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Dieses Thema hat 29 Antworten
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 Erfindet eure eigene Fortsetzung!
Seiten 1 | 2
GretchenHaaseFan Offline

Mitglied


Beiträge: 1.083

20.06.2014 17:08
FF von GretchenHaaseFan und Missing_DD Zitat · antworten

Hallo meine Lieben und ein herzliches Hallo an alle, die hier von mir noch nie etwas gelesen haben!

Lang, lang ist es her, dass meine FF fortgesetzt worden ist. Um genauer zu sein: Es war das Weihnachts-Special und somit liegt hinter uns ein gutes halbes Jahr, in dem leider nichts mehr kam.
Das liegt zum einen daran, dass mich das erste Semester sehr viel Kraft und Zeit gekostet hat, denn Latein ist nun mal nicht gerade die einfachste Sprache für mich.
Zum anderen liegt es aber auch daran, dass ich mit Elena (Missing_DD) beschlossen habe, dass wir uns ein "Polster" zulegen und schon frühzeitig die "Episoden" sozusagen schreiben, sodass nicht allzu viel Zeit verstreicht, ehe ein neuer Teil erscheint.

Und ich kann Gott sei Dank sagen, dass die nächsten 7 Wochen gesichert sind.
Ziel ist es, dass es regelmäßig, also am besten einmal pro Woche einen neuen Teil gibt. Angedacht ist der Freitag.

Und ich kann euch gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass ich heute endlich wieder einen neuen Teil posten kann, der so ein bisschen auf die kommenden Teile einstimmen soll!
Dieser Teil ist auch für jene gut geeignet, die meine Story bis dato noch nicht kennen und noch nie gelesen haben. Letztlich ist er so verfasst, dass alle sofort miteinsteigen können und ab sofort die Story mitverfolgen können, auch, wenn ihr die Handlungen, die bisher geschehen sind, noch nicht kennt.
Lesen müsst ihr also die bisherigen Handlungsstränge nicht unbedingt, aber ich denke, dass es jetzt auch nicht sooo schlimm ist, wenn ihr mal bei Lust und Laune reinschaut, wenn ihr mögt. Aber wie gesagt: Es ist kein Muss!

Die Kommentarseite würde ich einfach so belassen, wie sie ist, solltet ihr je mal Lust und Zeit haben, einen Kommentar posten zu wollen. Natürlich wäre es wunderbar, wenn ihr euren Gedanken freien Lauf lassen würdet und euer Feedback kundtut, was euch gefallen hat - oder auch nicht. Wünsche, Ideen und Anregungen sind natürlich jederzeit herzlich willkommen und selbstverständlich auch mehr als nur erwünscht. Es wäre sehr schön von euch lesen zu dürfen!
Dazu möchte ich auch alle ermutigen.



ZUR FORM:
Selbstverständlich wird die bisherige Form beibehalten, das heißt die Story ist nah an unser geliebtes DD angelehnt.

Was natürlich bei DD wichtiger Bestandteil ist: die Musik. Auch sie möchten wir nicht missen wollen. Daher wie gewohnt auch passend zur jeweiligen Szene ausgewählte Songs und Musikstücke. Einfach, sobald ihr das Video seht, auf "Play" drücken und laufen lassen und dann natürlich weiterlesen. Und ihr werdet sehen, dass das der jeweiligen Szene eine ganz andere Note verleiht. Geht selbst mir so, wenn ich Korrektur lese ;)

Ansonsten wird wieder mit Farben gearbeitet:

- Gretchens Tagebucheinträge - in Kombination mit den Rückblicken auf die letzten Teile - sind pink.
- Gretchens Gedanken aus dem Off sozusagen sind blau geschrieben.
- Gretchens Kindheitserinnerungen sind grün.
- Gretchens Träume sind rot und kursiv.
- SMS, Mitteilungen, Einladungen, Gedichte... alle Texte, die von Charakteren vorgelesen werden, sind größer.
- Gretchens Monologe und der Schlussmonolog mit Bezug auf alle Charaktere darf natürlich nicht fehlen. Sie sind orange.
- Ortsangaben, wo eine Szene spielt, sind fett geschrieben.

- Worte, die an euch, liebe Leser, gerichtet sind und außerhalb der Story stehen, sind in rot verfasst.





Soweit erst einmal. Ich hoffe, ich konnte euch einen kurzen Einblick gewähren und das Wichtigste nochmals darlegen.
Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr die Story verfolgt und euch Gedanken macht, wie sie euch gefällt, ob nun via persönlicher Mail, wie es einige schon zuvor getan haben, ganz im Stillen für euch selber oder via Kommentarfunktion, die ihr nutzen könnt, indem ihr folgenden Link anklickt:

Kommentarseite: Kommentare zur FF von GretchenHaaseFan und Missing_DD



INFO:
Noch eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse, die bisher geschehen sind:
Leider sind Gretchen und Marc noch immer kein Paar und es gibt natürlich immer noch Reibereien zwischen den beiden. Manchmal kommen sie sich näher und manchmal da herrscht auch totale Distanz.
Maria und Maurice hingegen schon. Und, wie ihr in den kommenden Teilen erfahren werdet, steht dort auch eine Änderung bevor.
Bei Sabine und Günni will es auch nicht so recht klappen. Da beide ja noch nie ernsthafte Beziehungen hatten, fällt es beiden extrem schwer, sich anzunähern, obwohl sie ja schon einmal dachten, sie wären füreinander geschaffen. Aber ob sie das auch wirklich sind?
Bärbel und Franz hingegen erleben, wie wir es ja auch schon gewohnt sind, ihre Höhen und Tiefen. Scheinbar ist es schwer für manche Menschen ihre Verhaltensmuster ablegen zu können.
Gabi hingegen hatte schwer zu kämpfen! Nachdem sie feststellen musste, dass sie Marc wahrscheinlich nie für sich haben kann, griff sie zu einer drastischen Maßnahme: Sie wollte sich das Leben nehmen. Zuerst sah es so aus, als würde es nicht gut ausgehen. Selbstverständlich musste sie, nachdem sie also alles mehr oder weniger gut überstanden hatte, ärztlich versorgt werden. D.h. Reha usw... Daher ist sie momentan nicht dabei. Jedoch, und das kann man sagen, wird sie nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Mehdi streicht noch immer einsam durch die Lande. Aus Gigi und ihm wurde nicht wirklich etwas. Sie wollte ihre Stelle in London nicht missen und Mehdi seine im EKH nicht. Wie es mit ihm weitergeht, werdet auch ihr noch erfahren dürfen.
Und da es ratsam ist, sich als Arzt immer weiter fortzubilden, und das EKH zudem als kleine Klinik in Berlin sehr kämpfen muss, um sich vor der Schließung und besonders den großen Klinikverbänden zu retten, gab es eine Umstrukturierung: Das EKH baut seine Notaufnahme aus. Ein Umbau der alten, kleinen Notaufnahme und deren Vergrößerung führte dazu, dass zwei neue Charaktere zur Story hinzutrafen: Dr. Kerry Weaver als leitende Chefärztin der NA und Dr. Susan Lewis als Notaufnahme-Ärztin.
Auch das altbewährte Team des EKH dachte über eine Umstrukturierung nach und Gretchen war eigentlich sehr von der Notfallmedizin angetan, Marc hingegen nicht so wirklich. Nach einem Kurs und der Arbeit auf Probe in der NA wird sich auch hier beruflich etwas ändern.

Ansonsten sind natürlich all die anderen Nebencharaktere aus DD wie gewohnt auch weiterhin dabei: Elke Fisher, Gordon, Frau Dr. Steigerle, Gigi, Mitzi Knechtelsdorfer, Polizistin Monika, Jochen und wie sie nicht alle heißen. Da es sich hier natürlich nur um Nebencharaktere handelt kommen manche mal öfter und andere seltener vor.



Ich hoffe, euch gefällt die Story und ihr kommt mit dem ersten Teil, den ich heute Abend noch posten werde, gut rein.

Herzlichen Dank schon jetzt allen, die lange gewartet haben und sich dennoch freuen und herzlichen Dank allen, die sich mit der Story auseinandersetzen und ihre Wünsche, Ideen und Anregungen einbringen.

Ich möchte euch einfach um euer Verständnis bitten dafür, dass es so lange gedauert hat, wir dafür aber endlich garantieren können, dass regelmäßig fortgesetzt wird und euch allen nun

VIEL SPAß BEIM LESEN!

Ich drücke euch alle ganz herzlich und freue mich schon jetzt - sicherlich auch im Namen von Elena, die gute Ideen zu den Handlungsverläufen beisteuert und mich glücklich macht, indem sie auch weiterhin mitwirken möchte - dass ihr die FF mitverfolgt.
An dieser Stelle möchte ich auch dir, liebe Elena, nochmals ganz herzlich danken!

Ich wünsche euch allen noch einen wunderschönen Abend!
Herzlichst, eure Andrea Image and video hosting by TinyPic

GretchenHaaseFan Offline

Mitglied


Beiträge: 1.083

20.06.2014 20:19
#2  Jetzt aber! Sag mir, wer ich wirklich bin! Zitat · antworten

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S02,E01:

Jetzt aber! Sag mir, wer ich wirklich bin!




WRITTEN BY
GretchenHaaseFan, Andrea

ASSISTED BY
Missing_DD, Elena


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Morgens, halb zehn bei den Haases:


Gretchen sitzt, sehr ungewohnt für sie, im Wohnzimmer auf der gelben Court-Couch und öffnet ihr Tagebuch. Bereit, um den ersten Buchstaben niederzuschreiben, fokussiert auf die neue, leere Seite, die vor ihr aufgeschlagen ist:
»Liebes Tagebuch! Mein Leben ist toll, zu toll, am tollsten! Toller könnte es nicht sein!«


Bärbel, die es sich ebenfalls gemütlich gemacht hatte, um nun voller Hingabe die BUNTE zu lesen, unterbricht erstaunt: „Aber Margarete! Das ist ja dein Tagebuch!“
Gretchen schaute sie fragwürdig an, als sie ihr bestätigte: „Ähm jaaaa, Mutter! Die Chroniken von Narnia wolltest du mir ja nie schenken, nachdem ich den Film mal gesehen hatte und unbedingt auch die Romane haben wollte...“
Bärbel erwiderte mit einem Schmunzeln im Gesicht: „Aber Kindchen, warum sollte ich dir jetzt schon ‚Kroniken‘ schenken?! Und dann noch von so einem teuren Zahnersatzhersteller! Deine Zähne sind doch noch völlig in Ordnung. Du bist jung und ich habe immer schön darauf geachtet, dass du dir als Kind immer schön brav die Zähne nach jedem Essen putzt...!“
Gretchen hingegen klappte das Tagebuch zu, richtete sich ein bisschen, um ihre Mutter zu berichtigen: „Bitte was?! Mama!!! Da siehst du es! Du weißt ja nicht mal, worüber ich rede. Du kennst noch nicht einmal deine eigene Tochter!“
Bärbel beharrte stattdessen auf der Richtigkeit ihrer Aussage: „Also Margarete, jetzt mach' mal einen Punkt!“
Gretchen schnippisch: „Mein Satz endet aber schon - und zwar nicht mit einem Punkt, sondern mit einem Ausrufezeichen...!“


Die Stimmung war merklich unterkühlt und doch konnte es Bärbel einfach nicht lassen, noch einmal nachzuhaken:

Bärbel: „Und sag mal, Margarete, seit wann schreibst du eigentlich im Wohnzimmer Tagebuch? Ich könnte ja heimlich mitlesen, so wie die NASA uns alle abhört. Du glaubst es ja gar nicht, Margarete, aber selbst das Handy von UNSERER Bundeskanzlerin hören die ab! Ach du meine Güte, was machen wir denn jetzt bloß...?! Nicht, dass die noch unser Telefon abgehört haben und jetzt auf unsere Kosten Sachen von dem Shopping-Kanal kaufen, den ich doch immer anschaue und wo ich doch diese neuen, technisch hochwertigen Kühlboxen gekauft habe, die im Sonderangebot waren...“
Gretchen unterbrach schlecht gelaunt und ohne sie dabei auch nur anzublicken: „Mama, warum sollte ich mir denn bitteschön DIE Mühe machen und mich in MEINEM Zimmer einschließen, wenn ich Tagebuch schreiben möchte?! Du liest es ja so oder so eh wieder heimlich...“
Bärbel wollte gerade zum Gegenschlag ausholen: „Also Margarete! Das sind...“
Doch Gretchen konterte ebenfalls ungewohnt sehr zügig: „...das sind was? Tatsachen?! Ja, da hast du recht, Mama!“

Bärbel erkannte, wie schlecht sie wirklich gelaunt war und kam, jedenfalls ihrer Meinung nach, auf eine glänzende Idee, die sie sofort kundtun musste: „Margareteeee...!“

...Okaaay... spätestens JETZT sollte ich misstrauisch werden! Es bedeutet nie etwas Gutes, wenn sie freudestrahlend aufspringt und beginnt meinen Namen so melodisch zu singen und ihn ewig in die Länge zieht. Jetzt grinst sie wieder wie ein Honigkuchenpferd und ich weiß jetzt schon, dass ich am Ende des Tages garantiert nicht SO grinsen werde! Was tue ich also?! Abhauen, einen auf krank machen, oder doch sagen, dass ich noch soooo unendlich viele Akten mit nach Hause genommen habe, um sie zu bearbeiten – an meinem freien Tag. Gut, das glaubt sie mir mit Sicherheit nicht. Ich habe ja nicht mal früher meine Hausaufgaben freiwillig in der freien Zeit gemacht. Mhhh...

Gretchen wollte sich noch eine gute Ausrede einfallen lassen, was man daran erkannte, dass sie ihren Stift ständig gegen ihre Lippen haute und gen Decke blickte. Doch zu einer gelungenen Ausrede kam es nicht mehr, denn ihre Mutter war einfach schneller und so rief sie voller Begeisterung: „Wir machen einen Mutter-Tochter-Tag!“
Gretchen war davon sichtlich nicht begeistert. Doch eine Bärbel Haase kann niemand aufhalten - dessen war sie sich auch bewusst.


Es dauerte daher auch nicht wirklich lange, bis Gretchen ins Bad geschleift wurde und wider ihren Willen zurecht gemacht wurde. Und genauso schnell fanden sich beide auch schon im Auto wieder. Bärbel strahlend auf dem Beifahrersitz, Gretchen eher verbittert daneben.


...Mutter-Tochter-Tag. Wunderbar. Und ich darf natürlich, oh... ich korrigiere: Ich MUSS wieder fahren. Und das an meinem freien Tag. Womit habe ich das nur verdient?! WOMIT NUR?...


"M-A-R-G-A-R-E-T-E-E-E-E-E-E-E!!!!!!!" schrie Bärbel plötzlich laut auf, während Gretchen in Gedanken versunken am Steuer saß. Ihr Schrei wurde immer lauter und Gretchen erwachte so langsam. Dennoch kam ihr alles, was sich nun abspielen würde, so vor, als würde es sich in Zeitlupe abspielen. Und ehe sie sich versah, bremste sie mit voller Kraft reflexartig. Die Reifen quietschten und qualmten und eine leichte Rauchwolke bildete sich, die sich allmählich auch wieder verzog, als sie endgültig zum Stillstand kamen.


...Oh Gott. Was war das?! Eine Katze, ein Hund oder doch ein Kind? Ein Reh, eine Frau, ein Mann?! Oder eine ganze Familie?! Oh Gott, ich bin Arzt und habe jemanden überfahren. Ich muss SOFORT Erste Hilfe leisten... dachte sie und öffnete völlig schockiert langsam ihre Augen wieder, die sie während der Vollbremsung ebenfalls reflexartig verschlossen hatte.


Doch als sie sich umsah, entdeckte sie nichts. Gar nichts. Da war nichts. NICHTS. Hinter ihnen musste ebenfalls ein Mercedes notbremsen und der Fahrer fuchtelte völlig erbost mit beiden Händen herum, was Gretchen im Rückspiegel nur allzu gut begutachten konnte. Und so langsam begann sie auch zu verstehen, dass sie wohl doch niemanden überfahren hatte.

Gretchen erkundigte schließlich mit zitternder Stimme: „Was ist hier los?!“
Sie blickte nach rechts und sah ihre Mutter an, die sie ebenfalls mit riesigen Augen völlig fassungslos anstarrte.
Und nochmals fragte sie, dieses Mal mit mehr Nachdruck in der Stimme: „Mutter! Was ist hier los? Warum hast du so geschrien?“
Stotternd meinte Bärbel nur: „Ich... ich... wollte doch nur auf die Sonderangebote hinweisen, die da gerade in der Boutique im Schaufenster ausgestellt waren. Ich... ich... ich... konnte ja nicht ahnen, dass du uns deshalb in Lebensgefahr bringst, Margarete! Das sind doch nur Sonderangebote! Wir hätten uns doch auch ganz normal einen Parkplatz suchen können, wie jeder andere normale Fahrer auch....“


...Ich fasse es nicht! Jetzt zerrt diese Frau mich aus dem Haus, zwingt mich mit ihr irgendwo hinzufahren um einen Mutter-Tochter-Tag zu verbringen und beschuldigt mich, ich hätte sie in Lebensgefahr gebracht...
Gretchen lief, während sie versuchte, sich so gut es nur ging zusammenzureißen, rot an. Doch das mit dem Zusammenreißen war nicht ganz so einfach, wie sie selber hoffte.


Wutentbrannt schrie sie nur "Mutter! Mir reicht's!", öffnete die Fahrertür, stieg aus und knallte diese wieder zu. Ebenso tat sie es mit der hinteren Tür, um ihre Handtasche herauszunehmen, schlug diese ebenfalls wieder zu und lief wütend auf die andere Straßenseite. Ihre Mutter hingegen ließ sie zurück, die nur schrie:
"Aber Margarete! Komm' zurück! Ich weiß doch gar nicht, wie ich dieses Ding hier in einen Parkplatz fahren muss!“



Eine Passantin, die alles mit ansah, eilte herbei und erkundigte sich hilfsbereit: „Ist alles in Ordnung mit Ihnen? Brauchen Sie einen Arzt? Oder soll ich die Polizei rufen? Kann ich irgendetwas tun?“
Gretchen entgegnete ihr in ihrem Chaos der Gefühle zwischen Wut und Entsetzen nur: „Oh, bloß nicht die Polizei! Noch mehr Ärger, als ich ihn eh schon mit meiner Mutter habe, brauche ich nun wirklich nicht! Aber wenn sie Kontakte zur NASA haben, die meine Mutter auf den Mond schießen könnten, dann würde mir das tatsächlich weiterhelfen!“
Doch die Passantin verstand nicht so recht: „NASA... Kontakte... Mond?!“
Und Gretchen versuchte scherzend ihre Person zu wahren, da sie nun langsam realisierte, wie sich das wohl angehört haben muss: „Ach wissen Sie, wenn Sie einen Schokoriegel dabei hätten, dann würde der mir schon ungemein weiterhelfen. Ich glaube ich bin nur noch ein bisschen geschockt und unterzuckert. Das ist alles...“


Als Gretchen so mit der Passantin sprach, fiel ihr im Blickwinkel ein Mann auf, den sie doch sehr gut kannte in Begleitung einer Frau, die sie ebenso gut kannte.
Und wieder schloss sie ihre Augen, um sie kurz danach zu öffnen und auszurufen: "Fisher!"
Die Passantin, die langsam dachte, sie wäre im falschen Film fragte nur verwirrt: "Wie bitte?!"
Gretchen wurde daraufhin sehr hektisch, als sie Elke und ihren Vater zusammen im hinteren Drittel der gegenüber liegenden Straße sah, wie sie langsam auf sie zukamen: „Ähm entschuldigen Sie, aber ich glaube, dass alles okay ist...“


Schnell eilte sie wieder zum Wagen zurück, denn Bärbel war gerade dabei, auch auszusteigen. Im Rennen rief sie noch: "Mutter, bleib' sitzen! Es geht weiter!"
Doch der Fahrer des hinteren Wagens wartete bereits schon an der Fahrertür auf sie.

Fahrer: „Hören Sie mal! Ich weiß nicht, wie bescheuert man eigentlich sein kann, aber bei Ihnen gibt es da wohl keine Grenze... Wissen Sie eigentlich was... „
Doch Gretchen ging es gar nicht schnell genug. Sie schob den Mann beiseite, riss die Fahrertür auf, sprang hinein und sagte nur noch: "Ihnen auch noch einen wunderschönen Tag. Und immer schön achtsam fahren! Man(n) weiß ja schließlich nie, wann Frau die Notbremsen zieht..."
Und ehe sich die Passanten versehen konnten, waren beide auch schon wieder eilend hinfort gefahren. Der Fahrer des Mercedes hingegen wurde mit einem Lebensrätsel zurückgelassen, das ihm sichtlich zu denken gab.


Im Auto unterdessen merkte auch Bärbel so allmählich, dass etwas nicht stimmen konnte. Und doch konnte sie es nicht lassen wieder einmal auf Gretchens Beziehungschaos hinzudeuten:
Bärbel: „Also Margarete! Was ist denn nur in dich gefahren? Zuerst bringst du uns fast um, dann haust du ab und jetzt kann es dir wieder nicht schnell genug gehen. Da wundere ich mich nicht, dass du keinen Mann abbekommst bei diesem Eiltempo...“
Gretchen entgegnete nur mürrisch und noch immer sichtlich genervt: „Ach ja Mutter, hör' auf! Ich weiß selber, dass es in Sachen Beziehung nicht so gut läuft bei mir, aber bei euch ja wohl auch nicht...!“

Bärbel musste kurz überlegen und verstand doch am Rande genau, was diese Andeutung zu bedeuten hatte. Und so fragte sie sich, ob sie mit diesem unguten Gefühl doch recht hatte und sich nun doch alles wiederholen würde. Das machte ihr sichtlich Angst und so versuchte sie verzweifelt, und mehr schlecht als recht, Gretchens Andeutung zu übergehen.
Bärbel: „Also Kind, in einer jeden gute Ehe kriselt es. Und das Kriseln haben wir schon längst überwunden. Es kriselt nicht mehr. Kein Kiesel der kriselt und kein Wiesel das kriselt und kein Kieselt das wieselt....“


...Und schon wieder sucht sie Ausflüchte und merkt dabei nicht mal, dass sie völligen Schwachsinn redet...

Und so machte Gretchen dem kurz und bündig ein Ende: „Mama! Höre dich doch selbst einmal an!“
Bärbel versuchte weiter vom Thema abzulenken, da es ihr sichtlich unangenehm war: „Ach ja, meine Stimme! Ich weiß: engelsgleich, himmlisch! Soll ich etwas singen, Margarete? Wer braucht denn schon das olle Radio?!“


...Und so schaltete meine Mutter das Radio aus und summte eher krächzend die ganze Fahrt über vor sich hin. Und mit einem Schlag hatte sich der Mutter-Tochter-Tag auch wieder erledigt. Nur fragte ich mich, was Papa schon wieder von diesem Wiesel wollte?! Oh Gott, Gretchen! Höre dir doch selber einmal zu! Ich nenne Marcs Mutter ein Wiesel. Gut, eigentlich ist sie ja noch viel schlimmer und hinterhältiger. Auch wenn ihr Mann sie früher geschlagen hat... das rechtfertigt doch noch lange nicht, dass man andere Menschen auch weiter mit den Füßen tritt! Also emotional zumindest....
Gretchen Haase! Denke nicht zu viel nach, sondern konzentriere dich lieber auf den Straßenverkehr...


Und so fuhren die beiden wieder nach Hause. Und dort angekommen, verkroch sich Gretchen mit ihrem Tagebuch wieder in ihr Zimmer - wie gewohnt. Sie schloss die Tür mit einem lauten Knall und schmiss sich auf ihr Bett, das dabei kurzzeitig knarrte und öffnete ihr geliebtes Tagebuch. Seite für Seite blätterte sie um, Seite für Seite überflog sie und kam dabei ins Schwärmen - oder auch genauso in gegenteilige Gefühlswelten:




©:
Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=VksPTrfSTpo; "All Of Me - John Legend (Piano Cover)" © by oorwellino, YouTubeDE; aufgerufen am 18.06.2014 um 19:28




...Mein ganzes Leben steht hierin geschrieben. Etliche Seiten... Was das wohl gekostet haben muss? Das ist ja schließlich ein enormer Verbrauch an Tinte...


Und so blätterte sie weiter. Doch auf einer Seite verweilte sie. Lange, sehr lange, vielleicht viel zu lange. Es war jene Seite, die die erste Nacht mit Marc beschrieb an jenem Tag, an dem sie eigentlich beschlossen hatte, nach Ouagadougou zu fliegen. Und so lag sie da. Die Blicke schweiften hin und her: von der Tagebuchseite hinaus zum Fenster und wieder zurück.

»Es war eine schöne Nacht. Vielleicht war es auch die schönste Nacht, die ich je erlebt habe. Nein! Es war nicht nur vielleicht die schönste - ES WAR die schönste Nacht«, las sie dort und so kam sie auch nicht umhin, sich zu fragen:

...Warum nur konnte das nicht bestehen? Warum muss immer alles so abrupt enden, was doch eigentlich so schön ist und was wir uns so sehr ersehnen?
Wir sehnen uns danach im Leben glücklich zu sein und merken doch dabei selber eigentlich gar nicht, wie unglücklich allein uns diese Sehnsucht schon macht. Wie sie uns kränkt, verletzt, kaputt macht. Tag für Tag, Stunde für Stunde, Minute für Minute, Sekunde für Sekunde. Wir hoffen und geben auf, wir träumen und erwachen in einem Albtraum, der Realität genannt wird und wünschen uns wieder träumen zu dürfen, doch können dann nicht mehr einschlafen...



Plötzlich wehte eine sanfte Brise durch das geöffnete Fenster herein. Und sie blätterte wie von Zauberhand alleine im Tagebuch. Einige Seiten weiter vorne schwächte die Brise wieder ab und eine weitere, ganz besondere Seite fiel Gretchen in die Augen. Es war jene Nacht, als sie erfuhr, dass Mehdi eine Frau, Anna, hat, die im Koma lag. Und unmittelbar erfasste sie jenes komische Gefühl wieder, das sie damals verspürte. Und mit jenem Gefühl verspürte sie auch unweigerlich ein weiteres, damit unmittelbar zusammenhängendes Gefühl: Das Gefühl verlassen zu werden, obwohl man sich doch eigentlich mal geliebt hat.


...Mein Leben ist nicht toll, gar nicht toll, schlimmer könnte es gar nicht sein!
Wer weiß, was passiert wäre, wenn Anna nicht aus dem Koma erwacht wäre. Wer weiß, ob sich dann nicht alles erledigt hätte. Vielleicht hätte ich ja Marc dann wirklich vergessen, ein für allemal und ich könnte jetzt glücklich sein, zufrieden. Und wer weiß, ob ich mir nicht etwas vormache?
Machen wir uns nicht alle etwas vor? Frauen, die schon wissen, dass sie unterbrochen von ihren Männern betrogen werden, und trotzdem sich immer wieder einreden, dass er nun endlich treu bleibt und es nicht mehr kriseln wird. Die stattdessen vor sich hin summen und dabei doch nur ihre eigenen Gedanken, das Gefühl in ihnen, das ihnen sagt, dass es doch nicht stimmt, übertönen wollen, obwohl sie doch genau wissen, dass man selbst mit der Lautstärke eines Düsenjets dieses Gefühl nicht übertönen kann?
Männer, die sich wohl nie wirklich auf eine richtige Beziehung einlassen können und immer wieder scheitern. Vielleicht nicht unbedingt an dem Gegenüber, vielmehr doch eher an sich selber. Die eigentlich die wahre Liebe in ihrem Leben suchen, sie finden und doch nicht halten können, weil sie noch nie etwas in ihrem Leben wirklich festhalten konnten?...



Doch Gretchen wurde jäh aus ihren Gedanken gerissen, denn eines war definitiv nicht zu überhören: Das Klopfen an der Tür in Zusammenspiel mit den lauten "M-A-R-G-A-R-E-T-E-E-E-E!!!"-Rufen.
Gretchen stand widerwillig auf. Sie hatte es sich doch gerade erst gemütlich gemacht.
Gretchen: "Ich komme ja schon, Mutter!"


Doch als sie aufschließen wollte, bemerkte sie, dass der Schlüssel nicht steckte. Stürmisch fing sie an, den Boden abzutasten und alle Bettlaken durcheinander zu wirbeln, während sie immer noch damit beschäftigt war ihrer Mutter "Ich bin ja gleich soweit" zu zurufen.


...Das gibt es doch nicht! Wo ist nur dieser Schlüssel? Vielleicht ist es ja auch ein Zeichen, dass ich mich am besten für immer hier einschließen sollte und nie mehr wieder raus gehen sollte...


Währenddessen rief Bärbel hingegen ununterbrochen "Margareteee" und eröffnete Gretchen somit eine ganz neue Dimension nervenden Verhaltens. Gretchen, die den Schlüssel einfach nicht finden konnte, wurde leicht nervös. Und auch Bärbel vor der Tür ahnte Schreckliches:

Bärbel: „Margarete! Ist dir etwas zugestoßen? Margarete!!!“
Gretchen, die inzwischen unters Bett gekrochen war, schrie zurück: „Nein, nein! Alles gut. Ich habe mich nur eingeschlossen und der Schlüssel ist weg...“
Bärbel reagierte schockiert: „Margarete!!! ...“
Und dabei dachte sich Gretchen nur noch: ...Wie oft will sie das denn noch sagen? Ich weiß mittlerweile auch, dass ich Margarete heiße...
Bärbel hingegen fuhr fort: „Ich rufe am besten sofort die Feuerwehr an! Die wissen was in solchen Notfällen zu tun ist...“

Entsetzt hob Gretchen den Kopf an und schlug ihn sich prompt gegen das Bett.

...Die Feuerwehr??? Das meint sie doch wohl nicht ernst. Diese Frau treibt mich noch in den Wahnsinn! Könnte man nicht vielleicht zuerst nach einer anderen Möglichkeit Ausschau halten? Oh Gott, wenn ich mir das so überlege: ein neuer Höhepunkt der Peinlichkeiten in der Geschichte bis dato ist somit erreicht. Da bringen mir nicht mal Kontakte zur NASA was. Denn man sollte sie nicht nur auf den Mond schießen, sondern mit einer fliegenden Untertasse in eine ganz, ganz ferne Galaxie! Und Marc am besten gleich mit dazu...
Gretchen kroch schnell wieder unter dem Bett hervor und rannte zur Tür, hämmerte mit beiden Fäusten dagegen und schrie: "Nein, nein! Mama! Tu' das nicht! Ich komme hier schon wieder raus..." und drehte sich wieder der Raummitte zu und dachte dabei nur: ...Irgendwie...




Zur gleichen Zeit im Krankenhaus:


Kerry Weaver, die neue Chefärztin der Notaufnahme, bat Marc zu einem Gespräch in ihr Büro. In aller feinster Marc-Meier-Manier hatte er es natürlich nicht als unbedingt notwendig angesehen pünktlich zu erscheinen. Stattdessen war er voll und ganz damit beschäftigt Schwester Sabine im Stationszimmer zu necken:

Marc: „Schwester Sabine! Ich weiß nicht, wer sie eingestellt hat und warum, aber dieser Mensch muss ziemlich verzweifelt gewesen sein, so schlecht, wie Ihr Kaffee ist!“

Dabei stellte er die Tasse, aus der er gerade trank, wieder in die Küchenzeile zurück, wischte sich mit Sabines Kittel, den sie abgelegt hatte, weil es so warm war, den Mund ab und legte ihn wieder zurück.
Sabine verdrehte nur die Augen, wollte jedoch auch nicht weiter darauf eingehen, bis Maria hereinkam, die noch immer Interimschefin war, solange sich Franz eher auf die praktische Arbeit an den Patienten konzentrieren wollte, anstatt auf das Geschäftliche bezüglich der Klinikleitung.


Sabine: „Frau Doktor Hassmann! Sie wollen doch sicher einen Kaffee!“
Maria erfreut: „Oh ja, gerne!“
Sabine grinste verschmitzt in Richtung Marc: „Diesen wird Ihnen der Herr Doktor Meier zubereiten.“
Marc schaute nur dämlich aus der Wäsche, während Sabine sich sichtlich an diesem, für ihre Verhältnisse, großem Schritt ihn auf ihre Weise vorzuführen, ergötzte.

Maria verzog die Augenbrauen: „Nun ja, so durstig und müde bin ich dann doch auch wieder nicht...“
Sie holte sich ein Glas aus dem Schrank heraus und eine Wasserflasche aus dem Kühlschrank. Und so im Hinunterbeugen konnte Marc gar nicht anders, als anzumerken: „Meine Güte, Hassmann! Sie sind vielleicht nicht müde oder durstig, aber ganz schön gefrustet, so viel wie Sie in letzter Zeit an Gewicht zugenommen haben... Scheinbar mutieren hier alle Frauen dazu Gewicht zuzunehmen, ganz im Gretchen-Haase-Style.“


Als er diese Worte aussprach, entglitt Maria vollkommen der Gesichtsauszug. Die sonst so taffe Frau, die sich stets zu wehren wusste, konnte in diesem Moment gar nichts mehr sagen, was sich auch nicht besserte, als Marc sich auch noch zu ihr hinunterbeugte und ihr ins Ohr flüsterte: "Und das ist nicht besonders sexy, kann ich Ihnen nur sagen..."


Marc nahm wieder seine Tasse in die Hand, grinste Sabine nur blöd an und ließ die beiden zurück, die für einen kurzen Moment wie erstarrt stehen blieben in ihren Posen.
Langsam richtete sich Maria wieder auf, schlug die Kühlschranktür zu und drehte sich erbost zu Sabine hinüber, die Böses ahnte:

Maria: „Schwester Sabine!“
Sabine: „Frau Doktor Hassmann...“
Maria: „Finden Sie mich etwa dick?!“

Schwester Sabine zögerte kurz und fing zu stottern an. Doch Maria forderte unerbittlich eine Antwort von ihr und wurde dabei immer zorniger:
Maria: „Sabine!!!“
Sabine: „Frau Hassmann...“
Maria: „Nun sagen Sie schon! Ich schätze ehrliche Mitarbeiter sehr, besonders dann, solange sie sich meiner eigenen Ehrlichkeit bedienen!“
Sabine: „Nun ja... also... also... ich... ich....“
Maria: „Stottern Sie gefälligst nicht so rum! Oder ist eben der Blitz in Sie eingeschlagen, dass Sie keinen gescheiten Ton mehr herausbringen?“
Sabine: „Uhhh... ich glaube... ich glaube... DAS war mein Pieper!“
Maria verwirrt: „Was?! Da hat doch aber gar nichts gepiept...“
Sabine: „Uhh... doch... doch... ich habe ihn auf Vibration eingestellt...“

Und so suchte Sabine verzweifelt an ihrem T-Shirt die Kitteltasche auf beiden Seiten, ehe sie feststellen musste, dass sie diesen ja abgelegt hatte und sie somit auch keinen Pieper bei sich trug.

Maria hingegen fragte mit leicht erotischen Unterton: „Ohhh... Schwester Sabine, Sie kleine... ähäm... wo Sie den wohl nur versteckt haben?!“
Sabine lief peinlich berührt rot an und ergriff schnurstracks die Flucht - so schnell konnte noch nicht einmal Maria schauen, war Sabine zur anderen Tür hinausgehuscht.


Maria blieb zurück - bis Mehdi den Raum betrat. Und auch ihn fragte sie:
Maria: „Dr. Kaan!“
Mehdi: „Dr. Hassmann!“
Maria: „Finden Sie, dass ich dicker werde?“
Mehdi, der gelassen einen Apfel aus dem Obstkorb nahm, bestätigte nur, was Maria schon selber vermutet hatte, jedoch nicht zu hoffen gewagt hat: „Ist doch normal, wenn man schwanger ist...“
Maria: „Wo...woher wissen das?!“
Mehdi: „Dr. Hassmann. Ich bin Gynäkologe. Frauen kenne ich besser als meine rechte Westentasche.“

Und ein weiteres Mal entglitten ihr die Gesichtszüge. Sie wurde kreidebleich und musste sich kurz setzen. Mehdi dahingegen vermutete Schlimmes, als sie dort so blass da saß:
Mehdi: „Ist es etwa nicht von Maurice?“

Und ein drittes Mal entglitten ihr die Gesichtszüge. Doch auf diese böswillige Unterstellung wusste sie sich zu wehren und so stand sie, nachdem sie sich wieder gefasst hatte, auf und hob zur Berichtigung der Situation mit lauter Stimme an:
Maria: „Dr. Kaan! Ich bin keine Schlampe! Und wenn ich eine wäre, dann wüsste ich wenigstens, wie ich zu verhüten hätte! Ich verbitte mir derartige Unterstellungen und eines sage ich Ihnen: Wenn das auch nur irgendjemand erfährt, dann mache ich aus Ihnen kroatisches Hackfleisch!“
Mehdi: „Ich bin aber halb Perser...“
Maria wetterte: „Dann eben beides!!! Es erfährt niemand, NIEMAND! Das fällt unter Ihre ärztliche Schweigepflicht, Herr Kollege!“

Mehdi nickte. Maria stampfte in Richtung Tür und als sie bemerkte, dass Mehdi stehen blieb und in seinen Apfel biss, drehte sie sich zu ihm um und fragte fordernd: „Und worauf warten Sie, wenn ich fragen darf?!“
Mehdi: „Ich mache kurz Pause. Meine nächste Patientin kommt erst in 25 Minuten.“
Maria: „FALSCH! Ihre nächste Patientin steht schon vor Ihnen! Also schauen Sie, dass Sie langsam mal meinem Schatten hinterher laufen, solange ich Interim bin, während der werte Herr Professor an unschuldigen Patienten herumdoktert, anstatt sich um die Klinikleitung zu kümmern mit den dämlichen Finanzen, die dazugehören und mir aufgetragen hat!“

Mehdi schaute nur verunsichert und als er noch keinen Anstand machte, ihr zu folgen, verlieh sie dem ganzen noch mehr Nachdruck.
Maria: „Ich meinte sofort! Und Sie folgen mir unauffällig! Haben Sie mich verstanden???“
Mehdi: „Ja, aber wohin denn?“
Maria genervt: „Zum Mond natürlich...“

Als Mehdi sich immer noch nicht in Bewegung setzte versuchte sie es ein letztes Mal: „Mein Gott, in die Gynäkologie natürlich! Und jetzt machen sie mal flott, flott!“
Mehdi ging ein Lichtlein auf: „Achsooo, jaaa... dann folgen Sie mir bitte Frau Dr. Hassmann...“
Als Mehdi gerade an ihr vorbei wollte, streckte sie ihren Arm aus, sodass er unweigerlich halten musste und sie anblicken musste. Sie mahnte mit dem Zeigefinger der anderen Hand und meinte nur abgeklärt: „Ne, ne, Herr Kollege! Und jetzt noch einmal für Schwerhörige: SIE folgen MIR und zwar unauffällig und am besten so, dass der Flurfunkradar NICHTS erfasst!“

Als nun endlich die Fronten via Fingerzeig geklärt waren, machten sich beide auf den Weg in die Gyn. Doch während des Gehens war Maria die Verunsicherung deutlich anzumerken...



...Ja, in unserem Leben werden wir immer konfrontiert und alles holt uns ein. Unser Glück holt uns ein, obwohl wir doch unglücklich sind. Die Realität holt uns ein, und doch wollen wir sie manchmal nicht wahrhaben: Wir haben ja schon eine Tochter. Wir haben einen Mann, der uns liebt und sich um uns und die Tochter, die noch nicht einmal von ihm ist, kümmert, wie der leibliche Vater. Und doch fragen wir uns: Sind wir bereit für noch ein Kind, oder hatten wir nicht doch andere Pläne?
Wollten wir nicht etwas anderes aus unserem Leben machen? Hatten wir nicht doch etwas anderes vor? Und warum können wir uns nicht freuen, wenn es doch allen Grund dazu gäbe. Andere würden sich schließlich freuen... Oder sind wir doch ganz anders? Komplizierter?




Unterdessen war Marc in Kerrys Büro angelangt, wohlgemerkt mit einer knappen Viertelstunde Verspätung. Höflich klopfte er an - mit der Kaffeetasse in der anderen Hand. Kerry bat ihn herein. Doch kaum, als er das Büro betreten hatte, machte sich eine komische Stimmung breit, die sich noch verstärkte, als er die Tür schloss und sie ansah, wie sie an ihrem Schreibtisch saß, die Krücke an die Tischkante angelehnt und ihn kritisch begutachtete und dabei ihre Brille, die sie an einer Kette um den Hals hängen hatte, aufsetzte, um sie kurz danach wieder abzusetzen.
Aus irgendeinem Grunde musste Marc kurz schlucken, obwohl er doch keinen Schluck aus der Tasse getrunken hatte. Sie bat ihn mit einer Geste sich zu setzen. Das tat er auch. Als er saß und die Tasse leise auf vor sich auf den Tisch stellte, dabei eingeschüchtert von unten nach oben nach oben sah, direkt in ihre Augen, und feststellen musste, dass sie stetig auf die Tasse starrte, entgegnete er nur kurz und mit ungewohnt leiser Stimme "Dr. Weaver!"

Sie wartete einen kurzen Moment, um dann mit kritischem Unterton nachzuhaken:
Kerry: „Dr. Meier! Was hat Sie denn so Wichtiges aufgehalten, dass Sie erst jetzt hier eintreffen?!“
Marc: „Ich... äh... ich...“
Kerry begutachtete ihn kritisch und fragte nur: „Jaaaa...?!“


Marc wusste, dass er sich jetzt eine Ausrede einfallen lassen musste, so kritisch wie sie nachhakte.
Marc: „Ich... äh... ich hatte noch einen Patienten, den ich... äh... ich musste den noch versorgen. Ganz dringend....“
Und er sah, dass sie ihm nicht so recht Glauben schenken wollte. Und so ergänzte er: "Ganz wichtig. Sehr wichtig..."

Sie verdrehte die Augen und schweifte mit ihrem Blick in Richtung Computerbildschirm ab. Eine kurze, für Marc aber scheinbar ewig anhaltende Zeit lang sagte sie nichts, bevor sie anfing ihn zur Rede zu stellen, was ihm äußerst unangenehm war.


Kerry: „Dr. Meier! Eines kann ich in diesem Beruf nicht leiden! Und das ist, wenn man mich anlügt. Und damit meine ich offensichtlich anlügt! Sie hatten keinen Patienten und wenn ja, dann hätte ich nun einen Grund, Sie mit Disziplinarmaßnahmen zu strafen. Ich weiß nicht, ob Sie die Krankenhausrichtlinien nicht durchgelesen haben, aber es ist nicht gestattet mit einer Kaffeetasse als Arzt hier im Krankenhaus vor Patienten herumzulaufen. Zumindest nicht auf dieser Station!“

Marc wusste nicht, wie ihm geschah. Am liebsten wäre es ihm gewesen, wenn er die Tasse im Stationszimmer hätte stehen lassen. Und zum ersten Mal in seinem Leben gab es eine Frau, der er nicht widersprach und die er nicht anging. Die er nicht beleidigte, nicht bloßstellte und der er nichts zu entgegnen hatte. Und so starrte er ununterbrochen auf die Kaffeetasse, während die Standpauke sehr wohl bei ihm in aller Deutlichkeit ankam.
Kerry fuhr fort: „Weswegen ich Sie eigentlich hierher bestellt habe: Mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie wieder in die Chirurgie wechseln wollen?“

Marc nickte.
Kerry: „Dann dürfte Ihnen aber klar sein, dass Sie das zuerst mit mir zu besprechen haben. Denn während Ihrer Zeit in der Notaufnahme bin ich für Sie zuständig und ich stelle Ihnen auch ein Zeugnis aus. Die Zeit hier ist nicht umsonst und wird ebenso Gewichtung finden!“


Marc dämmerte es langsam und auch er fiel in eine leichte Schockstarre. Und doch wollte, bzw. konnte er gar nicht unterbrechen.
Kerry: „Ich würde Ihnen empfehlen, Dr. Meier, dass Sie sich in den letzten Wochen hier noch zusammenreißen. Ich genehmige Ihnen, wenn Sie das wünschen, dass Sie wieder in die Chirurgie zurückkehren können und damit die Zeit hier in der Notaufnahme für Sie beendet ist. Aber lassen Sie sich eines gesagt sein, Dr. Meier: Ich bin zwar noch nicht so lange hier, wie Sie es sind, aber dennoch habe ich hier mehr zu sagen. Und ich sage Ihnen nun: Ich habe Sie im Blick und werde im Zeugnis objektiv darlegen, wie Sie sich hier gemacht haben. Und jetzt würde ich Ihnen empfehlen sich wirklich um Ihre Patienten zu kümmern. Und vergessen Sie ihre Tasse nicht...!“

Indem sie wieder ihre Brille aufsetzte und sich wieder dem Computerbildschirm widmete, gab sie ihm zu verstehen, dass es ihrerseits nichts mehr zu sagen gab und sie auch von ihm keine Antwort oder Gegenreaktion erwartete. Ungewohnt kleinlich nahm Marc leise die Tasse vom Tisch, erhob sich, ging in Richtung Tür und legte die andere Hand an, um den Türgriff zu bedienen, als Kerry ihm noch hinterherrief: „Ich denke, dass Sie gut sind, Dr. Meier! Aber vergessen Sie nicht, wer Sie hier wirklich sind...!“



Marc schaute nur verdutzt zurück, um anschließend die Türklinke hinunterzudrücken und den Raum zu verlassen. Als er die Tür geschlossen hatte, kam nur ein leises "Blöde Kuh" über die Lippen, obwohl er eigentlich doch genau wusste, dass sie im Grunde genommen recht hatte. Und so machte er sich auf den Weg ins Stationszimmer zurück.


Auf dem Weg dorthin kam ihm Sabine entgegen, die er sofort zum Stoppen brachte. Sabine wurde es ganz anders, da sie dachte, nun würde ein blöder Kommentar kommen bezüglich der Kaffeenummer. Doch Marc fragte lediglich, ohne harschen Unterton:

Marc: „Schwester Sabine, wo ist Hasenzahn?“
Sabine: „Ähm... ähm...“
Marc: „Nun stottern Sie nicht so rum, Sabine! Wo ist sie?“
Sabine: „Die Frau Doktor hat heute frei, Herr Doktor!“

Marc blickte kurz auf den Boden und drückte Sabine ohne Vorankündigung die Tasse in die Arme, obwohl diese bereits drei Akten zu tragen hatte. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren verließ Marc Sabine hastig in Richtung Fahrstuhl.



Als sich Sabine wieder auf den Weg machen wollte musste sie allerdings feststellen, dass es doch nicht funktionieren würde, mit einer beinahe vollen Tasse und drei Akten in den Armen ihren Gang fortzusetzen. Doch sie konnte einfach nicht mehr die Arme bewegen, da sonst die Tasse sicherlich auf den Boden gefallen wäre und dies wollte sie unbedingt vermeiden.
Und so setzte sie sich im Schneckentempo in Bewegung. Schritt für Schritt. Denn schließlich glich es fast einer Doktorarbeit alles unbeschadet ins Stationszimmer zu bringen.

Günni, der aus dem Fahrstuhl kam, den Marc nun nahm, sah sich das Ganze an, wollte ihr eigentlich aus dem Weg gehen, jedoch fasste er sich ein Herz, nahm all seinen Mut nach der für sie beide doch ungewollten Trennung zusammen und machte große Schritte auf sie zu. Er stellte sich vor sie.
Sabine blieb der Atem stocken und fast wäre alles auf den Boden gefallen, da sie alles reflexartig losließ, hätte Günni nicht alles noch irgendwie auffangen können. Er nahm die Akten, übergab sie ihr wieder und hielt anschließend die Tasse hoch.

Sichtlich angespannt fragte Günni: „Wohin?“
Sabine schien aus dem Stottern an diesem heutigen Tage gar nicht mehr herauszukommen und meinte nur: „Ins... ähm... ins... ins... Stationszimmer.“

Günni nickte, Sabine lief rot an und machte sich auf den Weg dorthin. Sie brachte nur ein leises "Danke" über die Lippen. Kaum gesagt und schon war er wieder weg. Sie schaute ihm mit pochendem Herzen, das sie bis zur Halsschlagader spüren könnte, traurig hinterher.



...Ob sie ihn je wieder sehen würde? Ob ich Marc je wiedersehen werde, wenn er wieder in die Chirurgie wechselt?!...Warum auch nicht?! Wir arbeiten schließlich im gleichen Krankenhaus... Tzzzz... Gretchen, Gretchen! Wo denkst du nur wieder hin? Er ist ja nicht aus der Welt... Aber aus meiner...





Unterdessen bei den Haases:


Gretchen hatte es nicht geschafft, ihre Mutter davon abzuhalten, die Feuerwehr zu verständigen. Und so lehnte sie nun an der Tür und war nicht mal mehr primär auf der Suche nach dem Schlüssel, sondern überlegte nur noch:
...Wie komme ich hier raus?! Wie nur?... Ich könnte die Tür aufbrechen. Okay: schlechte Idee, da zu wenig Kraft. Ich könnte aber auch mit Anlauf vom Bett herab gegen die Tür rennen und sprichwörtlich mit dem Kopf durch die Tür, also eigentlich ja Wand -aber egal-... Okay, das geht auch nicht: Meinen Kopf brauche ich noch.
Aber was mache ich denn nun nur? Gott, wenn ich mir das nur vorstelle: da kommen so total süße, starke Feuerwehrmänner an, die mich retten wollen. Aber wie sehe ich nur aus?! Ich kann mich doch denen nicht so zeigen. Ich will mich doch nicht noch einmal blamieren, wie schon so oft. Irgendwann ist es genug!
Ich könnte ja auch aus dem Fenster springen... Vielleicht wäre die Idee gar nicht sooo schlecht... Ich meine, dann kann ich wenigstens auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren, wenn mich ein vielleicht noch süßerer Sanitäter versorgt, wenn er meine Frisur sieht, die durch das Herumwühlen auf der Suche nach dem Schlüssel vernichtet wurde...



Und während Gretchen sich diese Situation bildlich vorstellte und ihre Haare, so gut es ging, zurechtmachte, traf auch Franz zu Hause ein. Er näherte sich Bärbel, die bangend im Garten stand und zu Gretchens Zimmerfenster hinaufblickte, das Telefon noch in den Händen hielt und auf den Fingernägeln kaute.
Langsam näherte er sich ihr und stupfte ihr auf die Schulter. Sie drehte sich erwartungsvoll um und fragte noch "Ich habe aber gar keine Sirenen gehört...", da sie die Feuerwehr erwartete, die sie ja tatsächlich gerufen hatte.
Doch als sie ihn sah, veränderte sich ihr erwartungsvoller Blick, der dem eines Kindes an Heiligabend glich, wenn es die Geschenke erwartet, hin zu einem gefassten, kalten Blick.

Franz fragte nur scherzend: „Sirene? Aber Butterböhnchen, ich bin doch nicht Notarzt, sondern Professor und Klinikleiter - also NOCH...das mit dem Klinikleiter. Ich komme langsam in ein Alter, in dem man gut in den Ruhestand gehen kann. Dann hätten wir mehr Zeit für uns zwei, Butterböhnchen...“
Doch Bärbel verharrte in ihrem steinernen Blick und wandte sich wieder von ihm ab, was auch Franz zu denken gab.



...Ja, manchmal da bringen auch Scherze nichts mehr. Manchmal, da ist unser Leben einfach nicht lustig, egal, wie man es dreht und wendet. Da erkennt man, dass man nicht der König der Welt ist und andere über einem stehen. Da erkennt man, dass man alte Verhaltensmuster und Lebenseinstellungen nicht so einfach ablegen kann, obwohl man es sich versprochen hat und es eigentlich zutiefst möchte. Da erkennt man, dass andere nicht dumm sind und da erkennt man, dass man nicht alleine lebt und immer jemand um sich hat, der dann auftaucht, wenn man es so gar nicht erwartet. Und ob man dann gut aussieht? Ob dann die Haare sitzen? Ob dann alles stimmt und perfekt ist...?



In diesem Moment raste Marc in die Hofeinfahrt der Haases, kam abrupt zum Stillstand und stieg eilend aus seinem Sportwagen. Er hatte es sichtlich eilig. Er wollte unbedingt so schnell es nur geht zu Gretchen. Und so rannte er auf Bärbel und Franz zu, die sich gegenseitig anschwiegen.
Marc war völlig außer Atem, als er fragte: „Ist Ihre Tochter da?“
Franz wollte schon antworten, doch Bärbel griff ihm vor: „Ja, sie ist in ihrem Zimmer, aber...“

Doch Marc rannte ins Haus, da die Haustür offen stand. Bärbel sagte noch "...wir müssen aber doch erst auf die Feuerwehr warten", doch das bekam Marc schon gar nicht mehr mit. Jedoch aber Franz, der sehr lange überlegen musste, ehe er realisierte um dann nur noch entsetzt "DIE FEUERWEHR...?!" zu fragen.
Doch Bärbel wandte sich wieder von ihm ab und schaute nur gen Himmel.



Unterdessen lehnte Gretchen noch immer mit dem Rücken an der Tür und war in Gedanken versunken, als jemand rief: "Hasenzahn, kann ich rein?!"


...Hm, komisch! Seit wann wissen denn die von der Feuerwehr, dass mich Marc immer Hasenzahn nennt?!... dachte sie noch.
Gretchen rief der ihr doch eigentlich wohl bekannten Person zu: "Ja, aber ich... ", als sie spürte, wie die Türklinke hinunter gedrückt wurde und plötzlich einen dumpfen, aber deutlich schmerzhaften Schlag gegen das Steißbein verspürte.
Sie schrie nur auf: "Aua!!! Wissen Sie, wie weh das tut, wenn man die Türklinke in den Rücken geschlagen bekommt?!"

Sie drehte sich um, mit der Hand auf der Stelle, die getroffen wurde, als sie sah, wer da wirklich in der offenen Tür stand. Sie war erstaunt und geschockt zugleich und fragte nur verdutzt: "Marc?! Was machst du denn hier? Die Tür war doch verschlossen..."
Marc entgegnete nur mit leiser Stimme: "Äh... Nein!"

Beide blickten sich für einen Moment an und sagten nichts, bis Gretchen erneut fragte: „Was... was machst du hier?“
Da fragte Marc nur: „Weißt du, wer ich wirklich bin?!“


...Oh Gott, da ist er! Mein Feuerwehrmann! Er hätte ja ruhig eine Uniform anziehen können. Na ja, er ist auch so schön genug... Aber was soll diese Frage? Deswegen ist er hierhergekommen? Und ich dachte, er würde mich aus diesen qualvollen Flammen der Liebe und Sehnsucht befreien, die mein Herz zum Schmelzen bringen, nur, wenn ich an ihn denke, wenn ich ihn sehe, wenn ich in seiner Nähe bin. Ich dachte wirklich er würde mich fragen "Willst du, dass ich das glostende Feuer der Liebe zwischen uns entfache, von Neuem, mit so großen Flammen, die uns für immer und ewig vereinen? Ein Feuer, das nie erlischt...


Doch sie brachte in diesem Moment nur ein verwirrtes „Bitte?!“ über die Lippen.
Marc hingegen versuchte zu erläutern: „Weaver meinte, dass ich nicht vergessen soll, wer ich bin. Und du kennst mich am längsten, Hasenzahn! Außer meiner Mutter. Aber du weißt ja, wie objektiv sie ist...“
Gretchen war geschockt: „Und DESHALB kommst du hierher, Marc? DESHALB??? Weil Weaver dir etwas gesagt hat?!“

Sie drehte sich um, blickte in den Spiegel, der ihn zeigte, wie er im Türrahmen stand und sie hoffnungsvoll anblickte und der auch ihr Spiegelbild zeigte. Und sie sah sich, sie sah ihren Gesichtsausdruck. Und es war kein freudiger. Und wie es schon oft war, so stiegen ihr auch in diesem Moment die Tränen in die Augen, die sie sich zugleich schleunigst wieder aus den Augen wischen wollte. Und sie tat es so, als sollte er es nicht sehen, wo auch er doch direkt in den Spiegel blicken konnte. Nach einem kurzen Moment des Innehaltens und des innerlichen Tränentrocknens drehte sie sich wieder zu ihm um.


Sie schaute ihn mit großen Augen an und fing mit einem lang gezogenen, traurig klingenden "Maaarc" an, um dann ehrlich zu antworten.

Gretchen: „Ich kann dir nicht sagen, wer du bist, Marc! Ich weiß nur, dass du jemand sein willst, der du nicht bist. Vielleicht machst du dir etwas vor, vielleicht ist es aber auch einfach nur deine Art! Ich weiß nicht, wer du bist! Ich habe schon so viele Gesichter von dir gesehen, dass es mir schwer fällt zu sagen, welches dein wahres Gesicht ist!
Ich kann dir nicht sagen wer du bist, wenn du es ja selber nicht einmal weißt! Ich hatte erwartet, dass du aus einem anderen Grund zu mir kommst. Ich hatte mehr erwartet! Aber vielleicht ist es ganz gut, Marc, dass du zuerst einmal für dich selber herausfindest, wer du bist, was du willst und wen du willst...“



©:
Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=RGUimCL9GTI; "Orange Blue - Can Somebody Tell Me Who I Am (Lyrics)" © by Straight To Hell Productions, YouTubeDE; aufgerufen am 19.06.2014 um 20:03



...Was war mit Marc geschehen? So kannte ich ihn nicht. Nicht so. So war er noch nie zuvor. Er hat mich nie wirklich besucht und eine derartige Frage aus seinem Mund?! Es hat sich etwas verändert. Aber was? Gibt es etwa doch so etwas wie Einsicht bei ihm? Ob er tatsächlich gemerkt hat, dass auch er etwas verändern muss? Oder ob es nur wieder ein erneuter Versuch ist, mich zu kränken, zu demütigen und noch weiter herabzusetzen...?

Und so ließ Gretchen ihn im Türrahmen zurück. Während Marc ihr noch hinterherrief: "Äh... Hasenzahn! Das war eine ganz normale Frage...!"
Doch sie verließ das Haus, lief an ihren Eltern vorbei, die sich noch immer anschwiegen. Sie lief einfach auf die Straße hinaus und ging so auch an dem Feuerwehrwagen vorbei, der an ihr vorbeiraste. Sie blieb stehen und blickte diesem nur hinterher und sah, wie Marc nun im Türrahmen der Haustür stand und ihr nachschaute.


Sind wir zu gutgläubig? Glauben wir zu oft an Veränderung, wo wir doch jeden Tag schmerzlich Stillstand erleben mussten? Oder kann es tatsächlich sein, dass sich Menschen ändern? Schlagartig - durch eine Äußerung einer Person, die außenvorsteht?

Wer weiß: vielleicht ist es genau das, was Marc machen muss. Herausfinden, wer er ist, was er will.
Und müssen wir das nicht alle? Ist das nicht unsere Lebensaufgabe, bevor wir uns auf andere einlassen?

Sollten wir nicht herausfinden, ob wir uns wirklich von ganzem Herzen noch einmal auf unseren Ehepartner einlassen, von dem wir doch wissen, dass er uns schon so oft hintergangen hat?
Sollten wir nicht herausfinden, ob wir noch ein Kind erziehen können, wie unsere Lebensplanung aussieht, was wir eigentlich vorhaben und wie wir uns nun letztlich entscheiden werden?
Sollten wir nicht herausfinden, wer wir wirklich sind, bevor wir andere danach fragen?
Sollten wir nicht herausfinden, ob wir uns nicht doch noch zusammenreißen können und einen Schritt auf den anderen zugehen können, anstatt zu versuchen uns gegenseitig nur aus dem Weg zu gehen?

Vielleicht können wir auch dann, nachdem wir herausgefunden haben, wer wir wirklich sind, uns darauf einlassen, endlich unser Leben zu leben? So, wie es für uns lebenswert ist.
Und wer weiß, vielleicht können wir dann eines Tages endlich in unser Tagebuch schreiben, und am Ende unseres Lebens aus tiefstem Herzen sagen: "Mein Leben ist toll, zu toll, am tollsten! Toller könnte es gar nicht sein..."

Dann, wenn es keine Ausflucht mehr ist...

GretchenHaaseFan Offline

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28.06.2014 20:36
#3  Endlich! Ein echter Hollywood-Kuss, oder doch nicht? Zitat · antworten

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S02,E02:

Endlich! Ein echter Hollywood-Kuss, oder doch nicht?




WRITTEN BY
GretchenHaaseFan, Andrea

ASSISTED BY
Missing_DD, Elena


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»Liebes Tagebuch! Es gibt Tage, die kommen einem so vor, als wäre man in einem schlechten Film und es gibt wiederum Tage, an denen man sich definitiv in einem schlechten Film befindet. Und leider überwiegen diese Tage in meinem Leben... Ob ich wohl dafür auch irgendwann einmal die "Goldene Himbeere" verliehen bekomme?!
Alles fing mit dem einen Tag an, nachdem Marc mich zuvor noch fragte, wer er denn eigentlich wirklich sei - DESHALB zu mir nach Hause fuhr, um mich DAS zu fragen und mir dadurch wieder einmal zu verstehen gab, dass einzig und allein er der einzig wahre Hauptdarsteller in seinem eigenen Film ist. Für andere ist da kein Platz...
Und auch meine Mutter musste einsehen, dass sich ihr Ehemann, und mein Vater, wohl doch nicht wirklich geändert hat und er stattdessen wieder einmal nur eine Schmierenkomödie spielt.
Und es war auch jener Tag, der uns vor Augen führte, dass sich eine kleine Klinik wie unser EKH ständig neu orientieren musste im Kampf gegen die großen Klinikverbände... Und so bereiteten sich alle auf einen sehr spannenden Tag vor... so spannend, dass wahrscheinlich die Hälfte sowieso wieder auf krank machen würde...«



Es war ein schöner Morgen und die Sonne strahlte mit voller Kraft direkt in Gretchens Gesicht, als diese an jenem Morgen durch das Läuten ihres Weckers erwachte. Doch geschlafen hatte sie kaum und wenn sie es geschafft hatte, für einen kurzen Moment die Augen zu schließen, so träumte sie sofort wieder von ihrem Marc, dem Traumprinzen. Und so wachte sie mehr oder weniger komplett verschlafen auf, taumelte langsam die Treppe hinunter in das Esszimmer, in dem schon der Frühstückstisch gedeckt worden war. Doch ihr fiel sofort auf, dass ein Gedeck gar nicht erst angerührt worden war - das ihres Vaters. Und so fragte sie unumgänglich ihre Mutter, die sehr verzweifelt schien.


Gretchen: "Mama! Was ist denn los? Ist Papa etwa schon weg? Und warum siehst du aus wie sieben Tage Regenwetter, wo doch heute die Sonne scheint..."
Doch Bärbel ließ nur den Kopf hängen und seufzte: "Ach Margarete, heute war eine Rechnung im Briefkasten..."
Gretchen vorurteilend: "Mutter, jetzt sag' nicht schon wieder, dass du online irgendwelche scheinbar reduzierten Angebote bestellt hast! Ich habe dir doch schon so oft gesagt, dass das alles nur Betrüger sind, die dir das Geld aus der Tasche ziehen wollen..."
Bärbel hingegen erwiderte: "Ja, da hast du vollkommen recht! Und dabei heißt es doch immer 'die Feuerwehr - dein Freund Helfer'..."


Langsam dämmerte es auch Gretchen, dass diese Rechnung nur die für die entstandenen Kosten durch den Feuerwehreinsatz sein konnte. So setzte sie sich an den Tisch und Bärbel schob ihr die Rechnung herüber. Gretchen musste dreimal draufschauen, ehe sie schrie: "Waaaas?! 2500 Euro???..."
Bärbel schluchzend: "Ja, ich verstehe das gar nicht! Die mussten ja nur gerade mal 5 Minuten fahren. SO VIEL kostet das Benzin nun auch wieder nicht, auch, wenn alles immer teurer wird. Aber SO WEIT sind wir noch nicht, Margarete..."
Gretchen erwiderte immer noch fassungslos: "Ach, ist deshalb Papa schon lange wieder weg? Bei dieser Summe würde mir auch der Appetit vergehen..."
Bärbel hingegen schluchzte bei dieser Frage umso mehr: "Dein Vater hat sich heute noch nicht einmal blicken lassen. Ihm ist ja die Arbeit wichtiger..."
Gretchen dachte sich unterdessen: ...Nun ja, wenn man so teure Rechnungen zu begleichen hat, da muss man dann halt auch mehr arbeiten...



Doch Bärbel brannte auch noch eine andere Frage auf der Zunge: "Du, Margarete, sag' mal... Weißt du, ob dein Vater in Ruhestand gehen möchte..."
Gretchen: "Ich? Nein, wieso? Hat er das gesagt...?!"
...Na toll, wenn der in Ruhestand ist, dann gibt es in diesem Hause ja nur noch Mord und Totschlag...


Gretchen: "Du Mama, ich muss jetzt auch schon los. Heute ist doch diese Infoveranstaltung..."
Bärbel: "Aber Kind, du hast doch noch gar nichts gegessen!"
Gretchen: "Ach, ich weiß auch nicht. Mir ist irgendwie nicht so danach..."
Bärbel: "Bist du krank?!"
...Gegenfrage: Wer ist denn das in diesem Haus nicht???...


Und so verabschiedete sich Gretchen von ihrer Mutter indem sie ihr einen Kuss auf die rechte Wange gab, jedoch ihre Tasche auf dem Tisch vergaß. Diese Gelegenheit nutze Bärbel natürlich sofort, um ihr noch das Toastbrot mit Marmelade drauf einzupacken...



Im Krankenhaus:



Als Gretchen im Krankenhaus in der Umkleide ankam saß dort auch schon Marc lässig am Tisch, biss genüsslich in einen dunkelroten Apfel und las dabei die aktuellen Sportnews.
Marc, als er bemerkte, dass Gretchen an ihm vorbeihuschte: "Hasenzahn! Mal wieder leichte Verspätung?"
Gretchen, die gerade dabei war ihre Handtasche zu öffnen, drehte sich zu ihm um: "Marc, wir müssen reden...!"
Marc: "Äh ja, DAS denke ich auch. Was war denn gestern mit dir los, dass du wieder mal abgehauen bist?"
Gretchen lief leicht rot an und erwiderte stotternd: "Ich... also mit mir..." und fasste dabei in die Tasche, um ihren Schlüssel zu holen. Doch darin befand sich etwas anderes, klebriges und so dauert es nicht lange, bis sie „Ihhhh aufschrie...“


Doch Marc bemerkte sofort, dass ihr die Frage unangenehm war.
Marc: "Hasenzahn, jetzt tu’ nicht so! Ich weiß genau, dass du mir ausweichen willst. Bist ja bald schon so rot wie mein Apfel..."
...Was? Ich? Rot? ...Okay Gretchen, reiß dich zusammen und sag' einfach was Sache ist. lass dich nicht weiter hineinwickeln... Komm' auf den Punkt... Ihhh... was ist das in meiner Tasche?? Meine Hand ist ja tatsächlich rot! Was ist denn das?! Etwa Marmelade??? ... Oh, MUTTER!!!
Marc nachhackend: „Äh, hallo?! Keine Spatzen mehr zuhause im Spatzennest?!“
Gretchen, die sich gerade auch noch ihre Hose mit Marmelade versaut hat, sagte schließlich gerade heraus: "Marc... Deine Mutter betrügt meine!"
...Oh Gretchen! Was sollte denn diese Aussage schon wieder???...



Eigentlich wollte sie sich selber die Hand vor dem Gesicht zusammenschlagen. Doch das konnte sie gerade noch so unterbinden. Wie sähe das auch aus? Sie wäre ja dann voll mit Marmelade eingeschmiert...
Marc hingegen schien diese Aussage sehr zu amüsieren, denn sein Marc-Meier-Grinsen ließ nicht mehr lange auf sich warten. Und dieses Grinsen versetze Gretchen mittlerweile schon wieder automatisch in einen Peinlichkeitszustand, der nur noch mehr dazu führte, dass sie weiter rot anlief.
Marc scherzend: "Äh... Hasenzahn... ich trau' ja meiner Mutter viel zu, aber dass sie eine Affäre mit deiner Mutter hat?! Bisexualität ist wohl mittlerweile in Mode...
Gretchen hingegen drehte sich wieder zum Spind um und blickte dabei auf den Boden, als sie ihm mitteilte: "Maaaarc, ich finde das nicht witzig. Du weißt genau, wie ich das meine! Es ist ja schließlich nicht das erste Mal, dass deine Mutter meinen Vater ausnutzt... Ich meine, das fühlt sich wie Inzest an..."
Gretchen spürte, wie Marc den Apfel und die Zeitung aus der Hand legte und sich ihr langsam näherte. Er fasste sie sanft an der Hüfte an und so standen beide vor der Spindwand, als er sich nahe zu ihrem Ohr beugte und ihr zuflüsterte: "Inzest?! Dafür müssten wir aber verwandt sein, Hasenzahn..."



...Hoffentlich bleibt er so. Hoffentlich bewegt er sich nicht. Vor allem nicht in Richtung Marmeladefleck. Das wäre ja noch peinlicher... Bitte Marc, bleib einfach so stehen, so nahe bei mir...
Und mit leiser Stimme fragte sie ihn: "Sind wir das denn nicht, Marc? Auch wenn du es nicht zugeben willst. Uns verbindet doch irgendetwas. Ich spüre das!"



Es war eine romantische und zärtliche Situation zugleich, als sich Gretchen langsam zu ihm umdrehte und ihm in seine grünen Augen blickte, als sie weiter fortfuhr: "Maaarc, bitte geh' nicht wieder in die Chirurgie. Ich mag dich. Wie soll ich denn ohne dich bloß das alles hier überstehen..."
Marc: "Du weißt doch: ich gehöre einfach in die Chirurgie. Ich finde es zum Kotzen mich mit Patienten länger als nötig zu unterhalten. Ich bin eben nicht so wie du, Gretchen. Ich bin froh, wenn sie mich nicht mit Fragen löchern, sondern einfach auf dem OP-Tisch liegen, narkotisiert und nichts sagen... Du bist da anders. Aber wir sehen uns doch auch so noch."
Als er diesen Satz beendet hatte, strich er ihr eine Haarsträhne sanft aus dem Gesicht und Gretchen schloss die Augen, da sie einen Kuss von ihm erwartete. Und es machte den Anschein, als hätte Marc das auch wirklich vorgehabt, als plötzlich jemand laut schrie: "Ach hier sind Sie!"


