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Lorelei Offline

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Beiträge: 7.274

25.11.2011 17:58
#1176 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

So ihr Lieben , nachdem Sabine verarztet ist , werden wir heute mal ein wenig Licht ins Dunkle bringen. Passt ja zur Jahreszeit. Kate, du lagst leider falsch, Anna ist nicht die polnische Cousine von Cedric. Ansonsten gingen eure Vermutungen schon in die richtige Richtung, aber nur fast. Viel Spaß mit dem nächsten Teil und danke auch an der Stelle noch mal für euer tolles Feedback. Liebe Grüße auch an die stillen Leser unter euch. Eure Lorelei




Etwa zur gleichen Zeit in einem Patientenzimmer

Ein paar Zimmer weiter war die Überraschung derweil groß. Cedric Stier stutzte. Diese Stimme? Und woher kannte sie seinen Vornamen? Er hatte sich der Patientin namentlich nicht vorgestellt, soweit er sich erinnern konnte. Neugierig geworden, linste er um die Ecke, staunte noch mehr, löste sich schließlich vom Türrahmen, vergaß seine Mary für einen Moment und trat einen Schritt ins Zimmer hinein. Anna Kaan hatte sich aufgerichtet und lehnte mit dem Rücken am Kopfende ihres Bettes und sah dem attraktiven Arzt direkt ins Gesicht, als er hereinkam. Also doch! Sie war kein Hirngespinst seines durcheinander geratenen Verstandes gewesen. Sie war es tatsächlich! Wow! Und bildschön wie damals. Auch wenn er in seinem Leben schon sehr viele Frauen getroffen hatte und sich mit Sicherheit nicht mehr an jedes einzelne Gesicht erinnern konnte, dieses hier war ihm aber dennoch in Erinnerung geblieben. Ebenso wie die Person, zu der es gehörte. Er hatte sie nach all den Jahren sofort wieder erkannt und sprach sie auch gleich direkt an...

Cedric: Angélique? Und ich dachte schon, ich hätte mich vorhin getäuscht.
Anna (erschaudert kurz, aber überspielt es schnell mit einem knappen Lächeln): So hat mich schon seit über zehn Jahren niemand mehr genannt.

Cedric erwiderte ihr schüchternes Lächeln und kam näher an das Patientenbett heran und überflog kurz ihre Krankenakte am Fußende, dann sah er sie wieder mit einem charmanten Augenzwinkern an...

Cedric: Anna! Ich weiß gar nicht, welcher besser klingt, dein engelhafter Künstlername oder dein richtiger Name. Ich vermute mal, du bist auch keine Französin?
Anna (grinst): Dass ihr Männer einem auch immer alles abnehmt, was man euch vormacht.
Cedric (muss selber darüber schmunzeln): Bei deinem Anblick denkt man(n) eben nicht mehr so viel nach.
Anna (geht auf dein kleinen wohltuenden Flirt ein): War das ein Kompliment?
Cedric (zwinkert ihr zu): Natürlich!
Anna (geht auf seine Charmeoffensive ein u. erinnert sich): Dass du dich überhaupt noch an mich erinnerst! Wie geht es deinem Kumpel? Ist er glücklich verheiratet?
Cedric (zieht sich einen Stuhl ans Bett heran, auf dem er sich niederlässt, schaut wieder auf u. zuckt unwissend mit den Schultern): Keine Ahnung. Seit diesem Abend waren wir keine Kumpel mehr.
Anna (erstaunt): Ach?
Cedric (klärt sie augenzwinkernd auf): Er hat es mir übel genommen, dass ich mit dir abgezogen bin. Die sexy Lady aus der Torte ist doch eigentlich immer für den Junggesellen bestimmt oder?
Anna (wird etwas rot u. räuspert sich verlegen): Ähm... Normalerweise wäre ich noch nicht mal mit den Bräutigamen mitgegangen.
Cedric (lehnt sich grinsend an die Stuhllehne zurück): Ehrencodex unter euch... Stripp... äh... exotischen Tänzerinnen, mhm? Na ja, aber ich war ja zum Glück auch nicht der Bräutigam.
Anna (senkt ihren Blick, als sie sich an diesen einen Abend zurückerinnert, an dem sie einmal nicht ihrem „Job“ nachgegangen ist, sondern einfach nur unbeschwert Spaß hatte): Stimmt!
Cedric (ist dann doch neugierig geworden u. beugt sich nach vorn): Wie ist es dir ergangen? Du warst plötzlich verschwunden und in dem Club wusste auch niemand, wo und wie man dich erreichen konnte. Die schienen ziemlich sauer auf dich zu sein, haben mich sogar bedroht und verdächtigt, mit deinem Verschwinden irgendetwas zu tun zu haben.
Anna (schluckt): Du warst noch mal da?
Cedric (lächelt sie verschmitzt an): So eine unvergessliche Nacht vergisst man nicht so schnell. Auch nach all den Jahren nicht.
Anna (ist nicht zum Lachen zumute u. will auch nicht mehr an ihre dubiose Vergangenheit erinnert werden): Ich bin ausgestiegen. Das ist alles.
Cedric (zwinkert ihr frech zu): Schade eigentlich!
Anna (geht nicht darauf ein u. reagiert plötzlich distanziert): Das Milieu war einfach nichts für mich. Nichts Längerfristiges meine ich. Und mit den Typen war nicht zu spaßen.
Cedric (spürt das ihr das unangenehm ist u. lenkt das Thema schnell auf eine andere Sache, die ihn brennend interessiert): Verstehe! Und... du bist jetzt also mit dem Kaan verheiratet?
Anna (damit trifft er aber einen weiteren schmerzhaften Punkt bei ihr): Wir werden uns scheiden lassen.
Cedric (räuspert sich peinlich berührt u. kuckt sie entschuldigend an): Oh! Das... ähm... tut mir leid. Ich wollte dir nicht zu nahe treten.
Anna (schenkt ihm ein knappes Lächeln): Lange Geschichte.
Cedric (unsicher): Ähm... wenn du quatschen willst, dann... ähm... Ich meine, dein Mann ähm... scheint ja hier ziemlich viel Anklang bei der weiblichen Belegschaft zu haben und ich kann verstehen, dass das nicht leicht...
Anna (schaut ihn ziemlich verdutzt an u. stellt das klar): Das mit Mehdi, also dass wir uns höchstwahrscheinlich scheiden lassen, hat nichts, aber auch gar nichts mit ihm zu tun. Das ist alles allein meine Schuld. Ich hab ziemlich viel Scheiße gebaut, musst du wissen. Nichts, dass man verzeihen kann.
Cedric (lässt sie gar nicht erst weiterreden u. wird nun selber wehmütig): Ich auch.
Anna (überrascht): Oh! Hat das was mit der brünetten Ärztin zu tun?
Cedric (etwas verlegen, da sie offenbar doch etwas davon mitbekommen hat, was im Vorzimmer vorgefallen ist): Zum Teil, ja, aber...
Anna (diesmal lässt sie ihn nicht ausreden): Dann bilden wir wohl schon fast eine Schicksalsgemeinschaft, mhm?
Cedric (sieht sie schmunzelnd an): Schaut fast so aus.

Beide lachten auf und spürten mit einem Mal diese gewisse Vertrautheit, die sie, obwohl sie eigentlich Fremde waren und nicht wirklich etwas vom anderen wussten, unvoreingenommen miteinander umgehen ließen. Eine Tatsache, die beide gerade in diesen Minuten, in denen alles in ihrem Leben unsicher geworden war, gut gebraucht konnten, die ihnen aber auch zum Verhängnis werden konnte. Denn plötzlich wurde die Außentür aufgerissen und ein Weißkittel kam unangemeldet ins Zimmer gerauscht und sah sich hektisch darin um, ohne wirklich auf die Anwesenden zu achten...

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.274

26.11.2011 23:30
#1177 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Maria: Tut mir leid, dass ich noch mal störe, Anna, aber die Schwester hat irgendwo meinen Autoschlüssel hingelegt und ich... ich... ähm... Was... machst DU denn noch hier?

Maria Hassmann hielt plötzlich in ihrer Bewegung inne, als sie ihren Exmann im vertrauten Gespräch mit Anna Kaan erkannte. Eine Tatsache, die sie ziemlich verwirrte und durcheinander brachte. Irritiert starrte sie die beiden mit offenem Mund an, die nicht minder überrascht auf ihr Gegenüber reagierten...

Cedric (ertappt): Maria?
Anna (schaut sich suchend um): Oh! Der Schlüssel liegt hier neben dem Bett. Tut mir leid, aber ich kann mich gerade nicht danach bücken. Bin etwas gehandicapt, wie Sie wissen.

Maria folgte Annas Blicken, brachte aber noch immer nicht wirklich ein Wort heraus...

Maria: Ähm... ja. Ich... Danke!

Die sichtlich nervöse Neurologin erwachte schließlich aus ihrer kurzzeitigen Starre und trat neben Annas Bett und fand ihren Autoschlüssel tatsächlich vor dem kleinen Nachtschränkchen liegen, wo Schwester Sabine vorhin noch gestanden hatte. Sie hob ihn auf und begab sich wieder zur Zwischentür, wo sie noch einmal innehielt und zurückblickte. Irgendetwas kam ihr komisch an der Situation vor. Cedric war überhaupt nicht vorlaut zu ihr. Ungewöhnlich! Zumal sie vorhin so abrupt vor ihm geflüchtet war. Wieso saß er hier neben Anna Kaan und scherzte mit ihr? Das sah fast so aus, als ob... Woher...? Nein! Das konnte nicht sein. Woher auch. Aber dennoch spürte sie ein seltsam flaues Gefühl in ihrer Magengegend. Sie zeigte mit ihrem ausgestreckten Arm zwischen den beiden hin und her...

Maria: Stör ich euch etwa?
Cedric (aufgesetzt cool): Äh... Nein!
Anna (reagiert unbedarft): Wir kennen uns von früher.

Maria klappte ihren Mund auf und schnappte nach Luft. Sie blickte ganz langsam von dem einen zur anderen und wieder zurück und zählte schließlich eins und eins zusammen. Ihr blieb auch echt nichts erspart. Mistkerl! Ihre Hände verkrampften sich um ihren Autoschlüssel und ließen die Knochen weiß hervorstehen. Sie war entschlossener denn je und warf Cedric, der peinlich berührt für eine Sekunde die Augen geschlossen und sich an einen anderen Ort gewünscht hatte, noch einen unmissverständlichen letzten Blick zu und verließ anschließend leise vor sich hin murmelnd mit schnellen Schritten das Zimmer...

Maria: Ach? So ist das? Wieso überrascht mich das nicht?

Cedric und Anna tauschten irritierte Blicke miteinander aus und starrten dann zur Tür, die gerade krachend ins Schloss gefallen war....

Anna: Was war das denn eben? Hab ich was Falsches gesagt?
Cedric (zuckt mit den Schultern u. steht schließlich von seinem Stuhl auf u. schiebt diesen zurück in die Ecke, wo er ihn hergeholt hat; er wirkt etwas durcheinander u. will ebenfalls gehen): Na ja, wie man’s nimmt. Obwohl...? Mhm? ... Das war doch lange vor unserer Zeit. ... Ich... ähm... Entschuldige, aber ich muss...
Anna (beobachtet ihn argwöhnisch): Verstehe! Seid ihr... zusammen?
Cedric (zuckt zusammen u. dreht sich wieder zu ihr um): Was? Nein! Wir... wir waren es mal. Sie ist meine... Frau ähm... meine Exfrau.
Anna (schmunzelt, weil er plötzlich sichtlich nervös wirkt u. sein Gesicht Bände spricht): Oh! Und du willst sie zurückgewinnen? Stimmt’s?
Cedric (wiegelt ertappt ab): Was? Quatsch! Das... nein... ähm...
Wie kommt sie denn darauf? Ist das etwa schon so offensichtlich, dass es Fremden auffällt? Oh Gott! Reiß dich endlich zusammen, Stier! Du benimmst dich wie der letzte Dorfdepp hier.
Anna (hat ihn durchschaut u. sieht ihn eindringlich an): Vielleicht solltest du ihr einfach sagen, was du von ihr willst.
Cedric (ist etwas überfordert davon, dass eine völlig Fremde ihm so am Kragen gepackt hat, u. will die Oberhand zurückgewinnen): Hast du das bei deinem Noch-Ehemann auch getan?
Anna: Ich weiß, wann ich verloren habe, Rick.
Cedric: Dafür schmachtest du ihm aber noch ganz schön hinterher.
Anna (getroffen): Mit dem Vergessen ist es eben manchmal nicht so leicht.
Cedric (seufzt u. sieht sie entschuldigend an): Ich weiß, was du meinst.
Anna (blickt ihn durchdringend an): Dann solltest du ihr auch hinterher und es ihr sagen. Du weißt gar nicht, wie gut mir die Aussprache mit meinem Mann getan hat. Klar, ist es anfangs schwer, zu akzeptieren, dass man sich nach vielen glücklichen Jahren so weit voneinander entfernt hat, dass es kein Zurück mehr geben wird, und dass er mittlerweile eine neue Partnerschaft eingegangen ist, aber mich hat es weitergebracht. Wir sind dabei eine neue Basis zu schaffen, auch für unsere gemeinsame Tochter, und ich freue mich aufrichtig für ihn, dass er es geschafft hat, wieder jemanden zu vertrauen, der ihn glücklich macht. Bei mir gibt es keine Hoffnung mehr und ich hab mich damit abgefunden, aber bei dir bin ich mir nicht so sicher. Ich bin nur Beobachterin, aber so wie es ausschaut, hat Dr. Hassmann noch Gefühle für dich. Du solltest die Chance nutzen, wenn du sie wirklich zurück haben willst.
Cedric (starrt sie sprachlos an): Bist du hier Patientin oder als Psychologin inkognito unterwegs?
Anna (lacht): Nein, aber als Frau, die einmal sehr geliebt hat, erkenne ich so was.
Cedric (verschränkt seine Arme vor seinem Körper u. lehnt sich mit seinem Rücken an die Schranktür): Ah ja!? Vielleicht solltest du dir dein Liebesradar patentieren lassen. Du könntest ein Vermögen damit verdienen. Mhm? Oder auch verlieren.

Anna lachte auf. Cedric setzte nach kurzem Zögern ebenfalls mit ein. Er zwinkerte ihr zu und wollte sich nun endgültig verabschieden. Er war schließlich immer noch im Dienst und hatte Verpflichtungen.

Cedric: War schön, dich wieder zu sehen, Anna. Darf ich wieder vorbeikommen?
Anna (lächelt ihn an): Klar, ich komme hier nämlich nicht so leicht weg, wie du vielleicht mitbekommen hast. Da tut jede Ablenkung gut, die die Langeweile verkürzt.

Die Patientin deutete mit einer lockeren Geste auf ihre Beine, die in eine weiß-gelbe Bettdecke gehüllt waren. Dr. Stier warf ihr einen mitfühlenden Blick zu, aber nicht zu lange, weil er wusste, dass Mitleid keinem Patienten etwas brachte...

Cedric: Wie ist das überhaupt passiert?
Anna (seufzt): Wie gesagt, lange Geschichte.
Cedric (lächelt sie aufmunternd an): Dann haben wir ja etwas, wo wir das nächste Mal anknüpfen können.
Anna (murmelt leise): Vielleicht.

Cedric nickte Anna noch einmal charmant zu und verließ anschließend ihr Krankenzimmer. Er hatte gerade die Tür hinter sich geschlossen und fuhr sich nachdenklich über seinen Nacken, als er erkannte, dass Maria am anderen Ende des Flurs vor den Fahrstühlen stand und offenbar vorhatte zu gehen, denn sie wickelte sich gerade einen dicken lilafarbenen Schal um ihren grazilen Hals. Der Neurochirurg zögerte nicht lange. Seine Beine setzten sich schon fast von alleine in Bewegung und er stürmte im Sprint den langen Gang der Chirurgie vor. Auf Höhe des Büros von Dr. Meier wäre er beinahe mit Dr. Kaan zusammengestoßen, der gerade aus dem Zimmer trat, aber noch einmal zurückblickte. Cedric hörte nur beiläufig die vertrauten Stimmen aus dem Hintergrund und machte rechtzeitig einen Schlenker, um dem frauenverstehenden Hindernis auszuweichen...

Mehdi: Bis morgen dann!
Marc: Klingel einfach durch, wenn du dich entschieden hast. Wie gesagt, wir treffen uns morgen erst mit dem Makler und machen die Wohnung fix.
Gretchen (plappert fröhlich dazwischen): Also ich würde mich jedenfalls freuen, wenn ihr bei uns im Haus leben würdet, Mehdi.
Mehdi (grinst vergnügt): Echt?
Marc (genervt): Boah Haasenzahn!
Gretchen (zickig zurück): Ja was? Das wäre doch so schön. Dann könnten wir uns immer gegenseitig besuchen, Kaffee trinken, quatschen, mit Lilly spielen und...
Mehdi (schmunzelt, spürt aber plötzlich den Windschatten im Nacken u. sieht Dr. Stier irritiert hinterher, was ihn von dem Gespräch mit seinen besten Freunden ablenkt): Also wenn ich noch mal was dazu sa... Huch! Was hat der es denn so eilig? Ähm... Wo war ich? Ach so! Äh... Ich meld mich noch mal, jetzt wartet Gabi aber auf mich. Wir feiern doch heute noch bei meinen Eltern.
Marc (ironisch): Na dann noch viel Spaß!
Gretchen: Ich hab Lilly übrigens ein Stück Kuchen von gestern Abend aufgehoben.
Mehdi (lacht u. verabschiedet sich endgültig): Das hab ich schon gesehen. Danke! Sie wird sich freuen. Macht’s gut, ihr beiden.
Marc (macht keinen Hehl daraus, dass er ihn endlich loswerden will, hat Mehdi ihn doch schon lange genug von seiner Arbeit abgehalten): Ja, ja! Und tschüß! Und mach die Tür von außen zu.
Gretchen: Marc! Bis morgen, Mehdi.

Cedric Stier hatte von der Unterhaltung der drei Freunde nur ein paar flüchtige Wortfetzen mitgeschnitten und es interessierte ihn auch ziemlich wenig, was die drei zu bequatschen hatten. Er setzte gerade zum Sprint an, als der Fahrstuhl seine Türen schließen wollte, und preschte mit seiner rechten Hand schnell nach vorn in die Lichtschranke. Die Stahltüren öffneten sich erneut einen Spalt und er verschwand noch rechtzeitig mit im Aufzug, als dessen Türen sich endgültig schlossen. Maria, die sich gerade im Spiegel zurechtgemacht hatte und ihren Mantel zuknöpfte, wich erschrocken einen Schritt zurück und fauchte ihr schnaufendes und nach Luft japsendes Gegenüber auch sofort böse an, nachdem sie erkannt hatte, wer sie hier schon wieder in Bedrängnis brachte...

Maria: Spinnst du? Was soll das? Kannst du mich nicht endlich in Ruhe lassen?

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.274

28.11.2011 17:18
#1178 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo zusammen! Ich weiß, ihr brennt darauf zu erfahren, was im Fahrstuhl passiert , aber mir ist gerade aufgefallen, dass wir schon lange keinen reinen Martchen-Teil mehr hatten. Diesem Fauxpas muss unbedingt sofort entgegengewirkt werden. Viel Spaß jetzt mit unseren Lieben und schönen Wochenstart. Eure Lorelei




Kaum hatte Dr. Kaan das Büro seines besten Freundes verlassen und Dr. Haase wollte seinem Beispiel folgen und sich wieder ihrem Dienst auf Station widmen, wurde sie auch schon von einer starken männlichen Hand daran gehindert und zum Schreibtisch zurückgezogen und fand sich alsbald auf dem Schoss ihres attraktiven Oberarztes wider. Sie kämpfte natürlich vehement und lautstark gegen diese fiese Freiheitsberaubung an, was Dr. Meier aber nicht daran hinderte, sie nur noch fester in seine Arme einzuschließen...

Gretchen: Maaarc, was machst du denn? Ich muss los.
Marc: Papperlapapp! Ich bin der Chef hier. Und du musst erst mal gar nichts, sondern nur das hier.

Und bevor die überrumpelte Frau hätte reagieren können, hatte Marc seine Lippen auch schon ziemlich entschlossen auf die ihren gelegt und stahl seiner bildschönen Assistenz einen süßen Kuss. Allein schon der Hauch einer Berührung seiner warmen weichen Lippen löste bei Gretchen etwas aus und führte dazu, dass sie jeglichen Widerstand und dienstliche Pflichten vergaß, sich gefühlvoll an seinen gestählten Körper schmiegte, ihre Arme um seinen Nacken schlängelte und seinen Hinterkopf sanft zu kraulen begann, während sie seinen stürmischen Kuss hingebungsvoll erwiderte. Minutenlang gaben sie sich ihrer unstillbaren Sehnsucht hin, bis sich die pflichtbewusste Assistenzärztin langsam wieder von ihm löste, sich nervös mit der Zunge über ihre Lippen strich, sich versuchte zu sammeln und ihren frechen Verführer nun mit glutroten Wangen und glänzenden Augen lächelnd anblickte. Dieser erwiderte ihre verliebten Blicke mit einem verschmitzten zufriedenen Lächeln auf den Lippen und einem wohligen Kribbeln in seinem Bauch.

Gretchen: Du bist unmöglich, weißt du das.
Marc (schlingt seine Arme nur noch fester um ihre schmale Taille u. grinst sie auf seine ganz spezielle Art und Weise an): Du wolltest wohl unwiderstehlich sagen?
Gretchen (ihre Augen blitzen auf u. sie versucht, seine Umklammerung etwas zu lockern u. eine noch bequemere Position einzunehmen): Nein! Unmöglich trifft es am besten. Und unverschämt und unangebracht. Marc, was sollte das gerade?
Marc (stupst mit dem Finger ihr süßes Stupsnäschen an u. raubt ihr anschließend noch einen kleinen Schmatzer): Ein kleiner Kuss zwischendurch wird doch wohl noch erlaubt sein.
Hab ich gebraucht nach der ganzen Scheiße mit dem arroganten Angeber gerade.
Gretchen (räuspert sich verwirrt nach dem kurzen Kuss, sammelt sich aber schnell wieder, um ihren Freund für sein unverschämtes Verhalten zurechtzurücken): Du weißt genau, dass ich das nicht gemeint habe, Marc. Das vorhin. Kannst du den kindischen Kleinkrieg mit Cedric nicht endlich kleinbeilegen? Ihr habt euch echt unmöglich aufgeführt.
Marc (verdreht genervt die Augen u. lässt den Trotzkopf heraushängen): Er hat doch damit angefangen. Und was heißt hier, Cedric? Duzt ihr euch etwa?
Gretchen (rollt nun ihrerseits mit den Augen, als er sie missbilligend ankuckt): Er wollte nur helfen und du musst gleich eine ganze Staatsaffäre daraus machen. Und ja, er hat mir das Du angeboten und ich hab es angenommen.
Marc (gleich wieder auf 180 zieht er über ihn her): Dieser miese hinterlistige Sack! Ich hab doch gewusst, dass der dich angräbt. Allein schon sein Blick vorhin.
Gretchen: Ach ist es das? Du bist eifersüchtig? Führst du dich deshalb wie der letzte Torero auf?
Marc (trotzig wie ein kleines Kind): Bin ... ich ... nicht! Der Kerl geht mir nur tierisch auf den Senkel.
Na super! Der Gockel ist wieder da. Ich hab ihn so vermisst. Vorsicht: Ironie!
Gretchen (glaubt ihm kein Wort u. rückt ihn zurecht): Klar! Natürlich! Aber das muss aufhören, Marc. Ihr benehmt euch wie Fünfjährige, die sich darum streiten, wer mit dem Trecker spielen darf, und das vor den Patienten. Das ist alles andere als professionell. Das müsstest du doch auch gemerkt haben.
Marc (eingeschnappt u. uneinsichtig): Dann soll er sich gefälligst aus Dingen raushalten, die ihn nichts angehen. Ich meine, was schnüffelt er denn da überhaupt herum. Das ist nicht seine Station.
Gretchen: Vielleicht interessiert er sich ja auch für den Fall.
Marc (regt sich noch mehr auf): Das wäre ja noch schöner. Ich lasse mir hier nichts wegnehmen und von ihm schon mal gar nicht. Ich hab schon viel zu viel Zeit und Mühen in meine Habilitation gesteckt, als dass ich mir von so einem dahergelaufenen Gehirnklempner und Charitéverlierer in meine Arbeit reinreden lasse.
Super Gretchen, das hat ja wunderbar funktioniert. Dass er aber auch so eine Mimose sein muss, wenn es um seine Arbeit geht.
Gretchen (versucht ihren Schmollhasen zu beruhigen): Marc, das kann dir doch auch niemand mehr wegnehmen. Ist dir nicht einmal der Gedanke gekommen, dass er dir vielleicht Respekt zollt für deine Erfolge?
Marc (zieht ungläubig eine Augenbraue nach oben): Ich bitte dich. Der weiß doch gar nicht, wie man das buchstabiert. Und so wie der gerade mit seinem Namen geprahlt hat? Der will doch auch nur ein Stück von der großen Torte abhaben. Aber da hat er sich geschnitten. Die sind nämlich alle schon verteilt und aufgefuttert worden, was beim Fall Kaan auch nicht sonderlich verwunderlich ist.
Na ja, zumindest hat er seinen Humor nicht verloren.
Gretchen (ist mit ihrem Latein mittlerweile am Ende u. will es ruhen lassen): Ok, ok, ich sehe schon. Wir kommen hier nicht mehr weiter. Aber reiß dich in Zukunft bitte zusammen, Marc! Du weißt, dass Papa seine Ohren überall hat. Er hält gute Stücke auf Dr. Stier. Also gib ihm einfach eine Chance. Jeder hat eine zweite Chance verdient.
Marc (bockig): Ich geb dem gar nichts.
Aaaaahhhhh!!! Ich geb’s bald auf! So ein Sturkopf!
Gretchen (hat endgültig genug von dem Theater): Marc, jetzt ist aber mal Schluss damit! Was habt ihr denn davon, wenn ihr euch hier ständig die Köpfe einschlagt? Das schadet nur dem Betriebsklima. So wie du dich aufführst, muss doch noch mehr dahinter stecken als nur ein kleiner Ideenklau zu Studienzeiten?

Diese verharmlosende Bemerkung von Gretchen war zu viel für den bereits eingeschnappten Chirurgen und brachte das Fass zum Überlaufen. Schließlich handelte es sich hierbei nicht um eine belanglose Bagatelle, sondern den Höhepunkt einer beispiellosen Rivalität. Fassungslos klappte Marc seine Kinnlade herunter, starrte sein verständnisloses Gegenüber an, lief rot an und deutete mit ausgestrecktem Zeigefinger auf seine Freundin. Wie ein Tornado brach es dann aus ihm heraus, dass Gretchen erschrocken zusammenzuckte und fast von seinem Schoss gerutscht wäre...

Marc: Kleiner Ideenklau? Wegen DEM hätte ich fast das ganze letzte Studienjahr noch mal wiederholen müssen und wäre nicht zur Abschlussprüfung zugelassen worden. Dann hätte ich die Assistelle bei deinem Vater nicht bekommen. Ich hätte nie hier angefangen, wäre nie jüngster Oberarzt Deutschlands geworden und wir beide wären uns nie wieder begegnet.
Gretchen (schaut ihn ziemlich verdattert an): Jetzt übertreibst du aber.
Marc (schüttelt den Kopf): Denk mal darüber nach! Und das alles nur weil dieser Wichser keine eigenen Forschungsideen aufzuweisen hatte.
Gretchen: Marc, ich kenne die Geschichte. Seitdem Dr. Stier an Silvester hier aufgekreuzt ist, erzählst du nichts anderes mehr. Und da steckt nicht doch mehr dahinter? Was war damals wirklich zwischen euch?
Marc (sieht sie durchdringend an): Das willst du nicht wirklich wissen.

Lorelei Offline

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29.11.2011 15:01
#1179 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Doch Gretchen Haase hatte Lunte gerochen und war neugierig geworden. Denn jedes Mal, wenn sich die beiden Sturköpfe begegneten und Giftpfeile miteinander austauschten, beschlich sie diese vage Vermutung, dass da doch mehr als nur diese alte Räuberpistole zwischen den beiden lag. Sie kannte Marc schließlich gut genug. Nachtragend konnte er sein, das stimmte schon, aber irgendwann war auch das mal genug. Die jahrelangen Lügen seiner Mutter über seinen Vater hatte er schließlich auch verziehen. Aber warum Cedric Stier nicht? Gretchen wollte unbedingt Gewissheit und hakte weiter ungeduldig nach. Schließlich war es für die verliebte Frau immer spannend, etwas Neues über ihren Liebsten zu erfahren, was sie noch nicht wusste und womit die eine oder andere Tagebuchseite gefüllt werden konnte. Das war früher auf dem Schulhof auch schon so gewesen, wo jede noch so kleine Veränderung, jede neue Freundin, jede neue Klamotte oder neue Frisur und jede Schulnote nicht unkommentiert geblieben waren, während es ihm völlig schnuppe gewesen war, ob sie aus Liebeskummer die Haare rot gefärbt hatte, einen Scheinfreund erfunden hatte, um ihn aus der Reserve zu locken und eifersüchtig zu machen, ein neues Brillenmodell getragen hatte oder 10 Gramm abgenommen hatte und so doch noch in die enge Leggins gepasst hatte, die angeblich Beine und Po straffen würde. Was war da nur vorgefallen zwischen den beiden? Vor seinem Auftauchen auf dem Ärzteball und dann drei Wochen später im EKH hatte Marc Cedric Stier nie auch nur mit einer Silbe erwähnt gehabt, während sie die Studiengeschichten von ihm und Mehdi mittlerweile schon auswendig kannte.

Die wissbegierige Assistenzärztin wechselte ihre Position, um es sich bequemer zu machen. Sie legte ihre Beine über die Armlehne von Marcs Schreibtischstuhl und ließ sie herunterbaumeln, während sie sich mit einer Hand an der anderen Lehne festhielt. Seine Hand ruhte immer noch an ihrer Hüfte, streichelte sanft ihre Seite. Er beobachtete sie, ihr Gesicht, ihre Mimik, ihre fragenden Augen, und wurde merklich ruhiger, während Gretchen unsicher auf ihrer Unterlippe herumkaute. Sie strich Marc vorsichtig über seinen angespannten Brustkorb und sah ihm dabei auffordernd in die Augen. Er spürte sofort, dass Miss Neugierig nicht eher lockerlassen würde, bis sie eine plausible Antwort auf ihre Frage bekommen würde. Das war schließlich früher auf dem Schulhof auch schon immer so gewesen, wo sie ihn rund um die Uhr observiert hatte, was zwar ziemlich nervig gewesen war, aber andererseits auch wieder sehr süß. Niemand hatte sich je so intensiv und aufrichtig für ihn und sein Leben interessiert und niemandem hatte er je so viel von sich preisgegeben. Sie hatten keine Geheimnisse voreinander. Eigentlich war diese Geschichte mit Cedric Stier ja auch kein Geheimnis. Sondern nur eine lästige ärgerliche Erinnerung, die ihn aber trotz der vielen Jahre, die mittlerweile dazwischen lagen, immer noch aufregen konnte.

Marc sah Gretchen ruhig an und legte seine linke Hand an ihre Wange, um ihr eine verirrte Strähne aus dem Gesicht zu streichen, die sich aus ihrem Pferdeschwanz gelöst hatte. Und plötzlich platzte die Neugier unvermittelt aus ihr heraus...

Gretchen: Also doch eine Frau!
Marc (seufzt u. schaut in ihren aufblitzenden Augen hin u. her): Hinter allem steckt immer eine Frau, Haasenzahn. Das müsstest du doch eigentlich wissen als selbst ernannte Emanzipationsbeauftragte des EKHs.
Gretchen (grient ihn an u. hakt ungeduldig weiter nach, jetzt wo sie ihm auf die Spur gekommen ist): Das dachte ich mir. Und? Wer war sie? Wie habt ihr euch kennengelernt? Wart ihr beide in sie verliebt? Hast du sie ihm ausgespannt? Oder er dir? Ja, wahrscheinlich. Sonst wärst du ja nicht so sauer auf ihn. Wieso hast du mir denn noch nie von ihr erzählt?

Oh Mann! Worauf hast du dich da nur wieder eingelassen?

Marc (fährt sich seufzend über sein Gesicht u. überlegt kurz, ob er ihr wirklich alles erzählen soll u. beschließt, es dann doch zu tun; sie würde eh keine Ruhe geben): Haasenzahn, stopp! Du denkst zu weit. Von Gefühlen war nie eine Rede.
Gretchen (verdutzt): Äh... wie jetzt?
Marc: Er hat meine Quelle angezapft, ok. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Gretchen: Hä? Was soll das denn heißen?
Marc (kuckt die „Unschuld vom Lande“ eindringlich an u. muss unweigerlich schmunzeln): Boah! Aber sag nachher nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.
Gretchen (funkelt ihn an): Schlimmer als vor meinen Augen einer anderen einen Heiratsantrag zu machen, kann es ja nicht werden.
Marc: Hahaha! Heute sind wir aber mal wieder nachtragend, mhm?
Gretchen (zwinkert ihm zu): Das sagt mir gerade der Richtige.
Marc (muss sich eingestehen, dass sie recht hat u. lacht): Ok, ok, touché! Aber bevor ich das alles aufrolle, muss ich noch etwas zurückgreifen. In die Zeit vor unserer Fehde.
Gretchen (horcht auf u. sieht ihn fragend an): Sag nicht, ihr wart mal befreundet?

Marc blickte seine sichtlich überraschte Freundin an, ohne eine Wimper zu verziehen. Er zögerte. Er konnte ja selbst kaum glauben, was er sah, als sich die längst verdrängten und vergessenen Erinnerungen langsam ihren Weg an die Oberfläche bahnten. Es war einfach zu surreal, aber dennoch wahr. Und so platzte es auch unvermittelt aus ihm heraus, ohne groß darüber nachzudenken...

Marc: Er war mein Ersatz-Mehdi.

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.274

30.11.2011 20:49
#1180 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hihi! Euer Spekulatius ist so süß. Dann will ich euch mal nicht länger hinhalten und aufklären, was da wirklich war. Liebe Grüße u. ein fettes Dankeschön an all meine Leser, ob still oder kommentierfreudig, von eurer Lorelei




Gretchens Kinnlade war nach unten geklappt und sie sah ihr Gegenüber ziemlich irritiert an. Das konnte er doch nicht ernst gemeint haben?

Gretchen: Wie bitte?
Marc (muss dann doch kurz lachen, weil sie einfach zu süß verwirrt guckt): Ja, kaum zu glauben, ne. Aber es stimmt. Tja, ich hatte halt immer schon ein schlechtes Händchen für Männerkumpel. Siehst ja, was daraus geworden ist.
Gretchen: Und was hat das jetzt mit Mehdi zu tun? Er hat mir doch gesagt, er kennt Cedric nicht näher.
Marc: Das kann er ja auch nicht. Unser Mehdilein hatte sich doch samt Frauchen nach Heidelberg verpisst, um große Karriereambitionen zu verfolgen. Ja, und auch das ist kaum zu glauben, wenn man bedenkt, was er jetzt hier macht. Einmal die Leiter rauf und dann gleich wieder runter. Aber na ja, der Eileiter war ihm ja schon immer wichtiger, ne. Hähä! Wo war ich? Ach so. Der Stier, das Tier! Wir sind uns auf einer der vielen Medizinerpartys über den Weg gelaufen. Wir hatten gerade die gleiche Frau angegraben, aber beide ne Abfuhr kassiert.
Gretchen (grinst): Welch ein Schock für dein... äh... euer Ego.
Marc (blitzt sie beleidigt an): Eh ich kann es auch lassen, wenn du hier dumm rum schwatzt.
Gretchen (beißt sich ertappt auf ihre Lippen u. sieht ihn auffordernd an): Ok, ich halte schon meinen Mund.
Marc (streicht ihr liebevoll über den Kopf u. erzählt weiter): Brav! Keine Ahnung, warum und wie das alles zustande gekommen ist, aber wir sind dann an der Bar bei ein paar Bierchen irgendwie ins Gespräch gekommen. Wir haben uns komischerweise gleich ganz gut verstanden. Gleiche Ansichten über den Job, das Studium, Karriere und Frauen. Ich hatte endlich einen Trinkkumpan gefunden. Mehdi, der Strebi, war ja für so was nie so sehr zu begeistern gewesen. Erst recht nicht, nachdem er sich in unsere Anna verknallt und sie, blind wie er war, gleich vor den nächsten Traualtar geschleift hat. Cedric und ich sind dann immer mal wieder zusammen auf Baggertour gegangen, haben benotet, gewettet, abgeschleppt, wieder bewertet und auch mal getauscht. Immer dasselbe Spiel.
Das glaub ich jetzt nicht!
Gretchen (sichtlich empört): Boah Marc!
Marc (lässig u. völlig unbeeindruckt): Ja was? Du wolltest das doch hören.
Gretchen (senkt verlegen ihren Blick u. nuschelt eingeschnappt): Ja, aber so genau auch wieder nicht. Und was ist dann passiert, dass eure Freundschaft in die Brüche gegangen ist?
Marc: Na ja, als wahre Freundschaft würde ich das nicht unbedingt bezeichnen. Das war nie so ein enges Ding wie mit Mehdi, der einem an einem Abend sein ganzes trauriges Leben erzählen konnte, auch wenn Cedric nicht ganz so nervig wie unser Frauenversteher war. Wir konnten auch mal einen ganzen Abend lang nur schweigen. Er war ein As im Golfen, hat mir ein paar gute Tricks gezeigt. Eigentlich hab ich nicht viel von ihm gewusst und er auch nicht von mir. Wozu auch? Wir standen beide kurz vorm Abschluss und wären eh bald getrennte Wege gegangen. Er kam wohl irgendwo aus dem Brandenburgischen. Die Eltern waren beide Ärzte. Daher der krankhafte Ehrgeiz. Die sind, glaube ich, früh verstorben. Verkehrsunfall. Oder war das in dem Jahr, bevor wir uns kennen gelernt haben? Ja, ich glaube, so war es. Das hatte ihn eine Zeitlang ziemlich runtergezogen, hat er mal erzählt. Er hat noch eine jüngere Schwester. Die hatte auch in dem verunglückten Wagen gesessen. Lag monatelang im Koma. Die Ärzte hatten sie schon fast aufgegeben, bis sie nach einem halben Jahr ohne bleibende Schäden urplötzlich wieder aufgewacht war. Seit diesem Tag stand sein Entschluss fest, unbedingt in die Neurologie gehen zu wollen. Hat sich da ganz schön reingehangen. Obwohl er ja meiner Meinung nach nicht unbedingt ein Händchen fürs Feinchirurgische hat. Jedenfalls hat er in dem Zusammenhang immer mal wieder von einer Frau gefaselt, die ihn schwer beeindruckt hat in der Zeit kurz nach dem Unfall, als er alles hinschmeißen wollte. Wie hieß die noch? Angelika, glaub ich. Auch so eine Alleinkämpferin, wie er immer peinlich berührt geschwärmt hat. Keine Ahnung, wer die Tussi war und was das genau mit den beiden war. Er hat sie gesucht, aber die hatte wohl entschieden, woanders zu kämpfen. Gute Entscheidung! Cedric sinnierte eben viel Quark im Suff. War eben doch ein Weichei. Ich hätte es gleich wissen müssen. Du hättest mal seine gesülzten Sprüche hören sollen, wenn der eine Frau angemacht hat. Äh... nee, solltest du nicht! Aber egal, zurück zur eigentlichen Geschichte, jedenfalls hat sich Stier irgendwann in eins der zahlreichen Weiber verknallt, die wir zusammen aufgerissen haben. Ich hab’s nicht gecheckt und sie geknallt. Das fand er dann nicht mehr ganz so amüsant wie unsere Golfpartien und Kneipentouren.

