Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 172 Antworten
und wurde 57.145 mal aufgerufen
 Abgeschlossene Fortsetzungen!
Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7
Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

29.06.2009 22:39
#101 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Anstatt von zwei Tagen später, kommt Dr. van Amstel eine ganze Woche später. Es gab wohl irgendein Problem mit der Wohnung. Auf jeden Fall, freue ich mich sehr, dass er da ist. Habe nur bei einer Sache Bedenken und zwar, dass er sich noch an meinen peinlichen Auftritt erinnern kann. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob er weiß, dass Marc und ich was miteinander haben. Muss das irgendwie rausfinden.
Bei seiner ersten Op stellt er sich wirklich überraschend gut an. Also ich hab ja schon immer ein Talent in ihm gesehen, aber er ist trotzdem besser als ich erwartet habe. Und er lässt sich auch nicht von Marcs Kommentaren verunsichern.
„Dr. Amsel, drücken Sie den Sauger nicht so doll auf, Sie saugen die Ader ja fast mit ein.“ ist sein erstes Kommentar.
„Keine Sorge Doktor Meier, ich hab denk ich alles unter Kontrolle. Das sieht nur so aus, als ob ich zu stark drücke, in Wirklichkeit halte ich den Sauger ganz locker. Aber wenn es Sie beruhigt, nehme ich ihn gerne etwas zurück. Amseln sind schöne Vögel, finden Sie nicht auch? Mich hat das T in meinem Namen auch immer gestört. Also ich hab kein Problem damit, wenn sie es einfach weglassen.“sagt Bo darauf. Genau die richtigen Worte, die Marc keinen wirklichen Anlass geben weiter dumme Sachen zu sagen. Vielleicht liegt es aber auch an dem bösen Blick, dem ich ihm entgegen werfe.
Was mir während der Op noch auffällt, ist Schwester Sabine. Sie schaut den Neuen immer so fasziniert an. Steht sie auf ihn? Oder ist sie nur überrascht, weil er so gut mit Marcs Worten umgehen kann? Werde das im Auge behalten. Obwohl, Sabine könnte ja schon jemand kluges an ihrer Seite brauchen. Ach mein Gott, ich interpretiere schon wieder viel zu viel in Blicke hinein. Marc schaut mich auch die ganze Zeit so an, als ob er total in mich verschossen wäre. Aber das kann ja nicht sein, oder? Verdammt, ich würde schon gerne wissen, was Marc für mich empfindet. Also er mag mich. Das steht eigentlich fest. Weil er sonst erstens nicht so häufig mit mir schlafen würde und zweitens nicht...ja was eigentlich nicht? Da wird es ja wohl noch was geben. Also er küsst mich auch ohne mit mir zu schlafen. Das ist aber auch was körperliches. Unsere Beziehung besteht also nur aus Sex. Und sonstiger körperlicher Leidenschaft. Mehr nicht. Keine tiefsinnigen Gespräche oder ähnliches. Er ist auch immer noch mit Gabi zusammen. Das heißt, er schaut mich in keinster Weise verliebt an. Blicke lügen.
„Dr. Haase! Naht.“ reißt Marc mich aus meinen Gedanken.
„Ja, ist gut.“ gebe ich mit etwas trauriger Stimme zurück.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

02.07.2009 22:01
#102 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Mein Stimmungstief wird nach der Op von Marc zwar wieder beseitigt, aber so ganz krieg ich meine Gedanken in nächster Zeit nicht weg. Ich weiß nämlich eins und zwar, dass ich ihn von Tag zu Tag mehr liebe. Und dass er mich wahrscheinlich nicht liebt, lässt mich irgendwie zweifeln. Im Prinzip ist das, was ich hier tue, diese Affäre nur reine Zeitverschwendung. Es macht zwar unglaublich viel Spaß, aber die Zeit, die ich mit Marc verbringe, verliere ich an Zeit einen Mann zu finden, der mich auch liebt, mit mir eine Familie gründen würde und der der Richtige ist. Einer der so ist wie ich. Weil Marc ist einfach immer noch ein ziemliches Arschloch. Also nicht zu mir, nicht mehr. Aber zu anderen. Zu den Patienten. Jeden Tag fällt mir das wieder auf, dass ihm die Patienten als Menschen total egal sind. Er redet immer noch so mit ihnen, als wären sie Objekte, ohne jegliche Gefühle. Teilweise macht er sich richtig lustig über sie. Bei mir hat er auch immer noch seinen Spaß dabei, mich ab und zu mal so ein bisschen zu verarschen. Und dann denkt er mit einem Kuss ist alles wieder gut. Okay, es gibt kaum was besseres, aber hier geht es ums Prinzip. Ich dachte eigentlich er würde sich durch mich ändern. Er ist zwar etwas netter geworden, aber im Grunde ist und bleibt er der selbe. Marc Meier eben. Und während ich es mit ihm auf dem Sofa in seinem Büro tue, läuft vielleicht gerade da draußen im Park der Mann rum, der perfekt für mich wäre. Gut, das ist eher unwahrscheinlich. Aber wenn, dann verpasse ich es ihn zu treffen. Aber wenn ich bei Marc bin, möchte ich eigentlich gar nicht irgendwo anders sein. Ach, warum muss alles immer so kompliziert sein. Weil da ist ja auch noch die Sache mit Gabi, die mir nicht aus dem Kopf geht.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

02.07.2009 23:59
#103 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Die Zeit vergeht nämlich so schnell und Gabi wird wirklich immer dicker. Und immer wenn ich ihr über den Weg laufe und auf ihren Bauch schaue, wächst in mir das Schuldgefühl. Weil Gabi irgendwie immer traurig aussieht. Und ich fühle mich einfach zunehmend schlecht: Wegen mir muss Gabi diese Schwangerschaft alleine praktisch alleine durchstehen. Und was wird mal aus dem Kind? Wird Marc als Vater da sein? Während ich mir diese Fragen stelle, sehe ich Gabi tatsächlich schon wieder am Ende des Ganges. Als sie mich erblickt, steuert sie direkt auf mich zu. Und diesmal sieht sie nicht traurig aus, sondern wütend. Ziemlich wütend um genau zu sein. Sie rast praktisch wie eine Furie auf mich zu.
„Haase, Sie!“ schreit Gabi mich an und kommt immer näher. Ich schätze mal sie weiß von mir und Marc. Scheiße.
„Sie sind das letzte! Ich weiß genau was Sie mit meinem Verlobten treiben!“ schreit sie weiter, als sie direkt vor mir steht. „Sie können es nur nicht ertragen, dass er sich für mich entschieden hat und haben sich deshalb an ihn rangeschmissen. Aber wie Sie sehen können bekommen wir zusammen ein Kind.“ spricht sie bedrohlich und zeigt auf ihren Bauch. „Marc und ich sind eine Familie und sie zerstören sie! Sie sind ein schlechter Mensch Dr. Haase und ich warne Sie. Wenn sie nicht die Finger von ihm lassen, dann geht es ihnen schlecht. Sehr schlecht.“
Ich starre Gabi nur fassungslos an. Sie droht mir. Ich glaubs nicht.
„Jetzt geben sie es zu! Los!“
„Was? Nein...ich hab nichts mit Marc, also nein. Wirklich nicht.“ stotter ich mir zusammen.
„Sie sind eine verdammte Lügnerin. Ich hab Sie gesehen, gehört hab ich Sie auch. Ich hab etwas länger gebraucht, um herauszufinden, dass Sie es sind, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass er wirklich mit so einer ins Bett steigt. Aber ich weiß, dass Sie es sind! Sie sind eine fette, verdammte Scheißkuh! Ich könnte sie erwürgen!!“ schreit sie noch lauter und macht Bewegungen, die darauf schließen lassen, dass sie mich wirklich erwürgen will. O Gott die flippt total aus.
„Schwester Gabi, jetzt beruhigen Sie sich! Das ist nicht gut für das Baby!!“ schreie ich zurück und packe sie an den Schultern, um sie ruhig zu stellen. Und dann fängt Gabi richtig an zu zittern.
„Sie wissen ja gar nicht wie das ist! Marc ist der Vater und er kümmert sich einen scheiß um das Baby.“ schreit sie leiser und ich sehe wie sich ihre Augen mit Tränen füllen, während ich sie immer noch fest halte. „Nie ist er da. Nie! Er kommt nicht mal mehr nach Hause! Alles muss ich selber machen! Und Sie sind schuld. Sie haben alles kaputt gemacht.“ jetzt fängt sie an zu schluchzen. Und ich kann das nicht mehr hier. Ich kann sie nicht so sehen. Weggehen kann ich aber auch nicht einfach. Da sehe ich jemenden auf uns zukommen.
„Mehdi!“ rufe ich.
„Gretchen? Was ist hier los?“
„Mehdi bitte, nimm sie...nimm sie einfach, ich muss..ich kann nicht..ich muss weg.“ sage ich während auch mir Tränen in die Augen schießen. Ich drücke Gabi von mir weg, in Mehdis Arme und laufe dann schnell den Flur runter. Direkt in zu Marcs Büro, weil ich etwas erledigen muss, das ich eigentlich nicht will, aber es jetzt wo ich Gabi gesehen habe einfach tun muss.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

