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Dieses Thema hat 172 Antworten
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 Abgeschlossene Fortsetzungen!
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Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

07.01.2010 19:32
#151 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Marcs Wohnung ist eigentlich relativ schön. Also man kennt ja Männerwohnungen, die sind oft grau und lieblos eingerichtet und zwar nur mit dem Nötigsten, aber bei Marc hängen sogar ein paar Bilder an der Wand. Da sind zwar undefinierbare Gebilde drauf, aber immerhin scheint er eventuell ein verstecktes Kunstgen zu haben.
„Äh, die Bilder hingen hier schon als ich eingezogen bin. Hab die Wohnung möbliert gekauft, weil ich für sowas einfach keine Zeit habe.“ klärt Marc mich auf, als er sieht wie ich die Bilder betrachte. Nun gut, doch kein Kunstgen. Naja ein klitzekleines vielleicht, sonst hätte er die Bilder ja abgehängt. Das ist gut, weil im Gegensatz zu ihm habe ich nicht mal ein winziges. Also was Kunst auf Bildern und so betrifft. Es sei denn man zählt Pferdeposter zur Kunst. Handwerklich bin ich ja schon begabt. Bin schließlich Chirurgin. Also fast.
„Was willst du trinken?“ ruft er mir aus der Küche zu. Gute Frage. Ich sollte auf jeden Fall nichts mit Alkohol trinken. Der bewirkt nämlich des öfteren, dass ich meine Prinzipien über Bord werfe. Und die habe ich heute noch einzuhalten. Erziehungsprozess von Marc ist ja noch nicht vollendet.
„Hast du Cola?“
„Klar. Willst du eine?“
„Ne, ich glaub ich nehme Wasser.“
„Keine Sorge, es ist Cola Light.“ Omg. Er kann Gedanken lesen. „Machs dir doch schon mal bequem. Im Schlafzimmer.“ Wie er dieses Wort betont. Schlafzimmer. Aber mich kriegt er nicht rum.
Nachdem ich meine Schuhe ausgezogen habe, gehe ich in sein Schlafzimmer und platziere mich auf seinem Bett. Er hat es frisch bezogen. Eindeutig. Und ein Blick unter das Bett erklärt auch, warum es hier so ordentlich aussieht. Wow, er macht sich richtig Mühe. Also hat er es geplant, dass ich noch mit hier her komme.
„Soll ich die DVD schonmal einlegen?!“ rufe ich ihm zu.
„Nein! Bloß nicht! Du rührst da nichts an, was mit T anfängt und mir Echnik aufhört, verstanden?!“
„Jaja. Schon gut!“
Hmm, was er wohl in seinem Nachttisch hat? Aber ich will seine Privatsphäre ja nicht stören. Vielleicht erlaubt ers mir ja...“Marc? Soll ich mich wie zu Hause fühlen?“
„Ich bitte drum. Solange du keine Kuscheltiere auf meinem Bett platzierst.“
Ha, er hat es mir erlaubt. Wenn man zu Hause ist, darf man ja öffnen was man will. Langsam öffne ich die Schublade. Doch was ich sehe lässt mich sie schnell wieder schließen. Er hat es eindeutig vor. Die ganze Schublade ist voller Dings...auch genannt Kondomen. Okay Gretchen, das hat gar nichts zu bedeuten. Er ist halt einfach nur ein Mann, der nie weiß was kommt. Und wenn was kommt, dann muss Man(n) vorbereitet sein. Marc ist nämlich verantwortungsvoll. Aber ich werde garantiert nicht das sein, was kommt klar? Obwohl er so anziehend ist, und das am meisten wenn er ausgezogen ist....Seine Arme sahen beim Kochen heute ja muskulöser aus als sonst. Jetzt wo ich so daran denke,...er hat bestimmt viel trainiert...Oben ohne vielleicht. Und danach hat er bestimmt sein Auto gewaschen. Dabei klebte sein T-shirt nass an seiner Brust. Und gleich kommt er in diesen Raum. Er hat das Shirt ausgezogen und geht auf mich zu und drückt mich aufs Bett und beugt sich über mich und küsst mich, lässt mich all die Regeln vergessen...
„Hey, woran denkst du?“ klingt plötzlich Marcs stimme in meinem Ohr. Er steht mit dem Essen neben mir. Natürlich noch angezogen.
„Was?! Äh..nichts, Ich denke an gar nichts. Nur daran, dass ähh...dass ich ganz schön Hunger habe. Man, musst du mich so erschrecken?“ Ich spüre wie ich etwas rot anlaufe. Scheiße, die einzige die hier Gedanken an das eine hat, bin ich selber. Ich muss mich zusammenreißen. Ich schaffe das.
Während Marc die DVD einlegt, fragt er mich, ob ich es auch schön bequem habe. „Und du willst sicher keine Jogginghose von mir?“
„Nein, ich hab nicht vor hier zu übernachten.“
„Ach nein? Und wie willst du nach Hause kommen? Die BVG in meiner Näher fährt leider nur bis elf Uhr. Hach so ein Mist ne? Taxi Meier hat leider auch schon zu.“
„Na und, dann ruf ich mir halt selbst ein Taxi. Übernachtungen sind nicht normal für erste Dates.“
Jetzt will er auch noch, dass ich hier übernachte. Ich wette die Bahn fährt wohl noch. Das ist Berlin, da fährt die immer. Er sagt das extra, um mich hier zu behalten. Er hat einen hinterhältigen Plan ausgeheckt. Alles deutet darauf hin. Oder bin ich einfach nur paranoid? Bilde ich mir das nur ein, weil ich es mir insgeheim wünsche? Nein, sicherlich nicht.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

10.01.2010 23:48
#152 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Marc hat die Pizzen auf Teller gelegt, in Stücke geschnitten und er hat sogar eine Schüssel Popkorn gemacht, die jetzt zwischen uns steht und somit einen kleinen Sicherheitsabstand schafft, der mir ganz gelegen kommt, weil ich so meine hochkommenden unterbewussten Wünsche in den Griff kriegen kann. Ich bin echt schockiert über mich selbst. Meine Gedanken, die ich vorhin hatte und die Tatsache, dass ich immer wenn ich zu Marc rüber schaue, ihn nackt sehe, obwohl er was an hat, das passt einfach nicht zu meinem Image. Naja, das ist jetzt wahrscheinlich auch nicht der richtige Zeitpunkt, über mein Image nachzudenken. Der Film fängt jetzt nämlich an. Also darauf werde ich mich jetzt konzentrieren. Und auf mein Essen. Und auf meine Cola. Aber nicht auf Marc.
Als im Film aber die erste Szene zu sehen ist, drückt Marc plötzlich die Pause-taste.
„Was ist denn jetzt?“ frage ich.
„Nichts.“ Er hebt sein Glas. „Wir müssen nur noch anstoßen bevor es losgeht. Also...Auf..“
„Ja? Auf was?“ Ich hebe ebenfalls mein Glas.
„Ich dachte du sagst was.“ Aha jetzt macht er nen Rückzieher oder was?
„Ne mach du. Du hast ja damit angefangen.“
„Na gut..Also auf....Spiderman!“ Er stößt sein Glas gegen meins.
„Ne oder?“ Ich lasse mein Glas sinken.
„Wieso nicht?“
„Weil das total sinnlos ist.“
„Wieso? Er retten Menschenleben? So gesehen haben wir viel gemeinsam mit ihm.“
„Trotzdem. Das ist nur ein Film.“
„Na gut. Dann eben...Auf...das Essen?“
„Das ist ja noch bescheuerter. Das ist nur ne Pizza, die zwar echt lecker ist, aber trotzdem.“
„Okay, dann sag halt du was besseres.“
„Na gut. Jetzt hör gut zu...Auf unser erstes richtiges Date!“ Ich strahle ihn an.
Marcs Begeisterung bleibt aus.
„So was wollte ich ja eigentlich auch sagen, weißt du? Aber ich kann dieses Wort nicht leiden.“ erklärt er mir.
„Welches Wort? Date? Wieso nicht?“
„Das klingt einfach so...kitschig.“
„Also bitte ja. Rendezvous klingt kitschig, aber Date...du hast echt Probleme.“
„Okay, jetzt hab ich mal wieder Probleme. Aber zum Trost, werd ich jetzt einen noch besseren Prost aussprechen.“ Er sieht mir in die Augen und räuspert sich. Er hebt sein Glas wieder.
„Gretchen...darauf, dass wir beide nicht kochen können und dass es mir trotzdem...wirklich..viel Spaß mit dir gemacht hat zu versuchen es zu lernen...und dass ich irgendwie sehr froh darüber bin, dass wir nur ekelhaftes Zeug gekocht haben,...weil du sonst jetzt nicht hier neben mir sitzen würdest...was sehr schade wäre, weil...ich wirklich gerne mit dir zusammen bin..“ Jetzt guckt er nach unten auf das Bett, ich schätze mal weil es ihm etwas peinlich ist. Aber ich sehe ihn immer noch sehnsüchtig an, während ich außer einem sanften Antippen von meinem Glas an seines nichts zu Stande bringe. Dass Marc so etwas süßes sagen kann, das berührt mich. Und in meinem Bauch fangen Schmetterlinge wie wild durch die Gegend zu flattern. Ich habe plötzlich nicht mehr das Bedürfnis sofort mit ihm zu schlafen. Jetzt möchte ich einfach nur seine warme Nähe spüren, also ein bisschen. Ein bisschen würde mich jetzt schon zufrieden stellen. Und deshalb nähere ich mich ihm auch automatisch. Und da sieht er wieder hoch, in meine Augen und ich werde auch von seinen grün-braunen Augen gefangen, die ich so liebe....Marc setzt wieder zum sprechen an.“Und darauf,...dass ich dich jetzt gerne küssen würde.“ sagt er dann leise, wobei sein Mund meinem immer näher kommt. Ich schließe die Augen. Ich genieße es wie Marcs Lippen auf meine treffen und in meinem ganzen Körper ein kribbeln auslösen. Sein Kuss ist so sanft, weich und nach seinen Worte so romantisch, ganz anders als der Begrüßungkuss am Anfang unseres Rendezvous. Ich spüre seine Zunge und öffne leicht den Mund. Seine freie Hand streicht er über meine Wange, lässt sie in meinen Nacken gleiten und zieht mich näher zu ihm, dass er mich leidenschaftlicher küssen kann, aber er tut es trotzdem noch leicht und sanft, was unglaublich schön ist. Und dann hört er auf. Er löst sich vorsichtig von mir und dreht sich wieder in Richtung Fernseher. Langsam tue ich das selbe. Mein Herz klopft sehr stark, als ich mich an Marcs Schulter anlehne. Die Popkornschüssel steht wie durch ein Wunder nicht mehr zwischen uns, sondern auf Marcs Beinen. Aber so ist es eindeutig bequemer, besonders, weil Marc noch seinen wohlig warmen Arm um mich legt.
„So, jetzt kanns los gehen.“ sagt er zufrieden und drückt die Playtaste.

Miss Blond Offline

PJler:


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16.01.2010 00:22
#153 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Während ich also in Marcs Armen liege und wir gemeinsam den Film anschauen, kommt mir ein Gedanke. Nämlich, dass ich glücklich bin. Hier bei ihm bin ich glücklich. Eigentlich heißt es ja, das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde. Früher dachte ich immer, dass das stimmt und bin oft reiten gegangen. Nachdem ich aber des Öfteren vom Pferd geflogen bin und mir sogar einmal den Arm gebrochen habe, dachte ich, das Glück will mich nicht. Für mich, dachte ich, gibt es kein Glück. Auf jeden Fall nicht auf Pferden. Dann habe ich angefangen das Glück bei Männern zu suchen. Aber es stellte sich heraus, dass diese Männer auch nur blöde Pferde waren, von dessen Rücken ich wieder runtergeflogen bin. Nur, dass dabei nicht mein Arm gebrochen wurde, sondern mein Herz. Ja, Männer sind keine Schweine, sondern Pferde. Hoffentlich ist Marc kein Pferd.
„Marc?“
„Hmm?“
„Bist du ein Pferd?“
„Bitte was?!“
„Ach nichts....Wer ist denn dieser Typ da jetzt?“ Ich sollte mich vielleicht mehr auf den Film konzentrieren...
„Das ist Peter Parker.“
„Achso.“ Also vorhin sah der noch anders aus. „Und wer soll das da sein?“
„Boa Hasenzahn. Das ist der Böse okay? Und jetzt hör auf die ganze Zeit dazwischen zu quatschen.“
„Tu ich gar nicht.“
„Doch, klar.“
„Stimmt gar nicht, ich habe nur kurz gefragt, wer das ist. Das wird ja wohl noch erlaubt sein.“
„Sei still jetzt!“
„Okay, okay. Ich sag ja schon nichts mehr.“
Also auf jeden Fall sollte der Spruch umgeändert werden. Zum Beispiel so: Das Glück der Erde liegt nicht auf dem Rücken der Pferde, sondern in Marc Meiers Nähe.“ Naja das wäre dann wohl eher ein unreiner Reim.
Den Rest des Films versuche ich nicht zu reden und das gelingt mir natürlich auch. Na gut, einmal frage ich noch, ob es noch mehr Popcorn gibt. Zu meiner Überraschung hat er neben den Bett tatsächlich noch eine volle Schüssel stehen. Er kennt mich einfach zu gut. Aber dadurch werde ich mir immer sicherer, dass Marc kein Pferd ist.
Als der Abspann läuft seufze ich und kuschel mich noch weiter in seine Arme. Dass der Film zu Ende ist, heißt ja, dass ich jetzt gleich nach Hause müsste. Will ich aber gar nicht. Ich will nicht weg von ihm.
Nachdem wir noch ein bisschen Zeit eifach nur so dagelegen sind, fasse ich mir ein Herz...
„Maharc?“ frage ich vorsichtig.
„Jaha?“
„Kann ich vielleicht doch hier schlafen?“
Marc fängt an zu lachen. „Gefällts dir hier so gut? Aber ich dachte das wäre nicht üblich für das erste Date?“
„Najaaa, mir ist gerade eingefallen, dass ich gar keinen Schlüssel dabei habe. Und meine Eltern schlafen bestimmt schon.“
„Ah ist klar.“
„Hallo, das stimmt wirklich. Aber...was ich noch sagen wollte...Marc, was mir klar geworden ist,... dass das mit den Regeln eigentlich Schwachsinn ist. Ich meine die habe ich aufgestellt, weil ich dachte, das machen normale Paare so, aber eigentlich will ich gar kein 0815-Paar sein. Mit dir ist es nämlich was viel besondereres...“ Ich löse mich aus seinen Armen, um ihm ins Gesicht sehen zu können. „Und...schon allein wegen unserer ganzen Vergangenheit,..Wir habe so viel gemeinsam erlebt, so viele verrückte Sachen...“ Ich muss grinsen, also mir so einige Erinnerungen aus der Schulzeit wieder in den Sinn kommen. „Weißt du noch, als ich dir meine Hausaufgaben gegeben habe, damit du sie an der Tafel vorführen kannst? Und wie du dann immer nichts wusstest, was der Lehrer dich da vorne gefragt hat und ich dir dann immer so Zettel hochgehalten habe mit den Antworten? Ohne mich wärst du in Mathe bestimmt durchgefallen. Nun gut, als Dank hast du mir dann ne Stinkbombe in meinen Spind gelegt, aber das vergess ich jetzt einfach mal...Marc, was ich damit sagen will ist einfach..dass es mit dir immer irgendwie Spaß macht und es nicht normal sein muss. Und dass Liebe...keine Regeln braucht.“
Marc schaut mich an und lächelt. Dann streicht er mir meine Haare aus dem Gesicht, die sich während des Films aus meinem Zopf gelöst haben, und lässt seine Hand an meiner Wange ruhen. Er beugt sich nach vorne und küsst mich, wieder. Und wieder ist es das gleiche schöne Gefühl. Ein Gefühl von Wärme und Glück, das meinen Körper durchströmt. Aber als Marc mich immer leidenschaftlicher küsst, als seine Zunge anfängt meine zu verwöhnen, da wird diese Wärme immer heißer. Eine ungeheure Lust erfüllt meinen Körper. Und ich weiß, dass ich ihn will. Hier und jetzt.
Ich ziehe mich an ihn ran und setzte mich auf seinen Schoß ohne aufzuhören ihn zu küssen, lasse meine Hände durch seine Haare fahren. Marcs Hände fahren über meinen Rücken und es tut so gut ihn zu fühlen. Aber ich glaube er hat noch nicht richtig verstanden, dass mir meine Regeln jetzt wirklich egal sind. Deshalb wage ich die provokante Art und Weise: Ich höre auf ihn zu küssen und ziehe mir stattdessen vor seinen verwunderten Augen mein T-Shirt über den Kopf. Gut, okay, ich gebe zu, ich habe heute schöne Spitzenunterwäsche angezogen. Natürlich vollkommen unbewusst.
Marc fängt an zu grinsen. Man sieht ihm an, dass ihm der Anblick gefällt. Er fängt an, leicht über meinen Oberkörper zu streicheln und meinen Hals zu küssen. Dann drückt er mich plötzlich schwungvoll nach hinten, so dass ich lachend im Liegen auf dem Bett lande und ihn schon etwas schwerer atmend auf mir spüre. Ich helfe ihm aus seinem Shirt und genieße es wie er mich danach küsst und sich seine nackte Haut an meine schmiegt. Aber als ich mich an seinem Jeansknopf zu schaffen machen will, nimmt er meine Hände weg.
„Das hättest du wohl gerne, was?“ sagt er und grinst mich an.