Gretchen (hat ihm die ganze Zeit gebannt zugehört u. sich so ihre Gedanken um Dr. Stier gemacht, verdreht nun aber ernüchtert die Augen): Oh Marc!
Sieh den Tatsachen ins Gesicht, Gretchen. Er war früher ein Schwein. Du kannst froh sein, dass du das nicht mitbekommen hast. Köln war die richtige Entscheidung.
Marc (setzt seine Unschuldsmiene auf): Hey! Das war keine Absicht. Sie hat das so gewollt. Woher sollte ich denn ahnen, dass er im Grunde genommen auch nur so ein Beziehungsweichei war. Er hat doch immer cool getan, nie eine Frau zweimal ins Bett und so. Die Bumswetten waren doch seine Idee gewesen.

Korrektur: Beide sind äh... waren Schweine! Und ich hab echt für einen Moment gedacht, Dr. Stier wäre doch ein netter Kerl, den nur das Schicksal zu dem gemacht hat, was er jetzt ist. Und Marc, der... GGGRRR! Wieso noch mal hast du nachgehakt? Das sind doch wirklich Sachen, die du nicht unbedingt über deinen Freund wissen willst. Acht Jahre Schulhof waren doch Erfahrung genug. ... Ja, im Nachhinein ist man immer schlauer.

Gretchen (versucht cool zu bleiben u. hakt vorsichtig weiter nach): Und dann?
Marc: Nichts! Funkstille! Ich hab ihn erst im nächsten Semester zufällig wieder gesehen. Er saß leider in einem meiner Kurse und hat sich wohl gedacht, dem Meier würge ich jetzt mal so rüüüchtig eins rein. Nachtragender Arsch!
Gretchen: Das heißt?
Marc (seufzt): Damit wären wir auch schon bei der Anfangsgeschichte wieder angekommen.
Gretchen (kleinlaut): Der Frau? Der Quelle äh... wie auch immer?
Marc (nickt): Jep! Ich hatte zu dem Zeitpunkt was mit unserer Dozentin, der rechten Hand meines Doktorvaters. Alles ganz locker, ohne Hintergedanken.
Gretchen (hat da so ihre Zweifel): Ohne Hintergedanken?
Marc (verdreht die Augen angesichts der Skepsis in ihrer Stimme): Ja, mein Gott, sie hat mir ein paar hilfreiche Tipps geben, auf was der und der Professor Wert legen und in welche Richtung die eine oder andere Klausur gehen würde. Also nichts Weltbewegendes. Macht doch jeder.
Gretchen: Also ich habe mit keinem meiner Dozenten angebändelt.
Marc (tätschelt ihr grinsend über die Wange): Mhm, das ist ja auch gut so. Aber zu der Zeit standest du ja eh noch auf picklige kleine angehende Kinderärzte oder?
Gretchen (ironisch): Danke dass du mich an dieses sehr bedeutungsschwangere Kapitel meines Lebens erinnerst.
Marc (grinst): Bitte, bitte!
Gretchen: Und was hat deine Dozentin jetzt mit Cedric zu tun?
Marc (seine Augen blitzen wütend auf u. er ballt seine Hände zu Fäusten): Sehr viel. Meines Erachtens nach viel zu viel sogar. Der Arsch hat herausgefunden, dass wir was am laufen hatten und hat sie aus Retourkutsche und Rache, was weiß ich, weil ich mit seiner Freundin in der Kiste war, verführt und ihr so sehr den Kopf mit seinem schleimigen Süßholzgeraspel verdreht, dass sie ihm Teile meiner Forschungsergebnisse gezeigt hat, die er dann für sich eingeheimst und als seine eigenen ausgegeben und eine Woche eher als ich abgegeben hat. Und ich stand dann da als der Depp, der keine eigenen Ideen hat, als ich meine Arbeit eine Woche später abgegeben habe. Ich werde nie sein blödes Grinsen und seinen hämischen Spruch vergessen, von wegen, jetzt wären wir ja quitt, sieh es einfach als eingelöster Wetteinsatz an. Und sie, sie stand natürlich auf seiner Seite, so liebesblind wie die wegen des Blenders war, und wollte für meine bahnbrechende Studie, die sogar wesentlich besser geschrieben und recherchiert war als sein dilettantisch abgekupfertes Dreckswerk, keinen Schein rausrücken. Gut, das war zum Teil ja noch nachvollziehbar, nachdem sie Augenzeugin war, wie wir uns in ihrem Büro gekloppt haben.

Gretchen (schockiert): Ihr habt euch geprügelt?
Marc: Sollte ich das etwa auf mir sitzen lassen? Meine Karriere und mein guter Ruf standen auf dem Spiel. Hey ich mache mir keinen Namen auf Kosten anderer. Ich hab noch nicht einmal irgendwem an der Uni erzählt, wer mein Vater war. Ich wollte es alleine schaffen. Auf meine Art. Und es lief hervorragend. Aber der neidische Arsch ist mir zwischen die Beine gegrätscht. Sie ist dann irgendwann dazwischen gegangen, weil sie weiteres Aufsehen vermeiden wollte. Wir waren ein bisschen lauter als normal geworden und nebenan lief gerade eine Zwischenprüfung mit ihrem Chef. Cedric hat aber noch mal ausgeholt, sie ist noch rechtzeitig ausgewichen und ich bin im Freiflug durch eine Glastür gerauscht. Daher auch die Narbe auf meiner Nase. Die hab ich ihm zu verdanken. Jedenfalls hatte ich sie dann in der Notaufnahme endlich soweit, dass sie mir den Wisch doch noch gegeben hat. Das schlechte Gewissen wahrscheinlich. Oder weil Cedric dann doch noch mit offenen Karten gespielt und ihr gesteckt hat, dass er mir nur eins reinwürgen wollte und nicht wirklich Interesse an ihr gehabt hat. Keine Ahnung. Sie hat sogar noch beim Professor ein gutes Wort mehr für mich eingelegt. Sie hatte halt Schiss, dass doch noch herauskam, dass sie mit zwei ihrer Studenten was hatte. Deshalb ist auch er ohne Konsequenzen davongekommen, wenn man mal von der Zerrung in seiner rechten Hand absieht, die ihn dann ein paar Wochen lang auf Station hat aussetzen lassen. Ich frag mich manchmal heute noch, was sie alles erzählt hat, um zu erklären, wieso ihr Büro so verwüstet war. Ich hab ja auch geblutet wie ein Schwein. Sie hat dann im nächsten Semester die Uni gewechselt. Hannover glaub ich. Kindermedizin. Und ich, ich hab den besseren Abschluss von uns beiden gemacht. Und Stier, der ist immer noch ein Arsch.

Gretchen (sieht ihn ungläubig an, nachdem er aufgehört hat zu sprechen): Das ist alles?
Marc (klappt den Mund auf u. schnappt hörbar nach Luft): Was heißt denn hier ALLES? Der hat mir fast die Karriere ruiniert und mein Gesicht für immer entstellt.
Gretchen (streicht ihm zärtlich über den Nasenrücken): Aber nur fast.
Marc (beleidigt): Toll, wie du mir zur Seite stehst.
Gretchen: Ich bin auf deiner Seite, Schatz. Aber das ist alles schon so lange her. Ihr habt euch beide verändert.
Marc (schmollt): Bei dir ist doch jeder hier gleich ein Heiliger.
Und unsereiner rackert sich ab, es dir immer und überall recht zu machen.
Gretchen: In jedem Menschen steckt eine gute Seite, Marc. Ich habe Dr. Stier unvoreingenommen kennen gelernt. Er hat fachlich sehr viel drauf und ich denke nicht, dass er noch einmal so eine Aktion machen würde. Das klingt mir alles sehr nach jugendlichem Leichtsinn und verletzter Eitelkeit. Er ist jetzt allein erziehender Vater und trägt Verantwortung. Es ist doch nett von ihm, dass er sich um einen Rehaplatz für Anna bemüht. Das spricht doch auch für ihn.
Marc (will das gar nicht hören): Pah! Der will sich doch nur einschleimen. Das hat er immer schon so gemacht.
Gretchen: Und wenn schon. Er ist neu hier in der Klinik und sucht Anschluss. Wer soll ihm das verübeln? Er hat einen schweren Stand hier und das nicht nur wegen dir und deinen Bloßstellungen. Ich kenne auch Marias Geschichten über ihn und hab gedacht, was für ein blöder Arsch. Ja, er hat in der Vergangenheit nicht korrekt gehandelt. Aber ich muss ja wohl nicht aufzählen, was du dir schon alles geleistet hast.
Marc (fühlt sich gleich wieder angegriffen): Hey! Das ist doch überhaupt nicht zu vergleichen.
Gretchen (sieht ihn eindringlich an): Jeder Mensch hat Fehler, Marc. Er steht zu seinen. Papa hätte ihn sonst nie eingestellt und Maria hätte alles unternommen, damit er nicht hier anfängt. Ich finde es einfach unfair, dass du ständig darauf herumhackst. Und das auch noch vor den Kollegen oder den Patienten. Das macht man einfach nicht. Du willst diese Klinik irgendwann einmal leiten. Da hat solch unkollegiales Verhalten einfach nichts zu suchen.
Marc (grummelig): Bist du fertig mit deiner Moralpredigt?
Gretchen (kontert): Bist du fertig mit Schmollen?
Diese Frau macht mich wahnsinnig echt.
Marc (gibt sich schulterhängend geschlagen): Haasenzahn, der Typ wird immer ein rotes Tuch für mich bleiben. Da kann er machen, was er will und du sagen, was du willst.
Gretchen (legt ihre Hand beruhigend an seine Wange): Dann lerne bitte damit umzugehen, es nicht gleich jedem zu zeigen.
Marc (rollt gequält mit den Augen): Was dann? Gehst du dann bei deinem Vater petzen?
Gretchen (funkelt ihn augenzwinkernd an): Ja, auch. Aber vielleicht überlege ich es mir dann auch noch einmal mit der Allgemeinchirurgie und wechsele doch noch zu den Neurologen. Das Renommee ist nicht zu verachten.
Marc (packt sie an ihrer Hüfte u. blitzt sie aus feurigen Augen an): Untersteh dich!
Gretchen (lacht u. legt ihre Hand sanft auf seinen Brustkorb): Ist alles wieder gut?
Marc (hat sich wieder eingekriegt u. schaut sie spitzbübisch an): Ja, Frau Dr. Freud, wenn du mit einem Idioten wie mir immer noch die Traumwohnung beziehen willst?
Gretchen (gespielt nachdenklich): Mhm? Das muss ich mir wohl noch überlegen. Vielleicht behalte ich doch die Einliegerwohnung, wenn Mehdi sie nicht haben will, und lasse dich oben alleine einziehen. Du trägst ja gerne deine Nase ganz oben.
Marc (kesselt sie mit seinen Armen ein u. zieht sie an seinen Oberkörper): Eh! Kommt überhaupt nicht in die Tüte. Außerdem bin ich überhaupt nicht eingebildet.
Gretchen: Natürlich nicht.

Gretchen schüttelte grinsend ihren Lockenkopf und begann seine Nähe zunehmend zu genießen, nachdem er sich endlich wieder beruhigt hatte. Marc erwiderte ihr verliebtes Lächeln, nahm ihr Gesicht in beide Hände und küsste sie schließlich stürmisch auf den Mund, was gefühlvoll von ihr erwidert wurde.

Gretchen: Musst du nicht in den OP?

...fragte sie in einer Pause, als beide Luft holten. Ihr charmanter Oberarzt griente nur...

Marc: Einen Moment hab ich noch.

Und schon wieder trafen sich ihre suchenden Lippen zu einem innigen Kuss, der aber leider eine Sekunde später von einem nervigen Handypiepen unterbrochen wurde. Schmollend kuckte Marc seine Liebste an, die ihn verlegen anschaute und ihr Handy aus der Tasche zog...

Marc: Hatte ich dir nicht vorgestern erst Handys im Dienst verboten?
Gretchen (schaut ihn zuckersüß an): Das hab ich nur eingesteckt, weil ich dachte, ich schreib dir ab und an, wenn ich oben in der Neurologie bin, aber das hat sich ja jetzt erledigt.
Marc (stutzt): Wieso?
Gretchen (grient ihn an u. hält ihm ihr Handydisplay entgegen): Weil du mich hier mit fiesen Erpressungsmethoden in der Chirurgie festhältst. Und weil das meine Mama ist.
Marc (rollt mit den Augen, als er mit großen Lettern „Mama“ aufleuchten sieht): Oh! Dann steck es lieber schnell weg, bevor sie uns noch zum Essen einlädt.
Gretchen (drückt sie schnell weg, da sie weiß, dass ihre Mutter eh gleich ein zweites Mal anrufen wird): Hast du deinen Eltern eigentlich schon was wegen der neuen Wohnung gesagt?
Marc: Wann denn? Wir haben uns doch heute Morgen erst dazu entschlossen.
Gretchen (lächelt verträumt, als sie an ihre Entscheidungsfindung zurückdenkt): Stimmt!
Marc: Außerdem fliegt Dad doch morgen wieder nach Nizza zu meiner Mutter, um noch mal persönlich mit ihr wegen seiner Pläne zu sprechen. Und danach wollte er gleich weiter in die Staaten, um da alle Brücken abzubauen.
Gretchen (studiert aufmerksam sein Gesicht): Bist du glücklich, dass er jetzt ganz nach Berlin zurückkehrt?
Marc: Ja, schon!
Gretchen (runzelt die Stirn): Das klingt aber jetzt nicht so sonderlich begeistert?
Marc (nachdenklich): Doch, doch! Das ist toll. Wirklich. Es ist nur, ich weiß auch nicht. Da ist so ein komisches Gefühl.
Gretchen (schmunzelt): Marc Meier hat also Vorahnungen. Wenn ich das Sabine erzähle, die...
Marc (hält dem frechen Plappermaul den Mund zu): Der hab ich übrigens frei gegeben.
Gretchen (überrascht): Echt? Wie lieb von dir.
Marc: Ich glaube, in ihrem Zustand heute ist sie nicht nur eine Gefahr für sich selbst, sondern für uns alle. Die fackelt uns sonst noch das Dach über dem Kopf ab.

Gretchen lachte und gab Marc spontan noch einen kleinen weiteren Kuss auf den Mund, dann sprang sie von seinem Schoss herunter. Die Patienten warteten schließlich und bis sie Anna zur Therapie bringen sollte, war noch viel zu tun. Die pflichtbewusste Assistenzärztin fuchtelte wild mit ihrem Handy in der Luft herum, als sie sich von ihrem Oberarzt endgültig verabschiedete...

Gretchen: Ich muss jetzt wirklich los, Schatz. Ich hab doch Marias Fälle übernommen. Ich komme, kurz bevor ich Anna zur Physio abhole, noch mal bei dir vorbei. Ok? Bist du dann schon wieder von der Leisten-OP zurück?
Marc (steht lächelnd auf): Ich denke schon.
Gretchen (strahlt über das ganze Gesicht): Super!

Marc begleitete seine Freundin noch zur Tür, wo er sie zum Abschied noch einmal zärtlich küsste und danach mit ernster Miene anschaute...

Marc: Ich verspreche dir, ich reiß mich jetzt zusammen, wenn du mir versprichst, jedem noch so kleinen Flirtversuch von Cedric verbal und schlagkräftig abzuwehren.
Gretchen (schmunzelt): Und du bist doch eifersüchtig!
Marc (funkelt sie böse an): Eh!
Gretchen (legt ihre Arme noch einmal um seinen Hals u. sieht ihm verschmitzt in die Augen): Keine Bange, mit Typen wie ihm weiß ich umzugehen. Hab ja genauso ein Prachtexemplar bei mir zu Hause.
Marc (gespielt empört): Was? Wen? Denn mach ich alle!
Gretchen (streicht ihm lachend über die Wange): Und außerdem, wenn du nur einmal genauer hingeschaut hättest, wäre dir vielleicht schon längst aufgefallen, dass Cedrics Augenmerk die ganze Zeit auf jemand ganz anderem gerichtet ist. Aber psst! Sprich sie bloß nicht darauf an! Sie ist eh schon kurz vorm Durchdrehen.

Gretchen zwinkerte ihrem verdutzten Oberarzt noch zu, öffnete die Tür seines Büros und verschwand ohne jegliche weitere Erklärung nach draußen. Dr. Meier rief ihr noch sprachlos hinterher...

Marc: Auf wem?

Doch Gretchen antwortete nicht. Sie hob nur grinsend ihren rechten Arm und winkte ihm noch ein letztes Mal zu, dann tippte sie auch schon im Gehen fleißig auf ihr Handy ein, führte es an ihr Ohr und erzählte ihrer Mutter nun aufgeregt von ihrer neuen Wohnung. Diese hatte wiederum auch eine überraschende Neuigkeit für ihre Tochter zu berichten. Marc schaute seiner hübschen Assistenz noch so lange kopfschüttelnd hinterher, bis sie um die nächste Ecke verschwunden war. Dann machte er sich sichtlich gut gelaunt in die andere Richtung auf den Weg zu den OPs.

Lorelei Offline

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02.12.2011 16:40
#1181 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Ok, ich glaube, ich habe euch lange genug zappeln gelassen. Nach dieser sehr informativen Rückschau ins wilde Studentenleben von Marc und Cedric geht es nun mit Ceria im Fahrstuhl weiter! Viel Spaß und einen schönen Start ins 2. Adventswochenende. Eure Lorelei




Derweil im Aufzug des EKH

Dr. Cedric Stier war völlig außer Puste, nachdem er einer Intuition folgend gerade noch so in den abfahrbereiten Fahrstuhl geschlüpft war und sich nun schwer atmend neben seiner überrumpelten und überforderten Exfrau, die verunsichert auf eine Meter Sicherheitsabstand gegangen war, mit dem Rücken gegen die kühle Stahlwand lehnte und für einen Moment seine Augen schloss, um durchzuatmen. Seine Kondition war auch schon mal besser gewesen, dachte er schnaufend. Dabei trainierte er doch tagtäglich mit seiner kleinen Tochter, die ihn so sehr auf Trab hielt, dass sich ein Fitnessstudiobesuch gar nicht mehr lohnte und wenn dann nur für ein paar wenige entspannende Minuten in der Sauna, um vom Alltagsstress und dem ganzen Chaos in seinem Leben und in seinem Kopf wenigstens für den Moment herunterkommen zu können. Cheyenne war eben ein 24-Stunden-Job. Der allein erziehende Vater musste schmunzeln, als er plötzlich an seinen süßen Wirbelwind dachte, der sein Leben ganz schön auf den Kopf stellte. Wirbelwind war eigentlich noch untertrieben. Terrorkrümel traf es eher. Ständig war die Kleine auf der Suche nach neuen Abenteuern. Diese Eigenschaft musste sie wohl mit ihrer missratenen Mutter gemein haben, aber das war auch das Einzige, was die zwei noch miteinander verband, seitdem Sandy Stier geb. Meise ihre Familie vor knapp drei Monaten für immer verlassen und sie zurückgelassen hatte. Der Terrorkrümel war mittlerweile über die Krabbelphase hinaus gewachsen und suchte sich erkundend immer mehr Raum im Hause Stier. Ständig musste man achtsam sein. Cheyenne hangelte und zog sich nämlich liebend gern an allen möglichen Gegenständen hoch, auch an den wackligsten, um die Welt endlich auch von oben betrachten zu können. Nur mit dem Laufen haperte es noch ein wenig. Es war aber auch viel bequemer, sich vom Papa Stier durch die Gegend schleppen zu lassen, und auch wesentlich ungefährlicher. Gestern noch hatte sie das unterste Buch aus einem ganzen Stapel von seinem Schreibtisch gerissen und dabei Kopf und Kragen riskiert. Das Geheule war groß gewesen, nachdem das ganze Material für seine Habilitation, an der er nun schon seit über zwei Jahren saß und nicht wirklich vorankam, krachend zu Boden gepoltert war, aber mit ein paar Kuscheleinheiten war die ganze Sache schnell wieder vergessen gewesen. Cedric hätte nie gedacht, auf was man als allein erziehender Vater alles achten musste. Manchmal wusste er wirklich nicht mehr, wo ihm der Kopf stand. Dabei hatte er doch mittlerweile das ganze Haus kindersicher gemacht. Aber wer dachte denn schon daran, dass der kleine Zwerg schon jetzt Interesse für das menschliche Gehirn entwickeln könnte, das in bunten Farben auf dem Buchtitel abgebildet gewesen war.

Der stolze Vater fuhr sich mit einer Hand über sein Gesicht, lächelte verschmitzt vor sich hin und öffnete seine Augen wieder. Endlich nahm er den anderen Wirbelwind in seinem Leben wahr, der ihn mindestens genauso sehr durcheinander bringen konnte wie sein Baby, wenn nicht sogar noch mehr, und der ihn nun böse von der Seite angiftete und eine Erklärung für seinen übertriebenen Sturmangriff erwartete. Cedric sah Maria mit wild funkelnden Augen an, als er auf ihre Fragen mit einer Gegenfrage antwortete, sich von der kühlenden Wand löste und sich direkt vor ihrer Nase aufbaute...

Cedric: Was rennst du denn auch gleich wieder weg?
Maria (schnappt hörbar nach Luft u. ihre Stimme geht eine Oktave nach oben): Wie bitte? Ich... laufe... nicht... weg! Ich wäre schon vor über einer halben Stunde gegangen, wenn nicht...
Cedric (lässt sie gar nicht erst ausreden u. prescht mutig nach vorn, schließlich hat er nach dem Gespräch mit Anna einen Entschluss gefasst, den es umzusetzen gilt): Wollen wir essen gehen?
Maria (sichtlich überrumpelt und überfordert): Bitte was?
Cedric (lächelt sie auf seine gewohnt charmante Art an u. meint es tatsächlich ernst): Ich habe dich gefragt, ob du bitte mit mir essen gehen würdest.

Ist er jetzt komplett übergeschnappt? Wie kommt er denn auf den absurden Gedanken?

Maria (hält ihn mittlerweile für komplett verrückt u. schüttelt entschieden den Kopf): Äh...Ich hab dich schon verstanden. Und meine Antwort lautet.... NEIN, natürlich NICHT!
Cedric (kommt ihr immer näher, was sie zunehmend verwirrt u. die Wand entlang rutschen lässt): Wieso denn?
Maria (hat sich aus seinem Einkesselungsversuch befreit u. auf die andere Seite des Aufzugs gestellt; nach kurzem Zögern schießt sie auf ihn los): Erstens, hast du meines Wissens nach noch den ganzen Tag Dienst; zweitens, wartet mein Vater schon mit dem Mittagessen auf mich und drittens, würde ich nicht in hundert Jahren mit dir essen gehen. Was soll das überhaupt? Du spielst die ganze Zeit alberne Spielchen, ignorierst und sabotierst mich und meine Arbeit und mit einem Mal willst du mit mir essen gehen? Du bist doch nicht mehr ganz dicht. Frag doch Anna Kaan! Die hat es nicht leicht im Moment und sucht bestimmt Anschluss. Und ihr seid ja schon beim Du, nicht?
Cedric (bis eben noch ganz ernst, muss er dann doch schmunzeln): Bist du eifersüchtig?
Maria (regt sich mächtig über diese vollkommen absurde Anschuldigung auf u. faucht ihn unvermittelt an): Ich? Eifersüchtig? Bei dir piept’s wohl! Nein, im Gegenteil, eigentlich finde ich es nur sehr interessant, was man so nach Jahren über die heimlichen Vorlieben seiner Expartner erfährt.
Cedric (verwirrt): Bitte?
Maria (fühlt sich wieder oben auf u. stellt ihn bloß, während sie sich lässig mit dem Rücken an die Wand lehnt): Ich meine, ich hätte nicht gedacht, dass du es damals so nötig gehabt hast.
Cedric (versteht nicht, worauf sie hinaus will, kommt wieder näher u. wartet auf eine Erklärung): Wovon sprichst du?
Maria (verschränkt abweisend ihre Arme vor ihrem Körper u. zeigt ihm damit deutlich, was sie von ihm u. seinen Vorlieben hält): Dass du es offenbar so nötig gehabt hast, dass du Prostituierte aufsuchen musstest. Hat dein Charme bei Ottonormalverbraucherin nicht mehr funktioniert oder was war da los?
Cedric (klappt fassungslos seine Kinnlade herunter, braucht einen Moment um sich zu sammeln u. wehrt sich anschließend heftig gegen diesen völlig irrsinnigen Verdacht): Was? Spinnst du! Wie kommst du überhaupt auf diesen verrückten Gedanken? Das hab ich in der Tat nicht nötig. Ich hab auch damals schon immer die Frau gekriegt, die ich auch wollte. Das müsstest du doch aus eigener Erfahrung noch wissen. Ein Blick von mir und ich hatte dich im Bett.
Maria (funkelt ihn böse an): Das glaubst aber auch nur du.
Cedric (erwidert ihren stechenden Blick u. zwinkert ihr verschmitzt zu): Gut, vielleicht hatten wir es damals auf der Party beide darauf angelegt, aber es hat sich ausgezahlt. Schön zu wissen, dass du dich noch immer so genau daran erinnerst.
Maria (ungerührt): Lenk nicht ab, Cedric!
Cedric (verdreht die Augen): Was willst du eigentlich? Wie kommst du auf diesen bescheuerten Verdacht? Ich war ganz sicher noch nie bei einer Professionellen. Darauf kannst du Gift nehmen.
Maria (glaubt ihm kein Wort u. funkelt ihn mit wütenden Augen an): Darauf würde ich es nicht ankommen lassen. Die Beweise sprechen für sich.
Cedric (wird langsam sauer): Was redest du denn da für einen Schwachsinn?

Maria sagte nichts darauf. Sie hatte schon genug gehört und gesehen und blitzte Cedric, der die Welt nicht mehr verstand, nur stumm anklagend an. Sie hatte sich heute schon genug über diesen unverschämten Mistkerl aufgeregt und war es langsam leid. Dann war er eben bei Anna gewesen. Na und? Sie verurteilte Mehdis Frau nicht für ihren ehemaligen Job, den sie in der Not nachgegangen war. Ihn dagegen schon. Diese Neuigkeit bestätigte doch nur mal wieder ihre Meinung über seinen miesen Charakter. Er würde sich nie ändern. Er war und blieb ein Filou. Sie hatte sich richtig entschieden, ihn nicht weiter an sich heran zu lassen. Jeder andere Kerl war besser als Cedric ‚Ich krieg sie alle’ Stier. Maria Blick wich zur Seite zur Fahrstuhlanzeige. Sehnsüchtig wartete sie darauf, dass dieser endlich das Erdgeschoss erreichte, aber gerade heute, wo sich offenbar alle Welt gegen sie verschworen hatte, schien er besonders langsam unterwegs zu sein. Nervös tippte sie mit einem Fuß auf und ab und zählte gedanklich die Sekunden, bis sie unten ankommen würden und sie dieses elende Kapitel endlich abschließen könnte. Cedric beobachtete die seltsame Reaktion seiner Exfrau ganz genau und ihm kam ein Gedanke in den Sinn, den er nicht unkommentiert lassen wollte, auch wenn er ihm nicht wirklich in den Kram passte...

Cedric: Ach jetzt verstehe ich. Du bist doch eifersüchtig! Auf jedes weibliche Wesen, das sich diesem Frauenversteher auch nur auf fünf Meter nähert. Was hat dieser Kerl eigentlich an sich, dass ihm hier offenbar jede Frau blind hinterher schmachtet? Aber dass du so weit gehen würdest, seine Ehefrau als Nutte zu titulieren? Schämst du dich gar nicht? Sie ist auch deine Patientin und gerade von dir hätte ich ein bisschen mehr Respekt erwartet.
Maria (platzt gleich u. kommt mit ausgestrecktem Arm auf ihn zu; er weicht zurück, bis er mit dem Rücken gegen die Wand stößt; sie bohrt ihren Zeigefinger in seine Brust u. sieht ihn erbost an): Ich bin auf nichts und niemanden eifersüchtig, hörst du, und ich respektiere alle meine Patienten, egal was für eine dubiose Vergangenheit sie aufzuweisen haben. Aber du, du solltest dich was schämen.
Cedric (ihm wird das allmählich zu bunt u. er rollt entnervt mit den Augen): Also so langsam habe ich das Gefühl, wir reden aneinander vorbei.
Maria (senkt ihren Arm wieder u. blickt ihn zickig an): Blitzmerker!
Cedric (löst sich von der Wand u. läuft nun gestikulierend im Aufzug auf und ab): Ich weiß gar nicht, was du überhaupt hast. Mein Gott, wir kennen uns von früher. Na und?
Maria (vorwurfsvoll): Du warst mit ihr im Bett?
Cedric (leugnet es nicht): Und wenn schon. Du weißt genau, dass ich vor dir kein Kostverächter war. Du doch auch nicht.
Maria: Das habe ich auch nie verschwiegen.
Cedric (kommt seufzend auf sie zu u. stemmt seinen rechten Arm neben ihren Kopf an die Stahlwand u. sieht sie mit funkelnden Augen an): Willst du jetzt eine Liste von all den Frauen, mit denen ich geschlafen habe, damit du mir wieder ein Stück weit vertraust oder was?
Maria (schaut ihn fassungslos an, weil es offenbar noch immer nicht bei ihm angekommen ist): Ich... will gar nichts von dir. Außer vielleicht etwas Respekt und Ehrlichkeit. Wann kapierst du das endlich?
Cedric (blafft eingeschnappt zurück): Verdammt! Ich war ehrlich zu dir, Maria. Neulich. Ich hab dir alles gesagt. Ich hab mich sogar entschuldigt. Aber offenbar hast du das schon wieder vergessen in deinem ewigen Zickenkrieg.
Maria (blickt ihm direkt in seine enttäuscht aufblitzenden Augen): Ich habe das nicht vergessen.
Cedric (beruhigt sich wieder u. kesselt sie nun auch mit dem anderen Arm an der Wand ein, sie wehrt sich nicht dagegen u. sieht ihn aufgewühlt an): Und warum bist du dann immer noch so abweisend zu mir?

Welcher Film läuft eigentlich bei ihm ab? Er spielt doch Mr. Cool und Unnahbar, flirtet mit dem halben Krankenhaus, ob Patientin oder Kollegin, nur um Aufmerksamkeit zu bekommen, die ich ihm sonst nicht geben würde. Und dann setzt er doch wieder seinen unwiderstehlichen Dackelblick auf und denkt, mich so rumkriegen zu können. Als reumütiger Sünder. Das nehme ich ihm aber nicht ab. Und ich hab auch ehrlich gesagt keinen Bock mehr darauf. Ich will, dass das aufhört. Ein für allemal.

Maria (muss kurz hämisch auflachen u. wird schnell wieder ernst): Ich bin abweisend? Zu dir? Du spielst doch hier die ganze Zeit Theater. Aber ich will das nicht mehr. Verstehst du? Ich will das einfach nicht mehr! Hör auf damit! Mit deinen Spielchen, deinen Andeutungen, deinen Überfällen und Einmischungen, einfach mit allem. Sonst wird das mit uns beiden hier auf Dauer nicht funktionieren. Und ich bin dann nicht diejenige, die gehen wird.
Cedric (spürt den Schmerz in ihrer Stimme, resigniert u. gibt sie schließlich frei): Ok, wenn das wirklich dein Wunsch ist? ... Aber eins noch: Vielleicht solltest du auch mal hinter die Kulissen schauen, Mary. Aber offenbar fehlt dir dazu einfach der Mut. Wir sind da.
Maria (sichtlich verwirrt starrt sie Cedric an, der von ihr abrupt zurückweicht u. sich auf die andere Seite des Aufzugs stellt): Was?

Der Fahrstuhl hatte seine Türen geöffnet und Cedric zeigte mit einer ausladenden Armbewegung nach draußen. Maria folgte irritiert seinem Blick und verstand endlich. Sie schulterte ihre Handtasche und trat auf die Schwelle, wo sie aber stehen blieb und sich noch einmal zu ihm umblickte...

Maria: Ich bin mutig, Rick, aber es gibt einfach Grenzen und die werde ich nicht überschreiten. Es geht schließlich nicht nur um mich.

Cedric antwortete ihr nicht, aber er hatte verstanden und sah die Mutter seiner sechsjährigen Tochter einfach nur schweigend an. Maria, der seine Blicke unangenehm waren, senkte ihren Blick und drehte sich um, um endgültig zu gehen. Vor dem Fahrstuhl begegnete sie noch Prof. Dr. Franz Haase, dem sie kurz höflich zunickte, dann verließ sie schnellen Schrittes das Krankenhaus. Ihre kranke Tochter wartete schließlich auf sie und sie spürte das dringende Bedürfnis, sie in den Arm zu nehmen. Ein ratloser Neurochirurg blieb schließlich allein im Aufzug zurück, der nun ebenfalls von seinem Chef ins Visier genommen wurde...

Franz (sichtlich erfreut): Dr. Stier?
Cedric (erwacht aus seiner kurzzeitigen Starre): Herr... Professor! Ähm... Guten Tag!

Die Türen des Fahrstuhls schlossen sich wieder. Franz drückte die Etage, in die er wollte und drehte sich in fröhlicher Plauderlaune zu seinem nachdenklichen Kollegen um...

Franz: Und wie kommen Sie in der neuen Umgebung zu Recht, Dr. Stier? Haben Sie sich schon gut eingelebt hier? Die Kollegen haben Sie doch sicherlich gut aufgenommen oder?
Cedric (murmelt abwesend vor sich hin, ohne dabei wirklich die Frage vom Professor zu meinen): Ähm... ja, natürlich. Aller Anfang ist eben schwer.
Franz (nickt): Ich verstehe, was Sie meinen. Ich wünschte, ich könnte auch noch mal ganz neu einsteigen. Sie wissen ja gar nicht, was man als Chefarzt alles zu verantworten hat. Mit Medizin hat das nicht viel zu tun. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal einen OP von innen gesehen habe. Früher da hab ich...

