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Lorelei Offline

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Beiträge: 7.341

31.08.2011 17:36
#1101 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Der Jahreswechsel rückt immer näher! Viel Spaß und danke an meine fleißigen Kommischreiberlinge! Eure Lorelei




Derweil in der Cafeteria

Unter Drängen seiner extrem gutgelaunten und für ihn damit sehr nervigen Freundin hatten sich Marc und Gretchen wieder zu Sabine und Günni an den Tisch gesetzt, die sich mittlerweile wieder in ihre Dienstkleidung geworfen hatten. Während sich die beiden Mädels angeregt über zukunftsträchtige Sternenkonstellationen, Horoskope und ihre Bedeutungen unterhielten, kicherten und scherzten wie zwei alte Waschweiber, schwiegen sich die beiden männlichen Ärzte eisern an. Was hatten sie auch schon groß gemeinsam, worüber sie hätten plaudern können? Dr. Meier hatte schließlich keinen Sargbau studiert so wie der schräge Vogel neben ihm und irgendwie kam ihm dieser sehr suspekt vor und heute ganz besonders. Wahrscheinlich störten den blassen Totengräber, der einmal im Jahr aus seinem dunklen Kellergewölbe gekrochen kam, die lauten Geräusche der Silvesternacht und er fürchtete um das Lebendigwerden böser Geister, die ihn ins Verderben stürzen könnten, dachte der Chirurg schmunzelnd und gleichzeitig schauderte es ihn auch. Und was flüsterte er eigentlich die ganze Zeit stumm vor sich hin, fragte sich Marc verwundert und musterte seinen seltsamen Kollegen ganz akribisch. Die Lippen von Mr. Spock bewegten sich zwar und auch seine Augenlider zuckten verdächtig, aber verstehen konnte er nichts. Sehr mysteriös! Vielleicht ging er ja auch seine Sternenlogbücher durch, um zu überprüfen, wann das nächste Ufo vorbeigeflogen käme, um ihn von seinem hiesigen Dasein zu erlösen. Na hoffentlich hatten die genug Biosprit getankt, um das Plappermaul mit ihren dämlichen Karten gleich mit zu nehmen und zwar ganz weit weg ins Lummerland. Was wollte die ihm eigentlich vorhin damit sagen, er solle nicht die falsche Entscheidung treffen? Er war Chirurg und zwar der Beste! Er traf immer die richtigen Entscheidungen. Im Gegensatz zu ihr! Was fand das verrückte Huhn eigentlich an diesem Langweiler? Die beiden zusammen ergab doch wohl die Inkarnation von Langeweile. War es das? Und dann wagte es Bibi Blocksberg auch noch, ihn vollzuquatschen mit ihrem bescheuerten Hokuspokus. Tzz... Aber vielleicht war ja auch nur die Milch in ihrem Erdbeermilchshake oder was auch immer das war, was vor Sabine auf dem Tisch stand, schlecht gewesen und sie faselte deshalb so einen Blödsinn daher. Dr. Meier fasste sich an seine Stirn. Gott, er würde hier noch vor Langeweile sterben, wenn nicht bald was passierte. Aber dann hätte zumindest der Gummersbach was zu tun.

Während der zerstreute Pathologe nervös mit seinem rechten Fuß unter dem Tisch tippelte und immer wieder verstohlen zur blonden Hobbyastrologin starrte, rot anlief und sich dann schnell wieder murmelnd abwandte, blickte Marc immer wieder zur Countdownuhr über der Bühne. Noch eine viertel Stunde bis Mitternacht, dachte er und wurde plötzlich auch merklich nervöser. Er kramte in seiner Kitteltasche. Sein Pieper war zwar eingeschaltet, aber hatte noch keinen Notfall angekündigt, den er sich einerseits schon sehnlichst herbeiwünschte, um dem langweiligen Abend in der Friedhofsrunde zu entkommen, andererseits aber auch wieder nicht. Er hatte ja noch etwas vor, wenn denn alles klappte. Aber was sollte da schon groß schief laufen? Außer er blamierte sich bis auf die Knochen und würde selber das Fluchtufo gebrauchen. Aber er konnte ja immer noch sämtliche Schuld von sich schieben, dachte er grinsend und blickte als nächstes auf sein Handy. Wieso hatte sich der verknallte Dorfdepp eigentlich nicht noch mal bei ihm gemeldet? Haute der einfach ab! War das so ausgemacht gewesen, fragte Marc sich verwundert und versuchte die Teile ihres Gesprächs zu rekonstruieren, bei denen er wegen aufkommender Müdigkeit und Langeweile abgeschaltet hatte. Er schüttelte den Kopf. Was machte er eigentlich hier? Das war doch eine vollkommene Schnapsidee. Peinlich bis zum geht nicht mehr. Das war eindeutig Mehdis Ding und nicht seins. Wenn der sich unbedingt zum Affen machen wollte, bitte, sollte er doch. Aber nein, der Frauenflüsterer musste ja ausgerechnet ihn da mit reinziehen. Wieso eigentlich? Was hatte er damit am Hut? Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, hatte der Kaan gemeint. Tzz... als ob er das nötig hätte! Er musste niemanden mehr schlagen. Den Stier vielleicht, ja, bei dem verspürte er immer noch den unbedingten Drang zuschlagen zu wollen. Aber der hatte sich ja mittlerweile feige verpisst. Hoffentlich auf Nimmerwiedersehen. Marc schaute erneut auf die Uhr. Nur noch zehn Minuten! Langsam wurde es ernst. Er sollte es lassen! Sie würden einfach hier sitzen bleiben, die Außerirdischen ertragen und dann endlich in die Notaufnahme verschwinden, um ein bisschen rumzuschnippeln. Ja, der Plan klang wesentlich besser und erwachsener und professioneller und ganz und gar nicht peinlich. Und beim Kaan hätte er jetzt sowieso einen gut, Lorbeeren hin oder her. Aber wieso fühlte er sich dann so komisch? Unruhig rutschte der Oberarzt auf seinem Stuhl hin und her. Das fiel letztendlich auch seiner Assistenzärztin auf, die ihren Blick von Sabine abgewendet und nun auf ihn gerichtet hatte...

Gretchen: Alles ok mit dir? Du bist so... nervös?
Günni (denkt, er sei gemeint u. schreckt ertappt auf): Ich? Ich... ich... bin nicht... ner...ner...nervös. Alles ... wie ... immer.
Was war das denn?
Gretchen (kuckt ihn ebenso verdutzt an wie Sabine): Äh... ich hab eigentlich Marc gemeint, Dr. Gummersbach.
Günni (läuft knallrot an u. sinkt auf seinen Stuhl zurück; Sabine kümmert sich besorgt um den völlig verwirrten Pathologen): Oh! Entschuldigung!
Marc (hat das alles gar nicht mitbekommen u. wird bei seinem Namen hellhörig): Was ist mit mir?
Jetzt benimmt er sich auch so seltsam. Was ist denn hier los?
Gretchen (sieht Marc liebevoll an u. legt ihre Hand auf seine): Ob alles ok mit dir ist?
Marc (irritiert): Ja, wieso nicht?
Sehr mysteriös!
Gretchen (zuckt mit den Schultern u. mustert ihn ganz genau): Weiß nicht! Verrate du es mir!
Kacke! Ich hab’s eh verbockt. Dann kann ich auch...
Marc (schaut wieder zur Uhr - noch 7 Minuten bis Mitternacht - u. fasst spontan einen Entschluss): Komm!
Was hab ich schon zu verlieren? ... Außer meinen Eiern! ... Oh Mann!

Marc sprang plötzlich abrupt auf, nahm Gretchens Hand und zog sie unsanft hoch. Völlig überrumpelt schaute die schöne Blonde ihren Freund an. Sabine und Günni kuckten auch sehr überrascht. Der Pathologe schien durch den plötzlichen Aufbruch seiner Kollegen völlig aus dem Gleichgewicht zu sein.

Gretchen (zu Marc): Was ist denn auf einmal los mit dir?
Günni (aufgeregt): Bleiben Sie doch noch!
Sabine: Ja!
Marc (mustert das seltsame Paar mit einem kurzen abweisenden Blick): Nee!
Gretchen (hat überhaupt kein Verständnis für sein ruppiges Verhalten): Marc!
Günni (wirkt völlig durcheinander): Aber... aber es gibt doch noch... einen ... Programm... punkt.
Marc (spöttisch): Seh ich etwa so aus, als ob mich das interessieren würde? Haasenzahn, mitkommen, aber zackig!
Gretchen (wird einfach mitgezogen): Äh... Maaarc!?
Sabine (verwundert zu Günni): Welchen denn? Die Zaubershow gerade eben war doch der letzte Programmpunkt. Nach dem Anstoßen und dem Feuerwerk um Mitternacht gehen wir doch alle wieder an unseren Arbeitsplatz.
Günni (leicht panisch): Ja... eben.
Sabine: Hä?

Schwester Sabine sah ihren festen Freund fragend an, doch Dr. Gummersbach schaute gerade Dr. Meier mit verzweifelter Miene an. Dieser gab sich völlig unbeeindruckt vor dem extraterrestrischen Wesen und zog seine perplexe Freundin schnell Richtung Tür zur Dachterrasse, bevor er es sich doch noch anders überlegte. Unterwegs nahm er sich noch eine Sektflasche und zwei Gläser mit, die er unverschämterweise einer entgeisterten Krankenschwester aus der Hand riss, was Gretchens Augen aufleuchten ließ. Er wollte mit ihr allein ins Neue Jahr starten! Wie süß war das denn bitte, dachte sich die verliebte Frau völlig entzückt mit wild pochendem Herzen und lächelte ihren romantischen Entführer ganz verträumt an, als dieser lässig die Tür aufstieß, das Gemecker der beklauten Schwester überhörte und seine schöne Prinzessin nach draußen auf die Dachterrasse führte...

Gretchen: Und was wollen wir jetzt hier?


Inzwischen hinter dem Krankenhaus am See

Mehdi hatte seine hübsche Freundin über den schmalen Trampelpfad zum See geführt, wo sie nun neben der zugeschneiten Sitzbank stehen blieben, durchatmeten und ihren Blick über die schöne Eislandschaft schweifen ließen. Die Schneekristalle funkelten richtig im Schein der Sterne und schufen eine ganz besonders romantische Atmosphäre. Genau nach seinem Geschmack, dachte der verliebte Frauenarzt. Alles war perfekt. Mehdi lächelte verträumt vor sich hin, während Gabi sich verwundert umschaute. Alles war exakt wie neulich, als sie verliebt über das Eis getanzt waren, mit einem kleinen Unterschied, der eigentlich nicht so schwer wog. Es sei denn, er hatte tatsächlich das vor, was sie vermutete, dann sollte sie vielleicht doch erst einmal ihr Veto einlegen. Sicher war sicher!

Gabi: Und was wollen wir jetzt hier?
Mehdi (tut äußerst geheimnisvoll, als er sich zu ihr umdreht): Warte ab!
Gabi (versucht sich ihrer Nervosität nicht anmerken zu lassen u. bleibt realistisch): Du weißt aber schon, dass nach dem Tauwetter von gestern, ein Betreten der Eisfläche nicht gerade ratsam wäre. Oder hast du vor, hier abzusaufen, um den Rest der Nacht mit mir und einer Isodecke in der Notaufnahme zu verbringen?
Mehdi (ihm schaudert es bei dem Gedanken, im Zweigrad kalten Wasser zu versinken u. wirft einen nachdenklichen Blick auf den von einer hauchdünnen Eisschicht bedeckten See, bevor er Gabi verschmitzt anlächelt): Sehr verlockend! Aber das wäre wohl nicht so ratsam. Ehrlich gesagt hab ich schon gehofft, unseren Eislauf vom Heiligabend zu wiederholen, aber leider sind die Umstände jetzt etwas anders. Dann muss ich wohl improvisieren?
Gabi (zählt eins und eins zusammen u. funkelt ihn mit feurigen Augen an): Sieht mir aber nicht nach Improvisieren aus, was du hier machst.
Mehdi (zwinkert ihr schmunzelnd zu und legt seine Arme um ihre Taille): Vielleicht?

Ich halte mich nur an mein Versprechen.

Dieser unwiderstehliche Schlawiner! Man muss ihn einfach lieben.


Gabi lächelte ihren charmanten Traumprinzen verliebt an und küsste ihn spontan auf den Mund, dann schmiegte sie sich glücklich in seine warmen Arme, die so viel Geborgenheit ausstrahlten, und murmelte verträumt vor sich hin...

Gabi: Schön hier.
Mehdi (verträumt): Hmm!

Mehdi strich seiner Liebsten zärtlich ihren Zopf zur Seite und streichelte ihren verführerischen Hals. Gabi seufzte leise auf und schloss ihre Augen, um sich dem schönen Gefühl hinzugeben, das er bei ihr auslöste. Es fühlte sich auf einmal alles so leicht an. Irgendwie unbeschwert. Genauso hatte sie es sich immer vorgestellt, wenn sie mit ihm zusammen wäre und jetzt war es tatsächlich Wirklichkeit geworden. Verliebt lächelte sie vor sich hin, während Mehdi einen kurzen Blick auf seine Armbanduhr riskierte und dann hoch zum Dach des Krankenhauses schaute. Gleich war es soweit! Noch fünf Minuten, dachte er aufgeregt und sein Herz klopfte voller Vorfreude immer schneller.

Lorelei Offline

Mitglied


Beiträge: 7.341

01.09.2011 17:20
#1102 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo zusammen! Es ist gleich soweit! Achtung gleich läutet es zwölf! Dann erfahrt ihr auch ein paar mehr Antworten auf eure äh... Theorien. Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Jahreswechsel und freu mich auf euer Feedback. Prosit Neujahr! Eure Lorelei




Dort oben auf der Dachterrasse des hell beleuchteten Elisabethkrankenhauses standen sich gerade Gretchen und Marc gegenüber. Während sie ihn fragend anblickte, blieb er die Lässigkeit in Person und grinste seine neugierige Freundin verschmitzt an...

Marc: Warte ab!
Gretchen (streicht sich frierend über ihre Arme): Marc, es ist schrecklich kalt hier draußen. Lass uns wieder reingehen.

Marc rollte mit den Augen. Dieses quengelnde Weib konnte auch jeden noch so schönen Moment kaputt machen. Dabei galt doch eigentlich er als Romantikmuffel und Spaßverderber. Er trat zur Seite und zog aus einem Versteck eine graue Rettungsdecke hervor, die er unter ihren ungläubigen Blicken vorsichtig über ihre Schulter legte und vor ihrem zitternden Körper fest mit seinen Händen umschloss. Zärtlich flüsterte er ihr etwas ins Ohr, was eine dicke Gänsehaut bei ihr auslöste, obwohl sie schon längst nicht mehr frierte...

Marc: Dann muss ich dich wohl wärmen, hmm.
Oh mein Gott! Oh mein Gott!
Gretchen (ist völlig hin und weg von ihrem charmanten Romantikkönig und lässt sich von ihm sanft zum Takt der Musik, die aus der Cafeteria zu ihnen herüber dringt, hin u. herwiegen): Wir können aber das Feuerwerk auch von drinnen beobachten.
Marc (hat seine Augen geschlossen u. seinen Kopf in ihren Haaren vergraben u. genießt einfach nur): Nö! Mir gefällt’s aber so.
Hach... mir auch!
Gretchen (bekommt immer mehr Herzklopfen u. dreht ihren Kopf so, dass sie den süßen Träumer ansehen kann): Marc, hast du irgendetwas geplant, weil wir jetzt hier stehen?
Marc (öffnet seine Augen u. weist jeglichen Verdacht von sich): Ich? Ich ... plane nicht!
Ich handele!
Gretchen (schmunzelt): Natürlich nicht.
Er kann so süß sein! Unfassbar! Natürlich hat er irgendetwas vor. Ich kenne doch meinen Pappenheimer. Ich will es sofort wissen.
Marc (zieht die warme Decke noch etwas fester zusammen u. schmiegt sich an sie): Und ist dir schon was wärmer?
Gretchen (verliert sich in seinen funkelnden grünen Augen u. lässt die Schmetterlinge in ihrem Bauch unkontrolliert losflattern): Ein bisschen.
Marc (beißt sich auf seine Unterlippe u. überlässt den Rest dem Schalk): Ich könnte natürlich auch...

Marc grinste die in seinen Armen butterweich gewordene Frau anzüglich an. Gretchen spürte sofort, was er vorhatte und freute sich diebisch darauf und kam ihm sogar noch entgegen. Und schon hatten sich ihre Lippen gefunden und die wärmende Wirkung setzte auch sofort erbarmungslos ein. Leidenschaftlich wurde ein loderndes Feuer entfacht und die beiden Verliebten hätten beinahe die Zeit vergessen, wenn nicht nach zwei Minuten intensiver Zungentänzelei die lauten Stimmen aus der Cafeteria zu ihnen vorgedrungen wären...

Stefanie: ZEHN... NEUN....

Scheiße! Is’es schon soweit?

Marc riss erschrocken seine Augen auf, löste sich von den süßesten Erdbeerlippen, die Gott je geschaffen hatte, und stupste seine Freundin mit der Schulter an...

Marc: Es ist soweit!
Gretchen (noch ganz weit weg): Was?

Kate: ACHT... SIEBEN....

Jetzt hatte auch die abwesende Assistenzärztin verstanden und zog ihre wärmende Decke wieder hoch, die beim leidenschaftlichen Kuss verrutscht war...

Gretchen (aufgeregt): Oh! Marc, gleich ist Mitternacht!
Marc (lässig): Jep!

Du kannst immer noch verduften? ... Ach scheiß drauf!

Sabine: SECHS... FÜNF...

Marc stellte sich hinter seine hibbelige Freundin, schlang seine Arme um ihren Bauch und hielt nun die Enden der Decke fest. Seinen Kopf bettete er auf ihrer Schulter. Mit dem Zeigefinger schob er ihr Kinn etwas nach oben, dann flüsterte er....

Marc: Schau in den Himmel, Haasenzahn!
Gretchen: Was ist denn da?

... fragte sie mit kindlich neugieriger Stimme und folgte mit klopfendem Herzen seiner Anweisung. Doch noch sah Gretchen nur die funkelnden Sterne am Firmament, was an sich schon ein unvergleichlich schönes Erlebnis darstellte, und da... plötzlich... eine Sternschnuppe. Schnell schloss sie ihre Augen und wünschte sich etwas von ganzem Herzen, während drinnen weiter heruntergezählt wurde...

Jochen: VIER...

Marc (hat die Sternschnuppe auch bemerkt u. haucht ihr ins Ohr): Hast du dir was gewünscht?
Gretchen (bekommt eine Gänsehaut, als sein warmer Atem ihre zarte Haut streichelt): Ja! Das darf ich aber nicht verraten.
Marc (rollt schmunzelnd mit den Augen): Ihr mit eurem bescheuerten Aberglauben.

Gretchen lachte nur, kuschelte sich in Marcs starke Arme und lauschte dem Countdown, mit dem eine rothaarige Assistenzärztin und angehende Gynäkologin in der Cafeteria weiter einheizte und den alle Partygäste, bis auf einen, der mit einem leicht grünlichen Gesicht verloren in einer Ecke stand, laut mitgrölten...

Kate: DREI... ZWEI...


Auch am See hatten sich zwei Verliebte in Position gestellt und ließen die letzten Sekunden des alten Jahres vorbeirauschen. Sie schauten verträumt lächelnd in Richtung Krankenhaus mit dem See im Rücken, an dessen Horizont schon die ersten verfrühten Raketen in den Himmel schossen. Mehdi hatte seine Arme fest um Gabis Bauch geschlungen und seinen Kopf auf ihrer Schulter gebettet und sog ihren betörenden Geruch ein. Gabi hielt seine Hände fest umschlossen und war einfach nur himmlisch glücklich, dass ihr Traum endlich wahr geworden war. Die Sternschnuppe, die soeben am Himmel vorbei geflogen war, brauchte sie nicht mehr. Sie glaubte ja eh nicht an diesen albernen Firlefanz. Sie war wunschlos glücklich. Zum ersten Mal in ihrem Leben. So wie jetzt sollte es immer bleiben und das wünschte sich auch ihr Traummann, der ihr zärtlich Liebesschwüre ins Ohr flüsterte...

Mehdi: Ich liebe dich!


http://www.youtube.com/watch?v=ekPRAeHc-L4&ob=av2n


Derweil auf dem Dach

Marc (flüstert Gretchen ins Ohr): Ich liebe dich, Haasenzahn!
Gretchen (kuschelt sich noch enger in seine Arme u. strahlt überglücklich vor sich hin): Ich dich auch, über alles.

Alle (von drinnen): EINS! ... HAPPY NEW YEAR!!!

http://www.youtube.com/watch?v=LTzWbCTWU7o&feature=related

Während das Personal des Elisabethkrankenhauses sich fröhlich in den Armen lag, sich beglückwünschte und anschließend miteinander anstieß, starrten vier Personen draußen zeitgleich in den nächtlichen Himmel über Berlin. In der Ferne hatte schon das große Feuerwerk über dem Brandenburger Tor eingesetzt und auch die angrenzenden Nachbarn ließen sich nicht lumpen und begannen, Böller und Raketen in die Luft zu schießen. Doch über dem Elisabethkrankenhaus erstrahlte in dieser Sekunde etwas für den Anlass eher Ungewöhnliches, aber unvergleichlich Schönes, nämlich ein großes rotes funkelndes Herz. Immer wieder zersprang es und erschien wieder neu, bis es sich schließlich in tausend rote Sterne auflöste und nach einer Minute wieder Stille eintrat. Nur das Schluchzen zweier glücklicher Frauen war zu hören. Gretchen drehte ihren Kopf nach hinten und sah ihren Liebsten mit wässrigen Augen an. Dieser Anblick traf Marc wieder mitten ins Herz und er wischte ihr aufgewühlt die heißen Tränen mit dem Daumen weg...

Marc: Hey! Was flennst du denn schon wieder, hmm?

Gretchen: Für mich?

... fragte Gretchen, nachdem sie endlich ihre Stimme wieder gefunden hatte. Marc nickte nur mit dem Kopf und wenn es nicht dunkel gewesen wäre, hätte man den verräterischen Rotton auf seinen Wangen durchaus wahrgenommen, als er nervös stammelte....

Marc: Na ja äh... indirekt... irgendwie ... schon. Doch!


Inzwischen am See

Die brünette Krankenschwester war einfach nur baff und völlig fasziniert von dem eben Erlebten und sie starrte immer noch wie hypnotisiert zum Dach des Krankenhauses hoch, obwohl sich das leuchtende Herz schon längst in Rauch aufgelöst hatte. Ihr eigenes schlug dafür umso schneller in ihrer Brust...

Gabi: Mehdi, das... das ist... unglaublich...schön. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. ... Danke!

Mehdi lächelte, glücklich, dass sein romantischer Plan aufgegangen war, und schmiegte sich nur noch fester an ihren warmen Körper. Gabi, deren Schmetterlinge im Bauch verrückt spielten, drehte sich schließlich in seinen kuscheligen Armen herum und sah ihren charmanten Traummann nun völlig gerührt an. So etwas Schönes, wenn auch sehr Kitschiges, hatte noch nie jemand für sie gemacht. Bewegt von den Emotionen des Abends legte Mehdi seine Hand an ihre Wange, strich ihr eine verirrte Freudenträne zärtlich mit dem Daumen weg und blickte sie schwerverliebt an...

Mehdi: Nach allem, was war, soll das unseren Neuanfang symbolisieren. Was jetzt nicht heißt.... alles auf Anfang. Nein, dafür ist schon viel zu viel passiert. Nur... wir... wir hatten keinen optimalen Start und ich hab viele Fehler gemacht, die mir unendlich leid tun. Ich wünschte, ich könnte so vieles rückgängig machen und hätte schon eher den Mut gehabt, mich ganz auf dich... auf uns einzulassen, aber das... das soll sich ab heute ändern. Ich bin wirklich bereit. Ich liebe dich über alles und ich will nur mit dir mein Leben teilen. ... Wenn möglich... für immer.

Tief bewegt sah Gabi ihre große Liebe an und schon wieder konnte sie ihre Freudentränen nicht verbergen. Sie war doch sonst nicht so gefühlsduselig, aber sie war einfach machtlos dagegen. Liebevoll hielt Mehdi ihr Gesicht mit beiden Händen fest und trocknete mit dem Daumen sanft ihre Tränen und sah ihr dabei tief in die Augen. Sie war gefangen von seinem Blick, der so viel Liebe ausstrahlte, dass sie es kaum fassen konnte und sein wunderschönes Liebesgeständnis ganz leise erwiderte, bevor sie ihre Arme überglücklich um seinen Hals schlang und ihn zärtlich küsste...

Gabi: Ich liebe dich auch.


Auf der Dachterrasse des Krankenhauses

Gretchen lag derweil in Marcs starken Armen, hob langsam ihren Kopf und starrte ihn mit offenem Mund an...

Gretchen: Indirekt? Wie soll ich das denn verstehen?
Scheiße! Du bist so ein Vollpfosten!
Marc (merkt, wie ihm plötzlich heiß wird u. lenkt schnell überfordert ab): Äh... ja, nein, quatsch, also... ach Mensch, das ist ja auch eigentlich schnurzpiepegal. ... Ein Herz halt, ne.
Das versteht doch jede Frau oder? Haasenzahn ist zwar nicht jede, sondern die Inkarnation aller äh... dings... äh... Kitschsüchtigen... Ach Mann!

Marc zuckte unschlüssig mit seinen Schultern und sah seine skeptische Prinzessin etwas verunsichert an. Was hatte er sich eigentlich mit dem ganzen Romantikscheiß gedacht? Das mag ja für Dorfdeppen eine kitschige Idee sein, aber so bescheuert wie sein Freund, der seinem Gabimäuschen unbedingt seine Verknalltheit beweisen musste und weiß Gott, was sonst noch, war er schließlich noch lange nicht und würde er auch nie sein. Gretchen reagierte zwar leicht verwirrt über sein seltsames Rumgestammel, aber sie dachte sich nichts weiter dabei. So war Marc eben. Ein bescheidener Romantikmuffel. Aber genau deswegen liebte sie ihn auch so sehr. Für diese kurzen Momente, in denen sein wahrer Kern für alle Welt sichtbar wurde. Und so schlang sie überglücklich ihre Arme um seinen Hals, wobei ihre wärmende Decke nun ganz zu Boden rutschte, aber das nahmen die beiden Verliebten gar nicht mehr war. Zu schön war der Moment.

Gretchen (ihre Augen leuchten auf): Das war unglaublich, Marc.

Marc verfolgte fasziniert ihr Gesichtsspiel und ihre leuchtenden Augen. Hatte er doch Erfolg gehabt? Mit so einfachen simplen Mitteln? War die Botschaft tatsächlich angekommen? So im Nachhinein betrachtet, ganz so blöd war die Idee ja an sich gar nicht mal, wenn man mal von Mehdis verklärtem Grinsen absah, als er ihm noch einmal den Plan erläutert hatte und Marc ihm zuhause die Raketen in die Hand gedrückt hatte, und ganz zu schweigen von dem dämlichen Gesicht der Verkäuferin, die ihn und die Verpackung ganz verzückt angehimmelt hatte, als er heute Morgen Mehdis Herz gekauft hatte. Er würde aber trotzdem alles leugnen, falls ihn jemand darauf ansprechen sollte. Reiner Zufall, dass er hier oben stand und sein Mädchen umarmte, während über ihnen rote Herzen tanzten. Das machte man ja gewöhnlich in der Silvesternacht. Man schnappte sich die Frau, die man liebte und knutschte sie ab. Apropos Knutschen! Diese Reaktion hätte ihm eigentlich wesentlich besser gefallen als ihr ewiges Nachfragen. Aber so war Haasenzahn nun mal. Selbst in kitschigen Momenten musste alles hinterfragt werden.

Marc: Ich wollte damit nur zeigen, dass das... na ja... wie sagt man so schön... das... wird... unser Jahr. Oder so?
Gott, du redest vielleicht eine gequirlte Scheiße, Meier! Hätte ich mir doch ein paar Worte zurechtgelegt! Ach quatsch, bin ich Shakespeare?
Gretchen (sieht ihr Herzblatt mit großen Augen an): Ja?
Er will wirklich eine Zukunft mit mir. Juhu!
Marc (wie ein schüchterner kleiner Junge nickt er ihr zu): Hmm!
Gretchen (ganz gerührt): Das hast du so schön gesagt.
Okay!? Normalmodus wieder einschalten, Meier!
Marc (das ist dann doch zu viel für den Macho): Boah Haasenzahn!
Gretchen (legt ihre Hand an seine Brust u. spürt, wie schnell sein Herz schlägt): Doch! Weißt du, letztes Jahr an Silvester stand ich genau hier an derselben Stelle und hab mir genau das hier vorgestellt.
Marc (runzelt die Stirn): Echt jetzt? Willst du Sabine mit ihrem dritten Auge Konkurrenz machen?
Gretchen (tippt ihm auf die Brust u. schwelgt weiter in Erinnerungen, als sie merkt, dass er wieder zuhört): Marc! Ernsthaft jetzt! Ich stand hier allein versteckt hinter den Terrassenmöbeln und hab geweint. Mal wieder! Wegen dir! Du hattest mir gerade zum hundertmillionsten Mal das Herz gebrochen, weil du Gabi diesen bescheuerten Antrag gemacht hast. Ich dachte, mein Leben würde nie wieder aufwärts gehen. Aber dann hab ich dich gesehen. Du hattest vermutlich genug von Gabi und ihrer Show gehabt, die auf der Silvesterfeier unbedingt allen beweisen wollte, wie glücklich ihr doch seid und wie sehr ihr euch auf eure Hochzeit freut. Aber du, du standest plötzlich allein am Geländer und hast in den Himmel geschaut.
Marc (erstaunt): Du hast mich gesehen? Ich dachte, du wärst gar nicht auf dem blöden Fest gewesen.
Gretchen (lächelt verschämt): Doch! Ich hab mich versteckt. Vor dir und... Na ja, jedenfalls hast du genauso traurig und verloren gewirkt wie ich in dem Moment. Ich hab dann auch hoch in den Himmel geschaut und in dem Moment flog eine Sternschnuppe vorbei und ich hab mir nur gewünscht, dass ich zum nächsten Silvester mit dir hier stehen möchte. Was hast du dir gewünscht?
Marc (blickt seufzend in den Himmel): Dass Superman auftaucht, Gabi fesselt und knebelt und in seinen Eispalast entführt und ich endlich aus dieser ganzen Scheiße rauskomme.
Gretchen (kuckt ihn perplex an): Hast du nicht?
Marc: Doch! Haasenzahn, ich bin ein Mann und echte Männer wünschen sich kein romantisch verklärtes Bild von der Welt. Die wollen Action und na ja... Denen fällt noch nicht mal so ne olle Sternschnuppe auf.
Gretchen (grinst): Dir aber schon!
Marc (muss selber lachen): Touché!
Gretchen (wieder ernster): Was ich mit all dem eigentlich sagen möchte, ist, ich hab das alles hinter mir gelassen. Gabi, eure Hochzeit, dein angebliches Kind, all deine Gemeinheiten, mit denen du mich immer wieder von dich gestoßen hast, dass ich für dich gelogen habe, den Virus, Alexis, meinen Eheversuch, die Geiselnahme im Restaurant, einfach alles. Ich bin angekommen und freu mich auf unser gemeinsames Leben. Ich bin sogar soweit, keine bescheuerten Vorsätze mehr zu machen. Ich bin einfach glücklich mit dir, hier und jetzt, und das will ich immer sein.
Marc (lächelt ganz verklärt): Das will ich auch.
Gretchen (sieht ihm tief in die Augen): Ich liebe dich so sehr, Marc. Mit jedem Tag ein Stückchen mehr.
Marc (räuspert sich verlegen): Oh bitte, jetzt nicht sentimental werden.
Gretchen (schüttelt lachend den Kopf): Du bist so ein Spinner.
Marc (gespielt beleidigt): Hey!
Gretchen (verschränkt ihre Arme nur noch fester in seinem Nacken): Jetzt küss mich endlich! Oder willst du warten, bis dieses Jahr auch schon wieder vorbei ist.

Das ließ sich ein Marc Meier natürlich nicht zweimal sagen und funkelte Gretchen feurig an. Seine Arme fuhren wie Schraubstöcke um ihren schlanken Körper herum und er zog sie ganz nah an sich heran, dass es ihr fast den Atem nahm. Zärtlich bettete er seine betörenden Lippen nun auf die ihren, die so süß nach Erdbeeren schmeckten, dass man gar nicht mehr aufhören wollte, sie zu küssen, denn das käme einem Todesurteil gleich. Ein sehr gefühlvoller Kuss voller Liebe begann, der endlos hätte dauern sollen, wenn nicht in dem Moment Jochen die Tür aufgerissen und laut losgepoltert hätte...

Jochen: Verdammter Mist eh! Wer hat an der Technik herumgedallt?

Lorelei Offline

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Beiträge: 7.341

02.09.2011 21:15
#1103 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Gretchen löste sich abrupt aus Marcs inniger Umarmung und kuckte ihren meckernden Bruder mit großen Augen an. Jochen hatte die beiden gerade erkannt und sich mit äußerst grimmiger Miene vor den unschuldig dreinblickenden Turteltauben aufgebaut...

Jochen: Ach nee? Das hätte ich mir ja denken können.
Gretchen (schaut ihre Bruder ziemlich verdutzt an): Was ist denn?
Marc (sichtlich genervt motzt er ihn an): Boah Jochen, verpiss dich!
Jochen (funkelt seinen Schwager in spe an): Das Feuerwerk hätte schon vor fünf Minuten hochgehen sollen.
Gretchen: Na und?
Jochen (verdächtigt Marc): Warst du das? Das rote Herz stand nämlich nicht auf dem Programm von unserem Vater.
Marc (starrt Löcher in die Luft): Äh... Ich weiß nicht, wovon du redest. Wir waren hier äh... beschäftigt.
Jochen (mustert ihn misstrauisch): Ja, klar!?

http://www.youtube.com/watch?v=bTvJy3ozxec

Marc überspielte seine Anspannung geschickt und widmete sich seiner süßen Freundin, die er wieder fest von hinten umarmte. Jochen wollte gerade weiterschimpfen, als plötzlich hinter ihm die erste Rakete in den Himmel flog und das restliche Feuerwerk doch noch startete. Irritiert schoss sein Kopf herum und verfolgte das bunte Spektakel am Himmel. Marc atmete erleichtert aus. Gerade noch so davon gekommen. Da waren die „Hör mal wer da hämmert“-Folgen ja doch mal zu was nutze gewesen. Mehdi sei dank, der die Zeitschaltuhr etwas nach hinten verstellt hatte! Sein Haasenzahn starrte derweil entzückt in den Himmel und genoss das atemberaubende Feuerwerk....

Gretchen: Ich weiß gar nicht, was du hast, Jochen. Dann ist es eben etwas später losgegangen. Schön ist es trotzdem. Papa hat sich echt nicht lumpen lassen. Einfach nur toll! Nicht Marc?
Marc: Na ja!? Ein bisschen pompös vielleicht!
Gretchen (lacht): Du kennst doch Papa!
Jochen (schaut verwirrt zwischen Dr. Meier, der still in sich hineinlacht, und seinem schwärmenden Schwesterherz hin und her): Aber...?

Gretchen löste sich seufzend aus Marcs Klammeraffengriff und ging zu ihrem sprachlosen Bruder rüber, den sie spontan umarmte, was dieser steif erwiderte...

Gretchen: Ach komm mal her! Happy New Year, kleiner Bruder! Ich wünsch dir alles Gute, auch in der Liebe.
Jochen (drückt sie dann doch an sich, dabei funkelt er Marc hinter ihrem Rücken an): Boah Gretchen, wenn die Kollegen das sehen, dann...

Doch bevor er seine Neujahrswünsche weiter ausführen konnte, ließ ihn eine kreischende zuckersüße Stimme aufhorchen. Chantal erschien nämlich gerade mit einem Sektglas in der Hand in der Tür und stürmte nun auf den Medizinstudenten zu...

Chantal: Huhu Jochen! Wir haben noch gar nicht angestoßen.
Jochen (lässt seine Schwester abrupt los u. dreht sich in Zeitlupe herum; sofort läuft sein Kopf rot an u. er stammelt los): Oh ... ja.... klar! Komme! ... Gutes Neues, Schwesterlein! ... Dr. Meier! Ich bin mir übrigens sicher, dass du was damit zu tun hast.
Marc (mit Unschuldsmiene): Womit?

