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Dieses Thema hat 17 Antworten
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Choconussa Offline

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Beiträge: 330

25.03.2016 00:03
Choconussa's Feiertagsspecials Zitat · antworten

Halli Hallo und Hallöchen ,


Karfreitag GB - GBPicsOnline

Ich wünsche euch allen ein wunderschönen Karfreitag und ein ruhiges und entspanntes Osterwochenende.

Hier werden dann ab jetzt, Spezials zu Feiertagen kommen, wenn mir danach ist welche zu schreiben auch mal zwischendurch .

Fall ihr was loswerden möchtet , wie immer Kommentare zur Story von Choconussa


Ganz liebe Grüße

Euer Schokonüsschen (◠) ( ˘ ³˘)

Choconussa Offline

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Beiträge: 330

25.03.2016 00:07
#2 RE: Choconussa's Feiertagsspecials Zitat · antworten

KARFREITAG


Also, wenn ich mir Zeit lasse, dann brauche ich bestimmt so meine fünf Stunden, um die Niere zu transplantieren. Ich mein, ich muss ja ordentlich schauen was ich mache und ob auch alles richtig angeklemmt und abgeklemmt ist. Vielleicht finde ich ja auch noch was anderes was ich aufräumen kann, Hauptsache ich muss heute nicht zu lang mit Marc zusammen arbeiten, dachte sie, während sie sich steril wusch.

Sie machte heute allein eine Nierentransplantation. Reine Routine, mittlerweile. Ihre Assistenten warteten schon und auch Sabine sah so aus, als würde sie schon seit einiger Zeit im OP stehen.

Vier Jahre war sie nun ausgebildete Chirurgin. Vier Jahre Oberärztin. Vier Jahre... Und doch war sie noch immer unter der Fuchtel von Marc Meier. Was ihr Vater sich dabei gedacht hatte, ihn zum Chefarzt zu machen, verstand sie allerdings noch immer nicht.

Dieser Mann, würde sich wohl nie ändern. Seine Gemeinheiten waren nicht weniger geworden, er war nicht netter geworden.. Na ja.. Okay.. Manchmal konnte er ganz nett sein. Wenn sie allein waren. Aber leider, waren sie das durch ihre viele Arbeit nicht oft. Auch wenn sie nun schon seit zwei Jahren zusammen lebten.

Manchmal war es wirklich zum Mäusemelken. Auch an diesem Wochenende, würden sie mehr arbeiten wie viele andere und zu ihrem eigenen Ärger, war sie auch noch schuld daran.

Sie hatte Marc dazu überredet, den Kollegen die Familie hatten, frei zu geben an diesem Osterwochenende. Frau Doktor Hassmann würde fehlen, Mehdi wollte nach Saarbrücken um seine Tochter zu besuchen, Knechtelsdorfer hatte Maria angebettelt um auch frei zu bekommen und viele andere Ärzte und auch Schwestern, würden fehlen. So hatte Marc gesagt, sie würden die Dienste übernehmen und so viel schaffen wie irgendwie möglich. Immerhin seien sie Vorbilder. Pah! Er suchte doch nur einen Grund um nicht zum Essen bei ihren Eltern oder seiner Mutter auf zu kreuzen.


Was ein gerissener Arsch.


Als ob das noch nicht genug wäre, machte er sich natürlich wieder über ihren Namen lustig. Osterhaase, hieß sie nun seit einer Woche.

Da war ihr Hasenzahn doch lieber. Ob sie denn schon angefangen hätte, Eier anzumalen und zu verstecken.


Unglaublich.


Damit nervte er sie, wann immer er sie sah. Und sie sahen sich ziemlich oft.

Deswegen war der OP zur Zeit auch ihr liebster Ort. Hier hatte sie ihre Ruhe vor ihm, doch eine Nierentransplantation, nahm nie so viel Zeit ein, dass es sich lohnen würde durchzuatmen. Denn wie bereits erwähnt, es war reine Routine.


So saß sie keine Dreiviertelstunde später auch wieder im Schwesternzimmer und brütete über einigen Akten. Die Stille zwischendurch, war einfach herrlich, auch wenn es nur mit dieser quälenden Arbeit ging. Marc würde sich auch in hundert Jahren nicht dazu herab lassen, die Akten zu bearbeiten. Er hatte da zum einen seine Sekretärin für und zum anderen, sie und Schwester Sabine.

Besagter Sklaventreiber kam sogleich mit einer Akte in der einen Hand und dem Telefon am Ohr in der anderen, in den Raum und motze in gewohnter Manier herum: „Das ist mir scheißegal Sabine! Sie bewegen jetzt SOFORT ihren Arsch hier hoch und suchen mir verdammt nochmal die fehlenden Papiere für die Akte von dem Patienten zusammen!... Ihr Mann ist erwachsen der wird ja wohl in der Lage dazu sein sich selbst ein Brot zu schmieren“, mit diesen Worten war das Gespräch für ihn anscheinend erledigt denn er legte einfach auch und wand sich an seine Kollegin/Freundin, „Wie der es schafft überhaupt allein zu atmen, bleibt mir ein Rätsel. Und Du, Madam Osterhaase? Wieder ein paar Pfunde drauflegen oder warum sitzt Du Dir hier Deinen Arsch platt, mit Schokolade am Mund, anstatt durch die Gänge zu rollen und Dein Personal mal zu bändigen?“

Das war ja wohl eine bodenlose Frechheit!

„Mein lieber Marc“, fing sie mit süffisantem Lächeln an, doch wurde ihre Stimme bald äußerst gereizt und ungehalten, „Ich sitze mir hier nicht meinen Hintern platt!! Ich erledige, zusätzlich zu meiner Arbeit und Aktenführung, auch noch Deine, weil Du anscheinend dazu nicht in der Lage bist, obwohl auch Du bereits ein Erwachsener Mann bist. Was man manches Mal durchaus in Frage stellen darf! Zudem pflege ich ein anderes Verhältnis zu den Angestellten wie Du, weshalb auch alle immer zu mir kommen wenn es irgendwo Probleme gibt.“

„Die müssen Dir ja auch nur ne Tafel Schokolade mitbringen und schon liegst Du denen zu Füßen“, verdrehte er die Augen während er sich neben sie setzte und einen Blick in die Akten warf, die sie bearbeitete.

„Och Marc.. Du musst nicht beleidigt sein, nur weil man mich hier mehr mag wie Dich“, grinste sie ihn frech an.

„Mhmm Du mich auch Frau Osterhaase“, erwiderte er nur gelangweilt und ohne von den Akten aufzusehen, „Die Akte von Frau Hüller muss nochmal überarbeitet werden. Ich Frag mich wer die Kurve geschrieben hat. Das kann man ja gar nicht entziffern.“

„Das warst Du mein lieber! Und Du hast recht, man kann es kaum entziffern, weswegen ich es auch einfach so gelassen habe wie es ist. Ich kann ja nicht einfach irgendwas schreiben.“

„Gut! Du hast ja eh noch ein bisschen was für Deine 'Osterfeier' zu tun. Nehm den Scheiß mit nach Hause, da hast Du dann genug Zeit um die Schrift zu entziffern“, sagte er stand auf und wollte schon aus dem Raum verschwinden, als er sich noch einmal zu ihr umdrehte, „Und bitte... Versuch nicht wieder zu kochen, ja? Ich bestell uns nachher was.“

Während Gretchen kopfschüttelnd im Schwesternzimmer zurück blieb, machte Marc sich daran schnell in sein Büro zu kommen, von welchem aus er, gute Sicht auf die Parkplätze hatte. Er musste ganz sicher sein, dass Gretchen nicht mehr im Krankenhaus war, damit das was er sich vorgenommen hatte, auch reibungslos funktionierte. Es wäre doch einfach wirklich zu schade drum, wenn etwas schief laufen würde.

Als er in seinem Büro ankam, schloss er sie Tür und überprüfte noch drei Mal ob er auch wirklich abgeschlossen hatte, ehe er zum Fenster lief, um zu schauen wann sie sich aus dem Staub machte. Wie er vermutete hatte stand ihr Wagen, ein kleiner grüner Smart, noch immer an Ort und Stelle. Das sie aber auch immer so lange brauchte um ihren Hintern aus der Klinik zu bewegen. Marc war schon drauf und dran noch mal zur Station zu eilen, als er den Blondschopf auch schon sah. Sie kramte umständlich in ihrer Handtasche herum, vermutlich auf der Suche nach dem Schlüssel. Weitere fünf Minuten vergingen, bis sie endlich losfuhr und auf den Straßen Berlins verschwand.

Grinsend wandte Marc sich ab, zog den Kittel aus und sagte laut: „Sie ist weg! Kannst raus kommen.“

Selbstgefällig ließ er sich auf den Bürostuhl nieder und sah in freudiger Erwartung auf die Uhr.

„Und nun kommen wir zu meinem Lieblingsteil“, schmunzelte er.

Choconussa Offline

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Beiträge: 330

26.03.2016 00:00
#3 RE: Choconussa's Feiertagsspecials Zitat · antworten

KARSAMSTAG


„Um das nur nochmal klar zustellen; die Idee gefällt mir absolut gar nicht“, merkte ein überaus verunsichert wirkender Gynäkologe am nächsten Tag an und tippte ungeduldig auf der Verkaufstheke herum, „Kannst Du die Sache nicht normal angehen so wie alle anderen auch?“

„Ich bin nicht wie alle anderen und wenn Dir der Plan nicht gefällt hättest Du mir ihr Tagebuch halt nicht bringen dürfen“, zuckte der beste Freund nur mit den Schultern.

Ein halbes Jahr ging er dieses Szenario nun immer und immer wieder durch, jetzt einen Rückzieher zu machen, kam für ihn gar nicht in Frage.

„An Ostern versteckt man Ostereier und keine...“

„Überraschungseier?“, unterbrach Marc ihn und hielt das innere, gelbe Ei eines Ü-Ei's hoch.

Dieser Mann war doch wirklich ein Kindskopf. Mehdi hatte durchaus seine Zweifel, ob das, was sich der Chirurg vorgenommen hatte, auch wirklich so funktionierte...


Während man sich irgendwo in Berlin herumtrieb und die morgige Tagesgestaltung noch einmal Minute für Minute durchging, suchte sich eine leicht gereizte Chirurgin dumm und dämlich.

„Schwester Sabine? Haben Sie Doktor Meier gesehen?“, Gretchen war leicht, aber wirklich nur leicht außer sich. Seit einer Stunde war er auf und davon, anscheinend der Ansicht, niemanden über seinen Verbleib in Kenntnis setzen zu müssen. Es war ja wirklich nicht so das er Chefarzt in dieser Klinik war und hin und wieder mal eine Chefvisite anstand... Nein! Dieser Mann war ein Gott und konnte natürlich kommen und gehen wie es ihm beliebte. Na wenn sie den in die Finger bekam!

„Nein habe ich nicht. Was ist denn los Frau Doktor?“, Sabine stand sofort besorgt auf und ließ sogar den neuen Rogelt an Ort und Stelle liegen, „Sie sind ja ganz durch den Wind. Soll ich Ihnen einen Tee kochen?“

„Danke Sabine, aber nein danke! Piepen sie mich einfach nur an wenn Doktor Meier hier irgendwann mal wieder aufkreuzt“, sagte sie und lief wieder los, wohl in der Hoffnung ihren Lebensabschnittsgefährten irgendwo in die Arme zu laufen.

Es war doch einfach ein unfassbares Talent von ihm, sie fünf einhalb Jahre später, noch immer so auf die Palme zu bringen. Dabei dachte sie, er wäre in der Zwischenzeit mal ein wenig reifer geworden. Er übernahm Verantwortung... Wenn auch nur halbherzig, aber er gab sich Mühe und heute, vergaß er mal wieder, dass er nun mal Verantwortung hatte und sich nicht einfach ohne Ankündigung aus dem Staub machen konnte. Da musste er sich aber was ordentliches einfallen lassen, damit sie nicht mehr sauer auf ihn war.

Das bekam er dann auch zu spüren, als er zwei Stunden später die Chirurgie betrat...

„MARC!“, tönte es gereizt durch die Gänge und ein blonder Wirbelwind kam auf ihn zu gestampft. Man sah, hörte und spürte, dass sie mehr als sauer war und ein Blick auf die Uhr, sagte ihm auch gleich warum. Doch bevor er auch nur einen Ton sagen konnte, ging Gretchen auf Konfrontation. „Marc Olivier Meier! Wie kannst Du es Dich wagen Dich so einfach aus dem Staub zu machen? Weißt Du eigentlich wie dämlich ich hier vorhin stand als die Chefvisite anfangen sollte und kein Chef da war? Die Kollegen und Assistenten haben mich angesehen als wäre ich der letzte Vollidiot auf der Welt! Was sollte das und wo um Gottes Willen warst Du bitte so lange?“ Sie war knallrot angelaufen. Schon lange hatte sie ihn nicht mehr so angeschrien, schon mal gar nicht auf der Arbeit. Eigentlich wartete sie darauf immer, bis die beiden zu Hause waren. Doch heute, hatte er das Fass eindeutig zum überlaufen gebracht...

„Ich finde es auch wunderschön Dich zu sehen mein kleiner Teufel“, versuchte Marc es erst einmal mit einschleimen. Ihrem Blick nach zu urteilen, verfehlte dies aber seine Wirkung, denn sie tötete ihn noch immer mit ihren ozeanblauen Augen. Wenn er auch nur eine Sekunde zu lang hinein sah, würde er wahrscheinlich wirklich darin ertrinken. „Hör zu, SCHATZ, ich hatte noch was wichtiges zu erledigen..... Da kannst Du auch gern Mehdi fragen, der war dabei.“

„Mehdi?“, fragte sie verwirrt und vergaß dabei vollkommen auf den Kosenamen einzugehen, den sie sonst nur hörte, wenn er Fußball schauen wollte, „Was macht der denn bitte noch in Berlin? Sollte der nicht eigentlich schon auf dem Weg nach Saarbrücken sein?“

„Ja eigentlich schon“, meinte er und legte seinen Arm um ihre Hüfte um mit ihr den Gang entlang zu seinem Büro zu laufen, „Lilly und Anna kommen hier her. Also, weil.. ja..weil..“

„Weil WAS Marc? Ich kann nicht in Deinen Kopf hinein schauen!“

Dafür war er auch überaus dankbar, sonst wäre er angeschmiert. Wenn sie in seinen Kopf schauen würde, wüsste sie von den Dingen die er hinter ihrem Rücken machte.. Mal ganz zu schweigen davon, dass sie von jedem "Ich liebe Dich" wüsste, was ihm beinahe über die Lippen gekommen wäre und das waren nicht wenige. Wirklich gesagt hatte er es ihr nur zwei Mal und wenn es nach ihm ginge, würde das verdammt nochmal auch so bleiben. Er liebte sie. Das wusste er, das wusste sie, seine Mutter, ihre Eltern, das halbe Krankenhaus und so wie er sein Glück kannte, hatte Hasenzahn eine Schlagzeile raus gegeben. War ja wohl mehr als genug!

„Du, keine Ahnung. Ruf ihn doch einfach an und frag nach. Da kannst Du dann auch gleich Deine Frauengespräche und Deinen Drang nach Kommunikation stillen. Eigentlich dachte ich ja das Du dafür zum Frisör gehst, aber wenn ich mir Deine Haare so anschaue, wohl eher nicht!“, maulte er gleich drauf los um sie möglichst schnell wieder loszuwerden. Sie durfte einfach nicht sehen was in seinem Büro war! Dafür würde er sie zur Not auch verletzen. Ja es war gemein, aber... Sie kannte ihn doch nicht anders.

„Boar! Du gehst mir mit Deiner Launenhaftigkeit wirklich auf den Sender Marc! Manchmal könnte man echt meinen Du wärst schwanger. Seh zu das Du Deinen Arsch zur Visite bewegst, die anderen haben schon seit einer halben Stunde Dienstschluss und ich würde es sehr begrüßen wenn sie denn dann auch mal gehen könnten“, sagte sie gereizt und ging, nicht minder gereizt, zurück in ihr Büro. Wahrscheinlich um sie eine Tafel, oder zwei, Schokolade zu gönnen um wieder runter zukommen.

Na ja.. Das war ihm immer noch lieber, als wenn sie sich wie eine Furie auf ihn stürzen würde um ihn mit Fragen zu bombardieren. Morgen war es dann mit der Geheimniskrämerei endlich vorbei und danach würde sie ihm eh keine Fragen mehr stellen. Heulen! Das war das was sie tun würde.

Und irgendwo tat es ihm unendlich leid... Mal wieder!

Choconussa Offline

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Beiträge: 330

27.03.2016 00:00
#4 RE: Choconussa's Feiertagsspecials Zitat · antworten

OSTERSONNTAG

Ich wünsche euch ein wunderschönes Osterfest



Doch hätte man ihm am Ostersonntag, direkt nach dem aufstehen gefragt ob er sich das denn auch alles gut überlegt hatte.. Er hätte glatt mit NEIN geantwortet.

In den knappen sechs Jahren in denen sie nun zusammen waren, war es erst drei Mal vorgekommen, dass Gretchen vor ihm aufstand. Einmal, weil sie sich einen Magen-Darm-Infekt eingefangen hatte und eiligst ins Bad verschwinden musste. Das andere Mal, weil seine Mutter vor der Tür Sturm geschellt hatte und er sich die Mühe einfach nicht machte aufzustehen und ein anderes Mal, weil sie hunger bekommen hatte. Das war für ihn ein Highlight gewesen und sofort hatte er sich darauf gestürzt und sie die ganze Woche damit getriezt.

Dabei war der gestrige Abend relativ gut verlaufen, wenn man bedenkt, dass sie stinksauer auf ihn gewesen war. Sie hatten in einem mehr oder weniger günstigen Restaurant zu Abend gegessen, zu Hause einen Film angeschaut und Marc, hatte sich von seiner besten Seite gezeigt. Kuscheln, knutschen und Sex, waren das Resultat...

Tja und heute? Heute war mal wieder ein Tag an dem Gretchen vor ihm aufstand und das aus einem ganz besonderen Grund: Sie hatte einfach das Gefühl, dass etwas fehlte.

„Was soll denn bitte fehlen Hasenzahn?“, fragte er gähnend und hob die Decke ein Stück an, damit sie wieder ins Bett kam. Für ihn war es eindeutig noch viel zu früh um aufzustehen.

„Was weiß ich denn bitte was fehlt Marc? Ich hab einfach das Gefühl das etwas fehlt und wenn ich mich umschaue werde ich sicherlich finden, wonach ich suche. Du kannst ja noch ein bisschen weiter schlafen, ich weck Dich dann nachher!“

Das war doch mal eine Idee! Was sie dabei aber nicht bedachte war, das Marc nicht mehr schlafen konnte, wenn sie nicht im Bett lag und nebenbei auch noch die Wohnung auf den Kopf stellte. Stöhnend ließ er seinen Kopf ins Kissen fallen und rieb sich mit den Händen durchs Gesicht. Das war ja mal ein toller Morgen. Zum einen, so gar nicht nach seinem Geschmack und zum anderen, nicht wie eigentlich geplant. Mürrisch stand er auf und watschelte in die Küche um sich einen Kaffee und seiner Liebsten einen Kakao zu machen.

Gerade als er die Milch wieder in den Kühlschrank stellte, rief Gretchen aus dem Schlafzimmer: „WO IST MEIN TAGEBUCH???“

Wo war nochmal die Nummer von Amnesty-International? Wenn sie nämlich mit ihm fertig war, würde er die ganz sicher brauchen... Oder den Notruf, aber das konnte man später abwiegen. Er bekam gar nicht richtig mit, das sie bereits in der Tür stand und wahrscheinlich eine Antwort von ihm erwartete.

„Marc! Ich hab Dich was gefragt.. Wo ist verdammt nochmal mein Tagebuch?“

„Was weiß ich denn? Vielleicht im Krankenhaus, bei Deinen Eltern?“, zuckte er mit den Schultern.

Und.. Oh welch ein Wunder.. Damit schien sie sich erst einmal zufrieden zu geben, denn sie drehte sich auf dem Absatz um und griff nach dem Telefon um ihre Eltern anzurufen. Für ihn die Möglichkeit zur Flucht und um sich eine gute Ausrede einfallen zu lassen.

„Ich bin dann mal unter der Dusche“, flüsterte er ihr schnell zu, drückte ihr einen Kuss auf die Wange und verschwand. Was sollte er denn jetzt bitte schön machen? Seit Freitag hatte er dieses dämliche Tagebuch nun schon und ausgerechnet heute fiel ihr auf das es nicht da war wo es hingehörte. War doch wirklich zum Mäusemelken.

Er hörte wie Gretchen aufgeregt in den Schränken wühlte und panisch mit jemandem, wahrscheinlich ihrer Mutter, sprach: „Nein ich hab es hier noch nicht gefunden.. Ja.. ja.. Könntest Du bitte einfach mal nachsehen? Mir ist schon klar das ich schon länger nicht mehr bei euch war, ich hab aber auch schon länger nicht mehr in mein Tagebuch geschrieben... Ja, weil ich arbeite vielleicht? Außerdem kann ich auch mit Marc über meine Probleme reden, eigentlich bräuchte ich es ja gar nicht mehr... Ja.. Ja gut.. Rufst Du an und gibst mir bescheid? Okay.. Danke Mama...“


Eine Dreiviertelstunde später, saß Marc auf seinem Sofa und schrieb eine Mail an Mehdi. Er konnte nur hoffen das niemand sein Versteck gefunden hatte, oder finden würde bevor Gretchen es fand. Die war noch immer damit beschäftigt die Wohnung auseinander zu nehmen.

„Mein Gott Hasenzahn! Es ist hier doch nicht. Warte doch einfach bis wir in der Klinik sind, da kannst Du dann noch mal ordentlich nachschauen!“, rief er verärgert in Richtung Arbeitszimmer. Die Frau brachte ihm die ganze Tagesplanung durcheinander. Vielleicht hätte er es doch einfach so machen sollen wie alle anderen auch.... Und wenn er es vor ihr in die Klinik schaffen würde, hätte er auch noch alle Zeit der Welt um das Tagebuch wieder in ihren Spind zu legen, wo es zwar vorher nicht lag, aber das war egal. Schnell schloss er seinen Laptop, stand auf, schnappte sich seine Jacke und ging langsam ins Arbeitszimmer.

„Du, ich wollte mal ein bisschen früher in der Klinik sein. Kommst Du direkt mit oder kommst Du später nach?“, er hoffte wirklich sehr auf die richtige Antwort, denn wenn sie nun sofort mitkommen würde, wäre alles dahin.

„Fahr schon mal. Ich schau gleich noch schnell in der Küche, vielleicht finde ich es ja da“, sagte sie und gab ihm einen kurzen, für ihn sogar zu kurzen, Kuss.

Kaum war er aus der Tür raus, griff Gretchen noch einmal zum Telefon...

„Hallo Schwester Sabine, Haase hier. Könnten Sie mir einen kleinen Gefallen tun? ... Das ist super! Hören Sie, wenn Doktor Meier ins Krankenhaus kommt, dürfen Sie ihn nicht aus den Augen lassen... Das erzähle ich Ihnen dann wenn ich da bin...“, irgendwie wurde sie das Gefühl nicht los, das hier etwas gewaltig faul war und Marc damit ganz sicher etwas zu tun hatte...

Choconussa Offline

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27.03.2016 00:08
#5 RE: Choconussa's Feiertagsspecials Zitat · antworten

OSTERSONNTAG



Sabine setzte ihre Mission sogleich in die Tat um und folgte dem Chirurgen auf Schritt und tritt. Möglichst leise und ohne aufzufallen. Sie fragte sich wirklich warum sie das hier machen sollte und die Tatsache das Marc sich immer mal wieder umsah machte das ganze Unterfangen auch nicht wirklich einfacher. Plötzlich kam Doktor Kaan hinzu und die beiden flüsterten. Was, das konnte sie nicht richtig verstehen...

„Ich hab dir doch gesagt die Idee ist scheiße. Warum kannst du nicht einmal auf mich hören?“, wisperte Mehdi seinem besten Freund zu und der hatte Schwierigkeiten damit auch ruhig zu bleiben. „MENSCH MEHDI! Bis heute Morgen lief doch alles glatt. Wer konnte denn damit rechnen, dass Frau Neunmalklug, gerade heute ihr Tagebuch braucht. Sagt sie doch noch zu ihrer Mutter das sie es eigentlich nicht mehr bräuchte weil sie ja mich hat.. Pff..“

„Eigentlich braucht sie es auch nicht mehr, denn sie hat dich. Auch wenn ich mir noch nicht so wirklich vorstellen kann, wie du mit ihr über ihre Probleme redest. Der Punkt ist allerdings, dort in diesem Buch, stehen Sachen die niemanden was angehen. Was meinst du wohl was passiert wenn jemand wie Gabi es in die Finger bekommen würde?“, klärte der Gynäkologe auf. Marc ging es gewaltig gegen den Strich das er wohl recht hatte mit seiner Vermutung. Also beschleunigte er seine Schritte in Richtung Pathologie.

Wollte er etwa ihren Mann beschuldigen? Was getan zu haben, war da nur noch die Frage. Doch schon bald sollte sie dem Geheimnis auf die Schliche kommen und sie würde sogleich zur Mitwisserin befördert werden.

Marc lief geradewegs auf eine der Kühlkammern zu und öffnete sie. Kurz kramte er darin herum und zog dann ein rosa Buch aus eben dieser und hielt es Mehdi hin. Der nahm es mit starrer Miene entgegen und Sabine glaubte ihren Augen kaum, doch es kam noch besser.

Der Chirurg öffnete mit leicht zitternden Händen das Ü-Ei und herauspurzelte: „Ein Ring!“, hauchte Sabine, leider zu laut, denn Marc und Mehdi zuckten erschrocken zusammen. „SABINE! Was zum Teufel machen sie hier unten?“, schrie Marc und erzielte sofort die gewünschte Wirkung. Sabine wurde ganz klein und stotterte eine Antwort zusammen: „Also die Frau...die Frau Dok..tor..die..also..die..hat..“

Natürlich war Marc Meier kein Mann der die Geduld mit einer Suppenkelle eingeflößt bekommen hatte: „WAS hat die Frau Doktor? Geht es vielleicht ein bisschen SCHNELLER?“

Das war doch nicht zu fassen. Von allen die ihn sehen konnten, musste es ausgerechnet Sabine sein, die Frau, die kein Geheimnis länger wie fünf Minuten für sich behalten konnte.

„Die Frau Doktor hat mich angerufen und mich gebeten sie zu beschatten. Warum wollte sie mir erst sagen wenn sie hier ist. Jetzt denke ich aber das es was mit diesem Buch dort zu tun hat und ich denke das Sie ihr einen Antra...“

„Gar nichts, will ich! Ist das klar?“, presste er zwischen den Zähnen hervor und lief langsam, aber bedrohlich auf Sabine zu, „Sie haben nichts gesehen. Sie wissen nicht wo ich war. Sonst wird ihnen hier der Arsch auf Grundeis gehen.. IST DAS KLAR?“

„Natürlich Herr Doktor Meier“, flüstere sie eingeschüchtert und den Tränen nahe. Seit ihrer Schwangerschaft kam sie noch weniger damit klar, wie der Herr Doktor mit ihr sprach. Schnell tippelte sie davon, nahm die Treppe anstatt den Aufzug und setzte sich auf der Chirurgie angekommen, traurig an ihren Arbeitsplatz. Das konnte ja was geben wenn die Frau Doktor zur Arbeit erschien.

In der Pathologie hingegen, lief man aufgeregt von links nach rechts, griff sich aufgewühlt in die Haare und fluchte leise vor sich hin. Mehdi, der sich eigentlich hier unten immer sehr unwohl fühlte, war ungewohnt amüsiert. Grinsend sah er Marc dabei zu wie er von der einen zur anderen Ecke lief und wartete auf ein Donnerwetter, oder aber die Frage was er denn nun tun sollte.

„Ich muss auf Station. Wenn Gretchen Sabine fragt wird die nicht lange den Mund halten können. DU“, sagte er laut und mit erhobenem Finger zu Mehdi, „du bringst das Tagebuch in ihren Spind wenn ich es geschafft habe sie zu Schokopudding zu überreden. Sollte ja nicht schwer werden. KEIN WORT zu irgendwem, klar?“

Mehdi hob die Hände und sagte: „Du bist der Boss!“

Ja ein ganz toller Boss war er. Er schaffte es ja noch nicht mal seine Freundin zu überraschen. So wie er es gern hätte. Sie zu ärgern, wütend zu machen, damit es ihr im nächsten Moment die Sprache verschlug. Er wollte das nicht romantisch, mit Kerzen, Rosen und Kniefall machen. Das war verdammt nochmal nicht ER. Klar es würde ihr gefallen, aber ihm nicht. Dabei musste es ihm ja eigentlich auch gar nicht gefallen, sondern ihr... Ihr die da gerade aus dem Aufzug geschritten kam. Dieses unfassbar unverschämte Weib das ihm Sabine auf den Hals gehetzt hatte...Na, vielleicht war sein Plan ja doch noch nicht ganz gestrichen?!

„HASENZAHN!“, brüllte er über den Gang und sein Gretchen blieb augenblicklich stehen und drehte sich zu ihm um. „WAS?“, schrie sie zurück um sogleich zuckersüß, „Olivier...“, anzufügen. Er liebte dieses BIEST! „Mhmm.. Kannst du mir vielleicht erklären, warum Sabine mir nachspioniert?“
Sie stöhnte genervt auf, die sollte sich doch nicht erwischen lassen. Toll! Jetzt wusste sie wohl wieder nicht was hier eigentlich los war. Hätte sie sich mal selbst auf die Socken gemacht...