Und während der Professor seinem jüngeren Schützling nun eine Anekdote aus seinem bewegten Leben als Mediziner berichtete, schweiften Cedrics Gedanken schnell wieder in weite Ferne. Würde er den Bruch mit Maria je kitten können? Momentan schien jeder Vorstoß bei ihr ins Leere zu laufen. Trotz nicht zu leugnender Gefühle ihrerseits ihm gegenüber schien ihr Abwehrmodus unbezwingbar zu sein. Das hatte ihm ihr Auftritt gerade eben wieder eindrucksvoll bewiesen. Sie wollte kein Zurück. Um keinen Preis. Das hatte er deutlich in ihren Augen gesehen, in denen der tiefe Schmerz und die Enttäuschung von damals wie ein Bollwerk geschrieben standen. Sie kämpfte wie eine Löwin dagegen an. Da konnte er machen, was er wollte. Hätte er, wie Anna es ihm geraten hatte, ihr gleich sagen sollen, was mit ihm los war? Hätte sie dann anders reagiert? Vermutlich nicht. Maria hätte ihm wahrscheinlich erst recht den Vogel gezeigt. Und er würde es sogar verstehen. Er konnte ja selbst kaum glauben, was mit ihm passierte, seitdem er sie vor wenigen Wochen wieder getroffen hatte. Aber so richtig definieren konnte er es auch nicht. Er wollte sie zurück. So viel war klar. Aber wie würde es dann weitergehen, wenn er es doch irgendwann irgendwie geschafft hätte, ihre harte Schale zu knacken? Cedric war sich nicht sicher, ob sie es dann schaffen würden. Er wünschte sich das wirklich von ganzem Herzen. Er liebte sie. Mit jeder Minute mehr. Aber er kannte sich gut genug. Und er kannte seine Mary. Ein kleiner Fehler seinerseits und sie wäre wieder weg und dann vermutlich für immer. Es stand einfach viel zu viel auf dem Spiel. Allen voran ihre beiden Kinder, die es zu schützen galt. Vielleicht sollte er ihr erst einmal Zeit geben. Und sich auch. Momentan wusste er nicht wirklich weiter.


http://www.youtube.com/watch?v=NSAzil-jMVE

Lorelei Offline

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03.12.2011 14:46
#1182 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

http://www.youtube.com/watch?v=HO1OV5B_JDw


Auch Maria Hassmann war tief in Gedanken versunken, als sie nach wenigen schnellen klappernden Schritten ihren Parkplatz erreicht hatte und in ihren Wagen eingestiegen war. Es hatte heftig angefangen zu schneien und die dicken Schneeflocken tanzten wie wild auf ihrer Frontscheibe. Der nachdenklichen Oberärztin fiel es gar nicht weiter auf. Sie hatte immer noch Cedrics letzte Worte im Ohr. Sie sollte hinter die Kulissen schauen. Was wollte er ihr denn damit sagen? Dass hinter seinem ganzen Getue und coolen selbstgefälligen Gehabe mehr als nur ein Spiel steckte, um sie in den Wahnsinn und in sein Bett zu treiben? Dass er ernsthaft Interesse an ihr und ihren Gefühlen hatte, die in seinem Fall ihrerseits natürlich non-existent waren? Dass er sie eigentlich zurückwollte? Und sie lebten glücklich im Lila-Laune-Land bis ans Ende ihrer Tage. Das war doch vollkommen absurd. Maria schüttelte heftig ihren Kopf und steckte ihren Autoschlüssel ins Zündschloss, aber sie drehte ihn noch nicht herum. Der Gedanke an ihn hielt sie schon wieder gefangen und sie hasste sich und ihn dafür, dass er sie schon so sehr unter Kontrolle hatte. Und wenn er es doch ernst meinte? Der Ausdruck in seinen widerlich aufleuchtenden blaugrauen Augen war anders gewesen. Anders als bei den ständigen aufregenden und Herzklopfen auslösenden Spielchen, mit denen er sie immer wieder geschickt in die Enge trieb. Aber selbst wenn er es tatsächlich ernst meinen würde, wie stellte er sich das überhaupt vor? Dass sie von heute auf morgen die offen gewordene Rolle seiner davon gelaufenen Studentin übernahm, das Baby hütete und das heilloses Chaos des überforderten Vaters hinterher räumte? Aber nicht mit ihr! Dafür war sie sich zu schade. Ebenso für eine gelegentliche unverbindliche Bettgeschichte. Das mit ihnen beiden war vorbei. Das müsste doch auch ihm klar sein? Das würde doch niemals funktionieren. Nicht nach allem, was war und was er kaputt gemacht hatte. Und wie sollte sie das überhaupt Sarah erklären? „Schatz, schau mal, der Papa, der sich vier Jahre lang einen Dreck um uns geschert hat, ist wieder da und hat als Willkommensgeschenk gleich noch ein Geschwisterchen für dich mitgebracht. Das hast du dir doch immer schon gewünscht.“ Nein, das war vollkommen absurd. Das funktionierte nicht. Sie wollte das nicht. Wenn Sarah sich wieder an ihn band und es schief ging, würde sie das doch am meisten treffen. Das konnte sie nicht riskieren. Nach ihrem Herzen konnte er greifen, aber nicht nach dem von ihrer kleinen Tochter. Niemals.

Maria schloss ihre Augen und atmete für einen Moment tief ein und aus. Sie war so sehr in ihren verqueren Gedanken und Erinnerungen vertieft, dass sie noch nicht einmal das Paar bemerkte, das sich vor dem Krankenhauseingang glücklich in die Arme fiel. Schwester Gabi, die in der Raucherecke gewartet hatte, drückte schnell ihre Zigarette aus und umarmte ihren Schatz stürmisch, als hätte sie ihn tagelang nicht gesehen. Sie presste Mehdi so fest an sich, dass es diesem fast den Atem nahm...

Mehdi (wird fast umgerissen u. taumelt etwas): Hey! Wow! Alles in Ordnung mit dir?
Gabi (schmiegt sich in seine kuschelige warme Jacke): Jetzt ja.
Mehdi (streichelt seiner Schmusemaus lächelnd über ihr langes Haar, das sie heute offen trägt): War es so schlimm?
Gabi: Schlimmer!
Mehdi (bettet sein Kinn auf ihr Haupt u. drückt sie tröstend an sich): Ach meine Maus!
Gabi (nuschelt in seine Jacke): Ich weiß gar nicht, wie ich das aushalten soll. Ohne dich.
Mehdi (runzelt verwundert die Stirn u. lockert seine Umarmung, um sie anschauen zu können): Ohne mich? Wie meinst du das? Du hast mich doch am Haken, wie du vorhin so schön gesagt hast. Mich wirst du nie, nie mehr los.
Gabi (lächelt kurz auf u. sieht ihn dann aber aus traurigen Augen an): Ach nicht so, wie du denkst. Es ist nur, die blöde Kuh denkt, mal wieder alles umstellen zu müssen. Modern Learning. Was weiß ich. Damit kein Stillstand auftritt. Seit ihrer Fortbildung scheißt Stefanie doch nur noch klug.
Mehdi (sichtlich überfordert): Muss ich das verstehen?
Gabi (klärt ihn augenrollend auf): Anstatt auf der Gyn bin ich ab nächster Woche häufiger für die Notaufnahme eingeteilt. Angeblich weil es neulich so gut geklappt hätte. Aber ehrlich, das ist doch reine Schikane von ihr. Wegen uns.
Mehdi (legt seine Hand beruhigend an ihre Wange u. sieht sie verständnisvoll an): Das glaube ich nicht.
Gabi (schmollt): Doch! Was denkt die sich eigentlich? Dass wir die Arbeit vernachlässigen und uns ständig an die Wäsche gehen, wenn wir zusammen Dienst haben?
Mehdi (grinst): Tun wir doch.
Gabi (ist überhaupt nicht zu Späßen aufgelegt): Sehr witzig, Herr Oberarzt. Dir wird das Lachen auch noch vergehen. Weißt du, wer stattdessen in die Gyn kommt?
Mehdi: Nein! Wer?
Gabi (grinst ihn an): Die Frau vom Professor.
Mehdi (klappt den Mund auf): Oh!
Gabi: Angeblich damit sie auf der Onkologie kein Chaos mehr stiftet. Da hat es wohl häufiger Beschwerden gegeben. Und da sie eine Konfrontation mit dem Chef vermeiden wollte, hat sie Schwester Bärbel eben zu dir gesteckt. Zu Weiterbildungszwecken. Sie hat wohl damals anno 1957 während ihrer Ausbildung schon einmal eine Gyn von innen gesehen und hat doch so ein Herz für Kinder. Blödsinn! Ich denke, das hat Stefanie mit voller Absicht so bestimmt. Neidische Kuh!
Mehdi: Ach was. Früher hat es doch auch immer Wechsel gegeben. Und Marc beschwert sich doch ständig, es würde in der Ambulanz zu wenig Personal geben. Wir kriegen das schon hin, mhm. Und es hat ja auch was Gutes.
Gabi (trotzig): Was? Ich wusste gar nicht, dass du so einen guten Draht zu Gretchens Mutter hast.
Mehdi (lacht u. faltet seine Hände hinter ihrem Rücken, um sie noch enger an sich zu drücken): Das meine ich doch nicht. Ich wollte damit sagen, das steigert doch nur die Sehnsucht. Findest du nicht?
Gabi (legt ihre Arme um seinen Hals u. schaut ihm tief in die Augen): Die unbedingt gestillt werden muss. Bei heimlichen Stelldicheins in der Wäschekammer, hmm?
Mehdi (grinst): Genau!
Gabi (schmiegt sich an ihn): Du bist so ein Schlawiner, aber ein süßer. Aber das letzte Wort ist da noch nicht gesprochen. Vielleicht sollte ich mal wieder ein Nilpferd kaufen gehen. Damit alles so bleibt, wie es ist. Das hat doch schon einmal gut funktioniert.
Mehdi (schmunzelt): Wenn du meinst? Ich bin übrigens gerade Herrn Dr. Ebersbusch über den Weg gelaufen. Wir können am Wochenende bei ihnen in der Wohnung vorbeikommen, wenn du magst. Zusammen mit Lilly.
Gabi (lächelt ihn verklärt an): Das ist schön.
Mehdi: Marc und Gretchen habe ich auch Bescheid gegeben, dass wir vielleicht noch eine Alternative haben.
Gabi (streicht verträumt durch seine Haare, in denen sich einzelne Schneeflocken verfangen haben): Mhm.
Mehdi (erwidert ihre verliebten Blicke): Wollen wir dann los? Meine Eltern warten sicherlich schon auf uns. Wir sollten uns sputen, bevor es noch mehr schneit.
Gabi (aus ihren Gedanken gerissen starrt sie ihn an): Ähm...
Mehdi (schaut sie verwundert an, weil sie zögert): Was ist? Willst du doch nicht mit? Ich hab mit meiner Mutter geredet und sie...
Gabi (schüttelt den Kopf u. sieht ihn verlegen an): Nein, nein, das ist es nicht. Natürlich komme ich mit. Ich hab dir ja versprochen, heute jede Minute mit dir zu verbringen. Es ist nur, wir müssten vorher noch mal bei mir zu Hause vorbeifahren. Ich hab immer noch Chantals Sachen an und würde die gerne noch wechseln.
Mehdi (schaut an ihr herab u. seine Augen leuchten auf): Oh! Ja, du hast Recht, du musst unbedingt aus diesen Klamotten raus.

Anzüglich zwinkerte Mehdi seiner Freundin zu, die natürlich sofort verstand, was diese Andeutung zu bedeuten hatte und sich diebisch darauf freute. Gabi lächelte nur verheißungsvoll und schlängelte ihre Arme nur noch fester um seinen Nacken und presste ihren Traumkörper gegen den seinen. Sie taumelten etwas. Doch Mehdi hielt seine Traumfrau fest umschlossen. Dann küsste sie ihn plötzlich so stürmisch, dass ihm diesmal tatsächlich die Luft wegblieb. Hingebungsvoll erwiderte er ihren leidenschaftlichen Kuss, der sämtliche Sinne vernebelte. Den silbernen VW, der langsam aus seiner Parkbucht bog und an ihnen vorbeifuhr, bemerkten die Schwerverliebten nicht. Nach einem endlos langen Kuss stiegen auch sie endlich in ihren Wagen und fuhren zu Gabi, bevor am späten Nachmittag die Geburtstagsfeierlichkeiten im Kaanschen Elternhaus weitergehen würden.

Lorelei Offline

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05.12.2011 13:01
#1183 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Drei Tage später

Es dämmerte bereits, als Dr. Marc Meier hundemüde von seiner unfreiwilligen Sonntagsschicht nach Hause kam, seine Arzttasche im Flur neben der Garderobe absetzte und seinen Kurzmantel samt grauem Schal auszog. So hatte er sich den Tag sicherlich nicht vorgestellt gehabt, als er heute Morgen eng an seine aufregende Freundin gekuschelt aus seinen süßen Träumen gerissen worden war. Er hatte für Dr. Rössel einspringen müssen, der ein Opfer der alljährlichen Grippewelle geworden war. Und da sie im EKH eh schon unterbesetzt waren, hatte er eben in den bitteren Apfel gebissen und seinen einzigen freien Sonntag in diesem Monat dem Dienst am Patienten geopfert und damit auch die Aussicht auf einen ganzen Tag nur im Bett mit seiner Liebsten. Er seufzte wehmütig bei dem Gedanken und zog sich gemächlich seine Winterschuhe aus, die er ungelenk in eine Ecke pfefferte, als ihn plötzlich eine Duftwolke erfasste, die seine ganze Aufmerksamkeit und besonders die seines leeren Magens weckte. Erst jetzt bemerkte der zeitlich eingespannte Ausnahmechirurg, dass er heute noch nicht wirklich etwas zwischen die Zähne bekommen hatte. Ihm lief förmlich das Wasser im Mund zusammen, denn es duftete gar köstlich aus der offenen Küche zu ihm rüber.

Haasenzahn hatte gekocht, stellte der Oberarzt mit einem süffisanten Grinsen im Gesicht fest, der seine Lieblingsassistenzärztin an diesem stressigen Tag im EKH schmerzlich vermisst hatte. Aber er hatte ihr den Sonntag nicht auch noch versauen wollen und ihr strengstens untersagt, auch nur einen Fuß in die Klinik zu setzen oder überhaupt daran zu denken, denn seine arbeitseifrige Freundin hatte ihn natürlich begleiten wollen, als er am frühen Morgen aufbrechen wollte. Nur eine fiese sehr ausgiebige Kussattacke als geschicktes Ablenkungsmanöver hatte sie davon abhalten können. Marc schmunzelte, als er daran zurückdachte, wie sie sich mit einem seligen Lächeln auf den Lippen ganz verträumt in ihr Kissen gekuschelt hatte, als er langsam von ihr abgelassen und sie schließlich allein im Schlafzimmer zurückgelassen hatte. Fast hätte er es sich an der Tür noch einmal anders überlegt, so süß und verführerisch wie sie da in seinem Bett geräkelt hatte, aber er hatte seine Leute in der Klinik schließlich nicht hängen lassen können und war doch gegangen. Der hippokratische Eid verpflichtete eben.

Marc richtete sich langsam auf, löschte das Licht im Flur und betrat erwartungsvoll mit einem vergnügten Lächeln im Gesicht das gemeinsame Wohnzimmer. Der Esstisch war bereits fürstlich gedeckt und ein Blick über die Küchenzeile sagte ihm, dass im Ofen eine Auflaufform vor sich hin brutzelte und leckere Gerüche verbreitete. Sein Magen meldete sich schon wieder. Der bärenhungrige Mann sah sich weiter um. Komischerweise war von Gretchen keine Spur.

Marc: Haasenzahn?

... rief er schließlich in die Stille der Wohnung hinein, aber eine Antwort blieb ihm verwehrt. Langsam schlich er um den Tresen herum zum Herd rüber und öffnete neugierig den Backofen. Die Hitze, die ihm entgegenschlug, ließ ihn kurz zurückweichen und aufstöhnen Nachdem er gecheckt hatte, was seine Prinzessin zum Essen gezaubert hatte, klappte er die Tür wieder zu und drehte den Temperaturregler aus. Sicher war sicher! Wieder rief der Chirurg in den Raum hinein. Diesmal ungeduldiger und mit einer gewissen Ironie in der Stimme, auf die Gretchen sicherlich reagieren würde...

Marc: Du hast Lasagne gemacht? Super! Ich hab echt Kohldampf. In der Klinik war die Hölle los, kann ich dir sagen. Du hast sicherlich von dem Crash auf dem Stadtring gehört? Haasenzahn, wo steckst du eigentlich? Ich will ja nichts gegen deine bescheidenen Kochkünste sagen, aber noch fünf Minuten länger und wir können Briketts essen. Und darauf ist jetzt nicht so mein Sinn.

Es kam keine patzige Antwort zurück, was den Fragensteller ziemlich verwunderte und sein anfangs schelmisches Grinsen sofort im Keim ersticken ließ. Mit knurrendem Magen schaute er noch einmal sehnsüchtig durch die Glasscheibe auf das dampfende Etwas und verließ anschließend die Küche, um die schöne Köchin zu suchen und sie später für diese unverschämte Missachtung seiner göttlichen Präsenz gehörig zu bestrafen. Doch weder im Badezimmer noch im Schlafzimmer war sein verschollener Haasenzahn zu finden. Marc resignierte, als er sich mit einem Arm am Türrahmen abstützte und in die dunkle Leere blickte. Auf dem gemeinsamen Bett lagen ein paar Klamotten wild verteilt. Wahrscheinlich hatte seine Süße eine kleine Modenschau veranstaltet, um sich für ihn hübsch zu machen. Aber was nützte ihn das, wenn er das aufregende Endergebnis nicht zu begutachten bekam?

Er stieß sich vom Türrahmen ab, machte das Licht an und kam auf das Bett zu. Er wollte ihre Sachen zusammenräumen, entdeckte aber zwischen ihren Kleidungsstücken Gretchens Tagebuch, in dem noch der Stift klemmte und aus dem ein gemeinsames Foto vorm „Haus am See“ herausblitze, und hielt inne. Er überlegte einen Moment, ließ es aber doch liegen und verließ das Schlafzimmer wieder. Als letztes schaute er in seinem Arbeitszimmer nach und wurde tatsächlich fündig. Na ja fast. Die Schreibtischlampe brannte noch und sein Laptop war aufgeklappt. Neugierig geworden näherte er sich und blickte auf die Seite, die sein Mädchen zuletzt aufgerufen hatte und musste schmunzeln. Er klappte den Laptop zu und löschte das Licht. Marc wusste jetzt, wo er seine Träumerin finden konnte. Er schnappte sich den Hausschlüssel vom Board im Flur und verließ im Anschluss die Wohnung.

Lorelei Offline

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06.12.2011 16:25
#1184 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Währenddessen in einer anderen Ecke von Berlin

Zwei Personen lagen Kopf an Kopf auf dem Rücken auf dem Fußboden eines leeren geräumigen Zimmers und starrten zusammen an die weiße Decke. Der goldgelbe Leuchter, der von der Decke hing und von geschnörkeltem Stuck umgeben war, hatte es ihnen angetan. Verträumt hielt das Pärchen Händchen. Ein großer Daumen streichelte zärtlich über eine schmale Hand. Die Frau lächelte glücklich vor sich hin. Und auch der Mann hatte einen zufriedenen Ausdruck im Gesicht.

Mehdi: Und? Was denkst du?

... fragte der attraktive Halbperser schließlich in den Raum. Seine schöne Freundin wollte ihm gerade darauf antworten, als ihr aber ein süßes Engelsstimmchen zuvor kam...

Lilly: Was macht ihr denn da Komisches?

Mehdis vorlaute Tochter runzelte verwundert ihre Stirn, löste sich vom Türrahmen, an den sie sich gelehnt hatte, und kam auf die beiden am Boden zwischen vier und acht liegenden Erwachsenen zu, die kurz ertappt zusammengezuckt waren und dann synchron zur Tür gekuckt hatten, und legte sich zwischen ihren Papa und dessen Freundin auf um Zwölf. Mehdi griff nach ihrer kleinen Hand und drehte seinen Kopf zur Seite und grinste sie vergnügt an...

Mehdi: Wir schauen uns die Wohnung an!
Lilly (verwirrt): Vom Fußboden aus?
Mehdi (grinst noch mehr u. schaut wieder nach oben zur Decke): Genau.
Lilly (macht es ihm nach): Aber da seht ihr doch gar nichts.
Gabi (plappert dazwischen): Wir lassen die Wohnung auf uns wirken, weißt du.
Lilly (dreht ihren Kopf zur anderen Seite u. guckt die Freundin ihres Vaters skeptisch an): Aha!
Mehdi (drückt Lillys Hand): Schließe einfach deine Augen! Spürst du was?
Lilly (macht ihre Augen zu u. kichert): Du hast ganz kalte Hände, Papa.
Mehdi (schmunzelt): Oh! Das muss wohl ... die Aufregung sein.
Lilly (konzentriert sich endlich): Ist schön hier.
Mehdi (lächelt): Das finde ich auch.
Gabi: Ich auch.

Die drei blieben noch eine ganze Weile schweigend nebeneinander auf dem hellen Laminatboden liegen und ließen die Wohnung auf sich wirken, bis Lilly sich plötzlich aufrichtete und ihren verträumten Papa mit Rehäugleinblick ins Visier nahm...

Lilly: Kann ich das große Zimmer am Ende des Flurs haben?
Mehdi (öffnet seine Augen u. sieht seine fröhlich strahlende Tochter verdutzt an): Das Schla...
Gabi (kommt ihrem Partner zuvor u. schaut Lilly augenzwinkernd an): Klar.
Lilly (strahlt sie begeistert an): Supi!

Lilly sprang sofort vom Boden auf und rannte hüpfend aus dem Zimmer. Mehdi richtete sich auf und sah seiner Tochter ziemlich sprachlos hinterher. Dann blickte er zu seiner Freundin, die sich ebenfalls aufgerichtet und ihre Knie an ihren Körper gezogen hatte und ihn nun mit sanfter Unschuldsmiene anlächelte...

Mehdi: Was war das?
Gabi: Ein Zugeständnis.
Mehdi (zieht zweiflerisch eine Augenbraue nach oben): Du willst dir die Freundschaft von Lilly erkaufen?
Gabi (rückt zu ihm auf u. legt ihre Arme um seine Schulter): Quatsch! Ich denke nur an uns. Ist dir gar nicht aufgefallen, wie begeistert Lilly von der Wohnung ist, mhm?
Mehdi (seine Augen werden immer größer u. er begreift): Oh! Das heißt...
Gabi (grinst u. setzt ihren überzeugendsten Dackelblick auf): Eben, mein begriffsstutziges Bärchen. Eigentlich müssten wir ihr doch Marcs Wohnung nicht mehr zeigen oder?
Mehdi (zieht seine Freundin auf seinen Schoss u. lächelt sie verliebt an): So ist das also? Das würde ich aber schon als eine kleine Verschwörung bezeichnen.
Gabi (schmunzelt): Nicht unbedingt. Wir ersparen uns nur einen lästigen Besuch im rosaroten Traumland.
Mehdi (lacht u. sieht sie eindringlich an): Und du würdest ihr tatsächlich das große Schlafzimmer überlassen wollen?
Gabi (schmiegt sich noch enger an ihn): Weißt du, wir hatten doch neulich das Gespräch, dass wir eigentlich nicht viel Raum für uns bräuchten oder?
Mehdi (gespielt begriffsstutzig): Hatten wir das?
Gabi (fährt mit ihren Händen unter seinen Mantel u. krault anschließend verführerisch seinen Brustkorb): Ja! Und so klein ist das andere Zimmer ja gar nicht. Ein gemütliches Bett passt rein. Wir müssten nur ganz eng aneinander rücken.
Mehdi (fängt Feuer): Wie eng?
Gabi (beugt sich zu seinem Ohr u. haucht mit sanfter Stimme hinein): Noch viel enger als jetzt.
Mehdi (ein wohliger Schauer nach dem anderen fährt durch seinen Körper u. er sieht seine aufregende Freundin mit glasigen Augen an): Ja?
Gabi (dreht ihren Kopf ein wenig, ihre Nasenspitzen berühren sich): Ja! Und weißt du, was das Beste ist?
Mehdi (schluckt u. ist gefangen von ihren verführerischen Augen): Was?
Gabi (beißt sich auf ihre Unterlippe u. sieht in seinen funkelnden Augen hin u. her): Die Zwischentür.
Mehdi (stutzt u. kippt fast von seiner Wolke): Hä?
Gabi (muss sich sehr zusammenreißen, nicht zu lachen): Zum anderen Zimmer. Da könnten wir einen begehbaren Kleiderschrank reinmachen.
Mehdi (verdreht die Augen u. seufzt): Das ist deine einzige Sorge?
Gabi (lacht): Ja, ich hab einen großen Klamottenfundus. Hihi! Du hättest mal dein Gesicht sehen sollen.
Mehdi (dreht sich mit ihr auf die Seite u. liegt plötzlich über ihr): Du Biest!
Gabi (genießt seine Überrumpelung sehr): Jetzt hast du den Nähegrad erreicht, den ich gemeint habe.
Mehdi (hält inne u. sieht sie aufgewühlt an): Wirklich?
Gabi (atemlos gefangen in seinem fesselnden Blick): Ja!

Mehdi lächelte nur verheißungsvoll, beugte sich immer weiter zu der personifizierten Verführung herab und ließ seine Lippen gefühlvoll über die ihren streifen. Gabi seufzte leise und schloss ihre Augen, während sich ihre Hände hinter seinem Rücken verkreuzten. Innig knutschten die beiden und vergaßen dabei ganz, wo sie sich eigentlich befanden, bis ein Geräusch sie hochfahren ließ. Es war ein schüchternes Räuspern. Von Lilly, die mit verschränkten Armen und immer größer werdenden Augen vor dem küssenden Paar aufgetaucht war.

Lilly: Äh... Papi, die Frau Dr. Ebersbusch und der Herr Dr. Ebersbusch sind von ihrem Spaziergang zurück.

Und tatsächlich, hinter dem kleinen Mädchen tauchte am Türrahmen das Ärzte-Ehepaar Ebersbusch auf, das sich vielsagende Blicke schenkte und dann schmunzelnd auf das sich innig umarmende Paar am Boden blickte, das nun eilig aufstand und mit geröteten Wangen zu ihren beiden Kollegen rüberging. Lilly sprang ihnen grinsend hinterher. Mehdi räusperte sich verlegen, schaute vergewissernd zu Gabi, die seine Hand fest umschlossen hielt und ihm lächelnd zunickte, dann zu Lilly, die sich mit beiden Armen von der anderen Seite an ihn schmiegte. Er streichelte ihr mit seiner freien Hand lächelnd über den Kopf, dann blickte er zu den Vormietern, die gespannt auf eine Antwort warteten...

Mehdi: Ich denke, ich spreche für uns alle, wenn ich sage, wir haben uns entschieden.

Lorelei Offline

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07.12.2011 16:04
#1185 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Zur gleichen Zeit in einer Luxusappartmentsiedlung an der Spree

Dr. Meier war derweil seiner abhanden gekommenen Lebensabschnittsgefährtin schnell auf die Spur gekommen. Es gab nur einen Ort, an dem sie sich im Moment lieber aufhielt als in seinem Bett oder neben ihm am OP-Tisch und irgendwie war er ja auch selbst Schuld daran. Die Tür war nur angelehnt, als der Oberarzt das schicke Penthouse im obersten Stockwerk des Hauses betrat und die Verschollene am Boden hockend im großen Wohnbereich vorfand. Marc schmunzelte. Aber nicht weil Gretchen in ihrem sexy roten rückenfreien Kleid und den kunstvoll hochgesteckten Haaren eher für einen Theater- oder Musicalbesuch gestylt war und daher deplaziert in der noch unmöblierten Wohnung wirkte. Auch nicht wegen der rosafarbenen Snoopi-Puschen, die nicht wirklich farblich zu dem sexy Restoutfit passten. Sondern vor allem weil um die schöne Lady in Red herum wild verstreut verschiedene Wohntraummagazine, Möbelkataloge und selbst gemalte Wohnungsskizzen lagen. Sie schien völlig vertieft in ihren Gedanken und Planungen zu sein und hatte den Eindringling noch nicht bemerkt, der sich langsam von hinten an sie heranschlich.

Bei Dr. Gretchen Haase gab es nämlich kein anderes Thema mehr, seitdem sie beide vor zwei Tagen den Kaufvertrag für ihre absolute Traumwohnung unterzeichnet hatten. Ein wohliges Gefühl durchströmte plötzlich Marcs Körper und er fuhr sich mit der rechten Hand über sein pochendes Herz. Das war mit Abstand die beste Entscheidung seines Lebens, wenn man mal von dem Tag absah, an dem er sich endgültig und für immer für das Abenteuer Haasenzahn entschieden und sein Mädchen auf Rügen eingefangen hatte, oder seinem ersten Arbeitstag als frisch gebackener jüngster Oberarzt des Landes im EKH oder vor ein paar Monaten, als er seinen Vater nach zwanzig Jahren Trennung endlich wieder in seine Arme hatte schließen können. Es fühlte sich unglaublich gut an, obwohl er sich damit endgültig festgelegt hatte. Es gab kein Zurück mehr und er wollte auch kein Zurück. Er war einfach nur glücklich, zufrieden und mit sich im Reinen. Nächtelang hatten sie durchdiskutiert, wie sie ihr neues Zuhause gestalten wollten. Er hatte sich Gretchens Vorstellungen geduldig angehört, hatte gewohnt diverse Sprüche gekloppt und war sogar gestern nach Dienstende noch mit ihr in dieses blöde schwedische Möbelhaus gefahren, weil sie sich unbedingt hatte inspirieren lassen wollen. Frauen! Tzz.... Dass die auch unbedingt immer so ein Theater um solche Kleinigkeiten machen mussten. Dabei war das doch alles ganz einfach. Bett, Tisch, Stuhl, Couch und Fernseher. Fertig. Aber ihr gemeinsames Zuhause sollte eben perfekt werden, wie Gretchen mit zuckersüßer Mädchenstimme in jedem zweiten Satz betonte. Dabei war es das doch schon. Merkte sie das denn nicht? Mit ihr an seiner Seite war es doch schon perfekt. Deshalb hatte der ewige Macho sie auch ohne Murren dahin begleitet, weil er es einfach liebte, ihr beim Planen zuzuschauen, und hatte ihr gentlemanlike die riesige blaue Tüte hinterher geschleppt, die sich immer mehr mit Kleinkram gefüllt hatte, den sie eigentlich nicht gebraucht hätten. Aber was sollte er auch dagegen sagen? Seine Liebste ging dabei richtig in ihrem Element auf. Ihre Augen leuchteten unvergleichlich schön und sie strahlte so eine ansteckende Begeisterung aus. Das war einfach faszinierend und hinreißend.

So wie jetzt in diesem Moment auch wieder. Gretchen schaute sich gerade verschiedene Farbmuster an und hielt jedes Einzelne vor ihren Augen gegen das Licht der Deckenstrahler. Die Dinger musste sie wohl aus dem Baumarkt haben. Da hatte sie doch heute am verkaufsoffenen Sonntag mit ihrem Vater noch hingewollt. Ihr konnte das alles einfach nicht schnell genug gehen. Wenn es nach ihr gegangen wäre, wären sie nach dem Kauf der Wohnung auch gleich noch am selben Tag hier oben eingezogen. Die Begeisterungsfähigkeit musste sie wohl von ihrem Vater haben. Der Professor hatte sich nämlich auch sehr für seine beiden Schützlinge gefreut, als er von der großen Neuigkeit erfahren hatte. Gretchens Mutter hatte natürlich ihre Klappe nicht halten können, aber das war auch nicht anders zu erwarten gewesen. Ungern dachte der Chirurg an das vertrauliche Gespräch mit seinem Schwiegervater in spe am Freitag in dessen Büro zurück, als dieser ihm mit pathetischem Gesichtsaustrug erklärte, wie stolz er doch sei, dass sie sich jetzt ein eigenes Heim schaffen wollten. Mit einer noch pathetischeren Predigt, was ein Mann in seinem Leben noch alles zu erreichen hatte, hinterher. Und dann hatte er sich auch noch dreisterweise am selben Abend zu einer privaten Besichtigungstour eingeladen. Dabei war der Kaufpreis noch nicht einmal überwiesen. Das Penthouse gehörte ihnen also rein rechtlich noch gar nicht wirklich, aber das war Bärbel und Franz Haase egal gewesen.

Mit großen Augen waren sie durch die Dachgeschosswohnung spaziert, hatten jeden Winkel genaustens inspiziert und natürlich hatte Mutter Haase an allem etwas auszusetzen gehabt und ihnen geraten, doch lieber in etwas Solideres zu investieren. Zum Beispiel in das Haus ihrer Nachbarn, die gerade dabei waren, nach Amerika auszuwandern und einen Käufer für ihre familienfreundliche Villa mit riesigem Garten suchten. Es wäre doch so schön, die beiden in ihrer Nähe zu wissen, hatte sie mit weinerlicher Stimme erklärt und Marc hätte am liebsten seinen Kopf gegen die nächste Tür geschlagen. Ja, konnte das denn wahr sein? Der Vorhof zur Hölle wäre nichts dagegen gewesen. Er sah schon das neugierige Gesicht von Bärbel an der Fensterscheibe kleben, die es sich natürlich nicht nehmen lassen würde, jeden Morgen, während er gerade mit deren Tochter morgendlichen Gymnastikübungen nachging, bei ihnen aufkreuzen, um sich zum Frühstück einzuladen. Doch Gretchen hatte ihre Mutter dann Gott sei dank beiseite genommen, als sie Marcs entsetzten Gesichtsausdruck gesehen hatte, und auf die Dachterrasse geführt. Und dort oben über den Dächern Berlins war mit einem Mal jegliche Skepsis davon geweht gewesen. Ein Glück, dass der Mond gerade besonders romantisch über dem Fernsehturm stand. Und während die beiden Haase-Frauen ihre Terrassenbepflanzungspläne durchsprachen, hatte Franz seinen Schwiegersohn in spe väterlich zur Seite genommen. Er wollte die beiden unbedingt unterstützen und hätte fast die Hälfte des Kaufspreises übernommen, wenn nicht im selben Moment Bärbel zurückgekommen wäre und ihn mit einer seltsamen Rede davon abgebracht hätte. Marc hätte sie in diesem Moment abknutschen können, wenn sie nicht seine Schwiegermutter gewesen wäre. Die Kinder würden das schon machen, hatte sie noch hinzugesagt und hatte sich bei ihrem Mann für einen Abendspaziergang eingehakt und der Spuk war schneller wieder vorbei gewesen, als er gekommen war. Sehr zur Erleichterung von Dr. med. Marc Meier.

Das Gespräch mit seinem eigenen Vater am Flughafen - Prof. Dr. Dr. med. Olivier Meier war auf dem Weg zu seiner geliebten Ehefrau, die aufgrund seiner kurzfristig einberaumten Termine in Berlin immer noch ohne ihn in Südfrankreich flitterte, dafür aber umso inspirierter an einem neuen, in ihren Augen wohl einem der besten, Dr. Rogelt werkelte - war fast genauso abgelaufen. Der sensible Meisterchirurg hatte sogar ein paar Tränchen verdrückt und gestammelt, dass er unheimlich stolz auf seinen Jungen sei und dass er sich unbedingt beteiligen wollte. Das sei er ihm einfach schuldig nach den vielen Jahren der unfreiwilligen Trennung. Marc, dem seine pathetische Umarmung und seine schluchzende Rede mehr als peinlich war, hatte ihm das zum Glück ausreden können. Sein Vater war ihm nichts schuldig. Wenn schon, dann seine Mutter, aber von ihr würde er in diesem Leben nichts mehr annehmen wollen. Und Almosen wollte er nicht. Die Wohnung war allein sein Ding. Das Geld für sein Zukunftsabenteuer mit der Liebe seines Lebens wollte er schon alleine aufbringen. Er fühlte sich als echter Mann einfach dazu verpflichtet. Irgend so ein Ehrending. Keine Ahnung. Nestbau, Baum pflanzen und... Äh... Der stolze Oberarzt setzte den albernen Gedankengang seines Kumpels Mehdi lieber nicht fort, der ihm seit Tagen damit in den Ohren lag und ihn immer wieder damit aufzog und zur Weißglut trieb. Verknallt über beide Ohren war der Kerl einfach nicht auszuhalten.

Komisch, fiel ihm plötzlich auf. Wollte der sich nicht noch mal wegen der Wohnung melden? Sonst müsste er sich doch noch einen anderen Nachmieter für seine alte Bude suchen müssen. Aber egal, das hatte noch Zeit. Gretchen und er hatten sich jetzt jedenfalls so mit ihren Eltern geeinigt, dass diese sich in die Kosten für eventuell anfallende Renovierungs- und Umbauarbeiten und die neuen Möbel reinteilen würden. Sie wollten sich nun mal unbedingt beteiligen. Man konnte es ihnen einfach nicht ausreden. Und im Grunde genommen, war es doch auch ganz gut, noch einen Notgroschen zu haben, jetzt wo Gretchen und er alles, was sie besaßen, in das Penthouse investieren würden.

Und nun, da die Finanzierung weitgehend gesichert und der Vertrag unterschrieben war, konnte sich sein Mädchen auch endlich voll und ganz reinhängen in die Planung und Gestaltung. Gretchen war schon ganz hibbelig deswegen gewesen. Ein Duracel-Hase war nichts dagegen. Sie lief schon seit Tagen auf Hochtouren. Mit sehr positiven Nebenwirkungen, die sein Sexualleben betrafen nebenbei bemerkt. Mit der Planung war Gretchen völlig in ihrem Element. Auch so ein Frauending, das er wohl niemals verstehen würde. Verträumt beobachtete Marc seine hübsche Freundin eine Weile dabei. Sie hatte ihn immer noch nicht wahrgenommen, obwohl er jetzt direkt hinter ihr stand und mit seinen verliebten Blicken über ihren grazilen Hals und ihren Rücken strich. Am liebsten hätte er ihr jetzt die Spange aus den Haaren gezogen, um seine Hände in ihrer Mähne vergraben zu können. Doch Marc entschloss es sich anders. Langsam ging er hinter Gretchen in die Knie und setzte zur Bewegung an, ihr die Augen zuhalten zu wollen, um sie zu überraschen, als sein klingelndes Handy ihm leider einen Strich durch die Rechnung machte. Er fluchte und versuchte, die in diesem Moment mehr als nervige Knight-Rider-Titelmelodie abzustellen, aber da war es bereits zu spät. Fast zu Tode erschrocken drehte sich das verhinderte Überraschungsopfer um und nietete Marc Meier mit einer unbedarften reflexartigen Armbewegung um...

Lorelei Offline

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08.12.2011 18:52
#1186 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Marc: Au! Verdammte Scheiße!

