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Dieses Thema hat 172 Antworten
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 Abgeschlossene Fortsetzungen!
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Miss Blond Offline

PJler:


Beiträge: 1.205

02.04.2009 22:00
#26 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Vor dem Laden stellt Marc, der mir netter weise tragen hilft, die Kisten ab. Ich will gerade anfangen ihm zu danken, als mir wieder eins bewusst wird: Dieser ganze Mist mit den Erbsen ist doch seine Schuld. Nur seinet wegen bin ich gerannt, hatte zu viel Schwung und hab den Turm umgefahren. Wegen ihm kann ich jetzt nie mehr hier einkaufen. Sein ganzer Umgang mit mir ist doch zum kotzen. Erst macht er mich fertig, dann küsst er mich, ist total lieb und dann wieder so ein Arsch und macht sich über mich lustig. Wie ich schon mal gesagt habe: Ich bin kein Spielzeug. Und deshalb hat er Dankbarkeit überhaupt nicht verdient. Es ist eher Zeit für eine Lektion. Dieser Mann wird nicht unbestraft davon kommen. Ich stelle die Tüten ab und wende mich ihm zu.
„Mmm...Ich geb dir dann morgen die 98 Euro zurück.“
„Wie jetzt? Und was ist mit dem Rest?“ Marc schaut mich ziemlich irritiert an.
„Naja, die Dosen kannst du behalten. Du hast sie bezahlt, also gehören sie dir. Und mal ganz ehrlich..was soll ich bitte mit so vielen Erbsen?“
„Und was soll ich bitte damit? Ich kann doch überhaupt nichts dafür, dass du nicht mal einen Einkaufswagen lenken kannst. Will gar nicht wissen wie das bei Autos ist.“
„Jaja. Immerhin bin ich noch nie mit ner Platzwunde im Krankenhaus aufgetaucht, nachdem ich mit dem Auto unterwegs war. Und was die die Erbsen betrifft...wie wärs mit ner Erbsenparty? Oder es gibt Erbseneintopf auf deiner Hochzeit.Und falls dann noch was übrig bleibt...Erbsenbrei ist für Babys bestimmt gesund.“ Ha, jetzt hab ich ihn. Diesen Gesichtsausdruck müsste man einfrieren und an die Wand hängen. Doch dann wird er plötzlich ganz ernst.
„Ach darum geht’s hier also, ja? Um sie und das Kind. Deshalb bist du heute schon wieder so schlecht drauf. Weil du immer noch auf mich stehst.“ Marc schaut mich durchdringend an. Für einen Moment weicht meine Kraft und Entschlossenheit von mir und ich verliere mich fast in seinen Augen. Noch rechtzeitig erlange ich mein Selbstbewusstsein aber wieder. Jetzt ist es glaub ich Zeit, ihm mal eine kleine Predigt zu halten.
„Marc glaub mir, mir ist es so was von egal, wen du heiratest und wen nicht..mir ist es auch vollkommen egal, wen du alles schwängerst, solange ich nicht diejenige bin...Ich bin nämlich fertig mit dir. Ich hab vielleicht mal gedacht, dass du der richtige wärst...Aber das ist vorbei..und ich steh auch nicht mehr auf dich, okay? Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht wie ich überhaupt jemals auf dich stehen konnte. Du bist nämlich so ein selbstverliebtes Arschloch! Dich interessiert nur du selbst..aber falls es dir noch nie aufgefallen ist: Andere Menschen haben so was wie Gefühle. Und du verletzt sie ohne es überhaupt zu merken. Auch meine. Und diese Tatsache ist mir nicht egal. Also lass das in Zukunft bitte.“ So, jetzt hab ich ihm endlich mal die Meinung gesagt. Bin stolz auf mich. Okay, das stimmte zwar alles nicht ganz, aber wenn ich so weiter mache wird es bald stimmen. Denn wenn Marc mich endlich in Ruhe lassen würde, könnte ich ihn vergessen.

Miss Blond Offline

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02.04.2009 23:45
#27 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Also ich finde meine Ansage war relativ eindeutig oder? Bei Marc sieht das irgendwie anders aus. Sieht so aus, als ob er versucht das zu verstehen, aber es irgendwie nicht kann. Männer halt. Ich glaub er will versuchen sein Unverständnis in Worte zu fassen.
„Mmm...also eins vertehe ich ja nicht ganz. In wie fern kann ich deine Gefühle verletzen.., wenn du für mich gar keine hast? Das hast du doch gesagt, oder nicht?“ Okay, so ganz unrecht hat er ja nicht. Wie soll ich das jetzt erklären?
„Mann Marc,...man hat doch nicht nur Gefühle, wenn man...wenn man jemanden liebt, sondern Gefühle sind auch so im Menschen. Und wenn du einen immer irgendwie als Spielzeug benutzt, dann..dann verletzt du...das Selbstwertgefühl eines Menschen. Man fühlt sich benutzt, wertlos und schlecht. Und eigentlich solltest du dich dadurch auch schlecht fühlen..aber irgendwas stimmt da bei dir wohl nicht, so dass du es dann immer wieder tust und es irgendwann nicht mehr merkst.“
So jetzt hab ich gerade Mark einen Einblick in die Welt der Gefühle gegeben. Ist wohl alles ziemlich neu für ihn, so über Gefühle überhaupt zu reden.
„Ich hab dich nie als Spielzeug benutzt.“ Schon wieder schaut er mich so an. So als wär ihm das ernst. Aber ich darf mich durch seine Blicke nicht wieder täuschen lassen.
„Natürlich hast du das.Wie gesagt, du merkst es nur nicht. Letztens zum Beispiel wieder: als wir da in der Leichenhalle waren. >Es ist dunkel, niemand guckt, da vertreib ich mir doch mal die Zeit mit meiner Assistenz.< So denkst du Marc. Und das mach ich nicht mehr mit. Und ich hoffe, dass du so was auch nicht mehr machst, sondern mich einfach in ruhe lässt.“ Sehr bestimmend sage ich ihm diese Worte ins Gesicht. Doch innerlich bin ich überhaupt nicht so entschlossen. Und bei dem Gedanken daran, dass es zwischen Marc und mir jetzt hiermit endgültig aus ist, steigen mir tatsächlich Tränen in die Augen. Scheiße, dieser Schlussstrich ist aber dringend nötig. Und deshalb will ich ihn jetzt auch nicht wieder weg machen. Ich nehme meine Tüten und wende mich von ihm ab.Dann binde ich meinen Hund los, der mir jedoch nicht sofort folgsam hinterher läuft, sondern noch eine kleine Runde an Marc vorbei macht, an den Erbsen schnüffelt und daraufhin Marc sein ganz persönliches Schlusswort gibt, indem er an jede Kiste einmal dran pinkelt.

Miss Blond Offline

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03.04.2009 23:12
#28 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Den Rest des Tages verbringe ich größtenteils damit aufzuräumen und zu putzen. Ich sollte mich an meinem freien Tag ja eigentlich entspannen, aber das ist nicht möglich. Immer wenn ich nicht wirklich beschäftigt bin, muss ich über die Worte nachdenken, die ich zu Marc gesagt habe. Manchmal denke ich sogar, dass ich mich zu hart ausgedrückt habe, weil sein Blick auch so..ich weiß auch nicht...so anders war. Aber ich versuche mich dann immer selbst zu überzeugen, dass ich genau das richtige getan habe. Jetzt kann ich neu anfangen, weil ich mit dem alten abgeschlossen habe. No Marc Meier anymore. Vorausgesetzt meine Worte haben gewirkt.

Dass sie anscheinend tatsächlich gewirkt haben, stellt sich am nächsten Morgen raus. Ich bin ziemlich spät dran und nehme deshalb den Fahrstuhl, obwohl ich mich in letzter Zeit an das Treppensteigen schon fast gewöhnt habe. Wie es der Zufall will, steigt auch Marc hinzu. Er guckt mir nur ganz kurz in die Augen und dreht mir anschließend den Rücken zu. Er spricht nicht mit mir während der Fahrt und steigt auch ohne Worte aus und verschwindet dann. Man könnte meinen er kennt mich gar nicht. So wollte ich es ja eigentlich auch, oder? Doch wenn ich es jetzt so erlebe, finde ich es ziemlich schrecklich. Da ist ja nichts: kein Gemotze, keine dummen Sprüche, kein gar nichts. Oh Gott ich fang gleich an zu heulen. Und wieder einmal frag ich mich: was will ich eigentlich?

