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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Abgeschlossene Fortsetzungen!
Karo Offline

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Beiträge: 561

15.05.2018 11:23
Schnitzeljagd und andere Überraschungen - Gretchens 33. Geburtstag Zitat · antworten

„Na Prinzessin, zufrieden mit Deinem Geburtstag?“ Marc krabbelte in das Bett und keine Sekunde später hatte sich die Prinzessin an ihn gekuschelt. „Ja. Mehr als das. Danke, Marc.“
„Oh, für die Schnitzeljagd musst du Dich bei Jo bedanken.“
„Hm, und für einen Teil der zusätzlichen Gäste wohl auch.“ Gretchen kicherte und Marc wusste, dass sie gerade an den Besuch ihres Ex-Verlobten und dessen Eltern gedacht hatte. Für die Helfer, die sie ausschließlich aus ihrem Gretchen-fernen Bekanntenkreis akquiriert hatte, schließlich sollte die Schnitzeljagd ja eine Überraschung sein, hatte Jo nämlich kurzerhand eine Einladung zu Haase-Meiers ausgesprochen.
Vom größten Teil der Spontanbesucher hatte selbst Marc nichts gewusst, er war nur für drei Überraschungsgäste verantwortlich.
„Wie gut, dass wir 30 Schnitzel extra hatten.“ Marc griente fröhlich in die samtweiche Lockenpracht des Geburtstagskindes.

„Schnitzel? Marc – wer hat die denn bestellt?“ Eben hatte der Metzger die Großbestellung geliefert. Braten – Gretchen hatte auf Marcs Rinderbraten mit Kräuterkruste bestanden –Grillfleisch, Würstchen und – kalte, gebratene Schnitzel.

„Keine Ahnung. Das muss ein Missverständnis sein. Ich kläre das am Montag, okay?“
„Nicht okay! Was sollen wir damit?“
„Im Zweifelsfall – aufessen?“
„Dann müssen wir sie aber auch bezahlen.“
„Ja und? Die paar Schnitzel...“
„Die paar Schnitzel? Das sind mindestens...“ Sie versuchte die Fleischstücke zu zählen. „Hm, ungefähr...“
„Dreißig.“
„Dreißig? Dann hast Du die doch bestellt?“
„Nein, ich hätte 33 bestellt – für jedes Jahr eins. Aber dreißig stehen auf dem Lieferschein.“
„Du bist so blöd!“
„Boah, Hasenzahn, bestimmt werden die gegessen. Ansonsten frieren wir die ein.“
„Wehe, mir wäre das passiert.“
„Bestimmt hätten wir dann 50 hier liegen.“ Der Frechdachs hatte jede weitere Äußerung mit einem Kuss unterbunden.


Gretchen lachte. „Die Durchgeknallte und der Spießer funktionieren sehr gut, wenn es um Geheimniskrämereien geht.“
„Wenn es darum geht, der Prinzessin eine Überraschung zu bereiten, kann man sich durchaus auf die Durchgeknallte verlassen.“

Seit dem weihnachtlichen Horrorszenario bei Jo war Gretchens Freundin für ihn „die Durchgeknallte“. Sprachen die beiden Frauen über Gretchens Lebensgefährtin, war er für Jo nur „der Spießer“. Ihm hatte sie auch die Schuld daran gegeben, dass eine ordentliche Party am Samstagabend ausfallen musste.

„Einen Brunch in eurem Garten? Spinnst Du? Wir könnten richtig abtanzen gehen. Mensch, Gretchen, man kann nur alle Jubeljahre mal in seinen Geburtstag reinfeiern. Party... Partyfummel, fummeln und abtanzen... Karneval hattest Du doch auch kein Problem damit.“
„Ich brauche keine Party um zu fummeln“, hatte sie gekichert. „Wir nehmen meinen Geburtstag als Anlass für die längst fällige Einweihungsparty. Ein Brunch ist eben für alle Altersgruppen geeignet.“
„Außer für Frauen, die 33 werden. Gretchen, bist Du wirklich so spießig geworden?“ Jo konnte es nicht fassen. „Du wirst 33, nicht 53!“
„Bisher hatte ich nicht den Platz, so zu feiern wie ich es mag. Da blieb mir nichts anderes übrig als außerhalb zu feiern. Jetzt habe ich die Wahl und mache es so, wie ich es für richtig halte.“
„Oder bist Du schwanger?“
„Ohne Ring am Finger?“
„Ich weiß nicht, wer mehr Spießer ist, Du oder er!“