Gretchen zuckte zusammen und riss die Augen auf und sah nur noch, wie sich Marc in Richtung Tür umdrehte. Und als Marc nicht mehr vor ihr stand, konnte sie auch erkennen, wer dort so laut aufschrie und sie stellte nur genervt fest: "Frau Dr. Steigerle!"
Und diese erkannte wohl, dass sie eben gestört haben muss, jedoch wollte sie den Raum aber auch nicht wieder verlassen, sondern näherte sich den beiden nur noch weiter. Man konnte zudem auch vernehmen, wie Marc wütend mit den Zähnen knirschte. Dies bekam auch Fr. Dr. Steigerle mit und klärte sofort auf:


Steigerle: „Also wissen's Herr Dr. Meier! I bin zwar koin Zahnarzt, aber I kann Ihnen nur sagen: Des tut den Zähnen aber gar net guad! I han des als Kind au immer gemacht und I weiß no, wie mein Zahnarzt domols gsagt hot: Also Kind, wenn du des weiterhin so machsch, dann hosch du mit 60 koine Zähne mehr!“
Doch diese Informationen machten Marc nur noch wütender, sodass er nun rot anlief, was Gretchen nur allzu gut sehen konnte, wenn sie immer mal wieder kurz zu ihm hinüber blickte. Und so versuchte sie die Situation zu schlichten, indem sie schlicht und einfach fragte: "Frau Dr. Steigerle, was können wir denn für Sie tun?"
Steigerle: „Ach jo Frau Haase, deshlab bin I ja au da! Es findet doch gleich so eine Informationsveranstaltung statt, wissen se? Und do wollt I au mit. Do gibt's doch au immer so guade Häppchen..."
Gretchen: "Ähm, aber Sie gehören doch gar nicht zur Notaufnahme dazu und sind auch gar nicht von der Umstrukturierung betroffen?"
Steigerle: "Ja und? I muss mi jo auch um die ganze Patienten kümmern, die dann in die Onkologie gschickt werdet. Und I kann Ihne sagen, Frau Haase, des macht koin Spaß dene alle sagen zu müssen, dass die nemme lang zu leba hend. Denn DES will jo in der Notaufnahme dene koiner saga. Des bleibt älles immer an mir hänga!"


Gretchen zwang sich nur ein notdürftiges Lächeln ab und stimmte nickend mit einem "Mhm" Zu. Nun wurde es Marc zu bunt und er äußerte sich nun auch einmal zu Wort: "Äh ja, also Frau Dr. Steigerle. Es ist ja sehr interessant, was Sie aus der Onkologie zu berichten haben, aber wir beide müssten hier noch etwas klären... unter vier Augen..."
Frau Dr. Steigerle schaute ihn nur fragend an und Marc wurde daraufhin immer energischer: "...also zu weit... Frau Haase und ich... also äh... ohne Sie...", als Frau Dr. Steigerle ein Licht aufging.
Steigerle: "Ahhh... ich versteh' schon. Sex! Ach wissen's Kindla, es isch immer guad so viel Sex zu han, wie es nur geht. Sex belebt. Also, Kindla, dann lass' ich euch zwoi Hübsche mol allein. Wir sehn' uns ja nachher noch..."


Endlich ging Frau Dr. Steigerle und die beiden hatten wieder Zeit für sich, als sie die Tür schloss. Marc wollte sich auch schon wieder Gretchen zuwenden, doch der war alles nun sichtlich vergangen.
Gretchen: "Puh... also ich weiß auch nicht. Aber die Steigerle kann einem auch alles madig machen."
Marc war sichtlich ernüchtert. "Äh... wie jetzt? Nur weil die da war willst du nicht da weitermachen, wo wir gerade aufgehört haben? Das ist nicht dein Ernst, Hasenzahn!"


Gretchen drehte sich wieder zum Spind um, schloss diesen auf und holte ihren Arztkittel heraus, den sie sich gleich überwarf und dabei Marc mitteilen musste: "Jaa Marc, irgendwie. Ach, ich weiß auch nicht..."
Marc setzte sich wieder genervt an den Tisch und trank einen Schluck aus seiner Tasse, die er widerwillig wieder auf den Tisch schlug.



...Wie süß... wie ein gekränkter kleiner Junge sitzt er nun da... Moment einmal, Gretchen Haase! Was soll das werden? Er wollte dich küssen und du ihn und gestern fragt er dich noch, wer er eigentlich ist? Kann ich etwa froh sein, dass die Steigerle hereingekommen ist. Schicksal? Göttliche Fügung? Weibliche Intuition? Hat sich bei Marc wirklich etwas getan. Ob er sich schon gefunden hat?...




Gretchen setzte sich ebenfalls an den Tisch und hakte nochmals nach: "Ähm Marc?! Sag' mal, was war das gestern eigentlich bei mir zu Hause???"
Marc: "Äh, keine Ahnung. Bei euch fuhr nur die Feuerwehr zur Einfahrt rein und vier Mann stiegen aus..."
Gretchen stöhnend: "Oh Gott, die Feuerwehr... dein Freund und Helfer..."
Marc: "Äh, aber sonst alles okay bei euch?!"


In diesem Moment fiel Gretchen auch wieder ein, weshalb sie ihn eigentlich sprechen wollte.
Gretchen: "Nein Marc, nichts ist okay! Deine Mutter schmeißt sich wieder an meinen Vater ran und ich glaube, dass meine Mutter auch etwas ahnt..."
Marc desinteressiert: "Ja, da siehst mal! Hat die Steigerle doch recht und selbst alten Leuten ist Sex noch wichtig... macht ja immerhin Hoffnung fürs Alter..."
Gretchen: "Maaarc! Mein Vater ist nicht alt! Und hör' bitte auf! Ich will mir das gar nicht vorstellen... deine Mutter und mein Vater in einem Bett, wie sie..."
Marc unterbricht betonend: "...Wie sie FICKEN?!"
Gretchen entsetzt: "Maaarc! BITTE!!! Du sprichst hier von meinem Vater - deinem Chef!"
Marc abwertend: "Äh, ich die beiden schon nackt im Bett meiner Mutter erwischt. Seither..."
Gretchen unterbricht nun auch ihn: "...Du hast bitte was?! Davon weiß ich ja noch gar nichts. Das hast du ja noch gar nie erzählt..."
Marc scherzend: "...ich wusste ja auch nicht, dass du an allen schmutzigen Details interessiert bist, Hasenzahn..."
Gretchen verdrehte genervt die Augen, während Marc schmunzeln musste, als er immer wieder leicht zu ihr hinüber schielte und sie sichtlich damit rang, was sie alles über ihren Vater hören musste.


Doch auch nun wurde die traute Zweisamkeit wieder jäh unterbrochen, als Sabine die Umkleide betrat und nur ein kurzes "Oooh" über ihre Lippen brachte.
Gretchen wollte wieder einmal vom Thema ablenken, das Marc immer noch Freude bereitete und was ihr natürlich wiederum auch nicht verborgen blieb.
Gretchen: "Schwester Sabine! Guten Morgen!"
Sabine: "Guten Morgen Frau Doktor. Guten Morgen Herr Doktor."
Marc, der sich die Zeitung vors Gesicht hielt und nur monoton antwortete: "Jaja, Sie mich auch..."
Gretchen: "Maaarc! Bitte mäßige dich!"
Marc verschmitzt: "Wieso denn?! Das macht dich unglaublich sexy, wenn du so außer dir bist, Hasenzahn!"
Gretchen blickte ihn nur peinlich berührt an, während sie die Hände unterhalb der Tischplatte knetete und Sabine nur wie verwurzelt daneben stand.



...Reiß dich zusammen, Gretchen! Reiß dich zusammen! Sexuelle Anspielungen von Marc Meier nehmen zu. Du bist im Krankenhaus. Einfach abprallen lassen, Ohren auf Durchzug stellen... Oh Gott, aber dieses Lächeln ist so verdammt süß. So sexy. Versuche ihn nicht anzuschauen... Mist, funktioniert nicht... Schwester Sabine, sagen Sie doch etwas. Sagen Sie etwas bevor es mit mir durchgeht! Entweder brauche ich jetzt sofort Schokolade oder ich muss die süßeste und zarteste Versuchung in diesem verdammten Krankenhaus, korrigiere: auf dieser verdammten ganzen Erde vernaschen, die mir gegenüber sitzt...



Kaum ausgedacht, sagte Sabine auch schon etwas...
Sabine: "Die Frau Doktor möchte sofort mit Ihnen in einem Raum verschwinden, den man abschließen kann und möchte Sie dort verführen wie die Geliebte von Doktor Rogelt..."
Gretchen bestürzt, als die realisierte, was Sabine gerade sagte: "Sabineee...!"
Marc hämisch: "'Äh... Ach ja? Und woher wollen Sie das wissen, Sabine?!"
Sabine überzeugt: "Ich bin eine Frau, Herr Doktor..."
Marc neckisch: "So so, Sabine! Eine Frau also... Und was würden Sie mir raten?"
Sabine: "Ich würde Ihnen raten, dass Sie sie sofort an der Hand nehmen und in einen einsamen Raum verschwinden. Aber dafür reicht die Zeit nicht. In fünf Minuten beginnt die Veranstaltung..."
Gretchen, die noch immer peinlich berührt ist, kontert gekonnt: "Oooch, das reicht dem Herrn Doktor aber sowas von. Länger schafft er eh nicht..."


Marc grinste erneut verschmitzt, da er genau wusste, dass es ein verzweifelter Versuch ihrerseits war, sich aus der Situation zu retten und wandte sich mit seinen Blicken wieder der Zeitung zu, was Gretchen noch mehr verunsicherte.
Sabine hingegen wies darauf hin, dass nun in Kürze die Veranstaltung beginnen würde.


Sabine: "Ähm... entschuldigen Sie Herr Doktor und Frau Doktor, aber wir sollten nun gehen..."
Marc abweisend: "W-I-R?! Sie meinen Sie und ich, ich und Sie und Hasenzahn...?!"
Gretchen wollte endlich ein bisschen Abstand gewinnen, da ihr die Situation immer noch peinlich war: "Ja, Sabine! Tolle Idee!!! Wir kommen natürlich sofort mit..."
Und so sprang Gretchen auf und Marc folgte den beiden widerwillig. Und während sie so den Flur entlang schritten, begegneten sie Franz, der sich ebenfalls auf den Weg gemacht hatte.


Gretchen verwundert: "Papa! Was machst du denn hier! Hältst nicht du den Vortrag?"
Franz: "Aber nein Kälbchen, wozu hat man denn Chefärzte?!"
Marc genervt: "Moment einmal! Dann hält Weaver die Veranstaltung?!"
Franz: "Ja, das wird sie. Sie ist eine sehr kompetente und verlässliche..."
Marc murmelt dazwischen: "Äh, Bitch..."
Gretchen, die neben ihrem Vater, hinter Sabine und vor Marc lief, drehte sich um und rollte mit den Augen...
Franz: "Bitte, wie meinen Sie, Meier?!"
Marc wollte schon ausholen: "Bi..."
Doch Gretchen griff noch ein: "...bildschöne Frau..."
Und wieder meldete sich Marc nuschelnd zu Wort: "Ja, nach dem zweitausendsten Cognac vielleicht..."
Währenddessen Franz ergänzte: "Ja, sie ist schon schön..."


Gretchen musste kurz schlucken, um wütend nachzuhaken: "Bitte?! Das darf doch wohl nicht wahr sein! Du steigst auch noch mit meiner Chefärztin ins Bett?"
Franz blieb schockiert stehen: "Kälbchen! Was unterstellst du mir hier?!"


In diesem Moment stieg auch Maria aus dem Fahrstuhl aus, der gerade auf derselben Etage hielt. Sie sah die vier bereits stehen und näherte sich ihnen. Ihr erster Ansprechpartner war unumgänglich Marc, den sie auch gleich fragte, was denn hier nun wieder vor sich ginge.
Maria flüsternd: "Was ist denn das hier für ein Zwergenaufstand?!"
Marc monoton: "Hasenzahn und ihr Vater streiten sich..."
Maria: "Na prima, mich zieht wohl auch das Unglück magisch an..."


Unterdessen war Franz in Erklärungsnot und Gretchen wurde immer lauter, sodass es unumgänglich auch alle mitbekamen, die um die fünf herumstanden.
Gretchen: "Das kann doch nicht sein, Papa! Du hast Mama schon so oft betrogen und jetzt wieder mit Marcs Mutter und auch noch..."
Marc grätscht dazwischen: "Äh... könntet ihr vielleicht meinen Namen aus dem Spiel lassen?! Ich habe einen Ruf zu verlieren..."
Maria lachte und stichelte ironisch: "Welchen Ruf denn?! Etwa den, den Sie noch nie hatten oder den, den Sie nie haben werden?!"
Franz wütender: "Könnten Sie mal beide ruhig sein?! Ich habe etwas mit meiner Tochter zu klären..."
Sabine mischte sich fürsorglich ein: "Aber Herr Professor, Sie sollten sich nicht so aufregen..."
Franz schreiend: "Schwester Sabine! Ich rege mich auf wann, wo und wie ich will! Ist das klar?!"
Schwester Sabine zuckte nur zusammen, während nun auch Gretchen lauter wurde: "Bitte? Du hast doch gar keinen Grund dich aufzuregen! Du glaubst vielleicht, dass Mama das alles nicht mitbekommt, aber sie ahnt es! Glaub es mir. Und ich würde dir raten ganz schnell die Karten auf den Tisch zu legen!!!"


Schwester Sabine kommentierte erschrocken: "Oh... die müssen aber zuerst noch gemacht werden, Frau Doktor..."
Gretchen schüttelte verwirrt den Kopf und fragte nur: "Bitte...?!"
Sabine erklärend: "Jaaa... sonst weiß doch niemand, wo man sitzen muss, wenn die Tischkarten nicht bedruckt sind..."
Franz außer sich: "Schwester Sabine! Hat Sie hier irgendjemand nach Ihrer unqualifizierten Meinung gefragt...?"
Marc verständnisvoll: "Das sage ich ihr auch immer , Herr Professor. Aber sie scheint es nicht zu verstehen..."


Daraufhin schossen Sabine die Tränen in die Augen und sie begann heftig zu schluchzen. So stand sie eine Weile da, während sie von allen nur angestarrt wurde. Als Gretchen empathisch mit "Sabine..." anfing rannte diese heulend davon.
Gretchen drehte sich nur genervt zu den Dreien um und bat Maria mit ihren Blicken ihr doch hinterherzugehen, woraufhin diese nur meinte: "Sehe ich etwa aus wie die Wohlfahrt...?!" und Gretchen nur zu einem leichten "Ohhh" verleitete.
Sie meinte nur noch: "Papa, da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen!" und eilte Sabine hinterher.


Maria, Marc und Franz blieben noch eine Weile so stehen und blickten den Flur hinunter, ehe sich Franz den beiden widmete und nur energisch meinte: "Haben Sie nicht besseres zu tun, als hier nur dämlich herumzustehen?!"
Maria und Marc verzogen beide nur die Gesichter und machten sich langsam auf den Weg in den Sitzungssaal.




Unterdessen vor dem Krankenhaus:



Sabine war hinaus geflüchtet und saß schluchzend und weinend auf einer Bank. Gretchen näherte sich ihr, setzte sich neben sie. Dann begann Sabine sich zu erklären.
Sabine betrübt und erschrocken über ihr Verhalten zugleich: „Entschuldigung, Frau Doktor... Ich weiß nicht, was mit mir passiert ist. Der Herr Professor wird sicher böse mit mir sein. Oh und wenn er mich feuert...?“
Gretchen: „Ach, Sabine! Machen Sie sich doch keine Vorwürfe. Man kann hier ja auch nur verzweifeln. Und mein Vater wird Ihnen sicher nichts tun, und Sie schon gar nicht feuern. Das verspreche ich Ihnen! Wissen Sie, Sabine, wir sind Frauen und es ist nie leicht für uns. Aber irgendwann verläuft ein Film auch mal positiv, wenn wir schon seit jeher in einem schlechten Film sind. Irgendwann bekommen auch wir unser Happy End. Da bin ich mir sicher.“
Sabine: „Aber Frau Doktor... glauben Sie auch, dass Sie und der Herr Doktor...“
Gretchen nickte und damit war für beide alles geklärt. Und auch Sabine taten die kurzen, aber doch tröstlichen Worte gut.



Und so machte sich Gretchen stürmisch auf den Weg in den Sitzungssaal. Als sie die Tür öffnete, hatte Kerry Weaver jedoch schon mit ihrem Vortrag begonnen. Dennoch wurde sie jäh durch das Quietschen der Tür unterbrochen.


...Oh nein... ich bin zu spät! Aber was glotzen die denn alle so blöd? Haben die noch nie jemanden zur Tür hereinkommen sehen?...


Gretchen schaute sich um und da der Raum abgedunkelt war, sodass die Power-Point-Präsentation besser zu sehen war, konnte sie kaum sehen, wo noch ein Platz frei war. Doch da erhaschte sie einen freien Platz in der ersten Reihe...


...Da sitzt er! Da sitzt Marc Meier. Und neben ihm ist noch frei. Ob er den Platz wohl für mich freigehalten hat? Egal, Hauptsache ist doch, dass neben ihm frei ist. Das ist fast so, wie in der Schule damals:


Jedes Mädchen aus unserer Stufe wollte neben ihm sitzen. Wirklich jedes Mädchen. Und doch saßen immer nur seine besten Kumpels neben ihm. Oder eben seine neue Flamme, die er auf dem Schulhof erobert hatte.
Außer in Physik. Da musste er sich neben mich setzen, weil es unser Lehrer so wollte. Er fand immer, dass er viel zu häufig den Unterricht gestört hat... Ich fand ihn einfach nur süß. Und es war sogar okay, dass er mir zur Begrüßung immer das Physikbuch auf den Kopf geschlagen hatte, denn ich wusste ja: die nächsten 45 Minuten gehört er mir – nur mir! Und ich wusste, wie all die anderen Mädchen auf mich neidisch gewesen sein mussten. Aber ich, Gretchen Haase, saß neben ihm...



Und so stürmte Gretchen zielstrebig auf den Platz neben Marc zu, übersah jedoch die schwarze Tasche, die mitten im Gang lag ganz und gar. Ehe sie sich versehen konnte, fiel sie auch schon über diese Tasche und lenkte so alle Blicke ein zweites Mal voll und ganz auf sich.



...Das gibt's doch nicht! Peinlich, peinlicher, am peinlichsten - Gretchen Haase. Was Marc jetzt wohl denkt? Entweder denkt er jetzt: kann doch jedem mal passieren, oder aber: die ist doch sogar zu blöd zum Laufen. Okay, so wie ich Marc kenne wohl eher die zweite Variante... Aber ich bin eine emanzipierte Frau! Ja, im Leben da fällt man manchmal, besonders in schlechten Filmen, wenn einen das Böse zu verfolgen scheint. Aber dann heißt es: aufstehen, weitermachen! Und hoffen, dass es doch nicht ganz so peinlich war, wie es einem selber vorkam...



Und so richtete sich Gretchen wieder auf, rückte die verrutschte Haarsträhne, die ihr wieder ins Gesicht gefallen war, zurecht, ebenso ihren Kittel und ging schnellen Schrittes auf den Platz in der ersten Reihe zu und setzte sich langsam. Selbstverständlich konnte sie es sich nicht verkneifen nach links zu Marc zu blicken. Dieser grinste nur vor sich hin und deutete nach vorne. Als sie den Blick nach vorne richtete, sah sie Kerry, die sie ernst anblickte und fragte: "Kann ich dann endlich weiter fortfahren?", woraufhin Gretchen nur peinlich berührt nickte.
In all den Peinlichkeiten bemerkte sie gar nicht, dass rechts neben ihr Dr. Steigerle saß, die sich zu ihr beugte und ins Ohr flüsterte: "Also Frau Haase, des isch aber eine langweilige Veranstaltung hier und soll ich Ihnen was saga: Es gibt ja id mal diese köschtlichen Häppchen...", woraufhin Gretchen nur, wie schon zuvor, mit einem "Mhm..." antwortete.




...Es war eine konfuse Veranstaltung, teilweise bizarr. Eine Veranstaltung, als säßen wir in einem schlechten Film, in dem erzählt wird, dass es für kleine Krankenhäuser wie unseres schwierig sei sich über Wasser zu halten und dass einem die großen Klinikverbände alles wegnehmen würden. Wie in einem schlechten Film.
Wird mir Marc auch weggenommen, wenn er wieder zurück in die Chirurgie geht? Hatte er recht damit, dass wir einfach zu unterschiedlich sind? Hatte er recht damit, dass ich mehr mit den Patienten kommuniziere...? Ja, damit hatte er wohl recht.
Und doch fragen wir uns immer wieder, ob unsere Entscheidungen richtig sind. Ob wir selbst in einem Blockbuster mitspielen oder doch nur in einem billigen Kitschstreifen, der von niemandem Beachtung finden wird...
Ja, das Leben ist ein Film. Und wie in jedem guten Film finden auch die bösen Charaktere ihre Showtime...





Gretchen erkannte, wer da aus der dunklen Stuhlgruppe hervortrat und sich zwischen Franz und Kerry stellte nach dem diese ihren einstündigen Vortrag über die Zahlen und Fakten des EKHs beendet hatte. Und so wandte sie sich Marc fragend zu.


Gretchen: "Sag' mal, das ist doch Gabi...!"
Marc: "Äh... ja... sieht so aus. War ja klar, dass die es sich nicht nimmt uns weiterhin unter die Augen zu treten..."
Gretchen: "Marc bitte! Sie hatte gerade einen Selbstmordversuch hinter sich..."
Marc: "Tja, aber wie du schon sagst: eben nur einen Versuch..."
Gretchen streng betonend: "MARC!"


Franz begrüßte unterdessen Gabi und gab bekannt, dass sie ab nun an wieder im EKH arbeiten würde.
Franz: "Ich freue mich, Schwester Gabi, dass Sie wieder hier sind..."
Gabi lächelnd: "Ja, vielen Dank Herr Professor. Ich freue mich auch..." und nuschelte weiter vor sich hin mit einem fiesen Grinsen im Gesicht "...vor allem auf das dumme Gesicht so mancher Anwesenden hier, wenn ich erst einmal wieder voll und ganz da bin..."
Franz nachhakend, da er es nicht verstanden hat: "Bitte, wie meinen Sie..."
Gabi legte ein freundliches Lächeln auf und erklärte: "Äääähm... und natürlich auf die vielen Patienten hier, wenn ich erst einmal wieder voll und ganz da bin..."


Doch auch den anderen blieb Gabis Grinsen nicht verborgen.
Maria: "Die schon wieder... Hat jemand gleich eine Waffe zur Hand zur Selbstverteidigung?!"
Mehdi, der neben ihr saß: "Aber Frau Hassmann... sicher hat sich unsere Gabi Fehltritte geleistet, aber deshalb so über sie zu reden. Ich weiß auch nicht..."
Maria widerwillig: "Natürlich wissen Sie das nicht... Sie sind ja auch nur Gynäkologe mit der rosaroten Brille vor den Augen. Und Sie sehen Frauen beim Entbinden zu. Dazu muss man gar nicht viel mehr sagen..."



...Und auch Marc war es merklich unangenehm, nach so langer Zeit wieder mit Gabi in einem Raum zu sein...
Marc, der immer nervöser wurde: "Mein Gott, wann ist diese gottverdammte Drecksveranstaltung endlich rum?"
Gretchen besorgt: "Marc, was ist denn mit dir los? Du schwitzt ja... Ist dir nicht gut?"
Frau Dr. Steigerle mischte sich natürlich prompt auch wieder ein: "Vielleicht liegt's ja au am Viagra?!"
Gretchen genervt: "Bitte?!" und wurde dennoch nachdenklicher: "Viagra?! Seit wann brauchst du Viagra, Marc? Du bist doch die wandelnde Testosteronbombe schlechthin..."
Marc genervt: "Boaaah... hört auf mich zu nerven! Mir reicht's!"



Und Marc ballte dabei seine Fäuste zusammen, verzog beinahe schmerzhaft das Gesicht, erhob sich und eilte nach hinten Richtung Ausgang und ließ Gretchen fragend zurück.
Und auch Kerry bemerkte den stürmischen Marc und merkte nur mit erhobenem Zeigefinger via Mikrofon an: "Herr Dr. Meier! Wo wollen Sie hin? Es geht doch noch weiter: die Umsatzzahlen folgen noch..."
Einen leises, aber dennoch unüberhörbares, abwertendes Raunen ging durch die Reihen.
Doch Marc riss die Tür auf und stürmte hinaus, während Gabi, die immer noch zwischen Kerry und Franz vorne stand, dabei nur ihr boshaftes Grinsen auflegte.


...Was ist denn nun los? Kaum ist Gabi da rastet Marc so aus? Vielleicht sollte ich ihm hinterher? Aber der Vortrag und nachher hat die mich auch noch auf dem Kieker...
Währenddessen bestätigte Frau Dr. Steigerle Gretchen zuflüsternd: "Sehens! Doch des Viagra!"
Gretchen rollte nur genervt mit den Augen und blickte auf den leeren Platz neben ihr.


...Okay, ich korrigiere: Besser jetzt gehen als nie, ehe mich die Steigerle noch zu Tode nervt...


Und so rannte Gretchen Marc hinterher, was Kerry dazu veranlasste, tief und genervt ins Mikrofon hineinzuschnaufen, woraufhin ihr Franz versicherte: "Das ist hier nicht immer so! Nur meistens..." und ihr damit einen Anlass dazu gab, einiges strenger aufzuziehen.





Zur selben Zeit im Hause Haase:


Bärbel war gerade dabei alles für den wöchentlichen Großputz herzurichten, als es an der Tür klingelte.
"Ich komme schon" rief sie laut kreischend und stellte den Putzeimer ab. Kaum hatte sie die Tür geöffnet, stürmte auch schon Elke herein.
Bärbel war außer sich und zugleich wusste sie nicht, wie sie reagierten sollte und so versuchte sie verwirrt zu erfragen, was denn ausgerechnet sie nun wollte.




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Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=IYKsjdkdRbw; "Flashdance - She's a Maniac [HD]" © by
Käyttäjän Vientaneva kanava, YouTubeDE; aufgerufen am 28.06.2014 um 19:24




Bärbel: "Entschuldigen Sie Frau Fisher... aber das hier ist MEIN Haus..."
Elke rannte währenddessen wie von der Tarantel gestochen hin und her. Vom Wohnzimmer ins Esszimmer und wieder zurück. Als sie die Treppe hochgehen wollte, streckte ihr Bärbel die Arme entgegen und so musste sie widerwillig stoppen. Herablassend schüttelte sie ihre Haare durch die Luft, streifte sie nach hinten und sah Bärbel nur von der Seite an, die immer wütender wurde.


Bärbel: "Was wollen Sie? Wenn Sie mir wieder meinen Mann wegnehmen wollen, dann brauchen Sie ihn hier nicht suchen! Der ist nicht da!"
Elke lachte abwertend: "Aber ich bitte Sie... ich werde doch wohl besser wissen wo sich Franz befindet. Ich kundschafte nur dieses geschmacklose Haus aus, denn die hässliche und geschmacklose gelbe Court-Couch ist mir langsam für meine wunderbaren Romane einfach zu wenig... Ich muss ja schließlich wissen, warum Dr. Rogelt, ich meine natürlich Franz, so sexuell frustriert ist... Und wenn ich mich hier so umschaue, dann liegt das aber mit absoluter Sicherheit an dieser Einrichtung. Grausam ist die ja..."
Bärbel: "Also jetzt hören Sie mal! Nur weil Sie keinen Geschmack haben, wie Sie ja mit Ihren dümmlichen Groschenromanen immer wieder aufs Neue beweisen, brauchen Sie mich hier nicht so angehen! Dieses Haus ist wunderschön...!"
Elke lachte erneut: "Und wovon träumen Sie dann bitte nachts?!" und überlegt kurz um ihre rhetorische Frage selbst zu beantworten: "...ach stimmt ja, von gutem Sex mit Ihrem Mann, den Sie aber nie bekommen werden!"


Und Elke lachte, ohne dabei auch nur eine einzige Atempause einzulegen. Das machte Bärbel so wütend, dass diese ihr reflexartig den nassen Putzlappen ins Gesicht schlug, den sie noch in der anderen Hand hielt. Elke war empört und fassungslos zugleich. Sie wischte sich den Schaum des Putzmittels aus dem Gesicht, riss Bärbel den Putzlappen aus den Händen und schlug ihn ihr ebenfalls mitten ins Gesicht.
Bärbel schrie laut auf: "Ahhhh... sind Sie denn geisteskrank?! Verlassen Sie sofort mein Haus oder ich vergesse mich..."
Elke antwortete daraufhin patzig: "Das müssen Sie mir nicht zweimal sagen! Sie sind ja hier wohl die, die irre geworden ist! Da muss man ja glatt mit dem Schlimmsten rechnen... Aber ich sage Ihnen: wenn Sie mich noch einmal auch nur anfassen, dann verklage ich Sie wegen Körperverletzung... Sie alte, verbitterte Schachtel!"
Bärbel war komplett entsetzt und hob schon die Hand, als ob sie gleich zuschlagen wolle. Elke nahm daraufhin fluchtartig reis aus, woraufhin ihr Bärbel noch hinterherschrie "Sie böse Hexe, Sie!“. Währenddessen schlug Elke die Haustür mit voller Wucht zu.
Bärbel konnte es in diesem Moment selber gar nicht glauben, was da gerade geschehen war.




...Ja, manchmal da finden wir uns in einem schlechten Film wieder, dann wenn die böse Hexe versucht uns auszustechen. Dann, wenn wir selber nicht mehr genau wissen, was wir eigentlich tun. Wenn wir uns selber nicht mehr wieder erkennen und uns wünschen, dass es wie in Filmen eine Zeitmaschine gäbe, die uns dorthin bringt, wo wir glücklich und zufrieden leben können, ohne die Angst, dass uns die Vergangenheit schon wieder einholt...




Unterdessen im Krankenhaus:


Gretchen war Marc hinterher gerannt und wusste, wo sie ihn finden konnte.
...Ja, auch im wahren Leben verhalten sich Männer wie in einem Film: sie sind dort, wo sie hingehören, nämlich bei ihren teuren Protzobjekten, ihren geliebten Autos, und tun das, was sie ihrer Meinung nach männlicher macht: entweder sie fahren damit rasante Rennen oder sie lehnen sich lässig an ihren geliebten Sportwagen und rauchen...



Gretchen lief auf Marc zu, der sich bereits eine Zigarette angesteckt hatte: "Marc! Warum bist du so schnell gegangen? Dein Pieper hat ja noch nicht einmal gepiept..."
Marc: "Hasenzahn, warum fragst du immer so nervtötend nach?! Warum willst du immer alles wissen?"
Gretchen näherte sich ihm mit einem tröstlichen Lächeln: "Weil du mir immer zu wenig sagst, Marc. Da muss ich ja fragen..."




©:
Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=xCZUd3AILtE; "Joachim Heinrich • Love poem (Cinematic Music | Piano&Cello) [HD]" © by
Joachim Heinrich, YouTubeDE; aufgerufen am 25.06.2014 um 22:07




Und sie lehnte sich ebenso wie Marc an sein Auto an. Dies begutachtete er kritischen Blickes und fragte nur mit der Zigarette im Mund: "Äh, Hasenzahn! Was wird das, wenn es fertig ist...?!"
Gretchen: "Was meinst du?"
Gretchen: "Äh... ja na DAS! Lass das gefälligst!"
Gretchen schaute verdutzt an sich herunter und fragte nur kopfschüttelnd und mit beiden Armen ausgestreckt: "Ich mache doch gar nichts..."
Marc auffordernd: "Du lehnst dich mit deinem fetten Arsch an meiner heißen Karre an!"
Gretchen entsetzt: "Bitte?! Fetter Arsch???"
Marc entgegnend: "Es ist nicht gut wenn man sich alles schön redet. Das ist psychologisch erwiesen!"
Gretchen neckisch: "Ach ja, DER Herr Diplom-Psychologe spricht! Na, dann mal HALLELUJA!"
Marc scherzend: "Was regst du dich denn gleich so auf, Hasenzahn?!"
Gretchen konternd: "Und was haust du immer gleich ab, Mr. Besserwisser, Klugscheißer, Angeber..." überlegt kurz und streicht sich dabei über das Kinn: "Ach ja! UND Frauenverachter..."
Marc schmunzelnd: "Ich habe dich nie verachtet, Hasenzahn! Aber in den Himmel muss man dich auch nun wirklich nicht loben..."
Gretchen unterbricht lachend: "...ach ja, ich versteh' schon: DIE PSYCHOLOGIE!"
Marc gelassen: "Du bist ja doch noch lernfähig... hätte ich dir gar nicht mehr zugetraut..."


Marc grinste sie an und Gretchen schaute für einen Moment kurz zur Seite und schien zu überlegen, ehe sie sich wieder zu ihm drehte und erleichtert meinte: "Es tut gut, wieder normal mit dir zu reden. Ich habe dich vermisst, Marc..."
Marc drehte sich zu ihr, wie noch zuvor vor Beginn der Informationsveranstaltung, schmiss die Kippe auf den Boden und strich ihr sanft über die rechte Wange. Und beide bemerkten in diesem Moment nicht, wie Gabi im Eingangsbereich stand und die beiden hinter einer Glasscheibe beobachtete.



...Liebes Schicksal! Ich bin Marc so nahe wie schon lange nicht mehr. Bitte, bitte, bitte: lass es jetzt wenigstens zum großen, himmlischen Filmkuss kommen. Ich würde alles dafür tun, alles! Ich würde sogar abnehmen... okay, ich bräuchte halt so ein bis zwei Jahre für ein halbes Kilo - aber das wäre durchaus machbar und wäre es mir auch wert!...



Und Gretchen schloss wieder die Augen, doch auch in diesem Moment sollte es nicht zu jenem heiß ersehnten Kuss kommen, denn in diesem Moment piepte plötzlich wirklich Marcs Pieper.
Er schloss genervt die Augen, um sie kurz danach wieder aufzureißen. Den Pieper holte er aus der Kitteltasche und schaute Gretchen nur um Entschuldigung bittend an. Diese richtete ihren Blick in Richtung Boden, um ihm dann noch einmal tief in die Augen zu sehen, während sie ihre Hand auf seine Brust legte.
Gretchen: "Etwas Ernstes?!"
Marc nickte.
Gretchen: "Dann geh'..."
Marc begann sich von ihr abzuwenden.



...Hatte ich jetzt ernsthaft gehofft, dass er bleibt und sagt: "Nein, Gretchen! Wegen mir könnte die Welt um uns herum untergehen und alle in ganz Berlin gleichzeitig an Malaria erkranken - ich bleibe bei dir!"
Schade, dass es Filme nicht im echten Leben gibt. Da wäre das jetzt nämlich der Fall...




Und so schaute sie ihm nach wie er Richtung Eingang ging. Gabi, die alles beobachtet hatte, versteckte sich schnell hinter einer großen Pflanze.
Gretchen rief ihm noch nach: "Ach und Marc! Ich habe gar keinen fetten Hintern! Das nennt man KURVEN! Und das ist keine psychologische Analyse, sondern die Wahrheit!"
Marc drehte sich noch zu ihr um lächelte ihr zu. So schaute sie ihm die ganze Zeit noch verträumt nach, bis er im Krankenhaus verschwunden war. Ein Lächeln zauberte sich in ihr Gesicht, das jedoch nicht lange anhalten sollte.


Denn kaum war Marc außer Sichtweite, kroch Gabi hinter der Pflanze hervor, stürmte hinaus auf den Parkplatz und nahm direkten Kurs auf Gretchen, die sich wieder an Marcs Wagen angelehnt hatte und noch immer verträumt mit ihrer Halskette spielte, als sie anhand des Schattens auf dem Boden bemerkte, dass sich ihr jemand näherte...
Gretchen schob die Kette zurück unter die Bluse und begrüßte Gabi freundlich: "Ach, Schwester Gabi! Schon lange nicht mehr gesehen. Ich freue mich auch, dass Sie sich nach Ihrem Selbstmordversuch wieder gefangen haben und neu anfangen wollen... Wissen Sie, es ist immer gut neu anzufangen. Und es wird bestimmt alles anders..."
Gabi unterbricht sie wütend und drohend: "Ach, halten Sie doch Ihre dicken Backen zusammen und seien Sie einfach mal still, Sie blöde Kuh!"
Gretchen verwundert: "Aber... aber... Gabi..."
Gabi noch wütender: "Sparen Sie sich Ihr dummes Gesäusel! Ich kann es nicht mehr ertragen! Wären Sie nicht hier, dann könnte ich mit Marc jetzt glücklich sein und müsste nicht wieder ganz von vorne anfangen..."


Gretchen dachte sich noch: ...Oh Gott, da haben wohl bei jemandem die Therapien auch nicht viel gebracht. Psychologie scheint doch nicht das Gelbe vom Ei zu sein..., während Gabi fortfuhr:


Gabi: "...und stattdessen funken Sie mir immer dazwischen! Wegen Ihnen wollte ich mich schon umbringen..."
Gretchen verständnisvoll: "...aber Schwester Gabi, ich weiß, dass es für Sie unheimlich schwer sein muss..."
Gabi verliert dabei beinahe die Kontrolle und weist sie zurecht: "...Halten Sie einfach Ihre dumme Klappe! Ist das zu viel verlangt??? Jetzt rede ich! Und zwar nur ICH! Verstanden?!..."
Gretchen nickte eingeschüchtert.
Gabi: "...Aber eines sage ich Ihnen Frau Doktor Haase! Eine Gabi Kragenow gibt nicht so schnell auf! Nicht ich hätte versuchen sollen mich umzubringen, es wäre besser, wenn Sie nicht mehr hier wären..."


Gretchen unterbricht erneut schockiert: "Moment einmal, Gabi! Wollen Sie mir etwa gerade sagen, dass ICH besser..." und bekommt dabei einen hysterischen Lachanfall und versucht dabei weiterhin zu schlichten: "...also Gabi, nichts für ungut, aber ich denke, dass es besser wäre, wenn Sie sich wieder in therapeu..."
Gabi reicht es endgültig und schreit sie an: "...Ich sagte SCHNAUZE! Ich lasse mir das nicht mehr gefallen! Ich werde Ihnen das Leben hier zur Hölle machen! Das verspreche ich Ihnen! Und irgendwann da wünschen Sie sich, dass Sie besser nie geboren wären!"




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Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=DFhJUk7LNT0; "LeAnn Rimes - Some Say Love/The Rose" © by
pumpkindolly00, YouTubeDE; aufgerufen am 28.06.2014 um 20:01




Gabi rümpfte dabei die Nase und schaute sie mit bitterbösem, finsterem Blick an, strich sich durch die Haare und lief erhobenen Hauptes davon. Gretchen hingegen blieb fassungslos, eingeschüchtert und schockiert zurück...



Ja, manchmal da kommen wir uns vor, als wären wir in einem schlechten Film. Und dann begreifen wir, dass wir tatsächlich in einem schlechten Film sind.

Wir müssen kämpfen, weil uns wieder einmal droht, dass wir alles verlieren. Kämpfen in der Hoffnung, dass niemand verletzt wird und dass wir selber nicht verletzt werden.

Wenn unser Leben einem Film gleicht, in dem es nur so von bösen Hexen wittert, die unsere Ehe und uns zerstören wollen, die es sich scheinbar zu ihrem Lebensinhalt gemacht haben, uns am Boden liegen zu sehen.

Ein Film, in dem wir nicht die Betrogene sein wollen, sondern vielmehr die über alles Geliebte, die doch weiß, dass es selbst im schönsten Liebesfilm Passagen gibt, die so gar nicht nach glücklichem Leben aussehen.

Ein Film, in dem wir selber nicht mehr wissen, wer wir sind, was wir sind und wo wir eigentlich genau sind. Wir wollen so gerne unsere Rolle ablegen und haben sie doch so sehr verinnerlicht, dass wir nicht anders können.

Sind wir wirklich die Böse, die alles dafür in Bewegung setzen würde um zu gewinnen, auch, wenn wir dabei über Leichen gehen müssen? Oder sind wir die Gutgläubige, die bis zum Schluss hofft und nicht weiß, ob es gut oder schlecht enden wird?

In jedem Film gibt es Gute und Böse. Und in fast jedem Film finden die Guten zueinander, verlieben und lieben sich, heiraten und werden glücklich. Es ist die Hoffnung, die uns am Leben erhält, dass auch wir einmal einen Strauß mit roten Rosen geschenkt bekommen, eine Liebeserklärung, die es sonst nur im Film gibt. Und dennoch glauben wir fest daran.
Und selbst, wenn dieser traumhafte Verlauf ausbleibt, so siegt das Böse nie. Das Gute gewinnt immer.

Doch wer sagt, dass jedes Drehbuch immer so enden muss? Was ist, wenn unser Leben einem Thriller gleicht und das Böse tatsächlich siegt?
Werden wir dann jemals wieder den Fernseher einschalten und werden wir dann jemals noch zu träumen wagen, dass unser Film gut enden wird? Oder geben wir doch auf, weil das Ende nie gewiss ist und wir zu viel Angst davor haben?

Hoffen wir, dass für unseren Film und die wahre, echte große Liebe noch nicht die letzte Klappe gefallen ist...

GretchenHaaseFan Offline

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Beiträge: 1.083

05.07.2014 19:27
#4  Hilfe! Muss ich mich wirklich entscheiden? Zitat · antworten

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S02,E03:

Hilfe! Muss ich mich wirklich entscheiden?




WRITTEN BY
GretchenHaaseFan, Andrea

ASSISTED BY
Missing_DD, Elena


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»Liebes Tagebuch, im Leben läuft so einiges schief und bei mir ist das schon die Tagesordnung
Denn Marc hatte mir unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass die Notfallmedizin nichts für ihn ist. Und selbst das konnte ich sogar verstehen...
Meine Mutter hingegen traf die Entscheidung, dass es doch besser wäre, so weiterzumachen, als ob gar nichts wäre, während andere wiederum, wie mein Vater, die Entscheidung trafen, dass es besser wäre sich einen Plan auszudenken, der alles wirklich und für immer geheim halten würde...
Schwester Gabi war sich einer Entscheidung ganz sicher: Sie wolle mir das Leben zu Hölle machen. Doch, ob das die richtige Entscheidung war?! Böse Mädchen kommen nämlich selten in den Himmel... zumindest nicht in den Himmel auf Erden, in dem Marc Meier immer bei einem ist...

Es war also jener Tag, an dem alle, die bisher auf Probe in der Notaufnahme waren, sich entscheiden mussten...«




Nach und nach füllte sich der große Sitzungssaal erneut. Es waren einige Kollegen anwesend, die ernsthaft darüber nachdachten, sich als zweite Qualifikation die Notfallmedizin anzueignen.
Gretchen eilte zur Tür herein, da sie schon wieder ein bisschen zu spät war, wohlgemerkt als einzige in Zivilbekleidung, während alle anderen bereits wieder ihre weißen Kittel trugen. Sie schaute sich um, doch sah sie jemanden nicht, den sie eigentlich genau hier antreffen wollte.


...Schade, ich hatte wirklich gehofft, dass Marc auch da ist - obwohl er sich ja schon gegen die Notfallmedizin entschieden hat...


Und während sie sich umschaute, setzte sie sich, ohne großartig zu überlegen auf den freien Platz, der direkt am Gang lag, dort, wo sie ein wenig enttäuscht in die Reihen blickte.
Als sie sich gerade setzten wollte, sprach sie jemand an, dessen Stimme ihr sehr vertraut war.

Maurice: "Ja, guten Morgen Frau Haase!"
Gretchen blickte verwirrt zu ihm hinüber, da sie gerade ihrer Hoffnung, Marc anzutreffen, beraubt wurde: "Herr Knechtelsdorfer! Sie auch hier?!"
Maurice: "Ja, aber sicher doch! Ich möchte doch Karriere machen..."
Gretchen nachhakend: "Ähmmm, ja gut. Und ich nicht, oder wie?!"
Maurice: "Ach wissen's... Es ist halt au immer ned so ganz einfach als Frau."
Gretchen: "Wie bitte?!"
Maurice: "Na, Sie wissen's scho..."
Gretchen blickte ihn nur fragend an.
Maurice: "Nun ja, wenn man in den Oberarzt verliebt ist und der nichts von einem will..."
Gretchen entrüstet: "Wollen Sie mir etwa unterstellen ich wäre unprofessionell?"
Maurice ringend: "Nun ja..."
Gretchen genervt: "Was glauben Sie eigentlich! Ihre Maria ist doch auch eine Frau, oder wissen Sie etwas, das ich nicht weiß?"
Maurice: "Ja sicher... aber die is' ja au von einem ganz anderen Kaliber..."


Gretchen legte sich ihr Tuch ab, das sie sich morgens noch um den Hals gewickelt hatte und schaute dabei mehr als nur genervt starr nach vorne, als Maurice etwas anzumerken hatte.


Maurice: "Wir haben Sommer... ist das nicht ein bisschen warm?!"
Gretchen entrüstet: "Sagen Sie mal! Darf ich jetzt noch nicht einmal mehr das anziehen, was ich möchte?!"
Maurice: "Was sind Sie denn so genervt?!"
Gretchen rechtfertigend: "Ich bin gar nicht genervt. Gar nicht! NIEMALS! Niemals NIE!"
Maurice nachgebend: "Okay... okay... ist ja schon gut. Es kann ja nicht bei allen in Sachen Liebe klappen..."
Gretchen konnte sich eine schnippische Antwort gerade noch so verkneifen, jedoch sah man ihr an, wie sie ihr Backen aufblies und wütend mit den Zähnen knirschte.



Und so begann erneut eine Veranstaltung, in der nun Kerry Weaver als Leiterin der Notaufnahme, die Anwesenden einzelnen zu sich, geordnet nach einer langen Liste, ins Büro bat, um mit ihnen zu besprechen, ob sie sich vorstellen könnten als Zweitqualifikation in die Notfallmedizin einzusteigen. Nach einer gefühlten Ewigkeit und nachdem alle Schokoriegel aufgebraucht waren, die Gretchen zur Reserve in ihrer Handtasche mit sich herumschleppte, war auch sie endlich an der Reihe und machte sich langsamen Schrittes auf zu Kerrys Büro. Da jedoch das Büro in einem anderen Stockwerk lag, musste sie sich bemühen die Treppe hinaufzugehen...



...Gretchen Haase! Nach gefühlten tausend Schokoriegeln Zeit für eine sportliche Aktivität am Arbeitsplatz! Aber Fahrstühle sehen so verlockend aus... Doch Patienten wollen eine kompetente Ärztin, die selber vertritt, was sie empfiehlt...



Und so schleppte sie sich mühselig die ersten paar Stufen hinauf, um dann festzustellen und zurückzurudern:
...Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Verschwitzt im Büro anzukommen ist keine gute Idee!...



Und als sie die Stufen wieder hinunterlief, sich vor die Fahrstühle stellte und den Knopf drückte, bemerkte sie, dass sich ihr jemand von hinten näherte und ein ganzes Stück hinter ihr stehen blieb. Als sie sich umdrehte, erkannte sie freudig, dass es tatsächlich Marc war, der sie nur wieder verschmitzt angrinste.
Marc: "Na, Hasenzahn? Auf dem Weg um Patienten zu drangsalieren?"


Und in diesem Moment fragte sie sich, warum sie sich über Marcs Andeutungen nicht so aufregte wie über jene, die Maurice noch zuvor von sich gab. Doch plötzlich spürte sie schmerzhaft, wie ihr etwas in den Rücken geschoben wurde und sie durch jenen Stoß ein Stück weiter nach vorne strauchelte.

Genervt drehte sie sich um und sah eine Schwester, die einen Patienten in seinem Bett aus dem Fahrstuhl bugsierte und ihr zurief: "Mensch, passen Sie doch auf, Schwester!"
Allein dieser Ausruf veranlasste Marc dazu, noch mehr zu schmunzeln. Gretchen drehte sich bösen Blickes zu ihm, woraufhin er sofort versuchte sein Schmunzeln einzustellen und wieder Ernsthaftigkeit zu erlangen.

Gretchen entrüstet: "Schwester??? Hat die mich gerade S-C-H-W-E-S-T-E-R genannt?! Schwester???"
Marc zynisch: "Äh, ja. Das hat sie und ich glaube sie sieht damit weitaus mehr in deinem Können, als du tatsächlich vorzuweisen hast."
In diesem Moment schien es Gretchen fast schon zu bereuen, dass sie nun in die Notaufnahme wechseln wollte.



...Achtung, Achtung! Gretchen Haase an Gehirn, Gretchen Haase an Gehirn: Muss dringend verhindern zu heulen. Würde ich Marcs Anspielungen und Marcs Humor vermissen? Würde ich mich nach ihm sehnen?...



Marc, der ihr in die Augen blickte, fragte nur vorausschauend: "Du wirst jetzt hier aber nicht heulen, Hasenzahn?!"
Gretchen, die versuchte, sich zusammenzureißen, teilte ihm mit traurigem Nachklang mit: "Ich bin auf dem Weg zu Weaver, Marc. Ich werde mir die Notfallmedizin anschauen."
Marc wandte sich stotternd von ihr ab, um an ihr vorbei Richtung Fahrstuhl zu gehen: "Mist, jetzt ist der verdammte Fahrstuhl wieder weg!"


Gretchen hingegen kam die Situation mehr als komisch vor und so drehte auch sie sich zu ihm um. Nun stand sie jedoch hinter ihm.
Gretchen nachhakend: "Sag bloß du wirst mich vermissen, Marc?!"
Marc noch immer stotternd: "Ich? Wieso? Bessere Chirurgen findet man immer... Geh' du nur in die Notaufnahme und doktere dort an Unschuldigen herum. Da fallen Kunstfehler auch nicht so schnell auf..."
Gretchen sauer: "Kunstfehler??? Was soll DAS heißen, Marc?! Ich habe nie und nimmer auch nur irgendeinen Kunstfehler begangen..."



Franz, der sich gerade ebenfalls in Nähe der Fahrstühle aufhielt, und sich mit einem Kollegen unterhielt, bekam alles mit und eilte sofort zu Gretchen, nachdem er seinem Kollegen nur ein "Entschuldigen Sie bitte..." entgegnete.
Franz: "Du willst in die Notaufnahme, Kälbchen? Habe ich das richtig verstanden?"
Gretchen genervt: "Ja Papa! ... Diagnose: Der Patient braucht noch kein Hörgerät(...)" und fügte leise flüsternd hinzu: "(...) leider!"
Franz entsetzt: "Aber Kälbchen! Die Notaufnahme ist doch nichts für dich! Ich dachte du wolltest etwas aus deinem Leben machen!"
Gretchen entrüstet: "Bitte??? Und DU willst Professor sein und diese Klinik leiten?! Es wird wirklich langsam mal Zeit, dass du dich in Rente begibst. Diese Steinzeitansichten sind ja..."


Gretchen musste überlegen, während Franz sie durch einen fordernden Blick nach der Beendung des Satzes immer mehr unter Druck setze.
Doch Gretchen wusste keine Antwort, als sich Marc einschaltete: "Sie wollte sagen, dass Ihre Ansichten die Klinik sehr weit bringen und zu einer der führenden Kliniken dieser Stadt machen..."
Franz trocken und zugleich überlegend: "Ah ja...? Nun ja, da haben Sie recht. Vielen Dank, Meier!", während Gretchen Marc nur fassungslos anstarrte.





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Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=SCQsxOTx5_Y; "Joachim Heinrich • Little Love Story (Cinematic Music | Piano) [HD]" © by Joachim Heinrich, YouTubeDE; aufgerufen am 04.07.2014 um 15:37




In diesem Moment öffnete sich auch wieder die Fahrstuhltür und Marc huschte hinein. Gretchen ließ nicht lange auf sich warten und huschte ebenso schnell hinterher. Franz hingegen blieb nur ratlos zurück, als sich die Tür vor seiner Nase verschloss und murmelte vor sich hin: „Ich bringe die Klinik voran... ich bringe sie voran! Ja, das tue ich!“
Unterdessen war Gretchen noch immer stinksauer: "Sag mal spinnst du, Marc?! Was sollte das??? ... Die golfenden Chirurgen halten zusammen, egal wie abstrus es auch ist, oder wie?"
Marc monoton: "Äh, Hasenzahn... Heute noch nicht deine Tabletten eingenommen, oder was?"
Gretchen immer lauter: "MARC! Ich finde das nicht mehr lustig! Du findest also wirklich, dass die Notfallmedizin nur etwas für Idioten ist?"
Marc gelassen: "Äh... nicht für Idioten - nur für Stümper..."
Gretchen: "Das hast du jetzt nicht gesagt! Eines Tages Marc Meier, ja eines Tages... da werde ich auch so wie Kerry Weaver sein. Alle werden sich vor mir fürchten und vor mir Respekt haben! Selbst du, Marc Meier! Und dann wirst du sagen: Jaaaa, die Gretchen Haase - die hat es ganz alleine zu etwas gebracht und muss nicht, so wie ich, dem Professor in den Allerwertesten kriechen..."
Marc genervt: "Das heißt Arsch, Hasenzahn, ARSCH!"
Gretchen konternd: "Ach du, ich wollte dich nicht so nennen. Sonst hätte ich ja noch den letzten Funken deines Egos ganz zerstört..."


In diesem Moment fühlte sich Gretchen so gut wie noch nie zuvor. Endlich konterte sie Marc mal so richtig gut, jedoch war ihr auch bewusst, dass ein Marc Meier immer das letzte Worte haben würde: "Aber wenn du dann eines Tages so wie Weaver bist, dann wirst du von allen gehasst werden und einsam und alleine sterben..."
Gretchen erkannte, dass ihr Konter wohl doch nicht so wohl durchdacht war und drehte sich mit einem aufgezwungenen Lachen zur anderen Fahrstuhlwand hinüber und strich sich dabei durch ihre Locken.


Und so standen beide stillschweigend, Marc mit einem selbstbewussten Grinsen im Gesicht, Gretchen hingegen eher mit einem peinlich berührten, nebeneinander und warteten, dass der Fahrstuhl zum Stillstand kommen würde. Die Tür öffnete sich langsam und Marc schritt zuerst hinaus, blieb jedoch vor dem Fahrstuhl stehen, drehte sich wieder zu ihr um und fragte nur: "Sehen wir uns nachher in der Pause - so gegen 12 Uhr?" und grinste sie nur freundlich dabei an. Gretchen wusste gar nicht, wie sie hätte reagieren sollen und nickte nur - ebenfalls mit einem Grinsen im Gesicht, als sich die Tür wieder verschloss und Marc dahinter langsam verschwand.



...Haben Chirurgen etwa doch ein Herz? Gibt es einen Gott, der Marc dazu gedrängt hat mich endlich mal zu fragen? Wenn ja, dann: Halleluja!...



Und so stand Gretchen im Fahrstuhl, der wieder nach unten fuhr, als sie schockiert feststellte, dass sie doch eigentlich auch hätte aussteigen müssen.

...Hilfe! Stopp! Ich muss wieder nach oben! Oh Gott im Himmel, die Weaver wird mich umbringen, wenn ich zu spät bin...





Unterdessen am Empfang in der Notaufnahme:


Es war Gabis erster Arbeitstag, nachdem sie versucht hatte, sich das Leben zu nehmen. Neun Wochen sind seither vergangen. Und so setzte sie sich an ihren Arbeitsplatz am Empfang der Notaufnahme, da sie vorerst Patienten noch nicht wieder medizinisch versorgen durfte. Dort wartete bereits Reggi, die die Vertretung übernommen hatte. Natürlich, wie für sie üblich, Kaugummi kauend, obwohl ihr das seitens Kerry Weaver strengstens untersagt worden war.
Reggi enthusiastisch, als sich Gabi näherte: "Ach, Sie sind dann Gabi Kragenwo?!"
Gabi schlecht gelaunt: "Kragenow! Das heißt KragenOW!"
Reggi: "Ja, ja. Schön. Also, ich arbeite Sie jetzt einfach ein und erkläre alles und dann kann ich gehen... Ich mach' heute noch einen wunderschönen Shoppingtag..."

Und so ließ Gabi über sich all die Erklärungen ergehen, doch sie hörte nicht zu, wie Reggi ihr erklärte, wie das Telefon zu benutzen sei, oder die Annahme der Funksprüche der Rettungswagen funktionierte, sondern schmiedete insgeheim andere Pläne...





Unterdessen vor Kerry Weavers Büro:


Gretchen war komplett außer Atem, als sie vor dem Büro eintraf, da sie aufgrund der Zeitnot, entgegen des eigentlichen Planes, doch die Treppe bevorzugte. So schnell war sie noch nie zuvor gerannt, jedenfalls nicht im Krankenhaus.
Und gerade, als sie anklopfen wollte, öffnete sich die Tür und Marc stand wieder einmal vor ihr. Ganz perplex verharrte sie in der "Anklopf-Haltung" und starrte nur auf das Stück Papier, das er mit einem breiten Grinsen im Gesicht, vor seinem Bauch in beiden Händen hielt.
Gretchen fragte nur: "Dein Zeugnis?!"
Marc erwiderte: "Ja, Weaver hat mir ein gutes ausgestellt. Ich kann wieder in die Chirurgie zurück und kann endlich wieder mit meinen Gottesgleichen Händen etwas Sinnvolles am Menschen bewirken und nicht nur Rektaluntersuchungen machen, wie ihr... äh, Notaufnahmestümper da unten..."



...Das war es also: das Stück Papier, das mir Marc wieder einmal wegnahm. Und das ist es also: das Büro der Entscheidungen.

Doch sind unsere Entscheidungen immer richtig, handeln wir nicht manchmal übereilt, weil wir meinen, wir würden woanders glücklicher werden?
Weil wir meinen, dass wir füreinander geschaffen sind und dabei gar nicht abwägen, ob wir uns nicht doch nur etwas voreilig vormachen?

Sind unsere Entscheidungen denn jemals richtig, oder würden wir, egal wie wir uns auch entscheiden, am Ende immer behaupten, dass es doch besser gewesen wäre, alles anders zu machen?...




Kaum hatte sie diese Gedanken zu Ende gedacht, rief auch Kerry schon: "Ach, Frau Dr. Haase! Treten Sie doch bitte ein..."
Marc fasste Gretchen an der Hand an, die sie noch immer in dieser "Anklopf-Position" hatte und flüsterte ihr ein leises "Bis später" ins Ohr, als er an ihr vorbeiging.
Gretchen schaute ihm nur verträumt hinterher, als Kerry fordernd nachfragte: "Dr. Haase???"
Gretchen schloss die Tür, rückte den Kittel zurecht, näherte sich leicht unsicher ihrem Schreibtisch und setze sich. Kerry saß wieder einmal vor dem Computer, die Krücke an die Schreibtischkante angelehnt und nahm ihre Brille ab, die sie um den Hals mit einer Kette hängen hatte, schaute auch Gretchen kritisch an, blickte kurz wieder in den Computer und setzte dabei die Brille wieder auf. Gretchen zwang sich nur ein müdes Lächeln ab, und als Kerry fragte: "Haben Sie, bevor wir beginnen irgendwelche Fragen?", schoss es aus Gretchen heraus, ohne, dass sie darüber auch nur nachgedacht hatte, das überhaupt zu fragen.


Gretchen: "Sagen Sie mal, Dr. Weaver, warum brauchen Sie eigentlich diese Krücke?!"
Kerry erstarrte für einen Moment, da sie mit solch einer Frage nie gerechnet hatte.

Und auch Gretchen realisierte, dass diese Frage an ihre Chefin unangebrachter war, als alle anderen Fragen, die jemals zuvor über ihre Lippen kamen.


...Okay... vielleicht doch kein Wechsel in die Notaufnahme? Wie wär's, wenn ich gleich hier und jetzt im Erdboden versinke und nie mehr wieder auftauche?...


Doch Kerry versuchte gelassen darauf zu reagieren, jedoch schaffte sie das auch nicht so recht: "Ich denke nicht, dass ich ausgerechnet Ihnen meine Krankengeschichte vorlegen muss und wenn ja, dann gebe ich Ihnen Bescheid, sollte ich Ihren Rat hören wollen..."
Und auch Gretchen war es sichtlich unangenehm und so versuchte sie sich mehr oder weniger erfolgreich bei ihr zu entschuldigen: "Sie haben ja vollkommen recht. Wissen Sie, manchmal da sage ich etwas, das ich gar nicht sagen möchte und ich merke dann auch gar nicht, dass ich etwas gesagt habe... Es tut mir leid..."
Kerry würgte ab: "Gut, dann wäre das ja geklärt. Ich denke Sie wissen, warum Sie hier sind? "
Gretchen: "Ja, das weiß ich. Und ich habe mir die Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht, gut, es war ein Hin und Her, aber ich denke, dass mir ein gewisser Abstand von manchen Personen hier im Krankenhaus gut tun wird..."
Kerry: "Entschuldigen Sie, aber es wäre der komplett falsche Weg, wenn Sie nur in die Notaufnahme gingen, weil sie mit anderen Personen hier Probleme haben. Entweder ihr Herz schlägt für die Notfallmedizin, oder es schlägt eben nicht dafür..."


Gretchen legte die Hand auf ihren Brustkorb, ging für einen kurzen Moment in sich, was Kerry nur kritischen Blickes beobachtete, ehe sie freudig ausrief: "Ja, es schlägt für die Notfallmedizin. Auch, wenn ich jemanden an meiner Seite vermissen werde... Ich möchte endlich mit den Patienten zu tun haben und nicht nur über sie sprechen, während sie narkotisiert, und ohne die Möglichkeit, sich zu wehren, auf dem OP-Tisch liegen. Wissen Sie, Dr. Weaver, das hat mir gefehlt. Als ich mich mit meinem damaligen Verlobten, der Kinderarzt ist, um die Kleinen gekümmert habe, da ging mir immer das Herz auf und auch während der Assistenzzeit war ich immer so gerne bei den Patienten..."


Kerry tat freudig kund: "Schön, Frau Dr. Haase. das freut mich sehr. Aber Ihnen ist schon bewusst, dass Sie trotz Ihrer Erstqualifikation in der Chirurgie in der Notaufnahme noch einmal ganz von vorne beginnen müssen..."


Gretchen entglitten die Gesichtszüge.
Gretchen stotternd: "GANZ von vorne???"
Kerry erklärend: "Nun ja, natürlich nicht mit dem Studium. Aber Sie müssen auch theoretisch und praktisch Erfahrungen sammeln, die dann von der Ärztekammer überprüft werden, ehe sie sich 'Notfallmedizinerin' nennen können."
Gretchen erleichtert: "Ach sooo, na dann... Solange ich nicht wieder zurück ins Studium muss..."
Kerry: "Nein, aber ich würde Ihnen empfehlen, dass Sie schon einmal dieses 300-seitige Memo durchlesen..."


Kerry kramte in ihren Schreibtischschubladen, während Gretchen mit den Augen rollte.


...Na toll... 300 Seiten?! Und ich dachte ich muss nicht mehr zurück ins Studium...


Als Kerry ihr das Memo in die Hand drückte und noch hinzufügte: "Das ist der Einführungsteil in die Notfallmedizin... die restlichen Teile gebe ich Ihnen dann..."


...Wie??? Noch mehr? Hat sie nicht gesagt, dass ich NICHT wieder zurück ins Studium müsste... Toll, dann kann ich wohl abends vor dem Bett nur noch Memoranden lesen, anstatt von Marc zu träumen. Ach Menno, und ich dachte ich hätte mit Patienten zu tun. Und jetzt ist es nur langweiliges Papier...


Während Kerry weiterfortfuhr: "Ach, und natürlich können wir Sie nicht einfach so auf Patienten loslassen. Sie werden, bis sie die Qualifikation erreicht haben, eine Mentorin an ihrer Seite haben."
Gretchen verwundert: "Aha... und das bedeutet genau?!"
Kerry: "Ihr werden Sie ihre Fälle präsentieren, wie Sie vorgehen würden und was Sie verordnen würden..."


...Okay, also doch wieder zurück ins Studium. Na toll...


Gretchen: "Und wer ist diese Mentorin?"
Kerry: "Dr. Lewis wird sich um sie kümmern."
Gretchen nickte nur und zwang sich erneut ein Lächeln auf...


...Oh nein... nicht auch noch Susan Lewis. Die Frau, der ich unterstellt habe, sie würde sich an Marc heran schmeißen, nur, weil sie einmal mit ihm eine Currywurst gegessen hatte und die ich seither wieder aus peinlicher Frustration über mich selber sieze. Gretchen Haase: Nun wäre tatsächlich der beste Zeitpunkt, um im Erdboden zu versinken. Aber schleunigst...





Unterdessen vor dem Operationsplan in der Chirurgie:


Marc stand vor der großen Tafel und wischte Gretchens Namen widerwillig aus, der hinter seinem stand. Das bekam auch Franz mit, der gerade daran vorbeilief. Er blieb stehen und näherte sich Marc.

Franz: "Sie macht es also tatsächlich?!"
Marc nickte nur und seufzte ein "Mhm"
Franz legte seine Hand auf Marcs Schulter und sprach ihm zu: "Ach, wissen Sie, Meier! Ich habe es schon immer geahnt... mein Kälbchen gehört einfach zu Patienten. Und selbst wenn sie nur von einer kleiner Rotzgöre die Diagnose "Schürfwunde" aufnehmen muss. Ich glaube, dass ihr das einfach besser liegt..."
Marc nachfragend: "Äh, Sie meinen also, dass DAS das Richtige für Ihre Tochter ist?"
Franz: "Auch, wenn es uns schwer fällt sie gehen zu lassen. Ja, ich glaube das!"

Franz schlug im leicht auf die Schulter und machte sich wieder von dannen, während Marc vor der OP-Tafel stehen blieb und auch das letzte "Haase", das dort noch stand, auswischte...



...Ja, manchmal da müssen wir einsehen, dass unsere Entscheidung nicht dieselbe Entscheidung ist, die eine andere Person treffen würde. Manchmal, da müssen wir einsehen, dass Entscheidungen unterschiedlich ausfallen und dass nicht jeder gleich ist.
Doch manchmal, da fällt uns gar nicht auf, dass unsere Entscheidung sich zu rächen, nutzlos ist, da wir doch eigentlich wissen, dass er sich nie für uns entscheiden würde...






In der Notaufnahme:


Gretchen hatte sich inzwischen wieder auf den Weg in die Notaufnahme gemacht, um am Empfang nach Susan Lewis zu fragen. Doch dort traf sie stattdessen auf Gabi.
Gabi zynisch: "Ach, da sieh' mal einer an: die pummelige, ach Entschuldigung, ich korrigiere: die fette Frau Dr. ... Wen wollen Sie denn heute umbringen?"
Gretchen lehnte sich über den Tresen und flüsterte ihr nur gehässig zu: "Im Gegensatz zu Ihnen habe ich wenigstens etwas aus meinem Leben gemacht..."
Gabi: "Ach ja? Und das wäre? Die ganzen Vorräte für Kriegssituationen und Notfälle aufgefressen?!"


Gretchen richtete sich wieder genervt auf und fragte nun mit lauterer Stimme: "Wissen Sie, wo ich Dr. Lewis finden kann?"
Gabi genervt: "Ähmmmm,, sehe ich etwa wie die Auskunft aus?!"
Gretchen konternd: "Ähmmmm nein, wie jemand, der etwas weiß sehen Sie nun wirklich nicht aus, aber da Sie am Empfang sitzen, muss ich wohl oder übel davon ausgehen, auch, wenn ich es nicht so recht glauben kann!"
Gabi grinste sie nur boshaft an, wohl im Hinterkopf, dass sie nicht mehr lange so selbstbewusst sein würde, und teilte ihr mit bedrohlicher Stimmlage mit: "Im Aufenthaltsraum"

Gretchen drehte sich um, ohne Danke zu sagen und in dem Moment, in dem sie wusste, dass Gabi es nicht sehen würde, entglitten ihr abermals die Gesichtszüge, als sie sich auf den Weg in den Aufenthaltsraum machte...



...Ja, und manchmal da war die Entscheidung mehr als nur fatal, solche psychisch angeschlagenen Personen wieder in einem Krankenhaus arbeiten zu lassen...



Als sie den Aufenthaltsraum betrat, sah sie, wie Susan gerade am Tisch saß und sich Milch in den Kaffee schüttete. Langsam und unsicher näherte sich ihr und setze sich ebenfalls an den Tisch. Susan bemerkte sie im Augenwinkel, sah sie kurz an, nahm dann den Löffel zur Hand und rührte in ihrem Kaffee herum.
Gretchen versuchte unterdessen eine Gesprächsbasis aufzubauen:


Gretchen lächelnd, jedoch auch zögerlich: "Wenig los heute..."
Susan, die weiterrührte: "Ja, heute ist auch Freitag. Die, die sich ein verlängertes Wochenende nehmen wollen, waren gestern schon da."
Gretchen verkrampft: "Ach ja... ein verlängertes Wochenende - keine schlechte Idee..."


Doch Susan legte den Löffel beiseite, unterbrach sie und blickte sie dabei fragend an: "Okay, machen wir es kurz. Was gibt es für ein Problem? Ich warte hier nur auf die Ergebnisse eines Patienten, der gerade im Kernspin ist."
Gretchen raffte allen Mut zusammen, um auszuholen: "Susan, es tut mir leid, was ich dir damals unterstellt habe und vor allem tut es mir noch mehr leid, wie ich dich angegangen bin. Manchmal, da weiß ich einfach nicht, was mit mir los ist und dann platzt alles so aus mir heraus. Ich bin auch nur ein Mensch und du weißt nicht, wie furchtbar es ist, wenn man in jemanden hier verliebt ist. Deshalb habe ich mich entschieden auch hier in die Notaufnahme zu wechseln und du wirst meine Mentorin sein. Und es wäre wirklich toll, wenn das klappen würde, denn ansonsten wird mich Weaver gleich umbringen. Ich habe sie heute nämlich schon gefragt, warum sie eine Krücke braucht..."


Susan, die gerade ihren Kaffee trank, musste loslachen, als sie hörte, was Gretchen ihr da gerade berichtete und es fiel ihr mehr als nur schwer den Kaffee ohne eine riesengroße Sauerei zu verursachen, hinunterzuschlucken. Und das ließ auch von Gretchen all die Spannung abfallen und beide mussten lachen, obwohl die Situation weder unglaublich komisch, noch sonderlich merkwürdig war. Beide lachten einfach nur und so entluden sich auch die Spannungen ganz von alleine.



...Ja, manchmal da haben wir dann auch Momente, in denen wir plötzlich merken, dass es vielleicht gar nicht so falsch war sich für etwas entschieden zu haben, wovor wir uns noch wenige Momente zuvor gefürchtet hatten. Und dann können wir beherzt lachen und sehen ein, dass sich auch etwas zum Positiven verändern kann, was doch eigentlich zunächst negativ schien.
Vielleicht müssen wir uns einfach trauen, uns für etwas Neues zu entscheiden. Das Alte ablegen, sich dem Neuen öffnen, um uns so immer weiterzuentwickeln. Vielleicht stimmt es ja, dass wir nie auslernen, selbst im Alter nicht, wie es uns immer unsere Großmutter sagte. Vielleicht ist es genau das, was wir öfters machen sollten. Neue Entscheidungen treffen! Denn so viel schlimmer können sie ja nun auch wieder nicht sein...




Und als beide so dasaßen und miteinander über Gretchens Frage, die sie Weaver stellte, lachten, kam Sabine zur Tür herein und teilte mit: "Frau Dr. Lewis, Ihr Patient ist da..."
Susan, die sich noch immer nicht wirklich eingekriegt hatte: "Ja und welcher jetzt genau?"


