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Lorelei Offline

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Beiträge: 7.349

19.03.2012 14:33
#1251 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Sichtlich überfordert und wie von einem LKW gestreift blickte Dr. Meier die neunmalkluge Neunjährige an, die ihn mit ihren großen leuchtenden Kinderaugen gespannt anschaute und auf befriedigende Antworten hoffte. Und damit war sie nicht alleine. Auch Gretchen Haase spitzte nun erwartungsvoll ihre Ohren. Die junge Ärztin hatte sich nämlich heimlich zur Tür des Gästezimmers geschlichen, nachdem sie im Wohnzimmer das Kostümchaos aufgeräumt hatte, und beobachtete die beiden Plaudertaschen schon eine ganze Weile mit klopfendem Herzen und verklärtem Schmachtblick unbemerkt von der angelehnten Tür aus. Marc räusperte sich schließlich nach einem Moment panischer Stille, die sich wie ein Band um seinen ganzen Körper gelegt hatte und ihn an Lillys Bett festhielt. Er hatte einen ganz trockenen Hals. Und sein Magen wurde flau, je länger Lilly Kaan ihn mit ihren neugierigen Blicken durchbohrte. Wieso stellte sie denn solch seltsame und völlig abwegige Fragen?

Marc: Wie... *räusper* ... Wieso willste das wissen?
Lilly (zuckt mit den Schultern u. starrt ihn weiterhin an): Nur so.
Kinder! Eine Plage!
Marc (will sich herauswinden): Findest du nicht, dass das eine ziemlich bescheuerte Frage ist?
Ach Marc!
Lilly (überzeugt): Nö!
Boah!
Marc (trotzig): Doch!
Hach, dass er sich auch immer so winden muss, wenn es darum geht. ... Komm schon, Lillymaus, kitzele es aus ihm heraus! ... Wir sind aber heute mal wieder fies, Gretchen Haase. ... Hihi! Ich weiß. Aber es ist so süß, wie überfordert und hilflos er kuckt. Zum Knuddeln!
Lilly (rutscht näher an ihn heran u. drängt auf Antworten): Jetzt sag doch mal!
Hilfe! Kaan hol mich hier raus!

Eine Redepause entstand, in der sich beide mit Blicken belauerten. Der eine ziemlich verunsichert und planlos, die andere völlig überzeugt von der Wichtigkeit ihrer Frage. Schließlich wäre es doch schön, hier jemanden zum Spielen zu haben. Als Marc nicht gleich auf Lillys Frage antwortete, weil er nicht wirklich wusste, was er darauf antworten sollte, denn mit dieser Thematik hätte nun wirklich niemand und er schon mal gar nicht rechnen können, sprach Lilly leise weiter, um endlich ihre Neugier zu stillen...

Lilly: Magst du keine Kinder, Onkel Marc?
Jetzt hat sie ihn. Hihi!
Marc (stockend ringt er um möglichst diplomatische Worte): Ääähhh... jaaa... doch... schon, aber... ääähhh...
... heute ... nicht!
Lilly (durchbohrt den sichtlich nervösen Mann regelrecht mit ihrem Blick): Aber?
Verdammt, was wird das hier? Man könnte denken, Haasenzahn hätte sie auf mich abgerichtet.

Purer Schweiß stand Dr. Meier mittlerweile auf die Stirn geschrieben und er versuchte nun, möglichst kindgerecht zu erklären, was er sich selbst nicht erklären konnte. Denn bisher war er eigentlich ganz froh darüber gewesen, dieses heikle und zukunftsträchtige Thema im gegenseitigen Einverständnis mit Gretchen weit nach hinten verschoben zu haben. Natürlich hatte er sich schon mehr als einmal darüber Gedanken gemacht, in letzter Zeit sogar komischerweise etwas häufiger als überhaupt jemals, aber so unvorbereitet in die Enge getrieben, fühlte er sich sichtlich unwohl in seiner Haut. Und so blieb er rein pragmatisch und ratterte das herunter, was er sich immer einredete und womit er Bärbel Haase immer ruhig stellte, wenn diese mal wieder in ihren irren Oma-Wahn verfallen war. Also jedes zweite Wochenende, wenn er und Gretchen zum gemeinsamen Sonntagsessen vorbeikommen mussten.

Marc: Gut, dann... Du wirst ja eh vorher keine Ruhe geben.
Lilly (lacht zufrieden): Nein.

Dieses freche Ding! Wo nimmt die eigentlich auf einmal ihr ganzes Selbstvertrauen her? Früher hat sie sich immer in ihrem Zimmer verkrochen, wenn ich bei ihrem Alten vorbeigeschaut habe. Das waren noch Zeiten. Vor allem ruhige. Hach... die gute alte Zeit.

Marc (sammelt sich erst, dann stupst er Lilly an die Nase u. beginnt langsam zu reden): Weißt du, Lilly... Mäuschen, das ist gar nicht so einfach zu erklären. Vor allem nicht bei so einer neugierigen Nase, wie du eine bist. Das Thema Kinder und ähm... so weiter... stand bei uns eben noch nicht auf dem Plan. Was jetzt nicht heißt, dass wir nicht wollen würden. Nur ähm... wir sind beide Ärzte. Wir arbeiten sehr viel. Im Moment sogar noch mehr als sonst, weil Gretchen ja noch ihre abschließenden Prüfungen absolvieren muss, um dann endlich eine richtige Ärztin zu werden. Das ist sie nämlich noch nicht, musst du wissen. Aber psst, reib ihr das bloß nicht unter die Nase! Und ich, ich schreibe neben meinen OPs und dem ganzen Klinikkram gerade auch noch an einer wichtigen Facharbeit, in der ähm... die Erkrankung deiner Mutter auch eine wesentliche Rolle spielt. Das hat sie dir sicherlich erklärt, oder? Aber ... egal. Ähm... Wenn die dann endlich durch ist, bin ich ein waschechter Professor. Weißt du? So wie Gretchens Vater und wie meiner. Sogar der jüngste in Deutschland, wenn alles gut läuft. Es wird gut laufen! So viel dazu. Ähm... Unsere Ziele liegen eben im Moment ganz woanders. Verstehst du? Da bliebe einfach kein Raum für... Dings... ähm... Kinder. Und so lange sind Gretchen und ich ja auch noch nicht zusammen, dass man gleich so weit denken muss. Wir genießen erst mal unsere Zweisamkeit, auf die wir viel zu lange... ääähhh... naja, und dann... sehen wir irgendwann weiter. Denke ich.

Sehr überzeugend, Meier, wirklich sehr überzeugend! Nobelpreisverdächtig! Nee, wohl eher ne goldene Himbeere. Mann eh, überzeugt sieht sie nicht unbedingt aus. Aber was soll ich denn machen? Mir das nächste Mal eine Göre von der Gyn ausleihen oder wie?

Ach Marc! Manchmal wünschte ich, wir wären schon weiter. Hmm... Aber wir sind hier ja auch nicht bei „Wünsch dir was“. Es ist schon richtig so. Im Moment. Denke ich. Mal sehen, was so passiert. Bald vielleicht? Gretchen, bleib bitte realistisch!


Lilly (nicht wirklich überzeugt von dem, was ihr Onkel Marc da erzählt und wovon sie nur die Hälfte versteht, zieht sie beide Augenbrauen hoch): Mhm!? Aber ihr seid doch auch schon voll alt. So wie Papa. Und der war ganz jung, als Mama mich bekommen hat.
Wer ist hier alt, du neunmalkluges Stück? Unfassbar!
Marc (zwickt ihr empört in die Seite; sie lacht): So alt wie dein alter Papa sind wir noch lange nicht. Verstanden! Wieso machst du dir überhaupt solche Gedanken um uns?
Lilly (zuckt mit den Schultern u. senkt verlegen den Blick): Weiß nicht. Ich dachte nur.... Weil... ich immer so gerne bei dir bin und es immer so schön hier ist.
Marc: Echt?
Das... überrascht... schon... irgendwie. Wir haben doch gar nichts Besonderes gemacht.
Lilly (nickt u. schaut ihren Lieblingsonkel liebevoll von unten herauf an): Wenn ich nicht schon so einen superdupertollen Papa hätte, würde ich mir dich als Papa wünschen. Du bist echt cool, Onkel Marc.
Marc (sichtlich perplex): Oh! Das...ähm...das...

...kann sie doch nicht ernst meinen? Ich bin doch völlig... überfordert, .... planlos, ... ich!

Gott, wie süß ist das denn? Marc ist sich gar nicht bewusst, welche Wirkung er auf Kinder hat. Hach...


Sichtlich gerührt klammerte sich Gretchen am Türrahmen fest und himmelte den sichtlich konsternierten Chirurgen an, dem es tatsächlich für einen Moment die Sprache verschlagen hatte und der seinen Blick schnell von Lilly abwandte und auf Paul Anka, den Goldfisch, richtete, weil sie seine Rührung nicht mitbekommen sollte. Ein seltsames warmes Gefühl machte sich in seinem Bauch breit und seine Wangen verfärbten sich merklich. Irritiert strich er sich darüber, während er zögerlich wieder zu seinem Schützling schaute, die ihn verwundert musterte. Er räusperte sich und versuchte krampfhaft, die Fassung und seine Coolness wiederzuerlangen...

Marc: Ich glaube, jetzt... wird es... wirklich Zeit, dass du... schläfst. Du redest ja schon ganz wirres Zeugs.
Lilly (kleinlaut): Gar nicht!

Marc schüttelte verwirrt den Kopf und schlug auffordernd die Bettdecke auf. Lilly rutschte artig darunter und legte sich wieder der Länge nach hin. Sie umschlang das plüschige Bambikostüm, was ihr vorhin so gut gefallen hatte und das sie unbedingt zum Kuscheln im Bett haben wollte, und ihr Babysitter zog ihr die Bettdecke bis ans Kinn hoch, während er abfällig das braune Etwas in ihren Armen betrachtete. Er überlegte kurz, beugte sich dann doch über sie und gab Lilly einen kleinen Kuss auf die Wange. Völlig durcheinander stand er schließlich von ihrem Bett auf, als Mehdis Tochter noch einmal das Wort ergriff und nun mit dem rausrückte, was sie eigentlich die ganze Zeit schon bewegt hatte...

Lilly: Duuuu? Denkst du, dass Papa sich noch ein Kind wünscht?

Ach du Scheiße!

Oh! Daher weht der Wind. Ob Mehdi weiß, worüber sie sich solche Gedanken macht?


Wie vom Donner gerührt, drehte Marc sich wieder zu der Kleinen um, die ihn aus großen rehbraunen Augen unsicher anschaute, dass es ihn in Mark und Nieren traf. Und auch Gretchen war sichtlich bewegt, auch wenn sie sich vornehm zurückhielt, weil sie nicht wollte, dass ihr Freund merkte, dass sie heimlich gelauscht hatte.

Marc: Wie... wie kommst du denn darauf? Ist... ist Gabi etwa schwanger?
Oh Gott! Der Albtraum hat einen Namen!
Lilly (zuckt mit den Schultern u. starrt ihn weiter fragend an): Weiß nicht. Ist sie?
Marc (Panik macht sich breit u. böse Erinnerungen flackern auf): Gott bewahre, hoffentlich nicht.

Oh Marc! Sag doch nicht so was! Er denkt sicherlich an damals? Aber das, was sie ihm vorgemacht hat, ist doch mit Gabis heutiger Beziehung gar nicht zu vergleichen. Die beiden lieben sich. Und Mehdi hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er noch Kinder möchte. Ich würde es ihnen gönnen. Nach all den Turbulenzen der letzten Zeit. Ob Gabi wirklich schwanger ist? Ich werde wohl morgen genauer hinschauen müssen. Das wäre wirklich eine riesige Bombe. Aber wenn ich so darüber nachdenke, sie war schon seltsam in den letzten Tagen. Immer auf Abruf. Hektisch und durcheinander. Und so wie sie sich in die Planung von Lillys Kinderzimmer reingehängt hat, könnte man schon meinen, dass da was wäre. Oh Gott, das wäre so toll. Lilly hat sich doch immer Geschwister gewünscht. Hach...

Während Gretchens Gedanken langsam euphorische Züge annahmen und sie fast in Versuchung geriet, einfach bei Mehdi anzurufen, um nachzufragen, hatte Lilly derweil nichts von der bitterbösen Ironie in Marcs Stimme gemerkt. Sie sah ihren großen Freund nur etwas betröppelt an, weil dieser die ganze Zeit mit dem Kopf schüttelte. Dann platzte es aber plötzlich aus ihr heraus und Lilly tat den eigentlichen Grund für ihre Unsicherheit kund...

Lilly (senkt traurig den Kopf): Mama und Papa lassen sich scheiden.

Okay!? Das ist echt ein anderes Kaliber. Konzentrier dich, Meier! Böse Giftpfeile gegen Gabi kommen jetzt, glaub ich, nicht so gut. Er zieht’s also tatsächlich durch? Eigentlich müsste ich jetzt stolz auf ihn sein. Aber so? Scheiße eh. Für die Kröte ist es wohl echt hardcore?

Ach die arme Maus! Trotz der Tragik dieser ganzen leidigen Geschichte, in die Anna die beiden verstrickt hat, muss es schlimm für Lilly sein. Ein drittes und hoffentlich letztes Mal wird alles auseinander gerissen. Aber sie ist stark. Sie ist so ein schlaues und selbstbewusstes Mädchen. Sie packt das. Aber vielleicht sollte ich doch mal mit Mehdi darüber reden? Ja, gleich morgen werde ich das tun. Ich will doch nur, dass es ihr gut geht.


Gretchen war inzwischen den Tränen nah und wollte schon näher kommen, um das traurige Mädchen fest in ihre Arme zu schließen und in ihrem Kummer zu trösten, als sie aber überraschend erkannte, dass ihr bereits jemand zuvorgekommen war.

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.349

21.03.2012 16:58
#1252 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Marc schupste Mehdis betrübte Tochter unsanft etwas zur Seite und legte sich neben sie auf die rosagestreifte Bettdecke. Er verschränkte seine Arme unter seinem Hinterkopf und blickte die kleine Maus nicht an. In ihm arbeitete es. Mit Bedacht versuchte er nun, die richtigen Worte zu wählen und begann leise holprig zu sprechen. Er war schließlich nicht geübt in solchen ernsteren Gesprächen. Gerade mit Kindern. Überhaupt mit Kindern. Mit Kindern, die für ihre kurze Lebenszeit bereits schon viel zu viel durchgemacht und erlebt hatten. Und Lilly Kaan hatte mit ihren gerade einmal neun Jahren schon viel mehr gesehen, als Kinderaugen für seinen Geschmack sehen sollten. Aber nein, er schob die Schuld und seinen Groll diesmal nicht auf Lillys verkorkste Mutter, die zu verantworten hatte, wie es nun mal alles gekommen war. Das brachte doch eh nichts. Er wollte Lilly wieder lächeln sehen und für sie da sein, auch wenn er nicht wirklich wusste, wie man das anstellte. Aber einen Versuch war es ja wert.

Gretchen hatte inzwischen beschlossen, sich dezent zurückzuziehen und Marc das Feld zu überlassen. Instinktiv wusste sie, dass ihr Schatz schon alles richtig machen würde. Denn Lilly hatte vollkommen Recht mit ihrer blitzgescheiten Analyse. Marc wäre wirklich ein toller Papa. Zwar sicherlich etwas unbeholfen und ungeschickt in der Herangehensweise, aber er würde mit der Aufgabe wachsen. Da war sie sich sicher. Er machte seine Sache schließlich mit Lilly wirklich gut. Und nicht nur mit ihr. Neulich erst hatte er die kleine Sarah Hassmann, die doch tatsächlich aus dem Kindergarten ausgebüxt war, wie ihr Maria wenig später sichtlich aufgelöst berichtet hatte, vor ihren streitenden Eltern gerettet, bei denen nebenbei bemerkt definitiv etwas im Busch war, auch wenn Maria das immer noch vehement leugnete. Gut, Marc hatte nicht direkt behauptet, dass er die süße Motte gerettet hätte, sondern dass sie ihm einfach so hinterher gedackelt wäre, ohne dass er es gemerkt hätte. Dafür hatte er dann aber merklich Spaß gehabt, als sie im Stationszimmer Memory gespielt und gemeinsam Schwester Sabine ausgetrickst hatten. Gretchen war richtig stolz auf ihn gewesen und war es immer noch.

Mit einem warmen Gefühl im Bauch und einem glücklichen Lächeln auf den Lippen ging die junge Frau nun zurück in die Küche, goss sich dort ein Glas Wasser ein und schrieb Lillys Vater dann noch schnell eine Sms, der sich komischerweise noch gar nicht gemeldet hatte, um zu fragen, ob seine Kleine denn wie ausgemacht bereits im Bett lag. Im Prinzessinnenzimmer wurde währenddessen weiter leise getuschelt. Eine gedrückte Stimmung herrschte in dem kleinen Raum, die sich auch bald auf Marcs Gemüt übertrug und die er aus diversen anderen Gründen nicht wirklich wahrhaben wollte.

Lilly (senkt traurig den Kopf): Mama und Papa lassen sich scheiden.
Marc (schluckt): Ich weiß. ... Scheiße, ne?
Lilly (sieht tadelnd auf): Man sagt nicht das böse Sch-Wort, Onkel Marc!
Marc (muss unweigerlich schmunzeln, versucht aber, ernst zu bleiben): Tut mir leid. Wie...wie geht’s dir damit? Also ich meine, mit dem anderen bösen Sch-Wort.
Lilly (senkt ihren Blick u. denkt angestrengt nach, hat sich damit aber bereits abgefunden): Naja, ich weiß ja, dass Papa und Mama schon eine ganze Weile nicht mehr zusammen sind. Papa hat ja auch schon eine neue Freundin. Und Mama hat mir auch viel erklärt, dass das überhaupt nichts mit mir zu tun hat, dass sie sich scheiden lassen. Aber es ist trotzdem irgendwie... komisch.
Marc (spürt einen dicken Kloß in seinem trockenen Hals, den er krampfhaft versucht herunterzuschlucken): Ich... weiß, wie... das... ist.
Lilly (schaut den nachdenklichen Mann fragend an): Sind deine Eltern auch geschieden, Onkel Marc?
Marc (plötzlich überkommt ihn eine tiefe Traurigkeit, was er sich überhaupt nicht erklären kann u. schnell cool von sich weist): Nee, aber ähm... getrennt. Kommt auf’s Gleiche hinaus.
Lilly (murmelt u. hält sich schnell die Hand vor den Mund, als hätte sie es nicht gesagt): Scheiße!
Marc (stupst das verlegene und knallrote Mädchen schmunzelnd von der Seite an): Eh! Das hast du aber nicht von mir.
Lilly (steckt ihm die Zunge raus u. grinst): Doch!
Na wenigstens lacht sie wieder.

Die beiden kabbelten ein wenig, dann schauten sie sich wieder ernst in die Augen. Sie wussten beide, dass dieses Gespräch wichtig war. Und Marc, dem Lilly schon mehr ans Herz gewachsen war, als er offen vor Mehdi und Gretchen zugeben würde, wollte ihr irgendwie helfen, auch wenn er nicht wirklich wusste wie. Seine Eltern konnte man schließlich kaum als gutes Beispiel vorannehmen. Nicht nachdem sich seine Mutter einfach so mir nichts dir nichts ins Nirgendwo verabschiedet hatte und sein Vater nur noch wie eine leere Hülle funktionierte und sich mit viel Arbeit an seiner neuen Arbeitsstätte ablenkte, um nicht dem Wesentlichen ins Auge sehen zu müssen.

Marc: Weißt du, Prinzessin, manche Paare können eben nicht ewig zusammen sein, obwohl sie sich ganz doll lieb haben. Ist ziemlich kompliziert das Ganze. Also ... die Liebe und das ganze Gedöns. Deshalb empfehle ich dir, werde am besten gar nicht erst erwachsen und fang nicht mit diesem elenden Quatsch an.
Lilly (hat ihm aufmerksam zugehört u. hängt förmlich an seinen Lippen): Aber der Papa hat doch gesagt, dass er die Mama nicht mehr so liebt wie früher?
Oh Mann! Was zum Teufel mache ich hier eigentlich?
Marc (verdreht die Augen): Ich hab ja auch nicht von deinen Eltern gesprochen, Lilly.
Lilly: Ach so. Wieso ist das bei deinen Eltern so kompliziert, Onkel Marc?
Fragte die Maus die Schlange, bevor sie sie verdrückte.
Marc (kleinlaut): Du kennst meine Mutter nicht.
Lilly: Aber Oli ist nett.
Marc (sie bringt ihn mal wieder mit ihrer kindlichen Aufgeschlossenheit zum Lächeln, aber er wird eine Sekunde später wieder ernst u. murmelt leise vor sich hin, was eigentlich nur für seine Ohren bestimmt ist): Eben! Zu nett wahrscheinlich. Vielleicht hat sie ihn gar nicht verdient. Sie weiß nicht zu schätzen, was sie an ihm hat. Nach dem ganzen Mist, der passiert ist. Den sie verzapft hat wohlgemerkt. Ach ich weiß doch auch nicht. Und ich will es ehrlich gesagt auch gar nicht wissen. ... Anderes Thema. ... Das ist nicht das richtige vorm Schlafengehen. Zieht einen nur runter.
Lilly (kann ihm schon eine Weile nicht mehr folgen u. beobachtet ihn einfach nur noch, dann umarmt sie ihn plötzlich): Ich hab dich lieb.
Marc (überrascht): Äh... Ich... dich... auch. ... Irgendwie. Aber ... wehe, du verrätst das deinem Dad. Dann... dann... passiert was!

...überspielte Marc seine Unsicherheit Lilly gegenüber und sprang schließlich aus dem Bett. Es war eh schon viel zu spät für kleine neugierige nervige neunmalkluge Gören. Lilly kicherte nur vergnügt und schmiegte sich wieder an das hellbraune Plüschkostüm, das Marc argwöhnisch anstarrte, als würde man allein vom Sehen schon einen Ausschlag davon bekommen, und auf das er schließlich mit dem Finger deutete...

Marc: Aber du weißt schon, dass das ein Flohfänger ist.
Lilly (schüttelt den Kopf): Quatsch! Das Bambi ist so schön plüschig und weich. Außerdem hab ich mein Kuscheltier bei Papa im Auto vergessen.
Was für ein Ersatz!
Marc (rollt mit den Augen u. macht endlich das Licht aus): Ihr werdet euch immer ähnlicher.
Lilly (starrt in die Dunkelheit des Zimmers): Hä?
Marc (im Oberarztton): Nix! Augen zu! Jetzt wird geschlafen. Zackig! Und wehe ich erwische dich außerhalb deines Zimmers hier. Dann müsste ich mir wohl oder übel überlegen, dass du in Zukunft nicht mehr herkommen darfst.

Marc grinste zufrieden vor sich hin, während er zur Tür ging. Da war ihm doch wirklich gerade ein genialer Schachzug gelungen. Und bevor Lilly gegen diese fiese Androhung lautstark protestieren konnte, hatte er das rosarote Prinzessinnenzimmer auch schon verlassen. Nachdenklich. Aber irgendwie auch glücklich und gelöst.

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.349

23.03.2012 16:18
#1253 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Marc fand Gretchen im Wohnzimmer auf der Couchlandschaft schlafend vor. Ihr linker Arm schwebte locker mit einem leicht geneigten Wasserglas in der Hand knapp über dem Fußboden. Ihr Mund war leicht geöffnet und sie sabberte ein wenig, wie sie es immer tat, wenn sie träumte. Er schmunzelte bei diesem herrlichen Anblick und überbrückte die fehlenden Meter, welche die beiden noch voneinander trennten. Vor der Couch ging er dann in die Knie und nahm seiner schlafenden Freundin vorsichtig das Glas Wasser aus der Hand, bevor es noch überschwappte und den neuen weißen Teppich einsaute. Er stellte es auf dem kleinen Tisch vorm Sofa ab und wunderte sich im nächsten Moment. Auf dem gläsernen Beistelltischchen lagen Unmengen an wild verstreuten bunten Zetteln und Skizzen. Stirn runzelnd überflog er diese kurz und verdrehte theatralisch die Augen, als er verstand, worum es mal wieder ging. Das, worum es seit Tagen ging und was ihm allmählich den letzten Nerv raubte. Partyplanungen in ihrer feinsten Vollendung! Haasenzahn wollte es anscheinend wirklich wissen. In ihrer Vorbereitungswut wurde sie ihrer Mutter immer ähnlicher, wenn diese montags ihre Wäscheladungen für die kommende Wochenendwäsche plante, stellte Marc trocken fest und schauderte sich zugleich. Ganz, ganz schlechter Gedanke, Meier! Er schob die Papiere des Grauens schnell zusammen und ließ sie in einer rosafarbenen Mappe verschwinden. Dann lümmelte er sich gemütlich neben seine schlafende Partyplanerin aufs Sofa. Verliebt strich er ihr ein paar verirrte Strähnen ihrer wilden Locken aus ihrem hübschen Gesicht, das er einfach nur betrachten wollte, weil es für ihn nichts Schöneres auf der Welt gab.

Ob sie wohl zufrieden war, fragte er sich mit einem Mal, während er sich eine ihrer süßen goldgelben Locken verträumt um den Zeigefinger wickelte und ihre entspannten Gesichtszüge weiter beobachtete. Jetzt nicht unbedingt wegen ihrer unausgereiften Polterpläne für die Stasi-Sabsi und den Leichenfledderer oder wegen seiner Babysitterqualitäten, die nebenbei bemerkt einfach nur grandios waren. Lilly Kaan hatte ihm dieses Diplom gerade eben mit summa cum laude bescheinigt. Marc war selber verwundert darüber, wie stolz ihn diese nichtige Tatsache machte, der er sonst nie irgendeine Bedeutung geschenkt hatte. Dennoch fragte er sich weiterhin in diesem ruhigen Moment, als er sein Gretchen einfach nur anschaute, ob sie zufrieden war. Mit ihm. Mit dem, was sie sich gerade hier aufbauten. Mit der Gesamtsituation zwischen hier und der Klinik. Mit ihren gemeinsamen Plänen für eine Zukunft, die noch nicht geschrieben stand, die ihm aber keine Angst mehr machte. Oder fehlte ihr doch etwas? Dieses ganz gewisse Tüpfelchen auf dem I, womit er diesmal nicht sich selbst meinte.

Wenn Lilly Kaan, diese kleine neunmalkluge Nervensäge, da war, blühte Gretchen richtig auf. Sie strahlte innerlich wie äußerlich, war vollkommen sie selbst und mit jeder einzelnen Pore glücklich. Sie teilten zwar seit ihrer gemeinsamen Zeit in der Lausitz im Haus am See im Dezember eine stillschweigende Abmachung, wohin das alles mit ihnen irgendwann führen könnte, die doch eine recht beruhigende Wirkung auf ihn hatte, da das ganz große Programm noch weit entfernt in den Sternen stand. Sie hatten alle Zeit der Welt und mussten nichts überstürzen. Egal was andere, und eine nervige blonde Lernschwester und Professorenfrau im Speziellen, dazu sagten. Sie waren schließlich beide schwer beschäftigt im Moment und das würde im Laufe des Jahres noch zunehmen, wenn ihre Abschlussprüfungen und sein Abgabetermin näher rückten. Aber was war, wenn Gretchen, trotz aller Absprachen und Neckereien, insgeheim nicht mehr länger warten wollte? Wenn sie bereits Sternschnuppen ausmalte?

Klar konnte er sich vorstellen, dass sie eine tolle Mutter sein würde. Daran war nie ein Zweifel gewesen. Man musste sie sich nur im Zusammenspiel mit Lilly anschauen und jeder wusste, was er meinte. Aber war er schon soweit? Sahen Kinderaugen vielleicht doch mehr, wie man immer so schön behauptete? Er hatte immer noch Lillys unbedarfte Aussage von vorhin im Kopf und wie er sich dabei gefühlt hatte. Sie hatte ihn damit ziemlich kalt erwischt, aber es hatte sich auch irgendwie schön angefühlt, so etwas über sich selbst zu hören. Von Dingen, die vor Gretchen überhaupt nicht in sein Vorstellungsvermögen gepasst hatten. Doch nach den Erfahrungen der letzten Zeit wurde er sich immer mehr darüber bewusst, dass seine strikte Abneigung Kindern gegenüber, die nicht seine Patienten waren, nur Makulatur war. Die kleinen Kröten nervten zwar ohne Ende und konnten einen zur Weißglut treiben. Vor allem die kleine Hassmann. - Bei dem verheerenden Genpool auch kein Wunder. - Aber ganz so schlimm, wie er immer dachte, waren sie dann doch nicht. Manchmal machte es sogar richtig Spaß, sie auf den Arm zu nehmen. Metaphorisch und wortwörtlich genommen. Trotzdem war er immer noch mehr als froh, diese Momentaufnahmen jeder Zeit wieder beenden zu können. Es waren schließlich nicht seine eigenen Kinder. Er konnte sie zum Glück jeder Zeit wieder bei den Eltern abgeben, wenn er genug hatte. Bei eigenen wäre das nicht so der Fall. Umtausch leider komplett ausgeschlossen.

Tzz... eigene Kinder? Was war denn mit ihm los? Mutierte er jetzt etwa zu Mehdi oder wie? Marc schüttelte irritiert den Kopf und richtete sich auf. Er hatte keine Ahnung, wieso er momentan so emotional auf dieses heikle Thema reagierte, dessen Planung, wenn überhaupt, zum Glück noch so weit entfernt in der Zukunft lag, dass er sich keine unsinnigen Gedanken darüber machen musste, wie es wohl sein würde, wenn so ein kleiner Stinker sein Penthouse mit Stinkbomben verpesten würde. Weil seine eigenen Familienverhältnisse zum wiederholten Mal den Bach runter gingen? Er wusste es nicht und hatte auch nicht vor, länger darüber nachzudenken. Seit geschlagenen zwei Wochen hatte sich seine Mutter nicht mehr gemeldet, die doch sonst nie eine Gelegenheit ausgelassen hatte, ihn in den unangenehmsten Momenten in den Wahnsinn zu treiben, nachdem sie seinen Vater in den zweiten Flitterwochen in Südfrankreich einfach so mit einem lausigen, nichts sagenden Zettel hatte sitzen lassen.

Marc hatte aufgegeben, ihr hinterher zu telefonieren, auch wenn es ihn manchmal schon sehr in den Fingern juckte, seiner missratenen Mutter lautstark seine Meinung zu geigen. Das hatte er auch zur Genüge getan. Ihre Mailbox musste in der Zwischenzeit überquellen vor bitterbösen, zynischen Kommentaren ihres stinksauren Sohnemanns. Und nicht nur ihre. Aber Elkes Assistentin mauerte und ihre Verlegerin wusste von nichts. Die wartete ebenfalls ungeduldig auf Elkes Rückrufe und war mindestens genauso stinksauer wie der Sohn ihrer Hauptgeldeinnahmequelle. Komisch war das alles schon, hatte Marc empfunden. Zumal Elke nie einen Abgabetermin ihrer heiß geliebten Schundromane verbummelte. Aber egal. Es ging ihn nichts mehr an. Er hatte weit andere Sorgen.

Sein Vater gab sich tapfer. Marc war sogar richtig stolz auf ihn. Prof. Dr. Dr. Olivier Meier übte sich in bester Meierscher Manier im Verdrängen und lenkte sich mit Vorlesungsarbeit an der Uni und OPs an seiner neuen Wirkungsstätte ab, wenn Gretchen ihn nicht zu gemeinsamen Unternehmungen einlud oder seine neue Wohnung, ihre alte gemeinsame Bleibe im Erdgeschoss, blockierte, bis er freiwillig mitkam. Süß war das schon, wie sie sich krampfhaft und ungeschickt bemühte, keine Trauerstimmung aufkommen zu lassen, und wie sie seinen Vater mit ihrer einnehmenden Art jedes Mal aufs Neue bezauberte. Dann vergaß auch er manchmal, was eigentlich Sache war. Er war auch von Elke sitzen gelassen worden! Eins war sich Marc Meier aber sicher. So weit wie seine Mutter wollte er es niemals kommen lassen, falls er jemals Kinder in die Welt setzen sollte. Er würde es besser machen. Tausendmal besser. Niemals würde er sie im Stich lassen. Weder aus Feigheit oder was sonst noch die Gründe für ihre seltsame kopflose Flucht waren.

Mit dieser Mischung aus verdrängten Gefühlen, hereinbrechender kindlicher Traurigkeit und doch auch unbewusster Sorge scharwenzelte Marc im Moment auch besonders oft um seine süße Freundin herum, die mit ihrer Leichtigkeit und Fröhlichkeit seinen Vater und ihn schon oft aus der sich anbahnenden Depression geholt hatte. Ob auf Arbeit, wo kein Tag verging, an dem Dr. Meier seine Assistenz nicht zu einem „Notfall“ in ihr Liebesnest im Ostflügel lockte, oder zuhause bei der Einrichtung und Einweihung ihres gemeinsamen Heims, das endlich seinen endgültigen Schliff bekam, seitdem die letzten Möbel vor drei Tagen geliefert worden waren. Nur bei ihr fühlte er sich wohl und geborgen und ließ Sorgen und Probleme hinter sich. Er hatte sich sogar von ihr zu dieser bescheuerten Party überreden lassen, aber was hätte er auch anders sagen sollen, als sein frecher Haasenzahn plötzlich nur im Negligé bekleidet vor ihm gestanden hatte, als er gerade sein Spiele- Schrägstrich Arbeitszimmer eingerichtet und seine Paninisammelbilderalben nach Jahren sortiert neben seiner medizinischen Fachbibliothek ins Regal geräumt hatte. Er hätte vermutlich in diesen Minuten zu allem Ja und Amen gesagt.

Aber Marc wollte nun mal, dass seine Traumfrau zufrieden und glücklich war und es auch so blieb. Und so wie sie gerade im Schlaf lächelte, schien sie das auch tatsächlich zu sein. Früher hätte er nie geglaubt, dass es ihn einmal so glücklich stimmen würde, jemanden ohne Einsatz diverser körperlicher Reize glücklich zu machen. Das gab ihm manchmal sogar mehr Befriedigung als eine spektakuläre OP oder eine neuartige Operationstechnik. Schon faszinierend, was diese erste richtige Beziehung in seinem Leben bisher mit ihm gemacht hatte. Er war ein Waschlappen von der allerschlimmsten Kaanschen Sorte geworden und es störte ihn nicht die Bohne. Nie war er glücklicher wie jetzt. Wenn man mal von der Familienmisere absah. Aber an der war er ja zum Glück diesmal nicht Schuld. Und es gab Wichtigeres.

Und während Marc Meier noch überlegte und seinen Gedanken nachhing, öffnete Gretchen Haase langsam ihre Augen, nachdem sie gerade eben noch so wunderschön geträumt hatte. Von wem wohl? Natürlich gab es nur einen, der in ihren Träumen die Hauptrolle spielte: Ihren Marcischnuckiputzi! Aber dieses Mal hatte er weder einen Kaiser noch einen Cowboy verkörpert, sondern war ganz er selbst gewesen. Marc hatte am rosaroten Prinzessinnenbettchen ihrer gemeinsamen Tochter gesessen, hatte mit ihr gealbert und gescherzt, hatte ihr ein verrücktes Gruselmärchen nach dem anderen vorgelesen, bei dem der kleine blonde Engel mit den faszinierenden smaragdgrünen Augen sich fest an ihren Papa klammern musste, der dies vollends genossen hatte, ohne zu meckern oder zu nölen, dass man ihm das teure Designerhemd zerknitterte, und hatte sich dann zu ihr ins Bett gelegt und mit ihr gekuschelt, bis sie selig eingeschlafen war. Gretchen hatte das alles von der Tür aus beobachtet und ihr war richtig das Herz aufgegangen. So eine wunderbare Familie hatte sie sich immer gewünscht.

Aber dann hatte sie plötzlich gemerkt, wie jemand an ihr gerüttelt hatte, und ihr schönes Familienidyll hatte sich langsam wie eine Seifenblase in Luft aufgelöst. Plötzlich hatte nicht mehr ihr imaginäres bildhübsches Töchterlein neben dem Mann ihrer Träume gesessen, sondern die süße kleine Lillymaus. Aber dieses Bild hatte die gleiche Wirkung auf die verliebte Frau gehabt. Marc wäre so ein toller Vater, hatte sie bewegt gedacht und hatte gar nicht mehr aufhören können zu lächeln. Wie liebevoll und einfühlsam er mit Mehdis Tochter umging, war einfach hinreißend und anbetungswürdig. Sie könnte jedes Mal vor Entzücken laut aufquieken, wenn sie die beiden zusammen sah. Oder wenn sie daran zurückdachte, was Marc für die kleine Sarah Hassmann gemacht hatte, als sich deren Eltern im Krankenhaus - anstatt sich einzugestehen, dass sie sich lieben, lieber bekriegen - in die Wolle gekriegt hatten. Sabine hatte ihr später alles haarklein erzählt. Dr. Meier hatte Sarah nämlich einfach mit ins Schwesternzimmer genommen und, obwohl gleich ein wichtiges Telefoninterview mit einer renommierten Fachzeitschrift wegen seiner Forschungsarbeit angestanden hatte, hatte er sich die Zeit genommen, um mit ihr eine Memory-Schlacht zu veranstalten. Marc war einfach toll. Der tollste, beste und perfekteste Mann, den es auf der ganzen Welt geben konnte. Sie hatte wirklich das ganz, ganz große Los gezogen. Und Gretchen spürte regelrecht, dass er jetzt ganz nah bei ihr war, obwohl sie noch zwischen Traumwelt und Realität zu schweben schien. Sie brauchte einen kleinen Moment, um zu realisieren, wo sie war und wer sie gerade mit seinem typischen verschmitzten Lächeln anschaute.

Marc: Na, endlich aufgewacht?

...sprach der Macho sein verschlafenes Dornröschen an, das ihn nun mit großen strahlenden Augen anschaute, weil sie gar nicht gemerkt hatte, wie er sich neben sie auf die Couch gelegt hatte.

Gretchen (murmelt verschlafen): Ich muss eingeschlafen sein?
Marc (kuschelt sich grinsend an sie): Das hab ich gemerkt.
Gretchen (schaut auf den aufgeräumten Couchtisch hinter ihm u. wundert sich): Dabei wollte ich doch den Ablauf für morgen Abend noch mal durchgehen. Ich muss doch noch...
Marc (drückt seine Freundin, die sich aufrichten will, wieder in die Kissen): Ach scheiß doch drauf, Haasenzahn! Irgendwann muss auch mal Schluss sein. Die spontanen Geschichten sind doch eh immer noch die besten. Wart’s ab!
Gretchen (runzelt grüblerisch die Stirn): Trotzdem, wenn der Zeitplan nicht genau mit den Mädels abgestimmt ist, verpassen wir die beiden wohlmöglich noch und müssen ohne sie feiern.
Marc (grinst vergnügt): Auch nicht schlecht.
Gretchen (empört, weil er sie nicht ernst nimmt): Marc!
Marc (verdreht theatralisch die Augen): Schon ok, ist angekommen. Aber für heute Abend ist Schluss damit, ja? Den Rest schaffen wir auch noch morgen.
Er hat „wir“ gesagt! Hach...
Gretchen (himmelt ihren liebsten Marcischnuckiputzi an u. schmiegt sich glücklich an ihn): Schläft Lilly schon?
Marc (nickt u. zwinkert seiner verträumten Freundin anzüglich zu): Hmm! Da hat es aber jemand eilig? Nicht schlecht! Ok, dann will ich mal nicht so sein.