„Hast du nach meinem Tagebuch geschaut?“, schmollte sie ihn an. Natürlich möglichst süß, damit er vergaß sauer auf sie zu sein. „Äh, nein? Was hab ich denn bitte mit deinen Katzenblöcken zu tun?“ „Na ja. Du stehst am meisten drin?“, zuckte Gretchen mit den Schultern und Marc musste sich eingestehen, dass das durchaus ein Argument war.

Choconussa Offline

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27.03.2016 04:34
#6 RE: Choconussa's Feiertagsspecials Zitat · antworten

OSTERSONNTAG

Wenn man einen arbeitswütigen Chirurgen fragte, was er am meisten an Feiertagen hasste, würde man wohl nur eines zu hören bekommen:

„Mein Gott! Kann sich denn keiner beim Kochen in die Luft jagen?“, maulte Marc herum und ließ sich genervt auf einem der Stühle nieder. Mehdi und Gretchen konnten daraufhin nur die Augen verdrehen. Seit zwei Stunden zickte er nur noch herum, weil nichts zu tun war. Sie hatten zwar Patienten, aber die mussten nicht dauerhaft betreut werden und so saßen sie mehr oder weniger entspannt im Schwesternzimmer und aßen Kuchen, den Bärbel vorbei gebracht hatte.

Ja ein Chirurg litt durchaus an überdurchschnittlicher Langeweile, wenn an einem Feiertag nichts zu tun war. Deswegen bevorzugte er Silvester. Schnapsleichen wohin man nur sah, aufgerissene Körperteile von Unfällen mit den Feuerwerkskörpern und mit viel Glück sogar eine Massenkarambolage auf einer Autobahn. Aber Ostern? Was sollte da schon groß passieren? Es wäre wohl sehr unwahrscheinlich das sich jemand an einem Osterei verschluckte, oder an einem Verlobungsring im Schokopudding.

Gretchen ahnte zum Glück noch nichts, auch wenn Bärbel ihn mehr als eindeutig zu verstehen gegeben hatte, dass sie es nicht entschuldigen würde, wenn er es heute nicht packte. Sabine hatte er daraufhin ins Archiv verbannt, weil sie so ekelhaft strahlende Augen bekam und aufgeregt vor sich hin quickte. Auf die Frage was denn mit ihr los sei, zuckte Marc nur gelangweilt mit den Schultern und meinte: „Schwangerschaftshormone?“

Da niemand Notiz von ihm nahm, fing er an ungeduldig und nervig auf der Tischplatte herumzutippen, mit seinen grazilen Fingern. Mehdi hielt in seiner Bewegung, die Kaffeetasse vom Mund wieder auf den Tisch zu führen inne und auch Gretchen sah gereizt auf die Hand, die dort so einen Lärm machte.

„Marc! Wenn du so weiter machst, bist du hier gleich der Notfall der dringend eine Erstversorgung nötig hat!“, schnauzte die Chirurgin ihren Lebensgefährten drei Minuten später an, weil er sein nervendes Spiel einfach nicht unterbrach. „Mir ist langweilig“, konnte er ihr nur entgegenbringen und zog die Augenbrauen hoch. Stöhnend nahm sie seine Hand in ihre, streichelte sanft darüber und schlug dann einmal mit der flachen Hand darauf. „AUA! Bist du wahnsinnig? Was soll das denn???“ „Jetzt hast du was womit du dich beschäftigen kannst“, griente sie ihn nur zuckersüß an.

Und dieses Monster wollte er zu einer ehrbaren Frau machen? Sie heiraten? Das musste er sich anscheinend doch noch mal stark überlegen, doch als sie sich lachend auf seinen Schoß setzte, ihre Hand seinen Nacken kraulte, sie tief in seine Augen blickte und ihn küsste, waren all die gemeinen Gedanken verschwunden. Er drückte sie lieber fest an sich und erwiderte den Kuss mit so viel Leidenschaft wie er nur aufbringen konnte. Ja diese Frau war die EINE und die wollte er um jeden Preis.

„Was hält meine Zuckerschnute von einem Schokopudding?“, fragte er sie rau.. Moment mal, was hatte er da gerade gesagt? Zuckerschnute? Ihm war doch wirklich nicht mehr zu helfen. Jetzt war er eindeutig weich gespült. Mehdi 2.0 im Körper eines Chirurgen. Na herzlichen Glückwunsch. „Ähm, alles okay bei dir?“, fragte sie ihn, denn so ein Wort aus seinem Mund, wenn andere dabei waren.. Das war neu! „Ja klar! Ich dachte einfach nur du könntest vielleicht ein paar Kalorien vertragen. Siehst so unterzuckert aus. Außerdem ist es echt nicht schön wenn die Haut die nachdem jemand wie du abgenommen hat, einfach so vor sich hin schwabbelt!“

Das war ungelungen... Der Meinung waren wohl auch Mehdi und Gretchen, denn von seinem besten Freund bekam er einen Schlag in den Nacken und von seiner fast Verlobten eine schallende Backpfeife. „Du bist so ein Arsch!“, keifte sie und Marc fand das es noch glimpflich für ihn ausgegangen war.

„Da kann ich ihr nur beipflichten“, stimmte Mehdi ihr zu als sie sauer aus dem Raum gestürmt war, „Meinst du so sagt sie 'Ja'?“

„Pass mal auf du möchtegern Frauenversteher. Dieses Exemplar Frau, ist schon seit der Schule hinter einem solchen Ring her. Sie würde egal was passiert 'Ja' sagen“, war sich Marc seiner sicher. Immerhin liebte sie ihn nun schon über zwanzig Jahre und er hatte schon weitaus gemeinere Dinge getan. Wie zum beispiel, beinahe Gabi heiraten, weil er zu feige war sich einen Fehler einzugestehen.

Choconussa Offline

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27.03.2016 04:46
#7 RE: Choconussa's Feiertagsspecials Zitat · antworten

OSTERSONNTAG

„Verstecken Sie den hier in einem Ihrer vollkommen überzuckerten Schokoladenpuddings. Und machen Sie zügig sonst ist der Zug bald abgefahren“, schnauzte Marc gewohnt unfreundlich herum, endlich in der Lage dazu, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Er war ungewohnt nervös, seine Hände schwitzten. Drei Zigaretten hatte er in der letzten halben Stunde geraucht und er befürchtete er würde noch mehr brauchen um auch wirklich zu fragen, ob sie ihn heiraten wollte. Seine Frau werden wollte. Frau Margarethe Meier. Frau Doktor Meier.

Frau Haase, bald wohl Meier, ahnte noch immer nichts von ihrem Glück. Um ehrlich zu sein verspürte sie zur Zeit viel eher unbändige Wut. Auf mysteriöse Weise war ihr Tagebuch wieder aufgetaucht. In ihrem Spind. Nachdem sie dort heute schon zweimal nachgeschaut hatte und nicht fündig geworden war, war es ganz plötzlich da. Wie konnte das nur sein? Natürlich musste es Marc gewesen sein, aber warum? Um darin zu lesen? Dafür müsste er es ja wohl nicht "klauen"! Er bräuchte sie nur zu fragen...

Das versuchte sie ihm dann auch klar zu machen als sie zusammen in seinem Büro saßen und er ihr, reumütig wie er war, schmollend den Schokopudding unter die Nase gehalten hatte, den sie nun regelrecht verschlang.

„Ich wollte dich halt Überraschen, hab es mir dann aber doch noch mal anders überlegt und ein bisschen umgeplant“, erklärte er ihr und sah ängstlich dabei zu, wie sie ihren Pudding leer schaufelte, „Ess doch mal langsamer Hasenzahn. Herrgott, so ausgehungert kannst du doch gar nicht sein.“

„Bin isch auch nisch“, schmatzte sie, stopfte sich gleich den nächsten Puddingberg in den Mund und schmollte, „Isch bin wirklisch enttäschscht. Isch mein“, sie genehmigte sich noch eine Portion, die sie eilig herunterschluckte, „Wie oft haben wir schon über Vertrauen geredet? Wie soll ich dir denn Vertrauen wenn du mir ewig was verschweigst?“

„Gretchen, bei einer Überraschung geht es nun mal darum, dass der zu Überraschende nichts davon weiß. Da bleibt mir doch nichts anderes übrig wie das alles hinter deinem Rücken zu veranstalten und jetzt iss deinen Pudding, bevor er ranzig wird.“, deutete er auf die Schüssel doch die war.. Leer! Sie hatte doch wohl nicht.....

„Gretchen? Warum ist die Schale leer?“, fragte er panisch und sie versuchte sich mit den Worten, „Ich hatte halt hunger. Immer wenn ich emotional aufgewühlt bin, bekomme ich so einen Heißhunger...“, zu verteidigen. Doch irgendwie war das nicht das was Marc hören wollte, denn er ging hoch wie eine Rakete und verwunderte sie mit seinem Verhalten.

„Ooooooar GRETCHEN!“, stieß er scharf hervor, „Da war deine Überraschung drin, die du nun wohl aufgemampft hast. Ich hoffe du bist satt!“

„Oh je“, hauchte sie und wollte eigentlich fragen was denn die Überraschung war, doch Marc kam ihr zuvor.

„Ja oh je!“, er lief zu seinem Schreibtisch, öffnete eine der Schubladen, zog etwas daraus hervor und knallte ihr eine Schatulle mit der Aufschrift "Juwelier Kröger" vor die Nase, „Du hast soeben einen 1800 Tacken teuren Verlobungsring verschlungen.“

Sie schnappte nach Luft: „Einen was?“

„Ver-lo-bungs-ring“, wiederholte er langsam, als wenn sie irgendwie geistig minderbemittelt wäre, „So ein kleines rundes Teil was man sich an den Finger steckt, wenn man sich dazu entschlossen hat den Menschen den man liebt zu ehelichen. Ich denke dir sagt der Begriff was. Hast ja neben Schokolade nichts anderes im Schädel.“, man konnte durchaus behaupten das er leicht aufgebracht war.

Und ihr, lag das was er da gesagt hatte und das was sie gegessen hatte, jetzt wirklich schwer im Magen. Das konnte doch wohl nicht wahr sein! Da wollte Marc nun schon um ihre Hand anhalten und sie hatte nichts besseres zu tun wie den Ring zu essen...

„Und jetzt?“, fragte sie vorsichtig und wurde von ihm grob am Arm gepackt und hochgezogen, „Jetzt meine Liebe, bekommst du einen Einlauf!“

„Äh, wörtlich.. oder sinnbildlich?“, fragte sie unsicher. „WÖRTLICH!“, schnauzte er.

„Ja und dann?“, sie war leicht aus der Puste weil Marc sie am Arm durch die Gänge des Krankenhauses zerrte und dabei keine Rücksicht auf ihre Unsportlichkeit nahm..

„Suchst du den Ring!“, sagte er und stoppte sodass Gretchen ungebremst gegen seine Brust prallte.

„Sag mal.. SPINNST DU?“

Choconussa Offline

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27.03.2016 10:34
#8 RE: Choconussa's Feiertagsspecials Zitat · antworten

OSTERSONNTAG

Der letzte Teil für heute Ein ganz dickes DANKE, für die vielen, vielen Klicks.. Ganz viel Spaß und einen wunderschönen Tag, wünsche ich euch. GLG Eure Schokonuss



Schmollend kaute er seinen Kaugummi.. Alles für die Katz! Er hatte gedacht er würde das Leuchten in ihren Augen sehen, wie er ihr den Ring überstreift und wie glücklich sie diesen dann anlächeln würde. Das hatte er sich erhofft und was geschah? Er war um 1800 Euro ärmer und ihr Mageninhalt um 1800 Euro wertvoller. Toller Antrag, wirklich!

„Marc, mir reicht auch ein Ring aus dem Kaugummiautomaten“, sagte sie zärtlich und strich mit ihrer Hand ein paar verirrte Strähnen aus seinem Gesicht.

„Hast du noch alle Laternen am leuchten?“, fuhr er sie an, „Du glaubst doch wohl nicht allen ernstes, dass ich meine zukünftige Frau, mit so einem Plastikteil durch die Gegend rennen lasse, oder?“

Da war was dran. Wirklich schön war es nicht, aber eine Übergangslösung .. Auf jeden Fall.. Und momentan war ihr so oder so alles egal. Sie schwebte auf Wolken.. Marc Meier hatte quasi um ihre Hand angehalten, sie war also verloooooooo..

„Jetzt bin ich mit deinem Magen verlobt“, schnaufte der schlecht gelaunte Chirurg und katapultierte seine Herzdame wieder in die Wirklichkeit. Jetzt konnte sie noch nicht mal mehr in Ruhe ihre Gedanken ausführen, dabei war sie grad dabei gewesen in einen wunderschönen weißen Kleid auf den Altar zu zuschreiten.

„Dann holen wir eben einen neuen“, sagte sie, „Ich zahl den auch!“ Immerhin war sie ja diejenige die den anderen geschluckt hatte. Doch auch das schien Marc nicht zu gefallen.

„Wie sieht DAS denn bitte aus? Du bezahlst deinen eigenen Ring.. Ich glaub echt du lebst manchmal auf einem anderen Planetenׅ“, angestrengt rieb er sich mit beiden Händen durchs Gesicht, „Hör zu, Dienstag gehen wir einfach los und kaufen einen neuen. Aber ich zahle. Wäre ja noch schöner...“

Zärtlich nahm er sie in den Arm und drückte ihr einen Kuss auf den Scheitel. Mit dieser Frau würde es wohl nie langweilig werden. Immer wieder für Überraschungen gut, aber nicht nur sie, sondern auch der gemeinsame beste Freund.

„Marc ich hab da was, was dich glücklich macht“, summte Mehdi grinsend und als der Chirurg immer fragender drein blickte, holte er eine Schüssel Schokopudding hinter seinem Rücken hervor.

„Nicht dein Ernst?“

„Die Schüsseln wurden wohl verwechselt, aber das hier müsste die Richtige sein. Die Köchin hat sich allerdings nicht getraut sie dir selbst zu bringen. Wir wissen ja alle wie aufbrausend du sein kannst und...“, erzählte der Gynäkologe weiter -doch Marc hörte gar nicht mehr hin. Ohne sich daran zu stören das er sich, seinen Kittel, sein Hemd und seine wertvollen Hände versaute, wühlte er in dem Pudding herum. Tatsächlich! Da war der Ring!

Ihm fielen unglaublich schwere Steine vom Herzen und als er dann auch noch den Ring in den Mund nahm um ihn von der Puddingschicht zu befreien, musste Mehdi beinahe lachen. So erleichtert hatte er seinen besten Freund schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen.

Lächelnd nahm Marc die linke Hand seiner, jetzt doch richtig Verlobten, in seine und fragte aufgewühlt: „Willst du....?“

„Frag doch nicht so blöd“, unterbrach sie ihn lachend und zog seinen Kopf zu einem zärtlichen Kuss hinunter...

Choconussa Offline

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28.03.2016 00:02
#9 RE: Choconussa's Feiertagsspecials Zitat · antworten

OSTERMONTAG


Angenehme Stille auf den Gängen der Chirurgie. Kein fuchsteufelswilder Chefarzt rannte umher und scheuchte alle auf, keine weinende Chirurgin in einer Ecke und keine stotternde Krankenschwester. Die Patienten genossen diese herrliche Ruhe an diesem Ostermontag. Ungestört konnten sie die Zeit mit ihren Liebsten verbringen, die zu Besuch gekommen waren.


So viel sie wussten, stieg wohl in der Cafeteria eine kleine Feier.. Eine Verlobungsfeier.


Die engsten Freunde, die Familie und natürlich das glückliche Paar, feierten heute die Verlobung des Jahres.. des Jahrtausends.. Unsinn! Sie feierten eine Verlobung die wohl in die Geschichte eingehen würde.


Es wurde viel gelacht, gerade über die Geschichte des "entschwundenen Ringes", doch eine Person zog eine gewaltige Schnute. Elke Fischer war gar nicht davon begeistert das ihr Sohn nun doch unter die Haube kommen würde. Obwohl sie ja durchaus Hoffnung hegte, dass es nochmal siebzehn Jahre dauern würde.


„Der eine Ring Sie zu knechten“, hauchte Doktor Gummersbach ehrfürchtig, als Gretchen ihm und Sabine ihre Hand entgegenstreckte. „Äääh was bitte?“, wisperte sie verwirrt und schüttelte lächelnd ihren bezauberndes Köpfchen. „Also Sauron hat damals....“

„Gummersbach!“, unterbrach Marc, „Schauen Sie sich weniger Filme an. Das ist ja nicht auszuhalten! Geknechtet habe ich sie übrigens schon vorher. Es wird sich also nichts ändern...“

„Nicht?“, fragte Gretchen und verschränkte ihre Arme vor der Brust.


Ungenierter konnte sie ja wohl nicht nach Auskünften über die Hochzeitsplanung fischen, oder?


„Lass dich überraschen.. Oder? Ne lieber doch nicht.. Nachher futterst du auch noch dein Kleid auf“, schmunzelte er darauf nur und zog sein schmollendes Häschen an den Schultern an seine Seite.


Sie konnte es noch immer nicht glauben.. Sie war tatsächlich verlobt. Mit Marc Meier! Eine Sache die sich wohl die wenigsten vorstellen konnten. Doch ihr Traum sollte endlich wahr werden. Vielleicht würden sich auch noch die letzten Wünsche erfüllen? Wer wusste das schon so genau? Ihre Mutter war grad damit beschäftigt ihr von unzähligen Plänen für den schönsten Tag in ihrem Leben zu erzählen, doch sie hörte nicht zu... Gretchen, war voll und ganz damit beschäftigt, den Mann ihrer Träume zu beobachten. Sich jede Bewegung, Mimik, Geste, genauestens einzuprägen.. Fast als wäre es heute das letzte Mal das sie ihn sah. Ihn und seine Grübchen, die immerzu tanzten wenn er lachte, lächelte oder auch nur am schmunzeln war. Seine strahlend grünen Augen, die sie so oft in ihren Bann zogen. Wie ausgeglichen er auf sie wirkte. Ganz anders als sie sich das immer vorgestellt hatte. Wenn sie über die Ehe oder andere Dinge gesprochen hatten, war er immer abgeklärt, stur, aufbrausend, verletzend... Und jetzt hatte er es einfach so getan.. Freiwillig ohne das sie ihn dazu drängen musste.


„Olivier ich“, ging Elke auf ihren einzigen Sohn zu und wollte ihn anscheinend zur Vernunft bringen, doch dieser ließ sich darauf gar nicht erst ein. Er streckte ihr seine rechte Hand entgegen, ging einen Schritt auf sie zu und erwiderte: „Schön Sie kennen zu lernen. Mein Name ist Marc, Marc Meier. Mit wem habe ich die Ehre?“

„Ich finde es sehr wünschenswert das du mich nicht mehr anschreist ich solle dich doch bitte nicht mehr Olivier nennen, aber das hier, ist absolut lächerlich Junge“, Elke hatte Schwierigkeiten die Contenance zu wahren, „Was hat diese Frau nur aus dir gemacht? Was hat sie bitte, was andere Frauen nicht haben?“

„Bitte Mutter, ich will das nicht wieder mit dir ausdiskutieren! Akzeptier es einfach..“

„Ich möchte von dir wissen, ob du dir im klaren darüber bist, was du tust. Was du hier in Begriff bist zu tun. Das wird dein ganzes Leben verändern.“

„Viel mehr kann sich nicht mehr ändern“, lachte er immerhin waren sie seit fast sechs Jahren ein Paar.

„Sie wird Kinder wollen. Bist du bereit ihr das zu geben? Bist du bereit dein ganzes Leben auf den Kopf zu stellen für sie? Das warst du nicht einmal für mich bereit zu tun. Warum sollte sich das jetzt ändern, Olivier?“

„Weil ich sie liebe. Weil sie mich liebt. Weißt du Mutter, ich liebe dich wie ein Sohn seine Mutter nun mal zu lieben hat, aber wo warst du all die Jahre? Wie viel Liebe hast du mir gegeben? Keine! Du hast mir immer nur erzählt wie nutzlos Liebe ist. Nur ein Wort, nur ein unbedeutendes Wort das nichts als Schmerzen mit sich bringt. Gretchen, hat mir gezeigt, dass es nicht so ist!“, flüsterte er seiner geschockten Mutter ins Ohr und ließ sie stehen. Schluss damit ihr in den Hintern zu kriechen, damit er bekam was er wollte. Er konnte gut für sich selbst sorgen. Er war nicht mehr auf ihre Finanzen angewiesen, Geld, hatte er selbst genug. Mehr als das! Alles was er wollte, hatte er doch schon längst. Das wertvollste, etwas für das es sich zu leben lohnte... Sein Gretchen.


Niemand schaffte es an diesem Nachmittag, Zweifel zu sähen. Selbst bei der Chirurgin, biss jeder damit auf Granit. Sie wusste, wenn Marc von sich aus diese Entscheidung traf, war sie echt. Ernst. Er würde sie nicht enttäuschen, auch nicht, wenn sie ihm gleich erzählen würde, dass auch sie eine kleine Überraschung für ihn hätte.. Doch damit wartete sie lieber, bis sie zu Hause waren. Wenn möglich im Bett, denn hier im Auto, während er fuhr, war dies keine gute Idee.


Doch auch zu Hause, im Bett, sollte sie vorerst nicht dazu kommen ihm irgendwas zu erzählen. Der Chirurg hatte ganz klare Vorstellungen, bei der Abendgestaltung und ganz fiese Mittel, diese auch unbedingt in die Tat umzusetzen.

Choconussa Offline

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28.03.2016 22:51
#10 RE: Choconussa's Feiertagsspecials Zitat · antworten

OSTERMONTAG

Der letzte Teil des Oster-Spezials. Leider nicht so wie ich es wollte, mir fehlen einfach die Worte zur Zeit. Ich hoffe es ist trotzdem irgendwie auszuhalten und ihr habt ein wenig Spaß daran



Marc Olivier Meier, seines Zeichens, Gott im OP, wr nicht nur Gott im OP. Nein! Er war auch ein Gott der Verführungskünste. Dies bewies er seiner Verlobten, nur zu gern, denn die, schien schon wieder auf eines aus zu sein: Reden! Und wenn dieser Mann eines mehr hasste als einen leeren OP-Plan oder Schokolade, dann war es reden! Im Handumdrehen hatte er seine Quasselstrippe mit seinem Körper gegen die Wand gepresst und seine Lippen sie stumm geküsst. Flinke Chirurgenhände, zogen ihr die Spange aus den Haaren, strichen sie vorsichtig über ihre Schulter. Die blonden Locken vielen sanft über ihre Brüste und Marc nahm es sich nicht diese, beim herabfahren der langen Mähne, gleich ein wenig zu streicheln. Wer wollte denn schon reden, wenn man das hier haben konnte? Gretchen jedenfalls, nicht mehr wirklich, denn es fiel ihr schwer, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Seine Zunge veranstaltete Dinge mit ihrer, es wäre ein Wunder, wenn sie sich nicht verknoten würden. Als er sich keine Sekunde zu spät von ihren Lippen löste, natürlich nur um an ihrem Ohrläppchen zu knabbern und ihren Hals zu küssen, merkte sie, wie angeschwollen ihre Unterlippe war. Doch nicht nur Schwellungen an ihren Lippen konnte sie ausmachen, die Schwellung in der Hose ihres Liebsten, war auch nicht zu verachten und die drückte er ihr nur zu gern entgegen. Er wollte das sie wusste, wie sehr er sie begehrte, denn, auch wenn sie es nicht offen sagte, er wusste ganz genau, dass sie noch immer Zweifel hatte. Sie war etwas... Moppiger ... Aber Männer brauchten doch was zum anpacken, oder? Etwas, was er bei IHR besonders gut konnte. So griff er sie direkt am Hintern, schlang ihre Beine um seine Hüfte, drehte sich mit ihr herum und platzierte sie auf dem Küchentisch.

„Mhm.. Eine große Gans, ganz für mich allein“, schmunzelte er und fing an jeden Knopf an ihrer Bluse quälend langsam zu öffnen. Jedes kleine Stück freigelegte Haut zu küssen. Genau jetzt, hatte sie vergessen was sie eigentlich von ihm wollte. Ihr Atem ging schnell, ihr Körper bäumte sich ihm entgegen und ihre Hände fuhren unkontrolliert durch seine, sonst so gestriegelten Haare.

Jackpot, dachte Marc und trug Gretchen ins gemeinsame Schlafzimmer. Eine schnelle Nummer auf dem Tisch? Nicht heute!


„Und hast du es ihm schon gesagt?“, fragte Mehdi seine beste Freundin, die heut irgendwie gerädert schien. War auch kein Wunder. Wenn es nach ihrem zukünftigen ginge, lägen sie noch immer im Bett. „Nein“, seufzte sie, „Du kennst doch Marc, immer wenn man reden will, fällt ihm irgendwas ein um das zu unterbinden. Ich glaube das wird sich nie ändern.“ Lächelnd nahm der Halbperser die kleine Hand der Chirurgin in seine: „Du musst es ihm sagen. In ein paar Tagen wird er es so oder so merken, hm?“

„Das ist mir irgendwie auch schon bewusst. Aber meinst du nicht das ich ihn damit überfordere? Ich mein, er ist ja nicht gerade der Typ Mann der sowas bevorzugen würde.“

„Du wirst es nicht herausfinden, wenn du es ihm nicht sagst. Und jetzt lass uns essen, ich verhunger gleich“, kaum ausgesprochen, hatte er sich auch schon gierig eine große Portion Pasta in den Mund geschoben.

„Ihr seid ja schon wieder am essen“, stöhnte Marc auf und leistete den beiden sogleich Gesellschaft, allerdings nur mit einem Kaffee bewaffnet, „Sag mal Hasenzahn... Nur weil wir gestern ein bisschen Sex hatten, musst du doch nicht gleich all die verbrannten Kalorien wieder in dich hineinstopfen. Man könnte glatt meinen du wärst schwanger.“

Er sagte es ziemlich belustigt, lachte dabei, doch das gefror ihm als Mehdi sich verschluckte und Gretchen peinlich berührt durch die Cafeteria sah, wahrscheinlich auf der Suche nach einem geeigneten Fluchtweg.

„Ne oder?“

„Ich weiß es nicht Marc“, jammerte sie, „Ich hab halt so ein Gefühl und Mehdi und ich wir wollten gleich nen BetaHCG machen und schauen..“

„Was sitzt ihr dann bitte noch hier? Anstatt fett zu werden, könntet ihr euch mal nützlich machen und das jetzt SOFORT testen! Ich glaub es hackt! Seht zu das ihr Land gewinnt“, schnauzte er gleich drauf los und glaubte aus allen Wolken zu fallen.

Das konnte nicht sein. Er war doch gerade mal dazu bereit sie zu heiraten, Kinder, konnten seinetwegen noch warten. Ziemlich sehr lang!

Doch nicht nur das schien seine Herzdame gestern auf der Seele gehabt zu haben, sondern noch etwas ganz anderes.

„Da wir das dann nun geklärt hätten, Schatz“, kam sie nochmal auf ihn zu, zog ein Kärtchen aus ihrer Kitteltasche und hielt sie ihm entgegen, „Du musst da was für mich abholen. Könntest du das für mich machen?“

„Und was hol ich da für dich ab? Was soll ich denen sagen?“

„Och geb denen einfach nur die Karte. Die wissen dann schon bescheid“, grinste sie und als sie in sicherer Entfernung war schrie sie, „IST NUR EIN HUND MARC, MACH DIR KEINE SORGEN!“

„Ein WAS?“, brüllte er aufgebracht und sprang auf um seinem Häschen auf der Flucht ordentlich die Leviten zu lesen, doch die war auf und davon.

Klasse! Wirklich klasse! Vom begabten Starchirurg zum Ehemann, Familienvater und Hundebesitzer in nicht mal 48 Stunden. DAS sollte ihm mal wer nachmachen.

Choconussa Offline

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28.10.2016 00:00
#11 RE: Choconussa's Feiertagsspecials Zitat · antworten

:*¨*:.¯`*•.¤*•..•*¨*•*(◠‿◠) Geburtstag (◠‿◠)*•*¨*•..•*¤.•*´¯:*¨**:.


.•´¯`•´¯`•˙·٠•● Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ .•.¸¸.•. Ein Gretaspezial .•.¸¸.•... Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ●•٠·˙•´¯`•´¯`•.



_¸.•’´*¸¸♬·♩¸¸♪··♫¸¸♪♫•*¨*•.¸¸¸¸.•*¨*•♫♪ Brand new Day ♪♫•*¨*•.¸¸¸¸.•*¨*•♫♪¸¸♫··♪¸¸♩·♬¸¸*¸.•’´¯









Im schönen Elisabeth-Krankenhaus, im schönen Berlin, begann der Tag wie jeder andere auch – na ja, fast.


Eine kleine, aufgeregte Krankenschwester, wuselte schon seit einigen Stunden durch das Stationszimmer der Chirurgie und bereitete eine Überraschung vor. Eine Überraschung für ihre Lieblingsärztin, die heute nicht nur ihren letzten Arbeitstag vor ihrem Urlaub hatte – sondern auch Geburtstag.


