

Lorelei Offline

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11.10.2012 22:49
#1342 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Auf vielfachen Wunsch gibt es heute Einblicke in die Stier-Kampf-Arena. Zu Risiken und Nebenwirkungen empfehle ich den Versicherer zu informieren oder den Arzt Ihres Vertrauens, je nachdem. Viel Spaß und Eure Lorelei



Doch auch am anderen Ende der Stadt war man(n) seinen kühnsten Träumen erlegen, auch wenn diese sich dort wesentlich realer und kussechter anfühlten. Die samtig weiche Haut unter seinen kreisenden Fingerkuppen. Schimmernd im Mondlicht, das durch die dünnen Lamellen der Jalousien hindurch tanzte und sich auf die ineinander verschlungenen nackten erschöpften Körper legte. Glatte, zart Haut. Makellos. Leicht solariumgebräunt. Von einzelnen Sommersprossen durchsetzt. Warme Haut. Von Lust und Leidenschaft erhitzt. Der glitzernde Schweißfilm, der an seinen Fingern haften blieb, als diese ganz langsam ihre verführerische Rückenfront hinab glitten, Wirbel für Wirbel unter sanftem Druck massierten, bis sie die Kuhle kurz oberhalb ihres aufregenden Hinterteils erreichten. Er schmeckte sie, diese süße köstliche salzige Würze, als seine Lippen eben jene Fingerspuren begleitet von einem leisen entspannten Schnurren nachzeichneten, das wie Musik in seinen Ohren klang. Sinnlich, erotisch, sexy. Dabei war er doch eigentlich ein Fan härterer Töne. Doch diesmal zog er diese zarten melodischen Klänge dem Heavy Metal vor, der auf mehreren Duzend CDs gepresst wild verstreut den Schlafzimmerteppich zierte, nachdem sie irgendwann während einer Ekstase zur anderen das Regal unbemerkt laut krachend umgestoßen hatten. Ihre Musik törnte ihn an. Ihre unvergleichliche Stimme. Ihre vibrierenden Stimmbänder, die so süße Töne schufen. Töne, die er bei ihr hervorgekitzelt hatte. Bei dieser sonst so sturen und eigensinnigen Frau. Seiner Frau! Seine anfangs zarten Küsse auf ihrem schlanken Rücken wurden wieder heftiger. Wilder. Ungestümer. Er presste seinen schweißnassen Körper von hinten gegen den ihren, streichelte sie. Grob. Besitzergreifend. Kreisend. Ihre Arme hinunter bis zu ihren Fingerspitzen, die er mit seinen umfasste.

Sie seufzte auf, wand sich stöhnend unter seinen wieder leidenschaftlicher werdenden Berührungen, packte seine Hand, die gerade ihre Konturen nachzeichnete, und legte diese umschlungen mit ihrer auf ihren flachen Bauch und schob sie tiefer, der Erlösung entgegen. Auch sein Stöhnen wurde lauter und er biss ihr zärtlich in die rechte Schulter, als er ihrem und seinem entschlossenen Drängen unvermittelt Nachdruck verlieh. Wieder! Irgendwann hatten die beiden aufgehört zu zählen, sich gegenseitig anzustacheln und zu reizen und waren einfach ihren Urinstinkten gefolgt, hatten sich treiben lassen. Schwerelos im Weltraum. Wieder und wieder. Ungewöhnlich harmonisch. So auch jetzt. Wilde Gefühlsstürme tobten erneut in ihrem Bauch, als er sich ganz langsam zu bewegen begann. Eigentlich müsste sie nach den Aktivitäten der letzten Stunden todmüde sein und vermutlich die nächsten Tage durchschlafen, aber die Reibung ihrer in Einklang schwingenden Körper verlieh ihr neue Energien. Sie passte sich seinem anfänglich sanften kontinuierlichen Rhythmus an, war überrascht, dass der so von sich überzeugte Macho auch so zärtlich sein konnte und führte seine Hand tiefer in ihren Schoss, unterstützte stöhnend seine Bewegungen. Seine Lippen liebkosten derweil ihren verführerischen Hals, wanderten schnaufend empor zu ihrem rechten Ohr, dessen Ohrläppchen eine ungemeine Anziehung auf ihn ausübte. Die Wogen wurden tosender, während er neckisch daran zu knabbern begann und schließlich keuchend hineinpustete, als er zum wiederholten Male in dieser Nacht mit ihr zusammen in die Lüfte abhob. Völlig losgelöst.

Cedric: Oh Mary! ... Mary! ... Mary!

...stöhnte er atemlos in die Nacht hinaus. Er hatte die Stratosphäre erreicht und stürzte sich hinab in die Tiefe. Der Kick war unglaublich, mitreißend, packend. Es gab nichts Vergleichenderes. Er hielt seine Geliebte weiterhin fest im Arm, presste sie erdrückend an sich, als sie langsam wieder gen Boden sanken und sanft in den völlig zerwühlten weinroten Laken seines Bettes landeten. Kein Wort kam ihr dabei über ihre geschwollenen roten Lippen, auf denen ein sanftes sehr zufriedenes Lächeln lag. Sie ließ sich bedingungslos von ihm halten, kuschelte sich sogar entgegen ihrer Art noch fester in seine muskulösen Arme. Sie roch seinen betörenden Schweiß, diesen animalischen unnachahmlichen Geruch, der ihre Sinne vernebelte. Sie spürte ihn noch immer in sich und seinen heißen schnellen Atem an ihrem Hals, seine brennenden Lippen an ihrem Ohr.

Cedric: Ich will, dass du bleibst.

...flüsterten diese leise, fast flehend, aber mit entschlossenem Nachdruck, als er sich vorsichtig aus ihr zurückzog, sie aber weiterhin nicht losließ. Ihre flackernden Augen öffneten sich abrupt, starrten weit aufgerissen auf die beiden fast heruntergebrannten Kerzen auf dem Fensterbrett. In der Ferne erkannte sie den Mond am Nachthimmel. Wieso grinste der sie so bescheuert an? Gedanken und Gefühle tobten wild durcheinander in ihrem Kopf, während sie Haut an Haut nebeneinander lagen. Cedric spürte, wie sich ihre Haltung für den Hauch einer Sekunde verkrampfte, ließ sie nicht los, schmiegte sich gefühlvoll an ihren Rücken, küsste ihr Schulterblatt und schmiegte seine Nase in ihr zerzaustes Haar. Warum konnte sie nicht auch einfach loslassen? Was war so schwer daran? Wieso musste sie schon wieder grübeln? Zögernd antwortete Maria ihm, als hätte sie erst die verschiedenen Alternativen abgewogen und das hatte sie auch. Sie sah sich selbst von oben dabei zu und schüttelte den Kopf. Sie war so eine bescheuerte Kuh.

Maria: Ich bin doch jetzt da.
Cedric (grinst an ihren Hals u. küsst diesen anschließend): Glaub mir, das spüre ich und wie ich das spüre.

Als hätte die taffe Ärztin damit eine sich anbahnende Diskussion, vor der sie sich fürchtete wie die Motte das Licht, im Keim erstickt, legte sie seinen rechten Arm besitzergreifend um ihren Körper. Sie konnte nichts dafür. Egal, was war, sie musste ihn jetzt einfach spüren. Sie konnte nicht gehen, auch wenn sie heute Abend nicht das erste Mal darüber nachgegrübelt hatte. Cedric lächelte. Er wusste ganz genau, dass seine Mary ganz genau verstanden hatte, was er ihr damit hatte sagen wollen. Dennoch gab er sich mit dieser Antwort zufrieden und schmiegte sich an die sich nun schlafend Stellende. Grinsend zog er die während ihres wilden stundenlangen Treibens halb unter das Bett gerutschte Decke höher über ihre vom kühlenden Schweiß zitternden Körper und hielt deren Ende knapp oberhalb ihrer verführerischen Brüste fest, die er dabei „aus Versehen“ gestreift hatte, woraufhin sie sich ihm sanft entgegen neigte. Seine Wange legte sich auf ihre. Er spürte ihren immer schneller werdenden Puls, der ihm deutlich zeigte, dass sie keineswegs schlief und flüsterte etwas in die Nacht hinaus, während die beiden Kerzen am Fenster erloschen und das Schlafzimmer endgültig in nächtliche Dunkelheit hüllten...

Cedric: Du weißt genau, wie ich das gemeint habe. Ich will, dass du... ihr bleibt!

Der stolze zweifache Vater bekam nur ein undeutliches Brummen der Scheinschlafenden zurück und schloss schmunzelnd seine Augen. Einschlafen konnte er jedoch noch lange nicht. Nicht nach all dem, was in dieser Nacht mit ihnen beiden passiert war, womit er noch vor Stunden nie im Leben gerechnet hatte, als er aufgegeben und sie mit schmerzendem Herzen freigegeben hatte. Und dabei war er nicht der Einzige. Während Dr. Stier seine müden Augen schonte, starrte Maria Hassmann dagegen gedankenverloren zum Fenster in den Nachthimmel hinaus, als erhoffte sie sich von dort Antworten auf ihre vielen Fragen, die doch eigentlich so einfach zu beantworten wären.


http://www.youtube.com/watch?v=dui_ty2HkEk

Lorelei Offline

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14.10.2012 17:01
#1343 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Auch am Prenzlauer Berg lag in dieser Nacht eine junge Frau noch lange wach inmitten ihrer bunten von ihr liebevoll drapierten Kissenlandschaft. Wie hätte sie auch nach den Neuigkeiten des Tages einfach so einschlafen können. Sie war aufgeregt. Aufgedreht um genau zu sein. Und dafür war weder ein Tropfen ihres Lieblingsprickelwassers verantwortlich, der auf der kleinen Feier, die sie vor wenigen Stunden besucht hatte, in Strömen geflossen war, noch ein verarbeitetes Überbleibsel von ihrem kurzweiligen illegalen Nebenerwerb, dem sie zum Leidwesen eines geschäftsuntüchtigen Sanitäters und Hobbyhippies gestern den endgültigen Todesstoß gegeben hatte, als hätte sie vorhergeahnt, dass etwas im Begriff war, sich grundlegend zu verändern. Und ihr Leben hatte sich tatsächlich von einem Moment zum anderen um hundertachtzig Grad gedreht und sie fühlte sich gut dabei, wenn man mal von den lästigen Nebenwirkungen absah. Unsagbar gut. Geradezu euphorisch. Endlich würde alles gut werden. Sie hatte noch nie zuvor in ihrem bisher so unglücklich verlaufenen Leben so viel Glück empfunden wie jetzt in diesem Moment. Sie konnte jetzt nicht schlafen. Es ging einfach nicht und sie wollte auch nicht. Außerdem war die schlichte Matratze auf dem Parkettfussboden ihres noch unfertigen Schlafzimmers nicht gerade die geeignete Schlafstätte, wenn man sich hibbelig immer wieder von einer unbequemen Seite zur anderen drehte, dann auch noch unelegant herunterpurzelte und sich schließlich eins der Kissen gegen den Bauch gedrückt stöhnend in den Schneidersitz aufrichtete, um zum wiederholten Male auf die digitale Weckeranzeige auf dem Fenstersims zu schauen. Mittlerweile war es bereits kurz vor vier Uhr morgens. Doch an die zu erwartenden tiefen Augenringe auf der Hochzeit ihrer lieben Kollegin Sabine Vögler bald Gummersbach dachte Gabi Kragenow in diesen Minuten noch nicht. Andere Dinge spukten in ihrem Kopf umher und ließen die junge Frau nicht zur Ruhe kommen.

Vor etwa zwei Stunden war die glückstrahlende Krankenschwester nach Hause gekommen. Sie war völlig aufgekratzt gewesen und das lag nicht nur an den Nachwirkungen des Partyabends, der bei Chantal und Jochen fröhlich ausgeklungen war. Die beiden Freundinnen waren nach ihrem spontanen Aufbruch von Sabines Polterabend, von dem sie aus verschiedenen Gründen eh nicht viel mitbekommen hatten, in der wohl urigsten Currywurstbude Berlins in Mitte gelandet, hatten dort für ihre Verhältnisse und für die späte Stunde ziemliche viele äußerst deliziöse Portionen verdrückt und waren dann beschwingt lachend in dem Hochhaus in Marzahn gelandet, in dem die angehende Physiotherapeutin und junge Mutter lebte. Die beiden Mädels hatten Chantals jetzt auch offiziell neuen Freund, der heute mit seinen bescheidenen Babysitterqualitäten hatte Eindruck schinden wollen, und ihre süße kleine Maus tief und fest schlafend in ihrem weißen Ikea-Prinzessinnenbett im Schlafzimmer vorgefunden, was sie natürlich gleich bildlich hatten festhalten müssen, so süß wie das ausgesehen hatte. Jochen Haase schindete nämlich tatsächlich gehörig für Eindruck vor allem bei seiner Herzdame. Wie ein verunglückter Marienkäfer hatte er auf dem Rücken gelegen, hatte beide Arme und Beine erschöpft von sich gestreckt, etwas Sabber war aus seinem leicht geöffneten Mund gelaufen und die kleine Schnecke Celine hatte es sich trotz seiner seltsamen und nicht gerade dezenten Schnarchtechnik auf seinem Bauch gemütlich gemacht. Auf Jochens vormals schwarzem AC-DC-T-Shirt hatte man eindeutige Spuren des heutigen Abendmahls erkennen können. Es hatte Möhrchenbrei gegeben und leckere Milch, die wieder ausgespuckt worden war. Celinchen hatte sich also von ihrer besten Seite gezeigt, hatte Chantal heimlich Beifall geklatscht. Braves Mädchen! Bei diesem göttlichen Anblick, den Jochen ihnen geboten hatte, hätten die beiden Damen fast ihre eigentliche Mission vergessen. Aber Chantal Kunze wäre nicht Chantal Kunze, wenn sie nicht hart durchgegriffen und ihre vielleicht-schwangere Freundin mir nichts dir nichts nach dem Verklingen ihres heftigen zwerchfellgefährdenden Lachanfalls ins Bad verfrachtet hätte. Drei Tests und zwei Flaschen Apfelsaft später hatten sie schließlich Gewissheit.

Als Jochen dann irgendwann von dem kindischen Gekicher der beiden Frauen aufgewacht war und die Lebensgeister des schlummernden Babys mit seinem ruckartigen Aufrichten im Bett ebenfalls geweckt hatte, die es danach lautstark für die gesamte siebte Etage des Mietshauses zum Besten gegeben hatte, war Gabi gegangen. Chantal hatte ihrer Freundin noch etwas Kleines mit auf den Weg gegeben, das sie bis jetzt nicht mehr losgelassen hatte, auch nicht während ihres nächtlichen Spaziergangs nach Hause. Verträumt lächelnd hatte sie immer wieder darauf geschaut und es schließlich an ihr pochendes Herz gedrückt, während sie im Mondlicht beschwingt durch den frisch gefallenen puderweichen Schnee getanzt war. Die kleinen zart-gelben Dinge in ihren Händen waren genau das Richtige, um ihrem Schatz die Neuigkeit durch die Blume mitzuteilen. Wie er wohl darauf reagieren würde? Konnte sie sich seiner Reaktion wirklich sicher sein? Mit jedem Meter mehr, den sie ihrer gemeinsamen Wohnung und Mehdi näher gekommen war, war sie nervöser geworden. Dann hatte sie vor der verschlossenen Wohnungstür gestanden und hatte diese mit zitternden Händen aufgeschlossen. Mit einem Mal hatte sie sämtlicher Mut wieder verlassen.

Zum Glück war ihr Liebster noch nicht zuhause gewesen. So hatte sie noch etwas Zeit gehabt, die Botschaft würdig zu verpacken. Sie würde nicht mehr zögern. Eigentlich war sie sich seiner Reaktion sicher. Sie würde es ihm heute noch sagen. Definitiv. Gerade heute war doch der perfekte Tag dafür. Schließlich war seit wenigen Stunden Valentinstag. Gabi hatte sich das alles schon in den wunderschönsten Farben vorgestellt und war mit neu gewonnenem Enthusiasmus wie ein Wirbelwind in ihrem gelben Siebziger-Jahre-Petticoat-Kleid durch die Wohnung getanzt, bis sie alles perfekt hergerichtet hatte. Sie hatte sich sogar nach einigem Überlegen noch einmal umgezogen, war der Stimmung halber in etwas Verführerisches geschlüpft, das ihrem Schatz nur allzu bekannt war und ihm sicherlich sehr gefallen und ihn notfalls ablenken würde, falls ihn ihr Geständnis doch umhauen sollte. Sie hatte anschließend noch eine bunte Kerzenreihe auf dem Fensterbrett drapiert, hatte eine gemütliche Kissenlandschaft auf dem Boden geschaffen und die noch unausgepackten Umzugskisten ins Nebenzimmer verrückt, damit das Ambiente im Schlafzimmer wenigstens etwas romantisches und nichts provisorisches mehr hatte. Womit sie jedoch nicht gerechnet hatte in ihrem hormongesteuerten Planungseifer, war, dass sich Mehdi Kaan so sehr verspäten würde. Er hatte ihr zwar im Laufe des Abends per Sms geschrieben, dass er mit den beiden Idioten Marc und Günni unterwegs sei, aber dass ihr Wie-auch-immer-Junggesellenabschied so lange dauern würde, das hatte die verliebte Frau nicht geahnt. Ihre anfängliche Aufregung hatte sich mittlerweile komplett gelegt. Die Müdigkeit hatte Gabi irgendwann eingeholt und sie war eingeschlafen. Mit der süßen Überraschung noch immer in der Hand, fest umschlossen unter dem Kopfkissen.

Kurze Zeit später wachte Gabi jedoch schon wieder auf. Sie glaubte, ein seltsames Poltern an der Wohnungstür, dann das Knacksen der sich öffnenden Tür und kurz drauf dumpfe Schritte im Wohnzimmer vernommen zu haben, inklusive einer leisen männlichen Stimme, und richtete sich gähnend auf der Matratze auf, die hellblaue Bettdecke fest um ihren nur leicht bekleideten Körper gewickelt, denn es war mittlerweile recht kühl im Schlafzimmer geworden. Kurz darauf hörte sie, die Schritte näher kommen und bemerkte, wie nebenan leise die Tür aufgemacht wurde. Sie krabbelte schlaftrunken zum anderen Ende der Matratze und kniff die Augen zusammen, um etwas im Halbdunkeln zu erkennen. Sie sah durch die übereinander gestapelten Kisten hindurch einen Schatten durch den als Ankleidezimmer vorgesehenen Raum schleichen, wie dieser leise fluchend über zwei Kartons mit Klamotten stolperte und wie er schließlich in einer der zahlreichen Kisten kramte, trotz Dunkelheit auch gleich fündig wurde und mit etwas großem Länglichen auf dem Arm schon wieder das Zimmer verlassen wollte, als Gabi die großgewachsene Person leise mit verschlafener Stimme durch die offene Verbindungstür hindurch ansprach...

Gabi: Mehdi? Da bist du ja endlich! Was machst du denn da? Komm endlich ins Bett! Ich warte schon so lange auf dich.
Mehdi (bleibt unvermittelt an der Verbindungstür stehen u. dreht sich erschrocken herum, weil er nicht damit gerechnet hat; mit sanfter Stimme flüstert er leise in die Richtung seiner Liebsten): Shht! Schlaf weiter, mein Schatz! Ich wollte dich nicht wecken.
Gabi (fährt sich mit einer Hand über ihre müden Augen u. sucht Augenkontakt mit ihrem Liebsten): Hast du nicht. Wo warst du denn so lange?

