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Choconussa Offline

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Beiträge: 311

23.09.2016 11:14
#51 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № Siebenundvierzig - Run 」




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Der ein paar Tage später, uneigennützig und nett wie er war, seine Schwester nach Berlin fuhr. Warum er sie mit Sack und Pack am EKH absetzen sollte, verstand er zwar nicht und wenn er ehrlich war, war ihm das auch ziemlich egal. Vielleicht, würde er Gretchen ja kurz sehen und vielleicht, würde er kurz mit ihr reden können. Von diesem Gedanken beflügelt, gab er gleich noch ein bisschen mehr Gas, als ohnehin schon.


Und tatsächlich, war Gretchen gerade auf dem Weg nach Hause, als sie Melanie vor der Klinik sah. Den weißen VOLVO, der hinter der Münchnerin stand, registrierte sie gar nicht und auch Marc, der mit dem Kopf im Kofferraum hing, bekam nichts von den beiden Frauen mit, die sich quietschend um den Hals fielen.


Sie waren in den paar Tagen, in denen Melanie bei ihr gewohnt hatte, ehe sie zu Mehdi gezogen war, richtig gute Freundinnen geworden. Weswegen Gretchen sie auch gleich bei ihren Händen nahm und auf sie einredete wie ein Wasserfall, „Ich bin so froh, dass du hier bist und das es geklappt hat. Das wird super hier, wirst sehen und Langeweile kommt auch nicht auf, denn ich habe eine Menge vor. Pass auf: Thorben und..“, sie unterbrach sich, weil sie, als sie kurz nach links blickte, jemanden sah, den sie auf dem Mond besser platziert gefunden hätte, „MARC?! Was macht denn Marc hier?“


„Er hat mich gefahren“, grinste Melanie entschuldigend, als der Chirurg auch schon bei ihnen stand, „Na da haben sich ja zwei gefunden. Du bekommst Konkurrenz am Schokoautomaten Hasenzahn, wobei man das Melanie nicht wirklich ansieht!“


„Wirklich sehr witzig Marc“, fauchte Gretchen und Melanie trat ihm auf den Fuß.


Doch Gretchen hatte eine Idee, „Wenn du schon mal hier bist“, drehte sie sich um, „daaaaas hiiiiier“, sagte sie geheimnisvoll, hob Sarah aus dem Kinderwagen, drehte sich wieder um, „ist Sarah-Marie. Sarah, das da ist dein Papa.. Aber du verstehst das ja so oder so noch gar nicht, nich? Jaaa“, lachte und scherzte sie mit der kleinen auf ihrem Arm.



Marc sah seine Tochter jedoch an, wie ein Wesen von einem anderen Planeten. Ihm wurde warm, er begann zu schwitzen, bekam einen trockenen Mund und hatte einen großen Kloß im Hals.


Das sollte SEINE Tochter sein? Sein Werk? Er konnte es gar nicht glauben.


Sie war tausendmal schöner, als auf den Fotos und während er das kleine Mädchen in Gretchens Arm, mit tellergroßen Augen nur anstarrte, warteten die Frauen auf eine Reaktion.


Fragend sah Gretchen zu Melanie herüber, die auch nur mit den Schultern zucken konnte und erst als sie ihren Bruder fest anstupste, erwachte dieser aus seiner Schockstarre.



„Ich muss.. Ich muss nach Hause“, sagte er schnell, drückte Melanie kurz an sich, „Ich wünsch dir viel Spaß!“, rannte um seinen Wagen, stieg ein und fuhr mit quietschenden Reifen davon.



„Was war das denn jetzt?“, fragte Gretchen verwundert, denn so hatte sie Marc noch nie erlebt.


„Überforderung“, lachte Melanie hingegen und freute sich, ihrem Vater heute Abend davon erzählen zu können, wenn sie telefonierten.


Wäre sie dafür nur nicht viel zu müde gewesen...


Nachdem Marc wie von der Tarantel gestochen, abgerauscht war, hatte sie mit Mehdi ihre Koffer in seine Wohnung gebracht, war wieder in die Klinik gefahren, wo ihr dann von Schwester Sabine alles gezeigt wurde. Von oben bis unten, durch das ganze Krankenhaus, durch jeden OP-Saal, jeden Behandlungsraum. Was in welchem Schrank oder in welcher Schublade war. Und nach dieser mehrstündigen Führung wurde sie vom Chefarzt, in der Cafeteria, vor versammelter Mannschaft, vorgestellt.


Bei dem Namen "MEIER", wurde getuschelt und eine Ärztin mit braunen Haaren und scharfem Blick sagte laut: „Meine Herren, wie viele Menschen mit Gottkomplex will er denn noch einstellen?“


„Frau Doktor Hassmann!!“, rügte Gretchen ihre Kollegin und schwor sich, ihr beim nächsten Mal 3,5 prozentige Milch in den Kaffee zu kippen.


Trotz dieser kleinen Spitze gegen ihren Bruder, wurde sie sehr herzlich aufgenommen. Sie konnte gar nicht in Worte fassen, wie glücklich sie war.


Am Abend, fiel sie todmüde ins Bett. Die Arbeit im EKH war zwar weniger wie in der Uniklinik und das würde sich sicherlich nicht ändern, doch das späte Schlafen am Vorabend, das frühe Aufstehen heute Morgen, der Stress, den Marc gemacht hatte, damit sie schnell losfuhren und dann die vielen neuen Eindrücke, es hatte sie einfach ausgelaugt.


Lächelnd zog Mehdi ihr die Schuhe aus, küsste sie auf die Nasenspitze, deckte sie liebevoll zu und legte sich dann neben sie, um sie noch ein wenig beim Schlafen zu beobachten, ehe auch er sich schlafen legte.



Im Hause Haase, war in dieser Nacht an schlafen vorerst nicht zu denken. Sarah hatte den halben Tag verschlafen und war nun putzmunter. Ganz im Gegensatz zu ihrer Mutter, die völlig übermüdet, ihre Tochter mit der Rassel bespaßte. Was gäbe sie nicht alles für eine Tasse Kaffee? Doch da sie noch immer stillte, kam dies natürlich nicht in Frage. Würde sie sich später eben mit einem Früchtetee begnügen und sich bei ihrem Vater entschuldigen, weil sie so keinesfalls morgen arbeiten konnte.


Aber das hatte Zeit! Erst mal musste sie zusehen, wie sie ihre Tochter auspowern konnte.


Nachdem sie Sarah in ihre Wiege gelegt hatte, kramte sie die Krabbeldecke heraus, platzierte diese auf dem Boden und hoffte, dass Sarah vom spielen müde wurde.


Mehrere Runden Flugzeug- und Rasselspiele später, war jedoch klar, dass es Sarah nur noch mehr aufdrehte. Dann musste halt die Wanne herhalten. Zügig war das Wasser eingelassen, der Badezusatz drin und schon konnte Sarah planschen. Nachher würde das Badezimmer und auch Gretchen triefnass sein, doch ihre Tochter und auch sie selbst, mussten langsam schlafen. Der geregelte Tagesablauf war für ein Kind sehr wichtig und sie wollte unter keinen Umständen zulassen, dass Sarah durch irgendeine Veränderung, aus der Bahn geworfen wurde.


Das Gute-Nacht-Bad und die anschließende Ganzkörpermassage, verfehlten ihre Wirkung nicht. Sarah schlummerte tief und fest und Gretchen musste sich tatsächlich von ihrer Tochter loseisen, von der ein beruhigender Duft ausging.


Schnell beseitigte sie das Chaos, welches sie hinterlassen hatte und fand schließlich auch ihren wohlverdienten Schlaf.



Ganz anders der Chirurg in München, der allein in seiner dunklen Wohnung auf dem Boden saß. Seine Tochter, so unvorbereitet zu sehen, hatten Dinge in ihm ausgelöst, die er nicht beschreiben konnte.


Sein Kopf war mit einem Mal wie leer gefegt gewesen, sein Herz schlug ihm bis zum Hals und sein Magen hatte sich mehrmals umgedreht.


Was hatte er sich nur dabei gedacht, einfach nach Berlin zu fahren, ohne abzuklären, ob Gretchen arbeitete oder nicht? Ihm hätte doch klar sein müssen, dass Sarah dabei war, wenn sie nicht arbeitete.


Jetzt hatte er sie gesehen. Sie war echt, keine Puppe. Sie hatte seine Augen, ihre Haare und war einfach ein bildhübsches Mädchen, welches sicherlich unglaublich viele Jungs auf sich ziehen würde, wenn sie denn dann mal soweit war.


Gretchen würde sich in irgendwelchen Phantasien verlaufen, Thorben der Lappen, würde nichts zu melden haben und er war hier... Kilometerweit entfernt, ohne irgendeine Möglichkeit etwas zu unternehmen....




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Choconussa Offline

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Beiträge: 311

25.09.2016 11:43
#52 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № Achtundvierzig - Raise your glass 」




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Am nächsten Tag, begann für Melanie bereits um fünf Uhr in der Früh, ihre erste Schicht auf der Kinderchirurgie, die sie leiten sollte. Wenn man sich die Sache aber genauer ansah, wurde einem schnell klar, dass es sich hierbei einfach nur um die Chirurgie handelte, in der sie zwar eine leitende Stelle inne hatte, allerdings keine richtig eigene Station. Sie wäre ab sofort auf der 3a, wie Franz Haase das Herzstück der Klinik liebevoll nannte, einfach nur für chirurgische Eingriffe an Kindern zuständig und die wurden, weil es bisher keinen Facharzt gab, noch immer in die Charité gebracht.


Zwei Patienten konnte sie nach sechs Stunden Schicht vermelden, ansonsten war für sie eigentlich tote Hose und Gretchen, war heute auch nicht da. So lief sie durch das Krankenhaus und kam auf der Krebsstation zum Stehen. So viele Kinder, hatte sie auf einer solchen Station noch nie gesehen und es brach ihr beinahe das Herz. Diese Kinder hätten noch so viel vor sich, wenn nicht der Schatten dieser bösartigen Krankheit auf ihnen liegen würde.


Doch die kleinen Patienten, schienen sich dadurch gar nicht verunsichern zu lassen. Sie wussten, dass sie krank waren, sie wussten dass sie unter Umständen sterben konnten und trotzdem waren sie unglaublich lebensfroh. Sie erzählten ihr von ihren Traumberufen, einige von ihnen, wollten auch mal in einem Krankenhaus arbeiten. Entweder als Krankenschwester, die sich alle liebevoll um die Kleinen kümmerten oder aber als Ärzte, die Leben retteten.


Die Kinder sangen zusammen lustige Lieder, lachten und spielten miteinander. Besonders schloss sie die kleine Julia ins Herz. Sie war sechs Jahre alt und hatte die Diagnose, laut dem Onkologen Doktor Sträube, erst vor einigen Wochen bekommen. Sie hatte einen bösartigen Tumor, im Kopf, der zwar noch klein war, aber wachsen konnte. Man wusste nicht, ob man operieren könnte oder ob es zu riskant wäre. Melanie verstand nicht, warum man dies hier nicht wüsste. Die Neurologie musste doch eigentlich wissen, welche Tumore inoperabel waren und welche nicht.


Sofort verlangte sie, die zuständige Neurologin anzupiepen und kurz darauf, stand Frau Doktor Hassmann hinter ihr, die gar nicht erfreut zu sein schien, „Grad mal einen Tag hier und schon wollen Sie alles auf den Kopf stellen. Meinen Sie, dass das vielleicht in den Erbanlagen liegt? Ihr Bruder, war da ja auch so einer. Ständig musste er sich in die Arbeiten einmischen, die nicht nur nicht in seinem Aufgabenbereich sondern auch eindeutig nicht in seinem Wissen lagen. Also, was wollen Sie?“


„Ich danke Ihnen für die ausführliche Erklärung, aber ich kenne meinen Bruder sehr gut. Ich mische mich auch nicht ein, ich möchte einfach nur wissen, warum SIE als Fachangestellte nicht wissen, ob der Tumor der kleinen Julia operabel ist oder nicht. So etwas haben Sie zu wissen und nicht einfach wegzusehen und das Kind ihrem Schicksal zu überlassen. Ich verlange, dass Julia unverzüglich vernünftig untersucht wird und ich möchte bei dieser Untersuchung anwesend sein. Zur Not, rufe ich auch in der Neurologie in München an. Unsere Neurologin übernimmt diesen Fall sicherlich gern“, sagte sie freundlich, jedoch bestimmt. Ihr Unterton ließ keinerlei Widerrede zu und irgendwie, war Maria Hassmann, von der kleinen Frau vor ihr, mehr als fasziniert. Noch nie hatte es sich jemand Neues gewagt, so mit einem der Oberärzte zu sprechen, doch wenn sie so an die Gene dachte, überraschte sie das dann doch eher weniger.


Der Meier hatte auch ein loses Mundwerk und keine Scheu davor, es aufzureißen wo er nur konnte.


Grinsend versprach sie, eine Untersuchung für den nächsten Tag anzusetzen, da sie heute noch einiges an Operationen hatte, die sie keinesfalls verschieben konnte, weil die Patienten schon vorbereitet waren.


Und Melanie ging zufrieden zurück auf ihre Station, wo sie nun schon seit zwei Stunden im Schwesternzimmer saß, den Kopf auf ihren, auf dem Tisch liegenden Armen abgestützt, schmollend und mit dem Pieper, direkt vor ihrer Nase.


Irgendwie, war ihr ja ein wenig langweilig aber hinter ihr schlich sich jemand an, der wusste, was Frauen wollten und der immer das passende Medikament dabei hatte.


Mehdi war auf der Suche nach seiner Freundin gewesen, die er heute Morgen zweimal kurz gesehen hatte und die dann spurlos verschwunden war, was in diesem Krankenhaus eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit war - bis heute.


„Was machst du denn hier so ganz allein?“, beugte er sich über ihre Schulter, um ihr einen Kuss zu klauen, den sie ihm nur zu gern gab.


„Ich warte darauf, was tun zu können. Hier ist bisher allerdings nichts los.“


„Und da sitzt du hier einfach nur rum und machst nichts? Mein Schatz, ich glaube ich muss dir mal erzählen, wie das hier so abläuft“, grinsend zog er sie von ihrem Stuhl auf seinen Schoß, „Weißt du, wenn wir hier nichts zu tun und gerade ein bisschen Luft haben, dann gehen wir runter in den Park, trinken Kaffee und quatschen. Wenn das Wetter schlecht ist, verlegen wir das in die Kantine und ansonsten, besuchen wir die Ärzte auf anderen Stationen. Zum Beispiel, einsame Gynäkologen, die sehnsüchtig auf ihre Herzdame warten.“


Verwundert sah sie ihm in seine braunen Augen, „Wirklich? Ihr geht einfach so irgendwohin und trinkt Kaffee?“


„Wir haben immer unsere Pieper dabei und wenn es ein dringender Notfall ist, können wir einen Sprint hinlegen, da schauste nicht schlecht. Außerdem sind wir ja auch oft hier. Das Schwesternzimmer, ist die Zentrale. Wenn du irgendwas wissen willst, komm hier her und du wirst es bestimmt erfahren.“


„Aha. Ich sitze hier nun schon einige Stunden und ich weiß noch immer nicht, wo Gretchen heute ist. Sie hat gestern noch gesagt, dass sie heute ihre Vier-Stunden-Schicht hat“, maulte Melanie drauf los und sah dabei aus wie ein kleines Schulmädchen, was Mehdi verzückt lächeln ließ.


„Sie hat sich heute Morgen entschuldigen lassen, weil Sarah die letzte Nacht ein kleiner Wirbelwind war und die beiden schlecht bis gar nicht geschlafen haben. So kann sie natürlich nicht auf der Chirurgie arbeiten und operieren“, erklärte Mehdi.


„Das ist mir dann schon klar. Ich hatte mich halt gefreut. Wir wären hier den ganzen Tag zusammen und außerdem, wollte sie mir gestern noch was erzählt haben. Das ging dann aber unter, weil Marc mal wieder stören musste.“


„Dann fahr doch nach deiner Schicht zu ihr rüber. Sie ist bestimmt dankbar über ein wenig Ablenkung. Den ganzen Tag allein, ist einfach nichts für sie, hm?“


„Und was ist mit meinen Sachen? Die müssen ausgepackt werden. Und wir beide hatten bisher auch noch nichts voneinander.“


„Dafür haben wir für den Rest unseres Lebens, jede Menge Zeit zusammen“, schmunzelte Mehdi und zwickte sie leicht in die Seite, was sie enger an ihn brachte und schon, saßen sie eng umschlungen, sich leidenschaftlich küssend und glücklich zusammen auf ihrem Stuhl.


Es war so schön harmonisch, da musste doch einfach was kommen, dachte Mehdi, als Schwester Gabi, laut würgend, ins Stationszimmer kam. Sie widerten glückliche Paare an, denn seit der unglücklich geendeten Sache mit Marc, war sie Single.


Oft hatte sie Zeit mit Mehdi verbracht. Immer wieder, war er unglaublich lieb zu ihr gewesen, hatte ihr zugehört und sie verstanden. Und jetzt? Jetzt hing diese Schwester von Marc an seinen Lippen und sie war abgeschrieben. Wieder stand sie allein da.

„Schwester Gabi“, sagte Melanie gespielt besorgt, „möchten sie vielleicht ein Hustenbonbon, Saft oder Wick? Ich kann schnell was aus dem Medizinschrank holen, vielleicht auch ein wenig Valium!“


„Danke Frau Doktor“, sang Gabi beinahe, „ICH brauche nichts. Im Gegensatz zu Ihnen, gebe ich mich mit dem, was ich habe, zufrieden.“


Sauer schwebte sie davon und ließ zwei sehr verwirrte Ärzte zurück, die sich fragend ansahen. Was sollte diese Aussage denn nun?





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Choconussa Offline

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Beiträge: 311

02.10.2016 11:47
#53 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № Neunundvierzig - Don't tell me」




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„Schwester Gabi!“, rief Melanie verärgert über die halbe Station, als sie die Krankenschwester keine halbe Stunde später aus Mehdi's Büro kommen sah, „Würden Sie mir mal verraten, was genau Sie für ein Problem haben?“


„Ich rate Ihnen, sich aus den privaten Angelegenheiten anderer zurückzuhalten. Dies betrifft auch Doktor Kaan“, antwortete die Krankenschwester der Gynäkologie hochnäsig und sah Melanie abschätzend an, „Wir haben vor ein paar Jahren schon gesehen, wo neue Ärztinnen landen, wenn sie in fremden Gewässern fischen.“



Da ging Melanie ein Licht auf. Sie sprach von Marc und Gretchen. Jetzt war es anscheinend Mehdi, hinter dem sie her war, um sein Geld auszugeben. Oberärzte hatten auf Frauen einen unglaublichen Reiz, das wusste sie, sie würde sich aber ganz sicher nicht sagen lassen, was sie zu tun und zu lassen hatte. Wen sie lieben durfte und wen nicht.



„Wissen Sie, zufällig weiß ich, wie das geendet hat. Sie wohnten plötzlich nicht mehr in einer wunderschönen Designer-Wohnung an der Spree, sondern im Schwesternwohnheim, hier um die Ecke. Ihr damaliger Verlobter, musste nicht in den Knast und hat auch nicht seine Zulassung verloren, weil jemand, der ihn wirklich liebte und nicht sein Geld, hinter ihm stand. Und schon lebte er mit eben dieser Frau zusammen, weil er die ganze Zeit sie geliebt hatte und nicht Sie!“, lächelte Melanie verträumt, „Ist doch wirklich wie im Märchen oder? Die bösen Hexen, bekommen dass, was sie verdienen und die schönen Prinzessinnen, werden glücklich!“


„So glücklich dann ja wohl auch nicht“, meckerte Gabi und stemmte ihre Hand in ihre Seite, „Immerhin hat er sie ja sitzen lassen, weil er sie nicht länger ertragen hat. Wobei es mich gewundert hatte, wie lange die beiden es doch zusammen ausgehalten haben.“


„Über die näheren Umstände muss ich Sie nicht informieren und ich werde einen Teufel tun, etwas über das Privatleben meiner Freunde auszuplaudern“, sagte sie und Gabi fiel als erstes der Ton auf, der sich verändert hatte, sie wirkte auf einmal so bedrohlich, „Ich gebe Ihnen nur einen guten Rat mit auf den Weg: Wagen Sie es sich nie wieder, mir sagen zu wollen, was ich zu tun und zu lassen habe!!! Sonst lernen Sie mich kennen, aber richtig und lassen Sie sich gesagt sein, dass ich Ihnen in den Arsch treten werde!“


Und mit einem Aufzucken einer ihrer Augenbrauen, wie Marc es immer tat, wenn er sicher gehen wollte, dass man ihn verstanden hatte, drehte sie sich erhobenen Hauptes auf dem Absatz um und lief wieder zurück auf ihre Station. Gabi blieb an Ort und Stelle stehen, unfähig etwas zu sagen. Gretchen war damals schon nicht vor ihr zurückgeschreckt, als sie ihr sagte, sie solle lieber die Finger von Marc lassen, weil er ihr gehörte und keiner anderen Frau.


Vielleicht musste sie da mal einen Zahn zulegen, dachte sie böse. Ihr linkes Auge zuckte gefährlich zusammen und in ihrem Köpfchen, begann sich schon eine Idee zu formen, wie sie diese Schnepfe, von ihrem Mehdi fernhalten konnte.


Aber bevor Melanie erfahren sollte, was Gabi sich für sie und ihren Freund ausgedacht hatte, schrieb sie Gretchen eine SMS. Sie würde sich gern mit ihr treffen, wenn sie Zeit habe und ein bisschen mit ihr plaudern. Ziemlich zügig bekam sie Antwort, dass sie sich gern treffen könnten. Sie würde auch zu Mehdi kommen und ihr beim Auspacken helfen. Das freute Melanie gleich doppelt. So würde sie vielleicht heute noch alles fertig bekommen und konnte Zeit mit Mehdi, Gretchen und Sarah verbringen, ohne das Gefühl zu bekommen, jemanden zu vernachlässigen.


Nur kochen konnte sie nicht und soweit sie von Marc wusste, war auch Gretchen in der Küche nicht sonderlich begabt, um es nicht mit seinen Worten, „Sie ist eine Katastrophe!“, zu sagen. Sie wollte aber unbedingt, mit den beiden, heute Abend essen. Aber von wem sollte sie sich etwas bringen lassen?


Ob sie Marc anrufen konnte, nachdem er gestern so aufgewühlt gefahren war? Ein Versuch, war es auf jeden Fall wert. Mehr wie anschnauzen, konnte er sie nicht und da würde sie ordentlich gegenhalten.


Wie erwartet, ging er nicht dran und ließ mal wieder seine Mailbox für ihn arbeiten, die ebenso unfreundlich war, wie er selbst, „Wer auch immer mir auf die Nerven gehen will, ruft eure Therapeuten an!“. Kopfschüttelnd musste Melanie schmunzeln bevor sie fröhlich anfing, seine Mailbox vollzuquatschen: „Hallo Marc, eigentlich hatte ich ja gehofft, du würdest abnehmen aber wahrscheinlich stehst du grad im OP oder bist duschen. Was auch immer. Ich bräucht echt mal deine Hilfe. Gretchen kommt heute Abend vorbei und hilft mir beim Auspacken und da wollte ich für uns beide was zum Essen bestellen, weil wir ja beide nicht kochen können und ich dachte, du könntest mir da jemanden empfehlen. Ich möchte sie gern überraschen, vielleicht schaffst du es ja, dich noch zu melden.“


Grinsend legte sie auf, weil sie wusste, dass Marc diese Nachricht so nerven würde, dass er ganz sicher anrufen würde, um sie zu fragen, ob sie noch ganz bei Trost sei. Durch ihre Begeisterung über ihre Dreistigkeit, bemerkte sie jedoch Schwester Sabine nicht, die sehr wohl mitbekommen hatte, was die Frau Doktor ihrem Bruder auf die Mailbox gequatscht hatte.


„Ich könnte Ihnen auch jemanden empfehlen Frau Doktor Meier“, lächelte die quirlige Krankenschwester schüchtern und wartete ein Nicken der Ärztin ab, ehe sie anfing von ihrem Lieblingsgriechen zu schwärmen, „Also, da gibt es so eine Gaststätte. Die ist ganz klein und niedlich aber auch sehr versteckt und da gibt es sehr viele griechische Spezialitäten. Ich bestelle dort, aber nicht oft, weil meine Mutter das Essen von dort nicht mag. Sie findet es viel zu fettig und...“


„DANKE, Schwester Sabine - dass reicht!“, unterbrach Melanie schärfer als beabsichtigt, aber das konnte sich doch wirklich niemand antun. Sie wollte einfach nur wissen, wo sie was zu essen bestellen konnte und nicht gleich eine Lebensgeschichte erzählt bekommen. Erstaunt stellte sie fest, dass es Wirkung zeigte. Sabine hielt den Mund und sah eingeschüchtert auf den Boden, vielleicht sogar ein bisschen verängstigt. Was war sie nur für eine Frau? Und warum reagierte sie so auf ihre Aussage?


„Schwester Sabine, ist alles in Ordnung mit Ihnen?“, fragte sie besorgt und bekam nur ein kleines Nicken zur Antwort, „Warum sind Sie jetzt so.. Verschreckt?“


„Doktor Meier wurde immer sehr ungehalten, wenn ich nicht den Mund gehalten habe und hat damit gedroht, mich zu entlassen“, sagte Sabine ganz ehrlich mit ihrer monotonen Stimme, die einen jeden in den Wahnsinn trieb und von nun an, wohl auch Melanie. Doch wie ihr Bruder sich verhalten hatte, machte sie nur noch wütender, „Der hat was?!?!“




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Choconussa Offline

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09.10.2016 11:23
#54 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № Fünfzig - Don't let me get me」




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„Der kann doch nicht einfach hingehen und einem Menschen, der ihm nur helfen will, mit Entlassung drohen! Die Frau ist so eingeschüchtert, das ist wirklich nicht mehr zu fassen. Dieser Holzkopf, wenn ich den in die Finger bekomme“, regte sich Melanie später am Abend noch immer über ihren unglaublich unverschämten Bruder auf, worüber sich Mehdi und Gretchen, köstlich amüsierten.


Wütend pfefferte sie ihren Kosmetikbeutel, einfach in eine Schublade, aus der Gretchen eben diesen grinsend wieder herausnahm, um alles, auf dem extra für Melanie besorgten Schminktisch, ordentlich zu drapieren.


„Er kann Melanie, glaub mir“, sagte sie auf dem Weg ins Schlafzimmer, „Wir hatten mal einen zweiten Assistenten, Knechtelsdorfer. Erinnerst du dich an ihn Mehdi?“, rief sie.


Sicherlich erinnerte sich Mehdi noch an Maurice Knechtelsdorfer, den unfähigsten Arzt, den auch er je kennengelernt hatte. Dass Marc da irgendwann der Kragen geplatzt war, war nur zu verständlich gewesen.


„Sei froh, dass du das nicht mitbekommen hast“, sagte Mehdi und verdrehte die Augen, „Dein Bruder war unausstehlich!“


„Ist er auch so gewesen“, warf Gretchen grinsend ein und Melanie, verstand nur Bahnhof.




Flashback




Marc, Gretchen und Maurice Knechtelsdorfer operierten gerade eine Frau, die unglücklicherweise, in eine Messerstecherei verwickelt worden war. Sie war wirklich übel zugerichtet und nun hieß es für die Chirurgen, schnellstmöglich die inneren Blutungen zu stillen. Während Doktor Meier im Inneren der Frau herumhantierte, hielt Knechtelsdorfer die Haken und Gretchen saugte das Blut ab, wann immer die Sicht aufs Operationsfeld für Marc versperrt war. Zufrieden nahm er zur Kenntnis, dass sie es ganz ohne Bemerkung von ihm tat. Er musste nicht einmal etwas sagen, sie arbeitete vollkommen selbstständig. Wenn er da an ihre erste gemeinsame Operation bei Frau Schmitz dachte, hätte er niemals erwartet, dass sie es jemals so gut hinbekommen würde. Aber sie lernte ja auch vom Besten. Bestimmt saß sie abends immer vor ihren Katzenblöcken und schrieb alles auf, was sie tolles von ihrem Lieblings-Oberarzt gelernt hatte, doch schnell verwarf er diese Phantasie wieder, denn er wusste, dass sie nur mit ihren Schokoriegeln auf dem Bett saß und über ihre Beziehung, die nicht vorhanden war, schrieb. Sie war einfach eine unverwechselbare Träumerin und der zweite Assistent, schien ihr heute Konkurrenz machen zu wollen.


„Ist die Blutung gestillt?“, nuschelte Marc in seinen Mundschutz und erwartete eine Antwort, die er nicht bekam. Ein kurzer Blick auf Gretchen zeigte ihm, sie hätte ihm sofort eine zufriedenstellende Antwort liefern können, wenn sie sich denn angesprochen gefühlt hätte, „Knechtelsdorfer!“, wurde Marc streng.


„Ja was, bitte?“


„Ob die Blutung gestillt ist?!“


„Ja, also.. Ich denke schon“, hauchte er mit seinem österreichischen Akzent.


Das trieb Marc beinahe die Zornesröte ins Gesicht. Dieser Möchtegern-Chirurg in Ausbildung, sah die ganze Zeit verträumt durch den OP-Saal, bekam nicht mit, was sich auf dem Tisch abspielte und wollte ihm nun, ohne auch nur einen Blick auf das Operationsfeld geworfen zu haben, weismachen, dass er ganz genau wusste, dass die Blutung, die er meinte, auch gestillt war. An Dreistigkeit war das einfach nicht mehr zu überbieten, dachte er, doch da hatte er die Rechnung ohne diesen Dilettanten gemacht.


„Woher wollen Sie das wissen? Sie schauen die ganze Zeit dumm durch die Gegend!“, sagte er ruhig - jedoch genervt.


„Ich hätte vor der OP vielleicht nicht so viel essen sollen.“


„Ja und was soll das jetzt heißen?“


„Na, ich würd mich schon gern übergeben“, quetschte der Österreicher heraus, bewegte sich jedoch nicht von der Stelle.


Nachdem Marc einen kurzen und unmissverständlichen Blick mit Gretchen ausgetauscht hatte, wandte er sich wieder an Knechtelsdorfer und spie, „Ja soll ich Ihnen die Kloschüssel mit dem Aufzug raufkommen lassen oder was?! Unglaublich hier!“


Nach der OP, wartete er gar nicht darauf, Knechtelsdorfer irgendwo abzufangen. Er ließ ihn von Schwester Sabine ausrufen und machte ihm mitten im Stationszimmer eine Szene.


„Ich frag mich wirklich, wie Sie es geschafft haben, überhaupt zum Medizinstudium zugelassen zu werden“, schrie er seinen Assistenten an, der immer kleiner wurde, „Sie sind inkompetent, verfügen über keinerlei medizinisches Grundwissen und zudem rennen Sie mir immer wieder mit Übelkeit aus dem OP. WAS VERDAMMT NOCHMAL WOLLEN SIE HIER, Knechtelsdorfer? Ich verstehe es nicht und ich werde mir nicht weiterhin anschauen, wie Sie sich hier geben. Sehen Sie zu, dass Sie ihren Spind ausräumen und dann ziehen Sie den Kittel aus und verschwinden ganz schnell!“


Kaum dass er sich umgedreht hatte, ergriff Maurice mutig das Wort, „Sie können mich hier nicht so einfach rausschmeißen. Was soll ich denn meiner Familie sagen?“


„Ich KANN und ich HABE. Was Sie ihrer Familie erzählen, ist mir scheißegal. Wenn Sie wollen, unterrichte ich sie auch über ihr fehlendes Talent und empfehle Ihnen, nie wieder eine Schere, ein Messer und sei es nur ein Schmiermesser, in die Hand zu geben und jetzt gehen Sie mir aus der Sonne, sonst vergess ich mich!!!“



Flashback Ende



„Und von dem Moment an, war er nicht mehr zu ertragen“, seufzte Mehdi, rollte eine Nudel auf seiner Gabel auf, denn sie hatten inzwischen das bestellte Essen bekommen und fuhr grinsend fort, „Seine schlechte Laune hat er natürlich wieder an jedem, der ihm in den Weg kam ausgelassen - besonders Sabine hatte zu leiden und unser Gretchen hat es dann irgendwie geschafft, den Hitzkopf abzukühlen...“


„Wie?“, wollte Melanie direkt wissen, immerhin hatte sie es oft genug versucht und war jedes Mal gescheitert.


Na das ist jetzt ungünstig, dachte Gretchen sich, die unter keinen Umständen erzählen wollte, wie sie seinen Wohnungsschlüssel geklaut und sich dann bei ihm unter der Dusche wiedergefunden hatte. Noch heute stieg ihr, beim bloßen Gedanken daran, die Schamesröte ins Gesicht. Es war ein ganz besonderer Moment gewesen und wenn diese Sache nicht zwischen ihnen gestanden hätte, hätte sie sich sicher darauf eingelassen und mit ihm geschlafen.


„Uh pffff.. Also.. Das.. Das weiß ich jetzt auch nicht mehr so genau“, sagte sie unsicher und lächelte dabei schwach.