Aufreizend fuhr Marcs rechte Hand nun über Gretchens Rundungen, bis sie sich langsam daran machte, unter ihre blasslila Strickjacke und ihr T-Shirt zu krabbeln. Gretchen schaute ihrem Freund bei seinem Tun ungläubig zu, bis es ihr zu weit ging und sie sanft, aber bestimmt seinen verlockenden Versuch abwehrte...

Gretchen (flüstert mit Blick in Richtung Flur): Maaarc! Sicher nicht, wenn Lilly nebenan schläft!
Marc (völlig unbeeindruckt fordert er sie augenzwinkernd heraus): Du bist mir noch was schuldig, Haasenzahn.
Gretchen (setzt sich empört auf): Bitte?
Marc (grinst): Hey! Ich hab diesen elenden Fummel angezogen, wie du verlangt hast, und du hast dich lustig gemacht. Das gefällt dem Dr. Meier aber gar nicht.
Dieser Schuft! Na warte!
Gretchen (streichelt ihm gefühlvoll über den Arm, grinst ihn schelmisch an u. springt schließlich rasch von der Couch auf): Armer, armer Dr. Meier! Was du alles mit mir zu erleiden hast. Trotzdem.... nein!

Marc reagierte sofort, als Gretchen ihm lachend entkommen wollte. An der Küchenzeile hatte er sie schnell eingekesselt, gepackt und anschließend über seine Schulter geworfen und schleppte die zappelnde und tretende, aber wegen Lilly mit eingeschnappter Miene schweigende Freundin nun die schmale Treppe hoch in seine Räuberhöhle....



Fortsetzung folgt, wenn ihr denn mögt? Wir können natürlich auch schauen, wie es Sabine und Günni zwei Tage vor ihrer Traumhochzeit so ergeht? Ihr habt die Wahl. Schönen Nachmittag noch, eure Lorelei.

Lorelei Offline

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25.03.2012 17:07
#1254 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Okay, ihr habt es nicht anders gewollt. Wir schalten heute in die Pathologie des Elisabethkrankenhauses, wo Sabine und Günni gerade den Hochzeitswalzer proben und sich dabei ganz schön gegenseitig auf die Füße trampeln. Nein, kleiner Scherz. Wir bleiben natürlich in den Meier-Haasschen Gemächern. Viel Spaß und schönen Rest-Sonntag noch! Eure Lorelei




Etwas ungelenk stolperte Marc Meier ins Schlafzimmer und bettete seine Liebste, deren Kopf unsanft gegen die Dachschräge geditscht war und die nun doch gegen diese dreiste Meiersche Entführung in angemessener Lärmschutz-Lautstärke verbal protestierte, auf das gemeinsame Bett, krabbelte schnell über die wilde Furie, die sich sofort wieder aufzurichten versuchte und immer noch um sich schlug und mit ihren kleinen Fäusten erfolglos auf seinen festen Bauchmuskeln herumtrommelte, fixierte ihre beiden Hände neben ihrem Kopf, der ihn mit aufblitzenden blauen Augen drohend anschaute, und tat das, was immer am besten bei seinem widerspenstigen Haasenzahn funktionierte. Er begann sie ganz einfach ungeniert stumm zu knutschen.

Anfangs wehrte sich Gretchen noch, mehr schlecht als recht, was Marc nur noch mehr dazu animierte, das störrische Weib endlich zu bändigen, aber bald tat sie nur noch so, weil es ihr unheimlich Spaß machte, ihren Machomann zu ärgern, und weil sie es ihm nicht allzu leicht machen wollte. Sonst lernte er es doch nie, dass Frauen eher auf die romantische Verführung standen als auf steinzeitliche Rituale, die aber natürlich auch ihren gewissen Reiz hatten.

Gretchen (protestiert): Maaarc, duuu Neandertaaaler, laaass miiich sooofort looos!
Marc (grinst): Ich denk nicht mal daran, Haasenzahn. Wir haben noch eine Rechnung offen. Und jetzt bist du fällig. Aber so was von.

Oh, oh! Hihi! Ich liebe es, wenn er so ist. So wild und entschlossen. Und so leicht zu manipulieren. Hihi! Huch...

Der charmante Oberarzt ließ seiner harschen Ansage sofort Taten folgen. Forsch und ungestüm presste er nun seine Lippen auf die ihren. Er merkte, wie sein Haasenzahn frech nach ihm zu schnappen versuchte, wich ihr schnell aus, um sie zu ärgern, und platzierte seinen Mund stattdessen auf ihrem verführerischen Hals, den er nun quälend langsam küssend hinabfuhr, bis er Gretchens und seine Lieblingsstelle am Schnittpunkt zwischen Nacken und Schulter fixiert hatte und sich zärtlich daran fest sog. Strafe musste schließlich sein, nachdem dieses freche Biest ihn in unmännliche Strumpfhosen hatte stecken wollen.

Mit dieser reizvollen Aktion hatte Marc erfolgreich Gretchens anfängliche und seiner Auffassung nach dilettantisch gespielte Gegenwehr beendet. Das Häschen entspannte sich merklich und seufzte unter seinen heißen Küssen und seinem warmen Atem sinnlich auf, was Marcs Adrenalinspiegel nur noch weiter in die Höhe schießen ließ. Unberührt setzte er seine Bemühungen fort, seiner süßen Freundin nun ein aufregendes Rachevergnügen zu bereiten. Warme weiche Lippen trafen so auf die nackte samtig weiche Haut von Gretchens verführerischem Nacken. Seine Zungenspitze tänzelte in kreisenden Bewegungen darüber, stupste sie an, leckte sie. Die blonde Assistenzärztin schloss ihre Augen und gab sich ganz ihren Empfindungen hin, die Marc mit spielerischer Leichtigkeit bei ihr auslöste. Feuerpfeile schossen ihr direkt ins Herz und setzten sie völlig unter Strom. Auch ihr Partner spürte die Wärme, die von ihr und ihrem aufreizenden Körper ausging. Er lockerte seinen Griff um ihre zarten Handgelenke, als er ganz sicher sein konnte, nicht doch noch eine gepfeffert zu bekommen. Aber das genaue Gegenteil war der Fall. Im Nu spürte er Gretchens Arme um seinen Hals geschlungen und ihre erdbeersüßen Lippen wieder auf den seinen, die sie sanft, aber doch auch fordernd liebkosten. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl nahm nun von ihm Besitz. Er konnte gar nicht genug davon kriegen und legte nun alles in diesen elektrisierenden Kuss.

Irgendwann löste er sich wieder und schaute Gretchen an. Verliebt. Augenzwinkernd. Vergewissernd. Sie lächelte zuckersüß wie ein Engel zurück. Und er konnte gar nicht anders, als sie wieder und wieder zu küssen. Dieses Mal aber weit weniger wild. Sondern ganz gefühlvoll und sinnlich. Wie ein frühlingshafter Windhauch, der alles Leben nach einem langen eiskalten Winter wieder erweckte. Sie ließen sich alle Zeit der Welt und genossen das sanfte Spiel. Fortdauernd behielten sie Augenkontakt und streichelten sich zärtlich. Langsam knöpfte Marc Gretchens blasslilafarbene Strickjacke auf. Sie richtete sich auf, um ihm dabei zu helfen. Er streifte sie ihr vorsichtig ab. Ihr ebenso lila gehaltenes T-Shirt flog gleich im hohen Bogen mit hinterher. Gretchen kicherte. Marc kitzelte sie und lachte mit ihr mit. Sie waren völlig entspannt. Und glücklich.

Dann war Gretchen an der Reihe. Sie war im Gegensatz zu ihrem Freund ziemlich ungeduldig. In Windeseile befreite sie Marc von seinem grauen Kaschmirpullover, der sich so gut unter ihren Fingerspitzen anfühlte, und warf diesen achtlos auf den flauschigen Bettvorleger, auf dem sich bereits ihre eigenen Anziehsachen und ein Kaiserkostüm befanden. Anschließend legten sie sich wieder zurück aufs Bett. Küssend wanderte Marc nun über Gretchens aufregendes Dekolletee, das in seiner puren Schönheit nun vor ihm lag und sich ihm bebend entgegenstreckte. Seine Freundin war aufgeregt und spürte die Lust, die er damit immer mehr bei ihr auslöste. Sie presste sich an ihn. Unmissverständlich. Auffordernd. Seine Arme wanderten um ihre Taille, zogen sie ganz nah an sich heran. Sanfte Hände streichelten ruhelos über ihren Rücken. Schnell war der Verschluss ihres roséfarbenen Spitzen-BHs gefunden, den Marc mit einem geschickten schon tausendmal vollführten Kniff öffnete.

Ganz langsam schob er erst den einen, dann den anderen Träger von ihrer entzückenden Schulter und küsste die Hautstelle, die damit frei gelegt worden war. Gretchen lächelte. Verzehrende Blicke wurden ausgetauscht. Marc streifte ihr das sündige Kleidungsstück nun ganz von ihrem alabasterfarbenen atemberaubenden Körper, betrachtete sie atemlos und sehr ausgiebig, weswegen sie verlegen ihren Blick senkte und leicht errötete. Eine unheimlich charmante Reaktion, dachte Marc bewegt und presste seine Freundin gleichzeitig fest an sich, um ihr zu beweisen, wie schön sie war und wie sehr er sie doch begehrte. Er spürte ihre weichen Brüste auf seiner nackten Haut und drohte fast zu verbrennen. Ein berauschender Schmerz, der nicht mehr aufhören sollte. Verlangend fuhren seine heißen Lippen wieder ihren verführerischen Hals empor, während seine Hände nun aktiver wurden. Eine Hand umfasste ihre rechte Brust, liebkoste diese sanft. Die andere zog ruhelos ihre Bahnen über ihren entzückenden Rücken, ebenso wie Gretchen es auch gerade bei ihm mit ihren Händen veranstaltete. Jeden einzelnen Wirbel strichen ihre zarten Finger entlang und hinterließen eine Brand- und Gedächtnisspur auf seiner gebräunten Haut. Es war berauschend. Sinnlich. Heiß. Animierend.

Gretchen setzte sich nun auf Marcs Schoss, warf ihren Kopf leicht in den Nacken und ließ sich ganz auf seine aufregend zärtlichen Berührungen ein. Ihr ganzer Körper prickelte, sehnte sich nach mehr. Sie wollte ihn so sehr. Jetzt und hier. Und das wollte sie ihm auch deutlich zeigen. Auf ihre Weise. Gretchen drückte Marcs Oberkörper mit sanfter Gewalt zurück aufs Bett und lächelte ihren Schatz, der sie nun erwartungsfroh angrinste, verheißungsvoll an. Dann senkte sie ihre Lippen auf seine nackte Brust. Brennende Spuren hinterließ sie auf seiner empfindsamen Haut. Er liebte es, wenn sein sonst so prüder Haasenzahn die Führung übernahm und ganz aus sich herauskam. Laut stöhnte er seine Empfindungen hinaus, als sie in eine seiner Brustwarzen biss und diese anschließend massierend mit ihre Zunge umkreiste. Doch plötzlich ließ Gretchen abrupt von ihrem gefährlichen Tun ab und richtete sich auf und schaute vergewissernd zur Treppe hinüber. Oh Gott, wenn Lilly das gehört hatte, dachte sie voller Panik und wurde, wie es nun mal ihre Art war, knallrot im Gesicht. Marc, der nicht verstand, wieso sie so abrupt aufgehört hatte, wo es doch gerade so schön gewesen war, folgte irritiert ihrem Blick, bemerkte ihre für diese Situation doch recht ungewöhnliche Gesichtsfärbung und die verschränkten Arme vor ihren nackten Brüsten, lächelte verzückt und richtete sich nun ebenfalls auf. Sanft nahm er Gretchens Gesicht in beide Hände und schaute die Angsthäsin sanftmütig an...

Marc: Hey! Entspann dich, Schatz! Sie schläft. Tief und fest.
Gretchen (ziert sich u. sieht aufgewühlt in seinen wunderschönen leuchtenden Augen hin und her): Bist du sicher? Neulich ist sie schon einmal mitten in der Nacht hier aufgetaucht.
Das wird sie sich nicht noch mal erlauben.
Marc: Sie hat’s mir versprochen.
Gretchen (irritiert): Wie bitte?
Marc (kann sich sein Grinsen nicht verkneifen): Unter Androhung schlimmster Strafen habe ich ihr verboten, ihr Zimmer zu verlassen.
Das glaub ich jetzt nicht. Wenn Mehdi das mitbekommt. Er überlässt uns dann Lilly nie wieder.
Gretchen (alles andere als begeistert): Ach Marc! Das kannst du doch nicht machen.
Marc (völlig unbeeindruckt u. überzeugt von dem, was er tut): Was denn? Das sind meine äh... Dings... Erziehungssanktionen äh... -methoden.
Dahingehend musst du noch viel lernen, Marcilein.
Gretchen: Marc, wenn du einem Kind etwas verbietest, dann macht es es doch erst recht.
Marc (grinst): Das mag für deine Schokosucht gelten.
Gretchen (klapst ihm empört auf die nackte Brust): Eh! Gar nicht!
Marc (lacht): Und falls sie doch vorbeigucken kommen sollte, so wie das letzte Mal, dann hab ich wenigstens einen guten Deal gemacht.
Gretchen (sieht ihn mit immer größer werdenden Augen an): Was soll das denn heißen?
Marc (lässig): Naja, ich hab mit ihr ausgehandelt, dass sie dann nie mehr herkommen darf.

Gretchen schüttelte fassungslos den Kopf. Dieser Mann war doch einfach unglaublich und wusste auf alles eine Antwort, wobei diese hier vollkommen unakzeptabel war. Marc grinste seine sprachlose Freundin spitzbübisch an und stupste mit seiner Nase an ihre. Sie kicherte und schmiegte sich wieder in seine muskulösen Arme.

Gretchen: Du bist unmöglich, Marc.
Ich weiß.
Marc: Es sagt einem ja auch keiner, was man tun soll, wenn man die Kinder ruhig halten will, weil der Papa die Mama mal ganz doll lieb haben will.
Ist er süß oder ist er süß?
Gretchen (fängt an, über beide Backen breit zu grinsen u. ist einfach nur entzückt von diesem kindischen Mann): Der Papa und die Mama also?
Marc: Na es wäre doch echt ungerecht, wenn die keinen Sex mehr haben dürfen, nur weil kleine Hosenscheißer im Haus sind.
Das ist dann wohl die Meier-Logik?
Gretchen (lacht): Aha! Vielleicht solltest du Mehdi mal um Rat fragen?
Marc (verzieht gespielt empört u. in seiner Ehre gekränkt sein Gesicht): Der gehört nicht in unser Bett!

Jetzt war es endgültig vorbei mit der Geduld von Dr. Gretchen Haase. Sie konnte nicht mehr. Sie begann, verdächtig zu zucken und bekam einen richtigen Lachflash und konnte sich gar nicht mehr beruhigen. Sehr zum Ärgernis von Dr. Marc Meier, der grimmig eine Schnute zog und nicht verstand, was jetzt so lustig daran gewesen war. Aber Deutschlands jüngster und begabtester Chirurg war so unbeholfen witzig gewesen und meinte vermutlich alles ernst, was er gesagt hatte, dass Gretchen nicht anders konnte als sich auszuschütten vor Lachen.

Jetzt war es Marc, der besorgt zur Treppe schaute. Gretchens Gegacker wurde schließlich immer lauter und er unbeherrschter. Niemand durfte über ihn lachen. Nicht so. Nicht Haasenzahn. Und nicht in ihrem gemeinsamen Bett. Was für eine Unverfrorenheit! In seiner Hilflosigkeit hielt Marc seiner lachenden Freundin den Mund zu. Ohne Erfolg. Sie gackerte weiter, biss ihm dabei aus Versehen auch in den Finger, so dass er diesen schnell zurückzog. Auch ein böser Ameisenblick half nichts. Seit wann war der eigentlich wertlos geworden? Gretchen lag nun ausgestreckt im Bett, biss in ihr Kopfkissen und lachte und lachte und lachte.

Verzweifelt versuchte der verhinderte Verführer sein Mädchen zu beruhigen. Er hatte schließlich die Nase gestrichen voll und drückte sie mit dem Rücken zurück in die Kissen. Er legte sich auf die Zappelphilippine und wollte sie stumm küssen. Doch Gretchen brach immer wieder ab und drehte den Kopf zur Seite, weil sie so sehr lachen musste. Ihr Zwerchfell tat schon weh und sie rang heftig nach Luft. Allmählich wurde Marc so richtig sauer. Er richtete sich wieder auf und robbte von ihr herunter. Das konnte doch jetzt nicht wahr sein, dass sie ihm so die Stimmung verdarb. Beleidigt schaute er sie jetzt von der Seite an...

Marc: Eh! Wirst du wohl ruhig sein, du Gackerhase! Du willst sie wohl doch aus ihrem Zimmer locken, hä? Was für eine fiese Tour. Echt.
Oh, oh, jetzt ist er beleidigt. Aber... ich ... kann ... nicht... aufhören. Aua! Es tut schon alles weh. Hiiilfe!
Gretchen: Wiiill...iiich...niiiicht.

...brachte Gretchen mit Mühe hervor. Mittlerweile tat ihr das Zwerchfell wirklich furchtbar weh und sie rieb immer wieder über die schmerzende Stelle, bis sie sich endlich langsam wieder beruhigt hatte. Ihr war warm geworden und sie fächerte sich mit ihren Händen immer wieder Luft zu. Dann wischte sie sich mit dem Bettzipfel die Lachtränen aus den Augen und schaute schließlich vergewissernd zur Seite. Marc lag mit verschränkten Armen beleidigt neben ihr. Den Kopf abgewendet. Gretchen musste schmunzeln. Marc war so süß, wenn er schmollte. Wie ein kleiner Junge, dem man die Carrera-Bahn verboten hatte. Sie versuchte nun, seine muskulösen Arme auseinander zu bekommen, um sich hineinkuscheln zu können. Ohne Erfolg! Es mussten also härtere Geschütze her, wenn er ihr diesen schrecklichen Fauxpas verzeihen sollte. Eine leichte Herausforderung für die im Umgang mit störrischen Machos geübte Assistenzärztin.

Sie richtete sich also auf und beugte sich vorsichtig über ihren eingeschnappten Oberarzt. Ihre langen Haare kitzelten Marc im Gesicht. Er pustete sie weg und drehte seinen Kopf abweisend zur Seite. Aber ihre wuchtigen langen Locken fielen ihm immer wieder ins Gesicht, was ihn nervte und gleichzeitig ungemein reizte. Er liebte ihre Haare so sehr. Besonders wenn sie seine nackte Haut streiften wie gerade eben. Doch anstatt hineinzugreifen und sie durchzuwuscheln, kräuselte er nur seine Nase, wich ihr aus und beobachtete Gretchen argwöhnisch aus dem Augenwinkel heraus. So leicht wollte er es ihr nämlich nicht machen. Er wollte sie abblitzen lassen. Alles andere hatte sie nicht verdient. Nach diesem gotteslästernden No-Go gerade eben.

Allerdings war der Geist zwar willig, doch das Fleisch war schwach. Sehr, sehr schwach sogar. Marc ließ sich nämlich recht schnell von Gretchens wunderschönen von ihren goldenen Haaren umrahmten prallen Brüsten ablenken, die vor seinem Gesicht zu schweben schienen und ihm fast die Sinne raubten. Er schluckte schwer. Zumal seine Freundin auch noch in diesem Moment damit begann, ihn überall zu küssen. Dieses hinterlistige Biest! Erst küsste sie ganz sanft seine in Zornesfalten gelegte Stirn, dann seine ausgeprägten Wangenknochen, seine Narbe auf der Nase, sein linkes Auge, anschließend das rechte, sein stoppeliges Kinn. Ganz kurz streifte sie auch über seinen Mund. Frohlockend. Sinnlich. Süß. Er rang mit sich und presste seine Lippen mit aller Gewalt aufeinander, auch wenn er sich seine Freundin am liebsten sofort geschnappt hätte, um ihr zu zeigen, was er von diesem unverschämten Versöhnungsangebot hielt. Aber so leicht würde Haasenzahn ihn nicht rumkriegen. Nicht ihn! Nicht Marc Meier! Er war schließlich derjenige, der hier verführte. Jawohl!

Gretchen kräuselte die Stirn angesichts dieser Sturheit, die ihr gerade entgegengesetzt wurde. Sie grinste, ließ sich nicht beirren und machte unberührt weiter mit ihrem verlockendem Verführungsversuch. Sie spürte nämlich ganz genau, dass sie ihn schon fast hatte. Lange würde ihr Schmollhase nicht mehr aushalten. Erst knabberte sie verheißungsvoll an seiner Unterlippe, zog daran, leckte darüber. Als er immer noch nicht auf ihr heißes Angebot reagierte, wanderte sie weiter. Sie wusste schließlich ganz genau, wie sie ihn quälen konnte, um den Tiger in ihm zu wecken. Gefühlvoll bearbeitete sie nun sein linkes Ohr. Zärtlich hauchte sie hinein, dass es ihn von der Haarspitze bis zum kleinen Zeh schauderte, strich mit ihrer Zungenspitze spielerisch über seine Ohrmuschel und zog anschließend mit den Zähnen sein Ohrläppchen lang, was Marc ungemein erregte. Sein Puls erreichte schon nicht mehr messbare Bereiche. Fast hätte er Gretchen gepackt und umgedreht, um ihr eindrucksvoll zu zeigen, was er so alles mit ihr anstellen könnte, wenn sie jetzt nicht diese Worte in sein Ohr gesäuselt hätte...

Gretchen: Marcilein, oh Marcilein!

Ein Fauxpas der allerschlimmsten Sorte, fluchte Marc innerlich und nahm all seine letzten Reserven zusammen, um nicht darauf zu reagieren. Er schloss seine Augen und versteifte sich zu einem Brett, um sie auflaufen zu lassen. Doch Gretchen hatte mit nichts anderem gerechnet als mit genau dieser Reaktion. Sein hochroter qualmender Kopf war Ausdruck genug. Vergnügt grinsend säuselte sie weiter mit möglichst verruchter Stimme in sein Ohr, während ihre Hand gemeinerweise auf Wanderschaft ging und verführerisch über seinen angespannten Bauch streichelte, um ihm zusätzlich auf diese Weise noch zu zeigen, was sie von ihm wollte.

Gretchen: Oh Marcilein, willst du nicht mit mir spielen?

Und ob er das wollte. Und wie! Ihm fielen so einige aufregende und überhaupt nicht jugendfreie Spielchen ein, die er jetzt mit ihr veranstalten könnte. Er war schließlich der beste Spieler auf diesem Gebiet. Nur Strafe musste eben sein. Niemand verhöhnte ihn auf so unverschämte Weise. Haasenzahn musste schon winseln und ihn anflehen, eher würde er sich nicht vom Fleck rühren. Gretchen blickte ihren sturen Freund derweil ungläubig an. Das konnte doch nicht wahr sein, dass er das jetzt wirklich um jeden Preis durchzog. Wer hatte sie denn gerade eben noch wie der letzte Neandertaler mit eindeutiger Absicht hierher geschleift? Aber ja nichts anmerken lassen! Und auf keinem Fall nachgeben, Gretchen Haase!

Also machte sie weiter wie bisher. Jetzt war sein anderes Ohr an der Reihe, das nun genau dieselbe zärtliche Behandlung erfuhr wie das linke gerade eben, während ihre rechte Hand gezielt weiter südlich auf Streife ging, ihn erst in Sicherheit wog und dann plötzlich am Gürtel seiner Hose packte und ihn hochzuziehen versuchte. Ein sehr eindrucksvoller Versuch auch für Marc Meier, dem sämtliche Blutvorräte in die Leistengegend schossen, als sie auch noch mit erotischer Säuselstimme in sein Ohr flüsterte....

Gretchen: Büüütte, Marcilein! Haasenzahn war so ein böses Mädchen.

Oh ja, das war sie, dachte Marc erregt und versuchte sein hochkommendes Stöhnen zu unterdrücken, als sie die Gürtelschlaufe tatsächlich lockerte und sich anschließend an seinen Hosenknöpfen zu schaffen machte. Er konnte nicht mehr länger warten. Mit einem Mal schreckte er hoch, packte die sinnliche Verführerin an den Schultern und drückte sie mit dem Rücken in die Laken. Siegessicher grinste Gretchen ihren Machomann an, während dieser sie erst mit glühenden Augen fixierte und sich anschließend ganz auf sie stürzte.

Marc: Jetzt zeige ich dir mal, was der Dr. Meier mit bösen unartigen Mädchen so macht.

Und bevor Gretchen aufgekratzt loskichern konnte, hatte er ihr freches Mundwerk auch schon mit seinen feurigen Lippen versiegelt. Die letzten Kleidungsstücke flogen im hohen Bogen durchs Schlafzimmer, die Bettdecke wurde über ihre beiden Köpfe gezogen und eine aufregende Nacht begann. Eine Nacht, die beide niemals wieder vergessen würden.

Lorelei Offline

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27.03.2012 23:38
#1255 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Huhu! Auch wenn ihr euch sehr danach sehnt, wisst ihr, manche Dinge behalte ich dann doch auch mal gerne für mich... äh... behalten die beiden für sich, wollte ich sagen. Manchmal ist es doch viel schöner, nicht so viel zu wissen und einfach die Illusion spielen zu lassen. In diesem Sinne bedanke ich mich für eure motivierenden und animierenden Kommentare und wünsche allen Lesern, auch den wortstillen, viel Vergnügen mit dem nächsten Teil. Vielleicht erklärt der ja und die folgenden, zumindest teilweise, was es mit dem letzten Satz auf sich hatte. Liebe Knuddelgrüße, eure Lorelei



Später in der Nacht lagen sich Marc und Gretchen glücklich in den Armen. Es war ganz still in der großen gemütlichen Eigentumswohnung direkt unter dem Dach. Vereinzelte Sterne funkelten am glasklaren Himmel über der Hauptstadt, glitzerten wie magisch durch die riesigen Panoramafenster, die nur halb von den großen hellgelben Übergardinen verhangen waren, und schufen eine ganz besondere warme heimelige Atmosphäre in dem abgedunkelten Meier-Haasschen Schlafzimmer. Ihre Gesichter waren einander zugewandt. Sie berührten sich fast mit ihren Nasenspitzen. Das glückliche Liebespaar strahlte sich an und festigte ihre Umarmung noch ein bisschen mehr. Sie wollten sich nicht mehr loslassen. Sie wollten sich spüren und dem beruhigenden Herzschlag des anderen lauschen. Die gegenseitige Wärme schuf ein ganz wohliges Gefühl des Geborgenseins und der Vertrautheit. Eng aneinander in die warme weiche Bettdecke gekuschelt hingen beide nun ihren Gedanken nach. Sie konnten beide noch nicht einschlafen. Zu aufwühlend waren die vergangenen Stunden gewesen. Zu durcheinander der Kopf.

Während Gretchen völlig fasziniert Marcs Hand bestaunte, zärtlich die dünnen Linien nachzeichnete und mit dem Halbwissen, das sie sich von Schwester Sabine angeeignet hatte, etwas Spannendes herauszulesen versuchte, schien Marc mit seinen Gedanken schon ganz weit weg zu sein. Doch er träumte nicht. Seine Augen waren hellwach. Sein klarer Verstand ebenso. Seine Stirn legte sich immer wieder in tiefe Falten und Gretchen merkte, dass er über irgendetwas angestrengt nachgrübelte. Sofort war ihre Neugier geweckt. Sie löste sich also von Marcs magischen Chirurgenhänden, stemmt ihren linken Ellenbogen ins Kopfkissen und stützte ihren Kopf mit ihrer Hand ab. Dann musterte sie ihren grüblerischen Traummann ganz genau und versuchte anhand seiner Mimik zu deuten, was er wohl gerade dachte. Eine gar nicht so leichte Aufgabe für die ewige Träumerin.

Marc war noch so sehr in seiner eigenen kleinen Welt vertieft, die seit dem intensiven Gespräch mit der kleinen Lilly Kaan immer deutlichere Züge annahm, was ihn selbst ziemlich überraschte, und bemerkte daher noch nicht gleich, dass er intensiv von einer süßen Spürnase observiert wurde. Irgendwann registrierte er die seltsamen Blicke dann aber doch, die auf ihn gerichtete lagen und tiefe Löcher in ihn bohrten. Seine rechte Augenbraue zog sich merklich nach oben. Seine Augen wanderten misstrauisch hin und her. Dann zog er tief Luft in seine Nasenflügel ein, die deutlich flatterten, und sprach Miss Haasenzahn Marple schließlich in seinem gewohnt patzigen Ton darauf an...

Marc: Haasenzahn, hör auf mich anzustarren! Ich bin kein Tier im Zoo.
Gretchen: Tue ich gar nicht.

...flunkerte die ertappte Frau wenig einfallsreich, ließ ihren Kopf aufs Kissen fallen und schloss flink ihre Augen, um sich schlafend zu stellen. Marc schmunzelte. Seine Süße war so eine schlechte Schauspielerin. Das war sie schon in ihrer gemeinsamen Schulzeit gewesen, als Romeo - Marc hatte, „großzügig“ wie er nun mal war, die Hauptrolle in der Theater-AG an die Zweitbesetzung abgetreten, um im Physiksaal ausgiebig mit Susanne Leibholz knutschen zu können - panikartig vor Julia von der Bühne geflüchtet war, die ihren inneren Monolog über die Liebe und das ganze Gedöns endlos in die Länge gezogen hatte. - Angeblich in einem Anflug von schauspielerischer Freiheit, hatte Gretchen in Nachhinein ihrer verdutzten Deutschlehrerin erklärt. In Wirklichkeit wohl, weil sie immer noch geglaubt hatte, sie würde gerade Romeo Meier auf der Bühne ihre Liebe gestehen. Sie hatte ihre Brille nicht aufgehabt und „blind“ gespielt. Dabei war schon längst Karsten Neumann in die Romeo-Rolle geschlüpft, der das verdächtige Knacken des Bühnenbalkons als Erster vernommen hatte. - Und das war wieder einer dieser eindrucksvollen Schauspielversuche von Julia Haase. Süß, aber chancenlos. Marc kannte seinen Haasenzahn schließlich in und auswendig. Als Gretchen blinzelte, um zu kontrollieren, ob er sie noch immer beobachtete, konnte Marc nicht widerstehen und kniff ihr sanft in die Seite.

Marc: Tust du wohl!

Das verräterische Grinsen, das sich nun auf Gretchens Lippen schlich, verriet sie letztendlich. Die Grinsekatze, die nichts darauf erwiderte, robbte näher an ihren Kater heran und kuschelte sich wieder in seine starken Arme und schaute ihn vergnügt von unten herauf an. Marc erwiderte ihr zauberhaftes Lächeln und gab ihr einen zärtlichen Kuss auf den Mund, bevor er es vorzog, sie noch ein bisschen weiter aufzuziehen.

Marc: Haasenzahn, ich weiß zwar, dass du neben so einem hammergeilen Traumtypen wie mir schlecht schlafen kannst, was ja an sich, auch völlig verständlich ist, vor allem nachdem was wir gerade angestellt haben.

Marc pausierte einen Moment, zwinkerte ihr zu und genoss nun genüsslich, wie sich Gretchens Wangen in ein verräterisches tiefes Dunkelrot verfärbten. Er liebte es einfach, wenn er sein Mädchen so leicht ärgern konnte und dabei gleichzeitig noch erfuhr, wie sehr ihr die getanen Schandtaten wohl gefallen haben mochten. Die schöne Rothaut sagte nichts darauf, sondern schaltete lieber auf stur. Dass er sie auch immer so schnell aus dem Konzept bringen konnte. Gretchen ärgerte sich richtig darüber und versuchte ihr außer Kontrolle geratenes Herz wieder zu beruhigen. Marc übernahm nun schmunzelnd wieder das Reden. Schließlich wollte er doch wissen, was in ihrem süßen Köpfchen schon wieder für ein Film abgelaufen war. Ein Film mit ihm in der Hauptrolle vielleicht?

Marc (grinst): Aber das ist es nicht oder?

Gretchen schüttelte verlegen den Kopf und klemmte sich eine verirrte Strähne hinter ihr Ohr. Marc sah seine Freundin fragend an. Sie antwortete nur ganz zögerlich, ohne ihn dabei aus den Augen zu lassen.

Gretchen: Du... hast so... nachdenklich gewirkt... gerade eben.
Marc (verwundert starrt er sie an): Ich?
Gretchen: Ich sehe niemand anders hier.
Marc (grinst u. gibt ihr einen kleinen Schmatzer auf den Mund): Und das ist auch gut so.
Gretchen (schmunzelt ebenfalls, bevor sie weiter nachhakt): Idiot! An was hast du gerade gedacht?
Marc (sieht in ihren Augen hin und her u. zögert merklich): An... nichts.

Wieso glaube ich ihm das nicht?

Das ist doch völlig verrückt, worüber du nachdenkst, Meier. Werd wieder normal!


Gretchen studierte Marcs Gesicht ganz genau und bemerkte in seinen Augen einen leichten Anflug von Unsicherheit aufflackern, der aber so schnell wieder verflog, wie er gekommen war, und dem typischen verschmitzten Leuchten wich. Die Spürnase konnte gar nicht anders, als weiter nachzuhaken.

Gretchen: Bedrückt dich etwas? Du kannst mit mir über alles reden. Das weißt du hoffentlich?
Marc (streichelt ihr liebevoll über die Wange): Ich weiß. Es ist ... alles ok.
Gretchen (es lässt ihr keine Ruhe): Wirklich?
Oh Mann, sie kann es nicht lassen. Wundert dich das wirklich?
Marc (gespielt verärgert): Was wird das hier? Ein Verhör?
Gretchen (nutzt die Chance u. nimmt ihn auf den Arm): Darin bist du ja mittlerweile gewöhnt.
Boah dieses kleine Biest!
Marc (seine Augen blitzen auf): Eh! Hatten wir uns nicht darauf geeinigt, dieses Thema ganz weit unten in der Schublade zu vergraben und dort zu vergessen.
Das hättest du wohl gerne, Herr Panzerknacker. Jetzt wo ich endlich mal etwas gegen dich in der Hand habe. Hihi!
Gretchen (grinst ihn frech an u. genießt es sichtlich obenauf zu sein): Nö! Du und unsere Väter im Knast, das werde ich nie, niemals vergessen. Das werde ich noch unseren Enkeln erzählen.
Nicht, wenn ich es verhindern kann.
Marc (stürzt sich plötzlich auf sie u. drückt sie gespielt bedrohlich in die Kissen): Boah! Pass bloß auf, dass du nicht wegen seelischer Grausamkeiten auch noch in den Knast kommst.
Gretchen (lacht u. versucht anschließend das Gespräch wieder in die richtige Richtung zu lenken): Das ist es aber nicht, was dich beschäftigt? Oder?
Mist!
Marc (seine Miene wird ernster u. er gibt es ehrlich zu): Nein.

Marc rutschte wieder neben seine Freundin. Gretchen richtete sich etwas auf, zog die Bettdecke mit sich und lehnte sich mit dem Rücken ans Kopfende des Bettes und schaute ihren nachdenklichen Freund eindringlich von der Seite an. Sie hatte einen Verdacht.

Gretchen: Es ist wegen Lilly, nicht?
Marc (zieht misstrauisch die Augenbrauen nach oben): Hast du etwa gelauscht?
Gretchen (senkt für einen Moment ertappt den Blick, dann schaut sie ihn wieder vorsichtig an): Nein!
Sie hat gelauscht!
Marc (schmunzelt): Glaub ich dir aufs Wort.
Er hat es gemerkt!
Gretchen (schmiegt sich an ihn u. krault verträumt seine nackte Brust): Du warst toll mit ihr.
Marc (wiegelt peinlich berührt ab u. schnappt sich ihre Hand, deren Finger er mit seinen verschränkt): Ach!?
Gretchen (sieht ihm verliebt in die Augen): Doch! Ich bin stolz auf dich, Marc.
Marc (ihm wird das langsam unangenehm): Ach komm, wegen dem Pillepalle? Ein blödes Märchen vorflunkern, das kann doch wohl jeder.
Gretchen (ernst): Das meine ich nicht. Du hast ihr zugehört. Das ist gut. Gerade jetzt, wo so viel Neues um sie herum passiert. Das ist alles nicht so einfach für sie.
Marc (versteht, was sie damit meint, schiebt es aber von sich, um seine Machoehre zu wahren): Och, ich hab schon wieder alles vergessen, was sie vor sich hin gebrabbelt hat.
Ach Marc! Immer muss er den Coolen spielen. Dabei weiß ich doch ganz genau, was in dir vorgeht. Du hast sie gern. Und sie dich.
Gretchen (grinst ihn wissend an): Auch dass sie dich für einen ebenso superdupertollen Papa hält wie Mehdi?
Marc (sieht sie gespielt böse an): Du hast doch spioniert!
Gretchen (beißt sich ertappt auf ihre Lippen): Nur... ein bisschen.
Natürlich! Wahrscheinlich hat sie schon die ganze Zeit schmachtend in der Tür gestanden. Oh Gott, was hab ich da nur alles für einen Schwachsinn von mir gegeben. Abstreiten, Meier! Alles abstreiten! Du warst nicht zurechnungsfähig. Bist du immer noch!
Marc (mustert seine Freundin argwöhnisch u. ist ihr überhaupt nicht böse, was sie auch spürt): Und was heißt das jetzt? Hab ich den Eltern-Tüv bestanden oder wie?
Gretchen (hält einen Moment inne u. sieht ihm tief bewegt in die Augen): Das hast du... schon längst.

Ich weiß doch schon längst, dass du einen wundervollen Vater abgeben würdest. Einfühlsam, verständnisvoll, geduldig. Du hast so viel Liebe zu geben. Lass es nur zu!

Ich hab doch gewusst, dass sie schon wieder am Träumen ist. Mann eh! Und jetzt?


Marc lächelte. Er wusste auch nicht, warum ihn diese wenigen eigentlich im Spaß gesagten Sätze so unheimlich zufrieden stimmten. Es ließ sich nicht leugnen. Es war einfach so. Und wieder schweiften die Gedanken des charmanten Oberarztes an diesem Abend davon. Er hatte immer noch Lillys kindlich dahergesagte Worte im Ohr. Keine Ahnung, wieso ihn das so sehr beschäftigte, dass er sie nicht vergessen konnte. Doch er spürte das Kribbeln wieder im Bauch, das er in genau diesem Moment gespürt hatte. Herzrhythmusstörungen inklusive. Das war doch völlig absurd. Wieso musste er auf einmal ständig darüber nachgrübeln? Es gab doch überhaupt keinen Grund dafür. Und der Zeitpunkt dafür war doch wirklich völlig unpassend. Wieso ausgerechnet hier und jetzt? Seit seinem überschwänglichen und äußerst übertriebenen Liebesversprechen im Glashaus letztes Jahr hatten sie nicht mehr darüber gesprochen. Sie hatten doch ein stillschweigendes Abkommen geschlossen. Sie waren doch beide damit glücklich gewesen. Und auf einmal kam da dieses kleine verstörte Mädchen mit ihrer ansteckenden Fröhlichkeit daher und weckte Sehnsüchte in ihm, die er nicht für möglich gehalten hatte, dass sie überhaupt existierten. Marc Meier war vollkommen durcheinander. Seine Gedanken und Gefühle fuhren gerade Achterbahn mit ihm. Bei jedem Looping stockte ihm der Atem. Dabei liebte er doch die Geschwindigkeit und den Rausch von Achterbahnfahrten. Es war vollkommen verrückt. Er war verrückt!