04.07.2009 01:11
#104 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Als ich an Marcs Büro ankomme, klopfe ich kurz an, warte aber nicht mal auf eine Antwort und trete sofort ein. Ich will das ganze einfach schnell hinter mich bringen.
Marc sitzt an seinem Schreibtisch und blättert in einem Aktenordner. Als er mich sieht, lächelt er mich an. Doch ich lächle nicht zurück. Und als er aufsteht und auf mich zukommt, weiche ich ein paar Schritte zurück.
„Gretchen? Ist irgendwas?“ fragt Marc irritiert.
Ich muss es jetzt tun. Kurz und schmerzlos.
„Marc. Ich wollte dir sagen...ich wollte dir sagen, dass...es vorbei ist.“
„Was ist vorbei?“
„Das mit uns. Es war nur Sex...und jetzt ist es vorbei.“ So jetzt ist es raus.
„Guter Witz.“ meint Marc, lacht und will mich küssen. Hallo? Checkt der nicht, dass ich das ernst meine und hier gerade mit ihm Schluss mache? Nicht zu glauben.
„Marc, ich mein es ernst.“ sage ich und stoße ihn von mir weg. „Es ist aus.“
„Hä? Wieso? Was hab ich denn getan? Hab ich irgendwas gemacht?“ fragt Marc jetzt noch irritierter.
„Akzeptier es einfach, okay?“ antworte ich nur und will den Raum schleunigst wieder verlassen. Doch Marc ist schneller. Er macht vor mir die Tür zu und stellt sich davor.
„Was soll das? Du kannst hier nicht einfach auftauchen, sagen dass Schluss ist und dich dann wieder vom Acker machen.“ Jetzt wird er sauer. Das sieht man ihm deutlich an.
„Und ob ich das kann. Und jetzt geh mir aus dem Weg.“
„Ich lass dich nicht raus, bevor du mir nicht erklärt hast was Sache ist.“
„Ach, jetzt soll ich dir was erklären, ja? Wie wärs wenn du mir mal ein paar Sachen erklärst? Was ist zum Beispiel mit Gabi? Was mit dem Baby, Marc? Wie stellst du dir das vor, he?“ langsam werde ich auch wütend. „Du spielst hier doch mit allen ein Spielchen.“
„Gretchen, was soll das? Hast du mal wieder deine Tage oder was?“
„Siehst du, genau das meine ich. Du nimmst nichts ernst. Aber auch gar nichts. Du denkst nur an deinen Spaß. Aber wenn du dir Gabi mal anschaust, dann würdest du dich vielleicht daran erinnern, dass sie schwanger ist. Von dir. Und das nicht mehr nur in den ersten Wochen!“
„Sag mal denkst du das weiß ich nicht!? Denkst du echt ich bin so bescheuert und weiß nicht, dass es da ist?“ gibt Marc laut zurück.
„Ist ja schön, wenn du es weißt, aber davon merkt man nichts! Du tust so als wär da nichts. Marc du hast verdammt nochmal eine Verantwortung und du solltest Gabi bei der Schwangerschaft unterstützen! Was denkst du dir eigentlich die ganze Zeit? Dass du zwei Frauen auf einmal haben kannst? Eine fürs Bett, von der niemand etwas wissen darf, und eine zweite zum Vorzeigen und die dein Kind austrägt?“
„Nein! Verdammt, ich hab dir schon mal gesagt, dass dieses Kind nicht geplant war und ich das nicht wollte!“
„Schön! Und wieso willst du sie dann immernoch heiraten? Wieso bezeichnet sie dich immer noch als ihren Verlobten? Wieso hast du ihr damals überhaupt diesen Heiratsantrag gemacht? Weil lieben tust du sie ja sehr offensichtlich nicht, sonst wär dir das alles nicht so scheiß egal und du würdest auch überhaupt nicht mit einer anderen ins Bett steigen.“ Ich weiß, dass ich fast schreie, aber irgendwie brauch ich mal Klartext von ihm. Es gibt einfach so viel, was ich nicht verstehe.
Aber anstatt mir endlich mal ein paar Antworten zu geben, geht Marc wütend ans Fenster und starrt hinaus. „Ich...ich kanns dir nicht sagen.“ sagt er dann viel ruhiger als zuvor.
„Das dacht ich mir schon. Und genau aus dem Grund hab ich auch keine Nerven mehr weiter mit dir diese nicht vorhandene Beziehung zu führen. Weil du mir einfach nie was erklären kannst. Du redest nicht mit mir, als ob du mir nicht vertrauen könntest. Und ich will nicht mehr nur die Affäre nebenbei sein. Ich kann das einfach nicht mehr.“ erkläre ich und verlasse dann, als er nichts mehr sagt, sondern mich nur stumm anblickt, langsam den Raum, während sich meine Augen mit Tränen füllen. Das war jetzt weder kurz, noch schmerzlos.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

05.07.2009 01:12
#105 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Weinend komme ich an diesem Abend nach Hause. Ich gehe sofort in mein Zimmer, bevor meine Mutter mich auch nur zu Gesicht bekommt. Ich hab nämlich keine Lust auf doofe Fragen. Mir reichen schon die Fragen, die ich mir selber stelle. Ganz ehrlich, ich sollte hier nicht rum heulen. Was hab ich denn bitte erwartet? Dass er mit Gabi ganz Schluss macht, ihr aber trotzdem mit dem Kind hilft und öffentlich mit mir zusammen ist? Wunschvorstellung, die garantiert nie in Erfüllung gehen wird. Ich kann außerdem nichts dagegen tun, dass Marc und Gabi immer etwas verbinden wird. Genau so ist es doch bei Mehdi und Anna. Ein Kind kann man nicht ignorieren.
So, ich werde mich jetzt mal darauf konzentrieren, nichts mit einem Mann anzufangen, der offensichtlich Probleme und Komplikationen mit sich bringt. Ich werde einen Mann finden, der mit sich im reinen ist und einfach ein ganz normaler Single ist. So einen wird es ja wohl geben. Dies beschließe ich während ich ins Bett gehe. Während ich in mein leeres Bett gehe. Mein Bett, in dem die letzte Zeit immer Marc mit mir zusammen gelegen hat. Ich kann seinen Duft noch riechen. Zuerst überlege ich die Bettwäsche zu wechseln, aber ich kann es nicht. Ich liebe seinen Geruch und ohne wenigstens etwas von ihm hier zu haben, könnte ich eh nicht schlafen. Also lasse ich alles wie es ist. Und obwohl diese Leere neben mir nahezu unerträglich ist, schlafe ich schließlich ein.
Am nächsten Morgen betrete ich schlecht gelaunt die Klinik. Im Stationszimmer treffe ich zuerst auf Bo, der über ziemlich vielen Akten hockt. „Hallo Dr. Haase.“ begrüßt er mich freundlich und blättert dann in einer Akte weiter, wobei er sehr nachdenklich guckt.
„Morgen. Sag mal schläfst du eigentlich nie, oder wieso bist du schon hier?“ frage ich ihn.
„Ach, ich hab noch nie viel Schlaf gebraucht. Außerdem gehe ich hier gerade einem höchst interessanten Fall nach..“ erklärt er mir. Als dann Schwester Sabine hinzu kommt, wendet er sich sofort an sie. „Sabine, du hattest glaub ich recht. Guck mal hier...“ sagt er und hält ihr einen Zettel aus einer Akte hin. Sabine nimmt ihn und schaut skeptisch drauf. Dann sehen sie sich beide so an, als würden sie exakt das selbe denken. Es ist so was wie ein O-mein-Gott-Blick. Und ehe ich mich versehe sind beide mitsamt den Akten verschwnden. Was tun die? Scheint mir als würden sie Detektive spielen. Naja, hab da jetzt auch keine Nerven darüber nachzudenken. Muss jetzt nämlich erstmal mit Marc operieren und es schaffen dabei nicht anzufangen zu heulen.Herausforderung genug.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

06.07.2009 19:22
#106 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Ich stelle immer wenn ich mit Marc operiere fest, dass es echt schlimm wäre, wenn der Patient während einer Op mitbekommen würde was sich so im Raum abspielt. Ich fände es nämlich etwas beunruhigend, wenn ich wüsste, dass meine Ärzte sich gerade gegenseitig fast die Köpfe einschlagen, während ich offen auf dem Tisch liege. So ähnlich ist es nämlich heute.
Zuerst denke ich, dass es nicht so schlimm wird, weil Marc mir sogar erlaubt den Patienten auf zuschneiden. Doch schon als ich das Skalpell ansetze, stellt sich heraus, dass er eigentlich grotten schlechte Laune hat. Da kommen dann nämlich so Kommentare wie: „Gehts noch n bisschen langsamer.“ „Du fängst viel zu tief an.“ „Nicht so hoch.“ „Sag mal, hast du noch nie nen Menschen aufgeschnitten oder was?“
Als der Mann dann endlich offen ist, geht es weiter. Marc meckert echt bei jeder Kleinigkeit. Eigentlich gibt es gar nichts zu meckern, aber er schafft es trotzdem immer was zu finden.
„Dr. Haase, siehst du nicht was du anstellst? Du ruinierst meine ganze Arbeit mit deinen...deinen dicken, untalentierten Händen.“meint er zu mir. Kaum schlaf ich mal nicht mit ihm fängt er also schon wieder an mich dick zu nennen. Ich wusste, ich hab irgendwas vermisst.
„Welche Arbeit ruiniere ich bitte? Du hast nämlich noch nicht wirklich viel geschafft.“ gebe ich zurück.
„Ich hätte wesentlich mehr geschafft wenn ihr beide euch nicht so dämlich anstellen würdet.“
„Was soll ich anders machen, Dr. Meier?“ fragt Dr. van Amstel mit einem leicht provozierenden Unterton.
„Sie? Sie können mal damit anfangen den Sauger anständig zu halten. Das ist nämlich kein Kugelschreiber. Und dann sollten Sie vielleicht mal darüber nachdenken, an der richtigen Stelle zu saugen, sprich mindestens zehn Meter weiter links. Außerdem können Sie aufhören so dumm zu gucken.“
„Marc! Jetzt reichts, okay?“ unterbreche ich ihn. „Kannst du einfach mal aufhören, an allen rum zumeckern? Du bist echt unerträglich heute. Und wenn wir eh alles falsch machen, wieso machst du es dann nicht einfach alleine?“
„Gute Idee. Und jetzt raus!!“
„Was?“ fragen Bo und ich gleichzeitig.
„Ihr habt mich schon richtig verstanden: Raus!“
Wütend übergebe ich mein Werkzeug an die Schwester und mache mich dann auf zur Tür. Gefolgt von Bo. Marc hat echt nicht mehr alle Tassen im Schrank. Für wen hält er sich eigentlich? Vielleicht leidet er ja unter der Trennung, so wie ich. Ach Quatsch, der ist nur so mies drauf, weil er keinen Sex hatte. Entzugserscheinungen sozusagen.
Kurz bevor wir die Tür öffnen, ertönt dann plötzlich das Alarmsignal. Vom schrillen Piepton erschreckt, drehe ich mich um und sehe, dass alles voller Blut ist.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

06.07.2009 21:32
#107 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Schnell gehe ich zurück. „Was ist passiert?“ frage ich schnell und fange so schnell es geht an, das Blut abzusaugen.
„Ich weiß es nicht, irgendwas ist geplatzt oder gerissen. Ich hab es nicht gesehen, plötzlich kam das alles raus gespritzt. Scheiße verdammte.“
„Okay, komm jetzt reiß dich zusammen, Marc. Behalt einmal deine schlechte Laune für dich und konzentrier dich. Wir müssen zusammen versuchen die Blutung zu lokalisieren, und dann schaffen wir das schon. Amstel, holen sie sich einen zweiten Sauger und übernehmen Sie hier, schnell!“
Ab da wird alles sehr sehr hektisch im Op. Aber wir schaffen es schleißlich wirklich die extreme Blutung zu stoppen und schaffen es gerade so dem Patienten das Leben zu retten.