Sabine, die freudig mit ansah, wie beide lachen mussten, konnte ebenfalls nicht anders und musste einfach auch mitlachen, obwohl sie gar nicht wusste, warum eigentlich genau. Doch es war einfach so unglaublich ansteckend. Kurze Zeit später stellte sie jedoch schockiert fest: "Oh Gott, wir sind unprofessionell..."
Daraufhin kriegten sich auch die anderen beiden wieder ein, doch Susan konnte es einfach nicht lassen und musste hinzufügen: "...Na, solange Weaver nicht da ist, können wir das auch mal sein..."


Und Gretchen erkannte, dass sie es ihr doch nicht so übel nahm, wie sie sich das noch zuvor ausmalte. Und ihr aufgesetztes und verkrampftes Grinsen wandelte sich hin zu einem erleichterten und ernstgemeinten Grinsen.
Und als Susan aufstand, um zu ihrem Patienten zu gehen, denn sie wusste genau, welcher gemeint war, meinte sie nur zu Gretchen: "Sehen wir uns später? Ich mache danach noch kurz Pause und dann geht's für uns zwei ab in den Kampf gegen Faulenzia und die anderen Hypochonder."


Und so eilte sie zur Tür hinaus, warf sich währenddessen ihr Stethoskop um und stopfte sich den Pieper in die Kitteltasche und ließ Sabine und Gretchen zurück. Sabine war vollauf begeistert und setze sich zu Gretchen an den Tisch und meinte nur schwärmend:
"Ach ja, die Frau Doktor ist doch toll, oder nicht? So emanzipiert und professionell und trotzdem nett..."



...Ja ja Schwester Sabine, Sie brauchen mir nicht noch extra aufs Butterbrot schmieren, dass ich weder toll, noch emanzipiert, noch professionell und nett bin..., dachte sich Gretchen, als Sabine hinzufügte: "Sie aber auch, Frau Doktor..."



...Oh Gott, hat sie jetzt gemerkt, dass ich genau das gedacht habe und ist das jetzt nur ein Versuch mich aufzumuntern? Sieht man mir das etwa so deutlich an, dass ich nichts von mir selber halte??? Brauche wohl dringend mehr Selbstbewusstsein. Notaufnahme scheint mir ein guter Ort dazu...



Gretchen neugierig: "Ach, Sabine, sagen Sie mal... warum sind Sie denn hier in der Notaufnahme und nicht in der Chirurgie?"
Sabine enthusiastisch: "Ich bin ein Springer..."
Gretchen: "Ach, und an welchem Marathon nehmen Sie denn teil?"
Sabine verschmitzt: "Aber Frau Doktor, Sie sind ja lustig... Ich bin doch gar nicht sportlich..."
Gretchen selbstironisch: "Haha, ja aber sicherlich sportlicher als ich..."
Sabine: "Nein, ich muss mal in der Chirurgie und mal in der Notaufnahme arbeiten. Das ist effizienter meinte der Herr Professor, also ihr Vater. Aber ich bin viel lieber hier. Hier schreit mich wenigstens keiner ohne Grund an..."
Gretchen murmelnd: "Oh ja... das ist wirklich ein Vorteil zur Chirurgie..."
Sabine fürsorglich: "Aber Sie vermissen den Herrn Doktor schon, stimmt's?"


Gretchen begann erneut zu stottern und taste mit beiden Händen ihr Gesicht ab, um festzustellen, ob man ihr wirklich alles so offensichtlich aus dem Gesicht herauslesen kann.



Sabine verwundert: "Haben Sie Flöhe, Frau Doktor?"
Gretchen: "Ähm... nein... das ist nur die trockene Luft hier drin... da muss man sich die Haut eincremen..."
Sabine: "Aber sie haben doch gar keine Creme verwendet???"
Gretchen: "Ähmmm... doch... die... die hatte ich schon, bevor Sie hereinkamen, auf die Handflächen aufgetragen..."
Sabine: "Aber Frau Doktor, man soll doch nicht lügen!"
Gretchen hysterisch: "Waas? Ich... lügen??? Also Sabine, Sie sind ja immer für einen Spaß zu haben..."


Dabei lachte sie nun wieder verkrampft mit künstlich aufgesetztem Lachen, als sie realisierte, dass Sabine die beiden wohl schon länger beobachtet hatte.

Gretchen: "Moment einmal, Sabine! Wie lang standen Sie schon vor der Tür?!"
Sabine stotternd: "Ich... ähm... ich... nun ja..."
Gretchen: "Aber Sabine, man soll doch anderen nicht nachspionieren! Obwohl..."


Da hatte Gretchen eine Idee, die Sabine sofort kundtat:
Gretchen: "Sagen Sie mal, was haben Sie nach Dienstschluss vor?"
Sabine: "Ich... oh... ich werde die Dr. Rogelt-Romane verschlingen, die mich gelüsten und verführen und je öfter ich sie lese, desto..."
Gretchen grätscht dazwischen: "Jaja... schon gut, Sabine. Aber da Sie ja so vernarrt in diese Romane von Marcs Mutter sind und gerne spionieren, könnten Sie ja eventuell... eventuell..."
Sabine gebannt: "Ja... Frau Doktor...?"
Gretchens Stimmlage verwandelte sich in jene, die ein Mädchen gebraucht, wenn es dabei ertappt wird gerade einen Plan auszuhecken, von dem niemand sonst wissen solle.


Gretchen: "Nun ja... Sie könnten meinen Vater ausspionieren..."
Sabine entrüstet: "Also Frau Doktor! Ich bin doch nicht lebensmüde!"
Gretchen: "Sie würden es aber für einen guten Zweck tun, Sabine."
Sabine ahnend: "Sie meinen Ihre Mutter, Frau Doktor?"
Gretchen atmete tief ein: "Ja, genau die meine ich. Ich muss einfach wissen, ob mein Vater sie schon wieder betrügt. Dann kann ich noch rechtzeitig eingreifen, die richtige Entscheidung treffen und eventuell auch noch die Notbremse ziehen... Bitte, Sabine! Sie würden mir sooo einen unendlich großen Gefallen tun! Bitte...!"


Gretchen schaute sie mit großen bittenden Augen an, denen sich Sabine niemals hätte widersetzen können.
Sabine: "Nun gut, Frau Doktor! Aber ich brauche noch ein Diktiergerät!"
Gretchen erleichtert: "Ach, Sabine: Sie sind ein Schatz! Aber wozu brauchen Sie nur ein Diktiergerät?"
Sabine flüsternd: "Ich muss doch festhalten, wie weit ich mit meinen Ermittlungen bin, Frau Doktor..."
Gretchen: "Gut, dann holen Sie sich eines aus dem Diktierraum der Chirurgie... sie wissen doch, dort, wo..."
Sabine unterbricht: "Aber ich kann nicht..."
Gretchen: "Und wieso nicht?!"
Sabine: "Ich habe Nierensteine..."
Gretchen schockiert: "Oh, Sie Arme! Und dann arbeiten Sie noch? Also man kann es auch übertreiben mit dem Einsatz für das Krankenhaus..."
Sabine lacht: "Aber nein doch, Frau Doktor... ein Patient!"
Gretchen: "Achso. Naja, dann hole ich Ihnen halt eines. Ich habe hier gerade eh nichts zu tun."


Und so verabschiedete sich Sabine wieder, um sich um den besagten Patienten zu kümmern, während sich Gretchen dazu aufraffte, ein Diktiergerät zu besorgen.





In der Cafeteria:


Mehdi saß währenddessen geknickt an einem Tisch, als Bärbel die Cafeteria betrat. Da sie nur Mehdi kannte, eilte sie zu ihm an den Tisch und setzte sich. Sie stupste ihn an und fragte mit leiser Stimme:


Bärbel: "Herr Laan! Wissen Sie, wo mein Mann ist und wo meine Tochter sich herumtreibt? Ich war ja schon in der Chirurgie, aber da war niemand und Sie wissen ja gar nicht, wie schwierig es ist, meinem Mann nicht über den Weg zu laufen... Ich habe mich sogar hinter einem Mülleimer verstecken müssen..."
Mehdi: "Kaan, ich heiße Kaan, Frau Haase!"
Bärbel: "Oh, Sie Armer... aber machen Sie sich nichts draus. Es gibt auch schlimmere Namen..."
Mehdi schnaufte nur schwerfällig, um schließlich eine Antwort durchzuringen: "Ihre Tochter war vorhin noch in der Notaufnahme..."
Bärbel entsetzt: "Waaas? Und da informiert mich niemand? Ich wusste doch, dass das Kind einfach zu wenig isst und einmal umkippen würde, aber dass es dann auch noch so schlimm ist, dass sie gleich in die Notaufnahme muss..."
Mehdi: "Nein, beruflich!"
Bärbel: "Ach so... und ich dachte schon an das Schlimmste. Sie können einem aber auch einen Schrecken einjagen, Herr Laan!"
Mehdi schaute sie nur an und wollte bereits wieder korrigieren, als er scheinbar realisierte, dass es sowieso nichts bringen würde. Und daher ließ er es auch auf sich beruhen.


Doch Bärbel schien auf geheimer Mission zu sein und schlich sich, als sie jenen Satz beendet hatte, sofort wieder davon. Stürmisch eilte sie in die Notaufnahme - immer mit einem taktischen Weitblick, sodass sie Franz nicht über den Weg laufen musste.


Dort angekommen, fragte sie Gabi am Empfang, wo sie ihre Tochter finden könnte.
Diese meinte nur mürrisch: "Was wollen eigentlich immer alle von der?!"


Da sie von Gabi keine wirklich hilfreiche Antwort erwarten konnte, setzte sie sich in den Warteraum und setzte die Sonnenbrille wieder auf und wartete in der Nähe einer Pflanze, sodass sie immer noch im Notfall ein Versteck hatte.





Im Diktierraum:


Gretchen war unterdessen angekommen. Leise öffnete sie die Tür und betrat den dunklen Raum, in dem sonst nur die Chirurgen saßen, um den Verlauf ihrer Operationen und besondere Vorkommnisse auf Band festzuhalten. Absolute Ruhe war gefragt. Doch trotz aller Bemühungen knarrte die Tür unheimlich laut, hinter der noch immer der Putzeimer der Putzfrau stand, welcher auch sofort umkippte und den ganzen Boden überflutete.
Gretchen leise fluchend: "Verdammt..."
Und jemand, dessen Stimme ihr sehr vertraut war, rief daraufhin energisch: "RUHEEE!!! Wenn Sie unbedingt jetzt, während ich aufnehme, putzen müssen, dann machen Sie das gefälligst leise!"
Gretchen beleidigt: "Jahaaaa... ist ja gut, Marc! Deswegen brauchst du hier nicht so zu schreien!"


Marc drehte sich um und blickte in Richtung Tür und entdeckte völlig Gretchen dort knien, die versuchte das Wasser vom Boden aufzuwischen.
Marc überrascht: "Hasenzahn?! Ich dachte du willst nur in die Notaufnahme, aber dass du jetzt doch lieber Putze wirst, das überrascht mich ehrlich gesagt."
Gretchen: "Ohhh Marc! Statt dumme Sprüche zu klopfen, könntest du mir lieber mal helfen!"
Marc lachte: "Äh, sicher nicht! Ich bleibe lieber auf dem rechten Weg..."


Gretchen stand auf und drehte sich zu ihm um und ging ihm entgegen.

Gretchen: "Der rechte Weg? Soso... und der wäre? Andere weiterhin runtermachen und anschreien?! Neee du, da bleibe ich lieber in der Notaufnahme. Da herrscht wenigstens ein guter Umgangston."
Marc abgeklärt: "Äh ja... und warum? Weil da eh nur die Flaschen arbeiten?!"
Gretchen: "Ach, so siehst du mich?!"
Marc: "Äh, sag' mal: was machst du eigentlich hier, wenn es dir doch so gut in deiner verschissenen Notaufnahme gefällt?!"
Gretchen schaute sich um und erklärte: "Ich brauche ein Diktiergerät für Schwester Sabine."
Marc nachhakend: "Ein Diktiergerät?!"
Gretchen kam ins Stottern: "Ja, ein Diktiergerät... du weißt schon... das, wo man auf Play drückt und dann rein spricht und am Ende kann man sich selbst hören... Aber was sage ich denn da? Du bist ja eh nur ein Mann. Diese Art von Technik ist dir sicher zu hoch..."
Marc: "Mhmmm... und jetzt mal Klartext, Hasenzahn! Ich weiß, wann du dich nur rausreden willst, und das versuchst du gerade!"



...Ich geb's auf! Ich weiß nicht, wie alle immer wissen können, was ich denke und machen möchte. Bin ich etwa doch so leicht zu durchschauen? Plan für die Zukunft: Maske aufsetzen, am besten eine von Heidi Klum...



Gretchen wollte vom eigentlichen Thema ablenken: "Seit wann nimmst du eigentlich selber auf? Ich dachte du lässt immer für dich aufnehmen..."
Marc: "Da scheinst du aber viel nicht zu wissen..."
Gretchen vor sich hin murmelnd: "Wir recht du damit hast, Marc..."
Marc: "Äh, wie meinen, Hasenzahn?!"
Gretchen abwürgend: "Ach nichts, nichts..."
Marc erneut nachhakend: "Also, was willst du jetzt mit dem Diktiergerät?"


Gretchen nahm den Stuhl, der neben ihr stand und setzte sich zu Marc.
Gretchen: "Ist ja gut, Marc. Du kriegst es ja so oder so raus..."
Marc: "Äh, was meinst du?"
Gretchen: "Ich habe Sabine damit beauftragt meinen Vater zu bespitzeln..."
Marc entrüstet: "Du hast waaaas?! Bist du denn von allen guten Geistern verlassen, Hasenzahn?!"
Gretchen rechtfertigend: "Vielleicht mag es dir egal sein, Marc. Aber mir ist es nicht egal, denn meine Mutter geht daran noch zugrunde, wenn er sie wirklich wieder mit deiner Mutter betrügt!"
Marc genervt: "Boaaah, Hasenzahn! Die sind erwachsen... das müssen die schon selber wissen!"


Plötzlich stiegen Gretchen wieder die Tränen in die Augen, da sie sich ärgerte. Sie ärgerte sich über Marc und konnte nicht anders, als ihn zu kritisieren.



©:
Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=1WLitrGQgHw; "Barcelona - Please Don't Go [HQ]" © by anaenima9, YouTubeDE; aufgerufen am 03.07.2014 um 22:42



Gretchen: "Sie sind erwachsen... Meinst du etwa 'so' erwachsen wie du es bist? Du weißt doch auch nicht, was du willst! Ich warte heute schon den ganzen Tag darauf, dass wir da weitermachen, wo wir das letzte Mal aufgehört haben! Und falls du jetzt überlegen musst, was ich meine, dann kann ich dir nur sagen: Wir hätten uns beinahe geküsst - zweimal! Aber das scheinst du ja schon wieder vergessen zu haben. Du freust dich ja nur, dass du wieder in der Chirurgie bist und was mit mir ist, was ich mir wünsche, das ist dir doch egal. Du kannst dich ja noch nicht einmal für mich freuen, dass ich es in der Notaufnahme angenehm und schön finde. Stattdessen musst mich immer noch weiter runtermachen(...)"


Marc wollte schon ausholen, um ihr zu sagen, dass das doch alles nur Spaß war. Doch sie wischte sich die Tränen aus den Augen, zeigte, bevor Marc überhaupt anfangen konnte, auf das Diktiergerät, das er gerade eben selber genutzt hatte, und meinte nur unter Tränen "(...) und jetzt gib mir dieses bescheuerte Diktiergerät, Marc!"


Marc war so perplex, dass er ohne zu zögern das Diktiergerät nahm und ihr in die Hände drückte.
Gretchen stand wieder auf und machte sich wieder auf den Weg zur Tür, während ihr Marc nur sprachlos hinterher schaute. Als sie die Tür öffnete, stand gerade die Putzfrau in der Tür, die nur eben schnell weg war. Gretchen hingegen eilte an ihr vorbei und Marc ließ sie mit offenem Mund zurück. Als die Putzfrau die Sauerei entdeckte meinte die nur zu Marc: "Sie putze dass weg!", was Marc jedoch gar nicht erst wahrnahm.




Wir fordern von anderen Entscheidungen und wissen doch, dass wir uns selbst unheimlich schwer damit tun.
Und doch wissen wir, dass Entscheidungen zum Leben gehören, dass Entscheidungen unser Leben bestimmen:

Die Entscheidung, ob es sich lohnt, sich hinter allem und jedem zu verstecken und dabei doch wissen, dass irgendwann einmal alles aufgedeckt wird und wir erkennen, dass unser Verstecken uns nur wertvolle Zeit gekostet hat...

Die Entscheidung, welche Prioritäten wir haben, ob unser Job über alles geht, oder, ob wir auch der Liebe in unserem Leben einen Platz geben...

Die Entscheidung, ob wir noch länger einer Illusion hinterherrennen wollen, oder, ob wir uns endlich eingestehen können, dass es diese eine, bedingungslose Liebe, die wir so sehnlichst suchen, womöglich gar nicht gibt?





Und während Gretchen heulend mit dem Diktiergerät zurück in die Notaufnahme eilte und es der verwirrten Sabine auf dem Flur in die Arme drückte, eilte zugleich ihre Mutter herbei, die Gretchen stürmisch vor dem Warteraum vorbeilaufen gesehen hatte.
Bärbel: "Aber Kind, was ist denn los?! Du weinst ja. Ach komm' schon, ich bring dich nach Hause und dann mache ich dir Schokopudding."
Gretchen wies Bärbel ab, die ihre Arme um sie legen wollte und meinte nur im Weitergehen: "Das ist mein Leben, Mutter! Das ist meine Entscheidung!"


Und so ließ sie all die anderen zurück, ebenso ihre Mutter, die Schwester Sabine nur entsetzt fragte: "Ob sie Drogen nimmt?"
Gretchen setzte sich unterdessen draußen auf eine Bank, griff in ihre Kitteltasche, in der sich noch ein Schokoriegel befand und den sie in beiden Händen hielt und anstarrte.



Und manchmal, da entscheiden wir uns falsch. Und dann können wir nichts mehr rückgängig machen.
Entscheiden wir uns für oder gegen ihn?
Oder sollten wir uns nicht zur Abwechslung mal für uns selbst entscheiden?

Ob wir unsere Entscheidungen wohl später bereuen werden? Oder ob wir sagen: Besser hätte es nicht laufen können...?

Eine Entscheidung fällen ist immer schwer, aber sie muss getroffen werden. Ob wir wollen, oder nicht...

GretchenHaaseFan Offline

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Beiträge: 1.083

11.07.2014 20:07
#5  Oh nein! Nicht schon wieder Chaos in der Traumwelt! Zitat · antworten

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S02,E04:

Oh nein! Nicht schon wieder Chaos in der Traumwelt!




WRITTEN BY
GretchenHaaseFan, Andrea

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Missing_DD, Elena


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©:
Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=bBP0ecrvlW4; "Richard Sanderson - Reality (Soundtrack 1987)" © by enjoypink, YouTubeDE; aufgerufen am 11.07.2014 um 19:17




»Liebes Tagebuch!
Was macht man nicht alles für ein perfektes Leben? ...
Man malt sich schon im Kindesalter aus, wen man später heiraten würde, wie die perfekte Familie aussehen würde, welchen Job man machen würde und was man nicht alles erreichen würde.
Man hat den perfekten Traum eines perfekten Lebens und glaubt fest daran – bis man in der Realität ankommt.
Denn als Kind denkt man nicht darüber nach, was passiert, wenn sich etwas nicht erfüllt. Als Kind hat man immer den Wunsch, dass alles so kommt, wie wir es uns erträumt hatten.
Doch die Realität ist grausam! Sie ist nicht nur grausam - sie ist noch viel grausamer! Und sobald die Pubertät beginnt, platzen all unsere Träume wie Seifenblasen...

Andere, wie meine Mutter zum Beispiel, versuchen den Traum eines perfekten Lebens und einer intakten Ehe so lange aufrechtzuerhalten wie es nur geht, obwohl sie eigentlich ganz genau wissen, dass ihr Leben so gar nicht perfekt ist, sondern, dass sie wieder einmal nach Strich und Faden betrogen werden...

...während andere, wie Schwester Gabi, so krampfhaft versuchen ihren Traum vom perfekten Leben zu verwirklichen, dass sie dafür über jede Leiche gehen würden,

...und andere, wie Frau Dr. Hassmann, sich eingestehen müssen, dass etwas Ungeplantes ihnen einen Strich durch diese Traumvorstellung des weiteren Lebens macht,

...während andere sich wiederum nichts sehnlicher wünschen, als endlich eine Familie zu haben oder auch die verlorene Tochter wiederzufinden.

Andere hingegen werden wohl nie aufhören zu hoffen, dass sich ihr Traum vom Traummann doch noch irgendwann einmal erfüllen würde, sofern sie das Chaos in der Notaufnahme jemals überleben würden...«





In der Notaufnahme:


Gretchen rannte schlecht gelaunt zur Übersichtstafel, welche Patienten in welchem Behandlungszimmer warten würden. Dort traf sie auf Schwester Sabine, die ebenfalls ratlos davor stand.
Gretchen genervt: "Entschuldigung, Schwester Sabine, aber eine Patientin ist abhanden gekommen!"
Sabine geschockt: "Waaas, Frau Doktor?! Ihr Patient etwa auch???"
Gretchen verwirrt: "Ähm... wie? Das heißt zwei sind verschwunden???"
Sabine entsetzt: "Jaaa! Ich sollte dem Patienten in der 2 eine Überweisung zum Hausarzt mitgeben, aber als ich reinkam, da war der auf mysteriöse Art und Weise verschwunden. Und wenn jetzt Ihre auch noch(...)“

Sabines Gesichtszüge entglitten, woraufhin Gretchen sie nur blöd anschaute, während Sabine schockiert fortfuhr: „(...) Oh Gott, Frau Doktor! Und wenn hier ein Serienmörder sein Unwesen treibt und Patienten gefangen nimmt und sie..."
Gretchen unterbrach genervt: "Schwester Sabine! Jetzt machen Sie aber mal einen Punkt! Sie haben wohl zu viel Navy CIS geschaut..."
Sabine lachte: "Aber nein, Frau Doktor! Ich habe den Tatort gesehen...."
Gretchen abgeklärt: "Ah ja...?! Ich habe ja schon gehört, dass der sehr realitätsfern sei, aber dass er dann doch SOOOO realitätsfern ist... Tzzz..."
Sabine flüsterte: "Aber Frau Doktor... das wäre nicht das erste Mal, dass ein Verrückter die wehrlosen, armen Patienten und das Krankenhauspersonal umbringt..."


Plötzlich lief es Gretchen eiskalt den Rücken runter, als Sabine das mit leicht gruselig angehauchter Stimme erzählte und sie erschrak noch mehr, als Susan, die sich den beiden schleichend genähert hatte, plötzlich "Buh" rief! Beiden rutschte in diesem Moment das Herz in die Hose und Gretchen fasste sich reflexartig an die Brust, während Susan nur herzhaft lachte, als sich beide wie erstarrt langsam umdrehten.

Sabine erleichtert: "Frau Doktor Lewis! Jetzt haben Sie mich aber erschreckt! Sie könnten glatt in einem Gruselfilm mitwirken..."
Gretchen noch sichtlich panisch: "Mhhm... das könnte sie...", während Susan sichtlichen Spaß daran hatte.
Dennoch riss Susan, die wieder Ernsthaftigkeit erlangt hatte, Gretchen schneller wieder aus ihrer Schockstarre, als ihr dann letztendlich doch lieb war, indem sie nach den Ergebnissen fragte.

Susan: "Gretchen, ist das Blutbild von Frau Matoscheck aus der 4 schon da?!"
Gretchen stotternd: "Ähm... ähm... ähmm... ich...", als Sabine nur monoton fragte: "Ist das die verschollene Patientin?"

Gretchen stupste sie an, worauf die nur mit einem "Aua" antwortete.
Susan nachhackend: "Verschollen? Was soll das heißen?!"
Gretchen begann hysterisch zu lachen, um sich zu erklären: "Ich ähm... ich... nein, natürlich nicht verschollen. Die Schwester Sabine hat gestern nur zu viel Navy CIS..."
Sabine unterbrach prompt, um in aller Deutlichkeit noch einmal klarzustellen: "NEIN, das war der Tatort, Frau Doktor!!!"
Gretchen fuhr genervt fort: "Ja, mein Gott! Dann war es halt der TATORT, Sabine! Auf jeden Fall ist das Blutbild gleich da..."


Daraufhin nickte Susan nur freundlich und meinte "Okay, gut" und ging wieder weiter, während Gretchen Sabine extrem wütend anschaute und meinte: "Sabine! Wissen Sie eigentlich in welche Situation Sie mich hier bringen? Sie ist meine Mentorin und wenn die herausfindet, dass meine Patientin einfach weg ist, von der ich ja noch nicht mal Blut abnehmen konnte, dann bin ich geliefert! Geliefert! GELIEEEFERT!" und machte eine kurze Pause um schwermütig zu ergänzen: "Tot trifft es wohl eher..."
Sabine witzelnd: "Aber Frau Doktor, es gibt doch hier gar keinen Krankenhausmörder...", was Gretchen nur zu einem genervten "Ohhh" verleitete.


...Gut, Sabine scheint sich Materie Kriminalfälle auszukennen. Ob sie schon etwas in Papas Fall herausgefunden hat?...


Gretchen nachhakend: "Sagen Sie mal Sabine, wie weit sind Sie eigentlich mit der 'Mission Haasenlover'?!"
Sabine selbstbewusst: "Aber Frau Doktor, der Ermittlungsstand darf doch keinem Außenstehenden mitgeteilt werden..."
Gretchen am Rande der Verzweiflung: "Ich bin ja auch KEIN Außenstehender! Ich bin doch die Auftraggeberin, Herrgott!"
Sabine ging ein Licht auf: "Achsoooo, ja sagen Sie das doch gleich, Frau Doktor! Also, Ihr Vater..."

Gretchen war schon gespannt auf das, was Sabine herausgefunden hatte, jedoch ging Kerry Weaver in diesem Moment an den beiden vorbei und beäugte beide nur kritisch, sodass beide gezwungen waren, ihrer Arbeit weiternachzugehen.


...Chefin wacht über alle. Keine Fehler sind erlaubt und Herumstehen ist nicht gerne gesehen. Werde mich wohl wieder meinem Beruf widmen müssen...


Und so liefen beide in zwei unterschiedliche Richtungen und taten so, als würden sie sich gar nicht kennen, was Kerry, die kurz stehen blieb, nur kritischen Blickes begutachtete.



...Man, man. In diesem Krankenhaus ist man ja nie alleine... Muss jetzt aber unbedingt diese Frau Matoscheck finden und vor allem Blut abnehmen. Fazit vom Beginn in der Notaufnahme: Komme mir vor wie eine Medizinstudentin im dritten Semester... Nur Schwesternarbeit, die ich erledige darf. Yippie! Willkommen in der Notaufnahme... Wem Marc wohl gerade das Leben rettet?!...



Und als sie so am Wartezimmer vorbeischlenderte, in dem ein Getränkeautomat und ein Snackautomat standen, konnte sie nicht anders, als sich einen Schokoriegel herauszuholen.


...Oh ja! Brauche dringend Vitamine in Form von reinster Zartbitterschokolade, um wieder top fit zu werden. Mhhh, muss nur darauf achten, dass mich keiner sieht. Ich glaube ich darf während der Arbeitszeit gar nichts essen, aber brauche jetzt trotzdem UNBEDINGT einen Schokoriegel...


Und Gretchen warf die Münzen, die sie immer schon genau abgezählt in der Kitteltasche parat hatte, ein und fischte sich den Schokoriegel aus dem Automaten heraus. Dabei schweifte sie immer mit den Blicken umher und tat so, als würde sie nur schauen wollen.





Unterdessen in der Gynäkologie:


Maria hingegen ging vor Mehdis Behandlungszimmer hin und her. Fast schon nervös war sie dabei. Sie schaute dabei starr auf den Boden und fasste sich mehrmals ins Gesicht. So, als würde sie sich etwas wegwischen wollen.
Das blieb auch Maurice nicht verborgen, der mit einem Karton angelaufen kam und sie so bereits schon vom anderen Flurende aus beobachten konnte.
So verharrte er kurz und begutachtete seine Partnerin, die ihn scheinbar gar nicht bemerkte - erst, als er sie direkt ansprach.


Maurice: "Ja Maria, Schatz, was machst denn du hier? Ist alles in Ordnung?"
Maria erschrak ebenso wie Gretchen und Sabine noch zuvor in der Notaufnahme und verfiel ebenfalls ins Stottern: "Ich... ich... ähm... Maurice! Was machst du denn hier?"
Maurice: "Ach, so'n Scheiß... ich muss Hiwi spieln. Unten sind die neuen Schwangerschaftstests angekommen und keiner von hier wollt sich die abholn. Und wer muss es mach'n? Ja... der dusslige Österreicher wieder mal..."
Maria versuchte geschockt und künstlich lachend zu umschiffen: "Schwangerschaftstests? Ach, na sowas... tja, wer braucht DIE denn schon?!"
Maurice eingeschnappt: "Na ja... es gibt auf dieser Erdn durchaus auch noch Fraun die Kindern habn wolln...


In diesem Moment erkannte Maria, dass sie ihm deutlich das Gefühl vermittelt haben muss, sie wolle in keinem Falle Kinder mit ihm haben.
Geknickt standen beide vor Mehdis Tür, als dieser die Tür aufriss und beide auch sofort entdeckte.

Mehdi: "Ach, Frau Dr. Hassmann! Ich dachte schon Sie hätten den Termin vergessen..."
Maurice hoffnungsvoll: "Wie? Termin? Bist etwa schwanger, Maria?"
Maria abblockend: "Schwanger? Ich?! Ach quatsch... ich werde ja wohl als Koryphäe auf meinem Gebiet und als eine der besten Ärztinnen – wenn nicht sogar DIE beste Ärztin – wissen, wie man zu verhüten hat. Ich bin nur zur Gebärmutterhalskrebsvorsorge hier... nichts anderes."

Doch eigentlich wollte sie gar nicht so grob sein. Und sie realisierte es erst, als sie in Mehdis fragendes Gesicht blickte und dann Maurice schließlich ansah, der sichtlich damit zu kämpfen hatte.




Denn oft bleiben Träume nur Träume, weil wir uns nicht trauen, mit dem Menschen, den wir wirklich lieben, darüber zu sprechen, was denn eigentlich unser Traum ist. Und dann kann sich ein Traum auch schnell zu einem Albtraum entwickeln...




Und Maurice drückte Mehdi den Karton in die Arme und meinte nur "Hier, die Schwangerschaftstests" und zog betrübt von dannen.

Mehdi schaute sich die Situation nur an und fragte erst, als Maurice außer Sichtweite war, nach. Doch Maria fiel sofort wieder in ihr eigenes Verhaltensmuster zurück.

Mehdi: "Ist alles in Ordnung bei Ihnen?"
Maria zickig: "Sehe ich etwa so aus als bräuchte ich einen Seelenklempner??? Sooo weit ist es noch lange nicht, Kaan! Und jetzt machen Sie, dass wir endlich mal in Ihr Behandlungszimmer kommen und diese Prozedur so schnell es nur geht hinter uns bringen. ICH habe nämlich heute noch weitaus Wichtigeres zu erledigen..."


Mehdi ging voraus und stellte den Karton auf dem Schreibtisch ab, während Maria ihm nur störrisch folgte und die Tür hinter sich zuknallte. Doch auch Mehdi war genervt, insbesondere, weil er schon längst befürchtet hatte, dass sie nun all ihren Frust an ihm auslassen würde.

Mehdi wütend: "Geht das vielleicht auch ein bisschen leiser?!"
Maria mit lauterer Stimme: "Oh nein! Es geht gar nicht laut genug, Kaan!"
Mehdi: "Was haben Sie eigentlich für ein Problem??? Sie sind schwanger und haben einen fürsorglichen Partner an Ihrer Seite, der sich doch so offensichtlich ein Kind mit Ihnen wünscht. Andere Frauen würden sich an Ihrer Stelle freuen!"
Maria: "Andere Frauen?! Sehe ich etwa aus wie 'anderen Frauen'?! Ich gehöre eben nicht zu dieser Kategorie!“
Mehdi ohne jegliches Verständnis: "Manche Frauen sollten wirklich keine Kinder kriegen, Frau Dr. Hassmann!"
Maria beleidigt: "Was genau wollen Sie mir DAMIT sagen?!"


Maria wurde immer wütender und ging mit ausgestrecktem Zeigefinger langsam auf ihn zu. Mehdi, der vor dem Schreibtisch stand, ging derweil Stück für Stück immer weiter zurück und lehnte schon über der Tischplatte, als Maria ihm den Zeigefinger auf die Brust legte und der Karton, der durch seinen Rücken zum anderen Ende der Tischplatte geschoben wurde, hinunterfiel.
Maria hingegen war voll in Fahrt und ergänzte: "Es war nicht mein Wunsch nochmals schwanger zu werden, glauben Sie mir das! Jetzt, wo der alte Haase so langsam überlegt in Rente zu gehen, habe ich gute Chancen auf einen höheren Posten als nur Interimschefin zu sein! Und ein Kind passt da eben so gar nicht rein. Vielleicht, obwohl ganz sicher sogar, werden Sie das mit Ihrer rosaroten Gynäkologenbrille anders sehen. In Ihrer Welt ist ja immer alles toll und heile...."
Mehdi unterbrach: "Moment einmal. Gretchens Vater geht in Rente?!"


Maria trat wieder ein paar Schritte zurück, sodass sich Mehdi wieder normal aufrichten konnte.
Maria: "Ja, ich denke schon. Ich vermute mal, dass er jetzt in dem Alter ist. Er hat mich ja auch als Interim einsetzt und fokussiert sich nun nur noch auf Privatpatienten und führt an denen OPs durch. Alle Zeichen deuten darauf hin..."
Mehdi: "Und Sie hoffen, dass Sie dadurch die Klinikleitung ergattern?"
Maria selbstsicher: "Sterbt nicht jeder nach einem höheren Ziel im Leben - gut, ausgenommen die Gynäkologen?"
Mehdi genervt: "Frau Dr. Hassmann..."
Maria: "Ist ja schon gut, aber wissen Sie, wie viel Zeit es kostet ein Kind zu erziehen? Ich habe schon Melanie erzogen und hatte eigentlich andere Pläne: langen Urlaub am Stück auf Barbados, den Bahamas, den Malediven oder Seychellen mit persönlichem Barkeeper, der einem am Strand die Drinks mixt und bombastischen Shoppingtouren durch die Metropolen dieser Welt: London, New York, Dubai, Shanghai... Aber das kann ich mit einem quengelnden Kind unterm Arm komplett vergessen..."
Mehdi: "Aber es ist doch schön Ihnen beim Aufwachsen zusehen zu können und zu wissen, dass man ihnen Halt im Leben geben kann und sie so zu tollen, einzigartigen Menschen heranreifen. Entschädigt das nicht?!“
Maria überlegte einen Moment lang, jedoch schien sie sie nicht sonderlich viel überlegt zu haben und knallte Mehdi an den Kopf: "Nur, weil Sie Ihre Lilly nie wieder sehen werden, müssen Sie jetzt nicht allen anderen Kinder aufzwängen... Ist das nicht schon ein Komplex?! Vielleicht sollten Sie mal zum Psychiater deswegen... Ist ja schon paranoid, Ihr überzogener Familienwahn..."


Doch dieser Angriff war Mehdi zu viel. Als sie das sagte, lief er rot an und schrie nur "Raus! Raus!" und zeigte wutentbrannt auf die Tür, nahm die Akten, die er auf dem Tisch liegen hatte und schmiss sie wild durch die Gegend. Maria, die einerseits schockiert über Mehdis Ausbruch war, aber andererseits auch über sich selbst, verließ schnurstracks mit weit aufgerissenen Augen das Behandlungszimmer, während Mehdi weiterhin alles umschmiss, was nicht Niet- und nagelfest war.





Derweil auf dem Flur:


Nachdem Maria Mehdis Behandlungszimmer selbst verwirrt verlassen hatte, wusste sie im ersten Moment nicht, was sie hätte tun sollen. Und so wollte sie zuerst einmal in ihr eigenes Büro. Auf dem Flur kamen ihr einige Personen entgegen, die sie grüßten, die sie jedoch gar nicht zu bemerken schien. Doch Schwester Sabine konnte selbst sie nicht nicht bemerken.

Sabine: "Hallo Frau Doktor Hassmann."
Maria gereizt: "Quatschen Sie mich bloß nicht an!"
Sabine murmelnd: "Was die schon wieder hat..."


Kurz darauf traf sie auf Gretchen, die noch immer ihre abhanden gekommene Patientin fieberhaft suchte.

Gretchen: "Ach, Frau Doktor Hassmann..."
Maria schrie sie an: "WAS ist denn??????"
Gretchen: "Also wirklich Frau Dr. Hassmann! Ich habe Ihnen nichts getan. Sie könnten ruhig ein bisschen netter sein.
Maria: "Mein Gott, Haase! Wir sind hier nicht auf dem Ponyhof. Kommen Sie endlich in der Realität an. Das hält man ja nicht aus. Sie wollten was von mir, warum sollte ich also nett sein?!"
Gretchen: "Ich..."
Maria äußerst gereizt: "Wird das in diesem Jahrhundert noch was? Ich habe zu tun. Ich weiß gar nicht, wie der Meier es mit Ihnen aushält. Sie kommen ja nie zum Punkt..."
Allein, dass Maria ´Marc´ erwähnte war für Gretchen schon ein Grund, wieder einmal mit den Tränen zu kämpfen: "Das ist doch wirklich unglaublich. Marc hält es gar nicht mit mir aus. Wir sind gar nicht..."

Und doch versuchte sie sich wieder zu fangen und fuhr erbost fort: "Und außerdem: Mischen Sie sich nicht in Dinge ein, die Sie nichts angehen. Mein Gott, Marc ist..."


In diesem Moment sah sie Marc, der hinter Maria eben die Toiletten verließ und Gretchens 'Marc ist...' noch aufgeschnappt hatte. Er rückte sich sein blaues Poloshirt zurecht und ging auf die beiden zu. Gretchen starrte ihn nur an, was auch Maria dazu veranließ, sich umzudrehen und noch im selben Moment genervt mit den Augen zu rollen, als sie ihn sah.

Marc verstellte bewusst seine Stimme und gab bekannt: "Äh, ja... Wenn man von Gott redet, erscheint er auch. Und hier ist er, meine Damen(...)“ und zeigte dabei auf sich selbst, um schließlich zu ergänzen: „(...) Dass ihr beide meine Anwesenheit nötig habt, wundert mich auch so gaaar nicht..."

Maria hingegen musste sich wieder einmal mit ihm duellieren, was Gretchen, als Maria zu sprechen begann, nun ebenso mit einem genervten Augenrollen begutachtete.
Maria: "Danke Meier, jetzt ist meine Übelkeit doppelt so schlimm, wie noch vor Ihrer Anwesenheit."
Marc spitz: "Soso, schon in den Wechseljahren?! Sie schwitzen ja auch ganz schön. Übrigens: es gibt da eine nette Erfindung - nennt sich Make-up und hilft gegen Ihre äußerst blasse Erscheinung. Da kann man ja den Schock seines Lebens bekommen... So finden Sie nie einen ‘richtigen‘ Mann."


Gretchen, die Maria bereits ansah, dass sie in jedem Moment die Fassung verlieren würde, wollte Marc noch mitteilen, dass Maria ja bereits mit Maurice zusammen war, jedoch konnte sie außer komischen Gesten, die Marc nur mit fragend verwirrtem Blick erwiderte, nichts weiter mitteilen.

Maria hysterisch: "Sie sind doch so ein richtiges Arschloch, Meier! Wann werden wir Sie eigentlich los? Tun Sie der Menschheit doch einen riesengroßen Gefallen und erforschen Sie irgendeine nicht existente Krankheit in Afrika. Dann machen Sie was Sinnvolles mit Ihrer Zeit, das auch Ihrer Qualifikation angemessen ist. Und wenn der wahrhaftige Gott uns hold ist, infizieren Sie sich vielleicht auch damit und können für die Nachwelt und richtige Mediziner alles auf eine Steintafel niederschreiben, was Hypochonder alles so erleben!"

Marc lachte dabei nur und erwiderte: "Äh... also wenn ich es nicht besser wüsste, müsste ich bei den Stimmungsschwankungen und hysterischen Anfällen annehmen, dass Sie schwanger sind. Aber als unvergleichlicher Chirurg weiß ich natürlich, dass das in Ihrem Alter biologisch nicht mehr möglich ist. Das wäre ja auch eine Zumutung für das Kind. Auch wenn ich Kinder nicht leiden kann, hätte ich wirklich Mitleid mit diesem..."


In diesem Moment sah man, wie Maria dazu bereit gewesen wäre, Marc an die Gurgel zu springen und auch Gretchen stand völlig schockiert und fassungslos dazwischen und meinte nur mit entsetztem Blick und in einer auffordernden Stimmlage "Maaarc...!"
Maria war stattdessen außer sich: "Ach... lassen Sie mich doch in Ruhe, Sie widerlicher Dreckskerl!" und wandte sich noch immer sichtlich schockiert von Marc ab, um äußerst mitgenommen davon zustürmen.


Im Gehen meinte sie noch zu Gretchen: "Ach, und schauen Sie mal nach Ihrem Mehdi, Haase! Der zerlegt gerade die gesamte Gyn!"


Und auch Marc blieb nach dieser äußerst harschen Kritik nur verwundert zurück: "Was hat die denn?"
Gretchen, die zunächst noch verwirrt war, meinte dann aber ebenso in einem harschen Ton: "Man Marc! Musst du immer so übertreiben? Ich glaube, du bist wirklich zu weit gegangen... Aber nichts anderes hätte ich von dir erwartet. Du bist einfach so unsensibel. Alles dreht sich in deiner Welt nur um Marc Meier und jeder soll wohl deine äußerst dummen und peinlichen Kommentare toll finden. Aber das findet nicht jeder toll, Marc! Denn es dreht sich nicht alles um dich. Und die Hassmann hat sicher sogar recht: Wenn du in Afrika wärst, würde dich wohl hier niemand vermissen, sondern alle nur ausgelassen feiern! Und jetzt entschuldige mich... ich muss noch eine verlorengegangene Patientin suchen und nach Mehdi schauen..."

Mit diesen Worten aus Gretchens Mund hätte er in diesem Moment selbst nicht gerechnet. Schon gar nicht mit solch treffenden und zugleich harten. Gretchen hingegen machte sich wieder auf den Weg und ließ Marc mit weitgeöffnetem Mund zurück. Dieser rief zu seiner Verteidigung Gretchen noch stotternd hinterher: "Sooo ein Quatsch!!! Die eiskalte Egoistin kann man gar nicht verletzten..."





Oft fragen wir uns, ob unser Traum nur Schönmalerei ist:
eine Zukunft, die es nicht geben kann,
eine Hoffnung, die doch irgendwann einmal stirbt
oder eine Liebe, die nie gelebt werden kann.
Und irgendwann einmal erwacht jeder aus seinem Traum. Spätestens dann, wenn uns klar vor Augen geführt wurde, dass der Traum, sie würde einmal wieder zurückkehren, nie Wirklichkeit werden würde.






In der Umkleide:


Unterdessen beendete Sabine ihre heutige Schicht und bereitete sich im Umkleideraum auf ihren Einsatz als Miss Marple im Falle Franz Haase und Liebschaften vor. Hierzu zog sie einen großen Strohhut auf, legte sich eine Wollweste um, setze eine riesige Sonnenbrille auf legte sich ein dunkles Tuch um den Hals, als Gabi die Umkleide betrat.

Gabi mit einer ‚Plemplem‘-Geste: "Sag' mal: bist du jetzt eigentlich komplett durchgeknallt?!"
Sabine fühlte sich ertappt: "Gabi! Was machst DU denn hier?"
Gabi: Ähm, ich ziehe mich um! Was soll man auch sonst in einer Umkleide machen?"
Sabine lachte: "Jaaaa, das stimmt..."
Gabi genervt und herablassend: "Jaaaa, du mich auch..."
Sabine entrüstet: "Aber Gabi, ich habe dir doch gar nichts getan..."
Gabi: "Ach Sabine, manche Menschen sehen halt auch erst ein, dass sie zu blöd für diese Welt sind, wenn es zu spät ist!"
Sabine: "Warum bist du nur so fies, Gabi?!"
Gabi selbstverliebt: "Weil ich es kann, Sabine... Weil ich es kann!"


Gabi drehte sich zu ihrem Spind um, während Sabine in diesem Moment fluchtartig hinausstürmte. Dieses Verhalten gab auch Gabi zu denken, weshalb sie schnell die Gelegenheit nutze, um ihr unauffällig zu folgen. Und so rannte Sabine den Flur entlang und schaute sich immer ein paar Mal um, weshalb Gabi sich auch hinter Pflanzen, Pfeilern und Säulen und in Behandlungsräumen verstecken musste.
Als sie die Tür zu einem Behandlungszimmer aufriss, weil Sabine erneut zurückblickte, rempelte sie eine Frau dabei an, die gerade das Behandlungszimmer verlassen wollte. Die Frau strauchelte und fiel nach hinten um und knallte unmittelbar direkt vor der Bettkante mit dem Kopf auf den Boden. Eine scheinbar harmlose Platzwunde entstand und ein bisschen Blut war auf dem Boden zu sehen.
Doch statt der Frau aufzuhelfen und sie medizinisch zu versorgen, verfolgte Gabi indes weiterhin den Plan Sabine auf Schritt und Tritt zu folgen, die nun die Treppen nahm und das Krankenhausgelände zu Fuß verließ. Die Frau hingegen blieb bewusstlos liegen und die Tür fiel ohne, dass es jemand mitbekommen hatte, wieder zu.





Vor Mehdis Behandlungszimmer:


Gretchen war inzwischen in der Gynäkologie angekommen und wollte gerade bei Mehdi anklopfen, als sie einen lauten Knall, welcher direkt aus seinem Behandlungszimmer kam, hörte. Kurz zuckte sie zusammen um schließlich mit dem Schlimmsten zu rechnen.


....Meine Güte! Was war das? Eine Explosion? Ein Schuss? Oh Gott, Mehdi... und wenn es der Krankenhausmörder war, von dem Sabine vorhin erzählte? Was mache ich denn jetzt?! Ganz gefährliche Situation! Brauche dringend Nervennahrung nach dem Desaster mit der Hassmann und Marc. Aber Zeit lässt es nicht zu! Vielleicht ist Mehdi verletzt und verblutet noch... Und wenn der Mörder mich auch umbringt? Ich kann nicht warten! Gretchen Haase 007 zum Einsatz bereit! Es geht um Leben und Tod... muss das Behandlungszimmer stürmen. Bin Ärztin. Erste Hilfemaßnahmen womöglich erforderlich. Stürme jetzt - da Zeit davonrennt...


Und so riss Gretchen voller Tatendrang, mit dem Plan, Mehdi aus den Fängen des Mörders zu befreien, die Tür auf. Doch als sie in den Raum hineinblickte, musste sie doch zweimal hinschauen: Überall waren Akten auf dem Boden zerstreut, der Computerbildschirm lag ebenso auf dem Boden, so wie auch die Büroartikel und auch der Schrank lag quer in der Mitte des Raumes, aus dem noch immer nach und nach Instrumente und medizinische Versorgungsmaterialien fielen. In all dem Chaos, das den gesamten Behandlungsraum wie ein Teppich ausfüllte, saß Mehdi in der Hocke mit beiden Armen im Gesicht. Es machte den Anschein, als würde er tatsächlich weinen.


Gretchen, die noch immer verwirrt um sich blickte, schloss leise die Tür und näherte sich ihm langsam. Dabei fragte sie mit sanfter Stimme "Mehdi???" und ging ebenfalls in die Hocke, jedoch ein bisschen versetzt, sodass sie ihm die Hand auf die Schulter legen konnte.



...Okay, ein Tatort der Verwüstung. Immerhin keiner verletzt. Bilanz bis jetzt: nur Materialschaden...



Und dennoch brauchte auch sie einen kurzen Moment, um zu realisieren, dass das kein Traum war, sondern, dass sie sich wirklich in einem verwüsteten Behandlungszimmer mit einem völlig aufgelösten Mehdi befand.

Gretchen verunsichert: "Warst du das, oder ist hier ein Hurrikan durchgezogen?

Doch Mehdi antwortete nicht, sondern begann erneut zu krampfen und zu weinen.
Gretchen: "Sag mal weinst du?!"



...Ohhhh... Gretchen! Ganz blöde Frage! Das siehst du doch! Der weint nicht nur, der heult ja richtig!...



Gretchen drückte ihm leicht auf die Schulter und sah sich um, stand auf, stellte den Stuhl, den er ebenfalls umgeworfen hatte, wieder auf und packte ihn vorsichtig am Arm, um ihn dazu zu bringen, wieder aufzustehen. Jedoch musste sie relativ viel Kraft aufwenden, bis Mehdi endlich nachgab und sich auf den Stuhl helfen ließ. Und als er endlich saß, kniete sie sich vor ihn hin und versuchte beruhigend auf ihn einzuwirken.

Gretchen: "Mehdi, irgendetwas stimmt doch nicht mit dir! Du warst schon in den letzten Tagen immer so neben der Spur und so abweisend und jetzt zerlegst du noch dein ganzes Büro hier... Was ist bloß los mit dir??? Ich kann ja froh sein, dass mich die Hassmann darauf hingewiesen hat, dass..."


Doch kaum hatte sie den Namen ‚Hassmann‘ erwähnt, sprang er urplötzlich auf, schrie lauter, als sie ihn je gehört hatte "Diese blöde Kuh", riss den Stuhl vor Gretchens Augen in die Luft und warf ihn durch den ganzen Raum. Gretchen wusste gar nicht, wie ihr geschah und schmiss sich reflexartig auf den Boden. So hatte sie Mehdi noch nie zuvor erlebt. Und es war kaum zu übersehen, dass er ihr so richtig Angst machte. Sie hielt die Hände über ihrem Kopf zusammen, da sie nicht wusste, was nun passieren würde.
Für einen Moment war es totenstill, als sie vernahm, wie Mehdi wieder das Schluchzen und Heulen begann.

Sie stand auf, packte ihn an beiden Armen, schaute ihm tief in die Augen und schüttelte ihn durch und meinte nur: "Sag' mal, spinnst du?!"



©:
Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=w_LOOKssMpA; "Trading Yesterday - Shattered (MTT Version)" © by The Trading Yesterday Channel, YouTubeDE; aufgerufen am 07.07.2014 um 21:13



Doch Mehdi, der sich weiter schütteln ließ, schrie sie nur völlig aufgelöst an: "Weißt du eigentlich, wie es ist, wenn man eine Tochter hat und sie wahrscheinlich das ganze Leben lang nicht mehr zu Gesicht bekommt??? Anna hat zwar gesagt sie wäre nicht von mir, aber das glaube ich ihr nicht! Sie hat sie mir einfach weggenommen – für immer! Weißt du wie sich das anfühlt?! Du siehst nicht, wie sie aufwächst, was sie alles durch macht. Du bekommst die Pubertät und die Zickereien nicht mit, wirst nie ihren ersten Freund kennen lernen und weißt heute schon, dass du jedes Weihnachtsfest alleine verbringen wirst und du denkst schon Monate zuvor an ihren Geburtstag, den du nie mit ihr feiern wirst. Du kannst ihr ja noch nicht einmal alles Gute wünschen, weil du nicht weißt, wo sie ist! Weißt du, wie unendlich scheiß weh das tut?! Kannst DU dir das vorstellen? Sag's mir?! Kannst du das?? Dagegen ist diese scheiß Einrichtung, die jetzt kaputt ist, gar nichts. Wirklich GAR NICHTS!"



Und als Mehdi sie so anschrie, ließ sie ihn langsam wieder los und musste schockiert feststellen, dass sie nie mitbekam, wie er wirklich darunter gelitten hat. So emotional hatte sie ihn wirklich noch nie erlebt, was ihr ebenso die Tränen in die Augen trieb.


Gretchen versuchte ihn erneut zu beruhigen: "Mehdi, ich wusste ja nicht..."
Als dieser unterbrach und mit Nachdruck meinte: "Ja, Gretchen! Du weißt nie etwas! Du hast nicht einmal mitbekommen, dass ich noch sehr lange - viel zu lange - in dich verliebt war! Und selbst als angebliche Freundin hast du nicht mitbekommen, dass es mir so scheiße geht! Und warum? Weil du dich stattdessen lieber in deine scheiß bekloppte Marc-Meier-Welt träumst! Du bekommst doch um dich herum gar nichts anderes mehr mit. Du hast mich ja noch nicht einmal in letzter Zeit gefragt, wie es mir geht! Nicht einmal! Das manchen andere Kollegen schon rein pro forma! Auf diese Freundschaft kann ich scheißen, Gretchen Haase! Und jetzt weißt du es und hau' bloß ab! Sonst mache ich aus diesem scheiß Krankenhaus noch Streichholzstäbchen!"


Gretchen trafen diese Worte, die doch so viel Ehrlichkeit in all seiner Wut und Trauer zum Ausdruck brachten und sie konnte nicht anders, als auch einfach zu heulen. Doch sie wollte mit ihm sprechen und wollte sich erklären, begann mit einem leisen, sanften "Mehdi...", woraufhin der sie aber mit allen seinen Emotionen anschrie: "Ich sagte du sollst abhauen! GEH'...!!!"
Gretchen versuchte es erneut, nun mit verzagter und stotternder Stimme: "Aber Mehdi, ich..."
Doch dieser zeigte nur hin zur Tür und schrie nochmals mit noch lauterer Stimme: "Hau' ab!!!"


Gretchen musste schlucken und sich zugleich mit dem Ende ihrer Kittelärmel die Tränen aus den Augen wischen, schaute ihn dabei erschrocken und zutiefst mitgerissen an, woraufhin er nur mit Nachdruckverleihendem Blick andeutete, dass er sie nicht mehr länger sehen wolle. Kurz blickte sie zu Boden und ging so Schritt für Schritt zurück, eckte dabei mit dem Rücken an die Tür an, um ihn dann noch einmal in die Augen zu schauen. Doch da hatte er sich bereits weggedreht und starrte zum Fenster hinaus. Geknickt wandte sie sich der Tür zu, öffnete sie ebenso leise, wie sie sie zuvor noch geschlossen hatte und verließ hängenden Kopfes den Raum. Ebenso leise schloss sie die Tür auch wieder von außen, lehnte sich abermals mit dem Rücken an die Tür und glitt langsam hinab, um sich auf den Flurboden zu setzen, während sie versuchte die tränenden Augen zu trocknen, die in diesem Moment den Niagarafällen glichen.






Träume sind Schäume, sagte meine Mutter früher immer. Hatte sie damit recht? Auf schmerzliche Weise müssen wir oft erkennen, dass sich unser Traum wohl nie verwirklichen wird.

Dass das, was wir uns so sehr erhofften, nie eintreten wird. Gekränkt mit einer unendlich großen Wunde im Herzen müssen wir unseren Traum begraben:

Den Traum von einem Leben zu zweit, den Traum von einem Leben als glückliche Familie und den Traum vom Leben eines fürsorglichen Vaters.

Gäbe es die Realität nicht, dann könnten unsere Träume vielleicht einmal Wirklichkeit werden. Aber solange es Menschen gibt, die uns das Liebste in unserem Leben immer wieder aufs Neue nehmen wollen, solange werden wir uns wohl noch mit jenem Albtraum, den wir Leben nennen, abfinden müssen...







Zur selben Zeit zwei Etagen höher:


Ebenso überschlugen sich Marias Gedanken indes und Marcs Worte waren ihr doch näher gegangen, als sie je gedacht hätte. Und zu allem Unheil traf sie erneut auf Maurice.

Maurice: "Maria, warte mal. Ich wollt' noch mit dir sprechen..."
Maria abweisend: "Jetzt nicht!"
Maurice packte sie, als sie weitergehen wollte, am Arm, um sie festzuhalten: "Jetzt wart' doch mal einen Moment, bittschön..."
Maria: "WAS?!"
Maurice besorgt: "Du bist ja ganz blass und du schwitzt. Brütest du was aus? Du bist schon in letzter Zeit so komisch drauf..."
Maria brüllte ihn urplötzlich an: "Sag' mal, hast du sie noch alle? ICH … BRÜTE … GAR … NICHTS … AUS!!!!!!"


Maria riss sich wieder los und flüchtete, während ihr Maurice verständnislos nachschaute.
Maurice murmelte vor sich hin: "Was war denn des schon wieder? Die Frau werd' ich wohl nie verstehn! Und mit der bin ich angeblich z'samm. Des glaubt uns ja kein Mensch nicht, bittschön..."

Marc, der nun eine OP anstehen hatte, bei der ihm Maurice attestieren sollte, obwohl noch zuvor Gretchen dafür vorgesehen war, ehe sie sich umentschied. Und auch Marc war merklich schlecht gelaunt und so pflaumte auch er ihn an: "KNECHTELSDORFER!!!!!"
Maurice nachdenklich: "Wieso schrein mich heute eigentlich alle an, bittschön???"
Marc mit jeder Sekunde noch schlechter gelaunt: "Wird das in diesem Leben noch was?!"
Maurice nachgebend und sichtlich gekränkt: "Ich komme ja schon, Herr Doktor...."





Auf den Straßen Berlins:


Sabine war währenddessen eilig unterwegs und machte Gabi so alle Mühe ihr zu folgen. Denn während ihres schnellen Tempos ließ sie kaum eine Gelegenheit aus immer mal wieder zurückzublicken und um sich zu schauen. Gabi musste sich dadurch immer wieder neue Objekte suchen, hinter denen sie sich gut verstecken konnte. Ob es nun der Stromkasten war, die Bushaltestelle, das am Straßenrand parkende Auto oder auch nur ein Laternenmast.
Gabi kam während dieser rasanten Verfolgungsjagd ins Schwitzen, was sie nur dazu veranließ, vor sich hin zu schimpfen: "Diese blöde Kuh! Was hat die denn nur vor?! Wir haben 32°C im Schatten und die Irre rennt wie von der Tarantel gestochen mit einer Wollweste durch die Gegend! Die hat sie doch wirklich nicht mehr alle! Ich hoffe nur nicht, dass die bloß ihren wöchentlichen Einkauf bei KiK macht! Ansonsten muss die einfach in die Klapse. Und da meint die fette Kuh von Fräulein Besserwisserin Doktor Trampelkuh-Haase, dass ich verrückt sei..."


Und während sie so vor sich hin brodelte, sprach sie wie aus heiterem Himmel eine ältere Dame an:
Dame: "Entschuldigung junges Fräulein, aber könnten Sie mir vielleicht sagen, wie ich zum Fernsehturm komme?!"
Gabi genervt: "Fangen Sie doch einfach die Radiowellen mit Ihrer Dauerwelle ein und folgen Sie denen. Oder lesen Sie doch einfach den Stadtplan... Ach, entschuldigen Sie! Ich vergaß ja: Sie sind ja bestimmt schon so blind wie ein Maulwurf in IHREM Alter..."
Die Dame war völlig geschockt und entgegnete entrüstet: "Also, sowas! Sie Göre, Sie! Das muss ich mir nicht bieten lassen..."
Gabi genervt: "Ja und warum fragen Sie dann erst so blöd?!" und ging weiter, als sie feststellen musste, dass sie Sabine scheinbar verloren hatte.

Der alten Dame, die völlig sprachlos zurückblieb, schrie sie noch nach: "Da sehen Sie, was sie angerichtet haben, Sie blöde Kuh!", die schon ihre Handtasche nach ihr werfen wollte, als Gabi Sabine schließlich auf der anderen Straßenseite wieder entdeckte.
Schnellen Schrittes nahm sie wieder die Verfolgung auf, denn zu ihrer Erleichterung sah es so aus, als hätte Sabine nichts von dem Ganzen mitbekommen.





Im OP-Saal der Chirurgie:


Alle hatten sich steril gewaschen. So standen Marc, Maurice, Schwester Ingeborg und die anderen im OP-Saal. Ungewohnt ruhig war es ohne Gretchen. Auch Marc neckte niemanden und wies niemanden in seine Schranken. Es war ruhig. Sehr ruhig. Lediglich die Geräte, die die Vitalfunktionen des Patienten überwachten, gaben ihre rhythmischen Singaltöne ab.
Doch auch Schwester Ingeborg blieb Marcs Verschwiegenheit nicht verbogen und so fragte sie in die Stille hinein: "Sie vermissen die Dr. Haase, nicht wahr?!"
Marc versuchte auf gewohnte Art sarkastisch zu kontern, doch gelang ihm dies nicht wirklich. Lediglich ein "Hier geht's um den Patienten und nicht um... um... mich" kam ihm über die Lippen.
Und alle fuhren weiterfort, wohlgleich sie natürlich alle wussten, dass er sie doch vermisste.





In der Notaufnahme:


Gretchen hatte sich wieder aufgerafft und begab sich wieder schwermütigen Schrittes in die Notaufnahme zurück, nachdem sie sich in einer der Toiletten so gut es ging frisch gemacht hatte und sich noch in der Cafeteria einen Schokoladenkuchen gegönnt hatte. Und doch war sie noch immer tief getroffen und berührt von Mehdis ehrlichem Wutausbruch, als sie an jenem Zimmer vorbeikam, in dem zuvor Gabi in ihrer Hektik nicht aufzufallen, noch eine Patientin angerempelt hatte, die daraufhin zu Boden fiel. Die Tür stand einen Spalt weit offen und so warf sie einen kurzen, flüchtigen Blick hinein und dachte sich noch:



...Was ist denn da passiert? Warum stehen die denn alle um meine Patientin herum, von der ich doch noch Blut abnehmen sollte...



Doch da dämmerte es ihr erst, als sie schon ein Stück weitergegangen war. Entsetzt riss sie die verschränkten Arme auseinander und drehte sich schnurstracks wieder um, rannte zurück und riss die Tür auf. Dort standen um das Bett herum Günni Gummersbach, ihr Vater Franz, Kerry Weaver, Susan Lewis und eine Schwester der Notaufnahme versammelt. Als Gretchen hereinstürmte blickten sie alle zeitgleich betroffen an.

Gretchen stotternd: "Was? Was ist ... was ist denn hier los?!"



Gretchen musste erschrocken feststellen, dass etwas definitiv nicht stimmen konnte und dachte sich noch:
...Die Frau sieht so blass aus, zu blass - viel zu blass! Und warum bewegt sie sich nicht? Was ist hier nur los?..., als Kerry anmahnte: "Das ist Dr. Lewis' Patientin, richtig?!"



In diesem Moment blickte sie Susan an, die jedoch ihren Blick wieder auf das Gesicht der Frau schwenkte.
Gretchen begann zu stottern: "Ähm... ja, ja... ähm... das ist... ja! Ich sollte... ich..." als sie nach einer kurzen Pause fragte: "Ist sie etwa tot?!"

Franz nüchtern: "Ja, das ist sie, Kälbchen! Man hat mich informiert. Sie hatte heute ihren Mann besucht, der hier in diesem Zimmer liegt. Ihr war heute Morgen, so wie er berichtet hat, schlecht. Deshalb ist sie auch zu euch in die Notaufnahme. Doch sie ist wieder zurückgekommen, da es ihr scheinbar zu lange gedauert hat, bis sie dran kam...

Gretchen stellte fassungslos fest: "Oh Gott, deshalb konnte ich sie nicht finden..."

Kerry schaltete sich wutentbrannt ein und schlug mit ihrer Krücke dabei wütend auf den Fußboden. Eine kurze Zeit lang sprach sie Gretchen an, ehe sich dann der Blick Richtung Susan wandte: "Sie lassen eine Patientin solange warten, dass sie freiwillig wieder geht? Was denken Sie sich eigentlich?! Wir sind eine Notaufnahme, in der jeder Patient schnellstmöglich behandelt werden muss! Wir arbeiten doch nicht in Zeitlupe, Susan!"


Sie ermahnte Susan forsch und schlug abermals mit der Krücke auf den Boden, als Gretchen unterbrach: "Sie kann nichts dafür, Dr. Weaver! Ich sollte Blut abnehmen und habe sie vielleicht ein bisschen zu lange warten lassen..."


Kerry nachhakend: "Ein bisschen zu lange??? Und das heißt genau...?!"
Gretchen stotternd: "15 bis 20 Minuten vielleicht...?!"
Kerry außer sich: "Das ist doch nicht zu fassen! Sie vertrödeln 20 Minuten mit was genau, bitte??? Gab es einen ganz wichtigen, triftigen Grund dafür? Mussten Sie etwa wie Superman noch zuerst in 20 Minuten die Welt retten, oder was haben Sie in dieser Zeit gemacht?!"


Sie blickte beide, Gretchen und Susan, immer wieder böse an und stellte klar: "Dass so etwas passieren kann ist mir ein absolutes Rätsel! Ich weiß nicht, wie du, Susan, so versagen konntest und als Mentorin so schlechte Anweisungen geben konntest, dass jetzt eine Patientin hier tot auf diesem Bett liegt! Das wird Konsequenzen haben!"

Und sie schritt wütend davon, haute dabei sichtlich erbost die Krücke mit jedem Schritt noch lauter auf den Fußboden und drängte Gretchen, die in der Tür stand, beiseite, um sich dann, als sie gerade ums Ecke wollte, nochmals umzudrehen und Gretchen und Susan zu entgegnen, während sie dabei wild mit ihrer Krücke herumfuchtelte, um ihre Wut in aller Anschaulichkeit noch einmal zu demonstrieren: "Und morgen werdet ihr beide diesen Fall, der da tot in diesem Bett liegt, und weswegen ein Mann einen weiteren Schock erlitten hat, der Klinikleitung präsentieren! Und alle anderen, die hier arbeiten, werden sich das anhören, dass so etwas ja nie mehr wieder passiert! Ihr könnt beide nur hoffen, dass euch dieser Fall nicht noch eure Zulassung kostet! Denn ich hoffe euch ist bewusst, dass ich diesen Fall melden muss und auch melden werde!"


Und so zog sie von dannen, während Susan zurückblieb, die sich nur entkräftet durch das Gesicht und ihre Haare fuhr und sich anschließend, sichtlich am Boden zerstört, mit beiden Händen auf die Haltestange des Bettes stütze.
Gretchen hingegen war immer noch wie in Trance und wollte wissen, warum die Frau eigentlich genau gestorben war.

Gretchen: "Aber... was ist passiert... sie war doch nicht todkrank...?!"
Nun schaltete sich auch Günni als Pathologe ein: "Nun, Frau Dr. Haase! Anzeichen einer akuten und zum Tode führenden Erkrankung gibt es noch nicht, aber da sie mit dem Hinterkopf auf die Radbremsen des Bettes geknallt ist, führte dies, wie Sie auf dem CT gut erkennen können, zu einem enormen subduralen Hämatom und damit unmittelbar innerhalb einer - lassen Sie mich schätzen - knappen halben bis höchstens dreiviertel Stunde zum Tod!"

Und als sie auf den Boden schaute, war da tatsächlich eine Blutlache um das Rad des Bettes herum zu sehen.


Gretchen schaute sich das CT ebenfalls noch an und ging zum Leuchtkasten, um dann weiter nachzuhaken: "Aber... aber... dann sind wir doch nicht schuld, oder Susan?!"
Susan entrüstet: "Du meinst wohl eher ich! Dann bin ICH nicht schuld! MICH kann das als deine zuständige Mentorin durchaus die Zulassung kosten! Wo warst du überhaupt? Ich habe dich angepiept, aber du hast nicht reagiert!"

Gretchen holte verstummt, da sie erkannte, wie wütend sie doch war, den Pieper aus der Kitteltasche und musste feststellen, dass sie sie tatsächlich angepiept hatte...



...Soll ich sagen, dass ich bei Mehdi war und ich ihn trösten musste und dass er mich dann fertig gemacht hat? Soll ich sagen, dass ich deshalb unfähig war zu reagieren??? Oh Gott, Gretchen, du hast eine Patientin umgebracht...



Günni hingegen fuhr in der ziemlich angespannten Atmosphäre fort: "Hätte man sie hier drin vielleicht früher liegen sehen, dann hätte man eine Notoperation durchführen können. Aber so hieß es eben 'aus die Maus' für sie. Reanimation hat nichts mehr gebracht..."
Gretchen schockiert: "Und dieser Sturz hätte wirklich vermieden werden können?!"


Franz verständnisvoll: "Hättet ihr sie rechtzeitig untersucht, dann hätten wir rechtzeitig die Blutergebnisse vorliegen gehabt und man hätte feststellen können, ob sie z.B. an einem Ionenmangel zu leiden hatte, der Schwindelgefühle und zeitweilige Ohnmachtsanfälle verursacht..."
Gretchen hysterisch: "Oh Gott, dann hätten wir ihr die Ionen einfach zuführen können, ihr wäre nicht schwindlig geworden und sie wäre nicht hier ohnmächtig geworden und gegen das Rad geknallt..."

Günni erläuternd: "So, wie es aktuell aussieht, entspricht das den Tatsachen, Frau Dr. Haase! Es war ein vermeidbarer und so gesehen sinnloser Tod..."
Gretchen hysterisch lachend: "Vielen Dank, Herr Dr. Gummersbach! Auf DAS wäre ich jetzt nieee gekommen...!"
Günni rechtfertigend: "Entschuldigung, dass Sie sich angegriffen fühlen. Aber es ist nun einmal so. Ich bringe die Leiche nun in die Pathologie zur Obduktion, und dann werden wir die genaue Todessursache erfahren..."


Franz, der seiner Tochter ansah, wie sehr sie doch darunter zu leiden hatte und sich auch indirekt die Schuld gab, schritt ein: "Er hat recht, Kälbchen! Wir stehen alle unter Spannung und es ist besser, denke ich, wenn ihr beiden, Dr. Lewis und du, jetzt nach Hause geht, euch sammelt und morgen uns allen berichtet, was vorgefallen ist...."
Gretchen: "Uns sammeln??? Papa! Wir haben einen Menschen auf dem Gewissen!"
Susan genervt: "WIR...?! Ich gehe jetzt und bereite mich für morgen auf meine bevorstehende Absolution vor, die sicher nicht positiv ausfallen wird. Mir reicht‘s für heute wirklich..."

Sie stürmte an Franz vorbei und ebenso an Gretchen, woraufhin Günni der Frau das Bettlaken über das Gesicht zog und ebenfalls mitsamt dem Bett den Raum verließ und die Tür hinter sich schloss, sodass Gretchen und Franz alleine waren.
Nach einem Moment der Stille fragte sie betrübt: "Und wer hat sie gefunden?"
Franz beruhigend: "Ihr Mann. Er war in Physiotherapie, weil er an einer Muskelschwäche leidet und als er das Zimmer mithilfe einer Schwester betrat, fand er sie da tot liegend auf. Aber keiner konnte mehr etwas für sie tun. Er hat daraufhin einen Schock erlitten und ist dann zusammengebrochen und wird gerade noch von Psychiatern betreut..."
Gretchen stiegen erneut die Tränen in die Augen: "Das ist ja schrecklich..." und völlig aufgelöst lehnte sich an ihren Vater und begann erneut zu weinen. Dieser nahm sie nur in den Arm und meinte: "Ich bringe dich auch nach Hause, Kälbchen..."