„Schade. Ich würd es sofort ausprobieren“, lachte Melanie - wohl in dem Glauben, dass es was einfaches zu sein schien und nicht das, was da beinahe passiert wäre und Gretchen verschluckte sich an ihrem Auflauf. Hustend entschuldigte sie sich und lief schnell ins Bad, damit die Tränen, die mittlerweile in ihren Augen standen, ihr nicht das komplette Make-Up ruinierten.


„Sie ist wirklich unglaublich“, sah Melanie ihr nach.


„Warum?“


„Na gestern, da hat Marc Sarah gesehen, sie nur angestarrt und ist dann abgezischt. Kein Wort, kein Lächeln - nichts. Trotzdem sitzt sie heute hier, als wäre einfach nichts passiert.“


„Was soll sie auch groß machen? Sie kennt es von ihm eigentlich nicht anders. Immer hat er sie auf irgendeine Art und Weise enttäuscht. Ich glaube nicht, dass sie da gestern viel von ihm erwartet hat“, dachte Mehdi nach, um auch ja nichts falsches zu sagen, denn auch er wunderte sich über ihre Selbstsicherheit.





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Choconussa Offline

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16.10.2016 08:06
#55 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Einundfünfzig - Never should have let you go 」




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Selbstsicherheit, die Marc versuchte wiederzuerlangen. Das Treffen gestern, hatte ihn komplett aus der Bahn geworfen. Immer war er mit seinen Gedanken woanders. Fragte sich, was er tun soll, tun konnte und schaffte es einfach nicht mehr, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Immer wenn er was falsch machte, schrie er eine Schwester an. Wälzte seine Fehler auf andere ab und nahm, sprichwörtlich, die halbe Station auseinander. Und wieder, war er wütend. Wütend auf Gretchen, weil sie es wieder schaffte, ihn aus dem Konzept zu bringen, obwohl er das eigentlich nie wieder zulassen wollte.


Durch seine geistige Abwesenheit, war er gezwungen gewesen, seine OPs an seinen Vater zu übergeben. Der wollte ihn so, wie er sich verhielt, nicht in den OP lassen und das wurmte ihn gleich noch mehr. Wie sollte er sich denn jetzt bitte abreagieren?


„Und du meinst, wenn du mich aus dem OP verbannst, ändert sich an meiner Laune irgendwas?“, schrie er seinen Vater an und trat gegen die nächste Wand.


„Marc, ich lasse dich so nicht operieren. Wenn was passiert, was dann? Wie willst du das erklären? Setz dich in dein Büro und überarbeite Akten!“


„AKTEN?“, fiel er aus allen Wolken....



Und nun saß er hier, an seinem Rechner und versuchte irgendwie, diese dämlichen Patientenakten zu überarbeiten. Warum musste man denn auch gerade jetzt, auf die zettellose Variante setzen und alles nur noch Digital abspeichern? Wenn er an seinen Artikeln oder seiner Doktorarbeit schrieb, kam er gut klar, mit Word kannte er sich aus. Aber diese Programme, extra für Krankenhäuser, waren ein Buch mit sieben Siegeln für ihn. Sollte das doch irgendeine Schwester erledigen!


„Das ist sinnlos“, flüsterte er sich selbst zu, ehe er sich in seinem Stuhl lümmelte, die Füße auf den Schreibtisch legte und sich eine Zigarette anzündete.

Vielleicht würde ihn das etwas beruhigen...




Flashback



„Marc! Du sollst hier nicht ständig drin rauchen“, tadelte Gretchen ihn, als sie ihn mal wieder, rauchend, in seinem Büro auffand.


„DU, hast mir hier mal überhaupt nichts zu sagen und...“, wollte er sich über sie aufregen, doch sie nahm ihm einfach die Zigarette aus der Hand, lief zum Fenster und schmiss sie raus und weil sie gerade schon einmal dabei war, absolut dreist zu sein, flog die restliche Schachtel gleich hinterher - in den Regen!


„HASENZAHN! Sag mal, hast du sie noch alle? Die Scheiße ist teuer!“


„Noch ein Grund, endlich mal aufzuhören. Mensch wir sind hier in einem Krankenhaus. Du kannst doch hier nicht tun und lassen was du willst!“


„Ach!“, grinste er, „Aber du kannst es dir rausnehmen, einfach so in mein Büro zu kommen, ohne zu klopfen und mir meine Zigaretten wegzunehmen, weil du die Tochter vom Professor bist?“


„Fang nicht wieder so an Marc. Ich weiß, ich bin das ewige, naive, Professorentöchterchen und habe so oder so keine Chancen in der weiten Welt der Chirurgie, aber deine Meinung interessiert mich gar nicht mehr!“


„Wieso heulst du dann?“


„Ich hab was im Auge“, schniefte sie und versuchte dies zu verbergen, indem sie, mit dem Ärmel ihres Kittels, die Tränen wegwischte.


Er fand es unglaublich niedlich, wie sie sich immer wieder versuchte rauszureden und irgendwas vor ihm zu vertuschen, dabei kannte er sie so gut... Ohne was zu sagen, zog er sie einfach in seinen Arm...



Flashback Ende




Ja, die Zigarette beruhigte ihn ungemein. Das konnte doch einfach alles nicht sein. Egal was er tat, was er denken wollte und wo er war, immer dachte er an Gretchen. Dieses Anhängsel, welches ihn schon seit der Schulzeit verfolgte, war einfach immer und überall da gewesen, wo er war. Wie sollte er denn da nicht an sie denken?


Haare raufend, drückte er seine Zigarette aus und zerknüllte die Schachtel in seiner Hand. Würde er halt auch noch aufhören zu rauchen. Diese Frau konnte einem doch wirklich den Spaß am Leben nehmen.


SIE hörte nicht auf zu essen. Immer weiter stopfte sie sich voll und daran hatte sich bestimmt auch nichts geändert. Sie bewegte sich einfach nur mehr, weil ein Kind und eine eigene Wohnung mehr Arbeit bedeuteten, dachte er wütend und kramte in seiner Schublade nach irgendwas brauchbarem.. Kaugummis wären klasse! Vielleicht hatte Sebastian ja welche, der hatte sich ja auch dazu entschlossen, nicht mehr zu rauchen. Allerdings nur, um seine Schwester irgendwie um den Finger zu wickeln und die war ja jetzt nicht mehr hier.


Was er auch gleich zu hören und spüren bekam, „Ich verstehe dich nicht Marc. Du bist ihr Bruder, du kannst sie doch nicht einfach so gehen lassen und dann auch noch nach Berlin!“, wütete Sebastian und ging gar nicht auf die Frage nach Kaugummis ein, „Ich hätte sie beinahe gehabt und jetzt? Jetzt ist sie weg und ich bekomme vielleicht nie die Chance, die ich hier gehabt hätte.“


„Mal ganz abgesehen davon, dass sie erwachsen ist und ich sie hier nicht festbinden kann, waren deine Chancen bei ihr, ziemlich gering und wenn ich noch genauer sein soll, GLEICH NULL! Hast du jetzt Kaugummis oder nicht?“


„Ich will ihre neue Adresse haben! Ich fahre zu ihr und dann hole ich sie zurück!“


„Ooooooar! Seid ihr alle nur noch liebeskrank? Meine Fresse, das ist ja nicht auszuhalten! Ruf mich an, wenn du die Schmetterlinge ausgeschissen hast“, beschwerte sich Marc und stampfte sauer und ohne Kaugummis wieder in sein Büro.


Zwei Stunden quälte er sich durch die Akten und das Programm, ehe er aufgab, die Akten einsammelte und sie Marina auf ihren Platz legte. Sie wurde schließlich dafür bezahlt, auch wenn sie von ihm keinen Cent sehen würde, so oft wie sie ihr Make-Up auffrischte.


Müde fuhr er gemächlich nach Hause. Er hatte einfach nicht mehr die Kraft, aufs Gaspedal zu treten und selbst die hupenden Wagen hinter ihm ignorierte er, selbst wenn sie ihn überholten und offensichtlich motzten. Es störte ihn an diesem Abend nicht mehr.


Vielmehr wurmte es ihn, zu wissen, dass niemand auf ihn warten würde, wenn er nach Hause kam. Er wäre wieder mit sich und seinen Gedanken allein. Eine Tatsache, die er so gar nicht gebrauchen konnte. Sein Kopf sollte einfach nur aufhören zu denken, zu hinterfragen und sich zu erinnern. Es machte ihn mürbe, so viel an das zu denken, was er hatte gehen lassen. Was er verlassen hatte und nun verpasste, weil er zu feige war, über seinen inneren Schweinehund zu springen. Der war eh viel zu groß, als dass er darüber kommen würde, dachte er verbittert.


Genau das war es, was er nie wollte. Das ein Mensch, diese Macht über ihn hatte. Dass er das Gefühl bekam, nicht atmen zu können!


Hätte er sich nicht darauf eingelassen, hätte sich nichts geändert und wäre er verdammt nochmal nicht gegangen, wegen seines beschissenen Jobs und seiner Angst, wäre er sicherlich viel glücklicher, als er es jetzt war. Wieder in seiner leeren Wohnung, wieder allein auf dem Boden, im Dunkeln und wieder, konnte er sein Gedankenkarussel einfach nicht abstellen.


Eine Lösung musste her und das SCHNELL!




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Choconussa Offline

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23.10.2016 14:44
#56 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Zweiundfünfzig - Cry 」




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Als Gretchen wieder aus dem Bad kam, war Melanie schon wieder damit beschäftigt ihre Taschen auszupacken und sich noch immer über Marc aufzuregen, denn der hatte die Sachen einfach zusammengeknüllt in die Taschen und Kartons geworfen. Wusste sie doch, dass er sich nur von seinen Gedanken ablenken wollte. Von wegen helfen.


„Pah! Dieses Mhmmmmpf. Ooooh der kann was erleben, sollte ich ihn irgendwann mal sehen!“


„Reg dich nicht auf Schatz, so ist Marc nun mal und so wird er wohl auch immer bleiben. Bei meinem Umzug damals, hat er es nicht anders gemacht - da war er allerdings froh, dass ich mich aus unserer Studentenwohnung verzogen habe“, zuckte Mehdi mit den Schultern und half seiner Liebsten so gut es ging, ihr Chaos irgendwie in den Griff zu bekommen.


„Also meine Sachen hat er damals ordentlich gepackt“, meinte Gretchen geistesabwesend und bemerkte so auch nicht die Blicke, die Melanie und Mehdi miteinander austauschten, nur um sie dann etwas verwundert anzuschauen, „Der hatte sogar richtig Spaß mit meiner Mutter“, erinnerte sie sich.


„Marc?“, fragte Melanie verwirrt.


Das konnte sie sich gar nicht vorstellen... Generell konnte sie sich ihn nicht in einer funktionierenden Beziehung vorstellen - wobei hier davon nun auch wieder nicht die Rede sein konnte. Funktioniert hatte ja anscheinend nicht alles.



Nickend erklärte Gretchen schließlich, wie er sie gebeten hatte, zu ihm zu ziehen und wie schnell das alles dann schließlich über die Bühne gebracht worden war. Marc hatte, nachdem Bärbel aufgesprungen war, gleich Fersengeld gegeben und war seiner Schwiegermutter in spe nachgeeilt um zu helfen und das außerordentlich gut. Besser als sie es je hinbekommen hätte. Die beiden haben gelacht und zusammen sogar ihre Sachen aussortiert und geschaut was bei ihren Eltern bleiben würde, weil er es nicht in seiner Wohnung haben wollte. Bei ihm hatte er nachher sogar die Taschen allein ausgepackt. Das allerdings nur, weil er nicht wollte, dass Gretchen ihm Unordnung in seinen Schränken machte. Dabei waren seine Wohnzimmerschränke eine wahre Katastrophe gewesen, lachte sie anschließend und mit verliebtem Blick.


Es war alles so schön gewesen zwischen ihnen und sie kam noch immer nicht darauf, wann es gekippt war. Aus dem verliebten, wurde schnell ein trauriger Blick und Mehdi, der schon die vielen Tränen sah, die sich mal wieder in ihren wunderschönen Augen sammelten, eilte zu ihr um sie in den Arm zu nehmen. Immer und immer wieder hatte sie sich diese Frage gestellt, war nie zu einem Ergebnis gekommen und es tat noch immer so unglaublich weh. Dabei sollte sie doch eigentlich glücklich sein.



Melanie, die wusste warum Marc so urplötzlich die Flucht ergriffen hatte, fühlte sich schrecklich. Sie könnte Gretchen die Antworten geben, die sie brauchte aber sie wollte Marc auch nicht in den Rücken fallen. Im Vertrauen hatte er sich an sie und ihren Vater gewandt, jetzt den Mund aufzumachen wäre zwar richtig, aber sie würde sich dabei nicht gut fühlen und Marc gegenüber hatte sie auch nichts gesagt, als sie das von Sarah wusste. Da war es doch nur fair, wenn sie hier nun auch nichts sagen würde und die Dinge ihren Lauf nehmen ließ, oder?


Hin und her gerissen, sah sie bedrückt zu ihrem Freund, der seiner besten Freundin beruhigend über den Rücken strich, denn ihr Körper hatte angefangen verdächtig zu zucken. Wie konnte sie nur darüber nachdenken, eine Speed-Hochzeit zu veranstalten, wenn sie hier und jetzt wegen ihrem Bruder Tränen vergoss. Sie hing noch so sehr an ihm und trotzdem wollte sie das mit Thorben auf Biegen und Brechen durchziehen. Natürlich hatte Gretchen ihr bereits erzählt, was sie alles plante und quasi schon damit angefangen hatte. Ihre ungläubigen Blicke, versuchte die Münchnerin so gut es ging zu überspielen, denn sie wollte der Blondine keinesfalls auf den Schlips treten. Doch als diese dann schließlich zügig in Richtung der OP-Säle abgerauscht war, schüttelte sie ihren Kopf und wusste gar nicht, was sie zuerst tun sollte. Schreien, bei der Dickköpfigkeit der beiden, wäre wohl angebracht gewesen.


Mehdi schien die Situation allerdings äußerst gut im Griff zu haben, denn Gretchen beruhigte sie relativ schnell und konnte dann auch schon wieder lachen. Na gut, er kannte sie ja nun auch schon ein paar Jahre und war dabei gewesen, als sie erfuhr, dass sie schwanger war, hatte die Schwangerschaft miterlebt, Marcs Verschwinden und schließlich Sarah auch zur Welt gebracht.


Als Gretchen sich einige Zeit später dann verabschiedete, waren die Tränen getrocknet und die Gedanken vergangen. Sie bedankte sich für das Essen, den netten Abend und versicherte, dass das wiederholt werden würde. Beim nächsten Mal, dann auch mit Sarah, die sie nun bei ihrer Mutter abholen würde.


Kaum war die Tür zu, schon fiel Melanie über Mehdi her, „Wir müssen reden!“


Sie erzählte ihrem Freund einfach alles... Den Grund, warum Marc gegangen war, wie er seine Kindheit erlebt hat und wie sehr ihn das alles mitgenommen hatte. Sie erzählte von dem Traum, den er vor ein paar Tagen gehabt hatte, dass er Angst hatte, sich eingestand dass er die beiden liebte und absolut nicht wusste, was er machen sollte.


„Das ist.. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll“, hauchte der Gynäkologe bestürzt. Das alles hatte er von seinem besten Freund nicht gewusst und vielleicht, verstand ein kleiner Teil in ihm, dessen Sorgen auch.


„Hätte ich ihr das erzählen müssen? Ich mein, vielleicht fährt sie dann ja nochmal nach München.. Mit Sarah! Vielleicht...“


„Nein!“, sagte er bestimmt, „Marc muss von sich aus eine Entscheidung in der Sache treffen. Sie mit solchen Gedanken nach München zu schicken, würde sicherlich nur wieder in einer Katastrophe enden. Er wäre damit überfordert. Sie würden sich streiten und am Ende, wären wir alle keinen Schritt weiter.“


„Aber es muss doch endlich mal was passieren. Mehdi, sie will Thorben wirklich heiraten! Und das obwohl sie Marc ganz offensichtlich noch liebt, sonst hätte sie doch gerade nicht geweint... Und er liebt sie auch! Er liebt sie mehr als sich und seinen Job und das will bei dem Egomanen eigentlich schon was heißen.“


„Ich weiß und glaub mir, ich würde den beiden auch liebend gern in den Hintern treten... aber das ist eine Sache, die müssen die beiden unter sich ausmachen. Fremdeinwirkungen, waren bei den beiden noch nie gut und haben eher mehr Probleme, als Erkenntnisse gebracht. Ich weiß wovon ich rede. Ich habe mir das ganze Drama angeschaut...“


„Mhmm...“


„Wie, mehr sagst du dazu nicht?“


„Was soll ich dir denn sagen? Mir bricht es das Herz, die beiden so zu sehen... Außerdem, weiß ich wie es ist, wenn man jahrelang nichts von seinem Vater weiß. Meine Mutter hat mir einfach nichts erzählen wollen und suchen durfte ich auch nicht nach ihm. Es ist verdammt hart und schwer und ich will nicht, dass Sarah das auch mitmachen muss....“


„Dass Sarah was genau mitmachen muss?“, fragte Mehdi stirnrunzelnd. Sie hatten zwar in der kurzen Zeit, in der sie nun zusammen waren, schon über vieles miteinander gesprochen, doch auch Mehdi wusste einfach nicht alles über die Vergangenheit seiner Freundin, die behutsam anfing zu erzählen.





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Choconussa Offline

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06.11.2016 15:20
#57 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Dreiundfünfzig - The winner takes it all」




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„Ich weiß nicht mehr alles und werde sicherlich auch nicht mehr alles zusammen bekommen, aber ich versuch's. Also.. Meine Eltern waren anscheinend am Anfang ihrer Beziehung, sehr glücklich und sie liebten sich. Die beiden haben, nachdem sie wussten, dass Mama mit mir schwanger war, überstürzt geheiratet und sind zusammengezogen. Das alles halt. Das weiß ich, weil man es mir erzählt hat. Wie genau es in die Brüche gegangen ist, wollten beide nicht sagen. Mutter beschränkte sich auf, „Weil er nun mal war, wie er war“ und Papa spricht nicht gern über meine Mama. Er mag sie noch.. Glaube ich. Da ist er im Grunde wie Marc“, zuckte sie mit den Schultern, „Jedenfalls haben die beiden sich getrennt, als ich noch ziemlich klein war und ich bin ohne meinen Papa aufgewachsen. Ich wusste nicht, wer er war und meine Mutter hat es mir auch nicht gesagt. Egal wie oft ich gefragt habe, sie rückte einfach nicht mit der Sprache raus. Jahrelang hab ich es versucht, bis ich es schließlich aufgegeben habe, nachdem sie mir erzählt hatte, er wäre ausgewandert und ich hätte eh nicht die Möglichkeit ihn zu erreichen“, kopfschüttelnd sah sie auf die Kante des Wohnzimmertisches, „Auf der Uni hab ich ihn dann in einer Vorlesung das erste Mal gesehen. Ich hab mich irgendwie zu ihm hingezogen gefühlt, bin dann nach der Lesung zu ihm gegangen und als ich seine Augen gesehen habe, wusste ich es... Das war tatsächlich mein Vater und er war nicht in Australien, sondern in München... Tja, sie hat mich mein Leben lang angelogen, nur weil die beiden irgendwelche Probleme miteinander hatten, für die ich nichts konnte und auch noch immer nicht kann. Dass ist es, was Sarah nicht mitmachen soll.... Aber vielleicht hab ich da auch einfach zu hohe Erwartungen an meinen Bruder...“


„Melanie das ist...“, wollte Mehdi anfangen doch sie unterbrach ihn, „Nichts ist! Okay? Klar war es schwer und es tut auch noch immer weh, so lange von der eigenen Mutter belogen zu werden, aber ich habe meinen Papa und dazu noch einen wundervollen Bruder... Auch wenn einige das nicht nachvollziehen können.“


„Warum sollten sie denn nicht? Marc ist ein besonderer Mensch! Deswegen ist er mein bester Freund, deswegen ist er bestimmt ein toller Bruder und deswegen liebt Gretchen ihn. Er ist einfach unbeholfen“, nahm er Melanie in den Arm und zusammen kuschelten sie sich bequem aufs Sofa.


„Mhmm... Wenn er doch nur so wäre wie du!“


„Dann wäre er nichts besonderes mehr“, sagte Mehdi und strich ihr verträumt über den Arm, „Seine Art macht ihn aus. Er ist ein Arsch keine Frage, aber er hat dabei einen gewissen Charme...“


„Ich liebe dich Mehdi!“


„Und ich liebe Dich mein Schatz. Wie wäre es, wenn wir hier jetzt die Schotten dicht machen und uns einfach ins Schlafzimmer begeben, hm? Der Tag war mal wieder lang und ich glaube, der morgige wird auch nicht kürzer, denn Gretchen hat Schicht und wenig OPs“, grinste Doktor Kaan und ließ es sich nicht nehmen, seine Freundin ins Bett zu tragen.



Die am nächsten Tag außerordentlich gut gelaunt war, dank eines Kaan'schen Verwöhnprogramms, welches sich gewaschen hatte. Noch immer biss sie sich lasziv auf die Lippen, wenn sie daran dachte, wie sehr er sie verwöhnt hatte. Nicht einmal Gabi konnte ihr die Stimmung vermiesen und auch Sabine kam heute in den Genuss einer fröhlichen Doktor Meier, die nicht genervt war oder angespannt und Gretchen platzte beinahe vor Lachen, als sie ihre Freundin durch das Krankenhaus tanzen sah.


Und beim Mittagessen konnte sie dann nicht anders, sie musste Gretchen von der letzten Nacht erzählen, damit sie auch verstand, was los war. Wobei, sie sich das eigentlich schon gedacht hatte. Wenn sie da so an die gemeinsame Nacht mit ihm dachte, die sie zusammen verbracht haben... Und nicht nur die eine, auch die anderen - doch das würde sie Melanie auf gar keinen Fall erzählen.


Wäre ja fast so, als würde sie Thorben unter die Nase reiben, wie gefühlvoll Marc beim PunkPunktPunkt war, womit sie dann auch schon wieder bei dem Thema war, über das sie am wenigsten nachdenken wollte und zum ersten Mal in ihrem Leben, war sie froh das Ablenkung kam, in Form von Schwester Gabi. Die sich einfach ungefragt und dreist wie sie war, mit ihrem Obstsalat an den Tisch setzte und gleich einwarf, „Ja Frau Doktor Haase, würd Ihnen sicherlich auch mal gut tun, anstelle des Schokopuddings!“


Und gerade als Gretchen mit wütendem Blick zurückpfeffern wollte, kam Melanie ihr zuvor, „Schau mal Gretchen, die Evolution macht auch mal Pause! Ist das nicht schön?“


Gabi fiel beinahe die Weintraube wieder aus dem Mund und Frau Doktor Haase, presste die Lippen fest aufeinander um nicht gleich laut loszulachen und sich dabei anzuhören wie ein Pferd. Melanie, ganz Meier-like, lächelte charmant, zog die Augenbrauen hoch und wartete ab, was Gabi dem entgegenzubringen hatte.


„Sie haben echt tolle Sprüche auf Lager“, sagte die Krankenschwester schließlich ironisch und bekam gleich wieder was zu hören, „Und ich seh auch noch gut aus dabei.. Für mich wurde quasi der Spiegel erfunden!“


„Na ja.. Jedenfalls.. Frau Doktor Haase, sie sollten wirklich was gegen Ihr Übergewicht unternehmen. Neben Ihnen hat ja gar niemand mehr Platz!“


„Liebe Gaaaaabi“, lächelte Gretchen süffisant, „Das ist kein Übergewicht. Das sind Dinge, die mir ans Herz gewachsen sind und da können Sie nicht mitreden!“


Stolz lehnte sich Melanie, die Arme verschränkt, auf ihrem Stuhl zurück und schnalzte mit dem Kinn auf der Brust, mit ihrer Zunge. In dem Moment sah sie Marc so ähnlich, dass es Gretchen beinahe den Stuhl unterm Hintern wegzog und sie nur ein paar Mal, verwundert oder besser gesagt verwirrt, blinzeln konnte. Die Ähnlichkeit, war ihr bisher noch gar nicht aufgefallen...


Gabi war unterdessen bedient. Dass sie von Marcs Schwester dumme Sprüche bekam, damit konnte sie leben und sie hatte auch nichts anderes erwartet, aber das Gretchen nun auch noch anfing zurückzuschießen, das ging zu weit und so stand sie schnaubend auf und beschloss, ihr Mittag mal wieder, allein zu genießen.



War doch wirklich zum Haare raufen in diesem Krankenhaus, seitdem Doktor Gretchen "Wenn du mir auf den Bauch drückst, mache ich lustige Geräusche" Haase, hier arbeitete. Davor war immer alles gut gewesen. Sie verstand sich relativ gut mit den Kollegen und sie war glücklich mit Marc gewesen... Jedenfalls, redete sie sich fest ein, dass es ganz allein an dieser blonden Ärztin gelegen hatte. Dass er einfach genauso schwanzgesteuert war, wie jeder andere auch und nur ihre dicken Brüste gesehen hatte. Geliebt haben, konnte er sie jedenfalls nicht, sonst wäre er ja nicht gegangen. Doch auch jetzt, nachdem er endlich weg war, wurde das Getuschel über sie nicht weniger.


Der Klops und der Gockel, hatten ganze Arbeit geleistet, als sie es irgendwie geschafft hatten, ihn aus dieser Verlobung zu lösen. Noch immer war ihr einfach unbegreiflich, wie die beiden das gemacht hatten und ob sie sich abgesprochen hatten, denn die beiden redeten einfach nicht mehr darüber, sondern machten einen auf glücklich. Eigentlich war es ihr aber auch egal, weil auch Gretchen am Ende nicht das bekommen hatte, was sie wollte und sie war ohnehin in einen anderen Mann verliebt.


Mehdi Kaan!


Ein Traum. Er war für sie da, nachdem sie ihr Kind verloren hatte, er versuchte sie zu verstehen und war außerordentlich nett zu ihr gewesen. Irgendwie, fühlte sie sich schon während der Schwangerschaft zu ihm hingezogen, weil er sich so rührend um sie gekümmert hatte - ganz im Gegensatz zu Marc, der sie und ihren immer größer werdenden Bauch, gar nicht erst beachtete.


Und jetzt hatte sie schon wieder ein Exemplar Frau, mit dem sie sich rumschlagen und welches sie ausloten musste. Aber sie war eindeutig ein anderes Kaliber, wie ihr immer wieder aufs Neue bewusst wurde. Warum musste der alte Haase sie auch unbedingt einstellen? Das war doch auch auf Doktor Haases Mist gewachsen, anders konnte sie es sich einfach nicht erklären.


Aber irgendwas, würde ihr schon einfallen um die beiden irgendwie loszuwerden....


Die sich auf dem Weg zurück auf ihre Station, köstlich über die brünette Krankenschwester amüsierten. Gabi riss immer ihren Mund auf, wollte die Coole spielen und am Ende, zischte sie doch immer wieder beleidigt ab.


„Also dass mein Bruder alles flachlegt, was bei Drei nicht auf den Bäumen ist, war mir ja klar - was er aber von der wollte, kommt mir einfach nicht in den Sinn“, sagte Melanie mit einem belustigten Lächeln, während sie sich und Gretchen einen Schokoriegel aus dem Automaten zog - der tatsächlich leerer zu sein schien wie sonst, wie Gretchen entgeistert feststellte, „Na ja, sie hat halt nicht gefragt. Sie war einfach immer da, wenn er sie brauchte und ihre Gefühle hat sie wohl auch nie wirklich geäußert. Jedenfalls konnte ich das aus seinen Erzählungen nie heraushören. Irgendwie hat er es immer geschafft, sie stumm zu schalten und nur einmal war es wirklich brenzlig. Sie hat sich die Pulsadern aufgeschnitten.“


„Bitte?“


„Ja. War wohl an dem Abend, als sie ihm sagte, dass sie schwanger war“, meinte Gretchen gleichgültig und biss beherzt von ihrem Schokoriegel ab, ehe sie mummelnd fortfuhr, „Das Kind war aber nicht von ihm. Wusste sie allerdings auch nicht.“


„Lass mich raten, er wollte das Kind nicht.“


„Er hat ihr nicht geglaubt, dass es von ihm ist. Die ganze Zeit über nicht, auch wenn er anscheinend doch ab und an mal Zweifel hatte....“


Nachdenklich sah Melanie zu ihrer Rechten und stellte fest, dass Gretchen wohl zu grübeln schien, „Du denkst jetzt aber doch nicht, dass Marc dir nicht glaubt, dass Sarah seine Tochter ist - oder? Das ist nämlich wirklich nicht von der Hand zu weisen und er hat selbst gesagt, dass er nicht glaubt, dass du ihn betrogen hast.“


„Ach ich weiß nicht, was ich dazu noch sagen soll. Eigentlich will ich da auch gar nicht mehr drüber reden....“





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06.11.2016 15:28
#58 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Vierundfünfzig - Funhouse」




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„Ich versteh dich da wirklich Gretchen, aber meinst du nicht auch das...“


„Das was?“, unterbrach sie schnell und etwas schärfer als sie es beabsichtigt hatte, „Das ich ihm hinterher rennen sollte? Tut mir echt leid, aber das habe ich mein halbes Leben lang getan. Acht Jahre bin ich mit ihm zur Schule gegangen, habe seine Hausaufgaben gemacht, habe ihn abschreiben lassen und irgendwann habe ich sogar damit angefangen, ihm sein Pausenbrot und ein Getränk mitzubringen. Und auch hier war ich immer für ihn da und habe mir den Hintern aufgerissen, damit er mich mag. Damit er sah, dass ich ihn liebte und nicht sein Geld oder seinen Namen. Irgendwann ist auch mal gut und wenn er nicht dazu bereit ist, dasselbe zu tun“, zuckte sie mit den Schultern, „soll mir doch egal sein, was er macht. Ich bin glücklich, so wie es ist!“


Dass sie das nur sagte, um es für sich selbst noch einmal zu bestätigen und es mehr Schein als Sein war, wusste Melanie, denn man hörte es an ihrem Tonfall und wie sie leicht zur Seite sah. Aber was sollte sie da nun entgegenbringen?


Gretchen hatte recht, irgendwann war dann auch mal gut und Marc war an der Reihe. Und wenn Gretchen nicht mehr darüber reden wollte, würde sie, auch wenn sie der Ansicht war, das Verdrängung nicht die richtige Lösung war, Rücksicht nehmen. Bevor sie jedoch das Thema wechseln konnte, wurde Gretchen abgelenkt. Ihre Mutter stolzierte durch die Gänge, allein - ohne Sarah.


„Na das glaub ich jetzt ja wohl nicht“, hauchte sie, ließ Melanie unkommentiert stehen und eilte ihrer Mutter hinterher.


Ihr Vater war, soweit sie wusste, gerade in einer mehrstündigen OP, Mehdi hatte einen Kaiserschnitt und sonst kam hier niemand in Frage, der auf Sarah aufpassen konnte, während ihre Mutter wie ein falscher Fünfziger durch die Gänge der Chirurgie schwebte.


Kurz bevor Bärbel wieder um die nächste Ecke verschwinden konnte, rief sie laut, „MAMA!“ und Bärbel blieb augenblicklich stehen, um dann mit wilden Tippelschritten auf ihre Tochter zu zulaufen, „Margarethe Kind, da bist du ja.“


„Ja da bin ich ja.. Warum bist du hier und wo ist eigentlich Sarah?“


„Die ist bei Doktor Rössel“, antwortete Bärbel, als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt.


„Bei Doktor Rössel? Ähm...Aber... Wieso eigentlich?“


„Eigentlich wollte ich ja kurz zu deinem Vater aber der ist ja schon wieder im OP...“


„Da sollte Doktor Rössel eigentlich auch grad sein, weil er eine OP hat! Mensch Mama, das geht so nicht... Es ist wirklich süß, wie du dich um Papa kümmerst und ihm sein Essen oder den Knirps vorbeibringst, obwohl die Sonne lacht.. Du kannst Sarah aber nicht ständig irgendwem in die Hände drücken und die Ärzte und Schwestern so von ihrer Arbeit abhalten. Wir sind hier nicht in einem Vergnügungspark, sondern im Krankenhaus! Bring sie halt zu mir!“


„Das wollte ich ja, aber ich habe dich nicht gefunden.“


„Äh, ich war fast eine Stunde mit Melanie in der Cafeteria?“


„Ach!“, sagte Bärbel erstaunt, „Wieso bin ich denn da nicht gleich drauf gekommen?“


„Ooooooar“, genervt warf Gretchen die Hände in die Luft und lief kopfschüttelnd an ihrer Mutter vorbei um Doktor Rössel zu entlasten und sich selbst um ihre Tochter zu kümmern.


„Wo willst du... MARGARETHE?!“, rief Bärbel ihrer Ältesten hinterher, nachdem sie sich einmal, aus dem Konzept gebracht, umgesehen hatte.


Doch Gretchen verschwand mit einem gereizten, „Ich hab jetzt keine Zeit!“, um die Ecke.