Miss Blond Offline

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06.04.2009 19:44
#29 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Auch der Rest des Tages vergeht ohne Worte zwischen Marc und mir. Gut, wir sehen uns nur zwei mal, aber das reicht, dass ich erkenne, dass er mich wirklich in Ruhe lässt. Das ändert sich auch während der nächsten Wochen nicht. Ich sehe ihn selten, und wenn, dann gibt es nur schweigende Blicke oder kurze fachspezifische Wortwechsel. Ich fange wieder an so viele Schichten zu übernehmen, wie ich kann, einfach nur um nicht über mein gescheiterten Lebenslauf nachdenken zu müssen, und muss mir dafür von Dr. Rössel wieder anhören, dass ich arbeitssüchtig bin. Als ich ihm dann noch erzähle, dass ich, wenn ich zu Hause bin, meistens putze oder aufräume, erklärt er mich offiziell zum Workaholic. Aber das ist mir irgendwie auch egal. Wenn ich mir schon nicht selbst helfen kann, dann will ich wenigstens so vielen anderen Menschen wie möglich helfen.
Was ist daran so schlimm? Gut, mein Plan einen neuen Mann kennen zu lernen, leidet darunter schon, aber alles zu seiner Zeit.
Häufiger über den Weg laufe ich allerdings Gabi. Und mit Erschrecken stelle ich dann jedes mal wieder fest, dass schon ein Bauchansatz zu sehen ist. Außerdem schleppt sie die ganze Zeit irgendwelche Brautmagazine mit sich rum. Zusammen mit Marc sehe ich sie allerdings nur sehr selten. Dann klebt sie aber auch an ihm, als wollte sie ihn nie mehr loslassen. Ich kann einfach nicht verstehen, was Marc an ihr findet. Zu mir sagt er ich nerve, aber zu Gabi, die ja wohl tausendmal nerviger ist, sagt er nichts und will sie sogar heiraten. Aber das geht mich ja auch nichts an. Nicht mehr.
Meine Laune wird eigentlich von Tag zu Tag schlechter. Wenn ich abends erschöpft ins Bett falle, nehme ich mir meistens noch ein paar Minuten um Tagebuch zu schreiben oder einfach nur nachzudenken. Und dann frage ich mich öfters, was nur aus mir geworden ist. Ich bin zum verbitterten Karrierebiest mutiert. Mein einziger Freund ist mein Hund, der mir zur Zeit total Leid tut. Er kommt immer freudig an und will mit mir spielen und ich bin aber meistens so fertig von der Arbeit, dass ich zu ihm immer öfters sage: „Heute nicht Choco, vielleicht morgen.“ Und immer vorm einschlafen, sehe ich dann seine traurigen Augen vor mir, wie er mich enttäuscht ansieht. Dann muss ich immer anfangen zu weinen. Ich glaub mein Kopfkissen wünscht sich jeden Abend nur eins: einen Regenschirm.

Miss Blond Offline

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06.04.2009 21:37
#30 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

„Kälbchen, du hättest die Nachtschicht nicht schon wieder übernehmen sollen.“ sagt mein Vater zu mir als er gerade aus dem Haus gehen will. „Du musst dich doch auch mal wieder entspannen.“
„Bis zur Nachtschicht sind es noch eineinhalb Stunden, da hab ich doch genug Zeit zum Entspannen,“ versichere ich ihm.
„Na wenn du meinst..ich muss jetzt auch los. Ach und, bevor ichs vergesse, Dr. Meier kommt nachher vorbei und bringt ein paar wichtige Unterlagen für mich. Die nimmst du dann bitte entgegen ja?“ Oh nein, bitte nicht. Kann er das nicht selber machen?
„Ja natürlich Papa.“ Ich zwinge mich dazu zu lächeln. Er lächelt zurück und verschwindet dann.
Na toll. Missmutig gehe ich ins Wohnzimmer und lasse mich auf die Couch fallen. Doch ehe ich es mir gemütlich machen kann, kommt Choco angerannt und schleckt mir das Gesicht ab. Dann rennt er zur Gartentüre und fängt an daran zu kratzen. Mühsam richte ich mich wieder auf und öffne die Türe. Sofort stürmt der Hund raus, schnappt sich einen Ast und rennt damit wie ein Wilder durch den Garten.
Erst jetzt fällt mir auf, dass heute echt schönes Wetter ist. Der Himmel ist blau, die Vögel zwitschern, die Luft ist warm. Ich öffne sämtliche Fenster, schließe die Augen und atme erstmal tief ein. Ein Gefühl von Hoffnung durchströmt mich. Für einen Moment fallen sämtliche Sorgen von mir und ich fühle mich so leicht wie schon lange nicht mehr.
Doch ein klirren reißt mich aus diesem Moment des Glücks. Erschrocken fahre ich herum und sehe Mamas kleine Vase zerbrochen auf dem Boden liegen. Scheiße wie ist das denn passiert? Ich gehe hin und sehe mir das genauer an. Verdammt, das war ein Erbstück...Ich sehe mich im Zimmer um, kann aber nichts verdächtiges entdecken. O Gott hoffentlich war das nicht Choco. Der ist aber im Garten ziemlich mit seinem Stock beschäftigt.
Plötzlich höre ich wieder Lärm. Diesmal aus der Küche. Da kreischt auch irgendetwas ziemlich laut rum. Hilfe! Einbrecher! Oder ein wildes Tier!
O Gott was soll ich tun? Panisch renne ich zum Schrank und hole Papas Tennisschläger raus. Ich kann nicht zulassen, dass hier das Haus demoliert oder ausgeraubt wird.
Langsam schleiche ich mich zur Küchentür und lausche. Jetzt ist plötzlich alles ruhig. Komisch.. Vielleicht hab ich mir alles nur eingebildet.
Als ich aber die Küche betrete fliegt plötzlich etwas schwarzes kreischend auf mich zu. Ich schreie auf und schaff es gerade noch mich zu ducken. Scheiße ein Vogel im Haus! Okay, keine Panik. Keine Panik. Jetzt ist er wieder im Wohnzimmer. Oh bitte flieg nach draußen, die Fenster sind doch ganz weit offen. Nein...Was macht der denn? Der verdammte Vogel fliegt genau in die falsche Richtung. Mit seine Flügeln schmeißt er sämtliche Fotos von den Schränken. Mann, ich muss den irgendwie raus kriegen hier, der zerstört noch alles.
Jetzt landet er auf dem Sofa. Es ist wohl so was wie ne Amsel, glaub ich. Wenn der jetzt irgendwas mit Mamas gepflegter Couch anstellt, dann...das gibt’s doch nicht! Als ob der meine Gedanken liest und beschließt mich zu ärgern, fängt der an, in Mamas Kissen rein zu picken. „Runter da! Du dummer Vogel!“ Ich renne mit dem Schläger auf ihn zu. Der Vogel hebt zwar ab, setzt sich dann aber auf die andere Sofaseite und hackt weiter auf die Polster ein. „So nicht mein lieber..“ Das Tier macht mich echt wütend. Wieder drohe ich ihm mit dem Schläger und berühre ihn sogar leicht damit. Doch die Amsel stellt sich stur und bewegt sich nicht vom Fleck und zerfetzt weiter die Kissen. Ey, das ist doch kein normaler Vogel. Normalerweise kriegen die doch schon Panik, wenn man fünf Meter von den entfernt ist. Ich stupse ihn noch ein paar mal an, doch als der immer noch nicht aufhört, stoße ich ihn etwas kräftiger vom Sofa runter. Wieder kreischt der Vogel und flattert aber diesmal in Richtung Fenster. Ich will mich gerade freuen, als der Vogel die Richtung wechselt und wie ein Pfeil auf mich zugeschossen kommt. Hilfe! Ich schmeiße mich zu Boden und entkomme so diesem verrückten etwas. Will der mich jetzt atttakieren? Oh Gott, ja das will er! Denn wieder kommt er auf mich zu. Ich springe auf und renne panisch durch den Raum, gefolgt von einem Monster in Vogelform.
Okay, werde jetzt raus in den Garten laufen, da müsste er mir ja auch hinterher kommen. Gesagt getan. Doch der Vogel, der anscheinend hyperintelligent ist, hat den Plan wohl durchschaut und bleibt auf der Fensterbank sitzen. Na toll, wenn ich jetzt rein gehe werde ich wahrscheinlich zu Hackflesch verarbeitet, wenn ich draußen bleibe habe ich so eben das Haus an einen Vogel verloren.

