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 Erfindet eure eigene Fortsetzung!
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Lorelei Offline

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Beiträge: 7.270

11.02.2012 16:41
#1226 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Huhu! Ja, ich weiß, ich bin gemein , aber es gilt ja auch noch etwas aufzuklären. Nämlich wer da wen heimlich beobachtet, folgt und irrtümlich einfach so fremde Zimmer stürmt. Oh jetzt hab ich es fast verraten. Da war doch noch was? Viel Spaß! Marc hat ihn sicherlich.......... nicht. Bussi, eure Lorelei



Chantal: Gaaabiii, Mausiii, bist du hier? ... OH! ... Offenbar... nicht!

Marcs Kopf schoss erschrocken herum, als die aufgekratzte Stimme der neuen Praktikantin, die er vorhin noch wegen einer Nichtigkeit ordentlich zusammengeschissen hatte und die sich ihm und seiner Autorität als Oberarzt der Chirurgie völlig unbeeindruckt und rotzfrech entzogen hatte, abrupt verklungen war, während sich Gretchen im Zeitlupentempo aus Marcs festem Klammeraffengriff löste und eine Decke nach der anderen über ihren zerwuschelten Lockenschopf zog, um darunter dann ein Erdloch zu graben, in dem sie sich schleunigst verstecken wollte. Das war so unsagbar peinlich, dachte sie panisch und schloss ihre Augen in der Hoffnung, es damit ungeschehen zu machen. Aber dafür war es schon längst zu spät. Ihr geheimer Liebestempel war entdeckt worden und wurde gerade von einem neugierigen blauen Augenpaar gründlich gescannt.

Wütende dunkelgrüne Augenschlitze musterten dagegen gerade die junge Frau in dem blütenweißen Pflegerinnenkittel, die es unverschämterweise gewagt hatte, ungefragt ihr geheimes Liebesnest zu stürmen und mit ihrer bloßen Anwesenheit zu entweihen. Doch Chantal Kunze war sich keinerlei Schuld bewusst. Sie war in der geöffneten Tür stehen geblieben, hielt die Klinke noch immer in der Hand und blickte ziemlich verdattert auf die zerwühlte Kissenlandschaft und den äußerst attraktiven, aber vor allem nackten Mann. Ihre beste Freundin hatte ihr nicht zu viel versprochen. Dr. Marc ‚the body’ Meier war in der Tat verboten heiß anzuschauen und sie konnte nun verstehen, warum Gabi ihm einst dermaßen verfallen war, dass sie ziemlich verrückte Dinge angestellt hatte.

Chantal, die eigentlich auf der Suche nach eben dieser Freundin gewesen war, die sie vor einigen Minuten zusammen mit einem Mann, den sie von Weitem nicht hatte zuordnen können, hier ins Gebäude hatte gehen sehen, und die einfach nach der erstbesten Tür gegriffen hatte, hinter der sie außerdem gerade eben eindeutig eine weibliche Stimme vernommen hatte, die sie irrtümlich für Gabi gehalten hatte, konnte sich einfach nicht vom Fleck weg rühren. Immer und immer wieder strichen ihre begeisterten Blicke über den muskulösen und gut definierten Oberkörper des sexiest Oberarzt alive und sie spürte, wie der Speichel sich in ihrem Mund ansammelte. Wenn sie ihrem Gegenüber aber ins Gesicht gesehen hätte, anstatt ihn lüstern anzustarren, wäre ihr aufgefallen, dass mit ihm in diesem Moment gar nicht gut Kirschen essen war. Dr. Meier war sauer, aber so richtig. Die Halsschlagader des ertappten Chirurgen schwoll gerade mächtig an und es platzte schließlich in so ohrenbetäubender Lautstärke aus ihm heraus, dass selbst das verkrochene Häschen neben ihm zusammenzuckte...

Marc: SEHE ICH ETWA SO AUS WIE DIESES ZICKIGE BOXENLUDER? RAUS HIER, ABER IN LICHTGESCHWINDIGKEIT!!!
Chantal (zuckt zusammen u. löst endlich ihren steten Blick von seiner nackten verschwitzten Brust): Tschuldigung!

...konnte die sprachlose Praktikantin nur noch peinlich berührt nuscheln und schritt dabei langsam rückwärts durch die Tür hinaus. Ihr Blick fiel erst jetzt auf die blonde Frau, die neben dem heißesten Oberarzt, den die deutsche Ärzteschaft zu bieten hatte, kurz vorsichtig mit einem Auge unter der roten Decke hervorlugte, lächelte Dr. Haase entschuldigend an und drehte sich auf der Stelle um und stolperte rasch aus dem Zimmer, dessen Tür sie leise hinter sich schloss. Sehr zur Erleichterung von Marc und Gretchen, die sich nun ziemlich verdattert anschauten. Das laute Fluchen von Dr. Meier war aber noch lange durch die geschlossene Tür zu hören. Und auch eine leisere weibliche Stimme, die den zeternden Mann zu beruhigen versuchte. Langsam taperte Chantal zum Ausgang des leerstehenden Gebäudes, der dem Meier-Haasschen Zimmer gegenüber lag, und murmelte gedankenverloren vor sich hin...

Chantal: Du meine Güte, hier im Krankenhaus geht’s echt rund. Ich wollte das erst gar nicht glauben. Aber vorhin der Kaan im Wäschelager und jetzt der Meier! Vielleicht sollte ich mich doch nach einem Oberarzt hier umschauen. Scheinen sehr potent zu sein, die Männer hier.

Die junge Frau war so durcheinander, dass sie nicht bemerkte, wie sich ganz hinten am anderen Ende des Flurs eine holzverkleidete Tür vorsichtig einen Spalt breit öffnete. Sie verließ einen Moment später kopfschüttelnd und schmunzelnd den Ostflügel des EKH. Einer anderen Frau fiel derweil sprichwörtlich ein riesiger Stein vom Herzen. Sie schob die Holztür langsam wieder zu und lehnte sich schwer atmend mit dem Rücken dagegen. Ihr Puls war auf 180. Sie hatte so viel Adrenalin im Körper, als wäre sie gerade von einem Marathon gekommen. Ihr Blick richtete sich kurz an die Verkleidung der Decke. Sie atmete langsam ein und aus, dann musterte sie ungläubig ihr fragendes Gegenüber, das offenbar so benebelt war, dass es die Tragweite nicht erkannt hatte, dass sie beinahe aufgeflogen wären, was sie zunehmend sauer machte. Denn eigentlich wollte sie doch mit dem ganzen Scheiß hier nichts zu tun haben.

Gabi: Ich hab dir doch gesagt, ich hab Geräusche gehört. Zum Glück ist Chanti wieder gegangen. Nicht auszudenken, was ich ihr hätte erklären müssen, wenn sie uns hier zusammen entdeckt hätte. Weißt du eigentlich, was für ein Risiko das hier ist? Du musst damit aufhören!
Gordon (gibt sich unbeeindruckt, auch wenn er schon etwas Muffensausen hatte): Im Normalfall ist hier nicht so ein Verkehr.
Gabi (klappt vor lauter Sprachlosigkeit den Mund auf u. platzt gleich): Im Normalfall? Was soll an diesem Unternehmen hier noch normal sein, Gordon, verdammt?
Gordon (hat genug von ihren ständigen Vorwürfen u. Meckereien): Boah ich hab’s langsam echt satt mit dir. Seitdem du mit diesem Weichspüler zusammen bist, hast du dich echt in einen spießigen Moralapostel verwandelt.
Gabi (blitzt Gordon böse an u. hebt drohend ihre Hand): Also jetzt hör mal zu, Freundchen! Lass Mehdi aus dem Spiel! Haben wir uns verstanden?
Gordon (rollt mit den Augen): Und du bist überempfindlich.
Gabi (redet sich richtig in Rage, weil sie seine Leichtigkeit nicht verstehen kann): Ich bin nicht überempfindlich, sondern nur vorsichtig. Weil ich mir nämlich annähernd vorstellen kann, was passieren würde, wenn das alles hier aufflöge. Dann sind nämlich nicht nur wir dran, sondern auch der Ruf des Krankenhauses. Aber du scheinst dir in deiner Nirvanablase noch gar keine Gedanken darüber gemacht zu haben. Weißt du, manchmal denke ich, dass du dir damals, als du dir fast den Hintern weggesprengt hast, eigentlich einen Großteil deines Verstandes weggepustet hast. Werd endlich erwachsen, Gordon! Du wirst nächsten Monat dreißig. Aber du benimmst dich hier wie ein pubertierender Dreizehnjähriger, der vollkommen naiv das Geschäft seines Lebens gewittert hat. Völlig fern der Realität.
Gordon (eingeschnappt): Bist du dann mal fertig, Supernanny! Ich dachte, du wolltest zurück auf Station.
Gabi (eindringlich versucht sie an seine Vernunft zu appellieren): Gordon, versteh mich doch!
Gordon (will nichts mehr hören): Also was ist jetzt? Machst du mit oder nicht? Sonst muss ich doch den kleinen Praktikanten fragen, der sich bei mir immer Stoff besorgt. Der käme mir auch wesentlich billiger als du.

Boah er versteht es nicht! Aber was hab ich denn erwartet? Wer sich Böller in den Hintern schiebt! ... Verdammt! Was soll ich denn jetzt machen? Ich hab kein gutes Gefühl dabei. Andererseits... Hmm... Was bleibt mir anderes übrig? Mutter muss die Kur unbedingt machen, wenn sie nicht jämmerlich zugrunde gehen will. Und Tina? Ich will nicht, dass sie noch länger in diesem Drecksschuppen arbeiten muss. Nicht dass sie noch auf dumme Gedanken kommt. ... Das sagt gerade die Richtige! ... Scheiße eh! Mist! Mist! Mist!

Gabi (ärgert sich maßlos über Gordon u. hadert mit sich u. ihrem schlechten Gewissen): Ähm... Okaaay, aber... unter einer Bedingung.
Gordon (langsam genervt von ihrer ständigen Zickerei u. Besserwisserei; so hat er sich die Kooperation nämlich nicht vorgestellt; eigentlich will er ihr doch nur wieder nahe sein): Was denn noch?
Gabi (holt tief Luft u. diktiert ihm ihre Bedingungen auf): Du gibst mir die 5000 jetzt cash auf die Kralle. Quasi als Vorschuss. Und ich arbeite das von mir aus hier ab. Auf meine Weise. Solange der Vorrat reicht.
Gordon (grinst zufrieden): Oh der reicht definitiv. Wir haben gerade erst neue Setzlinge gesetzt.
Gabi (rollt theatralisch mit den Augen u. fixiert ihn dann mit ihrem entschlossenen Blick): Und damit wären wir auch schon bei Bedingung Nummer zwei.
Gordon (sein Grinsen erlischt augenblicklich u. er sieht sie angespannt an): Ich dachte, du hättest nur eine?
Gabi (lächelt ihn zynisch an): Nein, mir ist gerade noch etwas eingefallen. Alles, was hier noch wächst und gedeiht, wird noch verarbeitet. Danach ist Schluss. Hier wird nichts mehr abgezweigt. Das Zeug muss weg und zwar schnell.
Gordon (schaut sie mit offenem Mund ungläubig an): Was?
Gabi: Ich denke, du hast mich verstanden, Gordon.

Gabi tippte dem überrumpelten und völlig perplexen Plantageninhaber, der sich hilflos in seinem geliebten Gartenparadies umschaute, auf die Schulter, drehte sich um und schob die Tür wieder einen Spalt weit auf, um zu schauen, ob die Luft wieder rein war. Und das war sie tatsächlich, wie die Krankenschwester zufrieden feststellte. Schnell verschwand sie auf dem dunklen Flur, den sie schnellen Schrittes vorlief, bis sie ein Handyklingeln plötzlich aufschrecken ließ...

Gabi: Mist!

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.270

13.02.2012 10:56
#1227 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hastig kramte die brünette Krankenschwester in ihren beiden Kitteltaschen, bis sie zwischen Mehdis Geschenk, der rosa Marzipanrose, ihrer leeren Zigarettenschachtel, einem Feuerzeug, einer angerissenen Tempopackung und diversen Zetteln, einem Kuli und ihrem Lipgloss endlich ihr unaufhörlich bimmelndes Handy gefunden hatte und es herauszog. „Chanti“ stand in großen Lettern auf dem Display geschrieben und Gabi verdrehte genervt ihre Augen, weil ihre Freundin offenbar eine von der hartnäckigen Sorte war. Na super, dachte sie aufgeregt und wollte gerade rangehen, um Chantals Lärmangriff zu unterbinden und um zu schauen, ob sie nicht doch etwas von ihrem „Unternehmen“ mitbekommen hatte, als aber plötzlich eben jene nervige Anruferin durch die Eingangstür des Ostflügels geschritten kam, vor der sie bis eben gewartet hatte, und plötzlich breit grinsend vor Gabi stehen blieb...

Chantal: Hab ich doch richtig gehört. Du bist es! Wo warst du denn die ganze Zeit über? Ich bin dir nach und plötzlich warst du hier drin verschwunden.
Scheiße! Scheiße! Scheiße!
Gabi (schluckt geschockt, ihre Pupillen wandern hektisch hin und her u. sie spürt, wie die Wärme von ihren Wangen Besitz nimmt): Du... bist mir ... gefolgt?
Chantal (ganz aufgekratzt wirbelt sie noch mit dem Handy in der Hand ihre Arme wild gestikulierend hin u. her): Jep! Aber du wirst nicht glauben, was mir passiert ist. Ich hab gedacht, du und Mehdi, ihr seid hier vorne in dem Zimmer drin, aber als ich die Tür geöffnet habe, saß da plötzlich...

Doch Gabi Kragenow hätte es auch so geglaubt, denn in diesem Moment kam ein noch immer vor sich hin meckernder und überlauniger Oberarzt, dem ein weiteres aufregendes Mal mit seiner Liebsten verwehrt geblieben war, aus dem Zimmer gestürmt, auf das Chantal gerade mit ausgestrecktem Finger zeigte, und lief direkt in die kleine Mädelsgruppe hinein. Ein leichtes Gefühl von Panik beschlich Gabi und sie blickte vergewissernd über ihre Schulter hinter zum Holzverschlag, in dem Gordon, der diesen ebenfalls im Begriff war zu verlassen, gerade noch so wieder verschwinden konnte. Nicht minder in Panik. Vielleicht hatte die zickige Krankenschwester ja doch Recht. Die ganze Geschichte wurde ihm langsam zu heiß. Was zum Teufel machten denn jetzt auch noch der Meier und die Haase hier? Nicht gut! Gar nicht gut! Weder für ihn, noch fürs Geschäft.

Die blonde Assistenzärztin, die ungeschickt versuchte, gleichzeitig in Stiefel und Kittel zu gelangen, stolperte Dr. Meier auf dem Fuße hinterher und knallte dementsprechend in seinen Rücken, als dieser gerade noch rechtzeitig vor seiner Exverlobten zum Stehen kam, der die Überraschung förmlich ins Gesicht geschrieben stand. Ebenso die Panik, dass ihr Exverlobter eventuell doch etwas von ihren Beziehungen zu Gordon mitbekommen hätte. Aber dieser war momentan lediglich auf ihr plötzliches Auftauchen konzentriert. Nervös blickte Gabi Marc und dessen Freundin an, die vor lauter Verlegenheit ganz rote Backen bekommen hatte und ihren Blick immer wieder senkte. Wer rechnete denn auch damit, dass hier in ihrer geheimen Ecke auf einmal so ein Menschenauflauf war. Dasselbe dachte auch Marc, der irritiert von Mehdis Freundin wieder zu der kleinen nervigen Praktikantin blickte, die ihm gerade eben die Tour vermasselt hatte. Seine ganze angesammelte Wut richtete sich nun auf Chantal, die ihre Hände unschuldig in ihren Kitteltaschen vergrub und den Blickkontakt mit Gabi suchte, die aber ziemlich abwesend geradeaus starrte und gar nicht auf sie reagierte.

Marc: Was lungerst DU denn immer noch hier rum? Hab ich nicht gesagt, RAUS HIER? Aber ZZ! Ziemlich zügig! Und überhaupt, was hat DIE hier zu suchen?
Gretchen (versucht zu schlichten, während sie gleichzeitig ihren Kittel noch mal neu zuknöpft, denn der erste Versuch ist kläglich gescheitert; sie hat sich verknöpft): Marc, jetzt komm mal wieder runter! Sie hat auch einen Namen.
Marc (blitzt Gretchen sauer an, bleibt aber dann mit seinen Augen an ihrem üppigen Dekolletee hängen, an dem sie hektisch herumzubbelt, damit ihr Kittel wieder ordentlich sitzt, was durchaus eine beruhigende Wirkung auf ihn hat): Pah!
Gabi (hat ihre Sprache wieder gefunden u. räuspert sich nervös): Marc!?
Marc (löst sich von Gretchens Kittel u. richtet seinen Blick irritiert zu der zerstreuten Krankenschwester): Äh... jaaa? Das war dann meiner. Und jetzt raus hier! Alle beide! Das ist Sperrgebiet.

Gretchen (greift nach seiner Hand u. nähert sich seinem Ohr, in das sie leise peinlich berührt hineinflüstert): Maaarc, das muss doch niemand wissen!
Marc (flüstert u. zwinkert ihr dabei grinsend zu): Eben drum!

Chantal (blickt verwundert von Dr. Meier zu Dr. Haase, dann zu Gabi): Echt? Das wusste ich gar nicht.
Gabi (hat sich wieder einigermaßen gefangen u. sieht Chantal an): Der verarscht dich nur.
Marc (funkelt Mehdis Freundin böse an): Tut er nicht! Das hier ist eine Baustelle, falls du das vergessen hast.
Gabi (kleinlaut kontert sie zurück): Zur Beziehungspflege?
Marc (zynisch): Hmm... witzig! Aber damit kennst du dich ja bestens aus, nicht?

Oh, oh, nicht gut! Die schlagen sich gleich noch die Köpfe ein.

Gretchen (ihr ist das alles furchtbar peinlich u. sie will ihren Freund lieber zur Tür raus schieben, bevor er noch etwas Unbedachtes sagt u. böses Blut schürt): Marc!
Marc (sieht die Mädels auffordernd an, die sich nicht vom Fleck rühren wollen u. die Eingangstür weiterhin versperren): Ja, was ist jetzt? Husch, husch! Abmarsch, aber zügig!
Gabi (verdreht die Augen): Komm Chanti, das wird mir jetzt echt zu blöd hier.

Gott sei dank hat der Wichser nichts gemerkt. Nicht auszudenken, wenn er... Nein, es ist noch mal gut gegangen. Ich muss einfach Gordon ordentlich in den Hintern treten, die Plantage schnell loszuwerden. Das würde uns eine Menge Ärger und Stress ersparen. So und jetzt, nix wie weg hier. Marcs blöde Sprüche bekommen mir auf leeren Magen nämlich gar nicht.

Gabi legte ihrer Freundin den Arm um die Schulter und schob sie langsam durch die große Glastür nach draußen. Marc und Gretchen warfen sich vielsagende Blicke zu, zuckten gleichzeitig mit den Schultern und folgten den beiden schließlich aus dem Gebäude. Sehr zur Erleichterung eines blonden Gärtners, der den kleinen Tumult an der Tür mitbekommen und in seiner Geheimplantage Blut und Wasser geschwitzt hatte, dass ihm der Meier bloß nicht noch auf die Spur käme.

Vor dem Eingang musterten sich die beiden Paare noch einmal argwöhnisch und nahmen dann getrennte Wege, auch wenn ihr Ziel doch das Gleiche war. Aus Sicherheitsgründen versteht sich. Während Marc und Gretchen den direkten Weg über die kleine Treppe in Richtung Parkplatz wählten, gingen Chantal und Gabi langsam die Fassade des Ostflügels entlang und steuerten auf den Hintereingang des EKH zu. Die jüngere der beiden schaute die ältere fragend von der Seite an, nachdem sie ihren Blick endlich von dem knackigen Hinterteil des miesepetrigen Oberarztes gelöst hatte...

Chantal: Was ist denn dem sein Problem?
Gabi (kleinlaut): Schlechter Sex.
Chantal (sieht ihm noch mal nach u. beobachtet, wie Dr. Meier den Arm zärtlich um Dr. Haase legt u. sie anschließend ganz nah an sich zieht, bevor er mit ihr zusammen die drei Stufen der Treppe nach oben geht): Den Eindruck hatte ich jetzt nicht.
Gabi (verdreht angewidert die Augen bei der Vorstellung, was die beiden offensichtlich gerade in dem Zimmer getrieben haben, u. lenkt schnell ab, bevor sich ihre Übelkeit noch verstärkt): Bäh! Wieso hast du mich eigentlich gesucht, Chanti?
Chantal (richtet ihre ganze Aufmerksamkeit nun auf ihre Freundin u. versucht sie mit ihrem Enthusiasmus anzustecken): Oh du, ich hab in zwei Stunden Schluss und du doch auch, so viel ich weiß. Bock auf einen kleinen Spaziergang? Wir holen Celinchen von der Krippe ab und laufen ein Stück mit dem Kinderwagen an der Spree entlang? Es ist so schönes Wetter heute und sie schläft immer so gut durch, wenn sie an der frischen Luft war.
Gabi (nickt lächelnd): Gute Idee.

Ich brauche dringend Abwechslung nach dem gerade eben.

Chantal (erwidert Gabis Lächeln u. schaut suchend hinter sich): Super! Oder willst du dich erst noch von deinem Schatziputzi verabschieden? Wo ist der eigentlich abgeblieben? Der war doch auch gerade noch da.
Gabi (runzelt verwundert die Stirn): Hä Mehdi? Aber der ist doch schon weg.
Chantal (stutzt u. deutet mit ihrem linken Arm auf das Gebäude): Echt jetzt? Und ich könnte schwören, ich hätte dich mit einem Mann hier rein gehen sehen.
Mist! Sie hat doch was gemerkt.
Gabi (in Erklärungsnot): Äh... daaaa musst du dich wohl verguckt haben.
Chantal (denkt angestrengt nach u. zuckt schließlich mit den Schultern): Hmm... mag sein. Jetzt sehe ich schon Gespenster. Wird wirklich Zeit, dass heute endlich Schluss ist. Ist doch ganz schön viel Stress hier in dem Laden.
Gabi (atmet erleichtert aus, weil ihre Freundin nicht weiter nachhakt): Ich sehne auch meinen Feierabend herbei.

Chantal (tippt ihrer Freundin auf den Arm, weil sie plötzlich eine Idee hat): Du... Hey! Wir könnten uns doch auch gleich noch deine neue Traumwohnung anschauen, hmm? Ich bin schon so gespannt auf euer Liebesreich. Oh... ich hoffe, ich bin dir jetzt nicht zu nahe getreten? Ich dachte halt, ich lenke dich ein bisschen ab, jetzt wo dein Kerl auf Abwegen ist.
Gabi (schmunzelt u. denkt sehnsüchtig an Mehdi): Du bist süß. Einverstanden. So machen wir das. Ich wollte da eh noch mal nach dem Rechten schauen. Weißt du, ich plane da nämlich was und muss noch mal was nachmessen. Aber jetzt muss ich schleunigst zurück auf Station. Ich bin schon seit über einer Stunde überfällig. Wenn die Brinkmann mich erwischt, bin ich dran.
Chantal (grinst sich eins u. hakt sich vergnügt bei ihr ein; sie laufen schneller): Och du, die hab ich ganz gut von eurem Treiben abgelenkt.
Gabi (bleibt abrupt stehen u. starrt ihre Freundin entgeistert an): Was?
Chantal (kann sich ihr schmutziges Grinsen nicht verkneifen): Ich sage nur Wäääscheeekammeeer. Hihi! Aber ich muss schon sagen, ich bin sehr beeindruckt. Hier bei euch verkehren ja sehr potente Oberärzte. Gefällt mir.

Schwester Gabi konnte darauf nichts erwidern. Chantal lachte nur, als sie das verräterisch knallrote Gesicht ihrer ungewohnt verlegenen Freundin bemerkte, und betrat nun mit ihr im Arm den Hintereingang der Klinik...

Chantal: Du, sag mal, gibt’s eigentlich noch Singles unter denen? Obwohl... Ich hab mich ja jetzt mit Jochen endlich vertragen. Der arbeitet doch auch an seinem Doktortitel oder?

Lorelei Offline

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14.02.2012 16:29
#1228 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Schönen Valentinstag, ihr Lieben. Image and video hosting by TinyPic



Und auch Dr. Meier und Dr. Haase hatten sich ganz gemächlich auf den Weg zurück ins Hauptgebäude des altehrwürdigen Berliner Krankenhauses gemacht. Der Grummelkönig vom Dienst, der seiner verpassten zweiten Chance noch wehmütig hinterher trauerte und dementsprechend eine Flappe zog, hatte sich mittlerweile wieder einigermaßen gefangen. Auch dank des tatkräftigen und schnellen Einsatzes seiner gewieften Freundin, die ihren grummelnden Machomann einfach widerstandslos stumm geknutscht hatte. Nun schnurrte er wieder sanft wie ein verliebter Kater vor sich hin und ließ es sich natürlich nicht nehmen, den dreisten Frontalangriff seiner Liebsten auf seine Weise auszudehnen. Sehr zum Gefallen von Gretchen, die den peinlichen Vorfall von gerade eben schon fast wieder vergessen hatte.

Leider hatten die beiden verliebten Ärzte dabei nicht bemerkt, wie sich ihnen jemand auf schnellen klappernden Schritten näherte, der ebenfalls den direkten Weg in den ungenutzten Ostflügel des EKH suchte und nun, als ihm ausgerechnet diese beiden ins Auge fielen, panisch nach einem passenden Versteck für sich suchte, dieses aber auf die Schnelle nicht fand. Leider fehlte den Sträuchern vor dem stillgelegten Gebäudeteil momentan witterungsbedingt das nötige Laubwerk, um sich dahinter verstecken zu können. Als sich Gretchen endgültig von Marcs feurigen Lippen löste und dem sichtlich zufriedenen Mann, der sie gerade mit seinen Blicken förmlich verschlang und ihr damit ziemlich weiche Knie bescherte, unter seinem Kittel über seinen angespannten Brustkorb streichelte und ihn dabei verliebt anhimmelte, nahm sie hinter seinem Rücken plötzlich ein Rascheln wahr.

Das war doch... ihre Mutter, stellte die Assistenzärztin verwundert fest, die mit ihrem Körper ganz seltsame Verrenkungen machte und komischerweise in den schneebedeckten Blumenrabatten stand. Was hatte das denn zu bedeuten? Winter-Yoga für Hausfrauen und Schwesternschülerinnen? Oder wollte sie den Boden umgraben? Aber wer machte das schon mitten im Winter? Aber bei ihrer Frau Mama musste man schließlich immer und überall mit Allem rechnen. Gretchen hielt also mit ihrem gefühlvollen Tun inne und löste sich von ihrem Freund, der angesichts seiner seltsamen Beobachtungen ebenfalls ziemlich verdutzt dreinblickte, um ihre Mutter darauf anzusprechen...

Gretchen: Mama? Was... machst du denn da?

Gretchen warf Marc, der blitzschnell seine Finger von ihrem properen Hinterteil genommen hatte und diese nun tief in seinen breiten Kitteltaschen vergrub und der seine gewohnt betont unschuldige Schwiegersohnmiene aufsetzte, leicht panische Blicke zu. Nicht dass noch jemand ihr kleines Geheimversteck im Ostflügel entdeckte. Bei ihrer Mutter wäre das doch der absolute Supergau. Von den Erklärungen mal abgesehen. Unweigerlich nahmen ihre zarten Wangen wieder einen verräterischen Rotton an, den sie mit ihrer rechten Hand versuchte aus dem Gesicht zu wischen. Sehr zum Amüsement ihres Freundes, der es einfach liebte, wenn in Gretchens Gesicht deutlich geschrieben stand, was sie gerade „Böses“ angestellt hatte.

Lieber nicht darüber nachdenken, dachte Gretchen derweil und blickte ihrer Mutter nun direkt in die Augen. Doch auch Bärbel Haase wirkte in diesen Minuten sichtlich zerstreut. Was machten denn die Kinder hier, ausgerechnet hier, fragte sie sich aufgeregt und schaute vorsichtig vergewissernd zu der Glastür hinter ihnen. Panik beschlich sie. Die beiden hatten doch nicht etwa ihr kleines schmutziges Geheimnis entdeckt? Nicht auszudenken, wenn das so wäre. Wie sollte sie das nur Franz erklären? Nun trug auch Mutter Haase einen verräterischen Farbton im Gesicht, den ihr Schwiegersohn in spe verwundert bemerkte, aber nicht weiterer Bedeutung schenkte. Die alte Häsin ähnelte ihrer Tochter eben doch in vielerlei Hinsicht sehr.

Das wiederum machte Dr. Meier dann doch etwas mulmig zumute. Nicht auszudenken, wenn Haasenzahn sich je in diese Richtung entwickeln würde. Mit leichter Panik in seinen dunkelgrünen aufblitzenden Augen schaute er nun seine Liebste an. Und diese wiederum ihn. Gretchen zuckte mit ihren Schultern. Denn dass ihre Mutter nicht gleich auf ihre Frage geantwortet hatte und gerade förmlich durch sie hindurch schaute, als wäre sie gar nicht da, war schon sehr merkwürdig. Die besorgte Tochter ging noch einen Schritt näher auf Bärbel zu und musterte sie misstrauisch von Kopf bis Fuß, was ihr Gegenüber, welches das irritiert bemerkt hatte, nur noch mehr nervös machte...

Gretchen: MAMA? Alles in Ordnung mit dir? Hast du mich nicht gehört? Du bist so komisch.
Marc (flüstert ihr hinter vorgehaltener Hand feixend ins Ohr): Ist sie das nicht immer?

Wenn Blicke töten könnten, Marc Meier wäre in diesem Moment eines qualvollen Todes dahingerafft worden. Gretchen blitzte den unverschämten Kerl böse an und schüttelte seine Hand von ihrer Hüfte ab, an der diese gerade dreisterweise ihre Parkposition eingenommen hatte. Die junge Ärztin konzentrierte sich nun ganz auf ihre Mutter, die aus Nervosität heraus zu stammeln begann und immer noch ziemlich verwirrt auf ihre Tochter wirkte...

Bärbel: Ich? Ähm... Wieso?
Gretchen: Na weil du hier draußen herumspazierst. Was machst du denn hier? Hier ist doch sonst keiner.

Bärbel Haase wirkte ertappt und begann unter ihrer dicken Winterjacke merklich zu schwitzen. Was sollte sie denn jetzt tun? Sie war noch nie sonderlich gut im Lügen gewesen. Deshalb hatte sie damals auch ihre kurze Affäre mit dem charmanten indischen Maler, der sich leider als besonders nachtragender Dieb herausgestellt hatte, auch nicht lange für sich behalten können. Die Unfähigkeit zu lügen war eine Angewohnheit, die sie auch ihrer Tochter und ihrem Sohn vererbt hatte, worauf sie eigentlich sehr stolz war. Nichts hasste sie mehr, als wenn ihr jemand etwas vormachte oder verheimlichte. Vor allem nach den ganzen Lügen und Affären ihres Mannes. Und eigentlich war es ja auch wirklich nicht ihre Art. Aber der Zweck heiligte nun mal die Mittel. Auch die zweifelhaften.

Das redete sich Bärbel Haase zumindest immer ein, wenn sie den Weg hierher suchte. Sie wollte einfach nicht riskieren, dass irgendjemand von ihrem Geheimnis erfuhr. Vor allem nicht ihre Familie. Sie würde es nicht verstehen. Allen voran ihr Mann und ihre gutmütige Tochter. Jochen wäre es wohl egal. Obwohl, dieser hatte als rebellierender Jugendlicher auch schon mal leichtsinniger Weise von diesem Zeug probiert und es sehr schlecht vertragen. Sie hatte ihre Moralpredigt, die sie ihm damals in mütterlicher Sorge gehalten hatte, noch deutlich im Kopf. Ebenso das zweitägige unangenehme stündliche Putzen im heimischen Badezimmer. Bärbel verstand es ja selbst nicht, in was sie der Zufall hatte hineingeraten lassen. Aber mittlerweile war es für Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen zu spät. Und die Quelle sprudelte gut. Sie verdiente gutes Geld. Sogar für eine gute Sache, wie sie jedes Mal erleben durfte, wenn sich die Krebspatienten bei ihr bedankten. Dafür, dass sie sie wenigstens für einige Stunden von ihrem Leid befreit hatte. Darauf war die angehende Krankenschwester und Teilzeitplantagenbesitzerin sogar ein kleinwenig stolz. So verworren die ganze Angelegenheit auch war.

Und es war doch wohl das Mindeste, dass sie zumindest einen Teil ihrer gestohlenen Rentenkasse irgendwie wieder rein bekam. Das war sie Franz einfach schuldig, der sich jahrzehntelang in seinem Beruf aufgeopfert hatte, vielmals auch auf Kosten der Familie, um dieser ein sorgenfreies und gutes Leben zu ermöglichen. Wie der damals getobt hatte, als sie ihm ihren Betrug gebeichtet hatte. Franz war nach der Virusepidemie noch so geschwächt gewesen und er hatte die Nachricht nur schwer vertragen. Das war der schlimmste Streit, den sie je ausgetragen hatten. Bärbel wollte das einfach nicht noch einmal erleben. Wobei sie eigentlich immer wusste, dass sie hier sehr viel riskierte. Vielleicht war es wirklich an der Zeit, das Ganze abzubrechen. Das hätte sie damals schon tun sollen. Schwester Sabine hatte ja auch schon das Handtuch geworfen. Und das war so ein herzensguter Mensch, aber auch schlauer und gewiefter, als man es der Schwester im ersten Moment ansehen konnte. Wie Sabine sie damals, als sie zufällig über ihre Plantage gestolpert war, um den Finger gewickelt hatte, um selber ein Stück vom großen Kuchen abzubekommen. Herrlich! Daraus war eine wunderbare Freundschaft entstanden.

Aber mittlerweile hatten sich Sabines Familienverhältnisse komplett geändert und Bärbel konnte verstehen, dass sie ihrem Zukünftigen nichts mehr verschweigen wollte. Sabine hatte ihrer Freundin lange ins Gewissen geredet und sie hatte ihre deutlichen Worte nicht vergessen. Dunkle Wolken zogen von der Jungfrau zum Schützen oder so ähnlich, hatten ihre Tarotkarten unheilvoll verkündigt. Aber Herr Tolkin, der nicht viel von Sabines Hokuspokus gehalten hatte, wollte unbedingt weitermachen. Das Geschäft lief aber auch zu gut. Ganz Berlin und auch ein paar Außenbezirke belieferten sie mittlerweile mit ihrem „Spezialtee“ Marke Eigenanbau, der sehr gut angenommen wurde. Die Verlockung war nun mal sehr groß. Und die neue Mischung, die Bärbel in Eigenkreation geschaffen hatte, verriet nun weder vom Geruch noch vom Geschmack her noch etwas von dem verräterischen Inhalt. Nur der neuste Vorschlag ihres jungen Kompagnons gefiel der erfolgreichen Teezüchterin nicht wirklich. Ausgerechnet diese Person, die ihrem Kälbchen und deren Zukünftigen in der Vergangenheit so viel Leid zugefügt hatte. Der arme Junge musste wohl immer noch schwer in Schwester Gabi verliebt sein, wenn er ausgerechnet sie als Sabine-Ersatz ins Boot holte. Aber war die jetzt nicht mit diesem Türken, dem Dr. Laan, zusammen? Die knutschten doch neuerdings ständig auf Station herum. Seltsam! Sehr, sehr seltsam! Die Jugend von heute eben!

Bärbel war so sehr in ihren eigenen Gedanken versunken, dass sie gar nicht bemerkte, wie ihre Tochter ihr fürsorglich eine Hand auf die Schulter legte und sie leicht rüttelte...

Gretchen: Mama?
Bärbel (reagiert endlich auf die Frage ihrer Tochter): Oh! Ich... äh... Hier... Ähm... Ich hab... mich... verlaufen.
Gretchen (sieht ihre Mutter ungläubig an): Verlaufen? Du? Mama, Papa arbeitet hier seit über fünfunddreißig Jahren. Die Klinik ist doch euer zweites Zuhause. Du kennst sie wie deine Westentasche.
Bärbel (schaut Margarethe unsicher an u. redet sich schnell heraus): Schon. Ja. Ich... war... in Gedanken.

Was hat sie nur? Sie wirkt schon sehr zerstreut heute. Vielleicht ist ihr die Arbeit hier doch zu viel. Ich weiß doch, was manchmal auf der Gyn los sein kann. Und jetzt ist auch noch Mehdi nicht da.