Melanie war eigentlich gerade auf dem Weg zu Mehdi, der sie angepiept hatte, als ihr Telefon klingelte und Schwester Sabine auf sie zugerannt kam, „Frau Doktor Meier, ein Notfall!“


Vollkommen überfordert, sah sie erst zu ihrer Linken, in Richtung des Büros ihres Freundes, dann zu ihrer Rechten, wo Sabine sie außer Atem und mit großen Augen anstierte und dann auf das Telefon in ihrer Hand, welches noch immer fröhlich vor sich hin klingelte. Die Nummer auf dem Display, konnte sie eindeutig als aus München stammend einordnen - nur ob es jetzt ihr Vater oder ihr Bruder war, konnte sie nicht einordnen, weswegen sie sich erst mal an Sabine wandte, „Was haben wir denn?“


„Ein kleines Mädchen mit starken Bauchschmerzen und hohem Fieber in der Drei.“


„Gut. Ich bin sofort da. Machen Sie schon mal das Labor und dabei die CRP Werte in den Vordergrund stellen. Geben Sie dem Mädchen etwas schmerzstillendes und vergessen Sie bitte nicht, nach möglichen Unverträglichkeiten zu fragen. Ich geh mir schnell einen anderen Kittel anziehen und die Hände waschen, hab mich vollgesaut“, während sie sich auf den Weg in die Umkleide begab, nahm sie ab, „Elisabeth-Krankenhaus, Meier!“


„Ja auch! Was macht der Teufel in weiß denn so?“


„Äh, weiß ich nicht. Bist ja nicht hier“, antwortete Melanie ihrem Bruder schmunzelnd, „Und ich hab jetzt auch keine Zeit, auf mich wartet ein Notfall. Wahrscheinlich Appendizitis - mal sehen. Können wir später sprechen?“


„Klar. Die Arbeit geht vor. Du musst mich aber hier anrufen, ich habe Doppelschicht!“


„Gut mach ich dann...“, schnell legte sie auf um Mehdi noch eine SMS zu schicken, dass leider etwas dazwischen gekommen war und sie sich schnellstmöglich um die Patientin kümmern musste.


Besonders da sie Sabines Kundenkompetenz als ziemlich niedrig einstufte. Erst gestern wäre es beinahe vorgekommen, dass sie einem Patienten Paracetamol gespritzt hätte, welches er gar nicht vertrug. Sie hatte sich geschworen, der Krankenschwester nun alles haarklein zu erklären und sie musste aufpassen, auch wirklich ruhig zu bleiben. Immerhin war sie ausgelernt und sollte mehr wissen, als das bisschen, welches sie auch wirklich zu beweisen schaffte.


„Hallo, ich bin Frau Doktor Meier, die behandelnde Ärztin“, stellte sie sich freundlich und kein bisschen überheblich vor, als sie das Behandlungszimmer betrat - was Sabine mal wieder glücklich lächeln ließ, „Was fehlt dir denn, ähm.. Silvana, hm?“


„Das habe ich doch vorhin bei der Anmeldung schon mehr als deutlich erklärt. Brauchen sie etwa eine Bildergeschichte?“, spuckte Frau Schuster, Silvanas Mutter, der Ärztin unfreundlich entgegen. Wie von selbst, schloss Melanie die Augen um sich innerlich zur Ordnung zu rufen und nachdem sie einmal tief durch die Nase ein und wieder ausgeatmet hatte, fühlte sie sich in der Lage dazu, ruhig auf die besorgte Mutter einzugehen, „Das glaube ich Ihnen sehr gerne. Schmerzen im Bauchraum, können aber auf vieles hinweisen und ich bin mir sicher, Ihre Tochter kann mir den Schmerz, den sie hat, ein bisschen ausführlicher erklären als Sie. Also Silvana, wo hast du denn Schmerzen?“


Leidend zeigte Silvana auf die recht Seite ihres Unterbauches und Melanie nickte. Das hatte sie sich eigentlich schon fast gedacht und trotzdem fing sie an, die Bauchdecke vollständig abzutasten und auf eine mögliche Schmerzreaktion zu achten, die allerdings ausblieb.


„Hmm“, nickte Melanie noch einmal, „Ist es denn ein stechender Schmerz und hast du Probleme das Bein anzuwinkeln?“


Leicht nicke Silvana und krümmte sich leicht, weil sie doch sehr starke Schmerzen hatte, trotz des Mittels, welches ihr von Schwester Sabine gespritzt worden war. Beruhigend strich Frau Schuster ihrer Tochter über die Stirn.


„Schwester Sabine! Herkommen“, wies Melanie scharf an und wandte sich gleich wieder an ihre Patientin, „Pass auf, ich werde dir jetzt gleich in den Bauch drücken und dann ganz schnell wieder loslassen. Ich möchte, dass du die Hand der Schwester und die deiner Mutter ganz fest drückst, denn das könnte wehtun.“


„Warum machen Sie es denn dann? Sie sind Ärztin und haben dafür Sorge zu tragen, dass es meiner Tochter wieder besser geht und nicht noch schlechter!“


„Und Sie mischen sich hier gerade in Dinge ein, von denen Sie keine Ahnung haben! Ich weiß was ich tue und ich möchte, bevor ich einen Ultraschall oder ein CT anordne, alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben, soviel ich weiß, sind sie Privatpatienten und das wird sicherlich nicht billig für Sie!“


„Was denken Sie denn, was sie hat? Ist es schlimm?“


„Das könnte ich Ihnen jetzt sagen, wenn ich meine Untersuchung in Ruhe fortführen kann und sollte das jetzt gleich nicht der Fall sein, muss ich Sie bitten den Behandlungsraum zu verlassen und draußen zu warten. Also Silvana, du drückst die Hände und ich in deinen Bauch, okay?“


Ängstlich nickte die zwölfjährige und kniff leicht die Augen zusammen, während Melanie ihr mit beiden Händen fest in den Unterbauch drückte, was von der Mutter skeptisch beobachtet wurde, und dann urplötzlich losließ. Wimmernd krümmte sich Silvana und drückte so fest sie konnte die Hände, die ihr gereicht worden waren, um nicht loszuschreien.


„Gut. Einen Ultraschall brauchen wir eigentlich gar nicht mehr machen. Sind die Laborergebnisse schon da?“


„Ja Frau Doktor. CRP stark erhöht.“


„Mhmm.. Knapp unter 13000. Der platzt uns gleich! Ich mach doch noch schnell ein Ultraschall um ganz sicher zu gehen, dass er das nicht schon ist, Sie bereiten schon mal den OP vor. Wir machen ne laparoskopische und piepen Sie Doktor Haase an, sie soll assistieren!“, sagte Melanie und schnappte sich schleunigst das Ultraschallgerät um auf Nummer sicher zu gehen, dass der Wurmfortsatz nicht schon geplatzt war und um die Mutter über die notwendigen Schritte zu informieren, „Sehen sie Frau Schuster, Ihre Tochter hat eine akute Blinddarmentzündung. Was eigentlich medizinisch gar nicht stimmt, weil nur der Wurmansatz entzündet ist. Das ist ein kleines Anhängsel am Blinddarm Abschnitt des Dickdarms. Es gibt verschiedene Methoden wie er sich entzünden kann“, aufmerksam hörte die Mutter zu und nickte immerzu, was Melanie leicht verwirrte, „Bei Ihrer Tochter ist es jetzt so, dass sich der Appendix bereits so stark entzündet hat, dass er kurz vor einem Durchbruch steht. Wenn er durchbrechen sollte, kann der Darminhalt in die Bauchhöhle eindringen und dort erschwerende, bis hin zu lebensgefährlichen, Komplikationen verursachen. Ich ordne eine Notoperation an.“


„Was? Aber... Sie können doch nicht einfach etwas aus ihr herausnehmen!“


„Doch! Den Appendix schon, er ist ohne Funktion und wenn ich es nicht tue, kann ihre Tochter, ohne weitere Behandlungen, sterben. Wir machen eine laparoskopische Appendektomie. Minimalinvasiv.“


„Können Sie sich mal normal ausdrücken und nicht in Ihrem Fachchinesisch?“


Stöhnend verdrehte Melanie die Augen, „Das ist eine Schlüssellochoperation. Wir werden über einen kleinen Einschnitt unter dem Bauchnabel eine Kamera einführen, mit welcher wir die Bauchhöhle inspizieren. Über zwei weitere Einschnitte, im linken und rechten Unterbauch, führen wir die Arbeitswerkzeuge ein, mit denen wir den Wurmfortsatz entfernen. Nebenbei werden wir natürlich auch noch den Dünndarm untersuchen und andere Verletzungen innerhalb des Sektors ausschließen, sowie Gewebeverletzungen.“


„Und wieso so umständlich?“


„Das ist nicht umständlich Frau Schuster. Das dauert zwanzig Minuten und es bleiben nur kleine Narben, die in ein paar Monaten nicht mehr zu sehen sind. So wird Ihre Tochter nach der Operation am wenigsten Beschwerden haben. Bei einer offenen Appendektomie, würden wir einen drei bis vier Zentimeter langen Wechselschnitt an der Bauchdecke durchführen. Es dauert länger bei der Wundheilung, bedeutet mehr Schmerzen und einen längeren Krankenhausaufenthalt.“





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Choconussa Offline

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12.11.2016 18:22
#59 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Fünfundfünfzig - Do you know?!」




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„Ich will eine zweite Meinung“, sagte Frau Schuster plötzlich, nachdem einige Minuten Stille geherrscht hatte, als Melanie die Werte des Kindes kontrollierte.


„Bitte?“


„Holen Sie einen anderen Arzt, der sich das hier noch einmal anschaut. Ohne mein Einverständnis, wird meine Tochter nicht auf Ihrem OP-Tisch landen!“


„Ähm, chrmm, Frau Schuster“, sagte Melanie ruhig, stützte sich mit einem Arm auf der Patientenliege ab und legte die Hüfte leicht schief, „das wird eine Not-OP. Ich brauche Ihr Einverständnis gar nicht, denn hier geht es um eine lebensbedrohliche Situation und ich bin dem hippokratischen Eid verpflichtet. Operiere ich Ihre Tochter also nicht, mache ich mich strafbar und verliere meine Zulassung. Außerdem sind alle anderen diensthabenden Ärzte im OP.“


„Irgendwer wird sich ja wohl finden lassen...“


„Klar, wenn Sie Ihre Tochter unbedingt von einem PJler untersuchen und behandeln lassen wollen“, schnaubte Frau Doktor Meier auf und wandte sich ab um gleich mal in der Anästhesie anzurufen, „Zur Not kann ich Sie auch mit in den OP nehmen, wenn Sie Ihre Tochter nicht allein lassen wollen.“


„Aber Frau Doktor Meier, dann müssen wir...“, schaltete sich Sabine ein und wurde forsch unterbrochen, „Dann sehen Sie zu, dass Sie ihren Hintern bewegen und das heute noch!“



Gretchen fragte sich unterdessen zum ersten Mal, ob es nicht vielleicht doch besser wäre, bis Sarah im Kindergarten war, zu Hause zu bleiben, als sie ihren Kittel in den Spind hing. Seufzend wollte sie ihre Tasche schultern, als ihr Pieper ansprang, „Na ganz klasse!“, entschuldigend sah sie zu ihrer Tochter im Maxi-Cosi, „Müssen wir wohl hin, mhm?“



Als sie schließlich im Behandlungszimmer ankam, war ihre Freundin schon in die OP Kleidung geschlüpft; „Du hast mich anpiepen lassen?“, fragte sie leicht außer Atem.


„Ja ich habe hier“, Melanie unterbrach sich als sie den Maxi-Cosi sah, indem ihre Nichte fröhlich vor sich hin strampelte, „eigentlich eine Appendizitis.“


„Akut?“


„Kurz vorm Durchbruch und ich brauch ne Assistentin...Musst du jetzt echt schon gehen?“


„Na ja, meine Mutter ist ja noch da. Die zwanzig Minuten machen den Kohl jetzt auch nicht mehr fett“, zuckte sie mit den Schultern, „Wir sehen uns dann gleich im OP!“



Gretchen eilte zügig durch das Krankenhaus um Sarah zu ihrer Mutter zu bringen, sie zu bitten, schon einmal nach Hause zu fahren und dann schleunigst wieder zurück um sich umzuziehen. Im Vorraum zum OP angekommen, schnaufte sie stark und drückte sich die Hand in die Seite. So viel Sport war wirklich nichts für sie. „Willst du ne laparoskopische machen oder..?“


„So minimalinvasiv wie möglich und ich mache gar nichts. Du machst. Du stehst viel zu selten im OP!“, zwinkerte Melanie ihr zu und ging schon einmal vor in den Saal um auf Gretchen zu warten, die sich noch steril wusch. Drinnen wartete Schwester Sabine mit dem Telefonhörer in der Hand und gab der Chirurgin zu verstehen, dass ihr Bruder schon wieder am Apparat sei.


Dem war es natürlich egal, dass seine Schwester im OP stand und noch weniger interessierte es ihn, als sie ihm sagte, dass sie mit Gretchen operieren würde. Stöhnend ließ Melanie ihn gewähren und würde Gretchen so gut es ging, vom baumelnden Telefonhörer ablenken, durch den Marc jedes einzelne Wort verstehen würde.


Als allererstes wies sie die Schwestern an, das OP-Feld großräumig und sorgfältig zu desinfizieren, damit sie die Einschnitte für die Trokare machen konnte. Nachdem sie einen kurzen und unsicheren Blick mit Melanie ausgetauscht hatte und die Chirurgin sagte, dass sie genau richtig ansetzte, schnitt sie ins Fleisch. Kurz darauf platzierte sie die Trokare und führte die Arbeitswerkzeuge ein. Gretchen konzentrierte sich so sehr auf die Monitore, dass sie kein einziges Wort sprach, was Marc am anderen Ende der Leitung enttäuscht aufseufzen ließ. Aber die Blondine hatte ein bestimmtes Ziel vor Augen. Selbstsicher suchte sie im Bauchraum nach möglichen Gewebeschäden und nachdem sie nichts gefunden hatte, klemmte sie mit dem Endocheer den Appendix ab, zog ihn mit dem Bergebeutel raus und sah auf die Uhr.


Dreizehn Minuten und vierundzwanzig Sekunden um den Wurmfortsatz abzusetzen!


Damit unterbot sie Marcs Bestzeit um ganze zwanzig Sekunden. Vor Stolz platzte sie beinahe und brachte Melanie so zum Lachen, denn sie konnte sich nun denken, warum Marc unbedingt hatte zuhören wollen. Und tatsächlich saß dieser in München an seinem Schreibtisch, hatte die Zeit gestoppt und biss sauer auf seiner Zunge herum.


„Na, da wird Marc aber implodieren, wenn er das irgendwann mal erfahren sollte“, lachte seine Schwester und sprach extra laut, damit er sie auch ordentlich verstand.


„Ich kann richtig sein Gesicht sehen. Wie er die Augen zusammenkneift, die Nase leicht anfängt zu zucken, seine Gesichtsmuskulatur sich anspannt, er auf seiner Zunge kaut und dann mit seinem Kiefer mahlt“, grinste Gretchen unter ihrem Mundschutz und freute sich wirklich wie eine Schneekönigin, es endlich geschafft zu haben. Wie oft hatten sie und Marc hier gestanden und darum gewettet, ob sie es schaffen würde, seine Zeit zu unterbieten oder eben nicht.


Marc hatte natürlich immer gewonnen und so lief bei ihm zu Hause, wenn er da war, niemals Sex and the City. Schade eigentlich, grinste Gretchen gleich noch ein bisschen mehr.


Doktor Meier dachte, in diesem Moment, genau dasselbe wie seine Ex-Freundin. Nur konnte er sich über diesen Gedanken gar nicht freuen, legte mit aufeinander gepressten Lippen langsam auf um sich danach mit den Händen durchs Gesicht zu fahren. War ne tolle Idee gewesen.... Und was hieß hier eigentlich, sie könnte sein Gesicht sehen? Seine Nase zuckte nicht wenn er sauer war, schmollte er innerlich - trotzdem kontrollierte er abtastend sein Riechorgan, welches tatsächlich verdächtig zuckte.


„Blöde Sau“, grummelte er leise, schmiss sich wieder in seinen Kittel und machte sich auf, irgendwelche Assistenten oder Krankenschwestern anzuschnauzen.


Zusammen gingen Gretchen und Melanie in Berlin in ihren verdienten Feierabend und als sie sich kurz vor der Klinik voneinander verabschieden wollten, schloss Mehdi auf, quetschte sich in die Mitte und legte seine Arme um die Schultern der erschrockenen Frauen. Er amüsierte sich köstlich über die großen Augen, die Melanie und Gretchen machten und ihm fiel es schwer, nicht gleich in schallendes Gelächter auszubrechen. Sie verabredeten für den kommenden Abend, bei Gretchen zum Essen vorbeizuschauen und dann trennten sich ihre Wege.


Traurig, sah sie ihren Freunden hinterher. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit waren sie und Marc es gewesen, die Arm in Arm über den Parkplatz zu seinem Wagen geschlendert waren, nachdem sie sich von Mehdi verabschiedet hatten.


Und heute?


Heute hatte sie zwar Thorben, aber was hatte sie davon, wenn der nie da war?





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Choconussa Offline

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12.11.2016 18:26
#60 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Sechsundfünfzig - Bubbly」




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Die Tage zogen ins Land und nachdem Melanie ihren Bruder, weder in seinem Büro, noch bei ihm zu Hause, an seinem Handy oder über ihren Vater erreicht hatte, machte sie sich Sorgen. Nachdenklich saß sie, ein Bein angewinkelt, auf der Couch, biss auf ihrer Unterlippe herum und klopfte nervös mit dem Telefon gegen ihre Kniescheibe.


„Das ist aber kein Reflexhammer“, merkte Mehdi mit hochgezogener Augenbraue an und lehnte sich gegen den Türrahmen, „Immer noch nichts?“


Sie schüttelte nur mit dem Kopf, ohne von ihrem Tun abzulassen, woraufhin Mehdi sich abstieß und ihr zumindest das Telefon aus der Hand nahm, damit sie am nächsten Tag nicht mit einem Hämatom zu kämpfen hatte.


„Er wird sich schon nicht umbringen“, meinte er schließlich, als er sie zu sich in den Arm zog.


„Pff.. Du hast ihn nicht gesehen in der ganzen Zeit. Saufen bis zur Besinnungslosigkeit, kaum schlafen und arbeiten wie ein Tier. Auch wenn er der festen Überzeugung ist, ein Gott oder ein gottähnliches Geschöpf zu sein, sowas würde ihn, wie jeden anderen auch, aus den Latschen hauen.“


Das stimmte natürlich. Aber ihr Vater wüsste davon dann doch und hätte ihr sicherlich davon erzählt.


„Vielleicht hat er sich ja Urlaub genommen!“


„Bitte?“, fragte sie, schreckte hoch und sah den Gynäkologen fassungslos an, „Du kennst ihn aber schon, oder? Der nimmt sich doch nicht freiwillig Urlaub. Ich mein, so lang hat er ja jetzt auch noch nicht bei uns gearbeitet, aber bei seinen Überstunden könnte er bestimmt ein ganzes Jahr Urlaub machen.“


„Tja, so ist Marc. Hätte der Professor ihn nicht manchmal gezwungen, hätte der wohl nie Urlaub gemacht. Obwohl ich ja noch immer nicht glaube, dass er wirklich im Urlaub gewesen ist. Sein Aftershave flog trotzdem die ganze Woche irgendwie durch die Gänge“, überlegte Mehdi, „Na ja, jedenfalls - antun würde er sich bestimmt nichts. Dafür ist er sich selbst viel zu wertvoll!“


Damit brachte er Melanie so sehr zum Lachen, dass ihr keine drei Sekunden später, schon die ersten Tränen aus den Augen kullerten, „Stimmt auch wieder!“


Nachdem sie sich einigermaßen beruhigt hatte, entschied sie sich einfach dafür, es weiter zu versuchen. Vielleicht hatte sie ihn auch immer nur zu einem ungünstigen Zeitpunkt angerufen. Trotzdem beschlich sie das ungute Gefühl, dass da etwas nicht stimmte.


Zeit sich darüber Gedanken zu machen, hatte sie jedoch nicht, denn Mehdi wollte unbedingt einen Filmabend mit allem Drum und Dran. Lachend machten sie sich Popcorn auf dem Herd, sammelten die übriggebliebenen Schokoriegel aus den Schubladen zusammen und öffneten eine Cola.


Da die Filmauswahl eher spärlich aussah, entschieden sie sich für "Ein Zwilling kommt selten allein" und kuschelten sich, zusammen unter eine Decke, aufs Sofa.


„Kommt Lilly eigentlich am Wochenende?“, fragte die Chirurgin aus heiterem Himmel, weil ihr einfiel, dass es bis Freitag nunmehr nur noch zwei Tage waren.


„Also Anna hat nichts Gegenteiliges gesagt. Wieso?“


„Och nur so“, zuckte sie nachdenklich mit den Schultern, „Müssen ja dann noch einkaufen und vielleicht sollten wir auch nochmal über ein paar Kinderfilme nachdenken und..“


„Warte mal“, unterbrach Mehdi ihren Redefluss, „bist du etwa nervös?“


Ertappt sah sie wieder zum Fernseher und gab vor, sich wieder auf den Film zu konzentrieren, aber Mehdi drehte sich leicht nach links, beugte sich zu ihr rüber und versperrte ihr mit seinem Kopf die Sicht, „Das brauchst du doch nicht zu sein, Schatz. Sie weiß doch Bescheid und letztes Wochenende, da hat es auch wunderbar geklappt, sie mag dich, hm?!“


„Mhmm.. Trotzdem. Ich bin im Umgang mit Kindern nicht so gut.“


„Aha, deswegen wohl auch Kinderchirurgin geworden. Da hat man mit Kindern ja mal so gar nichts zu tun“, grinste er sie an und sie merkte, wie dämlich ihre Aussage gewesen ist, weswegen sie dann schon fast schüchtern anfügte, „Privat, meinte ich ja auch!“


„Aber warum? Ich mein, letztes Wochenende und als du hier in Berlin warst, hat es doch auch funktioniert und mit Sarah kommst du auch prima zurecht. Ich versteh nicht...“


„Mensch Mehdi, damals wusste keiner, wie dass mit uns beiden weiter geht und jetzt.. Ich hab einfach Angst was falsch zu machen.“


„Was solltest du denn falsch machen?“


„Ach ich weiß doch auch nicht. Ich will ihr halt eine Freundin sein, aber alles durchgehen lassen, kann ich ihr auch nicht.“


„Ihr eine Freundin zu sein, ist doch schon ein guter Ansatz. Der Rest ergibt sich dann schon von selbst, hmm?“


So ganz schien das Melanie aber nicht zu überzeugen, denn sie fing an, wie automatisiert, auf ihrer Zunge zu kauen. Belustigt sah Mehdi ihr eine Weile dabei zu.


„Deine Eltern hätten dich Marcella nennen sollen“, lachte er schließlich auf, als sie sich mit der Hand einmal durch den Nacken gefahren war.


„Bitte?!“


„Du bist ihm so ähnlich, das ist teilweise gruselig.“


„Also..Äh..“, stammelte sie, „GRUSELIG???“


Während Mehdi nun also seiner Freundin zu erklären versuchte, wie komisch es teilweise war, einen weiblichen Marc Meier neben sich sitzen zu haben, führte Gretchen ein äußerst unangenehmes Telefonat...






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Choconussa Offline

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14.11.2016 22:10
#61 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Siebenundfünfzig - Hit me baby one more time」




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„Mensch Thorben“, sagte sie energisch und klappte das Hochzeitsmagazin laut zu, „Er weiß es noch nicht. Also, glaub ich jedenfalls...“


„Glaubst du?“


„Ja er war halt noch nicht hier, um mir den Kopf abzureißen“, flunkerte sie weiter, fühlte sich dabei überaus unwohl und hoffte inständig, dass Thorben dieses Thema endlich mal sein ließ.


Aber den Gefallen, tat er ihr natürlich nicht, „Hmm, wahrscheinlich würde es ihn eh nicht sonderlich interessieren. Ich glaub, ich frag einfach mal Sebastian, nur um auf Nummer sicher zu gehen.“


„Tu was du nicht lassen kannst“, antwortete sie gleichgültig. Sollte er doch in München anrufen. Marc würde ganz sicher nicht damit hausieren gehen und Olivier würde, ebenso wie Melanie, einen Teufel tun, ihrem Verlobten irgendwas zu erzählen.


„Was machst du denn? Hörst dich so desinteressiert an.“


„Könnte daran liegen, dass mich das Thema nicht mehr interessiert und ich da auch eigentlich gar nicht mehr drüber sprechen wollte, wie du sicherlich noch weißt. Ansonsten war ich eigentlich grad damit beschäftigt, Blumen auszusuchen. Gefallen tun mir in dem Heft hier aber keine. Werde ich wohl mit meiner Mutter mal losfahren und schauen, ich hab da ja gar keinen Bezug zu“, musste sie sich mal wieder eingestehen, als sie auf die Lilien zulief, die sie sich zwar gekauft, aber falsch gepflegt hatte.


„Rosen reichen doch.“


„Sicher! Noch abgedroschener geht es ja wohl nicht, oder? Nehmen wir einfach rote und weiße Rosen, machen ne fünfstöckige Hochzeitstorte mit einem Marzipan Pärchen drauf und ansonsten gibt es ein kaltes Buffet, vor dem Champagnerbrunnen oder was? Ich möchte etwas außergewöhnliches haben.“


„Engel, plan doch erst mal die Taufe und danach kannst du dich noch immer um die Hochzeit kümmern“, sagte er einfühlsam, weil er der festen Überzeugung war, Gretchen würde sich übernehmen.


„Nein. Ich will Sarah taufen lassen und dann schnellstmöglich heiraten. Dazu wäre es übrigens förderlich zu wissen, wann du wieder hier bist, damit ich den Termin machen kann. Beziehungsweise Pfarrer Thies Bescheid sagen kann. Der hält ja immer einen für mich frei.“


„Ja also, dass war eigentlich der Grund weswegen ich anrufe“, hörte sie kleinlaut aus der Telefonmuschel und ahnte böses, „Ich habe für nächste Woche keinen Flug mehr bekommen und weil sich dann ja so oder so alles verschiebt, geht es für mich noch nach Las Vegas und L.A.“


„Das is'n Scherz!?“


„Nein, leider nicht Gretchen, es tut mir wirklich leid und“, wollte er sich erklären, aber schon hörte er nur noch das Tuten der getrennten Leitung und Gretchen schmiss ihr Telefon wütend neben sich auf die Couch.




Liebes Tagebuch,

es gibt Tage im Leben einer Frau, an denen sie morgens besser liegen bleibt. Tage, die nicht laufen wie geplant, Menschen die einen enttäuschen und Augenblicke, die einen aus der Bahn werfen.


Heute, ist so ein Tag anscheinend für mich.

Melanie hat endlich, so sagt sie, Marc erreicht, nachdem sie über eine Woche kein Lebenszeichen von ihm bekommen hat.

Pah!

Das bekomme ich seit mehreren Wochen nicht und ich heule ihm auch nicht hinterher, obwohl er sich ja doch schon mal hätte melden können. Mein Vater hat nachher auch noch tierischen Terz gemacht, weil ich mich einfach so für eine mehrstündige OP habe eintragen lassen. Die mache ich natürlich nicht. Er hat mich nämlich wieder aus dem OP-Plan gestrichen und mit Doktor Hassmann ausgemacht, dass ich ihre OP-Berichte noch einmal durchgehe. Das sei genug Arbeit für mich. Jedenfalls hat Sabine, als ich im Stationszimmer angefangen habe, die OP-Berichte und Versicherungsfälle aufzuarbeiten, mir die Horoskope aller Mitarbeiter vorgelesen.

Melanie wird in den nächsten Wochen sehr glücklich sein und gewinnt einen alten Vertrauten zurück. Mehdi schwebt wohl auf Wolke Sieben und sein größter Wunsch wird wahr und ICH? Ja ich bin hin- und hergerissen, mehrere Ereignisse werden mich verwirren und eine falsche Entscheidung, hat große Folgen. Also, zur Zeit glaube ich wirklich, die spinnen alle. Das Melanie und Mehdi glücklich sind, sieht man auf eintausend Meter Entfernung - im Dunklen! Der alte Vertraute, den Melanie zurück gewinnt, wird wohl Marc sein, den sie heute oder gestern, nach fast zwei Wochen erreicht hat.

Ganz toll!

Nur was Mehdis größter Wunsch sein könnte, da komme ich nicht drauf.

Es war einfach frustrierend und meine Hüften, werden mir die vier Tafeln Schokolade danken. Okay, wenn ich die mitrechne, die ich gerade esse, sind es fünf!

Allen voran, hat natürlich mein "Verlobter", wenn man ihn überhaupt so nennen kann, weil ich ihn, seitdem wir verlobt sind, gerade mal eine Woche gesehen habe, den Schuss nicht mehr gehört. Jetzt will er noch länger weg bleiben, als ohnehin schon.

Las Vegas und L.A., toll!

Ich sitze hier, bin alle zwei Tage für eine Stunde in seiner Wohnung und fange an, seine Sachen zu packen, allein, weil er ja so penibel ist und nicht möchte, dass jemand anderes mitmischt und er? Er lässt es sich wahrscheinlich grad in irgendeinem Spa oder einer Bar gut gehen. Oder er will vor der Hochzeit einfach noch mal ordentlich auf den Putz hauen.

Ich bin so sauer! Ich mein, darf ich doch auch sein - oder?

Alles bleibt an mir hängen. Ich tue alles für ihn, für uns. Eigentlich mache ich das ja wirklich gerne, aber wenn er meint, als Dank länger wegzubleiben? Er gibt sich ja nicht mal Mühe. Irgendwas wird ja wohl noch nach Deutschland fliegen und wenn es ein Zeppelin wäre!


Pff. Und jetzt versucht der nicht mal mehr anzurufen.. Das hätte Marc postwendend gemacht, wenn ich einfach aufgelegt hätte. Oder er hätte sich direkt in sein Auto gesetzt um mich persönlich zu fragen, ob mein übermäßiger Schokoladenkonsum, mir langsam zu Kopfe steigt und ich vielleicht doch mal bei der Hassmann in die Röhre gehen sollte! Angeschrien hätte er mich und nicht bettelnd gefragt, warum ich denn sauer auf ihn sei. Wir hätten uns angebrüllt, er hätte Sachen durch die Gegend geworfen, ich hätte geheult und trotzdem hätten wir uns ein paar Stunden später wieder in den Armen gelegen.

Streit mit Thorben hingegen, ist immer langweilig. Ich werde sauer, er kommt angekrochen. Wie sieht denn das aus, wenn die Frau in der Beziehung die Hosen an hat?

Marc und ich waren irgendwie, gleichgestellt.

Denke ich.

Also zumindest zu Hause.

Oder Privat.

Wieder denke ich so viel an Marc! Ärgerlich. Ich will nicht an ihn denken müssen, an diesen Ausrutscher und noch viel weniger, will ich länger alleine sein. Dann können solche Gedanken gar nicht erst frusten. Diese Einsamkeit hier, macht mich noch wahnsinnig!





Ihr Tagebuch laut zuklappend, ließ sie sich schnaubend in den Sessel fallen und starrte teilnahmslos durch das viel zu große Wohnzimmer. Gerade jetzt, in diesem Moment, wusste sie nicht, auf wen sie mehr sauer sein sollte. Thorben, weil er schon wieder nicht hielt was er versprach. Marc, weil der es schaffte, sich mit ein paar Blicken, Worten und Berührungen wieder so hinterhältig in ihr Herz zu schummeln oder eben auf sich selbst, weil sie das alles überhaupt erst zuließ.




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Choconussa Offline

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18.11.2016 08:32
#62 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Achtundfünfzig - Girls just wanna have fun」




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„Papa“, ertönte es von der Rückbank, „fahren wir Blumen kaufen?“



Mehdi hatte gerade seine achtjährige Tochter Lilly, von ihrer Mutter abgeholt. Er hatte Besuchswochenende, wie alle zwei Wochen oder zwischendurch, wenn Lilly den Wunsch äußerte, bei ihrem Vater schlafen zu wollen. Und der war unglaublich erleichtert darüber, dass Anna und er sich nach der Trennung, in allen Belangen, außergerichtlich einigen konnten. Sie hatte das Haus bekommen, weil sie Lilly bei sich hatte - er bekam dafür den Wagen. Anna bekam von ihren Eltern einen kleinen VW-Polo und die Zeit, die sie ohne Auto verbringen musste, fuhr Mehdi mit ihr zum Einkauf und half wo auch immer er konnte. Lillys Eltern hatten ein gutes freundschaftliches Verhältnis zueinander, was es ihr leichtmachte, mit der Trennung klarzukommen.


Sie unternahmen auch viel zusammen, als Familie. Sonntags, wenn Mehdi nicht arbeiten musste, frühstückten sie gemeinsam. Es war wirklich immer sehr harmonisch. Mehdi wusste allerdings nicht, wie Anna auf die Neuigkeiten mit Melanie reagieren würde. Sie hatte sich zwar ganz gelassen gegeben, doch glaubte er, eine gewisse Verletztheit zu spüren. Frauen die sagten "Alles ist gut!", bei denen war meistens gar nichts gut. Nun gut, so lange war Melanie nun noch nicht in Berlin und wenn es sonntagmorgens zum Frühstück ging, konnte sie sicherlich mit und auch wenn sie was zusammen unternahmen, würde er sie mitnehmen - wenn sie es denn wollte.