Der unfreiwillig Ausgeknockte polterte in gewohnter Manier lautstark und uncharmant drauflos und trieb dem überraschten Gretchen damit förmlich die Schamesröte ins Gesicht. Sie krabbelte schnell zu ihrem umgenieteten Schatz und blickte entschuldigend in sein hochrotes erzürntes Gesicht. Sie hatte ihn doch gar nicht kommen gehört. Woher hätte sie denn ahnen sollen, dass er direkt hinter ihr... Oh nein! Super, Gretchen! Sie hatte sich mal wieder von ihrer „allerbesten“ Seite gezeigt. Sie konnte sich also auf etwas gefasst machen, ahnte die tollpatschige Ärztin und kniff beide Augen zusammen. Marc funkelte die reumütige Hobby-Boxerin derweil mit bösem ameisenhaften Blick an und rieb sich immer wieder über seine schmerzende Nase, die sich ziemlich platt gedrückt anfühlte. War sie überhaupt noch dran? Brauchte er etwa schon wieder Elkes plastischen Chirurgen, der ihm damals nach der kleinen Meinungsverschiedenheit mit Cedric Stier seine Nase, bis auf die eine Narbe, wieder gerichtet hatte? Dafür würde Haasenzahn aber leiden müssen. Aber so was von! Da wollte man(n) sie netterweise überraschen, weil man doch so ein guter und charmanter Freund war, und das war der Dank. Ein Besuch in der Notaufnahme. Na Dankeschön! Aber nach ausführlicher Selbstuntersuchung stellte der geschundene Ausnahmechirurg fest, dass die Nase doch noch dran war. Dafür spürte Marc jetzt deutlich Gretchens Blicke auf seinem malträtierten Gesicht und er hörte ihre aufgekratzte schrille Stimme, die sich wie ein Schlaghammer in seine Gehörgänge bohrte...

Gretchen: Mein Gott, Maaarc! Du hast mich fast zu Tode erschreckt. Was schleichst du dich auch so an?
Marc (fassungslos, dass ihm jetzt auch noch Vorwürfe entgegenschlagen): Äh... Weil ich dich vielleicht überraschen wollte, Frau... Halmich. Aber das werd ich wohl in Zukunft unterlassen, wenn ich jedes Mal dafür misshandelt werde.
Gretchen (begutachtet mit reumütigem weinerlichem Bambiblick seine rote Nase): Tut mir so leid, Schatz. Tut es noch weh?
Marc (schlägt grummelig ihre Hand weg, die seine Nase untersuchen will): Nein! Aber irgendwann bringst du mich wirklich noch mal ins Grab, Haasenzahn.

Marc hatte natürlich immer noch Schmerzen und sah kleine Sternchen vor seinen Augen tanzen, die sich aber allmählich mit dem funkelnden Sternenglanz von Gretchens tiefblauen Augen vermischten, aber der tapfere Mann ließ sich nichts anmerken. Schwerfällig rappelte er sich auf, hob das aus seiner Hand geflutschte immer noch bimmelnde Handy auf und drückte den nervigen Anrufer, der diese typische Haassche Reaktion ausgelöst hatte, weg.

Marc (meckert): Der hat vielleicht Nerven!

Anschließend widmete sich der Grummelkönig endlich wieder seiner süßen Freundin, die sich voller Schuldgefühle besorgt über ihn gebeugt hatte. Er schmunzelte und beschloss zu handeln. Rache war ja bekanntlich süß und Gretchen Haase war nun mal das süßeste Racheopfer, das er kannte. Mit dem Schalk im Nacken packte Marc sie also unvermittelt und so fand sich Madame Raumplanerin auch schon unter ihm auf dem Boden wieder...

Gretchen (quiekt): Maaarc!

Mit tiefer belegter Stimme raunte er der überrumpelten Frau etwas zu, während er sich mit beiden Händen neben ihrem Kopf abstützte und sich immer weiter zu ihr herabbeugte und ihre Augen fixierte, die ihn gebannt anstarrten...

Marc: Was ist das eigentlich für eine beschissene Begrüßung heute? Leere Wohnung, fast verkokeltes Abendessen und hier wird man auch noch unsanft umgenietet. Das findet der Dr. Meier aber gar nicht nett. Das sollte bestraaaa....
Gretchen (fasst sich erschrocken an den Mund u. erwischt Marc dabei mit dem Ellenbogen): Oh nein, mein Auflauf! Den hab ich ganz vergessen. Oh weh!
Marc (richtet sich mit schmerzverzerrten Gesicht auf u. meckert mit sarkastischen Unterton drauflos): Au! Und schon wieder! Ist das jetzt der Dank dafür, dass ich dir ein perfektes Heim geschenkt habe? Aber wahrscheinlich hast du es genau darauf abgesehen. Erst mal alles in trockene Tücher bringen und den Mann dann bluten lassen.
Gretchen (sieht den eingeschnappten Mann, der sein Gesicht fachmännisch untersucht, entschuldigend an u. streichelt liebevoll und pustend über seine Nase): Tut mir leid, ich bin auch manchmal echt ein Schussel.
Marc (zieht eine Augenbraue nach oben u. ein leichtes Grinsen zeichnet sich auf seinen Lippen ab): Manchmal?
Gretchen (stupst ihn zurück): Blödmann! Lass mich hoch! Ich hätte die Lasagne schon vor einer Viertelstunde rausholen müssen. Die ist bestimmt nicht mehr zu retten.
Marc (packt ihre beiden Hände u. drückt seine aufgeregte Freundin wieder runter zu Boden): Tja, wenn du Gott nicht hättest. Ich bin der Vorahnung gefolgt und hab noch rechtzeitig einen Feuerwehreinsatz verhindert.
Gretchen (atmet schwer aufgrund seiner unmittelbaren Nähe u. blickt ihn dankbar an): Danke!
Marc (grinst): Verkokelt hätten wir die Wohnung nicht mal mehr an Mehdi loswerden können.

Und wie aufs Stichwort klingelte in dem Moment erneut Marcs Telefon. Genervt wegen der wiederholten Unterbrechung richtete er sich auf, nahm es in die Hand, rollte mit den Augen, als er den Anrufer erkannte, und zeigte seiner Freundin das Display, wo das Konterfei von Mehdi Kaan beim Essen in der Kantine aufleuchtete, das er irgendwann einmal während Mehdis Fressattackenphase aufgenommen und als warnendes Beispiel gespeichert hatte...

Marc: Wenn man vom Teufel spricht, kommt er auch schon angeschissen.

... und ging schließlich ran.

Marc: Was, Kaan? Merkst du nicht, dass du... Jetzt lass mich ausreden, verdammt, wenn ich dir gerade die Unterhose über den Kopf ziehe, ohne dass du... die Hose dafür... Was? ... Oh! Bist du sicher? ... Wirklich? Du willst das wirklich durchziehen? Mit ihr? ... Ich kann verstehen, wenn du noch Bedenkzeit brauchst. Kein Thema. ... Ok, dann... Ja, ja, halt die Klappe! Ich bin gerade... beschäftigt. ... Jaaahaaa! Mach ich! Und tschüß! ... Boah eh! Der kann einem vielleicht aufs Schwein gehen, echt.

Marc legte stöhnend auf, schaltete sicherheitshalber den Ton aus, damit er nicht noch mal bei seinen Beschäftigungen gestört wurde, und schob sein Handy schließlich zur Seite. Gretchen, die ihm die ganze Zeit gespannt gelauscht hatte, sah ihren Freund nun fragend an...

Gretchen: Was wollte Mehdi denn?
Marc (verdreht angenervt die Augen): Hat sich umentschieden.
Gretchen (horcht interessiert auf): Ist die Wohnung von den Ebersbuschs so toll?

Marc zuckte nur unwissend mit den Schultern, weil es ihn in diesem Moment nicht wirklich interessierte, schmunzelte plötzlich und drückte seiner neugierigen Freundin einen feuchten Schmatzer auf die Wange. Perplex von dieser eher meieruntypischen Attacke strich sich Gretchen über die nasse Backe. Ihr frecher Freund griente nur schelmisch...

Marc: Den sollte ich dir von Lilly geben.
Gretchen (grinst): Nein? Wie süß!
Marc (nimmt sie gespielt nörglerisch ins Visier): Und? Bekomm ich etwa keinen?
Gretchen (richtet sich auf u. lächelt ihren süßen Marcischnuckiputzi verschmitzt an): Hat sie das denn gewollt?

Marc zwinkerte ihr nur zu. Gretchen grinste noch breiter und kam seiner eindringlichen Bitte gerne nach. Doch der Frechdachs dachte natürlich nicht daran, sich nur mit einem läppischen Mädchenkuss auf die Wange zu begnügen und drehte seinen Kopf ein wenig, so dass Gretchens warme weiche Lippen nicht seine Wange, sondern direkt seine erwartungsfreudigen Lippen trafen. Die überrumpelte Frau war wie vom Schock gelähmt, als sie aufeinander trafen. Sofort intensivierte Marc den Kuss und tänzelte mit seiner Zunge auffordernd über ihren verführerischen Erdbeermund. Gretchen konnte sich dem nicht länger erwehren. Ein Kuss von ihm und ihr Verstand setzte komplett aus und ihre Sinne übernahmen das Kommando. Minutenlang knutschten sie hingebungsvoll miteinander, bis Gretchen irgendwann die Puste ausging und sie sich von ihrem Schatz löste. Sie räusperte sich und fächelte sich mit einer Hand Luft zu. Sie glühte schon fast. Wie machte er das nur immer, fragte sie sich nervös und sah den Schelm mit geröteten Wangen an, der ein zufriedenes Grinsen auf den Lippen trug...

Gretchen: Ich denke nicht, dass Lilly dich so hätte küssen wollen.
Marc (lässig): Och wenn sie zehn Jahre älter wäre, bestimmt.
Gretchen (tippt dem unverschämten Kerl unsanft gegen die Brust, so dass er lachend nach hinten umkippt): Boah Idiot!
Marc (rappelt sich wieder auf ): Was machst du eigentlich hier?
Gretchen (schiebt die Zettel und Magazine, die wild verteilt auf dem Boden liegen, zu einem Stapel zusammen): Wonach sieht es denn aus?
Marc: Das übliche Haassche Chaos würde ich sagen.
Gretchen (funkelt ihn an u. drückt den Stapel an ihre Brust): Gar nicht wahr! Ich wollte nur noch mal schauen und nachmessen, was wo gut passen könnte. Ich hab nämlich eine traumhafte Couchgarnitur im Internet gefunden. Die würde so toll zu den Esszimmermöbeln aus dem Katalog und der Küche hier passen.
Marc (schmunzelt): Hab ich gesehen.
Gretchen (sieht ihn gespannt an): Und?
Marc (zuckt unschlüssig mit den Schultern): Willst du wirklich alles neu bestellen? Das Schlafzimmer haben wir doch erst vor ein paar Monaten rangeschafft, als du das sündige Bett loswerden wolltest.
Gretchen (kichert): Nicht alles. Ich dachte nur, jetzt, wo unsere Eltern etwas dazugeben wollen, könnten wir doch....
Marc (grummelig): Mhm.
Gretchen (sieht ihn eindringlich an u. nimmt seine Hand in ihre): Ich weiß, du siehst das nicht gerne und willst das alles selber von unserem eigenen Geld bezahlen, aber ich finde, das ist doch eine nette Geste von ihnen. Und so haben wir eine Sorge weniger. Ich will doch nur, dass alles perfekt wird.
Marc (schmunzelt, weil dieser eine Satz schon wieder gefallen ist, u. tätschelt ihr sanft über den Handrücken): Ja, ist schon ok. Zeig mal her! Was hast du dir denn noch rausgesucht?

Gretchen strahlte ihren Liebsten mit aufleuchtenden Augen an, weil er aufrichtiges Interesse zeigte, gab ihm noch einen kleinen Kuss auf den Mund und schon breitete sie wieder ihre Magazine vor ihm aus. Sie kuschelte sich in seine Arme und erklärte ihm ganz genau ihre Vorstellungen. Marc hörte ihr geduldig zu und machte zwischendrin ebenfalls den einen oder anderen Vorschlag zur Raumgestaltung. Später liefen sie noch eine letzte Planungsrunde durch die Wohnung und packten schließlich zusammen, nachdem sowohl Gretchens als auch Marcs Magen synchron lautstark nach dringender Nahrungsaufnahme verlangt hatten. Doch in der Tür blieb Marc plötzlich noch einmal stehen und sah seinen süßen Engel mit festem Blick an...

Gretchen (wundert sich): Was ist?
Marc (nimmt sie gefühlvoll in den Arm u. blickt in ihren wild funkelnden Augen hin u. her, während er ihr verträumt eine Strähne aus dem Gesicht streicht): Weißt du was? Ich liebe dich, Gretchen Haase.
Gretchen (spürt ihr Herz aufgeregt loshüpfen u. strahlt ihren Liebsten glücklich an): Wofür war das denn?
Marc (rollt mit den Augen, weil sie für alles immer eine Erklärung braucht): Och nur so!
Gretchen (grinst wissend u. kuschelt sich ganz fest in seine starken Arme, während sie verliebt in sein Ohr säuselt): Ich liebe dich auch, Marc Meier. Und ich freue mich schon so sehr auf ein Leben mit dir, hier.
Marc (cool): Na dann sind wir uns ja einig.

Marc griente seinen zuckersüßen Haasenzahn frech an, drückte sie noch fester an seinen gestählten Körper und gab ihr schließlich einen atemberaubenden Kuss, um das Gesagte zu besiegeln. Nach traumhaften Minuten in ihrem persönlichen Traumparadies, in das sie beide entschwebt waren, hakte sich Gretchen glücklich bei ihrem charmanten Freund ein, der die Tür zu ihrem neuen Heim nun hinter sich schloss und seine Süße wieder nach unten ins Erdgeschoss führte. Und so wurde es doch noch ein recht entspannter Abend bei romantischem Kerzenschein, kalter Lasagne und mit vielen innigen Küssen in der Noch-Meier-Haasschen Wohnung. Vielleicht sogar einer der letzten.

Lorelei Offline

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10.12.2011 13:47
#1187 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hey ihr Lieben , heute muss ich euch mal wieder vorwarnen. Nein, nicht das, was ihr denkt. Ich musste nur mein medizinisches Nichtwissen dank Google & Co. etwas überbrücken und das hier ist dabei herausgekommen. Die beschriebene Methode gibt es tatsächlich, aber wie weit die Forschung in dem Gebiet wirklich ist, kann ich nicht sagen. Es sollte auch nicht zu theoretisch werden und dient nur der Anschauung, womit Dr. Meier sich gerade beschäftigt. Also lange Rede, kurzer Sinn, viel Spaß jetzt mit dem nächsten Kapitel. Das ist für dich, liebe Hassi1. Happy Birthday! Allen anderen wünsche ich ein schönes 3. Adventswochenende. Eure Lorelei



Am nächsten Tag

Da Marc beschlossen hatte, bevor der große Umzug in die neue Wohnung anstand, arbeitstechnisch so viel wie möglich zu schaffen, widmete er seinen zusätzlichen freien Tag, den ihm sein uneigennütziger Einsatz am Sonntag eingebracht hatte, ganz der Fortsetzung seiner wissenschaftlichen Arbeit, die sich mit den verschiedenen Behandlungs- und Rehabilitationsmethoden zur besseren Lebensqualität von Querschnittsgelähmten beschäftigte. Sein Vater hatte ihn auf eine interessante neue Therapiemethode bei Rückenmarksverletzungen aufmerksam gemacht, in die Betroffene aktuell große Hoffnungen setzten, einer so genannten Stammzellentherapie, bei der menschliche Stammzellen des Nervensystems ins Rückenmark der Patienten injiziert würden, wodurch sich neue Nervenzellen entwickeln könnten, die dann, so die graue Theorie, durchtrennte Nervenbahnen überbrücken könnten. Diese ethisch nicht unumstrittene Methode steckte aber noch völlig in den Kinderschuhen und war erst im letzten Jahr erstmals bei einem querschnittsgelähmten Patienten in den USA angewandt worden.

Dieses Verfahren hatte Marcs Forschungssinn geweckt und so las er sich mit großer Begeisterung in das spannende Thema ein, auch wenn dazu noch nicht genügend Erkenntnisse über die Sicherheit und Wirksamkeit der Stammzellentherapie vorhanden waren, während seine ebenso fleißige Freundin nach ihrer Frühschicht im EKH den Haushalt schmiss, schon mal aus temporär aufgetretener Langeweile ein bisschen Kleinkram zusammenpackte und nach oben ins Dachgeschoss in ihre neue Wohnung schaffte und die letzten Möbelbestellungen online tätigte. Nach einem anschließenden eher unbefriedigenden Treffen mit ihrer Facharztlerngruppe an der Uni, zu dem sie als Einzige erschienen war, hatte die angehende Allgemeinchirurgin, die sich davon nicht ihre gute Laune hatte nehmen lassen und die ihr Herzblatt bei seiner Denkarbeit lieber noch ein bisschen in Ruhe lassen wollte, weil er vorhin jedes Mal sehr gereizt darauf reagiert hatte, als sie aller Viertelstunde lang ihren Kopf ins Arbeitszimmer gesteckt hatte, beschlossen, am späten Nachmittag ihrer guten Freundin und Kollegin, Dr. Maria Hassmann, einen Spontanbesuch abzustatten. Seit ihrem seltsamen Auftritt im Schwesternzimmer letzte Woche hatte sie die zerstreute Neurochirurgin nicht mehr gesehen. Aus der harmlosen Erkältung ihrer kleinen Tochter hatte sich nämlich dann doch ein richtiger grippaler Infekt entwickelt und so hatte Maria sich auch die nächsten Tage frei nehmen müssen, um ihren kranken Spatz zu pflegen.

Über ein bisschen Ablenkung würde sie sich daher bestimmt freuen, hatte sich Gretchen überschwänglich gedacht und war mit einer großen Portion Vitamine in Form eines reichlich gefüllten Obstkorbes für die kleine und zwei Flaschen Überzeugungs-Rotwein für die große Hassmann in der Frauenhofer Straße aufgeschlagen. An der Haustür war sie aber zuerst noch Mehdi und Lilly Kaan in die Arme gelaufen, die gerade zusammen das Haus verlassen wollten, und sie hatten ein kleines halbstündiges Schwätzchen gehalten. Die süße Maus hatte nämlich nicht aufhören können, über ihr neues Zuhause und ihr riesiges neues Zimmer zu schwärmen, das sie gestern mit ihrem Papa und dessen Freundin besichtigt hatte und das sie unbedingt ganz in Rosa streichen wollte. Mehdi, so gern er auch noch weiter mit seiner besten Freundin hatte schwatzen wollen, hatte alle Mühe gehabt, Lilly von Gretchen loszueisen, die ihrerseits auch nicht aufhören konnte, über ihr Traumappartment zu schwärmen und ihm so einige gute Tipps wegen Möbelhäusern und deren günstigen Angeboten gegeben hatte, die er dankbar angenommen hatte. Schließlich hatte er es dann aber doch geschafft, die beiden süßen Mädels zu trennen. Die Zeit drängte nämlich. Seine Cousine Azadeh wartete schon seit über einer viertel Stunde auf die beiden in einem Café in der Innenstadt, denn sie wollten später noch allesamt Anna einen Besuch im Krankenhaus abstatten. Und darauf freute sich Lilly schon sehr.

Nach einer herzlichen Abschiedsumarmung mit den beiden hatte Gretchen dann endlich das Mehrfamilienhaus betreten. Schnell erklomm sie die ersten Treppenstufen, musste aber schon auf halber Strecke nach oben verschnaufen. Jetzt schätzte sie die Vorzüge eines Aufzuges, den ihr eigenes neues Heim zu bieten hatte, doch sehr, auch wenn sie mit Marc eine Wette laufen hatte, die besagte, öfters mal die Treppe zu nehmen. Hatte dieser unverschämte Kerl doch tatsächlich behauptet, sie würde über keinerlei Kondition verfügen. Unverschämtheit! Sie hatte dem Rotzlöffel dann in einer ganz besonderen Sportart eindrucksvoll das Gegenteil bewiesen, aber die Wette blieb trotzdem bestehen. Irgend so ein Ehrending, das sie zwar nicht verstand, aber dennoch durchziehen wollte. Gretchen grinste albern vor sich hin und schwelgte gleich wieder in Erinnerungen an den wunderschönen gestrigen Abend, als sie noch ewig lang mit Marc bei romantischem Kerzenschein geredet und geplant hatte, wie sie sich dann nur noch auf der kuscheligen Couch geneckt hatten und sich schließlich immer mehr hochgeschaukelt hatten. Mit dem Resultat eines gewaltigen Höhepunkts. Gretchen seufzte hingebungsvoll, als sie daran zurückdachte, an seine wilden Küsse, seine fordernden Hände und die brennende Leidenschaft, die sie von einem Moment auf den anderen erfasst und in einen regelrechten Rausch getrieben hatte, und spürte die Wärme wieder in sich aufsteigen. Fast hätte die verliebte Frau sich dazu hinreißen lassen, ihren Liebsten anzurufen und von seiner Arbeit abzubringen, wenn nicht in dem Moment plötzlich das Licht im Treppenhaus ausgegangen und sie aus ihren träumerischen Gedanken erwacht wäre. Sie rappelte sich wieder und schritt schnell die letzten Stufen hoch. Zu schnell für ihre mehr als unterdurchschnittliche Kondition. Als sie nach zehn Minuten endlich im 3. Stock angekommen war, wo sich die Hassmannsche Wohnung befand, pfiff sie schon aus dem letzten Loch und beschloss feierlich, morgen nach dem Dienst eine ihre halbjährlichen Joggingtouren einzulegen. Und vor ihrem großen Umzug in wenigen Wochen würde ein bisschen mehr Fitness sicherlich nicht schaden. Die blonde Ärztin schnaufte noch einmal durch, hob den Vitaminbombenkorb wieder hoch, den sie kurz abgestellt hatte, dann klingelte sie endlich.

Lorelei Offline

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11.12.2011 19:30
#1188 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Einen wunderschönen 3. Advent wünsche ich allen meinen Lesern. Eure Lorelei

PS: Heute erfülle ich einen sehnsüchtigen Wunsch von Azadeh. Oh ich weiß, wie sehr du dich über diese Entwicklung freuen wirst.





Nach einigen Sekunden Wartezeit wurde die Wohnungstür auch schon stürmisch aufgerissen und eine attraktive Frau in bequemen Schlabberklamotten, die ihrer Attraktivität keinen Abbruch taten, stellte sich Gretchen in den Weg. Maria Hassmann, die an diesem Tag und zu dieser Stunde keinen Besuch mehr erwartet hatte und diesen speziellen hier erst recht nicht, schaute dementsprechend betröppelt aus der Wäsche, als sie die über beide Backen strahlende Assistenzärztin vor ihrer Tür vorfand und ungläubig von Kopf bis Fuß musterte, die ihr, bevor sie auch nur irgendetwas erwidern konnte, sofort zwei Weinflaschen in die Hand drückte und sich ungefragt mit einem mit Obst gefüllten Rotkäppchenkörbchen an ihr vorbei in die Wohnung schob. Haase würde sich wohl nicht so leicht abwimmeln lassen wie Lilly Kaan, die Sarah vorhin einen Krankenbesuch abstatten wollte und doch tatsächlich ein Schälchen dampfender Hühnerbrühe in der Hand gehalten hatte. Ein Geheimrezept ihrer Oma aus Persien, hatte sie mit zuckersüßer Engelsstimme gesagt und sie mit ihren rehbraunen Augen unwiderstehlich erwartungsvoll angekuckt. Lilly kam eindeutig nach ihrem Vater, hatte Maria feststellen müssen. Aber wegen der noch immer bestehenden Ansteckungsgefahr, auch wenn das Fieber mittlerweile gesunken war, und vor allem weil sie nicht wirklich Lust auf zwei laut schnatternde Hühner im Kinderzimmer hatte, hatte sie Mehdis Tochter sanft abgewimmelt und das hatte das schlaue neunjährige Mädchen auch sofort verstanden. Die süße Maus hatte Sarahs Mutter noch gebeten, ganz liebe Grüße auszurichten, hatte sich kurz an sie gedrückt und war dann fröhlich summend die Treppe wieder runtergehüpft. Das war das erste Mal seit ein paar Tagen, in denen sie sich hier verschanzt hatte, dass ihr wieder jemand ein Lächeln auf die Lippen gezaubert hatte. Aber die Kleine war auch zu hinreißend gewesen. Ihre Suppe hatte übrigens tatsächlich Wirkung gezeigt. Sarah ging es nach dem Genuss dieser, wie Lilly so schön geschwärmt hatte, mit ganz viel Liebe zubereiteten Brühe sichtlich besser, aber aus dem Bett entlassen wollte sie ihre Tochter dann doch noch nicht, auch wenn sie sehr deswegen gequengelt hatte.

Noch in Gedanken schaute Maria ihrer blonden Kollegin hinterher, die sich schon fast wie Zuhause fühlte und sich bereits ihrer roten Winterjacke entledigt und es sich am Küchentisch bequem gemacht hatte. Auffordernd klopfte Gretchen auf die freie Stuhlfläche neben sich. Die alleinerziehende Mutter rollte gequält mit den Augen, ließ die Schultern hängen und ergab sich schließlich ihrem schweren Schicksal. Sie schob die Tür ganz langsam mit ihrem Zeigefinger zu, in der sehnsüchtigen Hoffnung, Gretchen würde doch noch rechtzeitig hindurchschlüpfen und sie in Ruhe lassen mit ihrer unerträglichen Fröhlichkeit. Aber nichts dergleichen passierte. Offenbar war Haase heute auf Freundschaftsmission unterwegs und nichts und niemand würde sei davon abhalten können, musste die stolze Frau mit leidendem Blick feststellen, als sie die Mimik ihrer nervigen Freundin richtig deutete. Ganz gemächlich schritt sie nun auf das blonde Honigkuchenpferd zu, griff hinter ihr in den Schrank und holte zwei Rotweingläser heraus. Mit genügend Alkohol im Kopf würde sie die personifizierte Glückseligkeit schon für ein paar Minuten ertragen können, hoffte sie inständig.

Ihr unangekündigter Besuch hatte es sich aber derweil schon wieder anders überlegt. Als Maria ihr den Rücken zudrehte, um in der Schublade noch nach einem Flaschenöffner zu suchen, war der blonde Wirbelwind aufgestanden und neugierig der Kindermusik gefolgt und in Sarahs Zimmer gelandet. Nach einer kurzen Stippvisite bei der kleinen Patientin, der es zu Gretchens Erleichterung schon wesentlich besser ging und mit der sie zusammen gescherzt, geknuddelt und ein lustiges Kinderlied von der CD gesungen hatte, die die süße Maus gerade gehört hatte, hatte sie ihren Weg zurück in die Küche gefunden. Aber Sarahs Mutter war schon weiter ins Wohnzimmer gewandert, wo sie in eine flauschige Decke gewickelt auf dem gemütlichen Sofa saß und schon an ihrem Rotweinglas nippte, der ihr offenbar sehr zu munden schien. Wie gut, dass sie sich ihre Lieblingssorte gemerkt hatte. Grinsend setzte sich Gretchen neben sie, nahm das für sie bestimmte Glas vom Couchtisch und stieß mit ihrer grummeligen Freundin auf einen schönen Abend an. Maria verdrehte nur genervt die Augen und erwiderte nichts weiter darauf außer einem leichten Kopfnicken.

Und so tranken die beiden Frauen stumm jede aus ihrem Glas. Ein Gespräch kam nur schleppend in Gang. Einerseits weil Maria nicht wirklich Bock hatte zu reden und lieber ihrer Devise folgte, Schweigen war Gold. Anderseits weil Gretchen nicht wirklich wusste, wie sie geschickterweise an die störrische Oberärztin herankommen konnte, um herauszufinden, was mit ihr eigentlich los war. Sie hätte es nicht für möglich gehalten, aber es gab tatsächlich einen noch stureren Menschen als Marc Meier. Der bekam ja auch nie seine Zähne auseinander, es sei denn, sie näherte sich ihm küssenderweise. Aber das war bei diesem schwierigen Fall hier dann doch eher unpassend. Der Kuss mit Ulla Schmidt im Schrank war ihr nämlich Erfahrung genug. Doch mit jedem Schluck mehr lockerten sich auch die Stimmbänder der taffen Neurochirurgin und es entwickelte sich tatsächlich eine doch recht rege Unterhaltung. Anfangs noch ganz harmlos über den Wein, das Winterwetter, die Eurokrise, dann immer persönlicher über Sarahs Genesungsprozess, ihre Vertretung im Krankenhaus und den neusten Klatsch aus dem EKH. Offenbar hatten Sabine und Gabi Oberschwester Stefanie knutschend mit Dr. Rüdiger Fuchs im MRT-Apparat erwischt und Gordon hatte die ungewöhnlichen Röntgenbilder, die bei diesem sehr speziellen Besuch in der Radiologie entstanden waren, vom Server gehackt und bei Spacebook hochgeladen. Die Oberschwester hatte getobt und war nun grantig auf alles und jeden und vor allem auf Rüdiger.

Nach drei Tagen Komplettabschottung tat der allein erziehenden Mutter diese Ablenkung sichtlich gut. Sie lachte und wurde zunehmend lockerer und scharfzüngiger. Überwiegend auf Kosten von Gretchen natürlich. Aber als diese dann mit zunehmendem Blutalkoholpegel plötzlich schwärmerisch anfing über ihre neue Traumwohnung zu sprechen, inklusive der Gottesgleichheit eines gewissen unerträglichen Machochirurgen wurde es Maria dann doch zu bunt und sie fiel dem angeschäkerten Plappermaul uncharmant mit finsterer Miene ins Wort. Es war Zeit Tacheles zu reden.

Maria: Ok? Stopp! Wieso bist du eigentlich hier, Gretchen?

Lorelei Offline

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12.12.2011 17:26
#1189 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Gretchen zuckte aufgrund des plötzlich stattgefundenen Stimmungswechsels um 180 Grad ertappt zusammen. Sie wollte sich jedoch nichts anmerken lassen und stellte ihr Glas ruhig auf dem Couchtisch ab, lehnte sich dann wieder zurück an die gemütliche Sofalehne, schlug ihre Beine übereinander und riskierte einen vorsichtigen Blick zur Seite, wo sie auch schon ein grimmiges Paar dunkler Augen misstrauisch erwarteten. Mit einem leicht mulmigen Gefühl in der Magengegend versuchte Gretchen, cool zu bleiben und legte einen Arm auf die Sofalehne, um möglichst lässig zu wirken, aber das Gegenteil war der Fall, denn sie rutschte unelegant mit ihrem Arm wieder ab. Auch ein zweiter Versuch scheiterte kläglich. Sie schloss peinlich berührt für eine Sekunde die Augen und verfluchte sich innerlich für ihre bescheuerte Tollpatschigkeit, räusperte sich dann einmal nervös und beschloss, ihre Hände lieber doch auf ihren Schoss zu legen, und knetete nun mit ihnen, während sie nach den richtigen Worten suchte, um Maria zu antworten...

Gretchen: Das hab ich doch gesagt. Ich war zufällig in der Nähe und dachte mir, „och schau ich doch mal eben bei euch vorbei“.
Ja klar, zufällig, mit fünf Kilo Obst und zwei Weinflaschen, sicher!
Maria (dreht sich zur Seite, wobei ihre Sofadecke verrutscht, u. funkelt ihr Gegenüber wissend an): Haase, wir wissen doch beide, dass das nicht ganz der Wahrheit entspricht.
Mist! Woher weiß die das schon wieder? Ich hab mir doch gar nichts anmerken lassen.
Gretchen (fühlt sich ertappt u. streicht sich nervös über ihren Nacken): Äh... nein, also doch, ja, ich hab mir schon Sorgen gemacht. Um Sarah. Aber ... vor allem auch ... um dich.
Maria (schaut sie irritiert an): Wieso mich? Mir geht’s gut.
Sieht man.
Gretchen (dreht sich nun ebenfalls ganz zur Seite, winkelt ein Bein an, setzt sich darauf u. legt ihre Hände auf ihr Knie, dann fixiert sie Maria eindringlich mit ihren Augen): Maria, komm, mach mir doch nichts vor! Mittlerweile kennen wir uns ganz gut und ich hab doch gemerkt, dass irgendwas nicht stimmt.
Verdammt!
Maria (wird aus Überforderung patzig): Boah Haase, weißt du eigentlich wie sehr mir dein Gutmenschentum auf die Nerven geht. Vielleicht will nicht jedem geholfen werden.
Oh! Das Gretchen-Radar schlägt an.
Gretchen (horcht interessiert auf u. bohrt sofort nach): Also ist doch was?
Wieso Gott strafst du mich so?
Maria (blitzt sie unsanft an): Gretchen!
War das zu direkt?
Gretchen (gibt sich vorerst dem Sturkopf geschlagen): Ok, ok, ich sag schon nichts mehr.
Maria (mustert sie misstrauisch, als sie tatsächlich ihre vorlaute Klappe hält): Besser ist.

Eisernes Schweigen setzte ein und auch die Raumtemperatur schien um ein zwei Grad zu sinken. Gretchen, die vorerst kleinbeigegeben hatte und vergeblich auf ein Zeichen von ihrer Freundin wartete, griff wieder nach ihrem Glas und kuschelte sich in die Kissen auf der einen Sofaseite, während sich Maria bereits ihr zweites Glas einschenkte und es sich damit eingeschnappt auf der anderen Sofahälfte bequem machte. Sie hatte beschlossen, Gretchen vorerst zu ignorieren und es stur auszusitzen. Das hatte ihr nämlich gerade noch gefehlt, dass ausgerechnet Gretchen Haase sie therapieren wollte. Dabei gab es doch gar nichts zu therapieren. Ihr ging es prima. Aber das hatte ihre jüngere Kollegin auch gar nicht im Sinn gehabt. Sie stellte ihr Glas, nachdem sie es ausgetrunken hatte, zurück auf den Tisch und schenkte sich ebenfalls etwas von dem leckeren Rotwein nach. Das aufgefüllte Glas ließ sie aber noch stehen. Sie hatte etwas anderes im Sinn. Sie war schließlich nicht mit leeren Händen hierher gekommen und damit meinte sie diesmal nicht den Obstkorb und den Wein. Nein, sie hatte einen Plan, um Maria aus der Reserve zu locken und diesen Plan galt es nun umzusetzen. Gretchen freute sich schon diebisch darauf. Aber sie durfte sich nichts anmerken lassen. Also warf sie ganz beiläufig einen Satz in den Raum, der es in sich hatte. Und Maria reagierte, wie sollte man es anders sagen, dementsprechend „überrascht“.

Gretchen: Ich habe übrigens den perfekten Mann für dich gefunden.
Maria (verschluckt sich an ihrem Wein u. muss erst einmal aushusten, bevor sie Gretchen entgeistert ansehen kann): Bitte?
Hihi! Du bist soooooooo gut, Gretchen!
Gretchen (schaut sie völlig unbeeindruckt an): Na das wolltest du doch.
Maria (hat mit einem Taschentuch die Schweinerei weggemacht u. murmelt leise vor sich hin): Äh... da musst du mich missverstanden haben.
Ja, sicher? Das sagt sie jetzt!
Gretchen (fixiert sie mit ihrem fesselnden Blick): Was soll denn an „Besorg mir einen Mann“ falsch verstanden sein? Ich kann dir zwar keine Liste präsentieren, aber dafür einen recht ansprechenden Kandidaten.
Maria (sieht sie ziemlich entsetzt an u. faucht zurück): Jetzt aber mal Schluss mit lustig, Haase!
Gretchen (zieht einen Schmollmund u. lehnt sich entspannt zurück): Ich meine das völlig ernst, Maria. Oder war dein Wunsch letzte Woche gar nicht so ernst gemeint und du willst gar keine Ablenkung?
Verdammt!

Jetzt hatte die blitzgescheite Assistenzärztin ihre Oberärztin tatsächlich am Kragen gepackt und das spürte sie auch hochzufrieden und ließ sie triumphierend nicht mehr aus den Augen. Maria rutschte unruhig auf ihrer Couchseite hin und her, schnappte sich ihr halbleeres Glas und trank den Rest Wein auf ex aus. Dann stellte sie es zurück auf den Tisch, sammelte sich kurz und blickte dann möglichst souverän zu ihrer Kollegin, die sich ihr Grinsen kaum verkneifen konnte, was Maria nur noch wütender machte.

Maria: Natürlich war das ernst gemeint. Ich meine immer alles ernst.
Das sagt Marc auch immer. Hihi!
Gretchen (mit einer großen Portion Ironie in der Stimme): Entschuldige. Natürlich!
Maria (bemüht sich eher kläglich um eine Ausrede): Ich hab nur noch nicht so schnell mit Resultaten gerechnet. Das ist alles.
Gretchen (grinst): Ich dachte nur, es bestünde dringender Handlungsbedarf.
Du schmeißt sie raus. Du schmeißt sie jetzt sofort raus.
Maria (funkelt sie böse an, ohne dass es Wirkung zeigt): Eh! Und wer soll dieser ominöse Mr. Right sein? Aber nicht ernsthaft dieser Cousin vom Gummersbach oder der Fuchs?
Hihi! Futter gelegt und die Falle hat zugeschnappt. Ich bin ja wirklich gut.
Gretchen (kann es nicht lassen u. geht schmunzelnd darauf ein): Ich hab ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, ja, aber dann fiel mir ein, dass der Fuchs sich immer verdrückt, wenn du in die Radiologie einmarschierst, weil er so eine Heidenangst vor dir hat.
Maria (ihr ist nicht zum Spaßen zumute): Hahaha!
Gretchen (grinst immer breiter): Außerdem kommst du bei dem eh zu spät. Der hat sich ja neuerdings äh... anders orientiert. Ich ärgere mich richtig, dass ich am Freitag nicht auf der verspäteten Neujahrsfete im Schwesternwohnheim war. Da soll es ja angeblich gefunkt haben. Aber meine Eltern wollten an dem Abend unbedingt die neue Wohnung sehen und...
Maria (fällt ihr ungeduldig ins Wort): Haase, komm endlich zum Punkt! Wer soll es dann sein? Dein Adressbuch gibt ja sicherlich nicht so viel her?
Gretchen (geht gar nicht weiter darauf ein): Sehr witzig! Aber unterschätz mich mal nicht! Er ist wirklich nett.
Maria (seufzt gequält auf): Oh Haase, die Netten sind...
Gretchen (redet ihr ins Wort): Ja, ich versteh schon. Kein Mehdi-Verschnitt. Dann eben anders. Also er ist groß, schlank, also gut durchtrainiert, sehr markant und männlich, er ist charmant, wortgewandt und witzig, er weiß, was er will, mag Kinder, ist sehr erfolgreich und verdient brutto das Doppelte von uns beiden zusammen und...
Maria (hält ihre Hand hoch, um sie in ihren Ausführungen zu stoppen): Und wieso hast du dir dieses Prachtexemplar nicht geschnappt?