...Und wieder einmal zerplatzen unsere Träume wie Seifenblasen: Der Traum davon, dass man gesund und glücklich gemeinsam in eine Zukunft starten kann, der Traum, dass wir uns erfolgreich die Notfallmedizin aneignen könnten oder der Traum, dass wir in diesem Krankenhaus Fuß fassen könnten, wir jedoch in den Augen anderer immer Fehler begehen werden, egal, ob wir wirklich Schuld daran haben, oder nicht...





Vor dem Hause Haase:


Sabine hatte inzwischen ihr Ziel erreicht und Gabi hatte es geschafft, inzwischen komplett schweißgebadet, sie während des Höllenmarsches nicht aus den Augen zu verlieren.
Umso erstaunter war sie, als sie sich hinter einem Auto auf der gegenüberliegenden Straßenseite versteckte und Sabine beobachtete, wie diese vor dem Haus der Haases stehen blieb, sich mehrmals im Kreis drehte und sich dabei abermals umschaute, die Sonnenbrille leicht anhob und unten durch blinzelte, um dann über das Gartentor zu klettern. Dabei blieb sie jedoch mit ihrer Weste hängen, die auch im selben Moment in zwei Teile zerriss.
Schnell verkroch sie sich in einen Busch, da Bärbel gerade in diesem Moment zur Haustür heraustrat und auch Gabi musste sich schnell wieder hinter dem Auto verstecken, da Bärbel sie sonst womöglich noch entdeckt hätte. So beobachtete sie zögerlich durch die Scheiben hindurch, wie Bärbel mit Gartenhandschuhen sich auf den Busch zubewegte, in den gerade eben vor Kurzem noch Sabine hineingekrochen war.


Gabi verstand zunächst nicht, was denn genau vor sich ging und konnte sich auch nicht ausmalen, warum Sabine ausgerechnet bei den Haases in einem Busch verschwand.

Auch Sabine bekam es mit der Angst zu tun ertappt zu werden, da Bärbel direkt über ihr damit begann, mit der Gartenschere die Äste zu stutzen. Sabine fragte sich noch "Werden die nicht erst im Herbst zurückgeschnitten?", woraufhin Bärbel schockiert die Schere fallen ließ und zur Einfahrt eilte, in die gerade Franz mit Gretchen auf dem Beifahrersitz einfuhr.


Kaum waren beide ausgestiegen meinte Bärbel auch schon: "Himmel herrje! Der Busch da vorne hat mit mir gesprochen und gemeint ich solle ihn doch erst im Herbst zurückstutzen..."
Franz erbost: "Statt dass du dich nur um deine Pflanzen kümmerst, könntest du dich auch einmal richtig um deine Tochter kümmern und nicht immer die Feuerwehr gleich rufen, die uns überteuerte Rechnungen schickt!"
Bärbel eingeschnappt: "Ich?! Ich habe mich ihr ganzes Leben um unsere Tochter gekümmert, Franz, während du ja wieder auf 'Nachbesprechungen' warst - oder soll ich etwa gleich sagen auf deinen Schlampen?!
Franz erzürnte, während er die Autotür zuknallte: "DAS muss ich mir nicht sagen lassen...!"


Und während sich Gretchens Eltern also nun einmal mehr wieder stritten, bemerkte Gabi, dass ein Auto herangefahren kam, besser gesagt ein nobler Sportwagen, den sie nur allzu gut kannte. Und sie brachte nur ein fragendes "Marc?" über die Lippen, während sie sich erneut hinter dem Auto ducken musste.

Auch Gretchen erkannte, dass es tatsächlich Marc Meiers Auto war und so machte auch sie leise die Autotür zu, nachdem sie sich ihr Tuch um den Hals geworfen hatte und die Handtasche umgehängt hatte und lief ihm eilends entgegen - vorbei an den noch immer streitenden Eltern, die nichts um sich herum mitbekamen.

Marc hielt direkt vor dem Gartentor, sodass Gabi die Sicht versperrt war. Er stieg aus und erblickte Gretchen, die ihm entgegenkam. Auch der Fetzen von Sabines Weste blieb ihm nicht verborgen, den er nahm und wegschmiss und welcher im Busch bei Sabine landete, die daraufhin nur "Hey!" ausrief, sich aber im gleichen Moment wieder die Hand vor den Mund hielt, da sie sich eigentlich vorgenommen hatte nicht mehr so laut zu denken.

Die letzten Schritte zum Gartentor lief Gretchen ganz langsam, während Marc sie noch im Gehen darauf hinwies: "Äh, ich glaube der Busch da hat gesprochen!"
Daraufhin zeichnete sich in ihrem Gesicht ein kleines Lächeln ab, das noch immer komplett rot angelaufen war.


Gabi kroch unterdessen hinter dem Auto hervor, schlich sich zur anderen Straßenseite hinüber und versteckte sich nun hinter einem Streusalzbehälter und beobachtete das Geschehen aus einem direkteren Blickwinkel heraus.


Gretchen war am Gartentor angekommen und fragte überrascht: "Marc?! Was machst du denn hier?"
Marc fragte sie sofort: "Hast du etwa geheult, Hasenzahn?!"
Gretchen seufzte und atmete tief ein und aus und konnte ihre Tränen einfach nicht aufhalten. Wieder stiegen sie ihr in die Augen. Und mit zitternder Stimme meinte sie: "Ach Marc, alle hassen mich! Mehdi findet mich scheiße, Susan auch und Weaver sowieso... Ich... ich... habe mich nicht um eine Patientin gekümmert und jetzt ist sie tot. Ich bin schuld daran, dass sie gestorben ist."


Und sie weinte nun noch mehr und gestand sich selber ein: "Und ich kann es verstehen, dass mich alle hassen. Ich hasse mich ja selber..."




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Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=F_OrFQUs1Ys; "Faith Hill - THIS KISS / Lyrics - HQ" © by SiDLako, YouTubeDE; aufgerufen am 07.07.2014 um 20:49




Sichtlich geknickt und gekränkt wollte sie sich umdrehen und ins Haus gehen. Doch Marc ließ sie in diesem Moment nicht gehen. Er griff, als sie sich gerade umgedreht hatte, sanft ihren Arm und verleitete sie so dazu, sich wieder zu ihm zurück zu drehen. Dabei rutschte ihr die Tasche von der Schulter und fiel auf den Boden. Doch das war ihr in diesem Moment egal, denn Marc strich ihr mit der anderen Hand zärtlich die Tränen aus den Augen und von den Wangen. Dann strich er ihr zärtlich die Haarsträhne, die wieder einmal im Gesicht hing, aus dem Gesicht und meinte: "Du wolltest da weitermachen, wo wir aufgehört haben. Jetzt bin ich da und ich kann dir sagen, Hasenzahn: es gibt da jemanden, der dich nicht hasst und der steht gerade vor dir..."

Sie schloss ihre Augen und es zeichnete sich wieder ein freudestrahlendes Lächeln ab, während sie leise fragte: "Du, oder doch der unnahbare Gott?!"
Daraufhin nickte er und meinte nur mit leiser und doch so emotionsvoller Stimme: „Jetzt gerade steht Marc Meier vor dir. Gott hat nun Dienstschluss. Der ist morgen wieder für dich da...“ und setzte zu einem Kuss an, was Sabine im Busch zu einem erfreuten "Oh" verleitete, woraufhin Marc noch meinte: "Äh, jetzt aber ohne Scheiß: DER BUSCH DA spricht wirklich!"

Gretchen fuhr ihm aber nur sanft über die Lippen und flüsterte ihm währenddessen zu "Ist doch egal...", was Gabi zu einem schockierten "Oh" verleitete, das ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ und ihr einen noch finstereren Blick verlieh, der an Kälte und Berechnung kaum zu übertreffen war. So schlug sie mit der Faust wütend gegen den Behälter – so fest, dass sie die Hand danach selbst schütteln musste, weil es so weh tat.
Und auch Bärbel und Franz bekamen den märchenhaften Kuss trotz ihres Streites mit, der bis zu diesem Zeitpunkt anhielt und doch durch diesen Kuss fast schon wieder vergessen war.


Ein Kuss, der so zärtlich war wie noch keiner zuvor. Ein Kuss, der Gretchen wieder aufleben ließ und ein Kuss, der beide in eine andere Galaxie beförderte, fernab von Bärbel und Franz, dem sprechenden Busch Sabine oder der rachsüchtigen Gabi...




Unsere Träume sind nicht vergebens. Sie sind da, um gelebt zu werden. Sie sind da, um verwirklicht zu werden.

Irgendwann da erwachen wir aus unserem Albtraum und dann erkennen wir erst, dass es sich doch gelohnt hat zu träumen. Dann, wenn sie unsere Welt verändern, wenn sie uns in entfernte Galaxien befördern, von denen wir nie zu träumen gewagt hätten,

und wenn die Realität uns einholt - anders, als wir sie erwartet hatten.

Wir sollten unseren Traum niemals aufgeben. Wir sollten ihn leben! Und solange festhalten, wie es nur irgend geht. Denn Träume können auch wie Seifenblasen platzen. Aber dann hatten wir ihn wenigstens - wenn auch nur für einen kurzen Moment - den Traum, der sich wirklich erfüllt hat und unser Leben unendlich bereichert hat...

GretchenHaaseFan Offline

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19.07.2014 18:22
#6 Info Zitat · antworten

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GretchenHaaseFan Offline

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28.07.2014 10:58
#7 RE: Info Zitat · antworten

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GretchenHaaseFan Offline

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12.08.2014 18:27
#8 RE: FF: S02 von GretchenHaaseFan und Missing_DD Zitat · antworten

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16.08.2014 20:40
#9  Muss das sein! Ist die Nacht nicht schon einsam genug? Zitat · antworten

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S02,E05:

Muss das sein! Ist die Nacht nicht schon einsam genug?




WRITTEN BY
GretchenHaaseFan, Andrea

AND

Missing_DD, Elena


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Im letzten Teil:


Mein Leben hatte eine ungeplante Wendung genommen: unter meiner Aufsicht starb eine Patientin und das sollte noch Konsequenzen haben, für Susan Lewis, meine Mentorin und mich selbst.
Und auch Mehdi musste einsehen, dass der Traum seine Tochter jemals wieder zu sehen, geplatzt ist. Er musste feststellen, dass er seine Tochter verloren hatte und auch ich musste feststellen, dass ich einen wichtigen Freund verloren hatte.
Frau Dr. Hassmann und Maurice Knechtelsdorfer wurden ebenfalls vor neue Herausforderungen gestellt: Würde sie Karriere und Kind jemals gut unter einen Hut bringen?
Schwester Sabine und Dr. Gummersbach hatten sich noch immer nicht gefangen. Wie Schulkinder, die sich gestritten hatten, gingen sie sich aus dem Weg und suchten sich neue Hobbys. Schwester Sabine spielte doch tatsächlich Miss Marple…
Und auch ich fühlte mich an diesem Abend in die Schulzeit zurückversetzt:




Schon in der fünften Klasse träumte ich davon von einem Mann geküsst zu werden – dem Traumprinzen aller Mädchen damals, der Mann, der jede haben konnte. Wirklich jede… Und auch jede hatte – außer Gretchen Haase, die langweilige, kleine Arzttochter.
Stattdessen war die einzige Zuneigung, die er mir zeigte, der zermatschte Mohrenkopf in meinem Gesicht während der großen Pause…




Und nun – nach 20 Jahren Dornröschenschlaf war es endlich soweit: Er, Marc Meier, der Schwarm aller Mädchenherzen und heute noch aller Frauenherzen, hatte mich geküsst! Mich, Dr. Gretchen Haase, meines Zeichens „selbstständige Professorentochter“.
Und es war unbeschreiblich! Es war gigantisch! Es war phänomenal! Ein lang ersehnter Wunsch ging endlich in Erfüllung. Nach unzähligen Jahren, unzähligen Liebesbriefen und mehr als nur unzähligen Schokoladetafeln…
Doch leider vergisst man manchmal, dass die Welt einem dabei einen gewaltigen Strich durch die Rechnung machen kann. Und meine Welt waren meine Eltern…





Während des Kusses:


Während sich Gretchen und Marc innig und zärtlich küssten und dabei die Welt um sich herum vergaßen, fasste sich Gabi ein Ziel, das sie nicht aus den Augen verlieren würde und flüsterte nur „Ihr werdet euch nicht mehr lange freuen“ und schlich sich, nachdem sie den beiden Küssenden noch einen finsteren Blick zuwarf, wieder heimlich weg.
Auch Bärbel und Franz bekamen hautnah mit, wie sich Gretchen und Marc am Gartentor küssten.
Franz war der Schock förmlich ins Gesicht geschrieben, als er zu den beiden hinrannte. Auch Bärbel schloss sich in diesem Punkt ihrem Mann sofort an.

Franz entrüstet: „Also Margarete! Ich fasse es nicht!(…)“, als ihn Bärbel unterbricht und die Hände in die Hüften stemmte: „Da hat dein Vater aber recht, Kind! Was sollen denn nur die Nachbarn denken?!(…)“, ehe sie diesmal von Franz unterbrochen wurde: „Als Bärbel, ich bitte dich! Ich meinte doch… also nicht du, sondern Gretchen! Also, gerade eben warst du noch am Boden zerstört und kaum ist dieser… dieser… dieser…“ und deutete dabei auf Marc hin. Bärbel blickte Franz, als dieser zu stottern begann, nur an und meine leise zuflüsternd: „Dr. Meier, Franz! Er heißt doch Marc Meier! Aber wen meinst du jetzt? Mich oder Margarete?!““
Franz hingegen wurde erneut zornig und meinte zu Bärbel nur mit einer abweisenden Geste: „Das weiß ich selber! Ich bin ja nicht senil! Aber du schienst es ja zu sein, wenn du noch nicht einmal weißt, wen ich hier gerade anspreche…“
Die beiden schauten sich eine Weile grimmig an, was aber Gretchen und Marc gar nicht sonderlich störte. Die beiden lagen sich noch immer in den Armen und Gretchen fühlte sich nach langem endlich wieder bei ihm geborgen.

…Ach ja, so muss er also aussehen: der Himmel auf Erden. Ich werde ihn jetzt ganz bestimmt nicht loslassen – ganz bestimmt nicht mehr!...

Franz hingegen wendete sich nach seinem bösen Blickwechsel mit Bärbel den beiden wieder zu, um dann verwirrt zu fragen: „Bärbel, sag‘ mal: wo war ich jetzt nochmal stehen geblieben?!“
Die beiden schienen sich in dieser Hinsicht wenigstens zu 100% genauestens zu verstehen.
Bärbel: „Bei den Kindern, Franz! Bei den Kindern…“
Franz kreidebleich: „Bist du etwa schwanger, Kälbchen?!“


…Ja, manche Menschen können so lange ausgeblendet werden, bis eben eine noch dümmere Frage kommt, als je zuvor.
Ich hätte Marc bis zum nächsten Morgen küssen können. Die ganze Nacht durch – ohne auch nur einmal aufzuhören.
Ich bin im Himmel und gleichzeitig in der Hölle: Eltern ziehen einen zwar groß, doch leider sind sie auch immer anwesend – besonders dann, wenn sie es besser nicht sein sollten…
Und das Debakel von heute ist auch noch lange nicht aus Welt! Ob Marc wohl helfen kann?!...



Gretchen blickte ihren Vater genervt an, was Bärbel nur dazu veranließ mitzuteilen, was sie von einer Schwangerschaft halten würde: „Der Papa hat da schon recht, Margarete. Du bist über dreißig und die Zeit läuft. Irgendwann bist du in den Wechseljahren und dann ist es schneller wieder gegessen, als dir lieb ist, Margarete. Und dann das ganze Hin und Her mit der künstlichen Befruchtung und dann klappt das auch nicht und dann muss der Frauenarzt…“
Gretchen unterbrach sie hysterisch lachend: „Also Mutter, ich bin noch nicht einmal 35 und du redest hier schon von künstlicher Befruchtung?! Ist das nicht ein bisschen zu viel des Guten?!“
Bärbel tröstlich: „Ist ja schon gut, Kind. Ich wollte dich nur darauf hinweisen…“
Gretchen genervt: „JAHAAAA… ist ja gut!“ und wandte sich zu Marc zu, dem sie ins Ohr flüsterte: „Das meint sie nicht so…“
Doch Marc entgegnete ihr daraufhin charmant, aber doch treffend: „Oh doch, Hasenzahn! Das meint sie so…“


Gretchen schaute nur mit einem genervten Augenrollen weg und wollte ihre Tasche aufheben, die auf den Boden gefallen war, als sie Sabine im Busch entdeckte.
Gretchen fragte sie, was sie denn da suche. Jedoch gebrauchte sie keine Worte, sondern nur ihre Mimik. Sabine fuchtelte daraufhin wild herum, was Gretchen jedoch nicht verstand. Und so fuchtelte auch sie in komischer Art und Weise vor dem Busch herum.

Marc, ebenso Bärbel und Franz, beobachteten das Ganze verwirrten Blickes und Marc fragte leidglich nach einer Weile: „Ähhh… Hasenzahn?! Was machst du DA?!“
Gretchen drehte sich schnurstracks wieder zu den Dreien um und meinte nur: „Yoga! Ja, Yoga! Ich habe heute nämlich noch gar kein Yoga gemacht!“

Bärbel verbessernd: „Aber Kindchen, das ist doch kein Kühlschrank. Der fettarme Yoga-Jogurt ist doch im Kühlschrank…“
Gretchen brachte nur ein genervtes „Oh, Mutter“ über die Lippen, während Marc sich das Lachen verkneifen musste, woraufhin sie ihn stupste.
Franz hingegen wusste, was seine Tochter meint: „Aber Bärbel! Yoga ist doch kein Jogurt. Das ist doch diese neumodische Kampfsportart…“

Bärbel entsetzt: „Du machst Sport?!“
Marc fragte ebenfalls zynisch: „Ach wirklich? Und in wie viel tausend Jahren bist du dann für den Schneckenmarathon bereit?!“
Gretchen genervt: „Haha… ja, sehr witzig… Ich glaube, wir gehen jetzt am besten alle rein. Hier draußen wird es nämlich langsam kalt…“
Marc verwundert: „Äh, wir haben immer noch um die 33°C…“
Gretchen angespannt: „Jaaa… sage ich doch: Bitter, bitterkalt wird’s.“

Doch die anderen wollten in diesem Moment nicht wirklich reingehen. Erst, als Bärbel entsetzt feststellte „Oh, der Kuchen. Der Kuchen verbrennt mir ja noch…“ und loslief, setzten sich auch Marc und Franz allmählich in Bewegung.
Franz nahm Marc im Gehen an seine Seite und fragte ihn flüsternd, und doch mit kritischem Unterton: „Und Sie, Meier, sind jetzt also mit meiner Tochter zusammen?!“
Woraufhin Marc nur: „Äh ja… ähm… ja ich… also…“ herausbrachte.

Und während sich die beiden ins Haus begaben, wartete Gretchen darauf, dass sie endlich mit Sabine sprechen konnte.
Kaum waren die beiden im Haus verschwunden, huschte auch Gretchen in den Busch hinein.
Leise flüsternd begann sie sich zu erkundigen.

Gretchen: „Ähm Sabine. Sagen Sie mal: Was genau machen Sie hier?!“
Sabine überzeugt: „Ich bin auf geheimer Mission, Frau Doktor... Niemand soll mich erkennen…“
Gretchen hämisch: „Jaaaa… DAS klappt auch wunderbar, Sabine!“
Sabine lachend: „Ich weiß, Frau Doktor. Ich bin ja auch gut…“
Gretchen genervt: „Mhm… das merkt man…“
Daraufhin lachte Sabine sie nur freundlich an und Gretchen erkannte, dass nicht mehr viel zu machen ist, außer sie zu fragen, was sie denn unter ‚geheimer Mission‘ verstehen würde.
Gretchen: „Und wen beobachten Sie hier so furchtbar schrecklich unauffällig?!“
Sabine geheimnisvoll: „Ihren Vater, Frau Doktor. Und wissen Sie was?“
Gretchen gebannt: „Was denn?!“
Sabine neigte sich zu ihr und flüsterte ihr ins Ohr: „Der ist dort in dieses Haus reingegangen…“
Gretchen vorwurfsvoll: „Ja, ach ne! Der wohnt da, Sabine! Sie sollten doch nur herausfinden, ob er sich mit anderen Frauen trifft. Aber stellen Sie sich vor: Dass er in diesem Haus da wohnt – das weiß ich schon seit über 30 Jahren. Da hätten Sie nicht ermitteln müssen, Sabine!“

Genervt verließ sie die immer noch von sich und ihren ermittlungstaktischen Fähigkeiten überzeugte Sabine, kroch aus dem Busch hervor und machte sich ebenfalls auf den Weg ins Haus, als sie kurz vor der Haustür von Sabine, die aus dem Busch heraus „Psssst!“ rief, aufgehalten wurde.
Gretchen drehte sich genervt um und schrie sie nur mit flüsternder und krächzender Stimme an: „Was ist denn noch?!“
Sabine stand auf, schaute somit mit dem Kopf aus dem Busch heraus, und deute auf ihre Handtasche, die noch immer auf dem Boden lag.
So ging sie wieder zurück, um sich vor dem Busch und Sabine zu bücken, um die Handtasche aufzuheben. Als sie sich wieder aufrichtete, musste sie Sabine erneut ins Gesicht schauen, die nur verschmitzt lächelte.
Gretchen richtig genervt: „Was denn?!“
Sabine flüsternd: „Der Herr Doktor und Sie, Frau Doktor…“
Gretchen schreiend: „Was ist denn?!“

Doch in diesem Moment huschte Sabine auch schon wieder in den Busch hinein, was Gretchen nur verwirrt begutachtete, als sie auch schon ihre Mutter, die in der Haustür stand, rufen hörte: „Margarete! Kommst du?!“
Gretchen drehte sich um, zwang sich ein Lächeln auf und rief nur mit verstellter Stimme: „Jaaaha… ich bin schneller als der Wind…“ und lief ihrer Mutter entgegen, drehte sich währenddessen jedoch noch einmal zum Busch hin um.

Zwischen Tür und Angel fragte Bärbel entsetzt: „Aber Kind, du sprichst doch nicht etwa mit dem Busch dort? (…)“ und fasste ihr dabei an die Stirn, als wolle sie Fieber messen, um dann noch schließlich zu fragen: „(…) Du nimmst aber keine Drogen, oder Kind?!“

Gretchen riss ihr die Hand von der Stirn weg und meinte nur entsetzt: „Mama! Was hältst du eigentlich von mir?!“ und lief an ihr vorbei in Richtung Wohnzimmer.





Im Wohnzimmer:


Freudig stürmte Gretchen herein, und war noch freudiger gestimmt, als sie Marc auf der Couch sitzen saß. Ihm gegenüber saß Franz und beide hatten bereits ein Glas Wein vor sich stehen.
Als sich Gretchen langsam und mit einem breiten Grinsen im Gesicht den beiden näherte und auch die beiden Gretchen bemerkten und sich zu ihr drehten, tat Franz ihr auch bereits kund, worüber sich die beiden zwischenzeitlich unterhalten hatten.

Franz: „Ach, Kälbchen! Ich habe mich mit Dr. Meier schon kurzgeschlossen, wie du morgen am besten vorgehen solltest…“



…Na toll, so schnell kann sich also ein schöner Abend zum Gegenteil wandeln. Und ich kenne meinen Vater. Wenn er schon so anfängt, dann heißt das nie etwas Gutes!...



Sie näherte sich der Couch langsam, legte zuerst ihre Tasche ab, um sich dann neben Marc zu setzen, dem jedoch sofort etwas ins Auge fiel: „Äh, du hast da einen Ast in deinen Haaren!“

Gretchen strich sich durchs Haar und meine nur verdutzt „Was?!“
Doch Franz wollte keine Zeit verschwenden, und so fuhr er fort:

„Also Kälbchen. Wir sind uns einig, dass du am besten die Aussage verweigern solltest. Du kannst ja sagen, dass dir unzureichende Anweisungen gegeben wurden und sich auch sonst niemand für die Patientin interessierte...“

Gretchen unterbrach ihn, da es ihr so langsam dämmerte, worauf er hinauswollte: „Moment einmal, Papa! Ich soll also sagen, dass ich keine Schuld habe und auch keine Anweisungen erhalten habe??? Das stimm aber nicht! Susan Lewis hat mir klar zu verstehen gegeben, dass ich Blut abnehmen soll. Sie hatte ja schon dieselbe Prognose wie Dr. Gummersbach. Ich hätte die Patientin einfach nicht alleine lassen sollen und ihr das Blut abnehmen sollen, dann wär sie jetzt auch nicht tot…“


Das bekam auch Bärbel mit, die gerade mit zwei Stücken Kuchen daherkam und beide mitsamt Tellern in diesem Moment fallen ließ, was nur ein unheimlich lautes Klirren versursachte. Sie fasste sich schockiert an die Backen und meinte entsetzt: „Du hast jemanden umgebracht, Margarete?!“

Franz wurde ganz wild: „Nein, sie hat niemanden umgebracht. Das war einfach ein unglücklicher Fall…“



…Schon in der Schule mussten wir uns durchkämpfen.
Jeder neue Schultag glich einem neuen Kampftag. Der Stärkere hatte gewonnen und der Schwächere fiel zu Boden. Gut, in diesem Fall war es Sandra, die zu leiden hatte.
Es war in der siebten Klasse im Deutschunterricht. Kurz zuvor hatte mir Marc noch prophezeit, dass ich wohl nie jemanden finden würde, der sein Leben mit mir teilen würde.
Und so hatte ich mich kurzerhand in meinem kindischen Wutanfall dazu entschlossen, es Marc heimzuzahlen, indem ich noch nach der Pause schnell das Marmeladenbrot meiner Mutter in seine offene Schultasche geschmissen hatte. Dummerweise hatte ich nicht bedacht, dass an jenem Tag ein Aufsatz geschrieben wurde. Und so wurde Marcs Aufsatzheft komplett zerstört, was unsere pingelige Lehrerin sofort dazu veranließ, ihm schon im Vorhinein eine Note abzuziehen, was Marc komplett auf die Palme brachte, da er besonders in Deutsch nie sonderlich gut war.
Zu Sandras Übel saß sie in jener Stunde direkt hinter ihm und so war der Verdacht schnell aufgekommen, dass sie es war.
Und die arme Sandra musste seit jeher genauso viel einstecken, wie ich…




Gretchen, die sichtlich für alle in alten Erinnerungen verblieb, wurde von Marc, der neben ihr saß, nur dumm angeschaut. Und nachdem er sich das eine Weile lag angesehen hatte, fragte er verwirrt: „Äh, Hasenzahn… träumen kannst du auch später noch…“

Irritiert erwachte sie wieder und meinte nur: „Ich kann nicht immer Marmelade an anderen kleben lassen…“
Marc: „Äh, bitte was?!“


Gretchen fragte nochmals ihren Vater: „Du meinst also wirklich, ich sollte alles Dr. Lewis in die Schuhe schieben?“
Franz verharmlosend: „Nun ja, Kälbchen. So soll es natürlich auch nicht sein, aber es wäre doch für dich fatal, wenn du jetzt schon, bevor du überhaupt richtig umgesattelt hast, schon einen Fehler begangen hättest. Das kann Konsequenzen haben…“
Gretchen entrüstet: „Ja, und was ist mit Dr. Weaver?! Die wird das sicher nicht ganz sooo locker sehen, wie du, so aufgebracht wie die heute war…“
Franz versichernd: „Ach Kälbchen, das lässt sich sicher regeln.“

Gretchen war außer sich und wandte sich zu entrüstet zu Marc hinüber und meinte betroffener Stimme: „Maaaaarc! Sag doch du auch mal was!“
Marc witzelnd: „Äh, ja. Ich sagte ja bereits schon: Nur Stümper in der Notaufnahme…“
Daraufhin begann Franz laut zu lachen und animierte Marc ebenso dazu, noch lauter mit zulachen. Gretchen fiel die Kinnlade nach unten und drehte sich wütenden Blickes zu ihrem Vater hinüber, dem schier das Weinglas aus den Händen viel vor lauter künstlichem Lachen, ehe sie sich wieder Marc zuwandte und genervt meinte: „Maaarc, bitte! Das ist nicht witzig…“
Marc zynisch: „Stimmt, aber wahr…“

Und erneut begannen beide zu lachen…


…Chirurgen und Männer noch dazu unter sich. Soll ich bei diesem Anblick lachen oder heulen? Wütender Aufschrei würde meine Kompetenz infrage stellen. Nichts zu sagen würde bedeuten, dass ich mich Männern unterwerfen würde. Wein ins Gesicht schütten wäre wohl die beste Alternative. Oder Schokolade. Schokolade geht immer. Schokolade hilft immer…


Nach einer Weile hatten sich Marc und Franz wieder gefangen und Franz war nun endlich imstande sie aufzufordern: „Da siehst du, Kälbchen. Dr. Meier ist derselben Auffassung, wie ich auch. Glaube uns, das ist das Beste für dich!“

Gretchen fühlte sich regelrecht bevormundet und schaute sich die Situation noch eine Weile lang an, wie ihre Mutter währenddessen dabei war, den Kuchen vom Boden aufzuwischen und Marc und Franz, wie die besten Freunde, auf diesen Entscheidungstriumph hin mit ihren Weingläsern anstießen und dabei ausgiebig ihr Chirurgen-Golffreunde-Gelächter offenbarten.



...Das kann doch wohl nicht wahr sein! Marc und Vater verstehen sich? Verstehen sich gut? Korrigiere: verstehen sich viel zu gut und meinen für mich entscheiden zu können. Kein gutes Omen, Gretchen! Soll ich mich darauf einlassen? Eine Lüge leben? Brauche dringend richtigen Rat…



Während Marc und Franz also ausgelassen lachten, packte sich Gretchen ihre Handtasche, stampfte davon und verschloss sich in ihrem Zimmer. Kurz blickte sie aus dem Fenster und sah, wie Sabine langsam aus dem Busch hervorkroch, sich langsam aufmachte, ihr dabei noch zuwinkte und sich von dannen schlich, so, wie sie noch zuvor angeschlichen kam.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=kYUjytcfn1g; "Joachim Heinrich • Take my hand (Cinematic Music | Piano) [HD]" © by Joachim Heinrich, YouTubeDE; aufgerufen am 06.08.2014 um 21:08




Gretchen holte das Handy aus der Tasche und stellte diese auf den Boden. Dann begutachtete sie die Kontakteliste. Bei ‚M‘ verharrte sie. Direkt auf den Kontakt namens ‚Marc Meier‘ folgte der Eintrag ‚Mehdi‘.
Eine Weile lang schaute sie sich die beiden Namen an. Und dann entschied sie sich wie aus heiterem Himmel einfach Mehdis Nummer anzurufen, statt wieder zu Marc hinunter zu gehen. Ohne lange zu überlegen, ohne wirklich zu befolgen, was er noch am Morgen zuvor zu ihr gesagt hatte, rief sie einfach seine Nummer an und starrte, während es tutete, aus dem Fenster. Die untergehende Sonne hatte bereits alles in einen sommerlichen Abendglanz gehüllt.
Voller Erwartung hoffte sie auf den Rat eines Freundes. Denn das war er noch immer für sie. Doch Mehdi drückte sie weg. Dreimal versuchte sie es insgesamt, doch immer wurde sie von ihm weggedrückt.
Langsam aber sicher begriff sie, dass er wohl wirklich nichts mehr mit ihr zu tun haben wollte. Traurig und enttäuscht zugleich legte sie das Handy auf den Fenstersims, schaute sich noch einmal für ein paar Minuten die abendliche Szenerie an, drehte sich um und legte sich ins Bett und starrte an die Decke.



…Muss feststellen, dass Mehdi mich hasst. Muss realisieren, dass er mich abgrundtief hasst. Gretchen Haase – die schlechteste Freundin der Welt. Werde Mehdi wohl für immer aus dem Weg gehen müssen. Und hatte doch so ein abruptes Ende nie erwartet. Vermisse ihn jetzt schon.
Und morgen muss ich mich stellen. Freundschaft zu Mehdi kaputt, Berufsperspektiven noch mehr zerstört. Liebesgefühle zu Marc gerade im Eimer. Er will, dass ich nicht die ganze Wahrheit sage, um weitermachen zu können. Hat er recht?
Fazit: Kuss war himmlisch, gigantisch, magisch. Dafür war der ganze Tag einfach nur schrecklich, Nacht wird noch schrecklicher werden und morgen wird ganz schrecklich werden…




Nach einer Weile stellten schließlich auch Bärbel, Franz und Marc im Wohnzimmer fest, dass Gretchen bereits seit über einer Stunde nicht mehr unten war. Doch die Stunde verging schnell, denn Chirurgen unter sich finden immer Gesprächsthemen. Auch, wenn es nur eine Gallenblasenentfernung war.





Vor Gretchens Zimmer:


Bärbel klopfte an die Tür und versuchte sie zu öffnen. Doch dieses Mal war sie wirklich verschlossen und das würde sie auch für die restliche Nacht noch bleiben.
Bärbel: „Margarete! Bitte komm‘ doch raus da. Der Dr. Meier möchte sich doch sicher noch von dir verabschieden. Und wenn man ihn so hautnah sieht, dann ist der doch mehr als ein guter Fang, Margarete! Und impotent ist der sicher auch nicht…“
Gretchen, die in ihrem Bett lag und derweil noch immer an die Decke starrte, hörte sich die Ausführungen ihrer Mutter lediglich an. Doch so betrübt, wie sie es heute war, war sie es schon lange nicht mehr.
Und so hörte sie ihrer Mutter bei deren Ausführungen an, ohne sie jedoch zu kommentieren. Nach einer gefühlten Ewigkeit war Bärbel dann auch fertig, was Gretchen sehr recht war. Schmollend auf ihrem Bett liegen rief sie ihrer vor der Tür stehenden Mutter nur zu: „Richte Marc bitte einen lieben Gruß aus, Mutter?“




Im Krankenhaus:

Maria Hassmann war unterdessen auf dem Weg in die Cafeteria, um sich einen guten Kaffee zu gönnen und nicht nur einen aus dem Kaffeautomaten. Diese Idee hatte scheinbar auch schon eine andere. Eine Frau, die Maria nicht sonderlich gut leiden konnte, da sie eine ernstzunehmende Konkurrentin für sie war. Dessen war sie sich bewusst. Doch sie konnte auch nicht einfach so an ihr vorbeigehen, ohne zu sticheln. Gekonnt setze sie ein Grinsen auf, das jedem klar gemacht hätte, dass sie die Überlegenere ist. Doch Kerry Weaver schein dies nicht zu beindrucken, was Maria sichtlich ärgerte. Andere wären in diesem Falle schon weit früher ausgewichen, doch Kerry lief ihr stolz entgegen. Immer nähe kamen sich die beiden auf dem Flur, bis sie stoppen mussten.

Maria: „Ach, da sieh mal einer an: die Leiterin der Notaufnahme, die scheinbar nichts im Griff hat. Hier und da sterben Patienten weg… das macht sich nicht gut in der Vita, vor allem dann nicht, wenn man schon ein Handycapp hat. Ich meine: es ist nicht einfach mit einer Krücke… Passen Sie auf, nicht, dass Ihnen noch die Tasse aus den Händen rutscht…“
Kerry: „Frau Dr. Hassmann, wie schön Sie zu sehen. Dass Sie sich überhaupt noch aus Ihrem Büro heraus trauen…“

Maria verzog die Augenbrauen, da Kerry Weaver noch immer nicht kuschte.

Maria: „Wieso sollte ich denn nicht heraus wollen?“
Kerry: „Frau Dr. Hassmann, nun einmal ganz unter uns. Wir wissen beide, dass der Professor überlegt in Ruhestand zu gehen. Und wir wissen beide, dass damit die leitende Position frei wird…“
Maria: „…die ich natürlich übernehmen werde!“
Kerry: „Seien Sie sich da mal nicht so sicher. Möge die Bessere gewinnen…“

Dieses Mal war es Kerry, die Maria stehen ließ. Lag es an ihrer Stimmlage, dass sie so eine Macht ausstrahlte? In jedem Falle blieb Maria perplex zurück, denn mit einer Kampfansage auf Augenhöhe musste sie bis jetzt noch nie klarkommen.
Und so blickte sie verdutzt den Gang hinunter, während sie Kerry noch im Ohr hörte, die sich umgedreht hatte: „Und die Bessere bin ich!“
Doch die Blöße wollte sich eine Maria Hassmann nicht geben, sich jetzt noch umzudrehen. Und so schritt sie zackig weiter, wohl mit dem Hintergedanken im Kopf, dass eine Schwangerschaft zu diesem Zeitpunkt mehr als nur ungünstig war.





Unterdessen auf dem Krankenhausdach:


Susan Lewis war in Wahrheit nicht gegangen, um sich auf die Anhörung vorzubereiten. Stattdessen setzte sie sich auf das Dach und beobachtete von dort aus den Sonnenuntergang. Nun war es inzwischen Nacht geworden und leidglich die Lichter der Häuser und der Vollmondschein erleuchteten das Dach.
So saß sie da mit einer Zigarette und starrte zum Fernsehturm hinüber, der in der Ferne noch zu sehen war. Im Blickwinkel bemerkte sie, dass sich ihr jemand genähert hatte. Langsam drehte sie sich um. Es war Mehdi mit einem Kaffebecher aus dem Automaten in der Hand. Auch dieser war überrascht sie dort oben anzutreffen.
Mehdi: „Sie auch hier?!“
Susan: „Ja, das immerhin noch der einzige Platz im Krankenhaus, an dem man noch rauchen darf…“
Mehdi schmunzelte nur und meinte: „Und das als Ärztin…“ und setzte sich neben sie. Beide blickten sich noch einen Moment an, sie schmunzelte ebenso und dann schauten sie sich beide die Lichter der Stadt an, bis Mehdis Handy klingelte.
Das ließ er auch klingeln. Eine Zeit lang war es wieder ruhig, ehe es wieder klingelte. Susan drückte ihre Zigarette aus und fragte nur: „Wollen Sie nicht rangehen?“
Mehdi: „Muss man immer an klingelnde Handys rangehen?“
Susan: „Sind sie nicht dazu da?“
Mehdi lächelnd: „Früher gab es auch keine Handys.“
Mehdi ließ es erneut klingeln, ohne ranzugehen. Und so warteten sie wieder eine Weile ab, doch es blieb still.

Mehdi: „Sehen Sie, so wichtig kann es gar nicht gewesen sein…“
Susan: „Und das sagt ein Gynäkologe. Es stimmt doch, dass sie einer sind? Ich habe sie schon ein paar Mal in der Notaufnahme unten gesehen…“
Mehdi: „Ich Sie auch! Aber jetzt sagen Sie mal: Was machen Sie hier auf dem Dach? Eigentlich ist hier nie jemand…“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=juAv85jEFgQ; " Diamond Rio - Night Is Falling In My Heart lyrics " © by lu17cic, YouTubeDE; aufgerufen am 13.07.2014 um 16:37




Susan lächelte und strich sich durch die Haare, die der Wind in alle Richtungen geweht hatte. Sie schaute ihm dabei in die Augen, um dann wieder mit ihren Blicken in die Ferne zu schweifen.
Susan: „Vielleicht haben die alle eine Loftwohnung und sehen diese Schönheit der Lichter und Sterne jede Nacht?!“
Mehdi nachhakend: „Sie haben keine?!“
Susan: „Ich? Ich?!“
Sie wurde nachdenklicher und strich sich erneut durch die Haare, um zu ergänzen: „Wenn ich Pech habe, dann habe ich bald gar nichts mehr. Keinen Beruf und keine Aussichten wie diese mehr…“
Mehdi unterbrach: „Und auch keinen Freund?“
Susan scherzend: „Machen Sie Witze? Nach zwei Psychiatern wollen Sie keinen Freund mehr, glauben Sie mir…“
Mehdi fürsorglich: „Vielleicht aber dann wenigstens einen Kaffee?!“

Er hielt ihr den Coffee-to-Go-Becher vors Gesicht und lächelte sie freundlich an.
Susan: „Aber das ist doch Ihrer…“
Mehdi: „Ich kann teilen…“

Sie nahm den Becher dankend an und lächelte ihm zu, doch sie merkte auch, dass ihn ebenfalls etwas bedrückte.
Susan: „Sie scheinen auch nicht sonderlich glücklich zu sein?“
Mehdi stotternd: „Wie, wie kommen Sie denn darauf?“
Susan: „Nun ja, sind attraktive Männern um diese Zeit normalerweise nicht bei ihren Familien, besonders dann, wenn sie Oberärzte sind? Da kann man sich das immerhin erlauben, die Schichten immer so zu legen, dass man den Verrückten und Besoffenen nachts nicht mehr über den Weg laufen muss und jedem Zweiten die Nierenschale für Erbrochenes bereitstellen muss?“

Mehdi schaute kurz bedrückt zur Seite, denn nichts ahnend hatte sie seinen wundesten Punkt getroffen. Doch er wollte stark sein, sich zusammenreißen und drehte sich wieder zu ihr hinüber:
Mehdi: „Muss man als attraktiver Mann immer gleich eine Familie haben?“
Susan bestätigend: „Sie haben ja recht, ich habe ja selber keiner… gut, außer einer drogenabhängigen Schwester, von der ich noch nicht einmal weiß, ob sie derzeit überhaupt noch lebt, weil sie mal wieder auf ihrer Tour durch die Welt ist…“
Mehdi legte seinen Arm um sie und meinte nur: „Ach wissen Sie, diese Nacht ist so schön. Eine laue Nacht, Mondschein und die Lichter Berlins vor uns. Ich glaube besser hätte es uns heute gar nicht treffen können…“



…Ja, manchmal da tun wir so, als ob uns nichts schmerzen würde, als ob wir stark seien, obwohl uns doch innerlich so viel bedrückt.
Wir gehen einen Kampf ein, der längst schon verloren ist, weil wir uns andere Prioritäten setzen müssen. Aber können wir ihr den Platz einfach so überlassen?
Wir drücken sie weg, weil wir stark sein wollen. Doch eigentlich wissen wir, wie feige das in Wirklichkeit ist.
Wir versuchen andere wieder aufzumuntern, obwohl wir doch selber am Boden zerstört sind.
Und wir versuchen an unseren Grundsätzen festzuhalten, die manchmal doch verrückbar sind…





Vor Sabines Wohnung:


Sabine hatte sich auf den Rückweg gemacht und bog gerade in ihre Straße ein, als sie ein Auto dort stehen sah, das ihr nur allzu gut bekannt war.
Langsam näherte sie sich ihrem Wohnhaus, rückte noch verzweifelt die Haare zurecht, in denen sich aber auch lauter Äste und Blätter verheddert hatten.
Und da sah sie ihn, wie er auf der Treppe saß, mit einer Schatulle in der Hand. Langsam näherte sie sich ihm. Als dieser einen Schatten im Licht der Straßenlaterne auf sich zukommen sah, blickte er auf und sie blickten sich beide einen Moment lang wie benebelt in die Augen.

Sabine stotternd: „Doktor Gummersbach!“
Günni: „Schwester Sabine!“

Und auch Gabi war anwesend und trat aus dem Dunkel des kleinen Gartens vor Sabines Haus widerwillig hervor.

Sabine entsetzt: „Gabi!“
Gabi sichtlich genervt: „Sabine!“

Günni erläuternd: „Ja, Schwester Gabi ist freundlicherweise mitgekommen. Ich war gerade bei meiner Mutter im Pflegeheim zu Besuch und da fahre ich immer am Haus von Herrn Professor Haase vorbei und unmittelbar in dessen Nähe habe ich Schwester Gabi aufgegriffen. Und Schwester Gabi war so freundlich zu vermitteln. Sie ist ja da sehr erfahren…“

Sabine schockiert: „Beim Haus vom Herrn Professor?!“, während sich Gabi langsam mit verschränkten Armen und äußerst genervten Blickes Günni näherte, um ihn ins Ohr zu flüstern: „Aber die versprochenen 100 Euro bekomme ich noch!“

Günni nickte nur, während Sabine nicht begriff, was denn eigentlich vor sich ging. Als sich Gabi Sabine genauer anschaute meinte sie nur: „Mein Gott Sabine! Was hast denn du mit deinen Haaren gemacht?!“
Sabine peinlich berührt: „Wieso?!“ und griff sich währenddessen ins Haar.
Gabi: „Äh, die Äste und Blätter…?! Naturlook ist nicht mehr gerade in…“
Sabine mit roten Backen: „Oh, das muss wohl noch von…“
Doch Gabi unterbrach sie schnell: „Äh, ja wie auch immer Sabine. Ist ja egal. Also: Sie, Dr. Gummersbach überreichen Sabine jetzt einfach den Schmuck und fragen Sie, ob Sie mit Ihnen etwas essen gehen möchte.“
Günni: „Und wenn sie nein sagt?!“
Gabi: „Dann halt nicht…“
Günni irritiert: „Ist es denn sinnvoll, Schwester Gabi, wenn Sabine das alles jetzt schon erfährt…“

Er deutete auf sie hin, die gespannt das Geschehen bobachtete.
Doch Gabi war noch immer genervt, auch, weil sie Marc und Gretchen noch vor Kurzem sah: „Boah, ist mir doch egal. Wenn ihr zu blöd seid euch zusammenzureißen, dann kann ich auch nichts dafür! Ich gehe jetzt und was ihr noch macht, ist mir herzlich egal! Aber die 100 Euro, Dr. Gummersbach, für diese Verkuppelungsaktion bekomme ich morgen noch!“

Sie legte ihm den Zeigefinger wie eine Waffe auf die Brust. Dr. Gummersbach nickte nur eingeschüchtert und Gabi zog missmutig wieder von dannen.

Und auch Sabine wollte nichts mehr von ihm wissen. Sie näherte sich ihm und fragte vorwurfsvoll: „Sie haben alles Schwester Gabi erzählt?“
Abermals nickte er und Sabine stampfte wütend die Treppen hinaus, schloss die Tür auf, verschwand darin und ließ sie zuknallen.
Ein paar Minuten starrte er die Türe noch an, bis auch er geknickt davonfuhr. Sabine beobachtete dies von ihrem Fenster aus.





Vor Gretchens Zimmer:


Bärbel hatte Marc tatsächlich ausgerichtet, dass Gretchen ihn heute nicht mehr sehen wolle. Doch das konnte und wollte er auch nicht einfach so hinnehmen. Wütend sprang er von der Couch auf, lief die Treppen hoch und hämmerte gegen Gretchens Zimmertür, die verschlossen war.

Marcs Gepolter war selbst ihr zu laut, obwohl sie doch schon so einiges ertragen musste. Ihr Handy legte sie neben sich aufs Bett, nachdem sie noch weitere zwei Male versucht hatte Mehdi zu erreichen. Mühselig stand sie auf und schlürfte zur Tür hin. Scheinbar dauerte dies Marc jedoch viel zu lange, denn noch bevor sie überhaupt die Tür erreicht hatte, fing dieser an mit lauter und empörter Stimme vor verschlossener Tür eine Standpauke abzuhalten.

Marc: „Ich kann dich einfach nicht verstehen, Hasenzahn! Ich weiß nicht was in deinem Kopf vor sich geht! Da kann man als Mann so scheißfürsorglich sein, wie man will, aber du findest ja immer einen Grund alles wieder zu zerstören! Warum bist du nur so naiv, Gretchen?! Eigentlich solltest du jetzt in deiner Zeit im Elisabeth mitbekommen haben, dass man sich als Arzt durchboxen muss und dein Vater und ich, ja sogar deine Mutter… irgendwie jedenfalls… wollen dir doch nur helfen! Aber du bist einfach zu dumm, Hasenzahn(…)“


Gerade wollte er weiter ansetzen, als sie erbost die Tür aufriss.

Gretchen sauer: „Sag mal, spinnst du, Marc?! Für dich ist es wohl normal ständig und überall zu lügen! Ach, der gute Herr Professor, mein lieber Freund hier, mein lieber Freund da. Ach, mit dem muss ich mich gutstellen. Ich will ja weiter Golfi-Golfi machen können und ich will ja, das mich alle geil finden…“

Marc entrüstet: „Sag mal tickst du noch ganz sauber? Hast du keine besseren Argumente?“

Gretchen gelassen: „Ach Marc, komm, lass gut sein. Du wirst immer der Schuljunge bleiben, der du schon immer warst. Als Kind macht man viele Fehler. Andere lernen daraus, andere eben nicht. Ich werde jedenfalls nicht lügen, nur, damit ich in einem besseren Licht dastehe! Ich weiß, dass ich einen Fehler begangen habe. Dir täte es vielleicht auch mal ganz gut, zuzugeben, dass du auch nicht fehlerfrei bist! Sei froh, dass ich dich überhaupt noch will, Marc Meier! Du hast dir schon einiges geleistet, aber im Gegensatz zu dir habe ich dich nie angelogen. Und wegen mir ziehe ich dann eben den kürzeren, aber abends, wenn ich ins Bett gehe, Marc, da weiß ich, dass mein Gewissen rein ist und ich gut schlafen kann! Und jetzt tschüss, ich bin müde!“

Gretchen knallte vor Marcs Augen die Tür wieder zu und schloss sie wieder ab. Marc trat einmal genervt mit dem Fuß dagegen und machte sich dann geknickt auf den Weg zurück.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=5k0MXp_WTk4; " Apologize - One republic (lyrics on screen) " © by Nimax MVP, YouTubeDE; aufgerufen am 16.07.2014 um 22:01




Unten im Flur warteten bereits Gretchens Eltern gespannt darauf, was denn nun passieren würde. Bärbel und Franz hatten jeweils zwei Gläser Sekt in den Händen, da sie hofften, es würde sich endlich wieder etwas im Liebesleben ihrer Tochter tun.
Bärbel fröhlich: „Ach weißt du, Franz! Ich fände Isabell oder Alexander so schön…“

Als Bärbel dies sagte, wusste Franz, dass bestimmt nicht alles gut gegangen sein kann und trank einen großen Schluck, während er die Augen verdrehte und Bärbel schon im siebten Himmel schwebte, der voller kleiner, süßer Enkelkinder war.


Doch auch ihre Hoffnung wurde schnell getrübt, als sie Marc geknickt die Treppen herunterschleichen sah.
Bärbel: „Sie haben ihr aber nicht schon wieder das Herz gebrochen, Dr. Meier?!“
Marc monoton: „Nein, nein… ein Notfall. Ich muss…“

Und während er so Richtung Haustür zeigte, drehte sich Bärbel zu Franz um, verdrehte ebenso die Augen wie er noch zuvor, trank ihre beiden Gläser leer und ebenso noch eines, das Franz hielt.




Nicht immer kann man alles planen. Nicht immer verläuft alles so, wie wir es uns vorgestellt hatten.
Unser Leben gleicht einem Wetterphänomen. Von einem Hoch in ein Tief und wieder zurück in ein anderes Hoch.
Was wäre es auch ohne diese Achterbahnfahrt?

Was wäre es ohne die ganzen Kämpfe um die besten Positionen. Was wäre es ohne den Zickenkrieg um den heißbegehrten Posten der Leiterin einer Klinik? Wir würden verharren und uns nicht weiterentwickeln. Der Traum vom Tellerwäscher zum Millionär würde immer ein Traum bleiben und wird müssten uns erst gar nicht darum bemühen, weiterzumachen. Wir würden wohl immer die kleine Ärztin bleiben, die nichts zu sagen hat.

Doch wollen wir eine Ärztin sein, die nur durch Lügen weiterkommt? Oder wollen wir nicht endlich einmal wirklich gut sein.

Müssen wir nicht zu unseren Fehlern stehen? Aber was wäre unser Leben nur ohne Fehler? Müssen wir sie machen, um weiterzukommen, um einzusehen, dass etwas falsch war.

Was wäre es ohne die Hoffnung, dass wir sie doch noch finden: die einzige, wahre große Liebe?
Ob wir ihr schon auf dem Dach begegnet sind? Und ob sie uns erhellt wie die Lichter der Großstadt?
War es ein Fehler war sie im Laternenschein unseres Hauses in die dunkle, düstere Nacht zu entlassen?

Oder ob sie im Dunkeln der Nacht erst recht versucht sich wieder ins Licht zu rücken, um ihren Plan der Rache durchsetzen zu können?




Gretchens Handy gab einen Ton von sich und eine SMS von ‚Marc Meier‘ blinkte auf dem Display auf:
Tu, was du tun musst.



Vielleicht meldet sie sich aber in Zeiten der modernen Kommunikationsmittel via SMS? Sollten wir sie interpretieren? Und wie begegnen wir ihr? Mit einer ernstgemeinten Antwort oder doch nur mit einer Lüge?
Machen wir schließlich doch etwas, das wir eigentlich gar nicht machen wollten? …

GretchenHaaseFan Offline

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Beiträge: 1.083

23.08.2014 22:04
#10  Kann das sein? Kein Sommertief in Sicht! Zitat · antworten

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S02,E06:

Kann das sein? Kein Sommertief in Sicht!




WRITTEN BY
GretchenHaaseFan, Andrea

AND

Missing_DD, Elena


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Das geschah im letzten Teil:


Meine Eltern hatten also wieder einmal eine Annäherung an Marc verhindert, indem sie all ihre Kraft aufwendeten, um mir einen wirklich göttlichen Kuss mit ihm zunichte zu machen.

Schwester Sabine hingegen sattelte um: Wäre sie wirklich als Kommissarin gut geeignet? Sie jedenfalls war fest davon überzeugt, auch wenn mir so langsam aber sicher Zweifel kamen. War es richtig sie auf meinen Vater und vermeintlich neue Affären anzusetzen?

Und auch Frau Dr. Hassmann sah sich herausgefordert. Sie war sich sicher: den Posten als Klinikleiterin würde ihr niemand streitig machen, schon gar nicht eine neue Ärztin, die gerade einmal drei Monate da war...

Dr. Gummersbach schien alles sich völlig ins Aus geschossen zu haben und erkannte, dass Schwester Gabi eben nicht der weibliche Kai Pflaume ist. Und auch die Datingshow "Herzblatt" würde sie wohl nicht neu herausbringen. Das stand für ihn fest.

Und ich stand vor den Trümmern meines Lebens. War ich etwa wirklich schuld am Tod einer Patientin, die ich lebend überhaupt kein einziges Mal zu Gesicht bekommen hatte? ... Ob es sich wohl noch lohnt auszuwandern?!





»Es war Samstag, der 28. Juni 2014, 9 Uhr morgens. Am Tag zuvor war Neumond, wie mir Schwester Sabine berichtete. Ob ich wohl deshalb so schlecht geschlafen hatte? Aber schläft man normalerweise nicht immer nur bei Vollmond schlecht?
Vielleicht lag es aber auch einfach nur daran, dass an diesem besagten Samstag die alljährliche Gartenparty meiner Eltern stattfinden sollte und wenn ich es mir so recht überlege, dann war ich sogar froh, dass ich überhaupt in der Nacht von Freitag auf Samstag schlafen konnte!
Meine Mutter plante schon bereits Wochen zuvor alles und ging nicht nur mir, sondern auch meinem Vater damit gehörig auf die Nerven.

Und wie es Samstag so üblich ist, war an diesem Tag besonders viel im Krankenhaus los – vor allem zu meinem Leidwesen...«





Im Schwesternzimmer:


Schwester Gabi saß am Tisch und aß ein Käsebrötchen, als Gretchen das Schwesternzimmer betrat, um sich einen Kaffee zu holen. Doch Gerüchte machten bereits die Runde und Schwester Gabi kam diese Gelegenheit gerade recht, noch einmal auf Gretchen herumzuhacken.

Gabi mit vollem Mund: "Ach, da sieh mal einer an. Die Frau Doktor schlag-mich-tot, oder vielleicht doch eher bring-mich-um?! Oder aber vielleicht doch besser passend: friss-mich-auf?"
Gretchen schauspielernd: "Ach, Schwester Gabi. Wie schön Sie heute zu sehen..."
Gabi boshaft erfreut: "Ach wissen Sie, Frau Dr. Trampelkuh. Eigentlich wollte ich Sie ja zuerst loswerden. Ja, ich wollte Sie wirklich für immer und ewig vertreiben, aber Sie sind ja wirklich schon so blöd, dass Sie mir diese Aufgabe von ganz alleine abnehmen."

Gretchen krallte sich wütend an der Kaffeetasse fest, während sie da stand und immer wieder genervt an die Wand blickte. Sichtlich mitgenommen drehte sie sich dann aber schließlich doch Gabi zu.



Gretchen mitgenommen: "Ich habe niemanden umgebracht! Das war eine unglückliche Verkettung ganz tragischer Umstände..."
Gabi weiter stichelnd: "Ach, Frau Doktor, glauben Sie das wirklich? Wahrscheinlich würde ich mir das an Ihrer Stelle auch einreden. Doch ich würde mich auch gleich mit dem Gedanken befassen, dass nach mir hier bald kein Hahn mehr krähen wird... Noch nicht einmal der Dr. Kaan... Gut, vielleicht außer denen aus der Cafeteria. Die haben sich ja an Ihnen dumm und dämlich verdient..."

Gabi erhob sich vom Tisch, schob den letzten Bissen ihres Brotes noch in den Mund, ehe sie erhobenen Hauptes davon marschierte und Gretchen im Vorbeigehen nur einen siegessicheren Blick zuwarf.
Gretchen drehte sie wieder um und starrte fragend die Anrichte an, auf der der Kaffee so langsam aber sicher kalt wurde, und fragte sich nur leise: "Woher weiß die denn das nur schon wieder?!"

Dabei bemerkte sie gar nicht, wie Maria zur Tür hereineilte, um sich ebenfalls einen Kaffee zu holen. Sie stellte sich direkt neben sie an die Anrichte, riss eine der oberen Schranktüren auf, die dann gegen Gretchens Kopf knallte, um eine Kaffeetasse herauszuholen und meinte dabei nur: "Ach, das macht doch hier schon die Runde. Alle wissen es wieder, nur Sie mal wieder nicht... War ja auch nicht anders zu erwarten..."

Gretchen schrie nur "Aua!" und fasste sich an den Kopf, schmiss die Schranktür wieder erbost zu und schrie Maria nur an: "Entschuldigung, aber Sie haben mir diese blöde Türe gegen den Kopf geknallt?! Wie sehe ich denn da heute Abend bloß aus???"

Maria lachend: "Nun ja, also da Sie sowieso noch nie über sonderlich viele Gehirnzellen verfügten, wahrscheinlich nicht anders als sonst auch immer?!"

Gretchen hielt sich noch immer die Hand auf die Stelle, an der sie getroffen wurde und fragte nur mit einem breiten Schmollmund im Gesicht: "Und das heißt jetzt genau...?"
Maria pustete einmal kräftig durch die Nase, verdrehte die Augen, nahm die Kaffeetasse in die Hand und drehte sich von der Anrichte weg, sodass sie sich mit dem Rücken anlehnen konnte, was Gretchen ihr auch sofort nachahmte.

Maria: "Nun ja... Unemanzipiert und dadurch chancenlos, dämlich, total bescheuert, kindisch, prüde, alt, hässlich..."
Gretchen unterbrach sie wütend: "Ja, ja!!! Ist ja schon gut Frau Dr. Hassmann! Ich bin nicht Ihre Therapeutin und möchte jetzt auch wirklich Ihre ganzen Eigenschaften und Charakterzüge nicht hören..."



Maria lächelte ihr nur aufgezwungen zu, meinte noch abschließend „...und das Schlimmste: heiratswillig!“ und kippte sich daraufhin einen großen Schluck Kaffee hinunter.
Gretchen nachhakend: "Aber was haben Sie denn jetzt genau gehört, Frau Dr. Hassmann?"
Maria genervt: "Na, dass Sie nun endlich vergeben sind. Fragt sich nur für wie lange dieses Mal... Also ich gebe Ihnen 3 Tage. Nicht mehr!"
Gretchen irritiert: "Mooooment einmal... Ich bin bitte WAS?!"
Maria: "Na wunderbar... hätte ich doch besser auf 3 Sekunden getippt und mit Ihnen um 1 Million gewettet. Dann könnte ich mir jetzt endlich einmal dieses sauteure Designerkleid von Luigi kaufen und endlich wieder..."
Gretchen hysterisch: "Äh, Frau Dr. Hassmann! Jetzt reden Sie mal bitte Klartext und zwar so, dass es auch eine kleine, in ihren Augen dämliche, Professorentöchter verstehen kann! Mit wem bin ich denn bitte zusammen? Ich dachte es geht hier um Mord!"
Maria zynisch: "Mord? Welchen Teddybär haben Sie denn jetzt schon wieder aus Ihrem Bett rausfallen lassen, Haase??? Und keine Sorge: deshalb müssen Sie sich nicht selber stellen und anzeigen..."
Gretchen genervt: "Frau Dr. Hassmann!!!"
Maria verblüfft: "Sie wissen wirklich nichts davon?!"
Gretchen schreiend: "Von WAS denn weiß ich nichts?!"
Maria abgeklärt: "Also, die Frau Dr. Wohlfahrt aus der Inneren ist doch bei den Anonymen Alkoholikern und da hat die gestern im Treff Ihre Putzfrau getroffen und die meinte, dass Sie mit Marc Meier zusammen wären und schon Enkelkinder geplant werden..."
Gretchen entsetzt: "Bitte?! Ach du meine Güte, jetzt weiß ich auch, warum die ganzen Schnapsflaschen immer leer waren. Und meine Mutter meinte immer, dass ich die ausgetrunken hätte. Na die kann heute Abend auf dieser Party was erleben!!!"



Maria setzte sich in dieser Zeit bereits an den Tisch, dorthin, wo Gabi noch zuvor saß und meinte nur leicht abwesend: "Wer jetzt? Die Putzfrau? Aber die kann doch nichts dafür, wenn der einzige Lebensinhalt nur noch der Alkohol ist. Und bei Ihrer Familie wundert es mich schon gleich mal gar nicht", als ihr Gehirn den letzten Teil von Gretchens Aussage verarbeitete und Maria blitzschnell und urplötzlich vollkommen anwesend meinte: "PARTY?!"

Auch Gretchen machte sich langsamen Schrittes auf den Weg zum Tisch hinüber und schien währenddessen nachzudenken. Als sie sich gesetzt hatte, erkundigte sie sich erneut: "Das heißt also nur Sie wissen das?!"
Maria herzhaft lachend: "Aber wo denn? Wozu gibt es denn den Flurfunk? Ich habe es von Mehdi Kaan."
Gretchen fassungslos: "Das darf doch nicht wahr sein! Jetzt wissen es schon wieder alle?!"



In genau diesem Moment kam Marc empört hereingestürmt, haute mit aller Kraft auf den Tisch, was selbst Maria so erschrak, dass sie mit ihrer Tasse herum wackelte, woraufhin ein heißer Spritzer Kaffee auf Gretchens Stirn landete, denn sie saß ihr genau gegenüber. Marc schaute Gretchen nur wütend an, während die sich erneut die Hand auf die Stirn hielt und wieder "Aua!" schrie.

Marc genervt: "Ja, Aua! Und es macht gleich noch mehr Aua, wenn du weiterhin so einen Scheiß rumerzählst!"
Gretchen schmerzerfüllt: "Ach Marc, kannst du nicht ein bisschen Rücksicht auf mich nehmen?! Wenigstens nur ein kleines bisschen?!" und wurde dabei immer lauter, erhob sich von ihrem Platz und schaute ihm tief in die Augen, als sie ihn letztlich anschrie: "Nur ein KLITZEKLEINES BISSCHEN!!!"
Marc wurde ebenfalls lauter: "Rücksicht, worauf denn? Auf unser Kind etwa?!"
Maria gebannt und sichtlich mit hineingenommen: "Ach, das sie schon schwanger ist, ist jetzt aber neu! Davon hat der Kaan mir gar nichts erzählt..."
Gretchen und Marc drehten sich ihr beide zu und meinten nur Zähneknirschend: "Ruhe!"

Doch dann realisierte auch Gretchen, was Marc da eben gesagt hatte und ließ sich wortlos in den Stuhl zurückfallen. Marc hingegen war ebenso verwundert, dass Maria es von Mehdi wusste und wandte sich ihr nun doch zu.
Marc erstaunt: „Sie wissen es auch von Mehdi?!“
Maria abgeklärt: „Ne, ich weiß es von der Dr. Wohlfahrt...“
Marc unterbricht: „Wie? Die anonyme Alkoholikerin?!“
Maria: „Ja, die! Die hat es von der Putze von den Haases und ich habe es dann heute Morgen Mehdi erzählt. Immerhin spricht er wieder mit mir, nachdem ich ihm gesagt habe, dass er seine Tochter nie mehr wieder sehen wird. Aber von einem Kind war nicht die Rede...“
Marc fasziniert: „Interessant! Mich hat er heute Morgen angerufen und meinte alles Gute zum Kind und zur Verlobung mit Hasenzahn. Es klang aber nicht wirklich authentisch...“

Maria euphorisch: "Ach, ist doch egal. Aber so gut wie die Geschichten hier ist kein einziger Kinofilm!"
Gretchen meldete sich völlig neben der Spur nun auch zu Wort: "Kind? Welches Kind denn?! ... Ich glaube ich brauche jetzt einen Kinder-Riegel..."

Es schien fast so, als würde Gretchen in jedem Moment ohnmächtig werden. Doch Marc packte sie an beiden Schultern und rüttelte an ihr.
Marc angepisst: "Nicht ohnmächtig werden und nicht immer nur ans Essen denken, Hasenzahn! Mit meiner SMS 'Tu, was du tun musst' meinte ich nicht, dass du überall gleich rumerzählen sollst, dass wir ein Kind kriegen!!!"
Maria witzelnd: "Gute Entscheidung! Das Jugendamt hat ja auch so schon genug Arbeit..."

Marc ließ Gretchen los, die wieder in den Stuhl zurückfiel und widmete sich bösen Blickes Maria: "Äh, hat Sie eigentlich irgendjemand gefragt..."
Maria greift ein: "...wie man Sie schnellstmöglich und am unkompliziertesten entlassen kann?! Ach, da gibt es schon so einige Anfragen, Dr. Meier. Und wir sind mit vollem Elan dabei..."



Maria griff sich ihre Kaffeetasse, erhob sich, klopfte ihm auf die Schulter und verschwand wieder, während Gretchen noch immer wie benebelt ihm Stuhl hing. Und auch Marc setzte sich nun auf Marias Platz und stützte seinen Kopf merklich ausgepowert mit seiner Hand ab.
Marc mit sanfterer Stimme: "Weißt du, Hasenzahn, da küsst man dich einmal und schon kommt man sich wie in so einem scheiß-beschissenen Liebesfilm vor..."
Gretchen blinzelte angestrengt mit den Augen, da sie sich noch erholen musste: "Was machst du eigentlich hier? Heute ist Samstag! Hast du da nicht immer frei?"
Marc schmunzelnd: "Irgendjemand muss dich ja beaufsichtigen..."
Gretchen launisch: "Ja, ja! Reib's mir ruhig auf die Nase... wenn sie keinen umbringt, dann erfindet sie illusionierte Traumgeschichten und macht alle verrückt mit ihrem Kletten..."
Marc abgeklärt: "Äh ja! Besser hätte ich dich wirklich nicht beschreiben können, Hasenzahn!"
Gretchen flehend: "Maaarc, bitte! Glaub' mir! Ich war das nicht. Ich habe nicht herumerzählt, dass wir zusammen sind oder wir ein Kind erwarten... Ehrlich nicht... "


Sie schaute Marc dabei liebevoll an, der sich auch erweichen ließ und mit einem Augenzwinkern sich wieder aufrecht hinsetzte und ihr ebenfalls zulächelte.
Nun richtete sich auch Gretchen auf, neigte sich langsam zu ihm rüber, schaute zur Tür hin, ob sie jemand belauschte, schaute ihm dann in die Augen und meinte nur flüsternd und voller Eigenstolz: "Ich habe ja noch nicht einmal Gabi unter die Nase gerieben, dass du mich geküsst hast..."
Nun beugte sich auch Marc langsam zu ihr vor und meinte gelassen: "Och, wirklich nicht? Also kein sexy Bitchfight?! Schade..."

Und fast hätten sie sich erneut geküsst, so romantisch war die Stimmung von jetzt auf gleich - die tiefen Blicke und das Lächeln beider im Gesicht - doch dazu kam es nicht, denn in diesem Moment stürmte Schwester Sabine hektisch ins Schwesternzimmer und schrie laut und deutlich für alle vernehmbar: "Frau Doktoooor, Herr Doktooooor... ein Notfall!"



Marc räusperte sich genervt und Gretchen war ebenso wenig begeistert, als Sabine in der Tür stand und erwartete, dass beide sofort aufspringen würden. Doch weder Gretchen, noch Marc taten den Anschein, als wolle auch nur einer von beiden aufstehen. Sabine schaute beide mit großen Augen an, woraufhin Marc nur genervt erwiderte: "Ich bin NICHT im Dienst..."
Sabine drehte sich lächelnd zu Gretchen, die sie nur fragend anblickte und nach einer Weile schließlich mit aufgesetztem Lachen meinte: "Jaha, ich... ich... darf nicht, Sabine. Sie wissen doch, dass ich erst die Entscheidung der Ärztekammer abwarten muss..."
Marc fürsorglich: "Wie? Die haben noch keinen Termin für eine Anhörung genannt?"
Gretchen: "Nein..."
Marc verwirrt: "Und, äh... was machst du dann hier?!"
Gretchen mit letzter Kraft: "Papierkram..."´
Sabine: "Und... Und... was mache ich jetzt?"
Marc herablassend: "Ihrer Arbeit nachgehen vielleicht?!"
Sabine lachend: "Aber Herr Doktor, ich darf doch gar keine Patienten behandeln..."
Marc kritischen Blickes: "Na, Gott sei Dank auch. Man möchte ja noch nicht mal, dass Sie sich um den schlimmsten Feind kümmern..."
Gretchen nachforschend: "Gabi???"



In diesem Moment stand eine Altbekannte hinter Sabine. Diese bemerkte ebenso wenig wie Gretchen, dass sie nun zu viert waren. Marc entglitten allerdings die Gesichtszüge und er konnte nur noch stotternd "Gigi!" aussprechen.
Gretchen, die ihn immer noch anblickte, musste schmunzeln und meinte nur: "Ach Maarc, die ist doch in London. Hatte doch nicht genügend Mumm nach Ouagadougou zu fliegen..."

Nun meldete sich auch Gigi zu Wort, die hinter Sabine stand und auf- und absprang, um einen Blick ins Schwesternzimmer erhaschen zu können. Und so drückte sie Sabine zur Seite, um sich Eintritt zu verschaffen und stürmte auf Gretchen zu, die im selben Moment realisierte, dass es wirklich Gigi war. Doch so schnell konnte sie gar nicht schauen, da hatte Gigi sie auch schon umarmt.