Miss Blond Offline

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06.04.2009 23:11
#31 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Mit verschiedensten Mitteln versuche ich den blöden Vogel rauszulocken. Ich pfeife ihm sogar ein Lied vor, aber das beeindruckt ihn auch nicht. Schließlich gebe ich auf und setze mich auf einen Liegestuhl.
Nach ungefähr 10 Minuten höre ich plötzlich eine Stimme. „Gretchen?“
Oh das ist Marc. Er kommt um die Ecke in den Garten. Werde auf keinen Fall zugeben, dass ich nicht mit einer Amsel klar komme. Obwohl ich seine Hilfe schon gut gebrauchen könnte.
„Ich hab dreimal geklingelt, wieso hast du nicht aufgemacht?“ Er klingt gestresst.
„Ja Sorry, war hier im Garten und hab nichts gehört.“
„Naja, also hier sind n paar Sachen für deinen Vater.“ Er hält mir einen kleinen Stapel Papiere entgegen. Ich will sie gerade nehmen, als ich eine Idee habe...
„Ah Danke, aber äh..könntest du die vielleicht drinnen auf den Tisch legen? Bitte?“
Marc stöhnt. „Ja Prinzesschen,..beweg dich blooß nicht zu viel.“ Etwas grimmig dreht er sich um und geht auf die Tür zu. O o, etwas gemein ist das ja schon von mir. Als er rein geht, gucke ich gespannt auf den Vogel, der sich aber gar nicht bewegt. Das kann ja wohl nicht sein, mich greift er an, aber gegen Marc hat er nichts? Gut, dann gibt’s nur eine Lösung. Ich muss da rein und dann kann Marc ihn vielleicht raus scheuchen oder so. Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen und gehe mit schnellen Schritten hinein. Ich rechne fest damit, dass der Vogel sich auf mich stürzt und halte mir deshalb schon mal die Arme schützend über den Kopf. Als ich bei Marc am Tisch ankomme, merke ich aber, dass die Amsel immer noch am Fenster sitzt und mich nur anschaut. Sag mal will das Federvieh mich verarschen?
Auch Marc guckt mich an, allerdings sehr verwundert.
„Hat es angefangen zu regnen oder so? Oder wird das Haus gleich zusammenbrechen?“
Okay, bevor er mich jetzt für vollkommen durchgeknallt hält, sage ich lieber die Wahrheit.
„Ne nicht ganz...aber..mm..siehst du den Vogel da?“ Oh Mann, das ist schon etwas peinlich.
„Du meinst die kleine Amsel da? Vor der musst du dich schützen?“ Marc fängt an zu lachen. Klein? Dieser Vogel ist alles andere als klein.
„Diese `kleine´Amsel wollte mich vorhin umbringen..guck dir doch mal das Sofa an. Der Vogel ist ne fliegende Bestie.“
„Aha..“ Marc schaut mich skeptisch an.
„Ja schön, wenn du keine Angst vor ihr hast, dann bitte..bring sie dazu wegzufliegen.“
Marc geht ohne noch was zu sagen auf das Fenster zu. Jetzt bin ich ja mal gespannt...
Kurz vor dem Vogel bleibt er stehen und fängt an mit der Hand vor ihm rumzuwedeln. „Ksch..Ksch..komm flieg weg..“ Wahnsinn Marc spricht zu einem Vogel. Jedoch ohne Wirkung.
„Sag ich doch. Das ist keine normale Amsel,“ ich gehe näher zu Marc, in dem Glauben, die Amsel würde jetzt nur da sitzen wollen. Scheiße, das war keine gute Idee.

Miss Blond Offline

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07.04.2009 23:44
#32 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Wieder einmal stürzt sie sich auf mich und wieder einmal kann ich gerade so ausweichen.
„Woow“ kommt von Marc. „Jetzt seh ich was du meinst.“
Antworten kann ich nicht, weil ich schon wieder so damit beschäftigt bin, dem Tier zu entkommen. Mein einziger Zufluchtsort ist nach wie vor die Terrasse. Als ich wieder draußen bin, beruhigt sich die Amsel und nimmt wieder ihren Platz am offenen Fenster ein. Marc steht nur daneben und schaut dem ganzen etwas verblüfft zu.
„Gib mir mal den Tennisschläger da.“ Natürlich will Marc mal wieder den Helden spielen. Naja, mir solls Recht sein. Hauptsache er befreit mich von dem Vogel.
Ich reiche ihm den Schläger durch die Tür und er fängt an damit den Vogel raus zu schupsen.
Tatsächlich fliegt er nach draußen, dreht aber nur eine kleine schnelle Runde und sitzt fünf Sekunden später wieder auf seinem Platz. Marc versucht es noch mehrmals, aber der Vogel kommt immer wieder. Dann, als das Tier gerade fliegt, schließt er mir den Worten „So jetzt reichts mir“ blitzschnell das Fenster. Und ich muss mit ansehen, wie der Vogel volle Kanne gegen das Glas fliegt. Es ertönt ein dumpfer Schlag und die Amsel fällt regungslos zu Boden.

Miss Blond Offline

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08.04.2009 23:22
#33 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

„Sag mal bist du bescheuert?“ Ich schaue Marc geschockt an und knie mich neben das Tier.
Oh nein. Ich wollte nicht, dass das so endet. Bitte sei nicht tot. Das hast er nicht verdient. Er war zwar etwas böse zu mir, aber im Grunde seines Herzens ist er bestimmt ein guter Vogel. Ich stupse ihn mit der Hand etwas an. Aber er bewegt sich nicht.
„Marc, du hast ihn umgebracht..der Arme...“ Marc stellt sich hinter mich und betrachtet das Opfer. „Du wolltest doch, dass ich ihn dir vom Hals schaffe.“
„Aber doch nicht so...Jetzt steh doch nicht so blöd rum, sondern mach irgendwas!“ Ich bin echt am verzweifeln.
„Was soll ich denn deiner Meinung nach machen? Mund-zu-Mundbeatmung oder was?“ Er hockt sich neben mich und fängt an den Vogel abzutasten. „Gretchen, der hat sich das Genick gebrochen, da kann man nichts mehr tun,“ sagt er mir mit ernstem Blick ins Gesicht. Ich realisiere, dass er mit seinen Worten recht hat und schon füllen sich meine Augen mit Tränen. Es ist nicht so, dass ich immer anfange zu weinen, wenn ein Tier stirbt. Genau wie bei Patienten. Okay, da fang ich schon öfters an, aber irgendwie ist es hier anders. Ich hab zugelassen, dass Marc dieses arme Wesen tötet, nur weil ich mal wieder nicht selbst mit meinen Problemen klar gekommen bin. Außerdem beweist mir das ganze jetzt noch einmal, wie gefühlslos Marc ist. Dass der Vogel jetzt tot ist und vielleicht irgendwo seine Familie auf ihn wartet oder so, scheint ihm überhaupt nichts auszumachen.
„Na super....dann kannst du ja jetzt gehen..“ sage ich zu Marc und habe dabei Mühe, die Tränen vom fließen abzuhalten.
Marc steht auf und sieht auf mich runter. „Du weinst doch jetzt nicht wegen diesem Vogel oder? Es gibt noch tausend andere davon auf dieser Erde.“
„Achso! Sorry! Das hab ich ja ganz vergessen! War ja nur einer von vielen!..sag mal du hast wohl überhaupt kein Mitgefühl, oder?“ Ich schaue Marc wütend an.
„Mein Gott, ich hab das doch nicht mit Absicht gemacht.“ versucht er sich rauszureden.
„Trotzdem Marc. Der Vogel war genau wie wir ein Lebewesen. Was ist wenn du mal aus versehen einen Menschen tötest? Geht dir das dann auch so am A...vorbei?“
Nach diesen Worten schaut mich Marc ziemlich seltsam an. Was hat der? Was ich gesagt habe scheint ihn irgendwie bedenklich zu machen. Ach naja, keine Antwort ist auch eine.
Ich werfe ihm noch ein etwas fies klingendes „Gott, ich weiß echt nicht wie man so sein kann..“ ins Gesicht und verschwinde dann im Haus. Vielleicht wollte er noch was sagen, aber zu spät. Interessiert mich eh nicht. Hab jetzt wichtigere Dinge zu tun. Zum Beispiel im Keller nach einer Schaufel zu suchen und ein Grab zu graben.

