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Dieses Thema hat 172 Antworten
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 Abgeschlossene Fortsetzungen!
Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | ... 7
Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

01.03.2009 19:03
Story von Miss Blond Zitat · Antworten

Hey, weil ich eure Fortsetzungen alle so toll finde, dachte ich, ich fang jetz auch mal mit einer an. Ich hoffe sie gefällt euch.

Liebes Tagebuch,

weißt du was ich denke? Ich glaube ich wurde aus Versehen im falschen Land geboren. Oder sogar auf dem falschen Planeten. Irgendwo an einem anderen Ort gibt es bestimmt jemanden für mich. Einen Mann, der mich wirklich liebt. Ein Mann, der nicht kurz vor unserer Hochzeit mit einer anderen schläft oder mich für seine Frau verlässt. Ein Mann, bei dem ich nicht versuche, aus ihm einen besseren Menschen zu machen und nicht gerade dann, wenn ich denke ich habs geschafft, erfahren muss, dass er doch lieber die Krankenschlampe aus der Gyn heiratet.
Okay, auf einem anderen Stern wär es vielleicht kein Mann, aber Marsmännchen sind doch bestimmt auch zu so was fähig. Ich sollte vielleicht meine Medizin-Karriere vergessen und Astronautin werden.
Vielleicht reicht es auch einfach woanders hinzu gehen. Vielleicht nach Afrika. Könnte dort bestimmt vielen Menschen helfen. Die hätten es eh viel nötiger. Aber da ist es eindeutig zu heiß. Im Norden zu kalt, in Australien gibt es Riesenspinnen und in Amerika würde ich, wenn es „ihn“ dann doch nicht gibt, um weitere 100 Kilo zunehmen. Da bleib ich doch lieber hier und lebe mit dem Versehen.
Aber ist es denn zu viel verlangt einfach mal glücklich zu sein und zwar nicht nur mit Schokolade???
Wahrscheinlich schon. Muss mich endlich damit abfinden, dass ich auf dieser Welt bin, um mich um das Wohl anderer Menschen zu kümmern. Mein eigenes Wohl spielt keine Rolle. Männer spielen keine Rolle. Mehdi spielt keine Rolle und Marc spielt erst Recht keine Rolle. Ich bin Arzt. Allein das spielt eine Rolle. Und darauf werde ich mich jetzt konzentrieren. Noch Fragen?



So nachdem ich das mit mir und meinem Tagebuch geklärt habe und voller neuer Energie bin, werde ich heute mal wieder aufstehen. Drei Tage allein im Zimmer reichen aus. Mein Vater wird mir die Lüge, dass ich schwer ansteckend bin, wohl auch nicht länger abkaufen. Nachher kommt er hier noch mit seinem Arztkoffer an und will mich untersuchen. Gut dass ich mich schon selbst untersucht habe. Es gibt absolut nichts, was mich davon abhalten könnte heute zu arbeiten.
Die letzten Tage dachte ich noch ich würde an gebrochenem Herzen sterben oder so. Aber da hab ich wohl eine falsche Diagnose gemacht. Ich bin echt in Topform. Das was Marc und Mehdi da mit mir gemacht haben, ist längs vergessen. Wer ist Marc überhaupt? Kenn ich nicht. Obwohl, ist das nicht der Vorname von Dr. Meier?

So, begebe mich jetzt ins Bad und werde mich fertig machen unddann.....Oh mein Gott...Scheiße! Ich blicke in den Spiegel und was ich sehe jagt mir echt Angst ein. Oh Mann, ich sehe grausam aus! Meine Haare... sie sehen aus wie ein riesiges Storchennest. Und meine Augen – total rot und verquollen. So viel hab ich doch gar nicht geheult, oder? Und was sind denn das für schwarze Schlieren? Verdammt. Hatte wohl vergessen mich abzuschminken.
Etwas panisch greife ich nach meiner Bürste und versuche verzweifelt sie durch meine Haare zu bekommen. Das muss doch irgendwie gehen.. .vielleicht mit mehr Kraft....Shit! Jetzt geht gar nichts mehr. Die verfluchte Bürste hängt in meinen Haaren fest. Scheiße. Und doller ziehen bringt auch nichts. Dabei verknotet sie sich immer noch fester. Verdammt was mach ich denn jetzt? Ich kann ja wohl schlecht mit einer Bürste am Kopf durchs Krankenhaus laufen und so tun als ob nichts wär.
Eine Dusche ist jetzt angebracht. Vielleicht löst sich die Bürste mit dem Wasser ja.

Nein sie hat sich nicht gelöst. Werde wohl den heutigen Tag doch noch zu Hause bleiben. Bin jetzt wieder sauber. Jetzt kann man mein gequollenes Gesicht erst richtig sehen. Sieht nicht schön aus. Voller Verzweiflung über meinen Zustand klatsche ich mir erstmal eine ordentliche Portion Makeup ins Gesicht, denn das kann ich nicht mal meiner Familie zumuten. Ich entscheide mich dazu die Bürste fürs erste zu ignorieren und mache mich frisch angezogen auf den Weg runter in die Küche.


„Kälbchen, meine Güte, geht’s dir besser?“ begrüßt mich mein Vater, der zusammen mit Jochen am Küchentisch sitzt.
„Ja Papa, ich glaub die Krankheit ist fast weg.“ Etwas schlapp setze ich mich an den Tisch. Die Bürste scheint ihm nicht aufzufallen. Jochen dagegen hat aufgehört zu kauen und starrt mich an als ob...naja, als ob irgendein Fremdkörper in meinen Haaren hängt. Schließlich scheint er Worte zu finden: „So ganz scheinst du aber noch nicht wieder zu funktionieren.“ Er deutet auf die Bürste. „Was hattest du denn....ansteckendes?“
„Naja, war wohl so ne Art...starke Erkältung mit Allergie gemischt.“ Oje, als Arzt hätte ich mir auch was besseres ausdenken können. Ich glaub Jochen hat mich durchschaut.
„Gretchen ich bin froh,dass es dir wieder besser geht“, meint mein Vater, der dagegen wohl überhaupt nichts durchschaut. „Morgen kannst du ja dann wieder mitkommen. Alle fragen schon nach dir.“
Pff..wer sollte denn bitte nach mir fragen? Bestimmt hat nur Schwester Sabine nach mir gefragt, die fragt ja auch nach mir, wenn ich da bin.
Ich nehme mir ein Brötchen und fange an es mit Butter zu beschmieren. Aber weil es mich doch sehr interessiert, frage ich so ganz nebenbei: „Wer genau hat denn nach mir gefragt? Nur so aus Interesse.“ Mein Vater sieht von seiner Zeitung auf und antwortet: „Hmmm...Schwester Sabine zum Beispiel...und der Kaan, der hat mich andauernd gefragt, ob es dir gut geht.“ Aha. Hab ich was anderes erwartet oder erhofft? Nein Gretchen hast du nicht.
„Aber du solltest auch unbedingt in dein Team zurück kommen. Die Ops von Dr. Meier verlaufen in letzter Zeit nicht sehr gut. Zwei Tote. Ich glaube ihm fehlt seine beste Assistenzärztin.“ Er zwinkert mir zu, zumindest versucht er es. Wenn mein Vater mit einem Auge zwinkern will, zuckt er eher so als hätte er was im Auge. Er sollte sich mal anschauen wie das richtig geht und zwar bei Mar....Mist, ich darf nicht immer an ihn denken. Das war abgemacht. Kommt in Zukunft nicht mehr vor. Er ist nur noch mein Oberarzt.


Nachdem die Beiden aus dem Haus sind und ich nicht länger dieses seltsame Grinsen von meinem Bruder ertragen muss, setze ich mich aufs Sofa. Und da spüre ich auch schon wie es wieder hochkommt. Dieses unerträgliche Gefühl von Einsamkeit, dieses Trauergefühl. Vor meinen Augen sehe ich Marc, wie er mich so lieb küsst und dann wie er Gabi den Heiratsantrag macht. Ich spüre wie mir langsam erneut Tränen in die Augen steigen. Dann sehe ich mich, und zwar das Spiegelbild von heute morgen. Ich fasse mir an den Kopf und merke, die Bürste ist noch da.
Plötzlich wandeln sich diese ganzen traurigen Gefühle in Wut um. Ich bin wütend auf mich selber, weil ich zulasse, dass Männer das aus mir machen, mich in diesen Zustand bringen. Ich sollte stärker sein, mir so was nicht gefallen lassen.
Ich springe auf und schleudere eins von den Sofakissen auf den Boden. Und dann noch eins. Ich nehme mir eine Beautyzeitschrift vom Couchtisch, betrachte kurz das Cover und zerreiße es. Ich zerreiße diese ganzen dünnen, dummen Topmodels. Jeder einzelnen bringe ich das Fliegen bei, indem ich sie durch den Raum schleudere. Jetzt bin ich richtig in Fahrt. Alles was mir in die Hände kommt, landet irgendwo auf dem Boden. Kleider von Jochen und Papa, die niemand weggeräumt hat, unaufgeräumte Joghurtbecher, Bonbons, Kekse, einfach alles. Am liebsten würde ich auch den Fernseher nehmen und ihn an die Wand schmeißen. Aber das lasse ich dann doch lieber. Zu guter Letzt schmeiße ich mich mit voller Wucht aufs Sofa und schreie in ein Kissen rein. Das tut gut. Jetzt ist alles raus.
Ich beschließe, dass ich wegen einer blöden Männergeschichte nie mehr so tief sinken werde. Keiner von denen ist es wert, dass ich mich krank stelle und zu einer deprimierten Zombie-Vogelscheuche werde. Die können mich alle mal kreuzweise. Ich, Dr. Gretchen Haase, werde mich von Nun an nur noch meiner eigentlichen Aufgabe in dieser Welt widmen. Und damit das funktioniert brauche ich....ja, ich brauche einen Plan.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

01.03.2009 22:53
#2 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Liebes Tagebuch,
bin ganz erschöpft, denn ich habe gerade unser Wohnzimmer demoliert. Aber Gefühlsausbrüche werden jetzt nicht mehr vorkommen, weil ich jetzt einen Plan erstelle.

Plan für heute:

Nicht mehr an Marc denken, auch nicht an Mehdi. Am besten gar nicht mehr denken.
Damit erster Punkt möglich → Ablenkung:
- aufräumen
- putzen (seitdem Mama weg ist macht das ja keiner)
- evtl. Sport machen
- kochen für Papa und Jochen (die haben was gut bei mir, weil sie mir in letzten Tagen immer Essen vor die Tür gestellt haben)
- Wäsche waschen (die Türmt sich schon, muss nur raus bekommen wie Mamas Waschmaschine funktioniert)
Bürste aus meinen Haaren entfernen


Regeln für die Zukunft:

1.Marc ist ein Arsch und mein Oberarzt, mehr nicht.
2.Mehdi ist auf andere Art und Weise genauso schlimm, ist also auch nur als Mitarbeiter zu sehen. Im Privatleben gehe ich beiden aus dem Weg.
3.Nie mehr nur rumliegen, rumsitzen oder rumstehen. Dabei denk ich automatisch zu viel nach.
4.Aufs Arzt-sein konzentrieren.
5.Goldene Regel: Kein Mann wird mich je wieder in den Zustand von heute morgen bringen.


Ein paar Stunden später hab ich es geschafft das Wohnzimmer wieder in Ordnung zu bringen. Habe Sport von meiner Liste gestrichen, weil Hausarbeit praktisch Sport ist. Die Bürste hängt noch immer in meinen Haaren. Hab es aber geschafft alles zu einem Zopf zusammen zu binden. So baumelt sie mir wenigstens nicht vorm Gesicht rum. Die Küche ist jetzt auch sauber und der ganze Müll entsorgt.
Jetzt hab ich gerade angefangen zu Staubsaugen. Ist ganz schön anstrengend. Doch warum macht der Sauger jetzt so ein komisches Geräusch? Scheiße, das wird ja immer lauter! Hört sich an wie riesiger...Oh Gott. Jetzt hats geknallt. Das Teil qualmt sogar etwas. Am besten ich stell den vor die Tür und bitte Jochen später den anzusehen. Ich glaub ich weiß jetzt warum Peter und ich eine Putzfrau hatten und warum Mama mich nie gebeten hat ihr beim putzen zu helfen.

Will jetzt die Wäsche machen. Kann doch eigentlich gar nicht so schwer sein. Obwohl die Waschmaschine nach Hightech aussieht. Ich tue erst mal Wäsche rein. Alles was weiß ist. Dann versuche ich ein Programm einzustellen. Ich drücke etwas verloren auf den Knöpfen rum, aber nichts passiert. Dann springt die Maschine plötzlich an und zwar richtig. Ich hab noch nie eine Waschmaschine so schnell schleudern sehen. Hab irgendwie Angst um die Wäsche. Jetzt blinkt auch noch: Programm High 5. Hört sich nicht so gut an. Aber das wird schon.

Mit Hausarbeit vergeht die Zeit echt schnell. Jetzt ist es schon abends und ich hab kein mal an die Männer gedacht. Okay das stimmt nicht ganz. Einmal dachte ich, als ich gerade das Bad geputzt habe, Marc steht vorm Fenster und guckt mich an. Ich hab echt einen riesen Schreck bekommen und hab dabei etwas zu fest auf die Putzmittelflasche gedrückt, wodurch mein ganzes Hemd verseucht wurde. War dann aber nur ein großer, wehender Ast.
Jetzt warte ich darauf,dass Papa und Jochen nach Hause kommen. Ich hab Tiefkühllasagne gemacht und der Tisch ist auch schon gedeckt. Darf beim Warten jetzt bloß nicht gegen Regel Nr.3 verstoßen. Ich muss irgendwas tun.
Mir fällt ein, dass ich ja immer noch die Bürste in den Haaren habe. Ich stelle mich vor einen Spiegel und ziehe Haar für Haar einzeln aus der Verknotung. Das geht ganz gut. Jetzt hab ichs fast. Doch da höre ich, wie die Haustür aufgeht. Verdammt sie sind da. Weil ich nicht will, dass Jochen mich weiter für verrückt hält, schnappe ich mir schnell eine Schere. Zack, jetzt ist sie ab. Ein paar kürzere Strähnen schaden ja nicht. So was ist doch heutzutage modern.

Als wir alle am Tisch sitzen und essen, fühl ich mich echt gut. Bis auf die kleinen Missgeschicke, war das doch ein sehr guter Tag. Papa und Jochen scheinen auch glücklich zu sein, dass ich wieder normal bin oder wohl eher weil es jetzt wieder eine Frau gibt, die Essen macht.
„Und, was gibts neues aus dem Krankenhaus?“, frage ich gut gelaunt.
„Dem Dr. Meier ist heute schon wieder ein Patient bei der Op gestorben.“ sagt mein Vater ungläubig. „Ich weiß echt nicht was ich mit dem ist. Der war mein bester Oberarzt. Wenn das so weiter geht, kann er bald nur noch eingewachsene Fussnägel operieren.“
Mist, muss der unbedingt was von Meier erzählen. Und damit hat er es jetzt auch noch geschafft, dass Marc mir Leid tut. Ich weiß ja wie sehr der Tod eines Patienten ihm zu schaffen macht. Was er natürlich nicht zeigt. Aber ich weiß es trotzdem. Er braucht mich vielleicht wirklich. Vielleicht vermisst er mich ja. Oder er hat Stress mit Gabi, weil er gemerkt hat, dass er mich doch lieber mag. Oh nein, Regel Nr.1, ich fange an diese zu vergessen. Er darf mir nicht im Geringsten Leid tun.
„ Ja, das täte ihm vielleicht ganz gut.“ So ist es richtig Gretchen. Bevor ich mir noch irgendwelche Dr. Meier Geschichten anhören muss, sage ich dass ich satt bin und jetzt früh schlafen gehe.