„Wusstest Du von der Schnitzeljagd?“ Gretchen kicherte und ihr Atem kitzelte über Marcs Brust.
„Ja, aber erst als sie schon alles organisiert hatte. Mir blieb nur, die Schnitzel zu bestellen. Die sie eigentlich in roher Form wollte, aber das war mir zu schade ums Fleisch. Bei dem Wetter will kein rohes Schnitzel lange durch die Gegend getragen werden. Naja, ich hätte mit so einer verrückten Idee rechnen müssen...“

„Ich soll Gretchen entführen? Von ihrer eigenen Party? Reden wir über eine Geburtstagsparty oder schon von einer Hochzeit? Dann ist Gretchen doch schwanger?“ Marcs entgeistertes Gesicht brachte Jo noch Tage später zum Schmunzeln. Denn eigentlich konnte sie den Mann an Gretchens Seite mittlerweile gut leiden. Er war absolut nicht ihr Typ, musste er aber auch nicht. Hauptsache, ihre Freundin war glücklich. Und dass er Gretchen wirklich liebte, war nicht zu übersehen. Erst recht nicht, als Marc sie schließlich einweihte, warum Jo die Ärztin von ihrer eigenen Party entführen sollte.

„Mich wundert es echt, dass Du nicht Lunte gerochen hast. Normalerweise hast Du für Geheimnisse doch einen sechsten Sinn.“
„Der hat mich Karneval schon verlassen. Aber ehrlichgesagt – für solche Überraschungen verzichte ich gerne darauf.“

Gut gelaunte Menschen kehrten gackernd und schnatternd von einer unterhaltsamen Schnitzeljagd zurück. Auch das Geburtstagskind lachte und feixte, mit ihrer Aktion hatte Jo ins Schwarze geroffen. Soviel stand fest. Alle Beteiligten hatten einen riesen Spaß gehabt, Kinder wie Erwachsene jeder Altersgruppe – selbst das betagte Ehepaar Müller von nebenan hatte sich mit auf Schnitzeljagd begeben. Nun hatte das Spiel die Menschen zusammengebracht, Nachbarn unterhielten sich mit Praxiskollegen, Kölner lachten mit Berlinern, kurzum die Stimmung war eine Ausgelassene. Nur Marc hatte sich absolut nicht überreden lassen wollen. „Jetzt könntest Du Jo beweisen, dass Du kein Spießer bist.“
„Ach Hasenzahn, der Durchgeknallten muss ich gar nichts beweisen. Außerdem – einer muss sich ja um die Gäste kümmern - Deine Gäste.“


„Wer hat sich denn eigentlich um die Gäste gekümmert, als Du Deine Gastgeberpflichten verletzt hast?“
„Dein Geburtstag, Deine Gäste. Die Gäste, die ich eingeladen habe, um die habe ich mich auch gekümmert. Vom Flughafen bis hier hin.“
„Ich dachte echt, ich falle um vor Schreck. Weißt Du, dass Du das Beste in meinem Leben bist? Das war einer der schönsten Tage meines Lebens.“ Sie hauchte einen Kuss auf die nackte Haut und streichelte anschließend mit der Hand darüber. „Wirklich, Marc. Ich habe mir schon lange gewünscht, Roula und Martin wiederzusehen. Und natürlich die kleine Greta kennenzulernen.“