Lilly schien sich nämlich wirklich zu freuen, dass ihr Papa eine neue Freundin hatte.



„Wieso möchtest du denn Blumen kaufen?“, fragte er und wagte einen kurzen Blick in den Rückspiegel - Lilly lächelte, „Ich dachte, wir kaufen welche für Melanie. Um sie zu überraschen.“


„Das ist eine schöne Idee mein Schatz. Dann bringen wir ihr die Blumen gleich direkt ins Krankenhaus.“


„Au ja! Vielleicht hat sie ja kurz Zeit und wir können was essen“, freute sich Lilly und rutschte aufgeregt auf ihrem Platz hin und her.


„Da müssen wir erst schauen Lillybär. Ich hab sie heute im Krankenhaus noch nicht gesehen und weiß nicht, was sie zu tun hatte.“



Es enttäuschte Lilly keineswegs, sollte Melanie keine Zeit haben. Sie war das ganze Wochenende bei ihrem Papa und konnte seine neue Freundin sehen, wann immer sie es wollte. Mit strahlenden Augen, sah sie aus dem Fenster. Die Sonne schien, der Himmel war strahlend blau, kein Wölkchen weit und breit und angenehm warm war es auch. Vielleicht würden sie ja schwimmen gehen oder im Stadtpark picknicken.



Und während sich Lilly in ihrem süßen Köpfchen, Gedanken über die Wochenendgestaltung machte, bog Mehdi zweimal links ab, verringerte sein Tempo und fuhr dann auf den ersten freien Parkplatz den er sah. So schnell wie seine Tochter sich abgeschnallt, ausgestiegen und im Blumenladen verschwunden war, nachdem der Motor ausgeschaltet war, konnte er gar nicht gucken. Grinsend, folgte er seinem kleinen Wirbelwind - der im Elisabeth-Krankenhaus wirklich eine Wohltat wäre...


Zwei Unfälle beim Sport, eine Rauferei in der Schule, drei Autounfälle und nicht eine einzige OP hatte Doktor Haase heute im Lotto gezogen und auch Frau Doktor Meier hatte an diesem Morgen nicht sonderlich viel Glück gehabt. Wobei man hier wirklich nicht von Glück sprechen konnte, immerhin war es gut, wenn den Patienten nichts weiter schlimmes passierte, dennoch konnte einem als Arzt durchaus auch schon mal langweilig werden - selbst einer Gretchen Haase, die eigentlich auch liebend gern mal die ein oder andere Pause einlegte. Gerade jetzt, wo sie eigentlich mit den Vorbereitungen für die bevorstehenden Feiern beschäftigt war, sollte sie sich eigentlich freuen.


Aber ihre Mutter kam nur noch wenn es nötig war in die Klinik, sie ging lieber mit Sarah zu ihrer Freundin und ihr Vater wimmelte sie schnell ab, wenn sie von der Hochzeit anfangen wollte. Enttäuschte sie ja schon ein bisschen. Eigentlich war sie davon ausgegangen, dass ihre Eltern sich für sie freuen würden. Ihr Vater könnte jedenfalls wenigstens so tun.



Doch Franz Haase stellte lieber auf Durchzug.


Was sollte er auch schon anderes machen? Sicherlich würde er seine Tochter gern mal so richtig durchschütteln. Für ihn, ging das alles jetzt doch ein bisschen schnell und auch wenn Gretchen eine kleine Träumerin war, stimmte etwas an ihrer Euphorie so gar nicht. Es war so übertrieben, dass es schon fast aufgesetzt wirkte. Die Geschichte fing an, wie bei Peter vor ein paar Jahren: Gretchen sagte etwas von Hochzeit, Bärbel drehte auf und riss die gemeinsame Tochter gleich nochmal ein bisschen mehr mit. Ihm grauste es schon vor dem heutigen Abend, an dem Gretchen bei ihnen essen würde und zu seinem Übel, war Jochen noch immer in Düsseldorf an der Uni und würde wohl vor nächsten Monat auch nicht wieder nach Hause kommen. Was Bärbel, dank der Ablenkung durch Enkeltochter, Taufe und Hochzeit, gar nicht zu stören schien.


Sie regte sich vielmehr über die Abwesenheit eines gewissen Schwiegersohnes in spe auf, der lieber in Florida eine Sightseeing Tour machte, als bei seiner Frau zu sein und ihr zu helfen, aber natürlich immer nur dann, wenn Gretchen nicht in der Nähe war, damit es keinen erneuten Streit gab. Schon oft war Bärbel mit Gretchen aneinander geraten, weil sie es einfach nicht guthieß, wie oft Thorben nicht nur außer Haus, sondern auch weit weg war. Eine Frau brauchte eine starke Schulter und die hatte ihre Tochter, meistens, nur in Form ihres besten Freundes und das war bei weitem wirklich nicht dasselbe. Man sollte sie nicht falsch verstehen - sie mochte Thorben, immerhin war sie es gewesen, die ihre Tochter dazu ermutigt hatte, mit ihm auszugehen.


Schwangerschaft und Marc hin und her, den sollte sie doch endlich mal hinter sich lassen, hatte sie damals gesagt. Heute war sie der festen Überzeugung, dass es das richtige gewesen ist, auch wenn sie nicht ganz mit seiner Arbeit einverstanden war.


Wichtig war ja auch eigentlich nur, dass Gretchen glücklich war, was sie nach außen hin auch überaus glaubwürdig zum Ausdruck brachte. In ihr drin, sah es aber ganz anders aus. Sie freute sich auf das Zusammenziehen und auf die Hochzeit, aber seitdem Melanie da war und das war sie gerade mal fünf Wochen, war es nur noch schwieriger geworden, nicht jeden Tag an Marc zu denken, denn die beiden telefonierten fast täglich.


Immer in ihrer Mittagspause, wobei sie sich insgeheim fragte, ob er denn nicht zu arbeiten hatte oder warum er denn auf einmal zu gern telefonierte. Natürlich konnte sie nicht einfach die Flucht ergreifen oder Melanie bitten, woanders zu telefonieren. Sie wollte sich selbstbewusst geben und keinem das Gefühl geben, nicht mit der Situation, dass Marc sich noch immer nicht bei ihr gemeldet hatte, fertig zu werden. Sie hatte ihm ja gesagt, dass sie keine Erwartungen hatte, warum also sollte sie jetzt darauf herumhacken? Nachfragen, ob er sich nach ihr oder seiner Tochter erkundigt hatte, traute sie sich auch nicht. Aber den Anschein machte es nicht, wenn sie die beiden reden hörte. Es war eigentlich immer sehr kurz angebunden mit, "Wie geht's", "Was machst du", "Und Papa?" und was am anderen Ende der Leitung, wenn sie antwortete, gesagt wurde, konnte sie ja nicht ausmachen. Also beschränkte sie sich darauf, zwar mit gespitzten Ohren zu lauschen, aber gespielt interessiert in ihren Hochzeitsmagazinen zu blättern und sich das ein oder andere anzukreuzen, um es dann später mit ihrer Mutter zu besprechen.


Heute fiel aber auch das aus, weil Melanie es doch tatsächlich geschafft hatte, eine OP abzugreifen. Ein komplizierter Unterschenkelbruch eines Neugeborenen und sie konnte nicht assistieren, weil sie gerade damit beschäftigt gewesen war, einem Jugendlichen mit einem blauen Auge und zwei ausgeschlagenen Zähnen zu erklären, dass Gewalt nun mal keine Lösung war. Schon mal gar nicht, wenn man der klar Unterlegene war.


Auf der Suche nach Arbeit oder etwas ähnlichem, lief sie durch die Gänge des Krankenhauses, schaute in das ein oder andere Zimmer und lugte verstohlen auf ihren Pieper, in der Hoffnung doch noch mal in den OP zu kommen. Doktor Schrenk hatte sich nämlich heute Morgen krank gemeldet und somit fielen die OPs in den Zuständigkeitsbereich ihres Vaters und der sah sie zur Zeit, und damit meinte sie seit ihrer Schwangerschaft, lieber außerhalb des OPs.


So langweilig war eine Schicht schon lang nicht mehr gewesen und gerade als sie dachte, es könnte nicht noch schlimmer kommen, kam Elke mit einem Wahnsinnstempo auf sie zugeeilt.


Prompt blieb die Chirurgin stehen und sah sich hektisch um, in der Hoffnung die Erfolgsautorin hätte sie noch nicht gesehen und sie könnte sich schnell verstecken, doch da war es bereits zu spät und sie spürte die langen, manikürten Finger auf ihrer Schulter. Völlig außer Atem, hielt Elke sich an ihr fest und hauchte mit brüchiger Stimme, „Gretchen! Ich glaube die Medikamente gegen meine Wechseljahre schlagen nicht mehr an!“


„Ja aber...“, war Gretchen erst verwundert, weil es wirklich selten vorkam, dass Marcs Mutter sie mit ihrem Vornamen ansprach, „Elke, da kann ich Dir nicht helfen. Da musst du schon zu Doktor Kaan und der kann dir dann..“


„Kindchen, woher denkst du komme ich gerade?“, war Frau Fischer wieder ganz die Alte und fächerte sich mit ihrer Clutch Luft zu, „Doktor Kaan ist nicht da und ich werde nicht zu irgendeinem Kurpfuscher gehen!“


„Äh, ja gut. Warum kommst du dann zu mir?“, sie wollte sich hier wirklich nicht selbst als Kurpfuscherin betiteln, aber sie wusste auch, was Elke von ihr hielt und das war eigentlich - nicht viel.


„Weil Marc, auch wenn du ihn vergrault hast, dir immer vertraut hat und du dich auch sonst um meine medizinische Betreuung bemühst.“


„Wenn es um chirurgische Sachen geht. Elke, mein letzter Gyn-Kurs ist schon Ewigkeiten her und ich glaube nicht, dass ich das alles noch so zusammen bekomme“, jammerte Gretchen schon fast, was zu einem genervten Augenrollen seitens Elke führte, „Ich kann dir Blut abnehmen und es ins Labor schicken. Morgen kannst du..“


„Wie stellst du dir das bitte vor“, wurde sie abermals unterbrochen, „Kind, ich habe einen Abgabetermin für meinen neuen Roman ich kann und ich werde nicht warten. Also, manchmal. Du bist zwar hilfsbereiter als mein Sohn es je sein wird, wenn es um mich geht, aber mindestens genauso schnell wie er. Liegt das irgendwie an euch Chirurgen?“


„Elke, reg dich nicht auf, denke an deinen Bluthochdruck, ja? Ich mach dir einen Vorschlag. Wir beide gehen jetzt zum Blutabnehmen, dann schicke ich die Proben runter ins Labor, sage Doktor Fuchs, er möge sich bitte beeilen und während wir warten, gehen wir einen Tee trinken und ich rufe Mehdi an.“


„Ja warum denn nicht gleich so“, brüllte sie theatralisch und machte eine ausladende Armbewegung.





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Choconussa Offline

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19.11.2016 23:58
#63 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Neunundfünfzig - Relax take it easy!」




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Wäre sie nicht der festen Überzeugung, ihre eigene Mutter hätte ihr schon den letzten Nerv gekostet, würde Marcs Mutter ihr heute sicherlich den letzten rauben!


Sie hatte es wirklich oft mit schwierigen Patienten zu tun. Von dickköpfig bis arrogant, war wirklich alles dabei gewesen, aber diese Frau vor ihr, verkörperte einfach alles. Zuerst war es ihr in Mehdis Büro zu stickig und hell gewesen. Also hatte Gretchen die Fenster gekippt und die Jalousien heruntergelassen. Dann befand Elke, es würde ziehen. Später dann, war es ihr zu dunkel gewesen und sie befürchtete, die Chirurgin könne die Vene nicht treffen. Also war Gretchen zähneknirschend wieder zu den Fenstern gelaufen, das „Hoppel ein wenig schneller!“, aus dem Hintergrund bewusst ignorierend und hatte die Jalousien wieder ein Stück hoch gemacht.


Wie immer, wollte sie den rechten Arm nehmen, weil sie es nicht anders gewohnt war, doch die Erfolgsautorin beschwerte sich, dass sie ja schon vollkommen zerstochen war und es sich doch vielleicht anbieten würde, zur Abwechslung mal den anderen Arm zu nehmen, damit sie nicht bald aussah wie ein Junkie.


Würde sie nicht so oft herkommen, mit irgendwelchen Scheinproblemen, müsste sie sich darüber keine Gedanken machen. Herrgott und ich dachte schon, ich wäre hypochondrisch!


Sich laut räuspernd, wechselte sie die Seite um am linken Arm die Nadel zu setzen, doch auch hier hatte ihre Ex-Schwiegermutter in spe, wieder etwas zu meckern. Zu hoch, zu steil, zu unvorsichtig. Insgeheim fragte Gretchen sich, warum sie sich nicht einfach selbst behandelt hatte, wenn sie es doch so oder so besser konnte.


Als dann, endlich, alles zu Elkes Zufriedenheit war, gab sich Gretchen der Illusion hin, sie könne durchatmen...


„Ach du liebe Güte! Bist du ein Vampir? Das ist viel zu viel!“, merkte Elke schrill an und die Chirurgin war kurz versucht, einfach alles aus ihr rauslaufen zu lassen, damit sie endlich den Mund hielt.


„Elke, ich möchte alle nötigen Tests machen lassen. Dafür brauche ich nun mal etwas mehr wie sonst. Reg dich ab!“


„Wieso bist du denn jetzt so unfreundlich? Also mit dir kann man ja auch nicht mehr reden. Oder bist du etwa wieder schwanger?“


Die letzte, mit der sie darüber reden wollte, war Elke! Darum sollte sich Marc schön selbst kümmern, wenn er denn jemals dazu in der Lage sein würde. Sie selbst würde seiner Mutter jedenfalls nicht den ersten richtigen Herzinfarkt bescheren, indem sie ihr sagte, dass sie die Oma ihrer Tochter war. Was an sich ja schon nicht gerade erfreulich war, wenn sie daran dachte, wie sie über Kinder im Allgemeinen dachte.




Flashback



Es sollte ein Abendessen werden. Ganz gemütlich. Wie man das mit der Familie halt so machte. Aber in was für einem Fiasko der Abend enden sollte, konnte weder Gretchen noch ihr weniger begeisterter Freund ahnen.


Warum musste Marc auch zusagen, bevor seine Mutter es ausgesprochen hatte?


„Und bring deine Freundin mit“, konnte Gretchen ganz laut und deutlich durch den Lautsprecher hören und hatte sich mit weit aufgerissenen, blauen Augen zu ihrem Liebsten umgedreht, der etwas hilflos in der Küche stand und seine Freundin nicht minder erschrocken ansah.


Und heute, war es dann also soweit. Den ganzen Tag schon, war ihr unglaublich mulmig zumute. Auch Marc schien in Gedanken schon beim Essen zu sein, denn er vergaß mehrmals, Sabine anzuschreien und Gretchen auf ihren Schokoladenkonsum anzusprechen.


Sie traute sich nicht, ihn darauf anzusprechen. Zum einen wollte sie nicht feige erscheinen. Immerhin würde sie ja wohl keine Angst vor Elke Fischer haben. Zum anderen wusste sie, auch wenn die beiden es nie offen aussprachen, was sie sich bedeuteten. Marc liebte seine Mutter. Wahrscheinlich war sie die einzigste Frau, die er bedingungslos liebte, auch wenn sie ihn in den Wahnsinn trieb.


Streit war das letzte, was sie nun gebrauchen konnte, denn in dem sonst so gemütlichen VOLVO, herrschte eine eisige Stille. Marc hatte den Kiefer fest zusammengepresst und konzentrierte sich auf den Verkehr. Er hatte sogar beide Hände am Lenkrad, obwohl Gretchen ein relativ kurzes Kleid trug und er sich sonst eher auf ihre Oberschenkel konzentriert hätte.


Aber heute war ja schon beim Aufstehen, nicht alles gewesen wie immer.


Kein "Guten Morgen", kein Kuss wie sonst. Er lag auf dem Rücken, starrte an die Decke und als sie ihn zum siebten Mal ansprach, sprang er einfach auf und lief im Stechschritt ins Bad, knallte die Tür und schloss ab. Natürlich kam er, wie immer, frisch laminiert wieder raus, sah aus wie gebügelt, die Haare lagen wie immer perfekt und er roch auch wie immer - aber er nahm sich nicht wie immer den Kaffee und ging auf die Terrasse um zu rauchen. Er schnappte sich den Schlüssel und fuhr sie an, ob sie denn dann mal endlich los konnten. Ihr Brot könne sie schließlich noch im Wagen essen, wenn sie ihm versprach, die Sitze nicht vollzuschmieren, bei ihrem Talent.


Marc benahm sich äußerst merkwürdig und sie konnte das nach etwas über einem Jahr Beziehung und wenn man bedachte, wie lange sie ihn schon studiert hatte, außerordentlich gut beurteilen.


Bei Elke angekommen, traute sie sich beinahe nicht auszusteigen. Ihre Beine fühlten sich an wie Wackelpudding. Langsam trottete sie hinter Marc her, der lange auf den Klingelknopf gedrückt hatte und der jetzt überall hinsah, nur nicht zu ihr. Das hier, war eindeutig ihr persönlicher Highway to hell, wie Marc heute so treffend im OP hatte spielen lassen. Doch so tragisch sollte es erst gar nicht werden. Elke war zur Überraschung von beiden, überaus freundlich, charmant und interessiert und als sie kurz den Raum verließ, um für kleine Erfolgsautorinnen zu gehen, griff Marc nach ihrem Weinglas, roch und nippte kurz daran.


„Mhmm nichts drin“, zuckte er mit den Schultern. Oh Wunder, es sprach!


„Wie bitte? Denkst du deine Mutter könnte nur unter Einwirkung irgendwelcher Halluzinogene, nett zu mir sein?“


„Hasenzahn, ich weiß wie naiv du bist und ich hab da auch gar kein Problem mit. Manchmal ist es ja auch ganz niedlich, aber du kennst meine Mutter. Die ist zu niemandem nett, schon mal gar nicht, wenn es dabei um Frauen geht, die sich an ihren Sohn ranschmeißen!“


„Ranschmeißen? Sag mal, geht's noch? Du tust ja gerade so, als hätte ich mich dir an den Hals geworfen! Ich erinner dich nur sehr ungern daran, wer hinter mir her gerannt ist wie der Teufel, um mich dann im Schwesternzimmer beinahe auszuziehen“, sie war sichtlich um Fassung bemüht, denn sie wurde ganz rot und die ersten Tränen glitzerten schon wieder in ihren Augen.


Für Marc eigentlich der Startschuss zur Flucht nach vorn, aber nicht heute, nicht hier. Nicht wenn seine Mutter dabei war und garantiert dazu in der Lage, Gretchen in der Luft zu zerreißen, wie sie es letztens mit den ersten zwanzig Kapiteln ihres neuen Romans gemacht hatte.





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Choconussa Offline

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20.11.2016 00:03
#64 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Sechzig - Clumsy」




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„Jetzt stell dich mal nicht so an. Du weißt wie sie ist und sie wird das sicherlich so interpretieren, egal wie es wirklich gelaufen ist! Hinterher gerannt bin ich dir im Übrigen auch nicht. Ich...Wollte das halt nur nicht so stehen lassen“, wurde Marc Meier kleinlaut, weil er ganz genau wusste, dass er ihr eben DOCH hinterher gerannt war.


Schnaubend wandte Gretchen sich von ihm ab. Sollte er doch allein mit seiner Mutter weiterreden. Sie würde jetzt den Rest des Abends schweigen und die Dinge ihren Lauf nehmen lassen, aber darauf musste das Chirurgenpaar gar nicht mehr warten.


„Also geht es hier nicht um ein Kind und das Pflichtgefühl, ja? Das ist wirklich wundervoll Marc, dann kannst du endlich mit diesem Schmierentheater aufhören!“, grinste Elke schadenfroh als sie sich wieder setzte.


„Bitte?“, fragte Marc, wie er es immer tat, wenn er auf dem falschen Fuß erwischt worden war und nicht weiter wusste, sich missverstanden fühlte, auf den Arm genommen wurde oder einfach nur überfordert war.


„Olivier, ich bin ja wirklich davon ausgegangen, dass du es noch immer nicht schaffst, richtig zu verhüten“, sang Elke beinahe und von der Freundlichkeit von eben, war nichts mehr übrig geblieben.


Ob das wohl in den Genen liegt, dass die beiden, wenn sie aus dem Bad kommen, all die Freundlichkeit verloren haben? Hm, vielleicht im Klo runtergespült!?


„Aber allem Anschein nach, bist du ja doch dazu in der Lage. Stell dir doch mal bitte vor, du müsstest ein Kind mit dieser Frau großziehen! Allein der Gedanke an ein stinkendes Nervenbündel“, umständlich tupfte sie sich imaginäre Schweißperlen von der Stirn und wurde dabei von Marc mit offenem Mund und von Gretchen mit hochgezogener Augenbraue beobachtet, „da wird mir gleich ganz anders Olivier.“


„Mutter! Ich sage es dir jetzt zum letzten Mal, nenn mich nicht Olivier und was bildest du dir eigentlich ein? Denkst du wirklich, Gretchen wäre so dreist mir ein Kind unterzujubeln? Glaubst du wirklich, ich würde nur aus Mitleid oder einem Pflichtgefühl bei ihr bleiben?“


„Na immerhin kann das ja wohl nicht dein Ernst sein. Sie trifft überhaupt nicht deinen Stil.“


„Der da wäre?“, fragte er mit einer zuckenden Kopfbewegung und einem eisigen Lächeln.


„Glatte, brünette, lange Haare. Braune, grüne oder auch graue Augen, aber niemals blond und blauäugig. Ich erinnere mich an den Spruch, den du in deiner Jugend immer zu gebrauchen pflegtest, aber ich bin mir sicher, aus dem Alter bist du raus.“


„Was denn für ein Spruch?“, fragte Gretchen mutig, obwohl sie wusste, dass es sich dabei um nichts Gutes handeln konnte.


„Na ja.. Blond fickt gut?!“


„WAS?“


„Gretchen, deswegen bin ich nicht mit dir zusammen, auch wenn du gewisse Vorzüge hast und es weitgehend zutrifft“, erklärte er ohne Umschweife und ohne darauf zu achten, dass Gretchen mittlerweile roter leuchtete als der Lippenstift seiner Mutter, „und auch nicht wegen irgendwelchen Pflichten, Mutter. Die Betthäschen sind Geschichte. Ich bin zu alt für so nen Scheiß.“


„Sei doch vernünftig. Diese Frau verkörpert alles, was dir bisher zuwider war. Sie ist dick, mittelmäßig attraktiv und auch sonst hat sie nicht sonderlich viel zu bieten. Schon mal gar nicht dir. Du bist bessere Standards gewohnt. Irgendwann, wenn du wieder unvorsichtig bist, wird so ein kleines, schreiendes Etwas deine Karriere zunichtemachen und dann?“


„Wenn Sie Kinder doch so schrecklich finden, warum haben Sie dann eines in die Welt gesetzt?“, warf Gretchen nun todesmutig ein. Sie mochte es nicht, wenn man so über sie sprach und dabei so tat, als wäre sie gar nicht anwesend und sie musste wirklich aufpassen, dass ihre Stimme sich nicht überschlug, „Sie sind wirklich eine ganz schreckliche Person und ich frage mich, wie mein Vater sich das wirklich freiwillig antun konnte und wie ich so dämlich sein konnte, so eine fadenscheinige Einladung anzunehmen. Ich gehe!“


Wütend pfefferte sie die Serviette auf den Teller, nahm sich ihre Tasche und verschwand. Das musste sie sich doch wirklich nicht geben. Nachdem sie zehn Minuten gewartet hatte, Marc nicht kam und es auch nicht den Anschein machte, als wolle er ihr folgen, rief sie sich ein Taxi und fuhr zu ihren Eltern. Das Marc, im Inneren des Hauses, seiner Mutter gehörig den Kopf wusch, würde sie nie erfahren!



Flashback Ende


Nach diesem Abend hatte sie eine Woche bei ihren Eltern verbracht. Es war einfach unverschämt von Marc gewesen, sie einfach so stehen zu lassen und nichts zu sagen. Doch sie konnte ja auch nicht wissen, was vorgefallen war. Wie wütend sich Marc gegeben hatte.


Elke erinnerte sich jedoch noch genau daran, wie er wütend aufgesprungen war, sie aus voller Kehle angebrüllt und nicht mehr zu Wort kommen lassen hatte. So war er ihr gegenüber noch nie aufgetreten und sie verstand bis heute noch nicht, wieso er an diesem Abend so sauer war oder was er an dieser Frau fand.


Ihrer Meinung nach, war sie wirklich nicht sonderlich hübsch. Sie war viel zu blass, die Haare, auch wenn sie es nicht waren, wirkten auf sie eher ungepflegt und die Statur... Ja sie hatte eindeutig was auf den Rippen und ganz besonders an den Hüften. War ihr Sohn etwa einer der Männer, die behaupteten, sie bräuchten was zum Anfassen? Gut, davon hatte er bei dieser Frau, auf jeden Fall, mehr als genug. Eines musste sie sich allerdings eingestehen.


Frau Doktor Haase hatte Charakter!


Diesen hatten wirklich nicht viele von Marcs Frauen gehabt. Wenn sie da nur an diese unsägliche Schwester dachte, die ihren Jungen ruinieren wollte. Die Blondine vor ihr, die sich so rührend um sie kümmerte, trotz allem was zwischen ihnen passiert war, war für ihren Marc da gewesen. Sie hatte ihn aus der Scheiße gezogen. Sie war liebevoll, aufopfernd - aber auch naiv und sie hatte etwas nervtötendes an sich. Vielleicht war es ja wirklich ihre innere Schönheit, die ihrem Sohn gefiel.


„Kaffee?“, fragte Gretchen fröhlich, weil Elke doch tatsächlich seit geschlagenen fünfzehn Minuten den Mund hielt und ihr nicht krumm kam.


„Kindchen, wann hast du mich jemals Kaffee trinken sehen? Ich trinke Tee. Das solltest du wirklich wissen.“


Oh ja, weil ich ihre Altenpflegerin bin! Die Frau macht mich noch wahnsinnig.


„Was für ein Tee darf es denn dann sein - und - darf der aus dem Beutel sein oder soll ich ihn noch pflücken gehen?“


„Sehr gut, Fräulein Haase. Sicherlich darf der auch aus dem Beutel sein. Lavendel-Mandel wäre mir natürlich am liebsten“, hauchte Elke gewohnt arrogant, „aber ich gehe nicht davon aus, dass ihr so etwas hier in eurer Teestube habt.“


„Doch! Haben wir hier“, nuschelte Gretchen in den Schrank hinein, weil auch sie wirklich nicht damit gerechnet hätte, dass sie sowas wirklich da haben, „Muss wohl Schwester Sabine gehören. Die macht dir ja so oder so alles nach.“


„Wer macht wem alles nach?“, fragte Melanie, mit festem Blick auf der Krankenakte in ihrer Hand, nicht darauf achtend, was sie tat. Mit großen Augen beobachtete Gretchen, wie sich Melanie beinahe auf den Schoß der Erfolgsautorin gesetzt hätte.


„Also ich muss doch wirklich bitten Frau Meier! Machen Sie doch die Augen auf!“


„Oh, Frau Fischer!“, grinste Melanie wenig begeistert, „Es heißt im Übrigen, Frau DOKTOR Meier“, tippte sie mit ihrem Kuli gegen ihr Doktorschildchen, was bei Elke beinahe einen Brechreiz erzeugte und bei Gretchen zu einem obligatorischen Augenrollen führte.


„Na wenigstens etwas haben Sie und mein Sohn gemein. Muss wohl in den Genen von Olivier liegen, denn ICH lege nicht so viel Wert auf mein Berufsfeld!“


Neeeeeeeeein, überhaupt nicht. Überall muss sie damit angeben, dass sie Erfolgsautorin ist, aber sie macht sich da nichts draus. Oh Gott! Was eine Familie und ich dachte schon meine wäre bekloppt.


„Ich werde mich jetzt nicht mit Ihnen streiten Frau Fischer. Ich habe in sechs Stunden Wochenende, das will ich mir wirklich nicht vermiesen“, schnaubte die Kinderchirurgin, als sie sich der Mutter ihres Bruders gegenüber auf den Stuhl plumpsen ließ.


„Wir können gern tauschen“, zwinkerte Gretchen ihr zu, „Ich darf nämlich schon gar nicht mehr hier sein, aber weil Elk...“




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21.11.2016 03:05
#65 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Einundsechzig - Lala」




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Der Rest ihres Satzes ging in einem lauten „MELANIIIIIIIIIIIE“ unter. Mehdi und Lilly waren gerade aus dem Aufzug gestiegen, von welchem man sehr gute Sicht auf das Schwesternzimmer hatte und sofort war die achtjährige losgestürmt und der Freundin ihres Vaters in die Arme gesprungen. Natürlich nicht, ohne Elke die Blumen im Vorbeirennen um die Ohren zu hauen, die daraufhin erst mal ordentlich niesen musste.


Ihrer Pollenallergie sei Dank!


Gerade als sie sich künstlich aufregen wollte, quietschte Lilly ganz aufgeregt, „Ich hab dir Blumen mitgebracht!“


„Oooooh, die sind aber schön!“, freute Melanie sich, wusste aber trotzdem nicht richtig damit umzugehen, „Äh, hast du die ausgesucht?“


„Jaaaa. Papa hat die aber bezahlt.“


„Und ich hab mich tausendmal bei der Verkäuferin entschuldigt, weil unsere Lillymaus sich nicht entscheiden konnte“, grinste der stolze Familienvater ehe er auf Elke zuging, „Frau Fischer, hallo. Gretchen hat mir bereits eine Nachricht geschrieben, wenn Sie wollen, können wir gleich in mein Büro gehen und wenn Sie nichts dagegen haben, nehmen wir meine kleine Familie mit, damit Gretchen endlich nach Hause kann, weil sie gar nichts mehr hier zu suchen hat.“


„Ich weiß Mehdi, ich kann doch Elke aber nicht einfach stehen lassen. Wenn ein Unfall reingekommen wäre, hätte ich auch noch bleiben müssen.“


„Frau Doktor Haase war ganz reizend. Was man von ihrer Vertretung ja nun nicht behaupten kann“, schaltete sich die Erfolgsautorin nun doch ein, allerdings bedachte sie Mehdi dabei mit einem bösen Blick, „und mir wäre es wirklich lieb, wenn ich bei der Untersuchung, weder ein Kind noch eine fremde Person dabei habe.“


„Aber, aber Frau Fischer, ich bin doch nicht fremd“, zwinkerte Melanie über den Tisch und fing sich auch gleich einen mörderischen Blick ein, der sie hätte töten können.


„Frau Fischer“, war Mehdi ganz liebevoll und ruhig, „wenn Sie das nicht wünschen, werden wir zwei alleine gehen.“


„Macht das. Lilly und ich kommen dann nach, wenn ihr fertig seid. Können ja irgendwie noch was essen oder so, ich hab noch ein paar Stunden Dienst.“


„Aber wieso denn? Ich dachte wir fahren sofort nach Hause?!“


„Ja also, ich muss heute ein paar Stunden dran hängen und nächste Woche auch. Ich hab mir das Wochenende frei genommen, damit wir vernünftig was zusammen unternehmen können, wenn wir Lilly da haben“, zuckte sie mit den Schultern und errötete leicht. Dabei war es wirklich ein Kinderspiel, den Professor davon zu überzeugen, dass sie das Wochenende auf jeden Fall frei brauchte.

Gretchen hatte wirklich recht. Dieses Krankenhaus, war einfach ein Traum. Die Familienpolitik des Professors wirkte sich unglaublich gut auf das Arbeitsklima aus. Die Kollegen waren immer gut gelaunt und wenn jemand mal etwas hatte, dann hatte es meistens immer private Gründe. Sie fühlte sich hier wirklich wohl.


Zusammen mit Gretchen und Lilly, ging sie hinaus in den Krankenhauspark. Die Sonne schien, Gretchen hatte eigentlich eh keinen Dienst mehr und Lilly sollte nicht die ganze Zeit auf der Chirurgie sein, fand Melanie. Was es da manchmal zu sehen gab, war schon für die Ärzte nicht immer erträglich, wie sollte also eine achtjährige damit umgehen? Während Melanie gemütlich ihren Kaffee schlürfte, nippte Gretchen unschlüssig an ihrem Tee herum.


Anscheinend war Lavendel-Mandel, doch keine so gute Idee gewesen. Wenn sie ihre Freundin so ansah, könnte man meinen, sie würde an etwas sehr saurem lutschen. Center Shocks vielleicht.