Das tue ich dann auch wirklich. Liege jetzt im Bett und lerne meine Regeln für die Zukunft auswendig. So kann der morgige Tag eigentlich nicht schief gehen. Die erste Begegnung mit Marc könnte etwas schwierig werden, aber dafür hab ich ja die erste Regel.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

02.03.2009 16:27
#3 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

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Ich befinde mich noch im Halbschlaf und träume gerade davon, wie ich von einem flauschigen Watteball zum anderen springe, als es plötzlich laut an meiner Tür klopft. Erschrocken fahre ich hoch. Die Tür wird aufgerissen und Jochen steht da. „Was hast du verdammt nochmal mit der Wäsche gemacht? Das war mein Lieblingshemd!“, schreit er mich an und wirft mir etwas weißes zu. Ich muss mir erstmal den Schlaf aus den Augen reiben. Dann nehme ich das weiße Etwas in die Hand und betrachte es. „Och Jochen, bist du blind, das ist doch kein Hemd. Das ist eher ne Unterhose.“, entgegne ich ihm. Männer haben echt keine Ahnung.
„Dieses Teil war mal mein Hemd! Du hast es zerstört!“ Er scheint wirklich wütend zu sein. Ich erinnere mich an Programm High 5. Mist, ich wusste doch, dass dieses Turbo-Geschleuder nicht normal ist.
„Erstens ist das nicht mein Werk, sondern das der Waschmaschine und zweitens hättest du deine Wäsche auch selber waschen können!“ Mit diesem Power-Satz beginnt der Tag doch gut. Kein Mann kann mich klein kriegen. Ich schreite triumphierend aus dem Zimmer ins Bad.
Ich dusche, ziehe meine Lieblingssachen an, mache mich ganz in Ruhe fertig. Ich sehe immer noch etwas mitgenommen aus. Besonders um die Augen. Aber wozu gibt es Makeup? Erst dann schaue ich auf die Uhr. Okay...bloß keine Hektik. Aber weil ich an meinem ersten Arbeitstag, als neues, starkes Ich, nicht zu spät kommen will, werde ich doch etwas hektisch. Ich schnappe mir meine Tasche und renne aus dem Haus. Im Vorbeigehen greife ich noch nach einem Apfel und rufe: „ Ich fahre jetzt ins Krankenhaus!“

Auf dem Fahrrad beiße ich dann genüsslich in meinen Apfel...und muss mich fast übergeben. Iih, der ist ja total vergammelt. Ich halte an und spucke dieses widerliche Zeug auf die Straße. Den angebissenen Apfel schmeiße ich dann zur Seite in Richtung Straße. Ich will den ja nicht auf den Bürgersteig werfen. Dumm nur, dass gerade zu dem Zeitpunkt ein Auto kommt. Mit einem Flatsch landet das Teil mitten auf der Windschutzscheibe. Scheiße. Damit hab ich jetzt nicht gerechnet. Wenn ich mich jetzt richtig umdrehe, gibt’s bestimmt Ärger. Ich beschließe so zu tun, als ob ich gar nichts mitbekommen habe, gucke nach unten und fahre so schnell ich kann weiter. Ich höre wie mir das Auto langsam hinterher kommt. Ich fahre schneller, doch ein paar Sekunden später hat es mich eingeholt und bleibt schräg vor mir stehen. Jetzt gibt es keinen Ausweg mehr. Das Fenster geht runter. Ich werde einfach auf unwissend machen.
Ich beuge mich nach unten und sage ins Fenster: „ Ja? Kann ich Ihnen behil...?“ Oh mein Gott. Das gibt’s jetzt nicht. Da sitzt kein anderer als Marc Meier in dem Auto. Mann ist das peinlich. Er schaut mich richtig wütend an. Unsere Blicke treffen sich. Ich spüre wie ich rot anlaufe und schaue schnell nach unten. „Was soll das, wenn ich fragen darf?“ Marc ist anscheinend schon wirklich sauer. Aber irgendwie muss ich mich plötzlich bemühen, nicht zu lachen. Er schaut so süß, wenn er böse ist. „Sorry, war nicht mit Absicht.“, sage ich kichernd.
„Ja, wers glaubt. Ey das ist ne verdammte Sauerei! Mach das sofort weg oder du kannst was erleben!“ Der meint wohl echt, ich hätte das mit Absicht gemacht. Naja, verdient hat ers ja.
Immer noch kichernd nehme ich den matschigen Apfel am Stiel und werfe ihn neben einen Baum. Dann hole ich mit Absicht sehr langsam ein Taschentuch aus meiner Tasche und fange provokativ an, die Apfelreste wegzuwischen. Dabei grinse ich ihn an. Er starrt mit verschränkten Armen zurück. Aber ich könnte schwören ich hab ein unterdrücktes Lächeln gesehen. Auf jeden Fall scheint ihm dieses Zeitspiel dann doch sehr aufzuregen und ohne Vorwarnung drückt er einen Hebel, sodass dieses Scheibenputzmittel vorne raus gespritzt kommt. Volle Kanne bekomme ich davon einen Teil ins Gesicht. Sein Auto setzt sich in Bewegung. Ich sehe nur noch, wie er sich einen ablacht und dann ist er auch schon weg. Penner.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

04.03.2009 23:25
#4 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Mit einem extrem brennenden und tränenden Auge, das bestimmt auch total rot ist, erreiche ich etwas außer Puste das Krankenhaus. Aber wenigstens sind es keine Trauertränen, sondern einfach eine natürliche Reaktion auf die Reizung. Obwohl ich echt schon wieder heulen könnte. Den Tag hatte ich mir echt anders vorgestellt. Und das ist ja erst der Anfang des Tages. Immer muss mir so was passieren.
Aber ich werde trotzdem taff bleiben. Meinem Auge wird es bestimmt gleich besser gehen und mein neues Selbstbewusstsein ist eh viel zu stark, um davon geschwächt zu werden.
Während ich mir das einrede, betrete ich das Krankenhaus. Ich drücke mir ein Taschentuch aufs Auge und mache mich auf den Weg zur Umkleide. Das muss doch jetzt mal aufhören zu tränen. Verdammter Mist.

Von einer Schwester erfahre ich, dass wir jetzt schon eine Op haben. Auch das noch. Sie sagt es wäre schon alles vorbereitet. Muss mich also beeilen. Ich ziehe mich so schnell wie möglich um und hechte zum Op-Saal. Das Taschentuch hab ich in meiner Kitteltasche. Ich muss es immer noch alle 20 Sekunden zum Einsatz bringen, weil ich sonst echt nichts sehe. Ich hoffe das behindert mich nicht beim Operieren. In Sachen Marc habe ich beschlossen, ihm die kalte Schulter zu zeigen und einfach alles zu ignorieren. So wie es eben Regel Nr.1 besagt. Denn an meinen Plan werde ich mich nach wie vor halten.
Ich stoße die Tür zum Vorraum auf. Und wie nicht anders zu erwarten, steht Dr. Meier schon beim Händewaschen. Ich sage nichts, blicke ihn nur kurz an, er mich auch, und fange an meine Hände zu waschen. Ohne auch nur einen Ton von sich zu geben, geht er in den Op-Raum. Ich hätte ja eigentlich mit irgendeinem dummen Kommentar über mein Timing, mein Gewicht oder sonst was gerechnet. Aber so ists mir auch Recht. Nur irgendwie ungewohnt. Wahrscheinlich ist ihm kein Spruch eingefallen. Oder meine Ausstrahlung hat ihn eingeschüchtert. Ja, daran wird es liegen.
Ich wische mein Auge ein letztes mal an meiner Schulter ab, weil ich meine Hände ja gerade nicht benutzen kann. Dann atme ich noch mal tief durch und betrete den Op.
Die ersten Minuten verlaufen Problemlos und Wortlos. Wenn irgendeiner was sagt, dann nur etwas, das medizinisch relevant ist.
Das Operieren hab ich ja schon vermisst. Und irgendwie bin ich auch über Schwester Sabines Anwesenheit froh. Bin schon gespannt, was sie mir später alles erzählen wird. Bestimmt wieder irgendwelche heißen Storys über Kollegen, die sie heimlich beobachtet oder belauscht. Meistens zieht sie daraus zwar falsche Schlüsse, aber es ist trotzdem auf einer gewissen Ebene bereichernd.

Scheiße, jetzt fängt mein Auge wieder an zu laufen. Verdammt. Noch geht’s aber. Gott sei Dank stehe ich so neben Marc, dass er nur mein gesundes Auge sieht. Okay, jetzt sehe ich die Wunde doch etwas verschwommen. Eigentlich seh ich überhaupt nicht mehr wo genau ich meine Geräte hin halte. Aber so falsch kann es nicht sein, sonst würde Dr. Meier meckern. Ich hab eben ein Gespür dafür. Ich könnte bestimmt auch mit verbundenen Augen erfolgreich operieren.
Dazu kommt es dann aber leider nicht. Schwester Sabine ist nämlich mal wieder etwas zu aufmerksam.„Was ist denn mit ihrem Auge, Frau Doktor?“
„Ach nichts. Geht schon.“, versichere ich ihr. Kann sie das nicht mein Problem sein lassen. Die zerstört meine ganze Taktik.
„Weinen Sie etwa?“
„Nein! Normalerweise weine ich nicht mit nur einem Auge und...“
„Dr. Haase! Was soll das? Du stichst gerade voll in die Blutbahn rein!“ Marc reißt meine Hand nach oben und schaut mich entsetzt an. Ich versuche schnell so nach unten zu gucken, dass er mein Auge nicht sieh. Aber ich glaube das funktioniert nicht.
„Mitkommen, vor die Tür.“ sagt er zu mir.
O, O, das klang jetzt zwar nicht wirklich böse aber ich hab trotzdem ein seltsames Gefühl. Widerwillig gebe ich die Instrumente an den Nächst stehenden weiter und folge Marc nach draußen. Ich mache mich schon darauf gefasst, mir jetzt eine Predigt anhören zu müssen. Aber er steht eigentlich ganz ruhig da und zieht seine Handschuhe aus.
Ich bleibe stehen, ziehe meine Handschuhe auch aus und wische mir unauffällig die Tränen aus dem Auge. Plötzlich kommt Marc auf mich zu. Ich überlege erst, ob es jetzt günstig wäre eine Kampfhaltung einzunehmen, bleibe dann aber irgendwie doch ruhig und weiche nur etwas zurück. Ich weiß echt nicht was er vor hat.
„Lass mal sehen, dein Auge.“ Er streckt seine Hand nach meinem Gesicht aus.
Ich weiß, ich sollte mich jetzt wehren, aber ich kann nicht. Wie betäubt stehe ich da und lasse zu, dass er seine Hand an meine Wange legt und mit dem Daumen mein Auge etwas weiter öffnet. Bei seiner Berührung zucke ich leicht zusammen und ein Schauer läuft mir den Körper runter.
„Guck mal nach oben.“ Ich folge seiner Anweisung. Ich weiß nicht wieso ich es tue, aber seine Nähe bewirkt es irgendwie.
„Sieht nicht so gut aus. Deine Netzhaut ist stark gereizt.“,sagt er.
Jetzt tritt schon wieder Wasser aus dem Auge aus. Sanft wischt er es mit seinem Daumen weg. Unsere Blicke treffen sich. Ich kann gar nicht beschreiben wie er mir in die Augen schaut. Irgendwie auf eine Weise, die ich von ihm gar nicht wirklich kenne. So als würde er in mich hinein schauen. Durch das Fenster der Seele. Für einen Moment ist die Luft zwischen uns wie elektrisiert.
Doch dann springt in meinem Kopf plötzlich ein Schalter um und ich wende mich ruckartig ab. Das selbe tut auch er. „Ich...Äh..hol dir ein paar Augentropfen.“ Mit diesen Worten verschwindet er durch die Tür. Irgendwie hat uns die Realität wieder eingeholt.

Jetzt bin ich ganz alleine in dem Raum. Was war das gerade? Irgendwie war das komisch. Ich muss zugeben, dass ich für einen Moment dachte, er würde mich küssen. Vielleicht hab ich es mir sogar gewünscht. Aber wenn ich jetzt so darüber nachdenke, wieso sollte er? Er hat sich für Gabi entschieden. Und eigentlich hab ich mich ja auch gegen ihn entschieden. So steht es in meinen Regeln. Und diese ganze Scheiße mit meinem Auge hab ich nur ihm zu verdanken. Und nur deswegen muss eine arme Patientin da drinnen länger auf dem Op-Tisch liegen als nötig. Das sind die Fakten. Ich hab keine Ahnung, wie ich das vergessen konnte. Es ist mir einfach so entfallen. Muss wohl an der Luft gelegen haben. Jedenfalls bin ich jetzt wieder bei klarem Verstand.

Dr. Meier kommt zurück und ohne was zu sagen, drückt er mir die Augentropfen in die Hand. Ich glaube er hat einen ähnlichen Denkprozess wie ich hinter sich. Etwas wütend sage ich: „Danke, aber ich glaube, du musst die Op ohne mich fortsetzen. Ich wurde heute morgen leider von irgend so einem Scheiß-Auto mit Fensterputzmittel attackiert und bin verhindert.“
„Ja, das tut dem Auto auch sehr Leid, aber es fehlte ihm leider die Funktion mit matschigen Äpfeln zu schießen.“ Marc dreht sich um und verschwindet im Op-Saal.
Hach wie hab ich das vermisst - diesen unglaublich guten Sarkasmus.

Miss Blond Offline

PJler:


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06.03.2009 19:36
#5 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Die Cafeteria ist am späten Nachmittag immer ziemlich leer. So sitze ich hier jetzt alleine an einem Tisch, vor mir ein kleines Vorabendessen. Der Tag verlief eigentlich noch ganz gut. Ich hatte nur noch eine Op mit Dr. Meier. Natürlich hat er mich herumkommandiert, Witze über mein Gewicht gemacht und natürlich wollte er mich zur Schnecke machen. Aber der kriegt mich nicht klein. Niemals. Ich werde immer ein Löwe bleiben. Seine dummen Kommentare habe ich einfach ignoriert und teilweise hab ich ihm auch ordentlich Kontra gegeben. Ich bin stark geblieben und das macht mich schon ein kleines bisschen Stolz.
Früher in der Schule hab ich mir seine blöden Späße ja immer gefallen lassen. Ich hab mir damals immer gesagt, dass er das nur macht, weil er mich in Wirklichkeit mag. Deshalb war ich immer wieder nett zu ihm. Das hätte ich echt nicht sein sollen. Ich hätte ihm das Leben schwer machen sollen. Denn so was macht man einfach nicht mit Mädchen. Aber, obwohl ich damals darunter gelitten habe, hab ich mich nie wirklich gewehrt. Und deshalb nenne ich es Glück, dass ich Marc wieder getroffen habe. Denn jetzt, wo ich sehe, dass sich nichts geändert hat, kann ich alles, was ich damals nicht gemacht habe, nachholen. Das hätte ich schon von Anfang an tun sollen. Wieso hab ich es eigentlich nicht? Wahrscheinlich aus den selben Gründen wie früher. Ich hab immer noch auf seinen guten Kern gehofft, in dem er mich genauso mag wie ich ihn. Ich hab gehofft irgendwann schaffe ich es, dass die Schale um diesen Kern wegfällt. Deshalb hab ich diese ganze Schikane widerstandslos ertragen. Aber damit ist jetzt Schluss. Jetzt gibt’s Rache.