Miss Blond Offline

PJler:


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17.01.2010 22:00
#154 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

„Marc komm schon, was soll das?“ frage ich schwer atmend, aber über sein Spielchen lachend, und will erneut versuchen seine Hose zu öffnen.
„Ne Hasenzahn. Echt nicht.“ Wieder grinst er mich so an.
„Wieso? Das kann doch wohl nicht dein Ernst sein oder?“
„Mein voller Ernst!“
„Komm verarsch mich jetzt nicht. Küss mich lieber...“ hauche ich ihm entgegen, was er dann auch sehr leidenschaftlich tut. Aber, als ich nach einiger Zeit wieder einen Schritt weiter gehen will, indem ich diesmal meinen eigenen Hosenknopf öffne, hält er schon wieder an und knöpft meine Jeans sogar wieder zu. Das muss man sich mal vorstellen! Marc Meier will keinen Sex?! Was soll das? Bin ich im falschen Film?!
Er sieht mich an, als könne er meine Gedanken lesen. Na gut mein sehr irritiertes Gesicht verrät bestimmt so einiges. „Hasenzahn hör zu...“ Er streicht mir wieder meine Haare aus dem Gesicht, die mittlerweile ziemlich zerzaust sind. „Ich weiß du hast gesagt, dass du die Regeln nicht mehr willst, aber du wolltest es langsam angehen und...ich finde auch wir sollten diesmal... nichts überstürzen.“ erklärt er mir ruhig.
„Dafür ist es doch jetzt eh schon zu spät. Ich meine, wir liegen hier beide halb nackt zusammen im Bett und sind eh schon fast dabei. Ob wirs jetzt noch tun oder nicht, da ist kein großer Unterschied.“ protestiere ich und streiche ihm über seinen muskulösen Rücken.
„Gut, dann ist es ja kein Problem, wenn wir keinen Sex haben, sondern einfach nur noch ein bisschen rummachen. Ist ja kein großer Unterschied...meintest du.“ Bevor ich ihm widersprechen kann, verschließt er meinen Mund auch schon mit dem nächsten Kuss. Meine Hände hält er links und rechts neben meinem Kopf fest. Er nagelt mich sozusagen an das Bett, solange bis er merkt, dass ich seine Entscheidung akzeptiere. Ich gebe mich ihm hin und wir küssen uns, berühren uns, aber unsere Jeans bleiben verschlossen. Und in dieser Zeit lerne ich, dass es mit Marc auch wunderschön sein kann, keinen Sex zu haben.
Als er sich dann irgendwann von mir löst und aufsteht, bleibe ich verzaubert liegen. Vielleicht auch ein bisschen erschöpft, weil egal was man mit Marc im Bett macht, es kostet immer Energie. Bevor Marc aber ins Bad geht, setzt er sich noch einmal auf die Bettkante und beugt sich nochmal zu mir runter. „Verstehst du, ich will einfach nicht, dass du es nachher bereust...Es war dir doch so wichtig, dass wir nicht sofort miteinander schlafen....Und ich will dir halt einfach zeigen, dass du für mich nicht so eine schnelle Bettnummer bist...und ich mich auch an Regeln halten kann...auch wenn sie gar nicht mehr existieren.“ sagt er leise zu mir und küsst mich nochmal sanft. Dann steht er auf, zwinkert mir kurz zu und geht in sein Badezimmer. „Ach du kannst dir schonmal was zum Anziehen aus meinem Schrank suchen!“ ruft er mir noch zu, bevor er die Dusche anmacht. Ich wette das Wasser, unter das er sich gerade stellt ist kalt, seehr kalt.
In Marcs Kleiderschrank finde ich das blaue M-Tshirt, was mir bestimmt ganz gut passen wird. Bei den Hosen ist es etwas schwieriger. Ich probiere erst so eine Jogginghose an, stelle aber fest, dass die Hosenbeine so lang sind, dass ich, als ich zum Spiegel gehen will, darüber stolpere und fast den Fernseher umrenne. Da wäre Marc sauer geworden, aber das bekommt er ja zum Glück nicht mit. Ich ziehe die Jogginghose wieder aus und finde stattdessen etwas sehr süßes: Boxershorts mit Herzchen drauf.
„Na Marc, da hast du ja richtige Schmuckstücke in deinem Schrank, was?“ sage ich zu ihm, als er wieder in das Schlafzimmer kommt und halte die Herzchenunterhose hoch.
„O Gott,...“ murmelt er leise. „Ja, die äh...die hab ich..äh..die hat mir Mehdi mal geschenkt. Der hat echt nen seltsamen Geschmack. Aber wenn du so drauf stehst, kannst du sie ja anziehen.“
„Okay. Ich geh dann auch nochmal ganz kurz unter die Dusche ja?“
„Klar, tu dir keinen Zwang an.“
Wenige Minuten später bin ich eigentlich auch schon bettfertig. Marc hatte das Wasser tatsächlich so kalt gestellt, dass ich als ich es angemacht habe erstmal laut geschrien habe. Und weil es irgendwie nur sehr langsam warm wurde, hab ich halt schnell eine kalte Dusche genommen. Marc hat mir sogar eine Zahnbürste rausgelegt. Wie lieb von ihm...
„Du Marc?“ frage ich nochmal, als er schon im Halbschlaf ist und ich in seinen Armen liege, welchen ich jetzt übrigens als schönsten Ort der Welt definiert habe...
„Hmmm?“
„Du musst Mehdi nochmal Danke sagen.“ sage ich. Immerhin hat er es ihm zu verdanken, dass er überhaupt einen Ort für das erste Date gefunden hat. So Gutscheine sind bestimmt auch nicht einfach zu kriegen.
„Für was?“ murmelt Marc...
„Na für die Gut...“ Mist er weiß ja gar nicht, dass ich es weiß. Sollte vielleicht auch so bleiben...
„Ähm für...die gute Unterhose....“
„hmmm..“
„Und Marc?...Ich bin stolz auf dich.“
Ja, das bin ich wirklich. Ich bin stolz, dass Marc es geschafft hat, dass der Abend so schön war, und das, ohne Sex zu haben. Er hat so viele Dinge gemacht, die irgendwie so untypisch für ihn sind, aber er war dabei trotzdem er selber, möchte ich meinen. Ich glaube Erziehungsprozess Meier läuft erfolgreicher, als vorhergesehen.

Miss Blond Offline

PJler:


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21.01.2010 00:49
#155 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Als ich am nächsten Morgen aufwache, muss ich feststellen, dass Marc leider nicht mehr neben mir im Bett liegt. Schade, er muss ja heute arbeiten, glaube ich. Naja, dann sehe ich ihn dafür später bei meiner Nachtschicht.
Ich lasse mich nochmal in die weichen Kissen zurückfallen und muss lächelnd an gestern Abend zurück denken. Dieser Mann bringt mich echt um den Verstand...vielleicht hat sich das 20jährige Warten nun wirklich endlich gelohnt...immerhin hat er sehr sehr süße, schöne Sachen gesagt. Ist es tatsächlich möglich, dass er mich vielleicht wirklich liebt? Naja, das ist schon sehr schwer vorstellbar...
Ein Klingeln reißt mich aus meinen Gedanken oder eher Tagträumen...ist das die Türklingel? Ne, die wird wohl kaum „Babylove“ spielen können...Mist, dann ist es wohl mein Handy..
Sofort kommt mir der Gedanke, dass das Marc sein könnte. Deshalb springe ich aus dem Bett und nach einigem ziellosen Herumrennen finde ich es in meiner Tasche auf dem Sofa.
„Hallo?“
„Margarete!“ kommt mir die trällernde Stimme meiner Mutter entgegen. Und ich habe nur einen Gedanke: Bitte nicht! Das kann ich jetzt nicht ertragen...nicht schon vor dem Frühstück...
„Entschuldigung, ich glaube Sie haben sich wohl verwählt. Hier gibt es keine Margarete...“ sage ich mit verstellter Stimme und lege schnell auf.
Es dauert nur drei Sekunden dann klingelt es wieder...
„Gretchen was soll denn das?“
„Tschuldigung,...hab halt noch nichts gegessen.“
„Hat Doktor Meier nichts im Kühlschrank oder wie?“
„Weiß ich nicht, du lässt mir ja keine Zeit reinzuschauen...“
„Du hast also wirklich bei ihm geschlafen!“ Warum freut die sich plötzlich so?
„Ne weißt du, ich hab unter einer Brücke geschlafen...“
„O mein Mädchen...wie war es denn? Hattet ihr Sex? War er zärtlich?“
„Mama! Bitte...du bist so peinlich....“
„Also man wird ja wohl mal nachfragen dürfen...Aber gut, eigentlich wollte ich ja nur wissen ob du lieber die dreistöckige Schokoladen-Torte oder die mit Sahnecreme willst?“
„Mama, kann es sein, dass du hier gerade Geburtstag mit Hochzeit verwechselst?“
„Gretchen, die Hochzeitsplanung damals hat mir so viel Spaß gemacht, aber weil du ja vermutlich nie heiraten wirst, muss ich was anderes groß planen. Das ist doch verständlich...“
„Zufällig werde ich wohl heiraten..!.“ Irgendwann...vielleicht...
„Was?! Hat er dir etwa einen Antrag gemacht!? Oh mein Kind! Sag das doch gleich! Ich muss sofort...“
„Mama! Nein, hat er natürlich nicht!“ jetzt reicht es mir. „Und wir hatten auch keinen Sex, aber es war trotzdem schön und wenn überhaupt dann Schokolade, okay?! Tschüss!“ Leicht genervt lege ich auf und schmeiße das Handy in die Ecke vom Sofa.
Mütter sind einfach anstrengend. Vielleicht sollte ich mich aber auch glücklich schätzen...ich meine, welche Frau bekommt zum Dreißigsten schon eine dreistöckige Schokotorte?
Mist davon werde ich wohl nichts essen können. Dick sein ist ja eine Sache, aber jetzt kommt auch noch alt dazu. Und wer will schon eine Frau, die dick und alt ist?
Plötzlich fängt mein Handy wieder an, Geräusche zu machen. Eine SMS. Ich wette jetzt schickt sie mir Fotos von Tischgedecken oder so. Am liebsten würde ich das Handy jetzt in einem Aquarium versenken, wo es dann von den Fischen gefressen wird. Aber leider hat Marc kein Aquarium, abgesehen davon, dass Fische eh keine Handys fressen..soweit ich weiß.
Ich stehe auf und wandere zum Kühlschrank hinüber. Doch der enthält nur eine gähnende Leere. Toll, soll ich jetzt die Pizzareste von gestern Abend essen oder wie? Männer..echt...
Ich beschließe einfach nochmal ins Bett zu gehen. Will ja jetzt eh abnehmen...Weil ich im Bett eh nichts besseres zu tun habe, will ich mir doch eben schnell die Tischgedecke anschauen.. Nicht, dass meine Mutter etwas grauenhaftes auswählt. Doch als ich auf den Display schaue, macht mein Herz einen kleinen Sprung. Die SMS ist nicht von meiner Mutter, sondern von Marc...

Hey Schlafmütze, Lust auf Date Nr.2?
Bleib einfach im Bett liegen, bin gleich da;)
Marc

Als ich das lese muss ich lachen. Er ist so süß. Hat er mich also doch nicht vergessen. Aber unmöglich kann ich so im Bett liegen bleiben. Schnell gehe ich ins Bad und mach mich ein bisschen frisch und ansehnlicher. Als ich die Wohnungstür aufgehen höre, krieche ich sofort zurück unter die Decke und warte herzklopfend auf ihn.
Und als er nach ein paar Minuten rein kommt, würde ich am liebsten aufspringen und ihn umarmen. Aber es ist ein riesiges Tablett mit den leckersten Sachen, von Croissants bis Orangensaft, im Weg.
Ich freue mich so sehr, dass ich über beide Backen grinsen muss.
„Ey, was gibt’s hier so zu grinsen?“ fragt er mich lachen, während er, das Tablett neben mir abstellt. Und da kann ich mich leider nicht mehr halten. Ich springe auf und falle ihm in die Arme. „Marc, das ist so lieb von dir! Danke, danke, danke...“ Ich gebe ihm ganz viele Küsse auf den Mund.
„Ist ja gut, Hasenzahn. Vielleicht hast du auch was falsch verstanden. Ich bin hier nicht das Essen, sondern das da.“ Er zeigt auf das Tablett und setzt mich daneben wieder ab. Dann setzt er sich neben mich und gemeinsam beginnen wir unser zweites Date. Und während ich immer mehr esse und mir klar wird, dass ich das unbedingt wieder durch einen gewissen Sport abtrainieren muss, zu dem ich ihn heute auf jeden Fall noch bringen werde, erzählt er mir, wie er vorhin beim Bäcker fast von einer alten Frau vermöbelt wurde und deshalb alles etwas länger gedauert hat.

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21.01.2010 23:38
#156 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Nach diesem ausgeprägten Frühstück, liege ich in Marcs Armen, wobei er eine meiner Locken immer wieder auf seinen Finger auf- und dann wieder abwickelt.
„Du Marc? Musst du nicht heute arbeiten?“
„Ich bin der Chef, ich kann kommen wann ich will.“
„Naja ganz soo stimmt das nun nicht, ne Herr Doktor?“
„Doch genau so stimmt das. Der Chef musste nur einmal schnell anrufen und die Schwester ist sofort der Anweisung gefolgt und hat den Op-Plan umgestellt, hat den Dienstplan geändert und jetzt haben wir beide den ganzen Tag frei. Und die Nacht wohl bemerkt auch.“ Er zwinkert mir zu.
„Nein?!“
„Doch.“
„Marc, das kannst du doch nicht machen. Vielleicht stirbt da jetzt ein Patient, weil ihm eine lebensrettende Op fehlt.“
„Keine Sorge, es sind alle Patienten versorgt. Glaub mir.“
„Na gut. Okay. Und...was machen wir jetzt so?“
„Was würdest du denn gerne machen?“
„Hmm..“ Überlegend lasse ich meinen Blick durchs Zimmer schweifen. „Du hast ganz schön viele Bücher.“ Muss ich bemerken, weil es einfach stimmt.
„Ich weiß.“
„Sind das alles Medizinbücher?“
„Größtenteils ja.“
Plötzlich fällt mein Blick auf ein etwas dünneres Buch, das unten in der Ecke steht. Das kommt mir so bekannt vor. Ich glaube das hatte ich auch mal. Aber ich weiß nicht mehr genau was das war.
„Was ist denn das da unten für eins?“ ich zeige mit dem Finger auf das Buch. „Ich glaube das hatte ich auch mal.“
„Ach das. Das ist nichts.“
„Natürlich, sag doch mal.“
„Ne, das ist wirklich nichts. Nur so ein altes Ding aus der Schule. Unwichtig...“
Plötzlich fällt mir ein was es ist. „Das Jahrbuch!“ schreie ich freudig und springe auf, um es zu holen. „Wahnsinn, das hast du noch? Hätte ich nicht gedacht.“ Unerwartet springt Marc mir aber hinterher und schnappt es sich, bevor ich es aus dem Regal nehmen kann.
„Ne Gretchen, das ist gar nicht das Jahrbuch. Das ist nur so eine olle Formelsammlung.“
„Ja sicher...Marc komm schon gib her!“ Ich versuche es ihm aus der Hand zu reißen, aber er hält es so in die Luft, dass ich nicht ran komme. Wieso will er denn nicht dass ich es anschaue?
„Ey, warum darf ich das denn jetzt nicht sehen? Schämst du dich für deine Frisur von damals oder was?“
„Quatsch, meine Frisur war immer die coolste. Wenn sich einer schämen sollte dann du.“
„Ich hatte halt meinen eigenen Stil und? Und jetzt gib her!“
„Nein!“ Marc weigert sich weiter es mir zu geben und geht mit dem Buch ein paar Schritte weg. Irgendwas ist dadrin, was ich nicht sehen soll. Jetzt will ich das Jahrbuch natürlich umso mehr sehen, weshalb ich auf ihn zu renne und versuche es mir zu schnappen. Aber er ist schneller und hält es wieder in die Luft und rennt dann damit in die nächste Zimmerecke. Es kommt zu einer ausgesprochen lustigen Jagt durch seine Wohnung, die dann aber wieder ins Schlafzimmer führt, wo Marc tatsächlich das Fenster öffnen will, um das Buch raus zu schmeißen. Aber ich umgreife ihn von hinten und ziehe ihn mit aller Kraft zurück und schaffe es ihn aufs Bett zu schubsen, so dass ich mich auf ihn setzten kann und seine Hände festhalte.
„So Marc. Du hast verloren.“ sage ich etwas außer Atem und lächle ihn an.
„Naja. Eine kleine Bewegung von mir würde ausreichen und du liegst am Boden, aber ich will mal nicht so sein. Ein Kuss und du kriegst es...“
Das lasse ich mir nicht zwei mal sagen. Ich beuge mich zu ihm runter und küsse ihn. Seine Lippen fühlen sich einfach so gut an und ich vergesse schon fast, was ich eigentlich wollte. Aber dann reiße ich ihm endlich erfolgreich das Buch aus der Hand, gehe von ihm runter und lege mich daneben auf den Bauch.
„Ich habe dich gewarnt.“ sagt Marc und guckt ganz angespannt, als ich es aufschlage.

Miss Blond Offline

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24.01.2010 22:10
#157 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

1996 war das Jahr, in dem Marc zum ersten Mal zum Abiturjahrgang gehörte. Dass er im Jahr darauf nochmal eine Ehrenrunde drehen würde und folglich mit mir zusammen Abi machte, mag er damals wohl schon geahnt haben, hat es aber mit seiner natürlichen Coolness erfolgreich überspielt. Zumindest sieht sein Foto um es geradeaus zu sagen: einfach geil aus. Er hatte schon damals diesen unbeschreiblichen Meierblick drauf, bei dem alle Frauen schwach werden.
„Man sah ich damals schon gut aus. Da musst du mir doch zustimmen.“
„Kann sein.“ So, was genau sollte ich hier jetzt nicht sehen? Vielleicht hat er ja was mit meinem Bild angestellt, irgendwas süßes, was ihm jetzt peinlich ist....
Ich blättere ein paar Seiten zurück, weil ich hier ja noch eine Klasse unter ihm war.
Oh mein Gott!
Was hat er mit meinem Bild gemacht?!
Das bin nicht mehr ich. Auf jeden Fall kann ich mich nicht erinnern, dass ich damals Hasenohren hatte, extrem lange Hasenzähne, Dämonenaugen, eine übermäßig hässliche Afromähne. Nein, das hat Marc alles mit einem Edding auf mein Foto gekritzelt. Und nur auf meins. Die anderen sind alle wie sie waren. Unter den von den Mädchen hat er sogar noch eine Punktebewertung gemacht, wie mir gerade auffällt.
„Marc, was hast du aus mir gemacht?!“
„Ich weiß auch nicht. Ich glaub das war ein Kumpel von mir.“
„Ja klar. Du bist so gemein. Und was soll das hier? Wieso hat Bettina Zimmerer drei Punkte und ich nicht einen einzigen? Ich sah mindestens genau so gut oder schlecht aus wie sie.“
„Ja, dich hatte ich aber nicht flach gelegt.“
„Was hat das denn jetzt damit zu tun?!“
„Na die Punkte...jeder Punkt steht für einmal...“
„Sex?! O h Marc, das heißt also du hast dreimal mit Bettina geschlafen?“
„Wenn es da so steht. Komm jetzt schau dir das bitte nicht so genau an, das war halt so eine Wette mit nem Freund.“
„Marc das ist echt...warte mal, wieso ist da unter Ella ein Punkt? Du hast mir ihr geschlafen?! Der Punkt ist nicht echt oder?“
„Doch eigentlich schon.“
„Aber sie war eine meiner besten Freundinnen...wieso hat sie mir das nie erzählt?“
„Was weiß ich. Gretchen jetzt hast du genug gesehen, gib das jetzt wieder her.“
„Nein, jetzt lass mich.“ So wie das hier aussieht, hat Marc mit der Mehrheit aller Mädchen aus der Oberstufe geschlafen. Ich bin echt schockiert. „Marc, du bist eine männliche Schlampe, wenn ich dir das mal so sagen darf. Verdammt, du hast sogar mit der Streberin Verona...geschlafen. Aber nie mit mir. Ich habe nicht ein einzigen Punkt. Hast du mich wirklich so gehasst?“
„Komm du hättest es doch gar nicht gewollt. Was hätte es dir gebracht, wenn ich einmal mir dir hätte oder sogar zwei mal. Du wolltest ja immer gleich die große Liebe, mit der du dann dein Leben lang zusammen bleibst. Die anderen waren halt froh, dass ich sie...entdingst habe. Die hatten nichts gegen das Einmal und niewieder.“
„Dass du sie entjungfert hast!? Du Sau...Ich wollte mein erstes Mal auch immer mit dir haben. Aber weißt du mit wem ich es stattdessen hatte?“ Ich blättere eine Seite weiter. „Mit dem da. Thomas Picker.“ Bei dem Gedanken, an diese Nacht treibt es mir fast Tränen in die Augen. Ich war einfach so frustriert, weil alle anderen aus meinem Jahrgang schon mal Sex hatten, angeblich, und ich mich einfach so scheiße gefühlt habe, dass ich den nächstbesten genommen habe. Und es war so grauenvoll. Ich mochte den Typen nicht mal richtig.
„Was?! Mit Thomas Picker?! Dieser Ficker! Das..ist nicht dein Ernst?“
„Doch. Und weißt du was? Es war wunderschön. Er war so zärtlich, wie du niemals sein kannst.“
Ich weiß auch nicht genau, wieso ich das gerade gesagt habe. Vermutlich, weil ich einfach so sauer bin, wie er mit Mädchen umgegangen ist und weil er mich früher anscheinend wirklich gehasst hat.
„Gretchen jetzt denk nicht, dass ich dich gehasst habe. Das hab ich nicht.“
„Und wieso hast du dann mein Foto so verunstaltet?“
„Ich weiß auch nicht, vielleicht...weil du mir irgendwie...unheimlich warst?“
„Unheimlich?! Ich war eins der unschuldigsten, nettesten Mädchen der Schule, wie kann ich bitte unheimlich gewesen sein?“
„Naja...eben indem du immer so nett warst und indem du...in mich verliebt warst und... manchmal so ein Gefühl in mir ausgelöst hast, dass ich dich gerne küssen würde, wie ich es ja auch im Garten einmal gemacht habe...Verstehst du...ich wollte dich doof finden, weil du ja nicht so cool warst, aber irgendwie konnte ich es nicht und das...fand ich halt unheimlich.. und...ach ich weiß auch nicht. So genau kann ich mich jetzt auch nicht mehr daran erinnern.“
Marc schaut mich an, als ob ihm das ganze wirklich Leid tun würde. Und ich weiß jetzt nicht genau, ob ich auf ihn sauer sein soll oder nicht, weil eigentlich ist das ganze ja schon Jahre her und wir wollten ja eh neu anfangen. Und was soll ich jetzt von dieser Erklärung halten? Hat er das gerade erfunden, weil es kommt mir schon etwas weit hergeholt vor. Unverständlich wars zudem auch etwas.
„Heißt das, dass du eigentlich in mich verliebt warst?“
„Hmm...keine Ahnung. Manchmal vielleicht...aber nur ein ganz kleines bisschen...Aber Hasenzahn komm, jetzt sei bitte nicht sauer oder so. Das gehört alles zur Vergangenheit...und nicht zum jetzt und hier. Und weißt du was?“ Jetzt lächelt Marc schon wieder, wahrscheinlich um mich aufzumuntern. Er steht kurz vom Bett auf und kommt dann mit einem Stift wieder. „So stimmt das hier eh nicht mehr.“ sagt er und fängt an ganz viele Punkte um mein verunstaltetes Foto zu machen.
„Siehst du, jetzt hast du mehr Punkte, als alle anderen zusammen.“ meint er noch, bevor er das Jahrbuch nimmt, zusammenklappt und unters Bett schmeißt. „Und jetzt lass uns irgendwas machen okay?“
„Mmm...nagut.“ murmle ich und schaue ihn noch etwas schmollend an. Daraufhin beugt er sich einfach vor und küsst mich ohne Vorwarnung, was echt gemein ist, weil man so einfach nicht mehr schlecht gelaunt bleiben kann. Und spätestens als er mich dann anfängt zu kitzeln, ist der Raum wieder mit meinem Lachen erfüllt.
„Also...“ fängt Marc an. „Was wolltest du vor deinem Dreißigsten unbedingt gemacht haben? Was wolltest du schon immer mal tun, hm?“