Doch der aufmerksame Chirurg hatte Gretchens auffallendes Funkeln ganz deutlich in ihren Augen bemerkt, als sie ihm spaßeshalber die Kinder-Tüv-Plakette überreicht hatte. Er wusste, dass sie einen Teufel tun und das Thema in aller Ernsthaftigkeit wieder ansprechen würde, auch wenn der Wunsch insgeheim immer präsent war und auch immer präsent sein würde, egal ob sie das Gegenteil behauptete, weil sie ihn niemals unter Druck setzen würde. Und genau dafür liebte er sie. Sie respektierte ihn, so wie er sie respektierte. Sie gab ihm die Zeit, die er brauchte, um in dieses große Abenteuer „Beziehung“ hineinzuwachsen. Und die Fortschritte, die er bislang gemacht hatte, waren nicht zu leugnen. Oder hätte er sonst diese Eigentumswohnung zusammen mit ihr gekauft? Oder würde er sich sonst zu albernen Kostümpartys mit Leuten, die er nicht leiden konnte, in seinen eigenen vier Wänden überreden lassen? Oder würde er sonst kleine nervige Mädchen tröstend in den Arm nehmen, wo er sie früher nicht mal mit der Greifzange angepackt hätte? Es war schon völlig verrückt, was mit ihm passiert war in der kurzen Zeit, die er nun schon mit seiner Jugendliebe zusammen war. Aber er würde es immer wieder genauso machen. Gut, im Nachhinein würde er jetzt vielleicht nicht mehr unbedingt zwanzig lange Jahre lang mittels Gemeinheiten um den heißen Brei herumreden wollen. Aber ansonsten lief es doch ganz gut. Er war völlig zufrieden mit seinem Leben. Wahrscheinlich sogar zum allerersten Mal. Und der Gedanke an das ganz, ganz große Programm, zu dem er sich in seiner Verliebtheit hatte hinreißen lassen, bereitete ihm keine Angst mehr. Im Gegenteil. Es war komischerweise ein gar nicht mal so unschönes Gefühl, sich spielerisch auszumalen, was wäre, wenn da nicht Lilly in dem rosaroten Gretchen-Zimmer schlafen würde.

Und mit einem Mal wurden Marcs Gesichtszüge ganz ernst und klar. Er drehte sich auf die Seite, stützte seinen Kopf mit seinem rechten Arm auf dem Bett ab und schaute Gretchen, die mit derselben Körperhaltung musternd neben ihm lag, mit demselben Funkeln in den Augen an, wie sie ihn gerade vor wenigen Sekunden. Wieder versuchte sie hartnäckig zu ergründen, was er gerade dachte, wo das Spiel aufhörte und der Ernst begann. Sie spürte instinktiv, dass irgendetwas anders war, dass der Wind sich mit einem Mal gedreht hatte, auch wenn sie nicht verstand, wieso sie das so empfand. Und für einen kurzen Moment kam ihr ein völlig abwegiger Gedanke in den Sinn. Marc wirkte auf einmal so ernst und entschlossen. Diesen Blick kannte sie von ihm eigentlich nur aus dem OP. War es wirklich das, wovon sie seit der fünften Klasse unentwegt geträumt und seitenweise damit ihre Tagebücher voll gekritzelt hatte, was ihm gerade durch den Kopf ging? Nein, das war nur eine Sinnestäuschung. Das konnte nur eine Sinnestäuschung sein. Sie hatten gealbert. Wegen Lilly. Und es war doch mitten in der Nacht. Sie war müde. Wahrscheinlich träumte sie schon halb. Ja, genau, das musste es sein. Doch plötzlich hörte sie Marcs sanfte Stimme leise in ihr Ohr sprechen. Es war nur ein klitzekleines Wort, aber es hallte in ihrem Kopf nach. Immer und immer wieder. Ohne dass sie gleich den wahren Sinn dahinter erkannte oder erkennen wollte.

Marc: Okay!


http://www.youtube.com/watch?v=K_j5__I4H4I

Lorelei Offline

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29.03.2012 17:44
#1256 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Gretchen starrte Marc an, als würde er Suaheli sprechen oder ihr erklären wollen, wie man eine Festplatte richtig formatierte, während er aufgewühlt in ihren Augen hin und her schaute und ungeduldig auf eine Reaktion ihrerseits wartete. Und als die nicht gleich so kam, wie er es von seiner ewigen Träumerin erwartet hätte, bereute er seinen Entschluss schon fast wieder. Was hatte ihn nur dabei geritten? Irgendeine Sicherung, die fürs logische Denken zuständig war, musste bei ihm durchgebrannt sein. Oder er hatte die giftigen Dämpfe des Mottenschutzmittels aus Gretchens Kostümkiste nicht vertragen? Genau, das musste es gewesen sein. Das war ein allergischer Schock gewesen. Er war nicht er selbst gewesen, als er ihr diesen völlig irrwitzigen Vorschlag unterbreitet hatte. Dass seine Freundin aber nicht verstand, weil die wahre Bedeutung hinter diesem einen kleinen Wort für sie einfach nur so unfassbar und in dieser Situation völlig unrealistisch war, kam ihm dabei nicht in den Sinn.

Gretchen: Okay, was?
Das fragt sie doch jetzt nicht ernsthaft?
Marc (sieht sie ungläubig an u. zwinkert ihr unmissverständlich zu, damit sie endlich versteht): Na du weißt schon.
Was hat er denn?
Gretchen (steht völlig auf dem Schlauch): Weiß ich nicht.
Nee oder? Dabei sagt sie doch ständig, sie könnte immer zwischen den Zeilen lesen.
Marc (die Unsicherheit weicht langsam echter Verzweifelung): Boah, ich kann nicht glauben, dass ich das jetzt echt aussprechen muss.

Ich hätte es lassen sollen. Wieso hab ich überhaupt etwas gesagt? Das war vollkommen verrückt und unangebracht. Ich muss unter Drogen stehen? Genau! Die Schokolade, die Lilly aus den Ferien mitgebracht hat, hat doch auch so komisch geschmeckt. Ich brauche ein Gegenmittel. Sofort! Wo ist meine Arzttasche?

Gretchen (versteht einfach nicht): Ja, was denn?

Marc war zum Haare raufen zumute. Nein, er tat es sogar. Ohne dass es ihm die erleichternde Erlösung brachte. Aber er konnte auch nicht mehr zurück. Dafür war es mittlerweile zu spät. Denn er wusste ganz genau, irgendwann, und wenn es erst in ein paar Tagen oder Wochen wäre, würde es bei ihr endlich klick machen und er wäre am Arsch, wenn er in dieser Situation wieder einen Rückzieher gemacht hätte. Und insgeheim wollte er auch nicht mehr zurück. Es fühlte sich auf einmal alles so richtig an. Als hätte er das letzte fehlende Puzzleteil endlich gefunden. Auch wenn er nicht wirklich verstand, wieso das auf einmal so war und wieso er überhaupt puzzelte. Das hatte er schon als Kind extrem langweilig gefunden. Fußballbildchen sortieren war doch viel spannender und entspannender. Genau das könnte er jetzt auch wieder gebrauchen, dachte er plötzlich. Aber es gab nun mal keinen Ausweg mehr aus dieser Zwickmühle, in die er sich selbst bereitwillig hineinmanövriert hatte. Und vielleicht musste man auch nur ein klitzekleines Bisschen nachhelfen? Es war schon spät und Gretchens Auffassungsgabe, die in bestimmten Situationen seit jeher etwas eingeschränkt aufnahmefähig war, vielleicht nicht mehr ganz so aktiv. Er rutschte also näher an seine verdutzte Freundin heran und schaute ihr direkt in ihre wunderschönen hellblauen fragenden Augen...

Marc: Ich hab nachgedacht.
Gretchen (sieht unsicher in seinen Augen hin und her u. versteht immer noch nicht): Aha!
Marc (ringt nervös nach den richtigen Worten, ohne es direkt aussprechen zu müssen, denn dazu fehlt ihm noch der Mut u. ein bisschen Coolness sollte schon bewahrt bleiben): Das ähm... Leben lässt sich nicht planen. Das hat man ja... bei uns... in der Vergangenheit... und jetzt auch bei der Kröte mitbekommen. Ähm... ja, und bei meinen Eltern, da liegt ja noch viel mehr... im Argen. Ach... egal. Also lassen wir das sein und gehen einfach geradeaus und schauen, was kommt.

Gretchen, die ihrem Liebsten aufmerksam versucht hatte zu folgen, schaute diesen nun an, als hätte sie ein Postauto gestreift. Wieso redete er denn heute so philosophisch? Marc Meier war doch sonst immer für klare und unmissverständliche Worte bekannt. Seltsam. Sehr, sehr seltsam.

Gretchen: Hä? Marc, du sprichst in Rätseln. Vielleicht sollten wir endlich schlafen? Schau mal, es ist schon so spät. Und morgen...

Ich kann nicht bis morgen warten.

Marc hielt seiner Freundin den Zeigefinger an ihre süßen Lippen, damit sie innehielt, was sie auch irritiert tat, und blickte sie nun entschlossener denn je an. Er musste das jetzt klären, bevor er noch den Mut und das Thema an Bedeutung verlor.

Marc: Nee, ich... will... das... jetzt... loswerden.
Gretchen (verunsichert): Okay? Bitte! Dann tue das!

Auch wenn ich keinen Schimmer habe, was mit ihm heute los ist. Also so langsam mache ich mir echt Sorgen.

Als Marc endlich Gretchens ganze uneingeschränkte Aufmerksamkeit errungen hatte, wurde ihm dann doch etwas mulmig zumute. Er zögerte. Tat er wirklich das Richtige? War das nicht doch eher eine spontane Kurzschlussreaktion? Aus welchen Gründen auch immer. War es wirklich das, was er wollte? Jetzt? Hier? Ohne doppelt gesichertes Netz und Boden? Er wusste es nicht mehr. Sein Kopf war mit einem Mal vollkommen leer. Als hätte man ihn ausgesaugt und durch einen Klon ersetzt. Das ließe zumindest seine seltsamen Reaktionen hier vermuten, die gänzlich konträr zu seinen eigentlichen Standpunkten waren. Das war doch vollkommen irre, was er hier vorzuschlagen versuchte. Angstschweiß legte sich auf seine Stirn und seine Augen huschten unruhig hin und her. Langsam machte sich Gretchen wirklich Sorgen um seinen seltsamen Zustand. Sie legte besorgt ihre Hand an seine Wange und streichelte diese sanft. Marc wurde merklich ruhiger.

Nach einem Moment des Zögerns begann er schließlich doch langsam zu sprechen. Auch wenn die innere Panik noch immer überwog, so würde doch der Zustand des Nichtwissens ihn sonst noch verrückt machen. Obwohl verrückt war er ja tatsächlich schon. Verrückt nach ihr! Nach dem, was sie hatten und noch haben würden. Selbst wenn Gretchen jetzt „nein“ sagen würde, wäre das ok für ihn. Hauptsache er hatte den Gefühlstornado, der gerade in ihm wütete, raus gelassen, bevor er noch vollkommen abhob und in die Luft geschleudert wurde, weil er vollkommen überzogen reagierte. Sie könnten den Plan dann immer noch nach hinten schieben oder ganz lassen, wobei diese Option dann doch eher unwahrscheinlich war, so wie er seinen Haasenzahn kannte. Er wollte es doch nur loswerden und dann abhaken und endlich seinen beruhigenden Schlaf finden. Er war so müde.

Marc: Also ähm... das kommt jetzt vielleicht... überraschend... für dich und... ehrlich gesagt, ist es das auch... für mich. Ähm... Ich hab auch absolut keinen Schimmer, wieso ich gerade jetzt so... Ach, ich weiß doch auch nicht. Es ist nur... irgendwie... da und... Ähm... Was ich eigentlich sagen will,... ist Folgendes. Ich hab halt mal darüber nachgedacht... nur so... theoretisch ... und... naja ... wenn du... also wenn du magst, dann ... ich meine, wir könnten schon... also äh... einen Schritt weitergehen. Oder meinst du nicht?

Während Marc erleichtert ausatmete und sich mit dem Handrücken die Schweißperlen von der Stirn wischte, starrte Gretchen ihren Liebsten immer noch mit großen Fragezeichen-Augen an. Sie hatte nämlich kein Wort von dem verstanden, was er ihr mitzuteilen versucht hatte. Und ihr Unverständnis teilte sie dem verzweifelten Oberarzt auch ungeniert mit...

Gretchen: Wohin?
Das darf doch jetzt nicht wahr sein? Eh ich hab mir gerade komplett die Eier abgetrennt und sie kapiert es immer noch nicht.
Marc (fühlt sich in seiner Machoehre gekränkt u. wird dementsprechend lauter): Boah Haasenzahn! Im Plan! Was sonst?

Mit weit aufgerissenen Augen schaute Marc seine perplexe Freundin an und merkte gleich an ihrem fragenden Gesichtsausdruck, dass sie heute ganz besonders viel Wert auf ihre Begriffsstutzigkeit legte. Er ließ den Kopf hängen, schaute sie noch einmal unmissverständlich an und rollte schließlich mit den Augen, als sie immer noch nicht angemessen reagierte. Er rutschte etwas im Bett höher und lehnte sich mit verschränkten Armen und eingeschnappter Miene an die helle Wand am Kopfende ihres gemeinsamen Bettes. Verwundert hakte Gretchen schließlich nach...

Gretchen: Hast du nicht gerade noch gesagt, du willst nicht planen?

AAAAAAAAHHHHHHHHHH!!!!! Ich geb auf! Dann eben nicht. Auch gut. Das war eh eine vollkommen hirnrissige Schnapsidee. Hab ich eh nicht ernst gemeint.

Nun war es endgültig genug mit der Geduld des sonst so geduldigen Dr. Meiers. Beleidigt drehte er sich zur Seite und legte sich hin. Er zog die Bettdecke bis hoch an sein Kinn und krallte seine Finger hinein. Er hätte jetzt große Lust gehabt, etwas zu zerreißen, aber er hielt sich angesichts der nächtlichen Stunde damit zurück. Morgen früh konnte er sich noch zur Genüge im OP austoben. Er hatte die OP-Pläne extra so gelegt, weil er genau gewusst hatte, dass es viel Aufbauarbeit bedürfen würde, diesen Horrortag mit feierwütigen Poltergästen in seiner Hütte, der gerade erst begonnen hatte, zu überleben. Dabei hatte er nicht einmal im Ansatz damit gerechnet, dass ausgerechnet seine Freundin das Zünglein an der Waage sein würde, die das Fass zum Überlaufen bringen würde. Er hatte den wohl ungünstigsten Zeitpunkt gewählt, den man hatte wählen können. Damit musste er jetzt leben. Und da Haasenzahn nicht geschnallt hatte, worum es ihm in Wirklichkeit gegangen war, hatte er auch immer noch seine Eier behalten. Wenigstens etwas zu seiner Ehrenrettung. Genug war trotzdem genug.

Marc: Ach weißt du was, vergiss es einfach!

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31.03.2012 10:57
#1257 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Und von einer Sekunde auf die andere hatte es klick gemacht bei Dr. Margarethe Haase. Urplötzlich passten die kleinen Zahnrädchen alle ineinander, die unaufhörlich in ihrem Kopf rotiert hatten. Marcs Worte, seine seltsame Reaktion, alles ergab auf einmal einen Sinn. Einen nicht für möglich haltbaren Sinn! Gretchens Herz blieb in diesem Augenblick stehen, um in der nächsten Sekunde in den Dauerlaufmodus zu wechseln. Ihre Augen weiteten sich ungläubig, versuchten das Unfassbare zu fassen. Ihre Pupillen huschten aufgeregt hin und her und suchten nach Antworten, die ihnen verwehrt blieben. Ganz langsam richtete Gretchen sich auf und starrte nun völlig verblüfft auf den entzückenden Rücken des wohl süßesten Oberarztes Deutschlands, wenn nicht gar der ganzen Welt. Ihr Mund klappte auf, schnappte nach Luft, die ganz plötzlich knapp geworden war, und Gretchen konnte nicht viel mehr erwidern als eine kleine simple Silbe, weil sie einfach so überwältigt war. Von ihren Gefühlen und Gedanken. Von ihm. Von dem Moment. Von allem.

Gretchen: Oh!

Oh mein Gott, oh mein Gott! Heißt das etwa, er will...? Dass er...? Ich glaube, ich hyperventiliere gleich. Ich bin schon dabei!

Marc: Jep!

...brummte Marc kurz und knapp in seinen Dreitagebart, ohne seine Freundin anzuschauen, und tat weiterhin eingeschnappt. Nachdem der Sauerstoff endlich wieder da angekommen war, wo er hingehörte, robbte sich Gretchen hektisch von hinten an die beleidigte Leberwurst heran. Vorsichtig tippte sie ihm nun auf die rechte Schulter. Marc zuckte zwar kurz zusammen, aber reagierte nicht weiter darauf. Er konnte nicht anders. Nicht nachdem sie ihn so hatte auflaufen lassen. Mit immer schneller klopfenden Herzen versuchte es die aufgeregte Frau erneut. Sie brauchte Gewissheit. Jetzt. Hier. Sonst würde sie noch komplett durchdrehen.

Gretchen: Hast du... hast du das ernst gemeint?

Oh mein Gott, oh mein Gott! Das wäre... unglaublich. Verrückt. Oder hab ich mir das jetzt doch eingebildet? Aber ich schlafe nicht. Und ich hab doch mal gelesen, dass Männer immer das meinen, was sie sagen. Aber gilt das auch für Marc Meier? Ich werde hier noch wahnsinnig, wenn er nicht gleich etwas sagt.

Verharrendes Schweigen bei dem einen, zunehmende Unsicherheit bei der anderen, die sich nun vorsichtig in den Arm zwickte, um zu kontrollieren, ob sie noch wach war oder das alles nur geträumt hatte. An ihrem schmerzverzerrten Gesicht konnte man deutlich ablesen, dass Gretchen Haase definitiv nicht schlief.

Gretchen: Marc, bitte! Sprich mit mir!

...bettelte die aufgewühlte Assistenzärztin und streichelte ihrem Oberarzt sanft über den muskulösen Oberarm. Marc atmete tief ein und zählte dabei gedanklich bis zehn. Dann überwand er sich doch und drehte sich wieder zu seiner sichtlich nervösen Freundin um, die ihn hilflos und nach Antworten ringend anschaute. Seine Mundwinkel zuckten merklich und er tat das, was er am besten konnte, wenn man ihn in die Enge trieb und er sein Innerstes nicht nach außen kehren wollte. Marc Meier versuchte die angespannte Situation ins Lächerliche zu ziehen, wenn auch nicht ganz so ernst gemeint wie sonst immer.

Marc: Nee, ich hab nur nen Witz gemacht. Was sonst? Komm, lass uns jetzt endlich pennen!

Aber Gretchen erkannte sehr wohl die Ernsthaftigkeit in Marcs Stimme und in seinen Augen, die er mit seiner Ironie umspielen wollte, und sprach ihn sanftmütig an, ohne den Augenkontakt mit ihm zu lösen. In seinen hin und her flackernden Augen standen die Antworten geschrieben, die sie so lange schon gesucht hatte und die ihr Herz nun zu überwältigen drohten. Doch sie versuchte Ruhe zu bewahren und nicht gleich auszuflippen, auch wenn ihr sehr danach war, um Marc nicht noch mehr in den Hinterhalt zu drängen. Es galt jetzt einen klaren Kopf zu behalten. Marc hatte ihr gerade das Angebot ihres Lebens gemacht und sie hatte es nicht gleich kapiert. Dabei hatte sie sich diese Situation immer schon in den schönsten Farben ausgemalt. Seiten ihres Tagebuches waren damit rosarot versehen worden. Und nun ärgerte sie sich richtig über sich selbst. Dass sie auch immer so verpeilt reagieren musste, wenn das Leben ihr überraschende Chancen bot und Träume Wirklichkeit zu werden drohten, die sie nicht für möglich gehalten hatte. Zumindest noch nicht jetzt. Was war nur passiert? Wieso hatte er seine Meinung geändert? Es war ja nicht so, dass sie nicht gleich wollte, aber Marcs Sinneswandel kam schon sehr überraschend.

Gretchen (mit brüchiger unsicherer Stimme hakt sie vorsichtig nach): Wieso... jetzt?
Sie hat’s endlich geschnallt! Wollte ich das überhaupt?
Marc (unsicher weicht er ihren eindringlichen Blicken aus u. überlegt seufzend): Muss ich dir das wirklich erklären, Haasenzahn?

Er ist gekränkt. Ich hab ihn gekränkt! Toll, Gretchen, Superleistung! Aber woher sollte ich denn ahnen, dass er auf einmal all unsere Pläne über den Haufen wirft und doch schon will. Wieso auf einmal? Warum jetzt? Das kommt so überstürzt. Hat er sich das wirklich richtig überlegt? Das ist so eine wichtige Entscheidung. Unsere gemeinsame Zukunft!

Gretchen (sieht ihn mit ernster Miene an u. legt ihre Hand an seine Wange, die sie zärtlich streichelt): Marc, du musst das nicht wegen mir machen. Wir haben doch alle Zeit der Welt. Wir können warten.
Marc (schmiegt seinen Kopf in ihre Handfläche u. schließt nachdenklich für eine Sekunde seine Augen; seine Gedanken sind klar): Ich will das nicht wegen dir.
Gretchen (nimmt ihre Hand von seiner Wange u. greift nach seiner, während sie bewegt in seinen fesselnden smaragdgrünen Augen hin und her schaut und sich in ihnen verliert): Nicht?
Marc (lächelt sanftmütig und ist plötzlich wieder ganz überzeugt von dem, was er will): Sollte es nicht eher heißen, für uns?

http://www.youtube.com/watch?v=D0jWthzWvUU

Stille. Eine seltsam beruhigende Stille. Eine nachdenkliche Stille. Alles schien mit einem Mal klar zu sein. Für beide. Als hätten sie es nie anders vorgehabt. Gretchen lächelte. Marc lächelte. Sie erstrahlte wie eine Blume im Morgentau. Er strahlte mit ihr um die Wette. Himmelblau vermischte sich mit dunkelgrün. Vier Hände griffen ineinander, hielten sich fest. Sie schauten sich einfach nur an. Minutenlang. Zögerlich. Vergewissernd. Zustimmend. Bereit. Sie fühlten sich gut. Beide. Eigentlich sogar sehr gut, wenn man es genau nahm. So gut hatten sie sich noch nie zuvor in ihrem Leben gefühlt. Sie fühlten sich gelöst. Frei. Schwerelos. Wie Kinder auf einem Spielplatz, die nebeneinander auf einer Schaukel saßen und mit ihren Händen in den Himmel greifen wollten. Der perfekte Moment. Einzigartig. Neu. Und dennoch wunderschön. Sie waren glücklich. Eins. Sie spürten das Kribbeln in ihren Herzen. Alles ergab mit einem Mal einen Sinn. Auch wenn sie sich im Nachhinein nicht mehr erklären konnten, wie es eigentlich dazu kommen konnte. Es war einfach so und es war richtig. Weil sie sich liebten.

Die beiden Liebenden wussten nicht, wie lange sie so Hand in Hand mitten in der Nacht im Dunklen nebeneinander im Bett gesessen hatten. Irgendwann löste sich Gretchen von Marcs kalten Händen. Sie lächelte ihren Liebsten entschuldigend an, küsste ihn einmal zärtlich auf den Mund und griff dann zur Seite, um das Nachtlicht anzumachen. Anschließend zog sie den Schieber von ihrem Nachtschränkchen auf. Marc, immer noch bewegt von dem gerade Erlebten, beobachtete seine Freundin verwundert dabei, strahlte aber im nächsten Moment schon wieder. Er verliebte sich in den Anblick, den der kleine Lichtstrahl der Lampe erzeugte. Gretchen schimmerte in einem warmen Orangerot. Ihre langen blonden Haare glitzerten wie magisch. Sie lächelte immer noch wie verzaubert. Gott, sie war so schön, dachte er verliebt. Ein Kind von ihr konnte nur ein Engel werden. Er schmunzelte über sich selbst. Wann war er eigentlich so weich geworden? Doch lange konnte er nicht darüber nachdenken, was mit ihm gerade passierte. Denn plötzlich streckte ihm Gretchen etwas mit zittriger Hand entgegen und blickte ihn dabei erwartungsvoll an. Er löste sich von seinen Tagträumen und schaute seine Süße an. Marcs Augen wurden immer größer, als er erkannte, was seine Freundin ihm da so unvermittelt gereicht hatte...

Lorelei Offline

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02.04.2012 16:31
#1258 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Einen wunderschönen Start in die Osterwoche wünsche ich euch. Schauen wir doch gleich mal, was der Hase äh... die Häsin ihrem Hasen ins Nest gelegt hat. Ich sehe schon in fröhliche Gesichter, ne, Pinky und Greta? Viel Spaß und auch an der Stelle noch einmal ein riesiges Dankeschön für eure Treue. Eure Lorelei



Marc: Äh... was soll ich damit?
Gretchen (beißt sich verlegen auf ihre Unterlippe u. bereut ihren spontanen albernen Entschluss schon fast wieder): Wenn es dir wirklich ernst ist mit... du weißt schon, dann ähm... dann solltest du sie nehmen.

Es passierte selten, aber Marc Meier war tatsächlich einmal völlig sprachlos. Er sah Gretchen an, als hätte sie ihm gerade gesagt, dass wissenschaftlich belegt worden sei, die Erde sei eine Scheibe. Er drehte die viereckige Schachtel in seinen Händen misstrauisch hin und her und schüttelte sie mehrmals, auch wenn er nicht wusste, wieso er das tat. Dann öffnete er sie so vorsichtig, als würde er gerade die Tür zu einem dunklen Geheimnis öffnen, von dem noch niemand zuvor jemals etwas gehört oder geahnt hatte, was ja auch gewissermaßen auf ihn zutraf. Denn es gab Dinge zwischen Himmel und Erde, die man(n) nicht unbedingt näher erläutert haben mochte, auch wenn er als Arzt natürlich ganz genau wusste, was sie bewirkten. Ganz langsam zog der Chirurg nun die Pillenpackung aus ihrer Verpackung heraus. Sie klapperte verdächtig, wie es nun mal bei Tabletten normalerweise üblich war. Einige waren bereits herausgedrückt, wie er kurz überblickend erkennen konnte. Doch Marc verstand überhaupt nicht, was er jetzt damit anfangen sollte und hielt sie ihrer Besitzerin wieder hin.

Marc: Haasenzahn, ich bin zwar kein Gynäkologe, was nebenbei bemerkt auch gut so ist, aber so viel ich weiß, sind die Dinger nicht für den Konsum von Männern bestimmt.

Gretchen konnte nicht anders. Sie musste einfach lachen. Ihr Machomann war so ein witziger Blitzmerker. Und so süß, wenn er auch einmal verpeilt war. Zum Niederknutschen! Grinsend klärte die schöne Ärztin ihn nun über ihre Beweggründe auf, während sie wieder zu ihm rutschte und ihre Arme um seinen muskulösen Körper schlag.

Gretchen: Marc, du Dummerchen, damit wollte ich dir nur sagen, dass du sie verwahren sollst.
Marc (verdutzt): Oh?
Ja und?
Gretchen (zögerlich, weil sie immer noch nicht wirklich fassen kann, was hier gerade passiert): Und falls du es dir doch wieder anders überlegen willst, dann... Ich kann das verstehen. Ich wäre dir auch nicht böse. Das... das kommt schließlich alles so plötzlich. Und ich... Also, nicht, dass wir uns falsch verstehen. Ich will das wirklich. Ich kann mir nichts Schöneres auf der Welt vorstellen. Ein Baby mit dir, das... das ist mein allergrößter Traum. Immer schon. Das weißt du. Aber... ich kenn dich. Du bist einfach nicht der Typ, der von einem Moment auf den andern solche weit reichenden Entscheidungen trifft. Das ist keine OP, die nach fünfundvierzig Minuten mit einem stabilen Patienten vorbei ist, der dann nach drei Tagen entlassen werden kann. Wenn es erst einmal da ist, dann gibt es kein Zurück mehr, Marc. Dann haben wir Verantwortung. Unser ganzes Leben lang. Wenn wir uns endgültig dafür entscheiden, dann will ich, dass wir beide bereit sind und...
Was wird das hier? Bekommt sie jetzt doch kalte Füße?
Marc (hält ihr seinen Zeigefinger vor den Mund, um sie charmanterweise vom Reden abzuhalten): Stopp! Ich mache keinen Rückzieher, wenn du das denkst. Ich bin mir sicher. So sicher wie ich mir war, als ich diese blonde besserwisserische Nervensäge in meinen OP und in mein Haus ... unser Haus geholt habe. Glaub mir, ansonsten hätte ich sicherlich die Klappe gehalten.

Das allein hat mich schon genug Nerven, Haare und Jahre meines Lebens gekostet. Scheiße, und das war erst der Anfang. Ich hätte vielleicht doch die Klappe halten sollen?

Mhm? Das stimmt. Oh! OH! Oh mein Gott, oh mein Gott! Was passiert hier gerade?


Schweigen beiderseits. Ein verlegenes Lächeln da. Ein verschmitztes Augenzwinkern dort. Aufgewühlt und vergewissernd blickte Gretchen Marc in seine stechend scharfen Augen, die sie ruhig anschauten und so viel Liebe und Aufrichtigkeit ausstrahlten, dass es sie fast umhaute. Er meinte es tatsächlich ernst!

Gretchen: Gut, dann... ähm...
Marc (grinsend plappert er dazwischen): ... dann wäre das ja geklärt. Dann können wir ja jetzt auch endlich schlafen. Nacht!

Wie kann er denn jetzt schlafen wollen? Ich werde nie wieder schlafen können, bis ich nicht... Oh mein Gott, oh mein Gott! Es passiert wirklich.

Marc drückte seiner überrumpelten Freundin noch einen sehr überzeugenden Kuss auf den Mund, beugte sich über sie, um das Licht auszuschalten, dann legte er sich hin und schloss seine Augen. Er war aufgewühlt. Fix und fertig ehrlich gesagt. Aber das musste sie ja nicht wissen. Immer souverän bleiben! Er war schließlich Arzt. Oberarzt. Chirurg. Der Beste. Gretchen starrte ihren Freund sprachlos an, als dieser sich tatsächlich zur Seite drehte und anschickte, schlafen zu wollen. War das eben wirklich passiert? Oder träumte sie? Irgendwie empfand sie gerade, dass sich all ihre Welten zu einer vereinten. Was war real? Was war Traum? Hatten sie gerade beschlossen, ein Baby zu bekommen? Das kam ihr so surreal vor. Sie hatte sich immer die skurrilsten Szenarien ausgemalt, wie sie es ihm sagen würde, und jedes Mal stand sie da als schüchternes Mädchen in einem bunten Sommerkleidchen mit leuchtenden Augen und unsicherer Körperhaltung und stellte Marc vor vollendete Tatsachen, die manchmal nicht mehr zu übersehen waren. - Einmal sogar mitten während einer Herztransplantation, bei der dem leitenden Chirurgen dann das Organ aus der Hand geflutscht war. So überrascht war er von ihrer Schwangerschaft gewesen. Wie gut, dass Patienten im Traum so einen Zwischenfall überleben konnten. - Aber sie hätte nie gedacht, dass in der Realität Marc den entscheidenden ersten Schritt machen würde. Also jetzt nicht biologisch, sondern rein vom Kopf und Herzen her. Und plötzlich klappte Gretchens Mund auf und sie schnappte hörbar nach Luft. Ihr Herz überschlug sich fast. Das war kein Traum gewesen. Er hatte es tatsächlich ernst gemeint. Sie hatten tatsächlich in dieser Nacht beschlossen, ein Baby zu bekommen! Sie bekamen ein Baby! Nicht erst in zwei oder drei Jahren, sondern jetzt. Also schon bald. Frühestens in neun Monaten, wenn man es jetzt genau nahm und falls es gleich klappen sollte, was in ihren Augen natürlich die ideale Wunschvorstellung wäre, wenn auch sehr unrealistisch.

Die Überwältigung nahm nun gänzlich von ihr Besitz. Gretchen merkte gar nicht, wie sie ganz langsam auf ihr Kissen zurücksank und wie sich ihre rechte Hand wie automatisch auf ihren Bauch legte und zärtlich darüber fuhr. Tränen hatten sich wie aus dem Nichts in ihren Augenwinkeln gesammelt. Tränen des Glücks. Des ganz großen Glücks. Ihr größter Wunsch wurde vielleicht schon bald Wirklichkeit. Das war mehr, als Gretchen Haase in diesem Moment fassen konnte. So ließ sie ihren stummen Tränen schließlich freien Lauf. Glücklich schmiegte sie sich von hinten an ihren Partner, der, als er merkte, dass es verdächtig an seinem Rücken zu zucken begann, instinktiv nach ihrer Hand griff und sie um seinen Bauch schlang. Dabei war er doch selbst auch gerade im Herzen seines gewaltigen Gefühlstornados gefangen, der erst einmal verarbeitet werden wollte. Doch er versuchte, die Bodenhaftung wiederzuerlangen und wollte seiner Heulsuse gerade einen Kuss auf ihre zitternde Hand geben, um sie zu beruhigen und ihr zu versichern, dass alles gut wäre, als er bemerkte, dass er Gretchens Antibabypillen noch immer in seiner anderen Hand hielt. Er setzte schon nach einem kurzen Zögermoment an, sie mit einem gekonnten Zielwurf in den Abfalleimer neben seinem Nachtschränkchen zu werfen, als ihm plötzlich etwas auffiel...

Marc (stutzt): Äh... Haasenzahn?
Gretchen (grummelt verschlafen in seinen Rücken; sie ist schon fast eingeschlafen, nachdem die letzten Glückstränen versiegt sind): Hmm?
Marc: Welcher Tag ist eigentlich heute?
Gretchen (murmelt verwundert): Na heute ist Sabines Polterabend.
Marc (verdreht die Augen): Ich will nicht wissen, was heute für Horrornachrichten gemeldet werden, sondern nur das simple Datum dieses Tages.
Gretchen (öffnet dann doch ihre Augen u. blickt auf seine Nackenhaare): Der zehnte, glaub ich. Nee, der elfte?
Marc (dreht sich nun doch zu ihr herum u. schaut ihr nun misstrauisch in die Augen): Glaubst du also?
Gretchen (irritiert sieht sie ihn an): Was hast du denn auf einmal? Wieso ist das so wichtig?
Marc (kleinlaut): Heute ist der dreizehnte, Haasenzahn.
Gretchen (völlig unbeeindruckt): Ach?
Marc (besserwisserisch): Freitag, der dreizehnte, um genau zu sein.
Gretchen (schmunzelt plötzlich): Na und? Willst du mich jetzt vor Leitern und schwarzen Katzen warnen oder wie? Ich wusste gar nicht, dass du so abergläubisch bist, Marc.
Marc (bleibt ernst): Nein, bin ich gar nicht. Ich frage nur... deswegen.

Marc hielt seiner Freundin nun direkt die Pillenpackung vor die Nase. Gretchen schaute verwundert darauf und zuckte mit den Schultern. Sie hatte keine Ahnung, was auf einmal mit ihrem Schatz los war und was er ihr damit sagen wollte. Sein Kreuzverhör ging unberührt weiter, je mehr sich sein Anfangsverdacht in sein Hirn fraß und einen unglaublichen Denkprozess in Gang gesetzt hatte...

Marc: Fällt dir nichts auf?
Gretchen (verständnislos): Marc, ich bin müde. Bitte lass uns endlich schlafen, ja. Wir reden morgen.
Marc (mittlerweile wieder hellwach stellt er sie mit einem leichten Ton von Ironie in der Stimme zur Rede): Also entweder du bist wie damals in der Schule immer noch nicht gut im Rechnen oder du solltest doch noch mal vor deinen Abschlussprüfungen im April einen weiteren Gynkurs bei Mehdi belegen. Anders kann ich mir nämlich nicht erklären, wieso hier diese Lücke klafft?

Gretchen schaute nun genauer auf die Packung und merkte, wie ihr in Windeseile die Farbe aus dem Gesicht wich, um im nächsten Moment ein starkes Tomatenrot annehmen zu können.

Upps, nicht schon wieder? Menno!

Gretchen: Oh!
Marc (blitzt sie an): Ja, oh! Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen?

Du bist so eine dumme blöde Kuh, Gretchen. Jetzt nimmt er es bestimmt wieder zurück. Aber das war doch keine Absicht.

Gretchen (knabbert verlegen auf ihrer Unterlippe u. weicht schuldbewusst seinen bohrenden Blicken aus): Äh... Bei dem ganzen Stress in letzter Zeit kann es schon sein, dass ich... vielleicht... die eine... oder andere... ver...gessen... haben ... könnte?

Marc und Gretchen schauten sich an.

Schweigen.

Dann eine Erkenntnis.

Und ungläubiges Erstaunen.


http://www.youtube.com/watch?v=18tB4QdHYOg&feature=related

Lorelei Offline

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04.04.2012 13:37
#1259 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo zusammen! Ich weiß, ihr wüsstet zu gerne, was nun Sache ist. Deshalb switche ich mal eben weiter. Viel Spaß mit der nächsten Episode aus dem EKH. Eure Lorelei



http://www.youtube.com/watch?v=_4iA1-cA82o&feature=related


Am nächsten Morgen trafen sich alle in der Cafeteria des Elisabethkrankenhauses, kurz bevor der alltägliche Wahnsinn wieder von den Fluren des renommierten Klinikhauses Besitz nehmen würde. Es wurde sich freudestrahlend begrüßt, wenn auch eher einseitig, denn die Müdigkeit überwog noch. Keiner der Beteiligten, bis auf eine Ausnahme, hatte in der letzten Nacht viel Schlaf gefunden. Dennoch war man seltsam entspannt und fröhlich. Zum Teil sogar richtig euphorisch. Beschwingt und verliebt eben. Es wurde sich geherzt und geknuddelt und anschließend reichlich aufgetischt, auch wenn das Angebot der Krankenhauskantine, dem ständigen Sparzwang sei Dank, doch eher spärlich war. Doch es störte niemanden. Denn man war es gewöhnt und es schmeckte immer hervorragend. Und das war doch die Hauptsache. Die vier wollten nämlich zusammen frühstücken, bevor der Alltag sie endgültig aus ihren Traumparadiesen zurück in die Realität katapultieren würde. Zwei Personen machte das aber recht wenig aus. Im Gegensatz zu anderen.

Mehdi und seine kleine neunjährige Tochter alberten nach einer langen morgendlichen Begrüßungsumarmung fröhlich miteinander, schnitten Grimassen, kitzelten sich und kuschelten sich immer wieder glücklich aneinander und fütterten sich gegenseitig mit der frischen Backware, welche die Küchenfeen des EKH gerade frisch für den Verzehr hungriger Mäuler aufgebacken hatten und die noch von wunderbaren das Hungergefühl anregenden Düften umgeben dampften, während Marc und Gretchen, die Lilly gerade aus ihren treuen Babysitterdiensten entlassen hatten, eher schweigsam den beiden Grinsebacken gegenüber saßen, nur mit halbem Ohr Lillys belustigenden Erzählungen lauschten, die Müslischale und das Nutellabrötchen auf dem Plasteteller links liegen ließen und heimlich unter dem Tisch Händchen hielten und sich immer wieder vielsagende verliebte Blicke schenkten. Es war so viel passiert in der letzten Nacht und es beschäftigte die beiden immer noch. Auch wenn sie es nicht ansprachen, ihre Augen sprachen eine ganz andere Sprache. Ihre Herzen ebenso. In ihnen tobte ein gewaltiger Gefühlsvulkan, der kurz vorm Ausbruch stand. Doch sie hatten Stillschweigen vereinbart. Gerade jetzt, wo für beide alles noch so verwirrend neu war und die Gedanken Achterbahn fuhren. Manchmal dachten sie sogar, die letzte Nacht sei nur ein Traum gewesen und in diesen Momenten sagten verstohlene Blicke eben doch mehr als tausend Worte. Sie war kein Traum gewesen. Und diese Erkenntnis, nach der sie beide regelrecht haschten, überwältigte Marc und Gretchen gleichermaßen, dass ihnen selbst das Sprechen schwer fiel und die Aufmerksamkeit anderen gegenüber nebensächlich wurde.