Während ich da so sitze und überlege, was ich Marc alles fieses antun kann, kommt Schwester Gabi in die Cafeteria. Sie scheint schon Feierabend zu haben, denn sie trägt schon wieder ihren zu kurzen Rock und ihr zu weit ausgeschnittenes Hemd. Sieht aus als hätte sie etwas zugenommen. Sie geht zur Theke. Wahrscheinlich holt sie sich jetzt trotzdem ihr Kaninchenfutter. Ich frage mich echt ob die auch mal was anständiges isst. Ich sehe sie immer nur mit Karöttchen, Fruchtstückchen, Salatblättchen, Smoothies...mal sehen was sie heute hat. Hä...Schokoladenpudding? Und Käsekuchen? Was ist denn mit der los?
Sie setzt sich an einen Tisch nicht weit von meinem. Ich beobachte wie sie sich das Zeug gierig reinstopft. Die tut als hätte sie Wochen lang nichts gegessen. Naja hat sie ja eigentlich auch nicht. Aber wieso fängt die auf einmal an damit? Vielleicht denkt sie sich, dass sie das jetzt tun kann, weil Marc sie ja heiraten will. Sie meint wahrscheinlich, dass er sie liebt und es da egal ist wie sie aussieht. Doch das sollte sie schleunigst lassen. Sie hat nämlich nicht mal annähernd so etwas wie innere Werte. Wenn ihr Aussehen futsch ist, hat sie gar nichts mehr.

Jetzt betritt jemand die Cafeteria, auf den ich echt gar kein Bock habe. Es ist Mehdi. Ich hoffe, dass er mich nicht sieht. Und tatsächlich geht er, nachdem er sich einen Kaffee geholt hat, erst zu Gabi. Die hat ihn jetzt auch entdeckt und benimmt sich plötzlich ganz seltsam. Sie nimmt den Käsekuchen irgendwie total panisch in die Hand und als ob das die einzige Lösung wäre, steckt sie ihn in ihre Tasche. Ihh...Was soll das denn? Jetzt schiebt sie die leere Puddingschüssel beiseite und lächelt Dr. Kaan ganz unschuldig an. Will sie etwa nicht, dass er sieht, dass sie was Süßes gegessen hat? Sie tut so als wär das eine Sünde.
„Schwester Gabi! Seit wann essen sie denn so was...ungesundes? Sonst essen sie doch immer nur Grünzeug.“ Mehdi hat es doch mitbekommen.
„Man wird sich ja wohl mal ein bisschen Abwechslung gönnen können.“, sagt Gabi. Ja, wo sie sich bei den Männern keine Abwechslung mehr gönnt, muss es halt das Essen sein. Genau genommen mache ich das mein ganzes Leben schon so. Meistens bleibe ich aber bei der Schokolade hängen.
Mehdi gibt sich damit nicht zufrieden. Aber Frauen sind ja auch sein Spezialgebiet, da muss er ja bestimmt für jedes seltsame Verhalten den Grund finden: „Und warum versuchen Sie das vor mir zu verstecken? Ich hab doch gesehen wie sie den Käsekuchen in Ihre...warten Sie, ..Sie sind doch nicht etwa..?....Schwester Gabi!“, er klingt entsetzt. „Sie sind schwanger!“

Diese Worte sind für mich wie ein Schuss mitten ins Herz. Ich verschlucke mich dermaßen an meinem Brot, dass ich anfange zu husten. Scheiße das verdammte Stück steckt mir im Hals. Ich bekomme keine Luft mehr. Ich huste und würge aber nichts passiert. Ich stehe auf und schmeiße dabei auch noch meine Tasse um. Der ganze scheiß Kaffee ergießt sich über meinen Kittel. Auch mein Stuhl fliegt mit einem lauten Krachen um, weil ich etwas zu stürmisch versucht habe mich daran abzustützen. Ich bin echt am ersticken. Doch anstatt etwas produktives gegen meine Erstickungsgefahr zu unternehmen, denke ich nur die ganze Zeit an eins: Gabi ist schwanger. Und zwar von Marc. Das weiß ich genau. Alle Anzeichen passen. Ich war nur zu dumm eins und eins zusammen zu zählen.
Doch langsam wird es echt ernst. Ich spüre wie mir schwindelig wird. Ich glaube Mehdi steht hinter mir und will mir helfen. Viel mehr bekomme ich nicht mit. Erst verschwimmt alles und dann wird alles schwarz.


Als ich wieder zu mir komme bin ich, O Wunder, immer noch in der Cafeteria. Kein Prinz hat mich diesmal in ein Bett getragen. Das ist ja auch besser so. Das sollte ja auch keiner gemacht haben.
Um mich herum hat sich ein Kreis von Schaulustigen gebildet. Als ich merke wie die mich alle anstarren, springe ich auf die Beine. Vielleicht eine sehr schlechte Idee. Sofort wird mir schwindelig. Ich schwanke und bin gerade dabei umzufallen, doch da hält Mehdi mich. Ich will aber nicht immer von jemandem abhängig sein. Deshalb reiße ich mich von ihm los und torkle wie eine Besoffene aus dem Raum. Mann, ich will von allen nichts mehr wissen. Bin trotzdem froh, dass Mehdi mich reanimiert hat und nicht Marc. Bin ihm jetzt wahrscheinlich was schuldig. Naja, werde ihm einfach Danke sagen und Blumen nach Hause schicken. Blumen sind immer gut.
Ich schwanke in den Fahrstuhl hinein und atme tief durch. Jetzt hab ich meine Ruhe. Endlich.
Da kommt Mehdi angerannt und quetscht sich gerade noch so durch die Tür. Toll.
„Gretchen geht’s dir gut?“
„Ja, danke Mehdi. Alles..super.Danke, dass du mich gerettet hast.“ Scheiße echt, der soll jetzt bloß nicht zu stolz sein. Hätte auch jeder andere hin bekommen, das Brotstückchen aus meinem Hals zu entfernen.
„Kein Problem. Ich bin doch gerne dein Retter in der Not.“, sagt er, als ob er mir schon tausendmal das Leben gerettet hat. Das war garantiert keine Rettung in der Not. Es war nur ein Brot.
Die Fahrstuhltür öffnet sich und Frau Dr. Hassmann steigt ein. Sie betrachtet mich kurz skeptisch von oben bis unten. Mist, der Kaffee. Ich seh echt total scheiße aus.
„ Ach Dr. Kaan. Na, wie geht es ihrer Frau?“ fragt sie. Ich würde am liebsten sofort aussteigen. Denn das ist etwas was mich echt nicht interessiert. Und Mehdi scheint sich auch noch über die Frage zu freuen. Er fängt total begeistert an zu erzählen, was sie für Fortschritte macht. Ich ertrag das nicht. Nich das es mir jetzt seelisch wehtun würde. Nein es deprimiert mich einfach zu hören, wie glücklich er ist. Deshalb stürze ich, sobald die Fahrstuhltür aufgeht, nach draußen. Was ich nicht erwartet habe ist, dass Dr. Hassmann genau das selbe tut. So lassen wir beide Mehdi mit verdutztem Blick zurück.
„Der scheint wohl für uns verlohren zu sein.“ Spricht sie mit mir? Liegt irgendwie nahe, weil hier auf dem Flur sonst niemand ist.
„Ja da haben sie wohl Recht. Aber was solls. Mir macht das jedenfalls nichts aus.“ sage ich etwas zickig. Ich hab gerade echt miese Laune.
„Ist das ihr Ernst? Sie waren doch so begeistert von ihm. Wollen sie nicht irgendwie um ihn kämpfen? So wie Sie es mal mit mir getan haben?“ Bei ihren Worten erinnere ich mich wieder an unseren kleinen Kampf. Und irgendwie muss ich darüber lachen.
„Nein Frau Doktor Hassmann, will ich wirklich nicht. Glauben Sie mir.“ Das Gespräch fängt langsam an mir zu gefallen.
„Ich dachte nur Sie sind eine Frau, die kämpft. Aber man kann sich in Menschen ja auch irren.“, sagt sie.
„Ich bin eine Frau, die kämpft! Aber bei manchen Dingen lohnt es sich einfach nicht.“, entgegne ich ihr. Sie sieht mich fragen an. Ich glaube das hier entwickelt sich zu einem richtigen Gespräch über Männer. Ich bleibe stehen und fange an zu erklären:
„Naja ich meine Mehdi. Er ist auf den ersten Blick ein ganz netter, lieber Mann und Traum jeder Frau. Er ist verantwortungsvoll, gutmütig und scheint uns Frauen zu verstehen. Vielleicht ist er das auch auf den zweiten Blick....und auf den dritten. Im Bett ist er auch gut. Aber im Endeffekt ist er doch genauso scheiße wie alle anderen. Sonst hätte er mich nicht so einfach links liegen gelassen. Das gleiche hat er doch auch mit Ihnen gemacht, damals beim Ball, wissen Sie noch?“
„Pff...wie könnte ich das vergessen. Frau Dr. Haase ich glaube Sie haben Recht. Wir sind doch emanzipierte Frauen und so etwas lassen wir nicht mit uns machen. Vielleicht haben wir mehr gemeinsam als ich dachte... Das Gespräch können wir ja bei Gelegenheit bei einem Kaffee fortsetzen.“ Sie sieht mich noch mal lächelnd an und geht dann. Wow, mit der kann man sich ja eigentlich richtig gut unterhalten.

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06.03.2009 21:54
#6 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Ich mache mich auf den Weg ins Stationszimmer. Bis jetzt konnte ich es ja noch verdrängen, aber nun muss ich wieder an den Grund denken, warum ich vorhin fast erstickt bin. Marc ist schwanger. Also Gabi meine ich. Aber trotzdem wird Marc ein Kind bekommen. Ey das passt so gar nicht. Ich kann das überhaupt nicht glauben. Wieso will er Gabi heiraten und jetzt auch noch ein Kind haben? Wieso macht er plötzlich so auf Familie? Familie. Bei dem Gedanken werde ich schon wieder traurig. Wann werde ich einen Mann finden, mit dem ich eine Familie gründen kann? Ich hab so oft davon geträumt. Und da war Marc immer der Vater. Ja ich liebe ihn immer noch. Jetzt wo er mit einer anderen dabei ist, eine Familie zu gründen, wird es mir noch deutlicher. Tränen steigen mir in die Augen. Aber noch rechtzeitig reiße ich mich zusammen. Er ist nicht der Richtige, Gretchen. Und
das mit dem Baby macht dir nichts aus.
Ja stimmt, ich darf meine goldene Regel nicht vergessen. Ich werde jetzt in sein Büro gehen und ihm sagen, dass ich mich sehr für ihn und Gabi freue. Ja, wenn ich das schaffe, dann kannst du stolz nach Hause gehen. Dann kann ich mich einen starke Frau nennen.

Ich stärke mich noch schnell mit Schokolade und mache mich auf den Weg. Mist. Ich hab ja immer noch den dreckigen Kittel an. Ich ziehe ihn aus und schmeiße ihn unauffällig in die nächste Kammer. So jetzt bin ich bereit.
Zielstrebig gehe ich auf seine Bürotür zu. Kurz bevor ich anklopfe halte ich inne. Soll ich das wirklich tun? Ja es ist das beste. Ich klopfe an. Shit, jetzt gibt es kein Zurück mehr. Vielleicht ist er ja gar nicht da. „Herein!“ Okay er ist da.
Ich öffne die Tür und gehe hinein. Er sitzt an seinem Schreibtisch und scheint in einer Akte zu lesen. Bei seinem Anblick werde ich irgendwie schon wieder traurig und ich muss an heute morgen denken. Aber ich zieh das jetzt durch: „Ähmm...Marc...ich wollte...äh..“ Scheiße, ich kann das nicht. „Ja was?“, fragt Marc abwartend.
„Ich wollte dir..gratulieren.Ja.“ So jetzt ist es raus. Doch er scheint nichts zu checken. „Wofür?“, fragt er verwirrt. Jetzt muss ich das auch noch richtig aussprechen.
„Naja dir und Gabi, für euer....Kind.“ Als ich dieses Wort ausspreche, merke ich wie mir wieder Tränen in die Augen kommen. Ich kanns nicht verhindern. Aber es tut so weh. Trotzdem schaue ich Marc weiter an. Seine Miene hat sich total verändert. Er guckt total geschockt. „ O Nein.... Gretchen...“ Wieso sagt er das?
Verdammt jetzt fangen sie an zu laufen. Die Tränen. Ich kann sie nicht mehr zurückhalten. Aber ich wische sie weg und sage: „Nein ist schon gut....ich freu mich wirklich für euch.... Ich meine..ein Kind ..ist doch Leben.“ Jetzt schluchze ich richtig. Vor Marc. Ich kann es nicht ändern. „Und Leben....das ist doch...etwas ganz....wunderbares...“ Ich halt das nicht mehr aus. Ich drehe mich um und will gehen. Aber bevor ich bei der Tür ankomme, steht Marc auf und hält mich zurück. Er dreht mich zu ihm um und sieht mir in die Augen. Dann wischt er mit über die Wange und nimmt mich in den Arm. „Gretchen..es tut mir so Leid.“ Ich kann nicht anders als meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Ich schmiege mich an ihn und weine. Und zwar richtig. Sein armes Hemd. Aber ihm scheint das nichts auszumachen. Er streicht mir über die Haare und hält mich ganz fest.

Nach fünf Minuten habe ich mich dann größtenteils ausgeheult. Langsam löse ich mich von ihm. So war das ganze ja eigentlich nicht geplant. Aber seine Nähe tut so gut. Er ist so warm. Trotzdem werde ich jetzt gehen. „Tut mir Leid.“, bringe ich heraus.
„Gretchen das mit dem..Kind, das war nicht geplant.“, sagt er.
„Marc,..das macht jetzt auch keinen Unterschied mehr.“ Ich gehe aus dem Büro. Ich will jetzt nur noch nach Hause.