Marc (hat das seltsame Schauspiel ebenso irritiert verfolgt wie seine Freundin u. flüstert Gretchen nun grinsend etwas zu): Du weißt schon, was das bedeutet? Orientierungslosigkeit, Vergesslichkeit, Verwirrtheit.
Gretchen (wird von Bärbel abgelenkt u. zischt Marc, der sie feixend anschaut, böse an): Ja, was willst du mir damit sagen, Dr. Meier?
Oh, oh, der ging wohl nach hinten los. Ich bin dann mal.... weg!
Marc (merkt nun auch Bärbels fragenden Blick auf sich gerichtet u. beschließt, lieber sicherheitshalber das Weite zu suchen): Äh... nichts. Du... ich... geh schon mal vor. Schauen, ob der Rössel endlich mit seinem Kram durch ist und wir die Leisten-Op vielleicht doch noch dazwischen quetschen können.
Feiger Hund. Haut der einfach ab. GGGRRR!!!
Gretchen (sieht ihren Machomann mit aufgesetztem Lächeln an): Ja, ja, geh du nur. Und denk bitte daran, deinen Vater anzurufen und ihn wegen heute Abend zu fragen. Wir können ja gemeinsam essen, bevor du dich seiner annimmst?

Marc rollte theatralisch mit seinen Augen, was bei Gretchen gar nicht gut ankam. Da war sie wieder, seine Mutter Theresa, dachte er schmunzelnd und drehte sich um, ohne noch etwas zu erwidern. Nur seine rechte Hand hob er im Gehen. Schnell war Dr. Meier zwischen den geparkten Autos auf dem Parkplatz verschwunden. Die beiden Haase-Frauen schauten dem Flüchtenden seufzend hinterher. Bis Bärbel verwundert das Wort ergriff...

Bärbel: Was ist denn mit seinem Vater?
Gretchen (schaut sie traurig an): Oh! Der wohnt jetzt bei uns, also in der alten Wohnung. Vorerst. Elke hat sich wohl von ihm getrennt.
Bärbel (reißt erstaunt ihre Augen weit auf u. ihre mütterlichen Beschützerinstinkte sind wieder hellwach): Nein!? Aber die beiden wirkten doch so harmonisch an Weihnachten.
Gretchen (denkt nur ungern an den verunglückten Start in die heimische Weihnachtsfeier zurück): Nachdem sie sich bei uns im Garten gezofft haben, Mama.
Bärbel (macht eine lockere Handbewegung): Ach was! Streitigkeiten kommen und gehen. Das werdet du und dein Marc auch noch erleben.

Ganz, ganz schlechtes Omen, Mama!

Gretchen (empört): MAMA!
Bärbel (lächelt u. klemmt sich eine verirrte Strähne hinters Ohr): Doch! Doch! Kind, in einer Beziehung ist nicht immer eitel Sonnenschein. Aber Reibereien können auch eine sehr heilsame Wirkung haben. Ich bin mir sicher, das renkt sich bei den beiden wieder ein. Ihre Liebe ist etwas ganz Großes. Wie bei mir und Franz.
Gretchen (nachdenklich): Da bin ich mir nicht mehr so sicher.
Bärbel (mitfühlend): So schlimm?
Gretchen (nickt traurig mit dem Kopf): Nachdem, was mir Olivier erzählt hat, scheint es diesmal wirklich endgültig zu sein. Ich kann das überhaupt nicht verstehen.
Bärbel (streichelt ihrer Tochter tröstend über den Arm, ihr Blick geht nachdenklich in die Ferne): Deshalb war sie auch so komisch, als ich sie am Telefon hatte.

Lorelei Offline

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16.02.2012 17:32
#1229 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Gretchens Kinnlade klappte in Sekundenschnelle gen Boden und sie starrte Bärbel ungläubig an, die gar nicht gemerkt hatte, was sie da eigentlich gerade eben von sich gegeben hatte. Hektisch richtete Gretchen nun ihr Wort an ihre Mutter, um mehr über Elke Fisher zu erfahren...

Gretchen: Marcs Mutter hat dich angerufen?
Bärbel (völlig unbeeindruckt): Ja, gerade eben.
Gretchen (aufs Höchste alarmiert): Ja aber, wieso sagst du denn nichts? Mama!
Bärbel (frönt ihrem Ordnungszwang u. zubbelt mit einer Hand an Gretchens zerzausten Haaren und mit der anderen an ihrem zerknitterten Kittel herum): Na, du hast nicht gefragt. Wie siehst du eigentlich aus? Dein Kittel ist ja ganz zerknittert. So kannst du unmöglich deine Patienten...
Aaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhh!!!!!!!!
Gretchen (richtet ihren Blick kurz hilfesuchend in den Himmel, bevor sie unsanft Bärbels Hand wegstößt u. ihre Mutter in die Mangel nimmt): Mama! Was hat Elke gesagt? Es ist wichtig.
Bärbel (irritiert über die Heftigkeit ihrer Reaktion): Nichts! Ich hatte nur gehört, wie das Telefon im Büro von Dr. Kaan geklingelt hat. Der ist doch heute in den Urlaub gefahren, nicht?
Gretchen (würde sich am liebsten die Haare raufen, weil Bärbel mal wieder nichts auf den Punkt bringt u. stattdessen zu Nichtigkeiten abschweift): Fakten, Mama, Fakten!

Bärbel (schaut ihre Tochter tadelnd an): Nun hetze doch nicht so, Kind! Lass mich überlegen! Also... ich war gerade dabei, im Sprechzimmer diesen komischen Stuhl zu putzen. Du weißt schon der, wo die Arme so komisch weit nach vorn abstehen. Ich frage mich, wie man da eigentlich bequem drinsitzen kann. Aber egal. Ich putze also gründlich, du weißt ja, wie viel Wert die Oberschwester auf die Einhaltung der Hygieneregeln legt, und da hat plötzlich Dr. Kaans Telefon geklingelt. Ich wollte erst nicht rangehen, weil der Herr Doktor ja nicht da ist, aber es hat einfach nicht aufgehört. Also habe ich doch den Hörer abgenommen. Ich wollte ja auch nicht, dass irgendwo so ein armes Ding alleine in der Wildnis entbinden muss, nur weil der Herr Doktor nicht zur Stelle ist. Und diese Neue... diese nette Rothaarige, die ist doch auch sehr kompetent. Nicht?
Gretchen (sieht sie energisch an, endlich auf den Punkt zu kommen): Mama, bitte!
Bärbel (sammelt sich): Ja, ja. Als Elke meine Stimme erkannt hat, hat sie ungläubig nach mir gefragt. Da habe ich sie auch erst an ihrer unverkennbaren Reibeisenstimme wieder erkannt. Sie klang irgendwie kraftloser als sonst. Ich wollte gerade etwas erwidern, weil ich sie auch schon lange nicht mehr gesprochen habe. Ich dachte, vielleicht könnte man sich mal auf einen Kaffee treffen. Ich bin ja schon so gespannt auf ihre Geschichten aus den Flitterwochen in Frankreich. Das ist ja auch so ein schönes Land. Aber nach einem langen tiefen Atemzug hatte sie schon wieder aufgelegt, ohne noch irgendetwas zu sagen.

Gretchen (kommt ins Grübeln): Komisch! Wieso ruft sie denn bei Mehdi an und nicht bei Marc?
Bärbel: Das kann ich dir leider auch nicht sagen, mein Schatz.
Gretchen (denkt angestrengt nach): Hmm... wahrscheinlich wollte sie nur einen Routinetermin bei ihm absagen. Es scheint nämlich nicht so, als ob sie so bald nach Berlin zurückkehren möchte. Marc hat ihr hundert Mal auf die Mailbox gesprochen und ist echt schlecht drauf deswegen. Und Olivier, der... na, du verstehst schon. Er tut mir so leid.

Bärbel schaute ihre traurige Tochter mitfühlend an und nahm sie liebevoll in den Arm. Auch sie dachte nach. Einen Moment lang hielten sie sich so und schwiegen sich an, dann platzte es plötzlich aus Gretchens Mutter heraus...

Bärbel: Margarethe, was hältst du davon, wenn ich euch und den Professor heute Abend zum Essen einlade, hmm? Dieser arme Mann muss unbedingt aufgemuntert werden. Und wie könnte man das besser tun als mit einem nahrhaften Essen.
Oh je, Mama ist wieder in Aktion. Das muss unverzüglich verhindert werden. Marc macht mich sonst einen Kopf kleiner.
Gretchen: Äh... na ja, eigentlich hatte Marc heute mit seinem Vater einen Männerabend geplant.
Bärbel (klatscht begeistert in ihre Hände): Na das passt doch. Sie können doch nach dem Essen Franz gleich mitnehmen. Der muss auch endlich mal wieder raus. Der hockt doch nur noch über den Papieren für die Klinikerweiterung. Und wir beide machen uns dann einen gemütlichen Abend zuhause, hmm? Du warst schon so lange nicht mehr bei mir.
Gretchen (sichtlich überrumpelt): Äh...ich weiß nicht. Ich...
Bärbel: Papperlapapp!

Bärbel Haase ließ Widerworte gar nicht erst gelten. Sie war sofort in ihrem Element und begann eifrig zu planen, womit sie den unglücklichen Professor und ihre Kinder heute Abend beglücken könnte. Gretchen hatte gar keine andere Wahl. Ihre wieder bestens aufgelegte Mutter hatte sich schon bei ihr eingehakt und lief energischen Schrittes mit ihr zusammen zum Haupteingang des Krankenhauses rüber. Ihren kleinen Nebenerwerb hatte sie dabei schon längst wieder vergessen.

Als Gordon einen vorsichtigen Blick aus dem Gebäude wagte, um zu schauen, ob die Luft endlich wieder rein war und wo seine Teilhaberin eigentlich abgeblieben war, die sich vorhin bei ihm angekündigt hatte, war schon niemand mehr zu sehen. Nur ein eisiger Wind umwehte seine Nase. Schnell zog er sich in sein Tropenparadies zurück und machte sich an die Teeproduktion. Ohne die nervige besserwisserische Stimme der Frau vom Professor an seiner Seite ging ihm die Arbeit eh viel leichter von der Hand. Er war eh in Verzug, wenn Gabi ihre Pläne wirklich ernst meinte, sein „Baby“, die Hanfplantage, einstampfen zu wollen.

Gretchen Haase reagierte währenddessen erleichtert darauf, als ihr Pieper plötzlich aufleuchtete und sie in den OP-Bereich zitierte. Eine OP war jetzt genau das Richtige und das richtige Terrain, um Marc von den Plänen ihrer Mutter zu erzählen, die nach der liebevollen Verabschiedung von ihrer Tochter im Foyer des EKH ihrerseits gerade schnurstracks das Büro ihres geliebten Mannes ansteuerte, um ihm von den schlimmen Neuigkeiten aus dem Hause Fisher-Meier und der Änderung ihrer gemeinsamen Abendplanung zu berichten.

Lorelei Offline

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17.02.2012 16:55
#1230 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Heute mal ganz was anderes. Ich hoffe, es gefällt. Liebe Grüße, eure Lorelei.



Es war bereits kurz nach vierzehn Uhr im Elisabethkrankenhaus in Berlin Mitte. Der gewohnte Trott setzte nach einer kleinen Mittagsruhe gerade wieder ein. Pfleger, Ärzte und Schwestern wuselten wieder konzentriert bis angespannt durch die Gänge des Hauses. Die ersten Patienten bekamen gerade ihren Nachmittagssnack. Andere warteten im Flur auf ihre Behandlung und unterhielten sich angeregt miteinander, bis sie aufgerufen wurden, während das Bett eines anderen Patienten gerade von einer Krankenschwester für eine Routine-Operation in den OP-Bereich geschoben wurde, wo noch ein kurzes Schwätzchen mit den OP-Schwestern gehalten wurde. Wieder andere Patienten erwachten gerade aus ihrem geruhsamen Mittagsschlaf und warteten nun ungeduldig darauf, dass in wenigen Minuten die Besuchszeit beginnen würde und sie ihre Lieben endlich wieder in die Arme schließen konnten, die ihnen etwas Abwechslung in den langweiligen Klinikalltag brachten. Allgemein begann es nach den beiden ruhigen Mittagsstunden wieder mächtig im EKH zu rotieren. Allen voran auf der chirurgischen Station und in der Notaufnahme, vor der gerade ein Krankenwagen zum Halten gekommen war. Die Türen öffneten sich und eine Trage wurde von zwei Sanitätern hineingetragen und vom anwesenden Ärzteteam übernommen. Im Stimmwirrwarr, das nun einsetzte, konnte man kaum sein eigenes Wort verstehen, doch die Abläufe erfolgten routiniert und dem Verletzten konnte schnell geholfen werden.

Nur in der Neurologie im 6. Stock herrschte noch eine wunderbare angenehme Stille. Die Station schien noch völlig im Tiefschlaf versunken zu sein, bis plötzlich laute tapsige Schritte auf dem langen menschenleeren neonlichbeleuchteten Flur zu hören waren. Sie liefen schnell, stoppten immer mal wieder kurz und schritten anschließend etwas langsamer voran, bis sie schließlich vor einer Tür zu stehen kamen. Dann war es wieder still. Eine zierliche Hand griff nach oben, berührte mit ihren kleinen Fingerchen die Klinke und versuchte, das schwere silberne Metallgestell nach unten zu drücken. Es misslang. Ein zweiter Versuch folgte. Es klappte wieder nicht. Das zarte Persönchen reckte sich und ruckelte nun mit all ihrer Kraft an der Klinke, resignierte und trommelte dann mehrmals mit ihren Handschuhfäusten gegen die Tür. Doch sie blieb weiterhin verschlossen. Und plötzlich konnte man noch etwas hören. Erst ertönte ein lautes tief durch die Nase eingezogenes Schniefen, anschließend ein leises Wimmern. Die kleinen Schritte schallten wieder über den langen Gang in Richtung Fahrstuhl, aus dem sie vor wenigen Minuten gekommen waren.

Am anderen Ende des Krankenhausflures öffnete sich gerade eine Tür und ein groß gewachsener Weißkittel kam heraus. Er hängte sich sein Stethoskop um den Hals, steckte seine Hände tief in seine Kitteltaschen und lief mit schlurfenden langsamen Schritten und hängenden Schultern los. Doch nach einigen Metern blieb er plötzlich abrupt stehen. Er hatte die kleine Person vor den Sprechzimmern entdeckt, die sich ängstlich nach allen Richtungen umschaute und sich ihr Stupsnäschen am Ärmel ihrer Daunenjacke abwischte, bevor sie sich wieder in Bewegung setzte. Sie kam direkt auf ihn zu. Er stutzte. Das war doch...? Er rieb sich seine Augen. Ja, natürlich, SIE war es!

Mit schnellen Schritten und klopfendem Herzen lief Dr. Cedric Stier nun auf das kleine Mädchen in dem lilafarbenen Anorak zu, das ein in OP-blau gehaltenes Kopftuch auf ihren langen zum Zopf gebundenen braunen Haaren trug, das am Hinterkopf zusammengebunden war. Eine sehr ungewöhnliche Kopfbedeckung bei diesem strengen Winterwetter, dachte er verwundert. Als die Kleine den Fremden auf sich zukommen sah, war sie stehen geblieben. Misstrauisch schaute sie zu ihm hoch, als er direkt vor ihr zum Stehen kam und sich behutsam zu ihr hinunterbeugte, um sie auf Augenhöhe anzusprechen...

Cedric: Na kleines Fräulein, wohin des Weges?

Dass dieser für ihn bislang eher mäßig bis beschi...äääähhh... bescheiden verlaufene Tag doch noch so ein wunderbares Highlight für ihn bereithalten würde, damit hätte der Neurologe nicht im Traum gerechnet. Das unbändige Glücksgefühl, welches sich nun in seinem Bauch ausbreitete, und sein freudiges Strahlen, welches sich unweigerlich auf sein grimmiges Gesicht geschlichen hatte, versuchte er möglichst im Zaun zu halten, um die kleine Prinzessin nicht noch mehr zu verunsichern, als sie es eh bereits war. Was machte sie denn hier? Und wo steckte ihre Mutter? Musste er etwa gleich in Deckung gehen, weil er sich ungefragt seiner süßen Tochter genähert hatte? Cedric blickte sich suchend um. Von seiner Mary war keine Spur. Er atmete erleichtert aus. Dennoch beschlich ihn ein seltsames Gefühl. Irgendetwas stimmte hier doch nicht.

Doch die kleine Sarah Hassmann zögerte noch, die Frage des ihr unbekannten Arztes zu beantworten. Sie musterte den fremden Mann misstrauisch mit ihren großen blaugrauen Kulleraugen, die sich tief in Cedrics Herz einbrannten und ihm so vertraut waren, weil er sie tagtäglich selbst in seinem eigenen Spiegelbild betrachtete. Das kleine Mädchen biss sich unsicher auf ihre Lippe, senkte schüchtern ihren Blick auf ihre Füße, die unruhig hin und herwippten, und traute sich endlich, etwas zu sagen...

Sarah: Ich will zu meiner Mama.

Sarahs süße leicht verschüchterte Engelsstimme klang wie Musik in seinen Ohren. Cedric lächelte. Glücklich, aufgeregt, beseelt. Andererseits war da aber auch eine gewisse Sorge, die sich immer mehr in ihm breitmachte, weil sein kleines Mädchen hier alleine in dem großen Krankenhaus herumtapste. Sanftmütig schaute er sie an...

Cedric: Deine Mama ist schon nach Hause gegangen.
Sarah (ihre Pupillen wandern unsicher hin und her; kleine Tränchen bilden sich mit einem Mal in ihren Augenwinkeln, die sie hektisch mit dem Handrücken wegwischt): Echt?
Cedric (nickt): Ja, ungefähr vor einer Stunde. Sie wollte dich doch aus der Kita abholen, Sarah. Ist sie nicht gekommen?

Zunehmend machte sich Unruhe in ihm breit. Was war hier los? Zumal die Kleine ganz verheult auf ihn wirkte, als er sie sich genauer anschaute. Wieso hatte Maria sie nicht abgeholt? Oh Gott, ihr war doch nichts passiert? Sie war vorhin ziemlich geladen vom Parkplatz gerauscht. Seinetwegen!

Sarah konnte nach der enttäuschenden Antwort des Arztes, der ihr zunehmend irgendwie bekannt vorkam, gerade noch so ihr Schluchzen verbergen, als ihr plötzlich noch etwas auffiel. Sie sammelte sich und schaute ihr sichtlich besorgtes Gegenüber mit zusammengekniffenen Augenbrauen argwöhnisch an...

Sarah: Woher weißt du denn meinen Namen?
Cedric (atmet tief ein u. gerät tatsächlich ins Rudern, schließlich kann er Maria nicht in den Rücken fallen, wenn ihm sein Leben lieb ist): Na, ich... arbeite doch hier... mit deiner Mama zusammen und... wir... wir beide haben uns doch auch schon gesehen. Weißt du denn nicht mehr?

Purer Angstschweiß stand dem aufgeregten Vater nun auf die Stirn geschrieben und sein ihm eigentlich eine Nummer zu groß geratener Arztkittel engte ihn zunehmend ein, als er Sarah unsicher anschaute und auf eine Reaktion ihrerseits wartete. War er zu direkt vorgegangen? Wie würde sie reagieren, wenn sie erkannte, wer er wirklich war? Er war schlichtweg überfordert mit der Situation. So war das doch mit Maria überhaupt nicht ausgemacht. Sie würde ihn umbringen. Aber das schlaue Mädchen nahm ihm die Scheu, indem sie kleinlaut eine überraschende Feststellung machte...

Sarah: Du warst bei uns zuhause. In Mamas Bett!

Cedric verschluckte sich an seiner eigenen Spucke und lief tatsächlich knallrot an, als der kleine Hustenanfall vorbei war. Das war ihm noch nie passiert. Schließlich war ihm doch überhaupt nichts peinlich. Und die Situation wurde noch unangenehmer für den betröppelten Neurochirurgen, der seine Tochter wie gelähmt anstarrte und um eine Antwort verlegen war. Denn plötzlich hörte er jemanden laut hinter sich losprusten. Es war das Schlimmste, was ihm in dem eh schon sehr peinlichen Moment hätte passieren können.

Marc: Ach nee! Na das sind ja mal interessante Neuigkeiten.

MARC MEIER! Wie aus dem Nichts stand dieser plötzlich hinter ihm und lachte ihn aus.

Lorelei Offline

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19.02.2012 12:47
#1231 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

In Überschallgeschwindigkeit schnellte sein Kopf herum und Cedric blickte nun direkt in das sichtlich amüsierte Gesicht seines ewigen Erzrivalen, der lässig an der gegenüberliegenden Wand lehnte. Seine Tochter schaute Dr. Meier ebenso überrascht mit offenem Mund an. Dann sprang sie plötzlich los, rannte fast ihren überraschten Vater über den Haufen und stürzte sich glücklich in die Arme des überrumpelten Oberarztes, der dadurch fast sein Gleichgewicht verloren hätte. Denn die Kleine hatte das Tempo einer Leichtathletin draufgehabt. Und auch sein Gehör nahm deutlich Schaden, als die Kleine fröhlich losbrüllte, bevor sie sich schniefend an seine Seite schmiegte und ihre Nase an seinem blütenweißen Kittel abwischte, wogegen er eigentlich angewidert protestieren wollte. Aber Sarah Hassmann hatte ihn mal wieder mit ihrer ganzen süßen ungestümen Art volle Breitseite erwischt.

Sarah: MAAAAAAAAARC!!! Daaaaaaa bischt duuuuuu jaaaaaaa!!!
Marc (streicht dem aufgeregten Mädchen sanft lächelnd über den Kopf u. wundert sich über die seltsame Kopfbedeckung der Kleinen): Hey nicht so stürmisch, kleines Fräulein! Was machst du denn hier?
Ausgerechnet bei diesem... Totalausfall!

Misstrauisch beobachtete derweil Sarahs Vater das Schauspiel, das sich ihm gerade darbot. Wieso waren dieser Kinderfeind und seine Kleine so vertraut miteinander? Was fiel dem überhaupt ein? Er ballte seine Hände zu Fäusten und hätte am liebsten eingegriffen, aber er wollte seine Tochter auch nicht verschrecken und hielt sich daher zurück. Aber es brodelte in ihm. Er ließ die beiden nicht aus den Augen, die sich gerade gegenseitig neckten und kitzelten. Warum galt ihm nicht dieses süße herzliche Lachen, das gerade den Gang der Neurologie erhellte und einige vorbeilaufende Krankenschwestern, die sich verwundert zu dem ungewöhnlichen Paar umgedreht hatten, zum verzückten Lächeln brachte? Cedric Stier war eifersüchtig und dieses Gefühl verstärkte sich noch, als Sarah ihrem großen Freund und Helden nach der gemeinsamen Kabbelei eine Frage stellte, die er eigentlich an sich gerichtet hätte hören wollen...

Sarah (blickt sehnsüchtig zu Marc hoch): Bringst du mich zu meiner Mama?
Marc (etwas überrumpelt von ihrer flehenden Bitte schaut er dann doch vergewissernd zu Cedric, der direkt hinter Sarah steht, u. bemerkt dessen bösen Blick, der offenbar ihm gewidmet ist): Äh... die... ist doch schon weg, oder?
Wieso kuckt der denn so doof?
Cedric (zischt ihm die Antwort durch seine zusammengebissenen Zähne zu): Ja!
Na ja, ich würde auch unnötigen Kontakt mit dem da vermeiden. Was mach ich denn jetzt? Eigentlich hab ich noch Patienten. Darf ich sie überhaupt mit dem Drecksack allein lassen? Die Hassmann massakriert mich doch bei lebendigem Leib, wenn die das spitzkriegt. Och nö, was macht sie denn jetzt? Das ist echt unfair.
Marc (wird ganz weich von Sarahs Hundeblick): Du... Ich... muss leider noch arbeiten. Ich kann hier nicht so einfach weg, Sarah.

Die Kleine senkte enttäuscht ihren Kopf und blickte traurig auf ihre braunen Winterstiefel, mit denen sie hin und hertapste. Sie begann merklich zu schluchzen, was beiden Männern an die Nieren ging. Marc ging schließlich vor ihr in die Knie, legte seinen Zeigefinger unter ihr Kinn und hob es vorsichtig an, damit Sarah ihm in die Augen schauen konnte. Er hatte eine Idee.

Scheiße eh! Das Geplärre ist doch nicht auszuhalten. Da muss ein Profi ran. Obwohl...? Das Profi lass ich weg.

Marc: Aber... ich könnte Schwester Sabine fragen, ob sie dich nach Hause bringt, hmm? Was hältst du davon? Du weißt schon die blonde Verrückte, die am Heiligabend den Weihnachtsmann abgeknutscht hat.
Sarah (kann schon wieder strahlen u. hüpft begeistert vor ihm auf u. ab): Au ja!
Marc (richtet sich erleichtert auf u. schaut sie an): Na dann... komm!

Sarah streckte ihrem Helden auffordernd ihre kleinen Ärmchen entgegen. Marc ließ den Kopf hängen, rollte mit den Augen und ergab sich schließlich seinem schweren Schicksal und hob die Quenglerin hoch. Doch plötzlich stellte sich ihm Dr. Stier in den Weg...

Cedric: Ich mach das schon!
Hä? Was wird das denn jetzt? Seinen vernachlässigten Vaterpflichten nachkommen oder was? Fällt ihm ja reichlich spät ein.

Misstrauisch musterte Dr. Meier seinen Konkurrenten, der ihm entschlossen entgegengetreten war und ihn unmissverständlich anschaute. Er würde nicht mit sich reden lassen. Das war Marc so was von klar. Aber die Geschichte war ihm dann doch zu heiß und er hielt mit seinen Bedenken nicht vor dem Tor...

Marc: Äh... Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist, Stier.

Marc wusste schließlich um den Beziehungsstatus zwischen Tochter und Vater, der quasi non-existent war. Und wenn Hassi das hier spitzkriegen würde, dass er widerstandslos ihre nervige Kröte dem personifizierten Bösen in die Hände drückte, dann konnte er seines Lebens nicht mehr sicher sein. Außerdem schien Sarah keinen Anstalten machen zu wollen, auf das Angebot ihres Vaters einzugehen. Wieso auch? Sie hatte ja auch keinen blassen Schimmer, dass der Drecksack ihr Erzeuger war. Und das machte die Situation noch unangenehmer für den um Sprüche sonst nie verlegenenen Oberarzt der Chirurgie.

Sarah hatte ihre Arme um Marcs Hals gewickelt, ihren Kopf an seine Schulter geschmiegt und hielt ihre Augen fest geschlossen. Sie fühlte sich geborgen und beschützt. Und auch für Dr. Meier fühlte es sich gut an, das Mädchen so zu halten. Er lächelte ein wenig und drückte sie behutsam an sich. Doch dann nahm er im Augenwinkel den flehenden Blick von Dr. Stier wahr. Der Chirurg wunderte sich. Das passte doch überhaupt nicht zu dem selbstverliebten Möchtegernmacho, der gerne mal auf dicke Hose machte und angeblich reihenweise Frauen flachlegte. Es schien Cedric wohl wirklich etwas zu bedeuten, die kleine Nervensäge bei sich zu behalten.

Cedric: Bitte, Marc! Ich bitte dich nur ungern um etwas, das weißt du, aber darum schon.

Boah eh! Was mach ich denn jetzt? Was würde Haasenzahn tun?

Marc musterte den alleinerziehenden Vater einer elf Monate alten Tochter und seinen besten Feind argwöhnisch von Kopf bis Fuß. Cedrics Augen schienen tatsächlich aufrichtiges Interesse an der Kleinen zu haben und da er aus den leidigen Erfahrungen mit Mehdi ganz genau wusste, wie sich ein Vater wohl fühlte, der sein Kind nicht sehen durfte oder konnte, gab es eigentlich nur eine Möglichkeit. Er gab nach. Marc löste Sarahs Klammeräffchenarme, die sich fest um seinen Hals geschlungen hatten und setzte die süße Maus vorsichtig auf einen der Wartestühle ab und hockte sich anschließend vor sie hin. Sarah starrte ihn dementsprechend verwundert an, als er ihr etwas zu erklären versuchte...

Marc: Du, hör mal, Krö... äh... Sarah... Schatz, ich... hab ganz vergessen, dass die liebe Bine noch mit Gretchen im OP steht. Sie kann dich leider nicht bringen. Aber was hältst du davon, wenn sich der Ar... äh... Cedric jetzt ein bisschen um dich kümmert, bis wir deine Mama erreicht haben, hmm? Er ist eigentlich ein ganz ähm... Netter, auch wenn er nicht so ausschaut.

Das hast du jetzt nicht ernsthaft gesagt? Löschtaste drücken!

Marc grinste schadenfroh zu Cedric hoch. Dieser schaute ihn aus starren Augen an. Er war viel zu nervös wegen der Reaktion seiner Tochter, als dass er seinem frechen Kollegen irgendetwas hätte entgegensetzen können. Sarah musterte den ihr immer noch Fremden noch einmal ganz genau von allen Seiten und nickte dann schüchtern mit ihrem Kopf. Sie vertraute Marcs Entscheidung. Dieser erhob sich wieder und strich der kleinen Motte, die ihn nun wieder anstrahlte, noch einmal über den Kopf. Ihr hellblaues Tuch verrutschte dabei etwas, wogegen die Kleine sofort lautstark protestierte und es wieder gerade schob...

Sarah: Eh! Lass das! Meine OP-Haube!
Marc (stutzt u. betrachtet Sarah leicht amüsiert): Deine was?
Sarah (schaut mit stolzgeschwellter Brust zu ihm hoch): Wir hatten heute Fasching im Kindergarten. Ich bin als Schiorgan gegangen.
Schiorgan? Ich schmeiß mich weg. Ich glaube, ich muss meine Papiere ändern lassen gehen. Hahaha!
Marc (merkt jetzt erst, dass sie einen weißen Kittel unter ihrer lilafarbenen Jacke trägt u. grinst vergnügt): Ah... ja!? Du fängst aber schon früh an?
Cedric (steht daneben u. platzt fast vor Stolz u. macht keinen Hehl daraus, wobei er sich fast verplappert hätte): Meine Gene!
Marc (klappt sprachlos die Kinnlade herunter u. starrt ihn an): Äh...
Sarah (sieht verwundert zu dem Mann hinter Marc): Hä?
Cedric (räuspert sich nervös u. rudert schnell zurück; sein Herz schlägt ihm bis zum Hals): Nichts.
Oh Mann! Seine Familienverhältnisse wünsche ich niemandem. Der ist ja völlig am Arsch.
Marc (schaut ihn hämisch an, bevor er sich von den beiden verabschiedet): Natürlich... nichts! Was sonst? Also... ich muss dann jetzt auch weiter. Mein Patient wartet.
Cedric (verhehlt nicht, dass er froh über Meiers Abgang ist): Tue dir keinen Zwang an!
Loser!
Sarah (streckt Marc zum Abschied ihre Arme entgegen): Tschüßi Marcilein!

Marc rollte nur mit den Augen. Er hasste Kosenamen, aber wie könnte er der süßen Maus denn böse sein, wenn sie ihn so lieb aus treuen Augen anschaute. Er beugte sich noch einmal zu ihr herunter. Sie schlang ihre Arme um ihn und knuddelte ihn kräftig durch. Das war beiden Männern ziemlich unangenehm. Marc löste sich also schnell wieder von der kleinen Klette, räusperte sich und wollte sich gerade umdrehen, um zu gehen, als er von Cedric plötzlich am Arm zurückgehalten und etwas zur Seite gezogen wurde...

Cedric (flüstert): Danke!
Äh... was wird das denn jetzt? Schleimoffensive? Bäääähhh!!!
Marc (nickt emotionslos mit seinem Kopf u. rüttelt unsanft Cedrics Hand ab): Kein Ding. Und tschüß!
Cedric (es kostet ihn einige Überwindung, Marc das zu fragen): Warte mal! Könntest du mir einen Gefallen tun?
Ich hab’s gewusst. Er verlangt eine Gegenleistung. Kann er so was von knicken.
Marc (reagiert eher distanziert u. verschränkt abweisend seine Arme vor seinem Körper): Übertreib’s nicht!
Cedric (dreht sich mit Marc etwas von Sarah weg): Es ist nur... Ich weiß nicht, was passiert ist, aber ich denke, Maria weiß nicht, dass sie hier ist. Könntest du sie vielleicht anrufen und ihr Bescheid geben?
Marc (seine Stimme geht eine Oktave höher, als er ungläubig nachhakt): Ich?
Cedric (sichtlich zerknirscht): Wenn sie meine Nummer sieht, würde sie nicht rangehen.
Ach nee! Die widerspenstige Zähmung ist wohl doch nicht so einfach, was? Hahaha!
Marc (grinst ihn schadenfroh an): Verständlich!
Cedric (seine Augen formen sich zu kleinen Schlitzen u. er sieht Marc eindringlich an): Also?
Marc (zögert es bewusst hinaus): Boah! ... Bin schon dabei.

Bevor er noch ganz sentimental wurde und ihm noch näher kam als rechtlich zulässig, gab Marc schließlich kleinbei und nickte Cedric zu. Dann drehte er sich schnell um und ging forschen Schrittes den langen Gang der Neurologie vor. Sarah und ihr Vater schauten dem flüchtenden Oberarzt nach und beobachteten, wie dieser vor einem der zahlreichen Patientenzimmer stehen blieb, sein Handy aus seiner Kitteltasche zückte und Dr. Hassmann eine kurze Nachricht auf die Mailbox sprach. Ihr Telefon war nämlich ausgeschaltet, wie er missmutig feststellen musste. Naja, er hatte seinen Teil getan. Das könnte ihm am Ende niemand vorwerfen. Er steckte sein Smartphone wieder ein, schaute sich noch einmal um, hob seinen rechten Daumen in Richtung der beiden und betrat anschließend schmunzelnd das Zimmer seines Paralysepatienten.

Lorelei Offline

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20.02.2012 17:42
#1232 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Und so waren Sarah und Cedric Stier plötzlich wieder allein auf dem menschenleeren Gang der Neurologie. Der zweifache Vater wandte seinen Blick wieder zu seiner Tochter, nachdem Stinkstiefel Meier in dem Patientenzimmer verschwunden war. Sie baumelte gelangweilt mit ihren Beinen und rutschte unruhig auf ihrem Stuhl hin und her, der ihr viel zu hoch und zu unbequem war. Ihre Blicke trafen sich zufällig. Sie schaute den Doktor mit scharfen stechenden Augen an, so wie es ihre Mutter auch immer getan hatte. Unsicher senkte Cedric seinen Blick. Er wusste einfach nicht, wie er mit dem süßen Fratz ins Gespräch kommen könnte. Sonst war er eigentlich nie um Worte verlegen, aber diese Situation hier war auch eine völlig andere. Er war nicht darauf vorbereitet gewesen, mit seiner Ältesten konfrontiert zu werden. Dabei hatte er sich eine Begegnung mit ihr immer wieder in den schönsten Farben vorgestellt, seitdem sie sich vor reichlich zwei Monaten zum ersten Mal seit der Trennung von ihrer Mutter in einem äußerst ungünstigen Moment in Marias Schlafzimmer wieder getroffen hatten.

Cedric lächelte Sarah verlegen an, die den unschlüssigen Mann, der vor ihr unruhig auf und ablief, unentwegt misstrauisch beobachtete, und setzte sich schließlich nach kurzem Zögern neben sie auf einen der Wartestühle. Eine Krankenschwester lief in dem Moment an den beiden vorbei. Sie wunderte sich zwar über die sonderbare Paarung, ging aber dann schnell weiter, weil sie in Eile war, und verschwand am anderen Ende des Flurs in einem der Zimmer. Die beiden verfolgten sie mit ihren Blicken. Dann starrten sie wieder geradeaus. Minutenlang saßen sie schweigend nebeneinander, bis es Cedric nicht mehr länger aushielt. Er hatte genug Mut gefasst, um seine älteste Tochter endlich anzusprechen. Dabei schaute er ihr direkt in ihr hübsches Gesicht und prägte sich ihre Gestik und Mimik ganz genau ein, um noch lange davon zehren zu können.

Cedric: Ihr habt also heute Fasching gefeiert?
Sarah: Mhm!

... gab die Sechsjährige kurz und knapp von sich und richtete ihren Blick weiterhin geradeaus auf die Pinnwand an der gegenüberliegenden Wand, die mit bunten Zetteln und lustigen Buchstaben gespickt war, die sie versuchte zu entziffern. Cedric war nicht enttäuscht, dass Sarah nicht gleich wie ein Wasserfall zu plappern begann, aber ärgerte sich im Nachhinein, so eine plumpe Frage gestellt zu haben. Aber mehr war ihm auf die Schnelle nicht eingefallen. Es war ein Versuch gewesen, um das Eis zu brechen. Traurig registrierte er, wie wenig er doch von ihr wusste. Er wusste überhaupt nicht, was für Interessen seine Tochter hatte, wofür sie sich wirklich von ganzem Herzen begeisterte. Wie hatte er es nur zulassen können, sie so zu verlieren? Das schlechte Gewissen nagte furchtbar an ihm. Aber dennoch hatte auch der Ehrgeiz ihn gepackt. Vorsichtig wagte er einen erneuten Vorstoß, um etwas aus dem wortkargen Mädchen herauszubekommen. Chancenlos. Sie ließ ihn natürlich auflaufen. Aber das war Cedric ja von den Hassmann-Frauen auch nicht anders gewohnt.

