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Lorelei Offline

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Beiträge: 7.349

29.06.2012 17:23
#1301 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Kate atmete erleichtert aus, als sie endlich ihr Ziel erreicht hatten. Der Aufstieg ins Dachgeschoss zur Traumwohnung des Traumpaares war doch anstrengender als gedacht gewesen. Aber sie hatte noch etwas Zeit schinden wollen, nachdem sie Dr. Haase eine kleine Sms geschickt hatte, dass sie nun vorm Haus eingetroffen waren, damit sich die anderen rechtzeitig für den Überraschungsmoment bereithalten konnten. Während die Assistenzärztin verschnaufte und sich kurz auf der obersten Treppenstufe niederließ und sich Dr. Gummersbach auf der Etage mit gerümpfter Nase umschaute und die vertrocknete Topfpflanze vor dem Bullaugenfenster, das aufs Dach zeigte, bemitleidete, war Schwester Sabine gleich etwas Sonderbares ins Auge gefallen. Panik beschlich sie, als sie die nur angelehnte Wohnungstür bemerkte...

Sabine: Aber wieso steht denn die Tür auf? Oh Gott, es sind doch keine Einbrecher bei Dr. Meier in der Wohnung?
Günni (wirft sich alarmiert vor seine frisch angetraute Frau u. flüstert nur noch): Soll ich die Polizei rufen? Mir ist das auch ganz unheimlich.
Kate (augenrollend erhebt sie sich von ihrem Platz u. versucht zu beruhigen): Nein, das ist sicher nicht...
Sabine (fällt ihr hektisch ins Wort, während sie nach dem Lichtschalter tastet): Wo ist denn hier der Lichtschalter? Man sieht doch gar nichts. Wir müssen uns die Gesichter merken. Fürs Phantombild.
Günni (begeistert von der Idee zückt er sein Telefon u. hält es hoch): Ich hab mein Handy mit Fotofunktion dabei. Moment! Ich hab’s!
Sabine (zuckt plötzlich zusammen u. duckt sich hinter Günnis Rücken, nachdem sie ein verdächtiges Geräusch von innen gehört hat): Da... da! Es hat geraschelt. Oh Gott! Ich will noch nicht sterben! Was ist, wenn die Einbrecher ein Gewehr dabei haben und auf uns schießen?
Kate (verzweifelt schon fast an den beiden): Das ist doch völlig unrealistisch, Schwester Sabine.
Günni (wirft sich in einer mutigen Selbstverteidigungsposition vor die beiden Frauen, da er drei Jahre Karate gemacht hat): Ich beschütze dich, mein Purzelchen.

Hinter dem Sofa hockend hatte Marc Meier derweil nicht mehr an sich halten können und war lachend zusammengebrochen und nach hinten umgefallen und hatte Mehdi und Gretchen dabei gleich mitgerissen. Die Assistenzärztin hatte sich dann panisch auf ihn geworfen und hielt ihm mit Müh und Not mit beiden Händen den vorlauten Mund zu, damit er die Überraschung nicht vorzeitig verriet, während der unter ihr japsende und feixende Oberarzt ihr aufgrund der nun sehr verlockenden Aussichten anzüglich zuzwinkerte und sich Sabine vor der Tür ängstlich an ihren Gatten klammerte und Kate ziemlich ratlos in die dunkle Wohnung schaute, aus der sie jetzt eigentlich irgendeine Reaktion erwartet hatte. Aber da kam sie auch endlich, die Erlösung.

Oberschwester Stefanie hatte endlich den Lichtschalter wieder gefunden, den sie in der Hektik des Moments kurzzeitig verloren hatte, als sie Sabines an der Wand entlang tastenden Arm entdeckt hatte, der immer weiter auf sie zu gesteuert gekommen war, so dass sie sich in ihrer Not mit Dr. Fuchs hatte zurückziehen müssen, und hatte diesen auch gleich gedrückt. Das Licht sprang wieder an. Und Sabine und Günni wichen blinzelnd und starr vor Angst zurück, wobei sie gegenseitig über ihre Füße stolperten und gerade noch so von Kate, die direkt hinter ihnen gestanden hatte, gestützt werden konnten, weil sie damit nicht gerechnet hatten. Und auch nicht mit dem, was danach folgte. In der Wohnung von Dr. Meier und Dr. Haase waren nämlich keine Einbrecher. So viel hatten die beiden Überraschten noch verstanden, bevor die Gäste ihrer geheimen Überraschungsparty fröhlich jubelnd aus ihren Verstecken hervorsprangen. Allen voran die Planungsvorsitzende und Trauzeugin Gretchen Haase, der Mehdi charmanterweise vom Boden aufgeholfen hatte, während Marc geschafft von seinem schmerzenden Zwerchfell hinter dem Sofa einfach liegen geblieben war und Arme und Beine weit von sich streckte.

Alle: Überraaaaaaaaaschung!!!

*klick*

Ein Lichtblitz erhellte das dunkle Treppenhaus, in welches das überraschte Paar rückwärts geflüchtet war. Vor Schreck hatte Günni nämlich auf den Auslöser seiner Kamera gedrückt, die er immer noch wie gelähmt hochgehalten hatte. Auf dem Display erschien nun ein bunter Haufen kostümierter Kollegen mit lustigen Gesichtern, wie Kate schmunzelnd entdecken konnte, die Sabine und Günni nun vorsichtig in die Wohnung zurück schob, wo man auf die Ehrengäste schließlich lange genug gewartet hatte. Gretchen kam freudestrahlend auf das überraschte Brautpaar zu. Sie war happy, weil doch noch alles so geklappt hatte, wie es geplant war. Sie gab Kate einen dankbaren Kuss auf die Wange, die ihr zuzwinkerte und nun die anderen Gäste begrüßte, die allesamt wegen der verdutzten Gesichter des Paares breit grinsen mussten, klopfte Günni sanft auf die Schulter, der völlig überfordert von der Gesamtsituation war und es vor nervösem Zittern gar nicht bemerkt hatte, und legte anschließend Sabines Hände in ihre und sah die perplexe Krankenschwester fröhlich an.

Die Worte, die sie so lange vorbereitet hatte, sprudelten nur so mit großen Gesten aus Gretchen heraus. Die Erleichterung war ihr sichtlich anzumerken. Ganz besonders Marc war völlig hingerissen von ihrer ansteckenden kindlichen Freude, der sich mittlerweile auch wieder mit Hilfe von Sven und Mehdi vom Fußboden aufgerappelt hatte und nun zwischen den beiden Männern und Dr. Hassmann stand, die konsequent Cedrics kontinuierlich auf sie gerichteten Blicken auswich, der ihr direkt gegenüberstand und ihr die ganze Zeit provozierend in die Augen schaute, und die sich ebenfalls auf Gretchens Rede konzentrieren wollte, was ihr aber als einzige - neben Dr. Stier - nicht gelang...

Gretchen: Mein liebes, liebes Brautpaar, zu allererst natürlich meine besten Wünsche zur bevorstehenden Hochzeit morgen. Und zwar im Namen des gesamten Krankenhauses und all eurer Freunde, die sich hier mit uns versammelt haben. Ich weiß, das muss euch alles im ersten Moment etwas viel vorkommen, aber lasst es mich bitte erklären. Wir wollten euch wirklich nicht erschrecken. Ich hoffe, ihr verzeiht uns den kleinen Spaß. Uns tut es natürlich wahnsinnig leid, dass wir euch mit dieser Star-Trek-Sache, mit der euch unsere liebe Kate anlocken sollte, ein bisschen an der Nase herumgeführt haben. Aber wie hätten wir euch sonst unbemerkt und kostümiert herlotsen können? Danke dir, Kate, dass du mitgespielt hast und vor allem, dass es doch noch geklappt hat. Ihr wisst ja gar nicht, wie viel Blut und Wasser ich und meine Helfershelferlein geschwitzt haben, damit wir euch rechtzeitig hierher bekommen, ohne dass ihr Lunte riecht. Wir haben uns nämlich alle gedacht, da du, liebe Sabine, immer für uns da bist, geben wir dir und deinem Zukünftigen auch mal etwas zurück. Damit ihr seht, wie viel ihr uns allen bedeutet. Auch wenn wir das vielleicht nicht so oft zeigen. Ihr wisst ja, was manchmal in der Klinik los sein kann. Aber ihr seid uns unheimlich wichtig. Vergesst das bitte nie! Euer Glück, das wahrhaftig wie ein Pfeil Amors eingeschlagen ist, hat uns allen gezeigt, dass es die große Liebe wirklich noch gibt, und wir freuen uns mit euch. Von ganzem Herzen. Ihr seid etwas ganz Besonderes. Und das wollen wir heute mit euch feiern. Die einstimmige Meinung der gesamten Belegschaft war es nämlich, dass ihr nicht ohne einen zünftigen Polterabend in den Ehehafen schippern könnt. Und daher, lieber Günni, liebe Sabine, herzlich Willkommen auf eurem eigenen Polterabend und Kostümfest. Ich wünsche uns allen eine wunderschöne unvergessliche Zeit. Danke, dass ihr alle gekommen seid. Auf Sabine und Günni Gummersbach und die große Liebe! Denn nur die zählt! Ach ja, da schon einige von euch genörgelt haben, das Buffet wäre hiermit natürlich auch endlich eröffnet. Auf euch, ihr Lieben!

Nachdem Gretchen ihre kleine Ansprache beendet hatte, wurde ein großer Tusch eingespielt zur Untermalung des Gesagten und ein tosender Applaus vom Publikum setzte ein. Versonnen lächelte die bewegte Rednerin das Trekkie-Traumpaar an, dem es noch immer völlig die Sprache verschlagen hatte und das nicht wirklich mit dem umzugehen wusste, was hier gerade mit ihnen passierte. Mit allem hatten sie gerechnet, aber nicht mit solch einer umwerfenden Überraschung. Sektgläser wurden gereicht und es wurde erst einmal auf das Glück der beiden angestoßen. Doch das Brautpaar konnte sich angesichts der vielen Eindrücke noch immer nicht vom Fleck rühren. Wie gelähmt schauten sie von dem einen zum anderen. Erst als Gretchen Sabine spontan um den Hals fiel, löste sich ihre anfängliche Schockstarre. Und nicht nur das. Bei beiden Frauen brachen nun alle Dämme und unzählige kleine Kullertränchen kullerten ihre Wangen hinab. Minutenlang hielten sich Gretchen und Sabine schluchzend im Arm, bis sich endlich auch die anderen Gratulanten zu ihnen durchgekämpft hatten und die schniefende Assistenzärztin ablösten, die dem Paar ebenso ihre Glückwünsche und Geschenke überreichen wollten. Sabine und Günni strahlten nun doch endlich über das ganze Gesicht, nahmen die Überraschung herzlich an und waren völlig überwältigt von der Anteilnahme ihrer Kollegen und Freunde.

Marc schlich sich derweil auf leisen Sohlen an Gretchen heran, die gerührt daneben stand, und umarmte sie von hinten. Sofort schmiegte sie sich an den Mann ihrer Träume, als sie seine stoppelige Wange an ihrer spürte. Sie schloss ihre Augen und wiegte sanft mit ihm im Takt irgendeines Liedes, während er ihr liebevoll mit einem Papiertaschentuch ihre glitzernde Tränenspur aus dem Gesicht wegtupfte. Nur ganz gedämpft hörte sie seine Stimme an ihrem rechten Ohr...

Marc: Und? Zufrieden? Hast du dir’s in etwa so vorgestellt?
Gretchen (schlingt seine Arme noch fester um ihren Bauch u. legt ihre Hände auf seine): Das ist tausendmal schöner als in meiner Vorstellung.
Marc (ist zufrieden, wenn sie zufrieden ist): Na siehst du. Dann war die ganze Panikmache ganz umsonst.
Gretchen (lächelt sanft vor sich hin): Nicht ganz! Der ganze Tag war einfach nur perfekt.
Perfekt unperfekt! Hach...
Marc (hat da so seine Zweifel u. beugt sich über ihre Schulter nach vorn, um sie anzuschauen): Ach? Auf einmal doch? Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass ein Meckerlieschen mir die ganze Zeit meckernd in den Ohren lag, weil alles schief gehen würde. Vom kaputten Kleid bis zum Angeber im Batmankostüm.
Gretchen (ihre Wangen erröten sanft): Du weißt schon warum.
Marc (dreht sie herum, damit er ihr besser in die Augen schauen kann, u. lässt sich von ihrem verliebten Blick gefangen nehmen): Ich... denke genauso.
Gretchen (ihre Augen leuchten auf): Wirklich?
Marc (streichelt ihr zärtlich über die Wange u. lässt Gretchen nicht mehr aus den Augen): Mhm! Bis auf ein paar Störfaktoren war das schon ein ziemlich verrückter Tag. Findest du nicht?
Gretchen (lacht, aber ist schnell wieder ernst u. schaut ihn eindringlich an): Verrückt ist gar kein Ausdruck. Und bereust du’s? Also dass du mitgekommen bist?
Marc (gespielt nachdenklich): Keine Ahnung! Aber es fühlt sich nicht so schlimm an, wie ich dachte.
Gretchen (boxt ihm gespielt empört an die Schulter): Hey! Das wollte ich aber nicht hören.
Marc (grinst schelmisch u. schließt sie mit seinen Armen ein): Du bist einfach zauberhaft, wenn du nicht mehr weiterweißt, Uschi. Genau wie vorhin.
Gretchen (blitzt ihn an, muss dann aber auch lachen, als sie an den Moment zurückdenkt): Und du bist ein richtiger Blödian, Siggi.
Marc (lacht): Hey! Spricht man etwa so mit seinem frischgebackenen Ehemann?
Gretchen (schaut sich hektisch um u. legt Marc ihren Finger an die Lippen): Psst! Nicht so laut! Wenn das jemand mitbekommt. Mehdi ist direkt hinter dir.
Marc (unbeeindruckt flüstert er weiter): Der weiß doch eh schon alles.
Gretchen (reißt die Augen auf u. schaut verstohlen zu Mehdi hinter Marcs Rücken, der sie in dem Moment auch anlächelt): Wie? Hast du ihm etwa...? Maaarc, wir wollten doch...
Marc (fällt der Meckerliese sofort ins Wort): Die andere Sache, Haasenzahn.
Gretchen (überrascht): Oh! Irgendwie habe ich ja geahnt, dass er schon allein von Berufswegen her spürt, was mit uns los ist.
Marc (grient sie amüsiert an u. schiebt jede Schuld von sich): Was mit dir los ist, Haasenzahn! Mir kann er nix nachweisen.
Gretchen (steckt ihm die Zunge raus): Sehr witzig, Marc. Ich hab den Ratgeber aber unter deinen Unterlagen auf dem Schreibtisch gesehen.
Marc (jetzt ist er der Überraschte): Was?
Gretchen (grinst, bevor sie wieder nachdenklich wird): Ich glaube kaum, dass du ihn freiwillig danach gefragt hast. Aber süß ist es schon, wie du dich mit dem Thema auseinandersetzt. Und was machen wir jetzt mit der anderen anderen Sache?

...fragte Gretchen leise mit klopfendem Herzen. Marc zuckte nur planlos mit den Schultern, denn zum ersten Mal in seinem Leben wusste er wirklich nicht, was er denken oder fühlen sollte. Die ganze Geschichte war einfach nur verrückt. Das würde ihnen doch niemand abnehmen, dass sie einfach so unvermittelt in ihre eigene Trauung geraten waren. Aber er wurde in dem Moment zum Glück durch eine fröhliche Stimme abgelenkt. Eigentlich wollte er jetzt nicht mehr darüber nachdenken. Passiert war passiert! Und eine Sache musste die Spürnase Kaan ja auch nicht unbedingt wissen, wo er doch mit der anderen schon genug nervte und klugschiss. Aber gab es da überhaupt etwas zu wissen? Bis sie sich darüber im Klaren sein würden, hatten er und Gretchen erst einmal einstimmig Stillschweigen vereinbart.

Mehdi: Na ihr beiden? Die Überraschung ist euch wahrlich gelungen.
Scheiße! Der hat es spitzgekriegt! Eh! Wie macht der das immer? Hat er Eierstöcke?
Marc (überfordert): Ääähhh...
Gretchen (fühlt sich geschmeichelt): Dankeschön! Ich bin auch froh, dass alles doch noch geklappt hat.
Marc (versteht die beiden völlig falsch): Was?
Wieso fällt sie mir denn jetzt in den Rücken?
Mehdi (legt seine Hand auf ihre Schulter): Du warst nicht die Einzige, die hier Blut und Wasser geschwitzt hat. Wenn ihr vorhin nicht endlich zurückgekommen wärt, hätten die euch noch die Bude auseinander genommen.
Ach? Er meint...? Puh! Das war knapp!
Marc (kleinlaut): Auf deine Rechnung!
Gretchen (stupst dem vorlauten Bengel mit der Schulter an u. grient dann Mehdi an): Hör nicht auf ihn! Ich bin dir jedenfalls sehr, sehr dankbar, dass du für uns eingesprungen bist.
Mehdi (beugt sich lächelnd zu ihr rüber): Kein Thema. Für dich mache ich doch alles.
Schleimer!
Gretchen (kuschelt sich lächelnd an seine Seite): Du bist lieb, Mehdi.
Marc (hat genug der Schmeicheleien gehört u. quetscht sich dazwischen): Und du? Immer noch Strohwitwer? Oder was ist mit deiner schlechteren Hälfte? Ich sehe sie hier nirgendwo.
Gretchen (tadelnd): Marc!
Marc: Ja, was? Wir wissen doch beide, dass er die bessere Hälfte der Hälften ist.
Er bleibt unverbesserlich. Aber ich lieb ihn trotzdem.
Mehdi (nimmt ihn gar nicht für voll u. grinst ihn ironisch an): Wenn das ein Kompliment gewesen sein soll, dann fühl ich mich echt geschmeichelt. Danke Marc!
Marc (zwinkert ihm frech zu, während er sich wieder an seine Freundin schmiegt): Tja, bei dir braucht es eben nicht so viel.
Gretchen (ist dann doch auch neugierig, was mit Mehdis Freundin ist, die als einzige noch nicht zur Feier erschienen ist, obwohl sie es versprochen hat): Kommt Gabi etwa wirklich nicht mehr?
Mehdi (ratlos, bis sein Blick unvermittelt zur Tür schweift u. sein Atem für einen Moment aussetzt): Eigentlich... Ich weiß nicht. So langsam mache ich mir doch Sorgen, wo sie... bleibt. ... Oh! ... Wow!

Eine atemberaubende Schönheit, die plötzlich an der nur angelehnten Wohnungstür aufgetaucht war, lieferte dem verliebten Mann die Antwort auf all seine Fragen. Suchend blickte sie sich im Zimmer um. Sie hatte ihn noch nicht entdeckt und konzentrierte sich auf das etwas unbeholfen wirkende Brautpaar und die Kostümierten um sie herum, die ihnen gratulierten. Aber sie zog Mehdi dennoch wie magisch an. Er ließ seine beiden besten Freunde einfach kommentarlos in der Mitte des Raumes stehen, die ihm verwundert nachblickten. Ganz in Zeitlupe bewegte sich der Halbperser auf die Schönheit in dem wunderschönen gelben Kleid zu, die sich gerade durch ihre Haare strich, die locker zu einem Pferdeschwanz gebunden waren, während Marc, der den Grund für Mehdis abrupte Sprachlähmung nun auch entdeckt hatte, nur genervt die Augen verdrehen konnte und Gretchen ganz entzückt von Mehdis süßer Reaktion breit grinsen musste. Glücklich schmiegte sie sich fest an ihren grummeligen Oberarzt, der diese charmante Einladung nicht ablehnen konnte und seine süße Assistenzärztin nun sanft zu küssen begann, während Mehdi sich durch Sabines und Günnis Gratulanten durchkämpfte und schließlich völlig sprachlos vor der wunderschönen Frau stehen blieb, die ihn mit leuchtenden dunkelgrünen Augen anschaute. Er war sofort verliebt.


http://www.youtube.com/watch?v=o3N6P-e5F7k

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.349

01.07.2012 17:34
#1302 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hey ihr Lieben! Heute gibt es für alle Fans dieser Paarung mal wieder einen Bidi-Teil. Image and video hosting by TinyPic Viel Spaß und einen schönen und v.a. gewitterarmen Sonntag noch. Eure Lorelei



Gabi Kragenow passend zu unserem Dr. "John Travolta" Kaan als Sandy Olsson aus "Grease".




Bildquelle: Google Pics



Mehdi: Hey!

...war das erste und einzige, das Mehdi sagen konnte, nachdem er seine Freundin minutenlang einfach nur bewundernd angeschaut hatte. Mit klopfendem Herzen, glänzenden Augen und einem verliebten Lächeln auf den Lippen. Gabi sah so toll aus in ihrem wunderschönen gelben Petticoatkleid, der weißen hochgeschlossenen Bluse und der dazu passenden weißen Strickjacke, dass es ihm einfach für einen Moment völlig die Sprache verschlagen hatte. Ihre langen Haare hatte sie mit einem gelben Band zu einem lockeren Pferdeschwanz gebunden, der bei jeder Bewegung von ihr fröhlich hin und her wippte. Er war hingerissen. Verzaubert. Die schöne Krankenschwester, die nervös Kreise mit ihren knallgelben Pumps ins Meiersche Parkett zeichnete, war wie aus einem Fünfziger-Jahre-Film entsprungen und das war sie tatsächlich. Sie war seine Sandy und er war ihr Danny.

Auch Gabi konnte nicht viel sagen. Nach allem, was heute mit ihr passiert war, war dies auch nur zu verständlich. Und jetzt, wo sie ihre große Liebe direkt vor sich sah, sein sanftes Lächeln, seine rehbraunen treuen Augen, die wackelnde Elvis-Tolle in seinem Haar, war es vollkommen um sie geschehen. Die bereits seit Stunden aufgewühlten Gefühle fuhren nun komplett Achterbahn. Und das Kribbeln in ihrem Bauch hörte gar nicht mehr auf, so dass sie ihre Hand samt gelber Handtasche unterbewusst genau darauf legen musste. Stumm schaute sie Mehdi aus schimmernden Augen an und er war völlig gefangen von ihrem fesselnden Blick, in dem irgendetwas geschrieben stand. Etwas, das er noch nie zuvor bei ihr gesehen hatte. Etwas, das ihn zunehmend faszinierte, aber das er noch nicht zu deuten wusste.

Es gab in diesem Moment nur noch sie beide. Sie merkten weder das auffällige Händewinken, noch das Tuscheln und die Grüße der einen oder anderen Kollegin, die Schwester Gabi und ihrer verspäteten Ankunft gewidmet waren. Sie hatten nur sich und ihre ineinander verschlungenen Blicke und ihre im Gleichklang pochenden Herzen. Erst als plötzlich die Musik wieder einsetzte, die mit dem Auftauchen des Brautpaares vorhin verstummt war, wachten die beiden wieder aus ihrer ganz eigenen Traumwelt auf. Man hatte das Paar und ihre Rollen nämlich erkannt und der DJ hatte sich den Spaß nicht nehmen lassen wollen, eins der wohl bekanntesten „Grease“-Lieder einzuspielen, das vom Kennenlernen der beiden Hauptakteure handelte. Und irgendwie stimmte ja auch das. Irgendwie schien es auch jetzt so, als ob sich der Arzt und seine Stationsschwester gerade ebenfalls neu kennenlernten und neu ineinander verliebten.


http://www.youtube.com/watch?v=q6AlOJb840g


Mehdi und Gabi mussten beide lachen, als die ersten Töne des Liedes erklangen und der Bann war endgültig gebrochen. Die verliebte Frau überwand den halben Meter, der sie noch von ihrem Liebsten trennte, und lächelte Mehdi strahlend vor Glück an, als sie endlich direkt vor ihm stehen blieb und auch endlich ihre Sprache wieder fand, um ihn gebührend zu begrüßen. Doch viel sagen konnte Gabi immer noch nicht. Zu aufgewühlt war ihre Gedankenwelt.

Gabi: Hallo!
Mehdi (räuspert sich wegen seines trockenen Halses u. nimmt schnell ihre zarte Hand, um sie in die Wohnung zu ziehen, die er nicht wieder loslässt): Wow! Also... Ich glaube, ich hab mich gerade noch ein bisschen mehr in dich verliebt. Du siehst... wow ... einfach umwerfend aus.
Gabi: Danke!
Mehdi (lächelnd spielt er mit ihrer Hand u. dreht Gabi einmal um ihre eigene Achse herum, während er sie charmant umschmeichelt): Für deinen zauberhaften Anblick hat sich das lange Warten wirklich gelohnt.
Mist! Ich hätte gleich... Ach ich weiß doch auch nicht.
Gabi (kneift für eine Sekunde die Augen zusammen u. streicht sich verlegen mit ihrer Hand übers Gesicht): Ich... Es... tut mir leid. Ich... wollte dich nicht waren lassen. Aber...

...ich... bin... vielleicht... schwanger und brauchte einen Moment... für mich. Nein, du kannst ihm das nicht sagen. Nicht so. Nicht hier. Nicht jetzt.

Mehdi (legt seine Hand liebevoll an ihre Wange u. streichelt sie zärtlich mit dem Daumen, während er ihr dabei tief in die Augen schaut): Hey! Das muss es nicht. Ich muss mich entschuldigen. Ich hab dir zu viel zugemutet.
Gabi (irritiert, was er damit meint): Was? Nein!
Mehdi (schaut sie mit herzerweichendem Dackelblick an u. seufzt leise): Meine Familie! Ich hätte dich wohl besser vorwarnen sollen, dass es mich nur im großen Familienkombipaket gibt. Ich muss mich selber erst wieder daran gewöhnen. Nachdem Lilly und Anna weg waren, war alles irgendwie ... auseinander gegangen. Der Schmerz war einfach zu groß, als dass wir es lange miteinander ausgehalten hätten. Aber jetzt ist alles anders. Wir finden gerade alle wieder zusammen. Berauscht von dem Glück, das Lilly uns jeden Tag schenkt. Und du stehst mittendrin. Irgendwie verloren. Als Außenstehende. Das will ich nicht. Du gehörst dazu. Hörst du? Ich werd in Zukunft mehr für dich da sein. Versprochen.

Gabi (nimmt seine beiden Hände u. sieht ihn mitfühlend an): Das ist es doch gar nicht.
Mehdi: Wirklich nicht?
Gabi (schüttelt den Kopf u. lächelt sanft): Natürlich ist das alles noch ungewohnt für mich. So wie ihr zusammenhaltet und füreinander da seid und eure Familienmomente so richtig zelebriert, das war bei mir nie so. Aber ich gewöhne mich schon noch daran. Es ist ähm... ein schönes Gefühl, ... Familie zu haben.
Mehdi (erwidert aufmunternd ihr Lächeln): Und manchmal doch schon sehr anstrengend. Mama hat mir erzählt, wie sie dich im Bad angetroffen haben. Tut mir leid. Meine Mutter kann manchmal... Naja, du hast sie ja erlebt. Also wenn du das nächste Mal eine Auszeit brauchst, gib mir einfach rechtzeitig ein Zeichen, ja. Ich hab mir schon Sorgen gemacht, dass du dich gar nicht mehr hertraust. Hast du meine Nachrichten nicht bekommen?

Du bist so eine blöde Kuh, Gabi Kragenow, echt.

Gabi (kuschelt sich schuldbewusst in seine starken Arme u. schließt ihre Augen): Tut mir leid. Das war keine Absicht. Ich war nur... Ach, ich weiß doch auch nicht.
Mehdi (hält sie einfach nur fest u. wiegt sie sanft zum Takt der Musik hin und her, nachdem er ihr einen sanften Kuss aufs Haupthaar gegeben hat): Kein Thema! Ich bin da.
Gabi (legt ihre Wange an sein weißes T-Shirt u. lauscht seinem klopfenden Herzen, was eine ganz beruhigende Wirkung auf sie hat): Ja?
Mehdi (genießt ihre Nähe sehr): Mir scheint, hier hat mich jemand ganz schön vermisst? Aber anders herum ja auch.
Gabi (ihre Gedanken u. Gefühle fahren Achterbahn, während sie sich einfach nur von ihrem Schatz festhalten lässt): Und wie! Ich lass dich nie mehr los. ... Könnte ich auch jetzt gar nicht mehr.
Mehdi (bekommt heftiges Herzflattern in seiner Brust, so viele Zuneigungsbekundungen ist er gar nicht von seiner Liebsten gewöhnt, aber er genießt sie sehr): Das hoffe ich doch. Du weißt ja gar nicht, was in der Zwischenzeit hier alles los war. Ich könnte jetzt wirklich ein bisschen Zuwendung gebrauchen.

Gabi (öffnet abrupt ihre Augen u. sieht erst ihn und dann Sabine schuldbewusst an, die sich gerade etwas abseits von ihr und Mehdi mit zwei Kolleginnen unterhält): Oh Nein! Ich hab die Überraschung verpasst.
Mehdi (stupst ihr grinsend an die Nasenspitze u. erzählt ihr dann alles): Du hast den Kindergarten verpasst, weswegen ich übrigens gerne mit dir getauscht hätte. Aber der hatte jetzt weniger mit Günni und Sabine zu tun. Erst waren die beiden nicht aufzutreiben und dann wollten sie hier auf Verbrecherjagd gehen.
Gabi (versteht nun gar nichts mehr): Was?
Mehdi (lacht): Marc hatte einen Lachanfall und hätte fast die Überraschung verdorben. Sabine hat nämlich gedacht, hier wären Einbrecher.
Gabi (lacht nun ebenfalls u. schaut wieder zu Sabine u. Günni, die gerade allein im Raum herumstehen u. kurz durchatmen): Das ist so typisch. Ich sollte den beiden jetzt auch gratulieren. Hast du an das Geschenk gedacht?
Mehdi (lässt sie nicht los u. zwinkert ihr zu): Hab ich! Aber vorher hätte ich gerne erst noch selber etwas von dir.

Gabi (sieht aufgewühlt in seinen funkelnden Augen hin und her u. denkt, dass er vielleicht etwas von dem ahnen könnte, was sie bewegt): Was?
Mehdi (legt seine Arme um ihre Taille u. zieht sie noch näher an sich heran, während er ihr verschmitzt zuzwinkert u. ganz langsam seinen Kopf zu ihr herabsenkt): Naja, dafür, dass ich hier so lange auf meine Sandra Dee warten musste und hart daran gearbeitet habe, dass das alles hier nicht in komplettes Chaos ausartet, hätte ich schon einen richtigen Begrüßungskuss verdient. Findest du nicht?
Gott, ich liebe diesen Mann so sehr.
Gabi (kann ihm bei diesem hinreißenden Bambiblick einfach nichts abschlagen): Unbedingt!

...hauchte Gabi nur und blickte intensiv in Mehdis rehbraunen auffunkelnden Augen hin und her. Als er seinen Worten auch sofort Taten folgen ließ und immer näher kam, flackerten ihre Lider bereits verdächtig. Diesem Mann konnte Frau einfach nicht widerstehen. Ihr wild klopfendes Herz hatte schon längst ihr Handeln übernommen. Sie schloss ihre Augen und kam Mehdi langsam entgegen. Ganz vorsichtig trafen sich schließlich ihre Lippen. Tastend. Wie ein zarter Windhauch. Eine leichte Brise, die sie auf ihrer erhitzten Haut kitzelte. Mehdi lächelte in den sanften Kuss hinein. Beglückt von den Gefühlen, die seine Freundin in ihm auslöste, je länger sie sich auf diese sehr gefühlvolle Weise berührten. Gabi stellte sich auf ihre Zehenspitzen und legte ihre Arme um seinen Nacken, um ihn noch näher an sich zu spüren. Dann intensivierte sie den Kuss und legte alles hinein. All ihre Hoffnungen und verwirrten Gefühle und die Liebe, die sie empfand, seitdem sie schon fast sicher war, dass da ein kleines Wesen war, das in ihr heranwuchs und das sie beide geschaffen hatten. Das pure reine Glück eben, das sie von jetzt auf gleich völlig umgehauen hatte. Gabi merkte gar nicht, wie sich eine kleine Glücksträne still und heimlich davongemacht hatte und langsam ihre Wange hinab kullerte und sich auf Mehdis warmen weichen Lippen niederließ. Als dieser die sonderbare salzige Note erfühlte, löste er den Kuss unvermittelt und blickte seine Freundin verunsichert an, während sein Daumen sanft die glitzernde Tränenspur auf ihrer Wange nachzeichnete...

Mehdi: Hey! Was hast du? Ist alles in Ordnung?
Gabi (durcheinander): Ja, ich... Ich... bin einfach nur... glücklich, weil... weil du wieder da bist. Bei mir bist.

Sie konnte es ihm nicht sagen. Nicht jetzt. Nicht hier. Dazu fehlte ihr einfach noch der Mut. Mehdi schaute seine Liebste noch immer etwas verwundert an, entdeckte dann aber einen ganz besonderen Schimmer in ihren Augen, der seine ganze Aufmerksamkeit weckte, den er vorhin schon bemerkt und zu deuten versucht hatte. Doch auch jetzt war ihm diese wunderbare Frau ein Rätsel. Er wusste keine Antwort und glaubte ihr die aufrichtige Freude über seine Rückkehr aus den Ferien. Ihm ging es doch auch nicht viel anders. Aufgewühlt blickte Gabi in Mehdis strahlenden Augen hin und her und konnte schließlich gar nicht mehr anders. Sie musste ihn wieder küssen und ihm etwas von dem Glücksgefühl schenken, das sie völlig eingenommen hatte, aber das sie sich noch nicht in Worte zu fassen getraute. Und so versank das Paar erneut in einem innigen, nicht enden wollenden Kuss, der nicht unbeobachtet blieb und selbst die letzten Skeptiker um die aufrichtige Liebe der beiden eines besseren belehrte.

Lorelei Offline

Mitglied


Beiträge: 7.349

04.07.2012 14:06
#1303 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

http://www.youtube.com/watch?v=3YcNzHOBmk8


Doch Mehdi Kaan und Gabi Kragenow waren nicht die Einzigen, die sich in diesen Minuten von ihren Gefühlen treiben ließen. Während Schwester Sabine und Dr. Gummersbach endlich etwas Ruhe vom Trubel um ihre Personen gefunden hatten und es sich, nachdem sie neugierig ihren Geschenketisch inspiziert hatten, mit einem Gläschen Sekt auf dem weißen Ledersofa in der Mitte des Wohnzimmers bequem machten, miteinander auf den wunderschönen Polterabend anstießen, mit dem sie so toll überrascht worden waren, und nun über das Geschehene lachend den Kopf schüttelten und sich dann in einem unbeobachteten Moment ein kleines schüchternes Küsschen auf die Lippenspitzen gaben, hatte Obersafarischwester Stefanie ihren Rüdiger ‚Tarzan’ Fuchs kurzerhand zu Forschungszwecken unter die Treppe gezogen, um dort ungestört in aller Heimlichkeit - naja, nicht ganz, denn Paul Anka schaute mit weit aufgerissenen Glubschaugen von seinem Goldfischglas aus zu - evolutionspsychologische Studien am lebenden Objekt auszuüben, auf deutsch, um natürlich ausgiebig mit ihrer Blitzliebe zu knutschen. Und auch ein küssendes Paar auf der Tanzfläche störte sich nicht an den schmunzelnden Blicken ihrer Zuschauer und vor allem Zuschauerinnen aus der mystischen Teppichecke. Dr. Meier und Dr. Haase schienen in ihrer ganz eigenen Welt zu tanzen und bekamen nicht mehr viel um sich herum mit. Ebenso wenig wie Dr. Kaan und Schwester Gabi ganz in ihrer Nähe. Andere sondierten die Umgebung dagegen umso genauer.

Sven: Ähm... Eine Frage, Maria. Wer war noch mal das Paar, das sich morgen traut? Mir scheint, euer Krankenhaus ist die reinste Partnerbörse.

...kommentierte Sven ‚Bond’ Sorenson sichtlich überrascht das Geschehen in der Wohnung seiner Jugendfreundin Gretchen Haase von der Bar aus, an der er mit seiner reizenden Begleiterin gerade bei ein paar leckeren Canapés saß, die sie sich nach der Begrüßung der Ehrengäste geholt hatten. Maria ‚Catwoman’ Hassmann blickte ihren Begleiter erst ziemlich verdutzt an, weil sie sich anfangs nicht wirklich auf ihr gemeinsames Gespräch hatte konzentrieren können und irgendwann den Faden verloren hatte und lustlos mit der Gabel in ihrem Essen herumgestochert hatte. Dann blieb ihr Blick, den sie gekonnt an der Sofalandschaft und dem darauf sitzenden schwarzen Mann vorbeigelenkt hatte, jedoch für einen kurzen Moment wehmütig an Dr. Kaan hängen, der seine neue Freundin an der Tür gar nicht mehr loslassen wollte und sich innig von der ungewohnt dezent gekleideten Dame in gelb küssen ließ. Maria seufzte, verwarf den wehmütigen Gedanken schnell wieder als ad absurdum und wandte sich dann wieder lächelnd ihrem charmanten Gegenüber zu, das sie gespannt anschaute, und konterte gewohnt scharfzüngig, dass es selbst ihn für einen kurzen Moment die Sprache verschlug.

Dr. Sorenson hatte die taffe und selbstbewusste Art der attraktiven Neurochirurgin nämlich schon ein bisschen vermisst, mit der er sie vor zwei Wochen bei ihrer ersten Begegnung mit Gretchen auf dem Medizinerkongress für Orthopädie kennengelernt hatte. Er hatte dies als sehr reizvoll empfunden. Ihre offensive einnehmende Art, ihr ansteckendes Lächeln, wenn sie von ihrem Job erzählte und dieses gewisse Funkeln in den Augen, mit dem sie einen ansah und sofort gefangen nahm. Sie hatte ihn fasziniert. Auf eine Weise, über die er sich noch nicht im Klaren gewesen war. Deshalb hatte Sven auch ein zweites Treffen vorgeschlagen, um sich näher kennenzulernen, bevor er zurück in seine Heimat flog, das aber aus verschiedenen Gründen leider bis heute nicht zustande gekommen war. Und übermorgen würde er definitiv zurückfliegen. Seine Vortragsreise nach Deutschland, inklusive längerem Berlinaufenthalt, war beendet. Ab Montag stand er nämlich wieder auf dem Dienstplan seiner Klinik in Göteborg. Umso erfreuter war er über Marias überraschende Einladung gewesen, ihr verpasstes Date doch endlich nachzuholen. Eigentlich hatte er nicht mehr damit gerechnet gehabt, dass sie sich noch einmal bei ihm melden würde, und es waren in der Zwischenzeit Ereignisse eingetreten, auf die er nicht vorbereitet gewesen war. Nach einigem Überlegen hatte er schließlich doch zugesagt. Und er hatte sich richtig auf das Treffen gefreut. Denn gab es einen schöneren Abschluss seines Besuchs, als ihn mit einer schönen Frau zu verbringen? Doch irgendetwas war anders als noch vor vierzehn Tagen. Das hatte er gleich gespürt, als er sie am späten Nachmittag von zu Hause abgeholt hatte.

Heute war von dieser einnehmenden faszinierenden Seite her bisher noch nicht viel zu spüren gewesen. Bis jetzt hatte die schöne Neurologin einen eher distanzierten und zerstreuten Eindruck auf ihn gemacht. Sie hörte ihm nicht mal richtig zu. Fast schien es so, als wäre sie nicht wirklich an ihm und einem Kennenlernen interessiert, obwohl sie es doch gewesen war, die ihn gestern noch ohne Duldung irgendeines Widerspruchs zu dieser Überraschungsparty eingeladen hatte. Als würde sie irgendetwas beschäftigen, das sie nicht losließ. Manchmal wirkte ihre Unterhaltung miteinander fast gezwungen. Übertrieben bemüht. Er konnte es nicht anders definieren. So als ob sie sich unbedingt von irgendetwas ablenken wollte. Einem anderen Mann vielleicht? Sie hatte sich vorhin längere Zeit mit Dr. Kaan unterhalten. Danach war sie zwar zugänglicher geworden, aber das hatte sich schnell wieder verflüchtigt, nachdem immer mehr Gäste, und vor allem dieser schleimige Angebertyp im Batmankostüm, aufgetaucht waren. Aber jetzt schien sich die geheimnisvolle Katzenfrau wieder gefangen zu haben, als sie sich lässig durch ihre kurzen Haare strich, ihren unberührten Teller beiseite schob und ihre linke Hand auf sein rechtes Knie legte und ihn nun mit einem verheißungsvollen Lächeln und einem so provozierenden Augenaufschlag ansah, dass es ihn für eine Sekunde die Sinne vernebelte...

Maria: Also wenn du interessiert bist, ich kann dir gerne einen Bewerbungsbogen fürs EKH besorgen? Gretchen Haase hat dir bestimmt davon erzählt, dass ihr Vater expandieren will und gute Ärzte sind bei ihm immer willkommen. Dort arbeiten, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, nur die Besten der Besten.
Sven (geht nur zu gerne auf ihren Flirt ein u. lächelt sie an, während seine Hand wie zufällig die ihre streift): Das wäre schon eine Überlegung wert. Ich bin ja eh dabei, mich gerade neu zu orientieren.
Maria: Ach? Interessant!

Die beiden lachten und stießen erneut mit einem alkoholfreien Cocktail miteinander an. Und zum ersten Mal an diesem Abend wirkte Dr. Hassmann richtig gelöst und folgte nun auch wesentlich aufmerksamer ihrem Gespräch mit dem attraktiven Schweden. Nur einer fand keinen Gefallen daran: Dr. Cedric Stier, der mit einer Flasche Bier seinen Frust wegspülend in nachdenklicher Observationsposition auf dem Sessel neben dem glücklichen Brautpaar Gummersbach-Vögler lümmelte, das gerade miteinander schäkerte und kindisch kicherte, als sie sich erneut mit ihren halbleeren Sektgläsern zu prosteten. Das Leben war doch echt scheiße ungerecht, dachte er frustriert und blickte sich um. Überall nur knutschende und sich anhimmelnde ekelhaft glückliche Paare. Er konnte dem schlechten Schauspiel an der Bar nicht mehr länger zuschauen. Er brauchte dringend eine Luftveränderung.

Also ließ er Schwester Sabine und den seltsamen Pathologen auf dem Sofa zurück, die gar nicht mitbekamen, wie ihr schlechtgelaunter Kollege sich auf die Dachterrasse verabschiedete, wo er sich erst einmal den kalten Wind durch seine Haare wehen ließ. Cedric schloss seine Augen und atmete einmal tief ein und aus. Dann trat er an das Geländer heran, schaute eine Weile über die angrenzenden Dächer und gestand sich neidvoll ein, dass dem Meier mit der protzigen Penthauswohnung hier wohl tatsächlich ein gutes Geschäft gelungen war. Und nicht nur damit. Mit der hübschen Frau an seiner Seite hatte er echt den Jackpot gezogen. Sie ertrug all seine miesen Launen, seine Überheblichkeiten, seine schlechten Sprüche und seinen nicht vorhandenen Humor. Und er ihre kindliche Naivität, den furchtbaren Rosa-Tick und ihr manchmal doch sehr nerviges Helfersyndrom. Die beiden nahmen sich so, wie sie waren. Mit all den kleinen Macken und Unzulänglichkeiten. Eigentlich beneidenswert. Das hätte er dem Stinkstiefel gar nicht zugetraut, der damals zu ihren gemeinsamen wilden Studienzeiten noch vor keinem Rock Halt gemacht hatte.

Und er selbst? Was hatte er schon seitdem erreicht? Eine Karriere, die schneller den Bach runterging als die vom Guttenberg und dem Wulff zusammen; zwei gescheiterte Ehen mit zwei heißen Frauen, die ihn mittlerweile hassten und von denen eine biestiger als die andere war; zwei Kinder, von denen eins von der Mutter sitzen gelassen worden war und das andere noch nicht einmal wusste, dass er überhaupt existierte und das er so sehr vermisste, dass er sich am liebsten das Herz rausreißen wollte. Mal ganz abgesehen von seinem erbärmlichen Versuch, sein altes Leben zurückzubekommen. Und den nicht vorhandenen Freunden, die allesamt auf der Strecke geblieben waren, wenn er überhaupt je welche hatte. Cedric verwarf die trostlosen Gedanken schnell wieder, wenn er nicht vollends in eine Depression verfallen wollte, und zündete sich eine Zigarette an. Er zog einmal genüsslich daran und pustete den Rauch ganz langsam in die Luft und verfolgte dessen Bahnen, während er sich anschließend langsam wieder umdrehte und nun durch die teilweise von innen angelaufenen Fensterscheiben auf das verschwommene Geschehen in der Wohnung blickte.

Er hörte die Musik, hörte das Lachen, die fröhlichen Stimmen. Dort drinnen war Leben. Während er komplett im Stillstand verharrte. Wollte er das? Wollte er weiterhin der einsame Batman sein, der nachts ruhelos durch die Straßen von Gothamcity strich und Leben rettete, während sein eigenes tagsüber an ihm vorüber zog, während er immer mehr Chancen verpasste, weil er anderen etwas vormachte, weil er sich selbst etwas vormachte, weil er nicht wusste, wer er war und wie er wirklich mit aller Konsequenz sein wollte, und deshalb ein einsames ruheloses Leben hinter der schwarzen Maske bevorzugte. Auch um andere zu schützen, die mit seinem selbst auferlegten Schicksal vermutlich nicht umzugehen wüssten. Eine Person dabei im Speziellen. Sie hatte sieben Leben und eins davon hatte er bereits verspielt. Kein Wunder, dass sie bei jeder weiteren Begegnung mit ihm sofort ihre Krallen ausfuhr und ihn anfauchte. Sie war eine Katzenmutter. Sie schützte sich und ihr Junges vor allen dunklen Gefahren der Nacht. Und anstatt, dass sie sah, was mit ihm wirklich los war, wieso er so umtriebig durch leere Straßen lief, ließ sie sich mit irgendwelchen dahergelaufenen Streunern ein. Tzz... Er hatte in diesen vielen einsamen Nächten in der letzten Zeit, in denen er, nachdem er seine jüngste Tochter endlich beruhigt und wieder in den Schlaf gewiegt hatte, nicht hatte schlafen können, eindeutig zu viele Batman-Filme geschaut, dachte Cedric Stier und schaute verwirrt an sich herunter. Er strich sich über seinen unbequemen Batman-Brustpanzer, der unter seinem Hemd spannte, und zog erneut augenrollend an seiner fast aufgerauchten Kippe, während er durch das verschwommene Fenster noch irgendetwas innen zu erkennen versuchte und schließlich einen neuen Schlachtplan zusammenschmiedete.

Lorelei Offline

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06.07.2012 14:48
#1304 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo zusammen! Weil ihr es seid, gewähre ich euch dann doch endlich den einen oder anderen Einblick in das, was euch wohl am meisten unter den Fingernägeln brennt. Viel Spaß und ein schönes Wochenende wünsche ich euch. Euer Schneckchen, das sich nun ein Weilchen in ihr Häuschen zurückzieht.



http://www.youtube.com/watch?v=ofL5iVIu4oI


Dr. Meier und Dr. Haase wippten derweil neben dem eng umschlungenen und sich innig küssenden Paar Dr. Kaan und Schwester Gabi langsam zu irgendeiner Schnulze aus den Neunzigern hin und her und sahen sich dabei unentwegt tief in die Augen. Sie sagten nichts, küssten sich lieber und kommunizierten lediglich mittels intensiver Blicke und zarter Gesten. Beide dachten an das Gleiche, an die Stunde zuvor, schmunzelten darüber und kuschelten sich gleich noch fester in die Arme des anderen. Minutenlang blieben sie in ihrer ganz eigenen kleinen Seifenblase gefangen, in der sie über allem zu schweben schienen. Selig wegen dessen, was sie in der Nacht zuvor beschlossen hatten, was ihre Gedanken den ganzen Tag über bewegt hatte, der dann noch eine recht überraschende Wendung genommen hatte, mit der sie beide nicht in ihren kühnsten Träumen gerechnet hätten und auf die sie überhaupt nicht vorbereitet gewesen waren.

Eigentlich wollten sie dem keine so große Bedeutung schenken, weil doch im Moment andere Dinge, wie die Babysache und die anstehende Traumhochzeit von Günni und Sabine, viel wichtiger waren, aber ganz so einfach war das dann doch nicht. Weder für die größte Träumerin der Welt, Gretchen Haase, die den Drang, es unbedingt ausplaudern oder in ihr Tagebuch schreiben zu wollen, vor lauter Euphorie und der Überdosis an Glückshormonen, die wild in ihrem Bauch tanzten, kaum unterdrücken konnte. Noch für den ewigen Skeptiker, Marc Meier, der seine akute Verwirrtheit über das Geschehene gekonnt mit seiner lässigen coolen Fassade kaschierte, während in ihm drin ein Sturm der unterschiedlichsten Gefühle tobte, die unbedingt raus wollten. Es ging nicht. Der Moment hatte sich fest in ihr Hirn und in ihr Herz gebrannt. Für immer. Es war nur ein belangloser Satz, der das Ganze schließlich wieder ins Rollen brachte. Unbedarft von der Träumerin selbst dahingesagt, nachdem sich ihr Bauch lautstark bei ihr gemeldet hatte, und von dem leicht Verwirrten an ihrer Seite ganz anders aufgefasst.

Gretchen: Ich hab Hunger.