Gretchen nach Luft schnappend: "Gigi, du erwürgst mich noch..."

Gigi ließ sie wieder los, rückte sich die Brille zurecht und knöpfte die graue Weste zu.
Gretchen irritiert: "Mensch, Gigi! Du siehst total..."
Marc murmelnd: "...scheiße aus?! Wie immer halt!"
Gretchen forderte Marc mit ihren Blicken auf sofort still zu sein, was er nur mit einem verzweifelten Kopfschütteln zur Kenntnis nahm.
Gretchen mit gespielter Freude: "Ja, Mensch... Was machst DU denn hier?"
Gigi setzte sich neben sie und fasste ihr an die Schulter: "Ach Gretchen, es tut mir ja so unendlich leid!"
Doch auch Marc konnte sich nicht zusammenreißen und murmelte erneut vor sich hin: "Dass du da bist, oder dass es dich überhaupt gibt?!"
Gigi standhaft: "Nein, dass sie von so einem... einem... einem... nun ja, sagen wir mal 'Menschen' ein Kind bekommt!"
Marc außer sich: "Boaaah, ey, wann begreifst du dumme Schnalle das endlich mal? Sie ist nicht schwanger. NICHT schwanger!"
Gigi verwundert: "Aber deine Mutter hat es mir doch gestern erst noch erzählt, Gretchen?"

Gigi fing an zu schluchzen und zu heulen, umarmte Gretchen erneut so stark, dass diese bald keine Luft mehr bekam und meinte nur: "Aber du musst doch nicht schon wieder arbeiten, wenn du dein Kind verloren hast. Geh' in Therapie und lass dich behandeln. Vielleicht können die dir dann auch gleich diesen Marc Meier austherapieren..."
Marc genervt: "Äh, hallooho?! Ich sitze noch immer neben dir?!"
Gigi verunsichert: "Ja, ja... dann sei mal froh, dass ich... ich... ich... ja, dass ich dir nicht gleich an die Gurgel gehe... hier!"
Marc völlig genervt: "Och, meine Fresse! Ich halte es mit der Brillenschlange nicht mehr aus! Ich gehe!"



Marc stand auf, näherte sich Gretchen, die ebenso wie Gigi aufgestanden war, und flüsterte ihr ins Ohr: "Dann bis heute Abend..."
Gretchen verwundert: "Du kommst auch zur Gartenparty?!"
Marc blickte selbstbewusst zu Gigi hinüber, strich sich gekonnt und lässig zugleich durch sein Haar und meinte: "Wenn der Professor ruft, dann bin ich auf der Stelle da..."

Danach verließ er das Schwesternzimmer und schob Sabine beiseite, die nun wieder zwischen Tür und Angel stand. Als die drei alleine waren, erkundigte sich Gigi natürlich sofort.


Gigi: "Aber jetzt sag' doch mal Mausi, wie geht’s dir? Ich habe gehört, dass wegen dir jemand gestorben ist?"
Gretchen: "Ach Gigi, nicht gut" und sie realisierte in diesem Moment, dass selbst Gigi schon über alle Gerüchte Bescheid wusste und setzte hysterisch stotternd fort: "Moooment einmal, das macht auch schon die Runde???"

Gigi gelassen: "Ich meinte doch wegen Marc: ich meine, dass jemand mal hier und da stirbt ist doch normal..."
Gretchen entsetzt: "Bitte?! Gigi!!! Ich habe die Ärztekammer an der Backe..."

Doch Gigi wollte nur eines wissen: "Jetzt sag' doch! Ich sehe doch, dass da wieder etwas geht. Seid ihr etwa ernsthaft zusammen, wie deine Mutter mir erzählte?"
Gretchen: "Also, ich... ich... Gut, es ist so..."

Und während sich Gretchen wieder setzte und so nachdachte, wie es nun wirklich um sie und Marc steht, näherte sich auch Sabine den beiden immer weiter, wie eine Detektivin schlich sie sich langsam an. Jedoch wurde das von Gigi nur kritisch beäugt. Gretchen hingegen schien sie gar zu bemerken.
Gretchen: "Ach, ich weiß auch nicht, eigentlich ist er wie immer. Und genau das ist das Problem."
Gigi: "Man Gretchen, wie lange willst du noch auf dir rumhacken lassen? Vergiss ihn endlich. Er ist es überhaupt nicht wert."
Gretchen: "Vielleicht sollte ich das wirklich, aber es gelingt mir einfach nicht. Auf der anderen Seite kann ich auch nicht ewig auf mir rumhacken lassen. Er küsst so unglaublich gut! Aber warum redet er nicht einfach mal mit mir?"
Gigi erstaunt: "Küssen... ähm... ich... also keine Ahnung..."
Gretchen: "Ich glaube, ich gebe wirklich auf. Ich kann einfach nicht mehr. Wie viel soll ich noch ertragen? Und heute ist doch auch noch diese dämliche Gartenparty und wenn er dann auch da ist, ach Gigi, ich weiß einfach nicht, was ich machen soll..."



Doch nun schaltete sich auch Sabine ein: "Frau Doktor, das dürfen Sie nicht!"
Gretchen irritiert: "Sabine???"
Sabine stotternd: "Äh, tu... tut mir leid, dass ich mich in Ihr Gespräch einmische, aber Sie können doch nicht einfach aufgeben."
Gretchen genervt: "Entschuldigung?!"
Gigi aufklärend: "Gretchen... sie steht hier schon die ganze Zeit und belauscht uns!"
Gretchen: "Aber Sie... hatten Sie nicht einen Notfall?!"
Sabine erschrocken: "Ohhh... das... das... das habe ich jetzt wohl vergessen... Aber Frau Doktor!!! Lenken Sie doch nicht immer ab! Sie lieben den Herrn Doktor doch! Wie können Sie da aufgeben? Wollen Sie etwa eines Morgens aufwachen und feststellen, dass Ihr Leben vorbei und Sie unendlich unglücklich sind?"
Gigi: "Entschuldigung, aber jetzt muss ich mich auch einmischen..."
Gretchen witzelnd: "Aber Gigi, du mischst dich doch immer und überall so schon ein..."

Gigi verteidigend: "Ja, und genau deshalb glaube ich ja auch zu wissen, dass Schwester Sabine das nicht beurteilen kann. Man sieht ja, dass du nicht glücklich bist! Tagtäglich heulst du dir die Augen aus dem Kopf.
Gretchen: "Gigi, also wirklich. Sabine meint es doch nur gut."

Sabine wurde regelrecht aus dem Gespräch ausgeschlossen, was sie auch sehr sauer machte, wie man ihr ansehen konnte. Doch dann wandte sich Gretchen endlich wieder an sie: "Sabine, ich weiß Ihren Rat zu schätzen, aber ich will das einfach nicht mehr. Ich will nicht mehr Marcs Fußabtreter sein."
Sabine: "Frau Doktor, wenn Sie jetzt aufgeben, dann werden Sie es früher oder später bereuen, aber dann wird es zu spät sein. Stellen Sie sich so Ihre Zukunft vor?"
Gigi: "Sabine, es steht Ihnen nicht zu, solche Dinge über Gretchen zu sagen. Wissen Sie eigentlich, was Sie tagtäglich durchmacht. Ich glaube nicht, dass Sie..."
Sabine fühlte sich dennoch bestätigt Marc vor Gigi zu verteidigen und wies Gigi in ihre Schranken: "Jetzt rede ich!!! Sie haben Sendepause! Glauben Sie wirklich, dass Sie das beurteilen können? Haben Sie schon mal jemanden gehen lassen und das jeden Tag Ihres Lebens bereut? Haben Sie Ihr Glück weggeworfen, weil Sie zu stolz waren, darum zu kämpfen?"


Doch mit Sabines Worten im Ohr fühlte sich nun auch Gigi direkt angesprochen und begann erneut zu schluchzen und zu heulen. Mit zittriger Stimme meinte sie nur "Ich..."
Doch Sabine ließ jegliche Bemerkung abschmettern: "Also nicht! Daher halten Sie sich jetzt mal zurück!"
Und auch Gretchen kam die Standpauke komisch vor: „Sabine, es klingt ja alles gerade so, als würde es Ihnen auch so gehen...“



...Na wunderbar! Eine Schwester Sabine auf Hochtouren, eine Gigi, die wie ein Teenager heult und dabei sollte doch eigentlich mir zum Heulen zumute sein: Mehdi hat mir die Freundschaft gekündigt, alle denken ich wäre mit Marc zusammen und wir würden ein Kind erwarten und meine beruflichen Perspektiven sind schlechter denn je... Sollte ich etwa doch froh sein, dass heute die Gartenparty stattfindet?!
Könnte mich sinnlos betrinken und alles vergessen. Wobei, schlechter Plan! Marc ist da. Muss ein grandioses Kleid finden. Oh Gott, wenig Zeit! Habe nur eine gute Stunde nach Dienstschluss, um mich zu schminken und umzuziehen. Shopping fällt flach! Hat nicht die Hassmann was von einem Designerkleid geredet? Ob sie ein zweites hat? Und ob es mir überhaupt passt???...




Während Gretchen so darüber nachdachte, was sie anziehen würde, wurde Sabine immer wütender, da sie merkte, dass sie ihr nicht wirklich zuhörte. So riss sie Gretchen mit einem lauteren "Frau Doktoooor" als sonst aus ihren Gedanken, die nur "Jaaa... wer ist gestorben?!" fragte. Somit wusste sie, dass Gretchen wieder ganz Ohr war und fuhr mit ihrer Standpauke rigoros fort: "Frau Doktor, Sie werden mir jetzt zuhören. Ich habe mir das Elend lange genug angesehen. Das geht so nicht mehr. Sie sind doch unglücklich. Und auch wenn der Herr Dokor gemein zu Ihnen ist, lieben Sie ihn noch. Wie können Sie das alles wegwerfen?"
Gretchen schmollend: "Ja, natürlich liebe ich ihn, aber ich bin doch kein Fußabtreter und mehr bin ich für ihn doch nicht."
Sabine empört: "Frau Doktor, hören Sie doch auf. Wissen Sie denn wirklich nicht, was er für Sie empfindet? Sehen Sie denn nicht, wie er Sie ansieht, wie er mit sich selbst kämpft, Sie nicht zu berühren, wie er Sie verteidigt, wann immer jemand etwas sagt oder tut, was nicht seinen Vorstellungen entspricht? Er ist der einzige, der gemein zu Ihnen sein darf. Allen anderen droht er einen langen und qualvollen Tod an. Der Herr Doktor versucht doch nur, seine Gefühle zu verstecken."

Gretchen: "Sabine, ich bitte Sie. Das ist doch lächerlich. Ich habe das auch so oft gedacht, aber das stimmt einfach nicht. Marc hat sich entschieden. Gegen mich. Gegen uns... Obwohl, warum hat er mich dann geküsst und warum sagt er einfach so zu einer Gartenparty zu? Und dann noch bei meinen Eltern! Wenn man nicht komplett geisterkrank ist, würde man doch eher davor wegrennen..."
Sabine fällt ihr ins Wort: "Da sehen Sie es doch! Sie sollten jetzt die Sache in die Hand nehmen, damit es klappt. Wie lange wollen Sie noch warten, bis das Glück an Ihrer Tür klopft? Wenn Sie glücklich sein wollen, dann müssen Sie Ihren Teil dazu beitragen, dann müssen Sie was riskieren und kämpfen."
Gretchen bestätigend: „Stimmt, Sie haben recht, Sabine! Ich sollte nicht warten, bis das Glück an meiner Tür klopft, sondern sollte das Glück festhalten, wenn es in unserem Garten steht!“


Auch Gigi war total überrascht und umgehauen zugleich.
Sabine: "Aber denken Sie daran Frau Doktor, es geht auch um Sie! Wenn Sie sich nicht langsam mal entscheiden, was SIE wollen, dann wird das auch nichts. Unabhängig von der Meinung des Herrn Doktor müssen Sie für sich selbst klären, ob Sie bereit sind, zu kämpfen und alles zu versuchen. Wenn Sie das nicht sind, dann lassen Sie es, aber wenn Sie ihn wirklich lieben, dann sollten Sie kämpfen, egal wie gemein er zu Ihnen ist oder wie sehr er Sie verletzt. Wenn es wahre Liebe ist, haben Sie eine Chance, weil die wahre Liebe immer siegt. Wir haben nur einen Einfluss auf den Zeitpunkt. Sie können jetzt schon glücklich sein, Sie können aber auch aufgeben und erst in 20 Jahren glücklich werden und hoffen, dass das Schicksal Ihnen hold ist, denn im Leben bekommt man nicht so leicht eine zweite Chance. Wollen Sie das? Wollen Sie Tag für Tag mit dem Gedanken aufwachen, dass Sie Ihr Glück haben ziehen lassen?"
Gretchen zweifelnd: "Das ist es ja, was ich nicht weiß. Ist es wirklich die wahre Liebe? Liebt er mich so, wie ich ihn liebe? Oder bin ich nur die Professorentochter, die es flachzulegen gilt?"
Sabine: "Oh je, Frau Doktor. Im Krankenhaus können Sie jeden fragen und jeder wird Ihnen das Gleiche sagen und Sie selbst wissen es auch. Sie haben nur Angst wieder verletzt zu werden."
Gretchen: "Natürlich habe ich das. Denn Marc hat es übertrieben. Mehdi hat sich damals gegen mich entschieden und Alexis... ich meine Frank... Gott, wenn ich diesen Namen schon aussprechen muss, könnte ich...

Gigi voreilig: „Heulen?“
Gretchen zornig: „KOTZEN!“
Gigi nickend: „Jaaa, das trifft es ziemlich gut...“
Gretchen: „Sicher liebe ich Marc Meier, aber bei ihm bin ich mir da leider nicht sicher. Ich dachte wirklich, ich kenne ihn, aber er zieht sich immer lieber zurück. Er hat einfach kein Vertrauen."
Sabine: "Und wenn er Probleme hat?!"
Gretchen: "Wir haben alle Probleme, Sabine! Und ich richtig Gewaltige sogar..."
Sabine zusprechend: "Und genau deswegen sollten Sie nicht aufgeben. Das Leben ist viel zu kurz, um aufzugeben. Kämpfen Sie! Wir machen alle Fehler. Davon kann sich niemand freisprechen. Unsere Entscheidungen betreffen eben meistens auch andere Menschen. Ich kann es gar nicht oft genug sagen: Es geht hier nicht nur um das Glück vom Herrn Doktor, es geht auch um Ihr Glück. Also tun Sie etwas dafür. Jeder bekommt nur das Glück, das er verdient und für das er kämpft. Meinen Sie nicht, es ist an der Zeit, zu handeln, statt weiter zu warten? Wollen Sie sich selbst wirklich unglücklich machen, nur weil Sie im Moment verletzt sind?"




©:
Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=OPx-nUqLMtc; "Queen - Don't Stop Me Now (Lyrics)" © by Fritzes007, YouTubeDE; aufgerufen am 29.07.2014 um 19:48




Gretchen: "Vielleicht haben Sie recht, Sabine. Ich meine, ich habe auch Fehler gemacht. Vielleicht sollten wir wirklich nochmal miteinander reden. Das kann ja nicht schaden. Immerhin geht es hier nicht nur um ihn, sondern auch um mich.
Gigi zweifelnd: "Willst du das wirklich durchziehen?"
Gretchen zögerte nicht: „Ja... Ja, das will ich! Und heute ist der perfekte Abend dafür! Ich will doch einfach nur glücklich sein und ich will Marc Meier, verdammt nochmal!"
Sabine enthusiastisch: "Frau Doktor, das sollten Sie sogar. Sie wissen doch genau, ohne den Herrn Doktor werden Sie nicht glücklich. Es geht hier nicht um ein neues Paar Schuhe sondern um Ihr Leben. Nehmen Sie es in die Hand und machen Sie das Beste draus. Nutzen Sie die Chance, die Ihnen das Leben gibt."
Gretchen motiviert und geschockt zugleich: "Sie haben völlig recht, Sabine! Es geht hier nicht um ein Paar Schuhe! Es geht hier um ein Kleid! Und zwar ein verdammt schönes... Wo ich wohl jetzt noch eines herbekomme?!"
Gigi angesteckt von Gretchens und Sabines Enthusiasmus: "Okay, Mausi! Ich unterstütze dich! Ich hätte sogar eines im Koffer. Wir könnten ja tauschen. Ich ziehe ein altes von dir an und du eines von mir. Das fällt dann gaaaar nicht auf, dass die schon getragen wurden..."


Gretchen schaute Sabine komisch an, die ebenso komisch zu Gigi schaute. Und so begutachteten beide Gigi ganz genau, ehe Gretchen die Augenbrauen verzog und nur langsam sprechend meinte: "Ähm... neee... lieber NICHT!“
Gigi verwundert: "Wie meinst du das jetzt?!"
Gretchen in Erklärungsnot und dabei hysterisch lachend: "Ähm... ich... ich glaube... Nachher erkennt es doch noch jemand und dann...?!"



...Okay, ganz ruhig Gretchen. Nicht, dass Gigi noch merkt, dass ich ihren Kleidungsstil altmodisch finde. Wäre kein gutes Omen für eine Freundschaft! Lächeln und hoffen, dass sie es nicht merkt...



Gigi einsichtig: "Nun gut... Ich hatte nur für einen kurzen Moment das Gefühl, als ob du generell etwas gegen meine Kleider hättest, Mausi..."
Gretchen umarmte sie freundlich und lachte dabei hysterisch, um sich rauszureden: "Aber nein, Gigi! Wo denkst du denn nur immer hin..." und blickte dabei Sabine, die auch nur schmunzeln konnte, mit großen, fragenden Augen an.

Gretchen ließ sie wieder los, woraufhin sich Gigi wieder ihre Brille zurecht rückte. Eilig suchte sie ihre Handtasche, schnappte diese, legte ihren Kittel ab und eilte davon. Als sie davonlief riefen ihr Sabine und Gigi gleichzeitig noch "Viel Glück" zu.



...Ja, manchmal da brauchen wir einen gewaltigen Tritt in den Allerwertesten von jemandem, von dem wir das nie erwartet hätten. Hoffentlich finden wir dann auch noch das passende Outfit!...



Gabi, die unterdessen wieder zurückkam, sah Gretchen noch davonrennen und murmelte noch "Lahme Kuh" vor sich hin. Das hörten auch Sabine und Gigi, die sie äußerst böse anschauten. Beide standen nun in der Tür, durch die auch Gabi wollte.
Gabi genervt: "Ist was?! Kann ich vielleicht mal da rein?!"

Widerwillig räumten Sabine und Gigi den Weg frei und als Gabi an Gigi vorbeilief, blieb sie kurz stehen, begutachtete sie ebenfalls von Oben bis Unten und meinte nur abfällig lachend: "Ach du Schande, sieht das Outfit scheiße aus!"
Gigi rückte sich erneut erbost die Brille zurecht, während Gabi lachend im Schwesternzimmer verschwand und sie stehen ließ, ebenso die peinlich berührte Sabine.





Unterdessen im Hause Haase:


Bärbel war drauf und dran alles perfekt für die Gartenparty vorzubereiten und so scheuchte sie Franz und das Cateringteam im Garten umher, sodass ja auch alles perfekt steht. So wurde auf Bärbels Anweisung schon mehrmals der große Tisch für das Buffet von einer Ecke in die andere geschleppt, sodass Bärbel sicher sein konnte, dass er auch ja vorteilhaft steht. Und so musste auch Franz, der sich Urlaub genommen hatte, dabei mithelfen alles bis ins kleinste Detail perfekt zu platzieren. Gerade war Franz dabei den Grill aufzubauen, als Bärbel schockiert feststellen musste: „Ach du liebe Güte, Franz! Wir haben ja noch gar niemanden, der sich um den Grill kümmert!“

Franz war froh, dass er endlich mal eine Pause einlegen konnte, auch, wenn er dafür mit Bärbel diskutieren musste.
Franz: „Aber das können doch die vom Catering übernehmen...“
Bärbel unterbricht: „Also ich bitte dich, Franz! Nachher grillen die das Fleisch viel zu kurz und dann essen das die Leute und womöglich sind dann da diese multiresistenten Keime drin und jemand stirbt dann... Also nein Franz, bei sowas mache ich nicht mit! Ich will doch keinen Leichenschmaus hier veranstalten! Das soll eine schöne, ruhige und total fröhliche Party werden...“
Franz nickend: „Nun gut, wenn du meinst, Butterböhnchen...“
Bärbel unterbricht erneut: „Ach, ich hab’s: Das könnte doch Margarete übernehmen!“
Franz unsicher: „Bist du dir da wirklich sicher?! Bei ihr brennt doch selbst Tiefgefrorenes im Eisschrank noch an... Ob sie wirklich an den Grill sollte?!““
Bärbel standhaft: „Franz, sicher ist sicher! Keine Widerrede!“
Franz murmelnd: „Na gut.“
Bärbel schrie unterdessen den Männern vom Aufbau zu: „Ach, und das Podest für die Musiker bauen Sie doch bitte da drüben auf! Danke...!!!“
Franz verunsichert: „Podest? Musiker? Aber Butterböhnchen... Ich dachte Edward, mein guter, alter Studienkollege sorgt wieder für die Musik...“
Bärbel erfreut: „Jaaaa Franz! Endlich haben wir mal tolle Musik! Dein Edward hätte sich lieber sein Zweitstudium gespart. Er ist vielleicht ein guter Arzt, aber Musik liegt ihm gar nicht. Da kann doch selbst diese Helene Fischer, du weißt schon, Franz... das ist doch die, die sich immer so sexy anzieht und immer so atemlos ist...“
Franz ein bisschen genervt: „Jaaa... ich weiß schon, Butterböhnchen...“
Bärbel: „Ja und die Helene Fischer kann jedenfalls besser singen als der Edward. Und die hat doch auch nicht Musik studiert...“
Franz unterbricht, um zu beichten: „Apropos Fischer, Butterböhnchen... Ich... ich...“
Bärbel hektisch: „Nun sag‘ doch schon, Franz! Wir haben schließlich nicht den ganzen Tag Zeit...“
Franz ganz leise: „Aber versprich mir, dass du nicht wütend bist, Butterböhnchen...“
Bärbel genervter: „Fraaanz...“
Franz nachhakend: „Versprich es mir...“
Bärbel äußerst genervt: „Jahaaa, ich verspreche es dir, Franz!“
Franz nahm all seinen Mut zusammen: „Ich... ich... habe die Elke Fisher eingeladen...“
In diesem Moment stockte Bärbel wahrlich der Atem. Die Augen drückte sie auf und zu. Den Tränen war sie ebenfalls schon nahe. Franz hingegen stand wie ein kleiner Schuljunge neben ihr, der seiner Lehrerin eine Untat beichten musste. Und so fügte er noch als Erklärung an: „Wir sollten doch neu beginnen, Butterböhnchen und uns aussöhnen. Da ist doch so eine Party perfekt geeignet...“


Als Bärbel realisierte, was Franz ihr gerade mitteilte, meinte sie nur kurz und mit zittriger Stimme: „Ist gut, Franz. Stellst du dann bitte noch die anderen Stehtische auf? Ich bereite schon mal die Currysoßen vor...“ und flüsterte ganz leise vor sich hin „...an denen sie hoffentlich erstickt!“
Und schneller als Franz schauen konnte lief Bärbel ins Haus. Er machte sich wieder an die Arbeit, während sich Bärbel im Badezimmer einschloss und heulte.





Vor den Fahrstühlen im Krankenhaus:


Maria wartete gerade auf den nächsten Fahrstuhl. Als sich einer öffnete stand darin Mehdi, völlig geknickt und desorientiert.
Maria: „Dr. Kaan! Sind Sie etwa immer noch sauer auf mich? Ja, es tut mir leid. Ich bin Sie forsch angegangen, aber manchmal da brauchen Sie das einfach. Manchmal da denke ich mir sogar, dass Haase und Sie das Traumpaar schlechthin wären. Denn in solchen Traumwelten wie Sie beide lebt nun wirklich gar niemand...“
Mehdi wie ausgeknockt: „Jetzt bekommt sie ein Kind und dann geht sie in Mutterschaftsschutz und dann...“
Maria nachhakend: „Woher wissen Sie das mit dem Kind eigentlich?“
Mehdi: „Na, von ihrer Mutter. Ich habe sie direkt angerufen und da fragte sie mich, welche Namen für Enkelkinder denn aktuell im Trend sind...“
Maria scherzend: „Sie rufen einfach so die Mutter an? Haben Sie nichts Besseres zu tun? Und sowieso: da hätte sie mich fragen müssen. Also ‚Margarete‘ ganz bestimmt nicht, aber Haasenschenkel, Haasenfell, Haasenohr – DIE hätten was... So mondän mit einem klaren Statement...“
Mehdi schaute sie nur grimmig an. Maria hingegen wollte sich das Elend nicht mehr länger mit ansehen.
Maria: „Mein Gott, die ist doch gar nicht schwanger. So habe ich das jedenfalls verstanden. Die hat nur jemanden auf dem Gewissen, jetzt kriegen Sie sich mal wieder ein! Sind Sie ein Mann oder eine Memme?!“


Dabei schaute sie Mehdi, der noch immer wie ein Schluck Wasser in der Kurve bedröppelt an der Fahrstuhlwand lehnte, an und meinte nur: „Gut, dann wohl doch eher Option zwei!“
Mehdi bedrückt: „Sie hat jemanden auf dem Gewissen?! ... Und dabei habe ich ihr doch immer gesagt, dass sie nicht so schnell Autofahren soll...“
Maria gereizt: „Nein, irgendeine Patientin. Ist doch jedem Arzt schon mal passiert, aber die macht immer gleich einen Affenzirkus daraus. Womöglich war es sogar eine 110 Jährige, die schon seit ein paar Jahren im Sterben lag. Aber Haase hatte den eintretenden Tod sicher nicht kommen sehen...“


Der Fahrstuhl hielt an und Maria musste ihn nun auch wieder verlassen. Und so ging sie ohne noch ein Wort zu sagen, blieb aber auf der Lichtschranke einige Sekunden stehen, drehte sich dann wieder um und sah sich Mehdi erneut an, der noch immer sichtlich geknickt da hang.
Sie holte einmal ganz tief Luft, schaute ihn genervt an und meinte nur: „Mit Ihnen ist es wirklich schlimmer wie mit Kindergartenkindern! Gehen Sie zu ihr und reden Sie mit ihr. Ich weiß nicht, was zwischen Ihnen vorgefallen ist und wer wem den Lolli geklaut hat, aber jetzt geben Sie sich halt einen Ruck und laden Haase wieder in Ihren Sandkasten ein! Dann bauen Sie schön wieder gemeinsam an Ihrer Traumwelt mit Ihrer furchtbar kitschigen Sandburg weiter, die wie ein furchtbar hässliches, kitschiges Märchenschloss aussieht und sind wieder beste, beste Freunde fürs Leben. Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sage: aber so gehen Sie mir alle noch viel mehr auf den Sack, als nur mit Ihrer widerlichen Freundschafts-alles-ist-schön-Traumwelt!
Ich hole Sie heute Abend um 19 Uhr ab und dann gehen wir auf diese Gartenparty von den Haases. Ich darf nämlich eine Begleitung mitnehmen. Und ziehen Sie sich bloß bayrisch an!“
Mehdi verwundert: „Bayrisch?!“
Maria: „Ja, das ist das Motto...“
Maria wollte sich gerade wieder umdrehen, als Mehdi weiternachbohrte und sichtlich aufgeweckter war: „Sie sind eingeladen?“
Maria: „Ne, aber ich habe mir die Einladung vom Chefarzt aus der Neurologie... sagen wir ‚geborgt‘...“
Mehdi: „Geborgt?!“
Maria selbststolz: „Na gut... Geklaut, als er es nicht bemerkt hat. Selbst schuld, wenn man alles so offen auf dem Bürotisch rumliegen lässt und zu vertieft in CTs ist... Ich kann den alten Saftsack sowieso nicht ab...“
Nun ging Maria aber wirklich mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Als sich die Fahrstuhltür schloss rief Mehdi ihr noch hinterher „Dankeschön, Frau Dr. Hassmann“. Diese ließ ihr ‚Bitteschön‘ mit einer Handgestik im Weggehen verlauten.




Im Badezimmer im Hause Haase:




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Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=bbOevbi7fK8; "Daniel Powter-Bad Day Lyrics?" © by **Jay Iz Back!!**LOL, YouTubeDE; aufgerufen am 03.08.2014 um 13:04




Bärbel musste erkennen, dass Franz wohl doch noch an Elke hing. Hätte er sie sonst eingeladen? Und so schlug sie mit voller Kraft und geballter Faust in den Badezimmerspiegel, als sie sich und ihr verheultes Gesicht betrachtete. Dieser zersprang und sie schnitt sich an den Scherben, sodass das Blut an den Scherben klebte, den zerbrochenen Spiegel hinunterlief und ins Waschbecken tropfte. Doch dieser Schmerz war weitaus nicht so schlimm, wie jener innere Schmerz...





Es kann sich so vieles wenden:

Wir müssen erkennen, dass wir unsere ärgsten Feinde nicht einfach so aus unserem Leben verbannen können. Sie sind ein Teil dessen. Vielleicht aber übertreiben wir auch? Meint er es doch nur gut?

Haben wir zu voreilig geurteilt? Kann sie anders sein? Vielleicht meint sie es ja gar nicht so.

Wir lieben ihn doch! Doch warum können wir es ihm selbst nicht sagen? Stattdessen geben wir anderen gute Ratschläge, obwohl wir es doch selbst gar nicht besser machen.

Irgendwann einmal wird der Richtige erkennen, dass wir nicht die graue Maus sind, für die uns alle halten!

Wir nehmen all unseren Mut zusammen und möchten einschlagen wie eine Bombe. Passt unser Outfit? Sieht das Kleid umwerfend aus? Hoffentlich ist die Frisur nicht zu streng. Können wir überzeugen?

Alles kann sich wenden. Auch wir. Mutig und entschlossen hoffen wir, siegessicher kämpfen wir, unerbittlich warten wir auf den Einen, denn er ist da – ganz bestimmt...






Später, vor dem Haus der Haases:


Es war ein lauer, schöner Sommerabend. 19 Uhr, Beginn der Gartenparty. Gretchen fuhr mit dem Taxi vor, das direkt vor dem Gartentor anhielt. Maria und Mehdi hatten weiter unten in der Straße geparkt und liefen gerade am Taxi vorbei, als aus diesem Gretchen stieg. Sie hatte doch noch ein Kleid gekauft: ein wunderschönes, langes, dunkelblaues Abendkleid aus Samt. Und sie war extra beim Frisör und hatte sich die Locken extra schön machen lassen - nur für diesen einen Abend. Eine kühle Sommerbrise wehte durch ihre Haare.

Maria und Mehdi waren ganz verblüfft, als sie Gretchen sahen. Maria fiel sogar die Handtasche aus den Händen, so erstaunt war sie und auch Mehdi konnte es kaum fassen, wie wunderschön sie doch aussah.
Als auch Gretchen die beiden erblickte, war auch sie verwundert – mehr als nur verwundert!

Gretchen überrascht: „Frau Dr. Hassmann??? Mehdi??!! Was macht ihr denn hier und wie seht ihr denn bitte aus?!“
Maria herablassend, nachdem sie die Tasche wieder aufgehoben hatte: „Also eines muss man Ihnen lassen, Haase! Sie stechen immer wieder heraus...“
Mehdi verliebten Blickes: „Du siehst wie eine Prinzessin aus, Gretchen!“
Gretchen verlegen: „Oh danke, Mehdi...“ als der Taxifahrer laut brüllte: „Ja wir’s bald?! Die 23 Euro bitte!!!“
Gretchen drehte sich genervt zu ihm um und meinte: „Jahaaa... Ohhh! Sie können einem auch die ganze Stimmung vermiesen. Immer nur ans Geld denken, immer nur ans Geld...“
Taxifahrer: „Ja, ich brauch’s auch! Ich habe eine Familie zu ernähren! Meine Frau kann sich so einen ollen Fummel nicht leisten. Und jetzt her mit dem Geld!“
Gretchen eingeschnappt: „JAAA, ist ja gut!!! Und das ist KEIN Fummel und ich kann mir so ein Kleid für 700 Euro auch nicht jeden Tag leisten! Aber wenn es um Ihren Traummann, also... ich meine... um Ihre Traumfrau gehen würde... also die haben Sie ja wahrscheinlich schon... aber ich meine: das ist ein Notfall! Ich muss überzeugen!“
Taxifahrer launisch: „Ja, und ich bin kein Psychoonkel und will das nicht hören! Ich muss nur Geld verdienen!“

Gretchen kramte in ihrem Geldbeutel, doch da fand sie nur einen 20 Euroschein.


...Mist! Jetzt fehlen mir doch nicht wirklich drei lächerliche Euro! Habe mich so in Schale geworfen und jetzt! Das ruiniert wieder alles... Blöder Neumond oder Vollmond oder wie auch immer...


Verzweifelt drehte sie sich zu Maria und Mehdi um.
Gretchen: „Frau Dr. Hassmann! Wären Sie so freundlich und würden mir drei Euro leihen?“
Maria scherzend: „Ich verleihe nicht. Ich vermache Ihnen drei Euro, möchte dann aber, dass Sie mir wöchentlich Zinsen dafür bezahlen und zwar Ihr Leben lang...“
Gretchen gereizt: „Oooh, Frau Dr. Hassmann!“
Mehdi zückte seinen Geldbeutel, näherte sich Gretchen und dem Taxifahrer und fragte freundlich: „Wie viel bekommen Sie?“
Taxifahrer: „23 bitte!“
Mehdi reichte dem Taxifahrer 30 Euro und meinte nur „Stimmt so!“, während Maria im Hintergrund vor sich hinmurmelte „Scheiß Schleimer...“

Er reichte Gretchen die Hand, schlug mit der anderen die hintere Tür des Taxis zu und führte sie zum Gartentor, an dem die Putzfrau der Haases an einem Tisch mit fünf Sektgläsern darauf die Einladungen überprüfte. Ein paar Leute waren vor ihnen und so mussten die drei warten.
Gretchen erfreut: „Du redest wieder mit mir?!“
Mehdi sanft: „Wie könnte man dir böse sein?!“
Die beiden lächelten sich wieder an.



...Ach ja, der Mehdi. Wusste ich doch, dass ich ihm vertrauen kann und dass er doch mein bester Freund ist...



Als sich Gretchen so umschaute und Kollegen ihres Vaters begrüßte, die sie zwar namentlich alle nicht kannte, jedoch früher immer beim Chirurgenskattreff sah, stellte sie nach einer Weile entsetzt fest: „Warum sehen die denn alle so bescheuert aus, so, wie ihr zwei?! Die haben ja alle Lederhosen und Dirndl an...“




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Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=vyIAfEqA220; "Whigfield - Saturday Night" © by iXpyre, YouTubeDE; aufgerufen am 28.07.2014 um 19:52




Maria fuchtelte abgeklärt mit der gestohlenen Einladung vor ihren Augen herum und meinte: „Das Motto ist doch ‚bayrischer Abend‘...“
Gretchen entsetzt: „Bitte WAS?! Also dass diese Party ein Motto hat wäre mir neu! Das war doch noch nie so! Motto... Pff... als ob...“
Gretchen riss ihr skeptisch die Einladung aus der Hand und las laut vor:


Wir, Bärbel Haase und Prof. Dr. Franz Haase, laden herzlich zu unserer diesjährigen Gartenparty am Samstag, den 28.06.2014 um 19.00 Uhr unter dem Motto ‚Bayrischer Abend‘ ein. Einlass nur mit dementsprechender Kleidung...


Gretchen genervt: „Motto... Ich glaube ich spinne... Wo bekomme ich denn jetzt noch wenigstens eine Brezel her, die ich mir als Kette umhängen könnte? Aber Moment einmal! Ich wohne hier. Ich bin die Tochter. Warum sollte ich da nicht reinkommen???“

Wenig später standen die drei also vor dem Tisch und mussten sich kritisch beäugen lassen. Die Putzfrau zeigte auf Maria und Mehdi und meinte nur „Sie dürfen rein“, zu Gretchen allerdings meinte sie „Nein, leider nicht!“
Maria wollte derweil zwei der fünf Sektgläser, eines für Mehdi und eines für sich nehmen, wurde jedoch von der Putzfrau, die die Türsteherin mimte, harsch angegangen: „Nein, die sind nicht für Sie! Sofort hinstellen!“


Gretchen wurde unterdessen sauer: „Entschuldigung! Ich wohne hier, wie Sie vielleicht wissen und das sind meine Eltern, die die Party hier schmeißen und ich WILL jetzt da rein! SOFORT! Sonst ist er noch da drin und ich sterbe einsam und alleine hier draußen vor meinem Garten...“
Doch sie prallte tatsächlich an ihr ab. Sie meinte nur: „Ich habe klare Anweisungen. Wie beim Gardinenwaschen auch! Da befolge ich auch nur die Waschanleitung!“

Maria beobachtete den eskalierenden Streit und musste ständig vor sich hin kichern.

...Gibt‘s denn das? Die führt sich ja jetzt schon so auf, als wäre sie angetrunken. Und dabei bekam sie den Sekt ja noch nicht einmal... Lieber Gott, ich muss da rein! Ich MUSS einfach!...

Gretchen zornig: „Sie lassen mich jetzt auf der Stelle da rein! Sonst... sonst... ja, dann... also, sonst...“
Putzfrau verwirrt: „Sonst...?!“
Gretchen mit ihrem Gewissen ringend und stotternd: „Sonst erzähle ich jedem, dass Sie Alkoholikerin sind und immer den ganzen Schnaps trinken!“
Putzfrau lachend: „Aber Kindchen, das weiß doch schon längst jeder außer deiner Mutter...“
Gretchen mit beiden Füßen wütend stampfend: „Ahhhh!“


Einzig Mehdi erbarmte sich ihrer und half ihr heute erneut wieder aus der Patsche: „Ach kommen Sie schon, lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf! Gretchen ist heute eben nicht das Fußvolk im ehemaligen Königreich, sondern die Prinzessin des Königs auf Audienz. Und da muss man doch so schön aussehen wie sie...“
Maria schnappte sich nun im Hintergrund unbemerkt zwei der Sektgläser, trank eines sofort aus und meinte wieder nur „Scheiß Schleimer“ und ging unter die Leute.
Gretchen war ganz verblüfft und gerührt zugleich, wie er sie verteidigte: „Mehdi, das hat noch nie jemand gesagt... nicht mal damals in der Schule beim Theaterspiel...“
Mehdi: „Wirklich nicht? Und dabei ist es doch nur die Wahrheit...“

Und er reichte ihr erneut die Hand und führte Gretchen, die freudestrahlend auch ihre reichte, hinein. Die Putzfrau musste unterdessen entsetzt feststellen, dass zwei Sektgläser verschwunden waren...


Alle bewunderten Gretchen in ihrem Kleid, doch sie schaute sich nur nach einem um, während sie Mehdis Hand hielt. Elke Fisher, die ebenfalls schon da war und die Franz doch tatsächlich an seinen Tisch bat, meinte nur: „Ach Franz, was für ein schönes Pärchen. Mein Sohn wäre auch viel zu gut für sie...“. In diesem Moment sah Bärbel die Gelegenheit gekommen, vom Tisch zu flüchten, an dem sie den beiden und den anderen, alten Studienkollegen beim Tratsch nur zuhören konnte, da sie sich wie das fünfte Rad am Wagen vorkam. Und so stürmte sie auf Gretchen zu...

Bärbel: „Ach Gretchen, du glaubst gar nicht, was hier los ist. Dein Vater hat doch diese böse Frau Fisher eingeladen...“
Mehdi ließ daraufhin ihre Hand los und meinte nur: „Ich besorge uns was zum Trinken“, da er nicht beim Mutter-Tochter-Gespräch stören wollte.
Gretchen nickte ihm nur freundlich zu und sah dann, als Bärbel wild vor ihr herumfuchtelte, dass sie einen Verband an der rechten Hand trug, der sogar noch ein bisschen blutig war.
Gretchen fürsorglich: „Was hast du denn da gemacht, Mama?!“
Bärbel ganz aufgelöst: „Ach, das... da habe ich mich nur geschnitten beim Salate machen...“
Gretchen misstrauisch: „Mit was hast du denn die Salate zubereitet? Mit einer Motorsäge etwa?!“
Bärbel schluchzend: „Ach, ist doch egal, Margarete. Wir müssen uns jetzt um den Grill kümmern. Das ist wichtiger. Du weißt doch, wegen der Keime... Ich helfe dir besser, dann muss ich nicht wieder zurück...“



Und während Bärbel Gretchen zum Grill schleifte, kam diese an unzähligen Personen vorbei, die ihr mehr oder weniger einen Spalier bildeten und sie alle bewunderten, so schön, wie sie aussah. Doch sie hatte nur Augen für einen und suchte ihn verzweifelt. Sie blickte sich um, doch nirgends war er zu sehen.

Am Grill angekommen, hatte sie ihn immer noch nicht entdeckt. Demnach war sie auch sehr niedergeschmettert, als Bärbel ihr die Grillzange in die Hand drückte.
Gretchen traurig: „Mama! Ich kann doch jetzt nicht grillen! Und zudem habe ich ein äußerst teures Kleid an, das dann dreckig wird. Eigentlich hätte ich mir das erst gar nicht kaufen müssen...“
Bärbel: „Stimmt! Warum hast du denn diesen Fummel gekauft?!“
Gretchen gereizt: „Das ist KEIN Fummel!“
Bärbel zynisch: „Aber Gretchen, das hat doch gar nichts mit Bayern zu tun...“
Gretchen verteidigend: „Oh doch! Ich bin die Prinzessin von Bayern!“
Bärbel: „Ach, Kindchen. Träumen darf man ja, aber dieser Traum ist doch sehr abwegig! Du und eine Prinzessin...“
Gretchen: „Mama! Seit du wieder ahnst, dass Papa dich betrügt, bist du unausstehlich! Da kann ich ihn sogar sehr gut verstehen, dass er... dass er...“
Bärbel empört: „Dass er was? Mich hintergeht? Du findest es geschieht mir also recht, Margarete?! Du könntest ja auch wenigstens einmal zu deiner Mutter stehen! Aber nein! Dann gründe doch eine Matchwork-Familie mit dieser Elke Fisher und deinem Marc und ach... ach... lass mich doch in Ruhe!“



Wütend zog Bärbel von dannen und schmiss ihre Grillzange auf das Grillfleisch. Gretchen schrie ihr noch hinterher „Und das heißt um übrigen Patchwork-Familie, Mutter!!!“ und warf ihre ebenfalls aufs Grillfleisch, verschränkte wütend ihre Arme und drehte sich mit einem betrübten Augenrollen um. Kurz blickte sie Richtung Boden, als sie einen Schatten auf sich zu kommen sah. Langsam erhob sie ihren Blick wieder und da war er: Marc Meier.
Gretchen erfreut: „Marc? Was stehst du denn da hinten so alleine rum?“
Marc: „Ich wollte mir das Kino hier nicht entgehen lassen. Und der Soundeffekt war da hinten wirklich hervorragend.“
Gretchen traurig: „Maaarc, das ist nicht witzig!“
Marc näherte sich ihr und streckte nun seine beiden Hände aus. Auch sie streckte sie ihm entgegen und beide gingen langsam auf sich zu, bis sich ihre Hände berührten.
Marc: „Stimmt! Das mit der Prinzessin war nicht witzig!“
Gretchen: „Wieso denn nicht?! Weil es wahr ist, dass ich nie eine hätte sein können, wie meine Mutter meint...“
Marc: „Nein, Hasenzahn, weil du wirklich wie eine aussiehst. Na ja, äh gut, bis auf die Beule.“
Gretchen fasste sich entsetzt an die Stirn: „Ich habe eine Beule? Oh nein!“ und fügte wütend hinzu „Frau Dr. Hassmann!!!“
Marc sanft: „Aber die fällt gar nicht auf, Hasenzahn. Und dich kann doch nichts entstellen...“
Gretchen gerührt: „Du findest mich schön?“
Marc zynisch: „Ja, ich hätte nie gedacht, dass dieses Krankenhaus meine Wahrnehmung so vernichten kann, aber ja, du bist wunderschön, Hasenzahn!“




©:
Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=PLbExaQxVrA; "First Choice - Doctor Love" © by soulbrothanumbahone, YouTubeDE; aufgerufen am 09.07.2014 um 18:27




Gretchen glücklich: „Ich bin mutig, Marc! Ich bin entschlossen! Ich bin selbstsicher! Ich bin schön! Und ich rede mir das dieses Mal nicht nur ein! Und ich will, dass du mir jetzt tief in die Augen schaust, wir dann zur Tanzfläche gehen, zum richtigen Lied tanzen und einfach diesen Abend genießen. Und soll ich dir etwas sagen...?“

Marc antwortete mit seinen Blicken auf ihre Frage mit einem ‚Ja‘, woraufhin sich Gretchen langsam zu ihm beugte, um ihm zuzuflüstern: „Und in diesen Lederhosen siehst du verdammt gut aus, Marc Meier. Natürlich kommst du an meine Schönheit nicht heran. Aber sexy bist du darin trotzdem...“

Beide lachten daraufhin und taten das, was Gretchen verlangte. Denn der Spalier stand noch immer bereit. Nun ging sie an der Seite von Marc zurück zur Tanzfläche: an Gigi vorbei, die ihr einen freundschaftlichen Luftkuss zuwarf und doch tatsächlich ein Dirndl anhatte.
Und an Elke, Bärbel und Franz, die alle drei unglücklicher denn je nebeneinander standen. An Maria, die sich den Sohn von Edward gekrallt hatte. Ob Maurice das ahnt? Und an Mehdi, der scheinbar begriff, dass es an der Zeit ist komplett loszulassen.
Und zum richtigen Lied tanzten beide. Gretchen fragte Marc noch ganz verwundert: „Du kannst richtig tanzen?“, woraufhin er antwortete: „Du weißt doch, ich bin der Beste!“. So lagen sie sich in den Armen und Gretchen flüsterte: „Ich weiß...“





Und was wir am Ende haben ist ein unvergesslicher Abend.
Einer, der nicht besser hätte enden können. Man soll den Abend nicht vor dem Morgen loben. Zum Glück habe ich das nicht getan.
Wer weiß, was sonst noch passiert wäre? Schließlich ist der Abend so auch umso schöner......

GretchenHaaseFan Offline

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29.08.2014 20:40
#11  Aufgepasst! Träume werden wahr? Zitat · antworten

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S02,E07:

Aufgepasst! Träume werden wahr?



WRITTEN BY
GretchenHaaseFan, Andrea

ASSISTED BY

Missing_DD, Elena


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©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=6oKUTOLSeMM; "Dirty Dancing- Hungry Eyes" © by Pune Ka, YouTubeDE; aufgerufen am 21.10.2015 um 12:33




»Bereits mit dreizehn Jahren träumte ich, Gretchen Haase, davon, dass Marc Meier mich endlich küssen würde und er mich endlich ‚seine Prinzessin‘ nennen würde. Wie oft stellte ich mir eine Tanzszene mit ihm vor und wie oft erhoffte ich mir, dass er mich endlich königlich küssen würde...«



Es war ebenfalls ein Samstagabend, den ich zusammen mit meiner neugewonnen, angeblich besten Schulfreundin, wie sie mir weismachen wollte, verbrachte. Wir schauten uns ‚Dirty Dancing‘ im Kino an. Natürlich sah ich nie wirklich Jennifer Grey mit Patrick Swayze dort auf der großen Leinwand tanzen, sondern immer Gretchen Haase mit Marc Meier. Und so schwärmte ich in Trance und mit hineingerissen in die berührenden Szenen laut von Marc.
Dumm nur, dass diese angeblich beste Freundin genau das hören wollte, um mich vor der ganzen Schule lächerlich zu machen! Ich hätte mir ja gleich denken können, dass Marc sie auf mich angesetzt hatte. Gut, damals merkte ich das nur, weil aus den hinteren Reihen lautes Gelächter schallte und mir Popcorn zugeflogen kam...




»Und nun, nach etlichen Jahren Dornröschenschlaf schien sich das Schicksal auf meine Seite geschlagen zu haben! Spott und Hohn waren nicht länger mehr Teil meines Lebens...«


Denn als dreizehnjähriges Mädchen träumt man sich gerne in Märchen...
Ich träumte davon, dass er, Marc Meier, mich heiraten würde und mich zur Prinzessin seines Königreiches machen würde. Später einmal würden wir Königin und König sein. Uns würde der gesamte Hofstaat zu Füßen liegen und nachdem Marc seine wichtigen Entscheidungen getroffen hatte, wären wir ausgeritten an die schönsten Seen, über Felder und Wiesen hinweg, vorbei an romantischen Plätzen an Flüssen und Wäldern...
Und wir hätten uns das Abendrot angesehen, Arm in Arm, zwischen unseren beiden Rössern hätten wir unsere große Liebe genossen und hätten zusammen von einem gemeinsamen Leben bis an unser eigenes Lebensende geträumt.


Nur leider denkt man als dreizehnjähriges Mädchen nicht immer daran, dass uns unsere Deutschlehrerin dazu verpflichtete, unsere eigens geschriebenen Märchen der ganzen Klasse vorzutragen.
Ja, wieder einmal lachten alle laut los und wieder einmal war mir Spott und Hohn gesichert... und das nicht nur bis zur großen Pause oder zu den nächsten Sommerferien hin...


Doch am Samstag, den 28. Juni 2014 war es endlich soweit: ER, Marc Meier, nannte mich ‚seine Prinzessin‘. Auf der Tanzfläche lagen wir uns in den Armen. Das Abendrot war zwar schon lange vorbei, es störte mich aber kaum, denn es war trotzdem der schönste Abend seit langem!
Und ich glaubte fest daran: Er würde mich zu seiner Königin machen, der holde Prinz. Doch leider bedachte ich dieses Mal nicht, dass ein jeder Prinz auch eine Mutter hat...






Die Gartenparty war vorüber. Nur noch Gretchen und Marc lagen sich auf der Tanzfläche in den Armen, während die Musiker bereits auch schon ihre Sachen packten. Auch Elke war noch als eine der letzten Gäste vor Ort, jedoch war sie wohl nicht mehr in der Lage eigenhändig aufzustehen, so betrunken wie sie in der Hollywoodschaukel lag.

Bärbel und Franz verabschiedeten derweil pro forma die letzten Gäste, wobei man Bärbel deutlich anmerkte, dass sie sich sichtlich unwohl neben Franz fühlte. Kein Wort sagte sie zum Abschied, sondern nickte nur sichtlich abgemüht ein jedes Mal bei einer Verabschiedung. Selbst ein kleines Lächeln konnte sie nicht mehr hervorbringen

Die Putzfrau hingegen sammelte derweil alle Flaschen ein und trank noch jene aus, in denen sich noch Alkoholisches fand.

Doch all das störte Gretchen und Marc nicht wirklich, die sich noch immer in den Armen lagen. Viel mussten sie einander nicht sagen, denn allein ihn so nah zu spüren, sagte umso mehr. Doch lange währte diese Verbundenheit nicht...
Elke lispelnd und säuselnd: „Marc... Marc Olivier...!“

Doch scheinbar hörten beide ihre Rufe nicht, die, da sie wirklich betrunken war, sehr leise waren. Mehrmals probierte sie es, jedoch bekam sie keine Antwort. Und so versuchte sie sich mühselig selber zu erheben und verschüttete dabei den Sekt, den sie noch in einer Hand hielt, auf ihren Schoß. Als sie sich nach langem endlich aufgerichtet hatte, konnte sie sich auch wieder lauter und kreischender zu Wort melden.
Elke hicksend: „Marc Olivier!“

Dieses Mal war es so laut, dass es selbst Marc nicht überhören konnte, obwohl er es gern getan hätte.
Ruckartig drückte er Gretchen, die sich noch innig an ihn klammerte, von sich weg und schrie genervt und mit wütender Stimme zurück: „Boah Mutter, NENN MICH NICHT SO!!!“
Gretchen versuchte ihn erneut an seinen Hüften zu halten, doch abermals stieß er ihre Hände weg.
Gretchen mit sanfter Stimme: „Maarc, das kann doch jetzt nicht dein Ernst sein! Nur, weil deine Mutter nach dir ruft? Der Abend hätte noch sooo schön werden können...“
Marc: „Äh, ich habe sie nicht eingeladen!“
Erneut versuchte Gretchen mit einem Lächeln im Gesicht ihn wieder zu umarmen, doch er stieß sie erneut weg. Dann versuchte sie ihm die Schulter zu streicheln, doch auch dagegen wehrte er sich.
Gretchen genervt: „Ja meinst du ich, oder was?! Ich kann mir auch weitaus Besseres vorstellen als deine Mutter hier in unserem Garten zu haben.“
Sie drehte sich von ihm weg, verschränkte die Arme und blickte zu Boden. Eine kurze Weile wartete sie, um dann schließlich zu ergänzen: „Mein Gott, Marc! Du kannst dir doch dein Leben nicht immer von deiner Mutter bestimmen lassen...“
Marc unterbricht zynisch: „...sagt die, die mit über 30 noch immer bei ihren Eltern wohnt?!“

Nun drehte sich Gretchen wieder zu ihm um, stemmte die Hände in die Hüfte, um sich zu erklären: „Das... also, das... ja... das ist etwas ganz anderes, Marc! Etwas ganz anderes...“
Marc lachend: „Ja, sicher doch...“
Gretchen betrübt: „Maaarc! Jetzt lass uns doch wegen deiner Mutter hier nicht auch noch streiten. Reicht ja schon, wenn meine Eltern das tun. Ich hatte mir das jetzt ein bisschen anders vorgestellt. Wir haben so schön getanzt, der Abend war so schön, ich würde jetzt einfach gerne...“
Marc unterbricht erneut: „Ficken?!“
Gretchen dem Nervenzusammenbruch nahe: „Maaarc!!!“
Marc verwirrt: „Äh, ja was denn? Ich habe schon länger nicht mehr. Ich habe mich extra für dich aufgehoben... also äh, so quasi jedenfalls.“
Gretchen mit einem Lächeln im Gesicht: „Das hast du jetzt aber schön gesagt, Marc. Vielleicht kann ich dir so jetzt doch noch verzeihen, das mit dem...“

Gretchen hatte ihren Satz noch nicht beendet, als es erneut aus der Hollywoodschaukel tönte: „Marc Olivier! Wo bist du denn?!“
Gretchen und Marc verzogen beide genervt das Gesicht. Marc schrie noch: „Boah, ich komm ja schon, Mutter!“ und lief daraufhin zur Hollywoodschaukel. Auch Gretchen eilte ihm nach, nachdem sie einen Moment innerlich verharrte, um nicht wie ein Vulkan auszubrechen.


An der Hollywoodschaukel angekommen begutachteten beide Elke mit riesigen Augen – besonders ihren Schoß, auf dem ein riesiger Sektfleck zu sehen war. Auch Bärbel und Franz stießen hinzu, als Gretchen nur sarkastisch meinte und dabei lachen musste: „Da ist wohl jemand reif für die Windel... Ich könnte ja ein Bild mit meinem Handy machen und die sogenannte ‚Erfolgsautorin‘ in ein ganz anderes Licht rücken...“
Marc schaute nur erbost zu Gretchen hinüber und meinte: „Das hier ist immer noch meine Mutter, Hasenzahn!“
Gretchen scherzend: „Tja, manchmal muss man seine Eltern eben ins Altersheim bringen, auch, wenn es einem schwer fällt. Aber wenn es an der Zeit ist...“
Marc legte nur den Ameisenblick auf, woraufhin sich Gretchen sofort zur Seite drehte und sich von ihm abwandte.

Nun mischte sich auch Bärbel ein: „Aber Herr Dr. Meier, das Altersheim ist doch nicht schlimm. Ich habe ja gehört, dass man dort rundum versorgt wird und da müssen nicht einmal Sie die Windeln wechseln, sondern es gibt extra Pflegekräfte, die das übernehmen...“
Nun platzte Marc innerlich die Hutschnur. Er schnaufte ganz tief durch die Nase aus, wie ein Stier vor dem Angriff. Gretchen war dies merklich unangenehm und sie versuchte sich erneut zu verteidigen: „Marc, bitte! Jetzt reg‘ dich doch nicht gleich so auf! Du machst auch immer Witze auf Kosten anderer...“

Marc wütend: „Ja, aber ich darf das auch! Und Mutter, wir gehen jetzt!“
Marc versuchte mühselig seine Mutter aufrecht hinzustellen, was von den drei anderen nur kritisch beäugt wurde. Als Elke endlich aufrecht stand, legte er ihren Arm um seinen Hals, um so langsam mit ihr zu seinem Wagen gehen zu können. Gretchen hingegen verdrehte genervt die Augen und schaute ihre Eltern nur an. Bärbel war sichtlich glücklich, dass sie es Elke endlich auf ihre Weise heimzahlen konnte, auch, wenn die wahrscheinlich nichts davon mitbekommen hat. Franz hingegen war nur irritiert.

Als die beiden schon am Gartentor angekommen waren, fasste Gretchen den Entschluss ihm noch hinterherzurennen. Dies war nicht schwer, denn schnell waren beide auch schon eingeholt.
Gretchen flehend: „Marc, warum haust du denn jetzt so schnell wieder ab?“
Doch Marc war sichtlich gekränkt. Und so lief sie den beiden hinterher, um sich von ihm eine Antwort zu erhoffen, doch er blieb still, kramte nur mit der anderen Hand den Autoschlüssel aus der Lederhose, während Gretchen ihm im blauen Samtkleid und auf hohen Hacken lautstark folgte.

Am Wagen angekommen schleifte er seine Mutter zur Beifahrertür, versuchte sie vorsichtig in den Sitz zu setzen, jedoch schlug sie sich ihren Kopf leicht an. Gretchen stand auf dem Bordstein auf der Fahrerseite und wartete sichtlich geknickt darauf, dass Marc endlich an die Fahrertür kommen würde. Doch das dauerte, denn der leichte Schlag tat Elke wohl nicht sonderlich gut, denn diese musste sich sofort übergeben und zwar direkt auf Marcs Kleidung.
Gretchen nervös: „Kann ich irgendwie helfen, Marc?!“

Doch auch dieses Mal bekam sie keine Antwort. Und so stampfte sie entschlossen zum Wagen hin, riss die Fahrertüre auf und setzte sich demonstrativ auf den Fahrersitz. Marc, der sich unterdessen mit einem Taschentuch säuberte, ging in die Hocke, schaute an Elke, die im Sitz hing, vorbei und direkt Gretchen an.
Marc verwundert: „Äh, Hasenzahn?! Was machst du da?“
Gretchen selbstbewusst: „Ich warte, Marc...“
Marc lachend: „Äh, ja. Und worauf denn? Dass du endlich Autofahren lernst?! Ich glaube DAS lernst du in diesem Leben wohl nicht mehr...“
Gretchen zeigte entrüstet auf ihn: „Da, siehst du!“
Marc schaute an sich hinunter: „Äh, ja! DAS ist Kotze!“
Gretchen betrübt: „Nein, ich meine doch, dass du jeden beleidigen darfst, aber wenn man mal einen Scherz über dich oder deine Mutter macht, dann flippst du immer sofort aus!“
Marc erzürnt und auffordernd: „ICH flippe gar nicht aus! Und jetzt raus aus meinem Wagen, Hasenzahn!“
Gretchen rebellisch: „Sonst was, Marc?!“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=iWU4DKzlGzw; "Joachim Heinrich • Lost in you (Cinematic Music - Piano) [HD]" © by Joachim Heinrich, YouTubeDE; aufgerufen am 09.08.2014 um 22:54




Marc richtete sich auf, schlug die Beifahrertür zu, ging vorne ums Auto herum, blickte dabei ständig durch die Windschutzscheibe hindurch und Gretchen direkt in die Augen. Er näherte sich der offenen Fahrertür und ging erneut in die Hocke, um Gretchen direkt ansprechen zu können.

Marc sanft: „Ich weiß manchmal wirklich nicht, was du dir alles so in deinem kleinen, süßen Köpfchen vorstellst, aber es ist einfach viel zu viel...“
Gretchen schmollend: „Es bist doch nur du, Marc... Da ist niemand anders in meinem Kopf. Nur du... Gut, außer vielleicht noch die Schokolade. Dafür hat die aber kein VIP-Ticket in mein Herz hinein.“
Marc lächelte sie an, erhob sich wieder und meinte: „So, jetzt aber raus mit dir. Ich muss meine Mutter nach Hause bringen. Nicht, dass die mir noch meinen schönen Wagen vollkotzt...“
Gretchen stieg langsam wieder auf, stellte sich vor ihn hin und fragte noch: „Bin ich denn nicht schön?! Und wann sehen wir uns wieder?“

Marc flüsterte ihr zu „Du bist die Schönste hier, Hasenzahn! Und wir sehen uns ganz bald wieder...“.
Daraufhin setzte er sich ins Auto, schmiss auch seine Tür zu, ließ den Motor an, blickte noch einmal zu Gretchen hinaus, um dann wegzufahren.
Gretchen blieb noch eine Weile stehen, beobachtete den davonbrausenden Wagen und ging dann langsam wieder zurück.





Zur gleichen Zeit in der Pathologie:


Gabi betrat gerade die Pathologie, die einsamer und verlassener denn je zuvor schien. Nur die automatische Tür, die aufging, als sie den Bewegungsmelder erreicht hatte, gab ein leises Geräusch von sich. Ansonsten blickte sie den dunklen Gang hinunter. Schnell machte sie Licht an, doch es war dennoch dunkel dort unten. Schwester Gabi hatte Nachtschicht und musste einen Toten aus der Chirurgie in die Patho bringen. Sie durfte nach ihrem Selbstmordversuch noch immer keine Patienten betreuen und wurde somit mit derartigen Aufgaben überhäuft.



(Empfehlung: Lautstärke reduzieren, sonst kann es einen doch ganz schön gruseln.)

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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=ER35bOQsLN0; "HORROR MUSIK 2" © by SuperCryssi, YouTubeDE; aufgerufen am 06.08.2014 um 20:04




Gabi flüsterte erbost vor sich hin: „Immer darf ich das machen! Immer nur ich! Und Sabine hat sich auch schon lange nicht mehr blicken lassen und dabei hat die doch auch Nachtschicht... Hätte ich den Toten doch bloß oben gelassen und das jemand anders machen lassen... Moment einmal, Gabi! Sollte mir das hier unten wirklich Angst machen, nur weil es hier ein bisschen unheimlich ist...?!“
Daraufhin stoppte sie, schaute sich zögerlich um, um dann noch vor sich hinmurmelnd zu betonen: „Ein bisschen SEHR unheimlich!“

Ihr war merklich unwohl dabei den Toten den langen, dunklen Gang, der nur durch ein paar Lichter stückchenweise erhellt war, hinunter zu schieben.
Gabi mit zittriger Stimme: „Dr. Gummersbach! Sind Sie hier irgendwo? Ich habe einen Gast für Sie mitgebracht...“
Immer wieder schaute sie sich um, um auch ja sicherzugehen, dass da keiner war außer denen, die sie auch erreichen wollte.

Als sie den großen Kühlraum erreicht hatte, ging sie vom hinteren Ende des Bettes, das sie bisher geschoben hatte, ans vordere Ende, sodass sie nun das Bett mit dem Rücken zum Kühlraum hin hineinschieben konnte. Langsam öffnete sie die Schiebetür, jedoch nicht ganz, sondern nur so weit, dass gerade noch das Bett durch passte und knipste auf den Lichtschalter links von ihr.
Das Bett war nun zwischen Tür und Angel und stand halb auf dem Gang und halb im Kühlraum, als sich Gabi umdrehte und sie für einen kurzen Moment erstarrte, als sie dort in der Mitte des Kühlraumes direkt vor den Kühlfächern, in denen die Leichname liegen und gekühlt werden, eine Person auf einem Stuhl sitzen saß.
Langsam näherte sie sich der Person und mit jedem weiteren Schritt, den sie auf die Person zutat, die mit dem Rücken zu ihr im Stuhl hing, stellte sie fest, dass ihr diese Person nicht unbekannt war. Ängstlich und mit zittriger Stimme meinte sie nur ganz leise „Ohhhhhh... mein...Gott!!!“, während sie sich langsam vortastete.

Und es war wirklich keine Unbekannte: es war Schwester Sabine.
Und im gleichen Moment, als sie das realisierte, schrie sie auch schon laut „Ahhhhhhhhhhhhhhhhhhh“ auf, fuchtelte hektisch mit beiden Händen wildumher, drehte sich schnurstracks wieder um und wollte nur noch wegrennen.
Dabei war sie so schnell geworden, dass sie das Bett, das sie eben noch mitten in der Tür hatte stehen lassen, nicht mehr rechtzeitig bemerkte und unmittelbar daraufhin voll dagegen rannte. Sie war so schnell geworden, dass sie über das Bettende mehr oder weniger hinüber katapultiert wurde und letztlich direkt auf dem Toten landete. Auch das Laken, das ihn bedeckte, rutschte leicht zur Seite und so schaute ihm Gabi, auf ihm liegend, direkt in die Augen, was sie in eine komplette Schockstarre versetzte.
Kreidebleich, mit entsetztem, starrem Blick, lag sie nun da und streckte alle Viere von sich, während sie am ganzen Körper zu zittern begann.

Und so lag sie eine Weile da und konnte sich kein Stück bewegen. Doch die Schockstarre wurde schneller wieder gelöst, als ihr lieb war, denn Sabine versetzte sie in eine zweite, noch heftigere. Diese hatte sich nämlich in der Zwischenzeit dem Bett mit den beiden Insassen genährt und meinte nur nett lächelnd „Gabi! Was machst DU denn da?!“
Daraufhin drehte Gabi ganz – äußerst – langsam ihren Kopf nach hinten, da sie noch immer völlig unter Schock stand, und sah Sabine verschwommen im Blickwinkel dastehen: Lächelnd, während hinter ihr der Raum hellerleuchtet war und sie somit von hellstem Glanz umhüllt war, während sie eher wie ein Schatten im Licht wirkte, der jedoch ein Gesicht hatte – und zwar Sabines Gesicht.

Diese ‚Erscheinung‘ veranlasste Gabi zu einem erneuten, eher eingeschüchterten, leiseren und schnellausgerufenen „Ahh!“, das nur wenige Sekunden später von einem hysterischen und mehr als nur lauten „Ahhhhhhhhh!!!“ übertrumpft wurde. Und während sie erneut schrie, sodass es wohl alle im gesamten EKH mitbekamen, sprang sie urplötzlich auf und wollte erneut fliehen, fiel jedoch vom Bett heraus auf den Boden und rief nun nur noch ein schmerzerfülltes „Ohhh...“ aus.
Ein Schock fürs Leben, völlig zerzauste Haare, eine an der Bettkante aufgerissene Hose und ein schmerzendes Knie waren die Folgen des Ausfluges in die Pathologie für Gabi an diesem Tag.





Im Hause Haase:


Gretchen war unterdessen reingegangen, vorbei an Franz, der schon auf der Couch vor sich hin döste, hoch ins Bad, um sich abzuschminken. Dort traf sie auf Bärbel, die gerade ihr ganzes Putzzeug zusammensuchte, um sich noch zu später Stunde an die Arbeit zu machen.

Gretchen: „Du möchtest jetzt noch putzen? Mama! Es ist bald drei Uhr nachts...“
Bärbel, die auf dem Boden herumkroch und in allen Schränken herumwühlte: „Ja, ich weiß doch, Gretchen! Mein Zeitplan sah ja auch vor, dass um zwei Uhr die letzten Gäste verabschiedet sind...“

Gretchen setzte sich auf den Badewannenrand und beobachtete ihre Mutter, die alle Schränke nach und nach aufriss.
Bärbel: „Sag mal, Gretchen... Hast du den Glasreiniger gesehen?“
Gretchen verblüfft: „Du fragst gar nicht, wo Marc geblieben ist?!“

Bärbel schaute ihr zum ersten Mal ins Gesicht und meinte: „Ach Kindchen, ich sehe doch, dass er nicht da ist. Und zudem siehst du aus wie sieben Tage Regenwetter. Da muss ich doch nicht weiternachfragen, mein kleines Dummerchen...“
Gretchen den Tränen nahe: „Weißt du, ich verstehe einfach nicht, warum er so eine riesengroße Bindungsangst hat. Ich könnte ihm alles zu Füßen legen und er würde immer irgendwann abblocken.“

Bärbel sah ihre Tochter an, wie sehr sie sich doch einen anderen Ausgang des Abends gewünscht hätte. Sie stand beschwerlich auf, da ihr vom langen Stehen alle Knochen wehtaten und setzte sich neben ihre Tochter auf den Badewannenrand und nahm sie in den Arm.
Bärbel zusprechend: „Ach Gretchen, vergiss ihn einfach. Er wird sich nicht ändern...“

Gretchen drückte ihre Mutter beiseite, da sie so eine Antwort nicht hören wollte.



...Wie soll ich ihn denn vergessen? Ich hoffe seit meiner Schulzeit darauf, dass er mich endlich zu seiner Königin macht!...



Und während sie das noch dachte, rief ihre Mutter auch schon freudestrahlend: „Ach, da ist er ja!“
Gretchen wandte sich ihr fragenden Blickes zu und sie deutete auf die Fensterbank. Genervt musste sie feststellen, dass es um den Glasreiniger ging.
Gretchen: „Das ist jetzt nicht dein Ernst, Mutter! Ich offenbare dir hier meine innersten und intimsten Geheimnisse und du... du kannst dich nur über deinen Glasreiniger freuen!“
Bärbel freudestrahlend: „Ja, da siehst du mal, Margarete! Der Glasreiniger erfüllt immer seinen Zweck, betrügt uns nicht, ist immer da und verlässt uns nicht oder hat Angst vor uns. Eigentlich der perfekte Mann...“
Gretchen kam nur ein äußerst gereiztes „Oh!“ über die Lippen, als sie aufstand, um sich im Spiegel zu betrachten. Doch sie musste feststellen, dass dort, wo bisher immer einer hing, nun keiner mehr war.

Gretchen irritiert: „Wo ist denn unser Spiegel?!“
Bärbel, die nicht zugeben wollte, dass sie ihn in ihrer Wut auf Franz und Enttäuschung selbst zerstört hatte, fing nur stotternd an: „Ach, der! Ja... also der war so dreckig, dass ich ihn lieber entsorgt habe...“
Gretchen drehte sich ihr zu: „Dreckig?!“
Bärbel mit gespieltem Lächeln: „Jaaa...“
Gretchen hob die Augenbrauen und wusste, dass sie gelogen hatte und meinte nur abfällig im Gehen: „Und ich dachte der Glasreiniger erfüllt IMMER seinen Zweck...“
Und so ließ sie Bärbel alleine zurück im Bad, die sichtlich geknickt nun nicht mehr nach dem Glasreiniger griff.