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07.03.2009 20:08
#7 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Liebes Tagebuch,

der Tag war der totale Reinfall. Irgendwie ist alles schief gegangen, was nur schief gehen konnte. Nachdem die Funktion meines Auges lahm gelegt wurde, ich erfahren hab, dass Gabi schwanger ist und ich fast an meinem Brot erstickt bin, lag ich am Ende des Tages heulend in Marcs Armen. Und das, obwohl alles seine Schuld war. In dem Moment war ich aber einfach nur froh, dass er da war. Aber trotzdem konnte ich mich weder richtig auf meine Karriere konzentrieren, noch stark und selbst bestimmt sein. Und solange er an meiner Seite arbeitet, werde ich das nie können. Das ist mir heute klar geworden. Deshalb habe ich eine Entscheidung getroffen, die mir zwar im Herzen weh tut, aber bei der ich weiß, dass es das beste ist. Ich werde das Team wechseln. Ich will nicht länger Marcs Familienglück im Weg stehen und er soll mir nicht länger bei meinem Karrieren-Glück im Weg stehen.
Ich muss mir nur noch einen Grund einfallen lassen, den ich Papa erzähle. Ich will nicht, dass er Marc irgendwie beschuldigt und bestraft. Am besten ich sage so was wie: ich will auch mal andere Kollegen und deren Arbeitsmethoden kennen lernen. Das müsste funktionieren. Werde es jetzt gleich hinter mich bringen.



Mein Vater ist gar nicht begeistert von meinem Plan. Hab es ihm gerade gesagt.
„Kälbchen, Dr. Meier ist der beste Oberarzt von allen.“
„Ja, aber ich hab doch auch gar keine Vergleiche. Es gibt viele gute Ärzte in der Klinik.“
„Natürlich. Die hab ja auch alle ich eingestellt. Trotzdem verstehe ich nicht, warum du vom besten weg willst.“ Er versteht gar nichts. Mann so schwer kann das doch nicht sein.
„Papa, von anderen kann ich auch viel lernen. Ich will doch nur meinen Horizont etwas erweitern.“
„Margarete, du willst doch nicht etwa das Team wechseln, um neue Männer kennen zu lernen?“
Das gibt’s doch jetzt nicht. Der Mann macht mich noch wahnsinnig.
„Nein! Natürlich nicht. Das ist eine rein berufliche Entscheidung von mir.“
„Klar. Jetzt, wo der Dr. Meier Schwester Gabi heiraten will, willst du dir bestimmt jemand neues aussuchen.“ er wirkt irgendwie echt wütend. Hält er mich wirklich für so blöd?
„Papa! So bin ich nicht. Ich kann aber einfach nicht weiter mit Meier operieren!“ Verdammt jetzt ist es mir doch raus gerutscht. Ich hoffe er versteht das jetzt nicht richtig.
„Wieso?“
„Ach, das ist doch nicht wichtig. Lass mich doch einfach nur das Team wechseln, ja?“
„Er hat dich wieder schlecht behandelt, stimmts? Sag das doch gleich. Das gibt Ärger, das kannst du ihm sagen!“ Scheiße, jetzt passiert genau das, was ich verhindern wollte.
„Nein. Papa, du verstehst das ganz falsch! Er hat mir nichts getan. Er ist nur einfach zu...gut. Und deshalb will ich in ein anderes Team. Damit ich mich nicht so...untalentiert fühle.“ Okay, das war echt die schlechteste Ausrede die es gibt. Da mein Vater skeptisch zu bleiben scheint, blicke ich ihn jetzt mit einem flehenden Blick an. So was zieht bei Vätern doch immer.
„Na gut, du kannst ab morgen beim...Dr. Rössel arbeiten. Aber komm bei dem ja nicht auf falsche Gedanken.“, sagt mein Vater..
Haha. Witzig. Dr. Rössel ist mindestens 17 Jahre älter als ich. Und man kann ihn auch nicht als jung geblieben bezeichnen. Ehrlich gesagt sieht er fast älter aus als mein Vater. Naja. Bin trotzdem froh darüber. Von Rössel kann ich bestimmt viel lernen. Und zwar medizinische Sachen. Sachen über Männer hab ich in letzter Zeit genug gelernt.


Liebes Tagebuch,
ich weiß man soll vor Problemen nicht weglaufen. Aber in manchen Fällen geht es einfach nicht anders. Genau genommen laufe ich ja außerdem gar nicht weg. Hab meinen Vater nämlich überzeugt. Werde jetzt das Team wechseln. Die Klinik bleibt ja immer noch die selbe. Wenn ich wirklich weglaufen wollte, wäre ich in eine andere Stadt gezogen oder so. Trotzdem hoffe ich, dass ich Marc auf diese Weise vergessen kann.. Hoffentlich laufe ich ihm nicht allzu oft über den Weg. Sonst kommt es noch zu peinlichen Gesprächen.
Morgen werde ich dann also mit meinem Plan noch mal von vorne anfangen. Gute Nacht. Bin jetzt müde.

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11.03.2009 19:59
#8 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Als ich am nächsten Morgen in die Klinik komme, traue ich mich irgendwie gar nicht rein zu gehen. Was ist wenn ich Marc über den Weg laufe? Was soll ich denn dann sagen? Außerdem weiß ich gar nicht, wie er mich nach der Heulnummer gestern behandeln wird. Ach egal wird schon schief gehen.

Damit ich nicht im Fahrstuhl auf ihn treffe, beschließe ich die Treppe zu nehmen. Das sind zwar mehrere Stockwerke, aber ein bisschen Sport tut mir ja bestimmt auch mal ganz gut.
Okay. Zwei Treppen geschafft und schon außer Puste. Das ist erbärmlich. Ich fahre doch jeden Tag Fahrrad. Wieso hab ich dann so eine schlechte Kondition?
Noch eine Treppe. Ich kann nicht mehr. Ich glaub ich sterbe gleich. Damit das nicht passiert, setze ich mich kurz hin. Zum Verschnaufen. Ich will ja nicht vollkommen fertig bei meinem neuen Team ankommen. Ich hole einen Müsliriegel aus meiner Tasche, um mir etwas Energie zu zuführen. Doch da höhre ich Schritte. Mist. Da kommt jemand.
Hektisch stehe ich auf und tue so, als ob ich hier jeden Tag hoch gehen würde. Blöd nur, dass derjenige, der mir entgegen kommt, genau weiß, dass ich sonst nie die Treppe nehme. Es ist Marc.
Scheiße. Jetzt war dieses ganze Treppensteigen völlig umsonst. Muss ich jetzt irgendwas sagen? Er guckt mich nämlich so verwundert an.
„Morgen...“, bringe ich heraus. Ich wage es aber nicht ihm in die Augen zu schauen.
„Ja...Äh..Visite beginnt in fünf Minuten. Danach haben wir gleich ne Gallenstein-Op.“, sagt er und geht weiter runter.
Oh Nein. Er weiß es noch nicht. Ich könnte einfach weiter gehen und nichts sagen. Aber das wär gemein, oder? Ich muss es ihm sagen. Jetzt oder nie.
„Marc!“ Er bleibt stehen. „Ich...ich..äh..ich operiere heute nicht mit dir.“
„Wieso? Hast du wieder jemanden mit nem Apfel beworfen und der hat diesmal zurück geschlagen?“, fragt er lachend nach dem Grund.
„Nein Marc...Ich hab..das Team gewechselt.“
Als er das hört, verschwindet das Lachen von seinem Gesicht. Mit dieser Antwort hat er wohl nicht gerechnet. Er guckt mich irgendwie geschockt an. Scheiße, ich glaub das hat ihn ganz schön getroffen. Vielleicht hätte ich es ihm schonender beibringen sollen. Aber da sieht er mal wie es ist enttäuscht zu werden. Er ist doch enttäuscht, oder nicht? Ganz bestimmt. Sonst würde er mich nicht so angucken. Oh Mann, meine Entscheidung tut mir gerade voll Leid.
„Gut...dann bin ich dich ja endlich los!“, sagt er plötzlich total als würde er sich tatsächlich freuen. Er wirft mir nochmal einen bösen Blick zu und läuft dann die Treppe runter.
Nein, ich werde jetzt nicht seine Blicke und Worte analysieren. Er ist halt einer, der seine Gefühle nicht zeigen will und... ich muss mich jetzt wirklich beeilen. Will ja keinen schlechten Eindruck bei Rössel machen.

Die Ops bei Rössel verlaufen ohne große Ereignisse. Ich hab mich schon ganz gut integriert und Dr. Rössel lobt mich sogar ab und zu. Das hab ich ja bis jetzt nicht so häufig erlebt. Ist ziemlich ungewohnt. Aber irgendwie passen meine Handgriffe nicht so gut zu seinen. Er operiert die meiste Zeit ziemlich hektisch und macht manchmal so ruckartige Bewegungen, bei denen ich mich total erschrecke. Einmal hab ich dabei aus Versehen die Zange mit dem Tupfer in den Patienten fallen lassen. Ich muss mich dem Operier-Stil also erst mal anpassen.
Meier und ich hatten eigentlich schon von Anfang an den selben Stil, was aber nichts zu bedeuten hat. Das war wahrscheinlich nichts weiter als Zufall und lag bestimmt auch daran, dass wir ungefähr gleich alt sind. Ich hab jetzt aber endlich das Gefühl, als könnte ich mich hier bei Rössel mal auf die Arbeit konzentrieren. Und mehr will ich ja im Moment nicht.



Als ich gerade eine Patientin in einem Zimmer untersuche, kommt Schwester Sabine in den Raum. Ich freue mich eigentlich sie zu sehen, habe ihr gegenüber auch ein ziemlich schlechtes Gewissen.
„Hallo Frau Doktor. Ich bringe der Patientin nur ihre Medizin.“
„Ja gut. Sie ist aber noch nicht ganz wach.“
Schweigend warte ich darauf, dass sie anfängt mir blöde Fragen zu stellen und mich bittet wieder in das alte Team zurück zukommen. Aber nichts. Sie stellt nur ruhig die Sachen ab und wurschtelt dann noch an irgendwelchen Schläuchen rum. Ist sie etwa sauer auf mich? Oder ist ihr mein Wechsel im Prinzip völlig egal?
„Schwester Sabine, wie läuft es denn bei euren Ops so?“, frage ich, um die Stille zu unterbrechen. Das klingt jetzt zwar so, als ob ich schon Wochen nicht mehr dabei gewesen bin, aber egal.
„Ach, sehr gut eigentlich. In der letzten Zeit hatten wir ja viele Tote, aber heute verlief alles glatt. Dr. Meier war ganz ruhig. Er hat auch nicht rumgemeckert. Ich glaub er vermisst sie gar nicht.“ Schön. Danke für die Info. Ich wollte jetzt eigentlich hören, wie scheiße es ohne mich ist, aber bitte. Dann muss ich mir ja keine Sorgen mehr machen.
„Ach wirklich?“, frage ich etwas zickig. Ich will darauf jetzt eigentlich keine Antwort, aber Sabine ist nicht zu stoppen: „Ja. Er will ja jetzt Schwester Gabi heiraten. Wussten Sie das? Er hat ihr bevor Sie krank wurden einen Antrag in der Cafeteria gemacht. Habs leider nicht selbst gesehen. Aber seine Beziehungsängste hat er wohl überwunden. Und wissen sie schon das neuste?“, erzählt sie total aufgeregt. Ich halt das jedoch nicht mehr lange aus und antworte ihr schreiend: „ Sie ist schwanger, ich weiß!“ Damit stoppe ich ihren Wortfluss.
Gleichzeitig richtet sich die Patientin vor uns im Bett erschrocken auf. „Was, ich bin schwanger?“
Schwester Sabine und ich erschrecken uns auch total. Wir hatten irgendwie völlig vergessen, dass hier ja noch ein Mensch im Raum ist. Dementsprechend war es für uns, als würde plötzlich eine Leiche zum Leben erwachen. Wir sagen erstmal nichts.
Die Patientin starrt uns für einen kurzen Moment an, wir starren zurück. Dann fängt sie an zu schreien. Und zwar richtig laut. Sie schreit, als ob wir irgendwelche Monster wären, die sie auffressen wollen. Wir halten uns die Ohren zu, weil es einfach so schrill und laut ist. Aus ihrem Schreien wird dann ein immer wiederkehrendes „Oh mein Gott, Oh mein Gott. Oh mein Gott.“ Scheiße ich glaub die Frau fängt gleich an zu hyperventilieren. Als ihre Stimme etwas nachgibt, versuche ich sie zu beruhigen, aber sie hört mir gar nicht zu. Sie murmelt die ganze Zeit was von wegen, sie kann kein Kind bekommen, das ist nicht möglich und wie konnte das nur passieren. Ich sage ihr immer wieder, dass sie nicht schwanger ist, aber die ignoriert mich irgendwie. Dann springt sie plötzlich auf, reißt sich alle Schläuche raus und bevor wir sie aufhalten können rennt aus dem Zimmer. Ich weiß nicht, wie sie das in ihrem Zustand hinbekommt, aber Fakt ist, dass sie auf dem Flur ihr ohrenbetäubendes Schreien fortsetzt.
Sabine und ich rennen ihr hinter her. Im Flur sind alle Leute stehen geblieben und starren diese verrückt gewordene Patientin an. Diese rennt schreiend weiter. Und obwohl sie frisch operiert ist, scheint sie top fit zu sein. Ich als unsportliches Wesen, gebe mein bestes, schaffe es aber nicht sie einzuholen. Scheiße, die rennt direkt auf die Treppe zu. Das könnte böse enden. Und es wär dann meine Schuld. Oh bitte bleib stehen.

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11.03.2009 22:31
#9 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Ich komme echt außer Puste. Ich schreie zu den umstehenden Leuten, sie sollen gefälligst diese Frau aufhalten. Aber die stehen einfach nur da und glotzen. Die finden das sogar lustig. Ey hier geht’s um Leben und Tod. Das ist kein Theaterspiel, auch wenn es vielleicht so aussieht. Ich gucke nach hinten, um zu sehen, ob Schwester Sabine vielleicht noch eine Chance hat sie einzuholen. Ich kann sie aber nirgends sehen. Wo ist die? Die hat sich wahrscheinlich nicht mal die Mühe gemacht, überhaupt zu rennen.
Leider schaue ich etwas zu lange zurück. Denn als ich meinen Kopf wieder nach vorne drehe, sehe ich zwar noch, dass jemand von der Seite kommt, kann aber nicht mehr bremsen. Und so renne ich dann volle Kanne in Marc Meier rein. Mit voller Wucht knalle ich an ihn und reiße ihn mit.
Irgendwie kommt mir dann alles wie in Zeitlupe vor. So fliegen wir gemeinsam durch die Luft, ich mehr oder weniger auf ihm. Meine Haare fliegen, seine Arme rudern, in meinem Kopf fange ich schon an „I believe I can fly“ zu singen und wir nähern uns nur langsam immer weiter dem Boden.
Dann Zack. Die Echtzeit ist zurück und es kommt der schmerzhafte Aufprall. Schmerzhaft ist es aber glaub ich nur für ihn, denn ich lande größtenteils auf seinem Körper. Obwohl man das auch keine weiche Landung nennen kann. Seine Muskeln sind fast genauso hart wie der Boden.
Beim Aufprall stöhnt er auf. Ich glaube sein Kopf hat ganz schön was ab bekommen. Wir sehen uns in die Augen. Jetzt kommt der peinliche Moment, wo wir beide erst richtig realisieren, in welcher Position wir uns da eigentlich genau befinden. Ich springe auf. Er auch, soweit man das bei ihm springen nennen kann. Ich glaub er hat ziemliche Schmerzen. Das versucht er aber natürlich wieder zu überspielen. Ich fange an zu überlegen, inwiefern ich mich jetzt entschuldigen muss. Immerhin hätte er auch ein bisschen besser aufpassen können. Dann fällt mir aber wieder ein, warum ich überhaupt in ihn reingerannt bin. Verdammt. Die schreit ja immer noch.
„Marc..Sorry, aber...da vorne. Die schreiende Frau.“, sage ich schwer atmend. Ich glaube Marc ist froh, dass er weg kann. Er rennt wirklich schnell zu der Patientin, und schafft es sie in den Griff zu kriegen. Von Schmerzen keine Spur mehr. So hart wie Männer müsste man sein. Schwester Sabine, die mittlerweile auch angekommen ist, spritzt dem Schreihals ein Mittel. Dann ist endlich wieder Ruhe im Haus.