Miss Blond Offline

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10.04.2009 00:21
#34 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Ein paar Tage später – Marc hat seit dem Vogelmord kein einziges Wort mit mir geredet – höre ich über den Lautsprecher eine Ansage, die mich etwas überrascht: „ Dr. Meier und Kälb..äh Dr. Haase bitte in mein Büro, Dr. Meier und Dr. Haase bitte ins Büro vom Professor..“
Was will mein Vater bitte von mir und Marc? Hoffentlich denkt er nicht wieder, dass ich was mit ihm am laufen habe. Schön wärs. Nein Gretchen falscher Gedanke, ganz falsch. Werde das jetzt einfach schnell hinter mich bringen. Ist bestimmt nur ne Kleinigkeit.
Als ich in das Büro von meinem Vater komme, sitzt Marc schon auf einem der Stühle vor dem Schreibtisch. Ich setze mich auf den noch freien Platzt neben ihm und blicke den „Herrn Professor“ erwartungsvoll an.
Nach kurzem Räuspern setzt mein Vater zu so was wie ner Rede an. „Ja, gut, dass ihr beide so schnell gekommen seid...Also erstmal, Dr. Meier, Sie als jüngster Oberarzt sind natürlich sehr beschäftigt in letzter Zeit, naja eigentlich sind Sie ja immer viel beschäftigt, sie leisten ja auch sehr gute Arbeit, aber mir ist aufgefallen, dass Sie in letzter Zeit besonders viel arbeiten, deshalb sind Sie natürlich meine erste Wahl und Gretchen, du, natürlich fleißig wie immer, also ich seh dich ja kaum noch zu Hause, bist von mir auch ausgewählt. Was für eine noch „Allgemeinmedizinerin“, sag ich mal, natürlich eine besondere Ehre sein wird.“ Mein Vater schaut uns beide freudig an. Hä? Wie jetzt?
Kommt da jetzt noch was? Ich blicke kur´z zu Marc rüber, der auch etwas verwirrt zu sein scheint.
„Äh Papa? Wofür genau hast du uns ausgewählt?“
„Ach ja natürlich..und zwar werdet ihr beiden Berlin sozusagen auf dem Bergtreffen der Ärzte vertreten. Man könnte schon fast Gipfeltreffen sagen.“
Ich sehe Marc fragend an. Der jedoch scheint irgendwie zu wissen, wovon mein Vater redet.
„In Österreich?“, fragt er. Seit wann gibt es ein Ärztebergtreffen? Hab ich ja noch nie gehört. Aber das muss ja keiner wissen. Werde einfach so tun, als ob ich Bescheid wüsste. Marc muss ja nicht wissen, wie unwissend ich bin.
„Genau in Österreich. Nächste Woche von Montag bis Mittwoch. Ach und das besondere in diesem Jahr ist, dass dort auch junge talentierte Mediziner aus aller Welt hinkommen, die sich für eine Assistenzstelle beworben haben. Einer oder eine von ihnen, wird einen Platz in unserem Krankenhaus bekommen. Und wer dafür geeignet ist, das sollt ihr vor Ort entscheiden.“
Oh mein Gott. Wieso machen die nicht gleich eine offizielle Castingshow draus. Würde bestimmt gut ankommen. ´Germany´s Next Top-Doc´ by Gretchen Haase und Marc Meier. Gott, ich glaub ich spinne, echt. Kann mich bitte jemand kneifen..Ich mit Marc allein in Österreich? Positiv denken..immer positiv denken. Da kann ich doch dann endlich mal einen normalen Arzt aussuchen.
„Ihr beiden habt jetzt sicherlich noch viel zu tun, deshalb lasse ich euch die genaueren Informationen noch zukommen.“
Heftig nickend und ein Danke murmelnd verlasse ich schnellst möglich den Raum. Auch Marc will anscheinend einfach nur weg. Wir sehen uns beide vor der Tür mit etwas vergrößerten Augen an nach dem Motto „Ach du Scheiße..“ und jeder geht dann so schnell wie er kann seinen eigenen Weg.

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19.04.2009 13:21
#35 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Liebes Tagebuch,
sag mir bitte, was ich tun soll. Hab die Reise die letzten Tage lang verdrängt, aber der heutige Tag kam leider doch. Ich bin nicht wie erhofft über Nacht gekidnappt worden, hab keine Grippe bekommen und bin auch nicht beim Fensterputzen die Leiter runter gefallen. Hab einmal versucht auf der Treppe absichtlich umzuknicken, um hinunterzufallen und mir das Bein zu brechen. Ich bin tatsächlich gefallen. Leider nur eine Stufe weit. Anstatt eines Bruches, hab ich jetzt einen Bruder, der mir jedes mal, wenn wir uns auf der Treppe begegnen, seine Hilfe beim Treppensteigen anbietet.
Tja, ich werde also wirklich heute mit Marc in die Berge fahren. Heute am Sonntag um 13:15 Uhr.
Man könnte meinen ich wünsche mir nichts sehnlicher. Aber Dinge ändern sich. Marc und ich sind ja mittlerweile nicht mal mehr Kollegen. Werde diese Reise also am besten als Probe ansehen, um zu beweisen, dass ich endgültig über ihn hinweg bin. Er ist nur Dr. Meier, in den ich zufällig mal verliebt war. Um genau zu sein die Hälfte meines Lebens, aber was spielt das schon für eine Rolle?
Werde dann jetzt mal aufstehen und meinen Koffer packen.


Schock! Es ist ja schon 11 Uhr! Wie soll ich das schaffen? Normalerweise brauche ich zum Kofferpacken mindestens drei Stunden. Okay keine Panik. Ich kann ja ein Taxi nehmen, aber die bleiben doch irgendwie generell in irgendeinem Stau hängen. Mit der BVG brauch ich vielleicht so ne halbe Stunde zum Hauptbahnhof, oder? Ich hab ehrlich keine Ahnung. Beim meinem Talent für so was wohl eher ne ganze. Bleibt immer noch eine Stunde für den Koffer. Verdammt, wieso hab ich kein eigenes Auto?
Scheiße, was fürn Wetter ist da überhaupt? In den Bergen liegt ja oft Schnee, aber man ist ja auch viel näher an der Sonne, also ist es vielleicht ganz warm mit grünen schönen Wiesen und so. Oh Mann, würde ich doch nicht immer alles verdrängen...

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19.04.2009 21:42
#36 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Okay, habe jetzt genau noch 30 Minuten bis mein Zug fährt. Und ich befinde mich weder in einem Bus, noch in einem Taxi, noch in einem sonstigen Gefährt, das mich und meinen 100 Kilo Koffer zum Bahnhof bringt. Nein, ich bin immer noch zu Hause. Könnte eventuell daran liegen, dass ich eine viertel Stunde lang meine Kulturtasche gesucht habe, sie aber nicht finden konnte. Hab dann versucht mein ganzes Zeug in die von meinem Bruder zu quetschen. Gerade, als ich nach zehn Minuten alle meine Kosmetiksachen drin hatte und den Reisverschluss schließen wollte, platzt das Teil auf – mit dem Erfolg, dass alles wieder draußen war. Am Ende hab ich alles in eine Plastiktüte geschmissen. Will gar nicht wissen wie meine Bürste aussieht, wenn ich ankomme. Naja, meine trockene Holzbürste wünscht sich bestimmt nichts sehnlicher, als ein bisschen Feuchtigkeitscreme.
Außerdem konnte ich mal wieder meinen zweiten Schuh nicht finden. Nach langem Suchen hab ich ihn unterm Sofa entdeckt. Sieht etwas angekaut aus. Ich sollte meinem Hund öfters Knochen kaufen.
Bei meinen restlichen Anziehsachen hatte ich auch Schwierigkeiten. Seit Mama nicht mehr da ist, ist hier alles so ein Chaos. Gott sei Dank kommt sie bald wieder.
Jetzt sag mir aber bitte mal einer, wie ich es noch rechtzeitig zum Bahnhof schaffen soll?!
Hektisch rufe ich die Taxizentrale an. „Hallo?.. Ja, ich brauche hier so schnell wie möglich ein Taxi!“
„Ihre..Adresse..Bitte.“ Die Frau am anderen Ende der Leitung hört sich so langsam an. So gelangweilt. Schnell gebe ich ihr die Adresse.
„Hmm? Wie war das? Können Sie das bitte noch einmal wiederholen?“ Das glaub ich jetzt nicht, merkt die nicht, dass ich es eilig habe.
„Hören Sie, es handelt sich hier so zu sagen um einen Notfall! Also geht’s vielleicht n bisschen schneller?!“ Noch einmal gebe ich ihr meine Adresse.
„Ahaaa...in fünfzehn Minuten kann ein Taxi zu Ihnen kommen..“
„In 15 Minuten erst?“
„Tut mir Leid, aber unsere Taxis können auch nicht fliegen. Und ihr Wohnort liegt nunmal ziemlich abgelegen.“
„Abgelegen? Jetzt werden Sie mal nicht unverschämt. Ist ja nicht so, dass wir mitten im Wald wohnen.“
„Nein, ganz und gar nicht..“
So jetzt reichts mir.. „Schön, dass Sie wenigstens so kompetent sind und Ironie verwenden können. Dafür, mir schnell und einfach ein Taxi zu senden reicht es ja anscheinend leider nicht!“ Wütend lege ich auf. Ich werd echt wahnsinnig. Denn jetzt gibt es nur noch eine Möglichkeit den Zug zu kriegen. Und die gefällt mir ganz und gar nicht.