Danach beim Hände waschen, ist Marc ziemlich ruhig. Er räuspert sich einmal kurz und es scheint mir, als wolle er etwas sagen, aber schließlich verschwindet er ohne auch nur ein Wort gesagt zu haben.
„Meine Güte, wissen Sie was mit dem heute los ist?“ fragt mich Bo.
„Ich? Nein...nein keine Ahnung.“
„Aber Sie sind doch...aslo sind Sie nicht, naja...Sie wissen schon.“
Zusammen? Wie kommt er bitte darauf? Verdammt ich wusste doch, dass er es wusste.
„Was? Nein. Wie kommst du denn auf die Idee? Ist ja vollkommener Schwachsinn.“ sage ich und lache gespielt.
„Hmm, achso. Aber irgendwas ist da doch mit Ihnen beiden, oder? Ich mein ich hab es ja gesehen damals auf der Party. Er war der einzige der Sie bei dem Spiel richtig..naja...Sie wissen schon.“
Richtig küssen durfte? Ach ja damals. Verdammt, er kann sich noch an die Party erinnern.
„Ach das...ja, da waren wir doch alle etwas angetrunken.“ Etwas ist gut. Ich war so zu.
„Ja schon, aber ich denke mal er mag Sie wirklich mehr als man denkt. Also was er immer so vor sich hin murmelt...“
„Er murmelt vor sich hin?“
„Ja, er denkt ihn hört keiner. Aber ich hab die Begabung zehn Prozent besser zu hören, als für Menschen normal ist.“ sagt Bo, womit er mich schon etwas neugierig macht.
„Aha...und was genau..hat er so gemurmelt? Kannst mich übrigens duzen, wenn du willst.“
„Okay, cool. Also, letztens, hat er sich aufgeregt, weil du dein Handy nie an hast, dann meinte er einmal dass du süß bist und joa. Son Zeug halt.“erzählt er mir.
O Marc ist so süß. Ich will ihn wieder haben. Nein Gretchen, willst du nicht.
„Naja, was auch immer er gesagt hat, das muss nicht stimmen.“ will ich ihm versichern.
„Ach kommen Sie ich meine du. Da ist doch was zwischen euch, hmm?“
„Nein! Aber zwischen dir und Sabine vielleicht?“
„Nein! Selbstverständlich nicht, also nein...nein.“

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

06.07.2009 23:05
#108 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Der Tag geht irgendwie schneller vorbei, als ich dachte. Mit Marc operiere ich zwar noch ein paar mal, aber im Gegensatz zu vorher, sagt er diesmal so gut wie kein Wort. Die Klappe-Halte-Nummer kenn ich ja schon von ihm. Aber leicht ist es trotzdem nicht. Vor allem nicht, wenn zwischendurch immer so ein gewisser Blickkontakt entsteht. So geht es dann die nächsten Tage weiter. Es gibt oft Momente, in denen wir uns für etwas längere Zeit in die Augen schauen. Am liebsten würde ich ihm dann immer um den Hals fallen und ihn einfach nur Umarmen und ihm sagen wie sehr ich ihn vermisse. Aber das sind alles Sachen die einfach nicht mehr gehen. Ich sehe ihn jetzt wieder öfters mit Gabi zusammen. Er hat sich meine Worte wohl wirklich zu Herzen genommen. Aber mal wieder ist es so, dass jetzt die andere glücklicher ist und ich unglücklich. So ist es doch immer. Was tue ich nicht alles für andere. Und wer tut was für mich? Niemand. Obwohl es einen gibt, der in letzter Zeit wieder mehr zurück in mein Leben kommt. Es ist Mehdi. Er merkt wohl, dass ich traurig bin und meint, dass er immer für mich da ist. Bin ihm ehrlich gesagt ganz dankbar. Mehdi ist einfach immer noch so ein Mensch, der einen gut trösten kann. Er ist so gutmütig. Und ich weiß nicht wieso, aber irgendwie hab ich ihn teilweise echt vermisst. Man fühlt sich so verstanden von ihm. Nicht, dass ich ihm von Marc und mir erzähle, aber generell einfach. Und irgendwie kommt es dann so, dass wir wieder ziemlich oft in der Cafeteria zusammen essen. Aber um eins vorneweg mal klar zu stellen: Er ist noch immer mit Anna zusammen. Auch wenn es wohl ein paar Problemchen gibt. Aber das hier ist nur reine Freundschaft.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

07.07.2009 21:56
#109 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

„Gretchen? Was hast du eigentlich in der letzten Zeit so getrieben?“ fragt Mehdi mich, während ich meinen Nachmittagskuchen esse. Die bessere Frage wäre wohl eher mit wem ich es getrieben habe. Aber das kann ich ihm schlecht erzählen, oder? Obwohl...ich will ja, dass das hier eine gute Freundschaft ist oder wird. Und da sollte man sich doch alles erzählen. Er erzählt mir auch immer von seiner Beziehung mit Anna. Ich könnte es riskieren. Ich könnte es aber auch lassen. Verdammt.
„Was soll ich getrieben haben?“ frage ich, um Zeit zu gewinnen.
„Na du weißt schon. Warst du nicht mit irgendjemandem...also zusammen, oder so?“
„Naja, eigentlich nicht so wirklich.“ Ich sags ihm lieber nicht.
„Aha. Aber uneigentlich schon? Komm, du kannst mir nichts vor machen. Ich hab dich nur selten gesehen, aber wenn ich dich gesehen habe, dann hast du total gestrahlt. Und jetzt strahlst du nicht mehr so und du bist wieder öfters zu sehen. Daraus schließe ich, dass es da jemanden gab.“
Ich werde es ihm jetzt einfach sagen. Vielleicht wird er es früher oder später eh rausfinden. Wenn er ein guter Freund ist, wird er es verstehen. Oder nicht?
„Gut du hast Recht. Es gab da jemanden. Aber jetzt ist es vorbei, also muss man da nicht drüber reden.“ So jetzt weiß er es, bis auf die Tatsache, dass es Marc war. Ist ja eigentlich auch nur eine nebensächliche Information.
„Ich wusste es. Kenn ich ihn?“
„Pff, wer kennt ihn nicht?“ Ups, Gretchen? Was sollte das jetzt?
„Was soll das jetzt heißen? Ich kenn ihn also, ja? Hmm... ich rate jetzt einfach mal. Ist es..ist es..?“ fängt er an, verstummt dann aber plötzlich und starrt an mir vorbei. Ich drehe mich um und sehe, dass da Marc an einem anderen Tisch sitzt. „Meier?! Nein, nicht ernsthaft oder? Gretchen sag mir, dass du nichts mit diesem Deckskerl hattest.“ fährt er dann fort, womit seine Meinung zu Marc wohl eindeutig beschrieben ist.
„Er ist kein Dreckskerl.“ sage ich schnell.
„Und ob er das ist.“ gibt Mehdi wütend zurück und ehe ich ihn davon abhalten kann, springt er auf und geht auf Marc zu.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

08.07.2009 23:42
#110 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

„Mehdi!“ rufe ich ihm nach, aber er ist schon an Marcs Tisch angekommen. Dort stellt er sich direkt vor ihn und fängt tatsächlich an laut mit ihm zu „reden“.
„Meier!!“
„Mehdi?“ fragt Marc irritiert, doch als er mich sieht, scheint ihm ein Licht aufzugehen und er macht etwas größere Augen.
„Du..du bist so ein kaltes Arschloch! Einmal reicht dir wohl nicht was? Du musst sie unbedingt noch mehr verletzen, oder?! Du hast dich wieder an sie rangemacht!! Und das nachdem du Gabi geschwängert hast und eigentlich heiraten wolltest. Du bist so dreist, dass du es überhaupt gewagt hast sie anzurühren!!“ schreit Mehdi ihn an, was natürlich nicht einem in der Cafeteria entgeht. Alle, aber wirklich alle, gucken uns an. Ich muss das sofort beenden. Mehdi benimmt sich ja schlimmer als mein Vater.
Ich gehe schnell rüber an den anderen Tisch und flüster zu Mehdi, dass er das bitte lassen soll. Aber der Typ ignoriert mich einfach. Als ich ihn dann nochmal bitte, meint er ich soll aus dem Weg gehen. Frechheit. Und diese Blicke, die ich auf mir spüre. Peinlich.
„Meier, diesmal kommst du nicht unbestraft davon!“ spricht Mehdi einfach weiter.
Ich dagegen wende mich an unsere Zuhörer, um ihre Blicke loszuwerden. „Äh..hier gibt es nichts zu sehen. Überhaupt nicht. Alles in bester Ordnung. Essen Sie ruhig alle weiter!....Mehdi?! Jetzt komm bitte.“
Marc ist derweil von seinen Stuhl aufgestanden und jetzt stehen sich die beiden direkt gegenüber. Wütende Blicke. Ich ahne böses. Ist denen eigentlich bewusst, dass sie hier nicht alleine sind?
„Was willst du tun? Mich wieder vor die Tür bitten?“ fragt Marc.
„Nein. Diesmal, du Mistkerl, wirst du büßen und alle schauen zu.“
„Uhhh..da hab ich aber Angst.“
Die Anspannung von Mehdi steigt. Das sehe ich. Marc sollte ihn nicht so provozieren. Obwohl...es kommt ja nicht häufig vor, dass sich zwei Männer um einen prügeln.
Und tatsächlich holt Mehdi zum Schlag aus. Und seine Faust schnellt nach vorne. Doch Marc schafft es irgendwie sie aufzufangen und stößt Mehdi so stark von sich weg, dass dieser rückwärts gegen einen anderen Tisch rennt. Die beiden älteren Damen, die dort saßen, springen mit hysterischen Schreien auf. Ich entschuldige mich bei ihnen, aber die fangen doch tatsächlich an mich zu beschimpfen. Ich hör dann aber nicht mehr zu, weil das Gespräch zwischen Marc und Mehdi viel spannender ist.
„Du hast sie nur benutzt, wie immer.“ meint Mehdi und geht wieder auf Marc zu.
„Ich hab sie nicht benutzt. Sie wollte es genauso. Du kannst es nur nicht ertragen, dass sie von dir nichts mehr wollte und stattdessen glückliche Zeiten mit mir verbracht hat.“
„Ach ja? Glücklich nennst du das also? Sieh sie dir doch an. Sie ist nicht der Typ für billige Affären falls du es noch nicht bemerkt hast. Du denkst du kannst dir alles erlauben. Sowie du es damals auch mit Anna gemacht hast. Hast nur deinen Spaß im Kopf. Aber immer und immer wieder machst du sie unglücklich. Das ist auch das einzige was du kannst. Frauen unglücklich machen. Und ich weiß nicht wieso, aber bei Gretchen machst du es immer besonders schlimm.“sagt Mehdi und steht jetzt wieder bedrohlich nahe vor Marc.
Anna? Was meint er mit Anna? Marc hat doch nicht etwa..? Nein..das glaub ich nicht....Verdammt. Ich hätte es wissen müssen. Langsam füllen sich meine Augen mit Tränen. Mehdi hat Recht. Ich war doch nur wieder eine von vielen.
„Ist es so? Echt?“ spricht Marc, der jetzt irgendwie ruhiger geworden ist. Ich dachte eigentlich er würde gleich drauf hauen, aber er blickt seinem Gegner nur wütend in die Augen.
„Ja, Meier, so ist es. Du kannst ihr einfach nicht geben was sie braucht. Denn sie braucht Liebe. Und du kannst nicht lieben. Nicht so wie ich.“
„Du?“
„Richtig, ich.“ sagt Mehdi, dreht sich dann langsam um und sieht mich an. In der Cafeteria ist es still. Alle starren uns an. Doch besonders Mehdis Blick spüre ich auf mir. Und ehe ich irgendwas sagen oder tun kann, steht er plötzlich so nah vor mir.
„Gretchen, ich liebe dich immer noch.“ Er spricht diese Worte tatsächlich vor allen in diesem Raum aus. Und auf einmal nimmt er meinen Kopf zwischen seine Hände und küsst mich. Ich kann nichts tun. Ich weiß überhaupt gar nicht wirklich was hier gerade geschieht. Zu lange tue ich nichts. Zu lange lasse ich zu, dass er mich küsst. Doch dann finde ich meinen Verstand wieder und stoße ihn einfach weg. Ich schaue zu Marc. Er schaut zu mir, sein Blick irgendwie so wütend, aber auch so voller Enttäuschung. Und ich bin gleichermaßen wütend und enttäuscht. Marc hat sogar mit Ehefrauen geschlafen. Mit der Frau seines Freundes. Und Mehdi hat mit diesem verdammten Kuss die ganze Freundschaft wieder zerstört, die wir gerade erst wieder aufgebaut hatten. Und außerdem ist er doch noch mit Anna zusammen, das heißt er ist im Prinzip genau so schlimm wie Marc. Ich kann es einfach nicht glauben. Diese zwei Scheißkerle. Aus Reflex meiner Wut nehme ich dann der einen alten Dame ihren Kaffee weg und schütte ihn Mehdi übers Hemd. Den Rest gieße ich über Marc. Was anderes haben beide nicht verdient. Allein schon dafür, dass sie mich hier so in Szene gesetzt haben. Mit einem „Ihr könnt beide zur Hölle fahren.“ verlasse ich dann so schnell ich kann diese Cafeteria des Schreckens und laufe einfach nur weg.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