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12.03.2009 23:33
#10 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Nach diesen ganzen filmreifen Szenen, muss ich erst mal was essen. Marc hat gesagt, dass er die Patientin alleine weiter versorgt, was mir nur Recht ist. Da wechsle ich extra das Team, um ihm nicht so oft über den Weg zu laufen, und dann so was. Vor diesem Mann gibt es echt kein Entkommen. Daran muss ich mich wohl gewöhnen.
Als ich mich mit einem Stück Kuchen an einen Tisch in der Cafeteria setze, fällt mir auf, dass heute ja Freitag ist. Hab am Wochenende eigentlich frei. Aber irgendwie habe ich überhaupt keine Lust auf freie Tage. Abgesehen davon ist freie Zeit für mich viel zu gefährlich. Alter Kummer würde wieder hochkommen und ich würde mit Sicherheit gegen Regel Nr. 3 verstoßen. Da gibt’s nur eins. Ich muss mich für den Wochenend-Dienst eintragen lassen.
Als ich aufgegessen habe, mache ich mich sofort auf den Weg zu meinem Vater ins Büro. Mir fällt auf, dass die Tür etwas offen steht. Ich klopfe vorsichtshalber trotzdem an und betrete dann den Raum. Aber mein Vater scheint nicht da zu sein. „Papa?“ rufe ich. Komisch. Normalerweise schließt er immer ab, wenn er nicht hier drin ist. Das heißt, er kommt bestimmt gleich wieder. Ich beschließe zu warten.
Das wird mir aber schon nach einer Minute zu blöd. Ich kann mich ja wohl auch einfach selber eintragen. Dazu müsste ich aber erstmal die Liste finden. Mann, der Schreibtisch ist vielleicht ein Chaos. Ich beginne die Suche und blättere mich durch ein paar Akten. Doch plötzlich höre ich ein seltsames Geräusch. Ich halte inne. Es kommt von draußen auf dem Flur. Scheint aber noch relativ weit weg zu sein. Was ist das bloß? Jetzt wird es allmählich lauter. Hört sich an wie....Oh Gott. Ein Hund. Ja, jetzt höre ich es ganz deutlich. Es ist Hundegebell. Ein Hund hier im Krankenhaus? Und er kommt näher. Ich werde mal sehen was da draußen los ist.
Ich habe fast die Tür erreicht, als diese plötzlich aufgeht und ein riesiger Hund hereingesprungen kommt. Hilfe! Ich bekomme sofort panische Angst und renne Schutz suchend hinter den Schreibtisch. Das Tier steht da und glotzt mich an. Er hat braunes Fell mit schwarzen Flecken. Bitte bleib wo du bist. Ich versuche gerade seinen Hundeblick zu interpretieren, um festzustellen, ob ich in Gefahr bin oder nicht. Da wird die Tür plötzlich noch einmal aufgerissen und mein Vater stürmt herein. „Jetzt hab ich dich!“, ruft er völlig außer Atem. „Nochmal entkommst du mir nicht, du..du Hund.“, sagt er und läuft mit erhobenem Zeigefinger auf den Hund zu. Mein Vater scheint ziemlich wütend zu sein und ich kann mir gut vorstellen, dass er den Hund gerade durch das ganze Krankenhaus gejagt hat. „Du glaubst wohl ich bin ein alter Mann und du könntest mir deshalb entkommen...aber da irrst du dich gewaltig mein Lieber....ich...HALT!“
Der Hund setzt einen neuen Fluchtversuch an. Direkt in meine Richtung. Oh Gott. Nein! Ich schreie panisch auf und weil mir nichts besseres einfällt, springe ich auf Papas Schreibtisch. Ich bedenke dabei nicht, dass der Hund wahrscheinlich noch viel besser springen kann als ich und denke ich bin in Sicherheit. Böser Fehler, denn das Tier hat mich anscheinend im Visier. Und mit einem riesen Hechtsprung landet er vor meinen Füßen auf dem Tisch. Da ist es für ihn allerdings ziemlich rutschig und er fängt etwas hektisch an mit seinen Beinen zu strampeln, die immer wieder nach außen rutschen. Sämtlicher Papierkram wird durch die Luft gewirbelt, Akten fliegen zu Boden und man hört deutlich die Kratzspuren, die er hinterlässt. Mein Vater tobt im Zimmer auf und ab und brüllt den Hund an, er soll gefälligst da runter kommen.
Und ich? Ich stehe einfach nur starr da. Ich traue mich nicht mal vom Schreibtisch runter oder so. Das ist aber doch die Regel, oder? Starr bleiben und bloß nicht weg rennen. Frage mich nur, wie lange man das machen soll. Lang halt ich das nämlich nicht mehr aus. Ich muss irgendwas tun. Ich könnte versuchen den Hund zu beruhigen. Aber wie? „Sitz.“, sage ich ängstlich. Okay das wars nicht. Keine Reaktion. „Aus.“ Nein, auch da passiert nichts. Ich versuche alle Hundebefehle, die mir in den Kopf kommen. Aber das blöde Vieh hampelt weiter rum und rückt mir immer mehr auf die Pelle. So jetzt reichts mir. „SITZ!“, schreie ich ihn an. Und ich traue meinen Augen nicht, als der sich tatsächlich vor mir hinsetzt. Ich bin total baff. Plötzlich ist er ganz brav. Er sitzt vor mir und schaut mich mit seinen großen Augen an. Ich bewege mich langsam und klettere vom Schreibtisch runter. Der Hund bleibt sitzen. Ich gehe ein paar Schritte weg. Der Hund sitzt immer noch oben.
Mein Vater ist auch zur Ruhe gekommen. Für einige Augenblicke sagt keiner von uns beiden was. Wir sind einfach nur erstaunt.
Nach einiger Zeit frage ich: „Papa, wie kommt der Hund eigentlich zu uns ins Krankenhaus?“
„Ein verstorbener Patient hat ihn hinterlassen....Der hatte auch keine Familie oder Freunde mehr. Ich wollte ihn eigentlich ins Tierheim bringen. Hab ihn aber nicht fangen können...bis jetzt.“
Oh nein. Jetzt tut mir das Tier plötzlich voll Leid. Wie er da sitzt. So ganz allein. Und jetzt sehe ich auch die Trauer in seinen Augen. Er wusste bestimmt, was mein Vater vor hatte.
„Papa? Ich würde ihn gerne mit nehmen.“
„Bist du denn von allen guten Geistern verlassen? Wir können dieses wahnsinnige Tier doch nicht bei uns zu Hause aufnehmen.“
„Aber das Tierheim hat doch jetzt eh schon zu. Und guck doch, er ist eigentlich ganz brav.“ Ich traue mich jetzt sogar zu ihm hin und fange an ihn vorsichtig zu streicheln. „Ich werde ihn mitnehmen.“

Liebes Tagebuch,
ich habe jetzt einen Hund. Er heißt „Choco“. Nein, den Namen hab ich ihm nicht gegeben, sondern sein ehemaliges jetzt totes Herrchen. Aber ich hab mir ja schon immer eine wandelnde Schokolade gewünscht. Also hab ich mit dem Namen kein Problem. Choco ist überhaupt das beste, was mir heute passiert ist. Mit dem Teamwechsel komme ich zwar ganz gut klar, aber meine Theorie, dass ich Marc so schneller vergessen kann, hat sich als falsch erwiesen. Genauer gesagt bin ich ihm heute unerträglich nah gekommen. Aber gegen die Erdanziehungskraft kann man halt nichts tun.
Choco hat meinen Wochenenddienst erfolgreich zu verhindern gewusst. So hab ich morgen frei. Ich glaub das erste was ich mache ist mir einen Hundeleine kaufen. Ich hatte ja eigentlich nie viel übrig für Tiere, aber ich glaube mein brauner Hund ist ein Mann, der treu bleibt. Also im Prinzip genau so einer, wie ich ihn brauche.

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15.03.2009 20:37
#11 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Die ganze Nacht träume ich eigentlich nichts. Aber gegen Morgen schleicht sich Marc Meier dann wieder in meinen Schlaf. Wir sind mitten auf einem Kornfeld. Der Himmel total blau und ich höre nichts außer Vogelgezwitscher und seine raschelnden Schritte. Denn er kommt auf mich zu. Nichts steht zwischen uns. Keine Gabi, kein Kind, nur ein paar Kornstängel. Als er vor mir steht, sehen wir uns eine Weile nur an. Dann küsst er mich. Es ist so wunderschön. Der Kuss wird leidenschaftlicher und schneller....und auch feuchter. Fast schon nass. Irgendwie ist viel zu viel Spucke im Spiel..So küsst er doch sonst nicht...Iiiihhh. Ich reiße die Augen auf und sehe nicht in Marcs Gesicht, sondern in das vom Hund. Der macht sich seinen Spaß daraus, mein Gesicht mit seiner rosa Zunge abzuschlabbern. Bäh...Muss das sein?
Ich setze mich auf und schiebe Choco beiseite. Er legt sich hin, rollt sich auf den Rücken und sieht mich erwartungsvoll an. Weil er so süß aussieht, fange ich an ihn zu kraulen. Er hat ganz schön zotteliges Fell, das auch relativ lang ist. O Gott ich hoffe der haart nicht so krass. Meine Mutter würde ausrasten. Aber so lieb wie der guckt muss sie ihn einfach mögen. Ich hoffe er ist nett zu ihr. Irgendeiner muss ja mit ihm Gassi gehen, wenn ich arbeite. Aber jetzt am Wochenende hab ich ja erstmal Zeit für ihn.

Nach dem Frühstück informiere ich mich erstmal über mein neues Haustier. Dem Internet zu Folge könnte Choco ein Otterhound sein. Von der Form, den Hängeohren und der Felllänge passt es. Nur die Farben sind etwas anders. Choco ist irgendwie viel dunkelbrauner als die Hunde bei Google. Aber ich hab auch eine Seite gefunden, wo steht, dass das Fell von Otterhounden alle Hundefarben haben kann. Also kann das doch sein. Außerdem steht da noch, dass diese Rasse selbstständig, klug und treu ist. Also was will man mehr?

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15.03.2009 22:23
#12 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Nachdem ich mich fertig gemacht habe, bin ich bereit für den ersten Spaziergang. Leider hab ich ja noch keine Hundeleine und so ganz frei möchte ich ihn noch nicht rum laufen lassen. Deshalb muss provisorisch die Bademantelschnur meines Vaters reichen.
Auf den Straßen ist es am Samstag morgen noch relativ leer. Ab und zu schon ein paar Jogger oder andere Hundebesitzer. Mit Leine ist es ja schon ein bisschen lästig. Der Hund hält echt an jedem Baum an und muss dagegen pinkeln. Ich muss dabei dann natürlich auch immer stehen bleiben.
Und wenn dann mal kein interessanter Baum kommt, fängt er an ziemlich stark zu ziehen. Choco ist echt kräftig. Deshalb hechte ich dann hinter her und muss teilweise fast anfangen zu rennen. Weil mir das irgendwann zu anstrengend ist, gehe ich im Park das Risiko ein und mache die Bademantelschnur ab. Vorher sage ich ihm noch, dass, wenn er brav ist und nicht weg rennt, er einen leckeren Knochen bekommt. Und es scheint zu wirken. Er läuft zwar schon ein bisschen weiter und schneller als ich, aber wenn ich ihn rufe kommt er immer wieder zu mir. Ich freue mich darüber, dass das so gut klappt und wandere fröhlich durch den Park. Ich unterhalte mich sogar mit einer anderen etwas älteren Hundebesitzerin, die mir erzählt, dass ihr Hund einmal im Monat für drei Tage verschwindet. Sie hat dann immer ein bisschen Angst um ihn, auch wenn er jedes mal zurück kommt. Ich hoffe mein Hund hat nicht irgendwo eine Affäre oder ist Mitglied im geheimen
Hunde-an-die-Macht Club oder so. Aber er soll auch seinen Freiraum haben.
Meine gute Laune hält sich noch länger, bis ich eine Person sehe, die allerdings eine Gefahr für meine Stimmung darstellt. Es ist Elke Fischer. Da kommt sie mit Nordic Walking Stöcken direkt auf mich zu. Schnell verstecke ich mich hinter einem Baum und hoffe, dass mich diese „Erfolgsautorin“ nicht gesehen hat. Ich hab nämlich immer noch Aggressionen auf sie.Und wenn die sich nicht in Acht nimmt, erschlage ich sie mit einem von ihren dämlichen Stöcken. Wie sie da lang stolziert. Die läuft so schnell, als wollte sie nicht, dass das Alter sie einholt. Innerlich steigert sich meine Wut. Aber ich werde mich zusammen reißen.
Choco, der sich brav neben mich gesetzt hat, scheint zu spüren, dass ich was gegen diese Frau hab. Und bevor ich was tun kann, springt er auf und rennt auf Marcs Mutter zu. Oh Nein. Verdammte Scheiße! „Choco! Komm sofort zurück!“ Mist jetzt hat Elke mich gesehen. Wär ich doch nur hinter dem Baum geblieben. Ich sehe zu wie mein Hund an ihr hoch springt. Sie schreit mit ihrer krächzenden Stimme auf. „Aaahh... Schaffen sie mir sofort dieses Vieh vom Hals!“
Wenn ichs mir recht überlege, sehe ich gar keinen Grund dazu, solange sie nicht wieder ins Krankenhaus muss und ich mit. Deshalb sehe ich mit einem kleinen Lachen zu, wie sich Frau Fischer versucht gegen meinen Hund zu wehren und mich dabei anschimpft.
„Sie Miststück, Sie...versuchen Sie schon wieder mich umzubringen, oder was? Nehmen sie jetzt sofort den Hund weg oder ich spieße ihn auf!“ Und tatsächlich beginnt sie mit ihren Stöcken auf Choco zu zielen. Ey, die ist doch nicht mehr ganz dicht. „Lassen Sie das, Sie alte Schlange! ...Choco, komm her!“ , rufe ich. Doch der lässt sich das nicht so einfach gefallen. Er beißt in einen von den Stöcken und fängt an zu ziehen. Ja, komm schon, zeigs ihr. Mein Hund wird immer wilder. Er springt nach links und nach rechts und schleudert Elke mit sich, die immer noch hartnäckig an ihrem Stock festhält. Dann schafft er es ihr den Stock zu entreißen. Und mit dem Stab im Maul, rennt er davon. Er kommt auch nicht zu mir, sondern rast wie der Wind über die Wiese und weg ist er.