Miss Blond Offline

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20.04.2009 23:07
#37 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Etwas sauer wähle ich Marcs Nummer. Wieso kann nicht einfach mal alles glatt laufen?
„Meier?“ meldet er sich.
„Hii..Ehm...hi.“ O Nein, ich kann das nicht. Ich kann ihm nicht sagen, dass ich seine Hilfe brauche. Irgendwie bin ich so oft von ihm abhängig. In letzter Zeit zwar nicht mehr so, aber ich erinnere mich noch zu gut an die Szene im Supermarkt, oder das mit dem Vogel. Aber hier gibt es wohl keine andere Wahl.
„Gretchen? Hallo? Ist da wer?“ Ich muss jetzt reden, sonst legt er auf.
„Ja, Marc ich bin´s...Mm..Wo bist du gerade?“
„Na auf dem Weg....zum Bahnhof..?“
„Ach..und..du bist mit dem Taxi unterwegs?“
„Äh..nein.“
„Mit dem Bus?“
„Nein...“
„S-Bahn?“
„Nein..auch nicht...Sag mal was soll das? Wenn du willst, dass ich dich mitnehme, sag´s doch einfach gleich.“
„Würdest du das tun?“
„Nein. Denn wenn du die Uhr lesen könntest, wüsstest du, dass wenn ich jetzt noch mal extra zu dir fahre, garantiert den Zug nicht bekomme.“
Will der mich verarschen? Der lässt mich doch jetzt nicht einfach hier stehen.
„Marc bitte! ich schaff das sonst nicht mehr.“
„Das ist ja wohl dein Problem.“
„Ey du bist so ein Penner...Aber schön, fahr doch alleine! Ich hatte eh keine Lust mit dir in einem Abteil zu sitzen. Nehm ich halt den nächsten Zug.“ Wieso ist er so fies? Ich hab ihm doch in letzter Zeit gar nichts getan.
„Von mir aus kannst du auch zu Hause bleiben. Auf Zickenterror von dir Hasenzahn hab ich eh keinen Bock.“
„Hättest du wohl gerne, ne? Aber das werd ich dir nicht gönnen. Und schon, gar nicht, damit du dann den neuen Assistenzarzt aussuchen kannst, der dir passt. Einer von deiner Sorte genügt mir in unserem Krankenhaus.“
Marc ist plötzlich ruhig. Erst nach einer kurzen Pause redet er wieder.
„Du willst also tatsächlich mitkommen?“
„Hä.?..ja natürlich. Das sag ich doch die ganze Zeit.“
„Na und wieso kommst du dann nicht endlich mal raus?“
„Marc,...hallo?“ Er hat aufgelegt. Hä? Ich versteh gar nichts mehr. Doch da höre ich ein Hupen, direkt vor unserem Haus. Ich werfe ein Blick durchs Fenster und sehe ihn. Er sitzt in seinem Wagen und trommelt ungeduldig mit den Fingern auf das Lenkrad. Obwohl ich noch wütend bin, muss ich lächeln. Er sieht in dem Moment sogar von hier einfach süß aus. Ich hab ganz vergessen wie...Gretchen! Falsche Gedanken und jetzt beeil dich! Schnell schnappe ich meinen Koffer und gehe aus dem Haus.

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22.04.2009 23:28
#38 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Marc fährt wie ein Verrückter durch die Stadt. Als würden wir irgendwie verfolgt werden. Es kommt mir echt vor wie in einem schlechten Actionfilm. Immer wieder kneife ich die Augen zusammen und rechne fest damit jeden Moment einen Knall zu hören und dann im Himmel zu sein. Ich würde doch in den Himmel kommen, oder? Und Marc wahrscheinlich eher in die Hölle.
Aber so schnell trennen sich unsere Wege dann doch nicht, denn plötzlich sind wir schon am Bahnhof. Für die Zukunft werde ich mir auf jeden Fall eins merken: Niemals wieder in das Auto steigen, wo Marc Meier am Steuer sitzt.
Zeit mich zu beschweren hab ich allerdings nicht. Unser Zug soll nämlich genau in vier Minuten abfahren. So rennen wir durch die Eingangshalle, ich mit meinem Koffer bin ungefähr zehn mal so langsam wie er. Immer wieder bleibt er stehen und sieht sich genervt nach mir um. Als ich dann versuche mein Gepäck die Treppe rauf zu kriegen (die Rolltreppe ist natürlich defekt) und dabei immer genau nach drei Stufen den Koffer absetzen muss, um erstmal Luft zu holen, scheint es ihm zu blöd zu werden. Er kommt zu mir, reißt mir den Koffer förmlich aus den Hand und rennt damit die Treppe hoch. „Eine Frage: hast du da Steine rein gepackt oder was? Ich glaub nämlich nicht, dass wir uns unsere Unterkunft da selber bauen müssen.“
„Haha. Guter Witz...Aber um die Wahrheit zu sagen, da sind wirklich welche drin.. ich hab nämlich vor dich nachts aufzuschneiden, die Steine in dich rein zu tun und dich dann wieder zu zunähen. Das wird eigentlich nichts neues für dein Körper sein, weil dein wichtigstes Organ ja auch aus Stein ist. Aber wenn ich dich dann in den See schubse, wirst du jämmerlich untergehen..“
„Aha, gut zu wissen. Aber jetzt quatsch nicht rum, sondern beweg dich lieber.“
Ich hetze ihm hinterher. Meine Kontra-Gabe hat sich doch etwas verbessert, finde ich. Trotz fehlender Übung.

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26.04.2009 22:15
#39 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

In letzter Minute schaffen wir es noch in den Zug zu springen, der daraufhin auch gleich los fährt. Jetzt gibt es also kein zurück mehr. Aber ist ja alles halb so schlimm. Ich werde meine freien Tage genießen und daran kann mich auch kein Meier hindern.
„Welche Plätze haben wir?“ frage ich noch etwas außer Atem. Marc holt aus seiner Jackentasche irgendwelche Papiere.
„Also ich hab Platz 59, Abteil 6 in Wagen 11,“ erklärt er mir.
„Aha, und ich?“
„Da müsstest du schon auf dein eigenes Ticket schauen.“
„Mein Ticket?..Das hast du doch. Mein Vater hat gesagt, dass er dir beide Tickets gegeben hat. Ich weiß auch nicht aus welchem Grund, aber egal.“
Marc sieht mich an. „Also mir hat er nur meins gegeben.“
Was? Das kann doch nicht sein. Ich kann mich noch genau an die Worte erinnern. Ich weiß noch, dass ich mich darüber aufregen wollte, es dann aber irgendwie doch nicht tat. Oder hat er mir das Ticket dann doch gegeben? Vielleicht hab ich es ja eingepackt, ohne es gemerkt zu haben. Etwas panisch fange ich an in meiner Tasche zu kramen. „Marc, ich hab das glaub ich nicht. Du musst es haben. Ich weiß echt nicht..“
„Wie gesagt, ich hab nur meins.“ unterbricht er mich.
Okay, keine Panik. In solch einer Situation muss man Ruhe bewahren. Ich buddel Tiefer in meiner Tasche. Scheiße, da ist kein Ticket. Aber vielleicht ja doch. Fluchend suche ich weiter. Ich gucke in allen Jacken- und Hosentaschen, wobei meine Panik steigt, weil da all möglicher Kram drin ist, aber kein Ticket. Wenn ich in totaler Panik bin, gibt es bei mir drei Varianten, damit umzugehen: Entweder ich bleibe ruhig und regle alles oder ich falle in Ohnmacht oder ich fange an wie ein Wasserfall zu reden bis ich keine Luft mehr kriege und auch umfalle. Hier trifft wohl eher das dritte zu. „Scheiße, verdammt was mach ich denn jetzt? Marc, bist du ganz sicher? Guck doch noch mal, bitte. Oh Gott die werden mich wahrscheinlich aus dem Zug schmeißen mitten in der Pampa oder ich muss eine Strafe von hundert Euro zahlen oder so. Die werden mich für einen blinden Passagier halten, vielleicht werde ich sogar verhaftet und ich komm ins Gefängnis. Vielleicht ist das scheiß Ticket, also ich meine natürlich das wunderbare schöne Ticket, das so toll ist, dass ich alles dafür geben würde um es jetzt sofort zu bekommen...vielleicht hab ich es in meinem Koffer. Ich muss .. “
„Gretchen! Keine Panik, ich hab es.“
„Was? Du hast was?“
„Na dein Ticket.“ Er wedelt mir damit vor dem Gesicht rum und grinst.
Jetzt geht mir ein Licht auf. Er hat mich mal wieder verarscht. Und ich bin mal wieder drauf rein gefallen. Mit einem wütendem Blick reiße ich ihm das Papier aus der Hand, sage ihm noch schnell wie scheiße ich ihn finde und mache mich auf den Weg zu meinem Platz.
„Hasenzahn! Falsche Richtung!“ ruft er plötzlich durch den halben Zug.
Na toll. Jetzt gucken mich alle an. Hab ich vorhin gemeint, es wär alles halb so schlimm? Muss mich korrigieren: Es ist tausendmal so schlimm.