Mehdi war das seltsam ruhige Verhalten seiner beiden besten Freunde zwar aufgefallen, aber er hatte im ersten Moment nur Augen für seinen kleinen Sonnenschein Lilly gehabt, die an diesem Morgen mit ihren beiden Pippi-Zöpfen ganz besonders entzückend aussah und ihre süße Zuckerschnute mal wieder nicht halten konnte und so einige interessante Meier-Haassche Geheimnisse aus dem Nähkästchen ausplauderte. Sehr zum Vergnügen des fröhlichen Gynäkologen, der an diesem noch recht jungen Morgen bestens gelaunt war. Aber als Marc überhaupt nicht auf seinen amüsierten Kommentar zu dessen kaiserlicher Kostümierung für den heutigen Polterabend reagierte, von der ihm Lilly gerade mit großer Begeisterung und einem breiten Lächeln berichtet hatte, wurde Mehdi dann doch stutzig. Irgendetwas war doch hier oberfaul und er musterte seine beiden Freunde nun ganz genau, die sich unentwegt verliebt in die Augen schauten, wobei sich immer wieder auf beide Gesichter ein verräterischer zarter Hauch von Rosé legte, was zumindest für Marc ‚Macho’ Meier doch eher ungewöhnlich war.

Die beiden schienen offenbar gar nichts mehr von ihrer Umgebung wahrzunehmen. Mein Gott, sind die beiden verknallt, dachte der Halbperser amüsiert und schmunzelte, als wieder keine Reaktion von den beiden kam, als er im Spaß behauptete, Sabine und Günni hätten nun beschlossen, während eines Fallschirmsprungs zu heiraten und alle anwesenden Gäste, allen voran die Trauzeugen, müssten das nun auch tun. Mehdi konnte kaum an sich halten und grinste seine Tochter vergnügt an, die Marc und Gretchen auch verwundert ins Visier genommen hatte und sich sehr über den Einwurf ihres Vaters amüsierte. Dieser flüsterte dem kichernden Mädchen dann aber schnell ins Ohr, dass das nur ein Scherz gewesen sei. Nicht dass das Blumenmädchen noch auf dumme Gedanken kam und selber mitfliegen wollte. Lilly lachte nur und schaute mit ihrem Papa, dessen Hand sie fest umschlossen hielt, wieder synchron zu den beiden Träumern gegenüber. Dann blickten sie sich erneut an. Mehdi war ratlos. Lilly zuckte nur mit ihren Schultern, grinste dann plötzlich und biss genüsslich von ihrem Nutellabrötchen ab, was einen Schokorand an ihrem süßen Mund hinterließ. Mit vollen Backen plapperte sie los...

Lilly: Die schind schon den schanzen Moschen scho.
Mehdi: Ach? Interessant.

Mehdi grinste noch breiter, als seine wachsamen Augen nun auch noch erkannten, dass die beiden wie frisch verliebte Teenys unter dem Tisch heimlich Händchen hielten, wobei Marc immer wieder zärtlich mit dem Daumen über Gretchens Handrücken strich, was bei ihr ein strahlendes Lächeln im Gesicht auslöste. Dem Frauenarzt ging bei diesem Anblick richtig das Herz auf. Wie hatte sie das nur geschafft, den egomanischen Macho so handzahm zu bekommen. Faszinierend, dachte er und schaute grinsend zu Lilly rüber, die ihren Bissen hektisch herunter schluckte und ihren Papa nun auch mit großen Augen anleuchtete, und wischte ihr mit dem Zeigefinger die süße Schokoschnute weg, wogegen sie lautstark protestierte, während er sich genüsslich seinen Schokofinger ableckte und sich an seine Stuhllehne zurücklehnte...

Lilly: Eh!
Mehdi (schmunzelt): Was denn? Du klaust doch hier die ganze Schokocreme weg.
Lilly (steckt ihm frech ihre schokobraune Zunge heraus): Gar nicht! Das ist Gretchen!

Demonstrativ deutete das Kind nun mit ihrem Zeigefinger auf den unberührten Teller ihrer großen Freundin gegenüber, auf dem eine dick mit Schokocreme bestrichene große Semmel lag. Gretchen wachte dann doch endlich aus ihren Tagträumen auf, nachdem sie ihren Namen vernommen hatte, und schaute verdutzt in die Runde...

Gretchen: Was ist mit mir?

Ach nee? Doch keine Wachsfiguren. Und ich wollte schon bei Madame Tussauds anrufen, ob sie jemanden vermissen würden. (MK)

Mehdi und Lilly waren überrascht. Sie hatten mit keinem Lebenszeichen mehr in nächster Zeit gerechnet. Umso größer war das Erstaunen jetzt. Sie schauten erst sich an, dann das verliebte Paar, dann wieder sich und lachten mit einem Mal im Chor los, was auch Dr. Meier endlich aus seinen Gedanken erwachen ließ, der nun ziemlich betröppelt zwischen den beiden Grinsebacken hin und her schaute. Dann fixierte der Halbperser seine beste Freundin mit durchdringendem fragendem Blick...

Mehdi: Nichts! Ich dachte nur, du würdest uns das beantworten?
Gretchen (sichtlich verwirrt sieht sie zwischen den beiden Mitglieder der Familie Kaan hin und her): Was?

Mehdi und seine Tochter schauten sich wieder geheimnisvoll an und taten sich zusammen. Lilly rutschte etwas unbeholfen von ihrem Stuhl herunter und kletterte auf den Schoß ihres Papas, der seine Arme anschließend krakenartig um ihren Bauch schloss, und fixierte ihren Onkel Marc mit ihren neugierigen Blicken, der ihr nun gegenübersaß und ebenso durcheinander wirkte wie Gretchen. Das kannte man so gar nicht von dem sonst so souveränen Oberarzt, dachte sich auch sein Freund, den nun erst recht die Neugier gepackt hatte.

Mehdi: Och ich wundere mich nur, warum ihr am frühen Morgen so harmonisch in Schweigen verharrt.
Lilly (kleinlaut): Ich auch.
Mehdi (streichelt ihr liebevoll über den Kopf u. bettet anschließend sein Kinn darauf; gemeinsam schauen sie nun grinsend über den Frühstückstisch zu den beiden Observierten): Ich weiß. Das kennt man so gar nicht von euch.

Was labert der da eigentlich für eine gequirlte Scheiße daher? (MM)

Marc (verdreht theatralisch die Augen, lehnt sich lässig zurück u. fixiert die beiden Kaans mit verschwörerischem Blick): Und weißt du, worüber ich mich wundere?
Mehdi (grinst erwartungsvoll): Schieß los!
Marc: Wie man am frühen Morgen schon so einen gequirlten Schwachsinn von sich geben kann, Kaan.
Oh, oh! (GH)
Gretchen (wirft einen entschuldigenden Blick in Richtung von Lilly und Mehdi u. schaut Marc dann tadelnd an, was dieser mit einem charmanten Lächeln ignoriert, das sie gleich wieder in den Bann zieht): Marc!
Mehdi (grinst immer noch u. schaut wissend zwischen den beiden hin und her): Gut, dann... hab ich mich wohl... geirrt. Alles beim Alten. Und ich dachte schon...

Nee, das kann er nicht wissen? Oder haben Frauenärzte den siebten Sinn, was diese ganzen ähm... naja... Sachen anbelangt? (MM)

Marc (reagiert etwas zu gehetzt u. blickt dann vergewissernd zu Gretchen, die stumm lächelt u. ihn anhimmelt): Was?
Mehdi (weicht Marcs fragenden Blicken gekonnt aus und knuddelt stattdessen mit seiner Tochter, die sich verschmust an seine Wange schmiegt, die sie aber krabbelt, weswegen sie nun misstrauisch mit ihrer Hand über die kleinen Härchen streicht u. diese neugierig untersucht): Och nichts!
Marc (bleibt misstrauisch, ob Mehdi irgendetwas ahnen könnte): Gut!

Haltet mich für verrückt, aber hier ist doch was im Busch. Der ist ja völlig durch den Wind. (MK)

Lilly (hat die Untersuchung von Papas stoppeligen Barthärchen abgeschlossen u. zeigt nun hungrig auf Gretchens vollen Frühstücksteller): Isst du die Nutellasemmel noch, Gretchen?
Marc (lässt sich gut und gerne von dem vorlauten Mädchen ablenken u. grinst das kleine Naschkätzchen nun vergnügt an): Hattest du nicht schon vier?
Lilly (kleinlaut): Zwei Dreiviertel.
Marc (zieht seine Augenbrauen nach oben u. tut sein gespieltes Erstaunen kund): Ah?
Kann genauso schlecht rechnen wie der Herr Papa! Wen wundert das? (MM)
Mehdi (kann es nicht lassen, seinen Freund aufzuziehen): Dass du das überhaupt mitbekommen hast, während du so vor dich hin geschmachtet hast.
Marc (seine Augen verfinstern sich, was Mehdi nicht davon abhält, weiter vergnügt zu lachen): Eh! Hab ich nicht! Ich stopf dir gleich dein vorlautes Maul mit dem ollen Brötchen, du.

Abwesend, durcheinander, gereizt. Also wenn ich nicht genau wüsste, dass er ein Mann ist, dann würde ich fast sagen, der Meier hat heute seine Tage. (MK)

Gretchen (sieht Marc drohend an u. reicht Lilly schließlich die Hälfte ihres Brötchens, die andere vertilgt sie selbst): Maaarc! Natürlich kriegst du noch was ab, Lillymaus.
Lilly (strahlt Gretchen an u. schlingt die Semmel schnell hinunter): Danke!

Während Gretchen nun auch endlich mit ihrem Frühstück begann und Marc eingeschnappt an seinem kalten Kaffee nippte und dementsprechend angewidert das Gesicht verzog und die Tasse schnell wieder weit von sich schob, studierte Lilly, nachdem sie aufgegessen hatte, ausgiebig das fröhliche Gesicht ihres Vaters, der sich kurz im Raum umgeschaut hatte, der sich langsam mit hungrigen Schichtwechslern füllte, weswegen die Lautstärke in der Cafeteria deutlich zunahm. Er bemerkte Lillys vergnügte Blicke, lächelte sie an und zwinkerte ihr zu. Sie lachte, schlang ihre kurzen Arme um seinen Hals und schmiegte sich glücklich an ihren superdupertollen Papa. Glücklich, dass sie die Veränderungen der letzten Zeit offenbar ganz gut weggesteckt hatte, tätschelte Mehdi ihr sanft den Rücken und sog den blumigen Duft ihrer Haare ein, während Lilly ihren verträumten Vater neugierig auszufragen begann...

Lilly: Ist Gabi gar nicht da?

Marc schaute kurz mit hochgezogener Augenbraue von seinem Powermüsli auf, welches er gerade in sich hineinschaufelte, sah sich vergewissernd in dem weitläufigen Kantinenraum um und nickte erleichtert mit dem Kopf, weil dem nicht so war und ihm Gabis Visage nicht das längst überfällige Frühstück verdarb. Mehdi lächelte nur und klärte Lilly auf...

Mehdi: Doch ist sie! Sie hat nur gerade schon Dienstplanbesprechung bei der Oberschwester. Deshalb kann sie leider nicht mit uns frühstücken.

Och wie schaaade! Welch ein Glück! Der Tag ist gerettet. Naja, bis jetzt! Das Schlimmste steht ja noch bevor. Ein Wunder, dass die hochzeitswütige Stasi-Sabsi nicht schon an Gretchens Rockzipfel hängt. Oh nee, sie trägt ja heute Hosen. Hähä. Sieht echt knackig aus in den engen Jeans. Sollte sie öfters mal tragen. (MM)

...dachte Marc mit zunehmender Begeisterung und ließ seinen Müslilöffel ruhen, um ausgiebig seine heiße Freundin zu bestaunen, die neben ihm in ihrem Kakao herumrührte und aufmerksam seinem Kumpel Mehdi zuhörte, dessen Augen verdächtig aufgeleuchtet hatten, als das Stichwort „Gabi“ gefallen war. Lilly nickt leicht mit dem Kopf und setzte ihre Fragestunde fort...

Lilly: Ach so. Und... hat deine Überraschung gestern geklappt, Papa? Hat sich Gabi doll gefreut?
Mehdi: Oh! Ähm... jaaa!

Mehdi wurde tatsächlich etwas rot im Gesicht und räusperte sich nervös, als er die neugierigen und erwartungsvollen Blicke seiner süßen Tochter auf sich gerichtet spürte, aber bevor er näher darüber nachdenken konnte, was ihn gestern so alles in der neuen gemeinsamen Wohnung erwartet hatte, wurde er auch schon im nächsten Moment von einem Hustenanfall seines Tischnachbarn abgelenkt. Marc hatte sich nämlich an seinem Müsli verschluckt, hatte dabei die Milch aus der Schüssel verschüttet und Cornflakes über den halben Tisch gespuckt. Gretchen wischte hektisch mit ihrer Serviette hinterher, holte sich schnell neue vom Tisch nebenan und blickte ihren sich die Seele aus dem Leib hustenden Freund tadelnd an, während sie die Aufmerksamkeit der halben Cafeteria auf sich gezogen hatten. Doch als ihm die fürsorgliche Assistenzärztin, nachdem er sich endlich wieder beruhigt und die Tränen aus den Augen gewischt hatte, auch noch den verschmierten Mund abtupfen wollte, wich Marc, der sich der Blicke der anderen Schandmäuler deutlich bewusst war, patzig aus...

Marc: Bitte! ... *hust* ... Keine Details ... *hust* ... beim... *hust* ... Frühstück, ... *hust* ... Kaan!
Gretchen: Maaarc, du Ferkel, sieh doch, was du angerichtet hast. Hier schwimmt alles.
Marc: Eh! Lass das gefälligst! Und wer hier das wirkliche Ferkel ist, das...
Gretchen (hat den anzüglichen Blick und die Anspielung des sich wieder beruhigenden Mannes deutlich vernommen u. fällt ihm schnell empört ins Wort): Maaarc!?

Jetzt lachte der Übeltäter wieder, als wäre gerade überhaupt nichts passiert. Er zwinkerte seiner verlegenen Freundin frech zu und lehnte sich anschließend an ihre Seite. Gretchen zierte sich erst, dann ließ die Schmollhäsin Marcs Annäherung doch zu, aber nicht ohne ihm noch einmal einen bösen Blick zugeworfen und ihm in die Seite gezwickt zu haben. Und auch Mehdi und Lilly beobachteten das sich vertraut anzickende Paar amüsiert. Es war also doch noch alles beim Alten. Aber Mehdi konnte ja von seinem Blickwinkel aus auch nicht das geheimnisvolle Auffunkeln der Augen seiner Freunde sehen, die gerade wieder dabei waren, sich ineinander zu verlieren. Schließlich lenkte der Gynäkologe das Thema schnell wieder auf die Beantwortung von Lillys eigentlicher Frage...

Mehdi: Weißt du, mein Schatz, eigentlich bin ich ja derjenige gewesen, der überrascht worden ist, bevor ich meine Überraschung überhaupt erst auspacken konnte.
Die Sau, die Sau! Jetzt ist mir wirklich schlecht. (MM)
Lilly (versteht nur Bahnhof): Hä? Wie jetzt?

Mit dieser geheimnisvollen Antwort hatte der charmante Halbperser nicht nur Lillys, sondern auch Gretchens ganze Aufmerksamkeit erhascht, die schnell die Teller zusammen schob und ihre Arme auf dem frisch abgewischten Tisch abstützte, um auch jedes Detail seiner Erzählung mitzubekommen. Sie hatte die neue Wohnung ihres besten Freundes ja bereits vorgestern hautnah in ihrer ganzen Schönheit erleben dürfen und war tierisch gespannt darauf, wie Mehdi wohl Gabis Einrichtungsstil gefiel. Sie selbst war ja auch ziemlich begeistert davon gewesen. Vor allem von Lillys Kinderzimmer, welches sie gemeinsam mit Sabine geplant und gestaltet hatten. Wenn sie nicht gerade erst mit Marc ihr gemeinsames Penthouse eingerichtet hätte, hätte ihr diese wunderschöne Jugendstilwohnung in Prenzlau auch sehr gut gefallen. Sie besaß diesen gewissen Charme, die alte Gebäude nun mal in sich trugen, eine eigene Geschichte, und entsprach genau dem, wie Gretchen sich vorstellen könnte, wie Mehdi sein Zuhause wohl gestalten würde. Etwas verspielt, nicht zu kitschig, leicht rustikal, mit einem Hauch von Moderne und sehr viel Farbe. Gerade das viele Rot und Lila und die vielen kleinen Akzente, wie der kunstvolle Stuck an der Decke oder der alte Ofen, hatten es ihr angetan. Gabi kannte ihren Freund wirklich gut, hatte die junge Ärztin an jenem Abend vor zwei Tagen feststellen müssen, als sie alle zusammen nach getaner Arbeit mit einem Glas Sekt im Wohnzimmer auf der knallroten Couch gesessen und zufrieden miteinander angestoßen hatten. Da hatten sich wirklich zwei gesucht und gefunden und Gretchen freute sich wirklich für die beiden. Mittlerweile hatten sich auch die letzten Zweifel endgültig gelegt. Mehdi und Gabi gehörten einfach zusammen. So wie sie und Marc. Oder Günni und Sabine. Und es war einfach schön, überall, wo sie hinsah, dieses wunderbare Gefühl von Liebe zu spüren. Gerade jetzt, wo sie auch so voller Liebe war und es am liebsten überall hinausschreien wollte.

Glücklich lächelte Gretchen nun Mehdi an, der dies erwiderte. Und auch Lilly schaute ihren Papa nun gespannt an, während Marc schon wieder grummelig sein Gesicht verzog und seine halbleere Müslischale nun ganz beiseite schob. Ihm war nun gänzlich der Appetit vergangen bei dem Kopfkino, das sich gerade bei ihm eingeschaltet hatte, was nun wirklich rein gar nichts mit einem Umzug und bunten Dekoideen zu tun hatte, und er legte erneut erfolglos Veto ein...

Marc: Ich hab doch gesagt, keine schmutzigen Details, Kaan!

Schon verantwortungslos, dass er hier am hellerlichten Tag an einem öffentlichen Ort vor Lilly und mir (!) grinsend berichtet, wie sein Gabimäuschen ihm gestern den Abend versüßt hat. Bäh! Ich glaube, ich muss heute auf jede weitere Nahrungsaufnahme verzichten. Aaahhh, ich werd das Bild einfach nicht los. Hilfe! (MM)

Mehdi blitzte seinen (noch) besten Freund böse an, dessen Anspielungen er natürlich mitbekommen und genauso verstanden hatte, wie sie gemeint worden waren, die er aber geflissentlich überhörte, wie er jegliche Meierschen Kommentare, die seine Freundin betrafen, immer überhörte und widmete sich nun ganz seiner wissbegierigen Tochter, die schon ganz unruhig auf seinem Schoss hin und her rutschte, um mehr zu erfahren.

Mehdi: Also Gabi hat mich gestern ziemlich überrascht, überrumpelt trifft es wohl eher, im positiven Sinne natürlich, und auf dich, mein Schatz, wartet auch noch eine große Überraschung.

Lorelei Offline

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05.04.2012 16:31
#1260 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Lillys Augen begannen merklich aufzuleuchten und sie begann ungeduldig an Mehdis weißem Hemdkragen zu zubeln...

Lilly: Überraschung?
Och Gott, ist das süß! Sie ist so süß. Zum Knuddeln. Mach ich vielleicht gleich noch. (GH)
Mehdi (strahlt seine Tochter an u. malt sich schon in den schönsten Farben aus, wie sie erst reagieren wird, wenn sie die eigentliche Überraschung so richtig sieht): Ja, eine Überraschung!
Lilly (ganz aufgeregt): Oh bitte, bitte, Papa, was ist es? Ich will sie sehen. Darf ich?
Will ich wirklich wissen, was es ist? Nö, will ich nicht! (MM)

Ach mein süßer Schatz! (MK)

Mehdi (überlegt, wie er es am besten anstellt): Das ist etwas schwierig, Lilly, Schatz.
Lilly (ihr freudiges Strahlen weicht leichter Enttäuschung u. Unsicherheit): Wieso?
Gretchen (mischt sich nun auch unterstützend ein u. beugt sich über den Tisch zu Lilly): Weil das eine ziemlich große Überraschung ist, die man leider nicht herzaubern kann.
Lilly (sieht sie mit großen Augen an): Nicht?
Marc (blickt seine Freundin ebenso irritiert an): Woher willst du das denn wissen?

Und so hört er mir zu? Toll! Männer! (GH)

Gretchen (fixiert ihn mit ihren aufblitzenden Augen): Weil ich vielleicht auch da war. Vergessen?
Marc (sein vorlautes Mundwerk verstummt augenblicklich u. er spürt Gretchens eisigen Blick auf sich gerichtet, dem er lieber ausweicht): Oh!
Der Tine-Wittler-Not-Einsatz! Shit! (MM)
Lilly (platzt fast vor Neugier u. schnappt nach Gretchens Hand, die auf dem Tisch ruht): Was ist es denn? Bitte, bitte, Gretchen, sag es mir!
Gretchen (lächelt geheimnisvoll u. ringt ein bisschen mit Lillys Hand, die sie schnell zurückzieht, u. blickt dann vergewissernd zu Mehdi): Das kann dir nur dein Papa verraten.
Mehdi (zwinkert Gretchen kurz zu u. wendet sich dann seinem Mädchen zu, das gespannt zu ihm hoch schaut): Ein bisschen musst du dich noch gedulden, Lilly, Maus. Morgen!
Lilly (ist damit ganz und gar nicht einverstanden u. rüttelt trotzig an Mehdis Hemdkragen herum): Nein, heute, bitte Papa!
Mehdi (kann ihr einfach nichts abschlagen u. überlegt es sich seufzend anders): Ok, dann... vielleicht so. Ich gebe dir einen kleinen Hinweis.
Lilly (ihre Augen leuchten auf u. sie sieht ihren Papa begeistert an): Au ja!

Während Marc gequält die Augen verdrehte und allmählich abschaltete und stattdessen das wilde Treiben hungriger Kollegen an der Essensausgabe beobachtete, war Gretchen ganz entzückt von dem süßen Spiel, das Mehdi mit seiner Tochter spielte. Sie konnte Lillys Anspannung förmlich selbst spüren, was vielleicht auch damit zusammenhing, dass sie heute ganz besonders emotional war. Aber aus ganz anderen Gründen wie Lilly und Mehdi.

Mehdi: Weißt du, Lilly, Bärchen, während wir die Mama in der Reha besucht haben, hat uns auch jemand besucht.
Lilly (hängt gebannt an seinen Lippen): Wer?
Mehdi (grinst): Die Heinzelmännchen waren nämlich da.

Oh Gott, mir wird gleich ganz schlecht, kommentierte Dr. Meier stillschweigend dieses schlechte Schauspiel seines Freundes und lächelte gequält, als Gretchen ihn böse von der Seite anschaute, weil sie sein genervtes Augenrollen mitbekommen hatte. Wo war bei ihm eigentlich die romantische Magie der letzten Nacht abgeblieben? Müsste er nicht auch vor Entzücken zergehen? Bald hätten sie schließlich selbst so eine süße Maus oder einen süßen Mäuserich auf ihrem Schoss sitzen, die neugierigen Fragen stellen würden. Lillys Augen wurden immer größer vor Erstaunen. Ebenso wie Mehdis Herzklopfen und Gretchens Strahlen. Dann konnte der glückliche Familienvater nicht mehr länger an sich halten und ließ das Bömbchen platzen...

Mehdi: Unsere neue Wohnung ist fertig!
Lilly (staunt): Nein?
Mehdi (strahlt): Doch!
Lilly (in ihren Gehirnwindungen rattert es gewaltig): Dann müssen wir nicht mehr bis Ostern warten, Papa?
Mehdi (grinst geheimnisvoll): Sagen wir mal so, der Osterhase und seine Helfershelferlein ... (er schaut Gretchen an, sie wird rot und streicht sich ertappt über die Wange) ... haben sich ein bisschen im Monat vertan. Zum Glück für uns. Bis auf ein paar Kleinigkeiten ist soweit alles fertig und organisiert. Wir können sofort einziehen. Was sagst du dazu?
Lilly (strahlt vor Begeisterung, als sie endlich begreift): Oah! Heißt das, ich kann schon in meinem eigenen Zimmer schlafen und muss nicht mehr in deinem Bett schlafen und du auf dem Sofa, Papa?

Oh Mann, der Arme war ja wirklich arm dran. (MM)

Mehdi (stupst ihr vorfreudig an die Nase): Noch nicht gleich heute, weil du ja heute bei deinem Opa und deiner Oma bleibst, aber ab Sonntag schon, wenn wir von Sabines Hochzeit wieder da sind.
Autsch! Und da war der Stich wieder. Fast hätte ich es vergessen. Danke du Arsch! (MM)
Lilly (reißt ihre Augen weit auf): Das ist ja schon übermorgen! Boah ist das toll. Krieg ich dann auch mein rosa Prinzessinnenbett? Und den Schreibtisch am Fenster mit dem schönen glitzernden Windlicht? Und die Spiele- und Malecke?
Mehdi (ihm geht das Herz auf, seine Tochter so glücklich zu sehen): Das steht schon alles in deinem Zimmer, mein Schatz. Samt all deiner Barbiepuppen.
Oh Gott! (MM)
Lilly (quengelig): Echt? Darf ich’s sehen? Bitte, bitte, Papa!

Hab ich eine andere Wahl? (MK)

Gott, die Kleine ist einfach Zucker pur. Sag ja, Mehdi! Und schick mir die Fotos, wie’s war. Ich könnte mich natürlich auch dazu schleichen? (GH)


Mit großen flehenden Augen schaute Lilly ihren geliebten Papa an. Mehdi überlegte einen Moment, tat geheimnisvoll, dann nickte er endlich mit dem Kopf und gab ihr strahlend die Erlaubnis für eine private Wohnungsführung, auch wenn das seinen Zeitplan und den der anderen heute ganz schön über den Haufen werfen würde. Aber für seinen Schatz würde er nun mal alles machen. Hauptsache sie war glücklich und strahlte ihn so an, wie sie es jetzt gerade tat.

Mehdi: Weißt du was, mein Schatz, ich sag der Oma Bescheid, dass ihr heute Nachmittag zu unserer neuen Adresse kommt. Dann schaust du dir’s an und sagst uns, was du davon hältst und ob wir das so lassen können. Außerdem müssen wir eh noch deine Sachen wechseln und so wie ich es überschaut habe, ist der Großteil davon schon in unserem neuen Zuhause.

Der Familienvater schaute auf Lillys voll gepackten Rucksack herab, der unter ihren Stuhl gerutscht war, und das plüschig braune Bambikostüm, das darüber lag und von dem Lilly so begeistert gewesen war, dass Gretchen es ihr einfach so geschenkt hatte, um ihr eine Freude zu machen. Das Prinzessinnenkleidchen, das Marc ihr ausgesucht hatte und mit dem Lilly an Fasching glänzen wollte, hatte sie ihr aber nur für diesen besonderen Anlass geliehen. Es lag zusammengefaltet mit ihren anderen Sachen in Lillys Rucksack. Das wollte sich die verträumte Babysitterin dann doch für einen anderen besonderen kleinen Menschen aufbewahren. Und wieder schaute sie verliebt zu ihrem Freund neben sich, der angesichts der Überdosis Harmonie ihm gegenüber ziemlich genervt dreinblickte, aber bei den süßen verliebten Blicken seiner Liebsten gleich wieder handzahm lächeln musste.

Die letzte Nacht hatte irgendetwas mit ihm angestellt. Er hatte immer noch keine Erklärung dafür, was mit ihm passiert war. Und auch wenn er versuchte, nicht ständig daran zu denken, so tat er es trotzdem. Es war schon verrückt, wie ein einzelner Gedanke, der im ersten Moment noch Panik auslösen müsste, einen auf einmal so verändern konnte. Er fühlte sich erstaunlich gut dabei, nicht weil Gretchen am Ende doch noch so reagiert hatte, wie er es mit klopfendem Herzen erwartet hatte, sondern weil er es wirklich selbst auch wollte. Und plötzlich konnte der egomanische Machochirurg doch ein paar Fünkchen mehr Verständnis für seinen verweichlichten Kumpel aufbringen, der gerade von einer glücklichen Lilly so stürmisch umarmt wurde, dass Mehdi beinahe mit dem Stuhl nach hinten umgekippt wäre. Marc musste lachen. Typisch Kaan eben!

Lorelei Offline

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07.04.2012 14:01
#1261 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Frohe Ostern, ihr Lieben. Auch dieses Jahr habe ich euch wieder etwas ins Nest gelegt. Viel Spaß also mit dem nächsten Teil aus dem EKH. Eure Osterlei



Aber Schwester Gabi hatte ihren Oberarzt und Lebensgefährten noch rechtzeitig gerettet und hielt den nach hinten kippelnden Stuhl nun mit beiden Händen fest umschlossen. Wie aus dem Nichts war die brünette Krankenschwester plötzlich am Tisch der vier Freunde aufgetaucht und blickte nun etwas verunsichert von dem einen zum anderen. Lilly hatte die Freundin ihres Vaters als Erste hinter dessen Rücken entdeckt und grinste sie nun fröhlich an...

Lilly: Gabi!
Gabi: Hallo Lilly!

Gabi lächelte das kleine Mädchen verlegen an und fühlte sich sichtlich unwohl dabei. Der Umgang mit Mehdis Tochter war immer noch ungewohnt für sie und diese gewisse Hemmnis ließ sie unsicher werden. Plötzlich spürte sie wieder die innere Aufregung aufkommen, schon recht bald mit Kind und Kegel so richtig zusammenzuleben, die sie schon in der Planungsphase des Kinderzimmers immer wieder übermannt hatte. Selbst ein beruhigendes Gespräch mit ihrer ehemaligen Erzfeindin Gretchen ließ diese gewisse Anspannung nicht ganz wegmachen. Sie hatte Angst, irgendetwas falsch zu machen, was eigentlich vollkommener Blödsinn war, denn Lilly ging schließlich sehr aufgeschlossen auf sie zu. Die süße Maus hatte sogar in den Ferien zweimal am Telefon mit ihr reden wollen, als sie gerade mit Mehdi gesprochen hatte - wie jeden Tag in den letzten zwei Wochen, als die beiden räumlich getrennt waren - und sie hatten richtig gute Gespräche geführt und viel gelacht. Sie hatte die Kleine mittlerweile wirklich richtig gern gewonnen. Und ihr Freund sprach ihr auch immer wieder Mut zu. Zuletzt gestern Abend, als sie ihm Lillys Zimmer gezeigt hatte. Er war begeistert gewesen. Aber würde sie das auch sein? Würde Lilly sie mögen? Dauerhaft? Denn mit oder ohne sie ging und fiel nun mal ihre Beziehung. Und Mehdi würde sie um keinen Preis der Welt wieder hergeben wollen. Umso mehr war Gabi um ein gutes Verhältnis mit seiner Tochter bemüht. Aber der Umgang mit Kindern musste nun mal noch gelernt werden. Sie verfügte schließlich über keinerlei Erfahrung in derlei Hinsicht.

Dr. Haase, die ihre Kollegin nun auch entdeckt hatte, nickte Gabi freundlich zur Begrüßung zu, doch die war zu abgelenkt von ihrem Freund und Chef und ihrem Gedankenwirrwarr, um es überhaupt zu registrieren und darauf zu reagieren. Dr. Meier ignorierte seine Ex-Verlobte dagegen komplett und schaute sich stattdessen suchend in der Cafeteria um. Er überlegte sich stirnrunzelnd, ob er sich noch einen neuen Kaffee holen sollte, nachdem der alte schon kalt geworden war, oder doch lieber den aus dem Stationszimmer bevorzugen sollte. Schwester Sabine war zumindest in einerlei Hinsicht zu etwas zu gebrauchen. Gegen ihren Filterkaffee konnte man, in diesem Fall Dr. Meier, nichts sagen. Und gerade heute brauchte er dringend etwas Aufputschendes, um diesen äußerst verrückten Tag überhaupt überleben zu können.

Anhand des süßen Klangs ihrer zarten Stimme hatte auch Dr. Kaan endlich seine Freundin erkannt und drehte seinen Kopf zu ihr herum. Als er sie sah, fing sein Herz sofort schneller an zu schlagen. Gabi ging es genauso. Ihr Gedankenwirrwarr löste sich mit einem Mal in Wohlgefallen auf. Allein ein Blick von ihm aus diesen faszinierenden dunklen Augen genügte dafür, dass sie ruhiger wurde. Verliebt strahlte er sie an. Sie lächelte kurz zurück, wurde dann aber schnell wieder ernst. Denn sie war schließlich nicht zum Spaß hier, auch wenn sie es gerne wäre und dabei sogar Marc Meier einen Moment lang ertragen hätte. Ohne die beiden anderen Ärzte näher zu begrüßen, kam sie schnell zum Punkt...

Gabi: Du, ähm... Mehdi, ich wollte euch wirklich nicht stören.
Mehdi (lächelt sie schmachtend an): Du störst uns doch nicht, Gabi.
Marc (kann es nicht lassen): Na ja!?

Dafür kassierte der Macho einen kleinen fiesen Nackenschlag seiner schlagkräftigen Freundin, worauf der Attackierte mit einem ebenso bösen Blick konterte. Gretchen lächelte nur triumphierend und widmete sich schnell wieder ihrem Gegenüber, das sich von Nichts und Niemanden, außer dem süßen Lächeln seiner hübschen Stationsschwester, aus der Ruhe bringen ließ. Mehdi hatte die Meiersche Spitze gekonnt überhört und auch Lilly schaute die neue Freundin ihres Vaters neugierig von unten herauf an.

Mehdi (deutet mit einer einladenden Geste lächelnd neben sich): Komm, nimm dir einen Stuhl und setz dich zu uns!
Lilly (klapst mit ihrer Hand auf den Stuhl, auf dem sie vorhin gesessen hat): Ja!
Mehdi: Wie war’s beim Hausdrachen? Klappt es mit den gemeinsamen Schichten nächste Woche?
Gabi (bleibt hinter seinem Stuhl stehen u. lächelt ihn verlegen an): Ähm... ja soweit schon. Und ich würde mich auch gerne zu euch setzen, aber ähm... ich bräuchte dich jetzt mal... bitte.
Ach nee, guck mal einer an. Die hängt ja wirklich vollkommen an seinem Rockzipfel. Hähä! (MM)
Marc (lehnt sich amüsiert zurück): Och wie süß, kaum ne halbe Stunde getrennt und schon packt dich die Sehnsucht.
Arsch! (GK)
Gretchen (stupst ihn wieder von der Seite an u. straft ihn mit tadelndem Blick): Marc!
Gabi (lässt sich nicht aus der Ruhe bringen u. kontert gehässig): Weißt du, Marc, ich folge einfach deinem Beispiel. Klebst ja auch ständig an deinem Haasen.
Blöde Kuh! (MM)
Wie wahr! (MK)
Lilly (stimmt mit ein u. grinst den überrumpelten Mann frech an): Genau!
Marc: Was wird das hier? Konterrevolution oder was?

...zischte Dr. Meier beleidigt zurück und verschränkte seine Arme. Doch Gabi ignorierte seine spitzen Kommentare und wollte endlich ihr Anliegen darlegen. Schließlich war es dringend. Sie hatte schon viel zu viel Zeit mit dem Idioten hier verschwendet. Also wendete sie sich nun ganz ihrem geliebten Oberarzt zu...

Gabi: Mehdi, ähm... Frau Kinderlein ist gerade eingeliefert worden. Mit starken Wehen. Es geht los. Kate ist schon bei ihr. Die Gerlach ist auch schon angepiept, aber ist noch in Kreißsaal 1 beschäftigt. Wenn du bitte...

Mehdi erkannte den Ernst der Lage sofort. Er setzte seine Tochter, die ihm mittlerweile ganz schön schwer geworden war, auf den freien Stuhl neben sich und sprang anschließend von seinem eigenen auf. Er legte seine Hand liebevoll auf Gabis Schulter, blickte kurz vergewissernd zu Gretchen, die ihm wissend zunickte, und dann zu Lilly, die ihr Kinn auf ihre Stuhllehne legte und ihren Papa von unten herauf mit großen fragenden Augen anschaute, der gerade in seinen weißen Arztkittel schlüpfte, der an seiner Stuhllehne gehangen hatte.

Mehdi: Die Drillinge! Verdammt! Das ist viel zu früh. Ich muss. Lilly, Schatz, bleibst du bitte noch so lange bei Gretchen und Marc, bis die Oma und der Opa da sind, um dich abzuholen? Würdet ihr bitte...?
Marc (stöhnt entnervt auf): Boah!
Die wird man auch nie los! ... Na gut. Werd's überleben.
Lilly (lächelt ihren Papa an u. zwinkert Gabi zu, die zurücklächelt): Mach ich. Tschüssi, Papa!
Gretchen (strahlt ihren besten Freund an): Gerne, Mehdi!
Mehdi (erleichtert): Gut, dann... bis später. Marc?
Marc (grummelt, ohne aufzuschauen): Dito!

Mehdi winkte noch ein letztes Mal in die Runde und lief dann Gabi hinterher, die schon einige Schritte vorangegangen war. Der Frauenarzt war schon zwei Tische weiter, als Gretchen ihm noch etwas hinterher rief und ihn zum Umdrehen bewegte...

Gretchen: Ach, und Mehdi, denkst du bitte an heute Nachmittag! So gegen halb vier. Du weißt schon.

Die junge Frau schaute sich vergewissernd in der Cafeteria um und scannte den Raum, ob nicht irgendwo in einer Ecke Sabine und Dr. Gummersbach versteckt saßen, was zum Glück nicht der Fall war, sonst wäre der ganze schöne Plan dahin gewesen. Mehdi grinste nur wissend, zwinkerte ihr zu und richtete seinen Blick dann auf Marc, der gequält dreinblickte und auf seinen Stuhl herunter sank. Ihm grauste schon vor den anstehenden Stunden heute Abend. Aber was tat man nicht alles für die Liebe? Äh... seine Liebe! Sabine und Günni waren ihm dagegen schnurzpiepegal.

Mehdi: Ist notiert. Ich hol dich dann ab, Marc. Wir fahren mit meinem Wagen. Da passt mehr rein. Denk bitte an die Einkaufsliste!
Boah! Bin ich seine bessere Hälfte oder was?
Marc (macht eine abweisende Handbewegung in Mehdis Richtung): Jaha! Freu mich...
...nicht!

Mehdi konnte Marcs „Begeisterung“ deutlich ablesen, lachte nur spöttisch und folgte Gabi nun zum Ausgang. Und wie der Zufall es so wollte, trafen sie an der Tür genau diejenige, von der sie gerade eben noch gesprochen hatten: Seine Mutter, die ihn nun überschwänglich mit mehreren Küsschen links und rechts auf die Wange und einer dicken mütterlichen Umarmung begrüßte, was die Lernschwestern Miriam, Sandra, Lisa, Sofia, Verena, Simone und Manuela, die gerade in der Schlange an der Kasse standen, zum albernen Kichern brachte. Gabi und Soraya Kaan begrüßten sich höflich, aber distanziert. Der Umgang miteinander war immer noch ungewohnt und eher angespannt, aber es wurde schon besser. Man wurde langsam warm, würde Mehdis Mutter wohl diplomatisch sagen. Dennoch drängte die Krankenschwester nun mittels verzweifelter Blicke zum Aufbruch. Mehdi besprach noch schnell alles mit seiner Mutter, was Lilly und die geänderten Pläne betraf, und verließ dann im Eilschritt zusammen mit seiner Freundin die Cafeteria in Richtung Gynäkologie, wo seine Patientin schon ungeduldig unter heftigen Schmerzen auf ihn wartete.