Gretchen schaute ihre zynische Kollegin ungläubig an, diese verdrehte nur die Augen und fuhr patzig fort...

Maria: Oh bitte verschon mich mit deinen Grundschulanekdoten!
Gretchen (zickig): Wenn schon dann Gymnasiumanekdoten.
Maria: Haase!

Maria blickte Gretchen unmissverständlich an. Diese kicherte nur mädchenhaft und begann, noch ein paar weitere Details zu erzählen, um Mr. Right ihrer frustrierten Freundin schmackhaft zu machen. Mit Erfolg. Die alleinerziehende Singlemutter kam nicht umhin, erste Anzeichen von Interesse zu spüren. Zumal Gretchen nach ihrer Kontaktanzeige auch endlich ein Foto von ihm aus ihrer rosa Tasche gezogen hatte. Auch wenn sie letzte Woche noch einen ziemlich peinlichen Auftritt hingelegt hatte und gewisse Dinge nicht wirklich ernst gemeint hatte, gefiel Maria jetzt die Vorstellung, sich ein bisschen mit einem interessanten Mann von den Gedanken an einen anderen Mann abzulenken, für den sie sich überhaupt nicht interessierte, immer besser. Also beschloss sie, nach kurzem Zögern und nachdem die zweite Rotweinflasche geköpft worden war, dem Blind Date mit Mr. Right zuzusagen. Sie hatte schließlich nichts zu verlieren...

Maria: Ok, Haase, ich begleite dich zu dem Vortrag in zwei Wochen, aber ich lerne ihn auf meine Weise kennen. Verstanden? Das wird hier keine peinliche Geschichte von wegen „kennst du schon meine nette Kollegin“, mhm? Dann müsste ich dir leider den Hals umdrehen.
Tschakka! Geschafft! Yeah! Das wird bestimmt ein lustiger Nachmittag.
Gretchen (grinst): Einverstanden!

Voller Freude über ihren gelungenen Schachzug, ein bisschen Glück in das ansonsten eher trostlose und frustrierende Leben einer alleinerziehenden Mutter gebracht zu haben, wollte Gretchen nun mit Maria anstoßen, als es aber plötzlich an der Wohnungstür klingelte. Verwundert blickten sich die beiden Frauen an und zuckten synchron mit ihren Schultern...

Maria (ironisch): Hat dein Göttergatte schon Sehnsucht nach dir?
Gretchen: Das hoffe ich doch wohl. Aber er würde sich sicherlich nicht die Blöße geben.
Maria (grinst schadenfroh): Verstehe!

Als es erneut klingelte und ihre Freundin sie auffordernd anblickte, beschloss Maria, doch kurz nachzuschauen, wer denn jetzt schon wieder störte. Sie stellte ihr Weinglas zurück und erhob sich gemächlich von der Couch. Der Alkohol stieg ihr sofort in den Kopf und kurz drehte sich alles um sie herum, aber sie fasste sich schnell wieder und trottete langsam zur Tür, während Gretchen noch einmal an ihrem Glas nippte und Maria neugierig hinterher blickte...

Lorelei Offline

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14.12.2011 10:28
#1190 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo ihr Lieben! Tja, wer wird wohl jetzt vor der Hassmannschen Tür stehen? Hat Marc doch noch Sehnsucht bekommen? Oder hat Gretchen das Blind Date für Maria gleich mit herbestellt? War sie tatsächlich so weitsichtig? Oder liegt die Lösung nicht viel näher? Wir werden sehen. Viel Spaß. Eure Lorelei



http://www.youtube.com/watch?v=WVBzZOptx64


Die brünette Oberärztin öffnete schwungvoll ihre Wohnungstür, wanderte langsam mit ihrem musterndem Blick von den braunen Cowboyboots über die eng anliegende Bluejeans nach oben und erstarrte augenblicklich, als sie im Gesicht ihres attraktiven Gegenübers angekommen war. Maria klappte fassungslos ihre Kinnlade nach unten und schnappte nach Luft, als sie erkannte, wer da gerade vor ihrer Tür stand, wie immer unwiderstehlich scharf aussah in seiner verwegenen Lederjacke und mit den vom Wind verwuschelten Haaren und dem sexy Dreitagebart und sie mit diesen anziehenden blaugrauen Augen fixierte, dass sie für einen Moment alles um sich herum vergaß. Auch das Atmen und die Funktionsmechanismen ihres Denkapparates. Nur ein scheues fast verschlucktes „Du?“ rutschte ihr leise über die Lippen, während sie ihn weiter ungläubig anstarrte. Der unerwartete Besucher lächelte ungewohnt zurückhaltend und musterte die wortkarge Schönheit vor ihm kurz mit kennendem Blick. Dann begrüßte er sie endlich, ohne große Worte zu verlieren, denn auch ihm hatte es bei ihrem zauberhaften Anblick die Sprache verschlagen...

Cedric: Hey!
Maria (hat sich beim Klang seiner Stimme schnell wieder gefasst, räuspert sich u. kuckt kurz hinter sich, um sich zu vergewissern, dass ihr Besuch auch ja nichts mitbekommen hat u. im Nachhinein noch unangenehme Fragen stellen könnte, dann zischt sie Cedric auch schon gewohnt unfreundlich an): Was... was zum Teufel willst du hier? Ich dachte, wir wären uns neulich einig geworden?
Cedric (resigniert etwas angesichts ihrer gewohnt scharfen Zunge u. der Tür, die ihm ins Gesicht gedrückt wird, aber genießt dennoch ihre offenkundige Unsicherheit, die sie mit ihrer ablehnenden Haltung kompensiert): Irrtum, du warst dir einig.
Maria (zickig): Und das bin ich immer noch.

Maria wollte die Tür schon wieder zudrücken, aber Cedric reagierte schneller und schob noch rechtzeitig seinen Fuß dazwischen. Wütend blitzte sie ihren unverschämten Exmann dafür an, als aus dem Hintergrund weiteres Ungemach erwuchs, als nämlich eine süßliche Stimme aus dem angrenzenden Wohnzimmer ertönte...

Gretchen: Wer ist es denn, Maria?

Die von Miss Neugierig persönlich. Maria fluchte innerlich und Cedric zog überrascht eine Augenbraue kraus...

Cedric: Oh! Du... hast Besuch?
Maria (pampig): Ja, was dagegen?
Cedric: Ich wundere mich nur. Du warst früher nicht so... gesellig.
Maria (mit sarkastischem Unterton): Tja, da siehste mal, ich hab mich weiterentwickelt. Kontaktfreudig, offen, gesellig, stets bester Laune. Also wenn du dann bitte wieder gehen würdest!
Cedric (hat den letzten Satz wohlwissentlich überhört u. verschränkt amüsiert seine Arme u. lehnt sich seitlich gegen den Türrahmen): Schön! Gefällt mir! Ist das so eine Mädchengeschichte?
Maria (geht ironisch darauf an): Ja, sicher! Wir sitzen auf der Couch und lackieren uns gegenseitig die Zehennägel.
Cedric (sein Blick wandert unweigerlich nach unten und bleibt an ihren riesigen Löwenkopfpuschen hängen): Dachte ich mir.

Maria folgte seinem Blick und musste selbst kurz darüber schmunzeln. Was beide nicht bemerkten, während sie sich anzickten, war, dass sie nicht mehr unbeobachtet waren. Gretchen hatte sich seitlich an den Türrahmen vom Wohnzimmer gelehnt und beobachtete mit einem vergnügten Schmunzeln auf den Lippen dieses beeindruckende Beispiel für eine ganz, ganz große Liebe. Sie hatte es doch gewusst. So auffällig wie die beiden sich verhielten, waren noch große Gefühle im Spiel. Mit Spannung verfolgte sie darum, was noch weiter an der Wohnungstür passierte...

Maria (wieder ernst): Cedric, wieso bist du hier? Ich hab dir doch gesagt, dass ich das nicht will.
Cedric (kurzfristig aus dem Konzept gebracht, stammelt er sich etwas zusammen): Ich ähm... Es ist nur... eine Kleinigkeit. Ich... ich brauche... noch eine Unterschrift.
Maria (beobachtet ungläubig, wie er einen Wisch aus der Innentasche seiner Jacke zieht): Unterschrift?

Cedric hielt seiner skeptischen Kollegin und Ex-Frau einen Din-A4-Zettel hin, den sie kurz augenrollend überflog, und hatte sich noch nie zuvor in seinem Leben bescheuerter gefühlt als in diesem Moment hier. Wieso zum Teufel hatte er sich nicht eine bessere Erklärung einfallen lassen? Weil echte Männer ihrer Auftritte nun mal nicht planten. Spontan war immer gut. Aber spontan war in diesem speziellen Fall hier anders. Wo war nur seine Schlagfertigkeit abgeblieben? So tölpelhaft benahm er sich doch sonst nicht. Wieso war er überhaupt hier? War er denn komplett übergeschnappt? Er wusste doch, dass Maria ihn nicht sehen wollte. Er sollte das respektieren. Aber jetzt war es eh zu spät. Warum hatte er überhaupt auf das dumme Geschwätz einer Frau gehört? Ja, er hätte nicht auf Anna Kaan hören sollen, der er vorhin nach Dienstschluss noch kurz einen seiner täglichen Krankenbesuche abgestattet hatte, die sich seit ihrer Begegnung letzte Woche allmählich zur Gewohnheit entwickelt hatten. Sie hatte doch überhaupt keine Ahnung, was da wirklich zwischen ihm und seiner Ex war. Hätte er Anna doch bloß nie von ihr erzählt. Aber sie schien in ihm zu lesen wie in einem offenen Buch. Er konnte leugnen, wie er wollte, sie setzte ihm jedes Mal die Pistole auf die Brust und äußerte das, was wirklich gerade in ihm vorging. Diese Frau wurde ihm langsam unheimlich. Und überhaupt, das war doch vollkommen unnatürlich, was sie beide da trieben. Die einzige Frau, mit der er je so viel gequatscht hatte, ohne jegliche Hintergedanken, war seine Mary gewesen. Obwohl bei der, war es schon mit Hintergedanken gewesen. Aber Anna war zwar eine äußerst attraktive Frau, aber es ging von ihr seltsamerweise keine auf ihn sexuell anziehende Wirkung aus. So was hatte er noch nie erlebt. Daran war allein Maria schuld! Er hatte jegliches Interesse an anderen Frauen verloren. Und das war für Cedric Stier noch unnatürlicher als nur reden mit einer Frau, die er nicht mal ins Bett kriegen wollte.

Sein Besuch bei Anna vorhin hatte ihn jedenfalls in eine ziemlich blöde Situation gebracht. Und damit meinte er nicht nur die unangenehme Begegnung mit Annas zukünftigem Exmann, der samt Kind und noch einer anderen Frau ins Krankenzimmer spaziert kam, als er gerade mit Anna gescherzt und sich dabei unglücklich über sie gebeugt hatte. Kaans betröppelter Gesichtsausdruck kam fast dem Ameisenblick vom Meier gleich und deshalb hatte er auch schnell das Weite suchen wollen, obwohl Anna mit ihrer liebenswerten Art die Situation schnell gerettet und ihn ihrer Tochter freundlich als neuen Kollegen ihres Papas vorgestellt hatte. Die Kleine hatte natürlich mehr als skeptisch dreingeblickt, ihn misstrauisch von oben bis unten gemustert und sofort wieder erkannt. Er war schon durch die rettende Zwischentür durch gewesen, als ihre zarte Stimme erklang und ihn vor aller Welt, in dem Fall Annas Welt, bloßstellte: „Aber der hat doch neulich Sarahs Mama geküsst.“ Ja, Peinlichkeit kannte an diesem Tag keine Grenzen.

Und jetzt in diesem Moment, wo er der Realität gegenüberstand, fühlte er sich wie ein kleiner unsicherer Schuljunge, der zum ersten Mal seiner heimlichen Liebe einen Besuch abstattete. Das war doch vollkommen albern und überhaupt nicht seine Art. Das dachte sich auch seine heimliche Angebetete, die dem in Gedanken versunkenen Mann unsanft die Entlassungspapiere von Frau Peters und den Kuli, den er ihr hinhielt, aus den Händen riss und ihren Namen unter das Dokument setzte und es ihm ebenso unsanft wieder an seine Brust drückte. Wenn seine Mary doch mehr Feingefühl besäße, dann hätte sie sein bis zum Hals schlagendes Herz bestimmt gespürt. Er war wirklich nicht mehr er selbst in ihrer Gegenwart und er hasste diesen absolut unmännlichen Kontrollverlust. Gleichzeitig würde er aber alles dafür geben, um nur für einen kleinen Moment in ihrer Nähe sein zu dürfen. Deshalb war er hier und hatte mal wieder gegen seine eigenen Vorsätze verstoßen, ihr und sich Zeit geben zu wollen. Aber es ging nicht anders. Er musste sie sehen und es hatte sich gelohnt. Und so ließ er auch ihre pampigen Worte einfach an sich abprallen und sah den tobenden Vulkan einfach nur still bewundernd an...

Maria: Dafür hättest du auch eine Schwester vorbeischicken können, Cedric. Und überhaupt, du hättest selber unterschreiben können. Du hast die Schlussvisite doch durchgeführt. Also was soll das?
Cedric (sichtlich verwirrt): Ähm... ja, das... Ich dachte halt...
Maria (schnippisch): Tzz... Es wäre angenehm, wenn du im Privaten auch mal so viel denken würdest wie im Job.
Äh... spinnst du, was redest du da eigentlich?
Cedric (schaut Maria, die selber etwas verwirrt von ihrer Wortwahl war, plötzlich durchdringend an): Eigentlich war das ja auch nur ein Vorwand.
Maria (ihr wird das alles langsam unangenehm): Vorwand?

Mit leichter Panik im Gesicht, aus Angst er könnte wieder eine unsittliche Annäherung starten, wich sie einen Schritt zurück und umklammerte fest die Türklinke, um notfalls die Tür schnell schließen zu können. Doch Cedric hatte nichts dergleichen vor. Wieder zauberte der gutaussehende Oberarzt etwas aus seiner Jackentasche hervor. Diesmal ein kleines buntes Teedöschen, das er der verdutzten Frau mit einem erwartungsvollen Lächeln reichte...

Cedric: Geht’s ihr besser? Ich hab hier die Kräutermischung. Du weißt schon, die nach dem Rezept meiner... Mutter. Die hilft gegen alles.

Maria glaubte sich verhört zu haben und starrte den Vater ihrer Tochter mit offenem Mund an. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte.

Maria: Rick,...
Cedric (fällt ihr schnell ins Wort, bevor sie etwas sagen kann, u. gibt sich ungewohnt offen): Ich weiß, du wünschst keinen Kontakt. So war die Abmachung und ich halte mich auch daran. Wirklich. Es ist nur, ich... ähm... ich hab mir echt das ganze Wochenende Sorgen gemacht und als Schwester Sabine dann heute morgen sagte, du hättest dir auch die nächsten Tage frei genommen wegen Sarah, da... ich weiß doch auch nicht.
Maria (hat dem besorgten Vater ruhig zugehört u. glaubt ihm sein aufrichtiges Mitgefühl): Es war ein grippaler Infekt. Das Fieber ist weg. Ihr geht es gut. Ab Mittwoch kann ich sie wieder in den Kindergarten schicken.
Cedric (sichtlich erleichtert): Das ... das ist gut.

Betreten schauten sich die Eltern von Sarah in die Augen und wusste nicht, was sie noch hätten sagen sollen. Also beschloss die überforderte Mutter, dem Ganzen ein Ende zu setzen und Cedric endgültig abzuwimmeln, aber diesmal mit eher leisen und nicht ganz so feindlichen Tönen wie sonst...

Maria: Ähm... War’s das dann?
Cedric (fährt sich sichtlich aufgewühlt mit seiner freien Hand über den Nacken): Ja, eigentlich... Ähm... Du kannst die Dose natürlich behalten, falls sie wieder... oder du.
Maria (etwas durcheinander nimmt sie die Schachtel entgegen, wobei sich ihre Hände kurz berühren u. ein wohliger Schauer sie durchfährt): Danke! Dann ähm... tschüß. Man sieht sich in der Klinik.

Cedric nickte ihr leicht mit dem Kopf zu und zog seinen Fuß aus dem Türspalt zurück. Kurz vor der Treppe drehte er sich aber noch einmal zu seiner Exfrau um, die immer noch in der Tür stand und ihm nachdenklich nachschaute. Er hatte wieder Mut gefasst.

Cedric: Eins noch. Wegen neulich. Es tut mir leid, falls ich dir in letzter Zeit zu nahe getreten bin. Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist, aber ich... ich... halte mich in Zukunft zurück. Versprochen! Ich will doch auch nur ein gutes Arbeitsklima und ähm... ja, äh... dass das mit uns beiden... auf Station... funktioniert. Ähm... Aber jetzt... jetzt muss ich wirklich los. Cheyenne wartet unten im Wagen auf mich. Wir waren vorhin beim Babyschwimmen. Sie war völlig kaputt und ist gleich weggepennt. Und ich dachte, ich... Aber ich will nichts riskieren. Ich wollte dich und Dr. Haase wirklich nicht bei... was auch immer stören. Ähm... ja dann... mal... tschüß, Maria.

Cedric hatte gesagt, was er noch sagen wollte, auch wenn sein Herz es sicherlich treffender hätte formulieren können, aber so viel Mut hatte er dann doch nicht gehabt, und winkte Maria noch kurz zu, die ihn stumm hatte ausreden lassen. Dann ging er auch schon in schnellen Schritten die Treppenstufen hinab. Sekunden lang blieb die sprachlose Frau noch wie angewurzelt an der Tür stehen und schaute ihrem Exmann hinterher. War das eben wirklich Cedric ‚Ich interessiere mich nicht für die Belange anderer, sondern nur für mich selbst’ Stier gewesen? Erst ein lautes Räuspern hinter ihr erlöste Maria aus ihrer kurzzeitigen Schockstarre. Sie drehte sich rasch um und schloss dabei die Tür hinter sich. Am Zugang zum Wohnzimmer stand Gretchen Haase und grinste sich eins. Und mit einem Mal spürte die taffe Neurologin die Wärme in sich aufsteigen. Ihre Wangen begannen verräterisch zu glühen und ihr Verstand begann zu arbeiten und schaltete sofort in den allseits bekannten Abwehrmodus...

Maria (patzig): Was?
Gretchen (hat sichtlich Spaß daran, die nervöse Frau aufzuziehen): Ich hätte vielleicht noch einen zweiten Kandidaten für deine Liste.
Maria (hat genau verstanden, wie das freche Gör das gemeint hat, geht hoch erhobenen Hauptes an ihr vorbei ins Wohnzimmer, schnappt sich ihr Weinglas u. schenkt sich nach): Du wolltest doch auch gerade gehen oder?
Gretchen (folgt ihr schmunzelnd u. lässt sich ebenfalls wieder aufs Sofa plumpsen): Nö! Mir scheint, der Abend ist jetzt erst so richtig interessant geworden.

Gretchen zwinkerte ihrer perplexen Freundin frech zu, die so viel Schlagfertigkeit von ihr gar nicht gewohnt war, und schenkte sich ebenfalls nach. Dann lehnte sie sich zurück, ließ den edlen Tropfen auf ihrer Zunge zergehen und riskierte trotz höchstem Gefahrenpotential einen Vorstoß in eine ganz bestimmte Richtung, in die sie schon den ganzen Abend lang hingewollt hatte...

Gretchen: Was ist das mit dir und ihm?

Maria schnaufte verächtlich auf, verfestigte den Griff um ihr Weinglas und führte es erneut an ihren Mund. Dann setzte sie es ab, drehte ihren Kopf zur Seite und legte ihren gefährlichsten Giftpfeilblick auf, der ihrem Opfer deutlich sagen wollte, sie nie wieder mit diesem unmöglichen Casanova in Verbindung zu bringen. Doch Gretchen kam Marias sicherlich patziger Antwort zuvor...

Gretchen: Du musst auch nichts sagen, Maria, wenn du nicht magst. Ich will dich zu nichts zwingen. Es ist nur, ich sehe doch, dass er es ist, der dich beschäftigt. Du kannst nicht leugnen, dass dich seine Anwesenheit nicht kalt lässt. Da ist etwas zwischen euch. Er bringt dich durcheinander, das spürt man. Und er? Na ja... Weißt du, manchmal kann es sehr befreiend sein, zu reden. Ich verspreche dir auch, ich hake nie wieder nach oder mache einen dummen Kommentar wegen ihm. Das bleibt alles hier in deinen vier Wänden. Versprochen!

Und so kam es, dass an diesem verschneiten Montagabend im Januar Dr. med. Maria Hassmann tatsächlich jemandem, den sie mittlerweile selbst als eine Art gute Freundin bezeichnete, ihr Herz ausschüttete. Obwohl, nein, falsch! Nicht ihr Herz! Denn das war in dieser Geschichte, die sie mit teilweise sehr überraschenden Erkenntnissen für die gespannte Zuhörerin erzählte, nicht involviert. Gretchen bildete sich jedoch selbst ein Urteil.

Lorelei Offline

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15.12.2011 13:25
#1191 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Zwei Stunden und noch eine weitere Flasche Rotwein aus dem Privatvorrat der Oberärztin später lagen sich die beiden Freundinnen herzlich in den Armen und verabschiedeten sich minutenlang kichernd und scherzend voneinander. Sie wollten sich gar nicht mehr loslassen, was sicherlich mehr am hohen Weinpegel als an der Busenfreundschaft lag, die sie heute Abend feierlich geschlossen hatten. Maria hatte vorsorglich ein Taxi bestellt, nicht dass Dr. Meier ihr noch nachsagen würde, sie hätte seine heilige Margarethe ‚Haasenzahn’ Haase hilflos und stockbesoffen der Kälte der Nacht ausgesetzt. Und sicher war sicher! Der hippokratische Eid verpflichtete schließlich. Denn während sie noch ganz passabel im Gleichgewicht auf ihren beiden Löwinnen-Füßen stand, den Noppen an der Sohle sei dank, schwankte Gretchen schon gewaltig von einer Seite zur anderen und musste von ihr am Ärmel ihrer Rotkäppchenjacke festgehalten werden, in die die angeheiterte Assistenzärztin gerade kunstvoll hineingeschlüpft war, ohne sich zu verheddern.

Ihr selbst ging es überraschenderweise ganz passabel, wenn man bedachte, mit wem sie den heutigen Abend verbracht hatte und dass sie anfangs nicht wirklich Bock auf den Haasen-Besuch gehabt hatte. Aber nachdem sie alles über Cedric ‚Ich brauch nur einen Knopf bei dir zu drücken und du wirst ein williges schmachtendes sabberndes Etwas von ehemals taffer selbstbewusster eigenständiger Frau’ Stier ausgekotzt hatte, fühlte Maria sich überraschend gut, irgendwie leicht und auch verstanden. Gretchen, die sonst immer nerven konnte ohne Ende, hatte ihr einfach nur stumm zugehört und dann tatsächlich Ruhe gegeben und sie hatten anstatt über eine psychologische Tiefenanalyse wegen des zwiespältigen Verhaltens ihres Exmannes eher allgemein über die Vor- und Nachteile von Machotypen diskutiert. Selten hatte sie so viel gelacht wie an diesem Abend mit dem blonden Haasen.

Maria war am Ende sogar so gut drauf gewesen, dass sie sich sogar noch von der Nervensäge hatte überreden lassen, ihre Tochter als Blumenmädchen auf Sabines und Günnis Hochzeit auflaufen zu lassen, obwohl sie eigentlich noch vor ein paar Tagen die Einladung der „Heiligen Glückseligkeit“ hatte absagen wollen. Schließlich war sie alles andere als in Hochzeitsstimmung und nichts war schlimmer wie als Single auf eine Hochzeitsfeier zu gehen. Aber neben Lilly Kaan und Günnis kleinem Neffen wurde eben noch ein drittes Blumenkind gesucht und Sarah würde sicherlich unheimlich niedlich in einem blütenweißen Kleidchen aussehen, hatte Gretchen Maria mit Dackelblick angebettelt, die schließlich nichts anderes hatte tun können als nachzugeben. Solange sie selbst nicht Blumen streuen, eine Rede über die Liebe halten oder auf den Tischen tanzen musste, war die alleinerziehende Mutter damit einverstanden gewesen. Und jetzt, wo ihr vielleicht sogar noch ein heißes Date in Aussicht stand, das sie, wenn der Funken beim ersten Treffen auf dem Kongress in zwei Wochen übersprang, vielleicht zu Sabines Traumhochzeit begleiten würde, würde sie auch dieses Bauernspektakel nicht verpassen wollen. Zumal sie und Gretchen sich an diesem doch recht feuchtfröhlichen Abend auch noch eine geniale Überraschung für das Brautpaar ausgedacht hatten. Gut, Gretchen war allein auf die Idee gekommen und fand sie genial, sie selbst fand sie eher belustigend und peinlich, aber sicherlich sehenswert. Wann bekam man sonst die Gelegenheit, unliebsame Kollegen in ausgelassener Stimmung zu erleben? Also mitgehangen, mitgefangen.

Nach endlosen Minuten hatte sich Gretchen endlich von ihrer lieben Freundin gelöst und griente sie vergnügt an...

Gretchen: Dasch war vooooooll die luschtige Aaaaabend, Maaariiiaaa. Dasch müsschen wir uuunbedingt noch ma machen.
Maria: Ja, sicher...
...nicht! Wird Zeit, dass ein Spion an meine Wohnungstür kommt, damit ich weiß, wann ich sie lieber zulassen sollte.

Ungeduldig schob die betrunkene Hausherrin die blonde Schnapsdrossel nun zur Wohnungstür, an der sich Gretchen aber noch einmal zu ihrer Freundin umdrehte, wobei ihr aber leicht schwindelig wurde und sie sich mit einem Arm am Türrahmen festkrallen musste, während Maria sie am Bauch stützte, damit sie nicht nach vorne umkippte, was auch prompt passiert wäre, als Gretchen plötzlich ihren Arm nach oben riss und euphorisch loslallte...

Gretchen: Uuuund wegen dem Schederegerick, da musscht du dran bleiben. Uuunbedingt! Schappeln lasschen isch aber gansch falsch. Ran an den Specht! Schonst kapiert der dasch niiie und bockt und heiratet wohlmöglischst noch ne andere, die nisch so kom... kombi... kombilili... dings... konschtruiert isch wie wir. Jaaa, guck nisch so! Dasch Verhalten von dem isch nämlisch voll typisch für Typen wie deeen. Jaaa!!! Iiiich hab den durschschaut. Komplett! Der isch voll verschnallt in disch. Mein Marci war dasch nämlisch auch immer. Ääähhh... Also in misch. Dasch dasch mal klar ist. Hihi!
Maria (etwas überfordert von der Gesamtsituation): Äh... sicher?
Wie werd ich die bloß wieder los? Hilfe!
Gretchen (grinst zufrieden über ihren gelungenen zweiten Verkupplungsversuch): Schenau! Den Schen, den brauchscht du gar nisch. Der kommt ja auch nur kurz und fliegt dann wieder davon. Uuund für nur ein Abenteuer isch der schu schade. Dann kriegscht du die Nummer nämlisch nischt. Pah! Der isch nämlisch nisch nur nett, sondern voll lieb und schucht auch die ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz große Liebe. Aber die schuchst du ja nisch, die hascht du ja schon, wenn du mal die Augen rüüüschtisch aufmascht. Du musscht hier beim Schede...Schedereger...dings, du weischt schon, zugreifen. Jaaa!!! Hör auf dasch, wasch dein Herz dir sagt. Dasch hab isch bei meinem Marcischnuckiputzi auch.

Maria hatte der betrunkenen Assistenzärztin ungläubig zugehört und musste nun doch tatsächlich kurz schmunzeln. Dieses kompromittierende Kosewort für den wohl angesehensten Chirurgen des Landes - in seinen Augen wohlgemerkt - könnte ihr sicherlich noch irgendwann nützlich sein. Nachdem Gretchen ausgeredet und wieder Luft geholt hatte, hatte Maria sie auch endlich zur Tür rausgekriegt und diese schnell hinter ihr geschlossen und konnte endlich durchatmen. Aber nur kurz. Das laut gebrüllte „Tschüüüssiii Mariiiechen“ hallte sowohl durch das echoerprobte Treppenhaus als auch noch durch ihre Tür hindurch und war vermutlich sogar in ganz Berlin zu hören gewesen. Ebenso das unglückliche Stolpern von zwei Absatzstiefeln und der gefluchte Haassche Nachsatz, „Wo isch schetzt dieses blöde Lischtdingens? Menno!“. Maria verdrehte stöhnend die Augen, schnappte sich ihre Jacke vom Kleiderhaken und brachte den hilflosen Haasen noch bis zum Taxi runter, das bereits ungeduldig vor der Tür auf seine Passagierin wartete. Die Oberärztin teilte dem Fahrer noch mit, unbedingt darauf zu achten, dass sie das Haus auch wirklich betrat, zu dessen Adresse sie ihn nun schickte und drückte ihm gleich noch einen Zwanziger in die Hand. Sie wusste schließlich nicht, ob Haase noch in der Lage wäre, zu bezahlen. Vermutlich nicht.

Nach einer weiteren nervigen Verabschiedungszeremonie, weil Gretchen die Erste vermutlich schon wieder vergessen hatte, trottete die alleinerziehende Mutter zurück in ihre Wohnung, schaute kurz nach Sarah, die friedlich tief und fest in ihrem Bettchen schlummerte und nichts von der singenden Schnapsdrossel mitbekommen hatte. Dann räumte sie die Gläser und Flaschen aus dem Wohnzimmer in die Küche. Anschließend machte sie sich im Bad bettfertig. Doch als sie schließlich in ihrem Bett lag, konnte sie einfach nicht einschlafen. Sie wusste nicht, woran es lag und was es war, aber irgendwie hatte sie Cedrics Auftritt berührt. Und mit Gretchens gelallten Erklärungen im Nachhinein ergab das ein Bild, das einfach nicht zusammenpassen wollte, weil es einfach nicht sein konnte. Verknallt? So ein Quatsch! Sie waren doch keine siebzehn mehr. Das war völlig ausgeschlossen.

Lange noch wälzte sich Maria hin und her, versuchte die Gedanken zu verdrängen, die sich in ihr Hirn eingenistet hatten, und durch hüpfende Hasen zu ersetzen - ja, bei ihr waren es in dieser schlaflosen Nacht keine Schafe, die über den Zaun sprangen und ihr Schlaf bringen sollten -, bis sie schließlich genug davon hatte, aufstand und sich im Wohnzimmer auf die Couch lümmelte und durch das nächtliche Fernsehprogramm zappte, das aber auch nur Müll lieferte. Sie schaltete den Plasmafernseher wieder aus und schaute sich um. Das Bücherregal weckte plötzlich ihr Interesse. Sie stand auf und zog ein Buch heraus, nahm es mit zum Sessel und lümmelte sich dort hinein. Aber es war kein Buch, das sie nun in ihren Händen hielt, sondern ein altes Fotoalbum. Vier Jahre lang hatte sie es nicht mehr angerührt und nun strich sie erst sanft mit einer Hand über den Titel, dann blätterte sie nachdenklich durch die verschiedenen Hochzeitsbilder und Babyfotos. Das war alles so weit weg. Als sei es in einer anderen Zeit, in einem anderen Leben passiert. Damals hatte sie noch die stille Hoffnung gehegt, dass er sich wirklich irgendwann ändern könnte, Verantwortung jenseits seines Jobs übernahm und es auch wirklich ernst meinte, was aber schließlich bitter enttäuscht worden war und jetzt, wo es längst zu spät war, schien aus dem spielenden Jungen offenbar doch noch ein echter Mann zu werden. Faszinierend und anziehend wie eh und je, aber reifer, einfühlsamer, mitdenkend. Er war eine Gefahr. Eine viel größere Gefahr, als er es damals gewesen war. Maria schüttelte den Kopf bei diesen albernen Gedankengängen und versteckte das Album schnell wieder hinter ihren Grisham-Romanen, die sie von ihrer Mutter geschenkt bekommen hatte, aber nie gelesen hatte. Dann löschte sie das Licht und ging ins Kinderzimmer, wo sie sich neben ihre schlafende Tochter ins Bett legte, sich an sie schmiegte und sofort in einen tiefen traumlosen Schlaf verfiel.

Lorelei Offline

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16.12.2011 14:42
#1192 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Mädels, heute an diesem stürmischen Tag habe ich ein ganz besonderes Schmankerl für euch. Es wird, sagen wir mal so, sehr speziell und schräg und irgendwie auch wieder süß , aber aus Sicherheitsgründen muss ich trotzdem die rote Laterne anschalten. FSK irgendwas. Und... ja, äh... setzt euch besser hin, bevor ihr anfangt zu lesen! Von jeglichem Konsum von Süßem wird abgeraten. Erhöhte Nachahmungsgefahr! Trotzdem viel Vergnügen! Ich bin schon sehr gespannt auf eure Reaktion. Deshalb würde ich mich umso mehr über eure Kommentare freuen. Danke schon mal und schönen Start ins 4. Adventswochenende. Eure Lorelei




In einem ebenso tiefen Schlaf befand sich auch ein attraktiver Oberarzt, der irgendwann am späten Abend von seiner Müdigkeit überfallen worden war. Dabei hatte er doch eigentlich noch auf Haasenzahn warten wollen, die seiner Vermutung nach sicherlich ziemlich schnell von der zickigen Hassi wieder aus deren Wohnung kompromittiert werden würde, wenn sie ihr zu nervig werden würde. Aber das schien offenbar nicht der Fall gewesen zu sein. Denn als er gegen 23 Uhr seinen Laptop endlich ausgeschaltet hatte, war sein süßer blonder Engel immer noch nicht da gewesen. Kurz hatte er noch mit dem Gedanken gespielt, sie aus der frustrierten Singlehölle herauszuholen, aber wenn sie schon unterwegs gewesen wäre, hätte er sicherlich einen mehr als peinlichen Weichei-Auftritt bei der Hassi hingelegt. Aber dafür war sein männlicher Stolz einfach zu groß gewesen. Und auch seine Müdigkeit. Denn er war sofort eingeschlafen, als er sich nach dem Duschen kurz aufs Bett gelegt hatte, um sich eine Minute ausruhen zu wollen.

Und nun kurz nach halb eins hörte er im Halbschlaf plötzlich seltsame Geräusche aus der Wohnstube. Erst ein lautes Poltern, Kratzen und Klopfen, dann ein Knacksen und ein Stolpern. Anschließend einen Türknall und ein Plumpsen, gefolgt von einem gekreischten „Huch“. Und wieder ein Poltern und Rascheln. Dann eine Tür. Marc dachte sich nichts weiter dabei, gähnte und drehte sich auf die andere Seite und kuschelte sich in Gretchens Kopfkissen, das so himmlisch süß nach ihr duftete. Er seufzte einmal laut und war sofort wieder tief weggeratzt. So vernahm er auch nicht die schrillen Schreie aus der Küche, die man, der Lautstärke nach zu urteilen, sicherlich im ganzen Haus gehört hatte...

Gretchen: MARCILEIN, schläääfst duuuu schooon? WO BISCHT DENN DUUU? HUHU? ICH BIN WIEDER DAAAAAHA!!! HAAAALLOOOO??? MARCILEIN, haben wir noch Schoki da?

Und schon hörte man, wie erst eine Schranktür und dann, als sie dort nicht fündig geworden war, wie die Kühlschranktür geöffnet wurde und anschließend ein Plumpsgeräusch. Gretchen war neben dem geöffneten Kühlschrank zu Boden gerutscht und streckte ihre Beine weit von sich. Sie hielt einen riesigen Schokoladenpudding in der Hand, friemelte den komplizierten Deckel ab und als sie das endlich nach fünf Minuten bewerkstelligt hatte, tunkte sie ihren ungeduldig zappelnden Finger in die süße Mousse und schleckte gierig los. Mit vollem Mund quakte sie weiter fröhlich durch die dunkle Wohnung...

Gretchen: Isch habsch GEFUNDEN! Schmeggd voll legger. WILLSCHT DU AUUUCH? MARCILEIN, jetzt komm doch ma!! MAAAARC!!!