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27.04.2009 22:34
#40 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Als wir unser Abteil erreichen, bin ich froh und erleichtert, dass ich nicht allein mit Marc dadrin sitzen muss. Am Fenster sitzt schon eine etwas ältere Frau und ihr gegenüber ein kleiner Junge, der aus dem Fenster schaut. Er sieht total süß aus. Ist vielleicht so fünf oder sechs. Total das Goldlöckchen. Er verreist bestimmt mit seiner Oma.
Marc hat eigentlich den Platz neben dem Jungen, aber davon scheint er wenig begeistert, denn er setzt sich nach ganz außen. Als ich mich neben die Oma setzte, weil ich so weiter von Marc entfernt bin, schaut der Kleine mich an und lächelt. Och Mann, Kinder sind so süß. Ich will auch welche haben. Dafür muss ich aber erst mal einen geeigneten Vater finden. Und das kann dauern.
Die erste Zeit ist es ziemlich ruhig im Abteil. Ich lese meine Gala, Marc tippt irgendwie auf seinem Handy rum (bestimmt verschickt er gerade irgendwelche versauten SMS), die Oma neben mir liest ein Buch und der Junge spielt Gameboy. Irgendwann scheint ihm aber langweilig zu werden und er klappt das Teil zu.
„Omi? Sind wir bald da?“ fragt er.
Seine Omi scheint aber schon eingeschlafen zu sein. Deshalb sieht er mich an. „Weißt du wann wir da sind?“
„naja kommt drauf an...Wo fahrt ihr denn hin?“
„Na nach Hause.“
„Ach nach Hause..Ja...dann ist es bestimmt nicht mehr weit.“ versichere ich ihm. Ich will ihn ja nicht unglücklich machen.
„Malst du mir was?“ Der Kleine holt Papier uns Stifte aus seinem Rucksack und hält sie mir hin. Etwas zögerlich nehme ich es. „Was soll ich denn malen? Ich bin keine Künstlerin musst du wissen.“
„Irgendwas halt. Was tolles.“
Was tolles? Woher soll ich wissen was kleine Jungs heutzutage toll finden.
„Weißt du was? Der Typ da neben dir, der kann richtig tolle Sachen malen. Frag ihn doch mal..“
Ich zeige auf Marc, der das ganze mitbekommt und mich etwas verwirrt ansieht. Der kleine Blonde steht von seinem Sitzt auf und stellt sich vor Marc, hält ihm die Malsachen entgegen und sagt mit seiner süßen Stimme: „Kannst du mir bitte was malen?“
„Vergiss es.“ erwiedert Marc nur kurz. Ist der blöd? Wie kann man zu einem so süßen Jungen nur so böse sein? Der Junge schaut mich kurz an, dann wendet er sich wieder zu Marc. „Bitte, bitte, bitte..Malen..Malen! Wenn du mir nichts malst, sag ich meiner Oma bescheid.“ Wow, der weiß was er will.
„Uuuh..die böse Oma...na gut gib her..“ Marc nimmt ihm das Papier und einen Stift etwas grob aus der Hand und fängt an was zu malen. Eigentlich sieht es eher nach kritzeln aus.
Nach einer halben Minute reicht er dem Jungen das Blatt. Der schaut das Werk an, lacht kurz, schaut dann aber ziemlich kritisch und fragend zu Marc.
„Was ist das da?“ er zeigt auf etwas auf dem Blatt. „Eine Raupe?“
„Nein, du Dummi, das ist ein Darm.“ Ein Darm? Und so was malt er für ein Kind?
„Was ist ein Daam?“
„Der Darm ist der wichtigse Teil deines Verdauungstraktes.“
„Was ist ein Verbauungstakt?“
„Das musst du nicht wissen.“ erklärt Marc sichtlich genervt.
„Warum?“
„Weil du es eh nicht verstehen würdest.“
„Warum?“
„Weil du ein Kind bist...und Kinder sind dumm.“
„Ey! Ich bin gar nicht dumm. Du bist dumm! Du kannst nicht mal was richtiges malen.“ Okay, jetzt ist der kleine wütend.

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30.04.2009 00:13
#41 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Der kleine Junge, der wie sich herausstellt Ben heißt, findet Gefallen daran Marc zu ärgern. Er findet es unglaublich witzig, wenn Marc sich aufregt. Seine Oma schläft die ganze Zeit. Und ich lese meine Zeitung, so soll es zumindest aussehen. In Wirklichkeit sehe ich amüsiert zu, wie Marc leidet. Auch als Ben sein Gameboy raus holt und Marc bittet das Level für ihn zu schaffen, scheint er zuerst wenig begeistert. Doch mit der Zeit bekomme ich das Gefühl, dass ihm das Spaß macht. Und als die beiden dann über diesem Nintendo Dingsbums lehnen und total auf das Spiel fokussiert sind, merke ich, dass sie eigentlich so ziemlich auf der gleichen Wellenlänge sind. Das hört man auch in ihren Unterhaltungen. In jedem Mann steckt halt immer noch irgendwo ein Kind.
Marc: Spring, Spring doch..du musst auf A und B gleichzeitig drücken.
Ben: Mach ich doch, aber der will nicht...
M: Jetzt spring doch verdammt nochmal... du musst da hoch, sonst...tja, siehst du, jetzt hat er dich.
B: Manno...nur wegen diesen blöden Männchen.
M: Nein, nur weil du nicht gesprungen bist. Gib mal her ich mach das.
B: Na gut.
M: Siehst du..jetzt guck, so wird das gemacht...Scheiße!
B: Haha, ich habs dir doch gesagt. Das geht nich.
M: Natürlich, das muss gehen.
B: Geht aber nich.
M: Dann ist dein Spiel wohl kaputt.
B: Gar nich! Das hat Omi mir neu gekauft.

