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Dieses Thema hat 60 Antworten
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Choconussa Offline

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Beiträge: 330

05.01.2016 17:17
#26 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Sechsundzwanzig -Nicht immer sind Träume nur Schäume-




-Es gibt nur zwei Tage im Leben an denen man so gar nichts tun kann! Der eine heißt gestern, der andere heißt morgen; also ist heute der richtige Tag um zu lieben, zu glaube, zu handeln und vor allem zu leben! - Dalai Lama



-und mit einem Mal saß Gretchen Kerzengerade im Bett. Sie atmete flach und brauchte einen Moment um sich zu orientieren. Soweit sie dies in der Dunkelheit erkennen konnte, lag sie bei Marc im Schlafzimmer. Das leise Schnorcheln kam ihr auch sehr bekannt vor und mit einer Hand ertastete sie den schweren Körper neben ihr.

~Nanu..? Aber, wie.. Oh nein - bitte nicht schon wieder ein Traum!~

Doch der digitale Wecker auf Marc's Nachtschränkchen verriet ihr das es der 1.12.2011 war. Kopfschüttelnd lies sie sich wieder in ihr Kissen fallen. Sowas bescheuertes konnte auch nur ihr passieren. Und sie musste darüber reden. Entschlossen schüttelte sie an ihrem schlafenden Freund, doch dieser murrte nur und drehte den Kopf zu ihrer Seite.

~Eigentlich ist er ja ganz niedlich wenn er so schläft.. Aber jetzt muss ich mich hier mal durchsetzen. Kann ja nicht ewig so weiter gehen.~


"MARC! Wach auf ich muss mit dir reden."
"Mhmm.. Hasenzahn, wir reden später.."
"Oh nein mein lieber. Wir reden JETZT!"
Langsam schlug der verschlafene Mann neben ihr die Augen und sah sie verständnislos an. Als er sich jedoch zum Wecker drehte zeigte er ihr einen Vogel: "Du hast doch nicht mehr alle Laternen am leuchten, wir haben es halb fünf am Morgen. Da werd' ich hier bestimmt nicht anfangen zu reden!"
"Du findest immer irgendeine Ausrede um nicht reden zu müssen oder?"
"Komm. Leg dich hin, schlaf weiter, träum was schönes, ~Wenn du wüsstest~ und nachher reden wird dann."
"Mhmm.. Klar" , sagte sie enttäuscht und drehte sich von ihm weg, doch diesmal sollte sie überrascht werden. Er kuschelte sich an ihren Rücken, küsste ein paar mal ihren Hals und sagte dann leise: "Versprochen."


Marc wachte gegen halb zehn auf und schaute erstaunt auf die leere Bretthälfte. Sonst stand Gretchen nie vor ihm auf.

{Ist sie aus dem Bett gefallen?}

Doch einen Blick auf den Boden später war er noch immer nicht schlauer. Eine Nachricht konnte er auf den Nachttischen auch nicht ausmachen - doch dann roch er es.. {Mhmm..KAFFEE!}

Mit einem Satz war er aus dem Bett gesprungen und lief schnell in die Küche um sich seine wichtigste Droge, neben einem morgendlichen Kuss, zu holen. Doch auch hier fand er seinen Hasenzahn nicht. Mit einer Tasse bewaffnet lief er durch die Wohnung und suchte. Nirgendwo war sie zu finden. Bis ihm die angelehnte Terrassentür ins Auge fiel. Hatte er nicht ihre Schuhe und ihre Jacke an der Garderobe gesehen? Saß sie da nun nur in ihrem rosa Schlafanzug?
Vorsichtig blickte er aus dem Fenster. Sein Mädchen saß ganz in Gedanken, mit einer dampfenden Tasse in ihrer Thermodecke eingewickelt auf einem der Liegestühle und blickte über das neblige Berlin.
Eine Zeit lang beobachtete er sie verträumt. Wie süß ihre kleinen Händchen ihre Tasse umklammerten, sie kleine Dunstwolken ausatmete und sich die Decke immer mal wieder über die Schulter zu ziehen weil sie rutschte.
Grinsend stampfte er ins Schlafzimmer, nahm sich die Decke vom Bett, zog sich schnell Socken und Hose an und schon war er wieder unterwegs zur Terrasse.
Ganz leise öffnete er die Tür, schlich von hinten an sie heran und überfiel sie mit einer Umarmung und einem dicken Schmatzer auf der Wange.
Quietschend hielt sie die Tasse einen Arm lang weg damit der heiße Kakao sich nicht über die schöne neue Decke verteilte.
"Musst du mich so erschrecken?"
Lachend setzte Marc sich hinter sie, legte seine Arme mit der Decke um ihren Bauch, legte schließlich den Kopf auf ihre Schulter und fragte grinsend: "Und du? Musst du mich einfach so allein im Bett zurücklassen? Wie lang setzt du denn schon hier? Deine Lippen werden ganz blau."
"Brauchte halt ein bisschen frische Luft um den Kopf frei zu bekommen."
"Was war denn heut früh mit dir los? Sahst schon ziemlich durch den Wind aus."
"Schlecht geträumt."
"Ach! Und was so?"
"Nicht so wichtig" ,wiegelte sie ab.
"Komm schon Gretchen. Du machst mich nicht wegen NICHTS wach und willst reden. Also?" ,sah er sie mit hochgezogenen Augenbrauen von der Seite an.
"Es ist wirklich okay Marc, war bloß ein blöder Traum. Zukunftsgeschichten und so.."
"Willst du wirklich nicht drüber reden?"

~ Wer ist dieser Mann und was hat er mit meinem Marc gemacht?~

"Neeeeein. Alles gut. Aber - wo hast du damals eigentlich mein Tagebuch gefunden? Du weißt schon, als wir zurück nach Berlin gefahren sind." Kurz überlegte er doch dann schüttelte er den Kopf und sagte: "Gar nicht. Gina hat gepackt."
Nachdenklich nickte Gretchen .
"Na gut Hasenzahn, wenn bei der Prinzessin alles klar ist, bewegt sie nun ihren Hintern unter die warme Dusche. Machst dich als Eisskulptur sicherlich gut, nur ich hätte dich gern noch eine Weile in beweglich." ,grinste er sie an und hielt ihr seine Hand hin um ihr aufzuhelfen. "Ich denke ich geh noch ne Runde joggen und bring Brötchen mit. Deckst du den Tisch?" ,fragte er als die beiden schließlich im Schlafzimmer standen.
Panisch drehte sie sich zu ihm um: "WAS?" ~Deja vú~
"Frühstück? Wie immer wenn wir frei haben?"
"Achso.. Ja klar."
"Gut. Ich beeil mich". Er gab ihr einen kurzen Kuss und lies sie etwas verdattert allein in der Wohnung zurück.

~Gut Gretchen. du gehst jetzt duschen, deckst den Tisch und denkst nicht weiter an den Traum. Mehr war es ja auch nicht.. Ein blöder Traum.. Komm mal wieder runter.~

Das warme Wasser brannte auf ihrer Haut. Anscheinend saß sie doch zu lang draußen. Sollte sie Gina wegen dem Tagebuch ansprechen? Sie konnte sich einfach nicht vorstellen das sie sowas machen würde. Immerhin waren sie seit dreizehn Jahren die besten Freundinnen.

~Nein. Sowas würde Gina mir nicht antun.~

"Und wenn doch?" ,meldete sich ihr Unterbewusstsein.

~Mhmm..Nein! Ich vertraue ihr. Sie würde mich nicht so hintergehen.~

"Sie hat dich bezüglich Marc damals auch angelogen. Warum also nicht auch hier?"

Wie immer wenn sie einen inneren Kampf mit sich selbst führte, biss sie sich auf die Unterlippe.

~Warum messe ich so einem blöden Traum so viel Bedeutung bei?~

"Weil du ein ungutes Gefühl hast. Du weißt das was nicht stimmt."

Durch das Rascheln des Schlüssels vor der Tür wurde sie abgelenkt.

"Hei. Ich spring kurz unter die Dusche. In der Tüte ist ne Überraschung."

~Toll andere Männer bringen Rosen mit und dieser... NUTELLA?~

"Das ist doch wohl..." ,schmollte sie.

Doch eigentlich freute sie sich auch. Vor einigen Tagen schon hatte sie gemeckert das er sowas nicht immer vorrätig hatte.

~Dickmacher hat er es genannt~ Instinktiv sah Gretchen an sich herunter.

~Vielleicht bin ich ja wirklich...~

"Du ist nicht zu dick Hasenzahn..."

~Nanu!? Hab ich das nun laut gesagt oder warum...~

"Ja schau mich doch nicht so entgeistert an. Deine Selbstzweifel riecht man doch zwanzig Meter gegen den Wind."

~Bitte? Also das ist ja wohl eine Frechheit..~

"Wow! Kein Wutausbruch?"

~Hups! Sollte meine Gedanken vielleicht auch aussprechen. Dann könnte ein Gespräch draus werden.~

"Bist ja nicht gerade sehr gesprächig heute. Sicher das alles okay ist?"
"Was? Ja...äh klar. Lass uns essen. Ich habe einen Bärenhunger:"
"Wäre ja auch ein Wunder wenn nicht" , grinste er und zog sie auf seinen Schoß, "Hör mal Gretchen. Was hältst du davon wenn wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zu deinen Eltern machen und deinen Krempel her schaffen?"
"Wie jetzt?"
"Ich hab mir halt gedacht, je eher desto besser. Passt doch alles in den Volvo oder?"
"Äh..ja.. ich glaub schon."



Nachmittags um fünfzehn Uhr standen sie also in Gretchens Zimmer und versuchten zu packen. Wenn doch Bärbel nicht wäre. "Kinder. Kommt doch erstmal was essen. Dr. Meier sieht ja richtig unterernährt aus!"
Gequält lachte Marc kurz auf. Seit sie wieder in Berlin waren und regelmäßig bei den Haases zum Essen waren, hatte er gute vier Kilo mehr drauf. "Mama, wir möchten nur kurz packen und dann sind wir auch schon wieder weg. Du weißt doch das wir so selten mal frei haben."
"Ich sag deinem Vater ja immer wieder das er euch viel zu selten Zeit für euch gönnt."
"BÄRBEL DER HUND!" ,rief Franz aus dem Wohnzimmer nach oben.
"Ach herrje. Dein Vater wieder" ,schüttelte sie den Kopf, "Schlitzt seit Jahren Menschen auf und wühlt in ihnen rum, kommt dann aber nicht mit einem einfachen Hund klar."
"Mama! Papa schneidet Menschen auf und rettet leben. Er ist Chirurg - kein Metzger. Und du" ,sagte sie als sie mitbekam wie Marc leise lachend ihr Hello Kitty Nachthemd hoch hielt, "solltest die Bücher machen. Meine Sachen mache ich selbst."
Entschuldigend hielt Marc nur die Hände hoch und drehte sich feixend zu dem Bücherregal.
"Kind. Das muss dir doch nicht peinlich sein."
"Ist es ja auch nicht."
"Doch Hasenzahn, du wirst schon wieder ganz rot um die Nase."
"Ach das war ihr damals schon alles vor Peter peinlich. Der durfte gar nicht in ihr Zimmer. Hier ist noch alles jungfräulich." ,erklärte Bärbel nickend und Gretchen schaute immer ungläubiger zu ihrer tratschigen Mutter.
"MAMA! Geh bitte und kümmer dich um den Hund. Wir schaffen das hier schon."
Leise meckernd, Gretchen wäre ja wie ihr Vater und nie würde ihre Tochter Spaß verstehen, wuselte Bärbel aus dem Zimmer und als sie die Tür geschlossen hatte, fragte Marc: "Hier ist also noch alles jungfräulich?"
"Ja..chrm chrm..Bin halt anständig."






Mal wieder wurde Marc von der jugendlichen Unbeschwertheit ergriffen. Er schloss leise die Zimmertür ab und warf Gretchen aufs Bett. "Unanständig bist du mir lieber." ,sagte er als er sich über sie legte. "Marc.. bitte..Nicht hier.. Was wenn meine Eltern was mitbekommen?"
"Musst du halt mal leise sein", nuschelte er an ihrer Halsbeuge.

~Oh Gott! Wie soll man so einem Mann widerstehen?~

Als er ihr leises Stöhnen vernahm, grinste er sie Breit an.

~Oh, dieser süße Bart~

"Du kaust ja schon wieder auf deiner Lippe" ,sagte er raus mit leicht zurückgezogenem Kopf.
"Sorry."
"Du musst dich nicht entschuldigen.. Ich würde sie auch gern beißen" , flüsterte ihr zu und nahm ihn Unterlippe zwischen seine Zähne um ein wenig daran zu knabbern. Als er sie wieder loslässt sieht er ihr lang und tief in die Augen: "Weißt du eigentlich wie sehr ich dich liebe?"

~Oh.. Jetzt bloß nicht hyperventilieren Gretchen. Die Situation ist grad äußerst ungünstig.~

Zärtlich lies er seinen Finger ihre Wange zu ihrem Kinn hinuntergleiten.Die Muskeln irgendwo tief in ihrem Inneren zogen sich auf's Köstliche zusammen. Während er ihr federleichte Küsse auf Wange, Kinn und Mund haucht, knöpft er ihre Bluse auf und zieht sie langsam aus. Kurz sieht er sie stirnrunzelnd an - was sie für einen Moment verunsichert - doch dann wird sein Blick wieder weich und er löst vorsichtig die Spange aus ihrem Haar. "Ich liebe deine Haare" ,murmelte er, schob seine Hände darunter und wölbte sie um ihren Kopf. Sein Kuss war fordernd, seine Zunge und seine Lippen neckten ihre. Eine Hand blieb in ihren Haaren vergraben, die andere wanderte ihren Rücken hinunter zu ihrer Taille und ihrem Hinterteil. Als er sie gegen sich drückte, spürte sie eindeutig seine Erektion.
Sie wollte ihn so sehr, legte die Hände um seine Oberarme. Vorsichtig streichelte sie sein Gesicht und seine Haare. sie waren weich und dennoch widerspenstig. Sanft zog sie daran und entlockte Marc ein heiseres Stöhnen.
Mit seinen grünen Augen blickt er sie an und öffnete lässig den Knopf ihrer Jeans. Ohne den Blick von ihr zu lassen, gleiten seine Hände unter den Hosenbund und wandern nach hinten. Langsam streifte er ihr die Jeans herunter. Zärtlich küsste er ihre Füße, ihre Wade bis hinauf zu ihrem Oberschenkel. ER knöpfte seine Jeans auf und zog sie langsam herunter. Dann schob er sich zwischen ihre Beine.
Er hauchte Küsse auf ihren Bauch und seine Zunge schlängelte sich um ihren Nabel. Sie wand sich vor Lust. Vorsichtig streifte er den BH zur Seite und legte ihre Brust frei.

{Diese.. Gott reiß dich zusammen Meier - du bist nicht im Puff}

Ganz leicht blies er gegen ihre Brustwarzen. Gretchen biss sich auf die Lippen und krallte ihre Fingernägel fest ins Laken. Sein Lippen legten sich um ihre linke Brustwarze und als er daran zog, drohte sie zu zerspringen.
"Na.. Da wird doch wohl nicht jemand den ganzen Spaß ohne mich haben!?" ,grinste er sie an.
"Marc.. Bitte.."
Als er kurz darauf in sie eindringen wollte, musste er sie küssen um ihr lautes Aufstöhnen zu unterdrücken.
Zuerst war der Rhythmus noch sehr langsam. Doch als sie ihm ihr Becken entgegen drückte, erhöhte er das Tempo.
ER packte ihren Kopf zwischen seine Handy und küsste sie hart. Ein leichter Schweißfilm bildete sich auf den Körpern der beiden.
Mit einem mal verkrampfte sich Gretchens Körper, zufrieden nahm Marc dies zur Kenntnis und zusammen ließen sie los.
Er hielt die Stirn gegen ihre gepresst, sein Atem ging unregelmäßig, die Augen hielt er geschlossen.
Bevor er sie auf die Stirn küsste sah er sie an. Er wirkte auf sie unglaublich ausgeglichen und zufrieden. Lächelnd schob er ihr eine Haarsträhne hinter das Ohr.
Doch der schöne Moment wurde unterbrochen als es energisch an der Tür klopfte: "Alles in Ordnung bei euch Kinder? Ihr atmet ja so laut. Seid ihr sicher das Franz und ich euch nicht helfen sollen?"
Bei Marcs angewidertem Gesichtsausdruck musste Gretchen laut lachen.

~Was der sich wohl grad denkt?~


"Nein Mama - alles okay. Wir kommen sofort runter."
"Ja und dann kommen wir erstmal nie wieder her" ,flüsterte Marc ihr zu als er sich seine Hosen wieder anzog.
"Tja. Jetzt weißt du warum dieses Zimmer eigentlich nie seine Jungfräulichkeit verlieren sollte."
"Mhmm" ,brummte er nur und knöpfte sich das Hemd zu.


Gerade verfrachtete Marc den letzten Karton im Kofferraum, als Bärbel laut aufschluchzte und ihre Älteste ganz fest an sich drückte. "Mein kleines Gretchen..." ,weinte sie während Franz und Marc eher etwas unbeholfen daneben standen.
"Ich bin doch nicht aus der Welt, hm?"
"Nein, das bist du nicht mein Kind. Doch anscheinend ist es ja jetzt endgültig und für immer."
Das Gestotter was Gretchen daraufhin nur zustande brachte wurde von Marc stirnrunzelnd hingenommen.
Doch kaum saßen sie im Auto wollte er dem Ha(a)sen den Zahn ziehen.


"Was ist los mit dir heute?" ,fragte er sie streng.
"Nichts! Was soll sein?"
"Du verhältst dich merkwürdig. Rück raus mit der Sprache, du weißt du kannst mit mir über alles reden."
"Och.. Bitte!" ,resigniert lies sie die Schultern hängen und sprach mehr zu der Tasche auf ihrem Schoß als zu ihrem Freund, "Ich hab geträumt das mein Vater ans Licht bringt das du nie heiraten oder Kinder willst, dann hab ich mich von dir getrennt, du bist aus Berlin abgehauen, wieder gekommen und warst der selbe Arsch wie vorher."
"Bitte? Wann hab ich sowas jemals gesagt?"
"Äh.. ähm..."
"Gretchen ich weiß ich rede über sowas nicht gern, nur hab ich es doch bisher auch nicht ausgeschlossen. Oder?"
Das Gespräch mit seiner Mutter schien er vergessen zu haben. "Nein hast du nicht aber..."
"Na also. Dann hör auf dir darüber dein süßes Köpfchen zu zerbrechen."


Eine ganze Weile herrschte Stille im Wagen. Doch dann hatte Marc eine Idee.
"Mhm. Ich hätte Bock auf einen gemütlichen Abend auf der Couch. Was hältst du davon?"
"Und da gucken wir dann Fußball nehme ich an?"
Grinsend sah er sie kurz an: "Ich dachte eigentlich an nen Film oder so, aber wenn du es selbst vorschlägst."
"Nein nein nein. Dann nehmen wir besser deine Idee! Hast ja eh immer die besseren."
"Schlaues Mädchen!" ,nickte er und legte ihr eine Hand auf den Oberschenkel.


Sabine saß schon an ihrem Arbeitsplatz und hatte den Kaffee fertig, als das Ärztepaar am nächsten Tag zur Frühschicht eintraf. Hektisch sortierte sie die Akten, doch freundlich wie immer grüßte sie die beiden. "Guten Morgen!"
"Nur Kaffee geben - nicht ansprechen" , der Morgenmuffel hatte mal wieder unter der Dusche die Freundlichkeit mit abgewaschen.
Sabine lief. Wie sie immer lief wenn Marc mit den Fingern schnippte.

~Sklaventreiberei~

Choconussa Offline

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Beiträge: 330

05.01.2016 17:20
#27 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Siebenundzwanzig -Schlechte Laune im Doppelpack-



"Schwester Sabine machen Sie sich nichts aus seiner Laune" ,sagte sie mit Nachdruck und sah ihren Freund wütend an.
"Mein Gott. Kann ja nicht jeder mit so nem Strahlen im Gesicht rumlaufen. Das am frühen Morgen."
"Das verlangt doch auch gar niemand von dir!"
"Doch Gretchen. DU! Also.. Meistens.."
"Oh.. Entschuldige das ich es nicht mag wenn du Sabine wie so einen Hund durch die Gegend scheuchst!"
"Frau Doktor Haase? Möchten Sie auch einen Kaffee?" ,kam es ein wenig eingeschüchtert von der Kaffeemaschine.
"Sabine? Sie können mit mir ganz normal reden. Wie vorher auch, okay?"
"Ja Schwester Sabine, sehen sie Hasenzahn als" , er tat kurz so als würde er nach den richtigen Worten suchen, "eine freundliche männliche Variante von mir."

~Schon wieder..Deja vú~

Ihr Blick fiel auf den Teller mit den Äpfeln.

~Mhm.. Einen Versuch ist es wert!~

Sie griff nach einem der Äpfel, warf uuuuuuuuund - traf Marc am Kopf.

~Uuups~

Mit eingezogenem Kopf stand sie da und wartete.
"AU! Wofür war der denn?"
"Ich dachte du fängst ihn auf" ,sagte sie leise schulterzuckend.
"Ääääh.. Während ich mit dem Rücken zu dir stehe?"
"Ja also.. Man! Sonst hast du doch auch so gute Reflexe."
"Tolle Entschuldigung Hasenzahn."
"Oh Gott. Sier schießen sich ja jetzt schon fast gegenseitig" ,sagte Maria gespielt geschockt; nachdenklich fügte sie an, "In ein paar Wochen wird die Chirurgie das reinste Schlachtfeld sein."
"Frau Doktor Hassmann, nicht so pessimistisch."
"Das war reiner Optimismus Doktor Kaan. Wir wollen doch alle was zu lachen haben. Vielleicht sollte ich mich versetzen lassen."
"Danke Frau Hassmann, eine Frau auf meiner Station reicht mir. Nachher werden hier noch Tamponspender auf den Gängen angebracht."
"Du bist blöd Marc" ,sagte Gretchen fast schon traurig.
"Gestern hatte ich noch die besten Ideen. Kannst du dich jetzt auch mal entscheiden?"

MH:"Konnte sie doch noch nie Meier!"
GH:"Was soll das denn jetzt bitte heißen?"

"Meier - ja, Meier - nein. Doch lieber ein anderer? Nein lieber nicht. Ohne ihn nach Afrika? Ach, nehm ich ihn doch lieber mit." ,zählte Frau Doktor Hassmann mit spöttischem Unterton auf.
"Also.. Das stimmt doch gar nicht" ,versuchte Gretchen sich zu verteidigen.
"Ach kommen Sie, Sie würden doch auch noch überlegen wenn er Ihnen einen Antrag macht."

~Okay, jetzt bloß nicht panisch werden. Bleib ganz souverän..~

"Würde ich nicht. Und mit Ihnen werde ich da auch ganz sicher nicht drüber reden."
Mehdi schaute verdutzt von der einen Frau zur anderen und Marc bekam ganz große Augen.
"Genau. Hören sie auf. Marc bekommt schon Angst das er nie wieder was zu essen bekommt" ,meinte Gabi gehässig als sie dazu stieß und Marcs Gesichtsausdruck bemerkte.
"Der Doktor Meier denkt nicht so über Frau Doktor Haase!" ,sagte Sabine.
"Ach nein? Wie denn dann?"
"Er liebt sie von ganzem Herzen und..."
Das wurde Marc dann nun doch ein wenig zu viel des Guten. Er klatsche in die Hände und unwillkürlich zuckten alle zusammen: "Was halten die Herrschaften denn vom Arbeiten? Wir sind hier doch nicht in einer Talkshow!"
Sauer drückte er sich an den anderen vorbei hinaus in den Gang. Kurz darauf brüllte er: "MÄDELS? VISITE!"
Sabine folgte dem Ruf sogleich doch Gretchen verschränkte die Arme vor der Brust und bewegte sich nicht von der Stelle. Während Maria sich auf den Weg in die Neurologie machte, setzte Mehdi sich an den Tisch, nahm sich eine Laugenbrezel aus dem Korb und starrte zur Tür. Er war sich fast sicher das hier bald ein Donnerwetter herrschen würde. Und kaum hatte er in Gedanken bis sechzig gezählt, stand Marc auch schon wieder in der Tür: "Würdest du vielleicht auch mal kommen? Bitte!"
"Aber sicher doch Doktor Meier. Geht ja doch in freundlich" ,sie lächelte ihn zuckersüß an und lief ins erste Patientenzimmer.
"Ääääh.."
"Tja Marc. Die Zeit des Kommandieren ist wohl vorbei" ,grinste Mehdi schadenfroh. So wie sein bester Freund im Türrahmen stand, konnte er einfach nicht anders. Marc hielt sich eine Hand an die Brust, mit der anderen stützte er sich am Türrahmen ab. Der Kopf schaute nach rechts hinaus in auf den Gang und sein Gesicht zeichnete einen Ausdruck von Verwirrung und Überraschung.
"Mh, muss ich das verstehen?" ,fragte er sich selbst und folgte Gretchen zur Visite. Doch auch danach war er nicht schlauer als zuvor. Gretchen war unglaublich abwesend, hätte zweimal fast die falschen Medikamente verabreicht und sprach auch nicht viel mit Saskia. Auch Sabine beobachtete das Verhalten ihrer Lieblings Ärztin besorgt.
"So. Schokopudding in der Cafeteria?" ,fragte Marc Gretchen nach der Visite.
"Puuuuh. Ne du. Ich wollte mal schnell mit Mehdi reden. Sehen uns dann in zwanzig Minuten im OP."
Einen Handkuss warf sie ihm noch zu und verschwand dann auf die Gyn.
Fragen sahen Marc und Sabine sich an.
"Was ist denn heute mit der Frau Doktor los?"
"Wenn ich das mal wüsste Sabine."
Schulterzuckend machte auch er sich auf den Weg. Jedoch zog er es vor in sein Büro zu gehen. allein wollte er sich nun auch nicht zum Essen in die Cafeteria setzen. Er wurde einfach nicht schlau aus dieser Frau. Gestern war sie schon so ungewohnt still gewesen.


{Vielleicht Aufregung!?}


Leise klopfte sie an der Bürotür und trat dann ein.
"Mehdi? Ich wollte mal mit dir.. Ach! Hi Gina."
"Hallo Mausi" , glücklich zog Gina ihre beste Freundin überschwänglich in die Arme. Darauf war Gretchen jedoch nicht vorbereitet und sie wusste auch nicht so recht wie sie nach dem Traum mit Gina umgehen sollte. So fiel ihre Begrüßung auch etwas halbherzig aus.
"Ähm..ja..äääh..Was machst du denn hier? Und wo ist Mehdi?"
"Der bringt grad mein Blut ins Labor. Gretchen, ich glaub ich bin schwanger."
"Oh. Oooooh. Puh. Das wär ja.. Toll?" ,stotterte sie sich zusammen. Sollte sie sich nun freuen? Jetzt in ihrer Gegenwart hatte sie ein noch flaueres Gefühl wie zuvor im Bauch.
"Ja das wäre es wirklich. Und du? Was machst du hier?"
"Ach ich?! Ich wollte Mehdi nur was fragen. Also, wegen Marc."
"Alles okay beit euch?" ,fragte Gina besorgt.
"Joa. Also, alles suuuuper. Besser könnte es gar nicht laufen. Ist Mehdi denn schon lange weg?" ,aufgeregt lief sie auf und ab.
"Wirklich alles okay bei dir? Du benimmst dich so seltsam."

~Gut. Ewig kann ich ja auch nicht davor weglaufen.~

"Okay. Dich wollte ich eigentlich auch was fragen. Weißt du noch wo du damals mein Tagebuch gefunden hast?"
Erschrocken sah Gina sie nun an: "Oh! Da- ja da fragst du was. Das ist schon so lang her. Ich weiß das gar nicht mehr."

~Sie lügt! Das seh ich ihr an der Nasenspitze an.~

"Wieso fragst du denn?" ,fragte Gina ganz zaghaft.
"Och nur so. Ist mir gestern eingefallen das ich das noch nicht geklärt hatte."
"Achso. Denkst du Marc hat?"
"Oooooh nein. Das würde er nicht machen. Er weiß mein Vertrauen zu SCHÄTZEN!"
"Also, so sicher bin ich mir bei ihm ja nicht immer..."
"Du, das bin ich mir bei einigen anderen Menschen auch nicht. Zum Glück haben wie ja noch unser Bauchgefühl."
In diesem Moment kam Mehdi ins Büro zurück: "In einer halben Stunde haben wir denke ich das Ergebnis. Oh, hallo Gretchen."
"Hi Mehdi. Kann ich dich was fragen?"
"Klar. Was liegt dir auf dem Herzen?"
"Also Marc hat mir ja mal ein Armband geschenkt. Zum Geburtstag. Hat er da mal mit dir drüber gesprochen?"
"Hmm, war das dieses wo >DREAM draufsteht?"
"Jaaa"
"Mhm. Außer das du dich gefreut hast nichts. Wieso? Hast du es verloren?"
"Ach was. Nein. Nur nen doofen Traum gehabt am Wochenende."
"Aber Mausi. Träääume. Da sollst du doch nicht so viel drauf geben."
"Das sehe ich ein bisschen anders Gina. Hätte ich meine Träume nicht würde ich so einigen Leuten noch immer auf den Leim gehen."
Sauer ging sie ohne sich zu verabschieden aus dem Büro, blieb allerdings davor stehen und lauschte.

MK: "Was ist denn mit ihr los?"
GA: "Keine Ahnung. Sie kam hier rein, hat komisch rumgestammelt und mich dann auf ihr Tagebuch angesprochen."
MK: "Du musst es ihr sagen."

~WAS? Der weiß davon?~

GA: "Das kann ich nicht Mehdi. Du weißt wie wichtig ihr dieser Schwachsinn ist."

Gretchen riss mit Schwung die Tür auf: "Aber noch immer gut genug um darin zu lesen oder was?"
"Äääh, Mausi das - "
"NEIN Gina! Es hat sich ausgemaust. Es ist das Eine in meinem Tagebuch zu lesen. Es ist aber noch mal was ganz anderes mich anzulügen."
"Gretchen, jetzt reg dich nicht auf."
"Du hältst dich da raus Mehdi. Konntest du ja die ganze Zeit über ganz gut. Ich glaube es nicht. Das du das gewusst und nichts gesagt hast. Tolle Freunde seid ihr mir."
Ihr Pieper rief sie in die Notaufnahme. Mit einem letzten enttäuschten Blick auf ihre 'besten Freunde' ging sie in die Notaufnahme.
Dort wurde sie auch schon sehnsüchtig erwartet.
"Na los Haase. Hoppel doch mal schneller."
"Lass deine dummen Witze Marc" ,fauchte sie ihn an.
"Wow! Wer hat dir denn den letzten Schokoriegel geklaut."
"Gina. Diese dumme Kuh!"
"Was ist denn mit dir los? Sowas aus deinem Mund. Ich dachte sie sei eine Heilige oder sowas?"
"Sie hat mein Tagebuch gelesen."
"Bitte?"
"Ja. Ich habe sie gefragt, sie hat mir dreist ins Gesicht gelogen und Mehdi wusste es die ganze Zeit über."
"Puuuh. Und jetzt?"
"Jetzt brauchen die beiden sich nicht mehr bei mir melden. Unverschämt sowas."
"Mhm. Ich rede mal mit Kaan. Der soll den Vogel mal langsam vor ie Tür setzen. Ich sag's dir die baut nur scheiße!"
"Sie ist vielleicht schwanger. Viel Glück also Doktor Meier. Was haben wir?" ,fragte sie Gordon, der gerade mit der Trage aus dem RTW stieg. "Sie ist bitte was?" ,sagte Marc verwirrt ohne auf Gordon einzugehen der ihm das Klemmbrett hinhielt. Keiner der beiden sah auf die Trage.
"Frau Mitte fünfzig. Beim Gardinen aufhängen von der Leite gefallen." ,schmunzelte Gordon als er sah wie Gretchens Augen ganz groß wurden.
"Mama!"
Marc blickte sich um : "Was? Wie? Wer?" ,dann fiel auch sein Blick endlich auf die Trage , "Bärbel?"
"Mama was machst du denn?"
"Der Hund, der hat wohl gedacht ich wolle mit ihm spielen."
"Na dann werd ich ihn wohl nachher mal abholen. So kannst du dich nicht um ihn kümmern." ,meinte Gretchen als sie sich den Arm genauer ansah.
"Jep" ,stimmte Marc zu, "Das muss zum Röntgen. Sieht mir nach nem Bruch aus. Mit viel Glück ist der Knochen glatt durch."
"Junge! Wie sich das anhört" ,tadelte Bärbel ihren Schwiegersohn in spe. Er lächelte sie freundlich an und strich ihr fast schon liebevoll über den Oberarm. "Hör zu Bärbel. Ist der Knochen nicht glatt durchgebrochen, reicht keine kleine OP. Ist es ein komplizierter Bruch werden wie eine große OP machen müssen und eventuell Hilfsmittel nutzen müssen, damit er wieder zusamen wächst. Vielleicht reicht aber auch ein einfacher Gips."
Bärbel nickte als Zeichen das sie ihn verstanden hatte und Gretchen sah ihren Freund erstaunt an. "Seit wann kannst du denn so gut erklären?"
"Mhm. Seitdem eine gewisse Ärztin mich auf meine Profilneurose angesprochen hat" ,grinste er sie an.
"Der muss ich unbedingt Blumen schicken" ,nickte Gretchen anerkennend und tippte sich gespielt nachdenklich mit dem Zeigefinger auf's Kinn.
Kurz lachte Marc auf und wand sich dann an Sabine: "Okay. Schwester Sabine? Sie bringen Frau Professor Haase bitte zum Röntgen. Piepen sie den Professor an. Der soll sich das auch anschauen."
"Wird erledigt Herr Doktor Meier." ,lächelte Sabine freundlich, schnappte sich Bärbel und verschwand mit ihr um die Ecke. Eigentlich wollte sie direkt durchlaufen, doch Bärbel hielt sie kurz zurück und deutete an ihre Tochter belauschen zu wollen. Panisch schüttelte Sabine den Kopf - doch da war es schon zu spät.

"Und was machen wir beide nun bis zur OP?" ,fragte Gretchen zärtlich.
"Mhmm.. Kaffee trinken? In meinem Büro" ,zwinkerte er ihr zu.
"Klar Marc. Das kannst du dir gleich wieder aus dem Kopf schlagen!"

{Schade}

"ich hätte jetzt doch lieber den Schokopudding" ,niedlich klimperte sie mit den Wimpern und verkniff sich ein Lachen.
"Ach. Schüssel oder doch lieber auf mii.."
"MARC!"
"Is ja gut. Hab nichts gesagt"


"Die beiden" ,schüttelte Bärbel den Kopf. Sabine sah den beiden Ärzten verträumt hinter her: "Ja, sind sie nicht süß zusammen?"

Choconussa Offline

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Beiträge: 330

05.01.2016 17:23
#28 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Achtundzwanzig -Wer ist diese Frau? Und wo ist eigentlich Marc?-



"Ich hab es mir überlegt. Kaffee in deinem Büro klingt eigentlich ganz gut." ,sagte Gretchen schnell, als sie Mehdi und Gina zusammen am Tisch sitzen sah.
Erstaunt sah Marc zu ihr herunter und sein Blick folgte dem ihren: "Och Gretchen! Jetzt stell dich halt nicht so an. Musst dich doch nicht zu den beiden setzen."
Er nahm ihre Hand, stieß die Doppeltür zu Cafeteria mit dem Rücken auf und zog sie hinter sich her. Schnell lief er zu dem kleinen Kühlschrank in dem der Schokoladenpudding stand. Gretchen versuchte Schritt zu halten und sich wenn möglich, hinter ihm zu verstecken. Marc konnte nur grinsend mit dem Kopf schütteln, natürlich hatten Mehdi und Gina die beiden schon längst bemerkt. Verdutzt sahen sie sich das Schauspiel an und folgten den beiden mit ihren Blicken als sie sich an einem der hintersten Tische breit machten.
Gretchen war darauf bedacht, nicht zu den beiden herüber zu sehen, doch Marc hob die Hand zum Gruß und lächelte freundlich.
"Sag mal, muss das sein?"
"Was denn?"
"Ich habe dir doch gesagt; ich will nicht mit den beiden reden. Mit so einer Geste lädst du sie ja quasi ein sich zu uns zu setzen."
"Ja klar. Tut mir leid." ,sagte Marc mit sarkastischer Stimme.
Doch Gretchen lag auch dieses Mal völlig daneben, denn an dem Tisch ihrer beiden Freunde, wehrte sich jemand vehement zu ihr zu gehen.
"Da. Jetzt geh zu ihr und entschuldige dich."
"Was soll ich denn da sagen? Zuhören wird sie mir so oder so nicht."
"Gina! Hör auf zu jammern und geh zu ihr."
"Nein. Ich sollte vielleicht lieber ein bisschen Gras über die Sache wachsen lassen und wenn sie sich beruhigt hat kann man da noch mal drüber reden."
Mehdi sah sie enttäuscht an, stand dann auf und sagte: "Dann melde dich bei mir wenn du Rückrat hast. Es ist einfach unfassbar wie du die verhältst. Du verlangst von anderen Ehrlichkeit und bist selbst nicht dazu in der Lage ehrlich zu sein. Du kannst nicht zu deinen Fehlern stehen und anstatt Gretchen ihr Glück zu gönnen, hintergehst du sie in der Hoffnung ihr das wieder kaputt machen zu können."
Während er sprach war er immer lauter geworden. Er war wirklich sauer auf sie. Die ganz Cafeteria sah zu den beiden herüber und leises Getuschel war zu hören.
"Meeehdi" ,wisperte sie, "Setz dich wieder und schrei nicht so bitte. Die anderen gucken schon."
"Ach. Ist es dir unangenehm wenn jeder weiß was du für falsche Spiele spielst?"
"Bitte? Ich spiele doch keine falschen Spiele. Ich wollte halt nur wissen wie ernst er es mit ihr meint. Die ganze Zeit will er nicht und dann auf einmal rennt er ihr hinter her? Ich bitte dich, da denkt man eben erstmal das es nichts halbes und nichts ganzes sein kann."
"Selbst wenn geht es dich nichts an. Das ist deren Leben und nicht das deine! Ich geb zu ich war auch skeptisch, aber ich würde es mich nie wagen den beiden irgendetwas streitig zu machen."
"Ach du. Du weißt doch gar nicht wie es ist wenn deine beste Freundin immer alles bekommt was sie will. Immer.. Dabei ist sie nicht mal sonderlich viel hübscher und - "
"BITTE WAS?"
"Gretchen, setz dich wieder..."
"Ne, ne Marc. Das kann sie jetzt mal ausführlich erklären."
"Du willst es wirklich wissen?"
"Ja Gina, ich würde es gerne wirklich wissen. Ich würde wirklich gern verstehen warum meine angeblich beste Freundin sowas macht und sagt."
"Gut. Pass auf. Du hast dein Studium noch nicht ganz beendet und Peter macht dir einen Antrag. Von da an war ich dir doch egal. Du hast dich nicht mehr bei mir gemeldet und warst nur noch mit deiner Hochzeit beschäftigt. Dann betrügt er dich und du kommst wieder angekrochen. Dann heulst du mir ewig die Ohren voll das du Marc wieder getroffen hast und du wieder dabei bist dich so richtig in ihn zu verlieben, er aber ein Arschloch ist. Jeden Tag musste ich mir das anhören und du rennst ihm trotzdem weiter hinter her. Er wollte eine andere heiraten und trotzdem hast du doch nicht von dem lösen können. Dann lernst du Alexis kennen. Der will dich dann auch gleich heiraten und du nimmst den Antrag an, obwohl du nicht über Meier hinweg bist. Als ich dann hier war und Marc das erste Mal gesehen habe, da habe ich mich.. nun ja.. Ich habe mich verliebt."
"In Frank?" ,fragte Gretchen verständnislos.
"Mensch. In Marc!"
"WAS?" ,riefen Gretchen, Mehdi und Marc gleichzeitig aus und einer war erschrockener wie der andere. "Oh mein Gott Hilfe" ,stöhnte der Chirurg noch auf und sah gequält zu Mehdi der seine Freundin verletzt ansah. Davon hatte sie nie etwas erwähnt.
"Ja ich habe mich verliebt. Ja ich wollte euch auseinander bringen. Ich wollte nicht das du wieder glücklich wirst und dann auch noch mit dem Mann den ich liebe. Ja und als ich dann dachte ich hätte es endlich geschafft, bleibt der Idiot doch in Afrika und ihr macht einen auf frisch verliebt."
"Entschuldige. Du hast doch wohl nicht echt geglaubt ich würde irgendwann mal was mit dir anfangen?" ,fragte Marc ehe irgendjemand was zu Ginas Offenbarung sagen konnte.


Gretchen fühlte sich wie betäubt. Da dachte sie, sie würde diese Frau kennen - besser wie jeder andere und dann sowas.
"Du bist so widerlich Gina. Echt! Erst die Lüge im Fahrstuhl und jetzt das? Denkst du auch nur einmal an die Gefühle anderer Menschen? Zum Beispiel an die von Mehdi" ,flüsterte sie mit Tränen in den Augen.
"Spiel dich nicht als Heilige auf. Hast du dir über Mehdis Gefühle Gedanken gemacht, als du mit ihm geschlafen hast um dann gleich wieder zu diesem Idioten zu rennen? Nein hast du nicht. Marc Reaktion als er dann erfahren hat das du mit Mehdi geschlafen hast, bezeichnest du als kindisch. Mal darüber nachgedacht das du ihm damit weh getan hast? Er wollte dich und hast ihm nur Arschtritte verpasst. Ebenso hast du auf Mehdis Herzen herumgetrampelt. Schläfst mit ihm, machst ihm Hoffnungen und wirfst dich dem Meier in die Arme. Mehdi hast du doch auch immer nur als Kotztüte benutzt."
"Das stimmt doch gar nicht. Mehdi wusste das mehr als Freundschaft einfach nicht drin ist."
"Außerdem" ,schaltete Marc sich ein, "was bildest du dir eigentlich ein, he? Ich sage es dir jetzt ein letztes Mal; halte dich aus unseren Angelegenheiten und aus unserer Beziehung raus, Gina."
"Ich bitte dich Marc! Das ist doch keine Beziehung. Das was ihr da veranstaltet ist doch nur ein Eiertanz. Keiner von euch beiden weiß was er wirklich will."
"Ich glaube es ist besser wenn du jetzt gehst Gina. Für immer!" ,deutete Mehdi mit ausgestrecktem Arm zur Tür ohne sie anzusehen. Er wusste nicht was er sonst tun sollte. Diese Frau liebte ihn nicht. Auch sie war dem Charme eines Marc Meiers verfallen und insgeheim fragte er sich ob er jemals jemanden finden könnte, wenn er mit ihm befreundet war.
"Gut. Dann gehe ich. Ich könnt euch aber sicher sein das ich nicht aufgeben werde. Ich hol mir schon was mir zusteht."
"Viel Erfolg. An dir würde ich nicht mal Hand anlegen, wenn du die letzte Frau auf Erden wärst. Und jetzt verzieh dich."
Doch Gina dachte gar nicht daran zu gehen. Lieber wollte sie noch ein bisschen bohren.
"Ihr zwei fühlt euch ganz toll oder? Ich will nicht wissen wie hoch der Wetteinsatz auf euch beide schon ist. Habt euch ja bisher gut gehalten. Aber was macht ihr wenn es ersnt wird? Läufst du dann wieder weg Marc? Oder wirst du wie dein Vater?"
In Marc zündeten diese Worte eine Atombombe. Er wusste das Gretchen damals viel mit Gina darüber geredet hat, weil es für sie einfach schwer war damit umzugehen. Er selbst wollte ja nicht darüber reden. Einmal hatten sie dieses Thema ausführlich auseinander genommen doch danach war es für Marc auch schon wieder vergessen.
Mehdi konnte ihn gerade noch am Arm festhalten und Gretchen konnte einfach nicht glauben, dass die Frau vor ihr wirklich ihre beste Freundin sein sollte. So kannte sie Gina nicht. Klar war sie immer darauf bedacht zu erwähnen das Gretchen nicht typisch Karrierefrau war und sie fand die Behandlungsmöglichkeiten in Berlin ein wenig mittelalterlich.
Doch das sie so ein gemeiner, gehässiger Mensch ist, wusste sie nicht.
"Was bist du nur für ein Mensch?" ,fragte sie leise.
Doch Gina ging gar nicht darauf ein. "Siehst du Gretchen? Er WÜRDE zuschlagen. Er würde Hand an dir anlegen."
"Das würde er nicht! Und das weißt du auch Gina" ,sagte Mehdi streng.
Gina lächelte ihn an : "Warum hältst du ihn denn dann noch fest?"
Marc der schon die ganze Zeit versuchte sich loszureißen fragte sich das auch schon die ganze Zeit.
"Gute Frage! Lass mich endlich los Mehdi."
Er richtete sich den Kittel ,verlies mit großen Schritten die Cafeteria und später dann auch das Krankenhaus.


Was wusste die Brillenschlange schon? Es war doch bereits ernst. Er hatte sie bei sich einziehen lassen. Wie ernst konnte es denn jetzt noch werden?
Gretchen nahm die Pille, der Name Haase passte auch noch auf das Klingelschild. Er würde ihr niemals wehtun.. Zumindest nicht körperlich.

"...., nur hab ich es doch bisher auch nicht ausgeschlossen."

Das hatte er gestern erst noch zu ihr gesagt. Doch wenn er genau darüber nachdachte, hatte er es bereits gänzlich ausgeschlossen. Er wollte nicht heiraten. Wozu denn auch? Sie liebten sich und dazu brauchten sie keinen Trauschein. Er empfand Eheschließungen als Geldmacherei. Kinder passten überhaupt nicht zu seinen beruflichen Plänen. Er wollte unbedingt Karriere machen. Ein Krankenhaus leiten. Wenn nicht dieses dann eben ein anderes. Gretchen würde wohl kaum alles allein machen wenn er den ganzen Tag unterwegs ist. Den ganzen Tag im OP, nie für seine Familie da. Das wollte er nicht.
Ob sie ihn wohl verlassen würde? Auch wenn er es nicht gerne zugab, das würde er wohl nicht überleben.
Er liebte sie - er war glücklich. Doch reichte das aus? Reichte das alles aus um sich einen Menschen voll und ganz hinzugeben?
Gestern erst noch hatte sie über Weihnachtsdeko gesprochen. Er war ja total dagegen, denn auch Weihnachten war reiner Kommerz. Sie hatte gequengelt es wäre doch ihr erstes gemeinsames Weihnachten in Berlin und sie wolle es schön haben. Sie wollte sogar einen Tannenbaum haben und er solle sich Gedanken darüber machen, bevor er alles ablehnte. Aber warum sollte er sich Gedanken machen, wenn er ganz genau wusste das er das einfach nicht wollte.
Er wollte so vieles nicht was sie wollte. Vieles hatte er schon total umgestellt.. Das war nicht mehr er, nicht mehr sein Leben.