Als Gretchen keine Antwort von ihrem Liebsten bekam, wurde sie unruhig und wollte aufstehen und schauen, wo ihr Traumprinz denn abgeblieben war. Sie winkelte ihre Beine an, drehte sich auf die Knie und drückte mit ihrer freien Hand die Kühlschranktür zu, denn das Licht, das von der Kühlzelle herausgeströmt war, hatte sie geblendet. Dann stützte sie sich mit einer Hand am Designerkühlschrank ab, streckte ihren Hintern betont heraus und zog sich irgendwie hoch. Sie kicherte albern, als sie bemerkte, dass sie dabei eine Schokohand an der Tür hinterlassen hatte und setzte voller Freude noch eine zweite daneben. Dann hangelte sie sich kichernd an der Anrichte zur Küchentür vor, stolperte durch den Flur und erreichte endlich das Zimmer der Zimmer, ihr gemeinsames Schlafzimmer.

Im Dunkel der Nacht konnte sie Marcs Konturen deutlich erkennen und freute sich diebisch, ihren Schatz wieder zu sehen. Sie hätte am liebsten laut losgequiekt, weil er so unwiderstehlich süß dalag. Die Bettdecke war etwas verrutscht und präsentierte seinen nackten gestählten Oberkörper. Mit einem vergnügten Sabbergrinsen auf den Lippen schlich sie sich heran, stolperte aber auf halbem Weg über Marcs Turnschuhe, die neben dem Bett lagen, fluchte leise und rappelte sich wieder auf. Welch ein Glück, dass nichts von dem leckeren dunklen Pudding auf den flauschigen weißen Bettvorleger getropft war, dachte sie erleichtert und stellte den Becher vorsichtig auf dem Nachtschränkchen ab. Dann krabbelte sie unvorsichtig aufs Bett. Marc grummelte etwas, schlief aber ruhig weiter und bemerkte die heimliche Besucherin nicht. Gretchen kicherte, hielt sich aber schnell die Hand vor den Mund, um den Schlafenden nicht unbedarft zu wecken. Dabei schmeckte sie wieder den äußerst deliziösen Schokoladenpudding an ihren Fingern und ihr kam eine geniale Idee.

Ein breites Grinsen zeichnete sich auf ihren schokoverschmierten Lippen ab, als sie sich den Becher mit der Süßspeise wieder schnappte, ihren Finger hineintunkte und mit dem klebrigen Inhalt zu malen begann. Gretchen bewies durchaus künstlerisches Talent. Aber das war auch nicht sonderlich verwunderlich, denn sie hatte schließlich Kunst-LK gehabt. Was die schöne Künstlerin als Unterlage für ihr Kunstwerk benutzte? Hm? Na was schon, den flachen Bauch ihres attraktiven Oberarztes natürlich. Der war doch perfekt dafür. Zuerst malte sie ein großes Herz quer über seine Brust, darin zwei große verschlungene Buchstaben, M+G, und drumherum zauberte sie noch kleine Punkte, die Sterne und Blümchen darstellen sollten. Die begeisterte Zeichnerin war sehr zufrieden mit ihrem Werk, als sie es nach Beendigung ihrer Arbeit betrachtete.

Das Kunstobjekt selbst bemerkte anfangs nichts davon, wozu man ihn gerade eben unverschämterweise missbraucht hatte. Es kribbelte und zwickte zwar ein wenig auf seiner Haut, aber er dachte sich nichts weiter dabei. Der Traum, den er gerade träumte, war einfach zu schön, um daraus aufwachen zu wollen. Er und Gretchen saßen nämlich gerade zusammen auf dem Parkett in ihrer neuen Dachwohnung und aßen süße Früchte, die mit der wohl köstlichsten Schokolade überzogen waren, die er je gegessen hatte. Es war wie im Schlaraffenland. Zumindest stellte er es sich so vor. Die beiden Schlemmermäulchen konnten gar nicht genug davon bekommen. Immer mehr Früchte, vor allem Trauben und Erdbeeren, wanderten in die heiße Soße des Schokofondues, das Gretchen mit einem verheißungsvollen Lächeln auf ihren sündigen Lippen angeschleppt hatte. Die beiden spielten miteinander, fütterten und neckten sich gegenseitig und bekleckerten sich unweigerlich. Überall an ihren Sachen und in ihren Gesichtern klebte die süße Schokolade. Die auf ihren Lippen und an ihrer Wange beseitigte Marc auf seine ganz besondere Art und Weise. Und Gretchen schnurrte wie ein kleines neugeborenes Kätzchen, während er sie sauber schleckte und mit Schokoküssen verwöhnte.

Dieser ganz besonders betörende Singsang ihrer engelsgleichen Stimme machte ihn heiß. Gierig gingen seine flinken Fingerchen nun auf Wanderschaft. Er schob die Träger ihres roten Kleides zur Seite und benetzte ihre Schulterblätter mit süßen Schokotraumküssen. Gretchen legte ihren Kopf vorfreudig in den Nacken. Sie wollte eindeutig mehr. Also wanderte er mit seinen Schokolippen weiter südwärts zu ihrem glitzernden Dekolletee, das sich bebend auf und ab bewegte und seine feurigen Augen in den Bann zog. Er schob das von Schokotropfen übersäte Kleid weiter herunter über ihre üppigen Brüste, die sich ihm nun frohlockend entgegenreckten. Doch Marc zögerte noch. Er ließ von ihr ab, nahm den Löffel mit flüssiger Schokolade aus der Schüssel und tropfte diese vorsichtig über ihr erhitztes Dekolletee und startete anschließend das wohl sündigste Dessert seines Lebens. Wild schleckte seine Zunge die Schokospuren von ihrem aphroditegleichen Körper und löste ein Erdbeben an Gefühlen bei seiner aufregenden Geliebten aus. Leidenschaftlich riss sie sein blaues Hemd auf, schob es mit ihren Schokohänden über seine Schulter, verschmierte seine Haut und drückte seinen Oberkörper anschließend mit festem Griff zu Boden, um es ihm nun gleich zu tun. Gott, wie sehr liebte er es, wenn aus dem prüden Haasen urplötzlich eine unbändige Wildkatze wurde.

Gretchen, die sich schnell ihres schokobepunkteten Kleides entledigt hatte und ihn gleich noch von seiner Hose, samt Boxershorts, befreit hatte, platzierte sich geschickt auf seinem Schoss, der schon mächtig in Wallung geraten war, tauchte den großen Löffel wieder in die Schokoladensoße und tupfte diese anschließend auf seinen gestählten glitzernden Oberkörper. Marc stöhnte laut auf, als er die klebrige süß duftende Masse auf seiner nackten Haut zu spüren bekam und Gretchen anschließend mit ihren geschickten Fingerchen kleine Herzen auf seinen Bauch zauberte. Doch als sie schließlich ihren Kopf zu ihm herab senkte, gleichzeitig ihr Becken hob und dann damit zu kreisen begann, und er letztendlich auch noch ihre Zungenspitze auf seiner schokobeschmierten Brust spürte, die in sanften, kreisenden Bewegungen die verräterischen Schokospuren schmelzen ließ, war es ganz um ihn geschehen. Schauerwellen durchfluteten seinen erhitzten Körper, nahmen ganz von ihm Besitz und er stöhnte unkontrolliert auf. Immer und immer wieder.

Sehr zum Gefallen von Gretchen, die den mit geschlossenen Augen sich im Bett hin und her windenden Mann mit glasigem Blick beobachtete, vergnügt kicherte und beschloss, das freche Spiel noch ein Stück weit weiter zu treiben. Sie kratzte also völlig konzentriert den letzten Rest Schokopudding aus dem Becher und ließ ihn auf Marcs nackten Bauch platschen. Ihr Freund zuckte kurz zusammen, weil das heiße Vergnügen plötzlich kalt geworden war. Aber das ganz besondere Kribbeln, das es bei ihm ausgelöst hatte, gefiel ihm sehr und so ließ er sich nur allzu gern weiter darauf ein. Im Halbschlaf murmelte er...

Marc: Oh Haasenzahn, ja, mehr, mehr, MEHR!!!

Die angesprochene Frau ließ Löffel und Becher neben das Bett fallen und blickte den schlafenden, völlig verschmierten Oberarzt, der offenbar im Schlaf redete, verdutzt an...

Gretchen: Isch aber alle.
Marc: Hm?
Gretchen: ALLE ALLE!
Marc: Wie alle? Wir haben doch noch einen ganzen Bottich von dem ekligen Klebezeugs. Komm, mach weiter! Mach mich dreckig!

Gretchen klappte irritiert ihre Kinnlade nach unten und musterte den schokopuddingbeschmierten Mann, der immer noch seine Augen geschlossen hielt, aber dennoch gerade zielsicher nach ihrer linken Brust grapschen wollte, eindringlich von Kopf bis Fuß und fuhr nach kurzem Zögern fort...

Gretchen: Äh... Marci? Du bischt schon voll dreckschig und isch auch. Isch hab heute erscht die Bettwäsche neu beschogen. Lassch dasch bitte!
Marc: Scheiß doch dadrauf, Haasenzahn! Ich wasch sie auch für dich. Jetzt leck mich endlich! Komm, mach’s noch mal!

Ungeduldig verlangte der immer noch halb in seiner Traumwelt, halb in der Realität weilende Chirurg nach einer Fortsetzung dieses aufregenden Schokospiels. Gretchen kuckte derweil immer noch ziemlich verdutzt aus der Wäsche, konnte aber nach diesem verlockenden Angebot, dass er die Schweinerei auch wieder wegmachen wollte, nicht widerstehen. Und irgendwie war es auch sehr aufregend gewesen, als sie ihn vorhin kurz spaßeshalber mit der Zungenspitze gekitzelt hatte. Also krabbelte sie mutig auf seinen Schoss, der irritierenderweise mächtig ausgebeult war, schwang schwungvoll ihre wilde Lockenmähne nach hinten, um diese nicht zu bekleckern, und senkte ihren Kopf ganz langsam auf seinen Schokopudding-Bauch und schlief sofort darauf ein.

Marc spürte ihre weiche Wange und ihre kitzelnden Haare auf seiner Brust, wunderte sich zwar darüber, aber dachte sich, das gehöre wohl zur Show und seufzte erwartungsfroh. Als er aber nach fünf Minuten Nichtstuns immer noch nicht ihre freche Zungespitze erfühlen konnte, die ihn ins Schlemmerparadies schicken sollte, öffnete er verwundert seine Augen und stutzte...

Marc: Hä? Was zum...?

Irritiert stellte der Oberarzt fest, dass Gretchen tatsächlich auf ihm eingeschlafen war und ruhig vor sich hin sabberte. Noch irritierter war er, als er bemerkte, dass sie überhaupt nicht mehr nackt war, sondern sogar noch ihren roten Mantel, Weste, Jeansrock und Blümchenbluse trug. Sogar die Winterstiefel hatte sie noch an. Mehr als verwirrt richtete er sich langsam auf und drehte sein schlummerndes Mädchen zur Seite. Ihre Fahne ließ ihn fast aus dem Bett fallen. Mit dem Alkoholgehalt hätte man seine halbe Station unter Narkose versetzen können.

Marc: Das glaub, ich jetzt nicht.

...murmelte er leise und auch etwas sauer, weil er resigniert registriert hatte, dass der Spaß gerade eben wohl doch nur alles erträumt gewesen war. Gequält seufzte er auf, entdeckte aber dann ihre schokobeschmierte Wange und musste laut loslachen...

Marc: Das glaubt mir keiner.

Und damit ihm einer glaubte, musste auch sofort ein Beweisfoto für die Ewigkeit geschossen werden. Marc nahm also sein Handy vom Nachttisch und knipste den süßen Schokohasen in seinem Bett. Anschließend legte er sein I-Phone wieder weg. Er wollte sich gerade zurücklehnen und sich an Gretchen schmiegen, als er etwas Seltsames bemerkte. Er war mit seiner Hand über seine Brust gefahren und hatte etwas sehr Ekelhaftes ertastet. Schockiert und irritiert zugleich sprang er auf, stolperte noch über den Puddingbecher und seine Turnschuhe, fluchte und schaltete schnell seine Nachttischlampe an und bewunderte nun fassungslos die Schandtat auf seinem Oberkörper im Spiegel. Von dem ehemaligen Herzen, das Gretchen mit Hingabe gezeichnet hatte, war nichts mehr zu erkennen, vielmehr sah es jetzt wie eine Fratze aus, die ihn schelmisch auslachte. Der verschandelte und tief in seiner männlichen Ehre verletzte Mann spürte die Wärme, die langsam in ihm aufstieg, sich allmählich in glühende Hitze verwandelte, die sich blutrot auf seinen Wangen widerspiegelte, und schließlich brach es unvermittelt aus ihm heraus...

Marc: HAASENZAHN, hast du ein Rad ab!

Doch aus dem Bett neben ihm kam nur ein Grummeln als Antwort...

Gretchen: Schlafen! Schlafen schön!

Gretchen war vollkommen narkotisiert und merkte nichts mehr. Marc funkelte den schlafenden Schokoengel mit bösem Ameisenblick an, aber die Wut über seinen verunstalteten Astralkörper wich schnell einem Schmunzeln, als er sie längere Zeit betrachtete. Das verdiente Rache. Bitterböse Rache. Und die würde er sich holen. Darauf konnte sie Gift nehmen. Der sichtlich entschlossene Mann löschte nun das Nachtlicht und ging ins Badezimmer rüber, um die Spuren seiner „Vergenußwurschtelung“ abzuwaschen. Aber Haasenzahn hatte wirklich ganze Arbeit geleistet. Keine arbeitende Zelle mehr im Hirn, aber zu so was noch fähig sein. Unglaublich, dachte er und schüttelte seinen Kopf. Nur eine ausgiebige Dusche konnte den attraktiven Machomann wieder in den Normalzustand zurückverwandeln. Nach etwa zehn Minuten schlich Marc zurück ins Schlafzimmer. Er war ausreichend präpariert und machte sich auch gleich mit großem Vergnügen ans Werk.

Kurze Zeit später tauschte er auf seiner Seite noch schnell die puddingbeschmierte Bettdecke gegen eine neue saubere aus und legte sich anschließend wieder zu seinem süßen Schokohaasen ins Bett. Er beugte sich schmunzelnd über sie, betrachtete sie einen Moment lang, küsste ihr etwas Schokolade von der Nasenspitze und wünschte ihr süße Träume und ein noch süßeres Aufwachen. Dann rutschte er etwas von ihr weg und schlief mit einem breiten zufriedenen Grinsen im Gesicht ein. Ja, Rache konnte so süß sein. Im wahrsten Sinne des Wortes!

Lorelei Offline

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17.12.2011 19:42
#1193 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Heute gibt es mein Dankeschön mal an der Stelle. Danke! Na habt ihr Spaß gehabt? Wollt ihr mehr? Ein weiteres Schokostückchen hätte ich heute schon noch im Angebot. Wohl bekomm's! Das hier und das in den nächsten beiden Teilen Folgende ist für unsere Frührentnerin. Ich hab dich lieb, mein Katchen. Leute vergesst nicht bei Kate euren Abschlusskommi abzugeben. Sie hat ihn sich verdient. Denn sie hat uns eine wunderbare Geschichte geschenkt. Ich wünsche dir einen geruhsamen Ruhestand, mein Schatz, und uns allen einen schönen 4. Advent. Es hat geschneit. Liebe Grüße, Anke




Am nächsten Morgen wurde Gretchen Haase von einem seltsamen Geschmack in ihrem Mund wach, den sie schon eine ganze Weile im Halbschlaf erfühlt hatte, der ihr aber jetzt, wo sie langsam erwachte, umso realer vorkam. Sie konnte sich nicht erklären, wie es dahin gekommen war, aber das schmeckte doch eindeutig nach etwas Süßem. Nach Schokolade. Nach ihrer Lieblingsschokolade. Das war Nutella! Seltsam! Wie konnte das sein? War sie in der Nacht geschlafwandelt und über ihr Nussnougatglas hergefallen? Nein, das konnte nicht sein. Zum einen, weil sie das XXL-Glas so gut versteckt hatte, damit Marc es nicht gleich fand und wieder einen seiner blöden Kommentare am Frühstückstisch machte, dass sie nicht mal mehr wusste, wo sie es überhaupt hingetan hatte. Gestern Morgen noch, als Marc auf Arbeit war, hatte sie die halbe Küche deswegen auf den Kopf gestellt, weil sie unbedingt Nutella auf ihrem Frühstücksbrötchen haben wollte, und hatte es nicht gefunden. Oder hatte sie es doch schon wieder aufgegessen? Aber sie hatte es doch erst am Freitag gekauft? Schokosüchtig hin oder her, das würde nicht einmal sie schaffen. Sehr mysteriös! Zum anderen, schlafwandelte sie nicht. Diese dumme Angewohnheit war nur den männlichen Mitgliedern in ihrer Familie vorbehalten.

Gretchen fuhr sich erneut mit der Zunge über ihre trockenen Lippen, schmatzte laut und schmeckte es schon wieder. Das war eindeutig Nutella! Mhm! Ihre Sinne täuschten sie nicht. Nicht, was Schokolade betraf! Komisch, sehr, sehr komisch, dachte die völlig verschlafene junge Frau und wollte sich auf die Seite drehen, musste aber im nächsten Moment laut gähnen. Dabei bemerkte sie, wie ihre Gesichtshaut seltsam spannte. Hatte sie etwa vergessen, sich gestern vorm Schlafengehen einzucremen? Sie wusste es nicht mehr und kratzte sich verwirrt an ihrer Stirn. Hä, das fühlte sich aber komisch an. Aber sie konnte nicht weiter darüber nachdenken, was sie da ertastet hatte, denn im gleichen Moment war ihr wieder eingefallen, dass sie doch gestern Abend Maria einen Besuch abgestattet hatte, dass sie etwas getrunken und sehr viel gelacht hatten und dann... dann...? Gretchen wusste noch, dass ihre schon ganz schön angeschäkerte Freundin sie in ein Taxi verfrachtet hatte, aber danach war alles dunkel. Aber offenbar hatte sie es ja noch bis ins Bett geschafft. Es fühlte sich jedenfalls wie ein Bett an, in dem sie lag. Und es duftete... so vertraut, aber sonderlicherweise nicht nach Marc, doch, ein bisschen, aber hauptsächlich nach Schokolade. Sehr, sehr seltsam das Ganze!

Noch mit geschlossenen Augen richtete sich Gretchen auf, rutschte hoch zum Kopfende ihres Bettes und lehnte sich mit dem Rücken an die angrenzende Wand. Ganz langsam öffnete sie Millimeter für Millimeter ihre Augen und schaute sich anschließend vergewissernd um. Ja, das war eindeutig Marc und ihr Schlafzimmer, stellte die leicht verwirrte Frau erleichtert fest. Dann blickte sie suchend zur Seite. Marcs Betthälfte war leider leer. War er etwa schon auf Arbeit? Nein, das konnte nicht sein. Es war doch erst kurz nach acht, wie sie an seinem Wecker erkennen konnte, und sie hatten beide heute Spätschicht. Enttäuscht seufzte sie laut auf und schmeckte schon wieder Nutella auf ihren Lippen. Was war denn hier los? Wieso fühlte sie sich so seltsam? Wo war Marc? Und wieso musste sie die ganze Zeit an Schokolade denken? Gut, sie dachte eigentlich immer fast genauso oft an diese süße zarte Versuchung wie an Marc. Aber so intensiv? Sie hatte zwar davon geträumt, dass sie eine Nacht lang in einer Konditorei eingeschlossen war und mit Sabine und Maria Hochzeitstorten probiert hatte, aber dass der Traum so real gewesen war, dass sie jetzt sogar noch immer die Schokonougattorte schmeckte, war schon mehr als skurril. Wenn sie das Sabine erzählte, die würde vielleicht Augen machen.

Gretchen fuhr sich reflexartig mit einer Hand über ihr Gesicht und erschrak plötzlich fürchterlich. Was... was... war... denn... das? Das fühlte sich irgendwie verkrustet und hart an. Sie tastete vorsichtig ihr ganzes Gesicht ab. Es war überall! Panik beschlich sie und sie blickte irritiert auf ihre Finger, die nun schokoschwarz waren. Das konnte doch nicht wahr sein? Mit bangem Gefühl im Magen stolperte sie aus dem Bett und musste sich im nächsten Moment am Nachtschränkchen abstützen. Jetzt erst merkte sie auch die Restwirkung des Alkohols. Das war dann wohl doch ein Glas zu viel gewesen bei Maria. Alles drehte sich plötzlich und sie musste sich wieder setzen. Gretchen atmete tief durch. Ihr Puls raste. Sie hyperventilierte fast. Was war mit ihr letzte Nacht passiert? Was hatte sie angestellt? Durch einen Kontrollblick zur Seite bemerkte sie nun auch endlich die nächtlichen Spuren auf ihrer Bettdecke und dem Laken. Das war doch... Sie griff nach dem verschmierten Kopfkissen und roch daran. Tatsächlich! Das roch eindeutig nach ihrer Lieblingsschokoladenmarke. Verflucht und zugenäht, wie kam die Nutella in ihr Bett und ihr Gesicht?

„MAAAAAAAAAAARC“, tönte plötzlich ein markerschütternder Schrei durch die Meier-Haasche Wohnung, so dass Herr Lowinski in der Wohnung über ihnen vor Schreck gegen seine Kaffeetasse stieß und den gesamten Inhalt der braunen Brühe über seiner Zeitung ausbreitete. Er fluchte und stampfte mit dem Fuß auf, was seine Shakira, seine reinrassige Mopsdame, die ruhig neben seinem Stuhl gelegen hatte, aufjaulen ließ. Ging das denn schon wieder los? Gestern Nacht schon die seltsamen Schreie und jetzt schon wieder. Seit der Meier in einer festen Beziehung lebte, kam er nicht mehr zur Ruhe. Vielleicht war es doch endlich an der Zeit, raus ins Grüne zu ziehen, in die ruhige Natur Brandenburgs, zu seiner Schwester Gisela und den zehn Katzen. Dann wäre er wenigstens diesen grausamen Katzenjammer hier los. Oh nein, schon wieder! Horst Lowinski stand auf, kramte eine Packung Ohropax aus dem Schieber, stopfte jeweils eins davon ins Ohr und schlurfte dann zur Kaffeemaschine, um sich neuen Kaffee zu machen.

Lorelei Offline

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19.12.2011 14:59
#1194 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Sorry, ich hab’s gestern nicht mehr auf die Reihe bekommen. Dafür aber heute früher. Hier habt ihr euren süßen Nachschlag. Schönen Start in die Weihnachtswoche. Eure Lorelei



Als ein zweiter hysterischer „MAAAAAAAAAAARC“-Schrei folgte, musste der Angesprochene, der mit einer Espressotasse in der Hand und der Tageszeitung vor sich gemütlich am Küchentisch saß und ungläubig Gretchens alberne Kindermalerei am Kühlschrank bewunderte, die er gerade eben erst entdeckt hatte, unweigerlich breit grinsen. Der Spaß konnte also beginnen. Er trank den letzten Schluck Kaffee aus, faltete die Zeitung zusammen und erhob sich ganz gemächlich von seinem Stuhl. Noch ein bisschen zappeln zu lassen, war doch erlaubt, oder? Grinsend schnappte Marc sich das Wasserglas, das er schon vorsorglich vorbereitet hatte und warf eine Aspirintablette hinein. Er wollte ja kein Unmensch sein und seinen Haasenzahn zumindest von dieser Pein befreien. Die andere hatte noch Zeit. Die wollte er selbst erst einmal ausgiebig genießen. Mit einem vorfreudigen Grinsen auf den Lippen schlurfte der junge Mann also langsam in Richtung Schlafzimmer, aus dem Gretchens hysterische Hilferufe gekommen waren. Im selben Moment folgte auch schon der nächste Schrei: „MAAAAAAAAAAARC!?“ Dieses Mal noch einen Ton schriller und verzweifelter. Marc konnte sich kaum beherrschen, hielt sich seine freie Hand vor den Mund und lachte sich ins Fäustchen. Vor Zwerchfellschmerzen hätte er fast noch das Wasserglas verschüttet. Er atmete schließlich tief durch und beruhigte sich. Dann schob er ganz langsam die angelehnte Schlafzimmertür auf. Und da stand er nun, sein persönlicher Schokohaase!

Bei diesem verführerischen Anblick könnte man(n) sich durchaus vorstellen, doch noch zum Schokoholiker zu werden, dachte der Oberarzt schmunzelnd und freute sich diebisch über seine gelungene Racheaktion, die eingeschlagen hatte wie eine Bombe. Gretchen hatte mittlerweile die Kraft gefunden, sich vom Bett zu erheben und war zum Spiegelschrank gelaufen, vor dem sie nun stand und sich fassungslos betrachtete. Ihr Gesichtsausdruck hätte entsetzter nicht sein können, wenn man ihn denn unter der dicken Schokoladenmaske, die ihr hübsches Gesicht zierte, überhaupt erkennen konnte. Haasenzahn sah einfach zum Anknabbern süß aus in diesem Moment, schmunzelte der Verursacher des Ganzen und beobachtete sie nun ganz genau. Ungläubig kratzte Gretchen in ihrem Gesicht herum. Aber Marc hatte gestern Nacht wirklich ganze Arbeit geleistet. Zum Glück hatte er ihre Wochenration Nutella gleich gefunden, auch wenn er nicht verstand, wieso das XXL-Glas ausgerechnet im Arzneischrank gestanden hatte, aber so hatte er gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können, als er auf der Suche nach Kopfschmerztabletten dort fündig geworden war. Er hatte das Glas in die Mikrowelle gestellt und den Inhalt verflüssigt und hatte anschließend nun seinerseits wieder eindrucksvoll seine Zeichenkünste bewiesen, als er ihr Gesicht mit Schokosoße bemalt hatte. Mit Stolz geschwellter nackter Brust wohlgemerkt - Marc trug nur eine weiße Boxershorts an diesem noch recht jungen Morgen - lehnte er sich nun seitlich an den Türrahmen und sprach die süßeste Versuchung seit Erfindung der Schokolade in gewohnter Manier an....

Marc: Was keifst du denn schon wieder?

Wie in Zeitlupe drehte sich das Schokogesicht zu ihm um und ihre Augen hätten nicht böser aufleuchten können, als sie den lässigen jungen Mann an der Tür erkannte. Sie hob anklagend ihren Zeigefinger, kam auf ihn zu und bohrte ihm diesen in seine nackte Brust. Dann deutete sie damit auf ihr verunstaltetes Gesicht und blickte Marc dabei vorwurfsvoll an...

Gretchen: Marc, was ist das?
Marc (gespielt unwissend): Was ist was?
Gretchen (platzt gleich u. funkelt ihn böse an): Bist du blind oder was? Das in meinem Gesicht.
Marc (schaut sie musternd an u. zuckt lässig mit den Schultern): Oh! Was weiß ich denn.
Gretchen (klärt ihn empört auf): Schokolade! Nutella um genau zu sein.
Marc (verkneift sich krampfhaft sein Lachen): Ach?
Gretchen (stinksauer blitzt sie ihn an, so gut sie es eben kann mit einem versteinerten Gesicht): Das ist alles, was du zu deiner Verteidigung sagen willst?
Marc (um auszuweichen, reicht er ihr das Glas mit dem Aspirin): Äh... ja!? Hier was gegen die Kopfschmerzen.
Gretchen (runzelt die Stirn, sie versucht es zumindest, etwas Schokolade bröckelt dabei ab): Woher...?
Marc (schmunzelt dann doch): Angesichts deiner kilometerweiten Fahne dachte ich...
Fahne? Ich? Oh!
Gretchen (verteidigt sich vehement gegen diesen Verdacht u. hebt wieder ihren Zeigefinger): Ich war nicht betrunken.
Höchstens angeheitert.
Marc (grinst noch mehr): Natürlich nicht.
Nüchtern hätte sie sich DAS nicht getraut. Schade eigentlich. Äh... wenn sie weitergemacht hätte. Hach... das wäre schon endgeil gewesen.
Gretchen (reißt ihm das Glas dann doch grimmig aus der Hand und trinkt es auf ex aus, weil sie plötzlich einen Heidendurst verspürt hat, dann zetert sie auch schon wieder los): Das erklärt aber noch immer nicht, wieso mein Gesicht mit Schokolade zugekleistert ist. Und hast du gesehen, wie unser Bett aussieht? Das kriegen wir doch nie raus aus der Wäsche.
Marc (hebt unschuldig seine Arme u. zieht Gretchen auf): Ja, tut mir leid, aber dann hättest du nicht mit so ner Maske ins Bett gehen sollen. Aber wenn’s der Schönheit dient? Obwohl... das hast du doch gar nicht nötig. Aber ich hab ja mal gelesen, die Mayas hätten sich damals auch Kakao ins Gesicht gekleistert. Ist das jetzt der neueste Trend aus deinen Weiberzeitschriften?
Er hat den Artikel auch gelesen? Aber... Äh... halt! Du bist sauer, Gretchen. Schönheitstipps gibt es später.
Gretchen (funkelt ihn böse an, denn sie ist überhaupt nicht zu Späßen aufgelegt): Sehr witzig, du Schlaumeier. ICH bin jedenfalls nicht SO ins Bett gegangen.
Marc (lacht): Bist du wohl!
Obwohl... ins Puddingkoma gefallen trifft es ja eigentlich eher. Hähä! Selber Schuld! Du hast es quasi herausgefordert, Haasenzahn. Gott, und es hat Sauspaß gemacht.
Gretchen (versteht die Welt nicht mehr u. lässt resignierend die Schultern hängen): Das glaube ich einfach nicht. Ich würde doch nicht... Meine schönen Sachen... Kuck mal, wie ich aussehe. Der neue Mantel... Alles... dreckig und... *schnief* ... Nein!

Ganz urplötzlich wurden Gretchens Augen verdächtig feucht, sie schluchzte und die ersten heißen Tränen kullerten unkontrolliert über ihre schokoverkrustete Wange. Ein Anblick, der Marc, der eben noch schadenfroh gelacht hatte, sichtlich an Herz und Nieren ging. So hatte er sich seine kleine morgendliche „Überraschung“ nicht vorgestellt gehabt. Er wollte einen kleinen Spaß machen, ja, so wie sie es sich mit ihm erlaubt hatte, aber nicht sie zum Weinen bringen. Das schlechte Gewissen nagte sofort an dem attraktiven Chirurgen. Er nahm Gretchen das leere Wasserglas aus der Hand und stellte es auf die Kommode, dann zog er seine Heulsuse in seine Arme und drückte sie fest gegen seine Brust. Gretchen ließ es sich stumm gefallen und heulte sich jetzt so richtig an seiner Schulter aus. Es musste einfach raus. Das war alles zu viel. Sie wusste nicht, wie das hatte passieren können. Als sie ins Taxi gestiegen war, schien doch noch alles normal gewesen zu sein. Und sie konnte sich nicht daran erinnern, mit Maria irgendwelche Kosmetiktipps besprochen zu haben. Sie hatten lange über Cedric geredet und über Sabines Hochzeit, ja, aber den ganzen Abend über hatte sie kein Stück Schokolade zu sehen gekriegt. Eine Maria Hassmann aß doch keinen Süßkram. Dabei könnte sie es doch durchaus riskieren bei ihrer Figur. Aber Nutella und Pralinen hielt die neurotische Oberärztin für böse und hatte nie so etwas im Haus. Deshalb war Gretchen dann zuhause noch an den Kühlschrank gegangen und hatte...

Oh mein Gott!

So langsam dämmerte es der verwirrten Assistenzärztin. Ja, sie hatte noch einen Schokoladenpudding gegessen, weil sie plötzlich so einen Heißhunger auf Süßes verspürt hatte, und war anschließend ins Bett gegangen, nachdem sie...

Oh! ... Ooohhh! ... OOOOOOOOOOOOOOOHHHHHHHHHH!!!! ... Das hast du nicht gemacht? ... Gretchen! Bist du irre?

Als die Erkenntnis endlich die richtige Gehirnregion erreicht hatte, fuhr der blonden Frau augenblicklich die Schamesröte ins Gesicht, was angesichts der Nutellamaske, die sich durch ihre heißen Tränen langsam verflüssigte, natürlich nicht so zu sehen war wie sonst immer, wenn sie sich in Grund und Boden schämte. Mein Gott, was hatte sie sich nur dabei gedacht? Gretchen schniefte noch einmal kräftig an Marcs Hals, der samt Schulter nun auch schon schokoladig war, löste sich etwas aus seiner liebevollen Umarmung und hob vorsichtig ihren Blick. Marcs grüne Augen trafen ihre sofort, musterten sie, versuchten zu ergründen, was in ihr vorging, entschuldigten sich. Aufgewühlt blickte sie in ihnen hin und her, entschuldigte sich beschämt und bemerkte nach intensivem Augenstudium ein verräterisches Funkeln darin. Die Assistenzärztin löste sich nun ganz von ihrem Oberarzt und holte tief Luft, gleichzeitig stemmte sie ihre Hände an ihre Hüfte und achtete dabei nicht sonderlich darauf, dass sie ihren neuen roten Wintermantel damit nur noch mehr mit Schokolade beschmutzte und funkelte Marc wissend an...

Gretchen: Marc Meier, sag nicht, dass das eine billige Retourkutsche war?

Marc, der sich in ihren himmelblauen Augen verloren hatte, hatte nicht bemerkt, dass sich der Wind mittlerweile gedreht hatte und reagierte dementsprechend ertappt mit einer kaum sichtbaren Rötung seiner Wangen. Gretchen hatte ihn tatsächlich an den Eiern gepackt, aber er schluckte die Verunsicherung nur kurz herunter und ließ sich ansonsten nichts weiter anmerken und versuchte betont cool zu bleiben. Mit mäßigem Erfolg. Der Schokohaase hatte ihn längst durchschaut.

Marc: Billig würde ich nicht behaupten. Der Riesennapf Nutella kostet schon einen Haufen Schotter und bei deinem Verbrauch....
Boah! Dieser... Argh!!!
Gretchen (lässt den Schelm nicht ausreden): Also doch! Du bist unmöglich, Marc.

...schimpfte die beleidigte Frau ihren Freund sofort lautstark aus und verschränkte dabei abwehrend ihre Arme vor ihrem Körper. Marc grinste nur amüsiert über Gretchens heftige Reaktion und plusterte seine Brust nun mächtig auf, nur um umso geschickter zurückzuschlagen...

Marc: Das sagt mir ausgerechnet diejenige, die nachts meinen Astralkörper auf schändlichste Art und Weise vergewaltigt hat.

Upps! Damit ist auch klar, dass er es mitbekommen hat. Mhm? Hätte mir auch gleich auffallen können. Seine Haut ist glatt und sauber wie ein Babypopo. Keine Spur mehr von meinem... ähm... ja... was eigentlich? Oh Gott, wie peinlich! Ich habe seinen göttlichen Körper entweiht. Das wird er mir auf ewig nachtragen. Ich sollte die Stadt verlassen, nein, das Land, den Kontinent! Oh weh!

Damit hatte Marc Gretchen in die Enge getrieben. Sie senkte ertappt für einen Moment ihren Kopf und knabberte unsicher an ihrer Unterlippe. Sie ertastete wieder etwas Schokolade und dachte sich, schade eigentlich um die schöne Nutella. Wo hatte er die eigentlich gefunden? Dann stammelte sie leise und noch immer mit nach unten gesenktem Blick mehr schlecht als recht eine Erklärung vor sich hin. Eine Erklärung, die es nicht gab, denn sie wusste wirklich nicht, was sie da geritten hatte. Sie wusste nur noch, dass es sehr viel Spaß gemacht hatte.

Gretchen: Ja, was...
Marc (sieht sie eindringlich an): Was was?
Gretchen (echauffiert sich u. gestikuliert wild mit ihren Armen in der Luft herum): Ja, was liegst du da auch so herum.
Marc (für einen kurzen Moment sprachlos): Äh... ich habe vielleicht geschlafen, mein Fräulein. Das macht man normalerweise mitten in der Nacht.
Gretchen (druckst leise herum): Aber du hast gesagt, ich soll weitermachen.
Marc (schaut sie ungläubig an u. klappt den Mund auf): Bitte?
Gretchen (schaut kurz unsicher in sein amüsiertes Gesicht): Ja, hast du. Du... du hast gesagt, du willst noch mehr Schokolade und dass ich... dass ich dich...
Oh Gott! Das kann ich nicht in den Mund nehmen.
Marc (jetzt wird es interessant, denkt er sich u. sieht sie ungeduldig an): Dass du mich was, Haasenzahn?
Gretchen (senkt verlegen ihren Blick u. wiegelt nervös ab): Nichts.
Marc (fordert sie amüsiert heraus): So wie du mich beschmiert hast, sah das nicht gerade nach nichts aus, Haasenzahn.
Gretchen (sichtlich beschämt): Oh! Aber... du... du hast genau das gewollt.
Wieso eigentlich? Und warum hat er mich nicht aufgehalten?
Marc (sieht sie mit seinem ganz speziellen Blick an): Habe ich das? Hmm... Weißt du was, ich zeige dir jetzt mal, was ich wirklich will.
Gretchen (schaut verdutzt auf): Was?

Lorelei Offline

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20.12.2011 16:33
#1195 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hey ihr Lieben! Ich freue mich riesig, dass ihr so viel Spaß hattet mit den letzten Teilen. Den dürftet ihr heute auch wieder haben. Aber nur die Volljährigen unter euch. Der Rest muss leider heute draußen bleiben. Sorry! Den anderen wünsche ich jetzt viel Vergnügen mit einer ganz besonders schokoladigen Episode. Mein Schmankerl für die Weihnachtswoche. Image and video hosting by TinyPic Liebe Grüße, Lorelei




Doch bevor das eingeschüchterte Unschuldslämmchen weiter nachfragen konnte, was er damit meinte, hatte Marc sie auch schon über seine Schulter geworfen und schleppte die völlig überrumpelte Blondine zum gemeinsamen Bett, auf dem er sie sanft niederließ und sich dann mit grazilen Gepardenbewegungen langsam an sie heranschlich und sich anschließend hungrig auf sie stürzte.