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31.01.2010 01:22
#158 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Was ich schon immer tun wollte? Bevor ich Dreißig bin? Also spontan fällt mir da nur ein: Schlank sein (das tut man zwar nicht, aber trotzdem), erfolgreich sein und den perfekten Mann heiraten. Was das erste angeht: witzig und wohl nicht in zwei Tagen erfüllbar. Beim zweiten bin ich immerhin auf einem ganz guten Weg dorthin und heiraten ist jetzt wohl etwas hoch gegriffen. Der perfekte Mann liegt zwar hier neben mir, wir sind aber eindeutig noch nicht so weit, um zu heiraten.
„Keine Ahnung..?“ sage ich schließlich.
„Hasenzahn da wird es ja wohl was geben...Fallschirmspringen, Bungee jumping, eine Bank überfallen..?“
„Eine Bank überfallen?!...Das würdest du mit mir machen?“
„Wieso nicht?...Wär doch mal was anderes....Auf den Boden!! Dies ist ein Überfall!!“
„Du bist irre...Plötzlich ist dir deine Zulassung also nicht mehr so wichtig?“
„Naja, das war ja jetzt nur so ein Vorschlag. Aber jetzt sag doch mal.“
„Also eins ist klar. Ich stürze mich nicht irgendwo runter. Ich werde mein Leben garantiert nicht jetzt riskieren, wo ich endlich mal...naja...glücklich bin.“ Er sieht mich für eine kurze Weile einfach nur an. Dann sagt er: „Du bist süß, weißt du das?“
„Findest du?“
„Absolut.“ Also wenn hier jemand süß ist, dann ja wohl er. Diese Grübchen, ich liebe sie.
Während Marc mich weiterhin einfach nur ansieht, denke ich darüber nach, was er in den letzten paar Stunden alles für mich gemacht hat. Und da fällt mir etwas ein, was ich schon immer mal machen wollte, das ihm sicherlich auch gefallen wird...

„Sie interessieren sich also für diesen Ferrari?“ fragt mich ein Kundenberater und lockert dabei seine Krawatte etwas.
„In der Tat.“ lächle ich ihn an und schiebe mir meine große Sonnenbrille aus dem Gesicht, die ich bei unserem kleinen Stop bei mir zu Hause noch mitgenommen habe.
„Wissen Sie, mich hat dieses rote Auto mit dem Pferdchen schon immer fasziniert. Und jetzt konnte ich endlich meinen...Freund dazu überreden mir einen anzuschaffen. Also...ist es möglich eine kleine Probefahrt zu machen?“ Bringe ich die Diva nicht überzeugend rüber? Habe mir auch extra die Luis Vuitton- Tasche von meiner Mutter ausgeliehen.
„Nun ja...sowas machen wir bei so..großen Marken eher ungerne.“
„Tatsächlich? Und wieso kommt da draußen gerade jemand mit einem Porsche zurück, den er ganz offensichtlich zu einer Probefahrt ausgeliehen hat? Es ist weil ich eine Frau bin, richtig?“
„Was? Um Gottes Willen, nein.“
„Geben Sie es zu, in diesem Laden wird sexistisch gehandelt, kann das sein?“ Der Händler wird zunehmend unruhig. „Sollte dies der Fall sein, kann ich nur sagen, die Nummer von meinem Anwalt trage ich stets bei mir.“ füge ich hinzu.
„Hören Sie Frau Haase, wenn Sie möchten kann ich Ihnen den Wagen natürlich zur Probefahrt vorbereiten.“
„Ich bitte darum.“ sage ich noch, bevor ich mich triumphierend zu Marc umdrehe, der etwas abseits stehen geblieben ist. Ich habe ihn darum gebeten, weil er nicht glauben wollte, dass ich das hinkriege. Es ist gar nicht so leicht, nicht nett zu sein. Aber ich dachte mir, ich muss meine starke Seite noch etwas ausprägen, die Seite, mit der ich über anderen Menschen stehe.

Zehn Minuten später sitze ich tatsächlich hinter dem Steuer eines echten Ferraris. Wow, da fühlt man sich gleich so reich und mächtig. Langsam fange ich an Leute wie Michael Schumacher zu verstehen...
„Ich dachte du wolltest nichts tun, was lebensgefährlich ist..?“ meint Marc, der neben mir auf dem Beifahrersitz sitzt und mich skeptisch anschaut.
„Hast du etwa Angst?“
„Ne, ne...ich mein ja nur. Also ich hoffe du bist gut versichert...bei deinem Fahrstil..“
„Marc du bist echt genauso frauenfeindlich wie die da drinnen.“
„Jaja, aber glaub mir, das was du hier tust, ist um einiges riskanter als ein Bungeejumpingsprung.“
„Glaub ich dir nicht...also ich fahre jetzt los. Vielleicht kannst du später auch mal kurz fahren.“
„Na dann fahr mal.“
Einige Momente später auf der Straße, kommt mir nur noch eine Frage in den Sinn: Bin ich eigentlich komplett wahnsinnig?! Ich meine, es kommt nicht selten vor, dass ein Auto, nachdem ich damit gefahren bin, nicht mehr ganz so aussieht wie davor. In diesem Punkt bin ich das Klischee über Frauen und Autos quasi in Person. Wahrscheinlich nicht nur in diesem...Aber was tue ich hier dann eigentlich? Ich will gar nicht wissen, was das kostet, wenn hier auch nur ein einziger Kratzer drin ist. Meine ganzen Ersparnisse würden draufgehen. Ich müsste meine Lebensversicherung auflösen. Das ganze hätte quasi den selben Effekt, wie wenn ich beim Fallschirmspringen sterbe. Nur dass ich dann noch da wäre, arm und wahrscheinlich auf der Straße lebend...
„Boa Gretchen, das kann man ja nicht mit ansehen.“ bemerkt Marc, der mitbekommen hat wie unsicher ich plötzlich bin. „Das arme Auto.“
„Ja tschuldigung, dass ich es nicht gewöhnt bin einen Ferrari zu fahren.“
„Ich glaub du würdest die Fahrt mehr genießen, wenn ich fahren würde und du hier auf meinem Platz sitzt.“
„Das hättest du wohl gerne.“
Marc ist erstmal für einen Moment ruhig, bevor er plötzlich ruft: „Vorsicht! Der Rückspiegel...Man man man, das war knapp. Um ein Haar hättest du das parkende Auto gestreift.“
„Oke, oke, du hast gewonnen.“
Also, wenn man nicht selber fahren muss, ist Ferrari-fahren auf jeden Fall besser. Hinter so einem Steuer zu sitzen ist eine Sache, aber das Fahren raubt einem einfach die Nerven. Wie kam ich überhaupt auf so eine Idee? Naja, aber jetzt fährt Marc und er ist sehr glücklich dabei. Er rast mit dem Wagen über eine Schnellstraße durch den Grunewald und guckt zwischendurch immer grinsend zu mir rüber. Und grinsen tut er auch, als er plötzlich von der Straße in einen kleinen Waldweg abbiegt und das Auto zum stehen bringt.
„Äh, was genau wird das?“ frage ich.
Anstatt mir eine Antwort zu geben, schnallt er sich ab und dann auch noch mich.
„Hallo? Ich hab gefragt was das soll?“
„Wonach siehts denn aus?“ stellt er mir zur Frage, während seine Hand anfängt über meinen Oberschenkel zu streichen und er sich dann rüber beugt und meinen Hals küsst.
„Das ist jetzt nicht dein Ernst oder? Du willst jetzt nicht...“
„...geilen Sex in einem nagelneuen Ferrari haben? Doch, die Idee gefällt mir.“
Okay, er ist wieder der alte. Wär auch zu komisch, wenn er weiter so wie gestern Abend sein würde. War ja klar, dass er das nicht lange aushält. Aber hier drinnen, das geht jetzt echt zu weit.
„Marc, das können wir nicht machen.“ Man denke an die Ledersitze. Und außerdem will ich mein erstes/ hundertstes Mal mit Marc nicht in einem Auto haben! Ich meine, wie unromantisch ist das denn?!

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11.02.2010 00:29
#159 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Marc küsst mich immer stürmischer. Seine Küsse und seine Hände unter meinem T-Shirt benebeln meinen Verstand. Ich werde zu schwach, um ihn von mir wegzudrücken. Ich bin zu schwach, um ihm zu widerstehen. „Marc nicht hier...Nich..“ murmle ich zwar vor mich hin, aber trotzdem fange ich an unter sein Hemd zu fahren, trotzdem erwidre ich seine Küsse. Romantik hin oder her, Marc macht mich einfach heiß.
Doch wirklich weit kommen wir nicht. Gerade als ich Marc sein Hemd ausziehen will und seine perfekte Brust küsse, klopft es heftig am Fenster und Marc und ich schrecken auseinander. Durch das Fenster schaut mit großen Augen ein Mann in grüner Kleidung.
„Boa, wer ist das denn jetzt?“ flucht Marc.
„Ich glaub das ist ein Förster.“ erwidere ich und lächle den Mann unschuldig an.
Marc lässt das Fenster runter und motzt ihn an: „Was wollen Sie? Können Sie nicht sehen, dass wir hier beschäftigt sind? Machen Sie, dass Sie wegkommen.“
„Marc!“ fauche ich ihn flüsternd an.
„Was? Der stört.“ flüstert er zurück.
Jetzt meldet sich der Förster, der tiefe Falten zwischen seinen buschigen Augenbrauen aufgesetzt hat, zu Wort: „Entschuldigen Sie, ich wollte Sie nur darauf hinweisen, dass dies hier kein Autokino ist. Sie befinden sich in einem Naturschutzgebiet und ich möchte Sie bitten dies augenblicklich zu verlassen.“
„Hören Sie, Sie Waldmännchen,..“ fängt Marc an zu erwidern. „Wir haben das Recht genau das zu tun, was ihre Kaninchen da im Wald auch den ganzen Tag machen. Das ist ein ganz natürlicher Prozess. Also verschwinden Sie und lassen Sie uns in Ruhe.“
„Sie denken wohl Sie können sich alles erlauben, Sie reicher Schnösel! Es geht mir um ehrlich zu sein weniger darum, was sie treiben, sondern darum, dass ihre verdammte Karre den Waldboden zerstört! Und ich schwöre Ihnen, wenn Sie jetzt nicht sofort den Wagen von diesem Waldgrundstück fahren, dann greife ich zu Mitteln, die Ihnen nicht gefallen werden.“
Geschockt sehe ich zu wie der Typ sein Gewehr von der Schulter nimmt und mit einem Ruck lädt.
„Marc, ich glaube es ist besser wenn wir jetzt fahren.“ sage ich vorsichtig.
Missmutig startet Marc den Motor. Er lässt ihn extra laut aufheulen und fährt ein Stück rückwärts runter, wendet, dass mir schwindlig wird und rast den Waldweg zurück in Richtung Straße.
So entkommen wir also knapp einem wahnsinnigen Förster und ich könnte schwöre, dass ich sogar noch einen Schuss gehört habe. Da waren wir allerdings schon um die Ecke gerast.
Nachdem wir das Auto wieder zum Laden zurück gebracht haben, und den Verkäufer mit großem Bedauern erklärt haben, dass das Modell leider doch nichts für uns ist und wir lieber warten bis das neue auf dem Markt ist, gehen Marc und ich in ein Café und Essen etwas kleines zu Mittag. Marc ist glaub ich schon etwas enttäuscht, dass aus der Nummer im Ferrari nichts wurde und er meint, wenn er dem Förster nochmal über den Weg läuft, dann bindet er ihn an einen Baum, beschmiert ihn mit Erdnussbutter und filmt dann wie ihn die Wildschweine ablecken. Dann meint er noch, dass er das Video diesmal bei youtube reinstellt. Das „diesmal“ hat mich etwas verwundert, aber ehrlich gesagt will ich auch gar nicht genau wissen was er früher mit seiner Clique alles gemacht hat. O Gott was für einen Freund habe ich nur? Naja, werde einfach dafür sorgen, dass er in der nächsten Zeit nicht in den Wald geht.
„Und was machen wir jetzt?“ fragt Marc und trinkt seinen Kaffee aus.
„Lass uns einfach was ganz normales machen, okay? Ich hab für heute genug von verrückten Dingen. Wie wärs mit......Shoppen? Das hab ich auch schon ewig nicht mehr gemacht.“
Marc prustet los. „Nur über meine Leiche!“
„Doch, bitte. Ich brauch noch was zum Anziehen für meinen Geburtstag. Und du brauchst doch bestimmt auch irgendwas, oder? Vielleicht neue Unterhosen oder so?“
„Willst du damit sagen, dass du was gegen meine Unterhosen hast?“
„Nein natürlich nicht. Ich dachte nur...so als Arzt...kommt man bestimmt nicht so oft dazu sich neue zu kaufen.“
„Okay, lass uns gehen. Du hast schon irgendwie Recht.“ sagt Marc, auf einmal sehr einverstanden mit meinem Vorhaben. „Ich kenne da einen wirklich tollen Laden.“

Der wirklich tolle Laden stellt sich als ein Dessous-Geschäft heraus, zu dem Marc mich in einer kleinen Seitenstraße führt. Doch als ich direkt davor stehe, wird mir leider etwas klar: Da drin war ich schon mal. Und nach diesem Besuch, hab ich den ganzen Abend lang Eis gegessen. Aus Frust. Nicht etwa, weil mir die Sachen nicht passten, nein, ich kam ja nicht Mal dazu sie anzuprobieren. Es war die Ladenbesitzerin: extrem eingebildet, dünn, dumm und hübsch. Als ich damals den Laden betrat, hat sie mich abwertend beäugt und meinte dann, dass ich hier in meiner Größe wohl nichts passendes finden würde, es sei denn ich sei auf der Suche nach ein paar Pantoffeln.
„Dann geh mal rein, ich warte hier.“ meine ich und stelle mich mit verschränkten Armen neben die Eingangstür.
„Quatsch, du kommst natürlich mit.“
„Glaub mir, ich geh da garantiert nicht rein. Ich kenn den Laden.“
„Echt? Hätt ich nicht gedacht, dass du dich in solchen Geschäften rumtreibst. Gretchen, Gretchen, man entdeckt immer neue Seiten an dir...“ Er zwinkert mir zu. „Jetzt komm.“
„Nein, geh ohne mich.“
„Du hast doch gesagt, du warst hier schon mal.“
„Ja, eben, es war furchtbar. Die Verkäuferin meinte ich bin eine fette, hässliche Kuh, die da drin nichts zu Suchen hat.“
„Das hat sie gesagt?!“
„Auf jeden Fall hat sie es gedacht.“
„Hmm...weißt du was? Dann ist es wohl an der Zeit ihr zu zeigen, wer hier die hässliche ist und worauf es wirklich ankommt.“ meint er und erklärt mir daraufhin seinen Meisterplan.