"Sabine? Haben sie Doktor Meier schon gesehen?"
"Nein Frau Doktor. Und ich weiß auch wirklich nicht wo er ist. ER ist vorhin einfach nur wie der Teufel aus dem Krankenhaus gerannt, ohne was zu sagen oder jemanden anzusehen." ,antwortete Sabine fast ein wenig genervt. Diese Frage hatte sie heute schon einhundert Mal gehört. Und immer konnte sie nur das seine sagen.
"Klasse. Ganz klasse."
Gretchen hatte in der Zwischenzeit Gina aus dem Krankenhaus befördert, zwei OP's hinter sich gebracht, ihrer Mutter einen Gips verpasst, Saskia ihren Laptop geholt und bei fünf Patienten Abschlussvisite gemacht.
"Noch immer kein Glück?" ,fragte Mehdi und setzte sich zu Gretchen, die frustriert das Telefon auf den Tisch knallte. "Handy aus!" ,entgegnete sie nur knapp und vermied es den Gynäkologen anzusehen.
"Gretchen, es tut mir leid. Ich wollte es dir wirklich sagen. Ich stand ganz einfach irgendwie zwischen den Stühlen. Ich hatte mich in sie verliebt und wollte es wirklich mit ihr probieren und auf der anderen Seite bist du. Meine beste Freundin. Ich wollte wirklich keinen von euch beiden verletzen und ich dachte eigentlich Gina würde irgendwann von selbst auf die Idee kommen mit dir darüber zu reden."
"Ist ja jetzt auch egal. Ändern können wir es jetzt auch nicht mehr und es interessiert mich auch nicht wirklich. Ich bin einfach nur ein wenig enttäuscht von dir. Viel mehr mache ich mir zur Zeit Sorgen um Marc."
"Dem wird schon nichts passiert sein. Wahrscheinlich ist er ne Runde Golfen um sich abzureagieren oder so. Soll ich dich nachher nach Hause fahren? Deine Mutter braucht doch sicher ein bisschen Hilfe. Mit dem Arm kann sie ja nichts mehr machen."
"Danke, aber ich denke ich werde laufen. Außerdem wohn ich ja jetzt bei Marc."
"So schnell? Ich dachte er lässt sich jetzt noch ein Jahr Zeit."
"Na ja.. Vielleicht war das ja jetzt der erste Schritt in die richtige Richtung."
"Mhmm" ,nickte Mehdi, "dabei denkst du wohl an ein Leben als Frau Doktor Meier, hm?"
"Oh Gott. Merkt man mir das so stark an?"
"Gretchen. Das kann man dir an der Nasenspitze ablesen."

Abwesend sah sie aus dem Fenster. ~Der Traum... oh nein..~

"Alles okay bei dir?" ,fragte Mehdi und sah sie besorgt an.
"Was? Ja. Äääh, du ich muss jetzt los. Wir sehen uns morgen ja?"
"Ähm ja gut. Okay."
Verwundert blickte er ihr hinter her.


Sie riss ihren Spind auf, zerknüllte den Diätplan der darin hing, schnappte sich sämtliche Hochzeitsmagazine und begab sich auf den Weg zur Altpapiertonne.

~Muss mir unbedingt mal was zum Thema Traumdeutung durchlesen. Vielleicht sollte mir das ja irgendwas sagen!?~

Schweren Herzens schloss sie den Deckel der Tonne und lief dann langsam nach Hause. Doch schon nach einer Weile beschleunigte sie ihre Schritte, denn es war in den letzten Tagen doch deutlich kälter geworden. Kleine Dunstwolken stiegen vor ihrem Gesicht auf und die kalte Luft brannte ihr auf der Haut.

~Vielleicht ist er ja schon zu Hause.~

Mit zittrigen Fingern schloss sie die Tür auf. Im Flur und im Wohnzimmer brannte kein Licht. Anscheinend war er schon zu Bett gegangen. Leise zog sie sich Schuhe und Jacke aus, hing den Schal an die Garderobe und war peinlich darauf bedacht keinen Lärm zu machen. Voller Vorfreude zu ihrem Freund ins warme Bett schlüpfen zu können, schlich sie auf Zehenspitzen ins Schlafzimmer.

~Pustekuchen. Wo steckt der denn?~

Wieder versuchte sie ihn telefonisch zu erreichen und wieder meldete sich nur seine Mailbox die ihr sagte, dass er weder Zeit noch Lust hatte zu reden und er, sollte er Größenwahnsinnig werden, zurückrufen würde.
Immer und immer wieder versuchte sie es und jedesmal antwortete die Mailbox.
Stunden später war sie dann irgendwann eingeschlafen. An Ort und stelle und noch immer mit dem Telefon in der Hand. Das letzte Mal auf die Uhr gesehen hatte sie um 22:45 Uhr.


Die letzte Uhrzeit die Marc Meier an diesem Tag im Kopf hatte, war 19:58 Uhr.
Generell wusste er nicht sonderlich viel. Zum Beispiel war es ihm ein Rätsel, wo sein Auto geblieben war. Er fragte sich auch wie zum Teufel er es bis zu seiner Wohnungstür geschafft hatte, ohne unterwegs angefahren zu werden oder über seine eigenen Füße zu stolpern. Verloren stand er im Hausflur und suchte den richtigen Schlüssel. Diesen zu finden erwies sich im Dunkeln und mit ohnehin verklärter Sicht als äußerst schwierig. Ale er ihn schließlich fand, mühte er sich ab das Schlüsselloch zu finden. Auch das war für ihn eine Herausforderung der Spitzenklasse. Er ging in die Knie, fiel dabei beinahe hinten über, konnte sich gerade noch so an der Türklinke festhalten und versuchte mit zusammengekniffenen Augen was zu erkennen. Ganz nah hing er mit seinem Kopf vor dem Schlüsselloch. Doch er schaffte es einfach nicht den Schlüssel in dieses zu befördern. Immer ging er einen Millimeter zu sehr nach links oder rechts. Er presste ein Auge fest zusammen, vielleicht war es ja nur mit einem Auge einfacher.
Und mit einem Mal hing er halb gebeugt, auf den Knien, an der Türklinke in seinem Flur auf dem Boden.
Stöhnend richtete er sich auf und sah zum Sofa.

{Nanü? Was liegt sie denn da so rum?}

"Haschenzaaaaahn?" ,lallte er, "Warum liegstn du da so auf der Couch rum? Lebsu noch?"
Die Angesprochene schmatze ein kurzes "Mhmm Maaarc" und schlief weiter.

Belustigt sah Marc auf sie herab und fing an sich umständlich aus Jacke und Schuhe zu schälen. "Träumsu von Sex mit mir? Find ich aber gar nich nett wenn du den gansen Spaß allein hasch....huuuupsch!" ,er konnte sich gerade noch so an der Rückenlehne festhalten sonst wäre er auf die schlafende Prinzessin gefallen. Dies wäre wohl eine ziemlich schmerzhafte Art und Weise geweckt zu werden. Doch von der Erschütterung der ihr Körper kurz danach, als Marc sich neben sie plumpsen lies, ausgesetzt war wurde sie dann doch noch wach.
"Marc?" ,fragte sie vorsichtig in die Dunkelheit hinein.
"Hmm.." ,nuschelte er nur. Er hatte den Kopf in den Nacken gelegt und die Augen geschlossen. Langsam bekam er ein flaues Gefühl im Magen und er wollte unbedingt vermeiden in nächster Zeit auf's Klo torkeln zu müssen.
"Mensch, wo kommst du denn jetzt her?"
"Gans eeehrlisch? Ich hab heine Ahnuuung." ,hickste er ihr entgegen.
"Boar..du..ooooar.. Du stinkst wie ne Schnapsbrennerei!"
"Jooooa. Viiiielleischt hab i ein büssn was etrunken."
"Ein bisschen?! Du bist total besoffen."
"Quuuuatsch. Da heht no was."
"Hmm. Süüücher! Du gehst jetzt ins Bett." ,sagte sie bestimmt und versuchte ihn hochzuziehen. Das war jedoch nicht so leicht. Er wog ohnehin ein wenig mehr und nun wo er anscheinend keinerlei Kontrolle mehr über seine Muskulatur hatte, war er nochmal um einiges schwerer.
"Nur wennu mit mir ins Bettchen kommscht. Un du musscht mich ausssiehen. Schaff isch bestümmt nisch mehr alleine."
"In deinem Zustand ist es ein Wunder das du überhaupt her gefunden hast. Jetzt helf mir hier doch mal ein bisschen mit Marc. Ich bekomm dich so nicht hoch."
"Isch bin aber so müüüüde Gretschn. Wir könn' doch auch einfach hier liehen bleiben."
"Klar. Damit du morgen früh zum Kater auch noch Rückenschmerzen hast? Marc, du musst morgen eine große OP machen. Was sollen denn die anderen denken wenn der Oberarzt wie eine Leiche im OP steht? Du würdest so wie du aussiehst nicht mal in der Patho auffallen."
"Dann machstu halt die OP morgen un ich schlaf misch so riiischtig aus. Hier der Knetch, mh, Knecht..Ach der Dings hier der Knecht Ruprecht kann dir dann die Dinger hier die Kugeln halten, oder was auch immer."
"Die Kugeln halten? Träumst du jetzt oder was?"
"Neeeein. Ach du weischt doch.. Die Dinger da halt."
"Frau Range wünscht aber ausdrücklich das du sie operierst."
"Haschenzahn, die pennt. Die bekommt also gar nisch mit wer sie aufschneidet und in ihr rumwurschtelt."
"Nee komm jetzt echt. Weißt du was? Wenn du da liegen bleiben willst, bitte. Ich gehe ins Bett. Gute Nacht."
"Hute Naaaaaacht Prinseschin Haschenzaaaahn" ,rief er ihr noch hinterher.
Doch Gretchen war sauer. Wie konnte man sich nur so voll laufen lassen? Dann auch noch mitten in der Woche. Mit einem lauten Knall fiel die Tür zum Schlafzimmer zu und frustriert legte sich Gretchen ins Bett.

~Oh der wird schon noch erleben was er davon hat.~

Choconussa Offline

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05.01.2016 17:25
#29 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Neunundzwanzig -Das Schweigen der Ärzte-



Am nächsten Morgen wachte sie vor Marc auf und war erfreut darüber. Gemütlich ging sie ins Bad, duschte, schminkte sich und zog sich an. Dann ging sie in die Küche und machte ein Glas Wasser mit Asperin fertig. Ja das würde er brauchen. Die Metallica CD lag noch in der Anlage. Sie zog die Stecker für die Kopfhörer heraus, drehte die Lautstärke auf Max und drückte genüsslich auf Play. Mit einem Ruck saß Marc auf und hielt sich sofort den Kopf. Mit schmerzverzerrtem Gesicht sah er sich um und als er seine Freundin schadenfroh grinsend an der Anlage stehen sah, brüllte er schon drauf los.


"SPINNST DU? MACH DIE SCHEIßE LEISER. ODER AM BESTEN GLEICH GANZ AUS."
"Oooooh. Hat da wer Kopfschmerzen? Das ist aber doof. Wusste ich gar nicht. Das tut mir jetzt aber leid."
"Ja, ja.. Hör auf so zu grinsen." ,sehnsüchtig sah er zu dem Glas welches sie in der Hand hielt.
Sie bemerkte es und lächelte fröhlich in sich hinein. "Möchtest du das hier vielleicht haben Marci?"
"Bitte. Gretchen, mein Kopf explodiert gleich."
"Mhmm. Das muss ich mir aber stark überlegen. Weiß nicht ob du das wirklich verdient hast."
Stöhnend legte Marc sich wieder hin und rieb sich angestrengt über das Gesicht. Womit hatte er das nur verdient? "Ich war nur was trinken Gretchen. Wo ist denn das Problem?"
"Wo das Problem ist? Das kann ich dir ganz leicht beantworten Olivier! Du bist stinksauer abgehauen und dann warst du nicht zu erreichen. Ich habe mir Sorgen gemacht."
"Oh bitte. Wusste Mami nicht wo ich bin? Sag mal muss ich mich jetzt bei dir ab- und anmelden oder was?"
"Quatsch. Du hättest dich einfach mal melden können. Dann hätte ich gewusst das es dir gut geht."
"Ich bin über dreißig. Ich bin doch wohl dazu in der Lage auf mich aufzupassen. Man Gretchen, das funktioniert so nicht. Genau das war der Grund warum ich mir keine Frau in die Wohnung oder ins Leben geholt habe. Ist ja fast wie mit sechzehn hier. Kipp den scheiß da weg, ich mach mir gleich selbst was. Bin schließlich erwachsen."
"Das seh' ich. Du lässt dir mitten in der Woche den Schädel voll laufen und riskierst so eine wichtige OP! Kannst du mir mal sagen was das soll?"
"Das geht dich nen Scheißdreck an!"
"Bitte was? Kannst du mir mal sagen was der Scheiß jetzt hier soll?"
"Mhmm.. Kannst du mir mal sagen warum du immer alles hinterfragen musst? Warum ich mir immer vor dir rechtfertigen muss? Ich bin alt genug. Ich brauche keine Mami die auf mich aufpasst!"
"Das sagt doch auch niemand. Ich möchte doch einfach nur wissen was mit dir los ist."
"Und ich will nicht reden. Ich muss nicht über alles reden. Wann kapierst du endlich mal das es einfach Dinge gibt die dich nichts angehen?"
"In einer Beziehung redet man aber miteinander Marc. Wenn es dem einen schlecht geht, macht der andere sich für gewöhnlich Sorgen. Wenn etwas nicht stimmt redet man zusammen darüber."
"Achsoo. Dann hast du ja sicher nichts dagegen wenn ich mir deine Tagebücher zum lesen mit ins Bett nehme oder? Du hast mir bisher auch noch nicht gesagt was Sonntag mit dir los war. Auch du redest nicht über alles mit mir. Verlang das also nicht von mir. Ich gebe dir bereits alles was ich dir geben kann. Mehr ist echt nicht drin. Jetzt lass mich in Ruhe. Ich muss mich fertig machen. Kannst ja schon mal zur Arbeit gehen."
"Soll ich jetzt laufen oder was?"
"Kannst dir doch deinen Drahtesel aus dem Keller holen. Bewegung tut dir auch mal gut." ,rief er aus dem Bad.


Schnaubend wandte Gretchen sich um, zog sich an und verlies mit ganz lautem Gepolter die Wohnung.
Die Treppe zum Keller war sehr schmal, weswegen Gretchen leichte Schwierigkeiten hatte mit dem Fahrrad nach oben zu kommen. So saß sie erst fünfzehn Minuten später auf dem Sattel, auf dem Weg zur Arbeit. Und da heute wohl nicht ihr Tag war, fing es an wie aus Eimern zu schütten.

~Klasse. Warum denn auch nicht?~


Zwanzig Minuten zu Spät, trat sie bis auf die Unterwäsche durchnässt das Stationszimmer und bekam den Mund nicht mehr zu. Am Tisch saß ganz gemütlich Marc Meier und blätterte gelangweilt in einem Fachmagazin. Als er sie bemerkte sah er kurz auf die Uhr und sagte dann Vorwurfsvoll: "Du bist zu spät!"
"Willst du mich jetzt eigentlich verarschen?"
"Das sollte ich wohl eher dich fragen. Du bist zwanzig Minuten vor mir gegangen. Warum also bist du zu spät?"
"Ich musste das Fahrrad aus dem Keller holen und hast du mal rausgeschaut? Es regnet!"
"Und das muss mich nun was interessieren? Du hast dafür Sorge zu tragen pünktlich an deinem Arbeitsplatz zu erscheinen."
"Dessen bin ich mir bewusst Marc. Du musst mich hier nicht Oberlehrerhaft belehren. Denk dran du bist nicht mehr mein..."
"Chef? Doch. Denn du bist wie in deinem Arbeitsvertrag steht nur die ZWEITE und STELLVERTRETENDE Stationsleiterin. KEINE Oberärztin, also bin ich nach wie vor dein Vorgesetzter" ,fröhlich grinste er seine Freundin an, der gerade alle Gesichtszüge entfielen.
"AAAARGH!" ,war darauf nur ihre nicht sonderlich schlagfertige Antwort.
"Mecker hier nicht rum. Geh dich mal umziehen du tropfst hier alles voll. Das ist nicht sonderlich Hygienisch. Dann bewegst du deinen Arsch in MEIN Büro und machst die Akten die dort liegen fertig."
"Akten? Geht's noch?"
"Ja. Du bist zu spät, also machst du die Akten."

~Das ist doch nur die Rache für heute Morgen.~

Wütend riss sie ihm den Büroschlüssel aus der Hand und ging in die Umkleide. Dort lies sie sich frustriert auf die Bank fallen und warf ihre Schuhe wütend gegen den Spind vor ihr.

~Toll! Socken auch nass.~

Kopfschüttelnd zog sie sich um und beschloss Marc mit Nichtachtung zu bestrafen, bis er sich bei ihr entschuldigt hatte.
Sie entledigte sich ihrer nassen Kleidung, nahm sich schnell einen Kaffee und ging ohne ihn noch eines Blickes zu würdigen in sein Büro. Was sie dort sah lies sie sauer die Luft durch die Nase einziehen. Auf dem Schreibtisch lagen an die 150 Akten. Damit würde sie heute nicht fertig werden und so wie sie ihn kannte, durfte sie morgen wieder ran.
Nach den ersten beiden war ihr klar, das es sich dabei um seine Versicherungsfälle handelte. Alle noch nicht fertig gemacht weil er zu faul war und nun sollte sie für ihn die Drecksarbeit machen.
Kurz überlegte sie ob sie ihm das zurückzahlen sollte, indem sie die Fälle nicht nur ausfüllte sondern auch unterschrieb. Das würde ihrem Vater gar nicht gefallen. Franz hatte vor einiger Zeit beschlossen, das nicht mehr die Schwestern sondern die Oberärzte selbst ihr Versicherungsfälle schrieben. Wenn Marc sich nun also einen anderen Sklaven dafür suchte, bekäme er sicherlich richtigen Ärger mit ihrem Vater. Doch so gemein wollte sie dann doch nicht sein. Immerhin hatte sie ihn ja am Morgen auch gequält, obwohl sie ganz genau wusste das ihm der Kopf platzen musste.
Gegen dreizehn Uhr knurrte ihr Magen und obwohl sie wusste, dass sie heute nicht mal mehr die Hälfte schaffen würde, wenn sie nun essen ging machte sie sich auf den Weg in der Cafeteria. In der linken Hand hielt sie eine der Akten. Ihr war nicht ganz klar wer der Patient war und bei Marc's Sauklaue würde sie das wohl auch nicht erfahren. Vielleicht war ja Sabine beim Mittag, dann konnte sie sie einfach mal fragen.
Doch anstelle von Sabine traf sie Mehdi. Noch immer war die Stimmung zwischen den beiden etwas gedrückt, doch sie versuchten das Beste daraus zu machen.


Derweil hatte ein gewisser Oberarzt eigentlich das Bedürfnis gehabt seiner Freundin einen kleinen Besuch abzustatten. Doch das leere Büro stimmte ihn nicht sonderlich fröhlich. Sauer machte er sich auf die Suche nach ihr.

Wie erwartet saß sie mit Mehdi beim Mittag. Er ging auf ihren Tisch zu setzte sich grüßte kurz seinen besten Freund und sah Gretchen die ganze Zeit an. Eigentlich hatte er ja fest damit gerechnet das sie aufstehen und einfach verschwinden würde. Doch sie blieb sitzen.
Ein Fortschritt? Nein! Gerade als er sie ansprechen wollte, zog sie ein fragendes Gesicht während sie auf irgendwelche Akten starrte. Ehe er sich versah, hatte sie das Telefon in der Hand und plapperte drauf los: "Ja, Schwester Sabine?! Dr. Haase hier. Ich habe mir gerade eine der Akten angesehen und musste feststellen das ein Patient der letztes Jahr wohl schon mal hier war gestern operiert wurde." Kurzes Nicken von ihr. "Mhmm ja genau, der Herr Ewers. Ja. Ja. Sollte wohl das Becken gerichtet bekommen."
Bei Marc hatte es schon beim Namen klick gemacht. Das war sein Patient. "Ach der war also bei Dr. Meier. Mhmmm.. Können Sie noch kurz nachsehen was er genau gemacht hat? Ich muss den Fall für die Versicherung schreiben und..
"Ehm ich sitze am Tisch. Du kannst mich auch gern selbst fragen." ,warf er ein. Doch sie ignorierte sie ihn einfach. "UND ich kann bei dieser Handschrift nichts erkennen. Ich glaube ein fünf Jähriger könnte das besser. Ja.. Ja, dann bringen Sie mir das einfach in das Büro vom Chef?"
Da hatte Marc genug und nahm ihr das Telefon aus der Hand: "Ich sitze hier. Du kannst ruhig mit mir sprechen und mich fragen Gretchen!"
Mehdi sah zwischen den beiden hin und her. Gretchen würde bestimmt gleich explodieren. Sie hatte ihm erzählt was Marc sich seit gestern Abend alles erlaubt hatte. Für ihn war es ein Wunder das er noch lebend neben ihm saß. Aber vielleicht sollte sich das ja gleich ändern?
"Na gut Herr Meier. Dann erzählen Sie mir mal von dem Patienten. Bevor ich mich noch durch Ihre schlechte Aktenführung quälen muss." , sie sah ihn nicht an sondern spielte mit ihrem Kuli rum.
In Marc brodelte es. Waren die beiden nun also beim 'Sie' und seinen Doktortitel ließ sie auch einfach weg. Frechheit. Gerade als er sie anfahren wollte was sie sich denn einbildete, besann er sich eines besseren. Vielleicht sollte er doch einfach mal klein beigeben und ganz vernünftig mit ihr sprechen.
"Herr Ewers kam damals mit Schmerzen beim Laufen im oberen Hüftbereich. Der Hausarzt hatte eine Überweisung ins Krankenhaus geschrieben. Nach dem Röntgen habe ich festgestellt das er ein schiefes Becken hat. Ich wollte operieren und das richten. Jedoch musste ich die OP zweimal verschieben. Einmal weil irgendwer meinte er müsse ein Tropenvirus anschleppen und ein weiteres mal weil ich ja nicht hier war."
Gretchen nickte ein paar mal: "Mhmm.. Ich erinnere mich. Armer Mann. Tja.. Dann schreib ich ganz einfach das der leitende Operateur nicht in der Lage dazu ist, seine OP's zu planen" ,zufrieden lächelte sie. "Sag mal Mehdi hast du heute Abend schon was vor, oder wollen wir zwei was trinken gehen?"
"Ehm, nein.. Ich..denke..wir..können..was trinken gehen." , Mehdi musste sich erstmal kurz sammeln. Erstens war er auf den plötzlichen Gesprächswandel nicht vorbereitet gewesen und auf so eine Frage schon einmal gar nicht.
"Machst Du das mit Absicht?" , Marc war richtig wütend, doch er sollte wieder keine Antwort bekommen.
"So Mehdi.. Ich muss dann mal. Weißt doch wie cholerisch der Oberarsch werden kann wenn man nicht nach seiner Nase tanzt. Bis heute Abend dann, Küsschen."
"Tzzz.." , Marc lies ein wenig den Kopf hängen.
"Was ist los Meier?" ,fragte Mehdi wohl wissend was mit ihm los war.
"Redet die einfach nicht mit mir. Und dann auch noch dieses dämliche Herr Meier.. Pff.. Die kann mich mal."
"Mhmm.. Hättest vielleicht mal ein wenig netter zu ihr sein sollen heute morgen, nachdem sie halb Berlin abtelefoniert hat. Sie hat sich echt Sorgen um dich gemacht."
"Sie hat sich doch so eine beschissene beste Freundin ausgesucht und wollte nicht auf mich hören. Also soll sie sich jetzt nicht beschweren wenn ich nach so einem scheiß was trinken gehe."
"Kannst du dir auch nur im Entferntesten vorstellen wie das ist wenn man nicht weiß was der andere gerade macht? Wenn jemand so sauer wie du es gestern warst abhaut, kann was weiß ich nicht was passieren. Sie hat sogar versucht dich Orten zu lassen und wollte ne Vermisstenanzeige aufgeben"
"Sie wollte bitte was?"
"Ja echt!"
"Ach quatsch.. Das würde sie... Was grinst du denn so?"
"Ich habe sie gestern von der Polizei abholen müssen Marc! Und weil das nicht funktioniert hat, hat sie versucht dich im Netz zu orten. Irgendwelche Bankdaten musste sie da angeben. Zum Glück hast du deine auf dem Rechner gespeichert."
Marc stand prompt stocksauer auf, schlug mit der flachen Hand auf den Tisch und brüllte fast: "Dieses Miststück!!!"


Jetzt war es offiziell: Er war wütend. Sauer stapfte er durchs ganze Krankenhaus auf der suche nach Gretchen. Jeder der ihm im Weg stand wurde beiseite gestoßen ohne Rücksicht auf Verluste. Schließlich sah er sie; in einem Gespräch mit ihrem Vater. Normalerweise hätte ihn das zurückschrecken lassen, doch gerade in diesem Moment, war er so sauer auf sie, dass es ihm egal war.
"GRETCHEN!"
Sie zuckte zusammen und sah seinen Blick. "Ehm, Papa? Reden wir später weiter? Ich muss wirklich ... äh.. gehen. Und zwar schnell!"
"Aber Kälbchen ich.. " Doch sie lief langsam los.
"BLEIB STEHEN GRETCHEN!... HASENZAHN!!!"
"Was ist denn hier los? Marc?!"
"Ich hab nur ein Hühnchen mit deiner Tochter zu rupfen. Also eigentlich nichts neues."
"Ich wüsste nicht was wir uns zu sagen haben.. - Marc." , sie lächelte ihn übertrieben fröhlich an. Was er auch prompt gespielt erwiderte: "Ooooh ich denke aber schon. Wie oft habe ich dir nun schon gesagt das ich nicht möchte das du immer über alles bescheid weißt? Wie oft? Und wie oft habe ich dir gesagt das du nicht an den Rechner gehen sollst weil da wichtige Dokumente drauf liegen. Wenn du mir da irgendwas falsches klickst ist alles weg und ich habe den Salat. Und was ORTEST du mich auf irgendwelchen Internetseiten? Spinnst du?"
"Klar.. Als ob ich nichts besseres zu tun hätte Marc ich.. " "HÖR AUF MICH ZU VERARSCHEN MARGARETHE!!!"
So hatte er sie wirklich noch NIE genannt. Erschrocken sah sie ihn an und legte sich in ihrem Kopf eine passende Ausrede zusammen. Zumindest versuchte sie es.
"Marc OLIVIER. Ich weiß nicht was dir gerade über den Weg gelaufen ist das du so eine schlechte Laune hast aber ich denke nicht das ich es nötig habe jemanden zu orten."
"Kälbchen? Du konntest noch nie lügen...." ,schmunzelte Franz seine Tochter an.
"PAPA!"
Marc grinste: "Siehste.. Also was soll das? Du weißt ganz genau das ich meine Ruhe haben will wenn ich das Handy ausschalte"
"Mensch Marc. Ich hab mir halt Sorgen gemacht das habe ich dir heute morgen schon gesagt."
"Und ich habe dir DAZU heute morgen was gesagt. Lass es einfach bleiben. Vor allem hinter meinem Rücken mit meinen Bankdaten zu agieren."
Er drehte sich auf der Stelle um und ging. Das würde er sich nicht weiter geben. So ein Kindergarten nur weil sie immer alles wissen wollte und ihn teilweise wie einen kleinen Jungen behandelte.


Von diesem Moment an war nichts mehr so wie es war. Auf der Chirurgie herrschte nicht wie sonst eine angespannte explosive Stimmung, es war eisig.
Die beiden stationsleitenden Ärzte schwiegen sich an und kommunizierten über Schwester Sabine, die sich in der Rolle der 'Postbotin' sehr unwohl fühlte und zumindest bei Doktor Meier die Befürchtung hatte, in den Boden eingestampft zu werden. Doktor Gummersbach, ihr Held mit weißer Schürze, wollte sie aus den Klauen des fiesen Oberarztes retten. Wurde dann jedoch mit den Worten, "Verschwinden Sie SOFORT wieder in Ihren Keller und spielen sie Doktor Bibber! Und wagen Sie es sich NIE wieder mich auf meiner Station belehren zu wollen." ,zurück in die Pathologie befördert.

Während Doktor Gummersbach etwas eingeschüchtert zurück in seinen Fachbereich trottete, wurde Marc Meier von seiner stellvertretenden Stationsleitung zusammengefaltet.
Es sei eine Unverschämtheit was er alles meint sich rausnehmen zu können. Wie er mit anderen sprach und nie auf die Gefühle anderer acht nehme. Sabine hielt die Luft an denn das Gesicht ihres Chef's nahm sehr ungesunde Züge an. Doch Gretchen hatte ganz und gar keine Angst vor ihm. Warum auch? Was wollte er machen?
Er musste sich ein wenig am Riemen reißen, immerhin hatte ihr Vater ein Auge auf ihn. Nicht nur was ihre Beziehung betraf, sondern auch um seine Qualitäten zu testen. Vielleicht würde er irgendwann mal dieses Krankenhaus übernehmen.
Quasi hatte Gretchen in der Hand was aus seiner Zukunft im EKH wurde. Sie müsste nur einmal mit der Wimper zucken und ihr Vater würde ihr jeden Wunsch erfüllen. Das wusste Marc und eben deswegen, waren Streits mit ihr so unglaublich unfair. Klar könnte er euch einfach ein anderes Krankenhaus leiten, hier war es jedoch was anderes.
An diesem Krankenhaus hatte er seine Stationspraktika gemacht, war Assistenzarzt, wurde zum Chirurgen ausgebildet und relativ schnell Oberarzt der Chirurgie. Das hier war sein zu Hause, vielleicht auch ein Stück weit seine Familie.
Gretchen verstand einfach sein Problem nicht. Wenn sie wüsste was in ihm vorging würde sie vielleicht ein wenig Nachsicht haben. Doch er sprach ja nicht.


In der schicken Berliner Altbauwohnung war es noch schlimmer als bei der Arbeit. Hier redeten die beiden kein Wort miteinander, aßen schweigend und gingen früh zu Bett. Zwar dachte Marc das der 'Sicherheitsabstand' zwischen ihnen sich im Schlaf ins Nichts auflösen wurde, doch als er am Morgen die Augen aufschlug, sollte er bitter enttäuscht werden. Seine Prinzessin Hasenzahn hatte sich in der Nacht auf die Couch verzogen und schlief dort den Schlaf der Gerechten.
Drei Tagelang, schwiegen sie sich an. Drei Tagelang schliefen sie getrennt und an Tag vier, hielt es Marc nicht mehr aus.


"Sag mal wie lang wollen wir uns jetzt eigentlich noch anschweigen?" ,die Stille war einfach nicht mehr auszuhalten.
"Wieso?" ,fragte sie ganz offen irritiert. Immerhin nervte sie ihn. Also hielt sie lieber den Mund.
"Du redest seit drei Tagen nur noch das Nötigste mit mir!?"
"War das jetzt eine Frage oder eine Feststellung?"
Grinsend nickte er sie an.
"Du bist also sauer ja?"
"Vielleicht ein bisschen. Ich weiß einfach zur Zeit nicht worüber ich mit dir reden soll. Ich habe keine Lust aufpassen zu müssen was ich sage, damit ich dich nicht nerve. Außerdem schreien wir uns nur an."
"Aha. Nach einem Streit, oder was auch immer hat man sich nichts mehr zu sagen. Und dann willst du einen Mann für's Leben?"
"Genau. Allerdings einen der mich ernst nimmt."
"Ach ja, stimmt ja. Ich mit meinen dreizehn Jahren bin ja nicht in der Lage dazu. Vielleicht sollte ich dir Mehdi vorbeischicken. Obwohl, nee. Du wolltest ja nen Mann."
"Das nennst du ernst nehmen? Andere mit reinziehen und alles ins Lächerliche ziehen?"
"Gretchen. Ich weiß nicht was man daran ernst nehmen kann. Ich bin vielleicht nicht mehr der Jüngste, ich will aber auch nicht wie ein altes Ehepaar auf der Hollywoodschaukel sitzen und über Gott und die Welt reden. Ich würde gern noch ein bisschen Spaß haben."
Lange sah sie ihn einfach nur an. Vielleicht hatte er ja recht und sie erwartete einfach zu viel von ihm. Doch was war zuviel daran zu verlangen sie in sein Leben mit einzubeziehen. Es hatte doch eigentlich die ganze Zeit ganz gut funktioniert.
"Weißt du Marc" ,fing sie langsam und bedacht an, "da spricht denke ich auch nichts gegen. Ich möchte einfach nur das man auch mal ernste Gespräche miteinander führen kann und du nicht immer gleich rumbockst wie ein missverstandener Teenie."
"Tu ich nicht!" ,bockte er sogleich drauf los und musste fast lachen, als Gretchen ihn mit hochgezogenen Augenbrauen ansah.
"Gut. Es ist aber okay wie eine zwölf Jährige seinen Träumen hinterher zu hängen und diese erzwingen zu wollen?"
Jetzt hatte er sie, da war er sich fast sicher. Weil er als er sprach auf den Tisch gesehen hatte, blickte er zu ihr auf und sein selbstsicheres Grinsen verschwand auf der Stelle. Sie lachte.
"Wieso lachst du?"
"Weil ich meine Träume garantiert nicht erzwingen will. Marc, ich wollte einfach nur wissen wie es dir geht. Was du machst. Wo du bist und ob ich auf dich warten soll oder doch schon schlafen gehen kann."
"Siehst du. Genau deswegen war mein Handy aus. Du hättest wieder so lange genervt bis ich dir alles bis ins kleinste Detail erzählt hätte. Es kotzt mich an, okay? Du klammerst, du engst mich ein. Ich komm mir manchmal vor als wären wir dreißig Jahre verheiratet. Und wenn du unbedingt reden willst, dann geh zum Frisör. Und wenn wir schon mal dabei sind; deinen rosa Dekoscheiß sowie die Weihnachtsdeko kannst du lassen wo sie ist. In den Kisten! Bring es meinetwegen in den Keller oder am besten auf den Sperrmüll. In MEINE Wohnung kommt mir die Kacke nicht."
"Du hast sie doch nicht mehr alle. Marc das..."
"Ja fang halt wieder an zu heulen. War der Boden zu hart auf dem du aufgeschlagen bist? Hab ich deine Märchenblase wieder platzen lassen?"
"Hör auf so zu reden Marc.. Bitte.. Das halt ich nicht aus und du meinst das doch auch nicht..."
"Doch das ist mein voller Ernst Gretchen. Jetzt geh nach Hause und schlaf dich aus."
"Ich hab mir doch einfach nur Sorgen gemacht." ,flüsterte sie geknickt.
"Oh ja. Ich werde demnächst jemanden bitten Mami anzurufen und mich aus dem Spielzeugparadies zu holen."
"Was bist du denn schon wieder so unsachlich?"
"Ich versuch nur auf dein Niveau herunter zu kommen. Und jetzt verschwinde, ich arbeite noch ein bisschen. Damit du auch weißt wo ich bin und was ich mache. Ach ja, du musst nicht auf mich warten."
"Boah.. Manchmal verfluch ich echt den Tag an dem ich mich dazu entschlossen habe, hier im Krankenhaus anzufangen."
"Oh gut. Nicht nur du. Schlaf dich aus. Ach, und bitte schmier keine Schokolade in mein Bett" ,drehte er sich noch einmal zu ihr um, als er das Stationszimmer verlassen wollte.
"Du bist so ein..."
"Arsch? Danke. Ich dachte schon ich wäre zum Weichei mutiert. Ich habe es dir glaube ich schon mal gesagt; wenn es dich stört dann geh!"
"Vielleicht sollte ich das ja wirklich machen?!"
"Ja bitte. Dann kann ich vielleicht mal wieder mein Leben leben ohne ständig auf deine Neurosen Rücksicht nehmen zu müssen."

Choconussa Offline

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05.01.2016 17:27
#30 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Dreißig -Die Masterfrage zum Herzinfarkt-



"Ich stör dich also. Warum bist du dann überhaupt..."
"Weil ich es versuchen wollte. Ist aber anscheinend echt nichts für mich. Meinen Schlüssel kannst du ja dann in den Briefkasten schmeißen. Ich kann Flo und David bescheid sagen, die bringen dann deine Sachen wieder dahin wo sie hingehören. Musst mir nur kurz bescheid geben und leite alles in die Wege."
"Du.. Ach leck mich einfach Marc."

Wütend knallte sie Kuli auf den Tisch, der Kittel flog gleich hinter her und ohne ihn auch nur noch einmal anzusehen verschwand sie. Marc atmete tief ein und bevor er ausatmen konnte, rief er ein lautes "Scheiße" aus und trat gegen den Mülleimer.
Mehdi hatte einen Teil des Gesprächs verfolgt und sah seinen besten Freund mit großen Augen und offenem Mund an. "Hab ich das jetzt richtig verstanden?"
"Kannst du auch mal nicht fragen Mehdi? Könnt ihr mich nicht einfach mal alle in Ruhe lassen?"
"Nein Marc. Nicht wenn ihr beide euch anfangt zu zerfleischen. Also was ist los?"
"Ich weiß es nicht. Ich habe wirklich keine Ahnung."
"Oookay. Wie viel Schokolade und Taschentücher muss ich besorgen?"
"Nach dem ganzen Schwachsinn den ich da eben von mir gegeben habe, ganze drei Container mit Tempo und Schokolade gibt es glaub ich gar nicht so viel."
"Oh je. Was hast du angestellt?"
"Ich weiß nicht mehr was ich alles gesagt habe. Man ey, die kratzt mir später die Augen aus."
"Du hast es also versaut?"
"Was? Versaut?"
"Hast du dich von ihr getrennt?"
"Nein! Ich hab ihr nur gesagt, dass sie, wenn ihr was nicht passt, gehen soll!"
"Tja herzlichen Glückwunsch Marc, dann bist du jetzt wieder Single."
"Quatsch."
"Ich ruf sie so in dreißig Minuten mal an und frag sie was sie so macht."
"Wahrscheinlich sitzt sie da noch auf dem Klappergestell was mal ein Fahrrad werden sollte, oder sie pennt."
"ODER sie packt grad ihre Sachen."
"Laber keinen Müll Mehdi!"
"Ich frag mich eher, was du schon wieder für einen Müll laberst. Du wusstest doch wie sie ist."
"Ja man. Das weiß ich auch immer noch und es ist ja auch gut so. Manchmal wird mir das aber einfach alles zu viel"
"Wenn es dir nicht gut tut beende es. Ihr wird es auch nicht gut tun."
"Das ist nicht so einfach Mehdi.. Ich.."
"Du hast dich an sie gewöhnt.. Schon klar."
"Ja. Man ich hab sie so unglaublich gern bei mir. Ich weiß das ich sie.. Wenn ich darüber nachdenke ohne sie aufwachen zu müssen.. Ne.. Echt nicht."
"Es tut euch beiden aber nicht gut wenn ihr irgendwas erzwingt. Vielleicht soll es einfach nicht sein?"
"Ich komm einfach mit dieser Enge nicht klar. Alter, ich muss mein Leben einer anderen Person anpassen, mich absprechen - auf sie einstellen. Ich war immer unabhängig. Musste nie Rücksicht nehmen. Auf einmal ist alles anders. Da ist jemand der sich auf mich verlässt, Erwartungen hat die ich vielleicht nicht erfüllen kann. Jemand der sich um mich sorgt und mich liebt und mir das alles auch zeigt. Ich merke es und ich komm damit nicht klar. Ich kenne das alles so gar nicht. In meinem Kopf fährt seit Tagen eine Achterbahn mit Fragen, auf die ich einfach keine Antworten finde."
"Hört sich für mich nach klarer Überforderung an. Du scheinst unterbewusst zu merken das es ernst wird und bekommst Panik."
"Ich weiß das es ernst ist Mehdi. Ich weiß nur nicht wie ich das für immer aushalten soll."
"Moment mal... Für immer?"
"Okay, für wie lange. Du weißt wie sie sein kann. Neurotisch, zickig.. Einfach schrecklich."
"Aber genau das liebst du doch an ihr? Die Art wie sie ist."
"Es macht mich aber auch wahnsinnig."
"Rede mit ihr. Wie soll sie denn verstehen wie es dir geht oder was ändern, wenn sie einfach nicht weiß was los ist?"
"Ich will doch gar nicht das sie irgendwas ändert. Ich will nicht das sie irgendwas zurückschraubt und ein anderer Mensch wird."
"Und das soll jemand verstehen?"
"Genau das ist doch mein Problem. Ich verstehe es nicht. Wie kann man jemanden lieben und nicht verlieren wollen der einen nervt? Die bringt mich irgendwann noch ins Grab und ich will das alles so wie es ist. Das ist doch.. Paradox ist das doch."
"Rede mit ihr Marc. Und nicht erst irgendwann morgen sondern jetzt gleich. Bevor es zu spät ist."





Abends halb Elf in einer Berliner Altbauwohnung. Ein junger sehr attraktiver Oberarzt, saß im dunkeln auf dem Fußende seines Bettes und frage sich, was er für ein Vollidiot war. Nachdem er Mehdi erklärt hatte was zur Zeit in seinem Kopf für ein Film lief, versuchte er Gretchen zu erreichen. Doch sie ging nicht an ihr Handy.
Er fühlte sich einfach mies. Franz hatte ihn am Abend im Krankenhaus so richtig zur Schnecke gemacht. Und auch sonst war sein Arbeitstag die reinste Hölle für ihn gewesen. Alle Kollegen sahen ihn an, tuschelten oder steckten die Köpfe zusammen. Zu Hause angekommen traf ihn dann gleich der Blitz. Kein Gretchen und auch keine Sachen mehr von Gretchen. Wie der Teufel fuhr er zu der Villa der Haases. Dort bekam er gleich die nächste Standpauke. Musiziert und dirigiert von Bärbel. Sie bat ihn mehrmals einfach zu gehen. Gretchen wolle ihn erstmal eine Weile nicht mehr sehen.
Eine halbe Stunde betteln später, gab er auf und fuhr nach Hause.
Hier saß er nun seit zwei Stunden im dunkeln und fragte sich immer und immer wieder an welcher Stelle es eskaliert war. Warum es soweit gekommen war. Er wollte doch gar nicht das sie ging. Das einzige was er wollte war mal ein paar Tage nachdenken. Seine Gedanken sortieren. Warum also hatte er es ihr nicht einfach gesagt? Mit ihr konnte man doch reden. Sie war immer verständnisvoll gewesen, auch wenn es ihr schwer fiel. Morgen würde er mit ihr reden. Ihr genau das sagen und sie bitten wieder zu kommen. Getrennt hatte er sich nicht. Für ihn war hier nichts zu Ende.

Doch auch aus seinem Plan, am nächsten Tag mit ihr zu reden, wurde vorerst nichts. Gretchen hatte doch tatsächlich darum gebeten die OP's mit Doktor Rössel zu machen und sich die neue Assistentin unter den Nagel gerissen.
Diesmal ging sie dem Oberarzt konsequent aus dem Weg. Nicht mal auf dem Krankenhausflur sahen sie sich. Den ganzen Tag über nahm sie die Treppe, es sei denn es war ein Notfall. Da sie nicht mehr mit Marc in einem Team war, war die Wahrscheinlichkeit ihn in einer solchen Situation zu treffen gering. Morgens kam sie früher und Abends ging sie um einiges später, nur um ihm nicht aus versehen in der Umkleide zu begegnen. Die Gespräche mit Sabine wurden nicht mehr im Stationszimmer geführt. Meistens standen sie in der Damentoilette, was besonders Maria zu denken gab. Die Sticheleien von Gabi mussten sie zwar ertragen, dies war jedoch immer noch besser als unfreiwillig in wunderschöne grüne Augen zu schauen. Hin und wieder schlugen richteten die beiden sich auch in der Pathologie ein eigenes Domizil ein. Immer wieder stieß auch Saskia hinzu. Mittag machte Gretchen meistens allein im Park. Es sei denn sie konnte irgend wen ins Grüne jagen.
Marc verstand unterdessen die Welt nicht mehr. Wie konnte man sich, wenn man zusammen Dienst hat, so aus dem Weg gehen? Immer wieder versuchte er irgendwie mit ihr ins Gespräch zu kommen, doch er fand sie einfach nicht. Nichtmal in der Kantine. Ihr Lieblingsort im ganzen Krankenhaus. Manchmal kampierte er sogar beinahe vor dem Schokoautomaten. Doch auch dort tauchte sie nicht auf. Da war sie auf jeden Fall. Ihre Tasche lag im Stationszimmer und der blumige Duft ihres Parfüms lag in der Luft. Prof. Dr. Haase sprach oft auf den Fluren, beim Mittag oder im Fahrstuhl über seine Tochter. Meistens mit dem Kollegen Rössel. Dieser war zu Marc's ärger sehr begeistert von der jungen Chirurgin.
Aus den Gesprächen mit Mehdi wurde er auch nicht schlau. Nichts bekam er aus ihm raus. Sabine schien auch ein Schweigegelübde abgelegt zu haben.
Doch irgendwann wurde es Gretchen zu dumm. Warum sollte sie sich denn weiterhin vor ihm verstecken? Wenn sie nicht reden wollte, wollte sie halt nicht. Wenn sie in der Kantine gehen wollte, dann war das halt eben so! Wer sollte sie denn davon abhalten?
Also fing sie nach und nach an ihren Alltag wieder zu normalisieren.
Marc's Enttäuschung verblasste nicht. Ganz im Gegenteil. Je öfter er diese Frau sah, lachend oder gerade in ein ernstes Gespräch verwickelt, desto enttäuschter war er von ihr. Noch immer hatte sie kein Gespräch gesucht. Nicht ein Blick von ihr, nicht ein Wort. Wollte er sie ansprechen ging sie einfach weiter. Trotzdem sie in einem anderen Team war, kreuzten ihre Wege sich immer und immer wieder. Das Stationszimmer mied Marc so gut es ging. Viel zu oft saß sie dort mit Sabine. Mittag machte er nur noch in seinem Büro, rauchen ging er nur noch im Krankenhauspark. Ihn machte es einfach wahnsinnig sie zu sehen, allerdings nicht berühren oder mit ihr sprechen zu können. Gretchen hingegen war die Ruhe selbst. Wenn sie ihn sah, ging sie ihm nicht aus dem Weg - sie ignorierte ihn einfach. Wollte jemand mit ihr über ihn reden, wies sie freundlich darauf hin das es dort nichts mehr zu reden gäbe.
Jemanden gab es allerdings, der wusste wie es wirklich in ihr aussah: Ihr Tagebuch.


Liebes Tagebuch,
heute ist wieder einer dieser Tage. Am liebsten würde ich nicht nur jeden anschreien sondern auch erwürgen. Mama und Papa gehen mir mit ihrer 'Fürsorge' total auf die Nerven. Mir geht es doch gut! Jedenfalls, behaupte ich das felsenfest. So ist es einfach nicht. Jedesmal wenn ich ihn sehe, oder sein Aftershave rieche, würde ich mich am liebsten in seine Arme stürzen. Unglaublich. Sehe ihn aber leider immer nur flüchtig. Manchmal kommt es mir sogar so vor als würde er vor mir weglaufen. Zwei Tage ist es jetzt erst her, doch es kommt mir vor wie eine Ewigkeit.
Ob ich Mehdi mal fragen soll? Oder.. nee.. lieber nicht! Nachher interpretiert er das noch vollkommen falsch und ich muss wieder ein 'Therapiegespräch' mit ihm führen. Mhmm.. Aber wer dann?...