Liebevoll, schmückte sie das Stationszimmer mit Girlanden und Luftballons. Auf dem Tisch, lagen Servietten, ein paar Luftschlangen, ein bisschen Konfetti, Pappteller und Becher und in der Mitte stand ein riesiger Schokokuchen mit bunten Kerzen. Die Schwestern hatten außerdem zusammengelegt und für Frau Doktor Haase einen Blumenstrauß gekauft – den sie allerdings erst zu ihrem Schichtende bekommen würde.



Und während Schwester Sabine im Krankenhaus alles vorbereitete, hob Frau Doktor Margarethe Haase beinahe ab, ohne überhaupt im Flieger zu sitzen und trieb damit ihren Lebensgefährten und Vorgesetzten in den Wahnsinn. Er wusste, dass sie noch packen mussten, immerhin hatte er gestern eine Not-OP und somit weder die Zeit noch die Lust einen weiteren Handschlag zu tun. Gut, mal abgesehen davon, sich ein Bier zu genehmigen und seine Freundin, in der Horizontalen, ein wenig zu verwöhnen. Ebenso wusste er, dass sie sich noch gegen sämtliche Reisekrankheiten impfen mussten und vielleicht auch ein paar Sonnencremes und eventuell Insektenschutzmittel einpacken mussten. Hasenzahn, war eine organisatorische Null, weswegen sie mit einer To-Do-Liste neben ihm auf dem Beifahrersitz saß und alles feinsäuberlich abhakte, damit sie auch ja nichts vergaß. Seine Laune, die seit heute Morgen, dank der schrecklichen Musik aus dem Badezimmer, als Gretchen unter der Dusche stand und lautstark mitsang, so oder so schon nicht messbar war, sank noch tiefer. Sie schien nicht einmal zu bemerken, dass die kleine Ader an seiner Schläfe, verdächtig anfing zu pochen.


„Ach und bevor ich es vergesse“, schreckte sie auf einmal auf, „Meine Mutter kommt heute noch vorbei und holt den Wohnungsschlüssel ab. Immerhin sind wir fast zwei Wochen weg und da wird sich schon eine Menge Staub ansammeln. Sie putzt dann für uns.“


„Wie wundervoll“, stöhnte er auf, als er den schicken weißen VOLVO, der gestern erst eine komplette Wäsche bekommen hatte, in seine Parklücke lenkte, „Dann darf ich mir heute also wieder zwei Stunden anhören, dass ich bloß auf dich aufpassen und dich daran erinnern soll, jeden Abend anzurufen.“


„So schlimm ist sie gar nicht. Sie macht sich halt Sorgen und das sollte eine Mutter auch tun“, zwinkerte sie ihm zu, als sie ausstieg – denn Elke, war eigentlich nicht anders. Sie wollte allerdings, dass er anrief um zu schauen, ob bei ihr alles in Ordnung sei und sie nicht einen plötzlichen Herztod starb, warum auch immer. Da Gretchen die beiden aber nun schon ein wenig länger kannte, wusste sie, dass dies einfach nur eine verstecke Botschaft war, die eigentlich nur die beiden verstanden. Und während sie, ohne auf ihn zu warten, das Krankenhaus betrat, schlich sich ein breites Grinsen auf ihr Gesicht, weil sie genau wusste, wie sehr es ihn wurmte, dass sie so genau Bescheid wusste.



Als Marc schließlich, nach einer langen Zigarette rauf auf Station kam, traf ihn beinahe der Schlag. Seine Chirurgie, die ein Territorium von Testosteron und Männlichkeit war, sah aus wie ein Zirkus auf einem Kindergeburtstag. Überall bunte Luftballons und Luftschlangen, wo er nur hinsah und aus dem Stationszimmer hörte er das Kichern seiner Freundin und eine krumme und schiefe Version von „Happy Birthday“, vermutlich von Schwester Sabine gesungen.


Und als ob das noch nicht genug wäre, kam Bärbel mit einem riesigen Blumenstrauß um die Ecke und Mehdi, stiefelte mit einem großen Paket Pralinen geradewegs hinterher. Geburtstag hin oder her, das hier war ja wohl noch immer ein Krankenhaus und kein Bahnhof!


„Sagt mal, habt ihr den Arsch offen?“, platzte der Chirurg ins Stationszimmer und wurde mit großen Augen angesehen, „Seht zu, dass der Scheiß hier verschwindet und ihr mit euren Ärschen an die Arbeit geht! Ich glaub es hackt!“


Gretchen konnte nur genervt die Augen verdrehen. Typisch! Kaum lief mal etwas nicht nach Plan, wurde er gleich wieder unfreundlich und verletzend – dabei wollte man ihr doch nur eine Freude machen.


„Marc!“, sagte sie scharf und wurde gleich herausfordernd angesehen, „Das kann man auch freundlicher sagen, findest du nicht auch?“, anscheinend wollte er etwas dazu erwidern, doch sie sah gar nicht ein, ihn aussprechen zu lassen, „Und außerdem ist doch heute mein Geburtstag, Schatzi. Jetzt sei doch mal nicht so!“


Das war zu viel des Guten. Das ungewollt frühe Aufstehen, die Deko, das Ständchen und jetzt DAS: Entmannung vor versammelter Mannschaft – na die konnte was erleben!


„Jetzt reicht’s“, er kochte innerlich und das würde man hier heute auch zu spüren bekommen, „SABINE! Visite vorbereiten. Mehdi hat bestimmt irgendwelche sabbernden Schreihälse auf die Welt zu bringen und Bärbel? Ich muss dich leider bitten zu deinem Mann zu gehen oder was anderes zu machen – deine Tochter hat nun ein sehr intensives Gespräch, mit ihrem Oberarzt!“, kalt lächelte er sie an und zog sie auch gleich vom Stuhl, „Mitkommen!“, in die angrenzende Umkleide.


Ehe sie wusste, wie ihr geschah, wurde sie, leicht grob, in die Umkleide geschubst, die Tür fiel mit einem lauten Knall ins Schloss und ihr Freund, Oberarzt und für heute wohl ihr schlimmster Alptraum, funkelte sie böse an.


„Sag mal, wie kommst du eigentlich dazu?“, fuhr er sie an und Gretchen verstand nur Bahnhof.


„Äh, wozu jetzt genau?“


„Und außerdem ist doch heute mein Geburtstag SCHATZI“, äffte er sie sehr schlecht gespielt nach, „SACH MAL SPINNST DU? Was du außerhalb des Krankenhauses machst, ist mir wirklich fast egal Gretchen, aber HIER hast du so einen Schwachsinn zu lassen!“


„Ooooooh“, zog sie einen Schmollmund, „Untergräbt das deine Autorität, ja? Mein Gott Marc, wir wissen, dass du hier Oberarzt bist. Die meisten wissen, dass du hier“, sie deutete Anführungszeichen in der Luft an, „ „DER BESTE“, bist. Du musst dich hier nicht ewig so aufspielen!“


„Es geht mir ums Prinzip verdammt! Ich bin hier noch immer dein Vorgesetzter und du hast mir gegenüber ja wohl nicht frech zu werden. Bald meinen die hier alle, sie könnten mir auf der Nase herumtanzen!“


„Wer?“, schnaubte sie, „Sabine? Die stampfst du doch innerhalb der ersten Sekunde, in der du hier anwesend bist, in Grund und Boden. Die einzigen, die dir hier richtig Paroli bieten können, sind Mehdi und ich, weil wir dich kennen. Selbst Maria zieht jedes Mal beleidigt ab! Jetzt hab dich nicht so. Meine Güte, du und deine Profilneurose!“


„Ich lege halt sehr viel Wert auf mein Image. Dass DU damit nichts anzufangen weißt, weiß ich seit der achten Klasse.“


„Und trotzdem liebst du mich“, grinste sie breit und drückte ihm einen Kuss auf seine unbeweglichen Lippen, der auch gleich intensiv erwidert wurde.


Ja er liebte sie, das wusste er und sie wusste es auch und das war doch das einzige was wirklich zählte. Dass die beiden wussten, was sie aneinander hatten. Deswegen hatte er auch auf diesen gemeinsamen Urlaub bestanden – er wollte Zeit mit ihr verbringen. Weit weg vom Alltag, nur die beiden.


Denn, dass der Alltag sie viel zu oft unterbrach, zeigte sich bei einem kurzen Blick auf seine Uhr. In nicht mal zwei Stunden, stand die erste OP auf dem Plan und vorher musste die Visite über die Bühne gegangen sein. Widerwillig, löste er sich von den Lippen seiner Liebsten, sah ihr verträumt in die Augen und strich ihr eine verirrte Haarsträhne hinter ihr kleines Ohr.


„Merk dir einfach, wo wir stehen geblieben sind. Genau da, machen wir weiter“, grinste er schließlich und rauschte ab.



Schwester Sabine, die fleißige Seele des Elisabeth-Krankenhauses – jedenfalls war dies Gretchens Meinung, wenn hier jemand richtig gute Arbeit leistete, dann Sabine – hatte die Visite bereits vorbereitet und wartete mit ihrem Wägelchen vor dem ersten Patientenzimmer, in dem eine Abschlussvisite zu machen war. Keine Arbeit für gestandene Starchirurgen, sondern für das weniger begabte Fußvolk, so sagte Marc und Gretchen konnte einfach nicht glauben, was sie da hörte. Da ließ sie sich von ihm ausbilden und er war noch immer der Meinung, sie hätte nichts gelernt. Ihre vernichtenden Blicke, ignorierte er einfach und stiefelte geradewegs ins Patientenzimmer und ließ gleich den Macho raushängen. Hier und da mehrere ironische oder sarkastische Anmerkungen, dort wurde von Sabine oder von Gretchen etwas nicht richtig gemacht, wenn man es denn nicht selbst machen würde, selbst machte er jedoch nichts. Er beschränkte sich darauf, Kaugummi kauend in einer Ecke zu stehen und die beiden Frauen in den Wahnsinn zu treiben.


Man konnte es ihm heute einfach nicht recht machen. Besonders für Gretchen, war es sehr schade. Sie hatte heute Geburtstag und er stänkerte nur herum. Ab dem dritten Patientenzimmer, versuchte sie ihn einfach zu ignorieren. Doch ihr Vorhaben, gestaltete sich als besonders schwierig.


Denn Sabine schien es darauf angelegt zu haben, ihn zu provozieren. Immer wieder, versuchte sie ihn anzusprechen und wollte ihm wohl etwas mitteilen, aber Marc wollte von ihrem Mitteilungsbedürfnis nichts wissen. Irgendwann, wurde es ihm dann aber auch zu bunt.


„SABINE! Halten Sie jetzt endlich die Klappe, lassen mich in Ruhe und versuchen Sie statt Schwachsinn zu verbreiten, mal kompetent zu arbeiten!!!“, fuhr er die Krankenschwester gereizt an und die Ansage, zeigte Wirkung.


Zwar bedachte sie ihn mit einem bösen Blick, aber der würde nicht einmal eine Maus erschrecken und wackelte dann beleidigt mit ihrem Aktenwagen ab.


„Was bist du denn heute so gereizt?“, fragte Gretchen verwundert – denn so hatte sie ihn wirklich schon lange nicht mehr erlebt.


„Kannst du dir auch nur im entferntesten vorstellen, was ich noch alles zu erledigen habe? Neben den fünf OPs heute, kommt noch Aktenkram und die Übergabe an die Vertretung, die anscheinend nicht die hellste Kerze auf der Torte zu sein scheint. Dann darf ich noch zu meiner Mutter und in meiner „Pause“, darf ich noch eine Kleinigkeit für unseren Urlaub abholen. Entschuldige bitte, dass ich deine Traumvorstellung von einem entspannten letzten Arbeitstag, vor dem Urlaub, einfach nicht erfüllen kann, weil ich im Gegensatz zu dir wirklich arbeite und nicht nur meinem Oberarzt hinterher dackel und ansonsten Pause am Schokoautomaten mache!“


„Wird echt Zeit, dass du in den OP kommst. Du bist ja absolut nicht zu ertragen heute!“


Mit diesen Worten, ließ sie ihn stehen und eilte Sabine hinterher, um mit ihr zusammen eine kurze Pause vor der OP einzulegen. Immerhin dauerte eine Magenverkleinerung seine Zeit und wenn sie vorher nichts essen würde, würde sie sich nicht richtig konzentrieren können und das wäre, für ihren ohnehin schon gereizten Freund, ein gefundenes Fressen. So schlenderte sie gemütlich mit ihrer Leidensgenossin, auf ein Stück Schokokuchen, in die Cafeteria, während Marc sich auf dem Weg nach draußen, seine Zigarette zwischen die Lippen schob und ungeduldig auf die Uhr sah. Die Zeit würde heute wirklich knapp werden und wenn sie morgen pünktlich fliegen wollten, mussten sie heute pünktlich ihren Dienst beenden.



Doch keine zwanzig Minuten später, wurde dieses Vorhaben einfach beiseitegeschoben. Als Marc nach seiner Zigarettenpause hinauf ins Stationszimmer kam, war weder von Gretchen, noch von Sabine die geringste Spur zu sehen. Was er jedoch sah, war ein riesiger Strauß roter Rosen. Heute war hier doch wirklich der Wurm drin. Erst Sabine mit ihrem Zirkus, dann Bärbel und Mehdi, die als Clowns engagiert wurden und nun DAS. Wer besorgte diesen Hasensalat immer?


Geistesabwesend, sah er sich den Strauß an, als ihm eine Karte ins Auge fiel. Nachdem er sich kurz versichert hatte, dass auch niemand in der Nähe war und ihn beim Schnüffeln erwischen konnte, klappte er die Karte auf, in der stand „Für Gretchen, die Liebe meines Lebens.“


In Schönschrift.

Mit Schnörkeln.

Und Herzchen.


Er war ein Ferrari. Von null auf zweihundert, in nicht mal einer Millisekunde, tobte er durch die Gänge. Da war er heute endlich soweit, sein Geschenk beim Juwelier abzuholen und hatte endlich den Mut, sie auch, sobald es ging, zu fragen und dann musste er sowas erleben?


Eines wusste er ganz sicher: Das würde sie ihm büßen.


Und gerade als er diesen Gedanken zu Ende gedachte hatte, lief sie ihm schon, fröhlich mit Sabine plaudernd, in die Arme.


„In zehn Minuten im OP, keine Sekunde später“, fauchte er die beiden kurz und knapp an und lief dann weiter in Richtung seines Büros.


Die beiden Frauen tauschten untereinander verblüffte Blicke aus. Dass Marc heute mit dem falschen Fuß aufgestanden war, war nun wirklich kein Geheimnis – welcher Floh ihn allerdings nun schon wieder gebissen hatte, konnte keiner der beiden sagen. Und weil sie ihn nicht noch weiter reizen wollten, machten sie sich schnellstmöglich auf den Weg. Immerhin mussten sie sich noch umziehen und steril waschen und auch das, brauchte nun einmal seine Zeit.


Doch sie hätten sich gar nicht beeilen müssen. Der Herr Oberarzt zog es vor, ganze zehn Minuten zu spät zu kommen und sie dann auch noch anzupflaumen, warum das OP Feld denn noch nicht desinfiziert war.


„Braucht ihr jetzt für alles ne schriftliche Einladung oder was?“, schnauzte er sogleich herum und riss den Frauen ihr Arbeitswerkzeug aus der Hand, „Alles muss man hier selbst machen. Ich frage mich wirklich, WOFÜR ihr hier bezahlt werdet.“


Großräumig, säuberte und desinfizierte er das Arbeitsfeld, nahm das Skalpell und schnitt den Patienten unkommentiert auf. Die Anästhesisten, fingen eilig an zu schreiben und sich ihre Notizen zu machen, Sabine griff übereilt zum Sauger und Gretchen, stand neben ihrem Oberarzt wie bestellt und nicht abgeholt.


„Sag mal Hasenzahn? Fangen wir beide hier jetzt noch einmal von vorn an? Soll ich etwa eine Bildergeschichte malen und dir haarklein erklären, was hier nun deine Aufgabe ist? Den VERFICKTEN Haken zu nehmen, ihn in den Patienten zu schieben und mir seine schwabbeligen Hautlappen beiseite halten, damit ich verdammt noch mal Platz habe zum Arbeiten?!“, brüllte er sie nieder und so schnell wie sie reagierte, hatte er bisher nur Sabine reagieren sehen. Und obwohl er wusste, dass sie wusste, was sie tat, kam er nicht umhin sie ein wenig triezen zu wollen. Immerhin war er sauer – stinksauer!


„Halt den Haken höher!“


„Marc ich halt den Haken schon hoch, wenn ich ihn noch höher halte, hab ich hier gleich ein Problem.“


„Du sollst mir nicht widersprechen, sondern den Haken höher halten und mir Tücher geben. Sabine! Geben Sie den Sauger Frau Doktor Haase und tupfen Sie mir die Stirn ab. Hier drin ist es heiß.“


„Sach mal, was soll ich denn noch alles halten? Bin ich ein Krake oder was?“, fragte sie völlig vor den Kopf gestoßen und wusste nicht wohin, mit den eben gegriffenen Tüchern, während Sabine ihr schon den Sauger hinhielt.


„Bist Du jetzt mit Deinem Beruf überfordert oder was? Seh zu, dass du verdammt nochmal meinen Anweisungen nachkommst, sonst wird mein Bericht für deinen Prüfer sehr unschön ausfallen. Das was du hier gerade ablieferst, ist einfach inkompetent und für mich nicht weiter tragbar!“


„Welche Laus ist dir denn jetzt schon wieder über die Leber gelaufen, dass du hier so rumstänkerst?! Ich arbeite wie immer Marc!“


„Vor die Tür!“, war seine knappe Aussage und schon hatte er sie an ihrer Hand, in den Waschraum gezogen, wo er sie auch gleich ohne Umschweife anfuhr, „Für wie blöde hältst du mich eigentlich, he? Meinst du wirklich, ich komme nicht dahinter?“


„Bitte?“


„Ja wie viele Kerle hast du denn an einer Hand? Mit wie vielen Geschenken von irgendwelchen Liebhabern kann ich heute noch rechnen?! Wie kommst du dazu, mich so zu verarschen? Wer ist es denn? Fuchs? Oder doch wieder Mehdi?!“


„Wovon sprichst du da?“, wimmerte sie und die Tränen, standen bereits in ihren Augen, „Was denkst du denn bitte von mir? Du weißt, dass ich nur dich liebe und dass ich sowas niemals tun würde.“


„Ach ja, von wem sind denn dann die Rosen im Stationszimmer?“, brüllte er ungehalten drauf los, „Mit schicker Karte, für die Liebe meines Lebens!!! Versuch nicht mich für blöde zu verkaufen, Gretchen!“


„Ich habe keine Ahnung, wovon du hier gerade sprichst.“


„Komm! Du weißt ganz genau, dass ich so einen Scheiß niemals kaufen würde. Also sag mir verdammt nochmal, von wem die Rosen sind und dann ist das Gespräch auch beendet. Wenn es geht aber bitte noch bevor der Patient aus der Narkose aufwacht.“


Und bevor Gretchen darauf antworten und ihm sagen konnte, dass sie noch immer keine Ahnung hatte, was er nun von ihr wollte, ging neben ihnen die Tür auf und der blonde Schopf von Schwester Sabine kam zum Vorschein, „Herr Doktor, Frau Doktor – der Patient ist noch…“


„Sabine, sehen Sie nicht, dass wir hier gerade in einer privaten..“


„DOCH“, unterbrach sie ihn energisch und überaus mutig, „wir haben auch jedes Wort gehört und wenn SIE mir heute Morgen bei der Visite auch nur einmal zugehört hätten, wüssten Sie jetzt, dass ich, wie von Ihnen gewünscht, den Strauß bestellt habe und er heute vor der OP ankommt.“


Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen, vor einer Woche hatte er Sabine gebeten, den Strauß Rosen für Gretchens Geburtstag zu besorgen. Zum einen, fehlte ihm einfach die Zeit und zum anderen, hatte er weder Ahnung noch die Lust verspürt, solches Gestrüpp zu kaufen. Von einer schnulzigen Karte, war jedoch nicht die Rede gewesen. Sowas würde ihm nur in Gretchens rosa Träumen einfallen. Die ihn, wie ein kurzer Seitenblick verriet, mit tötenden Blicken strafte. Zurecht, wie er sich selbst eingestand – nur zugeben, würde er es nie.


„Gut, wenn wir das dann nun geklärt hätten, können wir uns noch mal steril waschen, neue Kittel und dann den Patienten operieren, bevor er wieder wach wird“, plapperte er ohne Luft zu holen, „Ja auf oder wollt ihr hier Wurzeln schlagen?“


Der Rest der OP, lief fortgehend schweigend ab. Nur das Nötigste wurde gesprochen. Sabine, hatte Angst etwas zu sagen, weil sie die Dreistigkeit besessen hatte, ihren Oberarzt anzupflaumen und das, obwohl er ohnehin schon nicht die beste Laune hatte und Marc, hatte ein schlechtes Gewissen. Jedenfalls ein wenig. Immerhin hatte er seiner Freundin, der treuesten Seele, der er je begegnet war, vorgehalten, ihn zu betrügen – mit Gott und der Welt. Gretchen hingegen, war wütend. Nachdem er ihr eine solche Szene gemacht hatte, hätte er sich wenigstens entschuldigen können.



Doch auch nach der letzten OP an diesem Tag, als sie sich umzogen, machte er keinerlei Anstalten, sich entschuldigen zu wollen oder überhaupt darüber nachzudenken und so, rauschte Gretchen ohne ein weiteres Wort ab.


Auch wenn sie stinksauer auf ihn war, war sie trotzdem neugierig. Man bekam ja nicht jeden Tag Rosen geschenkt, schon mal gar nicht von einem Marc Meier. Gemächlich, schlenderte sie über die Gänge der Chirurgie, linste um jede Ecke, sah immer mal wieder über ihre Schulter und schließlich, schlüpfte sie schnell in das Stationszimmer, in dem noch immer der wunderschöne Rosenstrauß stand.


Er war wirklich riesig. So viele Rosen, hatte sie noch nie gesehen – geschweige denn bekommen. Nicht einmal Peter hatte sich damals solch eine Mühe gegeben. Und sie war wirklich froh, dass Marc Sabine darum gebeten hatte, die Rosen zu besorgen. Er hätte wahrscheinlich alles, aber keine Rosen gekauft. Ihr Freund hatte ebenso einen Bezug zu Blumen, wie sie zu Einzelverbindungsnachweisen. Es waren so viele, so konnte sie nicht zählen und als sie schlussendlich die Karte entdeckte, war all der Ärger, über seine Unverschämtheit, vergessen.


Sofort musste sie zu ihm und ihm danken, dachte sie und als sie sich umdrehte und los eilen wollte, prallte sie schon gegen seine Brust. In diesem Moment, rechnete Marc mit allem – einer Szene, warum er so etwas von ihr dachte, mit einer schallenden Ohrfeige – aber nicht damit, dass sie ihm überstürzt um den Hals fiel und ihn beinahe niederknutschte. Breit grinsend, erwiderte er ihren herzlichen Kuss und freute sich bereits jetzt auf den Feierabend, zu Hause.


„Lass uns fahren“, zwinkerte er ihr zu, zog sie mit sich und keine fünf Minuten später, liefen die beiden, Arm in Arm, zu den Aufzügen.


Schwester Sabine hielt sich die Hände vor die Brust, schaute nach oben, seufzte laut auf und fing an sich hin und her zu wiegen, „Was für ein schönes Paar.“


Und wenn sie nun wüsste, was Marc in seiner Hosentasche bei sich trug, würde sie vermutlich abheben oder umfallen. Niemand wusste bisher davon, nicht einmal Mehdi und so war er froh, dass Gretchen keinerlei Verdacht schöpfte und die Überraschung zu hundert Prozent gelingen würde.



Leider musste er sich aber noch gedulden, denn zu Hause hieß es erst einmal Koffer packen und das war mit Gretchen alles, aber sicher nicht entspannt. Egal was er einpacken wollte, sie fand einen Grund, es nicht einzupacken. Wie er packte, war ihr auch nicht recht. Alles musste feinsäuberlich, nach Liste abgearbeitet werden und er durfte seine Hemden nicht zusammen mit den Hosen packen. Sondern erst die Hosen und dann die Hemden. Alles sollte seine Ordnung haben. Wenn es allerdings nach seiner Ordnung gehen würde, würde er einfach alles in den Koffer werfen und schauen, wie er damit zurecht kam und wenn noch etwas fehlte, würde er es einfach nachkaufen. Nicht umsonst, verdiente er so viel und was sollte er sonst mit dem ganzen Geld anstellen? Ins Bordell, musste er nicht mehr, wie sich nach einem gemütlichen Abendessen und der ein oder anderen Flasche Wein zeigte.


Es war ein harter, anstrengender Tag gewesen, für sie beide und ein bisschen Entspannung, hatten sie sich mehr als nur verdient und so, knabberte er zärtlich an ihrem Ohr, bevor er sich langsam zu ihrem Hals hinunter arbeitete und anfing, ihre Bluse aufzuknöpfen…




Ein frischer Wind wehte über den Strand und ließ ihr langes, blondes Haar tanzen. Sie waren erst den zweiten Tag hier, doch liebte sie es, abends, Arm in Arm, den Strand entlang zu schlendern und einfach alles zu vergessen. Und auch Marc schien ihre Spaziergänge zu genießen. Dabei hatte sie eigentlich gedacht, er würde schon nach dem ersten Tag wieder nach Hause wollen, weil er seinen OP so sehr vermisste. Doch hier, schien das Krankenhaus und jede OP, vollkommen egal zu sein. Es zählten nur sie beide.


Einige Zeit verging, bis sie eine gemütliche Stelle gefunden hatten, an der sie beobachten konnten, wie die Sonne im Meer versank. Verliebt, kuschelte Gretchen sich, die zwischen den Beinen ihres Liebsten saß, an seine Schulter und er legte zärtlich, seine Hände um ihren Bauch. Keiner der beiden sagte ein Wort, sie genossen die Stille um sich herum – bis..


„Du Gretchen. Ich hab in letzter Zeit viel über uns nachgedacht und ich glaube, ich bin zu allem bereit. Ich liebe dich und ich möchte dass du meine Frau…“





„Hasenzahn!“, rüttelte Marc an der Matratze und das schon seit guten fünfzehn Minuten, „Stehst du jetzt wohl mal auf?!“


„Mhmm“, schmatzte seine Herzdame jedoch nur, „Ja Marc, ich will!“


Augenverdrehend, lächelte er seine schlafende Prinzessin an. Ob sie wohl auch mal an etwas anderes dachte oder von etwas anderem träumte?


„GRETCHEN!“, schrie er nun und zum ersten Mal, an diesem Morgen, öffnete sie ihre Augen und blinzelte ihn verschlafen an, „Na endlich und jetzt beweg deinen Knackarsch aus dem Bett. Es sei denn, du willst, dass der Flieger nachher ohne dich abhebt – obwohl, dann geht der Vogel wenigstens in die Luft“, grinste er sie frech an, ehe er augenzwinkernd und mit einem letzten Kontrollgriff an seine Hosentasche, ob der Ring denn auch noch dort war, wo er hingehörte, das Schlafzimmer verließ....




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Choconussa Offline

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31.10.2016 20:20
#12 RE: Choconussa's Feiertagsspecials Zitat · antworten

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- SPEZIAL




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„Auf der Suche nach einem sicheren Versteck, welches ihr Schutz bieten sollte, lief sie durch die Dunkelheit, die sie beinahe verschlang“, erfüllte die monotone Stimme von Schwester Sabine, den abgedunkelten Wohnbereich, des, über das Wochenende gemieteten, Ferienhauses, „Der Nebelschleier, der sich wie eine Decke über die Landschaft legte, wurde immer dichter. Sie konnte nicht sehen, wohin sie lief und der Wind, flüsterte ihren Namen „Monique“. Immer wieder umschmeichelten Luftzüge ihren Körper, erfüllten sie mit einer Kälte, die sie so nicht zu kennen vermochte und ließen sie erzittern. Doch plötzlich, wurden ihre schlimmsten Befürchtungen wahr. Die dichte Wolkendecke brach auf und das grelle Licht des Vollmondes, erhellte die Landschaft um sie herum und blendete sie. Kurz darauf, erfüllte ein lautes Heulen, welches ihr durch Mark und Bein ging, die Stille der Nacht. Was würde geschehen? Würde er sie verschonen, wenn er sie in seine Fänge bekam?“



Sabine sah aufgeregt in die Runde. Lange hatte sie auf den neuen Roman von Elke Fischer gewartet und durch die Wochenendplanung, hätte sie es beinahe verschieben müssen, diesen auch zu lesen. Doch ihre Kollegen, hatten eine wunderbare Idee. Man könne sich Gruselgeschichten erzählen, wie damals, am Lagerfeuer. Leider regnete es in dieser Nacht und sie konnten sich nur in der Hütte damit vergnügen. Aber das sollte Frau Vögler nur recht sein.


Alle waren da. Frau Doktor Hassmann, deren Smartphone minütlich vibrierte – vermutlich, weil sie mit ihrer Tochter schrieb, um sicher zu gehen, dass sie keinen Unsinn machte, wenn sie über das Wochenende allein war und ihre Freundinnen bei sich zu Hause hatte.


Doktor Kaan, der ihr interessiert zu lauschen schien, dessen Augen jedoch unglaublich glasig waren. Er sah aus, als befände er sich auf einem anderen Planeten und nicht, zusammen mit seinen Freunden und Kollegen, in einer zugigen Holzhütte, irgendwo am Rande Berlins.