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15.02.2010 00:34
#160 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Kurze Zeit später betrete ich den Laden, alleine und mit einem etwas mulmigen Gefühl. Beim Anblick der ganzen Unterwäsche, den Spitzen-BHs, den Seidencorsagen und den kleinen Höschen, die zum Teil echt hübsch sind, aber in die ich nie und nimmer rein passen würde, spüre ich wie mein Gesicht um mindestens ein Farbton rosaroter wird. O Gott ich kann das nicht...
„Wenn ich Ihnen behilflich sein kann...die Baumwollunterwäsche ist dort drüben.“ spricht die brünette Barbie mich an, sobald ich einige Schritte in den Laden gegangen bin.
„Äh ich wollte eigentlich eher..“
„Neue Hausschuhe? Die befinden sich in der Ecke da.“ Der Witz ist alt. Blöde Kuh, kann sich nicht mal mehr an mich erinnern.
„Ähmm...ich dachte...ich könnte vielleicht auch mal...so etwas anprobieren.“ Ich zeige etwas verlegen auf einen Ständer mit Spitzenunterwäsche.
Sie bricht in schrilles schallendes Gelächter aus, wobei sie ihre perfekten weißen Zähne zeigt und ihr rosa Kaugummi fast auf mich spuckt. Am liebsten würde ich ihr an die Gurgel springen und sie durch das Schaufenster schmeißen. Und ich schwöre, wenn Marc jetzt nicht gleich kommt, dann mach ich das auch.
Unter lachen meint Miss Oberschlau zu mir: „ Also ganz ehrlich, ich weiß nicht ob sie da fündig werden.“ Sie mustert mich kritisch. „Ihre Figur ist ja nicht gerade...wie soll ich sagen..die beste. Und Umstandsmode führen wir hier nicht.“
Umstandsmode? Langsam werde ich immer wütender. Aber ich reiße mich zusammen. Ich kann das durchziehen...
„Naja, kann ja nicht jeder so...schlank sein wie Sie.“ zwinge ich mich zu sagen. In dem Moment sehe ich Marc an der Tür. „Also wenn Sie nichts dagegen haben, würd ich mich einfach mal umsehen.“ sage ich schnell. Aber sie hat Marc schon ins Visier genommen und beachtet mich überhaupt nicht mehr. Ich krieg die Krätze, wenn ich sehe, wie sie ihn jetzt schon anschmachtet.
„Hiii. Na Süßer, was solls denn sein?“
O Gott, am liebsten würde ich sofort in Marcs Arme laufen und dieser Tussi zeigen, dass das MEIN Freund ist. Aber ich muss so tun, als würde ich ihn nicht kennen. Das werde ich ja wohl hinkriegen.
„Ich wollte meiner Freundin was mitbringen. Am besten das aller beste.“
„Ja Süßer, natürlich. Die neuen Kollektionen sind hier drüben. Die sind wirklich super.“ Sie lacht ihn verführerisch an. Dass er eine Freundin hat, scheint sie nicht im geringsten zu stören.
Marc lässt sich von ihr zu den neusten Sachen führen und lächelt mich, als sie nicht hinschaut, aufmunternd an, was ich leider nur mit einem bösen Blick erwidern kann.
„Ja, ich seh mich dann mal in Ruhe um.“ höre ich Marc sagen.
„Klar. Wenn du mich brauchst, zum anprobieren oder so, dann sag Bescheid.“ Sie lacht noch einmal kurz und geht dann wieder hinter ihren Verkaufstisch, von wo aus sie mich nochmal in Augenschein nimmt und zu mir sagt: „Vielleicht sollten Sie doch lieber erst mal ins Fitnessstudio gehen und in ein paar Monaten..oder in Ihrem Fall wohl eher ein paar Jahren wieder kommen..oder was meinen Sie?“
Ich äffe Ihre Lache nach und meine dann, dass ich trotzdem noch kurz weiter schaue. Also, wenn Marc jetzt nicht mal zu Potte kommt, dann verlasse ich diesen Laden und suche das nächste Klo auf. Diese Frau bringt mich nämlich noch zum kotzen.
Und Gott sei Dank, kommt er dann wenig später mit ein paar Sachen wieder und geht auf mich zu. Now it´s showtime, baby.
„Entschuldigen Sie.“ spricht Marc mich an und zwinkert mir zu.
„Ja?“ frage ich, und tue überrascht.
„Ich hab hier ein paar Sachen für meine Freundin raus gesucht und ich wollte Sie fragen, ob Sie vielleicht bereit wären, die Sachen mal anzuprobieren, damit ich sehen kann, ob sie gut sind. Also natürlich nur, wenn Sie kein Problem damit haben.“
Es dauert keine zwei Sekunden, da steht die Brünette neben ihm. „Süßer, meinst du echt, dass die Frau die richtige dafür ist? Ich mach das nämlich auch liebend gerne.“
„Ne, ne...die Dame hier wäre perfekt. Sie sieht genau so aus meine meine Freundin, wissen Sie. Schön weiblich, so wie ichs mag...Sie sind da eher etwas zu...magersüchtig.“
„Was?!“
„Sie sind zu dünn, bei Ihnen hat man ja nichts in der Hand, außer Knochen.“
Die Tussi ist entsetzt. Sowas ist ihr wohl noch nie zu Ohren gekommen „Knochen?!“
„Jaaaa, und mein Gott, Sie haben ja nicht mal richtige Brüste. Die Silikonteile sind eindeutig zu klein geraten. Sie sollten den Chirurgen verklagen.“
„Tss...“
„Und mit ihren Fingernägeln würden Sie eh die ganze Unterwäsche ruinieren.“
Als die sie nur noch geschockt ihr eigenes Spiegelbild ansieht, wendet sich Marc wieder an mich. „Also wie siehts aus?“
„Äh..okay, wieso nicht? Aber glaubst du, ich meine Sie, glauben Sie, dass mir das passt?“
„Mit Sicherheit.“

Natürlich würde ich niemals für einen fremden Mann Unterwäsche anprobieren. Aber Marc ist ja auch gar kein Fremder. Obwohl er manchmal Seiten zeigt, die mir noch etwas fremd sind. Früher hätte er so etwas nie gesagt. Da hätte er sie wahrscheinlich abgeschleppt, in die Umkleide. Aber hier stehe ich jetzt und habe einen Traum aus Seide an. Ich hatte wirklich noch nie so ein sexy Nachthemd an. Bin das wirklich ich? Ich war doch immer viel dicker, oder? Ich muss abgenommen haben.
„Sie könnten dann gucken, Herr Meier.“ sage ich grinsend durch den Vorhang und schiebe ihn ein Stück zur Seite. Marc steht von seinem Sessel auf und kommt auf mich zu. Langsam schiebt er den Vorhang ganz zur Seite und sieht mich an. Während er mich von oben bis unten betrachtet, breitet sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus. Er tritt noch näher an mich heran und streicht mir sanft die Haare aus dem Gesicht. Dann beugt er sich vor und küsst mich. „Du bist wunderschön.“ flüstert er in mein Ohr. Und das macht mich so glücklich, dass ich fast anfange zu weinen.
Marc geht wieder aus meiner Kabine und sagt dann laut, so dass es die Verkäuferin auch garantiert hört: „Das sieht wirklich heiß aus!“
„Dann ist es wohl das richtige.“ sage ich.
„Ja, glauben sie, dass es meiner Freundin auch gefällt?“ er grinst mich an.
„Ich glaube es gefällt ihr sehr.“ lächle ich zurück.

Als wir wieder auf die Straße treten haben er zwei Tüten in der Hand. Die eine ist voll mit Marcs Jahresvorrat an Calvin Klein Unterhosen, aber in der anderen sind nur Sachen für mich. Marc konnte einfach nicht aufhören mir Sachen zum Anprobieren zu bringen. Und es hat irgendwie echt Spaß gemacht. Als er an die Kasse ging, meinte er zu Barbie, dass ihr Laden doppelt so viel Umsatz machen würde, wenn sie eine neue Verkäuferin einstellen würde. Dann hat er sich ganz öffentlich bei mir bedankt und meinte, er kauft mir die eine Unterhose als Dankeschön, weil ich ihm so gut bei der Auswahl geholfen habe. Ist das nicht reizend von ihm, einer wildfremden Frau eine Unterhose zu kaufen? Hat er sowas früher auch gemacht? Naja, ich wills gar nicht wissen. Auf jeden Fall stehen wir hier vor dem Schaufenster und ich sehe, wie Barbie im Laden vorm Spiegel steht und ihr Hemd hoch hebt und sich von allen Seiten betrachtet. Dann geht sie an ihre Tasche und holt ein Sandwich heraus. Marc und ich lachen uns an. Er legt einen Arm um mich, ich lege meinen um seine Hüfte und wir gehen zusammen die Straße runter.
„So, wo geht unsere Weltverbesserungsaktion weiter?“ fragt er im Gehen.
„Ich brauch immer noch ein Kleid.“
„Haben wir doch gerade gekauft.“
„Das ist aber etwas kurz für eine Geburtstagsfeier.“
„Findest du?“
„Es kommen auch andere Männer.“
„Stimmt, es ist eindeutig zu kurz.“

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25.02.2010 01:00
#161 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Also wenn es nicht um Dessous geht, ist Shoppen mit Marc echt anstrengend. An jedem Kleid, das ich anziehe hat er was rumzumeckern.
„Das ist viel zu knapp und zu provokant.“ „Das ist zu viel Stoff, du feierst ja nicht im Kloster.“ „In der Farbe siehst du aus, als müssest du kotzen.“ Danke, manchmal täte es dann auch einfach ein: Ne, ich glaub das ist es nicht.
Aber Marc ist halt ein ehrlicher Mensch und deshalb bekommt das nächste Kleid, das ich ihm präsentiere, folgendes Kommentar: „Darin siehst du fett aus.“
„Was?! Hast du gerade gesagt, du findest mich fett?!“ entgegne ich ihm zunehmend gereizt von seinen reizenden Bemerkungen.
„Nein, nein, ne...ich hab gesagt, du siehst so aus, aber natürlich bist du es nicht....Guck mal, das ist wie das Essen was ich bei dem Kochkurs gekocht habe: Sah lecker aus, war es aber nicht.“
„Marc red dich nicht raus. Wenn du willst, dass ich ne Diät mache, dann sag es. Und dass du einen Vergleich mit Essen wählst ist ja nahe liegend. Irgendwie muss man ja dick werden.“
„Gretchen, der Vergleich hat doch damit nichts zu tun. Es ging nur um das Aussehen und Sein.“
„Schön, aber mit mir assoziierst du ein Wokgericht, und da war nicht unbedingt wenig Fett drin Marc.“
„Okay, schön, dann assoziiere ich halt ein Wokgericht mir dir, aber nur weil es mitunter unglaublich scharf ist, so wie du...Es war bunt gemischt und sah fröhlich aus, so wie du....es gerade nicht bist, aber sonst eigentlich immer...und weil das Gericht bei unserem ersten Date entstanden ist. Und das mit dem fett liegt wirklich nur an dem Kleid. Schatz, bitte glaub mir, ich hab kein Problem mit deinem Körper, im Gegenteil, ich steh total auf ihn. Ich dachte, das hätte ich dir im Dessousladen deutlich genug bewiesen.“
„Ja hast du ja auch...okay, ich zieh jetzt das nächste an.“ Hab jetzt auch keine Lust mich hier weiter zu streiten. Deshalb gehe ich wieder in die Umkleide, quäle mich aus dem Kleid und in das nächste und denke darüber nach, was er gesagt hat. Vielleicht bin ich ja auch gerne ein Wokgericht...asiatisches Essen ist ja auch gesund..Moment mal. Irgendwas stimmt nicht, fällt mir plötzlich auf. Wie hat er mich genannt?
Oh mein Gott! Vor lauter Freude schaffe ich es nicht mal das Kleid zu schleißen. Ich reiße den Vorhang zur Seite und springe auf Marc zu und falle ihm um den Hals.
„Okay...das Kleid muss ja der Hammer sein.“ gibt Marc von sich.
„Nein.“
„Wie, es passt nicht?“
„Keine Ahnung.“ murmle ich über seine Schulter.
„Hä? Und wieso freust du dich dann so?“
„Du hast mich Schatz genannt.“
„Bitte was?“
„Du hast mich Schatz genannt.“ Ich löse mich von ihm und strahle ihn an.
„Nein, hab ich garantiert nicht.“
„Dohoch hast du.“
„ Ich..äh...ich hab gesagt..Platz..das Kleid platzt gleich...weils so eng war?“
Wieso ist ihm das jetzt so peinlich?
„Achsooo...ich könnte schwören, du hast gesagt: Schatz bitte ich hab kein Problem mit deinem Körper.“
„Nä, also da hast du dich wohl verhört.“
„Klar.“ Ich gebe ihm einen schnellen Kuss. „Ich zieh dann mal das nächste an.“
„Halt! Was ist den mir dem, was du jetzt an hast? Das sieht doch ganz gut aus oder?“ fragt er und macht mir den Reißverschluss zu.
Hat er gesagt, es sieht gut aus? Ich stelle mich schnell vor einen Spiegel und tatsächlich. Das Kleid ist super. Es hat genau die Farbe von meinen Augen und ist weder zu kurz noch zu lang,ich seh nicht aus wie eine Presswurst, aber auch nicht wie mit einem Zelt. Man könnte sagen es ist perfekt.
„Das ist doch perfekt.“ sagt Marc.

Marc, der froh ist endlich aus dem Laden raus zu können, nimmt das Kleid gleich mit zur Kasse, während ich mich wieder anziehe. Ich hoffe nur er schaut nicht vorher aufs Preisschild.

„300 Euro für ein Kleid?!“ bricht es aus Marc heraus, als wir wieder im Auto sitzen. Ich hatte ja vorgeschlagen noch etwas spazieren zu gehen, aber er meinte er will jetzt einfach nur nach Hause, weil es mit mir ja so anstrengend ist.
„Ach komm, jetzt tu nicht so als ob du es dir nicht leisten kannst. Du bist Oberarzt.“
„Aber für ein Kleid?! Das ziehst du einmal an und nie wieder.“
„Wer sagt das?“
„Deine Waage im Badezimmer.“
„Dann werde ich es halt enger machen lassen. Ach komm, ich verlange ja gar nicht, dass du es bezahlst. Du kriegst das Geld wieder okay?“
„Hmm. Oder wie wärs...ich schenk es dir zum Geburtstag.“
„Das würdest du tun? Aber...krieg ich dann nichts anderes von dir?“
„Das wird man sehen.“ Er grinst mich an und gibt mir einen Kuss. Und genau in dem Moment bekommt er einen Anruf. Ein Notfall. Er muss in die Klinik.
„Kann das nicht jemand anderes machen?“ frage ich entnervt.
„Ne, alle zu unfähig. Außerdem muss ich das Geld für das Kleid wieder reinkriegen. Aber hey, du musst nicht mitkommen, wirklich nicht. Ich fahr dich schnell zu mir und gleich komm ich dann nach okay?“
„Zu dir?“
„Ja...ist näher dran.....und außerdem müssen wir doch später noch Stiftung Warentest mit unseren neuen Sachen spielen.....Schatz.“ Er zwinkert mir zu und fährt los.

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07.03.2010 13:22
#162 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Ich hoffe der Notfall dauert nicht so lange. Ich vermisse Marc jetzt schon. Ohne ihn ist es in seiner Wohnung unglaublich ruhig. Damit die Stille mich nicht übertönt, schalte ich den Fernseher ein, was ich sogar hinkriege ohne, dass irgendwas explodiert oder sonst wie kaputt geht. Irgendwie kann ich mir gar nicht vorstellen, dass er hier lebt. Das ist doch total einsam. Wenn er früher, also vor der Gabi-Zeit, nach Hause kam, dann war er ganz alleine. Okay, eventuell hat er wahrscheinlich noch irgendeine Frau abgeschleppt, aber trotzdem hat nie einer mit dem Essen auf ihn gewartet oder ihn nach einem anstrengenden Tag massiert. Bei mir war ja immer Peter da, zumindest am Anfang, oder meine Eltern. Ich hatte jemanden, mit dem ich über meinen Tag reden konnte, über meine Probleme, selbst wenn es nur über einen Patienten war, der mir Sorgen machte. Marc hatte niemanden. Außer vielleicht Mehdi, aber der hatte ja auch schon immer andere Probleme. Aber ich will Marc jetzt mal nicht zu sehr bemitleiden, weil er ist ja der Meinung, dass er dieses Leben geliebt hat. Aber ich kann ihm zeigen, dass es viel besser sein kann, mit mir.
Zu aller erst decke ich mal den Tisch und nein, ich habe nicht vor zu kochen, das wäre jetzt wirklich etwas riskant, aber es gibt ja so tolle Erfindungen wie den Lieferservice. Ich rufe also beim Chinesen an und bestelle unser Abendessen und betone, dass sie es erst in einer Stunde liefern sollen. Oder besser zwei? Nein zwei Stunden sind zu lange, solange wird er nicht brauchen. Also in einer Stunde sollen sie das Essen bringen. Gut, nachdem ich den Chinesen jetzt hoffentlich nicht zu sehr verwirrt habe, telefoniere ich noch mit meiner Mutter und versichere ihr, dass erstens alles bestens ist und ich zweitens morgen nach Hause komme und ihr zuliebe auch dort schlafen werde, damit sie und mein Vater mich an meinem Geburtstag mit grauenhaftem Gesang wecken können. Darauf legen sie sehr viel Wert. Ich würde ja auch lieber von Marc geweckt werden, aber meine Mutter gibt sich soviel Mühe und ich will sie nicht enttäuschen.
Jetzt wo das erledigt ist, wird es spannend. Ich nehme die Tüte aus dem Dessous-Laden, den ich, obwohl wir es der Verkäuferin ordentlich gezeigt haben, garantiert nie wieder betreten werde, und in Marcs Schlafzimmer kleide ich mich um. Und irgendwie bin ich ein weiteres Mal erstaunt, dass es so gut passt. Ich weiß, es hört sich dämlich an, aber ich hatte schon befürchtet, dass ich in den letzten Stunden plötzlich wieder zugenommen habe. Aber dies ist Gott sei Dank nicht der Fall. Im Badezimmer richte ich mich noch ein bisschen her und ziehe mir dann einen Bademantel über, denn die Überraschung gibt es ja erst später.
Also soweit wäre alles fertig, aber es fehlt noch etwas. Marcs Wohnung ist ja generell etwas kälter von der Stimmung her und es ist einfach noch nicht romantisch genug. Also ganz klar: es müssen Kerzen her. Das klingt jetzt so simpel, stellt sich aber als echtes Problem heraus. Denn ich suche überall, aber nirgends hat Marc auch nur eine kleine Kerze. Das kann doch eigentlich nicht sein, jeder Mensch hat im Haushalt Kerzen, mindestens ein paar Teelichter, aber nicht so Marc. Was macht er denn wenn mal der Strom ausfällt? Okay, im Küchenschrank stehen zwei Taschenlampen, aber trotzdem. Verdammt, wo kriege ich jetzt Kerzen her?
Vielleicht versteckt er in seinem Kleiderschrank welche? Das wäre die letzte Möglichkeit. Ich fange also an seinen Schrank zu durchwühlen, wobei ich mir etwas wie ein Einbrecher vorkomme, aber was sein muss, muss sein. Und man glaubt es kaum, aber ich werde fündig. In einem Fach finde ich etwas, was ich im ersten Moment als Golfbälle identifiziere, beim zweiten Hinsehen aber bei jedem Golfball einen Docht entdecke. Ich habe Golfball-Kerzen gefunden! Yippie!
Als ich freudig die Kerzen herausholen will, fällt mir noch etwas anderes ins Auge. Ein einzelnes Foto in der hintersten Ecke. Ich nehme es vorsichtig in die Hand und stelle fest, dass es schon ziemlich alt ist. Aber was ich sehe, lässt mich lächeln. Ein keiner, dunkelhaariger Junge grinst mir entgegen. Er wird in den Armen eines Mannes gehalten, der fast exakt das selbe Grinsen hat, wobei die Augenbrauen auf so unbeschreibliche Art nach oben gezogen werden, genau so wie Marc es heute immer noch macht. Es ist das typische Meier-Grinsen und ich frage mich, ob das Marcs Vater ist. Ich habe Marc noch nie über ihn sprechen hören. Was wohl mit ihm ist?
So stehe ich noch eine Weile da, betrachte das Foto, doch dann lege ich es zurück in den Schrank und widme mich wieder meinem eigentlichen Vorhaben. Ich verteile die wenigen Kerzen im Schlafzimmer, auf dem Fensterbrett und auf dem Nachttisch. Wird er das zu kitschig finden? Ich weiß er steht nicht auf so etwas, aber hat er es jemals so erlebt? Unwahrscheinlich, und sobald er mich hat, ist ihm bestimmt der Rest gänzlich egal. O Gott mir wird jetzt schon ganz heiß, obwohl er noch gar nicht da ist.