Ein breites Grinsen zeichnete sich auf dem spitzbübischen Gesicht von Dr. Meier ab, der seine bärenhungrige Freundin, die mit Ausnahme der heimlichen Naschereien beim Aufbau des Buffets zusammen mit ihrer Mutter heute Nachmittag noch nicht wirklich etwas zwischen die Zähne bekommen hatte, was sich nun zunehmend bei ihr bemerkbar machte, aus einem ganz anderen Antrieb heraus schon gekonnt an der offenen Küche vorbeigelenkt hatte, wo sich die hungrigen Partygäste gerade vor dem reichlichen Buffet aufgereiht hatten und ihre Teller mit diversen Köstlichkeiten voll packten, die die Frau vom Professor für sie gezaubert hatte. Und nun stand das Paar im gedimmten Licht im Flur an der Wand direkt neben der abgesperrten Tür zu Gretchens rosarotem Mädchenzimmer und schaute sich mit glänzenden Augen an. Die eine eher fragend und abwartend, der andere lauernd und erwartungsfroh. Marc liebte dieses Spiel und kesselte seinen süßen leicht verpeilten Haasenzahn immer mehr ein und stemmte seine beiden Hände rechts und links neben ihren Kopf gegen eben jene Wand, an der sie mit dem Rücken lehnte. Nur Millimeter trennten ihre Gesichter voneinander. Sie schaute ihn an. Misstrauisch. Verwirrt. Marcs Blick war unmissverständlich. Das erkannte Gretchen schon, bevor der von sich selbst überzeugte Casanova seinen vorlauten Mund aufmachte und ihr augenzwinkernd etwas verheißungsvoll zuraunte...

Marc: Ich hab auch Hunger. So richtig ... Hunger!

Und bevor sie sich in irgendeiner Weise gegen ihren offenbar äußerst liebeshungrigen Machomann hätte wehren können, folgten seinen mit seiner sexy Ich-will-jetzt-sofort-und-auf-der-Stelle-mit-dir-Liebe-machen-Stimme gehauchten Worten auch schon eifrige Taten. Ungestüm presste der liebestolle Chirurg seine heißen Lippen auf die ihren, umspielte sie und bat dringlich um Einlass, während er seinen gestählten Körper fest gegen den ihren drängte. Gretchen wurde ganz schwindelig unter seinem forschen Drängeln und im ersten Moment konnte sie auch gar nicht anders, als sich darauf einzulassen und ihn wild zurückzuküssen und sich in seinen Haaren festzukrallen. Ein Kuss von ihm und es setzte jedes Mal sofort bei ihr aus. Zumal bei diesem äußerst aufregenden und forschen Körpereinsatz seinerseits. Marcs Hände schienen überall zu sein. Sie strichen gierig ihre nackten Arme empor und umspielten anschließend neckisch ihr aufregendes Dekolleté, das ihm als unmittelbare Augenweide bebend entgegen sprang. Seine flinken Finger zupften verspielt an der hauchdünnen Spitze und dem Schleier ihres rosaroten Jeannie-Kostüms und legten sich schließlich mit einem Ruck um ihre schmale Taille, um den bezaubernden Flaschengeist noch energischer an sich zu pressen, um ihm unmissverständlich zu verdeutlichen, wonach ihm gerade der Sinn war. Gretchens Atem ging schnell. Ihr Herz pochte, sprang schon fast aus ihrer Brust heraus. Ihr Puls raste. Alles schrie nach ihm. Das Hungergefühl war längst vergessen und einem ganz anderen Hungergefühl gewichen. Marc hatte sie komplett in der Hand und sie war nun durchaus versucht, der Versuchung nicht länger zu widerstehen. Wenn nicht....

Ja, wenn nicht plötzlich Lieutenant Uhura alias Bienchen Vögler auf der Suche nach der Toilette um die Ecke geflattert gekommen wäre und gleich wieder mit weit aufgerissenen Augen und mit plötzlich aufgekommenen hektischen roten Flecken im Gesicht auf dem Fuß kehrtgemacht hätte und eilig wieder in die Richtung abgebogen wäre, aus der sie vor einer halben Sekunde gekommen war, nachdem sie das heftig knutschende und an sich zupfende Paar im Flur entdeckt hatte, wie Gretchen unter dem verschwommenen Schleier ihrer flackernden Lider bemerkt hatte. Die bedrängte Assistenzärztin konnte doch noch ihre letzten Kraftreserven aufwarten und gegen ihren hartnäckigen Verführer anwenden. Nun war sie es, die Marc mit ausgestrecktem Arm gegen die Wand stemmte. Sehr zum Gefallen des erregten Mannes, der ihr nun verschmitzt zuzwinkerte, um sie zu mehr zu animieren. Er liebte es einfach, wenn sein ach so prüder Haasenzahn erst so empört kuckte und dann selbstbewusst selbst das Ruder übernahm. Und im rosaroten Zimmer, nach dessen Klinke er gerade tastete, hatten sie schließlich auch noch nicht, dachte er vorfreudig. Doch „die bezaubernde Jeannie“ hielt den schmutzigen Gedanken ihres „Knight Riders“ leider einen Riegel vor...

Gretchen: Maaarc! Stooopp!!! Wir sind hier nicht alleine.
Marc (seine Hände preschen wieder nach vorn u. ziehen seine widerspenstige Freundin in seine Arme, die er hinter ihrem Rücken fest verschränkt, damit sie nicht gleich wieder flüchten kann): Ich wäre aber jetzt gerne mit dir alleine. Ganz alleine. Wenn du verstehst?
Gretchen (überfordert von seinem spontanen Wunsch u. seiner aufregenden Nähe): Jetzt?
Marc (schaut sie unmissverständlich an u. streichelt dabei gefühlvoll über ihren Po): Jetzt und nicht erst in sechs Monaten, Haasenzahn. Weißt du, ich kenne mich zwar nicht so mit diesen ganzen spießigen Ritualen und altmodischen Traditionen aus, aber eine Sache weiß ich dann schon noch.
Gretchen (steht völlig auf dem Schlauch u. schaut auch dementsprechend betröppelt aus der Wäsche): Was?
Marc (kuckt sie schelmisch an, während er sie immer fester an sich schmiegt): Na dass mir noch eine heiße Hochzeitsnacht zusteht.
Gretchen (reißt ihre Augen weit auf u. flüstert mit zusammengepressten Lippen): Maaarc!
Marc (amüsiert sich königlich über ihr entsetztes Gesicht): Is so! Das sollen ja angeblich neben Versöhnungssex die geilsten Nächte sein? Also... hab ich gehört.
Gretchen (löst sich empört aus seinem Klammeraffengriff u. blitzt ihn an): Boah! Das ist also das Einzige, was du dabei im Sinn hattest?

Und ich dachte wirklich für einen Moment, er hätte es ernst gemeint. Du bist so eine dumme Pute, Gretchen! Natürlich nicht! Das ist Marc! Für ihn war das alles nur ein Witz. Ein Spaß. Ein Zeitvertreib, weil ihm langweilig war. Hätte ich mir ja gleich denken können. Er wollte ja auch nicht mit zu Sabine und Günni.

Ach Haasenzahn! Ist sie nicht süß, wenn sie ausflippt? Das macht sie nur noch schärfer!


Marc (ganz ruhig u. unbeeindruckt schaut er sie an): Nö! Das war in der Situation selbst nicht unbedingt mein allererster Gedanke. Und um das mal klarzustellen, ich hab das ernst gemeint, was ich gesagt habe.
Wie jetzt? Jetzt doch? Aber...
Gretchen (perplex): Aber das war doch nur ein Wort?

Oh Mann, dabei dachte ich doch, die geprüfte Expertin in diesen Angelegenheiten versteht den Wink. Frauen! Wollen ein Leben lang unbedingt vors Schafott geführt werden und wenn’s dann plötzlich so weit kommt und der Henker sein Urteil fällt, doch wieder nicht. Das soll man(n) verstehen?

Marc (hat sein begriffsstutziges Mädchen wieder eingefangen u. zu sich hin gezogen): Auch darin kenne ich mich jetzt nicht so aus, aber meines Wissens nach genügt schon ein klitzekleines Wort. Zwei Buchstaben genau genommen, die gerade du immer gerne in den Mund nimmst.
Gretchen (völlig hingerissen schaut sie in seinen aufblitzenden Augen hin und her u. versteht die Welt nicht mehr): Wirklich?
Marc (muss dann doch über ihre süße Verpeiltheit schmunzeln): Soll ich es für dich noch mal im Gesetzbuch nachschlagen?
Gretchen (der Zauber ist dahin u. sie funkelt den Sprücheklopfer zickig an): Dann solltest du wohl zuerst bei Vortäuschung falscher Tatsachen anfangen.
Hey! Der war ja richtig gut! Heiß!
Marc (löst seine beiden Hände von ihrer Taille, um seine Unschuld anzuzeigen): Ich muss nichts vortäuschen. Bei mir ist immer alles echt.

Jetzt kommt der mir mit seinen blöden Machosprüchen! GGGRRR!!! Ich will doch nur wissen, was Sache ist. Menno!

Gretchen (klapst ihm empört auf die Brust): Boah Marc! Du weißt genau, wie ich das meine. Was ist, wenn wir noch Ärger bekommen?
Marc (zuckt mit den Schultern u. seine Stimme geht eine Oktave höher, als er kleinlaut kontert): Von deiner Mutter?
Gretchen (sarkastisch): Witzig, Marc, witzig!
Wieso kann er nicht einmal ernst bleiben? Es ist ernst!
Marc (grinst erst, dann wird er oberlehrerhaft): Haasenzahn, noch mal zum Mitschreiben für die ganz Langsamen unter uns. Man kann uns gar nichts, ok. Der Schnurrbart hat doch seinen Fehler gleich geschnallt, als dieser Siggi mit seiner dicken Ische hinter uns in der Tür aufgetaucht ist und die gleich Rabatz gemacht haben, von wegen sie seien jetzt dran und so.
Gretchen (verdreht die Augen, als sie an den peinlichen Moment zurückdenkt): Ja, aber... du hast vorher schon „ja“ gesagt?
Marc (seine Augen wandern irritiert hin und her): Äh... ja, aus... dem Impuls... heraus? Du doch auch? Der hat uns ne Frage gestellt.
Die ich warum noch mal beantwortet habe? Ich hab keinen Schimmer. Das ging auf einmal alles so schnell.
Gretchen (leicht geknickt senkt sie ihren Kopf u. stützt ihn an Marcs Schulter): Ja, hab ich. Ich weiß doch auch nicht. So was kann aber auch nur mir passieren.

Das toppt sogar noch die betrogene Verlobte, die ihr Hochzeitskleid verbrennt, die besoffene Elvis-Hochzeit in Las Vegas und Marcs und Mehdis peinliche Antragskabbelei an meinem Geburtstag. Ich hatte vollkommen Recht, ich bin ein Hochzeitsmonster! Ich hätte sogar Verständnis gehabt, wenn Marc spontan „nein“ gesagt hätte und weggelaufen wäre. Ich wäre es, wenn ich er wäre. Ich bin aber nicht er! Weil das... das wäre dann schon irgendwie... schräg. Obwohl ich schon manchmal gerne wüsste, was in seinem Kopf so alles vorgeht. Gerade heute, wo all diese unvorhersehbaren Dinge passieren.

Marc (nimmt ihre Hand u. spielt damit, während er seine niedergeschlagenen Freundin schelmisch angrinst): Ich muss zugeben, als Mann lebt man wirklich gefährlich neben dir. Man kann nie wissen, was einem am Ende eines Tages passiert.
Aber es ist spannend. Auf eine unvorhersehbare schöne Weise.
Gretchen (ihr Blick schießt sofort wieder nach oben u. sie blitzt ihn beleidigt an): Gar nicht!
Marc (lacht erst u. wird plötzlich ganz ernst): Ich weiß, dass du dir das so ganz bestimmt nicht vorgestellt hast, Haasenzahn. Aber hey, du meckerst doch immer, dass du dir ein bisschen mehr Märchen im Leben wünschen würdest. Siehe es doch mal so, mehr Märchen und Magie geht ja wohl nicht. Wobei ich aber auf das pöbelnde Bauernpaar getrost verzichtet hätte. Hat irgendwie den Moment zerstört. Aber lustig war es trotzdem.

Es hat ihm gefallen?

Gretchen (hat ihm sichtlich bewegt zugehört): Ach Marc, das ist es doch gar nicht.
Marc (verwirrt): Nicht?
Gretchen (legt ihre Arme um seine Taille u. schaut ihn liebevoll an, während sie etwas klarstellt u. dann immer mehr ins Schwärmen gerät): Nein, ich brauche das alles nicht. Ich will keine durchgeplante prunkvolle Hochzeit im Märchenschloss, mit tausend Streichern, einer Kutsche, weißen Tauben, extra gezüchteten Lilien mit meinem Namen, und einem sündhaftteuren Designerbrautkleid, das an allen Ecken und Kanten zwickt und zwackt. Du weißt, das ist schon einmal gewaltig schief gegangen. Den Prinzessinnentraum, den gibt es einfach nicht in echt. Er hat mir bisher nur Unglück gebracht. Ich will das nicht. Falls wir es irgendwann doch mal tun sollten, dann reicht mir schon eine ganz schlichte Zeremonie, vielleicht nicht ganz so sporadisch und spontan wie das, was heute passiert ist, aber kleingehalten schon. Ganz intim. Nur wir beide. Du und ich. Und vielleicht die Familie und unsere engsten Freunde. Alle dann ganz in weiß. Weiß-rosa Blumen überall. Lilly und Sarah als kichernde Blumenkinder. Papa führt mich zu dir. Unser Lied läuft ganz leise im Hintergrund. ... Nicht schwafeln Gretchen! Er kuckt schon ganz skeptisch. ... Äääähhhh....ja.... Mehr... mehr brauche ich nicht, um glücklich zu sein. Das wollte ich sagen.

Und sie hat doch Erwartungen. Hätte mich auch gewundert, wenn nicht. Nicht nach der Sache heute.

Marc (hebt skeptisch eine Augenbraue an): Und damit gibt sich die ewige Träumerin wirklich zufrieden? Du hast Seiten über Seiten deines Tagebuches mit dem ganzen Zeugs gefüllt. Sogar bebildert! Da klebte sogar eine echte Taubenfeder drin! Hast du dafür extra so einem armen Viech das Flatterwerkzeug rausgerissen? Du hast deinen Traum ja wirklich brutal verfolgt. Haha!
Oh nein! Ich hätte ihm mein Tagebuch niemals geben sollen. Peinlich, Gretchen, echt peinlich! Die Feder war von Marc, also nicht dem Marc, sondern dem Marc, den Jochen umgebracht hat, als wir noch klein waren. Ach Marc, ich hoffe, es geht dir gut da oben, wo auch immer du jetzt herumschwebst.
Gretchen (schließt peinlich berührt ihre Augen): Ich weiß. Äh... nein, das... Ach Mann, Marc! Das war halt die Träumerin, die dir zwanzig Jahre lang hinterher geschmachtet hat.
Marc (gespielt beleidigt): Wie? Tut sie das jetzt etwa nicht mehr?
Gretchen (lächelt): Doch! Aber ich sehe uns jetzt eben ganz anders als in meinen kleinmädchenhaften Vorstellungen von damals.
Marc (die Skepsis bleibt): Aha! Und das soll jetzt der Anreiz sein, mir unbedingt Gedanken machen zu müssen?
Gretchen (sieht ihn auffordernd an u. schmunzelt in sich hinein wegen seiner offensichtlichen Unsicherheit): Wenn du das willst?
Was wird das eigentlich hier?
Marc (räuspert sich leicht nervös): Äh... ich finde, einmal reicht erst mal oder?

Süß! Er denkt, er wäre jetzt in der Pflicht. Hihi! Wieso haben wir eigentlich noch nicht viel eher darüber geredet?

Gretchen (grinst über das ganze Gesicht): Ich will dich ja auch nicht überfordern.
Marc (merkt, dass sie ihn auf den Arm zu nehmen versucht, u. wehrt sich dagegen): Hey du Frechdachs! Bevor hier richtig äh... gedingsbumst wird, muss ich dir wohl erst einmal ordentlich den Hintern versohlen.
Gretchen (lacht): Ich glaube, das steht in keinem Zeremoniell.
Marc (trotzig): In meinem aber schon!
Gretchen (stupst ihn mit der Schulter an): Spinner!
Marc (wesentlich ruhiger als zuvor): Es war trotzdem schön, auch wenn es nicht... du weißt schon.
Gretchen (schaut aufgewühlt in Marcs Augen hin und her u. ist überrascht über seine Ehrlichkeit): Ja, das war es.


http://www.youtube.com/watch?v=bBP0ecrvlW4


Ich hab ihr in die Augen geschaut und wusste auf einmal genau, das ist es. Ich musste einfach „ja“ sagen. So irritierend der Moment auch war. Keine Ahnung, das flutschte einfach raus, noch bevor ich überhaupt irgendetwas denken oder weglaufen konnte. Verrückt! Ich glaube, das war das Spontanste, was ich je getan habe. Und so schlimm, wie alle sagen, war es gar nicht. Ein Pikser mit der Impfnadel ist wesentlich schlimmer. Also falls wir mal..., dann... Äh... Hallo? Was denkst du da eigentlich, Meier? Hier sind definitiv zu viele rosarote Stoffe in der Luft!

Ich gebe zu, der Traum vorher war schön. Genau so stelle ich es mir vor, falls wir mal ich meine so richtig heiraten sollten. Aber dann Marcs Blick, als es plötzlich wie aus heiterem Himmel doch ernst wurde. Wie hätte ich da nicht „ja“ sagen können? Der Moment war perfekt. Unperfekt perfekt! Wie er dann meine Hand genommen hat, so selbstsicher und entschlossen, und wir lachend an diesem ulkigen Paar vorbei aus dem Zimmer gerannt sind, wie... wie Kinder in einem kitschigen Film, die irgendetwas angestellt haben, wobei das bei uns überhaupt nicht kitschig war, das war... magisch. Das war die schönste Fast-Hochzeit, die ich je hatte. Und ich hatte ja auch erst zwei, äh... zwei einviertel. Gott, das ist so verwirrend. Ist das wirklich passiert? Oder war das mal wieder einer meiner verrückten Träume?

Und während sie sich das fragten, spürten die beiden wieder diese einzigartige Magie, die sie vor knapp anderthalb Stunden einfach so zum „Jawort“ gelenkt hatte, das keiner von beiden in keinerlei Weise bereute. Sie konnten nichts mehr sagen. Sie fühlten nur noch. Mit ihren verliebten Blicken und mit ihren im Gleichklang schlagenden Herzen. Wange an Wange standen sie einfach nur da und fühlten den Moment, riefen sich jede Sekunde in Erinnerung und waren einfach nur glücklich. Erst ein verdächtiges Geräusch, das von Gretchens Körpermitte ausging, holte sie aus ihrer Traumwelt in die Realität zurück. Marc öffnete seine Augen und schmunzelte über den verdächtigen Rotschimmer, der sich auf Gretchens Wangen geschlichen hatte. Er gab seinem hungrigen Haasen einen kleinen Kuss auf den Mund und nahm schließlich ihre Hand und zog sie einfach mit sich...

Marc: Na komm! Ich kann doch als dein offizieller Versorger und Ernährer nicht verantworten, dass du hier auf deiner eigenen Party hungrig aus den Latschen kippst. Ich will schließlich später noch mal mein Anrecht auf eine Dings- ähm...du weißt schon... -nacht, ob legal oder illegal, einfordern. Da brauche ich dich bei vollen Kräften.
Gretchen: Du Spinner!

Gretchen schüttelte lachend den Kopf, als Marc sich bei ihr einhakte und sie direkt zum Buffet in der Küche führte, um dort ihren Teller fürsorglich mit allem, was ihr Herz begehrte, zu füllen. Dabei begehrte ihr Herz doch gar nichts mehr. Sie hatte doch schon alles, was sie sich wünschte an ihrer Seite. Ihren „Mann“. Marc Meier.

Lorelei Offline

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11.07.2012 16:53
#1305 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Juhu! Ich bin wieder daaaaahaaaa! Die Schreibfabrik ist wieder ein bisschen in Gang gekommen (dank eurer motivierenden Kommis und GBs natürlich ). Viel Spaß mit der Fortsetzung und ganz liebe Grüße. Euer Schneckchen Schnecke



Das glückliche Pärchen Meier-Haase setzte sich nun auf Anregung von Gretchen und nach einem entmutigenden Augenrollen von Marc mit ihren beiden reichlich gefüllten Tellern zum ebenso glücklich strahlenden Pärchen Vögler-Gummersbach in die Couchecke in die Mitte des Wohnzimmers und schnabulierte dort, sich gegenseitig immer wieder neckisch fütternd und kichernd, ihr verspätetes Abendbrot bei einem doch recht heiteren Gespräch mit dem echten Brautpaar, das ihnen, nachdem es sich noch einmal in aller Ausführlichkeit für die tolle Überraschungsparty bedankt hatte, anschaulich von ihrer ganz intimen Trauungszeremonie erzählte, von dem rheinländischen Standesbeamten mit dem lustigen Schnauzbart, selbst ein großer Karnevals- und Star-Trek-Fan, der sie zum großen Vergnügen von Mr. Günni Spock Gummersbach sogar teilweise auf Vulkanisch getraut hatte, und von ihrer anschließenden kleinen Feier zu zweit in einem gemütlichen Lesecafé in Charlottenburg bei Kaffee und Kuchen und unter dem romantischen Eindruck von „Dr. Rogelt“, Bd. 13, „Eine geheime Hochzeit im mondschleierndem Licht der düsteren Nacht“, Sabines Lieblingsband aus der Rogelt-Reihe, aus dem der glückliche Neugatte Günni seiner entzückenden Braut stundenlang ihre Lieblingspassagen vorgelesen hatte, was der Sohn der Autorin dieses doch recht zweifelhaften Schundromans, der es sogar auf Platz sechs der Weltbild-Bestsellerliste 1997 geschafft hatte, im Gegensatz zu deren Schwiegertochter in spe lieber unkommentiert ließ. Stattdessen klaute er lieber seinem süßen Haasenzahn, das mit glänzenden Augen den beiden Verliebten gerührt zuhörte, das letzte Mettbrötchen samt Gürkchen vom Teller, bevor ihm noch von der ewigen Schwärmerei des wohl größten Fans von Elke ‚Ich liebe nur mich selbst und sonst gar nichts’ Fisher gänzlich der Appetit vergangen wäre.

Nach und nach gesellten sich auch Kate, Azadeh, Kristin und Chantal und einige neugierige Schwestern zu den vieren auf der gemütlichen Couchlandschaft und erlösten den sichtlich genervten Oberarzt von den hanebüchenen Spekulationen, die die allseits beliebte Spürnase Vögler, auch besser bekannt unter ihrem IM-Namen Sabsi, in den letzten Minuten ausgerechnet über seine verschollene Erzeugerin ins Rollen gebracht hatte, die sich wie so viele andere Fans der Starautorin auch Sorgen wegen des Verbleibs ihres großen Idols machte, weil man in letzter Zeit so gar keine Neuigkeiten von ihr gehört hatte und der Termin der Veröffentlichung ihres neusten Romans, dem fünfundfünfzigsten wohlgemerkt, der mit einem rauschenden Fan-Fest gefeiert werden sollte, ohne Angabe von Gründen auf unbestimmte Zeit verschoben worden war. Die Gerüchte kochten heiß, seitdem die beliebte Schriftstellerin wie vom Erdboden verschluckt zu sein schien. Denn obwohl Elke Fisher für die „Goldene Henne“ im Bereich „Fiktionale Literatur“ nominiert gewesen war und den Publikumspreis der großen deutschen Zeitung mit den vier Buchstaben tatsächlich auch gewonnen hatte, war sie auf der Gala am letzten Sonntag im Berliner Friedrichstadtpalast zum Leidwesen der Fans nicht erschienen.

Sabine und ihre Freundinnen hatten stundenlang vergeblich im Schneesturm am Roten Teppich gestanden, während die anderen Promijägerinnen um sie herum einem jungen gutaussehenden aufstrebenden Schauspieltalent zugejubelt hatten, das letztes Jahr zwei deutsche Filmpreise für sein Erstlingswerk als Drehbuchautor abgeräumt hatte und der hier als Laudator für den Bereich „Erfolgreichste TV-Serie des Jahres“ geladen war und mit einem verschmitzen Lächeln auf den Lippen sämtliche Autogramm- und Fotowünsche seiner halb erfrorenen, aber für ihn glühenden Fans erfüllt hatte. Die aufgeregte Krankenschwester war so enttäuscht gewesen wegen des Fernbleibens ihres großen Idols, dass ihr nicht einmal die frappierende Ähnlichkeit des attraktiven Mimen mit ihrem Lieblingsoberarzt aufgefallen war. Alle Anfragen an den Verlag der Autorin, die Sabine in den letzten beiden Wochen trotz Hochzeitsstress verschickt hatte, waren unbegründet abgeschmettert oder gar nicht erst beantwortet worden. Ebenso wie vorsichtige beiläufige Erkundigungen während einer OP ihres grummeligen Chefs und Sohns der erfolgreichen Schriftstellerin. Und die Villa Fisher im Grünewald schien völlig verlassen zu sein. Bis auf einen nächtlichen Polizeieinsatz vor ein paar Tagen, von dem ihr die redselige Nachbarin erzählt hatte, bei der sie immer gerne einen Kaffee trank, wenn es sie mal wieder zu ihrem Idol gezogen hatte, wusste niemand etwas von der Erfolgsautorin. Die passionierte Vorsitzende des Berliner „Elkiiii“-Fanclubs war mittlerweile mit ihrem Latein völlig am Ende.

Anfangs hatte man noch vermutet, dass Elke Fisher einfach nur ihre zweiten Flitterwochen verlängert hätte, um ihre neu zurückgewonnene Liebe so wie Dr. Rogelt und sein Monique nach deren Happy End ganz romantisch in vollen Zügen zu genießen - durch Schwester Sabine war man nämlich bestens über den aktuellen Beziehungsstatus der Starautorin informiert und der spektakuläre Heiratsantrag von Prof. Dr. Dr. Meier auf einem Kreuzfahrtschiff um die Weihnachtszeit herum war schließlich lange genug Gesprächsthema Nummer eins in den deutschen Fisher-Foren gewesen -, aber da Sabine wusste, dass Elkes Mann, der charmante Chirurg und Vater ihres verehrten Oberarztes, seit geraumer Zeit wieder allein in Berlin weilte und Dr. Meier gar nicht gut auf seine Mutter zu sprechen war, hatte man diese Theorie schnell gegen eine neue ersetzt. Erst hieß es noch, sie würde eine Schönheitsfarm besuchen, wie es die Mittfünfzigerin laut „Gala“ und „Bunte“ gerne regelmäßig zu tun gepflegte, weil eine von Sabines Fanclubkolleginnen sie im Winterurlaub in der Nähe eines dieser kostspieligen Etablissements in der Schweiz gesehen zu haben glaubte. Dann hielt sich eine Zeit lang das Gerücht, dass Elke Fisher mit Filmfirmen in Frankreich verhandeln würde, um Dr. Rogelt endlich auf die große europäische Leinwand zu bringen. Sogar über eine Entführung durch Außerirdische wurde im Internet schon heftig spekuliert. Darüber musste selbst Schwester Sabine kurz schmunzeln. Aber dennoch blieb bei ihr ein seltsames Gefühl zurück, dass sie einfach nicht einordnen konnte. Ihre Karten versprachen nichts Gutes. Und die Horoskope von Frau Fisher, die die Krankenschwester tagtäglich genau studierte und darüber ein Online-Tagebuch führte, wiesen in letzter Zeit unheilvolle Tendenzen auf, was ihr merklich auf den Magen schlug, so dass sie schon seit Tagen kein Essen bei sich behalten konnte und besonders unruhig schlief. Auch ein erneuter Blick in die mystische Glaskugel von Azadeh Kaan bestätigte diesen vagen Verdacht. Irgendetwas stimmte nicht in ihrer heilen Welt. Und so machte sich Sabine auch weiterhin schreckliche Sorgen um Frau Fisher. Nur ihr geliebter Günni und seine ganze liebevolle fürsorgliche Art und ihre bevorstehende kirchliche Trauung konnte sie etwas davon ablenken.

Und je länger sie den Ausführungen von Schwester Sabine zuhörte, war auch Gretchen Haase immer nachdenklicher geworden, da sie eigentlich von Anfang an ein ungutes Gefühl wegen ihrer Schwiegermutter in spe hatte, die sich nach ihrem seltsamen Verschwinden einfach nicht bei ihrer Familie meldete oder sich nicht melden wollte. Oder gar konnte? Was wäre, wenn ihr etwas zugestoßen wäre? Olivier hegte ebenfalls diesen Verdacht, seitdem er immer wieder von seltsamen Träumen heimgesucht wurde, über die er in aller Heimlichkeit, um seinen Sohn nicht zu beunruhigen oder aufzustacheln, nur mit seiner Schwiegertochter in spe gesprochen hatte. Dass sie sich nach wunderbaren zweiten Flitterwochen in Frankreich so abrupt von ihrem geliebten Mann getrennt hatte und ihren Sohn so links liegen ließ, passte einfach nicht in das heile Bild der beunruhigten Assistenzärztin. Elke schien doch glücklich gewesen zu sein mit ihrer neu zurückgewonnenen Familie. Dieses Glück, das sie schon einmal eigenmächtig verspielt hatte und dies bitter bereut hatte, warf man doch nicht einfach mir nichts dir nichts weg, selbst falls es einem mal einen Moment lang zu viel sein sollte. Ihr Schritt hatte so entschlossen, so endgültig geklungen. Gretchen hatte einfach das Gefühl, dass da noch mehr dahinter stecken müsste, was Marc natürlich überhaupt nicht hören wollte. Aber sie hielt sich zurück. Wegen ihm. Auch jetzt bei Sabines scharfsinnigen Ermittlungen. Gretchen wollte die schöne Stimmung mit Marc im Moment einfach nicht zerstören. Außerdem war da noch eine andere Sache, die die nachdenkliche Trauzeugin bedrückte. Sie hatte nämlich etwas ganz Besonderes für Sabines Hochzeit bei Elke in Auftrag gegeben, von dem nicht einmal Marc etwas wusste, weil er dies vermutlich nicht verstanden hätte. Aber das war ja jetzt, wo kein Kontakt mit Marcs Mutter möglich war, wohl endgültig hinfällig geworden, was Gretchen einfach nur traurig und enttäuscht machte. Sabine hätte sich bestimmt riesig über dieses ganz besondere Geschenk gefreut.

Während Gretchen geknickt zu ihrer guten Freundin schaute, die sich wirklich aufrichtig über ihre Alternativhochzeitsüberraschung gefreut hatte, die sie auf die Schnelle und mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Freunde und Kollegen auf die Beine gestellt hatte, gähnte der Sohn der sehnsüchtig vermissten Schriftstellerin nur einmal gelangweilt auf. Marc Meier konnte nichts dagegen tun. Er war des Themas einfach leid, weil es ihn wütend machte und wütend wollte er nicht sein, weil mit Gretchen gerade alles so schön und leicht war. Jedes Mal verzog sich schon allein bei der Nennung von Elkes Namens krampfhaft sein Magen und er verspürte den inneren Drang, unbedingt nach seinem Vater schauen zu wollen, der immer noch unter der Trennung von seiner Frau litt, sie einfach nicht fassen konnte und nicht wahrhaben wollte. Aber da im Erdgeschoss in seiner alten Wohnung, die Olivier Meier nun auch offiziell übernommen hatte, um nicht alleine in der großen leeren Familienvilla leben zu müssen, in der ihn alles an seine geliebte Ehefrau und die Mutter seines Sohnes erinnern würde, die Gefahr groß war, auf ‚Mary Poppins’ Haase und ihren Kompagnon zu treffen, die seinen Vater gerade heimsuchten, zog Marc lieber weiterhin das kleinere Übel vor. Aber da ahnte der verlassene Sohn auch noch nicht, dass er gleich als Versuchskaninchen missbraucht werden sollte.

Lorelei Offline

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14.07.2012 11:25
#1306 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo zusammen! Hach ja, das wüsstet ihr wohl zu gerne, was gerade mit Dr. Meier veranstaltet wird? Aber wie ihr mich kennt, kläre ich das heute natürlich noch nicht auf. Heute kommen nämlich erst einmal die Bidis auf ihre Kosten. Viel Spaß und schönes Wochenende. Eure Lorelei



http://www.youtube.com/watch?v=vFD2gu007dc


In der Zwischenzeit hatten auch Dr. Kaan und Schwester Gabi küssenderweise ihre Position gewechselt und hatten sich, ohne auch nur einmal von den verführerischen Lippen des anderen abzulassen, auf der gemütlichen Couch in der Diele unter der Treppe niedergelassen, wo sie vor den neugierigen Blicken der kichernden Schwesternschaft gefeit waren, die mit einem Anflug von Neid das ausufernde Treiben der beiden Verliebten beobachtet und unter sich eifrig kommentiert hatten, die sich doch nur anständig hatten begrüßen wollen, was dann doch mit anhaltender Dauer des innigen Kusses etwas ausschweifend geworden war. Die brodelnden Gefühle waren einfach mit den beiden durchgegangen, aber wer sollte es ihnen auch verübeln, schließlich hatten sie sich jetzt eine ganze Weile nicht mehr gehabt. Doch irgendwann war auch bei den Weltmeistern im Dauerknutschen der Sauerstoff knapp geworden, so dass auch sie erst einmal ihr vergnügliches Tun für einen Moment unterbrechen mussten, um durchzuschnaufen und die Lungen wieder aufzufüllen. Mit erhitzten Gesichtern und einem verliebten Lächeln auf den Lippen schauten sie sich an, während sie auf dem kleinen sandfarbenen Sofa immer näher zusammenrückten.

Mehdi (atemlos verliebt): Wow! Das... Puh! Ich... gebe zu, ich habe mittlerweile so weiche Knie bekommen, ich hätte nicht mehr länger an der Tür stehen bleiben können. Ich hoffe, du bist mir nicht böse, wenn wir das mit dem versprochenen Tanzen heute Abend noch etwas hinauszögern? Ist doch gerade schön gemütlich hier in der Ecke, findest du nicht?
Gabi (krabbelt schmunzelnd noch näher an ihren erschöpften Schatz heran, schmiegt sich katzengleich an seine Seite u. schlingt ihre Arme schlangenhaft um seinen Hals): Mein armer, armer, armer Schatz, hab ich dich so geschafft? Ich wusste gar nicht, dass du schon so gebrechlich bist, dass du dich setzen musst wie ein alter Mann.
Mehdi (stupst dem Frechdachs an die Nase und dann schlängeln sich seine Hände flink um ihre Taille u. ziehen sie zu sich): Hey! Nicht frech werden, Fräulein Kragenow. Du sprichst hier mit einer Autoritätsperson. Nicht vergessen!
Gabi (zieht gespielt skeptisch eine Augenbraue nach oben): Welche Autorität? Die hast du doch nicht mal in der Klinik. Die Schwestern tanzen dir doch auf der Nase herum.
Mehdi (gespielt beleidigt): Boah! Na warte!

Der in seiner Ehre angekratzte Oberarzt wollte die vorlaute Schwester gerade für diese unverschämte Frechheit durchkitzeln, da hatte sie aber bereits ihre süßen sinnlichen Lippen wieder auf die seinen gelegt und hatte ihm einen äußerst heißen Kuss geraubt. Sofort war Schluss mit den verspielten Zappeleien und Albernheiten der beiden. Mehdi stieg sofort darauf ein und zog Gabi noch fester in seine Arme. Schnell war die Welt um sie herum wieder vollends vergessen. Sie bemerkten nicht einmal Dr. Fuchs und Oberschwester Stefanie, die sich gerade mit einem Teller voller Leckereien vom Buffet wieder in ihr geheimes Refugium zurückziehen wollten, aber beim Anblick des der Länge nach auf dem Kanapee liegenden Dauerknutschpaares schnell wieder augenrollend von dannen zogen und mit dem Esstisch vorlieb nahmen, an den sie sich nun setzten. Gabi und Mehdi hielten sich liebevoll im Arm, küssten und streichelten sich immer wieder sanft und sahen sich anschließend einfach nur an, während sie sich wieder etwas aufrichteten und die Geräuschkulisse um sie herum langsam wieder wahrnahmen, wenn auch nur gedämpft. Pures Glück strahlte ihnen beiden aus treuen kastanienbraunen und dunkelgrünen leicht schimmernden Augen entgegen.

Mehdi (verliebt): Was passiert hier gerade?
Gabi (von ihren Emotionen völlig überrollt): Ich... weiß es nicht.
Mehdi (streichelt ihr verträumt eine Strähne aus dem Gesicht, die sich nach den wilden Knutscheien der letzten Minuten aus ihrem Pferdeschwanz gelöst hat, u. hält seine warme Hand anschließend an ihrer leicht geröteten Wange): Es ist schön. Ich kann es nicht anders beschreiben. Es ist einfach schön. Das klingt jetzt vielleicht ziemlich pathetisch und furchtbar kitschig, aber ich glaube, ich verlieb mich gerade noch ein Stückchen mehr in dich.

Gabi, die der Länge nach mit ihrem weiten knallgelben Wallerock auf dem Zweisitzersofa lag und ihren Kopf auf Mehdis Schoss gebettet hatte und nun verliebt zu ihm hoch sah, lächelte sanft und nickte leicht mit dem Kopf. Beseelt von dem Glücksgefühl, das sie gerade wieder in großen Wellen erfasste, beugte sie sich wieder zu ihrem Freund hoch, um ihn erneut liebevoll zu küssen, um ihm zu zeigen, dass sie genauso empfand. Ihr Herz pochte wild in ihrer Brust, während sie sich langsam immer weiter aufrichtete, ihre Hand in Mehdis Nacken legte und ihn sanft kraulte. Sie war durcheinander. Doch eine Sache war der verliebten Krankenschwester ganz klar. Nachdem sie den zärtlichen Kuss wieder gelöst hatte, sah sie Mehdi tief in die Augen und sagte ihm, was sie bewegte. Ganz leise. Es war nur gehaucht. Aber tief ehrlich. Und es kam aus reinem Herzen, das in diesem Moment nur für ihn schlug, aber auch für das kleine unsichtbare Wesen, das vielleicht schon in ihrem Bauch schlummerte und wohl das schönste Zeichen ihrer stetig steigenden Liebe sein würde.

Gabi: Ich liebe dich! Ich meine, so richtig.

Mehdi lächelte. Selig. Beglückt. Er hatte mit so einem überraschenden Liebesgeständnis von ihr gar nicht gerechnet und war tief bewegt. Gabi war heute so anders. So emotional, offen und verletzlich. Aber er liebte diese gefühlvolle Seite von ihr sehr, die sie meist für sich behielt, aber die gerade heute ganz besonders intensiv hervortrat. Liebevoll legte er ihre Hand in seine und sah sie an. Verliebt. Glücklich wie schon lange nicht mehr. Er verlor sich regelrecht in ihren schimmernden Augen, die aufgewühlt hin und her huschten und in denen etwas zu lesen stand, was für ihn noch immer unsichtbar war. Aber dass da etwas war, etwas Besonderes, das spürte er schon. Und es ließ sein Herz unaufhörlich höher schlagen. Er wusste einfach, dass es aufrichtig gemeint war und dass sie alles gemeinsam schaffen würden.

Mehdi: Ich weiß. Und ich dich doch auch. Es ist schon verrückt, wie sich das alles entwickelt hat.
So schnell. So aufregend. So intensiv. Ich weiß einfach, dass es für immer ist. Sie ist es! Schon verrückt, wenn man bedenkt, wie lange wir uns schon kennen und zusammengearbeitet haben, ohne dass wir gemerkt haben, was da in uns schlummert.
Gabi (aufgewühlt): Verrückt ist gar kein Ausdruck, Mehdi.
Und wenn ich es ihm doch sage? Er wird es verstehen. Wer, wenn nicht er? Bisher ist es nur ein vager Verdacht. Aber ich wünsche mir so sehr, dass es wahr ist. Das ist doch das eigentlich Verrückte.
Mehdi (lächelnd umspielt er ihre Hand): Und wenn ich gewusst hätte, was das alles bei dir auslösen kann, dann hätte ich wohl schon eher mal für länger wegfahren sollen.
Gabi (kuschelt sich eng an ihn, vergräbt ihren Kopf an seiner Schulter u. schließt die Augen, während sie leise vor sich hin nuschelt): Nein! Nicht weg!

Kann man sich zu jemandem so sehr hingezogen fühlen, dass man immer, jede einzelne Sekunde, bei ihm sein will? Das ist alles so intensiv mit ihm. So... ich weiß nicht. Ich kenn das gar nicht. Auch nicht von mir. Und wenn dann noch ein Baby wäre, das wäre... Das ist wohl dann das ganz, ganz große Glück, von dem man immer liest, an das man aber niemals selbst geglaubt hätte. Ich lieb ihn so sehr. Das ist so verrückt. Verrückt und schön. Ich hab so Schiss, dass das irgendwann aufhört. Ich will nicht, dass es aufhört. Niemals.

Mehdi (genießt ihre Zuneigungsbekundungen sehr, auch wenn es ihn schon sehr wundert, wie anlehnungsbedürftig seine Freundin gerade heute ist): Natürlich nicht! Das war ja auch nur als Scherz gemeint. Weißt du was, das nächste Mal fahren wir einfach zusammen irgendwohin, hmm?
Gabi (fühlt sich sichtlich wohl in seinen Armen u. seufzt leise vor sich hin, während sich ihre Hand direkt über sein Herz legt u. sanft darüber streicht): Das klingt verführerisch.
Ja, das hört sich schon verführerisch an. Nur wir beide. Allein in der Natur. Vielleicht ein plätscherndes Meer. Oder ein See? Der See! Ja, das ist es!
Mehdi (ein Plan reift in seinem Kopf heran u. nimmt immer mehr Formen an; er blickt aufgeregt zu seiner verträumten Freundin herab): Hey! Was hältst du davon? Wir nehmen uns in den Sommerferien eine Woche frei, oder auch zwei, je nachdem was in der Klinik los ist, und fahren einfach weg? Irgendwohin. Nur wir beide.
Gabi (etwas irritiert von seinen Spontanplänen schaut sie auf): Und Lilly?
Mehdi (lächelt, weil sie seine Tochter mit einbeziehen will): Ich weiß, das ist zwar noch eine Weile hin. Aber meine Eltern wollen unbedingt mit ihr wieder auf den Bauernhof fahren. Lilly liebt doch Pferde so sehr. Der Papa ist dann meist völlig abgeschrieben. Sie hat dann Augen für nichts anderes mehr. Da wären wir doch auch nur im Weg. Es sei denn, du willst unbedingt auch mit auf den Reiterhof? Hmm... eine Nacht im Heu hört sich auch sehr, sehr aufregend an. ... (tippt mit seinen Fingerkuppen zärtlich ihren Arm entlang, ohne Gabi dabei aus den Augen zu lassen, die kurz auflacht) ... Wir können also auch alle zusammen fahren oder etwas später nachfahren? Ich bin zwar der mieseste Reiter, den die Welt je gesehen hat, und mit meiner Mutter zu verreisen, ist anstrengender als eine Zwanzig-Stunden-Geburt ohne Pda, aber für dich würde ich alle Schmerzen der Welt auf mich nehmen. Ich richte mich da ganz nach dir.

Gabi (richtet sich auf u. sieht ihn liebevoll an): Alleine wäre mir lieber, ehrlich gesagt.
Mehdi (nickt verständnisvoll, während er ihr zärtlich über die Wange streicht): Das dachte ich mir. Also nehmen wir uns einfach ein paar Tage family-frei, hmm? Das hab ich dir ja vorhin schon versprochen.
Gabi (versucht sich zu erklären u. verhaspelt sich dabei nur noch mehr, weil sie einfach nur alles richtig machen will): Aber nicht dass du jetzt denkst, ich würde deine Tochter abschieben wollen. Das will ich nicht. Ich verbringe gerne Zeit mit ihr. Mit euch beiden. Von mir aus auch mit deinen Eltern. Und wenn du mit willst, das wäre kein Problem für mich.
Mehdi (legt seine Hand beruhigend an ihre Wange): Ach Schatz, mach dir doch bitte nicht so viele Gedanken, ja! Das ist völlig ok für mich. Ich glaube einfach, nach allem, was war, könnten wir auch mal ein bisschen mehr Zweisamkeit gebrauchen. Ein paar Tage nur für uns. Weg von allem. Ich könnte Marcs Golfkumpel Philipp fragen. Er betreut da so eine neue Feriensiedlung direkt am See. Die Häuser stehen ganz abgeschieden mitten in der Natur. Für das Musterhaus könnten wir sicherlich den Schlüssel haben. Er hat es sogar angeboten bei der letzten Skatrunde. Marc hat mich da nur mal wieder überboten. Das Haus steht, bis auf ein paar Besichtungen im Jahr, leer. Auch im Sommer. Also ich könnte Philipp sofort anrufen?
Gabi (verträumt schmiegt sie sich an ihn): Das stelle ich mir richtig schön vor.
Mehdi: Es ist schön da. Und mit dir an meiner Seite fühle ich mich überall wohl.

Gabi (sieht verliebt zu ihm hoch): Weißt du, mit dir ist das alles so anders. So leicht. Ich weiß auch nicht. Keiner muss sich für den anderen verbiegen.
Mehdi: Das verlang ich doch gar nicht. Das weißt du. Ich will einfach nur bei dir sein. Am liebsten jede Sekunde des Tages.
Gabi (lächelt): Mit mir wollte noch nie ein Mann verreisen. Und wenn, dann höchstens zum Saufen auf den Ballermann.
Mehdi (verzieht die Mundwinkel): Danach steht mir nun nicht so der Sinn.
Gabi: Ich weiß. Und genau deswegen liebe ich dich auch so.
Mehdi (verspielt): Nur deswegen?
Gabi (verdreht die Augen): Ach Mehdi, du weißt, wie ich das meine.
Mehdi (zieht sie lächelnd noch fester in seine Arme): Dann machen wir das so. Abgemacht?
Gabi (erwidert sein ansteckendes Lächeln): Liebend gern.
Mehdi: Und jetzt? Soll ich uns was zu essen holen? Oder wollen wir ein Glas Wein trinken? Wir können auch zu den anderen rübergehen?
Gabi (schüttelt den Kopf): Können wir nicht einfach noch ein bisschen hier sitzen bleiben?

Mehdi lächelte zustimmend. Und so saßen sie da. Gabi hatte ihren Kopf wieder auf seinem Schoss gebettet. Sie zog nur ihre Beine etwas an, weil das kleine Sofa dann doch etwas zu kurz war, um sich der Länge nach hinzulegen. Hinter ihnen auf der dunklen Kommode beobachtete Goldfisch Paul Anka das glückliche Paar, das sich immer wieder verliebte Blicke zuwarf und sich kleine Küsschen auf den Mund, die Nasenspitze, die Wange oder die Stirn gab. Verträumt kraulte Mehdi ihr durch die Haare, während Gabi in seinen Augen zu lesen begann. Ihre Gedanken tanzten noch immer hin und her, hoch und runter, kreuz und quer in ihrem Kopf. Sie merkte gar nicht, wie sie sich dabei immer wieder über ihren flachen Bauch streichelte, bis sie es dann doch irgendwann registrierte und abrupt hoch schreckte. Sie setzte sich gerade neben ihren Freund, der ihr Verhalten irritiert verfolgt hatte und sie nun dementsprechend fragend anschaute. Gabis Wangen waren leicht gerötet und ihr wurde zunehmend wärmer, als sie langsam stockend zu sprechen begann. Wie konnten sie denn ihren gemeinsamen Liebesurlaub planen, wenn sie im Sommer wahrscheinlich eine riesige Murmel vor sich her schieben und ganz und gar nicht mehr strandtauglich sein würde? Sie konnte nicht mehr länger warten. Sie waren sich im Moment so nah. Mehdi würde Verständnis haben. Er würde es verstehen. Sie wusste einfach, dass er immer zu ihr stehen würde, egal was passierte.

Gabi: Das... kommt jetzt vielleicht... überraschend, aber... ich... muss dir etwas sagen.

Lorelei Offline

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16.07.2012 16:49
#1307 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo zusammen! Dann wollen wir mal ans Eingemachte gehen. Vielleicht wird eins der vielen Geheimnisse endlich aufgedeckt? Oder wird ein neues geschürt? Lest selbst! Mein Dank und meine Grüße gehen heute insbesondere auch mal wieder an alle stillen Leser hier im Forum. Eure Lorelei



Schwester Gabi hatte es kaum ausgesprochen und rang noch nach den richtigen Worten, die wild in ihrem Kopf herumtanzten und zu leicht verständlichen Sätzen zusammengesetzt werden mussten, was sich aufgrund der Komplexität der eventuellen Tatsachen und deren Folgen als äußerst schwierig erwies, als sie und Mehdi, der seine sichtlich nervöse Liebste gespannt mit einem ermutigenden Lächeln anschaute, plötzlich von unerwarteter Seite unterbrochen wurden. Von der letzten Person, die gerade Gabi Kragenow bei so einem bedeutsamen Geständnis, das ihres und Mehdis Leben völlig auf den Kopf stellen würde, bei sich haben wollte. Denn die Erinnerungen an eine ganz ähnliche Situation waren noch frisch. Der Schmerz und die Erniedrigung ebenso, auch wenn sich die Ausgangssituation mittlerweile um hundertachtzig Grad gewandelt hatte. Diesmal gab es Hoffnung. Denn jetzt hatte sie jemand an ihrer Seite, der sie niemals verletzten oder zu irgendetwas drängen würde, das sie nicht wollte, und der sie wirklich bedingungslos liebte mit all den kleinen und großen Fehlern und der heiklen Vergangenheit, die sie mit eben jeder Person teilte, die ausgerechnet Mehdis bester Freund war und eine Vorliebe für besonders schlechtes Timing hatte.