Marc zuckte unschuldig mit den Schultern und fixierte ihn mit messerscharfem Blick, dem Jochen nicht lange gewachsen war. Außerdem wartete da ja noch jemand auf ihn. Jemand, der sein Herz auf seltsame Art und Weise zum Wummern brachte. Doch Chantal war schneller als seine eingeschlafene Reaktionsfähigkeit und drückte dem überraschten Mann spontan einen Neujahrskuss auf den Mund. Gretchen riss ihre Augen weit auf, als sie das bemerkte und schaute dann zu Marc, der schelmisch grinste und dann anerkennend mit dem Kopf nickte, aber ihr Bruder war wie erstarrt.

Chantal (euphorisch): Happy New Year, Jo!

Jochen war unfähig etwas zu sagen, geschweige denn überhaupt irgendwie mit einer menschlichen Regung zu reagieren. Seine Lebenszeichen waren komplett heruntergefahren, so als ob ein Computer sich aufgehängt hätte. Chantal schaute zwar ziemlich verdutzt, aber zog den apathischen jungen Mann dann einfach wieder mit rein in die Cafeteria, während ihnen die anderen Gäste entgegenkamen und nun die Dachterrasse eroberten, die von dem schönen Feuerwerk angelockt worden waren. Marc verdrehte genervt seine Augen, als die plappernde Meute immer näher kam, und zog seine Freundin sicherheitshalber in eine dunkle Ecke und kuschelte sich an sie...

Marc: Wo waren wir stehen geblieben?
Gretchen (legt ihre Arme um seinen Hals u. grinst ihn frech an): Weißt du Marc, man sagt ja bekanntlich, wen man in der Silvesternacht küsst, den...
Marc (bringt sie auf seine Weise zum Schweigen): Halt einfach die Klappe!

Ohne Umschweife hatte der verliebte Oberarzt wieder die zarten Lippen seiner schönen Assistenzärztin erobert und holte sich den Kuss von vorhin wieder zurück. Im Schein der bunten Explosionen am Himmel drehten sie sich innig küssend im Kreis. Doch irgendetwas ließ Marc kurz innehalten. Er schaute seine Prinzessin an, sie blickte fragend zurück...

Marc: Du, Haasenzahn, sag mal, was würdest du eigentlich sagen, wenn ich doch etwas mit dem verhinderten Feuerwerk zu tun hätte?
Gretchen (schmiegt sich schmachtend an ihn): Hmm? Dass du... ein verwegener Held bist!
Marc (runzelt ungläubig die Stirn): Echt jetzt?
Gretchen (himmelt ihn mit funkelnden Augen an u. will zum nächsten Kuss ansetzen): Ja!
Marc (zieht seinen Kopf zurück u. kuckt sie nun fragend an, während er nervös auf seiner Unterlippe herumkaut): Und was, wenn das alles nicht nur auf meinem Mist gewachsen wäre?
Gretchen (grübelt nach u. grinst ihn dann an): Na ja, alle großen Helden haben doch einen Komplizen. Sherlock Holmes und Mr. Watson. Oder Batman und Robin. Oder... hmm...
Marc (hebt skeptisch eine Augenbraue u. fällt ihr ins Wort): Äh... Wobei da ja noch die Frage geklärt werden müsste, wer Robin ist und wer...
Das Batmankostüm würde mir auf jeden Fall viel besser stehen als grüne Strumpfhosen. Und das Batmobil erst! Äh... Oh Gott, aber Mehdi in Strumpfhosen? Bäh! Das Kopfkino ist definitiv ein Stimmungstöter. Schnell weg damit!
Gretchen (versteht nur Bahnhof u. sieht ihn dementsprechend entgeistert an): Hä?
Marc (räuspert sich u. sieht sie reumütig mit Dackelblick an): Na ja, äh... eigentlich hab ich ja eher in Mehdis Auftrag gehandelt.
Gretchen (sprachlos): Bitte?
Marc (senkt betreten seinen Blick): Ich hab das Zeug besorgt und... dann meinte er, es hätte ja eigentlich jeder was davon und...
Das glaub ich ja nicht! Dieser Schlawiner!
Gretchen (lockert ihre Umarmung ein wenig u. spricht für ihn weiter, während sie ihn nicht aus den Augen lässt): ... und da dachte der liebe Dr. Meier, häng ich mich doch auch gleich noch mit rein und kassiere die Lorbeeren?
Marc (sieht vorsichtig mit zusammengekniffenen Augen auf): Bist du sauer?
Gretchen (seufzt): Nein! Weil du’s noch gesagt hast und weil der Moment, als die Herzen am Himmel erschienen sind, wirklich so romantisch war. Und weil du so ein guter Freund bist, denn wenn man bedenkt, dass du ja quasi Mehdis Liebesbote bist, dann...
WAS?
Marc (weist diesen Verdacht entschieden von sich): Bin ich nicht!
Gretchen (lacht): Na gut! Es war trotzdem schön, ok. Mein schönstes Silvester!
Marc (sieht in ihren Augen hin u. her): Ehrlich?
Gretchen (himmelt ihn an u. nimmt ihn dann aber doch noch mal auf den Arm): Ja! Vielleicht sollte ich mich gleich mal bei Mehdi bedanken gehen.
Marc (zieht sie zurück in seine Arme): Untersteh dich!
Gretchen (schlingt schmunzelnd ihre Arme um seinen Hals): Ok, ich bleibe hier, aber nur unter einer einzigen Bedingung.
Oh Gott!
Marc (misstrauisch): Welche?
Gretchen (funkelt ihn feurig an): Wenn du nicht sofort deine Lorbeeren einsammelst!
Marc (grinst): Dein Wunsch ist mir Befehl. Die sind nämlich besonders lecker.

Gretchen kicherte und schon lag sie wieder eng umschlungen in Marcs starken Armen. Und dieses Mal sollte ihr Kuss wirklich endlos dauern.


http://www.youtube.com/watch?v=9XV7WDGsgNk


Auch am See wurden innige Lippenbekenntnisse ausgetauscht, während über ihren Köpfen der Himmel in den buntesten Farben erstrahlte, was sich auch auf zauberhafte Art und Weise auf der dünnen Eisdecke des Sees widerspiegelte und eine unvergleichlich schöne Atmosphäre schuf. Glücklich verliebt strahlten sich Mehdi und Gabi an, als sie sich nach endlosen Minuten voneinander lösten und sich tief in die Augen blickten. Dann zauberte der Kavalier der alten Schule hinter der Parkbank eine Sektflasche hervor, die er dort vorher deponiert hatte und unter den funkelnden Augen seiner Freundin nun öffnete und den Inhalt dann in zwei Gläser goss.

Gabi (schüttelt den Kopf): Du bist so ein Romantiker, echt.
Mehdi (reicht ihr ein Glas u. sieht in ihren Augen hin u. her): Stört dich das?
Gabi (gespielt grüblerisch kuckt sie ihn an u. schmiegt sich dann wieder an ihn): Ich gewöhne mich dran.
Mehdi (grinst): Das verbuche ich mal als Bestätigung für mich.
Gabi (lacht über seine Machoversuche u. stößt mit ihm an, wird aber dann schnell wieder sentimental): Ich will, dass das nie... nie... nie mehr aufhört.
Ich auch!
Mehdi (stellt sein Glas auf der Bank ab u. spielt nun verträumt an Gabis Herzchenarmband herum, dass er ihr zu Weihnachten geschenkt hat): Wenn es sein muss, schenk ich dir jeden Tag mein Herz.
Gabi (bekommt heftiges Herzflattern u. legt ihre Hand an seine Brust): Das, was hier drin schlägt, genügt mir schon.
Mehdi (verliert sich in ihren leuchtenden olivgrünen Augen): Das ist aber ziemlich bepflastert.
Gabi (streichelt über sein Herz): Ich bin Krankenschwester, ich weiß, wie man Pflaster abzieht, ohne dass es ziept.
Mehdi (legt lachend seine beiden Hände an ihr Gesicht u. küsst sie stürmisch): Du bist... unglaublich.

Mehdis leidenschaftlicher Kuss umnebelte regelrecht Gabis Sinne und sie ließ ihr Sektglas unbemerkt zu Boden fallen. Ihre Hände umfuhren die aufregenden Konturen seines Körpers, ruhelos, suchend, und fanden schließlich ihren Weg in seine warmen Manteltaschen, wo sie sich vergruben, sich wärmten und plötzlich etwas Seltsames ertasteten.


Auch auf der Dachterrasse wurde unbemerkt von den anderen geknutscht, was das Zeug hielt, während die fröstelnden Partygäste nach Ende des Feuerwerks schnell zurück in die warme Cafeteria flüchteten. Gretchen und Marc war auch so warm ums Herz und es hätte durchaus noch heißer werden können, wenn die beiden nicht plötzlich ein seltsames Raunen vernommen hätten, das aus dem Inneren der Cafeteria kam, gefolgt von einem schrecklichen Pfeifton, der Marc und Gretchen instinktiv dazu verleitete, sich die Ohren zuzuhalten. Verwundert sahen sie sich an, als wieder Ruhe eingetreten war. Ohne etwas zu sagen, verständigten sie sich, nachzuschauen, was da los war. Hand in Hand krochen sie hinter den Terrassenmöbeln hervor und gingen zur großen Fensterfront. Die Scheiben waren von innen etwas angelaufen, deshalb konnten die beiden nicht so gut hineinkucken. Die neugierige Assistenzärztin legte beide Hände ans Fenster und linste mit zusammengekniffenen Augen hinein. Doch was sie dort sah, ließ sie dermaßen erstaunen, dass sie heftig nach Luft schnappen musste und schließlich hyperventilierte.

Lorelei Offline

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03.09.2011 20:03
#1104 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Tja, was mag da wohl los sein? Come in and find out! Und dann setzt euch mal lieber, bevor ihr Schnappatmung bekommt. Ihr bekommt nämlich jetzt was, was ihr euch gewünscht habt, aber wahrscheinlich nicht in der Kombination. In Anbetracht der Tatsachen muss ich wohl meiner lieben Azamaus diesen Teil hier widmen. Viel Spaß u. schönen Rest-Samstag noch. Eure Lorelei



Derweil am See

Unvermittelt löste Schwester Gabi den aufregenden Kuss mit ihrem Oberarzt und zog mit klopfenden Herzen den kleinen metallischen Gegenstand aus Mehdis Jackentasche, um zu überprüfen, ob es wirklich das war, wonach es sich angefühlt hatte. Sprachlos betrachtete sie den goldenen Ring, las die Gravur, „Forever in love“, und ihr wurde richtig schummrig zumute. Das konnte doch jetzt nicht wahr sein? Er konnte doch nicht ernsthaft planen, sie zu... zu...? Sie wusste überhaupt nicht, was sie denken sollte. Das wäre doch völlig verrückt. Ihr Herz rutschte ihr in die Hose und ihre Knie wurden immer weicher. Schließlich sah sie ihren Liebsten mit ihren großen Kulleraugen fragend an und dieser wusste auch für den ersten Moment nicht, was er sagen sollte.

Gabi (atemlos): Das... das... ist ein... Ring!
Mehdi (holt tief Luft u. will den Schlamassel geradebiegen): Gabi...
Gabi (lässt ihn gar nicht zu Wort kommen u. fragt weiter aufgeregt nach): Hast du das damit gemeint, jetzt sei alles gut?
Mehdi (sprachlos): Ähm... nicht direkt. Also... äh...
Gabi (die Anspannung löst sich u. weicht der Freude): Oh mein Gott! Das... das ist verrückt. Mehdi...
Mehdi (hat sich wieder gefangen u. will es ihr erklären): Gabi, du verstehst nicht.... Hör mal! Das ist so...
Gabi (fällt ihm plötzlich ins Wort): Nein!
Mehdi (verdutzt): Nein?
Gabi (hat sich wieder einigermaßen gefasst u. legt den Ring wieder in seine Hand): Mehdi, du weißt, ich liebe dich über alles und wäre die Situation eine andere, dann würde ich auf der Stelle „Ja“ sagen.
Mehdi (sieht aufgewühlt in ihren wunderschönen Augen hin und her): Würdest du?
Gabi (nickt verlegen mit dem Kopf u. wird schnell wieder ernst): Hmm! Das alles hier ist wirklich perfekt. Der See, die Sterne, die Herzen und das Feuerwerk. Aber... das... das geht mir eindeutig zu schnell. Wir haben gerade erst die letzten Barrieren beseitigt. Wir hatten doch bisher noch gar nicht die Chance, uns so richtig zusammen zu raufen. Und wer weiß, ob es überhaupt...
Mehdi (unterbricht sie plötzlich): Stopp!
Gabi (verwirrt): Was?
Mehdi: Das... ist ein Missverständnis.
Gabi: Missverständnis? Du... du wolltest mich gar nicht fragen?
Mehdi (schüttelt beschämt den Kopf): Nein!
Gabi (spürt dann doch ein wenig die Enttäuschung): Oh!
Gratulation, Gabi! Eine Glanzleistung! Aber... wieso... dann... der Ring?
Mehdi (erklärt es ihr endlich): Gabi, das ist Annas Ehering! Sie hat ihn mir vorhin gegeben.
Gabi (ihre Augen weiten sich überrascht): Oh! Der Ring deiner Frau?
Was hat das denn jetzt zu bedeuten?
Mehdi (schluckt): Ja! Quasi als symbolisches Ende unserer Ehe.
Gabi (weiß nicht, was sie sagen soll): Oh! Das... das tut mir aufrichtig leid. Also für dich... nicht für uns. Ähm... Wie... wie geht’s dir damit?
Mehdi (nachdenklich): Es ist seltsam. Ich hab gar nicht gewusst, dass ich schon längst damit abgeschlossen habe.
Gabi (sieht ihn fragend an): Hast du?
Mehdi (erwidert ihren Blick): Würde ich dann jetzt hier stehen?
Gabi (unsicher): Weiß nicht! Und deine Frau? Wie geht es ihr damit? Das muss... schwer sein.
Ich an ihrer Stelle würde durchdrehen.
Mehdi (mitgenommen): Sie liebt mich noch.
Gabi (überfordert): Oh! Das... das hab ich mir schon gedacht.
Mehdi: Sie weiß damit umzugehen, denke ich. Sonst hätte sie mir nicht den Ring zurückgegeben.
Gabi (nickt leicht mit dem Kopf): Verstehe! Also wollt ihr euch scheiden lassen?
Mehdi: Wir haben das noch nicht direkt angesprochen, denn jetzt steht erst einmal ihr Heilungsprozess auf dem Programm, aber es wird wohl darauf hinauslaufen, ja.
Gabi (nimmt ihn in den Arm): Komm mal her!
Mehdi (schmiegt sich an sie): Zehn Jahre, Gabi, zehn Jahre! Und ich hab mal gedacht, das sei für immer.
Gabi (tröstet ihn, auch wenn es sich seltsam anfühlt): Hey! Das kann man heutzutage auch gar nicht mehr voraussagen. So ist eben der Lauf der Dinge.
Mehdi (lockert ihre Umarmung u. blickt aufgewühlt in ihren Augen hin und her): Danke!
Gabi: Wofür?
Mehdi: Dafür, dass du da bist, mich verstehst und mir nichts nachträgst. Dafür, dass du bist, wie du bist.
Gabi: Ein eifersüchtiges Scheusal?
Mehdi (schüttelt den Kopf u. streift ihre Wange): Quatsch! Eine wunderbare Frau, die mich einfach glücklich macht.
Gabi (bewegt): Du bist glücklich?
Mehdi (sieht ihr tief in die Augen): Ja, sehr!
Gabi (lächelt verliebt): Ich auch.
Mehdi: Echt?

Gabi nickte nur leicht mit dem Kopf, ohne von seinen betörend schönen braunen Augen abzulassen. Er hatte Recht, jetzt war wirklich alles gut. Langsam legte sie ihre Arme um seinen Hals, stellte sich auf ihre Zehenspitzen und küsste ihn zur Bestätigung sanft auf den Mund. Ein endlos langer zärtlicher Kuss begann, der ihre Liebe besiegelte.


Inzwischen in der Cafeteria

Derweil flippte Gretchen Haase auf der Dachterrasse völlig aus und hüpfte unter den ungläubigen Blicken ihres verdutzten Freundes, der gerade versuchte, die Sektflasche zu öffnen, weil er glatt das Anstoßen um Mitternacht vergessen hatte, vor lauter Freude auf und ab...

Gretchen: Oh mein Gott! Oh mein Gott! Oh mein Gott!
Marc (rettet die Sektflasche vor ihrem hysterischen Anfall u. öffnet sie schließlich mit einem lauten Knall, ohne groß etwas von dem Prickelwasser zu vergießen): Haasenzahn, komm mal wieder runter! Was ist denn da los? Legt dein Bruder gerade einen Striptease hin oder was?
Gretchen (hört auf zu springen u. sieht ihn an): Er nicht!
Will ich wissen, wer dann? ... Nein!
Marc (bei dem Bild, das sich gerade schaurig in seinem Kopf abspielt, muss er sich erst einmal einen großen Schluck aus der Sektflasche genehmigen): Was?
Gretchen (hibbelig): Komm mit rein! Ich will das nicht verpassen.
Marc (überfahren): Ja, was denn jetzt?

Gretchen packte Marcs freie Hand und zerrte ihn unsanft in die Cafeteria, wo alle Gesichter nach vorn zur Bühne gerichtet waren, auf der gerade Günni Gummersbach zitternd mit dem Mikrophon in der Hand auf dem Boden kniete und stotternd in selbiges hineinsprach. Es herrschte Totenstille in dem großen bunt geschmückten Festsaal, wenn man mal von dem schrecklichen Fiepen aufgrund der unsachgemäßen Handhabung eines Mikrophons, das aber gerade vom DJ behoben wurde, und von den herzzerreißenden Schluchzern von Sabine Vögler absah, die völlig fertig an ihrem Tisch saß und Kates Hand fast zu Tode quetschte, die sich ihrer angenommen hatte. Gretchen und Marc bahnten sich staunend einen Weg durch die Gaffer zu der aufgelösten Krankenschwester. Dann schauten auch sie nach vorn und lauschten sprachlos dem seltsamen Gestammel des nervösen Pathologen....

Günni: Test... Test... Test... Funktioniert! Gut! ... Entschuldigung, aber das Mikrophon war... egal! Wo war ich? Ach ja. Äh... Ich hatte gesagt... Ich wiederhole das lieber noch mal. Äh... *räusper* ... Entschuldigung! Frosch... im Hals. ... Geht wieder. Bi...bi...bienchen, hörst du mich? Einen Programmpunkt giiiibt es nämlich doch noch. Der steht aber auf keiner Liste. Außer auf meiner! ... *kicher* ... Dauert auch nicht lange. Wir müssen ja auch gleich alle wieder... Ähm... Also... *räusper* ... Immer noch der Frosch! ... Jetzt aber! ...

Marc (flüstert): Bin mir nicht sicher, ob der nicht eher in die Geschlossene gehört.
Gretchen: Marc, er ist erkältet. Sei leise!
Marc (verdreht die Augen): Boah!

Günni (hat endlich seinen Rhythmus gefunden): Bienchen, wir... wir kennen uns noch nicht so lange, aber... für mich scheint es fast so, als würden wir uns schon ein ganzes Leben kennen. Das... das sagt man wohl so, wenn man seine Seelenverwandte gefunden hat oder wenn sie einem in die Arme fällt so wie in unserem Fall... *kicher* ..., als ich dich bei unserer allerersten Begegnung hier im Krankenhauseingang aufgefangen habe. Weißt du noch? Ich wusste sofort, du bist es! Das fehlende Puzzlestück....

Marc (unter einem akuten Anfall von Fremdschämen leidend stöhnt er auf u. kuckt in die Luft): Oh Gott!
Gretchen (zischt dem Störenfried leise zu, weil sie unbedingt Günnis Worten folgen will): Marc!
Ich hab mich geirrt. Ich bin in der Geschlossenen! Wo ist der Ausgang! Hilfe!

Günni: ... Ich hab um dich geworben und du hast meine sehnlichsten Gebete erhört, wenn auch mit etwas Verzögerung. ... *kicher* ...

Während Assistenzärztin Kate Sabines Freudentränen trocknete und Gretchen ihr liebevoll über die Schulter fuhr und sich an ihr erstes zartes Aufeinandertreffen an ihrem Mädelsabend auf dem Speeddating erinnerte, wo Maria und sie ihr einen Mann zum Geburtstag schenken wollten, der dann doch schon die ganze Zeit heimlich in ihrer Nähe gewesen war, wie sich im Nachhinein herausgestellt hatte, rollte Marc nur theatralisch mit den Augen...

Marc: Mir wird schlecht.
Gretchen (funkelt den Grummel böse an): Ein bisschen mehr Respekt, Marc!
Marc (verständnislos): Wovor? Vor der Institution der Ehe oder davor, dass er sich hier gerade zum Affen macht? Wobei er war ja eh schon einer vorher.
Gretchen (blickt Marc aus kleinen Augenschlitzen an u. versucht mit einem Ohr Günnis weitere Rede mitzubekommen): Ich finde das sehr romantisch.
War ja klar!
Marc: Ich bitte dich. Mit dem Gefasel würde er nicht mal eine seiner sedierten Leichen rumkriegen.
Gretchen (blitzt ihn an): Na da spricht ja wohl der Experte. Mach du es doch besser!
Äh... sie meint aber jetzt nicht das, was ich denke, was sie meinen könnte? Ich dachte, das hätten wir neulich besprochen?
Marc (gereizt): Woah Haasenzahn! Soweit kommt’s noch!
Gretchen (fordert ihn mit funkelnden Augen heraus): Na das hoffe ich doch.
Also das hoffe ich wirklich, irgendwann, wenn der kleine Onkel Marc groß geworden ist und aus dem Kindergarten entlassen wird.

Damit hatte Gretchen es tatsächlich geschafft, dass es Dr. Meier für den Moment die Sprache verschlug, der nun beschloss, um weitere Dramen zu vermeiden, lieber gar nichts mehr zu sagen, was man gegen ihn verwenden könnte. Günnis Ansprache rauschte daher auch nur aus weiter Ferne zu ihm heran...

Günni: ... Du bereicherst mein Leben, Bienchen, mit deiner ganzen zauberhaften Art. Du machst mich einfach glücklich. Und ich liebe dich über alles. Ich will mein Leben mit dir verbringen und ich wünschte mir, dass es sofort beginnen könnte. Warum warten, wenn man die einzig wahre Liebe schon gefunden hat.

Oh Mann! Der hat eindeutig an Sabines Fach geschnüffelt. Dr. Rogelt, Bd. 47, Bis(s) ans Ende ihrer Zeit. Wie hoch liegt eigentlich die Lebenserwartung von Außerirdischen? Wie alt war noch mal Alf?

Gretchen (bekommt richtig Herzklopfen u. schaut ganz verklärt nach vorn): Hach... ist er nicht süß!

Doch ihr eingeschnappter Freund reagierte nicht auf ihre alberne Schwärmerei, galt sie doch einem anderen Mann, der für ihn noch nicht mal als Mann, höchstens als Männchen, galt, wo dieser sich doch gerade seine Eier abschnitt. Fassungslos starrte er nun auf das schlechte Schauspiel auf der Bühne. Günni hatte ihn vorhin schon nicht als Butler James überzeugt, geschweige denn jetzt als was auch immer... Richard Soundso. Marcs einziger Trost in diesem Moment war die Flasche Sekt in seiner Hand, die er ganz langsam zu seinen Lippen hinbewegte, bis Gretchen sie ihm abrupt aus der Hand riss und auf den Tisch stellte. Beleidigt verschränkte der Bestohlene seine Arme und schaute demonstrativ in eine andere Richtung, während seine Freundin wieder gebannt nach vorn schaute.

Günni: Kommst du bitte zu mir, Sabine!

... fragte Dr. Gummerbach schließlich mit zittriger Stimme. Doch seine Angebetete hing wie ein Schluck Wasser auf ihrem Stuhl und weinte hemmungslos, dass man sich hätte wundern können, warum ihr Tisch nicht schon gänzlich unter Wasser stand. Sabine konnte sich nicht vom Fleck rühren. Hilflos schaute Kate zu ihrer blonden Kollegin. Dr. Haase griff beherzt ein, trocknete Sabines Tränen, flüsterte ihr aufmunternde Worte zu und nahm sie an ihre Hand, um sie zur Bühne zu führen. Mit wackeligen Beinen erklomm die Krankenschwester schließlich die Empore. Die Blicke, die auf sie gerichtet waren, bemerkte sie nicht, denn Günnis liebevoller Blick hielt sie gefangen. Ihr Kavalier kam auf Knien etwas näher zu ihr herangerutscht und nahm ihre zitternde kleine Hand, die er zärtlich tätschelte. Verliebt blickte er zu der blonden Krankenschwester hoch, die aufgehört hatte, zu atmen, während Gretchen total gerührt neben der Bühne stehen blieb...

Günni: Sabine Vögler, würdest du mir, Dr. Günther Gabriel Gummersbach, die Ehre erweisen und mich heiraten?

Lorelei Offline

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04.09.2011 17:25
#1105 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Na, hab ich euch erwischt? Dann nehmt mal schnell Baldrian ein! Hier kommt Teil 2 des Sabünni-Antrags. Image and video hosting by TinyPic Viel Spaß! Eure Lorelei




Alle im Saal hielten den Atem an und blickten gespannt zu dem glücklichen Paar nach vorn. Selbst der coole Marc Meier riskierte ein Auge und wartete ungeduldig auf die Antwort seiner trantüdeligen Krankenschwester, doch die blieb zunächst aus. Dabei fiel sein Blick auch immer wieder auf Gretchen, die ganz gerührt neben der Bühne stand, mit ihrer Hand an ihrem Herzen mitfieberte und die beiden nicht mehr aus den Augen lassen konnte, um ja nichts zu verpassen. Ob sie bei ihm auch so reagieren würde? Marc schüttelte fassungslos den Kopf. Auf was für verrückte Ideen kam er denn jetzt auf einmal? Das musste wohl an der rührseligen Umgebung hier liegen. Er drehte sich schnell weg und ging zur Bar, wo er sich eine Cola bestellte, die er gerade ansetzen wollte, als er plötzlich ein dumpfes Krachen und einen lauten Aufschrei hörte. Gretchen, schoss es ihm durch den Kopf und er drehte sich panisch herum. Aber es war lediglich ihre angsterfüllte Stimme gewesen. Denn Sabine lag mit lang ausgestreckten Beinen auf der Bühne und Gretchen und Günni hatten sich über sie gebeugt. Tja, der Mangel an Atemluft hatte bei der aufgeregten Stationsschwester ihren Tribut gezollt. Besorgt rüttelte Günni an ihrem Arm und Gretchen strich ihr liebevoll über ihre Wange...

Günni (mit angsterfüllter Stimme): Bienchen, was hast du denn? Schnurzelchen!
Gretchen (zieht ihren Kittel aus, knüllt ihn zusammen u. bettet Sabines Kopf darauf u. kontrolliert ihren Puls): Sabine, hey! Was machst du denn für Sachen?

Die beiden nahmen nur am Rande wahr, wie sich plötzlich ein Mann im weißen Kittel neben sie hockte, die Hand ausholte und der Ohnmächtigen eine klatschte. Sofort saß Schwester Sabine wieder aufrecht auf der Bühne und schaute verwirrt in die verdutzten Gesichter...

Sabine: Wo...wo bin ich?
Günni (durcheinander): Sternzeit 0.20. Elisabethkrankenhaus, Berlin. Kantine.
Oh Mann, der stammt ja wirklich von einem anderen Planeten!
Gretchen (sieht Günni perplex an, dann fürsorglich Sabine): Äh... ja? Du... du bist einfach umgekippt, Sabine.
Sabine (peinlich berührt): Oh!
Gretchen (streichelt ihre Wange): Das war wohl ein bisschen viel für dich.
Günni (hält immer noch die Schachtel vom Juwelier in der Hand u. weiß nicht, was er jetzt tun soll): Aber...
Marc (beugt sich augenrollend über seine Stationsschwester u. fängt ihren ängstlichen Blick ein): Sabine, antworten, aber zackig! Und dann zack runter in die Notaufnahme. Wir haben nicht ewig Zeit. Die Patienten warten.
Sabine (haucht Dr. Meier ehrfurchtsvoll zu): Ja!
Marc: Nicht mir, ihm, Schwester Sabine!

Marc rollte nur mit den Augen, stand auf und verließ zusammen mit Gretchen die Bühne. Etwas abseits blieben sie stehen und sahen dabei zu, wie Günni seine Fast-Verlobte nun vorsichtig wieder auf die Füße setzte, ihre beiden kleinen Händchen erfasste und wie sie ihn dabei verliebt anstrahlte und Dr. Meiers Anweisung pflichtbewusst befolgte...

Sabine: Ja, ich will, Günni!

Marc (nickt zufrieden): Na geht doch!

Gretchen ging das Herz auf und sie himmelte ihren unheimlich coolen Helden stolz von der Seite an und schmiegte sich an seinen Arm. Verwundert schaute er seine Schmusekatze an und lächelte schließlich, während Günni seiner Verlobten nun zittrig den Ring ansteckte und sie im Anschluss innig umarmte und dann zaghaft auf den Mund küsste. Alle anwesenden Gäste begannen zu applaudieren und das glückliche Paar schaute verlegen zu ihnen herab. Gretchen weinte vor lauter Rührung und tupfte sich mit einem Taschentuch ihre Freudentränen ab...

Gretchen: Das war so schön!
Marc (blickt ungeduldig zur großen Wanduhr, die 0:22 anzeigt): Na ja!?
Gretchen (schwärmt): Das ist wahre Liebe.
Marc (etwas traumatisiert von dem Gesehenen): Äh....Wohl eher extraterrestrische Liebe oder was auch immer.
Gretchen (seufzt): Marc, ich weiß, dass du dich auch freust.
Marc (grinst sie auf einmal an): Jep! Denn unsere Schicht fängt nämlich gerade an. Also hopp hopp!

Die von dem Antrag noch tief bewegte Assistenzärztin schüttelte nur den Kopf und folgte ihrem unwiderstehlichen Oberarzt zur Tür, die er lässig aufstieß und ihr aufhielt...

Gretchen: Marc, du bist unverbesserlich.
Marc (kommt ihr mit seinem Gesicht gefährlich nahe u. stupst ihr Näschen an, bevor er sich sofort wieder zurückzieht u. gemächlich den Gang vorläuft, während er seine leicht verwirrte Freundin an der offenen Tür zurücklässt): Und du unverbesserlich kitschig.
Gretchen (braucht einen Moment, um seine aufregende Annäherung zu verarbeiten u. tippelt dann schnell hinter ihm her, bis sie ihn eingeholt hat): Dann weißt du ja jetzt, worauf du dich eingelassen hast.
Marc: Ich habe es befürchtet.

...stöhnte er augenrollend und hakte sich bei ihr ein. So eng umschlungen verließen die beiden Ärzte die Silvesterparty, deren Ende gerade von Oberschwester Stefanie im gewohnten Oberfeldwebelton eingeläutet wurde, die kein Verständnis für die liebesbedürftige Belegschaft hatte. Nachdem sie ihre Glückwünsche entgegengenommen hatten, folgte auch das frisch verlobte Paar dem vorangegangenen Ärztepaar. Die Partygesellschaft löste sich allmählich auf, während die Helfershelferlein mit den Aufräumarbeiten begannen und der DJ der guten Laune, beschwingt von dem romantischen Ausgang des Abends, ein letztes Lied auflegte.

http://www.youtube.com/watch?v=XwajTekSAcM

Auch bei dem verliebten Pärchen am See, das eng umschlungen miteinander unter dem klaren Sternenhimmel getanzt hatte, herrschte Aufbruchstimmung. Mehdi war nämlich gerade angepiept worden und wurde im Kreißsaal verlangt. Wehmütig sahen sie sich an, nahmen sich noch einmal in den Arm, drückten sich fest und gingen dann Hand in Hand zurück zum Krankenhaus, wo sich ihre Wege mit einem letzten Kuss schließlich trennten. Der Ernst des Lebens hatte alle wieder eingeholt. Doch der eine oder andere trat seine Nachtschicht mit einem seligen Lächeln an.

Lorelei Offline

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05.09.2011 21:34
#1106 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hey ihr Lieben! Freut mich, dass ihr Spaß hattet bei den beiden Ja-Worten von Sabine. Ich muss euch leider mitteilen, dass damit die Silvesterparty geendet hat, aber es geht noch in derselben Nacht weiter. Denn eine Person hat ja die ganze Zeit irgendwie gefehlt. Wo sie wohl war und wie’s ihr geht? Das erfahrt ihr jetzt. Viel Spaß! Eure Lorelei




Nur eine Person hatte einen eher traurigen Jahreswechsel verlebt, wenn sie ihn auch in ihrem Element verbringen durfte. Dr. Maria Hassmann war im OP gewesen, als um Mitternacht bunte Feuerwerke und rote Herzen über dem Berliner Nachthimmel tanzten, sich Menschen fröhlich in die Arme fielen und miteinander anstießen oder mit dem Liebsten schmusten, und hatte einem sechzehnjährigen Jungen sein Augenlicht wieder geschenkt, nachdem dieser durch einen verunglückten Böller Splitter in Gesicht und Auge bekommen hatte. Sichtlich zufrieden über den gelungenen Ausgang des komplizierten feinchirurgischen Eingriffs hatte die Neurochirurgin dann den Operationsbereich wieder verlassen und hatte noch einmal kurz bei ihrer grantigen Mutter vorbeigeschaut, die darauf bestanden hatte, und hatte ihr ein gesundes neues Jahr gewünscht. Auf ihre mehr als gut gemeinten Ratschläge, was Männer betraf, hätte sie aber gut und gerne verzichten können. Jedes Jahr dasselbe Spiel. Maria hatte es so satt. Konnte man nicht einfach nur emanzipiert, eigenständig und allein sein? Nein, nicht in den Augen von Hannelore Hassmann, die ihr halbes Leben mit ein und demselben Mann verbracht hatte. Aber Maria führte nun mal ihr eigenes Leben und nicht das von ihrer Mutter. Gut, dass sie ihr das mit Cedrics Auftauchen hier im Krankenhaus nicht erzählt hatte. Wer weiß, was sie dann gesagt hätte? Hmm... Damit hätte sie sie sicherlich zum Schweigen gebracht. So wie neulich, als Hannelore ihn in Schlafzimmer ihrer Tochter vorgefunden hatte. Ohne Socken und mit falsch zugeknöpftem Hemd! Bloß nicht wieder daran denken! Was bildete der sich auch überhaupt ein, hier einfach so aufzukreuzen und in ihrem Revier zu wildern? Maria hoffte inständig, dass ihre mehr als deutliche Ansage vorhin auch wirklich bei ihm angekommen war und er die Stelle absagen würde. Sie beide zusammen auf ein und derselben Station, das würde nicht funktionieren. Das wäre Kalter Krieg der schlimmsten Sorte. Das hatte doch damals schon nicht funktioniert und da war er noch ihr Chef gewesen, jetzt wäre sie quasi seiner, was zwar an sich eine Genugtuung für sie wäre, anderseits aber auch völlig unvorstellbar. Sie wollte das nicht. Sie hatte schon genug Päckchen zu tragen. Und was brachte ihm das überhaupt, hundert Karriereschritte zurückzugehen? Das war doch überhaupt nicht sein Stil. Er war doch immer derjenige gewesen, der sich auf Kosten anderer profilieren musste. Was sollte das also? War es doch ihretwegen? Nein, das war doch völlig absurd. Wegen dieser einen bescheuerten unbedeuteten Nacht? Hatte die etwa irgendetwas bei ihm ausgelöst? Sicher nicht! Doch nicht bei Cedric ‚alle Frauen lieben ihn’ Stier! Maria war die Gedanken an ihren Exmann so leid. Er brachte alles durcheinander. Cedric sollte sie endlich ein für alle mal in Ruhe lassen. Basta! Sie hatte mit dem Thema abgeschlossen. Alten Kaffee aufzuwärmen, war nicht ihr Ding. Frischer dagegen schon.