Frau Doktor Haase saß, eingehüllt in eine dicke Decke, auf dem Sofa. Immer bereit, sich den Stoff über den Kopf zu ziehen, falls es zu gruselig werden würde. Aber sie schien ganz entspannt zu sein, denn sie schlürfte genüsslich ihren heißen Kakao.


Doktor Meier, war nach den ersten vier Seiten, die Sabine vorgelesen hatte, verschwunden und seither auch nicht wieder aufgetaucht. Sein Verschwinden, schien jedoch niemanden wirklich zu stören.


Und Doktor Gummersbach, ihr Prinz, der von allen immer nur „Verwirrter Kellerhocker“ genannt wurde, hörte ihr aufmerksam zu.



Sabine, die Frau, die sich bei Vollmond lieber die Haare schnitt, als durch irgendwelche dunklen Landstriche zu ziehen, blätterte motiviert auf die nächste Seite, „Doktor Rogelt, war erwacht. Schnell trugen ihre Füße sie durch das Maisfeld. Doch, hatte sie wenig Hoffnung. Er würde ihre Angst riechen. Er würde die Fährte aufnehmen, sie suchen, sie jagen und am Ende, würde er sie einfach verspeisen. Dieses nie enden wollende Spiel, dem keiner der beiden entfliehen konnte. Seit einigen Monaten schon, wusste Monique, dass ihr geliebter Doktor Rogelt nicht mehr der Mann war, der er zu sein schien. Einmal im Monat, versteckte er sich auf diesem verlassenen Landstrich, um sein Geheimnis zu wahren. Doch, sie war ihm auf die Schliche gekommen und sie wünschte, sie hätte es nie erfahren. Sein Blutdurst war unersättlich. Egal wie viel Fleisch sie ihm brachte – er jagte sie immer und immer wieder. Es war ein Spiel. Sie war das scheue Lamm, welches lief und in eine Ecke gedrängt wurde und er, war der mutige Wolf, der seine Beute wieder laufen ließ, um sie erneut zu fangen. Doktor Rogelt, würde sie immer wieder jagen und irgendwann, würde er sie in eine Ecke drängen, aus der sie nicht entfliehen können würde und einfach verspeisen. Mit Haut und Haar würde er sie verschlingen und niemand würde jemals erfahren, was wirklich mit ihr geschehen war“, las sie weiter und bedachte die Neurologin, die lautstark gähnte, mit bösen Blicken, „Monique“, dröhnte seine tiefe männliche Stimme durch die Nacht und sie wusste, sie hatte nicht mehr viel Zeit. Er klang erregt. Erregt, durch ihre Angst, die sie in jeder Faser, ihres weiblichen Körpers, spüren konnte. Ihr langes rotes Kleid, raschelte leise, mit jeder Bewegung und ihre Stiefel, trugen sie soweit sie konnten. Ein langer, tiefer Atemzug. Ein Knurren. „Monique“, wurde das Grollen tiefer. Panisch, sah sie sich um. Doch sie konnte ihn nicht ausmachen – dabei musste er ganz in ihrer Nähe sein. Die Dunkelheit umschlang sie, die Kälte streichelte ihre nackte Haut und wenn sie sich jetzt zu schnell bewegen würde, würde sie sich verraten. Was konnte sie nur tun? „Monique. Ich will Ihnen keine Schmerzen zufügen. Bitte geben Sie mir nur eine Chance“, flehte er und einen Wimpernschlag später, sah sie seinen Schatten. Phantomartig, bewegte sie sich langsam nach hinten, um ihm zu entfliehen, doch schon bald, spürte sie eine kalte Mauer in ihrem Rücken. Sie hatte keine Wahl. Ihr Atem, wurde flacher. Ihre Beine, wurden weich. Es gab keinen Ausweg und Doktor Rogelt, kam ihr immer näher. Kurz war sie überlegt, einfach zu rennen. Aber da war es schon zu spät und sie spürte seinen kalten, feuchten Atem auf ihrer Wange. Seine großen Hände, legten sich um ihre Taille und sein Körper, drückte sie fester gegen die Mauer. „René“, wimmerte sie mit geschlossenen Augen, „Bitte lassen Sie mich gehen. Das können sie mir nicht antun“, wimmerte nun auch Sabine und wurde verstört angesehen.


Immerhin war es das eine, diese Groschenromane zu lesen – aber es war noch mal etwas anderes, sich so sehr in diese Geschichten hineinzuversetzen, dass man die Realität völlig ausblendete. Maria, musste sich wirklich anstrengen nicht lauf aufzulachen. Zu komisch sah es aus, wie die kleine Krankenschwester auf dem Sessel saß, das Buch auf ihren angewinkelten Beinen und die Hände, zu kleinen Fäustchen geballt, ganz aufgeregt vor der Brust. Sie stierte regelrecht auf die Seite und die Neurochirurgin war sich sicher, Sabine würde es nicht mitbekommen, wenn man ihr nun einen Bob schneiden würde. Mehdi nickte unterdessen immer mal wieder ein und schreckte auf, wenn sein Kopf zu tief wanderte. Dabei hatte er wirklich versucht, Interesse zu zeigen. Er wollte die, ohnehin schon sehr verunsicherte Sabine, nicht noch mehr verunsichern. Und Gretchen, die sich den ganzen Abend immer mal wieder ängstlich umgesehen hatte, schwelgte in ihrer eigenen kleinen Welt. Eine Welt, in der Marc, der große böse Wolf war, der sie, die junge attraktive Frau, mit seiner gesamten Männlichkeit, gegen die kalten Wände des OP-Saales presste und: „Was denken Sie denn, was ich mit Ihnen machen werde, Monique?“, raunte er ihr in ihr zartes Ohr, nachdem er, mit seiner starken Hand, ihr langes blondes Haar in ihrem Nacken verknotet hatte. Ruckartig, zog er den Zopf in seiner Hand nach unten und legte so ihren Hals frei. Ihren langen, grazilen Hals, der so verführerisch, so weiblich duftete. Er konnte sich einfach nicht zurückhalten. Seine raue, feuchte Zunge, zog eine nasse Spur über ihre Halsschlagader und der kühle Wind, dieser Nacht, ließ seine Beute, vor Kälte und Erregung, erzittern. Er schnupperte an ihrem Körper. Es faszinierte ihn, wie sich der Duft der Angst und der, der Erregung vermischten, einen neuen, noch viel unwiderstehlicheren Duft erzeugten und ihn beinahe um den Verstand brachten.“


„Ach du grüne Neune“, stöhnte Maria auf, „Jetzt sagen Sie mir nicht, dass die beiden da gleich zum Akt übergehen, denn dann würde mir wirklich schlecht werden!“


„Doktor Rogelt, was tun Sie?“, fragte Monique in die Dunkelheit hinein, „Was wollen Sie? Warum lassen sie mich nicht einfach fliehen?“, las Sabine unbeirrt weiter, „Lassen Sie mich ziehen René. Es gibt doch keine Zukunft für uns“, versuchte Monique nun Vernunft walten zu lassen. Er presste sie jedoch noch fester gegen die Mauer, ließ ihr kaum Luft zum Atmen. Dabei sollte er doch auf sein Herz hören. Er musste doch wissen, dass es keine Zukunft gab, wenn er nicht bald geheilt werden würde. Doch all ihr Glaube, an das Gute in ihm, wurde ausgelöscht. „Ich mache dich zu meiner Art“, hauchte er ihr zu und fuhr mit seinem langen Finger über ihren entblößten Hals. Er umschlang sie. Schraubstockartig, hielt er sie fest. Bereit, das zu tun, was immer er tun musste. Tun wollte. Sie musste einen Ausweg finden, denn heute, schien René Ernst zu machen. „Viel zu lange schon warte ich darauf“, keuchte er in ihren Nacken, „Viel zu lange schon, bleibt uns verwehrt, was wir so sehr verdienen.“ Nein. Das ging so nicht. Sie könnte es nicht ertragen, so zu sein wie er. Obwohl sie ihn so sehr liebte. Obwohl sie es sich so sehr wünschte. Monique, liebte ihn von ganzem Herzen und doch, musste sie überleben. „Es tut mir leid“, waren ihre letzten Worte, an ihren geliebten René, ehe sie den Holzpflock aus ihrem Stiefel zog und ihn in sein Herz stieß. Mit all ihrer Kraft, mit all ihrer Liebe, tötete sie sein Herz. Sein gutes Herz, welches für immer verdorben wurde.“, eine dicke Träne, bahnte sich über Sabines Wange und auch Gretchen kam nicht umhin, zuzugeben, dass es wirklich sehr traurig war – immerhin hatte sie gerade in ihrer Märchenwelt, ihren Prinzen getötet, „WARUM?“, schrie der Werwolf sie schmerzerfüllt an, riss sich den Pflock aus der Brust und fiel auf seine Knie, „Warum lässt Du mich, Dich nicht zu einer von uns machen?“ Langsam, schritt sie auf den gebrochenen Wolf zu. Und als sie sich zu ihm auf den Boden kniete, sah sie es. All seine Liebe und der Schmerz, sie nicht für sich gewinnen zu können, in seinen großen Augen. Ihre kleine Hand, in seinem verfilzten Fell, flüsterte sie, „Weil ich es nicht ertragen könnte, so zu sein wie ihr. Ihr tötet unschuldige Menschen, um euren Blutdurst, euren Hunger zu stillen. Ich bin Krankenschwester René, aus Überzeugung und ich werde nicht töten. Ich werde immer Leben retten und heute, rette ich das meine.“ Sie würde ihm nicht beim Sterben zusehen können. Ein letzter, liebevoller Blick und schon, eilte sie durch die Nacht. Weg von diesem Ort, an dem alles begann. Weg von ihren Ängsten, die sie jeden Tag gequält hatten. Weg von ihrer Liebe, die ein schreckliches Ende nehmen musste. „MONIQUE“, brüllte der Werwolf ein letztes Mal in die Nacht hinein – schmerzerfüllt und so voller Liebe, doch dann, schloss er seine Augen und verließ diesen Ort, in eine andere, für ihn, bessere Welt. Ohne Schmerzen, ohne Hunger und ohne seine große Liebe.“, schniefte Sabine, „Wie traurig…“


„Bienchen“, eilte Doktor Gunther „Günni“ Gummersbach seiner Liebesten zur Seite, natürlich nicht ohne die vorgegebenen hygienischen Sicherheitsmaßnahmen, „Nicht weinen. Das war doch noch gar nicht das Ende.“


„Ja leider! Meine Mutter weiß einfach nicht, wann man aufhören sollte“, grummelte es aus einer dunklen Ecke und erschrak den ein oder anderen. Besonders Gretchen schreckte auf und leuchtete rot wie eine Tomate.


Wie lange er da wohl gestanden hat?


Sein Blick ruhte auf ihr. Auf ihren erhitzten Wangen und sie spürte, dass er sie beobachtet haben musste.


„Soll.. Soll ich denn weiterlesen?“, fragte Sabine ihren Oberarzt, der wenig begeistert schien.


„Sicher, lesen Sie weiter Sabine“, grinste er jedoch und Gretchen wusste, er hatte sie im Auge und er würde genau wissen, an was sie dachte.


„Der Morgen brach an und an ihren Händen, klebte Blut. Sie hatte mit sich selbst gebrochen. Ihre Grundsätze, fallen gelassen, um zu leben. Ein Leben zu leben, welches noch lebenswert war und nicht eines als Sklavin ihrer Selbst. Monique wollte sich nicht verstecken müssen, nur damit sie mit René zusammen sein konnte. Sie wollte nicht einmal im Monat, den Schmerz spüren, den er gespürt haben musste, wenn der Vollmond die Dunkelheit erhellt. Und vor allem, wollte sie sich nicht an unschuldigen vergehen. Väter, Mütter, Kinder, ganze Familien, die von einem Rudel Werwölfe auseinandergerissen und für immer verdorben wurden. Sie stellte das Wasser in der Dusche an und wusch sich die Ereignisse der vergangenen Nacht ab, ehe sie zur Arbeit fuhr. Wie jeden Morgen, in dem Bus, der um die Ecke hielt. Aber heute würde, zum ersten Mal, alles anders sein. Doktor Rogelt, würde nicht erscheinen und sie wusste nicht, wie sie sein Fernbleiben erklären konnte. Dieser Mann, nahm sich nie frei, arbeitete wie ein Tier und war unersetzlich. Doch das Schicksal, bestimmte den Weg ihrer Leben und es hatte vorgesehen, René ein schnelles Ableben zu schaffen, damit er ersetzt werden müsste. Also musste es, irgendwo, einen Mann geben, der genau das konnte, was René konnte. Eilig, zog sie sich um, versuchte sich ihre Nervosität nicht anmerken zu lassen, schritt schließlich voller Elan in den Flur und stieß gegen einen Körper. „Aaaah, Schwester Monique. Wie schön sie zu sehen“, lächelte René seine Angebetete an, „Wie war denn Ihre Nacht?“ Es musste ein Traum sein. Ein schlimmer Traum, aus dem sie irgendwann aufwachen würde“, Sabines Augen, wurden Tellergroß und Maria, konnte sich nicht zurückhalten, „Oh Gott! Wie realitätsfern ist denn das, bitteschön? Sie hat ihn erstochen und er steht putzmunter wieder auf der Station? Nicht mal vierundzwanzig Stunden später?“


„Wenn Sie wüssten Frau Doktor Hassmann, was Doktor Rogelt schon alles überlebt hat, würden Sie ihr Medizinstudium in Frage stellen“, grinste der Sohn, der emsigen Erfolgsautorin und war insgeheim froh, dass seine Mutter ihn nicht um Hilfe bat, wenn sie mal wieder abdriftete und so einen unmöglichen Schund schrieb.


„Deine Mutter hat eben eine blühende Fantasie“, nuschelte Gretchen in ihre Tasse, ohne ihn direkt anzusehen. Immerhin waren Diskussionen über das Gedankengut von Elke Fischer, nicht gerade Gesprächsthemen, die ihn in glücklich machten.


„Ja, so wie du Hasenzahn. Du bist ja auch so eine, die sich so einen Kram ausdenken kann. Prinzen und Entjungferungen auf Bauernhöfen!“


„Uuuuh Frau Doktor Haase“, schmunzelte Maria, „Das müssen Sie uns jetzt aber genauer erklären.“


„Es war kein Bauernhof, sondern ein Pferdestall und können wird das Thema bitte lassen und Sabine weiter zuhören?“, wiegelte Gretchen schnell ab, denn sie wollte wirklich nicht über die peinliche „Mein erstes Mal“ – Geschichte in der BRAVO sprechen.


Wissend, grinste Doktor Meier. Es war ihr also noch immer peinlich. Dabei lag dieser kleine Fauxpas, nun schon knappe zwanzig Jahre zurück. Angestrengt, gab Gretchen vor, Sabine weiterhin zu lauschen, obwohl sie die stechenden Blicke von Marc und Maria, deutlich in ihrem Nacken spürte.


„Sie konnte es sich einfach nicht erklären. Wie konnte er heute hier sein, nachdem was letzte Nacht passiert war? Und – war er überhaupt hier? Sie konnte eine Veränderung spüren. Seine Haltung, sein Verhalten ihr gegenüber. Es war ganz anders wie sonst. So kalt. So berechnend. Sie hatte ein ganz komisches Gefühl. Er war zwar da, doch war er es auch nicht. Etwas in ihm, schien gestorben zu sein. Ein Teil in ihm, ein kleiner – jedoch bedeutender Teil“, plötzlich sprang Sabine, wie von der Tarantel gestochen, auf. Gretchen quietschte vor Schreck auf, Maria fasste sich ans Herz, Günni plumpste hinterrücks von seinem Hocker runter, Mehdi konnte gerade eben so, einen Aufprall seines Kopfes, mit der Tischplatte, verhindern und Marc verdrehte genervt die Augen. „Sie hat nur den Werwolf getötet“, rief die Krankenschwester laut und aufgeregt aus, woraufhin Maria nur entnervt aufstöhnte, „Sabine, ehrlich mal. Wie soll das bitte gehen?“


„Na, Monikwe, hat doch den Holzpflock in das Herz des Werwolfs gestochen und das Herz dann durchbohrt. Das von Doktor Rogelt, hat sie ja gar nicht getroffen“, sie bekam einen leicht wahnsinnigen Gesichtsausdruck, was bei weitem das Gruseligste war, was das Ärztegespann, an diesem Abend, erlebt hatte.


„Schwester Sabine“, versuchte sich Doktor Meier daran, ruhig zu bleiben und presste fest Daumen und Zeigefinger auf seine Augen, doch er konnte einfach nicht, „kennen Sie das Sprichwort „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten?“, wurde er dann doch lauter. Es konnte doch wirklich nicht sein, dass eine ausgebildete Krankenschwester, einfach so, medizinische Fakten überging. Er schwor sich, diese Frau nie wieder unbeaufsichtigt bei einem Patienten zu lassen, „Selbst wenn sie diesen Vollschwachmaten nur in seiner „Werwolf Gestalt“, wie Sie es nennen wollen, getötet hat – ein Herz ist und bleibt ein Herz. Er hat da ja nicht auf einmal zwei davon!“


„Warum denn nicht?“, fragte Gretchen ihn mit großen Augen, woraufhin er sie mit noch größeren ansah, „Schau doch nicht so! Du kennst doch deine Mutter Marc.“


„Hast du nen Sockenschuss?“


Dass er auch immer gleich beleidigend werden muss, stört mich ja jetzt irgendwie…


Doktor Gummersbach, der sich mühsam aufgerappelt hatte, fühlte sich in der Position, sein Bienchen zu verteidigen, „Also, in Anbetracht der Lage, dass wir alle Mediziner sind, komme ich nicht umhin, Doktor Meier in dieser Angelegenheit, Recht zu geben. Allerdings muss ich anmerken, dass wir hier von einer Fiktion, also einer ausgedachten Geschichte sprechen. Wir können nicht davon ausgehen, dass die uns bekannten Fakten, in diesem Falle zählen. Werwölfe, sind auch nur ein Mythos und trotzdem ist Doktor Rogelt, als solches, von Schwester Monique, brutal, sehr brutal – das kann ich Ihnen als Pathologe sagen, getötet worden. Bei einer genauen Untersuchung, könnte ich Ihnen sagen, dass der Herzmuskel schwer beschädigt worden ist. Inoperabel geschädigt. Was natürlich eine Anzeige zur Folge haben..“


„Wer hat den Kellerkriecher eigentlich aus seinem Loch gelassen?“, fragte Marc laut in die Runde.


„MARC!“


„Was denn? Kommt hier mit seiner Lebensgeschichte um die Ecke, obwohl schon geklärt ist, dass das so NICHT funktioniert!“


„Aber“, wollte Sabine sich und ihre Lieblingsautorin verteidigen, doch – „Nichts aber, Sabine! Es ist Fakt! Und nun lesen Sie schon weiter. Wir müssen damit heute noch fertig werden…“


Auch wenn er es sich nicht gern selbst eigestand, hatte es durchaus seinen Vorteil, wenn man einen Fan seiner Mutter kannte – so musste er diese schrecklichen Geschichten nicht mehr allein Korrektur lesen.


„Monique, fühlte sich unbehaglich in seiner Gegenwart und auch René, schien auf ihre Anwesenheit verzichten zu können „Da Ihnen nichts sonderlich Intelligentes einzufallen scheint, können Sie sich gleich an die Arbeit begeben“, mit einem selbstgefälligen Grinsen, fügte er an, „Heute mal, am Empfang!“ Das erstaunte sie nicht nur, sondern riss ihr auch den Boden unter den Füßen weg. „Aber.. Ich, ich bin OP-Schwester“, stammelte sie verwirrt – doch Doktor Rogelt, schien sich heute nicht erweichen zu lassen, „Na, jetzt aber mal schön langsam. Wir wollen doch nicht, dass jemand stirbt“, sein Blick wurde kalt, in seiner Stimme, lag der Hass. All die Wut, die er verspürt haben musste, als er gestorben ist. Aber er war doch gar nicht gestorben. Oder spielte ihr Verstand, ihr hier einen fiesen Streich und er war gar nicht hier? Führte sie Selbstgespräche? Würde sie das nun, ihr Leben lang verfolgen? „Ich nehme heute Schwester Angelique mit in den OP und Sie“, nahm René Monique bei den Schultern und setzte sie auf einen der Stühle, „bleiben schön hier und passen auf, dass alles seinen gewohnten Gang nimmt.“ Für Monique, gab es nun keinen Zweifel mehr. Er war wirklich hier. In Fleisch und Blut. Ganz deutlich hatte sie seine starken, männlichen Hände spüren können. Doch er war nicht mehr René, er war ein anderer. Ein kalter, gefühlloser Mann – der ihr, obwohl sie ihn schon so lang kannte und liebte, fremd war. Seine Hände, waren ganz kalt gewesen. Das hatte sie unter ihrem Kittel spüren können und wenn sie nun daran dachte, zierte eine dicke Gänsehaut, ihre alabasterfarbene Haut“, flüsterte Sabine dramatisch, „Stunden, saß Monique am Empfang, versuchte sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, doch die Einsamkeit, ließ schnell die wirren Gedanken zu und so versuchte sie, Antworten zu finden. Antworten, auf all die Fragen, die sie nun beschäftigten, nicht losließen und einnahmen. Sie nahmen von ihr Besitz, schienen sie in den Wahnsinn zu treiben – doch, wenn sie Antworten wollte, musste sie bei klarem Verstand bleiben. Sie durfte nicht in die endlosen Weiten der Verzweiflung abdriften. Sie musste hierbleiben, in der Realität und das klingelnde Telefon, tat sein Übriges, um sie auch in dieser Welt zu behalten. Nach einem kurzen Schreckmoment, fasste sie sich und nahm den Hörer ab. Ohne darauf zu warten, mit wem der Anrufer verbunden war, hörte sie eine verzerrte Stimme, die flüsterte, „Ich kenne euer Geheimnis. In zehn Minuten, in der Pathologie. Keine Fragen!“ Jemand wusste Bescheid. War ihnen etwa jemand gefolgt und wenn ja, wer? Und, was wusste dieser jemand? Sollte, konnte sie es wagen, nach unten zu fahren? Monique wusste, dass dies der einzige Weg war, Antworten zu bekommen. Der einzige Weg, den Fragen, die wie ein Wirbelsturm durch ihren Kopf fegten, auszuweichen. Sie zum Stillstand zu bringen. Doch tief in ihr, lähmte sie wieder die Angst – auf wen würde sie dort unten wohl treffen?“


„Wahrscheinlich auf den heiligen Geist“, sich streckend, gähnte Marc, denn er konnte sich schon denken, worauf das nun wieder hinauslief.


„Schließlich fasste sich Monique ein Herz und fuhr, mit nervösem Magen, hinunter in die Pathologie. Hinunter in den Keller, unwissend, was sie dort erwarten würde. Wer sie dort erwarten würde. In all den vielen Jahren, in denen sie nun schon Doktor Rogelts OP-Schwester war, hatte sie selten jemand anderes, wie den Pathologen Jaqué, hier unten gesehen. Nicht viele Schwestern fuhren gern in den Keller. Hier unten war die Atmosphäre, nahezu greifbar. Man spürte die Kälte, wie Nadelstiche auf der Haut. Die Einsamkeit umhüllte einen jeden, wie ein samtenes Tuch. Hier, lebte der Tod und er war so greifbar nah, dass es einem ganz anders wurde. Und auch heute, war niemand hier. Niemand außer ihr und den vielen Seelen, die darauf warteten, ihre letzte Reise anzugehen.“


„Wie wundervoll sie das beschreibt“, geriet Günni, mit leuchtenden Augen, ins Schwärmen, „Ich könnte es nicht besser beschreiben.“


„Als sie sich jedoch genau umsah, fiel ihr auf, dass alle Kühlkammern geöffnet waren. Dort lagen keine Verstorbenen mehr. Sie war ganz allein. Wieder umhüllte sie die Kälte. Doch diesmal, war sie viel präsenter – fast greifbar, doch nicht minder bedrohlich. Um sie herum, nichts als Dunkelheit, bis ihr, am Ende des Raumes, ein grelles, kaltes Licht auffiel, welches sie magisch anzog. Ein unsichtbares Band, welches sie an das Ende des Raumes zog und ihr keine Möglichkeit gab, einen anderen Weg einzuschlagen. Ihre Angst, mischte sich mit dem Gefühl der Neugierde – doch als sie endlich an ihrem Ziel ankam, versetzte ihr dass, was sie dort sah, einen tiefen Stich. „Oh René“, hauchte sie mit Tränen in ihren Augen. Tränen, die so salzig waren wie das Meer. Tränen, die sich einen Weg über ihre Wangen bahnten und eine heiße Spur hinterließen. Tränen, voller Gefühl, weil sie aus Liebe geweint wurden. Dort vor ihr, lag auf einer Bahre, ihr geliebter René. Seine Haut war kalt, sein Gesicht war blass, seine Lippen waren weiß und spröde und dort, wo einst sein Herz, geschützt unter seiner Brust lag, klaffte ein tiefes Loch – er war tot!“


„HA!“, klatschte Maria in die Hände, „Sag ich doch: Er IST tot!“


„Ist er nicht“, stöhnte Marc gequält und Mehdi schreckte auf, „Ist er nicht?“


„Nein, ist er nicht..“


„Sabine, ist er tot?“, wollte Gretchen nun endlich Gewissheit haben und zum Ende dieser Geschichte kommen, denn wenn sie ehrlich war, wurde ihr das alles, langsam doch ziemlich unheimlich.


Draußen, heulte der Wind. Die Blätter der Bäume, raschelten unaufhörlich und der Regen, prasselte laut gegen die Fenster. Zwischendrin, blitzte es hell auf und das Licht, ließ unheimliche Schatten in die abgedunkelte Hütte fallen. Die Kälte die Elke beschrieb, hielt sie auch gefangen. Allerdings war dies eine andere Kälte und sie bekam wirklich bammel…


„René schlief. Einen friedlichen Schlaf. So ausgeglichen und entspannt, hatte sie ihn lang nicht mehr gesehen. Die letzten Monate, wirkte er, auf sie, immer unglaublich gestresst, müde und ausgelaugt. Die Verwandlungen, die schlaflosen Nächte und sein ungestillter Hunger, hatten ihn unglaublich viel Kraft gekostet und auch wenn es sie schmerzte, stimmte sie es doch fröhlich, ihn so ausgeglichen zu sehen. Vorsichtig, beugte sie sich zum ihm herunter, wollte ihn ein letztes Mal küssen und gerade, als sie mit ihren Lippen, die seinen berührte, fasste sie eine starke, kalte Hand im Nacken und drückte sie näher zu sich herunter. „Dachtest Du, Du könntest mich besiegen?“, flüsterte die verzerrte Stimme in ihr Ohr und es lief ihr eiskalt den Rücken hinunter, „Ich bin unbesiegbar Monique!“ Sein kaltes, wahnsinniges Lachen, erfüllte den Raum und hüllte ihm, neues Leben ein. Seine langen Zähne, trafen sie vollkommen unerwartet und bohrten sich tief in ihr Fleisch. „Nun gehörst Du allein mir“, hauchte René seiner Geliebten zu und bedeckte ihre vollen Lippen, mit einem zärtlichen Kuss“, schloss Sabine vollkommen beeindruckt. Das hätte sie so, nie erwartet.


Und die anderen, wohl auch nicht.


Verwunderte Blicke wurden untereinander ausgetauscht – nur Günni, hing noch an den Lippen seiner Biene. Die beiden lasen regelmäßig, zusammen, die Romane von Elke Fischer und nach jedem einzelnen, mochte auch Günni die Autorin und die Geschichten, ein bisschen mehr. Besonders Sabine freute es, dass ihr Lebensgefährte ihre Leidenschaft teilte.


Doch die anderen, im Raum Anwesenden, waren so überhaupt nicht begeistert von dem eben Gehörten. Besonders Marc, hatte einen Graus vor dem, was da wohl noch kommen mochte. So wie er seine Mutter kannte, wohl nichts Gutes und er schwor sich, sie auf nicht eine Vorlesung mehr zu begleiten. Das war wirklich mehr als nur noch peinlich. Die Romane wurden nicht besser, sie wurden immer schlechter. Dabei waren sie mal ganz solide gewesen, bis sie sich entschlossen hatte, auf diesen ganzen Fantasy-Mist zu setzen und damit auch noch Erfolg hatte, weil nun auch immer mehr Männer ihre Romane kauften.


Mehdi, schien noch gar nicht wahrgenommen zu haben, dass Sabine nicht mehr weiterlas und blickte noch immer, starr, in eine Richtung. Dass er nicht anfing zu sabbern, war wohl alles.


Und Maria versuchte mit allen Mitteln, aus Gretchen herauszubekommen, was Doktor Meier vorhin mit seiner Aussage gemeint hatte. Aber Frau Doktor Haase, würde einen Teufel tun, dass jemandem aus dem Krankenhaus zu erzählen. Es war ihr schon eine Nummer zu viel, dass Marc dies, nach so vielen Jahren, noch so genau wusste. Dabei hatten sie wenig, eigentlich nie, über ihre gemeinsame Schulzeit gesprochen, seitdem sie wieder in Berlin war. Und als ob das nicht schon schlimm genug war, musste er vor versammelter Mannschaft auch noch so doofe Andeutungen machen. Maria würde sie nie wieder damit in Ruhe lassen.