Übermütig lief Gretchen durch den Garten. Marc drehte ihr den Rücken zu, war mit dem Familienvater aus dem größten Haus der Hofanlage in ein Gespräch vertieft. Plötzlich schlang jemand die Arme von hinten um ihn. Erschreckt quietschte die Ärztin auf, als Ihre Hände in irgendwas Unbekanntes, das aufgrund der plötzlichen Berührung ebenfalls sofort losbrüllte, griffen.
Auch der Chirurg erschrak, fing sich jedoch schnell. Als er sich grinsend zu seiner Herzensdame umdrehte, erstarrte diese. Marc hatte ein Baby auf dem Arm. Noch dazu ein Dunkelhäutiges. Das ihr irgendwie bekannt vorkam.
„Mund zu, Hasenzahn, Du weißt doch, dass es hier viele Fliegen gibt.“
„Äh, das ist ein Kind?“
„Echt? Das hätte ich jetzt nicht gedacht.“
„Marc, verarsch mich nicht, wessen Kind ist das?“

Sein Blick ging an ihr vorbei und das Grinsen wurde breiter, die Grübchen tiefer. „Meins jedenfalls nicht, wenn Du das gerade befürchten solltest.“
„Haha!“

Hinter ihr räusperte sich jemand und aus den Augenwinkeln sah Gretchen etwas, das nicht sein konnte. Doch sie irrte nicht, da standen ihre afrikanische Freundin und deren Mann Martin. Beide grinsten von einem Ohr bis zum anderen.
„Und Du bist also die Greta.“ Deswegen war ihr das Kind auf Marcs Arm bekannt vorgekommen. Die stolzen und glücklichen Eltern geizten nicht mit Fotos, die regelmäßig gemailt wurden. „Ich bin die Margarete. Gretchen.“


„Baobab.“ Gretchen kicherte und kniff Marc in die Brust. „Jetzt habe ich zwei.“ Von den Baobabs, die sie Marc seinerzeit geschenkt hatte, hatte keiner überlebt. Wie auch. Sie gehörten nach Afrika, nicht in eine deutsche Großstadt.
„Mit dem Unterschied, dass ich anpassungsfähiger bin als das Grünzeug.“
„Ach ja?“
„Du glaubst mir nicht?“
„Nö.“
„Hasenzahn, Hasenzahn. Dann werde ich Dir wohl mal zeigen, wie gut ich mich an Dich anpassen kann!“ Nur eine Millisekunde später war er über ihr. Ihre Lippen verschmolzen und Gretchen war froh, bereits zu liegen. Sonst wäre sie bestimmt mit weichen Knien zu Boden gegangen.
Wenig später verschmolzen auch die Körper des Paares, perfekt an einander angepasst und bedingungslos auf einander eingestellt. Für Gretchen war es das perfekte Ende eines perfekten Tages.
Noch ahnte sie nicht, dass ihr Liebster noch eine weitere Überraschung bereithielt. Oder eher zurückhielt. Auch wenn er wusste, dass seine Prinzessin sich über einen solchen Liebesbeweis unbändig freuen würde, zögerte er. Er selbst war das Problem. Verfluchte Unsicherheit.

Das ist das einzige, was ich noch tun kann. Dich verunsichern. Schließlich hast Du Dich selbst und freiwillig für die Entmannung entschieden.
Gib ihn ihr. Du liebst es doch, ihre Augen leuchten zu sehen.


Vorsichtig glitt die feinfühlige Chirurgenhand unter das Kopfkissen, suchte einen Moment und fand. Sein Herz fing an zu flattern und Gretchen spürte es. Sah ihn durch die Dunkelheit fragend an. Flüsterte. „Marc, was ist?“
Seine Brust hob und senkte sich ein paarmal, dann holte der Chirurg einmal tief Luft. Seine Stimme zitterte. „Gretchen, ich hab noch was für Dich...“

Ja!
Nein!


„Marc...“ Aufgeregt fuhren ihre Finger über das viereckige Präsent. „Du bist verrückt...“
„Ja, Prinzessin. Nach Dir. Das war schon immer so und es wird so bleiben. Immer.“
Neugierig setzte sie sich auf. „Machst Du mal bitte das Licht an?“

Karo Offline

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Beiträge: 561

19.05.2018 10:49
#2 RE: Schnitzeljagd und andere Überraschungen - Gretchens 33. Geburtstag Zitat · antworten

Hallo Gretchen!