Während man sich im Park also vergnügte, die einen mehr, die anderen weniger und man auf der Gynäkologie versuchte, Elke davon zu überzeugen, dass sie gesund war und die Medikamente nur neu eingestellt werden müssten, suchte sich eine quirlige blonde Krankenschwester dumm und dämlich. Das ganze Krankenhaus war sie beinahe schon rauf und runter gelaufen. Sie hatte an jedem Süßigkeitenautomaten geschaut, in alle Toiletten (selbst auf dem Männerklo), war in der Pathologie gewesen, in der sie beinahe über Doktor Gummersbach gestolpert wäre, der auf dem Boden etwas gesucht hatte und nun musste sie in jedem Patientenzimmer suchen. Nur weil der Professor sie gebeten hatte, Frau Doktor Haase zu ihm zu schicken, weil sie nicht auf ihren Pieper reagierte.


Vielleicht war sie aber auch schon zu Hause oder bei ihrer Mutter. Die beiden wollten doch Hochzeit und Taufe planen. Schnell tippelte sie ins Schwesternzimmer um zuerst bei Frau Doktor Haase zu Hause anzurufen und dann bei Frau Professor Doktor Haase.


Doch nach einem zehnminütigen Gespräch mit Bärbel, wusste sie, dass Gretchen auf jeden Fall noch irgendwo hier in der Klinik sein musste. Aber wo? Wenn sie doch nur telepathische Fähigkeiten hätte oder sich teleportieren könnte - es wäre so viel einfacher. Oder man warf einfach mal einen Blick aus dem Fenster und sieht einen blonden Lockenkopf auf der Bank sitzen.


„Na das hätt ich mir auch denken können“, ärgerte Sabine sich ein kleines bisschen über sich selbst und nahm sich ganz fest vor, dem Professor für den Rest des Tages aus dem Weg zu gehen, damit er sie nicht anmaulen könne, warum sie denn so lange gebraucht hatte. Schnellen Schrittes, rannte sie durch die Gänge, nahm das Treppenhaus, sprintete durch den Eingang und kraxelte mit Seitenstechen quer über die Wiese, direkt zu den beiden Ärztinnen.


„Frau Doktor Haase! Hören Sie denn ihren Pieper nicht?“, japste sie, als sie sich zwischen Melanie und Gretchen gequetscht hatte, die sie beide, mehr als nur verwundert, ansahen.


„Nein, der liegt nämlich in meinem Spind, Sabine. Ich habe keinen Dienst mehr und Bereitschaftsdienste mache ich seit einem guten Jahr nicht mehr! Warum?“


„Ihr Vater möchte Sie sprechen, dringend!“


Entnervt stöhnte sie auf, „Was hab ich denn jetzt schon wieder falsch gemacht?“


„Ich darf nicht sagen worum es geht.“


„Aber Sie wissen worum es geht“, Gretchen wusste selbst nicht so ganz, ob dies nun eine Frage oder eine Feststellung sein sollte, doch Sabine war, wie immer, keine Hilfe, „Vielleicht“, antwortete sie nur kleinlaut.


„Geh lieber zu ihm Gretchen, wer weiß was los ist. Vielleicht musst du ja jetzt doch mehr arbeiten, wo Doktor Schrenk nicht da ist. Wie lang ist der eigentlich noch krank“, überlegte Melanie und deutete ihrer Freundin an, schnellstens die Biege zu machen.


„Gut, dann geh ich eben. Ich denke, wir werden uns dann wohl heute nicht mehr sehen. Mein Papa wird mich nach Hause verschiffen lassen“, kurz nahm sie Melanie in den Arm und drückte ihr ein Küsschen auf die Wange, „Habt ein schönes Wochenende, ja?“


„Du auch. Lass dich nicht ärgern, nicht unterkriegen und wenn was ist, weißt du wo wir wohnen.“


Mit wenig Lust, zog Gretchen ab. Sie war wirklich zu gespannt, was sie nun schon wieder falsch gemacht haben sollte. Ja gut, sie war heute fast sechs Stunden im Krankenhaus gewesen, aber doch nur, weil sie Elke behandelt hatte und das war, mal abgesehen von der nervlichen Belastung, nun wirklich nichts schweres.


Sonst war sie eigentlich immer pünktlich weg gewesen, es sei denn, es kamen noch Notfälle rein. Da konnte sie dem Sanitäter doch nicht einfach sagen, er solle zusehen was er mit dem Patienten machte, sie hätte Dienstschluss. Sie war wirklich zu gespannt und betrat, ohne zu klopfen, das Büro ihres Vaters, „So Papa du wolltest mich sprechen“, sagte sie, als sie die Tür schloss, doch als sie sich umdrehte, fiel ihr alles aus dem Gesicht, „Was hab ich denn..je..äh...“




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Choconussa Offline

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22.11.2016 23:06
#66 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Zweiundsechzig - Burn」




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Zum Glück kannte er dieses Krankenhaus wie seine Westentasche. Jeden einzelnen Winkel hier kannte er und zum Glück, war er um einiges schneller als die Frau, die ihn gerade mit einem Reflexhammer, sollte sie zwischendrin nicht ein Skalpell gefunden haben, jagte. Er rannte nicht mal, er lief einfach nur etwas schneller und trotzdem war er ihr um einiges voraus. Vorbei am Schwesternzimmer, aus dem Sabine ihm mit großen Augen hinterher sah und deren Augen noch größer wurden, als sie sah, wovor er wegzulaufen schien.


Die „Bleib stehen“- Rufe, in den verschiedensten Versionen, ignorierte er konsequent. Ebenso die merkwürdigen Blicke, die ihm zugeworfen wurden. Was interessierte es ihn, was die anderen hier dachten? Sein Leben war ihm verdammt nochmal sehr wichtig und so sauer wie die Dame hinter ihm war, würde sie ihn heute sicherlich töten. Natürlich äußerst qualvoll, so wie er es, ihrer Meinung nach, wohl zu verdienen schien.


Schnell lief er um die nächste Ecke und weil er sich in diesem Moment sicher fühlte, ging er gleich durch die nächste Tür und fand sich in der dunklen Wäschekammer wieder, zwischen Eimern und Wischmopps. Und noch ehe sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnen konnten, öffnete sich die Tür. Er kniff die Augen zusammen, weil das grelle Licht ihn blendete und bekam gleich mal den Reflexhammer, mit voller Wucht, gegen den Musikknochen gepfeffert.


„Aua! Meine Güte, ich dachte Gewalt sei keine Lösung und du wärst eine Pazifistin!“


„Manchmal muss man seine Prioritäten eben ändern. Und bei dir, mache ich da wirklich gerne eine Ausnahme“, fauchte sie und schlug gleich noch einmal zu.


„Au! Jetzt leg doch mal den scheiß Hammer weg, Gretchen“, presste er zwischen seinen weißen Beißerchen hervor und hielt sie am Handgelenk fest, „Das kann man ja wohl auch vernünftig klären. Du musst mich nicht erschlagen, auch wenn ich es vielleicht verdient hätte!“


„Ohohoho, DAS hättest du mehr als nur verdient! Was zum Teufel willst du hier Marc?“


„Ich wollte eigentlich nur mal nach Melanie sehen“, sagte der Chirurg ruhig und fügte auf Gretchens ungläubigen Gesichtsausdruck an, „das ist wirklich nicht gelogen. Okay, halb. Ich wollte auch dich und Sarah vielleicht einmal kurz sehen. Jedenfalls kam dein Vater, mit dem Telefon am Ohr, ins Schwesternzimmer und sagte etwas davon, dass er einen Ersatz bräuchte für Doktor Schrenk. Der wird wohl länger ausfallen und er kann die Chirurgie auch nicht allein machen. Deswegen hab ich ihm angeboten, auszuhelfen.“


„Und seit wann bitte, handelst du so aufopferungsvoll? Ich will dich hier nicht sehen. Ich will nicht, dass du wieder hier arbeitest und wieder alles durcheinanderbringst, vielleicht sogar wieder alles kaputt machst und...“


„Moment mal! Was soll ich denn bitte kaputt machen wollen und was bitte habe ich kaputt gemacht?“


„Mich Marc“, hauchte sie leise und versuchte ihre bebende Stimme unter Kontrolle zu bekommen, „Mich hast du kaputt gemacht. Meine Träume. Meine Hoffnungen.“


„Glaub mir, das ist nicht meine Absicht. Ich will hier wirklich nur aushelfen und sobald Doktor Schrenk wieder fit ist, bin ich wieder weg. Versprochen!“


„Klar und in der Zwischenzeit baust du ein Verhältnis zu deiner Tochter auf und lässt uns dann wieder sitzen oder wie?“


„Ganz sicher nicht! Wenn du nicht willst, dass ich sie sehe, dann akzeptiere ich das, weil ich es verstehe. Ich habe dich hängen lassen und du hast Angst, dass ich unserer Tochter irgendwann genauso weh tue, wie dir.“


Hätte er in diesem Moment ihr Gesicht sehen können, wäre er ebenso erstaunt gewesen, wie sie. Woher hatte er mit einem Mal nur diese Auffassungsgabe?


In ihrem Kopf überschlugen sich die Gedanken.


So oft hatte sie sich vorgestellt, wie es wäre, wenn er wieder bei ihr wäre. Wenn er einfach zurückkommen würde und sie da weitermachen konnten, wo sie aufgehört hatten. Wie sie zusammen als Familie lebten und glücklich waren. Und jetzt, war er da! Einfach so, ohne dass sie ihn darum gebeten hatte. Er stand vor ihr, in Fleisch und Blut. Sie konnte sein Aftershave mit jedem Atemzug riechen, spürte seinen Körper, der ihrem, wegen der unglaublichen Enge in diesem Raum, sehr nah war und sie konnte seinen intensiven Blick, aus seinen wundervollen Augen, fest auf sich ruhen spüren. Sie sollte verdammt nochmal froh sein, dass er da war und ihn nicht jagen und schlagen.


Sie sollte ihm um den Hals fallen, ihn küssen, nie wieder los lassen und doch sträubte sich alles in ihr dagegen, diese Gefühle auch wirklich zuzulassen. Zu Hause, wartete sicher ein Haufen an Blumenbouquets auf sie. Mal ganz abgesehen, von ihrer aufgekratzten Mutter, ihrer Tochter, den Magazinen und Thorbens halber Kleiderschrank.


„Gretchen?“, hakte Marc vorsichtig nach, denn sie war verdächtig ruhig und er meinte ganz klar und deutlich, ein oder zwei Schluchzer vernommen zu haben.


Etwas, was er so gar nicht gebrauchen konnte. Er wusste so schon nicht wie er, in Anbetracht der Gesamtsituation, mit ihr umgehen sollte. Da würde es ihnen beiden nichts bringen, wenn sie nun auch noch weinen würde. Aber eine Antwort bekam er nicht, nur die Bestätigung, dass sie tatsächlich weinte, als sie sich auf einem der Eimer niederließ.



Oh mein Gott! Er ist wieder da! Er ist wirklich wieder da. Auf unbestimmte Zeit. Als mein Oberarzt. Nicht als mein Freund, als Vater meiner Tochter - als mein Oberarzt, der mir das Leben zur Hölle machen wird. Ich habe Thorben mit ihm betrogen. Oh Gott! Thorben! Wie soll ich ihm das denn erklären? Ich bin verloren. Er wird mich wieder schikanieren wo er nur kann, ich werde unglaublich viel essen und am Ende, vielleicht gar nicht mehr in mein Kleid passen. Ob jetzt für Hochzeit oder Taufe, sie werden beide nicht passen und an den Nähten aufplatzen!



„Hasenzahn, ich weiß du bist Enge gewohnt. Man sieht es ja an deinen Hosen. Könnten wir trotzdem mal langsam hier raus?“, sagte Marc eben genau das, was er nicht sagen wollte, weil sie ohnehin schon weinte. Verärgert biss er sich auf die Zunge und ballte seine Hände zu Fäusten.


„Bitte?“, hauchte sie leise, „Du spinnst doch wohl!“


So schnell wie sie aufgestanden und rausgerannt war, hatte er gar nicht schauen oder reagieren können. Nach einem kurzen Moment der Verwirrung, die ihm deutlich ins Gesicht geschrieben stand, war es nun an ihm, SIE durch die Klinik zu "jagen", denn eigentlich verfolgte er sie ja nur und wurde noch verwunderter angesehen, als bei seiner letzten Runde.


Marc Meier rannte nämlich NIEMALS einer Frau hinterher. Aber wie Gretchen schon so treffend gesagt hatte, manchmal musste man seine Prioritäten einfach ändern und für sie, machte er doch gern eine kleine Ausnahme.


In der Umkleide, holte er sie dann endlich ein. Nachdem er zwei Schwestern beinahe über den Haufen gerannt, Doktor Hassmann den Kaffee mal eben auf der Bluse verteilt und tausend Mal gerufen hatte „Jetzt bleib doch halt mal stehen, Gretchen!“


„Warum? Meine Schicht ist jetzt zu Ende und ich möchte dich nicht länger als nötig, ertragen müssen!“, schniefte sie laut und vergrub ihren Kopf in den Untiefen ihres Spindes, damit er die Tränen nicht sah, von denen er ohnehin schon wusste.


„Schau mich mal an“, schmunzelte er deswegen auch ziemlich belustigt, weil ihm dieses Szenario irgendwie sehr bekannt vorkam.


Und tatsächlich, nachdem er sie das zehnte Mal dazu aufgefordert hatte, ihn endlich anzuschauen, zog sie ihr süßes Köpfchen aus dem Spind, spie „Schööööön! Schau ich dich eben an!“, warf die Arme in die Luft und ließ sie an ihre Oberschenkel fallen. Augenblicklich musste er lächeln.


„WAS?“


„Nüchts, nüchts“, schmunzelte Marc weiter „hat mich grad irgendwie nur an meinen Geburtstag erinnert, als du meintest, ich wüsste deine Bemühungen nicht zu schätzen, aber egal. Hör mal, was ich da gerade gesagt habe, tut mir leid und ich werde mich zurückhalten. In Bezug auf Sarah, Thorben und dich. Ich will mich da nicht einmischen. Ich will einfach nur aushelfen und die Dinge regeln, die hier noch zu regeln sind.“


Hat er sich gerade entschuldigt?


„Herr Doktor Meier“, schneite Sabine herein und alles war wie immer, „ihr Kittel.“


„Schwester Sabine... Sehen Sie nicht, dass wir hier gerade etwas am Besprechen sind?“


„Doch Herr Doktor, aber sie brauchen doch...“


„MEINE RUHE! JETZT VERSCHWINDEN SIE UND TUN SIE ETWAS, DASS SIE KÖNNEN - KAFFEE KOCHEN, WÄRE DA DOCH EINE OPTION“, brüllte der Chirurg die kleine Schwester nieder, der schon wieder die Tränen in den Augen standen und bemerkte dadurch nicht, wie Gretchen ihm näherkam und ihm in den Arm kniff, „AU! Mensch Hasenzahn! Seit wann stehst du denn bitte auf SM?“


„Ich geb dir gleich SM. Hör auf dich hier so aufzuspielen und Sabine so anzuschreien. Sie hat dir nichts getan!“


„Sie kommt immer wieder ungebeten reingeplatzt und man kann nicht einmal, dass zu Ende bringen, was man angefangen hat. Herrgott, die soll sich nicht so anstellen und für jeden Furz anfangen zu heulen.“


„Marc, nicht jeder hat so ein Nervenkostüm wie ich, ja?“


„Pah! Du und ein Nervenkostüm“, lachte er, „Du heulst doch schon, wenn man dich auch nur schief anschaut.“


„Sicherlich. Vor zwanzig Jahren vielleicht!“


„Ach komm! Selbst heute noch und das wird sich auch nie ändern, weil du zu viel isst und dich zu wenig bewegst. Dicke Menschen, bleiben allein!“


„Mhmm. Also ich bin ziemlich glücklich verlobt und wie sieht es so bei dir aus?“


„Frau Doktor? Herr Doktor?“, fragte Sabine mutig.


„WAS?“, schallte es ihr im Chor entgegen und sie antwortete lächelnd, während sie sich eine Träne aus dem Auge wischte, „Es ist schön, dass Sie wieder da sind!“, ging wieder an ihre Arbeit und ließ zwei verwunderte Ärzte zurück.





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Choconussa Offline

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25.11.2016 08:59
#67 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Dreiundsechzig – I will love you Monday (365 Days)」




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Doch schon am Samstag, wünschte sich Sabine, sie hätte einfach den Mund gehalten und mal abgewartet, wie sich das Ganze entwickeln würde.



Franz hatte Gretchen am Abend zuvor gebeten, ihre Montags-Schicht zu tauschen und am nächsten Tag, Marc bei der Visite zu helfen. Er würde die Patienten noch gar nicht kennen und wenn jemand dabei wäre, der ihm da unter die Arme greifen würde, würde er viel schneller wieder in die Arbeit finden. Gretchen hingegen, fand dies ganz und gar nicht so und versuchte dagegen zu protestieren. Immerhin hatte Marc nie sonderlich viele Probleme damit, Überstunden zu machen. Sollte er sich doch die Akten durchlesen – dann würde das schon klappen. Aber damit gab sich der Klinik-Papa mal so gar nicht zufrieden. Wie sehe das denn aus und wo war ihr Familiensinn nur geblieben?


So musste sie sich beugen und saß am frühen Morgen, schlecht gelaunt im Schwesternzimmer, wartete auf ihren Oberarzt und malte sich das Schlimmste aus.


Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, dass er es schaffen würde, keine dummen Kommentare abzugeben, solange er da war. Zwar hatte er es gestern so versprochen, aber er würde ihrem Vater auch das Blaue vom Himmel herunter lügen, damit er bekam, was er wollte. Gretchen war noch immer der festen Überzeugung, dass es pure Berechnung von Marc war und nicht wie er behauptete, einfach nur Zufall. Immerhin war er jetzt schon eine halbe Stunde zu spät, dabei wusste er, dass sie eigentlich nur vier Stunden arbeiten durfte.


„Morgen“, nuschelte er, als er abgehetzt an ihr vorbei, in die Umkleide rauschte.


„Ach. Du auch hier? Hast wohl vergessen, dass du arbeiten musst. Oder ist der Herr der Meinung, weil sein Vater hier nicht sein Chef ist, kann Gott wieder tun und lassen was er will?“, eilte sie ihm nach und schlug, mit einem lauten Knall, die Tür zu, „Marc! Ich habe nur vier Stunden und ich werde für dich sicherlich keine Überstunden machen. Ich habe Kind und Haushalt und kann es mir nach der Arbeit nicht aussuchen, was ich mache.“


„Hasenzahn, hol mal Luft! Ich musste meine liebe Frau Mama noch zu ihrer dämlichen Vorlesung fahren und da darf ich sie nachher auch wieder abholen – in meiner Pause“, schnaubte er verärgert auf, als er sich aus seiner Hose schälte, um eine weiße anzuziehen, „Zudem habe ich nicht sonderlich gut geschlafen, weil meine Mutter meint, Yoga geht bis um zwei Uhr und fängt um fünf wieder an.“


„Ooooh das tut mir aber leid“, zog sie einen Schmollmund, „Du, ich habe ein kleines Baby, welches nachts auch mal Hunger hat und gewickelt werden möchte. Ich gehe auch nicht früh schlafen, weil ich am Abend noch meine Wohnung putze und trotzdem bin ich heute pünktlich hier. Sonst ist dir die Straßenverkehrsordnung doch auch egal. Hättest also mal ein bisschen aufs Gas treten oder sie eher fahren können. Außerdem, hat sie ja wohl selbst einen Wagen oder wo ist ihr toller Porsche?“, meckerte sie weiter und dachte nicht einmal daran, sich umzudrehen, während Marc sich vor ihrer Nase halb entblößte.


Allein diese Tatsache amüsierte Marc so sehr, dass er ganz vergaß, sauer über ihr Verhalten ihm gegenüber zu sein.


„Sie ist der Meinung, wir müssten mehr Zeit zusammen verbringen und weil ich zur Zeit bei ihr lebe, beuge ich mich, damit ich meine Ruhe habe. Und du, hör auf zu sabbern und scheuch Sabine meinen Kaffee fertig machen oder soll ich hier ne Stripshow für dich hinlegen?“


„Also, das ist ja wohl… Ach was rege ich mich überhaupt auf. Ist wohl ein genetischer Fehler bei dir und NEIN, ich werde Sabine nicht für dich durch die Gegend scheuchen. Seitdem Doktor Schrenk hier Oberarzt ist, muss sie keine Sklavendienste mehr ausrichten und weil du meinem Papa gesagt hast, du willst ihn würdig vertreten, machst du das einfach und deinen Kaffee machst du dir ab heute selbst“, grinste sie keck und verschwand zügig wieder ins Schwesternzimmer, denn die Ader auf Marcs Schläfe, hatte verdächtig angefangen zu pulsieren. Auf den Ameisenblick konnte sie, in seiner ersten Schicht, gut verzichten.


Doch den hatte er gar nicht aufsetzen wollen. Wenn Gretchen, Sabine nicht scheuchen würde, würde er das eben selbst tun und eigentlich sollte sie das auch wissen. Ihm passte es viel weniger, dass sie anscheinend wirklich kein Problem damit hatte, dass er nicht mehr hier war. Aber er würde sich auf die Zunge beißen und einfach so tun, als würde es ihm ohne sie auch besser gehen. Sichtlich schlecht gelaunt, betrat er dann auch das Stationszimmer, indem Sabine irgendwelche Krankenscheine schrieb und Gretchen genüsslich in ihr Schokocroissant biss und in irgendeiner Frauenzeitschrift blätterte.


„Sabine?“


„Ja Doktor Meier?!“, klimperte die Krankenschwester mit ihren Augen und schien den Oberarzt vorrübergehend anzuhimmeln – was Marc noch schlimmer fand, als ohne einen ordentlichen Kaffee, zu arbeiten anzufangen.


„KAFFEE!“, bellte er ihr deswegen auch entgegen. Doch anstatt sofort loszueilen, funkelte sie ihn weiter, wie hypnotisiert, an und fing auch noch an zu lächeln, „PRONTO!“, schob er hinterher und klatschte dabei in die Hände. Kopfschüttelnd, setzte er sich zu Gretchen an den Tisch, legte die Beine darauf und gähnte lautstark. Er war wirklich müde und sicherlich nicht sonderlich aufnahmefähig, aber was sollte es?


Die blonde Chirurgin, war jedoch gar nicht von den Füßen auf dem Tisch, direkt unter ihrer Nase, begeistert, wenn sie gerade am Essen war.


„Marc! Muss das sein?“


„Wie sehr habe ich es vermisst, meinen Namen so scharf gesprochen zu hören?“, seufzte er auf, „Macht in München wirklich niemand so schön wie du Hasenzahn und ja, es muss sein. Ich will noch ein bisschen entspannen, bevor wir hier loslegen. Wann fängt Melanie heute an?“


„Gar nicht. Sie hat das Wochenende frei und ist mit Mehdi und Lilly im Schwarzwald. Wo ich ja eigentlich auch wäre, wenn ich nicht deinetwegen arbeiten müsste“, nuschelte sie mit vollem Mund und sah missbilligend dabei zu, wie Sabine reumütig den Kaffee weiterreichte.


„Jetzt hör doch mal auf zu meckern Gretchen. Sei doch froh, so bist du mal wieder öfter in der Klinik.“


„Falsch! Ich durfte oder besser gesagt, ich musste, eine Schicht tauschen. Was mir mal so gar nicht in den Kram passt, weil ich eigentlich Montag einen Termin beim Friseur hatte, um mir eine Frisur für die Hochzeit auszusuchen. Den musste ich jetzt verschieben.“


„Hättest doch auch nen anderen Tag verschieben können und nicht gerade den. Außerdem würde ich die Haare an deiner Stelle offen lassen – du weißt warum“, zwinkerte er ihr zu.


„Mhmm, deswegen lasse ich sie mir ja hochstecken. Thorben gefalle ich, egal wie ich meine Haare trage. Außerdem, sei es meine Entscheidung und er wird mir da nicht reinreden.“


Genervt, verdrehte Marc die Augen und nippte an dem heißen Kaffee. Was interessierte es ihn, was dieser Hampelmann machte oder eben nicht? Viel eher schien eine Information in seinem Kopf, keine vernünftige Zugehörigkeit zu finden.


„Sag mal Hasenzahn, was macht Melanie eigentlich mit Mehdi und Lilly im Schwarzwald, an ihrem freien Wochenende?“


„Chrmm“, räusperte sich Gretchen, „Mehdi hat uns beide eingeladen. Einfach mal entspannen und ein bisschen abschalten. Immerhin hatte Melanie ein paar anstrengende Wochen.“


„Na da ist Mehdi ja eine wohltuende Abwechslung. Der ist doch anstrengender, als zwanzig Kinder zusammen.“


„Das sagst du. Andere Menschen finden ihn unheimlich liebenswert und beruhigend.“


„Ja das sage ich, als sein bester Freund. Ich kenne ihn ein bisschen länger, Hasenzahn. Aber ist auch eigentlich egal. Dann sehe ich sie halt am Montag. Und wir beide, fangen dann wohl mal an, bevor dein Vater noch einen Herzinfarkt bekommt“, mit diesen Worten klaute er ihr Zeitung und Croissant und machte sich auf den Weg zur Visite.



Während Gretchen noch eine Weile verwundert auf ihre leere Hand starrte, eilte Sabine dem Teufel in Weiß schnell hinterher und etwa eine halbe Stunde, nachdem Gretchen sich aufgerafft hatte, wünschte sich Sabine auf einen anderen Planeten.


„Sabine, die Akte von Frau Schröder“, sagte Marc und schnippte mit dem Finger, um der Krankenschwester zu signalisieren, sich etwas schneller als sonst zu bewegen.


„Nein Sabine, die werden sie ihm nicht geben“, hielt Gretchen die Blondine an der Schulter zurück, was nicht nur Sabine, sondern auch ihren Oberarzt verwunderte, „Die hängt direkt vor dir am Bett, Marc. Beweg dich gefälligst selbst. Sabine ist nicht dein Laufbursche.“


„Ich bin hier der Oberarzt und was ich sage wird gemacht!“


„Du bist vorrübergehend Oberarzt! Und Sie Sabine“, hielt sie die Krankenschwester am Kittel fest, „werden ihm die Akte nicht geben!“


Hin- und hergerissen, stand Frau Vögler nun zwischen ihrem Oberarzt und ihrer geliebten Frau Doktor und wusste nicht, was sie tun sollte. Sollte sie die Akte nun nehmen und sie weitergeben oder sollte sie einfach stehen bleiben und nichts tun? Sie war den Tränen nahe. Zum einen, wollte sie auf gar keinen Fall, die Wut von Doktor Meier ertragen müssen und zum anderen, wollte sie nicht, dass die Frau Doktor sauer auf sie werden würde, weil sie sich wieder von ihm behandeln ließ, wie einen Hund.


„Dann wirst du mir die Akte eben geben Hasenzahn!“


„Davon träumst du wohl nachts!!! Und nenn mich nicht immer Hasenzahn Marc, schon mal gar nicht vor unseren Patienten. Du spinnst doch wohl. Nicht mal einen Tag wieder hier und schon spielst du dich wieder als Gott persönlich auf und meinst, die Leute rumscheuchen zu können wie es dir passt“, motzte sie in einer Tour weiter, was nicht sonderlich klug von ihr war, wie zumindest Sabine, an Marcs Blicken und Körperhaltung, erkennen konnte.


Mit zusammengekniffenen Augen und der linken Hand in der Seite gestemmt, brüllte er, „VOR DIE TÜR“, und fügte lächelnd, aber betont angestrengt, seine Stimme ruhig zu halten, an, „sofort!“


Genervt stöhnte sie auf und folgte ihm, doch noch ehe sie die Tür richtig zu hatte, zog er sie am Arm durch die Gänge, ins Stationszimmer, schloss die Tür und drehte vorsorglich einmal den Schlüssel, damit sie auch garantiert nicht gestört werden würden.


„Sag mal, HAST DU DEN ARSCH OFFEN? Ich bin zwar nur vorrübergehend dein Oberarzt, trotzdem hast du mir Respekt entgegenzubringen. Vollkommen egal, wie lang wir uns schon kennen, was mal zwischen uns war oder ist und auch unabhängig von unserer Tochter. IST DAS KLAR?“, giftete er gleich drauf los und drängte sie mit seinem Körper so nah an die Wand, dass zwischen die beiden nicht mal mehr ein Blatt Papier gepasst hätte. Was ihr das Denken, wirklich erschwerte. Er war ihr so nah, sie roch ihn so intensiv und seine Augen starrten in ihre, sie konnte sich gar nicht von seinem Blick lösen, „Ob das klar ist, habe ich dich gefragt“, hauchte er ihr entgegen und drückte sich noch näher an sie.


„Marc ich… Könntest du bitte.. Also.. Ich bekomme kaum Luft“, versuchte sie ihn von sich zu drücken – doch er bewegte sich einfach keinen Millimeter.


Es war aussichtslos und wenn er so weitermachen würde, würde sie sicher wieder schwach werden. Seine Lippen waren ihr so nah. Es wäre ein Hohn, sie nicht zu küssen. Aber sie durfte nicht. Sie musste sich zusammenreißen.


Aber Marc sah gar nicht ein, diesen wundervollen Körper nicht mehr spüren zu können und seiner Meinung nach, hatten sie auch viel zu viel Kleidung dazwischen. Streiten mit ihr, war doch immer wieder schön, doch noch schöner war es, sich wieder mit ihr zu versöhnen. So hob er mutig ihr Kinn an, sah ihr tief in die Augen und lächelte sie an, bevor er sie einfach küsste.



Ihre Lippen waren weich wie immer, ihre Hände an seinen Seiten, krallten sich in den Kittel, streichelten ihn – wie immer, ihr Gesicht begann zu glühen und sie ließ sich voll und ganz fallen. Doch was für ihn schien wie immer, war für Gretchen ganz und gar nicht so. Sie musste sich wirklich beherrschen, ihm nicht gleich hier den Kittel vom Leib zu reißen. Thorben war nun schon fast drei Wochen nicht da und sie war ziemlich lang allein. Das durfte einfach nicht passieren und so schön der Kuss auch war, sie musste das Ganze unterbinden, bevor es zu spät war oder Missverständnisse aufkamen.


Doktor Meier, ahnte von seinem Glück nichts, als sich ihre rechte Hand von ihm löste.


Er hatte die Augen geschlossen, genoss es, sie so nah bei sich zu haben, für sich zu haben, er konnte es nicht sehen…


Er konnte nicht sehen, wie die Hand ausholte und keine Sekunde später, mit einem lauten Klatschen, auf seiner Wange landete….




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Choconussa Offline

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26.11.2016 18:50
#68 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Vierundsechzig – Let me go」




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„AU! Was soll das denn jetzt schon wieder?“, zuckte er zurück und sah sie verständnislos an. Eigentlich war er der festen Überzeugung gewesen, sie hätte den Kuss ebenso genossen wie er.


„Du kannst mich nicht einfach küssen! Das geht so nicht. Ich bin verlobt Marc!“


„Das warst du auch, als du bei mir in München warst und ich hatte nicht das Gefühl, dass du da sonderlich viel drüber nachgedacht hast Gretchen“, nahm er ihr den Wind aus den Segeln, denn die Verlobung schien für ihn einfach nur ein Vorwand zu sein, „Was also soll das alles? Du kommst extra zu mir runtergefahren, schläfst mit mir, haust einfach ab und schreibst mir, ich soll mich nicht bei dir melden?! Warum Gretchen?“


„Ich will da nicht drüber reden Marc, lass mich jetzt hier raus, ich will bitte mit der Visite weitermachen und du kannst auch gern Sabine rumkommandieren. Ich werde einfach nichts mehr sagen“, wich sie seinen Blicken aus.


„Nein. Ich will wissen, was das sollte und ich will eine ehrliche Antwort von dir. So was machst du nicht einfach so. Das bist du nicht.“


Ach, jetzt kennt er mich auf einmal? Na das kann ja heiter werden…


„Mensch, es war halt in dem Moment alles so vertraut. Du warst wie immer und wie du mich da an der Tür angesehen hast. Ich hab mich geborgen und verstanden gefühlt“, nun sah sie ihn doch an und die Tränen in ihren Augen, trafen ihn tief in der Magengegend, „Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich dich manchmal vermisse, aber das ist vorbei. Ich bin glücklich.“


„Du lügst! Wärst du glücklich, würdest du nicht weinen“, flüsterte er ihr zu und wischte mit seinem Daumen eine Träne von ihrer Wange, „Weinst du jetzt der verlorenen Zeit hinterher? Mir? Oder hast du einfach ein schlechtes Gewissen, weil du Thorben betrogen hast?“


Na ja, eigentlich ja allem. Aber das werde ich ihm nun sicherlich nicht auf die Nase binden!


„Du weißt doch gar nicht, wie man Gewissen schreibt“, schniefte sie in ihren Ärmel, „Ja ich habe ein schlechtes Gewissen. Thorben liebt mich und das wirklich von ganzem Herzen und…“


„Liebst du ihn denn genauso? Von ganzem Herzen und wärst du bereit, alles für ihn aufzugeben?“


„Was fragst du mich das? Du weißt doch gar nicht, was Liebe überhaupt ist!“


„Jetzt weiß ich das wieder nicht?“, lachte er ungläubig auf.


Sicherlich wusste er ganz genau, was Liebe ist und er wusste auch ganz genau, dass er nur einen Menschen auf dieser Welt so sehr liebte. Okay, zwei Menschen, aber das war hier jetzt auch nicht wirklich das Thema.