09.07.2009 23:10
#111 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Es ist Wahnsinnig wie schnell alles vorbei sein kann. Eben noch eine Freundschaft, jetzt nichts mehr. Eben noch eine geheime Beziehung, jetzt nichts mehr. Männer sind einfach Schweine. Es ist so und es bleibt auch so. Bleibt nur noch die Frage, was ich nun mache. Ohne Männer. Denn Marc und Mehdi sind jetzt ein für allemal abgehakt. Raus aus meinem Leben, also meinem privaten. Teilweise leider noch nicht raus aus meinem Kopf, aber das wird schon.
Werde wohl einfach mein Leben weiter Leben. Das Leben, was ich eigentlich vor dieser Sache mit Marc gelebt habe. Das in dem ich pausenlos gearbeitet habe und ansonsten geschlafen habe. Das Leben, in dem mein einziger Freund mein Hund war. Aber dieses leben will ich nicht leben. Weil das einfach doof ist. Aber was soll ich sonst tun? Das frage ich mich ein paar tage später immer noch. In der Klinik weiß mittlerweile jeder Bescheid, dass Marc und ich was hatten. Auch mein Vater. Aber dem hats komischer Weise nichts ausgemacht. Er hat nur gesagt, ich sei eine typische Frau. Gut erkannt würde ich mal sagen. Marc allerdings ist immer noch sauer. Ich weiß nicht, was ihn so sehr stört. Dass jeder davon weiß oder dass ich Mehdi von uns erzählt habe. Oder dass ich Mehdi geküsst habe. Also hab ich ja nicht wirklich, aber er denkt das bestimmt. Ist er also nur eifersüchtig? Ach, das kann mir ja eigentlich egal sein. Für mich ist das eh alles vorbei. Das hab ich ihm auch klar und deutlich zu verstehen gegeben. Ich gebs zu, ich hab ihn angeschrien, als er was sagen wollte. Medi hab ich erklärt, dass es besser ist, wenn er mehr für Anna und Lilly da ist. Ihn hab ich seit dem kaum gesehen.
Ich brauche einfach jemand neues. Meine Mutter hat ja immer noch die Hoffnung, dass ich mich für ihren Inder interessiere. Aber den würd ich am liebsten zum Mond schießen. Der nervt mit seiner Kultur. Also er ist ja ganz nett, aber trotzdem nervt er. Er kapiert irgendwie nicht, dass wir hier in Deutschland sind. Unterhalten kann man sich auch nicht richtig mit ihm. Und deshalb brauch ich jemand anderes. Und das schnell. Werde nächsten Monat 30. Bis dahin hab ich einen. Das lege ich jetzt mal fest. Fragt sich nur wie ich das erfüllen soll. Kontaktanzeige? Internet? Ich hab mir auch schon überlegt einfach mal irgendeinen Mann auf der Straße anzusprechen. So auf gut Glück.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

12.07.2009 20:50
#112 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Das mit der Suche erledigt sich dann irgendwie, weil ich einfach keine Zeit dazu habe. Im Krankenhaus hab ich alle Hände voll zu tun und so komme ich eigentlich zu nichts was mein Privatleben angeht. Bin meistens zu erledigt.
Das einzige wofür immer noch Zeit bleibt ist das Denken an Marc. Ich vermisse ihn nachts immer noch in meinem Bett. Ich vermisse seine Nähe und all das. Im Op sind wir zwar auch nah beisammen, aber da kann ich das nicht genießen. Da tut es eher weh. Aber irgendwie ertrage ich das ganze. So gut es geht.
An einem Mittwoch Abend, als ich gerade versuche mir was zu Essen zu kochen, weil meine Mutter und mein Vater weg sind, zusammen wohl bemerkt, klingelt es an der Tür. Wer ist das denn jetzt? Bestimmt wieder so ein nervender Nachbar, der keine Butter mehr im Haus hat. Ich kann hier nicht weg, sonst verbrennt mein Essen, verdammt. Kavi soll die Tür öffnen. Der ist schließlich auch noch im Haus. Doch leider höre ich von oben seine Meditier- Geräusche. Ich wette der hat das Klingeln nicht mal gehört vor lauter Om.
Als es dann ein zweites mal klingelt, bleibt mir nichts anderes übrig als selber aufzumachen. Schnell laufe ich zur Tür mit der Absicht, nach dem Öffnen sofort wieder zu meiner Pfanne zu rennen. Doch als ich die Tür auf mache, trifft mich fast der Schlag. Denn da steht niemand anderes als Marc. Und ich glaube nicht, dass er mich nach Butter fragen will.
„Marc? Was willst du hier?“ frage ich erstaunt, achte aber zugleich darauf, dass mein Ton eher abweisend ist, weil ich nicht will, dass er denkt, dass ich ihn so gerne wieder bei mir haben möchte und außerdem, kann ich mir so auch selbst was vormachen. Ich darf ihm auf keinen Fall zu nahe kommen.
„Gretchen..äh...wir..äh..ich wollte...ich..kann ich vielleicht rein kommen?“ fragt er schließlich. Es ist übrigens unglaublich süß wenn er rumstottert. Kennt man von einem Marc Meier ja eigentlich nicht. Und jetzt sieht er auch noch so verlegen runter. Oh ich liebe ihn. Was? Nein, tue ich natürlich nicht. Also wirklich. Gretchen du liebst ihn nicht mehr, verstanden?
„Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist.“ sage ich zu ihm.
„Wieso, ist jemand bei dir?“ Marc schaut plötzlich ganz eifersüchtig. Was auch süß ist übrigens. Wenn ich jetzt ja sagen würde, dann wär ich ihn los. Aber ich kann ihn einfach nicht anlügen. Es geht nicht.
„Nein, nein ich bin allein. Also abgesehen von dem verrückten Inder, der in seinem Zimmer hockt und meditiert.“ meine ich und lächle ihn an. Ich lächle ihn an? Verdammt, wieso? Bin ich vollkommen bekloppt?

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

12.07.2009 22:00
#113 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

„Achso. Aber wieso, also..was ist es dann?“
„Marc, ich denke...ich..halte es zur Zeit einfach nicht für gut...also ich meine..ich glaube es ist besser wenn...“Jetzt fang ich auch schon an zu stottern. Kann ja wohl nicht sein.
„Äh Gretchen, ganz kurz. Brennt da bei dir irgendwas?“ unterbricht Marc mich.
„Was?“
„Naja, es riecht so leicht vekokelt bei euch, findest du nicht?“
Jetzt wo er es sagt, da riech ich es auch. „Scheiße!“ fluche ich nur kurz und renne panisch in die Küche. Und tatsächlich: Da brennt es. Da sind richtige Flammen! Nicht viele, aber mein schönes gebratenes Fleisch in meiner Pfanne brennt! So lang war ich doch gar nicht weg. Vielleicht war es zu heiß. Was soll ich tun? Ich muss das löschen bevor Marc das mitkriegt. Das wär nämlich peinlich. Selbst ist die Frau.
Schnell nehme ich eine Schale die da rum seht und lasse Wasser reinlaufen. Doch als ich den Wasserhan wieder zu mache, steht Marc plötzlich schon neben mir.
„Alles in bester Ordnung. Das ist nur ein kleines Feuerchen. Nichts weiter. Ich lösch das schnell und dann ist gut.“ sage ich schnell zu ihm und will dann das Wasser über die Pfanne schütten. Doch Marc hält plötzlich meinen Arm ruckartig fest.
„Spinnst du?! Du kannst da doch kein Wasser rüber schütten. Gretchen, das ist brennendes Fett!“
sagt er laut, lässt mein Arm dann wieder los und packt dann einfach einen Deckel auf die Pfanne, woraufhin das Feuer auch relativ schnell ausgeht. Ich starre ihn nur ungläubig an. Er hat mich gerade verdammt nochmal gerettet. Ich war so in Gedanken bei der Tatsache, dass Marc hier ist, da hab ich überhaupt keinmal daran gedacht, dass man brennendes Fett niemals mit Wasser löschen darf. Na toll, jetzt muss ich ihm auch noch danken. Scheiße, so was wollte ich verhindern, echt.
„Verdammt...danke, ich..ich hab da echt nicht dran gedacht..ich bin so blöd..danke.“
„Schon gut, ist ja nichts passiert. Nur dein Essen ist vielleicht nicht mehr ganz so genießbar..“ sagt er und zeigt mir ein schwarzes Häufchen Elend. Und obwohl mir der Schock noch in den Knochen steckt, muss ich bei dem Anblick irgendwie lachen. „Wahrscheinlich war das vorher auch schon nicht genießbar. Am besten ich belasse es bei meiner Fähigkeit Tiefkühlpizza zu machen. Mal shen ob noch eine da ist. Willst du auch eine?“ Mist, hab ich ihn gerade wirklich gefragt ob er auch eine Pizza will? Na toll. Damit hab ich ihm wohl offiziell die Einladung gegeben mit mir zu essen. Ganz toll gemacht, Gretchen, echt. Naja, wahrscheinlich schulde ich ihm das, nachdem er mir gerade die Küche und meine Gesundheit gerettet hat.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