Doch es kam keine Antwort zurück, denn Mehdi war bereits wieder aus dem kleinen Zimmer verschwunden und hatte die Tür hinter sich geschlossen. Verwundert richtete Gabi sich nun ganz auf und bemerkte, dass sie noch immer die kleine Überraschung für Mehdi in den Händen hielt. Sie zögerte einen Moment. Dann ließ sie sie schnell in ihrer Handtasche verschwinden, die auf einem der Umzugskartons lag. Anschließend wickelte sie sich die Bettdecke um ihren Körper und tapste barfuss zur Schlafzimmertür, um nach ihrem Liebsten zu schauen, die jedoch in genau diesem Moment geöffnet wurde. Eine wesentlich attraktivere Kopie von John Travolta in „Grease“ stand nun direkt vor ihr, in zerschlissenen Jeans, weißem enganliegenden Shirt, sexy Lederjacke und weißen Socken, und strahlte sein verschlafen dreinblickendes Gegenüber mit großen rehbraunen Augen an, die jedoch noch größer wurden, als er erkannte, was seine Freundin unter der Steppdecke am Körper trug. Es war wie ein Déjà-Vu. Schon einmal hatte er in einer Tür gestanden und die wohl schönste Frau, die er je gesehen hatte, im Lichtschein vieler Kerzen betrachtet. Er musste schwer schlucken und fasste sich instinktiv an den Hals, um wieder Luft zu bekommen. Auf einmal war ihm auch sehr warm geworden, obwohl er gerade erst durch den kalten Schnee gestapft war.

Seine wunderschöne „Sandra Dee“ war während seines überraschenden Auftritts erschrocken einen Schritt zurückgewichen und hatte dabei die Bettdecke verloren und präsentierte so ihren makellosen Körper in seiner ganzen perfekten Schönheit. Der Anblick seiner sexy Freundin in dem knappen fast durchsichtigen Negligé, mit dem sie ihn schon einmal versucht hatte zu verführen, raubte Mehdi für einen Moment die Sprache. Er sah sie einfach nur bewundernd an. Gott, er liebte diese Frau so sehr, dachte er bewegt, doch dann reagierte er blitzschnell, als er registrierte, wie Gabis Füße sich nach einem weiteren Ausfallschritt in ihrer Bettdecke verhedderten und sie nach hinten kippte. Er fing sie mit seinen starken Armen auf und zog sie beschützend an sich. Gabi war völlig verwirrt, als sie sich mit heftig klopfendem Herzen in Mehdis Armen wieder fand, und starrte irritiert in sein malträtiertes Gesicht, das sie verschmitzt anlächelte. Dann reagierte auch sie endlich und strich mit ausgestreckter Hand über Mehdis Stirn...

Gabi: OH GOTT, MEHDI! Was ist passiert? Hast du dich geprügelt? Was habt ihr gemacht? Ist das Marcs Schuld?

Nun erwachte auch Mehdi aus seiner kurzfristigen verliebten Trance und legte seiner aufgeregten Freundin, die mit sorgenvoller Miene sein Pflaster auf der Stirn inspizierte, kopfschüttelnd einen Finger auf ihre zarten vollen Lippen und schob sie sanft zurück ins Schlafzimmer und schloss die Tür hinter sich...

Mehdi: Shht! Es ist nichts. Wir hatten nur... einen kleinen Unfall. Nicht der Rede wert.
Gabi (wird hysterisch laut): UNFALL? Um Gottes Willen, Mehdi, Schatz, bist du ok?

Zärtlich umfuhr die schockierte Frau die Konturen seines wunderschönen Gesichts und war den Tränen nah. Mehdi legte beruhigend eine Hand an ihre Wange und strich gefühlvoll eine verirrte Träne weg. Die andere ruhte bereits an ihrer Hüfte und hielt sie fest. Gabi schwankte nämlich immer noch verdächtig auf wackeligen Beinen. Liebevoll sah er seiner Freundin in die glasig schimmernden Augen, die im Kerzenschein, der vom Schlafzimmerfenster herüberkam, noch intensiver leuchteten und sein Herz tief berührten. Mit sanfter gefühlvoller Stimme redete er auf Gabi ein, damit sie sich beruhigte. So emotional kannte er seine Süße gar nicht.

Mehdi: Hey! Hey! Es ist wirklich nichts weiter passiert, Schatz. Nur Marcs Wagen hat was abbekommen.
Gabi (schluchzt herzzerreißend): Und du!

Gabis Daumen strich vorsichtig über die genähte Platzwunde über seiner linken Augenbraue und die kleine Beule, die sich farbenfroh drum herum gebildet hatte. Mehdi zuckte kurz zusammen und schmiegte seinen Kopf in ihre Handinnenfläche. Die Wärme, die von ihrer Hand ausstrahlte, übertrug sich auch auf ihn. Lächelnd legte er seine Hand auf ihre und so standen sie eine Weile in der Mitte des Raumes, der nur vom Kerzenflackern beleuchtet wurde, und sahen sich gegenseitig in die Augen. Mehdis Herz klopfte wie wild in seiner Brust und auch Gabi ging es nicht viel anders. Endlich war er bei ihr. Und es ging ihm gut.

Mehdi: Wieso schläfst du denn noch nicht? Hast du etwa auf mich gewartet? Ist das alles für mich?

...fragte Mehdi irgendwann atemlos. Gabis gewagtes sexy Nachtoutfit, die romantische Deko in ihrem gemeinsamen Schlafzimmer sowie die Tatsache, dass seit vier Stunden Valentinstag war, ließen dies vermuten. Seine Liebste nickte nur leicht mit dem Kopf. Ihre Wangen färbten sich verräterisch zartrosa. Er legte schmunzelnd seine Hand an ihre gerötete Wange, streichelte diese sanft und gab seiner romantisch gestimmten Freundin einen zarten Kuss auf die Lippenspitzen, in den sie glücklich hinein lächelte, als sie seinen Kuss voller Gefühl erwiderte. Anschließend nahm sie seine Hand und zog ihn mit sich runter auf die Matratze. Mehdi lächelte und schmiegte sich an seine hinreißende Traumfrau, die heute etwas unbeschreiblich Faszinierendes an sich hatte. Nase an Nase lagen sie da, hielten sich fest in den Armen und schauten sich einfach nur verliebt an. Als der fürsorgliche Mann merkte, wie die Gänsehaut seiner Freundin zunahm und sie leicht zu zittern begann, zog er die Bettdecke heran und sie robbten, so wie sie waren, darunter. Gabi blickte ihrem Liebsten tief in die Augen. Konnte sie es wirklich wagen? War das jetzt der Moment der Momente? Plötzlich war die Aufregung wieder da.

Gabi: Alles gut?

...fragte die Schönheit schüchtern und legte ihre beiden Hände an Mehdis warme Wangen. Er lächelte kopfnickend, merkte dabei aber, wie das Pflaster wieder unangenehm an seiner Stirn zwickte und verzog ungewollt sein Gesicht, was der Frau in seinen Armen natürlich sofort auffiel und ihre Gedanken in eine andere als die gewollte Richtung lenkte. Ihre Sorge nahm wieder überhand.

Gabi: Tut’s noch weh?
Mehdi (lächelt gequält): Ein bisschen. Aber du weißt ja, echte Männer kennen keinen Schmerz.
Gabi (grient ihn mit aufblitzenden Augen an): Hmm? Das sagt gerade der Richtige.
Mehdi (kitzelt sie an der Seite): Hey, nicht frech werden, Fräulein! Ich hab heute ziemlich viel durchmachen müssen.
Gabi (ihre leuchtenden Augen huschen aufgewühlt hin und her): Ich auch.
Mehdi (horcht auf u. bekommt ein furchtbar schlechtes Gewissen): Tut mir leid, wenn ich dich auf der Party im Stich gelassen habe. Wir wollten einen schönen Abend zusammen verbringen und ich verschwinde einfach. Aber Marc brauchte mich. Ich kann dir nicht mehr sagen.
Gabi (sieht ihn verständnisvoll an): Schon ok. Ich war ja heute auch nicht gerade aufmerksam, was vor allem an meiner... ääähhh... an Sabines Hysterie lag. Egal, Hauptsache dir ist nichts passiert.
Mehdi (stupst lächelnd mit seiner Nase ihre an): Nein! Alles bestens.
Gabi (strahlt ihn an): Kann ich dir vielleicht etwas Gutes tun? Quasi als... Entschädigung für unseren verpassten romantischen Abend?
Mehdi (grinst verschmitzt): Ah, deshalb die Kerzen und deine sexy Unterwäsche, hmm?
Gabi (zwinkert ihm geheimnisvoll zu): Vielleicht?

Ein freches Grinsen schlich sich auf Mehdis Gesicht, als er sich noch näher an seine atemberaubend schöne Freundin kuschelte, die offenbar irgendetwas mit ihm vorhatte, was er unbedingt herausfinden wollte, und ihr schalkhaft in die aufblitzenden dunkelgrünen Augen blickte...

Mehdi: Du, ich glaube, mein Pflaster zwickt da noch ein bisschen. Kannst du bitte mal schauen?

Dieses Spiel beherrschte er nämlich auch. Mehdi deutete mit dem Zeigefinger auf seine Stirn. Gabi hatte das besondere Funkeln in seinen sonst so unschuldig dreinblickenden kastanienbraunen Augen ganz richtig gedeutet und beugte sich verheißungsvoll lächelnd über sein Gesicht, während die gemeinsame Bettdecke etwas verrutschte, wobei ihr „schwerverletzter“ Patient tiefe verlockende Einblicke bekam, die seinen Blutdruck noch weiter in die Höhe treiben ließen, als er es eh schon allein wegen ihrer Anwesenheit war.

Gabi: Ich glaube, ich hab da ein wunderbares Heilmittel, Herr Doktor.

...zwinkerte sie ihrem wehleidigen Schatz verheißungsvoll zu und näherte sich mit ihren dunkelrot geschminkten Lippen seiner malträtierten Stirn. Sein Gesicht bekam merklich Farbe, je näher sich seine aufregende Freundin herabbeugte, was diese wiederum schmunzeln ließ. Sie liebte diese neckischen Spiele mit ihm. Mehdi schloss erwartungsfroh seine Augen, als er endlich Gabis warme weiche Lippen auf seiner Haut spürte und seufzte leise auf, als sie ganz langsam küssend über sein Gesicht wanderte. Liebevoll bedachte sie mit sanften Küsschen erst seine Stirn samt der Verletzung, dann seine geschlossenen Lider, schließlich seine Wangenknochen. Seine Liebste besaß tatsächlich heilsame Kräfte, dachte Mehdi bewegt und ließ sich entspannt in die Kissen zurückfallen. Als Gabi jedoch abrupt mit ihrer zärtlichen Behandlung aufhörte, schaute er verwundert auf. Ihre Augen, die sich mit seinen verhakten, schimmerten glänzend zu ihm herab. Er ahnte, was sie vorhatte, kam ihr jedoch zuvor. Mit seinem wohl eindrucksvollsten charmanten Dackelblick, den er aufzubieten wusste, deutete er mit dem Zeigefinger auf seinen Mund. Sie grinste und schürzte ihre Lippen.

Mehdi: Und was ist hiermit? Ich glaube, hier tut es auch noch etwas weh.
Gabi (reibt sich aufreizend an seinem Körper u. blitzt ihn geheimnisvoll an): Tut es das? Wolltest du das Armaturenbrett wirklich küssen oder wie konnte das passieren? Hmm... da muss wohl Schwester Gabi noch mal ran?
Mehdi: Unbedingt!

...raunte Mehdi mit heiserer Stimme und kam Gabis verführerischen Lippen vorfreudig entgegen. Der sanfte Aufprall verfehlte seine Wirkung nicht. Ein gefühlvoller Kuss entbrannte, aus dem schnell mehr wurde, als ihre Zungenspitzen aufeinander trafen und sich gegenseitig zum Tanz einluden, der beide dermaßen erhitzte, dass sie schließlich damit begannen, sich gegenseitig langsam auszuziehen. Gabi hatte Mehdi gerade seine Lederjacke von der Schulter geschoben und benetzte seinen freigelegten Hals mit heißen Küssen, während gleichzeitig seine Hände ihre verführerischen Rundungen entlang unter ihr hauchdünnes Nichts aus weicher Seide und zarter Spitze rutschten und sich vorsichtig nach oben tasteten, als ihrem verliebten nächtlichen Treiben abrupt die Luft rausgelassen wurde. Die Schlafzimmertür war nämlich in eben jenem Augenblick abrupt aufgerissen worden. Erschrocken wandte sich Gabi herum und blickte nun in das leichenblasse Gesicht eines schwankenden Vulkaniers, das sie noch mehr erschreckte als überhaupt die Tatsache seiner überraschenden Anwesenheit in ihrer Wohnung und der zittrigen Stimme von Mr. Möchtegern Spock, die sich soeben an den Mann gerichtet hatte, auf dessen Schoss sich eben jene nur in hauchdünne Spitze gehüllte junge Frau befand, deren Herz soeben vor Schreck einen Schlag ausgesetzt hatte...

Günni: Oh, ooh, oooh! Ent...schuld...igung, aber ich... ich hab... die Toilette... Wo...wo war noch mal das Ba...Badezimmer, Dr. Kaaaaan?

Lorelei Offline

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17.10.2012 15:03
#1344 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Gabi starrte Dr. Gummersbach an, als hätte sie soeben beobachtet, wie E.T. persönlich mit seinem blinkernden Raumschiff mitten in ihrem Schlafzimmer notgelandet sei und ein großes Loch in der Decke hinterlassen hätte. Sich vergewissernd blickte die verwirrte Krankenschwester kurz hoch zur stuckverzierten Decke, atmete erleichtert auf, als sie alles unverändert vorfand, und sah nun mit einer immer wütender werdenden Miene zu Mehdi, der verlegen seinen Kopf senkte und mit seinen Lippen ein leises „Tut mir leid“ formte. Der aufregende Anblick seiner süßen Freundin hatte den verliebten Halbperser doch tatsächlich eine ganz bestimmte Information vergessen lassen. Schuldbewusst wandte er sich seinem Überraschungsgast zu, dem die Scham förmlich in sein grünliches Gesicht geschrieben stand und der dem verhinderten Liebespaar anstandshalber den Rücken zugewandt hatte...

Mehdi: Die Tür gegenüber, Günni.
Günni: Oh! Ähm... Danke! Und noch mal... gute Nacht. Ich... ich find mich schon zurecht.

...stotterte er und war genauso schnell wieder aus der Tür hinaus, wie er sie aufgerissen hatte. Mittlerweile war Gabi von Mehdis Schoss aufgesprungen und hatte sich wütend ihren lilafarbenen Kimono angezogen. Sie versuchte den verhedderten Gürtel festzuziehen, was ihr jedoch misslang, während Mehdi sich ebenfalls langsam aufrappelte und hinter sie trat. Die aufgebrachte Frau wich ihm aus und deutete auf die nur angelehnte Tür. Sauer blitzte sie ihren Schatz an, der sie mit Dackelblick zu beruhigen versuchte und sich ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte. Die Situation war aber auch zu bizarr. Und seine Gabimaus war äußerst sexy, wenn sie wütend war.

Gabi: Das ist nicht dein Ernst, Mehdi? Was zum Teufel macht DER hier?
Mehdi (kommt mit schlechtem Gewissen auf sie zu u. will sie in den Arm nehmen, doch sie weicht ihm trotzig aus): Tut mir leid. Noch vor fünf Minuten lag er im Koma und ich dachte schon, er wacht nie wieder auf. Marc hat ihn abgefüllt. Obwohl, so ganz stimmt das nicht. Das waren höchstens zwei Gläser. Aber Vulkanier sind offenbar nicht immun gegen Alkohol. Ich konnte jedenfalls nicht verantworten, Dr. Gummersbach in diesem Zustand alleine zuhause zu lassen. Also haben Oli und ich ihn hier hoch gehievt und auf die Couch im Wohnzimmer platziert.
Gabi (runzelt die Stirn u. verschränkt abwehrend die Arme): Oli?
Mehdi (lächelt verschämt): Marcs Vater. Wir waren bei ihm und er hat uns vorhin zurück nach Berlin gefahren. Marcs Auto sprang doch nach dem Bremsmanöver in den Schneehaufen nicht mehr an.
Hä? Der charmante Professor? Die alte Schrottlaube? Schneehaufen? Der Unfall! Muss ich das alles verstehen? Ich wollte Mehdi doch nur sagen, dass ich... wir... Verdammt und zugenäht! Und jetzt kommt mir auch noch dieser Hirni in die Quere.
Gabi (immer noch sauer, aber schon ein bisschen versöhnlicher gestimmt): Und jetzt? Pennt der jetzt etwa bei uns oder was?
Mehdi (nickt vorsichtig mit dem Kopf): Ich hab ihm das rote Sofa zurechtgemacht.
Gabi (eingeschnappt dreht sie sich weg): Na toll!

Das war’s dann wohl mit der großen kleinen Valentinstagsüberraschung! Toll! Wieso hat sich das Universum eigentlich gegen mich verschworen? Das ist unfair. Ich will doch auch nur ein Stück abhaben vom großen Glück. Ist das zu viel verlangt? Sabine bekommt es doch auch gebacken. Obwohl... bei dem Penner? Vielleicht hat das Universum ja einen Dachschaden? Ja, das muss es sein! Würde zumindest so einiges erklären, was heute alles passiert ist.

Mehdi (zieht seine schmollende Freundin in seine Arme u. legt zärtlich seine rechte Hand an ihre Wange u. streichelt diese mit seinem Daumen): Hey! Doch nur für diese eine Nacht. Wir wollen doch nicht, dass vor der Hochzeit noch irgendwas schief geht und Schwester Sabine der Bräutigam abhanden kommt.
Gabi (zieht einen süßen Schmollmund u. schaut den sanftmütigen Mann seufzend an): Wenn du wüsstest, was wir heute schon mit der Braut durch haben.
Scheiße! Was ist eigentlich aus deren Schwangerschaftstest geworden?
Mehdi (schaut ihr verwundert in die Augen): Was denn?
Gabi (schüttelt verwirrt den Kopf u. befreit sich abrupt aus seiner liebevollen Umarmung): Nichts. Schon ok, er kann bleiben. Ich... Ich müsste nur auch noch mal ins Bad. Jetzt.

Gabi hatte schon vor einer Weile die ersten Anzeichen gespürt, dass sich etwas anbahnte, hatte es aber ignoriert, weil Mehdis aufregende Nähe sie davon abgelenkt hatte. Aber jetzt begann ihr Magen ernsthaft zu rebellieren. So wollte sie die Botschaft, die sie unbedingt loswerden wollte, sicherlich nicht übermitteln. Also ließ sie einen verdutzen Mehdi unvermittelt im Schlafzimmer stehen. Gabi hatte gerade die Tür aufgerissen, da blickte sie auch schon in das leichenblasse Gesicht von Sabines Bräutigam, der gerade schwankend das Badezimmer verlassen hatte und die schöne Frau nun verschämt mit hängenden Spock-Ohren anblickte. Der Anblick ihres recht offenherzigen Dekolletees unter dem violetten Morgenmantel, auf das seine gesenkten Augen direkt starrten, trieb ihm augenblicklich wieder Farbe ins Gesicht. Er wusste überhaupt nicht, wo er hinschauen sollte und begann aufgeregt zu stottern, während Gabi nur genervt die Augen verdrehte...