Soraya Kaan sah den beiden noch kurz hinterher und seufzte, als sie bemerkte, wie die junge Dame in dem weißen Kittel nach einigen Metern nach der Hand ihres Sohnes griff und wie dieser sie anschließend kurz an sich zog, um sie vor dem Fahrstuhl zärtlich zu küssen, in dem sie kurz darauf verschwanden. Dann hatte die überfürsorgliche persische Mutter aber das hektische Winken von Mehdis liebreizender Ex-Freundin Dr. Margarethe Haase bemerkt und stolzierte nun lächelnd direkt auf den Tisch von Dr. Meier zu, der gleich von ihren Blicken gefangen genommen wurde, was dessen Fluchtinstinkte automatisch aktivierte. Auch in diesem schwierigen Fall war der Umgang eher ungewohnt oder besser gesagt ungewollt, obwohl man sich schon seit Jahren kannte und in einem gewissen Maße auch wertschätzte. Doch noch bevor Gretchen reagieren konnte, war der attraktive Oberarzt aufgesprungen, war um den Tisch herumgetänzelt und hatte der kleinen Lilly noch kurz über den Kopf getätschelt und war im nächsten Moment auch schon verschwunden. Soraya sah ihm ebenso sprachlos hinterher wie Gretchen, als er übereilt mit wehendem Kittel an der eleganten dunkelhaarigen Dame vorbeihechtete.

Marc: Notfall.

...sagte er noch flüchtig und weg war er! Die schöne Perserin blickte fragend zu der blonden Assistenzärztin herab, die nur ungläubig mit dem Kopf schütteln konnte und sich maßlos über den Flüchtenden ärgerte, es aber lieber für sich behielt und nun zu einem aufgesetzten Lächeln wechselte und höflicherweise von ihrem Stuhl aufstand, um Mehdis Mutter angemessen zu begrüßen. Diese wurde aber im nächsten Moment schon von ihrer neunjährigen Enkelin abgelenkt, die ihr stürmisch um den Hals fiel...

Lilly: Omi!!!
Soraya (drückt Lilly liebevoll an sich und schaut sich die Kleine dann stolz an, als sie endlich von ihr ablässt): Na, mein Schatz! Wie geht’s dir?
Lilly (schaut suchend hinter ihre Oma u. zieht sie anschließend auf den Stuhl neben sich): Supi! Wo ist denn der Opa?
Soraya (lächelt ihre Enkelin an u. lässt sich mitreißen, dann blickt sie fragend zu Dr. Haase herüber, die sich auch wieder gesetzt hat): Der wartet draußen im Auto. Du weißt doch, er mag Krankenhäuser nicht so besonders. Wenn du auch gehen musst, Gretchen, dann...
Gretchen (schaut noch einmal vergewissernd zum Ausgang der Cafeteria, in der Hoffnung, Marc hätte es sich doch noch mal anders überlegt, als feige abzuhauen): Nein, ich hab noch einen Moment. Und für dich immer gerne. Soll ich dir vielleicht einen Kaffee holen, Soraya?
Soraya: Das wäre sehr nett. Danke, Gretchen.

Gretchen lächelte Mehdis Mutter freundlich an, räumte den Tisch ab und kam nach drei Minuten mit einem kleinen Tablett mit einem Kaffee und zwei Kakao wieder. Eine Tasse reichte sie gleich Lilly...

Gretchen: Lilly, Maus, ich hab dir auch gleich noch einen Kakao mitgebracht.
Lilly (nimmt ihn wie einen kleinen Schatz strahlend entgegen u. zieht die leckeren Schokodüfte genüsslich in ihre Nase ein): Oah! Danke!

Die Assistenzärztin lächelte und setzte sich, nachdem sie auch Soraya eine der Tassen gereicht hatte, den beiden gegenüber, nippte gleich an ihrem heißen Kakao und schaute dabei zu der attraktiven Mittfünfzigerin, die gerade eben noch in einem innigen Gespräch mit ihrer Enkelin vertieft war und nun ihre ganze Aufmerksamkeit auf die reizende Ex-Freundin ihres Sohnes richtete...

Soraya: Und Gretchen, jetzt erzähl doch mal! Wann macht ihr beide denn endlich ernst, hmm?

Lorelei Offline

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09.04.2012 17:56
#1262 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Gretchen glaubte, sich verhört zu haben und verschluckte sich dementsprechend an ihrem heißen Kakao. Woher wusste sie das? Das konnte sie doch gar nicht wissen. Niemand wusste es. Außer Marc und sie. Und der Goldfisch, den sie heute Morgen recht euphorisch begrüßt hatte, nachdem sie Lilly aus dem Bett geholt und ins Bad zum Fertigmachen geschickt hatte. Die ertappte Assistenzärztin konnte gerade noch so verhindern, dass sie ihren frisch gewaschenen Kittel in dunkle Schokolade tauchte, und hielt sich eine Serviette an den Mund. Sie brauchte einen Moment, bis sie ausgehustet hatte und spürte nun deutlich Sorayas interessierte Blicke auf sich gerichtet. Mütter waren doch alle gleich. Jetzt wünschte sich Gretchen, Marc doch hinterher gegangen zu sein und wurde rot im Gesicht, worüber ihre Gesprächspartnerin charmant hinweglächelte, die diese Reaktion als eindeutiges Zeichen wertete. Die Flucht von Mehdis bestem Freund sprach schließlich auch für sich selbst. Wer etwas zu verbergen hatte, verhielt sich doch immer gleich. Seitdem die Geschichte mit ihrer Schwiegertochter aufgeflogen war, war Soraya Kaan ihren Mitmenschen gegenüber ganz besonders vorsichtig und ihre Antennen waren stets auf Empfang gepolt. Und hier schien sie wohl den Nagel genau auf den Kopf getroffen zu haben. Die von ihr Angesprochene stammelte sich nun um Kopf und Kragen und atmete erleichtert auf, als sie gleichzeitig etwas in ihrer Kitteltasche bemerkte...

Gretchen: Ähm... Ja, das... Also... äh... Oh! ... Ich... glaube, mein Pieper... hat... gerade ... vibriert. Tut mir leid, ich... ich muss jetzt wirklich... in den OP. Ja, genau. Komplizierte OP. Gerissene Sehne an der... Ähm... Soraya, war schön, dich mal wieder gesehen zu haben. Liebe Grüße an deinen Mann. Und wir beide, ähm... ja, wir sehen uns dann morgen auf der Hochzeit von Schwester Sabine.
Lilly (strahlt ihre große Freundin vorfreudig an): Ja, ich freu mich schon so dolle. Tschüssi Gretchen! Und drück die Bine ganz lieb für mich. Sie muss gar nicht aufgeregt sein. Ich bin es auch nicht.
Gretchen (leicht verwirrt): Ich ... auch ... nicht. Ähm... ja. Also... auf Wiedersehen.
Soraya (schmunzelt über den recht überstürzten Aufbruch der schönen Ärztin): Auf Wiedersehen, Gretchen. Vielleicht findet ihr, also du und Marc, ja auch mal Zeit, zu uns rauszukommen. Werner und ich würden uns freuen.
Gretchen: Äh... ja, vielleicht.

Gretchen stand langsam von ihrem Stuhl auf, reichte Mehdis Mutter freundlich ihre Hand zum Abschied, lächelte sie dabei leicht nervös an und verabschiedete sich dann noch schnell mit einer liebevollen Umarmung von der kleinen Lilly, die sich herzlich an ihre liebe Babysitterin drückte. Soraya sah der schönen, etwas verwirrt wirkenden Assistenzärztin wissend hinterher, als diese sich in Richtung Ausgang bewegte. Ihr Gespür sagte ihr, da war etwas im Busch zwischen ihr und dem Meier und sie freute sich aufrichtig darüber. Auch wenn sie die liebenswerte Chirurgin doch schon gerne als Schwiegertochter gehabt hätte. Aber das sollte wohl nicht sein. Ihr Sohn hatte sich doch auch neu verliebt, nachdem er sich endlich nach langem unglücklichen Hin und Her von ihr gelöst hatte, und sie gönnte ihm sein neues Glück, wenn auch noch unter Vorbehalt. Aber nach den Erfahrungen mit Anna blieb sie eben vorsichtig. Lächelnd widmete sich die Perserin nun wieder ihrer süßen Enkeltochter, während Gretchen auf schnellen Schritten die Cafeteria verließ, aber nicht ohne vorher noch den Mitarbeiterinnen der Kantine einen freundlichen „Guten Morgen“ gewünscht zu haben.

Weit kam die charmante Assistenzärztin jedoch nicht. Kurz bevor sie die Fahrstühle erreicht hatte, wurde sie plötzlich abrupt zur Seite gezogen. Bevor sie vor Schreck losschreien konnte und überhaupt realisierte, was mit ihr passiert war, spürte sie auch schon die glatte marmorne Säule im Rücken, gegen die sie nun ungestüm gedrängt wurde, und weiche, ihr sehr vertraute Lippen auf den ihren. Verliebt erwiderte Gretchen Haase den leidenschaftlichen Kuss und schloss ihre Arme um den aufregenden Körper, der sie hier gerade gefangen hielt, bis Marc Meier sich irgendwann von ihr löste und seinen Haasenzahn mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen musternd anschaute...

Marc: Endlich!
Er hat mich vermisst. Hach... Aber das entschuldigt nicht, wie er sich gerade benommen hat.
Gretchen (eigentlich sollte sie ja noch böse sein, aber sie schlingt ihre Arme doch um seinen Hals u. schmiegt sich glücklich an ihn): Das war echt unhöflich von dir, einfach so abzuhauen. Was Mehdis Mutter jetzt wohl denkt?
Das ist mir so was von Schnuppe. Hauptsache ich hab dich endlich wieder. Alleine! Ohne nervigen Umgang.
Marc (völlig relaxed): Glaub mir, die Dosis Kaan, die wir heute schon hatten, reicht erst mal eine Weile.
So ein Blödmann! Aber ein süßer. Hihi! Und er hat mich doch vermisst. Und ich ihn erst.
Gretchen (schmunzelt, als sie an das Gespräch zurückdenkt, dem sie gerade noch so entkommen ist): Stimmt! Und jetzt? Visite? Oder soll ich Frau Böhmer schon für die Hand-OP gleich vorbereiten?
Marc (zieht seine überrumpelte Freundin nun ganz hinter die Säule u. beginnt sie wieder zärtlich zu küssen): Hat noch einen Moment Zeit.
Gretchen (genießt): Mhm! Wie wahr!

Und so genossen die beiden Verliebten noch einen Moment inniger Vertrautheit, die ihnen an diesem schicksalhaften Morgen bisher noch verwehrt geblieben war, bis sie urplötzlich eine laute sehr vertraute Stimme letztendlich aus ihren magischen Träumen riss...

Bärbel (außer Atem): Margarethe! ... Kind! ... Da bist du ja! ... Ich hab dich schon überall... Oh guten Morgen, Doktor... Marc!
Na super! Was hab ich eigentlich angestellt, dass mich heute jeder quälen will? Dabei hätte der Tag so gut beginnen können.
Marc (lässt widerwillig von seiner verschmusten Freundin ab u. schaut zu der hektisch wirkenden Lernschwester, die genau vor ihm zum Stehen kommt): Moin!
Gretchen (wird merklich rot im Gesicht, nachdem sie so unvermittelt von ihrer Mutter aus ihren Zärtlichkeiten gewissen wurde, u. rückt sich ihren Kittel zurecht, den Marc gerade etwas ungestüm zerknittert hat): Mama, was... gibt’s?

Menno! Dass Mama ausgerechnet jetzt auftauchen muss. Ich hab heute Morgen noch nicht wirklich was von Marc gehabt. Ich will ihn doch nur mal einen Moment lieb haben. Nachdem was wir heute Nacht... Hach...

Als hätte sie gerade einen Dauerlauf hinter sich gelegt, lehnte sich Schwester Bärbel jetzt schwer schnaufend mit dem Rücken gegen die Marmorsäule, an der ihre Tochter gerade eben noch innig geküsst worden war, strich sich eine widerspenstige Strähne hinter ihr Ohr und holte tief Luft. Sie brauche einen Moment, um sich zu sammeln. Sie hatte auch allen Grund dafür, nachdem, was sie soeben während der Dienstbesprechung im Büro von Oberschwester Stefanie erfahren hatte. Und dabei handelte es sich nicht um ihre Neuversetzung in die Pathologie, die sie nach dem eben Gehörten schon fast wieder vergessen hätte und vor der sie eigentlich sehr viel Respekt gehabt hätte, so wie sie es bei allen Dingen hatte, die mit dem Tod zu tun hatten.

Marc und Gretchen beobachteten ihr aufgescheuchtes Gegenüber argwöhnisch mit hochgezogenen Augenbrauen, das nun hektisch vor ihnen hin und her lief und immer wieder ihre Arme in die Luft warf, um anschließend theatralisch zu seufzen und den Kopf zu schütteln, und warfen sich schließlich wehleidige Blicke zu, während sie mit einem zunehmend mulmigen Gefühl auf Bärbels Antwort warteten, die nun urplötzlich aus ihr heraussprudelte und ihre Gesprächspartner sichtlich sprachlos werden ließ. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, wenn nicht das Gesprächswirrwarr der Kollegen und das klirrende Geschirr von der Cafeteria her über die Flure geschallt wäre..........

Lorelei Offline

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11.04.2012 10:55
#1263 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Bärbel (sieht ihre Tochter eindringlich an): Du wirst nicht glauben, was ich soeben gehört habe, Margarethe?

Ich will es nicht wissen. Ich will lieber weiter küssen und mit Marc über Kinder reden und Kinder ma... Ääähhh... Ein andermal. Bitte Mama!

Gretchen (verdreht die Augen angesichts der Theatralik im Blick und Auftreten ihrer hysterischen Mutter u. heuchelt Interesse): Was denn?
Bärbel (hält theatralisch ihre Hand an ihr Herz): Ich glaube, ich brauche jetzt einen Schnaps.

Okay!? Irgendetwas stimmt hier nicht. Was hat Mama denn so aufgeregt? Oh Gott, Papa hat doch nicht schon wieder eine Affäre. Papa!

Oh Gott, ich will ja nichts sagen, aber die gehört doch eindeutig in die Klapse. Die benimmt sich neuerdings ständig ziemlich seltsam. Neulich im Park vorm Ostflügel, da war sie auch... Obwohl gut, eigentlich benimmt sie sich immer so. Ich hoffe, diese Züge sind nicht erblich. Oh Gott, bitte nicht! Ich will nicht, dass der Knirps so wird wie seine Oma. Weder wie die eine, noch wie die andere. Besonders nicht, wie die andere! Alter Falter, was denkst du eigentlich gerade?


Marc (beobachtet beunruhigt das seltsam überzogene Verhalten seiner Schwiegermutter in spe u. flüstert Gretchen schließlich schmunzelnd etwas ins Ohr): Nicht nur das!
Gretchen (funkelt Marc böse von der Seite an u. schaut schnell wieder zu ihrer Mutter, die etwas zerstreut wirkt u. nun nachdenklich zum Fenster hinter den beiden blickt): Mama, es ist acht Uhr morgens! Sicher nicht die Zeit, um schon mit dem Trinken anzufangen.
Bärbel (richtet ihren Blick nun wieder vorwurfsvoll auf ihr Kind): Wieso bin ich eigentlich immer die Letzte, die irgendetwas erfährt?

Scheiße eh, die hat doch nicht etwa auch ein drittes Auge?

Was schaut sie mich denn jetzt so an? Ich hab nichts gemacht. Noch nicht. Oder hat sie etwa auch so eine Vorahnung wie Soraya gerade eben? Haben Mütter das etwa, wenn es ernst wird bei ihren Kindern? Das wäre doch verrückt. Oh Gott, ich hab schon ihre Ratschläge im Ohr. So was wie, wenn er die Socken anbehält, dann.... Aaaaahhh....neiiiiin! Bitte nicht! Ich will nichts hören.


Gretchen (verständnislos sieht sie zwischen ihrer Mutter und Marc hin und her, der unwissend mit den Schultern zuckt u. sich gerade an einen anderen gemütlicheren Ort wünscht): Ja, was denn, Mama?

Bärbel Haase holte noch einmal tief Luft, stützte sich mit einer Hand an der Marmorsäule ab, so als ob sie kurz vor einem Zusammenbruch stehen würde, blickte nun direkt zu ihrer Tochter und deren Freund und ließ die Bombe schließlich platzen, die ihr fast den Boden unter den Füßen weggezogen hätte. Die ehemalige Hausfrau und Mutter war nah dran an einem Herzinfarkt, so unglaublich war das, was sie vorhin rein zufällig über drei Bänke mitbekommen hatte.

Bärbel: Ich... werde... OMA!
Gretchen (sprachlos starrt sie ihre Mutter an): Äh... Wie bitte?
Es gibt die Vorahnung doch!
Das dritte Auge! Kacke!

Marc (klappt die Kinnlade herunter): Was?

War Dr. Meier gerade eben noch abgelenkt von einer süßen Haarsträhne gewesen, die sich aus Gretchens geflochtenem Zopf gelöst hatte, war er plötzlich wieder hellwach und starrte erst Bärbel Haase, dann deren Tochter ziemlich schockiert an. Und auch Gretchen schaute nicht minder betröppelt aus der Wäsche. Wie konnte ihre Mutter etwas wissen, dass sie beide noch nicht einmal wussten? Marc packte seine verblüffte Freundin unvermittelt am Oberarm und zog sie etwas abseits zum Fenster hin und stellte sie nun flüsternd hinter vorgehaltener Hand zur Rede, damit Schwester Bärbel, die ja bekanntlich in den letzten Wochen auf Mehdis Station gearbeitet und Augen und Ohren offenbar überall im EKH hatte, auch möglichst nichts mitbekam...

Marc: Hast du dich etwa testen lassen?
Gretchen (sieht ihn ungläubig an u. flüstert): Was? Nein! Wann denn? Wir waren doch die ganze Zeit zusammen.
Marc: Ja, stimmt, aber wie kommt sie dann auf den Schwachsinn?

Gretchen schaute ihren Freund schulterzuckend an und drehte sich wieder fragend zu ihrer Mutter um, die die beiden misstrauisch beobachtet hatte und immer noch mit den Nachwirkungen des gerade eben Erfahrenen zu kämpfen hatte. Zögerlich versuchte die Assistenzärztin etwas aus ihr herauszubekommen. Ihr Oberarzt war ebenfalls ganz Ohr.

Gretchen: Ähm... Mama, wie kommst du überhaupt darauf?
Bärbel (wirft theatralisch ihre Arme in die Luft u. schaut an die Decke, während sie erst mit sich selbst spricht u. dann ihrem Kind Vorhaltungen macht): So muss ich das also erfahren. Aus zweiter Hand. Aus dem Mund klatschsüchtiger Schwestern. Das ist doch unmöglich so was. Dabei hab ich euch doch immer beigebracht, dass ihr uns alles sagen könnt. Und jetzt bin ich plötzlich Oma.
Okay, also so langsam zweifele ich doch an ihrem Verstand.
Gretchen (kommt näher u. legt behutsam ihre Hand an ihre Schulter): Okay!? Mama, ich will dir jetzt nicht die Illusionen nehmen, aber... das bist du nicht.
Bärbel (seufzt u. sieht sie unwirsch an): Das weiß ich doch, Gretchen. Aber du hättest mir ruhig sagen können, dass Jochens neue Freundin ein Baby hat.
Marc/ Gretchen (synchron): Oh!

Marc atmete erleichtert aus und musste plötzlich breit grinsen und auch Gretchen verdrehte die Augen angesichts der übertriebenen Dramatik ihrer Mutter. Daher wehte also der Wind? Jochen war mal wieder an allem Schuld. Das hätte sie auch gleich wissen können.

Gretchen: Mama, ich konnte und wollte nichts sagen, nicht solange ich selber nicht weiß, ob die beiden nun wirklich richtig zusammen sind oder nicht.
Bärbel (sichtlich irritiert u. leicht bestürzt): Sind sie nicht?
Gretchen: Mama, ich weiß es nicht. Das musst du schon deinen Sohn selber fragen. Bei ihm weiß man das nämlich nie so genau.
Bärbel (hält sich theatralisch die Hand vor den Mund; Gretchens Worte prallen nur so an ihr vorbei, ohne dass sie sie wirklich wahrnimmt): Mein Gott, Franz wird sich fürchterlich aufregen, wenn er das erfährt. Plötzlich ist er Opa!
Gretchen (schmunzelt): Wieso? Ihr wolltet doch immer jung Großeltern werden.

Und wir sind erst mal fein raus. Jippi! Obwohl... Wenn die wüssten! Hihi!

Gretchen schaute kurz zu Marc, der wohl gerade das Gleiche gedacht hatte und sie geheimnisvoll von der Seite anlächelte und ihre Hand in seine nahm. Ganz verzaubert erwiderte sie sein verliebtes Lächeln und vergaß für einen Moment ganz, wo sie war und wer ihr gerade gegenüberstand und sie ziemlich unwirsch ansah. Bärbels Gedanken überschlugen sich und sie blickte für einen Augenblick überlegend an die Decke und seufzte schließlich, als sie ihren Blick wieder senkte und auf das glückliche Paar richtete, das heute offenbar ganz besonders verliebt auf sie wirkte. Aber das war im Moment nebensächlich. Ihr ging es schließlich ums Prinzip.

Bärbel: Also ich muss doch wohl sehr bitten, Margarethe. Doch nicht so! Gleich von heute auf morgen. Ohne uns zu fragen.
Gretchen (löst sich von Marcs fesselnden Augen u. zwinkert ihrer Mutter frech zu): Da reicht schon ein kleiner Moment für aus, Mama.
Marc (lehnt sich von hinten an seine überraschend schlagfertige Freundin heran, schlingt seinen Arm um ihre Taille u. flüstert ihr leise etwas ins Ohr): Oder eine vergessene Pille. Oder waren es zwei? Oder drei?

Menno! Das wird er mir noch ewig vorhalten. Dabei muss das doch gar nichts heißen. Ich fühle mich jedenfalls nicht schwanger. Aber das merkt man ja auch noch nicht gleich, wenn’s passiert ist. Oder? Also, falls etwas passiert ist. Das wäre schon ein riesiger Zufall, wenn es so wäre. Gerade jetzt, wo Jochen auch... Nein, ich bin nicht schwanger. Das kann gar nicht sein. Marc und ich haben doch gerade erst beschlossen, es überhaupt zu werden.

Bärbel (wird hellhörig): Wie meinen?
Gretchen (wiegelt hektisch ab): Äh... nichts.

Gretchen schaute ihren vorlauten Freund drohend an, der sich fast verplappert hätte. Nicht auszudenken, wie ihre Mutter dann erst reagiert hätte. Wenn sie schon allein bei der Tatsache, dass Jochens Vielleicht-Freundin ein Kind hatte, ein solches Fass aufmachte. Sie wäre doch vollkommen überfordert gewesen. Und Gretchen damit auch. Marc zwinkerte seiner Liebsten nur frech zu und flüchtete schnell aus der Haasschen Schusslinie zu den Fahrstühlen, wo er, dort angekommen, auch direkt die Aufruftaste drückte. Anschließend blickte er auffordernd zurück. Doch seine süße Freundin ließ auf sich warten. Mal wieder! Gretchens Mutter hatte sich mittlerweile wieder etwas eingekriegt und schaute ihre Tochter nun etwas sanftmütiger an, wenn auch immer noch leicht gereizt.

Gretchen: Du weißt aber schon, dass Jochen nicht der Vater von Chantals Baby ist.
Er ist ja selber noch eins, das tagtäglich von Mama gepampert wird.
Bärbel: Ja natürlich. Ich bin doch nicht senil, Gretchen.
Gretchen (rollt mit den Augen): Das hab ich so nicht gesagt.
Bärbel (fühlt ihr auf den Zahn): Kennst du das Mädchen näher?
Gretchen (zögerlich): Flüchtig, ja.

Lieber nicht zu viel verraten. Sonst bekomme ich wieder einen auf den Deckel. So wie neulich, als ich Jochen gesagt habe, wie unmöglich ich sein Verhalten Chantal gegenüber finde. Nur weil ihm die Nachricht, dass sie ein kleines Baby hat, vollkommen überfordert hat und er nicht damit umzugehen wusste. Aber das scheint sich ja mittlerweile wieder geklärt zu haben. Ich hab die beiden ja zusammen bei Gabis Umzug erlebt. Ein Herz und eine Seele. Vielleicht wird mein kleiner Bruder ja doch noch erwachsen? Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben.

Bärbel (überlegt): Mhm? Ich werde mir den Jungen mal zur Brust nehmen. Wieso hat er nur nichts gesagt?
Ja, warum wohl, Mama? Tja, bei ihrer Reaktion ist das ja auch kein Wunder. Ich hätte es auch nicht anders gemacht. Ob ich ihn vorwarnen sollte? Mhm? Nö! Ist mal ganz angenehm, dass sie ihre Aufmerksamkeit mal nicht nur auf mich und Marc lenkt. Du ist so fies, Gretchen! Hihi!
Gretchen (bemerkt Marcs drängelnde Blicke am Fahrstuhl, ist davon abgelenkt u. will nun auch gehen): Mach das, Mama!
Bärbel (ein zufriedenes Lächeln schleicht sich auf ihre Lippen u. sie blickt ihre Tochter nun auffordernd an): Ja, das werde ich. Kind, nach der ganzen Aufregung wollte ich jetzt etwas frühstücken gehen. Dein Vater kommt auch gleich noch. Vielleicht hast du ja...?
Gretchen (fällt ihr schnell entschuldigend ins Wort): Du, ein anderes Mal gerne, Mama. Wir kommen gerade schon vom Frühstück und müssen dringend weiter.
Bärbel (schaut sich suchend nach Dr. Meier um u. muss überraschend feststellen, dass er gar nicht mehr neben ihr steht): Ach?
Gretchen: Ich muss jetzt wirklich, Mama. Die Visite ruft. Gib Papa bitte einen Kuss von mir!
Bärbel (tätschelt ihr liebevoll die Wange u. lässt sie ziehen): Gut! Dann bis... Ach, was ich fast vergessen hätte, dein Vater will heute Mittag noch eine kleine Versammlung in der Cafeteria abhalten. Wegen der Vermählung von dem Herrn Dr. Gummersbach und der Frau Vögler. Sagst du bitte den anderen Bescheid!
Gretchen (setzt ihr zauberhaftestes Lächeln auf u. verabschiedet sich): Mach ich. Bis später, Mama.

Oh, oh! Na das kann ja was werden. Marc wird begeistert sein.

Endlich konnte sich Gretchen von ihrer nervtötenden Mutter loseisen, die ihr noch fröhlich hinterher schaute und sich anschließend mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen auf den Weg in die Cafeteria machte, wo sie doch tatsächlich direkt Jochens charmanter Ex-Freundin Kristin über den Weg lief und die angehende Anästhesistin, die eigentlich sehr in Eile war und schon längst bei Dr. Stier im OP stehen müsste, in ein äußerst peinliches Gespräch über Jochen verwickelte, den sie kurz vor Weihnachten in den Wind geschossen hatte, weil er noch nicht grün hinter den Ohren gewesen war und sie sich einfach nicht mehr mit ihm hatte vorstellen können, und folgte ihrem Oberarzt zum Fahrstuhl, der bereits die Türschranken blockierte, um den Aufzug zum Bleiben zu halten, und ungeduldig auf seine Assistenz wartete. Mit einer beherzten Handbewegung zog Dr. Meier sie schnell in das menschenleere Gefährt, das hinter ihr sofort die Türen schloss.............

Lorelei Offline

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13.04.2012 16:49
#1264 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Schnell hatte der liebeshungrige Chirurg seine bildschöne Assistenzärztin gegen die stählerne Rückwand des Aufzuges gedrängt, so wie er es gerne zu tun gepflegte, und hatte sie mit beiden Armen eingekesselt, die er rechts und links von ihrem süßen Lockenschopf positioniert hatte, der ihn nun erwartungsvoll aus einem glitzernden Meer blauer Augen anschaute. Sekundenlang. Seine dunkelgrünen funkelnden Augen verfingen sich in ihren. Ihre beiden Herzen klopften wie wild um die Wette, riefen regelrecht nacheinander, wollten sich endlich berühren und gemeinsam im selben Rhythmus tanzen. Dieser Moment, in dem sie sich gegenseitig anschauten, dauerte eigentlich nur einen Hauch von einer Sekunde, doch beiden kam es wie eine kleine Ewigkeit vor, in der es nur sie beide gab. Und diesen einen Wunsch. Endlich allein zu sein und sich ungestört küssen zu können. Beide sehnten sich so sehr danach.

Marc senkte schließlich seinen Kopf in ihre Richtung, wobei er vorfreudig zu lächeln begann. Dieselbe Vorfreude teilte auch Gretchen, die ihm mit ihrem Kopf entgegenkam und sich auf ihre Zehenspitzen stellte und sich stützend gegen seinen starken Körper lehnte, den sie nun mit beiden Armen fest umschlang. Sie trafen sich in der Mitte. Auch seine Hände suchten unruhig Halt. Seine warmen weichen Lippen kreisten nur ganz zaghaft über ihren verführerischen Erdbeermund, der sich ihm leicht entgegenstreckte, und Gretchen ließ sich nur allzu gern von ihrem aufregenden Oberarzt zu einem sinnlichen Kuss verführen. Sie schloss ihre Augen und versuchte nach ihm zu schnappen. Marc ließ sich das gerne gefallen und intensivierte seine Zuneigungsbekundung noch. Verspielt tänzelten die beiden nun durch den winzigen quadratischen Raum und küssten sich voller Liebe und Hingabe. Noch immer bewegt von dem, was vielleicht schon bald Realität werden würde, was ihre Herzen und Gedanken zunehmend berührte und ihre Emotionen lenkte. Sie ließen sich treiben. Einfach so. Gemeinsam. Nur für einen kleinen Moment.

Kurz bevor der Fahrstuhl auf ihrer Etage Halt machen würde, ließ Marc jedoch von seinem süßen Haasenzahn ab, die gerne noch weiter mit ihrem Schatz geschmust hätte, und schaute spitzbübisch in ihren leuchtenden Augen hin und her, die sich langsam wieder geöffnet hatten und ihn heute ganz besonders intensiv anstrahlten. Das pure Glück eben, das er genauso mit seiner Liebsten teilte. Er war vollkommen glücklich und mehr als zufrieden, trotz des peinlichen Aufeinanderprallens mit seiner verrückten Schwiegermutter in spe gerade eben vor der Cafeteria.

Marc: Jetzt sind wir wohl fein raus oder?
Gretchen (versteht den Wink mit dem Zaunspfahl sofort u. zieht einen gespielten Schmollmund): Denk nicht mal daran, Marcilein! Nur weil sich ihr Augenmerk für einen Moment auf Jochen gelenkt hat, heißt das nicht, dass wir nicht mehr... Also... Äh... Du weißt schon. Ich nagele dich daran fest.
Marc (auf seine Lippen legt sich ein dreckiges Grinsen): Du tust bitte was?
Also ich verstehe ja unter Nageln etwas ganz anderes. Hmm... eigentlich eine geile Idee, wenn ich nicht schon seit fünf Minuten Visite halten müsste. ... Moment! Hat sie mich gerade Marcilein genannt? Boah Frechheit!
Gretchen (hat seine Anspielung gar nicht richtig bemerkt u. wird wieder unsicherer): Ähm... also, du weißt schon. Wegen letzter Nacht. Was du gesagt hast. Oder... willst du... doch wieder... einen Rückzieher... machen? Ich... könnte es verstehen. Ehrlich.
Wieso glaubt sie mir das nicht? ... Fragst du dich das wirklich? Nach allem, was zwischen euch war in den letzten zwanzig Jahren, müsste dir das doch klar sein, oder? ... Scheiße, ja!
Marc (legt ihre beiden Hände in seine, streichelt mit dem Daumen darüber und schaut ihr dabei tief in die Augen, um sie zu überzeugen): Ich nehme hier gar nichts zurück, Haasenzahn. Wann will das endlich in deinen süßen Schädel rein, hmm? Ich weiß, was ich tue.

Denke ich zumindest? Oder geht ihr das doch zu schnell? Fühlt sie sich überfahren? Soll ich einen Gang zurücknehmen? Ich weiß doch auch nicht, wieso mir das auf einmal so wichtig ist und ich gleich mit einem Bulldozer sämtliche Türen einrenne. Aber es ist nur... scheiße, keine Ahnung, es fühlt sich gerade nur irgendwie gut an. Ist das verrückt?

Trotzdem, ich weiß nicht. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass da noch was ist. Etwas, was er vielleicht selber bisher noch nicht gemerkt hat, was aber da ist und ihn... Ach, ich weiß doch auch nicht. Wieso mache ich es nur schon wieder so kompliziert? Ich will mich doch auch nur in dieses Abenteuer stürzen. Ein Abenteuer, das ist es wahrlich! Auch wenn ich keine Ahnung habe, wie es dann sein wird. Auf Kinder aufzupassen, ist das eine, selbst welche zu haben, etwas anderes. Und ich habe doch hier schon ein großes Kind zu betüddeln.

Gretchen (sieht aufgewühlt in seinen treuen Augen hin und her): Ich glaube dir ja.
Marc (runzelt seine Stirn, als er in ihren Augen zu lesen versucht): Das hört sich sehr nach einem „Aber“ an? Hast du Zweifel?
Gretchen (schüttelt langsam den Kopf u. sieht ihn liebevoll an, während sie zu träumen beginnt): Nein, natürlich nicht. Ich will das. Ich wünsche mir nichts sehnlicher als ein Baby mit dir, Marc. Ein kleines Gretchen mit blonden Locken und stechend grünen Augen. Oder eine Kopie von dir, einen kleinen Marc, dem ich immer die Ohren lang ziehen muss, wenn er wieder Blödsinn gebaut hat.

So sieht sie das also? Unverschämtheit! Dabei könnte ich wirklich Verstärkung gebrauchen bei dieser rosaroten Allmacht, die mich täglich in den Wahnsinn treibt.

Marc (ein kleines Lächeln huscht zufrieden über sein Gesicht): Na also! Alles Paletti! Und vielleicht... (instinktiv sucht seine rechte Hand ihren Bauch und legt sich darauf) ... ist der Vogel ja bereits gelandet.
Gretchen (glaubt sich verhört zu haben u. reißt ihre Augen weit auf): Äh... Bitte was? Marc Meier, ich bin doch keine Henne, die etwas ausbrütet. Klar!?

Doch! Etwas von einer Glucke hast du schon. Aber ich liebe es, wenn du mich begluckst. Wie wär’s mit... jetzt?

Marc (lacht): Das hab ich ja auch so nicht gesagt. Ich meinte das eher metaphorisch gesprochen. Du weißt schon, dieser riesige Vogel mit den staksigen Beinen und dem langen Schnabel. Froschfresser. Die alberne Geschichte, die einem die Eltern immer weiszumachen versuchen, wobei die meisten Kids heutzutage doch eh schon längst wissen, wie der Hase wirklich lang läuft.
Gretchen (muss nun auch schmunzeln): Du bist so albern, weißt du das?
Sie lacht wieder! Geht doch!
Marc (stupst ihr mit dem Finger an die Nase u. zieht seine Freundin anschließend noch enger in seine Arme, die sich krakenartig um ihren Körper schließen): Jep! Das wäre wohl dann die perfekte Voraussetzung, nicht?

Wieso sieht er das alles nur so leicht? Das ist doch kein Spiel und nichts, worüber man Witze machen sollte. Oder sollte ich das alles auch einfach locker nehmen? Wenn ich nur nicht so aufgeregt wäre. Das ist so ein riesiger Schritt. Was ist, wenn ich das nicht kann?
Gretchen (wieder ernster): Du meinst es wirklich ernst, oder?
Ach Haasenzahn! Ich dachte, das wäre die Erfüllung all deiner heimlichen Träume, also neben den ganzen sexuellen Erfüllungen versteht sich, die du tagtäglich in dein rosa Buch kritzelst?

Eindringlich blickte Gretchen Marc an. Er seufzte und legte beide Hände an ihre Wange, zog ihren Kopf zu sich hin und küsste sie zärtlich auf die Lippenspitzen. Dann hielt er inne und lehnte seinen Kopf gegen ihre Stirn. Die Augen hielt er geschlossen. Sie tat es ihm gleich und sie spürte mit ihrer Hand, die auf seinem Brustkorb ruhte, wie wild sein Herz gerade pochte. Er war genauso aufgeregt vor diesem Schritt wie sie auch. Gemeinsam würden sie das Kind schon schaukeln, dachte sie bewegt, während er ihr leise auf ihre Frage antwortete...

Marc: Mhm! Ich ... denke ... schon.
Auch wenn ich keinen blassen Schimmer hab, was dann passieren wird. Scheiße eh, ich glaub, ich hab doch Muffensausen, aber gewaltig.

Wow! Ich glaube, mein Herz zerspringt gleich. Das ist so... so... Ich finde keine Worte.


Gretchen (von ihren Gefühlen und Gedanken überwältigt schließt sie ihre Arme ganz fest um seinen Körper, um sich zu vergewissern, dass er tatsächlich noch da ist): Ich kann das noch gar nicht richtig glauben.
Marc (Wange an Wange seufzt er auf): Ich ... auch ... nicht.
Gretchen (flüstert träumerisch, womit sie eine Gänsehaut bei ihm auslöst): Wir bekommen ein Baby!

Scheiße, ja!

Damit hatte Gretchen erstmals das offen ausgesprochen, was seit Stunden über ihren Köpfen und in ihren Gedanken schwebte und ihre Herzen bewegte. Sie spürte nur noch, wie Marc leicht mit dem Kopf nickte und sich dann immer fester an sie schmiegte, so als ob er eine letzte Bestätigung suchte, ob es richtig war, was sie hier vorhatten. Verträumt hielten die beiden Verliebten sich im Arm und ließen ihren durcheinander wirbelnden Gedanken freien Lauf, bis sich die Fahrstuhltüren im dritten Stock endgültig öffneten. Noch immer bewegt von dem eben Erlebten, löste Marc als Erster die innige Umarmung, als er plötzlich die Hektik der Station mit einem Ohr wahrgenommen hatte und zwinkerte seiner noch immer träumenden Freundin nun spitzbübisch zu, um seine Lockerheit zurückzugewinnen...

Marc: Naja, noch nicht ganz. Vielleicht? Erst einmal heißt es ja eher üben, üben, üben und noch mehr üben.
Und das macht ja bekanntlich am meisten Spaß. Yeah, das tut es.

Boah! Dieser Kindskopf!


Und schwups war auch Gretchen Haase endgültig von ihrer rosaroten Wolke aus dem Haasschen Traumparadies gekippt worden und in der Meierschen Realität gelandet. Kopfschüttelnd und schmunzelnd zugleich schaute sie ihren vergnügten Freund an, dessen Augen noch immer dieses ganz besondere Funkeln aufwiesen, das sie schon letzte Nacht mit großer Faszination beobachtet hatte und in dem eindeutig geschrieben stand, dass er bereit war, mit ihr dieses unglaubliche Abenteuer zu wagen, das ihr Leben für immer verändern würde, und nahm seine Hand, als sie gemeinsam aus dem Aufzug stiegen und anschließend Hand in Hand langsam über den langen Flur der Chirurgie zum Stationszimmer vorgingen, wo sie bereits erwartet wurden.

Gretchen: War ja klar, dass das dein Hauptanliegen sein würde.
Marc: Jep! Und wir sollten unbedingt heute noch die eine oder andere Übungseinheit einlegen.