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01.05.2009 00:09
#42 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Irgendwann, als die „Männer“ immer noch wie gebannt in dieses Ding starren, wacht neben mir Bens Oma auf. Sie guckt kurz zu wie ihr Enkel mit seinem neuen Spielpartner spielt und lächelt. Dann wendet sie sich zu mir. „Einen netten Freund haben sie da. Und so gutaussehend...Sie sollten ihm verzeihen.“
„Was?...Nein also..das da ist nicht mein Freund. Er ist mein..war mein Oberarsch, äh Arzt.“
„Achso. Ärzte..Ich dachte Sie wären ein Paar. Wissen Sie, wenn man jung ist, streitet man sich ja öfters. Meine älteste Enkelin liegt sich andauernd in den Haaren mit ihrem Mann. Sie ist frisch verheiratet. Aber in ihren Augen erkenne ich, dass sie sich lieben,..also meine Enkelin und ihr Mann.“
„Tja, also ich bin nicht...verheiratet.“ Ich zeige ihr meine leeren Finger. „Und wissen Sie was? Ich bin glücklich damit.“
„Dann gaben Sie also einen Freund zu Hause?“
„Nein. Hab ich nicht.“
„Dann sind Sie nicht glücklich. Das erkenne ich und außerdem ist kaum jemand glücklich, wenn man alleine ist. Aber Sie werden schon noch den richtigen finden.“
„Das glaub ich kaum...“ Es ist doch so. Mit jedem Mann, mit dem ich eine Beziehung hatte, hat es nicht geklappt. Selbst mit den Männern, mit denen ich keine Beziehung hatte, sondern irgendwas undefinierbares, war nach kurzer Zeit Schluss. Wieso sollte sich das also ändern.
„Die meisten Männer haben Sie enttäuscht, oder? Wahrscheinlich schon als Sie klein waren. So was prägt den Menschen...Also Entschuldigen Sie bitte, wenn ich zu viele Fragen stelle, aber ich kann einfach nicht anders. Ich war mal Psychologin.“
Psychologin..das erklärt einiges.
„Echt? Wow, dann sind Sie ja im Prinzip auch so was wie ne Ärztin. Aber gut, Sie müssen mich nicht therapieren, obwohl Sie nicht ganz unrecht haben mit dem was Sie gesagt haben.“
„Ja, Enttäuschungen prägen den Menschen, und zwar jeden anders. Manchmal reicht auch eine große Enttäuschung in der Kindheit aus, um das Verhalten in der Zukunft komplett zu bestimmen. Die Angst noch mal so enttäuscht zu werden, das gleiche nochmal zu erleben ist einfach zu groß. Die Person lässt andere Menschen nicht mehr an sich ran, also auf psychischer Ebene, und tut alles um sich selbst zu schützen. Dabei passiert es halt auch, dass andere Menschen verletzt werden.“

Okay, wieso erzählt sie mir das jetzt? Ich hatte eigentlich keine allzu große Enttäuschung in meiner Kindheit, außer, dass Marc mich die ganze Zeit...Marc? Vielleicht meint sie ihn? Sie hat auch immer so zu ihm rüber geblickt. Aber das kann nicht sein, sie kennt ihn ja nicht mal. Ach was solls. Ich werde mich jetzt nicht mit Psychologie auseinander setzten. Und außerdem möchte ich jetzt nicht weiter über Enttäuschungen reden. Ah wie gut, da kommt der Fahrkartenkontrolleur...

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02.05.2009 22:54
#43 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Irgendwo in Bayern steigen Ben und seine Oma aus. Der Kleine war etwas traurig, weil er noch mit seinem neuen Freund Marc spielen wollte. Bei Marc kann ich das schlecht beurteilen. Er ist vielleicht erleichtert, denn so viel Kind auf einmal ist er glaub ich nicht wirklich gewohnt. Vielleicht sollte er sich daran aber mal besser gewöhnen. Schließlich ist er bald Vater.
Dann sind Marc und ich alleine im Abteil.
„Du kannst gar nicht mal soo schlecht mit Kindern umgehen. Ein bisschen Übung und dann wird das schon.“ sage ich zu ihm.
„Was?“
„Naja, du wirst vielleicht ein besserer Vater sein, als ich dachte. Hoffe nur für dich, dass es ein Junge wird.“
„O halt die Klappe, ja?“ Marc schaut mich etwas böse an.
„Bitte? Das war nur nett gemeint. Ich mein, ich dachte ja echt, dass Marc und Kind so was von gar nicht passt, aber anscheinend ist es gar nicht unbedingt so. Und wenn ich dir so was sage, dann solltest du dich darüber freuen. Normalerweise liebst du doch Komplimente.“
„Normalerweise ja...aber das ist ne Sache, die geht dich wirklich überhaupt nichts an.“ Marcs Stimme wird lauter. „Und hör mir mal zu...Ich hab die Schnauze voll, dass du immer und überall deinen Senf dazu geben musst! Nur weil dein eigenes Leben so armselig ist und dich keiner will, heißt das nicht, dass du das Leben von anderen kommentieren musst. Es interessiert mich nicht was du über mich als..als Vater denkst, okay? Das kannst du mal deinem Mann sagen..ach ups hast ja keinen. Dann solltest du dir über das Thema Kinder auch nicht mehr so viele Gedanken machen. Weil es dich einfach nicht betrifft und wahrscheinlich auch nie betreffen wird!“
Marcs Worte verletzen mich ziemlich. Seine Worte sind so durchdringend, sie treffen mich so tief, dass ich einfach nicht anders kann, als anfangen zu weinen. Eine Träne nach der anderen läuft mir übers Gesicht und tropft in meinen Schoß.. Ich schaue Marc noch einmal an, hoffe, dass er vielleicht irgendwas zurücknimmt, aber die verschwommenen Umrisse, die ich noch sehe sitzen einfach nur da. Schließlich renne ich tränenüberströmt aus dem Abteil. Ich renne den Gang entlang bis zur nächsten freien Toilette und schließe mich darin ein. Es stimmt: mich will keiner..mein Leben ist armselig.. ich werde wohl nie Kinder haben

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03.05.2009 21:25
#44 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Ich sitze einfach nur da, auf diesem mikro Klo, und lasse meine Tränen fließen. Alles was sich die letzten Wochen so angestaut hat, meinen ganzen Frust weine ich mir aus dem Kopf. Wieso ist er immer so fies? Wenn er schon erkennt, dass mein Leben beschissen ist, muss er es doch nicht noch schlimmer machen. Außerdem war das mit dem Vatersein wirklich nur nett gemeint und er macht mich gleich so fertig. Scheiße, jetzt guckt mich an und seht was aus mir geworden ist! Ich sollte mich hier auf der Stelle aus dem Zugfenster stürzen. Aber die sind so klein..nein ich bin zu dick. Ein weiterer Grund nochmal heftig los zu heulen.
Irgendwann, als ich nicht mal mehr weiß, ob meine Augen überhaupt noch in meinem Kopf stecken, klopft es an der Tür. Verdammt, können die Leute nicht die anderen Klos benutzen?
Es klopft nochmal. „Gretchen?..Bist du da drin?“ Na ganz toll. Was will dieser Penner noch?
„Hau ab!!“ rufe ich durch die Tür.
„Gretchen...bitte komm raus. Ich..Ich hab das nicht..Verdammt jetzt komm, wir sind gleich da!“
Nicht mal richtig entschuldigen kann er sich.
„Verschwinde! Ich will dich nie wieder sehen!“
„Das lässt sich aber nunmal nicht verhindern. Jetzt komm.“
„Ach ja? Und was wäre wenn ich hier jetzt aus dem Fenster springe. Mein Leben ist doch eh armselig, also wozu soll ich noch raus kommen?“ frage ich ihn schluchzend.

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03.05.2009 22:00
#45 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

„Gretchen bitte...hör auf damit.“
„Nein ich meins ernst. Ich werde es tun. Ich werde mein armseliges Leben beenden...“
„Gretchen! Willst du mich verarschen? Jetzt komm da raus und mach keinen Scheiß!“
Ja eigentlich will ich ihn verarschen. Ich hab natürlich nicht vor aus dem Fenster zu springen. So weit kriegt er mich nicht, abgesehen davon, dass ich eh nicht durch passe. Trotzdem öffne ich das Fenster, so weit es geht, damit es schön rauscht. Dann setze ich mich wieder aufs Klo. Ich versuche meinen Tränenfluss zu stoppen, aber irgendwie immer noch vergebens.
„Gretchen? Scheiße, jetzt mach das Fenster zu und die Tür auf!“
„Willst du noch irgendwelche letzten Worte sagen? Dann tu es jetzt. Es ist deine letzte Chance!“rufe ich ihm von der Toilette aus zu.
„Öffne sofort die Tür sonst trete ich sie ein!!“
„Danke, für diese rührenden letzten Worte..!! Meine an dich lauten: Lebe wohl und Ich hasse dich!!!“ Mit der Hand haue ich einmal gegen das Klappfenster, so dass es kurz zu geht, das Rauschen unterbrochen wird und dann wieder laut weiter tönt.