Günni: Oh...oh... Schwe...Schwester Gabi? Ich... Ähm... Also...
Gabi (genervt schiebt sie sich an dem seltsamen Kauz vorbei, bleibt aber in der Tür noch einmal stehen u. dreht sich zu Günni um): Ja, ja, schon gut. Darf ich mal vorbei oder wollen Sie noch ein Foto von den Dingern? Tja, der Abschied vom Junggesellenleben fällt wohl selbst Ihnen schwer, hmm? Naja egal, ich müsste mal... Ach, und falls Sie noch mal kotzen müssen, in der Küche unter der Spüle ist noch ein Eimer. Es wird nicht in den Blumentopf oder auf den Teppich gereihert. Verstanden? Wir wohnen erst seit zwei Tagen hier und ich hab keinen Bock, Ihnen hinterher wischen zu müssen. Boah, Sie stinken wie eine versiffte Kneipe, Dr. Gummersbach. Vor der Hochzeit sollten Sie unbedingt über eine Generalüberholung nachdenken, wenn Sie nicht wollen, dass es sich Sabine noch mal anders überlegt.

...motzte die Krankenschwester den sichtlich überforderten Pathologen uncharmant an, der daraufhin möglichst unauffällig versuchte, eine Geruchsanalyse seiner eigenen Kleidung zu machen und entsetzt das Gesicht verzog, und war im nächsten Moment auch schon im Bad verschwunden und schloss schnell hinter sich ab. Seufzend lehnte sie sich mit dem Rücken gegen die Tür und rutschte daran herunter in die Hocke. Das lief ja mal wieder wunderbar, dachte sie verzweifelt, hielt sich eine Hand vor den Mund und versuchte die aufkommende Übelkeit wegzuatmen. Sie würde ihr Geständnis nie loswerden, wenn das so weiterging. Und sie sollte damit Recht behalten, denn als Gabi nach fünfzehn Minuten intensiven, aber leider erfolglosen Kampfes mit ihrem rebellierenden Magen, der definitiv an der Lieblingsspeise der Deutschen etwas auszusetzen hatte, zurück ins Schlafzimmer kam, war Mehdi bereits eingeschlafen und sägte Holz, mit dem man vermutlich eine ganze Vorstadt versorgen könnte. Augenrollend löschte sie die Kerzen am Fenster und legte sich zu dem schlafenden Brummbären auf die Matratze. Sie kuschelte sich von hinten an ihn heran. Im Schlaf griff er nach ihrer Hand und legte sie sich auf seinen Bauch. Gabi lächelte und war trotz der ungesagten Worte glücklich wie schon lange nicht mehr. Sie schmiegte ihre Wange an seine und schloss murmelnd ihre Augen...

Gabi: Dann eben später. Noch einmal entkommst du mir nämlich nicht. Schlaf schön, Papa Bär!

Mit einem glückseligen Lächeln auf den Lippen schlief die verliebte Frau sofort ein und bekam auch nicht mehr mit, wie Dr. Gummersbach rumpelnd vom Sofa fiel und dort bis zum Morgen schnarchend liegen blieb.

Lorelei Offline

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19.10.2012 17:50
#1345 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Am nächsten Morgen

http://www.youtube.com/watch?v=98qUDq10MRM


Es war noch früher Morgen, als er aus einem kurzen, wenn auch sehr erholsamen traumlosen Schlaf erwachte. Einzelne Sonnenstrahlen bahnten sich gerade langsam ihren Weg über die Dächer der angrenzenden Nachbarhäuser, spiegelten sich dort in den Fensterscheiben und strahlten dadurch auch auf sein Haus zurück, malten seltsame Wandgemälde und kitzelten durch die Lamellen der Jalousien hindurch sein Gesicht. Ihre Wirkung war belebend. Er drehte seinen Kopf etwas nach oben und blinzelte mit vorgehaltener Hand zum Fenster am Kopfende seines Bettes hinaus. Der Schnee der vergangenen Nacht glitzerte wie magisch auf den von der Morgensonne angestrahlten Bäumen und Fliedersträuchern vor seinem Fenster, an dem über Nacht kleine Eisblumen hoch gewachsen waren, die sich nun unter der belebenden Kraft der Wintersonne langsam begannen aufzulösen und als schmales Rinnsal die Scheibe hinunter glitten. Fasziniert beobachtete er dieses frühmorgendliche Schauspiel. Dabei war er eigentlich gar nicht der Typ, der sich für die Schönheit und Magie der Natur interessierte. Vielleicht lag es ja daran, dass er schon immer einen Hang für die Wintermonate hatte. Den Schnee, die Dunkelheit, die Kälte, die Erbarmungslosigkeit dieser Monate. Keine Ahnung. Er hielt sich sonst eigentlich nicht mit solchen Nebensächlichkeiten des Lebens auf. Heute war dies anders. Alles war irgendwie anders. Schöner. Strahlender. Er fühlte sich gut. So richtig gut. Er hätte Bäume ausreißen können, wenn es dafür draußen nicht noch etwas zu kalt gewesen wäre. Dieser Februartag schien ein ganz besonders schöner Tag zu werden. Das hatte nicht nur er im Gefühl. Es schien der perfekte Tag für eine perfekte Traumhochzeit im Winterwonderland zu werden oder um seine Liebste noch einmal fest in den Arm zu nehmen, sich an sie zu schmiegen, ihren warmen weichen wahnsinnig aufregenden Körper zu berühren, zu streicheln, zu küssen, sie zu lieben. Genau für dieses verlockende Manöver hatte sich an diesem noch recht jungen Samstagmorgen ein verliebter Mediziner entschieden.

Dr. Cedric Stier konnte kaum glauben, dass die Frau, die sein Herz und seine Gedanken berührte wie keine andere, noch immer friedlich in seinen Armen schlummerte. Keinen Millimeter hatte sie sich von ihm wegbewegt, hatte ihn weder geschlagen, gekratzt, noch von sich geschoben oder beleidigt, wie es die Wildkatze sonst immer mit großer Vorliebe zu tun gepflegte, was ja gerade die Besonderheit ihrer ganz speziellen „Beziehung“ ausmachte. Aber sein rechter Arm ruhte immer noch fest um ihren Körper geschlungen, so wie sie es selbst gewollt hatte, als sie diesen gepackt und um sich gewickelt hatte. Die Schmusekatze hielt seine Hand noch immer fest gegen ihren Bauch gedrückt. Ihr Atem ging flach, war ganz ruhig. Sie wirkte entspannt. Sorgenfrei. Vielleicht auch glücklich? Der bis über beide Ohren verliebte Neurochirurg wüsste nur allzu gern, was jetzt in ihrem Kopf vor sich ging. Das weibliche Gehirn, gab es etwas Faszinierenderes und Verwirrenderes als das? Das, was letzte Nacht zwischen ihnen beiden passiert war, diese Explosion an Gefühlen, hatte doch eine Bedeutung? Das war nicht nur sexuelle Anziehung und Entladung gewesen. Das Körperliche zwischen ihnen beiden war schließlich nie ein Problem gewesen. Was bedeutete diese Nacht für sie? Würde sie bleiben? Es hatte ihn keine Ruhe gelassen. Er hatte vielleicht zwei drei Stunden geschlafen, nachdem sie erschöpft in die Kissen zurückgefallen waren und er noch versucht hatte, ein „Ja“ aus ihr heraus zu kitzeln, das sie ihm leider verwehrt hatte. Wie immer hatte sich die sture Frau bedeckt gehalten und am Hintertürchen gekratzt. Es hatte ihn wieder unsicher werden lassen. Er hasste dieses Gefühl des Schwebezustands, wo alles möglich war, aber auch alles einstürzen konnte. Er konnte sich nie sicher sein. Nicht bei seiner Mary. Sie hielt die Zügel in der Hand, auch wenn er ihr diese gerne entrissen hätte. Aber es war ja gerade diese selbstbewusste taffe erbarmungslose Art, die er so sehr an Maria liebte und die ihn jedes Mal in ihren Bann zog, weil es ihn so sehr reizte, die Wildkatze zu bändigen. War ihm dies diesmal gelungen? Er wusste es nicht. Er hoffte es.

Immer wieder hatte er sich vergewissern müssen, ob sie tatsächlich noch da war, dass sie überhaupt da war nach allem, was zwischen ihnen beiden in der Vergangenheit vorgefallen war und was sie sich noch gestern Abend gegenseitig an den Kopf geworfen hatten. Es war wie ein Wunder. Dabei glaubte er noch nicht einmal an Wunder und diese ganzen übersinnlichen Dinge. Aber jetzt lag er tatsächlich hier. Neben ihr. Sie war bei ihm. Und er hatte dafür keine Gewalt anwenden müssen. Sie war freiwillig zu ihm gekommen, hatte ihn angesprochen, ihn geküsst, sich auf dieses nächtliche Abenteuer eingelassen und es hatte ihr Spaß gemacht. Ihr befreites Lachen, ihr Seufzen, das sinnliche Stöhnen, er hatte es noch immer im Ohr. Allein der Gedanke dran ließ sein Herz schon wieder höher schlagen. Es war die ganze Nacht im Dauerlauf gelaufen. Für einen Mann, der geradewegs auf die böse Vier zulief, nicht gerade ungefährlich. Aber es war ihm egal. Hauptsache er konnte bei ihr sein. Er wollte sie um jeden Preis nicht nur für diese eine Nacht, in der sie sich endlich hatte gehen lassen, in der sie einmal nicht nachgedacht, sondern einfach nur der Anziehung, diesem knisternden Prickeln, dem brennenden Feuer gefolgt war. Er hatte kaum noch zu hoffen gewagt, aber jetzt war die Hoffnung wieder grenzenlos und genau das war auch die Gefahr. Cedric hatte letzte Nacht kaum ein Auge zugemacht aus Angst, er würde aufwachen und Maria hätte doch wieder einen Rückzieher gemacht, und alles hätte sich doch wieder nur als Traum herausgestellt. Ein Irrgespenst seiner Fantasie, die sich seit dem überraschenden Wiedersehen mit seiner Exfrau auf dem Ärzteball im hormonellen Ausnahmezustand befand und ihm schon mehr als nur einmal einen gemeinen Streich gespielt hatte.

Doch er träumte nicht. Diesmal nicht. Dieses verführerische Wesen, das selig in seinen Armen schlief, war echt. So echt, dass er sich sehr zusammenreißen musste, sie nicht gleich wieder mit Haut und Haaren zu verschlingen. Der betörende Geruch ihrer samtigweichen Haut und ihrer dunklen Haare umnebelte seine Sinne. Sie hatte ihn völlig verhext. Bilder von letzter Nacht kamen ihm wieder in den Sinn. Brennende Ekstase, glühende Augen, die Reibung zweier Körper, wilde Naturgewalten. Im Schnelldurchlauf spulten sich die Bilder vor seinem inneren Auge wieder ab, erregten ihn zutiefst. Er konnte gar nicht anders. Er war nicht mehr Herr seiner Sinne. Etwas anderes hatte die Motorik seines Körpers übernommen und jegliches Denken abgeschaltet. Vorsichtig darauf bedacht, die Sirene nicht zu wecken, ließ Cedric seine Nase in ihren Haaren versinken. Er sog den süßlichen Shampoogeruch auf, während er ganz langsam näher an sie heranrobbte. Er liebte das Gefühl, sie Haut an Haut zu spüren. Dann waren sie eins. Eine Einheit, die sie schon so lange nicht mehr waren, die er gerne zurück hätte, wenn möglich für immer. Er wollte sie immer spüren, wenn ihm danach war. Sie gehörte zu ihm wie die Luft zum Atmen. Unbemerkt war seine Nasenspitze tiefer gerückt, kitzelte die Schlafende jetzt am Hals. Ganz automatisch legten sich seine suchenden Lippen in die Kuhle am Übergang zu ihrer rechten Schulter. Einer der empfindsamsten Punkte an ihrem Körper unter der Vielzahl anderer Punkte, die haargenau in seinem Hirn abgespeichert waren, die er jeder Zeit abrufen und ausführen konnte, wenn sie ihn denn ließ.

Es war ein gewagtes Manöver. Denn Cedric merkte, wie sich langsam Leben in dem atemberaubenden Körper rührte, den er mit beiden Armen fest umschlungen hielt. Die Gefahr war groß, der Reiz jedoch noch größer, sie unbedingt berühren zu wollen. Also machte er zaghaft weiter und benetzte ihren Hals mit zarten Küssen. Offenbar mit Erfolg. Er spürte, wie seiner Mary diese sanfte Aufwecktechnik gefiel, denn sie streckte sich ihm wohlig seufzend entgegen, rieb sich verführerisch an seinem Körper, den er gegen den ihren gedrückt hatte. Ganz langsam drehte sie sich schließlich auf seine Seite. Er sah, wie sie ihre Lippen fest aufeinander presste und wie ihre Lider verdächtig flackerten, als er sie ruckartig wieder in seine Arme zog und mit seinen Händen entschlossen über ihren Rücken hin zu ihrem knackigen Po streichelte, den er fest gegen seine Lenden drückte. Seinen Kopf in ihrer Halsbeuge versunken zog er scharf Luft ein, als er ihre weichen Brüste an seinem nackten Oberkörper spürte und sich ihre Beine krakenartig mit seinen verschränkten. Ganz eng lagen sie aneinander gekuschelt da, als Maria endlich ihre Augen öffnete und ihrem unverschämt dreisten Gegenüber direkt in seine leuchtenden blauen Augen blickte. Sie blitzte Cedric böse an, schließlich hatte er kein Recht, so über eine wehrlos Schlafende herzufallen. Er lachte nur amüsiert. Er wusste schließlich nur zu genau, was für ein grässlicher Morgenmuffel seine Exfrau sein konnte. Der für alle Eventualitäten gewappnete Mann machte sich schon auf schlimme Wortgefechte mit ihr gefasst. Er hatte sogar schon in der Nacht, als er sie atemlos beobachtet hatte, bis sie tatsächlich eingeschlafen war und ihm dies nicht mehr nur vorgespielt hatte, verschiedene Verteidigungsstrategien entwickelt, hatte alle verworfen und sich schließlich für den direkten Weg entschieden und sie wie eine Krake mit seinen Armen und Beinen umwickelt, so dass jeglicher Fluchtversuch oder jedes Schlagmanöver noch im Keim verhindert werden konnte.

Doch zu seiner eigenen Verwunderung gab es nun kein böses Erwachen. Im Gegenteil. Marias Reaktion überraschte ihn zutiefst. Sie schenkte ihm noch ein zwei bitterböse wütende Blicke, dann ging sie abrupt zum Angriff über und gab ihm einen Guten-Morgen-Kuss, dass ihm Hören und Sehen verging. Wie war das noch mal mit den Zügeln? Sie zog mit einer Leichtigkeit daran, dass er es kaum glauben konnte. Mit vollem Körpereinsatz küsste sie den unverschämten Machomann nieder und machte ihn vollkommen wehrlos. Sie presste ihn mit seinen Armen in die Kissen. Er hatte keine Ahnung, woher das zarte Wesen die Kräfte dafür hatte. Machte die Ärztin heimlich Kampftraining? Der Klammergriff ihrer gelenkigen Beine ließ dies durchaus vermuten. Er wusste es nicht. Er wusste im Moment gar nichts mehr. Denn Sekunden nach ihrem Überraschungsmanöver fand er sich schwerelos im Weltraum wieder, flog mit ihr in nie gekannte Welten und landete völlig überwältigt direkt im Paradies. Atemlos ließ er sich neben Maria ins Bett fallen. Grinsend warf er seinen Kopf zur Seite. Ein feuriger Blick fing ihn ein, zog ihn zu sich heran. Mit allerletzter Kraft robbte sich der muskelkatergeplagte Mann zur Seite, um sie besser anschauen zu können. Maria lag entspannt lächelnd auf dem Rücken, den Kopf auf ihren Unterarmen gebettet. Sein verliebter Blick wechselte immer wieder zwischen ihren fesselnden Augen und ihrem sich heftig auf und ab bewegenden Brustkorb, der noch mit den Nachwirkungen kämpfte. Ihr Anblick machte ihn ganz verrückt. Atemlos drückte er seine Lippen auf ihre. Was machte sie bloß mit ihm? Mittlerweile hatte er keine Angst mehr vor ihrer Reaktion, jedoch vielmehr davor, ob er ihr überhaupt gewachsen war. Mit dem Schalk im Nacken blickte Cedric Maria schließlich an...

Cedric: Damit hab ich nun wirklich nicht gerechnet. Das grenzt ja schon fast an sexuelle Nötigung. Ziemlich gefährlich, wenn man(n) noch nicht richtig wach ist.
Maria (grinst sichtlich amüsiert u. fährt mit einer Hand kreisend über den dünnen Flaum Haare auf seiner nackten Brust u. zieht dann unvermittelt daran, woraufhin er zusammenzuckt): Ha! Das sagt gerade der Richtige. Nachdem du mir die halbe Nacht hinterher gestalkt bist und jetzt über eine völlig wehrlose schlafende Frau hergefallen bist.
Cedric (erwidert ihren amüsierten Blick): Du und wehrlos, klar? Aber ich wollte nur sicher gehen, dass du nicht abhaust. Die Straßen Berlins sind nachts ein gefährliches Pflaster, auch wenn diese Gegend hier harmlos erscheint.
Maria (neckisch): Ah ja? Du warst also um meine Tugend besorgt?
Cedric (seine Augen funkeln auf, während er ganz langsam mit dem Zeigefinger ihren nackten Arm empor fährt): Ich weiß schon, dass du dich zu wehren weißt.
Maria (grient ihn an): Eben. Also pass lieber auf, was du sagst oder tust!
Cedric (rückt näher heran u. legt den Arm um ihre Hüfte): Trotzdem, ich wollte nicht, dass du einfach so gehst.
Maria (hat den ernsten Klang in seiner Stimme durchaus registriert u. reagiert darauf gewohnt offenherzig): Ich hab durchaus mit dem Gedanken gespielt.
Cedric (sein Blick wird ernster, nachdenklicher): Das hab ich mir gedacht.
Maria (sieht ihn eindringlich an): Ich hab mich aber dagegen entschieden.
Cedric (hoffnungsvoll trifft sein Blick den ihren): Warum?
Maria (schließt einen Moment die Augen u. sieht ihn dann wieder mit einem gewissen Funkeln an): Hmm... Der Schönheit wegen. Warum sonst?
Cedric (starrt sie sprachlos an): Bitte?
Maria: Na ich hätte durch die halbe Stadt gemusst. Krieg mal um die Zeit hier im Niemandsland noch ein Taxi. Und ich hatte nun mal keine Lust auf dunkle Augenringe auf der Hochzeit heute Nachmittag. Also danke fürs Nachtlager!
Cedric (etwas enttäuscht, dass sie das Ganze ins Lächerliche zieht): Immer wieder gern! Die Hochzeit also? Sonst nichts?
Maria: Nein!