Währenddessen in der Pathologie:


„Aua, mein Kopf!“ rief Gabi, als sie sich langsam vom Boden erhob und sich schmerzerfüllt an die Stirn fasste.
Nun war auch Sabine vollends entsetzt, als sie den Toten im Bett sah und ihm direkt ins Gesicht blickte, während sich Gabi hinter dem Bettende taumelnd aufraffte.
Sabine sprach ganz langsam, während Gabis Pupillen Achterbahn fuhren und sie sich die völlig zerzausten Haare zurechtmachte: „Ist... der... tot?!“

Gabi brauchte eine Sekunde, um zu realisieren, dass es tatsächlich Sabine und kein Zombie war. Dementsprechend wütend fuchtelte sie erneut mit beiden Händen wild in der Gegend herum und schrie: „BIST DU DENN VÖLLIG BESCHEUERT?! Ich wäre hier fast gestorben vor Angst!!!“
Sabine nüchtern: „Ohhh... Entschuldigung...“

Gabi schaute ihr wütend tief in die Augen, doch Sabine konnte nur lächeln und legte wie ein kleines Schulmädchen, das etwas falsch gemacht hat, die Hände vor dem Schoß zusammen.
Gabi stöhnend vor Schmerz und Schock: „Was machst du denn hier alleine im Dunkeln bei all den Toten?!“

Sabine schaute gen Decke mit einem breiten Grinsen im Gesicht und wollte Gabi nüchtern den Hergang erklären, indem sie meinte: „Ich warte... und muss dabei eingenickt sein. Und dann hörte ich gaaanz urplötzlich so ein lautes ‚Ahhh‘ und dann bin ich aufgewacht, weil ich dachte, dass einer der Toten...“
Doch Gabi hörte schon gar nicht mehr zu, da sich ihr im rechten Blickwinkel ein Schatten näherte. Langsam drehte sie sich hinüber und sah, wie sich der Schatten auf dem Boden auf sie zubewegte und immer größer wurde. Und abermals entglitten ihr alle Geschichtszüge und sie schrie wieder laut auf: „Ahhhhh!!! Ein Zoooooombie!!! Hilfeee! Ahhhhhh!“ und versteckte sich schleunigst hinter der nächsten Wandeinkerbung, während Sabine immer noch an die Decke schaute und nüchtern darauf reagierte: „Nein, ein Zombie war es, glaube ich, nicht...“
Und dort in der Wandeinkerbung stand sie, zitterte und bibberte am ganzen Körper. Die Zähne biss sie auf die Unterlippe vor lauter Angst, bis sie Sabines Stimme vernahm: „Ohh... Dr. Gummersbach... Ich...“

Ein riesiger Stein fiel ihr vom Herzen. Kurz atmete sie tief durch, kam aus der Einkerbe wütenden Blickes hervor, trat vor beide und schrie nur: „DAS glaube ich jetzt nicht! Das ist doch ein Irrenhaus hier! Was schleichen Sie sich so heimlich an?!“
Sabine und Günni blickten sich beide abwechselnd an, um dann gemeinsam zu fragen: „Ich?!“
Gabi wütend: „Ja, ihr beide! Ihr seid doch nicht normal!“
Günni: „Nun ja, Schwester Gabi. Ich bin Pathologe. Es gehört zu meiner Arbeit in der Pathologie zu sein. Aber was Schwester Sabine hier möchte, ist mir unerklärlich.“
Sabine schüchtern: „Ich, wollte... also eigentlich... ich habe... Dr. Gummersbach... ich... also...“

Gabi schreiend: „Meine Fresse, sag‘ es doch einfach Sabine!“
Sabine: „Jaaa, Gabi. Du hast ja recht! Ich habe Ihnen ein Brot gemacht, Herr Dr. Gummersbach... damit Sie hier nicht vom Fleisch fallen...“
Günni höchst erfreut: „Oh, da ist aber sehr...“
Doch nun unterbrach Gabi, die sich das Leiden nicht länger mit ansehen wollte: „...das ist sehr bescheuert! Jaaha, allerdings! Kein Idiot würde hier wegen eines blöden Brotes im Dunkeln auf einem Stuhl zwischen all den Leichen hocken wollen! Sie wollte eigentlich sagen, dass sie den Fick mit Ihnen mehr als nur gut fand und sie eigentlich gerne weiterhin mit Ihnen ficken möchte...! Und tut mir einen Gefallen und reißt euch endlich mal zusammen! Das hier ist doch kein Kindergarten...“
Sabine unterbricht empört: „Also Gabi!!!“
Gabi genervt: „Was ist denn, Sabine?! Das ist doch die Wahrheit! Und wenn ihr beiden zu blöd seid eine Beziehung miteinander zu führen, dann heißt das noch lange nicht, dass ihr hier unschuldige Krankenschwestern zu Tode erschrecken dürft! Und jetzt gehe ich und werde diese scheiß Patho nie mehr wieder betreten! NIE MEHR WIEDER!!!“

Wütend stampfte Gabi davon, wusch sich im Gehen noch den Angstschweiß aus ihrem Gesicht und ließ Sabine und Günni ratlos zurück.




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Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=E-Z7bHOPyY0; "i Corti di Ula" © by Pataterna, YouTubeDE; aufgerufen am 28.08.2014 um 10:27




Sabine peinlich berührt: „Das... das tut mir jetzt aber leid, Doktor Gummersbach...“, als Gabi vom Ende des Flures und kurz vor dem Ausgang noch zurückschrei: „Und duzt euch gefälligst wieder! Ihr habt schließlich schon miteinander gefickt!!!“
Sabine war es erneut sehr peinlich und so drehte sie sich kurz zur Seite, als ihr ein Licht aufging: „Woher weiß denn Gabi, dass wir miteinander...???“
Günni in Erklärungsnot: „Nun ja, ich habe Schwester Gabi darüber unterrichtet. Sie sollte doch helfen uns wieder zusammenzubringen. Schwester Gabi ist doch Ihre... ich meine... deine Freundin, Schwester Sabine... also ich meine nur Sabine...“

Sabine wusste nicht, woran es genau lag, jedoch stiegen ihr die Tränen hoch. Sie ging zum Stuhl in der Mitte zurück, nahm das für Günni gemachte Brot und eilte wieder zurück. Und so versuchte sie sich zwischen Bett und Türrahmen durchzuquetschen, was ihr aber nicht gelang. Günni half ihr daher, da sie sich sichtlich abmühte, und schob die schwere Tür ein Stückchen weiter auf, sodass sie endlich durchkam. Weinend drückte sie ihm das Brot in die Hand und flüchtete wie Gabi zuvor aus der Patho.





In Marcs Wohnung:


Marc hatte in der Zwischenzeit seine Mutter mühsam in seine Wohnung gebracht. Korrekterweise müsste man wohl eher ‚geschleift‘ sagen. Und doch kümmerte er sich liebevoll um sie. Er zog ihr eine seiner Hosen und eines seiner T-Shirts an, legte sie auf seine Couch und deckte sie zu, denn Elke war bereits in einen Tiefschlaf verfallen.
Und doch sah er noch immer Gretchen vor Augen...





In Gretchens Zimmer:


Gretchen war unterdessen vollends schlecht gelaunt nach dem Gespräch mit ihrer Mutter, als sie die Tür zu ihrem Zimmer öffnete und dort Gigi in ihrem Bett sitzen sah.
Gretchen verwundert: „Gigi?! Was machst du denn da? Und warum liegen denn überall Erdnussflips in meinem Bett?“
Gigi saß wirklich in einem Meer von Erdnussflips.
Gigi verheult: „Was hätte ich denn sonst mit dem heutigen Abend anstellen sollen? Du hast da deinen Marc und hast mit ihm getanzt, während ich am Buffet stand und... und... und...“

Gigi begann zu heulen und die Tränen schossen ihr wie ein Wasserfall die Wangen herunter. Gretchen hingegen verstand die Welt nicht mehr. Drei betrübte Frauen in einem Haus?!



...Eigentlich sollte jetzt Marc da sitzen und wir sollten eine wunderschöne Nacht verbringen...



Gretchen ging auf sie zu, nahm die sitzende Gigi im Stehen in den Arm und fragte sich, ob sie nicht doch in einem falschen Film war.
Gretchen fürsorglich: „Was ist denn nur passiert?!“
Gigi unter Tränen: „Ach weißt du, da war der Mehdi Kaan und ich... ich bin dann geflüchtet...“



Wenige Stunden zuvor am Buffet: Gigi stand also mit einem Glas Sekt in der Hand am Buffet und schob sich nach und nach das Fingerfood in den Mund, während sich die Putzfrau immer wieder anschlich und versuchte Gigi das Glas aus der Hand zu reißen.
Gigi mit vollem Mund: „Das ist MEIN Glas! Lassen Sie mich in Ruhe!“
Putzfrau: „Ach kommen Sie, Kindchen. Sie sollten nicht so viel trinken...“
Gigi: „Aber das ist MEIN Glas und auch erst das Erste!“
Putzfrau: „Jetzt geben Sie doch her...“
Gigi: „Nein!“




Gigi lag weinend in Gretchens Armen, nachdem diese sich neben sie aufs Bett gesetzt hatte.
Gretchen: „Und mich wollte die alte Schabracke zuerst gar nicht rein lassen! Was ist dann passiert?!“
Gigi: „Na und dann habe ich mir weitere Häppchen reingestopft...“
Gretchen verwundert: „Und was hat das jetzt mit Mehdi zu tun?!“
Gigi: „Ja der kommt jetzt:“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=RthLRd2l9eE; "Tom Jones-She's A Lady" © by
Corviniana, YouTubeDE; aufgerufen am 10.08.2014 um 15:35




Mehdi näherte sich ihr und begutachtete sie eine Weile, wie sie dort die Häppchen verschlang, als er sie ansprach: „Hallo, schöne Frau! So alleine am Buffet?!“
Gigi scherzend: „Ne, die Putzfrau war gerade eben noch da und wollte mir mein Glas steh...



Gigi blickte Gretchen mit riesigen Augen an: „Und dann wusste ich es! Die Stimme kam mir so bekannt vor. Ich drehte mich also um und musste geschockt feststellen, dass er das war! Ich sagte dann nur wie versteinert ‚Hallo‘ und dann habe ich ihn ein bisschen angespuckt, weil ich ja noch einen vollen Mund hatte.“
Gretchen amüsiert: „Du hast ihn angespuckt?!“
Gigi begann erneut zu heulen: „Du glaubst gar nicht, wie peinlich mir das war! Ja und dann sagte ich:“



Mehdi wischte sich die Überreste von seinem Hemd, während Gigi rotanlief und sich wieder zum Buffet umdrehte, als ihr dann eine Erklärung einfiel: „Oh, das tut mir jetzt aber wahnsinnig leid! Aber wissen Sie, ich bin erst seit kurzem wieder aus Afrika zurück und dann muss ich einfach zugreifen... Wissen Sie, in Afrika gibt es doch nicht so viel zu essen...“
Mehdi verblüfft: „Sie waren also doch in Afrika?! Gretchen erzählte Sie wären sofort wieder nach London zurück.“
Nun stand Gigi also vor dem attraktiven Mehdi und musste zugeben, dass sie gelogen hatte – oder doch nicht?!
Gigi: „Ach ja, das Gretchen! Sie wissen doch, manchmal ist sie ja wirklich neben der Kappe. Sie dachte sogar eine ganze Zeit lang, dass sie verrückt wäre. Also sie wissen schon...“
Gigi wischte vor ihrem Gesicht herum, während Mehdi sie nur fragend anstarrte.
Gigi: „...na depressiv, weil sie doch so übergewichtig ist und da hat sie auch schon immer alles falsch verstanden und durcheinandergebracht...“




Gretchen erbost: „Moooment einmal! Bist du verrückt, Gigi?! Du kannst Mehdi doch nicht erzählen, dass ich eine Verrückte bin!!!“
Gigi: „Ja, aber was hätte ich denn sonst sagen sollen? Ich hätte ja nicht sagen können: ‚Och, ich esse halt liebend gerne wie Gretchen auch und mir ist meine Figur vollkommen egal, auch wenn ich dadurch vielleicht nicht gut aussehe...‘“
Gretchen unterbrach sie wütend: „Gigi! Noch ein Wort und ich bringe dich um!“
Gigi wollte auch schon ausholen, da riss Gretchen die Augen weit auf und machte ihr durch einen Fingerzeig verständlich, dass sie besser den Mund halten solle.

Gretchen irritiert: „Ja und deswegen heulst du jetzt, oder was? Da hätte ich aber eher Grund zum Heulen!“
Gigi schluchzend: „Ja nein! Es geht ja noch weiter...“
Gretchen flehend: „Och nein! Muss das sein?!“
Gigi schluchzend: „Und dann kam da diese Ärztin, die auch bei euch im Krankenhaus arbeitet, daher. Hassmann hieß sie, glaube ich:“



Auch Maria wollte Gigi das Glas aus der Hand nehmen, woraufhin Mehdi nur meinte: „Frau Dr. Hassmann! Sie sind ja völlig betrunken... Sie sind schwanger, Herr Gott nochmal! Das ist nicht gut fürs Kind!“



Gretchen unterbrach: „Wie? Die Hassmann ist schwanger? Jetzt wird mir so einiges klar: Deshalb war die immer noch schlechter gelaunt als sonst eh schon...“
Gigi: „Ja nein, eben nicht!“
Gretchen: „Wie jetzt?!“



Maria meinte nur lallend und völlig besoffen: „Sie sind auch nicht auf dem neusten Stand, oder Kaan? Ich hab’s verloren... Was soll’s?! Heute wird gefeiert!“



Gretchen entsetzt: „Ja und dann?“
Gigi: „Dann ging Mehdi zu ihr hin und packte sie an beiden Armen, sie riss sich wieder los und schlug mir dabei das Sektglas aus der Hand und der ganze Sekt landete in meinem Gesicht. Mein Make-up verlief und ich sah aus wie ein Monster in einem Horrorfilm. Ich wollte zwar noch ausweichen, weil sie noch weiter herumfuchtelte und ich ja ihre Hand schon auf mich zukommen sah, aber dann bin ich gestolpert und rückwärts in Buffet gekracht. Ich sah aus, Gretchen! Mir war das sooo unbeschreiblich peinlich und die Alte hat einfach nur gelacht. Statt dass er sich um mich gekümmert hätte ist er mit ihr weggegangen. Und ich lag da im Buffet, alle glotzten mich bloß blöd an und dann bin ich heulend auf dein Zimmer geflüchtet. Seither verstecke ich mich hier drin...“

Gretchen und Gigi redeten, ohne es zu bemerken, aneinander vorbei.

Gretchen fassungslos: „Wie schrecklich! Das habe ich ja gar nicht mitbekommen...“
Gigi heulend: „Zum Glück. Das war auch sooo peinlich!“
Gretchen den Tränen nahe: „Wie es ihr wohl gegangen sein muss...“
Gigi heulend: „Nicht gut, Gretchen. Nicht gut! Das war so eine Demütigung!“
Gretchen geschockt: „Aber dafür kann doch sie nichts. Sie hat sich ja auch gar nichts anmerken lassen... Und sie war doch so gut gelaunt, bevor es losging...“
Gigi schluchzend: „Ja, ich hatte wirklich gehofft, dass es eine tolle Party wird. Und dann lande ich da im Buffet. Aber was hätte ich denn tun sollen? Schreien sollen: ‚Hey, seht mal! Ich liege hier!‘ Natürlich habe ich mir nichts anmerken lassen... Es war ja schon peinlich genug...“


Gretchen bemerkte allerdings nun, dass Gigi nicht von Maria sprach, schaute fassungslos zu ihr hinüber, die derweil Gretchens Bettdecke als Taschentuch nutze.
Gretchen entsetzt: „Entschuldigung! Aber Maria hat ihr Kind verloren!“
Gigi blickte zu ihr hinüber und sah, wie entsetzt Gretchen sie doch anblickte. Sie wusste, dass sie sich verteidigen musste.
Gigi ernst: „Und ich meine Würde!“
Gretchen verständnislos: „Oh... eine Runde Mitleid für dich, Gigi. Wirklich wahr! Da verliert eine Frau ihr Kind und du??? Du denkst nur an dich und wie du im Buffet gelandet bist?!“
Gigi konternd: „Tja, es freut sich halt nicht jeder so wie du übers Essen. Und nicht jeder möchte darin baden, so wie du ja wohl anscheinend...“
Gretchen empört: „Nimm das sofort zurück, Gigi!“

Beide schauten sich mit einem bitterbösen Blick, den aber beide nicht so wirklich ernst meinten, sondern einfach nur spielten. Und so schauten sie sich beide an, bis Gigi feststellte: „Sag‘ mal, was machst du denn eigentlich hier?! Solltest du nicht bei deinem Marc sein?!“
Nun begann auch Gretchen zu heulen: „Ach Gigi, der hat seine Mutter nachhause gebracht. Die hat sich richtig voll laufen lassen und sich in unserer Hollywoodschaukel eingenässt... Und jetzt kümmert er sich um sie...“
Gigi erstaunt und schwärmend: „NEIN! Ist DAS süüüüß! Er kümmert sich um seine alte, pflegebedürftige Mutter und nimmt sie sogar noch auf Partys mit. Vielleicht ist er ja doch nicht so schlecht, wie ich immer dachte...“
Gretchen schluchzend: „Ja... er ist wirklich süß...“
Gigi anhimmelnd: „Schön, wenn Söhne ihre Mütter nicht im Altersheim versauern lassen, sondern ihnen noch das Leben zeigen...“
Gretchen nickte nur unter Tränen und Gigi reichte ihr die Taschentuchbox. Das Blatt hatte sich gewendet: Nun kam sich Gigi wie im falschen Film vor.

Gigi verwundert: „Ja, und warum bist du dann nicht bei ihm?!“
Gretchen: „Er ging einfach...“
Gigi stupste sie an: „Aber Gretchen! Das ist doch DAS Zeichen!!!“
Gretchen verheult und irritiert zugleich: „Welches Zeichen denn?“
Gigi euphorisch: „Na, dass er dich bei sich haben möchte!“
Gretchen: „Meinst du?!“
Gigi: „Das weiß ich, Mausi! Er möchte, dass du zu ihm kommst...“
Gretchen verwirrt: „Aber das hätte er doch sagen können...“

Gigi erklärend: „Aber Mausi, der hat eine sehr schwache, alte und wahrscheinlich höchstgradig pflegebedürftige Mutter. Er möchte dich nicht auch noch damit belasten. Er will einfach nicht, dass du zu viel für ihn machst, weil er denkt, dass du ihm mit seiner Mutter nur aus Mitleid hilfst...“
Gretchen nachdenklich: „Aber... ich...“
Gigi unterbricht: „Ist sie denn ein schwerer Fall?!“
Gretchen nickend: „Ja, ein ganz harter Brocken!“
Gigi allwissend: „Ja, also, Mausi! Da hast du es doch! Und trotzdem bringt er sie auf die Party mit. Ich meine, Menschen mit der höchsten Pflegestufe sind nie leicht zu betreuen. Deshalb will er dich doch lieber entlasten! Also geh‘ zu ihm hin und hilf ihm. Gemeinsam könnt ihr dann beginnen und du zeigst ihm damit, dass du auch für seine Mutter da bist... egal, welche Scheiße du wegräumen musst...“
Gretchen nachdenklich: „Stimmt! Die ‚Dr. Rogelt‘-Romane müssen wirklich weg! Aber das war Kotze, keine Scheiße vorhin...“
Gigi: „Ist ja auch egal... Nur, worauf wartest du noch? Fahr zu ihm und kümmere dich um ihn und seine kranke, alte Mutter! Los!“
Gretchen sprang vom Bett auf, umarmte Gigi und dankte ihr für ihre Hilfe. Als Gretchen zur Tür hinausrannte fragte sie noch „Du kommst zurecht?“, woraufhin Gigi betonte: „Aber sicher doch! Ich habe mir ja schließlich die ganzen Erdnussflips unter den Nagel gerissen!“





In Mehdis Wohnung:


Mehdi hatte sich ebenfalls um eine Betrunkene gekümmert: Maria, die ihm zuvor noch einfach so mitteilte, dass sie ihr Kind verloren habe. Und so hatte er sie zu sich nachhause gebracht und, ebenso wie Marc seine Mutter, auf seine Couch gelegt. Maria fiel ebenfalls sofort in einen Tiefschlaf und Mehdi setzte sich, nachdem er sie zugedeckt hatte, neben sie.
Von dort aus blickte er auf seinen Schrank, in dessen Regal die Polaroids lagen, auf denen Gretchen zu sehen war. Langsam näherte er sich diesen, nahm sie in die Hand und betrachtete sie eine ganze Weile lang. Wehmütig und traurig packte er sie anschließend in eine dunklen Schublade, in der sie wohl für immer verschwinden sollten...





Auf der Damentoilette des Krankenhauses:


Gabi stand vor dem Spiegel und richtete sich die Haare, als Sabine langsam und unsicher hereintrat. Das verweinte Gesicht konnte Gabi schon im Spiegel genau erkennen, als sie die Tür öffnete. Sabine blieb jedoch in der Türe stehen. Gabi band noch schnell ihre Haare zu einem Zopf zusammen, drehte sich um und schaute sie mitleidig an.
Gabi: „Ach komm schon, Sabine! Das musste einfach mal gesagt werden...“
Sabine wollte sich ebenfalls äußern, trat deshalb einen Schritt herein, sodass die Tür hinter ihr zufiel: „Ich... aber...“
Gabi fordernd: „Stopp! Jetzt rede ich! Dass ihr zwei zusammenpasst, das hat selbst der Tote gesehen...“ und flüsterte hinzu: „gut, vielleicht nur in den paar Sekunden, in denen er nicht mich vor dem Gesicht hatte... Boah, mir wird jetzt noch schlecht, wenn ich nur an dieses ausdruckslose, weiße, kalte Gesicht denke und diese abscheulichen, leeren Augen vor mir sehe...“ und drehte sich mit einem Brechreiz ringend wieder dem Spiegel und dem Waschbecken, auf das sie sich stützte, zu.

Sabine: „Aber Gabi, ich... Meinst du wirklich?!“
Sabine blickte in den Spiegel, um mit Gabis Spiegelbild Kontakt aufzunehmen, als diese wieder in den Spiegel schaute.
Gabi: „Das sieht man doch, Sabine!“ und wandte sich ihr wieder zu.
Sabine: „Du meinst also, dass wir wirklich ein Paar sein könnten?!“
Gabi: „Ja, Sabine! Du bist zwar komisch...“
Sabine unterbricht mit weitaufgerissenen Augen: „Oh... Entschuldigung...“
Gabi: „Dafür musst du dich nicht entschuldigen. Das Komische ist, dass ich dich deshalb sogar irgendwie richtig mag... Und dein Günni ist ja auch so... komisch...“
Sabine höchst erfreut: „Du magst mich?!“
Gabi nickte nur lächelnd und Sabine wollte sie schon umarmen, als Gabi meinte: „Ist schon gut, Sabine...“ und sie wieder zurückpfiff.
Sabine war in ihrer Euphorie kaum noch zu stoppen, drehte sich um und wollte schnellstmöglich zur Tür hinaus, um noch einmal mit Günni zu sprechen, was selbst Gabi ein kleines Lächeln ins Gesicht zauberte. Doch dann drehte sie sich um und meinte nur: „Ja, Gabi! Du hast recht! Ich mache es wie die Frau Doktor... Die hat endlich zum Herrn Doktor gefunden... Die planen sogar Kinder...“
Gabi verwirrt: „Du sprichst von Marc und...“
Sabine euphorisch: „Ja, der Frau Doktor Haase...“
Nun entglitten Gabi erneut alle Gesichtszüge, während ihr Sabine nur zulächelte. So zwang sie sich ein falsches Lächeln auf, wartete, bis Sabine die Toilette verlassen hatte und die Tür ins Schloss fiel, ehe sie sich umdrehte und in den Spiegel schaute. Ein bitterböser Blick war darin zu erkennen. So schaute sie sich ihr Spiegelbild eine Weile lang an, bis sie schließlich mit hasserfüllter Stimme langsam meinte: „Ich mache euch fertig!“





Vor Marcs Wohnung:


Gretchen fuhr mit ihrem Wagen umgehend zu Marcs Wohnung. Sie beeilte sich extrem, stellte den Wagen ab und rannte zu Marcs Tür. Es war dunkel, doch kaum hatte sie die Lichtschranke erreicht, ging auch schon das Licht an. Hastig ging sie vor der Eingangstür auf und ab und traute sich doch zuallererst nicht zu klingeln. Stattdessen überlegte sie im Gehen und bemerkte dabei gar nicht, wie Marc die Tür öffnete und ihr eine Weile dabei zuschaute, wie sie auf und ab ging und konzentriert auf den Boden starrte.



...Warum jetzt Zweifel? Hätte ich noch Schokolade essen sollen? Gigi hat recht! Wollte den Abend nicht alleine so beenden. Bin jetzt bei Marc. Soll ich doch lieber nicht klingeln? Vielleicht ist es gerade unpassend? Würde er mir öffnen? Seine Mutter ist da! Vielleicht trinken sie gerade zusammen Kaffee... nachts um drei Uhr... am Sonntag... nach einer Party... ja, warum auch nicht? Vielleicht wohl eher doch nicht! Zu besoffen war sie...
Oh Gott! Wie sehen denn überhaupt die Haare aus! Und das Make-up! Nicht, dass ich noch so schlimm wie Gigi aussehe...




Kaum hatte Gretchen ihren letzten Satz gedacht blickte sie zur Tür und zuckte entsetzt zusammen. Schnell strich sie sich noch durchs Haar...
Marc hingegen stand lässig in der Tür und lehnte sich an den Türrahmen an, während er Gretchen ein schelmisches Grinsen zuwarf.
Gretchen stotternd: „Ich... also ich wollte nach deiner Mutter sehen...“
Marc lässig: „Nach meiner Mutter? Nicht nach mir?!“
Gretchen: „Ja, nach deiner Mutter... ihr ging es ja sehr schlecht und du weißt schon... die Keime, die resistenten...“
Marc zynisch: „Hasenzahn! Was redest du da für einen gequirlten Scheiß?!“

Gretchen holte tief Luft und näherte sich ihm langsam.
Gretchen: „Marc, ich weiß doch auch nicht! Vorhin warst du noch so aggro und jetzt... Ich wusste einfach nicht, wie ich hier hätte auftreten sollen...“
Marc: „Äh, klingeln – Hallo – Ich: ‚Herein‘ – Du: ‚Sehr gerne, mein Gott!‘
Gretchen lächelnd: „Netter Versuch, Marc! Ich will aber nicht Gott, sondern dich!“
Marc erstaunt: „Du weißt, was du willst? Bist du dir sicher?!“
Gretchen: „Oh ja, mehr als je zuvor.“
Marc: „Und das wäre?“
Gretchen: „Vor allem Schokolade...“
Marc: „Vor allem?!“
Gretchen: „...aber besonders dich, Marc!“
Marc grinsend: „Das heißt du willst hereinkommen?“

Gretchen nickte ihn freundlich an und wollte sich auf den Weg in die Wohnung machen, doch vor lauter Herzpochen und enormer Aufregung übersah sie die Treppenstufe, vor der sie die ganze Zeit stand, stolperte und legte sich flach auf den Boden vor Marcs Tür.



...Autsch! Das war so definitiv nicht geplant... Liege da wie eine fette Robbe und komme womöglich auch nicht mehr hoch! Mist... alles gepflastert – im Erdboden versinken scheidet aus! Obwohl sehr naheliegende Möglichkeit, da ich nicht näher am Erdboden sein könnte...
Hoffentlich hat Marc das nicht gesehen! Zu peinlich!...




Gretchen blickte verstohlen nach oben und sah Marc noch immer im Türrahmen stehen mit einem noch breiteren Grinsen im Gesicht als noch zuvor.



...Muss feststellen: Marc hat es gesehen! Peinlich... muss mir wohl nun doch eine neue Identität zulegen... Vielleicht ‚Angela Merkel‘ oder noch besser: ‚Hillary Clinton‘! Ja, das passt gut! Hat auch blonde Haare – wie ich. Müsste sie aber abschneiden lassen. Doch nicht so gut!...



Marc, der ihr nun endlich die Hand reichte, sodass sie wieder aufstehen konnte, schaute sie nur fragend an...
Gretchen genervt: „Ja, was?! Du hättest mir auch eher aufhelfen können, Marc Meier! Das mit dem ‚charmant sein‘ müssen wir aber noch dringend üben!“
Marc zog seinen Arm wieder zurück, nachdem Gretchen gerade noch greifen wollte.
Und so musste sie sich selbst aufraffen. Doch das Image der fetten Robbe blieb...

Gretchen: „Entschuldigung?! Mich haut‘ es hier direkt vor deiner Tür hin und du hilfst mir nicht einmal?!“
Marc gelassen: „Hasenzahn, ich bin wie ich bin und das wirst auch du nie ändern können.“
Gretchen wischte sich den Staub von ihrem Kleid und meinte nur abgedroschen: „Ähm, bitte?! Nur weil ich jetzt gesagt habe, dass du ruhig ein bisschen charmanter sein könntest?“
Marc: „Dass du dann noch eifersüchtiger wirst?!“
Gretchen erhob ihr Haupt und starrte ihn an. Kurz sammelte sie sich, ehe sie hysterisch rief: „Ich bin NICHT eifersüchtig! Sei du froh, dass ich dich überhaupt noch haben will, Marc! Und nun sind wir so kurz davor, da könntest du mir auch aufhelfen...“
Marc unterbricht: „Ich wollte ja...“
Gretchen lachend: „Oh ja, bis ich dein Verhalten mal kurz in Frage gestellt habe...“
Marc genervt: „Boaaah, Hasenzahn! Wo liegt eigentlich dein Problem?“
Gretchen schmollend: „Es wäre deine ärztliche Pflicht gewesen Menschen, die sich verletzen, zu helfen...“
Marc lauter: „Boaah, Gretchen! Du hast dich ja noch nicht einmal verletzt! Ich habe den weichsten Fußabtreter aller Fußabtreter vor meiner Haustür liegen! Der ist weicher als mein Bett! Und du hast nirgendwo auch nur eine einzige Schramme!“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=xCZUd3AILtE; "Joachim Heinrich • Love poem (Cinematic Music | Piano&Cello) [HD]" © by Joachim Heinrich, YouTubeDE; aufgerufen am 07.08.2014 um 21:19




Gretchen drehte ihren Kopf leicht zur Seite und schaute gen Boden, als sie langsam und mit leiser Stimme ansetzte: „Es geht auch nicht um Schrammen, Marc...!“


Und selbst Marc erkannte, worauf sie hinauswollte. Nun hatte er auch kein Grinsen mehr im Gesicht. Schlagartig verließ er seine lässige Position am Türrahmen und ging ein paar Schritte auf Gretchen zu, legte seine linke Hand an ihre rechte Wange und drehte ihren Kopf langsam zu sich, sodass er ihr in die Augen schauen konnte. So verweilten sie einige Momente. Gretchen legte nun ihre Hand auf seine, die noch immer ihre Wange berührte und fing leise und sanft an zu fragen: „Warum fällt es dir nur so schwer eine Beziehung einzugehen? Warum flüchtest du immer?“
Marc nahm langsam und zart seine Hand weg und meinte nur stotternd: „Ich... ich... weiß es nicht“ und drehte sich um, um die Wohnung zu betreten.
Und als er langsam hinein schritt, wollte ihm Gretchen schnell folgen.



...Oh! Vorsicht! Nur nicht wieder stolpern...



Sie griff ihn am linken Oberarm, was ihm signalisierte, dass er doch bitte stehen bleiben möge, da sie ihm noch etwas zu sagen hat: „Marc, egal, wie lange du brauchst, ich warte! Ich habe 20 Jahre meines Lebens darauf gewartet. Auf die ein, zwei, drei Tage, Wochen oder Monate kommt es nun auch nicht wirklich an. Denn ich glaube fest daran: Irgendwann einmal, Marc Meier, wirst du mich auffangen, wenn ich falle und irgendwann einmal werde ich deine Königin sein...“

Er verdreht kurz fragend die Augen und meinte nur: „Königin?!“, doch das Lächeln, das sich in ihrem Gesicht abzeichnete, machte auch ihm Hoffnung.
Und so fragte er sie tatsächlich: „Willst du nicht mit rein kommen?!“, was sie freudenstrahlend nickend bejahte.





In Marcs Wohnung:


Gretchen blickte sich um, um noch einmal auszumachen, ob er irgendetwas verändert hatte.


...Also Marcs Wohnung ist ja wirklich steriler als der OP. Hat der überhaupt etwas angerührt, seit ich das letzte Mal hier war?!...


Gretchen strich einmal über das Regal, so, als würde sie prüfen wollen, ob sich darauf Staub angesammelt hatte, als sie aus ihren Gedanken gerissen wurde.

Marc: „Kaffee?!“
Gretchen: „Mhm?!“
Marc: „Ob du einen Kaffee willst?“
Gretchen näherte sich Marc, der in der Küche stand: „Ne, sonst kann ich heute Nacht nicht schlafen...“
Marc: „Äh, es geht bald wieder die Sonne auf...“
Gretchen lehnte sich auf die Anrichte und meinte flüsternd und mit leicht erotisch angehauchter Stimme: „Achso...“ als sie plötzlich ein lautes Geräusch vernahm und im gleichen Moment zusammenzuckte.
Gretchen hysterisch: „Was war das? Hilfe, sicher ein Einbrecher!“
Marc lachend: „Äh, ne. Aber ein ungebetener Gast“ und deutete auf die Couch.
Gretchen verwirrt: „Was ist da unter der Decke? Oh Gott, das bewegt sich ja!“
Marc abgeklärt: „Das da ist meine Mutter, Hasenzahn!“



...Ohh... die habe ich ja völlig vergessen. Gut, dann scheidet Sex mit Marc wohl doch aus...Oder? Doch, scheidet aus! Ich möchte doch nicht vor Marcs Mutter... Also ne...



Marc irritiert: „Sag‘ mal, ist bei dir alles okay? Du wirkst irgendwie so abwesend!“
Gretchen: „Hä? ... Ja, ich dachte nur gerade nach...“
Marc: „Worüber denn? Doch nicht etwa über hemmungslosen Sex mit mir – jetzt und sofort...“
Gretchen stotternd und lachend zugleich: „Ich ähm... ähm... also... NEIN! Wie kommst du denn DA drauf? Ist ja völlig abwegig...“
Marc gelassen: „Also doch!“
Gretchen stöhnend: „Ja, gut. Ich habe darüber nachgedacht. Aber wir machen das nicht hier vor deiner Mutter!“

Kaum hatte Gretchen den Satz beendet, näherte sie sich auch schon dem Sofa, hob die Decke an, mit der sich Elke im Ausnüchterungsschlaf komplett zugedeckt hatte, und begutachtete sie, als diese plötzlich begann einmal laut zu schnarchen.

Gretchen: „Da! Da war es schon wieder, das Geräusch! Aber jetzt sag‘ mal Marc. Du hast sie ja komplett umgezogen und die Haare riechen so nach Männer-Shampoo.“
Marc schlürfte nun in seinen Joggingsachen auch zum Sofa: „Ja, ich hatte heute ehrlich gesagt keinen Damenbesuch erwartet, also zumindest nicht im real life, aber visuell in der Glotze vielleicht schon...“

Dabei setzte er wieder sein schelmisches Grinsen auf und Gretchen wusste sofort, was er damit meinte.
Marc: „Aber wir könnten uns noch etwas anderes anschauen...“
Gretchen erleichtert: „Guuut! Alles, Hauptsache keine Pornos.“


Und so setzten sich die beiden ebenfalls auf den anderen Teil der ausziehbaren Couch und er schaltete den Fernseher ein. Gleich beim ersten Programm rief Gretchen, die sich immer näher an ihn heran kuschelte: „Ach, schau mal! Da kommt ‚Dirty Dancing‘. Hat gerade erst angefangen! Bitteee, lass uns das anschauen!“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=THx6isScpO4; "Dirty Dancing- Time of my life with lyrics" © by chazii14, YouTubeDE; aufgerufen am 05.08.2014 um 09:42




Marc legte nun seinen Arm um sie, woraufhin sie ihren Kopf auf seine Brust legte und er ihr noch ein paar Locken aus dem Gesicht strich. So ließen sie die letzten Stunden der Nacht ausklingen und schliefen nach und nach ein. Gretchen zuerst und schließlich auch Marc.



Und in dieser Nacht träumte ich davon, wie ich zusammen mit Marc ausritt. Wir ließen uns an einem schönen See nieder. Es wurde langsam Abend und der Himmel färbte sich mit jeder Minute rötlicher über uns. Das Wasser wurde immer ruhiger und wir betrachteten die Bergsilhouette. Wir lagen uns in den Armen und wollten nie wieder aufstehen.

Marc in königlicher Robe: „Meine holde Gattin, du, meine Königin! Lass uns verweilen an diesem Orte auf ewig. Lass uns unseren Lebensabend verbringen an diesem traumhaften Orte. Unsere Liebe soll kein Ende finden.“
Gretchen, in königlichem Kleide, schaute zu ihm auf: „Oh, Marc! Du holder, geliebter Gatte mein! Lass uns eins sein! Auf dass wir glücklich bleiben mögen ewiglich und uns nichts hinfort reißen möge, auch die tiefste Nacht nur nicht.“
Marc: „Auf dass uns kein Fluch belegen möge und keine Hexe ihr Unheil über uns werfen möge!“
Gretchen: „Oh, Marc! Wie sehnte sich mein Herze so sehr nach diesem Leben an deiner Seiten! Mögen wir unzertrennlich bleiben und möge unsere unendliche Liebe allen Bann besiegen – auf ewig, mein geliebter Gemahl!“

Und wir küssten uns und liebten uns. Wir liebten unser Leben und wir liebten uns.






Wir alle hoffen auf sie, auf die Wunder in unserem Leben. Es kann nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden, dass Wunder wirklich geschehen. Es kann aber auch genauso wenig ausgeschlossen werden.

Das Wunder, dass Märchen einmal Wirklichkeit werden und wir nicht nur in unseren Träumen unseren Traumprinzen finden.

Oder Spiegelscherben uns nicht länger verletzen, sondern wieder zusammengesetzt werden können und wir freudestrahlend wieder unser eigenes Spiegelbild betrachten können.

Oder aber wir schauen in den Spiegel und sehen nichts als Hass und Leere.

Vielleicht ist es nur eine Wunschvorstellung, vielleicht aber finden wir wieder zusammen.

Doch manchmal geben wir sie auch auf, die Hoffnung auf Wunder.

Man kann sie nicht mit allen Mitteln heraufbeschwören. Sie geschehen irgendwann einmal, wenn wir nur daran glauben.






»Doch später in dieser Nacht wachte ich schweißgebadet und schweratmend auf und betrachtete Marc, der friedlich neben mir schlief. Es war mir so, als hätte in meinem Traum etwas im Gebüsch gelauert, als hätte uns etwas im Dunkeln beobachtet. Etwas, das unsere frische Liebe gefährden könnte...«

GretchenHaaseFan Offline

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06.09.2014 21:14
#12  Perfekt! Leben gerettet! Zitat · antworten

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S02,E08:

Perfekt! Leben gerettet!



WRITTEN BY
GretchenHaaseFan, Andrea

AND

Missing_DD, Elena


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Das geschah beim letzten Mal:


Für viele verlief die Gartenparty meiner Eltern eher mittelmäßig und der Abend endete anders als geplant:

Elke Fisher hatte großes Aufsehen erregt, besonders bei Marc: Musste er sich jetzt wirklich um seine Mutter kümmern? Denn wir alle dachten, sie habe sich eingenässt.

Gigi landete im Büffet, nachdem sie Mehdi angespuckt hatte und Frau Dr. Hassmann völlig betrunken einfach so in aller Welt herum posaunte, dass sie ihr ungeborenes Kind verloren hat.

Meine Mutter war unglücklicher denn je und mein Vater schweigsamer denn je. Ob sich wohl eine Paartherapie bezahlt machen würde?

Schwester Sabine und Dr. Gummersbach kamen sich allmählich wieder näher, auch, wenn Schwester Gabi dafür beinahe drei Herztode auf einmal sterben musste. Doch schließlich kam auch sie wieder im Leben an. Sie würde nicht aufgeben!

Und ich träumte wieder einmal von meinem Traumprinzen Marc. Nur mit dem kleinen Unterscheid, dass ich dieses Mal dabei auf seiner Couch – direkt neben ihm – lag. Doch etwas hatte meinen wunderbaren Traum auf einmal abrupt enden lassen. Und ich wusste nicht was: eine böse Vorahnung oder doch eher Elkes lautes Schnarchen?...






In Marcs Wohnung:


Die Sonne war bereits aufgegangen, doch nun stand sie exakt so, dass die ersten Sonnenstrahlen durch die halb geöffneten Jalousien hindurch strahlten und Marc direkt ins Gesicht fielen. Völlig übermüdet rieb er sich die Augen, um sie dann schließlich schwerfällig und langsam zu öffnen. War es einfach der Schlafmangel oder schien die Sonne heute greller als sonst?
Er schaute sich um, blickte von rechts nach links, über seine noch immer schlafende Mutter hinweg, ehe er mit seinem Blick auf dem Tisch verharrte. Der Zettel lag dort gestern jedenfalls noch nicht. So machte er sich schwerfällig auf zum Tisch, nahm diesen in die Hand und las laut vor:


Tut mir leid, Marc. Bin schon weg, wenn du das liest. Kann ja schließlich nicht in einem Samtkleid, nicht geduscht und mit verwehten Haaren zur Arbeit. Bezweifle auch, dass du Damenkleider zuhause hast. Wir sehen uns. Bis dann, Gretchen
P.S.: Die Nacht war wunderschön!






Im Hause Haase:



©:
Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=QEjgPh4SEmU; "Eye of the tiger -Lyrics-" © by Don't Subscribe :D, YouTubeDE; aufgerufen am 07.08.2014 um 09:16



Es war 6.30 Uhr morgens, als Gretchen völlig außer Atem die Haustür aufschloss. Völlig übermüdet wollte sie eintreten, als sich schon Bärbel vor ihr auftürmte.
Bärbel: „Ach Gretchen, da bist du ja endlich! Ich habe mir ja schon solche Sorgen gemacht! Ich dachte wieder du wärst in einen Gulli reingefallen und steckengeblieben. Und dann habe ich unsere Putzfrau gefragt, ob sie dich gesehen hat. Aber jetzt mal ganz unter uns, Gretchen...“

Bärbel lehnte sich leicht zu ihr hinüber, so als wäre sie eine verdeckte Ermittlerin, die unbedingt wollte, dass sie niemand sonst hört: „...ich glaube ja, dass die ein kleines Problem hat, so viel wie die gestern und bis vorhin noch getrunken hat!“

Gretchen rieb sich ebenfalls die Augen und meinte nur gähnend: „Ja, ich habe auch eines: ich muss jetzt duschen und mich umziehen und dann...“
Fröhlich strahlend unterbrach Bärbel: „...und dann gehen wir zum Frühsport! Ich habe dir auch schon den Jogginganzug und dein rosa Haarband raus gelegt. Ach Gretchen, du weißt ja gar nicht, wie lang ich gebraucht habe, um dein Sportzeug zu finden. Ich weiß auch gar nicht, wer das in den Altkleidersack...“

Nun war auch Gretchen urplötzlich hellwach, als sie ihre Mutter, da so vor sich stehend, reden hörte. Schockiert rieb sie sich nochmals die Augen, um auch ja sicherzugehen, dass das kein Albtraum ist...“



...Muss feststellen, dass ich mich nicht in einem schlechten Traum befinde. Frühsport?! Heiße Schokolade wäre mir lieber so früh am Morgen...



Gretchen genervt: „Moment einmal! Du hast die Sportsachen aus dem Altkleidersack wieder rausgeholt?!“
Bärbel lächelnd: „Jaaa! Ich habe sie auch extra noch vorhin gewaschen.“
Gretchen fassungslos: „Frühsport?!“
Bärbel: „Jaaa! Wir waren doch schon einmal in diesem Fitnessstudio. Du weißt schon: da, wo dieser Brad arbeitet und das hat jetzt einen Sondertarif. Man musste sich nur rechtzeitig anmelden...“
Gretchen außer sich: „Du hast mich angemeldet! Bei Brad?!“
Bärbel: „Ach nein...“
Gretchen strich sich erleichtert über die Stirn und ließ nur ein freudiges „Puuh“ verlauten, als Bärbel fröhlich fortfuhr: „...uns beide!“

Gretchen entglitten alle Gesichtszüge, während sie ihrer Mutter, die so fröhlich und begeistert schien wie schon lange nicht mehr, dabei ins Gesicht blicken musste, das von einem breiten Grinsen durchzogen war. So zwang auch sie sich eines auf, das bei weitem nicht überzeugen konnte, und ging die Treppen hoch, um zu duschen.



...Das nächste Mal verbrenne ich die Sportsachen lieber gleich!...



Es war eine Sportstunde in der achten Klasse. Unsere Sportlehrerin hatte die tolle Idee Bockspringen zu machen. Natürlich waren alle deutlich besser als ich.
Doch es war jene Sportstunde, die mich in die Rangliste der Peinlichkeiten des gesamten Jahrganges ganz nach oben katapultierte! Und wer war schuld?! Meine Mutter!
Am Tag zuvor war sie noch der Meinung, dass ich meine Sportsachen gut und gerne ein zweites Mal hätte anziehen können. Es war zu der Zeit, als sie meinte, sie müsse sich für die Umwelt einsetzen. Die Waschmaschine würde mit jedem Waschgang der Umwelt enorm schaden.
Gut, als kleines Mädchen wusste ich noch nicht so genau, wie ich die Waschmaschine zu bedienen habe. Kann doch ich nichts dafür, wenn die meine Sportsachen zu heiß wäscht und die einlaufen!
Jedenfalls platzte mir in jener Sportstunde meine Hose. Das Loch war größer als Loch Ness und scheinbar sahen die anderen darunter auch sogar das Monster von Loch Ness – ich hatte nämlich furchtbar schreckliche Blümchenunterwäsche an!
Natürlich zog mich Marc damit bis zum Abi auf.
Hoffentlich erfährt er nichts davon, dass ich jetzt wieder – unfreiwillig – Sport mache...






Derweil im Stationszimmer:


Sabine saß gerade am PC, als Gabi hereinkam. Seit langem war Gabi wieder gut gelaunt, was Sabine zunächst sehr verwunderte, besonders nach der letzten Nacht in der Pathologie.
Gabi fröhlich: „Guten Morgen, Sabine! Ist das nicht ein wundervoller Morgen?“
Sabine war so perplex, dass sie zweimal hinschauen musste, ob es nicht doch jemand anders war. Doch dann meinte sie schließlich nur „Gabi!“, während diese sich auf den anderen Bürostuhl setzte.
Gabi rollte mit diesem Stuhl zu Sabine hinüber und lächelte diese eine ganze Weile lang an. Sabine war hingegen immer noch sehr verblüfft und lächelte nur abgezwungen zurück.
Gabi: „Ist das nicht ein schöner Sommer; Sabine?!“
Sabine: „Gabi... ist... ist mit dir alles in Ordnung?“
Gabi: „Aber natürlich, Sabine! Wie läuft es denn bei dir und Günni?“
Sabine stotternd: „Ich... also wir... also... ich...“
In diesem Moment erblickte sie auf dem Computerbildschirm den Namen ‚Dr. Mehdi Kaan‘ und schlagartig kam ihr eine Idee. Daraufhin meinte sie nur „Das ist es!“
Und so umarmte sie Sabine, die noch immer versuchen wollte zu schildern, was geschehen war, und meinte nur: „Ach, wie schön! Das freut mich so wahnsinnig für euch!“
Gabi verließ schnell wieder das Stationszimmer und ließ Sabine, die nun völlig verwirrt war, zurück.





Vor dem Krankenhaus:


Gretchen raste unterdessen mit dem Fahrrad über den Parkplatz. In Eile und Zeitnot, aber auch, um sich den Frust wegzufahren, dass sie sich doch tatsächlich darauf eingelassen hatte mit ihrer Mutter erneut ins Fitnessstudio zu gehen.
Doch schnell musste sie eine Notbremsung hinlegen, da sie in Gedanken verloren beinahe Susan Lewis überfahren hätte. Diese Notbremsung war so heftig, dass sie ins Straucheln geriet und seitwärts umkippte.



...Hätte ich doch bloß das Auto genommen! Sport ist Mord! Ich sag’s doch immer wieder...



Susan, die einen Zettel in der Hand hatte und diesen las, bemerkte Gretchens Unfall auch erst, als sie ein lautes Quietschen vernahm und unmittelbar danach einen lauten Knall hörte. Sie schaute sich um und sah Gretchen dort liegen: das Fahrrad auf ihr, dessen Vorderreifen sich noch immer drehte und dessen Klingel noch immer einen anhaltenden, immer leiser werdenden Ton von sich gab. Eilig rannte sie zu ihr hin und hob das Fahrrad an.
Gretchen stand auf, rückte sich ihren Helm zurecht, während ihre Pupillen Achterbahn fuhren.
Susan: „Ist alles in Ordnung?!“
Gretchen leicht benebelt: „Ja ja, das war gar nicht so schlimm... Ich hoffe nur nicht, dass das jetzt noch eine Beule gibt! Reicht ja schon, dass die Hassmann mir die Schranktür gegen den Kopf geknallt hat...“

Susan half Gretchen das Fahrrad wieder aufzurichten, woraufhin diese den Zettel in ihrer Hand bemerkte.
Gretchen: „Ist der von der Ärztekammer?“
Susan: „Nein, das ist meine Urlaubsbescheinigung. Ich war gerade eben in der Personalabteilung...“
Gretchen mitgenommen: „Es tut mir wirklich leid, dass du jetzt bis zur Anhörung vor der Ärztekammer und deren Entscheidung auch nicht mehr praktizieren darfst. Ich kann einfach nicht verstehen, warum diese Frau auch wieder gegangen ist...“

Gretchen versuchte sich verzweifelt zu erklären, da sie sich mehr als nur schuldig fühlte, doch Susan schien ihr schon gar nicht mehr zuzuhören. Sie starrte auf das geparkte Auto, das hinter Gretchen stand und näherte sich diesem langsam. Dabei ging sie an Gretchen vorbei, die das gar nicht mitbekam.
Erst, als Susan hinter ihr schrie „Das ist ein Kleinkind!“ drehte sich Gretchen verwundert um und sah sie, wie sie gegen die hintere Tür hämmerte und versuchte diese zu öffnen.
Nun realisierte auch Gretchen, dass etwas nicht stimmen konnte und eilte hastig ebenfalls zum Auto, ließ dabei ihr Fahrrad los, das daraufhin umfiel und dessen Klingel erneut einen langanhaltenden Ton von sich gab.

Beide starrten auf den Rücksitz, in dem ein Kind scheinbar leblos lag.
Da sich Gretchen nicht sicher war, ob es sich um eine Puppe handelt, räkelte sie sich umher und versuchte einen ganz genauen Blick zu erhaschen und meinte nur mit merklich beunruhigter Stimme: „Und wenn es doch eine Puppe ist?“
Susan meinte daraufhin ebenfalls merklich beunruhigt: „Ich glaube nicht!“

Beide schauten sich erschrocken und fassungslos zugleich an, als sie eine vertraute Stimme hörten, die nachhakend meinte: „Hasenzahn?! Dr. Lewis?!“

Es war Marc, der ebenfalls auf dem Weg ins Krankenhaus war und die beiden ums Auto schon von Weitem herumschleichen sah. Langsam näherte er sich beiden und meinte dabei scherzend: „Schaut ihr euch schon Autos an? Schade, dass ihr kleinen Notaufnahmeärzte solche Nobelkarossen wohl nie unterhalten könnt mit eurem Niedriglohn...“

Gretchen aufgelöst: „Ich glaube es ist ein Kind, Marc!“
Marc zynisch: „Nicht ein Kind – besser als eines! Ist doch ein BMW! Das ist ein richtiges Baby!“
Gretchen wegetreten: „Hä?!“
Marc genervt: „Mein Gott, was ist denn euer Problem?“
Gretchen deutete auf die Rückfahrertür: „Na schau doch!“

Marc, der in seiner Hand eine Laptoptasche trug, wollte sich schon dem Wagen nähern, als Susan nur meinte: „Ist das ein Notebook?!“
Marc irritiert: „Äh... ja...“
Susan zeigte darauf: „Darf ich mal?!“
Marc übergab ihr völlig perplex die Tasche, woraufhin Gretchen noch meinte: „Sollten wir nicht zuerst den Besitzer ausrufen lassen?!“
Susan hektisch: „Sollen wir dann gleich auch noch den Bestatter ausrufen lassen?! Wir haben bald schon wieder 30°C, dieser Wagen hier steht in der prallen Sonne und das Kind dort drin wirkt jetzt schon ziemlich leblos... Ich denke nicht, dass wir noch einen Kaffeeklatsch abhalten sollten, bevor wir etwas machen...“

Mit Marcs Notebook in der Hand wandte sie sich der Fahrertür zu, begutachtete diese und meinte nur vor sich hin: „Hoffentlich ist das kein Panzerglas!“
Und ehe sich Marc zusammenreimen konnte, was nun passieren würde, schlug sie auch schon direkt mit dem Notebook gegen die Scheibe. Mehrmals. Und mit jedem Schlag hörte man das Glas immer lauter knacken, bis sich letzten Endes deutliche Risse abzeichneten und es endgültig mit dem letzten, kräftigen Schlag zerbarst.

Marc hingen stand völlig geschockt daneben: „Ist die scheiße?! Das ist MEIN Notebook!!!“
Gretchen sichtlich begeistert: „Da ist ein Kind drinnen!“ und wandte sich Marc zu, dessen Gesicht kreidebleich war und meinte abschließend nur zynisch: „Vielleicht hätte ich auch mal auf die Idee kommen sollen dir deine Sachen kaputt zu machen, so, wie du mich immer behandelt hast...“

Als Susan endlich durch die kaputte Scheibe hindurchgreifen konnte, sodass sie die Verriegelung manuell lösen konnte, drückte sie Marc wieder das demolierte Notebook in die Hand, der den Schaden fassungslos begutachtete, während sie die Rückfahrertür aufriss und den Kleinen aus seinen Gurten löste. Gretchen rannte auch umgehend hin und meinte nur wie versteinert: „Das ist wirklich ein echtes Kind!“

Susan hingegen tastete den Kleinen ab und meinte nur: „Circa ein bis zwei Jahre alt, schwacher Puls, Körpertemperatur enorm erhöht, zyanotisch“ und blickte Gretchen dabei sichtlich mitgenommen an, um zu ergänzen: „Atemstillstand!“
Gretchen: „Wir müssen sofort etwas tun!“
Susan nahm den Kleinen aus dem Kindersitz und beide rannten umgehend, so schnell sie konnten, in die Notaufnahme. Im Rennen schrie Gretchen Marc noch zu: „Ach Marc, und räume doch bitte das Fahrrad weg! Das versperrt ja den ganzen Weg!“

Marc hingegen blickte immer noch sichtlich perplex abwechselnd sein Notebook, die zwei Wegrennenden und das Fahrrad an.





In der Notaufnahme:


Als beide hastig die Notaufnahme betraten war dort am Empfang nur eine Schwester anzutreffen.
Susan völlig außer Atem: „Im Auto eingesperrt bei hoher Temperatur, Junge, ein bis zwei Jahre alt, zyanotisch, schwacher Puls und Atemstillstand. Wir brauchen sofort einen Arzt!“
Schwester: „Ich kann jemanden ausrufen. Die sind alle gerade bei einem schweren Unfall, der vorhin reinkam...“
Susan misstrauisch: „Ausrufen? Das dauert doch viel zu lange! Wir brauchen jetzt einen Arzt!“
Schwester sichtlich gestresst: „Es ist aber gerade keiner da. Die sind alle...“
Susan forsch: „Gut, dann werden wir uns darum kümmern! Welcher Schockraum ist frei?!“
Schwester: „Die ähm... die drei!“

Susan rannte erneut hastig los und Gretchen versuchte ihr hinterherzukommen.



...Oh Gott, so früh wollte ich mit dem Sport wirklich nicht anfangen...



Gretchen außer Puste: „Aber wir dürfen doch gar nicht...“
Susan energisch: „...das Kind sterben lassen? Stimmt! Deshalb sind wir auch Ärzte! Ich werde alles versuchen diesen Kleinen zurückzuholen und wenn es mich dann tatsächlich meine Zulassung kostet!“

Beide eilten durch den Gang und schnell in die Drei hinein, als sie dort angekommen waren. Ebenso war Schwester Sabine vor Ort, die dort gerade aufräumte.

Als beide mit dem Kind hereinstürmten meinte sie nur geschockt: „Oh Gott! Ist das Kind etwa tot?!“
Gretchen: „Nein, aber sicher ganz bald, wenn wir jetzt nicht etwas unternehmen!“

Susan legte den Kleinen auf die Trage und meinte nur: „Sabine, los! Ich brauche sofort ein Stethoskop!“
Hastig kramte Sabine in den Schubladen herum, die sie gerade noch fein säuberlich aufgeräumt hatte, sodass alles wieder zu Boden fiel. Als sie es endlich gefunden hatte drückte sie es ihr in die Hand.





Vor dem Schockraum:


Marc, der nun ebenfalls die Notaufnahme betrat und den Gang entlanglief, um zu schauen, wo die beiden waren, sah schon von Weitem Maria auf sich zukommen. Exakt vor dem Schockraum trafen sie aufeinander.
Maria: „Meier! Sie auch hier?! Ich wurde angefordert. Irgendein schwerer Unfall. Der Neurologe meinte, dass wohl nicht mehr viel zu machen sei. Ich sollte aber trotzdem mal nachschauen, ob noch etwas zu retten ist. Und Sie?“
Marc wütend: „Ich suche zwei Möchtegern-Ärztinnen, die mir mein sauteures Notebook ruiniert haben!“

In diesem Moment stieß auch aus dem kreuzenden Gang Kerry Weaver auf die beiden mit der Schwester vom Empfang im Schlepptau und stellte sich vor das Fenster des Schockraumes und begutachtete die drei dort drin. Nun bemerkten auch Maria und Marc, dass sie genau davor standen und stellten sich ebenfalls vor das Fenster. Ebenso stieß auch Maurice hinzu.
Maurice: „Maria! Da bist ja! Wo warst denn die ganz Nacht über? Ich hab mir Sorgen gmacht!“
Maria: „Oh, Maurice! Was machst du denn hier?! Ich... ich... war auf einer Party...“
Maurice: „Achso, aber hättest mir ja Bescheid geben können, dass es später wird.“

Und nun schaute auch Maurice hinein, um entsetzt festzustellen: „Ist des da ein Kind?! Des sieht ja aus als wäre es tot!“

In diesem Moment wurde Maria klar, dass es mehr als nur schlecht um den Kleinen stand. Und ebenso realisierte sie in diesem Moment so richtig, dass sie ihr Kind verloren hatte, sodass ihr die Tränen in die Augen stiegen, mit denen sie sichtlich kämpfen musste.

Genau in diesem Moment sprach sie jemand an.
Marc: „Äh... Frau Dr. Hassmann! Hallo? Alles in Ordnung?!“
Maria völlig aus ihren Gedanken gerissen: „Was?! Meier, was machen Sie denn hier?“
Marc irritiert: „Äh, ich stehe hier?! Wir haben uns vor ein paar Sekunden noch schon mal hier getroffen! Schon vergessen?!“
Maria geistesabwesend: „Ja, stimmt! I…ich ha…hab es ja mitbekommen. Ich bin ja nicht dement...“
Maurice verwundert: „Aber Maria, du heulst ja! I kann verstehn, dass du mitgnommen bist. Des ist ja au wirklich schlimm ein Kind sterben zu sehen. Mir geht des a immer sehr nah!“
Maria: „Maurice! Was ist denn bitte dein Problem? Hast du keine anderen Patienten zu versorgen?! Und übrigens: Wir sind Ärzte, wir sehen das jeden Tag. Wir müssen damit umgehen können. Sonst sind wir keine guten Ärzte, verstanden?“
Maurice eingeschnappt: „Sowas geht mir eben nah. Es is keine Schande Gefühle zu haben. Du hast ja auch geweint. I kenn dich gar nicht mehr, Maria! Was ist denn bloß mit dir passiert?!“
Maria erbost: „Das ist einfach unglaublich! Mit mir ist gar nichts passiert! So ein Schwachsinn. Und zudem: ich habe nicht geweint, denn ich weine nie!“

Marc zynisch: „Äh, ja sicher... Und das auf Ihrer Wange sind Regentropfen, wie Hasenzahn jetzt wohl sagen würde?!“

Ebenso schaltete sich nun auch Kerry Weaver ein, die bis dato nur Susan und Gretchen beobachtete: „Frau Dr. Hassmann, Sie könnten ruhig mal zu Ihren Gefühlen stehen. Das würde Sie vielleicht menschlicher machen.“
Maria außer sich: „Und das sagen ausgerechnet Sie?! Sie sind doch hier als Drachen der Notaufnahme bekannt! Oder eher als Teufel wegen Ihrer roten Haare?! Ausgerechnet Sie wollen mir etwas vorschreiben? Finden Sie das nicht ein bisschen arg lächerlich, Dr. Weaver?!“
Empört lief Maria davon und ließ die drei zurück. Dennoch war sie selbst total schockiert und berührte im Weggehen mit den Fingern ihre Wangen, die tatsächlich feucht waren.
Maurice hingegen wollte sie vor Kerry verteidigen, die nun wieder ihren Blick in Richtung Susan und Gretchen gewandt hatte: „Äh, ja, Frau Dr. Weaver! Des meint die Maria nicht so...“ und rannte ihr daraufhin hinterher, während Marc hingegen nur verschmitzt lächeln musste, was Kerry in der Scheibe beobachten konnte.

Ebenso fiel es auch Marc nun auf, dass sich alles dort spiegelte und sie ihn gut beobachten konnte.
Marc: „Äh, wollen Sie nicht rein und helfen?!“
Kerry zuversichtlich: „Susan weiß, was sie tut. Ich sehe keinen Bedarf. Sie hat alles unter Kontrolle und Frau Dr. Haase kann hier noch so einiges lernen.“





Weiter unten im Gang:


Maurice: „Maria, jetzt wart doch bitte mal! Ich möcht mal mit dir sprechen!“
Maria drehte sich genervt um: „Es ist jetzt wirklich schlecht. Ich muss mir noch einen Patienten anschauen!“
Maurice: „Es ist aber dringend. Du hast mich gerade eben schon wieder abgewimmelt!“
Maria: „Nicht jetzt.“
Maurice: „Genau jetzt, du kannst diesem Thema nicht permanent aus dem Weg gehn!“
Maria verwirrt: „Welches Thema?“
Maurice: „Na uns. Du kannst nicht immer alles verdrängen.“
Maria: „Das ist gerade ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt!“
Maurice: „Das ist er für dich doch immer. Ich will aber endlich wissen, woran ich bin. Verdammt, nimm das doch mal ernst!“
Maria ging hoch wie eine Rakete: „Was willst du eigentlich von mir? Ich kann das gerade wirklich nicht. Ich brauche Zeit zum Nachdenken. Also lass mich in Ruhe.“
Maurice: „Dieses Thema ist für dich immer unpassend. Aber ich will nicht mehr warten. Ich…“
Maria schreit über den ganzen Flur: „Ich, ich, ich…. ICH sagte: JETZT NICHT!“
Wie eine Furie stürmte sie davon und ließ Maurice ratlos zurück.





In Mehdis Behandlungsraum:



©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=KHDZKaprxDk; "Ace Of Base - Beautiful Morning" © by VasarhelyiOfficial's channel, YouTubeDE; aufgerufen am 21.10.2015 um 12:27



Gabi war unterdessen auf die Gyn geeilt und betrat freudestrahlend Mehdis Behandlungszimmer, der ebenfalls am PC saß.
Gabi: „Ach, Dr. Kaan! Ist das nicht ein wunderschöner Tag!“
Mehdi blickte sie fragenden Blickes an: „Ähm, Schwester Gabi?!“
Gabi nahm Platz und schaute ihn mit großen Augen an: „Jaaahaaa, Dr. Kaan?!“
Mehdi verwundert: „Ist alles in Ordnung mit Ihnen? Sie haben doch nichts genommen, oder?!“
Gabi: „Oh doch, einen Glückskeks! Sie wissen schon... das sind doch die Dinger, aus denen immer ein Spruch mit einer Weisheit rauskommt...“
Mehdi fragenden Blickes: „Und was kam bei Ihnen raus?!“
Gabi erfreut: „Es ist noch lange nicht alles verloren und Sie bekommen zurück, was Ihnen weggenommen wurde und was Ihnen gehört. Und Sie werden wieder auf der Gyn arbeiten und alles wird sich zum Guten wenden und Sie werden fröhlich sein...“
Mehdi unterbrach sie in ihrer Euphorie: „Ist DAS nicht ein bisschen arg lang für einen kleinen Zettel in einem kleinen Glückskeks?!“
Gabi schlug sich lachend und strahlend die Hände vor der Brust zusammen, so, als wolle sie gleich ein Dankgebet sprechen und meinte: „Ach wo, Dr. Kaan! Gute Nachrichten können gar nicht lang genug sein...“
Mehdi verblüfft: „Und Sie sind sich ganz sicher, dass da keine anderen Substanzen drin waren?!“

Gabi stand auf und setzte sich auf Mehdis Schreibtisch, beugte sich langsam zu ihm hinüber, um ihm mit einem Dackelblick anzuflehen: „Ach Dr. Kaan! Es ist einfach so furchtbar in der Notaufnahme. Ich möchte wieder zu Ihnen zurück. Hier ist doch alles so schön.“
Mehdi skeptisch: „Gabi, also ich weiß ja nicht, aber ich...“
Gabi fordernder: „Ich hatte einen richtigen Selbstmordversuch hinter mir, Dr. Kaan! Der damals in Marcs Bad zählt ja irgendwie nicht so wirklich... Ich habe mein Kind verloren und ich musste mich von Marc trennen!“
Mehdi schockiert: „Zwei Selbstmordversuche...?!“
Gabi: „Keine Sorge, kommt nie wieder vor! Aber ich bitte Sie: Sprechen Sie doch mit den Personalfuzzis. Ich vermisse die Gyn so!“
Mehdi stotternd: „Ich, also... ich...“
Gabi mit noch größeren Augen: „Ach, bitte, bitte, bitte! Ich war immer für Sie da! Sie können doch mir diesen Wunsch nicht abschlagen! Immerhin habe ich Sie vor Schwester Stefanie verteidigt...“
Mehdi wollte sich selbst verteidigen: „Also ich...“

Höchsterfreut sprang Gabi auf, rannte um den Tisch herum und umarmte den im Stuhl sitzenden und völlig perplexen Mehdi und meinte dabei: „Ach danke, Dr. Kaan! Sie sind einfach der Beste! Da ist doch der Tag gleich noch viel schöner...“
Und ehe sich Mehdi versehen konnte, war sie auch schon wieder zur Tür hinausgegangen.





Unterdessen im Schockraum:



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Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=NWaNW-aYhVY; "Suspenseful background Music - BRINK - action instrumental Intense Dramatic Film Movie Soundtrack" © by FesliyanStudios, YouTubeDE; aufgerufen am 07.08.2014 um 10:22



Gretchen, Sabine und Susan waren deutlich angespannt, während Susan mit dem Stethoskop den Kleinen abhorchte und daraufhin den Puls fühlte.
Susan verzweifelt: „Ich spüre keinen Puls!“
Gretchen schockiert: „Oh nein, das darf nicht wahr sein! Und da draußen stehen Marc und Dr. Weaver! Susan, wir dürfen den Kleinen doch gar nicht behandeln! Ich sehe es schon: sie wird uns rauschmeißen, hochkant!“
Sabine versuchte derweil einen Zugang zu legen, jedoch konnte sie keinen finden: „Es geht nicht! Ich kann keinen Zugang legen!“

Susan wagte ebenfalls einen Blick hinaus, um sich dann zu besinnen: „Gretchen! Wir kümmern uns jetzt zuallererst um den Kleinen hier. Wenn Kerry etwas möchte, dann soll sie gefälligst selbst reinkommen! Sie sieht ja, dass wir hier einiges zu tun haben!“
Gretchen den Tränen nahe: „Wie kann man denn nur so ein süßes Kind einfach so im Auto zurücklassen und das auch noch im Hochsommer?“
Sabine geschockt: „Vielleicht wurde das Auto ja gestohlen und dann hat der Dieb festgestellt, dass da ein Kind drin ist und dann hat er es hier abgestellt, weil er nicht wusste, was er tun soll! Die von der Automafia sind ja auch nur Menschen und dann...“
Gretchen und Susan wandten sich beide Sabine zu, die zur Höchstform auflief und schauten sie nur verdutzt an, woraufhin sie langsam meinte: „Oh, Entschuldigung! Manchmal geht es mit mir durch...“

Susan energisch: „Sabine, suchen Sie lieber mal eine Vene!“
Daraufhin nickte sie hektisch und machte sich an die Arbeit.


Susan sichtlich angespannt: „Ich brauche sofort ein Laryngoskop und auch gleich eine Magill-Zange!“
Gretchen nachhakend: „Du meinst er könnte etwas verschluckt haben?!“
Susan: „Möglich wäre es, ich gehe lieber auf Nummer sicher und schaue mir die Atemwege an. Beginne du mit der Herzmassage.“



...Chefärztin steht draußen und beobachtet uns. Ich könnte kneifen. Muss aber auch als Ärztin das beherrschen. Gehört zur Notfallmedizin dazu. Und wenn ich ihm wehtue?! Und Marc? Er begutachtet uns kritisch. Wie stehe ich da, wenn ich es nicht mache? Ich schaffe das!...



Susan: „Er hat nichts verschluckt. Atemwege sind frei, aber geschwollen. Okay, wir reanimieren!“

Sabine hingegen musste nun den Ambu-Beutel anbringen und den Kleinen beatmen, nachdem sie in der Zwischenzeit alle Geräte angebracht hatte, die die Vitalfunktionen überwachen.
Susan: „Sabine, hyperventilieren Sie ihn!“

Sabine musste ihn also schnell beatmen.
Der Kleine wies einen unregelmäßigen Herzschlag auf, welcher sich jedoch durch das Beatmen und die Herzmassage nach und nach erholte.
Susan hingegen horchte ihn mit ihrem Stethoskop ab und warte nur sehnlichst darauf, dass er endlich wieder atmen würde.
Alle waren in diesem Moment angespannt. Die Anspannung lag förmlich in der Luft.

Während Susan immer wieder vor sich hinsagte: „Komm, atme wieder!“, sagte Gretchen immer wieder vor sich hin: „Bitte stirb nicht! Bitte nicht!“

Es kam allen wie eine halbe Ewigkeit vor. Bald hatten sie die Hoffnung schon aufgegeben, als sich endlich wieder ein normaler Sinusrhythmus einstellte und der Kleine augenscheinlich wieder selbstständig atmen konnte.
Endlich konnte Gretchen mit der Herzmassage nachlassen, denn es schlug wieder im Takt und auch Sabine konnte das Beatmen im Dreisekundentakt, das sie nach der Hyperventilation anwandte, einstellen.
Susan zwinkerte Gretchen zu und meinte nur: „Dann schließen wir ihn jetzt noch an das Atemgerät an...“, was Gretchen auch übernahm.