Cedric: Hat es Spaß gemacht?
Sarah: Mhm!

Cedric musste plötzlich schmunzeln. Sarah war genau so eine harte Nuss wie ihre Mutter und die hatte er sich ja auch vorgenommen, zu knacken. Um jeden Preis. Aber auch, um Sarah irgendwann wieder näher kommen zu können. Warum also nicht jetzt? Das Schicksal meinte es gerade gut mit ihm. Nach den ganzen Schicksalsschlägen der letzten Zeit sollte er es einfach wagen. Also richtete er sich auf seiner Sitzgelegenheit auf und sah sein Mädchen liebevoll von der Seite an...

Cedric: Willst du mir nicht vielleicht dein Kostüm zeigen, Sarah?
Sarah: Mhm!

Und wieder dieselbe einsilbige Antwort. Es war einfach zum Haare raufen mit dem Kind, dachte der Vater aufgewühlt, ließ es sich aber äußerlich nicht anmerken. Zumindest reagierte Sarah jetzt etwas mehr als nur mit einem kurzen Schulterzucken. Denn sie sprang plötzlich von ihrem Stuhl herunter, wickelte ihren dicken Winterschal von ihrem Hals und zog sich ihre Handschuhe und ihren Anorak aus. Die Sachen warf sie anschließend achtlos auf ihren Stuhl, achtete aber ebenso wenig wie ihr Vater darauf, dass sie von der glatten Sitzschale wieder herunterrutschten und auf dem grünen Laminat landeten. Cedric war sichtlich beeindruckt und amüsiert zugleich, als er die Miniaturausgabe von Dr. Hassmann von Kopf bis Fuß mit väterlichen Augen betrachtete. Die kleine „Doktorin“ drehte sich einmal schwungvoll um die eigene Achse, so wie sie es von den Modesendungen im Fernsehen gelernt hatte, gluckste auch für eine Sekunde lachend auf und posierte dann mit keckem Hüftschwung vor ihm, den sie sich wohl auch von ihrer Mutter abgeschaut hatte und der eigentlich verboten gehörte.

Sarahs Vater jubilierte innerlich. Sie war endlich aufgetaut und schaute ihn neugierig und abwartend an. Aber er konnte ihr nicht antworten. Cedric war einfach nur überglücklich. Er konnte seinen Blick gar nicht mehr von dem kleinen Engel abwenden. Sie sah so süß aus. Das süßeste Mädchen der Welt. Um ihren Hals baumelte ein rosafarbenes Spielzeugstethoskop, mit dem sie fröhlich hin und herwedelte. Der weiße Kittel, den sie mit stolzgeschwellter Brust über ihren Anziehsachen trug, war ihr viel zu groß und hing ihr bis zu den Knöcheln hinunter. Es sah einfach zum Schießen aus. Cedric lachte herzlich auf. Vermutlich war das einer der ausgemusterten Kittel ihrer Mutter. Und wenn nicht, dann würde er spätestens am Ende dieses Tages ausgemustert werden. Denn große rote Flecken prangten auf seiner Vorderseite. Oder wollte Sarah nur sehr detailgetreu mit ihrem Kostüm sein? Sollten das etwa Blutflecken darstellen? Das war schon sehr gewagt, fand Cedric und runzelte die Stirn, bemerkte dann aber im nächsten Moment, dass es sich wohl um Tomatensoße handeln musste. Eine Nudel, die an der Knopfleiste des Kittels kleben geblieben war, klatschte gerade auf den frisch gewienerten Boden der Station. Die kleine Ärztin war wirklich ein Anblick für die Götter und Dr. Stier platzte fast vor väterlichen Stolz.

Sarah Hassmann registrierte die seltsamen Blicke des netten Doktors neben ihr, blickte verwundert ebenfalls auf die Flecken auf ihrem Ärztinnenkostüm und wurde plötzlich von einer Sekunde auf die andere wieder ganz traurig. Stumm drehte sie sich um und setzte sich wieder auf ihren Stuhl und zog ihre Beine fest an ihren Körper. Dann vergrub sie ihr Gesicht in ihren Knien. Cedric bemerkte ihr verändertes Verhalten irritiert und wusste gar nicht, wie ihm auf einmal geschah. Schon wieder ertönte Sarahs herzzerreißendes Schluchzen und schallte über den gesamten Flur. Dicke Krokodilstränen kullerten ihre leicht gerötete Wange hinab, die sie an ihrem Kittel versuchte abzutrocknen. Es brach den überforderten Vater das Herz, seine Tochter so unglücklich zu sehen. Was war da wohl bloß passiert? Es musste doch irgendeinen Grund für ihren Zustand geben? Vorsichtig rutschte er näher an seine Kleine heran und versuchte einen Blick von ihr zu erhaschen. Er schnitt eine Grimasse nach der anderen, aber nichts funktionierte. Das Schluchzen wurde nur noch lauter und krächzender. Also versuchte er es direkt...

Cedric: Hey! Warum weinst du denn so dicke Krokodilstränen? Du bist doch schon ein großes Mädchen und große Mädchen weinen doch nicht.

Und nach einem tiefen Schluchzer ihrerseits brach es urplötzlich aus seiner Tochter heraus, so dass Cedric ihr kaum folgen konnte...

Sarah: Der Finn-Kevin ist soooooooooo doooooooof!
Cedric (atmet tief durch u. hakt vorsichtig nach): Ist das... dein... Freund?
Sarah (hört sofort auf zu heulen, schnieft durch die Nase u. sieht ihn irritiert aus verheulten Augen an): Bist du blöd?
Cedric (klappt den Mund auf u. glaubt sich verhört zu haben, denn das hörte sich O-Ton wie seine Mary an): Ääähhh...
Sarah (rappelt sich auf u. blickt den großen Mann eindringlich an): Neiiin! Der ist nämlich voll gemein zu mir.
Cedric (betroffen u. sauer zugleich, dass jemand seine Tochter so verletzt hatte): Was hat er denn gemacht?
Sarah (schluchzt wieder u. versucht tapfer die Tränen hinunterzuschlucken, die immer wieder hochkommen, schließlich ist sie doch schon ein großes Mädchen): Erst... hat er... er hat... gesagt, dass... dass mein Kostüm voll blöd ist.
Cedric (versucht sich zu konzentrieren, um zwischen ihrem Geschluchze herauszulesen, was eigentlich passiert ist): Ach der wird doch nur neidisch gewesen sein.
Sarah (schaut ihn skeptisch an): Meinst du?
Cedric (sein Herz geht auf, als sie ihn so süß anschaut u. er lächelt sie an): Ganz bestimmt.
Sarah (denkt angestrengt darüber nach u. schüttelt schließlich entschieden den Kopf): Nee, der hatte ein supertolles Supermankostüm an.
Cedric (verdreht die Augen u. denkt sich seinen Teil): Ah... Das sagt schon alles.
Sarah: Hä?
Cedric (wiegelt mit einer lockeren Handbewegung ab): Sprich weiter!

Sarah (rückt bis an ihre Stuhllehne zurück u. streckt ihre Beinchen aus, was gar nicht so einfach ist mit ihrem langen Kittel): Und daaann... hab ich ihm erklärt, was eine Neueschiorgin ist und er hat bloß doof gelacht. Der hat mir nicht geglaubt und gesagt, so was gibt es doch gar nicht und dass meine Mami gar keine richtige Doktorin ist. Das können nur Männer machen.
Cedric (schüttelt den Kopf u. muss unweigerlich schmunzeln): Oh! Ein kleiner Macho also, der Kleine.
Sarah (kleinlaut): Sein Papa ist nämlich Tierarzt, weißt du.
Cedric (muss sich arg zusammenreißen, nicht laut loszulachen): Alles klar. Ich denke, dein kleiner Freund war wirklich neidisch, weil du und deine Mama schon so viel erreicht haben.
Sarah (hängt an seinen Augen, die ihr seltsam vertraut erscheinen): Meinst du?
Cedric (nickt): Mhm! Tierärzte sind nämlich gar nicht so toll, weißt du. Menschen zu helfen ist viel cooler.
Sarah (lächelt): Ja!
Cedric: Und weißt du, was ich noch denke?
Sarah (die Tränen sind längst vergessen u. sie sieht Cedric gespannt an): Was?
Cedric (rückt noch etwas näher an seine Kleine heran u. flüstert ihr etwas ins Ohr): Männer und Jungs, die sich so bescheuert verhalten, sind in der Regel in die Frau oder das Mädchen verliebt, das sie ärgern.

Sarah (zieht skeptisch eine Augenbraue nach oben u. starrt ihn ungläubig an, dann prustet sie los): Quaaatsch!
Cedric (lehnt sich schmunzelnd an seine Lehne zurück u. zwinkert ihr zu): Doch! Das kannst du mir ruhig glauben.
Sarah: Aber der hat mich geschupst und mit Spaghetti nach mir geworfen.
Cedric (kann das gar nicht glauben u. klappt seinen Mund auf): Hast du deshalb die Flecken auf dem Kittel?
Sarah (nickt verlegen mit dem Kopf): Ja. Mami wird mich umbringen. Sie mag es gar nicht, wenn ich mich so doll dreckig mache.
Cedric (schmunzelt, weil ihm das alles seltsam vertraut erscheint, denn der schnöde Haushalt war Maria schon immer ein Graus): Ach was! Das ist doch gar nicht schlimm!
Sarah (senkt beschämt ihren Kopf): Doooch! Mama weiß nämlich nicht, dass ich das anhabe.
Cedric (sprachlos): Oh!
Sarah (rückt leise mit der Sprache heraus u. wird rot dabei): Sie hat mich nämlich erst als Prinzessin verkleidet, aber das fand ich voll langweilig, weil das immer alle Mädchen anhaben. Da hab ich heimlich in ihrem Schrank gesucht und den Kittel und das Tuch mitgenommen und mich im Kindergarten dann umgezogen.
Cedric (sichtlich beeindruckt von seiner gewieften Tochter): Schlaues Mädchen!
Sarah (grinst u. schaut ihn mit großen Augen an): Hihi! Gefällt’s dir?
Cedric (lächelt sie gerührt an u. spricht mit belegter Stimme): Sehr!
Sarah (erwidert sein ansteckendes Lächeln u. ist glücklich): Wenn ich groß bin, will ich auch observieren. Weißt du?
Cedric (schmunzelt): Operieren!
Sarah: Hä?
Cedric (streicht ihr liebevoll über den Kopf, zieht die Hand aber schnell wieder zurück, weil er denkt, zu weit gegangen zu sein): Es heißt operieren, mein Scha... Sarah. Und ich kann mir gut vorstellen, dass du eine tolle Ärztin wirst.
Sarah: Echt?
Cedric (kann seine Rührung kaum verbergen, deshalb schluckt er den fetten Kloß schnell herunter, der seit geraumer Zeit sein Sprachzentrum blockiert, u. wechselt das Thema): Mhm! Und warum bist du jetzt eigentlich hier? Bist du ganz alleine vom Kindergarten hierher gekommen?

Sarah (verspürt plötzlich ein furchtbar schlechtes Gewissen u. senkt beschämt ihren Kopf): Mhm! Aber die Frau Schnippel war soooooooooo böse mit uns. Ich hab die Spaghetti nämlich zurückgeworfen und sie getroffen. Voll auf ihre neue Bluse.
Cedric (beißt seine Lippen zusammen, um nicht zu lachen): Das ist... Pech.
Sarah (stimmt ihm kopfnickend bei u. erzählt aufgeregt weiter): Sie hat mich und Finn-Kevin dann zum Nachsitzen sitzen gelassen, während sie mit den anderen Kindern Süßigkeiten sammeln gegangen ist. Das ist sooooooo gemein. Ich wollte da nicht mehr bleiben. Da haben wir uns, als die olle Praktikantin aufm Klo war, angezogen und rausgeschlichen.
Cedric (fasst sich fassungslos an seine Stirn; das hat er ihr nun wirklich nicht zugetraut): Aber das könnt ihr doch nicht machen. Die machen sich doch sicherlich Sorgen um euch?
Sarah (zuckt mit den Schultern u. fängt wieder an, leise zu schluchzen): Mhm! Weiß nicht.
Cedric (versucht Fassung zu bewahren): Und wo ist dieser Junge... Finn-Kevin... jetzt?
Sarah (hebt ihren reumütigen Blick u. grinst plötzlich wieder): Der war so blöd und ist den anderen hinterher. Die waren noch nicht so weit gekommen und standen noch vorm Lidl gegenüber. Weißt du, der Finn-Kevin ist nämlich voooll dick und isst niiiichts anderes als Süüüßigkeiten in sich rein. Der war richtig rot vor Wut, weil er nicht mit den anderen mit durfte. Hihi!
Cedric (ihm ist gar nicht mehr zum Lachen zumute u. er sieht seine freche Tochter eindringlich an): Hör mir mal zu, Sarah! Das geht so nicht. Du kannst nicht einfach aus der Kita abhauen, wenn du keine Lust mehr hast oder dich zu unrecht behandelt fühlst. Wir sollten jetzt im Kindergarten anrufen und dort Bescheid geben, wo du steckst.
Sarah (schaut ihn aus großen ängstlichen Augen an): Krieg ich jetzt Ärger?
Cedric (beschwichtigend): Nein, das... Du.... Oh! Schei...Scheibenkleister!

Cedric kam nicht mehr dazu, etwas Aufmunterndes zu erwidern, um seine kleine Tochter zu beruhigen, die ihn mit herzzerreißendem Hundeblick anschaute. Denn genau in diesem Moment stieg eine völlig aufgebrachte Neurochirurgin und Mutter aus dem Fahrstuhl des Elisabethkrankenhauses, der sich mit einem lauten „Pling“ angekündigt hatte, und lief mit hochrotem Kopf und hoch erhobener Hand und wedelnder Designerhandtasche auf die beiden zu. Die Temperaturen auf der Station stürzten augenblicklich tief in den Keller.

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21.02.2012 17:25
#1233 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Dr. Maria Hassmann schimpfte auch sofort in gewohnter Stimmlage los, obwohl sie noch einige Meter von ihren beiden Pappenheimern entfernt war. Dass neben ihrer kleinen Ausbrecherin ausgerechnet ihr Exmann und Vater von Sarah saß, hatte sie in der Hektik des Augenblicks noch gar nicht registriert. Die alleinerziehende Mutter war noch viel zu aufgeregt, nachdem sie gerade eben mit leeren Händen die Kita ihrer Tochter hatte verlassen müssen, wo man ihr kurz zuvor noch viel aufgeregter mitgeteilt hatte, dass Sarah verschwunden sei und man nicht wüsste, wo sie hingegangen sein könnte. Das war der schlimmste Albtraum gewesen, den die sonst so souveräne und taffe Oberärztin je hatte durchleben müssen. Ihr kleiner Schatz, ihr Ein und Alles, das Einzige, was sie in ihrem Leben, neben ihrem Job, einigermaßen gut hinbekommen hatte, war ganz allein im großen Berlin unterwegs.

Der Boden hatte sich vor der völlig verzweifelten Frau aufgetan und sie gänzlich verschlungen. Sie hatte geheult und geschrieen, so getobt und beleidigt, dass die anderen Kinder der Einrichtung „Pusteblume“ verschreckt die Ohrschützerhaltung annehmen mussten und sicherheitshalber von der völlig untröstlichen Praktikantin, die nur fünf Minuten nicht richtig aufgepasst hatte und dafür heulend die ganze Stimmgewalt einer hysterischen Übermutter abbekommen hatte, in andere Zimmer gebracht wurden. Maria war dermaßen aufgebracht gewesen, dass sie den ganzen Laden und deren unfähige Bagage, die vergeblich versuchten, die aufgebrachte Mutter zu beruhigen, wegen Missachtung der Fürsorgepflicht verklagen wollte. Sie würden in keiner Kita des Landes mehr einen Fuß in die Tür bekommen, das hatte sie den hilflosen Mitarbeiterinnen geschworen.

Maria war schon dabei gewesen, die Nummer der Polizei zu tippen, um Anzeige zu erstatten und eine Vermisstenmeldung aufgeben zu wollen, als sie irritiert festgestellt hatte, dass ihr Handy gar nicht eingeschaltet gewesen war. Panisch hatte sie versucht, es einzuschalten und hatte dabei gleich zweimal die falsche Pinnummer eingegeben, bis sie die richtige endlich erwischt hatte. Sarah hätte ja versucht haben können, sie zu erreichen. Maria hatte ihr doch damals, als sie noch klein und neu in diesem unsäglichen Kindergarten gewesen war, in stundenlangen Sitzungen immer wieder ihre Telefonnummer eingebläut, samt ihrer vollständigen Adresse und der ihrer Großeltern, bis Sarah sie im Schlaf vorbeten konnte, und auch gezeigt, wie sie den Arbeitsplatz ihrer Mutter finden konnte, der nur einige Straßen entfernt lag. Sie waren doch immer wieder diesen Weg entlanggegangen, damit Sarah ihn sich einprägen konnte. Aber was war, wenn ihr etwas passiert war? Wenn sie sich gar nicht melden konnte? Wenn sie sich jemand geschnappt hatte? Maria war außer sich vor Sorge gewesen. Ihre kleine Motte war zwar mehr als skeptisch Fremden gegenüber und sie wusste ganz genau, dass sie nicht mit Fremden mitgehen durfte, aber es gab genug kranke Typen auf der Welt, die genau wussten, wie man vorgehen musste, um zu bekommen, was sie wollten.

Die verzweifelte Mutter hatte noch nie in ihrem Leben so viel Angst empfunden. Sie hatte sich in ihrer Panik die schlimmsten Dinge ausgemalt. Gerade neulich erst hatte man in Potsdam direkt vor der Haustür eine Sechsjährige aus den Armen ihrer Mutter entrissen und entführt, was zum Glück glimpflich ausgegangen war, denn schon wenige Stunden später hatte der reumütige Täter, ein armer Wicht, der Lösegeld von der reichen Familie des Kindes erpressen wollte, sie unversehrt zurückgebracht. Dabei wurde er inflagranti ertappt und festgenommen. Aber wieder andere hatten nicht so viel Glück. Die sahen ihr Kind manchmal nicht wieder. So wie diese eine Familie aus England, deren kleines Mädchen Maggie schon seit vielen Jahren verschollen war.

Erst als Doris Schnippel, die Leiterin der „Pusteblume“, die zitternde und völlig aufgelöste Frau zur Seite genommen und sie auf einem Kinderstuhl platziert hatte und beruhigend auf sie eingeredet hatte, dass schon alles wieder gut werden würde und Sarah doch für ihr Alter schon ziemlich tapfer und ausgefuchst sei, was sie neulich beim halbjährlichen Sicherheitstraining mit der Polizei als Beste eindrucksvoll bewiesen hatte, wurde sie etwas ruhiger und konnte endlich auch die Buchstaben auf ihrem Smartphone entziffern, die erst noch völlig verschwommen gewesen waren. Ein Anruf in Abwesenheit! Erst jetzt hatte sie bemerkt, dass jemand sie angerufen hatte. Schnell hatte sie auf das Mailboxsymbol getippt und aufgeregt der sarkastischen Stimme in ihrem Telefon gelauscht:

„Tach! Ich weiß nicht, ob du es schon wusstest, aber könnte es eventuell unter Umständen sein, dass dir etwas Entscheidendes abhanden gekommen sein könnte? Ich sage nur „Krötenwanderung.“ Endpunkt EKH!!! Falls du verhindern willst, dass sie mit ihrer Flennerei die ganze Station unter Wasser setzt, dann beweg schleunigst deinen drahtigen Hintern hierher. Aber pronto! Ich hab nicht ewig Zeit. Ach so, Meier hier.“

Der Meier! Noch kilometerweit hätte man den Stein hören können, der Dr. Hassmann in diesem Moment von ihrem Herz geplumpst war. Sarah war hier! Im Krankenhaus! Gesund und putzmunter! Sie hatte ganz alleine den Weg zu ihr oder in diesem Fall zum Meier gefunden. Sie hätte stolzer nicht sein können. Tränenbäche waren ihr über die Wangen gekullert. Tränen der Erleichterung diesmal. Überglücklich war sie Frau Schnippel um den Hals gefallen, die gar nicht wusste, wie ihr geschah, denn so einen Gefühlsausbruch war sie von der sonst so kühlen Ärztin gar nicht gewohnt, und war blitzschnell zu ihrem Auto gestürmt, das in Lichtgeschwindigkeit die kurze Strecke bis zum EKH überwand. Sie hatte sogar einem Krankenwagen die Vorfahrt genommen und ihren Wagen mit laufendem Motor direkt vor der Notaufnahme geparkt. Doch Sarah war nicht dort, wo sie sie vermutet hatte.

Als Maria vor wenigen Minuten Dr. Meiers Büro gestürmt hatte und dort und im Schwesternzimmer der Chirurgie niemanden vorgefunden hatte, hatte sie wieder eine nie gekannte Panik beschlichen. Hektisch hatte sie hin und hergeschaut und so einige verwunderte Blicke der Belegschaft auf sich gezogen. Die allseits bekannte und stets perfekt hergerichtete Neurologin sah nämlich furchtbar aus. Ihr Maskara war verlaufen und schwarze Bahnen zogen sich über ihre Wangen. Doch ihr war das völlig egal gewesen. Und wenn doch etwas mit Sarah passiert war? Ging der Meier deshalb nicht an sein verschissenes Telefon? Sie wollte sich daraufhin sofort auf den Weg zu den OPs machen. Dr. Meier hatte zusammen mit Dr. Haase auf dem OP-Plan gestanden. Aber weit war sie nicht gekommen.

Zum Glück hatte die besorgte Oberärztin vor dem Fahrstuhl eine ihrer Krankenschwestern getroffen, die auf ihrer Station arbeitete und die ihr nun berichtete, dass ihre Tochter seit geraumer Zeit vor ihrem Büro warten würde. Wieder hatten sie ihre Gefühle übermannt und Maria hatte Schwester Greta spontan zum Dank auf die Wange geküsst, die perplex die ganzen Medikamentenschachteln hatte fallen lassen, die sie in ihren Händen gehalten hatte und die eigentlich für die Neurologie bestimmt gewesen waren, und war anschließend schnell in den Aufzug gesprungen. Doch dieser musste natürlich ausgerechnet in diesem Moment ganz besonders langsam fahren und auch noch in jeder Etage halten. Dr. Hassmann, die in er Zwischenzeit nach einem entsetzten Blick in den Spiegel ihr Heuldesaster mit einem Kosmetiktuch aus dem Gesicht gewischt hatte, hätte am liebten jedem eintretenden Patienten und Kollegen den Hals umdrehen können. Aber sie hatte es doch noch irgendwie geschafft, endlich die neurologische Station zu erreichen.

Und nun stand sie hier vor ihrer kleinen süßen unschuldigen Tochter, die sie eigentlich vor Erleichterung hätte in den Arm schließen müssen, aber ihre Wut und Sorge mussten einfach raus. Ohne Rücksicht auf Verluste. Sie war einem Nervenzusammenbruch nämlich gefährlich nahe. Dass sie Sarah mit ihrem hysterischen Auftreten mehr verschreckte als ihr zu helfen, merkte sie daher im ersten Moment nicht...

Maria: SARAH, kannst du mir bitte verraten, was zum Teufel in dich gefahren ist? Du kannst doch nicht einfach so abhauen. Weißt du eigentlich, was für riesige Sorgen ich mir gemacht habe, als ich in den Kindergarten komme und du nicht mehr da bist. Ich hab mir sonst was ausgemalt. Ich wollte schon die Polizei anrufen. Mach das NIE, NIE wieder! Hast du verstanden? ... Und was hast du da überhaupt an? Ist das etwa...? SARAH HASSMANN! Kannst du mir DAS bitte erklären?

Lorelei Offline

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23.02.2012 13:46
#1234 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Sarah, die sich über das Wiedersehen mit ihrer Mutter eigentlich riesig gefreut hatte und schon aufspringen wollte, hatte dieser mit immer größer werdenden Augen zugehört und sank schließlich schuldbewusst auf ihrem Stuhl zusammen. Sie zog ihre Beine an ihren Körper und klammerte sich haltsuchend an die Hand von Cedric, der immer noch neben ihr saß und Marias Ausbruch konsterniert beobachtet hatte, und begann wieder leise zu wimmern. Aus dem Wimmern wurde schnell ein tiefes Schluchzen. Und schon heulte sie auch schon wieder los wie eine Sirene. Dicke Krokodilstränen kullerten ihr unaufhörlich über die Wange. Ihr ganzer Körper bebte. Cedric nahm seinen kleinen Engel tröstend in den Arm und strich ihr immer wieder behutsam über den Rücken, um sie zu beruhigen, und nahm sich gleichzeitig ihre hysterische Mutter zur Brust, die angesichts von Sarahs Tränen auch leicht überfordert wirkte und sofort ein schlechtes Gewissen bekam.

Cedric: Maria, jetzt beruhige dich erst einmal! Es ist doch nichts passiert.

Wie erwartet, begann es zu ticken und die Bombe detonierte Sekunden später. Maria Hassmann beruhigte sich natürlich nicht. Im Gegenteil. Sie ging hoch wie eine Rakete. Denn erst Cedrics tiefe unnachahmliche Stimme ließ erkennen, wer da wirklich neben dem Häufchen Elend saß. Das war eindeutig nicht der Meier! Und als sie bemerkte, wie nah sich der Besitzer dieser ihr nur allzu bekannte Stimme und ihre Tochter momentan waren, sah sie rot und zeterte unzensiert los...

Maria: Nichts passiert? NICHTS PASSIERT? Sag mal, hakt’s? Es hätte aber etwas passieren können, du... du... GGGRRR!!! Es gibt genug perverse Typen da draußen, die... die... Moment mal! ... Was machst DU hier mit MEINER Tochter? Lass sie SOFORT los oder es passiert wirklich was!

Drohend blitzte Dr. Hassmann ihren unverschämten Exmann an, der ihr ungläubig zugehört hatte, daraufhin grinsend die Augen verdrehte und nicht im Traum daran dachte, das eingeschüchterte Mädchen, das immer noch heulte wie ein kleiner Hund, dem man aus Versehen auf den Schwanz getreten war, dieser hysterischen Frau zu übergeben. Nicht bevor sie sich nicht wieder beruhigt hatte. Sarah war schon verstört genug von Marias unmöglichem Auftritt. Wie gut, dass er in diesem Moment von unerwarteter Seite Unterstützung bekam.

Marc (verzieht seine Lippen zu einem schiefen Lächeln): Wie schön! Die Erziehungsberechtigte ist endlich da. Dann ist mein Job ja getan. Danke fürs kurzfristige Sitten. Ich würde dann wieder übernehmen. Es sei denn, ich bekomme dafür auch noch einen auf den Deckel?

Dr. Meier hatte gerade das Krankenzimmer verlassen, in dem er in den letzten Minuten die Nachuntersuchung eines seiner Langzeitpatienten durchgeführt hatte, als er auf das laute Gezeter seiner sehr geschätzten Kollegin Hassmann auf dem Gang aufmerksam geworden war. Dieses gewaltige Stimmorgan war unverkennbar und bekam seinen Ohren und denen des neugierig fragenden Patienten gar nicht gut. Sein natürlich angeborener Schutzinstinkt hatte daraufhin eingesetzt und er wollte die kleine Prinzessin, die für ihre Eltern ja nichts konnte, aus den Händen dieser beiden Verrückten befreien. Tränen konnte er nämlich ganz und gar nicht ab. Die hatte er schließlich tagtäglich von anderer Seite her. Und genug war einfach genug. Abwartend schaute Marc nun zu Dr. Stier, der Sarah fest an sich gedrückt hielt und vorsichtig zu seiner Exfrau hochsah, die ziemlich verwirrt zwischen den beiden Männern hin und herblickte. In ihrem Kopf rotierte es. Allmählich bekam sie Kopfschmerzen.

Maria: Bitte was?
Marc (lehnt sich grinsend an die gegenüberliegende Wand neben Dr. Hassmanns Bürotür): Ich konnte die Heulboje ja schlecht mit ins Patientenzimmer nehmen. Am Ende denken die noch, sie haben Krebs, weil sie so sehr um sie heult.
Sarah (hört abrupt auf zu weinen, als sie Marc entdeckt, löst sich aus Cedrics Umklammerung u. stürzt sich glücklich in Marcs Arme u. schaut schniefend in sein vergnügtes Gesicht): Krebse?

Oh Mann, das kommt heraus, wenn sich zwei brillante Verstände paaren. Äh...wobei das mit dem brillant ziehe ich zurück. Hier ist eh Hopfen und Malz verloren.

Marc (stupst Sarah an ihr Stupsnäschen u. hebt das kleine Mädchen schließlich hoch, die sofort ihre Ärmchen um seinen Hals schlingt u. sich an ihn kuschelt): Jep! Krebse!
Maria (versteht nun gar nichts mehr): Du hast... Er... ähm... Was?
So viel zu dem brillanten Verstand, ne. Hahaha!
Marc (amüsiert sich königlich über seine zerstreute Kollegin): Hat’s dir jetzt die Sprache verschlagen oder was? Welch eine angenehme Wohltat. Solltest du öfters mal machen, Hassi.
Cedric (kommt auf seinen grinsenden Kollegen zu u. stellt sich verteidigend neben seine sprachlose Exfrau): Marc, lass gut sein!
Marc (denkt gar nicht daran u. grinst weiter schadenfroh): Och ich könnte euch noch stundenlang beim Streiten zusehen. Hat was von einem alten Ehepaar. Findet ihr nicht? Aber ich denke mal, für diese kleinen empfindlichen Öhrchen hier ist das nix. In ihrem Alter bekommt man so schnell Tinnitus und Albträume. Von fremden oder nicht ganz so fremden Männern in bekannten Schlafzimmern. Ich nehme die Kröte jetzt mit runter ins Stationszimmer, bis ihr geklärt habt, was ihr... äh... zu klären habt. Wie auch immer.

Ohne eine positive Antwort von Sarahs verkorksten Eltern abzuwarten, die ihn beide anschauten, als würde er Suaheli sprechen, schlurfte der Oberarzt mit dem kleinen kichernden Mädchen auf dem Arm, das sich längst wieder beruhigt hatte, lässig in Richtung Fahrstuhl, in dem er auch gleich mit ihr verschwand. Grinsend winkte er den beiden Pappnasen noch zu, dann schlossen sich auch schon die Türen. Cedric und Maria schauten den beiden irritiert hinterher. Dann sich an. Marias Puls war immer noch auf hundertachtzig. Sie wusste überhaupt nicht, was sie denken sollte und plötzlich drehte sich alles und sie sackte in sich zusammen. Cedric konnte sie gerade noch so auffangen. Zärtlich strich er ihr über die Wange und versuchte, sie wieder wach zu bekommen...

Cedric: Hey! Was ist denn jetzt los? Ich wünsche mir zwar, dass du auf mich fliegst, aber gleich so. Also ich gebe es zu, ich fühle mich durchaus geschmeichelt. ... Mary?

Als seine schöne Exfrau nicht wie gewohnt auf seine plumpe Anmache reagierte, strich er ihr liebevoll den Pony aus dem Gesicht und kontrollierte ihre Pupillen. Tiefe Sorgenfalten legten sich nun auf seine Stirn und er murmelte nur noch...

Cedric: Scheiße!

Lorelei Offline

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25.02.2012 19:46
#1235 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Die Aufregung um ihre kurzzeitig verloren gegangene Tochter war dann wohl doch zu viel für die taffe Oberärztin gewesen. Dr. Stier fasste der ohnmächtigen Frau schließlich unter die Knie und hob sie vorsichtig hoch. Er trug sie rüber in sein Büro, wo er sie behutsam auf der Patientenliege ablegte. Einen Moment lang blieb er vor ihr stehen und schaute sie einfach nur an. Es war zur Abwechselung mal ganz angenehm, dass seine Ex nicht gleich gegen ihn wetterte und wüst um sich schlug. Zärtlich strichen seine Augen über ihr wunderschönes makelloses Gesicht, über ihre langen Wimpern, ihre dunkel geschminkten und vom Tränenausbruch in der Kita noch leicht verschmierten Lider, ihre süße kleine Nase, ihre von der Aufregung noch geröteten Wangen und ihren sinnlichen Mund, an dem er ganz besonders lange verweilte.

Cedric seufzte leise und ging vor der Liege in die Knie. Er war Marias Gesicht jetzt ganz nah. Fast hätte er es gewagt, Dornröschen wach zu küssen. Ja, manchmal war auch ein egomanischer Machoarzt wie er zu romantischen Empfindungen fähig. Aber dann war sein Blick auch schon auf den geöffneten Mantel und dessen verlockenden Inhalt gefallen. Der oberste Knopf von Marias eng anliegender blasslilafarbener Bluse war aufgesprungen. Ihr aufregendes Dekolletee hob und senkte sich gleichmäßig im ruhigen Rhythmus ihres Atems. Er konnte gar nicht anders und riskierte einen Blick mehr. Er zog ihr vorsichtig den ebenso lila gehaltenen Schal vom Hals und wollte Marias dunklen Mantel mit seiner Hand noch ein Stückchen weiter öffnen, auch um ihre Vitalzeichen besser kontrollieren zu können, aber da hatte er sich auch schon eine schmerzhafte Klatsche eingehandelt. Er wich ertappt zurück und rollte mit den Augen. Seine Mary war dann wohl doch kein Dornröschen. Sie war wie immer die Dorne, die sich einem schmerzhaft in die Haut bohrte und ihre Spuren hinterließ.

Dr. Hassmann schoss mit einem Mal von der Liege hoch und bereute es im nächsten Moment auch schon wieder, weil sie immer noch ein leichtes Schwindelgefühl bemerkte, das von Übelkeit begleitet war. Sie legte sich langsam wieder auf den Rücken und drehte ihren Kopf zur Seite, dann schaute sie sich irritiert in dem Zimmer um. Was war hier los? Wie war sie hierher gekommen? Und vor allem wieso war ER da? Die verwirrte Frau starrte Cedric fragend an. Er verstand und reagierte prompt.

Maria: Was...?
Cedric (setzt sich milde lächelnd in sicherer Entfernung auf die Kante seines Schreibtisches u. schiebt ein altes Familien- und ein neueres Babyfoto etwas zur Seite): Du bist einfach aus den Latschen gekippt, Mary.
Maria (schüttelt verwirrt den Kopf, was ihr gar nicht gut bekommt, u. setzt sich nun aufrecht auf die Liege u. lehnt sich mit dem Rücken an die Wand): Du spinnst!
Cedric (kann sein amüsiertes Grinsen kaum verbergen): Nein, diesmal nicht. Wenn du mir schon direkt in die Arme fällst, glaub mir, das vergesse ich mit Sicherheit nicht so schnell.
Was? Das... das ist völlig unmöglich. Das ist nicht... Oh! Nein!
Maria (reißt entsetzt ihre Augen auf u. denkt angestrengt nach): Hast du mich etwa angetatscht?
Cedric (verdreht die Augen im Kopf; diese Frau machte ihn einfach wahnsinnig): Du bist leider zu früh aufgewacht, Mary.
Maria (ihr Puls schnellt sofort wieder nach oben u. sie zetert wild gestikulierend los): Ich verbiete mir jeglichen Annäherungsversuch. Ist das klar?
Cedric (lacht u. springt vom Tisch herunter, um auf sie zuzugehen): Aber Blutdruckmessen wird doch wohl noch erlaubt sein, hmm? Du bist jetzt meine Patientin.
Der spinnt doch! Seine Doktorspielchen kann er sich sonst wohin stecken.
Maria (wehrt sich mit Händen und Füßen gegen seinen dreisten Versuch, ihr die Jacke auszuziehen, um das Blutdruckmessgerät anlegen zu können): Untersteh dich! Ich schrei das ganze Krankenhaus zusammen, wenn es sein muss.
Cedric (macht völlig unbeeindruckt weiter u. hat es endlich geschafft, ihr die Manschette anzulegen): Boah! Jetzt halte endlich still! Du bist einfach umgekippt. Das passiert einer standhaften Frau wie dir doch sonst nicht.
Maria (entreißt ihm das Messgerät u. kontrolliert selbst, dann reißt sie sich die Manschette ab u. zieht ihren Mantel schnell wieder an u. knöpft ihn bis oben hin zu, damit ihr unverschämter Ex nicht auf dumme Gedanken kommt): Spar dir deine Schleimereien! ... Ist doch alles im grünen Bereich. Also lass mich gefälligst in Ruhe!
Cedric (dreht sich augenrollend um u. legt das Blutdruckgerät zurück an seinen Platz): Ja, diese Diagnose kann ich nur unterstreichen. Dieselben Neurosen wie immer.
Maria (blitzt ihn drohend an): Eh! Ich warne dich, Rick.
Cedric (wendet sich schmunzelnd wieder zu ihr um): Und dieselben Drohungen! Da bin ich aber beruhigt. ... Aber jetzt mal im Ernst, ist dir das schon einmal passiert oder lag’s nur an der Aufregung wegen der Kurzen? Sollen wir noch ein EKG machen und Blut ziehen?

