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 Abgeschlossene Fortsetzungen!
Karo Offline

Alter Ha(a)ser:


Beiträge: 1.315

14.03.2020 21:37
Vielleicht haben Sie das nächste Mal mehr Glück! Zitat · Antworten

Vielleicht haben Sie das nächste Mal mehr Glück


Was wusste sie von seinem Glück. Von dem anstrengenden Weg, überhaupt hier zu sein. An diesem Punkt seines Lebens. In einem Zuhause. Mit einer Familie. Welchen harten Weg hatte er beschreiten müssen, um endlich anzukommen. Glück zuzulassen, zu empfinden und zu genießen. Lange hatte er nicht daran geglaubt, dass es für ihn so etwas geben könnte. Glück. Oder gar Frieden und Zufriedenheit.
Er war einem Wunsch gefolgt, der ihm Angst gemacht hatte. Darauf vertrauend, dass die blauen Augen Recht haben würden. Seit er sie das erste Mal gesehen hatte, hatten sie ihm „Alles wird gut“ signalisiert. Jetzt endlich war alles gut!

Bis zu dieser Aufzugfahrt heute Morgen. Gretchen hatte Antonia auf dem Arm gehabt. Auch wenn der Babykopf noch haarlos glänzte, die Ähnlichkeit seiner Mädchen war frappierend und er hatte sich immer gefreut, dass sich sein Glück so offensichtlich verdoppelt hatte. Dass für ihn nun vier blaue Augen strahlten.
Dann war das alte Ehepaar zugestiegen und die beiden hatten gelächelt, als sie Mutter und Tochter gesehen hatten. Er kannte diese Reaktion auf seine Familie. Er wünschte seiner Tochter vor allem das sonnige Gemüt ihrer Mutter. Das Türen öffnete und Herzen zufliegen ließ.

Und dann sprach die Frau plötzlich ein Urteil: „Da haben Sie sich wohl nicht genug angestrengt!“ Freundlich lächelnd und ein belustigter Unterton. Er spürte, dass alle Farbe aus seinem Gesicht glitt. In der dritten Etage stiegen die beiden aus und der Mann wollte wohl die Worte seiner Frau wieder gut machen. So vermutete Gretchen. „Naja, vielleicht haben Sie beim nächsten Mal mehr Glück!“ Klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter und folgte seiner Frau. Marc unterband nur mit Mühe und Not den Impuls, ihm den Stock wegzutreten.

Der Besuch beim Kinderarzt ging völlig an ihm vorbei, was untypisch für ihn war. Gretchen ließ ihn in dieser Form nur ungern zur Arbeit gehen, aber da Marc mit der Assistenzärztin alleine war, konnte er nicht spontan Urlaub nehmen. Es war schon schwierig gewesen, sich für den Besuch beim Kinderarzt frei zu machen. Das hätte er sich besser gespart, da wäre ihm viel Inneres Chaos erspart geblieben. Und dem Praxisteam eine ordentliche Portion Meier´sche Übellaunigkeit.

Gretchen hätte nicht den Anruf der Praxismitarbeiterin gebraucht, um zu wissen, dass Marc das Personal heute kräftig strapazieren würde. Und so machte sie sich kurzentschlossen zur Mittagszeit wieder auf den Weg. Antonia musste dann halt mal ihren Mittagsschlaf unterbrechen. Erlebte sie mal, wie es nachts war, wenn sie oder Marc ihre Nachtruhe unterbrechen mussten.
„So, mein Schatz. Wir besuchen jetzt den Papa. Der braucht dringend ein bisschen Kuschelzeit mit Dir.“ Sie cremte die Kleine nochmal extra mit Babylotion ein, Antonia roch frisch gebadet einfach am unwiderstehlichsten. Was übrigens Marc festgestellt hatte. Sie hoffte, die Lotion würde ein wenig helfen. Und vor allem hoffte sie, dass Antonia ihr in Sachen Geruch keinen Strich durch die Rechnung machte – mit einer vollen Windel!


Mutter und Tochter entführten ihren Lieblingsmuffel in den nahe gelegenen Park. Die Idee, die ersten warmen Sonnenstrahlen auszunutzen, hatten jedoch viele und so gab es für das nötige Gespräch zu viele Ohrenzeugen. Auch wenn Marc Redebedarf verspürte – und diese Erkenntnis, dass es durchaus half zu reden, war ein Teilstück seines langen und anstrengenden Weges gewesen! – niemals würde er öffentlich über seine inneren Kämpfe sprechen. Das Gute war, dass er bei Gretchen nicht zwingend reden musste. Sie spürte sowieso, was ihn aufwühlte. Sie wusste, wie sehr er sich angestrengt hatte. Für sie als Paar. Und jetzt, als Eltern – Familie.