"Frau Doktor, da sind sie ja..." und der Groschen fiel - SABINE!
"Mensch Sabine, wir waren doch schon beim Du."
"Ja aber hier bei der Arbeit geht das doch nicht."
"Wieso nicht?" "Na ja, Sie sind mir noch immer höher gestellt und ich denke nicht das die Patienten.."
"Aber in den Pausen machst Du es doch auch"
"Ja. Da haben wir auch Pause."
"Oooookay.."

~Vielleicht doch keine so gute Idee, Sabine über Marc auszufragen~

"SABINE!" ,schallte es über den Gang. Gretchen konnte nur die Augen verdrehen, als sie sah wie die keine Krankenschwester mal wieder zusammenzuckte.
"Herr Dr. Meier..", kam atemlos von ihr. "Was hat der denn wieder?" "Ach wenn ich das nur wüsste Frau Dr."

~Wahrscheinlich weiß es es ja selbst nicht mal~

"Wie oft muss ich denn jetzt noch nach der Akte von Frau Sehbling bitten?", kam er polternt ins Schwesternzimmer gerauscht. "Ich..aber..ich hab.." "Nicht stottern AKTE HER!"
"Sag mal. Kannst Du mal aufhören Sabine so anzubrüllen?", Gretchen sah ihn entgeistert an. "Wüsste nicht was es Dich angeht wie ich mit MEINER OP-Schwester spreche!" "Och. Seh gar nicht deinen Stempel! Lass sie doch mal ausreden!"
"Damit ich morgen noch hier stehe? Nein DANKE! Und jetzt geben Sie mir verdammt nochmal die Akte Sabine!"

~Also..Dem werde ich.. Ich dreh ihm den Hals um~

"Hör auf hier so rum zu brüllen.", schrie sie ihn an.
"Wie redest du eigentlich mit mir?"
"Sei doch froh das ich mich überhaupt zu einem Gespräch mit dir herablasse!"
"Kann ich auch gerne drauf verzichten. Wenn ich schwachsinnige Gespräche führen will, fahre ich runter auf die Pädiatrie"
"Also..Das ist ja wohl..Tzz..", kopfschüttelnd verlies sie den Raum.

~Was bildet der sich eigentlich ein? Dieses Arrogante..~

Während sich Gretchens Laune langsam verabschiedete war Marc mal wieder in Hochstimmung. Es war vielleicht kein sonderlich schönes Gespräch, allerdings hatten sie wenigstens mal wieder ein paar Worte miteinander gewechselt. Vielleicht hätte er auch einfach nicht so reagieren sollen, doch er konnte einfach nicht aus seiner Haut.
Ja sie versuchte ihm so gut es ging Kontra zu geben. Hin und wieder gelang ihr das auch. Doch war sie die einzige hier in diesem Krankenhaus die es sich traute ihm die Stirn zu bieten. Das brauchte er. So ging er heute auch zum ersten Mal wieder in der Kantine essen. Mit einem Ziel: Haase kochen.. äh zum kochen bringen.
Doch mal wieder war sie nicht da. Er verstand es nicht. Was war denn so schwer für die beiden einfach mal ein Gespräch miteinander zu führen?


Weitere zwei Tage später konnte Marc einfach nicht mehr. Es machte ihn fertig sie zu sehen, zu hören, zu riechen und sie doch nicht berühren zu dürfen. Einfach mit ihr reden. Das würde ihm schon reichen. Ihr Lächeln gold immer anderen, nicht mehr ihm. Ganz entgegen seiner Gewohnheit sprach er viel mit Mehdi darüber.
Doch heute brauchte er jemanden, der so tickte wie er selbst.
Er hatte einfach das Gefühl zu Hause würde ihm die Decke auf den Kopf fallen und so fuhr er zu seiner Mutter.
Elke öffnete ihm die Tür und erschrak als sie ihren Sohn sah: "Großer Gott. Du siehst aus als wärst du von einem LKW überfahren worden."
"Glaub mir Mutter so fühle ich mich zur Zeit auch."
"Was ist denn los? So habe ich dich schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen" ,fragte Elke ungewohnt besorgt als sie ihrem, vor sich hin schlurfenden, Sohn ins Wohnzimmer folgte.
"Ich glaub Gretchen und ich haben uns getrennt?"
"Bitte? Ich dachte ihr liebt euch soooo sehr und sie sei schwanger von dir!?"
"Nein das ist sie nicht Mutter. Das habe ich gesagt weil ich dachte so würdest du kapieren das ich es ernst meine und sie liebe."
"So ernst kann es ja nicht sein wenn ihr euch nun getrennt habt. Na ja.. Umso besser. Bevor du dich da in etwas verrennst."
"Mutter bitte. Ich möchte nicht von dir hören das es besser ist. Ich will auch nicht hören das sowas nichts für mich ist oder du sie ja eh nie leiden konntest. Ich möchte mit jemandem darüber reden und ich möchte dich was fragen."
""Mich? Was möchtest du mich denn fragen?"
Er atmete einmal tief ein, sah seiner Mutter tief in die Augen und fragte: "Woran hast du damals gemerkt das du meinen Vater heiraten willst und Kinder mit ihm haben willst?"

Choconussa Offline

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08.01.2016 17:30
#31 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Einunddreißig -Mutter und Sohn-







"Was ist das denn bitte für eine Frage Olivier?" ,rief sie und fasste sich erschrocken an die linke Brust.
"Ich weiß du redest nicht gern drüber. Ich brauche jetzt aber echt mal deine Hilfe, okay? Und bitte, bitte hör endlich damit auf mich Olivier zu nennen!" ,sagte er hingegen verzweifelt.
"Was willst du von mir hören? Willst du eine Erlaubnis sie heiraten zu dürfen?"
"Nein. Ich möchte einfach nur wissen wann dir klar wurde das du das alles mit ihm willst?"
"Das ist kein Thema über das ich reden möchte Olivier und das weißt du auch. Wenn du dich von dieser Frau getrennt hast dann ist es nur gut so für euch beide. Immerhin passt sie nicht zu dir."
"Mutter! Ich reiß mir für dich den Arsch auf, wieder und wieder. Ist es zuviel verlangt mir jetzt einfach mal eine Frage zu beantworten? Ich vegetier seit Tagen vor mich hin. Ich hab in vier Tagen vielleicht acht Stunden geschlafen. Ich will nur wissen, wann dir klar wurde das es ER sein sollte und kein anderer. Egal was vorgefallen ist und zu was einem Menschen er wurde, irgendwas muss dich doch dazu bewegt haben. Also. Was war es?"

Er war aufgebracht. Da kam er einmal zu seiner Mutter, bat sie um Rat und sie bekam mal wieder den Mund nicht auf, weil sie zu stolz war über ihren inneren Schweinehund zu springen und oberflächig an der Vergangenheit zu kratzen.

"Ich will einfach nur von dir wissen, wann man sich sicher sein kann Kinder in die Welt zu setzen und so eine Hochzeit zu organisieren."
"Marc Olivier" ,fing sie langsam und behutsam an, doch so wie er seine Mutter kannte folgte das Drama auf leisen Schritten, "du machst dich ohne was zu sagen für ein Jahr mit dieser Person aus dem Staub. Dann kommst du wieder, erzählst irgendwas von einer Beziehung und jetzt willst du Kinder? Hat diese Frau dir deinen Verstand denn völlig vernebelt? Ich bin noch viel zu jung um Großmutter zu werden."

Wieder griff sie sich ans Herz und Marc verdrehte leidend die Augen. Es war einfach zum Haare raufen mit dieser Frau.

"Mutter! Wann habe ich gesagt das ich JETZT Kinder will? Gar nicht. Außerdem ist es momentan eh zu kompliziert. Ich will nicht viel von dir nur eine Antwort."
"Sohn, was willst du denn von mir hören? Wenn du ein Kind möchtest, bitte. Dann mach eines. Ich werde dir ja wohl nicht erklären müssen wie das geht. Allerdings glaube ich nicht das du in der Lage dazu wärst ein Kind zu erziehen."
"Bitte?"
"Junge. Du bist zwar über dreißig, jedoch denkst du manchmal wie ein Teenager."
"Also..Das stimmt nicht!"

"Mal ganz abgesehen von deinem trotzigen Verhalten, welches du immer an den Tag legt, wenn man dich mal kritisiert. Nun komme ich auf deine Frage von vorhin zurück. Ich habe deinen Vater kennengelernt und war sofort in ihn verliebt. Gar nicht lange hat es gedauert und wir sind zusammen gezogen. Bald darauf fing ich an meine Romane zu schreiben und sie an die verschiedensten Verlage zu schicken. Dein Vater hat immer sehr genervt wenn ich am schreiben war. Bis mir der Kragen geplatzt ist. Ich sagte ihm, er solle um die Häuser ziehen oder sich ein eigenes Hobby suchen. Tja.. Das tat er dann auch und ich habe es vermisst das er mich abgelenkt hat. Keiner war mehr da und unterbrach mich mitten in einem Satz oder erzählte mir von irgendwelchen Fußballspielen. Immer habe ich den Satz geschrieben den dein Vater gerade gesagt hat. Da wusste ich er ist alles was ich brauche. Als er mir dann den Antrag gemacht hat, wusste ich nicht das ich ihn zu einem Säufer gemacht habe und nahm ihn an. Ich war glücklich und dein Vater schien es auch zu sein. Wir sprachen gar nicht darüber ob wir Kinder haben wollten. Wir bekamen einfach eines. Ohne viel nachzudenken oder zu schauen ob wir es überhaupt verantworten können. Wie er dann wurde weißt du ja. Du warst ja dabei."

"Mhmmm..." ,nachdenklich sah Marc ins Kaminfeuer und dachte daran, dass auch er Gretchen gesagt hatte das er nicht darüber nachdenken wollte. Er wollte es auf sich zukommen lassen. Vielleicht wäre das ja wirklich die beste Möglichkeit. Einfach mal abwarten und wenn es passiert - dann passiert es eben.

"Also Marc. Warum fragst du mich das? Wieso willst du so unbedingt eine Antwort darauf und was ist bei euch vorgefallen?"

"Ich weiß es nicht. Ich hab irgendwas dummes gesagt und dann haben wir gestritten und ich hab noch dümmeres gesagt. Ich wusste immer worauf ich mich einlasse wenn ich eine Beziehung mit ihr eingehe. Es wurde mir aber irgendwie zu viel, vorallem weil jeder sich immer einmischen wollte. Du die mir immer wieder abgeraten hat mit ihr zusammen zu bleiben, ihre Mutter die uns unbedingt irgendwie in die nächste Kirche bringen wollte, Mehdi, Gina einfach alle. Dann wollte sie immer reden, über alles. Egal was es ist sie kann Stunden darüber reden und wenn es nur ein Krümel ist. Ich hab angefangen mich zu fragen wo das hinführen soll und wie ich das aushalten soll. Für immer. Denn ich liebe sie wirklich und ich würde so gern für immer bei ihr sein. Das wurde mir in meinem Kopf alles zu viel und anstatt ihr zu sagen was los ist und das ich angst habe, habe ich sie angeschrien. Ich hab sie wieder schlecht behandelt. Wieder habe ich ihr weh getan. Was soll denn werden wenn wir zwanzig Jahre zusammen sind? Ein Kind haben? Was wenn ich so werde wie er?" ,traurig blickte er auf und es ging seiner Mutter durch Mark und Bein.

Dieser verletzte Junge der da vor ihr saß. Sie hatte befürchtet das dieser Tag irgendwann mal kommen würde, doch so früh? Damit hatte sie im Leben nicht gerechnet.
"Ich glaube nicht das du so wirst wie dein Vater Marc. Weißt du, Vater werden ist ganz leicht. Ein Vater zu sein hingegen nicht. Das kann man nicht einfach so auf anhieb. Man muss in diese Rolle hineinwachsen. Stell es dir wie dein Studium vor. Du konntest damals nicht operieren und jetzt? Jetzt bist du ein begnadeter Chirurg. Patienten kommen deinetwegen ins Krankenhaus und wollen auch nur von dir behandelt werden. Ebenso wirst du lernen müssen ein Vater zu sein. Und ich glaube das du es lernen kannst. Vorallem mit dieser Frau an deiner Seite. Ich weiß ich mag sie nicht sonderlich. Doch wenn sie ein Teil von dir ist, dann werde ich das akzeptieren. Ich werde euch unterstützen. Denk nicht immer so viel nach Marc. Rede mit ihr. Ich kann mir denken sie würde deine Angst verstehen. Ich nehme an sie kennt die Geschichte mit deinem Vater?"
"Ja. Ich hab mit ihr darüber gesprochen. Sie spricht aber nicht mehr mit mir. Ich vermisse sie. Jeden Abend, jeden Morgen. Das hätte ich nie gedacht."
Er knetete nervös seine Hände. Wie er es hasste über Gefühle zu reden, das auch noch vor seiner Mutter. Diese Gedanken wollten und mussten allerdings endlich mal raus. Sonst glaubte er daran zu ersticken.


Plötzlich passierte etwas, das noch nie vorher passiert war. Jedenfalls konnte er sich nicht daran erinnern und wenn er ehrlich war, war es ihm sogar ein wenig unangenehm. Aber es tat gut.
Seine Mutter stand auf, setzte sich zu ihm und nahm ihn in den Arm.
Hier wusste er konnte er sein wie er wollte, sie würde nicht lachen. Sie war seine Mutter und auch wenn sie schrecklich war und immer nur an sich dachte, war sie jetzt in diesem Moment für ihn da und es tat ihm unglaublich gut.
Lange sprachen die beiden noch über Gretchen. Elke wollte nun endlich alles wissen. Wie die beiden sich in der Schule kennengelernt, aus den Augen verloren und zum Schluss dann im Elisabeth-Krankenhaus wieder getroffen hatten. Wie es zwischen ihnen gelaufen war in der Zeit. Was in Afrika passiert war.
Und sie hörte zu. Sie lachte nicht, gab keine spöttischen Kommentare ab und sah ihren Sohn manchmal sogar ein wenig stolz an. In ihr keimte langsam Zuneigung auf. Diese Frau, diese blonde dicke Frau, hatte aus ihrem Sohn einen anderen Menschen gemacht. Einen viel warmherzigeren, liebevolleren Mann.
Sie hatte etwas geschafft was sie in über dreißig Jahren nicht geschafft hatte. Elke bot Marc noch an bei ihr zu übernachten. Das Gästezimmer stand immer frei und er könne es nutzen, solle sich wie zu Hause fühlen.
Doch er lehnte ab. Er erzählte ihr etwas von Akten die noch bearbeitet werden müssten und diese lägen eh bei ihm zu Haus. In Wirklichkeit wollte er einfach nur in sein Bett und das bisschen Duft was von ihren Parfüm übrig geblieben war, in sich aufsaugen.

{Gott bist du ein verliebter Dorftrottel geworden!}


Als er irgendwann endlich einschlief, plagten ihn unruhige Träume. Eine ganze Fußballmannschaft die er mit Gretchen gezeugt hatte und er als Trainer der "Meise-Kickers". Meise musste in dem Fall wohl ein zusammenwurf aus Meier und Haase gewesen sein, denn geehelicht hatte er sie nicht. Er wollte keinen Marshmallow heiraten sagte er immer und immer wieder. Nach den vielen Schwangerschaften war seine Freundin doch sehr in die Breite gegangen. Sie weinte bitterlich und die Kinder schlugen auf ihren Vater ein. Der letzte Schlag seines Ältesten, traf i hn schließlich an der Schläfe und Marc Meier wachte auf.
Schweißperlen auf der Stirn. Der Puls raste. Er musste das endlich unter Kontrolle bekommen. Irgendwie musste er mit Gretchen reden.


Für ihn wieder mal eine schlaflose Nacht. Dementsprechend gerädert kam er am nächsten Tag zur Arbeit und bekam gar nicht mit was im Stationszimmer geredet wurde. Erst als sein Name fiel, blickte er müde auf.


Gretchen war bester Laune und blätterte summend durch die Patientenakten. Nebenbei unterhielt sie sich mit Sabine über den Berliner Weihnachtsmarkt der wohl dieses Jahr besonders ansprechend war.

"Frau Doktor?" ,fragte Sabine schließlich und blickte Gretchen etwas schüchtern an.
"Ja Sabine?"
"Kennen Sie sich mit Star-Trek aus?"

Erstaunt sah Gretchen auf: "Puuuh.. Eigentlich nicht so.." ,ihr Blick fiel auf Marc der abwesend schien, "aber vielleicht Doktor Meier!?"

"Was ist mit mir?" ,er war müde und wollte einfach nur schlafen. Doch das Gretchen ihn nun ansah und keck anlächelte, weckte fast alle Lebensgeister in ihm.
Nun gut, sein Herz schlug nur um einiges schneller, doch er fühlte sich auf einmal ganz anders.

"Sabine fragte mich ob ich mich mit Star-Trek auskenne. Da ich das allerdings nicht tue dachte ich du.. na ja vielleicht."

"Wie? Weil ich ein Mann bin? Tut mir leid euch enttäuschen zu müssen Ladys, aber ich schaue mir sowas nicht an. Ich bleibe gern auf dem Boden der Tatsachen. Quatscht mit Mehdi." ,er sah aus dem Augenwinkel das sein bester Freund angetrabt kam.
"Was haben die Damen denn auf dem Herzen?" ,fragte er auch sogleich grinsend und Marc antwortete in seinen Kaffee nuschelnd, "Irgendwas mit Star-Trek."
"Ja Herr Doktor Kaan. Günni und ich wollen zu einer Weihnachtsfeier heute Abend und wir suchen noch jemanden der sich damit auskennt und gern mitkommen würde. Natürlich kostümiert." ,Sabine sah aus als würde sie jeden Moment abheben und die drei Ärzte im Raum sahen sich verwirrt und erschrocken zugleich an.

"Äääääääääh" ,konnten sie nur verlauten als auch Saskia schon hereingeplatzt kam.
"Was guckt ihr denn alle so dumm aus der Wäsche?"

"Ach Saskia, wie schön. Nichts wichtiges nur die Weihnachtsfeier auf die Sabine und Günni heute Abend wollen. Was machst du denn schon hier ich dachte du fängst morgen erst an?" ,Gretchen umarmte die rothaarige schnell und diese ging gar nicht auf die Frage ein sondern wand sich gleich an Sabine.
"Wenn es dir und deinem Mann nichts ausmacht, komme ich gerne mit. Ich habe heute Abend doch Zeit. Mein Hund ist gut versorgt und na ja, vielleicht kann ich ja so auch noch andere Freunde kennen lernen."

Choconussa Offline

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08.01.2016 17:34
#32 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Zweiunddreißig -Ist das eine Gute Idee?-



(passt nicht zum ganzen Kapitel aber es ist wunderschön für den Anfang)



"Wie? Reicht dir Hasenzahn nicht mehr?"
"Doch Marc. MIR reicht sie sogar voll und ganz. Im Gegensatz zu anderen weiß ich ihre Freundschaft zu schätzen und freue mich das ich jemanden habe der sich um mich sorgt."

"Saskia..." ,sagte Mehdi warnend und schüttelte den Kopf.

Doch Marc hatte die Schnauze voll. Ja er hatte falsch gehandelt, doch er würde sich nicht unterstellen lassen, dass sie ihm egal war.

"Wer sagt denn das ich mich nicht freue? Das ich das alles nicht zu schätzen weiß?"
"Oh bitte. Deine Reaktion hat ja wohl alles gesagt. Echt traurig wenn man sich nach so langer Zeit noch immer nicht damit abgefunden hat. Mein Gott, ich versteh es nicht. Ihr liebt euch und ich glaube zu wissen das du sie liebst. Warum bist du also nach allem was ihr erlebt habt so zu ihr?"
Verdattert sah Marc zu Gretchen herüber und sie senkte den Blick: "Na hätte ich mir ja denken können das du tratschst"

"Mensch Marc. Ich habe nicht getratscht, ich brauchte einfach jemanden mit dem ich reden kann."
"Was ist mit Mehdi? Mit dem redest du sonst auch!"
"Ja. DU redest aber auch mit ihm. Guck nich so erschrocken und fang nicht an Mehdi dumm anzumachen. Ich habe euch gesehen. Ich denke jeder von uns braucht auch jemanden der unabhängig von einer Freundschaft dazu was sagt."

Ja da hatte sie recht. Auch er war ja immerhin zu seiner Mutter gegangen. Lange sahen sich die beiden an und bekamen nur am Rande mit, dass Saskia und Sabine schon den Abend planten. Mehdi war damit beschäftigt abzuwägen ob es ratsam wäre die beiden nun zu stören oder nicht. Sie hatten ja schon Tage nicht miteinander gesprochen und nun schien es so als würde sich eine mögliche Versöhnung anbahnen.
Doch Maria Hassmann kam heute auch noch einmal zur Arbeit. Was sie sah lies sie den Kopf schütteln. Viel hatte sie in den letzten Tagen nicht mitbekommen.
Musste sie sich doch tatsächlich ein paar Tage frei nehmen weil ihre Mutter krank geworden war und sich kaum aus dem Bett hieven konnte. Die Arbeit hatte ihr sehr gefehlt und nun war hier anscheinend wieder mal der Schmachtmodus ausgebrochen.

"Mein Gott. Siebzehn Jahre ein Kerl und noch immer so verliebt wie am ersten Tag." ,höhnte sie und prompt herrschte Ruhe.
Mit weit aufgerissenen Augen sahen Mehdi, Sabine und Saskia zu Marc und Gretchen.
Die beiden trennten den Blickkontakt. Marc sah zu Boden und Gretchen blitzte ihre Kollegin wütend an.

"Es sind keine siebzehn Jahre Frau Hassmann! Es gab auch andere Männer in meinem Leben."

Nun sahen sie alle an. Keiner glaubte was sie da sagte und einer der Anwesenden schüttelte den Kopf, trat zu ihr heran und nahm ihren Kopf in seine Hände.
Während er ihr tief in die Augen schaute, streichelte er mit seinen Daumen ihre Wangenknochen.
Mit tiefer und etwas kratziger Stimme sagte er: "In deinem Leben? JA! Und in deinen Gedanken?"

Ertappt sah Gretchen an ihm vorbei. Sie hatte immer nur ihn geliebt, egal welcher Mann gerade an ihrer Seite war. Und so langsam wurde sie das Gefühl auch nicht los, dass es sich wohl nie wieder ändern würde.
Alle hielten die Luft an und warteten gespannt ab.
Plötzlich küsste Marc sie einfach. Kurz aber bestimmt.

Wieder blickte er ihr einfach nur tief in die Augen und wartete eine Antwort von ihr ab. Diese, welche er bekam, sollte ihm aber ganz und gar nicht gefallen.

"Marc.. Ich..." ,stotterte sie und war den Tränen nahe, "das..das funktioniert so nicht. Du kannst nicht hingehen und mich zur Schnecke machen und dann wieder angekrochen kommen. Das will ich nicht mehr. Lass uns.. lass uns einfach Freunde bleiben."
Verletzt sah er sie nun an und erwiderte: "Gretchen. Solange es mich und nur mich in deinen Gedanken gibt, wird es irgendwie funktionieren. Ich liebe Dich... Mehr als alles andere."
Damit lies er sie alle stehen. Keiner traute sich etwas zu sagen.
Bei Gretchen brachen hingegen alle Dämme. Leise weinte sie vor sich hin.
Was war das denn nun schon wieder? Sie begann zu hyperventilieren. Doch sie bekam es gar nicht mit.

"Frau Haase, ganz ruhig atmen" ,sagte Maria nervös zu Sabine schrie sie, "Bringen sie mir eine Tüte und sie Kaan holen den Meier. Soll er mal zusehen wie er die Frau wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt."
Schnell lief Sabine zu den Schränken und kramte nach einer Tüte, Medhi eilte hinaus und machte sich auf die Suche nach Doktor Meier. Saskia und Maria versuchten Gretchen irgendwie zu beruhigen.


Eine halbe Stunde später hatte Mehdi seinen besten Freund noch immer nicht auftreiben können und er bezweifelte ihn heute noch zu finden.
Nachdem er fünfzehn Minuten erfolglos durch den Krankenhauspark geirrt war, erreichte ihn eine SMS von dem Chirurgen.

/Sitze in meinem Büro. Hör auf so Planlos rum zu laufen!/

Verdutzt sah er nach oben und da stand er, ganz lässig am Fenster angelehnt. In der einen Hand sein Handy und in der anderen einen angeknabberten Apfel.
Grinsend blickte Marc zu ihm hinunter und biss noch einmal genüsslich von seinem Apfel ab.

Marc Meier hatte natürlich längst mitbekommen was passiert war. Vielleicht war es ein wenig unangebracht, doch erfreute ihn diese Reaktion sehr. Jetzt wusste er das es nicht aussichtslos war.
Nur was und vor allem wie, das war ihm nun noch nicht so ganz klar. Darüber würde er sich heute Abend in ruhe Gedanken machen.
Jetzt hieß es erstmal: Mehdi entkommen.

Auf Standpauken oder Therapiegespräche hatte er nun wirklich keine Lust. Doch weder das eine, noch das andere erwartete ihn.
Der Gynäkologe hatte, nachdem er sich von Gretchens Wohlergehen überzeugt hatte, einige Vorschläge zur Operation "Hasenzahn zurück holen" auf Lager. Es missfiel ihm zugeben zu müssen, dass einiges gar nicht mal so übel war. Eine von Mehdis Ideen war sogar leicht umzusetzen und das Beste daran war, dass Gretchen nicht sofort Lunte roch. Zwei, drei kleinere Problemchen waren zwar noch in Sicht, doch diese würde er ganz 'Meierlike' umschiffen.


Problem Nummer eins, entpuppte sich jedoch schnell als "Meierlikeimmun".
Drei Stunden dackelte er ihr nun schon hinterher und bettelte, ohne positive Ergebnisse verlauten zu können.
Langsam war er mit seinem Latein am Ende.

"Komm schon Saskia. Wenn sie drauf eingeht dann bei dir und Mehdi."
"Dann reicht auch nur Mehdi!" ,sagte Saskia ohne ihre Arbeit zu unterbrechen.

Zusammen standen die beiden im Waschraum vor den OP's und die Krankenschwester im Schnupperkurs sortierte die OP-Kleidung nach Größen.

"Nein eben nicht" ,sagte er und reichte ihr vom oberen Regal die steril verpackte Kleidung, "die merkt sofort was wenn nur Mehdi angescheißert kommt."
"Was vielleicht auch gar nicht so schlecht wäre. Was wenn du es verbockst? Darüber schon mal Gedanken gemacht?"
Sie verhielt sich Marc gegenüber sehr reserviert. Doch er würde nicht aufgeben.
"Ich gebe mir Mühe, versprochen. Weiß zwar noch nicht wie, aber mir wird schon noch was einfallen."
"Klar und wir sind nachher die Dummen, weil wir sie dazu ermutigt haben. Sie hat mir die Story von der möchtegern Britin genau erzählt. So will ich nicht enden."

Mit zusammengezogenen Augenbrauen sah er sie an: "Mal eines vorne weg; Gretchen gehört mir! Also, Finger weg!!!"

"Du kannst doch auch nicht dafür, oder? Nur weil ich lesbisch bin, heißt es noch lange nicht das ich keine Freundschaften mit Frauen schließen kann, ohne mich zu verlieben!!! So bekommst du mich garantiert nicht dazu dir zu helfen!"

Sie stemmte ihre Hände in die Hüften und war sehr darum bemüht Marc nicht anzuschreien. Für sie stand in diesem Moment fest das er in seiner eigenen Welt wohl sehr eingeschränkt war und er nicht weiter als von der Tapete bis zur Wand dachte.

"Sorry, ich.. Manchmal spreche ich bevor ich darüber nachdenke was ich sage."
"Mhmm. DAS wird mir immer mehr bewusst! Trotzdem bin ich nach wie vor echt nicht angetan. Ich kenne sie auch gar nicht gut genug."
"Du musst ihr nur ein bisschen Honig um die Schnute schmieren, ein paar Ideen vortragen und mir nichts dir nichts ist sie Feuer und Flamme. Sicher wird sie blocken und es als dumme Idee abstempeln, aber ich bin ja auch noch da um gegen solche Zwischenfälle vorzugehen."
"Na ob du DAZU in der Lage bist?"
"Mensch Saskia. BITTE! Ich würde dich nicht fragen und mich hier zum Deppen machen wenn es mir nicht wirklich wichtig wäre."
"Boar, na schön! Ich denk drüber nach." ,sie ließ ergeben die Arme gegen ihre Oberschenkel fallen.

Bei dieser Reaktion und Gestik, musste Marc grinsen. So sehr erinnerte es ihn an Gretchen. Sie hatte auch oft so reagiert wenn er nicht locker gelassen hatte.


Nun blieben noch diverse Einladungen, gegen die er sich innerlich sträubte, nur es sollte ja möglichst unauffällig wirken und seine Mutter. Sie zu überzeugen würde wohl noch schwerer als alles andere.

Jedes Jahr war sie in ihrem Domizil das er nun Zweckentfremden wollte. Aber sie hatte ja versichert sie würde ihn unterstützen. Wenn das mal kein Argument war.
Vorsichtshalber lud er Elke zum Essen bei ihrem Lieblings Griechen ein. Schleimen konnte er gut und meistens bekam er so was er wollte. Doch das musste er diesmal gar nicht. Auch sein zurechtgelegtes Argument blieb ungenutzt. Ohne zu murren stimmte die Autorin zu und wünschte ihm alles Gute.
Darüber war nicht nur er an diesem Abend, sondern auch Mehdi am nächsten Tag sehr überrascht.

Die beiden Männer vereinbarten zeitnah alle Besorgungen zu erledigen und Mehdi versprach soviel zu helfen wie es nur ging. Immerhin stand für ihn noch eine Gerichtsverhandlund an, auf die er sich vorbereiten musste.
Ja und auch Saskia stimmte zu, zu helfen, als sie sah wie Marc's Augen begannen zu leuchten wenn er von seinen Plänen sprach.


"Hey Süße" ,begrüßte sie Gretchen beim Mittag, "Was sitzt du denn hier so allein?"
"Mehdi ist bei Marc, Sabine bei Günni und Hassmann hockt noch im OP. Die legt nen richtigen Marathon hin." ,zählte sie auf und stocherte lustlos in ihrem Kuchen herum.
"Mhmm. Na jetzt bin ich ja hier."
"Eben!" ,aufrichtig und fröhlich lächelte Gretchen, "Sag mal, wie war eigentlich der Abend mit Sabine? Ihr erzählt ja beide nichts."
"Ein Reinfall war es. Ich hab Star Trek mit Star Wars verwechselt. Als ich dann auch noch angefangen habe zu erzählen wie unrealistisch das doch alles ist, wurden wir hochkant rausgeschmissen. " ,erzählte die Praktikantin augenrollend.
"Ach herrje!"
"Hm. Konnte ja nicht ahnen das man bei diesen Leuten keine eigene Meinung haben darf. Na ja.. Zum Glück sind die beiden nicht sauer auf mich."
"Das ist gut. Is ja dann echt blöd gelaufen." ,erwiderte Gretchen mit kraus gezogener Nase.
"Passt schon. Und du?"
"Wie ich!?"
"Was hast du so gemacht?"
"Viel im Bett gelegen und nachgedacht. Ich bin Weihnachten das erste Mal allein. Meine Eltern fliegen zusammen weg. Das haben die beiden wohl schon länger geplant gehabt. Wollten jetzt allerdings absagen. Musste ihnen das ausreden."

-Was ein Zufall!- ,dachte Saskia.

"Du, wir sind alle über Weihnachten in so einer Hütte von Marc. Komm doch einfach mit" ,griff sie sogleich ihre Chance auf.
"Bitte? ne, echt nicht das ist gar keine gute Idee!"
"Komm schon. Wie lange seid ihr nun schon getrennt?"
"Ähm, etwas über eine Woche.."
"Siehst du? Ist doch längst Schnee von gestern, hm? Uuuuund bis Weihnachten ist ja auch noch ein bisschen hin. Bist ja auch nicht allein mit ihm da. Mehdi und Co. sind auch am Start. Wird bestimmt lustig.." , Saskia war vorbereitet. Sie würde sich alle möglichen Argumente aus den Ärmeln leiern die sie finden konnte.

Doch Gretchen wäre nicht Gretchen wenn sie nicht noch gefühlte fünf Jahre zweifeln würde.

"Ich weiß nicht..."
"Wir machen ne richtige Weihnachtsfeier draus. Backen, Fondue, Filme, Musik, Glühwein" ,gut davon musste sie Marc zwar noch erzählen aber sie wollte sie ja überreden, "Bitte! Ich würd' mich wirklich freuen wenn du mitkommen würdest."

"Marc wird mich sicher nicht dabei haben wollen, sonst hätte er schon längst gefragt!"
"Maaarc.." ,lachte sie nervös. Darauf war sie nicht vorbereitet. "Was weiß der schon? Wie schon gesagt, ihr seid ja auch nicht allein da."
"Hmm.."
Während Gretchen darüber nachdachte, ob es machbar war sich innerhalb von neun Tagen seelisch darauf vorzubereiten, drei Tage mit Marc zu verbringen, hatte ein Gynäkologe ganz andere Sorgen.

Choconussa Offline

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08.01.2016 17:37
#33 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Dreiunddreißig -All I want for christmas is you!-



Er konnte seinen Anwalt einfach nicht erreichen.
Die Sekretärin die er am Telefon hatte war ihm auch keine große Hilfe.

"Was soll das heißen Sie wissen auch nicht wo er ist?....Ja, aber.....Ja, ich habe heute um 16 Uhr einen Termin bei ihm.... Deswegen rufe ich doch an. Ich muss das um eine Stunde oder zwei verschieben... Weil mir eine Geburt dazwischen kommt.....Nein! Die werde ich nicht verschieben können...."
Marc saß derweil gelangweilt auf dem Boden seines Büros und spielte mit einem seiner Modellautos. Immer mal wieder stieß er damit gegen Mehdi's Fuß und blickte entschuldigend nach oben.

"Hören Sie zu, die Anhörung übermorgen ist sehr wichtig und ich würde wirklich sehr gern alles noch mal durchsprechen. Zur Not auch telefonisch.....Warum sollte das nicht gehen?.....Ich kann aber keine Geburt einfach so verschieben....Ja..Ja...Gut dann.....Ja...Tschüss!" ,resigniert und mit einer unglaublichen Wut im Bauch, legte er auf. "Unfassbar!"
"Bürohocker halt. Was erwartest du?" ,fragte Marc und krabbelte unter seinen Schreibtisch um den Wagen darunter vor zu holen.
"Und was machst du hier gerade?" ,fragte Mehdi grinsend.
"Ich bin ein Arzt der nichts zu tun hat. Wird echt Zeit das es schneit und die Leute sich reihenweise auf die Nase legen. Ist hier wenigstens mal wieder was los!"

Nichtsahnend spielte er weiter mit dem roten Sportwagen. Seinem Freund hingegen war ein kleines Lichtlein aufgegangen und sofort fiel er über den gelangweilten Chirurgen her.

"Hör mal, wenn dir so langweilig ist, kannst du ja meine Geburt nachher machen."

Mehdi glaubte Marcs Nacken knacken zu hören, als dessen Kopf in sekundenschnelle zu ihm hochschoss.

"Spinnst du?" ,fragte Marc, "Ich mach das ganz sicher nicht noch mal! Das eine mal hat mir gereicht!!!"
"Stell dich nicht so an Meier! Christian macht das Quasi allein. Du musst nur den Schnitt setzen und aufpassen das er nichts falsches rausholt. Das Kind holt er, Gabi näht danach zu."
"Frag doch einfach Hasenzahn! Die macht das bestimmt" ,sagte Marc gelangweilt.
"Du, ich bin mir sicher sie würde das sogar gern machen. Wie du allerdings weißt muss immer ein Oberarzt dabei sein. Der bist nun mal du und nicht sie. Zusammen könnt ihr das auch nicht machen" ,fügte er noch schnell an als er Marc's Blick sah, "die Frau soll entspannt bleiben. Für das Kind wäre das auch nicht gut. Babys spüren diverse Spannungen sofort."

Diesmal landete Marc hart auf dem Boden der Tatsachen, denn Mehdi hatte die 'Gretchen-Seifenblase' erfolgreich kurz vor Austritt aus der Erdatmosphäre zum platzen gebracht. Der Joker fiel also flach. Der Professor war nicht da und die Hassmann bekamen keine zehn Pferde mehr aus ihrem OP. Rössel operierte soweit er wusste selbst. Warum hatte er ausgerechnet diese Woche so viel Freilauf?

"Bitte Marc. Bei der Verhandlung muss alles glatt laufen, sonst steht noch ein psychologisches Gutachten an. Das würde es wieder nur ewig in die Länge ziehen."
"Na schön" ,seufzte Marc schließlich auf, "aber nur dieses eine Mal. Alles andere mach ich echt ohne mit der Wimper zu zucken. Aber Geburten?"
"Ich erinner dich dran. So und nun wieder zurück zu deinem Masterplan. Der Glühwein ist bestellt. Musst du übermorgen unbedingt abholen. Ich bin ja verhindert. Eleni weiß bescheid. Läuft auch auf deinem Namen. Mit Gretchen konnte ich leider noch nicht reden."
"Wie denn auch wenn wir beide...." ,doch Marc wurde unterbrochen und sah irritiert zur Tür.


Mit einem Mal stand Saskia schwer atmend im Büro und japste: "Sie kommt! Also...eventuell..:"
"Wie hast'n das angestellt?" ,fragend sah er nun zu Mehdi der auch nur mit den Schultern zucken konnte.
"Ihre Eltern sind über die Feiertage nicht da, also wäre sie allein. Sie macht sich Gedanken."
"Und wieso jankst du hier so rum?"
"Ich wollte eigentlich ne SMS schreiben, hab aber eure Nummern nicht und dachte ihr solltet bescheid wissen. Nicht das da auf einmal Mehdi kommt mit derselben Idee. What ever! Gretchen denkt jetzt jedenfalls ich sei kurz für kleine Mädchen. Muss dann jetzt auch wieder!"

Bevor noch einer der beiden Oberärzte noch was sagen konnte, war Saskia auch wieder verschwunden. Für Verwunderung blieb allerdings nur kurz Zeit. Saskia streckte noch mal kurz den Kopf zur Tür rein, sagte: "Ach ja.. Wir wichteln übrigens!" , und war auch schon wieder weg.

"WICHTELN?"
Marc war geschockt. Nicht nur über die Aussage sondern auch über seine Stimme die gerade einige Oktaven in die Höhe geschossen war. Er hatte sich wohl eher wie Marcella Olivia Meier angehört, denn Mehdi lachte und wischte sich immer mal wieder über die Augen.

"Spinnt die jetzt auch?" ,noch immer hatte er seine Stimmlage nicht unter Kontrolle, weswegen er sich ein paar mal umständlich räusperte.
"Tja Marc. Wir beide wissen ja wohl sehr gut wen du beschenken wirst" ,lachte Mehdi noch immer. Doch dieses sollte ihm bald im Halse stecken bleiben. Marc war halt Marc und nicht irgendein 'normaler' Mann.
"Äh, ich weiß nicht...chrm..chrm..", druckste er herum.
"Du wirst doch wohl über Geschenke nachgedacht haben, oder?"
"Ehrliche oder positive Antwort?" ,fragte Marc schulter zuckend.
"Meier, Meier! Dann hast du ja jetzt neben der Geburt noch was zu tun. Ich hab jetzt noch zwei Patientinnen und dann muss ich auch schon los."
"Ja..gut.. Ich äääh, schau dann mal."

Marc war überfordert. Was schenkte man der Frau die man liebte? Und dann auch noch ausgerechnet DIESE Frau. Sie mochte so viele Dinge und würde sich mit Kleinigkeiten sicher zufrieden geben. Einfach etwas zu kaufen kam jedoch nicht in Frage. Immerhin wollte er ihr zeigen das sie ihm wichtig war und er sie zurück wollte. Sie vermisste. Ein Geschenk sollte auf keinen Fall einen falschen Eindruck erwecken.


Saskia eilte zurück zur Cafeteria. Warum hatte sie auch vergessen sich die Nummern der beiden Männer geben zu lassen? Und warum war ihr die Idee zum Wichteln erst so spät gekommen? "Wir können ja auch wichteln" ,hatte sie gesagt. Das einzige was Gretchen dazu sagen konnte war "Äääh" ,denn schon war Saskia aufgesprungen.

Jetzt stand sie vor der Tür zur Cafeteria und versuchte irgendwie ihre Atmung wieder zu normalisieren. Gretchen würde sonst sicher Fragen stellen. Wenn sie das nicht schon ohnehin tun würde.

"Warum bist du denn wie von der Tarantel gestochen aufgesprungen?"
"Ich hab irgendwie Probleme mit der Blase." ,antwortete Saskia schnell.
"Soll ich mal ne Urinprobe nehmen? Nicht das wir irgendwas übersehen haben!"
"Quatsch, liegt wahrscheinlich am Wetter oder so."
"Am Wetter?" , ungläubig zog Gretchen eine Augenbraue nach oben
"Jaaa.. Weil es so kalt ist."
"Hm, warum werde ich das Gefühl nicht los das du mir was verschweigst?"

-Scheiße-

"Was sollte ich dir denn verschweigen?" ,ihre Stimme war verdächtig hoch.
"Das frage ich ja dich."
"Ääääh.."
"Gut, also ist da was. Erzähl schon."

Gretchen war auf Bohrkurs und schon nach kurzer Zeit hatte sie Erfolg und die Informationen sprudelten aus Saskia heraus. Was sie allerdings zu hören bekam, erfreute sie keinesfalls. Wütend platzte sie ins Stationszimmer und fragte nach Doktor Meier.

"Der leitet doch gerade einen Kaiserschnitt" ,sagte Sabine als sei es das natürlichste auf der Welt.
"Der leitet bitte was? Ist der krank?"
"Der Doktor Kaan ist verhindert und Doktor Meier hat zugesagt ihn zu vertreten!"
"Oh! Okay."

~Mist! Jetzt muss ich warten.. Oder ob ich...?~

"In welchem OP steht er denn?"



Marc Meier stand in OP-Saal fünf und wünschte sich aus diesem Alptraum aufzuwachen. Schon zu Anfang flirteten Christian Werner und Gabi Kragenow wie die Weltmeister.

{Das kann sich doch niemand antun!?}

"Können wir uns jetzt mal auf dieses Ding hier konzentrieren anstatt auf eure Hormone? Die Patientin kommt gleich rein!"
"Herr Doktor Meier, ich schätze ihre ärztlichen Fähigkeiten wirklich sehr, doch ist das kein Ding sondern ein Baby im Bauch einer Frau. Menschen! Falls Ihnen das ein Begriff ist?!"
"Für einen angehenden Gynäkologen haben sie ein ziemlich großes Mundwerk."
"Mhm. Bin auch nicht auf den Mund gefallen. Hätte auch Chirurg werden können, dort ist die Damenwahl allerdings nicht so ansprechend" ,zwinkerte Christian Gabi zu.
"Aha..."
"Verstehen Sie mich nicht falsch,Frau Doktor Haase ist äußerst attraktiv, Ihnen jedoch leider und unverständlicher Weise komplett verfallen. Obwohl man ja hört das es schon etwas länger vorbei ist, hm?"
"War ja auch klar das es nicht ewig hält. Marc hat sich da echt einer Illusion hingegeben."
"Na Gabi, immer noch neidisch?" ,Marc versuchte das unangenehme Gefühl in seiner Brust zu unterdrücken.
"Nööö! Es gibt ja auch noch andere Männer auf dieser Welt. Etwas was dein Moppelchen jetzt hoffentlich auch mal lernt."
"Ach ja. Nachdem der Tropendoc und ich dich nicht wollten muss jetzt ein neues Opfer her. Womit erpresst Sie sie denn?"
"Geb dir keine Mühe Marc. Ich habe Christian alles erzählt."
"Und da rennen Sie nicht schreiend weg?"
"Ich denke jeder Mensch kann sich ändern und verdient eine zweite Chance" ,sagte Christian und sah Marc wissend an.

Ja eine Chance erhoffte er sich auch, doch leider war es nicht die zweite. Konnte er das überhaupt von Gretchen verlangen? Wohl eher nicht.

"Also Gabilein....."
"Gabilein?" ,unterbrach Marc lachend, "Verniedlichung ist hier wirklich nicht angebracht befürchte ich."
"Ich dachte Doktor Kaan sagte du musst nur anwesend sein? Von bemerkbar war denke ich nicht die Rede, Marc!",regte Gabi sich auf.

Christian schüttelte nur mit dem Kopf und versuchte wieder die Aufmerksamkeit der Krankenschwester zu erlangen.

"Gut. Wenn ihr beide dann mal euren Kleinkrieg kurz vergessen könntet? Danke. Wie sieht es jetzt aus, kommst du an Weihnachten mit zu meinen Eltern oder nicht? Weihnachten im Schwesternwohnheim ist wohl eher nicht schön."
"Mhmm, vor allem wenn ich da an Schwester Stefanie denke. Aber meinst du nicht das ich euch da störe?"
"Hey, meine Mutter will dich wirklich mal kennen lernen.."
"Die Arme! So. Die Patientin kommt. Ruhe und Konzentration bitte. Ihre Glückshormone können Sie danach loswerden. Ich möchte unbedingt verhindern mich in die Gebärmutter der Patientin übergeben zu müssen."

Christian nickte und Gabi verschränkte die Arme beleidigt vor der Brust. Immer musste Marc stören.

"So Frau Büttner, dann wollen wir Ihnen mal den Rest Ihres Lebens versau.."
"Verschönern!" ,sprang der Assistent schnell ein.
"Wollte ich was anderes sagen?" ,zwinkerte Marc sah auf die Uhr und fuhr fort, "15:42 Uhr und wir setzen den Schnitt. Gut Werner, dann holen sie das Nervenbündel mal raus!"
"Entschuldigen Sie Frau Büttner, er ist eigentlich Chirurg. Die haben es bekanntlich nicht so mit der Feinfühligkeit."
"Ja danke. Habe Erfahrung mit solchen Menschen. Herzlos sind Chirurgen."
"Stimmt" ,grinste Gabi.
"Sagte die Krankenschwester mit dem eiskalten Händchen" ,höhnte Marc, "Wenn ich kein Herz hätte würden SIE heute ihr Kind gar nicht bekommen Frau Büttner und wäre ich nicht feinfühlig wären wohl so einige Menschen bereits tot!"
"Ich sprach von emotionaler Feinfühligkeit Herr Meier!" ,grinste Christian und fing an zu entbinden.
"DOKTOR!"
"Bitte was?"
"Sie haben den Doktor vergessen. Bin da sehr penibel."

Alles in allem wohl kein guter Start ins Leben für ein Neugeborenes, doch es sollte noch turbulenter werden.

"MARC!"
Es klang aggressiv und erschrocken drehte sich angesprochener um: "Äh, was willst du hier?"
"Ich hab ne bessere Frage.. SCHÄMST DU DICH EIGENTLICH NICHT?"
"Wieso?"
"Tu nicht so scheinheilig. Warum fragst du mich nicht selbst?"

Bevor Marc auch nur zur Antwort ansetzen konnte warf Christian ein: "Könnt ihr das draußen klären? Das hier ist eine Geburt und keine Nierentransplantation."

"Wir klären gar nichts mehr miteinander! Ich denke wir sind fertig. Endgültig Marc!" ,sagte Gretchen und stürmte aus dem OP.

"Fuck!" ,hektisch sah Marc sich um. Die Geschichte hier würde bestimmt noch gute zwanzig Minuten dauern. Er musste ihr aber jetzt hinterher.