Schon wieder unterstellte sie ihm Dinge, die sie gar nicht wissen konnte, weil sie eben nicht in ihn hineinsehen konnte, „Gretchen, ich weiß, dass ich Scheiße gebaut habe, indem ich einfach gegangen bin. Ich war überfordert, okay? Weil ich dich liebe, weil ich mit dem Gefühl nicht klargekommen bin. Ich hatte jeden Tag Angst, etwas falsch zu machen. Du warst auf einmal immer da, auch wenn du gar nicht da warst. Ich habe dich in meinem Bett gerochen und dich vermisst. Ich habe deine Haare im Abfluss gesehen und dich vermisst. Weil du nicht bei mir warst, obwohl wir uns in ein paar Stunden wiedergesehen hätten. Ich bekomme dich nicht aus meinem Kopf und du willst mir erzählen, ich wüsste nicht, was Liebe ist? Nur weil ich den Fehler gemacht habe, zu gehen und dir so einen dämlichen Brief zu schreiben, von dem ich nicht mal mehr weiß, was drin steht?“


Warum sagte er ihr das alles? Das machte es nicht einfacher. Sie war so oder so schon hin- und hergerissen. Was sollte sie tun? Ihm einfach eine Chance geben? Eine freundschaftliche Basis schaffen, für ihn und Sarah?


„Seh zu, dass du dir die Schminke abwäschst und dann beweg deinen Arsch wieder zur Visite und wage es dich nie wieder, mich vor Patienten so anzufahren“, sagte er kalt wie ein Eisblock und verschwand.



Ein kurzer Blick in den Spiegel, bestätigte nur Marcs Aussage – weswegen sie ihm schon wieder nicht sauer sein konnte, sondern dankbar sein müsste, denn sie sah aus wie ein Waschbär. Überall klebte die Wimperntusche, weil sie mal wieder nicht standhaft bleiben konnte.


Warum muss er mit so was auch immer zu den ungünstigsten Zeitpunkten kommen, dachte sie, während sie versuchte das Chaos in ihrem Gesicht soweit zu beseitigen, dass sie ohne große Peinlichkeiten auf die Damentoilette verschwinden konnte.


Wenn das nun jeden Tag so gehen würde, würde sie sicherlich wahnsinnig werden. Und lange, würde sie dem sicherlich auch nicht standhalten können. Dafür fühlte es sich einfach viel zu gut an.


Ich brauche dringend Schokolade…



Doch als sie sich eine halbe Stunde später, neu geschminkt und mit ordentlich Nervennahrung intus, wieder zur Visite einfand, war Marc unausstehlich. An allem hatte er etwas zu meckern, egal was sie sagte oder machte, sie wurde einfach in der Luft zerrissen.


„Mensch Hasenzahn, so unfähig kannst du doch gar nicht sein“, fauchte er sie an, als sie die Schere fallen ließ, „Passen deine Wurstfinger nicht mehr durch die Löcher?“, grinste er, als er sie unsanft zur Seite geschoben und ihr die Schere aus der Hand gerissen hatte, „Wundert mich ja, dass du diesen überaus hässlichen Kaugummiautomatenring überbekommen hast. Wahrscheinlich auch nur mit Vaseline“, nuschelte er schlussendlich, als er dem Patienten selbst den Gips aufschnitt.


Während Sabine ganz große Augen bekam, hatte Gretchen für ihn nur noch einen kühlen Blick übrig. Es war nun wirklich nicht so, als wäre sie seine Spitzen und seine dummen Sprüche nicht gewohnt. Außerdem war sie der festen Überzeugung, dass es ihm nur noch mehr Spaß machte, sie zu triezen, wenn sie sich aufregte. Also nahm sie sich fest vor, ihn einfach zu ignorieren und nur berufliches mit ihm zu besprechen. Wenn er es denn nicht immer übertreiben würde…


Sie waren gerade zur Hälfte mit der Station durch, als es passierte. Gretchen stach bei der Blutabnahme daneben. Natürlich nur, weil Marc so viel Unsinn redete, dass Facebook keine Unterhaltungsseiten a la „Ich bin ein Mädchen, du musst mich einfach lieb haben“, mehr gebraucht hätte.


„Na welch ein Glück, ist die Frau Doktor Haase gut versichert. Zwar vollkommen überteuert, aber immerhin. Was will man auch von Amateuren erwarten? SABINE! Sie machen das, bevor wir bald zerstochene Patienten haben, weil irgendjemand an Schokoladenentzug leidet“, höhnte er.


„Vielleicht sollten wir lieber jemanden einstellen, der dir Panzertape über dein loses Mundwerk klebt! Mensch, kannst du es nicht auch einmal gut sein lassen?“


„Ich versuche nur, deine Kundenkompetenz mal wieder ein bisschen zu erhöhen. Die, seitdem ich nicht mehr hier bin, wohl in einen nicht messbaren Minusbereich gefallen sein muss“, sprach er zu seinem Klemmbrett, besann sich dann jedoch eines Besseren und grinste seine Exfreundin gehässig an, „Na ja, was dir als Ärztin fehlt, hast du halt am Hintern!“


„Du bist so ein Arsch Marc.“


„Danke fürs Kompliment. Ich bin ja auch nicht Thorben, der dir das Blaue vom Himmel lügt, nur um dich ins Bett zu bekommen. Da kommst du von ganz allein zu mir“, zwinkerte er und dachte nicht eine Sekunde daran, seine Stimme zu senken, weswegen Sabine verstohlen zu den beiden herüber schielte und Gretchen ihn entsetzt ansah.


Das ist jetzt nicht sein Ernst? Das hat er jetzt nicht wirklich gemacht? Sabine wird mich ausquetschen, bis nur noch Rückenmark vorhanden ist. Einfach nicht drauf eingehen…


„Sabine, sagen Sie Doktor Meier bitte, dass ich jetzt Pause mache? Bevor ich ihm noch an die Gurgel springe!“, fauchte sie ungehalten.


Na das klappt ja mal wieder prima.


Sabine machte natürlich das, was ihr befohlen wurde und tippelte wie ein Pinguin auf ihren Oberarzt zu, „Herr Doktor Meier, die Frau Doktor Haase macht jetzt…“


„Meine Güte, ich hab es gehört! Bin ja nicht taub“, fuhr er schnell dazwischen, „Ich stehe noch immer direkt neben dir Hasenzahn.“


„Dabei fänd ich dich in Nordkorea, viel besser stationiert“, lächelte Gretchen ihn an, bevor sie schnell in Richtung Cafeteria verschwand, damit sie sich nicht noch mehr Beleidigungen von ihm anhören musste und heute Abend nicht zu Schokokuchen, anstelle von Schokomuffins, greifen musste.


Genau das hatte sie befürchtet. Er würde sie noch in die Fettleibigkeit treiben. Doch das Einzige was sie tun konnte, war hoffen, dass Doktor Schrenk schnell wieder gesund werden würde. Dann wäre Marc wieder in München und sie hätte endlich wieder ihre Ruhe und müsste nicht mit zwei großen Stücken Schokokuchen ihre Mittagspause verbringen.


Aber irgendwie, war das auch unglaublich erfrischend. Es brachte mal wieder Schwung auf die Station. Nicht dass Doktor Schrenk ein schlechter Oberarzt wäre – er war halt einfach zu nett. Mit ihm lachte sie viel, konnte gut mit ihm reden. Irgendwas hat ihr aber immer gefehlt. Die gegenseitigen Sticheleien, die Lautstärke, sein Blick, der verriet, dass er das alles eigentlich gar nicht so ernst meinte. Wenn sie es sich doch nur nicht immer so zu Herzen nehmen würde…


Und wo Gretchen eigentlich ganz glücklich war, dass Marc wieder da war, bekam Sabine das Gefühl, sie müsste bald zur Vertretung nach München, denn der Herr Oberarzt ließ seine Laune mal wieder an ihr aus.


„Sabine? Sind Sie so dämlich oder wollen Sie mich ärgern? Beides wäre nicht sonderlich förderlich“, schnauzte er sie an, als sie die verlangte Patientenakte nicht auf Anhieb fand.


„Herr Doktor Meier, ich bin mir ganz sicher, dass ich sie hier hingelegt habe.“


„SIE SOLLEN VERDAMMT NOCHMAL KEINE OPERN QUATSCHEN, SONDERN MIR DIE AKTE BRINGEN!!!“, war das Erste, was Gretchen hörte, als sie den Flur entlang schlenderte, um ihre Pause zu beenden und automatisch musste sie lächeln.


Ja, sie hatte ihn tierisch vermisst…





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Choconussa Offline

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26.11.2016 18:53
#69 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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Allerdings habe ich nach Schichtende, ernsthaft an meinem Geisteszustand gezweifelt. Vielleicht lag es aber auch nur an der vielen Schokolade…


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26.11.2016 18:57
#70 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Fünfundsechzig – Mit dir chilln」




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Eine vierzehn Stunden-Schicht. Ihr Vater würde bestimmt nicht sonderlich begeistert davon sein, aber was sollte sie machen? Er hatte ihr die Aufgabe gegeben, Marc die Patienten und den Patienten Marc vorzustellen. Eigentlich hätte klar sein müssen, dass dieses Vorhaben nicht in vier Stunden zu erledigen war.


Immerhin haben wir ja auch demente Patienten.


Sie selbst war jedenfalls ziemlich geschafft. Anscheinend hatte sie wirklich vergessen, wie anstrengend die Arbeit im Krankenhaus sein konnte. Doch nicht nur sie, sondern auch der schlecht gelaunte Chirurg war froh, dass diese Schicht endlich sein Ende fand. Sollte er jemals behauptet haben, die Arbeit hier zu vermissen, würde er, zumindest heute, seine Aussage revidieren.


Sabine war noch immer vollkommen inkompetent und Gretchen war ihm, wenn sie so gut roch, auch keine große Hilfe. Am schlimmsten jedoch war Frau Lehmke. Eine fünfundsiebzig Jahre alte Dame, die nun schon seit zwei Monaten stationär lag, weil sie drei Herzinfarkte hintereinander hatte und zudem mit ihrem hohen Blutdruck und ihrer Diabetes zu kämpfen hatte. Nachdem Gretchen ihn vorgestellt hatte, war die Frau regelrecht aufgeblüht. Was für ein hinreißender, junger Mann er doch sei.


Sie habe ja auch mal jemanden gekannt, der unbedingt Arzt werden wollte. Frau Lehmke hatte regelrecht einen Narren an ihm gefressen. Was Gretchen sehr amüsant fand und ihn, beinahe an den Rand eines Nervenzusammenbruchs trieb.


Genervt schmiss er seinen Kittel achtlos in den Spind und wollte sich eigentlich gerade aus seiner, nach dieser Schicht nicht mehr ganz so weißen, Arzthose quälen, als Sabine in die Umkleide gehopst kam: „Doktor Meier, Ihre Mutter hat angerufen. Sie haben heute Mittag vergessen, sie abzuholen!“


„SCHEIßE!“, ergeben ließ er seinen Kopf gegen die kühle Wand fallen, „DANKE Schwester Sabine“, stöhnte er, als er nicht hörte, wie sie wieder davon hoppelte, „Das wird ja ein super Abend!“


Verstohlen schielte Gretchen zu ihm herüber und als sie sah, wie er leise vor sich hin grummelte, die Sachen in seinem Spind misshandelte und seine Gesichtsmuskulatur Samba tanzte, musste sie schmunzeln. Es war einfach typisch für ihn.


Als sie sich dann jedoch reden hörte, glaubte sie von allen guten Geistern verlassen zu sein, „Also wenn du magst, kannst du gleich bei mir vorbeikommen. Dann musst du deine Mutter nicht ertragen.“


Bitte? Oh Gretchen, echt nicht!


„Wie bitte?“, glaubte auch Marc sich irgendwie verhört zu haben.


„Na ja, ich weiß doch wie unausstehlich Elke manchmal sein kann und du könntest Sarah vielleicht einmal sehen. Aber ist ne ganz doofe Idee, bist bestimmt müde.“


Sag nein! Sag nein! Bitte, bitte sag nein!


Nach kurzer Überlegung, ob dies nach der Kuss-Geschichte wirklich eine gute Idee war, schnappte er sich schnell seine Autoschlüssel, „Keine schlechte Idee. Ich fahr dich auch!“


Oh nein, bitte nicht. Und jetzt grinst der auch noch so dreckig. Was denkt er denn, weswegen ich ihn einlade?


„Ja, kommst du dann vielleicht mal oder willst du da weiter Nutellaportale beschwören?“, rief er ihr, nachdem sie sich fünf Minuten lang nicht von der Stelle bewegt hatte, zu. Was hatte sie sich nur dabei gedacht?




„Aber Gretchen. Was denkst du dir denn nur dabei?“, fragte auch Bärbel, die total von der Rolle war, als sie den weißen VOLVO hatte vorfahren sehen. Noch immer stand sie am Fenster und beobachtete den Wagen durch die Gardinen.


„Mama, er ist zur Zeit halt in Berlin und er bleibt auch nur zum Essen“, merkte sie im Vorbeigehen an, „Sag mal, was hast du eigentlich gekocht?“


„Lasagne“, nuschelte die besorgte Hausfrau, ohne den Blick von dem Wagen zu lassen – in dem gerade das Licht eingeschaltet wurde. Gretchen hingegen, lief eilig in die Küche, wo sie zu allererst einige Tupperdosen zusammensuchte, um die Lasagne, die von ihrer Mutter immer ein wahrer Gaumenschmaus war, sicher zu transportieren. Und natürlich durfte sie ihren heißgeliebten Nachtisch nicht vergessen: Den Schokopudding! Voller Vorfreude, öffnete sie den Kühlschrank und fand nichts – außer gähnender Leere.


„Mama? Hast du gar keinen Pudding gekocht?“, rief die Naschkatze fast schon verzweifelt ins Wohnzimmer hinein, ohne ihren ungläubigen Blick vom leeren Kühlschrank abzuwenden.


Gerade als Bärbel antworten wollte, unterbrach eine Hupe ihren Gedankengang. Es war kein kurzes, sondern ein langes und ungeduldiges Hupen, welches nur von dem, ungern wartenden, Chirurgen kommen konnte. Besorgt sah die Frau des Professors zu ihrer Enkeltochter. Das konnte unmöglich Gretchens Ernst sein. Und als es kurz darauf noch zweimal lang hupte, sah sie sich gezwungen, etwas dazu zu sagen, „Margarethe, was soll das denn nun werden?“, stiefelte sie geradewegs in die Küche, schloss den Kühlschrank, öffnete den Ofen und fing an, etwas von der Lasagne abzufüllen.


„Was meinst du?“


„Na das mit dem Doktor Meier?“


„Nichts Mama, okay? Er ist einfach nur da und ich dachte, ich bin einfach mal nett und lade ihn zum Essen ein“, versuchte Gretchen sich zu erklären – obwohl sie sich noch nicht einmal selbst erklären konnte, was sie da geritten hatte.


„Was ist mit Sarah, Gretchen? Du bringst das Kind doch völlig durcheinander. Thorben, Doktor Laan und dann auch noch der Meier!“


„Er heißt Doktor Kaan, Mama – nicht Laan . Und was ist denn schon dabei? Marc ist ihr Vater und er hat ein Recht dazu, sie kennenzulernen. Ursprünglich, war er ja auch nur deswegen in Berlin.“


„Kindchen, ich will doch nur nicht, dass er dich wieder verletzt. Diesmal geht es nämlich nicht nur um dich. Allein wie ungeduldig er wieder ist. Er hupt nun schon seit zehn Minuten ununterbrochen. Da lob ich mir wirklich Thorben. Er wäre noch mit reingekommen und hätte dir geholfen, anstatt dich zu hetzen“, wütend sah sie hinaus, „Dieser Mann wird nie die Geduld haben, die er als Vater haben sollte.“


„So lange ist er doch auch gar nicht in Berlin. Wenn Doktor Schrenk wieder da ist, ist er wieder weg und bis dahin, werde ich einfach versuchen das Beste daraus zu machen. Er ist jetzt erst einmal mein direkter Vorgesetzter und da wäre es wirklich unvorteilhaft, wenn wir uns ständig die Köpfe einschlagen würden“, antwortete sie traurig. Sie wusste, dass Marc nie der Mann an ihrer Seite werden würde. Aber er konnte doch ein guter Freund werden. Für sie. Für Sarah. Das sollte ihr niemand streitig machen.


„Is ja auch egal jetzt“, nuschelte sie schließlich, denn Bärbel schien schon wieder sehr große Ohren zu bekommen, „Ich mach nen Schuh. Marc wartet, Sarah muss ins Bett und ich wollte noch ein bisschen mit ihr spielen. Hab sie ja heute nur so kurz gesehen.“


„Darüber reden wir auch noch Margarethe. Es kann doch wirklich..“


„Ja Mama!“, unterbrach sie mit erhobener Hand, „Schluck es runter. Denn falls du es vergessen haben solltest, hat Papa mich gestern Abend, quasi, dazu gezwungen“, und mit einem liebevollen Schmatzer, auf die Wange ihrer verdutzt dreinblickenden Mutter, verabschiedete sie sich und machte sich schnell auf zum Wagen, in dem Marc noch genervter saß als zuvor.



„Schon mal über ne Tagesmutter nachgedacht?“, fragte er, sich halb nach hinten drehend und schon fast vorwurfsvoll.


„Ja entschuldige. Du kennst doch meine Mutter.“


„Deswegen hatte ich dir auch angeboten, ERST zu dir zu fahren und dich dann allein zu deinen Eltern gehen zu lassen.“


Stöhnend ließ Gretchen sich, nachdem sie Sarah angeschnallt und die Taschen sicher verstaut hatte, in den Beifahrersitz plumpsen. Sie lehnte den Kopf an den Sitz und hielt die Augen geschlossen, weswegen ihr Marcs unsicherer Blick nach hinten, zu seiner Tochter, entging.


„Du sag mal Gretchen…“


„Mhm?“, schmatzte sie, denn eigentlich wollte sie die Fahrt, bis zu sich nach Hause, ein kleines bisschen dösen.


„Muss ich mich jetzt eigentlich an die StVo halten?“


„Wohoooohow! Ich bitte dich doch darum“, war sie augenblicklich wieder hellwach, „Ich bin ja damals schon nicht mit deinem Fahrstil klargekommen, ich würde durchdrehen, wenn du fahren würdest wie immer und weil ich dann so aufgewühlt bin, schreit Sarah, weil sie das mitbekommt und dann hast du gleich zwei hysterische….Was grinst du denn jetzt so?“


„Ich habe tatsächlich vergessen, wie viel, wie schnell und mit wie wenig Sauerstoff du quasseln kannst“, grinste er gleich noch einmal etwas breiter und startete den Wagen, sonst würden sie wahrscheinlich nie in ihren Feierabend kommen.


Doch kurze Zeit später, war Marc dann klar: Feierabend, hatten sie noch lange nicht. Kaum dass sie in der Wohnung waren, fing Gretchen an zu rotieren. Erst musste die Tasche ausgeräumt werden, die Sachen ordentlich einsortiert und dann ihre kleine Tochter umgezogen werden. Beim Umziehen allein, blieb es aber nicht. Gretchen wollte sie baden und weil Marc gerade da war und die beiden sich ja auch noch kennenlernen mussten, drückte sie ihm seine Tochter einfach an die Brust.


Völlig überfordert, stand der Chirurg mit einem Baby auf dem Arm, mitten im Raum und sah sich verzweifelt um. Was tat man mit einem Baby? Hier und da standen ein paar Kuscheltiere, in der Ecke lag eine Decke auf dem Boden und Spielzeuge, konnte er keine entdecken. Aber sie würde wahrscheinlich eh nicht verstehen, was er von ihr wollte.


„Äh Marc?“, Gretchen stand ihm Türrahmen angelehnt, bemüht nicht zu lachen und begutachtete die Szene, die sich vor ihren Augen abspielte, „Das da auf deinem Arm, ist ein Baby.. Keine Bombe“, lachte sie dann doch. Denn Marc stand, mit weit von sich ausgetreckten Armen, vollkommen überfordert noch immer mitten im Raum und hielt seine Tochter ganz weit von sich weg. Langsam ging sie auf die beiden zu und legte Sarah schließlich richtig in seine Arme.


Da stand er nun… In seinem hellblauen Hemd, mit der schwarzen Stoffhose, den weißen Lacoste-Schuhen… Die Ärmel bis zu den Ellenbogen hochgekrempelt, mit ihrer Tochter im Arm. Er stand einfach nur da und sah sie an. Gretchen hingegen, wusste nicht was sie zuerst denken sollte. Sie war vollkommen überwältigt. Er war tatsächlich in Berlin, in ihrer Wohnung, hielt seine Tochter auf dem Arm und war noch nicht schreiend weggelaufen.


„Kommst du?“, fragte sie, als das Kribbeln in ihrer Nase immer heftiger wurde, damit sie nicht auch noch anfing zu weinen.


„Wohin?“


„Ins Bad. Sarah baden und dann langsam mal ins Bett bringen. Es ist schon spät“, flötete sie und verschwand.


Er sollte jetzt also seine Tochter baden?


Er?


Er wusste ja noch nicht mal, wie man einen Hund badete. Sie könnte ertrinken oder er würde ihr etwas brechen. Immerhin hatte er nicht so kleine, zarte Hände wie Gretchen. Doch seine Sorgen, waren vollkommen unbegründet. Es war nicht nur einfach, sondern machte auch noch Spaß. Als er ins Badezimmer kam, welches erstaunlich groß war, nahm Gretchen ihm Sarah ab und zog sie aus. Danach bekam er sie wieder in den Arm, um sie in die Babywanne zu halten und eben genau das zu tun, sie zu halten. Gretchen spielte ein wenig mit ihr, roch an drei verschiedenen Babyshampoos und entschied sich dann für das Bübchen Shampoo, welches sie eigentlich immer nahm. Sarah schien richtigen Spaß am Baden zu haben, denn sie gluckste immer wieder fröhlich vor sich hin und gerade als Marc dachte, es wäre doch ganz gut gelaufen, fing sie an zu zappeln und zu strampeln.


Das Wasser spritzte nur so durch die Gegend und weil Gretchen kein Baby im Arm hatte, ergriff sie schnell die Flucht, um das vergessene Handtuch zu holen und überließ Marc einfach seinem Schicksal.


„Mensch, das ist doch nur Wasser“, lachte Gretchen, als sie vor der Wickelkommode stand und Sarah eincremte, wickelte und anzog.


„Mhm. Sehr viel Wasser. Hättest mir ja mal helfen können anstatt wegzurennen. Du wusstest ganz genau, dass das passieren würde“, schmollte Marc weiter, „Wie lange willst du sie eigentlich noch einschmieren? Nachher flutscht sie dir einfach so aus der Hand.“


„Dafür hat sie ja dann gleich einen Schlafanzug an. Damit sie mir nicht aus der Hand rutscht. Außerdem braucht Babyhaut ganz viel Pflege. Hier schau, da sind so kleine Fältchen, da muss ordentlich zwischen gewaschen und eingecremt werden, damit sich da nichts entzündet oder sie wund wird.“


„Gretchen, sie ist WEIß!“


„Ja gut okay. Ich hab zu viel Creme genommen, aber das muss wirklich so gemacht werden.“


„Zeig mal her da“, quetsche Marc sich einfach dazwischen und stand unschlüssig, wo er denn nun anfangen sollte die Creme abzukratzen, vor seiner Tochter.


„Was hast du jetzt vor?“


„Du hast so viel Creme an deinen Händen, so wirst du nie fertig. Geh dich waschen, ich pass auf und schau mal, was davon ich abschaben kann.“




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28.11.2016 11:19
#71 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Sechsundsechzig - Try」




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„Deine Mutter ist doch wirklich unfähig“, maulte er nun schon zum dritten Mal, denn noch immer war Sarah ganz weiß. Dabei hatte er sich schon seine Arme und sein Gesicht eingecremt, mit dem, was zu viel auf dem kleinen Menschen vor ihm war. Müsste er halt auch noch seine Oberarme opfern. Mit seinen wunderschönen grünen Augen, fest seine Tochter fixierend, knöpfte er sein Hemd auf und zog es aus. Nach und nach, cremte er seine Tochter ab und sich ein.


„Joa sieht doch gut aus“, ertönte es fröhlich von der Tür und Marc glaubte seinen Augen kaum. Da stand Hasenzahn, in einem ihrer schrecklichsten Schafanzüge und trocknete sich die lange blonde Mähne.


„Was hast du gemacht?“


„Äh, ich war duschen?!“, antwortete sie ihm und zeigte direkt darauf, mit dem Finger auf seinen nackten Oberkörper, „Und du?“


Wie lange kann man eigentlich Werbung für Buttermilch machen?


„Ich dachte, es wäre vielleicht mal angebracht, wenn sie einen richtigen Mann zu Gesicht bekommt. Das Exemplar, welches sie sonst so zu sehen bekommt, fällt ja wohl eher in die Kategorie Wiesel“, zeigte er ihr einen Vogel, „Während die Prinzessin sich schick gemacht hat, habe ich das Chaos auf Sarah beseitigt. Du kannst mich doch nicht so lange allein lassen!“


„Ist doch nichts passiert, hm... Du, ich wickle sie jetzt noch eben schnell und dann muss ich sie wirklich mal füttern. Sie ist schon eine halbe Stunde drüber.“


Schnell lief sie auf die Wickelkommode zu und als sie zum Stehen kam, berührte ihre Nasenspitze, beinahe, Marcs nackte Brust.


Mhmm... Wie kann man nach einem so anstrengenden Arbeitstag noch so gut riechen?



Hingebungsvoll, schloss sie ihre Augen und bekam so nicht mit, wie Marc an ihren Haaren roch. Dieser blumige Duft, der von ihr ausging, hatte eine ganz besondere Wirkung auf ihn. All die Anspannung, die ihn den ganzen Tag gefangen hielt, all die Stromstöße, die ihn antrieben, fielen mit einem Mal von ihm ab und er wurde ganz ruhig. Dies schien auch Sarah zu bemerken, denn ihr Strampeln stellte sich langsam ein und sie begann, ruhig und unverständlich vor sich hinzubrabbeln. Vorsichtig sah Gretchen zu ihrem Vorgesetzten auf und ihre Pupillen weiteten sich, als sie sah, wie er sie mit festem Blick fixierte. So hatte er sie das letzte Mal angesehen, eine Woche bevor er gegangen war…




Flashback



Eigentlich hätten sie um punkt halb neun die Klinik verlassen und zum Essen, zu ihren Eltern fahren können – doch wie es sich nun einmal in ihrem Beruf verhielt, kam kurz vor Dienstschluss ein Notfall rein. Akuter Milzriss nach einem schweren Auffahrunfall. Das Chirurgenpaar, welches sich bereits schon aus den Kitteln geworfen hatte, eilte in Richtung der OP-Räume, um sich auf die bevorstehende Not-OP vorzubereiten. Schnellstmöglich wurde der Kasack übergeworfen und während sie sich steril wuschen, sah Marc durch den Spiegel die Enttäuschung im Blick seiner Freundin.


„Fahren wir nachher eben essen und dafür morgen zu deinen Eltern“, nahm er sie, ungeachtet darauf, sich gleich noch einmal umziehen und waschen zu müssen, in den Arm, „Schau nicht wie so ein angeschossenes Reh – okay?“


Mit zusammengepressten Lippen, lächelte sie ihn an und nickte zustimmend. Er hatte ja recht, so war es eben als Arzt. Man konnte meist nie pünktlich in den Feierabend oder die Tage strukturiert durchplanen. Menschen verletzten sich jede Sekunde und brauchten ihre Hilfe – dafür hatte sie schließlich diesen Weg gewählt.


Und nach einer mehrstündigen OP, die ihnen die letzten, noch vorhandenen, Kraftreserven gekostet hatte, schlenderten sie an der ein oder anderen Boutique vorbei. Marc hatte vor ihrem Stammlokal keinen Parkplatz mehr bekommen und musste einige Meter abwärts parkieren. Was aber weder Gretchen, noch ihn zu stören schien. Die kühle Luft tat ihnen gut. Schweigend, liefen sie Arm in Arm – doch als Gretchen an der Hochzeitsboutique vorbeilief und über die Schulter zurückblickte, blieb Marc abrupt stehen. Er folgte ihrem Blick, stockte und sah dann langsam hinab auf seine Freundin. Die gar nicht wusste, wie ihr geschah. Er sah sie so durchdringend an wie noch nie und es kam ihr vor, als würde er durch ihre Augen, mitten in ihre Seele schauen und sie lesen, wie ein offenes Buch…



Flashback Ende



Heute, wie auch schon damals, fühlte sie sich ihm ausgeliefert.


„Ja“, unterbrach sie urplötzlich den Blickkontakt, weil sie unter keinen Umständen wollte, dass er auch nur erahnen könne, woran sie soeben gedacht hatte, „Ich muss... Müsste dann jetzt wirklich mal…“


Marc setzte ein gekünsteltes Lächeln auf, als Gretchen zu ihrer gemeinsamen Tochter zeigte und machte ihr Platz. Interessiert lehnte er sich in den Türrahmen und beobachtete fasziniert, was seine Ex-Freundin tat. Wie sie den kleinen Menschen vor ihr, liebevoll anlächelte und sanft berührte. Jeder Handgriff saß routiniert und sie griff nach den benötigten Utensilien, ohne auch nur einmal den Blick von ihrer Tochter abzuwenden.


Wenn er nur ahnen könnte, wie es in ihr aussah. Dort war sie alles andere als reserviert. Sie war bis in die Zehenspitzen aufgewühlt. Marc hatte nämlich noch keinen Gedanken daran verschwendet, sich sein Hemd wieder anzuziehen. Was sie, durch die lange Abwesenheit von Thorben und den Gedanken an ihre Nacht in München, verwirrte.


Warum kann er sich nicht einfach in Luft auflösen? Er weiß doch genau, welche Wirkung er auf Frauen hat.


Mit leicht zittrigen Händen, knöpfte sie Sarahs Schlafanzug zu, nahm sie auf den Arm und setzte sich zum Stillen in ihren Schaukelstuhl – der direkt neben dem Babybett stand. Sarah legte sie in ihren linken Arm, knöpfte sich das Hemd ihres Schlafanzuges oberhalb auf, holte ihre Brust heraus und Marc bekam ganz große Augen.


„Äh, was machst du da?“, verwirrt sah er von ihrem Gesicht auf ihre Brust und wieder zurück.


„Ich stille unsere Tochter, was denkst du denn?“


„Ah... Ja... Ich... Ich warte dann mal im... Wohnzimmer“, schleunigst machte er sich aus dem Staub und zog sich auf dem Weg zum Wohnzimmer auch wieder sein Hemd an. Er konnte ja wirklich viel verkraften, wenn ihm jedoch der Mount Everest auf dem Präsentierteller serviert wurde, konnte er für nichts garantieren.


Also suchte er doch lieber das Weite, wobei er jetzt auch nicht nein sagen würde, wenn man ihn fragen würde, ob er mit Sarah tauschen wollen würde.


So war es aber auch nicht schlecht, denn er kam in den Genuss, sich mal in Ruhe ein bisschen umzusehen. Der Chirurg war ja schon erstaunt, als er den ersten Fuß in die Wohnung gesetzt hatte. Ein sehr großer Teil von ihm hatte fest damit gerechnet, in einem Alptraum aus rosa und pink zu landen. Doch Gretchen setzte mit ihrer Lieblingsfarbe nur ein paar Akzente. Hier und da ein Platz- oder Tischdeckchen, eine Kerze und natürlich ihre altrosa Kuscheldecke nicht zu vergessen – die sie so sehr liebte. Ihn interessierte es brennend, ob sie, wo sie doch noch immer diese Decke besaß, auch noch im Besitz ihres Pferdekopfnachttisches war.


Die Türklinke schon in der Hand, bereit das Rätsel der verschlossenen Tür und um das Geheimnis dahinter zu lüften, hielt er inne. Er würde ihr Schlafzimmer sicher noch früh genug zu Gesicht bekommen. Hier und da vielleicht ein dummer Spruch oder eine kleine Berührung. Irgendwas, würde ihm schon einfallen.


„So. Sarah schläft jetzt“, sich streckend kam Gretchen, bewaffnet mit dem Babyphone und der dreckigen Wäsche, aus dem Kinderzimmer, lief direkt durch ins Bad und begann mit ihrem allabendlichen Putzprogramm, „Mach es dir gemütlich. Ich räume schnell hier auf und dann mache ich die Lasagne warm.“


Beim Aufräumen der Nasszelle, sollte es jedoch nicht bleiben. Direkt darauf, lief sie schnurstracks in die Küche, füllte das Essen auf die Teller, stellte diese in die Mikrowelle und verfrachtete die Tupperdosen und das herumstehende Geschirr, in die Spülmaschine. Während die Teller in der Mikrowelle fröhlich ihre Runden drehten und Gretchen sich eigentlich kurz hätte entspannen können, lief sie mit einem feuchten Lappen durch die Wohnung und wischte Tische und Ablagen ab. Als sie sich jedoch den Besen aus der Kammer holte, ergriff Marc das Wort, „Hasenzahn! Jetzt mach doch mal halblang!“


„Marc, lass den Besenstiel los. Ich muss heute Abend noch fertig werden, wenn ich morgen pünktlich auf Station sein will.“


Mit einem Ruck, riss sie ihm den Stiel aus der Hand und fing an, die Küche auszufegen. Das sie ihm aber auch immer widersprechen musste. Einige Dinge, würden sich wohl nie ändern. So auch nicht Doktor Meier, der sie, ohne Rücksicht auf Verluste, an der Schulter zu sich umdrehte, ihren Kopf zwischen seine Hände nahm und sie wütend ansah.