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16.03.2009 15:52
#13 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

„Ganz toll. Jetzt haben sie ihn verjagt.“ sage ich sauer zu Frau Fischer.
„Pff...Den Stock werden sie mir ersetzen Kindchen, dass das klar ist! Und wenn nicht, dann klage ich Sie und ihr Mistvieh an, verstanden?“ , fängt sie an mir zu drohen. Aber damit macht sie mir keine Angst. Dieses altersparanoide Weib kann mich mal. Einfach so meinen Hund aufspießen wollen, die spinnt doch.
„Sie haben überhaupt keine Zeugen Frau Fischer. Und wissen Sie was? Ein blöder Stock mehr oder weniger macht auch keinen Unterschied. Damit können Sie dem Alter auch nicht entkommen!“
„Was glauben Sie eigentlich wer sie sind? Ich bin nicht alt! Und falls Sie es noch nicht wussten, Frau Dr. Haase, Sport hält jung.“ Uhh..da hab ich wohl einen wunden Punkt getroffen.
„Ja, äußerlich vielleicht. Aber innerlich werden Sie trotzdem immer älter....Haben sie sich denn schon damit abgefunden, dass man Sie in Zukunft auch Oma nennen wird? Oder Großmutter?“
Ha, jetzt hab ich sie. Eingebildete Pute.
„Was?“
„Jaaa, das hört sich alt an, oder?“
„Großmutter? Ich bezweifle, dass es jemals so weit kommen wird. Sie scheinen meinen Sohn wohl nicht sehr gut zu kennen. Sonst wüssten Sie, dass er so überhaupt nichts mit Kindern am Hut hat.“
Oh. Sie weiß es wohl noch gar nicht. Soll ich es ihr sagen? Vielleicht will Marc es ihr auch selbst beibringen. Aber ich kann nicht als Verliererin aus diesem Streit rausgehen. Außerdem hatte Marc ja Zeit genug.
„Uuups, Sie wissen es noch nicht? Dann werde ich ihnen jetzt mal die frohe Botschaft überbringen. Ihr Sohn, der mit Kindern so überhaupt nichts am Hut hat, wird Vater. Er hat seine Verlobte geschwängert. Das heißt, Sie werden Oma. Verstehen Sie?“ Sie schaut mich schockiert an. Das war vielleicht etwas fies ausgedrückt, ich weiß.
Plötzlich fängt Elke an zu lachen. Sie lacht so laut, dass ich automatisch einen Schritt zurück weiche. Ihr krächzendes Lachen erfüllt den ganzen Park. Ich stehe nur da und schaue sie verblüfft an. Dann hört sie langsam auf. „Hahaha, Kind....Sie sind so bedauernswert. Nur weil mein Sohn keinen Gefallen an Ihnen findet, müssen Sie hier nicht solche Lügen verbreiten. Machen Sie lieber Sport. Das wäre effektiver.“ Mit diesen Worten wendet sie sich ab und stolziert mit ihrem einen Stock davon.
Ich wette die wird zu Hause gleich ihren Sohn anrufen und ihm erzählen, was für eine gestörte Assistenzärztin er doch hat oder hatte. Da wird sie noch ihr blaues Wunder erleben. Er wird ihr doch hoffentlich die Wahrheit sagen, oder?

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16.03.2009 22:34
#14 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Ich mache mich auf den Heimweg. Dabei rufe ich den ganzen Weg nach Choco. Aber er kommt einfach nicht. Werde wohl mein Fahrrad nehmen müssen und ihn suchen fahren. Auch das noch. Dass so ein Hund einen so extrem in Bewegung hält, hätte ich nicht gedacht. Und Sorgen mach ich mir auch schon. Was ist, wenn er auf die Straße gerannt ist? Oder ein Hundefänger nimmt ihn mit. So wie bei Susi und Strolch. Oh nein, hätte ich ihn doch bloß an der Schnur gelassen. Aber eigentlich ist Marcs Mutter ja Schuld.
Ich komme etwas außer Puste zu Hause an. Als ich gerade die Tür aufschließen will, öffnet mein Vater diese für mich.
„Wo warst du?“, fragt er mich verwundert.
„Ich war spazieren. „
„Ohne den Hund?“
„Nein, mit Hund. Der ist aber wieder abgehauen.“, sage ich betrübt.
„Und wieso lungert er dann in der Küche herum und versucht die ganze Zeit an mein Frühstück heran zu kommen?“, fragt er. Doch anstatt ihm eine Antwort zu geben, stürme ich freudig ins Haus. Und tatsächlich. In der Küche hockt mein Hund und sieht mich hungrig an. Muss wohl sofort Futter kaufen gehen.

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17.03.2009 20:33
#15 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Das ganze Wochenende verbringe ich eigentlich damit, mich mit Choco zu beschäftigen. Ich kaufe diverse Dinge wie Hundeleine, Futter, Bürsten, einen Hundekorb etc. Ich hab sogar eine extra Hundezahnbürste gekauft. Ob die jemals zum Einsatz kommt ist allerdings fraglich. Choco ist echt ein ganz lieber. Ich hätte ihm sogar erlaubt, in meinem Bett zu schlafen, wenn er nicht alle fünf Minuten so ein Hundegrunzen von sich geben würde. Habe ihm deshalb den Schlafplatz unten im Flur eingerichtet. Das scheint ihm aber zu gefallen. Mein Vater kommt jetzt eigentlich auch ganz gut mit ihm klar, nur Jochen ist etwas stinkig, weil Choco sein Schokoladenmüsli gegessen und sein Star Wars Kissen mit in seinen Hundekorb genommen hat. Tja, so kanns gehen. Ich jedenfalls, hab mich seit längerer Zeit endlich mal wieder nicht so einsam gefühlt. Und habe nicht so oft an Marc gedacht. So ein Hund hat es echt in sich.



Am Montag Morgen erreiche ich total gut gelaunt die Klinik. Heute bin ich voller Energie, das spüre ich. Mir kann niemand was anhaben.
Auf dem Weg zur Umkleide treffe ich auf Schwester Sabine. Ich begrüße sie freundlich und sie grüßt zurück. Sie will gerade weiter gehen, als ihr anscheinend noch was einfällt.
„Ach Frau Doktor, Sie sollen bitte ins Büro vom Dr. Meier kommen.“
„Worum geht es denn, wissen Sie das?“, frage ich Sie. Ich kann mir nämlich nicht erklären, ich da soll.
„Nein, das hat er nicht gesagt.“ Mit diesen Worten wendet sich Sabine ab und geht.
Hä..was will der von mir? Hat er vergessen, dass ich nicht mehr in seinem Team bin? Oder er will mich bitten zurück zu kommen. Am besten gehe ich mich schnell umziehen und dann hab ich noch etwas Zeit. Bin heute ja früh dran.


Kurze Zeit später stehe ich vor seiner Bürotür. Ich will das jetzt schnell hinter mich bringen. Deshalb klopfe ich auch sofort an.
„Ja!“kommt es von innen.
Ich trete ein und da sitzt Marc an seinem Schreibtisch. Als er mich sieht, klappt er irgendwie sehr ruckartig ein Heft zu, steht auf und stellt sich mit verschränkten Armen vor mich. Dabei blickt er mich an, als hätte ich irgendein schweres Verbrechen begangen.
„Ist irgendwas?“, frage ich. Ich weiß ehrlich gesagt nicht wirklich warum er so sauer zu sein scheint.
„Hasenzahn, tu jetzt bloß nicht so unschuldig.“, sagt Marc kopfschüttelnd.
„Hä? Ich weiß überhaupt nicht was du von mir willst.“ Seine Blicke machen mich irgendwie wütend.
„Oh Bitte ja. Du weißt ganz genau wovon ich rede. Oder willst du mir etwa erzählen, du wärst meiner Mutter überhaupt nicht begegnet?“ Langsam geht mir ein Licht auf. Marc hat anscheinend ein Problem damit, dass ich seine Mutter über ihr Glück aufgeklärt habe.
„Ach darum geht’s also, ja? Du bist allen ernstes sauer, weil ich deiner Mutter erzählt habe, dass Gabi schwanger ist?“, frage ich wütend.
„Verdammt ja, was sollte das?! Du kannst der doch nicht einfach so über den Weg laufen und ihr Sachen erzählen, von denen du überhaupt keine Ahnung hast und die dich auch gar nichts angehen!“ Was hat der? Der schreit mich ja richtig an. Unverschämtheit. Das lasse ich mir nicht gefallen.
„Erstens bin ich ihr nicht einfach so über den Weg gelaufen, sondern sie hat versucht meinen Hund auf zu spießen, und zweitens, hab ich sehr wohl eine Ahnung davon! Marc das ganze Krankenhaus weiß von der Hochzeit und der Schwangerschaft!“
„Das gibt dir immer noch kein Recht ihr von meinen Privatangelegenheiten zu erzählen!! Scheiße, was hast du dir eigentlich dabei gedacht?“ Marc blickt mir böse in die Augen. Der Streit entfaltet sich immer mehr, denn ich hab keine Lust mich hier so anschreien zu lassen und schreie deshalb zurück.
„Marc, sie ist deine Mutter! Sie hat ein Recht darauf es zu erfahren.“
„Eben, sie ist meine Mutter! Was sie über mich erfährt, sollte immer noch ich entscheiden....Weißt du eigentlich wie die ausgerastet ist, als sie erfahren hat dass ich heiraten muss..äh will...und ein Kind bekomme? Du weißt doch wie altersparanoid sie ist!“
„Ach von deinen Heiratsplänen wusste sie auch nichts?.... Da ist es ja kein Wunder, wenn sie so ausrastet! Da musst du mir nicht vorwerfen, dass alles meine Schuld ist. Nein! Es ist nämlich verdammt noch mal dein eigener Fehler!“, werfe ich ihm entgegen. Er guckt aber so komisch. Bedarf das jetzt noch einer Erklärung, oder was?
„Marc, wenn man als Mutter..von einer Spaziergängerin, auf die man eh nicht gut zu sprechen ist, erfährt, dass der eigene Sohn bald heiratet und ein Kind kriegt,...dann, glaub mir, ist das Grund genug auszurasten. Und ich glaube es hat weniger damit zu tun, dass sie sich jetzt furchtbar alt fühlt, sondern eher weil ihr Sohn anscheinend kein Vertrauen zu ihr hat.“ So das muss er jetzt wohl verstanden haben.
„Ach, woher willst du das bitte wissen? Bist du etwa auch schon Mutter oder was?“ Okay, verstanden vielleicht, aber akzeptieren tut er es nicht. War ja auch nicht anders zu erwarten.
„Marc, dazu muss ich keine Mutter sein. Ich hab schon oft genug erlebt, dass das Vertrauen in einer Beziehung nicht so groß ist, wie man denkt.“, erkläre ich ernst. Er schaut mich nachdenkend an. Wahrscheinlich überlegt er, ob das unter anderem eine Anspielung auf die Beziehung zwischen uns, oder was auch immer das war, sein soll. Bei dem Gedanken daran, werde ich schon wieder etwas traurig.
Irgendwie stehen wir uns dann nur noch ruhig gegenüber. Er schaut zum Boden, ich gucke ihn an. Der Kampf ist aus, und eigentlich kann man mich ja als Gewinnerin bezeichnen. Aber so fühle ich mich nicht. Die Gefühle für Marc kommen schon wieder hoch und während ich ihn ansehe, merke ich, dass das mit seiner Mutter ihn glaube ich ganz schön fertig macht. Und anstatt triumphierend aus dem Raum zu gehen, fange ich an mich zu entschuldigen.
„Hey,“ ich gehe irgendwie automatisch einen Schritt auf ihn zu, „es tut mir Leid. Ich hätte es ihr vielleicht nicht so auf die Nase binden sollen. Aber ich wusste ja nicht, dass du ihr von allem noch nichts erzählt hattest.“ Marc blickt mich an. Seine Augen sehen traurig aus.
„Keine Sorge, deine Mutter kriegt sich bestimmt wieder ein.“, sage ich. Und ohne wirklich nachzudenken, lege ich meine Hand auf seinen linken Arm. Das ist einfach so ein Tröste-instinkt von mir.
Er steht weiter ruhig da und guckt meine Hand an. Dann hebt er seine rechte Hand und legt sie auf meine. Sein Daumen fängt an über meinen Handrücken zu streicheln. Es fühlt sich so schön und warm an. Wir sehen uns nicht an, aber trotzdem spüre ich eine unbeschreibliche Nähe zwischen uns.
Ich traue gar nicht mich zu bewegen, weil ich Angst habe, alles zu zerstören.
Aber zerstört wird dann alles trotzdem. Mein Pieper geht nämlich los. Das Piepen erscheint mit so laut, dass ich erschreckt einen Sprung rückwärts mache. Auch Marc wendet sich von mir ab.
„Äh..Ich muss gehen.“, sage ich schnell und verlasse den Raum.

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21.03.2009 13:38
#16 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Sämtliche Überlegungen über Marc und mich verdränge ich einfach nur. Ich konzentriere mich voll und ganz auf meine Arbeit. Ich tue mehr als nötig, übernehme sogar freiwillig Aktenkram, schiebe extra Schichten und unterhalte mich mit Patienten, was in einigen Fällen ziemlich langwierig ist. Man könnte meinen ich entwickle mich zu einer Psychologin. Ich höre mir ihre ganzen Probleme von vorne bis hinten an und schaffe es dabei nicht nach fünf Minuten aus dem Zimmer zu rennen. Immerhin muss ich dabei weniger an meine eigenen Probleme denken.
Außerdem nehme ich die Treppe statt den Fahrstuhl, gehe nur noch selten in die Cafeteria und freie Zeit verbringe ich häufig auf der Damentoilette. Alles Maßnahmen, um Marc so wenig wie möglich über den Weg zu laufen. Ich muss ihn nämlich endlich vergessen. Ich weiß gar nicht wie oft ich das schon gesagt habe, aber es ist mir ernst.
Zu Hause bin ich dann total erschöpft und schlafe meistens. Natürlich erst, wenn ich mit meinem Hund noch etwas Zeit verbracht habe. Das gute ist, dass mein Vater ihn jetzt immer mit zum Joggen nimmt. Er meint, dadurch läuft er um einiges besser. Wahrscheinlich versucht er, schneller als Choco zu sein, weil er sich sonst zu langsam und zu alt fühlt. Naja, Hauptsache der Hund hat genügend Auslauf.
Mit dieser Lebensweise bin ich eigentlich recht zufrieden. Okay sie ist etwas einseitig, aber ich schaffe es, ganze drei Wochen nichts mit Meier zu tun zu haben. Ich laufe ihm zwar ein paar mal über den Weg, aber dann tue ich einfach so, als hätte ich ihn nicht gesehen. Ich weiß nicht wirklich, wie er darauf reagiert, ich sehe ihn ja schließlich nicht an. Aber was ich so von Schwester Sabine höre, ist, dass er bei den Ops wieder rummotzt und schlechte Stimmung verbreitet. Das ist aber doch eigentlich nichts Neues, und ich bezweifle, dass es an mir liegt.
Jedoch muss ich sagen, dass ich ihn schon manchmal vermisse. Besonders Nachts. Wenn ich abends alleine im Bett liege und über den Tag nachdenke. Ich vermisse es mich mit ihm zu streiten, im Op vermisse ich seine Hände neben meinen, ich vermisse seine Witze, ich vermisse seine Dummen Kommentare und mir fehlen sogar seine Beleidigungen ein bisschen. Ich hab irgendwie gar nicht mehr die Möglichkeit zu zeigen, was für eine starke Frau ich bin, weil ich niemandem mehr Kontra geben kann. Tja, die Methode ist hart, aber effektiv, mehr oder weniger.