...grinste Dr. Meier seine Angebetete frech von der Seite an und drückte ihr noch schnell einen feuchten Schmatzer auf den Mund, um das Gesagte zu untermauern. Es sollte ja auch nicht heißen, dass diese ganze Aktion, die sie vorhatten, nicht auch Spaß machen würde. Ohne noch irgendetwas Weiteres zu erwidern, betrat der feixende Oberarzt nun das Schwesternzimmer, drückte seiner verdutzten Freundin und Kollegin die Patientenmappen für die Visite in die Hand, die ihm Schwester Sabine gerade ehrfurchtsvoll gereicht hatte und nahm sich im Anschluss erst einmal einen frisch aufgebrühten Kaffee aus der Vögler’schen Kaffeemaschine, den er nun genüsslich aus seiner Cheftasse schlürfte, während er weiterhin vergnügt seine bildschöne Assistenzärztin beobachtete, der es an diesem Morgen sichtlich schwer fiel, sich auf die Arbeit zu konzentrieren.

Aber da war sie nicht die Einzige. Auch die zukünftige Braut, Sabine Vögler, schien an diesem noch recht jungen Morgen etwas mehr als gewöhnlich durch den Wind zu sein. Denn sie hatte ganz vergessen, ihre beiden Lieblingsärzte auf ihre ganz spezielle euphorische Vögler’sche Art und Weise zu begrüßen oder ihnen ihre Horoskope für den Tag vorzulesen, wie sie es sonst immer vor der Visite zu tun gepflegte. Selbst an ihr eigenes hatte sie heute noch nicht gedacht, das ihr die eine oder andere Überraschung verkündet hätte, was ihr nun wohl für immer verborgen bleiben würde. Aber ihre Zerstreutheit schien wohl an der Aufregung vor der anstehenden Hochzeit zu liegen. Das dachten zumindest Sabines Kollegen, die der verträumten blonden Krankenschwester heute begegneten und schmunzelnd hinterher schauten, wenn sie ihnen über den Weg gestolpert war.

Lorelei Offline

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15.04.2012 13:14
#1265 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Kurze Zeit später, nach beendeter Visite und nach einem kleinen, nicht weiter erwähnenswerten operativen Eingriff bei einer jungen Patientin, die sich durch unglückliche Umstände eine Sehne im rechten Daumen gerissen hatte, welche sie gekonnt wieder geflickt hatte, fand sich Dr. Gretchen Haase erneut im Schwesternzimmer der Chirurgie wieder. Allein. Da ihr Oberarzt gerade eine Lehreinheit mit den Assistenzärzten des ersten Lehrjahres absolvierte. Eigentlich müsste die pflichtbewusste angehende Chirurgin jetzt ja die Patientenakten von der Visite vervollständigen und noch einen OP-Bericht schreiben, aber irgendwie konnte sie sich nicht darauf konzentrieren. Es ging einfach nicht. Gretchen konnte es versuchen, wie sie wollte. Es fanden sich doch nur unverständliche Hieroglyphen auf ihrem PC-Bildschirm wieder. Zu viel spukte gerade in ihrem Kopf herum, was absolut nichts mit dem gerade absolvierten feinchirurgischen Eingriff zu tun hatte. Und dafür gab es nur ein Allheilmittel im Haasschen Universum, das sich stets bewährt hatte: eine Tafel ihrer Lieblingsschokolade, die sie gerade Stück für Stück genüsslich in ihren Mund schob, und ihr geliebtes Tagebuch, ihr ständiger Begleiter, seitdem sie elf Jahre alt war, und in dem sie alle, wirklich alle ihre Gedanken, ob geheim oder nicht geheim, verewigt hatte, die ihr wichtig waren. Und gerade heute, an diesem schicksalhaften Tag, an dem sie und Marc eine so weit reichende und bedeutsame Entscheidung für ihr gemeinsames Leben getroffen hatten, ging es ihr nicht anders. Sie musste es einfach aus ihrem Spind holen, um ihre Gedanken zu sortieren und das Geschehene reflektieren und endgültig begreifen zu können.


Mein liebes Tagebuch,

ich weiß überhaupt nicht, wo und wie ich anfangen soll. Es... ist... etwas passiert. Etwas Unglaubliches. Etwas, womit ich nicht gerechnet habe. Etwas, was ich mir immer gewünscht und insgeheim so sehr herbeigesehnt habe. Etwas, was noch nicht wirklich greifbar ist, aber dennoch da ist. Immer. In meinem Kopf. In all meinen Gedanken. In meinem Herzen. Ich bin immer noch völlig durch den Wind, seitdem es passiert ist, und kann mich heute nicht wirklich mehr auf die Arbeit konzentrieren. Ein Glück, dass es heute Morgen noch so ruhig auf Station ist. Nicht dass ich sonst noch jemanden aus Versehen umbringe, weil ich die ganze Zeit vor mich hinträumen muss. Ich kann es nicht abschalten. Es geht einfach nicht. Ich kann einfach keinen klaren Gedanken mehr fassen. Obwohl, doch eigentlich schon! Denn ich könnte im Moment die ganze Welt umarmen. Alles und jeden abknutschen (Sabine hat vielleicht gekuckt, als ich sie auf dem Flur einfach so geknuddelt habe.) und die ganze Zeit ein fröhliches Liedchen summen und tanzen. Ich will tanzen. Ja! Obwohl, das dann doch lieber nicht. Dr. Stier hat mich vorhin schon so komisch von der Seite angekuckt, als er übellaunig, wie er es seit einigen Tagen zu sein gepflegt (wohl wegen Maria!?), in den OP-Bereich marschiert kam und ich gerade mit dem Abfalleimer für die OP-Hemden durch den Waschraum getanzt bin. Bei Marc kamen das und die grinsenden Blicke von Marias Ex auch nicht so gut an. Also lasse ich das lieber mal, bevor es noch peinlich wird. Aber ich kann es nun mal nicht ändern. Ich bin so glücklich wie noch nie zuvor in meinem Leben und wenn ich es schon nicht sagen kann, dann müssen meine Gefühle eben anders raus.

Denn... Marc und ich, wir... wir bekommen ein Kind!!!

Also, ich bin noch nicht schwanger, wenn du das jetzt denkst. Obwohl, vielleicht, ähm..., es könnte schon sein. Theoretisch. Ich habe nämlich die letzten Tage schon wieder meine Pille vergessen und... na ja, das hat natürlich für ordentlich Verwirrung gesorgt. Vor allem bei mir selbst. Aber das ist es eigentlich nicht. Und wenn, dann eher indirekt, denn mich beschäftigt etwas ganz anderes. Aber es hat schon auch damit zu tun. Also wesentlich. Denn bevor ich überhaupt bemerkt habe, dass ich schon wieder so schusselig gewesen bin, oder besser gesagt, bevor Marc es gemerkt hat (Ich hab mich so geschämt! Nicht dass er jetzt denkt, ich hätte es darauf angelegt und Roulette mit ihm gespielt. Das hab ich aber nicht. Ich hatte nur so viel um die Ohren in letzter Zeit. Mit der Lernerei. Dem Umzug. Marcs Vater. Und jetzt Sabines Überraschungsparty. Ich hab einfach nicht daran gedacht. Vielleicht sollte ich mir die Uhr stellen oder mir täglich eine Sms schicken lassen, damit ich es nicht mehr vergesse? Obwohl das ja jetzt eigentlich überflüssig wird. Juhu!), hat er... Marc hat... Ich kann es kaum glauben, aber mitten in der Nacht, nachdem wir uns ähm... leidenschaftlich geliebt haben, hat er mich gefragt, ob wir nicht ein Baby haben wollen. Einfach so. Aus dem Nichts heraus.

Gut, vielleicht lag es auch daran, dass Lilly gerade zu Besuch war, um die er sich so rührend gekümmert hat. Er hat sie so lieb, als wäre sie seine eigene Tochter. Wie er sie getröstet hat wegen der Scheidung ihrer Eltern (Mehdi macht nun wirklich ernst. Gut so! Und auch dass er Lilly nichts verschweigt oder beschönigt, ist genau die richtige Entscheidung. Sie ist ein tapferes kleines Mädchen. Sie wird es verstehen, auch wenn es anfangs sicher schwer für sie sein wird. Aber wir alle sind ja für sie da.). Hach, ich hatte Tränen in den Augen, die beiden so vertraut nebeneinander zu sehen. Er ist so toll mit ihr. Auch wenn er es vielleicht selbst gar nicht weiß, aber er tut instinktiv immer genau das Richtige. Lilly hat sogar gesagt, dass er ein genauso supertoller Papa wäre wie ihr Vater. Das war so süß!!! Vielleicht hat die Beschäftigung mit ihr etwas bei Marc ausgelöst. Stille Sehnsüchte geweckt. Ich weiß es nicht. Er ist im Moment eh so emotional. Ich vermute mal, es liegt an seiner verschwundenen Mutter, aber er will ja nicht mehr darüber reden, nachdem er sich tagelang heftig aufgeregt und schlimme Schimpfwörter, die ich hier mal lieber nicht aufzeichnen werde, benutzt hat. Über andere Dinge redet er dann aber schon. Ich war so überrascht. Gut, er hat das B-Thema natürlich nicht direkt ausgesprochen. Er ist ja schließlich Marc! Er hat es eher auf die Meier-Art gesagt. Du kennst ihn ja. Dinge, die ihm wichtig sind, bringt er nur schwer über die Lippen. Da muss man wirklich hochkonzentriert sein und genau zwischen den Zeilen lesen. Marc war so süß, wie er rumgestammelt hat und ich erst nicht gleich kapiert habe, was er von mir will. Aber ich meine, woher sollte ich das denn auch ahnen? Er hat ja nie ein Wort gesagt. Bis jetzt.

Meine Reaktion, du kannst sie dir sicherlich vorstellen, ist mir jetzt im Nachhinein natürlich so richtig peinlich. (Fettnapf hoch drei!!!) Ihm wahrscheinlich auch, weil er erstmal wieder ausrasten und kindisch schmollen musste. Und dann... dann hing der Himmel auf einmal voller Geigen. Ich könnte schwören, ich hab tatsächlich welche gehört. Hihi! Ich war vollkommen baff. Ich kann jetzt nicht mehr genau sagen, wie lange ich gebraucht habe, bis seine Worte endlich dort in meinen Gehirnwindungen angekommen sind, wo sie hingehören. Wahrscheinlich eine ganze Ewigkeit. Und ich glaube, es wird auch noch eine Weile dauern, bis sie endgültig in Erkenntnis umgesetzt worden sind. Aber er hat es wirklich ernst gemeint. Das weiß ich. Marc ist wirklich bereit, den nächsten Schritt auf unserer Beziehungspyramide zu wagen. Und ich bin es auch. Denke ich? Marc ist sich wirklich sicher, dass er das mit mir will. Ich hab’s ganz deutlich in seinen Augen gelesen und er hat es mir auch heute Morgen im Fahrstuhl noch einmal versichert, als wir endlich mal einen Moment für uns hatten. Ich bekomme jetzt noch Herzrasen, wenn ich daran zurückdenke. Dieses Leuchten in seinen Augen. Diese ehrliche Freude. Ich hab mich sofort verliebt.

Ich weiß nicht, wieso es ausgerechnet jetzt bei ihm klick gemacht hat, aber ich freu mich, auch wenn ich anfangs noch unsicher war, ob er das wirklich ernst gemeint hat. Er hat ja manchmal seine verrückten fünf Minuten. Du kennst ihn ja. Darüber könnte ich ein ganzes Buch schreiben, nein, ganze Bücherreihen. Äh... Das habe ich ja auch irgendwie. Hihi! Und seien wir doch mal ehrlich, es hätte genauso gut einer seiner üblichen Scherze sein können. Dieser Wunsch kam so plötzlich. Wir hatten das Thema ja erst einmal ausgeklammert, nachdem er mir dieses wunderschöne Liebesversprechen in unserem Haus am See gegeben hatte. Wir waren uns eigentlich einig. Wir wollten keinen Druck mehr. Wir haben ja im Prinzip auch alle Zeit der Welt. Wir sind uns sicher, für immer zusammenbleiben zu wollen. Das ist uns wichtiger als alles andere. Wir lieben uns. Wir haben unsere Traumwohnung bezogen. Mit unseren Jobs läuft es hervorragend. Wir stehen beide vor einem weiteren großen Schritt auf unseren Karriereleitern. Wir haben tolle Freunde. Selbst mit Mehdis Freundin versteht Marc sich einigermaßen. (Gut, das wird wohl noch dauern, aber er hält sich zunehmend zurück, weil er Mehdi viel zu gern hat, als ihn vor den Kopf zu stoßen.) Wir sind zufrieden mit unserem Leben, so wie es ist. Selbst Mama konzentriert sich gerade mal nicht auf uns. (Schon lustig, dass das gerade jetzt so ist, wo sie uns doch sonst immer jeden zweiten Sonntag mit dem Thema in den Ohren liegt. Jochen kann einem schon Leid tun. Nein, eigentlich nicht. Hihi!) Jedenfalls, irgendwann wäre ein gemeinsames Kind sicherlich Thema geworden. Darin war ich mir eigentlich immer sicher gewesen, seitdem Marc endlich seine albernen „Ängste“ und Komplexe Lilly oder Sarah gegenüber abgelegt hat. Dass es aber auf einmal so schnell gehen würde, damit habe ich ehrlich nicht gerechnet. Aber es ist ein schönes Gefühl. Aufregend, aber schön.

Ich habe mir immer ein Baby gewünscht, klar, und du kennst ja meine Millionen an Einträge in deinen Vorgängertagebüchern, aber ich hätte mir nie träumen lassen, dass es am Ende Marc sein würde, der den ersten Schritt in diese Richtung machen würde. Gut, ich habe immer auf ein Zeichen gewartet und ich bin ja mittlerweile geübt darin, also im Marc lesen. Hihi! Aber als es dann da war und alle Lampen auf grün gestanden haben, hab ich mal wieder gar nichts gecheckt. Eine Haassche Glanzleistung mal wieder! Aber jetzt, eine schlaflose Nacht später, ist es umso klarer. Marc Meier und Gretchen Haase bekommen ein Baby. Äh... werden ein Baby bekommen, so muss es richtig heißen. Ich will ja nicht gleich wieder in alte Muster zurückfallen und in Illusionen schwimmen, sondern sollte realistisch bleiben. Ich glaube nämlich nicht daran, dass eine... oder zwei... gut, drei... vergessene Pillen jetzt gleich bedeuten, dass da schon was Kleines in mir heranwächst. Wenn ich da an Marcs entsetztes Gesicht zurückdenke. Oje! Er will ja, aber so schnell? Das wäre ihm sicherlich zu viel des Guten. Und mir ehrlich gesagt auch. Ich bin doch noch überhaupt nicht darauf vorbreitet. Und solche Zufälle gibt es nicht. Das wäre doch völlig verrückt, wenn da schon etwas wäre, wo wir doch gerade erst beschlossen haben, dass da etwas hingehört. Hmm... Und wenn nun doch...?



Gretchen setzte ihren Stift abrupt ab, nachdem sie eine Weile damit gedankenverloren über das rosafarbene Papier ihres Tagebuches gekreist war, kratzte sich mit dem Stiftende an der Stirn, auf der sich leichte Grübelfalten gelegt hatten, und kaute anschließend nachdenklich darauf herum. Eine dumme Angewohnheit, die ihr schon damals in ihrer Schulzeit von ihren Lehrern angekreidet worden war, die sie aber nie wirklich ablegen konnte, obwohl sie ihre Stirn schon mehr als einmal zum Vergnügen ihrer Mitschüler und später Mitstudenten mit rotem Edding bekritzelt hatte. Als das aufgeregte Pochen ihres Herzens, das schon vor geraumer Zeit unbemerkt eingesetzt hatte, immer lauter wurde, sprang die Grüblerin plötzlich von ihrem Drehstuhl auf. Sie klemmte den Stift zwischen die Seiten ihres Tagebuches, schloss anschließend das angefangene Dokument am Computer, an dem sie vorhin noch gearbeitet hatte, und brachte ihre Gedankensammlung zurück zu ihrem Spind in der Umkleide nebenan.

Dort hielt die nachdenkliche Blondine kurz inne und strich mit dem Daumen verträumt über ein Foto, das neben zahlreichen anderen die Innenseite ihrer Spindtür schmückte und auf dem sie und Marc abgebildet waren. Ein Bild aus ihrem ersten gemeinsamen Kurzurlaub im Dezember letzten Jahres. Ein Lächeln schlich sich auf Gretchens Lippen und sie erinnerte sich, wann es genau aufgenommen worden war. An diesem Tag hatten sie draußen im Schnee getobt, hatten Schneeengel gezeichnet, gealbert und sich immer wieder nach missglückten Einseifversuchen zärtlich im Schnee geküsst, um sich gegenseitig warm zu halten. Es war so ein schöner Tag gewesen, der mit einem traumhaften Sonnenuntergang über dem zugefrorenen See geendet hatte. Arm in Arm hatten sie am Geländer des Stegs zum schwimmenden Glashaus gestanden, hatten die Sonne beim Untergehen beobachtet und sich immer wieder verliebt angelächelt. Sie liebte diese Bild einfach. Marc hatte sich ziemlich verrenken müssen, damit sie beide in der perfekten Pärchenpose aufgenommen werden konnten. Und erst heute fiel ihr auf, dass Marc schon damals seine freie Hand auf ihren Bauch gelegt hatte. Ob das schon ein Zeichen gewesen war? Die Ärztin schüttelte gedankenverloren den Kopf und schloss die Spindtür wieder. Sie brauchte Gewissheit und machte sich sofort auf den Weg.

Lorelei Offline

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17.04.2012 16:24
#1266 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Doch auf der Gynäkologie angekommen, zögerte die blonde Frau plötzlich. Denn ihr Verstand sagte ihr eindeutig, dass da nichts sein könnte. Sie war schließlich Medizinerin und sie wusste, dass sich so schnell nun mal nichts nachweisen ließe, falls denn da überhaupt etwas nachzuweisen wäre, was ja eigentlich auch gar nicht sein könnte. Also rein theoretisch. Gretchen tat schon der Kopf weh von dem vielen Denken. Sie blieb stehen und schaute durch das große Fenster ins Säuglingszimmer, wo Schwester Gabi gerade nach dem Rechten schaute und sich liebevoll um die kleinen Würmchen kümmerte, die in den letzten Tagen hier im Elisabethkrankenhaus auf die Welt gekommen waren. Ein sanftes Lächeln schlich sich auf Gretchens Gesicht und sie träumte. Doch im nächsten Moment schüttelte sie wieder den Kopf. Was machte sie hier eigentlich? Sie fühlte sich doch überhaupt nicht schwanger. Wobei ihr natürlich die Erfahrung fehlte, wie sich dieser ganz besondere Zustand überhaupt anfühlte. Bis auf ihre Panikattacke vor zwei Jahren, als sie dachte von Peter schwanger zu sein, hatte sie diese Erfahrung noch nicht gemacht. Sie wusste nicht, wie sich die Gefühle anfühlten, wenn die Hormone langsam den Körper übernahmen und alles durcheinander wirbelten.

Durcheinander war sie zwar schon und wahnsinnig aufgeregt auch, aber doch nur weil die theoretische Möglichkeit bestand und nicht weil sie tatsächlich in anderen Umständen war. Gretchens Augen lösten sich von den süßen Babygesichtern. Sie drehte sich wieder um und schaute auf Mehdis Bürotür, hinter der es gerade seltsam gepoltert hatte, was sie gar nicht mitbekommen hatte, da sie so tief in ihren eigenen Gedanken versunken war. Das sonderbare Kribbeln in ihrem Bauch nahm wieder zu und auch ihr Puls schien Achterbahn fahren zu wollen. In ihrem Kopf rotierte es. Ihr ganzer Körper schien verrückt zu spielen. Und wenn sie doch..., dachte sie plötzlich wieder. Fast automatisch setzten sich Gretchens Füße in Bewegung und blieben direkt vor dem Sprechzimmer von Dr. Kaan stehen. Ihre Hand griff, ohne dass sie sie noch steuern konnte, nach der Türklinke, die ihr aber in diesem Moment abrupt weggezogen wurde. Überrascht wich die Assistenzärztin zurück. Denn die Tür, an die sie gerade klopfen wollte, wurde unvermittelt aufgerissen und Gretchen stand plötzlich Schwester Sabine gegenüber, die ebenso erschrocken zusammenzuckte, als sie ihre Chefin so plötzlich direkt vor ihrer Nase sah. Sofort wich ihr alle Farbe aus dem Gesicht, um im nächsten Moment rot anzulaufen, und sie begann leise zu stammeln, während sie nervös auf ihre weißen Krankenhausschlappen blickte und diese unbewusst zu O-Beinen formte...

Sabine: Frau... Frau Doktor, das... das ist nicht, wie... Ähm...Was... was... machen Sie... du... ähm... Haben Sie... du... mich gesucht?

Irritiert starrte die perplexe Assistenzärztin ihre zerstreute Kollegin an, mit der sie hier in diesem Moment an diesem Ort nun wirklich nicht gerechnet hatte und die sich ihr gegenüber mehr als seltsam verhielt. Zumindest mehr als sonst.

Gretchen: Äh... Nein!?
Sabine (sieht sich hektisch um): Gut, dann... ähm... ich muss... auch schon... Tschüss.

Die sichtlich nervöse Krankenschwester blickte noch ein letztes Mal vergewissernd zurück in Mehdis Zimmer, schloss die Tür und schob sich dann vorsichtig an ihrer verdutzten Vorgesetzten vorbei, die ihrer Kollegin verwundert hinterher schaute, wie diese wie ein aufgescheuchtes Huhn an ihr vorbei stolperte, und noch einen Moment brauchte, um überhaupt angemessen zu reagieren. Gretchen hatte in der bizarren Situation ganz vergessen, wieso sie überhaupt hier war, und ging Sabine einen Schritt hinterher, als sie sie letztendlich ansprach...

Gretchen: Was? Wo... willst du...? Gehst du schon? Gleich ist doch noch die Versammlung in der Cafeteria. Mein Vater will euch doch noch ein paar nette Worte mit auf den Weg geben.

Schwester Sabine blieb abrupt auf der Mitte des Gangs stehen und drehte sich wieder zu Dr. Haase um. Ihr Gesicht wies immer noch einen verräterischen geröteten Schimmer auf und sie tapste nun nervös auf der Stelle hin und her, während sie vorsichtig ihre Trauzeugin anschaute...

Sabine: Oh! Ähm... ja, natürlich. Ich muss... aber... vorher noch... in die... Radiologie. Glaub ich?
Gretchen (erinnert sich u. fasst sich an ihren Kopf): Ach ja, wegen dem Röntgen von Frau...
Sabine (will in Eile weiter und der Situation entfliehen): Ja, genau. Deshalb... ich...

Die aufgeregte Krankenschwester lächelte kurz künstlich auf und wollte sich schon eilig auf den Weg machen, um möglichst weiteren neugierigen Fragen von Dr. Haase zu entgehen, die ihr vielleicht auf die Schliche kommen könnte, als plötzlich eine weitere Kollegin neben den beiden stehen blieb und sie unvermittelt ansprach...

Gabi: Ah! Das trifft sich gut, Sabine. Könntest du, die hier... (sie reicht ihrer überraschten Kollegin eine Mappe, aus der zwei Röntgenbilder oben herausschauen, u. blickt sie erwartungsvoll an) ... gleich mitnehmen. Die waren in eine von Mehdis Akten gerutscht, aber die Patientin ist nicht von unserer Station. Vielleicht wissen die oben mehr?
Sabine (nimmt die Mappe zögerlich in die Hand u. lächelt kurz auf, bevor sie ihren Blick wieder senkt): Klar, mach ich, Gabi.
Gabi (schaut verwundert zwischen den beiden Kolleginnen hin und her, die sich irgendwie komisch verhalten): Gut, danke. Du nimmst mir echt was ab. Ich hab noch was vor und... äh... Was macht ihr beide eigentlich hier?
Gretchen/ Sabine: Nichts!

...kam es synchron aus Gretchens und Sabines Mund geschossen, weswegen sie sich nun verwundert anschauten. Beide wurden rot im Gesicht und lächelten sich kurz an, ehe sie gleichzeitig ihre Blicke wieder verlegen auf ihre Schuhe lenkten. Gabi wunderte sich zwar über die seltsame Reaktion der beiden, aber da sie schon wieder weiter musste, dachte sie nicht sonderlich darüber nach und ließ sie einfach stehen.

Gabi: Ah ja? Falls ihr zu Mehdi wollt, der ist eh noch im Kreißsaal. Kann sich nur noch um Stunden handeln. Ich muss. Man sieht sich.

Und schon war die brünette Krankenschwester genauso schnell wieder verschwunden, wie sie aufgetaucht war, ohne dass sie die gestammelten Antworten ihrer beiden Kolleginnen noch mitbekam, denn sie hatte noch etwas Wichtiges zu erledigen, solange Mehdi noch im Kreißsaal beschäftigt war.

Gretchen (flunkert): Ich... ich äh... wollte gar nicht zu Mehdi.
Sabine: Ich auch nicht. Ich... ähm... ich war nur... ähm zufällig... Also ähm... lag auf dem Weg. Quasi.

Hä? Wenn man in die Radiologie will, kommt man doch hier überhaupt nicht vorbei? Komisch!

Gretchen blickte ihre Freundin fragend an, nachdem sie registriert hatte, dass sich Schwester Gabi schon längst wieder verdrückt hatte. Sabine bemerkte ihre eindringlichen Blicke und beschloss nun endgültig, schnell das Weite zu suchen, bevor es zu spät war. Sie ließ eine verdutzte Assistenzärztin einfach so auf dem Flur der Gynäkologie stehen, die sich nun irritiert nach allen Seiten umschaute, nachdem die tapsige Krankenschwester nur noch eine imaginäre Staubwolke hinterlassen hatte.

Gretchen: Äh ja... nun? Hmm...

Das war jetzt vielleicht seltsam. Muss die Aufregung vor der Hochzeit sein. Egal. Warum noch mal war ich hier? Oh!

Mehdis Bürotür rückte wie zufällig wieder in ihr Blickfeld, nachdem Sabine flüchtend im Fahrstuhl verschwunden war. Gretchen überlegte kurz, biss sich auf ihre Unterlippe und schaute sich vergewissernd um, um zu kontrollieren, ob sie vielleicht beobachtet wurde, was aber zum Glück nicht der Fall war, denn sie benahm sich hier wirklich sehr verdächtig und sie wollte nicht weiter auffallen, und betrat das Sprechzimmer dann doch. Besser jetzt als unter den neugierigen Blicken ihres besten Freundes, der vermutlich gleich eins und eins zusammengezählt und ihr einen seiner typischen Vorträge gehalten hätte. Dieser peinlichen Situation wollte sie lieber entgehen. Außerdem hatte sie lange genug auch auf dieser Station gearbeitet, um genau zu wissen, was nun zu tun war.

Lorelei Offline

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19.04.2012 16:25
#1267 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Vorsichtig tapste die junge Assistenzärztin nun auf Zehenspitzen durch den kleinen verwinkelten Raum. Sie schaute um die Ecke und kuckte sogar hinter den Paravent, hinter dem sich normalerweise die Patientinnen von Dr. Kaan umzogen, um zu kontrollieren, ob sie wirklich alleine in dem Zimmer war. Und das war sie tatsächlich, wie sie erleichtert zur Kenntnis nehmen konnte. Langsam schlich Gretchen Haase weiter. Sie lugte kurz aus dem Fenster und entdeckte einen Krankenwagen mit geöffneten Hecktüren vor der Notaufnahme stehen, wandte sich jedoch rasch wieder ab und sah sich nun weiter in dem Raum um, als wäre sie zum ersten Mal hier in Mehdis Sprechzimmer. Sie strich mit ihren Fingern gedankenverloren über den Behandlungsstuhl, das Ultraschallgerät, den Schreibtisch, einen Bilderrahmen und blieb schließlich, bevor sie sich näher mit dem Medizinschrank beschäftigen konnte, aus dem sie sich eigentlich ein Röhrchen zum Blutabnehmen holen wollte, vor den zahlreichen Babyfotos stehen, die an einer Pinnwand neben Mehdis Schreibtisch klebten und sie wie magisch angezogen hatten, und vergaß ihr Vorhaben wieder. Warum waren die ihr früher noch nicht aufgefallen? Seltsam! Dabei war sie doch ständig bei ihrem besten Freund auf Besuch da gewesen. Gott, waren die alle süß, dachte Gretchen verzückt und ein zauberhaftes Lächeln stahl sich jetzt auf ihre Lippen und ihre Blicke strichen nun wie gebannt über jede einzelne der süßen Aufnahmen.

Gretchen bemerkte gar nicht, wie lange sie verträumt vor den Bildern der ganzen Kinder gestanden hatte, die ihr bester Freund allesamt auf die Welt geholt hatte, als eben jener plötzlich im Zimmer stand und etwas in Gedanken auf die Wickelkommode hinter der Tür ablegte. Er wollte schon wieder hinausgehen, als er im Augenwinkel einen Schatten bemerkte und aufschaute. Er stutze, als er seine liebe Freundin Gretchen Haase hinter seinem Schreibtisch erkannte. Er wollte schon etwas sagen, aber die überraschende Besucherin schien ganz weit weg zu sein mit ihren Gedanken. Der Gynäkologe schmunzelte und schloss leise die Tür hinter sich, die er offen gelassen hatte, weil er eigentlich sehr in Eile war. Langsam kam Mehdi auf Zehenspitzen und mit einem frechen Grinsen auf den Lippen herangeschlichen. Gretchen hatte ihn noch nicht bemerkt. Direkt hinter ihr blieb der Halbperser, der noch seine grüne OP-Kluft trug, schließlich stehen und kuckte ihr verwundert über die Schulter. Warum war sie denn so gebannt von den Fotos, die seit Ewigkeiten an seiner alten Pinnwand hingen? Als seine beste Freundin noch immer nicht auf seine Anwesenheit reagierte, tippte er ihr leicht auf eben jene Schulter, die sein Kinn gerade aus Versehen beim Herüberbeugen gestreift hatte...

Mehdi: Willst du zu mir?

Gretchen zuckte erschrocken zusammen, nachdem sie plötzlich eine fremde Hand auf ihrer Schulter gespürt hatte, und schlug den Angreifer fast ko, als sie sich hektisch zu ihm umgedreht hatte, wobei sie nicht nur ihren besten Freund getroffen hatte, der nun mit schmerzverzerrtem Gesicht sein getroffenes Kinn untersuchte, sondern in ihrer Hektik auch gleich noch den weiblichen Uterus umgeschmissen hatte, der als Schauobjekt auf einem der Unterschränke gestanden hatte und aus unerklärlichen Gründen falsch zusammengebaut gewesen war und deshalb bereits verdächtig gewackelt hatte, und nun scheppernd in allen Einzelteilen auf dem Boden gelandet war. Die sichtlich ertappte Assistenzärztin brachte nur stammelnd eine Antwort auf Mehdis Frage hervor...

Gretchen: Oh! Du... du bist schon...? Ähm... Nein! Doch! Also...
Verdammt! Gretchen, du warst auch schon mal schlagfertiger.
Mehdi (neugierig): Jaaa?

Gretchen war mittlerweile vor lauter Peinlichkeit knallrot angelaufen, als sie neben ihrer panischen Antwortsuche auch noch versuchte, das heruntergefallene Modell wieder richtig zusammenzubauen, was ihr natürlich in diesem aufgewühlten Zustand völlig misslang, was sie nur noch nervöser machte. Ihre Wangen glühten schon und dicke Schweißtropfen perlten von ihrer Stirn. Am liebsten wäre sie jetzt sofort und auf der Stelle im Erdboden versunken. Doch auch dieser stille Wunsch wurde ihr mal wieder nicht erfüllt. Mehdi, der sich mittlerweile von seinem Fast-Knockout wieder erholt hatte, schmunzelte nur über die recht skurrile Situation und Gretchens verzweifelte Handwerkerversuche und hockte sich neben seine aufgeregte Freundin. Er strich ihr beruhigend über den Arm und nahm ihr das Plastikmodell ab, was sie ihm mit einem entschuldigenden peinlich berührten Lächeln quittierte. In Sekundenschnelle hatte der Frauenarzt es wiederhergestellt und zurück an seinen angestammten Platz gestellt. Gretchen, die ihm ungläubig dabei beobachtet hatte und langsam aus ihrer Hockposition wieder hochkam, traute sich nun nicht mehr, ihrem hilfsbereiten Freund den wahren Beweggrund für ihren spontanen Kurzbesuch zu sagen und flunkerte wenig einfallsreich eine Ausrede herbei...

Gretchen: Wegen heute Nachmittag... Ähm...
Mehdi (lehnt mittlerweile lässig an seinem Schreibtisch, schaut kurz auf seine Uhr u. wird langsam ungeduldig): Ja? Hast du noch was vergessen? Soll ich noch etwas mitbringen?
Gretchen (stammelt nervös u. schaut immer wieder auf ihre Füße, während sie überlegt): Ja, ähm... ihr ... müsst noch ähm... Sekt mitbringen. Ja, genau, bringt noch Sekt mit.
Mehdi (schaut sie verwundert an): Äh... der steht doch schon an erster Stelle der Getränkeliste?
Upps! Flucht nach vorn, Gretchen. Direkt zur Tür! Jetzt!!! Wenn ich nur nicht so schlecht im Sprint wäre!
Gretchen (lacht künstlich auf): Ach so! Ja, dann... gut. Ähm... Das war’s auch schon. Und... tschüss?

Gretchen drehte sich um und wollte schnell zur Tür flüchten. Mehdi schaute der zerstreut wirkenden Blondine verdutzt hinterher. Irgendwie benahm sich seine beste Freundin heute sehr, sehr merkwürdig. Ob das wohl an der ganzen Aufregung wegen der anstehenden Party lag? Er folgte ihr zur Tür, die er ihr nun gentlemanlike aufhielt, wobei er ihr auf der Suche nach einer Antwort eindringlich in ihre himmelblauen Augen blickte.

Mehdi: Willst du mir noch irgendetwas sagen, Gretchen?
Er hat es gemerkt? Wie ist das möglich?
Gretchen (versucht sich herauszureden, während sie immer nervöser wird): Äh... nein, ich... Nein!
Sie ist so bescheiden.
Mehdi (ahnt die Richtung, auf die sie hinaus will u. legt seine Hand beruhigend auf ihre Schulter): Wenn ich dir noch etwas wegen den Vorbereitungen abnehmen soll, das mache ich gerne. Wird zwar zeitlich etwas knapp, weil ausgerechnet heute die Drillinge kommen mussten und ich heute Nachmittag noch meine Eltern auf Anstandsbesuch da habe, aber ich mache das wirklich gern. Für dich doch immer.
Gretchen (ihre Aufregung legt sich wieder u. sie lächelt ihn dankbar an): Das ist wirklich lieb, Mehdi, aber das musst du nicht. Es ist alles soweit organisiert, denke ich.
Muss dringend noch mal die Liste durchgehen.
Mehdi (erwidert ihr Lächeln): Na dann?
Gretchen (will gerade gehen, als ihr doch noch etwas einfällt): Ach, und Papa... also der Professor hält heute Mittag noch eine kleine Ansprache. Du weißt schon. Wegen dem Brautpaar. Anwesenheitspflicht!
Mehdi (verdreht die Augen): Ach so, ja, falls ich es nicht schaffe, bin ich wohl noch im Kreißsaal. Und genau da muss ich auch schon wieder hin.
Gretchen: Okay?

Beide verließen nun zusammen Mehdis Büro. Davor blieben sie aber noch einmal stehen und schauten sich an. Verlegen lächelte die junge Frau. Irgendetwas war mit Gretchen. Dessen war sich Mehdi ziemlich sicher, auch wenn er nicht wirklich wusste, was es genau war, und er nicht daran glaubte, dass es allein am Partyplanungsstress lag. Schließlich kannte er seine Freundin lange gut. Mit irgendetwas hielt sie vor dem Tor. Sie wirkte schon wieder so abwesend auf ihn. Wie vorhin in der Cafeteria. Vielleicht würde ihr ja etwas Ablenkung gut tun, dacht er und deshalb fragte er sie auch direkt heraus...

Mehdi: Willst du mit?
Gretchen (schon wieder in Gedanken): Hmm?
Mehdi: Also falls du gerade Zeit hast, kannst du gerne mit in den Kreißsaal kommen. Wir können jede helfende Hand gebrauchen. Neues Leben auf die Welt zu helfen, hat doch immer etwas Faszinierendes an sich. Vielleicht ist es genau das, was du jetzt brauchst, hmm?

Mehdi zwinkerte ihr charmant zu und schenkte seiner besten Freundin sein überzeugendstes Lächeln. Gretchen lächelte zurück und zögerte nicht...

Gretchen: Gerne.

Vielleicht holt mich das ja von meinem Trip wieder herunter. Ich muss endlich wieder mit meinen Füßen richtige Erde berühren, sonst flippe ich noch ganz aus. Das ist viel zu viel emotionaler Stress, den ich mir selbst aufgebaut habe und heute nun wirklich nicht gebrauchen kann. Heute ist schließlich Sabines großer Tag. Sie sollte im Mittelpunkt stehen und nicht meine Hirngespinste, an denen vermutlich gar nichts dran ist. Die haben noch Zeit. Die Drillinge aber nicht.

Und so machten sich die beiden Freunde zusammen auf den Weg in den Kreißsaal, wo Drillinge unbedingt auf die Welt geholt werden wollten.

Lorelei Offline

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21.04.2012 16:54
#1268 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Eine Stunde später kam Dr. Gretchen Haase aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Dr. Kaans Ablenkungsversuch hatte perfekte Wirkung erzielt. Dabei hatte er noch nicht einmal eine Ahnung, wie weit ihre Euphorie wirklich ging. Gretchen strahlte über das ganze Gesicht und steckte ihr Gegenüber damit regelrecht an.

Gretchen: Wow! Das war so toll, Mehdi. So ergreifend und überwältigend. Und wie ähnlich sie sich sind. Ich meine, das weiß ich ja, aber es kommt schließlich selten genug vor, dass eineiige Drillinge geboren werden. Das war... Wow! Der Wahnsinn!

Mehdi lächelte die völlig begeisterte Assistenzärztin an und nickte zustimmend mit dem Kopf, während Marc, der neben seiner unaufhörlich plappernden Freundin Platz genommen hatte und ihr den in einer engen Jeans steckenden Oberschenkel liebevoll tätschelte, um ihre uneingeschränkte Aufmerksamkeit zu bekommen, sein Gesicht immer wieder leidend verzog. Was war denn auch schon so besonders an einer öden Geburt? Das war doch lediglich ein simpler natürlicher Prozess, der tagtäglich hunderttausend Mal auf der Welt passierte. Mit oder ohne helfende Hand. Er hatte dagegen vorhin eine hauchdünne Sehne wieder zusammengefriemelt und damit eine nutzlose Hand wieder nutzbar gemacht, damit man, oder besser gesagt Frau, beim Putzen auch wieder in die Ecken kommen konnte. Das war wahre Chirurgenkunst gewesen und nicht dieses furchtbare Hebammengeschwätz hier. Aber das schien mal wieder niemand angemessen würdigen zu wollen. Stattdessen träumte man von einer freiwilligen Lärmpegelüberbeschallung durch eine gebärende Mutter, die sich die Seele aus dem Hals geschrieen hatte. Er würde das wohl nie verstehen. Außerdem was fiel dem Kaan eigentlich ein, schon wieder ungefragt seine Assistenzärzte zu klauen? Frechheit!