Sabine und Günni fingen in der Zwischenzeit an, darüber zu spekulieren, wann und wie die Geschichte um Doktor Rogelt und Monique wohl weitergehen würde. Von wahnsinnig bis skurril, war wirklich alles dabei und Marc würde es wirklich wundern, wenn ihn etwas anderes erwarten würde.


Mehdi hatte sich inzwischen aufgerappelt und beteiligte sich an der Unterhaltung von Doktor Haase und Doktor Hassmann. Jedenfalls pflichtete er Gretchen eifrig bei, dass man sie doch mit solch alten Kamellen in Ruhe lassen sollte.


Doktor Meier, lehnte sich unterdessen entspannt zurück und ließ die Dinge ihren Lauf nehmen. Nicht umsonst war er damals, nicht nur Klassensprecher, sondern auch Klassenclown gewesen und heute, würde er seine Qualitäten einmal mehr unter Beweis stellen. Während alle in ihren, mehr oder weniger, interessanten Unterhaltungen vertieft waren, sah er auf seine Uhr und auf die Sekunde genau, gab es einen lauten Knall, gefolgt von einem ohrenbetäubenden Scheppern, welches sie alle aufschrecken ließ.


„Was war DAS denn?“, schnaufte Gretchen auf und fasste sich ans Herz, so erschrocken, hatte sie sich schon lange nicht mehr und wie eine aufgeschreckte Katze, sah sie sich panisch in dem kleinen Wohnzimmer um.


„Vielleicht irgendwelche Teenies?“, meinte Mehdi schulterzuckend und Marc konnte sich nicht verkneifen, gehässig zu grinsen und beiläufig zu erwähnen, „Oder ein Irrer rennt hier mit ner Knarre rum!“


„Das ist nicht witzig Marc!“, wurde er auch sogleich, wie erwartet, von Gretchen getadelt, „Wir sind hier immerhin irgendwo im Nirgendwo!“


„Stell dich nicht so an Hasenzahn. Vor dir würde jeder Serienkiller Angst bekommen und leichenblass davonlaufen.“


„Meier, das war wirklich geschmacklos“, stöhnte Maria gequält auf, weil sie von dem Chirurgen eigentlich besseres gewohnt war und Mehdi warf beiläufig ein, „Das ist er doch eigentlich immer, Frau Doktor Hassmann!“, worauf Sabine und Günni nur zustimmend nicken konnten.


Natürlich wusste Marc, dass sie Recht hatten. Sie wussten nur noch nicht, wie Recht sie damit doch hatten und wie geschmacklos es noch werden würde. Denn, wenn er sich diesen Unfug hier schon unfreiwillig antun musste, wollte er dabei wenigstens ein bisschen Spaß haben. Und was bot sich da besser an als Halloween?


„Was haltet ihr von einem Film? Natürlich ein ordentlicher Horrorstreifen und nicht so einen Schund, wie den, den meine Mutter da fabriziert?“, fragte er in die Runde.


Die misstrauischen Blicke von Gretchen, deutete er zwar richtig, aber er beschloss, sie einfach zu ignorieren. Maria und Mehdi, befanden die Idee für gut und fingen sogleich an, sämtliche Kerzen zu löschen, damit die Atmosphäre auch stimmte. Gretchen konnte die Euphorie der anderen, jedoch nicht teilen. Sie hielt ohnehin schon nicht viel von solchen Filmen und nun war es bereits dunkel, es auch noch immer nicht geklärt, woher die Geräusche gekommen waren und da wollten sie wirklich einen Horrorfilm schauen?


Passend zum Tag, lautete der Filmtitel „Halloween“ und Marc freute sich wie ein Kleinkind. Wenn sein Freund Stefan alles richtig machen würde, würden sich hier einige der Damen, richtig einnässen und eigentlich, müsste ihn Gretchen nun lange genug kennen, um zu wissen, dass er solche Gelegenheiten, grundsätzlich, voll auskostete. Immerhin war sie es damals gewesen, die in der Schule, mitten auf dem Gang, ausposaunt hatte, dass sie an Halloween in ihrem Garten, mit ihren Freundinnen, übernachten wollte und extra dafür ein Ouija-Brett gekauft hatte. Hätte sie das nicht getan, hätte er sie damals auch nicht so erschrecken können und ihr skeptischer Blick verriet ihm genau, dass sie noch immer wusste, was es bedeutete, ihn an solchen Ausflügen teilhaben zu lassen. So wie er sie kannte, würde sie ihn den ganzen Film über nicht aus den Augen lassen.


Gemütlich lümmelten die Ärzte auf der Couch, die einen mit Chips, die anderen mit Weingummi oder einem kühlen Bierchen und sahen gebannt auf den Fernseher vor ihnen. Hin und wieder mal ein Lachen oder ein Kommentar zu dem eben Gesehenen und nur Gretchen, konnte sich nicht wirklich darauf konzentrieren. Immer wieder sah sie ängstlich zu den Fenstern. Noch immer regnete und stürmte es draußen und neben dem heulenden Wind, meinte sie ein Knarzen zu hören, welches eigentlich nur von der Terrasse draußen kommen konnte, doch konnte sie auch niemanden sehen.


„Was schaust denn die ganze Zeit nach draußen?“, fragte Marc, nachdem er sie fünf Minuten beobachtet hatte. Das sie Angst hatte, war ihm zwar schon klar, aber draußen war niemand und Stefan sollte eigentlich erst in Aktion treten, wenn es im Film spannend wurde und das dauerte immerhin noch gute dreißig Minuten.


„Ich glaub da draußen ist jemand Marc.“


„Wer soll da denn bitte draußen rumlaufen? Es ist arschkalt und nass. Nur ein vollkommen durchgeknallter, würde auf die Idee kommen, bei dem Wetter durch irgendwelche Wälder zu streifen. Wahrscheinlich ist das nur irgendeine Katze.“


„Und wenn nicht? Was ist, wenn wirklich jemand auf die wahnsinnige Idee kommt, hier mitten in der Nacht rumzulaufen und irgendwelchen Leuten, die so bescheuert sind, sich hier Horrorfilme anzuschauen, einen Schrecken einzujagen?“, wurde sie sogleich panisch.


Man las immerhin oft genug von solchen Fällen in der Zeitung. Aber Marc war eindeutig zu abgebrüht um dem wirklich nachgehen zu wollen. Sie sponn sich dort nun irgendeinen Blödsinn zusammen.


„Komm. Du hast einfach Angst, die Geräusche tun ihr Übriges und du malst dir irgendwelche Hirngespinste aus und projizierst das einfach nur in deine Angst hinein“, meinte er ruhig – er wollte um kein Geld der Welt, dass seine Streiche nicht fruchteten, „Bleib locker. Du bist nicht allein hier, hm?!“


Und kaum hatte er ausgesprochen, flog etwas, mit einem lauten Knall, gegen die Fenster. Gretchen stürzte sich gleich quietschend in seine Arme, vergrub ihren Kopf in seiner Brust und Maria, die genug Mumm hatte um nachzuschauen, was das denn nun gewesen ist, fragte verwundert, „Ist das Blut?“


„Quatsch“, stand nun auch Mehdi auf, um nachzusehen. Auch wenn ihm ordentlich die Pumpe ging, war er interessiert. Ohne Umschweife, öffnete er die Tür und lief hinaus um sich die Sauerei mal von draußen anzuschauen. Kaum dass er vor dem Fenster stand, zog er eine Packung Tempos aus seiner Jeans, die er aus Prinzip, einfach immer bei sich trug und wischte einmal quer über die Scheibe – und tatsächlich – dass dort vor ihm, war eindeutig Blut. Gründlich, sah er sich um, doch er konnte weder die Quelle ausmachen, noch irgendjemanden sehen.


„Das ist wirklich Blut“, sagte er, als er zurückkam und sah mit großen Augen in die Runde.


„Siehst du“, schlug Gretchen ihrem Oberarzt auf den Oberarm, „Ich sag doch, da draußen ist jemand!“


„Und wer bitte soll da sein? Wahrscheinlich war das nur ein Vogel oder so“, motzte er – denn eigentlich, sollte dies erst viel später passieren.


„Draußen liegt nichts. Ich habe nachgeschaut.“


„Dann hast du eben nicht gründlich geschaut Kaan. Außerdem ist es dunkel, wie willst du denn da was sehen?“


„Ja, schau du doch nach“, schmollte Gretchen ihn an. Sie hatte es schon die ganze Zeit gewusst, dass hier irgendwas faul war und so langsam hatte sie das Gefühl, dass Marc damit was zu tun hatte.











„Schön. Dann gehen wir Männer jetzt eben raus und schauen uns mal gründlich um, ob hier irgendein Serienkiller rumläuft. Meine Güte, man kann sich auch wirklich einnässen. Gummersbach, Mehdi? Anziehen, mitkommen!“, stampfte er voraus, zog sich seine Jacke an und kramte sein Handy aus seiner Hose – damit sie wenigstens ein bisschen Licht hatten.


Doch hätte er das gar nicht tun müssen, wie fünfzehn Minuten später, als Günni endlich fertig war und bei ihnen stand, klar wurde.


Doktor Günni Gummersbach, seines Zeichens Pathologe, war nicht nur ein guter Pathologe, sondern auch für jede Reise und sollte sie auch nur vier Stunden dauern, bestens ausgerüstet. Mit einer gelben Regenmütze, farblich darauf abgestimmtem Regenmantel und Gummistiefeln, einem Regenschirm und einer Wandertaschenlampe, stand er vor ihnen. Zudem trug er noch Latexhandschuhe und einen Mundschutz, für Marc sah er aus, wie ein entflohener Tropendoktor. Der Chirurg war allerdings viel zu geschockt, um dazu wirklich etwas sagen zu können. Er und Mehdi starrten sich, mit offenen Mündern, verblüfft an. Der eine, weil er nicht glauben konnte, was er da vor sich sah und der andere, weil er es für ein Wunder hielt, dass sein bester Freund noch nichts dazu gesagt hatte. Normalerweise, würde ein beleidigender Spruch nun den anderen jagen – aber Marc stand einfach nur da und begutachtete die quietschgelbe Erscheinung vor ihm, von oben bis unten und wieder zurück.


Und weil sein bester Freund anscheinend nichts dazu zu sagen hatte, ergriff Mehdi freundlich das Wort, „Doktor Gummersbach, warum haben Sie so etwas bei sich?“


„Ich bin gerne und grundsätzlich, für alle Eventualitäten ausgestattet“, begann er seinen Vortrag und schon bald, würde sich Mehdi wünschen, nicht nachgefragt zu haben, „Neben dieser überaus praktischen und bequemen Herbst beziehungsweise regenfesten Ausstattung, befinden sich in meinem Koffer noch diverse andere Ausstattungen. Zum Beispiel eine Bergsteigerausrüstung, falls es dazu kommen sollte, dass man diese benötigt. Zudem trage ich bei mir, noch winterfeste Kleidung inklusive Schneestiefeln und auch wenn man nun wirklich nicht mehr davon ausgehen kann, selbst wenn man den Klimawandel bedenkt, habe ich vorsorglich verschiedene Sonnencremes mit unterschiedlichen UV Schutzfaktoren eingepackt. Ich habe eine sehr empfindliche Haut“, ratterte der Pathologe nur so herunter und die Blicke der anderen, ausgenommen von Sabine, wurden immer ungläubiger, „In meinem Kofferraum, befindet sich zudem noch mein Arztkoffer und eine Notfallausrüstung. Das heißt nun im Klartext, mehrere sterile Tücher, OP-Kleidung in den verschiedensten Größen, OP-Bestecke, natürlich alle steril verpackt, Kühltücher, Wärmedecken, Ambu Beutel und ein tragbarer Defibrillator. Natürlich nicht zu vergessen, Adrenalin, Fenistil und andere Medikamente, die man im Falle eines anaphylaktischen Schocks, benötigt. Selbstverständlich habe ich auch Seifen und jede Menge Desinfektionsmittel dabei. Es sollte für diesen einen Tag genügen. Latexhandschuhe habe ich nicht nur für mich, sondern für einen jeden, in der passenden Größe.“


Marc fiel vom Glauben ab. Da bezahlte man Unmengen an Euros für die medizinische Grundausstattung in einem renommierten Krankenhaus und der Sonnenlichtverweigerer, fuhr mal eben so ein halbes Krankenhaus spazieren, quer durch Berlin.


„Jetzt hören Sie endlich auf Opern zu quatschen“, unterbrach er den, sich erneut anbahnenden, Redeschwall des leicht verwirrten Pathologen, „Bewegen Sie sich lieber. Sie haben das Licht – also gehen Sie auch voraus!“


Ganz gentlemanlike, hielt Marc, dem nun doch sehr verunsichert wirkenden Günni, die Tür auf und bat mit einer lockeren Handbewegung, hinauszugehen. Zwar glaubte er noch immer nicht, dass außer ihnen sonst noch jemand hier draußen, in der Wildnis, seine wertvolle Zeit verschwendete – doch wusste er auch, Gretchen würde erst Ruhe geben, wenn sie unversehrt zurückkehren würden.


Und so stiefelten die drei Oberärzte, der eine mehr der andere weniger motiviert, hinaus in den kalten Regen.








FORTSETZUNG FOLGT...



Choconussa Offline

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21.07.2017 05:39
#13 RE: Choconussa's Feiertagsspecials Zitat · antworten

:*¨*:.¯`*•.¤*•..•*¨*•*(◠‿◠) Geburtstag (◠‿◠)*•*¨*•..•*¤.•*´¯:*¨**:.


.•´¯`•´¯`•˙·٠•● Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ .•.¸¸.•. Ein Melanie - Spezial .•.¸¸.•... Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ●•٠·˙•´¯`•´¯`•.



_¸.•’´*¸¸♬·♩¸¸♪··♫¸¸♪♫•*¨*•.¸¸¸¸.•*¨*•♫♪ Flash mich ♪♫•*¨*•.¸¸¸¸.•*¨*•♫♪¸¸♫··♪¸¸♩·♬¸¸*¸.•’´¯







『「Vorwort」

Mal wieder ist es ein FREItag, der gleich von mir wieder zum FREUtag ernannt wird und der gleichzeitig, FEIERtag ist. Die drei magischen F’s, die ich im letzten Jahr schon einmal benutzen konnte und es dieses Jahr, endlich, wiederholen kann.
Auf diesen Tag, warte ich nun schon so lange… Denn heute hat unsere, also Deine und meine, Melanie, EHRENTAG!

Wie letztes Jahr schon Gretas Geburtstag, wollen wie den natürlich in gemütlicher Runde, mit viel Schokoladenkuchen und einer Badewanne voll Latte Ma(r)cchiato, gebührend feiern. Ich war mal wieder ein bisschen fleißig, diesmal klammheimlich und habe meine Feder gezückt, um meiner Süßen, ein wundervolles Geschenk zu machen. Doch nicht nur das, ich möchte ihr auch danken.

Lass mich, auch wenn ich es nachher eigentlich persönlich machen könnte, aber Du kennst mich, wie Deine Westentasche, DANKE, sagen. DANKE, für die vielen tollen Stunden, die wir gemeinsam am Telefon, in den Forenspielen, oder anderen Ecken hier im Forum, verbracht haben. DANKE, für die vielen Texte, die wir auf Facebook, WhatsApp, via E-Mail und hier im Forum ausgetauscht haben. DANKE, für die vielen Lacher, die ich hier schon erlebt habe. DANKE, für Deine Hilfe beim Korrigieren der Kapitel (ausgenommen von diesem hier ). DANKE, für Deine vielen Ideen, die Denkanstöße und die vielen aufbauenden Worte. DANKE, für Dein Vertrauen, dass Du mir immer und immer wieder entgegenbringst. DANKE, für Dein offenes Ohr und Deine starke Schulter. DANKE, dass Du mich nimmst wie ich bin und nicht wie andere, ich denke Du weißt wen ich damit meine, versuchst mich zu einem anderen Menschen zu machen.
Kurzum: DANKE FÜR DEINE FREUNDSCHAFT!

Du bedeutest mir unglaublich viel und ich freue mich wie Bolle, Dich gleich endlich in meine Arme schließen zu können und Dich ordentlich durch zuknuddeln.

Und jetzt, damit Du Dir die Stunden in denen ich mit dem Zug zu Dir getuckert komme, ein bisschen vertreiben kannst…





Quelle: Selfmade by JackySunshine

Die Geburtstagsparty für Bärbel, war ein voller Erfolg – zumindest für Gretchen. Zum ersten Mal, wollte sie ein Fest ausrichten. Bärbel sollte sich einfach mal entspannen können und sich nicht mit Vorbereitungen, Ausführung, Bewirtschaftung und Aufräumen beschäftigen. Hasenzahn hatte sich wirklich die größte Mühe gegeben und von seinem Standpunkt, in einer etwas dunkleren Ecke, von der aus er das Spektakel überblicken konnte, sah es so aus, als würden sich alle köstlich amüsieren. Das Buffet war so gut wie leer geputzt, also schien den Gästen das Essen von Mehdi und seiner Mutter, zu schmecken. Das hatte sich Gretchen dann doch nicht zugetraut. Sie wollte ja niemanden vergiften.


Doch sie hatte, dass alles sehr gut organisiert und damit nicht nur ihn, sondern auch sich selbst überrascht. Der Professor, hatte keine Sekunde daran gezweifelt, dass seine Tochter ein grandioses Ergebnis vorbringen würde und seine Frau? Na ja. Auch wenn sie es selbst nicht zugab, war sie doch sehr überrascht gewesen, als sie den großen Pavillon im Garten gesehen hatte, der eine mittelgroße Tanzfläche überdachte. Die Musik wurde einige Tage zuvor, sorgfältig zusammengestellt und dudelte nun besänftigend im Hintergrund.


Rechts neben dem Pavillon, wurden Tische aufgestellt, damit die Gäste beim Essen, gemütlich sitzen konnten. Noch vor einer halben Stunde, waren sie alle überfüllt mit leeren Tellern und Gläsern. Nicht war mehr zu sehen gewesen, von der schönen Dekoration, die Gretchen aus dem Hut gezaubert hatte. Doch jetzt, war alles wie gehabt. Einer sehr fleißigen Schwester Sabine sei Dank, die er eigens dazu beauftragt hatte. Gretchen sollte auch ein bisschen Spaß haben und sich nicht nur um die Gäste und um die Ordnung kümmern müssen.


Und Spaß hatte sie. Auch wenn er sie nicht immer sofort sah, wehte der zarte Ton ihres wunderschönen Lachens, zu ihm herüber. Mehdi hatte sie schon das ein oder andere Mal zum Tanzen auffordern können, weil er selbst, sich dazu einfach nicht durchringen konnte. Dabei sollte man meinen, dass sich in den knapp zwei Jahren in denen sie nun schon zusammen waren, einiges geändert hatte.
Wow! Wer hätte das gedacht?


Knapp zwei Jahre war es nun schon her, dass er dem Blonden Engel, wie der Teufel hinterhergeeilt und sie im Stationszimmer, vor allen Kollegen umgeknutscht hatte. Es war ihm damals vollkommen egal gewesen, was die Kollegen und das Pflegepersonal darüber dachten. Er musste die Initiative ergreifen, sonst hätte er Gretchen wahrscheinlich für immer verloren, denn der Millionär, den sie damals auf der Station hatten, hatte ein Auge auf sie geworfen. Daran konnte und wollte er nicht denken. Und heute stand er hier, auf der Geburtstagsfeier von Bärbel Haase und war in einer festen Beziehung mit Gretchen ‚Hasenzahn‘ Haase – noch immer.


Er konnte es fast nicht glauben. Sie hatte ihn aus den Latschen gehauen und immer, wenn sie glücklich war und er das Strahlen in ihren Augen sah, wusste er, dass sie dies, solange sie zusammen waren, immer wieder tun würde. Sie war eine Klassefrau. Fast schon zu perfekt für ihn. Womit hatte er sie verdient? Er war damals nicht nett zu ihr gewesen und hatte jede Gelegenheit genutzt um sie zu diskreditieren. Aber sie nahm es ihm nicht übel. Jeden Tag sagte sie ihm mehrmals, dass sie ihn liebte. Er selbst hatte es noch nicht einmal geschafft, ihr ihre erhofften magischen drei Wörter zu sagen. Er konnte es einfach nicht. Dabei war er sich ziemlich sicher, dass er sie sehr gern hatte. Einmal, wäre es ihm sogar über die Lippen gekommen, wenn der Pieper sie nicht unterbrochen hätte.


Er wusste, dass er sie damit enttäuschte und er wusste auch, dass sie das nicht verdient hatte. Sie hatte es nicht verdient mit jemandem zusammen zu sein, der ihr nicht das geben konnte was sie sich von ganzem Herzen wünschte. Und doch war sie glücklich. Jedenfalls, strahlte sie dies aus. Wie es wirklich in ihrem inneren aussah, wusste wohl nur ihr Tagebuch und der würde sich hüten, dort auch nur einen kleinen Blick hinzuwerfen. In Gefühlsdingen, war er noch immer unbeholfen und bei dem Gefühlsduselchen Gretchen, standen bestimmt nur schleimige und schmalzige Dinge im Tagebuch. Außerdem würde er es nicht ertragen zu wissen, dass sie vielleicht wirklich nicht so glücklich war, wie sie vorgab zu sein.
Und wie so oft, schaffte sie es auch heute wieder, ihn um den Verstand zu bringen.


„Na du?“, flüsterte sie ihm von hinten ins Ohr, während sie ihre Arme um seine Taille legte und sich an ihn schmiegte, „Genießt du ein bisschen die Ruhe vor meinem Vater und seinen Professorenkollegen?“


„Mhm“, murmelte er, „Ich habe für heute genug Universitätsanekdoten gehört, denke ich und die Freundinnen deiner Mutter, konnte ich auch erfolgreich abwimmeln.“


„Oh ja. Die sind schrecklich. Mich haben sie auch schon ordentlich in die Mangel genommen. Wann wollt ihr denn heiraten und Kinder bekommen? Liebst du ihn? Bist du glücklich? Ich sag dir, die können dich drei Tage lang, mit Fragen löchern.“


„Ja da lobe ich mir doch wirklich meine Mutter und ihre Freundinnen, die interessieren sich zum Glück nur für sich“, grinste er und drehte sich langsam zu seiner Freundin herum, „Trotzdem ist es ein sehr schöner Abend.“


„Das stimmt. Und weißt du wie er noch viel schöner werden würde?“


„Nein.“


„Wenn wir zwei jetzt einfach verschwinden. Aufräumen kann ich so oder so erst morgen und ich habe alle einmal begrüßt und mit ihnen gesprochen. Eigentlich, bin ich hier fertig und somit in der Lage dazu, dich zu erlösen“, hauchte sie ihm leise zu und einmal mehr wusste er, dass sie der einzige Mensch auf der Welt war, der genau wusste, was in ihm vorging.


In diesem Moment, wusste er es ganz genau… Und er wusste es auch noch einige Wochen später, als er hinter sich seine Wohnungstür zuzog, in seinen Wagen stieg und Hals über Kopf nach München bretterte.


Er liebte sie. Einfach alles an ihr. Ihre langen blonden Haare, die ozeanblauen Augen, den Erdbeermund und die kleinen Speckröllchen, die sie zweifellos hatte. Doch sie machten sie keineswegs uninteressant, oder unattraktiv. Sie war eine Traumfrau. Seine Traumfrau. Und trotzdem, konnte er nicht über seinen inneren Schweinehund springen. Er würde sie nie fragen, ob sie ihn heiraten wolle und er würde ihr auch nie den Wunsch nach einer eigenen Familie erfüllen können. Dass sie zu ihm gezogen war, war der einzig große Schritt den er zu wagen bereit war. Von hier an, würden sie auf ewig auf der Stelle treten und sich nicht einen Schritt nach vorn bewegen. Eher geschah es, dass sie mehrere Schritte zurücktaten und das wollte und konnte er einfach nicht ertragen. Die Enttäuschung in ihrem Gesicht, die traurigen und wässrigen Augen, wollte und konnte er einfach nicht sehen.
Er musste handeln und einen Schlussstrich ziehen, bevor es für sie beide, endgültig zu schwer wurde. Es würde ihr das Herz brechen. Doch wie sagte man so schön? Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!


Und doch konnte Marc Olivier Meier, der coole von der Schule, nicht verhindern, dass sich ihm eine kleine Träne, aus dem Augenwinkel stahl. Es hatte wohl auch ihm das Herz gebrochen und er war sich sicher, dass es nie wieder heilen würde. Nicht ohne seinen Hasenzahn.





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Choconussa Offline

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Beiträge: 330

01.11.2017 07:35
#14 RE: Choconussa's Feiertagsspecials Zitat · antworten

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- SPEZIAL




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„Auf der Suche nach einem sicheren Versteck, welches ihr Schutz bieten sollte, lief sie durch die Dunkelheit, die sie beinahe verschlang“, erfüllte die monotone Stimme von Schwester Sabine, den abgedunkelten Wohnbereich, des, über das Wochenende gemieteten, Ferienhauses, „Der Nebelschleier, der sich wie eine Decke über die Landschaft legte, wurde immer dichter. Sie konnte nicht sehen, wohin sie lief und der Wind, flüsterte ihren Namen „Monique“. Immer wieder umschmeichelten Luftzüge ihren Körper, erfüllten sie mit einer Kälte, die sie so nicht zu kennen vermochte und ließen sie erzittern. Doch plötzlich, wurden ihre schlimmsten Befürchtungen wahr. Die dichte Wolkendecke brach auf und das grelle Licht des Vollmondes, erhellte die Landschaft um sie herum und blendete sie. Kurz darauf, erfüllte ein lautes Heulen, welches ihr durch Mark und Bein ging, die Stille der Nacht. Was würde geschehen? Würde er sie verschonen, wenn er sie in seine Fänge bekam?“



Sabine sah aufgeregt in die Runde. Lange hatte sie auf den neuen Roman von Elke Fischer gewartet und durch die Wochenendplanung, hätte sie es beinahe verschieben müssen, diesen auch zu lesen. Doch ihre Kollegen, hatten eine wunderbare Idee. Man könne sich Gruselgeschichten erzählen, wie damals, am Lagerfeuer. Leider regnete es in dieser Nacht und sie konnten sich nur in der Hütte damit vergnügen. Aber das sollte Frau Vögler nur recht sein.


Alle waren da. Frau Doktor Hassmann, deren Smartphone minütlich vibrierte – vermutlich, weil sie mit ihrer Tochter schrieb, um sicher zu gehen, dass sie keinen Unsinn machte, wenn sie über das Wochenende allein war und ihre Freundinnen bei sich zu Hause hatte.


Doktor Kaan, der ihr interessiert zu lauschen schien, dessen Augen jedoch unglaublich glasig waren. Er sah aus, als befände er sich auf einem anderen Planeten und nicht, zusammen mit seinen Freunden und Kollegen, in einer zugigen Holzhütte, irgendwo am Rande Berlins.


Frau Doktor Haase saß, eingehüllt in eine dicke Decke, auf dem Sofa. Immer bereit, sich den Stoff über den Kopf zu ziehen, falls es zu gruselig werden würde. Aber sie schien ganz entspannt zu sein, denn sie schlürfte genüsslich ihren heißen Kakao.


Doktor Meier, war nach den ersten vier Seiten, die Sabine vorgelesen hatte, verschwunden und seither auch nicht wieder aufgetaucht. Sein Verschwinden, schien jedoch niemanden wirklich zu stören.


Und Doktor Gummersbach, ihr Prinz, der von allen immer nur „Verwirrter Kellerhocker“ genannt wurde, hörte ihr aufmerksam zu.



Sabine, die Frau, die sich bei Vollmond lieber die Haare schnitt, als durch irgendwelche dunklen Landstriche zu ziehen, blätterte motiviert auf die nächste Seite, „Doktor Rogelt, war erwacht. Schnell trugen ihre Füße sie durch das Maisfeld. Doch, hatte sie wenig Hoffnung. Er würde ihre Angst riechen. Er würde die Fährte aufnehmen, sie suchen, sie jagen und am Ende, würde er sie einfach verspeisen. Dieses nie enden wollende Spiel, dem keiner der beiden entfliehen konnte. Seit einigen Monaten schon, wusste Monique, dass ihr geliebter Doktor Rogelt nicht mehr der Mann war, der er zu sein schien. Einmal im Monat, versteckte er sich auf diesem verlassenen Landstrich, um sein Geheimnis zu wahren. Doch, sie war ihm auf die Schliche gekommen und sie wünschte, sie hätte es nie erfahren. Sein Blutdurst war unersättlich. Egal wie viel Fleisch sie ihm brachte – er jagte sie immer und immer wieder. Es war ein Spiel. Sie war das scheue Lamm, welches lief und in eine Ecke gedrängt wurde und er, war der mutige Wolf, der seine Beute wieder laufen ließ, um sie erneut zu fangen. Doktor Rogelt, würde sie immer wieder jagen und irgendwann, würde er sie in eine Ecke drängen, aus der sie nicht entfliehen können würde und einfach verspeisen. Mit Haut und Haar würde er sie verschlingen und niemand würde jemals erfahren, was wirklich mit ihr geschehen war“, las sie weiter und bedachte die Neurologin, die lautstark gähnte, mit bösen Blicken, „Monique“, dröhnte seine tiefe männliche Stimme durch die Nacht und sie wusste, sie hatte nicht mehr viel Zeit. Er klang erregt. Erregt, durch ihre Angst, die sie in jeder Faser, ihres weiblichen Körpers, spüren konnte. Ihr langes rotes Kleid, raschelte leise, mit jeder Bewegung und ihre Stiefel, trugen sie soweit sie konnten. Ein langer, tiefer Atemzug. Ein Knurren. „Monique“, wurde das Grollen tiefer. Panisch, sah sie sich um. Doch sie konnte ihn nicht ausmachen – dabei musste er ganz in ihrer Nähe sein. Die Dunkelheit umschlang sie, die Kälte streichelte ihre nackte Haut und wenn sie sich jetzt zu schnell bewegen würde, würde sie sich verraten. Was konnte sie nur tun? „Monique. Ich will Ihnen keine Schmerzen zufügen. Bitte geben Sie mir nur eine Chance“, flehte er und einen Wimpernschlag später, sah sie seinen Schatten. Phantomartig, bewegte sie sich langsam nach hinten, um ihm zu entfliehen, doch schon bald, spürte sie eine kalte Mauer in ihrem Rücken. Sie hatte keine Wahl. Ihr Atem, wurde flacher. Ihre Beine, wurden weich. Es gab keinen Ausweg und Doktor Rogelt, kam ihr immer näher. Kurz war sie überlegt, einfach zu rennen. Aber da war es schon zu spät und sie spürte seinen kalten, feuchten Atem auf ihrer Wange. Seine großen Hände, legten sich um ihre Taille und sein Körper, drückte sie fester gegen die Mauer. „René“, wimmerte sie mit geschlossenen Augen, „Bitte lassen Sie mich gehen. Das können sie mir nicht antun“, wimmerte nun auch Sabine und wurde verstört angesehen.