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21.03.2009 14:16
#17 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Als ich mit Dr. Rössel mal wieder einem Patienten das Leben rette, fängt er plötzlich an mich komisch anzusehen. Er schaut mich irgendwie prüfend an. Dann stellt er fest: „Du bist so ruhig in letzter Zeit.“
„Ach tatsächlich?“ kann ich dazu nur sagen. Ich bin doch genau wie immer, was hat der?
„Ja, irgendwie hab ich das Gefühl, dir macht das ganze keinen Spaß mehr. Sonst hattest du immer dieses begeisterte Funkeln in den Augen,“ sagt er.
„Natürlich macht mir das Spaß. Ich arbeite in letzter Zeit nur ziemlich viel.“ verteidige ich mich.
„Stimmt, ist mir auch aufgefallen. Du solltest dir mal wieder einen freien Tag nehmen.“
„Ich brauche keinen freien Tag. Will ich auch gar nicht.“ kann der mich nicht einfach meine Arbeit machen lassen.
„Dr. Haase, Sie werden schon wie ihr alter Chef. Den Meier meine ich. Der hat sich auch seit Wochen keinen Urlaubstag mehr gegönnt. Ich glaub der wohnt sogar schon fast in seinem Büro.“
Ich fass es nicht. Muss der jetzt genau über Marc reden. Woher weiß der das überhaupt?
„Ach das ist doch Quatsch. Was wissen Sie denn überhaupt von Meier?“ Ich werde irgendwie gerade etwas zickig, das gebe ich zu.
„Naja, ich hab letztens mal auf den Arbeitsplan geguckt. So um Vergleiche zu haben. Und dort ist mir das aufgefallen. Oberärzte tauschen sich außerdem aus. ..Workoholic nennt man so jemanden ja glaub ich heut zu tage. Und Sie zählen seit neuestem auch dazu.“
„Ich bin kein Worcoholic, Dr. Rössel.“ versuche ich ihn zu überzeugen.
„Gut, dann nehmen Sie sich doch morgen einen Tag frei.“
„Das werde ich nicht tun.“
„Dann sind Sie ein Workoholic.“
„Ganz bestimmt nicht.“
„Doch, ganz sicher.“
„Nein, ganz sicher nicht.“
„Doch.“
„Nein!“
„Scheiße, Kammerflimmern!“

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21.03.2009 15:05
#18 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Mist der Patient ist gestorben. Wir haben alles versucht. Er wär zwar so oder so in den nächsten Monaten von uns gegangen, aber er hätte immerhin noch etwas Zeit gehabt. Oh das Leben kann so schnell vorbei sein. Jetzt muss ich auch noch die Leiche in den Keller bringen. Ich hasse es da unten. Aber Dr. Rössel meint, ich soll auf dem Weg dorthin nochmal schön über das nachdenken, was er gesagt hat. Das ganze bereitet mir irgendwie sehr schlechte Laune. Entsprechend ruppig gehe ich dann auch mit dem Wagen um. Aus versehen stoße ich mit dem blöden Ding einige Male an die Wand. „Tut mir Leid,“ flüstere ich zu dem toten Körper.
Gut, die Tür steht offen, so ist es leichter für mich da durch zu kommen. Ich beschließe das ganze schnell hinter mich zu bringen und versuche den Wagen geschickt durch die Tür zu bekommen. Doch beim Anblick von Marc Meier, der an einer Wand lehnt, erschrecke ich mich so sehr, dass ich stolpere und das Teil voll gegen die Tür ramme, welche sich daraufhin löst und zuknallt.
Marc, der in Gedanken vertieft schien, schreckt hoch, starrt mich einen Moment an und fragt mich dann:
„Bist du total bescheuert?“
„Tschuldigung, wollt dich nicht stören.“ erwiedere ich zickig.
„Sag mal kannst du nicht lesen?“ er geht hektisch zur Tür. „Da stand doch ganz groß und deutlich, dass die Tür, wegen Reparaturen, offen bleiben soll!“ ruft er mir wütend entgegen. Was regt der sich so auf? Wird ja wohl keinem auffallen, dass sie kurz zugefallen ist.
„Mein Gott, dann machen wir sie eben wieder auf und keiner wird was merken.“, sage ich. Ich stelle die Leiche ab und will mich dann zur Tür begeben, merke aber dass er mich nur mit hochgezogenen Augenbrauen ansieht. Und dann verstehe ich warum er so sauer ist. Ich gucke die Tür an und sehe nur ein Loch, aber keine Klinke. Ne, oder? Das kann jetzt nicht wahr sein.
„Marc, du willst mich doch nicht verarschen, oder?“ frage ich ihn entsetzt.
„Schön wärs,“ sagt er nur.
Das glaub ich nicht. Die Tür lässt sich doch bestimmt auch so öffnen. Ich lasse nicht zu, dass ich hier mit etlichen Leichen und Marc Meier eingesperrt bin. Ich trete gegen die Tür und rüttel kräftig daran, in der Hoffnung, dass sie aufspringt. Dann sehe ich Marc an. Er blickt nur erwartungsvoll zurück. Aber so schnell gebe ich nicht auf. Wenn man nur kräftig genug daran zieht, muss das doch gehen. Davon stark überzeugt, stecke ich meinen Zeigefinger in das Loch und ziehe und ziehe. Aber die scheiß Tür bewegt sich nicht. Naja in einem Finger hat man auch nicht besonders viel Kraft. Ich will meinen Finger wieder raus ziehen, merke aber, dass das irgendwie nicht geht. Scheiße ich glaub ich stecke fest. Verdammte Kacke. Bitte nicht. Ich ziehe nochmal, diesmal kräftiger, aber mein Finger bewegt sich genau so wenig wie die Tür. Manno, wieso muss so was immer mir passieren.
Wütend trete ich noch mal gegen die Tür.

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21.03.2009 17:34
#19 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

„Komm lass das doch. Es hat keinen Sinn.“ sagt Marc.
Würde ich ja gern, aber leider kann ich nicht! Weil mein dicker Finger verdammt nochmal fest steckt. Marc darf das auf keinen Fall merken. Sonst macht er sich noch über mich lustig.
Ich drehe mich so gut ich kann um und tue so als wär nichts. „Tja, das hast du ja mal wieder super hinbekommen.“ Das ist meine neue Taktik: Ablenkung und die Schuld auf ihn schieben. Dann wird er nichts merken.
„Bitte? Wer hat denn die Tür zu fallen lassen?“
„Marc, das wär nicht passiert, wenn du mich so erschreckt hättest.“
„Hä, ich hab doch überhaupt nichts gemacht. Ich stand nur hier.“ erklärt er irritiert.
„Eben. Man steht nicht einfach so in einem Raum mit lauter Leichen.“
„Was soll das denn heißen? “
„Ach, ist doch auch egal, überleg dir lieber wie wir hier raus kommen.“ Mist, falsche Antwort. Jetzt will er bestimmt an die Tür.
„Dann geh mal weg da.“ Scheiße, wusst ich es doch. Unauffällig ziehe ich hinter meinem Rücken nochmal an meinem Finger, aber der will einfach nicht raus.
„Es gibt doch bestimmt noch einen anderen Ausgang, oder?“ frage ich ihn.
„Und wie soll der aussehen? Lass mich da jetzt mal ran.“ Er kommt auf mich zu und will mich zur Seite schieben. Dabei verdreht sich mein Finger auf schmerzhafte Weise.
„Aua!“schreie ich. Er lässt mich erschrocken los und sieht mich fragend an.
„Ja was guckst du so? Ich stecke fest, okay? Und jetzt ist mein Finger bestimmt auch noch angebrochen.“ Jetzt ist es raus. Beschämt gucke ich zu Boden. Dann drehe ich mich um und versuche mit der anderen Hand meinen Finger zu befreien.
Hinter mir höre ich wie Marc anfängt zu lachen und sagt: „Hast wohl ein bisschen viel zum Mittag gegessen, was?“ Er ist so ein Arsch. Echt. Außerdem hab ich heute so gut wie gar nichts gegessen.
„Da gibt’s nichts zu lachen! Hilf mir lieber hier raus, langsam fängts an weh zu tun.“ zicke ich ihn an. Das scheint zu helfen. Er wird ruhig und stellt sich hinter mich. Mit beiden Händen umfasst er meine feststeckende Hand. Mir wird ganz anders, jetzt, wo er mich mit seinen Armen umfangen hält. Jegliche Wut weicht von mir und ich spüre wie mein Körper sich entspannt. Für einen Moment denke ich weder an den Finger noch an sonst was, sondern genieße nur seine Nähe.
Als ich dann wieder zur Wirklichkeit zurück finde, bin ich total erstaunt, dass mein Finger nicht mehr in dem Loch steckt. „Warst wohl nur etwas verspannt.“, sagt Marc, der immer noch meine Hand hält und den Finger abtastet, als wolle er prüfen ob er gebrochen ist oder so.
„Danke,“ mehr kriege ich nicht raus. Ich reiße meine Hand weg von seiner und gehe ein paar Schritte weg. Das darf nicht sein. Ich nicht wieder anfangen ihn zu mögen. Außerdem ist er praktisch Schuld daran, dass wir hier drin sein müssen. Ich lehne mich an die gegenüber liegende Wand und sehe zu wie Marc versucht die Tür zu öffnen. Aber auch er ist nicht erfolgreich.

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22.03.2009 13:49
#20 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

„Tja, sieht wohl so aus, als müssten wir warten, bis uns hier jemand rausholt,“ sagt Marc.
„Hier bleib ich ganz bestimmt nicht drin. Ich werde jemanden anpiepen.“ sage ich und hole meinen Pieper aus meinem Kittel. Mist, kein Empfang. Ich gehe mit ihm an sämtliche Stellen im Raum, aber nichts. Mir ist bewusst, dass Marc mir amüsiert zusieht, aber das ist mir auch egal. Ich halte den Pieper in die Luft, springe sogar mit ihm hoch, aber auch da hat er kein Signal. „Scheiß Teil!“ fluche ich.
„Wir sind hier im Keller, Hasenzahn, da funktioniert der ganz bestimmt nicht.“
„Ja, das hab ich ja jetzt auch gemerkt.“
Ich lehne mich wieder an eine Wand und hoffe das gleich jemand kommt. Mister Neunmal-klug steht an der gegenüber liegenden Wand und guckt zu Boden. Irgendwie sieht er ziemlich müde aus. Und so wirklich glücklich scheint er auch nicht. Aber das geht mich ja nichts an.
Es ist ganz schön kalt hier. Hoffentlich erkälte ich mich nicht. Darauf hätte ich überhaupt keinen Bock. Bitte, lass jemanden kommen, lieber Gott.
„Weißt du wie spät es ist?“, unterbreche ich das Schweigen.
„Nein.“ Mann ist der wiedermal gesprächig.
„Hoffentlich findet uns jemand bevor es dunkel wird.“
„Wieso? Hast du Angst, dass dann die Leichen aufwachen?“ Marc fängt an zu grinsen. Aber bei dem Gedanken an die ganzen Toten, die hier rumliegen, bekomme ich schon etwas Gänsehaut.
„Haha. Ich bin nur nicht besonders scharf darauf hier zu übernachten. Außerdem ist es Arsch kalt hier.“ Ich ziehe meinen Kittel fester um mich.
„Hier drüben ist es wärmer.“
„Wieso sollte es da wärmer sein? Etwa wegen dir? So heiß, wie du denkst, bist du nun auch wieder nicht.“ Wie kann man nur so eingebildet sein, wie mein Oberarzt?
„Falls es dir nicht aufgefallen ist, aber du stehst direkt an den Kühlschränken. Das hier drüben ist nur eine ganz normale Wand.“, belehrt Marc mich. Oh, stimmt. Peinliche Sache. Widerwillig gehe ich zu ihm rüber und stelle mich mit einem gut gewählten Sicherheitsabstand neben ihn hin. Nach kurzer Zeit bin ich das stehen Leid und ich setze mich auf den Boden. Es ist so gruselig ruhig hier. Kann er nicht irgendwas sagen, von mir aus auch irgendwas fieses? Ich könnte auch ein Gespräch anfangen, aber über was? Während ich da sitze und darüber nachdenke, über was ich mich mit ihm unterhalten kann, gibt es plötzlich einen Knall und das Licht geht aus. Ich schreie auf und springe auf die Beine. Dann knallt es noch mal. Ich bekomme so eine Panik, dass ich automatisch an Marcs Seite rutsche und mich an seinen Arm klammere. „Was war das?“ frage ich mit zitternder Stimme. Ich spüre seine Hand auf meiner Schulter.
„Die Lampe ist glaub ich durchgebrannt.“ O Gott, bitte ich brauche Licht. Aber die Dunkelheit bleibt. Plötzlich ertönt ein sehr seltsames Geräusch. So ein Tok Tok Tok. Angst steigt in mir hoch.
Es ist so verdammt gruselig.
„Und was war das? Hast du das auch gehört?“ Meine Stimme klingt total weinerlich und ich komme mir vor wie ein kleines Kind, das Angst vor irgendwelchen Monstern hat.
„Ja ich habs auch gehört...Da ist es wieder!..Ich glaube es kommt von den Kühltruhen.“ Als er das sagt, geht er langsam ein paar Schritte nach vorne. Der will da doch nicht etwa hingehen? Ich halte ihn zurück.
„Marc..was hast du vor?“ Ich umklammere mittlerweile seinen Körper und er hat seinen Arm um mich gelegt, wodurch ich mich zwar etwas sicherer fühle, aber dennoch ziemlich panisch bin.
„Ich will nur gucken, woher das Geräusch kommt.“ Sag mal, hat der überhaupt keine Angst? Wieso müssen Männer immer so abenteuerlustig sein? Aber weil er sich nicht stoppen lässt, muss ich mit. Ich will nämlich auf keinen Fall alleine hier stehen bleiben.
In der Dunkelheit erkenne ich nicht viel, nur ein paar Umrisse. Wir nähern uns den Metall-Kühlschränken. Ich merke wie es immer kälter wird. Dann stehen wir direkt davor. Tok Tok Tok.
„Es kommt von da drinnen,“ stelle ich mit Erschrecken fest. Für einen Moment stehen wir nur da und lauschen.
„Ach, ist bestimmt nur die Kühlmaschine.“sagt er locker.
„Meinst du?“, frage ich unsicher.
„Naja, es kann natürlich auch sein, dass einer von den Toten gar nicht tot ist und von innen dagegen klopft. Aber das ist eher unwahrscheinlich.“
Wie kann Marc darüber nur Witze machen? Er zieht mich zurück zur anderen Seite des Raumes.