Der besorgte Mediziner schaute seine Exfrau eindringlich an, die ihn aber konsequent auswich und sich jetzt anschickte zu gehen. Langsam stand sie von der Liege auf. Das Schwindelgefühl hatte sich zum Glück wieder gegeben. Nur in ihrem Schädel hämmerten kleine nervige Handwerker immer noch unaufhörlich mit ihren verdammten Hämmerchen. Sie ignorierte das Übelkeitsgefühl, welches diese Schläge begleitete und schaute sich nun suchend in dem Sprechzimmer um...

Maria: Wo ist sie?
Cedric (seufzt, weil sie ihm zwar nicht auf seine ärztlichen Fragen antwortet, aber immerhin noch mit ihm redet): Meier hat sie mit nach unten genommen. Vergessen?
Maria (will gehen): Ach so. Ja, ähm... Dann...
Cedric (stellt sich ihr in den Weg u. nutzt den Moment, um noch einmal mit gekonntem ärztlichen Blick ihren aktuellen Gesundheitszustand zu kontrollieren): Sag mal, wieso sind die eigentlich so dicke miteinander? Hattest du doch was mit dem Arschloch?
Maria (zischt ihn zynisch an): Ich denke stark darüber nach, mich doch noch darauf einzulassen, wenn ich dich damit endgültig loswerden könnte.
Cedric (setzt ein breites selbstgefälliges Grinsen auf): Oh, da muss ich dich leider enttäuschen. Dann wäre nämlich erst recht das Gegenteil der Fall, meine Liebe.
Wie hat der mich gerade genannt?
Maria (gibt sich unbeeindruckt u. stemmt eine Hand an ihre Hüfte): Wieso? Die Haase würde dich eh nicht ranlassen. Vollkommen verständlich.
Cedric (cool): Ich dränge mich nicht in glückliche Beziehungen.
Maria (sarkastisch): Ach? Das wäre ja mal ganz was Neues.

Sekundenlang blitzten sich die einstigen Eheleute und Eltern einer gemeinsamen Tochter gegenseitig an, konnten ihre Augen nicht voneinander lösen und fochten ihre kleinen Kämpfe aus, bis Cedrics Neugier wieder gepackt war. Denn da war doch noch etwas, was ihm in der letzten Stunde neben Sarah keine Ruhe gelassen hatte.

Cedric: Wer ist eigentlich dieser Sven, mit dem du dich triffst? Ist er... Hast du dich... *schluck* ... verliebt?
Mist! Er stellt Fragen. Ich muss...weg.
Maria (lenkt schnell nervös ab, weil es ihren Ex nichts angeht, u. drängt sich an ihm vorbei zur Tür): Tzz... verliebt? Was heißt das schon? Ich habe ihn doch gerade erst kennen gelernt und... überhaupt... das... Ähm... Ich... sollte dann... auch mal... gehen und den Meier endlich erlösen. Er ist immer so schnell überfordert, wenn er fünf Minuten auf den Zwerg aufpassen muss. Ähm... Schönen Tag noch!
Cedric (geht seiner Ex sichtlich erleichtert nach, da offenbar noch nicht alle Felle davon geschwommen sind, u. legt seine Hand an den Rahmen der Tür): Anstatt dich über die Befindlichkeiten deiner Männer auszulassen, solltest du dich vielleicht ein bisschen mehr um unsere Tochter kümmern.
Also das ist ja wohl...
Maria (lässt die Türklinke los u. hebt drohend ihre Hand): Ich habe dir schon einmal gesagt, misch dich nicht in meine Erziehung ein. Du hättest früher allemal die Gelegenheit dazu gehabt. Du hast dich dagegen entschieden. Komm damit klar! Und erspar mir deine dilettantischen Versuche.
Cedric (getroffen): Du musst mich nicht immer daran erinnern. Das alles weiß ich sehr wohl. Und ich bereue es sehr, dich mit ihrer Erziehung allein gelassen zu haben. Das war der größte Fehler meines Lebens.

Was wird das denn jetzt? Wieso fängt er denn jetzt mit dieser Büßernummer wieder an, die ihm wohlgemerkt überhaupt nicht steht? Ich bin es echt leid.

Maria (dreht sich an der Tür noch einmal zu ihm um mit ernstem Blick): Was willst du, Cedric? Was erwartest du?
Cedric (merkt, wie der Wind sich gedreht hat u. schaut sie ebenso ernst an): Ich erwarte gar nichts, Maria. Ich akzeptiere jegliche Entscheidung von dir. Egal in welcher Hinsicht. Aber du solltest auch wissen, dass sie mir nicht egal ist. Ich sorge mich genauso sehr um sie wie du auch.
Maria: Davon merke ich aber nicht viel. Es war Marc, der mich angerufen hat.
Cedric (kleinlaut): Ich hab ihn vorgeschickt.
Maria (erstaunt): Wieso?
Cedric (sieht ihr direkt in die Augen, die ihm diesmal nicht ausweichen): Wärst du rangegangen, wenn du meine Nummer gesehen hättest? ... (merkt, wie sie darüber nachdenkt u. dann den Kopf resignierend hängen lässt) ... Siehst du! Aber ich hab die Zeit mit ihr sehr genossen. Sie ist ein so aufgewecktes und hinreißendes Mädchen. Sei ihr bitte nicht böse, dass sie aus dem Kindergarten abgehauen ist. Das war... eine... Trotzreaktion. Muss sie wohl von ihrer Mutter haben.
Maria (blitzt ihn an): Eh!
Cedric (lacht): Und vielleicht sprichst du mal mit den Eltern von diesem... diesem Finn-Kevin oder wie der heißt. Der kleine Machomann scheint sich in unsere taffe Kleine verkuckt zu haben und drangsaliert sie dementsprechend.
Maria (starrt ihn ziemlich verdattert an): Das war der Grund?
Cedric (kann sein Grinsen kaum zurückhalten): Tja, wenn Männer ihr zu nahe kommen, reagiert sie eben... wie du.
Maria: Sehr witzig!
Cedric (wieder ernster): Es tut mir leid, falls es dir so vorkommt, als hätte ich mich eingemischt oder mich aufgedrängt. Ich hab nicht nachgedacht. Ich war nur so überrascht und glücklich, sie zu sehen und sie einen Moment bei mir zu haben. Das ist alles.

Dass Cedric so offen mit ihr über seine Gefühle für Sarah sprach, rührte Maria mehr, als dass sie zugeben würde. Sie schaute ihn an. Musternd. Nachdenklich. Er erwiderte ihren durchdringenden Blick, lächelte sogar ein wenig. Ob sie wollte oder nicht, sie konnte ihn nicht ewig ausschließen. Das wusste sie nicht erst seit heute. Abmachung hin oder her.

Maria: Hör mal, es ist nicht so, dass ich sie dir vorenthalten will, aber...
Cedric (hebt abwiegelnd die Hand): Ich weiß. Ich mache dir keine Vorwürfe. Dazu habe ich auch gar kein Recht. Es ist, wie es ist. Ich habe mich damals für diesen Weg entschieden, weil ich dachte, es wäre das Beste für alle Beteiligte, und muss nun mit den Konsequenzen leben. Aber eins wüsste ich schon gerne. Hat sie... hat sie je nach mir gefragt?
Verdammt! Was machst du nur mit mir?
Maria (holt tief Luft u. weiß im ersten Moment nicht, ob sie ihm das wirklich sagen kann oder will, weil es doch sowieso nur alles komplizierter machen würde): Ab und an, ja. Sie bekommt es ja im Kindergarten hautnah mit, wie es in normalen Familien läuft.
Cedric (nickt verständnisvoll mit dem Kopf u. legt anschließend sein charmantestes Lächeln auf): Also ich finde ja, wir sind gar nicht mal so unnormal. Du nicht?
Tzz... Idiot!
Maria (endlich lacht sie wieder, wird im selben Moment aber auch wieder sehr ernst u. überrascht sich selbst): Wenn du sie sehen willst, dann...
Bist du jetzt vollkommen verrückt geworden? Was machst du? Das... das würde doch nie funktionieren.

Doch ehe sie länger darüber nachdenken konnte, was sie da eben vorgeschlagen hatte, begann plötzlich Marias Handy zu klingeln, was die alleinerziehende Mutter für eine Sekunde ablenkte, aber nicht wirklich von ihrem spontanen Entschluss abbrachte.

Maria: Ähm... Wir... wir finden eine Lösung.

Cedric war vollkommen baff und starrte die Frau, die er liebte, ungläubig an, als sie zum Telefon griff. Seine Gedanken überschlugen sich. Ein heilloses Durcheinander herrschte in seinem Kopf, doch ihre Stimme hallte immer wieder nach. Sie klang sanft, etwas ängstlich und unsicher, aber dennoch aufrichtig. Hatte sie das tatsächlich gerade eben gesagt? Wollte sie das wirklich? Maria, die überhaupt nicht gemerkt hatte, was sie mit diesen wenigen Worten bei ihm ausgelöst hatte, nickte dem Vater ihrer Tochter zu, der sie mit schleierndem Blick beobachtete, wandte sich dann aber kurz ab, um telefonieren zu können...

Maria: Hassmann. ... Ja doch! Ich bin schon auf dem Weg. ... Jetzt mach dir nicht gleich in die Hose. ... OP-Plan? Als ob du dich je an den gehalten hättest. ... Jaaahaaa!!! ... Boah! ...

Während Dr. Hassmann sich schimpfend an Dr. Meier ausließ und er sich an ihr, bewegte sie sich langsam auf die Bürotür zu, die sie im Anschluss auch öffnete, um zu gehen. In der Tür blieb sie jedoch stehen und drehte sich noch einmal um und plötzlich hörte sie Marcs unflätiges Gemecker schon gar nicht mehr. Sie hatte bemerkt, wie selig Cedric sie auf einmal anstrahlte. Sie konnte sich nicht daran erinnern, wann er sie je so angeschaut hatte. Sein Blick ging ihr durch und durch. Hatte sie tatsächlich die richtige Entscheidung getroffen? Wieso auf einmal jetzt so urplötzlich? Und wie sollte man die überhaupt umsetzen? Was war eigentlich mit ihr los? Hatte sie doch etwas auf den Kopf bekommen, als sie umgekippt war? Leicht überfordert von den Gefühlen und Gedanken, die sie gerade wieder zu überrollen drohten, schenkte sie ihrem Gegenüber noch ein knappes Lächeln, winkte ihm mit ihrer freien Hand zu und verließ anschließend fluchtartig sein Büro. Cedric wusste derweil überhaupt nicht, wie ihm geschah. Das war doch ein Traum oder? Das war doch nicht wirklich gerade eben passiert? Endlich hatte seine Mary ihm ein Zugeständnis gemacht und das in eine Richtung, die er niemals für möglich gehalten hatte. Sein anfangs recht bescheidener Tag hatte tatsächlich eine glückhafte Wendung genommen.

Lorelei Offline

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27.02.2012 16:31
#1236 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Doch nicht für alle nahm dieser wunderschöne Wintertag ein so glückliches Ende wie für Dr. Cedric Stier. Für Dr. Marc Meier sollte es eine der schlimmsten und längsten Nächte seines Lebens werden. Doch von vorn. Nur unter größtem Widerstand hatte sich der begnadete Chirurg von seiner Süßholz raspelnden Assistenzärztin und Freundin dazu überreden lassen, den Start in seinen wohl verdienten Feierabend mit einem sterbenslangweiligen Familienabendessen bei den Haases zu ruinieren. Natürlich wurde es genau die grauenhaft spießige Veranstaltung, die er grummelig vorausgesehen hatte, als Gretchen ihm nicht minder begeistert von Bärbels Plänen berichtet hatte, da seine Schwiegermutter in spe peinlich darum bemüht war, seinen unglücklichen und gerade verlassenen Vater mit ihrer übertriebenen Fürsorge und Gute-Laune-Miene aufzumuntern, was nur teilweise gelang. Prof. Olivier Meier war zu sehr Gentleman, um sich seinen aktuellen Gemütszustand anmerken zu lassen. Er war charmant und eloquent wie eh und je und machte der Dame des Hauses unentwegt Komplimente, die diese mit glühenden Wangen kichernd entgegennahm.

Oliviers Sohn konnte darüber aber nicht hinweglächeln. Er fühlte sich einfach nur gequält und wie auf der Folterbank. Er hätte sogar einen ganzen Abend auf der Star-Trek-Convention mit Dr. ‚Schnarchnase’ Gummersbach diesem biederen Ambiente vorgezogen, wenn es nur endlich vorbei gewesen wäre. Aber zumindest einen Pluspunkt hatte dieser Abend dennoch, das musste sich der miesepetrige Oberarzt eingestehen. Bärbels Essen war äußerst deliziös gewesen und er hatte sich einen Nachschlag nach dem anderen geholt. Und Gretchen, seine Liebste, die ihn die ganze Zeit glücklich von der Seite angehimmelt und mit ihm Händchen gehalten hatte, hatte bald Erbarmen mit ihrem Grummelkönig gehabt. Noch vor dem Nachtisch hatte Marc ihr und ihrer Mutter Süßholz raspelnd die Erlaubnis abgerungen, die Villa der heiligen Glückseligkeit endlich verlassen zu dürfen. Leider aber nur unter der Bedingung, neben seinem deprimierten Vater auch noch seinen überarbeiten Chef und Schwiegervater in spe unter seine Fittiche zu nehmen. Dabei hatte er gar nichts Großartiges vorgehabt. Er wollte doch eigentlich nur an der nächsten Tanke halten, einen Kasten Bier besorgen und dann mit seinem Dad gemütlich in seiner alten Wohnung Bundesliga kucken. Aber Pustekuchen. Es kam natürlich alles ganz anders. Und Marc Meier hätte diesen Tag am Ende am liebsten aus seinem Gedächtnis gestrichen.

Leider war der Professor an diesem Abend nämlich mindestens genauso auf Speed wie sein „Butterböhnchen“ und war in seiner Euphorie, endlich einmal Ausgang aus der „Ehehölle“ bekommen zu haben, kaum zu bremsen gewesen. Aber seinem Vater schien die Anwesenheit von Franz Haase gut zu tun und so hatte sich Marc schließlich dazu breitschlagen lassen, mit den beiden alten Herren in der Kneipe um die Ecke einzukehren, während es sich seine Liebste zusammen mit ihre überbehutsamen Mutter und der Überdosis Nachtisch, die von den Männern übrig geblieben war, auf der Haaschen Couch gemütlich gemacht hatte. Im TV war nämlich die „Titanic“ gerade dabei unterzugehen. Ein Film, den Bärbel Haase unbedingt hatte sehen wollen, da sie vom Hörensagen mitbekommen hatte, dass dieser wohl ganz gut sein sollte. Aber schnell hatte die zweifache Mutter nicht mehr an den tragischen Inhalt dieser Katastrophe gedacht, denn viel interessanter war es doch für sie gewesen, aus nächster Hand zu erfahren, wie es ihrer Tochter so ging, was deren neue Wohnung machte, ob sie zum Putzen vorbeikommen sollte, was eigentlich seit Tagen mit Jochen los war, ob denn endlich Enkelchen zur Disposition stehen würden und wie es denn so mit ihrem Marc lief, jetzt wo es diese Probleme mit seinen Eltern gab. Gretchen war zwar anfangs vom Kreuzverhör ihrer Mutter ziemlich genervt gewesen und hatte auf stur geschaltet, weil sie den Spielfilm wirklich hatte sehen wollen, aber sie hatte ihr schließlich doch bereitwillig Auskunft gegeben und hatte nebenher Marcs und Oliviers Mousse au chocolat-Schale leer gefuttert, während sich ihre Mutter der ihres Mannes angenommen hatte. Die beiden Frauen hatten an diesem noch jungen Abend viel zu bereden gehabt und hatten sichtlich Spaß miteinander.

Das konnte man von ihren Männern dagegen nicht unbedingt behaupten. Obwohl... doch! Anfangs verlief der Abend mit der Rentnergruppe noch ganz passabel für Marc Meier, auch wenn er missmutig in den sauren Apfel hatte beißen müssen, es lediglich bei alkoholfreien Getränken zu belassen. Denn er war mehrstimmig als Fahrer des Abends bestimmt worden. Dabei hätte er angesichts dieser unverschämten Ungerechtheit schon einen Tropfen Alkohol gebrauchen können. Aber egal, Marc hatte sich schließlich mutig seinem Schicksal ergeben. Das alles diente ja auch einem guten Zweck. Nämlich Olivier auf andere Gedanken zu bringen. Und es gelang. Der Professor hatte Marcs Vater mit seinen Fachgesprächen ganz gut abgelenkt und mit je mehr Alkohol intus, den er ja bekanntlich, wie alle Haasen, nicht sonderlich gut vertrug, war er irgendwann auch immer mehr ins Plaudern geraten und hatte die eine oder andere sehr amüsante Episode aus seinem Berufsleben preisgegeben. Die drei Männer hatten jedenfalls sehr viel gelacht und auch Olivier hielt sich nicht mit Anekdoten aus seiner Zeit in Amerika zurück. Sein Sohn hatte ihm bald gespannt an den Lippen gehangen und er war ehrlich froh, dass sich sein Dad wieder einigermaßen gefangen hatte nach der schmerzhaften Trennung von seiner Mutter.

Doch urplötzlich war die fröhliche Stimmung von einer Minute auf die andere umgeschlagen und Olivier hatte wieder todtraurig gewirkt und gedankenverloren auf die akkurat nebeneinander aufgereihten Spirituosen hinter dem Tresen gestarrt, vor dem sie gerade saßen. Elke Fishers Mann hatte sich während seiner Erzählungen plötzlich daran erinnert, dass er ja in knapp einem Monat eine Reise zu seinen Wirkungsstätten in den USA geplant hatte. Was sollte jetzt daraus werden? Was sollte jetzt überhaupt werden? Ohne sein Mokkapralinchen! Wo sie wohl gerade war? Ging es ihr gut? Wenn sie sich doch nur endlich melden würde! Nur noch einmal ihre Stimme hören, mehr wünschte er sich doch nicht. Vielleicht könnte man ja noch einmal über alles reden? Er wollte doch nur verstehen, was passiert war, was in ihr vorging, was er falsch gemacht hatte, was er ändern könnte, um sie zum Bleiben zu gewinnen. Olivier Meier war einfach verzweifelt. Und er vermisste sie so sehr, dass es wehtat.

Zähneknirschend hatte Oliviers Sohn dann ertragen müssen, wie dieser Franz sein ganzes Leid geklagt hatte. Wie er nach traumhaften Tagen mit seinem Mokkapralinchen gestern in ihrem gemeinsamen Urlaubsdomizil nur noch ein leeres Zimmer und einen Zettel vorgefunden hatte. Sein Freund und Kollege hatte ihm mit wehleidiger Miene zugehört und dann auch noch begonnen, über seine aufwühlende Zeit mit Elke Fisher zu sinnieren, deren Verhalten er anschließend versucht hatte, zu analysieren und zu interpretieren. Das war eindeutig zu viel für die sensiblen Ohren des Sohnes dieser beziehungsgestörten Frau gewesen. Fast hätte Marc die Kellnerin, die den Anekdoten der beiden alten Herrschaften neugierig gelauscht hatte, gebeten, ihm doch Alkohol in sein leeres Glas zu geben, wenn Prof. Haase nicht plötzlich aufgesprungen und mit Olivier im Schlepptau das Lokal verlassen hätte. Was hatten die beiden denn jetzt vor, hatte sich der Oberarzt beunruhigt gefragt und hatte irritiert in das hübsche Gesicht der ebenso perplexen Barista gestarrt, die ihr Trinkgeld gerade hatte flöten gehen sehen.

Hastig hatte Dr. Meier die ausstehende Rechnung bezahlt und war den beiden nachgehetzt. Olivier, dessen Laune sich wieder um hundertachtzig Grad gedreht hatte, hatte schon ungeduldig auf die Motorhaube von Marcs weißen Volvo getrommelt und hatte ihn dann unsanft angepampt, wo er denn solange bleiben würde. Er wolle jetzt unbedingt Spaß haben, so richtigen Spaß, hatte er seinem sprachlosen Sohn mit Grinsemiene und Augenzwinkern erklärt, der daraufhin hilfesuchend zu seinem Schwiegervater in spe geschaut hatte. Doch Franz, der bereits über der Norm angeschäkert war, war alles andere als eine Hilfe für seinen verzweifelten Schwiegersohn. Er hatte seinen Professorenkollegen nur mit einem lauten begeisterten „Jawohl“ unterstützt und hatte den beiden Meiers anschließend einen Militärgruß gezeigt. Und so fand sich Marc Meier eine halbe Stunde später in einem nie gekannten Albtraum wieder.

Lorelei Offline

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28.02.2012 14:43
#1237 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Genauer gesagt befanden sich der chirurgische Leiter des Elisabethkrankenhauses, dessen oberster Boss und sein Vater, eine ebenso renommierte Koryphäe der Medizin, nun am Potsdamer Platz. Inmitten hunderter anderer Leute. Marc hatte ganz vergessen, dass seit einigen Tagen dort absoluter Ausnahmezustand wegen der „Berlinale“ herrschte, eine Veranstaltung, die für Filmfans und Filmschaffende in Europa das Mekka schlechthin war, was ihm allerdings gelinde gesagt am Arsch vorbei ging. Und auch jetzt war auf dem Festivalgelände eine Menge los. Zahlreiche Menschen, kreischende Fans, Fotografen und allerhand Journalisten und Medienleute standen in der eisigen Kälte an der Absperrung vorm Roten Teppich, um einen Blick auf einen der zahlreichen Stars und Möchtegernstars zu erhaschen, die gerade die deutsche Hauptstadt unsicher machten. Und nicht nur die machten diesen Platz gerade unsicher. Marcs Vater und Gretchens Vater dachten nämlich gar nicht daran, sich an vorgeschriebene Begrenzungen zu halten.

Ungläubig verfolgte Marc nun mit immer weiter herunterklappender Kinnlade, wie die beiden studierten und mit Forschungspreisen überhäuften Mediziner mit stolzgeschwellter Brust souverän und überzeugt von ihrem Tun über den roten Teppich torkelten und im Scheinwerfergewitter der anwesenden Fotografen schließlich vor zwei bulligen Security-Kräften stehen blieben, die ihnen zu Recht den Weg nach drinnen versperrten. Peinlichkeit kannte wirklich keine Grenzen, dachte der junge Oberarzt panisch und wollte sich ducken, um sich dann schleunigst aus dem Staub zu machen. Nicht dass ihn noch jemand mit den beiden Idioten da in Verbindung brachte und er am Ende noch im Knast landete, aber da war es bereits zu spät gewesen. Sein Dad, dem das Wort „Peinlichkeit“ offenbar völlig fremd war, und im angetrunkenen Zustand sowieso, deutete mit ausgestrecktem Arm genau auf die Person in dem dunkelblauen Kurzmantel und brüllte unüberhörbar in Marcs Richtung, so dass sämtliche anwesende Köpfe sich nun zu ihm umwandten und einer der Journalisten neben ihm den attraktiven Mann unter dem lauten Gegröle und Applaus der Fans auf den ausgelatschten Teppich schupste......

Olivier: Maaaaaaaarc Oliiiiiiiiiivier, jetzt komm doch mal her! Die glauben uns nicht, dass wir da rein dürfen.

Natürlich glaubte niemand den beiden sichtlich angetrunkenen und abgehalfterten Männern. Wieso auch? Marc glaubte ihnen doch auch nicht. Was hatten die sich nur bei diesem Auftritt gedacht? Vermutlich nichts! Dachten die beiden wirklich, man könnte so einfach hier unbemerkt zwischen den ganzen Z-Promis rein spazieren? Neben dem Bundespräsidialamt stand kein Gebäude in Berlin zurzeit mehr unter ständiger Bewachung wie dieses hier. Mit hochrotem Kopf und heftigen Magenschmerzen trottete der Angesprochene nun unter frenetischem Jubel und entzücktem Gekreische der überwiegend weiblichen Fans, die sich sofort in den gut aussehenden jungen Mann verkuckten und ihn für den neuen Shootingstar der Schauspielzunft hielten, zu den beiden Chefärzten hin, die breit grinsend mit zwei Karten vor seiner Nase herumwedelten, die tatsächlich Ähnlichkeit mit Tickets für die „Berlinale“ hatten - wo hatten die denn auf einmal die Karten her -, aber er achtete nicht sonderlich darauf und warf stattdessen den beiden Security-Kräften einen peinlich berührten entschuldigenden Blick zu...

Marc: Eltern! ... Sorry!

Die zwei starken Männer hatten offenbar Mitleid mit dem armen gepeinigten Sohn, lächelten ihn mitfühlend an und ließen zu seiner Überraschung die drei tatsächlich vorbei in den Filmpalast. Marc klappte vor lauter Sprachlosigkeit der Mund auf und zu, aber er konnte nichts erwidern. Das durfte doch jetzt echt nicht wahr sein oder, dachte er aufgeregt. Aber keine Sekunde später stand Dr. Marc Meier tatsächlich zwischen den beiden berühmten Professoren eingekesselt vor der Fotografenmeute und einem Kamerateam von RTL, das ihn ständig mit Herr Fritz oder Fitz ansprach. Er konnte es nicht wirklich verstehen, da eine ohrenbetäubende Lautstärke in dem überfüllten Foyer herrschte, wo sich A- bis C-Promis tummelten, und er von den ersten Eindrücken völlig geblendet war. Doch bevor er diese verarbeiten konnte, wurden die drei Ärzte auch schon weiter hinein ins Gebäude geschoben. Die Ferres und die Neubauer posierten nämlich gerade in ziemlich gewagten enganliegenden Kleidern und hatten so das Interesse sämtlicher Medien geweckt.

Und plötzlich stand Deutschlands jüngster und begnadetster Oberarzt inmitten eines großen edel geschmückten Festsaales und konnte nur noch ungläubig verfolgen, wie sein Vater und Franz Haase sich immer weiter von ihm entfernten und direkt auf eine der abgetrennten VIP-Ecken zusteuerten. Die beiden wollten es heute offenbar wirklich wissen, dachte er angespannt und kopfschüttelnd. Und wer bekam es mal wieder ab? ER! Die Welt war doch so was von beschissen ungerecht. Obwohl... Marc schaute sich neugierig um. Hübsche junge Frauen in sexy Kleidern waren schon hier in Reihen Mengen vorhanden. Sein Blick wanderte weiter. Doch Franz und Olivier hatten offenbar ein anderes weibliches Objekt ins Visier genommen und liefen schnurstracks auf einen von den Normalsterblichen abgetrennten Raum zu, in dem sie Iris Berben entdeckt hatten, die gerade mit einem Glas Champagner mit ihrem Sohn und dessen Produzentenfreunden anstoßen wollte. Beide waren seit Jahren leidenschaftliche Verehrer dieser wunderbaren Schauspielerin und würden alles dafür geben, sie einmal näher kennen lernen zu dürfen und das wollten sie offenbar nun auch in die Tat umsetzen.

Immer noch darauf bedacht, nicht mit diesen beiden verrückten Fanatikern in Verbindung gebracht zu werden, steuerte Marc sofort die gläserne Bar in der Mitte des Saals an. Mit einem Whiskyglas in der Hand betrachtete er jetzt aus sicherer Entfernung das Treiben der Reichen und Schönen und Operierten und zweier angeschäkerter renommierter Chirurgen, als plötzlich sein Handy in seiner Jackentasche klingelte. Gretchen war dran. Marc freute sich sichtlich. Endlich ein normaler Mensch hier in diesem Trubel. Doch da hatte er sich bei weitem getäuscht. Seiner Liebsten war nämlich völlig die Spucke weggeblieben, als sie beim Umschalten plötzlich zufällig Marc und ihren Vater und Olivier im Fernsehen auf dem roten Teppich der „Berlinale“ entdeckt hatte. Sie wollte natürlich sofort alles haarklein wissen und ließ ihren überrumpelten Schatz kaum zu Wort kommen. Was für ein Abend, dachte Marc Meier augenrollend, nippte an seinem Glas und begann dann doch gelangweilt zu erzählen, wie es dazu kommen konnte. Doch was ihre beiden alten Herren gerade anstellten, behielt er wohlwissendlich für sich. Er hatte nämlich Bärbel im Hintergrund kichern und dazwischen quatschen gehört.

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01.03.2012 16:56
#1238 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Für Maria Hassmann war dieser Abend dagegen bisher eher ruhiger Natur gewesen und das war auch gut so nach den aufwühlenden Nachmittagsstunden. Noch immer klopfte ihr Herz wild in ihrer Brust und sie bekam sofort weiche Knie und Atemnot, wenn sie auch nur daran zurückdachte, was ihre Kleine heute für ein Chaos angestellt hatte. Die emotional aufgeladene Ärztin hatte vorhin ein langes wohltuendes Entspannungsbad genommen, um sich zu beruhigen und um wieder aufzutauen. Denn Sarah hatte ihre Mutter mit ihrem unwiderstehlichen Kulleraugenblick nämlich doch noch dazu überredet, den Rodelhang unsicher zu machen, so wie es eigentlich auch für den Nachmittag von den beiden geplant gewesen war. Obwohl sie das nach ihrer unmöglichen Aktion von heute Mittag eigentlich nicht verdient gehabt hätte. Aber was sollte sie machen? Maria hatte ihr diesen Wunsch einfach nicht abschlagen können. Sie hatte sich heute ihrer Tochter gegenüber ja auch nicht gerade von ihrer besten Seite gezeigt. Aber die Angst, sie zu verlieren, hatte sie einfach hysterisch werden lassen. Auch jetzt noch war ihr schlecht bei dem Gedanken, was alles hätte passieren können. Aber Mutter und Tochter hatten das mittlerweile geklärt und Maria hatte sich bei Sarah aufrichtig entschuldigt. Im Gegenzug hatte sie sich auch entschuldigt und ihr versprochen, so etwas Dummes nie wieder zu machen. Und am Ende hatte es auch viel Spaß gemacht, unbeschwert im Schnee zu toben. Sarahs fröhliches Lachen war doch die allerbeste Medizin nach den turbulenten Mittagsstunden gewesen. Und mit einer kleinen fiesen Einseifaktion hatte sie sich bei der kleinen Wanderkröte auch ein bisschen rächen können. Maria hatte diese Ablenkung wirklich gebraucht. Denn da lag noch eine andere Sache schwer auf ihrem Herzen, die sie einfach nicht vergessen konnte, die sie sich nicht erklären konnte und die sich unwiderruflich in ihr Hirn eingebrannt hatte.

Und jetzt in diesem Moment stand die alleinerziehende Mutter der ausgebufften Sechsjährigen mitten im Keller ihres Hauses vor einem mit Geschenkpapier und einer roten Schleife verzierten Mädchenfahrrad. Eigentlich hatte sie nach dem gemeinsamen Abendessen und dem Sandmannkucken mit Sarah nur noch schnell den Müll rausbringen wollen, aber irgendetwas hatte sie dann auf einmal wie magisch in den Keller gezogen. Sie konnte sich das selbst nicht erklären. Eigentlich hatte sie diese Geschichte doch schon längst wieder vergessen gehabt. Aber nun starrte Maria schon seit einigen Minuten teilnahmslos auf Cedrics Weihnachtsgeschenk für Sarah, das er ihr vor einigen Wochen in einem Anflug von väterlichem Mitgefühl und Sehnsucht, weiß der Geier, vor die Tür gestellt hatte. Sie hatte das Teil überhaupt nicht haben wollen. Das hatte Maria ihm auch unmissverständlich klargemacht. Aber er hatte es bis jetzt nicht wieder abgeholt. Vermutlich hatte er es schon längst wieder vergessen. Er vergaß immer so schnell. Und sie hatte ihn auch nie daran erinnert. Wieso eigentlich nicht? Sie hatte keine Erklärung dafür. Auch nicht dafür, dass sie jetzt hier davor stand und plötzlich Tränen in den Augen hatte.

Maria hatte aus dem Bauch heraus plötzlich den dringlichen Wunsch verspürt, das lilafarbene Metallgestell unbedingt ansehen zu wollen. Ihr Unterbewusstsein hatte ihr mal wieder einen Streich gespielt. Aber es beschäftigte sie nun mal immer noch viel zu sehr, was heute Mittag im Krankenhaus passiert war. Sarah und Cedric zusammen, das hatte sie einfach umgehauen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Was hatte sie sich nur dabei gedacht, diesem unfähigen Idioten in Aussicht zu stellen, seine Tochter sehen zu dürfen? War sie jetzt vollkommen verrückt geworden? Von diesem Punkt war doch niemals die Rede gewesen. Sie hatten doch eine Abmachung. Er hatte sich auch immer daran gehalten und hatte nie Bedingungen gestellt. Weder während, noch nach der einvernehmlichen Scheidung. Darüber war Maria immer froh gewesen, weil es ihr unangenehme Erklärungen erspart hatte. Und jetzt? Wieso ausgerechnet jetzt? Und warum reagierte sie auf einmal so emotional, was ihn betraf? Weil es sie vielleicht doch insgeheim berührt hatte, die beiden so vertraut miteinander zu sehen? Sie wusste es nicht. In ihrem Kopf herrschte seit ihrer Begegnung in der Klinik absolutes Chaos. Es nahm einfach kein Ende. Auch eine Kopfschmerztablette hatte nicht dagegen geholfen. Sie fühlte sich schlecht. Was sollte sie nur tun? Konnte sie das wirklich riskieren? Wie würde Sarah reagieren? Würde sie es verstehen? Sie war doch noch so klein. So verdammt klein. Mit diesem Gedanken im Kopf wischte sich Maria die verstohlene Träne aus dem Augenwinkel und deckte schließlich das Fahrrad ab, löschte das Licht und schloss ihren Kellerraum wieder ab, um nach oben zu gehen.

Auf Zehenspitzen schlich sie zurück in Sarahs Zimmer. Sie blieb einen Moment vor ihrem Bettchen stehen und betrachtete die kleine süße schlafende Motte, die ihre Hände fest um ihren Plüschhasen geschlungen hatte. Ihr Lieblingskuscheltier. Maria hatte immer versucht, es ihr auszureden, aber nach Sarahs ständigen Heulkrämpfen hatte sie irgendwann aufgegeben, dagegen anzukämpfen. Sarah hatte den Hasen nämlich als Baby von Cedric bekommen. Sie ließ ihn nie aus den Augen und konnte nur mit ihm einschlafen, seitdem sie noch ganz klein war. Selbst die echte Variante, die nebenan im Käfig gerade an einem Möhrchen knabberte und bei jedem tiefen Atemzug seiner Patenoma innehielt und sein Näschen in die Höhe reckte, konnte da nicht mithalten. Wie sollte sie ihrem Schatz nur beibringen, wer der Mann aus dem Krankenhaus wirklich war? Ihr Magen verkrampfte sich bei dem Gedanken. Ihr war schlecht. Sie wollte das nicht. Es ging einfach nicht. Es war einfach noch zu früh. Vorsichtig schlüpfte Maria zu ihrer Tochter unter die Decke, die daraufhin gleich ganz unruhig wurde und im Halbschlaf etwas murmelte...

Sarah: Deine Füße sind voll kalt.
Maria (schmunzelt): Tut mir leid.

Maria, die nach diesem aufwühlenden Tag nicht allein sein konnte, zog ihre Beine etwas an und schlang ihren Arm um Sarahs kleinen Körper, die schließlich wieder entspannte und sich gemütlich an ihre Mama schmiegte. Zärtlich strich die Oberärztin ihrer Kleinen immer wieder über den Arm und hing dabei ihren Gedanken nach. Sarah war mittlerweile ganz wach geworden und drehte sich zu ihrer nachdenklichen Mutter um und schaute ihr fröhlich ins Gesicht...

Sarah: Schläfst du heute wieder hier?
Maria (stupst ihr an ihre Nase): Mhm! Stört dich das?
Sarah (kräuselt ihre Nase u. lacht): Nein, das ist schön.
Maria (seufzt u. umarmt sie noch enger): Ja, finde ich auch. Offenbar muss man ja ständig ein Auge auf dich haben, damit du dich nicht heimlich davonstiehlst.
Sarah (ihr Lächeln verschwindet u. sie sieht ihre Mama schuldbewusst an): Bist du noch böse deswegen, Mama?
Maria (streichelt ihr liebevoll über den Kopf u. schaut sie sanftmütig an): Nein! Solange du nicht noch einmal so einen Blödsinn machst.
Sarah: Nein.