„Wenn du mal ne Sekunde zuhören würdest, wüsstest du jetzt, dass du morgen frei hast und dein Vater und ich, einen Termin bei deiner Vogelnestfrisurkacke gemacht haben.“


„Bitte was?“, hauchte sie ihm zu und verstand wirklich nicht, was das nun wieder sollte. Sie hatte sich fest darauf eingestellt, morgen zur Arbeit erscheinen zu müssen.


„Du hast jetzt Feierabend, isst noch was und dann bewegst du dich mit deinem Hintern ins Bett. Du bist müde“, musterte er sie leicht besorgt, „Außerdem kann Super-Thorben ja auch mal ein bisschen was machen.“


„Marc, er geht arbeiten!!!“


„Ach und du nicht oder was? Du schiebst nicht alle zwei Tage deine Schichten und hast Haushalt und Kind?“, er musste sich wirklich anstrengen, nicht laut zu werden, „Der lässt dich hier allein mit dem Mist und du stehst für ihn ein?“


„Was geht dich dass überhaupt an? Du hast gar kein Recht dazu, ihm hier was zu unterstellen – im Grunde, bist du doch nicht anders!“


Im Grunde, war er das nicht – nein!


Er würde ebenso arbeiten gehen, mehr arbeiten gehen wie sie… Aber er würde sie nicht so im Stich lassen, wie es ihr blonder Schönling tat. Marc war sich ziemlich sicher, dass er ihr zumindest eine Haushaltshilfe bezahlen würde, damit sie auch mal Luft holen konnte. Was er an diesem einen Wochenende gesehen hatte, war, wie sie dauerhaft in Bewegung war. Sie machte kaum Pausen, innerlich schien sie gar nicht richtig zur Ruhe zu kommen – weswegen er den Professor auch gebeten hatte, ihr diesen einen Urlaubstag zu gewähren. Aber wenn sie sich so oder so schon ein Bild gemacht hatte, würde er einen Teufel tun, sie eines Besseren zu belehren.


Mit festem Blick auf seine Ex-Freundin und zusammengepresstem Kiefer, griff er, in einer flüssigen, wenn auch sehr hektischen Bewegung, nach seiner Jacke und ging ohne ein weiteres Wort zu sagen.

Typisch! Gut, hab ich eben mehr zu Essen für mich…





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Choconussa Offline

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02.12.2016 09:45
#72 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Siebenundsechzig – Daddy Cool」




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„Also ich fänd ja Schmetterlinge schön“, lächelte Gretchen sich verträumt im Spiegel an und brachte damit ihre beste Freundin, beinahe an den Rand der Verzweiflung, „Oh nee Gretchen, echt nicht!“


„Wieso denn nicht?“


„Na, erst Libellen, dann irgendwas mit Marienkäfern und jetzt Schmetterlinge? Wolltest du ne Blumenwiese aufmachen?! Nimm doch was weniger Auffallendes“, erklärte Melanie der Blondine ruhig – denn sie befanden sich nun schon seit drei Stunden in dem stickigen Friseursalon.


Leider war die Friseurin ebenso begeistert wie Gretchen und kam sogleich mit einem neuen Rollwagen, auf dem die verschiedensten Spangen und Haarbänder lagen, in den geräumigen Salon getippelt, „Aber erst schauen wir uns die Schmetterlinge an Frau Haase – oder soll ich Sie schon einmal Martens nennen, damit Sie sich daran gewöhnen?“


Während sie ihre Worte aussprach, gepaart mit einem gar mädchenhaften Lachen, platzierte sie die Blondine wieder auf ihrem Friseurstuhl und führte auch gleich ihre Arbeit fort – während sich Melanie liebend gern übergeben hätte. Der Name „Frau Doktor Margarethe Martens“, hörte sich in ihrem Kopf so falsch an, dass sie es sich nicht nehmen konnte, eine gehässige Bemerkung fallen zu lassen, nachdem die Friseuse fröhlich meinte, Gretchen würde eine wundervolle Braut abgeben, „Vorausgesetzt, der Bräutigam erscheint auch!“


„Na das hätte auch von Marc kommen können“, schmollte die Chirurgin und warf einen kurzen Blick auf die Uhr, „Ach, könntest du mir mein Handy kurz aus der Tasche geben? Meine Mutter wollte sich zwischendurch mal melden…“


Auf ihrem Handy fand sie jedoch keinen Anruf ihrer Mutter, sondern nur eine SMS, die, wie sie nach dem Öffnen der Nachricht wusste, auch nicht von Bärbel war:



RUF AN!!! Zügig!!! Marc.



Was er wohl wieder hat? Doch noch meine Schicht getauscht und vergessen anzurufen? Oder Sabine hat wieder geträumt und nicht getan, was er von ihr wollte…


Routiniert, tippte sie die Nummer seines Büros auf dem Display ihres Smartphones ein und als am anderen Ende der Leitung abgenommen wurde, musste sie das Handy ein Stück vom Ohr weghalten, die Friseurin erschrak und Melanie konnte nur mit dem Kopf schütteln. Denn die weniger freundliche Begrüßung, des stinkigen Chirurgen, war ein sehr lautes, „DU BEWEGST SOFORT DEINEN ARSCH HIER HER!“


„Äh Marc, ich kann hier jetzt grad nicht weg und in zwei Stunden muss ich Sarah bei meiner Mutter abholen.“


„Wo wir dann gleich auch schon beim Thema wären. Du musst sie nicht abholen. Deine Mutter kam hier vor einer Stunde rein, hat mir Sarah auf den Schreibtisch gestellt und mir nen schönen Tag gewünscht. Genau deswegen, bewegst du jetzt auch sofort deinen überaus reizenden Hintern her!!!“


„Wie? Sarah ist bei dir?“


„Ja sie ist hier bei mir und nur sie. Deine Mutter hat nichts hier gelassen“, maulte er leise und drehte sich, zu dem kleinen Menschen im Maxi-Cosi, welches auf dem Boden stand, um, der ihn mit ganz großen Augen beobachtete, „Keine Windeln, nichts zu essen – was soll ich nun also deiner Meinung nach machen, hm?!“


„Bring sie halt her. Ich kann hier nicht weg – wegen den Haaren und Marc?“


„Hm?“


„Fahr bitte vorsichtig“, resigniert legte sie auf, sah in den Spiegel und konnte einfach nicht glauben, wo sie dort nun schon wieder hineingeraten war. Manchmal war es doch wirklich zum Haare raufen und ihre Frau Mama, konnte sich ordentlich was anhören, wenn sie sie das nächste Mal sah.


Sie konnte doch nicht einfach so, Sarah weggeben und gehen. Gretchen war so sehr damit beschäftigt, sich innerlich über Bärbel aufzuregen, dass sie gar nicht mitbekam, wie schnell die Zeit verflog. Denn keine fünfzehn Minuten später, stand Doktor Meier mit dem Maxi-Cosi in der Hand, im Salon und die Friseurin wünschte sich kurz nach seinem Erscheinen, neue Kunden.



„Aaaaah, da ist ja der glückliche Bräutigam“, freute sie sich, als sie Marc sah und felsenfest davon ausging, er wäre derjenige, der Gretchen bald zur Frau nehmen würde und machte sich sogleich unbeliebt, „Ich weiß ja nicht, was Sie außer Haarspray noch so schnüffeln, aber ich bin garantiert nicht so verrückt, die Frau zu heiraten!“


Wobei er sich auch gar nicht so sicher war, ob dass vor ihm noch Hasenzahn war. Sie hatte die Haare kompliziert hochgesteckt und überall hingen kleine Strähnen ihrer lockigen Haarpracht heraus, „Sag mal – hast du in nem Toaster geschlafen?“


„Nein Marc und bevor du hier irgendwelche Sprüche reißt, gib mir lieber Sarah damit ich sie stillen kann.“


Konfus sah die Friseurin dabei zu, wie Marc Sarah zuerst liebevoll und vorsichtig aus ihrer Sitzgelegenheit hob, um sie dann mit ebenso viel Fürsorge, in die Arme ihrer Mutter zu legen, „Aber Sie können hier doch jetzt nicht das Kind stillen – die Haare sind doch noch gar nicht fertig.“


„Das tut mir auch furchtbar leid, ich muss sie jetzt aber wirklich mal füttern, weil ich nicht weiß, wann sie das letzte Mal etwas gegessen hat. Geht auch ganz schnell und…“


„Und wenn Sie ihr die Haare unbedingt hochstecken wollen“, unterbrach Marc, „können Sie ihr die Haare auch gleich schwarz färben – trägt man jetzt so, auf Trauerfeiern!“


Seine Schwester konnte sich ein belustigtes Aufschnauben einfach nicht verkneifen. Gretchen hingegen, fand das alles mal so gar nicht witzig.


„Mensch Marc, ich will halt, dass man das Kleid ordentlich sieht. Außerdem ist das ja wohl nicht unsere Hochzeit!“


„Gott sei Dank!“


„Was soll das denn jetzt bitte heißen?“, empörte sie sich und drehte den Kopf so ruckartig zu ihm herüber, dass sich eine Spange löste – sehr zum Ärger der Friseurin, die sich sehr viel Mühe gegeben hatte, bei ihrer Arbeit.


„Mal ganz abgesehen davon, dass ich mir deine nervtötende Art nicht mal einen Tag antun könnte – ich wäre auch keine drei Tage später arm.“


„Ach – gibst du also zu, dass Thorben besser verdient als du – ja?“


Marc wollte ihr gerade gehässig antworten, da rutschte Gretchen der Schnuller von Sarah aus der Hand und landete auf dem Boden.


„Mist! Jetzt muss der abgekocht werden“, verzweifelt sah sie zu der Friseuse auf, „Sie haben nicht zufällig eine Küche hinten oder?“


„Abkochen?! Du spinnst wohl! Meine Tochter bekommt nichts in den Mund, was schon einmal auf dem Boden lag!“


„Dann ist das gar nicht das Kind von Herrn Martens?“, wunderte sich die Friseuse – immerhin hatten Thorben und Gretchen sich am Telefon als Familie vorgestellt.


Marc fand es absolut unpassend, diesen Vergleich zu ziehen und wurde sogleich wieder unfreundlich, „Sagen Sie, haben Sie Tomaten auf den Augen? Sieht dieses Kind etwa aus, wie aus dem Container gekrochen?“, er legte eine kleine Pause ein, sah zu Gretchen und, „Obwohl, wenn ich es mir recht überlege!“


Und obwohl sie sich eigentlich freute, ihren Bruder endlich in Berlin zu wissen und sie sich ziemlich sicher war, dass sehr viele Sticheleien folgen würden, konnte Melanie ihren großen Bruder nur geschockt ansehen.


„Arsch... Was hast du Schlaumeier denn jetzt vor, hm? Sarah braucht den Schnuller noch zum Einschlafen…“


Zwinkernd, zückte er seine Geldbörse, drückte der Friseuse einen Hunderteuroschein in die Hand und bat sie, weil er wenig Ahnung davon hatte, in der Drogerie gegenüber, neue Schnuller zu kaufen. Immerhin würde Gretchen mit dem Vogelnest auf dem Kopf, wohl nicht weit kommen ohne die Tauben wie Magnete anzuziehen. Auf die Proteste, dass sie wohl nicht mit dem Schein, ein Paket Schnuller holen würde, ging der Chirurg gar nicht erst ein. Solle sie doch gleich welche auf Vorrat kaufen. Wer wusste schon, wann der nächste seinen Weg auf den Boden finden würde.


„Kaufen Sie gleich auf Vorrat“, meinte er, „Dann kann sie die Teile, die im Übrigen schlecht für die Zähne sind…“


„Ich bitte dich Marc. Welche Zähne denn? Sie hat doch noch gar keine.“


„Wenn Sie dann jetzt die Güte hätten, Frau Hinze“, wandte er sich erneut an seinen neuen Lakaien, „Wir wollen doch nicht, dass Sarahs Grobmotorik die schöne Frisur ruiniert.“


Dem Charme, konnte sie einfach nicht widerstehen. Anscheinend wusste dieser Mann ganz genau, wie er die Frauen um den Finger wickeln konnte und nutzte dieses Wissen, schamlos aus. Verständnislos, sah Frau Doktor Meier dabei zu, wie Frau Hinze, verliebt lächelnd, den Laden verließ. Zum einen, verstand sie nicht, warum diese Frau jemandem, den sie gar nicht kannte und der so unfreundlich zu ihr gewesen war, einen Gefallen tat. Zum anderen, war sie enttäuscht, dass er nicht sie gefragt hatte. Kurz angebunden, entschuldigte sie sich bei Marc und Gretchen und ging dann schleunigst nach draußen, um ihren Freund anzurufen.


„Grobmotorik?“, fragte Gretchen verständnislos, als sie allein waren.


„Ja. Babys und Kleinkinder sind Grobmotoriker. Es sei denn, sie wollen an Haaren ziehen oder in Nasen und Augen pieken. Da arbeiten die kleinen Scheißer so präzise wie Herzchirurgen.“


„Mhm“, grinste sie ihn frech an, „weil du von der Herzchirurgie genauso viel verstehst wie…“


„Du von erfolgreichen Diäten“, unterbrach er sie zügig und nahm ihr Sarah, für das Bäuerchen, ab, „Und jetzt tu uns allen den Gefallen und mach die scheiß Spangen raus. Du kannst mit Haarnadeln das gröbste beiseite stecken und die Haare trotzdem offen tragen.“


„Und das weißt du jetzt wieder woher?“


„Google“, wies er mit einer kurzen Kopfbewegung auf das rosa Iphone, welches noch immer vor ihr auf der Ablage lag, „Melanie kann dir das machen. Sie ist geschickt in sowas. Marina hat sie auch die Haare geschnitten und gefärbt. Wobei rot, wirklich nicht ihre Farbe war.“


„Ach, meinst du die, mit der du in der Kiste warst?“, fragte sie schnippisch und weil sie ihn nicht ansah, damit er die Tränen in ihren Augen nicht sehen konnte, verpasste sie den Moment, indem ihm sämtliche Gesichtszüge entglitten, „Und warum wollte sie die Farbe dann haben?“


„Ich weiß zwar nicht, woher du DAS schon wieder weißt – aber wahrscheinlich weil sie den Porno auf meinem Computer gesehen hat“, zuckte er mit den Schultern und brachte so seine, weniger begeisterte, Ex-Freundin zum Schweigen.



Warum muss ich auch immer nachfragen?




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Choconussa Offline

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02.12.2016 09:52
#73 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Achtundsechzig – Radioactiv」




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Tausend Entschuldigungen von Gretchen und einer klaren Ansage von Marc später, saßen die drei in dem warmen Wageninneren. Doktor Meier, war der festen Überzeugung, offene Haare würden ihr nicht nur besser stehen – es wäre auch um einiges billiger. Mit letzterem Argument, konnte er sie schließlich überzeugen und sie entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten, bei der äußerst gereizten Frau Hinze.


Der ungeschlagene Sprücheklopfer hatte Gretchen dazu verdonnert, bei ihm und nicht bei seiner Schwester mitzufahren, denn er musste, so wie die beiden Frauen auch, noch einmal in die Klinik. Melanie hatte Schicht, er wollte im Büro noch ein oder zwei Sachen erledigen und Gretchen wollte unbedingt noch einmal in die Pädiatrie, um die U-Untersuchung hinter sich zu bringen, damit sie diese nicht auch noch in den ersten Weihnachtswochen machen lassen musste.


Wie sie nämlich schockiert feststellen musste, stand der erste Advent bereits vor der Tür und sie hatte weder die Kisten mit der Deko aus dem Keller geholt, noch war sie sonst sonderlich darauf vorbereitet. Praktisch war sie darauf genauso wenig vorbereitet, wie auf Marcs Erscheinen in Berlin und doch beschäftigte sie, eine ganz andere Angelegenheit, viel mehr.


Schon im Friseursalon hatte sie unterschwellig bemerkt, dass zwischen Marc und Melanie etwas vorgefallen gewesen sein musste und nach einem besorgten Blick nach hinten, zum roten Opel Corsa, indem Melanie ihnen hinterherfuhr, beschloss sie, die beiden einfach darauf anzusprechen, wenn sie an der Klinik angekommen waren.


Aber schon als sie ausstiegen und Marc genervt aufstöhnte, als er Mehdi sah, schwante der Blondine bereits, wo der Hund begraben lag. Fragen, kostete allerdings nichts und so wagte sie sich, ihn einfach zu fragen, „Du, was ist denn los mit euch?“


„Mit wem?“


„Na mit Melanie und dir? Außerdem warst du schon lange nicht mehr so genervt, wenn Mehdi in der Nähe war.“


„Gar nichts“, knurrte Marc und sah sauer zu seinem besten Freund – der gerade angeregt mit seiner Schwester tuschelte, denn dieses Bild wollte er, um alles in der Welt, schnell wieder loswerden.



Flashback


Nachdem er Sabine eingewiesen und ihr mehr als deutlich zu verstehen gegeben hatte, seiner Schwester nicht zu sagen, dass er in Berlin war, wollte er einen Abstecher zur Gyn machen – wo sein bester Freund hoffentlich keine Patientin im Büro hatte. Immerhin hielt Marc sehr wenig davon, bevor er einen Raum betrat, auch zu klopfen. So war es in der Vergangenheit auch mehr als einmal vorgekommen, dass er Mehdi mitten in einer Untersuchung, mit dem Kopf zwischen den Beinen einer Frau, vorgefunden hatte und rausgeschmissen wurde.


Und auch heute, hatte der Chirurg sich fest vorgenommen, nicht zu klopfen. Es sollte so sein wie immer und was wäre da besser, als einfach hereinzuplatzen, wo doch Mehdi sicherlich nicht damit rechnen würde? Mit einem gehässigen Grinsen auf den Lippen, öffnete er die Tür und sah zu seiner Verwunderung nicht Mehdi, wie er einen Schokoriegel inhalierte, sondern eine äußerst ansprechende Rückansicht einer Frau. Ohne auf sich aufmerksam zu machen, beobachtete er die Szenerie, die sich vor ihm abspielte.


Die Brünette, räkelte sich auf dem Schoße des Gynäkologen und seufzte immer wieder leise auf, während der Halbperser sie an der Taille hielt und erregt ausschnaubte.


Da hatte sein bester Freund Sex in seinem Büro und vergaß abzuschließen. Na das sah ihm ähnlich, dachte sich der belustigte Oberarzt und wollte gerade wieder gehen, als er mit dem Fuß gegen den Mülleimer stieß, der neben der Tür stand und was dann geschah, hätte sich keiner, der im Raum stehenden, gewünscht. Denn kurz bevor er den Mülleimer als Fußball missbraucht hatte, hörte er ein erotisch gestöhntes „Oh Gott Mehdi“ und dieses Stöhnen, hörte sich verdächtig nach seiner kleinen Schwester an.


Geschockt, drehte er sich um und sah in die entsetzten Gesichter von Frau Doktor Meier und Herr Doktor Kaan.


„Marc!“, stieß die Kinderchirurgin überrascht aus, hielt sich die Arme vor ihre entblößte Brust und sah dann überfordert zu ihrem Freund, der die Katastrophe schon vor seinem inneren Auge sah.


Doktor Meier stand, in einer zeitweiligen Schockstarre, im Türrahmen und rührte sich keinen Millimeter. Das Einzige was sich veränderte, war der Ausdruck auf seinem Gesicht und der deutete an: AMEISENBLICK. Immerhin hatte er ihn hier gerade beim Schäferstündchen mit seiner Schwester erwischt, die sich bereits wieder in ihre Klamotten warf, damit ihr Bruder sie nicht noch länger nackt sehen musste. Dieser, konnte noch immer nicht glauben, was er da gerade eben erlebt hatte und vielleicht hätte er auch weiterhin geschwiegen, wenn nicht Mehdi das Wort ergriffen hätte.


„Marc, ich weiß, dass ist jetzt sicherlich ein Schock und so war das auch gar nicht gedacht.. Also, dass du so davon erfährst, aber ich kann dir versichern, dass ich deine Schwester von Herzen liebe und ihr niema…“


„BITTE?“, brüllte Doktor Meier gleich drauf los, „Das ich wann, was erfahre? Das ihr hier fröhlich vor euch hervögelt? DU, als mein bester Freund, mit MEINER SCHWESTER??? Sag mal, HACKTS?“


„Ich weiß, dass du jetzt sauer bist Marc, aber beruhige dich bitte“, war die eher ungünstige Aussage der kleinen Schwester, die ihn nur noch mehr auf die Palme brachte.


„Ich soll mich BERUHIGEN? Was erlaubst du dir eigentlich? Du sagst mir nichts davon! Kein Wort! Leckt mich, alle beide!!!“


Wütend, rauschte er hinaus und nach einem kurzen Blickwechsel, eilten die Frischverliebten hinterher. Sie wollten die Sache auf gar keinen Fall so stehen lassen.


„Jetzt hör uns doch mal zu“, jammerte Melanie schon fast, immerhin war es wirklich nicht geplant gewesen, dass Marc so davon erfuhr – wenn sie seine Reaktion überdachte, wäre es vielleicht besser gewesen, er hätte nie davon erfahren.


„Nein Melanie! Du hattest oft genug die Gelegenheit, mir davon zu erzählen. Wie oft haben wir uns gesprochen? Nie ist in der Richtung auch nur EIN Ton gefallen. Zudem, hättest du es wirklich besser treffen können“, noch immer war er mit dem Ameisenblick bewaffnet – mit dem er Mehdi nun bedachte, „Und DU.. MEINE SCHWESTER?! Hättest ja wenigstens mal fragen können, ob ich was dagegen habe!“


„Fragen? Sag mal, spinnst du Marc?“, echauffierte sich Melanie, „Ich bin ja wohl alt genug, um so etwas selbst entscheiden zu können.“


„Es hat sich halt so entwickelt. Als sie damals hier war – ich war sofort hin und weg.“


„Mo-ment“, Marc lief mit erhobenem Finger auf seinen besten Freund zu, wobei der Status, gerade frei zu werden schien, „Wie lange geht das denn schon?!“


„Ähm…..“


Flashback Ende



Belustigt, folgte Gretchen seinem Blick und legte lächelnd den Kopf schief, als sie sah, wie Mehdi seine Herzdame einmal an sich drückte und sie auch sogleich einen Kuss auf die Wange geschmatzt bekam.


„Da haben sich wirklich zwei gesucht und gefunden. Das ist wahre Liebe. War aber irgendwie auch von Anfang an klar. Obwohl man ja gar nicht wusste, wie das weiter geht, wenn sie erst mal wieder in München war. Zum Glück haben wir..“


„Halt mal die Luft an“, wurde sie scharf unterbrochen, „Habe ich das richtig verstanden, du wusstest davon? Die ganze Zeit?“


„Äh ja?! Ich bin ja nicht blind.“


„WARUM SAGST DU MIR NICHTS?!“, wurde er laut und sein Brüllen, weckte nicht nur Sarah, sondern rief auch Melanie und Mehdi auf den Plan.


„Weil ich dachte, ich halte mich da einfach raus?“


„Du? Die Frau, für die das Einmischen erfunden wurde? Du wolltest dich raushalten? Na DAS ist auch mal ne Neuigkeit! Mensch Gretchen, sowas musst du mir doch sagen!“


„Äh ja und warum jetzt genau? Also nur damit ich deinen Gedankengang auch verstehen kann… Die beiden sind erwachsen Marc. Ich weiß, es ist bestimmt nicht leicht. Er ist dein bester Freund, sie ist deine Schwester – aber Mehdi ist ja wohl um Längen BESSER, wie dieser Schmierlappen von Sebastian!“, inzwischen stand sie direkt vor ihm und er sah sie konfus an, weil er sich bei dem Duft, wirklich nicht konzentrieren konnte, „Und jetzt wäre ich dir sehr verbunden, wenn du aufhören würdest, hier zu meckern! Weihnachten steht vor der Tür und da wollen wir doch wohl alle friedlich und harmonisch zusammen sein, oder?“


Mit entschlossenem Blick, drehte sie sich auch zu Mehdi und Melanie um, die wieder einmal überaus belustigt darüber waren, wie handzahm Marc werden konnte, wenn er mal so richtig Konter bekam. Die beiden schafften es, ihr fröhlich zuzunicken, während Marc noch immer ganz verwirrt war – doch dazu blieb ihm keine Zeit, denn Gretchen zog ihn am Ärmel einfach in Richtung Klinik Eingang, „Und wir gehen jetzt zu Doktor Koch! Ich will am Sonntag mit Sarah auf den Weihnachtsmarkt und da wüsste ich schon gerne, ob alles okay ist!“




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Choconussa Offline

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04.12.2016 16:08
#74 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Neunundsechzig - Let it snow」




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„Also ich wäre ja dafür, dass wir uns ein bisschen aufwärmen gehen“, bibberte die Chirurgin vor sich hin und erhellte somit, die doch leicht verstimmt wirkende Mimik ihrer männlichen Begleitung.


„Glühwein klingt hervorragend“, sagte eben diese Begleitung und schnappte sich, ehe Gretchen es sich noch einmal anders überlegen konnte, den Kinderwagen.


Völlig verdutzt, blieb sie zunächst an Ort und Stelle stehen, denn in der letzten halben Stunde, war dieser Mann eher weniger produktiv, um nicht zu sagen, zum Einschlafen gewesen.


„Ja kommst du jetzt vielleicht mal?“, pfiff Marc ihr zu, als wäre sie ein Hund. Doch hier und heute, wollte sie sich nicht aufregen. Das hatte sie in den letzten Tagen, genauer gesagt, seit dem letzten Anruf ihres Verlobten, mehr als genug getan. Der hatte nämlich seine Geschäftsreise kurzerhand verlängert, weil er da an was ganz Großem dran sei und im nächsten Atemzug hatte er ihr versprochen, bis zum Heiligen Abend, in zwei Wochen, wieder in Berlin zu sein.


Sie hatte sich in den letzten Tagen, so sehr über seine ignorante Art echauffiert, dass Marc sich, freiwillig, als Begleitung angeboten hatte. Und so kam es, dass er am frühen Morgen mit einem ausgiebigen Frühstück bei ihr vor der Tür stand und ihr mitteilte, dass sie beide frei hatten, um sich einen schönen Tag auf dem hell erleuchteten Berliner Weihnachtsmarkt zu machen.


Ganz entgegen seiner Gewohnheiten, hatte er, bisher, weder geknurrt – noch groß gemeckert und dafür war Gretchen ihm sehr dankbar. Seit Stunden schlenderten sie über den Weihnachtsmarkt, der dieses Jahr, eine ganz besondere Ausstrahlung hatte.


Der Himmel war klar und über ihren Köpfen, funkelten Abermillionen von Sternen am Firmament. Diese, die vielen Laternen und Lichterketten, ließen den Schnee, der am Nachmittag vollkommen überraschend gefallen war, auf den Dächern der Holzhütten glitzern. Und auch auf dem hell erleuchteten Weihnachtsbaum, thronten viele kleine Schneehäubchen.


Aus dem ein oder anderen Stand wehten herrliche Düfte, von Zimt, Orangen und den verschiedensten Leckereien, zu ihnen herüber und die angestimmten Weihnachtslieder, taten ihr Übriges, um diese wohlige Atmosphäre zu perfektionieren.


In Gretchen flammte regelrecht die Weihnachtsstimmung auf, die Kälte setzte ihr fast gar nicht zu und dass sie, hier und heute, nicht allein mit ihrer Tochter war, war für sie wie die Kirsche auf ihrem Eisbecher – oder eben der Keks, zum Kakao.


Voller Vorfreude, hatte sie die Getränke bestellt und während sie wartete, beobachtete sie Marc, wie er Sarah bespaßte. Die jedoch fand die vielen Menschen und die vielen bunten Lichter, viel interessanter als ihren Papa – der sich, vorbildlich, zum Clown machte. Doch die kleine Sarah-Marie, strampelte fröhlich vor sich hin und bestaunte, mit großen, leuchtenden Kulleraugen, den tanzenden Elch am Stand gegenüber, der zudem auch noch das Singen begann.


Auch wenn sie es sich selbst nicht gerne eingestand, war sie unfassbar froh, dass Marc in Berlin war. Entgegen aller Erwartungen, war er ihr eine große Hilfe. Selbst wenn er des Öfteren, völlig unbeholfen war.


„Ähm, zwei Tassen Kakao? Du warst ja schon immer komisch was den Schokoladenkonsum angeht, aber das, nimmt neue Ausmaße an“, staunte er, als sie, bewaffnet mit drei Tassen, zu ihnen an den Tisch kam.


„Wirklich lustig Doktor Meier“, griente sie ihn an und erntete ein belustigtes Augenzwinkern, „Eine davon ist für Sarah.“


„Äh, aber ganz sicher nicht die ganze Tasse und unter Garantie nicht mit dem Sahneberg.“


„Man kann sich auch anstellen. Kakao hat noch keinem Kind geschadet.“


„Mhm, das sehe ich“, betrachtete er sie zunächst skeptisch, „Ihr Magen kann das noch gar nicht richtig verdauen.“


„Bist du jetzt Chirurg, Kinderarzt oder Vater?“


„In erster Linie – Vater“, sagte er zu ihrer Überraschung, nahm ihr die Tasse aus der Hand und begann die Sahne aus dieser, auf Gretchens Tasse zu schaufeln, „Und meine Tochter wird nicht, als dickes, bebrilltes Zanhspangenmonster, den Schulhof in Angst und Schrecken versetzen.“


Darauf konnte sie nur augenverdrehend ein kurzes, „Charmant“, herauspressen. Wie er es doch immer fertig brachte, mit ein paar Worten, ihre gute Laune wegzuwischen, wie einen Fleck auf ihrem wunderschönen Laminatboden.


„Schau nicht so bedröppelt“, hauchte Marc ihr ins Ohr, schob ihr die entwendete Tasse vor die Nase und mit einem kurzen Fingerzeig auf Sarah, sagte er streng, „Nur die halbe. Wenigstens hast du daran gedacht, lauwarm für die Prinzessin zu bestellen.“


Ohne sie zu Worte kommen zu lassen, schnappte er sich flink seinen Glühwein und seufzte wohlig auf, als die warme Flüssigkeit durch seine Speiseröhre wanderte. Zwar wusste er als Arzt, dass dies hier nicht die Art von Aufwärmung war, die sonderlich gesund war – doch für den Moment, war sie auch nicht schlecht. Und während er so dastand, nutzte er gleich die Gelegenheit, Gretchen und Sarah zu beobachten. Er hatte doch wirklich verdammtes Glück. Da stand die wundervollste Frau, die er je kennengelernt hatte und strahlte von innen so viel Ruhe und Liebe aus, dass es ihn gar nicht wunderte, warum Sarah ein solch ruhiges und ausgeglichenes Kind war. Ganz ruhig trank sie mithilfe von Gretchen ihren Kakao und schmatzte nach jedem kleinen Schluck, genussvoll, vor sich hin. Er hatte heute so viele abgehetzte Gesichter gesehen und bei den beiden, war von Hektik nicht die geringste Spur zu sehen. Wenn er da so an seine Schwester dachte, die bereits total überdreht durch die Läden lief, um wirklich alle Geschenke noch rechtzeitig zu bekommen… Marc selbst, hatte noch nicht einmal eines. Warum denn auch? Es waren ja noch zwei Wochen Zeit und so viel hatte er nun auch wieder nicht zu verschenken. Weihnachten war so oder so nichts für ihn.


Jeder bekundete sich, wie lieb man sich doch hatte und ein Haufen Geld wurde aus dem Fenster geworfen, um sich diese „Liebe“ schlussendlich auch zu beweisen. All die Menschen, die er hier heute gesehen hatte, wirkten glücklich – doch hielten sie sich nur an Fressbuden oder Glühweinständen auf. Sie verabschiedeten sich auch relativ schnell voneinander. Wo war dort nun der Wunsch, zusammen zu kommen und eine schöne Zeit miteinander zu verbringen?


Für ihn, war das alles nur eine Farce und wären Gretchen und Sarah nicht, würde er sich diesen Kommerz-Quatsch, gar nicht erst antun.


„Was überlegst du?“, fragte Gretchen ihn plötzlich aus heiterem Himmel und zupfte nebenbei Sarahs Wollmütze wieder zurecht, die die nervige Angewohnheit hatte, immer wieder zu verrutschen, sodass das Kind nichts mehr sah.


„Nichts Wichtiges“, sagte er schnell, „Lass uns mal langsam weiter. Es wird doch etwas später als gedacht und du willst bestimmt alles einmal gesehen haben.“


„Stimmt“, lächelte sie das entwaffnenste Lächeln und keine zwei Meter weiter, war Marc klar, dass diese Frau eine der wenigen war, der Wertevermittlung noch etwas bedeutete. An jedem Stand, an dem sie zu stehen kamen, erklärte Gretchen ihrer Tochter die verschiedensten Dinge, auch wenn Sarah diese noch gar nicht verstehen konnte. Hier und da, summte sie die Weihnachtslieder mit und ließ Sarah mal den Schnee genauer unter die Lupe nehmen.