Susan ordnete Sabine noch an, dass sie doch die Blutgase feststellen solle, den Thorax röntgen solle und ihn verlegen solle.

Ein Lächeln war in den Gesichtern aller Beteiligter abzulesen, selbst in Marcs und Kerrys Gesicht, die noch immer vor dem Schockraum verharrten.
Sabine enthusiastisch: „Das haben Sie toll gemacht, Frau Doktor und Frau Doktor!“
Beide lächelten sich an und begutachteten den Kleinen, der endlich wieder Lebenszeichen von sich gab.


Nun schien es auch für Kerry an der Zeit den Schockraum zu betreten. Selbstverständlich war das für beide vernehmbar, denn die Krücke gab doch deutliche Laute von sich und so wandten sich beide ihr zu.

Gretchen: „Es tut uns leid, wir wussten ja, dass wir nicht...“
Kerry unterbrach: „Gut gemacht! Eine wirklich hervorragende Leistung. Ich werde mich jetzt weiter um ihn kümmern. Dr. Meier sagte, dass ihr ihn in einem Auto gefunden habt?!“
Gretchen: „Ja, und das bei dem Wetter! Ich bin schockiert, wie man so etwas nur tun kann...“
Sabine aus dem Hintergrund: „Nun ja, Frau Doktor. Die Automafia ist da...“ und erneut drehten sich beide zu ihr fragenden Blickes um, woraufhin Sabine sich sofort wieder ihren Aufgaben widmete.

Kerry: „Ich werde in die Formulare eintragen, dass ich ihn behandelt habe. Dann bekommt ihr auch keine Schwierigkeiten mit der Ärztekammer.“

Daraufhin machte sich Kerry auf den Weg zu Sabine und dem Kleinen, während sich Gretchen und Susan nur verdutzt anblickten.
Susan verwundert: „Aber das ist Urkundenfälschung, Kerry!“
Kerry drehte sich von der Trage aus nochmals um und meinte nur: „Und das war gute Arbeit, Susan! Unsere Aufgabe als Ärzte ist es Leben zu retten. Besser hätte es wohl kaum einer hinbekommen. Hätte ich wirklich nur wegen ein paar Richtlinien das Leben dieses Kindes gefährden sollen?“

Sie wandte sich wieder dem Kleinen zu und übernahm ihn, fügte aber noch hinzu: „Das bleibt aber unter uns!“ und schaute dabei besonders Sabine an, die nur zurückgrinste und nickte.
Susan erstaunt: „Danke, Kerry!“

Kerry, die nun beide im Rücken hatte und bereits Formulare ausfüllte und die Werte notierte, meinte im Schreiben nur: „Wenn jemand zu danken hat, dann sind es die Eltern, die dieses Kind einfach so im Auto lassen. Grob fahrlässig ist das! Ich werde sie ausfindig machen und hoffe nur, dass sie sich bei euch bedanken.“

Das Grinsen von Gretchen und Susan wurde noch breiter, als sie freudestrahlend den Schockraum verließen, während sie im Hintergrund Sabine noch hörten, die nun Kerry ihre ‚Automafia-Theorie‘ erläutern wollte.





Vor dem Schockraum:


Gretchen erfreut: „Wow! Die war ja heute richtig gut drauf! Ich dachte schon die stampft uns in Grund und Boden!“
Nun mischte sich auch Marc ein, der auf die beiden gewartet hatte: „Äh, ja... wenn sie es nicht tut, dann mache ich das heute mal! Was fällt euch eigentlich ein mein Notebook zu zerstören?“
Gretchen streichelte ihm die Wange: „Ach komm schon Marci-Marc, wir haben einem Kind das Leben gerettet! Wer denkt denn da an ein Notebook?!“
Marc fassungslos: „Äh... ich!“



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Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=M8Bmz_GUW24; "beautiful day -U2" © by cojbojstanny, YouTubeDE; aufgerufen am 07.08.2014 um 09:23



Doch Gretchen ließ ihn in ihrer Freude links liegen und wandte sich Susan zu.
Gretchen: „Ich kann’s immer noch nicht glauben! SIE hat uns gelobt.“
Susan: „Ja, sie ist eine gute Ärztin. Das steht außer Frage, auch, wenn sie manchmal echt schwierig sein kann. Wenn ich krank wäre, dann würde ich mich am liebsten von ihr behandeln lassen...“
Gretchen: „Wirklich?!“
Susan nickend: „Ja, sie ist wirklich die Beste, die ich kenne.“
Gretchen enthusiastisch: „Und so schlimm ist sie ja eigentlich auch gar nicht...“

Marc, der sich übergangen fühlte, mischte sich nun auch wieder ein: „Äh, halloho?! Mein Notebook?!“
Gretchen: „Vielleicht zahlt es ja die Versicherung?!“
Marc zynisch: „Ja, genau! Und was gebe ich an?!“
Gretchen: „Hilfsmittel zur Rettung eines unschuldigen Lebens vielleicht?“
Susan: „Entschuldigung, wenn ich mich einmische, aber ich muss los! Ich habe einen wichtigen Termin beim Finanzamt und bin jetzt schon wieder viel zu spät dran...“
Gretchen: „Ach ja, das ist doch gar kein Problem! Und wegen dem Termin bei der Ärztekammer: ich bin mir sicher, dass das klappen wird! Wir sind gut!“
Susan: „Ja, allerdings! Das sind wird!“
Die beiden verabschiedeten sich herzlich, was Marc nur kritisch begutachtete und Susan machte sich auf den Weg, während sich Gretchen mit Marc auf zu den Fahrstühlen machte.


Beide schwiegen sich an, bis sie vor den Fahrstühlen standen. Marc schaute immer wieder in seine Laptoptasche hinein, was Gretchen langsam aber sicher aufregte: „Freust du dich wirklich nicht, dass wir das Kind retten konnten?“
Marc stotternd: „Doch, aber... äh... doch nicht mit meinem Notebook!“
Gretchen genervt, als die Fahrstuhltür aufging: „Mensch, Marc! Freue dich doch mal...“ und ergänzte, als sie hineinblickte und Gabi dort drin sah: „... so, wie Schwester Gabi sich freut!“

Gabi mit einem Grinsen im Gesicht: „Ach, hallöchen! Kommt doch rein. Es ist genug Platz für uns alle da. Ist heute nicht ein wunderschöner, umwerfender und himmlischer Tag?!“

Gretchen und Marc blieben wie verwurzelt vor dem Fahrstuhl stehen und schauten sich immer nur abwechselnd und Gabi an.



...Schwester Gabi gut gelaunt? Ein Wunder! Oder doch nur eine Fata Morgana?...



Marc flüsternd: „Was hat denn die genommen?!“
Gretchen erstaunt: „Zu viel Lachgas vielleicht?“
Marc: „Ich glaube bei der braucht‘s sogar noch was Härteres, um so gut drauf zu sein...“
Gabi: „Na nun kommt doch schon! Es ist doch so schön, wenn Liebe in der Luft ist!“

Gretchen und Marc traten beide in den Fahrstuhl und beobachteten beide immer mal wieder Gabi, die mit breitem Grinsen zwischen den beiden stand.
Als beide den Fahrstuhl verlassen wollten meinte sie nur noch zurufend: „Ach, wie schön! Sabine und Dr. Gummersbach sind ein Liebespaar und ihr zwei auch. Ist das nicht schön?!“ während sich langsam die Fahrstuhltür schloss und Gretchen und Marc kurz regungslos und unsicher stehen blieben.

Gabi hingegen konnte nun endlich aufhören falsch zu lächeln und meinte nur mit verbittertem Gesicht ganz leise: „Wie schön...“


Gretchen und Marc hingegen verstanden die Welt nicht mehr.
Gretchen: „Die führt doch irgendwas im Schilde!“
Marc genervt: „Das Biest hat sie ja auch nicht alle, die dumme Sau!“

Gretchen wollte gerade eben schmunzeln, als es plötzlich laut tönte, sodass sie befürchtete sie würde Tinitus bekommen.
Elke: „Marc Olivier!“
Marc drehte sich genervt um zu den Fahrstühlen, denn aus dem anderen stieg gerade Elke aus. Und auch Gretchen drehte sich erwartungsvoll um.
Marc: „Boah, Mutter! Wie oft denn noch! Nenn mich nicht so!!!“
Elke: „Marc Olivier, es ist ein Skandal! Es ist grausam! Die Henkersmahlzeit wurde mir serviert...“
Marc nuschelnd: „Also soooo schlecht war mein eigenkreiertes Müsli nun auch wieder nicht...“
Elke unablässig: „Mein Weg zum Schafott ist geebnet! Da geht ich - hin das geistreiche Genie, die unersetzbare Autorin – kurz um: unverzichtbar, unschlagbar und äußerst erfolgreich!“
Marc genervt: „Was redest du da, Mutter?!“
Gretchen zynisch: „Ich glaube sie bildet sich ein ‚großartig‘ zu sein... Ist bestimmt psychisch bedingt, so realitätsfern wie ihre Ansichten sind!“
Elke entrüstet: „Ich muss ja sehr bitten!“
Gretchen scherzend: „Dass Ihnen jemand diese albernen Groschenromane abkauft? Dann sind sie ja fast schon eine Zeugin Jehovas unter den Autoren. Die müssen auch immer bitten und betteln und flehen, dass sie ins Haus dürfen, um ihren Schrott verkaufen zu dürfen...“
Elke: „Hat Sie eigentlich irgendjemand nach Ihrer Meinung gefragt?!“
Gretchen selbstbewusst: „Ähm, ja, Sie hat aber auch niemand gefragt und trotzdem schreiben Sie! Wobei, stimmt ja: Ihr Geschreibsel spiegelt ja keine Meinung wieder, sondern ist ja nur sinnlos...“
Marc räuspernd, während Elke schon dem Ausbruch nahe ist: „Äh, Hasenzahn. Kannst du bitte damit aufhören sie zu provozieren...“
Gretchen stottert entrüstet: „Entschuldigung! DEINE Mutter betrügt meine Mutter, also dein... nein! Mein Vater betrügt meine Mutter mit deiner Mutter!“

Marc schaute sie nur fragend und blickte dann zu Elke: „War das jetzt so richtig?!“
Elke nachdenklich: „Also, wie jetzt: ich betrüge meine Mutter mit Ihrem Vater?!“
Gretchen verzweifelt: „Nein! Meine Mutter betrügt ihren Vater mit... NEIN... Oooch... ist ja auch egal! Das muss jedenfalls aufhören!“

Gretchen redete sich in Rage, während Marc und Elke nur fragenden Blickes neben ihr standen, als eine allen vertraue Stimme meinte: „Wer betrügt wen?“
Gretchen überrascht: „Papa?!“
Franz: „Aber Kälbchen, ich dachte du wolltest heute mit deiner Mutter zum Fitness... würde dir gut tun!“
Gretchen peinlich berührt: „Papa, bitte!“
Marc erstaunt: „Du machst Fitness?!“
Gretchen in Erklärungsnot: „Nei...“



...Marc schaut schon wieder so komisch. Wenn ich jetzt ‚nein‘ sage, dann denkt er ich kümmere mich nicht um meine Fitness. Mache ich auch nicht. ‚Ja‘ ist aber besser. Selbstbewusster. Bin Ärztin, muss mich fithalten. Macht sicher einen guten Eindruck....



Gretchen: „Neilich ja!“
Elke: „Neilich?!“
Gretchen: „Äh ja, das ist schwäbisch und bedeutet so viel wie: ‚Aber sicher doch‘. Hat mir die Frau Dr. Steigerle beigebracht.“
Franz: „Nun ja, es ist sicherlich immer gut neue Fremdsprachen zu lernen.“
Gretchen: „Ähm ja, das sehe ich auch so, Papa! Aber was machst du eigentlich hier? Hast du heute nicht frei?“
Franz: „Ja, aber deine Mutter macht schon seit heute Morgen Frühsport. Und diesen Anblick konnte ich nicht ertragen. Und was machst du hier, Elke?!“
Elke hysterisch: „Mein Gott, Franz! Es geht bergab. Ich wurde hinters Licht geführt. Der Satan hat mich überfallen. Sie wollen mich zugrunde richten, weil ich ihnen zu gefährlich geworden bin... Marc Olivier, schau es dir an! Aber bitte mach es nicht publik...“

Elke reichte ihm ihr Handy, auf dem ein Bild zu sehen war.
Marc entsetzt: „Ach du scheiße! Das bist ja du, als du dir in die Hose gepisst hast!“
Elke schreiend: „Marc Olivier!“

Und Marc schaute mit entsetztem und wütendem Blick zugleich zu Gretchen hinüber, die erstarrte: „Bist du bekloppt?!“
Gretchen hysterisch: „Ich war das nicht, Marc!“
Franz: „Aber du hast es doch gestern noch gesagt, Kälbchen, dass du die Erfolgsautorin damit...“
Gretchen entrüstet: „Vielen Dank auch Papa, dass du mir so in den Rücken fällst. Muss ja RICHTIGE Vaterliebe sein...“
Elke erbost: „Sie waren das? Wissen Sie wie ich jetzt dastehe! Mein Ruf ist ruiniert. Ich will gar nicht wissen, wer das alles schon gesehen hat... Mein Kopf wird gekürzt. Ich werde zugrunde gehen...“
Gretchen: „Sind Sie nicht schon lange am Boden mit Ihren scheußlichen Romanen?“, als ihr ein Licht aufging: „Mutter!!!“
Elke: „Wie bitte?!“
Gretchen erbost: „Tja, das hätten Sie sich wohl früher überlegen müssen. Mit betrogenen und hintergangenen Ehefrauen ist eben nicht zu spaßen.“

Wütend stampfte Gretchen davon und ließ die drei zurück.





Kurze Zeit später im Stationszimmer:


Sabine saß wieder einmal am PC und bearbeitete Dokumente, als Gretchen genervt herein schlürfte.

Gretchen: „Sabine, kann ich mal mit Ihnen sprechen?“
Sabine: „Aber sicher, Frau Doktor. Was ist denn los? Warum sind Sie nicht in der Notaufnahme? Das war ganz großes Kino vorhin, Frau Doktor!“
Gretchen: „Oh danke. Aber ich brauch jetzt einfach mal Abstand. Gibt’s noch Kaffee?!“
Sabine eilte zur Kaffeemaschine und meinte nur: „Oh ja, Frau Doktor!“
Gretchen folgte ihr langsam: „Sagen Sie mal, Sabine.“
Sabine: „Sagen Sie mal, Sabine!“
Gretchen: „Bitte?“
Sabine: „Ich nehme nichts an, Frau Doktor!“
Gretchen: „Wie meinen Sie?“
Sabine: „Sie sagten doch ich soll ‚Sagen Sie mal, Sabine‘ sagen.“
Gretchen: „Nein...“
Sabine: „Doch!“
Gretchen: „Ja, schon. Aber ich wollte doch auf etwas anderes hinaus.“
Sabine erschrocken: „Oh... habe ich etwas falsch gemacht?“
Gretchen: „Nein, aber Gabi meinte, dass Sie und Günni...“

Gretchen blickte Sabine erwartungsvoll an, welche ebenso erwartungsvoll zurückblickte.
Gretchen: „Na, dass Sie und Günni zusammen sind?!“
Sabine: „Aber Frau Doktor, das… ich meine….“
Gretchen entschieden: „Papperlapapp, Sabine. Leugnen ist zwecklos. Bei Ihnen liegt Liebe in der Luft. Sogar bei Gabi im Fahrstuhl... Zwischen Günni und Ihnen - das ist einfach was Besonderes. Das kann man fühlen. Es knistert immer, wenn Sie sich sehen. Und bei mir und Marc? Jetzt unterstellt er mir doch, dass ich ein Bild von seiner Mutter, als die sich eingenässt hat, gemacht hätte...“
Sabine überrascht: „Wirklich? Das kann ich gar nicht glauben. Ich dachte immer, dass das ganz unauffällig ist.“
Gretchen bedauernd: „Naja, der Fleck war schon riesig. Unauffällig war der nicht gerade...“
Sabine: „Oh nein, ich meinte unsere Gefühle...“
Gretchen irritiert: „UNSERE Gefühle?!“

Sabine fügte traurig hinzu: „Zumindest weiß ich es bei Dr. Gummersbach nicht...“
Gretchen entschlossen: „Ach so, das meinen Sie! Keine Bange, das kriegen wir schon hin, Sabine. Ich werde Ihnen helfen. Der wahren Liebe muss man einfach auf die Sprünge helfen. Alles wird gut. Ich seh‘ es schon vor mir. Ich werde ihr Amor sein. Günni und Sie werden mit meiner Hilfe glücklich in den Sonnenuntergang reiten.“
Sabine verzweifelt: „Ohhh, na das kann ja dann NUR schiefgehen...“
Gretchen entrüstet: „Bitte?!“
Sabine: „Ich meine sind Sie sicher, Frau Doktor? Sie und der Herr Doktor haben es ja auch nicht…. Ich meine, bei Ihnen ist es ja auch…. Also…. Was ich eigentlich sagen will…“

Gretchen lenkt ab: „Sabine, das tut hier nichts zur Sache. Mit Marc und mir ist es….etwas anderes. Aber genaugenommen ist das auch gut für Sie. Denn so habe ich mehr Zeit, mich um Ihr Glück zu kümmern. Sozusagen 24 Stunden am Tag Amor im Dienste der Liebe, jetzt, wo ich sowieso nichts Besseres zu tun habe – außer den Aktenkram und Fitness mit meiner Mutter...“
Sabine: „Sind Sie sicher?“
Gretchen verzweifelt: „Nein, eigentlich wollte ich gar nicht ins Fitnessstudio, aber meine Mutter...“
Sabine unterbricht genervt: „Nein! Ich meinte doch mit Amor!“
Gretchen: „Ach so, ja! Aber selbstverständlich. Mit meiner Hilfe werden Sie schon bald mit dem Mann Ihrer Träume glücklich sein.“
Sabine: „Wie Sie meinen. Ich befürchte ja Schlimmes...“
Gretchen: „Gut, dann können wir uns ja eigentlich jetzt schon dem ‚Projekt Amor‘ widmen.“


In diesem Moment platzte Maria zur Tür herein, und begann laut zu lachen.
Maria: „‘Projekt Amor‘? Was ist das? Der Bachelor für Arme? Eine neue RTL-Serie am Nachmittag?“
Gretchen ertappt: „Frau Dr. Hassmann, was machen Sie denn hier?“
Maria bissig: „Was ich hier tue? Offensichtlich werde ich jetzt einen Kaffee trinken und meine Pause genießen. Die wichtigere Frage ist doch vielmehr, was Sie hier machen?“
Sabine: „Also…nun ja….ich…. wir…“
Gretchen selbstsicher: „Sabine, holen Sie mir doch die Akte von Frau Schweißmann! Sie wissen schon, der Fitnesstrainerin, die zu viel Sport gemacht hat und nun hier liegt...“
Sabine: „Aber die Akten hat doch die Nachtschicht schon mitgenommen.“
Gretchen wandte sich überrascht Sabine zu: „Wie? Das heißt es gibt wirklich eine Frau Schweißmann hier?! Ich bin gut...“

Sabine hingegen deute auf Maria, die das Schauspiel offensichtlich gerne beobachtete.
Gretchen hysterisch stotternd: „Ach ja... ich bin so gut... ja, ich bin wahnsinnig gut im... im Namen merken. So richtig gut halt, bin ich! Ja... Gut Sabine, dann holen Sie die Akte doch jetzt bitte aus Marcs Büro, also ich meine, aus dem Büro... ich meine... wo die auch immer ist!“
Maria grinste spitzbübisch: „So ist das also. Warum bin ich nicht gleich darauf gekommen? Es geht mal wieder um den Meier. Bei Ihnen geht es doch immer um den Meier. Ist das Ihr neuer Plan, ihn zurückzugewinnen? Haase, wie lange werden Sie ihm noch hinterherlaufen. Müsste das nicht sogar unter IHRER Würde sein. Was planen Sie diesmal?“



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Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=6s6JPdJiSfA; "Joachim Heinrich • Broken bits (Cinematic Music | Sad) [HD]" © by Joachim Heinrich, YouTubeDE; aufgerufen am 07.08.2014 um 10:04



Gretchen empört: „Also wirklich… Marc und ich…. wir… wir…wir sind füreinander bestimmt. Das ist die wahre Liebe. Klar, dass Sie davon nichts verstehen. Warum sollten Sie auch? Es geht Sie ja auch nichts an, und schon gar nicht, was ich sonst noch in meiner Freizeit mache. Und zudem, für jemanden, die ihr Kind gerade erst verloren hat sind Sie aber ziemlich gemein!“
Maria sichtlich getroffen: „Woher? Woher wissen Sie das?!“



...Oh Gott, schluchzt die jetzt? Heult die etwa? Oh nein! Gretchen, was hast du da wieder nur gemacht du dusselige Dumpfbacke! Wie kann ich nur...



Sabine erschüttert: „Oh... das tut mir leid!“ und flüsterte kurz darauf vor sich hin: „Akte Schweißmann, Fitnesstrainerin.“
Maria sichtlich gekränkt: „D..das muss ich mir echt nicht geben. Ich trinke meinen Kaffee lieber ohne Ihre schwachsinnigen Gedanken.“
Maria verließ prompt und spürbar geknickt das Schwesternzimmer.



...Puh, das war knapp. Beinahe wären wir aufgeflogen. So kann das natürlich nichts werden. Wir müssen wirklich aufpassen. Nicht, dass mein Plan noch auffliegt. Amor in geheimer Mission ist doch viel aufregender… und erfolgsversprechender.
Muss mich aber auf jeden Fall bei Frau Dr. Hassmann entschuldigen. Wobei, sie hat sich auch noch nie bei mir entschuldigt! Aber ich mache es: wäre sonst nicht gut fürs Karma!
Das wäre auf jeden Fall schon mal geschafft. Wo ist Sabine jetzt eigentlich? Das gibt’s doch nicht! Die ist einfach gegangen?
Setze mich jetzt aber doch noch hin und mache mir eine heiße Schokolade. Hoffentlich ist noch Kakao da!...




20 Minuten später kam Sabine deprimiert durch die Tür.
Gretchen: „Sabine, da sind Sie ja endlich. Wo waren Sie denn so lange und warum schauen Sie so betrübt?“
Sabine: „Frau Doktor, ich kann die Akte einfach nicht finden. Ich habe alles durchsucht. Aber ich habe sie einfach nicht gefunden...“
Gretchen verdrehte die Augen: „Sabine, das war doch nur ein Trick, damit wir nicht auffliegen. Ich wollte, dass Sie sich nicht verplappern.“
Sabine verwundert: „Frau Doktor, selbstverständlich habe ich dem Herrn Doktor nichts erzählt. Wie gesagt, er war ja auch gar nicht in seinem Büro. Und nach ihm sollte ich ja auch nicht suchen.“
Gretchen: „Sabine, ich meinte doch Dr. Hassmann.“
Sabine verwirrt: „Frau Dr. Hassmann will uns auch helfen? Hat die nicht genug eigene Probleme, jetzt, wo sie doch ihr Kind verloren hat. Das…“
Gretchen unterbricht sie: „SABINE! Was ich meinte, war…. ach lassen wir das. Das führt zu nichts. Widmen wir uns lieber unserem Projekt. Also Sabine, was ist denn nun mit Ihnen und Günni?“
Sabine unsicher: „Nichts?!?!?!?!“
Gretchen: „Wie nichts? Sie wollen doch mit ihm zusammen sein.“
Sabine: „Nun ja….“


Nun betrat auch Gabi scheinbar erneut gut gelaunt das Schwesternzimmer.
Gretchen drucksend: „Haben Sie denn schon mal, ich meine sind Sie schon mal, wie soll ich sagen, intim gewesen?“
Sabine wird knallrot: „Frau Doktor!!“
Gretchen: „Haben Sie sich denn schon mal geküsst?“

Sabine senkte nur den Kopf.


Gabi setzte sich gebannt zu den beiden, woraufhin ihr Gretchen nur einen fragenden Blick zuwarf. Gabi hingegen lächelte zurück, was Gretchen sichtlich irritierte.

Gabi: „Ach Sabine, du kannst doch der Frau Dr. erzählen, dass ihr schon gefickt habt!“
Sabine entrüstet: „Gabiiii!!!“
Gretchen hysterisch: „Bitte? Sie erzählen Schwester Gabi, dass Sie schon mit Dr. Gummersbach ge... ich meine im Bett waren, mir aber nicht?!“
Gabi: „Ach kommen Sie schon, Frau Dr.! Nicht gleich eingeschnappt sein. Sabine und ich hätten sicher nichts dagegen, wenn Sie auch unsere Freundin wären, stimmt’s Sabine?!“
Sabine: „Ich also... ich...“
Gabi: „Na also, best friends forever!“
Gretchen verblüfft: “Also ich... ich...”
Gabi: „Ach, jetzt mal Klartext!“
Gretchen: „Bitte?!“
Gabi: „Milch und Zucker oder nur Milch oder nur Zucker oder gar keine Milch und gar keinen Zucker?!“
Gretchen skeptisch stotternd: „Ich... ähm... ich... Wie?“
Gabi erfreut: „Also schwarz. Wunderbar!“



...Irgendetwas kam mir an dieser Situation komisch vor! Sehr komisch sogar...



Gretchen: „Nun aber zurück zu Ihnen, Sabine. Haben Sie schon mal ein Date mit ihm gehabt?“
Sabine: „Naja, wir wollten mal zu einer Star Trek - Convention.“
Gretchen hoffnungsvoll: „Und...?“
Sabine beschämt: „Nun ja, wir waren nicht dort.“
Gretchen: „Essen? Kino? Theater?“

Sabine schüttelte bei jeder Frage den Kopf.
Gretchen: „Haben Sie wenigstens schon mal ein längeres Gespräch mit ihm gehabt – also so richtig zwischenmenschlich?“
Sabine wollte gerade loslegen, als Gretchen hinzufügte: „Nicht dienstlich.“
Sabine: „Genaugenommen…eher nicht.“
Gretchen: „Oh je, dann gibt es eine Menge zu tun… Wo fangen wir an? Wissen Sie was Günni gerne tut, außer an Leichen rumzuschnippeln?“
Sabine: „Er liebt Star Trek.“
Gretchen verzweifelt: „Und sonst?“
Sabine: „Hmm…. Sonst weiß ich nicht viel.“
Gretchen schlug sich die Hand vor den Kopf, als Sabine hinzufügte: „Oh doch! Er liebt Käsebrötchen, aber keine Kohlrouladen!“
Gretchen ironisch und sichtlich verzweifelt: „Na wunderbar...“



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Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=YCrWgkNRilE; "Celine Dion - Think Twice" © by EIbrandedcontent, YouTubeDE; aufgerufen am 07.08.2014 um 10:47



Gretchen: „Ach Sabine, aber es wird doch dieses Funkeln in seinen und Ihren Augen geben, wenn Sie ihn sehen, wenn er Ihnen das Fahrrad von der Straße räumt oder wenn er durch die Scheibe Ihnen indirekt zuspricht ‚Ich bin stolz auf dich‘ – auch, wenn er es wahrscheinlich so nie zugeben würde...“

Sabine schaute Gretchen nur mit großen Augen an, woraufhin diese innerlich kapitulierte, was Gabi ein merklich authentischeres Grinsen ins Gesicht zauberte.



...Das darf doch nicht wahr sein. Aber warum sollte meine erste Mission als Amor auch einfach sein. Irgendwie schaffe ich das schon. Ich glaube an mich. Und auch in Sachen Liebe zwischen Marc und Gretchen wird sich so einiges ändern. Da kann nicht einmal die urplötzlich nette, kaffeekochende Gabi mit ihrem unheimlichen Dauergrinsen etwas daran ändern...





Eltern haben Kinder. Doch nicht alle Kinder führen ein glückliches Leben. Nicht alle wachsen behütet und geliebt auf.

Manche von ihnen werden liegengelassen wie eine Plastikpuppe. Sie wäre ja den heißesten Temperaturen gewappnet und würde über allem stehen.

Sie sehnen sich so sehr nach Anerkennung und Geborgenheit.

Sie verlieren sich und erkennen, dass es kein Wiedersehen gibt, während manche Eltern wohl nie wirklich zu ihren Gefühlen stehen können und immer eine Fassade der vermeintlichen Stärke leben wollen.

So manche benehmen sich allerdings wie kleine Kinder, wenn es darum geht ihre Ehe zu retten.

Während andere wiederum wohl nie aufhören werden Kind zu sein, obwohl sie sich selbst um ihre Eltern kümmern.

Ob sie jemals den Mut haben aufeinander zuzugehen und sich ihre Liebe schwören, so wie es Kinder tun?

Es gibt aber auch immer noch die, die schon früher nie mit dem zufrieden waren, was sie hatten. Sie wollten immer mehr und sie hätten alles dafür getan. Ob sie sich geändert haben, oder ob sie noch immer das gleiche, miese und hinterlistige Spiel, wie damals schon, spielen?






Nach urplötzlicher, wundervoller Wandlung, mit gespieltem Lächeln und scheinbar fürsorglicher Einsichtigkeit rief Gabi von der Anrichte aus in die Runde: „Käffchen!“ und kam mit drei Tassen daher. Doch das übergroße Lächeln trübte den Schein, was man in Gretchens und Sabines Gesicht deutlich lesen konnte...

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28.10.2014 20:28
#13 RE: FF: S02 von GretchenHaaseFan und Missing_DD Zitat · antworten

Unsere treuen Leserinnen!

Wie versprochen folgt heute die Zusammenfassung der bisheringen Kapitel. So könnt ihr nach der kleinen Pause wieder gut in die Geschichte reinfinden. Der nächste reguläre Teil folgt dann am Freitag. Viel Spaß damit! Übrigens an dieser Stelle nochmals ein Happy Birthday an Greta.



S02, E01: Jetzt aber! Sag mir, wer ich wirklich bin!
An allen Fronten wird mit Problemen gekämpft. Das angespannte Verhältnis zwischen Gretchen und ihrer Mutter erreicht den bisherigen Höhepunkt in einem missglückten Mutter-Tochter-Tag, bei dem Gretchen zufällig ihren Vater mit Elke Fisher erblickt. Die junge Assistenzärztin hadert enorm mit den Heimlichtuereien und dem Verhalten ihrer Eltern und mit ihrem persönlichen Liebesleben.
Maria hat ebenfalls mit ihren eigenen Gefühlen zu kämpfen. Sie ist völlig überfordert mit der unerwarteten Schwangerschaft und weiß nicht, wie sie damit umgehen soll.
Auch Marc kämpft mit einer Identitätskrise. Die Arbeit in der Notaufnahme macht ihn unglücklich, aber der Wechsel in die Chirurgie birgt persönliche Probleme. So wendet er sich hilfesuchend an die einzige Person, die ihn wirklich zu kennen scheint, in der Hoffnung, dass sie ihm die wesentliche Frage beantworten kann. Doch auch Gretchen kann dem Chirurgen die Frage, wer er wirklich ist, nicht beantworten.



S02, E02: Endlich! Ein echter Hollywood-Kuss, oder doch nicht?
Gretchen berichtet Marc von den jüngsten Entwicklungen in der Beziehung ihrer Eltern und erhofft sich Unterstützung von ihm, während er sich jedoch nicht einmischen will. Neben der Sorge, dass die Beziehung ihrer Eltern nicht mehr zu retten ist, befürchtet die junge Assistenzärzten, auch Marc durch einen Wechsel in die Chirurgie zu verlieren.
In ihrer Angst und Unsicherheit, die beiden Konstanten in ihrem Leben zu verlieren, konfrontiert Gretchen ihren Vater in aller Öffentlichkeit im Krankenhaus mit ihrem Verdacht und unterstellt ihm zusätzlich eine Affäre mit Kerry Weaver.
Nach ihrem Selbstmordversuch kehrt Gabi ins Krankenhaus zurück. Die Belegschaft reagiert zurückhaltend, doch Gabi gibt sich geläutert. Als sie jedoch Marc und Gretchen zusammen sieht, droht sie Gretchen offenkundig.
Marc entscheidet sich endgültig für die Chirurgie und gegen die Notfallmedizin.



S02, E03: Hilfe! Muss ich mich wirklich entscheiden?
Die Entscheidung, die Marc bereits getroffen hat, steht nun auch für Gretchen an, doch entscheidet sich diese für die Notfallmedizin, während Marc zurück in die Chirurgie wechselt.
Sowohl Franz wie auch Marc sind wenig begeistert von Gretchens Entscheidung, aber Franz hat durchaus Verständnis dafür.
Da die junge Assistenzärztin nun quasi wieder am Anfang steht, wird ihr eine Mentorin zugeteilt, um sie anzuleiten: Susan Lewis. Dies bringt Gretchen dazu, sich endlich bei Susan für ihre Vorwürfe zu entschuldigen.
Auch Sabine ist nun unterstützend in der Notaufnahme tätig und so kommt es, dass Gretchen die Krankenschwester anheuert, um Franz hinterher zu spionieren. Als Gretchen gezwungen ist, Marc von Sabines Einsatz zu erzählen, empfiehlt er ihr nochmals eindringlich, sich rauszuhalten, jedoch vergeblich.



S02, E04: Oh nein! Nicht schon wieder Chaos in der Traumwelt!
Die Ereignisse überschlagen sich und eine Katastrophe steht kurz bevor.
Gretchen kommt eine ihrer ersten Patienten in der Notaufnahme abhanden, während erste eher unbedeutende Ergebnisse aus der Beschattung von Franz vorliegen.
Maurice ertappt die schwangere Maria auf der Gynäkologie. Überfordert stößt die Neurologin den jungen Assistenzarzt vor den Kopf, der sich getroffen zurückzieht. Dies führt zu einem Streit mit Medhi, in dem Maria zu weit geht und Medhi tief verletzt. Getroffen platzt die Wut aus ihm heraus und er wirft die Schwangere aus seinem Büro. Nach einem kurzen Schlagabtausch zwischen Maria und Marc schickt Maria von ihrem schlechten Gewissen getrieben Gretchen zu Medhi. Auch hier eskaliert die Situation und Medhi macht Gretchen schwerwiegende Vorwürfe. Überfordert zieht sich die junge Assistenzärztin zurück.
Währenddessen verfolgt Gabi Sabine und verursacht dadurch den Tod von Gretchens verschwundener Patientin.
Als die Leiche gefunden wird, erfahren Franz, Kerry und Susan von Gretchens Fehler und sind extrem wütend. Dies führt sowohl für Gretchen als auch für ihre Mentorin Susan zu einer Meldung und vorläufigen Suspendierung. Ungeachtet dieser Konsequenzen weiß Gretchen jedoch nicht, wie sie mit ihrem schlechten Gewissen, für den Tod einer Patientin verantwortlich zu sein, umgehen soll.
Bei den Haases angekommen überschlagen sich die Ereignisse erneut. Franz und Bärbel streiten, Gabi und Sabine verfolgen von unterschiedlichen Positionen das Geschehen und Marc besucht Gretchen, um ihr beizustehen und sie zu unterstützen. Dabei offenbart er ein Stück weit seine Gefühle und es kommt zu einem langersehnten Kuss, der alle Anwesenden sprachlos macht.



S02, E05: Muss das sein! Ist die Nacht nicht schon einsam genug?
Gabi beobachtet den Kuss und schwört Rache, während Bärbel und Franz die Annäherung von Marc und Gretchen stören.
Gretchen entdeckt Sabine auf ihrem Beobachtungsposten und sorgt für Ablenkung, um mit Sabine sprechen zu können. Nach einem kurzen Gespräch begibt sich Gretchen wieder ins Haus, wo Marc und Franz der jungen Frau erklären, dass sie bei der Anhörung vor der Ärztekammer Susan belasten sollte, um ihre Karriere zu retten. Dagegen protestiert Gretchen vehement, da sie zu ihrem Fehler stehen und nicht nur Susan die Schuld zuweisen will. Wegen ihrer Ehrlichkeit macht Marc der jungen Frau Vorwürfe und es kommt zum Streit.
Währenddessen konkurrieren Maria und Kerry im EKH um Franz‘ Position und die Klinikleitung. Wieder empfindet Maria ihre Schwangerschaft als sehr ungünstig.
Susan und Medhi hingegen kommen sich durch ihre jeweiligen Probleme näher und auch Günni wagt einen Versuch bei Sabine, zu dem er jedoch Gabi mitbringt. Diese versucht zwar, Günni und Sabine zu verkuppeln, scheitert aber kläglich, da Sabine maßlos enttäuscht davon ist, dass Günni Gabi in ihre Probleme eingeweiht hat.



S02, E06: Kann das sein? Kein Sommertief in Sicht!
Dank Bärbel geht im Krankenhaus das Gerücht um, dass Marc und Gretchen ein Paar seien und bereits Kinder planen. Als Marc davon erfährt, stellt er Gretchen zur Rede. Seiner Ansicht nach habe sie das Gerücht in die Welt gesetzt. Wütend lässt er nicht zu, dass Gretchen sich rechtfertigen kann.
Gigi kehrt indes aus London zurück, da Gretchens Mutter die Gerüchte sogar bei ihr gestreut hat. Nach einer kurzen Begrüßung klagt Gretchen gegenüber Gigi über Marcs Verhalten. Schließlich mischt sich Sabine ein und macht Gretchen wieder Mut, um ihre Liebe zu kämpfen.
Bei den Haases laufen derweil die Vorbereitungen zur alljährlichen Gartenparty. Nebenbei gesteht Franz seiner Frau, dass er Elke ebenfalls eingeladen hat. Nach einem kleinen Ausraster im Badezimmer geht Bärbel jedoch wieder zur Tagesordnung über.
Im Krankenhaus erzählt Maria Medhi von Gretchens Problemen und lädt ihn als Versöhnungsangebot zur Gartenparty der Haases ein.
Am Abend kommt Gretchen in festlicher Garderobe gekleidet zu Hause an und trifft auf die ebenfalls soeben eingetroffenen Gäste Maria und Medhi. Bereits bei der Begrüßung versöhnen Medhi und Gretchen sich. Als die Neuankömmlinge die Party betreten, erfährt Gretchen von dem Motto und fühlt sich deplatziert, doch Marcs Erscheinen rettet Gretchen die Party und es wird doch noch ein schöner Abend.



S02, E07: Aufgepasst! Träume werden wahr?
Gretchen und Marc genießen den Abend in vollen Zügen, bis Elke die romantische Atmosphäre jäh zerstört. So sieht Marc sich gezwungen, seine Mutter nach Hause zu bringen und den schönen Abend zu beenden.
Bärbel hat hingegen mit eigenen Problemen zu kämpfen. Zur Ablenkung fängt sie direkt nach der Gartenparty mit dem Putzen an.
Auch Sabine und Günni machen sich das Leben schwer. Wieder versucht Gabi auf ihre eigene Art und Weise, den beiden zu helfen. Da Günni Gabi jedoch erzählt hat, dass er Sex mit Sabine hatte, ist diese wieder schwer enttäuscht und lässt keine Annäherung zu.
Als Gretchen Gigi in ihrem Zimmer antrifft, erfährt sie von weiteren Ereignissen auf der Gartenparty: Maria offenbart Medhi, dass sie eine Fehlgeburt erlitten hat, nachdem dieser sie im Alkoholrausch angetroffen hat, und Gigi landet nach einem Kampf um ein Glas Sekt im Buffet. Über diese Ereignisse geraten die Freundinnen in Streit, an dessen Ende Gigi Gretchen Mut macht, zu Marc zu fahren.
Dem Rat ihrer besten Freundin folgend besucht Gretchen Marc tatsächlich und die beiden nähern sich an. Gretchen verspricht jedoch, Marc Zeit zu geben, und so verbringen sie einen wunderschönen Abend zusammen.



S02, E08: Perfekt! Leben gerettet!
Auf dem Parkplatz des Krankenhauses finden Gretchen und Susan ein Kind in einem erhitzten Auto und befreien es. Trotz ihrer Suspendierung kämpft Susan professionell um das Leben des Kindes und blendet ihre persönliche Situation aus. Dies lernt auch Gretchen und gemeinsam können die beiden das Kind tatsächlich retten.
Während der Behandlung werden die beiden jedoch von Marc, Maria, Maurice und Kerry beobachtet. Da Maria sich erneut merkwürdig verhält, macht Maurice ihr Vorwürfe und verlässt wütend die Notaufnahme.
Nachdem Kerry ihr Vertrauen in Susans Fähigkeiten ausgesprochen hat, macht sie den beiden ein großes Kompliment, als sie ihr auf dem Flur begegnen, und versichert, dass sie mit keinen Konsequenzen zu rechnen haben.
Anderer Orts versucht Gabi, Medhi dahingehend zu beeinflussen, sodass sie wieder in die Gynäkologie zurück kann. Diesbezüglich hat Medhi jedoch noch einige Bedenken.
Nach der erfolgreichen Rettung des Kleinkindes nimmt Gretchen sich vor, Sabine und Günni zu verkuppeln und startet „Projekt Amor“.



Bis zum nächsten Mal,
eure Elena

GretchenHaaseFan Offline

Mitglied


Beiträge: 1.083

12.01.2015 20:52
#14  Date, ich komme! Zitat · antworten

Date, ich komme!



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S02,E09



WRITTEN BY
GretchenHaaseFan, Andrea

AND

Missing_DD, Elena


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Das geschah letztes Mal:


Schwester Gabi war überaus freundlich und wollte Schwester Sabine zu ihrem Glück verhelfen, was nicht nur ihr komisch vorkam...

»Gabi rollte mit diesem Stuhl zu Sabine hinüber und lächelte diese eine ganze Weile lang an. Sabine war hingegen immer noch sehr verblüfft und lächelte nur abgezwungen zurück.
Gabi: „Ist das nicht ein schöner Sommer; Sabine?!“
Sabine: „Gabi... ist... ist mit dir alles in Ordnung?“
Gabi: „Aber natürlich, Sabine! Wie läuft es denn bei dir und Günni?“
Sabine stotternd: „Ich... also wir... also... ich...“«

Doch war aus ihr wirklich ein besserer Mensch geworden?...

»Nach urplötzlicher, wundervoller Wandlung, mit gespieltem Lächeln und scheinbar fürsorglicher Einsichtigkeit rief Gabi von der Anrichte aus in die Runde: „Käffchen!“ und kam mit drei Tassen daher. Doch das übergroße Lächeln trübte den Schein, was man in Gretchens und Sabines Gesicht deutlich lesen konnte...«


Elke Fisher wurde vorgeführt: Ein peinliches Foto würde um alle Welt gehen und die so erfolgreiche Erfolgsautorin ruinieren...

»Elke reichte ihm ihr Handy, auf dem ein Bild zu sehen war.
Marc entsetzt: „Ach du scheiße! Das bist ja du, als du dir in die Hose gepisst hast!“
Elke schreiend: „Marc Olivier!“«

...und Marc hatte natürlich nichts Besseres zu tun, als gleich mich zu verdächtigen...



©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=58T0NlhNweA; "John Paul Young - Love Is In The Air ♥ HD" © by Gabrijela Stefanovic, YouTubeDE; aufgerufen am 11.01.2015 um 22:51



Ich startete unterdessen ein neues Projekt. Sabine und Günni würde ich verkuppeln! Dieses Erfolgsergebnis könnte ich ebenfalls zu Papier bringen und hätte schon jetzt einen besseren Titel, als all die Titel von Elke Fishers Groschenromanen zusammen.
„Projekt Amor“ würde mich ganz nach oben bringen an die Bestsellerliste!...


»Gretchen: „Ach Sabine, aber es wird doch dieses Funkeln in seinen und Ihren Augen geben, wenn Sie ihn sehen, wenn er Ihnen das Fahrrad von der Straße räumt oder wenn er durch die Scheibe Ihnen indirekt zuspricht ‚Ich bin stolz auf dich‘ – auch, wenn er es wahrscheinlich so nie zugeben würde...“

Sabine schaute Gretchen nur mit großen Augen an, woraufhin diese innerlich kapitulierte.«

...Ich hoffe nur, dass Sabine und Günni kein allzu schwerer Fall für den Anfang sind!




Es war der Herbst 1988. Ein ungewöhnlich warmer, so empfand ich es jedenfalls. Gut, Marc meinte damals natürlich, ich wäre einfach zu dick und mir wäre deshalb immer so schnell warm. Das hielt mich aber nicht davon ab, Gutes an meinen Nächsten zu tun, wie unsere Religionslehrerin schon immer von uns verlangte. Gott würde meine Werke auch so wertschätzen, auch, wenn ich nicht die Idealmaße 90-60-90 habe...
Ach du Schreck! Ob ich dann im Himmel überhaupt in ein Engelskleid passe?! Ich hoffe, die haben da nicht nur eine Standardgröße! Wenigstens eine Näherin werden sie ja wohl da haben...

Jedenfalls nahm ich mir in jenem Herbst fest vor Steffi mit Jan zu verkuppeln!
Alles lief perfekt: das Schreiben von Liebesbriefen in seinem Namen an sie – und darin war ich einsame Weltklasse! –, die Zusammenführung in den Sportgruppen, die perfekte Planung von Gruppenarbeiten, die beide immer wieder erfolgreich zusammenführte und das erste richtige Kennenlernen außerhalb der Schulmauern.
Alles hatte ich perfekt in unserem Garten vorbereitet und drapiert, unter anderem auch das Silbergeschirr von meiner Oma, das meiner Mutter so am Herzen lag, das aber auch ruhig zu Bruch hätte gehen können, so hässlich, wie das war! In der Herbstsonne wären sie da gesessen: im Schatten der bunten Laubbäume, mit einem Glas Limo auf dem Tisch, dazu Tee und Plätzchen, die ein Herz auf der Tischdecke bildeten und dazu wäre im Hintergrund romantische Musik gelaufen. Es hätte das perfekteste Date aller Zeiten werden können, das ich mir auch immer für Marc und mich gewünscht hätte...
Immerhin wusste ich damals schon, dass Marc nicht auf Männer steht – ganz im Gegensatz zu Jan. Das hätte man mir ja auch ruhig mal früher sagen können! Ich hätte ihm diese Peinlichkeit sich erklären und rechtfertigen zu müssen auch lieber erspart! Im Gebüsch hatte ich mich versteckt und konnte immerhin aus sicherer Distanz von Steffi lernen, wie man einem Mann nachhaltig eine Ohrfeige verpasst, die selbst nach 24 Stunden noch schmerzt.
Wie hätte ich das denn bitte damals ahnen sollen?! Bin ich etwa Gott?! Keine Ahnung, wie Susanne das nur schon vorher wissen konnte...




Sabine: „Frau Doktor! Wo bleiben Sie denn? Ein Patient wartet!“
Gretchen: „Sabine, ich habe mich gerade erst hingesetzt und möchte jetzt einfach mal in Ruhe meinen Croissant essen... und außerdem darf ich doch gar nichts an Patienten machen, Sie wissen doch: ich bin so gut wie suspendiert und darf nur noch Aktenkram erledigen...“
Sabine: „Aber, aber...“
Gretchen forscher: „Schwester Sabine: Ich darf nicht! Auch, wenn ich wollte...“
Sabine euphorisch: „Aber, die Frau Chefärztin hat gemeint, ich soll Ihnen ausrichten, dass Sie wieder Patienten behandeln dürfen!“
Gretchen drückte den Croissant fest vor ihre Brust, sodass er völlig zerdrückt wurde, sprang voller Freude mit einem Mal und einem lauten „Jaaa!“-Schrei vom Stuhl auf, riss beide Arme auseinander, sodass der Croissant Marc direkt ins Gesicht flog, der gerade zur Tür hereinkam.

Marc: „Schön, eine gute Entscheidung weniger zu essen! Deshalb brauchst du aber noch lange nicht alles hier zusammenschreien!“
Gretchen selbstsicher: „Marc, du redest wieder mit mir?!“
Marc: „Äh ja, warum sollte ich nicht?“
Gretchen zynisch: „Immerhin soll ich einen feindlistigen Anschlag auf das Image deiner soooo grandiosen, tollen, übernatürlich intelligenten Mutter verübt haben...“
Marc genervt: „Oh, bitte! Diese durchaus positiven Eigenschaften liegen eben in der Familie. Schade, dass das bei dir nicht so wirklich der Fall ist.“
Gretchen: „Was willst du damit sagen?“
Marc spitzbübisch: „Ach, nichts. Du interpretierst wieder viel zu viel in meine Aussagen hinein, Hasenzahn!“
Gretchen zwinkerte mit ihren Augen und meinte nur zynisch: „Mhm!“


Marc unterzeichnete nebenbei ein paar Akten, die er mit sich herumtrug, blinzelte jedoch dabei immer wieder Gretchen an, die noch immer diese Pose innehatte, die sagte: ‚Du weißt genau, dass ich recht habe‘

Als Marc fertig war mit Unterzeichnen, stöhnte er laut auf: „Ohhh!“, um dann hinzuzufügen: „Erinnere mich bloß nicht an diese peinliche Geschichte mit dem Foto, Hasenzahn! Meine Mutter nervt mich schon die ganze Zeit mit diesem Scheiß.“
Gretchen: „Gut, ich wollte nur klarstellen, dass ich das nicht wahr. Ich trete nämlich nicht noch nach, wenn die Karriere mancher Leute sowieso schon bergab geht. Das habe ICH nicht nötig. Und jetzt entschuldige mich bitte, mein erster Patient seit langem wartet wieder...“

Gretchen blickte zu Sabine hinüber und forderte mit Andeutungen auf, jetzt gemeinsam das Stationszimmer zu verlassen, während Marc fragenden Blickes dastand.
Marc: „Du darfst Patienten wieder quälen? Ich dachte du müsstest zuerst vor die Ärztekammer...“
Sabine mischte sich ein: „Nein, die Frau Dr. Weaver hat sich für Dr. Lewis und die Frau Doktor stark gemacht. Die Ärztekammer hat das Verfahren eingestellt. Ist das nicht eine freudige Botschaft, Herr Doktor?!“

Sabine schaute ihn und Gretchen abwechselnd freudestrahlend an, die sich sehnlichst nach einer positiven Reaktion sehnte. Mit einem Lächeln im Gesicht stand sie da.



...Ach Marc, sag‘, dass du dich für mich freust, dass ich deine Heldin bin, dass du mich liebst und auf ewig mit mir zusammen sein willst!...



Marc hingegen schaute beide nur verdutzt an und meinte sarkastisch mit monotoner Stimme: „Äh ja, wie schön! Da werden sich die Patienten aber wirklich freuen, von euch behandelt zu werden. Kleiner Tipp: Ihr solltet ihnen nicht erzählen, welche Kunstfehler ihr so üblicherweise begeht...“
Gretchen traurig: „Marc! Das ist jetzt echt unfair! Bis vor Kurzem wolltest du noch, dass ich gegen Susan aussage und ihr die ganze Schuld in die Schuhe schiebe! Du könntest dich auch wenigstens ein bisschen freuen...“
Marc legte lässig die Akten, die er noch in den Händen hielt, auf dem Tisch ab, näherte sich Gretchen langsam und meinte sarkastisch lachend: „Na, wenn das nicht mal eine Fehlentscheidung von Weaver war sich für euch einzusetzen, obwohl, die ist ja wahrscheinlich selber nicht besser...“

Gretchen nahm wütend die Akten, drückte sie ihm fest gegen den Brustkorb und lächelte ihn fies an, während sie ihm tief in die Augen blickte: „Du bist doch nur sauer, dass ich jetzt in der Notfallmedizin so richtig durchstarte und auf deine Hilfe nicht mehr angewiesen bin. Du solltest vielleicht noch einmal dein Bild, das du von anderen hast, überdenken. Nicht jeder Oberarzt ist so fies, wie du und noch nicht einmal unsere Chefärztin. Sie ist in den paar Monaten, in denen sie hier ist, schon tausendmal sympathischer als du, der du schon wie viele Jahre hier andere runtermachst?! Denke mal darüber nach, Dr. Meier!“
Gretchen drückte Marc, der ahnte, dass sie noch immer wegen der Verdächtigung bezüglich des unrühmlichen Fotos seiner Mutter auf ihn sauer war, beiseite und forderte Sabine auf, mitzukommen.

Während sie so den Flur hinunterliefen, meinte Sabine nachdenklich: „Ich glaube, er vermisst Sie sehr in der Chirurgie, Frau Doktor!“
Gretchen genervt: „Dann soll er das doch einfach mal zugeben und mich nicht immer so dumm anmachen! Da drauf habe ich echt keine Lust mehr!“

Als sie schließlich die Fahrstühle erreicht hatten und auf den nächsten warteten, bat Gretchen um die Akte ihres ersten Patienten und fragte nach dessen Namen.
Sabine übergab sie ihr und antwortete: „Ein Herr Sperling, 33 Jahre.“
Gretchen blickte geschockt auf, drehte sich Sabine zu und hakte nach: „Sperling?! ... Jan Sperling???“
Sabine: „Kennen Sie den etwa, Frau Doktor?“
Gretchen peinlich berührt: „Oh ja... hoffentlich kennt er mich nicht mehr!“
Schließlich stiegen beide schweigend in den Fahrstuhl ein.





Im Schockraum:


Gretchen riss schwunghaft die Tür auf und war mehr als nur überrascht, dass dort, neben Jan Sperling, der im Bett lag, ihr Vater stand.
Gretchen verwundert: „Papa?“
Langsam schloss sie die Tür, während ihr Vater Jan erklärte: „Das ist sie, meine Tochter! Ach Gretchen, der Herr Sperling war sehr gespannt auf dich!“
Gretchen entsetzt: „Hast du ihm etwa meinen Namen gesagt?! Wozu habe ich denn dann extra noch mein Namensschild im Fahrstuhl weggemacht??? Och, Papa!“

Franz verstand in diesem Moment die Welt nicht mehr, während Gretchen in diesem Moment am liebsten im Erdboden versunken wäre.
Doch genau in diesem Moment schrie Sabine, die hinter ihr mit dem Rücken zur Tür stand, laut „Aua!“ auf, weil Maria stürmisch hereineilte und laut schrie: „Ist das der Hirnschaden?!“
Gretchen drehte sich erbost um und meinte nur: „Also Frau Dr. Hassmann! Ich muss ja sehr bitten! So reden Sie nicht mit meinem Vater, auch, wenn er es verdient hat!“
Franz schockiert: „Kälbchen! Wie redest du vor den Patienten? Das untergräbt meine Autorität als Leiter dieser Klinik!“
Gretchen lauter: „Und ‚Kälbchen‘ untergräbt meine Autorität als behandelnde Ärztin!“
Maria lachte hämisch: „Ach, Sie behandeln wieder? Na, da werden ja die Schadensersatzklagen wieder in die Höhe schnellen...“


Gretchen ballte die Fäuste, drückte ganz fest die Augen zu, um einen Moment in sich zu gehen, ehe sie laut schrie: „Und jetzt sofort raus! Alle! Unverzüglich!“
Für einen Moment standen alle nur schweigend da, denn so hatten sie Gretchen noch nie erlebt.
Franz erfreut: „Bravo, mein Kälbchen! Du hast ja doch etwas in der Chirurgie gelernt! Überleg dir doch bitte noch einmal, ob die Notfallmedizin auch wirklich das Richtige für dich ist! Diese Durchsetzungsfähigkeit... du erinnerst mich fast schon ein bisschen an Meier...“



...Großer Gott! Um 10:32 brach meine Welt zusammen! Wollte nie Egomanin werden, wollte auch nie herumschreien. Marc hat immer noch Einfluss auf mich. Sollte Gefühlsleben dringend im Auge behalten. Ihm droht der grausame Tod infolge einer Überdosis an Egozentrik!...



Dann meldete sich schließlich auch Maria ein bisschen eingeschüchtert wieder zu Wort: „Und der Hirnschaden?!“
Gretchen drehte sich ihr erneut mit zugekniffenen Augen zu und meinte nur in leisem Tonfall: „Fragen Sie doch einfach Dr. Meier, der kennt sich damit bestens aus!“

Maria blickte sie an, verdrehte ihre Augen, und tat so, als würde sie kontrollieren, ob sie wirklich Gretchen vor sich stehen hatte, drehte sich schließlich wieder um, riss die Tür auf, die nun erneut gegen Sabines Oberarm knallte, die abermals „Aua!“ schrie, und verließ den Raum. Franz verließ folgte ihr wortlos. Sabine wollte schon hinterher, doch Gretchen hielt sie auf: „Ja, Sie doch nicht, Sabine!“
Sabine monoton: „Achso...“, während sie die Tür von innen schloss.
Gretchen konnte sich endlich ihrem Patienten widmen, der sich jedoch das Lachen scheinbar kaum verkneifen konnte. Gerade wollte sie mit ihm ein Gespräch anfangen, als Franz die Tür ganz vorsichtig erneut öffnete und lediglich mit dem Kopf durchblickte.

Franz: „Ach Kälbchen, ich bin übrigens froh, dass du wieder zum Team gehörst! Die Obduktion hat ergeben, dass die Frau einen Hirnschlag erlitten hat und ihr sowieso nicht mehr hättet machen können. Deshalb ist sie auch gestolpert und so dumm gefallen.“
Gretchen mitgenommen: „Oh Gott, das ist ja furchtbar!“
Franz mitfühlend: „Aber zum Glück nicht für euch, Kälbchen! Und du kannst froh sein, dass sich deine Chefärztin für euch so bei der Ärztekammer eingesetzt hat! Du weißt ja, die Mühlen mahlen langsam... sogar noch langsamer als unsere Kaffeemühle!“
Gretchen zu Tränen gerührt vor Freude: „Danke, Papa!“

Gretchen wollte sich erneut zu Jan umdrehen, als Franz noch leise murmelnd hinzufügte: „Kälbchen... meinst du, du könntest deine Mutter überreden, dass sie am Wochenende wieder diesen leckeren Schweinebraten macht, den mit Rosmarin...“



...Männer... ich glaub‘s einfach nicht! Die können wohl in jeder Lebenslage nur ans Essen denken... Obwohl, so ein Stückchen Schokolade hätte jetzt auch was...



Franz fuhr fort: „(...)Du weißt doch, seit sie auf diesem Sporttrip ist, will sie jetzt nur noch Grünzeugs machen!“
Gretchen entsetzt: „Bitte was?! Das kann sie mir nicht auch noch antun! Ich muss immerhin schon mit zum Sport... Es gäbe da aber auch eine andere Möglichkeit...“

Gretchen ging schnellen Schrittes auf ihren Vater zu, der noch immer seinen Kopf durch die Tür streckte, und meinte, als sie ihm ins Ohr flüstern konnte: „Du hörst einfach auf, Mama zu betrügen!“
Franz‘ Augen wurden riesig, als er wütend den Kopf zurückzog und die Tür mit einem lauten Knall zuzog, der Gretchen und Sabine zusammenzucken ließ. Wenig später öffnete er die Tür erneut, stand nun aber nicht mehr gebückt, sondern aufrecht in der Türschwelle und meinte ernst: „Ich habe keine Affäre mehr! Ich bin treu!“

Gretchen hämisch lachend: „Ja, sicher und ich habe nicht Elke und dich, sondern nur eure Doubles in der Stadt zusammen herumlaufen sehen und die Frau auf eurer Gartenparty war gar nicht Elke, sondern Hillary Clinton auf einem Außentermin. Sie wollte wahrscheinlich nur die außenpolitische Lage in unserem Haus erkundschaften... Mein Gott, Papa, das ist eure Ehe! Aber eines sage ich dir: Ich bin auf Mamas Seite!“

Betroffen drückte Gretchen die Tür nun endgültig ins Schloss und wandte sich wieder Jan zu, der nur meinte: „Bei dir läuft’s auch nicht gerade rund, oder?“

Gretchen blickte ihn mit rollenden Augen an und forderte Sabine dazu auf, die Behandlungsutensilien herzuholen.





Währenddessen im Fahrstuhl:


Marc stand im Fahrstuhl, dessen Tür sich gerade schloss, als in diesem Moment eine noch schnell hinein huschte, die auf der Suche nach Gretchen war und in ihrer Hektik dabei gar nicht bemerkte, mit wem sie da im Fahrstuhl war.

Gigi: „Mensch, das war ja die Gynäkologie. Ich muss doch in die Notaufnahme.“
Als Marc ihre Stimme vernahm, blickte er wieder auf und wandte sich ihr zu. Nachdem Gretchen ihn abprallen lassen hatte, musste er nun Dampf ablassen.

Marc: „Ich glaube nicht mal die in der Notaufnahme können DIR noch helfen. Versuchs doch mal in der Klapse! Zuerst wäre aber vielleicht noch der Besuch beim Schönheitschirurgen nötig. Ich glaube in der Klapse kann man auf ne Vogelscheuche wie dich gut verzichten. Da erschrecken sich doch alle nur, so wie in diesen Horrorfilmen, in denen die Zombies Angst und Schrecken verbreiten, du weißt schon...“

Gigi drehte sich genervten Blickes um und sah ihm direkt in die Augen. Sie konnte richtig sehen, wie es ihm Spaß bereitete, sie so zu kränken und so schloss er noch nach einer kurzweiligen Betrachtung ab: „...und du müsstest noch nicht mal in die Maske oder verkleidet werden!“

Gigi gekränkt: „Du bist so... so... fies!“
Marc: „Oh, wirklich?! Na, zu dir doch immer gern.“

Gigi wütend: „Weißt du, bis vor Kurzem dachte ich ja echt noch, dass du ein netter Kerl bist. Als Gretchen so erzählte, wie du dich um deine alte, kranke und pflegebedürftige Mutter kümmerst, da ging mir ja echt das Herz auf...“
Marc unterbrach verwundert: „Pflegebedürftige Mutter?! Was erzählt denn die für ne Scheiße???“

Gigi stampfte wütend auf den Boden, drehte sich zum Panel mit den Knöpfen um und haute auf den Stoppknopf, sodass der Fahrtstuhl ruckartig stehen blieb.
Dann fuhr sie schreiend fort: „Tu‘ doch nicht so! Ich habe ihr sogar geraten es mit dir zu probieren. Ich wollte lange Zeit nicht, dass ihr zusammenkommt, weil ich der Meinung war, dass sie nicht noch so ein Arschloch brauchen kann. Und als sie mir so von dir erzählte, dass du geschlagen wurdest, da konnte ich sogar verstehen, warum du dich so benimmst. Aber mittlerweile weiß ich gar nichts mehr. Ich weiß nur, dass du wohl keine Eier in der Hose hast, sonst hättest du schon längst alles versucht, mit ihr zusammenzukommen. Denn es gibt keine bessere Frau, die man haben könnte – gut, natürlich außer mir noch, aber das würde jede wohl so sagen. Also reiß‘ dich gefälligst einmal zusammen, sei ein Mann und zeige ihr das auch! Und hör’ auf deine scheißschlechte Laune an mir auszulassen! Ich habe genug andere Sorgen!“

Mit einer derartigen Standpauke hatte Marc nun wirklich nicht gerechnet, dem zwischenzeitlich auch die Zigarette aus dem Mund fiel.
Verblüfft stand er da, doch auch so, als hätte sie etwas in ihm ausgelöst.

Gigi hingehen drehte sich wieder zum Panel um und drückte alle möglichen Knöpfe. Verzweifelt fragte sie nur: „Wie geht denn jetzt das blöde Ding nur wieder an?!“





In Mehdis Behandlungsraum:


Mehdi saß am Schreibtisch und aß eine Brezel, als es an der Tür klopfte.
Mehdi: „Herein!“
Gabi betrat freudestrahlend den Raum.
Mehdi: „Schwester Gabi!“
Gabi: „Melde mich zum Dienst, Dr. Kaan!“
Mehdi irritiert: „Sie nehmen auch an der Öko-Woche teil?“
Gabi verwirrt: „Öko-Woche?!“
Mehdi: „Na, es gibt doch Freiwillige aus der Belegschaft, die eine Woche lang Müll auf dem Krankenhausgelände sammeln. Damit setzen wir ein Zeichen für unsere Umwelt und unser Krankenhaus, wenn darüber berichtet wird...“




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=Tu1qB6qCSNw; "Aqua-Barbie Girl Lyrics" © by ActiveHyperUnicorn, YouTubeDE; aufgerufen am 21.10.2015 um 12:17




Gabi schmunzelte: „Aber Dr. Kaan...“, um dann mit ernster Miene und tiefer Stimme zu unterstreichen: „...ich sammle doch den Dreck von anderen nicht auf! Sehe ich etwa wie die städtische Müllabfuhr aus?“

Mehdi blickte sie an und fuhr mit seinem Blick Richtung Dekolleté, wo er in ihren tiefen Ausschnitt blicken konnte.
Mehdi witzelnd: „Nun ja, zwei Hupen hätten sie doch schon und sonst auch ein beachtliches Ersatzteillager vorzuweisen!“

Und während Mehdi so lachte, näherte sich Gabi ihm und verpasste ihm eine gehörige Ohrfeige, sodass er sich verschluckte und fast an einem Stück Brezel zu ersticken drohte. Sofort hörte er geschockt mit dem Gewitzel auf.
Dann knöpfte sie sich erbost ihren Schwesternkittel zu und fügte betroffen hinzu: „Die sind nicht operiert!“

Mehdi beschämt: „Entschuldigung, Schwester Gabi, ich weiß auch nicht, was da in mich...“

Gabi unterbrach wieder strahlend und drehte mit ihrem Finger an einer ihrer Strähnen: „Ja ja, schon gut, Dr. Kaan! Also, was kann ich tun?“
Mehdi verwirrt: „Sie meinen jetzt aber nichts Anzügliches...? Ich glaube nicht, dass ich dazu der Typ bin...“
Gabi: „Nein, was kann ich hier tun? Patientenakten sortieren, oder Kaffee kochen...?“
Mehdi: „Sie sind wirklich...“
Gabi führte total happy fort: „Jaaaa! Die Personalabteilung hat die Versetzung zu Ihnen auf die Gyn tatsächlich bewilligt! Ist das nicht wunderbar, Dr. Kaan?!“
Mehdi erhob sich sprachlos vom Stuhl, um dann entsetzt wieder in ihn hineinzufallen: „Ja, das ist... wirklich... wunderbar, Schwester Gabi!“

Gabi lief überglücklich durchs Zimmer, was Mehdi nur fassungslos begutachtete und schließlich leise zu sich selber sprach: „Ich hoffe nur, sie vertauscht nicht wieder alle Akten! Nicht, dass es wieder Geschlechtsumwandlungen im Mutterleib gibt und aus Jungen beim Ultraschall plötzlich Mädchen bei der Geburt werden...“





Im Krankenhauspark:


Marc stand da, lehnte am Baum und rauchte seine Zigarette, als Gretchen ebenfalls das Krankenhaus verließ und ihn dort entdeckte.
Langsam näherte sie sich ihm.

Gretchen flüsternd: „Es ist Herbst und wird kalt, du solltest dir eine Jacke überziehen, Marc.“
Marc: „Ich halte so einiges aus!“
Gretchen: „Ich auch, Marc, aber irgendwann geht es nicht mehr. Irgendwann muss man einfach zugeben, dass man jemanden vermisst, bevor das Herz versteinert und kalt wie der Winter wird!“

Marc drehte sich verdutzten Blickes zu ihr um, schmiss die Zigarette auf den Boden und fragte: „Wovon sprichst du, Gretchen?“
Gretchen: „Das weißt du ganz genau, Marc!“
Marc stotternd: „Du denkst jetzt aber nicht, dass ich dich vermisse?!“




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=jVO8sUrs-Pw; "Green Day-Wake Me Up When September Ends lyrics" © by Manres, YouTubeDE; aufgerufen am 11.01.2015 um 22:10




...Ich sehe es in seinen Augen, wie er lügt, nur um es nicht zugeben zu müssen! Ich sehe es ganz genau!...



Gretchen wartete einige Momente und hoffte doch so sehnlichst, dass er es einfach nur zugeben würde. Doch von Marc bekam sie eine ganz andere Reaktion als jene, die sie erwartete.

Marc ernst:„Du glaubst doch nicht wirklich, dass dich in der Chirurgie irgendjemanden vermissen würde, oder? Glaub mir, Hasenzahn, deine Grobmotorik vermisst niemand! Deine Küchenpsychologie von wegen ‚pflegebedürftige Mutter‘ vermisst auch keiner! Du stellst andere doch nur als pflegebedürftig dar, weil du Torschlusspanik hast! Dein Peter hat dich damals betrogen, Mehdi hat dich sitzen lassen wegen einer, die ihn noch nicht einmal geliebt hat, dein Millionär ist abgehauen und ich habe dir auch keinen Antrag gemacht. Du hast doch nur Angst, dass du einmal niemanden hast, der dich pflegt, weil du immer einsam bleiben wirst...“

Gretchen war schockiert von dem, was Marc ihr da an den Kopf warf und zugleich fragte sie sich:
...Könnte er damit etwa recht haben? Stehe ich mir selbst im Weg?...


Und bevor sie auf Marcs Ausbruch reagieren konnte, fügte der noch an: „Du passt schon ganz genau dorthin, wo du jetzt bist... ins Untergeschoss!“

Wütend stampfte Marc davon und ließ Gretchen stehen, die ihm, nachdem sie kurz mit der Fassung ringen musste, unter Tränen noch hinterherrief: „Du hättest es wenigstens jetzt zugeben können! Wenigstens jetzt!“



Langsam ließ sie sich zurückfallen, um sich an den Baumstamm anzulehnen, starrte auf den Boden, der mit bunten Blättern übersät war, bis sie eine ihr bekannte Stimme vernahm: „Ja, gut! Ich geb’s zu. Aber ich konnte einfach nicht widerstehen, und das, obwohl ich so dermaßen besoffen war!“

Gretchen drehte sich um, und meinte nur kopfschüttelnd: „Frau Dr. Hassmann???“

Maria stellte sich vor sie, begutachtete sie von bis unten, als sie merkte, dass ihre Augen immer wässriger wurden.
Maria genervt: „Oh Haase, ich habe ihn doch nur geküsst! Den Sadomaso-Keller zeig ich ihm dann beim nächsten Mal...“

Gretchen verstand die Welt nicht mehr, schüttelte abermals abergläubisch den Kopf, um dann nochmals genauer die Details zu hinterfragen.
Gretchen: „Sie haben ihn geküsst? Aber warum?“
Maria lehnte sich nun ebenfalls an den Baumstamm an. Beide blickten in eine unterschiedliche Richtung, als Maria meinte: „Ja, keine Sorge! Er hat meine Wehrlosigkeit nicht ausgenutzt. Das Bild, das sie von ihm haben, ist also nicht zerstört...“
Gretchen war wir vor den Kopf gestoßen: „Ausgenutzt?!“
Maria mit einem hämischen Lächeln im Gesicht: „Na ja, also wenn ich mir die Situation heute noch so vorstelle, hätte ich mir es eigentlich schon gewünscht!“

Gretchen verstand kein Wort von dem, was Maria ihr eigentlich sagen wollte, erhob sich und wandte sich ihr fragenden Blickes zu. Maria erwiderte diesen Blick nur genervt, um dann auszuholen: „Meine Güte, Haase, es war nur ein Kuss!“
In diesem Moment stiegen Gretchen wieder einmal die Tränen hoch. Aufgelöst fragte sie: „Aber warum küssen Sie denn Marc?“

Maria ging kurz in sich, rollte schockiert die Augen, um dann zu fragen: „Das war gar nicht Dr. Kaan?! Also sooo besoffen war ich dann wirklich schon lange nicht mehr! Ich hätte schwören können, dass es Dr. Kaan...“

Gretchen erhob sich erleichtert vom Baumstamm und meinte gelassen: „Puh, Gott sei Dank!“ und strich sich über die Stirn, um dann im selben Moment geschockt die Augen aufzureißen und vorwurfsvoll zu fragen: „Sie haben Mehdi geküsst?!?!“
Maria blickte sie ebenso fragend an, wie Gretchen selbst noch kurz zuvor.