Die drei befreundeten Ärzte saßen gerade zusammen mit Dr. Hassmann, die angesichts der Schwärmereien ihrer honigkuchenpferdstrahlenden Kollegin auch nur genervt die Augen verdrehen konnte und flehend hoffte, dass dieses glückselige Elend bald ein Ende finden würde, an einem gemeinsamen Tisch in der Mitte der Cafeteria, tranken jeder jeweils ein Heißgetränk und warteten ungeduldig auf die Ansprache, die Prof. Haase für kurz nach zwölf Uhr mittags angekündigt hatte. Im Stimmenwirrwarr der umher stehenden und sitzenden Kollegen, die sich allesamt pünktlich hier versammelt hatten, gingen Gretchens begeisterte Worte fast unter, doch sie konnte einfach nicht aufhören zu schwärmen. Dieses Erlebnis, einer Drillingsgeburt beigewohnt zu haben, hatte etwas bei der jungen Frau ausgelöst. Ihre kurze Unsicherheit, die am Morgen noch geherrscht hatte, war mittlerweile komplett verflogen. Gretchen Haase war sich jetzt wirklich sicher. Sie wollte so was auch. Also jetzt nicht unbedingt gleich drei Babys auf einmal, sondern natürlich der Reihe nach, eins nach dem anderen. Sie wollte einfach selbst auch dieses unglaubliche Wunder der Natur erleben, wie sie es gerade eben bei Frau Kinderlein hatte erleben dürfen. Trotz all der Strapazen der langen und nicht ganz ungefährlichen Geburt hatte die Dreifachmutter am Ende ein zauberhaftes Leuchten in den Augen gehabt, als sie und ihr glücklicher Ehemann ihre drei Jungs zum ersten Mal gesehen hatte. Gretchen bekam jetzt noch Herzklopfen, wenn sie daran zurückdachte. Und Mehdi teilte ihre Begeisterung. Auch ihn hatte das Erlebte tief bewegt, auch wenn es für ihn nicht das erste Mal gewesen war, ein so besonderes Ereignis als behandelnder Gynäkologe zu begleiten. Und so konnten die beiden verzückten Kollegen gar nicht mehr aufhören, ihre Eindrücke zu schildern und fachzusimpeln, während sich Marc und Maria nur gequälte Blicke zuwarfen und am liebsten einen der anderen Tisch aufgesucht hätten, wenn diese nicht schon alle besetzt gewesen wären.

Erst als Gretchen plötzlich unvermittelt nach seiner Hand griff und ihn schmachtend von der Seite anschaute, änderte sich Marcs gequälter Gesichtsausdruck von einer Sekunde auf die andere. Auf einmal lag auch auf seinen Lippen ein ganz besonders strahlendes Lächeln und er verstand endlich, wieso seine Süße so enthusiastisch war, weil eine völlig fremde Frau unter quälenden Schmerzen drei Rotzlöffel rausgepresst hatte. Haasenzahn hatte den süßesten und unwiderstehlichsten Babyblick aufgelegt, den es gab, und plötzlich spürte auch er sein Herz höher schlagen. Er wusste überhaupt nicht, wie ihm geschah und was für Tumulte die Schmetterlinge in seinem Bauch gerade mit ihm veranstalteten. Marc Meier hatte nur noch Augen für die Schönheit, die direkt neben ihm saß und verlegen über ihre leicht geröteten Wangen strich, weil ihr Marcs Blick durch und durch gegangen war. Der verliebte Chirurg hörte schon gar nicht mehr die lauten Stimmen neben sich und sah nur noch sich mit Gretchen allein in der Cafeteria sitzen. Händchen haltend. Sich anschmachtend. Verliebt in eine Idee.

Erst ein unsanfter Rempler an den Ellenbogen, den Mehdi ihm unbeholfen versetzt hatte, der den Professor und dessen Frau als Erste in die Cafeteria hereinkommen gesehen hatte, ließ Marc schließlich aus seinen romantischen Tagträumen aufwachen. Er löste sich räuspernd von Gretchens zarter Hand, was diese im ersten Moment gar nicht mitbekommen hatte, weil sie noch immer in ihrem schönen Tagtraum gefangen war, und widmete sich schnell wieder seiner halbvollen Kaffeetasse, auch weil er sich der amüsierten Blicke seiner sehr „geschätzten“ Kollegin Hassmann Gewahr geworden war, die dem bis über beide Ohren verknallten und sabbernden Meier überhaupt nichts abgewinnen konnte. Außer Hohn und Spott natürlich und doch auch insgeheim etwas Neid auf das unübersehbare Glück der beiden, das sie auch zu gerne für sich beanspruchen würde, wenn sie den richtigen Mann an ihrer Seite wüsste, den sie aber leider nicht hatte, den es vermutlich gar nicht gab, weil das Schicksal ständig seine quälenden Spielchen mit ihr trieb. Ein böser Blick in ihre Richtung folgte, aber den bemerkte Maria schon gar nicht mehr. Denn sie hatte hinter Dr. Meiers Rücken noch jemand anders in der schnatternden Menge an Kollegen entdeckt, der nun genau auf ihren Tisch zusteuerte. Ihre Augen weiteten sich entsetzt. Der hatte ihr gerade noch gefehlt. Was hatte das Schicksal eigentlich ständig gegen sie? Es half nichts. Sie musste verschwinden. Sofort!

Und so beobachten Gretchen Haase, Mehdi Kaan und Marc Meier nun ziemlich erstaunt, wie ihre werte Kollegin plötzlich wie von der Tarantel gestochen von ihrem Stuhl aufsprang, diesen dabei fast umstieß und sich ohne ein Wort mit eiligen Schritten in die genau entgegen gesetzte Richtung davonmachte. Dicht gefolgt von einem gut aussehenden Oberarzt der Neurologie, an dem die Blicke sämtlicher anwesender Lernschwestern hingen, die sich nicht auf den Tisch von Dr. Meier und Dr. Kaan konzentriert hatten, und der die Flüchtende kurz vor dem Ausgang noch einholte und sie nun am Arm packte, um sie am Gehen zu hindern. Doch Dr. Hassmann schüttelte den unverschämten Mann unsanft ab, blitzte ihn mit drohendem Blick unmissverständlich an, sie gefälligst in Ruhe zu lassen oder es würde auf der Neurologie gleich einen kleinen Unfall mit einem Skalpell geben, und verschwand mit wehendem Kittel um die Ecke und damit aus dem direkten Blickfeld von Dr. Meier und Dr. Kaan, die sich fragende Blicke schenkten und synchron mit den Schultern zuckten, während Dr. Haase nur ungläubig den Kopf schütteln konnte. Wie konnte man sich das Leben nur so schwer machen, dachte sie enttäuscht und ließ den attraktiven Mann mit dem hängenden Kopf nicht aus den Augen.

Genau dasselbe dachte sich in dem Moment auch Dr. Cedric Stier, der seiner flüchtenden Exfrau seufzend hinterher starrte und sich dafür verfluchte, nicht resoluter vorgegangen zu sein. Aber bei ihr wirkte sein „Charme“ einfach nicht. Es war zum Verrücktwerden. Sollte er es doch riskieren und ihr hinterher gehen, auch auf die Gefahr hin, dann mit einem Skalpell im Rücken zu enden? Diese heikle Entscheidung wurde dem verzweifelten Neurologen abgenommen. Als der Professor plötzlich gegen das Mikro tippte und „Test, Test“ hineinsprach, entschied er sich dazu, doch der Höflichkeit halber in der Cafeteria zu bleiben und seiner kratzbürstigen Exfrau nicht zu folgen. Dabei hätte er viel lieber endlich ein klärendes Gespräch mit Maria geführt, die sich seit ihrem kleinen Ohnmachtsanfall und ihrem überraschenden Versprechen, dass er ihre gemeinsame Tochter Sarah bald regelmäßig sehen könne, komplett von ihm zurückgezogen hatte und ihm ständig aus dem Weg zu gehen schien, wie sie gerade eben wieder eindrucksvoll bewiesen hatte. Sie hatte vor ihrer eigenen Courage mal wieder kalte Füße bekommen. Er hätte es gleich wissen müssen. Ihr Stimmungswandel hatte nur einen winzigkleinen Augenblick angedauert, in dem sie sich ihm endlich ein Stück weit geöffnet hatte, und nun machte sie, warum auch immer, wieder komplett dicht.

All seine Hoffnungen, die ihn noch Tage danach wie auf Wolken hatten schweben lassen, hatten sich mal wieder komplett in Luft aufgelöst und er fühlte sich nur noch mies, mieser, am miesesten, was er an seinen Kollegen und Patienten ausließ, die seine geballte schlechte Laune abbekamen, damit wenigstens abends zuhause seine andere kleine Tochter davon gefeit blieb. So auch jetzt wieder, als er einem Praktikanten, der sich gerade setzen wollte, den letzten freien Stuhl unter dem Hintern wegzog, um sich selbst darauf zu setzen. Doch für die Rede von Prof. Dr. Franz Haase, die in diesen Sekunden begann, hatte Cedric kein Gehör. Seine Gedanken waren einzig und allein bei seiner Mary, wie es immer der Fall war, seitdem diese biestige Furie wieder in sein Leben getreten war. Es machte ihn noch wahnsinnig. Dabei könnte er jede haben - soeben wurde er von einer schönen Dunkelhaarigen von der Seite angezwinkert, was er nicht einmal mitbekam, weil sein leerer Blick durch sämtliche anwesende Personen hindurch ging -, doch er wollte nun mal nur die Eine. Die, die ihn offenbar nicht mehr wollte.

Lorelei Offline

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23.04.2012 14:45
#1269 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Nachdem sich dieser impertinente Oberarsch von Dr. Stier gerade seinen Stuhl gekrallt hatte, suchte sich Jochen Haase still vor sich hin meckernd und fluchend einen anderen Platz. Neben seiner Schwester, die wie alle anderen auch nun gebannt nach vorne schaute. Zu ihrem Vater, der sich bestens aufgelegt mit einem Mikrofon in der Hand vor der großen Fensterfront positioniert hatte, während Jochen sich, nachdem er sich gesetzt und kurz an Gretchens Kakao genippt hatte, in der Cafeteria noch nach der süßen Chantal umschaute, die sich aber, wie sein wachsames Auge beobachten konnte, gerade mit den gackernden Lernschwestern neben der Essensausgabe, vor der sie im Halbkreis standen, bestens amüsierte. Der verliebte Student winkte ihr zu, sie lächelte zurück, blieb aber in ihrer Ecke stehen und kam nicht zu ihm rüber, wie er erhofft hatte. Genau in dem Moment begann Jochens Vater mit seiner gewohnt pathetischen Ansprache und lenkte damit auch den Sohnemann endgültig von der Frau seiner Träume ab, bei der er heute noch ein großes Versprechen einlösen wollte, vor dem er echt Muffensausen hatte, das vermutlich noch größer werden würde, wenn er wüsste, dass seine Mutter ihm auf die Schliche gekommen war. Aber die hatte zum Glück gerade nur noch Augen für ihren Mann, der die Tatsache, dass er vielleicht schneller Opa werden würde als gedacht, mit Humor genommen hatte.

Franz: Meine lieben Kollegen, ich freue mich, dass ihr so zahlreich hier erschienen seid und eure wichtigen Pflichten für einen Moment Pflichten sein lasst. Es ist mal wieder soweit, wie ihr sehen könnt. Es gibt Sekt, den es, wie ihr wisst, nur zu ganz besonderen Anlässen gibt. Wir haben wieder etwas zu feiern. Etwas ganz Besonderes. Ein Fest der Liebe sozusagen.

Marc: Großer Gott!

...murmelte Marc leise in seinen Dreitagebart und verdrehte dabei wehleidig die Augen, während sich Gretchen verträumt an seine Seite schmiegte, ihre Hände in seine legte, und jedes einzelne Wort ihres Vaters, das heute auch so treffend auf sie und ihren Schatz zutraf, in sich aufsaugte und für die Ewigkeit abspeicherte. Marc hatte dafür natürlich überhaupt kein Verständnis und er warf seinem Kumpel Mehdi hilfesuchende Blicke zu, doch dieser hing ebenso gebannt an den Worten seines Chefs wie seine Freundin. Weichei, dachte Dr. Meier grummelig und ließ seinen Blick nun gelangweilt durch die einzelnen Reihen der Belegschaft streifen, die mal mehr, mal weniger zuhörten, während Prof. Haase seine Rede fortführte...

Franz: Die Liebe zweier unserer liebsten und wertvollsten Mitarbeiter,...

Alle anwesenden Augenpaare richteten sich nun auf den Tisch von Schwester Sabine und Dr. Gummersbach, die gleich noch ein bisschen kleiner auf ihren Stühlen zusammensanken. Ihnen war es einfach unangenehm, so unvermittelt im Mittelpunkt zu stehen. Das waren die schüchterne Stationsschwester und der einsiedlerische Pathologe gar nicht gewöhnt, die doch sonst nie sonderlich von den anderen beachtet wurden. Außerdem waren sie vor der Hochzeit morgen schon aufgeregt genug, was man ihnen, und Sabine im Besonderen, die regelrecht in Schweiß ausbrach, deutlich ansah. Gretchen schenkte ihrer verlegenen Freundin mitfühlende Blicke, die diese, die einen Tisch weiter saß, mit einem Lächeln erwiderte und Halt suchend nach der Hand ihres zukünftigen Mannes tastete, die dieser gerne entgegennahm und liebevoll drückte, damit sie ruhiger wurde, was auch gelang. Und während unter den Reihen der Zuhörerschaft die letzten Gläser Sekt verteilt wurden, sprach Franz ruhig, aber sichtlich bewegt weiter. Denn er hatte seine geliebte Frau in den Blick genommen, die sich zu Frau Vögler und Herrn Gummersbach an den Tisch gesellt hatte und ihn nun erwartungsvoll mit Tränen in den Augen anschaute.

Franz: ... eine Liebe, die doch recht stürmisch entbrannt ist, wie ich mir erlaube zu sagen. Ich weiß nicht, ob viele von euch die Geschichte überhaupt kennen, wie sich Dr. Gummersbach und unsere herzensgute treue Seele Schwester Sabine kennen gelernt haben.

Der Professor schaute fragend in die Runde. Einige Kollegen nickten, andere kicherten und schenkten sich vielsagende Blicke, während vor allem Teile der weiblichen Belegschaft verträumt aufseufzten und neidvoll zu Sabine rüber blickten, die mittlerweile knallrot im Gesicht angelaufen war und die Erlebnisse mit ihrem Günni noch einmal hautnah gedanklich durchlebte. Ihrem Bräutigam ging es da nicht anders. Mit einem verträumten Lächeln auf den Lippen erinnerte er sich an ihrer erste Begegnung im Krankenhaus, als ihm diese zauberhafte Frau im Foyer direkt in die Arme gestolpert war und er sofort von ihr verzaubert gewesen war, wie er seine Angebetete tagelang heimlich auf Station besucht, sie beobachtet und sich immer mehr in sie und ihr herzensgutes Wesen verliebt hatte, ohne dass sie ihn anfangs überhaupt wahrgenommen hatte, und er erinnerte sich noch deutlich an seinen wagemutigen Vorstoß während eines ungewöhnlichen Verabredungsmarathons, neudeutsch während eines Speeddatings, zu dem ihn das Schicksal oder wohl eher Sabine selbst geführt hatte. An diesem Tag, ihrem 32. Geburtstag nebenbei bemerkt, war auch bei ihr endlich der zarte Funke der Liebe übergesprungen, dachte Günni gerührt und gab Sabine spontan einen kleinen Kuss auf ihren Handrücken, was sie leise kichern ließ und ihre Tischgesellschaft, Bärbel Haase, Kate Marple und selbst Oberschwester Stefanie, verzückt aufseufzen ließ.

Marc sah derweil entsetzt zu Gretchen, dann zu Mehdi, die sich beide noch sehr gut daran erinnern konnten, wie das Schicksal an jenem Abend seinen Lauf genommen und Dr. Gummersbach und Sabine auf ungewöhnliche Weise zusammengeführt hatte. Hätten sie und Maria ihrer Kollegin nicht diesen aus der Not eines fehlenden Geschenkes heraus geborenen verrückten Geburtstagsabend ermöglicht, wer weiß, ob die beiden dann so schnell zusammengefunden hätten, dachte Gretchen verzückt lächelnd, als sie den zärtlichen Handkuss des verliebten Bräutigams bemerkte. Dass Dr. Meier auch einen erheblichen Anteil am Glück seiner beiden nervigen Kollegen hatte, das hatte dieser dagegen schon längst wieder vergessen. Aber Gretchen hatte noch genau im Kopf, wie sie verstohlen beobachtet hatte, wie Marc damals Sabine Mut zugesprochen hatte, als der verschrobene Pathologe sich ihrem Tisch genähert und sich ihr endlich vorgestellt hatte. Nicht nur eine Anekdote, die sie noch von dem aufregenden Speed-Dating-Abend bleibend in Erinnerung behalten hatte. Und schon hatte sich Gretchen wieder verliebt grinsend an die Seite ihres persönlichen Liebesengels Marc Meier angekuschelt, der sie nur verständnislos musterte, nicht ahnend, was gerade in ihrem süßen Köpfchen vor sich ging.

Marc: Der erzählt das doch jetzt nicht in echt?
Gretchen (öffnet seufzend wieder ihre Augen u. wirft ihrem Freund einen tadelnden Blick zu u. konzentriert sich dann wieder ganz auf ihren Vater und dessen „Ode an die Liebe“): Marc, halt die Klappe! Hör zu und lerne!
Marc (beleidigt zieht er sich zurück u. verschränkt seine Arme): Boah!

Was? Wie man sich öffentlich zum Affen macht oder was? Liegt ja in der Familie. Nicht?

Franz (grinst spitzbübisch u. völlig überzeugt von seiner Idee in die Runde): Ich erzähle sie euch trotzdem noch einmal.
Marc: Oh Mann!

Ich halt’s im Kopf nicht aus!

Marc ließ seinen Kopf auf die Tischplatte fallen, so dass die Kaffeetassen darauf schepperten, und seufzte gequält auf. Mehdi schmunzelte über seinen wehleidigen Freund und klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter. Doch der leidende Chirurg blitzte seinen Kumpel nur böse an und richtete sich wieder auf. Dabei streifte sein Blick zufällig den von Jochen, der genauso wehleidig dreinblickte und der skurrilen Liebesgeschichte des wohl skurrilsten Paars des EKH nur allzu gerne entkommen würde. Wenigstens war er nicht allein! Aber weder Jochen noch Dr. Meier hatten eine Chance. Schließlich hatte Prof. Haase hier im Haus das Sagen und absolutes Rederecht, das er in seiner ganzen Bandbreite ausnutzte...

Franz: An seinem ersten Arbeitstag in unserem renommierten Hause, der noch gar nicht mal so lange her ist, wenn ich mich recht entsinne, flatterte ihm unsere fleißige Sabine schon förmlich in die Arme, als er noch nicht einmal die Schwelle zu unseren heiligen Hallen überwunden hatte. Und der Funke der Liebe setzte sich sofort bei unserem sehr geschätzten Pathologen fest.

Oh Mann, jetzt weiß ich, woher Gretchen das hat. Hilfe! (MM)
Gott, ist das süß! Papa kann so gut erzählen. Ich liebe es. (GH)


Franz: Ja, es gibt sie wirklich, die Liebe auf den ersten Blick. Dr. Gummersbach und Schwester Sabine sind wohl das beste Beispiel dafür. Auch wenn es natürlich noch einige Bemühungen seitens unseres verliebten Kollegen gebraucht hatte, um unser emsiges Bienchen einzufangen. Letztendlich hat er es doch geschafft. An ihrem Geburtstag haben sie sich zum ersten Mal verabredet. Gibt es an diesem Tag ein schöneres Geschenk als die Liebe? Nein, ich denke nicht. Und nach einem spektakulären Antrag während der Silvesterfeier, dem meine Frau und ich leider nicht hatten beiwohnen können, an eben dieser Stelle, wo wir uns alle gerade befinden, wollen die beiden diesem wunderbaren Liebesversprechen nun Taten folgen lassen. Sie wollen heiraten.

Prof. Haase hielt einen Moment inne und suchte in der Menge den Tisch des Brautpaares. Als er diesen entdeckt hatte, erhob er sein Sektglas und machte ein Zeichen, dass seine Mitarbeiter seinem Beispiel folgen sollten.

Franz: Im Namen der gesamten Belegschaft möchte ich Ihnen, Fräulein Vögler, und Ihnen, Dr. Gummersbach, meine besten Wünsche zur Vermählung übermitteln. Stoßen wir zusammen doch auf diese ganz besondere Liebe an! Möge sie ewig währen und fruchtbar sein. Alles Gute Ihnen beiden.

Während Schwester Sabine und Günni noch immer betreten in die Runde schauten und kaum glauben konnten, was um sie herum passierte, erhoben ihre Kollegen bereits die Sektgläser in ihre Richtung und stießen auf das junge Glück an. Gretchen war die Erste, die Sabine gratulierte und erst ab dieser bewegenden und tränenreichen Umarmung konnte auch die nervöse Krankenschwester etwas entspannen und wieder lächeln. Sie strahlte verliebt ihren zukünftigen Mann an. Dieser lächelte verlegen zurück und stieß nun auch endlich mit seiner Braut auf ihr gemeinsames Glück an, das heute noch standesamtlich und morgen kirchlich besiegelt werden würde. Schnell hatte sich eine große Traube um das glückliche Paar herum gebildet und so ging in dem Lautpegel an Gratulanten auch ganz unter, dass Prof. Haase noch etwas sagen und ein weiteres Paar mit Heiratsabsichten verkünden wollte, das seine Spione aufgedeckt hatten. Aber diese spontan entschlossenen Mitarbeiter, die bereits ihre Tickets für Las Vegas gebucht hatten, waren ganz froh darüber, dass die Aufmerksamkeit an diesem Tag nicht so sehr auf ihnen lag, sondern auf ihren beiden Kollegen, die sie auch sehr mochten und denen sie ihr Glück wirklich aus ganzem Herzen gönnten. Und so brach der Professor seine bewegende Rede vorzeitig ab und gratulierte zusammen mit seiner Frau, die sich immer wieder die eine oder andere Freudenträne mit dem Kittelärmel wegwischen musste, nun auch dem jungen Brautpaar, bevor er sich leider auch schon wieder verabschieden musste, um seinen Chefarztverpflichtungen nachzugehen.

Lorelei Offline

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25.04.2012 16:30
#1270 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo zusammen! Tja, wer sich auch noch vom Hochzeitsfieber hat anstecken lassen, wird wohl für immer mein Geheimnis bleiben. Aber vielleicht habt ihr ja eine Idee? Auch wenn jetzt aus storytechnischen Gründen einige Überblickskapitel kommen, hoffe ich doch, dass ihr auch weiterhin viel Freude am aktuellen Geschehen habt. Und es ist auch an der Stelle mal wieder an der Zeit, meinen fleißigen Kommibienchen und auch meiner stillen Leserschaft Danke zu sagen, danke, dass ihr es immer noch mit mir und meiner Story aushaltet. Bussi, eure Lorelei




So schnell sie zustande gekommen war, so schnell hatte sich die Versammlung der Belegschaft des EKH auch schon wieder in Luft aufgelöst. Alles lief wieder seinen geregelten Gang auf den einzelnen Stationen des Krankenhauses. An vorderster Front dabei wie immer der Professor höchstpersönlich, der sich gerade auf den Weg in die Verwaltung gemacht hatte, um gegen Papiermühlen zu kämpfen, die seinem ehrgeizigen Projekt der Klinikerweiterung mal wieder Steine in den Weg werfen wollten, es sich aber vorher nicht nehmen ließ, noch einmal einen Blick auf den OP-Plan zu werfen, um zumindest dort seufzend etwas OP-Luft zu schnuppern, die ihm so sehr fehlte. Nur die zukünftige Braut Sabine, ihre Trauzeugin Gretchen, Dr. Mehdi Kaan, Schwester Bärbel, Oberschwester Stefanie und Dr. Kate Marple blieben noch etwas länger zusammen in der Cafeteria sitzen, um noch gemeinsam zu Mittag zu essen. Dr. Meier und Dr. Stier hatten sich bereits, nachdem das letzte Sektglas geleert worden war und sich das übrige Personal wie Hyänen um das Brautpaar gescharrt hatte, schnell aus dem Staub gemacht, um der heiligen Glückseligkeit zumindest für einen Moment wieder zu entkommen. Die peinliche rührselige Rede des Professors und alles, was danach folgte - ja auch Sabines Chef und Sklaventreiber hatte dem Brautpaar kurz die Hand gereicht und brav die üblichen Floskeln aufgesagt, wenn auch eher widerwillig auf Druck seiner drängelnden Freundin - war für die beiden unsensiblen egomanischen Machochirurgen einfach einen Tick zu viel des Guten gewesen.

Zumal Cedric Stier noch immer ziemlich gefrustet von Marias Reaktion gewesen war und ihm Kollege Meier dann auch noch zu allem Übel einen blöden Spruch reingedrückt hatte, als die beiden zusammen in den Fahrstuhl gestiegen waren und diesen unfreiwillig einige Sekunden hatten teilen müssen. Mit einem gezogenen Stinkefinger hatte sich der gefrustete Neurochirurg kommentarlos im nächsten Stockwerk von seinem früheren Studien- und Wettkollegen verabschiedet, während dieser ihm nur hämisch hinterher blicken und sich über dessen verzweifelte „Fang die Hassi“-Versuche amüsieren konnte. Nachdem sein lästiger Kontrahent den Aufzug wieder verlassen hatte, hatte sich Marc sein Handy geschnappt, um seiner süßen Partyplanerin eine kleine Sms zu schreiben. Schließlich hatten sie noch etwas Entscheidendes zu erledigen. Eine kleine entspannende Übungseinheit im geheimen Liebesnest wäre schon nicht schlecht nach dem ganzen emotionalen Stress gerade eben in der Kantine, dachte der verliebte Oberarzt breit grinsend und stieg als nächstes auf seiner Station im dritten Stock aus, um nun fröhlich summend direkt sein Büro anzusteuern. Der lästige Bürokram wartete auf ihn, dem der Chirurg hoffte schon recht bald wieder entkommen zu können.

In der Cafeteria war es derweil wieder angenehm ruhig geworden. Nur das Geschepper von Geschirr und Besteck war zu hören, während die meisten Kantinengäste gerade genüsslich schmatzend ihr Mittagessen verspeisten. Stumm wanderten die Blicke der einzelnen Anwesenden an einem Sechsertisch hin und her, von dem einem zum anderen, ohne dass Schwester Sabine, die aufgrund der Nachwirkungen ihrer Nervosität einen riesigen Teller asiatischer Nudeln unaufhörlich in sich rein schaufelte, etwas davon mitbekam, wie man sich heimlich wegen dem heutigen geheimen Abendtermin mittels Lippenlesen und Augenzwinkerei verständigte. Dr. Gummersbach hatte sich bereits vor einigen Minuten von seiner Zukünftigen und ihrer Entourage verabschiedet, da gleich der Leichentransport für die Universitäten da sein würde und er dementsprechend in der Pathologie verlangt wurde. Und auch Sabine brach nach einem kurzen Plausch mit ihren Kollegen und Kolleginnen, die sie in ein harmloses Gespräch über die anstehende Hochzeit und ihre Zukunftspläne mit Günni verwickelt hatten, zu ihrem Dienst auf. Sie wollte schließlich keinen Ärger mit Dr. Meier riskieren, auch wenn dieser sich ihr gegenüber schon den ganzen Tag über ungewöhnlich nett verhalten hatte. Das kannte man so gar nicht von dem sonst so grummeligen Oberarzt und Cheftyrann, der sie sonst immer lautstark herumkommandierte und über die Station flitzen ließ. Aber vielleicht freute er sich ja auch für sie und ihren Günni. Er hatte den beiden schließlich auch „Hals und Beinbruch“ für ihre Zukunft gewünscht.

Nachdem Sabine ihren Teller abgeräumt und die Cafeteria verlassen hatte, steckten die vier Frauen und ein Mann wieder die Köpfe zusammen und besprachen wild umherschnatternd die letzten Details für Sabines und Günnis Überraschungsparty am Abend. Für das entscheidende Ablenkungsmanöver würde Kate zuständig sein, die sich bereit erklärt hatte, dem Brautpaar vorzugaukeln, dass heute in Berlin Mitte ein inoffizielles Star-Trek-Treffen stattfinden würde, zu dem sie die beiden gerne interessehalber begleiten wollen würde, nachdem sie ebenfalls ihre Liebe für das Science-Fiction-Genre entdeckt hätte. Deshalb seien entsprechende Kostüme auch unbedingt Pflicht an diesem Abend. Der Treffpunkt würde wie zufällig in der Nähe der Wohnung von Dr. Meier und Dr. Haase am Spreeufer sein. So konnte die gewiefte Assistenzärztin das Brautpaar unbemerkt direkt zum Partyort lotsen, ohne dass die beiden Verdacht schöpfen konnten, dass auf sie ein Polterabend der Extraklasse mit ihren liebsten Kollegen und Freunden warten würde.

Oberschwester Stefanie, die an diesem denkwürdigen Tag für ihre Verhältnisse ungewöhnlich gut gelaunt, ja sogar fast nett, war und für fast jede Idee offen war, obwohl sie von einer Ärztin und einem Gynäkologen kamen, würde gleich noch einmal alle geladenen Gäste per Sms anschreiben, dass sie sich auch wirklich alle pünktlich gegen halb acht im Kostüm und mit Hochzeitsgeschenk im Meier-Haasschen Penthouse einfinden sollten. Gretchen würde sich um alle restlichen Details kümmern, wie die Gestaltung und Dekoration der Wohnung. Maria Hassmann hatte ihr zugesagt, schon etwas eher vorbeizukommen, um ihr dabei zu helfen. Und die Männer, Dr. Kaan und Dr. Meier, würden für einen ausreichenden Getränkevorrat sorgen. Ein mobiler Barkeeper und ein Alleinunterhalter waren gebucht. Und Gretchens Mutter, die für das Kulinarische zuständig war, wollte auch schon eher vorbeischneien, um die Häppchen für das Büffet dekorativ anzurichten. Bärbel Haase war dabei völlig in ihrem Element und sie hatte schon einige kulinarische Köstlichkeiten im Kopf bzw. bereits vorbereitet, die sie heute Abend kredenzen wollte. Sie hatte sich extra den Rest des Nachmittags dafür frei genommen.

Die Frau des Professors war zwar auch für den Polterabend eingeladen worden, aber sie und ihr Mann hatten beschlossen, das junge Gemüse alleine feiern zu lassen. Sie und Franz würden stattdessen ihrem Freund und geschätzten Kollegen Prof. Olivier Meier einen Besuch abstatten, um ihm etwas von seinem Kummer abzulenken, denn auch nach zwei Wochen gab es noch immer keinerlei neue Nachricht von dessen Frau, die wie vom Erdboden verschluckt zu sein schien. Und falls sie doch noch Lust auf die Feier bekommen würden, könnten die drei immer noch die paar Etagen bis ins Dachgeschoss hochkommen. Bärbel, die sich gerade angeregt mit Stefanie wegen der Kostümverteilung stritt, wollte gerade noch etwas dazu erwidern, da hatte sie plötzlich am Ausgang der Cafeteria ihren Jungen im angeregten Gespräch mit einer hübschen jungen Frau entdeckt, mit dem sie doch noch ein Hühnchen zu rupfen hatte. Schnell verabschiedete sich „Oma“ Haase von ihren verdutzten Kollegen und heftete sich an die Fersen ihres Sohnes, da dieser und seine hübsche Begleitung nach der Bezahlung ihres Mittagssnacks die Kantine auch schon wieder verlassen hatten. Gretchen sah ihrer davon flitzenden Mutter ziemlich perplex hinterher und bekam nun doch Mitleid mit ihrem armen Bruder, dem wohl gleich die Ansage seines Lebens blühen würde. Aber dafür war später noch Zeit. Jetzt erwarteten auch sie erst einmal ihre letzten beiden Dienststunden am heutigen Tag, bevor sie am Nachmittag ihre Wohnung in eine Partylocation verwandeln würde, worauf sie sich schon tierisch freute.

Auch die anderen Kollegen und Kolleginnen erhoben sich nun von ihren Stühlen, nachdem die letzten Details besprochen und die letzten Happen vom Mittagessen aufgegessen worden waren, und verließen zusammen die Cafeteria, um auf ihren Stationen ihren Dienst fortzusetzen. Vor allem Mehdi und Kate sorgten sich um das Wohl der jungen Drillingsmama und machten sich sofort auf den Weg in die Gynäkologie bzw. in die Pädiatrie, wo die drei Jungs gerade auf Herz und Nieren untersucht wurden. Gretchen und Oberschwester Stefanie folgten ihnen auf dem Fuße. Doch die liebenswerte Assistenzärztin blieb schnell zurück und schließlich stehen, während die anderen drei schon mit dem Fahrstuhl nach unten fuhren, denn sie hatte gerade Marcs süße Sms gelesen, was ihren Hormon- und Wärmehaushalt etwas durcheinander gebracht hatte, so dass sie erst einmal Halt machen und nach Luft schnappen musste. „Lass die Idioten einfach sitzen, Haasenzahn! Erwarte dich unverzüglich du weißt schon wo zu du weißt schon was. Freu mich auf unsere erste Übungseinheit. Können gerne auch zwei werden? Kuss, Marc“, hatte er mit Smile-Untermalung geschrieben.

Gretchen lachte vergnügt auf - „So ein Spinner!“ - und überlegte kurz, ob sie dem seligen Wunsch des Schelms nachgehen sollte. Ihr wild klopfendes Herz und die Schmetterlinge in ihrem Bauch lieferten ihr die Antwort. Und wie sie wollte! Die verliebte Frau wollte ihren frechen Casanova gerade zurückrufen, als ihr Handy auch schon zu klingeln begann. Gedankenübertragung, dachte Gretchen verzückt. Freudig ging sie an ihr Telefon ran, musste aber dann schnell enttäuscht feststellen, nachdem sie die laute genervte und vor allem weibliche Stimme identifiziert hatte, dass es nicht ihr Marcischnuckiputzi war, der sehnsüchtig auf seine Geliebte wartete, um ein Baby zu machen, sondern Dr. Hassmann, die seit geschlagenen zehn Minuten ungeduldig auf ihre Assistenz im OP-Bereich wartete und dementsprechend stinksauer war. Die Kraniotomie! Die hätte sie ja fast vergessen. Sie hatte sich doch extra dafür eintragen lassen, weil ihr noch ein neurochirurgischer Eingriff auf ihrer OP-Liste gefehlt hatte. Mist, dachte Dr. Haase missmutig und ließ geduldig die altbekannte Hassmannsche Standpauke über sich ergehen, bevor sie sich bei ihrer stinkstiefligen Oberärztin für ihre Verspätung entschuldigte und mit Säuselstimme ihr sofortiges Kommen ankündigte. Sie legte seufzend auf und schickte Marc noch schnell eine kurze Sms, dass sie es wohl nicht mehr in ihr Geheimversteck schaffen würde. Aber vielleicht war dafür ja später noch Zeit, machte sie ihm große Hoffnung, schaltete dann ihr Handy aus und stieg anschließend in den Aufzug, der gerade seine Türen geöffnet hatte.

Lorelei Offline

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27.04.2012 13:18
#1271 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Dr. Meier ließ derweil über seinen Aktenbergen frustriert den Kopf hängen, nachdem er gerade die Absage seiner zuckersüßen Assistenzärztin gelesen hatte. Blöde Hassmann! Was musste die ihm denn jetzt in die Quere kommen? Nur weil ihr Sexleben nicht so lief bzw. quasi nicht existent war, musste sie ihm doch auch nicht noch seins vermiesen? Armer Haasenzahn, nun bekam sie auch noch deren ganzen „Cedric geht mir am Arsch vorbei“-Frust ab. Aber lange konnte der besorgte Freund nicht darüber nachdenken. Marcs Pieper sprang in diesem Augenblick an. Der Oberarzt wurde dringend in der Notaufnahme verlangt. Dr. Meier machte sich sofort auf den Weg. Das war genau die richtige Ablenkung, die er jetzt gebraucht hatte, denn seine Gedanken waren in den letzten Minuten immer wieder zwischen Babygeschrei, Hochzeitswahnsinn und Leidenschaft hin und her geschwankt, was ihn fast wahnsinnig gemacht hatte. An Aktenarbeit war gar nicht mehr zu denken gewesen in seinem Zustand. Aber von null auf hundert war er jetzt wieder ganz in seinem Element. Völlig konzentriert, ruhig und aufnahmefähig. In der Notaufnahme angekommen, ließ er sich sofort von dem blonden Sanitäter einweisen und schob den verunglückten Radfahrer im Anschluss zusammen mit Schwester Sabine gleich in den nächsten Schockraum zur Untersuchung.

Doch die trantüddelige Krankenschwester war ihm heute nicht wirklich eine Hilfe. Aber wann war sie das je gewesen? Ständig stand sie ihm gedankenverloren im Weg oder schien seine Anweisung überhaupt nicht kapieren zu wollen. Es war zum Haare raufen mit der Frau, Braut, Mutantin, wie auch immer. Also blieb mal wieder alles am Oberarzt persönlich hängen, denn auch die ihm zugeteilten Assistenzärzte erwiesen sich als echte Nieten in Notsituationen. Begriffsstutzig bis zum ‚Geht nicht mehr’. Wenn man Haasenzahn mal wirklich brauchte, war sie nicht da, dachte Dr. Meier sichtlich genervt und begann mit der Untersuchung seines Patienten, wobei er geduldig versuchte, seinen Studenten zumindest ein bisschen medizinisches Wissen beizubringen. Vermutlich vergebliche Liebesmüh. Doch auch seine Lieblingsassistenzärztin, mit der jeder Handgriff stets routiniert verlief, war im Moment vollends beschäftigt. Denn neben der Operation am offenen Gehirn eines vierundfünfzigjährigen Patienten versuchte sie gerade hartnäckig, etwas über den aktuellen Gemütszustand ihrer sehr geschätzten Freundin und Kollegin Maria Hassmann herauszufinden, die aber eisern zu ihrem nicht vorhandenen Verhältnis zu einem gewissen attraktiven Fachkollegen schwieg, vor dem sie vorhin öffentlichkeitswirksam geflüchtet war, worüber sie sich im Nachhinein selber tierisch ärgerte. Damit hatte sie ihm doch mal wieder ein Standbrett geliefert. Aber offenbar schaltete sich jedes Mal ihr Gehirn aus, wenn ihr dieser Vollidiot in die Quere kam.

Doch kein Wort, außer Hilfestellungen zur Gehirn-OP, die Gretchen gerade selbständig routiniert absolvierte, kam der miesepetrigen Ausbilderin über die Lippen, auch weil die Anästhesistin und die assistierende OP-Schwester etwas zu interessiert in ihre Richtung lugten, jedes Mal, wenn das Stichwort „Dr. Stier“ gefallen war. Vermutlich die neusten willigen Opfer auf seiner endlosen Liste. Maria hatte es so satt, sich ständig über diesen unverschämten Mann Gedanken zu machen. Sie konnte machen, was sie wollte, sie kamen immer wieder zurück. Sie war kurz vorm Durchdrehen deswegen. Hinzu kam, dass sie noch immer keinen Plan hatte, wie sie mit Sarah reden sollte. Nach ihrem ersten Versuch vor zwei Wochen, bei dem sie sich von ihren unaufhörlich über sie hereinbrechenden Emotionen hatte lenken lassen, hatte sie es noch zweimal versucht, aber jedes Mal hatte ihr am Ende die nötige Chuzpe gefehlt, um ihrer Tochter endlich zu sagen, wer ihr Vater war und dass dieser sie gerne sehen wollte. Jetzt stand sie vor einem riesigen Dilemma, weil Cedric verständlicherweise seit ihrem Ausbruch in seinem Büro keine Ruhe mehr gab und ständig wissen wollte, was nun Sache war, aber sie hatte nun mal absolut keine Antwort darauf.