Gretchen: Maaarc!

...protestierte die Gefangene lautstark, aber das ließ ihren Entführer völlig unbeeindruckt. Er packte ihre beiden Handgelenkte und drückte sie mit sanfter Gewalt über ihren Kopf in die weichen Kissen. Gretchen atmete schwer und sah ihn irritiert an, als er ihrem Gesicht immer näher kam und sie mit seinen eindringlichen grünen Augen fesselte...

Gretchen: Was... was... wird... das? Wir sauen die Bettdecke nur noch mehr ein. Maaarc!
Marc (mit heiserer Stimme flüstert er ihr zu u. schleckt ihr dann demonstrativ über die Wange): Eben drum. Ist jetzt eh zu spät. Du bist einfach zum Anknabbern süß, weißt du das.
Gretchen (quiekt auf): MAAARC, nicht!!!
Marc (macht unberührt weiter): Doch! Ich befreie den Schokohaasen jetzt von seiner süßen Verkleidung.
Gretchen (weiß nicht, wie ihr geschieht): Marc, die ist voll fest. Das... das schaffst du... nie. ... Mhm!

Marc hatte seine weichen Lippen an ihre Halsbeuge gelegt und ließ seine Zunge dort sanfte Kreise ziehen, was Gretchen, die gerade noch heftig protestiert hatte, ein leises Seufzen entweichen ließ. Ihr Körper erschlaffte. Sämtliche Knochen hatten sich in eine weiche Masse verwandelt. Sie konnte sich nicht gegen diesen äußerst verlockenden Verführungsversuch wehren. Sie war Marc schutzlos ausgeliefert, was durchaus reizvoll war. Für beide.

Marc: Unmögliches zu schaffen, ist doch mein Spezialgebiet. Weißte doch.

... hauchte ihr gemeiner Verführer noch verheißungsvoll in Gretchens Ohr, bevor er sanft an ihrem Ohrläppchen zu knabbern begann, das ebenso von einem mikroskopisch kleinem Tröpfchen Nussnougat bedeckt war. Mhm, köstlich, dachte er angespannt und machte trotz eigentlicher Schokoaphobie unbeirrt weiter mit seinem sinnlichen Mahl. Trotz kompletter Wintermontur, die Gretchen noch immer trug, weil Marc den schlafenden Engel in der Nacht nicht davon hatte befreien können, so eng hatte sie sich nämlich zusammengekringelt, lief es ihr nun kalt den Rücken hinunter. Sämtliche Härchen hatten sich aufgerichtet, als Marc ihre Hals- und Ohrenpartie ausgiebig auf die ganz besondere Meiersche Art und Weise untersuchte. Der Schauerwelle folgte dann eine Hitzewelle nie gekannten Ausmaßes, als seine Lippen urplötzlich die ihren verführten. Sie hatte es nicht kommen sehen, denn sie hatte längst ihre Augen geschlossen und sich ihm völlig hingegeben. Marc hatte Gretchen einfach gepackt und ruckartig hochgezogen und eng an seinen halbnackten Körper gedrückt, der ihr nun umso präsenter war. Ihre Hände trafen auf seine nackte Haut. Ein berauschendes Gefühl für die erregte Frau, die ihre Finger nun gefühlvoll über seinen muskulösen Rücken streifen ließ.

Wild knutschten die beiden miteinander, kosteten sich und die süße Schokonote ihrer Lippen und genossen diesen Hauch von Sinnlichkeit sehr. Gleichzeitig bekam Marc die Gelegenheit, sein Mädchen endlich aus ihren lästigen Klamotten zu befreien. Stück für Stück fanden diese ihren Weg neben das Bett, bis Gretchen nur noch in ihrer sexy Unterwäsche vor ihm kniete und er endlich auch ihre nackte samtweiche Haut auf seiner spüren konnte. Jetzt war er es, den eine Gänsehautwelle erfasste, dicht gefolgt von einer Hitzewallung, die seinen ganzen Körper berührte und eine unbändige Leidenschaft erwachen ließ. Er küsste Gretchen nun wild und ungestüm, fordernd, berauscht, wie von Sinnen und sie erwiderte es ebenso intensiv. Mit jedem Kuss mehr zerschmolz auch eine Schicht Schokolade in ihrem Gesicht. Zum Gefallen beider, denn so wurden ihre Küsse nur noch süßer und schokoldiger und alle Sinne noch mehr gereizt. Marcs Zunge in ihrem Gesicht kitzelte sie. Gretchen kicherte albern wie ein kleines Schulmädchen, das einer Kitzelattacke zum Opfer fiel. Marc war frech und heiß zugleich. Sie drängte ihn zurück in die Kissen und wollte sich auf ihn legen. Doch er war schneller und rollte sich auf sie, hielt sie fest und setzte seine ganz besondere Kitzelattacke fort. Millimeter für Millimeter schleckte er ihr die Nutella weg, was Gretchen kaum noch aushalten konnte. Ihr ganzer Körper kribbelte. Sie wand sich heftig unter ihm und diese Reibung trieb ihn nur noch mehr an. Ihre gegenseitigen Neckereien wurden zunehmend wilder und so war auch Marcs Haut bald unweigerlich von einer Vielzahl von Schokospuren bedeckt, die ebenfalls auf besondere Art und Weise beseitigt werden mussten.

Zufrieden stellte der in diesem Moment tatsächlich buchstäblich süßeste Arzt des Landes fest, dass sich sein aufregender Schokotraum von letzter Nacht nun anscheinend doch noch in die Realität verwandelte. Haasenzahn schien sichtlich Gefallen an diesem sündigen Spiel gefunden zu haben und bestimmte nun selbst die Spielregeln. Er leistete keine Gegenwehr. Wie konnte er auch? Viel zu sehr hatte er auf diesen Moment gewartet. Gretchen hatte ihren Liebhaber zur Seite geschupst und sich frecherweiser auf seinen Schoss bequem gemacht, wodurch ihr Spiel noch einen Tick verschärfter wurde. Die süße Nougatcreme hatte sich in edle Chilischokolade verwandelt und die hatte ihm schon immer sehr gemundet. Marc verschränkte mit einem erwartungsfrohen Lächeln auf dem Lippen seine Arme unter seinem Kopf und beobachtete die scharfe Schokoladenprinzessin, wie sie verführerisch ihre güldenen Haare nach hinten warf, ihre zarten Hände lasziv die Konturen ihres aufregenden Körpers empor fahren ließ und wie sie ihn dabei nicht aus den Augen ließ und mit ihren Blicken regelrecht gefangen nahm. Ihr verheißungsvolles Lächeln brachte ihn fast um den Verstand und das, was danach folgte noch umso mehr. Er schnappte schwer nach Luft, als Gretchen mit ihren Händen über ihre in sündige schwarze Spitze gehüllten üppigen Brüste streifte, dabei leise aufstöhnte und ihre Hüften für einen kurzen Moment über sein erregtes Becken kreisen ließ. Sie legte ihren Kopf in den Nacken, biss sich lasziv auf ihre Unterlippe, schien diese Pose sichtlich zu genießen und sah Marc plötzlich direkt ins Gesicht. Seine grünen Augen leuchteten auf, als sie auf tiefes Himmelblau trafen und sich darin verfingen. Gretchen lächelte und zwinkerte ihrem Geliebten frech zu. Dann öffnete sie ganz langsam wie in Zeitlupe am Rücken den Verschluss ihres sexy BHs, hielt die Cups noch einen Moment lang vor ihrem Körper fest, blickte fragend in seinen feurig funkelnden Augen hin und her und genoss sichtlich seine verzehrenden Blicke und riss ihn schließlich lachend von ihrem Traumkörper und warf ihn achtlos in hohem Bogen zu Boden.

Marc war völlig hin und weg und verschlang seine verspielte Freundin regelrecht mit seinen gierigen Blicken. Sie war eine Göttin. Die Göttin aller Göttinnen. Die verbotene Frucht aus dem Paradies. Ja, das war sie. Ihr atemberaubender Anblick jetzt hier in diesem Moment in seinem Schlafzimmer war kaum mit dem aus seinem Traum zu vergleichen. Das, was diese aufregende Göttin dann mit ihm anstellte, dafür umso mehr. Mit beiden Händen fuhr sie nun in verführerischen Bahnen über seinen leicht schokobeschmierten Oberkörper. Er stöhnte erregt auf und schloss für einen Moment seine Augen und genoss einfach nur, wie sie im Anschluss ihren Kopf zu ihm herabsenkte und seine gereizte Brust mit tausenden von zarten Küssen verwöhnte und so die Nougatspuren beseitigte

Der Geruch von ihm vermischt mit dem von süßer Nussnougatschokolade betörte Gretchen ungemein. Sie fühlte sich wie berauscht und trieb ihr verbotenes Spiel immer weiter und immer fordernder voran, bis sie es schließlich nicht mehr aushielt und sich in einem sündigen Schokoladenkuss mit ihrem Liebsten vereinte. Wild umtänzelten sich ihre Zungen, frohlockten, rieben sich aneinander, verführten, gierten nach mehr, während ihre Hände unruhig den Körper des jeweils anderen erkundeten. Ihre Beine und Arme verschlangen sich zu einer Einheit. Sie tollten und tanzten über das weiche Bett, bis ihnen die Luft ausblieb, sie ihre Augen öffneten und beide atemlos um Sauerstoff rangen. Kaum hatten ihre Lungen diesen wieder aufgenommen, vereinten sie sich wieder in einem leidenschaftlichen Kuss, der eindeutig nach mehr verlangte. Marc drehte seine Freundin vorsichtig zu Seite, beugte sich über sie und wanderte nun mit seinen heißen Lippen tiefer. Seinen Zungenspitze tanzte begierig über ihr bebendes Dekolletee, küsste ihr die Schokospuren von ihrer zarten Haut, während er mit einer Hand ihre linke Brust zärtlich massierte, ihr Herz wild pochen spürte und seinen Mund schließlich um die frisch erblühte Knospe der anderen Brust legte und daran genussvoll zu saugen begann.

Gretchen hielt den Atem an und schnappte anschließend hörbar nach Luft. Ihr Herz pumpte wie verrückt. Ihr ganzer Körper prickelte und kribbelte. Ihre Sinne schärften sich. Sie stöhnte. Erst ganz leise, einem Windhauch gleich, dann immer lauter und ungehemmter, je weiter er sein brandgefährliches Spiel vorantrieb. Marcs freie Hand streifte derweil tief in südlicheren Gefilden, tauchte schließlich in ihrem Slip ein und verwöhnte sie mit einer geschickten Massage, so dass es Gretchen fast innerlich zerriss. Ihre Hände krallten sich tief ins Bettlaken, zerwühlten es und sie stöhnte unkontrolliert auf. Das klang wie Musik in seinen Ohren und animierte ihn zu mehr. Mit einem frechen Grinsen im Gesicht rutschte Marc zwischen ihre Beine, streichelte diese und hauchte ihr immer wieder kleine Küsse über ihr dünnes Höschen und verfehlte nicht die Wirkung. Gretchen zitterte am ganzen Körper, drohte zu zerspringen vor Glück, hatte aber immer noch genügend Kraft, um ihre Finger in Marcs Haare zu krallen und seinen Kopf an ihr erregtes Becken zu drücken. Sie wollte ihn spüren. Die Wärme seines Atems, seine Zunge, seine Hände. Marc konnte ihr diesen Wunsch nicht verwehren. Er wollte es mindestens genauso sehr wie sie auch. Aber vorher galt es noch etwas zu tun. Also rutschte er kurz vom Bett herunter, befreite erst sich, dann sie von dem letzten störenden Kleidungsstück und machte es sich dann zwischen ihren Schenkeln bequem. Es dauerte nur Sekunden und Gretchen fand sich in ihrem persönlichen Traumparadies wieder. Sie ließ sich treiben, fühlte sich völlig schwerelos und schwamm auf dem Rücken auf einem Schokoladenfluss durchs Schlaraffenland. Immer dem Strom nach, der sie leitete. Dann plötzlich lag sie auf einer Zuckerwattewolke im rosaroten Himmel, breitete ihre Arme aus und schwebte über einer traumhaften märchengleichen Landschaft und landete schließlich auf einem zuckerglasierten Hügel direkt in den Armen ihres stattlichen Prinzen, der sie sofort in seine starken Arme schloss und sie mit einem innigen Schokokuss begrüßte.

Völlig fasziniert hatte Marc die Reaktion seiner träumenden Freundin auf sein Tun beobachtet und war, nachdem die ersten Wellen abgeklungen waren, küssenderweiser wieder nach oben gewandert. Sein Gesicht lag nun genau über ihrem, als Gretchen ihre strahlendblauen Augen öffnete und ihren Liebsten völlig gerührt anblickte. Ihre Blicke verschlangen sich, ließen einander nicht mehr los. Marc strich ihr eine kleine verirrte Freudenträne aus dem Gesicht, lächelte sie verliebt an und küsste sie ganz sanft auf den Mund, so wie ihr Prinz im Märchen gerade eben. Sie drehten sich anschließend auf die Seite und sahen sich minutenlang einfach nur an, studierten die Mimik und Gestik des jeweils anderen, lasen in den Augen des anderen, was dieser gerade dachte, fühlte, träumte, lächelten sich an und küssten sich wieder. Ganz sachte und zärtlich. Voller Liebe und mit einer stoischen Ruhe. Währenddessen streichelten sie sich ganz zärtlich. Erst strichen ihre Hände über ihre Gesichter, die immer noch sehr schokoladig waren, was beide zum Lachen brachte, dann über den Hals, die Schultern und die Arme entlang, bis sich ihre Hände schließlich fanden und sich ineinander verhakten. Wieder küssten sie sich. Inniglich und voller Gefühl. Schließlich blickte Gretchen Marc tief in die Augen und hauchte nur einen gänsehautauslösenden Satz ganz leise in sein Ohr, „Liebe mich, Marc!“, und drehte sich auf die Seite, so dass Marc nur noch ihre schöne Rückenpartie zu sehen bekam, auf der er nun mit der Fingerspitze verträumt ihre Wirbelsäule nachzeichnete. Er lächelte und strich ihr ihre völlig zerzauste Lockenmähne aus dem Nacken und senkte seine heißen Lippen direkt auf die empfindliche Hautpartie an ihrer Halsbeuge, was sie genussvoll aufseufzen ließ, während er ganz nah an sie heranrückte und sein Becken an ihren Po drückte. Sie spürte deutlich seine Erregung und biss sich auf ihre Unterlippe. Jeden Moment könnte es passieren. Ihre Aufregung und ihr Verlangen stiegen von Sekunde zu Sekunde an. Auch sie rieb nun ihren Po erwartungsvoll an seinen erhitzten Körper. Er stöhnte auf und umschlang ihren Traumkörper nun mit seinen Armen, wanderte mit seiner Hand über ihren Bauch, streichelte diesen und ging tiefer. Die andere hatte sich schon längst auf ihrem Busen platziert und knetete diesen gefühlvoll. Gretchen brachte sich in eine bequeme Position und stöhnte schließlich lustvoll auf, als sie Marc plötzlich in sich gleiten spürte. Ganz langsam und gefühlvoll stieß er in sie vor, folgte dem Takt von ihrem und seinem Herzen und ließ sich nun auch mit ihr zusammen in den rosaroten Himmel tragen, wo sie die Erfüllung fanden.

Arm in Arm dösten sie noch ein Weilchen glücklich in ihrem gemeinsamen Bett, kuschelten und schmusten miteinander, bis sie dann irgendwann doch aufstanden, Bettwäsche und schokobeschmierte Sachen in die Waschmaschine verfrachteten und anschließend die restlichen verräterischen Schokospuren auf ihren beiden Körpern auf sehr vergnügsame Art und Weise gegenseitig im Badezimmer beseitigen. Nach einem kurzen Frühstück um die Mittagszeit und einem anschließenden Haasschen Putzeinsatz in der Küche, nachdem Gretchen auch dort entsetzt ihre nächtlichen Spuren entdeckt hatte, weswegen Marc sie ständig amüsiert aufgezogen hatte, machte sich das Paar schließlich äußerst gut gelaunt auf den Weg zur Arbeit, die ihnen heute besonders leicht von der Hand ging.

Lorelei Offline

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21.12.2011 17:22
#1196 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo zusammen! Hach ich schmelze regelrecht dahin bei euren Kommis. Danke! Image and video hosting by TinyPic Aber ich muss euch leider erst einmal vertrösten, auch wenn ihr gerne noch etwas mehr Zucker bekommen hättet. Ich denke, wohl dosiert ist ganz gut so und ihr hattet ja auch genug Schokolade in den letzten Tagen. Nicht wundern, aber in den nächsten Teilen geht es etwas anders weiter als sonst. Und zwar mit einem kleinen Zeitsprung von ungefähr zwei Wochen und via Haasschen Tagebucheintrag mit einer Art Rückschau/ Zusammenfassung zu allem, was in der Zwischenzeit passiert ist, bevor es dann wie gewohnt mit dem neuen Kapiteln weitergeht. Viel Vergnügen und schönen Abend noch. Eure Lorelei




Mein liebes Tagebuch,

habe heute feierlich beschlossen, meinen Schokokonsum komplett und für immer und ewig einzustellen und ich habe auch schon eine passende Abnehmerin für meine ganzen Vorräte gefunden. Ich verrate lieber nicht, von welchen Dimensionen ich da spreche (ich war selber schockiert, was ich alles beim Schränke ausräumen gefunden habe)), weil ich dafür sonst noch einen auf den Deckel bekommen könnte. Von Lillys Vater. Hihi!

Aber ich muss einfach einen Schlussstrich ziehen und das nicht nur weil meine und Marcs Waage plötzlich zwei Kilo mehr angezeigt hat. Und daran ist allein ER schuld! Was hat der sich eigentlich dabei gedacht? Und ich mir erst? Hilfe! Seitdem... seit seiner Retourkutsche auf mein unorthodoxes nächtliches... Na ja... Äh... Du weißt schon. Das habe ich dir ja schon in aller Ausführlichkeit neulich berichtet. Aber Marc kann es einfach nicht lassen. Jedes Mal, wenn ich an einer Tafel Zartbitter nage oder am Frühstückstisch mein Messer in die Nutella tunke, kuckt der mich so komisch von der Seite an. Eindeutig mit seinem Sexblick! Das macht mich wahnsinnig.

Er benimmt sich so seit unserer ääähhh... Schlemmerstunde vor zwei Wochen. Wobei ich dazu sagen muss, dass sich daraus mittlerweile ein kleiner Schlemmermarathon entwickelt hat. Ich weiß auch nicht, wo sein Heißhunger auf einmal herkommt. Hat der verrückte Kerl doch neulich tatsächlich ein Schokoladenfondueset angeschleppt und mich damit in unsere Dachgeschosswohnung gelockt und - ich kann es kaum glauben, von den Erinnerungen ganz zu schweigen, denn mein Hirn hat sich schon nach dem Öffnen der Tür verabschiedet, als ich den brennenden Kamin, die vielen Kerzen, die Erdbeeren und den oberkörperfreien heißen Typen gesehen und die leckere Schokolade gerochen habe - verführt.

Das war sooooooooooo unglaublich und na ja... auf jeden Fall war es nicht so eine Schweinerei wie tags zuvor bei uns im Schlafzimmer. Ein Glück, dass ich die Schokoflecken aus meinen Sachen und der Bettwäsche rausgekriegt habe. Sonst hätte er sich aber was anhören können. Jawohl! Jedenfalls rennt Marc seitdem mit einem Dauergrinsen herum und kann seine eindeutig zweideutigen Anspielungen einfach nicht lassen. Das macht mich ganz wuschig, wo ich doch eh schon die ganze Zeit, also oft, äh... ab und an daran denken muss, wie wir äh... gesündigt haben.

Gestern stand ich mit Mehdi am Schokoautomaten und mein lieber Marc hat wieder so einen Spruch gemacht. „Na, darf ich auch mal knabbern?“ Er hat mich dabei mit seinem Sexblick regelrecht ausgezogen, dass mir ganz schwindelig geworden ist, und hat mir dann anzüglich zugezwinkert und einfach so von meiner Tafel abgebissen, hat mich anschließend wie irre abgeknutscht und war genauso schnell wieder verschwunden, wie er gekommen war. Ich muss dir wohl nicht erklären, wie Mehdi gekuckt hat. Der hat sich fast an seinem Schokoriegel verschluckt. „Seit wann steht der denn so auf Süßes, also mal abgesehen von dir, Gretchen“, hat er mich gefragt und ich bin wie eine rote Tomate angelaufen, habe ihm kommentarlos meine halbe Tafel Zartbitter überlassen und bin schnell in die nächste Toilette geflüchtet, um mich zu beruhigen. So ein blöder Idiot! Ich konnte mich später im OP gar nicht mehr so richtig konzentrieren, weil mein Oberarzt die ganze Zeit neben mir dreckig gefeixt hat. GGGRRR!!! Das hab ich ganz deutlich durch seinen Mundschutz gesehen.

Aber irgendwie, ich weiß auch nicht, ich denke noch gerne an diesen traumhaft schönen Morgen zurück, also jetzt nicht an das Aufwachen an sich, denn das war wirklich richtig ekelig, sondern an das danach, als Marc und ich... als wir uns, sagen wir mal so, versündigt haben. Hihi! Das war das letzte Mal in den letzten zwei Wochen, dass wir so richtig unbeschwert waren. Momentan beherrscht uns nämlich nur noch das Chaos und ich weiß gar nicht, wo mir der Kopf steht. Der Umzug schlaucht. Obwohl, nein, von Umzug kann noch gar keine Rede sein. Wenn das so weitergeht, dann sitzen wir noch in zwei Jahren auf unseren gepackten Kisten. Alles geht schief. Ich hoffe, das ist kein böses Ohmen.

Erst sind wir auf eine ziemlich zwielichtige Malerfirma reingefallen, die Jochen uns empfohlen hat. Das hätte mich gleich stutzig machen sollen. Ebenso die Vorauskasse. Aber Marc war nicht da und ich wollte unbedingt, dass die Arbeiten so schnell wie möglich losgehen. Als die dann aber am zweiten Tag nicht mehr erschienen sind und mit dem ganzen Geld für eine Woche Renovierungsarbeiten verschwunden sind, musste ich mir ganz schön was von ihm anhören. Macho! Jedenfalls haben sich dann meine Männer selbst ans Werk gemacht. Ja, auch die mit den beiden linken Händen, was handwerkliche Tätigkeiten aller Art betrifft. Papa hat Jochen nämlich die Löffel lang gezogen nach der Pleite mit den polnischen Malern und er musste bei uns Strafarbeit leisten. Sehr zu meinem und Marcs Vergnügen. Und sogar Mehdi hat einen Nachmittag mitgeholfen, obwohl er selbst gerade jeden zweiten Tag in seiner eigenen neuen Wohnung steht und renoviert. Er ist so ein Schatz. Und ja, ich habe auch fleißig den Pinsel geschwungen, damit wir schnell fertig wurden.

Unser Penthaus ist richtig toll geworden. Innerhalb von vier Tagen hatten wir alles geschafft. Helle sommerliche Farben dominieren nun alle Zimmer. Genauso wie ich es mir vorgestellt habe. Es ist schon richtig behaglich. Wenn wir Möbel hätten. Ja, du hörst richtig, liebes Tagebuch. Außer der Einbauküche vom Vormieter, die wir behalten wollen, einem alten Campingtisch und mehreren Kisten, die als Sitzgelegenheit dienen, und unserem Bett aus der alten Wohnung, das wir heute hier hoch gehievt haben und worauf ich es mir gerade gemütlich mache, herrscht noch gähnende Leere in unserem Traumappartement. Unsere bestellten Möbel sollen nämlich alle erst in sechs Wochen geliefert werden. Teilweise müssen sie sogar noch angefertigt werden. Super, das nenne ich doch mal Wohnen nach Wunsch. GGGRRR!

Dabei habe ich schon eifrig fast alles zusammengepackt. Ich konnte es einfach nicht lassen. Ich war so motiviert und habe mich so sehr gefreut, als wir den Kaufvertrag unterschrieben haben. Den Stress hätte ich mir sparen können. Nun leben wir quasi aus dem Koffer und unser altes Wohnzimmer im Erdgeschoss gleicht momentan einem wahren Kistenlager. Ich dachte, toll, jetzt, wo unsere Wohnung renoviert und bezugsfertig ist, kann es endlich losgehen. Unser neues Leben in unserem neuen gemütlichen Heim mit romantischen Kuschelstunden vorm Kamin. Von wegen! Jetzt herrscht kompletter Stillstand. Das ist so frustrierend. Und Marc ist mir auch nicht wirklich eine Hilfe.

Den scheint das gar nicht sonderlich zu interessieren. Dann dauert es eben noch was länger, hat er gesagt. Ist doch egal. Egal? Ich könnte mich jedes Mal so aufregen. Ich hantiere hier wie eine Irre, will uns ein gemütliches Zuhause schaffen, habe sogar Elkes verrückten Inneneinrichter, den sie uns als Einzugsgeschenk auf die Pelle hat rücken lassen, abgewimmelt und ihn kümmert es nicht. Er kümmert sich lieber um sein „Baby“. Seine blöde Habilitation. Wenn er nicht im OP ist, dann hockt er stundenlang in seinem Arbeitszimmer und schreibt sich die Finger wund. Ich finde es ja eigentlich auch toll, dass er so fleißig ist und das so schnell wie möglich über die Bühne bringen will, aber ich bin auch noch da. Ich will doch nur ein bisschen Liebe in diesem ganzen Chaos und keinen blöden Spruch wegen meinem übertriebenen Schokoladenkonsum, der wegen dem ganzen Frust wieder angestiegen ist.

Aber damit ist jetzt Schluss! Ob Mehdi mir böse ist, dass ich die Kiste mit den Süßigkeiten Lilly vererbt habe? Vielleicht will er sie ja selber haben? Mhm? Sie könnten ja auch teilen? Ich glaube, das eine Nutellaglas nehme ich aber noch raus. So zum Abschied. Und vielleicht auch noch die drei Kuhfleckentafeln. Und unbedingt die leckeren Pralinés, die Mama mir immer... Toll, wo bleibt eigentlich deine Standfestigkeit, Gretchen? Upps! Schlimm so was!

Jedenfalls, vielleicht sollte ich es Marc einfach gleich machen und mich auch in meine Arbeit stützen, solange es mit der Wohnung nicht weitergeht. Viel Zeit bis zu den Prüfungen im Frühjahr habe ich ja auch nicht mehr. Aber ich habe einfach nicht den Kopf frei für so was. Das Lernen geschieht so nebenher in der Klinik. Dort ist momentan die Hölle los. Grippewelle. Wir sind völlig unterbesetzt und die Notaufnahme quillt über, was auch an den blöden Winterverhältnissen auf den Straßen liegt. Wir haben jedenfalls viel zu tun. Aber so vergeht wenigstens die Zeit. Ich bin oft im OP, wo ich jetzt auch viel allein machen darf. Marc und Dr. Rössel beaufsichtigen mehr, als dass sie eingreifen müssten. Das fühlt sich unheimlich gut an und schenkt mir Selbstvertrauen.

Ich bin also zuversichtlich, dass ich zumindest das Kapitel „Facharzt“ schaffen werde. Aber ob wir bis dahin endlich ganz nach oben gezogen sein werden? Ich glaube bald nicht mehr daran. Aber einen Vorteil hat das Ganze dann doch. Die leere geräumige Dachgeschosswohnung wäre doch die perfekte Location für meine Überraschung für Sabine und Günni. Hihi! Aber ob Marc das gefallen wird? Der war schon nicht sonderlich begeistert, als er erfahren hat, dass er mich auf die Hochzeit der beiden begleiten muss. Aber ich bin nun mal die Trauzeugin von Sabine. Da muss er eben durch. Er hat gar keine andere Wahl. Außerdem ist er ja Günnis und Sabines Liebesengel. Er hat die beiden auf dem Speeddating zusammengebracht und er hat an Silvester Günnis Antrag gerettet, als Sabine vor Schreck umgefallen ist. Aber das Liebesengelargument kommt bei ihm, glaube ich, nicht so gut an, wenn ich ihn frage, ob wir... Mhm...

Lorelei Offline

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22.12.2011 14:54
#1197 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Ansonsten läuft alles ganz prima. Mehdi ist auch schon fleißig am Werkeln in seiner neuen Wohnung. Ich war zwar noch nicht da, aber so wie er und Lilly geschwärmt haben, muss sie toll sein. Trotzdem schade, dass wir uns jetzt doch noch um einen Nachmieter für unsere Erdgeschosswohnung kümmern müssen. Es wäre schon schön gewesen, sie hier bei uns in der Nähe zu wissen. Was wir alles zusammen hätten machen können? Hmm? Aber na ja, es sollte eben nicht sein. Jeder geht seine eigenen Wege und das ist auch gut so. Ich freue mich für Mehdi, dass er endlich da angekommen ist, wo er hinwollte. Irgendwie fügt sich mit einem Mal alles zusammen. Nach dem ganzen Chaos des letzten Jahres ist das wunderbar. Er kommt endlich zur Ruhe. Deshalb kann ich ihn auch vollends verstehen, dass er gleich Nägel mit Köpfen macht und mit Gabi zusammenzieht. Und für unsere Wohnung wird sich schon noch eine Lösung finden lassen. Ich habe die Wohnungsanzeige noch nicht raus gegeben, aber habe schon mal einen Zettel bei uns in der Klinik ans Schwarze Brett geheftet. Mal sehen, ob sich jemand meldet.

Doch auch bei Mehdi und Lilly verschiebt sich der Umzug in ihr neues Reich noch ein wenig. Auf ihnen lastet aber kein Fluch so wie bei uns. Nein, Annas Reha steht an und die beiden wollen sie zumindest für den Anfang begleiten. Damit ihr die Eingewöhnung leichter fällt. Das wird nämlich noch mal ein hartes Stück Arbeit für sie werden. Ich finde das so großartig von Mehdi, dass er das macht, obwohl sie nicht mehr zusammen sind und nachdem, was sie ihm in der Vergangenheit alles angetan hat. Dafür bewundere ich ihn richtig. Er hat seiner Frau tatsächlich verziehen und hilft ihr, wo er nur kann. Ich denke, das könnte nicht jeder. Also ich wüsste nicht, ob ich das könnte, wenn ich in so einer ähnlichen Situation gesteckt hätte. Es gibt einfach Dinge, die kann man nicht... Ich hab schließlich gesehen, wie Mehdi all die Monate gelitten hat und es hat mir fast das Herz zerbrochen, ihn so zu sehen. Aber ich will Anna nicht verurteilen. Ich habe auch kein Recht dazu. Sie hatte Angst und wusste sich nicht anders zu helfen. Ich habe mich mit ihr auch lange darüber unterhalten. Sie bereut zutiefst, was sie getan hat und würde alles tun, das rückgängig zu machen, wenn sie könnte.

Und ich denke, die drei brauchen die Zeit miteinander. Mehdi will Lilly damit unbedingt eine Freude machen. Quasi ein letzter gemeinsamer Familienurlaub, hat er gesagt und er will in den zwei Wochen auch noch viel mit Anna klären. Wegen der Scheidung und Lilly und wie es dann nach der Reha mit ihr weitergeht. Anna wird nämlich seine alte Wohnung übernehmen. Und einen Job hat sie auch schon in Aussicht. Ich habe Anna nämlich erzählt, dass wir damals, als Marc und ich Mehdi bei der Spurensuche nach ihr geholfen haben, auf eine alte Kollegin von ihr gestoßen sind, die den Absprung aus dem Milieu ebenfalls geschafft hat. Diese Sonja Krause hat Anna auch schon im EKH besucht und ihr angeboten, dass sie für den Anfang bei ihr in der Cocktailbar kellnern könnte, bis sie weiß, was sie mit ihrem Leben anstellen will. Ich denke, gerade das und weil wir alle für sie da sind und sie unvoreingenommen behandeln, mit Ausnahme von Marc, der immer einen bescheuerten anzüglichen Spruch auf den Lippen hat, hilft ihr ungemein, wieder auf die Beine zu kommen. Sie wird es schaffen.

Es ist schon erstaunlich, wie schnell Anna Fortschritte gemacht hat. Die Physio hat wahre Wunder bewirkt. Die Blockade hat sich gelöst. Das Gefühl ist komplett zurückgekehrt. Sie kann sogar schon wieder stehen und kleine Schritte gehen, wenn sie gestützt wird. Unsere Arbeit ist damit eigentlich getan. Ich glaube fast, sie ist auch der Grund, warum Marc sich gerade so sehr in das Thema seiner Dissertation reinhängt und jeden neuen Artikel auf diesem Gebiet verschlingt, als hinge sein eigenes Leben davon ab. Wir haben nämlich noch einen ähnlichen Fall vorletzte Woche reinbekommen. Bei dem Patienten, ein junger Sportler, Mitte zwanzig, vom Hals abwärts gelähmt, stehen die Chancen nicht so gut wie bei Anna, aber Marc versucht alles, ihm zu helfen. Ich bin so stolz auf ihn.

Aber zurück zu Anna Kaan, es ist jedenfalls toll, dass es mit ihrem Rehaplatz so schnell geklappt hat. Zwar nicht wie gewünscht in der renommierten Klinik in Potsdam, aber dafür im wunderschönen Vogtland. Das ist auch einer der Gründe, warum Mehdi seine Tochter nicht alleine in den Winterferien dorthin reisen lässt. Dr. Stier hat sich mächtig reingehangen, dass Mehdis Frau dort einen freien Platz bekommt. Ein Kollege von früher leitet dort nämlich das Rehazentrum. Ich denke, ich muss meine Vorurteile Cedric gegenüber zurücknehmen, obwohl mich schon wundert, warum er und Anna so dicke miteinander sind. Mhm? Er kann eben gut mit Patienten, denke ich, im Speziellen mit den weiblichen. Ich hoffe, Marc lässt auch irgendwann seine Eifersüchteleien und spitzen Kommentare sein. Wir sind doch alle erwachsene Leute. Aber er geht ihm betont aus dem Weg, ignoriert ihn regelrecht, um jegliche Konfrontation zu vermeiden.

Maria macht es übrigens genauso. Hihi! Das ist so süß. Also bei ihr, nicht bei Marc. Die beiden benehmen sich wie kleine verliebte Kinder. Betont professionell im Umgang miteinander, wenn es sich nicht vermeiden lässt, und ansonsten sehr oberflächlich gehalten. Aber in ihrem Innern tobt wahrscheinlich ein großer Vulkan. Wenn er doch nur endlich ausbrechen würde. Ich würde es Maria so sehr wünschen nach der Pleite mit Mehdi. Aber ich kann sie auch verstehen. Nach den Erfahrungen der Vergangenheit hat sie Angst, sich wieder ganz auf Cedric einzulassen, auch wenn sie das nie im Leben offen zugeben würde. Und was sie so erzählt hat, dass er mit seiner neuen Frau dieselben Fehler gemacht hat, lässt diese Unsicherheit natürlich weiterhin bestehen. Obwohl ich denke, jetzt, wo ihn diese unmögliche Person mit dem Kind hat sitzen lassen - wer macht so was -, scheint er endlich aufgewacht zu sein.

Ich hab ihn neulich beobachtet, als ich in der Kinderchirurgie zu tun hatte. Er hatte mit seiner kleinen Tochter einen Kontrolltermin bei der Kinderärztin und hat sich unheimlich süß um seine Kleine gekümmert. Das habe ich Maria später im OP erzählt, aber sie wollte nichts davon wissen. Wahrscheinlich erinnert sie das Kind auch an das, was er ihr damals mit der Nanny angetan hat. Das ist wirklich eine verzwickte Situation. Aber wenn man sich wahrhaft liebt, meistert man auch diese Hürden. Und die beiden lieben sich. Das sieht sogar ein Blinder mit Krückstock. Sabine hat auch schon Schwingungen aufgenommen. Sie müssten nur dazu stehen und mit den albernen Kinkerlitzchen aufhören. Ich weiß schließlich aus eigener Erfahrung, wie so ein ewiger Hummeltanz abläuft. Er stresst und bringt gar nichts. Außer vielen Tränen und bösen Worten. Sie sollten einfach miteinander reden. Vielleicht würde das so einige Missverständnisse klären. Aber Maria ist einfach zu stur und stolz und Cedric zu sehr Macho, um auf sie zuzugehen. Das kommt mir irgendwie bekannt vor.

Na ja, momentan halten sich beide betont zurück, aber wenn man genauer hinsieht und ihre Blicke studiert, die immer einen Tick länger auf dem anderen ruhen, als sie vielleicht gewollt sind, merkt man schon, was da zwischen den beiden abgeht. Ich bekomme ja schon allein vom Zukucken Herzklopfen. Hach... Die beiden stehen sich einfach selbst im Weg. Und wahrscheinlich habe ich auch noch eine gehörige Portion dazu beigetragen.

Ich bin so eine blöde blinde Kuh. Wenn ich gewusst hätte, wie weit Maria schon in der Sache mit Cedric involviert ist, ich hätte doch nie... Das war ja auch eher ein Zufall, dass ich... Ich meine, ich habe mir wirklich den Kopf zermartert, wen ich auf ihre blöde Liste setzen könnte. Wie sich das anhört, ihre Liste? Als ob ich von der Partnervermittlung wäre. Für die schwer vermittelbaren Fälle. Hihi! Nein, das ist sie nicht. Aber Maria wollte das doch unbedingt. Sie hatte Sabine richtig verschreckt mit ihrer etwas unkonventionellen Forderung neulich im Schwesternzimmer. Ich habe Tage gebraucht, um ihr zu erklären, dass Dr. Hassmann einfach nur überarbeitet war. Sabine hat mir aber erst geglaubt, als das auch in Marias Horoskop stand. Da standen übrigens noch so einige Dinge mehr. Hihi!