Immerhin war es das eine, diese Groschenromane zu lesen – aber es war noch mal etwas anderes, sich so sehr in diese Geschichten hineinzuversetzen, dass man die Realität völlig ausblendete. Maria, musste sich wirklich anstrengen nicht lauf aufzulachen. Zu komisch sah es aus, wie die kleine Krankenschwester auf dem Sessel saß, das Buch auf ihren angewinkelten Beinen und die Hände, zu kleinen Fäustchen geballt, ganz aufgeregt vor der Brust. Sie stierte regelrecht auf die Seite und die Neurochirurgin war sich sicher, Sabine würde es nicht mitbekommen, wenn man ihr nun einen Bob schneiden würde. Mehdi nickte unterdessen immer mal wieder ein und schreckte auf, wenn sein Kopf zu tief wanderte. Dabei hatte er wirklich versucht, Interesse zu zeigen. Er wollte die, ohnehin schon sehr verunsicherte Sabine, nicht noch mehr verunsichern. Und Gretchen, die sich den ganzen Abend immer mal wieder ängstlich umgesehen hatte, schwelgte in ihrer eigenen kleinen Welt. Eine Welt, in der Marc, der große böse Wolf war, der sie, die junge attraktive Frau, mit seiner gesamten Männlichkeit, gegen die kalten Wände des OP-Saales presste und: „Was denken Sie denn, was ich mit Ihnen machen werde, Monique?“, raunte er ihr in ihr zartes Ohr, nachdem er, mit seiner starken Hand, ihr langes blondes Haar in ihrem Nacken verknotet hatte. Ruckartig, zog er den Zopf in seiner Hand nach unten und legte so ihren Hals frei. Ihren langen, grazilen Hals, der so verführerisch, so weiblich duftete. Er konnte sich einfach nicht zurückhalten. Seine raue, feuchte Zunge, zog eine nasse Spur über ihre Halsschlagader und der kühle Wind, dieser Nacht, ließ seine Beute, vor Kälte und Erregung, erzittern. Er schnupperte an ihrem Körper. Es faszinierte ihn, wie sich der Duft der Angst und der, der Erregung vermischten, einen neuen, noch viel unwiderstehlicheren Duft erzeugten und ihn beinahe um den Verstand brachten.“


„Ach du grüne Neune“, stöhnte Maria auf, „Jetzt sagen Sie mir nicht, dass die beiden da gleich zum Akt übergehen, denn dann würde mir wirklich schlecht werden!“


„Doktor Rogelt, was tun Sie?“, fragte Monique in die Dunkelheit hinein, „Was wollen Sie? Warum lassen sie mich nicht einfach fliehen?“, las Sabine unbeirrt weiter, „Lassen Sie mich ziehen René. Es gibt doch keine Zukunft für uns“, versuchte Monique nun Vernunft walten zu lassen. Er presste sie jedoch noch fester gegen die Mauer, ließ ihr kaum Luft zum Atmen. Dabei sollte er doch auf sein Herz hören. Er musste doch wissen, dass es keine Zukunft gab, wenn er nicht bald geheilt werden würde. Doch all ihr Glaube, an das Gute in ihm, wurde ausgelöscht. „Ich mache dich zu meiner Art“, hauchte er ihr zu und fuhr mit seinem langen Finger über ihren entblößten Hals. Er umschlang sie. Schraubstockartig, hielt er sie fest. Bereit, das zu tun, was immer er tun musste. Tun wollte. Sie musste einen Ausweg finden, denn heute, schien René Ernst zu machen. „Viel zu lange schon warte ich darauf“, keuchte er in ihren Nacken, „Viel zu lange schon, bleibt uns verwehrt, was wir so sehr verdienen.“ Nein. Das ging so nicht. Sie könnte es nicht ertragen, so zu sein wie er. Obwohl sie ihn so sehr liebte. Obwohl sie es sich so sehr wünschte. Monique, liebte ihn von ganzem Herzen und doch, musste sie überleben. „Es tut mir leid“, waren ihre letzten Worte, an ihren geliebten René, ehe sie den Holzpflock aus ihrem Stiefel zog und ihn in sein Herz stieß. Mit all ihrer Kraft, mit all ihrer Liebe, tötete sie sein Herz. Sein gutes Herz, welches für immer verdorben wurde.“, eine dicke Träne, bahnte sich über Sabines Wange und auch Gretchen kam nicht umhin, zuzugeben, dass es wirklich sehr traurig war – immerhin hatte sie gerade in ihrer Märchenwelt, ihren Prinzen getötet, „WARUM?“, schrie der Werwolf sie schmerzerfüllt an, riss sich den Pflock aus der Brust und fiel auf seine Knie, „Warum lässt Du mich, Dich nicht zu einer von uns machen?“ Langsam, schritt sie auf den gebrochenen Wolf zu. Und als sie sich zu ihm auf den Boden kniete, sah sie es. All seine Liebe und der Schmerz, sie nicht für sich gewinnen zu können, in seinen großen Augen. Ihre kleine Hand, in seinem verfilzten Fell, flüsterte sie, „Weil ich es nicht ertragen könnte, so zu sein wie ihr. Ihr tötet unschuldige Menschen, um euren Blutdurst, euren Hunger zu stillen. Ich bin Krankenschwester René, aus Überzeugung und ich werde nicht töten. Ich werde immer Leben retten und heute, rette ich das meine.“ Sie würde ihm nicht beim Sterben zusehen können. Ein letzter, liebevoller Blick und schon, eilte sie durch die Nacht. Weg von diesem Ort, an dem alles begann. Weg von ihren Ängsten, die sie jeden Tag gequält hatten. Weg von ihrer Liebe, die ein schreckliches Ende nehmen musste. „MONIQUE“, brüllte der Werwolf ein letztes Mal in die Nacht hinein – schmerzerfüllt und so voller Liebe, doch dann, schloss er seine Augen und verließ diesen Ort, in eine andere, für ihn, bessere Welt. Ohne Schmerzen, ohne Hunger und ohne seine große Liebe.“, schniefte Sabine, „Wie traurig…“


„Bienchen“, eilte Doktor Gunther „Günni“ Gummersbach seiner Liebesten zur Seite, natürlich nicht ohne die vorgegebenen hygienischen Sicherheitsmaßnahmen, „Nicht weinen. Das war doch noch gar nicht das Ende.“


„Ja leider! Meine Mutter weiß einfach nicht, wann man aufhören sollte“, grummelte es aus einer dunklen Ecke und erschrak den ein oder anderen. Besonders Gretchen schreckte auf und leuchtete rot wie eine Tomate.


Wie lange er da wohl gestanden hat?


Sein Blick ruhte auf ihr. Auf ihren erhitzten Wangen und sie spürte, dass er sie beobachtet haben musste.


„Soll.. Soll ich denn weiterlesen?“, fragte Sabine ihren Oberarzt, der wenig begeistert schien.


„Sicher, lesen Sie weiter Sabine“, grinste er jedoch und Gretchen wusste, er hatte sie im Auge und er würde genau wissen, an was sie dachte.


„Der Morgen brach an und an ihren Händen, klebte Blut. Sie hatte mit sich selbst gebrochen. Ihre Grundsätze, fallen gelassen, um zu leben. Ein Leben zu leben, welches noch lebenswert war und nicht eines als Sklavin ihrer Selbst. Monique wollte sich nicht verstecken müssen, nur damit sie mit René zusammen sein konnte. Sie wollte nicht einmal im Monat, den Schmerz spüren, den er gespürt haben musste, wenn der Vollmond die Dunkelheit erhellt. Und vor allem, wollte sie sich nicht an unschuldigen vergehen. Väter, Mütter, Kinder, ganze Familien, die von einem Rudel Werwölfe auseinandergerissen und für immer verdorben wurden. Sie stellte das Wasser in der Dusche an und wusch sich die Ereignisse der vergangenen Nacht ab, ehe sie zur Arbeit fuhr. Wie jeden Morgen, in dem Bus, der um die Ecke hielt. Aber heute würde, zum ersten Mal, alles anders sein. Doktor Rogelt, würde nicht erscheinen und sie wusste nicht, wie sie sein Fernbleiben erklären konnte. Dieser Mann, nahm sich nie frei, arbeitete wie ein Tier und war unersetzlich. Doch das Schicksal, bestimmte den Weg ihrer Leben und es hatte vorgesehen, René ein schnelles Ableben zu schaffen, damit er ersetzt werden müsste. Also musste es, irgendwo, einen Mann geben, der genau das konnte, was René konnte. Eilig, zog sie sich um, versuchte sich ihre Nervosität nicht anmerken zu lassen, schritt schließlich voller Elan in den Flur und stieß gegen einen Körper. „Aaaah, Schwester Monique. Wie schön sie zu sehen“, lächelte René seine Angebetete an, „Wie war denn Ihre Nacht?“ Es musste ein Traum sein. Ein schlimmer Traum, aus dem sie irgendwann aufwachen würde“, Sabines Augen, wurden Tellergroß und Maria, konnte sich nicht zurückhalten, „Oh Gott! Wie realitätsfern ist denn das, bitteschön? Sie hat ihn erstochen und er steht putzmunter wieder auf der Station? Nicht mal vierundzwanzig Stunden später?“


„Wenn Sie wüssten Frau Doktor Hassmann, was Doktor Rogelt schon alles überlebt hat, würden Sie ihr Medizinstudium in Frage stellen“, grinste der Sohn, der emsigen Erfolgsautorin und war insgeheim froh, dass seine Mutter ihn nicht um Hilfe bat, wenn sie mal wieder abdriftete und so einen unmöglichen Schund schrieb.


„Deine Mutter hat eben eine blühende Fantasie“, nuschelte Gretchen in ihre Tasse, ohne ihn direkt anzusehen. Immerhin waren Diskussionen über das Gedankengut von Elke Fischer, nicht gerade Gesprächsthemen, die ihn in glücklich machten.


„Ja, so wie du Hasenzahn. Du bist ja auch so eine, die sich so einen Kram ausdenken kann. Prinzen und Entjungferungen auf Bauernhöfen!“


„Uuuuh Frau Doktor Haase“, schmunzelte Maria, „Das müssen Sie uns jetzt aber genauer erklären.“


„Es war kein Bauernhof, sondern ein Pferdestall und können wird das Thema bitte lassen und Sabine weiter zuhören?“, wiegelte Gretchen schnell ab, denn sie wollte wirklich nicht über die peinliche „Mein erstes Mal“ – Geschichte in der BRAVO sprechen.


Wissend, grinste Doktor Meier. Es war ihr also noch immer peinlich. Dabei lag dieser kleine Fauxpas, nun schon knappe zwanzig Jahre zurück. Angestrengt, gab Gretchen vor, Sabine weiterhin zu lauschen, obwohl sie die stechenden Blicke von Marc und Maria, deutlich in ihrem Nacken spürte.


„Sie konnte es sich einfach nicht erklären. Wie konnte er heute hier sein, nachdem was letzte Nacht passiert war? Und – war er überhaupt hier? Sie konnte eine Veränderung spüren. Seine Haltung, sein Verhalten ihr gegenüber. Es war ganz anders wie sonst. So kalt. So berechnend. Sie hatte ein ganz komisches Gefühl. Er war zwar da, doch war er es auch nicht. Etwas in ihm, schien gestorben zu sein. Ein Teil in ihm, ein kleiner – jedoch bedeutender Teil“, plötzlich sprang Sabine, wie von der Tarantel gestochen, auf. Gretchen quietschte vor Schreck auf, Maria fasste sich ans Herz, Günni plumpste hinterrücks von seinem Hocker runter, Mehdi konnte gerade eben so, einen Aufprall seines Kopfes, mit der Tischplatte, verhindern und Marc verdrehte genervt die Augen. „Sie hat nur den Werwolf getötet“, rief die Krankenschwester laut und aufgeregt aus, woraufhin Maria nur entnervt aufstöhnte, „Sabine, ehrlich mal. Wie soll das bitte gehen?“


„Na, Monikwe, hat doch den Holzpflock in das Herz des Werwolfs gestochen und das Herz dann durchbohrt. Das von Doktor Rogelt, hat sie ja gar nicht getroffen“, sie bekam einen leicht wahnsinnigen Gesichtsausdruck, was bei weitem das Gruseligste war, was das Ärztegespann, an diesem Abend, erlebt hatte.


„Schwester Sabine“, versuchte sich Doktor Meier daran, ruhig zu bleiben und presste fest Daumen und Zeigefinger auf seine Augen, doch er konnte einfach nicht, „kennen Sie das Sprichwort „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten?“, wurde er dann doch lauter. Es konnte doch wirklich nicht sein, dass eine ausgebildete Krankenschwester, einfach so, medizinische Fakten überging. Er schwor sich, diese Frau nie wieder unbeaufsichtigt bei einem Patienten zu lassen, „Selbst wenn sie diesen Vollschwachmaten nur in seiner „Werwolf Gestalt“, wie Sie es nennen wollen, getötet hat – ein Herz ist und bleibt ein Herz. Er hat da ja nicht auf einmal zwei davon!“


„Warum denn nicht?“, fragte Gretchen ihn mit großen Augen, woraufhin er sie mit noch größeren ansah, „Schau doch nicht so! Du kennst doch deine Mutter Marc.“


„Hast du nen Sockenschuss?“


Dass er auch immer gleich beleidigend werden muss, stört mich ja jetzt irgendwie…


Doktor Gummersbach, der sich mühsam aufgerappelt hatte, fühlte sich in der Position, sein Bienchen zu verteidigen, „Also, in Anbetracht der Lage, dass wir alle Mediziner sind, komme ich nicht umhin, Doktor Meier in dieser Angelegenheit, Recht zu geben. Allerdings muss ich anmerken, dass wir hier von einer Fiktion, also einer ausgedachten Geschichte sprechen. Wir können nicht davon ausgehen, dass die uns bekannten Fakten, in diesem Falle zählen. Werwölfe, sind auch nur ein Mythos und trotzdem ist Doktor Rogelt, als solches, von Schwester Monique, brutal, sehr brutal – das kann ich Ihnen als Pathologe sagen, getötet worden. Bei einer genauen Untersuchung, könnte ich Ihnen sagen, dass der Herzmuskel schwer beschädigt worden ist. Inoperabel geschädigt. Was natürlich eine Anzeige zur Folge haben..“


„Wer hat den Kellerkriecher eigentlich aus seinem Loch gelassen?“, fragte Marc laut in die Runde.


„MARC!“


„Was denn? Kommt hier mit seiner Lebensgeschichte um die Ecke, obwohl schon geklärt ist, dass das so NICHT funktioniert!“


„Aber“, wollte Sabine sich und ihre Lieblingsautorin verteidigen, doch – „Nichts aber, Sabine! Es ist Fakt! Und nun lesen Sie schon weiter. Wir müssen damit heute noch fertig werden…“


Auch wenn er es sich nicht gern selbst eigestand, hatte es durchaus seinen Vorteil, wenn man einen Fan seiner Mutter kannte – so musste er diese schrecklichen Geschichten nicht mehr allein Korrektur lesen.


„Monique, fühlte sich unbehaglich in seiner Gegenwart und auch René, schien auf ihre Anwesenheit verzichten zu können „Da Ihnen nichts sonderlich Intelligentes einzufallen scheint, können Sie sich gleich an die Arbeit begeben“, mit einem selbstgefälligen Grinsen, fügte er an, „Heute mal, am Empfang!“ Das erstaunte sie nicht nur, sondern riss ihr auch den Boden unter den Füßen weg. „Aber.. Ich, ich bin OP-Schwester“, stammelte sie verwirrt – doch Doktor Rogelt, schien sich heute nicht erweichen zu lassen, „Na, jetzt aber mal schön langsam. Wir wollen doch nicht, dass jemand stirbt“, sein Blick wurde kalt, in seiner Stimme, lag der Hass. All die Wut, die er verspürt haben musste, als er gestorben ist. Aber er war doch gar nicht gestorben. Oder spielte ihr Verstand, ihr hier einen fiesen Streich und er war gar nicht hier? Führte sie Selbstgespräche? Würde sie das nun, ihr Leben lang verfolgen? „Ich nehme heute Schwester Angelique mit in den OP und Sie“, nahm René Monique bei den Schultern und setzte sie auf einen der Stühle, „bleiben schön hier und passen auf, dass alles seinen gewohnten Gang nimmt.“ Für Monique, gab es nun keinen Zweifel mehr. Er war wirklich hier. In Fleisch und Blut. Ganz deutlich hatte sie seine starken, männlichen Hände spüren können. Doch er war nicht mehr René, er war ein anderer. Ein kalter, gefühlloser Mann – der ihr, obwohl sie ihn schon so lang kannte und liebte, fremd war. Seine Hände, waren ganz kalt gewesen. Das hatte sie unter ihrem Kittel spüren können und wenn sie nun daran dachte, zierte eine dicke Gänsehaut, ihre alabasterfarbene Haut“, flüsterte Sabine dramatisch, „Stunden, saß Monique am Empfang, versuchte sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, doch die Einsamkeit, ließ schnell die wirren Gedanken zu und so versuchte sie, Antworten zu finden. Antworten, auf all die Fragen, die sie nun beschäftigten, nicht losließen und einnahmen. Sie nahmen von ihr Besitz, schienen sie in den Wahnsinn zu treiben – doch, wenn sie Antworten wollte, musste sie bei klarem Verstand bleiben. Sie durfte nicht in die endlosen Weiten der Verzweiflung abdriften. Sie musste hierbleiben, in der Realität und das klingelnde Telefon, tat sein Übriges, um sie auch in dieser Welt zu behalten. Nach einem kurzen Schreckmoment, fasste sie sich und nahm den Hörer ab. Ohne darauf zu warten, mit wem der Anrufer verbunden war, hörte sie eine verzerrte Stimme, die flüsterte, „Ich kenne euer Geheimnis. In zehn Minuten, in der Pathologie. Keine Fragen!“ Jemand wusste Bescheid. War ihnen etwa jemand gefolgt und wenn ja, wer? Und, was wusste dieser jemand? Sollte, konnte sie es wagen, nach unten zu fahren? Monique wusste, dass dies der einzige Weg war, Antworten zu bekommen. Der einzige Weg, den Fragen, die wie ein Wirbelsturm durch ihren Kopf fegten, auszuweichen. Sie zum Stillstand zu bringen. Doch tief in ihr, lähmte sie wieder die Angst – auf wen würde sie dort unten wohl treffen?“


„Wahrscheinlich auf den heiligen Geist“, sich streckend, gähnte Marc, denn er konnte sich schon denken, worauf das nun wieder hinauslief.


„Schließlich fasste sich Monique ein Herz und fuhr, mit nervösem Magen, hinunter in die Pathologie. Hinunter in den Keller, unwissend, was sie dort erwarten würde. Wer sie dort erwarten würde. In all den vielen Jahren, in denen sie nun schon Doktor Rogelts OP-Schwester war, hatte sie selten jemand anderes, wie den Pathologen Jaqué, hier unten gesehen. Nicht viele Schwestern fuhren gern in den Keller. Hier unten war die Atmosphäre, nahezu greifbar. Man spürte die Kälte, wie Nadelstiche auf der Haut. Die Einsamkeit umhüllte einen jeden, wie ein samtenes Tuch. Hier, lebte der Tod und er war so greifbar nah, dass es einem ganz anders wurde. Und auch heute, war niemand hier. Niemand außer ihr und den vielen Seelen, die darauf warteten, ihre letzte Reise anzugehen.“


„Wie wundervoll sie das beschreibt“, geriet Günni, mit leuchtenden Augen, ins Schwärmen, „Ich könnte es nicht besser beschreiben.“


„Als sie sich jedoch genau umsah, fiel ihr auf, dass alle Kühlkammern geöffnet waren. Dort lagen keine Verstorbenen mehr. Sie war ganz allein. Wieder umhüllte sie die Kälte. Doch diesmal, war sie viel präsenter – fast greifbar, doch nicht minder bedrohlich. Um sie herum, nichts als Dunkelheit, bis ihr, am Ende des Raumes, ein grelles, kaltes Licht auffiel, welches sie magisch anzog. Ein unsichtbares Band, welches sie an das Ende des Raumes zog und ihr keine Möglichkeit gab, einen anderen Weg einzuschlagen. Ihre Angst, mischte sich mit dem Gefühl der Neugierde – doch als sie endlich an ihrem Ziel ankam, versetzte ihr dass, was sie dort sah, einen tiefen Stich. „Oh René“, hauchte sie mit Tränen in ihren Augen. Tränen, die so salzig waren wie das Meer. Tränen, die sich einen Weg über ihre Wangen bahnten und eine heiße Spur hinterließen. Tränen, voller Gefühl, weil sie aus Liebe geweint wurden. Dort vor ihr, lag auf einer Bahre, ihr geliebter René. Seine Haut war kalt, sein Gesicht war blass, seine Lippen waren weiß und spröde und dort, wo einst sein Herz, geschützt unter seiner Brust lag, klaffte ein tiefes Loch – er war tot!“


„HA!“, klatschte Maria in die Hände, „Sag ich doch: Er IST tot!“


„Ist er nicht“, stöhnte Marc gequält und Mehdi schreckte auf, „Ist er nicht?“


„Nein, ist er nicht..“


„Sabine, ist er tot?“, wollte Gretchen nun endlich Gewissheit haben und zum Ende dieser Geschichte kommen, denn wenn sie ehrlich war, wurde ihr das alles, langsam doch ziemlich unheimlich.


Draußen, heulte der Wind. Die Blätter der Bäume, raschelten unaufhörlich und der Regen, prasselte laut gegen die Fenster. Zwischendrin, blitzte es hell auf und das Licht, ließ unheimliche Schatten in die abgedunkelte Hütte fallen. Die Kälte die Elke beschrieb, hielt sie auch gefangen. Allerdings war dies eine andere Kälte und sie bekam wirklich bammel…


„René schlief. Einen friedlichen Schlaf. So ausgeglichen und entspannt, hatte sie ihn lang nicht mehr gesehen. Die letzten Monate, wirkte er, auf sie, immer unglaublich gestresst, müde und ausgelaugt. Die Verwandlungen, die schlaflosen Nächte und sein ungestillter Hunger, hatten ihn unglaublich viel Kraft gekostet und auch wenn es sie schmerzte, stimmte sie es doch fröhlich, ihn so ausgeglichen zu sehen. Vorsichtig, beugte sie sich zum ihm herunter, wollte ihn ein letztes Mal küssen und gerade, als sie mit ihren Lippen, die seinen berührte, fasste sie eine starke, kalte Hand im Nacken und drückte sie näher zu sich herunter. „Dachtest Du, Du könntest mich besiegen?“, flüsterte die verzerrte Stimme in ihr Ohr und es lief ihr eiskalt den Rücken hinunter, „Ich bin unbesiegbar Monique!“ Sein kaltes, wahnsinniges Lachen, erfüllte den Raum und hüllte ihm, neues Leben ein. Seine langen Zähne, trafen sie vollkommen unerwartet und bohrten sich tief in ihr Fleisch. „Nun gehörst Du allein mir“, hauchte René seiner Geliebten zu und bedeckte ihre vollen Lippen, mit einem zärtlichen Kuss“, schloss Sabine vollkommen beeindruckt. Das hätte sie so, nie erwartet.


Und die anderen, wohl auch nicht.


Verwunderte Blicke wurden untereinander ausgetauscht – nur Günni, hing noch an den Lippen seiner Biene. Die beiden lasen regelmäßig, zusammen, die Romane von Elke Fischer und nach jedem einzelnen, mochte auch Günni die Autorin und die Geschichten, ein bisschen mehr. Besonders Sabine freute es, dass ihr Lebensgefährte ihre Leidenschaft teilte.


Doch die anderen, im Raum Anwesenden, waren so überhaupt nicht begeistert von dem eben Gehörten. Besonders Marc, hatte einen Graus vor dem, was da wohl noch kommen mochte. So wie er seine Mutter kannte, wohl nichts Gutes und er schwor sich, sie auf nicht eine Vorlesung mehr zu begleiten. Das war wirklich mehr als nur noch peinlich. Die Romane wurden nicht besser, sie wurden immer schlechter. Dabei waren sie mal ganz solide gewesen, bis sie sich entschlossen hatte, auf diesen ganzen Fantasy-Mist zu setzen und damit auch noch Erfolg hatte, weil nun auch immer mehr Männer ihre Romane kauften.


Mehdi, schien noch gar nicht wahrgenommen zu haben, dass Sabine nicht mehr weiterlas und blickte noch immer, starr, in eine Richtung. Dass er nicht anfing zu sabbern, war wohl alles.


Und Maria versuchte mit allen Mitteln, aus Gretchen herauszubekommen, was Doktor Meier vorhin mit seiner Aussage gemeint hatte. Aber Frau Doktor Haase, würde einen Teufel tun, dass jemandem aus dem Krankenhaus zu erzählen. Es war ihr schon eine Nummer zu viel, dass Marc dies, nach so vielen Jahren, noch so genau wusste. Dabei hatten sie wenig, eigentlich nie, über ihre gemeinsame Schulzeit gesprochen, seitdem sie wieder in Berlin war. Und als ob das nicht schon schlimm genug war, musste er vor versammelter Mannschaft auch noch so doofe Andeutungen machen. Maria würde sie nie wieder damit in Ruhe lassen.


Sabine und Günni fingen in der Zwischenzeit an, darüber zu spekulieren, wann und wie die Geschichte um Doktor Rogelt und Monique wohl weitergehen würde. Von wahnsinnig bis skurril, war wirklich alles dabei und Marc würde es wirklich wundern, wenn ihn etwas anderes erwarten würde.


Mehdi hatte sich inzwischen aufgerappelt und beteiligte sich an der Unterhaltung von Doktor Haase und Doktor Hassmann. Jedenfalls pflichtete er Gretchen eifrig bei, dass man sie doch mit solch alten Kamellen in Ruhe lassen sollte.


Doktor Meier, lehnte sich unterdessen entspannt zurück und ließ die Dinge ihren Lauf nehmen. Nicht umsonst war er damals, nicht nur Klassensprecher, sondern auch Klassenclown gewesen und heute, würde er seine Qualitäten einmal mehr unter Beweis stellen. Während alle in ihren, mehr oder weniger, interessanten Unterhaltungen vertieft waren, sah er auf seine Uhr und auf die Sekunde genau, gab es einen lauten Knall, gefolgt von einem ohrenbetäubenden Scheppern, welches sie alle aufschrecken ließ.


„Was war DAS denn?“, schnaufte Gretchen auf und fasste sich ans Herz, so erschrocken, hatte sie sich schon lange nicht mehr und wie eine aufgeschreckte Katze, sah sie sich panisch in dem kleinen Wohnzimmer um.


„Vielleicht irgendwelche Teenies?“, meinte Mehdi schulterzuckend und Marc konnte sich nicht verkneifen, gehässig zu grinsen und beiläufig zu erwähnen, „Oder ein Irrer rennt hier mit ner Knarre rum!“


„Das ist nicht witzig Marc!“, wurde er auch sogleich, wie erwartet, von Gretchen getadelt, „Wir sind hier immerhin irgendwo im Nirgendwo!“


„Stell dich nicht so an Hasenzahn. Vor dir würde jeder Serienkiller Angst bekommen und leichenblass davonlaufen.“


„Meier, das war wirklich geschmacklos“, stöhnte Maria gequält auf, weil sie von dem Chirurgen eigentlich besseres gewohnt war und Mehdi warf beiläufig ein, „Das ist er doch eigentlich immer, Frau Doktor Hassmann!“, worauf Sabine und Günni nur zustimmend nicken konnten.


Natürlich wusste Marc, dass sie Recht hatten. Sie wussten nur noch nicht, wie Recht sie damit doch hatten und wie geschmacklos es noch werden würde. Denn, wenn er sich diesen Unfug hier schon unfreiwillig antun musste, wollte er dabei wenigstens ein bisschen Spaß haben. Und was bot sich da besser an als Halloween?