Dr. Marc Meier war nämlich wie aus dem Nichts vor den beiden aufgetaucht, hatte einmal kurz die Mundwinkel verzogen und die Augen verdreht, als er die beiden so eng umschlungen und turtelnd beieinander sah, und hatte sich dann dreisterweise, ohne zu fragen, mit seinem knackigen Allerwertesten genau zwischen die beiden Turteltauben aufs schmale Sofa gedrängelt, so dass beide fast auf ihrer jeweiligen Seite vom Polster geschupst worden wären. Das überraschte Paar hatte gar nicht so schnell kucken können, da hatte sich der breit grinsende und selbstzufriedene Oberarzt und offensichtliche Anstandswauwau schon dazwischen gesetzt und hatte Mehdi lockerflockig auf den rechten Schenkel geklopft, während Gabi auf der anderen Seite die Worte, die ihr so wichtig waren, förmlich im Hals stecken blieben. Die anfängliche Aufregung hatte sich mit einem Schlag gelegt und war Enttäuschung gewichen. Sie tauschte hinter Marcs Rücken mit Mehdi irritierte Blicke aus, der auch nur unwissend mit den Schultern zucken konnte und sich dann fragend an seinen unsensiblen Kumpel wandte, der gerade mehr als nur störte, warum auch immer er gerade jetzt seine Nähe gesucht hatte, was er eigentlich immer vermied, wenn seine Freundin bei ihm war.

Mehdi: Äh... Marc? Können wir irgendetwas für dich tun?
Marc (mit leicht hysterischer Panik in seinen dunkelgrün schimmernden Augen, als er einen kurzen vorsichtigen Blick ins Wohnzimmer riskiert, aus dem er soeben geradezu geflüchtet ist): Ja, die durchgeknallten Hühner da drüben verscheuchen. Du hast doch gesagt, du hättest die im Griff? Also mach was! Schick sie auf die Stange, was weiß ich.
Mehdi (sieht irritiert zu den kichernden Mädels im Wohnzimmer, die auch gerade geschlossen zu der Nische unter der Treppe blicken u. ihm zuwinken): Was?
Marc (lehnt sich schwerfällig zurück, wobei er sich auf dem Sofa ganz besonders breit macht, streckt die Beine aus u. fährt sich anschließend erschöpft mit der rechten Hand durchs Gesicht): Alter, eh, die Weiber haben doch den Schuss nicht gehört.

Gabi (sichtlich verstört, nicht nur wegen Marcs plötzlichem Auftauchen, sondern v.a. auch wegen des Ungesagtem, was ihr so sehr auf dem Herzen liegt, das es immer noch wie wild gegen ihren Brustkorb hämmert): Hä? Was soll das, Marc? Siehst du nicht, dass wir... dass wir gerade...
Ach Mann, er hat alles kaputt gemacht! Blöder Arsch!
Marc (hat seine meckernde Ex-Verlobte erst jetzt wirklich registriert, mustert sie kurz argwöhnisch von der Seite u. sieht dann abwechselnd zwischen Gabi u. Mehdi hin und her): Oh! Gar nicht gesehen. Äh... Stör ich?
Meier!? Manchmal könnte ich ihm... echt... den Hals umdrehen.
Mehdi (tauscht mit Gabi vielsagende Blicke aus, bemerkt ihren flehenden Gesichtsausdruck u. blickt dann Marc belehrend an): Also ehrlich gesagt...
Marc (fällt Mehdi gleich ins Wort, ohne ihm wirklich zugehört zu haben, u. klagt seinem Kumpel sein Leid): Wusste ich’s doch! Also, sag mal, wie hast du das eigentlich all die Jahre mit deiner Cousine ausgehalten? Ich weiß ja, dass du manchmal echt schräg drauf sein kannst, der Rest deiner Sippe sowieso, aber sie... sie... Eh, du hättest mich wenigstens vorwarnen können. Ein toller Freund bist du!
Mehdi (versteht nun gar nichts mehr u. kuckt dementsprechend dämlich aus der Wäsche): Bitte? Was redest du denn da?

Gabi (merkt, dass sie überflüssig geworden ist u. steht auf, um sich vorerst zu verdrücken, um sich neu zu sammeln): Äh... ich glaube, ich lass euch mal lieber alleine. Das wird mir jetzt echt zu blöd hier.
Mehdi (erhebt sich höflich von seinem Platz, während Marc sich jetzt erst so richtig auf der Couch breit macht, u. will sie aufhalten): Du musst nicht... Ich... Er ist...
Gabi (deutet augenrollend auf Marc u. wedelt kurz mit ihrer Hand vor ihrem Gesicht herum, was Mehdi zum Lachen bringt u. ihn dazu animiert, seine Freundin noch einmal zu sich zu ziehen, um sie herzhaft zu küssen): Er ist eben Marc! Egal, ich... wollte eh erst mal für kleine Mädchen gehen. Und Sabine hab ich auch noch nicht gratuliert. Und Hunger hab ich auch.
Marc (verdreht die Augen, als sich das Paar schon wieder innig vor seinen Augen küsst): Boah! Könnt ihr das mal lassen. Jetzt bin ich mal dran!

Mehdi (löst schmunzelnd den zarten Kuss mit seiner ebenso schmunzelnden Freundin u. reagiert sarkastisch auf seinen nörgelnden besten Freund): Marc, ich weiß ja, dass du mich furchtbar gern hast, aber ich ziehe dann doch lieber vor, meine Freundin zu küssen. Tut mir leid. Nicht eifersüchtig sein!
Marc (sprachlos über so viel Schlagfertigkeit): Eh! Alter!? Ich bin NICHT eifersüchtig! Und auf DIE schon mal gar nicht!
Gabi (lacht schadenfroh): Ich lasse das „alte Ehepaar“ dann mal alleine. Ich bring dir auch was vom Buffet mit, ja, Schatz?
Mehdi (lächelnd lässt er ihre Hand los, nachdem er ihr noch einen kleinen zärtlichen Handkuss gegeben hat): Danke, Maus!
Marc (genervt): Mann, das ist ja nicht auszuhalten.
Gabi (wirft Mehdi eine Kusshand zu u. dreht sich dann mit einem verliebten, aber dennoch wehmütigen Lächeln im Gesicht um): Bis gleich.

Traurig sah der verliebte Halbperser seiner flüchtenden Freundin hinterher, die sich ihre Enttäuschung über die unvermittelte Unterbrechung ihres so wichtigen Gesprächs nicht anmerken ließ und kurz mit aufgesetzter Fröhlichkeit bei der Mädelsrunde in der Couchecke vorbeischaute und Braut Sabine nun überschwänglich umarmte und knuddelte, und wandte sich dann angesäuert an seinen besten Freund, der gerade lautstark gähnte und seine Arme ausstreckte, bevor er seine Hände hinter seinem Nacken verschränkte. Marc schien kein Wässerchen zu trüben, was Mehdi nur noch sauerer werden ließ...

Mehdi: Was ist eigentlich dein Problem? Marc, das war echt unhöflich von dir.
Marc (versteht überhaupt nicht, was für eine Welle er jetzt macht, u. wedelt theatralisch mit seinen Händen in der Luft herum): Oh tut mir leid, falls ich dein Prinzesschen auf der Erbse beleidigt haben sollte. War keine Absicht.
Mehdi (eingeschnappt u. enttäuscht, weil Marc es einfach nicht lassen kann zu sticheln): Gabi und ich haben gerade eine Unterhaltung geführt.
Marc (dreht seinen Kopf, der noch immer fest an der Sofalehne klebt, zur Seite u. grient seinen Kumpel dreckig an): Äh... eigentlich meinte ich ja Aza. Aber egal. Und ihr beide? Unterhalten haben sich bei euch doch wohl eher nur die Bakterien in eurem Speichel. Das ist echt widerlich, was ihr hier veranstaltet. Wenn ihr so dringend ein Zimmer sucht, dann gefälligst nicht bei mir zuhause und schon gar nicht auf dem unschuldigen Diwan. Das ist ein anständiger Haushalt. Also... meistens.

Mehdi (sichtlich genervt von Marcs unangebrachten Späßen): Mann, Marc! Kannst du deine kindischen Sticheleien nicht einfach mal sein lassen?
Marc (selbstgefällig): Nö! Solange sie Spaß machen.
Mehdi (verschränkt eingeschnappt die Arme): Das tun sie sicherlich nicht. Irgendwann ist auch mal gut.
Marc (verdreht die Augen, weil sein Freund mal wieder überhaupt keinen Spaß versteht): Mann, was bist du denn heute so zimperlich? Die Frau hat mich Monate meines Lebens gekostet. Und mehrere Monatsgehälter, die ich nebenbei bemerkt, nett wie ich bin, nicht von ihr zurückverlangt habe.
Mehdi (hat überhaupt kein Verständnis mehr für Marcs nachtragendes und verletzendes Verhalten): Diese Frau, gegen die du nicht aufhören kannst zu wettern, obwohl schon lange Gras über die Sache gewachsen ist, ist zufällig die Frau, die ich über alles liebe und mit der ich eine Zukunft plane, verdammt.
Marc (schaut hilfesuchend gen Decke): Oh bitte! Mir ist schon schlecht genug. Da hätte ich genauso gut beim verrückten Hühnerhaufen sitzen bleiben können.
Mehdi (zickig): Ja, wäre vielleicht besser gewesen.

Marc (hebt beschwichtigend seine Hände, nachdem sich Mehdi beleidigt weggedreht hat u. er merkt, dass er einmal mehr zu weit gegangen ist): Okaaay, es ist angekommen. Sorry! Deine heilige Gabi ist unantastbar. Kapiert!
Mehdi (ist einfach nur enttäuscht, dass Marc seine glückliche Beziehung mal wieder ins Lächerliche zieht, obwohl er weiß, wie viel sie ihm bedeutet, aber er ist es einfach leid, mit ihm weiter zu streiten): Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen, dass du hier so eine schlechte Stimmung verbreitest? Ich dachte, nach den Neuigkeiten, die du und Gretchen habt, stehst du heute über allem?
Marc (seufzt gequält auf): Pass bloß auf, falls man mal deine neue Hütte in ein Voodooreich verwandelt will!
Mehdi (muss nun doch grinsen, als ihm endlich ein Lichtlein aufgeht, was Marcs Gereiztheit erklärt, u. schaut vergewissernd zu Sabine und ihren Freundinnen): Verstehe! Aza hat sich an dir ausprobiert? Das ist es also?

Marc (richtet sich empört auf): Bitte? Ich höre wohl nicht richtig?
Mehdi (der Groll von eben ist vergessen u. er dreht sich lachend zur Seite, stützt seinen Kopf mit seiner rechten Hand u. sieht Marc neugierig an): Also was hat sie dir weisgesagt? Dass du netter zu deiner Umgebung sein solltest, wenn du es nicht endgültig mit deinen wenigen Freunden verscherzen willst? Dafür braucht sie, glaube ich, keine Glaskugel.
Marc (eingeschnappt dreht er sich weg u. starrt stur geradeaus): Arsch! Da kommt man einmal zu dir und muss sich dann so einen Mist anhören.
Mehdi (kontert selbstbewusst): Dito! Also was ist es dann? Oh! Sag bloß, sie ist eurem kleinen Geheimnis auf die Spur gekommen und hat die Bombe ausgerechnet vor den Mädels der Tratschfraktion platzen lassen? Das würde zumindest Einiges erklären.
Marc (sein Kopf schnellt abrupt wieder herum u. er blitzt Mehdi böse an): Ist sie nicht! Äh... Falls ich sie richtig verstanden habe? Aber sie war auch nicht gerade... Ach egal! Hat wahrscheinlich zu viel Höhenluft vom Teppichreiten abbekommen! Aber du Freundchen, ich warne dich, wenn du irgendwas ausplaudern solltest, was ich dir im Vertrauen..., ich meine, du weißt schon..., dann... dann... ja, dann passiert was, aber so richtig.

Mehdi (seufzt auf): Marc, du kannst mir vertrauen. Wie oft denn noch? Das weißt du doch. Also was ist jetzt? Was hat mein liebes herzensgutes Cousinchen mit dir angestellt, dass du gar nicht mehr aufhören kannst, verbal um dich zu schlagen?
Marc (verweigert trotzig die Aussage): Nichts!
Mehdi (zieht skeptisch seine Augenbrauen nach oben): Für nichts machst du mir aber einen ganz schönen Aufstand hier?
Marc (angefressen): Tue ich nicht! Ich lasse mich halt nur ungern verarschen.
Mehdi (ruhig und besonnen versucht er ihn zu beruhigen): Ich glaube nicht, dass sie das getan hat. Das ist doch gar nicht Azas Art. Du kennst sie doch.
Marc: Seitdem sie auf diesem mystischen Weltverbesserungs-Was-auch-immer-Trip ist, hat sie sich schon verändert. Mir war sie lieber, als sie noch nur gebauchtanzt hat.
Mehdi (schmunzelt): Klar! Ich hab nicht vergessen, wie du sie nach ihrem Auftritt an meinem 23. Geburtstag angegraben hast.
Marc (blitzt ihn an): Und ich nicht, wie du mich dann aus meinen eigenen vier Wänden kompromittiert hast.
Mehdi: Hey! Das waren meine vier Wände. Vergessen? Ich hatte dir Asyl angeboten, naiv wie ich war, weil du wegen deinen ganzen Affären aus dem Wohnheim geflogen warst. Und ich habe nur Schlimmerem vorgebeugt. Mehr nicht. Sie war gerade achtzehn und das erste Mal in der großen Hauptstadt. Und ausgerechnet dir musste sie als erstes in die Hände fallen.
Marc (ein breites schelmisches Grinsen schleicht sich auf sein Gesicht, als er sich zurückerinnert): Sie hat sich nicht beklagt. Über deinen peinlichen Beschützercodex dagegen schon.
Mehdi: Weil sie durch meine Briefe genau über dich informiert war, was für einer du bist.
Marc (selbstgefällig streicht er sich über seine Brust u. lehnt sich grinsend zurück): Ein toller Hecht, erfolgreich, gut aussehend, charmant, wortgewandt. Das genaue Gegenteil von dir! Aber du sahst früher auch echt scheiße aus in deinen XXXL-Ökoklamotten, mit dem dicken Nasenfahrrad und der ausgewaschenen Oma-Dauerwelle. Ein Glück, dass du jetzt deinen Anker gefunden hast.

Mehdi (angesichts so viel Selbstverliebtheit u. Ironie in der Stimme bleibt ihm nur, die Augen zu verdrehen): Ja, ja, schön, dass es dir wieder besser geht, du Angeber. Also, was hat Aza dir so Schreckliches gedeutet, dass du gleich das Weite suchen musstest und dabei meine Freundin vertrieben hast? Das muss schon eine Bombe sein, wenn ich dir das verzeihen soll.
Marc (will nicht daran erinnert werden): Nichts, hab ich doch gesagt. Belangloses nichts sagendes Zeug halt. Kann ich nicht einfach mal nur ne Minute bei meinem alten Kumpel Mehdi sitzen? An euch rumfummeln könnt ihr auch noch, wenn ihr wieder zuhause seid.
Mehdi (glaubt ihm kein Wort): Marc?
Boah! Der gibt wohl nie Ruhe? Schlimmer als Haasenzahn, echt!
Marc (stöhnt entnervt auf u. gibt grob den Wortlaut der Hobbywahrsagerin wieder, der ihm noch quer im Magen liegt, dass er sich bald komplett in Rage redet): Uuuuhhhh!!! Dr. Meier, das sieht aber gar nicht gut aus bei dir. Dunkle Wolken türmen sich am Horizont und so einen albernen Scheiß. Nichts scheint, so wie es ist. Eh, wie soll hier was scheinen? Es ist Naaacht! Tzz... Und pass auf die auf, die du liebst! Auch wenn es vielleicht nicht so ausschaut, jemand braucht dich. Triff nicht aus Selbstschutz und blinder Wut die falschen Schlussfolgerungen, sondern handele! Noch ist es nicht zu spät. Es wird euch näher bringen. Näher als jemals zuvor. Blablabla! ... Mann eh, Aza sollte aufhören, ständig bei diesem irren Astrosender anzurufen, wenn sie nicht so wie die Stasi-Sabsi enden will. Boah! Und die blöde Kuh hat auch noch mitgemacht mit ihren Scheiß-Karten. Eh, ich glaube, ich boykottiere morgen die Hochzeit des Schreckens. Die hat es gar nicht anders verdient. Wer meine Autorität untergräbt, den untergrabe ich. Oder so ähnlich? Pah! ... Also so langsam glaube ich echt, am Freitag dem Dreizehnten, ist was dran. Am Ende zaubern die Hühner noch eine schwarze Katze aus dem Sack. Bäh... ich hasse Katzen! Ich hab’s echt so satt. Ehrlich, die nächste Party, die findet bei dir statt, Alter. Meine Türen bleiben ab sofort verschlossen. Die kriegen hier alle Hausverbot. Da kann Haasenzahn noch so wettern von wegen sozialen Kontakten und so nem Scheiß. Nee, irgendwann ist auch mal Schluss mit dem Gutmenschentum. Die denken doch sonst noch, die könnten sich alles erlauben. Nicht mit mir! Ich bin immer noch ihr Oberarzt. Jawohl! Ich hab hier das Sagen! Noch ein Wort mehr von denen und ich schmeiße das Glasteil vom Dach.
Mehdi (in sich gekehrt denkt er über seine Worte nach, in denen, auch wenn Marc es nicht ahnt, so viel versteckte Wahrheit steckt): Verstehe!
Marc (macht eine abwiegelnde Handbewegung u. kommt langsam wieder runter): Ach lassen wir das. Kindergarten! Kennste ja! Danke, dass ich das mal rauslassen konnte. Eh, mir platzt echt bald der Kragen. Eins sage ich dir, Mann, lass dir bloß nie von deiner Freundin auf der Nase herumtanzen. Siehst ja, was dabei herauskommt. Man(n) ist der Depp. Also du ja, ich natürlich nicht!

Erschöpft lehnte sich Dr. Meier zurück und schloss seine Augen. Endlich etwas Ruhe! Wie erholsam das doch sein konnte, dachte er sichtlich entspannt. Doch da täuschte sich der Oberarzt. Nach einigem Nachdenken begann sein bester Freund nämlich wieder leise zu sprechen. Eine Sache lastete noch immer schwer auf seiner Seele. Sie ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Weil Marc ihm nun mal wichtig war. Weil er ein Recht auf die Wahrheit hatte, auch wenn es ethisch vielleicht falsch war. Aber der gewissenhafte Arzt konnte nun mal nicht aus seiner Haut. Vielleicht war ja jetzt der Moment günstig für einen vorsichtigen Vorstoß in die richtige Richtung, jetzt wo andere für ihn die Tür einen Spalt breit aufgeschlagen hatten?

Lorelei Offline

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18.07.2012 16:52
#1308 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Mehdi (einfühlsam): Ich würde das nicht auf mich beruhen lassen, Marc.
Marc (nimmt ihn gar nicht für voll): Was? Ach komm schon! Sag jetzt nicht, du glaubst an so einen Hokuspokus? Haasenzahn hat das Hexenpärchen auch schon geködert. Dabei dachte ich eigentlich, dass ich sie seit ihrer letzten Geisterbeschwörung in der Neunten im Zeltlager auf Norderney wieder bekehrt habe. So kann man sich irren. Das ist die reinste Verschwörung hier.
Mehdi (bleibt ernst): Nein, ehrlich, Aza weiß wirklich, wovon sie spricht.
Marc (glaubt ihm kein Wort): Bullshit! Und selbst wenn, also rein theoretisch, Mann, du weißt genau, dass ich Gretchen jetzt sowieso nur noch mit Samthandschuhen anfassen werde. Ich pass auf sie auf. Und auf... na du weißt schon.
Mehdi (ein kleines Lächeln huscht über seine Lippen, obwohl er mit seiner Andeutung eigentlich etwas ganz anderes gemeint hat): Schön zu wissen. Aber das ist es nicht nur.
Marc (runzelt erst verwundert die Stirn, dann wird er albern): Was denn noch? Solange ich noch kein Beweisfoto von Hubble in den Händen halte, mache ich mir keinen Stress. Wozu auch? Der kommt dann eh schneller, als wir denken können. Du kennst doch Haasenzahn. Oh Gott, worauf hab ich mich da bloß eingelassen? Die Dopplung bedeutet doch auch doppelten Stress. Hilfe!
Mehdi (geht gar nicht weiter auf seine gespielte Panik ein u. versucht wieder etwas Ernsthaftigkeit in ihre Unterhaltung zu bringen): Ich hab eigentlich von Azadeh gesprochen, Marc.
Marc (versteht nun gar nichts mehr u. schaut auch dementsprechend aus der Wäsche): Hä?
Mehdi: Was ich damit sagen will, meine Cousine versteht, von was sie redet, Marc. Sie ist nicht nur ein Medium zwischen dem Hier und Jetzt, sondern hat auch einen ganz besonderen Draht zur Seele eines Menschen. Das mag vielleicht verrückt klingen, aber es stimmt. Sie durchschaut Menschen wie keine andere. Du kannst ihren Deutungen wirklich Glauben schenken, Marc. Vier von fünf Voraussagungen treffen immer zu. Das weiß ich aus Erfahrung.
Marc (lacht hämisch auf): Ja, deshalb hat sie dir auch auf deinem Polterabend vor zehn Jahren zugeredet, unbedingt Anna heiraten zu müssen, obwohl ich dir bis zum Schluss immer wieder gesagt habe, renn nicht so schnell in dein Unglück und check erst mal lieber die Lage. Ich muss schon sagen, eine weise Entscheidung! Von euch beiden.
Mehdi (lässt sich nicht ärgern): Papperlapapp! Das ist doch überhaupt nicht der Punkt. Der Punkt ist, du hast Schiss, dass vielleicht doch etwas dran sein könnte. Und das ist es in der Tat! Du musst wissen, der mütterliche Teil meiner Familie soll der Legende nach in direkter Linie von der echten Scheherazade abstammen.

Okay, das ist wohl der letzte Beweis. Er ist bei seiner eigenen Sturzgeburt tatsächlich zu hart mit dem Kopf auf den Boden aufgeschlagen!

Marc (zeigt ihm den Vogel): Ja, klar Sultan Kaan. Und ich bin Baron Münchhausen. Ich erzähle auch gerne Geschichten. Soll ich dir mal eine erzählen? Von dem dicken Frauenarzt mit Migrationshintergrund, dem die Weiber so übel mitgespielt haben, dass er jetzt zu Fressattacken neigt und immer fetter und noch hässlicher wird und dadurch noch weniger Chancen hat, je wieder eine abzubekommen. Deshalb ist er auch Gynäkologe geworden. Weil er ja sonst keine Ische mehr kennen lernen würde. Tja, letztendlich hatte doch noch eine mit ihm Mitleid, genauso ein hoffnungsloser Fall, und er muss nun nicht mehr alleine an Adipositas sterben. Sie war Krankenschwester und auf der Suche nach Vergebung für ihre Schandtaten der Vergangenheit und hat ihrem willigen Opfer äh... Patienten ein ganz spezielles Trainingsprogramm erstellt, das ihn mit wildem Sex und ehrlich gemeinten Liebesschwüren nicht nur von seinen Kilos, sondern auch von seinen wehleidigen Mädchendepressionen geheilt hat. Und sie lebten glücklich und zufrieden hinter rosaroten Wolken, hatten zwanzig Kinder, einen Hund und eine Maus. Blablabla! Happy End im Sonnenschein.
Mehdi (findet das ganz u. gar nicht witzig): Hahaha! Sehr witzig! Gibt’s die irgendwo zu kaufen?
Marc (grinst): Nö! Wollte ich dir eigentlich zu deiner Midlifecrisis schenken. Ach nee, die hatteste ja schon. Na dann eben zu deiner Pensionierung. Mit einem Extrakapitel, „Wie ein Dreieck wirklich funktioniert und dir einen unbeschwerten erfüllten Lebensabend schenkt“. Hähä!

Marc war so vergnügt von seiner eigenen Erzählung, dass er sich immer wieder nach Luft schnappend und vor Stolz strotzend auf seinen Oberschenkel klopfte. Doch Mehdi, dem so gar nicht zum Schmunzeln zumute war, was nicht nur darauf zurückzuführen war, dass alle Witze auf seine Kosten gegangen waren, wurde schnell wieder ernst, denn da war noch eine Sache, die schwer auf seinem Gewissen lastete, seitdem er herausgefunden hatte, was mit der Mutter seines besten Freundes wirklich war. Und darauf zielte doch Azadehs Prophezeiung letztendlich hin? Schließlich war das Erste, was sie ihn heute gefragt hatte, nachdem sie sich vorhin begrüßt hatten, ob es Marc denn gut ginge. Sie hatte sofort in den Augen ihres Cousins gelesen, dass da etwas war, was ihn bedrückte, auch wenn er sich dazu nicht weiter geäußert hatte. Aber sie hatte nun mal schon immer eine unglaubliche Beobachtungsgabe, ihre Sinne waren stets hellwach und sie hatte ihm geraten, obwohl er kein einziges Wort gesagt hatte, das Richtige zu tun. Und sie hatte vollkommen Recht damit. Irgendetwas musste er doch tun? Ärztliche Schweigepflicht hin und her. Er war doch Arzt aus Leidenschaft. War es nicht seine Pflicht, seinen Patienten zu helfen? Auch den schwierigsten unter ihnen? Er in Marcs Situation würde es auch wissen wollen, egal, wie viel Leid dies bedeutete, wo er doch gerade so glücklich mit Gretchen war und vergnügt Witze über ihn machte. Mehdi steckte wirklich in einer Zwickmühle.

Marc bemerkte die Veränderung im Gesicht seines Freundes und wollte schon nachhaken, was das Gabimäuschen denn diesmal angestellt hatte, dass er so eine Trauermiene ziehen musste, als er aber urplötzlich von einer rosaroten Fee abgelenkt wurde, die doch tatsächlich die Chuzpe hatte, sich rotzfrech auf seinen Schoss plumpsen zu lassen, was nicht gerade schmerzfrei erfolgte, dann die Arme um seinen Hals zu schlingen, wobei er von dem Tollpatsch fast erwürgt worden wäre, und ihm auch noch die Salzstange direkt aus der Hand zu klauen, die er soeben aus der Schüssel auf dem kleinen Beistelltischchen neben der Couch gezogen hatte, um nun in provozierender Absicht genüsslich daran zu mümmeln, während das Wesen aus tausendundeiner Nacht dabei den Trauerkloß Kaan fröhlich von der Seite anlächelte, der ebenso überrascht von Gretchens plötzlichem Auftauchen war, was ihn komplett aus dem Konzept brachte.

Gretchen (mit vollem Mund neugierig drauflos plappernd): Und worüber redet ihr beide?
Mehdi (durcheinander): Marcs Mutter!
Gretchen (überrascht hält sie inne, was Marc nutzt, um ihr die angekatschte Salzstange wieder wegzunehmen, die er nun selbst isst u. an der er sich fast verschluckt, als Mehdis Worte mit etwas Verzögerung sein Gehirn erreichen): Oh!
Marc (verwundert über Mehdis Aussage, die in seinen Augen überhaupt nicht der Wahrheit entspricht): Quatsch! Was redest du denn da? Wieso will heute eigentlich jeder über meine verkorkste Mutter quatschen? Eh, das nervt verdammt noch mal. Sie ist weg, ok. Warum und wieso geht keinen was an, und die Quatschbohnen da drüben schon mal gar nicht, und mich interessiert’s auch ehrlich gesagt nicht. Ich will nichts mehr davon hören! Ist das klar? Ihr wolltet doch Harmonie heute Abend? Also haltet euch gefälligst auch daran!
Gretchen (beschwichtigend): Marc!
Marc (sauer): Schluss, hab ich gesagt! Oder ich mache meine Drohung doch noch wahr und alle fliegen hochkant raus. Und du gleich als Erste!
Gretchen (kleinlaut): Das traust du dich doch eh nicht?
Marc (herausfordernd blickt er Gretchen an, bis sie langsam mit dem Kopf schüttelt, diesen senkt u. schließlich nachgibt): Willst du’s wirklich riskieren?
Mehdi (eingeschüchtert, aber dennoch mutig genug, noch einmal davon anzufangen): Ich wollte doch nur... Es ist so... Das fällt mir jetzt nicht leicht und ich hab auch lange mit mir gerungen, als Arzt und als dein Freund, aber ich muss einfach...

Marc (redet seinem besorgten Freund uncharmant dazwischen u. wendet sich dann seiner Liebsten zu, deren Körper seine flinken Fingerchen nun geschwind entlang tippeln): Lass einfach stecken, Kaan! Du musst gar nichts, ok? Entspann dich einfach! Schnapp dir Gabi und knutsch rum! Was weiß ich? Aber bitte nicht, wenn ich zukucken muss. ... Und nun zu dir, Haasenzahn. Haben die Hexen endlich Ruhe gegeben oder soll ich den Kamin noch mal ordentlich anheizen? Ein kleines Feuerchen wäre doch nicht schlecht, hmm?
Idiot!
Gretchen (findet das gar nicht witzig): Marc, jetzt lass es doch mal gut sein! Sie haben doch nur Spaß gemacht. Also... zum Teil... denke ich?

Manchmal ist mir Azadeh schon unheimlich. Was die alles weiß? Das ist doch nicht bloß Eingebung und Menschenkenntnis? Gerade eben wäre sie uns fast auf die Schliche gekommen. So wie sie gekuckt hat, weiß sie ganz sicher, was Marc und ich vorhaben. Ich bin einfach geflüchtet. Peinlich, ich weiß. Aber was hätte ich denn machen sollen? „Euer Glück trägt schon Flügel“, hat sie gesagt, als sie meine gezogene Tarotkarte angeschaut hat. Das war doch wohl eindeutig! Hoffentlich erzählt sie ihren Verdacht nicht Sabine weiter, dann weiß es gleich das ganze Krankenhaus und Marc schmeißt mich wirklich noch raus. Hilfe! Hmm... komisch, aber Gabi und Sabine hat sie dann auch so komisch angekuckt. Was haben die eigentlich für Karten gezogen? Oder kuckt Aza immer so? Muss ich Mehdi mal fragen. Gabi ist dann auch gleich weiter und Sabine und Aza waren dann nur noch heimlich am Tuscheln. Sabine sah irgendwie ziemlich blass um die Nase aus. Ist wohl die Aufregung? Hab ich schon erwähnt, wie verloren Günni zwischen den ganzen Mädels gewirkt hat? Hätte ich ihm da raus helfen sollen, anstatt erst mich zu retten? Hmm... Marc und Mehdi könnten sich doch ein bisschen um ihn kümmern? ... Gretchen, komm zum Punkt! ... Jaaahaaaa! ... Jedenfalls bin ich einem Kaanschen Kreuzverhör gerade noch so entkommen.

Marc (in seiner männlichen Ehre gekränkt): Auf meine Kosten!
Gretchen (tätschelt dem Mimöschen liebevoll die Wange, während seine Hände ungeniert an ihrem Hintern andocken, was sie mit einem Augenrollen kommentiert): Auf Polterabenden werden nun mal Spiele gemacht, Marc. Wobei ich eine Wahrsagerin jetzt nicht unbedingt als Spielchen bezeichnen würde. Auf deinen ausdrücklichen Wunsch hin hab ich doch Hochzeitsspiele extra ganz aus dem Programm gestrichen.
Mehdi (horcht interessiert auf): Ach?
Gretchen (legt ihre Arme um Marcs Hals u. kommt seinen Lippen immer näher, bis sie dem Grummel schließlich sanft zwei drei kleine Küsschen aufdrückt u. sich dabei noch mehr an ihn kuschelt, so dass er gar keinen Widerstand mehr leisten kann): Was aber morgen auf der Hochzeit passiert, liegt dann in der Verantwortung von Günnis Familie. Heute Abend sitzen wir einfach nur alle gemütlich beieinander. Also lass bitte das Grummeln sein, ja? Bitte ... *kuss* ... bitte ... *kuss* ... bitte! ... *kuss* ... Tue’s für mich!

Boah! Gott, warum strafst du mich so? Jetzt schaut sie schon wieder wie ein angeschossenes Reh. Das ist echt nicht fair. Sie könnte mich ruhig noch mal küssen! Ich leide hier schließlich.

Marc (ringt mit sich u. gibt schließlich schweren Herzens kleinbei): Ich hasse dich!
Gretchen (grient ihn triumphierend an u. küsst ihn erneut, diesmal wesentlich euphorischer): Ich dich auch! ... *kuss* ... Danke!
Marc (trotz vollem Körpereinsatz seiner ausgekochten Freundin reagiert er trotzig): Wenn du Stasi-Sabsi bitte trotzdem erklären würdest, dass sie mich endlich wegen Elke in Ruhe lassen soll. Sonst erzähle ich ihr nämlich wirklich mal, was eine Ehe so aus einem macht.
Gretchen (jetzt ist auch sie getroffen, weil sie beide doch noch vor gut zwei Stunden einen Traum erlebt haben): Ach erzähl doch mal!
Mehdi (grinst): Das würde mich jetzt auch brennend interessieren?
Marc (zynisch): Wir können gerne bei deiner Ehe anfangen, Kaan? Wie war das doch gleich? Lug und Trug und Scheidung im Schnelldurchlauf.
Gretchen (tadelnd): Marc! Das bringt Unglück!
Marc (schadenfroh): Was du nicht sagst?
Mehdi (Treffer versenkt, das Grinsen verschwindet): Schon gut! Lass uns einfach den Abend genießen. Du scheinst heute nicht in der Stimmung für ernsthafte Gespräche zu sein.
Leider! Ich muss das anders lösen. Nur wie? Wenn ich das nur wüsste.
Marc (zwinkert den beiden grinsend zu): Geht doch! So ich geh jetzt erst mal schiffen und dann eine rauchen. Das miese Karma vertreiben. Hoffentlich wirkt’s?

Marc erhob sich von seinem Platz, drückte Gretchen, die zwangsläufig mit ihm aufstehen musste, schließlich hatte sie es sich auf seinem Schoss bequem gemacht, einen dicken Schmatzer auf den Mund und zwinkerte Mehdi einmal frech zu, dann stiefelte er um die Ecke zum Gästeklo. Die beiden Zurückgebliebenen schauten ihm verdutzt hinterher, dann sich an und fingen schließlich beide wie aus einem Mund an zu lachen.

Mehdi: Bei seinen ständigen Stimmungsschwankungen könnte man denken, er bekommt das Baby.
Gretchen (grient ihn an u. lehnt sich gemütlich an Mehdis starke Schulter, nachdem sie sich wieder zu ihm gesetzt hat): Glaub mir, das würde er gar nicht überleben.
Mehdi (lacht): Das war auch mein erster Gedanke.

Gretchen schaute sich noch einmal überprüfend nach allen Richtungen um und rutschte dann noch näher an ihren besten Freund heran, um im Flüsterton mit ihm weiter reden zu können, ohne dass jemand etwas aufschnappte, das nicht für fremde Ohren bestimmt war...

Gretchen: Marc hat es dir also erzählt?
Mehdi (jetzt grient er wieder): Nun ja, nachdem ich mit meiner Beweisaufnahme fertig war und erfolgreich das Plädoyer gehalten habe, hatte er keine andere Wahl. Ich ärgere mich nur, dass ich heute Morgen noch nicht darauf gekommen bin. Dann hätte ich dich nämlich sofort festgenagelt und wir hätten gleich einen Test gemacht. Deshalb warst du doch bei mir in der Praxis oder?
Peinlich, Gretchen, echt peinlich! So was kann auch nur dir passieren.
Gretchen (läuft sofort rot an): Ich weiß doch auch nicht, was mich da geritten hat. Vielleicht wollte ich es auch erst einmal mit mir selbst ausmachen?
Mehdi (nickt verständnisvoll): Hey! Ich verstehe dich da voll und ganz. So ein Ereignis verändert ein ganzes Leben. Ich erinnere mich heute noch, als sei es gestern gewesen, wie Anna mir sagte, dass wir ein Baby bekommen. Wir waren gerade erst zwei Monate verheiratet und über dem Umziehen nach Heidelberg, wo ich zwei Wochen später meine erste Stelle antreten sollte. Ich war junger Stipendiat. Noch nicht mal richtig mit dem Studium fertig. Ich glaube, ich hab die folgenden Wochen keine Nacht mehr durchgeschlafen, weil mir ständig neue Dinge eingefallen sind, um die wir uns am besten von jetzt auf gleich hätten kümmern sollen. Ich hab Anna damit fast wahnsinnig gemacht. Aber es war so eine tolle Zeit. Wenn du das erste Bild deines ungeborenen Kindes in den Händen hältst, löst sich mit einem Mal jede Anspannung und dann ist da nur noch grenzenlose Freude.
Gretchen: Weißt du, klar hab ich mir nichts sehnlicher gewünscht, aber ich war auch bereit zu warten, solange Marc eben noch braucht. Mit unseren stressigen Jobs und den anstehenden Prüfungen ist das alles auch nicht so einfach. Und du kennst doch Marc. Verantwortung jenseits seines OPs zu übernehmen ist ein Fremdwort für ihn. Er steckt noch mitten in einem Lernprozess.
Mehdi (grinst): Doch trotzdem hast du ihn rumgekriegt?
Gretchen (schaut ihn mit großen Augen an): Das ist es ja, eben nicht!

Mehdi (stutzt): Wie meinst du das? Marc meinte doch, ihr hättet das gemeinsam entschieden?
Gretchen: Ja schon, aber die Initiative ging von ihm aus. Glaub mir, ich war genauso überrascht wie du. Noch an Weihnachten, als wir am See waren und über unsere Zukunft geredet haben, haben wir diesen Punkt noch weit ausgeklammert.
Mehdi (sieht ihr an der Nasenspitze an, was sie wirklich bewegt): Du hast Angst?
Manchmal wünschte ich, Marc könnte mich auch so durchschauen wie er.
Gretchen (senkt verlegen den Kopf): Ein bisschen, ja, schon. Aber das ist doch natürlich oder? Das ist doch auch für mich eine komplett neue Erfahrung. Was ist, wenn ich das nicht kann? Ich meine... Muttersein.
Mehdi (sieht sie aufmunternd an u. macht ihr Mut): Hey! Schau mich mal an! Wenn ich etwas weiß, dann dass ihr beide das schaffen werdet. Wenn nicht ihr, wer dann? Ihr liebt euch. Das ist schon mal die wichtigste Grundvoraussetzung. Und du wirst eine wunderwunderbare Mutter sein, Gretchen, und Marc ein verantwortungsbewusster Vater. Habt einfach ein bisschen mehr Vertrauen in euch! Klar ist das ein einschneidender Schritt und Zweifel werden euch immer begleiten, bis eurer Kind volljährig ist und noch länger, aber ihr bekommt so viel wieder. Glaub mir! Ihr packt das! Ihr habt doch an Lilly schon wunderbar geübt. Dass sie gerne zu „Übungszwecken“ zu euch kommt, wisst ihr ja. Das ist allein euer Verdienst.
Gretchen (ist einmal mehr unendlich froh, so einen tollen Freund und Vertrauten zu haben): Das ist lieb. Danke, Mehdi! Im Moment ist einfach nur totales Chaos in meinem Kopf. Also im positiven Sinne. Auch weil wir vorhin... ääähhh... Ich meine, Marc ist wie ausgewechselt, seitdem wir das heute Morgen beschlossen haben. Das ist mir schon fast unheimlich.
Mehdi (baff): Heute Morgen?

Gretchen (lächelt glücklich vor sich hin): Ja! Man sagt ja eigentlich, dass ein Freitag der 13. Unglück bringen soll, aber bei uns ist das genaue Gegenteil der Fall. Vielleicht ist es ja auch Schicksal, dass ich gerade jetzt, wo wir uns für ein Kind entschieden haben, die Pille vergessen habe. Alles ergibt plötzlich einen Sinn.
Auch die „Hochzeit“.
Mehdi (ganz der Arzt): Du weißt aber schon, das muss nichts heißen.
Gretchen (seufzt, weil er ja recht hat): Ja, aber allein die Vorstellung, dass da schon was sein könnte, die ist einfach...
Mehdi (lächelnd ergänzt er ihren Satz): ...überwältigend?
Gretchen (nickt u. schaut ihn erwartungsvoll an): Ja! Findest du das verrückt?

Wahrscheinlich war es genau der Gedanke, der uns letztendlich dazu bewegt hat, „ja“ zu sagen? Im Grunde ist Marc doch spießig und will alles in trockenen Tüchern haben. Also jetzt rechtlich gesprochen. Gretchen? Es wird echt Zeit, dass du wieder etwas Bodenhaftung zurückbekommst. Das wird langsam echt albern mit dir. Schau mal, wie Mehdi schon kuckt!

Mehdi (nimmt sie freundschaftlich in den Arm): Verrückt ist nur, wie Marc immer mehr aufblüht, je länger er den Gedanken an sich heranlässt, und schräge Bedingungen stellt. Ich lasse mir den Posten als eurer Lieblingsarzt und Vertrauter nämlich nicht nehmen.
Gretchen (schließt peinlich berührt die Augen): Oh das hat er nicht von dir verlangt? Manchmal kann er echt... Grrr! Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, wen ich als Arzt nehme und wen nicht.
Mehdi (lacht): Danke für die Blumen! Das alles erklärt zumindest, wieso ihr heute den ganzen Tag über schon wie in anderen Sphären zu schweben scheint.
Gretchen (errötet): Fällt das so auf?
Mehdi (stupst sie an der Nasenspitze an, bis sie wieder lächelt): Für jemanden, der euch ganz genau kennt, schon. Aber das muss euch nicht peinlich sein. Genießt es einfach! Es gibt kein schöneres Gefühl.
Gretchen (dreht den Spieß einfach um): Aber das mit dem in anderen Sphären Schweben, das müsste mir bei dir eigentlich auch zu denken geben.
Mehdi (stutzt irritiert): Wieso?
Gretchen (grient vergnügt): Weil ihr über eine halbe Stunde lang nicht aufgehört habt, zu knutschen. Nicht mal, als ich euch angesprochen habe, als ich Gabi begrüßen wollte.
Mehdi (nun läuft er rot an): Oh! Äh... Das war... die reine Wiedersehensfreude.
Gretchen (zwinkert ihm wissend zu): Klar! Wenn da mal nicht auch etwas im Busch wäre?

Die beiden Freunde lachten wieder auf, lehnten ihre beiden Köpfe seitlich aneinander und schauten nun verträumt auf das Geschehen der anderen im Wohnzimmer, während Marc auf Zehenspitzen und kopfschüttelnd an den beiden vorbei schlich. Auf direktem Wege zur Dachterrasse, an deren Tür er nun unsanft angerempelt wurde, wodurch ihm seine Zigarettenschachtel zu Boden fiel, die er soeben aus seiner Lederjacke gezogen hatte. Es war tatsächlich etwas im Busch. Abseits von den kichernden Mädels und dem Brautpaar auf der Couchlandschaft, das sich immer noch mystischen Welten und Traumdeutungen hingab. Das bemerkte auch Marc Meier, der dem Rempler, der seine Anwesenheit offenbar gar nicht wahrgenommen hatte, sauer den Stinkefinger hinterher zeigte, bevor er leise fluchend seine Kippen wieder aufhob und anschließend in der Kälte der Nacht auf der Dachterrasse verschwand. Es war etwas im Busch. Jemand hatte nämlich jemanden gezielt ins Visier genommen, hatte alles andere ausgeblendet und sich für den direkten Frontalangriff entschieden. Die Gelegenheit war einfach zu günstig, die anvisierte Beute endlich zu erlegen. Aber ob die Theorie in der Praxis so leicht umzusetzen war wie in seinen Gedanken, das war doch eher fraglich. Dennoch änderte der zu allem entschlossene Jäger seine Pläne nicht und kam ihr, alle lästigen Hindernisse überwindend, Schritt für Schritt näher, bis er schließlich direkt hinter ihr stehen blieb.




To be continued....

Lorelei Offline

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21.07.2012 19:37
#1309 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Juhu! Der Jäger steht bereit, die unwissende Beute auch, die Jagdgesellschaft sowieso. Die Jagd kann also beginnen! In diesem Sinne viel Spaß und schönes erfolgreiches Wochenende euch allen. Petriheil! Eure Lorelei



Cedric Stier hielt seine Augen geschlossen. Er wusste selbst nicht wieso. Er stand etwas abseits von ihr, dennoch konnte er ihr aufregendes Parfüm deutlich riechen. Wie eine hauchdünne Nebelwolke umhüllte es ihn, nahm ihn gefangen, betörte ihn, all seine Sinne. Seine Nasenflügel flatterten. Mit jedem Atemzug sog er diesen unverwechselbaren süßlich-bitteren Geruch tiefer in sich auf. Sämtliche Härchen an seinen Armen richteten sich auf. Eine Hitzewelle erfasste ihn, so dass er gar nicht anders konnte, als sich Luft zu verschaffen und sein schwarzes Jackett auszuziehen, welches er nun locker über seinen rechten Unterarm hielt. Den störenden Batmanpanzer hatte er draußen schon abgelegt. Endlich atmete er wieder frei.

Aus tausenden Düften konnte er dieses ganz genau herauslesen, das gerade zärtlich seine Nase kitzelte und ihn unvermittelt lächeln ließ. Ein offenes, ehrliches, verliebtes Lächeln, würde wohl die geübte Beobachterin deuten, wenn er ihr denn einen Blick in sein Gesicht gewähren würde, aber er stand nicht unter Beobachtung der Menge, der er den Rücken zugekehrt hatte. Er nahm sie schon längst nicht mehr wahr, hatte sich ganz auf sein Ziel fixiert.

„Pure Versuchung“ hieß die betörende Duftnote, welche die attraktive Frau an der Bar umwehte, und dieser verheißungsvoll klingende Name traf auch auf die Trägerin selbst zu. Sie trug es eigentlich immer, seitdem sie sich kannten. Auf der Party, auf der sie sich kennen und stürmisch lieben gelernt hatten; im Studium und während der Assistenzzeit, als er ihr noch sagen durfte, was sie zu tun und zu lassen hatte und sie natürlich gegen alle Widerstände und Autoritäten immer ihren eigenen Kopf durchsetzte, eine Eigenschaft, die er gehasst, aber gleichzeitig auch geschätzt hatte, weil sie eindeutig die bessere Ärztin war; zuhause beim Wiegen der Kleinen und im gemeinsamen Ehebett, dessen eine Hälfte schon vor langer Zeit erkaltet war, weil sie nicht mehr da war und sie wärmte. Vor Monaten hatte er ihr Parfum zum ersten Mal seit fast vier Jahren wieder gerochen. Wieder auf einer Party. War der Ärzteball etwa Schicksal gewesen? Er wusste es nicht und er glaubte auch nicht an dieses übersinnliche Phänomen, aus dem so viele ihre ganzen Hoffnungen schürten. Doch hatte ihn dieser ganz besondere Duft nach den ganzen Enttäuschungen, falschen Entscheidungen und Misserfolgen der letzten Zeit wieder Leben eingehaucht.

Er war wie ein kraftvolles Lebenselixier, in dessen Genuss er am liebsten jede Minute wieder kommen wollte. Sie konnte ihm also gar nicht ständig vorwerfen, ihr nachzulaufen - ja, zum ersten Mal rannte er wirklich einer Frau nach, obwohl es in der Vergangenheit stets umgekehrt gewesen war -, schließlich hatte sie diese Reaktion doch unbewusst erst provoziert. Sie hatte ihn herausgefordert. Bei jeder einzelnen Begegnung oder Nichtbegegnung. Selbst auf den Gängen des EKH nahm er diesen einzigartigen sinnlichen Geruch wahr. Selbst wenn sie schon vor Stunden dort entlanggelaufen war. Aber dann wusste er stets auch, dass sie da gewesen war, dass er irgendwie in ihrer Nähe war, auch wenn sie unerreichbar schien, sich unerreichbar machte. Für ihn. Aus Trotz und einer Mauer aus Stolz. Selbst wenn sie nur zwei Meter trennten, denn so viel trennten ihre beiden Büros das einstige Ehepaar. Manchmal ließ er sogar seine Tür einen kleinen Spalt weit offen stehen, in der albernen Hoffnung, wenigstens die verführerische Duftwolke erhaschen zu können, die ihr wehender Kittel auf dem Gang der Neurologie hinterließ, wenn sie einmal mehr aus seinem Bannkreis zu flüchten versuchte, weil sie der Wahrheit nicht ins Gesicht schauen konnte.

Es war wie ein Spiel. Ein gefährliches Spiel, dessen Regeln keiner von beiden wirklich kannte. Aber genau das machte doch gerade auch seinen Reiz aus. Auch heute schienen sie die nicht vorhandenen Anleitungen dieses Spiels, an dessen Ende es auf beiden Seiten entweder nur Sieger oder nur bitter enttäuschte Verlierer geben würde, bis zur Schmerzgrenze ausreizen zu wollen. Sie machte ihn wahnsinnig damit. Er musste sie einfach haben. Jetzt und hier. Er wollte sie zurück. Er wollte ihren Duft immer ganz um sich haben. Jede verdammte Sekunde eines nicht enden wollenden Tages. Die Leere in seinem Herzen sollte endlich ein Ende haben. Sie war das Ziel des einsamen Jägers, der doch im Grunde auch nur das suchte, was alle suchten. Seinem Leben einen Sinn zu geben. Seine drei Mädels waren jedenfalls seiner. Alles würde er geben, selbst seinen Job, Ruhm und Karriere, wenn sie doch allesamt bei ihm vereint wären.