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14.03.2010 23:04
#163 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

vorsicht, evtl. FSK 12;)

Die nächste Zeit tue ich folgendes: Warten, warten und, ach ja, warten.
Um neun Uhr kommt er dann endlich nach Hause, wo ich schon fast auf dem Sofa eingeschlafen bin. Ich hätte nicht gedacht, dass es so lange dauert und irgendwie ist meine Stimmung inzwischen etwas in den Keller gegangen. Das Essen ist schon kalt, aber Marcs Mikrowelle erweist sich Gott sei Dank als sehr hilfsbereit.
„Hey.“ begrüße ich ihn aus der Küche.
„Hey. Sorry, dass es so lange gedauert hat.“ Marc lässt sich erschöpft auf einen Stuhl am Tisch sinken.
„Wie war´s?“
„Naja, abgesehen davon, dass der Typ zweimal fast abgekratz wär und dann auch noch seine Freundin nen Kreislaufzusammenbruch hatte und dein Vater dann noch dringend eine Akte bearbeitet haben wollte, ganz gut. Und was hast du so getrieben?“
„Ich?...Ich hab...äh..was zu Essen bestellt. Ist schon vor längerer Zeit gekommen. Hier...hast du Hunger?“ Ich stelle das Essen auf den Tisch, worauf sich Marcs Gesicht etwas erhellt.
„Mmm, das ist genau das was ich brauche.“ Er lächelt mich an, doch ich kann nur zaghaft zurück lächeln, was Marc glaub ich auffällt.
„Gretchen? Komm mal her.“
Langsam näher ich mich ihm. Ich weiß, dass ich etwas beleidigt aussehe, aber ich kann nichts dagegen tun.
„Komm her.“ wiederholt er leise und ich lasse mich von ihm auf seinen Schoß ziehen. Sanft küsst er meine Wange und streicht mir durchs Haar. „Es tut mir wirklich Leid, dass du so lange warten musstest. Aber du weißt doch wie das ist...“
„Ich weiß Marc, du musst dich nicht entschuldigen.“
„Es tut mir trotzdem Leid.“ sagt er und fängt an mich auf den Mund zu küssen, wodurch ich mich gleich viel besser fühle. Ist doch eigentlich egal wie spät es ist, Hauptsache er ist da.
Bevor unser Kuss zu leidenschaftlich wird und er mich quasi anstatt des Abendessens vernaschen will, stehe ich auf. „Lass uns essen. Ich bin müde.“ sage ich. Bin ich natürlich nicht, nicht nach dem Kuss, der eindeutig nach mehr schreit, aber irgendwie gefällt es mir, wenn er denkt, dass heute Abend nichts mehr laufen wird. Dann wird die Überraschung besser.
„Du bist müde?“ fragt er und meint damit eindeutig: „Das heißt du willst schlafen und keinen Sex mehr haben?!“
„Ja, irgendwie schon.“
„Aber du...du hast dich zurecht gemacht.“
„Mir war halt langweilig. Und das ist auch schon länger her.“
„Ah....“ Ha, jetzt guckt er leicht enttäuscht. Shit, ein Gespräch über seinen Vater hab ich mir jetzt aber auch versaut. Ach egal, jetzt geht es darum ihn zu verführen.
Beim Essen reden wir wirklich nur über belangloses Zeug und Marc redet eh so gut wie gar nicht. Oh man ich bin schon gemein. Und um sein enttäuschtes Gesicht nicht länger ertragen zu müssen, stehe ich einfach auf, bringe meinen Teller in die Küche und sage, dass ich ins Bett gehe. Eigentlich hatte ich gar nicht gefragt, ob ich hier schlafen kann oder? Ups, egal, das lege ich jetzt einfach fest.
Marc sagt gar nichts.
Im Schlafzimmer beeile ich mich, zünde die Kerzen an, ziehe den Bademantel aus. Doch mein Positionieren auf dem Bett, läuft nicht wie geplant. Ich kann sowas einfach nicht. Wenn ich zum Beispiel auf der Seite liege, komme ich mir vor, wie auf der Ausklappseite aus nem Playboy. Ich will ja auch nicht billig rüber kommen und wie eine Prostituierte daliegen. Leicht verunsichert stehe ich wieder auf und betrachte mich nochmal im Spiegel.
Meine Haare sind vom Positionieren schon wieder so verwuschelt. Schrecklich. Ich versuche sie wieder etwas zu glätten, als plötzlich die Tür aufgeht und Marc hereingeplatzt kommt. „Gretchen, ich...“ sagt er noch und bleibt dann wie angewurzelt stehen. Er betrachtet erst mich und guckt sich dann im Zimmer um, nimmt die Kerzen wahr und.... sein Gesicht verzieht sich.
„Marc sorry, ich...ich hätte wissen müssen, dass es dir nicht gefällt. Ich hab überlegt ob es zu viel ist...und stimmt, es ist zu kitschig. Es tut mir echt Leid, am besten ich mache es wieder weg.“
sage ich unsicher und etwas peinlich berührt zu ihm, während ich auf die Kerzen zu gehe, um sie auszupusten. Verdammt, ich wusste doch, dass er nicht auf sowas steht.
Ich will gerade mit einem Hauch das kleine Feuer löschen, als ich Marc dicht hinter mir spüre. Er legt seine Hände auf meine Arme und zieht mich leicht zurück. „Nicht.“
Ich drehe mich um und sehe ihn an. „Aber ich dachte du magst es nicht?“
„Hab ich das gesagt?“ er schaut sich nochmal im Zimmer um. „Hast du das...hast du das alles für mich gemacht?“
„Ne, eigentlich wollte ich hier vorhin den chinesischen Liefermann verführen....Man, natürlich hab ich das für dich gemacht...naja und für mich. Also für uns.“ Ich lächle ihn an.
Er lächelt zurück, seine Augen fangen an zu strahlen und langsam verringert er die wenigen Zentimeter, die noch zwischen uns sind. Er kommt mir so nah, dass mein Puls schneller geht, und mein Atem schwerer. Die ganzen wundervollen Stunden, die wir schon zusammen verbracht haben, ziehen wie ein Film durch meine Erinnerung. Sein Duft, sein Körper, wie er mir jetzt über den Arm streicht, verwirren mir die Sinne. Am ganzen Körper kriege ich eine Gänsehaut, als ob mir kalt wäre, dabei fange ich innerlich schon an zu brennen. Mein Verlangen nach ihm brennt wieder so stark, wie ich es schon länger nicht zulassen durfte.
„Ich finde wir haben heute in dem Laden eine gute Wahl getroffen. Aber leider...kann ich nicht dulden, dass du das länger anhast.“ sagt er und streift langsam die Träger von meinem Nachtkleid von meinen Schultern. Ich schließe die Augen und genieße seine leichten Berührungen. Endlich spüre ich dann, wie er vorsichtig seine Lippen über meine streicht. Ich lege meine Arme um seinen Hals, schmiege mich näher an ihn und wir fangen an uns zu küssen. Ich merke, wie seine Zunge sich Eintritt in meinen Mund verschafft und gleichzeitig wie er mich hoch hebt. Mit einer geschmeidigen Bewegung trägt er mich zum Bett, wobei er den Kuss nicht eine Sekunde lang unterbricht. Langsam und vorsichtig lässt er mich darauf sinken, dann zieht er sich schnell sein T-Shirt aus und legt sich über mich. Seine Hände wandern unter den Stoff, der meinen Körper noch bedeckt, und er berührt mich überall. Die Lust, die meinen Körper durchströmt ist so groß, dass es fast unerträglich ist. Ich beuge mich ihm entgegen und mit einer schnellen Bewegung zieht er mit das Nachthemd aus. Ich spüre seine erhitze Haut auf mir und für einen Moment schaut er mich nur an. Ich nutze diesen Augenblick und drehe uns so, dass ich ihn jetzt mal etwas verwöhnen kann. Ich küsse ihn und lasse meine Küsse dann über seinen makellosen Körper weiter nach unten wandern. Seine Atmung geht immer heftiger. Als ich ihm seine Hose ausziehe und ihn weiter küsse, stöhnt Marc auf. „O Gott, Gretchen...du...du bist so...“ Weiter kommt er nicht, da ich mich wieder zu ihm hochbewege und seinen Mund mit meinem Lippen verschleiße. Er schlingt seine Arme um mich und mit einer sanften Drehung liegt er wieder über mir. Sein Mund und seine Hände werden immer fordernder. Ich spüre, wie sehr er mich will, wie er mich ganz will. Und ich will auch nur noch eins: ihn in mir spüren. Ich grabe meine Fingernägel in seine Schultern, als ich mich ihm vollends hingebe und er unsere Körper zu einem Rhythmus zusammenkommen lässt. Und schließlich ist das Gefühl so überwältigend, es ist als würde ich in tausend Stücke zerrissen werden und gleichzeitig mit Marc eins werde und als er mich dann noch mit so einem intensiven Blick anschaut, als könne er auf den Grund meiner Seele schauen, wird mir wieder bewusst, wie unbeschreiblich doll ich Marc Meier liebe.

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25.03.2010 16:16
#164 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Die Nacht mit Marc ist einfach nur umwerfend, wunderschön und ich wünschte sie würde nie zu Ende gehen. Er ist so zärtlich und gleichzeitig so leidenschaftlich auf eine Art wie ich es bei ihm noch nie erlebt habe. Und ich glaube, das ist so, weil er wirklich ernsthaft erkannt hat, dass er mich liebt. Ich meine es in seinen Augen zu sehen, in seinem Lächeln und ich fühle es an der Art wie er mich berührt. Aber kann es wirklich wahr sein? Wenn er es doch bloß aussprechen würde. Nur einmal, drei Worte, kann das so schwer sein?
Nach dem x-ten Mal, ich war außer Stande zu zählen, liege ich in seinen Armen und bin schon fast dabei einzuschlafen, als er anfängt zu sprechen.
„Hasenzahn?“
„Hmmm?“
„Ich...du bist..ich..ich glaube...“
„Ah ja. Ich weiß genau wovon du sprichst.“
„Ehrlich?“
„Nein.“
„Oh...also was ich sagen wollte..ich...ich..wollte sagen, dass ich...“
Er kann es nicht aussprechen. Ich versteh nicht, was ihn daran hindert, aber vielleicht ist er einfach noch nicht so weit.
„Was willst du sagen Marc?“ Ich schaue ihn erwartungsvoll an.
„Äh...“ er weicht meinem Blick aus und schaut stattdessen auf die Kerzen, die fast niedergebrannt am Fenster stehen. „Sag mal sind das meine Golfballkerzen?!“
Okay, das wars dann wohl.
„Wieso?“
„Sag mir nicht, du hast meine Golfballkerzen verbrannt.“
„Und was ist wenn es so wäre?“
„Ey weißt du wie teuer die sind? Die hab ich beim Ärztegolfturnier gewonnen, das war der erste Preis! Die waren aus Edelwachs!“
„Edelwachs? Deshalb haben sie so gut gerochen.“
„Das waren sie also wirklich?“
„Man, ich hab doch keine anderen gefunden. Und wieso bist du so pingelig?“
„Pingelig? Ich bin nicht pingelig?“
„Edelwachs hin oder her, das waren Kerzen Marc, Kerzen! Du stehst nicht auf sowas, das ist was für Frauen.“
„Das waren keine Kerzen, sondern Golfballkerzen.“
„Sie waren trotzdem dazu da angezündet zu werden. Oder was wolltest du damit machen? Golf spielen?“
„Vielleicht...“
„Achso...dann tut es mir natürlich Leid.“
„Jaa, das sollte es auch. Die Wahrheit ist nämlich...die hab ich extra für dich aufgehoben, damit es den Leuten am Kopf nicht so weh tut, wenn du mal wieder spielst.“
Ich fange an zu lachen und er auch. „Hätte ich das bloß gewusst. Aber ich finde hier haben sie ihren Zweck auch gut erfüllt...Es war wunderschön.“
„Ja...naja...“
„Okay, Marc halt einfach die Klappe und küss mich.“
„Na gut.“ Er grinst mich an. „Dein Wunsch sei mir Befehl...“

Am nächsten Morgen, viel zu früh, klingelt Marcs Wecker und mir wird bewusst, dass wir heute beide wieder arbeiten müssen. Aber es ist gerade so schön hier. Das sieht Marc anscheinend genau so, denn er nimmt den Wecker, schaltet in ab, dreht sich um und schläft weiter. Verdammt, er hat so einen schönen Rücken...ganz fasziniert von seinem Körper, auf den schon die morgendlichen Sonnenstrahlen scheinen, bleibe ich auch einfach liegen. Und ich würde auch länger liegen bleiben, wenn es nicht plötzlich an der Tür klingeln würde. Marc scheint sich nicht zu rühren, aber der Besuch, wer auch immer es ist, fängt an Sturm zu klingeln. Mühsam, aber trotzdem ganz gut gelaunt, stehe ich auf, ziehe mir noch schnell den Bademantel von gestern über, da ich nichts außer ein Hemd von Marc trage und bewege mich langsam zur Tür und öffne sie.
„Marc Olivier! Du musst mein neues Manuskr...igitt!“ Marcs Mutter platzt zur Tür hinein und als sie mich sieht bleibt sie erschrocken stehen.
„Großer Gott, was tun Sie in der Wohnung meines Sohnes?! Und was haben sie da an?!“
„Das äh ist ein Bademantel.“
„Das sehe ich. Was Sie hier machen, habe ich gefragt?!“
„Ich...äh...ich...“
„Ist Olivier da?“
„Äh, ja. Marc ist da.“
Einen Moment lang steht sie vor mir und es kommt mir vor, als wolle sie mich mit ihrem Blick durchbohren. Und dann kommt plötzlich Marc um die Ecke, wie durch ein Wunder schon fertig angezogen und gut aussehend wie immer.
„Mutter.“
„Olivier was macht diese Person bei dir?“
„Wie oft soll ich es denn noch sagen? Du sollst mich nicht so nennen. Und jetzt gib das Manuskript her und dann kannst du auch wieder gehen.“ Marc nimmt oder besser gesagt reißt ihr das Heft aus der Hand und will sie durch die Tür nach draußen schieben.
„Halt, ich verlange sofort eine Erklärung! Du schläfst doch nicht etwa mit ihr?“
„Mutter, es geht dich nichts an. Aber wenn du es unbedingt wissen willst...Dr. Haase und ich haben gestern eine wichtige Operation ausarbeitet und es wurde sehr spät, also hat sie hier übernachtet.“
„Auf dem Sofa nehme ich an?“ fragt Elke, um sicher zu gehen.
„Natürlich. Auf dem Sofa...ich würde ja nie mit der in einem Bett schlafen.“ Er wirft mir einen abwertenden Blick zu.
„Das will ich meinen. So niveaulos bist dann doch nicht.“ sagt sie noch bestimmt und dreht sich dann um und geht die Treppe herunter, ohne mich auch nur eines einzigen Blickes zu würdigen. Hätte sie es getan, hätte sie wohl möglich die Tränen gesehen, die sich in meinen Augen angesammelt haben. Wieso hat er das getan? Wieso steht er nicht zu mir? Er kann sich vor seiner eigenen Mutter nicht zu mir bekennen. Das ist ja wohl der beste Beweis dafür, das das mit Marc wieder nichts richtiges werden kann.

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02.04.2010 22:22
#165 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Ich laufe schnellen Schrittes durch die Wohnung und fange an meine Sachen zusammen zu suchen, während ich anfangen muss zu weinen.
„Gretchen, was hast du denn jetzt?“ fragt Marc, während ich schon meine Hose angezogen habe.
„Ich? Ich habe gar nichts. Die Frage ist wohl eher was du für ein Problem hast!? Was hast du für ein Problem mit mir Marc?! Bin ich dir so peinlich? Schämst du dich für mich?“
„Ich hab kein Problem mit dir.“
„Ach ja? Das klang eben aber ganz anders. Wieso hast du deiner Mutter nicht gesagt, dass wir zusammen sind, he?“
„Was hätte das für einen Unterschied gemacht?“
„Marc, dann wüsste ich, dass du zu mir stehst, dass du es diesmal ernst mit mir meinst und dass das hier nicht wieder nur so eine dreckige Affäre, sondern was richtiges ist.“
„Aber das ist es.“
„Nein Marc, das ist es nicht. Weißt du, ich dachte echt du hast dich zum Guten geändert, aber du bist immer noch der selbe Arsch.“
„Gretchen, bitte, ich konnte es meiner Mutter nicht sagen, du weißt doch wie sie ist.“
„Ja, das weiß ich. Und gerade deshalb hättest du es ihr sagen sollen, wenn du wirklich was für mich empfindest. Aber dir ist es anscheinend wichtiger, dass deine unfreundliche, egoistische Mutter, die dich nur dazu benutzt ihre Groschenromane Probe zu lesen, zufrieden ist, als dass ich glücklich bin.“
„Ey, sprich nicht so über sie!“
„Doch Marc, weil es stimmt. Ich hab nicht ein einziges Mal mitgekriegt, wie sie sich um dein Wohl sorgt, sondern immer musstest du dich um ihrs sorgen. Und sie bedankt sich noch nicht mal. Ihr geht es immer nur um ihre Karriere mit ihren bescheuerten Schmuddelgeschichten! Wäre es anders, dann hättest du ihr ohne Probleme von uns erzählen können und sie würde akzeptieren, dass ich dich glücklich mache! Aber du unterstützt sie in ihrer Art auch noch, weil du nämlich selber kein Stück besser bist! Kein Wunder, dass dein Vater damals abgehauen ist, oder was auch immer mit ihm passiert ist. Ihr seid nämlich unerträglich....“
Oh, das hätte ich jetzt vielleicht nicht sagen sollen...
„So, jetzt reichts aber!! Ich habe mir in den letzten Tagen ja wohl den Arsch für dich aufgerissen! Ich bin mit dir kochen gegangen, ich war mit dir shoppen! Weißt du, dass ich sowas noch NIE in meinem ganzen Leben für eine Frau gemacht habe?! Und nur weil ich meiner Mutter jetzt nicht sofort auf die Nase gebunden habe, was da zwischen uns läuft, musst du jetzt nicht so ein Theater machen!....Es tut mir Leid, dass ich nicht so eine tolle Familie und so nette Eltern wie du habe, aber so ist das nun mal. Und wenn du damit nicht klar kommst, dann...ist das dein Problem.“
Ich sehe, dass er es wirklich ernst meint. Er öffnet mir sogar die Tür. Ich weiß gar nicht mehr was ich sagen soll. Habe ich aus einer Mücke einen Elefanten gemacht? Dazu neige ich ja öfters mal. Aber diese Mücke hat mich nunmal unheimlich verletzt und verunsichert. Es war unreif von Marc so zu tun, als ob nichts wäre. Es war unfair, blöd, gemein und verletzend. Es war falsch. Das war nicht bloß eine Mücke, die man an die Wand klatscht und nicht weiter beachtet. Aber der Elefant hat Marc jetzt auch verletzt. Zumindest schaut er mich so an. Ich glaub ich hab noch nie so viel Wut und Traurigkeit in seinen Augen zugleich bemerkt.
Egal ob Elefant oder Mücke, es ist alles zerstört. Ich drehe mich um und gehe langsam aus der Tür. Ich weine so heftig, dass ich eigentlich so gut wie nichts mehr sehen kann. Aber der Drang hier weg zukommen, auch wenn ich es eigentlich nicht will, aber trotzdem muss, ist so groß, weshalb ich immer schneller gehe. Obwohl ich alles nur als verschwommenen Schleier sehe, rase ich die Treppe runter, so schnell, dass meine Beine gar nicht hinterherkommen. Ich sehe keine Stufen mehr, trete quasi blind vor mich hin, und es ist kein Wunder, dass ich, bei meinem Talent, umkicke und plötzlich falle.....Vielleicht lasse ich mich auch fallen, weil mir im Moment eh alles egal ist. Es ist vorbei und es gibt nichts woran ich mich festhalten könnte...