...antwortete Maria keck und schwang gleichzeitig ihre schlanken Beine aus dem Bett, um aufzustehen. Doch Cedric, der sich in seiner männlichen Ehre gekränkt fühlte, wollte sich mit dieser Antwort nicht zufrieden geben und hielt das freche Biest davon ab, aufzustehen. Und schon fand sich Dr. Hassmann wieder unter ihrem unmöglichen Exmann wieder, als er seine beiden Hände links und rechts von ihrem Kopf abstützte und ihrem Gesicht verdächtig näher kam...

Cedric: Wo willst du hin?
Maria (entschlossen funkelt sie ihn an): Na, ich gehe!
Cedric (presst sie mit seinem aufregenden Körper in die Kissen zurück): Denkst du, dass ich dich nach den vergangenen Stunden so einfach gehen lasse?
Maria (gibt sich dem Gefühl, das er bei ihr mit diesem Angriff auslöst, hin, vertuscht es aber aus Trotz): Ja! Du hast keine andere Wahl.
Cedric (reibt sein Becken gefühlvoll an ihrem u. sieht ihr dabei tief in die Augen): Du hättest aber auch die Wahl, Mary.
Maria (seufzt erregt auf, kämpft aber gegen den Schmetterlingsschwarm in ihrem Bauch an): Ich weiß! Und ich hab mich für die Hochzeit entschieden.
Cedric (bringt seine Lippen ins Spiel, die ganz langsam ihren Hals empor wandern, um Überzeugungsarbeit zu leisten): Und wenn du die blöde Hochzeit einfach sausen lässt? Du magst die beiden Pappnasen doch noch nicht einmal.
Maria (neigt sich sanft seinen Küssen entgegen): Gutes Argument. Trotzdem... ich muss jetzt wirklich gehen, Rick. Lass mich!

...sagte Maria entschieden und schob ihren Verführer sanft aber bestimmt zur Seite, strich noch ein letztes Mal lasziv über seinen nackten äußerst anziehenden muskulösen Bauch und erhob sich anschließend seufzend aus dem völlig zerwühlten Bett. Cedric ließ sich stöhnend zurück in die Kissen fallen, verschränkte seine Arme unter seinem Kopf und verfolgte jede einzelne der Bewegungen der nackten Schönheit wie ein Luchs, der auf der Lauer lag und auf seine nächste Chance hoffte.

Cedric: Was ist so wichtig an dieser bescheuerten Hochzeit, wenn du stattdessen das hier haben könntest? Den ganzen Tag, die ganze Nacht, das ganze Wochenende.

...frohlockte der verhinderte Casanova mit säuselnder Stimme und deutete sehr von sich selbst überzeugt mit einer wellengleichen Armbewegung seinen Körper und dessen Vorzüge hinab. Maria blieb an der Bettkante stehen, schaute Cedric fassungslos an und riskierte dann doch noch einen letzten längeren Blick auf das, was er ihr zu bieten hatte. Ihre Lippen zuckten verdächtig und ein amüsiertes Grinsen schlich sich darauf, wechselte sich aber trotz des wirklich sehr verlockenden Angebots schließlich mit einer entschlossenen Miene ab. Sie hatte nun mal keine andere Wahl und antwortete dem an Selbstüberschätzung Leidenden deshalb auch wahrheitsgemäß...

Maria: Deine Tochter!
Cedric (richtet sich überrascht auf u. sieht sie fragend an): Oh!
Maria (sieht ihn augenrollend an, als sie ihn aufklärt): Sie ist Blumenmädchen auf Sabines Hochzeit. So jetzt weißt du es. Sarah bringt mich um, wenn wir nachher nicht rechtzeitig in der Kirche erscheinen. Mein Vater bringt sie in einer Stunde zu mir nach Hause und wenn ich dann nicht da bin, dann gibt es wieder eine stundenlange Inquisition. Meine Mutter ist eh schon misstrauisch, seitdem sie dich bei mir im Schlafzimmer erwischt hat. Also versuch erst gar nicht, mich zum Bleiben zu überreden. Es geht nicht. Okay?
Cedric (gibt sich geschlagen): Ok, ok, gegen das Argument hab ich wohl keine Chance.
Maria (wirft ihm einen kecken Augenaufschlag zu): Du hast nie eine Chance.
Cedric: Aber ich könnte doch eine bekommen, oder?

...fragte Cedric mit subtilem Unterton hoffend in ihre Richtung. Maria hatte den offensichtlichen Wink mit dem Zaunspfahl natürlich verstanden und verdrehte deshalb nur leidend die Augen. Er konnte es einfach nicht lassen. Konnte er denn nicht verstehen, dass sie Zeit brauchte, um das alles zu verstehen, was seit gestern Abend passiert war? Sie hatte noch nicht eine Sekunde Zeit gehabt, ernsthaft darüber nachzudenken, obwohl sie die halbe Nacht wach gelegen hatte. Sie hatte die ganze Zeit seine Blicke im Nacken gespürt und hatte sich nicht konzentrieren können. Sie hatte das Gefühl, dass das alles wie im Zeitraffer ablief. Irgendeine höhere Macht hatte erbarmungslos auf Vorspulen gedrückt und vergessen, den Pausenknopf zu drücken. Das ging alles so schnell, so unerwartet, so verrückt. In ihrem Kopf herrschte heilloses Chaos. Deshalb war sie ja auch froh über die Ablenkung, die ihr mit der Hochzeit des Grauens heute geboten wurde. Sie brauchte Luft zum Ausatmen. Dringend.

Maria machte deshalb nur eine abwiegelnde Handbewegung in Cedrics Richtung und balancierte barfuss durch die CD-Landschaft, die wild verstreut auf dem Schlafzimmerteppich lag. Gott, waren sie das gewesen? Zusammenhanglose Bilder schossen unvermittelt in ihren Kopf und ließen sie innehalten. Sie sah, wie er sie im Flur leidenschaftlich gegen die Küchentür gestemmt hatte, wie die Kleiderstange mitsamt den Jacken unter ihrem wilden Tanz von der Garderobe heruntergefallen war, wie sie die Wand entlang geglitten waren und er sie erbarmungslos geliebt hatte wie noch nie zuvor in ihrem Leben, nachdem er ihr wie ein Neandertaler ihr Catwoman-Outfit vom Leib gerissen hatte, wie sie danach auf dem Flurteppich gelegen und hemmungslos geknutscht hatten, wie sie irgendwann von ihm ins Schlafzimmer getragen wurde, wie sie sich an ihm festgekrallt hatte, wie sie ins Trudeln geraten waren und gegen irgendein Regal getorkelt waren, dabei so einige Sachen heruntergeschmissen hatten in wilder Ekstase vereint, mit der sie übereinander hergefallen waren. Immer und immer wieder. Erbarmungslos. Hemmungslos. Über Stunden hinweg waren sie nicht zur Ruhe gekommen. Sie hatten nicht von einander lassen können. Sie hatte ihn so sehr gewollt, sie hatte alles herausgeschrieen, was sie so sehr an ihm hasste, hatte sich genommen, was sie wollte. Ohne Scham und schlechtem Gewissen.

Maria wurde augenblicklich knallrot im Gesicht, wie es sonst überhaupt nicht ihre Art war, als sie die einzelnen verschwommenen Bildfetzen zusammensetzte. Ihr Magen kribbelte. Alles begann zu prickeln. Hitzewellen erfassten wieder ihren Körper. Es wurde allerhöchste Zeit, dass sie hier wegkam, dachte sie entsetzt und setzte einen zittrigen Schritt nach vorn. Mist! Jetzt war sie doch tatsächlich auf eine seiner bescheuerten Platten getreten. Sie spürte die harte Plastikhülle unter ihren nackten Füßen und hüpfte unelegant mit schmerzverzerrtem Gesicht flüchtend zur Tür. Sie spürte sein dreckiges Grinsen im Rücken. Natürlich starrte der Idiot ihr ungeniert hinterher. Mistkerl! Und tatsächlich. Marias nackter Hintern und ihre kreisenden Hüften weckten ganz besonders Cedrics Interesse. Er schürzte seine Lippen und drehte sich auf den Bauch, stützte seinen Kopf mit den Händen und griente der flüchtenden Wildkatze vergnügt hinterher, die in der Tür stehen blieb und sich noch einmal mit grimmiger Miene zu dem Lustmolch auf dem Bett umdrehte...

Maria: Lass das dreckige Glotzen sein, Stier, oder ich kratz es dir aus dem Gesicht. Ich geh jetzt duschen und dann bin ich weg. Bestellst du mir ein Taxi? In zehn Minuten! Ach und wärst du vielleicht so freundlich und gibst mir ein paar Sachen zum Wechseln? Du hast mir ja nichts gelassen.
Cedric (grinst sie vergnügt an): In welcher Reihenfolge?
Maria (blitzt ihn böse an): Witzbold! Ich könnte natürlich auch nackt nur mit meinem Mantel bekleidet ins Taxi steigen, wenn dir das lieber ist.
Cedric (leckt sich über die Lippen u. schaut sie lasziv an): Mmmhhh... Ein äußerst verlockender Gedanke. Wenn ich dich fahren darf?
Maria (lehnt sich mit verschränkten Armen seitlich gegen den Türrahmen): Dann hängen wir vermutlich nach fünf Metern an der ersten Ampel fest.
Cedric (ein dreckiges Grinsen zeichnet sich auf seinen Lippen ab): Du weißt ja, dass ich nicht lange zögere.
Maria (funkelt ihn an): Eben! Dann hoffe ich doch, du zögerst nicht, wenn du Schwester Stefanie die Rechnung bezahlst.
Cedric (sichtlich verwirrt): Hä?
Maria (wieder obenauf): Na für das zerrissene Catwoman-Kostüm, du Tier! Das war nämlich nur geliehen. Am Montag will die Brinkmann die Kostüme zurück in den Verleih bringen. Könnte vielleicht Ärger geben.
Cedric (sämtliche Farbe weicht aus seinem Gesicht, als er sich wieder aufrichtet): Äh... Das ist nicht dein Ernst?
Maria: Tja, wer früh kommen will, muss nachher eben die Rechnung bezahlen. Das kennst du ja nicht anders. Obwohl... das klang jetzt echt irgendwie zweideutig. Hmm.... Egal, ich bin weg.

... sagte Maria keck in Richtung des sichtlich irritierten Machoarztes und war im nächsten Moment auch schon im Badezimmer verschwunden. Ein sprachloser Neurochirurg starrte ihr hinterher und ließ sich nach einigen Schrecksekunden schließlich lachend zurück aufs Bett fallen. Dieses Biest!

Cedric: Den Spaß war’s wert.

...murmelte Cedric zufrieden, verschränkte grinsend seine Arme unter seinem Kopf und starrte glücklich in Erinnerungen an ihre gemeinsamen nächtlichen Abenteuer schwelgend an die Decke seines Schlafzimmers. Wenn sie so mit ihm spielte, dann hatte das doch nur eines zu bedeuten, schoss es ihm plötzlich durch den Kopf. Er konnte seine zweifelnden Gedanken von vorhin endlich ad acta legen. Auch wenn sie jetzt flüchtete, so war er sich doch sicher, dass sie zu ihm zurückkommen würde. Er hatte die Schlinge ausgeworfen und sie war hinein getreten.

Lorelei Offline

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21.10.2012 17:42
#1346 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Maria Hassmann war dagegen alles andere als glücklich im Moment. Im Badezimmer angekommen, lehnte sie sich mit dem Rücken gegen die Tür, schloss kurz die Augen und atmete tief ein und aus. Ihr Herz pochte so schnell in ihrer Brust, wie der bekannte Duracell-Hase immer durch die Prärie lief. Dieser Mann machte sie einfach nur wahnsinnig und das mit Absicht. Dennoch konnte sie nicht von ihm lassen. Sie konnte Rick nicht vorwerfen, gestern einen schwachen Moment ausgenutzt zu haben. Nein, sie hatte genau das gewollt. Schon als sie ihn alleine rauchend vor dem offenen Fenster im Treppenhaus stehen gesehen hatte, hatte sie ihn gewollt. Deshalb hatte sie sich auch zu dem Kuss hinreißen lassen, zu diesem demütigenden sentimentalen Ausbruch, diesem peinlichen Waffenstillstandsversprechen und all dem, was danach gefolgt war. Sie wollte diesen Mann. Sie konnte sich nicht mehr länger etwas vormachen und mit anderen flirten, mit Gretchen streiten oder Mehdi etwas vorflunkern, um davon abzulenken, die das alles beide schon längst vorausgesehen hatten.

Aber konnte sie das wirklich riskieren? Eine Nacht schön und gut. Die konnte man zur Not als Ausrutschern Nummer drei verbuchen. Aber mehr? Er wollte mehr. Das hatte Cedric ihr mit seinem Wunsch, dass sie bleiben solle, eindeutig mitgeteilt. Aber wollte sie das auch? War der Preis nicht immer noch zu hoch? Gedanken und Gefühle strömten auf die zweifelnde Oberärztin ein, so dass sie erst nicht merkte, dass sich etwas veränderte. Dann aber musste sie sich doch plötzlich vor Schmerzen krümmen. Sie fasste sich an ihren Bauch, spürte es darin rumoren und reagierte blitzschnell. Das spärliche Abendessen, das sie mit dem schönen Schweden Sven auf dem gestrigen Polterabend geteilt hatte, war etwas, auf das sie gut und gerne verzichtet hätte, es wiederzusehen. Ausgerechnet jetzt, wo sie bei IHM war, musste ihr Magen schon wieder rebellieren. Wie so oft in letzter Zeit. Wieso war das Universum eigentlich gegen sie? Hatte sie mit dem Idioten da draußen nicht schon genug an der Backe? Und verdammt und zugenäht noch mal, ihre Handtasche mit dem rettenden magenschonenden Medikament lag auch noch irgendwo da draußen in dem wüsten Chaos, das sie gestern im Eifer des Gefechts geschaffen hatten. Es war doch zum Verrücktwerden.

Stinksauer auf ihren schwächelnden Körper drückte Maria die Spülung, blieb noch einen Moment lang neben der Toilette sitzen, kraftlos die puddingweichen Beine an ihren Körper gezogen. Dann rappelte sie sich langsam vom Boden auf. Schwankend trat sie an das Waschbecken heran und ließ den Wasserhahn laufen. Sie spülte sich den Mund aus und spritzte sich mehrmals kühles Wasser ins Gesicht. Sie fühlte sich gleich wieder etwas besser nach dieser erfrischenden Abkühlung und richtete sich, beide Hände auf den Waschbeckenrand gestützt, auf. Sie blickte zum Medikamentenschrank neben sich, öffnete diesen einer Eingebung folgend, schloss die Hausapotheke aber gleich wieder, nachdem sie darin nicht fündig geworden war. Mit den darin vorhandenen Vorräten könnte Dr. Stier ein ganzes Kinderkrankenhaus mehrere Monate lang versorgen. Aber eine Erwachsene mit Magenschmerzen und wiederholender Übelkeit litt weiter stille Qualen. Verantwortungsloser Vollidiot!

Grimmig schaute sie zur Seite, entdeckte ihr Spiegelbild und blieb daran haften. Sie strich über die feuchte Haut ihrer blassen Wangen und blickte sich in ihre Augen. Sie sah müde aus. Erschöpft. Gut, in Anbetracht der olympischen Aktivitäten der letzten Nacht und der Tatsache, dass sie soeben dem Ulf einen beschissenen „Guten Morgen“ gewünscht hatte, war das auch nicht sonderlich verwunderlich. Trotzdem irgendetwas war anders, fand sie, je länger sie sich ansah. Wann hatte sie das eigentlich das letzte Mal getan? Maria trat zwei Schritte nach hinten, um sich besser betrachten zu können. Konnte das möglich sein? Quatsch! Sie schüttelte den Kopf. Sie hatte in den letzten Wochen ganze sechs Kilo abgenommen, gerade weil sie kaum etwas bei sich behalten konnte. Außerdem verspürte sie nicht wirklich Appetit. Sie aß wie ein Spatz. Sie hatte schließlich weiß Gott andere Sorgen, als an so etwas Nebensächliches wie Essen zu denken. Trotzdem war da ein komisches Gefühl, das sie zunehmend einzunehmen begann. Marias seltsam glänzende Augen weiteten sich. Das Druckgefühl in ihrer Magengegend war zwar weg, dafür beschlich sie plötzlich ein schlimmer Verdacht. Das konnte doch nicht sein?

Bevor die studierte Medizinerin jedoch intensiver darüber nachdenken konnte, zuckte sie zusammen, weil sie plötzlich ein lautes Klopfen an der Badezimmertür vernommen hatte, das sie furchtbar erschreckt hatte. Sie schaute verwirrt zur Tür, durch die sie nun Cedrics blasierte Stimme deutlich hören konnte...

Cedric: Hey! Wieso schließt du denn ab? Aaahhhh, ich versteh schon. Du willst nicht wieder in Versuchung gebracht werden. Kann ich verstehen. Mir würden nämlich auch so einige Dinge einfallen, die ich mit dir unter der Dusche so anstellen könnte.

„Idiot“, dachte Maria nach der ersten Schocksekunde und schüttelte erneut ihren Kopf. Kein Wunder, dass man auf bescheuerte Gedanken kam, wenn man die ganze Zeit mit so einem albernen Kindskopf zusammen war, der in dem Moment auch schon weiterplapperte, während sie sich entschloss, endlich die erfrischende Dusche zu nehmen, nach der sie sich schon die ganze Zeit gesehnt hatte. Sie hörte dem selbstverliebten Macho gar nicht weiter zu und schob die Kabinentür auf, verschwand dahinter und ließ das Wasser über ihren Körper laufen.

Cedric: Hast du deine sarkastische Stimme verschluckt oder warum antwortest du nicht? Ah, du bist wohl noch dabei, dich einzuseifen? Mmhhh... Kann ich nicht doch noch zu dir reinkommen? Es ist wirklich eine Qual zu wissen, dass du gerade unter der Dusche stehst und wer weiß was mit dir anstellst. Aber gut, ich höre schon auf zu träumen. Das blöde Taxi ist bestellt. Ich lege dir die Klamotten vor die Tür, ok. Aber ich will keine Beschwerden hören, ja. XS ist jetzt nicht unbedingt meine Größe. By the way, sag mal, hast du abgenommen? Also ich kann mich erinnern, dass ich mal mehr zum Anpacken gehabt habe. Aber ich will damit nicht sagen, dass es dir nicht stehen würde. Hey! Du siehst super aus. Ich liebe deinen knackigen Körper. Kein Thema. Hmm... Irgendwie frustrierend, dass ich hier die ganze Zeit mit ner Tür reden muss. Ich mache dann mal Kaffee, ok? Immer noch ohne Süßstoff, aber mit einem Spritzer fettarmer Milch? Wir können auch noch frühstücken, wenn du magst. Ich weiß nur nicht, was mein Kühlschrank noch so zu bieten hat.

Cedric konnte gar nicht so schnell zurückweichen, als plötzlich die Tür aufging, ihn unsanft zur Seite drängte und eine nackte Wassernixe, nur mit einem knappen schwarzen Handtuch bekleidet, vor ihm stand, ihn frech angrinste und die Sachen vom Boden aufhob...

Maria: Also so langsam machen mir deine Stalking-Neigungen echt Angst. Solltest du mal therapieren lassen! Lass mal das mit dem Frühstück. Ich kann frühs eh nichts essen. Aber der Kaffee geht so in Ordnung.