Maria Hassmann stand gerade vorm Kaffeeautomaten im Erdgeschoss, um sich die nötige Ration Koffein für die nächsten anstrengenden Stunden ihrer Nachtschicht zu besorgen. Während sie darauf wartete, dass der Kaffee langsam durchlief, geriet sie unweigerlich wieder ins Grübeln. Eigentlich war es ja ganz gut, dass sie keine weiteren Altlasten mit ins neue Jahr getragen hatte. Sie wusste jetzt, woran sie bei Dr. Kaan war, auch wenn es ihr immer noch kleine Stiche ins Herz versetzte, wenn sie daran dachte, wie sie es erfahren musste und gegen wen sie verloren hatte. Doch insgeheim war sie froh, dass sie ihn endgültig los war. Das mit ihnen beiden hätte doch nie und nimmer geklappt. Sie waren wie Feuer und Wasser, Tag und Nacht, Ebbe und Flut. Was hatten sie denn schon groß gemeinsam, außer einem verkorksten Vorleben? Er war der weiche Frauenversteher, der immer noch von der großen einzig wahren Liebe träumte, obwohl er schon so oft auf die Schnauze gefallen war. Sie war dagegen die taffe Karrierefrau, die der Realität immer ins Auge blickte und die das Leben klug gemacht hatte. Wahre Liebe war doch nur eine idiotische Illusion. Das hatte ihr ihre Erfahrung gelehrt. Sie waren einfach zu verschieden. Mehdi war sensibel und einfühlsam. Sie nicht. Er war furchtbar romantisch und kitschig veranlagt, liebte amerikanische Liebesschnulzen über alles und weinte ständig und überall. Sie nicht. Er war zärtlich und anlehnungsbedürftig und sie musste nicht immer unbedingt kuscheln, sondern wollte lieber ihre Ruhe und nicht über alles reden. Diskutieren ja, aber Mehdi war eher der Typ der Diskussionen aus dem Weg ging. Sie nicht. Und diese Schmuserei, die er immer an ihrem Ohr veranstaltet hatte, eigentlich mochte sie das gar nicht. Er war einfach zu lieb gewesen. Keine harten Kanten, an denen man sich reiben konnte. Gut, wenn man jetzt seine körperliche Statur außer Acht ließe, denn die war schon sehr heiß und äußerst reizvoll. Die braungebrannte Haut eines feurigen Südländers, sein Sixpack, sein ganzer durchtrainierter Körper, wenn er mal nicht aus Frust in der Cafeteria beim Nachtisch gesündigt hatte, die tiefe markante Stimme, die jedes Mal eine dicke Gänsehaut bei ihr auslöste und seine tiefsinnigen dunklen Augen, mit denen er einen dermaßen in den Bann zog, dass man alles um sich herum vergessen konnte. Er war schon ein toller Mann. ... Stopp! Nein, du glorifizierst ihn jetzt nicht, Maria, redete sie sich augenrollend ein. Mehdi Kaan war alles andere als perfekt. Sein Leben war ein einziger Scherbenhaufen, seine Seele schwer angeknackst und sein Herz durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Er hatte mehr durchstehen müssen, als andere je in ihrem ganzen Leben ertragen hätten. Seine traurigen depressiven Phasen, damit kam sie eigentlich nicht wirklich klar, auch wenn sie sich immer bemüht hatte, für ihn da zu sein. Irgendetwas in ihr wollte ihm unbedingt helfen und es hatte sich gut angefühlt, aber aus der Trösternummer war sie offenbar nicht mehr raus gekommen. Und als er endlich wieder aus seinem Loch gekrochen gekommen war, war sie durch einen alkoholbedingten Ausfall abgelenkt gewesen und es hatte ihm schon eine andere aufgelauert und ihn sich geschnappt. War sie enttäuscht deswegen? Ja, schon sehr. Sie hätte sich ein Leben mit ihm schon in den schönsten Farben vorstellen können, aber nicht nur weil er ein toller Liebhaber war und man sich auf ihn verlassen konnte. Nein, sie hatte schon viel weiter gedacht. Er wäre der perfekte Vater für Sarah gewesen. In dieser Hinsicht hätte es sicher mit ihnen klappen können. Aber es ging ja nicht nur um ihre Tochter. War sie sauer? Auch, ja, aber seltsamerweise nicht so sehr, dass sie ihm am liebsten den Kopf abreißen würde. - Gabis’ dagegen schon! - Sie war von ihrer albernen rosaroten Wolke gefallen, auf die er sie verschleppt hatte. Dort oben hatte ihr einfach der nötige Sauerstoff für das logische Denken gefehlt. Sonst wäre ihr sicherlich schon eher aufgefallen, dass etwas nicht gestimmt hatte. Jetzt sah sie dagegen endlich wieder klar.

Im Nachhinein betrachtet, war sie in den letzten Wochen und Monaten gar nicht mehr sie selbst gewesen, so gefühlsduselig, wie er sie gemacht hatte mit seiner ganzen charmanten süßen hilfsbedürftigen Art. Wahrscheinlich musste sie Cedric auch noch dafür dankbar sein, dass er ihr quasi die Augen geöffnet hatte, als er sie... Blödsinn! Maria schüttelte heftig den Kopf und nahm dann ihren Kaffeebecher in die Hand, aus dem sie nun einen kleinen Schluck trank. Ganz bestimmt nicht! Sie war auch froh, dass sie ihn endlich losgeworden war, warum auch immer er neuerdings ihre Nähe suchte. So anhänglich war er früher nie gewesen. Damals hing er immer lieber am kurzen Rocksaum irgendeiner billigen Blondine, die auf seine blöden „Ich bin Arzt“-Sprüche hereingefallen war. Tzz... Cedric ‚Ich krieg sie alle ab’ Stier hatte sich keinen Deut verändert und sie hasste sich dafür, dass sie noch einmal alkoholbedingt bei ihm schwach geworden war. Und der Kuss gestern ganz zu schweigen. Kein Wunder, dass er sich bestätigt fühlte und ein Ego wie ein Zweitonner vor sich her trug, um sogar die Dreistigkeit zu besitzen, hier anfangen zu wollen. Mistkerl, schimpfte sie und nahm noch einen kräftigen Schluck aus ihrem Kaffeebecher.

Schluss damit! Sie würde keinen Gedanken mehr an die Männerwelt verschwenden. Das war doch mal ein guter Vorsatz fürs neue Jahr. Allein war sie immer noch besser dran. Das ersparte ihr eine Menge schlafloser Nächte und dämliche Grübeleien. Außerdem war sie eh viel zu stark und emanzipiert für die hiesige Männerwelt. Der Mann, der ihr das Wasser reichen konnte, musste erst noch gebacken werden. Mit neu gewonnenem Selbstbewusstsein schmiss sie den leeren Pappbecher in den Papierkorb neben dem Automaten und schlug den Weg zur Notaufnahme ein. Arbeit war immer noch die beste Medizin. Auf halben Weg dorthin kam ihr auch schon ein Sanitäter mit einer Trage entgegen. Sie blieb neben ihm stehen und warf einen fachmännischen Blick auf den sedierten Patienten...

Maria: Was haben wir?
Gordon: Unfallopfer, 46, männlich, schweres Schädel-Hirntrauma und Verdacht auf innere Verletzungen.
Maria (dreht sich auf der Stelle um u. macht sich auf den Weg): Ok, mitkommen! Behandlungszimmer 1. Wie ist das passiert?
Gordon (folgt ihr mit der Trage u. mustert dabei eingehend ihre reizende Rückseite): Irgend so ein Irrer ist in eine Menschenmenge gefahren. Da kommen gleich noch mehr rein. Rössel und Meier sind schon informiert.
Maria: Auch das noch.

... sagte die Ärztin stöhnend und schob die Tür zum Behandlungszimmer auf. Gordon folgte ihr mit der Bahre. Mit vereinten Kräften hoben sie den schwer verletzten Patienten auf die Behandlungsliege. Die Neurologin zog sich Handschuhe über und begutachtete dessen Verletzungen...

Maria (plötzlich hektisch): Ok, der muss sofort in den OP. CT machen wir auf dem Weg.

Die Oberärztin schaute sich in dem Zimmer um und rief dann zur Tür hinaus...

Maria: Ist hier irgendwo eine Schwester?

Keine fünf Sekunden später stürmte auch schon eine brünette Krankenschwester in das Behandlungszimmer. Doch noch im Türrahmen hielt sie inne und blickte irritiert zu der grimmigen Oberärztin, die nicht minder entsetzt dreinblickte...

Gabi: Ja, hier... ich!
Scheiße!
Maria (traut ihren Augen kaum u. flucht leise vor sich hin): Och nee!
Die hat mir gerade noch gefehlt.
Gabi (hat ihre Begeisterung deutlich gespürt, die sie als einziges mit ihr teilt): Ja, tut mir leid, Frau ... Doktor... Hassmann. Sie müssen leider mit mir vorlieb nehmen. Die anderen sind mit der Neuaufnahme der Patienten beschäftigt. Irgend so ein Irrer hat am Potsdamer Platz ein paar Menschen über den Haufen gefahren.
Maria (zieht die Handschuhe aus, wirft sie in den dafür vorgesehenen Abfallbehälter u. fährt sich dann über die Stirn, bevor sie Gabi betont professionell anweist): Na super! Mir bleibt heute auch nichts erspart. ... Ok, den Mann sofort in den OP! Vorher Kopf- und Thorax-CT. Und piepen Sie die Haase an, sie soll mir assistieren. Ich rufe im OP an und lasse alles vorbereiten.
Gabi: Jawohl! Wird erledigt.

Mit einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch ging Schwester Gabi an der grimmig dreinblickenden Oberärztin vorbei, die ihr mit ihrem eifersüchtigen Kontrollblick tierisch auf die Eierstöcke ging und schnappte sich die Liege mit dem Patienten, schob sie am blonden Sanitäter vorbei, der ihr anzüglich zuzwinkerte, was sie aber betont ignorierte - sie hatte Gordon schließlich vorhin schon einmal die Luft aus den Segeln genommen, offenbar aber nur mit mäßigem Erfolg, aber der Hanfanbauer war nun mal nicht gerade ihr gravierendstes Problem im Moment -, und verschwand schnell aus dem Behandlungszimmer. Im Flur angekommen, atmete sie erleichtert aus, verfluchte kurz Oberschwester Stefanie, die sie heute ausgerechnet hier eingeteilt hatte, und machte sich dann schnell mit dem Patienten auf den Weg. Gordon hatte das Schauspiel der beiden Frauen verwundert verfolgt, bis ihm plötzlich ein Lichtchen aufgegangen war und er noch breiter grinsen musste. Er reichte der zickigen Oberärztin das Übergabeprotokoll, das Maria schnell überflog und unterzeichnete, und konnte sich einen spöttischen Kommentar einfach nicht verkneifen...

Gordon: Haben Sie ein Problem mit Schwester Gabi, Frau Dr. Hassmann?
Maria (mit bösem Blick): Ich wüsste nicht, was Sie das angeht, Herr Tolkin. Und jetzt raus hier!

... patzte sie Gordon schnippisch an und schnappte sich das Telefon, um im OP anzurufen. Grinsend verließ der blonde Sanitäter daraufhin den Behandlungsraum, stieß aber noch an der Tür mit Dr. Gretchen Haase zusammen, die gerade angerannt gekommen war, aber nicht mehr rechtzeitig hatte bremsen können, und der er fröhlich zuzwinkerte, bevor er weiter seines Weges ging...

Gordon: Gutes Neues, Frau Doktor!
Gretchen (sieht Gordon verdutzt nach u. wendet sich dann schnell Maria zu, die gerade den Hörer auflegt u. nun auf ihre Kollegin zukommt): Oh! Äh... ja, danke! Ihnen auch, Gordon! ... Maria, du hast mich angepiept.

Dr. Hassmann nickte nur stumm mit dem Kopf, nahm die Mappe des Patienten, drückte sie ihrer Kollegin in die Hand und wollte anschließend das Zimmer verlassen. Gretchen überflog kurz das Ganze und lief neben ihrer Vorgesetzten her, die ein ordentliches Tempo an den Tag legte.

Gretchen: Du weißt ja gar nicht, was vorne los ist. Fünf Schwer-, sieben Leichtverletzte und noch ein paar Leute mit Schnittverletzungen und Prellungen. Man vermutet bei dem Fahrer Drogenmissbrauch. Er ist ebenfalls unter den Schwerverletzten. Marc kümmert sich gerade um ihn.
Maria (gereizt): Ja, quatsch mich nicht voll. Der OP wartet. Schädel-Hirn-Trauma und vermutlich auch innere Verletzungen. Die machst du. Schwester Gabi bringt den Patienten gerade in die Radiologie.
Gretchen (stutzt): Gabi?
Oh, oh! Das erklärt natürlich ihre „gute“ Laune. Na die OP wird sicherlich... ein Spaß! Jippie!
Maria: Was kuckst du denn jetzt so?
Gretchen (senkt unschuldig den Blick): Nichts.
Maria (patzig): Mein Gott, sie ist mir zugeteilt worden. Jetzt lass die betroffene Miene sein. Ich kann das trennen.
Gretchen: Ich dachte nur... wegen... vorhin...
Maria (will nichts mehr dazu hören): Boah! Das war im alten Jahr. Abgehakt.
Das glaube ich ihr aber nicht.
Gretchen (kann es nicht lassen): Wenn du reden willst, dann...
Maria (blitzt sie an): Reden, werte Frau Kollegin, werden wir nur über den Patienten. Und wehe dir, du hältst dich nicht daran! In zehn Minuten im OP 2.
Gretchen (leicht eingeschüchtert nickt sie mit dem Kopf): Ja.
Reden wird eh völlig überbewertet.

Jetzt trennten sich die Wege der beiden befreundeten Ärztinnen. Während Dr. Hassmann den Weg über das Treppenhaus wählte, fuhr Dr. Haase mit dem Aufzug in die Radiologie, wo sie von Schwester Gabi den Patienten in Empfang nahm, die CT-Bilder überprüfte und dann schnell Richtung OP eilte. Denn es war fünf vor zwölf.

Lorelei Offline

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06.09.2011 17:43
#1107 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Im OP-Saal selbst herrschte dann eisiges Schweigen zwischen den anwesenden Frauen. Dr. Haase und Dr. Hassmann arbeiteten konzentriert nebeneinanderher. Alle Griffe saßen perfekt. Schwester Gabi reichte ohne zu mucken die OP-Bestecke, auch wenn die leitende Operateurin etwas barsch danach verlangte und Mehdis beste Freundin der leidend dreinblickenden OP-Schwester immer wieder mitfühlende Blicke zuwarf, die Gabi aber betont ignorierte. Mitleid konnte sie nämlich ganz und gar nicht ab. Genauso wenig wie offen zur Schau gestellte Abneigung ihr gegenüber. Sie konnte froh sein, nicht selbst auf dem OP-Tisch gelandet zu sein. In Hassis teuflisch funkelnden Augen konnte sie diesen Wunsch nämlich deutlich lesen und diese Operation würde bei weitem nicht so präzise und professionell von statten gehen wie diese hier. Um die deutlich angespannte Stimmung ein wenig aufzulockern, beschloss Gretchen schließlich einzugreifen und begann locker mit ihren Kolleginnen zu plaudern, ohne dabei vom Patienten aufzusehen, den sie gerade operierte...

Gretchen: Und was denkt ihr über Sabine und Günni? Toll oder?

Während Dr. Hassmann kurz verwundert vom geöffneten Schädel des Patienten aufsah und Gabi ziemlich ratlos in Richtung der Plaudertasche kuckte, mischten sich die Anästhesistin und eine weitere OP-Schwester gleich begeistert ein...

Anästhesistin: Ja, wer hätte das gedacht?
OTA: Ich wusste ja gar nicht, dass Schwester Sabine überhaupt einen Freund hat und dann noch so einen charmanten und redegewandten.
Gretchen (lächelt unter ihrem Mundschutz u. arbeitet konzentriert weiter): Äh ja! Das kam alles schon ziemlich überraschend.
Gabi (dann doch von der Neugier gepackt, sieht sie Gretchen an): Was denn?
Maria (ziemlich genervt): Was hab ich vorhin gesagt, Haase? Keine belanglosen Plaudereien in meinem OP.
Gretchen (schaut kurz zu Gabi u. dann ihrer Vorgesetzten wieder in die Augen): Das galt ja auch eher einem anderen Them...
Maria (funkelt sie böse an): Haase!
Upps! Erst denken, dann reden, Gretchen! Oberste Regel im Umgang mit frustrierten Oberärztinnen.
Gabi (blickt Dr. Hassmann plötzlich direkt in die Augen): Ok, mir reicht das Rumgezicke jetzt wirklich!
Maria: Was erlauben Sie sich?
Oh, oh! Nicht gut!
Gretchen (will Schlimmeres verhindern): Mädels, bitte!
Gabi (schaut über den Patienten hinweg zur Assistenzärztin): Nee, lass mal, Gretchen. Ich will das jetzt ein für allemal klären.
Ich aber nicht! Was bildet die blöde Kuh sich eigentlich ein?
Maria (blitzt Gabi an u. operiert weiter): Und ich will operieren.
Gabi (rollt theatralisch mit den Augen u. sieht sie dann entschieden an): Es tut mir leid, ok, wie das alles gelaufen ist. ... Nein, stimmt nicht! Eigentlich tut es mir nicht leid.
Oh Gott! Sie macht es nur noch schlimmer. Und Maria hält ein Skalpell in der Hand! Hilfe!
Gretchen (panisch): Gabi!
Gabi (schaut Gretchen über den Patienten hinweg in die Augen): Und du, hör auf, dich ständig in alles einmischen zu wollen! Das nervt.
Maria: Dito!
Na toll, in dem Sinne sind sie sich einig.
Gretchen (eingeschnappt setzt sie mit ihrem Teil der OP fort): Entschuldigung! Ich wollte nur...
... vermitteln. Dann eben nicht!
Gabi (wendet sich wieder entschlossen Dr. Hassmann zu): Es tut mir nicht leid, weil ich Sie nicht leiden kann und weil ich Sie regelrecht dafür gehasst habe, dass Sie und er... na ja... Sie wissen schon. Aber ... er hat sich entschieden und Sie werden damit leben müssen. Ich weiß, wie scheiße sich das anfühlen muss, aber... Ach was soll’s? Von mir aus können Sie mich gerne beschimpfen oder sonst was machen, aber es wird doch wohl möglich sein, einigermaßen professionell mit der Sache umzugehen, zumindest hier im Krankenhaus.
Maria (mit stetem Blick auf den Patienten u. zusammengebissenen Zähnen): War’s das dann?
Gabi: Ja! ... Nein, eine Sache noch.
Maria (blickt dann doch genervt auf): Boah!
Gabi: Er hat Sie wirklich nicht verletzen wollen. Das können Sie mir glauben.
Bleib ruhig! Du nimmst jetzt das Skalpell und kratzt weiter an dem Schädel herum. Ihre Augen sind tabu. Du kratzt sie ihr nicht aus. Du stehst da drüber. Hauptsache sie hält endlich ihre Klappe. Mehdi ist Vergangenheit! Der Patient ist Realität! Also!
Maria (bemüht sich ruhig zu bleiben, obwohl es immer noch in ihr brodelt): Skalpell!
Gabi (sieht sie verwirrt an): Hä?
Maria (in gewohnter Oberarztmanier): Kümmern Sie sich jetzt gefällig um Ihren Job hier, Schwester Gabi!
Gabi (zuckt zusammen u. reicht ihr das Gewünschte): Oh! Klar! Hier!
Geschafft! Mehdi wäre stolz auf mich!
Maria (atmet tief durch u. setzt dann den nächsten Schnitt an, dennoch braucht sie dringend Ablenkung u. wendet sich dafür wohlwissendlich an ihre Assistenz): Und was war jetzt mit unserer Mondflüsterin, Dr. Haase?
Gretchen (schaut verwundert vom geöffneten Thorax auf): Äh... Sie und Günni ... also Dr. Gummersbach werden heiraten.
Gabi/ Maria (gleichzeitig):Was?

Dr. Hassmann hätte fast das Skalpell falsch angesetzt und Schwester Gabi griff nach dem falschen OP-Besteck. Beide schauten ihre Kollegin ziemlich entgeistert an und lauschten nun ungläubig Gretchens Schilderungen und konnten kaum glauben, dass ausgerechnet das unscheinbare und oftmals planlos wirkende Mauerblümchen vor ihnen zum Traualtar schreiten würde. Das Leben war doch manchmal echt scheiße ungerecht. Für den Patienten war es aber gerecht. Denn keine zehn Minuten später konnte die Notoperation erfolgreich abgeschlossen werden und Schwester Gabi schob den Patienten nun zur Überwachung auf die Intensivstation. Gretchen und Maria entledigten sich derweil ihrer OP-Kluft und wuschen ihre Hände im OP-Vorraum.

Gretchen (sieht zur Seite): Ich finde es gut, dass ihr euch ausgesprochen habt.
Maria (genervt): Oh bitte, Gretchen!

Marc (grinst): Na? Nervt sie schon wieder? Dann werd ich dich mal von ihr erlösen.
Maria (zynisch): Wie nett und zuvorkommend von dir, Meier!
Marc (zwinkert ihr zu): Immer wieder gerne, Frau Doktor.
Gretchen (dreht sich überrascht herum): Marc!?

Unbemerkt von den beiden Frauen hatte sich der attraktive Oberarzt nämlich in den OP-Bereich geschlichen und stand nun mit verschränkten Armen grinsend neben ihnen am Waschbecken und musterte insbesondere seine Freundin ganz besonders argwöhnisch...

Marc (zu Gretchen): Ich brauch dich in der Notaufnahme, Haasenzahn.
Gretchen (dreht den Wasserhahn zu u. trocknet sich ab): Ok!
Marc: Kommst du da eine Weile alleine zurecht?
Gretchen (nickt): Sicher!
Marc (nickt zufrieden u. wendet sich dann an Maria, die gerade ihr Handtuch in den dazu vorgesehenen Behälter wirft): Gut! Und Hassi, du wirst im OP 3 verlangt. Kopfverletzung. Alles Nähere erklärt dir der Assi.
Maria (will sich sofort auf den Weg machen): Bin schon unterwegs.
Marc (hält seine Kollegin aber noch zurück, als sie schon fast an der Tür ist): Ach und dein Mann... äh... Ex-Mann... what ever... ist offenbar gekommen, um zu bleiben. Schon gehört?
Ich... bring... ihn... um!
Gretchen (wirft ihm einen tadelnden Blick zu): Marc!
Maria (fixiert ihren spöttisch grinsenden Kollegen mit feurig funkelnden Augen): Meierlein, bleiben wird DER sicherlich nicht.
Nicht wenn ich es verhindern kann.
Marc (grinst zufrieden): Na das sind doch mal gute Nachrichten.
Ich hätte sie gleich auf ihn ansetzen sollen, dann wäre wohl nix von ihm übrig geblieben. Hähä!
Gretchen (flüstert): Marc, du bist unmöglich.

Nachdem die Oberärztin, deren Laune gerade wieder auf den Tiefpunkt gesunken war, den Waschraum verlassen hatte, widmete Dr. Meier sich wieder intensiv seiner schönen Assistenzärztin, die ihn mit bösen Blicken strafte...

Marc: Was war denn?
Gretchen (sauer): Das fragst du noch?
Marc (rollt mit den Augen): Mann, das meine ich nicht. Die war doch vorher schon mies drauf.
Gretchen (blitzt ihn an): Dann frag dich mal warum!
Marc: Ja, das frage ich dich gerade. Musst mir aber auch nicht antworten, wenn du nicht magst. Wir können die zwei Minuten Stille auch anderweitig nutzen.

Marc zwinkerte seiner Freundin anzüglich zu und legte beide Hände an ihre Taille. Gretchen funkelte den unverschämten Kerl sofort an, aber ließ ihn gewähren. Denn zwei Minuten Marc-Zeit hatte sie sich nach anderthalb Stunden mit den Streithennen durchaus verdient. Sie schmiegte sich also in ihrem grünen OP-Outfit an Marcs in OP-Blau gehaltenen durchtrainierten Körper, sog sein betörendes Aftershave ein und kuckte ihn dann mit Zuckerschnute an, was ihn zum sanften Lächeln brachte. Aber nicht lange!

Gretchen: Ich habe gerade mit Maria und Gabi operiert.
Ach du Scheiße! Ein brünettes Wespennest!
Marc (verdreht die Augen u. mustert die Schöne in seinen Armen ganz akribisch): Ok!? Du scheinst es aber ohne Schrammen überstanden zu haben.
Gretchen: Sehr witzig, Marc! Sie tut mir nur so leid.
Marc: Wer? Gabi? Nicht jeder hält Mehdi länger als eine halbe Stunde aus.
Gretchen (stupst den unverschämten Kerl an): Eh! Mann, ich meine Maria.
Marc (seufzt u. schaut sie aufmunternd an): Sie ist taff. Und wenn wir mal ehrlich sind, Mehdi wäre ihr nie und nimmer gewachsen gewesen.
Gretchen (gerät ins Grübeln): Meinst du?
Aber die sahen schon süß zusammen aus!

Marc strich seiner nachdenklichen Freundin einmal über die Wange und sah sie liebevoll an...

Marc: So Schluss jetzt damit und ab in die Notaufnahme! In Behandlungszimmer 1 liegt einer mit einer Stichwunde, ist aber nicht so tief, nähen reicht. Polizei ist informiert. Die kommt später noch rein, um ihn zu befragen, wie das passiert ist. Kannst aber das Protokoll schon fertig machen.
Gretchen: Ok!
Marc: Und in Behandlungszimmer 2 liegt ein Teeny mit oberflächlichen Brandwunden an den Händen. Desinfizieren und verbinden! Und dem Großvater ein Beruhigungsmittel geben. Der hat ihn hergebracht. Der Rest der Unfallopfer vom Potsdamer Platz ist übrigens versorgt. Falls noch was Größeres reinkommt, piep mich oder Rössel an.
Gretchen (verwundert): Kommst du nicht mit?
Marc (schüttelt den Kopf): Nee, ich hab drüben gleich noch das nächste Unfallopfer auf dem OP-Tisch liegen.
Gretchen: Brauchst du mich?
Marc (streichelt lächelnd noch einmal über ihre Wange): Das krieg ich auch ohne Assistenz hin, aber da sämtliche Ober- und Stationsärzte die OPs besetzen, brauch ich in der Notaufnahme eine vertrauensvolle Kraft, die alles handelt. Kriegst du das hin?
Gretchen (nickt stolz mit dem Kopf u. strahlt ihn an): Wow! Danke für dein Vertrauen.
Marc: Komm, schwing hier keine langen Reden! Schwing lieber deinen süßen Hintern in die Notaufnahme!

Dr. Meier klapste seiner Süßen unvermittelt auf den Hintern, wofür sie ihn böse anfunkelte, und schob sie dann grinsend zur Tür hinaus. Als seine Freundin gerade seine Hand loslassen wollte, zog er sie aber plötzlich noch einmal zurück, presste sie fest an seinen Körper und drückte ihr einen sanften Kuss auf den Mund, den Gretchen gefühlvoll erwiderte. Sie lächelten sich noch einmal verliebt an, dann ging die junge Ärztin verliebt lächelnd ihres Weges und ihr Oberarzt machte sich für die anstehende Operation steril, denn sein Patient wurde gerade von den Kollegen in den OP geschoben. Er folgte ihnen keine Minute später.

Lorelei Offline

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07.09.2011 17:31
#1108 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Auf halbem Weg in die Notaufnahme musste Dr. Haase plötzlich innehalten und verfolgte irritiert ein seltsames Schauspiel, das sich vor ihren Augen darbot. Ihr kleiner Bruder kam gerade aus der Wäschekammer des EKH geschlichen, was ja an sich nicht sonderlich verwunderlich wäre. Als Praktikant war er diese Hilfsarbeiten schließlich zur Genüge gewöhnt. Vielleicht brauchte ein inkontinenter Patient ja neue Bettwäsche oder er musste noch ein zusätzliches Patientenzimmer vorbereiten, denn es gab ja genügend Neuzugänge in dieser Nacht? Nein, das Befremdliche an dieser Tatsache war das verklärte Gesicht, mit dem Jochen aus dem Zimmer gekommen war und das mit jedem Schritt, den er näher kam, immer breiter wurde. Gretchen konnte sich nicht daran erinnern, wann sie ihn je so hatte lächeln sehen. Und plötzlich geschah noch etwas viel Seltsameres. Das Honigkuchenpferd breitete ein weißes Bettlaken aus, drehte sich damit immer wieder im Kreis, machte sogar Luftsprünge, wirbelte es mehrmals um seinen Kopf und wickelte es sich schließlich um seinen Körper und schnupperte dran. Dann begann er zu tanzen, wenn man es denn tanzen nennen konnte, was er da anstellte. Von Joachim Lambi hätte er sicherlich Nullpunkte sowohl für die schräge Choreographie als auch für die Gelenkigkeit seiner Glieder bekommen.

Gretchens Kinnlade klappte jedenfalls fassungslos immer weiter nach unten, je länger sie ihn bei seinem seltsamen Treiben beobachtete, und sie schaute sich nun schnell hektisch auf dem Flur um. Das kuriose Schauspiel fand Gott sei dank unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Sie überlegte kurz und griff dann schelmisch grinsend in ihre Kitteltasche, aber sie hatte ihr Handy leider nicht dabei, wie sie enttäuscht feststellen musste. Das wäre doch die Gelegenheit gewesen, sich an all seinen Streichen in der Jugend zu rächen, für den toten Vogel in ihrem Käfig, die vielen mit Schuhcreme vertauschten Nutellagläser, seine albernen Telefonstreiche, bei denen er sich als Marc Meier ausgegeben hatte, wofür er eigentlich tausend Tode hätte sterben sollen, denn die dreckige Lache seiner Kumpels, die dabei zugehört hatten, wie sie peinliche Liebesschwüre von sich gegeben hatte, hatte sie nämlich immer noch lautstark im Ohr. Sie hätte das Video im Internet hochladen können und den Link hätte sie an all seine Freunde und die Kollegen im Krankenhaus geschickt. Das wäre ein Spaß geworden. Gretchen schmunzelte über sich selbst und ihre fiesen Anwandlungen, schüttelte dann aber den Kopf und ging auf den Traumtänzer zu. Gerade noch rechtzeitig, bevor Oberschwester Stefanie den Balletttänzer im Pflegeroutfit sehen konnte, hatte sie ihren Bruder auch schon ins Medikamentenlager gezogen und hielt ihm den Mund zu. Denn erst als sie näher gekommen war, hatte sie gehört, dass er zu seinem Fruchtbarkeitstanz auch noch schief und schräg gesungen hatte. Jochen muckste seltsamerweise gar nicht auf. Stattdessen wollte er seine Schwester nun zum Tanzen animieren, aber da hörte bei Gretchen dann doch der Spaß auf. Sie drückte den verrückten Kerl mit einer Hand gegen ein Regal und linste noch einmal vorsichtig aus der Tür hinaus. Der Oberdrachen war mittlerweile vorüber gezogen und Gretchen konnte langsam ausatmen. Sie schloss die Tür wieder und baute sich nun mit verschränkten Armen vor ihrem Bruder auf, der immer noch ein breites Grinsen im Gesicht trug, ein Lied summend Ricky-Martin-mäßig die Hüfte schwang und das Bettlaken einer Droge gleich inhalierte, um ihn zur Rede zu stellen...

Gretchen: Was ist denn mit dir los?
Jochen (kuckt sie an, als riefe sie ihn von ganz weit her zu sich, u. da erst bemerkt sie die kleinen Herzchen in seinen Augen aufflackern): Ich... bin... im Himmel!
Oh Gott! Ist das noch mein kleiner Bruder oder ein Klon seiner selbst? Diagnose eindeutig!
Gretchen (zählt so langsam eins und eins zusammen u. schmunzelt): Hast du getrunken? Also wenn du dich als Engel verkleiden willst, dann muss ich dir leider sagen, dass die Vorstellung schon lange vorbei ist und dass du alles andere als ein Engel bist.
Jochen: Aber ich hab einen getroffen.

... konterte er schmachtend und drückte seiner überraschten Schwester plötzlich einen feuchten Knutscher auf die Wange, den sie sich angewidert schnell wieder von der Backe wischte, drückte ihr auf ein mal das Bettlaken in die Hand und verließ auf der Stelle das Medikamentenlager. Er würde seinen pinkfarbenen Engel jetzt suchen gehen. Wenn er vorhin nicht eingeschlafen wäre, hätte er sie sicherlich nicht so einfach gehen lassen, ohne ein Wort des Abschieds. Er hatte noch nicht einmal ihre Nummer. Er hatte nur ihren Namen, der so lieblich wie eine Blüte mit Morgentau klang. Chantal! Das klang wie Musik in seinen Ohren. Wie ein französischer Chanson, wie ihn seine Mutter immer so gerne hörte. Chantal! Oh oui, Chantal! Immer wieder sprach er leise ihren wunderschönen Namen. Er musste sie einfach wiedersehen. Ja, Jochen Haase hatte sich tatsächlich Hals über Kopf verliebt. Gretchen, die ihrem verknallten Bruder noch sagen wollte, dass er seinen Kittel verkehrt herum angezogen hatte, schaute ihm verwundert nach und schmunzelte dann...

Gretchen: Na den hat es ja wohl so richtig erwischt. Süß! Das muss ich später unbedingt Mama erzählen.

Mit einem fetten Grinsen im Gesicht machte sich die blonde Assistenzärztin nun wieder auf den Weg, um nach fünf Metern erneut abzubrechen, denn das nächste Honigkuchenpferd kam ihr entgegen geflattert. Doch zu ihrer Verwunderung musste sie feststellen, dass dieses gar keine Notiz von ihr nahm und an ihr vorbeiging, was eigentlich sehr ungewöhnlich für Schwester Sabine war.

Gretchen: Sabine, wo willst du hin?

... fragte Gretchen verdutzt. Die Krankenschwester blieb auf der Stelle stehen und löste ihren Blick von dem wertvollen Schmuckstück an ihrem Ringfinger und sah ihre Lieblingsärztin ganz verklärt an...

Sabine: Frau Doktor? Ich...ich wollte...Äh... ich weiß nicht... Eigentlich...

Verlegen kratzte sich die Frischverlobte am Kopf und dachte angestrengt nach. Gretchen lächelte nur wissend und legte ihren Arm um ihre Schulter...

Gretchen: Komm, zeig mal her! Ich hab ihn noch gar nicht aus der Nähe gesehen.
Sabine (hält sich ihre Hände an ihr pochendes Herz): Ich bin so... so glücklich.
Gretchen (sichtlich gerührt schaut sie zwischen dem Verlobungsring und Sabines strahlenden Augen hin und her): Ich weiß. Denkst du, du bist in der Lage, mir in der Notaufnahme ein bisschen zur Hand zu gehen?
Sabine (fasst sich an den Kopf u. wird rot): Jetzt weiß ich es wieder. Ich wollte schauen, wo du bleibst.
Gretchen (schmunzelt): Na jetzt bin ich ja da, Sabine.
Sabine (verlegen): Ja.

Die beiden Frauen machten sich also auf den Weg zurück in die Notaufnahme. Während sie den langen Glasdurchgang entlang liefen, plauderten sie noch ein wenig über das Ereignis des Tages, das den Jahreswechsel sogar noch in den Schatten gestellt hatte...

Gretchen: Und habt ihr schon einen Termin für die Hochzeit?
Sabine (ihre Augen leuchten auf): Bald!
Gretchen (schaut sie ziemlich verdutzt an): Bald? Ihr legt aber ein ganz schönes Tempo an den Tag.
Sabine: Findest du?
Gretchen (lächelt verlegen): Na ja!? ... Gerade erst kennen gelernt, dann neulich erst zusammengezogen und jetzt schon... Äh... Aber wenn ihr euch sicher seid?
Sabine (strahlt sie sehr überzeugend an): Ja, das sind wir.
Gretchen: Schön!
Sabine: Weißt du, Gretchen, ich habe die Karten befragt. Der übernächste Vollmond scheint günstig zu sein.
Gretchen (weiß nicht wirklich, was sie denken soll): Ah ja!?
Sabine: Aber erst einmal müssen wir mit Günnis Eltern reden. Wir fahren ja heute zu ihnen. Ich bin schon ganz aufgeregt. Günni möchte sich nämlich von seinem Vater trauen lassen.
Gretchen: Ach ja, der war ja...
Sabine (beendet den Satz für sie): ... Pfarrer. Ja!
Gretchen (gerät allmählich ins Schwärmen, ohne dass sie es merkt): Also ich würde ja eine Hochzeit im Frühling bevorzugen, wenn alles anfängt zu blühen und zu duften. Die ersten warmen Sonnenstrahlen. Die ganze Farbenpracht. Hach... schön! Im Mai vielleicht oder Juni. Peter wollte ja damals unbedingt noch im Winter heiraten. Nicht gerade sehr romantisch, wenn man bedenkt, dass das ein eher schneearmer Winter gewesen ist und er dann mit seiner... Äh... egal. Und die Hochzeit mit Alexis erst! Es war furchtbar warm an diesem Sommertag. Ich hab mich in meinem Kleid wie in einer Sauna gefühlt. Gut, das könnten auch die ersten Anzeichen vom Virus gewesen sein, aber... Ach Schluss damit, ich will hier ja kein schlechtes Karma verbreiten. Nein, der Frühling, doch der hat schon was besonders Romantisches an sich.
Sabine (wird hellhörig): Planst du und der Herr Doktor denn auch...?
Was? Oh Gott! Was rede ich hier eigentlich?
Gretchen (wiegelt nervös ab): Oh! Nein! Ähm... das... das ist jetzt nicht... Also wir haben ja beide noch so viel zu tun. Facharzt... und Habilitation und... Also nein, soweit ist Marc ... also sind wir noch lange nicht. Das... das hat ja auch noch Zeit. Warum denn gleich alles überstürzen?