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02.04.2010 23:57
#166 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Das nächste was ich verspüre, sind unglaubliche Schmerzen. Ich kann nicht mal identifizieren woher der Schmerz kommt, es tut einfach nur unerträglich weh, überall...ich glaub ich habe mir sämtliche Knochen gebrochen, nach dem Salto, den ich hingelegt habe....Oh Gott ich sterbe...
...ich werde keine Dreißig mehr...und alles wegen ihm...
„Gretchen?! Scheiße, was machst du denn?!“ höre ich Marcs Stimme, die näher kommt. Ich versuche mühsam meine Augen zu öffnen. Verschwommen sehe ich wie sein Gesicht vor mir auftaucht.
„Hey, alles in Ordnung? Geht’s dir gut?“ fragt er. Was für zwei bescheuerte Fragen. Nichts ist gut! Absolut nichts! Arschloch...
Mein Gehirn fängt dann plötzlich irgendwie an, verrückt zu spielen, denn es ist nicht länger Marc den ich vor mir sehe, es ist ein riesiger Pferdekopf. Er hatte mir auf meine Frage vorgestern, ob er eines sei, nicht geantwortet. Aber jetzt weiß ich es selber. Er ist das größte scheiß Pferd dieser Erde. Gebrochenes Herz, diese Diagnose musste ich mir bei ihm schon oft stellen, aber jetzt auch noch Knochenbrüche...das sagt ja wohl alles!
Die Wut die in mit hoch steigt kann ich neben den Schmerzen noch spüren, genauso wie ich spüre, dass meine rechte Hand noch beweglich ist. Und so mache ich etwas, was ich in meinem Leben noch nie getan habe, obwohl ich es des Öfteren wirklich hätte tun sollen...Ich hole aus, so gut es eben hier am Boden geht, und lasse meine Hand als Faust geformt nach vorne schnellen. „Du Pferd!!“ bringe ich hervor und treffe direkt dasGesicht.
Super, als Belohnung bekomme ich noch mehr Schmerzen. Der Pferdekopf ist nämlich verdammt hart. So hart, dass der Schlag mir den Rest gibt. Ich höre noch wie Marc undefinierbare Laute von sich gibt und dann wird mir schwarz vor Augen.....

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06.04.2010 00:59
#167 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Man, was brummt denn mein Schädel so?
War ich gestern auf einer Party, an die ich mich nicht mehr erinnern kann?
Oh ich hatte ja Geburtstag. Ihh, jetzt bin ja schon dreißig.
Krass, aus Frust habe ich wohl ganz schön viel getrunken.
Wo bin ich überhaupt?
Und was ist das da für ein Klotz an meinem Bein? Oh mein Gott, ich wurde einbetoniert!
Ach ne, das ist ein Gipsbein. Hab ich mir das Bein gebrochen? Auf meiner Party? Vielleicht war ich so besoffen, dass ich die Treppe runter gefallen...eine Treppe, ja daran kann ich mich erinnern....
Marcs Treppe!
Plötzlich kommt meine ganze Erinnerung wieder. Der Sex mit Marc, der Streit mit Marc, die Treppe. Gar kein Geburtstag. Und jetzt liege ich hier, mit Gipsbein, mein Arm ist auch verbunden und meine rechte Hand. Gretchen Haase, das ist dein Ende...
„Frau Doktor?“
Man, wer schreit denn hier so?
„Frau Doktor? Sind sie wach?“
„Sabine?“
„Ja Frau Doktor, es ist alles gut. Ich werde mal den Doktor anpiepen.“
„Nein.“
„Aber er meinte...“
„Nein Sabine, bitte..ich...piepen Sie ihn nicht an.“ brachte ich schwach hervor.
„Okay...“
„Wie spät ist es denn? Es ist ja schon fast dunkel...“
„Es ist nach sechs. Ihr Bein musste Operiert werden, das hat ziemlich lange gedauert, weil Ihr Knochen dummerweise zersplittert ist. Aber der Dr. Meier hat alles wieder zurecht gepuzzelt.“
„Oh.“
„Ihr Arm ist nur verstaucht. Ach und der Finger ist auch gebrochen.“
„Oh...O Gott, ich bin so bescheuert Sabine.“
„Sie können nichts dafür, der Doktor meinte Sie sind eine Treppe runter gefallen.“
„Aber ich...“ Ich spüre wie wieder Tränen in meine Augen schießen. Ich will einfach nicht, dass alles vorbei ist.
„Ich...ich...glaub er war einfach noch nicht so weit...“ fange ich an vor mich hin zu schluchzen.
„Ich meine, wir haben ja gerade erst...wieder angefangen...und ich....das war vielleicht...zu viel...verlangt...und jetzt hab ich alles kaputt gemacht...“
„Ich weiß ja nicht, was passiert ist, aber glauben Sie mir Frau Doktor, es ist nicht alles kaputt. Ich war bei der Op dabei und ich hab Dr. Meier noch niemals so operieren sehen. Er hat Sie so angeguckt und nach der Op Ihre Hand genommen, als Sie geschlafen haben....er liebt Sie glaub ich.“
„Meinen Sie? Oder du, waren wir nicht schon beim du?“
Bevor Sabine antworten kann, geht die Tür auf und mein Herz bleibt fast stehen, weil ich denke Marc kommt hinein, aber es ist nur Frau Doktor Hassmann.
„Mein Gott Haase, Sie lassen diesem Krankenhaus aber auch gar nichts erspart.“ meint sie, während ich mir die Tränen aus dem Gesicht wische und sie fragend ansehe.
„Mussten Sie unbedingt heute die Treppe runter fallen?“
„Nun ja, es schien mir der richtige Zeitpunkt zu sein...“ sage ich und versuche zu lachen, was mir nicht wirklich gelingt.
„Auf jeden Fall haben Sie bewirkt, dass ihre Mutter hier alle in den Wahnsinn treibt, weil sie die Geburtstagsparty auf Teufel komm raus in dieses Krankenhaus verlegen will.“
„O man...das wusste ich nicht.“
„Außerdem bringen Sie bitte schnellst möglich Ihre verdammten Probleme mit dem Meier in Ordnung, ich hab nämlich keine Lust auch noch zwei weinerliche Ärzte als Kollegen zu haben. Und sonst heulen Sie mir noch in die Gehirne.“
„Ich weiß nicht...ob das geht....“ Wieder muss ich anfangen zu schluchzen.
„Sabine schauen Sie sich das an.“
„Ja Frau Doktor Hassmann, ein trauriger Moment.“
„Nein, ein erbärmlicher Moment. Also lange ertrag ich das nicht. Meier hat vorhin auch schon fast angefangen rumzuflennen, weil ich meinte, ich kann ihm das CT noch nicht geben, weil ich mir noch nicht sicher war, ob alles in Ordnung ist.“
„Sie meinen er hat geweint?“ fragt Sabine interessiert und ich höre ebenfalls gut hin.
„Na so kann man das nicht sagen. Aber ich hatte den Eindruck er hätte es am liebsten getan.“
„Oh..vielleicht sollte ich ihn jetzt doch mal anpiepen.“
„Nein! Das geht ni...“
„Dann geh ich ihm Bescheid sagen.“ unterbricht Hassi mich. „ Muss eh bei ihm vorbei, wegen dem CT. Ach ja, da ist übrigens alles beim alten. Hat mich etwas verwundert, nachdem ich die Story mit dem Pferd gehört habe...“ Mit diesen Worten verlässt sie den Raum.
„Waren Sie reiten?“ fragt Sabine verwundert.
„Nicht direkt. Aber können Sie mir vielleicht was zu Trinken bringen, bitte?“

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04.05.2010 23:36
#168 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Ich warte solange meine Kräfte es mit machen. Mein Bein fühlt sich noch etwas taub an und meine beiden Arme sind eh quasi unbeweglich, zumindest der linke verstauchte. Ich komme mir vor wie ein Roboter, dem die Batterie ausgegangen ist und jetzt sehnlichst darauf wartet, dass ihn jemand an die Aufladestation anschließt. In meinem Falle warte ich darauf, dass die Aufladestation durch die Tür kommt. Aber Marc kommt nicht. Vielleicht stimmt das gar nicht was Sabine und Dr. Hassmann meinten und er will mich gar nicht sehen. Traurig starre ich in die Luft. Ein riesengroßes Loch muss sich da schon gebildet haben. Ein schwarzes Loch, das, wenn Marc mich nicht davor rettet, größer wird und mich aufsaugt mitten ins Nichts. Denn ohne ihn bin ich nichts. Ich bin nur ein wandelnder (im Moment nicht mal das), zu dicker Körper, der nicht sein will.
Aber wie gesagt, Marc kommt nicht. Stattdessen kommen meine Eltern, da stelle ich mich einfach mal schlafend, und als ich dann wirklich am Einschlafen bin, kommt Mehdi. Und aus irgendeinem Grund bin ich ganz froh ihn zu sehen. Seine warmen Augen strahlen so etwas beruhigendes aus und sein Lächeln lässt es mir Leid tun, dass unsere Freundschaft in letzter Zeit nicht mehr wirklich da war.
„Hallo.“ bringe ich schwach hervor.
„Gretchen, Mensch, du machst aber auch Sachen, hmm?“
„Ich weiß...ich...ich hab einfach nichts mehr gesehen.“ So wie es jetzt gleich wieder passieren wir. Wo ist er bloß?
„Marc wollte nicht wirklich mir der Sprache rausrücken, was passiert ist. Hat er wieder Mist gebaut?“
Ich fange an zu schluchzen. „Ich..ich weiß nicht...er...seine Mutter kam..und er...hat zu ihr gesagt, dass er niemals mit mir in einem Bett schlafen würde....er hat mich verleu..leugnet..“
Mehdi seufzt. „Dieser Idiot, echt...“
„Und wir haben uns gestritten...und ich hab so schlimme Sachen...gesagt...ich will nicht, dass es aus ist...und ich dachte, er liebt mich vielleicht...“
„Gretchen hey, beruhig dich. Ich...o Gott, ich kann nicht glauben, dass ich das jetzt sage, aber...es wird nicht aus sein. Glaub mir, ich habe Marc noch nie so gesehen.“
„Wie gesehen?“
„So verliebt. Er ist so verschossen in dich...ist eigentlich echt amüsant mit anzusehen.“ Er fängt an zu lachen. „Du hättest ihn mal sehen müssen, wie aufgeregt er vor eurem Date war. Er hat seine Frisur zehn Mal im Spiegel überprüft.“
Bei der Vorstellung muss ich lächeln. „Das denkst du dir doch nur aus...“
„Nein, das ist mein Ernst.“ Mehdi lacht wieder. „Er hat mich sogar gefragt, ob seine Haare mit einer Welle nach links oder nach rechts besser aussehen.“
„Und wo ist er dann? Wieso kommt er nicht?“ schluchze ich nun wieder.
„Er wollte wirklich kommen, aber es gab einen schweren Unfall auf der Avus. Marc ist im Op und operiert ein Mädchen. Ich hab sie gesehen, sie sah schlimm aus. Die Mutter hat es glaub ich nicht geschafft...“ sagt er traurig. „Sorry, das hätte ich dir jetzt in deinem Zustand vielleicht nicht so erzählen sollen.“
„O Gott nein...“ Plötzlich komme ich mir richtig blöd vor. Ich raste aus, weil Marc seiner Mutter nicht von uns erzählen kann und denke, dass das der Weltuntergang ist, während dort draußen die richtig schlimmen Dinge passieren. Ich liege hier mit ein paar Knochenbrüchen, während das Mädchen im Op weiß ich was für schwere Verletzungen hat. Ich mache Marc Vorwürfe, dass er nicht kommt, um nach mir zu sehen, dabei rettet er Leben. Er tut Gutes, er ist ein brillanter Arzt, er ist in seinem Beruf ein Gott, aber im Privatleben eben doch nur ein Mensch, der Fehler macht...
„Gretchen?“
„Tschuldigung was?“
„Ob es weh tut...“
„Irgendwie schon ein bisschen.“
„Willst du noch was dagegen haben?“
„Ja...Schokolade,...aber dann komm ich morgen nicht in das Kleid rein.“
„Was? Achso, du redest jetzt eher vom...Herzschmerz.“
„Naja was dachtest du denn?“
„Hmmm....Beinbruch, Fingerbruch, verstauchter Arm?“
„Achso, stimmt ja, ne ne, sind ja fast nur Kratzer.“ Ich wische mir so gut es mit meiner Hand geht die Tränen aus dem Gesicht.
„Wenn das so ist...“ Er erhebt sich langsam vom Bett, wo er sich neben mich hingesetzt hatte. „Also so unterschiedlich seid ihr gar nicht, das muss man mal sagen...Gute Nacht Gretchen.“
„Mehdi, Danke.“
Er drückt kurz meine Hand und geht dann zur Tür. Ob er immer noch in mich verliebt ist? Ich hoffe er kommt irgendwann davon los. Aber immerhin scheint er sich damit abzufinden, dass ich und Marc...mehr oder weniger...zusammen sind.

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11.05.2010 01:27
#169 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Ein seltsames Geräusch tönt in mein Ohr. Mäht hier jemand den Rasen? Nein, hat hier jemand ein Schweinchen ausgesetzt? O Gott, nein! Heute habe ich Geburtstag und mein Bruder hat mir ein Hausschwein geschenkt! Das hat er mir doch letztens angedroht....
Geschockt von dem Gedanken reiße ich die Augen auf. Ich will mir etwas schwungvoll den Schlaf aus den Augen reiben und schlage mir dabei fast selbst ein blaues Auge, weil ich den Gips an meiner Hand nicht beachtet habe. Aber als ich erkenne, woher das Geräusch kommt, kann ich mich erleichtert in meine Kissen zurück sinken lassen. Kein Schweinchen, Gott sei Dank. Aber es hört sich schon ein bisschen so an. Ich hebe vorsichtig meine Hand und streiche, so gut das mit einem Gips um meine Finger geht, über die zerzausten dunklen Haare von Marc, der noch halb auf einem Stuhl neben meinem Bett sitzend, mit seinem Kopf auf meinem Bett schläft und dabei grunz-ähnliche Geräusche von sich gibt. Er ist also doch noch gekommen und es scheint mir gerade fast so, als wäre nichts von dem „Zwischenfall“ passiert. Ich will einfach nur, dass alles so ist wie die letzten Tage. Ich will ihn küssen, ihn berühren, ihn....nein, manno, das wird in meinem Zustand wohl eher nicht gehen. Aber damit es überhaupt irgendwann mal wieder geht, muss eh noch einiges geklärt werden.
Eine Weile sehe ich ihn einfach nur an und lächle jedes mal, wenn ein neuer Schnarcher kommt, bis er meine Blicke anscheinend irgendwie spürt und seinen Kopf mit einem leisen Stöhnen anhebt, ihn umdreht und mich verschlafen ansieht. Er lächelt müde und setzt sich langsam auf und gähnt. Ich erwidere sein Lächeln, doch als ich sein Gesicht richtig sehe, werde ich wieder erst.
„Marc, oh mein Gott, was ist mit deinem Auge passiert?!“ Marc hat ein richtiges Veilchen im Gesicht.
„Mmmm...wurde von einer Irren geschlagen.“ sagt er und streckt sich. Dann grinst er. „Davor hat sie mich noch als Pferd bezeichnet...“
Oh mein Gott, ich hab ihn so zugerichtet? Was bin ich?
„Marc, das..das tut mir so Leid...tut es weh?“
„Nä, geht schon. Aber sowas müssen wir vielleicht nochmal üben, damit du dir das nächste mal nicht den Finger brichst ne?“
Was?! Ich hab mir den Finger gebrochen, weil ich einen Mann geschlagen habe? Also das ist ja jetzt schon fast wieder armselig.
Ich gucke auf meine Hand, dann auf mein eingegipstes Bein, Marc tut das selbe. Für einen Moment schweigen wir beide, bis er es unterbricht...
„Gretchen, ich...ich...es tut mir Leid. Alles, ich hab Schei...also Mist gebaut und das ist mir bewusst. Ich weiß nicht was mir in dem Moment durch den Kopf ging, aber es war nicht das Richtige. Du hast Recht, dass ich meine Mutter damit in ihrer furchtbaren Art unterstützt habe und das hätte ich nicht tun sollen. Denn alles was zwischen dir und mir...also ich hoffe es gibt noch ein dir und mir...alles was dazwischen steht, muss ich, nein will ich aus dem Weg schaffen. Meine Mutter zufrieden zu stellen, ist eine Angewohnheit, damit sie nicht nervt, aber was ich wirklich will ist, dass du glücklich bist. Weil du mich glücklich machst und weil...weil...Gretchen, ich hoffe du kannst mir verzeihen...“ Marc schaut mich erwartungsvoll an.
„Das hast du auswendig gelernt oder?“
„Was?! Nein, natürlich nicht...das....das hat man gehört?“
„Naja schon ein bisschen...“
„Ach fuck...jetzt hab ichs versaut oder? Es tut mir Leid, du weißt ich bin nicht gut in sowas, deshalb hab ich mir halt was vorbereitet, aber es ist wirklich das, was ich meine. Und um es nochmal deutlicher auszudrücken, ich wünschte ich könnte die ganze Sache rückgängig machen. Wenn ich dich hier so sehe, dann kommt mir die Frage auf, ob ich vielleicht nicht gut für dich bin. Nein nicht nur die Frage, es schreit in meinem Kopf eine Stimme, die mir das sagt, aber das hieße ich muss dich gehen lassen und das will ich nicht.“ Marc schaut zum Boden und spricht langsam weiter. „Ich will nicht von dir getrennt sein, ich will, dass du bei mir bist, weil,....ich hab noch nie so etwas wie mit dir erlebt...Noch nie...Und ich will nicht,...dass es vorbei ist...“
Marc hebt seinen Blick vorsichtig und sieht mich an. Ich bin völlig sprachlos von Marcs plötzlichem Sprachfluss und auch irgendwie so gerührt, dass ich schon wieder fast anfangen muss zu weinen und es dauert eine Weile bis ich meine Stimme wieder finde. In der Zeit wird Marcs Blick immer verzweifelter, wodurch ich immer mehr aufspringen will und ihm um den Hals fallen will. Aber auch das geht leider nicht.
„Marc...ich...ich will auch nicht, dass es vorbei ist.“ bringe ich hervor und lächle ihn an.
Sein Gesicht erhellt sich. „Echt nicht?...Ich, ich hätte gedacht du bist vielleicht noch sehr sauer.“
„Vielleicht hab ich einfach zu viel von dir erwartet...ich mein, du hast wirklich viel für mich gemacht in den letzten Tagen und...da dachte ich ist es ja wohl nichts dagegen seiner Mutter zu sagen, dass es...dass es schon das ist wonach es aussieht. Aber...es tut mir Leid, dass...es für dich anscheinend nicht so leicht ist... auch wenn du jetzt selber meinst, dass es falsch war.“
„Ja..Gretchen ich...“
„Warte...ich wollte noch sagen, dass ich aber auch weiß, dass ich..dass es von mir falsch war, was ich gesagt habe. Das mit deinem Vater...ich weiß nicht was mit ihm passiert ist...und nichts gibt mir das Recht...sowas zu sagen...Es tut mir wirklich Leid.“ Vorsichtig blicke ich von der Bettdecke in seine Augen und warte darauf, dass er was sagt.
Er räuspert sich. „Weißt du...das Ding...wieso ich so ausgerastet bin...ist, dass du einfach mal irgendwie Recht hattest...das ist das schlimme....Er ist einfach so abgehauen.“
„Oh Marc...wie..wie alt warst du?“
„Sieben. Ich kann mich auch gar nicht mehr genau erinnern....er hat sich nie wieder gemeldet.“
Er lacht kurz auf, aber man sieht, dass er es eigentlich nicht zum Lachen findet. „Ich weiß nicht mal ob er noch lebt.“
Ich muss sagen, dass ich echt schockiert über Marcs Geschichte bin. Wieso hab ich noch nie vorher darüber nachgedacht? Und irgendwie erklärt das ja schon ein bisschen wieso Marc so ist wie er ist. Es muss schrecklich sein von einem geliebten Menschen ohne ein Wort verlassen zu werden. Ich wurde ja schon oft enttäuscht, aber das...das ist ja nichts im Vergleich zu dem.
„Marc...das...das tut mir so Leid...ich hatte ja keine Ahnung...“ Ich hebe meine vergipste Hand und und halte sie ihm entgegen. Er nimmt sie vorsichtig und fängt an über meine Fingerspitzen, die vorne aus dem Gips rausgucken, zu streichen.
„Ach schon gut...hab mich damit längst abgefunden...nach all dem Jahren..irgendwie...“
„Marc, du kannst immer mit mir darüber reden, wenn du willst.“
Er ist für einen Moment ruhig.
„Ich weiß...ABER...nicht heute., weil heute...ist dein Tag.“ Marc setzt plötzlich ein ungeheures Strahlen auf, steht vom Stuhl auf und setzt sich neben mich aufs Bett. Er grinst mich an. Dann beugt er sich nach vorne und kommt meinem Gesicht immer näher. Ich, noch völlig überrascht von diesem plötzlichen Stimmungswechsel im Raum, weiß gar nicht wie ich reagieren soll und beschließe einfach nichts zu tun. Und ehe ich mich versehe hat Marc auch schon seine Hände an mein Gesicht gelegt und seine Lippen auf meinen Mund. Und dann gibt er mir einen Wahnsinns Kuss, der mir zu hundert prozent verdeutlicht, dass es richtig ist, das mit ihm nicht aufzugeben. „Alles Gute zum Geburtstag Hasenzahn.“ meint er, als er sich nach einer kurzen Ewigkeit von mir löst. Vollkommen benebelt auf Wolke 7 sehe ich, wie er sich kurz bückt und ein Geschenk unterm Bett hervorholt. „Hier für dich.“ sagt er und grinst mich frech an.