12.07.2009 23:36
#114 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

„Wenn es noch eine gibt gerne. Hab heute noch nicht wirklich viel gegessen.“ beantwortet Marc meine Frage. Super, jetzt hab ich den Salat. Wie soll ich die Zeit hier mit ihm aushalten? Die Pizza braucht ja immer hin 10 Minuten mindestens. Was sollen wir in der Zeit machen? Naja, werde wohl etwas Smal-Talk führen müssen. Mich würde ja aber auch mal interessieren, wieso er überhaupt hier ist.
„Äh Marc, wieso bist du überhaupt hergekommen?“ frage ich einfach ganz direkt, während ich mich daran mache die Pizza in den Ofen zu schieben. Hört er mir eigentlich zu? Natürlich nicht. Stattdessen starrt er mir schön in den Ausschnitt. Typisch.
„Hallo? Ich hab dich was gefragt.“ Schnell schließe ich den Reißverschluss meiner Jacke.
„Was?“ fragt er anscheinend gerade aus gewissen Tagträumen erwacht. Ich muss zugeben, dass ich vorsichtig sein muss, dass ich nicht auch anfange zu träumen. Er sieht heute schon wieder soo gut aus. Jeans machen ihn immer noch sexier. Verdammt, ich muss mich zusammenreißen.
„Ich hab dich gefragt, warum du hier bist.“
„Achso, ja. Also eigentlich wollte ich mit dir...also ich wollte nur mal hallo sagen.“
Was? Das ist doch nicht sein Ernst? Warum traut er sich nicht zu sagen, warum er wirklich hier ist?
„Hallo sagen? Marc, verarschen kann ich mich auch selber. Im Krankenhaus reden wir so gut wie kein Wort miteinander und jetzt kommst du zu mir, um Hallo zu sagen? Etwas seltsam, findest du nicht?“
„Gut, ich wollte nicht nur hallo sagen. Ich wollte einfach mal mit dir reden, okay?“
Reden? Marc Meier will mit mir reden. Und er scheint es sogar so ernst zu meinen, dass er extra herkommt. Kann ich irgendwie kaum glauben. Auch wenn ich nicht weiß, was es noch zu bereden gibt.
„Okay. Gut. Ich weiß zwar nicht was du bereden willst, aber gut. Von mir aus. Äh...willst du was trinken?“ Schnell gucke ich in den Kühlschrank und hole für ihn ein Bier raus. Weiß ja, dass er das mag. Und wenn ichs mir recht überlege, könnte ich auch eins gebrauchen. Bin nämlich irgendwie nervös. Seine Anwesenheit und die Tatsache, dass er mit mir reden will macht mich nervös.
Wir setzen uns dann beide auf die Couch. Natürlich mit bewusst gewähltem Sicherheitsabstand.
„Also, dann schieß los.“ meine ich zu ihm
„Äh ja..Gretchen, ich...“ fängt er an, nimmt dann aber erst mal einen großen Schluck aus der Bierflasche. „Ich weiß nicht wie du das siehst, aber ich fand das Ende nicht so besonders toll. Also wie das ganze zu ende gegangen ist meine ich.“
„Welches Ende? Das klingt als würdest du über ein Buch oder einen Film reden.“
„Ja ich weiß, ich kann sowas halt nicht. Ich meine das Ende von..naja von uns..von unserer Be..Be...“
„Beziehung? Marc, das war keine Beziehung. Das war vielleicht ne Affäre, aber keine Beziehung. Eine Beziehung muss man nicht geheim halten, weil da zufällig noch eine andere Frau, genauer gesagt eine Verlobte ist, die auch noch schwanger ist. Aber das hab ich dir alles schon mal erklärt und das war auch der Grund warum ich es beendet habe. Ich fand es auch nicht toll. Aber es ging halt nicht anders. Außerdem hatte ich einfach auch das Gefühl, dass du mir nicht vertraust, was ich nicht verstehe, weil ich doch wirklich kein schlechter Mensch bin, der immer gleich alles weiter erzählt. Du hättest mir vertrauen können, aber keine von meinen Fragen hast du mir beantwortet.“
Jetzt rede ich schon wieder so viel. Dabei wollte er doch mit mir reden.Werde mich jetzt zurück halten.
„Ich weiß, du verstehst das mit Gabi alles nicht. Und es ist nicht so, dass ich dir nicht vertraue. Ich vertraue dir sogar mehr, als allen anderen, aber das ist wirklich eine lange Geschichte.“
Er vertraut mir mehr als allen anderen? So was aus seinem Mund zu hören ist schon was besonderes. Ich hoffe er erzählt mir jetzt vielleicht mal was los ist.
„Ich habe Zeit, Marc. Also bitte. Wenn du mir vertraust, dann erzähl mir die Geschichte. Bitte.“

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

13.07.2009 23:01
#115 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

„Kannst du dich noch an den einen Patienten erinnern, bei dem du mir später mit der Op geholfen hast und mich dann gefragt hast, ob ich mir Sorgen um ihn mache?“
„Ja, wieso?“
„Die Werte waren doch gut oder?“
„Soweit ich mich erinnern kann schon, ja. Aber was spielt das hier für eine Rolle?“
Marc wird irgendwie zunehmend nervöser. Was ist da nur passiert?
„Naja, der Patient ist ja gestorben und...das..naja, ..das war alles meine Schuld.“
„Marc, was redest du da?“
„Gut, ich erklärs dir.“ sagt Marc und holt irgendwie tief Luft. „Es war so:....“
Marc erzähl mir wirklich alles, also so scheint es mir. Er erzählt mir von dem Autounfall auf dem Weg zur Abtreibung, davon, wie sie den Patienten im Kofferraum in die Klinik gebracht haben, dann nochmal von der Op, von dem seltsamen Tod und schließlich von Gabis Erpressung. Zwischendurch hole ich die Pizza raus, aber so wirklich essen tut keiner von uns beiden. Als ich das alles höre, kann ich es gar nicht glauben. Aber so ergibt plötzlich auch alles einen Sinn. Ich weiß auch gar nicht was ich jetzt sagen soll. Er hat fertig erzählt und jetzt erwartet er bestimmt, dass ich was sage.
„Marc, das..das hast du mir alles verschwiegen, wieso? Wieso hast du mir nicht früher davon erzählt?“ Irgendwie werde ich jetzt auch noch emotional. Mir kommen schon fast Tränen in die Augen.
„Genau aus dem Grund.“ meint er und deutet auf eine Träne die meine Wange runter läuft. „Ich wollte nicht, dass du mich für einen Mörder hältst.“
„Marc, du bist kein Mörder! Das war doch ein Unfall. Und du hast doch sofort Hilfe geleistet. Du hast ihn eigenhändig operiert. Du bist nicht daran Schuld, dass er tot ist. Das ist vollkommener Schwachsinn. Dir kann niemand was vorwerfen.“ versuche ich ihm zu erklären. Ich bin irgendwie gar nicht sauer oder so. Ich bin einfach nur froh, dass er sich mir anvertraut hat.
„Das weißt du nicht. Die Fakten sind nunmal, dass ich diesen Mann umgefahren habe und dass er jetzt tot ist.“ sagt Marc und schaut mich dabei verzweifelt an. Das muss ihn ja ganz schön mitnehmen. Vor allem wenn er dieses Geheimnis die ganze Zeit mit sich rumgetragen hat. Ich glaub ich hätte an seiner Stelle Schuldgefühle, die mich umbringen würden. Aber man kann ihn doch wirklich nichts vorwerfen oder gar die Lizenz entziehen, oder?

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

14.07.2009 00:46
#116 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Eine Weile sitzen wir beide nur da und schweigen. Dann frage ich ihn: „Und was hast du jetzt vor? Du willst Gabi doch nicht wirklich heiraten, oder?“
„Ich weiß es nicht. Das ist ja das Problem: Ich habe keinen Plan wie ich aus der ganzen Sache wieder rauskommen soll. Natürlich will ich Gabi auf keinen Fall heiraten, weil ich doch mit dir...ach scheiße, Gretchen, ich weiß echt nicht was ich tun soll.“ Wieder dieser verzweifelte Blick. Am liebsten würde ich ihn einfach umarmen. Aber ich glaub das lass ich lieber.
„Marc, jetzt lass uns mal überlegen. Angenommen du heiratest Gabi nicht..dann wird sie zur Polizei gehen. Wenn sie zur Polizei geht, was sollte sie ihr erzählen, he?“
„Naja, vielleicht so was wie: Dr. Meier hat den und den umgefahren. Ich bin Zeuge, Sie müssen im die Lizenz entziehen und so weiter. Du weißt doch wie Gabi immer die Wahrheit verdreht.“
„Schön dann erzählt sie das halt. Du hast aber weder ein Motiv diesen Mann mit Absicht umzubringen noch gibt es Beweise. Außerdem steckt sie doch auch irgendwie mit drin. Vielleicht sogar mehr als wir denken.“ Ich sehe Marc an, doch er blickt nur fragend zurück.
„Naja, guck doch mal.“ beginne ich. „Wenn Gabi...wenn sie....Mist, ich weiß es auch nicht. Aber hey, wir finden schon eine Lösung. Vielleicht solltest du dir auch einfach mal einen guten Anwalt nehmen. Ich hab von sowas doch auch keine Ahnung.“ meine ich und lasse mich auf dem Sofa seufzend zurückfallen. Marc macht daraufhin das selbe.
Irgendwie ist mein Sicherheitsabstand von vorhin so gut wie nicht mehr vorhanden. Komisch. Und jetzt sieht er mich schon wieder so an. Wenn ich weiter hier sitzen bleibe, geht das nicht gut. Ich darf auf keinen Fall irgendwelche dummen Sachen machen, die ich dann später wieder bereue. Ich darf nicht schwach werden. Am besten ich schaue wo anders hin. Aber sein Blick hat mal wieder anziehende Kräfte. Möcht mal wissen wie er das macht. Kann meinen Kopf nicht mehr wegdrehen. Aber wenn ichs mir überlege ist bei Blicken ja nichts dabei. Solange es dabei bleibt. Denn obwohl er mir jetzt so einiges anvertraut hat, heißt das noch lange nicht, dass die Probleme die zwischen uns stehen weg sind. Im Gegenteil, da sind doch nun noch mehr.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