Überstürzen, Gretchen? Das sagt genau die Richtige. Ihr seid seit fast fünf Monaten zusammen. Eigentlich sogar schon seit über zwanzig Jahren, wenn man es so nimmt. Was wäre da überstürzt? Nein, stopp! Wir waren uns einig, zu warten und das Hier und Jetzt zu genießen. Marc will ja auch irgendwann. Ich sage nur, „das ganze Programm“. Hach ja! Äh... Nur weil Sabine jetzt heiratet, muss ich nicht gleich Torschusspanik bekommen. Nein, alles ist gut, so wie es ist. Und ich freu mich für Sabine.

Sabine (mustert sie ganz genau, was Gretchen nur noch nervöser macht): Verstehe! Aber die Sterne stehen ja auch gerade eher ungünstig in dieser Hinsicht.
Wieso das denn? Also ich weiß echt nicht, was das soll mit ihren ständigen Andeutungen.
Gretchen (stutzt u. fragt verwundert nach): Aber du hast doch gerade gesagt, der Vollmond sei günstig.
Sabine (zögerlich): Also... Für mich und Günni ja, aber für euch ... äh...
Gretchen (blickt sie eindringlich von der Seite an): Sprich dich ruhig aus, Sabine!
Sabine (ihre Wangen färben sich verräterisch rot, aber sie versucht geschickt abzulenken): Aber man kann ja auch viel in die Karten hineininterpretieren. Ich bin mir da ja auch manchmal nicht so sicher.
Gretchen (noch nicht ganz überzeugt): Hmm! Na ja, ich glaub da ja eh nicht so wirklich daran.
Sabine (glaubt ihr kein Wort u. schmunzelt): Natürlich, Frau Doktor! ... Wir sind da.
Gretchen (versteht nicht gleich, was sie meint): Hä? ... Oh! Ja! Dann wollen wir mal. Was haben wir denn hier?

Gretchen öffnete das erste Behandlungszimmer, begrüßte den Patienten mit freundlicher Stimme und nahm dann die Patientenmappe in die Hand, die sie nun geflissentlich studierte. Schwester Sabine folgte ihr auf dem Fuße. Zusammen kümmerten sich die beiden Kolleginnen nun um die Neuaufnahmen in der Notaufnahme, während Dr. Meier und Dr. Hassmann im OP Leben retteten und Dr. Kaan im Kreissaal neues Leben auf die Welt holte.

Lorelei Offline

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08.09.2011 21:13
#1109 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Kurz nach fünf waren alle Patienten versorgt und erstmals in dieser langen anstrengenden Silvesternacht kehrte wieder etwas Ruhe im Elisabethkrankenhaus ein. Der Schichtwechsel stand an, den die Mehrzahl der Kollegen der Nachtschicht als wahre Erlösung ansahen. Hand in Hand betraten in diesen Minuten Dr. Mehdi Kaan und Schwester Gabi den Aufzug, wo sie kurz ihren anstrengenden Arbeitstag besprachen, den sie leider nicht gemeinsam verbringen konnten, und sich dann müde aneinander kuschelten und sich ab und an verliebte Blicke zuwarfen, als die Erinnerungen an den wunderschönen Jahreswechsel zurückkamen, den Startschuss für ihr neues gemeinsames Leben. Doch das glückliche Paar blieb nicht lange allein, denn im nächsten Stockwerk öffneten sich erneut die Fahrstuhltüren und Dr. Meier und Dr. Haase standen, ebenfalls mit der Absicht zu gehen, vor ihnen, aber sie waren nicht allein, wie Mehdi und Gabi nervös bemerkten, denn auch Dr. Hassmann hatte ihren Dienst gerade beendet und auf den Aufzug gewartet. Einem Instinkt folgend löste sich Gabi aus Mehdis inniger Umarmung, steckte ihre Hände tief in ihre Jackentaschen und stellte sich mit gesenktem Kopf in die hinterste Ecke des Stahlgefährts. Aber Maria hatte die Situation schon längst erfasst. Fast wäre sie umgedreht und hätte so getan, als ob sie noch etwas in ihrem Büro vergessen hätte, aber sie würde sich jetzt keine Blöße geben. Sie stand da drüber. Er hatte eben eine andere. Na und? Sie kam damit klar. Mürrisch betrat die Oberärztin nun den Aufzug, aber sie drehte den beiden Turteltauben schnell ihren Rücken zu. Sie hatte es akzeptiert, was aber nicht hieß, sie wollte den beiden unbedingt bei Abschleckübungen oder was auch immer zuschauen. Deshalb blieb sie auch direkt neben der Etagenanzeige stehen, auf der sie immer wieder auf die Taste fürs Erdgeschoss drückte, als ob der Aufzug dadurch schneller hinunterfahren würde. Marc und Gretchen verfolgten ihr Tun irritiert, warfen sich vielsagende Blicke zu und betraten nun ebenfalls den Fahrstuhl. Sie nickten dem Liebespaar kurz zu und stellten sich dann neben die beiden. Gabi schenkte dem Ärztepaar nur einen abfälligen Blick, während Mehdi verlegen zurücklächelte und ihnen etwas Platz machte, dann aber vorsichtig nach rechts zu Maria schaute. Sie rührte sich nicht vom Fleck und starrte einem Eisblock gleich stur auf die Türen, die sich in diesem Moment schlossen, sich aber zwei Sekunden später gleich noch einmal zur Verwunderung aller öffneten. Ein bunter Papagei stand nun auf einmal vor ihnen: Schwester Sabine in ihrem gelben Wintermantel und ihrem knallbunten selbst gestrickten Schal, dazu passenden Handschuhen und Mütze und mit einem breiten Lächeln und strahlenden Augen im Gesicht, die sich noch schnell in die enge Stahlkapsel zwängte...

Sabine: Warten Sie! Ich möchte auch noch mit. Günni wartet unten schon auf mich. Hihi!

Maria stöhnte mit Marc synchron entnervt auf wegen Sabines piepsig kindlicher Stimme und dem Anflug von Glückseligkeit, der mit einem Mal zu ihnen herübergeschwappt kam. Gabi verdrehte nur die Augen und linste verstohlen zu ihrem Freund rüber. Nur Mehdi und Gretchen lächelten die blonde Krankenschwester, die sich vor wenigen Stunden verlobt hatte, freundlich an und machten ihr Platz...

Gretchen: Dann solltest du deinen Verlobten auch nicht mehr länger warten lassen, Sabine.
Sabine (schmachtend): Ja!
Mehdi (räuspert sich u. schaut sie an): Ach Sabine, herzlichen Glückwunsch zur Verlobung! Ich habe es gerade eben erst gehört.
Maria (murmelt ungehört vor sich hin): Auch das noch.
Sabine (strahlt Dr. Kaan selig an): Oh danke, Herr Doktor Kaan.
Gabi (von Mehdi angestupst, gratuliert sie ihrer Kollegin ebenfalls): Ja äh... von mir auch alles Gute, Sabine.
Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet sie die erste von uns ist, die heiratet?
Sabine (dreht ihren Kopf nach hinten u. lächelt ihre etwas neidische Kollegin glücklich an): Danke, Gabi.

Gabi wandte ihren Blick schnell von dem Honigkuchenpferd ab und studierte lieber ihr eigenes Spiegelbild an der Aufzugswand, wobei sie die Gelegenheit bekam, verstohlen zu ihrer ehemaligen Konkurrentin in der gegenüberliegenden Ecke zu schauen, die verdächtig cool mit der ganzen Situation umging. Dabei hatte sie nach dem eher durchwachsenden Gespräch vor einigen Stunden im OP gedacht, dass von ihrer Seite aus noch mal etwas nachkommen würde. Wäre sie nämlich an ihrer Stelle, würde sie ihr vermutlich das Leben zur Hölle machen. Aber nichts dergleichen war passiert. Der Rest der Nacht war zwischen ihnen eigentlich ganz ruhig verlaufen. Hoffentlich war das nicht die Ruhe vor dem Sturm. Die Krankenschwester verwarf diesen Gedanken aber schnell wieder, als Mehdi in ihr Blickfeld rückte und sie mittels Spiegel sanft anlächelte. Er war es auf jeden Fall wert, ihre bissigen Kommentare und bösen Blicke zu ertragen, dachte Gabi und lächelte verliebt zurück. Sabines Blick ging dagegen von dem einen zum anderen, blieb kurz ehrfurchtsvoll an Dr. Meier hängen, der sich aber nicht weiter zuckte und ihr gratulierte, sondern nur kurz gähnte und sich lieber seiner hübschen Freundin zuwandte, die ihn ganz verliebt von der Seite anstrahlte; dann wanderte er schüchtern weiter zu Dr. Hassmann, die aber immer noch stumm die Fahrstuhltüren fixierte, die sich in diesem Moment auch endlich schlossen. Sabine hatte ihren Hintern nämlich endlich aus der Lichtschranke manövriert. Aber zu früh für Jochen Haase, der am Ende des langen Gangs noch zum Sprint angesetzt hatte, um Gabi und Dr. Kaan abzupassen, die er im Fahrstuhl entdeckt hatte.

Während der gesamten Fahrt herrschte Totenstille im Aufzug. Einerseits wegen der Anspannung, die zwischen dem einen oder anderen Mitfahrer herrschte, andererseits war selbst Marc Meier nach der langen Doppelschicht zu müde, um einen lässigen aufheiternden Spruch loszulassen. Trotzdem konnte er es nicht lassen, ab und an einen amüsierten Blick von Partei zu Partei zu werfen. Die Hassmann war offenbar stinksauer und so frustriert, dass sie die Anwesenheit anderer komplett ignorierte. Mehdi und Gabi trauten sich aus schlechtem Gewissen eben jener gegenüber nicht einmal sich anzusehen und kommunizierten mittels Spiegeln. Und sein Haasenzahn strahlte mit der Stasi-Sabsi um die Wette. Wahrscheinlich richteten sie gerade über telepathische Kräfte schon deren Hochzeit aus.

Maria Hassmann war schließlich die erste, die, als sich die Türen nach endlosen Sekunden endlich wieder öffneten, ohne jedes weitere Wort die Flucht ergriff. Der Anblick von Mehdi und der Unaussprechlichen war einfach zu viel gewesen nach dieser beschissen langen und unbefriedigenden Nacht. Ganz so schnell konnte sie wohl doch nicht mit diesem Thema abschließen, musste sie frustriert feststellen. Sabine blickte der flüchtenden Oberärztin verwundert hinterher, verabschiedete sich dann aber ebenfalls schnell von ihren Kollegen, als sie Günni am Eingang entdeckt hatte, auf den sie nun schnell zulief und in dessen weit ausgebreitete Arme sie sich warf. Leider etwas ungeschickt, denn der Pathologe knallte dadurch mit seinem Hinterkopf schmerzhaft gegen die Glastür. Behutsam strich die Krankenschwester ihrem Liebsten über die schmerzhafte Stelle und stützte ihn dann zum Gehen, während Dr. Meier einen heftigen Lachflash erlitt...

Marc (schadenfreudig): Oh Mann! Hahaha! Da haben sich ja echt zwei gefunden! Hahaha!
Mehdi (kann sich auch ein Schmunzeln nicht verkneifen): Tja, wo die Liebe hinfällt.
Marc (blickt skeptisch zwischen Gabi u. ihm hin und her): Das sagt mir der Richtige.
Gretchen (schlichtet vorsorglich u. legt ihre Hand auf seinen Arm): Marc, kommst du!
Marc (ignoriert grinsend Mehdis durchdringendes Augenpaar u. blickt zu seiner ungeduldigen Freundin): Jaha! Kannst es wohl kaum erwarten, mit Gott das Bett zu teilen, hmm, Haasenzahn?
Gretchen (peinlich berührt): Ja sicher!
Gabi (verzieht ihr Gesicht): Oh bitte! Ich krieg Alpträume.
Marc (spöttisch): Würde ich auch kriegen bei deiner...
Gretchen (zieht ihn rechtzeitig mit sich): Marc!
Mehdi (folgt den beiden): Immer wieder schön, wie gut sich alle verstehen.
Marc (dreht seinem Kopf zu ihm herum): Träumer!

Gemächlich folgten die beiden Paare Günni und Sabine nach draußen auf den Parkplatz. Gabi hatte Mehdis Hand ergriffen und lächelte ihn verliebt von der Seite an. Er erwiderte ihre zärtlichen Blicke. Marc wandte aus Angst vor Funkenflug seinen Blick schnell von den beiden Turteltauben ab und widmete sich lieber der schönen Aussicht neben sich. Seine hübsche Freundin winkte gerade Sabine und ihrem Verlobten zu, die in ihrem gelben Marsmobil gerade an der kleinen Gruppe vorbeifuhren. Gretchens Wangen waren leicht von der Kälte gerötet und eine Strähne ihres Haares wirbelte im leichten Wind umher. Er strich sie ihr zärtlich aus dem Gesicht. Sie lächelte ihn an. Er erwiderte ihren liebevollen Blick, was wiederum vielsagende Blicke bei Gabi und Mehdi hervorrief.

An Marcs Auto angekommen verabschiedeten sich die Paare schließlich voneinander und wünschten einander noch einen schönen ersten Tag des Jahres. Spätestens zur Spätschicht würden sich ja eh alle wieder sehen. Marc hielt Gretchen nun gentlemanlike die Beifahrertür auf und ließ die Schönheit einsteigen. Nebenan machte Mehdi dasselbe mit seiner Freundin, die sich noch frech einen kleinen Kuss von ihm stahl. Dann stieg auch er mit einem zufriedenen Grinsen auf den Lippen ein und startete den Wagen. Der weiße Volvo war der erste, der mit quietschenden Reifen vom Parkplatz fuhr, dicht gefolgt von Mehdis Mercedes, der dann an der Hauptstraße in die andere Richtung abbog. Jetzt erst leuchtete ein weiteres Scheinwerferpaar auf.

Lorelei Offline

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09.09.2011 21:41
#1110 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Maria Hassmann hatte sich in den letzten Minuten in ihrem Auto versteckt gehalten und hatte die drei glücklichen Paare trübsinnig vom Wageninneren aus beobachtet. Das war doch alles so verdammt ungerecht, hatte sie vor sich hingeflucht und ihren Kopf schließlich aufs Lenkrad fallen lassen und sich ihrer inneren Leere hingegeben. Selbst Mauerblümchen Sabine hatte einen abbekommen! Wieso stand ihr eigentlich nicht das Glück zu, was anderen offenbar in Übermaß zuflog? Wobei man im Falle von Mehdi und Schwester Gabi wohl eher von Unglück sprechen konnte. Selber Schuld! Idiot! Sie schüttelte den Kopf und bog endlich aus ihrer Parklücke aus. Sie würde kein Trübsal mehr blasen! Nicht wegen irgendwelcher Männer, die nicht wussten, was sie wollten und wenn sie es wussten, unvorhersehbare Wege einschlugen. Nach vorne schauen, das war jetzt ihre Devise. Sie brauchte keinen Mann. Sie hatte immer noch Sarah und ihren Job. Mehr brauchte sie nicht auf dieser Welt, um glücklich zu sein. Jawohl! Entschlossen verließ auch die Neurologin nun endlich den Parkplatz des Elisabethkrankenhauses, das in ihrem Rückspiegel immer kleiner wurde.

Während die drei Liebespaare todmüde in ihre heimischen Betten fielen und sofort Arm in Arm einschliefen, mit Ausnahme von Sabine und Günni, die in seiner Junggesellenwohnung, wo die Krankenschwester seit einigen Tagen wohnte, ja eigentlich getrennte Zimmer hatten, hatte Maria Hassmann einen gänzlich anderen Weg eingeschlagen. Sie konnte sich selbst nicht erklären, wieso. Aber es hatte sie einfach hierher geführt. Sie hatte eine Weile davor gestanden und war dann aber doch noch ausgestiegen. Sie hatte den Kragen ihres dunklen Mantels hochgezogen, denn es war bitterkalt an diesem noch recht jungen Morgen, und klingelte nun an der Tür eines Reihenhauses. Sie musste lange warten und wollte schon wieder gehen, als plötzlich ein verschlafen wirkender Mann Mitte Dreißig in Pyjamahose und Muscle-Shirt gekleidet mürrisch die Tür aufriss und sie sofort uncharmant anranzte...

Cedric: Sag mal, geht’s noch? Hast du Idiot das Schild nicht gelesen. Klopfen statt klingeln verdammt. Das Baby ist gerade erst wieder eingepennt, nachdem es die ganze Nacht durchgeplärrt hat.
Maria (senkt betreten ihren Kopf u. wünscht sich, sie wäre nicht hergekommen): Tut mir leid. Ich weiß gar nicht... Ich hätte nicht herkommen sollen.
Was mache ich verdammt noch mal hier?
Cedric (reibt sich verwundert die Augen u. erkennt erst jetzt, wer da eigentlich vor ihm steht): Mary? Was...? Nein, komm... komm rein!

Cedric Stier nahm Marias Hand und zog sie in sein Haus, das auch einmal ihr Haus gewesen war und das sie sich nach der schlimmen Trennung vor vier Jahren geschworen hatte, nie wieder betreten zu wollen. Es hatte sich kaum etwas verändert, wie sie erschreckend feststellen musste, wenn man mal von der furchtbar kitschigen Deko seiner geschmacklosen Frau absah. Seine Frau! Sie schluckte. Oh Gott! Was machte sie eigentlich hier? War sie jetzt komplett geisteskrank geworden? Sie durfte nicht hier sein, schoss es Maria plötzlich durch den Kopf und sie drehte sich noch auf der Schwelle wieder um, um zu flüchten. Doch Cedric war trotz der frühen Morgenstunden mittlerweile hell wach und schnitt ihr noch rechtzeitig den Fluchtweg ab und lehnte sich an die nun geschlossene Haustür und sah seine zerstreut wirkende Exfrau erwartungsvoll an. Er konnte sich einfach nicht erklären, was sie so früh am Morgen und was sie überhaupt hier wollte. Wahrscheinlich war es nur wegen dem Einen! Er sprach sie auch sofort unvermittelt darauf an...

Cedric: Bist du extra hergekommen, um mir noch mal Vorhaltungen zu machen? Bitte! Tue dir keinen Zwang an! Aber sei dabei leise! Cheyenne schläft.
Maria (ihr Blick fällt unweigerlich auf einige wenige Familienfotos an der Wand gegenüber u. sie muss schlucken): Ist sie da?
Cedric (folgt ihrem Blick, der auf dem Bild seiner aktuellen Frau ruht, u. antwortet eher zögerlich): Nein, ich... ähm... wir... sind zu zweit, also mit dir jetzt... zu dritt.
Maria (senkt ihren Blick wieder auf ihre Füße u. wünscht sich nur noch, so schnell wie möglich wieder durch diese Tür, die er mit seinem Athletenkörper versperrt, zu verschwinden, um dann in ihrem Auto wegen ihrer eigenen Blödheit fluchend mit ihrem Kopf gegen das Lenkrad zu hämmern): Hmm!
Cedric (sieht sie musternd an): Also?

Als seine Exfrau immer noch nicht seine drängenden Fragen beantwortete, warum sie mitten in der Nacht hier war, übernahm er eben wieder selbst das Kommando und fuhr sich dabei mit einer Hand über seinen schmerzenden Nacken. Der Neurochirurg hatte die ganze Nacht kein Auge zubekommen, was aber nicht nur an dem Schreihals nebenan gelegen hatte, den er nach seinem Antrittsbesuch an seiner neuen Arbeitsstätte von seiner Schwester wieder entgegengenommen hatte, die freundlicherweise wie schon so oft auf die Kleine aufgepasst hatte, sondern vor allem an der aufwühlenden Begegnung mit Maria einige Stunden zuvor im Krankenhaus.

Cedric: Ok, hör zu, wenn es dein unbedingter Wunsch ist, dann... dann lass ich die Stelle im EKH eben sausen. Dann muss ich eben anders irgendwie...

Doch bevor Cedric weiter überlegen konnte, wie er aus seinem Dilemma wieder herauskommen konnte, das mittlerweile immer größere Ausmaße angenommen hatte, geschah etwas völlig Unerwartetes. Maria hob ihren Kopf etwas an, musterte ihren Ex kurz misstrauisch und trat dann entschlossen einen Schritt auf den an die Tür Gedrängten zu, ließ plötzlich ihre Handtasche zu Boden fallen und küsste ihn einfach.

Lorelei Offline

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11.09.2011 13:05
#1111 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallo zusammen! Entschuldigt die kleine Pause, aber ich habe leider nicht mehr so viel Material auf Vorrat und muss etwas sparen. Ich weiß, ihr brennt sicherlich darauf zu erfahren, wie es mit Maria und Cedric weitergeht und wieso sie tut, was sie tut, wobei ich denke, sie weiß es selbst nicht so genau, aber vorerst gibt es erst einmal eine Live-Schalte zu , falls denn überhaupt Interesse besteht. Viel Spaß bei einem äh... etwas holprigen Guten-Morgen in der Martchen-Welt! Eure Lorelei



Es war kurz vor zwölf Uhr Mittag, als Gretchen Haase urplötzlich aus ihrem Schönheitsschlaf hoch schreckte und nun kerzengerade im großen Meier-Haaschen Bett saß, sich die fliederfarbene Satindecke vor ihrem nackten Körper zurechtrückte und dann aufgeregt ihren süßen Lockenkopf hin und herbewegte. Dass sie mit ihrer unbedachten morgendlichen Gymnastikübung Marc unsanft aus dem Bett gekickt hatte, hatte sie dabei gar nicht mitbekommen. Aber der eben noch selig schlummernde Machomann machte sich auch gleich lautstark polternd bemerkbar...

Marc: Au! Verdammte Scheiße eh! Was soll das? Willst du mich umbringen? Ich schwör dir, Haasenzahn, irgendwann schaffst du das noch.
Gretchen (robbt schnell zu seiner leeren Bettseite rüber und schaut nun mit immer größer werdenden Augen auf die sehr ansehnliche nackte Rückseite ihres Traummann auf dem Bettvorleger herab): Deine... Eltern!
Marc (rappelt sich stöhnend auf u. grummelt sie an): Bitte? Wegen meinen Alten schmeißt du mich aus den Federn? Aber sonst geht’s dir noch gut? Nach der Hammernachtschicht wollte ich eigentlich durchpennen, bis die nächste anfängt, verdammt.
Gretchen (kuckt den Grummel mit süßer Unschuldsmiene an, so dass ihm gleich wieder ganz weich ums Herz wird, aber rutscht dann plötzlich hektisch auf dem Bett hin u. her): Wir haben sie vergessen!
Marc (reibt sich über seine müden Augen u. schwingt sich dann mit seinen letzten Kraftresserven wieder aufs Bett): Bitte? Was redest du denn da für einen Schwachsinn? Hast du wieder geträumt? Von bösen Hexen und Vampiren?
Gretchen (schaut ihn mit ernster Miene an): Ihr Hochzeitstag, Marc!
Marc (kratzt sich am Kopf u. gähnt): Na und? Den haben wir noch nie gefeiert.
Gretchen (schüttelt den Kopf über so viel Ignoranz): Marc! Das ist der erste seit zwanzig Jahren, den sie gemeinsam verbringen und es ist ihr 35. Das ist eine Leinenhochzeit.
Marc (sieht nur Fragezeichen aufsteigen): Hä? Leine? Was denn für eine Leine? Ne Wäscheleine, an der man sich aufknüpft, wenn man genug von seinem nervigen Wei... ?
Gretchen (blitzt ihn an): Boah Maaarc! Leinen!
Marc (verständnislos): Ja was? Was geht mich das an?
Gretchen (sieht ihn durchdringend an): Vielleicht weil du ihr Sohn bist!
Marc: Dann wären die Familienverhältnisse jetzt wohl geklärt. Komm lass uns noch was pennen!

Marc schlüpfte wieder unter seinen Teil der Bettdecke und legte sich neben seine übergeschnappte Freundin, die er mit sanfter Gewalt ebenfalls in die Kissen drückte, zog die Bettdecke noch ein Stückchen höher und schlang dann seinen linken Arm um ihre traumhaften Rundungen. Doch Gretchen richtete sich in derselben Sekunde wieder auf, zog die gesamte Decke mit auf ihre Bettseite und verdeckte damit ihre pure Nacktheit. Dafür war jetzt Marcs nackter Hintern sehr präsent für die junge Frau. Sie schaute einen Moment irritiert darauf und ihre Augen wurden immer größer, dann räusperte sie sich verlegen und richtete ihren Blick demonstrativ auf die gegenüberliegende Wand, während er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte. Dass sie nach fast fünf Monaten Beziehung mit intensiver Bettgymnastik immer noch so prüde sein konnte, war einfach nur unvergleichlich süß.

Gretchen: Marc, bitte jetzt! Wir müssen sie anrufen und gratulieren, ihnen ein Geschenk besorgen und vielleicht eine Party organisieren. Hast du eine Idee, wen wir alles einladen könnten? Also meine Eltern auf jeden Fall, jetzt wo sich alle offenbar ganz gut verstehen...
Marc (richtet sich nun doch wieder auf u. legt seinen Zeigefinger an ihren schnatternden Mund): Stopp!
Gretchen (nuschelt durch seine Finger hindurch): Abwer dasch isch wischtisch. Maaahaaarc!
Marc (lässt resignierend die Schultern hängen): Sag mal, hast du gestern Abend zu viel Schampus abbekommen oder einen Zuckerschock erlitten oder was? Schon vergessen, die sind gerade in Belle Fronkreich und essen Schnecken und Froschschenkel.
Gretchen (verzieht ihr Gesicht): Iiiihhh! Echt?
Oh Mann!
Marc (muss dann doch lachen, bevor sich sein Magen plötzlich verkrampft): Die Vorstellung ist wesentlich angenehmer als der Gedanke, dass sie sich gegenseitig... Bäh!
Gretchen: Denkst du wirklich, sie haben es noch einmal getan?
Marc (verzieht angewidert das Gesicht): Oh Gott! Ich glaube, aufs Frühstück muss ich heute verzichten. Mir wird schlecht.

Bevor Marc die schrecklichen Bilder weiterdenken konnte, die gerade in seinem Kopf abliefen, klingelte im Flur plötzlich das Festnetztelefon. Die beiden sahen sich verwundert an und zuckten gleichzeitig mit den Schultern. Während Marc es klingeln lassen wollte, wollte Gretchen schon aufspringen und rangehen, aber das übernahm gerade in diesem Moment der Anrufbeantworter, wie sie deutlich durch die geöffnete Schlafzimmertür hören konnten...

Olivier: Gretchen? Marc? Seid ihr da? ... Na, wahrscheinlich habt ihr gerade Dienst. Fleißig, fleißig! Das lob ich mir. Warum ich anrufe? ... Wir, also Elke und ich, wollten euch nur schnell ein gesundes neues Jahr wünschen, ganz viel Liebe, aber wie ich euch kenne, fehlt euch das sicherlich nicht, ...

Marc (rollt genervt mit den Augen): Boah Dad!
Gretchen (grinst ihn an u. lauscht weiter gebannt der Ansage): Ist doch süß!

Olivier: ... Glück und Erfolg und dass ihr alle eure Ziele, die ihr euch gesetzt habt, umsetzen könnt und euch daran erfreut. Ja, ich hör schon auf, mein Junge, bevor es zu sentimental wird.

Marc (kleinlaut): Na Gott sei dank!
Gretchen (schmiegt sich an ihn): Jetzt sei mal leise, ich hör nichts!
Marc (lässt sich stöhnend mit ihr zurück aufs Bett fallen): Boah!

Olivier: Ich bin nur so unendlich glücklich gerade. Wir haben es tatsächlich noch einmal getan. Gestern. Auf dem Eifelturm. Wie damals. Und vorhin am Trocadero.

Marc (blickt Gretchen schockiert an): WAS?

Olivier: Ich kann es selbst noch kaum fassen. Diesmal ging die Initiative ganz allein von deiner Mutter aus. Kaum zu glauben, wen man bedenkt, wie sie letzte Woche noch auf diesen verrückten Vorschlag reagiert hat.
Elke (meckert im Hintergrund): Olivier!
Olivier: Ja, mein Mokkapralinchen. ... Ich muss Schluss machen, Kinder. Unser Flieger geht in drei Stunden. Ach so! Das hätte ich ja fast vergessen zu sagen. Wir haben uns entschlossen, spontan einen Abstecher nach Südfrankreich zu machen. Quasi als verlängerte zweite Flitterwochen. Wir wissen noch nicht so genau, wann wir zurückkommen werden. Wegen deiner Patientin mail ich dir die Unterlagen in den nächsten Tagen zu. Ich hab auch schon mit meinem Kollegen in Seattle gesprochen, du weißt schon, mit dem ich vor einigen Jahren einen ganz ähnlichen Fall betreut habe. Sag deinem Freund, wir kriegen das hin. Aber wie gesagt, du bekommst die Artikel morgen oder Anfang nächster Woche. Heute wird erst einmal gefeiert. Unser 35. Hochzeitstag, mein Junge! Unfassbar! Vor einem Jahr hab ich noch...
Elke (ungeduldig im Hintergrund): Wenn du jetzt nicht kommst, fliege ich alleine, mi corazón. Grüß mir die beiden ganz lieb von mir. Die Feier in Berlin werden wir auf jeden Fall pompös nachholen. So viel ist sicher.
Olivier: Mach ich, Mokkapralinchen! Einen Moment noch! ... Ich soll euch ganz liebe Grüße von Elke ausrichten. Die Hochzeitsfeier holen wir im großen Stil nach, wenn wir nach Berlin zurückgekehrt sind. Gib deiner bezaubernden Frau einen Kuss von mir. Bis bald. Wir melden uns.

*piep*

Und schon erlosch die sanftmütige Stimme von Olivier Meier wieder. Seine Schwiegertochter in spe war total aus dem Häuschen nach diesen tollen Nachrichten und strahlte Marc, der neben ihr lag, begeistert an und tippte immer wieder auf seine Schulter...

Gretchen: Oh Marc! Sie haben es tatsächlich getan! Sie haben ihr Ehegelübde erneuert. Hach... Ist das nicht romantisch? Wo sie doch letzte Woche noch so doll gestritten haben und sich fast getrennt hätten. Das ist so toll. Das ist wahre unzerstörbare Liebe, nicht? ... Marc!... Maaarc? ... Hörst du mir gar nicht zu? ... Maaahaaarc!!!

Gretchen rüttelte jetzt heftig am Arm des lang ausgestreckten Mannes, der ihr den Rücken zugewendet hatte und leise vor sich hin grunzte.

Das glaub ich jetzt nicht. Der tut doch nur so!

Gretchen: Marc Olivier Meier, ich weiß, dass du nicht schläfst.

... fauchte sie ihn beleidigt an, aber keine Reaktion! Gretchen rückte etwas näher an ihn heran, ruckelte noch mal an seiner Schulter, doch ihr Liebster schien auf stur geschaltet zu haben und gab kein Lebenszeichen außer leisen Schnarchgeräuschen mehr von sich, wie sie feststellte, als sie sich vorsichtig über seinen Kopf beugte. Dann eben andere Methoden, dachte sich Oliviers Schwiegertochter in spe, legte sich dicht hinter ihren Grummelkönig und begann gefühlvoll mit dem Zeigefinger seine Wirbelsäule entlangzufahren. Er zuckte kurz zusammen und entspannte sich gleich wieder, gab aber immer noch keinen Mucks von sich. Grinsend rutschte Gretchen nun ganz nah an ihn heran. Haut an Haut lagen sie da. Marc spürte deutlich ihre weichen Brüste in seinem Rücken und musste heftig schlucken, als seine hinterlistige Freundin auch noch frech ihre Hand auf seinen Bauch legte und ihn sanft zu streicheln begann. Sofort kehrten die Erinnerungen an heute Morgen zurück, als er schon einmal von kraulenden Frauenfingerchen geweckt worden war, was dann darin geendet hatte, dass sich ihr schrecklicher pinkgestreifter Pyjama und seine weiße Unterhose irgendwo auf dem Fußboden des Schlafzimmers getroffen hatten. Das Déjà-vu jetzt ließ sein Blut heftig in Wallung geraten. Bald könnte er ihr nichts mehr vormachen. Sie hatte ihn fast. Ihre heißen Lippen setzte Gretchen nun auf sein Schulterblatt und hauchte kleine verführerische Küsse darauf. Schauerwellen durchfuhren seinen Körper und sämtliche Härchen richteten sich auf. Er war wie elektrisiert. Sie war so eine kleine Hexe, dachte er schwer atmend, als sie seinen Hals empor wanderte und ihre Zunge kreisend spielen ließ. Sie hatte ihn! Marc drehte sich langsam auf den Rücken und öffnete seine Augen, mit denen er seine freche Verführerin feurig anfunkelte...

Marc: Das ist die reinste Folter, Haasenzahn!
Gretchen (streicht verführerisch über seinen Brustkorb u. geht immer tiefer u. blickt ihm dabei verheißungsvoll in die Augen): Falsch! Das hier ist Folter!

Marc sah die kleine Hexe verwirrt an und erst als sie plötzlich unvermittelt von ihm abließ und aus dem Bett sprang, verstand er, was sie damit gemeint hatte. Sie zwinkerte ihm zu und spurtete sich, aus dem Schlafzimmer zu kommen. Marc sprang sofort hinterher und folgte ihr. Doch da war Gretchen schon im Badezimmer verschwunden und hatte die Tür hinter sich abgeschlossen. Heftig klopfte Marc nun an die Tür...

Marc: Komm schon! ... Mach auf! ... Was soll denn das? ... Haasenzahn! ... Boah! ... Biiitteee!

Keine Reaktion! Gretchen ignorierte ihn einfach und stellte das Wasser in der Dusche an, wie er am Rauschen vernehmen konnte. Frustriert ließ er den Kopf hängen und seufzte...

Marc: So ein stures Biest!

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12.09.2011 17:25
#1112 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallöchen! Wollt ihr wirklich eine Fortsetzung des letzten Teils? Seid ihr wirklich sicher? Okay! Die Kücken, bitte die Augen zu und der Rest kann sich entspannt zurücklehnen. Viel Spaß! Eure Lorelei



Als sie nach zehn Minuten immer noch nicht wieder herausgekommen war, resignierte Marc Meier schließlich und schlurfte zurück ins Schlafzimmer, wo er sich aufs Bett fallen ließ und die Augen schloss. Aber an Schlafen war nicht mehr zu denken. Zu sehr spürte er noch immer ihre aufreizenden Berührungen auf seiner nackten Haut. Jede Zelle seines Körpers reagierte darauf. Die Gänsehaut, die sich schon wieder abzeichnete, machte ihn schier wahnsinnig. Und erst seine Herz-Rhythmus-Störungen. Er fuhr sich aufgewühlt durch seine Haare und verschränkte seine Hände schließlich unter seinem Kopf und starrte an die Decke, an der immer noch der alberne Mistelzweig hing, den sie neulich von ihrem Spaziergang auf dem Weihnachtsmarkt mitgebracht hatten. Er musste unweigerlich schmunzeln und schloss seine Augen wieder. Gott, manchmal benahm er sich wirklich wie der letzte Depp wegen diesem furchtbar störrischen Weib. Ständig und überall wollte sie Bestätigung erhaschen, selbst wenn es dabei nicht mal nur um ihn, sondern um ganz andere Paare ging, wie die Frischverlobten - ihn schüttelte es bei dem Gedanken - Vögler-Gummersbach oder seine durchgedrehten Eltern. Aber irgendwo waren echt Grenzen. Irgendwie spielten gerade alle verrückt in ihrem Hochzeits-Was-auch-immer-Wahn. Da konzentrierte er sich lieber auf sich und seinen Engel. Hatte sie nicht versprochen, ihn unter dem Mistelzweig immer zu küssen? Und jetzt verweigerte sie einfach so ihr Versprechen. Diese schändliche Abweisung musste unbedingt bestraft werden und sein Grinsen wurde immer breiter, während er so allein in dem großen Bett dalag.