Und bevor er überhaupt reagieren und sich an ihrem aufregenden Anblick weiden konnte, hatte seine Mary ihm die Tür auch schon wieder vor der Nase zugemacht. Cedric fuhr sich mit seiner Hand über seine erhitzte Stirn und zog dann den Bund seiner plötzlich sehr eng gewordenen Jeans, in die er gerade erst geschlüpft war, zurecht. Dann stammelte er gegen die geschlossene Tür...

Cedric: Das hat nichts mit Stalking zu tun, meine liebe Mary. Wobei, wenn ich mir das recht überlege, mir wäre natürlich jetzt ein Logenplatz auf dem Badewannenrand lieber. Ich kenn dich halt. Das ist alles. Ich würde nichts vergessen, was dich betrifft. Das müsste dir doch mittlerweile klar sein, oder?

Als wie immer keine Antwort von seiner heißen Exfrau zurückkam, tippte er noch einmal mit dem Finger gegen den Türrahmen, dann drehte er sich um, um in die Küche zu gehen und dort die Kaffeemaschine einzuschalten. Fünf Minuten später stand Dr. Hassmann mit einer rasch getätigten Föhnfrisur in einer viel zu weiten Jeanshose, schwarzen Wollsocken und einem dunkelgrünen Kaschmirpullover in der Küchentür. Cedric lehnte mit dem Rücken an der Anrichte und hielt schon eine Tasse Espresso in der Hand. Er lächelte, als er die schöne Frau in seinen Sachen entdeckte, stellte seine Tasse ab und kam wohlwollend pfeifend mit einem „Ich bin hier der Chef“-Kaffeepot auf Maria zu und drückte ihr diesen grinsend in die Hand. Sie nahm ihn mit einem verschmitzten Lächeln entgegen...

Maria: Wie passend.
Cedric (zwinkert ihr zu): Ich dachte nur, ich setze mal ein Zeichen.
Maria (nippt an ihrem Kaffee u. schaut über den Tassenrand zu ihm): Verstehe!
Cedric: Meine Sachen stehen dir.
Maria (sieht zweifelnd an sich herunter): Naja, dein Klamottengeschmack ist immer noch genauso grässlich wie früher. Aber für den Moment geht’s. Der Kaffee ist gut.
Cedric (verzieht die Mundwinkel zu eine eher gequälten Lächeln): Ja.

Wieso wirkte das alles auf einmal so verkrampft zwischen ihnen, fragten sich beide gleichzeitig und verstummten. Einen Moment lang schwiegen die beiden Ex-Ehepartner sich an und tauschten unsichere Blicke aus. Die Anspannung, die zwischen ihnen beiden herrschte, war kaum auszuhalten. Beschämt wichen sie den Blicken des anderen aus, nippten an ihrem Kaffee und sahen sich um. Das Chaos im Flur, das beiden ins Auge viel, machte auf beide Eindruck. Maria hatte schließlich genug von der peinlichen Stille. Sie drückte Cedric ihre halbvolle Tasse wieder in die Hand, lächelte kurz gequält auf und hob dann ihr zerrissenes Kostüm vom Boden auf. Ohne weiteren bissigen Kommentar verstaute sie das Kleidungsstück zusammengerollt in ihre Handtasche und schlüpfte anschließend in ihre Stiefel. Sie wollte gerade nach ihrem Mantel greifen, als Cedric ihr diesen abnahm und gentlemanlike hinhielt. Maria rümpfte verwundert die Nase, ließ es sich aber gefallen und drehte sich anschließend zu ihrem Möchtegernkavalier um. Ihre dunklen Augen blitzten feurig auf. Das war doch Absicht, dass er sich noch immer kein Shirt übergezogen hatte. Selbstverliebter Kerl! Als ob das auf irgendeine Weise Eindruck bei ihr schinden würde. Tzz... Im Gegenteil. Es verstärkte nur noch den Drang, schleunigst aus dem Gefahrenbereich zu verschwinden. Die stolze Ärztin versuchte die Blicke von seinen Bauchmuskeln wegzulenken und konzentrierte sich darauf, ihren Schal möglichst elegant um ihren Hals zu wickeln. Er hing jedoch auch zwei Minuten später immer noch lose an ihren Seiten herunter. Cedric spürte Marias Blicke ganz genau und konnte sich ein kleines zufriedenes Schmunzeln nicht verkneifen. Dennoch beschloss er, nicht schlagfertig darauf einzugehen, um den Moment nicht leichtfertig kaputt zu machen. Er ließ sie so schon nur ungern gehen.

Cedric: Mary, ich...
Maria (legt ihm unbedacht ihren Zeigefinger auf die Lippen): Shht! Sag jetzt einfach nichts, ok. Ich kann im Moment noch nichts dazu sagen. Versteh das bitte!
Cedric (sein Herz verkrampft sich, aber er bewahrt Haltung): Okay! Eigentlich wollte ich nur sagen...
Maria (fällt ihm ein zweites Mal ins Wort): Du kannst mich nicht umstimmen, Rick.
Cedric (verdreht kopfschüttelnd die Augen): Die Frau Doktor muss immer das letzte Wort haben, selbst wenn es gar keinen Grund dafür gibt! Kann ich dir das jemals austreiben?
Maria (kleinlaut): Nein!
Cedric (fühlt sich herausgefordert und greift nach den beiden Enden ihres Schals, um sie zu sich heranzuziehen): Käme auf den Versuch an.
Maria (funkelt ihn an u. entwindet sich seinem plumpen Verführungsversuch): Rick, jetzt lass endlich das alberne Geschleime! Das funktioniert vielleicht bei kleinen Schwesternschülerinnen, aber nicht bei mir.
Cedric (wagt sich mutig nach vorn): Nur wenn du mir einen Wunsch erfüllst.
Maria (misstrauisch): Ich bin mir nicht sicher.
Cedric (sagt es gerade heraus u. schaut ihr dabei direkt in die Augen): Ich hätte gerne ein Foto von Sarah in ihrem Blumenmädchenkleid.
Maria (verwirrt): Was?
Cedric (hilft ihr schmunzelnd auf die Sprünge): Die Hochzeit, der Pathologe und die komische Esoterikschwester, meine Tochter. Klingelt’s?

Maria schaute überrascht auf. Damit hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Sie konnte nicht verhindern, dass sie zu lächeln begann...

Maria: Das ließe sich vielleicht einrichten.
Cedric (strahlt sie glücklich an): Gut! Dann... muss ich dich wohl jetzt schweren Herzens gehen lassen.
Maria: Musst du wohl!

...behielt sie wie immer das letzte Wort. Cedric schmunzelte darüber und trat näher an Maria heran, die bereits zur Türklinke gegriffen hatte, diese aber wieder losließ, als er direkt vor ihr stehen blieb und ihr rührselig in die Augen blickte. Was hatte er denn jetzt schon wieder vor, fragte sie sich verunsichert, blieb aber an Ort und Stelle stehen. Sie schauten sich an. Blicke, die Bände sprachen. Sehnsucht, Verlangen, Leidenschaft, die sich in strahlendblauen und braunen Augen widerspiegelten. Langsam neigte sich Cedric nach vorn. Maria wich ihm nicht aus. Konzentriert nahm sie jede Bewegung von ihm wahr. Sein Kopf kam immer näher. Sie konnte nicht anders. Sie kam ihm entgegen. Kurz bevor sich ihre Lippen endgültig trafen, hielt Cedric jedoch inne und wich auf ihr verlockendes Ohr aus, das er kurz streifte und in das er leise etwas hineinhauchte, bevor er sich wieder auf Marias verführerische Lippen konzentrierte...

Cedric: Danke für diese unglaubliche Nacht. Ich werd noch lange davon zehren. Dessen kannst du dir sicher sein. Und du sollst noch etwas wissen, nämlich, dass ich dich niemals zu irgendetwas drängen würde. Du hast alle Zeit der Welt, egal wie du dich entscheidest.

Eine dicke Gänsehaut überzog ihren gesamten Körper. Wie erstarrt stand die dunkelhaarige Ärztin da und konnte sich nicht rühren. Seine sanfte Stimme fraß sich durch ihren Gehörgang tief in ihr Gehirn ein, von wo aus es Signale an ihr Herz sendete, das in dem Moment anfing, immer heftiger zu schlagen. Maria holte tief Luft und legte beide Hände an seine Wangen und zog ihn so dicht an ihren Mund heran, bis kein Blatt Papier mehr zwischen die beiden gepasst hätte. Sie flüsterte...

Maria: Halt einfach die Klappe, Stier!

...und küsste ihr Gegenüber unmissverständlich stumm. Sie wollte jetzt nicht über irgendetwas nachdenken. Eng umschlungen standen sie im Flur und gaben sich ihren Empfindungen hin, ließen jegliche Gedanken an eine mögliche Zukunft oder nicht fern von sich und konzentrierten sich allein auf diesen einen Moment. Raum und Zeit verschwammen. Es gab nur noch sie beide. Selbst das Hupen des Taxis von der Straße und das plötzlich einsetzende Türklingeln nahmen die beiden nicht mehr wahr. Alles, was zählte, war die Symbiose dieses einen zärtlichen Moments. Erst als sich das Türklingeln in einen wahren Sturmangriff entwickelte, ließen sie frustriert voneinander ab. Maria lächelte gequält und griff nach hinten, wo sie nach der Türklinke tastete, die sie anschließend langsam herunterdrückte.

Maria: Ich muss.

...sagte sie wehmütig in seine Richtung. Komisch, jetzt hatte sie gar nicht mehr das dringende Bedürfnis, unbedingt gehen zu wollen. Am liebsten hätte sie sich noch einmal in seine Arme geworfen und wäre für die nächste Ewigkeit darin verharrt. Und auch Cedric schaute Maria sentimental dabei zu, wie sie langsam die Haustür öffnete, erschrak aber im gleichen Moment, als er erkannte, wer davor stand und Terrorklingeln verübte.

Cedric: Ich weiß. Meld dich, wenn du... Oh verdammt, warte! Ich...

Für eine rechtzeitige Warnung war es leider zu spät. Denn ein immer größer werdendes Augenpaar starrte ihn an und blickte entsetzt zwischen ihm und Maria hin und her. Dann ging das Getöse auch schon los...

Lorelei Offline

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24.10.2012 13:58
#1347 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

So meine Lieben , dann löse ich mal den spannenden Moment auf, bevor ihr euch noch mehr den Kopf zerbrecht und den Stier noch in ein falsches Licht rückt. Man mag ihm vieles in der Vergangenheit vorwerfen, doch diesmal ist er völlig unschuldig. Ich bin die Schuldige. Ich hab einen langen Vorlauf gebraucht und mein Versprechen mag vielleicht schon in Vergessenheit geraten sein, aber jetzt hab ich es endlich geschafft. Genauso hatte ich die Schlussszene von Ceria immer im Kopf. Aber lange Rede, kurzer Sinn. Heute kriegt nämlich eine weitere liebe Forumskollegin ihren großen Auftritt. Ich hoffe, dir gefällt deine Rolle, Liebes, denn sie gibt dir die Möglichkeit, wann immer du magst, in der Nähe eines deiner Lieblinge zu sein. Mein Dankeschön für eine unvergessliche Zeit hier im Forum. Küsschen und eine ganz dicke Umarmung an dich, von deiner Blume .



Sissi: Ja, ich glaub, ich spinne!

Maria: Sissi? Äh... Hallo?

Jetzt hatte auch Maria Hassmann die Überraschungsbesucherin hinter sich erkannt und riss ungläubig ihre Augen weit auf, als sie sich langsam mit einem mulmigen Gefühl im Bauch und einem aschfahlen Gesicht zu ihr umdrehte. Vor der Tür stand niemand geringeres als ihre ehemalige Schwägerin, Sissi Stier, deren kupferrote Haare unter ihrer Wollmütze im Schein der Wintersonne leuchteten wie echtes Bernstein aus den Tiefen der Ostsee. Etwa denselben Farbton nahm nun auch ihr Gesicht an, als sie sich mit einem dick eingemummelten Baby auf dem Arm unsanft an der sichtlich ertappt wirkenden Oberärztin vorbei schob und mit drohendem Zeigefinger zeternd auf ihren halbnackten Bruder losging, der sicherheitshalber einen Schritt zurückwich und hilflos zu Maria starrte...

Sissi: CEDRIC CLAUSI STIER, was zum TEUFEL geht HIER vor sich? Was macht SIE hier? Obwohl... deinem Aufzug nach zu urteilen, kann ich es mir fast denken.
Cedric (versucht ruhig u. diplomatisch zu bleiben): Sissi, jetzt halt mal die Bälle flach, ja! Ich kann dir das erklären.
Sissi (ihre Stimme überschlägt sich fast u. trieft nur so vor Sarkasmus): Da bin ich aber gespannt, BRUDERHERZ. Ich fass es einfach nicht...

Cedrics Exfrau nutzte den Moment der kurzen Unachtsamkeit der beiden Geschwister, die sich nun mit bösen Blicken angifteten, um sich schnellstmöglich aus dem Staub zu machen...

Maria: Ich... muss... Die Hochzeit... Das Taxi... Ich... Hat mich gefreut, Sissi. Und... Tschüß!

...und schon war sie zur Tür hinaus und fluchtartig zum wartenden Taxi gesprintet, das sofort mit quietschenden Reifen davon fuhr, nachdem sie eingestiegen war und dem genervten Fahrer ihre Adresse genannt hatte. Cedric sah seiner flüchtenden Geliebten mit einem verträumten Lächeln schmunzelnd hinterher. Es war so typisch für seine Mary, dass sie ihn ungeschützt in der Schusslinie zurückließ. Jetzt musste er den Tornado allein über sich ergehen lassen. Er trat einen Schritt hervor und schloss die Haustür. Sissis Verwirrung war nach dem abrupten Aufbruch ihrer Schwägerin nun völlig grenzenlos und ihre Stimme wurde dementsprechend hysterischer. Zum Glück hatte ihre kleine Nichte Cheyenne, auf die sie letzte Nacht aufgepasst hatte, einen festen Schlaf, selbst in der unbequemen Haltung in ihren Armen. Denn wenn Sissi gewusst hätte, was ihr großer Bruder vorgehabt hätte, hätte sie vermutlich darauf verzichtet, mal wieder als Babysitterin einzuspringen. Wie so oft. Aber damit war ab sofort Schluss. Wie konnte er sie nur so schamlos hintergehen? Und was hatte Maria gesagt? Das konnte doch nicht wahr sein!

Sissi (völlig entsetzt wendet sie sich ihrem Bruder wieder zu): HOCHZEIT? Wann wolltest du mir davon erzählen?
Cedric (kann über das Missverständnis nur lachen): Sissi, das...
Sissi (lässt ihn gar nicht erst zu Wort kommen): Findest du das lustig? Sie HEIRATET und du...du... DU bist so ein MISTKERL, Ceddie! Ich glaub das einfach nicht. Wie konntest du nur? Schämst du dich denn gar nicht?

Cedric konnte sich sein Lachen kaum verkneifen, als Sissi ihm wütend einen heftigen Fausthieb in die Seite gab, dann abrupt die Kleine in seine nackten Arme drückte und mit Schnappatmung und ihren beiden Hunden im Schlepptau durch das Chaos im Flur stapfte, das sie mit Missbilligung keines Blickes würdigte, weil es ihr sonst noch mehr übel werden würde, und sich im Wohnzimmer sich heftig Luft zu wedelnd auf der großen grauen Couch niederließ. Der grinsende Neurochirurg folgte seiner hysterischen Schwester gemäßigten Schrittes. Er legte seine kleine Tochter vorsichtig in die Spielecke unter dem Fenster und zog der Schlafenden die rosafarbene Mütze, die dazu passenden Fäustlinge, die kleinen Schühchen und die dicke Winterjacke aus, legte alles zusammen auf die Heizung und schaute danach grinsend zu seinem Schwesterherz rüber, die nach ihrem heftigen Ausbruch trotzig verstummt war und zur Beruhigung ihre beiden Hunde kraulte, die links und rechts zu ihren Füßen lagen und entspannt mit ihren wuscheligen Schwänzen hin und her wedelten. Doch die gewaltige Rauchwolke über Sissis Kopf war weiterhin unübersehbar. Cedric rollte mit den Augen und kam näher...

Cedric: Jetzt reg dich ab, Sis! Sie heiratet nicht, eine Kollegin schon.
Sissi (hat sich wieder einigermaßen gefasst u. funkelt ihn böse über die Sofalehne hinweg an): Das tut nichts zur Sache, Cedric. Im Endeffekt ist das Ergebnis eh das gleiche. Das hört auf! Hast du mich verstanden?
Cedric (klappt fassungslos die Kinnlade nach unten u. fährt seine Schwester nun doch sauer an): Was? Das hast du nicht zu bestimmen.
Sissi (erhebt sich von ihrem Platz u. kommt mit erhobenem Zeigefinger auf ihn zu u. bohrt ihm diesen in seine nackte Brust): Und ob ich das tue! Ich sehe nicht noch einmal dabei zu, wie du unsere Familie mit deinen Dummheiten kaputt machst. Ich hab es so satt. Du und deine Frauengeschichten. Denkst du eigentlich je über die Konsequenzen nach? Ich dachte, du hättest aus der Geschichte mit der Hexe Sandy irgendetwas gelernt. Und ich hatte auch noch Mitleid. Ich war so blöd. Aber damit ist jetzt Schluss.
Cedric (will ihr vergeblich Einhalt gebieten): Sis! Jetzt hör mal...
Sissi (fällt ihm unvermittelt ins Wort u. redet sich so richtig in Rage): Ich hab dich gewarnt, Ceddie, als du mir gesagt hast, dass du die offene Stelle in Marias Klinik annehmen willst, und jetzt warne ich dich erneut und unmissverständlich. Du lässt die Finger von ihr! Ein für alle Mal. Haben wir uns verstanden? Oder du lernst mich erst so richtig kennen!
Cedric (verschränkt amüsiert seine Arme u. lehnt sich mit dem Rücken lässig ans Fensterbrett, während er ein Auge auf seine Tochter im Laufgitter hält): Schwesterherz, ich kenn dich und deine Neurosen, seitdem du in die Windeln geschissen hast.
Sissi (sieht ihre Felle davon schwimmen u. beginnt trotzig zu schmollen): Mann, Ceddie, es ist ernst, verdammt noch mal! Wieso nimmst du mich nie ernst?
Cedric (stupst ihr grinsend mit dem Finger an die Nase): Weil große Brüder das nun mal mit ihren kleinen Schwestern machen.
Sissi (gekränkt lässt sie sich neben Cheyennes Spielwiese nieder u. streicht der Kleinen, die gerade aufwacht, über ihre noch von der Kälte gerötete Wange): Was spielst du für ein Spiel hier? Du weißt genau, wie sehr auch ich an der Geschichte zu knabbern hatte. Sie war meine Freundin und Sarah ist mein Patenkind. Seit vier Jahren hab ich sie nicht gesehen. Deinetwegen. Ich halte das nicht noch mal aus. Du musst damit aufhören. Bitte!
Cedric (setzt sich zu ihr auf den Teppich, schmiegt sich tröstend an sie u. sieht sie mit ernster Miene von der Seite an): Ich kann nicht.
Sissi (blickt ihn ungläubig an): Heißt das, du liebst sie noch?
Cedric (hebt seine Tochter aus den Laufstall u. drückt die kleine Quenglerin an seine nackte Brust, während er seine Schwester nicht aus den Augen lässt): Ich glaube, ich hab es nie aufgehört.