Es hatte ihm Angst gemacht: Dass er, der Einzelgänger, sich ein Leben mit dieser Frau gewünscht hatte. Er, der Familie als gewaltherrschenden Raum erfahren hatte, sich ein Kind wünschte. Was er keinen Tag bereut hatte, auch wenn ihm oft Zweifel gekommen waren. Und immer noch kamen. Ob er das könnte. Und die Angst, plötzlich in die erlebten Muster zu fallen. Nein, verdammt! Er strengte sich an, jeden Tag, jede Stunde und jede verfickte Zeiteinheit.

Langsam zeigte Gretchens Nähe Wirkung und das aufgewühlte Blut floss ruhiger durch seinen Körper. Es wunderte ihn immer wieder, dass sie so positiv auf ihn wirken konnte – in jeder Lebenslage. Sie war sein Schild und wenn es sein musste, auch sein Schwert. Und ihre Klinge konnte schlagen. Was sie nicht gern tat, aber selbst gegen ihre Mutter eingesetzt hatte. Im letzten Jahr hatte sie Bärbel eiskalt vor die Tür gesetzt, als diese nicht aufhören wollte, das Familienglück mit Antonia zu kritisieren.

Antonia wurde in ihrem Kinderwagen wach und forderte nun, beschäftigt zu werden. Marc nahm seine Tochter auf den Arm und kaum hatte er an ihr geschnuppert, fiel jegliche Anspannung von ihm ab. Das große Mädchen war Glück. Das kleine Mädchen war Glück. Mehr Glück konnte er sich momentan absolut nicht vorstellen.

„Beim nächsten Mal haben Sie mehr Glück!“

So ein Idiot. Mehr Glück ging nicht. „Schau sie Dir an. Was soll denn da noch an mehr Glück kommen?“ „Marc, er wollte nur den Spruch seiner Frau gut machen. War vielleicht etwas ungeschickt.“ „Gretchen, es ist nicht so, als wüsste ich das nicht. Aber ich bin Glück nicht gewohnt. Ich kann oft mein Glück mit euch nicht fassen. Der Gedanke an noch mehr Glück macht mir Angst. Dass ihr euch plötzlich in eine rosarote Seifenblase auflöst... pfff... allein dass ich diese Farbe erwähne...“

„Und auch sie hat es bestimmt nicht böse gemeint. Ich weiß, was Dich so durcheinander bringt. Sie kennt Dich nicht, Marc und sie hat keine Ahnung, wie hart Dein Leben war und wie sehr Du jeden Schritt erarbeitet hast. Erinnere Dich an die Worte Deiner Mutter.“

Elke hatte sie an Weihnachten total überrascht. Zum einen war sie – wie es sich für eine Oma gehörte – schockverliebt in ihre Enkelin. So wie Marc es von allen forderte, die Antonia kennen lernten. Beim Abschied hatte sie Marc Worte geschenkt, auf die er sein Leben lang verzichten musste. „Ich bin stolz auf Dich, mein Sohn!“

„Bleibst es denn dabei, dass wir Ostern nach Berlin fahren?“
„Klar, Papa soll den Keller nicht umsonst ausgebaut haben! Außerdem muss Antonia mal was anderes sehen als Köln.“
„Naja, Rügen wäre auch ganz schön.“ Marc grinste. „Und Du möchtest wirklich eine Taufe für sie?“ Er stand jeglicher Art von Kirche neutral gegenüber aber er hatte kein Problem mit Gretchens Wunsch. Im Gegenteil. Das gab ihm die Gelegenheit, eine Überraschung für die Mutter seiner Tochter vorzubereiten. Doch dafür musste er Franz anrufen. Am besten direkt, noch in seiner Pause. Er schnüffelte ein letztes Mal an seiner Tochter – und verzog das Gesicht. „Meine Pause ist leider gleich um. Sonst hätte ich die Windel gewechselt!“ Marc drückte seiner Lebensgefährtin die Tochter in den Arm und einen langen Kuss auf die Lippen. Lippen, die er so gerne küsste. Die seine Küsse gerne erwiderten. Und immer Lust auf mehr machten. Mehr Küsse, Mehr Gretchen und vermutlich auch mehr Kinder. Nur mit „mehr Glück“ würde er noch länger hadern.

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