Marc war so in Gedanken versunken, dass er gar nicht bemerkte, dass das Wesen, was ihm schlaflose Nächte bereitete, schon seit einer kleinen Weile hinter der Tür gestanden und ihn heimlich verträumt lächelnd beobachtet hatte. Auf Zehenspitzen schlich sie sich nun ans Bett heran, ließ das Badetuch, das sie sich um ihren frisch geduschten Körper gewickelt hatte, zu Boden gleiten und krabbelte vorsichtig aufs Bett. Mit klopfendem Herzen blickte sie ihren Traumprinzen an. Er schien immer noch vor sich hin zu dösen und wirkte völlig entspannt. Gretchen grinste verschmitzt, als sie langsam ihren Kopf senkte und dem Schlafenden einen kleinen Kuss auf seine nackte Brust gab. Seine Muskeln spannten sich an. Ihre Lockenmähne kitzelte ihn. Sofort öffneten sich seine smaragdgrünen Augen und sahen sie eindringlich an. Gretchen blickte zu ihm auf und lächelte sehnsüchtig.

Marc: Und ich dachte, ich hätte das geträumt.
Gretchen (kichert u. setzt noch einen weiteren Kuss auf sein Brustbein, dann sieht sie ihn wieder von unten herauf an): Fühlt sich das wie träumen an, Dr. Meier?
Marc (stützt sich grinsend mit dem Ellenbogen ab u. beugt sich sanft über sie u. sieht eindringlich in ihren Augen hin u. her): Gefällt mir auf jeden Fall besser, als deine SM-Methoden vorhin.
Gretchen (klopft ihm empört auf den Arm): Eh!
Marc (liegt jetzt über ihr u. presst ihre Hände ins Kopfkissen, sein Atem geht schwer u. er sieht sie feurig an): Willst du immer noch über meine Eltern reden?

Gretchen, deren Herz mittlerweile bis zum Hals schlug, biss sich auf ihre Unterlippe und schüttelte leicht den Kopf.

Marc (grinst zufrieden u. festigt seine Umklammerung): Gut!

Sehnsüchtig blickte die junge Frau zu ihm hoch. Ohne seinen Blick von ihren ozeanblauen Augen abzuwenden, senkte er seinen Kopf, bis sich ihre Lippen fast berührten.

Marc (flüstert): Du riechst gut.
Gretchen (haucht): Kakaobutter!
Marc (schaut überrascht): Mmm! Da bekommt man(n) ja richtig Appetit.
Gretchen (kichert): Marc!

Marc ließ es sich nicht nehmen und schnupperte an ihrem Hals. Gretchen spürte seinen heißen Atem schon auf ihrer Haut und schloss instinktiv ihre Augen. Er strich kurz sanft mit seinen Lippen über die ihren und knabberte anschließend an ihrer Unterlippe. Ihr entwich ein zartes Seufzen. Er lächelte und spürte, wie ihr Körper unter ihm zu beben begann und sie sich ihm ganz anvertraute. Er verstärkte den Druck auf ihre Hände, die er über ihrem Kopf in das weiche Kissen drückte, und hauchte gleichzeitig mit seinen Lippen über ihre vor Erregung gerötete Wange, ihren Nacken, hin zu ihrem Ohrläppchen, in das er kurz gefühlvoll hinein biss. Gretchens Härchen richteten sich auf und eine Schauerwelle nach der anderen strömte durch ihren Körper und hinterließ ein wohliges Gefühl. Sie wollte ihn so sehr und drängte sich ihm leise stöhnend entgegen. Marc spürte, dass Gretchen in diesem Moment zu allem bereit gewesen wäre und das reizte ihn ungemein. Doch ein bisschen Strafe musste einfach sein. Mit seiner markanten Stimme raunte er in ihr Ohr und richtete sich anschließend auf...

Marc: Gut, dann können wir ja jetzt frühstücken gehen.

Gretchen brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass Marc abrupt von ihr abgelassen hatte und gerade vorhatte, aus dem Bett zu springen. Sie richtete sich schwer atmend auf und sah ihn aufgewühlt an...

Gretchen: Marc! Was...?

Der Angesprochene saß bereits auf der Bettkante und ließ seine Beine herunterbaumeln. Er drehte sich aber dennoch noch einmal zu ihr herum und grinste Gretchen schelmisch an. Er labte sich an ihrem verdatterten Gesichtsausdruck, rückte schließlich wieder zu ihr auf und beugte sich erneut über sie. Sie sank sofort mit klopfendem Herzen aufs Kissen zurück und blickte ihn erwartungsvoll an. Marc biss sich auf seine Unterlippe und verfolgte fasziniert die Auf und Ab-Bewegungen ihres bebenden Brustkorbs. Was für eine Versuchung! Er konnte es nicht lassen und strich aufreizend mit seiner Fingerkuppe über ihr atemberaubendes Dekollete. Dabei schaute er direkt in ihre Augen. Ihre Lider flackerten verdächtig. Sie seufzte und legte ihren Kopf entspannt in den Nacken. Marc genoss mit Genugtuung, wie ihr Körper auf ihn reagierte...

Marc: Das ist Folter oder?

Gretchen schnappte heftig nach Luft, als er sie von ihrer Wolke schupste. Der schuftige Schuft hatte sie schon wieder hereingelegt und Gleiches mit Gleichem gegolten. Sofort öffneten sich ihre Augen und blitzten ihn an. Marc fing ihren Blick ein. Sekundenlang lauerten sie sich auf, bis schließlich Gretchen plötzlich die Initiative ergriff, seine Schultern herunterdrückte und den unverschämten Kerl entwaffnete, als sie sich auf seinen Schoss setzte. Doch Marc überließ ihr nicht die Oberhand. Zu sehr liebte er das Spiel und rollte sich mit ihr auf die Seite. Stürmisch trafen sich jetzt ihre Lippen, verbissen sich regelrecht ineinander, schlangen einander auf, während ihre Hände einander wild erkundeten. Ihre Körper verschmolzen zu einer Einheit, tollten in wilden Wellen über das Bett, bis sich ihre Hände fanden, ihre Finger sich ineinander verhakten, sie kurz innehielten, um sich intensiv in die Augen zu schauen und um vor dem Sturm kurz Luft zu holen. Ihre Lippen trafen sich erneut zu einem intensiven endlosen Kuss und Marc drang einen Moment später gefühlvoll in sie ein. Gretchen genoss die Erschütterung sehr, die er in ihr auslöste und gab sich ihm voller Leidenschaft hin. Erst ganz langsam, dann immer schneller liebten sie sich in Ekstase, bis sie sich gleichzeitig aufbäumten, sich atemlos aneinander festklammerten und schließlich die Sterne berührten und ausatmeten. Erschöpft sanken sie in die weichen Federn zurück. Marc rutschte von Gretchen herunter und legte sich auf die Seite. Gretchen kuschelte sich in seine wärmenden Arme und zog die Bettdecke wieder hoch. Verliebt sahen sie sich in die Augen und lächelten sich an. Marc strich ihr eine nasse Strähne aus dem Gesicht, die sich verirrt hatte, behielt seine Hand an ihrer Wange und küsste sie sanft, erst auf die Nasenspitze, dann auf ihren Mund. Tiefenentspannt lagen sie so eine Weile nebeneinander und dösten vor sich hin, bis schließlich Marc als Erster die Sprache wieder fand...

Marc: Frühstück?
Gretchen (murmelt im Halbschlaf): Noch ein bisschen liegen bleiben.
Marc (schmiegt zufrieden seine Arme um ihren Bauch u. kuschelt sich von hinten an sie): Okay!

Arm in Arm schliefen die beiden noch einmal ein, während anderswo schon rege Aufbruchstimmung herrschte.

Lorelei Offline

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13.09.2011 17:12
#1113 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Mehdi Kaan stand bereits komplett angezogen an der Wohnungstür seiner Freundin und wollte sich gerade mit einem Kuss von ihr verabschieden, als Gabi es sich doch noch einmal anders überlegte, seine gespitzten Lippen ignorierte und zurück ins Schlafzimmer rannte, wo sie am späten Vormittag aufregende Stunden verlebt hatten...

Gabi: Ich brauche nur fünf Minuten.
Mehdi: Du?
Gabi (streckt nur ihren Kopf aus der Schlafzimmertür): Hör ich da einen skeptischen Unterton heraus, Herr Doktor?
Mehdi (tut unschuldig): Nö!
Gabi: Du, ich kann mich schneller wieder anziehen, als du mich ausziehen kannst.
Mehdi (setzt ein dreckiges Grinsen auf u. geht auf die Schlafzimmertür zu): Hört, hört! Ich glaube, das muss ich erst einmal eingehend überprüfen.

Gabi kicherte, zog ihren Kopf zurück und verschwand schnell hinter der Schranktür, während Mehdi im Türrahmen stehen blieb und seine schöne Freundin beim Ankleiden beobachtete. Nach dreieinhalb Minuten war sie tatsächlich fertig angezogen und stöckelte in einer hellen Jeans und einem modischen Pullover triumphierend auf den Skeptiker zu, blieb vor ihm stehen, funkelte ihn an und küsste ihn schließlich. Nach endlosen Minuten lösten sich ihre Lippen wieder voneinander und sie lächelten sich verliebt an.

Gabi: Und was sagt der Herr Doktor?
Mehdi (streicht mit seinem Zeigefinger gefühlvoll ihren Hals hinab u. schaut ihr dabei tief in die Augen): Du, also vielleicht sollten wir das mit dem Ausziehen noch mal nachprüfen.
Gabi (grinst ihn breit an u. klapst ihm auf die Finger, die gerade ihre linke Schulter freilegen wollen): Nichts da! Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!
Mehdi (setzt seinen überzeugendsten Dackelblick auf u. quengelt): Das ist Folter!
Gabi (schlingt ihre Arme um seinen Hals u. blickt ihn säuselnd an): Du hast es so gewollt. Und überleg doch mal, wenn wir schnell arbeiten, bleibt vielleicht noch etwas Zeit über.
Mehdi (überzeugt): Du hast Recht. Wir sollten vernünftig bleiben.
Gabi: Eben! Und ich helfe dir dabei.
Mehdi (sieht in ihren strahlenden Augen hin und her): Womit hab ich dich nur verdient?
Gabi (legt grinsend ihre Hand an seinen Oberkörper): Och du! Du hast ja noch so einiges wiedergutzumachen.
Mehdi (lacht): Erpresserin!
Gabi (blitzt ihn an): Hey!
Mehdi (nimmt ihre Hände u. verschränkt seine Finger mit ihren): Ich werd mir morgen gleich die Wohnungsanzeigen vornehmen.
Gabi (schaut überrascht): Na du gehst ja auf einmal ran?
Mehdi: Ich hab’s dir doch versprochen. Und ich will, dass das jetzt nur ein Provisorium mit Lilly wird. Verstehst du? Unser richtiges Zuhause schaffen wir uns dann in der neuen Wohnung.

Gabi nickte dem sanften Arzt verständnisvoll zu und gab ihm noch einen kleinen Kuss auf den Mund. Gemeinsam gingen sie anschließend zur Tür, wo Mehdi seiner Freundin gentlemanlike in ihre Jacke half.

Mehdi: Sag mal, das fällt mir jetzt erst wieder ein, wo warst du gestern eigentlich so lange? Wir haben ja gar nichts zusammen von der Silvesterparty gehabt.
Gabi (wiegelt schnell ab): Ach du, ein dummer ... Jungenstreich! Nicht der Rede wert.

Gordon tickt doch nicht mehr ganz sauber. Zieht der im Krankenhaus ne Plantage auf und zieht mich da auch noch mit rein, indem er mir ein Schweigegeld anbietet. Tzz... Der soll mal lieber zusehen, dass er das Zeug verschwinden lässt, bevor der alte Haase noch dahinter kommt. Nee, nee, nee! Ich will damit nichts zu tun haben. Das Beste ist, ich tue so, als hätte ich nichts gesehen. So kann mir niemand einen Strick draus drehen. Und Mehdi muss das nicht wissen. Er hat Gordon ja eh schon eine Ansage gemacht deswegen. Ich hoffe, das ist dem Idioten eine Lehre. Wobei ich mir gar nicht so recht vorstellen kann, dass er das alleine aufgezogen hat. Das sah mir schon mehr nach Business aus und nicht nach einem lockeren Spaß unter Kifferfreunden. Na ja, egal! Nicht mein Problem! Ich will die Zeit mit Mehdi jetzt ohne Störfeuer genießen.

Mehdi (skeptisch): Aha!
Gabi (wendet ihren Blick ab u. nimmt sich ihren Schal vom Kleiderständer, den sie sich hastig um den Hals schlingt): Ja! So wir können.
Mehdi (öffnet lächelnd die Tür u. hält sie ihr auf): Und Chantal, ist sie gut nach Hause gekommen?
Gabi (bleibt im Flur stehen u. grinst Mehdi an): Ja! Sie hat mir noch eine Sms geschrieben. Wie es ausschaut, hat sie wohl noch nen Typen kennengelernt.
Mehdi (überrascht): Ach? ... Aber... jetzt nicht den Stier oder?
Gabi (sieht ihn fragend an): Stier? Was für einen Stier? Du stellst vielleicht Fragen! Also äh... wie wild es war, kann ich dir nicht sagen, nur dass er wohl gut küssen kann.
Mehdi (peinlich berührt): Äh... Ich hab eigentlich Dr. Cedric Stier gemeint.
Gabi (klappt fassungslos die Kinnlade herunter): Och nee, sag nicht, sie hat doch noch diesen arroganten Schönling angemacht?
Mehdi: Na ja, die beiden haben sich unterhalten und sie meinte, er sei ganz nett.
Gabi (rollt mit den Augen): Die Netten sind immer die Schlimmsten.
Mehdi (blickt sie mit hochgezogener Augenbraue an): Ach ja?
Gabi (grinst): Jetzt nicht auf dich bezogen.
Mehdi: Gut! Ich hab ihr jedenfalls ins Gewissen geredet, als Marc diesen Dr. Stier gerade auf seine charmante Art und Weise des Hauses verweisen wollte.
Gabi (zieht eine enttäuschte Schnute): Na toll. Ich hab die ganze Action verpasst.
Mehdi (lacht): Ach, ganz so verfilmungsreif war es nicht und ich dachte eigentlich, er wäre danach gegangen.
Gabi (ratlos): Hmm! Wer weiß. Ich werd mir die kleine Göre trotzdem noch mal vornehmen.
Mehdi (nimmt ihre Hand u. lächelt Gabi an): Mach, was du nicht lassen kannst. Jetzt ist erst mal mein Sorgenkind dran.
Gabi (erwidert sein Lächeln): Okay! Dann lass uns endlich gehen.

Arm in Arm verließ das innige Liebespaar nun Gabis Wohnung. Heute würden sie zusammen Mehdis Wohnung auf Vordermann bringen und sie auf den baldigen Einzug seiner kleinen Tochter vorbereiten, die schon sehnlich darauf wartete, endlich wieder bei und mit ihrem Papa zu leben. Und Mehdi freute sich auch schon sehr darauf, Lilly ab sofort immer bei sich zu haben.

Lorelei Offline

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14.09.2011 17:45
#1114 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hey ihr Lieben! Auch wenn es nicht so ausschaut, heute ist ein besonderer Tag und wenn mich meine verrückten Hühner gestern nicht abgeholt hätten (Paris! Hach... Image and video hosting by TinyPic), hätte ich es wohl fast verpasst. Ja, heute vor genau zwei Jahren hab ich die ersten Teile dieses mittlerweile riesigen Mammuts publiziert und kann es selbst kaum fassen, was aus einer spontanen Laune nach dem enttäuschenden Ende der 2. Staffel heraus bis jetzt gewachsen ist. Das Schreiberherz ist immer noch dabei und das ist allein euch zu verdanken. Meiner tollen Fangemeinde, die mich immer wieder mit ihren Kommentaren, ihren verrückten Ideen oder einfach nur ihrer Präsenz zum Lächeln bringt. Ich danke euch von ganzem Herzen für eure Treue. Eure Lorelei





In einer anderen Ecke von Berlin gab es zur selben Zeit dagegen ein eher böses Erwachen. Sie hatte sich schon eine Weile unruhig hin und her gewälzt, bevor sie endlich richtig wach wurde. Langsam öffneten sich ihre Augen. Sie brauchte einen Moment, um sich zu orientieren. Irgendetwas war anders. Das war nicht ihre Wohnung! Maria Hassmann richtete sich sofort auf, hielt die Bettdecke vor ihren Busen und schaute sich nervös um. Das rote Schlafzimmer! Sofort waren die Erinnerungen an letzte Nacht wieder da und sie blickte mit leichter Panik neben sich. Er schlief anscheinend noch immer tief und fest und hatte ihr den Rücken zugewandt. Sie schüttelte den Kopf. Was zum Teufel hatte sie denn geritten, hierher zu kommen? Ausgerechnet zu IHM! Die fassungslose Frau bekam eine Gänsehaut, als sie an die letzten Stunden zurückdachte, bevor sie in seinem Bett erschöpft eingeschlafen war. Sie hatte ihn geküsst, sie wusste selbst nicht warum, und innerhalb von nur wenigen Sekunden hatte eins zum anderen geführt. Sie hatten sich geliebt. Irrsinnig. Wild. Leidenschaftlich. Ausdauernd. Sie hatten gar mehr nicht voneinander ablassen können und sich regelrecht in einen Rausch getrieben. Es war fast wie früher gewesen. Kurz nachdem sie sich kennengelernt hatten. An der Uni. Als sie überall und bei jeder Gelegenheit, die sich ihnen geboten hatte, gevögelt hatten und dabei einmal fast von seinem Doktorvater hinterm Lehrpult erwischt worden wären. Es war aufregend und unglaublich berauschend gewesen und sie hatte es tatsächlich genossen. Genau das hatte sie gebraucht nach diesem furchtbar beschissenen Tag, der ihr so einige unschöne Klarheiten gebracht hatte. Aber jetzt, danach, als die Wirkung endgültig nachließ, fühlte sie sich nur noch schlecht und schäbig. Es war ein Fehler. Das spürte sie mit jeder Sekunde, die sie länger hier in seinem Haus blieb. Seinem Haus! Er war verheiratet. Nicht mit ihr! Und sie hasste ihn doch. Er hatte ein Kind mit einer anderen. Sarah wusste nicht einmal, dass er ihr Vater war. Er war ein Macho und unverbesserlicher Weiberheld ohne jegliches Verantwortungsbewusstsein. Sie hatte sich doch geschworen, nie wieder etwas mit ihm zu tun haben zu wollen. Aber dieser Mistkerl hatte es schon wieder geschafft, dass er sich in ihre Gedanken schlich. Dabei hatte sie ihn doch gerade erst daraus gestrichen. Aber wie eine Zecke hakte er sich an ihr fest. Jetzt fing er auch noch im Elisabethkrankenhaus an, schickte ihrer gemeinsamen Tochter ein Weihnachtsgeschenk, das er immer noch nicht abgeholt hatte, obwohl sie ihm gedroht hatte, aber das Schlimmste war: sie lag jetzt gerade in diesem Moment nackt in seinem Bett! Hatte sie schon gesagt, dass sie ihn hasste? Sie hasste ihn und sie hasste sich dafür, weil sie schon wieder schwach geworden war. Sie konnte sich das überhaupt nicht erklären und sie wollte sich das auch gar nicht erklären. Sie wollte nur noch weg. Weg aus diesem Haus. Weg von ihm. Sofort.

Maria warf die Bettdecke zurück und schwang ihre Füße aus dem Bett. Sie wollte sich still und heimlich verdrücken, bevor er aufwachte und peinliche Erklärungen verlangte, aber sie kam nicht mehr dazu, denn plötzlich spürte sie eine vertraute Hand ihre Wirbelsäule hinab streichen. Sie erschauderte. Eine Gänsehautspur zog sich wie eine Welle über ihren gesamten Körper. Sie wollte nicht auf ihn reagieren, aber ihr Körper spielte verrückt in diesem Moment. Sie wollte ihm nicht diese Genugtuung verschaffen und versuchte mit aller Macht cool zu bleiben. Sie traute sich nicht, sich zu ihm umzudrehen. Ignorier ihn und geh, sprach sie sich Mut zu. Doch plötzlich lagen seine beiden Hände auf ihrer Schulter und massierten sie sanft und seine brennend heißen Lippen zogen verführerische Bahnen auf ihrem Hals. Gott, dieser Scheißkerl wusste genau, welche Schalter er drücken musste. Doch sie konnte sich nicht darauf einlassen. Nicht noch einmal! Sie wich Cedric schroff aus und sprang abrupt vom Bett auf und sammelte anschließend ihre Unterwäsche und ihre restliche Kleidung zusammen, die wild verstreut auf dem Boden seines Schlafzimmers lag.

Cedric: Was ist?

... durchbrach seine markante Stimme schließlich die unheimliche Stille, die von dem Raum Besitz ergriffen hatte. Sie zuckte zusammen und wand ihren Kopf nun doch zu ihm herum. Sie sah ihn an. Ihr Blick war emotionslos. Das irritierte dann auch Cedric, der sich nun ganz aufrichtete und zu ihrer Bettseite rutschte.

Cedric: Bleib doch noch!

...flüsterte er und man hätte meinen können, einen Hauch von Sehnsucht herausgehört zu haben. Doch Maria schüttelte nur den Kopf und zog sich unter seinen enttäuschten Blicken schnell an...

Maria: Ich.... kann nicht.

Cedric wollte sich damit nicht zufrieden geben und sprang aus dem Bett und baute sich in seiner ganzen natürlichen Pracht vor seiner Exfrau auf, die pikiert ihren Blick von ihm abwandte, ihren engen Rock gerade rückte und sich dann weiter ihre Bluse zuknöpfte...

Cedric: Mary, was ist dein Problem?
Maria (holt tief Luft u. faucht ihn unvermittelt an): Mein Problem, ja? Du bist mein Problem!
Cedric (ein zufriedenes Grinsen zeichnet sich auf seinem Gesicht ab): Kann ich das als Kompliment werten oder...
Argh! Ich wusste es!
Maria (schiebt sich mit finsterer Miene an ihm vorbei u. sammelt im Flur ihren Mantel auf, in den sie sofort hineinschlüpft): Lass mich in Ruhe!
Cedric (sieht ihr kopfschüttelnd hinterher, zieht sich schnell eine Unterhose und ein Hemd über u. folgt ihr in den Flur): Ich bitte dich! Du bist doch hergekommen.
Argh! Bleib cool! Ignorier ihn! Das hier ist nie passiert!
Maria (schlüpft in ihre Stiefel u. würdigt ihn keines Blickes): Du hättest es ja auch nicht ausnützen brauchen.
Cedric (amüsiert): Bitte? Ich hab bitte was? Du bist doch über mich hergefallen wie ein wildgewordenes Raubtier.
Maria (zieht den Reißverschluss ihres Stiefels hoch u. baut sich anschließend schnaufend vor ihm auf u. zeigt mit dem Finger auf ihn): Bild dir bloß nichts darauf ein! Das war ... eine einmalige Sache.
Cedric (verschränkt seine Arme mit einem selbstgefälligen Lächeln): So einmalig wie neulich nach dem Ärzteball?
Maria (richtet ihre Augen kurz an die Decke u. flucht vor sich hin): Du... du... Argh! Dann sind wir jetzt ja quitt.

Cedric lachte auf. Maria funkelte ihn ein letztes Mal an und drehte sich dann schwungvoll herum und ging zur Haustür vor. Doch ihr Exmann stellte sich ihr selbstbewusst in den Weg und ließ sie nicht gehen. Sein anfangs amüsiertes Grinsen war nun einem eher nachdenklichen ernsten Blick gewichen...

Cedric: Gott, Maria, was soll das jetzt? Was ist verdammt noch mal los mit dir?
Das frag ich mich auch. Ich muss hier weg.
Maria (kühl): Das hier war eindeutig ein Fehler. Vergiss es einfach!
Cedric (fährt sich aufgewühlt über sein Gesicht): Hör mal, ich wollte dir schon die ganze Zeit was sagen...

Maria hatte sich an ihm vorbei geschoben und schon die Klinke in der Hand, als es plötzlich im Nebenzimmer anfing zu weinen. Cedric war kurz abgelenkt.

Maria (zynisch): Da hast du ja jemanden, der dir zuhören will, Cedric. Ich für meinen Fall habe genug gehört.
Cedric: Jetzt warte doch mal, verdammt!

Der Familienvater war im Zwiespalt und schaute abwechselnd zwischen Kinderzimmertür und Maria hin und her und entschied sich schließlich für die Tür, hinter der er nun schnell verschwand.

Cedric: Hey mein Schatz, wer wird denn gleich weinen, hmm. Gleich gibt es was zu futtern.

...hörte sie ihn mit sanfter Stimme zu seinem Kind flüstern. Maria wollte seine Abgelenktheit nutzen und schnell verduften, aber irgendetwas hinderte sie daran. Langsam schritt sie auf die geöffnete Tür zu, die mit rosa Aufklebern geschmückt war. Da kam ihr Cedric aber schon mit dem Baby auf dem Arm entgegen. Sie wich zurück und schluckte sehr. Ihn mit Kind zu sehen, brachte Erinnerungen zurück, die sie schon längst in die hinterste Ecke ihres Herzens verdrängt hatte. Aber das war nicht das Schlimmste. Nein, schlimmer als all die Erinnerungen an ihn und Sarah, als sie noch ein kleines Baby war, war die Tatsache, dass sein neues Baby ihm wie aus dem Gesicht geschnitten war. Und es war nicht von ihr! Er hatte eine neue Familie gegründet. Warum ließ er sie dann nicht gehen? Maria ging ein paar Schritte rückwärts, trat dabei aus Versehen auf ein quietschendes Spielzeug, das auf dem Boden lag, und geriet ins Straucheln. An der Kommode fing sie sich auf. Dabei fiel ihr Blick zufällig in den Wandspiegel, durch den sie einen Blick in die gegenüberliegende Küche erhaschen konnte, in der heilloses Chaos herrschte. Sie drehte sich verwundert herum. Ungewaschene Töpfe und Pfannen türmten sich in der Spüle, auf dem Küchentisch standen Unmengen an leeren Babybreigläsern und angebrochene Windelpackungen und auf der Anreiche lagen mehrere leere Pizzakartons und Bierflaschen. Cedric bemerkte ihren skeptischen Blick und schloss schnell die Tür, bevor sie sich noch etwas zusammenreimen konnte...

Cedric (lenkt ab): Bin noch nicht zum Aufräumen gekommen.
Maria (sieht ihn misstrauisch an): Ah ja!? Hauptsache du schaffst es noch, bis dein kleines Frauchen zurückkommt. Die war doch so eine Ordnungsfanatikerin oder? Zumindest kann ich mich noch gut daran erinnern, dass es immer pikobello bei uns aussah, wenn ich sie vom Babysitten abgelöst habe. Wobei... das hatte wahrscheinlich auch eher andere Gründe und sie hat nur die Spuren eures Treibens verwischt, hmm.
Cedric (ringt sichtlich um Fassung): Ähm...
Maria (genießt es sichtlich, ihn am schlechten Gewissen gepackt zu haben): Wo steckt die eigentlich? Also ich würde ein Kleinkind ja nicht unbedingt allein in deiner Obhut belassen, v.a. wenn man bedenkt, dass sie letzte Woche erst wegen deiner Unachtsamkeit im Krankenhaus gelandet ist. War... wie hieß sie doch gleich ... Sandy ... feiern? Na ja, es interessiert mich auch eigentlich gar nicht. Ich hau lieber ab, bevor sie mich hier noch findet. Noch eine peinliche Begegnung will ich mir nämlich ersparen. Leb wohl! Schönes Leben noch.
Cedric (hat seine Sprache wieder gefunden, auch wenn ihre Vorwürfe ihn schwer getroffen haben): Jetzt warte doch mal!

Cedric wollte seine Exfrau aufhalten und ihr ein paar Dinge erklären, aber in dem Moment fing Cheyenne auf seinem Arm wieder an zu weinen. Er strich ihr zärtlich über die Wange, um sie zu beruhigen, während Maria schnell ihre Tasche nahm und zur Tür ging.

Maria: Lass es einfach! Ich muss Sarah von meinem Vater abholen. Er ist ganz allein mit ihr und... Ach das geht dich gar nichts an. Das hier ist nie passiert. Ich denke, da sind wir uns einig. Tschüß!

Maria öffnete die Haustür und ging einfach, ohne sich noch einmal umzudrehen. Cedric folgte ihr nach draußen in die Kälte und sah ihr traurig nach...

Cedric: Aber...? Ich wollt dir doch... Mann! ... Und was ist jetzt mit dem Job? Ich brauch ihn wirklich, weil... weil... scheiße!

Doch seine flüchtende Exfrau hörte ihn nicht mehr. Sie war bereits in ihren Wagen eingestiegen und fuhr nun auf und davon. Cedric blickte ihr ernüchtert hinterher. Dabei hatte er vor Stunden noch geglaubt, dass das Glück zu ihm zurückgekehrt war und es endlich wieder aufwärts ging und die elende Pechsträhne, die ihn seit über einem Monat verfolgte, endlich der Vergangenheit angehörte. Tja, falsch gedacht! Jetzt steckte er noch mehr in der Scheiße als vorher. Fluchend trat er gegen das Treppengeländer, was bei seinen neugierigen Nachbarn, die an der Fensterscheibe klebten, Kopfschütteln verursachte. Doch da hörte er plötzlich seine glucksende Tochter auf seinem Arm. Er schaute herab und lächelte sanft. Er stupste an ihr kleines süßes Näschen. Sie schaute ihn aus großen Kulleraugen an und begann zu lächeln. Er drückte sie seufzend an sich und schloss die Haustür wieder hinter sich. Während er Cheyenne in der Küche fütterte und anschließend versuchte, dem Chaos in seinem Haus Herr zu werden, beschloss er für sich, dass er nicht aufgeben würde. Vielleicht würde sie ihn irgendwann verstehen.

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15.09.2011 17:09
#1115 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Einige Tage später

Dr. Gretchen Haase hatte nach einer langen anstrengenden ersten Arbeitswoche im neuen Jahr endlich mal wieder einen Nachmittag frei und genoss den Tag in vollen Zügen überwiegend mit Nichtstun. Sie hatte zwar eigentlich vorgehabt, den brachliegenden Meier-Haaschen Haushalt mal wieder etwas auf Vordermann zu bringen, aber hatte sich dann doch umentschieden und sich stattdessen gemütlich in eine Decke eingemummelt aufs Sofa gefläzt. Sie hatte ein bisschen ferngesehen, die Schokivorräte von Weihnachten halbiert und etwas gelesen. Wobei es dann doch eher die weiterbildenden Frauenzeitschriften waren, die ihr reges Interesse gefunden hatten und nicht die Facharztbücher, die immer noch unberührt vor ihr auf dem Couchtisch lagen, nachdem sie diese infolge eines Motivationsschubs Anfang der Woche aus Marcs Bücherregal geholt und dort abgelegt hatte. Und nun schrieb sie Tagebuch, was sie schon lange nicht mehr gemacht hatte. Sie war tief in Gedanken versunken und nahm nichts mehr um sich herum wahr. Nur für einen zärtlichen Kuss von ihrem Liebsten, der gerade von einer Sitzung mit ihrem Vater zurückgekehrt war, hatte sie kurz schmachtend aufgeschaut, aber Marc hatte sich dann schnell mit seinem überraschenden Besuch ins Arbeitszimmer zurückgezogen. Zügig huschten ihre flinken Fingerchen über das rosa Papier und füllten Seite um Seite...


Mein liebes Tagebuch,

Neues Jahr, neues Glück, sagt man ja bekanntlich so schön, aber mir hat das alte Jahr schon das ganz, ganz große Glück gebracht. Ich kann es nicht oft genug sagen, aber ich bin wirklich unendlich glücklich mit Marc. Hach... Meinem Marc. Meinem Grummel und Romantikkönig. Hihi! Gut, diese Bezeichnungen mag er nicht so sonderlich gerne, weil ich ihm damit - O-Ton Dr. Meier - seine Männlichkeit absprechen würde, aber es ist nun mal so. Er ist mein grummeliger Romantikkönig. Jeder Tag mit ihm ist ein großes aufregendes Abenteuer und ich liebe es, mich den Herausforderungen zu stellen, die ein gemeinsames Leben mit ihm zu bieten hat. Wenn man nach Sabines Kartendeutungen geht, soll wohl noch so einiges auf uns zukommen. Hihi! Sabine mal wieder! Wobei ich aber manchmal, auch wenn ich sie furchtbar lieb habe, an der Aussagekraft ihrer Prophezeiungen ein wenig zweifele. Was soll denn noch groß passieren? Die größten Herausforderungen hatten wir doch letztes Jahr gemeistert. Wir sind jetzt zusammen. Ich hab ihn fest am Haken. Also alles supi! Hihi!

Marc steckt jedenfalls so voller Überraschungen, wenn er mal sein blödes Machogehabe für einen Moment ablegt und ganz bei mir ist. Ich liebe diese Momente. Ich werde niemals vergessen, wie schön seine Überraschungsreise an das Haus am See war, wo wir die Tage zwischen Weihnachten und Silvester verbracht haben. Was er alles gesagt und getan hat. Hach... Das waren Tage voller Glück und unendlicher Liebe. Ein richtiger Honeymoon eben, der nur noch vom echten übertroffen werden könnte. Hihi! Ich wünschte, wir könnten noch einmal zurückfahren und alles noch mal erleben. Den Sonnenaufgang über dem See. Den Tag im Schnee, aber diesmal ohne peinliche Rutschaktion meinerseits. Die atemberaubenden Erlebnisse im tropischen Paradies, die Ballonfahrt, der Wasserfall, ooohhh und die Blütenmassage. Gott, das war, glaube ich, der erotischste Moment in meinem Leben, wie Marc mir... ääähhh... Ich bekomme schon eine Gänsehaut, wenn ich nur daran denke. Vielleicht kann ich ihn ja überreden, das zu wiederholen. Ich würde sogar die Orchidee opfern, die Mama uns zum Einzug geschenkt hat. Hihi! Hach... Und dann all die schönen Stunden in dem tollen Haus, nur wir beide, ganz für uns, die Kuschelstunden vorm prasselnden Kamin oder mein ähm... Aktauftritt. Oh Gott, ich kann kaum glauben, dass ich das wirklich gemacht habe. Ich hab ja gar nicht gewusst, dass Marc so toll zeichnen kann. Er überrascht mich wirklich immer und immer wieder. Das Porträt, das er von mir gezeichnet hat, hat jetzt einen Ehrenplatz in unserem Schlafzimmer. Aber am schönsten war doch sein offenes und ehrliches Liebesgeständnis am letzten Abend. Er will das mit uns genauso sehr wie ich. Das spüre ich. Auch wenn er sich manchmal sträubt, es zuzugeben, und sich aufführt wie ein Elefant im Porzellanladen. Aber ich weiß, wie ich seine Gesten und Worten zu deuten habe. Selten habe ich mich ihm so nah gefühlt wie an diesem Abend. Ich hab ja erst gedacht, er hätte sich verpflichtet gefühlt, nachdem ich ihm als Symbol unserer Verbundenheit mein erstes Tagebuch geschenkt habe und er anfangs nicht wirklich damit umzugehen wusste. Aber ich glaube ja, dass er das von Anfang an so geplant hatte. Er ist eben doch ein verkappter Romantiker. Da kann er leugnen, wie er will. Ich krieg das Gesamtpaket, hat er gesagt und ich kann es kaum noch erwarten.