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.453

27.10.2012 14:20
#1348 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Hallo zusammen! Ihr musstet lange darauf warten, aber szenentechnisch ließ es sich leider nicht anders regeln. Dafür gibt es aber jetzt als Entschädigung eine Überdosis . Liebe Grüße! Eure Lorelei



Etwa zur gleichen Zeit in einer anderen Ecke von Berlin

Gähnend schlurfte der junge Mann bedächtig die letzten Treppenstufen empor. Als er endlich oben auf der letzten rettenden Etage angekommen war, lehnte er sich mit dem Rücken müde an die weißgetünchte Wand neben der Tür, an der ein großes rotes Herz mit den Initialen S+G prangte, ein Überbleibsel des gestrigen Polterabends, und fragte sich, wo eigentlich seine ganze Kondition geblieben war und wieso er nicht gleich den Aufzug genommen hatte. Maßlos verärgert über sich selbst versuchte er nun, mit den klammen Fingern seiner linken Hand den Wohnungsschlüssel aus seiner rechten Manteltasche zu angeln, wobei er sich weder sonderlich geschickt noch in irgendeiner Weise ästhetisch anstellte. Aber seine ungewöhnlich ungelenke Haltung hatte er sich nicht von seiner darin bestens geübten tollpatschigen Freundin abgekuckt, sondern diese könnte neben den fiesen Nachwirkungen seines nächtlichen Alkoholkonsums auch an den frühen Morgenstunden gelegen haben, die ihm nie sonderlich gut bekamen, wenn er denn nicht gerade neben einer zuckersüßen Blondine aufwachte, die ihm seine Morgenmuffeligkeit sanft wegküsste und so seine Lebensgeister für einen wunderbaren Start in den neuen Tag weckte. Doch jetzt zu dieser frühen Stunde waren weder seine Geister noch er selbst so richtig wach. Denn er hatte in der letzten Nacht kaum ein Auge zugetan und war wie ein rastloser Tiger immer und immer wieder allein in seinem Käfig umhergestromert. Auf der Suche nach den essentiellen Fragen des Lebens würde seine Mutter wahrscheinlich dazu sagen, wenn sie sein nächtliches Treiben mit Argusaugen beobachtet hätte. Aber das hatte sie nicht. Sie war weg. Viel zu weit weg für den Geschmack ihres besorgten Sohnes. Warum konnte sie nicht hier sein und alles wäre gut?

Endlich hatte er es geschafft. Der Kampf war gewonnen. 1:0 für Dr. Marc Meier gegen seine verhedderte Jacke. Die Jubelschreie des Triumphators blieben jedoch aus. Die schlechten Haltungsnoten waren nämlich selbst ihm peinlich. Marc hatte sich um seine eigene Achse tanzend laut meckernd aus seinem Mantel gequält, der nun mitsamt dem Schlüssel, den er eigentlich zu angeln versucht hatte, zu Boden sank. Seine Kopfschmerzen waren durch die hektischen unkoordinierten Bewegungen seines noch im Halbschlafmodus befindlichen Körpers noch stärker geworden. Scheiß Wodka-Whiskey-Gemisch, fluchte der grummelnde Chirurg in sich hinein und bückte sich mühsam nach seinem Schlüssel, an dem sich neuerdings anstatt seines weißen Golfballs ein selbstgemachter rosaroter Feder-Anhänger baumelte, den Lilly und Gretchen vorgestern zusammen gebastelt hatten. Aber die Frage, wie der an seinen männlichen Schlüsselbund geraten war, kümmerte den verwirrten Oberarzt in diesem Moment nicht besonders. Er rieb sich mit seinen Fingern seine schmerzenden Schläfen und stöhnte auf. Das letzte tröstende Glas der wohltuenden brennenden Flüssigkeit war dann wohl doch eins zu viel gewesen. Ihm war schlecht. Oder war der Alkohol schlecht gewesen? Aber egal, ein echter Indianer kannte schließlich keinen Schmerz. Außerirdische und wehleidige Gynäkologen dagegen schon. Alles Luschen! Er hätte ja auch aufhören können, als Günni mitten im Satz vom Designersofa seiner Mutter gekippt und in Embryohaltung eingenickt war und die anderen daraufhin im brüderlichem Einklang beschlossen hatten, dass es wohl Zeit wäre zu gehen, um den komatösen Bräutigam hilfsbereit nach Hause zu schleppen, damit er am nächsten Morgen fit für seine blöde, blöde Hochzeit sein konnte.

Der angeschlagene junge Mann schüttelte augenrollend seinen dröhnenden Kopf, als so langsam die Erinnerungen an die letzte Nacht zurückkamen, und steckte den Hausschlüssel schließlich mit zusammengekniffenen Augen mühevoll ins Schloss, jubelte innerlich wie bei einem der seltenen Siegtore seiner geliebten Hertha auf, als er tatsächlich beim ersten Mal passte und drehte ihn schnell herum und stolperte anschließend seinen Mantel auf dem Boden hinterschleifend polternd in seine Wohnung, die von den Strahlen der Morgensonne am blauen Himmel über der Dachterrasse lichtdurchflutet wurde. Der Geblendete wich erschrocken einige Schritte zurück, stieß dabei die Haustür mit einem lauten Knall mit seinem Hintern zu und kniff seine schmerzenden Augen zusammen, weil das grelle Licht seinen Sehmuskel angriff wie ein gezielter Strahl mit einem Laserpointer. Marc brauchte einen Moment, um sich daran zu gewöhnen und trampelte dann geräuschvoll ins Zimmer. Er gab sich nicht einmal Mühe, besonders leise zu sein, um seine Liebste nicht zu wecken. Als er sich nämlich dank der Sonnenbrille, die er sich von der Flurkommode geangelt hatte, an die neuen quälenden Lichtverhältnisse in seiner Dachgeschosswohnung gewöhnt hatte und die Überreste vom abendlichen Partychaos in seinem Wohnzimmer entdeckte, musste er gequält aufstöhnen und zog scharf Luft ein, bis sich seine Lungenflügel aufblähten und gegen seinen Brustkorb drückten. Mit grimmiger Miene schaute er zur Treppe, die ins Schlafzimmer führte, wo er die dafür Verantwortliche vermutete. Die Rache war sein.

Marc: HAAASENZAAAHN, ich bin wieder DAAA!!! Hast du noch keinen Kaffee gemacht? Ich brauche KAAAFFEEE. Jetzt! Aber zz! Falls du die Maschine unter dem ganzen Flaschenhaufen überhaupt findest. Eh, du hast doch gesagt, du räumst auf und ich muss mich um nix kümmern. Das war doch die Abmachung? Hey! HAAASENZAAAN!!! Zum Rapport, aber zackig! Sonst muss ich dich holen und dann leg ich dich übers Knie. Das schwör ich dir!

...brüllte Dr. Meier in gewohnter Oberarztlautstärke zum Schlafzimmer hoch, wartete einen Moment lang mit einem immer breiter werdenden Grinsen auf den Lippen und auffunkelnden Augen und bewegte sich dann einige Schritte rückwärts zur Couchlandschaft. Stöhnend ließ er sich auf die dreisitzige Wohnzimmercouch fallen und streckte seine schmerzenden Glieder von sich. Er strampelte mühsam seine nassen Stiefel von den Füßen und rückte sich die Sofakissen unter seinem Kopf zurecht, um es sich gemütlicher zu machen. Er wartete das zu erwartende Gepolter seiner sicherlich stinkwütenden Freundin ab und hielt sich schon einmal vorsorglich die Ohren zu. Ein vorfreudiges spitzbübisches Grinsen schlich sich dabei auf seine zuckenden Mundwinkel. Aber nichts passierte, außer dass ihn die Sonne, die sich ihren Weg erbarmungslos über die angrenzenden Hausdächer bahnte, nun direkt im Gesicht kitzelte. Unverschämtheit! Die Glasfront hatte definitiv seine Nachteile. Entnervt richtete er sich auf und schaute zur Nische unter der Holztreppe, von wo aus Paul Anka ihn mit großen Kulleraugen anglotze. Marc zog eine Grimasse und grinste den kleinen Goldfisch an, der gerade gemächlich seine Morgenrunde drehte, als er erneut sein liebreizendes Wort an seine Liebste wendete, die sich komischerweise noch immer nicht wegen seines paschahaften Machogehabes lautstark gemeldet hatte...

Marc: Haasenzahn? Hallo! Erde an Schlaraffenland! Jetzt komm endlich her und gib deinem „Frischangetrauten“ einen anständigen Begrüßungskuss. Den hab ich mir verdient... nach der echt beschissenen Nacht. ... Hä? Wo bleibt die denn? ... Na, wo hat sich dein morgenmuffliges Frauchen versteckt, Paule? Meinst du, sie spielt mal wieder Miss Trotzköpfchen? Na, das treib ich ihr schon noch aus. Hähä!

Langsam hob Marc seine müden Knochen von der Couch und watschelte auf Socken zur Treppe. Misstrauisch blickte er nach oben, tauschte mit dem Spürfisch fragende Blicke aus, der ihm daraufhin nur die Schwanzflosse zeigte, dann tapste er schwerfällig die schmale Wendeltreppe hoch. Im Schlafzimmer angekommen, schaute er sich verwundert um. Die sonnengelben Gardinen waren noch zugezogen. Das Bett war zwar zerwühlt und eine offene Sektflasche lag auf dem Nachtschränkchen, aber von seinem süßen Haasenzahn war keine Spur. Das Kleid, das Gretchen für Sabines Hochzeit anziehen wollte und das sie wie eine Staatsaffäre vor ihm geheim gehalten hatte, hing noch unberührt in einem Kleidersack am sechstürigen Kleiderschrank. Von der zukünftigen Trägerin war jedoch keine Spur.

Marc: Komisch!

...murmelte Marc verwirrt, kratzte sich an seinem Dreitagebart und zog sich dann langsam seine müffelnden Sachen vom Vortag aus. Seine blinkende David-Hasselhoff-Gedächtnis-Lederjacke, deren Batterien zum Glück irgendwann in der Nacht ihren Geist aufgegeben hatten, nachdem er lange dem Hohn und Spott seines Vaters und seines besten Freundes und eines irren Außerirdischen ausgesetzt war, wofür er sich nebenbei bemerkt bitter an dem Pathologen gerächt hatte, indem er in dessen Lindenblütentee drei Extraschuss Wodka gekippt hatte, landete auf dem Bett. Seine Jeans und das marineblaue M-Shirt wurden treffsicher in den Wäschesack vorm Fenster buxiert. Socken und Unterhose flogen direkt hinterher. Dann schritt er gemächlich wieder die Treppe hinunter und machte sich auf ins Badezimmer, wo er seine Süße als nächstes vermutete, als ihn jedoch das Klingeln seines Smartphones aus dem Konzept brachte. Er ging zurück ins Wohnzimmer, ließ sich in einen der gemütlichen Sessel plumpsen und schnappte sich sein Telefon vom Couchtisch, wo er es vorhin, nachdem er seine Jacke geleert hatte, liegengelassen hatte. Er ging sofort ran, als er die Nummer erkannte...

Marc (gewohnt meierhaft gereizt, arrogant u. launenhaft): Na endlich! Meier hier! ... Jep! Genau der! ... Sind Sie blöd oder was? Ich hab Ihnen fünfmal auf den AB gesprochen, Sie Hirni. ... Natürlich oder hab ich mich unklar ausgedrückt. ... Übrigens ist es eine Unverschämtheit, dass Sie um sieben Uhr morgens noch nicht aufhaben. Haben Sie mal aus dem Fenster geschaut, was für Wetter wir haben? Ich hab mir da den Arsch abgefroren. Servicewüste Deutschland, echt. ... Sie wissen genau, dass die Gegend für mich völlig indiskutabel ist. Wenn Sie mir nicht empfohlen worden wären, dann... Jaahaa! Also was ist jetzt? ... Na, heute noch wenn’s geht. ... Ich scheiß aufs Wochenende. Ich hab Ihnen schon beim letzten Mal eine Heidensumme aufs Konto überwiesen, nur damit Sie Halsabschneider ihn wieder flott bekommen. Also kann ICH als Ihr bester und großzügigster Kunde auch erwarten, dass sie auch an nem beschissenen Samstagmorgen ihre hässlichen Buxen anziehen, sich nach unten begeben und ihn sich anschauen. ... Getriebe, denk ich? ... Was weiß ich oder seh ich aus, als hätte ich Maschinenbau studiert? ... Hallo? Das ist ein Klassiker. So was wird heutzutage gar nicht mehr produziert. ... Aus gutem Grund? (empört erhebt sich seine Stimme) Hey, jetzt werden Sie mal nicht frech, Freundchen! Ich kann auch einen Kollegen von Ihnen... Na also, geht doch! ... (grinst selbstgefällig) ... Äh... Sofort!? ... Papperlapapp! Ich hab Termine. Ich brauch ihn spätestens morgen Nachmittag. ... Das geht Sie einen Scheißdreck an. Machen Sie einfach! Ich bin in... (er schaut auf seine Armbanduhr, streift sich diese ab u. legt sie auf den Glastisch) ... einer halben Stunde da und dann sind die Tore offen. Verstanden? ... (ohne Grußwort legt er auf und pfeffert sein Telefon wütend in die Sesselritze) ... Arschloch!

Immer noch auf hundertachtzig lehnte sich der wütende Volvobesitzer zurück in seinen Sessel, atmete heftig ein und aus und schloss für eine Sekunde seine müden Augen. Er fuhr sich mit seinen Fingern massierend über seine schmerzenden Schläfen. Warum mussten es ihm denn heute alle so schwer machen? Er hatte die ganze Nacht kein Auge zugetan und dementsprechend mies war auch seine Laune. Eine gefährliche Kombination, wie seine Mitmenschen eigentlich wussten. Sein Vater hatte irgendwann kurz nach drei die komatöse Weltraumlusche und den wehleidigen Frauenarzt zurück nach Berlin gefahren, aber er selbst hatte noch in der Villa bleiben wollen. Nicht aus irgendeiner albernen Sentimentalität heraus. Nein, er musste einfach eine Weile allein für sich sein, um die Hiobsbotschaft etwas sacken zu lassen und um sich neu zu sortieren. Er brauchte für die nächsten Schritte schließlich einen klaren Kopf. Mehdi hatte das sofort verstanden. Und Olivier hatte zwar komisch gekuckt, aber die Erklärung, dass er am nächsten Morgen seinen verunfallten Volvo zur Werkstatt abschleppen wollte, hatte ihn schließlich ruhig gestimmt. Das war ja auch noch nicht einmal gelogen gewesen.

Als die drei dann weg waren, war Marc die halbe Nacht durch das Haus seiner Jugend getigert. Er hatte ein Weilchen in seinem alten Zimmer im Schneidersitz auf dem Teppichboden gesessen und hatte die Kisten mit seinen alten Matchboxautos ausgekippt und hatte wie in Trance damit herumgespielt, bis ihm aufgefallen war, wie albern er sich doch benahm, und hatte alles bis auf zwei seiner Lieblingsstücke, die er für die kleine Erbse, die vielleicht in Gretchens Bauch heranwuchs, - ob Männlein oder Weiblein schnurzpiepegal, Hauptsache es war da - eingesteckt hatte, zurück unter das Bett geschoben. Dann hatte er seine gesammelten Fußballalben im Regal entdeckt und hatte sie hochkonzentriert durchgekuckt, ob nicht noch irgendwo etwas fehlte und hatte sich gleich noch die fehlenden Paninibilder bei Ebay bestellt. Irgendwann war er dann auch im Zimmer seiner Mutter gelandet - er wusste selbst nicht wieso - und hatte ihre Sachen durchstöbert. Alles war noch da gewesen. Ihr teurer Schmuck, ihre farblich sortierten Lieblingskostüme, ihre wenigen, aber dafür umso mehr geschätzten Preise für ihre literarische Arbeit. Wieso war ihm das noch nicht früher aufgefallen? Er war doch schon einmal hier gewesen, als er neulich die Sachen seines Dads geholt hatte, was ihm, Franz und Olivier am Ende eine Nacht im Knast beschert hatte, weil die olle Kaminsky von gegenüber sie für Einbrecher gehalten hatte.

Was für eine Geschichte! Eigentlich müsste man darüber lachen, wenn jetzt im Nachhinein die Zusammenhänge nicht so traurig wären. Dieser Gedanke hatte den Sohn von Elke Fisher dann doch sentimental gestimmt, obwohl er dies nicht gewollt hatte. Er hatte dann ganz entgegen seiner Art in den wenigen alten Fotoalben geblättert und hatte sich sogar dazu hingerissen gefühlt, ihr neustes Werk Probe zu lesen, das sein Dad ihm mit rührseligem Gesichtsausdruck auf der Türschwelle überlassen hatte. Hoffentlich steigerte der sich nicht allzu sehr in seinen neu erwachten Liebeskampfeifer hinein. Marc hatte sein Möglichstes getan, um seinen Vater wieder einigermaßen von seiner Zuckerwattewolke herunterzuholen und ihm geraten, erst einmal die Bälle flachzuhalten und auf eine Reaktion ihrerseits zu warten, für die er definitiv sorgen würde. Verschlüsselte Liebesbotschaft in der Einleitung ihres neuen Romans hin oder her.

Marc war regelrecht in dem neusten Abenteuer von „Dr. Rogelt“ versunken. Wenn es doch in der Wirklichkeit nur auch so einfach wäre wie in den albernen Geschichten seiner Mutter, wo ein Wundermittel Gelähmte wieder laufen ließ, wo dieser heimtückische Mist Krebs heilbar war und wo sogar ein Beinamputierter nach einer Traumodyssee in Transsilvanien wieder mit beiden Beinen aufwachte und nach dieser schicksalsfügenden Erfahrung sein Leben komplett umkrempelte, um endlich seine Geliebte wieder in die Arme schließen zu können und gleich mal sieben Scheißerchen in die heile Welt zu setzen. Also auf so einen Blödsinn konnte doch wirklich nur seine Mutter nach zwei Flaschen teuersten Bordeaux’ kommen. Marc hatte befreit laut aufgelacht, als er den Schlussteil überfolgen hatte und gleich noch eine gepfefferte Kritik hinterher geschrieben, wie er es früher schon so oft getan hatte, wenn auch mit deutlich weniger Enthusiasmus und Ernsthaftigkeit wie jetzt. Warum konnte sie im wirklichen Leben nicht auch so ein positiv gestimmter Mensch sein, hatte er sich schließlich gefragt. Es gab immer Hoffnung, selbst in den dunkelsten Stunden. Und das wusste er nicht nur aus den Erfahrungen als Arzt. Wieso nur war sie nicht zu ihm gekommen? Warum?

Nach dem dritten Glas Wodka, das er sich während des Lesens und des Hinterfragens seiner Beziehung zu seiner Mutter hinter die Binde gekippt hatte, war er kurz davor gestanden, ihr diese Frage am Telefon zu stellen. Aber ein Anruf um fünf Uhr morgens wäre ihrer angeschlagenen Gesundheit sicherlich nicht förderlich gewesen. Es musste andere Wege geben? So etwas wie eine Frontaltherapie, wie er es schon Mehdi vorgeschlagen hatte, die ihr aufzeigte, was für eine bescheuerte Kuh sie doch war, so dass sie nicht mehr weglaufen konnte oder vorsorglich Vorkehrungen traf, damit man ihn nicht zu ihr ließ. Aber er würde sich nicht wegschicken lassen. Nicht von ihr, noch von sonst wem. Der direkte Weg war immer noch der Beste. Deshalb hatte er auch einen Entschluss gefasst, hatte sich in seinem Eifer alles zurechtgesucht, was er brauchte und war dann doch vor Müdigkeit kurz vor sechs vor Elkes Laptop eingeschlafen.