14.07.2009 20:15
#117 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Aber egal was ich versuche meinem Verstand einzureden, meine Gefühle sind irgendwie stärker. Als sein Kopf dann tatsächlich immer näher zu meinem rutscht, kann ich einfach nichts dagegen unternehmen, dass auch mein Kopf sich zu ihm hinbewegt. Es geht einfach nicht anders. Aber ich ich darf das nicht schon wieder tun. Tu es nicht Gretchen, nicht jetzt. Und auch nicht später. Lass es einfach.
Natürlich kann ich es nicht lassen. Denn als Marc dann auch noch seine Hand an meine Wange legt, ist es vollends vorbei mit meinem Verstand. Sehnsüchtig warte ich darauf, dass er mich endlich küsst, aber immer noch schaut er mir nur in die Augen. Vielleicht wartet er. Darauf, dass ich es tue.
Ach was solls. Marc hat sich mir anvertraut und das ist ein Zeichen. Ein Zeichen für...ach egal. Ich lehne mich nach vorne und lasse meine Lippen langsam auf seine treffen. In dem Moment als wir uns berühren, fährt ein Schauer durch meinen ganzen Körper und ich frage mich ehrlich wie ich in letzter Zeit ohne ihn überhaupt leben konnte. Der Kuss wird ziemlich schnell immer leidenschaftlicher. Es scheint mir gerade so, als wär Marc wirklich der Mann meines Lebens. Klar hatte ich auch für andere Männer Gefühle, ist ja nichts neues, aber nie waren sie so intensiv wie bei Marc.
Jetzt zieht er mich auf seinen Schoß, wo die Knutscherei weiter geht. Und ich kann mich auch nicht davon abhalten, währenddessen sein Hemd aufzuknöpfen.
„Mmm Gretchen, ich hab dich so vermisst.“ flüstert Marc plötzlich, was mich dann noch glücklicher macht. So was süßes hat er glaub ich noch nie zu mir gesagt und ernst gemeint. Und das gerade muss ernst gemeint sein, weil bei einer Lüge muss man erstmal denken und Männer denken während solchen Aktionen hier ja eigentlich nicht wirklich.
„Ich dich auch.“ gebe ich lächelnd zurück. Mittlerweile bin ich auch beim letzten Knopf seines Hemdes angekommen und will es ihm gerade von seinem perfekten Oberkörper streichen, als es an der Tür klingelt und mein Hund lautstark bellend die Treppen runtergerannt kommt.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

15.07.2009 01:09
#118 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Marc und ich stöhnen gleichzeitig genervt auf. „Wer ist das denn jetzt?“ fragt er mich.
„Ich hab keine Ahnung. Aber wer auch immer es ist, der kann morgen wieder kommen.“ lege ich einfach mal schnell fest und mache da weiter wo wir aufgehört haben. Alllerdings dauert es nicht lange und es klingelt nochmal und nochmal. Und dann hämmert es plötzlich gegen die Tür und eine tiefe Stimme ertönt: „Machen Sie auf, hier ist die Polizei! Wir wissen, dass sie da sind!“
Marc und ich sind beide gleich geschockt. „Scheiße!“ flucht Marc.
„Was wollen die, wieso kommen die zu mir nach Hause?“ frage ich ihn mit etwas ängstlicher Stimme.
„Na warum wohl. Ich wette Gabi ist mir irgendwie gefolgt, und hat dann entsprechende Drohungen wahr werden lassen. Ich wusste es. Dieses Biest.“ meint er, während er sich sein Hemd wieder zuknöpft.
„Und was machen wir jetzt?“ flüster ich ihm zu, weil ich irgendwie Angst habe, dass die mich da draußen hören können. „Soll ich aufmachen und sagen, dass du nicht hier bist?“
„Nein, die haben uns bestimmt durchs Fenster schon gesehen. Scheiße, Gretchen ich bin im Arsch.“
Wieder haut es gehen die Tür. Ich glaube, wenn wir nicht gleich öffnen, treten sie die Tür ein. Dann muss ich meinen Eltern das womöglich erklären.
„Ach komm, es wird bestimmt alles gut. Ich mach dann mal auf.“
„Ich komme mit. Bringen wir es hinter uns.“
An der Tür angekommen, richte ich noch schnell meine Haare, die Marc doch leicht durcheinander gebracht hat, und öffne dann mit einem gespieltem Lächeln die Tür. Habe beschlossen dass ich durch meinen Charme die Polizisten verzaubere und die wieder weggehen.
„Guten Abend. Was kann ich für sie tun?“ Lächeln, schönster Augenaufschlag...
Hmm, Polizisten zeigen sich wenig verzaubert. Vielleicht sollte ich doch mit einem vorgetäuschten Schock ablenken
„O mein Gott. Ist irgendwas passiert? Geht es um meine Eltern? Ich wusste ich hätte sie nicht alleine Auto fahren lassen sollen. Ich hab ihnen noch gesagt, heute ist es nass auf den Straßen, aber nein, die wollten ja nicht auf mich hören...“ fange ich an und kommer dann aber zu der Erkenntnis, dass es gut ist, dass ich keine Schauspielerin geworden bin. Die zwei Männer starren mich nur unberührt an. Dann sagt einer: „Nein es ist nichts mit ihren Eltern....Sind sie Marc Meier?“ fragt er an Marc gewandt.
„Äh..ja.“
„Doktor Marc Meier um genau zu sein.“ füge ich hinzu und lächle wieder.
„Gut, dann müssen wir Sie bitten, sofort mit uns aufs Revier zu kommen." meint der eine total monoton.
„Was? Aber es ist fast nachts? Können Sie nicht morgen wieder kommen?“ frage ich entsetzt. Ich gebs zu eine etwas dämliche frage, aber ist doch wahr.
„Wieso sollten wir? Damit er sich schnell aus dem Staub machen kann? Dr. Meier es liegt ein Verdacht gegen Sie vor und Sie werden die Nacht auf dem Revier verbringen und morgen verhört werden.“meint der andere.
„Aber er ...“ will ich protestieren, doch Marc unterbricht mich.
„Gretchen lass.“ Dann blickt er mich an und ich kann genau sehen, dass er irgendwie Angst hat. Und ich kann ihm nicht mal helfen. Er wird von den Polizisten zum Wagen geführt, wo er sich nochmal zu mir umdreht. Und wieder spüre ich diesen Trennungsschmerz in mir, der so schrecklich ist, dass sich meine Augen mit Tränen füllen. Er winkt mir noch kurz zu und ehe ich mich versehe ist er auch schon weg.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

15.07.2009 03:13
#119 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Für kurze Zeit stehe ich noch in der Tür und schaue dem schon längst nicht mehr sichtbaren Wagen hinterher. Dann gehe ich ins Haus zurück. Die Pizza steht noch so gut wie unberührt auf dem Couchtisch. Ich räume sie kurz weg und überlege dabei fieberhaft, was ich tun könnte, um Marc zu helfen. Ich bräuchte irgendwelche Beweise. Irgendwas das zeigt, dass Marc nicht am Tod schuld ist.
Wieso ist der Typ überhaupt gestorben? Es war doch alles gut. Oder nicht? Vielleicht hab ich ja auch irgendwas übersehen bei den Werten. Ich muss sofort in die Klinik und das prüfen.
Gesagt getan. Mitten in der Nacht fahre ich also durch Berlin, mir meinem Fahrrad wohlbemerkt, und komme Gott sei Dank sogar heil an. Sport bei Nacht ist doch bestimmt noch effektiver.
Ich laufe so schnell ich kann ins Stationszimmer. Irgendwie unheimlich hier. Alles leer. Ich mache mich daran die Akten zu durchsuchen, finde aber nichts über den damaligen Patienten. Wie hieß der überhaut? Kann mich an gar keinen Namen erinnern. Na toll, hier ist seine Akte nicht. Warum verdammt? Das kann doch nicht sein.
„Was suchen Sie denn Frau Doktor?“ höre ich plötzlich eine mir zu gut bekannte Stimme hinter mir, bei der ich mich trotzdem fast zu Tode erschrecke.“
„Ach Sabine, müssen Sie mich so erschrecken? Aber egal. Wissen sie vielleicht, ob hier irgendwelche Akten wo anders eingeräumt wurden?“
„Nein, wieso?“
„Ach ich suche nur eine bestimmte Akte und die ist nicht hier. Können Sie sich noch an den Patienten erinnern, den Dr. Meier unbedingt ohne mich operieren wollte und wo er es dann an Ihnen ausgelassen hat, dass er total überfordert war? Der Mann, der dann kurz nach dieser Op gestorben ist?“
„ja natürlich. Das ist der mysteriöse Tote, an dem Fall sind Bo und ich schon länger dran.“
„Wie und wo ist jetzt die verdammte Akte?“
„Warten Sie hier, ich hole sie und bringe Dr. van Amstel gleich mit. Der weiß darüber mehr als ich und kann Ihnen dann auch mehr über unseren Verdacht auf Gabi erzählen. Die Sache ist echt spannend. Sie haben Glück, dass wir beide heute Nachtschicht haben.“
Diese Sache hier ist überhaupt nicht spannend. Das ist alles nur furchtbar. Ich will zu Marc. Wer weiß, in was für einer einsamen Zelle er jetzt hockt. Vielleicht aber auch in einer, die ganz und gar nicht einsam ist. Ich hoffe es geht ihm gut.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