Erst schien sie so gar nicht begeistert und fing beinahe an zu weinen, doch nachdem Marc sie auf den Arm genommen und Gretchen eine ordentliche Schneeladung ins Gesicht manövriert hatte, wollte die Chirurgentochter es ihrem Vater gleich nachmachen. Davon war Gretchen natürlich weniger begeistert, was sie mehr oder weniger zum Ausdruck bringen wollte, aber Marc hatte eindeutig die besseren Argumente. Es ginge darum, ihre gemeinsame Tochter GEMEINSAM, mit dem nassen, kalten Weiß, vertraut zu machen.


Nachdem die kleine Familie sich bei der kleinen Schneeschlacht ordentlich unterkühlt hatte, führte sie ihr Weg direkt zum nächsten Waffelstand. Doch bei einer Waffel für seine beiden Frauen, sollte es nicht bleiben. Er bestellte noch einen Paradies-Apfel, eine Tüte gebrannte Mandeln und jede Menge, mit Schokolade überzogenes Obst am Stiel. Seiner Meinung nach, war Gretchen völlig unterzuckert und wenn Sarah nicht zu viel von der Schokolade bekommen würde, täte ihr das Obst bestimmt auch gut.


Schlussendlich kamen sie zu einem kleinen Dekostand, der sie wie ein Magnet anzog. Ihre Diskussion, über Marcs Unverschämtheiten, verstummte und zumindest Gretchen, wurde ganz melancholisch.


Der Stand war eher spärlich beleuchtet – das meiste Licht, spendeten die Lichterketten, die zu Demonstrationszwecken angeschlossen waren. Im Standinneren, waren mehrere Regale aufgehangen, auf denen viele schöne Dekoartikel ihren Platz fanden. Schneekugeln von groß bis klein – modern, mit LED – Funktion oder ganz altmodisch und klassisch. Strohsterne hingen hier und da. Die einen mit Lichterketten verziert, die anderen ganz schlicht.


Weihnachtsbaumkugeln in den verschiedensten Farben, mit Musterungen oder ohne. Keramikengel als Engelschor, einzeln, für Teelichter oder Räucherstäbchen.


Marc begutachtete die Dinge äußerst skeptisch, während Gretchen ganz verträumt mit einem Zeigefinger über eine der Schneekugeln strich und Marc, der einmal genau hinsah, bemerkte, dass ihm diese eine Kugel, verdächtig bekannt vorkam.



Flashback



Ihr erstes gemeinsames Weihnachten. Gretchen freute sich wie eine Schneekönigin auf das Fest der Liebe und hatte sich fest vorgenommen, ihren Freund zum Weihnachtsmarkt zu schleifen. Zwar hatte er versucht, sich mit Händen und Füßen dagegen zu wehren, doch nachdem Gretchen die Kulleraugenkarte gezogen hatte, musste der sonst so harte Chirurg, klein beigeben. Ehe er sich versah, stand er auf einem überfüllten Alexanderplatz.


„Oooooh schau mal, da drüben Marc“, quietschte sie vergnügt auf und zog den überforderten Oberarzt an der Hand, quer durch die Menschenmenge, zu einem kitschigen Dekostand, „Guck mal. Ist die nicht schön?“


Argwöhnisch begutachtete er die Schneekugel, die ihm vor die Nase gehalten wurde. Sie war, wenn er sich die anderen ansah, eher mittelgroß und in ihr befand sich ein Pärchen, welches auf einem See Schlittschuh fuhr. Ihm wäre ein Porsche oder ein Ferrari an dieser Stelle, als Motiv lieber. Und auch wenn er schon im Ansatz ahnte, worauf das hier nun hinauslaufen würde, beschloss er, nichts zu sagen und lieber den Dingen zu lauschen, die dort folgen sollten.


„Die würde suuuuuper auf die Anrichte im Flur passen“, überlegte sie, „Oooooder aber auf die Regale im Wohnzimmer und…“


„Moment!“, unterbrach er seine, frisch zu ihm gezogene, Freundin schnell, „Was hast du vor?“


Die Blondine stöberte durch die vielen Dekorationen, die vor ihr lagen und antwortete, ohne ihn anzuschauen und weil es doch eigentlich ziemlich offensichtlich war, „Dekorieren?“


„Ah und wofür?“


„Äh, Weihnachten Marc! Die Wohnung ist so kahl und ich hätte es gern ein bisschen gemütlich.“


„Meine, ähm – UNSERE Wohnung“, verbesserte er sich schnell selbst, damit er ihr nicht unnötig auf den Schlips trat, „ist gemütlich. Und zwar so, wie sie ist.“


„Ja, das mag vielleicht auf deinen kindlichen Jungesellenstil zutreffen – aber sonst?!“


„Aber sonst was?“


„Na ja, alles ist so kalt. Weiß… Fast schon steril.“


„Zu Weiß passt alles. Sogar deine hässliche Kuscheldecke, über die wir uns übrigens auch noch einmal unterhalten müssen.“


„Warum denn das jetzt bitte?“, fragte sie ihn völlig empört, „Ich habe ja wohl auf so ziemlich alles verzichtet, weil es, O-Ton: „Nicht zum Charme der Wohnung“ passen würde.“


„Tut es auch nicht. Solche Decken gibt es auch in anderen, viel schöneren Farben. Grau zum Beispiel.“


„Mhmm, schon klar – Mister farblos.“


„Der Schrott hier“, zeigte er wild fuchtelnd auf sämtliche Dekorationen, „kommt mir jedenfalls nicht mit. Reicht schon, wenn ich den Kommerzscheiß hier und bei deinen Eltern ertragen muss. Da brauche ich den Unsinn nicht auch noch zu Hause!“
„Marc! Das ist ein Nachmittag bei meinen Eltern und selbst dazu musste mein Vater dich zwingen. Jetzt stell dich doch nicht so an.“


„Hasenzahn“, knurrte er, „Weihnachten ist nichts Besonderes. Das sind Tage, wie alle anderen auch. Außer dass mehr gefuttert wird, was natürlich deinen Enthusiasmus erklärt und dass man sich mit dämlichen Geschenken zuschüttet.“


„Du bist so negativ eingestellt und nur, weil es für dich nichts Besonderes ist, heißt es nicht, dass es für mich auch nichts Besonderes ist. Für mich ist Weihnachten sehr wichtig und deswegen werde ich auch ein kleines bisschen schmücken. Nicht viel, nur eine Schneekugel und vielleicht ein paar Engelchen.“


„Nein Gretchen, ich will den Rotz nicht jeden Tag sehen müssen… Komm, schau mich nicht so an!“


Ihre blauen Augen, wurden ganz groß und fingen an, verdächtig zu schimmern. Als wäre das nicht schon genug, schob sich ihre Unterlippe, an der er nur zu gern knabberte, ein ganzes Stück nach vorn.


Und keine zwei Stunden später, saß der selbsternannte Grinch, in einer warm beleuchteten Wohnung. Gretchen hatte sich nicht nur erfolgreich durchgesetzt, sondern auch ordentlich zugegriffen. Neben diversen Aufklebern für die Fensterschreiben, zierten diese nun auch bunte Lichterketten. An einem hatte sie es sogar geschafft, einen großen Strohstern aufzuhängen, dessen LED-Lichterkette in den verschiedensten Farben blinkte. Auf den geräumigen Fensterbänken davor, lag Lametta und die Engelschöre, thronten auf kleinen Schneeerhebungen aus Kunstschnee. Auch in den Regalen fanden einige einzelne Engelchen ihren Platz, außerdem noch Elche und Rehe und ein Regalfach hatte sie komplett geräumt, damit ihre Krippe einen schönen Platz hatte. Dort befestigte sie gerade noch eine Lichterkette im hinteren Stück des Regals, damit sie auch ordentlich beleuchtet wurde. Links und rechts neben dem Fernseher, standen die beiden Schneekugeln, die sie sich ausgesucht hatte. In der einen, fuhr das Pärchen noch immer auf dem See Schlittschuh und in der anderen, saß eben dieses Paar vor einem reichlich geschmückten Weihnachtsbaum. Und zu guter Letzt, hatte sie einen Tischläufer mit Sternenmuster und Schneeflocken gekauft, um ihn zusammen mit einem großen Adventskranz, auf dem Esstisch zu drapieren.


„Ist das nicht schön so?“, kuschelte sie sich zu Marc auf die Couch – der jedoch, war überhaupt nicht begeistert, auch wenn es gleich schon viel wärmer auf ihn wirkte. Aber das würde er, vor ihr, niemals zugeben. Viel lieber, küsste er seine Herzdame – mit der er sicher noch, viele solcher Dramen erleben würde.



Flashback Ende


Langsam drehte sie sich zu Marc um und als sich ihre Blicke fanden, traf sie beinahe der Schlag. Er schien gerade auch an eben diesen ersten und letzten Besuch, als Paar, auf dem Weihnachtsmarkt gedacht zu haben. Seine Gesichtszüge waren ganz weich und seine Pupillen, huschten rastlos über ihr Gesicht, als würden sie darin Antworten, auf die vielen, unausgesprochenen Fragen suchen, die sie sich unabhängig voneinander und doch gemeinsam stellten.


Alles um sie herum, schien unwichtig. Was zwischen ihnen stand, war vergessen – es gab nur noch sie beide und das ungestillte Verlangen nacheinander.


Marc trat einen Schritt auf sie zu und diesmal, wich sie nicht zurück. Diesmal wollte sie sich nicht wehren. Sie wollte sich einfach nur noch ihrer Sehnsucht hingeben. Tief sahen die beiden sich in die Augen, kamen sich immer näher und gerade, als ihre Nasenspitzen sich berührten, ihre Lippen sich fast trafen – quietschte Sarah in ihrem Buggy fröhlich auf und begann zu zappeln.


Ihre Tochter hatte nämlich etwas sehr Interessantes in der Menschenmenge entdeckt und konnte ihre Freude einfach nicht zurückhalten – ebenso wie die achtjährige Lilly, die sich von Mehdis und Melanies Hand losriss und auf die kleine Familie zu gerannt kam und gar nicht zu bemerken schien, dass sie hier ganz offensichtlich störte. Natürlich ganz im Gegensatz zu Melanie und Mehdi, die die Situation durchaus erkannt hatten und eigentlich unauffällig an den beiden vorbeilaufen wollten – doch da war die aufgedrehte Lilly, einfach schneller. Bevor sie ebenfalls zu den anderen an den Dekostand aufstießen, tauschten sie unmissverständliche Blicke untereinander aus und kamen im Stillen überein, weder Marc noch Gretchen, auf das eben Gesehene, anzusprechen.


Der Oberarzt, der weder darüber begeistert war, gerade unterbrochen worden zu sein, noch zu sehen von wem, spie seinem besten Freund entgegen, „Kannst du dein Kind nicht bändigen?“


„Nö, aber noch immer besser, wie du deine Triebe“, zwinkerte der Gynäkologe zurück, als er Gretchen herzlich umarmte, um dann gleich der kleinen Sarah zärtlich in die Wange zu kneifen.


„Es ist glatt Kaan“, motzte er, bevor er seine kleine Schwester einmal herzlich an sich drückte, „Was meinst du, was da alles passieren kann?“


„So glatt nun auch wieder nicht“, lachte Melanie – die genau wusste, dass er nur Ausflüchte suchte. Und während die Erwachsenen sich über Nichtigkeiten unterhielten, erblickte Lilly das große Karussell in der Nähe eines Glühweinstandes.


Da musste sie unbedingt mit ihrer kleinen Freundin Sarah hin.


Aufgeregt hüpfte sie zu Mehdi, „Papa, Papa! Schau mal DAAAA! Können wir bitte, bitte, bitte zum Karussell gehen? Bitte, bitte, bitte!“


„Ööööhm“, leicht überrumpelt, schaute der Halbperser zu seiner Freundin und zuckte mit den Schultern, „Ich denke schon?“


„Aber sicher doch Lillymaus“, lächelte Gretchen schließlich, da Marc anscheinend nicht begriffen hatte, dass dies eine Frage von Mehdi, an alle war.


Zügig hatte die achtjährige sich zwischen Mehdi und Melanie gequetscht und zog die beiden, den anderen voran, zum Karussell. Die kleine Familie Meier-Kaan, alberte und lachte lautstark, während Gretchen und Marc eher schweigend hinter ihnen her trotteten und sich immer mal wieder verstohlene Blicke zuwarfen.


Als sie ankamen und die Getränke am Stand direkt nebenan bestellt hatten, wollte Lilly gar nicht erst warten, sondern direkt losfahren und das am besten mit der kleinen Sarah – die doch ihre neue beste Freundin war. Doch ehe sie die Schnallen am Buggy losmachen und Sarah auf den Arm nehmen konnte, war Doktor Meier zur Stelle und hielt sie zurück.


„Was soll das Onkel Marc?“, meckerte sie ihn auch direkt an, immerhin hatten ihr Papa und Melanie es erlaubt.


„Du bist noch viel zu klein, um alleine mit Sarah auf das Karussell zu gehen. Du kannst sie nicht richtig halten, da kann eine Menge passieren“, erklärte er ruhig und machte sich an Lillys Stelle daran, seine Tochter behutsam aus dem Buggy zu heben, „Das ist auch nicht böse gemeint, ich will nur auf Nummer sicher gehen.“


Liebevoll, sah Gretchen ihm bei seinem Tun zu und war mehr als nur erstaunt, sonst war sie es doch eigentlich, die wegen jeder Kleinigkeit Angst hatte und ihre Tochter liebend gern in Watte packen wollte. Doch hier und heute zu sehen, dass auch Marc mehr als nur besorgt um das Wohl ihres Kindes war, ließ ihr Herz gen Himmel schlagen und die vielen kleinen Schmetterlinge in ihrem Bauch, die sich durch die Unterbrechung, keine zehn Minuten zuvor, wieder in den Winterschlaf begeben hatten, wieder aufleben.


„Oh wie toll! Du kommst also mit“, freute sich seine, wohl bald Nichte, wie ein Honigkuchenpferd.


Melanie und Mehdi, konnten nicht an sich halten vor Lachen, als Marc, mit Sarah auf dem Arm und großen Augen, von Lilly zur nächsten Kutsche gezogen wurde. Gretchen hingegen, glaubte sich Schockverliebt zu haben. Ihr standen die Tränen in den Augen, als sie sah, wie Marc mit Sarah auf seinem Schoß und Lilly im Arm, in der nicht gerade geräumigen Kinderkutsche saß und die beiden zum Lachen brachte. Nicht nur, dass Marc ziemlich schnell mit der Vater-Rolle warm geworden war, auch Sarah schien ihn wirklich zu mögen. Bei ihm fühlte sie sich ebenso wohl, wie bei ihrer Mutter.


Ihre beiden Freunde, die abwechselnd zu Marc, den Kindern und Gretchen sahen – waren nicht nur gerührt von dem Anblick, den der, anscheinend nicht ganz so harte Chirurg bot und dem Anblick, den Gretchen unbewusst bot.


Hier war eindeutig mehr in der Luft, als der Duft der Vorweihnachtszeit – hier lag Liebe in der Luft!


Die ein oder andere Runde, zwischen Kakao, Glühwein und Waffeln, wurde noch gefahren und als sie abends in ihrer Wohnung allein auf ihrer Couch saß, schlief ihre Tochter tief und fest in ihrem Bettchen. Sie selbst, war auch ziemlich geschafft vom Tag, doch ließ ihr eine Frage, einfach keine Ruhe: Warum in aller Welt, konnte es nicht immer so harmonisch sein?




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Choconussa Offline

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06.12.2016 14:20
#75 RE: Story von Choconussa und Melli84 Zitat · antworten

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『「Kapitel № - Siebzig - Fröhliche Weihnacht überall」




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Und diese Frage war, wenn man sich in den nächsten Wochen auf der chirurgischen Abteilung des Elisabeth-Krankenhauses aufhielt, durchaus berechtigt. Gerade für Schwester Sabine war die Arbeit nach dem ersten Advent, die Hölle auf Erden.


Sie wollte für die Belegschaft und die Patienten eine weihnachtliche, liebevolle Atmosphäre schaffen und schmückte in der Adventsnacht, die Station. An den Türrahmen klebte goldenes, silbernes oder rotes Lametta und an den Türen, viele bunte Weihnachtssterne. An die Anmeldung, hatte sie ebenfalls Lametta gehangen – jedoch hatte sie hier, aus dem besagten Lametta, eine Girlande gebastelt. So hingen an drei zusammen geschlungenen Lamettaketten, Sterne, kleine Weihnachtsbaumkugeln und eine Lichterkette. Von denen sich auch die ein oder andere an den Haltestangen auf den Fluren fanden, wie auch an den Fenstern. Auf jedem kleinen Tisch, den sie gefunden hatte, lagen Weihnachtsservietten und darauf hatte sie vorsorglich einen Teller mit Weihnachtsgebäck und einen wunderschönen Weihnachtsstern drapiert. Im Wartebereich stand ein mittelgroßer Weihnachtsbaum, der jegliche anderen Lichtquellen unnütz machte. Die Beleuchtung der Lichterketten, fiel direkt auf die vielen roten Christbaumkugeln und ließen die Chirurgie in einem ganz anderen Licht glänzen. Oben auf der Spitze, thronte der größte Weihnachtsstern, den sie finden konnte und Doktor Gummersbach höchst selbst hatte sich, natürlich im Schutzanzug, auf die Leiter begeben, um eben diesen Stern dort oben sicher zu befestigen.


Im Stationszimmer hatte sie nicht nur Fenster, Schränke und den Tisch dekoriert, sie hatte auch die Fensterbank nicht von ihrem Wahn verschonen können. So leuchteten die Fenster hell und bunt, die Schränke erfreuten sich an vielen Weihnachtssternen, ausgeschnittenen Lebkuchenmännern und Nikoläusen und die Fensterbänke beherbergten, neben jeweils einem Lebkuchenhaus in der Mitte, auch links und rechts einen künstlichen Weihnachtsbaum.


Sie fand ihre Arbeit mehr als gelungen und Frau Doktor Haase war, als sie die Station betrat, hin und weg. Mehrmals drehte sie sich mit leuchtenden Augen im Kreis, konnte fast gar nicht fassen, was hier geschehen war und drückte schließlich die überrumpelte Krankenschwester fest an sich.


„Das haben Sie wirklich ganz, ganz toll gemacht, Schwester Sabine“, war ihr Lob, ehe sie sich schnell von ihrer Mutter und ihrer Tochter, die begeistert mit dem Lametta spielte, verabschiedete.


Gretchen fühlte sich natürlich pudelwohl und kam nicht umhin, an jedem Teller, an dem sie vorbei ging, stehen zu bleiben und sich die ein oder andere Leckerei zu mopsen. Doch lange sollte die ruhige, liebevolle Stimmung nicht anhalten.



Mit einem lauten PING, hielt der Fahrstuhl auf ihrer Station und kein anderer als Doktor Meier trat, auf sein Smartphone schauend, heraus. Und als er endlich aufblickte, sah er sich zuerst verwundert um und dachte, er hätte sich auf der Station geirrt. Aber er war sich ziemlich sicher, dass dies hier, SEINE Station war, auch wenn sie gar nicht mehr danach aussah.


Bewaffnet mit seinem berüchtigten Ameisenblick, platzte er ins Stationszimmer, bereit seine Standpauke abzuhalten – doch als er sah, wie Gretchen sich am Weihnachtsgebäck zu schaffen machte, Sabine tänzelnd und Weihnachtslieder summend, den Kaffee aufsetzte, blieben ihm die Worte im Halse stecken. Hier waren doch wirklich alle verrückt geworden.


„Schwester Sabine“, räusperte er sich nach einem kurzen Schreckmoment doch, „Können Sie mir sagen, was zur Hölle hier los ist?“


„Die Weihnachtszeit Doktor Meier.“


„Schön, befinden wir uns hier in einem Kabinett oder in einem Krankenhaus? Ich glaube nicht, dass ich in irgendeiner Art und Weise darum gebeten hatte, die Station zu entstellen!“


Misstrauisch beobachtete er Gretchen, die breit grinsend auf ihn zu gelaufen kam. Direkt vor seiner Nase blieb sie stehen und ihre Haare, kitzelten sein Kinn. Den Mund leicht geöffnet, sah er zu ihr herunter und war von dem lieblichen Ausdruck in ihren Augen, wie benebelt. So bekam er auch viel zu spät mit, wie sie ihm verführerisch lächelnd, einen Zimtstern in die Futterluke stopfte, „Reg dich nicht auf und genieße lieber die Vorzüge, die die Weihnachtszeit mit sich bringt.“


„Sich kugelrund futtern? Gretchen, das tust du das ganze Jahr über“, schmatzte der Chirurg verärgert, denn Süßkram im Allgemeinen, mochte er, bekanntlich, mal so gar nicht.


„Du bist echt fies Marc“, jammerte sie direkt drauf los, „Es gibt eben Leute, denen gefällt das so wie es jetzt ist. Zumal es auch für die Patienten, die Weihnachten nicht zu Hause bei ihren Familien verbringen können, eine schöne Idee ist. Du könntest Sabine durchaus mal loben.“


„Mach ich“, grinste er frech, „Wenn sie den ganzen SCHEIß wieder ABGENOMMEN hat!“


Genau mit so einer Reaktion hatte die Krankenschwester gerechnet. Umdekorieren, würde sie allerdings diesmal nicht. Immerhin hatte auch der Professor schon ihre Arbeit begutachtet und diese für gut befunden.


„Wenn ich in einer halben Stunde aus meinem Büro komme, ist der Mist hier verschwunden“, mit diesen Worten, machte er sich auf den Weg, um sich für die bevorstehende Schicht umzuziehen. Seinen Kittel hatte er, in seiner letzten Schicht, in seinem Büro vergessen, weil er unbedingt Gretchen nach Hause fahren wollte – die sonst durch den Eisregen hätte laufen müssen.


„Oh je, sein Büro“, hauchte Sabine und hypnotisierte die gegenüberliegende Wand.


„Jetzt sagen Sie nicht, Sie haben auch sein Büro dekoriert?“



Die Antwort folgte keine zehn Sekunden später, als Marc wütend vor ihnen stand, „HABEN SIE EIGENTLICH DEN ARSCH OFFEN? Ich weiß nicht, was sie zu Hause, außerhalb, vor oder nach der Arbeitszeit schnüffeln – aber so langsam sollten Sie sich darüber Gedanken machen, das Kraut zu wechseln! Sehen sie zu, dass dieser ganze Krempel aus meinem Büro kommt, bevor ich mich vergesse und Sie in die Pathologie schleife und in einer Kühlkammer einsperre, damit Sie so einen Unfug nicht mehr fabrizieren können!“, schrie er die Krankenschwester nieder und als sie sich nicht sofort bewegte, fügte er bedrohlich an, „Wird’s bald?!“


„Sie hat es doch nur gut gemeint, hm?“, strich sie ihrem Oberarzt beruhigend über den Arm.


„Du weißt ganz genau, was ich davon halte Gretchen! Ich will diesen ganzen Schnickschnack nicht haben, schon mal gar nicht in MEINEM Büro. Wie kommt die da eigentlich zu?“


„Was weiß ich denn? Ich gehe aber mal ganz stark davon aus, dass sie in ihrem Eifer, gar nicht weiter darüber nachgedacht hat und“, sie legte eine kurze Pause ein und suchte auf dem Weihnachtsteller nach einer Marzipankartoffel, „Wo sind denn die Kartoffeln hin?“


„Wahrscheinlich schon in deinem Magen, so wie alles andere auch. Hör auf zu essen und seh lieber zu, dass du dich bewegst und zwar an die Arbeit – wenn möglich noch gestern, Hasenzahn!“


Und seine schlechte Laune, nahm keinen Abbruch. Nachdem Sabine sein Büro wieder in den Normalzustand versetzt hatte, wies er sie an, auch den Rest der Station wieder in Ordnung zu bringen. Zu seinem Pech, kam bei der Ansprache der Professor um die Ecke. Dieser war absolut nicht davon angetan, wie Marc mit Sabine sprach und er wollte ebenso nicht, dass etwas von der Deko wich. Marc, der einen angeborenen Dickschädel hatte, wollte aber nicht von seiner Meinung abweichen und so halste Franz seinem Ex-Schwiegersohn in spe, Aktenarbeit der letzten drei Monate auf. Mit mahlendem Kiefer, suchte der Chirurg das Weite und unter seiner Laune hatte Gretchen am meisten zu leiden. Sie ging gerade die Einkaufsliste durch, die sie sich für Geschenke und Lebensmittel gemacht hatte, als er wutentbrannt ins Stationszimmer geplatzt kam.


„Kannst du mir mal sagen, warum du dir deinen Antilopenarsch hier platt sitzt, anstatt mal zu arbeiten?“


„Ich habe Pause Marc und ich bin gerade dabei, meinen Einkauf zu planen. Im Gegensatz zu dir, muss ich noch Geschenke besorgen und für über die Feiertage, Vorräte kaufen. Was auch immer du meinst, dass ich erledigen muss, kann warten bis ich hier fertig bin – okay?“


„Du, das ist mir scheißegal was du noch zu tun hast. Hier spielt die Musik und nicht in deinem mehr oder weniger wertvollen Privatleben, welches mich im Übrigen so viel interessiert, wie die Furunkel von Frau Simmel“, maulte er weiter, ohne darauf zu achten, dass sich ihre Augen mit Tränen füllten und ihre Unterlippe verdächtig begann zu zittern, „Jetzt bring verdammt nochmal dein Fett in Wallung und seh zu, dass die Akten in meinem Büro fertig werden!“


„Du bist so herzlos“, hauchte sie und als sie an ihm vorbeihuschte, rempelte sie ihn an.


Seine Worte, hatten sie tief getroffen – obwohl er auch schon viel gemeinere Dinge zu ihr gesagt hatte. Er wusste, dass es falsch war, doch auf die Idee, sich bei ihr zu entschuldigen, kam er vorerst nicht. Viel lieber, schikanierte er sie weiter – egal wann, egal wo.


Nachdem er es geschafft hatte, sie mit Beleidigungen aus dem OP zu verscheuchen, hielt er es für äußerst sensibel, ihr bei einem, anscheinend wichtigen Telefonat, das Handy aus der Hand zu nehmen und aufzulegen. Ungläubig betrachtete sie seine Unverschämtheit und er ging auf ihre Proteste gar nicht erst ein.


„Mensch Marc, hier ging es grad um meine Hochzeit!!!“


„Nichts Wichtiges also“, biss er schulterzuckend in seinen Apfel und verschwand augenzwinkernd in Richtung Chefarztbüro.



Drei Tage, viele Beleidigungen, einigen Tränenmeeren, Sticheleien und Wutausbrüchen später, war das Maß voll. Sie hatte im OP fröhlich ein paar Weihnachtslieder gesummt, bis Marc sie mit den Worten, „Kann der Frau mal jemand Lebkuchen in den Mund stopfen?!“, zum Verstummen gebracht hatte. Nach der erfolgreichen Operation, saß sie im Stationszimmer und brütete über einigen Modemagazinen. Denn, neben ihrem Hochzeitskleid, brauchte sie auch noch dringend ein Kleid für Sarahs Taufe. Hier und da machte sie ein paar Kreuze, um sich später beim Abendessen, mit ihrer Mutter zu beraten. Gretchen war so vertieft in ihrem Tun, dass sie nicht mitbekam, wie Marc ihr über die Schulter schaute.


„Da passt du doch eh nicht rein“, schmunzelte er und brachte somit das Fass zum überlaufen.


„Kannst du mal die Klappe halten?“, schrie sie hysterisch, nachdem sie ihren Kuli mit einem lauten Knall auf den Tisch geworfen hatte, „Du gehst mir sowas von auf die Nerven. Wenn du deine Tage hast, geh in die Damentoilette und zieh dir am Automaten Ob’s, aber lass deine Launen nicht ewig an mir aus. Ich will nicht mehr“, schniefte sie.


„Woah, was ist denn mit dir los?“


So eine Ansage, hatte er schon lange nicht mehr von ihr bekommen und irgendwie, ließ ihn das ungute Gefühl, dass etwas im Busch war, nicht los.


„Hast du dir mal Gedanken gemacht, was ich noch alles zu tun habe?“, mit tränenüberströmten Gesicht, sah sie zu ihm auf, „Ich habe weder für mich, noch für Sarah ein Kleid für die Taufe. Das Essen steht noch nicht. Der Saal ist noch nicht gemietet. Es fehlt noch ein Weihnachtsbaum, die Einkäufe habe ich noch immer nicht erledigt und ganz nebenbei habe ich auch noch eine Hochzeit zu organisieren. Anstatt mich also in meinen Pausen zu nerven, könntest du mich einfach in Ruhe lassen.“


„Gretchen, ich…“


„Nein! Behalt deine Gemeinheiten für dich, ich habe da wirklich keine Nerven mehr für.“


„Gib mir mal deine Schlüssel“, hielt er ihr die Hand hin.


„Wieso sollte ich?“


„Gib sie her, ich fahr jetzt nen Baum kaufen“, meinte er ernst und verzog dabei nicht einmal seine Mundwinkel, „Und wenn ich den dann bei dir abgeliefert habe, hole ich Sarah bei deiner Mutter ab und dann fahren wir einkaufen – all den Käse den du noch brauchst.“


Zögerlich gab sie ihm ihre Wohnungsschlüssel, „Sind Ersatzschlüssel – verlier sie bitte nicht.“


So ganz, traute sie dem Braten nicht. Marc war nicht die Art Mensch, die selbstlos handelte – meistens, wollte er eine Gegenleistung und da hier die Rede von einem narzisstischen Egomanen war, wollte sie lieber nicht wissen, wie diese aussehen würde. Diesmal dachte er jedoch gar nicht daran, eine Gegenleistung zu verlangen. Viel mehr wollte er sich Mister Versicherungskaufmann, der nie zu Hause war, mal zur Brust nehmen. Es konnte doch wirklich nicht sein, dass er sie mit allem allein ließ. Was wäre denn nun, wenn er nicht spontan nach Berlin gefahren wäre und zufällig so eine gute Gelegenheit bekommen hätte, auf unabsehbare Zeit, dort zu bleiben? Das Wiesel konnte sich jedenfalls warm anziehen. Stinksauer fuhr er zu dem nächsten Tannenverkauf und ließ sich beraten. Noch nie hatte er solch ein grünes Ding gekauft und schon mal gar nicht, für Frau und Kind.


Der Verkäufer erklärte ihm, dass sich bei einem Kleinkind, eine Tanne anbot, die nicht viel nadelte. Nordmanntannen, meinte er, wären da eine sehr gute Wahl, sie würden einen angenehmen Duft abgeben und sehr langlebig sein, auch ohne viel Pflege.


Das wäre perfekt für Hasenzahn, immerhin schaffte sie es nicht einmal, ein Gänseblümchen länger wie zwei Stunden am Leben zu halten. Grinsend wählte er die größte Tanne, die ihm unter die Augen kam und quetschte diese schließlich, mithilfe des Verkäufers, in den VOLVO.


Und zwei Stunden später, nachdem er noch die ein oder andere Besorgung gemacht hatte, hievte er das Monstrum von Baum, in Gretchens Wohnung. Nach einer kurzen Verschnaufpause, stellte er den Tannenbaumständer auf, befüllte diesen mit Wasser und stellte, nachdem er den Stamm einigermaßen zugeschnitten hatte, die Tanne hinein. Um die Wartezeit der Entfaltung der Zweige zu überbrücken, schnappte er sich den Maxi-Cosi, fuhr zur nächsten Tankstelle, um seinen Wagen auszusaugen und fuhr dann weiter zur Villa Haase, um dort seine Tochter abzuholen. So wie er Bärbel kannte, würde er noch zu einer Tasse Kaffee genötigt werden und wenn er dann wieder in die Wohnung kommen würde, könnte er gemütlich den Baum schmücken, mit all dem Krempel, den er zwischendrin noch besorgt hatte.


Gerade als er zusammen mit Sarah den Stern oben auf die Tannenspitze setzen wollte, besann er sich eines Besseren.


„Mhmm, ich glaube, wir holen erst mal die Mama ab – oder was meinst du?“, fragend sah er zu seiner Tochter, die ihn erst mit großen Augen ansah und dann breit anfing zu grinsen und zu strampeln, „Alles klar, ich interpretier das nun mal als ein klares ‚Ja‘.“


Spielend, zog er Sarah ihren Schneeanzug an und kämpfte schlussendlich mit der Wollmütze. Besser gesagt, mit Sarah und der Wollmütze, denn die kleine Maus zog sie immer wieder giggelnd ab. Aber er wäre nicht Marc Meier, wenn er nicht dieses Hindernis, mit einem Croissant, locker umschiffen würde. Mit Sarah konnte er es noch machen. Sie ließ sich auf die Ablenkung ein und Marc konnte ihr nicht nur problemlos ihre Mütze aufsetzen, sondern auch gleich die Gurte festmachen.


„Na also, geht doch“, grinste er seinen Sonnenschein an und stupste gegen ihre kleine Stupsnase…





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