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03.05.2009 23:02
#46 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Ich höre nur noch wie Marc laut „Scheiße!“ flucht und dann geht plötzlich alles so schnell. Ein ohrenbetäubendes Quietschen auf den Gleisen, ich, wie ich volle Kanne nach vorne fliege, mir dem Kopf irgendwo am Waschbecken stoße, Blut, das über mein verweintes Gesicht läuft, das nicht mehr vorhandene Rauschen, dann Stimmen auf dem Flur, eine tiefe Männerstimme. „Was ist hier los?.....Sie haben die Notbremse gezogen, also reden Sie gefälligst!....Beiseite! Alle beiseite!!“ Dann ein Knall. Die Tür fliegt auf, trifft mich mit voller Wucht, ein stechender Schmerz in meinem Arm.
„Verdammt die Frau ist verletzt! Holen sie einen Arzt!“ ruft die tiefe Männerstimme.
„Gretchen?! Oh Gott sei Dank...I-Ich bin Arzt. Lassen Sie mich durch.“
„Sie haben gesagt, da stürzt sich jemand aus dem Fenster. Jetzt verraten Sie mir mal bitte, wie man sich aus so einem Winz-Fenster raus stürzen soll.“
Marc antwortet dem Mann nicht, sondern hockt sich vor mich hin. „Mann, Gretchen, was machst du bloß?“
„Nichts...das..das ist alles deine Schuld. Ich wollte überhaupt nichts machen und dann...“ bringe ich noch hervor, bevor ich wieder in Schluchzrn ausbreche. Scheiße, das ist doch alles Scheiße. Da will ich ihm einmal Angst machen und am Ende lieg doch wieder ich am Boden.
„Hey ist gut, jetzt komm erst mal raus da.“

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04.05.2009 22:34
#47 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Ich lasse mir zwar von Marc aufhelfen, aber behandeln wird er mich ganz sicher nicht. Gut, er hat extra den Zug angehalten, aber trotzdem kann ich ihm nicht einfach so verzeihen. Ich sähe darin auch keinen Sinn. Wegen ihm bin ich jetzt in so einem scheiß Zustand.
Vor etlichen Schaulustigen, verkünde ich, dass ich gerne einen anderen Arzt hätte. Aber irgendwie reagiert keiner. Bestimmt hält man mich für psychisch gestört. So sehe ich bestimmt auch aus. Tränen vermischt mit Blut und Schminke überall im Gesicht...kann mir was schöneres vorstellen. Aber will mir keiner Helfen? Hallo?
Schön, mach ich das eben alleine. Mit meinem gesunden Arm, der aber trotzdem extrem zittert, greife ich nach dem Koffer in Marcs Arm. „Ich..Ich bin selber Arzt..ich ma-mach das selber.“
„Die Frau ist völlig fertig. Vielleicht sollte man sie ins Krankenhaus bringen.“ schlägt eine Angestellte vor.
„Ach Quatsch...Gretchen jetzt lass mich das schnell machen. Danach kannst du mich von mir aus weiter hassen.“ sagt Marc zu mir, öffnet den Koffer und holt irgendwelche Tupfer raus.
„Fass mich nicht an!“ schreie ich ihn an. Ups, das war vielleicht etwas laut. „Gib mir einfach ne Schmerztablette und den Rest kann ich auch alleine. Bitte.“ sage ich etwas leiser. Er scheint nichts dagegen sagen zu wollen. Vielleicht hab ich ihn vorhin doch etwas geschockt.

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04.05.2009 23:09
#48 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Ich behandle mich, nachdem der Zug wieder fährt und ich mich einigermaßen beruhigt habe, wirklich selber. Im Spiegel erkenne ich, dass ich noch grausamer aussehe, als befürchtet. Aber auch das lässt sich wieder in Ordnung bringen. Gut, dass ich meine große Sonnenbrille dabei habe. Nur beim Arm habe ich etwas Schwierigkeiten. Die Prellung ist ziemlich stark und nur mit Mühe schaffe ich es mir mit einer Hand einen Verband anzulegen. Ich weiß, ich hätte jemanden um Hilfe bitten können, aber da Marc neben der Tür steht und mir mit etwas sorgenvoller Miene zusieht, musste ich einfach zeigen, dass ich das alleine kann. Ich hab ihn gebeten wegzugehen, aber er bewegt sich nicht vom Fleck. Wahrscheinlich hat er Angst, dass ich mir doch noch was antue.
Gott sei dank erreichen wir dann auch nach kurzer Zeit unser Ziel. Als ich aussteige wunder ich mich, dass der Zug an so nem kleinen Bahnhof überhaupt hält. Hier ist ja echt tote Hose. Wieso findet dieses Ärztetreffen in so einem Loch statt? Aber wenigstens ist das Wetter schön und es ist auch gar nicht kalt, obwohl es schon langsam Dunkel wird. Jetzt muss ich nur noch die Gondelfahrt auf den Berg hinter mich bringen und dann hab ich es fürs erste geschafft. Im Moment ist das alles etwas viel für mich.

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06.05.2009 23:23
#49 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

In der Gondel herrscht eisernes Schweigen. Ich gucke die ganze Zeit nur aus dem Fenster. Mein Arm ist glaub ich ziemlich angeschwollen und ich kann ihn kaum noch bewegen. Insofern bin ich Marc wirklich dankbar, dass er meinen Koffer trägt, aber eigentlich ist das ja selbstverständlich, weil...ach weil wegen ihm einfach alles scheiße ist. So siehts doch aus.
Als wir oben ankommen, ist es leider schon ziemlich dunkel, aber trotzdem erkenne ich, dass das hier eine ziemlich große Anlage sein muss. Ich sehe mehrere Almen (Alms?), in denen Licht brennt und einen beleuchteten Swimmingpool. Bestimmt ist das hier so was wie ein Kurort oder so.
Ein etwas älterer Mann empfängt uns total freundlich. Er stellt sich als Herr Huber vor, der „Mann für alles“. Er führt uns in eine der größten Almen und zeigt uns unsere Zimmer. Zu meiner großen Freude liegt meins direkt neben dem von Marc. Aber ich hab echt nicht mehr die Kraft mich darüber aufzuregen. Herr Huber erzählt uns noch, dass die meisten Ärzte heute Vormittag schon angekommen sind, einige aber noch morgen früh kommen. Außerdem sollen wir uns melden, wenn wir noch irgendwas brauchen und, dass wenn wir nicht wollen, dass irgendwer morgen früh zu uns ins Fenster starrt, wir lieber den Vorhang schließen sollten. Vor unseren Zimmern liegt nämlich die gemeinsame Terrasse, die auch wir natürlich jeder Zeit benutzen können. So weit so gut.
Mein Zimmer ist wirklich voll schön. Es gibt alles was man braucht, vom großen Bett zum Fernseher. Und natürlich ganz wichtig: einen Kühlschrank. Gut er ist winzig klein, aber was noch toller ist: Es gibt Schokolade drin.
Anstatt diese sofort zu essen, dusche ich erst und mache mich bettfertig, entschließe mich aber dann doch dazu, dass es Zeit ist sie zu opfern. Ich hab schließlich den ganzen Tag nichts wirkliches gegessen. Außerdem wollte ich eh noch ein bisschen frische Bergluft schnappen. Und damit ich draußen auf der Terrasse nicht so alleine bin, muss ich doch meine beste Freundin die Schokolade mitnehmen.

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07.05.2009 00:02
#50 RE: Fortsetzung von Miss Blond Zitat · Antworten

Ich ziehe mir noch eine Strickjacke über und trete dann durch meine persönliche Terrassentür nach draußen. Was mir als erstes auffällt, ist der Himmel. Er ist so unglaublich klar und ich hab noch nie so viele Sterne auf einmal gesehen. Fasziniert starre ich einige Minuten in den Himmel. Dann fällt mir auf, dass auch unten Sterne stehen. So sieht es zumindest aus. Es sind die Lichter aus dem Tal. Bin wirklich ganz schön weit oben hier. Am Ende der Terrasse entdecke ich eine Hollywoodschaukel. Ich setze mich hinein und sehe in die Ferne. Ab und zu beiße ich von meiner Schokolade ab. Der Himmel ist so wunderschön. Die Luft riecht so rein und frisch. Ein kleiner Hauch von Kuhmist ist auch dabei, aber der stört mich in dem Moment überhaupt nicht. Ich spüre, wie sich Anspannungen in meinem Körper lösen, spüre, dass mein Arm weh tut und dass mir schon wieder Tränen in die Augen steigen. Ich kann mir gerade gar nicht wirklich erklären wieso. Vielleicht, weil die Welt so schön ist und ich eigentlich glücklich sein müsste, es aber nicht sein kann. Die Sterne da oben scheinen alle so perfekt, trotzdem stehen sie doch falsch. So kann es einfach nicht richtig sein. Die Tränen laufen wieder, langsam und still. Ich mach mir gar nicht erst die Mühe sie weg zuwischen. Es ist eh dunkel und es sieht keiner.
„Hey, ich...kann ich mich setzen?“ Es ist Marcs Stimme,die neben mir ertönt.
„Klar...“sage ich, weil ich nicht schon wieder Lust habe mich mit ihm zu streiten.
Er setzt sich hin und sieht mich durch die Dunkelheit an.

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