„Was haltet ihr von einem Film? Natürlich ein ordentlicher Horrorstreifen und nicht so einen Schund, wie den, den meine Mutter da fabriziert?“, fragte er in die Runde.


Die misstrauischen Blicke von Gretchen, deutete er zwar richtig, aber er beschloss, sie einfach zu ignorieren. Maria und Mehdi, befanden die Idee für gut und fingen sogleich an, sämtliche Kerzen zu löschen, damit die Atmosphäre auch stimmte. Gretchen konnte die Euphorie der anderen, jedoch nicht teilen. Sie hielt ohnehin schon nicht viel von solchen Filmen und nun war es bereits dunkel, es auch noch immer nicht geklärt, woher die Geräusche gekommen waren und da wollten sie wirklich einen Horrorfilm schauen?


Passend zum Tag, lautete der Filmtitel „Halloween“ und Marc freute sich wie ein Kleinkind. Wenn sein Freund Stefan alles richtig machen würde, würden sich hier einige der Damen, richtig einnässen und eigentlich, müsste ihn Gretchen nun lange genug kennen, um zu wissen, dass er solche Gelegenheiten, grundsätzlich, voll auskostete. Immerhin war sie es damals gewesen, die in der Schule, mitten auf dem Gang, ausposaunt hatte, dass sie an Halloween in ihrem Garten, mit ihren Freundinnen, übernachten wollte und extra dafür ein Ouija-Brett gekauft hatte. Hätte sie das nicht getan, hätte er sie damals auch nicht so erschrecken können und ihr skeptischer Blick verriet ihm genau, dass sie noch immer wusste, was es bedeutete, ihn an solchen Ausflügen teilhaben zu lassen. So wie er sie kannte, würde sie ihn den ganzen Film über nicht aus den Augen lassen.


Gemütlich lümmelten die Ärzte auf der Couch, die einen mit Chips, die anderen mit Weingummi oder einem kühlen Bierchen und sahen gebannt auf den Fernseher vor ihnen. Hin und wieder mal ein Lachen oder ein Kommentar zu dem eben Gesehenen und nur Gretchen, konnte sich nicht wirklich darauf konzentrieren. Immer wieder sah sie ängstlich zu den Fenstern. Noch immer regnete und stürmte es draußen und neben dem heulenden Wind, meinte sie ein Knarzen zu hören, welches eigentlich nur von der Terrasse draußen kommen konnte, doch konnte sie auch niemanden sehen.


„Was schaust denn die ganze Zeit nach draußen?“, fragte Marc, nachdem er sie fünf Minuten beobachtet hatte. Das sie Angst hatte, war ihm zwar schon klar, aber draußen war niemand und Stefan sollte eigentlich erst in Aktion treten, wenn es im Film spannend wurde und das dauerte immerhin noch gute dreißig Minuten.


„Ich glaub da draußen ist jemand Marc.“


„Wer soll da denn bitte draußen rumlaufen? Es ist arschkalt und nass. Nur ein vollkommen durchgeknallter, würde auf die Idee kommen, bei dem Wetter durch irgendwelche Wälder zu streifen. Wahrscheinlich ist das nur irgendeine Katze.“


„Und wenn nicht? Was ist, wenn wirklich jemand auf die wahnsinnige Idee kommt, hier mitten in der Nacht rumzulaufen und irgendwelchen Leuten, die so bescheuert sind, sich hier Horrorfilme anzuschauen, einen Schrecken einzujagen?“, wurde sie sogleich panisch.


Man las immerhin oft genug von solchen Fällen in der Zeitung. Aber Marc war eindeutig zu abgebrüht um dem wirklich nachgehen zu wollen. Sie sponn sich dort nun irgendeinen Blödsinn zusammen.


„Komm. Du hast einfach Angst, die Geräusche tun ihr Übriges und du malst dir irgendwelche Hirngespinste aus und projizierst das einfach nur in deine Angst hinein“, meinte er ruhig – er wollte um kein Geld der Welt, dass seine Streiche nicht fruchteten, „Bleib locker. Du bist nicht allein hier, hm?!“


Und kaum hatte er ausgesprochen, flog etwas, mit einem lauten Knall, gegen die Fenster. Gretchen stürzte sich gleich quietschend in seine Arme, vergrub ihren Kopf in seiner Brust und Maria, die genug Mumm hatte um nachzuschauen, was das denn nun gewesen ist, fragte verwundert, „Ist das Blut?“


„Quatsch“, stand nun auch Mehdi auf, um nachzusehen. Auch wenn ihm ordentlich die Pumpe ging, war er interessiert. Ohne Umschweife, öffnete er die Tür und lief hinaus um sich die Sauerei mal von draußen anzuschauen. Kaum dass er vor dem Fenster stand, zog er eine Packung Tempos aus seiner Jeans, die er aus Prinzip, einfach immer bei sich trug und wischte einmal quer über die Scheibe – und tatsächlich – dass dort vor ihm, war eindeutig Blut. Gründlich, sah er sich um, doch er konnte weder die Quelle ausmachen, noch irgendjemanden sehen.


„Das ist wirklich Blut“, sagte er, als er zurückkam und sah mit großen Augen in die Runde.


„Siehst du“, schlug Gretchen ihrem Oberarzt auf den Oberarm, „Ich sag doch, da draußen ist jemand!“


„Und wer bitte soll da sein? Wahrscheinlich war das nur ein Vogel oder so“, motzte er – denn eigentlich, sollte dies erst viel später passieren.


„Draußen liegt nichts. Ich habe nachgeschaut.“


„Dann hast du eben nicht gründlich geschaut Kaan. Außerdem ist es dunkel, wie willst du denn da was sehen?“


„Ja, schau du doch nach“, schmollte Gretchen ihn an. Sie hatte es schon die ganze Zeit gewusst, dass hier irgendwas faul war und so langsam hatte sie das Gefühl, dass Marc damit was zu tun hatte.











„Schön. Dann gehen wir Männer jetzt eben raus und schauen uns mal gründlich um, ob hier irgendein Serienkiller rumläuft. Meine Güte, man kann sich auch wirklich einnässen. Gummersbach, Mehdi? Anziehen, mitkommen!“, stampfte er voraus, zog sich seine Jacke an und kramte sein Handy aus seiner Hose – damit sie wenigstens ein bisschen Licht hatten.


Doch hätte er das gar nicht tun müssen, wie fünfzehn Minuten später, als Günni endlich fertig war und bei ihnen stand, klar wurde.


Doktor Günni Gummersbach, seines Zeichens Pathologe, war nicht nur ein guter Pathologe, sondern auch für jede Reise und sollte sie auch nur vier Stunden dauern, bestens ausgerüstet. Mit einer gelben Regenmütze, farblich darauf abgestimmtem Regenmantel und Gummistiefeln, einem Regenschirm und einer Wandertaschenlampe, stand er vor ihnen. Zudem trug er noch Latexhandschuhe und einen Mundschutz, für Marc sah er aus, wie ein entflohener Tropendoktor. Der Chirurg war allerdings viel zu geschockt, um dazu wirklich etwas sagen zu können. Er und Mehdi starrten sich, mit offenen Mündern, verblüfft an. Der eine, weil er nicht glauben konnte, was er da vor sich sah und der andere, weil er es für ein Wunder hielt, dass sein bester Freund noch nichts dazu gesagt hatte. Normalerweise, würde ein beleidigender Spruch nun den anderen jagen – aber Marc stand einfach nur da und begutachtete die quietschgelbe Erscheinung vor ihm, von oben bis unten und wieder zurück.


Und weil sein bester Freund anscheinend nichts dazu zu sagen hatte, ergriff Mehdi freundlich das Wort, „Doktor Gummersbach, warum haben Sie so etwas bei sich?“


„Ich bin gerne und grundsätzlich, für alle Eventualitäten ausgestattet“, begann er seinen Vortrag und schon bald, würde sich Mehdi wünschen, nicht nachgefragt zu haben, „Neben dieser überaus praktischen und bequemen Herbst beziehungsweise regenfesten Ausstattung, befinden sich in meinem Koffer noch diverse andere Ausstattungen. Zum Beispiel eine Bergsteigerausrüstung, falls es dazu kommen sollte, dass man diese benötigt. Zudem trage ich bei mir, noch winterfeste Kleidung inklusive Schneestiefeln und auch wenn man nun wirklich nicht mehr davon ausgehen kann, selbst wenn man den Klimawandel bedenkt, habe ich vorsorglich verschiedene Sonnencremes mit unterschiedlichen UV Schutzfaktoren eingepackt. Ich habe eine sehr empfindliche Haut“, ratterte der Pathologe nur so herunter und die Blicke der anderen, ausgenommen von Sabine, wurden immer ungläubiger, „In meinem Kofferraum, befindet sich zudem noch mein Arztkoffer und eine Notfallausrüstung. Das heißt nun im Klartext, mehrere sterile Tücher, OP-Kleidung in den verschiedensten Größen, OP-Bestecke, natürlich alle steril verpackt, Kühltücher, Wärmedecken, Ambu Beutel und ein tragbarer Defibrillator. Natürlich nicht zu vergessen, Adrenalin, Fenistil und andere Medikamente, die man im Falle eines anaphylaktischen Schocks, benötigt. Selbstverständlich habe ich auch Seifen und jede Menge Desinfektionsmittel dabei. Es sollte für diesen einen Tag genügen. Latexhandschuhe habe ich nicht nur für mich, sondern für einen jeden, in der passenden Größe.“


Marc fiel vom Glauben ab. Da bezahlte man Unmengen an Euros für die medizinische Grundausstattung in einem renommierten Krankenhaus und der Sonnenlichtverweigerer, fuhr mal eben so ein halbes Krankenhaus spazieren, quer durch Berlin.


„Jetzt hören Sie endlich auf Opern zu quatschen“, unterbrach er den, sich erneut anbahnenden, Redeschwall des leicht verwirrten Pathologen, „Bewegen Sie sich lieber. Sie haben das Licht – also gehen Sie auch voraus!“


Ganz gentlemanlike, hielt Marc, dem nun doch sehr verunsichert wirkenden Günni, die Tür auf und bat mit einer lockeren Handbewegung, hinauszugehen. Zwar glaubte er noch immer nicht, dass außer ihnen sonst noch jemand hier draußen, in der Wildnis, seine wertvolle Zeit verschwendete – doch wusste er auch, Gretchen würde erst Ruhe geben, wenn sie unversehrt zurückkehren würden.


Und so stiefelten die drei Oberärzte, der eine mehr der andere weniger motiviert, hinaus in den kalten Regen.








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Choconussa Offline

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01.11.2017 07:50
#15 RE: Choconussa's Feiertagsspecials Zitat · antworten

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Unterdessen hatte Gretchen kurzerhand entschlossen, alle Türen und Fenster zu verriegeln und wenn sie auch nur im Entferntesten Ahnung davon gehabt hätte, hätte sie sie auch noch zugemauert. Man konnte schließlich nie wissen, was in den Köpfen von wahnsinnigen und offenbar wetterfesten Serienkillern vor sich ging, pflichtete Schwester Sabine ihrer Lieblingsärztin flink bei. Maria jedoch, ließ sich nur widerwillig darauf ein. Sie war ebenfalls der Meinung, dass es hier nicht im Geringsten etwas gab, wovor sie sich fürchten mussten. Vielleicht Doktor Gummersbach, im Allgemeinen. Oder Doktor Meier, unter Sexentzug. Doch Gretchen war der festen Überzeugung, dass hier etwas nicht stimme. „Mein Bauchgefühl hat mich noch nie im Stich gelassen, Frau Doktor Hassmann!“, brachte sie ziemlich überzeugend an, doch die gestandene Neurochirurgin sah dies ein bisschen anders. „Bauchgefühl sagen Sie? Wahrscheinlich haben Sie einfach nur Hunger“, schnaubte die brünette hinter Gretchen belustigt auf, als sie dabei waren, die Stufen zum Dachboden zu erklimmen. „Also – das ist ja wohl…“, maulte Gretchen drauf los. „Frechheit, wirklich! Ich habe keinen Hunger, ich habe ein komisches Gefühl in der Magengegend. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit diversen Erkrankungen. Ich bin selbst Ärztin, danke!“


„Na ja“, nuschelte Maria leise, denn sollte Doktor Haase sich noch einmal so ruckartig umdrehen, könnte dies, auf dieser schmalen Holztreppe, schwerwiegende Konsequenzen haben.




Draußen kämpften sich die Männer durch den Regen, der immer stärker wurde. Alles in allem, war es äußerst unangenehm. Doch es lag nicht nur am Regen oder an dem Wind, der immer kälter zu werden schien. Doktor Marc Meier mutierte, keine zwei Meter Fußmarsch von der Hütte entfernt, zu Rumpelstilzchen. Jedoch nicht die kinderfreundliche Version. Mehdi würde sogar so weit gehen, ihn auf den Index setzen zu lassen. Als der Chirurg seinen schicken weißen Wagen gesehen hatte, mit dem er am Tag zuvor noch in der Waschstraße war, hätte Mehdi schwören können, dass sein bester Freund jeden Augenblick anfangen würde zu weinen, wie ein kleines Schulmädchen. Den Volvo hatte es arg erwischt. Ein kleiner Ast lag auf der Motorhaube. Unglaublich viele Blätter hatten sich in sämtlichen Rillen verfangen und die Beifahrerseite war über und über mit Schlammspritzern besät. Seitdem jagte eine Schimpftirade die nächste und so wie er seinen besten Freund kannte, würden er und Günni noch die ein oder andere, über sich ergehen lassen müssen.


„Mensch, hast du denn den Wetterbericht nicht gesehen?“, fragte der Gynäkologe seinen besten Freund, der schlecht gelaunt, mit einer Hand am Baum abgestützt, mitten im Wald stand und seine Schuhe begutachtete. „Der Regen kommt nun nicht überraschend.“


„Stimmt, kommt er nicht. Dass irgendwelche hysterischen Weiber verlangen, eine Wattwanderung durch einen Wald zu machen, allerdings schon“, fauchte Marc sogleich zurück und funkelte seine Begleiter wütend an. „Was glaubt Hasenzahn, was wir hier finden werden – he? Serienmörder a la Jack the Ripper oder was?!“


„Reg dich ab! Du bist doch selbst schuld, wenn du dir Wildlederschuhe anziehst“, wollte Mehdi Paroli bieten und dem Chirurgen wenigstens ein bisschen Wind aus den Segeln nehmen. Aber da hatte er die Rechnung ohne das lose Mundwerk des Mittdreißigers gemacht, „Hätte ich mir vielleicht Stoffschuhe anziehen sollen? Ein paar Sneakers?! Oder hey, noch besser: SANDALEN“, brüllte Marc los und brachte Günni dazu, erschrocken aufzuschauen.


Verwundert wurde der Pathologe von seinen Leidensgenossen angesehen.


Doktor Günther Gummersbach, war wirklich ein komischer Kauz. Auch ohne sein Outfit oder seine merkwürdigen Angewohnheiten, die nicht von dieser Welt waren. Er hielt sich oft zurück und er tat sich schwer damit, anderen zu sagen, was er wirklich dachte. Von seinem Wesen her, passte er perfekt zu Schwester Sabine.


Für Marc war es ja noch immer ein Rätsel, wie jemand, wie Gummersbach und Sabine, einen Deckel finden konnte. Aber wo dachte er hin?! Für Mehdi gab es ja auch jemanden… Selbst wenn dies deutlich in die Hose gegangen war.


„Gummistiefel wären in der Tat die bessere Auswahl gewesen, Herr Doktor Meier“, wisperte der ahnungslose Pathologe und riss Marc aus seinen Gedanken. Noch immer widmete der Chirurg sich mit größter Besorgnis seinen Schuhen und es dauerte einen kurzen Moment, ehe Günnis zartes Stimmchen, welches wirklich altklug klang, zu Marc durchgedrungen war. Es wäre besser gewesen, wenn Doktor Gummersbach weiterhin geschwiegen hätte, denn was er gesagt hatte, brachte den braunhaarigen nur noch mehr zum Kochen.


„Ihr haltet euch wohl für besonders lustig! Also ob ich hier mit quietschgelben Schuhen durch die Weltgeschichte kraxeln würde“, schnauzte er darauf los. „Ich bin Arzt und kein Vollidiot!“ Letzteres, wäre er jedoch zu überdenken bereit. Wäre er nicht freiwillig zu diesem Wochenende mitgefahren, müsste er nun nicht bei diesem Sauwetter, nicht vorhandene ‚Mörder‘, oder was auch immer, suchen. Er könnte nun ganz entspannt in seiner Wohnung sitzen, seine Hanutabilder sortieren, die Paninisammlung vervollständigen und ein Bier genießen. Oder aber er würde sich in einer Bar Frischfleisch suchen. Es ärgerte ihn schwarz, dass er sich von Gretchen hatte breitschlagen lassen. Und so mussten Mehdi und Günni weitere Schimpftiraden über sich ergehen lassen, ehe sie, an einer kleinen Lichtung, auf eine Hütte stießen, in der zwar Licht brannte, jedoch niemand anwesend zu sein schien…




„Kaum zu glauben“, staunte Maria nicht schlecht, als die drei Frauen vor diversen Scherzartikeln und Zeitschaltuhren standen, die vor ihnen auf dem Bett lagen. „Was der Meier sich alles einfallen lässt. Also wenn sie mich fragen Haase, hat er zu viel Zeit. Sie sollten mit ihrem Vater reden.“


„Vermutlich sitzen die drei Herren bei einem Bierchen in seinem Auto und lachen sich schlapp“, schmollte die Blondine jedoch nur und ging gar nicht auf die Äußerungen ihrer Kollegin ein. Sie war wirklich belei – nein! Sie war sauer! Marc kannte sie nun schon so lange und besser wie jeder andere, was sie sich selbst nicht erklären konnte und dann sowas hier?! Oder tat er es, weil er sie kannte? Mehrere Zeitschaltuhren mit den verschiedensten Funktionen hatten sie, dank den wachsamen Augen von Schwester Sabine, im Haus gefunden.


Die Chirurgin musste, zur Belustigung von Frau Doktor Hassmann, zugeben, dass sie von solchen Geräten absolut keine Ahnung hatte. Maria hingegen, die seit vierzehn Jahren alleinerziehend war und deren Tochter gern mal die vereinbarten Zeiten in der Woche nicht einhielt, kannte sich bestens auf dem Gebiet aus. Schnell hatte sie herausgefunden, was jede einzelne Uhr zu schalten vermochte. Neben mehreren Schaltungen, um diverse Elektrogeräte verrücktspielen zu lassen, hatte Marc es irgendwie geschafft, eine Puppe, verkleidet als der Clown Pennywise, aus dem Roman ‚ES‘ von Stephen King, zu präparieren. Diese lief gespenstisch, wie von Geisterhand, durch das Haus und hätte die anwesenden Frauen sicherlich zu Tode erschreckt. „Zum Glück hat Günni einen Defibrillator dabei“, war Sabines Anmerkung gewesen. Doch wie Doktor Meier dies schlussendlich bewerkstelligt hatte, darauf hatte auch Maria keine Antwort, die ein bisschen verärgert darüber war, dass ihr Kollege sie nicht in seine Pläne eingeweiht hatte.




Dieser war inzwischen der festen Überzeugung, dass seine kleinen Streiche vielleicht doch keine so gute Idee gewesen waren. Sicher, es war witzig… Doch in Anbetracht der Umstände, könnten sie ernsthafte Probleme mit sich ziehen.


Nachdem die Männer die Hütte entdeckt und beschlossen hatten, gründlich nachzusehen, ob auch alles mit rechten Dingen zuging, war er sich nicht einmal mehr sicher, ob es eine gute Idee gewesen war, die Frauen allein zu lassen.


Der Vorgarten und auch das äußere Erscheinungsbild der Hütte ließen nicht darauf schließen, dass hier vielleicht etwas Unrechtes vonstattenging. Es war gepflegt. Der Rasen war, laut Günnis fachmännischem Auge, akkurat gemäht. Wie, als wenn jemand mit einem Lineal und einer Nagelschere auf dem Boden herumgekrabbelt wäre, um ihn zu stutzen. An der Hauswand wuchs Efeu. Gardinen, mit einem wunderschönen Blumenmuster, hingen an den Fenstern und die Türklinke sah aus, als ob man sie regelmäßig polieren würde. Alles in allem, nichts Außergewöhnliches. Wäre da nicht dieser merkwürdige Geruch, der Marc und Mehdi dazu veranlasste, doch einen Blick ins Innere des Hauses zu werfen.


Von der Idylle, die draußen vorherrschend war, war im inneren der Hütte nichts mehr zu sehen. Marc und Mehdi waren sich sicher, dass Günni, der sein Desinfektionsspray nicht bei sich hatte, kurz nachdem sie die Unterkunft betreten hatten, vorm Heulen stand. Es roch unglaublich streng und der Geruch biss so stark in der Nase, dass ihre Augen anfingen zu tränen. Überall fanden sie dicke Staubschichten. Bei jedem Schritt den sie taten, wirbelte der Dreck unter ihnen auf und der Holzboden knarzte. Die Möbel waren unglaublich alt, die Polster verblichen und sie begannen zu modern. Die Stoffe und auch die Gardinen, die von außen, im Dunkeln intakt aussahen, waren von Motten zerfressen. Je weiter sie in das Innere des Hauses vordrangen, desto schwerer fiel ihnen das Atmen. Die Tapete, schälte sich von den Wänden.


Vorsichtig, durchsuchten die drei Männer die maroden Schränke und immer, wenn ihm eine Spinne oder eine Ratte ins Gesicht grinste, quietschte Günni erschrocken auf. Etwas Ungewöhnliches fanden sie jedoch nicht. Mal abgesehen davon, dass der Hausbesitzer wohl ein leidenschaftlicher Horrorfilm-Fan zu sein schien.


In der Küche war der Gestank am Schlimmsten. Benutztes Geschirr stapelte sich auf den Ablagen und über dem Mülleimer flogen mehrere Fliegen. Sie überkam körperlicher Ekel und als sie den Kühlschrank öffneten, taumelte der Pathologe, würgend, einige Schritte zurück. Maden krabbelten fröhlich und ohne Unterlass durch den gesamten Innenraum. Schimmel in jeder Ecke und die Lebensmittel schienen langsam ein Eigenleben zu entwickeln.
„Anscheinend versucht hier jemand Bratwürstchen herzustellen“, nuschelte Mehdi durch seinen Pullover, den er sich als Mundschutz über die Nase gezogen hatte und deutete auf etwas, dass aussah wie ein Kunstdarm. Doch das wachsame Auge des Chirurgen weitete sich erschrocken, als er näher heranging.


„Das ist keine Bratwurst Mehdi… Das ist echt!“




In einem der oberen Schlafzimmer der Wochenendhütte, war die Stimmung ausgelassen und fröhlich. Die Frauen erzählten sich verschiedenste Anekdoten aus dem Krankenhaus und Sabine schaffte es immer, noch einen obendrauf zu setzen. Allerdings machte sich die Krankenschwester langsam Sorgen, weil die Männer so lang brauchten.


Sie stand nun schon einige Minuten am Fenster, als sie erschrocken zurückwich, „Frau Doktor! Da draußen ist jemand!“


„Pff. Wahrscheinlich Marc, der immer noch nicht genug hat von seinem Blödsinn. Einfach ignorieren“, antwortete Gretchen gelangweilt.




Nachdem Doktor Gummersbach die Echtheit des Darmes bestätigt hatte, waren die Herren, wie der Wind, durch das Haus geeilt und hatten eine versteckte Treppe entdeckt, die direkt in einen Keller führte. Von diesem, schien der intensive Geruch auszugehen und zumindest Günni hatte eine These, wonach es hier roch. Und als sie die Deckenlampe, flackernd, eingeschaltet hatten, bestätigte sich der leise Verdacht… An den Wänden hingen verschiedene Masken. Overalls und Handschuhe. In einem der vielen Schränke fanden sie Seile, Klebeband und Müllsäcke. An einer Werkzeugwand hingen Knochensägen. An sämtlichen Geräten, Schränken und Tischen klebte Blut. Einiges davon war sogar noch frisch.


Marc, der seinen Augen kaum traute, öffnete eine Schublade und fand Fotos. Über und über Fotos von toten Frauen. Nackt… In altmodische Kleidchen gehüllt… Einigen wurden die Augenlider abgetrennt… Er war wie paralysiert. Nur Mehdi erkannte jemanden, auf einem der Fotos, „Sag mal ist das nicht diese Schwester? Du weißt schon… Marc?!“


„Gretchen…“, hauchte er und rannte ohne Vorwarnung los in die Dunkelheit.








FORTSETZUNG FOLGT...



Choconussa Offline

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Beiträge: 330

15.11.2017 22:01
#16 RE: Choconussa's Feiertagsspecials Zitat · antworten






Viele Menschen können es sich wirklich schwer vorstellen oder halten es für ein Ding der Unmöglichkeit, aber es ist nun einmal eine Tatsache: Auch ein Arzt muss manchmal zum Arzt. In diesem Fall musste ein überaus charmanter Gynäkologe zum Zahnarzt, und als ob das noch nicht genug Qual für einen Tag wäre, hatte er diesen Zahnarzttermin, trotz seiner Spätschicht und dem Bereitschaftsdienst am frühen Morgen, im wunderschönen Elisabeth-Krankenhaus. Ganz abgesehen davon, wartete er auf eine dringende E-Mail von Lillys Klassenlehrerin.

Vor einigen Tagen, hatten er und seine Ex-Frau Anna einen Termin in Lillys Schule, Elternsprechtag. Es kam jedoch, wie es kommen musste: Kurz vor seinem Schichtende wurde eine verunfallte Schwangere eingeliefert und er war gezwungen, noch einmal in den OP-Kittel zu schlüpfen und das Leben des Babys zu retten. Also hatte er seine Ex-Frau aus dem Kreissaal heraus angerufen und sie gebeten, den Termin allein wahrzunehmen oder eben zu verschieben. Nun warteten die stolzen Eltern auf einen neuen Termin, und wie jeden Morgen öffnete Mehdi sein E-Mail-Postfach in der Hoffnung, endlich eine Nachricht von Frau Bork zu haben.

Doch auch heute war die erwartete Mail nicht eingegangen. Stattdessen blinkte ihn eine ganz andere Nachricht an:


Posteingang (1)

Heute

M.O. Meier Betreff: Aufgabe


Stirnrunzelnd öffnete er die Mail seines besten Freundes, denn dies war wirklich ungewöhnlich. Eigentlich schrieb Marc ihm nie, sondern rief an, wenn er mal wieder etwas hatte, was er dringend für ihn erledigen musste.

Doch als Doktor Mehdi Kaan am Ende der Nachricht angekommen war, war nicht nur die Verwunderung darüber vergessen, sondern auch Lillys Schule und der Zahnarzttermin.


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『「Alte Liebe - Neues Glück SPEZIAL


Wie alles begann...





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Am Abend zuvor:





Als Marc an diesem Tag von seiner Schicht nach Hause kam, saß seine Freundin, mit der er bereits knappe zwei Jahre zusammen und die vor einigen Wochen bei ihm eingezogen war, gedankenverloren auf dem Sofa. Für ihn, dessen Laune seit geschlagenen fünf Stunden im Keller war, ließ ihr Geisteszustand nur einen einzigen logischen Schluss zu. „Na, schon ein schlechtes Gewissen?“, blaffte der Chirurg, der seit einigen Tagen schon durch die Gegend raste wie Rumpelstilzchen auf Speed, die verwunderte Blondine zur Begrüßung an. Liebend gern würde er ihr den Hals umdrehen.

Und dieses Gefühl würde sich so schnell auch nicht ändern. Genaugenommen empfand er nun schon seit einigen Stunden so, und auch der leergefegte Schreibtisch in seinem Büro vermochte nichts an diesem Zustand zu ändern.

Dabei wäre heute eigentlich ein entspannter Abend genau das Richtige für ihn gewesen und was passiert? Franz Haase, der Klinikchef, sein direkter Vorgesetzter und Schwiegervater in Spe, musste ausgerechnet heute in sein Büro kommen und ihm vollkommen unvorbereitet eröffnen, dass er von der Nordstadtklinik angerufen worden war, dessen Professor im Komitee für ein einjähriges Auslandsstipendium saß, und ihm gesagt worden sei, dass er nun nicht mehr dafür in Frage kam. Sein Fellowship, einfach so vom Plan gestrichen. Dabei hatte er wirklich schon alles vorbereitet. Die Koffer waren gepackt, das Ticket gebucht, der Wagen gemietet. Nun konnte er alles abtreten. Und das ausgerechnet an Cedric Stier! Diesem eingebildeten Dreikäsehoch, der in seinem Leben nichts, außer seiner Frisur, auf die Reihe bekam.

Einen Grund für diesen plötzlichen Sinneswandel des Komitees, konnte oder wollte Franz ihm nicht nennen, auch nicht, nachdem sein Schützling den Schreibtisch, auf dem sämtliche Versicherungsfälle der letzten drei Wochen lagen, leergefegt hatte. Zum Glück ließ Marc Meier sich hin und wieder zu dieser äußerst unbeliebten Arbeit herab und operierte gerade nicht eine Fettleber, wie es eigentlich vorgesehen war. Das Einzige, was der bis aufs Blut gereizte Chirurg zu hören bekommen hatte, waren vier Wörter: „Rede mit meiner Tochter!“ Damit war das Thema für ihn mehr als nur erledigt gewesen: Gretchen hatte Schuld daran, und dafür würde sie bluten!