Entschieden schüttelte Sarah ihren Kopf und kuckte ihre Mama im Dunkeln mit ihren großen Kulleraugen an. Diese lächelte nur sanft und zog ihr Mädchen noch fester in ihre Arme. Leise begann sie wieder zu sprechen. Sie hatte schließlich noch etwas auf dem Herzen, auch wenn es ihr schwer fiel. Aber Maria musste einfach herausfinden, was ihre kleine Motte dachte.

Maria: Dann ist ja gut. Du, sag mal, Sarah, wir... haben noch gar nicht darüber geredet, wie es so mit... *schluck* ... Dr. Stier... also Cedric... so... war.
Sarah (schaut sie schulterzuckend an): Der ist voll nett.
Maria (sieht sie mit bangem Blick an): Wirklich?
Sarah (beißt ihre Lippen zusammen u. lächelt): Mhm!

Maria, die so etwas in der Art erwartet hatte, richtete sich etwas auf, stützte ihren Kopf mit ihrem Ellenbogen und sah ihre Tochter, die schon wieder am Einnicken war, angespannt an. Zögerlich rang sie nach den richtigen Worten...

Maria: Weißt du, da gibt es nämlich noch etwas, was ich dir... sagen müsste. Ich hätte das schon viel zu lange mal ansprechen sollen, aber irgendwie... Ich weiß auch nicht. Du bist noch so klein und ich hab einfach Angst, dass du das nicht verstehen würdest. ...

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02.03.2012 23:59
#1239 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Marias Herz klopfte ihr bis zum Hals. Irgendetwas in ihr wollte unbedingt, dass das Geschwür endlich herausoperiert war und Sarah erfuhr, wer Dr. Stier in Wirklichkeit war. Andererseits war da auch immer noch diese Hemmschwelle, diese meterhohe Mauer, die sie einfach nicht überwinden konnte. Auch jetzt nicht. Ihr fehlte die nötige Kraft dazu. Sie brachte es einfach nicht über die Lippen. Alles würde sich dann ändern und sie wusste nicht, ob sie schon bereit dafür war. Es war schon schlimm genug, Cedric und seine ganze nervige und unverschämte Art jeden Tag in der Klinik erleben zu müssen. Wenn sie ihm jetzt auch noch Raum im Privaten geben müsste, war das einfach zu viel des Guten. Zumal er ja auch keine Gelegenheit ausließ, sie ins Bett zerren zu wollen. Und das wollte sie auf keinen Fall. Wenn Cedric nun regelmäßig Kontakt mit Sarah hätte, den sie natürlich niemals unbeobachtet mit ihr allein lassen würde, wusste sie nicht, ob sie sich dem dann noch länger erwehren könnte. Denn ein Teil von ihr fühlte sich komischerweise immer noch auf irgendeine kranke Art und Weise zu ihm hingezogen und das wurde mit jedem Mal stärker, wenn sie ihn sah. Sie durfte diesem Teil nicht die Oberhand gewinnen lassen. Niemals. Das würde nur im Supergau enden.

Als Maria nach bangen Sekunden Sarah endlich wieder ins Gesicht schaute, um weiter zu sprechen, bemerkte sie, dass diese bereits wieder eingeschlafen war. Die Mutter verspürte eine gewisse Erleichterung aufkommen, als sie ihren Kopf langsam wieder neben ihre schlafende Tochter bettete. Vielleicht war es wirklich noch zu früh. Solange sie es noch hinauszögern konnte, würde sei dies auch tun. Sarah hatte schließlich seit über einem Jahr nicht mehr nach ihrem Vater gefragt. Warum also jetzt die Pferde scheu machen und sie unnötig verunsichern? Dieser Gedanke ließ die Oberärztin an diesem Abend einfach nicht mehr los. Sie konnte nicht einschlafen. Erst eine ankommende Sms auf ihrem Handy brachte die erleichternde Ablenkung, die sie so dringend gesucht hatte, aber nur für einen kurzen Moment. Denn wen interessierte schon Gretchens Rundmail, dass der Meier gerade die „Berlinale“ unsicher machte. Haase sollte sich lieber mal Gedanken machen, mit wem er das tat. Aber zumindest konnte Dr. Hassmann wieder lachen. Und so schlief sie doch schneller als gedacht neben ihrer friedlich schlummernden Tochter ein.


An anderer Stelle am Stadtrand von Berlin blieb auch jemand noch lange wach. Auch er hatte sich sein Kind ins Bett geholt. Nachdem es anfangs noch gequengelt hatte, war es nach zärtlichen Kuschelminuten mit ihrem Papa endlich eingeschlafen. Cheyenne Stier lag direkt auf dem nackten Bauch ihres Vaters, der seine Kleine einfach nicht aus den Augen lassen konnte. Sie war so süß, wenn sie schlief. Die kleinen Grübchen, ihr Stupsnäschen, die langen Wimpern. Aber seine Gedanken beherrschte im Moment noch ein anderes Mädchen, das mindestens genauso süß war wie ihre Halbschwester. Im Detail rief Cedric sich die Mittagsstunden mit seiner Ältesten immer wieder ins Gedächtnis. Wie sie anfangs erst ganz schüchtern auf ihn zugegangen war und reserviert alle Annäherungen abgeblockt hatte und ihm dann doch irgendwann ihr ganzes Dilemma gebeichtet hatte. Sie war ihrer Mutter so verdammt ähnlich. In jeglicher Hinsicht. Der stolze Vater lächelte glücklich. Er war verliebt in seine Tochter und wünschte sich, dass jeder Tag so sein könnte wie dieser. Dass sie mit ihm redete, dass er sie beschützen konnte und dass er sie einfach nur bei sich haben durfte.

Und vielleicht war das ja auch bald kein Wunschtraum mehr, sondern wunderschöne Realität, wenn Maria wirklich ernst machte. Sein Herz klopfte immer noch heftig in seiner Brust, wenn er an diesen Moment zurückdachte. Noch traute er dem Frieden aber nicht. Seine Mary war noch viel zu aufgewühlt gewesen, nachdem ihr Schatz für eine Stunde ausgebüxt war, als sie ihm diesen unglaublichen Vorschlag unterbreitet hatte. Vielleicht bereute sie ihn schon längst? Nahm ihn vielleicht schneller wieder zurück, als er denken konnte? Er kannte seine Mary doch. Das war schließlich ein Ausnahmezustand gewesen. Und noch immer raste sein Puls, wenn er daran zurückdachte, wie sie plötzlich vor ihm zusammengebrochen war. Hoffentlich ging es ihr wieder gut und sie hatte sich beruhigt. Ob er sie anrufen sollte und fragen, ob alles in Ordnung war? Er schüttelte den Kopf. Er durfte Maria jetzt nicht bedrängen. Sonst würde er noch alles wieder zunichte machen, was sich heute ergeben hatte. Vielleicht durfte er Sarah bald wirklich regelmäßig sehen. In seinem Bauch tanzten die Schmetterlinge um die Wette und er griente glücklich vor sich hin. Vorsichtig legte er sein Baby nun auf die leere Betthälfte neben sich, drehte sich auf die Seite und zog die Bettdecke etwas höher, damit sein Schatz nicht frierte. Dann nahm er ihre kleine zarte Hand und hielt sie fest, während er leise vor sich hinmurmelte...

Cedric: Vielleicht lernst du bald deine große Schwester kennen, Chenny, Schatz. Sie ist so toll. Sie wird dich beschützen, egal was das Schicksal uns noch so Aufregendes zu bieten hat. Und vielleicht bekommst du auch endlich die Mama, die du verdient hast.

Mit einem verträumten Lächeln auf den Lippen beugte er sich über Cheyenne und gab ihr einen süßen Gute-Nacht-Kuss auf die Wange. Dann legte er sich wieder auf den Rücken und starrte gedankenverloren an die Decke seines Schlafzimmers. Der zweifache Vater blieb noch lange wach und dachte über die Zukunft nach und die Frau, von der er wusste, dass er sie wirklich liebte.

Lorelei Offline

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04.03.2012 14:58
#1240 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Ein anderer Vater war dagegen gerade ganz in seinem Element, nachdem er doch tatsächlich die berühmte deutsche Schauspielerin Iris Berben auf so charmant Weise bezirzt hatte, dass diese ihm tatsächlich für ein Erinnerungsfoto einen Kuss auf die Wange gegeben hatte. Marc konnte sich nur fremdschämend wegdrehen und weiter an seinem beruhigenden Whiskey Tonic nippen. Und so blickte der Sohn eines der eigentlich renommiertesten Chirurgen der Welt auch schon wieder in das Gesicht dieser nervigen Jungschauspielerin neben sich, die ihn seit geschlagenen vierzig Minuten penetrant versuchte anzubaggern. Aber da biss sie bei Dr. Meier, der früher zu solchen verlockenden Angeboten sicherlich nicht nein gesagt hätte, auf Granit. Ebenso wie sein Haasenzahn, die doch vorhin am Telefon allen ernstes von ihm verlangt hatte, von der deutschen und internationalen Schauspielerriege so viele Autogramme und Fotos wie möglich abzustauben. Für ihr Poesiealbum versteht sich. Pff... Nur weil sie früher sämtliche Boygroups der Neunziger gestalkt hatte, hieß das doch nicht gleich, dass er sich jetzt hier auch wie ein irrer Paparazzo aufführte.

Deshalb hatte Marc das Telefonat mit seiner neugierigen und an seinen Lippen klebenden Liebsten auch abrupt für beendet erklärt, aber nicht ohne ihr vorher noch subtil unterzujubeln, dass er jetzt mit dieser netten Brünetten, die ihn die ganze Zeit schon so lüstern von der Seite angestarrt hatte, einen Trinken gehen würde. Aber dass schien Madame Haase überhaupt nicht zu beeindrucken. Marc hatte nur eine knappe Sms von ihr zurückbekommen, nachdem er aufgelegt hatte, dass sie ihm kein Wort glauben würde, aber dass er von ihr ja auch ein Autogramm mitbringen könnte. Und er solle doch auch bitte gut auf ihren Papa aufpassen, dass er ja keinen Blödsinn anstellte, weil er doch keinen Alkohol vertragen würde und wegen seines Herzens, das nicht so viel Aufregung abbekommen sollte. Diese Frau war einfach unglaublich...........süß, hatte Marc schmunzelnd gedacht und ihr ein „Ich liebe dich und wenn ich hier fertig bin, bist du fällig“ zurückgeschrieben. Den von ihr aufgetragenen Job hatte der pflichtbewusste Schwiegersohn und Chefsesselanwärter in spe dann auch sofort in die Tat umsetzen müssen, als der Professor eher weniger elegant und charmant wie sein jüngerer Kollege Meier beschwipst der werten Frau Schöneberger etwas näher gekommen war, als es einem Fan üblicherweise erlaubt war.

Irgendwie hatte Marc es dann tatsächlich geschafft, auch noch seinen flirtenden Dad zu schnappen, der mit seinem altbekannten Charme sämtliche anwesende Frauen über vierzig und auch einige jüngere in seinen Bann gezogen hatte, um endlich aus dem Berlinale-Palast verduften zu können. Bevor die BILD am nächsten Tag noch eine Skandalschlagzeile über zwei Schürzenjägerprofessoren veröffentlichte, die ihre medizinischen Studien am lebenden Objekt vollführten. Marc hatte die beiden schallend lachenden und sich königlich amüsierten Ärzte auf die Rückbank seines Volvos verfrachtet und erst einmal einen Streit mit der Politesse angezettelt, die ihm gerade einen Strafzettel an seine Windschutzscheibe pinnen wollte, weil er im absoluten Halteverbot gehalten hatte. Aber dank des Charmes und der Eloquenz seines Vaters war er um eine Anzeige wegen Beleidigung und um den Strafzettel noch geradeso herumgekommen. Zumindest zu etwas gut war die gebesserte Laune von Olivier Meier dann doch gewesen. Miesepetrig hatte der Sohnemann dann seinen Wagen in Richtung Straße gelenkt, auf der es aber zu seinem Glück natürlich nur im Schneckentempo weiterging. Berlinalechaos vom Feinsten eben. Dr. Meier biss daraufhin frustriert ins Lenkrad.

Aus gutem Grund! Denn die Stimme in seinem Autoradio, das er zur Ablenkung eingeschaltet hatte, verkündete nämlich gerade die Ankunft der Hollywood-Liga schlechthin. Der Pitt und die Jolie waren wohl offenbar gerade dabei, die Filmveranstaltung zu erobern. Toll, und ausgerechnet jetzt waren er und seine besoffenen Väter in genau die andere Richtung unterwegs. Haasenzahn wäre doch vor Neid geplatzt. Mist! Mist! Mist! Und wieder wurde das Lenkrad seines Volvos in Mitleidenschaft gezogen. Anstatt die schöne Jolie im Arm zu halten, hatte er nun zwei hackedichte Professoren im Auto, die sich benahmen wie zwei wild gewordene Teenys, die gerade die erste richtige Party ihres Lebens erlebt hatten. Das Leben war doch echt scheiße ungerecht, fluchte Marc. Und die Umleitung, die Franz ihm schlauerweise vorgeschlagen hatte, um den Stau im Zentrum zu umgehen, hatte sich auch noch als Niete erwiesen. Das war einfach nicht sein Tag heute.

Irgendwie waren die drei Ärzte dann mitten im verschneiten Grunewald gelandet. Also am anderen Ende der Stadt, wo sie eigentlich hingewollt hatten. Und plötzlich hatte sein Vater wie von der Tarantel gestochen „Stopp“ gebrüllt. Natürlich war Marc sofort auf die Klötzer gesprungen, um einen Aufprall mit einem Elch oder einer Bisamratte, oder was auch immer sein Dad gerade im dumpfen Scheinwerferlicht entdeckt hatte, zu verhindern, und er bereute es im nächsten Moment zutiefst. Denn als Marc sich genauer umschaute, wo sie sich denn überhaupt gerade befanden, bemerkte er entsetzt und mit hängender Kinnlade, dass sie genau gegenüber der Einfahrt seines Elternhauses zum Stehen gekommen waren. Das konnte doch nicht sein? Er konnte es sich echt nicht erklären, wie sie hierher gekommen waren.

Ungläubig blickte Marc nun seinen Dad an und wollte schon umkehren, um zurückzufahren, aber da war sein alter Herr auch schon aus dem Wagen gesprungen und zum Tor rübergelaufen, das er geschwind aufschob. Marc und Franz schauten sich fragend an, blickten dann zur Villa und folgten Olivier schließlich missmutig. Die aufgehitzte Stimmung des Abends war dementsprechend wieder in den Keller gerutscht. Aber das war ja nichts Neues. Das war immer der Fall, wenn Marc Meier unfreiwillig das Terrain seiner Mutter betrat. Alles war dunkel. Weder der Garten, noch die Einfahrt, noch das Haus selbst waren beleuchtet. Es war offenbar keiner da. Elke Fisher war also nicht zurückgekehrt. Als ob ihr Sohn das erwartet hätte. Aber tief in ihm drin hatte schon ein kleiner Funken Hoffnung geglimmt. Schnell lief Marc Olivier hinterher, der schnurstracks die Eingangstür seines Hauses ansteuerte, und fing ihn auf halbem Weg ab. Seine Hand ruhte auf Oliviers Schulter, als er diesen ansprach...

Marc: Was wird das hier?
Olivier (dreht sich zu seinem Sohn herum u. blickt ihn aus tieftraurigen Augen an): Ich dachte nur... vielleicht...
Marc (ein Schauer fährt über seinen Rücken, als er seinen Vater so verzweifelt hoffend sieht): Das ist eine Scheißidee, sag ich dir. Du wirst einen Teufel tun und da jetzt reingehen. Aber da wir nun schon mal hier sind, können wir auch gleich deinen restlichen Kram holen. Ich mach das.
Olivier (hilfloser Widerstand tut sich auf): Aber ich will doch gar nicht...
Und ob du willst!
Marc (lässt keine Einwände gelten u. klaut ihm den Schlüssel aus der Hand): Keine Widerrede, Dad! Du kommst mit zu uns und fertig die Diskussion. Haasenzahn würde mich einen Kopf kürzer machen, wenn ich dich hier allein zurücklassen würde. Das ist nicht der richtige Ort für dich. Ok?
Olivier (gibt seufzend nach u. fährt sich mit einer Hand über seine Rippen, die ab und an immer noch zwicken): Vielleicht hast du ja Recht.
Marc (kleinlaut): Ich hab immer Recht. Warte hier!

Olivier nickte seinem Sohn stumm zu und drehte sich um. Er lief einige Schritte weiter in den verschneiten Garten. Er hinterließ Spuren im Schnee. Sein Freund Franz, der von einen Moment auf den anderen wieder völlig nüchtern war, wechselte vielsagende Blicke mit seinem Schwiegersohn in spe und folgte Olivier, ohne etwas zu sagen, während Marc den beiden Männern seufzend hinterher blickte und dann die Haustür aufschloss. Mit einem mulmigen Gefühl betrat er nun sein Elternhaus. Er schaute sich im dunklen Flur um und schaltete schnell die Alarmanlage aus, die neben der Tür blinkerte. Er wollte schließlich nicht unnötig Aufsehen erregen. Der Pincode hatte sich nach all den Jahren nicht geändert. Dads Geburtstag, dachte Marc und wurde wehmütig. Elke hatte ihren Mann, den sie damals selbst aus dem Haus getrieben hatte, all die Jahre nicht vergessen. Sie hatte ihn immer geliebt. Im Schmerz, ihn für immer verloren zu haben, sogar noch mehr. Und jetzt, wo sie ihn endlich zurückhatte, wo er ihr alles verziehen und sie sogar noch einmal geehelicht hatte, sollte das mit einem Mal nicht mehr so sein? Da stimmte doch etwas nicht im System, dachte ihr Sohn aufgewühlt und schüttelte im nächsten Moment den Kopf. Das letzte, was er jetzt wollte, war, sich auch noch mit ihren bescheuerten Neurosen zu befassen. Alles andere als ein Kurzschluss konnte das nicht gewesen sein. Aber Marc wollte sich einfach nicht mehr damit befassen. Es tat einfach noch zu weh und er wollte sich nicht mehr so beschissen mies fühlen. Er war schließlich kein Kind mehr, das von einen Tag auf den anderen alleine dastand. Das hatte er schließlich schon einmal schmerzlich durchlebt. Jetzt war aber alles anderes. Sein Vater war bei ihm. Nur das zählte. Wenn seine Mutter unbedingt ihr Leben hinschmeißen wollte, dann sollte sie das tun. Solange sie ihn damit nur in Ruhe ließ.

Marc löste sich von seinen trüben Gedanken und versuchte, sich in dem kühlen dunklen Gebäude zurechtzufinden. Er schaltete das Licht ein und schaute sich um. Es schien ihm fast so, als würde seine Mutter jeden Moment zur Tür reinkommen. Alles war wie immer. Selbst das obligatorische Glas Rotwein stand auf einem Stapel unbearbeiteter Manuskripte auf ihrem Schreibtisch neben dem Computer und zwei Familienfotos, welche ihn, Elke und seinen Dad einmal als noch recht junge Familie und einmal im neuen Hier und Jetzt zeigten. Marc fühlte sich nicht wohl hier und löste sich von dem Familienidyll, das ihn wie magisch angezogen hatte. Schnell lief er die schmale Wendeltreppe nach oben und betrat das gemeinsame Schlafzimmer seiner Eltern. Er zog seine Nase kraus. Es roch noch immer nach Elkes ekelhaft penetranten Parfum, das so einige Assoziationen bei ihm auslöste. Fast hörte er schon ihre Reibeisenstimme nach ihm rufen. Es schüttelte ihn und er verdrängte die aufkommenden Bilder schnell wieder.

Gut, dass er seinen Vater nicht mit reingenommen hatte. Spätestens jetzt hätte er vermutlich anfangen zu heulen wie ein Schlosshund. Er hätte es nicht lange alleine hier ausgehalten. So viel war klar. Es gab nur diesen einen Weg. Marc war überrascht über sich selbst, in welchen Dimensionen sein Beschützerinstinkt hier überhand nahm. Er holte also einen großen Koffer und eine Reisetasche mit Collegemblem vom Kleiderschrank herunter, legte beides aufs Bett und riss dann sämtliche Schranktüren auf. Überall, wo er hinschaute, hingen Elkes Kostüme akkurat und nach Farben sortiert nebeneinander. Marc verdrehte die Augen angesichts ihres peniblen Ordnungswahns, der schon fast krankhaft war, und ging schnell weiter. Erst die letzte Kleiderschranktür offenbarte Oliviers kleines Reich, das er sich hier in der Höhle der Teufelin eingerichtet hatte.

Innerhalb von zwei Minuten hatte er sämtliche Kleidungsstücke in den beiden Taschen verstaut. Dann ging er weiter ins Badezimmer nebenan, wo auf dem Fenstersims Dads Sachen aufgereiht standen, die er allesamt achtlos in den großen Koffer warf. Anschließend riskierte Oliviers Sohn noch einen letzten Blick zurück ins Schlafzimmer und seufzte nachdenklich, als er den Raum akribisch scannte, so als ob er nach irgendwelchen Hinweisen suchen würde. Wenn sie wirklich nicht vorhatte zurückzukommen, denn diesen Eindruck hatte er nach ihrem Abschiedsbrief an Olivier gewonnen, wieso waren dann noch all ihre Sachen hier? Hätte sie nicht zurückkommen müssen, um mit alldem abzuschließen? Wieso redete sie nicht mit ihm? Ein einziges Wort hätte doch schon genügt. Stattdessen schwieg sie und ließ ihn und ihren Mann im Ungewissen. Marc schaute intuitiv auf sein Handy. Seine Mutter hatte nicht zurückgerufen. Er würde es auch nicht mehr tun. Marc hatte nach unzähligen Anrufversuchen und bösen Flüchen auf ihre Mailbox inzwischen aufgegeben. Mit einem beklemmenden Gefühl im Bauch löschte er schließlich das Licht und lief schnell die Treppe wieder hinunter. Er wollte das alles nicht zu sehr an sich heranlassen. Es war vorbei. Schluss. Aus. Vorbei. Er würde es überleben. Aber was war mit seinem Dad?

Durch die große Terrassentür im Wohnzimmer konnte Marc seinen Vater ruhelos im Garten umherlaufen sehen. Traurig ließ dieser immer wieder seinen Kopf hängen. Olivier wagte es nicht zum Haus rüber zu sehen. Er konnte es einfach nicht. Dort hatten sie so viele glückliche Jahre als Familie verbracht, aber auch die schlimme Trennung durchlebt. Der große Streit vor über zwanzig Jahren. Er hatte das alles doch überwunden. Und er war wieder glücklich hier gewesen. Mit ihr! Er hatte seinen Sohn wieder. Er hatte gefühlt, dass er endlich angekommen war, nach all den Jahren der Ruhelosigkeit. Wie konnte ihr das auf einmal alles so egal sein? Sie hatte doch gesagt, dass sie ihn liebte, dass sie nie aufgehört hatte, ihn zu lieben. Sie hatte „ja“ zu ihrem Neuanfang gesagt. Wieso dann auf einmal diese einsame Entscheidung gegen ihn? Er verstand es einfach nicht. Wo lag der Fehler im System, den er einfach nicht fassen konnte? Marc konnte das jammernde Elend nicht mehr länger mitansehen. Er schnappte sich noch Dads Laptop vom Couchtisch, verstaute ihn im Koffer und verließ auf schnellstem Wege sein Elternhaus. Wäre er noch einmal zum Büro seiner Mutter zurückgegangen, hätte er neben ihrem Computer ein weiteres Bündel Papiere und einen Brief entdeckt und den Anrufbeantworter, der im Dunkeln aufleuchtete.

Neben den zahlreichen unbeantworteten Anrufen von Elkes Lektorin und dem Verlag, die ungeduldig auf eine Rückkehr ihrer Starautorin hofften, denn der Abgabetermin ihres neuen Romans rückte immer näher, wäre Marc dann auch eine sehr vertraute Stimme auf dem Anrufbeantworter aufgefallen, nämlich die von Dr. Kaan, seinem Freund, der sich in der gestrigen Hektik, als seine Patientin ihn um Stillschweigen gebeten hatte, aus Überforderung einmal in der Nummer vertan und nicht in der Klinik, sondern bei ihr zuhause angerufen hatte, um sie erneut davon zu überzeugen, ihre Familie doch endlich über ihren Zustand zu informieren. Aber das würde wohl nie jemand erfahren, denn am nächsten Tag würde Elkes Assistentin, die sich in deren Abwesenheit um ihre Geschäfte und die Villa kümmern sollte, eine Rufumleitung in die Schweizer Klinik aufbauen, in der sie gerade weilte. Denn darum hatte ihre Chefin sie gerade eben am Telefon gebeten.

Lorelei Offline

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05.03.2012 22:41
#1241 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Langsam legte Elke Fisher den Telefonhörer zurück auf den Apparat auf dem kleinen Nachtschränkchen neben ihrem Krankenbett und drehte sich stöhnend wieder auf den Rücken. Sie war erschöpft und so unsagbar müde. Die erfolgreiche Autorin und Mutter eines erwachsenen Sohnes war nur noch ein Schatten ihrer selbst und starrte aus leeren Augen gedankenverloren an die Decke ihres luxuriösen Krankenzimmers, das tagsüber einen traumhaften Blick auf einen zugefrorenen Seen und eine wunderschöne verschneite Alpenlandschaft bot. Dinge, die sie noch gar nicht wahrgenommen hatte, seitdem sie hier war. Es war schon spät. Eigentlich schon mitten in der Nacht. Aber die Privatpatientin fand einfach keinen Schlaf und sie wollte die Schwestern auch nicht um ein Medikament bitten. Dazu war sie einfach zu stolz. Außerdem würde sie sowieso schon bald genug davon intus haben. Noch musste sie klar im Kopf bleiben, um noch rechtzeitig alles Mögliche zu regeln. Bevor es mit ihr zu Ende ging.

Zumindest ging die für ihre Hypochondrie bekannte Frau davon aus. Sie war ja auch nicht von gestern. Bei zwei erfolgreichen Ärzten in der Familie wusste sie, was eine Diagnose wie diese zu bedeuten hatte. Eigentlich hatte sie es gleich gewusst, als sie vor ein paar Tagen beim Duschen den Knoten ertastet hatte. Sie hatte sich ihre Panik vor ihrem Mann nicht anmerken lassen und hatte Olivier weisgemacht, sie würde einen Spa-Tag in eine Thalasso-Zentrum in Nizza einlegen, als sie sich in Wirklichkeit dort in einer renommierten Klinik von Spezialisten genauer hatte untersuchen lassen. Drei Tage lang hatte sie dann in der bangen Hoffnung gelebt, dass vielleicht doch alles gut wäre und sie sich nur geirrt hätte. Sie hatte schließlich schon öfter solche hysterischen Anfälle gehabt und Marc mit ihrer Hypochondrie nicht nur einmal zur Weißglut getrieben.

Elke hatte sich in dieser bangen Zeit des Wartens regelrecht an ihren Olivier geklammert, der ihr intensives Kuschelbedürfnis als Beweis ihrer großen Liebe gewertet hatte und sich ihr nur allzu gern angenommen hatte. Und während sie sich wie jeden Tag ihrer Honeymoon-Reise für ein paar Stunden zum Schreiben in ihre Suite zurückgezogen hatte und Olivier mit Bekannten zum Angeln losgezogen war, um seine geliebte Frau in ihrer kreativen Schaffensphase nicht zu stören, hatte sie Hunderte von Seiten im Internet durchstöbert und hatte Diagnosen, Behandlungsmethoden und Prognosen gelesen. Sie hatte sich mehr Wissen angeeignet als so mancher Student während seines gesamten Medizinstudiums. Dann war der Anruf mit der erschütternden Diagnose gekommen. Dieses Mal hatte sie sich nicht getäuscht. Es war bittere Gewissheit. Ein Schock. An diesem Morgen hatte Elke Fisher völlig neben sich gestanden. Sie hatte Olivier weggeschickt. Zum Bäcker. Ein Vorwand. Eigentlich hatte sie nur gewollt, einen Moment allein sein zu dürfen, um die Diagnose sacken lassen zu können. Aber wie sollte man so etwas wie Krebs so einfach sacken lassen?

Als ihr Mann dann weg war, der sich so lieb um sie gekümmert hatte und ihr immer jeden Wunsch von den Augen abgelesen hatte, auch diesen nach einem leckeren Pain au chocolat, hatte sich plötzlich ein Entschluss immer mehr in ihrem Kopf festgesetzt. Sie musste weg. Sofort. Und auf der Stelle. Sie konnte ihn damit nicht belasten. Schnell hatte Elke all ihre restlichen Sachen in die bereits gepackten Koffer gepackt. Denn sie hatten ja am Nachmittag vorgehabt, zurück nach Berlin reisen zu wollen. Sie hatte ihrem Corazón noch unter Tränen einen Zettel geschrieben und war gegangen, weil sie glaubte, dass es so einfach besser war. Für ihn. Für sie. Für Marc. Ein Taxi hatte die verzweifelte Frau anschließend nach Nizza in die Klinik gebracht. Weitere Untersuchungen folgten. Das weitere Vorgehen wurde mit den dortigen Ärzten besprochen, ihre Ärzte in Berlin wurden informiert und noch am Abend war sie in eine Privatklinik in die Schweiz gereist, wo sie nun seit einem Tag unter anderem Namen weilte und der Dinge, die da kommen mochten, ausharrte.

Nachdem Elke Meier sich schlafend gestellt hatte, als die Nachtschwester ihren obligatorischen Kontrollrundgang gemacht hatte, griff sie wieder nach ihrem Tablet PC und begann zu schreiben. Das einzige Mittel, um sich abzulenken und um ihre Sorgen, die sie nicht zu nah an sich heranlassen wollte, zu verarbeiten. Doch immer wieder unterbrach sie ihre Arbeit und dachte an die sanftmütigen Worte ihres Arztes in Berlin zurück, Marcs besten Freund, der sie mit seinen Anrufen einfach nicht in Ruhe lassen wollte. Sie hatte ihn stets rüst abgefertigt und abgewimmelt, was ihr im Nachhinein natürlich leid getan hatte. Sie konnte seine Sorge ja verstehen. Sie war sogar glücklich darüber zu wissen, dass ihr Sohn in der Not so einen guten Freund an der Seite hatte. Aber sie hätte Dr. Kaan nicht ins Vertrauen ziehen sollen. Doch wen hätte sie sonst fragen sollen, um ihre notwendigen Patientenunterlagen an die Privatklinik in die Schweiz weiterzuleiten?

Erst im letzten Jahr hatte man im Elisabethkrankenhaus dementsprechende Tests gemacht. Damals noch ohne Befund. Marc hatte sie nicht danach fragen wollen. Er wäre sofort mit seinem Vater hierher geflogen und hätte den Ärzten hier die Hölle heiß gemacht. Und den Krankenschwestern im EKH vertraute sie nicht. Mit denen, und mit einer im Speziellen, hatte sie schon genug schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht. Es hätte sich sicherlich herumgesprochen und am Ende hätte ihr Sohn es doch erfahren. Mit demselben Endergebnis. Sie kannte Marc schließlich gut genug. Auch wenn sie ihn mit ihren hypochondrischen Anfällen mehr als nur einmal zur Weißglut getrieben hatte, hatte er sich dennoch immer überfürsorglich um sie gekümmert.

Aber jetzt konnte sie ihre Familie nicht darüber informieren, wie es wirklich um sie stand. Elke wollte nicht, dass ihre Familie sie so sah. So schwach und verletzlich. Und nah am Ufer des Jordans. Sie wollte ihnen das alles nicht aufbürden. Vor allem nicht Olivier, den Mann, den sie über alles liebte und den sie so schmerzhaft vermisste. Er sollte sie als starke Frau in Erinnerung behalten. Als richtige Frau. Doch daran, dass sie ihre Mann mit ihrer einsamen Entscheidung dennoch in tiefe Verzweifelung gestürzt hatte, hatte Elke nicht gedacht, als sie ihn in ihrer eigenen Verzweifelung verlassen hatte. Irgendwann legte sie ihren Computer dann doch beiseite. Ihre Augen taten weh. Ihr Herz blutete. Und sie war so unendlich müde, doch schlafen konnte sie dennoch nicht.

Doch Elke Fisher war nicht die Einzige, für die dies eine lange schlaflose Nacht werden würde. Dr. Meier, Prof. Haase und Prof. Meier wollten gerade das Gelände der Villa Fisher verlassen, um endlich nach Hause zu fahren, um dann in ihr warmes gemütliches Bett plumpsen zu können, als sie plötzlich in den Lauf zweier Pistolen blickten...

Lorelei Offline

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07.03.2012 16:19
#1242 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

...und kurz darauf fanden sich drei der renommiertesten Ärzte Deutschlands in einer kargen Berliner Gefängniszelle wieder. Jede Unschuldsbeteuerung zum Trotz. Von wegen im Zweifel für den Angeklagten. Vor allem nicht nach dem verbalen Ausbruch des jüngeren der drei verhafteten Chirurgen und dessen heftiger Gegenwehr bei der Verhaftung durch ortsansässige Polizisten. So war Dr. Marc Meier als Einziger in Handschellen vom „Tatort“ abgeführt worden, während sich die beiden erwachseneren Professoren der Polizei gegenüber kooperativ zeigten, auch wenn man ihnen die Gründe ihrer Anwesenheit auf dem fremden Grunewalder Promigrundstück nicht abgenommen hatte. Dem Alkoholtest sei dank.

Einer aufmerksame Nachbarin von Frau Fisher, eine glühende Verehrerin der Bestsellerautorin, die schon so einiges mit deren verrückten Fans erlebt hatte, die teilweise des Nächtens vor deren Haustür campiert hatten, vor allem in der Zeit, als Dr. Rogelt das Zeitliche gesegnet hatte, waren nämlich verdächtige Personen auf dem gegenüberliegenden Grundstück aufgefallen. Die alte Dame hatte eins und eins zusammengezählt. Da sie wusste, dass Frau Fisher zurzeit verreist war, hatte sie in ihrer Not einfach die Nummer der Polizei gewählt, die auch prompt fünf Minuten später erschienen war, denn in letzter Zeit hatten sich die Einbrüche in dieser noblen Villengegend gehäuft und es wurde daher vermehrt Streife gefahren. Wie auch in dieser Nacht. Die eingetroffenen Beamten hatten die drei Verdächtigen dann inflagranti dabei erwischt, wie diese gerade einen verdächtigen Koffer und eine große Tasche, vermutlich mit Diebesgut, in einen abgehalfterten alten Volvo gehievt hatten, und hatten die „Diebe“ daraufhin sofort mit gezogener Pistole verhaftet.

Angesichts des schon leicht angeheiterten Eindrucks der beiden älteren Herrschaften und des aufbrausenden Charakters des jüngeren Mannes, der sich auch mit Beleidigungen nicht zurückgehalten hatte, die sich auch gegen die eingeschüchterte Nachbarin gerichtet hatten, die sicherheitshalber in ihrer Haustür stehen geblieben war und aufgrund ihrer fehlenden Brille, die noch auf ihrem Fensterbrett gelegen hatte, den Sohn der Autorin, der ihr früher ab und an gegen Entgelt und Kekse den Rasen gemäht hatte, nicht erkannt hatte - der Junge war ja auch schon lange nicht mehr hier gewesen -, hatten die Beamten die offensichtliche Lügenmär der drei Männer natürlich nicht geglaubt, dass sie mit der prominenten Schriftstellerin in welcher Weise auch immer verwandt seien. Stattdessen waren sie sich sicher gewesen, endlich die seit Monaten anhaltende Einbruchserie in der Region aufgeklärt zu haben und erhofften sich Ruhm und Ehre und eine entsprechende Beförderung.

Doch auf eine Beförderung würden diese beiden übereifrigen Polizeibeamten wohl noch ein paar Jahre warten müssen, denn nach einer stundenlangen Befragung, die stets mit denselben abstrusen Behauptungen der Beschuldigten geendet hatten, woraufhin sie zum „Nachdenken“ in eine Arrestzelle gesteckt worden waren, der Kontrolle des Diebesguts, das sich überraschenderweise als Kleidungsstücke und Kosmetikartikel herausgestellt hatte, sowie des Laptops, der schon einige Jahre hinter sich hatte und schon lange nicht mehr auf dem neusten Stand der Technik war und dementsprechend eines Diebstahles eigentlich nicht wirklich wert war, es sei denn man interessierte sich für die neusten medizinischen Forschungen auf dem Gebiet der Unfallchirurgie, und der Überprüfung der Papiere der drei sich als Ärzte ausgegebenen Männer und letztendlich mit dem Erscheinen des Anwalts der Familie Haase und der Assistentin von Elke Fisher, die Marc in seiner Not angerufen hatte, wurde schließlich bestätigt, dass es sich bei den drei Herrschaften tatsächlich um den Sohn und den Mann von Frau Fisher handelte sowie den Arbeitgeber eines der drei unschuldig Verhafteten.

