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 Abgeschlossene Fortsetzungen!
Karo Offline

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Beiträge: 1.379

14.06.2020 15:00
Für Marc Zitat · Antworten

Für Marc.

Meinen Sohn, den ich über alles liebe.



Neun Worte und schon sank ihre Hand kraftlos in den Sand, wo sie den rosafarbenen Bleistift unbewusst vergrub.

Sie schuldete ihm mehr als diese Worte. Die sie ihm gerne sagen würde. Die ihr immer verlogen vorkamen. Jahrelang hatte sie ihn im Stich gelassen, immer wieder. Erst als ihr Ex-Mann ihr das Liebste in ihrem Leben weggenommen hatte, hatte sie die Kraft gehabt, diesen – ihren – Mann zu verlassen.
Erholt hatten sie sich nie. Nie darüber gesprochen. Gemeinsam war nur, dass sie beide einen Deckel drauf gemacht hatten. Nun war ihr Sohn Vater. Glücklicher Vater. Liebender Vater. Kämpfender Vater. Dessen Dämone immer noch wüteten. Ihn zweifeln und verzweifeln ließen.

Für Elke bestand kein Zweifel, dass ihr Sohn ein wundervoller Vater war. Überhaupt. Er war ein wundervoller Mensch und sie schämte sich für ihren Stolz. Nicht sie hatte ihn geformt. Im Gegenteil, sie war unbeteiligt daran, wie großartig er war. Es waren ihre Eltern gewesen, die ihm einen Funken Urvertrauen eingepflanzt hatten.
Was hatten die ersten Jahre wohl beigetragen? Als sie sich noch mit ihrer Jugendliebe durch den Alltag gekämpft hatte. Er war ein guter Vater gewesen. War gerne Vater gewesen. Doch die ewigen Geldsorgen hatten sie mürbe gemacht. Am Ende hatte sie sich in René verliebt. Und ihre gemeinsamen Höllenjahre eingeleitet. Auch an ihr waren die jahrelangen Misshandlungen kleben geblieben. Die sie bereits Jahrzehnte als Ausrede benutzte, sich gelegentlich eine Depression und Auszeit zu gönnen.

Und jetzt war da so ein kleines Menschlein. Antonia, ihre Enkelin. Die sie vom ersten Moment an so verzaubert hatte, wie es auch ihrem Vater gelungen war. Stundenlange Wehenqualen waren vergessen als sie mit ihrem Sohn die ersten ruhigen Minuten verbrachte. Damals hatte sie sich unsterblich in ihr Baby verliebt und jetzt kam es ihr vor als hätte Antonia mit dem ersten Blinzeln den Deckel aufgemacht. Sie liebte Marc wie am ersten Tag. Und sie schämte sich, diese Liebe versteckt und verraten zu haben. Egal, dass ihr Exmann diese Liebe weggeprügelt hatte, egal, dass sie ihre Liebe auf Dr. Rogelt und am Ende auf sich selbst konzentriert hatte. Aber eigentlich liebte sie nur Marc und sie wollte, dass er es wusste.

Sie trug die größte Schuld an seinen Dämonen. Sie bewunderte ihre Schwiegertochter, die immer wieder Wege gefunden hatte – und fand, seine Kämpfe mit ihm auszufechten. Die beiden waren ein gutes Team. Als Paar und als Eltern.

An Ostern hatte sie erstmals bemerkt, wie wenig Menschen es in Marcs Leben gab. An seinem Bindungsängsten war sie Schuld und damit auch irgendwie an seinem Lebenslauf. Und sie bewunderte ihren Sohn für seine Kraft. Er hatte sich seinen Ängsten gestellt. Hatte den Deckel der Vergangenheit geöffnet, um eine Zukunft haben zu können. Seine Stärke und seinen Mut bezog er aus den Menschen, die statt ihrer an seiner Seite gewesen waren. Anfangs ihre Eltern – Adoptiveltern. Später Professor Haase und seine Tochter. Und jetzt auch irgendwie Antonia. Sie hatte es ja damals selbst gefühlt. Für das eigene Kind ertrug und vergaß man viel – beginnend mit den Geburtsschmerzen. Wenn ihr Sohn das konnte, dann konnte sie das auch! Stark sein. Für das Kind kämpfen. Auch, wenn das Kind bereits Mitte 30 war.

Sie hatte mit sich gerungen und war schließlich zurückgekehrt. Tagelang war sie Rügens Strände entlang gelaufen. Erst weit weg, von dem Ort, wo sie selbst nie hatte sein wollen. Bei Menschen, die gut zu ihr gewesen waren. Die gut zu Marc gewesen waren. Denen sie nie gedankt hatte. Die sie abgelehnt hatte. Die keine Schuld daran hatten, dass sie hier gelandet war.
Es war ihr egal gewesen. Irgendjemand hatte sie von ihrer Mutter weggenommen. Irgendjemand hatte bestimmt, dass irgendjemand sie adoptieren konnte. Doch nie hatte jemand nach ihrer Meinung, nach ihren Wünschen, Nöten, Sorgen gefragt. Als es dann doch jemand tat, war es zu spät. Sie rebellierte gegen alles und jeden und traf damit auch die beiden Menschen, die sich nichts sehnlicher wünschten, als für sie da zu sein.

An ihrem eigenen Schicksal hatte sie keine Schuld und dass sie so war wie sie war, lag an ihrer eigenen Kindheit. Doch lange genug hatte sie sich unbewusst hinter dieser Entschuldigung versteckt. Sie hätte es anders machen können. Hätte an vielen Kreuzungen abbiegen können. Um Marc zu schützen. Ihre verkorkste Kindheit durfte nicht als Ausrede gelten, dass die Kindheit ihres Sohnes ebenfalls zerstört worden war.
Sie hatte all ihren Mut zusammen genommen und als sie zu zweifeln begann, machte sie es wie Marc. Suchte sich einen Gefährten. Franz hatte nach Rügen vorgefühlt und nun war sie hier. Versuchte, sich langsam ihrer eigenen Vergangenheit zu nähern. Sie wusste, sie durfte kommen.

Auch Marc hatte hierhin zurückgefunden. In seiner größten Not. In seiner größten Trauer. Seine einzige Liebe, schwanger von seinem einzigen Freund. Damals hatten auch Marc und sie angefangen, sich anzunähern. Ihr Leben würde nicht reichen, ihre Schuld auszugleichen.

Doch sie konnte sich bemühen. Und wenn es das letzte war, wenn es all ihre Lebenskraft rauben würde. Sie konnte das! Und sie würde es tun. Schritt für Schritt und Kapitel für Kapitel. Notfalls Wort für Wort! Elke pulte den Bleistift aus dem Sand. Rosa. Sie hatte diese Farbe mit Bedacht gewählt. Lächelte, als sie an die Frau dachte, die alles für ihren Sohn tun würde. Und er für sie.

Sie konnte nicht mehr viel für Marc tun. Außer das hier. Vier weitere Wörter, die sie sich abrang:

Für Marc.

Meinen Sohn, den ich über alles liebe.

Das ist Deine Geschichte!

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