"Gut okay. Ich bin weg. Werner sie machen den Rest allein, Sie wissen ja was zu tun ist. Den OP-Bericht unterschreibe ich dann später."
"Marc!" ,rief Gabi ihm noch hinterher, doch er hörte sie schon gar nicht mehr.
"Der kann doch jetzt nicht einfach so abhauen!"
"Das ist Marc. Der macht immer was er will. Wenn das mal keinen Ärger mit dem alten Haasen gibt."
"Na ja, das soll nun wirklich unser Problem sein. Wo waren wir vorhin stehen geblieben?"
"Weihnachten zusammen bei deinen Eltern war das Thema."
"Genau. Also. Meine Mutter will dich wirklich mal kennen lernen."
"Was versprichst du dir davon? Ich habe gesagt ich möchte es langsamer angehen lassen als bisher."
"Da sagt doch auch keiner was gegen. Trotzdem möchte ich nicht das du an Weihnachten alleine bist."
"Wäre ich doch nicht."
"Ich spreche von Leuten die du magst und die dich mögen, nicht von irgendwelchen namenloser Schwestern auf einem Haufen."
"Du wirst nicht locker lassen oder?"
"Wie gut du mich schon kennst" ,zwinkerte er ihr wieder zu.


Unterdessen war der Rest des Krankenhauses bestens von der neuen "Haase-Meier-Show" unterhalten. Die beiden Protagonisten störte es hierbei gar nicht, dass sie das komplette Personal inklusive Patienten unterhielten.

"Jetzt bleib halt mal stehen Gretchen!!!" ,rief Marc über den Flur.
"Nein!"
"Hasenzahn! Du kannst nicht einfach so was in den Raum werfen und dann abhauen!!!"
"Doch! Du kannst dir ja anscheinend auch alles rausnehmen. Saskia und Mehdi anbetteln, dass sie mich überreden!" ,sie zeigte ihm einen Vogel und lief weiter.
"Mensch ich wollte dich überraschen."
"Überrascht wäre ich gewesen wenn du mich selbst gefragt hättest Marc. Das ist so... So typisch für dich. Andere vorschicken." ,enttäuscht sah sie ihn kurz an.
"Okay" ,lenkte er ein, "Vielleicht war es nicht richtig. Wärst du denn drauf eingegangen wenn ich dich selbst gefragt hätte?"
"Tja, da du es nicht versucht hast wirst du das nun nicht herausfinden."
"Wärst du nicht! Du hättest gleich nein gesagt ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken."
"Ja vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Es hätte mir auf jeden Fall ein anderes Gefühl gegeben wenn du mich selbst gefragt hättest."
"Also kann ich davon ausgehen das du nicht kommen wirst!?"
Sie biss sich auf die Unterlippe und dachte, mal wieder, an ihren Traum.
"Ich weiß es nicht. Rechne einfach nicht fest mit mir!"
"Gut. Rechne ich einfach gar nicht mit dir" ,sagte er etwas enttäuscht.
"Das habe ich doch jetzt gar nicht gesagt!"
"Darauf läuft deine Unschlüssigkeit aber hinaus! Wie immer. Ich sage dir nur eines dazu, denk an meine SMS!"

~Hoffentlich fragst du dich nicht irgendwann, warum du nicht mutiger warst. Aber vermutlich ist das der bequemere Weg.~

"Pff.. Danke. Werd's mir merken."
"Werd ich ja dann sehen." ,zwinkerte er ihr zu und ihre Wege trennen sich.



Am nächsten Arbeitstag wurden sie zusammen ins Büro des Professors zitiert. Franz Haase hatte einige Patienten über Ärzte die sich eine 'Liebesszene' auf den Fluren machten gesprochen. Dunkel hatte er eine Vermutung, doch gab es ja auch noch andere Paare im Elisabeth-Krankenhaus. Welch ein Glück war die Tageszeitung Sabine Gummersbach immer und überall und konnte so bestens Auskunft erteilen. Franz war alles andere als begeistert. So bekamen Tochter und Ex-Schwiegersohn in Spe einen Einlauf.
"Ich verstehe das es schwer für euch ist nach der Trennung miteinander auszukommen. Allerdings erwarte ich weiterhin, dass ihr private Dinge fernab der Patienten besprecht! Und das bitte in einer angemessenen Lautstärke! Des weiteren will ich das ihr euch die OP's so einteilt, dass nicht mehr alles an Doktor Rössel hängen bleibt und..."
"Aber Papa! Das heißt wir müssen zusammen..."
"RUHE! Ja, ihr arbeitet wieder vernünftig ZUSAMMEN! Ich erwarte Professionalität in allen Bereichen. Es kann nicht sein das Marc eine Kaiserschnitt-OP unbeaufsichtigt lässt. Ich sage nicht das Doktor Werner unfähig ist, ich möchte mich jedoch nicht ausmalen was passieren würde, wenn er da gestern einen Fehler gemacht hätte. In diesem Krankenhaus gibt es leider nur eine Person die dich einigermaßen im Griff hat und das ist nun mal Gretchen."
"Ich bin doch kein Dressurhündchen" ,sagte Marc entgeistert.
"Und warum verlässt du dann eine solche OP um meiner Tochter hinter her zu dackeln?"

Gretchen fing an zu lachen. Entsetzt sah Marc zu ihr herüber und vergaß dabei die Antwort die er Franz eigentlich geben wollte.

"Bitte benehmt euch wieder Kinder. Das Personal redet..."
"Die reden doch immer" ,nuschelte Marc und Gretchen verpasste ihm einen Seitenhieb mit dem Ellenbogen.
"Wie auch immer. Die Patienten reden auch Marc und sie werden sicherlich auch anderen davon erzählen. Denkt doch mal an den Ruf dieser Klinik. Und jetzt ab mit euch auf Station... Ich will keinerlei Beschwerden mehr über euch hören. Ach und Marc?" ,viel dem Professor noch ein als die beiden schon fast aus der Tür raus waren, "Lass mir bloß Schwester Sabine in Ruhe."
"Aber natürlich Franz" ,lächelte er und flüsterte Gretchen zu, "An Weihnachten bringe ich sie um. Ist ja dann außerhalb der Arbeitszeiten."

Damit entlockte er ihr ein leises Kichern, welches er freundlich lächelnd zur Kenntnis nahm.


An anderer Stelle saß Gabi Kragenow mit Sabine zusammen und suchte nach einer Lösung für ihr Problem, welches ja eigentlich gar keines wahr. Das merkte die blonde Krankenschwester mehrmals an. Immerhin war Christian Werner ein netter Mann, warum also nicht einfach mal was wagen?

"Sei doch froh Gabi. Endlich hast du mal jemanden, der wirklich um dich wirbt. Und du sitzt hier und weißt nicht was du machen sollst. Ich denke du bist an der ganzen Sache das einzige Problem. Du stehst dir selbst im Weg."
"Danke Sabine" ,grinste Gabi falsch bevor sie seufzend die Mundwinkel wieder hängen ließ, "Du hast ja auch gut reden. Du hast deinen Günni!"
"Ja, der kam mir aber auch nicht zugeflogen wie du sicherlich noch weißt."
"Oh ja.. Ich erinnere mich als sei es gestern gewesen. Diese Phase deines Lebens wird denke ich niemand so schnell vergessen."

"Da bist du ja" ,Gabis Kopf drehte sich erschrocken zur Tür, "Doktor Kaan sucht dich schon die ganze Zeit."

"Christian? Ich unterhalte mich. Sag ihm einfach du hättest mich nicht gesehen" ,sie verdrehte die Augen und nickte mit ihrem Kopf leicht zu Sabine.

Doch für Christian war das Thema damit noch nicht beendet. Manchmal fragte er sich wirklich wo er hier gelandet war.

"Gott!" ,rief er aus und sah zu Decke hinauf, "Dieses Krankenhaus ist eine Zumutung!"
"Aber Herr Doktor Werner, nicht so laut!" ,panisch lugte Sabines Kopf über die Anmeldung, "Der Herr Professor ist doch heute im Haus."
"Da" ,sah er zu Gabi und zeigte mit ausgestrecktem Arm zu Sabine, "noch ein Grund mehr zu arbeiten Gabi."
"Bist du eigentlich immer so vernünftig?" ,fragte sie stöhnend und stand langsam auf.
"Wenn es darum geht meinen Job zu behalten schon. Komm, ich nerv dich heute auch nicht mehr wegen meiner Eltern und später gehen wir shoppen."
"Shoppen?"
"Ja. Geschenke! Das wird ein Spaß" ,er nahm sie bei der Schulter und zusammen liefen sie den Gang hinunter.
Bei Marc erzeugte dies als er es sah einen leichten Würgreflex. Gretchen und Sabine sahen den beiden jedoch verträumt hinterher.

"Chris. Ich hasse Weihnachtsshopping." ,jaulte Gabi gequält doch das interessierte ihn herzlich wenig.
"Mit mir, wirst du es lieben!"

Wie recht er damit hatte, war beiden nicht sonderlich klar. Zusammen suchten sie die Geschenke für seine Familie aus und Gabis Herz zersprang beinahe vor Freude als sie den Weihnachtsmarkt in allein möglichen Farben erstrahlen sah.
So geborgen hatte sie sich schon Ewigkeiten nicht mehr gefühlt. Schon mal gar nicht bei Marc.
Wie sie hier mit Christian Arm in Arm durch die Läden und nun über den Weihnachtsmarkt lief, fühlte sie sich beinahe wie ein Teenie. Schmetterlinge im Bauch und wahnsinnig albern.
Chris gefiel ihr vom ersten Moment an und nach den Startschwierigkeiten, in Form eines unausgeglichenen Chirurgen, trafen sie sich regelmäßig. Auch privat.
Eine richtige Beziehung führten sie allerdings noch nicht, auch wenn es nach außen hin manchmal den Anschein erweckte.
Gabi wollte es nach den gescheiterten Beziehungen zu Marc und Fritz, einfach langsam angehen lassen. Sie wollte sich nicht wieder in irgendwelche Träume verrennen und auch keine Fehler machen. Der Mann neben ihr bedeutete ihr sehr viel. Das wurde ihr von Sekunde zu Sekunde immer mehr bewusst.

"Chris?"
"Ja was denn?" ,er suchte gerade nach einen vernünftigen Stand an dem nicht so viel los war.
"Ich hab es mir überlegt. Ich würde sehr gern Weihnachten mit dir zusammen verbringen."
Abrupt blieb er stehen: "Wirklich?"
"Jaaaa. Ich denke es wird ein schönes Fest und ich möchte mit dir zusammen sein."
"Wow. Du weißt gar nicht wie sehr ich mich freue. Da ist jedoch noch was, was ich dir noch nicht gesagt habe weil ich dachte es könnte dich eventuell abschrecken."

Choconussa Offline

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08.01.2016 17:44
#34 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Vierunddreißig -Vom Saustall in den Gerichtssaal- |XL|



Gabi musste schlucken.

"Ich weiß wir haben gesagt wir erzählen uns alles" ,fuhr Christian fort, "Eine Sache habe ich dir aber ganz bewusst verschwiegen."
"Okay. Und...Sagst du mir auch was?"
Er holte einmal tief Luft, sah ihr fest in die Augen uns sagte: "Meine Tochter wird auch da sein!"
"Deine? Äh, was?"
"Ich habe eine drei jährige Tochter. Eileen."
"Was...äh..warum hast du mir nicht sofort von ihr erzählt? Und warum habe ich sie bisher noch nicht gesehen? Bei dir war sie ja nie!"
"Hör zu. Ich wollte nicht das ihr euch so früh kennen lernt. Ihre Mutter ist bei der Geburt verstorben. Sie hatte ein Aneurysma im Kopf, das durch die Anstrengung der Wehen geplatzt ist. Meine Eltern kümmern sich um sie wenn ich Arbeiten bin oder ausgehe."
"Oh Gott. Das ist ja.. Das ist schrecklich."
"Ich wollte ihr einfach nicht eine Frau vorsetzen an die sie sich möglicherweise gewöhnt und dann ist diese Frau irgendwann weg und es kommt eine Neue. Ich wollte das es passt, verstehst du? Du solltest dich nicht gezwungen fühlen, jemand zu sein der du nicht bist nur um in diese Familie zu passen."
"Das klingt vernünftig. Ich..aber..warte! Wenn du mich jetzt deiner Tochter vorstellst, bei dem was du da grad gesagt hast...Äh.. Meinst du damit etwa?"
"Keine Angst. Ich werde dich nicht fragen ob du mich heiraten willst. Noch nicht! Aber ja. Wir ergänzen uns super. Nicht nur bei der Arbeit. Ich habe ein gutes Gefühl."
"Oh Chris, das ist wirklich schön. Und ich fühle mich auch echt geehrt, nur....Hör zu, ich möchte und ich kann keine Ersatz Mutter sein."
"Das sollst du auch gar nicht. Ich erzähle ihr jeden Abend von ihrer Mutter und ich zeige ihr Bilder. Noch ist sie zu klein um das zu verstehen, das weiß ich. Sie soll Jamie in Erinnerung behalten und wissen wo ihre Wurzeln sind. Sie hat so viel von ihr. Fast ein Ebenbild" ,endete er leise und blickte verträumt in seine Tasse.

Sie hatten entzwischen einen Glühweinstand gefunden, in den man sich hineinsetzen konnten. Gabi war von dem eben Erfahrenen sehr ergriffen.

"Du musst sie sehr geliebt haben und du liebst sie immer noch.."
"Gabi, bitte ich..."
"Nein! Hey, das ist okay. Für mich ist es vollkommen okay, dass sie immer einen Platz in deinem Herzen haben wird. Sie ist die Mutter deiner Tochter und sie wurde auf so eine unfaire Art von euch getrennt..."
"Ist es wirklich okay? Ich mein, es ist drei Jahre her und es vergeht kein Tag an dem ich nicht an sie denke. Ich möchte nicht das irgendwas zwischen uns steht, sollten wir es wirklich miteinander versuchen. Ich.. Ich habe mich in dich verliebt."
Sie hatte so lang dagegen angekämpft und sie wollte es eigentlich nicht, doch unternehmen konnte sie dagegen gar nichts. Gabi brach in Tränen aus und fiel ihrem Christian um den Hals. So lang war es her, das letzte Mal in ihrer Schulzeit, dass ein Mann ihr sagte das er sie liebte.
"Ich glaube.. ich liebe dich auch auch...?" ,sagte sie schließlich unsicher mit Tränen erstickter Stimme.
"Du glaubst?"
"Ja! Nein..ähm...Ich .. Ich liebe dich. WIrklich!"
"Das klingt ganz verdächtig nach einem ABER?!"
"Lass uns bitte trotzdem Zeit."
"Natürlich lasse ich uns Zeit. Gabi, ich will das es funktioniert."

Sie konnte noch immer nicht glauben das ihn ihre Vorgeschichte nicht abgeschreckt hatte. Er ging trotzdem er nun alles von ihr wusste, unvoreingenommen an die Sache heran. Na gut, alles hatte sie ihm nicht erzählt. Das Detail das sie den angefahrenen Patienten auf dem Gewissen hatte, würde sie mit ins Grab nehmen. Doch es nagte noch immer an ihr. Ganz besonders, wenn sie ein ähnlichen Unfallpatienten sieht der von Marc und Gretchen durch die Gänge geschoben wurde. Eigentlich hatte sie ja gehofft Marc würde daran zerbrechen, dass er die Schuld hatte. Immerhin hatte er ihn angefahren und dann auch operiert. Sie hätte aber auch wissen müssen das Gretchen in diesem Fall nicht locker lassen würde. Zusammen waren die beiden alle Ergebnisse und den OP-Bericht noch mal durchgegangen und schnell wurde ihnen klar, das Marc keinerlei Schuld traf.
Und Gabi hatte noch andere Geister die sie verfolgten. Der Tod ihres Babys stand dabei an vorderster Front.
Sie hatte es noch immer nicht verarbeitet und unterbewusst gab sie noch immer Marc, Gretchen, Kalle und Doktor Kaan die Schuld an allem.
Doch vielleicht würde jetzt alles besser werden. Sie würde ein neues Leben beginnen, mit einem Mann, der sie allem Anschein nach, aufrichtig liebte. Glücklich schmiegte sie sich an seine Brust und schlief ein.


Am anderen Ende Berlins war man vom erholenden Schlaf noch weit entfernt.
Mehdi Kann war nervös. Und in seiner grenzenlosen Nervosität, hatte er sich auf den Weg zu seinem besten Freund gemacht. Dieser lag nun gähnend auf seiner Couch und sah ihm beim aufräumen zu.
"Boar Marc" ,angeekelt hielt Mehdi eine getragene Socke hoch," wie lang liegt die nun schon hier?"

Für ihn war es eine berechtigte Frage. Immerhin hatte er gerade erst das Geschirr von gefühlten zwei Jahren weggespült.

"Das letzte Mal hat Hasenzahn hier aufgeräumt. Rechne es dir also aus." ,antwortete Marc gelangweilt.

Langsam ging Mehdi im Kopf nochmal alles durch.

{Am 7.12. haben die beiden sich getrennt. Ausversehen, würde Meier jetzt wieder brüllen... Heute ist der 18.12. Oh Gott! Schon 2:33 Uhr..Ähm, ja elf Tage. ELF TAGE?}

Geschockt sah er Marc an, der sich noch immer faul auf der Couch lümmelte.

"Und wie lang wolltest du jetzt hier noch so hausen? Das würden ja nicht mal die Schweine aushalten."
"Mann Mehdi! Geh pennen. Du musst morgen ausgeschlafen sein."
"Ich kann aber nicht schlafen Marc. Was meinst du warum ich hier bin? Der morgige Tag ist verdammt wichtig."
"Dann lass mich wenigstens schlafen. Ich bin hundemüde. Seitdem Gretchen weg ist, schlafe ich nicht sonderlich gut."
"Na ja.. Wenigstens wäscht du dich noch!"
"Hey. Nur weil ich mal ein bisschen die Bude schleifen lasse?"
"Ein bisschen? Meier! Schau dich mal hier um. Ein Wunder das du deine Schlüssel noch in dem Chaos findest. Du brauchst echt ne Frau."
"Ich brauche nicht eine Frau, sondern die eine Frau. Meine Schlüssel hab ich heute morgen suchen müssen. Zum ersten Mal in meinem Leben, hasse ich mich für mein loses Mundwerk" ,Marc atmete tief ein und aus, "Aber egal. Was hat denn dein Anwalt gesagt?"
"Die Chancen stehen sehr gut. Sie hat mich vorsätzlich betrogen. Sozusagen war es ein Hochzeitsschwindel, weil ich ja nicht wusste was sie wirklich macht. Die Scheidung bekomme ich ohne Probleme durch. Was Lilly angeht, wollte er mir keine Hoffnungen machen."
"Hm, aber der Vaterschaftstest war doch positiv."
"Ja, aber Lilly braucht ihre gewohnte Umgebung und ihr seelisches und leibliches Wohl, war bei Anna nie gefährdet."

"Also bitte. Das sehe ich ja ein bisschen anders. Monatelang lag die Frau im Koma. Die hat sich vor nen Baum geklatscht und ich bin mir noch immer nicht ganz sicher ob es ein Unfall war. Hat sie dabei einmal an Lilly gedacht? Kaum ist sie wieder wach, sticht sie ne Nutte quasi vor Lillys Augen ab. Ich finde das ist kein sonderlich erfreuliches Erlebnis für ein Kind in ihrem Alter. Dann reißt sie ihre Tochter aus ihrer gewohnten Umgebung und trennt sie für über ein Jahr von ihrem Vater. Das alles nu weil Madame sich vor ihren Zuhältern verstecken muss! Für mich ist das genug seelische Grausamkeit um ihr erstens das Kind wegzunehmen und zweitens die Gebärmutter entnehmen zu lassen, damit sie sich ja nicht weiter fortpflanzen kann. Wer weiß denn schon genau das sie nicht wieder auf den Strich geht?"

Mehdi war irritiert. Seit wann wusste Marc Meier was gut für ein Kind ist und was nicht? Warum regte er sich plötzlich so auf?
"Äh...ähm..Sie arbeitet in einem Supermarkt an der Kasse."
"Ich glaubs nicht. Du verteidigst sie noch immer. Hast du eine Sekunde gezweifelt als es hieß sie arbeitet dort?"
"Nein. Ich mein, so eine Lüge würde ihr doch nichts bringen."
"Mhmmm.. So wie sie Ballettänzerin war? Die Lüge hat ihr am Ende auch nichts gebracht, trotzdem hat sie gelogen."
"Marc ich bitte dich. Es wurde ein psychologisches Gutachten gemacht und dort wurde bestätigt das sie sich nicht mehr prostituiert."
"Ich wäre da an deiner Stelle weiterhin skeptisch. Man kann auch abends noch ne Runde arbeiten gehen. Und wenn es nicht gleich der Strich oder der Puff ist dann eben ne Bar."
"Ich glaube nicht das sie so dumm ist sich noch mal auf sowas einzulassen."
"Ich wäre zu gern morgen dabei. Irgendwie wickelt die dich hundert pro wieder um den Finger und am Ende bist du wieder der Arsch. Du wirst wieder für sie blechen müssen, wieder wird sie mit dem Kind abhauen..."
"Du kannst einem aber auch echt alles mies machen oder?"
"Hm.. Ich glaub das hat Hasenzahn auch mal gesagt. Sollte ich mal drüber nachdenken. Jetzt geh pennen Mehdi. Wenn du da morgen wie ein Junkie auftauchst erhöhst du deine Chancen auch nicht gerade. Geh ins Bett, ich penn auf der Couch."
"Wieso eigentlich?"
"Weil.. Vergiss es und hau ab!"
Frustriert drehte Marc sich auf die Seite und Mehdi sah ihn eine Zeit lang besorgt an. Wenn er sowie so schon so wenig schlief, war es sicherlich nicht ratsam in dieser, doch eher ungesunden Lage zu schlafen. Doch was sollte er machen?
Verhindern konnte er nicht mehr das Marc die Kontrolle über sein Sprachzentrum verlor. Und Gretchen konnte er nicht zwingen mit ihm zu reden. So gern würde er den beiden helfen.
Für ihn selbst hieß es jetzt erstmal die Verhandlung hinter sich bringen. Danach konnte man immer noch weiter sehen. Mit diesen Gedanken, schlief auch er endlich ein.

Als er am nächsten morgen aufstand, saß Marc bereits gerädert am Küchentisch.
"Morgen Meier!"
Der übermüdete Chirurg konnte Mehdis gute Laune allerdings nicht teilen und nuschelte nur ein "Mhmm.." ,heraus.
"Du musst mal wieder ordentlich schlafen."
"Erzähl mir mal was neues! Na ja, ich fahr jetzt ins Krankenhaus."
"Du solltest den Professor anrufen und dich lieber noch ein paar Stunden hinlegen, anstatt in dem Zustand Menschen zu behandeln."
"Nope. Kann ich nicht pennen. Was zum Schaufeln ist in den Schränken. Irgendwo müsste auch noch Kariescreme von Hasenzahn rumstehen. Ich drück dir die Daumen für später."

Die Tür fiel ins Schloss und Mehdi hatte die Möglichkeit sich noch mal ungestört in der Wohnung umzusehen. Überall lag getragene Kleidung herum. Die leeren Zigarettenschachteln und Bierflaschen stapelten sich an der Couch. Ein bisschen Zeit bis zur Verhandlung hatte er noch, vielleicht würde er ja irgendwas finden was Gretchen überzeugen würde, wenigstens mal mit Marc zu sprechen.
Er wühlte sich durch die Schränke im Schlafzimmer; Marc hatte eindeutig zu viele Klamotten für einen Mann. Zu seiner eigenen Verwunderung, fand er auch No-Name Produkte. Ansonsten überall nur Marken. In Marcs Nachtschränkchen fand er Kondome und einige Automagazine. Der zweite auf der anderen Seite des Bettes war, bis auf eine kleine Schmetterlingshaarspange, komplett leer.
Die Schränke im Wohnzimmer lies er lieber in Ruhe. Dort war alles nur achtlos hinein gestopft. Nach einem kurzen Blick auf die Uhr, räumte er noch ein wenig auf. So könnte er auch nicht schlafen.
Also brachte der Gynäkologe die Wohnung seines besten Freundes auf Vordermann und unter dem Sofakissen auf welchem Marc schlief wurde er fündig. Ein Foto.
Wie glücklich die beiden aussahen. Zusammen saßen sie auf einer Decke. Gretchen hatte einen mit Schokolade verschmierten Mund und Marc einen Kussabdruck von eben diesem auf der Wange.
In diesem Moment mussten die beiden einen Heiden Spaß gehabt haben, denn sie lachten in die Kamera.
Vorsichtig, um nicht die Ecken zu knicken, legte er das Foto auf den Tisch und verlies die Wohnung.



Die Verhandlung zog sich unglaublich in die Länge. Der Richter wollte noch mal alle Punkte genau durchgehen. Beide mussten ihre Ansicht der Geschichte erzählen.
Nun saßen sie in der Pause. Mehdi hatte seine Ansicht und seine Erfahrung erklärt und nun telefonierte er mit Marc.


MK: "Meier ich habe keine Ahnung wie lang das hier noch dauert. Ich bin grad erst fertig geworden, gleich muss Anna noch erzählen."

MM: "Wozu? Kommt doch eh nur Schwachsinn bei raus."

MK: "Was bist du denn so schlecht gelaunt?"

MM: "Ich muss mir Hasenzahns hormonell bedingte Wutausbrüche antun!"

GH (aus dem Hintergrund): "MARC! Halt die Klappe!!!"

MM: "Zick hier nicht so rum und druck die scheiß Krankenscheine aus! Hörst du? Den ganzen Tag keift die Frau schon wieder rum."

MK: "Gott Meier, so wird sie NIE zur Hütte kommen."

MM: "Wird sie so oder so nicht."

GH (noch immer aus dem Hintergrund): "Was werde ich nicht?"

MM: "Wir sprechen nicht über dich!"

GH: "Lüg mich nicht an Marc. Und.. Man jetzt lass mich doch mal mithören."

MM: "Seh ich aus wie ne Telefonzelle? Ruf ihn doch selbst an.. Man.. Hasenzahn jetzt.. Oooooar, AUA!"

MK: "Was ist denn jetzt passiert?"

MM: "Geh' von meinen Füßen runter. Gretchen!"

GH:"Ich hör sonst aber nichts.. Machst ja den Lautsprecher nicht an."

MM: "Schmoll jetzt nicht... Lass es.. Gretchen ich warne dich..."

MK: "Hört ihr mich noch?"

MM:"Ja Mehdi ich bin noch.. Gretchen! Warte mal kurz ich muss irgendwie diese Kulleraugen loswerden. Das ist ja nicht auszuhalten."

MK: "Kannst du ihr wieder nicht widerstehen?" (lacht)

MM: "Das ist nicht witzig Mehdi.. Komm Hasenzahn setz dich wieder.. Deine Haare kitzeln. Ich mach ja schon den Lautsprecher an."

GH: "Willst du mich loswerden?"

MM: "Nicht dich, aber deine Haare! Und deinen Dackelblick..."

MK: "Hallooooooo?"

MM: "Ja. So. Lautsprecher ist an und der Schokoha(a)se sitzt wieder auf seinem Platz."

GH: "Wieso denn Schokoha(a)se?"

MM: "Hast welche am Mund."

MK: "Gut. Wenn ihr mich dann jetzt beide hört... Ich weiß nicht wann ich hier rauskomme.. Erreich ich euch nachher irgendwie zusammen? Vielleicht kann man sich ja auf nen Kaffee treffen, alles zweimal erzählen ist dann doch denke ich anstrengend."

MM: "Ich hab bis heute Abend Schicht und vielleicht häng ich noch was dran."

MK: "Du arbeitest eh schon so viel und schläfst so wenig!"

MM: "Mehdi!"

GH: "Ich sag doch du bist unausgeschlafen! Du machst mit mir zusammen Schluss und dann fahren wir zu Mehdi."

MM: "Aber sonst geht's noch oder? Dann darf ich dich noch nach Hause fahren und morgen früh wieder abholen weil du deinen Drahtesel nicht mitnehmen kannst."

GH: "Gott! Fahr ich halt mit meinem Papa zur Arbeit."

MM: "Nein, quatsch.. Kriegen wir schon irgendwie hin. Wir kommen dann später zu dir Mehdi."

MK: "Gut. Ich mach jetzt auch Schluss und geh wieder rein. Schicke eine SMS wenn ich wieder zu Hause bin."



Fünf Minuten später betraten Mehdi und Anna Kaan wieder den Gerichtssaal.


Richter: "Nun gut, dann wollen wir mal loslegen. Als aller erstes sprechen wir mal über die Scheidung. Frau Kaan, sie beteuern Ihren Mann immer geliebt zu haben. Warum also dieser, wenn man es so nennen darf, ungewöhnliche Beruf?"

Anna: "Ich bin mit sechzehn aus meinem Elternhaus ausgezogen und versuchte mich mit diversen Aushilfsjobs über Wasser zu halten. Ein Dach über dem Kopf konnten diese mir allerdings nicht finanzieren. Irgendwann habe ich dann Manfred kennengelernt und er sagte mir das er einen Job für mich hätte, der mir finanzielle Stabilität gewähren würde. Selbst ohne Ausbildung könnte ich ihn ausüben. Ich bin dann also zu dieser Bar und habe mich vorgestellt. Dem Barbesitzer schien zu gefallen was er sah und er bat mir eine Stelle an. Anfangs habe ich nur gekellnert - bis mich die "Kunden" kannten. Dann durfte ich auch auf die Zimmer und..äähm."

Richter: "Dem eigentlichen Beruf nachgehen?"

Anna: "Ja, so kann man es natürlich ausdrücken. Nach ein paar Jahren wurde mir das aber alles zu viel und ich wollte das nicht mehr. Ich hatte einen jungen Arzt kennengelernt und er versprach mir, mich irgendwie aus der Nummer rauszuholen."

Richter: "Doktor Marc Meier, steht hier in Ihrer Aussage. Ist das korrekt?"

Anna: "Ja."

Richter: "Und zufällig ist dieser Arzt auch ein sehr guter Freund und Arbeitskollege von ihrem Mann. Wussten Sie davon?"

Anna: "Ja. Marc und ich pflegten eine Freundschaft.. Mehr oder weniger. Er hat mich also aus dem Metier geholt und lud mich zu seiner Silversterparty ein. Dort habe ich dann meinen Mann das erste Mal getroffen und wir haben uns in einander verliebt. Marc und Mehdi waren wirklich unzertrennlich."

Richter: "Warum hat Doktor Meier Ihrem Mann denn nichts erzählt? Von Ihrem ungewöhnlichen Vorleben?"

Anna: "Ich habe ihn ausdrücklich darum gebeten, Mehdi nichts zu erzählen. Immerhin sollte es meine Vergangenheit sein und hatte in meinem neuen Leben keinerlei Bedeutung mehr, jedenfalls nicht für mich."

Richter: "Weshalb sind Sie denn dann zurück in diese Bar und haben Ihren Beruf wieder aufgenommen?"

Anna: "Ich hatte nichts gelernt und konnte nicht arbeiten. Ich habe keine Stelle bekommen. Als ich allerdings erfuhr das ich schwanger bin, wollte ich so schnell wie möglich noch ein bisschen an Geld kommen. Also bin ich zurück. Leider bin ich dann auch dort hängen geblieben. Zwei Mal habe ich versucht mich daraus zu kaufen, doch sie ließen nicht mit sich reden. In den letzten vier Monaten der Schwangerschaft haben sie mir so viel im Voraus gezahlt, ich müsste es erst zurückzahlen. Marc hatte mir etwas Geld geliehen doch das reichte bei weitem nicht aus. Meinem Mann habe ich erzählt ich wäre beim Ballett. Als Zweitbesetzung."

Richter: "Wie sind Sie dann schließlich aus der Geschichte herausgekommen?"

Anna: "Ich wollte meinen Mann und meine Tochter verlassen und untertauchen. Ich konnte nicht mehr damit leben die beiden zu belügen und mit meinem anderen Leben in Gefahr zu bringen."

Richter: "Bei Ihrer Flucht hatten Sie allerdings einen Autounfall und landeten im Krankenhaus Ihres Mannes. Vierzehn Monate lagen Sie im Koma. Was passierte als Sie aufgewacht sind?"

Anna: "Mein Mann versicherte mir für mich da zu sein. Die Diagnose lautete Querschnitt. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Besonders da ich ja wusste das er eine neue Lebenspartnerin hatte."

Richter: "Nachdem Ihr Mann Ihnen seine Unterstützung zugesprochen hatte, warum haben Sie ihm da nicht schon die Wahrheit gesagt?"

Anna: "Ich hatte Angst vor seiner Reaktion. Ich wollte nicht allein sein. Und nachdem Frau Haase sich von ihm getrennt hatte, dachte ich wir könnten vielleicht noch mal von vorn anfangen."

Richter: "Ihre Vergangenheit kam Ihnen aber in die Quere!"

Anna: "Ja. Sophie hatte zufällig Mehdi kennengelernt und das Foto von mir auf seinem Schreibtisch gesehen. Die Leute in der Bar dachten ich sei tot. So hat sie mich schließlich besucht und wollte das Geld haben, welches noch fehlte."

Richter: "Haben Sie ihr das Geld gegeben?"

Anna: "Nein. Ich hatte keines und sie bedrohte mich damit meiner Tochter etwas anzutun. Da habe ich ihr ein Messer in den Rücken gestochen."

Richter: "Und dann?"

Anna: "Dann bin ich mit meiner Tochter geflohen. Ich bin mit meiner Tochter nach Polen und habe da einige Zeit gelebt. Irgendwann wollte ich dann aber zurück. Ich hatte niemanden dort und die Sprache konnte ich auch nicht lernen. In Berlin kam dann irgendwann ein Brief von Mehdi's Anwalt."

Richter: "Danke Frau Kaan. Das wäre alles. Ich denke ich habe genug gehört. Sie haben Ihren Mann über Jahre hinweg angelogen. Sie haben ihm vorsätzlich seine Tochter entzogen und ihm gesagt das sie nicht von ihm wäre, nur damit er sie in Ruhe lies. Das er sich damit nicht zufrieden geben würde, hatten Sie wohl nicht gerechnet. Ich denke ich kann in aller Einverständnis sagen, dass wir die Scheidung rechtskräftig machen. Was das Sorgerecht ihrer gemeinsamen Tochter angeht. Frau Kaan, ich bin mir sicher Sie haben nur zum Wohle Ihrer Tochter gehandelt. Für mich als Vater von drei Kindern ist es jedoch an seelischer Grausamkeit nicht mehr zu übertreffen. Sie haben sie brutal aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen, sie mit ihrem Beruf ,den sie lange verschwiegen haben, in Gefahr gebracht. Sie haben kopflos gehandelt. Ihr psychologisches Gutachten sagt, Sie seien zu gedankenlosen Taten in emotionalen Situationen veranlagt. Emotionale Instabilität ist keine gute Grundvoraussetzung für eine Alleinerziehende Mutter. Deswegen denken wir, dass das alleinige Sorgerecht bei Ihrem Mann besser aufgehoben ist. Wir verbieten Ihnen nicht ihre Tochter zu sehen. Regelmäßig, allerdings nur unter Beaufsichtigung eines Beamten oder des Vaters. Sie haben ihr gemeinsames Kind schon einmal entführt. Das Risiko dieses wieder zu tun liegt hier sehr hoch. Eine Mitarbeiterin wird Lilly heute noch abholen und zum Kindsvater bringen. Ich denke wir werden eine Psychologin beauftragen dies zu Betreuen. Dem Kind muss erklären warum das alles geschehen wird. Damit ist die Verhandlung beendet. Sie erhalten den Beschluss in spätestens zwei Wochen schriftlich."

Vor der Tür sprach Mehdi seine Ex-Frau noch einmal an: "Hör zu Anna. Ich......

Choconussa Offline

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08.01.2016 17:47
#35 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Fünfunddreißig -Hart am Limit! und Abschied-



Vor der Tür sprach Mehdi seine Ex-Frau noch einmal an: "Hör zu Anna. Ich... Es tut mir leid wie das alles gelaufen ist."
Darauf musste Anna lächeln: "Du bist echt unglaublich."
"Wieso?"
"Ich habe alles versaut und DU entschuldigst dich bei MIR! Das musst du doch überhaupt nicht. Ich hätte an deiner Stelle denke ich nicht anders reagiert und gehandelt. Ich sollte mich jedoch wirklich mal bei dir entschuldigen.."
"Mhmm" ,nickte Mehdi, "ein bisschen spät findest du nicht?"
"Besser spät als nie."
"Anna! Ich habe auf einen Schlag alles verloren! Für dich habe ich alles aufgegeben, sogar Gretchen. Warum hast du nicht die Chance genutzt und bist zurück gekommen?"
"Ich weiß das alles Mehdi. Aber.. Was hätte ich denn machen sollen?" ,verzweifelt sah sie ihren Ex-Mann an.
"Mit mir reden Anna, DAS hättest du tun können. Es wäre ein guter und ein besserer Weg gewesen. Zusammen hätten wir sicherlich eine Lösung gefunden. Du bist die Mutter meiner Tochter, denkst du etwa ich hätte dich im Stich gelassen?"
"Du hättest mich verlassen."
"Geholfen hätte ich dir trotzdem und natürlich hätte ich dich verlassen. Was hättest du denn erwartet, nachdem du mich jahrelang angelogen und betrogen hast?"
"Ich habe gearbeitet!!!"
"Das ist keine Arbeit Anna. Du hast dich verkauft."
Wütend sahen die beiden sich an. Das war nun also aus elf Jahren Ehe geworden. Übrig blieben Enttäuschungen und Vorwürfe.
"Pass auf Anna. Du kannst Lilly so oft sehen wie du willst. Ich verlange nur eines von dir. Ich möchte das du Marc jeden einzelnen Cent zurückzahlst, den er dir geliehen hat!"
"Wie soll ich das denn bitte machen? Ich bin nur Teilzeit angestellt."
"Ausnahmsweise ist mir das mal vollkommen egal. Bekomm dein Leben auf die Reihe."
Mit diesen Worten lies er seine Ex-Frau stehen und machte sich auf den Weg nach Hause.


Im Elisabeth-Krankenhaus wurde in der Zwischenzeit eine altbekannte Patientin eingeliefert. Frau Becher (wie Tasse) hatte sich einen komplizierten Unterschenkelbruch zugezogen. Während Frau Doktor Haase ihre Patientin nach ihrem Befinden und der Unfallursache fragte, litt Doktor Meier im Hintergrund still vor sich hin.
"Wie geht es Ihnen Frau..ähm.. Becher?"
"Schwester Sabine hat mir Schmerzmittel gegeben. Es ist also auszuhalten."
"Hm..Wie ist denn das passiert?"
"Ich bin beim joggen ganz unglücklich gestolpert. Seit der Geburt habe ich fünfzehn Kilo abgenommen."
"Kein Grund zur Euphorie" ,meinte Marc.
"Wie meinen Sie das?"
"Na, bei dem ausgangs Gewicht ist es in etwa so als würden Sie bei einem LKW das Nummernschild abnehmen."
"Maaaahaaaaarc" ,zischte Gretchen ihm zu, "Das ist wirklich ganz ganz toll Frau Becher. Hören Sie gar nicht auf ihn."
"Schön!" ,sagte Marc laut und sah auf seine Uhr, "Wenn ich hier sowie so nichts zu melden habe, kann ich ja kurz verschwinden.."
"Mit wem soll ich denn dann operieren?"
"Mach das mit Knechtelsdorfer. Ich muss kurz eine Bestellung abholen."
"Der steht aber mit Maria im OP!"
"Dann mach es einfach allein" ,drehte er sich an der Tür nochmal zu Gretchen um.
"Ich kann doch nicht ohne Assistenz operieren. Jedenfalls nicht so einen Bruch!"
"Dann piep Knechtelsdorfer halt an" ,er klang genervt, "Es ist so oder so eine Unverschämtheit das Hassmann uns die ganze Woche UNSEREN Assistenten abspenstig macht. Droh ihm zur Not mir ner Abmahnung."
Er drückte die Klinke herunter und Gretchen verdrehte die Augen: "Wann bist du dann wieder hier?"
"Keine Ahnung. Stunde?"
"Mhmm.. Dann beeil dich bitte. Wir müssen noch die Abschlussvisite machen."
Kopfschüttelnd wand sie sich wieder zu Frau Becher um und besprach mit ihr den Ablauf der OP.
Marc machte sich auf den Weg seine Glühweinbestellung abzuholen und sollte dort hart auf die Probe gestellt werden.



Eleni war eine hübsche, junge Südländerin.

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Sie arbeitete für ihre Eltern, zeitweise in dem Großhandel und hatte so wenig Schwierigkeiten an solche Bestellungen, wie eben dieser zu kommen.
Zu seinem Leidwesen, musste Marc den Glühwein allerdings bei ihr zu Hause abholen. Ihre Eltern würden Fragen stellen wenn sie sehen würden, wie günstig sie diese Bestellung ausgab. Die zweiundzwanzig Jährige spielte ein wenig mit ihren Reizen, denn was sie sah gefiel ihr. Mehdi hatte gar nicht erwähnt, was sein Freund doch für eine Sahneschnitte war. Überflüssigerweise und obwohl es ihn nicht die Bohne interessierte, zeigte sie ihm ihre Wohnung. Immer darauf bedacht vor ihm zu laufen um ihm ihre ansprechende Rückseite zu zeigen.
Da er nun mal auch nur ein Mann war, konnte er leider auch nicht anders als hinzusehen. Anziehend fand er sie auf alle Fälle.
Eleni spürte Genugtuung in sich aufsteigen wenn sie seine Blicke auf sich spürte, sie konnte förmlich merken das er sie in Gedanken schon drei Mal ausgezogen hatte.

"Und wie gefällt es dir?" ,fragte sie ihn als sie vor der Garage standen.
"Wirklich sehr seeeehr gut" ,antwortete er und seine Augen hefteten noch immer auf ihrer Hüfte.
"Ich sprach von der Wohnung nicht von meinem Hintern Süßer!"
"Klar..äh.. Ich auch?! Was dachtest du denn?" ,fragte er irritiert und zwang sich wieder in ihr Gesicht zu sehen.
"Mhmm.. Ich hatte das Gefühl du würdest mich jeden Augenblick gegen die Wand drücken und mich wild küssen." ,anzüglich lies sie ihre Augenbrauen tanzen.

Und sie hatte recht. Normalerweise wären sie nun bestimmt schon bei Speedboat-Runde zwei oder drei. Wenn da nicht ein blonder Teufel in seinem Kopf und in seinem Herzen wäre.

Er konnte ihr verheultes Gesicht quasi vor seinen Augen sehen und sie schreien hören "Du hast mit ihr geschlafen Marc!"


Nein! Das wollte er nicht. Er wollte keine andere Frau. Sicherlich war diese hier vor ihm wunderschön.. Doch sie war einfach nicht Gretchen. Trotzdem flirtete er mit ihr.
"Das würde dir gefallen was?"
"Du kannst dir gar nicht vorstellen wie sehr" ,hauchte Eleni ihm zu und strich ihm zärtlich über das Brustbein.
Normalerweise hätte er sie nun sofort gepackt und auf den Boden geworfen um über sie herzufallen wie ein ausgehungertes Tier. Kurz spielte er auch mit dem Gedanken, doch dann kam ihm ein paar blaue Augen in den Sinn. Ein kleines Tete-a-tete mit einer anderen würden seine Chancen nur minimieren. Wenn nicht sogar gleich ganz ausradieren.
"Hör zu Eleni.. Du bist echt... atemberaubend aber ich kann nicht."
"Glaub ich dir nicht" ,lachte sie und warf einen Blick auf seine Hose.
"Ähm.. Chrm.. chrm.. Sicher. Ich mein ich könnte, wenn ich wollte... Aber ich .. Es gibt da jemanden."
Suchend sah sie sich um: "Ist sie hier?"
"Nein ist sie nicht..."
"Na also" ,flüsterte sie und zog ihn zu einem Kuss herab.
Langsam lies sie ihre Hand in seine Hose gleiten und stöhnte leise in den Kuss hinein, der von Marc erwidert wurde, als sie zu fassen bekam was sie dringend spüren wollte.
Doktor Marc Meier war nicht nur überrumpelt sondern auch hin und her gerissen. Die Aussicht auf guten Sex würde er nie ausschlagen aber was sollte er tun?.....TO BE CONTINUED






Gar nicht weit entfernt, klingelte es an der Wohnungstür von Anna Kaan. Frau Schneider vom Jugendamt war gekommen um Lilly abzuholen und zu ihrem Vater zu bringen. Mit schweren Füßen begleitete Anna die Beamte in Lillys Zimmer.
"Frau Kaan, ich würde gern ein paar Worte mit Lilly allein wechseln. Wenn Sie uns also bitte entschuldigen würden?"
"Natürlich" ,schweren Herzens verlies Anna den Raum und schloss die Türe.

Lilly saß etwas traurig auf ihrem Bett und lies die Füße hin und her schwingen.

"Hallo Lilly. Ich bin Frau Schneider. Hat dir deine Mama schon gesagt warum ich hier bin?" ,fragte die Sozialarbeiterin vorsichtig.
"Ja. Du bringst mich von hier weg!"
"Das stimmt. Ich bringe dich zu deinem Papa. Freust du dich schon auf ihn?"
"Warum kann Mama denn nicht mitkommen?" ,fragte Lilly traurig.
"Weißt du, der Mama geht es nicht so gut. Sie braucht ein bisschen Zeit für sich."
"Geht Mama wieder schlafen?"
"Nein. Nein keine Angst. Sie hat nur ein bisschen was zu erledigen und muss über ein paar Dinge nachdenken. Aber sie kommt dich und den Papa ganz ganz oft besuchen."
"Aber Papa und Mama haben sich doch gar nicht mehr lieb."
"Ääähm" ,darauf war sie nicht vorbereitet gewesen, "Weißt du Lilly... Die beiden haben sich bestimmt noch ein bisschen lieb. Nur halt nicht mehr so wie vorher, verstehst du?"
"Wegen mir?"
"Nein. Nicht wegen dir. Gerade wegen dir haben die beiden sich noch lieb. Schau mal, die Mama und der Papa hatten eine Menge Ärger weil die Mama so lange und so weit weg mit dir war. Du weißt doch bestimmt noch wie du damals mit der Mama im Zug weggefahren bist, hm?"
"Ja! Da war ich ganz doll traurig das der Papa nicht mitkommen konnte."
"Und genauso traurig war dein Papa auch. Weil er nicht mit dir mitkommen konnte und weil die Mama sich nicht mehr bei ihm gemeldet hat."
"Ist er deswegen böse auf Mama?"
"Ich glaube ja. Aber, warum fragst du ihn das nicht einfach selbst? Er kann dir das bestimmt besser erklären wie ich."
"Aber wenn ich jetzt von hier weg gehe.. Wann kann ich Mama denn dann wieder sehen?"
"Ganz ganz bald. Versprochen. Wartest du noch kurz? Ich möchte noch einmal mit der Mama sprechen bevor wir gehen."
"Gut."