Kurz vor vier hatte man Prof. und Dr. Meier sowie Prof. Haase dann letztendlich gehen lassen. Nachdem sich der Polizeipräsident höchstpersönlich bei ihnen für diesen unerklärlichen Fauxpas entschuldigt hatte, nachdem man diesen extra aus dem Bett geklingelt hatte. Der Professor hatte die offizielle Entschuldigung angenommen und sich mit ihm darauf geeinigt, dass bei der nächsten Blutspendeaktion im Elisabethkrankenhaus sämtliche Polizeibeamte der Stadt als gutes Beispiel vorangehen würden und auch eine großzügige Spende für die Klinikerweiterung war angesprochen worden. Damit war diese leidliche Angelegenheit aus der Welt geschaffen worden. Und die drei würden es in Zukunft tunlichst vermeiden, dieses Thema je wieder anzuschneiden.

Todmüde stiegen Marc, der selbst zum Meckern mittlerweile zu müde war, und Olivier, der mittlerweile nur noch über den etwas unkonventionellen Ausgang dieses Abends schmunzeln konnte, nun in den Wagen von Isabel Neumann ein, der Assistentin von Frau Fisher, die so freundlich war, die beiden zurück zu Marcs Auto zu bringen, das ja immer noch vor der Familienvilla stand, während der Anwalt Prof. Haase nach Hause fuhr, wo seine Frau ihn bereits mit sorgenvoller Miene erwartete und schließlich in Empfang nahm. So eine Aufregung mitten in der Nacht war einfach zu viel für Bärbel Haase gewesen, die ihren tapferen Franz glücklich in die Arme schloss und noch an der Tür begann, über seinen Gefängnisaufenthalt und die Haftbedingungen in Berlin auszuquetschen. Die nebenberufliche Hanfplantagenbesitzerin sammelte quasi Erfahrungsberichte. Falls man ihr je wegen ihrer Geschäfte auf die Schliche käme, dann wäre sie zumindest gewappnet. Ja, diese Nacht nahm wirklich kein Ende. Weder für Franz Haase, noch für Marc Meier.

Lorelei Offline

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08.03.2012 17:37
#1243 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Einen schönen Frauentag wünsche ich euch.



In dieser für den einen oder anderen recht turbulenten Februarnacht lag auch Gabi Kragenow noch lange wach in ihrer neuen Wohnung. In Mehdis und ihrer neuen gemeinsamen Wohnung um genau zu sein. Sie vermisste Mehdi so schrecklich und da war auch noch eine andere Sache, ihr neuer nicht ganz legaler Nebenerwerb, von dem er nichts wissen durfte, der ihr auch noch ziemliche Bauchschmerzen bereitete. Sie hatte kein gutes Gefühl bei der Sache und dieses schlechte Gefühl verstärkte sich von Minute zu Minute, je länger sie darüber nachdachte. Zumal offenbar jeder zu dem Gebäude Zugang hatte, wie sie heute hatte miterleben dürfen. Was hatte sich Gordon nur dabei gedacht? Was fragte sie sich das eigentlich? Natürlich nichts. Genauso gut hätte sie sich fragen können, wieso sie sich darauf eingelassen hatte. Aber das wusste sie wiederum schon. Sie hatte nun mal nicht wirklich eine andere Wahl. Doch auch ein Telefonat mit ihrer kleinen Schwester, mit der sie sich in den nächsten Tagen treffen würde, ließ sie nicht ruhiger werden. Tina hatte sich gefreut, dass Gabi das Geld tatsächlich so schnell zusammenbekommen hatte. Sie hatte nicht weiter nachgefragt, woher sie es hatte. Sie war einfach nur glücklich und erleichtert darüber gewesen, dass sie ihrer Mutter nun endlich die notwendige Therapie an der Ostsee ermöglichen konnte, um ein für alle mal von ihrem schlimmen Laster zu lassen. In ihrer Euphorie hatte Tina ihre große Schwester sogar noch dazu überreden wollen, sie und ihre Mutter doch besuchen zu kommen. Aber das wäre Gabi im Moment einfach zu viel gewesen. So weit war sie noch lange nicht. Außerdem hatte sie viel zu viele andere Dinge im Kopf, als dass sie sich jetzt auch noch mit einer möglichen Aussöhnung mit ihrer Mutter auseinandersetzen wollte, die ihr mit ihrem Misstrauen so unendlich weh getan hatte, dass sie ihr nie hatte verzeihen wollen.

Trotz all ihrer Sorgen und Probleme hatte Schwester Gabi heute einen schönen Nachmittag mit ihrer lieben Freundin Chantal und der kleinen Celine verbracht und die anschließende Wohnungsbesichtigung hatte wirklich viel Spaß gemacht. Das war genau die richtige Ablenkung gewesen, welche die Krankenschwester gebraucht hatte, nachdem ihr Schatz heute abgereist war und sie ihn nun ganze zwei Wochen lang nicht mehr sehen durfte. So lange waren sie noch nie getrennt gewesen. Sie hatten doch quasi jede freie und unfreie Minute zusammen verbracht, seitdem sie endlich nach langem Hin und Her zusammengefunden hatten. Allein der Gedanke daran, dass er nicht da war und sie in den Arm nehmen konnte, war einfach nur schrecklich. Die beiden Frauen hatten viel gequatscht, gelacht und sich über die Männer an ihrem Arbeitsplatz ausgelassen. Dann hatten sie noch den leckeren Picknickkorb geplündert, den ihr charmanter Freund für seine gestrige Überraschung hergerichtet hatte, die ja leider ins Wasser gefallen war, weil er so ein Schussel gewesen war und den Schlüssel zur neuen Wohnung vergessen hatte.

Nachdem die zwei Kunze-Mädels vorhin gegangen waren und Gabi daraufhin wieder alleine in der leeren noch unmöblierten Wohnung zurückgeblieben war und auf die von Mehdi in den letzten Tagen frisch gestrichenen Wände geschaut hatte, hatte sie die Sehnsucht nach ihrem Traummann vollends gepackt. Die verliebte Frau hätte nicht gedacht, dass sie ihn so schnell schon und vor allem so sehr vermissen würde, dass sich alles in ihr zusammenzog. Ihrem Liebsten schien es in diesem Moment wohl genauso gegangen zu sein. Denn Gabi hatte gerade am Wohnzimmerfenster gestanden, ihr Telefon schon in der Hand, und hatte hinaus in die Dunkelheit geschaut, als ihr Handy plötzlich geklingelt hatte und sie Mehdis Stimme endlich wieder hatte hören dürfen. Schon komisch, dass sie allein vom Klang seiner sanftmütigen Stimme schon so eine Gänsehaut bekommen konnte. Vom Herzklopfen ganz zu schweigen.

Bis eben hatten die beiden innig Verliebten miteinander geredet. Über dies und das und jenes. Über das Chaos auf den deutschen Autobahnen, Lillys schräge Gesangseinlagen während der gemeinsamen Fahrt in Annas Reha und die traumhaften Winterlandschaften im sächsischen Vogtland, die er und Lilly schon eine halbe Stunde nach ihrer Ankunft dort per Schlitten ausgiebig ausgetestet hatten, weil sie so sehr gequengelt hatte und er seiner Prinzessin nun mal nichts hatte abschlagen können. Über die gemütliche Unterkunft und die nette Herbergsmutter, eine zweiundsechzigjährige rüstige Dame, die nach dem Tod ihres Mannes ihr Heim in eine familienfreundliche Pension umgebaut hatte, um ihrem einsamen Zuhause wieder Leben einzuhauchen, und die Lilly am liebsten schon adoptiert hätte, weil sie so eine süße Maus war. Die Rehaklinik war auch ein Thema gewesen, dann Annas behandelnder Arzt, ein Charmebolzen in der Art eines Meier oder Stier, und die umfangreichen Therapiepläne, um seine Frau wieder fit zu machen. Mehdi hatte dann noch neugierig nachgehakt, was seine Freundin denn heute noch so gemacht hatte. Ohne ihn. Und Gabi hatte es nicht lassen können, ihm grinsend darüber aufzuklären, welche Mühen und Not es Chantal gekostet hatte, den Oberdrachen vom Dienst am Betreten der Wäschekammer zu hindern. Nach einem kurzen Kaanschen Schockmoment mit Schnappatmung inklusive hatten beide gleichzeitig begonnen darüber zu lachen und sich anschließend innige Liebesschwüre zugeflüstert. Dann war es noch einmal etwas ernster geworden. Mehdi hatte seine Freundin gefragt, ob sich ihre kleine Schwester nach ihrem spontanen Besuch gestern Abend noch einmal gemeldet hätte und Gabi hatte ihm dies nicht verheimlichen können. Sie hatte sie ja vorher auch gerade noch am Telefon gehabt. Mehdi hatte ihr, wie es nun mal seine liebevolle Art war, sofort wieder Mut gemacht, dass schon alles wieder gut werden würde. Sie hatte dies bejaht, weil sie ebenfalls fest daran glaubte. Es stimmte ja auch irgendwie. Sie hätte nie gedacht oder überhaupt gehofft, dass sie ihrer Familie je noch einmal so nah kommen würde.

Aber ein wichtiges Detail hatte Gabi dann doch für sich behalten, auch wenn es ihr Magenschmerzen bereitet hatte. Sie wollte Mehdi damit einfach nicht belasten. Er hatte schon genug eigene Sorgen. Zumal das Gespräch mit Anna wegen der Scheidung und der Klärung des gemeinsamen Sorgerechts für Lilly noch ausstand. In dieser schwierigen Situation musste sie nicht noch mit dieser blöden Nebentätigkeit kommen, von der sie wusste, dass er sie niemals gutheißen würde. Sie hatte nicht vergessen, wie heftig er reagiert hatte, als er sie und Gordon vor ein paar Wochen mit nur einer Marihuanazigarette erwischt hatte. Was würde er dann erst zu einer ganzen Plantage sagen? Sie musste diese Sache einfach so schnell wie möglich aus der Welt schaffen und das würde sie auch tun. Nicht nur zum Selbstschutz.

Aber Mehdi kannte seine Freundin gut genug. Natürlich hatte er gespürt, dass irgendetwas nicht stimmte, weil sie ab und an einfach so am Telefon verstummt war und ganz weit weg zu sein schien, aber Gabi hatte es trotz schlechten Gewissens geleugnet und das Gespräch schnell in eine andere Richtung gelenkt. Und der kleine Flirt, der daraufhin zwischen den beiden entbrannt war, war schon sehr aufregend gewesen, aber auch irgendwie süß. Ihr Schatz spielte eben gerne den starken Beschützer und Gabi genoss es auch sehr, so von ihm betüddelt zu werden. Denn sie hatte so etwas vor ihm nicht gekannt.

Mehdi: Wo steckst du eigentlich? Noch im Krankenhaus? Das schallt so oder liegt das am Telefon?
Gabi (lacht): Ich bin zuhause. Also...genauer gesagt, in unserem Zuhause.
Mehdi (horcht verliebt auf): Ach?
Wie schön das klingt. Unser Zuhause. Hach...
Gabi: Weißt du, es ist nämlich ziemlich einsam hier ohne dich. Und der Schlafsack ist viel zu groß für einen alleine.
Oh! Den hab ich ganz vergessen. Sie hat die Überraschung gefunden.
Mehdi (stellt sich die Situation bildlich vor seinem inneren Auge vor u. lächelt verträumt): Du liegst im Schlafsack in unserer Wohnung?
Gabi (kuschelt sich nun tatsächlich in den warmen Schlafsack vorm Ofen u. zieht demonstrativ den Reißverschluss hoch): Ja!
Mehdi: Du bist ja süß. Aber eigentlich hab ich gedacht, wir verbringen die erste Nacht zusammen in unserem neuen Zuhause?
Gabi (zieht ihn grinsend auf): Du hattest deine Chance.
Mehdi (seufzt wehmütig auf): Und ich hab sie gestern ganz schön vermasselt, hmm?
Und wie! Alles wäre anders gekommen, wenn er nicht... Nicht mehr daran denken, Gabi. Nur er zählt im Moment.
Gabi (legt einen Arm unter ihren Kopf u. säuselt verliebt ins Telefon): Du hast es ja heute wieder gut gemacht.
Mehdi (bekommt Herzklopfen, wenn er daran zurückdenkt, u. legt sich nun auch in sein Herbergsbett): Ich vermiss dich.
Gabi (dreht sich traurig seufzend auf die Seite u. sieht hoch zum Fenster in den Sternenhimmel): Und ich dich erst.
Mehdi (merkt, dass etwas ist): Hey! Ist wirklich alles in Ordnung, Maus?
Gabi (senkt ihren Blick wieder u. zögert): Ja... schon!
Mehdi (nicht ganz davon überzeugt): Aber du machst keine Dummheiten?
Was? Er hat doch nichts...
Gabi (stockt, schluckt u. gerät merklich ins Schwitzen, so dass sie sogar den Reißverschluss ihres Schlafsacks wieder etwas aufzieht): Wie... wie meinst du das?
Mehdi (legt lachend seinen linken Arm unter seinen Kopf, mit dem rechten telefoniert er weiter): Na ich weiß nicht. Trübsal blasen, den Schokoautomaten plündern und fremden Männern in Liebesfilmen nachschmachten.
Gabi (beruhigt sich wieder u. kann schon wieder schmunzeln): Das ist ja dann wohl eher deine Methode.
Mehdi (grinst): Bei den Liebesfilmen und der Schokolade gehe ich mit, aber nicht mit dem Anhimmeln der männlichen Spezies.
Gabi (schüttelt schmunzelnd den Kopf): Du bist blöd.
Mehdi: Soll ich auflegen?
Gabi (wechselt hektisch die Hand zum Telefonieren): Nein, nein, ich will deine Stimme hören.
Mehdi (seufzt verliebt auf): Kannst du nicht schlafen?
Gabi: Ich hab dir doch gesagt, wie einsam es in diesem riesigen Schlafsack ist. Ohne dich.
Mehdi: Ein Dilemma, ich weiß. Aber ich hab da vielleicht eine Idee. Moooment!

Mehdis Freundin hörte es im Telefon verdächtig rascheln. Dann war es einen Moment lang still. Gabi fragte verwundert nach. Dabei hatte sie sich doch schon auf ein erotisches Tête-à-Tête gefreut.

Gabi: Mehdi? Schatz, bist du noch dran?
Mehdi (raschelt): Gefunden!
Gabi (irritiert): Was?
Mehdi (macht es sich in seinem Bett gemütlich u. schaltet die Nachttischlampe wieder ein, die er vorhin schon ausgemacht hatte): Also... zuerst kuschelst du dich jetzt bitte in deinen Schlafsack.
Gabi (ein verheißungsvolles Grinsen schleicht sich auf ihr Gesicht): Mehdi, Mehdi, in der ersten Nacht schon heißen Telefonsex? Gefällt mir.
Mehdi (wird unweigerlich rot im Gesicht u. muss schmunzeln): Nein, das ist es nicht. Ich dachte, wir wollten uns in den nächsten zwei Wochen in Enthaltsamkeit üben?
Enthaltsamkeit, was ist das?
Gabi (legt eindrucksvoll ihr Veto ein): Untersteh dich!
Mehdi (lacht): Also... im ernst, ich dachte, ich lese dir solange etwas vor, bis du eingeschlafen bist. Hmm?
Gabi (ist doch ein wenig enttäuscht, dass es wohl kein erotisches Intermezzo geben wird, u. runzelt ihre Stirn): Findest du das nicht ein bisschen albern?
Mehdi (völlig überzeugt): Nein, im Gegenteil. Also bei Lilly hat es vorhin hervorragend funktioniert. Und wenn ich weiß, dass du wegen MIR nicht schlafen kannst, kann ich auch nicht schlafen.
Gabi (völlig fasziniert von diesem Mann): Du bist so unfassbar süß.
Mehdi (grinst): Ich weiß. Ich fang dann mal an, ja? Also.... „Die kleine Spinne Widerlich.“
Gabi (klappt ungläubig den Mund weit auf): Bitte? Aber das ist doch nicht dein Ernst?
Mehdi (energischer): Doch! Und jetzt Mund halten und zuhören, Fräulein Kragenow! Also... „Die kleine Spinne Widerlich. ... Es war einmal...“

Und so begann Dr. Mehdi Kaan tatsächlich seiner Freundin am Telefon eine Gute-Nacht-Geschichte zu erzählen. Gabi konnte anfangs nur schmunzeln über diesen verrückten Mann, den sie so sehr liebte und noch mehr vermisste, und kuschelte sich, seiner Anweisung brav folgend, in den gemütlichen Partnerschlafsack, den Mehdi bei seiner verhinderten gestrigen Überraschung hier in ihrer gemeinsamen Wohnung vergessen hatte, wo er eigentlich ihr „erstes Mal“ geplant hatte. Und allmählich entspannten sich auch ihre Gesichtszüge. Alle Sorgen und Nöte waren vergessen. Die verliebte Frau genoss es sichtlich, Mehdis tiefe sexy Stimme zu hören, die bei ihr eine Schauerwelle nach der anderen auslösen konnte. Gabi stellte sich, während er ruhig Zeile um Zeile vorlas, vor, dass er hinter ihr lag, seinen Arm um sie schlang und sie mit seinem aufregenden Körper wärmte. Sie lächelte und schloss ihre Augen. Und Mehdis charmante Einschlafmethode zeigte tatsächlich bald Wirkung. Denn nach einigen Minuten war sein Sorgenkind in Berlin tatsächlich eingeschlafen und ratzte ruhig vor sich hin. Mehdi lauschte noch einen Moment lang ihrem gleichmäßigen Atem, dann legte er verträumt lächelnd auf...

Mehdi: Schlaf schön, meine Schöne. Du weißt ja gar nicht, wie sehr ich dich liebe.

Der verliebte Mann schickte noch ein „Ich liebe dich“ per Sms hinterher, worüber seine Liebste sich am nächsten Morgen sicherlich freuen würde und legte sein Telefon anschließend zur Seite auf das Nachtschränkchen. Er sprang noch einmal aus dem Bett und schaute im Nebenzimmer nach seiner anderen süßen Maus. Auch diese schlief tief und fest in ihrem Bettchen. Schnell ging Lillys Vater zurück, schloss vorsichtig die Tür hinter sich und schlüpfte wieder unter seine angewärmte Bettdecke und kuschelte sich in sein Kissen. Er stellte sich seine Freundin neben sich vor und folgte ihr rasch in ihre gemeinsame Traumwelt, wo sie sich wieder trafen und sich süße Gute-Nacht-Küsse schenkten.

Lorelei Offline

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10.03.2012 00:20
#1244 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Von einer Traumwelt war Dr. Marc Meier derweil aber noch meilenweit entfernt. Auch wenn die Schattengeister der Nacht schon nach dem hundemüden Oberarzt zu haschen versuchten. Gegen fünf Uhr in der Früh hatten er und Olivier endlich ihr Zuhause in Mitte erreicht. Er hatte seinen Vater samt Reisetaschen in die alte Wohnung verfrachtet und war dann mit dem Aufzug hoch ins Dachgeschoss gefahren. Gähnend schloss er nun die Tür zum Penthouse auf und taperte im Dunkeln zielgenau die Holztreppe hoch ins Schlafzimmer. Er schmiss seine Jacke und seine Schuhe unachtsam in irgendeine Ecke und ließ sich schließlich schwerfällig vornüber ins Bett plumpsen. Zum weiteren Entkleiden seiner Sachen hatte Marc keine Kraft mehr gehabt. Er wollte nur noch schlafen. Das ganze Wochenende durch wenn möglich, das er zum Glück frei hatte. Mehr wollte er nicht nach den turbulenten letzten Stunden, die ihn einmal quer durch Berlin direkt in den Knast gebracht hatten. Eine Erfahrung, die er nicht noch mal machen wollte und von der hoffentlich nie jemand erfahren würde.

Marc wäre auch sofort und auf der Stelle weggeratzt, wenn er nicht eine Sekunde später wieder hoch geschreckt wäre. Denn etwas Entscheidendes stimmte hier nicht. Das hatte er sogar in seinem fast totenähnlichen Zustand gemerkt. Sein rechter Arm hatte, wie er es sich zur Gewohnheit angeeignet hatte, nach rechts gegriffen und suchend über die marineblaue Satindecke gestrichen. Aber er erfühlte keine wunderbar proportionierte Erhebung eines weiblichen Körpers neben sich, an die er sich nun zum Einschlafen schmiegen konnte. Denn das gemeinsame Bett war... leer!

Rasch schaltete der schlaftrunkene Mann die Nachttischlampe an. Und tatsächlich! Gretchen lag nicht auf ihre Betthälfte. Er blickte verdutzt auf seine Armbanduhr. 5:20 Uhr. Wo konnte sie denn um die Zeit noch sein? Doch bei ihren Eltern? Aber sie hatte ihm doch kurz vor Mitternacht noch eine Sms geschickt, dass sie schon von Jochen, der noch auf die Piste gewollt hatte, nach Hause chauffiert worden war, weswegen er sie nicht erst bei ihren Eltern abholen brauchte. Verwundert richtete Marc sich nun ganz auf und schlich die Treppenstufen, die er eben noch schwerfüßig erklommen hatte, wieder hinunter und machte sich auf die Suche nach der Verschollenen.

In der Küche vorm Kühlschrank blieb er irritiert stehen und rieb sich die Augen. Wo kam denn auf einmal das Goldfischglas her, das auf dem Küchentresen neben der Obstschale stand? Paul Anka guckte seinen Besitzer mit seinen riesigen Glupschaugen an und ließ eine Wasserblase aufsteigen, bevor er sich wieder hinter dem Miniaturschwarzwaldhäuschen versteckte, über dessen Tür sein Name in goldener Schrift geschrieben stand. Marc kratzte sich verwirrt am Kopf und knipste seine müden Augen auf und zu, um zu kontrollieren, ob er schon träumte oder noch wach war. Das wuchtige Glas war immer noch da. Haasenzahn hatte wohl Bastellaune gehabt, als sie auf ihn gewartet hatte? Marc grinste und wanderte weiter durch die Wohnung und wurde zum Glück auch schnell fündig.

Madame Rosarot hatte sich nämlich in ihre heimlichen Gemächer zurückgezogen. Sie lag im rosa Prinzessinnenbett im Gästezimmer und hielt ein schmales Kissen eng umschlungen. Sie sah beim Schlafen wirklich wie eine süße Prinzessin aus, dachte Marc verzückt. Er wollte sich vorsichtig zu ihr legen, um sie nicht zu wecken, da schreckte Gretchen plötzlich erschrocken hoch und schlang hektisch ihre Arme um den Hals ihres überraschten Prinzen, der sich alsbald unter ihr wieder fand. Nicht die unbequemste Position, wie er schelmisch feststellen musste. Doch da täuschte er sich, als Gretchen plötzlich aufgeregt und einige Dezibel zu hoch zu plappern begann, ohne Luft zu holen...

Gretchen: Maaarc, da bist du ja endlich! Wo warst du denn so lange? Ich hab dich gebraucht.
Marc (zögerlich rappelt er sich wieder hoch): Ääähhh...

Der Angesprochene traute sich nicht, etwas zu sagen. Er war einfach zu müde, um jetzt noch so weit auszuholen, dass er es tatsächlich nach einem ganz bescheidenen Männerabend in der Kneipe und einem peinlichen Spontanbesuch auf der Berlinale und einem unglücklichen Abstecher zu seiner geflüchteten Mutter direkt in den Knast geschafft hatte. Doch das Plappermaulchen, das ihr Handy bei ihren Eltern vergessen hatte und dementsprechend nichts von den drei von der „Olsenbande“ gehört hatte, kam ihm zuvor...

Gretchen: Es war soooo schrecklich.
Marc (sichtlich verwirrt): Bei deiner Mutter?
Gretchen (schüttelt Marc energisch an den Schultern u. starrt ihn auffordernd an): Nein! Marc, mach sie weg, bitte mach sie weg!
Marc (versteht nur Bahnhof u. sieht irritiert in ihren ängstlichen Augen hin und her): Äh... wen jetzt? Hast du schlecht geträumt? Jetzt bin ich ja wieder da.
Gretchen (zieht ängstlich die Beine an ihren Körper u. schlingt die Arme um ihre Knie): Ich... ich konnte überhaupt nicht schlafen. Direkt über dem Bett in unserem Schlafzimmer, da... da...
Marc (hat langsam genug von der nächtlichen Hysterie, weil er endlich schlafen will): Da... was, Haasenzahn? Ich bin scheiße müde. Ich will nur noch pennen. Lass uns mor...
Gretchen (plappert munter dazwischen, springt hektisch auf u. schiebt ihn zur Tür): Nein, du musst sie erst wegmachen. Bitte! Da ist so eine wiiiiiderliche Spinne.

Oh Mann! Womit hab ich das verdient? Ich wollte doch heute nur friedlich ein Bier zischen und Fußball kucken. Wer hat eigentlich gewonnen?

Marc (hakt ungläubig nach): Das ist alles?
Gretchen (blitzt ihn sauer an): Alles? Das ist ein Monstrum! Das hätte mich aufgefressen, wenn ich nicht durch ihre ekligen Krabbelgeräusche aufgewacht und noch rechtzeitig geflüchtet wäre.
Marc (kleinlaut): Klar!

Das hört man ja auch ständig. „Erneut attraktive Frau in Berlin Mitte von Monsterspinne attackiert und aufgefressen worden. Nur ein rosa BH blieb von ihr übrig.“ Hahaha!

Marc lachte hinter vorgehaltener Hand, was bei Gretchen gar nicht gut ankam, die sich von ihm veralbert vorkam und daraufhin eingeschnappt ihre Arme vor ihrem Körper verschränkte und ihn keines Blickes mehr würdigte. Er drehte sich augenrollend auf der Schwelle um und verließ das Prinzessinnenzimmer. In edler Mission versteht sich. Der tapfere Prinz Eisenherz rettete die holde Prinzessin Rosarot schließlich vor dem bösen widerlichen Untier, das mit seinen behaarten Tentakeln nach ihrem kostbaren Leben trachten wollte. Marc fing die mikroskopischkleine Spinne, die man nur bei genauerem Hinsehen überhaupt entdeckte und die weit über Gretchens Kopfkissen an einem Faden von der Decke herabbaumelte, mit einem leeren Nutellaglas ein, das auf der Anrichte in der Küche gestanden hatte, öffnete anschließend eins der Schlafzimmerfenster und ließ „die kleine Spinne Widerlich“ hinaus.

Gretchen, die, nachdem sie eine halbe Sekunde geschmollt hatte, Marc auf Zehenspitzen ins Schlafzimmer gefolgt war und sicherheitshalber auf der zweitobersten Treppenstufe gewartet hatte, war unendlich stolz auf ihren tapferen Helden und sprang ihm schließlich, als die Gefahr vorüber war, überglücklich und erleichtert in die Arme und knutschte ihn dankbar ab, nachdem er das Fenster wieder geschlossen hatte. Zusammen taumelten sie zurück aufs Bett, weil sie das Gleichgewicht verloren hatten. Der überrumpelte Oberarzt lag nun unter seiner stürmischen Assistenzärztin, die mal wieder ihren rosagestreiften Lieblingspyjama trug, der so samtig weich war und sich perfekt an ihre Rundungen schmiegte und damit förmlich zum Ausziehen verleitete, und grinste sie anzüglich an. Gretchen lächelte zurück. Sie war in äußerster Schmuselaune, verzog aber schnell das Gesicht, als ein seltsamer Geruch ihre Nasenflügel erreichte. Sie richtete sich auf und starrte Marc verwundert an. Sie wollte gerade losmeckern, was das für ein komisches Aftershave sei, das er heute trug, als sie bemerkte, dass der kleine Stinker Meier bereits tief und fest unter ihr weggeratzt war. Gretchen seufzte verliebt auf, beobachtete ihn noch eine Weile und schmiegte sich trotz aller Knastgerüche, von denen sie zum Glück nichts ahnte, an ihren sexy Superhelden, der die böse Riesenspinne besiegt hatte. Schließlich fand auch sie endlich den Weg ins Traumparadies. Und eine lange Nacht neigte sich endgültig dem Ende zu.

Lorelei Offline

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11.03.2012 10:53
#1245 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Für meine liebe Kate, die ich immer noch sehnsüchtig vermisse. Dein Karmeschneckchen



Zwei Wochen später

Es war an einem Donnerstag. An einem kühlen, leicht verregneten und nebligen Februartag. Der Schnee, den es in den letzten Wochen in ungewöhnlich hohen Mengen in die deutsche Hauptstadt verschlagen hatte, hatte sich nach dem Dauerregen, der seit Anfang der Woche herrschte, endgültig in seine letzten matschiggrauen Bestandteile aufgelöst. Zum Glück, fanden die einen, die die ersten warmen Sonnenstrahlen des Frühlings nur so herbeisehnten. Schade die anderen, vor allem die jüngeren Hauptstadtbewohner, die in ihren Schulferien jede freie Minute auf zugefrorenen Seen und verschneiten Hügeln verbracht hatten. Doch der eigentliche Frühling war immer noch fern, auch wenn man schon vereinzelt Vögel nach ihm rufen hörte. Es war einer dieser Tage, die man nicht wirklich in die richtige Jahreszeit einzuordnen wusste. Oder vielleicht doch, in gewisser Weise schon, wenn man denn die berühmtberüchtigte fünfte Jahreszeit mochte, auf die jeder Jeck ein ganzes Jahr lang frenetisch hingefiebert hatte.

Aber das war dem jungen attraktiven Mann momentan egal, der gerade voll bepackt ein dunkles Treppenhaus in einem alten sanierten Jugendstilgebäude in Prenzlau eroberte und hastig die wenigen Stufen bis in das erste Stockwerk erklomm. Vor einer hohen geschwungenen Tür blieb er schließlich stehen und setzte seine beiden Taschen ab, ein Bündel Blumen behielt er jedoch unter dem Arm geklemmt. Er atmete schwer, zog sich seine Kapuze von seinen verwuschelten dunklen Haaren und wischte sich mit dem Ärmel seines dunkelgrünen Parkas den mit Regentropfen vermischten Scheiß von der Stirn. Er bekam kaum noch Luft und das lag nicht nur daran, dass es um seine Fitness seit seinem letzten Squashturnier mit seinem besten Freund nicht sonderlich gut bestellt war. Nein, er war quasi im Dauerlauf von seinem im Hinterhof geparkten Auto durch den Regen bis hier hoch gerannt und er war aufgeregt. Furchtbar aufgeregt sogar und brannte nur so vor Sehnsucht. Vor Sehnsucht nach der Frau, die er liebte und so sehr vermisst hatte.

Ungeduldig fischte der gutaussehende Mann den Wohnungsschlüssel aus seiner linken Jackentasche und steckte ihn hastig ins Schloss der Tür, die seltsamerweise auch gleich aufsprang. Er wunderte sich nicht darüber. Umso besser, dachte er nur, denn er hatte nicht mehr viel Zeit, um alles für seine Überraschung vorzubereiten. Er klemmte sich also den mit buntem Papier umwickelten Rosenstrauß wieder unter sein Kinn und griff nach den beiden Taschen. Bei der einen handelte es sich um eine Reisetasche, die andere war ein weiter Stoffbeutel voll gepackt mit Lebensmitteln, überwiegend gesundes Biogemüse. Er wollte seine Freundin nämlich mit einem romantischen Candlelightdinner überraschen, um zum einen die misslungene Abschiedsüberraschung wieder gutzumachen und zum anderen um ihr Wiedersehen nach zwei unendlich langen Wochen der Trennung im angemessenen Rahmen zu zelebrieren. Mit dem Rücken schob der beladene Mann nun also die Tür auf und betrat unter akrobatischen Verrenkungen seine neue Wohnung. Die Wohnung, in die er, sobald es sein Zeitplan zulassen würde, so schnell wie möglich mit seiner Liebsten und seiner kleinen Tochter einziehen wollte.

http://www.youtube.com/watch?v=vX5HSuSDwFg

Er merkte gleich, dass irgendetwas anders war als das letzte Mal, als er hier war und dieselbe Tür vor knapp zwei Wochen hinter sich geschlossen hatte. Dabei fiel ihm weder der möblierte Flur zuerst ins Auge, wo er seine beiden Gepäcksstücke neben einer weißen Kommode abstellte, noch die voll eingerichtete Wohnstube mit der knallroten Couch in der Mitte. Das Erste, was der verliebte Mann vernahm, war eine süße engelsgleiche Stimme, die an sein Ohr drang und sein Herz gleich ein paar Umdrehungen höher schlagen ließ. Er lächelte, nein, er strahlte regelrecht mit der Sonne, deren Strahlen sich gerade für den Hauch von einem Moment durch die dicke Wolkendecke und die hellen Gardinen in das warme Zimmer gekämpft hatten, um die Wette und ließ seine Jacke und die Blumen, bis auf eine einzelne Rose, die er aus dem wunderschönen Strauß herausgezogen hatte, auf den Esstisch fallen und blieb fasziniert von dem Bild, das ihn durch die Durchreiche zur Küche erreichte, genau davor stehen und verfolgte jede der äußerst sexy Hüftbewegungen, welche die wunderschöne Frau vor dem Küchenherd unter den lauten Klängen von Britney Spears, die durch die großen Kopfhörer, die sie auf ihren Ohren trug, auch nach außen schallte, aufführte. Im selben Rhythmus wie Gabi Kragenow, die ihr Lieblingslied gerade lautstark mitträllerte, während sie kochte, tanzten wohl auch gerade die Schmetterlinge im Bauch von Dr. Mehdi Kaan, der seine Traumfrau einfach nur verträumt beobachtete und wieder einmal feststellte, dass sie, nur sie, die Richtige für ihn war. Mit ihrer ganzen Art, ihrer Lockerheit und ihrem Temperament bereicherte sie einfach sein Leben, das bald ein gemeinsames Leben sein würde, worauf er sich schon wie wahnsinnig freute.

Lächelnd ging der Halbperser nun um die Ecke herum, betrat die große helle Küche und schlich ganz langsam auf seine tänzelnde und singende Freundin zu, die ihren heimlichen Besucher noch immer nicht bemerkt hatte und konzentriert eine Zutat nach der anderen in einen kleinen Topf mit einer roten Soße gab und gleichzeitig die Nudeln in dem hinteren größeren Kochtopf abschmeckte und für al dente befand und daraufhin die hinterste Herdplatte ausschaltete. Mehdi stand mittlerweile genau hinter der zauberhaften Köchin, die in den zerschlissenen Jeans und dem viel zu großen Schlabberpulli, einem von Mehdis Lieblingskapuzenpullovern, einfach nur hinreißend aussah. Der Geruch von ihrem verführerischen Parfum, das von ihrem lang gestreckten grazilen Hals ausging, den er am liebsten mit seinem Finger entlang streifen wollte, vermischt mit dem Duft italienischer Kräuter, betörte ihn ungemein und stimulierte all seine Sinne. Für einen Moment schloss Mehdi seine Augen und kostete den Moment des Wiedersehens nach zwölf unendlich langen Tagen der Trennung aus. Dann begann er plötzlich breit zu grinsen, näherte sich ihr noch einen Schritt und holte schließlich mit seinem rechten Arm aus.

Gabi war so sehr in ihre Musik und ihre bescheidenen Kochfähigkeiten vertieft, dass sie erst gar nicht merkte, was sie da zuerst am Hals und dann im offenen Haar kitzelte. Sie versuchte die Fliege oder was auch immer es war, das sie gerade ärgerte, mit einer schnellen Handbewegung wegzustreichen. Ohne Erfolg. Denn Mehdi kitzelte sie nun mit der Rosenblüte von der anderen Seite her. Wieder wich sie aus. Und urplötzlich war es ganz still. Nur die Tomatensoße gluckerte leise vor sich hin. Gabi hatte in der Bewegung innegehalten. Mehdi ebenfalls. Er zögerte noch einen Moment, dann legte er seine linke Hand an Gabis Hüfte und fuhr mit dem anderen Arm um ihren zierlichen Körper herum und hielt ihr die wunderschöne rote Rose direkt vor ihr hübsches Gesicht. Bevor er etwas sagen konnte, zuckte Gabi erschrocken zusammen und schriee und sprang wild mit ihren Armen fuchtelnd auf, wobei sie fast den Topf mit der Soße vom Herd gerissen hätte. Sicherheitshalber drehte Mehdi den Temperaturregler aus und schob den Topf etwas weiter nach hinten, um eine mittlere Katastrophe in der frisch renovierten Küche zu verhindern.