Ja, mein liebes Tagebuch, vielleicht sollte ich meine Erwartungen etwas herunterschrauben. Er hat ja nicht gesagt, lass uns gleich morgen Nägel mit Köpfen machen. Nein, das wäre nicht Marc, aber er ist bereit, sich das in der Zukunft vorstellen zu können und das ist doch schon viel mehr, als ich mir in mittlerweile fast fünf Monaten mehr oder weniger krisenfreier Beziehung mit ihm erhofft habe. Alles Schritt für Schritt, im richtigen Tempo und ich mag unser Tempo. Ich liebe ihn und er mich. Wir leben und arbeiten zusammen. Und es funktioniert, woran wahrscheinlich kaum einer am Anfang geglaubt hätte. Wir können es dauerhaft schaffen, wenn jeder jedem genug Raum und Zeit gibt und das haben wir bis jetzt doch ganz gut hingekriegt. Obwohl ich Marc manchmal bis aufs Blut reize, was mir ja auch leid tut, ich kann manchmal echt eine kleine Nervensäge sein, will er mit mir sein Leben teilen, hat sogar gesagt, das wird unser Jahr. Und ich spüre es. Ich strotze gerade nur so vor Energie und Tatendrang. Ich fühle mich beschwingt von der Liebe. Oh Gott, ich höre mich schon an wie Marcs Mutter beim Dr. Rogelt-Schreiben. Hilfe! Hihi! Aber irgendwie ist schon etwas Wahres dran. Unsere Liebe gibt mir Kraft. Ich bin mutiger und selbstbewusster. Genau die richtige Motivation, um meinen Facharzt mit links zu meistern. Denn ich will, dass Marc stolz auf mich ist. Und ich denke, das ist er auch. Er gibt es zwar nie so offen zu, weil er mich gegenüber den anderen nicht bevorteilen will, aber seine Gesten sind schon eindeutig. Im OP und auf Station lässt er mich jetzt meistens alleine machen und entscheiden. Er und Papa, mit dem ich jetzt öfters unterwegs bin, meinen, ich sei soweit und irgendwann wird nun mal jeder ins kalte Wasser geworfen und muss Verantwortung übernehmen. Und ich denke, ich mache meine Sache ganz gut. In der Silvesternacht habe ich sogar ein paar Stunden die Notaufnahme alleine geschmissen. Gut, nachdem die Lawine durchgerollt war, aber trotzdem. Ich bin mir zum ersten Mal richtig sicher, alles erreichen zu können.

Apropos Silvester, wo wir gerade dabei sind, das habe ich dir ja noch gar nicht geschrieben. Marc hat sich da mal wieder von seiner allerbesten Seite gezeigt. Nörgeln, motzen, pöbeln, anscheißen. Das ist ja an sich nichts Neues bei ihm. Das Zielobjekt dagegen schon. Aber wahrscheinlich hat es Marias Exmann auch nicht anders verdient gehabt. Man hört ja da so einige Geschichten über ihn. Was er wohl bei uns will? Aber egal, es geht ja hier nicht um Dr. Cedric Stier, den attraktiven Neuzugang in der Neurochirurgie und Marc Exstudienkollegen und besten Erzfeind. Nein, mir geht es um Marcs romantische und heldenhafte Seite. Ja, ich weiß, ich bin so ein kitschsüchtiges Stück. Hihi! Manchmal frag ich mich echt, wie Marc das mit mir aushält, aber er gibt sich tapfer und bemüht sich. Hat mein Grummel doch tatsächlich um Mitternacht rote Herzen an den Himmel gezaubert. Hach... Manchmal kann er so unverschämt süß sein. Die Betonung liegt auf unverschämt! Leider hat sich im Nachhinein herausgestellt, dass das alles Mehdis Handschrift war - hätte ich eigentlich gleich wissen müssen, wo er doch genauso romantisch veranlagt ist wie ich - und Marc ihm nur dabei geholfen oder assistiert hat. Wie auch immer? Das war jedenfalls wieder so typisch für ihn! Obwohl... nein, eigentlich ja eher untypisch, wenn man bedenkt, was Marc von Gabi hält, für die die Herzen ja auch irgendwie bestimmt waren. Hab ich schon gesagt, wie süß Mehdi sein kann? Nein, ich habe mich nicht verschrieben! Und Marc, falls du das hier jemals liest, ich darf das sagen, weil er mein allerbester Freund ist und ich glücklich bin, dass es ihm wieder so gut geht. Tja, es hat halt doch Vorteile, dass die beiden Knallköpfe so dick miteinander befreundet sind und solange Marc dabei noch was lernen kann. Hihi! Ich hab Marc aber trotzdem für sein eigenmächtiges Handeln belohnt. Ich konnte einfach nicht anders. Ich liebe nun mal Silvester. Die ganze Stimmung. Die bunten Lichter. Und als Marc mich so in eine Decke gehüllt im Arm gehalten hat, über uns das Feuerwerk, hach... da bin ich mal wieder davon geschwebt. Einmal zu den Sternen und zurück. Ich liebe ihn so sehr, weil er eben ist, wie er ist.

Aber für das absolute Highlight des Abends hat dann jemand ganz anderes gesorgt, auch wenn mein persönlicher Held da auch an einer Stelle seine Hand im Spiel hatte. Hihi! Günni hat Sabine nämlich vor dem versammelten Kollegium einen ... wie soll ich sagen ... ähm... sehr speziellen Heiratsantrag gemacht! Sie hat natürlich ja gesagt. Nach einem kleinen Aussetzer, den Gott behoben hat. Hihi! Ich krieg jetzt noch Herzklopfen, wenn ich daran zurückdenke. Hach... das war so hochromanisch und schön. Marc hat es auch gefallen, er gibt es nur nicht zu. Ich könnte jedenfalls die ganze Welt umarmen, so sehr freue ich mich für die beiden. Klar, mag das auf den ersten Blick übereilt erscheinen. So lange kennen sie sich ja auch noch nicht. Aber bei den beiden weiß man eben vom ersten Moment an, dass das einfach passt. Die ganz, ganz große Liebe eben. So wie bei Marc und mir. Aber er mag es nicht so, wenn ich ihn mit dem - O-Ton Dr. Meier - Leichenfledderer vergleiche. So ein Blödmann! Aber ein lieber!

Aber na ja... Wo war ich? Ach ja, Sabine und Günni. Diese Nachricht ist eingeschlagen wie eine Bombe im EKH. Es gibt kein anderes Gesprächsthema im Moment. Es ist sogar völlig untergegangen, dass Mehdi jetzt ganz offiziell mit Gabi geht. Aber es ist vielleicht auch ganz gut so, dass nicht gleich jeder weiß, wie es zu dieser äußerst überraschenden Paarung kommen konnte. Gut, vielleicht liegt es auch eher daran, dass sie sich im Krankenhaus noch etwas zurückhalten. Du weißt schon warum. Maria hat sich in den letzten Tagen ganz schön zurückgezogen. Selbst mir geht sie betont aus dem Weg. Dabei hab ich doch jetzt kapiert, dass sie nicht darüber reden möchte. Das ist halt ihre Art, damit fertig zu werden und ich respektiere das. Ich bin mir sicher, irgendwo gibt es auch für sie den passenden Deckel. Ich würde sie gerne wieder glücklich sehen. Heute hat sie sich zum ersten Mal wieder zu uns gesetzt beim zweiten Frühstück im Schwesternzimmer. Sie hat zwar nichts weiter gesagt und stumm ihren Kaffee getrunken, aber ich habe den Ansatz eines Lächelns bei ihr erkennen können, bevor Sabine ausgeholt hat, wie sie sich ihre Traumhochzeit denn so vorstellt. Da ist Maria dann gleich wieder geflüchtet. Ob es an Sabines verträumt-romantischen, leicht kindlichen Vorstellungen gelegen hat oder an Mehdi und Marc, die gerade scherzend aus der Umkleide gekommen waren, weiß ich nicht. Aber ich bin ganz positiv gestimmt, dass wir bald wieder zu unserer alten Freundschaft zurückfinden werden. Das mag anderen vielleicht seltsam erscheinen, aber ich mag sie nun mal und ich vermisse unsere kleinen Zickereien. Ich habe morgen eine OP mit ihr. Vielleicht taste ich mich dann vorsichtig heran, ob sie mal mit mir einen Kaffee trinken möchte. Kino wäre aber auch nicht schlecht. Da läuft doch die Tage dieser Männerfilm an, wo auch dieser eine Schauspieler mitspielt, den ich so schnuckelig finde. Könnte übrigens Marcs Doppelgänger sein. Aber psst! Marc kann nämlich gar nicht mit Konkurrenz! Hihi! Oder wir machen was zusammen mit Sarah. Mal sehen!?

Mehdi sieht man dagegen richtig an, wie gut es ihm im Moment geht. Lilly wohnt seit einer Woche wieder bei ihm. Es wurde wirklich Zeit, dass sich alles bei ihm wieder in geregelte Bahnen einrenkt. Das war ja auch kein Zustand mehr, in was für einen heillosen Schlamassel er sich letztes Jahr hineinmanövriert hat. Mehdi als Don Juan des EKH! Also das Bild will nicht so wirklich in meinen Kopf. Er hat es zwar abgeschwächt und mir neulich gestanden, dass er wirklich gedacht hat, in beide verliebt zu sein. Und ich kann das ja auch ein bisschen verstehen. Mir ging es ja damals mit Marc und Alexis ähnlich. Aber trotzdem er hat die Entscheidung viel zu lange hinausgezögert und Maria damit sehr verletzt. Aber ich will ihm keine Vorwürfe mehr machen. Er hat es geklärt und ich freu mich einfach für ihn, dass es momentan so gut läuft. Lilly hat das ganze Drama ganz gut weggesteckt und geht seit ein paar Tagen wieder zur Schule. Sie gibt ihm Kraft und Lebensfreude. Er ist richtig aufgeblüht, seitdem die kleine Maus an Weihnachten plötzlich in seiner Bürotür gestanden hat. Und Gabi scheint ihm auch gut zu tun. Das hätte ich nie erwartet. Aber wahrscheinlich hab ich immer nur die negativen Erfahrungen mit ihr im Kopf gehabt. Ich will in Zukunft vorbehaltlos an die Sache herangehen. Mehdi ist glücklich mit ihr und das ist alles, was ich wissen muss. Gestern sind wir in den Genuss gekommen, die beiden mal live und in Aktion zu sehen. Äh... nicht falsch verstehen. Beim Tanzen, meine ich. Hihi! Ich weiß gar nicht, wie wir da überhaupt drauf gekommen sind. Ich glaube, es war am Montag beim Mittagessen in der Cafeteria gewesen. Es gab Mousse au Chocolat zum Nachtisch. Irgendwie hab ich da mitbekommen, dass die beiden wohl schon länger regelmäßig Salsa tanzen gehen. Ich fand das total aufregend. Das wollte ich schon immer mal machen. Und mit viel weiblichem Charme und meiner neuen sexy Unterwäsche hab ich meinen Marcischnuckiputzi überreden können, spontan mit zu gehen. Das war gestern.

Lorelei Offline

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16.09.2011 14:12
#1116 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Gut, das Doppeldate an sich kam bei Marc und Gabi jetzt nicht ganz so gut an, aber Mehdi und ich hatten unseren Spaß. Wieso waren wir eigentlich damals nie tanzen? Er hat es echt drauf. Man fühlt sich unheimlich wohl in seinen Armen. Jedenfalls hat mein Schatz mir mit seinem besten Freund einen einzigen Tanz erlaubt, dann wollte er, oh Wunder, auf einmal doch selbst. Hihi! Gockel! Ich hab ihn dann immer damit aufgezogen, wie toll Mehdi doch seine Hüften schwingen könne und so, da ist Marc dann zum spanischen Toro mutiert und wollte mir unbedingt beweisen, dass er es tausendmal besser drauf hätte. Der Tanzlehrer - ich war ganz erstaunt, da Mamas Ex-Fitnesstrainer anzutreffen - sah das aber nicht ganz so und hat bei ihm Hand angelegt an einer Stelle, die sonst nur mir vorbehalten ist, um ihm zu zeigen, wie er es richtig machen soll. Na ja, du kennst ja Marc! Der lässt sich nichts sagen und von Männern bekrabbeln erst recht nicht und hat ihn ziemlich auflaufen lassen. Das war so peinlich! Ich wäre fast gestorben, als uns alle wegen der Unterbrechung böse angekuckt haben. Mein Grummel hatte dann jedenfalls die Schnauze voll und hatte sich schmollend in eine Ecke hinter einem Bier verzogen. Ich habe dann noch eine Weile mit Brad getanzt. Ich sei „eine richtige Naturtalent“, hat er immer in seinem ulkigen Akzent geschwärmt und gemeint, ich solle doch das nächste Mal wiederkommen, aber wenn möglich allein, „ohne deine frecke unverschämte, aber hot aussehende Freund“. Das wollte ich meinem Schatz aber nicht antun und hab ihm dann doch Gesellschaft geleistet. Er hat sich schnell wieder beruhigt, als ich mich sanft an ihn gekuschelt habe. So ist er eben, mein Marc. Hach...

Jedenfalls hatten wir, als wir dort so gemütlich beisammen saßen, die Gelegenheit, Mehdi und Gabi ein wenig zu observieren. Hihi! Die beiden haben echt göttlich miteinander getanzt. In perfekter Harmonie. Man hat ihnen richtig angesehen, wie viel Spaß es ihnen bereitete. Ich meine, Salsa an sich ist schon eine sehr erotische Angelegenheit. Aber bei den beiden hat man dieses gewisse Prickeln richtig deutlich gespürt. Wie sie sich angeschaut haben! Der Raum stand regelrecht in Flammen. Marc war jetzt nicht ganz so angetan von meinen schwärmerischen Schilderungen. Aber ich bin überzeugt. Da wächst was Großes heran. Ich konnte gar nicht aufhören, den beiden zuzuschauen. Das war so toll! Und wie liebevoll und charmant Mehdi mit ihr umgegangen ist. Die Berührungen, die Gesten, die Blicke! Er wirkte richtig gelöst. Und Gabi hing regelrecht an seinen Augen. Ich glaube, sie hat am Ende gar nicht mehr mitbekommen, dass wir auch noch da waren. Süß! Die beiden sind wirklich sehr verliebt. Und ich freu mich für die beiden. Ehrlich! Wir haben uns sogar noch ganz entspannt bei einer Flasche Wein unterhalten. Gut, verkrampft ist es immer noch ein wenig. Beste Freunde werden Gabi und wir in diesem Leben bestimmt nicht mehr, v.a. wenn Marc nicht endlich seine blöden Spitzen lässt, aber man kann es ja versuchen. Ich hab ja gar nicht gewusst, dass die beiden planen zusammenzuziehen und schon intensiv nach einer neuen größeren Wohnung suchen für sich und seine Tochter. Lilly weiß aber offenbar noch nichts vom neuen Glück ihres Vaters. Annas OP steht ja kurz bevor und sie wollen sie nicht zusätzlich verunsichern. Ich kann das verstehen. Das muss alles noch zusammenwachsen. Aber ich bin zuversichtlich.

Übrigens weiß ich jetzt auch endlich, wie Jochens neue Flamme heißt. Ja, du hörst richtig. Mein kleiner Bruder hat sich verknallt, aber so richtig. Die ganze Woche über hat er mich schon genervt, dass ich unbedingt Mehdi ausquetschen soll, um mehr über sie zu erfahren. Das habe ich nun getan. Aber ehrlich gesagt, weiß ich nicht so recht, was ich mit diesen Infos anfangen soll. Diese Chantal ist erst achtzehn Jahre alt und hat gerade ein Kind bekommen. Ich glaube nicht, dass Jochen damit umzugehen wüsste. Sie scheint ja nach Mehdis Schilderungen schon recht reif für ihr Alter zu sein. Obwohl ich denke, dass so eine frühe Schwangerschaft eigentlich eher das Gegenteil beweist. Und Jochen? Der ist Mitte zwanzig, ein Grünschnabel, lebt in den Tag hinein, lässt sich noch von Mama pampern und studiert Medizin mal so eben nebenher, ohne zu wissen, wohin er damit will. Na ja, vielleicht sollte ich auch nicht allzu viel da hineininterpretieren. Sie haben sich erst einmal gesehen und sie hat sich nicht wieder bei ihm gemeldet. Vielleicht ist sie ja auch gar nicht an ihm interessiert. Und ich möchte Jochen auch nicht die Illusionen rauben. Er ist so nett und lieb im Moment. Ach ich weiß doch auch nicht. Mal sehen, was ich mache.

Aber noch mal zurück zu Anna Kaan. Nachdem Maria sie zufällig in Österreich aufgespürt hat, liegt sie nun bei uns im EKH auf Station. Ich bin schon ganz aufgeregt wegen der OP nächste Woche. Ich werde Marc und Maria nämlich dabei assistieren. Aber nicht nur, weil ich meine Vita mit einer spektakulären Operation aufpäppeln möchte, sondern vor allem weil mich der Fall wirklich interessiert. Menschlich wie fachmedizinisch. Marc denkt, er hat einen Weg gefunden, wie wir an den Knochensplitter herankommen, der aufs Rückenmark drückt und damit die Lähmungserscheinungen hervorruft, ohne größere Schäden anzurichten. Er steckt von früh bis spät nur noch in seinen Büchern, die sich mittlerweile bei uns bis an die Decke türmen und bereitet sich intensiv auf den komplizierten Eingriff vor. Ein Wunder, dass ich ihn gestern überhaupt mal aus dem Haus gekriegt habe. Aber ich find’s gut, wie er sich da reinhängt und ich lerne auch viel dabei. Wir sind alle guter Dinge, dass die OP gut laufen wird und Anna bald wieder mit Lilly herumtollen kann. Diese letzte Sorge möchte ich wirklich gerne von Mehdis Schultern nehmen. Und ich glaube, Marc denkt genauso. Er macht das nicht nur für sich und seine Karriere, sondern vor allem für Mehdi. Und dafür liebe ich ihn umso mehr.

Übrigens ist heute auch Olivier endlich aus den zweiten Flitterwochen zurückgekehrt. Marc und er hängen gerade die Köpfe zusammen und brüten im Arbeitszimmer über dem Fall, während ich mich hier gerade mit Müh und Not an einem Pflaumenkuchen versuche. ... Oh Gott! ... Der Pflaumenkuchen! ... Den hab ich...


Gretchen warf ihr Tagebuch achtlos auf den Boden, wand sich hektisch aus der wohlig warmen Decke, in die sie sich eingewickelt hatte und sprintete in die Küche. Fünf Minuten später fiel sie wieder erschöpft auf die Couch, schob die Decke zur Seite, hob ihr Tagebuch auf und zückte erneut ihren rosafarbenen Hello-Kitty-Stift mit Federpuschel...

Wieder da! Das war knapp! Ich hab ihn gerade noch rechtzeitig aus dem Ofen geholt. War ja klar, dass mir das...

Doch plötzlich schreckte sie eine vertraute ironische Stimme von ihren Aufzeichnungen auf...

Marc (aus dem Arbeitszimmer rufend): Haasenzahn, muss ich die Feuerwehr rufen oder kommst du klar?
Gretchen (schließt peinlich berührt ihre Augen u. ruft zurück): Nichts passiert! Das muss so riechen.
Marc (skeptisch): Ja sicher!
Gretchen (rutscht zum anderen Ende der Couch u. streckt sich so, dass sie einen Blick auf den Flur erhaschen kann): Kommt ihr dann gleich? Ich habe gerade die Kaffeemaschine angestellt.
Marc: Ja, noch zehn Minuten.
Gretchen (lächelt): Ok! Freu mich.

Und die Tür zum Arbeitszimmer fiel wieder ins Schloss und Gretchen konnte sich wieder ihrem Tagebuch widmen...

So ich glaube, ich muss Schluss machen für heute. Marc nörgelt schon. Und warm schmeckt der Kuchen nun mal am besten. Wenn er denn schmeckt! Ach da bin ich eigentlich ganz optimistisch. Ich freu mich schon so auf Oliviers Geschichten aus Frankreich. Das wird sicherlich superromantisch. Ich liebe ja solche Geschichten. Er und Elke haben sich nämlich an ihrem 35. Hochzeitstag an Silvester noch einmal ihr Eheversprechen gegeben. Auf dem Pariser Eifelturm. Ist das nicht unglaublich? Hach, ich wünschte mir, Marc würde ein bisschen mehr nach ihm kommen und nicht so sehr nach seiner Mutter. Obwohl die ja, seitdem Olivier wieder auf der Bildfläche aufgetaucht ist, wie ausgewechselt wirkt. Sie hat sogar mit Papa und Mama Frieden geschlossen. Schon erstaunlich, was die Liebe alles bewegt! Hmm... Seltsamerweise ist Elke aber wohl noch an der Côte d’Azur geblieben, wo die beiden in den letzten Tagen ihre zweiten Flitterwochen verbracht haben. Wer weiß? Olivier hat nichts weiter dazu gesagt. Sie hat wohl gerade eine äußerst kreative Phase und will das ausnutzen. Hach... schon toll, wie glücklich im Moment alle sind. Ich hoffe, das bleibt für immer so.

Aber jetzt muss ich wirklich. Bis bald mal wieder. Dein Gretchen.


Gretchen schloss ihr Tagebuch schließlich, drückte es an ihr klopfendes Herz und sprang dann auf und brachte es zurück in ihr Versteck unterm Bett und bereitete dann den Kaffeetisch für ihre Meier-Männer vor. Es wurde noch ein schöner entspannter Nachmittag mit den beiden. Die romantischen Geschichten wurden dabei zwar eher ausgegrenzt, weil Marc deswegen rumgenörgelt hatte, aber ihr medizinisches Fachgeplänkel kam der lernfaulen angehenden Chirurgin dann doch noch zu Gute.

Lorelei Offline

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18.09.2011 10:38
#1117 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Ein paar Tage später war es dann soweit und das neu gewonnene Fachwissen sollte in die Praxis umgesetzt werden. Denn die komplizierte OP von Anna Kaan stand heute auf dem Plan. Alle Beteiligten waren an diesem frühen Montagmorgen angespannt und nervös, als man sich zur Vorbesprechung in Dr. Meiers Büro traf. Schließlich ging es hier nicht nur um irgendeine Paralysepatientin, der man wieder auf die Beine helfen wollte, sondern um das Schicksal von Mehdis Frau und Lillys Mutter und damit quasi um ein Mitglied der großen EKH-Familie.

Dr. Kaan lief dementsprechend unruhig im Sprechzimmer seines Freundes und Kollegen auf und ab, was diesem gehörig auf die Nerven ging, aber der für sein Feingefühl nicht gerade bekannte Chirurg bewies diesmal Taktgefühl und hielt seine vorlaute Klappe und konzentrierte sich ganz auf seinen Job und wies sein Team ein. Mehdi hatte dagegen sehr schlecht geschlafen. Tiefe Augenringe und Sorgenfalten zeichneten sich auf seinem markanten Gesicht ab. Albträume hatten ihn gequält und Erinnerungen an Annas ersten Unfall zurückgebracht, die ihn wach gehalten hatten. Seine Freundin hatte ihm dann die halbe Nacht zugehört, weil er unbedingt das Bedürfnis gehabt hatte, alles rauszulassen und zu erzählen. Irgendwann war er dann doch erschöpft in Gabis Armen eingeschlafen und hatte sich noch eine Mütze Schlaf geholt. Doch ausgereicht hatte dies nicht. Die innere Unruhe war mit dem Aufwachen wieder da gewesen. Damals hatte er sich auch schon so hilflos gefühlt. Jetzt war es genauso. Es hing so viel von der Operation ab. Er wusste, seine Frau war stark. Aber was war, wenn es nicht funktionierte und es so blieb, wie es gekommen war? Würde sie es trotzdem schaffen oder doch wieder Dummheiten machen? Es ließ ihn einfach nicht los.

Gretchen versuchte derweil alles, um ihren besten Freund in diesen Minuten ein wenig zu beruhigen und zog ihn auf die weiße Ledercouch herunter und tätschelte liebevoll seine Hand, bis Mehdis Pulsschlag wieder ein normales Niveau erreicht hatte, während Marc mit seinem Vater, den er als Ratgeber zu der OP hinzugezogen hatte, und Dr. Hassmann, die trotz der momentanen Differenzen mit Dr. Kaan keine Minute gezögert hatte, ihre Langzeitpatientin auch auf diesem Wege zu begleiten, den genauen Ablauf des Eingriffs besprach. Mehdi hatte nach Abschluss der halbstündigen Besprechung noch einmal bei seiner Frau im Zimmer vorbeigeschaut, wo sie noch lange miteinander geredet hatten und er ihr, so gut er es eben konnte, die Sorgen genommen hatte. Es würde schon alles gut gehen. Lilly und er wären bei ihr. Das waren seine letzten Worte gewesen, als Schwester Sabine und Dr. Haase die Patientin schließlich für die OP abgeholt hatten.

Und jetzt saß der aufgewühlte Frauenarzt allein im Wartebereich vor den OPs und knetete nervös seine Hände. Anna war noch keine viertel Stunde unter Marcs Skalpell, aber es fühlte sich bereits wie Stunden an. Am liebsten hätte er jetzt Lilly bei sich gehabt und sie an sich gedrückt, aber er hatte sich in Absprache mit seiner Frau und seinen Eltern dazu entschieden, ihr nichts von der schweren Operation zu sagen. Sie hatte das Wochenende bei ihren Großeltern verbracht und war nun wie jeden Tag um diese Zeit in der Schule. Sie sollte sich nicht unnötig Sorgen machen.

Sorgen machte sich dagegen jemand ganz anderes, nämlich seine Freundin, der die aufwühlenden Nachtstunden, in denen sie so einiges über ihren Schatz erfahren hatte, was sie noch nicht gewusst hatte und das sich erst einmal setzen musste, noch in den Knochen steckten und die sich von ihrem Dienst weggeschlichen hatte, um ihrem Mehdi während der quälendlangen Wartezeit beizustehen. Schon von weitem konnte die besorgte Krankenschwester erkennen, wie durcheinander ihr Liebster war. Er war mittlerweile aufgestanden und zur Fensterfront gegangen. Er hatte seine Hände aufs Fensterbrett gelegt und schaute emotionslos nach draußen. Die schneebedeckten Bäume bewegten sich im Sturm. Es war trüb. Die Wetterlage entsprach in etwa seinem aktuellen Seelenzustand. Er konnte den See in der Ferne zwar sehen, aber wirklich wahr nahm er ihn nicht. Erst als Gabi behutsam ihre Hand auf seine Schulter gelegt hatte, zuckte er zusammen und drehte sich zu ihr herum. Sie lächelte Mehdi aufmunternd an. Er erwiderte es zaghaft.

Gabi: Schatz, komm, setz dich hin und iss etwas. Du hast heute Morgen schon nicht gefrühstückt.

Die Krankenschwester hatte ein Tablett aus der Cafeteria dabei mit zwei dampfenden Kaffeebechern darauf, zwei Sandwichs, zwei Schokoriegeln und einer Salatschüssel mit extra viel Fetakäse über dem Rucula-Salat. Das war das Mindeste, was sie im Moment für ihn tun konnte und sie wollte unbedingt etwas tun, um ihn ein wenig abzulenken. Das alles nahm ihn viel zu sehr mit und sie hielt es nicht aus, ihn wieder so bedrückt zu sehen. Das ganze Drama um seine Frau sollte endlich ein Ende haben und er zur Ruhe kommen. Mehdi lächelte kurz und legte seine kalte Hand an ihre Wange, was Gabi zusammenzucken ließ. Sie schauten sich einen Moment lang in die Augen, dann ließ er sich von ihr zu den Wartestühle führen, wo sie sich nebeneinander hinsetzten.

Mehdi: Danke! Das ist lieb, aber ich glaube, ich krieg jetzt nichts runter.
Gabi (nimmt seine Hand u. drückt sie sanft): Hey! Mach dich nicht verrückt. Marc ist der Beste, der kriegt das schon hin.
Mehdi: Dass ich mal ein positives Wort über ihn aus deinem Mund höre.
Gabi (lächelt erleichtert u. hält ihm nun das Tablett hin): Wenn du schon wieder Witze machen kannst, dann kannst du auch etwas essen.

Mehdi sah seine fürsorgliche Freundin schmunzelnd von der Seite an und strich ihr liebevoll über die Wange, bevor er sie sanft auf den Mund küsste und dann doch nach der Salatschüssel griff, während sie eine der Kaffeetassen in die Hand nahm und daran nippte.

Mehdi: Danke, dass du da bist.
Gabi (lächelt ihn an): Kein Ding. Oben ist alles ruhig. Kate hat alles im Griff und hat gemeint, ich soll mal nach dir schauen.
Mehdi (fängt ihren Blick ein u. zieht eine Augenbraue nach oben): Hat sie das?
Gabi (senkt verlegen ihren Blick): Na ja, eigentlich wollte ich... also ich konnte mich nicht wirklich auf die Arbeit konzentrieren, wo ich doch weiß, dass du hier allein...
Mehdi (fällt ihr gerührt ins Wort): Ich liebe dich!

Mehdi schaute seine Liebste, die ihn glücklich mit Herzklopfen anstrahlte, liebevoll von der Seite an und legte seinen Arm um ihre Schulter. Sie lehnte sich daraufhin an seine Seite, drehte ihren Kopf so, dass sie ihn anschauen konnte und ließ sich nun von ihm mit Salat und Feta füttern. Ab und an fuhr seine Gabel aber auch in seinen Mund, was Gabi zufrieden zur Kenntnis nahm. Nach der kleinen Stärkung fühlte sich Mehdi sichtlich besser. Das spüre auch seine Freundin, die sich nach einigen neugierigen Blicken der Kollegen, die den Flur entlang gekommen waren, wieder aufgerichtet hatte, aber immer noch Mehdis Hand fest umschlossen hielt...

Gabi: Wie lange sind sie schon drin?
Mehdi (blickt auf seine Armbanduhr, dann seufzend zur Schleuse): Eine dreiviertel Stunde.

Gabi nickte leicht mit dem Kopf, sagte aber nichts weiter. Worte waren auch nicht weiter von Nöten. Die beiden sahen sich einfach nur eine Weile stumm in die Augen, um die Anspannung wegen der OP etwas zu verdrängen. Doch plötzlich durchbrach ein unheilvolles Handyklingeln die eingetretene Stille und Mehdi zuckte erschrocken zusammen. Es kam aus seiner Kitteltasche. Er griff hektisch nach seinem Telefon und blickte auf das leuchtende Display. Eine OP-Schwester, die gerade an den beiden vorbeilief, ermahnte den attraktiven Arzt, dass Handys hier in diesem Bereich nicht erlaubt seien. Mehdi entschuldigte sich daraufhin und lief ein paar Schritte den Flur vor und ging schließlich an sein bimmelndes Telefon. Gabi beobachtete ihn argwöhnisch aus der Ferne, wie er nervös vorm Fahrstuhl auf und ab lief, ab und zu den Kopf in die Luft streckte, sich über den Nacken strich und sein Handy schließlich nach zehn Minuten, in denen er kaum etwas hineingesprochen hatte, wieder einsteckte und dann langsam zurück kam. Neugierig sprach sie ihn sofort darauf an...

Gabi: Was Wichtiges?

Lorelei Offline

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19.09.2011 17:14
#1118 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Mehdi setzte sich stöhnend wieder auf den Platz neben seine wissbegierige Freundin, nahm sich den übrig gebliebenen Schokoriegel vom Tablett, fummelte flink das Papier ab und biss herzhaft hinein, bevor seine dunklen Augen Gabis fragenden Blick von der Seite einfingen und er ihr kopfschüttelnd und schmatzend antwortete...

Mehdi: Meine... Eltern! Sie wollten wissen, wie Annas OP läuft und ob sie Lilly später von der Schule abholen und noch mal mit zu sich nehmen sollen.
Gabi (lehnt sich beruhigt zurück u. sieht ihn von der Seite an): Ist doch... nett ... von ihnen.
Mehdi (rollt theatralisch mit den Augen u. schiebt sich den Rest des Milky Ways in den Mund): Meine Mutter wollte sogar noch herkommen, aber ich konnte sie gerade noch so abwimmeln. Dafür sind wir aber heute Nachmittag bei ihr zum Kaffeetrinken eingeladen.
Gabi (ihre Augen werden immer größer u. sie nervöser): Äh... Wir?
Mehdi (spürt, dass ihr das nicht recht ist u. schaut sie entschuldigend an): Tut mir leid. Diesmal konnte ich es nicht verhindern. Sie will dich unbedingt kennenlernen, nachdem das neulich so durchwachsen gelaufen ist.
Na super! Auch das noch!
Gabi (atmet tief durch u. sieht ihn schließlich zustimmend an): Schon gut.
Mehdi (blickt sie hoffend an): Du kommst mit?
Mir bleibt ja nichts anderes übrig oder? Also Augen zu und durch! Schlimmer als bei Marcs Drachenmutter kann es ja nicht werden und mit der bin ich auch fertig geworden.
Gabi (nickt leicht mit dem Kopf, schnappt sich dann das übrig gebliebene Sandwich u. beißt zur Beruhigung davon ab): Muss ich irgendetwas beachten?
Mehdi (lächelt glücklich, weil sie mitkommt): Ich denke nicht. Bleib einfach so, wie du bist.
Gabi (beißt noch einmal herzhaft ab u. legt das angeknabberte Sandwich dann zurück aufs Tablett u. tupft sich anschließend mit einer Serviette den Mund ab): Das kam bei Schwiegermüttern im Speziellen noch nie so sonderlich gut an.
Mehdi (schüttelt schmunzelnd den Kopf): Ach was? Sie wird dich mögen.
Gabi: Du bist ein ewiger Optimist.
Mehdi (sein Lächeln wird immer breiter): Ich denke mal, sie ist eher interessiert, wie das nun jetzt alles weitergeht, mit Anna, Lilly, uns. Und wahrscheinlich plant sie auch noch irgendetwas Großes zu meinem Geburtstag.
Gabi (runzelt die Stirn): Ich dachte, wir wollten im kleinen Rahmen feiern. Also nur wir beide.
... und meine neue Unterwäsche unter dem sexy dunkelvioletten Kleid, das ich mir dazu gekauft habe.
Mehdi (grinst): Ja, und genau deshalb muss ich ihr ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen.
Gabi (beugt sich neugierig zu ihm rüber): Gut! Und wie geht es nun deiner Meinung nach weiter?
Mehdi: Wie besprochen, Lilly bleibt bei mir, solange Annas Regeneration läuft und dann sehen wir weiter, wie das in Zukunft laufen wird. Ich weiß nicht, nachdem Anna und ich uns ausgesprochen haben, denke ich, dass wir einen Kompromiss finden werden, mit dem alle leben können.
Gabi (nickt langsam mit dem Kopf): Verstehe!
Mehdi: Und unsere Wohnungssuche bleibt wie gehabt. Wir finden schon was.
Gabi (hat sich den Rest ihres Sandwichs geschnappt u. will gerade abbeißen, als sie noch einmal innehält u. ihn ansieht): Ich hab da vielleicht schon was entdeckt.
Mehdi (erstaunt): Echt?
Gabi (lächelt u. widmet sich dann ihrem 2. Frühstück): Ja! Aber lass uns das in Ruhe besprechen, wenn das hier vorbei ist.
Mehdi: Einverstanden.

Mehdi strich seiner Freundin zärtlich ein paar Krümel aus dem Mundwinkel, was sie verlegen kichern ließ, und war so dermaßen gefangen von ihrem liebevollen Blick, dass er gar nicht bemerkt hatte, dass sich die OP-Schleuse mittlerweile geöffnet hatte und eine brünette Oberärztin noch in grüner OP-Montur gekleidet auf der Bildfläche erschienen war, die bei dem vertrauten Anblick der beiden heftig schlucken musste und einige Sekunden benötigte, sich wieder auf das Professionelle zu konzentrieren und ihre Fassade zu wahren. Gabi hatte Dr. Hassmann als Erste hinter Mehdis Rücken erkannt und räusperte sich verlegen und stupste ihn sanft am Arm an, damit er sich herumdrehte, was er auch sofort in die Tat umsetzte. Der merklich nervöse Halbperser erhob sich von seinem Platz, als Maria näher kam. Sie blieb schließlich neben Mehdi stehen, lächelte ihn kurz zuversichtlich an, was ihn hoffen ließ, und ging dann schnell weiter ihres Weges...

Maria: Ich muss. Autounfall auf der Avus. Gretchen Ähm... Dr. Haase erklärt dir alles.
Mehdi: Dan...ke!

... brachte Dr. Kaan nur bruchstückhaft heraus, aber da war die Neurologin auch schon im Fahrstuhl am Ende des Flurs verschwunden. Im gleichen Moment trat auch Gretchen Haase aus der Schleuse und blieb direkt vor den beiden stehen, die Dr. Hassmann verwundert nachgeblickt hatten. Aufgewühlt sah Mehdi nun in Gretchens blauen Augen hin und her und versuchte darin die Antwort auf seine drängende Frage zu lesen, während er die Hand seiner Freundin, die sich mittlerweile zu ihm gesellt hatte, gar nicht mehr loslassen wollte. Die junge Assistenzärztin drehte sich noch einmal vergewissernd zur OP-Schleuse um, aus der gerade Marc und Olivier Meier schwatzend heraustraten und sich dabei synchron einen neuen weißen Kittel überzogen. Marc blieb stehen und nickte ihr zu. Gretchen lächelte und griff nach Mehdis freier Hand und sah ihm direkt in die Augen, die eine eindeutige Sprache sprachen...

Gretchen: Mehdi, die OP ist gut verlaufen. Der Splitter konnte entfernt werden. Wir sind zuversichtlich, dass sie wieder...