Die kühle Brise auf der großzügigen Meier-Haasschen Dachterrasse hatte dem zu allem entschlossenen Neurologen zwar gut getan, hatte sämtliche Gehirnwindungen ordentlich durchgepustet und all die trüben Gedanken, die ihn einen kurzen schwachen Moment gequält hatten, weggeblasen, aber nachdem er wieder ins Warme des Penthauses zurückgegangen war und seine Mary immer noch bei diesem blonden Schleimer sitzen sah, dessen Pranke ihr rechtes Knie völlig in Beschlag nahm und bei jedem gemeinsamen Lacher der beiden, der sich wie ein Giftpfeil tief in Cedrics Eingeweide bohrte, dreist tätschelte und dabei ungeniert einige Millimeter höher wanderte, ohne dass es Maria zu stören schien, verhagelte es ihm sofort wieder seine soeben gebesserte Laune. Cedric hatte sich zwar eine vage neue Strategie zurechtgelegt, um das sture Weibsbild endlich zur Vernunft zur bringen, aber deren Umsetzung bereitete ihm noch immer Kopfzerbrechen. Wenn er seine Angebetete doch nur einmal alleine antreffen würde, ohne diesen muskulösen Holzfäller-Typen mit dem ekelhaften Dauergrinsen, das er ihm am liebsten aus dem Gesicht prügeln wollte, hatte er sich flehentlich gewünscht und war noch an der Terrassentür stehen geblieben, um beide von dort aus genau im Auge zu behalten und den perfekten Moment abzuwarten, den es bekanntermaßen eigentlich nicht gab.

Doch der Zufall spielte dem leidenden Arzt offenbar in die Hände. Als hätte irgendeine höhere Macht ihn erhört, ließ der blonde Hüne plötzlich Maria und deren reizvolles Knie allein an der Bar zurück und begab sich mit einer Sektflasche bewaffnet außer Sichtweite zu Dr. Haase und Dr. Kaan ins Nebenzimmer. Während die drei sich dort offenbar recht angeregt miteinander unterhielten und bald auch Gesellschaft von dem Brautpaar bekamen, mit dem Gretchen Sven Sorenson noch einmal richtig bekannt machte, bevor sie schließlich kichernd miteinander anstießen, nutzte Cedric die Chance sofort, die das Schicksal ihm soeben geboten hatte, und ging schnurstracks auf die improvisierte Bar in der Meier-Haasschen Küche zu, ohne dass er bemerkte, dass er dabei fast seinen Ex-Kumpel Marc Meier über den Haufen gerannt hätte, der ihm nun fluchend und unchristlich gestikulierend hinterher schaute und im Anschluss hinter der Glastür zur Dachterrasse verschwand.

Und nun stand er also hier direkt hinter Dr. Maria Hassmann, die ihren zielstrebigen Exmann noch gar nicht hinter sich bemerkt hatte und gedankenverloren mit ihrem knallroten Trinkhalm in ihrem Cocktail herumrührte, diesen schließlich links liegen ließ, um in ihrer schmalen schwarzen Handtasche zu kramen, aus der sie als nächstes einen Tablettenblister hervorzog, daraus vorsichtig eine kleine Pille herausdrückte und diese schnell unter Zuhilfenahme eines Glas Wassers ungesehen hinunterschluckte, das neben ihrem noch immer unberührten Teller gestanden hatte, dem sie sich dann als nächstes aber immer noch lieblos zuwandte, und genoss den freien unverfälschten Blick auf ihre entzückende Rückenansicht in vollen Zügen, ohne dabei wirklich zu registrieren, wieso seine sexy Mary überhaupt Tabletten nehmen musste. Doch die Faszination für diese Frau, die er wie keine andere in und auswendig kannte, machte ihn blind für das Offensichtliche. Sie hatte ihn. Mit Haut und Haaren. Jede einzelne Faser von ihm, was angesichts der Tatsache, dass sie schon so lange geschieden waren, völlig verrückt war. Aber er wollte sie. Nur dieser eine Gedanke war in seinem Kopf.

Eine Sekunde zögerte der bis über beide Ohren neuverliebte „Batman“ noch, strich mit seinen entflammten Blicken jeden einzelnen Muskel und Wirbel ihrer entzückenden Rückenansicht entlang, die sich deutlich durch das schwarze Leder ihres eng anliegenden Catwoman-Kostüms abzeichneten, dann setzte er sich spontan auf den freien Hocker neben sie, auf dem zuvor noch sein schwedischer Konkurrent gesessen hatte. Die Aufmerksamkeit vom Kellner hinter dem Tresen war sofort geweckt, der eine neue Bestellung erwartete. Die Aufmerksamkeit von Maria Hassmann jedoch erst, als Cedric plötzlich den Mund aufmachte und sich wegen seines trockenen Halses kurz räusperte, um sie anschließend ganz ruhig und freundlich zu begrüßen, ohne sie dabei aus den Augen zu lassen, weil er jede einzelne Reaktion der stolzen Katzenfrau unbedingt mitbekommen wollte.

Cedric: Hallo Maria!


http://www.youtube.com/watch?v=KwnpwLDJngQ

Lorelei Offline

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23.07.2012 14:42
#1310 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

http://www.youtube.com/watch?v=5EzzG0dp-B8


Erschrocken davon, so plötzlich diese eine unmögliche kratzige tiefe sexy (hatte sie gerade sexy gedacht) männliche Stimme zu hören, die sie so gar nicht hören wollte und der sie heute Abend schon mehrfach erfolgreich aus dem Weg gegangen war, verschluckte sich die überraschte Oberärztin an ihrem kalorienarmen leichten Sommersalat und spuckte den Inhalt ihres Mundes einmal quer über den Tresen direkt in die Spüle auf der gegenüberliegenden Seite. Der höfliche Kellner, der gerade noch so hatte ausweichen können, um nicht getroffen zu werden, reichte der hustenden Frau nun galant eine gelbe Serviette, die diese ihm auch sofort hastig aus der Hand riss, bevor er sich, nachdem er den Hassmannschen Fauxpas auf der Anrichte kommentarlos mit einem geblümten Lappen beseitigt hatte, dezent einige Meter zurückzog, um das Schauspiel, das nun in mehreren Akten folgte, aus sicherer Entfernung zu beobachten. Irgendwie spürte er instinktiv, dass bei den beiden etwas im Busch war. Die Lufttemperatur war nämlich in Sekundenschnelle um einige Grad angestiegen, was man bei der Unterhaltung zuvor überhaupt nicht behaupten konnte. Man war zwar bemüht gewesen und es wurde auch an einigen Stellen gelacht und im gegenseitigen Gefallen geflirtet, aber da waren überhaupt keine Funken geflogen, obwohl dieser „Daniel Craig“ wirklich heiß anzuschauen war. „Christian Bale“ im Übrigen auch, der sich gerade bemühte, nicht zu lachen, es aber hinter vorgehaltener Hand dennoch nicht verkneifen konnte.

Maria tupfte sich in Zeitlupe die Vinaigrette von ihrem Mund, legte die Serviette anschließend akkurat zusammengefaltet auf ihren halbvollen Teller und fuhr dann nach einem kurzen Zögermoment mit hochrotem Kopf zu dem unverschämten Störenfried herum, der es doch tatsächlich gewagt hatte, sich ihr ungefragt zu nähern, obwohl er genau wusste, dass er sich das nicht zu getrauen hatte, wenn ihm sein Leben und seine Karriere lieb waren. Strahlendblaue Augen starrten sie nun verschmitzt aufblitzend an, was die innerlich kochende Ärztin für den Hauch einer Sekunde völlig aus dem Konzept brachte, bevor sie sich wieder fing und gleich darauf laut loszeterte, was den einen oder anderen Partygast in der Couchecke hinter ihnen aufschrecken ließ, der daraufhin seine Augen kaum noch von dem streitsüchtigen „Paar“ an der Bar abwenden konnte, das ihnen eine perfekte Bühnenshow lieferte, zu der eigentlich nur noch Popcorn gefehlt hätte.

Maria: Herrgott, Rick, willst du mich umbringen?
Cedric (lächelt charmant u. scheint kein Wässerchen zu trüben): Danach liegt mir nicht der Sinn, nein. Im Gegenteil. Ich wollte einfach nur „Hallo“ sagen. Hallo!
Der führt doch irgendetwas im Schilde?
Maria (mustert ihr Gegenüber argwöhnisch u. rückt aus Selbstschutz etwas von ihm weg): Was willst du?

Cedric seufzte leise auf. Diese Frau machte ihn wahnsinnig. Überall witterte sie nur Misstrauen und Missgunst. Aber er hatte ja auch mit heftigem Widerstand ihrerseits gerechnet. Da musste er jetzt eben durch. Der Weg war das Ziel. Und das Ziel war verlockender, als jedes Himbeersorbet im Sommer hätte sein können. Verschmitzt lächelnd lehnte er sich zu ihr rüber und rückte ebenfalls mit seinem Stuhl etwas nach, als Maria ihm schon wieder abhauen wollte.

Cedric: Du hast mich heute noch gar nicht begrüßt.
Hat der was genommen?
Maria (verstört): Bitte? Ich wüsste nicht, wieso ich das sollte. Das ist nicht meine Party.
Cedric: Macht man das nicht gewöhnlich aus Höflichkeit? Und so viel ich weiß, warst du schon mit an der Planung beteiligt.
Oh ich bring Gretchen um!
Maria (blitzt ihn an, dann schaut sie sich suchend im Wohnzimmer um): Dieser Charakterzug ist dir völlig uneigen, Cedric, also brauche ich dir auch nicht höflich gegenübertreten. Das ist Haases Job. Und vielleicht ist dir das noch nicht aufgefallen, aber ich bin nicht alleine hier. Wenn du also bitte...
Cedric (grinst selbstgefällig): Och du, die vielen Schwestern sind mir schon aufgefallen, ja.
Nein, korrigiere, erst bringe ich ihn um, dann die Verräterin!
Maria (biestig): War ja klar, dass dir das als Erstes ins Auge fallen würde. Dein Auftritt war aber auch ein voller Erfolg bei deinen Fans. Musst du schon Autogramme schreiben?
Cedric (liebt es einfach, wenn sie so zickig zu ihm ist, weil es ihm zeigt, dass er ihr nicht gleichgültig ist): Oh danke! Bei dir scheint er ja auch ziemlich Eindruck hinterlassen zu haben? Wo soll ich unterschreiben?

Cedric rückte seinem „Lieblingsfan“ gefährlich nah auf die Pelle und visierte mit seinen gierigen Blicken ihr ausgesprochen üppiges Dekolletee an, das der lederne Catsuit im Zusammenspiel mit einer wütenden Oberärztin äußerst vorteilhaft hatte anwachsen lassen. Maria wich in Panik vor einer möglichen Annäherung und der damit möglicherweise verbundenen explosiven Reaktion schnell zurück. Er machte sie einfach nur wahnsinnig mit seinem Verhalten. Was versprach er sich davon? Dass sie dahin schmolz wie Himbeersorbet in der prallen Sonne und ihm direkt in die Arme glitt? Nicht in diesem Leben!

Maria: Oh ich bitte dich! Davon träumst du wohl?
Cedric (das schelmische Grinsen weicht abrupt einem ernsteren Gesichtsausdruck, mit dem er ihr tief in die dunkelbraunen Augen schaut): In der Tat!
Was...? Was soll das denn jetzt? Die Weichspülversion eines Idioten oder wie? Steht ihm gar nicht!
Maria (durcheinander von seinem eindringlichen Blick u. dem ehrlichen Klang in seiner Stimme): Äh... War’s ... das ... dann? Hast ja jetzt „Hallo“ gesagt und... ich... ich sag ähm... ja... „Tschüß“. Der Platz, auf dem du dich gerade mit deinem arroganten Arsch breitmachst, ist nämlich schon besetzt.
Hmm... ich könnte dir ewig beim Meckern zuhören. Sexy!
Cedric (rührt sich nicht vom Fleck u. winkt erst mal den Barkeeper zu sich): Och es sitzt sich aber sehr gemütlich hier. Äh... Sie da! Könnte ich bitte einen „Bloody Mary“ bekommen?
Barkeeper (wagt sich vorsichtig heran): Kommt sofort!

Während der Kellner ihm seinen Drink mixte, kochte Maria nur so vor Wut neben ihrem unverschämten Exmann, der doch tatsächlich die Dreistigkeit besaß, sie vor den Augen der Kollegen so plump anzumachen. Aber sie würde sich nicht provozieren lassen. Nicht hier und schon gar nicht von ihm. Diesem... diesem Vollhorst! Vielmehr hoffte sie endlich auf Erlösung. Sven, der schöne Sven, war genau der Richtige für diesen Job. Wo blieb er denn eigentlich? Er wollte doch gleich zurück sein?

Maria (verdreht die Augen): Witzig, Rick. Der Witz ist jetzt wie alt? Wir sind nicht mehr auf der Uni bei irgendwelchen Saufspielen.
Cedric (bekommt seinen Cocktail gereicht u. nippt gleich mal daran, bevor er seine schöne Ex wieder mit Unschuldsmiene ansieht): Was denn? Ich hab mir nur einen Drink bestellt. Das wird ja wohl noch erlaubt sein? ... Danke übrigens!
Barkeeper (lächelt gequält u. nimmt schnell wieder seine Sicherheitsposition neben dem DJ-Pult auf, mit dessen Betreiber er nun leise tuschelt u. dabei immer wieder zu dem sich angiftenden Paar schaut): Bitte, bitte!
Cedric (prostet Maria zu u. nimmt wieder einen großzügigen Schluck aus seinem Glas): Willst du auch einen?
Maria (verschränkt abweisend die Arme u. hofft u. hofft u. hofft): Neiiin!
Hmm... wenn sie so widerspenstig ist, ist sie noch schärfer.
Cedric (deutet auf das halbvolle Cocktailglas neben Marias Teller u. zwinkert ihr frech zu, um gewisse Erinnerungen wachzurufen): Mhm... Der ist gut! Würde dich sicherlich wesentlich entspannter machen als die Kinderplörre, die ihr hier sauft. Was ist los? Du versagst dir doch sonst keinen Alkohol?
Maria (platzt gleich): Boah Cedric! Ich will nicht, hab ich gesagt. Meine Begleitung müsste gleich wieder da sein. Wenn du also bitte wieder gehen würdest? Danke!

Cedric senkte seinen Arm und stellte sein halbleeres Glas wieder auf den Glasuntersetzer auf den Tresen. Er zögerte einen Moment, schaute sich vergewissernd im Zimmer um, ob die Luft denn noch immer rein war, was sie zum Glück auch war, wie er an dem lauten Gelächter aus dem Nebenraum unter der Treppe erkennen konnte, dessen Eingang bzw. Ausgang von Günnis breitem Kreuz versperrte war, und wandte sich dann wieder breit grinsend dem Thema zu, was ihn im Moment am meisten auf der Welt interessierte. Den schwedischen Schmalspurcasanova, mit dem sie ihn heute eifersüchtig zu machen versuchte. Eine Taktik, die trotz offener Spielregeln in ihrem endlosen Spiel so überhaupt nicht viel versprechend war. Er war einfach nicht der Typ, der eifersüchtig wurde. Weder auf Gynäkologen noch auf... ja was eigentlich... Elchjäger. Außerdem war dieses ekelhafte Beschützergehabe, was die beiden Sensibelchen an den Tag legten, doch überhaupt nichts, womit man eine Frau wie sie beeindrucken konnte. Maria brauchte einen richtigen Kerl, der sich auch mal die Nase blutig schlagen ließ, wenn ihr jemand zu nahe kam. Er musste nur aufpassen, dass sie nicht diejenige war, die ausholte. Wobei genau diese Reaktion beim letzten Mal doch recht viel versprechend geendet hatte. Seitdem war sie in seinem Kopf. Und in seinem Herzen. Auf Pole-Position.

Cedric: Das ist ER also? DER ominöse Unbekannte?
Maria (blickt ihn ziemlich konsterniert an): Wie bitte?
Cedric (deutet mit seinem Kinn in Richtung Diele, aus der man lautes Lachen und deutlich eine kraftvolle männliche mit leichtem Akzent sprechende Stimme heraushört): Ich muss ehrlich zugeben, als du neulich so eine vage Andeutung gemacht hast, von wegen, ich treff mich gleich mit irgend so einem supertollen Typen zum Date, dachte ja eigentlich, du hättest mir nur etwas vorgemacht und ihn dir nur ausgedacht, weil du mir unbedingt eins auswischen wolltest.

Was denkt der sich eigentlich? Als ob ich das nötig hätte?

Maria (zickig): Falsch gedacht!
Cedric (mit gespielt desinteressiertem Tonfall in der Stimme): Respekt, du bleibst deinem Männertyp treu. Is’es was Ernstes?
Wusste ich’s doch! Er ist eifersüchtig! Aber dazu hat er kein Recht.
Maria (verzieht keine Miene u. bleibt betont unnahbar): Ich wüsste nicht, was dich das angeht, Cedric?
Cedric (nippt gespielt gelangweilt an seinem Glas, obwohl er innerlich wie auf Kohlen sitzt u. unbedingt mehr erfahren will): Ich interessiere mich halt für dich... für dein Leben.
Er hat dazu kein Recht. Das muss endlich aufhören.
Maria (versucht sich zu sammeln u. ruhig etwas klarzustellen, was er sie aber nicht lässt): Rick...
Cedric (merkt, wie die Stimmung sich dreht u. versucht ruhig, auf seine Gefühle zu sprechen zu kommen, damit sie endlich versteht, was wirklich in ihm vorgeht): Mary? Ich find’s nicht fair, wie du mich außen vor lässt.
Was fällt ihm ein, über mein Leben bestimmen zu wollen?
Maria (schnappt empört nach Luft): Bitte? Soll ich jetzt etwa jedes Mal einen Antrag bei dir stellen, wenn ich mich mit einem anderen Mann treffen will? Unter welchen Kriterien? Nur Glatzköpfe mit Hornbrille auf ihrer runzligen Nase schaffen den Vorausscheid oder wie? Du bist doch nicht mehr ganz dicht.
Cedric (ernst u. nicht auf Spielchen bedacht): Du weißt genau, worauf ich hinaus will. Hör mir doch einfach mal zu!

Lorelei Offline

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25.07.2012 16:16
#1311 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Marias Wutpegel senkte sich wieder ein wenig, auch wenn sie ihr Gegenüber weiterhin misstrauisch beäugte. An seinem Gesicht, das heute seine typischen verschmitzten Grübchen vermissen ließ, was ihr eben erst auffiel, konnte sie erkennen, wie ernst Cedric sein Anliegen offenbar war. Und sie hatte verstanden, nur konnte sie nicht glauben, dass er sie ausgerechnet jetzt und hier wieder damit konfrontieren musste. Sie hatte die ganze Sache in den letzten Tagen ganz gut ausgeblendet. Fast hätte sie gar nicht mehr daran gedacht. Wenn ER nicht wäre und sie ständig daran erinnern würde. Um Vernunft bemüht suchte sie nach den richtigen Worten, um ihm zu erklären, warum sie so handelte, wie sie eben handelte. Sie fielen ihr nicht ein. Sie wollte, nein, sie konnte nicht mit ihm darüber reden. Was sollte denn das noch bringen? Sie hatten sich doch bis zu dem Vorfall mit Sarah alles gesagt. Er hatte sie in einem schwachen Moment erwischt und jetzt musste sie die Konsequenzen dieser kurzzeitigen emotionalen Schwäche ausbaden, während der sie bei ihm Hoffnungen geschürt hatte, die sie nicht für möglich gehalten hatte, die es ihr aber gleichzeitig auch unmöglich machten, diese auch tatsächlich zu erfüllen. Sie hatte keine Kraft mehr zu kämpfen. Und ihr Magen zwickte auch schon wieder. Die Magentabletten versprachen auch nicht mehr das, was eigentlich auf der Packungsbeilage stand. Sie musste sich konzentrieren und atmete einmal tief durch. Dann schaute sie wieder auf. In unruhige tiefblaue Augen, die sie voller Erwartung anschauten und die sie mit ihrer Eindringlichkeit sprachlos werden ließen. Alles stand Kopf. Dennoch versuchte sie sich zusammenzureißen. Wesentlich ruhiger als noch zuvor und mit flauem Magen begann die alleinerziehende Mutter schließlich zu sprechen, doch schon nach wenigen Silben verließ sie wieder der Mut. Es war schon ein Los mit der eigenen Courage.

Maria: Was ich neulich gesagt habe, das... das... ach ich weiß doch auch nicht.
Cedric (fixiert sie mit intensivem Blick): Anstatt ständig vor mir wegzulaufen, hättest du auch gleich sagen können, dass du nicht...
Maria (ihre Augen blitzen wieder auf u. sie fällt ihm empört ins Wort): Ich laufe doch nicht vor dir weg.

Dann hab ich wohl Halluzinationen von wehenden Kitteln?

Cedric (rollt erst mit den Augen u. wirft ihr schließlich im Eifer des Gefechts seine ganze bittere Enttäuschung der letzten Tage vor die Füße): Doch das tust du, Mary! Oder muss ich dich erst daran erinnern, wie du heute Mittag öffentlichkeitswirksam fluchtartig die Kantine verlassen hast, nur weil ich mich an euren Tisch setzen wollte? Mann, dann sag doch einfach, dass du einen Rückzieher machen willst. Ich würde es sogar verstehen. Nach der ganzen Zeit. Das ginge mir bestimmt genauso an deiner Stelle. Aber..., Mann,... Scheiße,... die Ungewissheit macht mich völlig fertig. Du kannst nicht so was in den Raum werfen, Hoffnungen schüren und dann am nächsten Tag so tun, als wäre nichts gewesen, und zur Tagesordnung übergehen. Das geht so nicht! Auch wenn du’s nicht glaubst, ich hab auch Gefühle. Es vergeht keine Nacht, in der ich nicht von ihr träume. Wie sie dasteht in ihrem viel zu großen Kittel mit ihrem unschuldigen Engelsgesicht, das weint. Und ich kann nichts tun, weil sie keine Ahnung hat, wer ich bin. Gott, ja, ich weiß, ich kann die Zeit nicht zurückdrehen, aber ... ich... ich halt das nicht mehr länger aus. Verdammt, ich will sie doch nur sehen und nicht gleich bei euch einziehen.

Jetzt bin ich die Böse oder was? Du machst es dir viel zu einfach! Was soll ich denn machen? Ich weiß es nicht!

Maria (bewegt von seinen ehrlichen Worten, aber auch gekränkt von seinen Vorwürfen und innerlich verzweifelt, weil sie weder vor noch zurück weiß): Denkst du, für mich ist das einfach? Ich hab’s doch versucht, nicht nur einmal, aber...
...wie erklärt man das einem Kind? Sie ist noch so klein. Wie sie mich angeschaut hat, so wissbegierig, lieb, unschuldig, es ging einfach nicht.
Cedric (sieht sie an u. versteht): Du hast Angst?
Maria (senkt kurz verschämt ihren Blick, weil sie seinem nicht länger standhalten kann, fasst sich aber schnell wieder u. sieht ihn durchdringend an): Ist das nicht zu verstehen? Ich kann nicht einfach zu ihr hingehen und sagen, „Hey Sarah, Schnecke, der Papa ist wieder da, wo er war, ach egal, aber er hat dich ganz doll lieb und hat sogar ein Geschwisterchen für dich im Handgepäck dabei, freust du dich“. Sie ist sechs Jahre alt, Rick. Sie ist gerade in einer entscheidenden Phase ihres Lebens, die schon verwirrend genug ist. Im Herbst kommt sie in die Schule. Das wirft sie zurück. Ich... ich kann nicht. Es geht einfach nicht, so gern ich einen Ausweg finden möchte.
Cedric (irgendwie kann er Maria ja verstehen, aber der innere Drang, seine Tochter unbedingt wieder sehen zu wollen, ist einfach stärker): Unterschätzt du da unsere Kleine nicht ein wenig? Wie ausgefuchst sie ist, hab ich doch neulich mitbekommen, als sie mal eben so aus dem Kindergarten ausgebüxt ist.
Maria (die Löwenmama fährt ihre Krallen aus): Erkläre DU mir NICHT, wie ich meine Tochter zu erziehen habe, Cedric. Du weißt gar nichts von ihr. Gar nichts!
Cedric (bleibt ganz ruhig u. sieht sie einfach nur an): Dann erzähl mir von ihr!

Maria, die Cedrics aufrichtigen Wunsch auch als solchen aufgefasst hatte, richtete ihren Blick seufzend an die Decke, dann sprach sie ganz leise fast flüsternd weiter, ohne ihm dabei in die Augen zu sehen. Das konnte sie nicht. Ebenso wenig wie ihm von ihrer gemeinsamen Tochter zu erzählen. Wie sie nächtelang geweint hatte, weil er plötzlich aus ihrem Leben verschwunden war und sie das überhaupt nicht einordnen konnte, weil sie noch so klein war. Wie sie immer wieder nach ihm gefragt hatte, nachdem sie Sprechen gelernt hatte, und ihre Mutter um Ausreden nicht verlegen war. Wie sie irgendwann aufgehört hatte, nach ihm zu fragen, je älter sie wurde, und er bis heute kein Thema mehr wurde.

Maria: Dafür ist es einfach zu spät.
Cedric (getroffen, aber er bemüht sich, es sich nicht anmerken zu lassen und versucht es weiterhin mit Offenheit): Es ist nie zu spät, Mary. Vielleicht ist dir das noch nicht klar geworden, aber ich vermiss sie... euch. Ich will nichts mehr auf der Welt als meine Familie zurück. Ihr seid meine Familie. Ist das so schwer zu verstehen?

Lorelei Offline

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27.07.2012 20:45
#1312 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

http://www.youtube.com/watch?v=8ZLQWb-H3mo


Wieso kommt er damit jetzt? Ausgerechnet jetzt, wo ich endlich mit allem abschließen möchte.

Maria konnte einfach nicht aus ihrer Haut. Natürlich war ihr das tief aufrichtige Geständnis ihres Exmannes und Vaters ihrer gemeinsamen Tochter nicht gleichgültig, die tatsächlich für ihr Alter reifer als andere Altersgenossinnen war und die vermutlich nichts erschüttern konnte, auch nicht das Auftauchen ihres Vaters, aber sie war nun mal immer noch Kind, das trotz seiner frühen Selbständigkeit Schutz brauchte, den ihm seine Mutter geben wollte und musste. Auch um ihrer selbst willen. Cedrics Worte gingen Maria nahe, keine Frage, näher, als sie sich das jemals eingestehen würde. Und für einen kurzen Moment gewann die Sehnsucht, die sie sich eigentlich verboten hatte, sogar überhand, ließ sie sich von seinem eindringlichen bittenden Blick einnehmen, ließ sie sogar zu, wie er ihr kurz über den Handrücken strich. Es war lediglich ein Moment. Eine Sekunde. Dann zog sie ihre Hand schnell überfordert zurück und senkte ihren Blick, wollte nachdenken. Doch alles drehte sich in ihrem Kopf. Erinnerungsfetzen von jetzt und damals vermischten sich, schufen immer klarer ein verschwommenes Bild.

Maria hatte den Glauben an ein Familienglück mit Cedric schon lange begraben. Damals. Vor vielen Jahren, als ihm ihre gemeinsame Kleinfamilie einen Dreck wert gewesen war und er sich für Spaß anstatt Stress entschieden hatte. Damals hatte sie ihre Träume aufgegeben, die gerade noch in ihrer Entwicklung gewesen waren, da sie eigentlich bis dahin immer einen ganz anderen Lebensplan vor Augen gehabt hatte, in dem Mann, Kind und Reihenhaus, wenn überhaupt, erst am Ende ihres beruflichen Aufstiegs gestanden hätten. Tja, das Leben entschied halt immer anders, als man immer gedacht hätte. Es hatte sie pragmatisch werden lassen. Das war sie immer noch. Maria Hassmann hatte das regelrecht perfektioniert. Ihr war auch gar nichts anderes übrig geblieben, um sich durchzuboxen. Im Job und im Privaten. Sie war selbst immer wieder aufs Neue erstaunt, wie sie das alles hinbekam, ohne komplett durchzudrehen. Und das wäre sie oft, wenn, ja wenn da nicht Sarahs ansteckendes Lachen wäre, das sie immer wieder aus Tiefs hoch holte und ihr aufzeigte, wofür sie das alles machte. Der Sockel ihres Herzens gehörte nur ihr allein.

Marias Tagesablauf und der Alltag mit Sarah waren perfekt durchgeplant, ebenso wie ihre einzelnen Karriereetappen, die sich zwangsläufig daran angepasst hatten in einem Rhythmus, der ihr mittlerweile ganz angenehm war. Da passte ein Störfaktor wie Cedric ‚Ich bin der Größte, Tollste, Beste’ Stier einfach nicht rein, der stets planlos durchs Leben ging und damit sogar bislang ganz gut gefahren war, weil ihm immer alles in den Schoss gefallen war, ohne dafür groß einen Finger krumm machen zu müssen im Gegensatz zu ihr. Das hatte sich zwar mittlerweile geändert. Er hatte sich verändert. Nicht nur durch die Umstände. Er war reifer geworden. Das war Maria schon aufgefallen, seitdem sie wieder Kontakt hatten.

Diese neue Seite, auch seine ungewöhnliche Offenheit reizten sie. Trotz alledem war da aber immer noch etwas in ihr, das sie daran hinderte, einen Schritt auf ihn zuzugehen, das alles in ihr blockierte, das sie in die Flucht trieb. Es konnte kein Zurück geben. Weil sie einfach sicher war, dass es auf Dauer nicht funktionieren würde. Sie würden sich irgendwann gegenseitig kaputtmachen. Er war er und sie war nun mal sie. Deshalb biss Dr. Hassmann den Anwerber auf ihr Herz, dessen mit Widerhaken verriegeltes Türschloss er bereits erfolgreich mit seiner charmanten Art angebohrt hatte, auch konsequent zurück. Mit der schärfsten Waffe, die sie aufzubieten hatte. Ihrem bissigen Zynismus, ihrem treuen Begleiter im Umgang mit der dreisten Männerwelt, die ihr keinen Respekt zollte, sie nicht ernst nahm, ihr immer wieder wehtat, auch wenn sich die taffe Ärztin und emanzipierte Frau äußerlich nie etwas anmerken ließ.

Maria: Du willst also deine Familie zurück? Wann ist dir das aufgefallen, hmm? Als du alleine und völlig überfordert neben deinem schreienden Zweitkind im Ehebett aufgewacht bist, nachdem sich deine frisch angetraute Gattin bei Nacht und Nebel mit deinem bescheidenen Hab und Gut auf und davon gemacht hat? Erst hast du die eine mit der anderen ersetzt und jetzt, als es wieder stressig wird und du endlich mal wirklich Verantwortung übernehmen musst, versuchst du’s wieder auf die gleiche Tour. Aus reiner Bequemlichkeit, weil du mit deinem verkorksten Leben alleine nicht klarkommst. Nein danke, Sarah und ich sind mir echt zu schade, um uns in deine Midlifecrisis mit rein ziehen zu lassen. Wird wirklich Zeit, dass du auch mal alleine was auf die Reihe bekommst. Werd endlich erwachsen, Cedric! So einfach wie du denkst, funktioniert das wahre Leben nämlich nicht.

Ein Schlag mit der Abrissbirne konnte nicht schmerzhafter sein als Marias barsche Worte. Enttäuscht und verletzt schlug Cedric auch sofort zurück. Ohne Rücksicht auf Verluste. Für Schmeicheleinen war es nämlich bei diesem sturen Weibsbild schon lange zu spät. Er hatte schließlich alles versucht, sogar komplett blank gezogen, aber sie wollte ja nicht verstehen.

Cedric: Das ist wieder so typisch für dich, Maria. Wenn etwas ernst zu werden scheint, wirst du verletzend und schlägst solange verbal um dich, bis du alle vergrault hast, denen etwas an dir liegt. Aber auf den Gedanken, dass man es diesmal wirklich ernst meinen könnte, dass man sich weiterentwickelt hat, etwas im Leben verändern will, endlich einen wirklichen Plan von der Zukunft hat, darauf kommst du nicht in deinem eingeschränkten vorurteilsbeladenen Weltbild. Stattdessen machst du dir wieder nur was vor, rennst vor deinen eigenen Gefühlen weg und flirtest mit irgendwelchen Typen, die sich von deinem unnahbaren Verhalten angezogen fühlen, aber nicht den Hauch einer Ahnung haben, mit wem sie es wirklich zu tun bekommen. Nämlich einer extrem frustrierten, vom Leben enttäuschten, wegen quälender Minderwertigkeitskomplexe um Emanzipation im Job bemühten, furchtbar einsamen Frau Mitte dreißig, die nach Liebe schreit, sie aber nicht annehmen kann, wenn man sie ihr direkt vor die Füße wirft. Willst du wirklich so jemand sein? Ich denke nicht.

Der nächste Schlag der zurückpendelnden Abrissbirne traf nun auch Maria mit voller Wucht. Was fiel ihm überhaupt ein, so mit ihr zu reden? Noch nie hatte ihr jemand so die Meinung gesagt und hatte sie dabei gleichzeitig unendlich verletzt. Am liebsten würde sie sich jetzt und hier mit Händen und Füßen gegen seine bitteren Worte wehren. Aber sie konnte nicht. Nicht nur weil ihr bewusst war, wo sie sich gerade befanden und dass vermutlich sämtliche Augen auf sie gerichtet waren. Sie waren schließlich nicht gerade leise gewesen in den letzten Minuten. Wie gelähmt saß sie da und starrte ihr Gegenüber aus eisigen Augen an. Die Worte, welche die verletzte Löwenmutter ihm nun stattdessen voller Wut an den Kopf warf, hörte sie nur noch gedämpft an sich vorbeirauschen. Eigentlich wollte sie nur noch weg.

Maria: Du bist so ein Arsch, Cedric. Weißt du was, es war genau die richtige Entscheidung, Sarah nichts von dir zu erzählen. Das hier... das kann nicht funktionieren. Das musst du doch selbst einsehen? Und frustriert ist hier nur einer. Weil du nicht mehr den coolen Hecht spielen kannst, die Nummer eins, den tollen Neurospezialisten mit dem wahnsinnig wichtigen Job, auf den alle Frauen fliegen. Übrigens was deinen Auftritt von vorhin betrifft, da hab ich gelogen. Der war einfach nur albern und peinlich. Da bin ich nicht die Einzige, die so denkt. Aber ein paar Schwesternschülerinnen kannst du damit sicherlich beeindrucken. Vielleicht sitten sie ja auch mal deine Kleine, hmm? Das wäre doch genau dein Ding.
Cedric (schüttelt ungläubig den Kopf nach dieser Anspielung unter die Gürtellinie u. wird immer leiser): Dir ist echt nicht zu helfen. Was mache ich eigentlich hier? Das hat doch alles gar keinen Sinn.
Maria (zickig): Falsch, dir ist nicht zu helfen.

Cedric (bäumt sich noch ein letztes Mal auf, bevor er endgültig aufgibt): Weißt du was, ich hab’s einfach satt, nur noch dein Fußabtreter zu sein. Du willst eben nicht. Bitte! Dann werd doch glücklich mit dem Knäckebrot da, vögle ihn durch und mach dir weiterhin was vor. Aber denke ja nicht, dass ich ewig auf dich warten werde.
Maria (würde ihm am liebsten die Augen auskratzen, krallt sich aber stattdessen am Tresen fest): Bitte? Das Warten kannst du dir echt sparen. Da kannst du warten, bis du schwarz wirst.
Cedric (plötzlich ganz ruhig): Wahrscheinlich hast du Recht. Ich habe noch nie einen so nachtragenden, verbitterten und sturen Menschen erlebt wie dich. Sollen doch andere damit klarkommen. Mir reicht’s.
Maria (schnippisch): Ich bin nicht nachtragend, nur realistisch.
Cedric (sieht sie ernst an): Was willst du eigentlich? Weißt du das eigentlich? Ich denke nicht.
Maria (mit einem wehmütigen Ausdruck in den Augen erwidert sie seine eindringlichen Blicke): Es ist nicht deine Aufgabe, dir Gedanken darüber zu machen. Ich war glücklich mit meinem Leben, bis du hier aufgekreuzt bist und einmal alles komplett durcheinander gerüttelt hast. Seitdem geht einfach alles nur noch schief. Warum kannst du mich nicht einfach in Ruhe lassen? Ich wünschte, du wärst nie hier aufgetaucht.
Cedric (der Pfeil bohrt sich tief in sein Herz u. er reagiert, wie Machos es eben in solchen Situationen tun): Das ist es also? Bitte, kannste haben. Ein Wort von dir und ich bin weg. Endgültig.
Maria (nach kurzem Zögern, während dem sie aufgewühlt in seinen vor Wut und Enttäuschung aufblitzenden Augen hin und her schaut, antwortet sie ihm, obwohl es ihr ganz und gar nicht gleichgültig ist): Gut! Ja, GEH doch! Geh einfach!

Ohne ein weiteres Wort stand der Neurochirurg auf, nahm sein Jackett vom Hocker und kam der Aufforderung seiner Fachkollegin und Exfrau sofort nach. Vor der Couchlandschaft, von der aus ihn neugierige Augenpaare gespannt beobachteten, blieb er jedoch noch einmal stehen und drehte sich zu der wütenden Furie um, die ihn gerade unmissverständlich aus ihrem Leben gekickt hatte. Bitter enttäuschte traurige Augen trafen aufeinander, hielten sich fest, wollten sich nicht loslassen, bis ein Schatten die letzte Verbindung ihrer flammenden Liebe durchbrach, die keine Zukunft haben würde.

Die Neurochirurgin, die sich der Zweideutigkeit der Worte nicht wirklich bewusst war, konnte nicht lange darüber nachdenken, was mit ihnen gerade passiert war und warum sie sich so furchtbar schlecht dabei fühlte, wo dies doch der einzig richtige Weg gewesen war, ihn endgültig loszuwerden, denn Sunnyboy Sven stand unvermittelt wieder neben ihr und lächelte sie gutmütig an, während unbändige Reuegefühle sich gerade durch ihre Eingeweide fraßen. Es hatte doch überhaupt keinen Sinn, IHM plötzlich nachzutrauern. Das Hier und Jetzt stand direkt vor ihr und strahlte sie an. Sie musste nur zugreifen. Mit ihm würde es bestimmt nicht kompliziert werden. Sei nicht bescheuert, sprach sie sich selber Mut zu und sah ihren charmanten Begleiter schließlich auch an, während Cedric noch sekundenlang wie verloren im Raum herumstand, bis sich jemand seiner annahm und ihn runter auf die Zweiercouch zog, auf die er sich plump fallen ließen.

Sven (schaut sich um): Alles in Ordnung? Wer war das?
Maria (flüstert nur mehr zu sich selbst als zu ihm, fasst sich wieder u. geht gespielt enthusiastisch auf ihn zu u. nimmt ihm die leere Sektfasche ab u. stellt diese auf den Tresen): Niemand! Ein... Schatten... der Vergangenheit. Egal. Und...? Was hat die Trauzeugin gesagt? Gibt es noch ein Plätzchen in der Kirche für einen Mann wie dich? Oder muss ich dich heimlich reinschmuggeln?
Sven (setzt sich lächelnd wieder neben sie): Ich habe sogar eine offizielle Einladung von der Braut persönlich. Sabine ist ja wirklich sehr niedlich. Sie kommt mir vor wie jemand aus einem anderen Jahrhundert. Und ihr Mann wie jemand aus einem anderen Universum. Könnte eine interessante Hochzeit werden.
Maria (kann endlich wieder lachen): Stimmt! Dann hat dein schwedischer Charme wohl wieder mal voll und ganz eingeschlagen. Ich hab nichts anderes erwartet. Vielleicht kann ich dich ja doch noch zum längeren Bleiben überreden? Du kannst unmöglich schon am Montag fliegen.

...flirtete die schöne Ärztin den attraktiven Orthopäden mit einem aufgesetzten Lächeln offensiv an, der dem nicht abgeneigt war. Doch ein bitterer Nachgeschmack blieb trotzdem. Maria fühlte sich unwohl in ihrer Haut. Schrecklich unwohl. Alles kribbelte und zwickte und ihr schwitziger Catwoman-Anzug nervte nur noch. Am liebsten würde sie ihn runter reißen wie eine Schlange ihre Haut. Sie spürte immer noch die enttäuschten Blicke ihres Ex-Ehemannes im Nacken, die sich wie kleine Pfeile in ihre Haut bohrten und sie völlig bewegungsunfähig machten. Aber sie hatte nun mal keine andere Wahl. Allein schon der Gedanke daran, dem Ganzen doch noch eine zweite Chance zu geben, war vollkommen absurd und nicht realisierbar. Allein schon wegen Sarah, die hoffentlich schon in ihrem Bettchen lag und von alledem nichts ahnte. Sie musste endlich damit abschließen und nach vorne blicken. Die Schatten der Vergangenheit taten ihr nicht gut.

Und so schnappte sich Maria prompt Svens Hand und ihren Mantel vom Hocker neben sich und sie verließen zusammen den Partybereich, in dem nach dem Ende des Stier-Hassmannschen „Bühnenstücks“ wieder eifrig getanzt und gelacht wurde. Auf der Dachterrasse angekommen, setzten sie sich in die wärmende Nähe eines Feuerkorbes in einen gemütlichen Strandkorb, schlüpften unter eine dicke Wolldecke und rückten ganz nah zusammen, damit sie nicht vor Kälte schlottern mussten. Maria, die die kalte Februarluft tief in sich aufsaugte und dabei ihre Augen schloss, hatte eine Entscheidung getroffen. Cedric drinnen ebenfalls. Er würde seinen Worten Taten folgen lassen. Es ging nicht anders. Leider. Ein letzter wehmütiger Blick folgte dem deutsch-schwedischen „Paar“ nach draußen auf die Terrasse zum Strandkorb, der leider genau in seinem Blickwinkel stand, dann wandte er sich endgültig der hübschen jungen Frau neben sich zu, die seine Aufmerksamkeit gesucht hatte und ihm nun breit grinsend ein kühlendes Bier reichte, das er in einem Zug leerte. Die wohltuende Wirkung blieb jedoch aus. Er seufzte und schloss seine Augen, während er sich an die Sofalehne zurücklehnte und seinen Kopf an die Kante legte. Er hatte verspielt, game over auf ganzer Linie, stellte er wehmütig fest und hatte keine Ahnung, ob er je wieder die Kraft fand, aufzustehen. Aber hatte er tatsächlich schon verspielt?


http://www.youtube.com/watch?v=-tKhFcF_Qmk&feature=relmfu

Lorelei Offline

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29.07.2012 19:35
#1313 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallöchen! Auch auf die Gefahr hin, wieder eins übergebraten zu bekommen, traue ich mich wieder her und stelle mutig den neuen Teil rein. Viel Spaß! Und weg bin ich wieder. Ängstliche Grüße aus dem Schneckenhaus



Das eng beieinander sitzende Pärchen unter der kuscheligwarmen Wolldecke merkte gar nicht, dass es gar nicht alleine auf der von weißen Kerzen und prasselnden Feuerkörben hell erleuchteten Dachterrasse war, als es mit einem wärmenden Grog miteinander anstieß und sich dabei heiße Blicke zuwarf und im Anschluss wieder begann, sich angeregt miteinander zu unterhalten. Ihr gemeinsames Gespräch wurde zunehmend vertrauter und intimer und blieb nicht unbeobachtet.

Sven: Jetzt erzähl doch auch mal etwas von dir! Ich rede und rede hier die ganze Zeit lang und weiß noch so gar nichts von dir, außer dass du eine sehr erfolgreiche wunderhübsche Neurochirurgin bist, eine kleine Tochter hast und ... wie sagt man ... mit Worten nicht auf den Kopf gefallen bist.
Maria (flirtet ihn an, er nickt ihr verschmitzt zu): Bin ich das? Okay, was willst du denn wissen? Du kannst mich alles fragen, jetzt wo wir landestypisch miteinander angestoßen haben.

Auch die dunkel gekleidete Person am anderen Ende der großzügig geschnittenen Dachterrasse hatte die lachenden Neuankömmlinge in seinem und Gretchens neu angeschafften Strandkorb nicht bemerkt. Nachdenklich stand Dr. Meier am Geländer, blickte auf die angrenzenden Dächer und zog an seiner bereits dritten Kippe, die er allesamt nacheinander aufgeraucht hatte, um wieder etwas herunterzukommen. Er hatte Kopfschmerzen. Ihm spukte so vieles im Kopf herum, das eigentlich gar nicht in einen allein hineingepasst hätte: Ein mögliches Baby, das ihn schon bald um seinen wohl verdienten Schönheitsschlaf, aber vor allem um heiße Liebesnächte mit seiner Süßen bringen würde, was er aber alles auf sich nehmen würde, weil ihm der Gedanke immer mehr gefiel, je länger er sich damit beschäftigte; Gretchens ansteckende Freude über ihren gemeinsamen spontanen Entschluss und ihr wunderschönes Strahlen und perplexes Gesicht, als sie heute Nachmittag mal einfach so spontan „verheiratet“ wurden, was er sich immer noch nicht wirklich erklären konnte und ihm heftiges Bauchkribbeln bescherte; dann die „Trauung“ selbst und die bedeutsamen Worte des kuriosen Standesbeamten, die wie ein Echo immer wieder in seinen Ohren widerhallten; schließlich Mehdis gut gemeinte Ratschläge und seine aufrichtige Freude über ihr Vielleicht-Babyglück, mit der er überhaupt nicht gerechnet hatte und was mal wieder bewies, was für einen super Kumpel er da an seiner Seite hatte, zu dem er vielleicht mal etwas netter sein könnte auch in Bezug auf Gabi, die er wohl nicht mehr loswerden würde, so verschossen wie die in den Frauenflüsterer war; und dann noch die leidige Geschichte mit seiner flüchtigen Mutter, mit der man ihn nicht in Ruhe lassen wollte, wobei er sich doch eigentlich nichts sehnlicher wünschte, als das endlich zu vergessen; und zu allem Überfluss noch die seltsamen Träumereien von Mehdis verrückter Cousine, die sich doch bitte gefälligst ein anderes Versuchskaninchen für ihre nervige Glaskugelrubbelei suchen sollte. „Sultan Kaan“ vielleicht? Der glaubte doch noch an Märchen, in denen das Böse am Ende gut wurde oder so ähnlich. Oder wie wär’s mit der Stasi-Sabsi, die doch tatsächlich morgen in echt heiraten würde. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet diese trantüddelige und biedere Klosterschülerin als Erste über den Jordan schippern würde? Es war so viel passiert an diesem schicksalhaften Tag, dass es ganz verständlich war, dass die Speicherkarte von Dr. Marc Meier allmählich überlief und die rote Signallampe ununterbrochen aufleuchtete und in seinen Ohren unaufhörlich bimmelte.

Der grüblerische Oberarzt strich sich mit seiner Hand durch seine vom Wind zerzausten Haare, die andere hielt er wieder an seine vor Kälte rau gewordenen Lippen, um erneut einen kräftigen Zug von seiner Zigarette zu nehmen. Sein Blick folgte den kleinen Rauchkringeln, die tänzelnd in die Luft empor stiegen und sich langsam über den verschneiten Dächern der Nachbarhäuser auflösten. Früher, als er als Teeny mit seinen Kumpels heimlich hinter der Schulturnhalle geraucht hatte, hatten sie immer versucht, dabei lustige Figuren zu bilden. So wie Zauberer Gandalf in „Herr der Ringe“. Marc war ein wahrer Bildkünstler gewesen. Nie würde er vergessen, wie seine Schulkameraden gegrölt hatten, als er sich an einem nackten weiblichen Körper versucht hatte. Leider war ihm nur eine sehr barocke Frau gelungen mit dicken Oberschenkeln, ohne Füße und auch ohne Kopf, weil sich der Rauch so schnell aufgelöst hatte. Aber seine Jungs hatten trotzdem lauthals gelacht, wahrscheinlich weil sie noch nie zuvor eine echte nackte Frau gesehen hatten. Wie gut, dass er nie einem von seiner Clique verraten hatte, dass er sich dabei immer Haasenzahn Haase vorgestellt hatte, die er noch Tage zuvor in der von ihm durch einen dummen Jungestreich gesprengten Mädchendusche gesehen hatte. Gott, war das albern. War er albern! Was war eigentlich heute mit ihm los? Wieso dachte er gerade jetzt an so was? Und warum passierten all die Dinge gerade jetzt? Eigentlich gab es doch gar keinen Grund, plötzlich den Turbo einzulegen? Alles lief doch perfekt. Vielleicht zu perfekt? Marc wusste es nicht.

Eigentlich war doch immer Gretchen die Träumerin von ihnen beiden gewesen. Getreu der Evolution. Träume waren etwas für Mädchen. Für kleine süße blonde Mädchen mit Ringellöckchen und Tagebuch unter dem Arm. Er war doch immer derjenige gewesen, der realistisch blieb, der konkrete Pläne machte, alles ganz genau durchplante, Für und Wider abwog und dann erst eine endgültige Entscheidung traf. Zuallererst was seine Karriere betraf, das war natürlich klar, aber irgendwie traf dies auch auf seine bisherige Beziehung mit Gretchen zu. Kleine, nicht zu große Schritte, damit er noch hinterherkam, während er Gretchen ab und an ihre fünf Minuten zugestand, wo sie auf rosaroten Wolkenfeldern tanzte. Aber auch er dachte mittlerweile gar nicht mehr nach, sondern entschied und handelte einfach spontan. Aus dem Bauch heraus. Er folgte seinem Gefühl. Er hatte gar nicht gewusst, dass er das konnte. Aber er fühlte sich überraschenderweise gut dabei. War das normal? Was hatte er damals noch am See gesagt? „Du bekommst das ganz große Programm.“ Auch damals hatte er nicht nachgedacht, gut, ein Stück weit vielleicht schon, aber auch dieses Eingeständnis für ihre Liebe und eine gemeinsame Zukunft war ihm spontan über die Lippen gekommen. Einfach so. Aus dem Moment heraus. Genauso wie heute Nacht der Entschluss, das Ganze vorzuziehen und voranzutreiben. Dieses Gefühl war einfach da gewesen. Keine Ahnung, wieso und woher dieser Wunsch plötzlich gekommen war. Aber war er sich der Konsequenzen tatsächlich bewusst? Wie würde das alles jetzt weitergehen? Würden sie das hinbekommen? Alles würde sich ändern. Aber wenn man bedachte, wie sehr Gretchen sein Leben in den letzten Monaten einmal komplett auf den Kopf gestellt hatte, konnte das doch nur ein Katzensprung werden, hoffte er.