Und plötzlich wurde die aufgeregte Frau ganz ruhig. Gabi hörte auf zu zappeln und um sich zu schlagen. Denn sie hatte gemerkt, wie sich ein ihr nur allzu vertrauter Körper gefühlvoll von hinten an ihren schmiegte, wie eine warme Wange sich gegen die ihre drückte und wie eine Hand ihr langsam die Kopfhörer abnahm, aus denen sie in ihrer Trance schon längst keine Musik mehr gehört hatte, und neben den Herd auf die Anrichte legte. Atemlos und mit wild pochendem Herzen spürte sie seinen heißen Atem neben ihrem Ohr. Instinktiv kuschelte sie sich an den warmen männlichen Körper, den sie in den letzten Tagen so schmerzlich vermisst hatte. Eine Hand griff wie ferngesteuert nach hinten, strich zärtlich über die stoppelige Wange des Mannes, der daraufhin seine Augen schloss und ihre Nähe in sich aufsog. Die Gefühle übermannten sie. Die rote Rose, die ihr sanft über die leicht geöffneten Lippen strich und so betörend duftete, seine kreisenden Finger an ihrer Hüfte, Mehdis unnachahmlicher Geruch, überhaupt seine Nähe, seine Wärme, seine kratzige Wange. Und dann seine Stimme, die ihr sanft ins Ohr flüsterte und ihr eine wahnsinnig dicke Gänsehaut bescherte...

Mehdi: Hey schöne Frau! Ich hab dich vermisst.

Gabi hielt den Atem an. Seine sanftmütige Stimme ging ihr durch und durch. Und sein prickelnder Atem auf ihrer Haut tat sein übriges. Ihre Knie brachen ihr weg. Wenn Mehdi sie nicht mit seinen beiden starken Armen fest umschlossen hätte, wäre sie vermutlich gefallen. Aber er hielt sie fest, umschlang sie fest, presste sie an sich wie ein Ertrinkender. Sie fühlte seine Lippen an ihrem Hals und ein wohliger Schauer durchfuhr ihren Körper. Endlich wieder seine Nähe zu spüren, ihn zu spüren, war einfach überwältigend für die junge Frau, die so intensiv noch nie zuvor in ihrem Leben gefühlt hatte. Unendlich viele Fragen schossen ihr durch den Kopf, so dass sich bald alles um sie drehte...

Gabi: Mehdi? Aber... was... was machst du denn schon hier? Ich dachte, du... du kommst erst... heute Abend? Ich... ich... bin noch gar nicht... ähm... Ich wollte doch noch... Oh Gott, was hab ich überhaupt an? Sieh mich an. Ich... Ich muss mich noch... um...zieh...en.
Mehdi (drückt ihr lächelnd einen Kuss auf die Wange u. dreht die zitternde u. sprachlose Frau langsam zu sich herum, um ihr in die Augen sehen zu können): Du bist wunder...schön... Gabi... Maus. Wir sind nur... schon etwas eher losgefahren. Genauer gesagt, ganze sechs Stunden eher. Aber... ich... wollte einfach nicht mehr länger warten.
Gabi (sieht ihn mit immer größer werdenden leuchtenden Augen an): Echt? Du... hast ... gar nichts... gesagt? Wir haben doch vorhin noch... telefoniert?
Mehdi (verliert sich in ihren wunderschönen strahlenden Augen): Überraschung!
Gabi (schaut unentwegt in seinen Augen hin und her u. schmilzt dahin): Das... Du... du... bist...

Und plötzlich hatte sich der Schalter umgelegt. Endlich hatte Gabi realisiert, dass ihr Mehdi, der Mann, der sie komplett umgekrempelt und in ein liebendes, vermissendes, peinlich vor sich hin schmachtendes Wesen verwandelt hatte, ihre große Liebe, tatsächlich und leibhaftig wieder da war. Bei ihr. Er stand direkt vor ihr, lächelte sie auf seine bekannt charmante Art verliebt an und hielt sie fest in seinen starken Armen. Ihre kurzzeitige Lähmung sämtlicher Gliedmaßen löste sich mit einem Mal und sie sprang ihm plötzlich überglücklich um den Hals, so dass Mehdi, der mit so einer überschwänglichen Reaktion seiner Freundin nicht mehr gerechnet hatte, fast das Gleichgewicht verloren hätte. Die schöne Rose rutschte ihm dabei aus der Hand. Er hob Gabi hoch. Sie schlang ihre schlanken Beine um seine Hüfte und sie taumelten etwas im Kreis. Beide lachten. Glücklich. Vor Freude. Und dann folgte ein Begrüßungskuss, der beiden buchstäblich den Boden unter den Füßen wegzog. Und schon lagen sie auch schon übereinander auf dem Küchenfußboden und küssten sich inniglich. Immer und immer wieder trafen ihre Lippen verlangend aufeinander, tanzten ihre Zungenspitzen wild miteinander, während ihre Hände den Körper des anderen festhielten, streichelten, erkundeten, langsam entkleideten.

Minutenlang war zwischen den leisen Klängen einer amerikanischen Sängerin, die noch immer aus den Kopfhörern auf der Anrichte tönte, das laute glückliche Kichern und Stöhnen zweier Liebender herauszuhören, die zärtlich, stürmisch, innig ihr Wiedersehen zelebrierten, bis sie nach einem Sternenflug durch die Milchstraße in ferne Galaxien wieder Arm in Arm auf dem dank der Fußbodenheizung recht behaglich warmen Boden der Kaan-Kragenowschen Küche erwachten und sich glücklich in die Augen schauten und sich wieder liebevoll küssten.

http://www.youtube.com/watch?v=TG3wnipDaWE&feature=related

Lorelei Offline

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12.03.2012 17:07
#1246 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Etwas später saßen die beiden Verliebten eng umschlungen auf einem Stuhl am Esstisch im Wohnzimmer, auf dem in der Mitte eine Vase mit einem wunderschönen Rosenstrauß und daneben ein silberner Kochtopf standen, aus dem es gar köstlich duftete. Mehdi war nur in Flugzeugdruck-Unterhose bekleidet und Gabi saß gemütlich auf seinem Schoss. Sie hatte sich Mehdis weißes Hemd über ihren nackten Körper geworfen und fütterte ihren sexy Freund liebevoll mit Pasta von ihrem gemeinsamen Teller. Sie lachten. Nach jeder Spirellinudel gab es einen Kuss hinterher, so dass sich die Raubtierfütterung als sehr zeitintensive Beschäftigung entwickelte. Aber Mehdi genoss dieses sehr spezielle Mahl sehr. Er war einfach glücklich, seine wunderschöne Freundin endlich wieder im Arm halten zu dürfen, ihre Nähe und ihre Liebe zu spüren, und strahlte sie unentwegt an. Von jetzt an würde er dieses zauberhafte Wesen nie wieder loslassen, das schwor er sich in diesem Moment, streichelte ihr zärtlich über den nackten Oberschenkel und blickte verliebt in Gabis feurig funkelnden Augen hin und her...

Mehdi: Weißt du was, Gabi Kragenow? ... Ich liebe dich.
Gabi (himmelt ihn verschmitzt lächelnd an u. wischt ihm schmunzelnd mit dem kleinen Finger etwas Soße vom Mund): Und ich liebe dich, du... Raupe Nimmersatt.

Die beiden lachten und küssten sich wieder. Zärtlich. Ganz sanft. Spielerisch. Haschend. Leidenschaftlich. Minutenlang. Irgendwann löste sich Mehdi jedoch von Gabis heißen Lippen, grinste sie verliebt an und schaute sich dann neugierig in dem geräumigen Wohnbereich um, während sich seine Freundin, vom Hunger getrieben, nun auch die eine oder andere mit kalter Soße überzogene Nudel in ihren verführerischen Mund schob. Jetzt erst realisiert er wirklich, dass sich die Wohnung, die er noch vor zwei Wochen völlig unmöbliert und gerade eigenhändig frisch renoviert verlassen hatte, mittlerweile in ein gemütliches Heim verwandelt hatte. Wie war das nur möglich? Konnte sie zaubern? Waren die Heinzelmännchen am Werk gewesen? Fragend blickte er seiner Süßen in die Augen, die seine Gedanken förmlich lesen konnte. Sie leckte sich grinsend ihre Finger ab, richtete sich etwas auf und legte schließlich ein Geständnis ab...

Gabi: Und das hier... wäre dann... meine Überraschung. Eigentlich gehören dazu noch ein romantisches Essen bei Kerzenschein und eine sexy Verführerin, die du ausziehen darfst. Aber... woher hätte ich denn ahnen können, dass du schon früher nach Hause kommst?
Sie ist unglaublich.
Mehdi (lacht u. kuckt kurz rüber zu seinen Taschen, die immer noch unberührt im Flur neben Gabis Schuhen stehen): Das hab ich doch alles auch bekommen. Außer... den Kerzenschein vielleicht. Aber es wird ja eh gleich dunkel und wir können diesen Punkt dann nachholen. Und... weißt du, warum ich schon eher da bin? ... Weil ich nämlich etwas ganz Ähnliches mit dir vorhatte, mein Schatz. Ich hätte hier heimlich alles vorbereitet, dich mit einer Rose von deiner Wohnung abgeholt und mit verbundenen Augen hierher entführt, wo wir im Kerzenschein unser romantisches Picknick von neulich nachgeholt hätten.
Zwei Dumme, ein Gedanke! Faszinierend! Dabei hab ich mir das alles so schön vorgestellt. Was jetzt nicht heißt, das gerade eben sei nicht schön gewesen. Das... das war einfach... unglaublich... Wow!
Gabi (streicht ihm verführerisch lächelnd mit dem Finger über die nackte Brust, wobei sie ihn nicht aus den Augen lässt): Weißt du, ich hab mir für diesen Abend extra neue Unterwäsche gekauft.
Mehdi (schluckt u. zieht ihr sein Hemd mit seinen Blicken wieder aus): Hast du?
Gabi (zwinkert ihm anzüglich zu): Ich kann sie dir vorführen, wenn du willst?

Gabi löste sich aus Mehdis Klammeraffengriff und wollte aufstehen, doch er zog sie schnell wieder zurück auf seinen Schoss und festigte seine Umarmung um ihre Taille, während er ihr verführerisch ins Ohr hauchte, wovon sie eine Gänsehaut bekam...

Mehdi: Hier geblieben, mein Frollein! Du bewegst dich heute keinen Zentimeter mehr von mir weg. Verstanden!
Sag ich doch, Raupe Nimmersatt. Gefällt mir.
Gabi (schmiegt sich lasziv an ihn): Hervorragender Plan, Herr Doktor.

Und wieder lachten die beiden und versanken in einem innigen nicht enden wollenden Kuss voller Leidenschaft, bei dem beide bald wieder völlig die Kontrolle verloren. So fand auch das neue Wohnzimmer die würdige Einweihung, die Gabi und Mehdi nach dem geplatzten Picknick zwei Wochen hatten hinausschieben müssen. Arm in Arm lagen sie später unter einer gemütlichen Decke auf Gabis roter Couch, die sie von ihrer alten Wohnung mit hierher gebracht hatte, und streichelten sich zärtlich. Umrahmt von vielen Kerzen, die sie vorhin überall im Zimmer aufgestellt hatten, um eine wohlige romantische Stimmung zu schaffen. Mehdi strahlte seine Freundin glücklich an und strich ihr eine verirrte Strähne aus dem Gesicht. Wozu eigentlich Überraschungen planen, wenn das hier doch so spontan passieren konnte, dachte er bewegt. Spontan war doch immer noch am schönsten. Wobei ganz so spontan schien der Umzug hierher in ihr neues Heim wohl doch nicht vonstatten gegangen zu sein, wenn er sich so umschaute. Sie hatte wirklich an alles gedacht. Genauso hatte er sich ihr gemeinsames Zuhause gedanklich vorgestellt. Jetzt verstand er auch, warum Gabi am Telefon immer so geheimnisvoll getan hatte und manchmal so kurz angebunden gewesen war. Sie wollte ihn überraschen und das war ihr auch wahrlich gelungen.

Mehdi: Ich kann immer noch nicht fassen, wie du das alles hier in der kurzen Zeit geschafft hast, Gabi.
Gabi (lächelt ihn süffisant an): Ich dachte, ich nehme dir mal was ab, Schatz.
Wie süß von ihr. Und so uneigennützig.
Mehdi (erwidert ihr verlegenes Lächeln): Wollten wir den Umzug nicht gemeinsam machen?
Gabi (senkt ihren Kopf, weil sie mittlerweile denkt, mit dieser Aktion vielleicht doch etwas über das Ziel hinausgeschossen zu haben): Ja, schon, aber... ich... hatte mir eben in den Kopf gesetzt, dich mit vollendeten Tatsachen zu überraschen. Bist du sauer?
Mehdi (küsst ihr liebevoll auf die Nasenspitze u. ist stolz auf seine süße Maus): Quatsch! Im Gegenteil.
Ich find’s einfach wunderbar. Du bist wunderbar.
Gabi (lächelt wieder u. kuschelt sich glücklich in seine Arme): Und andernfalls hätte das ja dann auch bedeutet, dass wir bei deiner Rückkehr, auf die ich mich übrigens wie wahnsinnig gefreut habe, noch nicht gleich hier hätten zusammen leben können.
...und süß. Und einfach unglaublich. Ich liebe dich.
Mehdi (sieht einen Stoffsack neben dem Ofen stehen u. zwinkert Gabi verschmitzt zu): Der Schlafsack wäre ja schon einmal da gewesen. Wir hätten improvisieren können?
Gabi (grinst): Ich hab schon gemerkt, dass dir dieser Gedanke ganz besonders gut gefallen hat, Dr. Kaan, und vor allem die Vorstellung, ich läge völlig nackt darin, hmm.
Sie hat dich! So was von!
Mehdi (knabbert zärtlich an ihrem Ohrläppchen herum u. säuselt verliebt hinein): Und wie!

Gabi (genießt einen Moment seine gefühlvollen Zärtlichkeiten an ihrem Nacken, dann richtet sie sich auf u. sieht ihn plötzlich ganz ernst u. unsicher an): Was ich dir eigentlich hiermit sagen wollte äh... will, ist, ähm... also... dass ich... dass ich... keinen Moment mehr ohne dich sein will. Verstehst du? Allein schon, dass du das überhaupt willst, also... mit mir zu leben, ist schon so unvorstellbar unglaublich für mich. Aber ich will das auch. Wirklich. Zum ersten Mal in meinem Leben weiß ich, wo ich hingehöre. Und ich will immer neben dir einschlafen, neben dir aufwachen, mit dir zusammen essen, blödeln, tanzen, schlafen, arbeiten, einfach alles. Ich weiß, das hört sich alles so furchtbar kitschig an und ich kann kaum glauben, dass ich das wirklich gerade so ausgesprochen habe und ich hoffe, du erzählst das niemals weiter, aber die letzten Tage... ohne dich... waren einfach... schrecklich. Ich will das nicht mehr. Ich will kein „du“ und „ich“ mehr. Ich will nur noch ein „Wir“. Auch wenn ich manchmal... Angst davor habe, wohin sich das alles mit uns entwickeln könnte. Ich kenne das nicht. Also... ich hatte schon Beziehungen, das weißt du. Nur war das eben meist eher einseitiger Natur. Du verstehst schon. Mit dir ist das alles so anders. Für mich ist das völlig Neuland. Auch mit deiner Tochter. Und du kannst sicher sein, dass ich Fehler machen werde. Wahrscheinlich sogar einen ganzen Berg an Fehlern. Aber ich verspreche dir, ich versuche mein Bestes. Denn ich will immer bei dir sein. Deshalb... hab ich das eben alles einfach mal selbst in die Hand genommen. Damit wir keine Zeit mehr unnötig vergeuden. So wie in der Vergangenheit.

Wow! Was für eine Liebeserklärung! Was für eine Frau!

Toll, Gabi, jetzt hast du dich wieder mal völlig zum Trottel gemacht. Wieso hab ich das überhaupt alles gesagt? Und dann so? Dann denkt er doch gleich, dass etwas nicht stimmt.


Mehdi (nimmt seine aufgewühlte Freundin überglücklich in den Arm u. schaut ihr mit Tränen in den Augen und heftigem Herzflattern verliebt in die dunkelgrünen Augen, die nervös hin und herflackern): Das alles hier ist... wunderbar. Glaub mir! So wunderbar wie du und deine Worte eben. Ich glaube, so ein schönes Liebesgeständnis habe ich noch nie zuvor in meinem Leben bekommen. Ich danke dir dafür. Für alles. Dass du da bist und mir eine Chance gibst, obwohl ich sie vermutlich nach allem, was war, gar nicht verdient habe. Und ich kann dir sagen, nein, versprechen, ich will das mit uns beiden genauso sehr wie du auch. Deshalb will ich doch auch nicht mehr länger warten. Ich will doch auch keine Minute mehr ohne dich sein. Nie, nie mehr.
Gabi (sieht mit wässrigen Augen in seinen hin und her): Wirklich?
Hach Maus!
Mehdi (streichelt ihr seufzend über die leicht gerötete Wange u. küsst ihr eine Träne weg): Zweifelst du immer noch daran, dass ich es nicht ernst mit dir meinen würde? Gabi, ich liebe dich über alles. Ich will mein Leben mit dir teilen. Ich will ein „Wir“. Mit dir und Lilly. Wann geht das endlich in deinen süßen Schädel rein, hmm?
Du bist so eine blöde emotionale blöde, blöde Kuh, Gabi. Echt unglaublich.
Gabi (schaut ihn peinlich berührt an): Gott, ja, tut mir leid. Manchmal bin ich einfach... Ich... Ich weiß doch auch nicht. Wahrscheinlich muss ich mich erst noch an den Gedanken gewöhnen, dass mein Traum endlich wahr wird.
Mehdi (neckt sie verspielt, um sie auf andere Gedanken zu bringen): Du träumst also von mir? Soso!
Gabi (stupst ihn mit beiden Händen fest in seinen Brust): Menno Mehdi, da will ich einmal ein ernstes Gespräch mit dir führen und du nimmst mich nicht ernst.
Mehdi (legt beide Hände an ihre Wange u. sieht ihr eindringlich in die aufblitzenden Augen): Glaub mir, ich nehme dich ernst, Gabi. Immer. Und für immer. Also, was wolltest du noch sagen?
Gabi (seufzt u. schaut ihn verliebt an, während er sie immer noch mit seinen Blicken durchdringt): Nichts weiter. Nur... was Kleines noch. Vielleicht.
Mehdi (streicht ihr verträumt lächelnd durch ihre langen offenen Haare): Nur... was Kleines? Was denn?
Gabi: Als ob du das nicht wüsstest, Mehdi.
Mehdi (lächelt): Naja? Ich würde es nur gerne noch mal hören.
Dieser Mann macht mich....gggrrr.... Ich kann nicht mehr klar denken, wenn er so ist, wie er ist.
Gabi (grinst ihn verschmitzt an u. kuschelt sich an seinen aufregenden muskulösen nackten Körper): Du bist wirklich eine kleine Raupe Nimmersatt. Weißt du das? Aber genau deswegen liebe ich dich. Mehr als du dir vorstellen kannst.

Mehdi gingen diese Sätze runter wie Öl, weil sich ihre Worte auch in ihren Augen widerspiegelten. Alles an ihr strahlte diese aufrichtige und einzigartige Liebe aus, die sich nach einer Flutwelle an Gefühlen, die sie überrollt und verschlungen hatte, zwischen ihnen beiden entwickelt hatte und von Tag zu Tag immer größer und gefestigter wurde. Gabi liebte ihn wirklich und diese Tatsache haute ihn jedes Mal aufs Neue einfach um. Weil er nicht erwartet hatte, dass es so mit ihr sein würde. So intensiv. So echt.

Wie sehr ihn ihr Liebesgeständnis wirklich bewegte, versuchte der verliebte Gynäkologe aber möglichst locker zu überspielen, auch um ihr endlich ihre letzten Unsicherheiten zu nehmen. Denn für die gab es nun mal keinen Grund mehr. Die Scheidungspapiere waren unterschrieben, Anna hatte ihn endlich losgelassen, Lilly ging auf die neue Frau an seiner Seite offen und mit reinem Herzen zu, sie hatten ihre erste gemeinsame Wohnung offiziell bezogen. Einem Neuanfang stand also nichts mehr im Wege. Mehdi Kaan war zum ersten Mal seit langem wirklich wunschlos glücklich und zufrieden.

Mehdi (neckt sie mit einem verschmitzten Grinsen auf den Lippen): Das wollte ich hören. Und weißt du, jetzt, wo du hier für Tatsachen gesorgt hast, kann ich doch gar nicht mehr davonlaufen, wenn ich das denn gewollt hätte, aber das will ich ja auch gar nicht.
Gabi (grinst u. zwickt ihm in die Seite, dann kuschelt sie sich wieder in seine starken Arme): Du bist so ein Spinner. Also gefällt dir, wie ich unsere Wohnung eingerichtet habe? Wenn du was ändern willst, also, das können wir gerne machen. Das war ja auch erst mal nur ein erster Versuch. Provisorisch. Wir können die Couch auch gerne zum Fenster hin rücken? Da ist auch mehr Licht. Und...
Mehdi (versucht zu Wort zu kommen): Gabi?
Gabi (plappert munter weiter drauflos): Ich weiß, wir wollten eigentlich zusammen durch die Möbelhäuser ziehen und wir hatten uns ja auch schon ein paar Kataloge angeschaut und uns Gedanken gemacht. Aber ich dachte halt, wo wir beide nicht so... du weißt schon, ähm... na ja. Meine Möbel sind ja auch noch nicht so alt. Deine ja auch nicht. Und du hast ja gesagt, du würdest eh einen Großteil deiner Ausstattung deiner ähm... Frau überlassen. Für den Neustart. Du weißt schon. Da habe ich eben meine Sachen schon mal hergebracht. Und na ja... du weißt ja, ich liebe mein rotes Sofa. Da hängen so viele schöne Erinnerungen dran.
Ich weiß.
Mehdi (schmunzelt u. wird etwas lauter, um sich Gehör zu verschaffen): Gabi! Maus! Hey!
Gabi (schnappt nach ihrem Redeschwall erst mal nach Luft und sieht Mehdi fragend an): Hmm?
Mehdi (lächelt sie verschmitzt an): Es ist perfekt, so wie es ist.
Gabi (noch skeptisch): Was? Echt?
Mehdi (zwinkert ihr zu): Müsstest du nicht mittlerweile wissen, dass ich mich bei dir immer sehr wohl gefühlt habe?
Gabi (grinst ihn anzüglich an): Ja, das hab ich gemerkt!
Mehdi (gibt ihr zufrieden einen kleinen Kuss auf den Mund): Na also. Und zeigst du mir jetzt noch den Rest von unserem Reich?


Mehdis und Gabis erste gemeinsame Wohnung



Wohnbereich




Küche




Flur




Badezimmer



Quelle: Google Pics



Gabi lächelte ihren verständnisvollen Freund schwerverliebt an und nickte ihm zustimmend zu. Eng aneinander in eine Decke gewickelt torkelten die beiden Verliebten nun für eine kleine Besichtigungsrunde durch ihre gemeinsame neue Wohnung. Küche und Wohnstube waren ja bereits ausgiebig begutachtet worden. Im Badezimmer gab es bis auf Gabis Waschmaschine und einen neuen Spiegelschrank, den sie günstig im Internet geschossen hatte, ihren tausend Schminkutensilien und ein paar Grünpflanzen auf dem Fensterbrett nicht viel Neues zu entdecken. In Lillys Kinderzimmer am Ende des Flurs hingegen klappte Dr. Kaan jedoch die Kinnlade herunter. Er konnte es nicht verhindern, aber je länger er sich in dem rosa Prinzessinnentraumzimmer umschaute, umso mehr sammelte sich Wasser in seinen rehbraunen Augen, die er schnell zusammenkniff, bevor Gabi etwas davon mitbekam, was für eine Heulsuse er doch manchmal sein konnte. Gerührt blickte Mehdi schließlich seine Freundin an, die nervös ihren Blick immer wieder senkte, weil sie dachte, vielleicht hiermit etwas zu weit gegangen zu sein. Schließlich war Lilly sein Kind und nicht ihres. Dennoch dachte sie immer noch mit einem Lächeln gerne daran zurück, wie sie gestern zur späten Stunde noch alles auf den letzten Drücker genauso hinbekommen hatten, wie es jetzt war. Sie und ihre heimlichen Heinzelmännchen.


Lillys zukünftiges Kinderzimmer




Quelle: Google Pics



Mehdi (sprachlos): Maus, das... das ist unglaublich. Wie hast du...? Ich meine... ähm... Das... das ist genauso, wie sie sich das immer vorgestellt hat.
Gabi (sieht ihn gespannt an): Gefällt’s dir?
Mehdi (die Freude bricht aus ihm heraus u. er umarmt sie stürmisch mit mehreren Küssen auf die Wange): Gefallen ist gar kein Ausdruck, Gabi. Lilly wird dich dafür lieben. Wie... wie hast du das nur gemacht? Und... wie... bist du eigentlich an ihre Spielsachen gelangt?
Upps! Ein paar Geheimnisse behalte ich dann doch mal lieber für mich. Er würde eh nicht darauf kommen, was so alles für ungeahnte Fähigkeiten in Sabine stecken.
Gabi (lächelt verlegen u. merkt, wie ihr Herz vor Aufregung schneller schlägt): Na ja, du kannst dir sicherlich denken, dass das alles nicht ganz alleine zu bewerkstelligen war. Ich hatte da so meine Leute.
Mehdi (horcht interessiert auf): Ach?
Gabi: Mit meinen Sachen und den ganzen Möbeln haben mir Chantal und Jochen geholfen und ein paar seiner Studienkollegen. Günstiger geht’s nicht. Für ein paar Euros machen die alles.
Mehdi (wundert sich): Jochen Haase? Sind die beiden jetzt doch...?
Gabi (zuckt mit den Schultern u. grinst ihn an): Das musst du sie schon selber fragen. Sie will sich noch nicht festlegen, sagt sie immer. Ich denke aber, sie übertreibt da maßlos. Und er, na ja, du hast ja mitbekommen, wie verknallt er ist.
Mehdi (lacht): Stimmt.
Gabi: Und was Lillys Zimmer betrifft, da habe ich mich von Sabine und... Gretchen beraten lassen.
Mehdi (strahlt): Das ist aber süß von den beiden.
Gabi (verdreht die Augen): Wie... man’s... nimmt.
Mehdi (wissend): Gretchen, hmm? Sie meint es doch nur nett.

Ja, und wie nett! Die hat sich aufgeführt, als wolle sie ihr eigenes Kinderzimmer einrichten. Dabei hatte ich nur Sabine um ihre Meinung gefragt und ihr eine Ikea-Seite hingehalten. Aber der dicke Haase hat sich natürlich gleich begeistert eingemischt. Na ja, soll ich ihr’s verübeln? Sie kann einem schon Leid tun. Marc will eben keine Kinder. Armes Ding!

Gabi (stöhnt theatralisch auf): Ein paar Ideen waren schon ganz brauchbar. Aber ich hab mich dann doch mehr an Lilly gehalten.
Mehdi (verwundert): Wann habt ihr denn miteinander geredet? Habt ihr etwa Geheimnisse vor mir?
Gabi (schmunzelt): Nein! Ich weiß nicht, ob du es bemerkt hast, aber ich stand in der Tür, als du und Lilly neulich zusammen ihr Zimmer gestrichen habt. Da hat sie dir doch erzählt, wie sie sich das alles so vorstellt und na ja, ich dachte halt...
Sie ist so süß.
Mehdi (sein Grinsen wird immer breiter): Du machst ihr eine riesige Freude damit.
Gabi (immer noch etwas unsicher): Meinst du wirklich? Ist es nicht doch einen Tick zu viel?
Also für meinen Geschmack ist es definitiv einen Tick zu viel Rosa.
Mehdi (zieht seine Freundin samt Decke noch etwas fester in seine Arme): Schatz, ich kenne meine Tochter jetzt mittlerweile neun Jahre, vier Monate, fünf Tage und siebeneinhalb Stunden. Das wird eine Punktlandung. Fehlt eigentlich nur noch das Goldfischglas auf dem Schreibtisch.
Gabi (sieht ihn etwas ungläubig an): Äh... Ein Goldfisch?
Mehdi (muss über sich selbst lachen): Klar. Das perfekte Haustier. Es macht keinen Krach. Keinen Dreck. Und es hat eine beruhigende Wirkung auf Kinder.
Gabi (zieht skeptisch eine Augenbraue nach oben): Ah ja!? Jetzt verstehe ich auch, warum Gretchen so etwas angedeutet hat.
Mehdi (grinst): Vielleicht überlässt sie Lilly ja ihren?
Gabi (fängt ebenfalls an zu lachen, denn Lillys Begeisterung für dein kleinen stinkigen Fisch hat sie immer noch im Ohr): Wo hast du deine Prinzessin eigentlich gelassen?
Mehdi (zwinkert ihr zu): Bei ihrem Lieblingsbabysitter, versteht sich. Den ganzen Abend... und die ganze Nacht.

...flüsterte Mehdi seiner Freundin verheißungsvoll ins Ohr, der daraufhin schon merklich wärmer unter der gemeinsamen Decke wurde und die sich kichernd zu einem innigen Kuss hinreißen ließ, der die Temperatur noch um ein paar Grad mehr in die Höhe trieb. Langsam schob Mehdi seine Süße aus dem Kinderzimmer wieder in den Flur in Richtung Schlafzimmertür, vor der er schließlich stehen blieb und sie gegen diese drängte...

Mehdi: Du, ich glaube, ein Zimmer haben wir noch... vergessen... zu... besichtigen.
Gabi: Ääähhh... na ja...

Sichtlich nervös zubbelte Gabi, die Mehdis Verführungskünsten aufgrund seiner aufregenden Nähe kaum noch etwas entgegensetzen konnte und wollte, die Decke wieder etwas höher, die beim gemeinsamen Watschelgang zur Tür ein wenig verrutscht war. Aber sie konnte nicht mehr verhindern, dass Mehdi die Tür dennoch öffnete. Erstaunt schaute der Gynäkologe nun auf die Matratze am Boden und die unzähligen umherstehenden Kartons und Holzteile, die bis ins Nebenzimmer gestapelt reichten.


Das Schlafzimmer von Mehdi und Gabi

aktuell:







später:





Quelle: Google Pics



Mehdi: Äh... was...?
Gabi (schaut ihn augenzwinkernd an): Ich dachte, dass du das vielleicht ähm... selber zusammenbauen willst? Du... du hast ja schon einmal bewiesen, dass du das ganz gut... kannst.
Mehdi (schlingt seine Arme noch fester um ihren Körper u. grinst sie wissend schief von der Seite an): So ist das also, hmm?
Gabi (beißt sich grinsend auf ihre Lippen): Ganz ohne Hintergedanken.

Dass das nicht ganz so stimmte und beide gerade gleichzeitig an ihre erste gemeinsame Nacht in Gabis Wohnung vor einigen Monaten dachten, war offensichtlich. Und der Gedanke, Mehdi noch einmal schwitzend im eng anliegenden Overall beim Zusammenbau ihres Schlafzimmers zu beobachten, übte schon einen gewissen Reiz auf die verliebte Krankenschwester aus, die sich an jenem magischen Abend, an dem sie sich erfolglos abgemüht und all ihre Künste aufgefahren hatte, um ihren ahnungslosen Chef zu verführen, und es dann doch alles ganz anders gekommen war, weil Dr. Mehdi Kaan eben anders als all die anderen flüchtigen bedeutungslosen Affären war, die sie bisher vorbeiziehen lassen hatte, erst so richtig in diesen aufregenden wunderbaren Mann verliebt hatte. Und auch Mehdi gestand sich ein, dass er Gabi trotz all der unglücklichen Verwicklungen, die danach passiert waren, eigentlich seit dieser einen Nacht nicht wirklich mehr aus dem Kopf bekommen hatte. Für ihn stand daher außer Frage, Gabis Schlafzimmermöbel und die rote Couch nicht mit in ihr neues gemeinsames Zuhause zu nehmen.

Mehdi (stimmt ihr schmunzelnd bei): Natürlich! Gib’s zu, du willst mir doch nur wieder die ganze Zeit auf den Hintern schauen, während ich mir auf die Finger haue?
Gabi (verführt ihn mit einem Augenaufschlag): Und wenn’s so wäre?

Verführerisch zwinkerte Gabi ihrem Liebsten zu, den plötzlich der Schalk packte. Er ließ die Enden der Decke, die er vor Gabis Oberkörper zusammenhielt, fallen, so dass beide sich nun plötzlich splitterfasernackt gegenüberstanden. Gabis Herz schlug ihr bis zum Hals und sie wartete nur darauf, dass er sie endlich packte. Doch Mehdi hatte etwas ganz anderes im Sinn. Er drehte sich um, streckte ihr seinen nackten knackigen Hintern entgegen und wollte den Flur vor laufen, um seine Sachen zu holen. Doch Gabi hielt den Flüchtenden noch rechtzeitig am Arm zurück und schupste ihn mit sanfter Gewalt zur Matratze hin, auf die beide nun lachend fielen.

Mehdi: Dann fahre ich jetzt schnell nach Hause, suche meinen Overall und hole meinen Werkzeugkasten.
Gabi: Untersteh dich! Heute entkommst du mir nicht mehr.

Wild knutschend tollten und rollten die beiden Verliebten jetzt über die Federkernmatratze, die nur mit einem dünnen Laken bezogen war. Arme und Beine verschlangen sich ineinander und die Reibung ihrer beiden verschmolzenen Körper ließ eine Hitzewallung nach der anderen durch sie durchströmen. Doch kurz bevor sie ganz eins wurden, machte Mehdi plötzlich eine seltsame Beobachtung, als er kurz aufschaute, um nach Luft zu schnappen. An der Türklinke zum Nebenzimmer, das später mal als begehbarer Kleiderschrank und Wäschezimmer und vielleicht irgendwann einmal auch als zweites Kinderzimmer dienen sollte, hingen seltsame Sachen. Noch in der Bewegung hielt er inne, schaute Gabi fragend an, die sich lustvoll unter ihm wand und nun seinem Blick verwundert folgte, und deutete mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf die Kleidungsstücke, die auf zwei Kleiderbügeln an der Tür hingen.

Mehdi: Was... ist... das?
Gabi (drängt ihn wieder mit ihrem Körper auf die Matratze u. fährt mit ihre Zunge gefühlvoll über seinen Oberkörper, nachdem sie ihm lässig u. unbeeindruckt geantwortet hat): Unser Outfit für die Party morgen.
Mehdi (richtet sich mit ihr im Arm wieder auf u. schaut sich die Sachen noch einmal genauer an): Äh... Gretchen meint das wirklich ernst mit den Kostümen? Ich dachte, das sei ein Scherz.
Gabi (sitzt nun augenrollend auf Mehdis Schoss u. blickt ihn ungeduldig an, während sie ihn wegen der Kostüme aufklärt u. schnell wieder ablenkt): O-Ton Haase, „Sabine soll einen Polterabend bekommen, den sie niemals wieder vergessen wird.“ Ich meine, sie übertreibt mal wieder maßlos. Das ist klar. Cocktails und gute Musik hätten doch völlig gereicht. Aber sie... na ja, egal. Man heiratet schließlich nur einmal. Ääähhh... in... Sabines... Fall... natürlich. Denke ich. Und jetzt... lass uns endlich da weitermachen, wo wir aufgehört haben. Ich will dich.

Etwas verwirrt starrte der Halbperser ein letztes Mal auf die beiden Kostüme, mit denen er im Moment nicht wirklich etwas anzufangen wusste, schüttelte leicht den Kopf angesichts dessen, was ihn wohl morgen Abend erwarten würde, und ließ sich nun nur allzu gern von seiner sexy Freundin auf sehr aufregende Art und Weise verführen.

Lorelei Offline

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12.03.2012 17:10
#1247 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

edit: Sorry, er spinnt mal wieder!

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.270

14.03.2012 14:50
#1248 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Herzlichen Glückwunsch Diana und Arne. Image and video hosting by TinyPic Ob Gretchen und Marc auch nachlegen sollten? Jetzt sind aber erst einmal andere Dinge gefragt. Viel Spaß schon mal. Und auch an der Stelle noch einmal ein großes Dankeschön an meine fleißigen und meine stillen Leser für eure Treue und euer Durchhaltevermögen. Eure Lorelei




Anderswo war die berechtigte Skepsis wegen der anstehenden Feierlichkeiten zu einer der wohl skurrilsten Eheschließungen des Jahres, wenn nicht gar des Jahrtausends, am Berliner Elisabethkrankenhaus noch grenzenloser. Und leider war hier jedweder geschickte oder ungeschickte Ablenkungsversuch, anders als bei den Kaan-Kragenows, gänzlich gescheitert und unsanft abgewiesen worden, was sehr am Ego von Dr. Marc ‚Ich krieg sie immer und überall rum’ Meier gekratzt hatte. Und nicht nur das ging seiner Meinung nach auf keine Kuhhaut.

Marc: VERGISS ES! Nur über meine LEICHE kriegst du mich in diesen SCHWULEN Dress.