Von den Emotionen überrollt ließ Dr. Kaan sie gar nicht erst ausreden und fiel der überrumpelten Assistenzärztin sofort um den Hals und drückte sie herzlich an sich.

Gretchen: Huch!

Marc rollte nur theatralisch mit den Augen, als er den sentimentalen Frauenarzt dabei beobachtete, wie er seine Freundin fast erdrückte und warf seinem Vater vielsagende Blicke zu, der darauf mit einem sanftmütigen Lächeln antwortete. Jetzt hatte Mehdi auch seinen besten Freund entdeckt, löste die Umarmung mit Gretchen, die sich ihr blaues OP-Dress daraufhin zurechtrückte, um einen Moment später seinen Kumpel an sich zu drücken, dem das mehr als unangenehm war...

Mehdi: Danke Mann!
Marc (schiebt ihn überfordert von sich in Richtung Gabi, die sich ungewohnt zurückhält): Alter, jetzt komm mal wieder runter. Das war doch keine große Sache.
Olivier (klopft seinem Sohn stolz auf die Schulter): Jetzt sei mal nicht so bescheiden, mein Junge. Dieselbe OP haben bislang weltweit nur fünf Menschen gemacht und du bist einer von ihnen. Du kannst stolz auf dich sein.
Gretchen (himmelt Marc an): Das denke ich auch.
Marc (wiegelt peinlich berührt ab u. blickt zurück zum OP-Bereich, wo sich gerade die Tür öffnet): Ach! Jetzt lass uns erst mal abwarten, bis sie aufwacht.

Mein Held! Hach...

Gretchen schmachtete ihren tollkühnen Oberarzt von der Seite an und platzte fast vor Stolz, während Schwester Sabine gerade die frisch operierte Patientin an dem kleinen Grüppchen vorbei schob. Sie blieb kurz stehen und schaute vergewissernd von dem einen zum anderen, dann lief sie weiter, als Dr. Meier sie mit einem flüchtigen Handzeichen dazu aufgefordert hatte. Mehdi blickte der Krankenschwester und seiner Frau nachdenklich hinterher, dann fasste er einen spontanen Entschluss...

Mehdi: Warten Sie, Sabine, ich komme mit.
Sabine (bleibt stehen): Ja?
Gabi (sieht ihn verunsichert an): Kommst du jetzt nicht mit auf Station? Frau Loose hat doch dann den Kaiserschnitt und sie will sich nur von dir...
Mehdi (drückt kurz ihren Hand u. schaut sie eindringlich an): Bis dahin bin ich zurück. Ich will bei Anna bleiben, bis sie aufwacht.
Gabi: Ok!

Mehdi zwinkerte seiner Freundin, der leicht mulmig zumute war, und seinen Kollegen noch kurz zu und folgte dann Schwester Sabine, die am Fahrstuhl auf ihn gewartet hatte. Sein Abgang war natürlich eine Steilvorlage für Dr. Meier, der Gabis verunsichertes Gesicht mit Genugtuung studierte...

Marc: Na schiss, dass er sich doch noch umentscheidet?
Gretchen (blitzt ihn fassungslos an): Marc!
Gabi (gibt sich cool und unbeeindruckt): Och du, ich bin heute offiziell bei meinen Schwiegereltern eingeladen, also denke ich... nicht.
Marc (sichtlich beeindruckt kontert er ironisch): Uuhhh! Na dann mein herzlichstes Beileid. Seine Mutter wird dich auf Herz und Nieren testen und für untauglich befinden.
Gabi (weiß ganz genau, welchen Stand Marc Meier bei Mehdis Mutter hat u. nutzt dies geschickt für sich): Schließt du jetzt von dir auf andere?
Marc (fasst sich theatralisch an seine Brust): Autsch! Das tat weh. Aber mittlerweile sind Soraya und ich wirklich ganz dicke miteinander.
Gabi (zynisch): Na dann kann ich ja noch hoffen.

Während Gabi und Marc sich mit Blicken belauerten, beschloss die sprachlose blonde Zuschauerin schlichtend einzugreifen...

Gretchen: Kommt ihr mit, was essen?
Olivier (zwinkert seiner Schwiegertochter in spe lächelnd zu u. löst sich von dem Grüppchen): Ich komme vielleicht später nach. Ich habe noch ein wichtiges Telefonat zu führen. Marc, könnte ich dafür vielleicht dein Büro benutzen.
Marc (blickt ihn irritiert an): Äh... ja! Klar! Ich muss eh gleich noch hoch zum Prof. Franz wollte noch irgendwas.
Gretchen (senkt ihren Blick u. zieht eine Schnute): Ach so.
Na toll und ich dachte, wir feiern die gelungene OP ein wenig. Hach... dann eben nicht.

Marc gab seiner sichtlich enttäuschten Freundin noch einen kleinen aufmunternden Kuss auf den Mund und machte sich dann zusammen mit seinem Vater auf den Weg. Gretchen und Gabi blieben allein zurück und schwiegen sich einen Moment lang an.

Gretchen (zögerlich): Und du? Willst du... vielleicht... mitkommen?
Gabi (mustert sie erst skeptisch, dann springt sie doch über ihren Schatten): Na ja, eigentlich müsste ich schon längst wieder... Aber ich muss eh das Tablett noch wegbringen. Warum also nicht.
Gretchen (lächelt sie freudig an, woraufhin sich Gabi überfordert wegdreht): Schön! Ich freu mich.

Gabi schnappte sich augenrollend das leere Tablett, das auf einem der Stühle lag, und folgte dem dicken Haasen schließlich zum Fahrstuhl.

Lorelei Offline

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20.09.2011 17:07
#1119 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Nachdem er sich umgezogen und seiner OP-Klamotten entledigt hatte und nach einer anschließenden ausgiebigen Zigarettenpause, die er sich nach der anstrengenden, aber für ihn sehr erfolgreichen Operation gegönnt hatte, erreichte Dr. Marc Meier gutgelaunt und an einem giftgrünen Apfel kauend das Büro seines Chefs und Schwiegervaters in spe. Er warf das halb aufgegessene Obststück mit einem Kunstwurf in den Abfallbehälter neben der Treppe, rückte noch schnell seinen blütenweißen Kittel zurecht und klopfte anschließend an die große Eichentür. Nach einer kurzen Wartepause und einem kraftvollem „Herein“ des Professors von innen trat er mit einem breiten Siegerlächeln ein.

Marc: Du wolltest mich sprechen, Franz?

... fragte der Oberarzt höflich und in familiärem Ton, während er die schwere Tür hinter sich schloss. Erst als er sich herumgedreht hatte, erkannte er, dass noch eine weitere Person anwesend war. In einem der schwarzen Ledersessel saß seine werte Kollegin, Dr. Maria Hassmann, die eben noch mit ihm zusammen im OP gestanden hatte und ihm dort mit ihrer Besserwisserei ziemlich auf den Senkel gegangen war. Die brünette Oberärztin schaute ihren jüngeren Kollegen ebenso überrascht an wie er sie. Der Professor stand derweil immer noch mit dem Rücken zu ihnen am Fenster und drehte sich nun endlich zu seinen beiden besten Mitarbeitern herum, die ihn neugierig musterten.

Franz: Setz dich doch, bitte, mein Junge!

... forderte er Marc schließlich auf. Mit einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch, das er sich nicht wirklich erklären konnte, folgte er der Anweisung seines Vorgesetzten, der sich daraufhin ebenfalls in seinen großen Ledersessel auf der anderen Seite des Schreibtisches setzte und die beiden Oberärzte nun direkt mit freundlicher Miene anschaute.

Franz: Frau Dr. Hassmann war so freundlich und hat mir bereits über deinen großen Erfolg berichtet.
Marc (sieht Maria verblüfft an, die aber keine Miene verzieht u. weiterhin den Professor ehrfurchtsvoll anblickt): Oh! Ähm...ja, aber... zu diesem Zeitpunkt können wir noch gar nicht genau sagen, ob...
Maria (blickt nun doch mit Pokerface zu ihrem Kollegen rüber): Ach warum denn so bescheiden, Herr Kollege?

Marc (beugt sich mit skeptischem Blick zu ihr rüber u. flüstert): Seit wann lobst DU mich?
Maria (amüsiert sich über seine Unsicherheit): Wir sind doch ein Team oder?
Äh... Was wird das denn jetzt? Hat die was geraucht?
Marc (versteht so langsam u. seine Mundwinkel wandern nach oben): Verstehe! Ich soll dich in meinen Dokumentationen namentlich erwähnen, hä? Schon blöd, wenn die eigene Karriere stagniert und man sich an andere klammern muss.
Maria (flüstert mit gehässigem Unterton): Meier, ich bitte dich. Das hab ICH gar nicht nötig. Sie ist immer noch...

Franz (hat die Mauscheleinen der beiden gar nicht mitbekommen, weil sein Blick kurz auf einer Sms seiner Frau geruht hat, der er flink die Bestätigung fürs Abendessen gesimst hat; nun schaut er wieder murmelnd auf u. unterbricht die beiden Karrieristen): Ja, ich sehe das genauso. Deine Bescheidenheit ist sehr löblich, aber in diesem Fall völlig unbegründet. Mit genau solchen Initiativen macht man sich in der Fachwelt einen Namen und ich bin sehr stolz darauf, das im Zusammenhang mit unserem renommierten Krankenhaus sagen zu dürfen, Dr. Meier. Hach... ich wünschte, ich könnte mit euch Jungspunden noch mal mithalten.
Marc (macht eine wegwerfende Handbewegung, obwohl er vor Stolz schon fast platzt): Ach Herr Professor!
Maria (zickig von der Seite flüsternd): Schleimer!
Marc (blitzt zickig zurück): Selber!
Franz (verfolgt irritiert die hin und her huschenden Blicke seiner beiden talentierten Oberärzte): Habt ihr etwas gesagt?
Marc (richtet seine Aufmerksamkeit wieder ganz auf das Wesentliche u. räuspert sich, während Maria verlegen lächelt): Äh... nein!
Franz (lehnt sich in seinem Sessel zurück u. legt seine beiden Hände gefaltet auf den Schreibtisch vor sich ab): Gut! Warum ich euch eigentlich hergebeten habe, ist Folgendes.

Die beiden Oberärzte schauten nun gespannt auf, als der Professor mit seiner Rede fortfahren wollte, aber es plötzlich an der Tür klopfte.

Franz: Ah und da ist ja auch schon der dritte im Bunde. Hervorragend! ... Herein!

Dr. Meier und Dr. Hassmann warfen sich fragende Blicke zu und zuckten unschlüssig mit den Schultern, während sich Prof. Haase freudig lächelnd von seinem Sessel erhob und auf seine Bürotür zuging, die sich gerade einen Spalt weit geöffnet hatte...

Marc: Weißt du, was das soll?
Maria: Nein, aber ich hoffe, es dauert nicht allzu lange. Ich hab gleich noch eine Schädelfraktur im OP.
Marc (gehässig): Streberin!
Maria (blitzt ihn an): Selber Streber!
Marc (beugt sich flüsternd zu ihr rüber): Du bist doch nur neidisch, weil ICH...

Während die beiden talentiertesten Chirurgen Deutschlands ihre kindischen Grabenkämpfe ausfochten, betrat noch eine weitere Person das Büro des leitenden Direktors des Elisabethkrankenhauses. Mit hocherfreutem Gesicht trat der Professor an den jungen Mann im schicken hellen Anzug heran, der ihm sogleich breit lächelnd seine Hand zur Begrüßung reichte...

Lorelei Offline

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21.09.2011 13:59
#1120 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Weiter geht’s! Heute mal etwas eher und ohne große Vorrede auf meiner Kommiseite. Es war schließlich nicht schwer zu erraten, wer da gerade vor der Tür steht. Aber mit euren Vermutungen über großes Stühlerücken oder Wettbewerbe lagt ihr dann doch etwas falsch. Der Chef bleibt immer noch der Chef. Viel Spaß mit dem nächsten Teil und schönen Tag noch. Eure Lorelei




Franz: Dr. Stier, wir haben nur noch auf Sie gewartet.

S.T.I.E.R. ??? Mo...ment!

Sofort lösten Marc und Maria ihre giftigen Blicke voneinander und wandten synchron ihre Köpfe herum. Cedric Stier genoss es sichtlich in die beiden entgeisterten Gesichter seiner Neukollegen zu schauen und zwinkerte ihnen lässig zu, während er die Hand seines neuen Vorgesetzten schüttelte.

Maria (flüstert sichtlich aufgewühlt zu sich selbst): Cedric?
Marc: Das ist nicht wahr. Was will der denn hier? Hast du nicht gemeint, du würdest dich darum kümmern? ... Hassi?

...fragte Dr. Meier leise seine Kollegin und versuchte dabei möglichst seine sich anbahnende Wut im Zaun zu halten, doch Dr. Hassmann reagierte nicht auf ihn. Sie starrte nur völlig neben der Spur auf ihren Exmann, mit dessen Anwesenheit sie absolut nicht gerechnet hatte, und versuchte irgendwie ihre durcheinander geratenen Gefühle zu sortieren. Erst als Marc sie mit dem Ellenbogen unsanft von der Seite anstieß, wandte sie ihren Blick abrupt ab und sah den Chirurgen nun ebenso sprachlos an wie er sie. Cedric hatte sich derweil wieder auf sein älteres Gegenüber konzentriert, das ihn stolz musterte...

Cedric: Tut mir leid für die Verspätung, Herr Prof. Haase, aber ich hatte mit meiner kleinen Tochter noch einen Termin beim Kinderarzt im 2. Stock. Das hat alles etwas länger gedauert.
Franz (sieht ihn mitfühlend an): Oh! Aber das ist doch kein Problem, Dr. Stier. Ich hoffe nichts Schlimmes?
Cedric (schüttelt den Kopf u. sucht wieder den Blick seiner Exfrau, die ihn aber betont ignoriert): Nein, nur Routine, aber danke der Nachfrage.

Maria (murmelt leise vor sich hin): Von wegen Routine.
Ist sie ihm wieder von der Wickelkommode gekullert?
Marc (beobachtet die ungewohnt zerstreute Kollegin verwundert): Bitte?

Franz (interessiert): Wo haben Sie denn die Kleine gelassen? Sie hätten sie auch gerne mitbringen können. Die Kinder unserer Mitarbeiter sind in unserem Familienunternehmen immer willkommen. Wissen Sie, wir sind erst vor kurzem zum dritten Mal in Folge zur kinderfreundlichsten Klinik der Stadt gekürt worden.
Boah nee!
Cedric (richtet seinen Blick wieder auf den Professor): Ach eine Kinderkrankenschwester war so freundlich, sie während meines Termins hier zu betreuen.

Marc (flüstert Maria dreckig grinsend zu): Und als kleines Dankeschön wird er sie später selbst noch beglü... äh... betreuen.
Maria (abwesend): Wahrscheinlich!
Was ist denn mit der auf einmal los? So wortkarg und unwitzig kenne ich sie gar nicht.

Franz (nickt anerkennend mit seinem Kopf u. holt weit aus): Ja, das zeigt mal wieder die Philosophie unseres Hauses. Wir sind alle eine Familie.
Cedric (fixiert Maria mit seinen stechenden Augen u. räuspert sich dann, als er Franz’ Blicke bemerkt): Ja, das scheint so. Ähm... Also... ich bin froh, nun Teil dieser großartigen Philosophie zu sein. Das wird ja heutzutage nur noch sehr selten gepflegt in unserem Metier.
Marc (flucht leise vor sich hin u. sucht Bestätigung bei Maria, die aber zu seinem Ärgernis überhaupt nicht reagiert): So ein Schleimer!
Franz (wendet sich sichtlich zufrieden nun seinen beiden anderen Mitarbeiter zu): Wohlwahr! Ich sehe, wir verstehen uns. Kinder, ihr habt euch ja sicherlich schon auf der Silvesterfeier bekannt gemacht. Das ist...

Das größte Arschloch der Welt.

Marc (vervollständigt mit zusammengepressten Zähnen den Satz seines Chefs): Cedric Stier!
Cedric (zeigt sich nicht minder “begeistert” ihm gegenüber): Marc Meier?

Widerwillig erhob sich Dr. Meier unter den eindringlichen Blicken seines begeisterten Chefs aus seinem bequemen Sessel und schüttelte seinem verhassten Konkurrenten die Hand, wobei er betont fest zugriff. Cedric hielt dem Schmerz lange stand und sah amüsiert über den bösen Blick hinweg, den sein Ex-Studienkollege ihm dabei schenkte, bis dieser seine zerdrückte Hand endlich wieder losließ, war er doch schon viel zu sehr gespannt, wie seine bissige Exfrau auf ihn reagieren würde. Seit ihrer gemeinsamen Nacht hatte sie sich nicht mehr gemeldet und hatte sämtliche Telefonanrufe und Smsen von ihm weggedrückt oder ignoriert. Sie schien es wirklich ernst zu meinen. Aber hier konnte sie ihm nicht mehr entkommen. Vielleicht war das Elisabethkrankenhaus, das er anfangs eigentlich nur als Notnagel angesehen hatte, doch ein Glücksgriff gewesen. Zumindest in dieser Hinsicht. Er konnte regelrecht spüren, wie sehr es in ihr brodelte, aber sie hielt sich betont professionell zurück. Noch! Das machte sie aber für ihn nur noch attraktiver.

Auch das Objekt seiner Begierde hatte sich nun höflicherweise von ihrem Platz erhoben und stand nun mit betont emotionslosem Gesichtsausdruck vor ihrem Exmann, der sie auf seine unwiderstehlich charmante Art und Weise anlächelte, dass Dr. Hassmann fürchtete, nicht mehr länger cool bleiben zu können. Galant nahm Dr. Stier ihre Hand und gab ihr zur Überraschung aller einen sanften Handkuss, worauf ein tiefer Blick in ihre funkelnden dunklen Augen folgte, dem sie sogar einige Mikrosekunden standhielt.

Cedric: Maria, schön dich wieder zu sehen.
Äh... Was war das denn? Ist der neuerdings schwul geworden oder was? (Marc)
Maria (wie gelähmt): Hallo!

Maria hatte mit dieser Reaktion überhaupt nicht gerechnet und zog ihre Hand schnell überfordert zurück und entzog sich seinen fesselnden Blicken und setzte sich wieder in ihren Sessel. Sie spürte neben dem fetten Kloß in ihrem Hals ganz genau, dass er irgendetwas vorhatte und das verstärkte das mulmige Gefühl in ihrem Bauch nur noch zusätzlich. Marc, der sich sehr hatte zusammenreißen müssen, nicht laut loszulachen bei dieser mehr als offensichtlichen Anmache, tat es ihr gleich und setzte sich ebenfalls wieder auf seinem Platz. Seine anfängliche Wut war mittlerweile einer eher abwartenden Unruhe gewichen. Lächelnd wies Franz Haase Dr. Stier nun den freien Sessel neben Dr. Hassmann zu. Der attraktive Neurologe folgte seiner Aufforderung kopfnickend und ließ dabei seine schöne Exfrau nicht aus den Augen, die daraufhin zu Dr. Meier aufgerückt war, der mit einem äußerst skeptischen Blick kommentierte, wie sie ihre Fingernägel tief in seine Armlehne vergrub, während Franz um seinen Schreibtisch herumging und sich ebenfalls setzte. Sein Blick wanderte nun zu Dr. Hassmann, die ihren Kopf gesenkt hatte und ihre Finger nervös knetete, nachdem Dr. Meier unsanft ihren Arm von seiner Lehne weg geschupst hatte. Franz’ Gespür hatte eine gewisse Vernetzung wahrgenommen, der er nun auf den Grund gehen wollte....

Franz: Kennen Sie sich?
Marc (bezieht die Frage auf sich u. murmelt angefressen vor sich hin): Leider!
Franz (sieht irritiert zu Marc): Bitte?
Maria (schaut seufzend auf): Er ist mein Exmann.
Franz (sichtlich überrascht): Oh! Das... wusste ich nicht.
Maria (spielt das Ganze betont emotionslos herunter): Ist ja auch schon lange Geschichte.
Cedric (sieht sie eindringlich von der Seite an): Vier Jahre, um genau zu sein
.
Marc (kleinlaut): Rührend!

Franz (räuspert sich peinlich berührt; ihm ist das Ganze mehr als unangenehm): Ich hoffe, meine Initiative führt nicht zu irgendwelchen Unannehmlichkeiten zwischen Ihnen beiden. Ich zähle auf Sie.
Maria (ignoriert Cedric immer noch, der sie mit seinen stechenden Blicken fixiert, u. kommuniziert lediglich mit Prof. Haase): Nein, also... ich sehe das ganz professionell, Herr Professor.

Marc (murmelt ungehört vor sich hin): Tzz... sicher!

Cedric (wechselt mit den Blicken zwischen dem Professor u. seiner Exfrau hin u. her): Ich ebenfalls.
Schleimer!
Franz (lehnt sich sichtlich beruhigt zurück u. erklärt nun die Gründe dieses Zusammentreffens): Schön! Die Umstände erfordern es nämlich, dass ich Dr. Stier gebeten habe, schon zwei Monate früher als geplant seinen Dienst hier anzutreten. Natürlich aufgrund Ihrer eigenen persönlichen Situation vorerst nur halbtags.
Cedric: Ich danke Ihnen, Herr Professor. Ich weiß, das ist nicht selbstverständlich und ich kann Ihnen versichern, dass die Betreuung meiner Tochter keinerlei Problem darstellen wird.
Franz: Gut! Davon gehe ich aus.
Marc (richtet sich irritiert in seinem Sessel auf): Bitte?
Maria (fühlt sich ebenso überrollt): Das... das kommt überraschend.

Nicht gut! Das ist alles andere als gut. Das geht nicht gut.

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22.09.2011 17:59
#1121 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Hallöchen! Mit dem Kommi krieg ich es heute wieder nicht auf die Reihe. Sorry, die Technik raubt mir hier mal wieder den letzten Nerv. Aber ich wollte euch mit der Geschichte auch nicht mehr länger warten lassen. Viel Spaß jetzt mit Cedric und seinen äußerst netten Kollegen. Ein fettes Dankeschön und liebe Grüße von eurer Lorelei




Franz (erklärt sich u. sieht dabei ganz besonders Marc an): Nachdem nun am Freitag das offizielle Go für die Klinikerweiterung gekommen ist, sehe ich mich gezwungen, einige Veränderungen vorzunehmen, um die anstehenden Aufgaben bewältigen zu können. Das Projekt wird einen Großteil meiner schon knapp bemessenen Zeit in Anspruch nehmen. Von den OP-Plänen habe ich mich bereits schweren Herzens streichen lassen und einen Großteil meiner Vorlesungen habe ich an deinen werten Herrn Vater abgetreten, der so freundlich war, mich dahingehend zu unterstützen.

Cedric (fragend zu Maria, die ihn aber stur ignoriert): Prof. Dr. Dr. Oliver Mayer ist in Berlin?

Marc (rückt mit seinem Sessel näher an Franz’ Schreibtisch heran u. beugt sich etwas nach vorn): Äh... Ich kann dir gerne noch etwas mehr abnehmen, wenn du magst?
Maria (zögerlich): Ich könnte auch...
Franz (nickt anerkennend u. sieht zwischen seinen beiden begnadeten Oberärzten hin und her): Ich schätze euer Engagement für unsere Klinik sehr und genau deswegen habe ich euch ja auch herbestellt.
Marc (das mulmige Gefühl nimmt zu u. er lehnt sich langsam zurück, wobei sein Blick fragend auf Maria fällt, die ebenso irritiert dreinblickt): Okay!?
Franz (wendet sich nun an die einzige Frau in dieser Runde): Ich möchte, dass Sie, meine sehr verehrte Frau Dr. Hassmann, vorübergehend meine administrativen Aufgaben übernehmen.
Maria (sichtlich überrascht): Das ehrt mich sehr, Herr Professor.
Marc (überrollt): Was? Aber... wir haben doch neulich noch besprochen, dass ich dich...
Franz (hebt seine rechte Hand u. unterbricht seinen jungen Kollegen): Ich weiß. Ich will dich auch überhaupt nicht übergehen, ganz im Gegenteil. Aber durch deine herausragende Leistung heute wird sicherlich so einiges auf dich zu kommen. Presseanfragen, Fachartikel und nicht zuletzt deine Habilitation. Du sollst neben deinen laufenden Aufgaben auch noch ausreichend Zeit für deine Professur haben.

Cedric (beugt sich flüsternd zu Maria rüber): Der habilitiert schon? Und was denn für eine herausragende Leistung?
Maria (flüstert kühl zurück, ohne ihn dabei anzusehen): Halt die Klappe, Cedric!

Marc (versucht verzweifelt zu verhandeln): Aber ich schaff das auch so. Ich... Du... du musst nicht... Ich kann das organisieren.
Franz (fällt ihm entschieden ins Wort): Papperlapapp! Keine Widerrede! Du kannst dich nicht dreiteilen und ich mich auch nicht, wie du siehst. Die Ausbildung ist hier das A und O und du bist mit Station, OP und Uni schon ausgelastet genug. Und nicht zuletzt geht es hier auch um einen fairen Wettbewerb und ich denke, Dr. Hassmann sollte auch die Chance bekommen, sich in der oberen Etage zu beweisen.
Scheiße eh! Das darf doch jetzt echt nicht wahr sein. Wo ist die Kamera?
Maria (strahlt wie ein Honigkuchenpferd): Ich danke Ihnen.
Franz (lächelt u. wendet sich nun an ihren neuen Kollegen): Und da kommt jetzt Dr. Stier ins Spiel, der Sie und dich, Marc, auf Station etwas entlasten wird, wenn Not am Mann ist.
Entlasten? Der? Der ist doch eher eine Belastung!
Cedric: Ich werde mein Bestes tun, Herr Professor.
Dieser elende Schleimer!
Franz (nickt zufrieden mit dem Kopf): Gut, wenn das geklärt wäre, dann wäre das im Moment alles. Wenn Sie noch etwas Zeit mitgebracht haben, Dr. Stier, würde ich meine Tochter bitten, Sie ein wenig herumzuführen. Sie wird Ihnen in der ersten Zeit als Assistenzärztin zur Verfügung stehen und Ihnen die Abläufe hier erklären.
Cedric (lächelt u. kann es nicht lassen, einen Blick auf Marc zu erhaschen): Gerne!
Marc (protestiert): Was?
Nur über meine Leiche!
Franz (ignoriert die gequälten Blicke seines Schwiegersohnes in spe): Würdest du Gretchen bitte informieren, Marc? Danke!
Marc (überstimmt): Äh...
Franz (lächelt): Gut! Dann... auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit, Dr. Stier

Prof. Haase erhob sich aus seinem Sessel und reichte seinem neuen Kollegen über den Tisch hinweg seine Hand, die Dr. Stier erhaben lächelnd schüttelte, während Dr. Meier und Dr. Hassmann sich gequälte Blicke zuwarfen, sich dann kopfnickend vom Professor verabschiedeten und gemeinsam dessen Büro verließen. Vor der Tür ließ Marc endlich alles raus, was sich in der letzten halben Stunde angestaut hatte, und trat wütend gegen einen Abfalleimer, was Cedric, der gerade mit einem breiten Siegerlächeln das Chefarztbüro verlassen hatte, amüsiert beobachtete. Er verschränkte grinsend seine Arme und lehnte sich an die weiße Wand, direkt neben Dr. Hassmann, die ihn daraufhin irritiert von der Seite ansah...

Cedric: Marc, warum denn so schlecht gelaunt? Ich dachte, du hättest heute Geschichte oder was auch immer geschrieben?
Marc (lässt von dem Mülleimer ab, der gefährlich schwankt, aber stehen bleibt, u. kommt nun aufgebracht mit ausgestrecktem Zeigefinger auf Cedric zu): Halt dein dreckiges Maul! Du wirst dich hier bestimmt nicht einzecken. Dafür werd ich schon sorgen.
Maria: Dabei bin ich dir gerne behilflich, Meier.
Cedric (amüsiert sich königlich über die beiden): Uuuhhh, eine Verschwörung! Das ist ja ein richtig spaßiger Laden hier.
Marc (bockig): Deine Hilfe kannst du dir sonst wohin stecken, Hassi.
Maria (rollt theatralisch mit den Augen): Och jetzt hab dich doch nicht so, Meierlein. Ein bisschen Konkurrenz belebt doch das Geschäft.
Cedric: Eben!
Maria (zickig zu ihrem Ex): Mit dir red ich doch gar nicht, Cedric.
Cedric (grinst erst sie, dann Marc triumphierend an): Schade eigentlich! Und wo finde ich jetzt die attraktive Tochter vom Chef, die mich hier herumführen soll?
Marc (von 0 auf 180 geht er ihn an): Wage es ja nicht, sie auch nur anzufassen, Stier! Dann lernst du mich erst richtig kennen.

... drohte Dr. Meier mit hochrotem Kopf und Ameisenblick noch seinem unverschämten Kollegen und stapfte anschließend wutentbrannt auf und davon. Er brauchte jetzt dringend eine Zigarette zum Abreagieren und er würde einen Teufel tun und ihm Haasenzahn auf den Hals hetzen.

http://www.youtube.com/watch?v=4K97ervYON8

Cedric schaute seinem angesäuerten Kollegen lachend hinterher...

Cedric: Meine Güte hat der eine Laune.
Maria: Ja, frag dich mal warum.
Cedric (legt dicht neben Marias Kopf seine Hand an die Wand u. flirtet sie an): Scheint ja echt schwer verknallt zu sein, der Gute. ... Gratuliere übrigens zur Beförderung, Mary.
Maria (gibt sich völlig unbeeindruckt trotz seiner unverschämten Nähe u. funkelt ihn an): Bitte, deine Schleimereien kannst du dir bei mir echt sparen.
Cedric (legt nun ein ernstes Gesicht auf u. sieht ihr immer noch tief in die Augen): Gut, dann reden wir eben Tacheles, Mary. Das hatte ich eh vor, nachdem du mir die letzten Tage konsequent aus dem Weg gegangen bist. Vorschlag: Du kannst mich ja währenddessen hier herumführen. So erspare ich mir einen weiteren eifersüchtigen Gockelauftritt vom Meier und ich kann, was noch viel mehr wert ist, deine aufregende Anwesenheit genießen.
Ist der jetzt vollkommen verrückt geworden?
Maria (windet sich mit einem gespielt zufriedenen Grinsen unter seinem Arm hervor u. schafft den nötigen Sicherheitsabstand zwischen sich und ihm): Tut mir leid, aber ich habe noch einen sedierten Patienten auf dem OP-Tisch liegen.
Cedric (macht ihr trotzdem schöne Augen): Schade!
Maria (tritt einen Schritt auf ihn zu u. sieht ihn unmissverständlich an): Außerdem gäbe es da eh nichts mehr zu bereden, Cedric. Alles ist gesagt. Also lass die albernen Spielereien, wenn du hier überleben willst.

Maria drehte sich mit einem selbstbewussten Hüftschwung herum und ließ ihren unverschämten Exmann einfach stehen. Cedric blickte ihr seufzend hinterher und ließ kurz seinen Kopf hängen. Leicht würde es auf jeden Fall nicht werden, aber er liebte nun mal schwierige Herausforderungen und davon gab es hier im Elisabethkrankenhaus ja offenbar reichlich. Und das Spiel mit dem Feuer war wohl der aufregendste Anreiz dabei, das hier alles durchzuziehen, egal wohin es ihn führen würde. Das Leben ging auf jeden Fall endlich wieder aufwärts. Lächelnd machte er sich nun auf den Weg, die hübsche Assistenzärztin zu suchen, die Dr. Meier offenbar reichlich den Kopf verdreht hatte. Aber vorher wollte er noch woanders einen Zwischenstopp einlegen.

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23.09.2011 17:23
#1122 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Nachdem sich gestern die oberen zehntausend in die Haare bekommen haben, schauen wir heute mal was die niederen Arbeitsbienchen gerade so anstellen. Viel Spaß und schönen Start ins Wochenende. Eure Lorelei




Derweil saßen Dr. Gretchen Haase, Schwester Gabi und Schwester Sabine zusammen in der Cafeteria beim gemeinsamen Mittagessen. Die junge Chirurgin und ihre treue Seele hatten sich ihre Teller mit verschiedenen Nudelvariationen vollgepackt und auch ihre sonst stets auf ihre Figur achtende Kollegin hatte beschlossen, an diesem Tag ein bisschen zu sündigen. Ihr stand ja noch ein wichtiger Antrittsbesuch heute Nachmittag bevor, bei dem sie sicherlich keinen Happen herunterbringen würde. Also lieber jetzt vorsorgen. Natürlich war ihr Tischgespräch, das etwas schleppend begonnen hatte, mittlerweile bereits wieder beim Thema Nummer eins angekommen, was Gabi nur augenrollend zur Kenntnis nehmen konnte. Dabei hatte sie doch gehofft, endlich mal mit ihrem tollen neuen unvergleichlich süßen und charmanten Freund angeben zu können. Aber nein, an der seltsamen Paarung Sabine ‚Bienchen’ Vögler und Günni ‚Spooky’ Gummersbach ging in diesen Tagen kein Weg vorbei. Und so ließ sich Mehdis Freundin widerwillig in ein Gespräch über Hochzeitsallerlei, bunte Einladungskarten und traditionelle spießbürgerliche Rituale verwickeln und hielt sich mit ihrer Meinung nicht zurück. Da trafen eindeutig Welten aufeinander.

Gabi (lässt kurz von ihrem übervollen Nudelteller ab u. sieht Sabine skeptisch an): Aber Landhochzeiten sind doch völlig oldfashioned.
... und gähnend langweilig.
Gretchen (gerät augenblicklich ins Schwärmen): Das ist doch gerade das Schöne.
Gabi (schnippisch): Na ja, du musst es ja wissen. Deine letzte ist ja auch noch nicht allzu lange her.
Gretchen (ihr strahlendes Lächeln verschwindet u. sie kontert eingeschnappt): Und die Planung deiner letzten ja auch noch nicht.
Touché! Das muss man ihr lassen.
Gabi (lässt ihre Gabel ruhen u. lehnt sich grinsend zurück, um Gretchens eingeschnapptes Gesicht zu genießen): Diese Planung hab ich ja auch größtenteils dir überlassen.
Gretchen (funkelt Marcs Ex-Verlobte beleidigt an, als sie kurz an diese unheilvolle Zeit zurückdenken muss, als sie sich durch eine Verkettung unglücklicher Umstände plötzlich als Gabis Trauzeugin wieder gefunden hatte): Wie großzügig von dir!
Hätte ich bloß nicht damit angefangen. Quatsch! Sie hat angefangen. GRRR!!!
Gabi (beugt sich wieder vor u. stochert in ihren lauwarmen Nudeln herum, während sie Gretchen mit ihren gehässigen Blicken fixiert): Weißt du, so konntest du wenigstens EINMAL erleben, wie es sich anfühlt, eine Hochzeit mit Marc Meier zu planen. Noch mal wird es ja sicherlich nicht dazu kommen.
Gretchen (blitzt sie selbstbewusst an u. widmet sich auch wieder ihrem Pastateller): Ich bin da eigentlich ganz zuversichtlich.
Gabi (gespielt beeindruckt): Hört, hört! Wenn man bedenkt, dass es zwanzig Jahre gedauert hat, bis er sich endlich zu dir bekannt hat, hmm..., na dann, viel Spaß bei den nächsten zwanzig Jahren. Bist ja Warten mittlerweile gewöhnt.

Gretchen, die eigentlich wusste, dass das Gabis Art war, ihr zu ihrem Triumph zu gratulieren, Marc Meier eingefangen und für immer in Ketten gelegt zu haben, und dass das längst nicht mehr so böse gemeint war wie früher, fühlte sich trotz alledem getroffen und warf der biestigen Krankenschwester daraufhin giftige Blicke zu, während Schwester Sabine mit offenem Mund pingpongmäßig zwischen den beiden hin und her switchte, so dass ihr ihre Nudeln wieder von der Gabel rutschten, und sich völlig fehl am Platz fühlte. Zaghaft erhob sie schließlich ihre Stimme, als sich die beiden Frauen nur noch belauerten und aufgehört hatten, zu keifen....