Am liebsten würde er jetzt mit jemandem darüber reden wollen, der sich mit solchen Dingen besser auskannte als er. Aber nicht mit Mehdi. Der mischte sich schon oft genug meist ungefragt in seine Angelegenheiten ein und irgendwie war es immer noch komisch zu wissen, dass sein Verhältnis zu Gretchen nicht von vornherein auf dieser wunderbaren freundschaftlichen Basis gewesen war und er sich lange Zeit genau an seine jetzige Stelle gewünscht hatte. Aber mit wem sollte er dann reden? Und seit wann hatte er überhaupt das Bedürfnis zu reden? Seine freie Hand, die er aufgrund der eisigen Temperaturen in seine Jackentasche gesteckt hatte, umkreiste sein Handy. Spontan zog er es heraus. Das Display war hell erleuchtet. Er musste wohl irgendwie an die Tasten gekommen sein? Ein Name leuchtete auf. Ein besonderer Name. Ein Name, der ihm so viel bedeutete, obwohl er erst seit kurzem in seinem Telefonbuch stand, dass er spontan lächeln musste. Sein Daumen umkreiste dessen Konterfei auf dem Foto, das er auf der gemeinsamen Weihnachtsfeier mit den Haases geschossen hatte. Da war er noch glücklich gewesen. Alle waren es. Selbst die Person, die eigentlich neben ihm gesessen hatte, die Marc aber dank modernster Fotoprogramme aus dem Bild entfernt hatte. Auch wenn er nicht viel vom Rest seiner Kindheit und Jugend mitbekommen hatte, war Olivier trotzdem irgendwie ein Vorbild für ihn. In jeglicher Hinsicht. Er sollte stolz auf ihn sein.

Aber konnte er ihn jetzt mit diesen ganzen Dingen konfrontieren, die seine eigenen Gefühle ununterbrochen Achterbahn fahren ließen, jetzt wo es ihm wegen Elke so schlecht ging? War sein Vater damit gemeint, um den er sich laut Azadeh ‚Oberschlau’ Kaan intensiver kümmern sollte? Er wusste es nicht. Außerdem glaubte er nicht an ihren Hokuspokus-Fimmel. Aber plötzlich hatte sein Finger, der langsam ohne es zu bemerkten die einzelnen Namen hinabgescrollt war, eine ganz andere Person aus seinem Adressbuch herausgepickt. Marc wusste nicht warum, aber einem Impuls folgend wählte er die Nummer, die er eigentlich nicht vorgehabt hatte, jemals wieder zu wählen. Es klingelte. Wie die vielen Male auch in den letzten Tagen, in denen er immer wieder vergeblich versucht hatte sie zu erreichen, bis er schließlich aufgegeben hatte, sprang nach einigen Sekunden sofort die Mailbox an, die ihm mitteilte, dass die Erfolgsautorin und Diva sondergleichen gerade unpässlich wäre. Gott, wie er ihr übertriebenes Grand-Dame-Gehabe hasste. Konnte er nicht eine stinknormale Mutter haben, an die man sich wenden konnte, wenn bestimmte Dinge einem Magenschmerzen bereiteten? Aber nein, Marc Meier hatte natürlich die Nicht-Mutter der Nation abbekommen müssen, die Gefühle für Sinnestäuschungen hielt, Irrlichter, die einem die Sinne vernebelten und einen schwach machten. Er hatte gelernt, vor ihr nie Schwäche zu zeigen und sie tat es ihm gegenüber genauso, außer wenn sie mal wieder vor Hypochondrie durchdrehte und sich irgendwelche Krankheiten einbildete, weil sie mal wieder in eine Depression und Schreibblockade abdriftete. Marc zögerte erst, aber dann sprudelten die Worte, die sich unbemerkt mal wieder angestaut hatten, einfach aus ihm heraus, obwohl er eigentlich am liebsten nach dem Piepston gleich wieder aufgelegt hätte...

Marc: Ja, da staunst du, was? Ich kann’s einfach nicht lassen. Keine Ahnung, warum ich deine Nummer nicht schon längst gelöscht habe. Alles andere hast du nämlich nicht verdient, MUTTER. Du hast dich ja auch ganz spontan aus unserem Leben gelöscht. Ehrlich, ich hab keinen Bock mehr zu fragen, warum und weshalb und wo du überhaupt steckst. Aber eins sag ich dir, das... das werde ich dir nie... niemals verzeihen. Weißt du eigentlich, wie dreckig es Dad deinetwegen geht, seitdem er ohne dich aus euren Flitterdings zurückgekommen ist? Ihm macht nicht mal mehr sein Job Spaß, obwohl er keinen besseren hätte kriegen können. Eh es will mir echt nicht in den Kopf, wie du das wieder versauen konntest. Wegen dir ist er doch erst nach Berlin zurückgekehrt, er hat dir verziehen, ALLES, hörst du, und du kehrst ihm als Dank den Rücken zu. Aber ehrlich gesagt hab ich auch keinen Kopf mehr für den ganzen Scheiß, warum und wieso du wieder in deine alten Muster verfällst. Im Moment passiert gerade so viel um mich herum, dass ich... dass ich... Ach Scheiße, eh, wie hört sich das an? Jetzt heul ich schon meiner Mutter was vor. Vergiss es einfach! Vergiss einfach, dass ich überhaupt angerufen habe. Das war jetzt auch definitiv das ALLERLETZTE Mal. Wahrscheinlich hörst du deine Mailbox eh nicht ab. Scheint ja so, als ob wir dir völlig egal wären. Bleib doch einfach, wo der Pfeffer wächst, wenn’s dich glücklich macht. Wir kommen auch ganz gut ohne dich klar. Mir ging’s nie besser. Denn weißt du was, ich... ich bau mir jetzt selber die Family, die wir nie waren und die du nie wolltest. Ich dachte nur, vielleicht interessiert es dich ja und du willst doch irgendwie an dem ganzen Programm teilhaben. Also nicht, dass du jetzt denkst, dass ich Rat bräuchte, weil... wir wissen ja beide, dass du erziehungstechnisch die größte Niete der Welt bist. Ich vertraue da ganz auf Gretchen und meinen Instinkt. Einfach nur, weil... Mann, du bist MEINE Mutter, VERDAMMT! Ich kann ja verstehen, dass du Dad mit deiner Anwesenheit nicht weiter quälen willst, aber, Mann, ICH bin auch noch da. Vielleicht brauch ich ja doch... *Piep* *Piep* *Piep* ... Scheiße eh, was mache ich hier eigentlich für einen Mist? Ich bin erwachsen. Ich brauche keine Mutter! Und ihren Rat schon mal gar nicht. Kommt eh nur heiße Luft raus.

Sven: Alles in Ordnung, Marc?

...kam eine vertraute Stimme plötzlich aus dem Hintergrund, die sich um den laut ins Handy brüllenden ehemaligen Schulkollegen Sorgen gemacht hatte. Marc, der noch viel zu sehr mit sich selbst und dem, was er gerade irrsinnigerweise getan hatte, beschäftigt war, schaute irritiert auf und entdeckte die blonde Nervensäge in Begleitung einer anderen noch nervigeren Person in Kuschelposition im Liegestuhl. Er rollte angewidert mit den Augen, machte noch mit dem Handy in der Hand eine abwiegelnde Handbewegung und drückte gleichzeitig mit der anderen seinen Zigarettenstummel im Ascher aus.

Marc: Jep! Alles bestens! Aber vielleicht brauchst du ja noch Hilfe?
Maria (hat die meiersche Spitze, die auf sie abzielt, genau wahrgenommen und reagiert dementsprechend zickig): Witzig, Marc, witzig.
Marc: Tzz... eure Ruhe möchte ich haben.

Marc hatte keine Lust auf die üblichen Zickereien mit seiner sehr „geschätzten“ Kollegin Hassmann und wollte gerade die Dachterrasse verlassen, um den beiden freie Bahn für was auch immer zu machen, und steckte sein Handy in die Jackentasche, als er merkte, wie es in seiner Hand plötzlich zu vibrieren begann. Er zog sein Telefon wieder heraus und schaute verwundert auf das Display und traute seinen Augen kam. Er taumelte einige Schritte zurück und lehnte sich mit dem Rücken an die Wand des Hauses. Er merkte gar nicht, wie er intuitiv auf den grünen Hörer drückte und sein Telefon ganz langsam an sein Ohr führte...

Marc: Mama?

Lorelei Offline

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31.07.2012 23:00
#1314 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

N'Abend zusammen! Wer mich kennt, weiß, dass an der Stelle natürlich nur ein Szenenwechsel erfolgen kann. Tut mir leid. Wie es Marc nach dem Telefonat geht und ob er tatsächlich seine Mama an der Strippe hatte, erfahrt ihr an anderer Stelle. Nur so viel, die einzelnen Szenen, ob jetzt Marc auf der Terrasse, Sven und Maria und auch das Folgende in der Wohnung, laufen alle ungefähr parallel ab. Und jetzt viel Spaß mit einem weiteren Bidi-Teil, der auch noch eine Frage offen lässt. Liebe Grüße an alle Kommentatoren, Pausierende, Verstummte und stille Leser. Eure Lorelei



Etwa zur gleichen Zeit im Inneren des Penthauses

Mehdi: Hey, meine Schöne! Na, was machst du da?

...fragte Mehdi neugierig, nachdem er sich still und heimlich auf Zehenspitzen und mit einem spitzbübischen Grinsen auf den Lippen herangeschlichen hatte und nun seiner tagträumenden Freundin über die Schulter schaute, die sich vorm Buffet gedankenverloren ihren Teller mit allerlei Naschereien voll packte und gerade überlegte, was sie wohl als nächstes noch nehmen könnte. Salat oder doch lieber das Schokomousse, das so verlockend nach ihr rief, dass sie wohl kaum widerstehen könnte? Erschrocken zuckte Gabi zusammen, als sie so plötzlich Mehdis warmen Atem an ihrem Hals und seine linke Hand an ihrer Taille spürte und nur im Augenwinkel noch mitbekam, wie er mit der anderen Hand frecherweise eine Mozzarella-Tomatenscheibe samt Basilikumhaube von ihrem Teller mopste und sie gleich genüsslich schmatzend auffutterte, während er sich von hinten immer näher an sie heran presste.

Gabi: Mehdi!?
Mehdi (zieht die überraschte Frau fest in seine Arme u. verschließt diese krakenartig vor ihrem Körper): Nanu, heute bist du aber ganz schön schreckhaft?
Gabi (wird rot u. stellt sicherheitshalber ihren Teller wieder ab, der schon leichte Schieflage bekommen hat): Ich... ähm... nein?
Wo kommt er denn auf einmal her?
Mehdi (er steht dicht hinter ihr, seine Hände ruhen locker auf ihrem Bauch, sein Kinn an ihrem Kopf): Ich hab dich vermisst. Ich dachte, du kommst gleich wieder zu uns rüber? Du hast Svens Geschichten verpasst, wie man traditionell Hochzeiten in Skandinavien feiert. Sabine war so beeindruckt, dass sie fast ihre Pläne für morgen geändert hätte und direkt mit Günni hingefahren wäre.
Gabi (verwirrt): Sven? Wer ist Sven?
Mehdi (sucht Sven im Raum, sieht ihn und seine Begleitung aber nicht mehr an der Bar, wo er und Maria gerade noch zusammen gestanden haben): Ach so, ihr kennt euch ja noch gar nicht. Dr. Sven Sorenson aus Schweden. Das ist Gretchens... also Marias... äh... nein, eigentlich... ein ehemaliger Schulkollege von Marc.
Gabi (dreht ihren Kopf leicht zur Seite, um ihn besser ansehen zu können): Ja, was denn jetzt?
Mehdi (schüttelt selbst etwas verwirrt den Kopf): Egal! Ich stell ihn dir einfach dann mal vor. Wenn er nicht schon... Eigentlich war er gerade noch hier. Hmm...? Jedenfalls... was ich eigentlich fragen wollte. Krieg ich auch noch etwas von dir ab?
Gabi (genießt es, wie er leicht an ihren Haaren schnuppert u. sich immer näher von hinten an sie heran presst): Ich war gerade dabei...
Mehdi (schaut schmunzelnd auf ihren überladenen Teller): ...selber zu naschen, hmm? Ich sehe schon. Aber ich freu mich, dass du so einen gesunden Appetit hast.

Oh Gott, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis er eins und eins zusammenzählt. Ich muss mich endlich trauen!

Gabi (wird rot u. wirkt ertappt, was sie hastig überspielt): Ja, mach dich nur lustig, Mehdi.
Mehdi (streicht ihr zärtlich über die errötete Wange): Mach ich doch gar nicht. Ich find’s einfach nur süß. Du bist süß!
Gabi (nimmt ihren Teller wieder in die Hand u. schiebt sich ein Gürkchen in den Mund, ein zweites will sie ihm reichen): Hast du auch Hunger?
Mehdi (schmunzelt u. schmiegt seine Wange an ihre, dabei atmet er ihren verführerischen Duft ein u. seufzt auf): Hmm... schon... ein bisschen, ja.

Dass ihr verträumter Freund damit etwas ganz anderes als Essen im Sinn hatte, merkte Gabi schon recht bald, als sie nämlich seine weichen warmen Lippen erst ihre Wange hinab gleiten spürte und dann ihren schlanken Hals entlang, bis zum Ansatz ihrer Schulter, wo der Kragen ihrer weißen Bluse den geübten Verführer daran hinderte, noch weiter zu gehen. Leider, wie beide empfanden. Also wanderte er denselben Weg wieder zurück, den er gerade mit seinen Lippen entlanggekommen war. Gabi wurde ganz anders dabei. Sie bekam weiche Knie und heftiges Herzflattern, je länger sie Mehdis heißen Atem auf ihrer Haut vernahm, seine weichen sinnlichen Lippen, die genau wussten, was sie da taten und sie in einen Strudel der Gefühle zogen. Ihr wurde warm. Sehr warm sogar. Alles prickelte und kribbelte. Sie wollte, dass er niemals damit aufhörte, und schmiegte sich an seinen Körper. Ihre freie Hand griff nach hinten und strich zärtlich seine stoppelige Wange entlang, die andere wies dagegen eine gefährliche Schräglage auf. Diesmal war es Mehdi, der ihren Teller rechtzeitig zu fassen bekam, bevor er aus Gabis zittrigen Händen glitt, um ihn auf die Anrichte zurückzustellen. Und schon setzte er wieder zu seinem verführerischen Tun an, während seine Hände ihre Hände umfassten und seine Finger ihre Finger zärtlich umspielten. Während er sich weiterhin fest von hinten an sie schmiegte, knabberte er vergnüglich an ihrem rechten Ohrläppchen und fuhr mit seiner Zunge gefühlvoll ihre Ohrmuschel entlang, hauchte ihr zärtlich ins Ohr, was ihr eine Gänsehaut am ganzen Körper bescherte. Gabis Sinne waren hyperaktiv. Sie hatte ihren Kopf leicht schräg gelegt und ließ sich komplett in Mehdis starken Armen fallen. In die Zuckerwattewolke aus Glück, auf der sie beide über allen Dingen schwebten.


http://www.youtube.com/watch?v=y5o8L-Or0O4&feature=related


Langsam und fast unbemerkt schwebten Mehdi und Gabi zur Tanzfläche hinüber, auf der es sich bislang nur Günni und sein Bienchen gemütlich gemacht hatten und gemächlich in perfekter steifer Tanzschulhaltung ihre Runden drehten, und ließen sich von der Musik treiben. Endlich hatte er sie wieder in seinen Armen, wo sie hingehörte. Davon hatte der verliebte Halbperser schon den ganzen Abend geträumt. Mit seiner Liebsten zu tanzen hatte Mehdi schon immer unheimlich glücklich gemacht. Seiner Partnerin ging es da nicht viel anders. Die verliebte Krankenschwester hielt ihre Augen geschlossen und hatte ihren Kopf ganz fest an seine Schulter geschmiegt. Sie sog seinen Duft auf, diese ganz besondere männlich herbe Note, die sie immer alles vergessen ließ. Zärtlich strich Mehdi ihr über den Rücken, malte erst Kreise, dann kleine Herzchen darauf. Gabi musste lächeln, als sie das erkannte. Er war so verspielt. Wie ein kleiner Junge, der zum ersten Mal verliebt war. Gabi drohte mal wieder völlig überzuschäumen vor lauter Glückshormonen, die in unbeschreiblicher Geschwindigkeit durch ihre Venen schossen und sie ganz taumelig machten. Sie musste sich an ihrem Partner festkrallen, um nicht zu fallen. Ihre Knie fühlten sich nur noch wie weicher Pudding an, was eine ausgewogene Tanzchoreographie eher schwierig gestaltete. Schnell schlossen ihre Hände sich in seinem Nacken. Gabi stellte sich auf Mehdis Füße, die trotz der zunehmenden Last weiterhin perfekt im Takt hin und her wippten, und küsste ihren Liebsten ganz spontan auf den Mund. Ganz innig und mit viel Gefühl. Sie merkte gar nicht, wie Mehdi sie daraufhin sanft unter den Armen packte und langsam etwas hoch hob und leicht herumwirbelte.

Und so drehten sie sich noch einige Male im zarten Kuss vereint im Kreis, bis der bis über beide Ohren verliebte Oberarzt seine zauberhafte Freundin schließlich wieder vorsichtig absetzte, weil ihm seine Arme dann doch etwas schwer geworden waren, was er sich als südländischer Möchtegernmacho natürlich nicht anmerken lassen wollte. Gabi taumelte, als sie wieder festen Boden unter sich spürte. Ihr war ganz schwindlig geworden von den vielen Umdrehungen, die sie zusammen gedreht hatten. Mehdi lächelte nur verschmitzt und zog seine Herzdame nach einer erneuten eleganten Drehung um ihre eigene Achse wieder fest in seine Arme, ohne auch nur eine Sekunde seine Augen von ihr zu lassen. Der Frauenarzt war so glücklich, dass er es am liebsten hinausschreien wollte. Aber das wäre dann doch etwas peinlich angesichts des Ortes, an dem sie sich gerade befanden, der ja nach Marc ‚Ego’ Meier auf keinerlei Weise, weder verbal noch sonst irgendwie, verschandelt werden sollte, und es würde nur unnötig zu neuem Tratschstoff führen. Sie waren schließlich schon lange genug Tratschthema Nummer eins im EKH.

Zärtlich hielt Dr. Kaan seine Freundin im Arm und sie wippten noch immer langsam eng umschlungen auf der Stelle hin und her, ohne dass sie beide bemerkten, dass die Musik längst wieder schneller geworden war und eine Clique von verrückten Schwesternschülerinnen und Assistenzärztinnen dem staunenden Brautpaar eine Performance vom Allerfeinsten ablieferten, die ABBA vor Neid erblassen lassen hätte.


http://www.youtube.com/watch?v=K-8DO6k3HJ8&feature=related


Mehdi nahm das lachende und laut mitgröllende und mitklatschende Publikum gar nicht wirklich wahr. Er hatte nur Augen für seine Liebste, die ihn genauso zärtlich anlächelte wie er sie und die in Gedanken aber schon wieder ganz woanders war. Deshalb traf sie seine arglose Frage auch ziemlich unvorbereitet...

Mehdi: Was wolltest du mir eigentlich vorhin sagen, Liebling?
Gabi (schwebt noch immer über den Wolken u. hört ihm gar nicht richtig zu): Was?
Mehdi (lächelt verliebt u. gibt ihr eine kleine Erinnerungsstütze, während er zärtlich mit seiner Nasenspitze die ihre anstupst): Na vorhin, bevor Marc uns auf „charmante“ Art und Weise unterbrochen hat. Du wolltest mir unbedingt etwas sagen.

Und schon kippte Gabi Kragenow kopfüber von ihrer rosa Wolke herunter, auf der sie sich gerade noch befunden hatte, und starrte ihr charmantes Gegenüber, das sie erwartungsvoll aus treuen haselnussbraunen Augen anschaute, nun zutiefst verunsichert an. Der Mut, den sie vorhin noch verspürt hatte, ihm alles zu sagen, hatte sie mittlerweile wieder verlassen. Und sie merkte plötzlich auch, dass ihr nicht nur vom Tanzen schwindelig war. Sie ging ein paar Schritte rückwärts, bis sie sich aus Überforderung und Unentschlossenheit ganz umdrehte...

Gabi: Ich... ähm... ja... eigentlich... Du... Ich muss mal kurz... äh... für kleine Krankenschwestern. Tschuldigung.

... und eilig in Richtung Badezimmer verschwand. Mehdi konnte gar nicht so schnell kucken, da war seine Liebste schon weg.

Mehdi: Äh... ja, okay? ... Was war das jetzt?

...murmelte er leise vor sich hin und blickte irritiert neben sich, weil er gerade aus Versehen von seiner Cousine Azadeh angerempelt worden war, die gerade zusammen mit Gretchen und Kate Marple unter tosendem Applaus spontan eine sexy Bauchtanznummer für Dr. Gummersbach aufführten, der gar nicht verstand, wie ihm gerade geschah, und sich regelrecht an die Hand seiner Zukünftigen klammerte, die einfach nur zu Tränen gerührt war von der Mühe, die sich ihre Freundinnen und Kolleginnen für sie gemacht hatten, um ihr und ihrem Bräutigam eine Freude zu bereiten. Einen Moment lang schaute der perplexe Arzt ebenfalls der außergewöhnlichen Darbietung zu, merkte aber dann, dass er den kichernden Mädchen im Weg stand und ging verwirrt zurück zum Buffet. Er schnappte sich von dort Gabis voll gepackten Teller, bevor ihn noch jemand anderes wegschnappte, und lief damit zum Esstisch rüber, an den er sich nun auch setzte. Erst jetzt merkte der Gynäkologe und passionierte Hobbytänzer, dass er tatsächlich Hunger hatte. Einen Bärenhunger sogar. Tanzen machte eben hungrig, dachte er grinsend und machte sich gierig ans Werk.

Und während Mehdi sich nun hastig seinen knurrenden Bauch voll schlug und alsbald Gesellschaft von Gretchen bekam, die dieselbe Idee gehabt hatte und sich nach dem anstrengenden, aber sehr erfolgreichen Tanzauftritt mit den Mädels eine Stärkung geholt hatte und nun ihre schmerzenden Beine unter dem Tisch ausstreckte, schlug Gabi im Bad den Klodeckel wieder zu und setzte sich erschöpft darauf. Ein Taschentuch flog zusammengeknüllt in den Abfalleimer neben der Toilette. Das war dann wohl jetzt endgültig der letzte Beweis, dachte die Krankenschwester stöhnend. Sie strich sich über ihren Bauch, der immer noch etwas rumorte, sich aber allmählich wieder beruhigte, dann hob sie ihre Handtasche hoch, die sie achtlos fallen gelassen hatte, als sie das Meier-Haassche Badezimmer gestürmt hatte. Sie kramte darin, fand zufällig ihre Zahnpflegekaugummis und schob sich einen davon in den Mund. Dann suchte sie weiter.

Sie hatte mittlerweile die Position gewechselt und stand nun am Waschbecken vor dem riesigen Badezimmerspiegel. Einmal schaute sie zufällig auf. Sie bemerkte erschrocken ihr blasses Antlitz und klopfte sich auf die Wangen, um wieder etwas mehr Farbe zu bekommen. Als das nicht so recht funktionierte, legte sie noch einmal etwas Make-up und Rouge nach. Anschließend widmete sie sich wieder der kleinen länglichen noch immer verpackten Schachtel, die sie soeben aus ihrer passend zum Fünziger-Jahre-Petticoat-Rock gewählten knallgelben Handtasche gezogen hatte. Es war nicht das erste Mal, dass Gabi sie heute Abend schon in ihren Händen hielt. Jedes Mal hatte sie aber wieder der Mut verlassen. Aber nachdem sie vorhin vor Mehdi schon einmal fast mit der Wahrheit rausgerückt war, bevor dieser Idiot von Macho-Ego-Oberarsch Meier sie unterbrechen musste, wollte sie jetzt einfach nur noch eines: endlich Gewissheit. Schwarz auf weiß, oder nein, äh... blau auf weiß.

Lorelei Offline

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03.08.2012 10:41
#1315 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Derweil saßen Mehdi und Gretchen immer noch gemeinsam am Esstisch. Sie aßen zusammen, klauten sich hin und wieder etwas vom Teller des anderen, amüsierten sich königlich über die nächste Showeinlage der Belegschaft, einen kleinen Sketch, den Oberschwester Stefanie und Dr. Fuchs mit Hilfe zweier Freiwilliger aus dem Publikum eingespielt hatten und der sich mit den dunklen mystischen Welten der Pathologie des EKH und dem Star-Trek-Universum auseinandersetzte, und unterhielten sich angeregt mit vollen Mündern über dies und das und jenes. Mehdi lobte mehr als nur einmal das tolle Essen von Gretchen Mutter. Die stolze Haasen-Tochter bedankte sich artig, schob sich grinsend die Gabel mit Kartoffelsalat in den Mund und sagte dann hastig, dass sie das Kompliment gerne weiterleiten würde und lud ihn spontan zu einem Kochkurs bei ihrer Mutter ein. Die beiden lachten herzhaft auf und tauschten weiterhin ihre bisherigen Impressionen des Abends aus, der ein wunderbarer Erfolg war. Denn Schwester Sabine und Günni schienen wirklich sehr glücklich zu sein. Nur einmal wurden die beiden kurz unterbrochen, als plötzlich Gretchens Telefon klingelte. Verdutzt schaute sie auf das Display ihres Handys und nahm das Telefonat auch sofort mit einem mulmigen Gefühl im Bauch an...

Gretchen: Jochen? Was ist? ... Oh! Chantal? Äh... (blickt sich suchend im Wohnzimmer um u. bleibt mit ihren überraschten Blicken an Jochens neuer Freundin kleben) ... Die... die äh... scheint sich gut zu amüsieren, ja. ... Was das heißen soll? ... (stöhnt genervt) ... Na nichts. Das ist eine Party, Jochen, da amüsiert man sich gelegentlich. Oberschwester Stefanie hat gerade das Gummersbachsche Universum erklärt und deine Chantal hat eine Leiche in dem Sketch gespielt. Sie hat übrigens ein tolles Piratenoutfit an. Sehr sexy! ... (ihre Miene verfinstert sich, je länger sie dem Meckerkönig am Telefon zuhört, u. wirkt plötzlich oberlehrerhaft u. gibt die große Schwester) ... Sag mal, was wird das hier eigentlich? Ein Kontrollanruf? Wenn ich dir ein was mit auf den Weg geben kann, wenn das mit euch beiden wirklich etwas Ernstes sein sollte, Bruderherz, dann dass du... Jaaahaaa! ... (verdreht theatralisch die Augen u. hält den Hörer etwas abseits von ihrem Ohr, weil Jochen etwas lauter geworden ist) ... Is ja gut! Ich hör schon auf. So war das doch auch gar nicht gemeint. Aber wieso rufst du mich dann an, wenn du nicht...? Was? ... Oh! Stimmt ja, Mama hat erwähnt, dass du heute auf sie aufpasst. Find ich übrigens einen sehr edlen Zug von dir. Wusste gar nicht, dass du das überhaupt kannst. ... (lacht, verschluckt ihr Lachen aber, als sie Jochen weiter meckern hört, u. wird zickig) ...Ja, ich hör dir doch zu! Was bist du denn so gereizt? ... Sie schreit die ganze Zeit? ... (besorgt schaut sie sich nach Celines Mutter um) ... Soll ich Chantal herholen? Wieso hast du sie denn nicht gleich angerufen? ... Was? ... Ah... Verstehe! ... (ein breites Grinsen zeichnet sich auf ihrem Gesicht ab, je länger sie Jochens Gestammel zuhört) ... Sie soll nicht merken, dass ihr Rosenkavalier Probleme hat. Schon klar. Von mir erfährt sie nichts. ... Ja, versprochen! Aber es ist schon irgendwie süß, wie du versuchst, sie zu beeindrucken. Mein kleiner Bruder ist verliiiiebt! ... (ihr amüsiertes Grinsen verschwindet u. weicht einem genervten Gesichtsausdruck) ... Jaaahaaa! Ich bin ja nicht taub. Ich hör sie auch. Du musst sie nicht unbedingt so nah an den Hörer halten. ... Jetzt reg dich doch nicht so künstlich auf, Jochen. Wir werden das Kind schon schaukeln. ... (lacht über ihren eigenen Witz u. konzentriert sich schließlich endlich auf die Sachlage) ... Also was ist los? ... Hmm... Naja... Ääähhh... (hört sich leicht überfordert an) ... Vielleicht hat sie ja Hunger? ... Nicht? Du hast sie schon gefüttert. Hmm...? Und Bäuerchen? ... Hat sie gemacht. Hmm... Und die Windel? ... Na dann sing ihr doch was vor! Babys mögen das, also hab ich gehört. Obwohl, nee, bei dir und deinen musikalischen Qualitäten hmm..., dann würde sie wahrscheinlich erst recht losschreien. Hihi! ... (schaut grinsend zu Mehdi, der sich fast vor Lachen an einem Fetawürfel verschluckt u. gerade loshustet) ... Nein, ich mache mich nicht lustig über dich, Jochen. ... (diplomatisch, um ihm Mut zu machen) ... Ich finde es ganz, ganz toll, dass du das machst. Mama wäre stolz auf dich. Hey! Ruf sie doch an und frag, ob sie eine Idee hat, wie du die Kleine beruhigt bekommst? Sie ist mit Papa doch unten bei Marcs Vater. ... Okay, okay, verstehe, ja, das wäre mir, glaub ich, auch nicht so recht. Wir wissen ja beide, wie sie sein kann. Sie hat mir schon vorgeschwärmt, wie toll sie ihre neue Schwiegertochter findet. ... Atmen, Jochen, atmen! ... (hat schon fast Mitleid mit ihrem armen Bruder, aber nur fast) ... Dann weißt du ja jetzt, was ich all die Jahre mit ihr durch habe. Danke, dass du sie mir abgenommen hast. Hihi! ... Okay, tut mir leid. Ich bin ja da. Also zurück zu Celinchen! Hmm... Was machen wir denn jetzt mit euch beiden? Hmm... (grübelt vor sich hin, bis ihr jemand ins Blickfeld rückt) ... Warte mal, ich hab grad den Experten schlechthin neben mir sitzen. Hier! Ich geb ihn dir mal.

Gretchen drückte dem überraschten Mehdi spontan ihr rosa Handy in die Hand, der das Bruder-Schwester-Gespräch die ganze Zeit amüsiert verfolgt hatte und nun etwas überfordert Gretchens Telefon an sein Ohr hielt, während er noch hastig mit der Serviette seinen Mund abtupfte, da er gerade noch einen Happen Salat heruntergeschluckt hatte...

Mehdi: Äh... Hallo? Jochen? Ich bin’s. Mehdi. Mehdi Kaan. ... (mit gequältem Gesichtsausdruck schaut er zu Gretchen, die kein Wässerchen trübt u. ihn angrinst) ... Ja, hat sie! ... (seufzt) ... Ich weiß. ... Nö, sie lacht nicht. Wirklich nicht! ... Nein, sie hat nicht gesagt, dass ich das sagen soll. Hey! Gretchen meint es doch nur gut. ... (etwas genervt, da Mecker-Jochen ihm ein Ohr abkaut) ... Äh... Duuu? Ich sitze gerade neben ihr. Eigentlich möchte ich den Abend noch heil überstehen. ... (schaut vorsichtig zu Gretchen rüber, die ihn wissend anblitzt; er deutet mit seiner Hand einen quasselnden Mund an; sie lacht) ... Also wie kann ich dir denn jetzt weiterhelfen, Jochen? Ich bin ganz Ohr. ... Nein, natürlich nicht. Ich verrate dich nicht an Chantal. ... (verdreht die Augen u. blickt hilfesuchend zu Gretchen, die kichernd ihr Kinn auf ihre Hände stützt u. gespannt Mehdis Worten lauscht) ... Auch nicht an Gabi. Versprochen! ... Was? ... Och Jochen!? ... (stöhnt gequält auf) ... Okay, okay! ... (schaut sich nach Jochens Freundin um u. ist überrascht, als er sie entdeckt) ... Sie sitzt bei... (zögert, ob er etwas sagen soll oder nicht, aber da quatscht ihm Jochen auch schon vorlaut dazwischen u. nimmt ihm zum Glück die Entscheidung ab) ... Oh! Ja, bei den Mädels. Wo sonst? ... (wirft Gretchen vielsagende Blicke zu; sie dreht sich daraufhin um u. wirkt nun auch etwas nervös) ... Aber jetzt zum Thema. Wo drückt denn der Schuh? ... Sie ist nicht zu überhören. ... Nein, nein, Jochen. Beruhige dich erst einmal! Sie merkt, dass du nervös bist. Du darfst dir das nicht anmerken lassen. Sonst wird sie auch unruhig. ... (hört ihm geduldig zu) ... Ich weiß, wenn man noch ungeübt darin ist, dann ist das alles andere als leicht. Sprich einfach mit ihr. Ganz locker. ... Von mir aus auch über deinen Tag, deinen Tagesablauf in der Klinik, deine Interessen, den Wetterbericht. Oder erzähl ihr etwas von ihrer Mutter. Damit sie sich an deine Stimme gewöhnt. Und anstatt hektisch mit ihr hin und her zu laufen versuche es doch mal mit dem Storchengang. ... (schmunzelt über Jochens verdutzte Reaktion) ... Wie der Name schon sagt. Große, lange, schreitende Schritte. ... Nein, das ist kein Witz. Bei meiner Tochter hat das immer ganz gut funktioniert. ... Wie lange? Na, bis sie eingeschlafen ist. Du willst doch, dass sie endlich schläft oder nicht? ... Okay! Noch irgendwelche Fragen? ... Willst du noch mal mit deiner Schwester reden? ... Nein? Gut, dann... Ja, ja ich sag ihr, dass sie Chantal auch nichts sagen soll. Ok, dann einen erfolgreichen und ruhigen Abend noch. Tschüß Jochen.

Mehdi legte augenrollend auf und war sichtlich erleichtert, Gretchen ihr Handy wiedergeben zu können, das sie dankbar entgegennahm und neben ihren Teller legte. Beide schauten sich an und brachen synchron in schallendes Gelächter aus, das ihre Zwerchfelle ziemlich strapazierte.

Mehdi: Du meine Güte, dein Bruder hat ja ganz schön Fracksausen.
Gretchen (grinst vergnügt): Ich wäre zu gern dabei, um mit eigenen Augen zu erleben, wie sehr er sich abmüht. Eigentlich ziemlich mutig von Chantal, ihm ihre Kleine anzuvertrauen. Er hat doch überhaupt keine Ahnung. Der kriegt doch keine Windel angelegt mit seinen zwei linken Händen. Bis heute hat er nicht gelernt, wie man Schuhe richtig zubindet.
Mehdi (stupst sie grinsend mit der Fußspitze unter dem Tisch an): Hey, jeder hat mal klein angefangen. Pass mal auf, wenn ihr dann mal soweit seid und ich Marcs verzweifelte nächtliche Anrufe beantworten muss.

Hach... ich kann es kaum noch erwarten. Zum Glück ist Marc nicht wie Jochen. Obwohl... unerfahren sind sie ja beide. Schon irgendwie süß. Und wer hätte gedacht, dass mein kleiner in den Tag lebender Bruder sich einmal freiwillig um ein kleines Bündel Mensch kümmert und so viel Verantwortungsbewusstsein aufzeigt. Der hätte doch früher einen Teufel getan, als mich anzurufen. Ich bin so stolz auf ihn.

Gretchen (ihre Augen leuchten verdächtig auf, was Mehdi noch breiter lächeln lässt): Ja, aber ist es nicht süß, wie er sich plötzlich so eine Mühe gibt? Das sah mal ganz anders aus. Er war ziemlich überfordert, als er erfahren hat, dass sie schon Mutter ist. Ich hab gedacht, er gibt sie auf, weil er der Situation nicht gewachsen ist. Verliebt hin oder her.
Mehdi: Er will Chantal halt beeindrucken. Ich kann ihn verstehen. Ich würde es vermutlich genauso machen, um ihr zu zeigen, dass ich es ernst mit ihr meine.

Hach... Jochen wird endlich erwachsen. Hätte nicht gedacht, dass ich das noch erleben darf.

Gretchen (nachdenklich wirft sie einen vorsichtigen Blick über ihre Schulter u. stutzt irritiert; sie ist enttäuscht von dem, was sie sieht): Sie scheint das aber nicht sonderlich zu interessieren, so wie sie gerade um Dr. Stier herumscharwenzelt.
Mehdi (hat Chantal genau im Blickfeld u. hat auch so seine Zweifel): Ich würde das nicht überbewerten. Sie ist ein ziemlicher Wildfang, das ist schon wahr. Aber so viel ich weiß, also von Gabi, ist sie auch in Jochen verliebt und will es mit ihm versuchen.
Gretchen (gerührt): Ehrlich?

Mehdi nickte seiner besten Freundin zu. Gretchen lächelte, auch wenn sie sich einen weiteren Kontrollblick zur Sofaecke nicht verkneifen konnte, wo Jochens Freundin in einem intensiven Gespräch mit Dr. Stier verwickelt zu sein schien. Sie warf ihre Zweifel jedoch schnell wieder beiseite, als sie feststellte, dass alles doch recht harmlos auf sie wirkte, vor allem da Cedric immer wieder gedankenverloren zum Fenster schaute und dem flippigen Mädchen, das altersmäßig so gar nicht zu ihm passte, gar nicht richtig zuzuhören schien, und widmete sich dann wieder ihrem vollen Salatteller und ihrem besten Freund, der auch wieder fleißig seinen Teller leer putzte. Beiläufig fing die junge Assistenzärztin wieder ein Gespräch mit dem charmanten Gynäkologen an...

Gretchen: Was war denn mit Gabi? Sie war so schnell weg.
Mehdi (sein Blick richtet sich erwartungsvoll in Richtung Flur, aus dem er seine Freundin jeden Moment zurückerwartet): Keine Ahnung. Für kleine süße Krankenschwestern, denke ich.
Gretchen (grinst verschmitzt über ihren Tellerrand): Ihr habt wirklich ein süßes Bild abgegeben, wie ihr gerade getanzt habt.
Mehdi (streicht sich verlegen über die Wange u. dreht dann den Spieß einfach um): Danke! Du, Kate und Aza aber auch!

Oh Gott! Hoffentlich hat uns keiner gefilmt?

Gretchen (läuft knallrot an u. schüttelt den Kopf): Ach was? Das... das war doch nur so eine spontane... verrückte Idee, quasi eine Herausforderung von und an Kate, die die ganze Zeit schon gemeint hat, dass wir beide in unserem bauchfreien Zwillingsoutfit doch unbedingt einen entsprechenden orientalischen Auftritt hinlegen sollten. Das haben wir uns, also ich als Jeannie und Aza als Scheherazade, natürlich nicht zweimal sagen lassen und haben Kate einfach mit auf die Bühne gezogen. Aber ich bin die ganze Zeit über meine eigenen Füße gestolpert, weil ich Aza nicht mithalten konnte. Sie kann das so toll.
Mehdi (stimmt ihr bei u. schaut lachend zu seiner Cousine, die gerade Kate und dann Sabine um den Hals fällt): Ich weiß. Und Marc? Der drückt sich wohl? Schade, dass er euren Auftritt verpasst hat.

Zum Glück! Wenn der mitbekommen hätte, wie wir Günni angemacht haben... Aaaaahhh!!! Das Bild muss ich schnell löschen!

Gretchen (schaut nachdenklich zum Fenster, sieht ihren Schatz aber nicht mehr): Ich weiß nicht. Er ist schon ziemlich lange da draußen oder nicht? Vielleicht sollte ich mal nachschauen? Er wirkte vorhin so nachdenklich am Geländer.
Mehdi (folgt ihren Blicken u. schaut sie dann wieder einfühlsam an): Ach lass ihn nur. Er ist bestimmt froh, dass er mal fünf Minuten der kreischenden Partymeute entkommen konnte. Umso weniger hat er dann zu motzen.
Gretchen: Ja, vielleicht hast du ja Recht. Er ist kein Fan von solchen Veranstaltungen. Ich bin aber so froh, dass er überhaupt so lange ohne Murren ausgehalten hat. Also bis auf den kleinen Aussetzer vorhin.
Mehdi (zwinkert ihr zu): Dein Erziehung!
Gretchen (grinst): Ich weiß! Marc tut alles für mich. Hihi!

Vergnügt widmeten sich die beiden Freunde nun wieder ihrem Nachtisch. Mehdi bemerkte nach einer Weile, als er zufällig zum Panoramafenster blickte, wie Marc mit Handy am Ohr und Zigarette in der Hand draußen vor der Fensterfront hektisch hin und herlief, offenbar laut mit jemanden am Telefon stritt und dann hastig wieder auflegte, sich plötzlich umdrehte und lange in eine Richtung schaute und als er sich wieder dem Fenster zuwandte, ziemlich mitgenommen auf ihn wirkte, bis er plötzlich wieder nach seinem Handy griff, eine Sekunde verwundert darauf schaute und damit dann aus seinem Blickfeld verschwand, und wurde zunehmend nachdenklicher. Hätte er doch etwas mutiger sein sollen und etwas sagen sollen? Damit hätte er Marc definitiv den Abend verdorben. Und das nicht nur ihm. Gretchen sah so glücklich aus, vor allem da er ja auch wusste, dass das an ihrem Entschluss von heute Morgen begründet lag. Diese schlimme Nachricht würde doch wie ein Schatten auf ihrem großen Glück liegen. Mehdi beobachtete Gretchen eine Weile, was auch ihr irgendwann auffiel. Wieso rührte er denn seine Mousse nicht an? Die schmeckte doch außerordentlich gut, vor allem in Verbindung mit diesen leckeren Mini-Würstchen, die sie eine nach der anderen in die Schale tunkte und danach genüsslich hinter schlang. Gretchen konnte ja nicht ahnen, dass ihrem besten Freund längst der Appetit vergangen war, weil ihn die Sorge um Marc und dessen Mutter wieder komplett eingenommen hatte....

Gretchen: Was hast du denn auf einmal? Ist alles in Ordnung?
Mehdi (zögert, dann schüttelt er verschämt den Kopf u. traut sich schließlich doch, etwas zu fragen): Du, sag mal, Gretchen kann ich dich mal um einen fachlichen Rat bitten?
Gretchen (legt verwundert den Löffel und ihre Puddingschale zur Seite und schaute ihren nachdenklichen Freund gespannt an): Ja, natürlich, schieß los! Worum geht es denn?
Mehdi: Es geht... um eine Patientin. Eine schwierige Patientin.

Mehdi zögerte noch einen Moment, ob er dies wirklich wagen könnte, aber er musste einfach mit jemanden darüber reden. Es machte ihn ganz verrückt, mit niemandem darüber reden zu dürfen. Gretchen würde sicherlich Verständnis haben. Sie würde seine Sorge verstehen und ihm vielleicht helfen können, auch wenn er ihr nicht sagen konnte, dass sie indirekt mit in den Fall involviert war. Er lugte noch einmal heimlich zu seinem Freund auf der Dachterrasse, der noch immer neben dem Fenster verschwunden war, dann schilderte er Gretchen grob die Situation, jedoch ohne irgendwelche Namen zu nennen. Die Assistenzärztin hörte ihrem Kollegen und Freund aufmerksam zu. Das Schicksal der Frau ging ihr nahe und sie konnte sehr gut nachvollziehen, wie hin und her gerissen Mehdi deswegen war. Niemand hatte behauptet, dass Arzt zu sein ein einfacher Job wäre. Die Berufung ging weiter, als manch einer vielleicht dachte. Manche Falle berühren einen eben mehr und ließen einen selbst außerhalb der schützenden Krankenhauswände nicht mehr los. Mitfühlend sah sie Mehdi an, der ganz geknickt und ratlos vor ihr saß...

Gretchen: Es wird immer wieder Fälle in unserem Beruf geben, die uns näher gehen als andere, Mehdi. Ich kenne das nur zur Genüge. Marc meint ja auch immer, ich würde mir die Schicksale unserer Patienten immer zu sehr zu Herzen nehmen und sollte eine gehörige Portion Abstand nehmen. Aber ich bin nicht so abgeklärt wie er. Ich kann das einfach nicht. Für mich sind unsere Patienten in erster Linie Menschen, Schicksale, Lebensgeschichten. Es geht nicht immer nur darum, Krankheiten zu heilen, sondern auch um die Hintergründe, um so vieles mehr. Das alles wirkt doch auch mit auf den Genesungsprozess. Und du, so schätze ich dich nämlich ein, bist doch auch Arzt geworden, weil wir anderen Menschen helfen wollen. Irgendwelche Prinzipien und antiquierte Regeln spielen da doch gar keine Rolle. Hey, du gehst sogar jeden zweiten Freitag mit unseren abgelaufenen Medikamenten zu denen, die sich keinen Arztbesuch leisten können bzw. ihn nicht riskieren können, weil sie in der Illegalität leben müssen. Damit gehst du auch ein hohes Risiko ein, falls mein Vater oder die Verwaltung das jemals mitkriegen würden. Du riskierst was. Das hab ich schon immer so sehr an dir bewundert. Wenn du mal wieder Unterstützung brauchst, ich bin gerne dabei? Und ich denke, du weißt die Antwort auf deine Frage schon selber, Mehdi. Du wirst genau das Richtige tun. Das weiß ich einfach. Für das Wohl deiner Patientin und deren Angehörigen. Du bist so ein guter Arzt. Glaub an dich! Ich tue es.
Hach... Gretchen, wenn ich dich nicht hätte.
Mehdi (ergriffen u. irgendwie auch erleichtert, dass er sich austauschen konnte): Danke!
Gretchen: Dafür musst du dich nicht bedanken, Mehdi. Das ist doch selbstverständlich. Und du kannst immer zu mir kommen. Das weißt du.

Mehdi griff dankbar nach Gretchens Hand und drückte diese fest. Auch wenn er nicht sagen konnte, um wenn es sich genau handelte, um Marc nicht noch mehr in den Rücken zu fallen, mit dem er schließlich als Erstes sprechen sollte, so war er doch froh, sie auf seiner Seite zu wissen. Gretchen war ein Engel. Sie hatte ihm wieder Mut gemacht, zu handeln, auch wenn er noch immer nicht wusste, wie er das bewerkstelligen sollte. Vielleicht sollte er einfach noch einmal mit Elke Fisher persönlich sprechen, wenn sie denn endlich bereit war, ihm zuzuhören? Sie hatte ihn schließlich in seiner Abwesenheit schon einmal zu erreichen versucht, wie ein Zettel von Schwester Bärbel auf seinem Schreibtisch belegte. Er wusste es nicht. Aber er würde etwas tun. Frau Fisher durfte sich nicht aufgeben. Sie musste kämpfen. Für sich. Für ihre Familie. Sie war doch eine Kämpferin. Das lag doch schon in der Natur der Meier-Fishers. Aber jetzt wollte er sich erst einmal ablenken, wollte auf andere Gedanken kommen. Und so sprang er spontan von seinem Stuhl auf und zog Gretchen mit sich hoch, die ihn ziemlich überrascht von dem plötzlichen Stimmungswechsel anstarrte...

Mehdi: Komm, lass uns davon nicht die Stimmung drücken. Ich weiß jetzt, was ich zu tun habe. Willst du mit mir tanzen?
Gretchen: Gerne!

Gretchen strahlte ihn an und ließ sich von ihrem enthusiastischen Freund auf die Tanzfläche ziehen, wo sie eine flotte Sohle aufs Parkett legten und auch andere Gäste dazu animierten, das Tanzbein zu schwingen. Die Ablenkung tat ihnen wohl beiden ganz gut. An anderer Stelle spitzte sich die Lage dagegen zu.

Lorelei Offline

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05.08.2012 16:34
#1316 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Schönen Sonntag, ihr Lieben! Liebe Grüße, euer Schneckchen



Es war kalt geworden. Sehr kalt sogar. Knapp um die null Grad lagen die Temperaturen an diesem feierseligen Februarabend im Zentrum von Berlin, wo über den Dächern der Stadt eine Traumhochzeit vorgefeiert wurde. Die Hochzeit von Dr. Günther Gabriel ‚Günni’ Gummersbach, dem schrägen Neuzugang in der Pathologie des Elisabethkrankenhauses, und Sabine ‚Bienchen’ Vögler, der treuen Seele des Hauses. Und fast die halbe Klinik feierte auf Einladung von Gretchen Haase, der treuherzigen Trauzeugin, mit den beiden in deren Penthousewohnung mit. Bis auf drei einsame Personen hatte sich jedoch noch niemand in die Kälte der Nacht hinaus getraut, auch wenn die weitläufige Dachterrasse von Dr. Meier und Dr. Haase wirklich sehr einladend aussah und romantisch für den Polterabend gestaltet worden war. Die orange-gelben Flammen in den Feuerkörben prasselten mächtig gegen die Februarkälte an und spiegelten sich als große leuchtende verschwommene Sterne in den großen Panoramafenstern, die die gesamte Hausfront zierten, so dass man einen wunderbar magischen Ausblick auf die Hauptstadt erleben durfte, die man so noch nicht gesehen hatte. Es war ein schönes Bild. Der eine oder andere Gast, der gerade mit seiner oder seinem Liebsten oder besten Freund die Tanzfläche unsicher machte, schaute immer wieder gerne hinaus auf die kerzenumrahmte Terrasse. Aber es war dennoch dunkel genug, um den jungen Mann in der Lederjacke, der versteckt in der einen Ecke mit dem Rücken zur Wand lehnte, nicht zu erkennen. Auch die beiden anderen dunkel gekleideten Personen in dem gemütlichen Strandkorb auf der anderen Seite der Dachterrasse waren bislang unentdeckt geblieben, bis auf ein wütend aufblitzendes blaues Augenpaar, das immer wieder ungewollt zu ihnen hinüberschauen musste und nicht loslassen konnte.