"Wie hat sie reagiert?" ,fragte Anna sofort besorgt als Frau Schneider aus dem Zimmer kam.
"Sie ist sehr traurig. Das ist vollkommen verständlich und sie wird denke ich Probleme haben das alles zu verstehen. Wichtig für Lilly ist, dass sie beide sich regelmäßig und an festen Tagen sehen. Sie braucht Sicherheit. Das werde ich Ihrem Ex-Mann auch noch mal nahelegen. Ich weiß das es schwer für Sie ist, allerdings bitte ich Sie sich ein wenig zurück zu halten. Sie dürfen ihr nicht das Gefühl geben das es Ihnen egal ist das sie von hier weg muss. Sie soll aber auch nicht das Gefühl vermittelt bekommen das es ein Abschied für immer ist, denn das ist es nicht. Sie werden sich weiterhin sehen und Sie werden weiterhin eine wichtige Bezugsperson sein."
"Natürlich. Ich.. Es ist nur.. Ich weiß nicht.."
"Ich verstehe Sie. Es wird eine gewaltige Umstellung, für alle beteiligten. Sie und der Vater müssen allerdings stark sein für ihre Tochter. Ich möchte Ihnen keine Vorwürfe machen, doch durch die vielen Brüche die sie erleben musste, ist sie sehr unsicher. Dem können Sie nur entgegenwirken wenn Sie ihr eine dauerhafte Sicherheit vermitteln und das können Sie nur gemeinsam. Ich werde sie jetzt holen und dann können Sie sich ordentlich von ihr verabschieden. Die restlichen Sachen wird ein Kollege im Laufe der Woche abholen."
"Okay..."

Anna hatte jetzt schon Schwierigkeiten ihre Tränen zurück zu halten, doch als ihre Tochter ihr weinend in die Arme lief, war es noch viel schwieriger.
"Komm bitte bitte mit Mama...." ,weinte Lilly an Anna's Schulter.
"Mein Schatz, das geht nicht. Das weißt du doch.. Hm.. Ich komme dich besuchen und der Papa ist ja da."
"Ich will aber das ihr wieder zusammen seid. Ich will nicht das ihr euch streitet."
"Wir streiten nicht. Versprochen. Aber der Papa und ich müssen jetzt getrenne Wege gehen.. Trotzdem sind wir immer für dich da mein Engel."
"Und du gehst nicht ohne mich weg?"
"Nein. Ich gehe nie wieder ohne dich weg. Ich bin immer hier in dieser Wohnung und wenn der Papa es erlaubt, kannst du mich auch immer besuchen kommen. Und jetzt musst du los. Der Papa wartet bestimmt schon, hm?"
"Ich hab dich lieb Mama...."

Choconussa Offline

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11.01.2016 22:57
#36 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Sechsunddreißig -Back to your arms-



Schwer atmend löste sich Eleni von ihm und begann an seinen Hemdknöpfen zu zerren. Doch Marc nahm ihre Hände und schob sie bestimmt beiseite.
"Lass es! Ich.. ich habe eine Freundin."
"Das sagtest du schon und es stört mich nicht."
"Unfassbar was Mehdi für Leute kennt. Mich stört es aber okay? Ich leg dir das Geld in die Küche. Die Flaschen hole ich morgen oder Jemand anderes holt sie morgen."
Verwirrt sah Eleni dem flüchtenden Chirurgen hinterher. Noch nie hatte sie ein Mann abgewiesen.

Als Marc in seinem Wagen saß, schlug er wütend auf das Lenkrad ein.
"Fuck! Fuck! Fuck!"
Er musste mit Gretchen reden. Ehrlichkeit währt am längsten, hatte ihm seine Mutter mal gesagt. Und genau das würde er nun sein. Einmal ehrlich.
Vielleicht würde sie ja mit ihm zusammen den Wein abholen fahren.






Während die einen weinten und die anderen fluchten, leuchteten an anderer Stelle zwei Personen nur so vor Lebensfreude. Gabi Kragenow hatte unglaublich gute Laune und versteckte diese auch nicht vor ihren Kollegen. Sabine wurde direkt in eine herzliche Umarmung gezogen, Doktor Gummersbach bekam einen Kuss auf die Wange und Gretchen bekam Komplimente zu Frisur und Make-Up. Das Krankenhauspersonal war verwirrt.
Zumindest bis Assistenzarzt Christian Werner mit ein und demselben Strahlelächeln auf der Bildfläche erschien und seine angebetete zärtlich küsste. Jede freie Sekunde verbrachten die beiden heute miteinander und konnten weder Augen, noch Finger voneinander lassen.
Das weibliche Personal beobachtete das Verhalten der beiden verträumt, wohingegen die Männer eher verwirrt dreinblickten.
Alle bis auf einer der gerade abgehetzt ins Stationszimmer geplatzt kam.

"Boar ne! Sind heute die Frühlingsgefühle ausgebrochen?" ,er war schon drauf und dran wieder zu gehen als ihm ein blonder Schopf auffiel, der nicht gerade begeistert aussah.
"Hast du nicht gesagt ne Stunde Marc?"
"Ja sorry hat etwas länger gedauert.. Deswegen wollte ich mit dir reden, eigentlich. Ääääh, mein Büro?"
Gretchen war überrascht, hatte jedoch gleich ein ungutes Gefühl im Bauch: "Ähm ja.. Klar."

Marc erzählte ihr alles, angefangen von seinem Vergehen ihr länger als eine Sekunde auf Hintern und Brüste zu schauen, bis hin zum erwiderten Kuss.
Für Gretchen ganz klar ein Schlag in die Magengrube. Aber die beiden waren nicht mehr zusammen, also konnte er ja tun was er wollte.
"Warum erzählst du mir das Marc?"
"Na ja.. Ich dachte, bevor du es von wem anderes hörst..."
"Ja..äh..okay. Aber, wir sind nicht zusammen! Du bist mir doch keine Rechenschaft schuldig. Wenn du Sex haben willst dann hol ihn dir - von wem auch immer."
Marc schüttelte den Kopf. Diese Frau war manchmal sowas von Begriffsstutzig.
"Gretchen. Ich will keinen Sex mit irgendwem..."
"Sondern?"
"Was denkst du denn?"
Sie antwortete ihm nicht. Die Antwort war ihr nach seinem ernsten Blick klar. Doch sie konnte und wollte das einfach nicht mehr zulassen.
"Danke Marc. Also.. Das du so ehrlich zu mir warst. Ich geh mich jetzt umziehen, wir können gleich zu Mehdi. Bis..ähm..ja..gleich?!" ,sie stolperte zur Tür weil sie nicht darauf achtete wohin sie ihre Füße trugen.
Kurz bevor sie aus der Tür war sagte Marc noch laut: "Ich werde nicht aufgeben Gretchen!"


Als es an seiner Wohnungstür klopfte und ihm ein kleines Mädchen in die Arme fiel, war er der glücklichste Mann auf der ganzen Welt. Er wusste nicht wie lang die beiden sich in den Armen lagen, doch ihm kam es vor wie eine Ewigkeit.
"Warum weinst du denn Papa? Freust du dich nicht?"
"Doch Lillybär ich freue mich so sehr. Weißt du das sind Freudentränen. Ich bin so froh, so unendlich froh."
"Nicht weinen Papa!" ,sie wischte ihm mit dem Ärmel ein paar dicke Tränen von der Wange.
"Willst du dir dein Zimmer schon mal ansehen? Ich glaube ich muss mit der Frau Schneider noch ein paar Worte wechseln."
"Okay. Aber danach knuddeln wir weiter, ja?"
"Den ganzen Abend mein Schatz" ,er drückte seiner Tochter einen Kuss auf den Scheitel und brachte sie zu ihrem Zimmer.

Kurz erklärte Frau Schneider ihm auch schon die Dinge, die sie zuvor Anna gesagt hatte.

"Passen Sie gut auf die kleine auf. Sie hat so viele Brüche erleben müssen, das hinterlässt auf so einer Kinderseele deutliche Spuren. Und ich denke auch bei ihr werden Narben bleiben. Behalten Sie sie im Auge, Doktor Kaan."
"Das werde ich."
"Nun gut. Dann lasse ich sie jetzt allein. Ich glaube Lilly hat Ihnen viel zu erzählen. Sollten Sie Fragen haben oder sollte es Probleme bei der Betreuungsfrage geben, rufen Sie mich an. Ich werde mich dann um eine Lösung kümmern."
"Danke für das Angebot, doch ich denke, ich werde das ganz gut mit den Großeltern geregelt bekommen."
"Das war auch keine Aufforderung Doktor Kaan. Sie sollen einfach nur wissen, dass jemand für Sie da ist. Ich habe ihr psychologisches Gutachten vorliegen und weiß wie schwer Sie es hatten. Ich melde mich im Laufe der Woche noch mal bei Ihnen und dann schauen wir mal wie es läuft."

Sie wünschte noch einen schönen Abend und ging.

"Na Lillymaus?" ,fragte er vorsichtig als er zu ihr ins Zimmer ging, "Wie gefällt dir dein Zimmer?"
"Gut."
"Das freut mich. Hast du hunger? Wollen wir Pizza bestellen?"
"Jaaaaaa" ,sie hüpfte freudig auf Mehdis Schoß.
"Wow, wow, wow.. Du bist schwer geworden."
"Gar nicht."
"Dann bin ich wohl einfach nur schwach!" ,lachte Mehdi und trug sie ins Wohnzimmer.

Die beiden bestellten eine große Familienpizza und Lilly erzählte ihrem Vater was sie alles erlebt hatte in der Zeit in der sie nicht in Berlin war. Es ging ihr in der ganzen Zeit gut, sie hatte soweit alles was sie brauchte. Nur Freunde hatte sie keine mehr. Zur Schule ging sie auch eine ganze Zeit lang nicht.

"Ich bin mir sicher, du wirst ganz schnell neue Freunde in der neuen Schule finden."
"Ich weiß nicht. Wenn ich wieder weg muss?"
"Lillybär du musst nie wieder weg. Das verspreche ich dir. Okay?" ,Lilly nickte, "Und heute darfst du auch mal länger aufbleiben. Wir bekommen gleich noch besuch."
"Kommen Oma und Opa?"
"Nein.. Die beiden kommen erst morgen. Gretchen und Onkel Marc kommen gleich noch um dir hallo zu sagen."

Wieder liefen Mehdi Freudentränen die Wange herunter, als er sah wie die Augen seiner Lillymaus zu strahlen anfingen. Er fühlte sich noch wie in einem Traum. Einem wunderschönen Traum, der seinetwegen, niemals Enden sollte.

Doch das hier war das reale Leben, also wurde dieser Moment gleich von seiner Tochter in einen Filmmarathon verwandelt. Bis die beiden Besucher eintrafen wollte sie etwas aus ihrer Disney-Sammlung sehen. Ewigkeiten hatte er diese Filme nicht mehr angesehen und es kam ihm schon fast so vor als wäre der Weggang von Lilly nie passiert.

Gegen 20:13 Uhr schellte es endlich. Mehdi und Marc konnten gar nicht so schnell schauen, da lagen sich die beiden Mädchen schon in den Armen und weinten bitterlich.

"Muss man da jetzt was machen?" ,fragte Marc leise?
"Nein. Lass die beiden einen Moment. Komm, in der Küche wartet Bier auf dich!"
"Du bist der Beste!"
"Heeeeey, das aus deinem Mund?"


"Ich hab Elenie geküsst" ,sagte Marc als die beiden in der Küche standen.
"Du hast WAS? Spinnst du?"
"Ey, die hat mich voll besprungen" ,verteidigte er sich.

Choconussa Offline

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11.01.2016 22:58
#37 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Siebenunddreißig -Beste Freunde-



"Was meinst du wird Gretchen dazu sagen?"
"Du wirst verwundert sein.. Sie hat sich nur bedankt! Du musst morgen auf jeden Fall den scheiß Glühwein holen. Ich fahr da nicht noch mal hin."
Kopfschüttelnd öffnete Mehdi die Bierflaschen und ging voraus ins Wohnzimmer. Dort saßen Lilly und Gretchen noch immer Arm in Arm auf dem Boden.

"Wie lief die Verhandlung?" ,fragte Marc schließlich als sie sich auf dem Sofa niedergelassen hatten.
"Super! War zwar echt ein wenig langwierig, aber hey.. Ich hab mein Kind wieder bei mir."
"Unglaublich wie groß sie geworden ist in der eigentlich kurzen Zeit. Ich weiß für dich war es die Hölle. Ich kann es zumindest jetzt verstehen" ,schloss er leise und sah zu Gretchen, die sich gerade die Tränen von der Wangen wischte.
"Ja es war nicht leicht" ,seufzte Mehdi, "aber das ist jetzt vorbei. Lilly und ich bauen uns hier ein Leben auf und vielleicht findet sich ja auch irgendwann die richtige Frau."
"Wenn du sie gefunden hast darfst du sie auf keinen Fall mehr gehen lassen!"
Mehdi sah seinen besten Freund von der Seite prüfend an. Irgendwas war anders an ihm.

"Was ist los mit dir?" ,fragte er.
"Was soll schon sein? Ich hab's so wie es aussieht endgültig versaut und.. Ach.. Ich hätte heute Sex haben können. Es ging einfach nicht. Ich hatte das Gefühl sie zu betrügen und musste die ganze Zeit an sie denken. Was wenn sie nicht zurück kommt? Soll das ewig so weitergehen?"
"Marc. Selbst wenn sie nicht zurückkommen sollte...Dieses Gefühl vergeht irgendwann. Als Anna damals im Koma lag, hatte ich auch das Gefühl ich würde sie betrügen, obwohl ich wusste das sie mich verlassen wollte. Ich habe mich nicht getraut etwas neues anzufangen. Dann kam Gretchen und es wurde alles anders. Ja du hörst es nicht gern ich weiß, spar dir deinen Kommentar. Das ist schon lange vorbei."
"Ich hab einfach nicht geglaubt das es mir was ausmachen würde wenn sie nicht mehr da ist."
"Mhmm.. Das ist ein Fehler den viele in einer Beziehung machen. Sie nehmen es als selbstverständlich hin.. Geb einfach nicht auf. Beweis ihr das es sich lohnt."

"Papa, Papa.. Gretchen guckt mit mir gleich Aschenputtel. Guckt ihr mit?" ,Lilly hüpfte aufgeregt von einem Bein auf das andere.

Mehdi ging das Herz auf. Dieses leuchten in ihren Augen, wie hatte er es vermisst? Und auch an Marc ging dieses Lächeln nicht einfach spurlos vorbei. Was ihn selbst äußerst verwunderte.

"Ich weiß nicht.. Ähm.. Marc?"
"Was? Ach, öh..Puuh.." ,mit Kulleraugen sah Lilly ihn nun an und automatisch musste er lächeln, "Sicher gucken wir mit."

"Gut. Da du es geschafft hast die harten Männer einzuwickeln, gehen Papa und ich jetzt in die Küche und machen Kakao, hm? Marc kann ja schon mal den Film einlegen und du Lillymaus holst uns ein paar Kuscheldecken." ,Gretchen war voll in ihrem Element.

So hatte sie die kalten Winterabende oft mit ihrer Familie vor dem Fernseher verbracht. Zusammengekuschelt unter einer großen Decke schauten sie die verschiedensten Filme oder Serien. Dabei zündeten sie den Adventskranz an und aßen Kekse. Da keiner widersprach, zog sie Mehdi an der Hand hoch und schleifte ihn in die Küche.

"Wo hast du denn den Kakao stehen Mehdi?"
"Unterste Schublade." ,sagte er während er mit dem Kopf im Kühlschrank steckte um die Milch auszugraben. Warum hatte seine Mutter die nach hinten gelegt?
"Na, hat Marc dir schon von seinem Erlebnis erzählt?" ,es sollte möglichst beiläufig klingen - doch so ganz wollte ihr das nicht gelingen.

Sie wusste das Mehdi es sofort bemerken würde.

"Mhmm.. Hat er. Wie fühlst du dich damit?"
"Äh.. Ganz normal? Ich mein, war doch klar das er irgendwann mal eine Neue finden würde."
"Mach dir doch selbst nichts vor. Er hat auch gar keine Neue. Hat er dir doch gesagt oder nicht?"
"Ja, er hat mir gesagt das er nicht mit ihr geschlafen hat."
"Also, sag schon.. Wie geht es dir? Was denkst du wirklich? Ich nehme dir nicht ab das es für dich zu ende ist."
Gequält sah sie zu ihm auf: "Das ist es auch noch nicht. Ich denke auch nicht das es das so schnell sein wird. Ich mein, ich liebe ihn schon mein halbes Leben lang. Es geht aber nicht. Ich habe einfach keine Lust mehr aussichtslose Beziehungen zu führen."
"Wer sagt denn das es das ist?"
"Ich bitte dich. Kannst du dir Marc vorstellen, wie er um meine Hand anhält? Oder mir die verschwitzen Haarsträhnen aus dem Gesicht streicht bei der Geburt unseres Kindes? Das wird alles nie passieren. Ich möchte das aber alles irgendwann mal haben."
"Willst du meine ehrliche Meinung dazu hören Gretchen?"
"Sicher möchte ich deine Meinung dazu hören, sonst würd ich ja nicht mit dir darüber reden."

"Ich glaube du bist zu sehr auf diese "Vorstadtromantik" fixiert. Du versuchst dir das zu ermöglichen, weil es einer deiner Träume ist. Doch du gibst anderen manchmal das Gefühl es erzwingen zu wollen... Du weißt genauso gut wie ich, wie Marc tickt. Geb ihm doch einfach die Möglichkeit dir deinen Traum zu erfüllen, wenn auch nicht ganz so wie du es möchtest. Macht Kompromisse, geht aufeinander ein. Ja ihr habt so lange warten müssen, nicht zuletzt weil ihr selbst es nicht auf die Reihe bekommen habt. Deswegen müsst ihr jetzt aber auch keinen Turbo einlegen."

"Ich will doch auch gar keinen Turbo einlegen. Ich will nur nicht auf der Stelle stehen und ich will wissen was in ihm vorgeht. Das ist doch wohl nicht zu viel verlangt oder?"
"Nein das ist es nicht und ich denke Marc hat da noch einiges zu lernen. Doch auf der Stelle bewegt habt ihr euch auf gar keinen Fall. Er hat dich gefragt ob du bei ihm einziehen willst und hat es ziemlich schnell in die Wege geleitet. Marc ist halt nicht der Typ für Schlag auf Schlag."
"Was soll ich denn jetzt deiner Meinung nach machen? Du weißt was er mir alles an den Kopf geworfen hat. Einfach so vergessen kann man sowas nicht und ich denke auch nicht das er sich mal ernsthaft Gedanken darüber gemacht hat."
"Das wirst du nicht herausfinden wenn du ihm nicht die Chance gibst mit dir zu reden."

Damit hatte er natürlich recht. Sie war einfach noch nicht bereit dazu mit ihm zu reden und ihm eine Möglichkeit zu geben es besser zu machen, wenn er dazu überhaupt in der Lage war. Sie wusste auch nicht ob sie wirklich noch die Kraft dazu hatte um die Beziehung die sie zueinander hatten zu kämpfen. Immer waren die Bemühungen von ihr ausgegangen und er hat nur angefangen sich in Bewegung zu setzen, wenn sie bereit war von ihm loszukommen. Wenn der ein oder andere Mann dann weg war, lies er sie wieder eiskalt sitzen. Das wollte sie einfach nicht mehr.

"Ich schau mal wie weit die beiden da drüben sind, die Milch ist ja gleich fertig." ,mit gesenktem Kopf lief sie aus der Küche. Doch als sie in der Tür stand und den Kopf hob, verfiel sie beinahe wieder einem ihrer Tagträume.


Lilly Kaan saß zwischen den Beinen von Doktor Marc Meier und zusammen blätterten sie durch ein Bilderbuch. Nein, es war ein Fotoalbum. Von weitem konnte sie nicht viel erkennen, doch als sie leise ein paar Schritte näher ging sah sie, dass es Bilder aus Afrika waren.
"Und warum hat Gretchen dich nicht mehr lieb?" ,fragte Lilly plötzlich und sah von unten schräg nach oben.
"Hm..Chrm,chrm.. Weißt du ich hab ein paar böse Sachen zu ihr gesagt, die ich eigentlich gar nicht so gemeint habe."
"Warum machst du sowas denn wenn du sie lieb hast?"
Noch immer war Gretchen unbemerkt geblieben und sie legte den Zeigefinger auf die Lippen als sie Mehdi näher kommen sah. Dieser stellte sich hinter sie und betrachtete ebenfalls das Bild was die beiden auf der Couch abgaben.
"Ich weiß nicht warum ich das gemacht habe. Das frag ich mich schon seit Tagen. Aber hey, wir wollten doch Fotos gucken. Also blätter mal um."

Doch auch das nächste Bild machte die Situation für den begnadeten Oberarzt nicht besser. Es zeigte ihn, Gretchen und Mehdi am Lagerfeuer. Sie sangen zusammen mit den Kindern.
Die beiden damals noch frisch verliebten, saßen eng beieinander und hielten sich bei der Hand. Er räusperte sich und sah auf. Sein Blick fiel direkt auf Gretchen und seine grünen Augen verloren sich in ihren Ozean blauen.

"Lilly? Packst du das Album bei Seite? Der Kakao ist fertig, wir können dann also anfangen den Film zu schauen." ,Mehdi dachte es sei das Beste so zu tun als wäre nichts.

Zusammengekuschelt saßen die vier also fünf Minuten später auf der Couch und sahen einen Kinderfilm. Während die beiden Mädchen hin und weg waren, hingen die Männer ihren eigenen Gedanken nach.

Mehdi war einfach nur überglücklich seine Tochter so bei sich zu haben. Vor einem Jahr hatte er nicht an so einen Moment gedacht. Nie hätte er es für möglich gehalten sie noch mal bei sich zu haben. Er beobachtete sie genau, prägte sich jede Geste, jede Mimik genau ein. Fast als würde er befürchten sie im nächsten Wimpernschlag nicht mehr bei sich zu haben. Hin und wieder warf er allerdings auch einen Blick zu seinen Freunden herüber. Die beiden saßen so nah beieinander und doch berührten sie sich nicht. Für einen Außenstehenden kam hier wohl nicht in Frage ob die beiden sich mochten oder nicht.

Doch irgendwann war Gretchen so sehr in den Film vertieft, dass sie gar nicht bemerkte wie sie sich immer mehr fallen lies. Im Schneidersitz saß sie etwas schräg auf der Couch und lehnte mit dem Rücken an Marc's Brust. Sein Arm lag hinter ihm auf der Lehne und abwesend spielte er mit einer ihrer Locken. In seinem Kopf fuhr allerdings wieder die Achterbahn die er so sehr hasste. Er wusste ganz genau was sein Problem war. Die Angst davor so zu werden wie sein Vater war einfach viel zu groß. Das wollte er Gretchen nicht antun. Die zehn Minuten mit Lilly hatten ihm gezeigt das er wenig Geduld besaß. Was wenn ihm wirklich mal die Hand ausrutschen würde?
Das konnte, wollte und würde er ihr nicht sagen. Er wollte keine Schwächen zulassen.


Eine halbe Stunde später war der zweite Film zur Hälfte durchgelaufen als Lilly ihren Papa mit dem Ellenbogen anstupste.
"Was ist denn Lillybärchen?"
"Schau mal die beiden kuscheln?" ,kicherte sie leise.

Und tatsächlich. Marc Meier und Gretchen Haase schliefen. Gretchens Kopf lag auf Marcs Brust und der seine hing seitlich an seiner Schulter. Sein Arm lag mittlerweile um ihren Bauch.
"Sollen wir sie wecken Papa?"
"Nein. Lassen wir die beiden schlafen. Komm, wir legen uns auch ins Bett. Es ist schon spät und Oma und Opa kommen morgen ganz früh."

Nachdem Mehdi Lilly zu Bett gebracht hatte, fing er an leise das Wohnzimmer aufzuräumen. Nebenbei schoss er noch ein Foto von den beiden und deckte sie vernünftig zu.

Choconussa Offline

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11.01.2016 23:00
#38 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Achtunddreißig -Innere Dämonen-



Lilly Kaan war eine Frühaufsteherin. So hüpfte sie hellwach und hungrig um halb sieben durch die Wohnung. Im Wohnzimmer angekommen warf sie einen blick auf das schlafende "Kuschel" - Paar Marc Meier und Gretchen Haase. Sie wollte die beiden nicht wecken, deswegen schlich sie sich leise am Sofa vorbei in die Küche. Doch dort kam es wie es kommen musste. Sie war zu klein um an die obersten Fächer im Kühlschrank zu kommen, holte sich einen Stuhl und warf dabei den daneben stehenden um. Ein lautes Krachen lies nicht nur sie zusammenzucken und das darauffolgende PLUMPS weckte schließlich auch Mehdi. Panisch lief er ins Wohnzimmer und die Szenerie die ihn dort erwartete war einfach zum schießen. Seine Tochter stand mit entschuldigendem Dackelblick in der Küchentür und erwartete ein Donnerwetter. Marc und Gretchen hingegen lagen auf dem Boden.

Der umfallende Stuhl hatte die beiden aufschrecken lassen. So lag Marc nun auf Gretchen und sah besorgt zu ihr herab, denn sie jammerte tierisch und hielt sich den Kopf.
"Alles klar?" ,fragte er sie und beachtete gar nicht Mehdi, der sich krümmte vor lachen.
"Ja..Geht schon. Gibt nur ne kleine Beule, hoffe ich."
"Bist du dir sicher? Ich fahr dich sofort ins Krankenhaus... Komm mal her.." ,er setzte sich auf und zog sie am Arm hoch.
Vorsichtig schob er seine Hände durch ihr dichtes Haar und tastete ihren Kopf ab. Als er das Hörnchen ertastete, zuckte Gretchen kurz zusammen.
"AU! Marc lass das das tut weh..."
"Mhmm.. Nur ne Beule, aber wenn dir schwindlig wird sagst du sofort bescheid, okay?"
"Ja Papi.. Was ist mit dir?"
"Alles okay. Bin ja weich gelandet" ,zwinkerte er ihr zu und sie streckte ihm frech die Zunge raus. Sofort blieb Marc sein Grinsen im Halse stecken.

Im Hintergrund lachte Mehdi noch immer und versuchte Lilly zu beruhigen die sich zum gefühlten hundertsten Mal entschuldigte. Sie hatte einfach nur hunger.
"Wenn du hunger hast dann wollen wir mal schnell was dagegen machen. Ich mache Frühstück. Was ist mit euch beiden? Esst ihr mit?" ,rief er zum Sofa herüber.
Marc zwang sich aufzusehen und sagte mit krächzender Stimme: "Nein ich ... ich nicht. Ich fahr nach Hause. Umziehen, duschen und dann muss ja auch irgendwer Arbeiten. Soll ich dich noch irgendwo hinbringen, Hasenzahn?"
"Äh.. Nein, ich denke.. ich bleib hier und helf Mehdi ein bisschen. Fahre dann später mit dem Bus. Hab ja auch erst später Dienst... Ich will dir auch keine Umstände machen." ,antwortete sie ihm nervös ohne in anzusehen. Ihr Ärmel hatte ihr Interesse vollends geweckt.
Enttäuscht sah er seine Ex-Freundin an und wollte gerade etwas sagen als er von Mehdi unterbrochen wurde.
"Kann ich dich kurz sprechen Marc?"
"Wenn es sein muss?"

Schnell schob Mehdi seinen besten Freund in sein Schlafzimmer und zeigte ihm zu allererst einen Vogel. Verwirrt wurde er dabei beobachtet. "Dir ist doch echt nicht mehr zu helfen Meier."
"Äh, wieso?"
"Pass auf, ihr habt einen ganzen Abend zusammen auf der Couch gesessen ohne euch zu streiten. Du bist mit ihr im Arm eingeschlafen und aufgewacht. Na gut, okay.. Vielleicht jetzt nicht so wie du es gern wolltest, aber es war harmonisch. Du hast jetzt die Möglichkeit einen ganzen Morgen mit ihr zu verbringen und du willst NACH HAUSE? Mein Gott! Beiß dir doch endlich mal in den Arsch und handle. Ich bin nämlich nicht überzeugt das sie an Weihnachten erscheinen wird."
"Wenn sie an Weihnachten nicht kommt weiß ich woran ich bin und dann ist das eh durch."
"Nein ist es nicht und wird es auch nie. Wann versteht ihr beiden endlich das ihr ohne einander nicht könnt?"
"Miteinander können wir genauso wenig!!!"
"Wirklich unfassbar wie ihr beide euch lieber kaputt macht anstatt miteinander aneinander zu arbeiten. Ein Blinder sieht wie ihr daran zu knabbern habt und auch er würde euch fragen ob bei euch noch alle Latten am Zaun sind."
"Was willst du von mir Mehdi?"
"Ich will von dir nur eines.. Fixier dich nicht auf deinen "Plan" ,kämpfe um sie und seh zu das du das wieder gebacken bekommst. Das erträgt doch kein Mensch mehr. Vor allem aber nicht ihr beide."
"Lass mich mal machen. Und jetzt lass mich gehen ich will hier raus."
"Wovor läufst du jetzt schon wieder weg?"
"Ganz ehrlich?"
"Zur Abwechslung wäre das ja mal nicht schlecht."







"Vor mir selbst!!" ,schrie er und ging.


Sein Auto lies er stehen und lief einfach in den kalten, nebligen Dezembermorgen hinein.
Bis hin zu einem kleinen Park, indem er sich auf einer Bank niederließ und das Gesicht in seinen Händen verbarg.
Ja er rannte wieder davon. Versuchte seinen Gedanken, Gefühlen und seinem Empfinden zu entfliehen. Er wollte das alles runterschlucken. Seine Ängste und Schwächen verbergen. Doch sie gruben sich unaufhörlich immer mehr an die Oberfläche. Mit jedem Tag an dem er mit Gretchen zusammen war und mit jedem Tag an dem sie nun nicht bei ihm war. Er dachte an den Traum zurück den er hatte, als Gretchen dachte er hätte sie mit Saskia betrogen. Wenn das alles so weiter ginge, würde er wahrscheinlich genau so enden. Kein sonderlich schönes Bild für seine Zukunft. Doch es kam kein anderes Bild vor sein Auge, wenn er versuchte sich eine Zukunft ohne sie vorzustellen.
Wieder einmal mehr hatte das Leben ihn in der Annahme bestärkt das Liebe nichts als Schmerzen mit sich bringt. Seine Mutter und er hatten seinen Vater auch geliebt. Doch all diese Liebe wurde mit Füßen getreten. Bis seine Mutter es nicht mehr ausgehalten hatte. Sie konnte nicht mehr mit ansehen wie ihr Sohn geschlagen wurde. Sie wollte nicht mehr jeden Tag mit dieser Angst im Bauch leben müssen und schmiss seinen Vater hochkant raus.
Doch das genügte nicht. Stündlich stand Frederique vor der Tür und randalierte. Man solle ihn wieder rein lassen, er hätte das Haus bezahlt. Jedes Mal war er betrunken. Marc traute sich teilweise nicht mehr vor die Tür. Eines Tages jedoch, tauchte sein Vater nicht mehr auf. Sie hatten schon die Hoffnung das er einfach eingesehen hatte, dass es keinen Sinn machte. Aber es kam alles anders. Frederique schrieb einen Brief der einen Monat nach seinem "Verschwinden" eintraf. Er entschuldigte sich für all das was er den beiden angetan und zugemutet hatte, bat um Verzeihung und wünschte alles gute. Eine Woche nach dem Brief standen Kriminalbeamte vor der Tür und baten Elke ihren Mann zu identifizieren. Er hatte sich in seinem Auto das Leben genommen. Von diesem Tag an, war nichts mehr wie es war. Seine Mutter zog sich zurück, schrieb mehr als vorher und war emotional unerreichbar. Für Marc eine schreckliche Zeit in der er niemanden hatte mit dem er reden konnte. Niemand war da der sich um ihn sorgte. Er war vollkommen auf sich allein gestellt. So fing er an zu verdrängen. Hinunter zu schlucken. Er lebte sein Leben, tat vor allen als ob alles okay wäre und sprach nie über seine Kindheit. Mitleid wollte er keines und es sollte auch niemand wissen das er ein gezeichnetes Kind war. Doch plötzlich war da Gretchen. Das anhänglichste menschliche Individuum was er kannte. Mit ihren Träumereien und ihrer verklärten Ansicht, trieb sie ihn in den Wahnsinn. So war das Leben einfach nicht und schon gar nicht mit ihm. Doch sie wollte es einfach nicht verstehen. Trotzdem kam und kam er einfach nicht von ihr los. Sie hatte so ein faszinierendes Wesen. Ihre naive und ehrliche Art machten sie für ihn unersetzlich. Schon während ihrer Schulzeit war sie eine unglaubliche Stütze für ihn gewesen. Sie war immer für ihn da und wäre für ihn durch jedes Feuer gegangen. Und was machte er? Er tat ihr weh. Zwar nur seelisch, aber er tat ihr weh. Das hatte sie nicht verdient. Immer und immer wieder trat er ihre Gefühle mit Füßen, trampelte auf ihrem Herz rum, blies es wieder auf nur um es gleich danach wieder zu zerquetschen. Er war einfach nicht besser wie sein Vater. Genau so wie er schlug er um sich ohne an andere zu denken.. Marc spürte wie heiße Flüssigkeit seine Wangen herab lief. Trauer, Verzweiflung und Wut brachen endlich heraus. Er ballte seine Hände zu Fäusten. Noch nie war er so erbost gewesen. Warum musste man ihm das Leben so schwer machen? Wie konnte er endlich damit abschließen?

"Er nicht wolle. Er habe Angst."

"Du aufgebracht. Warum? Was passiert? Du streite mit blonde Frau?"

"Mhmm. Fragt sich nur mit welcher blonden Frau."

"Brille. Du nicht mögen. Ich merken wenn ihr arbeite. Grete nicht. Du lieben. Auch wenn du nicht sagen und wenn du versuche zu laufen weg."

"Sie nicht wolle du gehe. Sie wolle du beweise sie wichtig."


Ganz klar und deutlich hörte er die Worte des Schamanen, wie er ihn immer nannte. Die Kisten! Er hatte es nie zugelassen das sie über etwas sprachen. Er hat es einmal angeschnitten nicht ganz erzählt und nie wieder angesprochen. Aber mit wem...?

"Gretchen.." ,hauchte er in die Luft, zog sein Handy aus der Hosentasche und begann wie wild eine SMS zu tippen...

/Hasenzahn,
Du bist der wichtigste Mensch in meinem Leben.. Ich weiß ich hab es Dir nicht gezeigt und Du denkst Dir bestimmt der kann viel schreiben wenn der Tag lang ist, doch ich meine es ernst. Ich liebe Dich so sehr das es wehtut. Bitte, bitte lass mich Dir beweisen das es sich lohnt um eine Zukunft zu kämpfen. Lass mich Dir zeigen das Du mir wichtig bist. Bitte komm an Weihnachten. Ich habe ein Geschenk für Dich.. Das möchte ich Dir persönlich geben und am Heiligen Abend bei Dir sein.
Geb uns eine allerletzte Chance. Bitte.
Marc./


Sollte er sie abschicken und sich damit zum Idioten des Jahres machen?....

Choconussa Offline

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11.01.2016 23:03
#39 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Neununddreißig -Schrecklicher ein Morgen nicht sein kann|Teil Eins-



Am Frühstückstisch im Hause Kaan, piepte ein Handy zwei Mal und zeigte den Eingang einer Kurzmitteilung an.
Marc war wohl der einzige Mensch, der ihr den Appetit verderben konnte. Kopfschüttelnd legte sie nicht nur ihr Brötchen, sondern auch ihr Handy beiseite. Sie beschloss sich lieber mit Lilly und Mehdi zu beschäftigen und Marc einfach mal Marc sein zu lassen. Auch wenn, und das musste sie sich selbst eingestehen, das gelesene nicht ganz spurlos an ihr vorbei ging. Dabei wollte sie doch nur eines, dass es endlich aufhörte. Es sollte endlich aufhören weh zu tun.
"War was wichtiges?", fragte Mehdi Gretchen als sie zusammen den Tisch abräumten.
"Nöhö! Totaaaaal unwichtig" ,trällerte sie und lächelte eine Spur zu aufgesetzt.
"Aha. Du ich nehm dich gleich mit ins Krankenhaus."
"Und was ist mit Lilly?"
"Meine Eltern holen sie ab und unternehmen was mit ihr. Die müssten eigentlich jeden Moment hier sein."
Kaum ausgesprochen klingelte es auch schon an der Tür. Oma und Opa Kaan, knuddelten ihre Enkeltochter herzlich, als sie ihnen die Tür öffnete. Im wechsel küssten sie die kleine auf die Wangen. Doch kaum hatte sich Oma Kaan von Lilly gelöst, kamen Mehdi und Gretchen in Erklärungsnot.



Oma Kaan: "Das ist aber schön das ihr beide wieder zusammen seid."
GH: "Wir..äh also..."
Oma Kaan: "Sie brauchen sich gar nicht zu erklären Kind. Ich glaube Sie können der Kleinen eher die Sicherheit geben die sie braucht als diese nutzlose..."
MK: "MUTTER!"
Oma Kaan: "Was denn? Ist doch so. Und seid ihr jetzt auch schon zusammengezogen? Ich mein, das würde Lilly noch einmal mehr Stabilität vermitteln."
GH: "Alsooo..."
LK: "Aber Gretchen hat doch den Onkel Marc!"

Die vier Erwachsenen sahen auf das kleine Mädchen vor ihnen herab und Lilly blickte hoffnungsvoll zu Gretchen, fast so als würde sie erwarten das sie ihr zustimmte.

Opa Kaan: "Marc? Marc Meier?"
Oma Kaan: "Ach, da ist doch alles verloren."
Opa Kaan: "Sei nicht so streng zu ihm Liebling. Gretchen scheint ja gelernt zu haben, nicht?"

Freundlich wurde sie von Mehdis Eltern angelächelt. Sie erwiderte es gequält und sah hilfesuchend zu Mehdi.

MK: "Um das jetzt mal eben hier klar zustellen. Gretchen und ich sind nicht wieder zusammen. Wir sind nur Freunde. Sie hat hier gefrühstückt, weil sie gestern Abend Lilly besucht hat und es sehr spät geworden ist."
LK: "Ja und sie hat ganz toll mit dem Onkel Marc gekuschelt. Wie ein Ehepaar."

Mit zusammengepressten Lippen, schob Gretchen ihre Hände in die Hosentaschen und sah hinauf zur Decke. Das Muster der Styroporplatten war äußerst interessant.
Oma Kaan: "Schön Lilly. Aber das ist sehr schade Mehdi. Ihr seid doch so ein schönes Paar und jetzt wo diese Gina ja auch nicht mehr da ist..."
MK: "Mutter es st gut, ja? Alles ist gut so wie es ist. Wir müssen jetzt auch los."

"Ja also dann" ,sagte Gretchen schnell, "War schön Sie mal wieder zu sehen. Tschüss. Lillymaus? Ich komm dich bald wieder besuchen ja? Dann schauen wir noch ein paar Filme."

Lilly nickte schnell grinsend, nahm Gretchen in den Arm und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. Auch Mehdi kniete sich herunter um mit seiner Tochter auf Augenhöhe zu sein.
"Ich bin heute Abend zwischen 18 und 19 Uhr wieder zu Hause. Hab einen schönen Tag mit Oma und Opa, ja?"
"Kann ich denn demnächst mal wieder ins Krankenhaus und Babys gucken?"
"Das haben wir doch shcon so oft besprochen. Das Krankenhaus ist kein Ort für dich Lilly." ,sagte Oma Kaan schnell.
Doch Mehdi schaute seine Mutter nur kopfschüttelnd an und erwiderte: "Die Babystation ist nun wirklich kein Ort an dem Tod und Leid herrschen Mutter. Wir schauen mal wann ich ein bisschen Freilauf habe. Dann kommst du einmal mit. Die anderen freuen sich bestimmt auch dich mal wieder zu sehen. Aber jetzt müssen Gretchen und ich wirklich los."



An anderer Stelle betrat ein übel gelaunter Marc Meier die Chirurgie. Nachdem er eine halbe Stunde in der Kälte auf eine Antwort von seiner Prinzessin gewartet hatte, war er zurück zu seinem Wagen gelaufen und wie ein Formel Eins Rennfahrer durch Berlin gedüst. Er hatte ja wirklich nicht viel erwartet, aber eine kleine Antwort wäre ja wohl drin gewesen.
Seine Kollegen wunderten sich nicht über seine Laune. Immerhin wussten sie das er und Gretchen zur Zeit eher mehr Probleme hatten als das sie es zehn Minuten zusammen in einem Raum aushalten konnten. Nur einer platzte irgendwann der Kragen.
"Sag mal, wer hat dir denn heute ins Essen gekotzt?" , pampte Saskia ihn an.
"Das geht dich verdammt noch mal nen Scheißdreck an. Du sollst auch keine Fragen stellen sondern machen was man dir sagt! Du bist Praktikantin. Dein Fachgebiet ist die Drecksarbeit und jetzt schwing endlich deinen Arsch!"
"Ja Marc, ich bin Praktikantin. Damit bringst du es ganz gut auf den Punkt. Ich bin hier nicht deine persönliche Tablettträgerin! Geh dir dein scheiß Frühstück selbst holen!" ,noch immer hatte sie weder Tonfall noch Lautstärke geändert.
"Hast du eigentlich auch mal Respekt den Vorgesetzten gegenüber?"
"Wenn man sie ernst nehmen kann dann schon!!!"
"Man kann mich nicht ernst nehmen?" ,fragte er ungläubig.
"Jetzt gerade nicht, nein. Wenn du was zu meckern hast dann kotzt dich bei den Richtigen aus!"
"Ganz sicher nicht!"

Heute würde er Gretchen ignorieren. Was sie konnte, das konnte er schon lange. Wenn Madame meinte sie müsse sich zieren, bitte. Saskia ging bei seiner Aussage ein Licht auf. Hinter dieser Laune konnte nur eine stecken.

"Okay, was hat Gretchen jetzt schon wieder gemacht?"
"Bitte?"
"Immer wenn du so gelaunt bist hat es was mit Gretchen zu tun. Haben Sabine und die anderen mir erzählt. Obwohl das eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre, du bist leicht zu durchschauen. Erzähl.. Was hat sie gemacht?"
"Gar nichts" ,sagte Marc leise.
"Ach komm schon. Wegen nichts maulst du hier sicher nicht so rum und alles in dich hineinfressen kannst du auch nicht immer. Also rede jetzt!"
"Habe ich doch gerade. Gar nichts hat sie gemacht und genau das ist das Problem!!!"
"Äh, muss man das jetzt verstehen?" ,irritiert blickte sie ihn an.

Wortlos warf Marc ihr sein Handy zu. Sie fing es gerade eben noch so auf und las interessiert die geöffnete SMS. Mit jedem Wort wurden ihre Augen immer größer.

"Darauf habe ich bisher nicht die kleinste Antwort bekommen." ,sagte er bedrückt. Da hatte er schon mal den Mut sowas schnulziges zu verfassen und bekam keine Reaktion. Er fühlte sich nicht nur verarscht sondern auch wie der allergrößte Vollidiot auf der ganzen Welt.
"Die spinnt doch! Wo ist sie?"
"Keine Ahnung wahrscheinlich noch bei Kaan."
"Was will sie denn da?"
"Wir haben da geschlafen."
"Wie? Zusammen? Und ihr lebt beide noch???"
"Haha!" , meinte er ironisch, "Wir waren gestern Abend da wegen seiner Tochter."
"Ooookay. Und warum nimmst du sie dann nicht mit zur Arbeit wenn ihr so oder so beide da wart?"
"Erstens weil sie nicht wollte und zweitens weil ich mal ein bisschen nachdenken musste."
"Ah. Na hoffentlich siehst dann wenigstens du ein bisschen klarer" ,sagte Saskia in einem Tonfall, der keinen Zweifel offen lies, dass sie die beiden für bekloppt hielt. Böse funkelte Marc sie daraufhin an. Doch davon lies sie sich nicht beirren. Wenn sie eines nicht hatte dann war es Angst vor diesem Mann.
"Und deine Herzdame nehme ich mir zur Brust wenn ich sie sehe. Kann ja nicht angehen hier."
"Warum machst du das?"
"Was? Euch helfen wollen?" ,Marc nickte kurz und sie fuhr lächelnd fort, "Weil ich euch mag. Unser Start war vielleicht nicht der Beste, aber ich hab euch echt ins Herz geschlossen. Ihr habt mir so geholfen und wart so lieb zu mir. Vielleicht kann ich euch auf diese Weise ja ein bisschen was zurück geben.."



Mehdi und Gretchen fuhren gemütlich in Richtung Krankenhaus. Sie hatten noch jede Menge Zeit. Mehdi wollte sich Gretchen einfach mal genau unter die Lupe nehmen und ihr auf den Zahn fühlen. Nachdem sie die SMS bekommen hatte, deren Inhalt er nicht kannte, war sie sehr abwesend. Es konnte nur Marc gewesen sein der ihr da geschrieben hatte. Er überlegte schon die ganze Zeit, wie er aus ihr herausbekommen konnte was in dieser SMS stand.
"Willst du noch schnell nach Hause dich umziehen?" ,fragte er ganz beiläufig.
"Nein ähm.. Ich wasch mich gleich schnell im Krankenhaus. Sachen zum Wechseln hab ich ja auch noch da" ,sie wurde von ihm vollkommen aus ihren Gedanken gerissen.
"Stehen heute viele OP's an?"
"Nee, eigentlich nicht. Also nichts bestimmtes außer eventuelle Notfälle. Wieso?"
"Och nur so.. Ich dachte nur weil Marc ja auch so schnell ins Krankenhaus wollte."
"Ja..Der ähm" ,über Marc wollte sie nun wirklich nicht reden, "Für den ist der Job doch wie für andere die Luft zum atmen."
"Mhmm.. Ich hab eher das Gefühl das er sich in die Arbeit hinein flüchtet."
"Wieso sollte er?"
"Weil ihn vielleicht irgendwas bedrückt und er versucht sich abzulenken. Noch nicht drüber nachgedacht?" ,er sah sie aus den Augenwinkeln an.
"Sollte ich?"
"Ja das solltest du. Er liebt dich Gretchen. Verdreh nicht so die Augen. Was wird das? Ihr macht es euch gegenseitig unglaublich schwer. Ihr liebt euch doch!"
"Manchmal reicht liebe aber einfach nicht aus Mehdi" ,sagte sie mit brüchiger Stimme.

~Jetzt bloß nicht heulen Gretchen~

"Du hast bekommen was du immer wolltest Gretchen. Jetzt läufst du davor weg. Was hat er dir da vorhin geschrieben?"
"Hab ich doch schon gesagt. Unwichtig!"
"Deswegen hat es dich auch so aus der Bahn geworfen..."
"Hat es nicht!" ,protestierte sie nicht gerade leise.
"Du machst mich echt wahnsinnig. Langsam weiß ich was Marc meinte. Du bist total verbohrt."
"Bitte was bin ich?"
"Verbohrt!!"
"Also..Ich bin doch nicht.. Ich bin nicht verbohrt! Ja Marc hat mir geschrieben. Es ist aber vollkommen egal weil ich mich schon längst entschieden habe" ,sagte sie aufgebracht.

"Aha. Zu deiner Entscheidung, die du mir nicht offenbaren brauchst, habe ich eine Frage" ,Medhi wusste genau was sie meinte,"Weißt du noch als du mir mal gesagt hast; 'Liebe ist da und sie ist nicht da.. Ich kann aber auch nicht so tun als wäre sie nicht da, wenn sie da ist?'..?"