Doch besagtes Weibsbild saß noch immer wie in Trance auf dem Sofa, rührte sich nicht einen Millimeter, und sie verzog auch keinerlei Miene, als sie ein kleines „Bitte?“ hauchte.

Manchmal war die Beziehung mit dieser Frau wirklich zum Mäusemelken.

„Dein Vater war vorhin bei mir“, rief er ihr aus der Küche heraus zu, wo er sich ein kühles Bier aus dem Kühlschrank holte, um seine angespannten Nerven zumindest ein kleines bisschen zu beruhigen. Aus diesem Grund entging ihm auch, wie sich die Miene seiner Assistenzärztin doch veränderte und somit die Möglichkeit einer plötzlichen Versteinerung in den Schatten stellte. Die Gedanken, die nun schon seit mehreren Stunden in ihrem Kopf rotierten, gaben noch einmal Vollgas, und ihre blauen Augen wurden Tellergroß.

Oh nein, bitte nicht!

„War ein wirklich aufschlussreiches Gespräch“, fuhr Marc bedrohlich gelassen fort und lehnte sich seitlich gegen den Türrahmen.

„Hör zu Marc“, beeilte die Blondine sich zu sagen, und dabei überschlug sich nicht nur ihre Stimme einige Male, sie hatte auch das Gefühl, eimerweise Sand gegessen zu haben. „Ich wollte es dir wirklich sagen, aber ich wusste einfach nicht wie... ich mein... das ist ja jetzt auch nicht so einfach.“

Diese Aussage brachte das Fass, welches so oder so schon zum Bersten gefüllt war, für den Chirurgen zum Überlaufen.

„Du wusstest nicht wie?“ schrie er sie an. „Wenn du Glucke nicht so klammern würdest, müsstest du dir über solche Dinge gar keine Gedanken machen. Du hättest dir nicht überlegen müssen, wie du mir beibringen willst, dass du zu Papi gerannt bist und einen auf sterbenden Schwan gemacht hast, damit er bei der Stiegelmaier anruft und mich für unabkömmlich erklärt. VERDAMMT!“ schloss er aufgebracht und schlug, um seinem Ärger wenigstens ein bisschen Luft zu machen, fest gegen den Türrahmen, an dem er noch immer lehnte.

„Warte mal bitte – was?!“

Das wollte sie nicht und obwohl es sie doch leicht verletzte, ignorierte sie, dass Marc sie gerade als Glucke bezeichnet hatte. So nannte er sonst nur seine oder Schwester Sabines Mutter. Sie hatte doch einfach nur jemanden zum Reden gebraucht, weil sie schwanger war. Auf einmal. Ungewollt und unvorbereitet. Sie wollte doch nicht, dass ihr Vater sich bemühte, das Fellowship platzen zu lassen, damit Marc bei ihr blieb. Das sollte er, wenn er es wirklich wollte, von sich aus tun und nicht von Außenstehenden herbeigeführt.

„Aber du fliegst doch trotzdem – oder?“ fragte sie vorsichtig. Wobei dies wirklich mehr als dämlich war.

Super Gretchen. Wenn er fliegen würde, würde er sich ja wohl nicht so aufregen und rumbrüllen. Wobei – das tut er seit vier Tagen ständig...!

„Na jetzt rate doch mal“, fauchte Marc ungehalten. „Natürlich fliege ich nicht! An meiner Stelle, fliegt nun Stier... dieser Vollidiot.“

„Stier?“ überlegte sie. „Cedric Stier? Dieser schleimige Typ, der erst Maria und dann Gabi an die Wäsche wollte beim letzten Ärzteball?“

„Hmm...“, nuschelte er, während er sich einen großen Schluck Bier genehmigte. „Der Cedric Stier, der allein in diesem Jahr drei erfolgreiche Herztransplantationen durchgeführt hat.“

„Ach deeeeeeer!“ erinnerte sich Gretchen etwas zu enthusiastisch. Denn Marc stampfte sie nach ihrem Ausruf allein mit seinen Blicken unangespitzt in den Boden. „Ich mein ja nur. Immerhin hat der Mann, ohne die Nerven zu verlieren, seine herzkranke Schwester operiert.“

„Bemerkenswert, Gretchen! Mir ist es scheißegal, wen oder was er operiert hat. Dieser Vollschwachmat bekommt nun das, was ich haben wollte – mal wieder!“. Er war wirklich wütend. Nicht nur genervt, wie die letzten Tage. Der Umbau in seiner Straße. Der Lärm, der Dreck, sein Wagen, der eine Straße weiter parken musste, weil er nicht in die Tiefgarage fahren konnte. Seine Mutter... das alles nervte ihn einfach nur ungemein, und er würde sich zum ersten Mal in seinem Leben über Urlaub wirklich freuen. Doch das hier machte ihn wirklich sauer, und er konnte sein Sprachorgan kaum unter Kontrolle halten. Weswegen er seine Freundin weiterhin anschrie. „Weißt du... ich verstehe dich wirklich nicht. Wir haben mehr als einmal darüber gesprochen und es war alles geklärt!“.

Dessen war er sich eigentlich sicher gewesen. Sie hatten geklärt, dass sie sich an ihren freien Wochenenden besuchen würden. Die Flugkosten hätte er übernommen. Auch wenn das einiges an Diskussionen mit sich gebracht hatte, stimmte Gretchen irgendwann zu. Und auch in ihrem Urlaub wäre sie zu ihm in die Staaten geflogen. Sie hätten sich also durchaus sehen können. Zusammen hatten sie der unerfahrenen Chirurgin einen eigenen rosa Laptop gekauft, und er hatte ihr an mehreren Abenden erklärt, wie Skype funktionierte. Marc war sogar bereit gewesen, ihr mal einen Brief zu schreiben. Einfach nur, um sie zu überraschen. Sie war mit allem einverstanden gewesen und hatte ihm geholfen, einen passenden Mietwagen zu finden. Er verstand sie einfach nicht und er fühlte sich überfahren. So kurz vor seiner Abreise...

„Hör mir bitte zu Marc. Ich habe damit nichts zu tun und es tut mir unendlich leid, dass...“.

„Unfassbar!“, unterbrach er sie. „Jetzt lügst du mich also auch noch an?“

„Nein. Ich...“.

„Weißt du was? Vergiss es einfach. Ich hab die Schnauze so gestrichen voll. Von allem! Kannst du dich nicht einfach mal raushalten? Dumme Frage, ich weiß. Antworte darauf einfach nicht und lass mich jetzt allein! Geh ins Schlafzimmer! Ich schlafe heute Nacht auf der Couch“, maulte Marc weiterhin und ließ seiner Lebensgefährtin gar nicht die Möglichkeit, sich dazu zu äußern.

Aber sie wollte es wirklich nicht so stehen lassen. Sie hatte sich nichts zuschulden kommen lassen. Das war einzig und allein die Schuld ihres Vaters, der wahrscheinlich meinte, er müsse seine kleine Tochter vor dem Alleinsein beschützen. Natürlich war sie froh, einen so wundervollen Vater zu haben – doch damit war er eindeutig zu weit gegangen. Und auch Marc überspannte hier ganz offensichtlich den Bogen. Seit Tagen schrie er nur noch herum und ließ kein gutes Haar an irgendjemandem. Hier war es allerdings genug. Er beschuldigte sie einer Sache, die sie nicht getan hatte. Er schrie sie an. Er ließ sie nicht aussprechen, und eigentlich würde sie wirklich anfangen zu heulen, weil sie ebenso war, wenn er mal wieder auf ihrem Herzen herumtrampelte, wie auf einer Fußmatte. Doch ihre Hormone wollten etwas anderes: sie wollten nicht, dass sie sich vor ihm hinstellte und den Tränen freien Lauf ließ. Sie wollten, dass sie auch schreit, und so kam schließlich eines zum anderen. Sie tobte, und da Marc nicht glaubte, dass sie nicht wegen des Fellowships bei ihrem Vater war, fand er es ungerechtfertigt, wie sie sich benahm und schrie ebenso laut zurück.

Der erste richtige Streit, seitdem sie zusammen waren. Es gab immer mal Meinungsverschiedenheiten, doch die waren immer schnell aus dem Weg geräumt. Meistens, weil Gretchen ziemlich überzeugend schmollte oder einen Bambi-Blick aus der Tasche zog. Sie verbrachten unglaublich viel Zeit miteinander. Er hatte Duftkerzen in der Wohnung stehen, bunte Bilder an den Wänden und so unfassbar viele Hygieneprodukte in seinem Badezimmer. Rosa. Egal wo er hinsah, überall waren rosa Farbkleckse… Er hielt es nicht aus und sie auch nicht. Nach über einer Stunde erbittertem Anschreien, Vorwürfen und Beleidigungen, brachen die Dämme.

Da saß sie nun und weinte seinetwegen... mal wieder. Wie so oft konnte er sein loses Mundwerk einfach nicht halten und beleidigte sie, weil sie zu Papa gerannt war. Weil sie ihm im Weg stand, weil sie ihn einengte. Das musste endlich aufhören, aber sie ging einfach nicht. Sie blieb und weinte.

„Warum verschwindest du nicht einfach, anstatt mir hier die Ohren voll zu jaulen?“ fuhr er sie an.

Verletzt, geschockt und ungläubig sah sie ihn an: „Warum ich nicht gehe? Willst du mich verarschen? Ich gehe aus demselben Grund nicht, aus dem ich dir hinterhergelaufen bin, dir bei der Geschichte mit Gabi geholfen habe, dich, egal was war, nicht aufgegeben habe!!!“

„Hör auf zu faseln und komm zum Punkt oder braucht dein Hirn Schokolade, um weiter arbeiten zu können?“

„WEIL ICH DICH LIEBE, DU IDIOT!“ schrie sie verheult.


Jetzt, um 1:23 Uhr, lag Gretchen schon im Bett und war hoffentlich im Land der Träume, während Marc noch immer im Wohnzimmer auf der Couch saß und den Abend Revue passieren ließ. Er wusste, dass er viel zu überzogen reagiert hatte, aber es wurde ihm zu viel. Das alles wurde ihm zu viel. Es war unglaublich schön mit Gretchen. Er wollte nicht eine Sekunde, in der sie zusammen waren, missen. Er verfluchte nicht den Tag, an dem er ihr hinterhergeeilt war und sie vor allen Augen geküsst hatte. Es war einfach zu viel. Vielleicht überforderte ihn das alles auch einfach nur. Immerhin ging nicht nur Gretchen ihm auf die Nerven, wenn sie klammerte, sondern auch seine Mutter hatte seit einiger Zeit ein enormes Talent dazu. Genaugenommen, seitdem sie von dem Fellowship in Washington wusste. Ja er konnte es ruhig zugeben: Es war nicht nur seine Karriere, die ihm wichtig war und der damit einige Ziegelsteine in den Weg gelegt wurden... Er musste hier einfach mal weg. Weg von allem. Der kleinen familiären Klinik, Schwester Sabine. Gabi, die ihn noch immer mit ihren Blicken auszog. Bärbel, die jedes Mal die Hochzeitsglocken läuten hörte, wenn er und Gretchen bei den Haases zum Abendessen waren. Von dieser Wohnung und von... ja, von Gretchen.

Langsam schlenderte er durch seine Wohnung, die sich seit ihrem Einzug sehr verändert hatte. Er hielt die Dinge normalerweise immer recht schlicht. Es stand nicht viel herum, bis auf das Nötigste. In der Küche war es der Messerblock auf der Anrichte. Ansonsten gab es, außer den Elektrogeräten vor Gretchen, nichts, was herumstand. Jetzt war die Anrichte vollgepackt. Klatschblätter lagen auf der Fensterbank. Auf der Bar, an der er normalerweise seinen Kaffee trank und genug Platz für die Tageszeitung hatte, stand nun ein Obstkorb, in dem seine Äpfel lagen, die vorher immer im Schrank waren. Neben dem Messerblock stand eine Karaffe mit Wasser und Dekoobst. Sogar einen Läufer hatte sie in die Küche gelegt und Magnete an den Kühlschrank geheftet.
Im Wohnzimmer war es nicht anders. Hier und da eine Kuscheldecke - natürlich in rosa. Neben dem Fernseher Deko, die ihn bei jedem Fußballspiel höhnisch angrinsen würde. Vom Badezimmer, wollte er gar nicht erst anfangen. Dort konnte er sich nicht bewegen, ohne das Gefühl zu haben, in einer Damenboutique zu stehen. Dabei sah Hasenzahn wirklich nicht danach aus. Soviel Hygiene und Schminkzeug hatte eigentlich nur Gabi gehabt und sie sah auch danach aus. Meistens nach Geisterbahn, aber jeder hatte so seine Stärken und Schwächen.

Und langsam aber sicher wurden ihm seine Schwächen immer klarer. Er konnte das hier einfach nicht. Nicht ohne Gretchen das Herz zu brechen. Und das so sehr, dass es nie wieder heilen würde. In der Schlafzimmertür kam er zum Stehen und betrachtete das blonde Wesen, dessen Haare das komplette Kissen in Beschlag nahmen und welches leise seinen Namen murmelte... Das konnte er ihr einfach nicht antun. Er musste dringend etwas unternehmen.
Zügig eilte er ins Wohnzimmer und kramte in einer der Schubladen nach dem Brief seines Vaters. Das könnte die Lösung sein – für sie beide.
Ein kurzes, eher unpersönliches Telefonat später war alles geregelt. Na ja, fast. Einige Mails musste er noch schreiben und er musste sich überlegen, wie er es Gretchen erklären würde. Gepackt waren seine Koffer ohnehin, weil er in ein paar Tagen eigentlich nach Washington hatte fliegen sollen. Die Sachen im Koffer würden fürs Erste reichen. Doch als er versuchte, besagten Koffer leise aus seinem Schrank zu holen und Gretchen dadurch wach wurde, wäre sein Plan beinahe ins Schwanken gekommen.

„Marc?“ hauchte sie leise und verschlafen in die Dunkelheit. „Was machst du da?“

„Ich wollte den Koffer auspacken... Schlaf weiter! Ich mache das wohl doch besser morgen.“

„Bleibst du bei mir, bis ich wieder eingeschlafen bin?“ fragte sie wie ein kleines Kind, welches Angst allein hat, und brachte den entschlossenen, knallharten Chirurgen zum Schmunzeln.

„Natürlich“, antwortete er und setzte sich neben dem Bett auf den Boden, um ihre kleine, zarte Hand zu halten, die nicht nur im OP äußerst begabt war. Diese Arme, die ihn unglaublich kräftig umschlingen konnten, obwohl man es dieser Frau nicht ansah oder zutrauen würde, soviel Kraft aufzubringen. Dieses Gesicht, welches ihn jeden Tag aufs Neue anstrahlte. Diese Lippen, die süß waren, wenn sie Schokolade gegessen hatte und salzig, wenn sie mal wieder geweint hatte. Die er so gern küsste... Diese seidigen Haare, die nach Vanille dufteten. Er konnte sich nicht von ihr loseisen. Und er konnte es einfach nicht ertragen, wenn sie traurig war. Wie konnte er das verantworten? Sie würde unglaublich traurig sein und wahrscheinlich wochenlang weinen... Aber was würde passieren, wenn er es nicht tat? Wenn es weiterging wie bisher?

Es würde sie und ihre reine Seele brechen und das wollte er unter keinen Umständen verantworten müssen. Wie sagte man so schön? Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Ihm blieb nichts anderes übrig. Er würde ihr den Brief auf die Anrichte legen, sie noch einmal kurz küssen und dann fahren. Nach München. In ein neues Leben. Für sie beide...


Am Morgen danach:

„GRETCHEN?“ schrie der zerzauste Halbperser in die Wohnung seines besten Freundes, auf der Suche nach seiner besten Freundin. Er konnte es einfach nicht glauben, was er in dieser Mail zu lesen bekam und eigentlich war er wirklich viel zu neugierig und würde seinen besten Freund anrufen, um ihn zu fragen, ob er noch alle Tassen im Schrank hatte. Doch jetzt gerade war nur eines wichtig: Gretchen und das Baby! Mehdi fand sie, Sturzbäche von Tränen weinend, im Schlafzimmer auf dem Bett. Sie bekam kein vernünftiges Wort heraus und hielt ihm einen handgeschriebenen Brief unter die Nase, der ihn nur noch mehr verwirrte... Was war hier nur los?

Drei Stunden Tränen, mehreren Anrufen bei Anna und in der Klinik später, hatte Mehdi seine beste Freundin soweit beruhigt, dass sie sich angezogen hatte und nun in der Küche saß und einen Kakao trank.

„Gretchen...! Du musst ihn anrufen und ihm sagen, dass du schwanger bist! Dass er Vater wird. Vielleicht ändert es alles“, sagte er nun zum zehnten Mal an diesem Tag und er war sich sicher, dass er sie überzeugen konnte, wenn er es nur oft genug sagte. Doch Gretchen sah das Ganze etwas anders und diese Aussichten waren mehr als ernüchternd.

„Nein!“ antwortete sie ihm bestimmt, „Ich werde ihm nichts davon sagen. Es würde nichts ändern. Nichts an der Situation und auch ihn nicht. Er kann oder er will niemanden lieben, außer sich selbst, und ich möchte, dass mein Kind in einer liebevollen Familie aufwächst, in der man sich gegenseitig respektiert. Es wird bestimmt nicht einfach, aber ich muss es einfach tun. Diesmal… ist es wirklich vorbei!“




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『「ENDE







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Original Writing: 07.11.2017


Choconussa Offline

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Beiträge: 330

03.12.2017 13:14
#17 RE: Choconussa's Feiertagsspecials Zitat · antworten

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Erster Advent

Dicke Rote Kerzen


Abgründe? Nein! Überraschungen!



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Damals in Berlin-Charlottenburg


Mit einem erleichterten Grübchen-Lächeln saß der braunhaarige Jungchirurg, mit weit von sich gestreckten Füßen und einem kühlen Bier in der Hand, auf seinem runden Designersofa. Endlich Feierabend! Durch die Grippewelle, und dem daraus resultierenden Engpass, waren die Schichten in der letzten Woche eine reine Zumutung gewesen und Doktor Meier hatte sich einen ruhigen Abend mehr als nur verdient… Doch – seine Mitbewohnerin schien das ein bisschen anders zu sehen.

Als sie nach Hause gekommen waren, ging sie direkt in die Küche, um – ja was eigentlich? Stirnrunzelnd knibbelte Marc am Etikett seiner Flasche herum. Was konnte sie nur vorhaben? Kochen konnte sie nicht!

„So ein verdammter Mist!“, hörte er sie fluchen. Ergeben ließ er den Kopf in den Nacken fallen… Was hatte sie denn nun schon wieder? Noch immer hörte er sie in den Schränken wühlen und wie die Schranktüren, eine nach der anderen, zugeknallt wurden. Langsam war er wirklich genervt. Schnaubend zog er die Beine an und stellte seine Flasche auf dem Couchtisch ab. Gerade als er sich erheben wollte, um nachzusehen, was das blonde Wesen trieb, hörte er wie etwas klirrend zu Bruch ging. Direkt darauf folgte ein lautes „Scheiße!“.

„Das darf nicht wahr sein!“, dachte er. Er hatte verdammt nochmal Feierabend. Keinen Bereitschaftsdienst! Er wollte entspannen und sich nicht noch um die Neurosen seiner Freundin kümmern…

„Was hast du jetzt schon wieder kaputt gemacht?“, fragte er, mit drohendem Unterton in der Stimme, laut. Im Stechschritt durchquerte er das Wohnzimmer zur angrenzenden Küche. Im Türrahmen blieb er verwundert stehen – ein Schlachtfeld! Schränke standen offen und deren Inhalt war auf den Arbeitsplatten verteilt.

„Ach - nur die blöde Punsch-Schüssel, die wir von meiner Mutter bekommen haben!“

„Dieses hässliche, bunte Ding? Na ja – nicht schade drum. Was zum Teufel veranstaltest du hier?“, fragte er und machte eine ausladende Geste in Richtung des Küchenchaos.

„Ich habe den Adventskranz vergessen Marc“, jammerte Gretchen. „Jetzt bekomm ich auch keinen mehr. Die Geschäfte sind alle zu!“

Der Weihnachtswahn – Hilfe!

„Äh… in meinen Schränken wirst du sicher keinen finden!“, merkte er, an ihrem Geisteszustand zweifelnd, an. Mit einem großen Schritt überquerte er die Scherben auf seinem teuren Fliesenboden und lehnte sich, neben dem Herd, an die Küchenzeile. Mit einem lockeren Handgriff drehte er eine der Ceranfeldplatten an und sagte salopp: „Hier!“

„Was soll das denn nun schon wieder werden?“, seufzte sie und verdrehte die Augen im Kopf.

„Der ultimative Adventskranz Hasenzahn – extra für Frauen!“, feixte der Chirurg.

Doch seine Freundin fand das absolut nicht witzig. Für sie waren die Traditionen zur Weihnachtszeit wichtig und das wusste der Drückeberger auch!

„Du bist so unsensibel Marc“, maulte Gretchen und schien wirklich den Tränen nahe. „Du weißt doch ganz genau, wie wichtig mir das ist. Ich wollte morgen Abend mit dir zusammen ein Glas Wein trinken und die erste Kerze anzünden… Das kann ich jetzt ja wohl vergessen. Es sei denn, wir würden zu meinen Eltern fahren. Aber dafür müsste ich dich erst sedieren… Sonst - “

„Jetzt halt mal die Luft an“, unterbrach er sie forsch. „Das Gejaule verstehen gleich nur noch die Fledermäuse Gretchen. Geh ins Schlafzimmer an meinen Schrank“, er stieß sich locker von der Küchenzeile ab, wollte sich wieder auf den Weg ins Wohnzimmer machen, doch drehte er sich, mit erhobenem Zeigefinger, warnend, noch einmal zu ihr um. „Aber nerv mich nachher nicht!“

Fragend sah sie ihrem Oberarzt hinterher und keine zehn Minuten später, nachdem sie die Scherben aufgekehrt hatte und neugierig ins Schlafzimmer getapst war, ertönte ein freudiger Aufschrei. Ehe er auch nur reagieren konnte, sprang ihm ein blonder Klammeraffe an den Hals und drückte ihn fest an sich.

„Du bist so ein Schatz, Marc!“, seufzte Gretchen glücklich und drückte ihrem Freund einen Kuss auf die Lippen. „Wo darf ich den Kranz denn hinstellen?“

„Stell ihn dir von mir aus, in die Dusche Hasenzahn, aber stell ihn hin und halt die Klappe“, maulte der Chirurg. Er hasste Kosenamen und er hatte sie gewarnt, ihn nicht zu nerven. Doch als er ihre strahlenden Augen sah, während sie den Adventskranz auf dem Tisch drapierte, war der Ärger wieder verflogen ...


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Choconussa Offline

Mitglied


Beiträge: 330

10.12.2017 11:09
#18 RE: Choconussa's Feiertagsspecials Zitat · antworten

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Zweiter Advent

Little Drummer Boy


Der Baron von Grinchhausen



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Damals – Elisabeth-Krankenhaus Berlin-Zehlendorf


Ich liebe meinen Job!

Wie ein Mantra, prägte Doktor Marc Olivier Meier sich diesen Satz ein. Seitdem Gretchen seine Wohnung dekoriert hatte, kam er sich vor wie im Weihnachtswunderland. Egal wo er hinsah, überall bunte Lichter. Sterne, Zuckerstangen und Lametta. Entweder es war ihm die Jahre zuvor nie aufgefallen oder aber ganz Berlin hatte sich gegen ihn verschworen. Selbst auf seiner Station war er vor dem Wahnsinn nicht sicher und zu allem Überfluss wurden, stundenweise, die Schnapsleichen vom Weihnachtsmarkt eingeliefert.

Es kotzte ihn an!

Im wahrsten Sinne des Wortes, denn die junge Patientin, die er hatte, übergab sich - direkt auf seinen Kittel. In Gedanken verfluchte er Doktor Hassmann, die Gretchen für eine Tonsillektomie abgezogen hatte. Seine schlechte Laune ließ er an Sabine aus…

„Schwester Sabine!“, rief er wütend über die Gänge. „Bringen Sie SOFORT eine Nierenschale in die Vier und piepen Sie Hasenzahn an. Ich hab keinen Bock, die ganze scheiß Arbeit allein zu machen!“

Aufgebracht lief er in sein Büro, um sich umzuziehen. Er hasste die Weihnachtszeit! Wie konnte man sich auf dem Weihnachtsmarkt nur so volllaufen lassen? Sowas hatte er nicht mal zu seinen Bestzeiten geschafft. Jedenfalls hatte er noch nie einen seiner behandelnden Ärzte vollgekotzt.

„Was ist denn mit dir passiert?“, lachte Mehdi, als sie sich auf dem Flur begegneten.

„Wonach sieht es denn aus du Pfeife?“

„Hey! Ich hab nur gefragt...“

„Stimmt. Du kannst nichts dafür. Der Wickeltisch war einfach zu hoch und deine Eltern wahrscheinlich einfach nur ungeschickt“, spuckte der Chirurg seinem besten Freund entgegen. „Ich wurde vollgekotzt. Müsstest das doch eigentlich kennen. So eine Scheiße!“

Kopfschüttelnd sah der Gynäkologe dem fluchenden Braunschopf hinterher. Marc Meier war wirklich der einzige Mensch, den er kannte, der zur Weihnachtszeit mit einem Gesicht wie sieben Tage Regenwetter durch die Gegend lief. Daran würde auch Gretchen Haase nichts ändern können. Diese These bestätigte sich, nachdem Marc in seinem Büro gewesen war. Seine Freundin hatte es sich doch tatsächlich gewagt, den Adventskranz mit in die Klinik zu nehmen.

„Mensch Marc! Ich wollte das halt heute Abend hier machen“, erklärte sie aufgebracht und lief vor ihrem maulenden Freund her. „Ich werde darauf sicherlich nicht verzichten, nur weil du uns für die Spätschicht eingetragen hast.“

„Es ging nicht anders, Gretchen. Soll ich Rössel die Spätschichten schieben lassen, damit du zu Hause dein scheiß Kerzenritual abhalten kannst oder was?!“
Blitzartig blieb sie stehen und drehte sich ruckartig zu dem Chirurgen um, dass dieser vor Schreck tatsächlich einen Schritt zurücktat.

„Lass deine schlechte Laune an wem anders aus. Du gehst mir auf die Nerven. Seit zwei Wochen bist du nur noch am Meckern. Ich kann es nicht mehr hören. Außerdem ist es eine schöne Tradition, mein Lieber – merk dir das!“, maulte sie schlecht gelaunt zurück. Dieser Mann konnte einem doch wirklich alles madigmachen.

„Pff - Tradition“, schnaubte Marc auf. „Beschäftigungstherapie nenn ich das! Du glaubst gar nicht, wie froh ich bin, wenn der Spuk wieder ein Ende hat und ihr mal wieder in der Realität ankommt – obwohl… Vielleicht kann ich euch alle wegsperren lassen, wenn dieser "Wir haben uns alle lieb"-Scheiß anhält!“

„Oar! Manchmal möchte ich dir echt die Schädeldecke abnehmen, um nachzusehen, ob da drunter auch nur ein Fitzelchen Hirnmasse zu finden ist.“

„Entschuldigung?“, fuhr ein zartes Stimmchen dazwischen. „Herr Doktor Meier? Ich wollte mich bei Ihnen bedanken und mich für das Erbrochene auf ihrem Kittel entschuldigen.“

„Ja, ja...“, grummelte der Chirurg. „Aber merk dir für die Zukunft, dass Alkohol nur etwas für Menschen ist, die ihn vertragen und zudem ein paar Gehirnzellen entbehren können!“

„Marc!“, spie Gretchen ihm scharf entgegen. „`N bisschen mehr Respekt!“

„Vor was? Vor Minderjährigen, die sich das Hirn wegsaufen?! Ganz sicher nicht. Da fällt mir ein, dass ich noch das Jugendamt informieren wollte...“

„Was?“, fragte die Patientin erschrocken.

„Ja glaubst du etwa, du kommst ungeschoren davon? Deine Eltern haben ihre Aufsichtspflicht verletzt und wir sind dazu verpflichtet, die Behörden einzuschalten.“

„Da hat er leider recht“, stimmte Gretchen geknickt zu und nahm die Jugendliche in den Arm, als sie anfing zu weinen.

„Ich mach dir nen Vorschlag… Du wirst für die restlichen zwei Wochen auf der Kinderkrebsstation vorlesen – unbezahlt, versteht sich – ich lege das Telefon weg und tu so, als sei nichts gewesen. Aber gnade dir Gott, wenn ich dich noch einmal betrunken auf meiner Station sehe“, lenkte Marc schließlich ein. Gretchen hatte recht: Es war Weihnachten. Und so sehr er diese Jahreszeit auch hasste – keine Familie hatte Stress, innerhalb ihrer Familie, nötig…

Überglücklich strahlten die Frauen vor ihm um die Wette. Die junge Patientin stimmte dem Arzt begeistert zu und wollte sogar schon heute mit dem Vorlesen anfangen. Und Gretchen konnte sich einen kleinen Seitenhieb einfach nicht verkneifen.

„Hast ja doch ein großes Herz – mein Weihnachtsmuffelchen!“, griente sie ihn mutig an und wurde, nach einem kurzen Aufstöhnen seinerseits, lachend an eine harte Chirurgenbrust gedrückt und bekam einen liebevollen Kuss auf den Kopf gepresst …


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