Jedenfalls war dann da plötzlich seine Mail in meinem Postfach und ich dachte mir, wieso eigentlich nicht. Wenn er gerade in Berlin ist. Und ich weiß ja, wie charmant er sein kann. Ein paar Schmeicheleinheiten und Seelenstreichelleien würden Maria sicherlich gut tun, habe ich mir gedacht. Ich wollte ihr doch nur helfen. Das war doch eindeutig ein Hilfeschrei von ihr gewesen. Also ein kleiner. Mit öffentlichen Gefühlsbekundungen hat sie es ja nicht so. Sie hat sich ja auch eigentlich sehr bedeckt gehalten bei unserem Gespräch über Cedric. Sie hat sich eher darüber aufgeregt, dass der arrogante Kerl sie nicht in Ruhe lassen würde, seitdem sie miteinander ähm... gepunktpunktpunkt haben. Diese Information war dann wohl die größte Überraschung für mich gewesen. Deshalb habe ich ja auch ein Glas Wein nach dem anderen runtergekippt, weil ich es einfach nicht fassen konnte. Ich hatte doch die ganze Zeit gedacht, die Sache mit Mehdi würde sie so runterziehen. Dabei war es die ganze Zeit schon er gewesen. Wegen ihm ist sie damals von einem Tag auf den anderen in den Weihnachtsurlaub nach Österreich abgehauen. Welch ein Glück! Sonst wäre sie nicht auf Anna und Lilly getroffen und... Aber ich schweife schon wieder ab.

Es war jedenfalls alles schon zu spät gewesen, um den Plan noch rechtzeitig zu stoppen. Ich hatte Maria von ihm erzählt und sie bestand jetzt regelrecht darauf, ihn unbedingt kennen lernen zu wollen, vor allem nach Cedrics plötzlichem Auftauchen bei ihr in der Wohnung. Gott, das hat vielleicht geknistert, kann ich dir sagen. Aber Maria ist offenbar immun gegen so was. Also zumindest was Cedric betrifft. Nicht IHN! Vielleicht hätte ich auch nicht so sehr über ihn schwärmen sollen? Oder ich hätte es gleich bei Dr. Fuchs oder Günnis Cousin belassen sollen? Aber es ist nun mal so gekommen, wie es kommen musste. Das passiert wohl, wenn man dem Schicksal ein Schnippchen schlagen will. Ich habe Maria mit Sven bekannt gemacht. Meinem Sven!

Lorelei Offline

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23.12.2011 21:58
#1198 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Na verwirrt? Offenbar nicht, denn ihr kennt ihn noch. Ihr habt euch zwar Marc Sloan gewünscht , aber ich hatte schon länger jemand ganz anderen im Sinn. Den charmanten schwedischen Austauschschüler, der Gretchen zumindest für eine Weile von einem ganz bestimmten gemeinen jungen Mann abgelenkt hat und der auf dem Klassentreffen vor ein paar Monaten einen eindrucksvollen Auftritt hingelegt hat. Wie das Treffen mit Maria abgelaufen ist, erfahrt ihr jetzt und noch so einiges mehr. Das ist übrigens der letzte Rückblicksteil, bevor es nach Weihnachten mit der eigentlichen Handlung weitergeht. Falls wir uns nicht noch mal lesen, wünsche ich euch schon einmal wunderschöne Weihnachtstage. Eure Lorelei




Ich habe jetzt noch so ein schlechtes Gewissen deswegen. Also jetzt wegen der Situation, allgemein, nicht wegen Sven. Der ist toll, war er schon immer, und Maria war ja auch gleich Feuer und Flamme gewesen. Er kann halt auch so schön eloquent reden. Und der süße schwedische Akzent dazu. Hihi! Ein Mann von Welt eben, aber auch immer noch der Junge vom Schulhof. Hach... Da werden Erinnerungen wach. Aber ich sollte lieber nicht so sehr schwärmen. Wenn Marc das liest, bin ich dran. Dabei war ja da auch nichts.

Maria und ich waren gestern zusammen auf dem Internationalen Fachkongress der Orthopäden, wo Dr. Sven Sørenson aus Göteborg als einer der Hauptredner einen Vortrag gehalten hat. Sehr spannendes Thema übrigens. Eigentlich die ganze Tagung. Wir waren etwas früher da und haben auch noch bei einem anderen Kollegen reingeschnuppert, der über... Ach egal, das würde dich sicherlich nur langweilen. Sven hat sich natürlich sehr gefreut, mich wieder zu sehen. Ich glaube, er kam auch einmal kurz ins Straucheln während seines ansonsten sehr souveränen Vortrags, als er mich im Publikum entdeckt hat. Ich habe Maria nämlich gegen ihren Willen in die erste Reihe geschleift. Ich weiß gar nicht, wieso sie sich so geziert hat. Bei Marcs Vorträgen oder Vorlesungen setze ich mich auch immer in die erste Reihe. Alte Gewohnheit aus der Schulzeit. Da habe ich auch immer direkt vorm Lehrerpult gesessen. Ich hatte Sven zwar auf seine Mail hin zurückgeschrieben, dass ich auf jeden Fall zu seiner Tagung kommen würde, aber ich musste ja noch den Faktor „Marc Meier“ kalkulieren und der ist bekanntermaßen unberechenbar. Und das weiß Sven auch. Aber so war die Überraschung für ihn umso größer. Hab ich dir schon beschrieben, wie toll er immer noch aussieht?






Sven Sorenson


Quelle: Google Pics



Jedenfalls haben wir nach seiner Präsentation kurz miteinander geplaudert. Ich habe ihm Maria vorgestellt und wir haben uns für später noch auf einen Kaffee verabredet. Er wurde dort nämlich von allen möglichen Leuten in Beschlag genommen. Sein Vortrag wurde begeistert aufgenommen. Ich bin richtig stolz auf ihn, dass er so eine Karriere gemacht hat. Aber zurück zum Treffen. Anfangs hatte er natürlich nur Augen für mich, was Maria ziemlich genervt hat. Sie hat sich wohl als fünftes Rad am Wagen gefühlt und nicht im Mittelpunkt zu stehen, kann sie ja gar nicht ab. Aber Sven konnte es einfach nicht lassen, mit mir zu flirten. Alter Charmeur! Das habe ich Marc wohlweißlich lieber nicht erzählt. Der war schon grummelig genug, dass ich überhaupt zu Svens Vortrag gehen wollte. Aber als er mitbekommen hat, dass Maria auch mitkommt, war er zumindest etwas beruhigt. Mal abgesehen von dem Kreuzverhör gestern Abend, als ich nach Hause gekommen bin. Dass er auch immer noch so eifersüchtig auf meinen Exfreund ist. Unfassbar! Gut, die Nacht nach dem Klassentreffen ist uns wohl allen noch sehr im Gedächtnis geblieben. Sven musste die natürlich auch gleich noch Maria weitererzählen. Super! Und wie stehe ich jetzt da?

Aber diese Geschichte war ein Eisbrecher bei den beiden. Ich habe mich dann nach einer Weile dezent zurückgezogen, als Maria und Sven sich dann doch noch angenähert und angeregt miteinander unterhalten haben. Ich habe keine Ahnung, wie das Blind Date noch weitergegangen ist. Maria hat mir auf meine Sms nicht geantwortet. Ich hatte jedenfalls ein furchtbar schlechtes Gewissen, als ich heute Morgen neben Dr. Stier im Aufzug stand und er mich auch noch ausgerechnet wegen dem Symposium ausgefragt hat. Woher wusste er das? Hat Maria ihm etwa davon erzählt? Oh Gott, was habe ich da bloß angerichtet? Ich hoffe, die beiden sind nicht... Aber Sven ist eigentlich nicht der Typ, der gleich... Also früher zumindest nicht. Und Maria? Äh... lieber nicht darüber nachdenken. Das ist alles so verdammt verzwickt. Dabei würden Maria und Cedric doch so viel besser zusammenpassen. Also jetzt nichts gegen Sven, der ist natürlich toll, aber... Ach ich weiß doch auch nicht. Ich glaube, ich werde mit ihm noch mal ein Wörtchen reden müssen. Er bleibt ja noch drei Wochen hier in Berlin, um alte Freunde und seine ehemalige Gastfamilie zu besuchen. Das wollte er gleich mit dem Kongress verbinden.

Aber genug davon. Das zieht mich sonst nur noch mehr runter. Ob ich Maria noch einmal eine Sms schreiben soll? Nein, lieber nicht. Wer weiß, was ich mir dann wieder anhören müsste. Und im Grunde genommen geht mich das ja auch nichts an. Ich darf mich nicht einmischen. Bei ihr und Mehdi habe ich mich auch eingemischt und wir wissen ja, wie das geendet ist. Verkuppeln ist wohl doch nicht so meins. Mhm...

Was war noch? Ach so! Zumindest bei einem Pärchen läuft es momentan super. Ohne Komplikationen, Missverständnisse oder Liebeskummer. Also mal abgesehen von dem glücklichen Brautpaar Vögler-Gummersbach, bei dem zwei Wochen vor ihrer Traumhochzeit noch immer kein Hauch von Nervosität aufkommt. Ich glaube, ich wäre schon längst ein komplettes Nervenbündel, aber die beiden ruhen in sich selbst und schweben wie auf Wolken durchs Krankenhaus. Die zwei sind so putzig. Ich freue mich so für Sabine und dieses Mal macht der Trauzeuginnenjob auch richtig Spaß. Ich bin schon so was von gespannt, wie die beiden die Überraschung aufnehmen werden. Es hängt zwar alles noch etwas in der Waage, aber das Konzept steht. Ich habe neben Maria, die sich von mir dazu genötigt fühlt, auch noch weitere Helfershelferchen gefunden. Meine Mutter für das Kulinarische, Oberschwester Stefanie für die Kostüme und Kate für die Musik und das Ambiente. Ich hätte auch Gabi gefragt, weil sie und Sabine neuerdings auch so dicke miteinander sind, aber in Anbetracht der Verwicklungen zwischen ihr und Maria habe ich das lieber gelassen. Sie ist ja eh gerade im Umzugsstress. Ansonsten ist eigentlich der Großteil organisiert. Ich weiß nur noch nicht so genau, wie wir das Brautpaar in unsere Pläne einweihen werden. Wohl eher spontan? Ich hoffe, es kommt an. Und... Oh! Da fällt mir ein. Ich muss da ja noch etwas Entscheidendes klären. Mit Marc. Da werde ich wohl doch noch mal zum Schokofondue greifen müssen. Hihi!

Wo war ich? Ach so bei den Top-Liebespaaren im EKH. Neben mir und Marc natürlich. Hihi! Mehdi und Gabi sind auch so süß zusammen. Es ist einfach faszinierend, die beiden zu beobachten. Also nicht, dass du denkst, ich würde spannen. Nein, ich schaue mir Liebespaare eben gerne an. In Filmen wie auch in der Realität. Und die zwei sind so was von verliebt. Da könnte man echt neidisch werden, wenn ich nicht auch so wahnsinnig in Marc verliebt wäre. Hihi! Mehdi treibt sich neuerdings auffällig oft bei uns in der Notaufnahme herum, weil Gabi da gerade aushilft. Wenn man mal einen Moment weggeschaut hat, hängen sie im nächsten Moment schon zusammen, schäkern, flirten und küssen sich und das nimmt dann meist kein Ende mehr. Ich hätte anfangs wirklich nicht gedacht, dass das mit den beiden länger hält. Ich gebe es ehrlich zu und Mehdi weiß das auch. Das lag vielleicht auch daran, dass ich auf Marias Seite war und sie... nun ja... Jetzt, wo ich weiß, wie sie sich von ihrem Kummer abgelenkt hat, denke ich eben anders. Schon interessant, dass sie sich ausgerechnet in Cedrics Arme geflüchtet hat. Dass ihr das nicht zu denken gibt. Hihi!

Aber zurück zu Gabi. Mittlerweile habe ich meine Meinung über sie geändert. Sie ist aufgeschlossener und offener geworden. Unsere Zusammenarbeit in der Ambulanz läuft reibungslos ohne Probleme oder die üblichen Zickereien. Ich würde fast behaupten, sie macht Spaß. Schwester Gabi scheint auch endlich Freude an ihrem Beruf gefunden zu haben. Das hat man ihr früher nicht so angemerkt, wo ich mich immer gefragt habe, wieso eine Frau wie sie ausgerechnet Krankenschwester geworden ist. Die Beziehung mit Mehdi tut auch ihr sichtlich gut. Aber ich denke, er hätte sie schon lieber zurück in der Gyn. Ich weiß echt nicht, was sich Oberschwester Stefanie bei der Planung gedacht hat. Und dann ausgerechnet meine Mutter in die Gyn zu schicken. Die ist dort doch vollkommen deplaziert. Wobei, das ist sie eigentlich überall im Krankenhaus, um es mit den Worten meines Vaters zu sagen. Ich weiß, das ist gemein, aber es ist nun mal so. Ich verstehe es auch nicht, warum sie kurz vor Papas Rente noch unbedingt mit einer Ausbildung angefangen hat.

Aber Menschen zu helfen, scheint neuerdings Mamas Erfüllung zu sein. Aber kann sich mich dabei außen vor lassen? Kam sie doch tatsächlich nach ihrem ersten Arbeitstag bei Mehdi zu mir und meinte, „ach Kind, meinst du nicht, dass es endlich an der Zeit wäre“. Ich wusste im ersten Moment gar nicht, worauf sie hinaus wollte. Ich war gerade dabei Berichte zu schreiben und Marc ist ziemlich pingelig, dass ich das auch ordentlich mache. Bis sie dann weiter ziemlich theatralisch sagte, „eine Geburt ist so ein einschneidendes und wunderbares Erlebnis“, und anfing zu weinen. Ich hoffe nicht, dass sie das im Kreißsaal auch gemacht hat. Ich traue mich gar nicht, Mehdi danach zu fragen, aber ein Blick in sein Gesicht spricht tausend Bände. Er ist genervt. Und ich erst. Ich habe ihr jedenfalls noch einmal eindringlich erklärt, dass Enkelchen noch lange, lange, lange nicht geplant sind. Wir sind doch noch nicht mal richtig umgezogen, leben gerade im völligen Chaos, arbeiten an unseren Karrieren und haben kaum Zeit für uns alleine. Das hat sie dann doch irgendwie verstanden. Bis sie mich am nächsten Tag per Pieper zum Säuglingszimmer bestellt hat und mir jedes Neugeborene einzeln vorgestellt hat.

GGGRRR!!! Meine Mutter! Wieso muss sie das auch immer an mir auslassen? Sie sollte sich lieber mal Jochen vorknüpfen. Diesen Schlawiner! Auf den bin ich im Moment nämlich echt schlecht zu sprechen. Ich verstehe ihn einfach nicht. Da habe ich mir wirklich Mühe gegeben, um ihm ein bisschen Glück in sein unaufgeregtes Leben zu bringen und was macht der Idiot? Zieht feige den Schwanz ein. Ich habe echt gedacht, die Geschichte mit Chantal lehrt ihm ein bisschen Verantwortungsbewusstsein. Von wegen. Ich hätte es gar nicht mitbekommen, wenn ich nicht zufällig Chantal begegnet wäre. Sie hat am Montag bei uns im Krankenhaus in der Orthopädie als Praktikantin angefangen und betreut Anna Kaan mit bei ihrer Physiotherapie. Während die sich abgequält hat, sind wir etwas ins Plaudern geraten. Ich habe nur ganz beiläufig gefragt, wie es denn mit Jochen so läuft, weil ich ihn auch schon länger nicht mehr gesprochen habe, und sie hat mich ganz verdutzt angekuckt und gemeint, sie hätte ihn seit Mehdis Geburtstag nicht mehr gesehen. Ist das zu fassen?

Ich habe ihn mir natürlich sofort vorgeknöpft und im Schwesternzimmer ordentlich zur Schnecke gemacht. Er meinte nur trotzköpfig, dass mich das nichts angehen würde. Das sei sein Leben. Er hätte das mit Chantal noch nicht definiert. Nicht definiert! Was soll das denn heißen? Entweder man liebt oder man liebt nicht. Meine Meinung. Und er war doch so verknallt in sie gewesen. Er kann mir nicht erzählen, dass er das nicht mehr wäre. Er müsse selber erst einmal mit der Tatsache klarkommen, dass sie ein Baby hat, hat er noch kleinlaut gesagt. Ich hätte kein Recht, ihm Vorwürfe zu machen. Er sei nicht der Vater und Kinder stünden eben noch nicht auf seinem Lebensplan, wenn überhaupt.

Was denn für ein Lebensplan? Sich von Mama hinterher räumen zu lassen und von Papa den Doktortitel zugeschrieben bekommen. GGGRRR! Das macht mich so wütend. Leider ist Chantal genau in dem Moment ins Schwesternzimmer gekommen und gleich ziemlich geknickt wieder abgerauscht. Sie tat mir so leid. Jochen ist ihr dann hinterher. Keine Ahnung, ob er das wieder hingebogen hat. Ich hoffe nicht. Chantal hat echt jemand Besseres verdient als meinen kleinen Bruder. Sie ist so eine starke Persönlichkeit und trotz ihres jungen Alters Jochen meilenweit voraus. Wieso können Männer eigentlich nie erwachsen werden? Darüber sollte mal eine Studie verfasst werden. Vielleicht mache ich das mal. Das würde bestimmt reißenden Absatz finden. Na ja, zumindest bei Marc habe ich es ja geschafft. Oh Gott, wenn man bedenkt, wie lange ich dafür gebraucht habe, bin ich wohl doch kein gutes Vorbild.

Apropos Marc! Wo der nur bleibt? Der Flieger von Elke und Olivier müsste doch schon längst gelandet sein. Die beiden kommen heute nämlich aus ihren zweiten Flitterwochen aus Südfrankreich zurück und Marc wollte sie vom Flughafen abholen. Hach... ich bin schon so gespannt, was er über die beiden zu berichten hat. Es ist gleich achtzehn Uhr. Eigentlich hat er gesagt, er wäre gegen halb sechs zurück. Hmm... Na ja, wahrscheinlich ist mal wieder Stau. Marc bringt die beiden ja noch nach Grünewald raus und das ist auch noch ein langer Weg zurück. So habe ich noch etwas Zeit. Ob ich...? Vielleicht sollte ich doch so langsam mal etwas zum Abendessen machen? Ich werde mal fragen gehen. Ach das habe ich dir ja noch gar nicht gesagt. Wir haben doch Besuch. Und um den sollte ich mich mal wieder kümmern. Nicht dass man noch denkt, ich sei eine schlechte Gastgeberin.

Also, liebes Tagebuch, dann bis bald mal wieder,

dein Gretchen.

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.274

27.12.2011 10:42
#1199 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo ihr Lieben , ich melde mich zurück. Ich hoffe, ihr habt alle ein schönes ruhiges Weihnachtsfest verlebt. Nun steht also tatsächlich schon die letzte Woche des Jahres an. Und was steht bei Gretchen Haase an? Wer ist überhaupt bei ihr zu Besuch? Meine liebe Kate hatte mal wieder den richtigen Riecher. Viel Spaß! Eure Lorelei




Gretchen schlug ihr rosa Tagebuch endlich zu, in dem sie in den letzten Minuten vertieft gewesen war, drückte es noch einmal kurz an ihrer pochende Brust, schmunzelte und versteckte es anschließend schnell in ihrer ebenso rosafarbenen Handtasche und krabbelte dann mit einem vergnügten Grinsen auf ihren dezent geschminkten Lippen von dem gemütlichen Kingsize-Bett herunter - dem einzigen Möbelstück in dem ansonsten noch leeren Schlafzimmer in Marcs und ihrer neuen Traumwohnung unterm Dach - und kuckte neugierig die Holztreppe hinunter, die in den Wohnbereich führte...

Gretchen: Lillyfee? Wo steckst du denn? Wollen wir etwas zu essen machen? Marc kommt bestimmt gleich nach Hause.

Als nicht gleich eine Antwort von Mehdis süßer Tochter zurückkam, auf die Marc und Gretchen versprochen hatten, heute Abend und die darauf folgende Nacht aufzupassen, weil der charmante Gynäkologe seine neue Freundin auf den Abschlussball ihres gemeinsamen Tanzkurses schick ausführen und damit ein Geburtstagsgeschenk von Gabi einlösen wollte, ging die schöne Assistenzärztin langsam die Stufen der knacksenden Treppe hinunter und blieb in der Diele stehen und schaute sich in dem geräumigen Appartement um. Von Lilly Kaan war keine Spur. Nur ihr Malzeug lag wild verstreut überall in dem noch weitgehend unmöblierten Wohnzimmer herum. Sogar die einzelnen noch teilweise unausgepackten Umzugskisten trugen nun ihre Handschrift, denn das neunjährige Mädchen hatte sie mit bunten Farben bekritzelt. Gretchen schmunzelte, als sie auf einem der Kartons ein Abbild von Marc erkannte, und sammelte Lillys Sachen schnell zusammen und legte sie auf die Anrichte in der offenen Küche und rief erneut nach der frechen Künstlerin: „Lilly, Bärchen?“ Jetzt hörte die blonde Nanny auch endlich Lillys dünnes Stimmchen aus dem hinteren Bereich der großen Dachgeschosswohnung antworten und folgte ihrem Klang.

Lilly: Ich bin HIER, Gretchen!

Gretchen musste lachen, als sie registrierte, wo sich Mehdis kleine Tochter verkrochen hatte, und öffnete die nur angelehnte Tür zu diesem rosaroten Reich, an dem Lilly und sie den ganzen Nachmittag fleißig gearbeitet hatten. Sehr zum Unwillen von Marc Meier, der mit so viel geballter überlegener weiblicher Kitschigkeit nicht umzugehen gewusst hatte und ohne großes Murren schließlich nachgegeben hatte. Er hätte eh keine Chance gegen die zwei Verschwörerinnen gehabt. Sollte Gretchen doch ihr rosa Mädchenzimmer bekommen. Er hatte schließlich auch auf sein Spielezimmer mit Zugang zu seinem neuen Arbeitszimmer bestanden, das aber noch nicht annähernd so bezugsfertig war wie die kitschig-romantische Haassche bzw. jetzt Lillyfee-Welt.

Irgendwie war er aber die ganze Zeit das Gefühl nicht mehr losgeworden, dass seine Süße damit indirekt ein Kinderzimmer einrichtete und nicht ihr persönliches Arbeits- Schrägstrich Gästezimmer, wie sie stets betonte. Es schien nämlich die perfekte Kopie ihres alten Zimmers bei ihren Eltern zu sein. Nur die Tauben an den Wänden fehlten noch, aber das hatte er mit tatkräftiger Unterstützung von Lilly, die das auch sehr albern gefunden hatte, zum Glück abgewehrt. Die ganze Aktion hätte ihm aber trotzdem zu denken geben müssen. Aber der Skeptiker vom Dienst hatte die spontane Umdekoration auf Gretchens mädchenhafte Verspieltheit geschoben und weil die hübsche Babysitterin Lilly unbedingt eine Freude machen wollte. Hauptsache die beiden waren beschäftigt und nervten ihn nicht. Und so oft würde Lilly doch nicht bei ihnen übernachten oder? Der Machoarzt hatte jegliches Nachfragen wegen des Zimmers sicherheitshalber unterlassen, bevor er noch in etwas hineingezogen würde, mit dem seine Schwiegermutter in spe ihn seit Tagen nervte und in den Wahnsinn trieb. Welcher Idiot hatte die eigentlich auf die Gyn abkommandiert? Es war ja klar gewesen, dass die dann auf dumme Gedanken kommen würde. Ein Albtraum. Aber er würde cool und standhaft bleiben.

Marc hatte jedenfalls kleinbeigegeben und sich den Frauenflüsterer geschnappt, als dieser gerade die kleine Kröte abgeliefert hatte und hatte mit dessen tatkräftigen Unterstützung neben dem Bett fürs gemeinsame Schlafzimmer auch noch ein paar von Gretchens alten Sachen - auch das unübertroffen hässliche Pferdekopfnachtschränkchen - vom Keller bis ins Penthouse geschleppt, damit Lilly sich hier häuslich einrichten konnte. Natürlich nur für diese EINE Nacht, in der der Halbperser einen auf Patrick Swayze machen wollte und sein „Baby“ verführte, äh... zu so einem albernen Tanzabend, weiß der Geier, entführte. Das würde hoffentlich nicht zur Gewohnheit werden. Er war schließlich ein renommierter Oberarzt und kein Babysitter einer völlig verzogenen Göre. Diese hatte jedenfalls darauf bestanden, unbedingt in dem neuen Appartement schlafen zu wollen und Marc, er wusste selbst nicht warum, hatte ihr diesen Wunsch einfach nicht abschlagen können. Nun hatte er den Salat.

Und so hatte der mürrische Chirurg missmutig ertragen, wie die beiden Hühner die Farbtöpfe ausgepackt und damit begonnen hatten, die noch unberührten Wände dieses kleinen Zimmers mit dem großem Panoramafenster, das auf die Dachterrasse zeigte, in einen Hauch von Barbierosa zu tauchen und ihn gleich mit, als Lilly mit dem Pinsel ungeschickt ausgeholt und dabei seine Nasenspitze und seinen neuen Marco-Polo-Pullover gleich mit beschmiert hatte. Marc war ruhig geblieben. Er war aufgestanden und gegangen. Wie gut, dass er dieser rosa Kitschhölle schnell entrinnen konnte, um seine Eltern vom Flughafen abzuholen.

Und nun lag die kleine Malerin mit ihren beiden frechen Pippi-Langstrumpf-Zöpfen, frisch umgezogen - wie gut, dass ihr Papa ihr Sachen zum Wechseln mitgegeben hatte -, bäuchlings in Gretchens altem Prinzessinnenbett, das mit deren rosafarbener Lieblings-Hello-Kitty-Bettwäsche bezogen war, und kritzelte konzentriert in einem A5-großen Buch herum. Ihre Nanny war derweil an der Tür stehen geblieben und stutzte...

Gretchen: Was machst du denn da, Lilly?

Lilly zuckte erschrocken zusammen und schlug schnell ertappt das kleine Büchlein zu und schob es samt rosa Puschelstift unter ihr großes Kopfkissen. Dann drehte sie sich langsam zu ihrer Lieblingsbabysitterin um, biss sich auf ihre Unterlippe und sah sie mit einem verlegenen Lächeln an. Gretchen schmunzelte nur. Ihre wachen Augen hatten natürlich genau erfasst, was die süße Maus gerade gemacht hatte. Schon faszinierend, wie ähnlich sich die beiden doch waren. Wenn man es nicht besser wüsste, dann könnte man fast denken, sie wären Mutter und Tochter. Aber das war rein biologisch natürlich nicht möglich. Aber der Gedanke, dass ihre eigene Tochter, die sie vielleicht irgendwann einmal mit Marc haben würde, später auch einmal solche ähnlichen Züge aufweisen würde, machte Gretchen glücklich.

Gretchen: Du schreibst auch Tagebuch?
Lilly (errötet u. springt schnell vom Bett auf): Ja, damit habe ich angefangen, als ich mit Mama verreist war, um die Erinnerungen festzuhalten. Weißt du. Damit ich nichts vergessen und Papa irgendwann erzählen kann, was wir alles erlebt haben.
Wie süß!
Gretchen (strahlt): Das ist aber eine schöne Idee, Lillymaus.
Lilly (erwidert ihr Lächeln u. hält ihren Zeigefinger auf ihre Lippen): Psst! Aber nicht dem Marc und Papa verraten.
Hach... am liebsten würde ich sie jetzt durchknuddeln.
Gretchen (nimmt sie schmunzelnd in den Arm u. verlässt mit ihr zusammen das neu dekorierte Gästezimmer): Natürlich nicht. Das bleibt unser kleines Geheimnis.
Lilly (kichert vergnügt u. schmiegt sich an ihre Seite, als sie langsam den Flur vorgehen): Genau! Und was wollen wir jetzt kochen, Gretchen?
Ääääähhhh...gute Frage!
Gretchen (schaut sich überfordert in der leeren Küche um, als sie dort ankommen): Na ja, ich habe eigentlich nicht unbedingt an Kochen gedacht.
Was bin ich nur für eine schlechte Gastgeberin! Sowohl hier als auch unten ist der Kühlschrank leer. Aber ich habe es nach Dienstende einfach nicht mehr geschafft, einkaufen zu gehen. Menno!
Lilly (springt fröhlich auf u. ab, als sie Gretchens Gedanken liest): Jaaa, Pizza!

Marc: Bei Pizza sind wir dabei! Oder?

...plapperte plötzlich eine bekannte Stimme dazwischen. Gretchen und Lilly zuckten überrascht zusammen und drehten sich fast zeitgleich um. Sie strahlten, als sie erkannten, wer da an der geöffneten Wohnungstür lässig lehnte und die beiden Mädels mit seinem typischen charmanten Meier-Grinsen fragend anblickte. Lilly fand als erste ihre Worte wieder und stürmte dann so schnell sie konnte auf ihren „Lieblingsonkel“ zu...

Lilly: ONKEL MARC! Da bist du ja endlich. Wir haben soooooo lange auf dich gewartet.
Marc (tätschelt lächelnd über ihren Kopf, als Lily sich ganz eng an seine Hüfte schmiegt, u. schaut dann zu Gretchen rüber, die ganz gerührt von der Szene ist): Äh... ja, das hat alles etwas länger gedauert. Sorry, aber... es gab da ein paar... sagen wir mal so... Komplikationen.
Gretchen (runzelt verwundert die Stirn): Komplikationen?

Nun löste sich auch Gretchen von der Küchenzeile und ging auf ihren Freund zu, der ihr einen nicht zu deutenden Blick zugeworfen hatte, um ihn ebenfalls zu begrüßen. Sie wollte Marc gerade einen kleinen liebevollen Begrüßungskuss auf den Mund drücken, als sie bemerkte, wie hinter Marcs und Lillys Rücken noch jemand in der Tür erschien, und sich zurückhielt...

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.274

28.12.2011 17:20
#1200 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Olivier: Na, wen haben wir denn da? Hallo kleines Fräulein!

Lilly Kaan machte große Augen, als sie den etwas schlaksigen graumelierten älteren Mann hinter ihrem Onkel Marc entdeckte, der sich zu ihr herabbeugte und sie freundlich anlächelte. Sie löste sich von ihrem großen Helden und musterte den ihr Fremden ganz akribisch...

Lilly: Wer bist denn du?

Oliviers Lächeln wurde noch breiter. Marcs ebenfalls. Und auch Gretchen war sichtlich erstaunt, Marcs Vater zu sehen, den sie heute nicht mehr hier erwartet hatte. Sie begrüßte ihren charmanten Schwiegervater in spe hocherfreut mit zwei Küsschen auf die Wange, dann schaute sie verunsichert zu Marc, der immer noch ungeduldig auf seinen eigenen Begrüßungskuss von ihr wartete...

Gretchen: Olivier? Wie schön! Marc, du hast mir gar nicht gesagt, dass du deine Eltern mitbringst. Ich hab doch gar nichts vorbereitet.

Oh Gott! Du bist so eine schlechte Gastgeberin und... Nanny. Ich höre schon Elkes vorwurfsvolle Stimme tönen. Hilfe! ... Keine Panik, Gretchen! Improvisieren! ... Darin war ich schon immer schlecht.

Gretchen war es sichtlich unangenehm, ihren Gästen in der eigentlich bis jetzt noch unbewohnten Wohnung nichts anbieten zu können. Olivier tauschte mit Marc vielsagende Blicke aus. Der Sohn nickte seinem Vater zu. Und Lilly musterte den großen Fremden ganz genau von Kopf bis Fuß und schmiegte sich schließlich freudig an ihn, als sie ihn als nett eingestuft hatte...

Lilly (reckt ihren Kopf in die Höhe): Du bist der Papa von Marc, nicht?
Olivier (überrascht über die offene Zuneigung des kleinen Mädchens lächelt er kurz auf u. streichelt ihr liebevoll über den Kopf): Ja, der bin ich, kleines Fräulein. Aber ich weiß noch immer nicht, wer du eigentlich bist.
Lilly (mit Stolz geschwellter Brust sieht sie zu ihm hoch): Ich bin Lilly.
Gretchen (klärt Marcs Vater schmunzelnd auf): Die Tochter von Mehdi. Wir passen heute auf sie auf.
Marc (kleinlaut): Wir wurden dazu genötigt.
Gretchen (blitzt ihren Freund an): Gar nicht wahr! Wir machen das gerne. Nicht wahr, Schatz?
Olivier (schaut seinen Sohn überrascht von der Seite an u. mustert den süßen Fratz mit dem rosa Pullover noch einmal ganz genau, der ihn fröhlich anstrahlt): Ach?
Gretchen (bittet alle mit einer einladenden Armbewegung doch endlich hereinzukommen): Ich rufe dann mal eben schnell den Pizzaservice an. Tut mir Leid, dass ich euch nicht mehr anbieten kann, aber du siehst ja, Olivier, das hier ist alles noch ziemlich provisorisch. Wir übernachten heute zum ersten Mal hier.
Marc (grinst seine Freundin anzüglich an): Na ja...
Gretchen (sieht ihn drohend an u. beißt sich auf ihre Lippen): Marc!
Hahaha! Gib es doch zu, Haasenzahn, an diese Nächte denkst auch du noch gerne zurück.
Olivier (lächelt seine Schwiegertochter in spe an): Für mich keine Umstände, bitte. Ich wollte nur eben Hallo sagen. Ich ziehe mich dann nach unten zurück.
Hä?
Gretchen (schaut erst Olivier fragend an u. blickt sich dann suchend um, weil ihr plötzlich auffällt, dass noch jemand Entscheidendes fehlt, den man eigentlich sonst nie überhört oder übersieht): Wie meinst du das, du ziehst dich nach unten zurück? In unsere Wohnung? Aber wieso? Und wo ist eigentlich...?
Scheiße!
Marc (fällt der Ermittlerin schnell ins Wort, bevor sie noch ein unangenehmes Kreuzverhör beginnt): Kann ich deinen Schlüssel haben, Haasenzahn? Ich muss meinen wohl unten in der Wohnung vergessen haben.
Gretchen (geht zur Anrichte rüber u. holt ihren Wohnungsschlüssel, den sie Marc fragend übergibt): Äh... ja, natürlich, aber... was?
Marc (lässt sie gar nicht ausreden u. schiebt seinen Vater schon wieder zur Tür raus): Später! Ich nehme Thunfisch.
Gretchen (versteht nun gar nichts mehr): Hä?
Marc (schaut schmunzelnd über seine Schulter): Die Pizza, Haasenzahn.
Gretchen (errötet leicht, als sie versteht): Oh!
Olivier (verabschiedet sich mit einem schmalen Lächeln): Tschüß Lilly! Es hat mich sehr gefreut, dich kennenzulernen.
Lilly (schaut auch ziemlich verdutzt drein u. dreht sich fragend zu Gretchen um): Tschüssi Onkel! Isst der Papa von Marc nicht mit uns?
Olivier (ist schon zur Tür raus, als er sich noch einmal umblickt u. erst Lilly u. dann Gretchen anblickt): Nein, ich... Ich wünsche euch noch einen schönen Abend. Und danke für die Gastfreundschaft, Gretchen.
Hä? Was hat das zu bedeuten?
Gretchen: Ja, keine...

Noch bevor die verunsicherte junge Frau nachhaken konnte, hatte Marc auch schon die Tür von außen wieder zugemacht. Zurück blieben zwei ratlose Mädchen, die erst die massive Holztür, dann sich anschauten und synchron mit den Schultern zuckten. Gretchen hatte sichtlich damit zu tun, zu verstehen, was dieser seltsame Auftritt der beiden Meier-Männer zu bedeuten hatte, als sie plötzlich am Ärmel ihres lilafarbenen Pullovers gezogen wurde...

Lilly: Ich will aber mit Salami, Gretchen. Und keinen Brokkoli und keine Champignons. Die sind voll ekelig.
Gretchen (aus den Gedanken gerissen starrt sie das Mädchen mit offenem Mund an): Oh ja, äh... natürlich, Schatz.

Gretchen nahm ihr Telefon von der Anrichte und wählte die Nummer vom Pizzaservice, um ihre Bestellung aufzugeben. Lilly kramte derweil schon in einem der Schränke und Schieber nach Tellern und Besteck, das sie vorhin erst zusammen ausgepackt und eingeräumt hatten. Nachdem Gretchen aufgelegt hatte, hielt sie noch einen Moment lang ihr Handy in der Hand, drehte es nachdenklich hin und her und legte es anschließend zurück und schaute Lilly an, die schon ungeduldig auf einem der Kartons, die als Sitzgelegenheit dienten, am Campingtisch saß...

Gretchen: Lilly, Schatz, ich... bin gleich zurück. Ich gehe nur schnell nach Marc schauen.

Aber das erübrigte sich, weil derselbige im gleichen Moment die Tür wieder öffnete und hinter sich schloss. Lilly quiekte laut auf, als sie erkannte, was Onkel Marc in seinen Händen hielt und sprang schnell auf und stürmte auf ihn zu. Gretchen schaute ihr nur sprachlos hinterher und brauchte einen Moment, um sich zu sortieren.

Lilly: Och ist der SÜÜÜÜÜÜÜÜÜSSSSSSSS!

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