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19.06.2010 23:20
#170 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Ich nehme das Päckchen so gut es geht an mich. Die Szene, die in Filmen so romantisch ist, wenn er ihr etwas schenkt und sie es vorsichtig öffnet, sieht hier in der Realität etwas anders aus. Mir steht nur eine Hand zur Verfügung, und diese auch nur halb.
„Soll ich dir helfen?“
„Neihein, das schaff ich schon.“
„Sieht man...“ meint er und guckt weiter zu, wie ich das Geschenkpapier mit dem Mund versuche aufzureißen. Und es funktioniert auch einigermaßen. Ich schaffe es eine Schachtel freizulegen. Es ist kein Samtschächtelchen oder sonst was, sondern typisch Marc eine vollkommen schlichte Pappschachtel. Schmuck oder so ist da sicherlich nicht drin, dafür ist sie auch zu groß.
Ich schaue Marc erwartungsvoll an.
„Jetzt mach schon auf.“ sagt er und fängt an zu lachen. Was findet er jetzt bitte lustig?
Ich hebe langsam den Deckel der Schachtel ab und starre auf den Inhalt. Und bin mir irgendwie unsicher, wie genau ich jetzt reagieren soll. Marc dagegen scheint mein Blick sehr amüsant zu finden und lacht weiter vor sich hin.
Vor mir in der Schachtel befinden sich nämlich dicke Filzstifte in verschiedenen Farben...
Ich nehme so gut es geht einen heraus und betrachte ihn. „Wow, Marc das ist...Danke.“ bringe ich schließlich hervor und grinse ihn unsicher an.
„Hasenzahn, du weißt wohl nicht was genau du da gerade in der Hand hältst. Das...“ sagt er und nimmt mir den Stift aus der Hand, „...sind die besten Eddings die es auf dem Markt gibt, und sie sind perfekt geeignet....für Beschriftungen auf Gipsbeinen.“ Er schlägt die Bettdecke von meinem gebrochenen Bein zurück.
„Oh nein, nein, nein, nein...du wirst da von meinem Gipsbein schön die Finger lassen. Und überhaupt sind Eddings in deiner Hand eine denkbar schlechte Idee!“ Ich erinnere mich nur zu gut wie Marc mir mal damit liebevoll in der Schulzeit die Stirn verziert hat... „Marc wenn du da jetzt irgendeine Sauerei drauf machst, dann...“
„Hallo, jetzt sei mal locker...was denkst du überhaupt von mir?“ Er nimmt den Deckel vom Stift ab und setzt ihn an. Seufzend lasse ich mich in meine Kissen zurückfallen. Ich glaube Marc wird wohl nie erwachsen, aber ist ja auch irgendwie süß von ihm, sein Geschenk. Jetzt bin ich ja doch mal gespannt, was er da unten rummalt.
„So fertig.“ meldet er sich nach einer kurzen künstlerischen Phase zu Wort. Außerdem grinst er schon wieder so. O Gott, was kommt jetzt?
Ich setzte mich auf und betrachte sein Kunstwerk: ein dicker Hase, der durch eine Sprechblase sagt: Gebt mir bloß keine Schokolade!“ Sehr witzig...
„Marc du bist echt reizend!“
„Der Hase ist süß geworden oder?“
„Ja total. Sieht schon ein bisschen aus wie ein Versuchskaninchen.“
„Ey ey ey...dir ist schon klar, dass du dich dadurch quasi selbst beleidigst.“
„Maarc...kannst du nicht einmal nett sein? Wie wärs mal mit nem Kompliment?“
„Du willst was Nettes?...Hmmm, na gut...“ Er nimmt einen anderen Stift aus der Schachtel und setzt sich dann so hin, dass ich nichts von dem sehen kann, was er auf meinen Gips malt oder was auch immer er da tut. Auf jeden Fall dauert es lange...
Er hört auf zu malen, aber dreht sich immer noch nicht zu mir um. Irgendwie starrt er auf sein neues Kunstwerk...
„Ähh....Marc?“
Langsam dreht er sich um, aber bedacht darauf, dass ich mein eigenes Bein nicht sehe. Marc grinst nicht mehr. Er schaut fast schon ernst. Nein nervös, er fummelt nervös an dem Stift rum.
„Jetzt zeig doch mal.“ sage ich während ich mich gespannt wieder aufrichte und versuche an Marc vorbei zu schauen.
„Warte...ich...okay, aber nicht...egal...also...Gretchen das ist wirklich...“
„Marc, jetzt geh aus dem Weg!“ sage ich lauter, was er dann auch tut. Er steht langsam auf und stellt sich neben mein Bett.
Und dann sehe ich was er nicht gemalt, aber geschrieben hat. Und mein Herz bleibt für einen Moment stehen und mir wird ganz heiß.
Das muss ein Traum sein.
Hab ich meine Kontaktlinsen drin?
Lebe ich eigentlich noch, oder bin ich im Himmel?

In roten Großbuchstaben erstrecken sich über mein Bein die drei Worte:
ICH LIEBE DICH!

Ein unglaubliches Glücksgefühl steigt in mir hoch. Gleichzeitig bin ich so berührt, dass ich mir Tränen aus den Augen wegblinzeln muss.
„Marc...“ Ich sehe ihn an und er setzt sich langsam wieder neben mich. Seine Hand legt er an meine Wange und streicht eine Träne weg.
„Ich wollte es dir so oft sagen.“ flüstert er. „Ich konnte es irgendwie nicht...aber jetzt... Gretchen...ich...liebe dich...“
Er beugt seinen Kopf nach vorne und küsst mich sanft. „...so sehr...“
Meine Tränen fließen, aber ich bin so glücklich. Das hier ist pures Glück. Das ist, was ich immer wollte. Worauf ich Jahre lang gewartet habe. Denn ich spüre, dass er es wirklich ernst meint. Marc Meier liebt mich! Das ist der beste Geburtstag, den ich je hatte.
„Ich liebe dich auch, Marc.“ hauche ich ihm entgegen. „Gut.“ lächelt er und versenkt mich wieder in einem Kuss. Als er sich löst, sehen wir uns nochmal tief in die Augen. Und dann nimmt er mich fest in den Arm und ich kann nicht anders, als in seine Schulter zu schluchzen.
Wir halten uns lange und küssen uns zwischendurch immer wieder und ich glaube Marc hätte natürlich gerne noch andere Wege eingeschlagen, aber tja, das ist halt die Strafe, dass das nicht geht...schon blöd.

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02.12.2010 18:14
#171 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Liebes Tagebuch,
ich kann jetzt langsam wieder schreiben.
Kann es kaum erwarten wieder zu operieren. Ich glaube Marc freut sich auch darauf. An seinen Gesichtsausdruck auf meiner Geburtstagsfeier, als ihm schmerzhaft bewusst wurde, dass er die nächsten paar Wochen nur Bo als Assi hat, kann ich mich noch gut erinnern.
Mein Geburtstag war übrigens trotz mehreren Brüchen sehr schön. Meine Mutter hatte sich richtig Mühe gegeben, aber am meisten hat mich Marc überrascht. Er ist den ganzen Tag lang nicht von meiner Seite gewichen. Er hat mir sogar geholfen das Kleid anzuziehen, was er mir gekauft hat. Ein Kleid im Krüppel ist immer noch besser als nur Krüppel. Gott, wo steht mir der Kopf? Ein Krüppel im Kleid meine ich...Naja nachdem ich ein Hippi-Duett zwischen Mama und Papa ertragen musste (da war mir Jochen mit „We will Rock you“ noch lieber) (Marc hat sich übrigens geweigert was zu singen und ich hätte unter lauter Schmerzmitteln noch schiefer als Bridget Jones gesungen), also danach hat Marc mich dann geküsst und zwar vor allen Leuten!! und nicht kurz, sondern so richtig schön lang! Ich weiß, dass es ihm zuerst peinlich war, aber er hat sich überwunden und mir damit nochmal gezeigt, dass er es wirklich ernst meint. Und abends als wir alleine in meinem Krankenzimmer waren hat er mir noch was geschenkt. Eine wunderschöne Kette, die....



„Hasenzahn?“
Schnell verstecke ich mein Tagebuch unter der Decke.
„Was machst du?“
„Äh nichts?“
„Hmm sicher...“
„Hallo, ich sitze wirklich nur hier und denke.“
„Aha und was versteckst du unter der Decke?“
„Äh...mein immer noch im Gips steckendes Bein?“
„Nein, ich habs genau gesehen...“
„Marc ist doch auch egal.“
„Na dann kannst dus mir ja sagen.“ Er kommt näher und setzt sich zu mir aufs Bett.
Ich weiß nicht genau, wieso ich nicht will, dass er jetzt schon sieht, dass meine Hand wieder zu gebrauchen ist. Aber wenn ich es für mich behalte, dann könnte ich ihn nachher hier im Schlafzimmer damit überraschen...
Also antworte ich erstmal nichts.
Marc steht wieder auf und geht einmal ums Bett herum, nur um sich dann auf die andere Seite drauf zu werfen. Neben mir liegend fängt er dann an mich an zu grinsen...
„Hasenzahn?“
„Jaaa?“
„Weißt du was?“
„Nein.“
„Wie spielen jetzt ein Spiel.“
„Und zwar?“
„Wahrheit oder Pflicht.“
„Pff vergiss es.“
„Warum? Hast du irgendwelche Geheimnisse?“
„Marc sind wir aus dem Alter nicht raus?“
„Das ist man nie...also? Wahrheit oder Pflicht?“
„Keins von beiden.“
„Also Wahrheit.“
„Nein....also wenn überhaupt ja, dann fange ich an.“
„Na gut. Ich nehme Pflicht.“ Marc scheint sehr selbstsicher. Dann werde ich ihm doch jetzt mal Zeigen wo es lang geht...
„O okay...dann, dann musst du jetzt...ähm...jemanden anrufen und ihm ein Kompliment machen.“
„Was soll das denn?!“
„Du musst.“
Ha, er hätte wohl eher mit zwanzig Liegestützen gerechnet als damit.
Widerwillig steht Marc auf, holt sein Handy. Er überlegt kurz und dann entscheidet er sich...da bin ich ja mal gespannt. Vielleicht seine Mutter? Oder Mehdi? Vielleicht Sabine?
Doch bevor ich weiter denken kann, beginnt mein Handy auf dem Nachttisch an zu klingeln.
„Marc das zählt nicht!“
„Gretchen, da ruft sich jemand an, jetzt geh doch mal ran.“
Kopfschüttelnd aber lachend nehme ich ab.
„Hallo?“
Marc grinst mich an. Dieser Schlingel echt...
„Hi hier ist Marc.“
„Ach Mensch wirklich?“
„Ja..und..ich wollte...ich wollte dir nur sagen, dass ich...du hast wunderschöne Augen..“
Als er das sagt sieht er mir direkt in die Augen. Wie kann es dieser Mann nur immer schaffen mich von jetzt auf gleich zum Schmelzen zu bringen?
„Und ich liebe deine Brüste.“
Und im gleichen Moment so...so marcig zu sein?
„Also dann,“ spricht Marc weiter in sein Telefon. „Man sieht sich.“
„Jaa, das tun wir in der Tat. Und Danke...“
Einen Moment lang sieht Marc mich lächelnd an. Er ist so süß!
„So und jetzt zu dir!“
„Okay okay...Wahrheit.“
„Gut. Aaalso...was hast du gemacht, bevor ich rein kam?“
„Na schön...ich hab Tagebuch geschrieben.“
„Du hast was?“
„Ich habe Tagebuch geschrieben.“
„Geschrieben? Mit deiner rechten Hand? Du erzählst mir nicht, dass du sie wieder benutzen kannst? Wieso nicht?! Ich bin dein Arzt...und außerdem dein...dein Freund!“
„Dann hab ichs dir halt nicht gleich gesagt, was ist daran so schlimm?“
„Das Schlimme ist, dass das Erste, was du mit deiner Hand machen willst, das Schreiben ist! Du magst dein Buch anscheinend mehr als mich...“
Ich wusste es...dieser Mann brauch so viel Zuneigung, das denkt man gar nicht von ihm.
„Marc das stimmt doch gar nicht. Ich muss meine Hand doch erst wieder etwas trainieren...bis sie gut genug für dich ist.“
Marc schnaubte. Er hatte sich auf den Rücken gedreht und starrte die Decke an. „Ich versteh eh nicht wieso du überhaupt noch Tagebuch schreibst. Du hast doch mich...“
„Och Marc, du bist so süß.“ Ich hebe meine Hand und fange an ihm durch die Haare zu streichen.
„Du weißt, dass ich keine Geheimnisse vor dir habe. Aber ich hab mich einfach so ans Schreiben gewöhnt und....du sagst doch immer ich soll dich nicht mit meinen Gequatsche nerven...und außerdem kann ein Tagebuch keine dummen Sprüche von sich geben.“
Er brummte nur. Ich glaub es einfach nicht: Marc ist tatsächlich eifersüchtig auf mein Tagebuch.
„So jetzt sei nicht beleidigt, sondern lass uns das Spiel weiter spielen. Ich bin nämlich dran.“
„Hm.“
„Marc.“
„Okay okay, ich nehme Wahrheit.“

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06.12.2010 01:18
#172 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