"Äh ja" ,sie sah ihn fragend an, "Worauf willst du hinaus?"
"Hör auf so zu tun als wäre die Liebe nicht da, wenn sie so offensichtlich da ist...."
Ertappt sah sie schnell aus dem Fenster worauf Mehdi nur Schmunzeln konnte.

Choconussa Offline

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11.01.2016 23:04
#40 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Vierzig -Schrecklicher ein Morgen nicht sein kann|Teil Zwei-



Die restliche Fahrt über schwiegen sie sich an. Gretchen hatte absolut kein Verständnis dafür, dass sich jeder in die Sache einmischen wollte. Ja sie wollten nur helfen, aber sie brauchten keine Hilfe. Sie wollte das allein mit sich ausmachen. Allein entscheiden was sie wollte. Aber was wollte sie eigentlich? Als sie am Krankenhaus ankamen, wollte sie eigentlich auf direktem Wege auf Station gehen, doch ihr Vater kam ihr in den Weg.

"Kälbchen da bist du ja endlich. Auf Station ist die Hölle los."
"Ja, da bin ich grad auf dem Weg hin. Viele Unfälle?"
"Schön wär's. Wir haben nur einen Notfall und der trägt einen weißen Kittel. Marc rennt schon den ganzen Morgen durch die Gänge und scheucht alles auf was ihm in den Weg kommt."
"Oooh je. Na das kann ja ne Schicht werden. Sieht er sehr böse aus?" ,fragte sie vorsichtig.
Böse sah ihr Vater sie an: "Diese Frage beantwortet natürlich alles. Ich denke es wäre gut wenn ihr beide euch noch mal in meinem Büro zusammenfindet."
"Das gibt ärger" ,nuschelte sie und folgte ihrem Vater, der mit wehendem Kittel vorlief, durch die Schiebetür.


Bevor es allerdings ins Büro des Chefarztes ging, schlug Gretchen den Weg ins Stationszimmer ein. Sie war zwar nicht spät dran, aber wenn sie sich noch frisch machen wollte, sollte sie sich beeilen. Sie wollte Marc nicht noch mehr Grund zum rum stänkern geben. Gerade als sie sich ihren Kittel überziehen wollte, wurde sie von Saskia in Beschlag genommen.

"Bist du eigentlich total bescheuert?" ,fragte sie ihre Freundin aufgebracht.
"Oh nein. Nicht du auch noch!"
"Doch ich auch noch! Bekommst du noch irgendwas in deiner Umgebung mit? Marc rennt hier nur noch als Schatten seiner selbst rum. Gretchen, ich verstehe dich wirklich. Aber ich verstehe auch ihn und du solltest vielleicht mal anfangen dies auch zu versuchen."
"Er ist doch selbst Schuld an der Situation!"
"Was noch lange kein Grund ist auf seinen Gefühlen rum zutrampeln."
"Marc Meier hat keine Gefühle!" ,sagte sie bestimmt, "Und für die Gefühle anderer hat er auch nichts übrig."
"Weißt du was ich langsam glaube? Du quälst ihn mit Absicht!"
"Was? Ich..."

"SABINEEEEEEEEEEEEEE" ,polterte es plötzlich und Gretchen schreckte auf. Hektisch sah sie sich um.

"Oh Gott! Saskia, ist er sehr sauer auf mich?"
"Darauf kannst du deinen Arsch verwetten Süße."
"Okay ääähm.. Ich..." ,noch immer sah sie sich suchend um, "Genau! Ich versteck mich einfach im Spind."
Sofort riss sie die Tür zum nächsten auf und deutete Saskia an diesen zu schließen.
"Du bleibst schön hier Gretchen" ,doch ihre blonde Freundin stieg einfach hinein und zog umständlich die Tür zu, "Komm da raus. Du kannst da nicht ewig drin bleiben!"
"Hast du jetzt deinen Verstand verloren oder warum redest du mit einem Spind?" ,Marc sah sie an als sei sie von einem anderen Planeten.

Was sollte sie jetzt sagen? Auf der einen Seite wollte sie Marc nicht anlügen, aber auf der anderen wollte sie auch Gretchen nicht verraten und eventuell blamieren. Doch sagen musste sie gar nichts, denn Marc hatte die rosane Tasche längst gesehen. Eins und eins zusammen gezählt, verdrehte er die Augen, schob Saskia beiseite und öffnete künstlich grinsend den Spind.
"Also das du da rein passt Hasenzahn" ,gab er zu bedenken. Ertappt sah sie ihn an. Vielleicht war es auch entschuldigend oder ängstlich. So richtig konnte er das nicht ausmachen.

"Hi Marc" ,quietschte sie, überlegte kurz und katschte dann einmal in die Hände, "GEFUNDEN!" ,Marc zuckte zusammen und sah sie irritiert an, "Jetzt musst du dich verstecken Marc." Saskia verdrehte die Augen. So ein schlechtes Schauspiel hatte sie wirklich noch nie gesehen.

Hektisch schob Gretchen sich aus dem Spind und Marc aus dem Stationszimmer.
"Willst du mir jetzt den letzten Nerv rauben?" ,fragte er sie.
"Nöööh. Ich dachte wir spielen mal ein bisschen was. Ist ja eh nichts los hier."
"Jahahahahaa, nette Idee" ,grinste er sie an doch so schnell wie er es erschaffen hatte, verschwand dieses auch wieder. Gespielt nachdenklich tippte er sich ans Kinn und beugte sich dann leicht zu ihr herunter. "Wie wäre es denn mit dem Spiel 'Wir antworten auf eine SMS!'..?"
"Ooooh ääähm.."
"Ja! Oh ähm" ,äffte er sie nach , "Warum antwortest du nicht? Du musst ja nicht gleich zustimmen oder Herzchen verschicken, aber eine kleine Reaktion wäre nett gewesen! Ein kleines, ich denke darüber nach, hätte schon gereicht!"
"Was..Ich mein.. Wovon redet du?" ,tat sie auf unwissend.
"Von meiner SMS die ich heute morgen geschickt habe!"
"Du.. Ich hab gar keine SMS bekommen."


Im Hintergrund schüttelte Saskia mit dem Kopf und schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn. In Marc explodierte hingegen ein Atomkraftwerk. Doch lächelte er freundlich, zog sein Handy aus der Kitteltasche, tippte kurz darauf rum und hielt es Gretchen vor die Nase.

>>Empfangsbestätigung Hasenzahn; Heute: 7:43 Uhr

~Ja also... Das ist jetzt blöd!!~

"Puuh.. Ähm.. Echt? Da muss ich später noch mal gucken. Hab das glaube ich gar nicht richtig wahrgenommen." ,versuchte sie sich herauszureden. Aussichtslos!
"Natüüürlich. Deswegen versteckst du dich auch im Spind..!"
"Maaaarc ich.. Okay" ,sie sah ein das es keinen Sinn hatte sich rausreden zu wollen und so zu tun als wüsste sie von nichts - wenigstens war ihr Name Haase, "Ich weiß es nicht! Gut? Ich habe dir schon mal gesagt, rechne einfach nicht mit mir!"

Ihre Pieper sprangen an und genervt stöhnten beide auf.
"Was will dein Vater denn jetzt schon wieder?"
"Keine Ahnung" ,zuckte sie mit den Schultern, "Er hat mir nur gesagt das er uns beide noch mal sprechen will."
"Na dann.. Komm! Saskia? Sabine soll mich anpiepen oder ausrufen wenn etwas wichtiges ist und damit meine ich nicht meine Mutter!"

Schnell nickte die junge Praktikantin und sah den beiden Ärzten besorgt nach. Das würde ein Aufwand werden. Wie konnte man nur so verbohrt sein und immer an einander vorbei reden?

Zusammen gingen Gretchen und Marc in das Büro von Franz und zusammen fielen die beiden recht schnell aus allen Wolken. Wieder bekamen sie eine Standpauke, vor allem Marc, weil er schon wieder seine schlechte Laune an dem Kollegium auslies. Die beiden würden sich wie Kleinkinder verhalten und er sei langsam mit seinem Latein am Ende. Bärbel hätte auch keinen brauchbaren Rat und so kam er zu einem Schluss.

"Ich habe euch vor kurzem bereits gesagt das ich verlange, dass ihr berufliches und privates strickt trennt. Das heißt, hier im Krankenhaus seid ihr Kollegen die sich schätzen und respektieren. Dieses Gefühl habt ihr in der letzten Zeit niemandem gegeben. Ihr habt es wohl in den letzten Tagen verlernt, denn eigentlich hat es immer recht gut funktioniert. Wenn auch manchmal mehr schlecht als recht" ,er holte tief Luft und war darauf bedacht die beiden nicht direkt anzusehen, "Solange wie ihr beide noch an eurer Trennung zu knabbern habt, seid ihr vom Dienst suspendiert!!!"

"Bitte was?" ,riefen die beiden im Chor und sahen sich schockiert an.

"Aber Papa" ,wollte Gretchen gerade ansetzen doch Franz hob seine Hand und brachte sie zum schweigen.
"Nein! Keine Widerworte. Ich habe die Nase voll von euren Disputen die immer auf den Gängen ausdiskutiert werden. Wenn ich ganz ehrlich bin kann ich und will ich euch so auch nicht mehr operieren lassen. Ich kann es nicht verantworten das durch einen plötzlichen emotionalen Wutausbruch das Leben eines Patienten gefährdet wird."
"Franz, bitte.. Im OP arbeiten wir doch weiter hin professionell."
"Das kann ich mir vorstellen, trotzdem ist das Risiko einfach zu hoch. Die Patienten haben bedenken und ich kann sie voll und ganz verstehen. So wie ihr euch aufführt seid ihr für diese Klinik nicht mehr tragbar. Eure Vertretungen fangen gleich direkt an."
"Moment mal, du hast schon Vertretungen? Dann ist das ja schon länger angedacht" ,sagte Gretchen und sah ihren Vater verständnislos an.
"Nein das war es nicht. Das habe ich gerade eben abgeklärt. Die beiden Ärzte die euch schon vertreten haben als ihr in Afrika wart, werden euch auch diesmal wieder vertreten. Die beiden haben in keinem Krankenhaus einen festen Arbeitsplatz. Sie sind Springer und sie machen ihren Job außerordentlich gut."
"Ach und wir nicht oder was?" ,Marc war eingeschnappt.
"Zur Zeit nicht. Leider. Ihr beide harmoniert normalerweise so gut mit einander. So wie es jetzt ist kann es nicht weiter gehen und ich möchte euch bitten zusammen eine Lösung zu finden."
"Nichts leichter als das Herr Professor" ,lachte Marc ironisch und sah Gretchen dann mit hochgezogenen Augenbrauen an.
"Boar Marc! Kannst du nicht einmal deine dummen Anspielungen lassen?"
"Ey, ey, ey.. Das war keine Anspielung damit das mal klar ist!"
"Manchmal bist du echt zum abgewöhnen."
"Du solltest dir mal lieber das Essen abgewöhnen."
"Bitte?"
"Seht ihr" ,unterbrach Franz, "Das meine ich. Jetzt seht zu das ihr nach Hause kommt und euch Gedanken macht."

Schnaubend stand Marc auf und lief sehr sauer aus dem Büro. Mit geschlossenen Augen biss Gretchen sich auf die Unterlippe, bevor sie ihm folgte. Er würde sicherlich sie allein für die Suspendierung verantwortlich machen, wenn nicht sogar gar nicht mehr mit ihr reden. Beides Dinge die nicht in ihrem Ermessen waren.

So kam es dann wie es kommen musste als sie fünf Minuten nach Marc das Stationszimmer betrat.

Choconussa Offline

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15.01.2016 15:28
#41 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Einundvierzig -Schrecklicher ein Morgen nicht sein kann |Teil 3| und Wer wichtelt jetzt eigentlich mit wem?



Wütend räumte er seinen Spind aus und sprach mit Mehdi und Saskia.
"Das ist jetzt nicht dein ernst?"
"Mehdi.. Seh ich aus als würd ich Witze machen? DUUUUUU" ,brummte er als er Gretchen sah.
"Äh ja ich?"
"Duuu.. Ich hab da grad nicht mal Worte für!"

"Bleib ruhig Marc" ,warnte Mehdi und auch Saskia sah es vor ihrem inneren Auge bereits eskalieren.

"Sag was du zu sagen hast Marc, wir sind alle sehr gespannt auf den geistigen Dünnschiss den du von dir gibst."
"Pass mal auf Fräulein. So scheiße hab ich mich schon Ewigkeiten nicht mehr gefühlt! Du schaffst es wirklich jeden Tag auf's neue mir irgendwas zu vermiesen. JETZT auch noch meinen JOB!"
"Man sollte dir echt nen künstlichen Gehirnausgang legen. Hörst du dir eigentlich selbst mal zu? Was kann ich denn dafür wenn du hier rum rennst und jeden zusammen faltest?"
"Was du dafür kannst? Frag dich das doch mal, anstatt mich!"
"Mein Gott Marc wir sind hier doch nicht mehr im Kindergarten!!! Wenn du ein Problem hast dann sprich mit mir, halt aber andere aus unseren Angelegenheiten raus!"
"Ey! Was versuch ich denn jetzt schon seit Tagen? Das hier ist das erste lange Gespräch was wir führen. Aber das fällt dir und deinem schokoverklebten Hirn ja nicht ein. Vielleicht hat die ganze Schokolade dir aber auch das Gehör verklebt was weiß ich..."
"Musst du immer gleich ausfallend werden?"
"Ich hab es versucht nicht zu werden, aber das ist bei dir einfach nicht möglich du treibst einen zur Weißglut!"
"Dann weiß ich nicht warum....."

Gretchen und Marc streiteten sich also weiter. In einer unangemessenen Lautstärke. Diese brachte auch andere Kollegen und Professor Doktor Franz Haase auf den Plan. Kopfschüttelnd stand dieser etwas im Hintergrund. Anscheinend hatten die beiden nicht so ganz verstanden worum es ging. "Du ich weiß langsam auch nicht mehr warum ich dir hinter her renne wie so ein bescheuerter Dackel. Ich weiß nur eines, lange mach ich das nicht mehr mit Gretchen.. Zur Not gehe ich.. Such ich mir halt ne Stelle an einem anderen Krankenhaus und dann siehst du mich nie wieder!" ,er schnappte sich seine Jacke und quetschte sich durch die Menschenmenge die sich vor der Tür gebildet hatte. Mit Tränen in den Augen sah sie ihm hinter her.

~Das ist ja mal wieder ganz super gelaufen Gretchen. Ganz großes Kino.. Will wer Popcorn?~

Niemand traute sich etwas zu sagen.



-Wir leben zu sehr in der Vergangenheit, haben Angst vor der Zukunft und vergessen dabei, die Gegenwart zu geniessen.-



"Und wie bringen wir den Herrn Doktor dazu zu wichteln?" ,fragte Sabine am nächsten Tag beim Mittag.
"Mehdi bringt ihm seinen Zettel vorbei. Wie wir untereinander wichteln entscheidet der Zufall."
"Saskia, ich glaub nicht das es eine gute Idee ist. Die beiden wollen doch keine 'Hilfe'." ,zweifelte Mehdi schon seit ein paar Stunden an der Idee.
Saskia war sich ganz sicher das Gretchen erscheinen würde. Doch so sicher war das ganze gar nicht mehr. Gretchen und Marc hatten sich am Vortag noch ein ordentliches Streitgespräch auf dem Parkplatz geliefert. Seitdem hatte keiner mehr was von den beiden gehört oder gesehen.
"Was wenn der Doktor Meier das alles absagt?"
"Das wird er nicht Sabine! Er wollte das um Gretchen zu beweisen das er sie liebt. Wie auch immer er das anstellen will nach dem erlebten gestern."
"Eben Saskia. Meinst du echt sie taucht auf? Ich glaube da nicht mehr dran."
"Wer sich so streitet empfindet noch eine ganze Menge für den anderen. Sich selbst kann sie vielleicht was vormachen in ihrer Naivität, mir jedoch nicht! Sie ist vielleicht noch am überlegen aber ich bin mir ganz sicher das sie kommt." ,Saskia wollte keine Zweifel zulassen.


Doch ein Stücken von Berlin entfernt saß jemand in seiner Hütte und hatte die größten Zweifel. Nach dem Streit gestern bei dem er ihr an den Kopf geworfen hatte, dass er es bereute mit ihr nach Afrika gegangen zu sein, glaubte er nicht mehr daran das sie kommen würde. Trotzdem saß er hier und fing an alles für die kleine "Feier" in drei Tagen vorzubereiten. War es der letzte Funken Hoffnung in ihm der ihn dazu bewegt hatte den Kühlschrank zu füllen, Luftmatratzen, Decken und Kissen zu besorgen und sogar zu dekorieren? Ja er hatte die Hütte eigens dekoriert. Überall stand irgendein Weichnachts-Klimm-Bimm herum, Lichterketten schmückten die Fenster und der Tannenbaum würde in einer Stunde geliefert werden.
Auch dafür hatte er Girlanden, Lametta und Kugeln gekauft. Ganz tief in ihm drin, war er sich sicher, Gretchen würde sich über eine solche Geste freuen. Trotzdem fühlte er sich wie der größte Vollidiot auf Erden. Das war einfach nicht er. Weihnachten war für ihn der größte Schwachsinn den es gab.. Er wusste nicht einmal mehr wann er das letzte Mal richtig gefeiert hatte. Im letzten Jahr waren sie in Afrika gewesen, da ging es schlecht.
Doch Gretchen war dieses Fest wichtig. Nicht weil es Geschenke gab, nicht weil sie so viel essen konnte wie sie wollte, sondern weil es das Fest der Liebe war

{Wuuäh, wie sich das anhört..}

Er schüttelte den Kopf über sich selbst. Doch genau darum ging es. Sie wollte mit den Menschen, die sie liebte, zusammen sein und ein paar schöne Tage verbringen. Ganz damit anfreunden konnte er sich nicht. In einer Beziehung ging es aber darum Kompromisse einzugehen. Einen gemeinsamen Weg zu finden, der beide zufrieden stellte. Wie konnte er von ihr verlangen, etwas weniger Euphorisch zu sein, wenn er selbst nicht dazu in der Lage war ihr ein bisschen entgegen zu kommen?



Während Doktor Meier alles für die Feier vorbereitete, herrschte im Hause Haase eisiges Schweigen bei Tische. Bärbel sah immer wieder von ihrem Mann zu ihrer Tochter und traute sich nicht etwas zu sagen. So wie am vorabend hatte sie ihre Familie noch nie erlebt. Jedenfalls war es noch nie vorgekommen das ihre Tochter ihren Vater anschrie. Als sie ihrem Mann zwei Tage zuvor sagte er müsse mal ein bisschen härter durchgreifen, immerhin war er der Chef, hatte sie DAS nicht damit gemeint. Auch wenn es ihr noch immer nicht recht war das ihre Tochter lieber Karriere machen wollte, als zu heiraten und ihre Familie zu versorgen, wusste sie was ihr die Arbeit im Krankenhaus bedeutete. Sie war gern in der Klinik, mochte die Kollegen sehr und hängte gern noch ein paar Stunden an ihre Schicht ran, wenn sie mal wieder einen Patienten hatte der besonders viel Aufmerksamkeit benötigte.

Heute morgen war allerdings alles anders. Gretchen stand wie gewohnt auf, doch anstatt mit ihrem Strahellächeln die Treppen hinuter gehüpft zu kommen, lief sie im Oberschoss von Badezimmer zurück in ihr ZImmer und knallte jedes Mal die Tür. Dann hatte sie stundenlang laut Musik gehört und Bärbel verboten auch nur einen Fuß ins ihr Zimmer zu tun. Sie wollte ihre Ruhe. Einfach nur ihre gottverdammte Ruhe.

Doch bekommen sollte sie diese nicht. Erst rief Saskia an und fragte wie es ihr denn ging und ob sie schon mit Marc gesprochen habe. Zwei Stunden später rief Mehdi an und fragte, wenn auch anders formuliert, dasselbe. Zum ersten Mal fragte sie sich ernsthaft ob ihr Leben eine reality Show war. Warum wollten immer alle alles wissen?

Die Türklingel riss sie schließlich aus ihren Gedanken und Bärbel wuselte schnell zur Tür.

"Marharetheeee, Besuch für dich" ,rief sie aus dem Flur, "Kann ich Ihnen etwas zu trinken anbieten Kindchen?"
"Nein danke Frau Haase. Wie geht es denn ihrem Arm?"
"Och.. Es wird schon. Gretchen sitzt im Esszimmer und hat überhaupt keine gute Laune, vielleicht könne Sie sie ja ein bisschen aufheitern. Greeeetchen so komm doch mal!"
"Oooooar. Was denn?" ,sie stutzte als sie ihren Besuch sah, "Was machst du denn hier?"
"Hallo Süße, ich wollte dir eigentlich nur schnell was bringen." ,Saskia hielt ihr einen zusammen gefalteten Zettel hin.

Vorsichtig zog Gretchen diesen auseinander und platzte als sie sah was da drauf stand.

>>Dein Wichtelpartner : MARC MEIER

"Das ist nicht dein ernst?"
"Doch. Wir haben alle gezogen und der ist übrig geblieben. Ich weiß das du noch nicht weißt ob du auch kommst aber, ich dachte, falls doch.. Also.. Du weißt schon.."

Choconussa Offline

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15.01.2016 15:29
#42 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Zweiundvierzig -Vorbereitungen-



"Ihr geht mir damit auf die Nerven..!!! NEIN! Ich werde nicht kommen. Klar? Ich werde die paar Tage Ruhe die ich habe genießen. Kannst das dem arroganten Arsch sagen.. Und Mehdi soll auch endlich aufhören mich anzurufen!" ,sagte sie laut.
"Was bist denn du so stinkig?"
"Sie ist sehr unausgeglichen wenn sie nicht arbeiten kann" ,warf Bärbel ein und erntete einen bösen Blick von ihrer Tochter.
"Kälbchen jetzt schrei hier doch nicht so rum, hm?"
"Boar Papa! Ich bin nich mehr dein Kälbchen, okay? Kein Kälbchen, kein Hasenzähnchen oder was auch immer.." ,sauer stapfte sie die Treppen hinauf und vergaß als sie in ihr Zimmer ging, das Türen durchaus eine Klinke hatten.
"Franz, lass das Kind wieder arbeiten!!!" ,sagte Bärbel aufgebracht und wedelte mit dem Zeigefinger vor ihrem Mann rum.
"Nein und damit ist das Gespräch beendet. Ich muss jetzt los, Herr Doktor Seifert brauch noch ein paar Unterweisungen."
"Mir ist ja nicht wohl dabei das du jemandem die Klinik überlässt den du nur flüchtig kennst. Bei Marc wäre sie durchaus besser aufgehoben."
"Bärbel es reicht. Die beiden meinen sie könnten sich benehmen wie eine offene Hose also bleiben sie so lange zu Hause bis sie sich mal wieder am Riemen reißen können."
"Herr Professor, ähm.. Die Urlaubstage von uns sind aber noch sicher?" ,fragte Saskia beiläufig.
"Natürlich. Ich weiß ja worum es dabei geht und ich kann euch nur sagen ihr bekommt alle zusätzliches Weihnachtsgeld wenn ihr das wieder gerade biegen könnt. Ich muss jetzt wirklich. Butterböhnchen? Pass auf Gretchen auf."
"Kann ich zu ihr nach oben Frau Haase? Ich würd gern noch mal mit ihr sprechen. Ich mag das gar nicht wenn Leute böse auf mich sind."
"Sicher doch.. Die erste Tür rechts neben der Treppe. Sprechen Sie ihr gt zu.. Sie hat es wirklich nicht leicht. Auch wenn sie nicht drüber spricht, man merkt ihr an das ihr etwas fehlt."

Und damit meinte Bärbel nicht die Arbeit. Seit der Trennung von Marc, die ja eigentlich gar nicht von ihm beabsichtigt war, was aber nur er und Mehdi bisher wussten, war Gretchen fast nur noch in ihrem Zimmer und sprach nicht mehr viel. Sie beschränkte sich auf weniger ist mehr und aß unregelmäßig. Am meisten beschäftigte sie allerdings das Gretchen nicht mehr sprach. Eigentlich war sie immer davon ausgegangen das sie ein gutes Mutter-Tochter Verhältnis hatten. Ja ihre Tochter hatte ja auch noch ihr Tagebuch, aber mit vielen Problem kam sie hin und wieder auch zu ihr. Nur jetzt, mit diesem einen Problem, kam sich nicht. Es wurde einfach totgeschwiegen. Bärbel bezweifelte stark das dies gut war.

Auch Saskia bemerkte schnell das etwas nicht stimmte als sie in Gretchens Zimmer kam. Neben dem Bett standen drei leere Kleenes, der Mülleimer quoll über und es war generell sehr unordentlich. Sie war heute zwar zum ersten Mal hier, doch konnte sie es sich einfach nicht vorstellen das es immer so aussah. Sie ging ganz stark davon aus das Gretchen sich einfach nur gehen lies.

"Gretchen es tut mir leid wenn ich dir da gerade auf den Schlips getreten bin. Ich dachte nur es wäre unfair wenn Marc niemanden hätte der ihn beschenkt." ,sagte sie ganz vorsichtig als sie sich zu ihrer Freundin auf's Bett setzte.
"Erstens beschenkt er sich ganz sicher selbst. Zweitens wer wichtelt denn mit mir?"
"Das kann ich dir nicht sagen. Ich weiß es nicht. Und selbst wenn ich es wüsste soll das doch eine Überraschung bleiben."
"Ich bitte dich. Das ist doch sicher wieder so eine abgezockte Mache von euch! Ich will das nicht okay? Marc und ich klären das selbst. Da brauchen wir niemanden für" ,sie stand auf und lief in ihrem Zimmer hin und her.
"Was habt ihr denn bisher bitte geklärt? Das einzige was ihr schafft ist euch gegenseitig Vorwürfe zu machen und die Schuld von dem einen zum anderen zu schieben. Wo soll das denn hinführen?"
"Keine Ahnung und ehrlich gesagt ist es mir auch egal!"
"Das ist es nicht. Sonst lägen hier nicht so viele benutzte Taschentücher! Sonst würdest du auch nicht so abblocken oder dich mit ihm zoffen so wie gestern."
"Ich kann es nun mal nicht ab wie er immer meint anderen die Schuld an allem zu geben. Und wie der über mich und MIT mir redet. Eine Unverschämtheit ist das doch!" ,brauste Gretchen auf und übersah Saskias Grinsen.
"Wenn er dir so egal ist, wieso regst du dich dann so auf?"
"Ich rege mich doch gar nicht auf."
"Doch das tust du. Mein Gott hör doch endlich damit auf euch beide so zu bestrafen!!!"
"Saskia!" ,sagte sie scharf, "Ich will niemanden bestrafen. Ich will einfach nur zur Ruhe kommen und mal ohne Einfluss von außen nachdenken können. Die drei Tage an Weihnachten sind perfekt dafür. Und jetzt wäre ich wirklich sehr gern wieder allein!"

Saskia nickte, stand auf und drehte sich an der Tür noch mal zu ihrer Freundin um: "Auch du kannst nicht ewig vor deinen Gefühlen davon laufen. Und du solltest dir das echt genau und gut überlegen! Auch Marc wird nicht ewig warten!!!"

Natürlich konnte sie nicht vor ihren Gefühlen weglaufen. Das wusste sie selbst nur zu gut. Wie oft hatte sie es schon versucht und war kläglich gescheitert? Immer und immer wieder war sie bei dem Versuch wegzulaufen auf die Nase gefallen. Jetzt musste sie sich dringend was einfallen lassen.


Einfallen lassen hatte sich zumindest Marc Meier schon einmal etwas.

"Doktor Meier, was machen Sie denn hier? Sind Sie nicht noch...?"
"Doch bin ich und sprechen Sie mich noch einmal darauf an, vergifte ich am Wochenende ihren Glühwein! Ich brauche ein Sono..."
"Wofür brauchen Sie denn ein Sono? Und wovon?"
"Nicht fragen Sabine.. MACHEN!" ,rief er über die Schulter zurück denn er hatte sich schon in Bewegung gesetzt.
"Aber ich kann doch nicht einfach so ein Sono.. Wenn Professor Haase das mitbekommt..."
"Keine Sorge Sabine. Wenn alles klappt wie es klappen soll dann bekommen Sie wahrscheinlich eine Gehaltserhöhung."
Diese Aussage verwirrte die Krankenschwester nun völlig. Doch wie immer folgte sie brav und tat was er wollte.
"Soll ich das Sonogramm in ihre Akte legen?" ,fragte sie als die beiden im Behandlungsraum saßen.
"Nein, ich nehme es mit. Die Rechnung können Sie dann zu mir nach Hause schicken. Kein Wort zu irgendwem Sabine. Schon mal gar nicht zu Hasenzahn."
"Aber die Frau Doktor darf doch auch nicht mehr arbeiten. Saskia hat gesagt das sie deswegen ganz schlechte Laune habe..."
"Na da haben wir ja wenigstens mal eine Sache gemeinsam."
"Vielleicht sollten Sie auch einfach mal zu ihr fahren..."
"Das sollte ich ganz sicher nicht! Jetzt sehen sie zu das wir hier fertig werden" ,schrie er und Sabine zuckte wie eh und je zusammen.

Choconussa Offline

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15.01.2016 15:30
#43 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Dreiundvierzig -Liebe überall und doch nirgendwo-



Sabine und Marc waren also damit beschäftigt das Sonogramm vorzunehmen, Professor Doktor Haase unterwies Doktor Seifert, Doktor Margarethe Haase führte einen Kampf mit sich selbst, Mehdi und Saskia diskutierten mal wieder über ihre Freunde und sahen Lilly dabei zu wie sie ihr Puppenhaus einrichtete, nur zwei Personen schwebten immer noch im siebten Himmel.

"Schatz, du brauchst Eileen nichts kaufen."
"Ich möchte aber. Wirklich nur eine klitze kleine Kleinigkeit Chris."
"Dafür das du eigentlich gar nicht mit wolltest bist du jetzt aber vollauf begeistert."
"Ich bin vor allem aufgeregt. Das ist das erste Mal das ich die Familie von meinem Freund ganz offiziell kennen lernen darf."
"Hey. Sie werden dich genauso lieben wie ich" ,auf ihren Blick fügte er an, "Na gut.. Vielleicht nicht ganz genau so wie ich aber..."
"Meinst du?"
"Ganz sicher. Und wenn du unbedingt ein paar Kleinigkeiten holen willst, fahren wir nachher zusammen los. Vielleicht können wir ja dann noch mal über den Weihnachtsmarkt?" ,zwinkerte er und gab seiner Gabimaus einen Kuss auf die Nase.

Und an noch einer anderen Stelle, lief eine OP zwar nach Plan, jedoch wurde das Leben der Operateure irgendwie auf den Kopf gestellt...
"Maria, das ist doch wunderschön" ,grinste Maurice unter seinem Mundschutz.
"Nein Maurice! Das ist es nicht. Das ist eine Katastrophe!!!"
Die linke Augenbraue erhoben und leicht beleidigt antwortete er: "Wieso denn das?"
"Melanie ist grade aus dem Gröbsten raus. Ich wollte noch einige Jahre meine Ruhe haben und mit meinem Körper war ich auch endlich zufrieden!"
"Also ich freue mich."
"Freust du dich auch och wenn du nicht mehr arbeiten gehen kannst weil definitiv du zu Hause bleiben wirst?"
"Jaaa. Das mache ich sogar gern für dich" ,er reichte ihr die Bipolarpinzette , "Ich würde nie so tun als würde ich jeden Moment sterben."
"Weißt du eigentlich was das für mich bedeutet? Spätestens nach Weihnachten wissen alle bescheid! Meiers dumme Sprüche kann ich jetzt schon hören."
"Die du ja nur am Wochenende hören wirst. Er ist auf unbestimmte Zeit suspendiert!"
"Deinen Optimismus hätte ich gerne, wirklich!"
"Komm schon.. Wir schaukeln das Kind schon irgendwie..." ,zwinkerte er ihr zu und machte sich bei ihrem bösen Blick schnell wieder daran abzusaugen.

Die einen feierten ihre neue Liebe, die anderen ein neues Leben und zwei Personen in Berlin trauerten beidem ein bisschen hinter her. Gretchen lag heulend in ihrem Bett und wusste noch immer nicht was sie tun sollte. Marc war nach der Sonographie zurück zu Hütte gefahren und bekam unerwarteten Besuch.
Dieser Besuch war schon von außen nicht angetan, doch was drinnen wartete war nun wirklich die Höhe!
"Olivier! Wie sieht es denn hier aus?"
"Das ist Weihnachtsdeko Mutter", sagte er mit hängendem Kopf und schloss die Tür.
"Und seit wann machst du sowas?"
"Seitdem ich erkannt habe das es da jemanden gibt für den ich sterben würde."
"Und da wirfst du mir immer vor pathetisch zu werden. Wie lang willst du ihr denn jetzt noch hinterher laufen?" ,sie lies sich auf der Couch nieder und betrachtete angewidert die weihnachtliche Tischdecke.
"Das her ist der letzte Versuch. Wenn sie nicht kommt hat sich das Thema erledigt. Ich weiß zwar noch nicht wie ich damit klar kommen soll, doch das wird schon irgendwie. Vielleicht denk ich dann noch mal über das Stellenangebot in München nach." ,er lies sich neben seiner Mutter nieder und reichte ihr eine Tasse Glühwein.
"Großer Gott Junge! Du kannst doch nicht vor ihr weglaufen. Wenn du sie wirklich liebst dann wird es dir nichts bringen hunderte von Kilometern zwischen euch zu bringen."
"Es ist aber ein Anfang um zu vergessen!"
"Vergessen wirst du nie" ,schüttelte sie mit dem Kopf, "Es wird mit der Zeit einfach nur leichter."
"Mhmm.. Das merke ich!"
"Mit der Zeit bedeutet nicht von jetzt auf gleich Sohn" ,meinte Elke tadelnd.
"Mhmm.." ,brummte ihr Sohn jedoch nur und sah gedankenverloren auf den Tisch vor ihm.
"Deine Laune ist wirklich unerträglich in letzter Zeit!"
"Das ist einer der Gründe warum meine Laune sogar noch schlechter ist."
"Von deiner Suspendierung habe ich schon gehört. Diese kleine blonde Schwester hat es mir gesagt weil ich dich vorhin in der Klinik besuchen wollte. Du redest ja wieder nicht mit mir. Na ja.. Vielleicht ist es ja mal ganz gut wenn ihr euch ein paar Tage nicht seht."
"Du, das ist auch gar kein Problem. Hätte einer von uns halt Urlaub genommen, aber gleich SUSPENDIEREN? Ist ja wohl unnötig. Soll Franz ihr doch einen Kurzurlaub in die Schokoladenfabrik schenken" ,in Gedanken ohrfeigte er sich für diese Aussage, zum Glück war sie nicht in der Nähe.
"Pass auf Junge, ich wollte mich ja eigentlich nur kurz von dir verabschieden. Ich fliege morgen in der Früh nach Dubai. Wenn du es hier nicht aushältst komm einfach mit."
"Mutter, ich bin noch nie irgendwo mit dir hin geflogen.. Ich werde jetzt sicherlich nicht damit anfangen."
"Das war auch nur ein Vorschlag Olivier!!!"
"Wann hörst du endlich auf mich Olivier zu nennen?" ,fragte er genervt. Er konnte diesen Namen nicht mehr hören.
"Darüber diskutieren wir nicht Olivier. Ich muss jetzt auch wieder, habe noch ein bisschen was zu packen."
"Tu das und vergess nicht Marlene in den Wahnsinn zu treiben" ,grinste er seine Mutter an.
"Marlene putzt nicht mehr für mich. Ich habe sie erwischt wie sie in meinem Lapop nach dem neuen Rogelt gesucht hat. Da musste ich sie natürlich sofort entlassen."
"Och du, wenn sie den gefunden und gelesen hätte, wäre sie sicher direkt tot umgefallen."
Sauer sah Elke ihren Sohn an, stieg in ihren Porsche und fuhr mit quietschenden Reifen davon.
Nun war Marc mit seinen Gedanken wieder allein und er wusste nicht so recht ob dies jetzt gut oder schlecht war.
Das Geschenk für Gretchen hatte er, er musste sich nur noch einfallen lassen was er kochen sollte. Oder sollte er doch lieber kochen lassen?

Bei Familie Haase wurde an diesem Abend auch gepackt. Immerhin wollte das Ehepaar nach einigen Jahren mal aus ihrem Trott raus und über Weihnachten auf die Malediven. Doch Bärbel hatte Zweifel ihre Tochter einfach so allein zu lassen mit ihrer Depression. Was wäre denn wenn sie sich was antun würde?
Gretchen lag in ihrem Bett und lauschte dem Gespräch ihrer Eltern. Darüber konnte sie natürlich nur den Kopf schütteln. Erstens hatte sie keine Depression und zweitens würde sie wenn überhaupt Marc was antun und nicht sich selbst. Zudem war sie ja wohl alt genug um allein auf sich aufpassen zu können. Welch ein Glück waren heute in der Tageszeitung einige gute Wohnungsangebote. Zwei davon würde sie sich morgen direkt anschauen. Langsam aber mal sicher wurde es Zeit das sie auszog und ihr eigenes Leben führte. Immer musste sie sich rechtfertigen wenn sie später nach Hause kam als sonst, immer wurde sie gefragt wo sie denn die Nacht über gewesen war wenn sie mal auswärts schlief. Sie war ja wohl kein kleines Kind mehr.
Wenn sie ihre Ruhe nicht hier bekam und auch sonst nirgendwo mehr, würde sie sogar darüber nachdenken einen anderen Ort aufzusuchen und dort zu leben. Abgeklärt hatte sie das Ganze schon und wenn es sein musste würde sie hier alles an Ort und Stelle stehen lassen und einen Schlussstrich unter allem setzen.

Wüssten Saskia, Mehdi und Marc von ihren Gedanken würden sie sie wahrscheinlich in einen Keller sperren und von Wasser und Brot ernähren. Marc würde sogar vorschlagen ihr einen Einlauf zu verpassen, damit der Schwachsinn den sie sich mal wieder ausmalte, auslaufen konnte. Über diesen Gedanken musste sie schmunzeln. Auch wenn seine Sprüche nicht immer nett waren, so waren sie zumindest ihr gegenüber nie wirklich ernst gemeint. Ja er war immer sehr zynisch doch das war ja wohl einer der Dinge die ihn ausmachten. So hatte sie ihn neu kennengelernt und sich wieder in ihn verliebt. Sie wollte doch eigentlich gar nicht das er sich änderte... Gab sie wirklich allen das Gefühl das sie wollte das er sich verstellte?

Choconussa Offline

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15.01.2016 15:33
#44 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Vierundvierzig -Vorfreude-



Klar so ein bisschen netter könnte er ruhig sein, aber sonst... Sonst war er doch gut so wie er war. Sie selbst war ja auch nicht immer einfach. Anscheinend hatte sie diese Kleinigkeit in den letzten Tagen vergessen. Mit diesen Gedanken schlief Gretchen schließlich ein.

Gefühlte zwei Stunden später, in Wirklichkeit waren es fast zehn, wurde sie durch lautes Gepolter an und auf der Treppe geweckt.

"So pass doch auf Franz!!!"
"Was brauchst du denn auch so viele Sachen? Wir sind doch nur eine Woche weg." ,hörte sie die Stimmen ihrer Eltern und schaute neugierig aus der Tür hinaus.
"Ich muss für alle Eventualitäten ausgestattet sein. Was mache ich denn wenn es anfängt zu stürmen und zu regnen? Da kann ich doch nicht leicht bekleidet rumlaufen!"
"Butterböhnchen..." ,seufzte Franz und Gretchen war mehr als irritiert.
"Wie jetzt? Ich dachte ihr fliegt erst morgen Abend?"
"Nein Kälbchen. Heute und auch nicht am Abend." ,antwortete ihr Vater.
"Aber das geht doch nicht. Ich hab doch noch gar keine Geschenke gekauft. Die wollte ich euch doch mitgeben!" ,jammerte sie und sah traurig von Bärbel zu Franz.
Sofort wurde sie von ihrer Mutter getadelt: "Also wirklich Margarethe. Immer kaufst du die Geschenke auf den letzten Drücker. Das kommt davon wenn man immer so viel arbeitet. Die Suspendierung hättest du noch viel eher nötig gehabt."
"Mama!!!"
"Was denn? Ist doch so. Du arbeitest viel zu viel. Nich Franz? Sag doch auch mal was..."
"Also so kann man das ja nun auch nicht.." ,fing er an.
"Sicher!" ,unterbrach Bärbel, "Dir wäre es wohl am liebsten wenn unsere Tochter gar nicht mehr aus dem Krankenhaus käme."
"Das stimmt nicht Bärbel. Ich bin sicherlich über ihr Engagement erfreut, jedoch würde es mich auch durchaus sehr erfreuen wenn sie ein bisschen mehr an sich denken würde."
"Engagement" ,meinte Bärbel und tippte sich mit dem Zeigefinger gegen die Schläfe, "Das heißt jetzt also morgens um halb sieben das Haus verlasssen und abends um zehn wieder nach Hause zu kommen!?"
"Sie ist nun mal Ärztin mit Leib und Seele. Ich war in jungen Tagen auch so und das weißt du auch."
"Du bist auch heute noch so Franz. Ich hatte mir für unsere Tochter ein bisschen was anderes vorgestellt."

Mit großen Augen hatte sie der Unterhaltung ihrer Eltern zugehört. Jetzt rutschte diese aber in einen Themenbereich über den sie mal so gar nicht reden wollte.
"Könnt ihr mal aufhören so zu tun als wäre ich nicht da? Ich kann euch sehr gut hören und wäre euch dankbar wenn ihr das klären würdet wenn ich nicht dabei bin."
"Ja ja Kind. Hast ja recht. Wir müssen ja auch gleich los. Ich hab dir ein bisschen was vorgekocht mein Schatz."
"Und die Bescherung machen wir einfach wenn wir wieder da sind" ,sagte Franz lächelnd.

Kurz wurde sie von ihren Eltern gedrückt, bekam noch ein "Tschüss" entgegen gerufen und war dann allein. Für eine ganze Woche und über die Feiertage.

~Das wird ja ganz suuuuuper Gretchen!!!~

Frustriert legte sie sich auf die Couch und schaltete den Fernseher an. Jeder andere war in diesem Moment produktiver als sie. Sogar die Staubkrümel in ihrem Zimmer hatten ein aufregenderes Leben. Da es jetzt eh egal war wann sie die Weihnachtsgeschenke kaufen würde, würde sie halt erst morgen gehen.


MK: "Anna! Du kannst am 24.12. gern Nachmittags vorbeikommen. Abends bin ich bei Marc."

AK: "Du kannst mir unsere Tochter an Weihnachten nicht vorenthalten."

MK: "Das tue ich nicht Anna. Ich habe einfach schon was vor."

AK: "Dann bleibt Lilly halt bei mir."

MK: "Damit du wieder mit ihr abhauen kannst?"

AK: "Mehdi das...."

MK: "Tut mir leid. Hör zu lass uns später noch mal telefonieren. Ich muss wirklich noch ein bisschen was arbeiten."

AK: "Ja gut okay.. Wir finden da schon eine Lösung."

MK: "Ganz sicher."


Abgekämpft legte Mehdi den Hörer auf's Telefon. Das hatte er nicht bedacht. Anna wollte zurecht ihre Tochter an den Feiertagen sehen.
"Rede doch einfach mal mit Marc. Der wird das schon verstehen" ,sagte Saskia und hielt ihm den Telefonhörer hin.
"Wird er nicht. Nachdem Anna den Unfall hatte und dann nur noch mehr Mist gebaut hatte, war sie bei ihm unten durch. Ihm würde es sogar noch Spaß machen sie so zu bestrafen."
"Wenn du es nicht versuchst, wirst du es nicht wissen."
Seufzend nahm Mehdi den Hörer entgegen und wählte die Nummer von Marc.


Bei ihm zu Hause ging zunächst der Anrufbeantworter ran und ließ ihn verwundert den Hörer anblicken.
"Was ist los?"
"Die Ansage...Also..." ,stotterte er, wählte erneut und schaltete den Mithörer an.

Nach dreimaligem Klingeln sprang das Band erneut an:


"Hier bei (Gretchen) Meier (Marc gelangweilt) und Haase (Gretchen) ist zur Zeit (Marc noch immer gelangweilt) leider niemand da (Gretchen) oder wir liegen noch im Bett (Marc feixend) ...Maaaahaaaarc!" PIEP....


Mehdi und Saskia sahen sich an und mussten lachen.
"Die beiden können sind so süß zusammen."
"Na ja.. Die beiden können süß zusammen sein, wenn sie sich nicht gerade die Köpfe einschlagen. Und das tun sie eigentlich zu neunzig Prozent."
"Ich hoffe wirklich Gretchen denkt noch mal drüber nach.." ,seufzte Saskia.
"Mhmm.. Nicht nur du.."
"Versuch noch mal anzurufen und wenn er dann nicht dran geht, versuchst du es einfach bei ihm auf dem Handy."

Natürlich ging Marc wieder nicht ans Telefon. Auch beim Handy hatte Mehdi anfangs kein Glück, doch plötzlich meldete sich ein ziemlich abgehetzter Chirurg.

MM: "Meier!?...Shit!!"

MK: "Ja, Kaan hier.. Sag mal wo steckst du? Ich habe schon zwanzig Mal bei dir zu Hause angerufen..."

MM: "Ich bin im Boothaus und...Ach das ist doch kacke hier!!!"

Das Geklimper im Hintergrund irritierte Mehdi und Saskia sehr.

MK: "Was machst du da?"

MM: "Ich versuche mich an einer Bratenfüllung. Irgendwie wird das hier aber ungenießbar... Vielleicht sollte ich doch lieber Antonio was zaubern lassen?"

MK: "Du kochst?"

Seine Verwunderung darüber wollte er eigentlich zurückhalten, aber das ging voll schief.

MM: "Ja.. Wolltest du über die Feiertage verhungern?"

MK: "Ääääääääh...:"

MM: "Gut. Also warum rufst du an? Ich hab nicht viel Zeit. Muss noch auf ne Lieferung warten und dann brauch ich auch noch ein Geschenk und was alkoholfreies für Lilly."

MK: "Gut das du fragst und eigentlich gleich zum Punkt kommst. Ich habe ein Problem."

MM: "Und welches?"

MK: "Anna würde Weihnachten gern mit Lilly verbringen."

MM: "Aha..."

Marc ahnte schlimmes.

MK: "Also ich wollte dich fragen ob es okay wäre wenn...."

MM: "Mensch Kaan komm zum Punkt. Ob sie kommen kann?"

MK: "Ja."

MM: "Meinetwegen. Sie muss sich aber nur selbst was zum pennen mitbringen. Ich hab nur abgezählte Luftmatratzen hier."

MK: "Wow, äh.. Ich bin eigentlich davon ausgegangen das du nein sagst und dich auch nicht umstimmen lässt."

MM: Jaja.. Degradiere du mich auch noch zum Arsch des Jahres. Vielen Dank auch."

MK: "Meier, so war das doch gar nicht gemeint."

MM: "Passt schon. Pass auf, ich mach mich los. Ich würde gern noch einkaufen bevor die Geschäfte aus allen Nähten platzen. Wir sehen uns übermorgen."