Das Aufwachen nach noch nicht einmal einer guten Stunde Schlaf durch einen an der Straße vor seiner Einfahrt rumpelnden Müllwagen war dann alles andere als schön gewesen. Sein Kopf und seine Glieder hatten höllisch geschmerzt. Aber zum Glück war er wieder einigermaßen nüchtern gewesen, um aufzubrechen. Er hatte sich die Schlüssel von Elkes Porsche geschnappt, musste dann aber in der Garage frustriert feststellen, dass diesem noch die Winterreifen gefehlt hatten. Es hatte in der Nacht fast zehn Zentimeter geschneit, er hatte also keine andere Wahl gehabt, als die Winterreifen aufzuziehen, wenn er nicht noch einmal frontal einen Schneehaufen küssen wollte. Dann war er grimmig zur Unfallstelle gefahren, hatte sein geliebtes eingeschneites Schätzelein ausgegraben und dabei seine ganze Wut rausgelassen und hatte es abgeschleppt und zur Werkstatt seines Vertrauens gebracht, die aber zu seinem Unmut noch nicht geöffnet gewesen war. Und nun war er hier. In seiner Wohnung. Immer noch schlecht gelaunt. Ohne Kaffee. Und ohne sein Gretchen, mit der er so gerne über alles gesprochen hätte. Haasenzahn wusste immer Rat, gab Trost, obwohl man gar keinen brauchte, und war einfach nur da, ob sie nun irgendeinen Schwachsinn daher plapperte oder auch mal nur ihre süße Zuckerschnute hielt. Aber offenbar war sein Mädchen früh am Morgen schon wieder in irgendeiner Hochzeitsmission unterwegs. Das würde zumindest zu ihr passen. Marc fiel wieder ins Grübeln und fuhr gedankenverloren mit einem der beiden Matchboxautos, die er mitgenommen hatte, über die Glasplatte des Couchtisches. Schließlich hielt er inne und ließ es los. Seine Finger tasteten nach seinem Handy. Er zog es aus der Sesselritze und ging seine Kontakte durch, blieb erst an Gretchens Bild, dann an dem seiner Mutter hängen. Er entschied sich schließlich anders und wählte eine Nummer...

Marc: Guten Morgen! Marc hier. Ich hoffe, ich hab euch nicht geweckt. ... Ach so? Aha! ... (verzieht die Mundwinkel u. die Augenbrauen) ... Nein, nein! Ähm... Es ist so... (er gerät ins Stottern u. versucht nervös die richtigen Worte zu finden) ... Also... ich weiß, das kommt jetzt vielleicht sehr kurzfristig und es tut mir auch furchtbar leid wegen den Unannehmlichkeiten, aber es geht nicht anders. Ich bräuchte ein paar Tage frei. ... Ab sofort. ... (kneift ängstlich die Augen zusammen u. hofft) ... Das ist ähm... privater Natur. ... (seine Augen weiten sich panisch u. er rudert hektisch zurück) ... Nein, bestimmt nicht, nein, es ist nichts mit Gretchen. Wir haben uns nicht gestritten. Die perfekte Harmonie. Du kennst uns doch. ... (er verdreht genervt die Augen) ... Jaaa!? Es ist nur... Ich kann dir das im Moment nicht näher erklären, aber es ist wirklich dringend. Vertraue mir bitte! ... Danke! Ich kläre das mit Rössel und meinem Team ab. Kein Problem. ... Wie lange? Das kann ich im Moment noch nicht so genau abschätzen. Ich würde aber gerne meinen gesamten Urlaub für dieses Jahr nehmen. ... Ja, danke. Wir reden später, ok? ... Ja, auf der Hochzeit. Bis dann. Ach... und sag bitte Gretchen noch nichts. Ich hab mit ihr noch nicht darüber gesprochen. ... Das hole ich später nach. ... Ja! Okay! Danke noch mal Franz! ... (er sinkt gequält in seinen Sessel zurück u. verdreht die Augen) ... Ja, ich hab sie gehört. Grüße an die Frau Gemahlin zurück. ... Jaaa, sofern nichts anderes dazwischen kommt, sind wir morgen Mittag pünktlich da. Wie immer jeden Sonntag.

Marc atmete erleichtert aus und legte auf. Die erste Hürde war genommen. Er drehte das Handy noch einmal im Kreis, tippte es mit der Ecke gegen sein Kinn und ließ es dann auf dem Couchtisch liegen. Er hatte nicht viel Zeit und musste noch so einiges erledigen, bevor er diesen blöden Pflichttermin in der Kirche im Nirgendwo hatte, den er einzig und allein wegen seiner Liebsten mitmachte. Dass Gretchen nicht da war, kam ihm daher ziemlich ungelegen. Er würde so gerne mit ihr reden. Ihm lag so vieles auf der Seele. Aber es würde sich schon alles fügen, dachte er sich schließlich und stand auf und schlurfte in die Küche, wo er eine Schublade öffnete und eine Packung Aspirin herausholte, die er sogleich öffnete. Er knipste zwei Tabletten aus dem Blister und schluckte diese sofort hinunter, ging zur Kühlschranktür, öffnete diese und nahm sich eine Wasserflasche heraus. Er trank gleich aus der Flasche einen kräftigen Schluck und schob die Tür mit dem Rücken wieder zu. Dann tapste er weiter ins Badezimmer. Er stellte die Dusche an und ließ nun abwechselnd warmes und kaltes Wasser über seinen erschöpften Körper rieseln, um wieder richtig wach zu werden. Es tat gut, für einen Moment die Welt auszuschalten. Er schloss die Augen und fuhr sich mit den Händen über seine nassen Haare. Dann nahm er das Shampoo in die Hand.

Zehn Minuten später stand Marc Meier geschniegelt und gestriegelt wie ein junger Gott vor dem Badezimmerspiegel und zupfte seine Haare mit etwas Gel zurecht. Er hatte bereits sein Outfit angezogen, das ihm Gretchen für die Hochzeit aufgetragen hatte, weil er nicht wusste, ob er noch einmal in die Wohnung zurückkehren würde bei seinem straffen Zeitplan. Er trug einen eleganten dunkelgrauen Anzug mit weißem Hemd. Er kämpfte gerade mit der schmalen grauen Krawatte, gab schließlich völlig entnervt auf und zerknüllte das nervige Teil. Wer brauchte schon so einen blöden Luftabschneider? Leger mochte er sich lieber und Gretchen könnte sich auf den Kopf stellen, er würde nicht noch mal so ein Teil umlegen. Niemals! Er riss den Mülleimer auf, um das nervige Ding darin verschwinden zu lassen. Doch plötzlich hielt er noch in der Bewegung inne. Was war das denn? Marc legte die Krawatte auf den Klodeckel, von dessen glatter Oberfläche sie gleich wieder herunterrutschte, und ging in die Knie und zog das mit Klopapier umwickelte Stäbchen aus dem Eimer. Ungläubig hielt er es hoch. Seine Augen weiteten sich merklich und sein Herzschlag setzte für eine Mikrosekunde aus. War das etwa...? War es das, was er dachte, dass es war? Hatte sie etwa...? Marc traute seinen Augen kaum und zögerte erst, dann zog er unter heftigem Herzklopfen mit zittriger Hand das Papier von dem Schwangerschaftstest ab und erstarrte. Sekunden vergingen, dann ließ er sich gedankenverloren auf den Klodeckel fallen und blickte auf das Ergebnis in seiner Hand.................

Es war negativ.

Lorelei Offline

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30.10.2012 16:35
#1349 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Zur gleichen Zeit erwachte ein anderer junger Mann durch Poltergeräusche und ein leises gestöhntes Fluchen aus dem Nebenzimmer. Er reckte und streckte sich gähnend, schob so die hellblaue Bettdecke etwas zur Seite und präsentierte dabei seinen noch komplett bekleideten Adoniskörper, und rieb sich anschließend mit einer Hand über seinen schmerzenden Schädel, in dem gerade kleine fiese Männlein begannen, ein Schlagzeugsolo zu trommeln. Der kleine Unfall letzte Nacht mit Marcs Wagen zeigte noch immer seine unangenehmen Auswirkungen, auch wenn der selbsternannte beste Chirurg der Welt vortreffliche Arbeit an ihm geleistet hatte. Die riesige Beule um die genähte Platzwunde, die ein kleines weißes Pflaster zierte, war auf jeden Fall schon wieder abgeschwollen, wie Dr. Kaan erleichtert ertasten konnte, und allzu schlimm fühlten sich die Nachwirkungen dann doch nicht an, wenn er denn ruhig liegen blieb und von der schönsten Frau der Welt liebevoll gepflegt wurde. Mit Entzückung dachte der Halbperser an letzte Nacht zurück, als Gabi ihm zärtlich das Gesicht mit heilsamen Küssen bedeckt hatte.

Noch mit geschlossenen Augen tastete Mehdi mit ausgestrecktem Arm zur Seite, aber das Laken neben ihm fühlte sich kalt unter seinen suchenden Fingern an. Wo war denn seine ganz persönliche Krankenschwester geblieben, fragte er sich verwundert und öffnete schließlich doch seine schlaftrunkenen Augen. Suchend wandte er sich um, musste nun aber gegen die Morgensonne anblinzeln, die ihn vom Fenster aus blendete. Erst als sich seine müden Augen daran gewöhnt hatten, entdeckte er sie endlich durch die geöffnete Tür im Nebenraum, der bald als begehbarer Kleiderschrank oder irgendwann einmal als zweites Kinderzimmer dienen sollte. Ihre langen braunen Haare tanzten wild um ihre Schultern, als hätte eine Windböe sie durcheinander gepustet. Davon gestört strich sie sie sich aus dem Nacken und legte sie sich über die linke Schulter. So konnte Mehdi einen Blick auf Gabis wunderschönes Gesicht erhaschen. Sie war kaum geschminkt, was ihr eine zauberhafte Natürlichkeit gab. Ihre dunkelgrünen Augen strahlten, auch wenn sie diese immer wieder aus irgendeinem Grund genervt verdrehte. Ihre Wangen waren leicht gerötet, vermutlich weil sie hektisch wie ein Flummi durch das kleine Zimmer sprang. Sie schien irgendetwas zu suchen. Er konnte es nur erahnen. Fasziniert studierte Mehdi ihr Profil. Sie sah sexy aus mit ihren dunklen Jeans-Leggins, die ihre ellenlangen schlanken Beine betonten, und dem megakurzen langärmligen currygelben Strickkleid, das ihre verführerischen Rundungen hervorragend zur Geltung brachte. Seine verliebten Blicke klebten förmlich an der jungen Frau, die chaotisch von einer Ecke zur anderen stolperte und erst in der einen dann in der anderen Umzugskiste kramte, bis sie offenbar fündig geworden war, denn sie seufzte erleichtert auf und begann augenblicklich mit der Sonne um die Wette zu strahlen.

Mehdi war hingerissen. Seine hämmernden Kopfschmerzen waren mit einem Mal verschwunden und er sah seiner Liebsten mit verschleiertem Blick dabei zu, wie sie etwas mit einem Kleiderbügel an der Türklinke befestigte. Gabi hatte noch nicht bemerkt, dass sie heimlich beobachtet wurde. Als sie aus dem Nebenzimmer trat und dicht neben ihrem gemeinsamen Nachtlager nach ihrer Handtasche greifen wollte, reagierte der bis über beide Ohren verliebte Mann blitzschnell. Er schnappte sich ihre zarte Hand, an dessen Gelenk das silberne Herzchenarmband klimperte, das er ihr zu Weihnachten geschenkt hatte, und zog das erschrocken aufkreischende Wesen zu sich herunter auf die Matratze. Alles passierte so schnell, dass die überrumpelte Frau gar nicht verstand, wie ihr geschah, als sie direkt auf seinem gut gepolsterten weichen Bauch landete, der von einem weißen T-Shirt bedeckt war. Empört über die Überrumpelung stemmte sie sich an seinen breiten Schultern ab und blitzte ihren frechen Freund, der sie mit zuckersüßem unschuldigem Bambiblick anstrahlte, mit funkelnden Augen an und machte ihrem Ärger sogleich Luft...

Gabi: Mehdi! Willst du mich umbringen? Wie lange bist du denn schon wach? Wieso sagst du denn nichts? Ich hab mich zu Tode erschrocken!
Mehdi (streicht seiner aufgeregten Freundin zärtlich durch die langen Haare, die ihr wild ins puderrote Gesicht fallen u. sein grinsendes Gesicht kitzeln): Schon ein Weilchen! Aber was machst du denn so früh am Morgen schon für eine Hektik? Komm, leg dich zurück ins Bett! Ein bisschen Kuscheln!
Gabi (schmilzt bei seinem Dackelblick fast dahin, aber lässt sich nichts anmerken u. kontert kokett): Dafür müssten wir erst einmal ein Bett haben, mein Lieber.
Mehdi (grinst verschmitzt u. verschränkt seine Arme hinter ihrem Rücken, so dass sie nicht mehr von ihm aufstehen kann): Hmm... In Nullkommanichts hab ich das zusammengezimmert. Das hab ich dir doch versprochen.
Gabi (funkelt ihn herausfordernd an): Klar! So wie das letzte Mal, als du fast drei Stunden dafür gebraucht hast und mich ewig zappeln lassen hast.

Hmm... an dem Abend haben wir uns das erste Mal geküsst und... Wow! Was seitdem alles passiert ist. Wir sind zusammen, Lilly ist wieder da und wir wohnen alle zusammen. Gibt es mehr Glück auf der Welt?

Mehdi (gerät sichtlich ins Träumen, als er sich an diesen, ihren ersten gemeinsamen, Abend zurückerinnert): Der Anblick von mir im Blaumann hat dir aber gefallen.
Gabi (in gespielter Denkerpose stützt sie sich schmunzelnd mit dem Ellenbogen auf seinem Brustkorb ab): Hmm... ja, so ein verschwitzter Handwerker hat schon was.
Mehdi (grinst u. streicht ihr zärtlich über den Rücken): Immer wieder interessant zu erfahren, was meiner Freundin so alles gefällt.
Gabi (funkelt ihm mit sexy Augenaufschlag an): Tja, ich stecke voller Überraschungen, mein Lieber. Weißt du das denn nicht?

Mehdi zog scharf Luft ein und verlor sich regelrecht in Gabis aufblitzenden sinnlichen Augen, die er stundenlang einfach nur anschauen konnte. Er spürte ihren bebenden Brustkorb auf seinem Oberkörper und drehte sich mit ihr auf die Seite, so dass er nun über ihr lag. Ihre Blicke trafen sich. Funken sprühten. Mit glühenden Augen blickte Gabi zu ihrem Liebsten hoch, der ihr mit beiden Händen ihre widerspenstigen Haare aus dem Gesicht strich, die sie aus Zeitnot heute Morgen offen gelassen hatte, und dann mit seinen Lippen immer näher kam und diese schließlich sanft auf ihren entzückenden Hals sinken ließ. Sie zuckte genussvoll unter seiner zarten Berührung zusammen und genoss das überwältigende Gefühl in vollen Zügen, so zärtlich von dem Mann ihrer Träume verwöhnt zu werden. Doch eine Hinterstimme in ihrem Kopf warnte sie abrupt, während ihre Hände bereits unkontrolliert zu seinem knackigen Hinterteil gewandert und in die Gesäßtaschen seiner Jeans geschlüpft waren. Für weitere Zärtlichkeiten blieb ihr jetzt in diesem Moment leider keine Zeit mehr, so gern sie auch geblieben wäre und mit ihm das nachgeholt hätte, was ihr Brummbärchen ihr letzte Nacht mit seinen Holzfällerarbeiten verwehrt hatte. Also nahm sie all ihre Kräfte zusammen und befreite sich aus Mehdis Klammeräffchengriff und richtete sich mit ihm zusammen auf...

Gabi: Mehdi, ich muss wirklich los.
Mehdi (schaut sie verwundert an): Jetzt? Es ist gerade mal halb neun. Und wohin überhaupt? Du hast dir doch auch frei genommen für Sabines und Günnis Hochzeit?
Gabi: Ja, eben, genau deswegen! Ich bin schon spät dran, weil ich mich nicht von dir loseisen konnte. Du hast so süß geschlafen und ich wollte dich nicht wecken. Nicht nach der Aufregung, die ihr gestern Nacht erlebt habt. Aber ich muss jetzt wirklich los. Die Friseurin kommt gleich zu ihr und ich will mich auch für den Event des Jahres stylen lassen.
Mehdi (streicht ihr zärtlich über die Wange u. sieht ihr bewundernd in die Augen): Du siehst doch schon hübsch aus.
Gabi (sonnt sich in seinem Kompliment, aber schüttelt energisch den Kopf): Ich sehe aus wie der Grinch. Zerzaust und zerknautscht. Ich hab die halbe Nacht nicht geschlafen, weil ich auf dich gewartet habe.
...um dir etwas Wichtiges zu sagen.
Mehdi: Du willst mir wohl ein schlechtes Gewissen einreden, hmm?
Gabi (funkelt ihn an): Genau!
Mehdi (schlängelt seine Arme um ihre Taille u. hält sie fest): Was muss ich tun, damit du mir diesen schlimmen Fauxpas verzeihst?
Gabi (schmiegt sich gefühlvoll an ihn u. zwinkert ihm frech zu): So einiges.
Mehdi (grinst): Und was genau?
Gabi (erwidert sein ansteckendes Lachen): Vielleicht fängst du mit der schnarchenden Schnapsleiche im Wohnzimmer an. Der sabbert uns den neuen Teppich voll. Das ist echt eklig und unhygienisch. Wie ein unerzogenes Hundebaby.

Mehdi (lacht): Ich hab eine andere Idee, mit der ich dich ganz bestimmt überzeugen kann.
Gabi (springt sehr zum Vergnügen des Gynäkologen sofort darauf an): Was denn?
Mehdi (stupst ihr schmunzelnd an die Nase): Na, da ist aber jemand neugierig.
Gabi (trotzig will sie sich aus seiner Umarmung befreien, hat aber gegen ihren muskulösen Freund keine Chance): Bin ich gar nicht!
Mehdi (grinst von einem Ohr zum anderen): Und weil du’s nicht bist, verrat ich es dir auch. Also... Vielleicht willst du ja deine Valentinstagsüberraschung schon jetzt? Oder zumindest einen kleinen Hinweis darauf?
Gabi (ihre Augen weiten sich überrascht u. beginnen zu glänzen): Du hast eine Überraschung für mich? Ich hätte nicht gedacht, dass du an diesen Tag denkst.
Mehdi (in seiner Frauenversteherehre gekränkt): Mein Schatz, was steht eigentlich immer auf dem kleinen Schildchen an meinem Arztkittel, hmm? Ich weiß, was sich Frauen wünschen. Gerade an Tagen wie diesen.
Gabi (ihre Augen formen sich zu kleinen Schlitzen): Überschätze deinen Sachverstand mal nicht, mein Lieber.
Mehdi (schmunzelt): Ich liebe es, wenn du eifersüchtig bist.
Gabi (trotzig): Bin ich gar nicht!
Mehdi: Natürlich nicht und du hast auch gar keinen Grund, so sehr wie ich in dich verliebt bin. Also was ist nun? Die Überraschung? Ja oder ja?