Sabine: Äh... Es geht aber schon noch um meine Hochzeit oder?
Oh Gretchen, du blöde Kuh!
Gretchen (schließt peinlich berührt ihre Augen u. sieht ihre Freundin schließlich entschuldigend an): Natürlich Sabine!
Gabi (hat sich auch wieder gefangen u. gibt sich der schüchternen Frau gegenüber nun betont interessiert): Und wie jetzt? Der Alte von Günni traut euch? Das ist aber schon irgendwie schräg oder?
Sabine (kann wieder lächeln u. berichtet sichtlich aufgeregt): Ja! Am Samstag in vier Wochen.
Gretchen (klappt ungläubig ihre Kinnlade herunter): Vier Wochen?
Wie will sie das denn schaffen?
Gabi (ringt ebenfalls sichtlich um Fassung): Du Sabine, ich will dir jetzt nicht deine Illusionen nehmen, aber so eine Hochzeitsplanung braucht schon eher ein paar Monate und nicht nur ein paar wenige Wochen.
Sabine (versteht ihre Bedenken, aber gibt sich zur Überraschung aller ziemlich unbeeindruckt): Oh! Das ist kein Problem.
Gretchen (immer noch sprachlos): Nicht?
Sabine (strahlt sie an): Das ist doch schon so gut wie alles organisiert.
Gretchen (sieht verwirrt zwischen Sabine und Gabi hin und her): Wie jetzt?
Gabi (starrt Sabine ebenso ungläubig an): Kannst du zaubern? Ach was frag ich denn.
Sabine (kichert wegen den verdutzten Gesichtern ihrer beiden Freundinnen u. berichtet schließlich hocherfreut von ihren Plänen): Ach wisst ihr, das ist wirklich alles gar kein Problem. Das ist quasi schon ein richtiger Selbstläufer. Das Schicksal will es so.
Oh Mann!
Gabi (rollt theatralisch mit den Augen u. wirft Gretchen vielsagende Blicke zu, die daraufhin kichert): Ah ja?
Sabine: Standesamtlich heiraten wir am Freitag. Hier im Rathaus um die Ecke. Von dort gibt es doch diesen wunderschönen Blick auf den See. Hach... superromantisch! An dem Tag hat Günni nämlich Geburtstag und ich hatte mir da eh schon frei genommen. Wir hatten ziemliches Glück, dass wir dort noch einen Termin bekommen haben. Aber es hat wohl noch jemand kalte Füße bekommen und ist abgesprungen. So konnten wir aufrücken. Hihi! Und die kirchliche Hochzeit ist dann am Samstag, das ist einen Tag vor Valentinstag, passt also perfekt, 14 Uhr in der kleinen Gemeindekirche seines Vaters. Der organisiert das Ganze. Und feiern werden wir im Gasthof gleich nebenan. Günnis Tante betreibt den zusammen mit seiner Cousine und die kümmern sich mit seiner Mutter um den ganzen Rest. Also Blumen, das Essen, Musikprogramm und so weiter.
Gretchen (sichtlich beeindruckt): Äh...Wow! Also das ... das ist nett von ihnen.
Sabine (strahlt sie glücklich an): Ja, sie haben mich neulich, als wir in dem Dorf zu Besuch waren, alle ganz lieb aufgenommen.
Gretchen (lächelt): Na das ist doch das Wichtigste.
Sabine: Ja! Wir müssen nur noch die Einladungen verschicken. Dann haben wir alles. Aber daran tüfteln wir gerade. Wir können uns nur noch nicht aufs Motiv einigen. Hihi!
Gabi (hat ihr ungläubig zugehört u. wirft nun auch neugierig eine Frage in den Raum): Hast du denn überhaupt schon ein Kleid, Sabine?
Sabine (ihre Augen fangen an zu strahlen): Ja, ich werde das Hochzeitskleid meiner Mutter tragen, Gott hab sie selig. Sie hat sich das immer gewünscht.
Gretchen (ihr geht richtig das Herz auf u. eine stille Träne verirrt sich in ihrem Augenwinkel, die sie schnell wegwischt): Das ist eine wunderschöne Geste, Sabine.
Sabine (ebenso sichtlich bewegt): Ich habe ja sonst niemanden mehr und so ist sie wenigstens bei mir an dem Tag.
Gretchen (tätschelt mitfühlend ihre Hand): Ich bin mir sicher, das wird ein wunderschönes Hochzeitsfest. Wenn du noch irgendetwas brauchst, ich helfe dir gerne.
Sabine: Danke! Da ist in der Tat noch etwas, was ich dich fragen wollte, Gretchen.

Sabine richtete gerade ihren Blick auf ihre liebenswerte Arbeitskollegin und mittlerweile enge Freundin, die sie unbedingt um etwas bitten wollte, was sie sich von ganzem Herzen wünschte, als Schwester Gabi, die sich in den letzten Minuten ungewohnt zurückgehalten hatte, weil sie an ihre eigene unschöne Familiengeschichte hatte denken müssen, wo kein Hochzeitskleid der Mutter darauf wartete, getragen zu werden, plötzlich aufschaute und augenrollend einen Zwischenkommentar abgeben musste...

Gabi: Oh, oh, Sturmwarnung!
Gretchen (sieht sie irritiert an): Hä?
Gabi: Tief Meier auf elf Uhr!

Kaum hatte Schwester Gabi die Gefahrenmeldung gesendet, zog das Gewittertief auch schon in seiner ganzen Breite auf und baute sich mit teuflisch funkelnden Augen zwischen Gretchen und Schwester Sabine auf und schoss die ersten bedrohlichen Blitze ab...

Marc: Sabine, mein Platz. Weg da!

Und schon hatte Dr. Meier die völlig überrumpelte Krankenschwester von ihrem Stuhl geschupst. Schwester Sabine war dermaßen eingeschüchtert und verängstigt, dass sie gar nichts mehr sagen konnte und nun wie bestellt und nicht abgeholt hilflos neben dem Tisch stand. Gabi, der ein Blick auf Marc Meier genügte, um zu verstehen, dass mit dem im Moment nicht gut Kirschen essen war, nahm sich ihrer an und die beiden Krankenschwestern ließen den tobenden Vulkan schließlich allein mit einem blonden Engel zurück, der ihn auch gleich mit saurer Miene ins Visier nahm, nachdem die beiden sich aufgemacht hatten.

Gabi: Lass dich nicht von ihm ärgern, Sabine! Dem ist wahrscheinlich nur irgendwer wieder auf den Schlips getreten und irgendwer muss es ausbaden. Besser sie als wir.
Sabine (lächelt sie dankbar an u. läuft neben ihr her zum Ausgang): Hmm! ... Du Gabi, darf ich dich mal was fragen?
Gabi (stöhnt u. blickt Unheil ahnend zu ihr rüber): Wenn’s nichts mit Hochzeiten und dem ganzen Gedöns zu tun hat.
Sabine (kichert u. schüttelt verlegen den Kopf): Nein! Ähm... du, sag mal, was läuft da eigentlich mit dem Dr. Kaan?

Lorelei Offline

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25.09.2011 13:01
#1123 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Schwester Gabi blieb überrascht stehen und musterte ihre neugierige Kollegin eingehend von Kopf bis Fuß - hatte die Stasi-Sabsi also doch trotz Hochzeitseuphorie ihre Fühler ausgestreckt - und runzelte schließlich ihre Stirn, dann schob sie plötzlich breit grinsend die Tür auf und verließ die Cafeteria. Sabine tippelte ihr leichtfüßig hinter, während Gretchen Haase in der Zwischenzeit zur Höchstform auflief und den unverschämten Oberarzt versuchte in seine Schranken zu weisen...

Gretchen: Sag mal, spinnst du, so unhöflich mit Sabine umzugehen. Sie hat dir doch rein gar nichts getan. Manchmal bist du echt so ein Pascha.
Marc (hat seiner wütenden Freundin gar nicht zugehört u. flucht abwesend vor sich hin, während sich seine Finger in die Tischkante bohren): Dieser Wichser, dieser blöde Arsch!
Gretchen (horcht irritiert auf): Wer?
Marc (murmelt leise vor sich hin): Dein Vater...
Gretchen (jetzt erst so richtig sauer): Also jetzt mach aber mal einen Punkt, Marc. Du wirst meinen Vater, deinen Chef wohlgemerkt, hier nicht so unverschämt beschimpfen. Ist das klar?
Marc (sieht verwundert auf): Hä? Wieso dein Vater?
Gretchen (verschränkt mit bösem Blick ihre Arme): Du hast gerade gesagt, mein Vater sei ein... Punkt... Punkt...Punkt... Arsch!
Marc (schüttelt fassungslos den Kopf und klärt das auf): Was? Nein, hab ich nicht! Ich meine doch den Stier, diesen elenden Drecksack.
Gretchen (runzelt die Stirn): Wieso? Was ist passiert?

Nachdem er sich noch ein wenig gewunden hatte und sich überlegt hatte, was er alles mit den unaufgegessenen Nudeln von Schwester Sabine und Schwester Gabi anstellen könnte, die vor ihm auf den beiden halbleeren Tellern lagen, und sich vorgestellt hatte, wie sich diese italienische Delikatesse in und auf Cedrics Jaguar machen würde, rückte Marc allmählich mit der Sprache raus und berichtete Gretchen schließlich alles, was im Chefarztbüro vor ein paar Minuten gegen seinen Willen besprochen wurde, was die Folge hatte, dass seine Laune nur noch unerträglicher wurde und er lautstark rummoserte....

Marc: Weißt du, ich mache alles für ihn, jeden popeligen Scheiß, und was ist der Dank? Er setzt mir die Hassi und ihren missratenen Ex vor die Nase. Das ist doch echt das allerletzte.
Gretchen (hat Marc ruhig und besonnen zugehört u. versucht, ihn zu beruhigen, indem sie ihre Hand auf seine legt): Aber er hat doch Recht, Marc. Du kannst dich nicht dreiteilen. Und es ist doch nur fair, wenn...
Marc (zieht eingeschnappt seine Hand zurück u. verschränkt seine Arme vor der Brust): Ja, fall du mir jetzt auch noch in den Rücken, Haasenzahn. Schönen Dank auch.
Gretchen: Ich fall dir doch nicht in den Rücken. Ich meine ja nur, deine Zeitreserven sind auch begrenzt.
Marc (trotzig): Ich hab das bis jetzt, immer alles ganz gut hinbekommen.
Gretchen (sieht ihn verständnisvoll an): Ich weiß. Und ich bin stolz auf dich, wie du das alles handelst. Und Papa auch.
Marc (grummelig): Davon merke ich aber wenig.
Hach was für eine Mimose!
Gretchen (rückt mit ihrem Stuhl näher heran u. umarmt ihren Grummel liebevoll): Hey! Jetzt beruhigen wir uns erst mal, hmm. Du warst heute toll im OP.
Marc (festigt die Umklammerung um seine Liebste u. sieht sie Verständnis erhaschend an): Echt?

Gretchen lächelte ihren Schmollhasen an und gab ihm zur Bestätigung einen kleinen Kuss auf den Mund, aus dem Marc gerade eine längere wohltuende Knutscherei machen wollten, wenn er nicht plötzlich einen Schatten hinter Gretchens Rücken bemerkt hätte. Er öffnete verwundert seine Augen und erkannte seinen Vater, der verschämt lächelnd auf das innige Liebespaar herabblickte...

Olivier: Stör ich?
Marc (zwinkert ihm frech zu): Wenn du so fragst..... ja!
Gretchen (klapst Marc auf den Hinterkopf u. löst sich von ihm): Nein, natürlich nicht! Setz dich doch, Olivier!

Gretchen, deren Wangen nun ein tiefes Dunkelrot aufwiesen, bat ihren Schwiegervater in spe mit einer lockeren Armbewegung sich doch auf den freien Stuhl neben sie zu setzen und senkte daraufhin wieder beschämt ihren Kopf. Ihr Herz klopfte immer noch wie verrückt und ihre Gedanken waren immer noch mehr bei dem zärtlichen Kuss ihres Liebsten als bei dem überraschenden neuen Gesprächpartner am Mittagstisch. Marc lehnte sich derweil grummelig zurück, kippelte lässig mit dem Stuhl und ergötzte sich an Gretchens verlegenen Gesichtsausdruck, während sich Olivier einen Stuhl zurechtrückte...

Olivier: Danke!
Gretchen (lächelt): Bitte!
Marc (fixiert seine Freundin, die seinen Vater nun neugierig anschaut, mit eindringlichen Blicken): Ach bevor ich’s vergesse, du hast gleich ein Date, Haasenzahn.
Gretchen (wandert mit ihrem Blick überrascht von Olivier zu Marc): Mit dir?
Marc (lacht, aber eine Sekunde später verfinstert sich sein Gesicht): Äh... schön wär’s. Aber du sollst den Drecksack herumführen. Auftrag von ganz oben!
Gretchen: Marc, nenn ihn nicht so!
Marc: Wieso? Wenn er nun mal einer ist! Das ist immer noch meine Station und da nenn ich ihn so, wie ich es will.
So ein sturer Idiot!

Gretchen schüttelte nur seufzend den Kopf, entschuldigte sich bei Olivier und erhob sich von ihrem Platz. Ihr Pieper, der sich gerade bemerkbar machte, sagte ihr in diesem Moment ebenfalls, dass sie im Schwesternzimmer erwartet wurde. Die pflichtbewusste Assistenzärztin brachte noch schnell die drei Teller weg und verabschiedete sich dann winkend. Die beiden Meier-Männer sahen ihr nachdenklich hinterher. Der fürsorgliche Vater erkannte, dass seinem Sohn etwas bedrückte und sprach ihn auch sofort darauf an...

Olivier: Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen? Nach der gelungenen OP vorhin hast du doch noch gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd.
Marc (grummelig): Die ist ja auch schon Jahrzehnte her.
Olivier (seine Stirn legt sich in Falten): Bitte? Was ist los, mein Junge?
Marc (schaut gequält auf): Stier! Der Stier ist los.
Olivier (sieht ihn ziemlich entgeistert an): Stier? Was... für ein... Stier?
Marc (regt sich auch sofort künstlich auf): Boah Dr. Cedric ‚die Zecke’ Stier, dieser blöde Wichser.
Olivier: Ach ist das dieser neue Chirurg, von dem Franz mir erzählt hat?
Marc (lehnt sich eingeschnappt zurück u. verschränkt seine Arme): Hör mir auf mit dem!
Olivier: Okay!? Offenbar bist du nicht so sonderlich erfreut darüber, dass er hier anfängt.
Das ist die Untertreibung des Jahrhunderts.
Marc (platzt gleich, lenkt aber noch rechtzeitig ab): Pff! Chirurg? Der? Der ist ein Tunichtgut. Ein elender Blender. Mehr nicht! ... Hast du eigentlich erledigt, was du vorhin wolltest?

Olivier (lässt es darauf beruhen u. geht stolz lächelnd auf den Themenwechsel ein): Ja! Vor dir sitzt der neue Chef und Oberarzt der chirurgischen Abteilungen an der Charité, wenn denn alles gut geht. Es ist noch nicht ganz spruchreif, da ich noch so einiges zu klären habe, aber so wie es ausschaut, krieg ich den Job.
WAS???
Marc (klappt sprachlos die Kinnlade herunter): Du... gehst zurück an die Charité?
Olivier (strahlt ihn an): Freust du dich nicht?
Marc (weiß nicht so recht, was er sagen soll): Ähm... Ja, doch, schon, hast ja genug rumgegammelt. Aber die Charité?
Olivier (wird sentimental): Da hat alles angefangen, ja, und dort arbeiten hervorragende Ärzte.
Marc (seine Stirn legt sich in Falten): Na lass das mal lieber nicht Franz hören.
Olivier (schmunzelt): Oh! Der hat mir doch erst den Kontakt mit Prof. Stegemann ermöglicht.
Marc (überrascht): Echt jetzt? Ich dachte, die beiden pflegen eine vornehme Feindschaft.
Olivier (zwinkert ihm zu): Du und dieser Dr. Stier doch wohl auch?
Marc (geht gleich wieder an die Decke): Oh ich bitte dich, das ist doch gar nicht zu vergleichen.
Olivier: Jedenfalls wie der Zufall es so wollte, ist dort gerade eine Stelle freigeworden und man hat mich darauf angesprochen.
Marc (beugt sich nach vorn und sieht ihn mit ernster Miene an): Aber das ist doch völlig unter deinem Niveau. Was ist denn mit deinem Chefarztposten im Seattle Grace? Willst du den einfach so hinschmeißen?
Olivier (fährt sich seufzend mit einer Hand über den Nacken u. sieht Marc ebenso ernst an): Weißt du, mein Sohn, irgendwann kommt man an den Punkt, an dem man sich entscheiden muss, was wichtig ist im Leben. Ich bin dort nie wirklich angekommen, auch wenn die Arbeit fantastisch ist, eine richtige Herausforderung, aber ich war dort nie wirklich glücklich. Es hat immer etwas Entscheidendes gefehlt. Und was soll ich denn noch in Seattle, wenn ihr hier seid, hmm? Ich habe mein halbes Leben davon geträumt, wieder bei euch zu sein. Jetzt bin ich endlich angekommen. Ich kann hier nicht mehr weg. Verstehst du?
Marc (überfordert und gerührt zugleich): Ach Dad!

Verlegen und sichtlich aufgewühlt sah Marc seinen Vater an, der ihn eindringlich anblickte, und senkte schnell wieder seinen Blick. Olivier tat es ihm gleich. Betretenes Schweigen setzte ein. Man hörte nur noch das Scheppern von Geschirr aus der angrenzenden Küche und das Geplapper der anwesenden Mittagsgäste in der Cafeteria. Doch plötzlich legte sich Oliviers Stirn in tiefe Falten und er dachte angestrengt über etwas nach, dann platzte es unvermittelt aus ihm heraus...

Olivier: Stier hast du gesagt?
Marc (sieht ziemlich genervt wieder auf): Boah, fang nicht schon wieder mit dem an!
Hmm... Sollte eventuell mal schauen, was er und Haasenzahn gerade machen.
Olivier (es fällt ihm wie Schuppen von den Augen): Das muss mein Vorgänger gewesen sein.
Marc (abrupt aus seinen Gedanken gerissen, starrt er ihn an): Bitte? Du besetzt SEINE Stelle?
Olivier (denkt noch einmal darüber nach): Ja, dem Anschein nach, ja. Ich glaube, Prof. Stegemann hatte seinen Namen in diesem Zusammenhang erwähnt.
Na das ist ja mal interessant. Hat der Wichser wohl doch mehr Dreck am Stecken, als ich dachte. So eine Stelle wechselt man doch nicht ohne Grund.
Marc (richtet sich interessiert auf u. rutscht nun unruhig auf seinem Platz hin und her): Wieso verdammt noch mal ist er da weg? Da ist doch was oberfaul!

Lorelei Offline

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26.09.2011 17:36
#1124 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Tja, warum nur, warum? Vielleicht liefert der nächste Teil ja eine Antwort darauf? Vielleicht gibt es aber auch nur eine Aufführung im Fliegengewicht? Spaß werdet ihr auf jeden Fall haben. Also Schutzwesten anlegen, wäre vielleicht zu empfehlen. Ach und der Siegerpokal geht heute an....... *Trommelwirbel* ........ meine Verlobte. Gut so, so bleibt er in der Familie. Viel Spaß und liebe Grüße! Eure Lorelei




Etwas später in der chirurgischen Abteilung des Elisabethkrankenhauses

Keine zehn Minuten später stürmte ein siegessicherer Starchirurg aus dem Fahrstuhl und stapfte schnellen Schrittes den langen Flur der Chirurgie vor, bog mit wehendem Kittel um eine Ecke und entdeckte sie auch gleich am anderen Ende des Querganges. Er wollte gerade triumphierend auf die beiden zumarschieren, als er etwas sehr Seltsames wahrnahm und kurz irritiert innehalten musste, um sich zu sammeln. Irgendetwas passte so rein gar nicht in das Bild, das sich ihm gerade einige Meter entfernt darbot. Und es lag diesmal nicht an Cedric ‚die Zecke’ Stier, der seiner Meinung nach viel zu nah neben SEINER Freundin stand, die er auf seine bekannt schleimige Tour anlächelte und von Kopf bis Fuß abcheckte. Nein, es war das kleine Bündel Mensch, das Haasenzahn im Arm hielt und verträumt anhimmelte, das Dr. Meier aus dem Konzept gebracht hatte. Marcs Kinnlade klappte in Sekundenschnelle gen Boden und wenn man genau hingehört hätte, hätte man sicherlich auch den deutlichen Aufschlag gehört. Völlig entsetzt schaute der sprachlose Oberarzt nach vorn und beobachtete, wie die beiden Ärzte abwechselnd sich und das Baby in dem rosafarbenen Strampler anlächelten, sich angeregt unterhielten und wie sie herzhaft lachten. Lachte Haasenzahn etwa über dessen billigen Witze? Unruhe machte sich in ihm breit. Sein Magen verkrampfte sich. Seine Gesichtsfarbe veränderte sich. Seine Hände ballten sich zu Fäusten und seine Halsschlagader pulsierte mächtig. Dr. Meier wartete noch eine Sekunde ab, in der Hoffnung, das skurrile Bild würde sich doch noch als Trugbild auflösen, aber nichts dergleichen passierte. Die beiden Ärzte, die vor den OP-Plänen gegenüber vom Schwesternzimmer standen und ab und an darauf blickten, hatten ihren heimlichen Beobachter noch nicht bemerkt. Dann lief der Starchirurg plötzlich los, als hätte sich ein Schalter umgelegt, und während er so auf die beiden zuging, kam auch die Wut in ihm wieder hoch.

Cedric Stier war der erste, der den zornigen Oberarzt auf sich zu stürmen sah. Anstatt schützend in Deckung zu gehen, konnte er es nicht lassen und grinste den überaus grummeligen und vor Eifersucht gleich hochgehenden Mann amüsiert an. Und er setzte noch einen drauf, indem er seinen rechten Arm locker um die Schulter seiner hübschen Krankenhausführerin legte, die zwar daraufhin verwundert zu ihm aufschaute, aber sich dachte, der liebende Vater wollte sicherlich nur seiner Tochter näher sein, die gerade für eine Mikrosekunde ihre süßen blauen Augen geöffnet und gleich wieder geschlossen hatte. Dass Gretchen diesen unverschämten Blender, der hier offenbar die „Frauen stehen auf Männer mit kleinen Rotzgören“-Nummer abzog, auch noch in ihrer liebevollen naiven Art anlächelte, gab Dr. Meier schließlich den Rest. Stinksauer packte er seinen Konkurrenten am Kragen und zog ihn von seiner Freundin und dem Kind weg. Mit all seiner Kraft drängte er ihn an die Wand mit den OP-Plänen. Für Cedric kam die Meiersche Attacke viel zu schnell, um noch ausweichen zu können oder sich überhaupt zu wehren. Gretchen sprang überrascht zur Seite und drückte das Baby schützend an ihren Körper, während Marc Cedric so richtig in die Mangel nahm, dass es diesem regelrecht den Atem raubte. Fassungslos beobachtete Gretchen ihren grundlos tobenden Freund und wies ihn nach einem ersten kleinen Schockmoment aufgebracht zu Recht...

Gretchen: Marc, sag mal, hast du den Verstand verloren. Du lässt Dr. Stier auf der Stelle los. Willst du, dass mein Vater dich so sieht?

Marc blickte kurz zur ihr rüber, schnaufte laut auf und schob den sich wegen des engen Klammergriffs nicht wehren könnenden Neurologen an ihr vorbei in Richtung Stationszimmer, wo Schwester Sabine an der Durchreiche mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen den Meierschen Angriff verfolgt hatte, der wesentlich spannender war, als die Kampfszene zwischen René und Dr. Dracula in „Dr. Rogelt und die finsteren Mächte der Nacht“, in dem sie gerade geschmökert hatte.

Marc (zu Gretchen gewandt): Wir sprechen uns noch, Haasenzahn.
Gretchen (läuft den beiden mit dem schlafenden Baby auf dem Arm langsam nach): Äh... Marc?

Was soll denn die Eifersuchtsszene jetzt? Also manchmal könnte ich ihn echt.... GGGRRR!!! Was soll denn Dr. Stier jetzt von uns denken? Dass wir hier alle verrückt geworden sind. Oh Gott! Wenn Papa das mitbekommt, dann ist Polen echt offen.

Cedric (schnappt hörbar nach Luft u. versucht sich zu befreien): Komm schon Marc! Lass den Scheiß! Hat sie dich schon so am Schlafittchen, dass du hier so einen Eifersuchtsanfall...
Marc (fällt ihm wütend ins Wort u. festigt seinen Griff um seinen Hemdkragen noch): Halt dein Maul, Drecksack!

Marc schob die angelehnte Tür zum Stationszimmer auf und drängte Cedric unter den ungläubigen Blicken von Schwester Sabine, die von ihrem Stuhl aufgesprungen war und dabei ihren Dr. Rogelt-Band zu Boden hatte fallen lassen, hinein, ging mit ihm um die Ecke in den von außen uneinsehbaren toten Winkel und presste ihn nun mit aller Gewalt gegen die nächste Wand, woraufhin sein Rivale schmerzhaft aufstöhnte. Der zu allem entschlossene Oberarzt hatte gar nicht gemerkt, dass noch jemand anderes anwesend war und dass am runden Tisch in der Mitte des Zimmers Maria Hassmann saß, die sich nach einer anstrengenden, aber erfolgreichen OP gerade einen Holunderblütentee gegönnt und dabei interessiert in einem Fachblatt geblättert hatte. Erst als sie den seltsamen Tumult gehört hatte, hatte sie verwundert aufgeschaut und hätte sich fast an ihrem Heißgetränk verschluckt, als die beiden Torfköpfe in Kampfmontur das Schwesternzimmer in Beschlag nehmen wollten. Sie schlug das Fachmagazin zu und zeigte mit ausgestrecktem Arm amüsiert auf die beiden fliegengewichtigen Männer....

Maria: Ähm... Meier, also ich fühl mich zwar sehr geschmeichelt, dass du meine Ehre verteidigen willst, aber ich wäre schon selbst mit ihm fertig geworden.
Cedric (perplex): Maria?

Marc drehte sich verwirrt herum und war nun abgelenkt, was Cedric nutzte, um sich aus seiner festen Umklammerung zu befreien. Er flüchtete sich zur rettenden Tür, wo ihm gerade eine puderrote und stinksauere Assistenzärztin entgegenkam. Er richtete seinen zerknitterten Designeranzug und sah sie entschuldigend an, was Gretchen nur mit einem Augenrollen kommentierte. Er nahm ihr sein Kind ab und hielt es sich zur Verteidigung vor seinem Körper. So würde er wenigstens die nächste Meiersche Attacke abwehren können.

Marc (braucht einen Moment, um die Situation zu erfassen, u. sieht Maria entgeistert an): Was? ... Welche Ehre denn?
Maria (blitzt ihn beleidigt an): Eh! Jetzt werd mal nicht frech, ja! Was wird das hier überhaupt für eine billige Klitschko- ... obwohl nee, wohl eher... Schulz-Nummer? Ich bin ja an und für sich dafür, dass er es mal so rüüüüchtig gezeigt bekommt, aber so?
Cedric (trotzig): Hey!
Marc (grinst seine zickige Kollegin an): Na dann!
Gretchen (geht dazwischen u. faucht ihren durchgedrehten Freund an): Marc, jetzt hör aber auf! Spinnst du, dich hier aufzuführen wie ein wild gewordener Tiger.
Cedric (kleinlaut): Na ja, wohl eher ein Kater.
Marc (merkt erst jetzt, dass Cedric ihm entwischt ist u. will wieder wütend auf ihn zu stürmen, doch Gretchen stellt sich ihm mutig in den Weg): So Freundchen, jetzt wird Tacheles geredet.
Cedric (rollt genervt mit den Augen): Marc, jetzt komm aber mal runter! Wir hatten das doch vorhin geklärt.
Marc (funkelt ihn böse an): Das denkst du vielleicht.

Sabine (steht schüchtern an der Tür, schaut aufgeregt von dem einen zum anderen u. will schlichten): Will vielleicht noch jemand einen Kaffee?
Marc (in gewohnter Oberarztmanier): Jetzt nicht Sabine!
Cedric (dreht sich zu der freundlichen Krankenschwester herum): Ach wenn Sie mich so nett fragen, Schwester...?
Sabine (lächelt den Neuen an): Sabine!
Marc (platzt gleich der Kragen u. stampft wütend auf): Stier!

Maria (ziemlich angenervt von dem ganzen Theater erhebt sie sich von ihrem Stuhl u. geht auf den tobenden Vulkan zu): Mann Meier, was soll das denn jetzt? Prof. Haase hat ihn eingestellt und gut is. Schon mal was von Probezeit gehört? Er wird sich schon beweisen müssen.
Marc (trotzig): Ach auf einmal stehen wir doch auf seiner Seite oder was?
Maria (sichtlich empört): Ich? Ganz bestimmt nicht!
Cedric (zwinkert ihr zu, wofür er einen bösen Blick kassiert): Schade!

Gretchen hatte schließlich genug von dem ganzen Theater und baute sich nun mit hochrotem Gesicht zwischen den ganzen Beteiligten auf, was Schwester Sabine beeindruckt aufseufzen ließ...

Gretchen (schreit): Ruhe jetzt!
Marc (zuckt kurz irritiert zusammen u. sieht sie an): Haasenzahn?
Gretchen (droht ihm mit bösem Blick): Nein, ich meine das ernst. Hört auf mit den Kinkerlitzchen hier! Wenn die Patienten das mitbekommen. Also sprich endlich Klartext! Was ist verdammt noch mal dein Problem, Marc?
Marc (verschränkt trotzig seine Arme u. wirft Cedric den Ameisenblick zu): Ich hab kein Problem. Wenn schon, dann hat er eins.
Cedric (schaut zu seinem Kind herab, das aufgrund des Krachs langsam wieder aufwacht u. sich rührt): Hey! Jetzt beleidige mal nicht meine Tochter.
Marc (stockt kurz u. mustert ihn und sein Baby argwöhnisch, dann dreht er sich zu seiner Freundin herum): Ach das ist deine...? Wieso hast DU SEINE Tochter auf dem Arm gehabt, Haasenzahn?

Nerven an Gretchen! Das passiert hier nicht in echt. Gleich springt dieser blonde Typ hinter der Tür hervor und präsentiert seine versteckte Kamera! Hoffentlich bekomme ich als Preis eine riesige Pralinenschachtel. Ich brauche dringend Nervennahrung in Form süßester Zartbitterschokolade.

Gretchen: Boah Marc, jetzt ist aber mal gut jetzt. Ich wollte sie nur mal halten. Mehr nicht.
Marc (zieht skeptisch seine Augenbrauen nach oben): Sicher!?
Maria (rollt genervt mit den Augen u. macht sich auf, um zu gehen): Also mir ist das jetzt echt zu viel Kindergarten hier.
Marc (stellt sich ihr in den Weg, wofür er giftige Blicke kassiert): Bleib! Ich denke, das, was ich zu sagen habe, interessiert dich vielleicht.
Maria (zieht eine Augenbraue nach oben u. mustert ihn abfällig): Mich hat noch nie interessiert, was aus deinem Mund kam, Meier.
Cedric (kleinlaut): Na da bin ich aber beruhigt.
Maria (blitzt den Zwischenrufer böse an, der sie daraufhin amüsiert anschaut): Klappe Cedric!

Und während das ehemalige Ehepaar Hassmann-Stier sich „flirtend“ belagerte, holte Dr. Meier mit einem selbstgefälligen Lächeln zum schweren Gegenschlag aus, der mit entsetzten Blicken und Totenstille endete....

Marc: Er hat ein Leben auf dem Gewissen.
Maria (dreht sich fassungslos zu Dr. Meier um): Was?
Gretchen (glaubt sich verhört zu haben u. sieht ihren Oberarzt dementsprechend fragend an): Bitte?
Sabine (hält sich schockiert die Hand vor den Mund): Oh Gott! Das ist ja wie in Dr. Rogelt Band 13, „Ich weiß, was Sie letzten Sommer getan haben“!

Lorelei Offline

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27.09.2011 17:18
#1125 RE: Fortsetzungsphantasie Gretchen und ihre Männer Zitat · antworten

Tja, zumindest ein Teil des Rätsels um Dr. Stier kommt heute auf den Tisch, wenn auch nur die subjektive Sicht eines Marc Meiers, der auch nur einen Teil der ganzen Geschichte aus zweiter Hand kennt. Wie es wirklich dazu kommen konnte, werde ich an anderer Stelle aufklären. Liebe Grüße und danke an meine lieben Kommentatoren und stillen Leser, eure Lorelei




Dr. Cedric Stier schluckte schwer, als plötzlich alle Blicke auf ihn gerichtet waren und nach Antworten verlangten, die er eigentlich nicht bereit war, preiszugeben. Nicht aus Scham oder Schuldgefühlen, sondern weil es nichts mit seinem Können oder Nichtkönnen zu tun hatte und damit eigentlich niemanden etwas anging. Er wich den eindringlichen Blicken seiner Neukollegen aus, hielt sich noch an der stillen Hoffnung fest, dass Marc nicht alles wusste, und klammerte sich an seine kleine Tochter, die gerade herzzerreißend gegähnt hatte und gleich wieder weggeratzt war. Doch im Zusammenhang mit Marc Meier von Hoffnung zu sprechen, war ein Trugschluss. Dieser genoss den Triumphmoment gegenüber seinem verhassten Erzrivalen viel zu sehr und verschränkte selbstgefällig seine Arme vor seiner aufgeplusterten Brust, auch wenn es ihn irgendwie auch irritierte, dass sein ewiger Kontrahent immer wieder zärtlich über die Wange des kleinen hübschen Mädchens strich, was ihm eine sanfte, fast verletzliche Note gab, die so gar nicht zu dem Menschen passte, den er noch aus Studienzeiten kannte. Der entschlossene Chirurg führte trotz dieser Irritation weiter aus, was ihm sein Vater vorhin in der Cafeteria über dessen Vorgänger an der Charité berichtet hatte...

Marc: Jep! Die von der Charité haben ihn rausgeschmissen, weil ihm durch sein Verschulden wer weggestorben ist. Die haben mit Müh und Not noch verhindern können, dass die Angehörigen eine Klage gegen die Klinik anstreben. Statt des Prozesses, der ihm sicherlich die Zulassung gekostet hätte, ist er still und heimlich gegangen worden.
Gretchen (weiß nicht, was sie sagen geschweige denn denken soll u. schaut verunsichert zu Dr. Stier, der getroffen seinen Kopf gesenkt hat): Aber das ist ja...
Der Arme!
Maria (sieht Cedric eindringlich an u. merkt an seinem Gesichtsausdruck, wie sehr ihn das beschäftigen muss): Stimmt das?

Doch Cedric schwieg. Er hatte gewusst, dass es viel Staub aufwirbeln würde, wenn sein Geheimnis, das eigentlich keins war, zumindest nicht im Flurfunk seiner alten Wirkungsstätte, die er mit blutendem Herzen verlassen musste, ans Tageslicht kommen würde. Aber er hätte es seiner Exfrau gerne in einer etwas anderen Situation erklärt. So stand er wieder als Buhmann da und das hatte er nach den schlimmen Vorkommnissen an seinem ehemaligen Arbeitsplatz gerne hier vermeiden wollen.

Maria (ungeduldig): Cedric, ich hab dich was gefragt!
Marc (schadenfroh): Tja, das war’s dann wohl mit der großen Karriere was. Was hast du gemacht? Ein OP-Tuch vergessen? Oder aus Versehen ein paar Leitungen im Oberstübchen gekappt?
Gretchen (tadelt ihn für seine Taktlosigkeit): Marc!
Marc (bockig zu Gretchen): Ja, was? Wenn die so reagieren, dann muss er schon ordentlich Scheiße gebaut haben.

Der Neurochirurg sah nun doch endlich auf und blickte direkt in Marcs grinsende Visage, in die er am liebsten eine reingehauen hätte. Was musste der sich da auch einmischen? Das ging ihn einen Scheißdreck an.

Cedric: Du weißt rein gar nichts über mich, Marc.
Marc (verschränkt amüsiert die Arme): Ach komm, wir wissen doch beide, dass du nicht gerade ein begnadeter Chirurg bist.
Gretchen (merkt, wie getroffen Cedric ist, u. will Schlimmeres verhindern): Marc, es reicht, ok.
Maria (mustert Cedric ganz genau u. verspürt seltsamerweise so etwas Kurioses wie Mitgefühl): Was ist während der OP passiert?
Cedric (hat den veränderten Tonfall in ihrer Stimme durchaus mitbekommen u. sieht seine Exfrau gepeinigt an, richtet seinen Blick aber schnell wieder auf seine zappelnde Tochter in seinen Armen, weil er nicht will, dass Maria merkt, wie es wirklich in ihm aussieht): Das ist eine interne Angelegenheit, die tut hier nichts zur Sache.
Marc (sieht seine Chance gekommen): Finde ich eigentlich schon, wenn du unbedingt hier Karriere machen willst. Sag mal, weiß der Professor eigentlich davon?

Franz (in ehrfurchtsvollem Chefarztton): Was ist hier los?

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