Der erste Schritt ist immer der Schwerste. Beim Briefeschreiben ist es so, gescheitert wird gleich zu Beginn. Ich weiß überhaupt nicht, wie ich anfangen soll. Mein Herz möchte mit „Meine Liebste“ anfangen, Mein Kopf mit „Hasenzahn“. Einigung auf „Hallo Gretchen“. Unverfänglich.
Ist es überhaupt wichtig? Sagst Du nicht immer, das „Dass“ zählt mehr als das „Wie“? Ich kann es nur hoffen, sonst gibt es irgendwann kein Papier mehr, nur weil Marc Meier versucht, einen Brief zu schreiben. Sei Dir sicher, es scheitert nicht am wollen. Ich kann es einfach nicht. Auch die Karte im letzten Jahr hat mich angestrengt – der erste Schritt, aus dem eine Lebenswanderung geworden ist. Und aus uns – Lebensgefährten. Ich mag dieses Wort.

Natürlich habe ich es nachgeschlagen. Als Synonym für Gefährten gefallen mir besonders „Vertraute“, „Verbündete“, „Freunde“ und „Partner“. Das alles bist Du für mich. Niemand kennt mich so gut wie Du – es macht mir nichts (mehr) aus. Ich vertraue Dir und kann mich Dir anvertrauen. Vielleicht fühle ich mich deswegen bei und mit Dir so sicher. Das war schon so, als wir das erste Mal zusammen waren. Ich habe mich bei Dir wohl gefühlt. Andersherum – nicht bei Dir zu sein hat mir Angst gemacht, mich irgendwann zerrissen.

Dass ich uns ausgerechnet an Deinem 31. Geburtstag zerrissen habe, es tut mir bis heute Leid. Auch wenn ich glaube, dass uns die Zeit gut getan hat. Sie war wichtig für uns, dass wir „wir“ werden. Jeder für sich. Und seit einem halben Jahr sind wir nun zusammen wir.

Es fühlt sich gut an. Mit Dir. Mit unserem Haus. Auch wenn sich andere über unser Tempo wundern. Du weißt, andere waren mir immer egal. Über 30 Jahre stand ich bei mir an erster Stelle, jetzt gehört die Pole Position meines Lebens Dir. Eigentlich uns. Weil Du mich nicht verdrängst, sondern ergänzt. Mich vollständig machst. Und mich glücklich machst.

Als Synonyme für Gefährtin genannt werden übrigens auch „Angebetete“, „Auserwählte“, „Bettgenossin“, „Geliebte“, und „Gespielin“. Auch „Herzblatt“, „Liebling“ und „Schatz“, auch wenn ich diese Begriffe nie selbst benutzen würde, ja, das alles bist Du. Bettgenossin... kommt Genossin eigentlich von genießen?

Ich schreibe ganz schönen Mist, oder? Aber ich habe Dich gewarnt - ich kann keine Briefe schreiben. Bevor also auch dieser Versuch als Papierkugel in meiner Schreibtischschublade landet – Du darfst sie Dir übrigens gerne holen – schnell zurück zu den Synonymen. „Appendix“ – logisch, im Sinne von „Anhang“.

Als Mediziner katapultiert es mich sofort in den OP in eine der am wenigsten attraktiven Eingriffe. Oder sagen wir so: Das Attraktivste an einer Appendektomie ist die Ärztin, die es als einzige geschafft hat, schneller zu sein als ich: Mein Hasenzahn. Meine Prinzessin. Meine Lebensgefährtin. Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute für das neue Lebensjahr. Ich freue mich darauf und will versuchen, es zu einem guten Jahr zu machen. Ich glaube, mit Deiner Geburtstagsüberraschung bin ich auf einem guten Weg.

Der Weg mit Dir ist hoffentlich sehr lang!

Marc. Lebensgefährte.

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