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 Abgeschlossene Fortsetzungen!
Karo Offline

Alter Ha(a)ser:


Beiträge: 1.335

25.12.2019 17:10
Karo´s Weihnachts-Special 2019 Zitat · Antworten

Weihnachts-Special 2019


Er drehte Runde um Runde. Durchquerte sämtliche Treppenhäuser, durchwanderte jeden Flur in jede Richtung und wenn er eine beendet hatte, dann machte er sich nach einer kurzen Rast wieder auf den Weg. Um immer wieder vor einem Bild in der Eingangshalle stehen zu bleiben.

Es war jetzt fast ein Jahr her, dass er sich aus dem Elisabeth-Krankenhaus zurückgezogen hatte. Viel hatte sich getan, seit er an Chefarzt Dr. Mehdi Kaan übergeben hatte. Das Offensichtliche waren Farben, die die staubig-weißen Wände übertüncht hatten. Selbst die einst ungenutzten Kellerräume waren renoviert und eingerichtet worden. Fitnessraum, eine kleine Bibliothek und ordentliche Schlafräume. Professor Franz Haase grinste. Den Keller als Rückzugsort für die Mitarbeiter herzurichten war ein guter Schachzug seines Nachfolgers gewesen. Dass nicht die taffe Neurochirurgin sondern er, der Gynäkologensoftie, zum neuen Chefarzt ernannt wurde, hatten selbst die, die sich vor einer Chefärztin Hassmann gefürchtet hatten, mit Kopfschütteln quittiert. Vor allem, und das freute den Professor a.D. besonders, war Maria eine faire Verliererin gewesen. Ihre spitze Zunge besaß sie zwar nach wie vor, jedoch fiel sie dem Kollegen nicht in den Rücken und beteiligte sich erst Recht nicht an Verbalattacken gegen ihn.

Im Moment fixierten die lebendigen Augen unter den buschigen Augenbrauen das übergroße Bild im Entree. Auch das war auf Anordnung des jungen Chefarztes montiert worden. Es war eine Aufnahme von ihm und Gretchen mit dem Ehepaar Bedougou aus Sanssouci. Genau vor drei Jahren hatten er und seine Frau Gretchen dort an Weihnachten überrascht. Das Foto hatte seinerzeit Thilo Langohr gemacht, eine Zufallsbegegnung „seiner Kinder“, wie er über Gretchen und Marc dachte. Thilo war nicht nur ein zuverlässiges Sprachrohr für das Elisabeth-Krankenhaus sondern auch ein guter Freund für Marc und Mehdi Kaan geworden.

Der jetzt, über Weihnachten, mit seiner Tochter Lilly in Köln weilte und seinen besten Freund und seine beste Freundin besuchte. Noch einmal sah Professor Haase, der sich gerne bereit erklärt hatte, hier die Stellung zu halten, auf die strahlende Frau auf dem Wandbild, dann setzte er seine Runde fort.
Gretchen. Sein kleines Mädchen. Seit ein paar Monaten war sie nun Mama, hatte selbst ein kleines Mädchen. Antonia Meier, Sorgenkind. Nach einer schwierigen Schwangerschaft deutlich zu früh auf die Welt gekommen, hatte er sich erstmals Anfang Dezember in die Rheinmetropole begeben, um seine erste Enkelin kennenzulernen. Da war seine Ex-Frau schon dagewesen und hatte sich bis zum Rauswurf unbeliebt gemacht.
Er schmunzelte. Während er im vergangenen Jahr zu Ruhe gekommen war, schien Bärbel immer mehr aufzudrehen. Aber darüber brauchte er sich keine Gedanken mehr zu machen. Sie lebte auf Mallorca, auf der Sonnenseite des Lebens, wie sie immer wieder betonte.

Vor einem Jahr war er in den Ruhestand gegangen, nicht leicht für einen wie ihn, dessen Beruf seine Berufung gewesen war. Trotz Vorbereitungszeit und einer ruhigen Übergabe hatte er sich von einem Tag auf den anderen völlig leer gefühlt. Nutzlos und – einsam. Seine Kollegen, Vergangenheit. Die Familie in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Und dann war ein Mensch auf ihn zugekommen, mit dem er am allerwenigsten gerechnet hätte. Eines Tages hatte Gabi Kragenow an seiner Tür geklingelt und ihn gefragt, ob er ihnen wieder bei einer Spendenaktion für Sanssouci helfen würde. Er sei ja quasi das Gesicht dieser Hilfe. Und er hatte nicht gezögert, war selbst mit nach Afrika geflogen und hatte mehrere Wochen im Krankenhaus von Professor Yves Inyesse verbracht und das getan, was er schon immer geliebt hatte: Junge Mediziner auf ihrem Werdegang zu unterstützen.