Maria Hassmann, die von ihrer charmanten Begleitung etwas abgerückt war, um sich noch eine weitere wärmende braune Decke von der Sitzecke zu holen, hatte bislang gar nicht richtig gemerkt, dass sie die Kälte immer mehr eingenommen hatte. Unberührt verdrängte sie jegliche negativen und schmerzlichen Empfindungen, ob äußerlich oder innerlich, und konzentrierte sich ganz auf den attraktiven Mann neben sich, der so eine offene Lebensfreude ausstrahlte, dass sie sich fragte, wieso ihr das nicht schon viel früher aufgefallen war. Sie betrachtete ihn ganz genau. Seine kurzen blonden Haare und der verwegene Dreitagebart, der nicht ungepflegt wirkte, sondern ungemein gut zu dem kernigen Mann passte, der er nun einmal war, standen ihm äußerst gut. Dieses breite strahlende ansteckende Lächeln, die geschwungenen vollen Lippen, die gepflegten weißen Zähne, die klaren tiefblauen Augen, in denen immer mal wieder der Schalk aufblitzte, wenn er seinen schwedischen Charme ausspielte, die aber gleichzeitig auch eine tiefe Verletzlichkeit ausdrückten, die wohl auf ein bewegtes Leben hindeuteten. Dann seine Hände. Sie konnte sich ihnen kaum erwehren und starrte sie regelrecht hypnotisierend an, wie sie ruhig die beiden Deckenhälften zusammenhielten. Maria hatte noch nie zuvor so große Hände gesehen, die dennoch ganz sanft waren, wenn sie sie wie zufällig berührten und ihre Nähe suchten, was ziemlich häufig der Fall war angesichts der Tatsache, dass sie unter zwei Wolldecken ziemlich nahe beieinander saßen. Und dann diese tiefe sehr männliche Stimme mit dem niedlichen Akzent, der so gar nicht zu seinem äußerst männlichen Wesen passte, aber gerade das Faszinierende an ihm ausmachte. Sven Sorenson war wirklich eine eindrucksvolle Persönlichkeit und er sah einfach unverschämt gut aus. Er war groß, äußerst muskulös gebaut, trainierte wahrscheinlich, um so in Form zu bleiben. Eigentlich war er genau ihr Typ. Charakterlich wie äußerlich. Doch irgendetwas, sie konnte es nicht beschreiben, fehlte ihr.

Sven bemerkte die intensiven Blicke seiner schweigsamen Begleitung, die auf ihm ruhten. Er lächelte. Sie lächelte zurück, rückte wie aufgefordert etwas auf und konzentrierte sich wieder auf das, was er gerade gesagt hatte. Mittlerweile waren sie bei den intimeren Dingen angekommen, auch wenn Maria sich trotz seiner Aufforderung immer noch sehr zurückhielt, etwas aus ihrem Leben preiszugeben, das die Arbeitsebene und Smalltalk übertraf, insbesondere was eine ganz bestimmte Epoche betraf, deren Hauptakteur nur zwei Meter Luftlinie und eine dicke Hausmauer samt Glasfassade entfernt war, was ihr immer schwerer fiel, zu ignorieren. Ihr kam es fast so vor, als rückte sie jede Sekunde etwas näher heran. Seine und ihre Worte schallten immer noch in ihren Ohren nach und ließen sie kaum zur Ruhe kommen. Maria war vom kleinen Zeh bis zur Haarspitze angespannt. Sie hatte Sven reden lassen, gewöhnte sich allmählich an den beruhigenden Klang seiner tiefen Stimme und warf höflich immer mal wieder eine Bemerkung oder eine Frage dazwischen, um Aufmerksamkeit zu signalisieren. Er war im Gegensatz zu ihr sehr offen, gab viel von sich preis. Sein halbes Leben hatte er ihr in Kurzversion erzählt, inklusive der Gretchen-Haase-Passagen, die sie augenrollend über sich hatte ergehen lassen. Und irgendwann waren sie auch bei Svens Ex-Frau angekommen. Plötzlich war die aufgewühlte Oberärztin dann doch ganz Ohr, was wohl an dem natürlich angeborenen Neugierigkeitsfaktor einer jeden Frau gelegen haben mochte.

Maria: Und wer hat wen verlassen?
Sven (überspielt die traurigen Erinnerungen mit Witz und Charme): Oh! Jetzt darf ich wohl nichts Falsches sagen, hmm?
Maria (lacht verschmitzt): Hmm, das hängt davon ab, ja. Aber glaub mir, ich hab auch schon so Einiges erlebt. Ich bin hart im Nehmen. Mich kann nichts mehr schocken.
Sven (lächelt u. wirkt nachdenklicher): Eigentlich gibt es da nicht viel zu erzählen. Der Klassiker halt. Wir haben einfach irgendwann beide gemerkt, dass wir uns in gänzlich andere Richtungen entwickelt haben.
Maria (wird ebenfalls nachdenklicher u. schaut verstohlen in Richtung Fensterfront u. Wohnzimmer, als sie das aber registriert, blickt sie schnell wieder zurück u. schüttelt irritiert den Kopf): Verstehe!
Sven: Weißt du, irgendwann, wenn man beruflich alles erreicht hat und auch denkt, dass im Privaten alles gut läuft, kommt der Punkt, an dem man einige Dinge viel klarer sieht. Ich will nicht sagen, dass ich nicht aufmerksam war. Klar, musste sie viel zurückstecken. Ständig wechselnde Dienstzeiten, Nachtschichten, Bereitschaft Tag und Nacht. Du kennst das ja auch nicht anders. Wer in dem Metier nicht lebt, hat vielleicht kein Verständnis dafür. Sie war da ganz anders. Sie hat meinen Beruf immer respektiert. Und ich ihren. Sie ist Journalistin. Wir hatten beide wenig Zeit, aber haben die wenige Zeit auch immer intensiv für uns genutzt. Ich würde schon sagen, dass wir glücklich waren. Die kleinen Risse, die dennoch da waren, haben wir beide anfangs nicht entdeckt, wollten es vielleicht auch nicht.
Maria (leise): Das... kenn ich.
Sven: Tja, bis dann der Punkt kam, an dem ich etwas ändern wollte. Man wird ja auch nicht jünger. Eigentlich war ich immer davon ausgegangen, dass sie auch Kinder will.
Maria (sieht ihn aufmerksam an): Daran ist eure Ehe gescheitert?

Sven (schüttelt den Kopf u. wird immer wehmütiger): Es war zumindest einer der gravierenden Punkte, aber ich will da auch nicht in die Tiefe gehen. Wie gesagt, sie ist Reporterin. Sie hatte gerade diesen tollen Job bekommen bei einem renommierten Nachrichtensender. Bereich Naher und mittlerer Osten. Nicht gerade ungefährlich in diesen Zeiten. Aber ich hab ihn ihr wirklich gegönnt. Sie will ja auch nichts anderes wie ich als Arzt. Sie will den Menschen helfen, aufrütteln, etwas bewegen. Aber es hat sie verändert, auch wenn sie immer behauptet, sie sei immer noch dieselbe. Ständig war sie auf Reisen, manchmal wochenlang, ohne Nachricht, außer die verwackelten Bilder im TV. Während ich endlich angekommen war und kürzer treten wollte, wollte sie weg, weg aus Schweden, weg von mir, wollte allein die Welt retten. Ich und Kinder passten da in ihren neuen Lebensentwurf nicht mehr hinein. Tja, c’est la vie. Wir haben beide nicht gedacht, dass es einmal so enden würde, aber wir haben uns im Guten getrennt und sind immer noch gut befreundet. ... (sieht die immer nachdenklicher wirkende Frau vor seinen Augen an u. wird etwas unsicher) ... Oh tut mir leid. Ich mache wohl gerade den größten Fehler, den man beim ersten Date machen kann? Über seine Ex zu reden und dabei ganz wehmütig zu werden. Aber ich bin in diesen Dingen noch völlig aus der Übung. Wir waren fast zwölf Jahre zusammen, musst du wissen. Ich hab keine Ahnung, wie die Dating-Regeln im neuen Jahrtausend sind.
Maria (ist sehr berührt von seiner Erzählung, gleichzeitig auch fasziniert, mit welcher Lockerheit er sich dem Ganzen stellt; mit einem gewagten Augenaufschlag sieht sie ihn an): Hey du musst dich nicht schämen. Ich kann dir gerne Tipps geben. Also flirttechnisch und so. Aber viel hat sich in den letzten Jahren, glaub ich, dahingehend nicht geändert außer vielleicht die Kommunikationswege. Eigentlich ist es immer noch dasselbe Katz-und-Maus-Spiel.
Sven (lächelt u. sieht sie intensiv an): Verstehe! Gehst du oft aus? Also ich meine, du scheinst einen reichen Schatz an Erfahrungen mit dir zu tragen.
Oh Gott, ist das so offensichtlich? Wer ist hier mehr außer Übung?
Maria (legt ein künstliches, verzerrtes Lächeln auf): Als alleinerziehende Mutter und gleichzeitig Akademikerin sind die Chancen auch nicht so rosig, kann ich dir sagen.
Sven (denkt, etwas in ihrem Blick erkannt zu haben, u. forscht interessiert nach): Was ist eigentlich mit dem Vater von Sarah? So hieß deine Kleine doch?

Maria nickte. Doch sie zögerte ihre Antwort hinaus. Eigentlich hatte sie gehofft, diesem heiklen Thema irgendwie ausweichen zu können. Aber nachdem Sven so offen aus seinem Leben berichtet hatte, war es nur verständlich, dass er auch Interesse an ihrem hatte. Wenn sie ihn wirklich näher kennen lernen und mehr wollte, musste sie ihm auch mehr von sich geben. Wovor hatte sie Angst? Hatte sie überhaupt welche? Wieso war sie nur so gehemmt? Eigentlich war da doch gar nichts dabei. Er war gescheitert. Sie war gescheitert. Sie waren quasi Leidensgenossen, auch wenn er keine Schlammschlacht mit seiner Ex geführt und offenbar friedlich mit allem abgeschlossen hatte. Beneidenswert! Warum konnte sie das nicht auch?

Intuitiv wanderte Marias Blick zurück zur Fensterfront. Dr. Meier, der auf der linken Seite ganz am Ende der Terrasse stand mit dem Handy am Ohr, das er nun ganz langsam herunter sinken ließ, und einem recht eigenwilligen undeutbaren Gesichtsausdruck, bemerkte sie nicht. Vielmehr richtete sich ihr Blick auf das Innenleben von dessen Wohnung und auf eine Person im Speziellen, die sich gerade angeregt mit einem hübschen jungen Mädchen unterhielt, das ein Piratentuch um ihre blonden langen Haare gewickelt hatte und „Batman“ die ganze Zeit von der Seite anstrahlte, regelrecht anhimmelte wie ein Groupie ihren Star. Maria musste heftig schlucken. Ihr Magen verkrampfte sich. Von wegen diesem Idioten lag etwas an ihr und ihrer Familie, wenn er nur fünf Minuten später schon mit einer anderen flirten konnte.

Lorelei Offline

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07.08.2012 16:16
#1317 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Dabei war Dr. Cedric Stier alles andere als in Flirtlaune, aber irgendwie hatte er sich dann doch in das Gespräch mit Chantal Kunze, der jungen Praktikantin und angehenden Physiotherapeutin, verwickeln lassen, die, wenn sie einmal ihre süße Schnute aufmachte, einfach nicht mehr aufhören konnte zu plappern, wie ihre Berliner Schnauze gewachsen war. War die Jugend schon immer so nervtötend gewesen, fragte er sich seufzend und schaute flehend an die Decke. Er hätte gleich gehen sollen, dachte er, wie er es eigentlich vorgehabt hatte nach dem vorzeitigen Aus durch Disqualifikation im olympischen Dauerzoffen mit sturen Ziegen. Er hatte es so satt, sich darüber einen Kopf zerbrechen zu müssen, was nun schon wieder schief gelaufen war. Er hatte doch alles richtig gemacht? Er war aufmerksam und einfühlsam gewesen. Er hatte sie noch nicht einmal zu irgendetwas gedrängt, obwohl er eigentlich jedes Recht dazu gehabt hätte, zumindest was Sarah betraf. Aber das sture Biest wollte eben nicht! Gut, dann eben nicht. Sie würde schon wissen, was ihr damit entging. Der enttäuschte Mittdreißiger schnappte sich die nächste Bierflasche vom Couchtisch, schnipste den Verschluss mit einer gekonnten Daumenbewegung auf und führte sie direkt an seinen Mund, während Chantal, die auf Knien neben ihm auf dem Zweiersofa hockte und in ihrem Überschwang immer näher an ihn heranrobbte, ihm mit großen Gesten langsam ein Ohr abkaute.

Chantal: Ach Ricky, du musst unbedingt wieder vorbeikommen. Wir vermissen dich echt beim Babyschwimmen. Du kennst ja die Mädels da. Mit denen ist das einfach nicht so lustig wie mit dir. Das sind alles alte Hexen, weißt du das, und furchtbar eifersüchtig. Was kann ich denn dafür, dass ich so einen guten Stoffwechsel habe und meine Vorschwangerschaftsfigur schon nach einigen Wochen zurückhatte. Ich hasse es, wie die immer hinter meinem Rücken tuscheln. Diese verdammten Vorurteile. Das ist echt das Letzte. Die denken doch wirklich, das arme, arme Mädchen hätte sich ihre ganze Zukunft ruiniert. Schulabbruch, Hartz4 inklusive. Wer weiß, was die für ihren Lebensunterhalt jetzt alles tun muss? Und erst das arme Kind mit so einer überforderten viel zu jungen Mutter. Man sollte das Jugendamt informieren. GRRRR!!! Ich hasse das. Die wissen doch gar nichts von mir. Ich liebe meine Tochter und ich tue alles für sie.
Cedric (schaut dann doch mitleidig zu ihr rüber u. macht ihr Mut): Ach lass die dummen Ziegen doch quatschen. Die sind doch nur frustriert, weil es in ihrem Leben nicht mehr rund läuft. Wahrscheinlich sind sie in Wirklichkeit diejenigen, die völlig überfordert sind und sich von ihren Dreckskerlen alleingelassen fühlen, die zuhause keinen Finger krumm machen, wenn’s ums Baby geht? Du machst das alles wirklich prima. Haushalt, Praktikum, Ausbildung, Baby. Die alten Hexen sollten vor deinen Leistungen den Hut ziehen.
Chantal (fühlt sich gebauchpinselt u. grient ihn glücklich an; mit verführerischem Augenaufschlag versucht sie ihn zu überreden): Danke! Kannst du nicht doch wieder mitkommen? Zumindest bis der Kurs durch ist. Dann konzentrieren die sich wenigstens auf dich.
Cedric (zuckt mit den Achseln u. zeigt wenig Begeisterung): Na vielen Dank auch. Aber mal sehen. Für Chenny ist es ja nicht schlecht. Nur mit meinem Dienstplan haut das im Moment nicht so hin. Aber vielleicht erübrigt sich das ja eh bald.
Chantal (ohne dass sie dem Nachsatz irgendeine Achtung schenkt, bettelt sie ihn an u. beugt sich dabei zu ihm rüber, wobei sie sich mit ihren Händen auf seinem Oberschenkel abstützt): Oh bitte, bitte! Außerdem hatte ich immer das Gefühl, mein Celinchen mag deine Cheyenne. Wir sollten viel öfter was miteinander unternehmen. Findest du nicht?
Cedric (fühlt sich etwas überrumpelt von der jungen Dame u. rückt bis zur Sofakante von ihr ab u. versteckt sich hinter seiner Bierflasche): Ja, ja, vielleicht.

Eigentlich hatte Cedric ja nur mit einem Ohr zugehört, aber er wollte auch nicht unhöflich erscheinen, denn im Grunde waren sie ja beide Leidensgenossen. Alleinerziehende Eltern, die sich irgendwie durchs Leben boxten, wobei sie, obwohl sie fast halb so alt war wie er, wesentlich mehr Talent bewies. Und er mochte die süße Praktikantin mit ihrer aufgeschlossenen Art schon sehr. Nur war er immer noch viel zu niedergeschlagen, als dass er sich jetzt auf eine anstrengende Babyunterhaltung und Planung von gemeinsamen Freizeitaktivitäten hätte konzentrieren können. Eigentlich wollte er nur noch weg, seinen Worten Taten folgen lassen und dann zuhause in Selbstmitleid und Wodka baden.

Der liebeskranke Neurochirurg wollte sich schon erheben, als sein Blick wie zufällig auf das Fenster hinter Chantals Rücken fiel. Er stutzte und setzte sich im gleichen Moment wieder. Seine Mary schien ihn zu beobachten. Offenbar schon eine ganze Weile lang. Denn als sie erkannte, dass auch er sie nun ansah, drehte sie ihr Gesicht hastig wieder weg. Er wusste auch nicht warum, aber er musste plötzlich schmunzeln. Ganz automatisch hatte sich ein verschmitztes Grinsen auf sein Gesicht geschlichen, das Chantal als Zustimmung auf ihr Betteln deutete, die sich daraufhin entspannt neben ihm zurücklehnte und an ihrem Orangensaft nippte. Ein seltsames Gefühl der Genugtuung machte sich in ihm breit und er fühlte sich wesentlich besser als noch ein paar Minuten zuvor, als alles so schlimm aus dem Ruder gelaufen war, obwohl er doch nur offen und ehrlich um eine zweite Chance gebeten hatte.

Also doch, dachte er nun triumphierend, ganz so egal schien er ihr dann wohl doch nicht zu sein, wenn sie ihn kaum aus den Augen lassen konnte, obwohl sie sich gerade demonstrativ diesem dicken Holzfäller an den Hals warf. Denn schon wieder beobachtete er, wie sie heimlich zu ihm rüber sah und schnell wieder wegkuckte. Seine Lebensgeister, die vorhin alle Waffen gestreckt hatten, erwachten wieder. Mal sehen, wie weit er gehen konnte, überlegte er grinsend und drehte sich zur Seite, so dass er nun sowohl Chantal als auch Maria deutlich im Blick hatte. Wenn seine Bloody Mary dieses Achtzig-Kilo-Adonis-Paket eines durchtrainierten Mannes im besten Alter schon nicht wollte, dann sollte sie ruhig leiden und sich vor Eifersucht winden. Er wollte Rache. Sie sollte bereuen, dass sie nicht gleich zugeschlagen und sich stattdessen ihren ewigen Zweifeln geschlagen gegeben hatte. Also lehnte sich Dr. Stier wieder entspannt auf der Zweiercouch zurück. Wie zufällig landete sein linker Arm auf der Sofalehne und seine Hand auf Chantals Schulter, die kurz deswegen irritiert aufschaute, aber dann schnell weiter von ihrem süßen und so braven Baby erzählte, das jetzt auch endlich nachts immer durchschlief. Er hörte ihr scheinbar interessiert zu.

Maria konnte es nicht lassen. Auch wenn Cedric sie gerade eindeutig erwischt hatte und sie sich genau vorstellen konnte, was er sich jetzt wohl in seinem Spatzenhirn dachte, konnte sie der Versuchung einfach nicht widerstehen, erneut zurückzublicken. Und was sie jetzt sah, gefiel der verletzten Frau ganz und gar nicht. Ihre Finger verkrampften sich in der Wolldecke, die sie bis an ihr Kinn hochgezogen hatte. Hektisch huschten ihre Augen hin und her und versuchten das Gesehene zu deuten. Sie hatte sich in ihrer Einschätzung nicht getäuscht. Der Mistkerl war zu der Kleinen aufgerutscht und hatte besitzergreifend seinen Arm um sie gelegt und schien ihr interessiert zuzuhören. Kraulte er ihr da etwa den Nacken? Und was machte er jetzt? Maria spürte, wie eine unbändige Wut langsam wieder in ihr hoch kroch und von ihr Besitz nahm. Hatte er sie etwa schon so schnell vergessen? Das war mal wieder so typisch für ihn. Den bitteren Wahrheiten entfliehen. Schnurstracks in die Arme einer anderen. Ihm war doch nichts mehr peinlich. Die war doch noch ein Kind! Von wegen er hätte sich geändert, redete über Gefühle und wollte seine Familie zurück. Das war doch nur die nächste Masche von ihm gewesen, sie um den Finger zu wickeln, bis sie endgültig weich wurde. Wie gut, dass sie nicht darauf hereingefallen war. Das wäre doch irgendwann nur in der nächsten Katastrophe geendet. So hatte sie diese gleich vorgezogen, hatte ihm gesagt, was sie zu sagen hatte, und war nun darüber hinweg. Wie hinweg sie darüber war, merkte die stolze Ärztin im nächsten Moment, als Sven sie vorsichtig von der Seite anstupste und sie verunsichert anblickte. Sekundenlang hatte Maria wie abwesend gewirkt und überhaupt nicht auf ihn reagiert. Wenn er nur wüsste, was oder wer sie so sehr beschäftigte.

Sven: Maria? Bin ich dir mit meiner Frage zu nahe getreten? Du sagst ja gar nichts.
Maria (starrt ihn verwirrt an u. braucht einen Moment, um sich an seine letzte Frage zu erinnern, die sie gleich noch missmutiger stimmt): Was? Oh! Tut mir leid, ich war kurz ähm... abgelenkt. Frag ruhig! Es gibt da aber eigentlich auch nicht viel zu sagen. Das Übliche halt.
Sven (mustert sie ganz genau u. beschließt, nicht weiter nachzuhaken, da offenbar noch viele verletzte Gefühle im Spiel sind, wie ihm scheint): Verstehe!
Maria (fühlt sich gar nicht wohl bei seinen durchdringenden Blicken u. lenkt ab): Hey! Du musst mich jetzt nicht so mitleidig anschauen. Die Geschichte ist lange her. Meiner Tochter und mir geht es gut. Aber reden wir lieber über dich. Du hast vorhin gesagt, du willst dich umorientieren? Hast du das ernst gemeint oder war das nur deine Reaktion auf mein charmantes Angebot einer möglichen Stelle im EKH?
Sven (lächelt verschmitzt u. ist glücklich, dass er wieder ihre ungeteilte Aufmerksamkeit hat): Das immer noch sehr verlockend klingt. Aber ich spiele wirklich mit dem Gedanken.
Maria (sieht ihn erstaunt an): Willst du deinen Beruf an den Nagel hängen oder was kann ich darunter verstehen?
Sven (schüttelt lächelnd den Kopf): Nein, nicht direkt. Im Gegenteil. Ich liebe meinen Beruf. Nur bin ich nach dem Scheitern meiner Ehe auch an einen Punkt gekommen, an dem sich etwas ändern muss. Ich wusste gar nicht, dass ich schon so sehr in einen Trott verfallen war. Ich kann mir einfach nicht mehr vorstellen, die nächsten dreißig Jahre lang tagtäglich immer dasselbe zu machen. Ich will einfach etwas Neues ausprobieren, mich weiterbilden, vorankommen. Verstehst du?
Maria: Deshalb deine Vortragsreisen?
Sven: Sie sind ein Teil davon, ja. Obwohl die Forschung nicht unbedingt das ist, wo ich hin will. Aber die Kongresse erweitern meinen Blickwinkel. Ich lerne Leute kennen, baue Netzwerke. Und ich denke, ich habe jetzt auch die Richtung gefunden, die ich machen will.
Maria (gespannt): Und?
Sven (mit Stolz sieht er sie an): Sportmedizin. Und weißt du, was das Komische daran ist?
Maria: Dass du immer noch in deinem Metier bleibst?
Sven (lacht): Auch. Ausschlaggebend waren nicht meine neuen Kontakte, sondern mein jüngerer Bruder. Er ist in der schwedischen Nationalmannschaft, musst du wissen. Er hatte einen Unfall vor ein paar Tagen. Nichts Schlimmes, aber ein extrem komplizierter Bruch, an den er nur den Besten der Besten ranlassen wollte.
Maria: Interessant.

Während Maria dem Orthopäden weiterhin interessiert lauschte, konnte auch Cedric nicht widerstehen. Immer wieder schaute er verstohlen zur Dachterrasse, wo Maria noch immer mit diesem Baumfäller-Typen saß und sich angeregt mit ihm unterhielt. Sie hing ihm ja förmlich an den Lippen und würdigte ihn keines Blickes mehr. Wie konnte sie nur? Nach allem, was zwischen ihnen war? Den aufgeladenen Gefühlen, den Vorwürfen, der Sehnsucht, die regelrecht nach seinem Herzen packte und immer fester zudrückte, je länger er zu ihr schaute und still vor sich hin litt. Und während Sven seine neuen Pläne erläuterte und dabei richtig ins Schwärmen geriet, wie seine aufleuchtenden Augen verrieten, bemerkte Maria irritiert im Augenwinkel, wie ihr Exmann schon wieder die Dreistigkeit besaß, ungefragt zu ihr rüberzuschauen. Einem Impuls folgend musste sie dem etwas entgegensetzen. Sofort! Und ein für alle mal! Sonst würde er es wohl niemals kapieren.

Sven: ... und das ist auch ein Grund, warum ich jetzt wahrscheinlich häufiger in Deutschland sein werde. Hier sind einfach die Fortbildungsmöglichkeiten viel besser strukturiert.
Maria: Das sind ja wunderbare Aussichten.

...säuselte Maria mit verführerischer Stimme und warf dem charmanten Schweden einen unwiderstehlichen Augenaufschlag zu, der ihn kurzzeitig in seinem Redefluss irritierte. Ebenso wie die Hand, die er plötzlich unter der Decke auf seinem Oberschenkel spürte. Er atmete schwer, als er registrierte, was sie als nächstes vorhatte, womit er zumindest in dem Moment überhaupt nicht gerechnet hatte. Sie beugte sich plötzlich zu ihm rüber, legte ihre freie Hand in seinen Nacken und küsste ihn einfach spontan auf den Mund. Sven reagierte ebenso perplex wie Cedric im Wohnzimmer, dem sämtliche Farbe aus dem Gesicht wich, so dass nun auch die Plappermaus Chantal darauf aufmerksam wurde und ihn verwundert anschaute.

Sven: Ma...Ma...ria?
Maria (löst sich kurz von ihm u. schaut dem verlegen stotternden Arzt tief in die Augen): Wenn ich dir einen Tipp fürs Flirten geben kann, Sven, dann...
Sven (schaut verwirrt in ihren auffunkelnden Augen hin u. her): Ja?
Maria: Du redest eindeutig zu viel.

...sagte Maria keck und verschloss seinen vor Sprachlosigkeit offen stehenden Mund mit ihren kühlen schmalen Lippen, die sich an seinen wärmen wollten. Der perplexe Mann, der gerade eben noch von dem spektakulären Skiunfall seines Bruders und seinen Zukunftsplänen gesprochen hatte, wusste überhaupt nicht, wie ihm geschah, aber er fand zunehmend Gefallen daran, was die verführerische Küsserin mit ihm anstellte und übernahm schließlich auch mit vollem Körpereinsatz die Initiative.

Chantal: Ricky, du hörst mir ja gar nicht richtig zu!

...holte eine mädchenhafte leicht vorwurfsvolle Stimme den fassungslosen Chirurgen aus seiner Schockstarre. Cedric Stier war wie vor den Kopf gestoßen. Ihm war schlecht. Gleichzeitig war er aber auch so unendlich wütend. Wie konnte sie einen anderen küssen, nachdem er ihr gerade eben erst sein Herz ausgeschüttet hatte? Er hatte quasi blank gezogen und wie honorierte sie ihm das? Wie konnte sie sich einbilden, dass es ihm irgendetwas bedeuten würde? Ein verlorenes Spiel konnte man nicht auf diese schamlose Weise wieder verlängern. Er musste reagieren. Das riet ihm schon allein sein Ego. Und während Chantal den Arzt noch mit fragenden großen Kulleraugen anschaute, hatte dieser schon ihr Gesicht zwischen seine Hände genommen und die völlig überrumpelte Frau spontan geküsst, was nicht unbeobachtet blieb. Draußen wie drinnen. Mehdi wäre nämlich fast über Gretchens Füße gestolpert, als er bemerkte, was sich gerade vor seinen Augen abspielte. Ihr ging es genauso, denn sie stoppte abrupt ihren flotten Tanz mit ihren besten Freund und starrte nun fassungslos abwechselnd zur Couch, dann zu Mehdi, dann zur Terrasse und wieder zurück.

Gretchen: Muss ich das verstehen?
Mehdi: Ich hab schon lange aufgegeben, bei den beiden etwas verstehen zu wollen.

Lorelei Offline

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09.08.2012 17:47
#1318 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Es dauerte nur einen Hauch von einem Moment, in dem sie sich darauf einließen, sich fallen ließen, den prickelnden Atem auf der Haut wahrnahmen, sich an den warmen Körper schmiegten und den sanften Druck der weichen Lippen ihres überraschten Gegenübers auf den ihren spürten. Es hätte so einfach sein können. Ein Kuss, verlieben und endlich wieder leben, nicht mehr ständig grübeln und ewig zweifeln, einfach frei sein. Frei im Kopf. Frei im Herzen. Ich sein. Aber es blieb genau das, was es war, als sie sich spontan dazu entschlossen hatten. Eine reine Provokation mit unschuldigen Beteiligten, die der Zufall in diese Situation geführt hatte und die nicht einmal ahnten, was wirklich mit einem los war, sich aber dennoch für diesen einen kurzen Moment überrumpeln ließen.

Maria Hassmann spürte das bereits in der Sekunde, als sich ihre Lippen zum ersten Mal berührten. Es waren schöne Lippen. Sanft und gefühlvoll, gleichzeitig wild und erfahren. Sven war ein fabelhafter Küsser, bei dem sich das Fallenlassen sicherlich wunderbar anfühlen würde. Die verzweifelte Frau hätte sich nichts mehr gewünscht, als sich nun ganz in diese wohlige Wattewolke zu legen, um endlich alles um sich herum zu vergessen. Aber anstatt der federleichten Watte sah sie nur den harten Betonboden der Realität immer näher auf sich zu rauschen. Es fühlte sich einfach falsch an, diesem wunderbaren Menschen, der so grundehrlich zu ihr war, weiter etwas vorzumachen. Sie musste sich stoppen. Sie geriet hier allmählich in einen völligen emotionalen Ausnahmezustand, der sie unberechenbar machte.

Maria wollte sich gerade lösen und öffnete ihre Augen, die nun blinzelnd hin und her huschten. Hinter Svens Rücken hatte sie plötzlich freien Blick in die hell erleuchtete Wohnung ihrer Kollegen. Getroffen von dem, was sie dort sah, wandte sie sich schnell wieder ab, blickte in Svens herausforderndes Gesicht, das von der Situation ebenfalls verwirrt zu sein schien, aber zunehmend Gefallen daran fand, und ließ sich doch wieder fallen. In eine Illusion. Eine Flucht in einen Kuss, der zwar verboten gut schmeckte, aber eigentlich nicht sein sollte. So intensiv beschäftigt, bemerkte Maria jedoch nicht die Entwicklung, die sich im gleichen Moment im Wohnzimmer abspielte.

Ungeniert küsste dort Cedric die süße Chantal, die gar nicht so schnell hatte reagieren können, als sie den forschen Kuss plötzlich auf ihren Lippen gespürt hatte. Verwirrt und völlig überrumpelt legte sie ihre beiden Hände an seinen Brustkorb und schob den aufdringlichen Oberarzt und väterlichen Freund sanft von sich weg. Sie blickte ihn unwirsch an und hechelte nach Sauerstoff, der plötzlich knapp geworden war. Auch er schien ziemlich durcheinander zu sein. Denn er sah nicht Chantals fragendes Gesicht vor sich, sondern hatte direkten Blick auf das innig küssende Paar auf der Terrasse, das der Länge nach im Strandkorb lag und offenbar alles um sich herum vergessen hatte. Der Stich saß tief. Er fühlte sich mies. Er nahm gar nicht wirklich wahr, dass Chantal ihn inzwischen angesprochen und aufgeregt zur Rede gestellt hatte...

Chantal: Äh... Do...Doktor Stier... Quatsch... ähm... Cedric... Ricky? Also... ich... ich fühle mich echt geschmeichelt, also... dass du... diese äh... Gefühle (?) für mich hast. Ehrlich gesagt hat mich das wirklich überrascht. Weil... es gab nie Anzeichen, dass du... dass du eventuell... naja... Ich meine, es gab mal eine Zeit, als wir uns kennen lernten, weißt du noch, auf der Sylvesterparty vom EKH, da... da wäre ich schon nicht abgeneigt gewesen. Du bist wirklich ein cooler Typ. Also für dein Alter. Und du küsst auch richtig gut, also... was ich jetzt so in den zweieinhalb Sekunden mitbekommen habe. Aber... ich... ich hab jetzt einen Freund. Wir haben quasi heute erst herausgefunden, dass wir irgendwie zusammen sind. Also ... das hat seine Mutter angenommen und irgendwie hatte das dann eine Eigendynamik, die dazu führte, dass wir nun... naja... Egal. Was ich damit eigentlich sagen will, er ist toll. Er hat nicht die Vorurteile, die andere haben, wenn sie hören, dass ich schon ein Baby habe. Und er bemüht sich wirklich sehr. Obwohl er total Schiss hatte, mit meiner Kleinen alleine zu sein, hat er angeboten, auf sie aufzupassen, nur damit ich heute Abend mit den Mädels auf Sabines Polterabend kann. Und ich denke, ich hab ihn echt gern. Es wäre einfach nicht fair, wenn ich seine Gutgläubigkeit und Hilfsbereitschaft ausnutze und jetzt mit dir hier ähm... rumknutsche. Ich dachte, wir sind Freunde? Wir sind doch Freunde?

Betreten blickte Cedric die junge Frau an, die nicht so recht wusste, was sie von seinem Verhalten halten sollte, das doch nicht nur in seinem zunehmenden Alkoholkonsum begründet lag, seitdem sie ihn vorhin auf die Zweiercouch gezogen hatte. Aber sein schlechtes Gewissen hatte bereits eingesetzt, da hatte Chantal noch gar nicht ihren neuen Freund erwähnt. Langsam stand er vom Sofa auf, blickte noch einmal vergewissernd zur Terrasse in der stillen Hoffnung, sich doch geirrt zu haben, schüttelte enttäuscht den Kopf und wandte seinem Blick wieder der Achtzehnjährigen zu, die zur Sofakante gerutscht war und ihre Arme auf die Lehne gelegt und ihren Kopf auf ihren gefalteten Händen abgestützt hatte und nun unsicher zu dem verwirrten Mann hoch blickte...

Cedric: Es... tut mir leid. Ich wollte nicht... Ich weiß auch nicht, was mit mir los war. Ich... denke, ich sollte jetzt gehen.
Chantal (will ihn aufhalten): Nee, nee, das musst du nicht. Ist schon vergessen und verziehen. Wir haben doch jeder mal Aussetzer. Komm, setz dich wieder hin, lass uns quatschen, was trinken, den Abend genießen. Hey wir haben beide babyfrei.
Cedric (schüttelt den Kopf, ein kleines Lächeln huscht über seine Lippen, das aber sofort wieder gefriert, als er sich umdreht u. geht): Ein andermal vielleicht. Schönen Abend noch und liebe Grüße an den Babysitter. Jochen Haase ist ein echter Glückspilz.

Chantal grinste über das ganze Gesicht und blickte Cedric fröhlich nach, bis er die Wohnungstür erreicht und hinter sich geschlossen hatte. Sie merkte gar nicht, dass sie inzwischen gegenüber auf der Dreiercouch Gesellschaft bekommen hatte.

Chantal: Schade!

...murmelte sie nachdenklich, drehte sich wieder herum und wollte als nächstes ihr Orangensaftglas vom Couchtisch greifen, als sie plötzlich in kastanienbraune Augen blickte, die sie scharf musterten, so dass sie sich gleich wieder wie ein kleines Kind fühlte, das irgendetwas ausgefressen hatte. Dabei hatte sie das doch gar nicht. Trotzig verschränkte Chantal ihre Arme und blickte ihn und seine blonde Unterstützung augenrollend an, die sie ebenso vorwurfsvoll ansah wie Gabis Freund.

Lorelei Offline

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11.08.2012 13:43
#1319 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Im gemütlichen Strandkorb auf der Dachterrasse des Meier-Haasschen Anwesens lag Dr. Hassmann immer noch in den muskulösen Armen eines attraktiven Schweden, der sein Glück gar nicht richtig fassen konnte und sich deshalb immer wieder Gewissheit suchend an sie schmiegte, und verlor sich in wilden leidenschaftlichen Küssen, die ihm völlig den Atem raubten, so dass er gar nicht anders konnte, als weiter die Initiative zu ergreifen. Aber irgendwann kam abrupt der Punkt, an dem sich Maria nicht mehr länger etwas vormachen konnte und sie löste die innige Verbindung. Überfordert von ihrem eignen Gefühlschaos sah sie ihn an. Sven lächelte. Seine glasigen Augen strahlten. Er wollte sie wieder küssen, noch einmal diesen unbeschreiblichen Kick spüren, den die Küsse einer schönen Unbekannten bei ihm auslösten, doch diesmal blockte sie zaghaft ab und drehte ihren Kopf zur Seite. Er sollte nicht sehen, wie ihr langsam Tränen hochkamen, Tränen, die sie sich überhaupt nicht erklären konnte und die sie nur mühsam unterdrücken konnte. Was war nur mit ihr los? Wieso konnte sie sich nicht fallen lassen? Wieso konnte sie sich nicht in ihn verlieben? Warum bekam sie IHN einfach nicht aus ihrem Kopf? Das war doch alles verdammt noch mal nicht fair.

Sven: Maria, das war... überwältigend. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich bin... überrascht.

Maria: Es... tut mir leid. Ich... ich sollte jetzt gehen.

...brachte die überforderte Ärztin nach langem Schweigen, während dem er sie mit seinen Blicken regelrecht durchbohrt hatte, mit letzter Kraft hervor und schob die beiden Decken beiseite, in die sie sich gekuschelt hatten, um nun als nächstes aus dem Strandkorb aufzustehen. Sven sah ihr irritiert dabei zu. Es dauerte eine Weile, bis er begriff.

Sven: Aber...? ... Verstehe!
Maria: Es hat nichts mit dir zu tun. Ich bin nur... ich weiß nicht. Es tut mir leid. Es war ein toller Abend mit dir.

...versuchte sie sich halbherzig zu erklären. Doch Maria konnte ihm nicht in die Augen sehen, als sie ihre Begleitung einfach so auf der Dachterrasse stehen ließ. An der Glastür angekommen, die ins Wohnzimmer führte, lief sie direkt Gretchen Haase in die Arme, die gerade kurz durchlüften wollte und die sie nun verunsichert anschaute. Die Assistenzärztin hatte Marias glasigen Augen bemerkt und legte besorgt ihre Hand an ihren Arm. Die Unstimmigkeiten von vorhin waren mit einem Mal ganz vergessen.

Gretchen: Maria? Alles in Ordnung? Hör mal, wegen vorhin. Ich hab nicht geahnt, was für einen Auftritt er hier hinlegen würde. Er hat sich einfach eingeladen und ich dachte, vielleicht könnt ihr ja was klären. Ich weiß, das war naiv. Aber ich hab nicht gewollt, dass du jetzt... Entschuldige bitte!
Maria (sieht ihre Freundin u. Kollegin dann doch an u. fällt ihr leise ins Wort): Ach Gretchen, mach dir doch bitte nicht immer über alles und jeden einen Kopf. Sei auch mal egoistisch.
Gretchen (unsicher): Du bist mir nicht böse?
Maria (schüttelt den Kopf u. schenkt ihr ein kleines Lächeln, bevor sie an ihr vorbeigeht): Schönen Abend noch, Gretchen. Wir sehen uns morgen auf der Hochzeit. Ich bringe Sarah rechtzeitig vorbei.
Gretchen (sieht irritiert zwischen ihr u. Sven hin u. her, der mittlerweile ebenfalls aufgestanden ist u. Maria nachdenklich hinterher blickt): Aber...? Du musst noch nicht gehen. Er ist schon gegangen.

Maria erwiderte nichts weiter als ein stolzes Lächeln, drehte sich um und trat durch die Glastür in die Wohnung, die sie, ohne jemanden weiter eines Blickes zu würdigen, auch wenn einige Blicke sie neugierig verfolgten, eilig durchquerte und schließlich verließ. Nachdenklich sah Gretchen ihrer Kollegin und Freundin hinterher, der sie so gerne irgendwie helfen wollte, aber da fiel ihr Blick auch schon auf Sven, der gerade die beiden Wolldecken akkurat zusammenfaltete und auf den Strandkorb legte. Sie ging zu ihm und legte ihre Hand tröstend auf seine Schulter. Er lächelte sie an.

Gretchen: Bist du okay?
Sven (irritiert): Ja?
Gretchen: Du musst jetzt nicht den Coolen spielen, Sven. Du kannst ruhig sagen, wenn du enttäuscht bist.
Sven (verwundert): Ich bin nicht enttäuscht.
Männer! Dass die auch nie zu ihren Gefühlen stehen können!
Gretchen (zieht skeptisch eine Augenbraue nach oben): Nicht? Aber ihr habt euch geküsst?
Sven (ein wissendes Grinsen schleicht sich auf seine Lippen): Hast du uns beobachtet?
Gretchen (kneift verlegen die Augen zusammen u. räumt lieber erst einmal die beiden Decken beiseite): Zufällig.
Sven (sieht ihr wissend dabei zu): Zufällig?
Gretchen (dreht sich wieder zu ihm um u. wird ernster): Hör mal, was meine Freundin betrifft, da musst du etwas wissen.
Sven (sieht sie nun auch scharf an): Du wolltest uns verkuppeln? Gib’s zu! Schon auf dem Kongress vor zwei Wochen hatte ich den Eindruck.

War das so offensichtlich? Aber so war das doch gar nicht geplant. Also anfangs schon, aber dann...

Gretchen (läuft augenblicklich rot an u. beginnt zu stammeln): Eigentlich... Naja...
Sven (sichtlich amüsiert): Hey, meine Schöne, es ist wirklich sehr charmant von dir, dass du dir Gedanken um mein Liebesglück machst, aber das musst du nicht. Ich bin zwar etwas aus der Übung, aber das bekomme ich schon noch alleine hin.
Oh das läuft alles total schief.
Gretchen (unsicher): Und Maria? Wenn du dich verliebt hast, dann sollte ich dir wirklich sagen, dass...
Sven (fällt ihr charmant ins Wort): Gretchen, das mit der Liebe auf den ersten Blick passiert, glaube ich, nur einmal im Leben. Mir hat mal jemand eine Tür an die Nase geschlagen und es hat zoom gemacht.
Schiefer als schief!!!
Gretchen (lässt sich seufzend auf einen Liegestuhl fallen): Ach Sven, sag jetzt nicht, dass du noch...?
Sven (setzt sich lachend neben sie u. stupst ihr an die Nasenspitze): Ich wusste gar nicht, dass du so eingebildet sein kannst, Gretchen. Wenn ich nicht wüsste, dass da drin ... (deutet auf ihr Herz u. lächelt dabei) ... schon jemand anderes seit Anbeginn aller Zeiten einen Dauerlogenplatz hat, dann wäre ich durchaus nicht abgeneigt, meinen unwiderstehlichen Charme auszuspielen, um dich endgültig nach Schweden zu entführen.

Gretchen (streicht sich verlegen über die Wange u. sieht zu ihm rüber): Spinner!
Sven (lacht u. wird wieder ernster): Die Geste war auf jeden Fall sehr lieb gemeint, Gretchen. Maria ist eine aufregende und faszinierende Frau. Ich bin dankbar, sie kennen gelernt zu haben. Ich werde bestimmt noch tagelang von diesem Kuss träumen.
Stooopp! Eindeutig zu viele intime Informationen auf einmal!
Gretchen (sieht ihn eindringlich an): Sven!
Sven: Hey! Selbst wenn ich blind wäre, wäre mir aufgefallen, dass sie die ganze Zeit nicht richtig bei der Sache war. Ich denke, es ist wohl mein Los, immer auf die Damen zu treffen, deren Herzen schon besetzt sind.

Er weiß es?

Gretchen (sieht ihn aufmunternd an): Irgendwann triffst du die Richtige, Sven.
Sven (geheimnisvoll grient er sie an): Vielleicht hab ich sie ja schon gefunden.
Heute ist er aber wirklich in Flirtlaune. Hilfe!
Gretchen (deutet mal wieder alles falsch): Ach Sven, jetzt fang nicht schon wieder so an.
Sven (stupst ihr schmunzelnd an ihr süßes Näschen): Doch eingebildet!
Gretchen (trotzig): Gar nicht!
Sven (zwinkert ihr zu): Doch!
Gretchen (langsam fällt der Groschen u. sie sieht ihn mit immer größer werdenden Augen an): Du hast jemanden kennen gelernt?

Sven (aus ihm ist nichts rauszubekommen): Vielleicht?
Gretchen (von der Neugier gepackt): Jetzt sag schon!
Sven (liebt es, sie aufzuziehen): Eingebildet, besserwisserisch und neugierig hoch drei. Was hat der Meier nur aus dir gemacht?
Gretchen (steckt ihm die Zunge raus): Blödi!
Sven (lacht): Okay, aber nur weil du es bist und bevor du noch auf die Idee kommst, mich mit eurer Oberschwester zu verkuppeln.
Gretchen (grient ihn an): Ich kann dich beruhigen, die ist schon glücklich vergeben.
Sven (rollt gespielt theatralisch mit den Augen): Doch die reinste Partnerbörse bei euch in der Klinik.
Gretchen (lacht): Den Ruf haben wir uns hart erarbeitet.
Sven: Schon klar!
Gretchen (drängelt ihn, um mehr zu erfahren): Jetzt erzähl schon!
Sven (vorlaut): Ich hab ungeduldig vergessen.
Gretchen (funkelt ihn an): Sveeen!
Sven (lacht): Okay, ich sehe schon. Ohne eine Antwort lässt du mich heute nicht mehr gehen?
Gretchen (triumphierend): Genau!
Sven: Also ich hab dir doch von meinem Bruder erzählt.
Gretchen (ist ganz Ohr): Wie geht’s ihm? Hat er die OP gut überstanden?
Sven (nickt): Bis zur nächsten WM kriegen wir ihn fit, ja.
Gretchen: Und was hat das jetzt mit deiner ominösen Unbekannten zu tun? Warst du deshalb die letzten Tage nicht in Berlin?

Sven (schwelgt in Erinnerungen): Wenn Maria nicht angerufen und ich heute nicht den Termin an der Uni gehabt hätte, wer weiß, ob ich vor meiner Abreise überhaupt noch mal nach Berlin zurückgekommen wäre.
Gretchen (staunt u. nimmt ein sonderbares Funkeln in seinen Augen wahr): Hat es dich so erwischt? Wer ist sie?
Sven (zögert): Ich... hab keine Ahnung.
Gretchen (stutzt u. schaut ihn mit offenem Mund an): Wie? Aber...?
Sven: Ich hatte meinen Bruder gestern gerade in der Reha abgeliefert, da kam sie uns auf dem Flur entgegen geschwebt und hat mich angelächelt. Auf eine Weise, die ich... Ich krieg’s nicht mehr aus dem Kopf.
Gretchen (fiebert richtig mit): Von wegen Liebe auf den ersten Blick gibt es nur einmal im Leben.
Sven (verlegen): Ja, vielleicht muss ich das doch revidieren.
Gretchen (gespannt wie ein Flitzebogen): Und? Wirst du sie wiedersehen?
Sven (ratlos): Ich weiß nicht. Das war nur ein Moment. Vielleicht habe ich es mir auch nur eingebildet. Ich weiß nicht. Ich hab sie vielleicht ein zwei Sekunden gesehen, dann sind wir in Björns Zimmer abgebogen. Bis wir ihn mit dem Gips ins Bett gehievt hatten, hat es eine ganze Weile gedauert. Ich bin noch mal zurück. Aber da war sie schon nicht mehr da.
Gretchen: Du weißt nicht, ob sie auch Patientin ist?
Sven (zuckt mit den Schultern): Genauso gut kann sie auch eine Besucherin gewesen sein oder sie hat jemanden abgeholt. Vielleicht war sie auch nur an diesem einen Tag da?
Gretchen (will ihn ermutigen): Oder sie arbeitet dort? Du musst sie suchen gehen, Sven.

Sven (sieht sie gespielt ernst an): Gretchen, sag mal, kann es sein, dass du dich liebend gern in die Beziehungen anderer einmischst?
Wie kommt er denn auf so einen Blödsinn?
Gretchen (trotzig verschränkt sie ihre Arme vor ihrer Brust): Nein, gar nicht.
Sven (lacht): Natürlich nicht! Aber ich danke dir trotzdem für deinen Rat und Tat. Auch für deinen missglückten Verkupplungsversuch. Aber vielleicht kümmerst du dich jetzt erst einmal um andere Patienten. Da drüben steht nämlich ein Eiszapfen, der verdammt viel Ähnlichkeit mit deinem Marc Meier hat.
Gretchen (verdutzt): Was?
Sven: Ich geh wieder rein und lasse mir das mit der Suche nach der großen Unbekannten noch einmal durch den Kopf gehen. Vielleicht sollte ich es ja doch wagen? Hat schon was Märchenhaftes, findest du nicht? Und in der Liebe sollte man schließlich mutig sein. Und was hab ich schon zu verlieren? Genügend Körbe hab ich ja schon gesammelt.