23.08.2009 22:18
#120 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Okay, keine Panik. Vertraue ganz auf Bo und auf Sabine. O Gott, was die da wohl in die Geschichte rein interpretiert haben? Mir war ja schon immer klar, dass Bo nicht ganz so dicht ist, aber jetzt ist auch noch Sabine dabei. Die mit ihren Dr. Rogelt Romanen hat doch auch eine etwas zu blühende Fantasie. Aber egal. Marc kann jetzt jede Hilfe gebrauchen.
Schon nach kurzer Zeit kommen die beiden dann ins Zimmer.
„Frau Doktor wir sind da.“ sagt Sabine ganz aufgeregt.
„Ja ich sehs. Und habt ihr die Akte?“
„Selbstverständlich.“ Sabine hält die Akte hoch und beginnt dann sehr geheimnisvoll zu erzählen:
„In dieser Akte, Frau Doktor, in dieser blauen, dunkelblauen, äh mit Kugelschreiber beschriebenen, aber namenlosen Akte...befindet sich ein dunkles, sehr ungeheuerliches Rätsel. Ein Rätsel, das keiner zu lösen vermochte, außer...wir.“
„Okay, okay, schön und gut...und wie lautet diese Lösung bitte? Bo? Vielleicht kannst du mal sagen, was das hier alles soll?“ frage ich schnell. Wenn ich Sabine die Story erzählen lasse macht sie wahrscheinlich eine Märchenstunde draus.
„Ja, Dr. Haase, also...bei meinen nächtlichen Aufräumarbeiten hier, bin ich jede Akte durchgegangen und bin dabei auf diese hier gestoßen. Sie war eine von den wenigen, wo der Name des Patienten fehlte. Dazu kam noch, dass die Werte des Patienten wirklich gut waren, aber er ist dann leider dennoch...“
„Gestorben, ich weiß.“ unterbreche ich ihn. „Und was ist jetzt bitte diese Lösung des Rätsels?“
„Ja, jetzt lassen Sie mich doch mal ausreden. Also auf jeden Fall dacht ich mir dann, dass das ja wohl nicht so ganz richtig sein kann. Und da hab ich mal bei Sabine nachgefragt, die sich noch gut an den Fall erinnern konnte, weil Dr. Meier irgendwie bei der Op besonders unfreundlich war und anscheinend überfordert und ach wie er halt manchmal so drauf ist, sie kennen ihn ja und...wo war ich? Ach ja, also Sabine hat mir dann erzählt, dass...dass..was hast du noch mal gesagt?“
„Dass ich das auch sehr mysteriös finde.“antwortet sie.
O Mann, die beiden machen mich wahnsinnig. Aber so was von. Wenn die nicht gleich auf den Punkt kommen, dann schreie ich.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

23.08.2009 23:42
#121 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Vielleicht sollte ich lieber jetzt sofort schreien. Marc sitzt schließlich im Gefängnis. Okay, das wissen die nicht, aber das gibt ihnen trotzdem kein Recht hier so sinnlos rumzulabern. Also ich gebe ihnen noch einen Versuch.
„Bo, verdammt, jetzt sag doch, was ihr rausgefunden habt! Ich hab nicht die ganze Nacht Zeit, weißt du?! Es geht um..um Leben und Tod sozusagen.“ Stimmt doch irgendwie. Wenn Marc im Knast bleiben muss, dann sterbe ich. Ohne ihn kann ich nicht leben. Und er stirbt da womöglich auch. Von irgendeinem Kranken Mörder mit der Zahnbürste ermordet.
„Ja gut, Dr. Haase, also wir glauben, dass Schwester Gabi damit zu tun hat.“
„Gabi? Ihr meint sie hat ihn umgebracht? Oder was jetzt?“
„Ja vielleicht, Sabine hat sie gesehen, wie sie damals ins Zimmer kam und sich nach dem Mann erkundigt hat. Im Nachhinein wundert sie sich jetzt auch, weil Gabi hier in den Zimmern ja eigentlich nicht viel verloren hat.“
Wenn ichs mir recht überlege, könnte das passen. Marc und Gabi haben den Typen ja zusammen umgefahren. Und dieses hinterhältige Biest ist ja zu allem fähig.
„Habt ihr irgendwelche Beweise? Eine Vermutung nützt leider nicht wirklich viel.“
„Also Frau Doktor..für wen halten sie uns? Natürlich haben wir Beweise. Schauen sie mal hier..“
meint Sabine, schlägt die Krankenakte auf und drückt sie mir in die Hand. Und was ich da sehe beeindruckt mich echt. Da sind Seiten mit Fingerabdrücken, Fotos von Gabi und dem Zimmer, DNA-Tests entc.
„Woher habt ihr das alles? Und was beweist da jetzt was?“
„Mein Bruder arbeitet in Holland bei der Kriminalpolizei, so wie bei CSI. Er hat Zugang zu sämtlichen Dateien, auch zu den deutschen Registern. Wir haben von ihm so ein cooles Spray bekommen, was Bluspuren, die weggewischt wurden, wieder sichtbar macht. Das ist echt faszinierend, das sollten sie auch mal ausprobieren.“
Ja, sicher. Wenn ich dann mal nichts zu tun habe, guck ich mal, wo ich hier im KH überall Blut finde. Mal sehen ob ich einen Zentimeter finde, wo noch nichts war.
„Bo, und weiter?“
„Ja, äh..mit diesem Superspray haben wir dann das eine gewisse Zimmer eingesprüht. Da war vielleicht viel Blut, das kann ich dir sagen. Also Ihnen, ach egal. Auf jeden Fall haben wir da sämtliche blutige Fingerabdrücke gefunden. Mit speziellen Mitteln, haben wir die abgenommen, eingescannt und zu meinem Bruder geschickt und wir hatten Glück. Gabi ist vorbestraft. Mit 20 hat sie wohl mal ein Motorrad geklaut, das sie dann dummerweise zu Schrott gefahren hat. So konnten wir dann durch die Datenbänke rausfinden, dass einige Abdrücke von ihr waren. Und wissen sie was?“

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

26.08.2009 23:27
#122 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

„Nein. Was?“
„Gabis Fingerabdrücke waren auf sämtlichen Maschinen. Sie hat sie ausgeschaltet, denken wir. Als sie in dem Zimmer war, muss irgendwas vorgefallen sein. Der Mann hätte vielleicht überlebt, aber es wurde ja niemand informiert, weil der Alarm nicht ausgelöst wurde.“
„Ihr meint also echt, dass Gabi Schuld ist, dass der Mann letztendlich gestorben ist?“ frage ich um sicher zu gehen, dass ich auch wirklich alles richtig verstanden habe.
„Ja, Frau Doktor, Gabi ist die Täterin. Bei dem Motiv sind wir uns noch nicht ganz sicher, aber meine Theorie ist ja, dass der Mann ein alter Lehrer von ihr war, der ihr immer schlechte Noten gegeben hat.“ antwortet Sabine strahlend. „Vielleicht war es auch ein Steuerberater. Oder vielleicht ihr Vater...“
Naja nicht ganz, aber ihr fehlen ja auch ein paar wichtige Informationen. Die kann ich ihr jetzt aber unmöglich sagen. Dafür ist echt die Zeit zu knapp. Muss Marc jetzt retten.
„Sabine und Bo ihr habt wirklich tolle Arbeit geleistet, aber ich muss jetzt sofort los.“ sage ich während ich von meinem Stuhl aufspringe und dann auch schon los renne. Nach wenigen Sekunden halte ich aber inne und renne reflexartig nochmal zurück. Die beiden stehen immer noch etwas verdattert da. „Äh, habt ihr was dagegen wenn ich mir die Akte mal ausleihe?“ frage ich schnell.
„Naja, wir wollten eigentlich damit noch...“ fängt Bo an.
„Ne, gewollt wird jetzt gar nichts!“ Ich reiße die Akte an mich. „Ich hab doch gesagt es geht um Leben und Tod....aber das erklär ich ihnen vielleicht ein anderes Mal. Gute Nacht und äh danke.“
Wieder fange ich an zu rennen. Fragt sich nur wohin? Verdammt bin ja mit dem Fahrrad da. Am liebsten würd ich ja zu Marc. Aber ich weiß ja nicht mal wo die nächste Polizeistation ist oder der Knast oder was auch immer. Verdammt. Das ist mal wieder ein Moment, wo ich es echt bereue, dass ich immer so brav gewesen bin. Hätte doch als Jugendliche echt mal mehr anstellen können. Schokolade klauen hätte doch zu mir gepasst. So hätte ich auch Taschengeld sparen können. Aber nein, ich bin total unwissend in diesem Bereich.