Zurück in Berlin hatte er die Villa Haase umbauen lassen. Im Erdgeschoss wohnte er selbst nun altersgerecht und barrierefrei, nicht, dass er nicht noch fit wäre, eher war das Gegenteil war der Fall. Aber er war Realist und wenn er jetzt schon das Haus auf den Kopf stellte...
Die Zukunft wohnte nun unter seinem Dach, wo Azubis des EKHs günstigen Wohnraum mieten konnten. Dadurch kam ihm das Haus nicht so groß und leer vor, auch wenn er sich strikt aus den Leben der Mieter heraushielt – außer sie kamen zu ihm. Wie sie es gerne taten, denn er stand ihnen Rede und Antwort und erklärte Medizin mit Herzblut.
Der Umbau des Kellers würde im neuen Jahr das Projekt beenden. Er wünschte sich sehr, dass ihn seine Kinder von Zeit zu Zeit besuchen würden – am komfortablen Gästeraum sollte es deswegen nicht scheitern.

„Ich bin froh, dass Du die Villa nicht verkauft hast.“ Sie hatte ihm einen Kuss auf die Wange gegeben. Er und Gretchen waren spazieren gegangen, während Marc über den Schlaf seiner Erstgeborenen wachte. „Auch wenn es total bescheuert ist, Sentimentalitäten. Wir leben hier, haben also keine Verwendung für die Villa. Aber es ist nun mal mein Elternhaus.“

„Frohe Weihnachten Herr Professor!“
Erschreckt drehte er sich um. Nicht dass er sie nicht schon ihrer markanten Stimme erkannt hätte, aber eigentlich...
„Elke, was tust Du hier?“ Seit zwei Jahren verbrachte Elke Fisher die Zeit zwischen den Jahren auf einem Kreuzfahrtschiff. Leserreise. Das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden, nannte sie es. „Ist etwas passiert?“
„Ja, ich bin Oma geworden. Im Flieger nach Singapur habe ich mich plötzlich gefragt, ob ich nicht mehr ganz bei Verstand bin. Meine Enkelin ist seit August auf der Welt und ich habe sie nicht ein einziges Mal gesehen.“
„Auch wenn Du sie besuchst, wirst Du nicht viel von ihr sehen. Dein Sohn verteidigt seine Tochter ist wie ein bissiger Terrier.“ Er lachte – und es klang sogar ein bisschen stolz.
„Wie geht es Gretchen und der Kleinen?“
„Jetzt gut. Gretchen ist zwar schnell erschöpft aber sie kommen klar.“ Und jetzt kicherte Franz Haase: „Sie hat den geborenen Hausmann und Familienvater an ihrer Seite!“
„Franz Haase! Wie redest Du über meinen Sohn?“ So war es ihre Art. Doch neu bei Elke Fisher war der zufriedenere Unterton in ihrer Stimme.
„Wenn Doktor Kaan am 28. Wieder da ist, dann könnten wir fahren.“
„Fahren?“
„Deine Enkelin besuchen.“
„Wir können doch nicht einfach so bei denen reinplatzen?“
„Platz ist dort genug und solange Du nicht ungefragt dem Baby auf den Pelz rückst...“ Er lachte wieder. Denn es war einfach nur wundervoll gewesen, Marc mit der kleinen Antonia zu sehen. Er hatte schon immer viel von seinem besten Chirurgen gehalten, doch der hatte seine Erwartungen mittlerweile vielfach übertroffen. Nicht nur mit dem medizinischen Weg, den der angehende Osteopath eingeschlagen hatte.

„Wehe, Du bist jetzt nicht schockverliebt in meine Tochter!“ Mit diesen Worten hatte Marc ihm den Winzling in die Arme gelegt. Er wusste, wie Marc sich fühlte, es war zwar schon über 30 Jahre her, dass er seine Margarete erstmals im Arm gehalten hatte, aber das Gefühl war immer noch da. Es hatte ihn selbst immer wieder gewundert, dass man einen Menschen so lieben konnte. Einfach weil er da war. Selbst ein Marc Meier konnte sich solchen Gefühlen nicht entziehen.

„Du solltest nicht nur Antonia kennenlernen, sondern vor allem Deinen Sohn sehen, Elke.“
„Ich weiß...“
„Er ist glücklich. Nein, die drei sind es. Ich rufe Gretchen an und frage, ob es ihnen recht ist. Andernfalls könnten wir auch ein Hotel buchen – wenn es Dir lieber ist.“
Er kannte Elke auch ein bisschen. Zu viel Nähe und Familie waren immer noch nicht ihr Ding. Obwohl sie tatsächlich angefangen hatte, sich auf andere Menschen einzulassen. Natürlich unter dem Vorwand einer geschäftlichen Idee. Elke Fisher und Krimiautorin Inge Wagner alias Inge Borg, Marcs ehemalige Nachbarin in Hamburg, hatten begonnen, einen gemeinsamen Roman zu schreiben. Arbeitstitel „Dr. Rogelts Massengrab“. Doch auch wenn Elke es leugnete, er wusste, dass sie die Tee-Stunden mit ihrer Kollegin sehr genoss. Und Franz Haase war sicher: Das zögerliche Lächeln von Antonia würde auch Elke Fishers Herz ein Stück mehr aufweichen.

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