„Also gut...Was genau hast du gedacht, als ich zum ersten Mal wieder ins Elisabeth-Krankenhaus kam?“
„Pff, du stellst Fragen,“ sagt Marc und überlegt kurz lächelnd. „Als ich dich da im Fahrstuhl gesehen hab, dachte ich >das gibt’s doch nicht, das ist tatsächlich Hasenzahn< Ach ne, stimmt gar nicht...zuerst hab ich in deinen Ausschnitt geguckt und dachte >Wow<. Dann hab ich dein Gesicht und den Rest angeguckt und dachte >Das kann nicht sein, das ist sie nicht<. Und dann bin ich zu dem Schluss gekommen, dass du es doch bist und dachte >Oh mein Gott, sie sieht ganz anders aus, viel besser<, aber trotzdem hab ich gleich beim ersten Blick, naja eigentlich beim zweiten, sofort gesehen, dass du immer noch genauso drauf warst wie früher.“
„Aha?“
„Ja, ich wusste sofort, dass dich immer noch die gleichen Dinge auf die Palme bringen würden, wenn du weißt was ich meine. Und so hab ich mir dann ein Späßchen erlaubt, das mit der Spange und so. Und als dein Vater mir dann erzählt hat, dass du bei uns anfängst, dachte ich >Boa ne, dann wird sie mich bestimmt volllabern, rumzicken, heulen, nett sein etc. etc.< Aber ehrlich gesagt fand ichs auch irgendwie spannend dich wieder zu haben, also in meiner Umgebung, also du weißt schon. Weil ich halt wissen wollte ob du was drauf hast, also im Op, und ob du wieder auf mich stehst...obwohl ich gemein zu dir bin...ach ja so was halt...“
„Wahnsinn, ganz ehrlich Marc, wusste gar nicht, dass du so viel über mich nachgedacht hast.“
„Glaub mir, das war nur der Anfang...den Rest erzähl ich dir vielleicht wann anders...aber...ich will jetzt, dass du Pflicht nimmst.“
„Wieso?“
„Tus einfach. Sonst wäre es nicht ausgeglichen...und du willst hier doch nichts aus dem Gleichgewicht bringen.“
„Schön, dann sag...“
„Jetzt wo du meine Gedanken kennst...also du musst mir jetzt eine Seite aus deinem Tagebuch laut vorlesen.“
„Vergiss es.“
„Du musst, es ist deine Pflicht.“
Ich seufzte. Scheiße, da kam ich jetzt wohl nicht mehr raus. Verdammt...naja werde ihm einfach eine Seite vorlesen, die total harmlos ist. Irgendeine, wo er nicht mal erwähnt wird....
Seufzend blätter ich durch mein Tagebuch. Und stelle fest, dass es keine Seite gibt, auf der er nicht mindestens einmal vorkommt. Das kann doch nicht sein...
Schließlich nehme ich einfach irgendeine Seite, ist doch auch egal, schließlich darf Marc ja alles über mich wissen.
„Also okay Marc, es geht jetzt los.“ Er hat sich auf den Bauch gedreht und sieht mich nun erwartungsvoll an. Ich räuspere mich. „Liebes Tagebuch...“ setzte ich an, doch weiter komme ich nicht, weil Marc neben mir losprustet und total anfängt zu lachen. Ich glaub es hackt...
„Oh man, das steht da nicht ernsthaft oder Gretchen? Du willst mich hier doch verarschen oder?“ bringt Marc unter Lachen hervor.
„Klappe, oder ich lese nicht weiter!“
„Schon gut, schon gut, ich bin ruhig.“ sagt er, aber man merkt wie sein Körper immer noch vor Lachen zittert.
„Liebes Tagebuch, heute hab ich endgültig mit Marc abgeschlossen.“
Schon wieder fängt Marc an zu lachen. Was soll denn das?
„Sicher Hasenzahn, wann soll das denn bitte gewesen sein?“
„Ey entweder du hörst jetzt zu, oder du kannst das ganze vergessen...also: Ich hab ihm so richtig die Meinung gesagt und wenn alles gut gegangen ist, dann wird er mich in Zukunft in Ruhe lassen. Ich musste ihm erstmal einiges über die Gefühlswelt von Menschen erklären, weil er davon ja keine Ahnung hat. Eigentlich kam es erst dazu, nachdem ich mich mal wieder total zum...Klops gemacht habe. Als ich im Supermarc einkaufen...“
„Ach das war dein Unfall mit den Erbsen!! Jetzt weiß ichs wieder!“ Marc fängt schon wieder an zu lachen. „Du hättest mal dein Gesicht sehen sollen. Das war so herrlich...“
„Herrlich fandest du das also?“
„Absolut.“
„Es geht jetzt weiter: Als ich im Supermarc (da steht wirklich Supermarc, das kann doch nicht sein!) einkaufen war, habe ich wegen Marc einen Haufen Erbsendosen umgefahren, die ich dann alle kaufen musste. Man war das peinlich.“
Marc lacht jetzt noch doller. Also jetzt muss ich ihm wirklich eine Lektion erteilen. Er weiß ja nicht was wirklich hier steht...
„Aber immerhin habe ich Marc dazu gebracht für die Erbsen zu zahlen, indem ich einfach so getan habe, also ob ich mein Geld vergessen habe.“ So denke ich mir meinen Tagebucheintrag einfach weiter aus. Und oh Wunder Marc Meier hört auf zu lachen. Schnell „lese“ ich weiter. „Jetzt kann er schön Babybrei daraus machen, Arschloch. Ich hasse ihn. Aber er ist mir ja jetzt egal. Was ich dir nämlich noch nicht erzählt habe, liebes Tagebuch...ich habe auf dem Heimweg einen sehr netten...Hundebesitzer kennen gelernt. Er hat mich sofort zum Kaffeetrinken eingeladen, war super nett und außerdem...will er mich gerne wiedersehen. Zum Abschied...hat er mich geküsst....so das wars, Seite ist zu Ende.“
Marc sieht mich an. Er denkt. Ich sehe förmlich wie sein Gehirn rattert. Er weiß nicht was er sagen soll...schließlich sag er aber doch was.
„Das..das stimmt gar nicht oder?“
„Wer weiß...“
„Aha, und wie hieß dieser ominöse Typ, der dich zum Abschied geküsst hat?“
„Äh..der hieß...Orlando.“
„Orlando...interessant. Ich nehme an er hat dir auch Blumen gekauft?“
„Äh...kann sein. Ja hat er okay? Wunderschöne Blumen.“ Whä?
„Dir ist schon klar, dass Orlando Bloom ne Freundin hat. Hab ich gestern bei taff gesehen.“ klärt mich Marc auf und grinst schon wieder.
„Ey Marc du bist so blöd.“ Beleidigt ziehe ich die Nachttischschublade auf, um mein Tagebuch hinein zu legen.
„Du auch, du hast deine Pflicht nicht getan, sondern dir ne Story ausgedacht. So funktioniert das Spiel nicht.“
„Nur weil du die ganze Zeit gelacht hast.“
„Hätte ich heulen sollen oder was?“
„Nein. Marc, du bist nur immer so unsensibel, außerdem nimmst du nichts ernst. Das was in meinem Tagebuch steht, das schreibe ich nicht nur aus Spaß darein, sondern das sind Dinge, die mir auf dem Herzen liegen. Das ist ernst und nicht zum Lachen.“
Marc richtet sich im Bett auf und setzt sich neben mich. Er nimmt meine Hand und verschränkt vorsichtig seine Finger mit meinen. „Ich weiß, es...es tut mir Leid.“
„Schon gut.“
„Gretchen, du...du wirst aber die Dinge, die auf dem Herzen hat, auch mir erzählen oder?“
„Natürlich, das weißt du doch. Und du kannst mir auch alles sagen.“
„Das ist gut, ich hab nämlich gerade was sehr dringendes auf dem Herzen.“
„Echt? Was ist denn?“
„Naja, da ist eine Frau, die ich echt mag,“ fängt er an. Oh Gott, wieso fängt er jetzt von einer Frau an?! „Sie ist wirklich hübsch und süß und ich sitze gerade neben ihr und naja ich hab sie seit heute morgen nicht mehr geküsst. Und das kommt mir unglaublich lange vor. Also was, was könnte ich dagegen tun?“
„Hmm, schwierige Situation Marc, echt. Aber weißt du, folge einfach deinem Gefühl.“
„Das ist es ja gerade...ich hab das Gefühl, dass sie gerade etwas sauer auf mich ist. Vielleicht will sie mich gar nicht küssen.“
„Dann, dann sag ihr einfach was nettes und dann will sie bestimmt.“
„Okay gut. Danke, du weißt echt auf alles eine Antwort.“
Marc hält weiterhin meine Hand. Für ein paar Minuten sitzen wir einfach nur so nebeneinander. Nur er und ich. Schließlich hebt er meine Hand hoch und küsst sie. Seine Lippen verweilen für einige zeit auf meiner Hand. Es scheint als würde er überlegen. Dann sieht er mich an und lächelt. Langsam kommt er immer näher. Er gibt mir einen kurzen Kuss auf den Mund und lässt seine Lippen dann zu meinem Hals wandern. Dort fängt er an mich zu verwöhnen und das nicht nur sanft.
„Marc?“
„Gretchen mir ist aufgefallen, dass ich dir noch nie einen richtigen Knutschfleck verpasst habe.“ nuschelt er an meinem Hals und setzt sein Werk dann weiter fort.
„Muss das sein?“
„Oh ja...“ Naja gut, wenns sein muss, überlege ich mir, und fange an mich zu entspannen.
Nach einem Weilchen meldet sich Marc dann wider zu Wort: „Ich glaube, das ist der beste den ich je gemacht habe.“ er richtet sich wieder auf und grinst mich an.
„Dann kann ich mich ja geehrt fühlen.“
„Das kannst du.“ Sanft streicht er nochmal mit seinen Fingern über meinen Hals. „Jetzt weiß jeder dass du mir gehörst. Und das wirst du auch für immer, ist das klar?“ flüstert er und gibt mir danach einen zärtlichen Kuss. „Und falls ein Orlando versuchen würde, dich mir zu nehmen, dann werd ich dem seine Blumen aber persönlich zu Unkraut zerhacken!“
„Natürlich gehöre ich nur dir Marci....für immer.“ flüster ich zurück, bevor wir in einem langen Kuss versinken. Für immer vielleicht....

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08.12.2010 00:04
#173 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

2 Jahre später...

„Maarc, verdammt jetzt hilf mir doch mal!“ rufe ich in Richtung Bad, während ich verzweifelt versuche, mich in mein Kleid zu quetschen. Ganz schön frustrierend, wenn man bedenkt, dass ich es erst vor wenigen Tagen gekauft habe und es da noch passte.
„Ja würd ich ja gern! Aber dein blöder Hund hat meinen Rasierer geklaut...Aus! Choco, aus!“
höre ich Marc aus dem Bad fluchen.
„Das tut er nur, weil du immer so gemein zu ihm bist.“
„Gretchen, ich kann es nun mal nicht akzeptieren, dass er bei uns im Bett schläft. Das hab ich dir schon tausendmal gesagt. Das ist nicht gemein, das ist hygienisch. Und gerade jetzt müssen wir halt auf so was achten....Gib her du..du Hund!“
„Jaja, und was war gestern, als du seinen Knochen aufs Eis geworfen hast, obwohl du genau wusstest, dass es nur 1 cm dick ist oder so?“
„Das geschah ihm ganz recht. Wenn er seinen Schwanz nicht bei sich lassen kann. Immer wenn ich mit ihm raus gehe, fällt er gleich über jeden Hund her, der ihm begegnet. Und ich muss mir dann das hysterische Gekreische von den Besitzern anhören.“
„Tja, da müsstest du ihn doch eigentlich am besten verstehen. Warst schließlich auch mal so.“
„Haha, sehr witzig...also wie genau soll ich dir jetzt helfen?“ Er kommt aus dem Bad, sieht mich an, wie ich hier halb in meinem Kleid stecke, und fängt an zu lächeln.
„Ja lach du nur. Das Kleid hab ich mir gerade erst gekauft und jetzt pass ich schon nicht mehr rein. Manno Marc, ich bin fett.“ jammere ich.
„Quatsch. Also das...das wird schon gehen.“ Er kommt zu mir und stellt sich hinter mich. Vorsichtig fängt er an, am Kleid zu ziehen. Danach reißt er mit einem Ruck daran und ich habe schon Angst er zerreißt es, aber es funktioniert. Er schließt den Reißverschluss, umarmt mich dann von hinten und streicht mit seinen Händen über meinen Bauch. Im Spiegel sehen wir uns an. Er sieht immer noch so gut aus. Seine leichte Eitelkeit vergeht eben nicht. Gestern hat er eine halbe Stunde im Bad verbracht, nachdem ich ihm gesagt habe, dass er da ein graues Haar hätte. Ich glaub es war nicht wirklich eins, vielleicht ein Hundehaar oder so. Aber selbst wenn er irgendwann graue Haare hätte, dann wäre er für mich immer noch der schönste und attraktivste Mann der Welt.
„Passt doch.“ meint er.
„Ja toll, aber ich sehe aus wie eine Tonne.“
„Du siehst heiß aus.“ flüstert er mir ins Ohr und guckt an mir herab. „Aber findest du nicht, dass dein Ausschnitt etwas zu gewagt ist? Zieh dir bitte einen Schal oder ein Tuch oder sonst was an.“
„Auf keinen Fall. Das würde mein ganzes Outfit zunichte machen. Außerdem kann ich nichts dafür, das Kleid gab es halt nur so.“
„Dann müssen wir wohl hier bleiben. So kann ich dich nicht gehen lassen...und außerdem gibt es Dinge, die mir jetzt viel besser gefallen würden, als eine Hochzeit.“ sagt er verführerisch und fängt an meinen Hals zu küssen.
„Ja das kann ich mir denken, aber wir gehen da trotzdem hin, ob du willst oder nicht. Sabine und Bo waren schließlich auch bei unserer mit dabei.“
„Ja ich weiß. Aber die sind beide immer noch so verrückt. Muss ich mir das wirklich antun?“
„So schlimm wird es schon nicht werden.“
„Eins sag ich dir aber: ich werde garantiert nicht zu irgendwelchen indianischen Tänzen tanzen.“
„Hauptsache du tanzt nicht wieder besoffen auf dem Dach.“
Gott, wenn ich daran denke, bekomme ich immer noch eine Gänsehaut.
„Ja ja, wie oft willst du noch darauf rumreiten? Das war total harmlos.“
Harmlos...wie oft ich dieses Wort im Zusammenhang mit der Geschichte schon gehört habe. Und es ist verdammt nochmal nicht harmlos, über den Dächern von Berlin nach ungefähr zehn Flaschen Bier zu tanzen! Es war Mehdis Geburtstag...ich glaube die beiden hatten zusammen eine Art Midlifecrisis....
„Marc ich hatte Todesängste um dich!“
„Schön die hatte ich auch um dich, als du mitten in der Nacht bei Glatteis mit dem Fahrrad durch ganz Berlin gefahren bist.“
Ich muss kurz lächeln. Ich liebe es einfach wenn er Angst um mich hat.
„Hallo, ich bin nur zur Tankstelle um die Ecke gefahren. Weil die Schokolade alle war! Und das musste ich nur tun, weil ein gewisser Herr Meier zu faul war aufzustehen!“
„Ich hatte mir den Zeh verstaucht, wenn ich dich daran erinnern darf! Und das nur, weil du den Staubsauer in der Küche stehen lässt!“
„Wenn du so blöd bist und dagegen rennst...Außerdem hättest auch du saugen können!“
„Soweit kommts noch. Wir haben doch ne Putzfrau.“
„Jaa, aber die kommt auch nicht nur mal eben so vorbei, nur weil du die Kaffeedose nicht zuschrauben kannst!“
„Man kann auch vorher prüfen ob der Deckel richtig drauf ist, bevor man sie aus dem Schrank holt.“ Marcs Stimme wird etwas lauter.
„Kann man, muss man aber nicht, wenn man den Deckel richtig drauf schraubt! Einen Patienten lässt du auch nicht einfach nur halb zugenäht.“
„Ach du vergleichst gerade einen Patienten mit einer Kaffeedose?“
O Gott, ich verbringe eindeutig zu viel Zeit mit diesem Typen!
„Siehst du mal was für ein schlechter Einfluss von dir kommt!“
„Genau, jetzt ist wieder mein schlechter Einfluss Schuld oder was?!“
Marc geht mit verärgertem Gesicht ein paar Schritte durch Zimmer...
„Ja ist er!“
„Und den Staubsauger hast du auch durch meinen schlechten Einfluss in der Küche stehen lassen!?“
Seine Augen funkeln mich an....
„Hör doch mal auf mit dem scheiß Staubsauger!! So schlimm kann dein Wehwehchen ja wohl nicht gewesen sein, weil du am nächsten Tag sogar schon wieder golfen konntest!“
„Das war mindestens eine Woche später!“
„Nein, das war am nächsten Tag.“
„Ach bitte...verlierst du jetzt schon dein Gedächtnis wie Bori aus deinem scheiß Findet Remo Film?!“
„Dori!! und Nemo!!“
„Was?“
„Die Fische heißen Dori und Nemo, nicht Bori und Remo du Vollidiot!
„Das ist mir doch Wurst wie die heißen...doof sind sie trotzdem.“
„Ach jetzt auf einmal...gestern hast du noch sehr über sie gelacht. Und du hast am Ende sogar fast angefangen zu heulen, als du dachtest, dass er tot ist!“
„Pff mit Sicherheit. Ich sag ja, du verlierst dein Gedächtnis, wie Bori.“
„Dori man!“
„Ja schön, Dori kann mich mal“
„Du kannst mich mal!!“
Jetzt ist Marc erstmal ruhig...dann kommt er auf mich zu.
„Och Hasenzahn.“
„Tschuldigung...ich weiß auch nicht was...ich...“
„Hey, sieh mich mal an.“ Er nimmt meine Hände in seine und stellt sich dicht vor mich.
„Marc ich wollte doch nur, dass...ich will nicht, dass du wieder irgendeine Scheiße machst.“ Ich sehe ihm ernst in die Augen. „Marc ich hatte wirklich wahnsinnige Angst, dass ich dich verliere damals...“
„Gretchen hör mir mal zu,“ sagt er und kommt noch ein Stück näher. „Ich werde dich und unser Baby nie, nie, niemals alleine lassen, okay?“
Er beugt sich nach vorne, gibt mir einen Kuss und zieht mich fest in seine Arme. Ich schmiege mich an ihn und genieße die Umarmung, seine Nähe, seinen Duft, seinen Schutz.
Nach einiger Zeit löst er sich und sieht mich an. „Ich liebe dich....und dich, kleiner Jeremy.“ Dabei streichelt er nochmal über meinen Bauch.
„Wenn du ihn nochmal Jeremy nennst, dann nenn ich ihn Olivier! Und wir müssen jetzt wirklich gehen. Und...Marc?“
„Hm?“
Ich gebe ihm nochmal einen leidenschaftlichen Kuss.
„Ich liebe dich auch.“


Ja die drei Worte sind immer noch meine aller liebsten. Wie schwer es Marc damals gefallen ist, sie auszusprechen. Aber mittlerweile hab ich echt das Gefühl er mag die Worte und sagt sie gerne. „Schwester, Op vorbereiten, aber zackig!“ gehört zwar bestimmt immer noch zu seinen Lieblingssätzen, aber „Ich liebe dich“ arbeitet sich glaub ich bei ihm immer höher. Wer hätte gedacht, dass er diese Worte überhaupt einmal zu mir sagen würde. Sagen und meinen. Wenn ich mich an Wasserbomben, Wurstbrote, Stinkbomben und fiese Sprüche zurück erinnere, ist es selbst für mich noch immer schwer vorstellbar. Aber er tut es. Sagen und meinen. Das sehe ich jedes mal in seinen Augen. Ich sehe etwas, das er nur mir zeigen kann. Und ich spüre es bei seinen Berührungen. Kein anderer kann mir das selbe Gefühl geben, und keinem anderen kann ich mehr zurückgeben als Marc. Und dann weiß ich, dass sich der ewig lange Kampf gelohnt hat. Der Kampf um die Liebe.
Sein erstes Mal hängt übrigens immer noch an der Wand. Marc findet das total kitschig. Einmal, als wir uns gestritten haben, wollte er es aus dem Fenster werfen. Konnte ihn gerade noch davon abhalten. Aber ein anderes Mal, als er sehr gut drauf war, hat er aus dem Krankenhaus Gips mitgebracht und wollte von gewissen Körperteilen von uns einen Abdruck machen, und diese auch an die Wand hängen. „Damit das Bein nicht so alleine ist“. Auch davon konnte ich ihn gerade noch abhalten.
Aber jedes Mal, wenn ich an dem Gipsbein vorbei gehe muss ich lächeln. Am meisten natürlich über das was Marc geschrieben hat,
aber auch über andere Kleinigkeiten:

Friends4ever – Frauen und Männer können vielleicht nicht beste Freunde sein, aber Frauen und Frauenärzte oder? Alles Gute! Mehdi

Werden Sie bloß nicht zur Hausfrau und zeigen Sie Meier wo es lang geht! Frauenpower
Dr. Hassi

Es tut mir Leid. Alles.. Ich wollte Marc sowieso nie wirklich.
Kann sein, dass ich Sie mal als Babysitter brauche.
Schwester Gabi

Danke für alles und Happy Birthday!
Bo v. Amstel

Siehs positiv: Unter einem Gips bekommt man ein schlankes Bein;) Jochen

Sogar mit Gips sehen Sie gut aus;) Gordon

Mein Kälbchen wird zur Kuh. Bin stolz auf dich...Papa

Alles Gute mein Schatz!
Ich glaube übrigens ich mag Dr. Meier als meinen Schwiegersohn. Mama

Wehe Sie klauen Marc Oliviers Geld!

Sehen Sie Fr. Doktor, jede Geschichte hat ein Happy End. Sabine:)




So meine liebe lieben Leser, das wars dann wohl :) ich weiß, ich hätte noch weiter schreiben können, so mit Hochzeit, Kindern, Beziehungskriesen...es gibt viele Storys hier, wo das schön zu lesen ist, aber trotzdem mag ich es nicht schreiben...Und wenns am besten ist, soll man ja aufhören^^
Auf jeden Fall nochmal VIELEN VIELEN DANK an alle, die mir immer so fleißig Kommis geschrieben haben, das hat mir immer gute Laune gemacht, die zu Lesen! Und Danke auch an alle stillen Leser (die Aufruf-Zahlen hatte ich natürlich stets im Blick )
Es war mir eine Freude mit euch!
Wobei ich mich natürlich nicht ganz verabschieden will xD Ehrlich gesagt denke ich schon über ne neue Story nach^^ Das Problem ist, dass ich weiß, dass ich während der Ausstrahlung der neuen Staffel garantiert nicht zum Schreiben komme, weil ich da einfach zu sehr mit der echten Story von Bora beschäftigt bin^^ Also muss mir das nochmal überlegen...vielleicht wird es einfach ne Kurze Story, Winterstory oder so...we´ll see

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