...meckerte und schrie der „charmante“ Oberarzt der Chirurgie aufgebracht aus dem Obergeschoss zu seiner Liebsten herunter, die zu einer privaten Kostümprobe in ihr gemeinsames Penthouse geladen hatte und augenrollend und seine unflätigen Bemerkungen ignorierend ungeduldig auf der hellen Wohnzimmercouch hin und her rutschte, die zum Glück zusammen mit den restlichen ausstehenden Möbeln noch rechtzeitig drei Tage vor der legendären Überraschungspolterabendparty für Sabine Vögler, zukünftig Gummersbach, geliefert worden war, die nach ausgiebiger „Bearbeitung“ eines sturen Bocks tatsächlich in den heiligen Meier-Haasschen Hallen stattfinden würde.

Doch Marcs schlechte Laune ließ Dr. Gretchen Haase nicht von ihrer immer stärker werdenden Hochzeitseuphorie abbringen. Im süßen Lockenkopf der Trauzeugin hatte sich nämlich schon ein wunderschönes Bild festgesetzt, das nicht nur die überraschten Gesichter von Sabine Vögler und Dr. Gummersbach beinhaltete, die von ihrem Glück noch nicht den Hauch einer Ahnung hatten, sondern auch noch ein anderes nicht ganz unwichtiges Detail. Denn Gretchen ‚Haasenzahn’ Haase liebte Verkleidungen. Schon seit ihrer frühsten Kindheit, als sie sich immer im Kleiderschrank ihrer Mutter versteckt hatte und in deren doch recht stylische 70er-Jahre-Klamotten geschlüpft war. Für ihre gute Freundin Sabine sollte es schon etwas ganz Besonderes werden, wenn sie von ihrem zweiunddreißigjährigen Singledasein endgültig Abschied nahm, weil sie eben eine ganz besondere, andere würden sogar sagen, recht skurrile Persönlichkeit war.

Gerade bei ihr, der unscheinbaren, trantüdeligen, Horoskop liebenden Krankenschwester, die sich immer für alles und jeden aufopferte, ohne je eine Gegenleistung oder ein Dankeschön zu erwarten, hatte niemand wirklich damit gerechnet, dass Amors Pfeil so zielgenau treffen würde und sie so schnell zum Traualtar geleiten würde. Auch wenn es niemand offen zugab, so gab es doch die eine oder andere Singlekrankenschwester, die neidvoll auf ihre Kollegin blickte. Doch nicht so Gretchen Haase. Sie freute sich nämlich aus ganzem Herzen für Sabines Glück mit Günni Gummerbach. Diese sehr spezielle Liebe musste einfach sehr speziell gefeiert werden. Egal was Mecker-Macho Meier dazu sagte.

Gretchen: MARC, jetzt hab dich doch nicht so. KOMM jetzt endlich RUNTER!
Lilly (quengelig): JAAAAA, bitte, bitte, ONKEL MARC. Ich will auch gucken.

...setzte Lilly Kaan in den Haasschen Bettelgesang ein, der seine Wirkung nicht verfehlte. Marc ‚Ich bin der Coolste und mir kann keiner was’ Meier litt eine Etage über seinen Mädels ungemeine Qualen angesichts dieser kurzfristig geänderten Machtverhältnisse in SEINEM Zuhause. Dafür würde er sich noch bitterböse bei Mehdi rächen, der Haasenzahn mit seinem ekelhaften weichgespülten Gynäkologencharme mal wieder mir nichts dir nichts um den Finger gewickelt hatte. Hinterlistiger Arsch! Nur damit er jetzt und in den folgenden Stunden ungestört sein Gabimäuschen auf alle erdenkliche Art und Weise durchvögeln konnte. GGGRRR!!! Neidvoll seufzte Mehdis bester Freund auf, ließ die Schultern hängen und blickte wieder missmutig in den großen freistehenden Spiegel neben den Panoramafenstern im gemeinsamen Schlafzimmer. Die Person, die sich darin spiegelte, konnte er gar nicht ab. Jedenfalls nicht so!

Schnell riss sich der verkleidete Mann die unsäglichen Kleidungsfetzen wieder vom Leib und schmiss eine Alternative nach der anderen, die Gretchen ihm für diese blöde Kostümparty zurechtgelegt hatte, wieder vom Bett. Oder wohl eher unter das Bett. Wo war er hier eigentlich gelandet? Bei Kaspers’? Oder in der Augsburger Puppenkiste? Das konnte doch echt nicht ihr Ernst sein? Schlimm genug, dass nächsten Dienstag tatsächlich Fasching war und dementsprechend in der Klinik die Hölle los sein würde - im wahrsten Sinne des Wortes, denn dieses Motto hatte sich die Oberschwester tatsächlich für diesen irren Tag ausgesucht, den Dr. Meier noch weniger mochte als Weihnachten, Ostern und Valentinstag zusammen; scheiße, der stand ja auch noch an, dachte er verzweifelt und fuhr sich durch seine zerzausten Haare -, jetzt wurde dieser schreckliche Tag, den er seit diversen Vorfällen in seiner Schulzeit und während eines Pflichtpraktikums auf der Kinderstation vor zig Jahren, als eben jene Schwester Stefanie ihn in ein peinliches Clownskostüm gezwungen hatte, mied wie die Pest, auch noch von Haasenzahn vorverlegt und er sollte sich ausgerechnet für den sonderbaren Leichenfledderer und seine verrückte Marsianerfreundin auch noch verkleiden. Aber nicht mit ihm! Er war Oberarzt! Und das hier war schließlich seine Wohnung, sein Revier, und da ließ er sich von nichts und niemanden etwas vorschreiben. Nicht mal von der süßesten aller Prinzessinnen und ihrer kleinen Kopie, die unten im Wohnzimmer saßen und gespannt auf ihren Prinzgemahl warteten.

Grummelig schlurfte Marc nun nur in schwarzer Boxershorts bekleidet in der Hoffnung, eine bessere und coolere Kostümierung für diesen sinnlosen Tag zu finden, zu seinem neuen Kleiderschrank, den er auf Drängen seiner Freundin heute morgen noch vorm Dienst mühselig zusammengezimmert hatte, damit sie schon einmal an ihrem heutigen freien Tag ein paar der sperrigen Umzugskisten leeren konnte, aus denen sie in den letzten Wochen gelebt hatten, seitdem sein Vater vor zwei Wochen ihre alte Wohnung unten im Erdgeschoss übernommen hatte, und öffnete dessen breite Schiebetüren, während Gretchen eine Etage tiefer immer ungeduldiger wurde und schließlich von der gemütlichen Couch aufsprang und die Holztreppe nach oben hechtete, um zu schauen, wo ihr Grummelkaiser denn abgeblieben war...

Gretchen (quengelt): Marc! Wo bleibst du denn? Was machst du denn so lange? Wieso... wieso hast du dich denn schon wieder ausgezogen? Och Maaaaaarc!
Bleib ruhig! Konzentriere dich auf das Ziel! Ziel erfasst! Zuschlagen!
Marc (dreht sich ganz langsam zu der blonden hübschen Frau an der Treppe um u. grinst sie anzüglich an): Weil ich weiß, dass du insgeheim genau auf dieses Outfit hier scharf bist.
Gretchen (beobachtet irritiert, wie er mit einer schwingenden Handbewegung an sich herabzeigt u. dann langsam dreckig grinsend rüber zu ihr kommt): Ääähhh...

Aber welche Wirkung dieses sehr spezielle Meiersche „Outfit“ tatsächlich auf Gretchen hatte, würde die sprachlose Assistenzärztin, die nun möglichst unauffällig mit ihren Blicken über Marcs muskulösen Body wanderte und langsam den Mund aufklappte, ohne etwas zu sagen, niemals offen vor ihrem Machomann zugeben, der es natürlich nicht lassen konnte und sein leicht errötetes Mädchen spontan fest in seine Arme zog, um sie auch körperlich von den Vorzügen seines recht gewagten Aufzugs zu überzeugen. Gretchen merkte, wie sie immer schwächer wurde und allmählich die Kontrolle über sich verlor, während er sie stürmisch niederknutschte und mit seinen Händen sofort unter ihre Strickjacke fuhr. Noch im heißen Kuss vereint, klapste sie Marc jedoch plötzlich auf den Hintern und löste sich von seinen brandgefährlichen Lippen, aus denen nun ein Schmerzensschrei statt einem genießerischen Seufzen entfuhr...

Marc: Eh! Spinnst du! Vielleicht solltest du dir überlegen, morgen als Domina zu gehen, so wie du immer mit mir umspringst.

Gretchen steckte ihm neckisch die Zunge raus und drehte sich grinsend um, um sich zu bücken. Denn sie hatte schon beim Hereinkommen ins Schlafzimmer etwas auf dem Fußboden entdeckt. Sie zog ihr bevorzugtes Kostüm für ihren Oberarzt unter dem Bett hervor und drückte es diesem mit feurig aufblitzenden Augen gegen die nackte Brust und sprach ihn mit dem geforderten Domina-Ton an...

Gretchen: Anziehen, Meier, aber pronto! Sonst gibt es heute, nein, die ganzen nächsten Tage keine Küsse mehr.

Doch Domina!

Ich bin so gut. Hihi!


Und so ließ Gretchen den sprachlosen Mann, dem mit dem Geräusch einer sich öffnenden Supermarktkasse die Kinnlade heruntergeklappt war, einfach stehen und ging wieder zu Lilly runter ins Wohnzimmer, die gerade mit großer Begeisterung in Gretchens Kostümkiste kramte und ein Outfit nach dem anderen begeistert herauszog und vor sich hochhielt. Gretchen lachte nur, streichelte ihr sanft über den Kopf und hockte sich schließlich neben Mehdis Tochter. In Gedanken war sie aber immer noch bei ihrem verdatterten Freund, der nun wohl keine andere Wahl mehr hatte, als auf ihren „Ratschlag“ zu hören.

Lorelei Offline

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15.03.2012 22:38
#1249 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Fünf Minuten später ertönten endlich die Fanfaren und Lillys Begeisterung wurde noch größer, als sie nämlich eine echte kaiserliche Hoheit die hölzerne Wendeltreppe heruntertrampeln sah, die sich nun mit grummeliger staatstragender Null-Bock-Miene vor der Kaiserin selbst aufbaute, die sich ihr Lachen kaum verkneifen konnte und ihre Lippen fest aufeinander presste, um der Versuchung zu widerstehen, während das kaiserliche Patenkind begeistert in die Hände klatschte.


Marc Meier als Kaiser Franz Joseph von Österreich





Quelle: Google Pics



Gretchen: Na geht doch!
Marc (beugt sich zu seiner vergnügt grinsenden Freundin herunter u. flüstert ihr etwas gespielt bedrohlich ins Ohr): Das kriegst du so was von wieder, Haasenzahn. Warte nur ab, wenn die Kröte erst einmal eingeschlafen ist. Dann bist du fällig.

Oh, oh! Klingt.............. verheißungsvoll. Hihi!

Gretchen kicherte nur albern, rappelte sich vom Boden auf und betrachtete nun den legendären Kaiser Franz Joseph von Österreich von allen Seiten ganz genau. Lilly tat es ihr gleich und kletterte auf die Kleidertruhe, um mit ihrem Onkel Marc auf Augenhöhe zu gelangen und um ihm über den samtigweichen Stoff seines pompösen rot-weißen Mantels zu streichen...

Lilly: Boah siehst du toll aus, Onkel Marc. Wie ein echter Prinz.
Gretchen (besserwisserisch): Eigentlich stellt er ja ein Kaiser dar.
Marc (grummelig denkt er an sein großes Fußballidol): Ein anderer Kaiser wäre mir lieber.
Gretchen (zieht ihn wissend auf u. grinst sich eins): Och als Roland wäre natürlich auch eine Suuuperidee. Passt zwar nicht ganz ins Motto des Abends, aber Sabine liebt doch seine Musik. Erst neulich war sie mit Günni auf einem seiner Konzerte. Wir müssen dir nur deine Haare etwas zur Seite gelen und dann siehst du aus wie eine jüngere Kopie.

Dieses kleine Luder! Na warte! Du bekommst heute noch deine verdiente Abreibung. Du hast es nicht anders gewollt.

Marc (blitzt seine spöttelnde Freundin zynisch an): Dann ertränke ich mich doch gleich im nächsten Gewässer.
Gretchen (schüttelt schmunzelnd den Kopf): Das war dann ein anderer Prinz. Der mit den Schlössern in Bayern, glaub ich.
Lilly (sieht fragend zwischen den beiden sich belauernden Erwachsenen hin und her, zuckt mit den Schultern u. verschwindet mit einem der Kostüme, das sie aus der Truhe geborgen hat, still und heimlich um die Ecke): Hä?
Marc (fixiert seine Freundin mit seinem bösen Ameisenblick): Haasenzahn, das ist mir so was von Schnuppe. Ich werde das hier morgen definitiv NICHT anziehen. Damit das ein für alle mal klar ist. Das hier jetzt ist eine Ausnahme. Für die Kröte. Ich mache mich doch nicht vorm halben Krankenhaus zum Deppen. Ich bin demnächst der Chef da. Ich hab Autorität auszustrahlen. Verstanden?

Oje! Wie furchtbar! Vorsicht Ironie!

Gretchen (rollt mit den Augen): Hat ein Kaiser auch.
Marc (drängt sie ans Treppengeländer u. hebt drohend seine rechte Hand, mit der er nun wild vor Gretchens Gesicht herumfuchtelt, bevor er sie anschließend auf ihrer linken Pobacke parkt): Haasenzahn, treib es nicht auf die Spitze!
Gretchen (legt ihren überzeugendsten Bambiblick auf u. ihre rechte Hand an seine Brustkorb, während sie sich eng an ihn schmiegt): Oh bitte, Marc! Alle kommen morgen kostümiert.
Marc (mäkelt weiter rum): Ja, aber sicher nicht in Strumpfhosen.

Das sind gar keine Strumpfhosen. Nur eben enge Hosen. Sehr, sehr enge... sexy Hosen. Hihi!

Gretchen (muss unweigerlich grinsen u. schaut an ihm herunter): Weiß man’s?
Marc (genug ist einfach genug; er lässt sie los u. es platzt aus ihm heraus): Boah! Das ist eine verdammte Schnapsidee, Haasenzahn. Weißt du das eigentlich? Eine stinknormale Sause hätte doch für die beiden Pappnasen auch gereicht? Und ich lasse mich auch noch dazu breitschlagen, den ganzen Scheiß hier zu veranstalten. Ich hab da echt keinen Bock drauf.
Wieso ist er denn jetzt schon wieder so eingeschnappt?
Gretchen (enttäuscht verteidigt sie ihren Plan): Aber ich wollte den beiden etwas Besonderes zur Hochzeit spendieren, Marc. Etwas Unvergessliches. Und da ich weiß, dass Günni so gerne diese Sternenkriegsfilme schaut und immer auf diese komischen Treffen mit Sabine geht, dachte ich halt, das wäre eine schöne Idee für den Polterabend. Schräg, aber schön. Quasi als eine Art Mottoparty. Passt ja auch irgendwie gerade in die Jahreszeit.
Pff!!! Hab ich schon erwähnt, dass ich Fasching absolut nicht abkann?
Marc (besserwisserisch): Nicht Star Wars, Haasenzahn, sondern Star Trek. Da gibt es Unterschiede.
Gretchen (zuckt unwissend mit den Schultern): Ach echt?

Wusste ich gar nicht. Hätte vielleicht doch besser recherchieren sollen. Egal. Das funktioniert auch so. Hoffe ich. Sollte unbedingt meine Komplizinnen noch einmal anrufen.

Oh Mann! Herrgott, was hab ich getan, dass du mich mit dieser Frau strafst! Geduld, Meier, hier hilft nur Geduld! Und morgen ganz, ganz viel Alk. Dann geht der Albtraum schneller vorbei.


Marc (wesentlich ruhiger als vorhin): Aber was ich nicht verstehe, Haasenzahn, was haben Kaiser Franz und seine Ische da oben im Weltraum zu suchen? Also ich hab die Bully-Filme irgendwie anders im Kopf.
Gretchen (schaut ihn etwas verlegen an, da sie weiß, dass der Plan etwas unausgereift ist): Na ja, ich dachte halt, ich erweitere das Ganze allgemein auf berühmte Film- und Fernsehfiguren. Ich wollte mich nicht unbedingt als Monster verkleiden müssen wie in diesen Star...dings...du weißt schon. Wo bleibt denn da die Romantik? Das ist schließlich eine Hochzeit.
Marc (zynisch): Eine Horrorzeit wäre aber auch ein schönes und so passendes Motto gewesen. Gerade für unseren beliebten Leichenfledderer.
Gretchen (klapst ihm empört auf seine kaiserliche Uniform): Du bist so blöd.
Marc (sieht sie sanftmütig an u. zieht sie in seine Arme): Bin ich nicht. Ich bin klug, sexy und unwiderstehlich. Aber nicht in diesem Fetzen hier. Wenn hier schon jeder als was auch immer kommen kann, dann will ich das auch.
Und ich weiß auch schon als was.
Gretchen (seufzt u. senkt ihren Kopf enttäuscht an seine Schulter u. zieht den Geruch ihres widerspenstigen Freunds, vermischt mit dem Duft von Mottenkugeln am Kaiserkostüm, ein): Ach Marc!
Wieso kann er mir nicht einmal einen Gefallen tun? Wir würden so toll als Romy und Karlheinz ausschauen.
Marc (will sie mit einem lockeren Spruch aufmuntern): Kannst ja trotzdem als Sissi gehen, hmm. Dein Dekolletee sah echt scharf in dem Fummel aus.
Gretchen (stößt ihn empört von sich): Boah! Idiot!

Marc lachte nur und zog sein widerspenstiges Mädchen wieder in seine Arme, die er fest hinter ihrem Rücken verschloss, damit sie nicht mehr abhauen konnte, und küsste sie sanft und sehr überzeugend auf die Lippen. Gretchen konnte gar nicht anders, als den zärtlichen Kuss mit ihrem persönlichen „Kaiser“ zu erwidern. Gefühlvoll streichelten sie sich und ließen die Zeit stillstehen. Verträumt dachte Gretchen darüber nach, wie sich wohl Romy Schneider damals in dieser traumhaften Rolle gefühlt haben mochte. Eine Rolle, die sie nie wieder losgeworden war, nebenbei bemerkt. Obwohl Gretchen sich nichts Schöneres hätte vorstellen können. Sie liebte diese Filme einfach. Schon als kleiner Hüpfer durfte sie abends immer länger aufbleiben, wenn die Sissi-Trilogie im Fernsehen lief. Ihre Mutter, die diese Filme mindestens genauso sehr, wenn nicht sogar noch mehr liebte, zelebrierte diese Abende immer regelrecht. Sehr zum Leidwesen von Franz, dessen Name dann immer durch den Kakao gezogen wurde. Selbst Jochen, der sich immer wahnsinnig an diesen Kitschabenden gelangweilt hatte, hatte dann seinen Spaß dabei gehabt. Die Kostüme, die Landschaften, die Kulissen, die Geschichte selbst. Gretchen schwärmte einfach für alles davon.

„Sissi“ war für sie der Inbegriff von einem wahr gewordenen Märchen. Für Romy Schneider war es am Ende ein nicht enden wollender Fluch. Aber damals, als sie diese Rolle gespielt hatte, musste das doch wunderbar gewesen sein, dachte Gretchen schwärmerisch. Und ihr Filmpartner hatte sich sicherlich nicht so sehr gesträubt, wie ihr Oberarzt es gerade eben tat. Was war denn schon dabei? In ihren Träumen hatte Marc Meier doch auch schon alle möglichen Rollen zu ihrer vollsten Zufriedenheit verkörpert. Vom charismatischen Märchenprinzen, der sie aus dem Turm befreite, einem wilden Cowboy, der sie vorm Marterpfahl rettete, bis hin zu einem düsteren Vampir, der sie aus grenzenloser Liebe zu seiner eigenen Art machen wollte, war schon alles dabei gewesen. Sie seufzte verträumt, intensivierte den Kuss und strich dem Helden ihrer Träume sanft über den angespannten Oberkörper. Gott, und wie weich sich der Stoff von seinem Kostüm anfühlte. Und er sah so gut darin aus. Richtig erhaben. Majestätisch. Mächtig. Sexy. Sie geriet richtig ins Schwärmen und stellte sich als Kaiserin Sissi in einem weiten weißen Rauschekleid vor, wie sie mit ihrem geliebten „Franzl“ über das Parkett eines vergoldeten Ballsaals schwebte. Und tatsächlich drehten sich die beiden unbemerkt im Kreis, so als ob sie gerade zu einem Wiener Walzer tanzen würden.

In diesem Moment löste sich der märchenhafte Tanzpartner jedoch von seiner verträumten und in anderen Jahrhunderten schwebenden Freundin, als er neben sich ein verräterisches Rascheln und ein kindisches Kichern vernahm. Lilly! Na warte, die war jetzt fällig, beschloss Marc spitzbübisch, drehte sich schnell um und wollte sie packen. Aber da war sie nicht. Hä? Er stutzte und schaute sich um. Er traute seinen Augen kaum. Ihm klappte regelrecht die Kinnlade herunter, als er auf einmal ein hellbraunes plüschiges Etwas mit riesigem Kopf, Glubschaugen und großen Ohren aus Gretchens Kostümkiste klettern sah, das annähernd Ähnlichkeit mit so etwas wie einem Tier hatte. Es könnte sich aber auch um einen Kartoffelsack gehandelt haben.


Lilly Kaan als Bambi Image and video hosting by TinyPic




Quelle: Google Pics



Marc (entsetzt): Oh Gott! Was... zum Teufel... ist ... das?
Lilly (dreht sich begeistert vor den beiden staunenden Erwachsenen im Kreis herum u. präsentiert sich): Oh ist das toll. Darf ich das zum Fasching in der Schule anziehen, Gretchen?
Wie süß!
Gretchen (streichelt ihr schmunzelnd über das weiche Kostüm u. drückt das Bambi an sich): Aber natürlich, mein Schatz.
Lilly (fällt ihr glücklich um den Hals u. schaut dann erwartungsvoll zu ihrem großen Freund in der schicken weiß-roten Uniform hoch): Jippi!!

Abfällig musterte Marc derweil Lillys „Kartoffel“-Kostüm, schüttelte fassungslos den Kopf und ging dann vor dem kleinen Rehkitz mit den großen braunen Augen in die Knie, was sich in engen Strumpfhosen als äußerst schmerzhaft erwies. Die Hose riss an delikater Stelle, was durch den langen Mantelumhang zum Glück verdeckt werden konnte. Marc räusperte sich peinlich berührt, schaute kurz zu seiner Freundin hoch, die sich arg darum bemühte, ihr Lachen zu unterdrücken, und fixierte dann Lilly mit seinen eindringlichen Blicken...

Marc: Äh... Ich glaube, ich muss dir da mal was erklären, Lilly... Bärchen. ... Du hast jetzt nicht ernsthaft das böse B-Wort benutzt, Meier? ... Wird sofort aus dem Wortschatz gelöscht! ... Ähm... Etwas Entscheidendes, was deine schulische Laufbahn betrifft. Also zück deinen rosa Lillifee-Stift und merk dir das! ... Kuhkostüme kommen gar nicht gut, wenn man dauerhaft bei seinen Mitschülern beliebt bleiben will.
Gretchen (schüttelt sprachlos den Kopf): Das ist ein Bambi, Marc.
Lilly (stampft trotzköpfig mit dem Fuß auf): Genau!
Marc (schadenfroh): Das ja im Film vor die Flinte geriet, ne.
Gretchen (blitzt ihn böse an): Witzig! Das war die Mutter.
Marc (grinst): Egal! Leckeres Rehrückensteak. Mmmm.... Jammi.
Gretchen (entsetzt): Marc!
Lilly (sieht den amüsierten Oberarzt mit großen Kulleraugen fragend an): Aber das Kostüm ist so schön weich und kuschelig. Willst du mal fühlen?
Marc (weicht zurück): Äh...nein! Es mag ja sein, dass es ganz angenehm ist, wobei ich nebenbei bemerkt so meine Bedenken habe, was sich da schon alles drin verfangen haben könnte.
Gretchen (beleidigt): Marc! Die Kiste war verschlossen.

Marc wandte sich lachend ab und kramte nun als nächstes in der großen Truhe und zog ein rosafarbenes Prinzessinnenkleid heraus, das er erst einmal skeptisch hin und herdrehte und dann Lilly in die Hand drückte...

Marc: Hier! Das ist viel... cooler.
Wie man’s nimmt. Was mache ich hier eigentlich?
Lilly (strahlt): Oah! Das hab ich ja noch gar nicht gesehen. Ist das schön. Darf ich, Gretchen?
Gretchen (gibt sich lächelnd geschlagen): Aber natürlich. Aber nur noch das und dann Zähneputzen und ab ins Bett.
Lilly: Okidoki!

Lilly drückte erst Gretchen, dann Marc kurz freudestrahlend an sich, dann sprang das Bambi auch schon auf und rannte mit dem Kleid in der Hand schnurstracks davon ins Badezimmer, um sich dort umzuziehen. Schmunzelnd schauten die beiden Erwachsenen Mehdis Tochter nach, dann blickte Gretchen ihrem süßen Freund verliebt in die Augen...

Gretchen: Das ist so süß, wie du mit ihr umgehst. Weißt du das eigentlich?
Marc (wiegelt mit einer Armbewegung locker ab): Ach, Papperlapapp! Ich will nur nicht, dass sie heulend beim Frauenflüsterer aufkreuzt, nachdem ihr jemand in der Schule dumm gekommen ist. Der wird immer so schnell depressiv. Weißt du doch!
Gretchen (verdreht die Augen): Gar nicht wahr.
Marc (lachend nähert er sich Gretchens Ohr): Ich hab dir das nie gesagt, aber du sahst in dem Rehkostüm in der Fünften echt scheiße aus!

...sagte es und drehte seiner sprachlosen Freundin den Rücken zu, um wieder oben im Schlafzimmer zu verschwinden, um endlich dieses lästige schwule Outfit loszuwerden, das im Schritt so nervig zwickte. Gretchen ließ den spöttelnden Mann kommentarlos ziehen und starrte entgeistert auf die Kostümkiste, aus der eine bunte Ansammlung all ihrer verschiedenen und mit den Jahren angesammelten Faschingskostüme herausschaute, und erinnerte sich. Das hatte sie ja total vergessen gehabt. Beim Schulfasching vor zwanzig Jahren war ein armes, unschuldiges, bebrilltes, etwas zu gut genährtes Rehkitz von einer Horde gemeiner Jäger, mit Marc Meier als Anführer versteht sich, durch die Schulflure gehetzt worden. Ihr hatte man nur gesagt, sie würden harmloses Fangen spielen. Sie hatte doch nur dazugehören wollten. Naiv und frisch verknallt wie sie war hatte sie Marc natürlich sofort jedes Wort geglaubt und wurde leichte Beute. Nach der fiesen Treibjagd war das kleine blonde Rehkitz, das beim Hausmeister Zuflucht gesucht hatte, jedenfalls schlauer gewesen, denn es hatte überall ekelige Papierkugeln und Kaugummi im Kostüm kleben. Seitdem hatte sie Faschingsveranstaltungen in der Schule tunlichst gemieden. Marc Meier dagegen nicht. Bis heute nicht. Er hatte eben immer noch das gewisse Etwas an sich, das die Maus freiwillig in seine Falle locken konnte.

Lorelei Offline

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17.03.2012 15:03
#1250 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Nach dem schon recht eingespielten Gute-Nacht-Ritual, bestehend aus gemeinsamem Zähneputzen, einer wilden Handtuchjagd, einer gruseligen Märchenerzählung sowie einer spontanen Kissenschlacht, mit seiner kleinen nervigen Besucherin saß der frisch wieder für die Neuzeit umgezogene Oberarzt der Chirurgie immer noch an Lillys Prinzessinnenbett, ließ sich seine rechte Hand zerquetschen und betrachtete leicht amüsiert das süße neunjährige Mädchen, das tunlichst nicht einschlafen wollte und immer wieder unter der rosafarbenen Bettwäsche hervorblinzelte und ihrem geliebten Onkel Marc fröhlich Grimassen schnitt, anstatt die Monstern der Nacht zu begrüßen. Sie hörte gar nicht mehr auf, ohne Luft zu holen, drauflos zu plappern, wie ihr der Mund gewachsen war, und Marc fragte sich mittlerweile, wo diese freche Göre eigentlich ihre ganze Energie herhatte. Vom Papa, dieser langweiligen Socke, sicherlich nicht.

Nach Lillys fünfter begeisterter und euphorisch und ausschweifend vorgetragener Erzählung, wie toll es doch bei der Mama in den Ferien gewesen war und dass sie sogar mit dem Bewegungslegastheniker Mehdi einen Skikurs absolviert hatte, wobei sie eindeutig das größere Talent bewiesen hatte, hatte der genervte Babysitter, der nur mit einem Ohr und gähnend hingehört hatte, dann aber doch endgültig genug. Schließlich wartete noch eine andere süße Maus auf seine verdiente Rache, nachdem Haasenzahn ihn vorhin in dieses grottenhässliche altmodische mottenversiffte Kaiserkostüm gezwungen hatte. In großer Vorfreude auf das bald Folgende stand Marc also mit zuckenden grinsenden Mundwinkeln von der Bettkante auf, beugte sich über das Pferdekopfnachtschränkchen, auf dem auf Wunsch von Lilly das Goldfischglas mit Paul Anka platziert worden war, der die beiden stumm glucksend beobachtet hatte, und wollte das Nachtlicht löschen. Doch Lilly wollte noch nicht, dass ihr großer Freund ging und setzte sich wieder putzmunter und quengelig in ihrem Prinzessinnenbettchen auf und schaute ihn mit ihrem überzeugendsten Bambiblick an...

Lilly: Noch nicht gehen! Bleib doch noch, Onkel Marc! Bitte, bitte, bitte!
Ich bin nicht dein... Eins... zwei... drei... Ich bin... die Ruhe selbst. ... Boah, du bist echt verzweifelt, Meier. Du wirst doch wohl mit so einer kleinen Rotzgöre fertig werden? Mit Mehdi wirst du das doch auch immer. Dieselben Gene!
Marc (schüttelt entschieden den Kopf u. sein Finger rutscht schon auf dem Lichtschalter hin und her, ohne ihn aber zu drücken): Nix da, du kleine Nervensäge! Du weißt genau, dass wir morgen alle zeitig raus müssen, um dich in der Klinik deinen Großeltern zu übergeben.
Lilly (zieht einen Schmollmund u. wird trotzig): Kann ich nicht hier bleiben? Bei euch?
Soweit kommt’s noch!
Marc (rollt genervt mit den Augen u. setzt sich wieder hin, für die diplomatische Tour): Was denn? Hat da jemand etwa was gegen seine eigene Oma?
Bei Soraya Kaan natürlich völlig verständlich. Ich denke, ich überlasse die Übergabe Haasenzahn.
Lilly: Die waren doch erst vor ein paar Tagen bei der Mama in der Klinik.
Marc (sein Interesse hält sich in Grenzen u. er versucht es weiter mittels der Erpressungstaktik, die bei Lillys Vater immer so gut funktioniert): Ach? Na und? Deine Oma backt doch immer so gerne. Du magst doch Kuchen?
Einfallsreich, Meier, sehr, sehr einfallsreich. Was das Essverhalten betrifft, kommt sie ja eh ganz nach dem Papa. Hähä!
Lilly (strahlt ihn an): Jaaa! Kirschkuchen!
Es funktioniert. Ich bin so gut. Yeah!
Marc (erleichtert): Na also. Dann bringen wir dich morgen früh zu ihr und du kannst so viel Kirschkuchen essen, wie du magst.

Lilly (völlig unbeeindruckt): Ich will aber trotzdem hier bleiben. Bei dir.
Herrgott, noch mal, hab ich Honig an mir kleben oder was, dass sie so an mir klebt? Das ist anstrengend, verdammt! Sie ist anstrengend.
Marc (es ist zum Haare raufen mit dem Kind): Boah! Das geht aber nicht.
Lilly (sieht ihn mit großen Kulleraugen an): Warum denn nicht? Magst du mich nicht hier haben?
Oh Mann! Das ist fies, echt. Dieselben subtilen Spielchen wie Haasenzahn. Die beiden verbringen eindeutig viel zu viel Zeit miteinander. Mehdi sollte mal ein Machtwort sprechen.
Marc (allmählich wird die Überforderung spürbar): Äh... Doch! Also... natürlich. Ähm... Aber wie dein Papa auch, müssen Gretchen und ich morgen arbeiten. Frühdienst. Und du weißt doch, dass abends diese blöde, blöde Party hier ansteht.
Könnte immer noch mit Rössel den Dienst tauschen, um dem Irrsinn zu entkommen?
Lilly (kniet sich aufs Bett, stützt sich mit den Händen ab u. sieht Marc bettelnd an): Ich will aber auch auf das Kostümfest. Bitte!
Marc (muss unweigerlich schmunzeln): Wir können gerne tauschen, Lilly.
Lilly (klatscht begeistert in ihre Hände): Au ja! Du gehst zu meiner Oma und ich bleibe hier und ziehe das schöne Prinzessinnenkleid an.
So war das eigentlich nicht gedacht.

Marc (verzieht gequält sein Gesicht): Äh...lieber... nicht! Das mit dem Tauschen war ein Scherz. Das morgen ist eine ... Idioten... Erwachsenenfeier, da haben kleine Rehäuglein wie du nichts zu suchen. Am Samstag bist du doch dann mit dabei, wenn’s richtig ernst wird.
Der Gummersbach kann einem echt leid tun.
Lilly (ist zwar immer noch etwas enttäuscht, aber strahlt ihn schließlich fröhlich an): Ja! Ich freu mich schon so. Ich hab nämlich geübt.
Was? Nerven sägen! Da brauchst du keine Übung drin. Darin bist du schon eine Meisterin. Leider!
Marc (versteht nur Bahnhof, aber tut verständnisvoll): Ach?
Lilly (sieht Marc mit großen leuchtenden Augen an): Ja, mit meiner Mami.
Marc (hat immer noch keinen blassen Schimmer, worüber sie redet): Oh!
Lilly: Wir sind zusammen den langen Flur im Krankenhaus vorgelaufen. Immer wieder. Ich hab sie an der Hand gehalten und dann haben wir Opas Blumenstrauß zerpflückt.
Marc (grinst): War der so hässlich?
Lilly (grinst ebenso schelmisch): Nee, aber wegen dem Blumen streuen, weißt du. Ich bin doch mit Sarah Blumenmädchen bei Bines Hochzeit am Samstag. Vergessen?
Marc (verdreht wehleidig die Augen u. versucht, sich seine „Freude“ anmerken zu lassen): Klar! Natürlich! Das muss natürlich geübt werden.
Lilly (stolz): Eben!
Marc: Und deine Mutter, läuft es schon gut mit der Reha, also... mit dem... Laufen?
Lilly (nickt eifrig mit ihrem Köpfchen): Ja, ich bin ganz doll stolz auf sie. Seit unserer Ankunft dort hat sie keinen Rollstuhl mehr gebraucht.
Marc: Na das hört sich doch ganz gut an.
Ich bin so gut!

Dr. Meier zwinkerte Lilly fröhlich zu, zögerte einen Moment und wollte nun wirklich aufstehen und gehen, bevor der Frauenflüsterer seinen obligatorischen Kontrollanruf tätigte, falls er denn während seiner, sagen wir mal so, „Beschäftigungen“ überhaupt dazukam. Aber Mehdis Tochter hatte noch etwas auf den Herzen. Sie war gerade erst wieder unter die Bettdecke geschlüpft, richtete sich aber nun wieder auf und rutschte ans Kopfende ihres Bettes hoch und griff schnell nach Marcs Hand, als dieser sich erheben wollte. Widerwillig setzte er sich wieder auf die Bettkante und schaute die kleine Nervensäge misstrauisch von der Seite an. Was kam jetzt? Irgendwie hatte er plötzlich ein ganz mulmiges Gefühl. Verlegen senkte Lilly ihren Blick und knabberte an ihrer Unterlippe herum, dann rückte sie langsam mit der Sprache heraus...

Lilly: Darf ich dich mal was fragen, Onkel Marc?
Sie wird es nie lernen. Das macht sie doch mit Absicht.
Marc (grinst sie spitzbübisch an): Wenn’s keine Löcher sind?
Lilly (runzelt verwundert die Stirn): Hä?
Marc (lacht): Wenn du mir keine Löcher in den Bauch fragen willst, meine ich.
Lilly (grinst nun ebenfalls, schüttelt den Kopf u. konzentriert sich auf ihre Frage, die ihr schon ein Weilchen im Kopf herumspukt, nur dass sie sich nie getraut hat, sie zu fragen): Hihi! Ach so? Nein, das nicht. Sondern ähm... ich wollte fragen, wieso... wieso du und Gretchen eigentlich keine Kinder habt?
Marc (starrt sie ungläubig mit offenem Mund an): Oh! Ääähhh...

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