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

14.09.2009 21:54
#123 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Bei meinem Fahrrad angekommen, versuche ich erstmal einen klaren Kopf zu bekommen. Also die Fakten sind ja: Marc hat den Mann angefahren, aber eigentlich erfolgreich wieder zusammengeflickt. Gabi hat ihn dann quasi umgebracht, wahrscheinlich weil sie Angst hatte, dass er was erzählt und sie mitsamt Marc in den Knast muss. Dann hat sie Marc erpresst und jetzt verraten. Marc sitzt im Knast. Und Gabi zu Hause.
Dieses Miststück. Ich glaub ich werde ihr jetzt mal einen kleinen Besuch abstatten. Das Problem ist ja, dass Marc nicht völlig unschuldig ist. Er ist immerhin scheiße Auto gefahren, wenn man das mal so sagen darf. Und auch wenn ich der Polizei beibringen könnte, dass Gabi letztendlich am Tod Schuld ist, würden sie Marc ja nicht einfach gehen lassen, weil er da mit drin hängt. Und was bringt es mir wenn beide im Gefängnis sind? Oder er würde zumindest seine Zulassung verlieren. Das wär ein genauso großer Verlust für die Menschheit. Mann, muss das alles so kompliziert sein? Ich wünschte ich hätte Jura studiert.
Etwas demütig steige ich auf mein Fahrrad und beginne durch die Nacht zu fahren, in Richtung Marcs Wohnung. Da werd ich bestimmt auf Gabi treffen. Und es wird Zeit, dass ihr mal so richtig einer die Hölle heiß mach. So leicht kommt die nicht davon.
Durch meinen nicht wirklich existierenden Orientierungssinn, erreiche ich Marcs Wohnung erst nach einigen Umwegen. Ich klingel bei Meier und warte. Natürlich tut sich nichts. Es ist immerhin fast drei Uhr morgens oder so. Gabi wird wohl seelenruhig in ihrem Bett liegen und davon träumen wie sie Marcs Wohnung umgestalten wird. Aber ich werde einfach so lange klingeln bis sie aufmacht.
Nach ungefähr zehn Minuten hab ich sie wohl endlich aus dem Bett gekriegt, denn ein etwas krächzendes schlecht gelauntes „Was ist?“ kommt aus der Sprechanlage.
„Gabi mach bitte sofort auf. Wir müssen reden.“ gebe ich genervt zurück. Mist das klang jetzt so freundlich, oder?
„Vergiss es.“ sagt sie nur noch und dann ist die Anlage schon wieder tot. Tja muss ich wohl weiter Sturmklingeln. Diesmal mit Erfolg. Die Tür wird geöffnet und ich stürme die Treppe hoch, um in die Wohnung zu kommen bevor sie es sich anders überlegt.
„Sind Sie eigentlich geisteskrank? Wie viel Geld geben Sie für ihre geschmacklosen Klamotten aus, dass sie sich nichtmal mehr eine Uhr leisten können?“ empfängt mich eine sehr verschlafene hochschwangere Gabi an der Tür.
„ Schwester Gabi. Ich weiß sehr wohl wie spät es ist: Es ist aller höchste Zeit, dass wir beide uns mal so richtig unterhalten. So von Frau zu Frau.“ Ich gehe an ihr vorbei in Marcs Wohnung.
„Ich wüsste nicht über was. Und jetzt verschwinden Sie.“
„Das werde ich ganz bestimmt nicht tun. Denn es gibt da nämlich doch so einiges worüber wir reden könnten. Wie wäre es wenn wir damit anfangen..“ Aus meiner Tasche hole ich die Akte und halte ihr diese genialen Beweisfotos vors Gesicht. „Sie sind eine Mörderin Gabi! Und eine verdammte Lügnerin!“
Gabi wird ganz blass und ihre Augen immer größer. Langsam geht sie aufs Sofa zu und setzt sich schnaufen dort hin. O Gott, war das zu hart für eine Schwangere?
„Ich bin keine Mörderin...Alles was ich getan habe, habe ich gemacht, um Marcs verdammten Arsch zuretten.“
„Marcs Arsch? Und deshalb sitzt er damit jetzt hinter Gittern, ja?“

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

15.09.2009 21:17
#124 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

„Tja, das war anscheinend das was er wollte.“
„Gabi, du bist doch nicht mehr ganz dicht! Was hat er dir denn eigentlich angetan? Du wolltest doch bloß deinen eigenen Arsch retten. Der Mann hätte überlebt, wenn du nicht deine Finger im Spiel gehabt hättest.“
Ist es schlimm, dass ich sie jetzt plötzlich duze? Ach egal, fällt ihr bestimmt eh nicht auf.
„Was er mir angetan hat? Das was er allen Frauen antut. Er hat mich wie Dreck behandelt! Er ist ein Arschloch, der es nicht verdient auf der Welt zu sein. Ich bekomme ein Kind von ihm und er kümmert sich einen Scheiß darum!“ Gabi ist wieder aufgestanden und scheint auf einmal ziemlich wach zu sein. „Und er ist ein Mörder. Ein Mörder, der mit ihnen rumvögelt, während ich hier zu Hause wie ein gestrandeter Wal auf dem Sofa sitze.Geben Sie es zu, das sind ja wohl genug Gründe ihn in den Knast zu schicken.“
„Ja, genau. Jetzt spiel mal schön die Unschuldige. Ich weiß ja nicht, was da im Auto los war, aber ich könnte wetten, dass die liebe Schwester Gabi auch da nicht ganz so unbeteiligt war. Und dann haben hat man den Mann schön aus der Welt geschafft und gleich noch eine Erpressung mit drangehängt. Pech nur, dass man Liebe nicht erzwingen kann.“
„Ach jetzt kommen Sie wieder mit der Liebe. Das ist so herzzerreißend. Wie können Sie einen Mörder lieben?“
„Zum letzten mal: Marc ist kein Mörder. Und was immer Sie der Polizei erzählt haben, das machen Sie rückgängig. Ist das klar?“
„Sicher.“
„Gabi, das meine ich ernst! Ich habe hier sämtliche Beweise gegen dich in der Hand. Und damit werde ich zur Polizei gehen und dann, meine Liebe, sieht es wohl so aus, als könntest du dein Kind im Knast groß ziehen. Tja, das ist anscheinend das was du wolltest.“
„Dr. Haase, das werden Sie nicht tun.“
„Ach nein?“
„Das würde Sie sich eh nicht trauen.“
„Aha, wer sagt das?“
„Dr. Haase ich bin schwanger. Ich bekomme ein Baby. Das ist das Kind von Marc Meier. Ein ganz echtes Baby. Und es ist noch soo unschuldig.“
„Gabi, das funktioniert nicht. Ich werde zur Polizei gehen, es sei denn, du ziehst deine Aussage zurück.“
„Und wie soll das bitte aussehen?“
„Tja, ich würde vorschlagen, einmal 110 wählen und drauf los plappern. Hier liegt ja auch schon das Telefon, wie praktisch.“ Ich reiche ihr es und warte. Das muss funktionieren, anders weiß ich echt nicht wie es sonst weiter gehen soll.
„Das mach ich nicht. Von mir aus kann er im Knast verrotten.“
„Oh, da müsstest du aber leider mit verrotten. Naja, wenigstens wäre dann die ganze Familie beisammen. Aber sag mal, wenn er im Knast ist, wer zahlt dann eigentlich den Unterhalt?“
Das Wort Familie tut mir immer noch ein bisschen weh. Irgendwie hat er ja jetzt eine kleine, aber nicht mit mir. Sondern mit ihr.
Jetzt sagt Gabi auf einmal nichts mehr. Aha, Geld ist also immer noch das beste Mittel.
„Nun mach schon. Noch ist es nicht zu spät Gabi. Aber wenn sie mit den Untersuchungen anfangen, dass werden sie vielleicht auch auf diese hübschen Bilder hier stoßen und dann wohl oder übel auch dich mitnehmen.“
Langsam fängt sie an die Nummer zu wählen.
Als es anfängt zu tuten, mache ich ihr deutlich, dass sie auf Lautsprecher schalten soll. Und mit erneutem Wedeln der Beweisakte macht sie das tatsächlich.
Einer von der Polizei meldet sich und dann legt gabi los.
„Hallo? Ja..ähm hier ist die anonyme Anruferin von gestern. Und ich wollte bitte meine Anklage gegen Marc Meier zurück ziehen.“
„Bitte was? Hören Sie wir haben hier kein Bock auf Späßchen junge Dame.“ meint der Typ vom Revier, der mir ziemlich müde und gestresst vorkommt.
„Das ist kein Späßchen Herr Polizist. Ich...ich meine das ernst.“
„Also was wollen Sie jetzt?“
Man, der Typ ist auch nicht ganz wach oder? Ich glaub ich muss mich auch mal zu Wort melden.
„Hallo? Hier spricht Dr. Haase. Ähm, wissen Sie, das war gerade meine Schwester. Ich habe vor kurzem erfahren, dass sie heute bei Ihnen angerufen hat und einen gewissen Marc Meier verklagt hat, der zufällig äh unser Bruder ist. Also es ist nämlich so, dass meine Schweste im Moment psychisch nicht ganz so stabil ist. Unsere Eltern sind vor ein paar Tagen gestorben und das hat uns alle sehr erschüttert. Und jetzt meint sie das gesamte Erbe gehört ihr und deshalb hat sie meinen Bruder angeklagt. Ich konnte sie jedoch wieder zur Vernunft bringen und..ja, es tut ihr wirklich schrecklich leid. Sie liebt Marc doch...was? Nein. Nein wir betreiben hier keinen Inzest.“

Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

17.09.2009 21:24
#125 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

„Ja, ja es tut mir wirklich ganz ganz schrecklich fürchterlich Leid.“ fängt Gabi an ins Telefon zu heulen. Also bei sowas ist sie wirklich nicht schlecht, das muss ich zugeben.
Am anderen Ende der leitung wird es plötzlich still. Ne, der hat jetzt nicht aufgelegt, oder? Scheiße. Ich muss doch Marc retten. Er hat bestimmt furchtbare Angst. So doll wie noch nie in seinem Leben. Und er kennt das Gefühl wahrscheinlich gar nicht wirklich. Das wird so neu für ihn sein, dass er bestimmt höllisch leidet.
Doch dann hört man wieder Stimmen. Er scheint sich mit nem Kollegen zu unterhalten.
„Wir müssen Meier gehen lassen.“
„Ne, oder?“
„Doch, die Anklage war nicht echt.“
„Och det is doch Scheiße. Ick hatte ihn grad fast so weit, mir dat Hünerauge am Fuß kostenlos weg zu operieren.“
„ Mensch Atze. Ich dachte das Draufpinkeln bei Vollmond hat geholfen.“
„Ja schon. Aber jetze isses zurück. Det issn Ding, sag ick dir.“
„Ja, ja ich habs verstanden. Vielleicht gibt er dir ja trotzdem ein kleinen Rabatt. Immerhin waren wir ganz nett zu ihm.“
„Hast recht...Meier! Bringen se mir noch ne Stulle und dann können se gehen! Ham se nochmal Glück gehabt. Und über die Op reden wa nochmall!“
Es raschelt kurz und dann meldet sich der Polizist wieder bei uns. „Frau Haase, sind sie noch da?“
„Äh..ja.“
„Gut. Folgendes: Wir lassen ihren Bruder wieder frei. Aber das ist ne einmalige Ausnahme. Also wenn ihre Schwester das nächste mal das Bedürfnis verspürt jemanden ohne richtigen Grund anzuklagen, ist sie diejenige, die dann hier bei uns auf dem Revier Kaffee kochen und auf das Verhör warten darf. Ist das klar?“
„Ja, Herr Sheriff. Ich denke sie hat es verstanden. Nicht wahr Gabi?“
„Hmm..“ kommt von ihr nur.
„Gut dann also vielen Dank nochmal. Ich werde in Zukunft besser auf sie aufpassen. Schönen Abend noch.“ verabschiede ich mich.
„Ja gleichfalls. Und mein herzliches Beileid nochmal.“
„Äh...wieso?“
„Na für ihre verstorbenen Eltern.“
„Ach ja...Danke.“

Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7
 Sprung  
Weitere Links
| Sicher und kostenlos Bilder hochladen|9-1-1 FanSeite|
zum Impressum | 2008- © Doctor's Diary FanForum | Admins JackySunshine & Seppy | Moderatoren Lorelei & Mellow | Gründerin des Forums Flora
Xobor Forum Software von Xobor.de
Einfach ein Forum erstellen
Datenschutz