Mehdi sah seine völlig hingerissene Freundin erwartungsvoll an. Er hatte Herzklopfen und freute sich wie ein kleines Kind auf ihre Reaktion. Auf ihren Augen lag ein sonderbarer Glanz, der ihn gänzlich gefangen nahm und ihn darin bestätigte, dass seine Idee genau die richtige war, auch wenn sie nicht sehr originell war. Aber sie kam von Herzen und sollte als Entschädigung für die letzten beiden Wochen dienen, die sie getrennt voneinander verbracht hatten, weil er seine Tochter zu ihrer Mutter in die Reha begleitet hatte. Doch Gabi zögerte und blieb ihrem Kavalier eine Antwort schuldig. Sie war im Zwiespalt mit sich selbst und überlegte hin und her. Natürlich freute sie sich riesig, wenn ihr Schatz sie so verwöhnte. Aber wenn Mehdi jetzt mit seiner Überraschung anfing, dann müsste sie es ihm im Gegenzug auch gleich sagen. Aber sie hatte sich das wirklich anders vorgestellt. Romantischer. Intimer. Perfekter. Und jetzt, wo die Sonne weiter gezogen war und das noch unmöblierte Schlafzimmer wieder in seiner kargen trostlosen Leere sichtbar wurde, störte sie dieses Provisorium doch sehr. Außerdem war immer noch der Außerirdische nebenan, der zu ihrem Glück jeden Moment hier hereingestolpert kommen könnte.

Mit einem Mal hatte die Schwangere wieder Schiss und jeder Vorwand kam ihr gut gelegen. Und sie hatte doch tatsächlich keine Zeit mehr. In einer halben Stunde war der Termin bei Gretchen und Sabine, den sie sich gestern schlagfertig bei ihrem seltsamen Mädelsabend im Badezimmer der Meier-Protzvilla erobert hatte. Ja, sie hatte vor, es ihm zu sagen. Aber anders. In der richtigen Stimmung. Heute Abend in einer ruhigen Minute während der Hochzeitsfeier. Sie hatte sogar davon geträumt letzte Nacht. Mehdi und sie tanzten allein im festlich geschmückten Ballsaal, während draußen vor den riesigen Fenstern ein Feuerwerk den Nachthimmel erhellte. Sie sahen sich tief in die Augen, in denen die Funkenstrahlen der Leuchtraketen widerspiegelten, dann flüsterte sie es ihm leise ins Ohr, während sie ihm ein kleines Geschenk in die Hände drückte, damit er verstand. Mit Tränen in den Augen sah er sie an, nachdem er die goldene Schleife weggezogen und die winzig kleine Schachtel geöffnet hatte. Sie nickte bestätigend, als er staunend den Inhalt herausholte und ihr mit zittrigen Fingern präsentierte, und schon wirbelte er sie euphorisch herum und presste sie an sich. Das pure Glück stand ihm ins Gesicht geschrieben. Sie war so glücklich und ließ sich auf seinen Armen tragen. Bis in alle Ewigkeit. Bis ihr Mehdibärchen versuchte, sich mittels Handzeichen bemerkbar zu machen...

Mehdi: Gabi? Huhu? Träumst du?
Gabi (schreckt aus ihren verträumten Gedanken auf u. starrt ihn verwirrt an): Hmm?

Mehdi schmunzelte und streichelte ihre puderrote Wange mit dem Handrücken. Gabi sah so süß verwirrt aus. Zum Niederknien süß. Er zog seine Süße fest in seine Arme und strich ihr eine verirrte Haarsträhne hinters Ohr, in das er anschließend mit sanfter Stimme hineinflüsterte...

Mehdi: Also ich hab mir das zwar etwas anders vorgestellt. Eigentlich wollte ich noch Blumen und so einige Utensilien besorgen, um die Überraschung quasi dem Anlass entsprechend zu verpacken, obwohl verpacken vielleicht das falsche Wort dafür wäre, aber...
Gabi (als sie wieder zu sich kommt, springt sie abrupt auf u. sieht ihn hektisch an): Na dann... dann mach das doch. Ich muss auch noch ähm... na ja... Also... lass uns das auf später verschieben, ja? Ich verpasse die S-Bahn, wenn ich jetzt nicht endlich losmache. Ich freu mich auf unseren ersten gemeinsamen Valentinstag.

Mehdi blieb sichtlich verwirrt auf der Matratze sitzen und blickte der Flüchtenden sprachlos hinterher. Gabi flitzte zur Tür, schlüpfte dort in ihre Wildlederstiefel und hatte die Klinke bereits in der Hand, als sie sich noch einmal umdrehte. Sie hätte das Entscheidende, nämlich ihre Handtasche und das Kleid für die Hochzeit, das in einem Kleidersack an der Tür zum Nebenzimmer hing, beinahe vergessen. Mehdi nutzte den Moment, sprang ebenfalls auf und hielt Gabi am Arm fest und wirbelte sie zu sich herum, so dass sie gegen seinen gestählten Körper prallte...

Mehdi: Hey nicht so flink, meine Liebe!
Gabi (versucht vergeblich sich zu befreien): Mehdi, bitte!
Mehdi (mustert sie nachdenklich): Warum werde ich das Gefühl nicht los, dass du ständig vor mir wegzulaufen versuchst?
Gabi (stotternd versucht sie sich zu erklären): Ich? Nein! Ich... Wirklich nicht!
Mehdi (hat so seine eigene Theorie): Wird dir das zu eng mit uns? Mit der Wohnung? Mit allem? Aber ich kann nicht anders. Wenn ich in deiner Nähe bin, kann ich mich nicht zurückhalten. Ich muss meine Gefühle einfach rauslassen. So bin ich eben.
Oh Mehdi! Wenn du wüsstest, wie viel mir das bedeutet.
Gabi (rudert aufgeregt zurück): Was? Nein, nein, Mehdi, ich will nicht, dass du das denkst. Mir ist das nicht zu eng. Im Gegenteil, alles ist genau richtig. Viel zu schön, um wahr zu sein, um genau zu sagen. Ich liebe es, neben dir aufzuwachen. Ich liebe deine Überraschungen, deine Komplimente, alles. Und ich hab dich wirklich schrecklich vermisst, als du nicht da warst. Weil ich es kaum erwarten konnte, dass unser gemeinsames Leben hier endlich losgeht.
Mehdi (lächelt gerührt): Wirklich?
Gabi (nickt verlegen mit dem Kopf): Ja!
Mehdi: Du läufst also nicht weg?
Gabi (stupst ihn mit der Schulter an u. schüttelt den Kopf): Nein, wie oft denn noch? Ich versuche nur die Bahn zu kriegen. Das ist alles.
Also fast! Oder hab ich den Moment jetzt verpasst? Hätte ich es doch gleich sagen sollen?
Mehdi: Aber wenn das so ist, hast du dann nicht etwas vergessen, Maus?

...fragte der charmante Halbperser herausfordernd seine perplexe Freundin, die gerade im Begriff war zu gehen. Gabi lehnte mit dem Rücken an der Tür und starrte ihr Gegenüber irritiert an. Ihre Augen wurden immer größer, als sie endlich begriff. Hatte er etwa herausgefunden, was sie vor ihm verbarg? Wie war das möglich? Woher wusste er von ihrem kleinen Geheimnis, fragte sie sich verwirrt und wurde noch blasser, als sie es eh schon war.

Lorelei Offline

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02.11.2012 14:50
#1350 RE: Story von Lorelei Zitat · antworten

Mehdi verfolgte amüsiert den seltsamen Anflug von Panik in Gabis Mienenspiel und legte beruhigend seine beiden Arme um ihre Schultern und zog die verwirrte junge Frau näher zu sich heran. Zärtlich stupste er mit seiner Nasenspitze die ihre an und lächelte sie verliebt an, während er sie aufklärte...

Mehdi: Na du hast mir noch gar keinen Guten-Morgen-Kuss gegeben! Und ohne Abschiedskuss lasse ich dich bestimmt nicht gehen.
Gabi: Oh!

...stieß die brünette Krankenschwester überrascht hervor. Er ahnte noch nichts, schaltete ihr Gehirn blitzschnell, während sie mit wackeligen Beinen erleichtert in seine Arme stolperte. Er hatte sie nur veräppelt, dieser Schlingel. Gabis Wangen verfärbten sich augenblicklich von leichenblass in zartrosa und sie schüttelte mechanisch den Kopf. Sie benahm sich vollkommen bescheuert und äußerst verdächtig. Es war doch nur noch eine Frage der Zeit, bis er, der erfahrene Frauenarzt, ihr auf die Schliche kam, dachte sie verwirrt. Doch noch lag der Überraschungsmoment auf ihrer Seite. Sie blickte dem Bald-Papa in seine treuen rehbraunen Augen und erkannte den Schalk darin. Sie musste jetzt selber darüber lachen. Eigentlich hätte sie es ja wissen müssen. Er wollte also einen Kuss. Den konnte er haben. Sie brannte schließlich auch nach seinen heißen Küssen. Das Prickeln, das von ihren Fingerspitzen ausging, die sich an seinem weißen T-Shirt festgekrallt hatten, nahm langsam von ihrem ganzen Körper Besitz.

Mehdi strich lächelnd über Gabis gerötete Wange und zog seine süße Freundin, deren fesselnde smaragdgrüne Augen ihn nun anglänzten, noch fester in seine Arme, um seinem Wunsch Nachdruck zu verleihen. Ohne den Augenkontakt von ihr zu lösen, senkte er seine Lippen auf die ihren herab. Sie seufzte auf, als sie seinen warmen weichen Mund auf ihrem spürte, und ließ ihre Handtasche zu Boden fallen. Noch mit dem Kleid in der anderen Hand umschlang sie seinen Hals, neigte sich ihm auf Zehenspitzen entgegen und erwiderte gefühlvoll seinen zärtlichen Kuss. Er lächelte glücklich in ihn hinein, schloss nun seinerseits die Augen und intensivierte den zarten Guten-Morgen-Kuss noch zusätzlich. Sie fühlte sich so gut an. Seine Arme verschränkten sich auf ihrem Rücken, seine Fingerspitzen strichen zärtlich darüber. Mehdi entfachte so viele unterschiedliche Gefühle in ihr, dass Gabi fast glaubte, jeden Moment ohnmächtig zu werden. Ihre Knie wurden weich. Ihr Puls raste und die Schmetterlinge in ihrem Bauch, die erst panisch aufgeflattert waren, tanzten nun synchron zum Takt ihres pochenden Herzens einen Walzer. Das Liebespaar schwankte tanzend zur nächsten Wand, stolperte über einen der zahlreichen Kartons, die auf dem Fußboden lagen, lachte herzhaft darüber und versank erneut in einem intensiven Kuss. Gabi legte all ihre Gefühle hinein, die gerade wie wild in ihr tobten und für reichlich Chaos in ihrem Hormonhaushalt sorgten. Mehdi war regelrecht überwältigt von der Intensität der Gefühle, die sie ihm entgegenbrachte. Er konnte nicht von ihr lassen und küsste sie voller Inbrunst und mit vollem Körpereinsatz zurück. Erst als die Atemluft der beiden immer knapper wurde, ließen sie voneinander ab und lächelten sich verträumt an, während sie sich aneinander festklammerten, weil die Beine noch sehr wackelig waren.

Mehdi (flüstert Gabi schmachtend ins Ohr): Wow! An solche Küsse am Morgen, nein, zu jeder Tages- und Nachtzeit, könnte ich mich gewöhnen.
Gabi (sieht ihn verliebt grinsend an u. streicht ihm zärtlich mit der freien Hand über das kleine Pflaster an der Stirn): Dito! Hast du noch Schmerzen?
Mehdi (schüttelt verliebt grinsend seinen Kopf, während seine verschränkten Hände locker kurz oberhalb ihres Pos liegen): Du als Heilmittel hat wahre Wunder bewirkt.
Gott, ich liebe es, wenn er so frech ist. Dann könnte ich ihn jedes Mal auffressen.
Gabi (stupst ihm in die Seite u. schlingt ihre Arme wieder fest um seine Taille): Spinner! Aber mal im Ernst. Ich mache mir Sorgen.
Mehdi (lehnt seine Stirn an ihre): Musst du nicht. Ein bisschen Kopfschmerzen noch. Nicht der Rede wert. Ich nehme dann eine Tablette.
Gabi (schmiegt ihre Wange an seine u. saugt seinen betörenden Duft ein): Ok! Kann ich dich alleine lassen?
Sehr, sehr ungern! Du fühlst dich so gut an. Ich will dich nicht loslassen.
Mehdi (seine Arme verschränken sich auf ihrem Rücken u. er sieht sie intensiv an): Willst du jetzt doch bleiben? Ich helfe dir auch mit den Haaren.
Gabi (grient ihn an): Danke für das Angebot, Monsieur Coiffeur, aber ich überlasse das dann doch lieber den Profis. Ich will hübsch aussehen auf der Hochzeit.
Mehdi (sieht ihr tief in die Augen): Du siehst wunderschön aus, Gabi.
Gabi (schmilzt nur so dahin): Du bist ein unverbesserlicher Charmeur, Mehdi.
Mehdi (kontert charmant): Und du bist die faszinierendste Frau, die ich kenne.
Gabi (senkt verlegen den Blick): Quatsch! Ich bin doch niemand Besonderes.
Mehdi (legt seine rechte Hand an ihre Wange u. streichelt diese sanft): Doch! Für mich schon. Du wirkst so anders, seit ich wieder da bin.
Weiß er es doch?
Gabi (sieht unsicher auf): Inwiefern?

Mehdi (studiert intensiv ihre auf ihn gerichteten Blicke): Ich weiß nicht. Das ist mir gestern schon aufgefallen. Ich kann es nicht beschreiben, aber es gefällt mir. Sehr sogar. Sie sind eine faszinierende Frau, Fräulein Kragenow.
Gabi (ihr Herz beginnt augenblicklich schneller zu schlagen): Und Sie sind wirklich unverbesserlich, Dr. Kaan. Du machst es mir echt schwer zu gehen.
Mehdi (lächelt u. legt seinen überzeugendsten Kaanschen Bambiblick auf): Dann bleib doch! Ich hab noch zwei Stunden, bis ich Lilly von meinen Eltern abhole und wir uns für die Hochzeit fertigmachen.
Gabi (hadert tatsächlich): Ich weiß. Aber du scheinst vergessen zu haben, dass du gestern Nacht einen ungebetenen Gast mitgebracht hast. Und der hat schon einmal die Romantik des Moments zerstört.
Ja, leider! Aber ich hätte ihn ja auch schlecht bei Marc lassen können. Der hat im Moment ganz andere Probleme. Ich muss ihn dann unbedingt noch anrufen. Ich hoffe, ihm geht’s gut. So alleine in dem Haus, ich weiß nicht, ob das so gut war.
Mehdi (seufzt auf u. verdreht die Augen, dann schmiegt er sich an seine Freundin u. dreht sich einmal tanzend mit ihr im Kreis): Du hast ja Recht. Aber ich verspreche dir eins. Ich lasse dich heute Nachmittag keine Minute mehr aus meinen Armen. Wir tanzen den ganzen Abend, die ganze Nacht. Und wenn der richtige Moment gekommen ist, gibt es auch meine Überraschung. Ich denke, das Ambiente dafür stimmt. Muss es ja auch, weil es schließlich...
Gabi (legt schnell den Finger auf seine Lippen): Sssht! Nicht mehr verraten! Sie machen mich auch so schon ganz neugierig, Herr Doktor.
Heute wird einer der schönsten Tage unseres Lebens. Ich bin mir sicher. So wie in meinem Traum.
Mehdi (grinst über das ganze Gesicht): Genau das ist auch so bezweckt, Fräulein Kragenow. Ich bin wahrlich ein Glückspilz, dass mich so eine schöne entzückende Frau begleitet.
Gabi (verlegen schmiegt sie ihren Kopf an seine Schulter): Mehdi!
Mehdi (lächelnd hebt er ihr Kinn etwas an, damit er ihr besser in die Augen schauen kann): Bist du! Und ich bin auch schon sehr neugierig, was du mir letzte Nacht sagen wolltest.
Er hat es doch mitbekommen! Wie? Sieht man mir das etwa doch an?
Gabi (ihr Lächeln verschwindet u. weicht wieder aufgeregter Panik): Äh... Mehdi, ich... Ich wollte... Es ist so... Ich... ich bin...
Mehdi (streicht ihr beruhigend über den Arm): Schon gut, mein Schatz, ich lass dich ja gehen. Soll ich dich später abholen?
Gabi (atmet erleichtert auf, als er nicht weiter nachhakt): Lass mal! Das wäre doch von deinen Eltern ein Umweg. Und außerdem hast du schon genug mit Günni zu tun. Der liegt wie tot auf dem Teppichboden. Ich hoffe, du bekommst ihn bis zur Hochzeit fit. Sonst gibt es das nächste Drama. Oh! Bloß nicht! Ich denke, ich fahre dann mit den Mädels nach Göberitz. Nach gestern Abend bin ich ja auch so was wie eine Brautjungfer. Also... na ja.

Mehdi lächelte Gabi an und blickte ihr lange und intensiv in die Augen, was seine Freundin wieder ganz nervös machte. Sie runzelte verwundert die Stirn...

Gabi: Was ist?
Mehdi: Nichts. Ich bin nur überrascht, dass ihr euch auf einmal alle so gut versteht. Aber ich find’s schön.
Gabi (wiegelt mit einer lockeren Handbewegung ab): Ach das, das ist nur... wegen Sabine. Ich bin quasi ihre Freundin, was ich auch erst kürzlich erfahren habe. Und sie war so schrecklich aufgeregt wegen der Hochzeit heute und ähm... ja äh... Gretchen und ich mussten dann halt äh... intervenieren, was den halben Polterabend gedauert hat. Deshalb ist unser gemeinsamer Abend ja auch ins Wasser gefallen.
Ob sie tatsächlich ebenfalls schwanger ist? Das wäre echt krass!
Mehdi (hört ihr interessiert zu): Verstehe! Dann sehen wir uns also erst in der Kirche?
Gabi (lächelt): Ja, ich denke schon.
Mehdi (erwidert ihr zuckersüßes Lächeln): Ich freu mich. Also auf dich.
Gabi (fällt ihm glücklich um den Hals u. schmiegt sich an ihn): Das will ich dir auch schwer geraten haben, Herr Doktor. Ich liebe dich. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr.
Jetzt wo wir...
Mehdi (mit strahlenden Augen kuschelt er sich an seine verschmuste Liebste): Ich liebe dich auch, mein Schatz.

Ein zärtlicher sekundenlanger Kuss folgte und schon war Schwester Gabi aus dem gemeinsamen Schlafzimmer verschwunden. Mit einem breiten glücklichen Lächeln auf den Lippen ließ sich Dr. Kaan in die Kissen zurückfallen und verschränkte seine Arme unter seinem Hinterkopf. Doch er konnte nicht lange vor sich hin träumen, denn nachdem er die Haustür ins Schloss hat fallen hören, vernahm er kurz darauf ein seltsames Rumpeln und Stöhnen aus dem Wohnzimmer. Da war doch noch was... Ach ja, Dr. Gummersbach! Der Mann der Braut!

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