Und ehe sich Gretchen suchend umgedreht hatte, hatte Sven ihr schon einen kleinen Wangekuss gegeben und war wieder in die warme Wohnung zurückgekehrt, wo er an der Bar gleich von zwei hübschen Damen in Beschlag genommen wurde, die endlich ihre Chance gewittert hatten, nachdem Dr. Hassmann sich wortlos verabschiedet hatte. Gretchen hatte derweil endlich ihren Liebsten in der dunklen Ecke neben der Regentonne entdeckt und lief schnell zu ihm hin. Er sah wirklich wie ein Eiszapfen aus, ein ziemlich trauriger mit hängenden Schultern und leerem Blick, und er schien sie gar nicht richtig zu registrieren, so wie er durch sie durchkuckte. Besorgt griff sie nach seinen eiskalten Händen, erschauderte und sah ihn voller Liebe an....

Gretchen: Maaarc, du bist ja ganz durchgefroren. Was machst du denn so lange hier draußen in der Kälte? Komm bitte wieder mit rein, ja!

Lorelei Offline

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13.08.2012 17:07
#1320 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Der süße leicht besorgte Klang von Gretchens engelsgleicher Stimme holte Marc ‚Eiszapfen’ Meier schnell wieder aus seiner kurzfristigen Lethargie zurück, die er sich im Nachhinein gar nicht mehr so richtig erklären konnte. Er hatte gar nicht gemerkt, dass er so lange hier draußen in der nassen Kälte geblieben war. Marc schüttelte verwirrt seinen Kopf, schob seine wirren Gedanken beiseite und sah seine wunderschöne „Frau“ mit glänzenden Augen einfach nur an, die mit ihrem wehenden Mantel, den sie vor Kälte bibbernd schnell mit einer Hand zuhielt, und dem wehendem goldenen Haar, das ihr elfenbeinfarbenes makelloses Gesicht umspielte, wie eine Statue einer griechischen Göttin aussah. Er lächelte sanft, strich ihr liebevoll ein verirrte Strähne aus ihrem Gesicht, die der Wind aus ihrer kunstvollen „Bezaubernde-Jeannie“-Frisur herausgepustet hatte und die sein stetiger Blick eingefangen hatte, ließ seine Hand für einen Moment an ihrer warmen Wange ruhen und zog seinen persönlichen Flaschengeist schließlich fest in seine Arme. Spontan, Halt suchend haschte er nach Geborgenheit und Wärme einer Frau. Seiner Frau! Denn das war Haasenzahn ja im Prinzip auch irgendwie seit heute. Ob inoffiziell oder offiziell, das war ihm in dem Moment schnurzpiepegal. Hauptsache er hielt sein Gretchen jetzt in seinen Armen.

Der Meiersche Raubtiergriff kam für sein unschuldiges Opfer überraschend, hatte die bezaubernde Jeannie doch gerade erst ihre Wange in seine kalte Hand gelegt und für einen kurzen Moment die Augen geschlossen. So stolperte Gretchen eher in seine Arme, als dass sie sanft darin eingebettet wurde. Der fordernde Kuss, den Marc ihr anschließend raubte, kam ihm wie eine Erlösung vor. Nicht nur weil er ihn auf wunderschöne Weise wärmte, sondern vor allem auch weil er seine wilden Gedankengänge in ruhigere Bahnen lenkte. Gretchens Kuss, ihre Nähe, ihre Sanftheit und Wärme beruhigten ihn. Denn seit dem kurzen sehr überraschenden und irritierenden Telefonat mit seiner werten Frau Mama war er noch immer völlig durcheinander, versuchte zu sortieren und zu verstehen, doch es gelang ihm einfach nicht. Und das machte ihn fast wahnsinnig. Deshalb war er ungemein froh über die süße Ablenkung, die geradewegs in seine Arme gepurzelt war und sich nun gefühlvoll mit ihren weichen Rundungen an seinen durchgefrorenen Körper schmiegte, was seine Tast- und Kusssensoren sofort hochsensibel reagieren ließ, auch wenn sein Haasenzahn etwas widerspenstig auf seine wandernden Lippen und Hände reagierte und ungelenk herumzappelte, was ihn natürlich ungemein erheiterte und aufmunterte.

Gretchen (nuschelt widerwillig in den Kuss hinein): Mwaaarc, duuu bischt voll kaaalt.
Marc (schmunzelt, dreht mit ihr eine halbe Drehung u. drängt sie nun küssenderweise gegen die kalte Mauerwand neben der Fensterfront): Dann sollten wir uns schleunigst aufwärmen. Findest du nicht?
Gretchen (erschrickt von dem ruckartigen Seitenwechsel u. der Kühle im Rücken u. windet sich immer heftiger): Iiiihhh!!! Maaarc, das ist wirklich wirklich eiskalt.

Unbeeindruckt zog Marc seine widerspenstige und frierende Freundin am Kragen wieder heran und seine kalte Hände schlüpften als nächstes unter ihren offenen Mantel, um ihre Taille besser umgreifen zu können, während seine fordernden Lippen von ihrem sinnlichen Mund über ihren schlanken Hals direkt zu ihren verführerischen Ohrläppchen wanderten, an dem er nun gefühlvoll knabberte, und sein heißer Atem in die kalte Nacht emporstieg und sie leise aufstöhnte. Vor Kälte und prickelnder Erregung, die sich als Gänsehaut am ganzen Körper zeigte. Schließlich hauchte er Gretchen etwas verheißungsvoll ins Ohr...

Marc: Ich wüsste was, was mich schnell wieder auf Normaltemperatur bringen würde, Haasenzahn.
Macho! Und ich mache mir auch noch Sorgen! Törichtes Gretchen!
Gretchen (lehnt sich nun doch mit dem Rücken an die kalte Wand, weil ihre Knie komplett Wackelpudding sind u. ihre Tragfähigkeit verloren haben, u. lässt ihn machen, aber nicht ohne dabei ihre Zweifel kundzutun): Klar! Aber eins sage ich dir, mein Freundchen, unsere „Hochzeitsnacht“ wird nicht vorgezogen, bis du mir nicht gesagt hast, wieso du so lange hier in der Kälte gestanden hast. Du hast unsere Showauftritte verpasst und eine Szene, die... die... Äh... Egal! Irgendwas ist doch mit dir? Das spür ich. Und da brauchst du auch gar nicht mit dem üblichen Meierschen Ablenkungsprogramm kommen.
Marc (löst sich von ihrem süßen Ohr u. grinst sein Mädchen frech an): Das da wäre?
Gretchen (hat sich frei gekämpft u. steht ihm mit unmissverständlichen Blick gegenüber): Boah Maaarc!
Okay! Hosen runter, Meier! Du kennst sie ja.
Marc (spürt, dass er keine Chance hat u. streckt augenrollend die Waffen): Okay, okay, du gibst ja eh keine Ruhe, aber dann lass uns lieber reingehen. Nicht dass du auch noch zum Schneemann wirst.
Gretchen (grient ihn zufrieden an u. reicht ihm ihre Hand): Wenn schon, dann Schneefrau.

Hand in Hand und herzhaft lachend betraten die beiden wieder das Wohnzimmer, wo inzwischen recht ausgelassen gefeiert wurde - mit Ausnahme von Schwester Sabine, die ungewohnt abwesend vor dem Buffet herumstand, auf das leckere Essen herab starrte und vor sich hingrübelte -, und entschieden sich, sich ein ruhigeres Plätzchen zu suchen, das sie unter der Treppe auch schnell fanden, wo sich Marc sofort auf den bequemen Diwan fallen ließ und sein Mädchen, das sich gerade unelegant aus ihrer Jacke gequält hatte, unvermittelt auf seinen Schoß zog, was sie laut aufquieken ließ, denn seine eiskalten Patschehändchen hatten sich auf ihren nackten Bauch gelegt und umschmeichelten diesen nun sanft. Aber schnell hatte sich die „bezaubernde Jeannie“ von dem Schreck erholt und schmiegte sich nun wie ein Schmusekätzchen an den langsam auftauenden Körper ihres persönlichen Helden und „Mannes“ Marc ‚Hasselhoff’ Meier. So blieben sie eine Weile stumm sitzen, wiegten sich sanft hin und her, schauten sich einfach nur an und wärmten ihre kalten Hände gegenseitig aneinander.


Mehdi, der gerade ein sehr peinliches Gespräch inklusive einer aufmüpfigen Teeny-Standpauke, die sich gewaschen hatte, mit seiner ehemaligen Patientin und Gabis bester Freundin Chantal hinter sich hatte, stand in der Zwischenzeit etwas unentschlossen vor der Meier-Haasschen Badezimmertür, hinter der seine Lebensgefährtin schon vor geraumer Zeit verschwunden, aber nicht wieder herausgekommen war. Nach einigem Zögern, während dem er seine rechte Hand schon mehrfach gehoben und wieder gesenkt hatte, entschloss er sich dann doch zu klopfen. Erst zaghaft, dann etwas kraftvoller. Vor Schreck rutschte Gabi die Packung mit dem Schwangerschaftstest, die sie seit über einer halben Stunde hypnotisierend angestarrt hatte, ohne sie zu öffnen, aus der Hand direkt in die Badewanne. Hektisch fischte sie danach, als sie plötzlich aschfahl im Gesicht wurde und die erfolgreich wieder heraus geangelte Papierschachtel gegen ihr heftig pochendes Herz drückte. Sie hatte Mehdis sanfte Stimme vor der Tür erkannt.

Mehdi: Gabi, Schatz? Ist alles in Ordnung? Du bist jetzt schon fast eine halbe Stunde hier drin. So langsam mache ich mir echt Gedanken.

Oh Gott, Mehdi! Was mache ich denn jetzt?

Lorelei Offline

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15.08.2012 21:12
#1321 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Von aufkommender Panik ergriffen richtete die ertappte Krankenschwester ihre weit aufgerissenen Augen auf die Türklinke, die ganz langsam heruntergedrückt wurde. Sie wusste nicht, wie sie reagieren sollte, aber irgendetwas musste sie tun, damit er jetzt nicht hereinkam und so herausfand, was mit ihr los war. Vom Badewannenrand, auf dem sie die ganze Zeit gesessen hatte, war sie mittlerweile aufgesprungen.

Gabi: Mir geht’s gut, Liebling. Ich komme gleich. Ich muss nur... Mir... mir ist da ein... ein... kleines Missgeschick passiert.

...redete Gabi hastig nach einer einigermaßen plausiblen Ausrede haschend wenig überzeugend gegen die Tür, vor der sie nun mit Schweiß auf der Stirn und wild klopfendem Herzen stand. Die Reaktion von draußen folgte natürlich prompt...

Mehdi: Was denn?
Gabi (kneift die Augen zusammen u. schwitzt Blut und Wasser): Ich... Mir ist... Verdammt, mir fällt nichts ein! ... Mir ist... äh... der Lippenstift aus der Hand gerutscht. Du weißt schon, ich... ich wollte mich noch mal für dich aufhübschen. Aber... jetzt... jetzt prangt ein großer roter Strich auf meinem gelben Rock. Obwohl... der gehört mir ja nicht mal. Ich will keinen Ärger mit dem Kostümverleih. Ich versuche ihn herauszubekommen.

...log sie mehr schlecht als recht und fühlte sich echt mies dabei, wie ihr gequältes Augenrollen deuten ließ. Aber in dem Moment konnte sie einfach nicht anderes. Für die andere Erklärung war es mittlerweile zu spät. Und ihr hätten eh die richtigen Worte gefehlt vor lauter Aufregung und Chaos im Kopf.

Mehdi: Soll ich dir helfen?

...fragte Mehdi hilfsbereit, wie er nun einmal war, und brachte die junge Frau damit nur noch mehr in Aufruhr, die verzweifelt mit beiden Armen in der Luft herumruderte.

Gabi: Nein!
Mehdi: Oder soll ich Gretchen holen? Vielleicht hat sie ja...
Gabi (unterbricht ihn barsch): Nein, nicht nötig. Ich hab mich hier schon zurechtgefunden. Das äh... Fleckenmittel hilft.
Gott Gabi, wer soll dir das abnehmen?
Mehdi (der neunmalkluge Hausmann spricht aus ihm): Weißt du, bei solchen Flecken solltest du besser...
Mehdi!
Gabi (fällt ihm hastig ins Wort, um ihn abzuwimmeln): Danke Schatz, es geht schon. Ist schon raus. Das muss nur noch was trocknen.
Mehdi: Soll ich reinkommen? Wir vertreiben uns zusammen die Wartezeit im Bad.

...bot der Kavalier charmant und natürlich völlig ohne Hintergedanken an. Doch anstatt gerührt zu sein, riss Gabi panisch ihre Augen auf und sprang zur Tür, die sie nun mit ihrem Rücken versperrte, als die Klinke wieder leicht heruntergedrückt wurde. Mit Engelszungen versuchte sie ihrem Liebsten den Vorschlag, auch wenn er noch so süß war und sie in einer anderen Situation sicherlich nicht „nein“ sagen würde, auszureden.

Gabi: Nein, bitte, Mehdi, du weißt doch, was alle gleich wieder denken würden, wenn wir hier drin zusammen verschwinden würden. Das Gerede würde nie aufhören.
Mehdi (grinst verschmitzt): Mhm... Also nach dem, was hier draußen so abgeht, fällt das gar nicht mehr so sehr ins Gewicht.
Gabi (stutzt): Wieso? Was geht denn draußen so ab?
Mehdi (tut geheimnisvoll, um seine Liebste herauszulocken): Das verrate ich dir, wenn du endlich hier raus kommst und wieder mit uns mitfeierst. Du fehlst.

Gott, was hab ich mir eigentlich dabei gedacht, das ausgerechnet hier klären zu wollen? Aber wenn ich es jetzt nicht endlich in Erfahrung bringe, kann ich ihm gar nicht mehr unter die Augen treten. Ich muss es einfach wissen. Jetzt! Und dann schnappe ich ihn mir und sag es ihm. In aller Ruhe. Ohne Publikum. Ja, das ist der Plan.

Gabi (mit furchtbar schlechtem Gewissen wimmelt sie ihren Schatz ein letztes Mal ab): Ja, bis gleich.
Mehdi (immer noch etwas irritiert von ihrem seltsamen Verhalten lässt er endlich die Türklinke los): Gut, dann... Wenn du Hunger hast, ich hole dir gerne noch was vom Buffet, falls denn noch was da sein sollte.
Gabi: Danke.

...flüsterte Gabi mit klopfendem Herzen durch die geschlossene Badezimmertür und legte gleichzeitig ihre Hand auf das helle Holz. Mehdi tat es ihr unbewusst gleich und lächelte, als er kurz gedankenverloren über das Holz strich. Auch wenn er nicht wirklich verstand, was mit seiner Freundin heute los war, die ständig irgendwohin verschwand, so war er doch froh, sie gleich wieder in seine Arme schließen zu dürfen. So schnell würde er sie dann heute nicht mehr loslassen. Mit einem hoffnungsvollen Lächeln auf den Lippen und der Vorstellung eines unvergesslichen Ausgangs des Abends ging Mehdi rüber in die Küche und schob sich dort an einer nachdenklichen Schwester Sabine vorbei, die abwesend und irgendwie traurig an der an der Bar um den schönen Sven herumscharwenzelnden Wahrsagerin Azadeh und Schwester Pippilotta vorbei auf das ausgelassene Partyvolk und ihren Zukünftigen schaute, der gerade von den Schwesternschülerinnen in die Mangel genommen wurde, aber nicht auf seine Frage, ob denn alles mit ihr in Ordnung sei, reagierte. Der aufmerksame Oberarzt ließ es darauf beruhen, schob es auf die Aufregung vor der bevorstehenden Trauung morgen und kümmerte sich erst einmal darum, dass seine Gabimaus gleich etwas auf den Teller bekam, nachdem er vorhin den ihren ungefragt einfach so leer geputzt hatte.

Seine Angebetete stand derweil immer noch völlig neben sich, nachdem Mehdi sie beinahe inflagranti mit einem Schwangerschaftstest in der Hand erwischt hätte. Sie konnte sich auch nicht erklären, wieso sie so abweisend reagiert hatte. Vielleicht weil sie es erst mit sich selbst ausmachen wollte. Weil sie erst richtige Tatsachen in der Hand haben wollte, bevor sie ihn damit konfrontierte. Weil sie nicht wollte, dass er sich falsche Hoffnungen machte. Schließlich wusste sie, wie er zu diesem ganz besonderen Thema stand, was sie gleich wieder für eine Sekunde auflächeln ließ. Es lag auf jeden Fall nicht darin begründet, dass sie Angst vor seiner Reaktion hätte. Vielmehr hatte ihre eigene Angst über das „Was wäre wenn“ sie panisch werden lassen. Eigentlich totaler Blödsinn, aber genau das und die Erinnerungen an damals, an das, was vor einem Jahr passiert war, waren ihr in den letzten Minuten durch den Kopf gegangen, als sie mit dem noch ungeöffneten Test in der Hand alleine im Badezimmer gesessen hatte.

Es dauerte einen Moment, bis sich die aufgeregte Krankenschwester und Vielleicht-bald-Mama wieder etwas beruhigt hatte, sie wieder Luft bekam und sich schließlich von der Tür löste. Langsam schritt sie zurück in den Raum. Sie schaute sich um, öffnete den Klodeckel, dann trat sie neben die Badewanne, atmete noch einmal kurz durch und griff sich die Testpackung vom Wannenrand. Nachdem sie die Anleitung mittlerweile an die hundert Mal gelesen hatte in den vergangenen dreißig Minuten, wusste sie, was sie nun zu tun hatte.

Hektisch auf und ab laufend versuchte sie gerade die Verpackung vom Schwangerschaftstest aufzufriemeln, als hinter ihr plötzlich unvermittelt die Badezimmertür aufgerissen wurde. Ertappt schreckte Gabi herum, versteckte den Test schnell hinter ihrem Rücken und begann auch gleich den ungebetenen Gast aufgebracht auszumeckern, noch bevor sie überhaupt erkannt hatte, wer sie gerade in diesem für sie so wichtigen Moment gestört hatte...

Gabi: Mehdi, ich hab doch gesagt, dass ich gleich... Oh!

Gabi erstarrte in ihrem Redefluss und blickte die Person mit ungläubigen Augen an, die so stürmisch ins Bad hereingepoltert gekommen war und die von der plötzlichen barschen Ansage der Krankenschwester ebenso überrascht zu sein schien, heftig zusammenzuckte und Gabi nun anstarrte, als sei sie ein Geist in der Geisterbahn.

Gabi: Sa...bine? Äh... Siehst du nicht, dass hier grad besetzt ist. Wenn du also bitte...

...wollte Schwester Gabi gerade ihren Protest aussprechen und deutete mit ausgestrecktem Arm zur Tür, die gerade mit einem leichten Knall ins Schloss gefallen war, aber da hatte sich der perplexe Überraschungsgast schon wieder gefangen. Oder wohl eher nicht. Hastig stolperte Sabine an ihrer verdutzten Kollegin vorbei auf die Toilette zu, ging in die Knie und übergab sich vor Gabis Augen, die sich angewidert wegdrehten.

Gabi: Boah! Sabine, das ist echt... widerlich.

Ihren Ekel unterdrückend ging die brünette Krankenschwester einige Schritte rückwärts, bis sie ans Waschbecken stieß, auf dem ihre Handtasche lag, in der sie schnell die längliche Verpackung mitsamt dem Schwangerschaftstest verschwinden ließ. Bevor Sabine noch etwas mitbekam und es Gerede gab. Eigentlich wollte die junge Frau nun so schnell wie möglich aus dem Bad entfliehen, da sie ebenfalls ausgelöst durch die eindeutigen Geräusche und dem aufkommenden Geruch aufstoßen musste, als ihr Blick wieder auf das Häufchen Elend vor der Toilette fiel. Gabi konnte gar nicht anders. Sie ignorierte ihr eigenes Magendrücken und ging augenrollend zu Sabine hin, riss etwas Toilettenpapier von der Rolle ab, reichte es ihr und strich Sabine fürsorglich die Haare aus dem Gesicht, als sie noch einmal kurz nachwürgen musste. Dann rutschte die Braut erschöpft zur Seite und blieb auf ihrem properen Hintern sitzen.

Mit angehaltenem Atem und zusammengekniffenen Augen drückte Gabi nun die Spülung und ließ den Klodeckel schnell wieder zufallen. Es schüttelte sie innerlich, aber sie wollte sich vor Sabine nichts anmerken lassen. Als Krankenschwester war sie schließlich viel Schlimmeres gewöhnt. Sie schaute sich suchend im Badezimmer um, entdeckte das, was sie gesucht hatte und versprühte erst einmal etwas Raumspray, um danach endlich wieder durchatmen zu können. Erst als sie es verdächtig neben sich schniefen hörte, richtete sich ihr Blick wieder auf Sabine, deren ganzer Körper zitterte. Besorgt robbte sie zu ihrer Freundin heran und legte zögerlich ihren Arm um ihre Schulter. Sofort fiel Sabines Kopf zur Seite und das heulende Elend schmiegte sich an ihre Kollegin, die überhaupt nicht wusste, wie ihr geschah. Überfordert klopfte sie Sabine immer wieder unbeholfen auf den Rücken und versuchte mit sanfter Stimme etwas aus ihr herauszubekommen...

Gabi: Hey Sabine! Das ist doch nicht schlimm. Das passiert uns doch allen mal. ... Wenn sie wüsste! ... Das ist doch nun wirklich kein Grund zum Heulen.
Sabine (schnieft herzzerreißend an Gabis Schulter u. klammert sich noch mehr an ihrer Freundin fest): Doch!
Oh Mann! Mir bleibt heute echt nichts erspart. Ich hab auch Probleme, Sabine!
Gabi (streift ihr fürsorglich über den Rücken u. kuckt sie liebevoll an): Quatsch! Hey ich hab auch von dem Nudelsalat gekostet. Die alte Häsin hat’s mit der Mayonnaise echt zu gut gemeint.
Sabine (verwirrt): Was?

Mit allerletzter Kraft versuchte sich Sabine aufzurichten, um ihrer Kollegin besser in die Augen sehen zu können. Vor ihrem verschmierten Gesicht und ihrem starren Blick musste Gabi kurz zurückschrecken, bevor sie ein verlegenes Lächeln aufsetzte und ihr mit dem Daumen etwas von dem verlaufenen Mascara wegwischte...

Gabi: Hey das kriegen wir wieder hin. Lass mich mal machen! Kennst mich ja. Ich hab das Kragenowsche Kosmetikstudio immer mit dabei.
Sabine (sieht sie mit großen Augen an): Aber das... das ist es doch gar nicht, Gaaabiii.
Gabi (erstaunt legt sie ihre Handtasche wieder zur Seite, die sie gerade unter akrobatischer Anstrengung vom Waschbeckenrand geangelt hat): Nicht?

Unter zunehmendem Tränenfluss schüttelte Sabine heftig ihren Kopf, hielt plötzlich inne und nannte Gabi stockend den wahren Grund für ihre Verzweifelung, der Gabis Kinnlade mit einem lauten Rumms auf die Fliesen klappen ließ, und brach dann heulend in ihren Armen zusammen...

Sabine: Ich... ich kann... Günni... nicht... heiraten!

Lorelei Offline

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18.08.2012 14:39
#1322 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Juhu! Tja, was da wohl wieder los ist? Man denkt, es geht nicht mehr, da kommt von irgendwo ein neues Türchen her. Bekommt Sabine etwa kalte Füße? Wir erfahren es natürlich... ein anderes Mal. Ich denke, nachdem ich euch so lange gequält habe, sollten wir in einer anderen Sache mal endlich den Rückwärtsgang einlegen. Falls es denn noch gewollt ist? Viel Spaß! Das hier ist der erste Streich. Ich freue mich schon aufs Feedback. Aber auch die stillen Leser sind hiermit ganz herzlich gegrüßt. Ein schönes heißes Wochenende wünscht euch euer Schneckchen.



Kurz zuvor im Treppenhaus des Meier-Haasschen Anwesens

Nachdem die Wohnungstür lautlos hinter ihr ins Schloss gefallen war, ließ sich Dr. Maria Hassmann langsam daran herunterrutschen. In der Hocke blieb sie stehen. Erschöpft lehnte sie sich mit dem Rücken und dem Hinterkopf gegen das dunkle edle Holz der Tür, schloss für eine Sekunde ihre schmerzenden Augen und fuhr sich mit ihren Händen durch ihre kurzen Haare, ohne dabei darauf zu achten, dass sie damit ihre Frisur ruinierte, die nun wild nach allen Seiten abstand, nachdem sie die Hände wieder kraftlos in ihren Schoss fallen gelassen hatte, und blickte anschließend gedankenverloren in die Dunkelheit des Treppenhauses, das schweigend vor ihr lag. Es war eine bedrückende Stille, die nur durch die dumpfen Bässe der Musikanlage aus der Wohnung hinter ihr unterbrochen wurde. Die Oberärztin spürte die Vibrationen im Rücken. Es war das Einzigste, das sie noch fühlte, während sich eine nie gekannte Leere in ihr und ihrem Herzen breitmachte. Die letzten Minuten und Stunden kamen ihr so unwirklich vor. Wie ein schlechter Film liefen sie vor ihrem inneren Auge ab und sie erkannte sich kaum darin wieder. Was war mit ihr los? Wie hatte sie sich nur so gehen lassen können und den armen Sven da mit reinziehen müssen? Was der wohl jetzt von ihr dachte? Dass alle deutschen Frauen unsensible Miststücke waren und er besser schnellstmöglich wieder in den nächsten Flieger nach Göteborg steigen sollte? Sie hatte sich wie die letzte Idiotin benommen. Ihm gegenüber. Gretchen gegenüber. Allen gegenüber. Und vor allem gegenüber sich selbst. Kindisch, rachsüchtig, selbstgerecht war sie gewesen und das alles nur wegen... IHM. Immer wieder ER! Sie schüttelte heftig ihren Kopf in der Hoffnung, IHN damit endlich abschütteln zu können, was natürlich so nicht funktionierte. Ihr Rick hatte sich in ihren Gedanken festgesaugt wie ein Blutegel in der sensiblen Haut seines Opfers. Und so schmiegte Maria ihren Kopf, von dessen Schläfen aus ein leichter pochender Schmerz einsetzte, an ihre zusammengezogenen Knie, die sie mit beiden Armen fest umschlossen hielt. Gott, was war nur aus ihr geworden? Bemitleidenswert, dachte sie. Ja, das war wohl die einzig treffende Beschreibung für ihren aktuellen Gemütszustand, in dem Chaos ganz groß geschrieben stand. Dabei hasste sie es, wenn sie die Kontrolle verlor und heute hatte sie die Kontrolle verloren. Sie war am absoluten Tiefpunkt angelangt. Sie musste hier endlich raus, kam es der verzweifelten Neurologin plötzlich in den Sinn. Raus aus diesem miesen Karma an Sentimentalitäten, die sich wie ein festes Band um ihre Seele geschnürt hatten und ihr allmählich die Luft zum Atmen raubten. Also raffte sie sich auf. Vielleicht etwas zu schnell. Ihr war schummrig zumute.

Diese hektische und unbedachte Bewegung ihrerseits aktivierte den Bewegungsmelder im Flur und im Treppenhaus des siebenstöckigen Gebäudes, in dem sie sich befand. Marias dunkel schimmernde Augen gewöhnten sich nur langsam an das grelle Licht der Deckenstrahler, die auf sie gerichtet zu sein schienen, als stünde sie auf einer Bühne vor einem erwartungsvollen Publikum, das nun ihr Leben beurteilen sollte. Die Daumen würden definitiv nach unten gezeigt werden. Keine rosige Aussicht, dachte sie sich selbst bemitleidend. Sie sah furchtbar aus und genauso fühlte sie sich auch. Ihre Augen waren leicht gerötet und schmerzten von den unerklärlichen Tränen, die sie mit aller Gewalt samt dickem Kloß im Hals runtergeschluckt hatte. Nur eine einzelne dieser Irrlichter war übrig geblieben, die sie nun hastig von ihrer Wange wischte, weil sie mit einer solchen Emotionalität, die sie von sich gar nicht kannte, nicht anders umzugehen wusste. Sie schlüpfte nun in ihren dunkelblauen knielangen Wintermantel, den sie bis dahin kraftlos in ihren Händen gehalten hatte. Ihr war plötzlich kalt geworden. Sie zitterte am ganzen Leib und strich sich über ihre Arme. Von irgendwoher im Treppenhaus zog es zu ihr herauf. Die Kälte ummantelte sie und ihr ledernes Catwoman-Kostüm, das sie bislang eigentlich ganz gut davor geschützt hatte. Ihren dunkelblauen Schal wickelte sie nur locker um ihren Hals. Sie hielt seine Enden fest, atmete durch und schritt schließlich langsam die ersten Treppenstufen hinab, bis sie um die Ecke kam und auf dem ersten Treppenabsatz wieder abrupt stehen blieb. Maria starrte nach unten, als hätte sie gerade eine Erscheinung. Die erstarrte Ärztin hatte die Quelle entdeckt, aus der der eisige Luftzug hervortrat und sie ärgerte. Eine Etage unter der gemütlichen Dachgeschosswohnung von Dr. Meier und Dr. Haase stand im Treppenhaus ein Fenster sperrangelweit offen und davor stand eine dunkelgekleidete Person, die nachdenklich hinaus in die tiefdunkle Nacht schaute und rauchte.

Maria Hassmann wirkte wie gelähmt. Sämtliche Körperfunktionen versagten ihren Dienst. Wie fest getackert stand sie auf dem Treppenabsatz und schaute zu dem Mann herab, der ihr den Rücken zugewandt und sie offenbar noch nicht wahrgenommen hatte. Natürlich hatte sie schon allein von seiner Statur her erkannt, um wen es sich dabei handelte. Und das war genau der Punkt, warum sie nicht weiter konnte und an ihrem Platz festklebte, als hätte man ihr Dauerkleber auf die Sohlen ihrer High Heels gepinselt. Sie hielt den Atem an, versuchte, das plötzlich einsetzende völlig irrationale starke Herzklopfen zu ignorieren und hoffte inständig, er hätte sie nicht bemerkt, damit sie sich doch noch irgendwie, von ihr aus auch ohne Schuhe, an ihm vorbei schleichen könnte. Doch da täuschte sie sich. Natürlich hatte ER sie bemerkt. Er drehte sich in diesem Augenblick zu ihr herum und schaute sie nun an, auch wenn ihm die Kraft fehlte, ihr direkt in ihre wunderschönen sinnlichen Augen zu blicken, in denen er sich in der Vergangenheit mehr als nur einmal verloren hatte. Er hatte die klackernden Schritte von Stöckelschuhen näher kommen gehört und als diese plötzlich verstummt waren, war er seinem inneren Impuls sofort gefolgt, um zu schauen, zu wem diese auffälligen Schritte gehörten. Aber vielleicht hatte es sein Unterbewusstsein auch schon gespürt. Schließlich kannte er ihren Gang und er hatte ihr Parfum gerochen, das er unter tausend noch aus hunderten Metern Entfernung herauslesen konnte. Er schien jedenfalls nicht sonderlich überrascht zu sein, sie zu sehen. Er lächelte kurz auf, eher gequält denn gewollt und zog weiter unberührt an seiner Zigarette, deren Rauch er lässig aus dem Fenster in die Nacht pustete. Lass dir bloß nichts anmerken, Stier, sprach er sich dabei innerlich selbst Mut zu. Dieses lästige Herzklopfen würde schon noch vorbeigehen, hoffte er und verdrehte wegen dieser unmännlichen Schwäche seine Augen.

Maria beobachtete ihn ganz genau dabei, ließ ihn mit einer Mischung aus Ablehnung und stiller Faszination nicht aus den Augen und kam langsam näher, ohne dass sie es eigentlich gewollt hatte. Ihre Füße hatten sich selbstständig gemacht - wer hatte denn den Kleber gelöst - und waren die vier trennenden Stufen hinab geschritten. Direkt vor dem groß gewachsenen, schlanken, attraktiven Mann mit der dunklen Aura eines Bruce Wayne kurz vor der Verwandlung in sein geheimes Alter Ego „Batman“ blieb die als „Catwoman“ verkleidete Ärztin stehen. Überrascht davon, dass sie näher gekommen war, wandte er seinen Kopf wieder zu ihr herum. Keine Spur von Unsicherheit war ihm anzumerken, auch wenn es innerlich in ihm brodelte wie Magma in einem schlummernden Vulkan. Er blieb cool und reserviert, was sie mehr irritierte, als sie wollte. Aber das war seine Art, mit der verworrenen Situation umzugehen, die ihn in diese verzweifelte Lage gebracht hatte, aus der er nur noch einen letzten Ausweg wusste, den zu gehen er aber noch immer vor sich her schob, vielleicht weil ein letzter mikroskopisch kleiner Funken Hoffnung in ihm nicht aufgeben wollte. Er wusste es nicht. Cedric Stier wusste nur, dass seine Mary nicht merken sollte, dass es ihm durchaus etwas ausmachte und wie sehr er litt, sie nicht haben zu dürfen. Sein Stolz übernahm die Entscheidungen für ihn, als er ihr schließlich doch direkt in die unsicher hin und her flackernden Augen blickte...

Cedric: Keine Panik! Ich bin sofort weg. Ich rauche die hier ... (er hält ihr seine halb aufgerauchte Zigarette hin) ... nur noch schnell auf, dann bist du mich los... endgültig.

Das letzte Wort sprach er bewusst leiser aus als den Rest. Eigentlich war es eher für sich selbst als für sie gemeint, um sein Ziel, über das er sich in den letzten Minuten den Kopf zerbrochen hatte, nicht aus den Augen zu verlieren, was ihm bei ihrem bezaubernd verlorenen Anblick deutlich schwer fiel. Doch die Aussage war angekommen. Maria antwortete ebenso leise. Kraftlos. Müde. Erschöpft. Sie wusste nicht, wie sie reagieren sollte. Dieses plötzliche erneute Aufeinandertreffen schien ihr so unwirklich. Sie war darauf nicht vorbereitet. Doch sie spürte, dass sie längst noch nicht mit ihm abgeschlossen hatte, wie sie gedacht hatte. Leider!

Maria: Cedric!

...sprach sie leise mit einem gewissen zurechtweisenden Unterton in der Stimme. Sie war getroffen. Weniger von seinen beleidigten Worten als von der Verletztheit, die in seiner Stimme mitschwang und die er trotz seiner machohaften Lässigkeit vor ihr nicht verbergen konnte, und von dem traurigen Ausdruck in seinen tiefblauen Augen, die ihren musternden Blicken nicht standhalten konnten und stattdessen lieber aus dem Fenster die gegenüberliegende weiß gestrichene Hauswand anstarrten, die von der flackernden Partybeleuchtung aus dem Obergeschoss angeleuchtet wurde. Er hatte aufgegeben, dachte sie traurig. Aber war das nicht genau das, was sie immer gewollt hatte?

Dass sie ihm wegen seines barschen Tonfalls auch noch Vorhaltungen machte, so empfand Cedric es zumindest, machte ihn trotz all der verletzten Gefühle, die er eigentlich nicht so nah an sich heranlassen wollte, ungemein wütend. Woher nahm sie sich das Recht heraus? Sie hatte es doch genauso gewollt! Er krallte seine Finger ins Fensterbrett, bis die Knöchelchen weiß hervorstachen, und starrte stur nach draußen, während er seine ehemals so sehr angebetete Exfrau gereizt anfuhr...

Cedric: Was?

Maria wusste nicht warum, aber sie trat noch einen Schritt näher an ihren wütenden Exmann heran und lehnte sich nun seitlich neben ihm ans Fensterbrett. Der kalte Wind, der durch das geöffnete Fenster wehte und ihre Haare umspielte, ließ sie frösteln. Sie ignorierte die Kälte und sah ihr Gegenüber unvermittelt an. Ihre Blicke, die er nicht einzuschätzen vermochte, machten Cedric nervös. Er hasste dieses Gefühl des Ausgeliefertseins, bei dem er nicht die Oberhand behalten konnte. Wieso konnte er bei IHR nie die Oberhand behalten? Das hatte ihn schon immer rasend gemacht. Er rückte ein Stück zurück, bis er gegen das geöffnete Fenster stieß, nach dem er sich nun kurz verwirrt umdrehte, bevor er Maria ebenfalls mit seinen eisigen Blicken fixierte. Was wollte sie denn noch von ihm? Hatte sie ihm nicht gerade unmissverständlich klar gemacht, was sie von ihm hielt und dass sie nicht mehr an ihm hing, so wie sie sich diesem Typen an den Hals geworfen hatte. Apropos, wo war das schwedische Unterwäschemodel eigentlich abgeblieben? War der schon mit dem Fahrstuhl vorgefahren, um seinen elchtestgeprüften Wagen aus der Tiefgarage zu holen, in dem sie es vermutlich gleich wild und ungestüm treiben würden? Es war ja nicht zu übersehen, dass seine Bloody Mary es heute mit ihrem ganzen provokanten Auftreten und ihrem gewagten Outfit darauf angelegt hatte, abgeschleppt zu werden.

Ihm wurde schlecht bei dem Gedanken. Er schüttelte den Kopf, so als ob er auf diese Weise diese albtraumhafte Vorstellung loswerden könnte, und zog anschließend einen tiefen langen Zug an seiner Zigarette, was sein Übelkeitsgefühl nur noch schlimmer machte. Er war echt am Arsch. Rettungslos verloren. Wieso quälte sie ihn nun auch noch mit ihrer Anwesenheit? Stand sie darauf, ihn leiden zu sehen? Gab es ihr irgendeinen Kick oder was sollte das? Konnte sie nicht einfach ihr neues falsches Glück genießen oder was auch immer und ihn endlich in Ruhe lassen? Im Nachhinein betrachtet hatte sie vollkommen Recht mit ihren Vorwürfen und ewigen Zweifeln. Das mit ihnen beiden würde niemals hinhauen. Welcher bescheuerten Illusion war er da eigentlich aufgesessen? Er schlug sich gedanklich selbst an die Stirn. Es hatte keinen Moment gegeben, seitdem sie sich kannten, in dem es nicht kompliziert gewesen war. Sie würden sich irgendwann gegenseitig auffressen, das war ein bereits erprobter Fakt, und die Hauptleidtragenden wären am Ende ihre gemeinsame Tochter und sein Kücken. Er sollte endlich die aberwitzige Idee vom Familienglück reloaded oder newloaded fallen lassen. Es hatte doch alles überhaupt keinen Sinn. Zu ihrem aller Schutz.

Maria: Kann ich auch eine haben?

...fragte Dr. Hassmann unvermittelt in seine Richtung und riss den Grübler aus seinen Gedanken. Irritiert schaute Cedric nun doch wieder zur Seite. Marias Blicke deuteten auf seine rechte Hand. Er folgte ihnen verwundert, begriff und fasste in seine linke Manteltasche, aus der er eine fast leere Zigarettenschachtel herauszog. Er öffnete sie und hielt sie seiner Exfrau betont emotionslos hin, ohne sie dabei wirklich anzuschauen, damit sie nicht merkte, wie sehr es in ihm rumorte. Es befanden sich nur noch zwei Zigaretten in der Verpackung. Seine eiserne Notreserve für Notfälle. Heute war einer dieser Notfälle. Quasi die Mutter aller Notfälle. Denn eigentlich rauchte er schon lange nicht mehr. War einfach besser für seine Pumpe und für die Gesundheit seiner beiden Kinder. Mit zittriger Hand fischte Maria eine der beiden Zigaretten heraus. Eigentlich wusste sie gar nicht, was sie hier tat, aber je länger sie ihn verstohlen beobachtet hatte, war der Drang einfach da gewesen. Etwas ungelenk hielt sie ihm nun die Zigarette hin in der Hoffnung auf Feuer. Doch Cedric war noch viel zu durcheinander von seinen wirren hoffnungslosen Gedankengängen, um zu verstehen, was sie wirklich von ihm wollte. Erst nach dem zweiten auffordernden Räuspern ihrerseits reagierte er zaghaft und hielt ihr sein Feuerzeug hin. Auch seine Hand zitterte, was ihn mehr ärgerte als die Tatsache, dass sie ihn in seiner stummen Verzweifelung nicht alleine lassen konnte. Vor allem als sich ihre beiden kleinen Finger kurz berührten und beide für einen Moment wie erstarrt waren, weil nicht nur die Zigarette zu brennen anfing. Auch er räusperte sich jetzt nervös, zog seine Hand überfordert weg und schaute wieder aus dem Fenster in die beruhigende Dunkelheit. Sie tat es ihm gleich. Kein Wort fiel zwischen ihnen, als sie so ruhig nebeneinander standen. Nur von oben aus der Dachgeschosswohnung hörten sie leise die Musik zu sich herunter rieseln.


http://www.youtube.com/watch?feature=pla...uUE6zBMpE#at=35


Es war surreal, dass sie nach dem finalen Hassmann-Stierschen Gemetzel, das keine halbe Stunde her war, plötzlich so ruhig nebeneinander stehen konnten, stellten beide vertieft in ihren jeweiligen Gedanken fest. Dass es angefangen hatte leicht zu schneien und dass einzelne tanzende Schneeflöckchen durch das geöffnete Fenster rieselten und auf dem Fensterbrett verpufften, nahmen die beiden gar nicht wirklich wahr.

Cedric: Ich wusste gar nicht, dass du wieder rauchst?

...bemerkte der nervöse Neurochirurg schließlich nach einer Weile von der Seite und durchbrach damit die quälende Stille zwischen ihnen beiden. Er sah sie nicht an. Er strich sich lediglich mit seiner freien Hand über den Hals und versuchte so den Kloß wegzumassieren, der sich darin gebildet hatte. Er räusperte sich unauffällig und rauchte wieder. Maria schaute irritiert zur Seite und verzog ihre Lippen zu einem schiefen Lächeln, bevor sie ihre Zigarette zum ersten Mal seit langem wieder an ihren Mund führte und langsam daran zog und den Rauch seinem Beispiel folgend in die Nacht hinauspustete. Es war ungewohnt für sie und es verlangte sie einiges ab, nicht loshusten zu müssen. Trotz des kalten Flockenwirbels um sie herum, der sie immer wieder an der Nase kitzelte, war ihr plötzlich ziemlich warm geworden. Nur nicht bloßstellen lassen, dachte sie daher nicht minder nervös und fuhr sich mit ihrer freien Hand möglichst unauffällig über ihre leicht gerötete Wange, um diese abzukühlen. Anschließend nahm sie erneut einen Zug von ihrer Kippe. Eigentlich hatte Dr. Hassmann dieses lästige Laster schon vor vielen Jahren aufgegeben, als sie nach dem Eheaus und diversen missglückten Dates mit anderen Männern vom Fitness- und Gesundheitswahn befallen war. Eine ihrer vielen Therapien, ihr angekratztes Selbstbewusstsein nach der Scheidung wieder aufzurichten. Und natürlich ihrer Tochter zuliebe, die sie schließlich gesundheitsbewusst erzog. Deshalb antwortete sie auch wahrheitsgemäß...

Maria: Ab und an, wenn der Stress zu groß wird.
Cedric (grummelt in seinen nicht vorhandenen Bart u. pustet den Rauch ebenfalls aus dem Fenster): Hmm!
Maria (fühlt sich einfach nur unwohl in diesem eher peinlichen Moment, in den sie sich, warum auch immer, selbst hinein manövriert hat u. aus dem sie am liebsten sofort wieder entfliehen würde): Ich dachte, du hättest auch aufgehört?
Cedric: Ich verfolge da dieselbe Taktik wie du.

...sagte Cedric mit einem unwiderstehlich charmanten Lächeln auf seinen von der Kälte leicht rauen Lippen, sah seine schöne Exfrau nun auch endlich wieder an und zum ersten Mal blitzte auch wieder dieses typisch Verschmitzte in seinen Augen auf. Marias Mundwinkel schienen doch tatsächlich so etwas wie ein Lächeln anzudeuten, stellte er mit einer gewissen Genugtuung fest. Diesmal schaute sie nicht gleich wieder weg, als er sie ansah. Im Gegenteil. Ihre Blicke verfingen sich. Ob gewollt oder ungewollt, sie wussten es beide nicht so recht. Die Situation war einfach nur bizarr, ebenso wie ihr Gesprächsstoff, zu dem ihnen nichts Besseres einfiel. Deshalb vereinbarten sie ungesagt, lieber zu schweigen. Keiner von beiden wusste so recht, was er sagen sollte, warum sie überhaupt hier waren und nicht einfach weitergegangen waren, wie sie es eigentlich geplant hatten nach diesem schrecklichen Streit vorhin. Es herrschte eine seltsame undefinierbare Stimmung zwischen ihnen, die keiner von beiden so richtig zu deuten wusste. Sie wirkten beide angespannt. Sie klammerten sich regelrecht an ihren Zigaretten fest. So hatten sie zumindest etwas zu tun, etwas, das sie ablenkte von dem, was ungesagt über ihnen schwebte.

Lorelei Offline

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20.08.2012 17:32
#1323 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

http://www.youtube.com/watch?v=Ey5fY5msniI


Cedric löste sich als Erster beklommen von Marias undeutbaren Blicken. Seine Zigarette war aufgeraucht und damit auch der Grund zu bleiben aufgebraucht. Er drückte sie auf dem schneenassen Fenstersims aus und schnipste den Stummel die sechs Etagen in die Tiefe direkt auf die schneebedeckte Terrasse von Marcs Vater, in dessen Wohnung gerade das Licht ausging. Eine zufallende Tür war zu hören, dann verschiedene Stimmen, eine aufdringliche weibliche, zwei grummelnde männliche, die immer leiser wurden und schließlich ganz verstummten. Die plötzliche Geräuschekulisse hatte auch Maria aus ihrer Starre geholt. Sie drückte ihre Zigarette ebenfalls aus, die eh nicht so geschmeckt hatte wie früher, und blickte ihren Ex nun unsicher von der Seite an. „Was nun?“ Cedric erwiderte ihren fragenden Blick. Er wünschte sich, er könnte herauslesen, was die geheimnisvolle Katzenfrau gerade dachte. Aber noch mehr wünschte er sich, der angespannten Situation endlich entfliehen zu können. Ohne schlechtes Gewissen. Ohne Wehmut. Einfach so. Weil es keinen anderen Ausweg gab. Sie hatten sich doch alles gesagt. Warum daran festhalten, wenn es eh nur wieder zu bösen Worten führen würde? Er würde sich jetzt einfach umdrehen und gehen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Als ob das so leicht funktionieren würde?

Der angespannte Neurochirurg trat einen Schritt zurück und schloss das Fenster. Er hatte gar nicht gemerkt, wie kalt es mittlerweile im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses geworden war. Aber seine Gänsehaut und seine zitternden klammen Finger belehrten ihn eines besseren. Sein abwesender Blick fixierte nun sein Spiegelbild an der glasklaren Fensterscheibe, hinter der die Flocken immer stärker und dichter ihren Reigen tanzten. Er war verwirrt. Wieso stand sie auf einmal so dicht hinter ihm? Sie war doch gerade noch... Sich vergewissernd drehte er sich herum und ließ sich von ihren dunkelbraunen Augen einfangen. In der Tat stand seine Mary nur einen Hauch von ihm entfernt und starrte ihn ausdruckslos an. Was sollte das? Was hatte sie vor? Wieso machte sie das mit ihm?

Maria wusste es selbst nicht. Irgendeine dunkle irrsinnige widerspenstige Kraft in ihr hatte ihren Geist und all seine daran hängenden Funktionen, die fürs rationale Handeln zuständig waren, übernommen und jetzt stand sie da. Direkt vor ihm. Da, wo sie eigentlich nicht hingehörte, wo sie um keinen Preis hinwollte, wo es sie aber auf unerklärliche Weise immer wieder hinzog. ER war der Magnet in ihrem Universum. Ihr fixierender Blick hing wie gebannt an seinen von der Kälte rau gewordenen Lippen, an denen er gerade seine Unsicherheit überspielend knabberte. Einen inneren Impuls folgend beugte sie sich nach vorn, griff gleichzeitig nach seiner Hand, deren eiskalte Finger sie fest umschloss, und gab ihrem überraschten Gegenüber einen zarten Kuss auf die kühlen überraschten Lippen. Einfach so. Es war ihr selbst unerklärlich. Und er war zu verwirrt, als dass er irgendwie angemessen darauf reagiert hätte.

Dennoch spürte Cedric diesen „Urknall“, den ihre Lippen auf seinen bewirkten, mit sämtlichen Fasern seines Körpers. Jede seiner Zellen war höchst alarmiert. Doch er traute seinen Sinnen nicht. Misstrauisch blickten seine vor Schreck geweiteten Augen zu ihr herab. Marias Augen waren geschlossen. Wollte sie das etwa wirklich, dachte er völlig perplex. Ihre so verführerisch schmeckenden Lippen lagen immer noch auf den seinen, brannten sich mit bittersüßem Schmerz darauf ein, rührten sich nicht, waren ebenso irritiert von dem, was sie taten, und zogen sich mit einem Mal blitzschnell zurück, so als hätte sich ihr Verstand wieder bei ihr gemeldet, sofort den Notschalter heruntergeklappt und den unerklärlichen Vorgang rückgängig gemacht. Maria wich überfordert einige Schritte zurück. Ihre Hand fuhr über ihre schweißige Stirn. Sie schüttelte verwirrt ihren Kopf. Was war das denn eben? War sie verrückt geworden? Von dem wohligen Prickeln gelähmt, das sich von ihrer Körpermitte in sämtliche Richtungen ausbreitete und selbst ihre Fingerspitzen sensibilisierte, konnte sie ihn nicht ansehen. Er sie dafür umso besser. Musternd. Durcheinander. Blitzten da etwa Tränen in ihren Augen auf? Was war hier los? Wieso quälte sie ihn so?