Das Token taucht zum Glück nicht mehr auf und eigentlich könnte ich mich jetzt aus Marcs Armen lösen, aber irgendwie will ich das gar nicht. Es ist gerade so schön. Er macht auch keine Anstalten irgendwas zu ändern. Sein Arm liegt immer noch schützend um mir.Wir setzen uns eng aneinander auf den Boden und lehnen uns gegen die Wand. Eigentlich bin ich jetzt ganz froh, dass das Licht aus ist, sonst wär das hier glaube ich gar nicht möglich. Wenn es dunkel ist scheint alles gar nicht so wirklich und die Dinge, die uns Trennen scheinen nicht zu existieren.
Ich drehe meinen Kopf zu ihm, um zu sehen was er denkt, aber es ist zu dunkel, um etwas zu erkennen. In der Dunkelheit kann man nichts sehen, man kann nur spüren und fühlen. Auf meinem Gesicht spüre ich seinen ruhigen Atem. Das heißt auch er schaut mich an. Und das nächste, was ich spüre sind seine Lippen auf meinen. Unwillkürlich schließe ich die Augen und lasse zu, dass er mich küsst. Er zieht mein Gesicht näher zu sich und ich kann nicht anders als den Kuss zu erwidern. Und bevor ich auch nur einen vernünftigen Gedanken denke, habe ich mich auch schon in ihm verloren.

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23.03.2009 22:48
#21 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Marc und ich küssen uns für sehr lange Zeit. So kommt es mir jedenfalls vor. Während dieser Zeit befinde mich in einer vollkommen anderen Welt. In einer Welt, in der es nur ihn und mich gibt. Eine Welt, die verdammt schön ist und die ich am liebsten nie mehr verlassen will. Marc würde unser Vorgehen in dieser Welt gerne noch etwas erweitern. Ab und zu schiebt er seine Hand unter mein T-Shirt, die ich dann aber immer ganz unauffällig wieder da wegnehme. Denn für Sex in der Leichenhalle bin ich definitiv nicht zu haben. Sorry, aber das geht zu weit.
Nach einiger Zeit nehme ich im Entferntesten Stimmen wahr, reagiere aber nicht darauf. Auch Marc hört nicht auf mich zu küssen. Der kriegt wahrscheinlich im Moment eh nichts mit. Doch als die Tür plötzlich mit einem Knall auffliegt, springen wir beide hektisch auseinander, wie bei frischer Tat ertappt. Ich blinzle ins Licht, das durch die geöffnete Tür kommt und erkenne Dr. Rössel und Schwester Sabine. Schnell wische ich mir über den Mund, um alle Spuren zu entfernen. Scheiße die haben doch nicht etwa was gemerkt oder? Ach bestimmt nicht. Um sicher zu gehen, dass die nicht anfangen was falsches zu denken oder gar das richtige, springe ich schnell auf und fange an auf sie ein zu reden.
„Ah..Gott sei Dank! Endlich findet uns hier jemand. Die Tür ist zu gefallen und wir konnten sie nicht mehr öffnen und dann waren wir hier eingesperrt und dann ist auch noch das Licht ausgegangen und es ist so schrecklich kalt hier drinnen und...bin ich froh, dass sie hier sind.“ Sabine und Dr. Rössel schauen nur irritiert zwischen Marc und mir hin und her. Marc ist inzwischen auch aufgestanden und steht etwas seltsam da. Dann bekommt er anscheinend sein Bewusstsein wieder und sagt: „Ja endlich. Es war kaum auszuhalten hier drin. Bei Dr. Haase frag ich mich echt manchmal wo die ihre Augen hat. Da gehört nämlich schon einiges dazu dieses Schild an der Tür zu übersehen.“ Mit diesen sehr ernst klingenden Worten verlässt er den Raum und lässt mich hier einfach so vor unseren beiden Rettern alleine stehen. Das ist doch echt nicht zu fassen. Dieser Typ wird von einem Moment zum anderen zum absoluten Arschloch.
„Wissen Sie was Dr. Rössel? Ich glaube Sie haben Recht. Ich sollte mir morgen wirklich einen Tag frei nehmen.“ sage ich zu meinem neuen Oberarzt und verlasse ebenfalls flüchtig den Raum.

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25.03.2009 22:47
#22 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Liebes Tagebuch,

ich bin so blöd. Ich bin so unglaublich blöd, bescheuert, doof, hirnlos etc. Besser gesagt ich war so.
Jetzt bin ich es ja nicht mehr, denn ich habe mein Hirn wieder. Deshalb kann ich ja auch beurteilen, dass ich ungeheuerlich dumm war. Habe nämlich Marc geküsst. Eigentlich hat er mich geküsst, aber anstatt irgendetwas dagegen zu tun habe ich den Kuss erwidert. Ich hätte ihm eine runter hauen sollen. Gut, es war dunkel und ich hätte wahrscheinlich daneben geschlagen, aber trotzdem.
Wieso falle ich nur immer wieder auf ihn rein? Er verarscht mich, aber es hat sich so gut an gefühlt. So richtig. Und ich weiß auch wieso. Weil ich ihn liebe. Ich liebe Marc wie am ersten Tag. Aber er liebt mich nicht. Er benutzt mich nur immer wieder als elendes Spielzeug. Als Kusspuppe oder was weiß ich. Kriegt mich dazu, indem er für kurze Zeit total lieb ist. Aber im Nachhinein zeigt er immer sein wahres Gesicht. Und das wird sich wohl nie ändern. Er ist und bleibt ein Arsch.

Die Zeit heilt ja bekanntlich alle Wunden. Aber durch solche Momente werden sie immer wieder aufgerissen. Mit der Zeit werde ich ihn also nicht vergessen können. Abgesehen davon, dass ich eh keine Zeit habe. Ich bin immerhin fast 30. Das heißt ich brauche die zweite Variante: Einen neuen Mann, eine neue Liebe. Mit Marc abschließen und einen neuen finden. Das wäre der richtige Weg. Die Frage ist nur: Wo finde ich so schnell eine neue Liebe?

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29.03.2009 21:01
#23 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Am nächsten Morgen springe ich hektisch aus dem Bett. Erst als ich schon auf halbem Weg ins Bad bin, fällt mir ein, dass ich ja heute frei habe. So ein Mist. Ich bin gerade so in Arbeitsstimmung. Andererseits muss ich jetzt mal wieder entspannen und kann noch mal schlafen gehen. Das sollte mich doch begeistern. Etwas verkrampft lege ich mich also wieder ins Bett. Schlaf, Gretchen, schlaf....okay vergessen wir´s, es hat keinen Sinn. Meine innere Uhr will, dass ich jetzt aufstehe. Werde den Tag halt einfach sinnvoll nutzen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück, beschließe ich, mit dem Hund zum Supermarkt zu gehen. Erstens ist der Kühlschrank praktisch leer, zweitens brauche ich dringend frische Luft und drittens habe ich mich an meine neue Mission erinnert, einen neuen Mann kennen zu lernen. Und da dacht ich mir, dass ich damit doch gleich mal anfangen werde. Viele Paare lernen sich doch im Supermarkt kennen.

Im Supermarkt stelle ich fest, dass es praktisch wäre eine gut überlegte Liste zu haben, die mir genau sagt, was ich brauche und was nicht. Denn mein Einkaufswagen ist jetzt schon halb voll, obwohl ich gerade mal die Kühlabteilung hinter mir habe. Aber irgendwie brauche ich das hier alles. Ich meine das ist doch doof. Wenn ich nur den Schokoladenpudding kaufen würde, besteht die Gefahr, dass ich morgen aber Lust auf Vanillepudding habe. Und dann würde ich mich darüber ärgern, dass ich nur Schokopudding habe. Und ärgern will ich mich nicht mehr. Hab mich in der letzten Zeit genug geärgert. Deshalb muss ich beides kaufen. So geht das bei sämtlichen Produkten.
Und jetzt ärger ich mich doch, weil mein Wagen schon so voll ist und ich doch noch so viel brauche. Mann das ist ein ewiger Teufelskreis. Aber ich sage mir einfach, dass ich ja für drei Personen und einen Hund einkaufen muss. Also wenn ich noch einen zweiten Wagen brauche, ist das durchaus berechtigt.

Einen guten Mann habe ich bis jetzt noch nicht gefunden. Aber da entdecke ich ganz hinten in der Ecke einen, der mir gefallen könnte. Groß, gut aussehend –zumindest von hinten, und garantiert kein Arzt. Das erkenne ich an seiner entspannten Haltung. Er rennt auch nicht hektisch durch den Laden, so wie es die meisten Leute machen, die Arzt sind. Ärzte sind nämlich generell gestresst. Außer ich natürlich. Ich hab ja auch heute frei. Aber der Typ da hinten, betrachtet schon seit längerer Zeit eine Sache. Er lässt sich also Zeit.
Ich schiebe meinen Wagen in seine Richtung, um ihn mir mal aus der Nähe anzusehen. Ganz unauffällig gehe ich an ihm vorbei und bleibe ein paar Meter entfernt stehen. Mal sehen was er gerade so sorgfältig auswählt....Oh Gott. Nagellack? Erst jetzt fällt mir auf, dass ich hier in der Kosmetik Abteilung bin. Verdammt. Entweder Freundin oder schwul. Wobei mir das zweite wahrscheinlicher erscheint. Aber beides bedeutet wohl, dass ich den vergessen kann. Etwas enttäuscht fahre ich mit meinem Einkauf fort.

Miss Blond Offline

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29.03.2009 22:02
#24 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

20 Minuten später irre ich immer noch in diesen Supermarkt rum, der größer ist, als ich dachte. Mein Korb ist jetzt mehr als voll, aber was mir immer noch fehlt ist ein Typ. Wieso gibt es hier keine anständigen Männer? Hab schon mehrere ins Visier genommen, aber alle haben sich als Enttäuschung entpuppt. Einer hat tausend Katzenfutterdosen gekauft, woraus ich schloss, dass er entweder so was wie ne Katzenoma ist oder das Zeug selber futtert. Ein anderer hat nur Biozeug, Vollkornprodukte und verschiedene Körner und Samen gekauft. So ein Gesundheitsfreak, der mir die ganze Zeit was von gesunder Ernährung erzählt, brauche ich nun wirklich nicht. Nur Verrückte kaufen hier ein. Das kann doch eigentlich nicht sein. Betrübt mache ich mich auf den Weg zur Kasse. Doch da sehe ich hinten noch einen Typen in der Alkoholabteilung. Okay, ich gebe den Männern noch eine letzte Chance. Alkohol bedeutet nicht unbedingt etwas schlechtes. So ändere ich meinen Weg und nähere mich ihm mit meinem überfüllten Wagen. Er hat eine Kaputze auf, deshalb kann ich seinen Kopf nicht sehen, aber er hat Sportsachen an. Wahrscheinlich war er gerade joggen. Sportlich ist doch gut, solange man mich nicht dazu zwingt. Aber Alkohol nach Sport? Naja, ich muss optimistisch sein.
Wie auch bei den anderen Männern laufe ich unauffällig an ihm vorbei. Doch diesmal habe ich dabei ein ganz seltsames Gefühl. Irgendwie scheint er mich magisch anzuziehen..es ist fast wie bei...Oh Gott. Scheiße, das ist Marc! Noch hat er mich nicht gesehen. Schnell weg! Ich nehme meine ganze Kraft zusammen und renne mit meinem krass schweren Einkaufswagen den Gang entlang. Ich muss nur um die nächste Ecke, dann bin ich in Sicherheit. Mit viel zu viel Schwung nehme ich jedoch die Kurve, kann den Wagen nicht mehr rechtzeitig stoppen, weil er einfach zu schwer ist, und fahre ihn mit voller Geschwindigkeit gegen eine Konservenbüchsen-pyramide, welch daraufhin auch sofort mit ohrenbetäubendem Lärm in sich zusammen fällt und alle Dosen in verschiedene Richtungen rollen. Scheiße, jetzt starren mich alle an. Auch Marc hat das ganze wohl nicht überhört und kommt um die Ecke. Als er mich sieht, wie ich mitten in den verteilten Dosen stehe, fängt er an zu grinsen.Verdammt ist das peinlich. Und..oh Gott da kommt auch schon eine Angestellte auf mich zu. Jetzt gibt’s wahrscheinlich auch noch großen Ärger.

Miss Blond Offline

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29.03.2009 23:32
#25 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

„Sind Sie hierfür verantwortlich?“ fragt mich die Supermarktfrau in einem ziemlich verärgertem Ton.
„Ja und hören Sie, es tut mir wirklich unglaublich Leid. Ich hab das nicht mit Absicht gemacht, müssen Sie wissen.“ Ich entschuldige mich wirklich aus tiefstem Herzen, aber diese Frau scheint mir gar nicht zu zuhören. Stattdessen hebt sie zwei von den Büchsen auf und hält sie mir vor die Nase. „Wie Sie sehen können wurde die Ware stark beschädigt.“ sie deutet auf ein Paar winzige Dellen. „Sie müssen selbstverständlich für den Schaden aufkommen.“ Ihr ironisch höflicher Ton macht mich etwas wütend.
„Wie meinen Sie das?“, frage ich.
„Naja, Sie haben Glück. Die Erbsen sind im Sonderangebot. Jede Dose kostet nur 50 ct.“ Sag mal will die mich veraschen?
„Sie meinen ich muss die ganzen Dosen kaufen?“
„Nur die beschädigten.“, belehrt Sie mich. Im Hintergrund höre ich wie Marc anfängt zu lachen. Darauf werde ich jetzt aber nicht ein eingehen. Ich hebe wütend ein paar Dosen auf und betrachte sie. Scheiße, die haben ja alle Dellen bekommen. Das kann doch nicht sein. Was ist das fürn billiger Kram?
„Das ist jetzt nicht ihr Ernst. Die wären doch so oder so irgendwann umgefallen. Ich wette sie haben den Turm sogar so aufgebaut, damit irgendeiner dagegen fährt. Das haben sie alles geplant, geben sie es zu!“ Ich meckere die Frau an. Das ist doch echt unerhört.
„Ich werde ihnen ein paar Kartons holen.“ Mit diesen Worten lässt sie mich da einfach stehen. Langsam fange ich an vor Wut zu kochen. Was soll ich denn mit diesen ganzen scheiß Erbsen? Marc steht immer noch hinter mir. Wütend drehe ich mich um. „Und du hör auf zu lachen, du Blödmann! Für diesen Mist muss ich jetzt mindestens fünfzig Euro hinlegen!“

„Fünfundsechzig fünfzig für die Erbsen und Achtundneunzig, fünfundzwanzig für den Rest macht dann Hundertdreiundsechzig Euro und fünfundsiebzig Cent bitte.“ Die Frau an der Kasse lächelt mich an. Oh Gott, mein Vater wird mich umbringen. Er hat mir extra seine Karte für den Einkauf gegeben. Mit einem gequälten Lächeln fange ich an in meiner Tasche nach meinem Portmonee
zu suchen. Scheiße wo ist das Teil? Ne, sag bloß ich hab das jetzt zu Hause liegen lassen mit samt Papas Karte? Das gibt’s doch nicht. Was mach ich bloß? Hinter mir hat sich schon eine Schlange gebildet. Alle schauen mich erwartungsvoll an. Ich will gerade sagen, dass ich kein Geld habe, als Marc plötzlich neben mir der Verkäuferin seine Karte gibt und sagt: „Ich übernehm das.“
Ein Wort bekomme ich nicht raus, das ist einfach alles soo peinlich. Aber mein Blick sieht bestimmt sehr dankend aus. Wieso komme ich nur immer in solche dummen Situationen? Wieso?

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