Und ohne Tschüss zu warten legte Marc auf. Mehdi unterrichtete am Nachmittag seine Ex-Frau von der guten Neuigkeit und auch Lilly freute sich wie eine Schneekönigin.

Gretchen schlief an diesem Nachmittag mehrmals auf dem Sofa en und löffelte, wenn sie wach war, aus Frust und Langeweile ein großes Nutellaglas leer.

~Toll! Muss ich auch neu kaufen.. Mannoooho.~

Maria und Maurice beschlossen nach der Bescherung am Heiligen Abend wieder zu gehen und sich möglichst unauffällig zu verhalten. Günni fing derweil an alle möglichen Reinigungs- und Desinfektionsmittel einzupacken. So sicher das die Hütte wirklich sauber und Keimfrei war, war er sich nämlich nicht. Sabine beschränkte sich darauf ihre Tarotkarten einzupacken und natürlich durfte ihre Blockflöte nicht fehlen. Saskia wollte ja unbedingt ein paar Weihnachtslieder anstimmen. Alle waren voller Vorfreude und umbringen würde Marc Meier sie ja wohl nicht. War ja immerhin seine Idee gewesen sie alle einzuladen.

Doch hätten sie alle gewusst, dass er sich dafür am nächsten Tag mehr als einmal in den Hintern biss, hätten sie ihm alle abgesagt.

Choconussa Offline

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15.01.2016 15:35
#45 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Fünfundvierzig -Stress vorm Weihnachtsfest-



Es war einfach zum Haare raufen. Erst kam seine Lieferung am Vortag nicht und heute durfte er trotzdem den vollen Mietpreis zahlen. Der Lieferant hatte wirklich keinen Spaß mit dem motzenden Chirurgen und am Telefon platzte ihm dann das erste Mal an diesem Tag der Kragen. Er fand es eine Unverschämtheit der Verleihfirma die Lieferung nicht abzusagen oder bescheid zu sagen das diese einen Tag später kommen würde und dann auch noch den vollen Preis zu verlangen. Man sagte ihm nur das man da nichts machen könne, es sei so vorgegeben. Aber nicht mit ihm. Er drohte damit einen Anwalt einzuschalten. Sowas musste er sich echt nicht geben.


Als nächstes kamen ihm, als er die Fenster zum Lüften öffnen wollte, drei Lichterketten entgegen. Er fuchtelte wild mit dem Armen und versuchte sich schließlich laut fluchend aus dem Kabelsalat zu befreien. Nach den ersten kläglichen Versuchen, ließ er den Kopf hängen. Nach einer kurzen Betrachtung im Spiegel war er der Ansicht, dass er einen super Tannenbaum abgeben würde. Und gerade als er dachte es könne nicht mehr schlimmer werden, schlug er sich beim Mistelzweig aufhängen mehrmals mit dem Hammer auf die Finger und zum ersten Mal war er froh suspendiert zu sein. Mit den Schmerzen würde er unmöglich operieren können. Jetzt saß er am großen Küchentisch und verzweifelte beim Verpacken vom Weihnachtsgeschenk für Lilly. Drei Rollen Geschenkpapier lagen bereits zerknüllt um ihn herum. Er war wirklich kurz davor einfach alles abzusagen, Gretchen zu entführen und so lange zu knebeln bis sie aufhörte rum zu zicken.Er hätte doch die Verkäuferin einpacken lassen sollen. Welch ein Glück musste er das Geschenk für Gretchen nicht einpacken. Obwohl es so schnulzig war, dass er es schon gern verstecken würde.Frustriert nahm er einen Schluck von seinem Bier. Sechzehn Uhr und noch immer keine Nachricht von Hasenzahn, ob sie nun kommen würde oder nicht. Kurzerhand nahm er sein Handy i die Hand und wählte ihre Nummer. Doch weder das Haustelefon noch das Handy wurde von Gretchen gehört.


Auch sie hatte nicht den besten Start in den Tag. Am Abend zuvor musste sie wohl bei Dirty Dancing eingeschlafen sein. In einer sehr unbequemen Position, wie ihr ihr Rücken verriet. Ein paar Mal ließ sie ihre Wirbel knacken und sah dann verschlafen auf die Uhr, nur um danach wie ein aufgescheuchtes Hä(a)schen hinauf ins Bad zu rennen und sich an zu ziehen. Es war bereits Elf Uhr und sie musste ja noch Geschenke besorgen. So irrte sie seit kurz vor Zwölf durch die Geschäfte Berlins und fand nichts gescheites. Besonders für ihren Bruder musste sie sich etwas einfallen lassen. Jochen würde auch über Weihnachten in Hamburg bleiben.


~Mhm.. Vielleicht ein Kurier?~


Sie war so in Gedanken versunken und es war wirklich unglaublich laut, dass sie das Klingeln des Handys, mehrere Male, nicht hörte. Natürlich ganz zum Ärger von Doktor Meier, der sein Handy fast vor Wut zerdrückte. Mehdi und auch Saskia, konnten ihm auch nicht sagen ob er nun bei Antonio nun zwei oder doch lieber fünf Schüsseln Schokopudding ordern sollte.

"Meier!" bekam er darauf von beiden nur zu hören. Diese Ungewissheit trieb ihn in den Wahnsinn. Er wollte einfach nicht als Vollidiot da stehen, weil er sich so reingehangen hatte. Doch so wie er seine Kollegen kannte, tat er das ohnehin schon. Schnell stellte er das mittlerweile gerahmte Foto vom Wochenende in der Hütte auf den Kamin.


{Gott Meier, du mutierst wegen dieser Frau noch zum verliebten Spießer!}


Aber war das nicht das was Frauen eigentlich wollten? Auf diese Frage hatte auch Mehdi am Abend keine Antwort. Er war extra früher gekommen um bei den letzten Vorbereitungen zu helfen. Wie zum Beispiel Luftmatratzen aufpumpen wenn Lilly darauf herumsprang. Dies ging allerdings nur so lang gut, bis sie über ihre eigenen Füße stolperte und, zum Glück, weich in Marcs Armen landete. Der Chirurg hingegen, schlug hart mit dem Kopf gegen die Wand hinter ihm und hatte, zu den Schmerzen in diversen Fingern, nun auch noch starke Kopfschmerzen. Seine Laune war definitiv im Keller.

Und auch Gretchen grummelte am Abend vor sich hin. Nächstes Jahr würde sie die Weihnachtseinkäufe auf jeden Fall früher erledigen. Sie hatte zwar die Geschenke für ihre Eltern und Jochen bekommen, doch war der Weg nach Hause mit der Bahn wirklich nicht erfreulich gewesen. Beinahe hätte so ein ungehobelter Teenager ihre Tüten mitgerissen. Es wäre eine Katastrophe gewesen wenn die teure Blumenvase zerbrochen wäre. Dazu bekam Bärbel eine marineblaue Bluse. Für Franz gab es ein neues Stethoskop und ein neues Schild für seinen Bürotisch. Ja und Jochen... Den würde sie mit einigen Medizinbüchern erfreuen. Er sollte ja immerhin fleißig lernen. Zum Verpacken der Geschenke, es waren auch noch welche für Mehdi, Lilly und Saskia dabei, legte sie sich Weihnachtsmusik auf und machte sich schnell einen heißen Kakao mit Sahne. Fröhlich summte sie zur Musik mit und hatte bei weitem weniger Probleme beim Verpacken der Geschenke wie Marc, auch wenn sie kein Profi war und mehrmals etwas neu verpackte. Das letzte Geschenk sah sie sich lange an. Sie hatte es schon einige Wochen hier liegen und sie hatte wirklich lange gebraucht um es zu finden. Sie wusste sie würde das Richtige tun. Langsam und vorsichtig wurde es eingepackt und mit einer kleinen rosa Schleife versehen.


Mehdi versuchte unterdessen Marc mit der mittlerweile sechsten Rolle Geschenkpapier bei zu bringen wie man einen mittelgroßen Teddybären verpackte. Er war zwar ein super Chirurg und konnte ohne Probleme eine künstliche Herzklappe vernähen, doch bei sowas hatte er einfach zwei linke Hände. Darüber konnte Mehdi nur lachend mit dem Kopf schütteln. Weit nach Mitternacht kamen die beiden zu liegen.
Wenn schlafen doch nur so einfach wäre wenn man aufgeregt war und das Gefühl hatte einem würde das Herz explodieren. Er bekam einfach kein Auge zu. Hin und her wälzend war sein Kopf doch nur bei einer. Vielleicht sollte er sie einfach anrufen.


{Halb drei.. Die kastriert dich durch die Leitung wenn du sie jetzt aus dem Bett klingelst...}


Dann musste es wohl erst mal eine SMS tun. Doch auch diese tat nicht das was sie tun sollte. Marc konnte weiterhin nur Mehdis Schnarchen lauschen und hoffen bald in einen tiefen Schlaf zu fallen.

Die versendete Kurzmitteilung war nicht nur eingegangen sondern wurde auch gleich gelesen.

/Ich wünsche Dir ein frohes Fest der Liebe Prinzessin Hasenzahn. -Marc./


Wenn er nur wüsste was er damit angerichtet hatte.....

Choconussa Offline

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21.01.2016 16:33
#46 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Sechsundvierzig -Heilig Abend im Bootshaus..- |Weihnachts Special| Teil 1



-Heilig Abend -7:11 Uhr- Marcs Bootshaus/Schlafzimmer



Heiligabend und doch war die Uhrzeit zu der Lilly Kaan in Marcs Zimmer gestürzt kam so unheilig wie noch nie für ihn. Gegen fünf Uhr musste er eingeschlafen sein und nun zeigte der Wecker gerade mal 7:11 Uhr an. Und neben ihm auf seinem Bett hüpfte ein kleines blondes Mädchen und lachte dabei so laut, wie ein halber Kindergarten.
"MEHDI" ,brüllte er und machte sich daran aufzustehen, "nimm mir das Monster ab!!!"
Doch es rührte sich nichts.
"Papa ist Brötchen holen gefahren und hat gesagt wenn was ist soll ich dich wecken" ,klärte Lilly ihn auf und setzte sich neben ihn.
"Aha.. Und was ist?"
"Wann kann ich dein Geschenk aufmachen?" ,fragte sie mit süßen Kulleraugen.
Stöhnend lies er sich wieder ins Kissen fallen. Dafür wurde er also geweckt und einmal mehr konnte er es nicht verstehen warum Gretchen sowas unbedingt wollte.
"Marc?"
"Lilly. Heute Abend nach dem... SCHEIßE! Das Essen!!!"
Er war sofort hellwach. Schnell sprang er auf und suchte hektisch sein Handy. Im Schneidersitz und mit großen Augen saß Lilly in der Mitte des großen Bettes und beobachtete ihn kritisch.
"Stehst du mal bitte auf?" ,fragte Marc und bemühte sich ruhig zu bleiben. Für seine Dummheit konnte die Kleine ja nichts. Unter der Decke fand er es. Noch immer war die Nachricht an Gretchen geöffnet und noch immer hatte er keine Antwort bekommen. Wütend wählte er die Nummer von Antonio.


Antonio: "Antonio Lupardini?"

Marc: "Oh, Gott sei Dank! Antonio ich brauche deine Hilfe."

Antonio: "Marc Junge, wo drückt denn der Schuh"

Marc: "Ich brauche ein Essen für heute Abend. Irgendwas Weihnachtliches für ääääh"

Im Kopf begann er zu zählen

{Hassmann, Knechtelsdorfer, Sabine, Gummersbach, Saskia, Mehdi, Anna, Lilly ich.. Das wären schon mal neun. Hasenzahn nehm ich einfach drei Fach. Gibt ne schöne Runde Zahl. Wenn die anderen dich jetzt wieder hören könnten...}

Antonio: "Also Weihnachtsessen für wie viele Personen sagtest du?"

Marc: "Zwölf!"

Antonio: "Wow! Da hast du ja richtig was vor. Bekomm ich hin. Bis wann brauchst du es denn?"

Marc: "17 Uhr wäre nicht schlecht. Wir haben eine sieben Jährige hier und die ist jetzt schon ganz ungeduldig."


Er drehte sich leicht zur Seite um ins Wohnzimmer schauen zu können. Was er sah brachte ihn zum lächeln. Lilly tanzte singend um den Weihnachtsbaum herum.


Antonio: "Wird vielleicht ein bisschen eng, aber geht nicht gibt es nicht in meiner Küche."

Marc: "Danke.. Ach und Schokopudding. Zwei Schüsseln. Die großen. Habe zu viele Naschkatzen eingeladen."

Antonio: "Mach ich dir fertig Marc."

Marc: "Klasse.. Danke!"

Erleichtert warf er das Handy zurück aufs Bett und Lilly flog gleich im hohen Bogen hinterher. Doch hatte nicht Marc sie geworfen, sondern sie war mit einem Hechtsprung darauf gehüpft und hüpfte nun vor Marc auf und ab.

"Schokopudding?" ,fragte Lilly mit glänzenden Augen und ließ sich nach ihrem letzten Hüpfer auf ihren vier Buchstaben nieder.
"Jaaaaa. Schokopudding. Uuuund warmer Kakao mit Sahne und Schokostreuseln." ,grinste er sie an und kniete sich vor ihr nieder um sie an der Nase anzustupsen.

Doch die Umarmung in die er von ihr gezogen wurde, kam für ihm völlig unvorbereitet. Zusammen kugelten die beiden auf den Boden. Sie lachten, kitzelten sich gegenseitig und wurden schmunzelnd beobachtet.

"Also Marc, wenn Gretchen das nun sehen könnte, würde sie dich sofort heiraten!"
"Wenn ihr heiratet dann will ich aber Blumen streuen" ,kicherte Lilly und hüpfte auf Marcs Bauch herum.
"Ähm... Also..."
"Sicher darfst du das dann Lillymaus." ,sagte Mehdi.
"Kaan, du kannst dem Kind doch sowas nicht sagen" ,Marc war empört über diese leere Versprechung.
"Wie? Ist das etwa nicht das super geheime Weichnachtsgeschenk für Gretchen?"
"Nein ist es nicht."
"Schade.. Würde bestimmt das Highlight des Abends werden.. Andere Neuigkeiten würden da längst vergessen sein" ,grinste Mehdi schon wieder
"Was hast du denn so eine gute Laune heute?"
"Es ist Heilig Abend Marc, da hat man automatisch gute Laune!"
"Na ja, für mich nur ein weiterer Tag zum Decke über den Kopf ziehen! Lass mich mal aufstehen Lillymaus.."

{Was hab ich da gerade gesagt???}

Es blieb vorerst unkommentiert, auch wenn es erneut mit einem Schmunzeln hingenommen wurde. Die beiden Oberärzte deckten also den Frühstückstisch und Lilly heftete sich an Marcs Versen. Irgendwie hatte sie heute einen Narren am ihm gefressen.


Bei Maria Hassmann verlief der Weihnachtsmorgen ähnlich, allerdings zickte ihre Tochter rum.

Melanie: "Boar Mama wie uncool ist das denn!? Weihnachten mit deinen Arbeitskollegen. Voll spießig!"

Maria: "Du kommst mit!!! Dich kann man doch keine zwei Stunden alleine lassen."

Melanie: "Ich bin doch kein kleines Kind mehr!!!"

Maria: "Ach nein? Was war denn letzte Woche als du heulend angerufen hast, weil deine Haare sich im Fön verfangen haben?"

Melanie: "Ich war abgelenkt..."

Maria: "Ja, von deinem Gejaule was du singen nennst! Du würdest es sogar schaffen den Tannenbaum anzuzünden."

Melanie: "Ey..! Das sind LED-Kerzen?!?!"

Maria: "Du bringst alles fertig..."

Melanie: "Boar! Wo ist Maurice?!"

Maria: "Den brauchst du gar nicht um den Finger wickeln. Ich hab ihm OP-Verbot angedroht!"

Melanie: "Sein Chef ist der Meier.. Da wirst du ja wohl wenig zu sagen haben."

Maria: "Zum einen würde der Maurice gern entlassen und zum anderen ist er zur Zeit mein Assistent ...Aaaaaaalso..."

Melanie: "Du bist so unfair!"

Wütend stand Melanie auf und stampfte in ihr Zimmer.

Maria: "Ja ja.. Bin ja auch Mutter."


Friedlicher ging es bei Sabine und Günni zu. Die beiden frühstückten in Ruhe und im Hintergrund lief leise Weihnachtsmusik. Sie setzten sich zusammen an den Weihnachtsbaum und übergaben dich die Geschenke füreinander, denn ihre Wichtelpartner waren andere. Sabine musste Maurice etwas holen und Günni musste sich etwas für Mehdi einfallen lassen.
Seiner Sabine hatte er allerdings eine wunderschöne Herzkette gekauft, in der ihre Namen eingraviert waren und Sabine schenkte ihren Günni selbst hergestelltes Desinfektionsmittel.


Auch Saskia hatte einen ruhigen Start in den Weihnachtstag. Bis sie an der kleinen Hütte ankam und vorsichtig klopfte.
Zur Begrüßung wählte Marc die Worte "Das ist nicht dein Ernst?"
"Doch! Sorry, ging nicht anders..."
"Wird echt Zeit das du mal Freunde findest" ,meinte Marc und lies sie noch immer nicht eintreten.
"Witzig!" ,meinte Saskia schnippisch und drückte sich umständlich an ihm vorbei.
"Ooooh ist der süüüüüß" ,quietschte Lilly und Marc glaubte einen Tinnitus zu bekommen.
"Jaaaa, das ist Happy" ,grinste Saskia und streckte Marc die Zunge raus. Wenn Lilly begeistert war, hatte Meier eh verloren.
"Niemanden für ihn gefunden?" ,fragte Mehdi.
"Nein leider nicht. Allein lassen wollte ich ihn aber auch nicht."
"Ich hasse Tiere" ,stöhnte Marc.

SS: "Marc, es ist Weihnachten und genau wie du wollen Tiere nicht allein sein!"
MM: "Mhmm..Liebe Tiere ja? und warum wälzt sich DEIN Hund gerade in MEINEM Bett?"
SS: "Ups.. Happy! Komm hier..."
MM: "Du kannst die Töle draußen anketten!"
LK: "Aber Onkel Maaarc. Draußen ist es doch kalt!"
SS: "Genau!"
MK: "Und ob DAS unserem Gretchen gefallen würde?"

Drei zu eins und so gesehen eins zu null für Happy.

Marc fügte sich seinem Schicksal und fuhr mit Saskia zu ihrer Wohnung um Futter und das Körbchen abzuholen. Er kam sich viel zu gut für diese Welt vor. Erst Anna und jetzt auch noch der Hund.

Gegen halb elf waren die beiden wieder zurück und sofort fing Saskia an mit Mehdi den Tisch an dem sie später essen würden, festlich zu dekorieren. Marc wurde gezwungen auf der Couch sitzen zu bleiben.
"Du hast die letzten Tage genug gemacht und du siehst echt ein wenig fertig aus" ,meinte Mehdi und Saskia fügte hinzu ,"Jaa.. Ruh dich noch ein bisschen aus.. Gretchen soll dich ja nicht mit dem Grinch verwechseln."


Doch besagte verwechselte sich selbst bei einem Blick in den Spiegel mit dem Grinch. Sie hatte rot unterlaufende Augen, die sie kaum aufbekam. Es tat einfach zu sehr weh. Ihre Haare standen in alle Himmelsrichtungen ab. Verzweifelt versuchte sie nun schon seit einer Stunde zu retten was wohl nicht mehr zu retten war. Sie müsste wohl einen Maler bitten sie zu restaurieren. So lange wie heute, stand sie wirklich noch nie im Bad.. Was schrieb dieser Vollidiot auch eine SMS?


Das fragte sich der Vollidiot um fünfzehn Uhr auch. Sie hatte mal wieder nicht geantwortet und das trieb seine Laune irgendwo in Richtung des Erdkerns.
"Reiß dich wenigstens ein bisschen zusammen" ,sagte Mehdi streng, als die ersten Gäste eintrudelten.

Sabine und Günni wurden von Mehdi und Saskia herzlich begrüßt und zumindest die erste halbe Stunde die die beiden da waren lief alles tip top. Happy hatte, sehr zum Ärger des Pathologen, eine neue Kopfstütze gefunden und Lilly spielte mit Sabine 'Ich sehe was, was du nicht siehst'. So hatten Marc und Mehdi die Beine frei um die Glühweintöpfe und die Flaschen vom Auto in die Küche zu befördern. Saskia schaffte schnell platz damit auch alles passte. Plötzlich fiel jedoch eine Frage und schwebte wie eine bedrohliche Gewitterwolke über ihren Köpfen.

"Kommt die Frau Doktor Haase heute auch?"

Marc der gerade die Stecker der Töpfe einstecken wollte, hielt sofort inne und schloss die Augen. Sabine wusste sofort das es wohl die falsche Frage gewesen war und wurde ganz klein auf ihrem Stuhl. Zum Glück schellte es in diesem Moment, sonst wäre Marc der Krankenschwester wohl an die Gurgel gegangen.

{Nun gut.. Der Pathologe wäre ja da..}


Es war Antonio mit dem Essen und einem ziemlichen Redebedürfnis, welches Marc schon nach den ersten paar Wörtern die Augen verdrehen lies.

"Junge Junge.. Ich habe mich selbst übertroffen" ,sagte Antonio und quetschte sich mit seinem dicken Bauch an Marc vorbei, "Pass auf. Der Braten muss bevor du ihn servierst fünfundvierzig Minuten in den Ofen. Die Kartoffeln kannst du nach fünfzehn Minuten ruhig dazustellen. Mach bloß nicht den Fehler und koche sie noch mal auf oder stelle sie ins Dampfbad. Das wäre eine Katastrophe. Die Soße einfach langsam aufwärmen. Immer schön rühren damit nichts ansetzt. Den Pudding stellst du einfach kalt. Wenn du ihn aber lieber warm servieren möchtest, dann kannst du ihn selbstverständlich nochmal erhitzen. Ich habe noch zwei Salate gemacht. Das Dressing habe ich allerdings ins Flaschen gefüllt, mag ja nicht jeder dabei haben. Eine Käseplatte und zwei große Häppchenteller habe ich auch noch fertig gemacht. Alle Häppchen mit verschiedenem Belag und überall habe ich Salatblätter belegt und kleine Cherrytomaten. Kann man sich ja dann zusätzlich auf die Häppchen legen. Und ansonsten habe ich noch Käsespieße mit Weintrauben... Ich dachte so für zwischendurch ist das vielleicht ganz nett. Zum Braten servierst du am besten einen Rotwein.. Davon habe ich dir auch zehn Flschen eingepackt. Eine Vorspeise konnte ich dir nicht mehr zaubern, aber dafür hast du ja die Häppchen.." ,schloss Antonio seinen Vortrag, der nicht nur Marc genervt hatte.. (sondern auch mich beim Schreiben *kicher*)

Der Oberarzt der Chirurgie war maßlos überfordert. Zu viele Informationen auf einmal wenn er eigentlich mit seinem Kopf noch ganz woanders war.
"Puh.. okay.. ähm.. Ich glaube irgendwer wird hier schon verstanden haben was du gesagt hast. Was bekommst du?"
"Das machen wir nach den Feiertagen. Du musst das Essen nur aus dem Wagen holen."
"Ja.. Klar.. gut.." ,sagte Marc, "Mehdi, Gummersbach? Schleppen!"

Schnell lief Günni zu seiner Reisetasche um die Latexhandschuhe und eine Schürze über zuziehen. Niemals würde er fremde Sachen ohne sich vor Keimen zu schützen anfaassen. Als er vor den beiden Oberärzten stand, wurde er von ihnen angesehen, als wäre er Chewbacca höchstpersönlich.
"Ich muss mich vor diversen Infektionen schützen" ,war das Einzige was er dazu sagen konnte, denn Mehdi und Marc drehten sich Schulter zuckend um und liefen vor.

Sie trugen... und trugen... und trugen und Marc befürchtete schon es würde gar kein Ende mehr nehmen. Doch als die drei Männer vor den Essensbergen standen, die nun die kompletten Arbeitsflächen in der Küche belegten, konnten sie nur mit dem Kopf schütteln. Es war einfach viel zu viel. Zwei Salate in großen Schüsseln, dazu fünf verschiedene Dressings á zwei Flaschen. Die Häppchenplatten waren nicht groß - sie waren RIESIG. Groß hingegen war dafür die Käseplatte auf der, wie Marc sofort erkennen konnte, nur exklusiver Käse lag. Den Trüffelkäse würde er halbblind erkennen. Zwei Töpfe mit Kartoffeln, ein sieben Liter Topf Soße und der wohn größte Braten den er je gesehen hatte. Vom Schokopudding wollte er gar nicht erst anfangen.


{Darin könnte Hasenzahn baden!}


Auch die Frauen bezweifelten das sie das alles essen würden.

"Ich hoffe das reicht auch alles?" ,fragte Antonio besorgt und Marc glaubte sich verhört zu haben.
"Bitte? Antonio, das würde für den Bundestag reichen."
"Zu viel?"
"Vielleicht.. Ein bisschen.. Aber okay. Hätte ich ja mit rechnen müssen, kenne dich ja nicht erst seit gestern. Danke dir..."
"Immer wieder gern Marc. Grüße mir Elke wenn du sie siehst..."
"Mach ich.. Komm gut nach Hause.." ,sagte Marc noch freundlich, schloss die Tür und lehnte sich stöhnend mit dem Rücken dagegen.
"Marc, wer soll das denn alles essen?" ,stürmte Saskia auf ihn ein.
"Tja.. Ich denk mir mal IHR! also würd' ich jetzt mal glatt behaupten."
"Frau Doktor Hassmann und Herr Knechtelsdorfer wollten ja auch noch kommen."
"Wo sie es gerade erwähnen Schwester Sabine.. Wo bleibt eigentlich Anna, Mehdi?" ,Marc wollte unbedingt seine schlechte Laune ein klein wenig los werden.
"Die schafft es erst zum Abend hin. Eine Kollegin konnte nicht zur Arbeit kommen und sie musste einspringen."

Seinen spöttischen Kommentar verkniff sich Marc lieber und fing an die Lebensmittel in den Kühlschrank zu stopfen.


-Heiligabend - 16:30 Uhr - Boothaus


Gegen 16:30 Uhr trudelten dann auch Maria und Maurice ein. Melanie hatte es geschafft ihren Willen durchzusetzen und blieb allein zu Haus.
"Wir bleiben nur zum Essen Meier. Meine Tochter ist allein zu Hause und bevor die mir noch über die Feiertage die Wohnung auseinander nimmt, lass ich das hier lieber sausen."
"Maria, vielleicht wollte sie sich auch nur mit ihrem Freund treffen" ,sagte Knechtelsdorfer unbedacht und lächelte fröhlich in die Runde.
"Melanie hat einen FREUND? Seit wann? Was ist das für einer? Vor allem, WIE ALT? Bei dem Kind weiß man ja nie" ,Maria zückte ihr Smartphone und drückte die Schnellwahltaste.
"Reg dich jetzt nicht auf Maria. Des ist nicht gut, oder Doktor Kaan?"
"Da hat er recht Frau Hassmann, bleiben Sie ruhig" ,sagte Mehdi ruhig und einer der fröhlichen Truppe schaltete sofort.
"Ist die schwanger oder was?" ,lachte Marc.
Alle sahen schnell irgendwo hin und Knechtelsdorfer interessierte sich sehr für den Stoff der Tischdecke.
"Ne oder? Was mach ich denn jetzt mit dem ganzen Glühwein!?!?"
"Selbst trinken" ,grinste Saskia ihn frech an.
"Damit hätte ich schon zum Frühstück anfangen sollen damit ich euch alle ertrage" ,sagte Marc und ließ sich schmollend aufs Sofa plumpsen.
Für Sabine der eindeutige Startschuss des Aufmunterungs- und Bespaßungsprogrammes. Sie holte ihre Blockflöte und stimmte 'Stille Nacht, Heilige Nacht' an. Alle stiegen ein und sangen aus voller Kehle. Marc wünschte sich auf einen anderen Stern. Irgendwo hin wo es kein Weihnachten gab. Mehdi lief singend durch die Wohnung und fing an den Glühwein zu erhitzen und Getränke zu verteilen. Nur den schmollenden Chirurgen ließ er aus. Wenn er meinte er müsse ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter ziehen, sollte er sich fein körperlich betätigen.
So fand sich Marc Meier um 16:45 Uhr in der Küche am Glühweintopf wieder und schenkte immer wieder nach. Grinsend stand Mehdi neben ihm und summte weiter die Lieder mit die im Wohnzimmer laut gesungen wurden.

"Eure gute Laune ertrage ich nüchtern nicht. Ich hätte mir doch den Schnaps mitnehmen sollen."
"Aber weil du ein Erwachsener Mann bist und ganz genau wusstest das meine Tochter heute auch hier sein wird, hast du es nicht getan und vergnügst dich jetzt mit dem Glühwein."
"Man Mehdi das ist mein ernst! Ich habe nie gesagt das Weihnachtslieder gesungen werden oder wir wichteln und so einen Käse. Ich wollte eigentlich einfach nur nicht das Hasenzahn denkt ich würde sie absichtlich und mit irgendwelchen Hintergründen einladen."
"Tja mein Freund das ist ja nun gewaltig in die Hose gegangen! Weißt du nun schon ob sie.. ob.." ,er sah aus dem Fenster und beugte sich noch ein wenig vor um besser sehen zu können, "Sag mal, treiben sich hier öfter auch noch andere Leute rum?"
"Nö. WIr sind hier ganz allein.. Hey, wir können uns Horrorgeschichten erzählen!" ,feixte Marc.
"Nee ehrlich mal jetzt Marc da rennt wer draußen rum."
"Was? Zeig mal her..." ,er stellte sich zu seinem besten Freund ans Fenster.
"Ist das nicht.. oder täusch ich mich jetzt? Neee.. das ist doch eindeutig..."
"GRETCHEN!" ,hauchte Marc und lief schnellen Schrittes, ohne auf die verwirrten Blicke der anderen zu achten, im T-Shirt hinaus in die Kälte.
In der Hütte drückten sich nun alle die Nase platt und beobachteten das Geschehen draußen.

SS: "Streiten die sich?"
MK: "Nee, Gretchen sieht so aus als würde sie sich irgendwo rausreden wollen."
MH: "Das kann ja nur in einer Katastrophe enden"


-Heiligabend - Vor der Hütte


"HASENZAHN" ,rief er denn das blonde Weihnachtswunder war schon wieder drauf und dran davon zu radeln.
"Ach hi Marc" Duu.. Ich hab mich doch tatsächlich voll verfahren.. Aber, da dachte ich..hey, biste schon mal hier, legste auch gleich die Geschenke vor die Tür." ,ratterte sie schnell und ohne Luft zu holen herunter.
"Bist du.. Bist du von dir zu Hause bis hier hin mit dem Fahrrad gefahren?"
"Ja.. Ist ja auch gar nicht so weit."
"Gretchen. Der Weg dauert mit dem Auto schon eine dreiviertel Stunde. Bist du denn wahnsinnig, du musst ja halb erfroren sein."
"Ach was.." ,winkte sie ab, "Ich bin echt ganz warm eingepackt und so kalt ist es ja auch gar nicht."
"Ahja.. Deine Lippen sind blau..."
"Ist ein neuer Lippenstift gefällt er dir?"
"Du kommst mit rein und wenn ich dich tragen muss. Du kannst doch echt nicht mehr dafür.."
"Marc, ich muss echt nach Hause ich hab nen Braten im Ofen..."
"Du kannst nicht kochen" ,schüttelte er grinsend den Kopf und Gretchen zog eine Schnute, "Also, kommst du jetzt freiwillig mit rein oder muss ich dich tragen?"
"Man ich wollte doch gar nicht das du mich siehst."
"Tja, ich habe meine Augen einfach überall" ,sagte er undt hob sie sich, wie so oft, über die Schulter.
"Maaaaarc! Lass mich runter ich kann selber laufen..."
"Mhmm.. Weg hoppeln kannst du.. Diesmal nicht.."

So trug er sie in die Hütte und vor den neugierigen Augen direkt ins Bad.
"Ausziehen!" ,sagte er laut und im Wohnzimmer sahen sich alle mit großen Augen an.
"Sag mal spinnst du?" ,fragte Gretchen schrill.
"Nein! Du spinnst. Mit dem Fahrrad, zieh dich aus ich lass dir eine heiße Wanne ein."
"Sicher nicht wenn du hier drin bist!"
"Es gibt an dir nichts was ich noch nicht gesehen habe also stell dich hier mal nicht so an" ,sagte er und kontrollierte die Temperatur des Wassers.
"Marc wirklich, ich kann das allein."
"Ja und hier ist ein Fenster welches ich nicht abschließen kann, nachher haust du mir noch ab. Deswegen hätte ich gern deine Klamotten.. Wenn du fertig bist kannst du sie gern wieder haben."
"Äh! Hast du etwa zu viel vom Glühwein geschnuppert? Willst du mich hier jetzt festhalten?"
"Ja. Wer sich sträubt wird eben zu seinem Glück gezwungen. Und jetzt mach hinne. Ich mach dir ne heiße Schokolade und Schokopudding hab ich auch für dich da.."
"Damit kannst du mich nicht überreden!" ,sagte sie mit verschränkten Armen.
"Gut.. Die anderen und auch Lilly würden sich freuen.. und..chrm chrm.. ich .. ich würd mich auch freuen Gretchen. Wirklich." ,vorsichtig strich er ihr mit der Hand über die Wange.


~Mist. Immer weiß der wie ich nicht nein sagen kann.. Grrr..~


Damit hatte er sie tatsächlich an der Angel. Sie zog sich aus und stieg in die Wanne.

Marc nahm dies freudig lächelnd zur Kenntnis und ließ sie allein.. Sogar ihre Sachen ließ er liegen - er hatte eine viel bessere Idee...

Choconussa Offline

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21.01.2016 16:36
#47 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Siebenundvierzig --Heilig Abend im Bootshaus..- |Weihnachts Special| Teil 2



Zufrieden lief Marc an den neugieren Augen im Wohnzimmer vorbei nach draußen und kam nach ungefähr zehn Minuten grinsend wie ein Honigkuchenpferd wieder rein.
"Was haste denn jetzt gemacht?" ,fragte Mehdi mit leicht besorgtem Unterton.
"Nichts wichtiges. Aber ich denke das werdet ihr noch früh genug erfahren."
Es wurden besorgte Blicke untereinander ausgetauscht. Wenn Marc Meier so gute Laune hatte, von jetzt auf gleich, hatte dies einfach nichts gutes zu bedeuten.
"Wer hat sich den Schwachsinn gemerkt den Antonio vorhin von sich gegeben hat?"
"Ich Herr Doktor Meier" ,meldete sich Schwester Sabine schüchtern.
"Okay, ähm. Ihre Handtasche bleibt aber hier. Nicht das sie noch irgendwas in die Soße mischen."
"Was sollte ich denn noch in die Soße mischen?"
"Was weiß ich was sie immer in ihrer Freizeit zusammenbrauen? Is ja auch egal. Wie ein Herd funktioniert werde ich Ihnen ja wohl nicht zeigen müssen!?"
"Marc du weißt selbst nicht mal wie ein Herd funktioniert!!!"
"Du aber Mehdi! Und deswegen kannst du unserer lieben Sabine ja auch helfen."
"Jungs? Ihr bleibt bei aus der Küche. Frau Doktor Hassmann und ich werden Sabine helfen" ,sagte Saskia schnell und zog die beiden überraschten Frauen hinter sich her.
"Soll ich euch Hasenzahn nachschicken?" ,rief Marc noch bevor die Tür zu fiel.


Die Männerfraktion begnügte sich also damit am Esstisch zu warten und zu schweigen. Sie wussten nicht was sie sich zu sagen hatten. Mit Knechtelsdorfer verband sie eigentlich nichts außer die Arbeit im Krankenhaus. Und Günni? Ja den bekamen sie nur zu Gesicht, wenn mal wieder wer den Löffel abgegeben hatte. Eigentlich herrliche Stille, doch dann klopfte es und Marc verdrehte die Augen.
Es war Anna...


"Ich sag euch das.. An Heilig Abend im Einzelhandel an der Kasse zu sitzen ist schrecklich. Seid froh das ihr Ärzte seid."
"Meinst du denn in einem anderen Berufszweig hättest du heute mehr Spaß gehabt?"
"Marc! Nicht heute und nicht wenn Lilly mit dabei ist!"
"Lass ihn ruhig Mehdi. Das macht mir gar nichts mehr aus. Das Kapitel habe ich hinter mir gelassen und fange nun ein neues Leben an."
"Ach, das ist ja schön. Hallo Anna" ,sagte Gretchen freundlich - doch wer sie lang genug kannte merkte auch gleich das es nicht so gemeint war wie sie es gesagt hatte.
"Hallo Gretchen. Na? Wieder mit Mehdi zugange?"
"Ääääh, Hasenzahn? Wolltest du nicht noch dein Rad abschließen oder unterstellen?" ,schob Marc sie aus der Hütte und vergaß dabei ein entscheidendes Detail.
Doch das merkte er keine zwei Minuten später, als ihm, mit einem lauten "MARC!" die Tür an den Hinterkopf geknallt wurde.
"Spinnst du? Hasenzahn, die Tür ist verdammt hart!"
"Dein Holzkopf ja wohl auch du Arsch! Wo sind meine Reifen?"
Der Lärm hatte auch die Frauen aus der Küche auf den Plan gelockt und so standen sie alle quasi um die beiden herum und lauschtem dem kleinen Disput. Marc sah mit großen Augen vom einem zum anderen und vergaß dabei zu antworten.
"Marc Olivier Meier!"
"Jaaaaa, so heiße ich. Und lass den Olivier weg, ich habe keine Hemmungen dich auch bei kaltem Wasser in den See zu werfen. Da kannste dann auch gleich nach deinen Reifen tauchen."
"Bitte was! Du hast die nicht ernsthaft in den See geworfen?"
"Doch! Ich habe dir gesagt, wer sich sträubt wird zu seinem Glück gezwungen. Du bleibst hier!"
"Du kannst mich doch nicht gegen meinen Willen festhalten!"
"Das wirst du schon noch sehen. Jetzt schnapp dir Anna und geh mit den anderen Schecken in die Küche."
"Wo ich hingehöre oder was?"
"Das hast du jetzt gesagt.."
"Und du hast es gedacht. Siehst du Marc, genau das ist der Grund warum ich nicht herkommen wollte. Warum ich gar nicht erst mit dir reden wollte oder auf deine SMS geantwortet habe. Du bist einfach ein Arsch!!" , mit kleinen Tränchen in den Augen schrie sie ihn an. Eigentlich hatte jetzt jeder damit gerechnet das er sie raus schmiss oder zurück schreit. Doch der selbstverliebte Chirurg, zog seinen Hasenzahn in seine Arme und drückte sie fest an sich.

Zu ihrer eigenen Verwunderung erwiderte sie die Umarmung nicht nur, sie genoss sie auch. Endlich wieder in seinen Armen, seinen Duft einatmen, sein Herz schlagen hören. Wie hatte sie das vermisst? So standen sie eine ganze Weile da und bemerkten gar nicht, dass die Frauen wieder in der Küche verschwunden waren, Lilly und Happy draußen mit den Männern spielten und sie beide ganz allein waren.
"Es tut mir leid Gretchen. Das war nicht so gemeint.. Ich.. Du weißt wie ich bin und manchmal..."
"Da purzelt es einfach aus dir raus.. Ich weiß... Ist schon okay."
"Hör ma.. Ich geb dir einen Teil von deinem Geschenk jetzt schon.. Nachher könnte es sonst echt peinlich werden" ,schnell lief er ins Schlafzimmer und kam mit einer Rolle wieder.
Als Gretchen sie öffnete und das etwas was sich darin befand betrachtete, rutsche ihr ihr Herz in die Hose.
"Marc.. Das ist.."
"Ein Sono von meinem Herz. Ja" ,nickte er peinlich berührt.
"Was? Ich mein..ääääh.."
"Hätt ich dir lieber so ein unpersönliches Plastikherz holen sollen wo drauf steht; 'Ich schenk dir mein Herz' oder 'Dir gehört mein Herz'? So fand ich es schöner.. Wenn auch mindestens genauso schnulzig. Aber es ist so. Gretchen. Ich krieg dich nicht aus meinem Schädel. Ich liebe dich... Wirklich."

"Sooooo das Essen ist in fünf Minuten fertig!" ,rief Saskia und bemerkte gar nicht das sie gerade störte.
Gretchen und Marc standen sich gegenüber und sahen sich tief in die Augen.


Beim Essen wurde viel geredet und gelacht. Saskia wurde zum Beispiel nach ihrer letzten Beziehung gefragt. Ihr letzte Freundin war blond, groß und faul. Was nachher auch zum Ende der Beziehung geführt hatte. Samira, so hieß sie, hatte wohl die Ansicht, eine müsse den Mann geben und die andere die Frau. "Aber das geht doch gar nicht wenn keiner von euch einen..", fing Marc an doch Gretchen trat ihm auf den Fuß und brachte ihn mit einem Blick auf Lilly zum Schweigen.
Maria hatte mit ihrer Schwangerschaft zu kämpfen und würgte hin und wieder. Der Geschmack der Soße war einfach viel zu intensiv. Alle scherzten, erzählten die bescheuertsten Witze, nur die beiden Turteltauben waren außergewöhnlich Still. Auch zum Nachtisch trugen die beiden nicht viel zu den Unterhaltungen bei.
Verstohlen warfen sie sich immer wieder mal einen schüchternen Blick zu...

Lilly war unterdessen kaum noch auf ihrem Stuhl zu halten. Sie wollte unbedingt ihre Geschenke auspacken.
Sie bekam vier neue Barbies, den Teddy von Marc und einen Gutschein für ein ganzes Wochenende in Disney Land. Schnell hüpfte sie durch die Hütte und knuddelte jeden einmal ordentlich durch, bevor sie sich wieder auf den Boden setzte und anfing mit ihren Barbies zu spielen.

Anna setzte sich zu ihr und spielte mit ihr mit. Nun waren nur noch die Wichtelgeschenke übrig und als niemand den Anfang machen wollte, holte Mehdi sein Geschenk unter dem Baum hervor und überreichte es der Überraschten Sabine. Sie bekam von ihm ein Buch über Traumdeutung. Marc und Gretchen hatten dafür nur ein genervtes Stöhnen übrig. Nun würde sie auf Station ewig nerven bis sie alle Träume der beiden Ärzte gedeutet hatte.
Saskia beschenkte Günni mit einigen Flaschen Desinfektionsmittel und dem neuen Fachmagazin über die Gerichtsmedizin. Sie hatte extra Sabine gefragt was sie dem mysteriösen Herren holen könnte. Maurice bekam von Sabine einen Schnupperkurs in der Uni geschenkt. So könne er sein Wissen über die Allgemein- und Unfallchirurgie noch mal auffrischen. Ein Tipp von Doktor Meier, der sich ein Lachen verkneifen musste. Maria bekam neue Ohrringe von Günni. Er fand es immer am besten, wenn man Frauen Schmuck schenkte. Und so verwunderte er jeden der am Tisch sitzenden. Niemand hatte mehr wie zwanzig Euro für die Geschenke ausgegeben. Bisher...
Maurice beglückte Mehdi mit einer Einladung zum Speeddating in einer Bar eines Freundes und hatte somit alle Lacher auf seiner Seite und Maria überreichte Saskia schließlich ihre Praktikumsbeurteilung inklusive Arbeitsvertrag. Sie freute sich mindestens so wie Lilly und umarmte gleich jeden, auch den überraschten Günni der beinahe zu weinen anfing.
Jetzt fehlte nur noch Gretchens Geschenk für Marc. Sie druckste rum und sah ihn nicht an als sie es ihm vor die Nase stellte.

"Du hast immer gemeckert das er dir noch fehlt..." ,sagte sie und beobachtete gespannt wie er das Geschenkpapier fein säuberlich entfernte.

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"Du bist echt unglaublich. Wo hast du den her? Ich hab schon dreißig mal versucht den irgendwie zu bekommen." ,fragte Marc und sah sie erstaunt an.
"Ach ich hab den schon seit zwei Monaten bei mir zu Hause rumstehen. Der Vater von einem Freund von Jochen hatte den zufällig noch. Da dacht ich halt ich nehm den, bevor jemand anderes ihn nimmt und du noch zwei Jahre nervst."
"Danke" ,sagte er und küsste sie einfach. Sie hielt die Luft an und riss die Augen weit auf. Das konnte er doch nicht einfach so machen. Sie waren nicht zusammen und außerdem schauten die anderen zu. Aber er ließ sich einfach nicht wegdrücken. Als er sich endlich von ihr löste, hielt er ihren Kopf noch immer fest in seinen Händen und sagte ihr ganz ehrlich:
"Danke, nicht nur für den Wagen."
Seine Stimme war rau und belegt.


Eine Stunde später stand Gretchen draußen an der Hütte gelehnt und dachte nach. Was wollte sie? Wollte sie es tatsächlich einfach probieren ohne Angst vor der Zukunft zu haben? Sollte sie die Vergangenheit einfach mal ruhen lassen?

~Er war ja schon irgendwie süß. Welcher Mann kommt schon auf die Idee der Frau die er liebt ein Sonogramm zu schenken? Das war wirklich einzigartig und so Marc.. Irgendwie schon schön. Er hat sich aber auch echt Mühe gegeben. Die Deko, das Essen... Was ihn das alles wohl gekostet hat.. aber... was ist.. Ist das SCHNEE? Es ist doch gar nicht kalt genug...~

Sie blickte sich um und bevor sie es sah hörte sie es. Irgendwas ratterte da doch im Dunkeln.

~Ne Schneemaschine?~

"Tja Prinzessin Hasenzahn, wenn der Käse nicht zu uns kommt, müssen wir uns da wohl was einfallen lassen. Genial oder?"
"Total genial Maarc, wüüüürklich. Wie kommst du auf solche Ideen?"
"Ich hab gedacht du magst weiße Weihnacht und wenn du mir hilfst die anderen drei noch fertig zu machen können wir gleich sogar nen Schneemann bauen." ,grinste er sich an und kam ihr immer näher.
"Ähm, den Schneemann kannst du dann wohl eher mit Lilly bauen."
"Die wird sich sicherlich auch darüber freuen. Na los, komm. Wir machen den Mist hier zusammen fertig und dann holen wir die anderen raus. Ist doch lustig."
Lachend zog er sie mit sich mit und zusammen fingen sie an die Maschinen in Gang zu setzen.

Eine halbe Stunde später, lag tatsächlich schon so viel künstlicher Schnee, dass sie eine Schneeballschlacht anfingen. Sie tobten, sie lachten, sie trafen.. na gut.. Marc traf und Gretchen beschränkte sich darauf immer knapp daneben zu werfen, doch sie hatten Spaß. Womit sie nicht gerechnet hatte, und schon mal gar nicht Marc, sie traf ihn ein einziges Mal. Mitten ins Gesicht. "Na warte" ,sagte er bedrohlich und jagte den kleinen Schneehasen um einmal um die Hütte herum bis sie dann schließlich zusammen in den Schnee plumpsten.