Deshalb zog Maria es vor, jeglichen Kontakt mit Sarahs Vater möglichst zu vermeiden, was im Krankenhaus eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit war. Cedric schien es ja regelrecht darauf anzulegen, sie zu treffen. Immer und überall. Bei der Visite, in der Notaufnahme, in der Cafeteria, im Stationszimmer. Einmal hatte er ihr sogar vor dem Damenklo aufgelauert. Und dass ihre Büros sich gegenüberlagen, machte die Sache auch nicht einfacher. Es war noch zum Verrücktwerden. Seitdem er hier war, rebellierte ihr Magen nur noch und sie fühlte sich ständig hundsmiserabel. Und jetzt war ihr schon wieder übel, was sie versuchte wegzuatmen, um nicht aus dem OP flüchten zu müssen. Maria wusste nicht, wann sie das letzte Mal eine anständige Mahlzeit komplett runterbekommen hatte. Vermutlich hatte sie schon das eine oder andere Kilo verloren bei dem ganzen seelischen Stress, für den es nur eine Ursache gab. Wenn es nicht so verrückt klang, dann könnte man die „Stier-Diät“ fast weiterempfehlen.

Und ausgerechnet jetzt hatte sich auch noch die Honigkuchenfee Haase ihrer angenommen mit ihren gut gemeinten Ratschlägen. Als ob die wüsste, was das Beste in dieser ganzen verzwickten Situation wäre. Sie hatte kein Kind. Sie hatte den Meier an der Backe. Freiwillig. Wer würde den schon nehmen wollen? Noch unfähiger und unverschämter als ihr eigenes Problem! Zumindest machte der Haase trotz der ständigen Nervereien die Arbeit ganz gut. Das Blutgerinnsel war gelöst und die Nerven verödet worden. Die Naht saß perfekt. Wie im Lehrbuch. Wer hätte gedacht, dass sich aus der blonden Nervensäge mit akutem Helfersyndrom mal eine anständige Ärztin entwickeln würde? Also sie nicht! Und so ließ sich Dr. Hassmann sogar dazu hinreißen, ihrer Assistenz zu einem geglückten Eingriff zu gratulieren, was sie sonst bei noch keinem ihrer Assistenzärzte gemacht hatte. Also so langsam machte es ihr Angst, wie emotional sie auf einmal im Umgang mit anderen reagierte. Bei einem anschließenden gemeinsamen Holunderblütentee bzw. Kakao am Getränkeautomaten ließ sich die alleinerziehende Mutter sogar noch zu etwas ganz anderem hinreißen. Maria Hassmann machte Gretchen Haase nämlich ein überraschendes Geständnis.

Lorelei Offline

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29.04.2012 16:42
#1272 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Während die beiden Chirurgenkolleginnen sich aufgeregt am Getränkeautomaten im Erdgeschoss miteinander unterhielten und eine von beiden immer größere Augen bekam wegen dessen, was die andere ihr gerade zu erklären versuchte, schwebte fast unbemerkt eine breit grinsende Frau in einem knallgelben Mantel und einer ebenso gelben tief ins Gesicht gezogenen Wollmütze an den beiden vorbei. Endlich hatte Schwester Sabine Dienstschluss. Die letzten Stunden in der Notaufnahme und anschließend im OP mit Dr. Meier waren ihr ewig lang vorgekommen. Ständig hatte sie zur großen Uhr über der Schleuse rübergeschaut und hatte den Operateur damit fast wahnsinnig gemacht. Aber der verunglückte Radfahrer hatte den Noteingriff überlebt und lag nun stabil auf der IS, Dr. Meier hatte weniger gemeckert als sonst, worüber vor allem die Assistenzärzte erleichtert gewesen waren, und er hatte sich dann schnell nach der OP in unbekannte Richtung verdrückt, so dass sie pünktlich Feierabend machen konnte. Auch wenn dieser heute schon recht zeitig begann. Aber das hatte andere Gründe. Erfreuliche Gründe. Überwältigende Gründe. Gründe, die sie zum Tanzen animieren würden, wenn Sabine denn tanzen könnte. Und ihr fehlte natürlich auch noch der passende Tanzpartner dazu.

Jetzt musste Sabine nur noch auf ihren geliebten Fast-Mann warten, der sich etwas verspätet hatte, weil es Ungereimtheiten beim Leichentransport für die Universitäten gegeben hatte und Dr. Gummersbach, pflichtbewusst und akkurat wie er nun mal war, noch einmal alles haargenau nachprüfen wollte, bevor er sich ebenfalls für das Schichtende fertigmachen würde. Nicht dass noch aus Versehen eine Leiche zu viel zum Sezieren an der HU landete, wie es ihm schon einmal vor einigen Wochen aus Versehen passiert war, als er die Liste nicht noch einmal kontrolliert hatte, wie er es sonst immer zu tun gepflegte, weil er der Frau seiner Träume an ihrem Geburtstag unbedingt ein Geständnis hatte machen wollen. Das war vielleicht ein Schlamassel gewesen, aber der zerstreute Pathologe hatte damals noch alles rechtzeitig klären können, bevor er und die Klinik noch verklagt worden wären und er somit seinen frisch angetretenen Job schon wieder losgeworden wäre. Daran mochte Günni gar nicht mehr zurückdenken. Dann wären er und Sabine vermutlich nie zusammengekommen. Welch eine schreckliche Vorstellung! Aber es war zum Glück alles ganz anders gekommen. Und nun war der Tag der Tage tatsächlich gekommen. Sie würden heiraten.

Dass alle ihre Kollegen an diesem für sie so besonderen Tag irgendwie beschwingt gewesen waren und sie ständig auf irgendeine komische Art und Weise angegrinst hatten, getuschelt und ihr immer wieder zugezwinkert hatten, war Schwester Sabine zwar ab und an aufgefallen, aber sie hatte sich nicht sonderlich darüber gewundert. Insgeheim fühlte sie sich sogar noch beschwingter als alle anderen zusammen, nachdem sich die Aufregung nach der bewegenden Ansprache des Professors wieder etwas gelegt hatte. Denn was kaum jemand wusste, am frühen Nachmittag würde Sabine Vögler ein Standesamt in Charlottenburg betreten und wenig später offiziell als Frau Sabine Gummersbach wieder verlassen. Welch ein Glück, dass sie den Termin noch vorverlegt bekommen hatten. Nach dieser ganz intimen Trauung nur für sie beide würden sie dort in der Nähe in ihrem Lieblingslesecafé Kaffee trinken und ihren Lieblingskuchen essen. Den besten Bienenstich von ganz Berlin gab es dort nämlich. Sabine würde sich von ihrem Günni aus ihrem Lieblings-Dr.Rogelt-Band, „Und es war tatsächlich die einzig wahre Liebe“, vorlesen lassen - er hatte so eine tolle erotische Erzählstimme, dass sie jedes Mal nur so dahin schmolz - und später am Abend würde die Braut ihrem persönlichen „Mr. Spock“ die kleine Freude bereiten und ihn auf ein strenggeheimes Geheimtreffen der Berliner Star-Trek-Nerds begleiten.

Andere würden diesen Hochzeitsablauf vielleicht als sehr ungewöhnlich und speziell bezeichnen, aber sie wollten nun mal an ihrem persönlichen Ehrentag das machen, was sie am liebsten mochten. Natürlich wäre eine schöne Polterabendfeier schon schöner und auch passender gewesen, aber sie hatten ihre liebsten Menschen doch auch alle schon für morgen zur richtigen Hochzeitsfeier aufs Land eingeladen. Das kirchliche Ritual zählte für sie mehr als irgendein bürokratischer Akt oder ein Stempel auf einem unscheinbaren Dokument, das dann für immer in einer Mappe im Schieber verschwand. Erst vor Gott wäre ihr Eheversprechen wirklich gültig. Das hatte ihr auch ihre Mutter früher immer gesagt, die leider nicht bei der Hochzeit ihrer einzigen Tochter dabei sein konnte. Ebenso wie ihr Vater. Aber vom Himmel aus würden die beiden ihr und Günni ihren Segen geben, das war sich Sabine sicher. Sie hatten sich doch immer für ihre Tochter gewünscht, dass sie irgendwann ihr Glück finden würde und das hatte sie nun tatsächlich schneller gefunden, als sie sich das erhofft hatte. Noch vor einem halben Jahr hätte sie vermutlich jeden für verrückt erklärt, der ihr erzählen wollte, dass sie schon bald die Frau eines so aufregenden Mannes werden würde und jetzt war es tatsächlich soweit. Und vielleicht sogar noch viel mehr.

Und auf einmal klopfte ihr Herz ihr wieder bis zum Hals. Es gab da nämlich noch eine Sache, die Sabine insgeheim den ganzen Tag über schon bewegt und durcheinander gebracht hatte, aber die sie in der ganzen Aufregung ganz verdrängt hatte. Sie schaute sich um und strahlte plötzlich mit der Sonne um die Wette, die sich heute extra für sie hinter den Wolken hervorgekämpft hatte. Ihr Günni war da! Endlich! Glücklich lief sie los und fiel dem überraschten Pathologen um den Hals, der mit solch einer überschwänglichen Umarmung seines Bienchens nicht gerechnet hatte, und drückte ihm einen dicken Schmatzer auf die Wange. Er schien es zu genießen und lächelte sogar. Hand in Hand verließen die beiden nun das Krankenhaus. Zum letzten Mal als unverheiratetes Paar. Gretchen und Maria, die die rührende Szene beobachtet hatten, sahen ihnen wohlwollend hinterher und trennten sich anschließend voneinander. Die Neurochirurgin machte sich auf den Weg auf ihre Station, wo der Papierkram noch auf sie wartete. Die Assistenzärztin, die von den Worten ihrer Oberärztin und Freundin noch etwas durcheinander war, hatte dagegen ein ganz anderes Ziel vor Augen, das sie mit einem breiten Lächeln im Gesicht nun auch direkt ansteuern wollte, nachdem sie noch schnell eine wichtige Sms versendet hatte.

Lorelei Offline

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01.05.2012 19:55
#1273 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Doch die Sms von Gretchen - „Warte auf dich. Du weißt schon wo. Tausend Küsse. G.“- erreichte ihren Adressaten nicht gleich auf direktem Wege, denn dieser hatte sein Telefon vor der Not-OP, die zum Glück für den Patienten glimpflich ausgegangen war, ausgeschaltet und danach nicht mehr daran gedacht, es wieder empfangstüchtig zu machen. Dr. Meier war nämlich gerade auf einer geheimen Mission unterwegs. Er schlich sozusagen auf ihm ungewohnten Terrain umher. Gut, ganz so ungewohnt war ihm diese Lokalität dann doch nicht. Er war schließlich oft genug in der Vergangenheit mit der einen oder anderen Feierabendbierflasche bei seinem besten Kumpel im Büro aufgeschlagen und hatte diesen von der Arbeit abgehalten, wenn man das, was Mehdi tat, überhaupt als Arbeit bezeichnen konnte. Nur diesmal hatte Marc nicht die Sucht nach einem wohl verdienten Bierchen nach anstrengenden und nervigen Arbeitsstunden in das Sprechzimmer von Dr. Kaan geführt. Dieses Mal war sein Interesse ganz anderer Natur, was ihn selbst mehr überrascht hatte, als die Tatsache, wo er sich gerade befand und wie er überhaupt hierher gekommen war. Er war auf der Gyn. Im Feindesland sozusagen. Einer Umgebung, die ihm sichtlich Unbehagen bereitete. Ebenso wie die Blicke der neugierigen Schwestern, die hier umherwuselten und kichernd an ihm vorbeiliefen. Stand es ihm etwa auf die Stirn geschrieben? Er hätte nicht herkommen sollen! Das war ihm nicht erst in dem Moment klar geworden, als ihn ein verzweifelter werdender Vater von hinten angesprungen hatte und er zum ersten Mal in seiner Karriere verleugnet hatte, Arzt zu sein. Dennoch war er hier. Seine Füße hatten ihn seltsamerweise nach der OP direkt hierher geführt.

Anfangs hatte Marc noch gezögert, ob er das auch wirklich tun sollte, aber als er dann durch zwei an ihm vorbei gehenden schnatternden Assistenzärztinnen von Mehdi, denen er gleich den irren Daddy mit den teuflisch funkelnden Augen in die Arme gedrückt hatte, damit die sich nun um das „Problem“ kümmern konnten, mitbekommen hatte, dass sein Freund wohl noch länger anderweitig beschäftigt sein würde, hatte er sich dann doch dazu animiert gefühlt, seinem spontanen Forschungsdrang nachzugehen und heimlich in dessen Räumlichkeiten zu spionieren ... ääähhh... recherchieren. Man lernte schließlich nie aus als erfolgreicher Arzt. Auch wenn ihn dieses Fachgebiet eher sekundär bis gar nicht interessierte und er heilfroh darüber war, Mehdi jetzt keine peinlichen Fragen stellen zu müssen oder umgekehrt diese beantworten zu müssen. Besser der Frauenversteher wüsste vorerst von nichts. Erstens, würde Mehdi sich vermutlich schlapp lachen, weil Haasenzahn ihn endlich weich geklopft hatte, was schließlich überhaupt nicht der Wahrheit entsprach, und er hatte wirklich keinen Bock darauf, ihm irgendetwas erklären zu müssen, was er selber noch kaum fassen konnte. Zweitens, konnte der Kaan sich seine gut gemeinten Ratschläge, mit denen er ihm sicherlich von da an ständig in den Ohren liegen würde, sonst wohin stecken. Selbst ist der Mann, das war schließlich Marc Meiers Devise. Auch auf dieser heiklen Sondermission in ungewohnten Welten.

Und so schlich Dr. Meier nun tatsächlich auf leisen Sohlen durch die Praxisräume von Dr. Mehdi Kaan und schaute sich interessiert um, als wäre er zum ersten Mal hier auf Stippvisite. Und so schien es fast, denn so einige Details, wie diese hässliche Bleistiftzeichnung einer Blume oder was auch immer es darstellen sollte, waren ihm tatsächlich heute erstmals aufgefallen. Die Spürnase Meier verzog augenrollend das Gesicht, als er die ganzen kitschigen Kinderfotos an der Pinnwand betrachtete, lächelte aber, als er ein süßes neues Foto von Mehdis kleiner Lillymaus auf dem Schreibtisch entdeckte. Sie hatte so ein ansteckendes Lächeln. Faszinierend diese Ausstrahlung. Marc war tatsächlich etwas gerührt, als er den Bilderrahmen in die Hand nahm und über Lilly Stupsnase strich. Ihm bedeutete diese kleine Nervensäge in der Tat viel mehr, als er sich bislang eingestanden hatte. Und wieder hatte er ihre kindliche Stimme im Ohr, dass er auch einen superdupertollen Papa abgeben würde. So eine Spinnerin, dachte er und stellte den Bilderrahmen zurück zu den anderen, unter denen auch ein Foto von Mehdis neuer Freundin war, was er aber geflissentlich übersah. Wie auch ein anderes wichtiges Detail auf dem Schreibtisch seines besten Freundes.

Verlegen strich Marc sich über seinen Dreitagebart, als er ein letztes Mal in Lillys Grinsegesicht blickte. Was war eigentlich heute mit ihm los? Wieso war er heute so unmännlich rührselig? Das war doch furchtbar. Wenn jemand in seinen Kopf schauen könnte, würde man ihn vermutlich für verrückt halten und direkt in die Geschlossene überweisen. Der verwirrte Oberarzt schüttelte den Kopf, so als ob er so seine übermächtigen Gefühle abschütteln könnte, was ihm natürlich nicht gelang. Im Gegenteil. Der Gedanke an das „Unternehmen Meier-Haase“ war einfach immer da. Bauchkribbeln und Grinselippe inklusive. Als seine Gefühle ihn mal wieder zu überwältigen drohten, wanderte der Machomann schnell augenrollend weiter durch Mehdis Büro, um die Ecke zum Pavillon, dann zum Fenster und zurück. Schließlich blieb er wieder stehen. Marc wusste nicht warum, aber er krakselte sogar auf dieses seltsame Konstrukt von Behandlungsstuhl, legte seine Beine auf die komischen Beinstützen und lehnte sich dann lässig in die Stuhllehne hinein. Eigentlich gar nicht mal so unbequem, wie es von außen aussah, stellte der Oberarzt überrascht fest und lümmelte sich weiter in den Sitz hinein. Dann schaute er sich langsam weiter in der Frauenarztpraxis um.

Er entdeckte auf dem Unterschrank neben der Behandlungsliege das Modell eines weiblichen Uterus, streckte seinen Arm danach aus und schnappte es sich, wobei er sich fast den Rücken verrenkt hätte. Er betrachtete das Modellbild akribisch von allen Seiten, während er seinen schmerzenden Rücken mit seiner freien Hand massierte und zog seine Stirn immer mal wieder kraus und zerlegte das Plastikgebilde schließlich fachmännisch, um es danach gleich wieder ordentlich zusammenzubauen, um es im Anschluss erneut genau zu studieren. Schon faszinierend, was die Natur so alles möglich machte, dachte der studierte Mediziner nachdenklich und malte sich gedanklich aus, während er sich wieder zurücklehnte und seinen freien Arm unter seinen Kopf schob, wie wohl Gretchen mit Babybauch aussehen würde.

Marcs Augen leuchteten verdächtig auf. Er sah sie direkt vor seinem inneren Auge in einem süßen fast durchsichtigen roséfarbenen Babydoll-Negligé und begann plötzlich breit zu grinsen. Er würde sich wohl sehr mit Sprüchen wegen ihrer immer fülliger werdenden Figur zurückhalten müssen, wenn er die neun Monate überleben wollte. Und plötzlich war er ganz still und in sich gekehrt. Die Vorstellung, dass seine Freundin tatsächlich schwanger sein könnte oder es bald werden würde, berührte ihn zutiefst. Mehr als er geglaubt hatte, als sich die Idee überhaupt in seinen Kopf festgesetzt hatte. Gleichzeitig machte sich aber auch Panik in ihm breit. Immer mehr griff sie nach ihm und seinem Herzen, so dass er sich schließlich aufrichten musste. Er wollte schleunigst von diesem Höllenstuhl wieder herunter, was sich als gar nicht mal so einfach herausstellte. Diese furchtbaren Beinstützen hielten ihn wie Krakenarme gefangen. Er strampelte und turnte wild herum und stieß mehrfach mit seinem Schienbein dagegen, bis er sich ungeschickt und fluchend aus dem gefährlichen Behandlungsstuhl befreit hatte. Beim hektischen Herunterspringen hätte er beinahe das Ultraschallgerät mit umgerissen, was der panische Chirurg aber zum Glück noch rechtzeitig bemerkt hatte.

Fluchend stellte Dr. Meier das Uterus-Modell, das er die ganze Zeit mit einer Hand balanciert hatte, wieder auf seinen angestammten Platz, damit der Frauenversteher auch ja nicht mitbekam, dass hier jemand heimlich in seinem Refugium spioniert hatte. Marc atmete tief ein und aus und beruhigte sich langsam. Die kurzfristige Panik hatte sich wieder gelegt. Warum war er eigentlich hier? Er blickte sich in dem sonnengelb gestrichenen Zimmer um und fand endlich das, was er eigentlich gesucht hatte. Sein Weg führte ihn direkt zu dem kleinen Bücherregal, wo er nun Buchband um Buchband langsam mit den Fingern entlangfuhr und sie interessiert studierte. Schließlich zog er einen Titel heraus und las diesen in Gedanken: „Perfect Daddy - Alle wichtigen Schritte von der Zeugung bis zur Geburt Ihres ersten Kindes. Die perfekte Vorbereitung für aufgeregte werdende Väter.“ Marc zog seine Augenbrauen nach oben. Wer dachte sich eigentlich solche bescheuerten Titel aus? Da war ja seine Mutter mit ihren Rogelt-Titeln wesentlich innovativer. Dennoch schlug er interessehalber die erste Seite des Vater-Ratgebers auf und blätterte immer weiter, bis er plötzlich ein seltsames Geräusch bemerkte, sich vergewissernd umschaute und im Augenwinkel wahrnahm, wie die Türklinke langsam heruntergedrückt wurde. Und plötzlich war die Panik wieder da. Scheiße, fluchte Marc leise vor sich hin, schaute sich hektisch in der Praxis um und versteckte den Ratgeber, mangels Alternativen, schnell unter seinem blauen OP-Kittel. Dann versuchte er sich schnell möglichst unauffällig vor Mehdis Schreibtisch zu positionieren, gegen den er sich nun betont lässig lehnte. Sein Grinsen war verzerrt und die eine oder andere Schweißperle hatte sich auf seiner Stirn gebildet. Doch er hatte sich noch rechtzeitig retten können. Oder war es doch schon zu spät?

Lorelei Offline

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03.05.2012 16:52
#1274 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Und tatsächlich, Marc hatte sich nicht in seiner Vorahnung getäuscht. Es war tatsächlich sein Freund Mehdi Kaan, seines Zeichens Gynäkologe und Inhaber dieser Praxisräume, der gerade das Büro betrat und nun ziemlich betröppelt dreinschaute, als er schon wieder einen überraschenden Gast hier in seinen bescheidenen vier Wänden begrüßen konnte. Was war eigentlich heute los, dass sich auf einmal hier sämtliche Kollegen die Klinke in die Hand drückten? Komisch! Er schloss die Tür hinter sich und kam mit hochgezogener Augenbraue langsam auf Dr. Meier zu, der keine Miene verzog und sich betont cool gab. Zumindest in der ersten Sekunde ihrer überraschenden Begegnung.

Mehdi: Marc? Was machst du denn hier? Waren wir verabredet?

Marcs Arm, mit dem er sich abgestützt hatte, rutschte unglücklich von Mehdis Schreibtisch, wobei ihm fast das „geliehene“ Buch heruntergefallen wäre. Er konnte sich gerade noch so retten und verschränkte nun beide Arme fest vor seinem Körper, was dem sonst so souveränen Oberarzt einen eher verkrampften Ausdruck verlieh, was Mehdis Argwohn noch mehr weckte. Der Frauenarzt, der gerade zwei Akten auf den Aktenstapel auf seinem Tisch abgelegt hatte, auf dem von beiden unbemerkt obenauf ausgerechnet die Patientenmappe von Frau Fisher lag, an der gut sichtbar ein rosa Zettel mit der Telefonnummer einer Schweizer Klinik klebte, hätte schwören können, dass er einen seiner Ratgeber unter Marcs OP-Kittel hervorblitzen gesehen hätte und tastete nun instinktiv mit seinen Augen sein Bücherregal ab, wo ihm tatsächlich eine Lücke auffiel, die vorhin noch nicht da gewesen war. Doch sein Kumpel, den Mehdi nun neugierig ins Visier nahm, wiegelte lässig ab und lenkte das Thema schnell in eine ganz andere Richtung. Sein Muffensausen konnte er aber nur eher schlecht als recht hinter der Coolness seines Pokerfaces verbergen, das Mehdi nun mit fragenden Blicken regelrecht durchbohrte, dem gerade ein ungeheuerlicher Verdacht gekommen war. Hatte er vorhin nicht auch schon Gretchen hier unangemeldet ertappt, die einen seltsam zerstreuten Eindruck auf ihn gemacht hatte mit ihrer komischen Ausrede? Konnte es denn möglich sein? Die frischverliebten Blicke und Gesten, das abwesende Verhalten, die ständige Abgelenktheit, die fadenscheinigen Ausreden, das verräterische Grinsen und die ganz besonders leuchtenden Augen,... Nein! Nicht möglich!

Marc (räuspert sich): Ääähhh... Wollen wir... los?
Mehdi (aus seinen abstrusen Gedanken gerissen starrt er seinen Freund ungläubig an u. braucht einen Moment, um zu verstehen, was dieser von ihm will): Wie? Jetzt schon? Ich dachte, erst... ähm...
Scheiße! Der kommt drauf! Der kommt immer drauf. Das ist doch so ein verdammtes, wie hieß das doch gleich, Astro... dingens... Teufels- ääähhh... nee, weibliche Intuition ... oder so? Du bist so was von am Arsch, Meier!!! ... Ablenkungsmanöver! Aber subito!
Marc (fällt Mehdi schnell ins Wort, bevor diesem noch ein Verdacht kommt u. er noch in ein peinliches Gespräch verwickelt wird, u. ist um Ausreden nicht verlegen): Jep! Hab mein Pensum für heute hinter mir und ich wäre echt froh, endlich aus diesem Irrenhaus raus zu kommen. Die Assis und die Sabsi rauben mir heute echt den letzten Nerv. Unfähiges Pack.
Mehdi (bleibt misstrauisch u. mustert den glaubwürdig Meckernden weiterhin mit durchdringendem Blick): Oh!
Trotzdem hier stimmt doch was nicht! Was ist der denn so nervös? Kenn ich gar nicht von ihm.
Marc (kann Mehdis Blicken kaum standhalten, weicht ihnen aus u. stößt sich vom Schreibtisch ab, um schon mal zur Tür zu flüchten, wo er sich noch mal zu seinem neugierigen Freund umdreht): Und ich meine, hey, dann hätten wir das mit der blöden Getränkeliste auch schon erledigt und Haasenzahn erspart sich jegliche Ansagen. Hmm?

Mehdi ließ sich damit tatsächlich kurzfristig von seinem vagen Verdacht ablenken, da Marc plötzlich auch wesentlich souveräner und überzeugender auf ihn wirkte und einer Argumentation folgte, die doch schlüssig zu sein schien. Trotzdem war da noch etwas anderes, was den gutgläubigen Gynäkologen an einem spontanen Dienstschluss hinderte.

Mehdi (schaut zu ihm rüber u. überlegt): Hmm... Naja... eigentlich... wollte ich noch mit Gabi...
Marc (stöhnt entnervt auf u. hält sich mit einer Hand am Türrahmen fest): Boah, du verknallter Trottel, kannst du nicht einmal für ne Stunde deine Griffel von ihr lassen. Is ja nervig echt.
Mehdi (beginnt plötzlich breit zu grinsen u. ist wieder obenauf): Das sagt gerade der Richtige. Nachdem du heute wie eine Schmeißfliege an deiner Süßen gehangen hast, darf mir doch auch mal eine Minute gegönnt sein oder. Ich hab Gabi seit heute Morgen noch nicht wieder gesehen.
Marc (geht grimmig nicht auf Mehdis Anspielung wegen seiner Anhänglichkeit ein): Abstand tut gut. Vertrau mir. Macht die Weiber nur noch schärfer. Also komm jetzt endlich, Kaan! Ich hab keinen Bock, ewig und drei Tage in der Kassenschlange zu stehen.

Mehdi schmunzelte und ließ sich schließlich breitschlagen, was Marc erleichtert zur Kenntnis nahm. Der Frauenflüsterer hatte rein gar nichts gecheckt. Gut so! Das wäre das Letzte gewesen, was der vielleicht schon recht bald werdende Vater jetzt noch gebraucht hätte, wo in seinem Kopf doch schon das reinste Chaos herrschte. Dr. Kaan sortierte noch schnell seinen Schreibtisch für nächste Woche, entdeckte dabei auch die Unterlagen von Elke Fisher, die er sich heute noch einmal extra herausgesucht hatte, und hielt kurz den Atem an und drehte sich ganz langsam vergewissernd zu deren Sohn um, der bereits die Tür aufhielt und ungeduldig mit den Fingern gegen den Türrahmen tippte, während er nach draußen auf den Gang schaute und so Mehdis seltsame Blicke nicht registrierte. Hatte er etwas gemerkt, fragte sich der Halbperser beunruhigt. War Marc eigentlich deshalb hier? Vielleicht sollte er doch endlich mit ihm über seine Mutter reden? Auch wenn er die genauen Befunde nicht kannte, so hatte er doch herausfinden können, dass sie letzte Woche operiert worden war, aber mehr hatte er nicht von der redseligen Krankenschwester in Erfahrung bringen können, die er heute ans Telefon bekommen hatte. Die Patientin selbst verweigerte immer noch jeglichen Kontakt mit ihrem ehemaligen Frauenarzt. Eigentlich mit jedem, denn sie hatte die Klinikleitung unter Androhung einer Klage strikt angewiesen, keine Anrufer durchzustellen. Es war zum Verrücktwerden mit dieser sturen Person und das schlechte Gewissen nagte schon wieder an dem herzensguten Gynäkologen, der sich wirklich Sorgen um seine Patientin und deren Angehörige machte. Dass Mehdi zögerte, ihm zu folgen, fiel nun auch Marc endlich auf, der verwundert zurückgeblickt hatte und den ihn versteinert anstarrenden Mann nun ruppig darauf ansprach...

Marc: Mann, was ist denn jetzt? Willst du hier Wurzeln schlagen? Mach hinne! Ich schlepp die Kisten sicher nicht alleine.

Damit riss Marc seinen Freund aus seinen Gedanken. Er nickte ihm hektisch zu und folgte ihm mit vom schlechten Gewissen leicht geröteten Wangen nach draußen auf den Flur. Das war einfach kein guter Zeitpunkt für so ein ernstes Gespräch, wenn Marc so gehetzt und genervt auf ihn wirkte, dachte Mehdi sich selbst Mut zusprechend und strich sich nachdenklich über seinen Dreitagebart. Aber auf kurz oder lang würde er mit ihm sprechen müssen. Selbst wenn er damit seine ärztliche Schweigepflicht riskierte. Marc hatte ein Recht darauf zu erfahren, was mit seiner Mutter wirklich war. Irgendwann würde auch Frau Fisher ihm dankbar dafür sein. Lethargie war in diesem Zustand einfach Gift. Sie brauchte jetzt all ihre Kräfte. Und aus den Telefonaten mit Gretchen, die Mehdi während seines Besuches bei seiner Frau in der Reha geführt hatte, hatte er erfahren, dass seinem Freund das Untertauchen seiner Mutter und die damit im Zusammenhang stehende Trennung seiner Eltern sehr wohl sehr bedrückte, auch wenn er ihm und seiner Freundin gegenüber immer lässig tat und das Gegenteil behauptete. Diese fadenscheinige und in seinen Augen völlig unglaubwürdige Ausrede von Frau Fisher richtete doch viel mehr Schaden an, als sie in ihrer Hilflosigkeit vermutlich geglaubt hatte. Außerdem täte es der Patientin sicherlich gut, wenn sie das alles nicht mehr allein durchstehen müsste und sie Unterstützung von ihrer Familie hätte, auch wenn sie vor allem sich selbst gegenüber behauptete, das nicht zu wollen. Nichts war doch hilfreicher beim Genesungsprozess als die eigene Familie und deren Liebe. Man musste sie nur annehmen, selbst wenn man dazu gezwungen werden müsste.

Wieder etwas entspannter und entschlossener gab Dr. Kaan auf dem Weg zur Umkleide seiner charmanten Assistenzärztin Kate noch schnell Bescheid, dass er heute früher Schluss machen würde, aber dass er immer zu erreichen wäre, falls noch etwas auf Station sein sollte, verabschiedete sich von ihr und schickte anschließend seiner süßen Freundin noch schnell eine Sms, dass sie sich später zuhause treffen würden. Inklusive Kuss und gesäuseltem innigen Liebesschwur. Eine andere Sms blieb dagegen noch immer ungelesen. Denn Marc Meier war gerade viel zu sehr damit beschäftigt, seine „gestohlene“ Lektüre möglichst unauffällig erst in seinem Spind und dann in seiner Umhängetasche verschwinden zu lassen, ohne dass Mehdi, der direkt hinter ihm in der Umkleide aufgetaucht war, etwas davon mitbekam. Doch dieser hatte seinen vagen Verdacht schon längst wieder vergessen, denn er war eh viel zu sehr auf sein Telefon fixiert. Doch von Gabi kam einfach keine Antwort auf seine Kurznachricht zurück. Seine Liebste konnte ihm nicht mehr antworten.

Lorelei Offline

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05.05.2012 13:01
#1275 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Kurz zuvor hatte Gordon Tolkin seinen RTW nach seinem letzten Einsatz für heute wie immer hinter dem Hauptgebäude des EKH neben den anderen geparkt, hatte ihn gesäubert und desinfiziert, neu bepackt und anschließend der Truppe der Nachmittagsschicht übergeben. Endlich hatte er Feierabend, stellte der müde Rettungsassistent zufrieden fest und zündete sich im Gehen eine Kippe an, die er nun genüsslich inhalierte, während er lässig über den Parkplatz schlurfte. Wohlverdient nach der anstrengenden Nachtbereitschaft und der anschließenden Vormittagsschicht, während der er bis jetzt ununterbrochen im Einsatz gewesen war. Auf Berlins Straßen war heute der Teufel los gewesen. Noch nicht mal zum Mittagessen hatte er es geschafft. Doch bevor Gordon seinen Heimweg und damit auch seinen Kühlschrank und anschließend sein Bett ansteuern konnte, das schon laut nach ihm rief, wollte er noch schnell bei seinen „Pflänzchen“ vorbeischauen.

Ein Glück, dass er das auch getan hatte. Denn ansonsten hätte die ohnmächtig am Boden liegende Frau vermutlich das ganze Wochenende lang unentdeckt in einem nicht genehmigten „Gartenparadies“ gelegen und niemand hätte geahnt, wo sie hätte sein können, wenn man ihr Verschwinden irgendwann bemerkt hätte. Ihr Handy hatte gerade unbemerkt in ihrer Kitteltasche wegen einer ankommenden Sms gepiept, als Gordon Gabi Kragenow - wer weiß wie lange schon - bewusstlos zwischen teilweise abgegrasten Reihen von Hanfpflanzen fand. Dem blonden Sanitäter war gar nicht aufgefallen, dass seine zickige Kollegin ihre Drohung tatsächlich wahr gemacht und mit der Beseitigung seiner „Babys“ begonnen hatte. Denn er hatte nur noch Augen für die Ohnmächtige in dem weißen verdreckten Krankenschwesternkittel, über die er sich nun panisch beugte, um ihre Vitalzeichen zu kontrollieren, und die noch immer einen kleinen Spaten in der rechten Hand hielt, mit dem sie bis vor wenigen Minuten noch die einzelnen Hanfpflänzchen aus der Erde gezupft hatte, um sie anschließend in blauen Müllsäcken zu verstauen, von denen schon einige in Reihe und Glied unter den vergitterten und abgedunkelten Fenstern standen.

Tagelang hatte Gabi Gordon damit in den Ohren gelegen. Sie hatte einfach nicht mehr gekonnt. Der Stress und die Angst, auf der Onkologie beim illegalen Teeausschank und beim Geldeintreiben bei den krebskranken Patienten erwischt zu werden, waren einfach zu viel für die zarte Person gewesen. Hinzu war die Aufregung gekommen, dass ihr Freund Mehdi bald aus der Rhea zurück sein würde. Gabi hätte ihm niemals in die Augen sehen können, wenn sie mit den heimlichen Geschäften weitergemacht hätte wie bisher, auch wenn sie damit schwerkranken Menschen geholfen hatte. Als sie vor zwei Wochen damit begonnen hatte, um ihre Schulden bei Gordon abzuarbeiten, die sie auf sich genommen hatte, um ihrer alkoholkranken Mutter einen Alkoholentzug zu ermöglichen, hatte sie nicht erwartet, dass es ihr so viel ausmachen würde. Die alte Gabi hätte das alles wahrscheinlich ohne zu zögern durchgezogen und hätte vermutlich noch selbst etwas hinter dem Rücken von Gordon und seiner Komplizin Bärbel Haase für sich von der Kohle abgezweigt. Die neue Gabi plagte dagegen das schlechte Gewissen ihrer großen Liebe gegenüber, die ihr vertraute und die sie nicht enttäuschen wollte.

Das Risiko, Mehdis Liebe aufs Spiel zu setzen, war Gabi einfach zu groß gewesen. Sie wollte das nicht mehr und das hatte sie Gordon auch eindrucksvoll geschildert. Klein mit Hut war der naive Idiot gewesen, als sie ihm gestern vor den überraschten und teilweise verständnisvollen Augen von Bärbel Haase, die mittlerweile auch immer mehr Skrupel wegen ihrer Geheimniskrämerei vor ihrem Mann und ihrer Familie bekommen hatte, erneut die Leviten gelesen hatte. Sie machte das hier ja auch irgendwie für ihn. Sie rettete Gordon ja hiermit auch quasi den Arsch, wo das Pflaster hier im Ostflügel des Krankenhauses mit jedem Tag mehr auch immer heißer wurde, auch wenn er das nicht verstehen wollte und trotzig die noch vorhandenen Pflanzen ausschöpfen wollte. Also hatte Gabi still und heimlich beschlossen, das alles allein in Angriff nehmen zu müssen. Mehdis Anwesenheit war dies zum größten Teil zu schulden gewesen. Ihr Wiedersehen und die wunderschöne Nacht mit ihm hatten die Krankenschwester in ihrem Entschluss nur noch bestärkt.

Schluss mit allen illegalen Dingen und Geheimniskrämereien! Nur noch Offenheit, Vertrauen und Liebe! Sie würde sich erst wieder frei fühlen, wenn die Plantage nicht mehr existierte. Allein das Wissen darüber reichte schon aus, um in Panik zu verfallen. Sie musste weg. Lieber gestern als heute. Das Geld würde sie Gordon schon irgendwann anderweitig zurückzahlen. Vielleicht würde sie einfach ein Paar ihrer teuren Designerfummel verkaufen, die sie auf Kosten von Marc Meiers Kreditkarte damals gekauft hatte und in die sie nicht mehr hineinpasste oder die ihr nicht mehr trendy genug waren, wie sie beim Aussortieren für den Umzug in ihr neues Zuhause festgestellt hatte. Ihr Kumpel Gordon würde das Ende seines Hanfimperiums schon irgendwann akzeptieren. Es wurde eh Zeit, dass er endlich mal erwachsen wurde. Er wurde bald dreißig. So langsam wurde es wirklich peinlich mit seinem ewigen Teenygehabe und seinen bescheuerten Ideen der Geldgewinnung. So etwas funktionierte doch nur im Fernsehen.

Doch Gordon Tolkin war mittlerweile alles völlig egal. All die Zickereien und Streitigkeiten wegen ihrer Geschäftsbeziehung und nicht erwiderten Gefühlen waren bedeutungslos geworden, jetzt wo die schöne Brünette vor ihm lag und sich nicht mehr rührte. Ihm ging der Arsch so richtig auf Grundeis, solange er nicht wusste, was mit der Frau war, in die er so lange unglücklich verliebt gewesen war und es immer noch ein bisschen war. Gabis Atmung war flach, ihr Puls schwach, aber vorhanden, stellte er erleichtert fest. Er musste die Ohnmächtige irgendwie wieder wach bekommen. Was zum Teufel war nur passiert, fragte er sich besorgt, während er ihr unter die Kniekehlen griff und ihre Beine vorsichtig auf einen kleinen Hocker legte, damit ihr Kreislauf wieder in Schwung kam. Dann hockte er sich neben ihren Kopf. Ihre Haare waren zerzaust und standen wild nach allen Seiten ab. Erdkrümel und zwei Blätter hatten sich darin verfangen. Sie war so schön, wenn sie schlief, dachte er mit verklärtem Blick. Aber Gabi schlief nicht, rief er sich in Erinnerung, schüttelte seinen Kopf, um die Gefühlsachterbahn endlich abzustellen, und zupfte ihr schnell die Blätter aus dem Haar. Anschließend klapste der besorgte Sanitäter ihr immer wieder vorsichtig an die Wange und sprach sanftmütig zu ihr...

Gordon: Hey! Gabi, was ist mit dir? Mach keinen Scheiß! Komm zu dir! ... Scheiße!

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