Maria: Tu...tut mir leid. Ich... weiß auch nicht, was...

... flüsterte die verwirrte Oberärztin schließlich leise mit räuspernder Stimme, bis ihr diese wieder wegbrach, und blickte Cedric nun doch kurz verunsichert und hoffend, dass er dies nicht falsch verstanden hatte, an, nachdem sie die aufkommenden Tränen erfolgreich wieder runtergeschluckt hatte. Alles in ihrem Kopf drehte sich. Ihr Magen war flau. Ein Puls nicht mehr messbar. Aber der unerklärliche Drang, ihm unbedingt nah sein zu wollen, war trotz all der aufleuchtenden Warnungen ihres Gehirns immer noch da, wurde von Sekunde zu Sekunde stärker und überwältigender, je länger sie so schutzlos vor ihm stand und er sie so verdammt mitfühlend ansah. Sie konnte es nicht aushalten. Er ebenso wenig.

Cedric (flüsternd umschließt er ihre Hand, die seine immer noch unbemerkt festhält, u. kreist mit seinem Daumen gefühlvoll über ihren Handrücken): Mary, das... geht so nicht.
Maria (schließt in Zeitlupe ihre Augen u. presst diese fest zusammen.): Ich weiß.

Wieder flüsterte sie kaum hörbar, löste ihre Hand aus seiner zarten Umklammerung, die sie trotz all der quälenden Gedanken gerne beibehalten hätte, und drehte ihren Kopf leicht zur Seite, um ihm nicht länger in die verständnisvollen Augen sehen zu müssen. Ihr trauriges Spiegelbild im Fenster traf sie unvermittelt. War das immer noch sie? Sie kam sich so fremd vor. Wer war diese wehleidige Frau in diesem albernen Kostüm, das einen Abklatsch ihrer selbst darstellte? Wo war ihre Stärke abgeblieben? Wieso konnte sie sich nicht dagegen wehren? Sie wollte doch weg? Weg von ihm. Was fand sie nur an diesem unmöglichen Mann, der sie nur mit einem einzigen intensiven Blick gefangen nehmen konnte und der in dem Moment plötzlich näher kam? Viel zu nah!

Cedric legte seinen Zeigefinger fordernd unter ihr Kinn und zwang seine Mary so, ihn wieder anzusehen, dem sie gezwungenermaßen mit einem trotzigen Nasekräuseln auch nachkam. Ihre Blicke trafen sich wieder einem Urknall gleich. Ihre Verwirrung nahm nun gänzlich überhand. Seine ebenfalls. Dennoch machte er hochkonzentriert weiter, solange er diese verführerische Chance noch hatte. Seine Hand wanderte von ihrem Kinn zu ihrer Wange. Gerührt von dem melancholischen Blick in ihren atemberaubend schönen Augen strich er das glitzernde Überbleibsel einer verstohlenen Träne mit seinem Daumen aus ihrem Augenwinkel und ließ seine Hand schließlich streichelnd auf ihrer Wange ruhen. Ihre Haut fühlte sich so zart unter seinen Fingerkuppen an. Das war ihm noch nie zuvor aufgefallen. Er lächelte zaghaft. Maria wehrte sich nicht gegen seine zärtlichen Annäherungen, was ihn einerseits freute, aber andererseits gleichzeitig schmerzte. Die bösen Worte von vorhin schwebten immer noch über ihnen, fraßen sich durch ihre Gedanken, blieben präsent. Er blickte sie an. Sie ihn ebenfalls. Suchend. Fragend. Beide verzweifelt. Liebend. Was passierte hier mit ihnen? Das war nicht gut. Gar nicht gut!

Maria (leise): Wieso?

...fragte sie plötzlich in die beunruhigende Stille um sie herum hinein. Er runzelte verwundert die Stirn.

Cedric: Wieso was?

...erwiderte Cedric fragend und hob verwundert eine Augenbraue, während er seine verliebten Blicke weiterhin nicht von ihr abwenden konnte. Maria schloss ihre Augen, ärgerte sich über sich selbst und über das Nichtverstehen der Männerwelt im Allgemeinen, dann sah sie das wohl schlechteste Beispiel dieser dummen begriffsstutzigen Spezies wieder unvermittelt an. Weder zynisch, noch belehrend, eher nachdenklich, melancholisch, bedrückt. Sie wusste auch nicht, warum sie das jetzt unbedingt sagen musste, aber sie tat es.

Maria (leise): Warum... warum können wir nicht damit aufhören?
Cedric (schluckt schwer u. hängt nun gebannt an ihren Lippen): Womit? Die Finger nicht voneinander zu lassen?

Weil ich’s nicht kann!

Ignoranter Idiot!


Maria: ... uns... ständig zu verletzen?

...korrigierte sie ihn flüsternd mit gebrochener Stimme, da sich ein dicker Kloß in ihrem Hals gebildet hatte, und senkte ihren verschleierten Blick von seinen anfangs noch schelmisch aufblitzenden Augen. Cedrics Gesichtsausdruck veränderte sich, wurde ernster. Er seufzte. Seine Hand rutschte kraftlos von ihrer Wange, legte sich an ihre Taille. Dann sank seine Stirn an ihre. Scharf sog er Luft durch seine beiden Nasenflügel ein, die leicht vibrierten. Seine Augen hielt er geschlossen. Maria spürte, wie er langsam den Kopf schüttelte.

Cedric: Ich weiß es nicht.

...flüsterte nun auch Dr. Stier mit zittriger bebender Stimme und hielt seine schöne Exfrau nun mit beiden Händen an ihrer Hüfte fest. Aus Angst, sie könnte im letzten Moment wieder flüchten. Es war ein berauschend schönes Gefühl, sie wieder so halten zu dürfen. Trotz der Schwermut, die in der Luft lag und auf ihre Seelen drückte. Er genoss ihre Nähe. Ihren unnachahmlichen Geruch sog er tief in sich auf, als könnte er dies nur noch ein allerletztes Mal tun. Und auch sie versank in der betörenden Wolke seines ganz eigenen Geruchs, einer Mischung aus teurem Aftershave, Schweiß, Bier und Zigarettenrauch. Einen Moment lang hielt Dr. Hassmann seiner unmittelbaren Nähe stand und genoss das berauschende Gefühl, das er in ihr auslöste. Eine Welle an positiven Erinnerungen durchflutete auch sie. Doch nach einer Weile löste sie ihre Stirn von seiner und sah ihrem ebenso verzweifelt dreinblickenden Gegenüber tief in die Augen, die sich gerade ob der so plötzlichen Trennung schwerfällig wieder geöffnet hatten und sich nun dem unausweichlichen Schicksal stellten. Aufgewühlt huschten ihre Augen hin und her und suchten nach Antworten. Im selben Rhythmus wie die wirren Gedanken in ihren Köpfen. Es gab nur diese eine Lösung.

Maria: Dann lass uns damit aufhören?

...schlug Maria nach langem nachdenklichem Zögern ganz leise vor. Cedric sah sie daraufhin überrascht an. Er traute dem Frieden nicht und glaubte immer noch an eine Sinnestäuschung, der er schon so oft erliegen war. Aber als er die Bestätigung für diese flehende grundehrliche Bitte in ihren glitzernden, ihn direkt fixierenden und hoffenden Augen gelesen hatte, machte sein Herz plötzlich einen erleichterten Kopfsprung und er nickte ihr schließlich leicht zu. Mehr wollte er doch auch nicht. Einfach nur Frieden. Mehr nicht. Obwohl... doch! Also falls sich denn „Mehr“ ergeben sollte? Aber angesichts der Wankelmütigkeit seiner unberechenbaren Bloody Mary sollte er das mit dem Hoffen lieber sein lassen. Das war schon zu oft nach hinten losgegangen. Lieber erst einmal das nehmen, was er kriegen konnte.

Cedric: Einverstanden!

...antwortete er mit klarer selbstbewusster Stimme und man spürte deutlich die Erleichterung, die darin mitschwang. Er lächelte sanft. Fast gelöst. Aus dem kleinen Aufflackern der Hoffnung war mittlerweile wieder ein Flämmchen geworden. Maria, die sich ihren eigenen Sinneswandel geschweige denn den Spontankuss nicht wirklich erklären konnte, fuhr mit ihren Blicken die Konturen seines deutlich entspannter wirkenden Gesichts entlang. Wann hatte sie dies das letzte Mal getan, ohne abschätzige Gedanken wohlgemerkt? Das mussten Jahrhunderte her sein. Sie blieb schließlich an seinen blutroten Lippen hängen, die sie trotz der Dunkelheit, die mit dem Ausgehen des Lichts im Treppenhaus soeben wieder eingetreten war, wie magisch anzogen, und knabberte aufgewühlt an ihrer eigenen. Sie spürte ihn noch immer. Diese kindische Spielerei von gerade eben. Sie konnte doch nicht...? Oder doch? Dieser reizvolle Gedanke ließ sie nicht mehr los. Sie war definitiv verrückt geworden! Wieder lagen ihre gebannten Blicke auf diesem wohl sinnlichsten Körperteil. Sie spürte die Wärme, die daraufhin von ihrer Körpermitte ausstrahlte. Da versteckte er sich also, dieser verdammte Kobold, der ihre Gedanken manipulierte und sie zu diesen Dingen trieb, die sie eigentlich nicht tun wollte. Worin lag eigentlich der Reiz an diesen verbotenen Dingen?

Ohne groß darüber nachzudenken, folgte die Ärztin ihrem inneren Forschungsdrang, der sie direkt in seine muskulösen Arme trieb, und presste ihre Lippen erneut auf die seinen, um diese grundlegende Frage näher zu ergründen. Diesmal näherte sie sich ihm nicht ganz so zaghaft wie zuvor, eher stürmischer und entschiedener. Cedric kam sich zwar wieder ziemlich überrumpelt vor, denn eigentlich hätte er schon noch ein paar Minuten gebraucht, um das alles zu verarbeiten, was gerade geschehen war. Aber Scheiße, er war verdammt noch mal auch ein Mann! Und so gab er sich dennoch diesem erlösenden prickelnden Moment hin, der das Flämmchen endgültig zu einer gewaltigen Flamme anwachsen ließ, die sämtliche Fasern in seinem Körper sensibilisierte, die ihn sie packen und zum Fenster drängen ließ. Rick küsste Mary wild und ungestüm. Unmissverständlich. Sie fand rettenden Halt am Fensterbrett, an das sie sich klammerte, während er sie seine ganze pulsierende männliche Kraft spüren ließ, seinen erhitzten Körper hart an sie presste und sich berauscht durch ihre Haare wühlte, bis ihm sein Verstand nach einigen Sekunden entfesselter Leidenschaft, mit der er all den Schmerz der letzten Wochen und Monate ausradieren wollte, wieder einen Strich durch die Rechnung machte. Er legte seine beiden Hände auf ihre Schultern und löste sich unvermittelt von ihr. Eindringlich blickte Cedric in ihr fragendes Gesicht, suchte zu ergründen, was gerade in ihr vorging und ob ihre zugegebenermaßen überwältigende Reaktion nicht doch nur ein letztes Aufbäumen, die befreiende Erlösung durch den endgültigen Friedensschlusses in der Sache Hassmann-Stier war. Er brauchte einfach Sicherheiten. Er wollte nicht noch einmal so tief fallen.

Cedric (atemlos fährt er sich durch seine Haare): So einfach ist das nicht, Maria.
Maria (seufzend blickt sie ihr Gegenüber an): Ich weiß, Cedric. Es ist nur... Ich... Ach scheiße!

Sie zögerte. Maria spürte genau, was in ihm vorging. Ihr ging es doch genauso. Das alles hier war so irrational, dass es schon fast wieder echt war. Viel zu echt für ihren Geschmack. Ihr Puls raste. Ihr Herz und ihr Verstand hatten kapituliert. Ihr war mittlerweile alles egal. Hauptsache sie konnte... Wieder folgte sie ihrem inneren Drang und lehnte sich vor, ließ ihre Arme krakenartig um seine Taille wandern. Herausfordernd blickte sie zu ihm hoch. Cedric war gefangen von ihren einnehmenden Blicken, die ihn zunehmend verhexten, und ihren fordernden Händen an seinem Po. Er konnte trotz seiner eigenen Verwirrung gar nicht anders, als sich dem sündigen Kuss hinzugeben, der darauf folgte. Auch seine Hände machten sich selbständig und vergewisserten sich, dass dies alles keiner seiner heißen Träume war, die ihn in der Vergangenheit immer wieder um den Verstand gebracht hatten. Er konnte seine Finger nicht von ihr lassen. So real konnte sich nur die echte Mary anfühlen und nicht das verruchte Klonwesen aus seinen wirren Träumen, dachte der hemmungslos verliebte Arzt verzückt, als er von seiner Mary mit einer kraftvollen Bewegung gegen die nächste Wand gedrängt wurde. Heißer Atem umschmeichelte ihre Gesichter, die in der Dunkelheit feurig schimmerten. Marias Lippen brannten auf seiner Haut, auf seinen Lippen, seinem Hals, seinem Ohrläppchen, in das sie gerade zärtlich hinein biss und daran zog. Er war so benebelt von ihrer unvergleichlich ungestümen Art, die er so sehr vermisst hatte, dass er anfangs gar nicht bemerkte, wie sie plötzlich mit einem Mal zurückhaltender wurde, ihn nun mit langsamen katzenhaften Bewegungen umschmeichelte und etwas leise in sein Ohr schnurrte, um anschließend überall auf seinem Gesicht kleine gehauchte Küsschen zu hinterlassen. So etwas kannte er gar nicht von seiner taffen Catwoman. Doch er genoss es. Sehr sogar.

Maria (zögerlich): Ent...schuldige!

*Kuss auf die rechte Wange*

Cedric (fragend): Mary?

Maria (hört ihn nicht): Entschuldige!

*Kuss an sein Kinn*

Cedric (verwirrt): Was?

Maria (lässt sich nicht aus der Ruhe bringen): Es... tut mir leid.

*Kuss auf die andere Wange*

Maria (reuegeplagt): Es tut mir so leid, Rick. Ich...

*Kuss auf beide Augenlider*

Maria: Ich... wollte das alles nicht.

*Kuss auf die Stirn*

Maria: Ich wollte das alles nicht sagen. Nicht so. Das war nicht fair.

Es folgte ein langer inniger entschuldigender Kuss direkt auf seinen Mund, während Maria sein Gesicht weiterhin fest in beiden Händen hielt, und Cedric begriff endlich, was sie ihm damit sagen wollte. Bewegt blickte er in ihren funkelnden Augen hin und her, die sich soeben wieder geöffnet hatten und ihn anschauten.

Cedric: Denkst du ich? Ich... hab Blödsinn gesagt. Du musst mir verzeihen. Bitte! Nicht ich dir.

Maria seufzte. Erneut tänzelte sie zärtlich über seine Lippen, wanderte anschließend zu seinem Nacken, den sie ebenso liebevoll verwöhnte wie sein Gesicht gerade eben. Ihr heißer Atem auf seiner Haut machte ihn rasend. Hatte sie überhaupt verstanden, was er gesagt hatte? Schwer atmend löste sich Cedric von Marias sich auf Sühnemission befindlichen Lippen, die ihn zu verbrennen drohten, je länger er sie gewähren ließ, und versuchte sich zu sortieren. Vorhin noch hatte sie ihm die Pest an den Hals gewünscht und jetzt küsste sie denselbigen? Das alles geschah so schnell, so überraschend, so intensiv. Und wenn er sich doch täuschte, wenn sich das alles doch als bittersüßer Traum herausstellte? Irgendwie musste er sich doch Gewissheit verschaffen. Also packte Cedric unvermittelt ihre beiden Handgelenke und hielt sie stramm neben ihrem Körper fest und blickte Maria dabei so eindringlich an, dass sie glaubte, jeden Moment den Halt zu verlieren. Sie hatte noch nichts auf seine aufrichtige Entschuldigung erwidert, aber er las es deutlich in ihren aufblitzenden Augen.

Cedric: Ist es wirklich das, was du willst, Maria?

...fragte er sie mit einer Ernsthaftigkeit in der Stimme, die sie erschütterte. Maria schaute ihn an. Unwirsch. Überrascht. Verwirrt. Eben noch hatte sie den harten Druck seiner Lippen gespürt, sich irgendwie befreit gefühlt und jetzt stand sie der Inquisition selbst gegenüber? Was sollte das? Aber komischerweise hatte sie sich in dem Moment genau dieselbe Frage gestellt. Wohin sollte das noch führen? Eben noch wollte sie einfach nur davon laufen, sich vergraben, alles vergessen und jetzt liefen ihre Hormone Amok und sie konnte gar nicht aufhören, ihn zu küssen, ihn zu berühren, ihn zu spüren. Ausgerechnet IHN! Die letzte Person auf der Welt, die Frau küssen sollte. Unmissverständlich blickte sie ihr erwartungsvolles Gegenüber an, das ihre Handgelenke schmerzhaft festhielt...

Maria: Nein!

Das entsetzte Zucken seiner Mundwinkel amüsierte sie, reizte sie auf unwiderstehliche Art und Weise. Sie sog es förmlich in sich auf. Was für eine Genugtuung! Selbstbewusst und keck schmiegte sie sich trotz seines immer fester werdenden Handgriffes wieder an ihn. Test bestanden, dachte Cedric ebenso schmunzelnd, nachdem er sich wieder gefangen hatte. Er ließ ihre Hände los und packte seine Mary stattdessen an der Hüfte, um sie noch energischer zu sich heranzuziehen, was er so auch eindrucksvoll bewerkstellte. Ihr Herzschlag setzte aus, als er sie nun unvermittelt gegen die nächste Wand im Treppenhaus stemmte und sie herausfordernd anfunkelte. Er hatte das sture Biest ganz genau verstanden. Ihre Gedanken, ihre geheimnisvollen Augen blieben ihm nicht mehr verschlossen. Sie konnte ihm nicht mehr entkommen. Und er würde sich auch nicht noch mal von ihr wegschicken lassen. Um keinen Preis der Welt.

Cedric: Für mich schon.

...raunte er Maria heiser ins Ohr und drückte anschließend seine Lippen forsch auf die ihren, so dass ihr kurzzeitig die Luft zum Atmen wegblieb und sie dachte, gleich in Ohnmacht zu fallen, wenn sie nicht schon längst haltsuchend ihre Beine um seine Hüften geschlungen hätte. Seine deutliche Erregung reizte Maria. Schnell fand sie die Oberhand zurück, als ihre Finger als Ablenkungsmanöver unter seinen Mantel schlüpften. Sie biss dem Heißsporn für diese unverschämte Dreistigkeit auf die Unterlippe, was ihn kurz zusammenzucken ließ, strich dann aber deutlich gefühlvoller mit ihrer Zungespitze darüber, bis sie einen kurzen Moment der Unachtsamkeit seinerseits ausnutzte, um tief in seinen Mundraum vorzudringen, wo sie begann, seine Zunge aufreizend zu verführen, während sie sich mit ihren Händen in seinen Haaren festkrallte. Ein kehliges männliches Stöhnen war im dunklen Treppenhaus zu hören. Seine Mary trieb ihm mit ihrem lasziven Spiel die Schweißperlen auf die Stirn. Dieses Spiel gefiel ihm wesentlich besser als die unsäglichen Spiele der letzten Zeit. Cedric packte Marias freche Hände und drückte sie über ihrem Kopf fest gegen die Wand und ließ sie seine Männlichkeit auf unmissverständliche Weise spüren, bis nun sie laut aufstöhnte. Er grinste zufrieden in den wilden Kuss hinein und lud nun sie zum erotischen Zungentanz ein. Batman hatte zu seiner alten Stärke zurückgefunden. Was machten ihm da schon einzelne Kratzer und Bisse des unartigen Kätzchens aus, das er allein zu bändigen wusste? Es schien, als würden die aufgerissenen Wunden der Vergangenheit schneller heilen als gedacht. Ob Trugbild hin oder her, diesem Moment gaben sie sich ohne schlechtes Gewissen erst einmal hin.

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23.08.2012 14:44
#1324 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hach ja... *freudig auf und ab tanz* ... Ich freue mich wirklich sehr, dass ihr diese Wendung der Geschichte so gut angenommen habt. Genau das war auch meine Absicht. Der Grundstein ist schon mal gesetzt. Während wir die beiden jetzt erst einmal alleine lassen, gehen wir zurück ins Partygeschehen zu unseren anderen Lieblingen. Viel Spaß und danke noch mal von ganzem Herzen für das tolle Lob. Mit hochroten Ohren ziehe ich mich jetzt wieder ins Schneckenhaus an den Schreibblock zurück. Euer Schneckchen


Indessen in der Penthauswohnung

Gretchen: Maa...Maa...Maaaarc! Duuu haaascht versprooochen, miiich niiiicht abzuleeenken. Menno!
Marc: Soso? Hab ich das?

...schmunzelte Marc Meier in den süßen Schmatzer hinein, den er seiner Liebsten gerade ungeniert auf ihre verführerisch sinnlichen Lippenspitzen drückte, machte dabei eine hektische Armbewegung um sie herum und schon lag das Meckerlieschen der Länge nach auf der schmalen sandfarbenen Couch und er beugte sich mit aufblitzenden feurig schimmernden Augen und gespitzten Lippen über sein wunderschönes Mädchen, das ihn mit großen überraschten Augen und heftigem Herzflattern in ihrem Bauch anvisierte, bevor er sie nun mit der Nasenspitze zu kitzeln begann. Gretchen kicherte und wand sich unter ihm. Sie schmolz regelrecht dahin. Gegen die unverbesserliche Art von Dr. Meier hatte sie noch nie eine Chance gehabt. Zumindest lächelte er wieder und war mit allen Sinnen wachsam, stellte sie erleichtert fest. Im Gegensatz zu einigen Minuten zuvor, als sie ihren Schatz völlig neben sich in der Kälte auf der Dachterrasse gefunden hatte.

Gretchens Miene veränderte sich schlagartig, als sie daran zurückdachte, und wurde nachdenklicher. Das fiel auch Marc auf, der sich seufzend wieder aufrichtete und die Grüblerin mit sich hochzog. Jetzt lächelte sie wieder und blickte ihm verliebt in die Augen. Aber Marc ahnte, was in ihr vorging. Sie machte sich mal wieder unnötig Sorgen. Um IHN! Eine der Charaktereigenschaften von Margarethe Haase, mit denen der taffe Oberarzt nicht wirklich umzugehen wusste. Er fühlte sich unwohl, wenn sie ihn zu analysieren versuchte. Aber er ignorierte das mulmige Gefühl in seiner Magengegend und zog sie zurück in seine Arme, kuschelte sich mit ihr in die bequeme Lehne und kraulte sanft ihren Nacken, während er nachdenklich zum Goldfischglas auf der alten Kommode gegenüber schaute.

Paul Anka hielt sich versteckt in seinem bunten Häuschen, wahrscheinlich verschreckt von dem lärmenden Partyvolk oder aus Scham, weil die Nische unter der Treppe in den letzten Stunden ein gern aufgesuchter Ort für diverse Liebespaare gewesen war. Marc musste selber über diesen albernen Gedanken lachen. Aber dann verschwand sein Lächeln von einer Sekunde auf die andere wieder. Gedankenvoll schnaufte er in Gretchens goldenes Haar, in das sich seine Nase vergraben hatte, was nun sie auflachen ließ. Dann gab er seiner Freundin einen zarten Kuss auf ihren Scheitel. Sie zuckte zusammen, als eine Gänsehautwelle sie daraufhin erfasste, schaute aber weiterhin liebevoll lächelnd zur Seite. Ihr Marc sah sie ebenso zärtlich an. Ohne eine Spur von Reserviertheit erhob er schließlich das Wort auf ihre ungefragte Frage, die ihr deutlich auf den Lippen geschrieben stand.

Marc: Okay, Haasenzahn, aber du darfst nicht lachen.

Gretchen runzelte die Stirn. Wieso sollte sie denn lachen? Sie würde ihn doch niemals auslachen, egal was war. Sie hatte sich doch nur Sorgen gemacht, weil er so schweigsam und ungewohnt nachdenklich war. Sie hatte doch gespürt, dass ihn irgendetwas bedrückte und auf seine gute Laune schlug. Wie es nun mal ihre Art war, plapperte Gretchen ihren vagen Verdacht auch sofort aus...

Gretchen: Du langweilst dich oder?

Jetzt war es Marc, der verwundert die Augenbrauen nach oben zog. Wie kam sie denn auf den Blödsinn? Nur weil er kein Fan von kitschigen Polterabenden und den ganzen albernen spießigen Hochzeitsritualen war, hieß das doch nicht gleichzeitig, dass er es für seine Liebste nicht einen Abend lang aushalten würde. Irgendwann wäre der nämlich auch wieder vorbei. Andere Dinge würden sich dagegen nie ändern. Er seufzte.

Marc: Wie könnte ich denn bei einer so charmanten Ablenkung?

Oh Marc! Er kann so süß sein! Hach...

Gretchens Augen leuchteten auf. Sie schmolz dahin und schmiegte sich gleich noch fester an seinen warmen Körper. Ihre Hand legte sich schon ganz automatisch auf seine linke Brustseite, unter der sie sein Herz deutlich schlagen spürte. Marc lächelte, strich seinem Mädchen kurz über die leicht gerötete Wange und küsste sie anschließend zärtlich auf den Mund. Dann sah er sie wieder an. Madame schämte sich mal wieder auf zuckersüße Art und Weise. Ein zauberhafter Anblick, der ihn ungemein aufmunterte, bis Miss Neugierig wieder in ihr erwachte.

Gretchen: Danke! Aber was ist es dann? Schatz, ich würde dich nie auslachen, das weißt du hoffentlich.

Marc zog scharf Luft durch seine Zähne ein. Eigentlich wollte er sich nicht noch mal daran erinnern. Er wollte doch nur, dass sein Schatz heute einen schönen Abend verbringen konnte. Nerviger Hochzeitstrubel, peinliches Angeber-Posing und rollige Oberärztinnen hin oder her. Gretchen hatte sich so eine Mühe mit dem Partykram gemacht, die er zwar nicht wirklich nachvollziehen konnte, weil ihm die Eheschließung zweier Außerirdischer noch weniger interessierte als die morgige Wettervorhersage für den Nordpol. Und wenn er jetzt damit rausrücken würde, wäre Haasenzahn vermutlich genauso deprimiert wie er selbst. Keine schöne Ausgangslage für die gutgelaunte Trauzeugin seiner Stationsschwester, die die Hochzeit fast so sehr herbeisehnte wie die schräge Braut selbst. Aber hieß es nicht auch, „in guten wie in schlechten Zeiten“? So oder so ähnlich hatte es doch heute Nachmittag auch dieser Spitzbart zu ihnen gesagt, nachdem sie sich ins Standesamt verirrt hatten?

Marcs Augen leuchteten auf bei dem Gedanken und er richtete sich auf dem Sofa auf. Er stützte seinen Kopf mit dem Ellenbogen auf der Sofalehne ab und blickte seiner wunderbaren zufällig frisch „Angetrauten“ vergewissernd in ihre wunderschönen himmelblauen Augen, die ihn gespannt ansahen. Sie strahlten soviel Liebe und Vertrauen aus. Warum konnte er das von seiner Mutter nicht auch behaupten? Wieso machte sie nur so ein verdammtes Geheimnis daraus? Und plötzlich war alles wieder ganz präsent. Der Anruf. Ihre traurige Stimme. Das beklommene Gefühl, das er auf seiner Seite der Leitung empfunden hatte.

Marc: Es ist so... Ich... Also... Es könnte gut möglich sein, dass... ihr... ähm... doch... Recht habt.

...kam es nach einigem Zögern aus dem Mund von Dr. Meier gesprochen, der nichts mehr hasste, als jemandem recht zusprechen zu müssen. Aus zusammengekniffenen Augen blickte er sein Gretchen nun erwartungsvoll von der Seite an. Sie runzelte die Stirn und versuchte zu verstehen, aber Marc war nun mal ein Meister im Umschreiben von Dingen, die ihm wichtig waren.

Gretchen: Womit? Und wer wir?

Marc verdrehte leidend die Augen. Haasenzahn behauptete doch immer beharrlich, sie würde in ihm lesen, wie in einem offenen Buch. Aber dass sie so auf der Leitung stand, war ihm neu. Gezwungenermaßen richtete der Sohn von Elke Fisher das Wort erneut an seine begriffsstutzige Freundin und wurde deutlicher...

Marc: Du, Dad, Schwester Sabine. Oh Gott, ich kann kaum glauben, dass ich dem verpeilten Vogel mal Recht geben würde, aber... nach all euren Erwägungen muss an der Sache tatsächlich etwas faul sein.

Erwägungen? Hä? Und welche Sache? ... Oh! DIE SACHE!

Es dauerte einen Moment, dann fiel auch bei Gretchen Haase endlich der Groschen und sie sah Marc erstaunt an...

Gretchen: Du meinst deine Mutter?
Marc (kneift seine Augen zusammen u. fährt sich einmal murmelnd mit der Hand darüber): Jep! Sie war nicht sie.
Gretchen (schaut ihn fragend an): Wie meinst du das?
Marc (öffnet seine Augen u. blickt ratsuchend direkt in ihre): Sie war komisch am Telefon.

Mit einem lauten Rumms klappte Gretchens Kinnlade zu Boden. Hektisch griff sie nach Marcs Hand und blickte ihn nun aufgeregt an...

Gretchen: Du... du hast mit deiner Mutter gesprochen? Aber wieso sagst du das denn nicht gleich? Das... das ist doch wunderbar. Wie geht’s ihr? Was macht sie? Wo steckt sie?

Dr. Meier fühlte sich, als würde er gerade von einem D-Zug überrollt werden. Das Informationsbedürfnis seiner neugierigen Freundin überforderte ihn und er kam nicht umhin, die Augen zu verdrehen. Hätte er doch bloß nichts gesagt. Die gleichen Fragen stellte er sich nämlich auch. Doch er kannte keine Antworten. Zu schnell war SIE wieder fort gewesen.

Marc: Haasenzahn, stopp! Du verschluckst dich noch an deiner eigenen Spucke, wenn du so schnell sprichst. Ich hab ehrlich gesagt keine Böcke, jetzt meinen teuren Mont Blanc für ne Koniotomie zu versauen.
Gretchen (mit zart geröteten Wangen blickt sie ihn an, ist aber immer noch total aufgeregt): Tschuldigung, aber wir haben so lange auf ein Lebenszeichen von ihr gewartet. Hast du Olivier schon Bescheid gesagt?
Scheiße Dad!
Marc (seine Augen huschen unsicher hin und her, ebenso wie seine Gedanken in seinem Kopf): Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist.
Gretchen (mit einem leicht vorwurfsvollen Unterton in der Stimme): Marc!
Marc (lässt sich nicht belehren u. verteidigt sich mit Fakten): Soll er noch schlechter pennen jede Nacht? Ich bin heilfroh, dass wir ihn einigermaßen wieder aufgepäppelt haben. Dank deiner und Lillys Hilfe nebenbei bemerkt.
Er hat ja Recht. Aber trotzdem...
Gretchen (nickt leicht mit dem Kopf, dann kommt ihr plötzlich ein Satz wieder in den Sinn): Was hast du damit gemeint, sie sei komisch am Telefon gewesen?
Marc (fährt sich mit der flachen Hand über sein stoppeliges Kinn, während er sich ihre wenigen Worte in Erinnerung ruft): Komisch nicht im Sinne von „komisch“. Diese Eigenart hat sie schließlich schon von Geburt an. Nee, der Ton ihrer Stimme war seltsam, irgendwie anders als sonst, eher niedergeschlagen, kraftlos, müde. Keine Ahnung.

Oh Gott, die Arme! Sie leidet auch. Wahrscheinlich traut sie sich deshalb nicht nach Hause. Wir müssen ihr helfen.

Gretchen (macht sich große Sorgen): Meinst du, sie hat wieder Depressionen?
Marc (ein Hauch von Besorgnis schimmert in seinen nachdenklichen Augen): Würde mich nicht wundern. Aber eigentlich ist sie während ihrer depressiven Phasen meist theatralischer und rücksichtsloser gegenüber sich und anderen. Du weißt schon. Die „MS Deutschland“ und so. Aber diesmal... ich weiß nicht, es war... anders. So kenne ich sie gar nicht und ich kenne mittlerweile alle ihrer tausend Gesichter, die im Minutentakt wechseln können. Das hört sich jetzt vielleicht bescheuert an, aber ich hatte gleich so ein... ungutes Gefühl. So intuitiv und so.
Gretchen (legt tröstend ihre Hand an seine Wange u. versucht vorsichtig etwas aus ihm herauszubekommen): Inwiefern? Was hat sie gesagt, Marc?
Marc (leicht aufbrausend schwingt er seine Hände in die Luft u. gestikuliert wild damit umher): Das ist es ja. Eigentlich nicht viel. Es war eher die Art und Weise, wie sie es gesagt hat. So sentimental und melancholisch. Ich war viel zu überrascht, dass sie sich nach meiner Ansage überhaupt gezuckt hat, dass ich nicht wirklich viel von ihrem Gestammel gecheckt habe. Erst im Nachhinein. „Ich bin stolz auf dich, mein Junge, vergiss das bitte nie“, hat sie gesagt. Albern, ich weiß und es passt so gar nicht zu ihr. So was bleibt sonst eigentlich immer ungesagt zwischen uns. Und wenn ich es nicht besser wüsste, war sie am Heulen, als sie danach sofort hektisch wieder aufgelegt hat.
Gretchen (ergreift panisch seine Hand u. sieht ihn eindringlich an): Oh Gott, Marc, das war ein Hilfeschrei. Sie braucht dich.

Lorelei Offline

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26.08.2012 10:42
#1325 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Marcs Blick richtete sich seufzend gen Decke. Er hatte gewusst, dass Gretchen genau so reagieren würde. Übermütig, unbedacht, übertrieben ängstlich. Doch er selbst war einfach noch zu überfordert mit dem Ganzen - Elkes Worte schwirrten durcheinander in seinem Kopf, ihre plötzlich erwachten Muttergefühle oder was auch immer verwirrten ihn -, als dass er ihr dazu Recht geben könnte und gleich einen Hilfskonvoi nach wohin auch immer losschickte. Er kannte seine Mutter schließlich dreiunddreißig Jahre länger als sie. Die selbst ernannte Erfolgsautorin und Diva hoch drei war nicht der Typ, der andere um Hilfe bat. Das traf eher auf die zu, die mit ihr zu tun hatten. Also wiegelte Marc es schnell als reine Panikmache ab...

Marc: Ach komm, Haasenzahn, das ist doch völlig...

Mehdi: Wer braucht dich?

...unterbrach Mehdi das Paar unvermittelt während ihrer immer ernster werdenden Unterhaltung und fläzte sich ungefragt in den Lümmelsessel gegenüber den beiden, nachdem er zuvor noch einen großen Teller mit lauter köstlicher Leckereien auf den kleinen Beistelltisch in der Mitte zwischen die beiden Sitzgelegenheiten gestellt hatte. Gespannt schaute er nun von dem einen zur anderen. In Gretchens und Marcs Augen, mit denen sie ihn anstarrten, als käme er von einem anderen Planeten und hätte kleine ausfahrbare Antennen auf seinem Kopf, standen Überraschung und Verwirrung groß geschrieben. Erst nach langem Zögern machte sich einer von beiden grummelig bemerkbar...

Marc: Boah Kaan, dein Timing ist mal wieder vortrefflich.
Mehdi (merkt sofort, dass er wohl fehl am Platz ist, fühlt sich zunehmend unwohl in seiner Haut u. sieht verschämt in Gretchens Richtung): Soll ich vielleicht später wiederkommen?
Gretchen (beißt unsicher auf ihren Lippen herum, schließlich will sie nicht unhöflich erscheinen): Ehrlich gesagt...
Marc (plappert munter dazwischen u. nimmt den beiden damit die Anspannung): Nee, passt schon, Mehdi. Was hast du eigentlich damit vor? Ich dachte die Jahre der Völlerei seien mittlerweile bei dir vorbei.

Marc, dem die unerwartete Ablenkung mehr als gerufen kam, um das Gedankenchaos zu sortierten, deutete auf Mehdis überladenen Teller und verzog seine Lippen zu einem schiefen amüsierten Grinsen, während Gretchen nur staunend daneben saß und die Kinnlade herunterklappte. Wie schnell Marc doch wieder vom besorgten Kind zum coolen Sprüche klopfenden Macho umschwenken konnte? Wenn ihr nicht so traurig zumute gewesen wäre, könnte sie fast fasziniert von den tausend Seiten des Dr. Meier sein. Mehdi verdrehte nur die Augen und blitzte seinen spöttelnden Freund beleidigt an...

Mehdi: Das ist für Gabi.
Marc (zieht grinsend eine Augenbraue nach oben, als er die ganzen Sachen begutachtet): Bei der Menge an ungesundem zusammen gewürfeltem Futter könnte man fast denken, sie sei schwanger.
Mehdi (sprachlos starrt er den Sprücheklopfer an): Was?
Gretchen (tadelnd blitzt sie ihren vorlauten Freund an): Marc!

Und während die drei sich nun mit Blicken belauerten, stand eben jene Gabi Kragenow plötzlich mit weit aufgerissenen Augen neben ihnen. Sie schnappte nach Luft und strich sich über ihr pochendes Herz, während sie sich mit der anderen Hand am Geländer des Treppenaufgangs festhielt. Marc entdeckte die junge Frau als Erster und verleierte die Augen angesichts ihres recht hilflosen und verlorenen Anblicks, der gar nicht zu ihr und den sonnigen Farben ihres Grease-Gedächtnis-Kostüms passte. Mit einem frechen Grinsen auf den Lippen hieß er Mehdis Freundin auf seine bekannt charmante Art und Weise willkommen...

Marc: Wenn man vom Teufel spricht, kommt er auch schon angeschissen.
Gretchen (stupst ihn empört in die Seite, woraufhin er lacht u. besitzergreifend seinen Arm um ihre Schulter legt, dann sieht sie zu Mehdis Freundin hoch, die das ungute Gefühl hat, dass gerade von ihr gesprochen wird u. deshalb misstrauisch von dem einen zum anderen blickt): Hallo Gabi!

Kaum hatte Mehdi ihren entzückenden Namen gehört, sprang er auch schon von seinem Platz auf und lief aufgeregt zu seiner Angebeteten hin, um sie sogleich in eine stürmische Umarmung ziehen zu wollen. Er schnappte sich blitzschnell ihr zartes Händchen und drehte die überraschte Frau einmal mit einer gekonnten Pirouette im Kreis und schmiegte sich anschließend von hinten an sie. Er lehnte schmachtend seinen Kopf an ihre Wange, während sich seine Hände auf ihren Bauch legten, was Gabi nun vollkommen aus dem Konzept brachte. Marc konnte sich nur fremdschämend wegdrehen. Wie peinlich verknallt man(n) sich doch geben konnte. Unglaublich! Zum Glück war er nicht so ein Weichei!

Mehdi (dreht Gabis Kopf leicht zu sich herum, streichelt mit dem Daumen ihre Wange u. gibt ihr einen zarten Kuss auf die Lippenspitzen): Hey Schatz, da bist du ja wieder. Man sieht ja gar nichts mehr.
Gabi (völlig überrumpelt, von Hitzewallungen erfasst u. gleichzeitig auch wie erstarrt): Hä?

Mehdi deutete schmunzelnd auf ihren blitzsauberen leuchtend gelben Rock und es brauchte einige Sekunden, bis sie endlich verstand. Gabi kniff die Augen zusammen, verfluchte ihre bescheuerte Ausrede von vorhin und versuchte das Rotwerden ihrer Wangen zu verhindern. Leider vergeblich! Sie kochte innerlich, was nicht allein mit Mehdis unmittelbarer Nähe zu tun hatte, die sie mal wieder komplett umgehauen hatte.

Gabi: Oh! Du meinst...? Äh...ja!
Mehdi (schmilzt bei ihrem süßen verpeilten Anblick regelrecht dahin, gibt ihr einen kleinen Kuss auf die Wange u. nimmt dann ihre Hand, um sie zu seinem Sessel zu führen): Komm setz dich zu uns! Ich hab für dich die letzten Bruschetta-Häppchen vom Buffet erhascht und Nudelsalat war auch noch was da.
Marc (spöttisch über den Tisch hinweg): Wie heldenhaft! Der geborene Jäger und Sammler!
Gretchen (flüstert Marc verärgert ins Ohr, der sich lachend an sie schmiegt): Marc, du bist unmöglich.

Nö! Macht nur einen Heidenspaß die beiden Turteltäubchen zu ärgern. Gott, Gabi scheint ja völlig neben der Spur zu sein. Die ist ja schlimmer verknallt in ihn als er in sie. Das kann man(n) nur mit dem einen oder anderen kleinen Späßchen ertragen.

Beim Stichwort „Nudelsalat“ verging Gabi jedoch sofort wieder der Appetit und sie schluckte schwer. Aber es erinnerte sie gleichzeitig auch an ihre Mission. Mit flauem Magen schaute die erblasste Krankenschwester in die Runde, ignorierte die zärtlichen Neckereien vom nervigen Egomanen und seiner besseren Hälfte und blickte schließlich entschuldigend in die treuherzigen strahlenden Augen ihres Liebsten, der ihr Herz schon wieder höher schlagen ließ. Es war so lieb, wie er sich um sie kümmerte. Noch nie zuvor hatte sich jemand so sehr um sie bemüht. Am liebsten würde sie das gleiche auch für ihn tun, wenn nicht... ja, wenn nicht jemand anderes gerade dringend ihre Hilfe benötigen würde.

Gabi: Danke, Mehdi, aber... eigentlich... müsste ich... Ähm... Gretchen, hättest du mal einen Moment... bitte?

Gabi wandte ihren Blick nun Gretchen zu, die ihrem frechen Freund gerade wegen seines losen Mundwerks an den Ohren ziehen wollte. Verwundert schaute Marcs Freundin auf, löste sich von dem unmöglichen Kerl, nachdem sie Gabis bittenden Blick registriert hatte, der ihr sagte, dass es wohl sehr wichtig sei, und stand von ihrem Platz auf. Mehdi und Marc tauschten fragende Blicke aus.

Gretchen: Ja?

Gabi löste sich aus Mehdis Klammeraffengriff, strich ihrem verdutzt dreinblickenden Schatz einmal kurz liebevoll über seinen muskulösen Oberarm und schnappte sich dann Gretchens Hand und zog die überraschte Assistenzärztin einfach hinter sich her...

Gabi: Wir haben ein Problem!

Sprachlos starrten die beiden Männer den Frauen hinterher, wie sie um die Ecke verschwanden. Mehdi setzte sich zu Marc auf die Couch. Dieser zuckte nur unwirsch mit den Schultern...

Marc: Ich glaube auch, wir haben ein Problem, wenn die plötzlich auf akuter Freundschaftsmission ist.
Mehdi (etwas verärgert über den sarkastischen Unterton in Marcs Stimme): Marc! Mit „die“ meinst du meine liebe wunderbare zauberhafte Freundin, die sich im Gegensatz zu dir um ein angenehmes Miteinander bemüht. Also ich find’s gut, wenn die beiden sich besser verstehen.
Marc (rollt theatralisch mit den Augen u. klaut sich auf den Schreck hin ein Häppchen von Gabis Teller, das er sich nun unter Mehdis tadelnden Blicken grinsend in seinen Mund schiebt): Alter, du findest doch alles gut, was du durch deine rosarote Brille siehst. Selbst einen fetten eitrigen Pickel auf ihrer Nase. ... Mhm, schmeckt gar nicht mal so übel. Gib mir mal noch so ein Teil!

Mehdi blickte seinen Kumpel verstimmt an, nahm den Teller vom Tisch, hielt ihn kurz, zu kurz, vor Marcs Nase und stellte ihn dann hämisch grinsend in sicherer Reichweite auf die alte Kommode hinter sich. Paul Anka kam interessiert aus seinem Versteck geschwommen und blickte auf die bunten Leckerlies neben seinem Glas, während Marc die beleidigte Leberwurst spielte und sich stattdessen die Schale mit den Salzstangen vom Tisch schnappte. Er griff sich eine Handvoll und schob sie sich in den Mund.

Mehdi: Das ist immer noch Gabi’s! Sie hat heute noch gar nichts gegessen.
Ja, und beim Naseputzen hältst du ihr auch das Taschentuch, hä? Oh Mann, Haasenzahn hat eindeutig zu viel Zucker in die Bowle gekippt. Der ist ja unausstehlich... unmännlich.
Marc (amüsiert grinsend u. an einer Salzstange nagend): Wie fürsorglich von dir.
Mehdi (hat die Ironie deutlich herausgehört): So bin ich eben. Kannst dir gerne eine Scheibe abschneiden.
Marc (kontert lässig): Tut mir leid, aber ich hänge noch an meinen Eiern.
Mehdi (verdreht die Augen u. sucht ein anderes unverfänglicheres Thema): Über was habt ihr eigentlich gerade gesprochen?

Marc nagte die letzte Salzstange auf und ließ sich stöhnend an die Lehne des Sofas zurückfallen und blickte nun flehend gen Zimmerdecke. Was seine Verhöre anbelangte, stand Mehdi Gretchen in nichts nach. Mit wütend aufblitzenden Augen sah er seinen neugierigen Kumpel wieder an und tat etwas, was ihn selbst überraschte. Er versuchte es mal mit der Wahrheit. Haasenzahn gab daraufhin schließlich auch immer Ruhe und ihm tat die Erleichterung danach eigentlich meistens ganz gut.

Marc: Meine Mutter!

Während sich Mehdis Augen erstaunt weiteten und das beklommene Gefühl in seinem Magen wieder zunahm, hatten Gabi und Gretchen inzwischen das Badezimmer erreicht. Vor dessen Tür stellte die überrumpelte Ärztin ihre Kollegin zur Rede...

Gretchen: Was soll denn das, Gabi? Von was für einem Problem sprichst du? Die Party läuft doch prima.

Gabi seufzte nur gequält auf, hob ihre Hand und schob mit ausgestrecktem Zeigefinger die Badezimmertür auf, damit sich Madame Begriffsstutzig selbst ein Bild machen konnte. Gretchen sah ihr verwundert dabei zu und entdeckte nun das Häufchen Elend, das mit hängendem Kopf und ausgestreckten Beinen auf dem Boden am Badewannenrand saß und sich die Augen aus dem Kopf weinte. Sabines Anblick und Geschluchze war herzerweichend. Gretchen wandte irritiert ihren Kopf zu Gabi herum. Sie konnte echte Besorgnis und Verzweifelung in ihren dunkelgrünen Augen lesen. Sie drehte sich wieder zu Sabine herum, die ihre Chefin und Freundin noch nicht in der Tür erkannt hatte, und lief schnurstracks auf sie zu. Gabi folgte ihr. Sie zog die Tür ins Schloss und diesmal dachte sie auch daran, den Schlüssel umzudrehen. Es musste schließlich nicht jeder der Polterabendgesellschaft mitbekommen, welch ein Drama sich hier gerade abspielte und die Traumhochzeit gefährdete.

Gretchen ging vor der Badewanne in die Hocke und tätschelte Sabine vorsichtig das Knie. Erschrocken zuckte die blonde Krankenschwester zusammen und zog ihre Beine fest an ihren Körper, als sie erkannte, dass sie nicht mehr alleine in ihrem Unglück badete.

Gretchen (zunehmend besorgt): Aber Sabine, was ist denn los? Warum bist du so traurig? Heute und morgen müssten doch die glücklichsten Tage deines Lebens sein?

So viel zu Ihrem angeblich großen Taktgefühl, Frau Dr. ‚Freud’ Haase,

...dachte Schwester Gabi augenrollend und bemühte sich, die Fassung zu wahren. Das war genau das falsche Stichwort für die verzweifelte Braut gewesen, die nun ihre Arme fest um ihre Knie schlang, ihren Kopf darauf bettete und herzzerreißend zu schluchzen anfing und das Badezimmer weiter mit ihren Tränen überschwemmte. Hilflos drehte sich Gretchen zu Mehdis Freundin um, die mittlerweile zu ihr aufgerückt und ebenfalls neben dem Trauerkloß in die Hocke gegangen war. Mit leise flüsternder Stimme versuchte sie die Situation zu erklären...

Gabi: Sie will morgen nicht mehr heiraten.
Gretchen (entsetzt): Was? Aber warum denn nicht? Was um Gottes Willen ist denn passiert, Sabine?

... fragte die Ärztin fassungslos in Sabines Richtung, der die Schamesröte deutlich in ihr verheultes Gesicht geschrieben stand, als sie langsam ihr Köpfchen hob. Von heftigen Schluchzern erschüttert blickte sie Gabi vergewissernd in die Augen. Diese schüttelte den Kopf. Sabine verstand und nickte leicht mit dem Kopf in ihre Richtung. Gabi seufzte auf, holte tief Luft und gab das große Geheimnis endlich preis, für das Sabine keine Kraft mehr gefunden hatte, es selbst zu benennen. Denn es würde für sie endgültig Realität werden, wenn sie es selbst laut aussprechen müsste.

Gabi: Sabine ist ... schwanger!

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