Wieder sahen sie sich tief in die Augen, als sich Marc über sie gebeugt hatte. Fast war es so als wäre nie was gewesen, wenn da nicht diese unsichtbare Kluft zwischen ihnen wäre.
"Das hab ich vermisst..."
"Was? Im Schnee spielen?"
"Man nein Gretchen. Das rumalbern mit dir. Den Spaß den man mit dir haben kann, wenn du nicht gerade deine Tage hast oder unter Schokoladenmagel leidest."
"Und du meinst jetzt, dass ist das was eine Frau hören will?"
"Du weißt wie ich das meine. Ich meine das nie böse Hasenzahn."
"Und du weißt das es mit uns nie so funktionieren wird wie es eigentlich sollte."
"Wie es in deiner Traumwelt sollte. Doch so muss es doch gar nicht sein. Wir machen was ganz eigenes.. Schauen was passiert. Und wenn wir uns hin und wieder mal die Köpfe einschlagen.. So wird es wenigstens nicht irgendwann langweilig."
"Ich weiß nicht.. Da ist so viel was zwischen uns steht..."
"Nichts und niemand steht zwischen uns.. Pass auf, wir reden nachher darüber wenn die anderen pennen. Nicht jeder muss alles wissen."
"Also reden wir wieder gar nicht weil dir dann wieder irgendeine Ausrede einfallen wird."
"Nein! Diesmal nicht. Sollte ich mich doch irgendwie rausreden wollen, darfst du deinem Vater sagen er soll mich rausschmeißen. Dann kannst du in jedem Krankenhaus der Welt anrufen und denen erzählen was für ein grauenvoller Chirurg ich bin."
Er stand schnell auf und rief in Richtung Hütte: "ES SCHNEEEEEEEEEIT!!!!"

Sofort stand Lilly Kaan am Fenster und schneller wie irgendwer schauen konnte war sie angezogen und nach draußen gehuscht. Seine Idee mit den Schneemaschinen war ein voller Erfolg. Und wenn er die leuchtenden Augen von Lilly und Gretchen sah, stieß es ihm gar nicht mehr so sauer auf das er soviel dafür hinlegen musste.

Nachdem die Frauen die Kugeln für den Schneemann gerollt hatten, fingen die Männer an die Einzelteile zusammen zu setzen. Doch der Schneemann war Lilly zu langweilig und so machte sich Gretchen grinsend auf ins innere der Hütte. Marc ahnte nicht was ihn erwartete.
Wäre er doch mal lieber schnell hinter her gezischt.
"Sind die von meinem Hemd?"
"Ja. Andere hast du ja nicht hier. Ich dachte vielleicht deine Mutter hätte einen Nähkasten hier, aber eher würde sie aufhören mit den komischen Groschenromanen als auch nur einen Finger krum zu machen."
Sie hatte doch tatsächlich die Knöpfe von Marcs schwarzen Hemd geholt, einen Schal von ihm und seinen Notfallkoffer hatte sie auch gleich nach einer passenden Nase durchsucht. Wenn man den Hammer zum testen der Reflexe richtig in den Kopf schob, hatte man eine, zwar nicht schöne aber immerhin, Nase.
Nun stand vor ihnen ein Schneemann, mit orangener Sicherheitsweste um die Astärmchen vor ihnen.
"Tja.. Nun hab ich nichts mehr zum anziehen. Herzlichen Dank Hasenzahn."
"Tschuldigung. Ich hab auch nichts zum wechseln dabei. Wollte ja auch nicht hier bleiben."
"Wenn ich mir den Schneemann so anschaue, frag ich mich auch ob das so eine gute Idee war."
"Streitet euch nicht wieder" ,sagte Mehdi schnell und hob Lilly auf den Arm, die schon wieder drauf und dran war weiter zu spielen.
"Wir sollten uns so langsam mal in die Kojen begeben" ,meinte Anna.
"Ja wir wollten morgen kurz zu meinen Eltern."
"Und wir fahren jetzt nach Hause, Melanie ist schon viel zu lang allein. Danke für das gute Essen Meier" ,sagte Maria und verschwand schnell mit Maurice.

Darüber war Marc nun mal ganz und gar nicht begeistert. Es gab schöneres als die letzten Stunden des Heiligen Abends mit Schwester Sabine und Pathologe Günni Gummersbach zu verbringen. Und es wurde langweiliger als er befürchtet hatte. Sabine versuchte Träume von Saskia und ihrem Mann zu deuten. Das alles in ihrer monotonen langsamen Sprechweise.
Immer wieder sah Marc hilfesuchend zu Gretchen, doch die versteckte ihre Nase tief in ihrer Tasse.

{Die ist doch bestimmt schon seit einer halben Stunde leer}

"Ich leg mich dann mal hin" ,meinte Gretchen kurz vor ein Uhr, "Wo schlaf ich?"
"Im Bett?"
"Mit dir in einem Bett?"
"Ich werd dich schon nicht auffressen Hasenzahn..Aber ich komm direkt mit. Wir hatten da ja noch was zu klären" ,schnell stand er auf, legte einen Arm um Gretchens Hüfte und schob sie schnell ins Schlafzimmer.
Drei neugierige Augenpaare folgten den beiden und waren sehr enttäuscht als schließlich die Tür zufiel.


"Was die beiden da jetzt wohl machen?", fragte Sabine verschwörerisch.
"Na hoffentlich reden sie endlich mal."
"Sollen wir lauschen?"
"Um Gottes Willen", Saskia sah Sabine an als sei sie nicht mehr ganz bei Trost, "natürlich nicht."
"Purzelchen, stell dir doch nur mal vor die beiden reden gar nicht..."
"Ja aber... Was denn sonst?"
"Sabine, was dein Mann dir versucht zu sagen; vielleicht machen die da din Sachen die für unsere Ohren nicht bestimmt sind."
"SASKIA!", rief Sabine empört aus.
"Ja was denn? Wer weiß schon was die beiden so treiben wenn sie mal alleine sind?"
"Ja aber die beiden sind doch gar nicht allein wir sind doch hier...."





Doch Marc Meier und Gretchen Haase saßen auf dem Bett, schüchtern wie zwei Teenies vor ihrem ersten Mal. Keiner der beiden wusste so recht wie er ein Gespräch anfangen sollte. Vor allem Marc hatte Sorge, dass es wieder im Streit enden könnte. Also übte er sich erstmal in Geduld. Immerhin saß sie nun in T-Shirt und Unterwäsche ziemlich nah bei ihm unter der Decke. Ihm fiel es einfach schwer einen klaren Gedanken zu fassen.
"Marc du wolltest reden", fing Gretchen schließlich Augen rollend an.
"Ja ähm.. Ich.. Ich weiß nicht so genau wo ich anfangen soll."
"Du könntest mir vielleicht mal sagen was mit dir los war und warum du mir so ekelhafte Sachen an den Kopf geworfen hast."
"Ich hatte angst..", sagte er nachdem er einmal tief Luft geholt hatte.
"Wovor?"
"Vor mir selbst und meinen Gedanken..."
"Vor dir selbst?", ungläubig sah sie ihn an.
"Ich habe angst so zu werden wie mein Vater."
Als er Gretchens verwirrten Gesichtsausdruck sah, begann er einfach zu erzählen. Er fing damit an wie er bemerkte das sein Vater sich verändert hatte. Er wurde schnell aufbrausend und roch immerzu nach Alkohol. Dann hatte er mal einen Streit seiner Eltern belauscht und das erste Mal erlebt das sein Vater ausholte. Ohne mit der Wimper zu zucken schlug er seiner Mutter mitten ins Gesicht. Irgendwann war ihm auch Marc gegenüber die Hand ausgerutscht und von da an wurde es immer öfter. Egal ob er sein Mittag nicht aufgegessen hatte oder einfach nur zwei, drei Minuten zu spät von der Schule kam. Immer öfter bekam Marc prügel. Doch irgendwann fing er an sich zu wehren. Jedenfalls wollte er es.
Jeden Tag hatte er Angst das Haus zu verlassen und Elke allein zu lassen. Jeden Tag hatte er Angst nach Hause zu kommen und sie Tod vorzufinden.

Gretchen merkte wie schwer es ihm feil darüber zu reden. Sie kuschelte sich an ihn und streichelte sanft seinen Unterarm um ihm zu zeigen das sie da war... Und es wohl auch immer sein würde.

Er erzählte stockend weiter... Zweimal so sagte er, wollte seine Mutter sich das Leben nehmen und beide Male hatte er sie gefunden. Sein Vater war wie immer unterwegs um seine Stammkneipen leer zu saufen. Gretchen lief es eiskalt den Rücken herunter.
"Wolltest du deswegen Arzt werden?"
"Vielleicht" ,sagte er leise und zuckte mir den Schultern.
Dann erzählte er wie er seine Mutter im Schlafzimmer mit dem leeren Tablettenblister in der Hand gefunden hatte und den Notarzt rief. Behandelnder Arzt war Franz Haase gewesen und er hatte sich nicht nur vorbildlich um seine Mutter gekümmert. Nein, er kümmerte sich auch um Marc, der im Krankenhaus warten wollte. Niemandem sagte er das er Angst davor hatte nach Hause zu gehen und seinem Vater Antworten schuldig war. Franz musste etwas bemerkt haben denn er sah ihn so komisch an, erzählte er.
Kurz danach hatte seine Mutter die Nase voll gehabt.
"Dann hat sie ihn rausgeschmissen. Jeden Tag war er da und hat randaliert, er wolle wieder rein. Doch wir haben ihn einfach brüllen lassen. Später dann kam ein Brief von ihm in dem stand das es ihm Leid täte. Kurz darauf kam die Polizei, er hatte sich umgebracht. Wir mussten ihn identifizieren."
"Das ist schrecklich", hauchte Gretchen und wischte sich ein paar Tränen vom Gesicht.
"Ich will kein Mitleid Gretchen. Das war einer der Gründe warum ich nicht darüber geredet habe."
"Du musst aber darüber reden. Wenn du sagst das du angst hast so zu werden wie er belastet dich das doch mehr als du dir selbst eingestehen willst. Du musst das endlich mal richtig verarbeiten."
"Spielst du hier jetzt auf eine Therapie an? Das kannst du gleich wieder vergessen.."
"Oooar Marc. Das wäre aber ganz und gar nicht falsch. Sowas vergisst man nicht einfach so und dein Verdrängen bringt dich auch nicht weiter. Vielleicht reicht es ja für den Anfang wenn du jemanden zum reden hast. Muss ja nicht gleich ein Therapeut sein. Aber ich glaube nicht das du so wirst wie er."
"Du weißt wie ich bin Hasenzahn..."
"Ja und? Nur weil du manchmal schneller aufbrausend wirst wie andere? Du würdest nie die Hand gegen eine Frau oder gegen ein Kind erheben. Erinner dich doch nur mal an Pascal. So bist du nicht Marc und so wirst du auch nicht...", schüttelte sie mit dem Kopf und kämpfte schon wieder mit den Tränen.
"Ich weiß es nicht.. Ich hatte einfach angst nachdem was Gina da gesagt hat. Was wäre wenn? Was wäre wenn wir irgendwann mal ein Kind bekommen hätten? Ich habe angst vor der Zukunft."
"Verstehe ich.. Habe ich auch.. Stell dir doch nur mal vor wir hätten ein Kind.. Ich kann gar nicht kochen...", grinste sie ihn an und wollte die Stimmung ein wenig auflockern.
"Wir hätten Antonio...", meinte Marc darauf nur.
"Was soll das denn jetzt heißen?"
"Ich bin für alles offen Gretchen. Ich will das alles irgendwann mit dir.. Nur nich sofort und nicht erzwungen sondern so wie wir es zeitlich für richtig halten. Ich will kein Leben nach Drehbuch führen. Aber ich will dich.. Dich mit allem was dazu gehört.. Mit all deinen Träumen. und ich will das du auch nie aufhörst sie zu träumen.. Du müsstest sie für mich nur ein wenig anpassen.."
"Marc.. Ich.. Ich weiß nicht.. Ich mein.. Ich liebe dich und ich würde glaube ich sterben wenn ich irgendwann mal ein Kind von dir bekommen würde oder wir heiraten. Aber du hast mir so widerliche Sachen gesagt, lass mich darüber nachdenken."
"Mhmm.. Ich lass dir alle Zeit die du brauchst.."
"Und..ähm.. Danke das du dich mir anvertraust."
"Macht man sowas in einer Beziehung nicht so?", fragte er Schulter zuckend.
"Eigentlich ja schon aber..."
"Ja ich weiß.. Wir haben zur Zeit keine Beziehung.. Seitdem du hier bist fühlt es sich aber fast wieder so an..Na ja.. Dann leg dich mal hin.. Siehst echt fertig aus."

Sie tat wie ihr befohlen doch schon nach zehn Minuten setzte sie sich wieder auf.
"Kannst du mal bitte aufhören mich anzugaffen wie ein Tier im Zoo?"
"Ich gaffe nicht Gretchen, ich bewundere!"
"Schleimer", schmunzelte sie.
"Ist so..!"
"Du Marc?"
"Mhmm?"
"Nimmst du mich in den Arm? Ich fands hier beim letzten Mal schon unheimlich aber jetzt wo die Bäume so gruselige Schatten hier rein werfen..."
"Hast du angst das das Weihnachtsmonster kommt und dich frisst? Na ja.. Genug zu knabbern hätte es auf alle Fälle."
"Arsch!", sagte sie beleidigt und drehte sich von ihm weg.
"Na komm halt her du Zicke", lachte Marc und kuschelte sich von hinten ganz nah an sie dran.
"Ich bin keine Zicke ich bin emotionsflexibel."
"Achsoooo nennt man das heut zu Tage..!"

So schliefen die beiden Arm in Arm ein und ahnten nicht was für eine böse Überraschung sie am nächsten Morgen erwartete.



Am morgen in der Hütte - 11:45 Uhr

"Diese verdammten Drecksäcke! Gretchen steh auf und lies das...!", meckerte der Oberarzt laut rum und das verschlafene Gretchen nahm den Zettel den er ihr vor die Nase hielt, gähnend entgegen.

/Ihr zwei Turteltauben,
sicher fragt ihr euch wo der VOLVO ist. Na ja.. Den haben wir mal mitgenommen. So lange wie ihr zwei euch nicht ausgesprochen und vertragen habt, bleibt ihr schön da wo ihr jetzt seid. Beruflich habt ihr ja nichts zu befürchten, seid ja eh noch suspendiert.
Könnt uns dann anrufen wenn ihr da fertig seid, Saskia und ich holen euch dann ab.
Euch viel Spaß und liebe Grüße,
Mehdi, Saskia, Sabine und Günni/


"DIE HABEN WAS?"


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Choconussa Offline

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21.01.2016 16:38
#48 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Achtundvierzig -Familienwagen, Familienplanung, Familiengründung?-



Eine Stunde später saß die suspendierte Chirurgin auf dem Sofa und hörte sich die zehnte Meckertirade von dem Oberarzt an. Sie verstand ja das er gar nicht darüber begeistert war, dass sie ihm sein Auto gestohlen hatten. Nur dieses ewige Motzen, ging ihr tierisch auf die Nerven.


"Marc! Wie wäre es Mehdi einfach mal anzurufen anstatt hier die ganze Zeit rum zu schreien!!! Ich bin doch kein Ablassventil.."
"Wenn ich den jetzt anrufe dann zieh ich ihn durch den Hörer und bring ihn um!"
"Das wäre aber nicht gut.. So viel wie ich weiß darf Saskia kein Auto fahren."
"Nein ich rufe ihn nicht an. Morgen rufe ich ihn an. Heute bin ich noch viel zu sauer."
"Ja dann ruf uns halt ein Taxi" ,zuckte sie mit den Schultern.
Marc hingegen zeigte ihr einen Vogel: "Du glaubst doch wohl nicht allen ernstes das ich dafür bezahle nach Hause zu kommen wenn ich eigentlich einen Wagen vor der Tür stehen habe!"
"Irgendwie müssen wir hier aber wegkommen und viele Möglichkeiten haben wir ja nun nicht."
"Ruf Mehdi selbst an. Ich rede kein Wort mehr mit ihm. Ich kann ja echt über viele Dinge hinweg sehen, aber das geht eindeutig zu weit. Keiner nimmt sich einfach ungefragt meinen Wagen."
"Uuuuuh, wie gefährlich. Dein ach so tolles, heiß geliebtes Auto. Mein Gott Marc, es ist nur ein Auto!!"
"Nur ein Auto? Das Auto hat deinen dicken Hintern kilometerweit durch die Gegend kutschiert und fährt noch immer."
"Sehr witzig Marc! Lass deine schlechte Laune an wem anders aus."
"Außer dir ist leider niemand da...."


Sauer sah sie ihn an und schüttelte den Kopf. Immer dasselbe mit ihm. Hat er nen schlechten Tag wird sie beleidigt und alles Dampf wird an ihr abgelassen. Es war schon immer so und es würde wohl auch immer so bleiben.


"Das ist genau das was ich meine Marc. Du wirst dich nie ändern. Immer lässt du alles an mir aus. Wieso? Weil ich so ein dickes Fell habe? Weil ich es nicht anders kenne und es gewohnt bin? Marc, es tut jedesmal weh. Immer und immer wieder tut es weh wenn du so zu mir bist."
"Es tut mir leid okay?! Ich..."
"Nein. Du brauchst nichts zu sagen. Deine Ausreden kenne ich bereits alle und ich will sie nicht mehr hören. Ich will das du an dir arbeitest wenn du mich wirklich liebst und es wirklich mit mir versuchen willst. So geht das nicht weiter und so will ich das auch nicht mehr. Ich dachte eigentlich das wäre dir klar. Und jetzt mein Lieber, fangen wir direkt damit an. Wir bleiben hier und reden. Wir klären das was zu klären ist!"

"Wie bitte? Gretchen wir haben nicht genug Lebensmittel hier. Mit dem was noch da ist kommen wir grade heute noch hin.."
"Dann ruf Antonio an. Soll er doch was vorbeibringen und dann auch gleich für uns einkaufen. Die Hälfte der Kosten übernehme ich. Auch von dem Weihnachtsessen."
Sie gab ihm gar keine Möglichkeit ihr zu widersprechen. Sie drückte ihm sein Handy an die Brust und ging gleich weiter in die Kühe um dort das Chaos vom Vorabend zu beseitigen.


Marc überlegte derweil was das nun zu bedeuten hatte. War das etwa seine Chance? Selbst wenn es nicht die Chance sein würde, würde es ausnutzen. Er würde es selbst zu dieser einen Chance machen die er haben wollte. Grinsend rief er Antonio an und orderte ein weiteres Essen und ein paar Lebensmittel für zwei Wochen. Mehdi hatte recht. Sie waren noch suspendiert, warum sollte man das nicht einfach ausnutzen und einen Urlaub draus machen? Das war etwas was er noch nie gemacht hatte und auch garantiert nie gemacht hätte. Ja es waren nicht die Fiji-Inseln aber sie waren zusammen und das war doch das was zählte.


Zusammen brachten sie das Hüttchen wieder in Schuss, bezogen das Bett, spülten, warfen die Essensreste weg.


In Berlin Mitte, bekam ein Gynäkologe ein schlechtes Gewissen. "Mensch Mehdi, hör auf zu jammern jetzt. Du hast das Richtige gemacht. Allein schaffen die beiden das doch nie."
"Saskia ich bitte dich. Marc wird uns vierteln wenn er uns in die Finger bekommt."
"Oder er ist uns dankbar weil es mit Gretchen wieder läuft."
"Deinen Opimismus hätte ich auch gern", meinte Anna, "Wie lang kennst du Marc denn schon?"
"Ein paar Wochen, denke ich. Ich hab da nicht genau gezählt. Wichtig ist das ja nun auch nicht. Ich habe eine gute Menschenkenntnis und ich kann dir sagen er ist eigentlich ein ganz, ganz lieber Kerl."
"Na ja. Das würd ich jetzt nicht unterschreiben."
"Anna bitte! Wer hat dir denn aus der Scheiße geholfen? Wer hat denn dicht gehalten und mir nichts erzählt und lieber unsere Freundschaft auf's Spiel gesetzt?"
"Letzteres hat er nicht für mich getan, sondern für dich. Eure Freundschaft hab ich sowie so nie verstanden. Mal liebt ihr euch, mal hasst ihr euch. Das ist auch nicht normal."
"Jetzt mal wieder zurück zum Thema bitte", Mehdi sah Anna ernst an, "Ich will mich an Weihnachten nicht streiten."
"Gut okay. Wenn es dir so leid tut dann kann Saskia ja kurz auf Lilly aufpassen und wir fahren den VOLVO zurück."
"Nein das macht ihr nicht. Lasst die beiden mal ein paar Tage schmoren. Vielleicht bringt es ja was", Saskia fing schon fast an zu betteln.
"Vielleicht schlagen die beiden sich aber auch wieder die Köpfe ein."
"Mehdi, die beiden sind Ärzte. Versorgen können sie sich in einem solchen Fall ja wohl selbst. Die Notrufnummer kennen sie auch und wie man sich ein Taxi ruft, sollten die beiden ja wohl auch wissen."


Damit war für Saskia das Thema erledigt. Sie wollte das die beiden wieder eins wurden. Ein Team, so wie sie es waren als sie mit ihrer Anämie im Krankenhaus lag. Da waren die beiden noch unzertrennlich und sie waren für sie das absolute Traumpaar. Mit ihren Ecken und Kanten füllten sie den jeweils anderen perfekt aus. Wo es Meier an Feingefühl fehlte, hatte Gretchen zu viel. Wo es Gretchen an Durchsetzungsvermögen fehlte, hatte Marc definitiv zu viel. Und Gegensätze zogen sich ja bekanntlich aus..äh.. an!



In der Hütte war es inzwischen ruhig. Man saß mit warmen Kakao und heißen Glühwein, eingekuschelt auf einer Bank vorm See und versuchte, Barrieren auss dem Weg zu räumen.
"Vermisst du ihn manchmal? Und sei bitte ehrlich."

Er blickte über den See und schien zu überlegen. Langsam nickte er: "Manchmal habe ich ihn vermisst. Mit der Zeit habe ich einfach gelernt ohne ihn zu leben. Ich mein, er war nie wirklich der Vater der er hätte sein sollen."

Vorsichtig lehnte sie ihren Kopf an seine Schulter und legte ihre Beine über seine. Nähe, das war es was ihm angst machte und das war es auch was ihm am meiste fehlte.
"Ich weiß du willst kein Mitleid Marc, aber das ist alles nicht leicht für dich gewesen. Deine Mutter die sich lieber einschließt und versteckt anstatt für ihr Kind da zu sein."
"Hey, das war okay."
"Nein war es nicht Marc. Das ist der Grund warum du so bist wie du bist. Du kennst es nicht und du meinst das es nichts als Schmerzen bringt wenn man sich fest bindet. Das ist Schwachsinn. Das Leben läuft doch nicht bei jedem gleich!"
"Was war denn bei uns? Du sagtest vorhin es tut jedesmal weh. Das ist Schmerz. Und warum? Weil du mich liebst."
"Ja aber..."
"Nichts aber Gretchen. Es wird immer weh tun. Liebe ist Schmerz!"
"Warum willst du dann das es funktioniert? Warum willst du eine Zukunft mit mir wenn Liebe für dich nichts als Schmerz bedeutet?"
"Weil es ein schöner Schmerz ist. Ganz ehrlich, seitdem du hier bist und wir reden ohne uns gegenseitig auf zufressen, geht es mir so gut wie schon lange nicht mehr. Ich konnte nicht richtig schlafen, bis auf die Nacht bei Mehdi. Ohne dich geht es einfach nicht mehr. Ich wüsste nicht was ich machen würde wenn du weggehen würdest."


Ertappt und beschämt sah sie zur Seite.


"Was ist los Gretchen?"
"Hör zu, äähm... Also.. Ich hab mit Fritz gesprochen.."
"Welcher Fritz?...", doch plötzlich ging ihm ein Licht auf, "Der Fritz? Der Buschdoktor?"
"Ja", mal wieder hatte sie Tränen in den Augen die schon in der nächsten Sekunde auf ihren Wangen brannten, "Ich wollte eigentlich nach den Feiertagen zurück nach Afrika..."


Das war wie ein Schlag ins Gesicht für den jungen Oberarzt. Sie hatte schon oft darüber gesprochen nochmal nach Afrika zu wollen, doch dann auf unbestimmte Zeit. Dort leben, behandeln... Zur Not wohl auch ohne ihn. Oder gerade deswegen. Um von ihm weg zukommen. Ihn zu vergessen.


"Ah.. Und was.. was.. sagt er so?", Beiläufigkeit war nicht seine Stärke wenn ihm etwas quer schoss. Gerade wenn es Hasenzahn betraf.
"Ich könnte dort wohnen und arbeiten, wenn ich will. Zwar würde ich nicht bezahlt werden aber es geht so oder so nicht ums Geld sondern darum Menschen zu retten."
"Und? Wann fliegst du?"
Traurig sah Marc zu Boden und Gretchen musste grinsen. Das war so typisch. Anstatt einfach zu sagen das er das nicht wollte. Er würde ihr nie im Weg stehen.
"Schau mich mal an Marc", er hob den Kopf und runzelte die Stirn als er sie grinsen sah, "Glaubst du wirklich ich gehe von hier weg wenn du dich mir endlich mal anvertraust? Ich fliege gar nicht. Ich bleibe hier.. Bei dir."


Ohne Umschweife oder auf die beiden Tassen zu achten, zog er sie in seine Arme und küsste jeden Zentimeter den er von ihr erreichen konnte. Sie kicherte und lachte, weil sein drei Tage Bart sie kitzelte.
"Marc.. Das kitzel hör auf, bitte."
"Du bist echt ne Marke. Ich liebe dich", und wieder küsste er sie - doch diesmal richtig.
"Ich liebe dich auch du Trottel", lachte Gretchen schließlich und sah zu ihrem rad losen Fahrrad, "Warum hast du eigentlich nicht das ganze Fahrrad in den See geworfen?"
"Weißt du wie teuer so ein ganzes Fahrrad ist? Reifen hab ich noch im Keller", grinste er sie an.
"Toll! Ich hoffe die passen auch drauf."
"Mach dir darüber mal keinen Kopf Blondi. Wenn nicht fährst du halt mit dem VOLVO."
"Ach. Ich darf?"
"Was meins ist, ist auch deins. Außerdem hab ich mir nen neuen gekauft. Muss ihn nur noch abholen."
"Warum verkaufst du den VOLVO dann nicht?"
"Na ja.. Der Wagen den ich gekauft habe ist nur ein zwei Sitzer."
"Reicht doch...", zuckte sie gleichgültig mit den Schultern.
"Aber nicht wenn du irgendwann mal ein Kind willst... Dann brauchen wir schon was größeres."


Darauf war sie nicht gefasst und verschluckte sich vorbildlich an ihrem Kakao. Schnell nahm Marc ihr die Tasse aus der Hand und klopfte ihr auf den Rücken. Gretchen hustete sich die Seele aus dem Leib und bekam einen knallroten Kopf. Nach zehn Minuten hatte sie sich einigermaßen beruhigt.
"KIND?", fragte sie schrill.
"Ja Kind. Ich dachte das wäre so dein Lebensziel?!"
"Marc, sicher will ich irgendwann mal ein Kind aber ich bin nicht davon ausgegangen das du damit anfängst. Ich mein, wir haben doch noch gar nichts geklärt. Da kannst du dir doch nicht einfach so in den Kopf setzen den VOLVO zu behalten, falls irgendwann mal... Das ist doch..."
"Bescheuert! Ich weiß. Ich wusste auch nicht ob du herkommen würdest und ich habe trotzdem alles fertig gemacht. Für mich ist schon lange alles klar Gretchen. DU musst nur mal endlich wissen was du willst. Was du dir vom Leben erhoffst und was du dir für diese Beziehung wünscht. Wir reden die ganze Zeit nur von meiner Vergangenheit.. Wie wäre es mal wenn wir mal über die Zukunft reden würden?"
"Ich.. äh..!"


~Oh mein Gott! Überforderung! Marc will reden.. Reden über eine Zukunft die es so noch gar nicht gibt.~


"Ich weiß nicht was ich mir für die Zukunft wünsche Marc...."
"Ich schon! Eigentlich bin ich davon ausgegangen wir würden an uns arbeiten und endlich mal reinen Wein einschenken. Warum willst du das nicht?"
"Das hab ich doch gar nicht gesagt.. Ich weiß halt nur nicht was ich will. Ich bin hin und her gerissen. Auf der einen Seite freue ich mich tierisch das du endlich offen bist und mit mir eine Zukunft willst. Auf der anderen Seite habe ich angst davor und auf noch einer anderen würde ich auch gern beruflich irgendwas schaffen. Das was ich bisher erreicht habe reicht mir einfach noch nicht."
"Das alles kann man unter einen Hut bekommen."
"Nein kann man nicht. Ich werde nicht jünger Marc. Irgendwann sollte man schon anfangen ein Kind zu bekommen, immerhin klappt es irgendwann nicht mehr."
"Na dann auf!"
"Spinnst du? Doch nicht jetzt...", sie wich ein Stück von ihm zurück.

Choconussa Offline

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21.01.2016 16:39
#49 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Neunundvierzig - Süße Versuchung -




Ihr Blick sagte nur eines; Du bist wohl wahnsinnig geworden.

So ernst wie er es gesagt hatte meinte er es wirklich nicht. Immerhin würde ihm das selbst viel zu schnell gehen. "Bleib mal auf dem Boden Hasenzahn. Man wird ja wohl mal nen Spaß machen dürfen."

"In diesem Zusammenhang verstehe ich nur wenig Spaß Marc! Was ist denn überhaupt los mit dir? Dieses ganze Zukunftsgequatsche. Du machst mir hier echt angst."

"Angst? Dir ist doch echt nicht mehr zu helfen. Erst willst du reden, dann reden wir und das ist dann auch wieder nicht gut. Weißt du ich mache mir hier wirklich Gedanken wie es mit uns weiter gehen soll und wie ich es auch irgendwie ertragen kann. Wie wäre es denn wenn du mal dasselbe probieren würdest? Ich hab die Schnauze voll von deiner Unsicherheit und deinem hin und her. Mal willst du, dann willst du wieder nicht und dann stammelst du dämlich vor dich hin. Mach dir Gedanken!"

Sauer, beleidigt und enttäuscht stapfte er wieder zur Hütte und lies Gretchen einfach sitzen. Mit offenem Mund sah sie ihm nach und konnte dann nur noch mit dem Kopf schütteln.


Marc schmiss Schuhe und Jacke in die Ecke und lies sich auf's Sofo plumpsen. Mit den Armen auf den Beinen abgestützt hielt er sich die Hände vors Gesicht. Er machte sich hier für sie zum Vollhorst, freundete sich mit dem Gedanken an eine Familie zu gründen... Obwohl ihm eigentlich noch gar nicht danach war. Er wollte ihr aber die Option offen lassen. Vielleicht konnte er es sich ja in einem halben Jahr vorstellen. Vielleicht aber auch erst in zwei oder drei Jahren. Mühe gegeben, hatte er sich ja wohl zu genüge.. Jetzt sollte sie ihm entgegenkommen!


Weit gefehlt. Wieder schwiegen die beiden sich am Abend an. Nur eine gute Nacht wünschte sie ihm als sie zu Bett ging. Schulterzucken nahm Marc dies zur Kenntnis und schlief auf dem Sofa. Schluss mit Hinterherdackeln, war sein letzter Gedanke.


Als Gretchen mitten in der Nacht nach ihm sah, konnte sie es ihm nicht mal mehr übel nehmen das er nicht zu ihr ins Bett gekommen war. Sie verlangte so viel von ihm. Immer und immer wieder. Er sollte ihre Launen ertragen, wann immer sie welche hatte. Er sollte über seinen inneren Schweinehund springen. Sie selbst war dazu aber nicht in der Lage. Da war die unsichtbare Blockade, die sie davon abhielt. Langsam aber sicher sah sie sich als Problem des Ganzen.


Leise zog sie sich Jacke und Schuhe an und lief auf Zehenspitzen zur Tür. Sie griff nach der Klinke und erschrak, als sie Marcs laute, wenn auch leicht verschlafene, Stimme hörte.


"Wag es dich nicht klammheimlich abzuhauen!", gähnte er.
"I..i..iiiich dachte du schläfst", stotterte sie zögerlich.
"Tja. Flasch gedacht. Also.. Erklärung?"
"Wofür?"
"Warum willst du schon wieder abhauen Gretchen?"
Er stand nun mit verschränkten Armen vor ihr und drängte sie gegen die Tür.
"Ich wollte nur ein bisschen frische Luft schnappen und den Kopf ein wenig frei bekommen. Kennst das ja wenn man nicht schlafen kann."
"Sicher, deswegen hast du dir auch vor gut einer Stunde ein Taxi bestellt. Verkauf mich nicht für blöd Hasenzahn. Ich will wissen was das schon wieder soll!"
"Man Marc!!! Hast du das Gefühl, dass das hier irgendwas bringt? Wir stehen uns nur im Weg. Ich will das eine oder auch das andere und du hast einen strikten Plan vom Leben. Da passe ich aber nicht rein. Alles das was ich will, möchtest du doch gar nicht haben. Du sollst dich nicht verstellen und verbiegen. Mach deine Karriere und hab einfach weiterhin deinen Spaß. Unverbindlichkeiten, liegen dir eh viel eher. Vielleicht finde ich ja irgendwo jemanden der dieselben Wünsche hat wie ich."


Sie standen sich ganz nah, ihre Nasenspitzen berührten sich.. Sie konnten den Atem des anderen auf ihrer Haut spüren und gerade als Marc sie einfach packen und küssen wollte, hupte das Taxi.
Schnell zog Gretchen ihren Kopf wieder zurück: "Das ist mein DIngs..äh.. Taxi. Ich muss dann jetzt auch los."
Marc schob sie jedoch von der Tür weg, öffnete diese und lief hinaus. Schnurstracks lief er zum Taxi und klopfte an die Fahrertür. Der ältere Mann im inneren lies die Scheibe herunter und sah den jungen, halbnackten Mann abwartend an.
"Guten Abend der Herr", grinste Marc vergnügt, "Sagen Sie mal... Wieviel hätte die Fahrt von hier bis Berlin Mitte gekostet?"
"Och, wissen Sie.. Bestimmt so 60-70 Euros!"
"Okaaaay.. Hier.. Nehmen sie 150! Eini kleiner Weihnachtsbonus. Kommen Sie gut nach Hause."


Der ältere Mann sah dem Chirurgen verwirrt hinterher. Zum einen war es bitterkalt und er lief nur in t-Shirt und Boxershorts durch die Gegend. Zum anderen, hatte man ihm noch nie so viel Geld für nichts gegeben.
Dann fiel sein Blick auf die Blonde Frau die anfing sich tierisch aufzuregen. Sie stampfte mit dem Fuß auf und begann sich mit den Zeigefinger gegen die Stirn zu klopfen. Es sah so aus als wolle sie partue nicht mit ins Innere der, im dunkeln doch sehr marode wirkenden, Hütte.

Der spendable Mann zeigte einmal auf seine nackten Füße und nickte dann mit dem Kopf in Richtung Tür. Die Frau die bei ihm war, warf die Hände in die Luft und verschwand meckernd im Haus. Der junge Mann sah auf in den Nachthimmel und folgte dann kopfschüttelnd in die Hütte.

"Leute gibts", sprach der Taxifahrer zu sich selbst und beschloss ein kurzes Nickerchen zu machen, bevor er wieder losfuhr.


"Jetzt schau doch nicht so beleidigt", sagte Marc am nächsten Morgen genervt als er den Tisch für das Frühstück deckte. Gretchen war stinksauer auf ihn. Zwei Stundenlang hatte sie ihn noch angeschrieen und geschlagen. Dann hatte sie sich im Schlafzimmer eingeschlossen. Als dann in den frühen Morgenstunden Antonio vor der Tür stand und sie aus dem Bett quaschte, war ihre Laune noch ein paar Etagen tiefer gesunken.
"Kaffee. Kakao, Milch?", fragte Marc das schmollende Weibsbild und bekam mal wieder nichts als ein Schnauben aus ihr raus. "Boar Gretchen! Hör auf hier so rum zuzicken."
"Tue ich nicht. Ich rede einfach nur nicht mehr mit dir."
"Das hälst du eh nicht lange durch. Du kannst dein Plappermaul doch keine Stunde am Stück halten."
"Wollen wir wetten?"
"Komm, hör auf mit dem Kinderscheiß."
"Angst zu verlieren Marci?"
"Okay! Gut.. Dein Einsatz?????"
"Wenn ich es schaffe, dann musst du mich gehen lassen!"
"Gut. Den ganzen Tag kein einziges Wort mit mir reden. Wenn du es nicht schaffst bleibst du fein hier bei mir", grinsend nahm er einen Schluck von seinem Kaffee.


{Das schafft sie sowie so nicht!}


Allein beim Frühstück nicht mit ihm zu reden, fiel ihr unglaublich schwer. Auf der einen Seite wollte sie unbedingt plaudern und auf der anderen wollte sie ihn anschreien, er solle das Grinsen unterlassen. Obwohl es ja schon total süß war. Diese kleinen niedlichen Grübchen, diese wunderschönen Zähne. Seine funkelden grünen Augen. Immer wieder musste sie sich aus ihren Tagträumen retten.

"Ist was Hasenzahn? Du guckst mich die ganze Zeit so komisch an..."

Schnell schüttelte sie den Kopf und dachte sie müsste sterben als Marc aufstand, sich das T-Shirt auszog und im Bad verschwand. Stöhnend lies sie ihren Kopf auf den Tisch fallen und trommelte mit den Händen auf der Tischplatte herum.
Unter der Dusche musste sich ein eigentlich immer sehr souveräner Oberarzt zusammenreißen nicht gleich einen Lachkrampf zu bekommen. Da konnte er sich doch sicherlich noch ein bisschen was erlauben damit sie ihre kleine Zuckerschnute aufmachte.


Zwanzig Minuten später, kam er splitterfaser nackt aus dem Badezimmer und stolzierte wie ein kleiner König durch die Hütte. Gretchen sah ihn mit großen Augen und offenem Mund hinter her. Als er ihr seine Rückseite präsentierte, legte sie ihren Kopf leicht schief und biss sich auf die Unterlippe. Warum sah dieser Kerl auch einfach so gut aus?


Er dachte aber auch keine Sekunde daran sich etwas anzuziehen. Nackt wie er war, machte er es sich auf dem Sofa bequem. Schokopudding in der Hand.


~Schokopudding mag er doch eigentlich gar nicht so...~


Doch der fiese Macho nahm genüsslich einen Löffel und seufzte wohlig auf. Dieses tiefe Grollen welches aus seiner Kehle drang, bescherte ihr eine hauchzarte Gänsehaut am ganzen Körper. Sie liebte dieses Geräusch. Und das wusste er.


~Der provoziert mich doch!~

Choconussa Offline

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21.01.2016 16:41
#50 RE: It was a dream Fortsetzung Doctor's Diary Zitat · antworten

Kapitel Fünfzig -Einfach nur ne ruhige Minute!-



"Is was?", nuschelte Marc mit vollen Mund und wieder konnte Gretchen nur mit dem Kopf schütteln.

~Außer das du ein gemeiner Fiesling bist, ist eigentlich alles okay..~

Das war doch echt unfair. Sie durfte nicht mit ihm reden. Wie sollte sie ihm denn nun klarmachen das er sich doch bitte etwas anziehen sollte? SMS sah sie dann auch nicht ein. Marc würde wahrscheinlich eh nur darüber lachen.

"Wenn du auch Pudding willst, musst du herkommen. War die letzte Portion."

~Klar, wenn er da nackt auf der Couch sitzt, setzte ich mich bestimmt dazu und schlabber genüsslich Pudding. Der hat vielleicht Vorstellungen.~

Sie verschränkte die Arme vor der Brust und zog eine Augenbraue hoch.

"Guck mich nicht so an Gretchen, mir ist warm."
"Willst du mich verarschen? es ist arschkalt hier drin!!!", sieschlug sich beide Hände vor den Mund. Marc hingegen lümmelte sich noch tiefer in die Couch hinein und lachte sich eins ins Fäustchen. Was doch klar das sie es nicht schaffen würde ihren Mund einen ganzen Tag in seiner Gegenwart zu halten. Irgendwann mussten halt die Gedanken auch mal raus. Dabei war es auch völlig egal ob sie ihn anschrie oder ihm schmeichelte. Hauptsache war das sie sprach und hier blieb.
"Das war unfair", jammerte Gretchen beleidigt drauf los.
"Nö, find ich jetzt nicht so. Hat dich ja keiner gezwungen mit mir zu reden. Jetzt komm her und hol dir noch was vom Pudding. Bring mir aber ne Decke mit, ist wirklich kalt hier."
"Bin ich hier jetzt deine Sklavin?"
"In Bezug auf Sex, würde mir das sogar richtig gut gefallen. Aber eigentlich nicht, nein..."
"Du bist so widerlich Marc."
"Und trotzdem liebst du mich!"

Sein Grinsen konnte ihm heute wohl nichts und niemand mehr aus dem Gesicht wischen. Er kannte diese Frau in und auswendig. Weswegen er sich schon öfter heimlich gefragt hatte, weswegen er erst so spät den Sprung ins Abenteuer Beziehung gewagt hatte.
Vor über einem Jahr hätte er es sich nicht vorstellen können heute mit dieser Frau unter einer Decke zu sitzen und sie mit Pudding zu füttern. Er hätte auch nie gedacht das er jemals so lieben konnte. Doch er liebte, von ganzem Herzen. Und wenn er so die schüchternen Blicke seiner gegenüber sah, wusste er, sie fühlte ebenso. Wenn nicht sogar noch viel intensiver.

"Willst du dir nicht langsam mal was anziehen?", fragte Gretchen als sie bei ihm im Arm lag.
"Nein. Einmal möchte ich so einen Moment nicht kaputt machen."
"Das war das was ich immer meinte. Solche Momente kann man auch einfach mal genießen."
"Mhmm", er wickelte sich einer ihrer langen blonden Locken um die Finger, "Hast du dir mal Gedanken gemacht wie es jetzt weiter geht?"
"Ich weiß es nicht... Ich würde so gern, aber irgendwas ist da..."
"Das kenne ich das Gefühl. Ich wollte dich so lang. Aber immer wieder war irgendwas und ich konnte einfach nicht. Bis ich dann gemerkt habe, irgendwann verliere ich dich. Vielleicht auch für immer", er sah auf den Finger mit seiner Locke und lächelte schwach.
"Weißt du Marc, das hab ich mir alles immer gewünscht. Vielleicht ist es ja deswegen für mich so schwer zu verstehen.. Weil es mir so unwirklich vorkommt. Ich mein, du bemühst dich um mich. Hätte ich das vor zwei Jahren wem erzählt, derjenige hätte mich ausgelacht. Dann ist da noch deine Mutter die immer wieder einen Keil zwischen uns treiben wird."
"Wird sie nicht. Sie hat es eingesehen."
"Echt?", erstaunt setzte sie sich auf und drehte sich zu ihm um.
"Ja. Ich glaube echt sie hat es endlich verstanden. Und selbst wenn nicht, warum meine Mutter? Ich habe kein Problem damit Wochen oder Monate nicht mit ihr zu reden...", zuckte er mit den Schultern.
"Marc ich bitte dich. Sie ist deine Mutter. Sie hat einfach angst das ich dich ihr wegnehme. Was ich ja wirklich nicht will. Ich will aber auch wirklich nicht das sie jeden Tag auf der Station auftaucht und den sterbenden Schwan raushängen lässt."
"Mhm.. Du magst sie auch nicht."
"So kann man das nun auch nicht sagen. Es ist halt so das sie was mit meinem Vater hatte und ich das irgendwie noch nicht so ganz verdaut habe. Das ist einfach.. Ich weiß nicht. Stell dir doch mal vor die beiden würden noch immer zusammen sein."
"Das wär echt skurril", überlegte Marc und verzog seine Mundwinkel.
"Ich würde sie wirklich gern kennenlernen, aber wie soll das funktionieren wenn sie immer abfällig wird? Manchmal würd ich ihr wirklich gern an die Gurgel gehen."
"Versteh' ich schon. Sie ist nicht leicht. Vielleicht erzähl ich dir mal ein bisschen was über sie, dann fällt es dir vielleicht leichter!?"
"Nein. Ich will das selbst mit ihr durchmachen. Zur Zeit kann ich das aber einfach nicht. Der Stress mit dir, mit meinem Vater... Alles ein bisschen viel in letzter Zeit. Dieses rumsitzen und nichts tun können ist einfach schrecklich."
"Da sagst du was wahres. Wir müssen das aber irgendwie regeln damit wir ganz schnell wieder nen OP von innen sehen", schmunzelte Marc.
"Du vermisst es sehr oder?"
"Kannst dir gar nicht vorstellen wie. Wenn ich ne Gans oder sowas hier hätte, würde ich sie wahrscheinlich anatomisch auseinander nehmen und dann wieder zusammen setzen."
"Du Tier! Was kann denn die arme Gans dafür?"
"Also ich kenn da eine", fing er überlegend an und setzte dann gleich zu einer Klammerumarmung an, "die könnte ich den ganzen Tag knuddeln. Die kann da ganz viel für!"
"Wir sind da denke ich beide nicht so ganz unschuldig dran", sagte sie lachend und strich ihm verträumt über die Wange.

Wieder berührten sich ihre Nasenspitzen. Marcs Augen huschten immer wieder von ihren Augen auf ihre Lippen, auf denen sie schon wieder knabberte. Doch dann öffnete sie ihre tiefroten Lippen ein kleines bisschen und lächelte.... Er kam ihr immer näher, gerade als seine Lippen die ihren berührte - klingelte ihr Handy.
Stöhnend lies er seinen Kopf in den Nacken fallen und rieb sich mit beiden Händen über's Gesicht.
"Tschuldigung", nuschelte sie und sah auf's Display, "Mehdi?"
"Ne geh dran und frag ihn ob er noch alle Latten am Zaun hat. Erst mein Auto mitnehmen und dann auch noch stören. Der hat doch den Arsch offen."
"Also wenn du weiter so meckerst geh ich nicht dran..."
"Bin ja schon leise...", er verschränkte die Arme und es sah fast so aus als würde er schmollen.

GH: "Hallo Mehdi..."
MK: "Na du? Alles klar bei euch?"
GH: "Och joa.. Ein bisschen kalt aber ansonsten ist alles gut."
MM: "Alles gut? Hast du jetzt auch noch den Arsch offen? KAAN! ICH WILL MEIN AUTO WIEDER HABEN!"
GH: "Ach ja, ich vergaß.. Du hast Marc ja sein Spielzeug weggenommen."
MK: "Ja das tut mir auch wirklich leid, aber was anderes ist uns auf die Schnelle einfach nicht eingefallen."
GH: "So schlimm ist es ja auch eigentlich gar nicht. Man kann sich ja ein Taxi rufen."

Sauer sah sie zu Marc rüber.

MM: "Schau mich nicht so an. Ich hab den Fahrer bezahlt, ja?"
MK: "Wie? Seid ihr jeztz schon wieder in Berlin?"
GH: "Was? Nein, sind wir nicht. Wir hocken hier immer noch."
MM: "UND ICH WILL MEIN AUTO MORGEN WIEDER HABEN MEHDI!!!"
GH: "Musst du immer so schreien?"
MM: "MUss ja sicher gehen das der Arsch mich auch hört."
MK: "Ich hör ihn laut und deutlich, auch wenn er nicht schreit."
GH: "Er sitzt ja auch direkt neben mir..."
MM: "Na ja.. So kann man das jetzt nicht nennen."

~Breiter kann der wohl auch nicht grinsen.~

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