Gretchen lehnte sich derweil wieder an den Baum an, schüttelte den Kopf erneut, um dann sich wieder vom Baum loszulösen und die Stimme zu erheben: „Also Frau Dr. Hassmann, ich will Ihnen ja wirklich nicht zu nahe treten, aber finden Sie das nicht äußerst geschmacklos, nachdem Sie erst vor Kurzem Ihr Kind verloren haben?“

Auch Maria richtete sich wieder auf, erhob die Stimme und versuchte sich wütend zu rechtfertigen: „Sie tun ja gerade so, als ob ich die größte Schlampe hier wäre!“
Gretchen: „Äh, ja tut mir leid, aber der Gedanke könnte einem durchaus kommen...“
Maria genervt: „Mein Gott, jetzt entspannen Sie sich doch einmal...“
Gretchen fuchtelte mit ihren Armen in der Gegend herum und kreischte dabei lauthals: „Ich BIN entspannt! Ganz entspannt... sowas von entspannt!“, um schließlich ohne Fuchteln und mit leiser, bedrückter Stimme anzufügen: „...total unentspannt!“



...Muss feststellen, dass Marcs Anschuldigungen mich tief getroffen haben. Erster richtiger Arbeitstag katastrophal. Reanimation von Glück und Freude gescheitert. Sollte davon endgültig Abschied nehmen...



Maria riss sie abrupt aus ihren Gedanken: „Haase, ich weiß nicht warum, aber ich mag sie. Sie denken jetzt aber hoffentlich nicht darüber nach, ihr Leben aufzugeben und davon Abschied zu nehmen...!“

Gretchen fühlte sich ertappt und grätschte hysterisch lachend dazwischen: „Aber neeein, Frau Dr. Hassmann! Wo denken Sie nur wieder hin...“
Maria hingegen wusste genau, dass sie ihr etwas vormachte und genau darüber nachgedacht hatte: „Ich glaube wir beide brauchen dringend Abwechslung. Wir wollen ja beide schließlich nicht zu einem Marc Meier mutieren!“
Gretchen noch immer hysterisch lachend: „Marc Meier, ach, wer ist das schon?!“

Maria klopfte ihr verschmitzt lächelnd auf die Schulter, was sie nur mit einem leicht angewiderten Blick erwiderte.
Maria: „Heute Abend, 20 Uhr. Ich kenne da einen ganz tollen Club, der heute neu eröffnet!“
Gretchen: „Wie wollen Sie den Club schon kennen, wenn der noch gar nicht auf hat?“
Maria: „Insiderwissen, Haase, Insiderwissen! Das ist das A und O eines jeden Singledaseins!“

Gretchen stotternd: „Ja, aber... was ist denn mit Maurice Knechtelsdorfer?“
Maria in Wolke sieben schwebend: „Ach, Haase, als Dr. Kaan mich nach dieser Gartenparty bei Ihnen nach Hause gebracht hat und sich um mich kümmerte und wir uns zärtlich küssten(...)“



...Oh Gott, keine Details, bitte! Lalalala, ich hör’ einfach nicht hin...



Maria: „(...), da musste ich einfach feststellen, dass Maurice doch sehr jung ist. Vielleicht viel zu jung für mich...“, um lachend hinzuzufügen: „(...)und so ein Oberarzt verdient ja immerhin nicht schlecht!“



...Warum klappt das nie mit dem nicht-hören?! Moment einmal, hat die gerade ernsthaft gesagt, dass sie vor allem aufs Geld achtet?...



Gretchen konnte es nicht fassen und sagte schon unüberlegt „Schla...“, als sie gerade noch die Kurve kriegte und meinte: „Schlau, ja, wirklich schlau immer in die neusten Clubs zu gehen, Frau Dr. Hassmann!“
Maria voller Eigenlob: „Ja, nicht wahr? Ich hole Sie ab. Heute Abend, 20 Uhr! Und schmeißen Sie sich in Schale, Haase! Wir wollen sexy aussehen und nicht wie die letzten Vogelscheuchen vom Arsch der Welt!“
Gretchen schaute sie nur mit großen Augen an, da ihr eigentlich nicht wirklich nach Party zumute war, während Maria nach kurzem Überlegen noch hinzufügte: „Nun ja, eigentlich sehen ja, wenn dann, nur Sie wie eine Vogelscheuche aus. Ich sehe natürlich immer perfekt aus...“

Gretchen zwang sich ein halbherziges Lächeln ab. Maria stolzierte davon und schrie ihr noch zurück: „Heute Abend, 20 Uhr!“, während Gretchen ihr nur genervt hinterher blickte und zu sich selber „Scheiße!“ sagte. Maria drehte sich um, da sie es noch vernahm, und fragte: „Bitte?!“



...Die hat das noch gehört? Sollte Selbstgespräche unterlassen oder Lautstärke herunterfahren...



Gretchen rief schließlich demotiviert: „Jaaaa, suuupi! 20 Uhr! Ich freue mich...“, um nun ganz leise anzufügen: „(...)NICHT!“



...Lasse mich von Frau Dr. Hassmann zu einer Single-Party überreden. Kein gutes Omen! Auch an anderer Stelle ließ sich jemand überreden...





Unterdessen in der Cafeteria:


Mehdi hatte sich einen Kaffee und zwei Stück Kuchen geholt und setzte sich zu Marc an den Tisch, der in seiner Kaffeetasse schon seit dem er die Cafeteria betreten hatte, planlos herumrührte.

Mehdi: „Der Meier! Wenn du Kaffeesatz lesen möchtest, musst du den Kaffee ganz austrinken und dann siehst du ihn dort unten liegen.“
Mehdi zeigte in die Tasse hinein, während Marcs Blicke seinem Finger äußerst irritiert folgte.

Mehdi bemutternd: „Okay, was hast du diesmal wieder verbockt?!“
Marc stotternd: „Äh... ich, also... nichts!“
Mehdi abgeklärt: „Meier, du kannst einfach nicht lügen!“
Marc genervt: „Ohhh... gut, wenn es dich sooo geil macht: Hasenzahn geht nicht mehr auf meine Sticheleien ein! Sie hat heute noch nicht einmal geheult!“
Mehdi stopfte sich den Erdbeerkuchen in den Mund und meinte mit vollem Mund sarkastisch: „Na dann muss es ihr ganz schlecht gehen...“
Marc betrübt: „Sag ich doch!“
Mehdi blickte verstört zu Marc, der wieder anfing, in seiner Tasse herumzurühren.

Mehdi nachhakend: „Jemand hat gemeint ihr wärt zusammen...“
Marc: „Nach der Gartenparty dachten das ihre Eltern.“
Mehdi einfühlsam: „Und was genau ist jetzt daran schlecht, wenn sie das denken?!“
Marc horchte auf: „Ich, äh...“


Mehdi wandelte sich langsam aber sicher zum fürsorglichen Vater, der seinem Sohn aus der Patsche helfen wollte: „Hast du eigentlich gar keine Eier, du Idiot?!“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=6WEwxfdFraM&spfreload=10; "Bon Jovi - Runaway (Vinyl)" © by coverdalegr, YouTubeDE; aufgerufen am 12.01.2015 um 18:08




Marc erinnerte sich wage an Gigis Worte, woraufhin er entsetzt aufblickte: „Äh, bitte?!“
Mehdi mit Nachdruck: „Sag mal, wie kann man nur so bescheuert sein? Du hast sie doch genau da, wo du sie haben wolltest! Jetzt lad sie doch einfach mal ins Kino ein, oder zum Essen, oder auf ein Stück Erdbeerkuchen! Lass dir doch einfach mal etwas einfallen!“

Marc verunsichert: „Äh, du bist nicht meine Mutter, Mehdi!“

Mehdi mit lauter Stimme, sodass sich alle, die um sie herum saßen, zu ihnen umdrehten: „Aber dein Vater! Und jetzt frag sie endlich! So schwer kann das doch nicht sein! Man könnte echt nicht meinen, dass du Chirurg bist, Meier!“
Marc wollte sich erklären: „Ich...“
Mehdi grätschte dazwischen: „Ich will nichts mehr hören! Mach einfach einmal das, was man dir sagt und lade sie verdammt nochmal ins Kino, oder ins Theater, oder in die Oper ein!“
Marc wollte noch einmal anfangen: „Aber ich...“
Mehdi bestimmend: „Jetzt hau endlich ab! So viel Zeit hast du auch wieder nicht, du Idiot!“


Unverzüglich erhob sich Marc von seinem Platz, setzte sich rasch in Bewegung und verließ stürmisch die Cafeteria, während Mehdi Marcs Tasse zu sich herüberzog und vor sich hin sprach: „Prima, der ist noch halb voll und auch noch heiß! Ein Hoch auf das gute, alte Porzellan!“





Im Fahrstuhl des EKH:


Sabine betrat den Aufzug, denn in fünf Minuten ist ihre Pause zu Ende. Bevor sich der Aufzug schloss, hielt Günni ihn auf.




©:
Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=E-Z7bHOPyY0; "i Corti di Ula" © by Pataterna, YouTubeDE; aufgerufen am 28.08.2014 um 10:27




Günni: „Schwester Sa….Sabine, ich möchte Ihnen was sagen.“
Sabine: „Was machen Sie denn hier?“
Günni verwirrt: „Ich finde… was meinen Sie?“
Sabine: „Ich habe gefragt, was Sie hier machen.“
Günni: „Wie bereits mitgeteilt, ich wollte mit Ihnen reden.“
Sabine: „Ja, das habe ich gehört, aber sie fahren nie Fahrstuhl.“
Günni: „Das ist Ihnen aufgefallen?“

Sabine wurde ganz rot: „Nun ja, ich habe Sie gesehen und die Gunst der Stunde für mein Vorhaben genutzt.“
Sabine: „Aber Sie müssen doch gar nicht in die Chirurgie.“
Günni: „Da haben Sie völlig recht, aber diesen zusätzlichen Aufwand nehme ich auf mich. Ich werde für den Rückweg einfach die Treppe nehmen.“
Sabine: „Ok“

Für einen Moment kehrte Stille im Fahrstuhl ein.
Sabine schüchtern: „Sie wollten was sagen?“
Günni: „Selbstverständlich, beinahe wäre mir das wieder entfallen. Wie unangenehm.“

Sabine schaute fragend zu Günni.
Günni: „Eigentlich wollte ich mich nur für den schönen Abend bei der Star Trek – Nacht bedanken. Das war…“
Sabine unterbrach ihn: „Großartig.“
Günni: „Nun, ich hätte wohl ein anderes Wort gewählt, aber auch dieses ist passend.“
Sabine verträumt: „Ich fand den Abend auch schön.“

Die Fahrstuhltüren öffneten sich in der Chirurgie.
Sabine: „So, dann geh ich mal wieder an die Arbeit.“
Günni: „Das sollte ich wohl auch.“
Sabine: „Bis dann.“

Nachdem sie die Tür zur Umkleide geöffnet hatte, hörte Sabine noch Günni`s letzten Satz.
Günni hoffnungsvoll: „Vielleicht können wir das zeitnah wiederholen?“
Sabine steckte den Kopf aus der Tür: „Ich würde mich freuen.“

Damit schloss sie die Tür und strahlte wie die Sonne. An diesem Tag konnte nicht mal Marc Meier ihr ihre gute Laune nehmen.

Und auch auf dem Gesicht von Dr. Günther – Günni – Gummersbach erblickte man so etwas wie ein Lächeln, während er frohgemut die Treppen in die Pathologie hinabstieg.





Im Hause Haase:


Bärbel war unterdessen gerade dabei, die Blätter im Garten zu rechen, als ein sehr teures Cabrio angebraust kam und direkt vor dem Anwesen der Haases zum Stehen kam.
Bärbel geschockt: „Das gibt’s doch nicht!“

Elke stieg aus, ließ die Tür zufallen, betrat das Gelände durchs Gartentor und lief zielstrebig auf Bärbel zu, die den Rechen mit beiden Händen fest umklammerte.
Genau vor ihr baute sie sich auf, wie eine Gewitterwolke kurz vor dem Entladen.
Bärbel: „Dass Sie sich noch hier her trauen!“

Elke nahm die Sonnenbrille, die fast ihr ganzes Gesicht komplett verdeckte, ab und blickte sie teuflisch an.
Elke erbost: „Ich werde Sie verklagen, ich werde Sie bluten lassen! Und glauben Sie mir, wenn ich mit Ihnen fertig bin, dann nehme ich Sie als Vorlage für die ermordete Schwester Monique! Dieser Dr. Rogelt bringt mich noch ins Grab! Es muss ein Ende haben!“

Bärbel gelassen: „Ach, Sie sprechen von der Hauptfigur aus Ihren grausigen Kitschromanen?!“
Elke: „Das ist Kunst, meine Liebe, auch, wenn ich diese erbärmliche, liebestolle Monique und diesen trivialen Dr. Rogelt hasse – mehr denn je! Dennoch verstehen Sie doch sowieso nichts davon!“

Elke begutachtete Bärbel von oben bis unten, und meinte betroffen: „Wie sehen Sie denn aus?“
Bärbel schaute ebenfalls an sich herunter, um dann zu bestätigen: „Na, das ist eben Gartenbekleidung. Wie rechen Sie denn Ihren Garten?“

Plötzlich begann Elke laut zu lachen. So sehr, dass ihr Lachtränen die Wange herunterliefen.
Bärbel vor den Kopf gestoßen: „Was gibt es denn da zu lachen?“
Als sich Elke wieder eingekriegt hatte, meinte sie nur: „Ich und den Garten rechen? Ich bitte Sie, wozu hat man denn einen Gärtner?“
Bärbel konternd: „Ach wissen Sie, Frau Fisher, ich mache das lieber selber. Sie wissen doch, der Gärtner ist doch meistens der Mörder...“

Bärbel legte einen sehr berechnenden Blick auf, hob den Rechen in Luft und Elke kam sich so vor, als wäre sie gerade Teil eines Horrorfilms, in dem sie gleich das Opfer sein würde.
Mulmig war Elke zumute, als sie aus Reflex ein paar Schritte nach hinten ging, dabei mit dem rechten Absatz in einem Mäuseloch stecken blieb, schlagartig umknickte und zu Boden fiel. Dabei fiel sie so unglücklich, dass sie mit dem Hinterkopf auf eine Engelsstatue knallte.

In diesem Moment, als Bärbel das realisierte, hörte sie auch schon einen dumpfen Knall. Sie schmiss den Rechen beiseite, schlug beide Hände betroffen vor dem Mund zusammen und meinte: „Ach du liebe Güte, die Statue von Prof. Dr. Morgenstern! Ich hoffe da kommt kein Blut ran! Das ist immerhin ein Geschenk aus Sandstein!“

GretchenHaaseFan Offline

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12.01.2015 20:54
#15  Date, ich komme! (Teil 2) Zitat · antworten

Kurze Zeit später im Krankenhaus:


Bärbel hatte sofort den Krankenwagen gerufen. Gordon und der zweite Rettungssanitäter betraten die Notaufnahme, Bärbel, die im Krankenwagen mitgefahren war, lief hektisch den beiden hinterher, die Elke auf einer Trage liegend den Gang hinunter schoben. Auch Sabine war dazugekommen.

Gretchen kam ihnen direkt entgegen, ging noch beiseite, sodass sie genügend Platz hatten.
Gordon: „Oh, Frau Doktor! Sie wieder hier? Diesen schönen Anblick habe ich schon sehr vermisst!“
Gretchen strich sich geschmeichelt durchs Haar, als sie ihre Mutter erkannte, die hektisch hinterher eilte.
Gretchen verwundert: „Mutter?!“

Bärbel drehte sich zu ihr um und blieb schließlich stehen.
Bärbel entsetzt: „Gretchen, es ist etwas Furchtbares passiert!“

Gretchen wollte sie schon in den Arm nehmen, da sie sah, wie aufgelöst sie war.
Gretchen fürsorglich: „Mama, was ist denn passiert?“
Bärbel: „Der Engel hat sie erschlagen!“
Gretchen: „Bitte?“
Bärbel mit zittriger Stimme: „Ja, sie fiel und der Engel und sie wollte mich verklagen und... MARGARETE, da war überall Blut!“
Gretchen verwirrt: „Wer wollte wen verklagen?“

Bärbel wollte gerade ausholen, als Gordon vom Ende des Gangs aus rief: „Ja, Frau Doktor! Wo bleiben Sie denn?“
Gretchen abgehetzt: „Komme!“

Sie machte sich eilend auf den Weg. Bärbel folgte ihr, während sie vor sich hin faselte: „Und dabei muss ich doch noch heim und mich frisch machen!“
Bärbel: „Wieso denn frisch machen? Wir wollten doch gemeinsam diese eine Tierdokumentation anschauen, du weißt schon, die...“
Gretchen hektisch: „Das wird heute nichts, Mama! Ich gehe mit der Frau Dr. Hassmann auf eine Party...“
Bärbel fühlte sich alleine gelassen: „Ach so, aber du warst auch noch nicht mit mir beim Sport. Du hast in letzter Zeit so viel hier zu tun. Man könnte glatt meinen, du willst gar nicht mit deiner alten Mutter...“
Gretchen: „Och, Mama! Jetzt sag‘ doch nicht sowas! Du weißt doch, wie sehr ihr Sport liebe!“
Bärbel: „Na ja, aber was mache ich dann heute Abend so ganz alleine?“
Gretchen: „Frag doch Papa, der möchte bestimmt mit dir Zeit verbringen.“
Bärbel winselnd: „Aber der, der... ja, der ist doch heute Abend in der Uni...“
Gretchen erstaunt: „In der Uni?!“
Bärbel jammernd: „Ja, der ist doch Dozent einer Abendvorlesung...“
Gretchen forsch: „Seit wann das denn? Meine Güte, Mama, dann lass dir eben etwas anderes einfallen! Kann ich doch nichts dafür, wenn du nicht weißt, was du mit dir anfangen sollst, während Papa bei seiner Elke ist!“



...Oh, sollte wohl das nächste Mal besser erst denken, bevor ich andere kränke...



Plötzlich tönte eine leise, zitternde Stimme von der Liege aus: „Wir haben keine Affäre mehr!“
Gretchen entsetzt: „Ist diese widerwärtige Person auf der Trage etwa Elke Fisher?!“
Gordon: „Ja, Frau Doktor und ja Frau Doktor, die kommt aber bei Weitem nicht an Sie heran...“
Elke entrüstet, dennoch mit zittriger Stimme: „Also ich muss ja sehr...“
Gretchen zynisch: „Sie müssen hier gar nichts, Frau Fisher. Vielmehr muss ich hier nichts!“

Gretchen drückte Gordon die Werte wieder in die Hand, die er ihr gerade erst gegeben hatte, nahm ihre Mutter bei der Hand und lief wieder den Gang zurück, nachdem sie Gordon verkündigt hatte: „Rufen Sie Dr. Meier aus, ich werde mich hüten diese heilige Kuh auch nur anzufassen!“
Sabine: „Ich piepe ihn an, Frau Doktor!“

Doch Gordon wollte nicht locker lassen und meinte: „Das ist aber unterlassene Hilfeleistung, Frau Doktor! Und ich möchte doch nicht, dass Ihr schöner Hintern auf Grundeis geht...“

Gretchen blieb schlagartig stehen.



...Hat der gerade etwas über meinen Hintern gesagt?! Ohhh... Ich bringe ihn um! Wobei...



Gretchen drehte sich erhobenen Zeigefingers um und fragte zur Sicherheit noch einmal nach: „Gordon, sagten Sie gerade mein Hintern wäre schön?!“
Gordon: „Aber Frau Doktor, es ist doch nur die Wahrheit!“
Gretchen verblüfft: „Gordon, das ist wirklich das Netteste, das ein Mann seit ganz langer Zeit zu mir gesagt hat! Ich werde Ihnen den Gefallen tun, und dieser armseligen Kreatur auf dieser Trage helfen.“
Gordon verschmitzt: „Ich kann Sie auch zum Essen einladen!“



...Hilfe! Date-Angriff! Ganz fies! Befinde mich in einer misslichen Lage. Versuche nicht, mich ausnutzen zu lassen. Bleibe stark und standhaft!...



Gretchen schaute sich Gordon noch einmal ganz genau an: diese leicht verwehten Haare, die Ersthelfer-Uniform, wie er sich da gelassen an Elke Fishers Trage anlehnte.
Ohne es zu merken strich sie sich erneut durch die Haare.



...Ersthelfer! Könnte Glück und Freude noch einmal reanimieren! Die Hoffnung stirbt zuletzt. Werde aber nicht sofort anspringen. Männer sollte man zappeln lassen, erst dann zeigen sie ihr wahres Gesicht...



Gretchen rückte ihren Kittel zurecht, ging großen Schrittes Richtung Trage und begutachtete Elke ganz genau, warf jedoch immer wieder einen kurzen Blick zu Gordon hoch, der noch immer an der Trage lehnte und sie anlächelte.

Gordon: „Und, was ist jetzt? Ich werde Sie doch wohl zum Essen einladen dürfen!“

Gretchen richtete sich auf, nachdem sie in gebückter Haltung Elkes Wunde am Hinterkopf begutachtet hatte und meinte zynisch: „Na, wenn die gute Frau Fisher mit Ihnen essen gehen möchte, dann will ich dem jungen Glück doch nicht im Wege stehen!“

Gekonnt blickte sie Gordon mit einem siegessicheren Lächeln an, der nur sein Gesicht verzog und sie komisch anschaute. Gretchen hingegen wandte ihren Blick von Gordon ab und schweifte Richtung Elke, um dann noch anzuführen: „Na ja, so jung ist das Glück auf dieser Seite aber nun wirklich nicht mehr! Scheint mir doch schon sehr gebrechlich zu sein, die Gute...“




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=SCQsxOTx5_Y; "Joachim Heinrich • Little Love Story (Cinematic Music | Piano) [HD]" © by Joachim Heinrich, YouTubeDE; aufgerufen am 12.01.2015 um 18:44




Kaum hatte sie diesen Satz beendet, sah sie Marc, der angerannt kam. Für einen Moment dachte sie, er würde direkt auf sie zulaufen. In Zeitlupe schien er zu rennen, der Arztkittel durchweht, die Frisur dennoch perfekt sitzend, das Stethoskop um den Hals geworfen, das festsaß, wie wenn es angeklebt worden wäre und durch das enge Polohemd konnte sie sogar seinen muskulösen Oberkörper erahnen.



Gretchen himmelte ihn wie in Trance an: „Maaarc!“

Marc blieb in diesem Moment stehen, da er erkannte, wer da lag und weswegen er angepiept wurde: „Mutter?!“
Gretchen verharrte derweil noch immer in Trance: „Nein Marc, ich bin’s! Die Frau, die du liebst und mit der du 5 Kinder zeugen möchtest, am besten hier und jetzt!“

Bärbel blickte sich entsetzt um: „Also Margarete! Was sollen denn die Leute nur denken?!“
Marc kniff kurz die Augen zu, um dann zu fragen: „Äh, aber sonst geht’s dir noch gut, ja?“

In diesem Moment erwachte Gretchen aus ihrer Trance und stellte schockiert fest, dass Marc zwar vor ihr stand, er sie aber nicht wirklich anhimmelte.
Währenddessen schaltete sich auch Elke wieder ein und wollte ihr Leiden erläutern, während sie sich mit heftigen Kopfschmerzen versuchte zu erheben: „Marc Olivier! Gott sei Dank! Nein, mir geht es gar nicht gut! Diese Dilettanten hier reden lieber über... über...“
Sie fasste sich an den Kopf, war aber sichtlich weggetreten, als sie versuchte fortzufahren: „Über... also, was wollte ich denn eigentlich...“

Marc schaute Gretchen unterdessen noch immer komisch an, die am liebsten im Erdboden versunken wäre, und grätschte dazwischen: „Äh, Mutter... dich hat gerade niemand gefragt! Und jetzt zu dir, Hasenzahn! Was hast du da gerade gesagt?!“

Gretchen stotterte herum: „Ich, also... ich wollte sagen, dass...“
Sabine fasste sich ein Herz, die im Hintergrund stand, und sagte ebenso laut, wie Gretchen noch zuvor: „Sie möchte Ihnen sagen, dass Sie die einzige Frau für Sie ist, Herr Doktor und sie mit Ihnen 5 Kinder machen möchte, und dass Sie am liebsten sofort...“
Bärbel entsetzt: „Also hören Sie mal, Schwester! Das ist doch sehr privat!“
Sabine lachend: „Als ob das privat ist... das weiß doch schon die gesamte Belegschaft!“

Gretchen blickte Marc mit großen, um Verzeihung bittenden Augen an. Dieser war kurzweilig ebenso geschockt wie alle anderen. Nach Momenten des Schweigens aller, außer Elke, die vor Schmerzen stöhnte und keuchte, fragte Marc monoton: „Was hat sie?!“
Dabei ließ er seinen Blick jedoch nicht von Gretchen, die Halt auf dem Fußboden suchte, so peinlich war ihr die Situation. Sabine nahm das zum Anlass, um eine korrekte Diagnose zu stellen: „Ein gebrochenes Herz, Herr Doktor!“
Gretchen blickte ihn schluchzend an: „Ach, so schlimm ist es gar nicht, Sabine!“

Marc mit lauter Stimme: „Ich meinte auch meine Mutter, ihr Hornochsen! Wo sind wir hier? Wenn hier irgendjemand Beziehungsprobleme ausdiskutieren möchte, dann hat er hier nichts verloren! Hier wird professionell gearbeitet!“



...Hätte am liebsten wieder geweint. Bleibe aber standhaft. Erkannte in seinen Augen, dass er nicht meinte, was er sagte. Muss ein Männerding sein...



Gretchen rückte sich erneut ihren Kittel zurecht, räusperte einmal, um dann monoton zu antworten: „Nach erster Anamnese vermutlich ein leichtes SHT, Patientin klagt über Kopfschmerzen und Schwindelgefühl, keine Anzeichen auf Aphasie oder Amnesie, keine Anisokorie. Schädel-CT wurde angeordnet. Alles Weitere überlasse ich dir. Meine Mutter ist Unfallzeugin und wird hier bleiben. Und jetzt entschuldige mich, Marc, aber ich habe noch andere Patienten.“

Dann ging sie stillschweigend weg, blickte ihm dabei nicht mehr in die Augen. Nun kam es ihr so vor, als würde sie in Zeitlupe davon gehen. Sie strich sich eine winzige Träne, die sie nicht unterdrücken konnte, von der Wange, steckte beide Hände in die Kitteltaschen und lief zielstrebig geradeaus den Gang hinunter, als sie vernahm, wie Marc „Gretchen“ rief.




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=xCZUd3AILtE; "Joachim Heinrich • Love poem (Cinematic Music | Piano&Cello) [HD]" © by Joachim Heinrich, YouTubeDE; aufgerufen am 12.01.2015 um 18:52




...War es nur ein Traum? War es wieder eine Halluzination? Hätte ich ‚Marc‘ gerufen, wäre ich erneut Opfer einer Peinlichkeit geworden. Doch ich war mich sicher: Er hatte mich gerufen. Er nannte mich Gretchen! So, wie ich ihn schon immer hören wollte: liebevoll, zärtlich und voller Herzblut. Ich drehte mich um, wollte wissen, was er zu sagen hatte...



Alle standen noch da, niemand hatte sich vom Fleck gerührt, auch Marc nicht, als sie sich umdrehte. Doch er sah ihr nach, er sah sie an und fragte: „Hast du heute Abend schon etwas vor?“



...Was ich erwartet hatte, was ich mir erhofft hatte, trat ein! Würden Glück und Freude reanimiert werden und wenn ja, von wem? Ich wusste nur, sie würden erfolgreich reanimiert werden, wartete aber gespannt darauf, wie...



Gretchen mit einem zauberhaften Lächeln im Gesicht: „Heute Abend? Ja, ich würde es wagen mich sogar von dir überraschen zu lassen! Du weißt, du hast viel gut zu machen.“
Marc rief den Gang hinunter: „20 Uhr, ich hole dich ab! Lass dich überraschen!“

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht nickte Gretchen und drehte sich schwungvoll um, um schon leicht hüpfend weiterzugehen.





In der Pathologie:


Günni stand wieder einmal am Obduktionstisch und obduzierte eine Leiche, hörte dazu laut Musik über sein Headset, als Gabi die Pathologie betrat.
Sie öffnete die Tür, ging hinein und rief, während sie auf ihn zuging, immer wieder laut „Dr. Gummersbach!“, was er aber nicht hörte. Schließlich stupfte sie ihn an der Schulter, was ihm einen derartigen Schrecken versetzte, dass er sich umdrehte und seine Instrumente so auf sie richtete, als ob er sie gleich aus Notwehr erstechen wollen würde.

Günni erschrocken: „Schwester Gabi?“
Gabi: „Nehmen Sie sofort diese Waffen da runter! Ihh... die sind ja mit Blut beschmiert!“

Natürlich verstand Günni kein Wort, da er unglaublich laut Musik hörte. Da er aber auch steril bleiben wollte, zog er auch die Kopfhörer nicht ab und fragte stattdessen immer nur ‚Was?‘, weshalb Gabi noch lauter schrie.

Gabi: „Dr. Gummersbach! Ich möchte Sie etwas fragen!“
Günni: „Was?“
Gabi: „Nehmen Sie die Kopfhörer ab!“
Günni: „Wie bitte?!“
Gabi: „Sie sollen die Kopfhörer abnehmen!“
Günni: „Bitte?!“

Gabi dem Nervenzusammenbruch nahe: „Nehmen Sie sofort diese Dinger ab, Sie blöder Idiot! Ich weiß gar nicht, was Sabine an einem wie Ihnen bloß finden kann? Sie sind doch der größte Volldepp hier auf Erden!“

Plötzlich legte Günni die Instrumente aus der Hand, zog die Handschuhe aus und nahm die Kopfhörer ab.
Günni beleidigt: „Haben Sie mich gerade als Deppen bezeichnet, Schwester Gabi?“
Gabi blieb die Spucke weg. Hat er sie wirklich verstanden?
Gabi: „Ich... ähm... also ich...“
Günni auffordernd: „Ja?!“
Gabi: „Warum tun Sie das?“
Günni: „Was mache ich denn?!“
Gabi: „Na, mich so verarschen und so zu tun, als ob Sie nichts hören würden, obwohl Sie alles hören... Oh, wie peinlich! Davon sagen Sie Sabine aber nichts, ja?!“
Günni erklärend: „Ich konnte Sie nicht hören, aber ich habe mal einen Kurs im Lippenlesen besucht...“
Gabi: „Achso, aha... also, was konnten Sie jetzt genau...?“
Günni: „Sie meinten ich wäre ein Idiot und Volldepp!“

Gabi klopfte ihm kumpelhaft auf den Oberarm und meinte: „Ach so, ja ne, da sollten Sie lieber noch mal einen Kurs machen. Lief wohl nicht so gut, was, Dr. Gummersbach?“
Günni: „Ich habe ihn mit Bravur bestanden!“
Gabi ernster: „Schön, bringt aber nichts, wenn man nichts versteht, oder?!“
Günni nachdenklich: „Nun ja, also ich...“

Gabi unterbrach mit ernsterer Miene: „Also, Dr. Gummersbach. Ich bin eigentlich hier, weil ich mal wissen möchte, wie viele Leute unsere Ärzte hier so umbringen? Gibt es da so etwas wie einen Durchschnittswert?“
Günni lachend: „Also Schwester Gabi, so pauschal kann man das auch nicht sagen...“
Gabi: „Dann halt eben nicht pauschal, Hauptsache Sie sagen es einfach!“
Günni abgeklärt: „Schwester Gabi, ich kann Ihnen darüber keine Auskunft geben!“

Gabi näherte sich ihm langsam, verstellte ihre Stimme und hauchte ihm leicht erotisch ins Ohr: „Das können wir ja noch ändern, Dr. Gummersbach“ und legte ihre Arme um seinen Hals, um ihn eben dort zu küssen.
Blitzartig stieß er sie von sich weg, sodass sie sich ihr Knie an einem Transportwagen anstieß und „Aua“ schrie. Günni wollte ihr natürlich umgehend helfen, doch nun stieß sie ihn von sich.
Günni betroffen: „Es tut mir sehr leid, Schwester Gabi, aber sexuelles Interesse besteht meinerseits nur an Schwester Sabine!“
Gabi mit schmerzverzogenem Gesicht: „Danke, so genau wollte ich es nun wirklich nicht wissen. Und keine Sorge, Dr. Gummersbach, ich bekomme immer, was ich will! Und SIE will ich sicher nicht“

Mit Schmerzen im Knie zog sie von dannen und ließ Günni zurück.





Im Schwesternzimmer:


Gabi platzte ein wenig hinkend ins Schwesternzimmer, als sie dort Marc und Sabine belauschte, die miteinander sprachen, nachdem sie gerade am Tisch platzgenommen hatten.

Marc: „Sabine, ich brauch Ihre Hilfe! Und wäre es nicht ganz dringend, dann können Sie mir glauben, dass ich nicht Sie fragen würde!“
Sabine: „Oh, Herr Doktor, aber warum denn?“
Marc zynisch: „Sie sind nicht gerade die hellste Kerze am Kronleuchter, Sabine!“
Sabine nachdenklich: „Aber die, die nicht hell sind, sind doch sehr energiesparend, nicht wahr, Herr Doktor?“
Marc: „Jaaaa, energiesparend trifft es ganz gut, Sabine. Ihnen geht nämlich wirklich nicht oft ein Licht auf...“
Sabine: „Oh, Entschuldigung!“
Marc: „Ja, ja, schon gut.“
Sabine gebannt: „Und worum geht es denn?“
Marc flüsternd: „Ich brauche Karten!“
Sabine: „Oh, das ist bezaubernd, Herr Doktor! Was spielt denn Ihre Mutter gerne? Also ich hätte Mau-Mau, aber auch Uno. Oder doch etwas Konventionelleres, wie z.B. Tarock oder Bridge...“
Marc unterbrach genervt: „Sabine!“
Sabine war jedoch hocherfreut: „Ach, Herr Doktor! Ich finde es ja so bezaubernd, dass sie Zeit mir Ihrer Mutter verbringen!“
Marc: „‘Bezaubernd‘ sagten Sie bereits, Sabine!“


Gabi fragte sich leise hinter der Tür: „Die alte Schachtel liegt hier?!“
Das hörte auch Marc, der flüsternd fragte: „Sabine, haben Sie das gehört?!“
Sabine ertappt: „Oh je, das tut mir leid, Herr Doktor!“
Marc verwirrt: „Äh, was jetzt genau?“
Sabine meinte „Da ist eine E-Mail angekommen, Herr Doktor“, sprang auf und rannte Richtung Computer, woraufhin Gabi schnell Leine ziehen musste. Dabei rannte sie jedoch direkt Gigi um, deren Brille auf den Boden fiel und von Gabi noch zertreten wurde, während die nur meinte: „Pass doch auf, du blöde Kuh!“, und sich hinter der nächsten Tür versteckte.




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=y25stK5ymlA; "Annie Lennox - Walking on Broken Glass" © by AnnieLennoxVEVO, YouTubeDE; aufgerufen am 11.01.2015 um 22:19




Und während Sabine auf der Tastatur rumtippte, wollte sich Marc, der zu 100% davon überzeugt war, etwas vor der Tür gehört zu haben, selbst ein Bild machen. Als er schließlich hinausblickte, sah er Gigi auf dem Boden herumkriechen, die nach ihrer zu Bruch gegangenen Brille suchte, welche aber schon durch die vielen Leute viel weiter in Richtung Treppe geschoben worden war.
Gabi, die sich an die Wand hinter der Tür drückte, musste ebenfalls damit rechnen, entdeckt zu werden.


Marc: „Ah, bist jetzt von der Brillenschlange zur blinden Ratte übergangenen?“
Gigi blickte genervt in die Richtung, aus der sie die Stimme vernahm: „Haha, mal wieder ganz gut gelaunt, oder wie?!“
Marc lehnte sich lässig an den Türrahmen, blickte Gigi eine Weile lang an, um dann zu bestätigen: „Jap, wenn ich dich so am Boden sehe, dann gefällt mir das richtig gut! Wärst du scharf und geil, würde ich deine Wehrlosigkeit glatt ausnutzen, aber so Sadomaso bin ich dann echt nicht!“
Gigi verzweifelt: „Jetzt helfen Sie mir doch einfach, Sie Arsch, Sie!“
Marc zynisch: „Na, na, na... jemand in Ihrer Situation sollte besser auf die Wortwahl achten...“
Gigi: „Okay... aber ich sage es nicht gerne...“

Gigi hauchte ganz leise: „Bitte!“, während Gabi hinter der Tür äußert genervt die Miene verzog.
Marc machte daraus ein Spiel, denn es machte ihm Spaß: „Ähm, wie war das? Ich habs nicht ganz verstanden. Ist so laut hier, die Leute und generell das Krankenhaus...“
Gigi: „Bitte!“
Marc schmunzelnd: „Wie bitte?!“
Gigi schreiend: „BITTEEEE!!!“
Marc drehte sich wieder um, und rief nur gelassen: „Och ne, blinde Kuh macht doch immer so viel Spaß!“
Gigi haute mit beiden Fäusten genervt auf den Boden und schrie: „Ohhhh!“, als Günni die Treppen heraufeilte.



Gabi ging schnell in die Hocke und meinte: „Oh nein, nicht auch noch der Volltrottel!“



Günni sah, wie Gigi da noch immer an falscher Stelle herumkroch und nach ihrer Brille suchte, als er hastig auf etwas trat, das wie zerberstendes Glas klang.

Gigi horchte entsetzt auf und winselte: „Nein! Nicht auch noch das zweite Glas!“
Günni bückte sich, hob die Brille auf, deren Glas vollends zu Bruch gegangen war und fragte sie: „Ist das Ihre Brille?“
Gigi erhob sich, sodass sie auf den Unterschenkeln saß. Das Wichtigste war für sie: „Ist denn wenigstens mein Designer-Gestell ganz geblieben?!“
Günni: „Oh ja, das ist noch ganz und so, wie es aussieht, unversehrt!“
Gigi enttäuscht vor sich hin murmelnd: „Das darf doch wohl nicht wahr sein!“
Günni: „Ein sehr schönes Gestell, Frau...?“
Gigi: „Amsel, Gina Amsel. Auch wenn, ich Sie nicht sehen kann, sehr angenehm! Könnten Sie mir eventuell aufhelfen? Ich bin nämlich wie ein Maulwurf, sehe so gut wie nichts!“
Günni monoton: „Nun ja, wenn wir die Gattung Maulwurf, Talpidae, genauer betrachten, dann müssen wir feststellen, dass diese Tiere überhaupt gar nicht ganz blind sind. Wissen Sie, dem Irrglauben der Menschheit...“

Gigi unterbrach flehend: „Könnten Sie mir vielleicht einfach nur aufhelfen? Das ist so schon demütigend genug! Danke!“
Günni eilte ihr herbei: „Oh ja, selbstverständlich...“

Günni half ihr auf, indem sie ihre Arme auf seine Schultern legte und er sie hochstemmte. So konnten sich beide direkt ins Gesicht schauen.
Gigi kichernd: „Oh, Sie haben aber schöne Gesichtskonturen!“
Günni: „Ich dachte, Sie können nichts sehen...“
Gigi lachend: „Na, sehen Sie. Ich bin eben doch ein Maulwurf! Ein bisschen sehe ich ja noch, wenn auch nicht viel. Danke für Ihre Hilfe, aber ich kenne Ihren Namen ja noch gar nicht...“



In diesem Moment platzte Sabine, die bis dato am PC saß und nun auf der Suche nach Marc war, aus dem Empfangsbereich hervor und musste mit ansehen, wie Gigi und Günni sich in die Augen blickten, während er sie auf Händen trug.




©:
Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=E-Z7bHOPyY0; "i Corti di Ula" © by Pataterna, YouTubeDE; aufgerufen am 28.08.2014 um 10:27




Sabine ließ entsetzt die Zettel, die sie in den Händen hatte, fallen und verstummte: „Doktor Gumm...“
Günni starrte sie ebenso entsetzt an: „Schwester Sa... Sa... Sabine! Was machen Sie denn hier?!“
Gigi, die noch immer in den Armen Günnis war, begann mit ihm zu flirten: „Oh, Dr. Gumm also! Sie sind aber hoffentlich kein Chirurg, oder?“

Das beobachte auch Sabine kritischen und weinenden Auges, während sie versuchte halbwegs zu antworten, ohne zu enttäuscht zu klingen, dabei aber leicht stotterte, als sie die Papiere vom Boden aufhob: „Ich, also ich, ich such den Doktor Meier, Doktor Gummersbach!“

Günni an allen Ecken und Enden überfordert: „Ich würde Ihnen gerne helfen, Schwester Sabine, aber...“
Sabine schluchzend: „Ich sehe schon... Sie haben einen neuen Fang gemacht und schwer zu tragen...“
Günni: „Oh nein, Frau... äh...“
Gigi flüsternd: „Amsel!“
Günni: „Ja, Frau Amsel ist gar nicht so schwer!“
Gigi mit ernster Miene: „Ja, das will ich ja wohl auch hoffen! Ich achte auf mein Gewicht.“
Günni fasste sich ein Herz: „Ich liebe Sie!“, was Sabines Herz brach, denn sie missverstand es.

Da tönte es auch schon aus dem Schwesternzimmer: „Wo bleiben Sie denn, Sabine? Sie werden hier nicht fürs Nichtstun bezahlt!“
Günni stand derweil verliebt vor ihr und sehnte sich so nach einer Bestätigung, jedoch verstand Sabine, dass er Gigi lieben würde.
Sabine: „Ich muss dann, Doktor Gummersbach. Der Doktor Meier braucht mich...“

Eilig und zutiefst verletzt raste sie davon, während sich Günni und Gigi nur fragend anblickten.



Gabi beobachtete die Situation noch immer, die noch immer nicht dabei ertappt werden wollte, wie sie andere heimlich belauscht.
Und so sprach auch sie leise vor sich hin, während sie sich da hinter der Tür zusammenkauerte: „Na, nicht arbeiten! Würde sie arbeiten, müsste ich mir hier nicht alle Gelenke ausrenken!“

„Schwester Gabi?“ fragte eine ihr sehr vertraute Stimme.
Gabi blickte erschrocken auf, da sie sich nun doch ertappt fühlte.
Gabi: „Dr. Kaan?!“
Mehdi: „Sie machen jetzt schon wieder viel zu lange Pause, Schwester Gabi!“
Gabi schmunzelnd: „Ach, Dr. Kaan! Sie sind aber ein sehr, sehr strenger Chef. Das mag ich sehr...“
Mehdi lief rot an: „Ach ja? Wir sollten die Anzüglichkeiten besser...“
Gabi unterbrach: „Ja, finde ich auch. Und jetzt kommen Sie einfach hier runter!“

Gabi zog ihn am Kittel Richtung Boden, sodass er sich neben sie setzte.
Mehdi: „Und was machen wir jetzt hinter dieser Tür? Ich bin nicht so der Typ für Sex in der Öffentlichkeit...“

Doch Gabi konzentrierte sich eher auf das andere Geschehen, als Mehdi zuzuhören.
Gabi flüsternd: „Wir werden ihm die Show vermasseln!“
Mehdi: „Schwester Gabi, warum wird Ihr Blick so finster und um welche Art von sexuellen Rollenspielen handelt es sich hier?!“
Gabi stotternd: „Das ist ein Ablenkungsmanöver... alles Show, Sie wissen doch...“
Mehdi: „Schwester Gabi, ich bin wirklich nicht der Typ dafür, glaube ich! Und außerdem bin ich Ihr Chef – das geht nicht! Aber rein hypothetisch, wem würden wir denn welche Show vermasseln? Also nicht, dass ich... aber wäre ich dann eher der sexy Liebhaber oder der alte, sexuell frustrierte Ehemann?“

Gabi abwesend, doch siegessicher: „Ehemann? Oh ja, das wird er, aber nicht sexuell frustriert sein, mein Ma...“, als sie feststellte, dass sie beinahe alles ausgeplaudert hätte.
Mehdi: „Ma...?“
Gabi lachte, um zu überspielen: „Ma...chen Sie sich darüber mal keine Sorgen, Dr. Kaan! Ich habe alles im Griff!“
Mehdi: „Gut, ich hoffe auch die Vaginalabstriche von Frau Sieder! Ich gehe dann wohl besser...“
Gabi lachend: „Aber sicher doch, Dr. Kaan! Die lasse ich nicht mehr aus den Händen!“

Mehdi erhob sich wieder und fügte noch hinzu: „Die können Sie dann gleich aus dem Labor abholen!“
Gabi: „Wird gemacht, Dr. Kaan!“
Mehdi: „Na, dann viel Glück für Ihre Show! Wen spielen Sie denn eigentlich?“
Gabi berechnenden Blickes: „Das böse Rumpelstilzchen!“
Mehdi peinlich berührt und äußerst beschämt: „Oh, Theater, wie schön. Also doch keine sexuellen Rollenspiele... Deshalb auch dieses einklemmen und bücken und zusammenkauern hinter der Tür. Das schaffen Sie schon, Gabi! Ich drücke Ihnen die Daumen, aber einladen müssen Sie mich zu einer Ihrer Vorstellungen!“

Immer wieder schielte sie durch das Glas der Tür hindurch, während ihre Mimik Mehdi weis machen wollte, es handle sich tatsächlich um das Einüben einer Theaterrolle.
Gabi: „Aber sicher doch, Dr. Kaan!“

Als Mehdi endlich schamrot hastig von dannen zog, war sie doch mehr als erleichtert und konnte nun endlich das tun, was sie schon zuvor tun wollte, nämlich lauschen.
Sie schlich leise an der Tür zum Empfang vorbei, wo Günni Gigi gerade in den Bürostuhl gesetzt hatte, hin zum Schwesternzimmer, dessen Tür nur einen kleinen Spalt offen stand, durch den sie die Geschehnisse dort drin aber genauestens beobachten konnte und ebenso gut das Gespräch mitbekam.



Marc genervt: „Sabine, wird das jetzt heute noch mal etwas?!“
Sabine stand da an der Anrichte, versuchte hektisch und tief betroffen zugleich die Blätter zu sortieren, während Marc am Tisch saß und in regelmäßigen Abständen mit seiner rechten Hand auf den Tisch klopfte, so, als hätte er es extrem eilig.
Marc: „Äh, Sabine! Was wird das?! Ich bin mir sicher, dass die Bundeskanzlerin auf diese wichtigen, geheimen Unterlagen noch ein bisschen warten kann...“
Sabine schluchzend: „Aber Herr Doktor, ich...“
Marc langsam wütend: „...aber Sie werden jetzt diese wichtigen Unterlagen beiseitelegen und dem Ruf Ihres Oberarztes nachkommen, wollten Sie sagen!“
Sabine wischte sich derweil eine Träne aus den Augen: „Ich... ich...“
Marc drängelnd: „Das war keine Bitte, Sabine! DAS WAR EINE ANWEISUNG!“

Sabine drehte sich mit verheulten Augen zu ihm um und meinte mit zittriger Stimme: „Selbstverständlich, Herr Doktor!“



Gabi wusste, dass Marc etwas vorhatte und war ganz gebannt auf das, was sie wohl heraushören würde, als sie jemand anstupste und sie innerlich erschrak, so sehr, dass sie dachte, sie würde gleich einen Herzinfarkt erleiden. Ein lautes Schreien konnte sie sich jedoch gerade noch so verkneifen, als sie sich umdrehte.

Maurice: „Ja, Schwester Gabi! Was machen’s denn Sie hier? Man könnte ja glatt vermuten, Sie würden lauschn, aber des tun’s natürlich ned, nicht Schwester Gabi?!“
Gabi fühlte sich ertappt und versuchte deshalb mit einem Lächeln alles zu überspielen: „Aber Herr Knechtelsdorfer... wo Sie nur wieder hindenken, als ob ich...“
In diesem Moment vernahm Maurice die Stimme von Marc. Er schob Gabi ein Stück beiseite, woraufhin diese nur „Hey!“ flüsternd schrie.

Er duckte sich ein bisschen, blickte durch den Türspalt und meinte: „Andererseits, warum eigendlich ned?!“
Gabi entrüstet: „Äh, das ist mein Platz! Suchen Sie sich gefälligst einen anderen Platz!“
Maurice: „Ach, Schwester Gabi! Bei uns heißt‘s: ´Teilen is Goldwert‘“
Gabi wütend: „Und bei mir heißt’s: Mach‘ nen Abflug und zwar ganz schnell!“
Maurice: „Um was geht’s denn da?“
Gabi: „Wenn Sie mich nicht ständig stören würden, dann könnte ich Ihnen das jetzt sagen! Und jetzt weg da!“

Gabi schubste ihn beiseite und nahm ihre Position wieder ein.
Maurice: „Is ja gut! Aber wenn’s um schmutzige Details geht, bin ich der Erste, der’s erfährt!“
Gabi genervt: „Ja, sicher... NICHT!“
Maurice: „Sagens‘ mal, haben Sie meine Maria gesehen?“
Gabi: „Probieren Sie es doch einfach in der nächsten Kirche, da steht sicher eine rum!“
Maurice eingeschnappt: „Nicht eine, meine!“
Gabi gereizt: „Knechtelsdorfer, ziehen Sie Leine!“
Maurice: „Sie sind aber auch keine Frohnatur!“
Gabi genervt: „Sie mich auch, Knechtelsdorfer!“
Maurice eingeschnappt: „Ach, lecken’s mich doch am Arsch!“
Gabi: „Ihhh, sicher nicht!“

Eigenschnappt lief Maurice davon, während sich Gabi endlich wieder dem widmen konnte, worauf sie sich eigentlich konzentrieren wollte.



Marc: „Sagen Sie mal, wie finden Sie eine Fahrt auf dem Wannsee?“
Sabine hocherfreut: „Sie wollen sich bei mir entschuldigen?“
Marc blickte sie fragend an: „Äh... bitte?!“

Sabine wollte ihn schon umarmen, was er gerade noch so verhindern konnte.
Sabine: „Herr Doktor, aber natürlich nehme ich Ihre Entschuldigung an!“
Marc verunsichert: „Entschuldigung? Wofür genau?“
Sabine: „Na, weil Sie mich doch immer so schlecht behandeln...“
Marc mit erhobener Stimme: „Erstens: Ich entschuldige mich hier für gar nichts! Zweitens: Ich behandle Sie so, wie ich will und drittens: Hören Sie mit diesem Süßholzgeraspel auf und beantworten Sie einfach meine Fragen! Noch Fragen?“
Sabine stotternd: „Nein, Herr Doktor. Also, wenn Sie mich fragen, ob ich Fragen habe. Wenn Sie natürlich Fragen haben, die ich mich auch frage, dann ist das sicher...“

Marc genervt: „Sabine! Sie faseln schon wieder. Hören Sie sofort damit auf!“
Sabine: „Oh, Entschuldigung, Herr Doktor!“

Marc bat Sabine anhand seiner Gestik, ihm gegenüber platzzunehmen.
Marc: „Also, was ist jetzt?!“
Sabine: „Ich komme natürlich sehr gerne mit, Herr Doktor!“
Marc klatschte sich die Hände vors Gesicht, um dann zu wiederholen: „Sie, Sabine, gehen nicht mit an den Wannsee!“
Sabine enttäuscht: „Achso, aber ich... Aber wer geht denn dann mit? Oder gehen Sie etwa alleine? Aber meinen Sie nicht, dass das ein bisschen zu gefährlich ist, Herr Doktor?“
Marc stotternd: „Gut, also... ich möchte... ich... also...“

Sabine schaute ihn mit großen Augen an, was ihn merklich unter Druck setzte. Nach einem äußerst genervten „Ohhhh“ platzte er damit heraus: „Ich möchte mit Gretchen dorthin!“
Sabine schlug die Hände erfreut zusammen, um dann zu sagen: „Das ist ja so romantisch, Herr Doktor! Fast so romantisch wie bei Schwester Monique und Dr. Rogelt, die am Wannsee...“
Marc grätschte dazwischen: „Ja, ja... schon gut Sabine! Ich kenne die Leidensgeschichten meiner Mutter, die müssen Sie mir nicht noch aufs Brot schmieren...“

Sabine ging ein Licht auf. Sie sprang auf und rief: „Das ist es, Herr Doktor!“
Marc räuspernd: „Äh, ich werde meine Mutter sicher nicht einweihen!“

Sabine lief wieder zur Anrichte, riss den Kühlschrank auf, holte ein paar Scheiben Käse und Wurst heraus, legte diese auf die Anrichte, dazu Brotscheiben, und fing an diese mit Butter zu bestreichen.
Marc irritiert: „Sabine? Was machen Sie da? Ich möchte jetzt nichts essen!“
Sabine euphorisch: „Aber später, Herr Doktor. Sie machen ein Picknick mit ihr am Ufer, wenn die Sonne untergeht und alles in ein schönes rot hüllt, dazu Champagner und Häppchen, nachdem Sie mit ihr auf dem Wannsee eine romantische Fahrt in den Sonnenuntergang gemacht haben!“

Plötzlich sprang auch Marc auf, lief zu Sabine an die Anrichte und malte mit seiner rechten Hand einen Regenbogen in die Luft, während er eben dorthin blickte und Sabine unterbrach: „Sabine, jetzt quatschen Sie nicht so viel! Ich habe eine brillante Idee! Ich hole Gretchen ab, dann fahren wir auf dem Wannsee in den Sonnenuntergang und picknicken danach am Ufer im Abendlicht, das alles in ein wunderschönes Rot hüllt!“

Sabine legte das Messer beiseite, schaute ihn grimmig an und meinte: „Aber Herr Doktor, das war doch meine Idee...“
Marc zynisch: „Sabine, Sabine! Sie schmücken sich wohl immer gern mit fremden Federn. Um 19.00 Uhr ist meine Schicht vorbei, bis dahin sind die Karten für das Ausflugsboot da und das Picknick ist vorbereitet, damit ich alles gleich mitnehmen kann und keine Zeit verliere!“
Sabine sprachlos: „Aber ich habe doch...“
Marc führte enthusiastisch fort: „Viel vorzubereiten. Ich verlasse mich auf Sie, Sabine!“

Schnellen Schrittes eilte er zur Tür hinaus. Gabi konnte sich gerade noch verstecken, doch ihr Gesichtsausdruck ließ deutlich verlauten, was sie von dieser Aktion hielt, nämlich nichts, während Sabine ihm nur irritiert hinterher schaute und leise murmelnd für sich ergänzte: „(...) noch Patienten zu betreuen, meinte ich eigentlich.“





Unterdessen im Schockraum:


Jan Sperling lag noch immer im Behandlungszimmer, während Gretchen ihn überglücklich versorgte. Gretchen hatte gerade Blut abgenommen.
Jan: „Du nimmst Blut ab? Ich dachte du bist Ärztin!“
Gretchen: „Bin ich auch...“
Jan lachend: „Ich wusste schon immer, dass aus dir etwas wird, auch, wenn du damals mehr als nur tollpatschig warst!“
Gretchen erstaunt: „Du bist gar nicht sauer?“
Jan: „Warum sollte ich? Wegen dem unfreiwilligen Outing? Da ist, wenn dann, Steffi dran schuld. Die hat es weiterzählt... Irgendwie fand ich deine Aktion niedlich, so freundschaftsmäßig. So hat sich noch niemand – also wenn wir nur mal den guten Willen betrachten, und nicht das Endergebnis – für mich eingesetzt!“
Gretchen nachhakend: „Aber du bist kurz danach weggezogen! Du kannst mir nicht sagen, dass es eine Lappalie war... Ich weiß, wie grausam Kinder sein können!“
Jan erstaunt: „Du wusstest gar nicht, dass wir nach Düsseldorf umgezogen sind? Mein Vater hat da beruflich neuen Fuß gefasst und deshalb sind wir in die Modehauptstadt Deutschlands gezogen. Das war schon lange vor deiner kleinen Verkupplungsaktion bekannt. Dort habe ich dann später Architektur studiert.“
Gretchen entsetzt: „Und das erfahre ich erst jetzt??? Ich dachte immer ich hätte dein Schulleben zerstört, so sehr, dass du keinen anderen Ausweg wusstest, als wegzuziehen!“
Jan lachte: „Wir sind nicht mehr in der Schule!“

Gretchen erhob sich, da sie sich noch vor ihrem Date schön machen wollte und meinte im Hinausgehen: „Wir warten jetzt die Laborergebnisse ab, und dann wird sich klären, warum dir immer so schwindlig wird!“
Jan: „Viel Spaß bei deiner Verabredung!“
Gretchen: „Woher weißt du das?“
Jan: „Das sieht man dir an!“

In Gretchens Gesicht zeichnete sich ein überglückliches Lächeln ab, als sie ihm noch winkte und den Raum verließ.





Im Hause Haase:


Gretchen raste mit dem Fahrrad nachhause, kam hastig zur Tür herein, da sie sich unglaublich schick machen wollte.
Bärbel: „Ach, Gretchen, hast du meinen Hometrainer gesehen?“
Gretchen in Eile die Treppe hochrennend: „Nein, aber frag doch mal Papa. Ich glaube der wollte ihn entsorgen, weil du nur noch Zeit mit dem Ding verbringst...“
Bärbel stemmte sich die Hände in die Hüfte: „Also, das gibt’s ja wohl nicht! Franz...“

Sie stürmte hastig in ihr Zimmer und durchwühlte ihren ganzen Kleiderschrank.




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=uPDhiZg1m6o; "Avalanche City - Sunset (Lyric Video) Official" © by Avalanche City, YouTubeDE; aufgerufen am 12.01.2015 um 20:04




...Ich muss umwerfend aussehen! Marc hat mich zum ersten richtigen Date eingeladen! Was ziehe ich an? Elegant, sexy, streng? Sollte wissen, um welche Art von Date es sich handelt! Date in einem schicken Restaurant: edles, langes Kleid. Date im Kino, eher leger, aber auf keinen Fall Freizeitlook! Ob ich die Bauchwegunterhose anziehen sollte? Nicht von Vorteil, sollte das Date länger dauern und danach an einen anderen Ort verlegt werden, wo viel Kleidung nur stören würde. Habe noch circa eineinhalb Stunden, bis er mich abholt. Werde traumhaft aussehen...





Und ich träumte von unserem ersten gemeinsamen Date, das nie stattgefunden hat, was ich 1990 aber schon für Jan und Steffi vorbereitet hatte und mir insgeheim immer wünschte, dass Marc und ich dort sitzen würden: Unter dem großen Laubbaum, der seinen Schatten spendete und zwischen all den bunt gefärbten Blättern an einem wunderschönen, warmen Herbsttag.
Wir wären uns nahe gekommen, sehr nahe! Und wir hätten uns geliebt!
Ich hätte ihn bei der Hand genommen, nachdem ich ihm die Augen verbunden hätte – was gar nicht so einfach gewesen wäre, da er viel größer war als ich! – und hätte ihn in unseren Garten geführt. Dann hätte ich ihm gezeigt, was ich alles für unsere Liebe getan hätte.

Marc: „Gretchen, das hast alles du vorbereitet?“
Gretchen: „Aber sicher doch, Marc! Ich würde alles für dich tun!“
Marc erfreut: „Wirklich alles?“
Gretchens rieb sich am Kinn: „Nein, nicht alles! Ich würde niemals nur zuhause sein, wie meine Mutter, und auf unsere Kinder aufpassen! Ich würde selbst erfolgreiche Chirurgin werden. Wir würden uns in der Elternzeit abwechseln...“
Marc verständnisvoll: „Aber sicher doch, mein Schatz!“
Gretchen: „Ach, und ich würde keine Sammelbilchen von Fußballern in meiner Wohnung akzeptieren!“
Marc vor den Kopf gestoßen: „Aber Gretchen... ich... ich...“
Gretchen selbstbewusst: „Keine Widerrede, Marc Meier! Entweder die Sammelbilchen oder ich!“
Marc überlegte nicht lange: „Ganz klar du, meine Honigblume!“
Gretchen: „Und ich würde auch nie Diät machen! Und stell mich jetzt bloß nicht vor die Wahl entweder die Schokolade oder du! Ich hänge an beidem, Marc! Und im Zweifel würde ich mich für die Schokolade entscheiden!“
Marc nahm sie in den Arm: „Aber sicher doch, Mausi. Sowas würde ich nie von dir verlangen...“

Gretchen verunsichert: „Ach, Marc... ich hoffe dir macht es nichts aus, dass ich das alles hier eigentlich für Steffi und Jan vorbereitet habe...“
Marc drückte sie weg: „Für Steffi und Jan?! Ich dachte Jan wäre schwul...“
Gretchen genervt: „Sag mal, woher weißt du denn das schon wieder? Das kann doch nicht wahr sein! Alle wussten es scheinbar, außer ich!“
Marc nahm sie erneut in den Arm: „Ach, dafür liebe ich dich doch!“
Gretchen strahlend wie ein Hongikuchenpferd: „Ich liebe dich auch so sehr, Marc. Ich hoffe, dieser Traum ist nie zu Ende...






Eineinhalb Stunden später:


Bärbel öffnete langsam Gretchens Zimmertür. Als sie hereinkam fragte sie mehrmals leise: „Gretchen?“
Schließlich stand sie im Zimmer und sah ihre Tochter, wie sie dort in ihrem Bett lag. Unter ihr, über ihr, neben ihr war alles voll mit Kleidern. Eines hatte sie sogar zusammengerollt und nutze es als Kopfkissen, während sie sich mit einem anderen zugedeckt hatte.

Bärbel entsetzt in lauter Stimmlage: „Margarete!“
Gretchen wachte mit einem Schlag auf, wobei sich ein Kleid an ihrem Ohrring aufhängte.
Gretchen schockiert und aus ihrem Traum gerissen: „Was ist los? Hat er sich etwa doch für die Sammelbildchen entschieden?!“
Bärbel konnte hingegen etwas anderes nicht fassen: „Und das darf ich alles wieder aufräumen, Margarete!“

Langsam kam Gretchen wieder zu sich, zerrte an dem Kleid, das sich in ihrem Ohrring verfangen hatte und fragte: „Mama? Was machst du denn hier?“
Bärbel fing derweil schon wieder an, alle Sachen aufzuheben und zu ordnen.
Bärbel: „Du hast Besuch, Gretchen!“

Gretchen blickte voller Entsetzten auf ihren Wecker, der 19:53 anzeigte.
Gretchen: „Was? Jetzt schon?! Oh Gott, ich bin doch noch gar nicht fertig! Das kann Stunden dauern!“
Bärbel voll in ihrem Element: „Oh ja! Und wenn ich die alle auch noch bügle, dann dauert es noch länger!“

Gretchen sprang von einem Eck ins andere, um sich fertig zu machen, während Bärbel noch immer aufräumte.





Im Stationszimmer:


Gabi hatte gerade Feierabend. Im Schwesternzimmer zog sie sich ihre schwarze Lederjacke über, nahm ihre Handtasche aus dem Spind heraus, den sie laut wieder zuknallen ließ, als sie neben sich auf dem Boden, direkt vor Marcs Spind, den Picknickkorb stehen sah, den Sabine vorbereitet hatte.

Darauf klebte ein Zettel, worauf stand:
Dr. Gretchen Haase und Dr. Marc Meier.
Darum war ein Herz gezeichnet.




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=FaHEusBG20c; "The Crazy World of Arthur Brown: Fire (1968) [High Quality Stereo Sound, Color, Subtitled]" © by Орлин Вълчев, YouTubeDE; aufgerufen am 12.01.2015 um 20:11




Sie bückte sich, nahm den Zettel, blickte ihn eine Weile lang an. Dann zerknüllte sie ihn, holte ein Feuerzeug aus ihrer Handtasche, ging zum Fenster, öffnete es, zündete den Zettel an und schmiss ihn hinaus. Dabei meinte sie bösen Blickes: „Das werden wir ja noch sehen...“

In diesem Moment ertönte ein lauter Alarm aus dem Empfangsbereich.
„Verdammt, ich hab schon Feierabend! Ich könnte jetzt auch einfach gehen...“, meinte Gabi genervt, als sie das Fenster wieder schloss. Sie packte den Korb, ging mit ihm in den Empfangsbereich und betrachtete den Computerbildschirm. Dort leuchtete der Name ‚Elke Fisher‘ rot auf.

„Was drückt diese alte Schabracke dauernd den Rufknopf? Die Alte ist zwar ein einziger Notfall, aber die braucht doch nicht ständig einen Arzt!“, murmelte Gabi mürrisch vor sich hin.
Da keiner kam, entschied sie sich kurzerhand doch noch selbst nach ihr zu sehen. Den Korb ließ sie stehen.





Im Wohnzimmer der Familie Haase:


Gretchen stürmte die Treppen herunter, nachdem sie sich doch noch schick machen konnte. Einen Moment hielt sie vor dem Wohnzimmer inne, strich sich nochmals gekonnt durchs Haar.



...Werde mich in mein Glück stürzen! Ist zwar schon 20:01, doch das sollte kein Problem darstellen. Könnte sagen, dass meine Uhr nachgeht. Werde Marc aber so vom Hocker hauen, dass ihn das nicht mehr interessiert. Freue mich unheimlich! Date, ich komme!...



Gretchen rannte los, durch die Tür hinein ins Wohnzimmer, mit einem breiten Grinsen im Gesicht – schick gekleidet, die Haare lockig und wehend, als sie laut rief: „Ich bin soweit. Das wird das schönste Date aller Zeiten!“
Urplötzlich blieb sie stehen, dadurch wehten ihr jedoch die Haare unvorteilhaft mitten ins Gesicht.
Gretchen wie erstarrt: „Frau Dr. Hassmann?!“

Maria hatte bereits ein Glas Whiskey in der Hand und stieß mit Franz an.
Maria: „Oh, Haase! Ich hoffe ja, dass wir beide heute richtige Männer angeln können. Aber wenn nicht, dann komme ich gern auf das Angebot mit dem Date zurück. Besser als gar nichts...“
Maria lachte lauthals und auch Franz lachte gezwungen mit, was Gretchen nur äußerst kritisch begutachtete.

Gretchen: „Was machen Sie hier und wo ist Marc?“
Maria: „Ich hole Sie ab! Wo Marc ist, weiß ich nicht und das ist mir eigentlich auch schnurzpiepegal.“



...Oh nein! Die Singleparty, die habe ich ja ganz vergessen...



Maria: „Können wir dann? Das Taxi wartet bereits!“
Gretchen rumdrucksend: „Ähm, also wenn ich ehrlich sein darf, Frau Dr. Hassmann, dann habe ich ein Date...“
Maria: „Ja, und wenn sie Glück haben sogar nicht nur eins. In diesem angesagten Club soll es so heiße Männer geben, dass selbst die Sahara zur Antarktis wird!“
Gretchen: „Ich dachte das wäre eine Neueröffnung?“
Maria: „Ja, eben. Nur Frischfleisch – und wie knackig auch noch, mein lieber Scholli! Haase, das wird einfach nur geil werden, sage ich Ihnen.“
Franz perplex: „Kälbchen, also ich glaube ja nicht, dass das das Richtige für dich...“
Maria hicksend: „Ach, Unsinn! Und jetzt gehen wir!“
Gretchen: „Ich habe aber ein Date mit Marc. Er holt mich sicher gleich ab!“
Maria: „Bitte? Sie versetzen mich wegen ihm? Also jetzt bin ich wirklich enttäuscht, Haase! Herr Professor, ich hätte gerne noch einen Schluck!“

Franz nahm ihr das Glas weg, das sie auf einmal ausgetrunken hatte und bat Gretchen, sich doch zu setzen: „Ich glaube ihr setzt euch erst einmal. Ich hole schnell Mineralwasser aus der Küche!“

Kaum war Franz weg, griff Maria wieder nach dem Glas und ebenso nach einem frischen. Dann schenkte sie Gretchen und sich Whiskey ein und drückte ihr das Glas in die Hand.



...Werde nichts trinken! Habe keine Lust auf alkoholisierten Atem! Was soll Marc denn nur denken, wenn wir uns küssen? Werde standhaft bleiben. Nur, was mache ich jetzt mit der Hassmann?...



Sie beäugte Maria nur kritisch und tat nach dem Anstoßen so, als würde sie trinken, goss aber, während Maria einen kräftigen Schluck nahm, den Whiskey in den Blumentopf neben ihr, lächelte ihr aber danach so zu, als hätte sie auch schon etwas intus. Dennoch schielte sie ständig abwechselnd hin zur Tür und auf ihre Uhr, da sie hoffte, Marc würde jeden Moment klingeln.





Währenddessen im Krankenhaus:


Gabi betrat genervt das Krankenzimmer von Elke Fisher, die keine Bettnachbarn hatte.
„Könnten Sie eventuell aufhören alle hier zu nerven, Frau Fisher?“

Langsam ging sie hinein und begutachtete Elke, die dort in ihrem Bett lag. Friedlich schlafend, so schien es. Das EKG gab eine normale Herzaktivität an, doch etwas ließ Gabi erstarren. Es war eine komische Situation. Den Rufknopf hatte sie mit beiden Händen umklammert, die so auf dem Bauch lagen, wie man es üblicherweise bei Toten sieht, die im Sarg gebettet liegen. Ihre Augen waren geschlossen. Langsam näherte sich Gabi ihr. Die Atmosphäre war bedrückend, die Situation komisch. Im Annähern ans Bett fragte Gabi immer mehrmals hintereinander und dabei immer lauter werdend: „Frau Fisher?!“

Am Bett angekommen, winkte und fuchtelte sie aufgeregt vor ihrem Gesicht herum, jedoch reagierte sie nicht. Sie stupste Elke mehrmals an, am Anfang vorsichtig, dann immer kräftiger, doch ebenfalls erhielt sie keine Reaktion. Zu guter Letzt öffnete sie ihre Augenlider, um die Pupillen zu betrachten. Als sie beide Pupillen betrachtet hatte, glitten Elkes aufeinandergelegte Hände urplötzlich auseiander, sodass der Rufknopf auf den Boden fiel, was Gabi den Atem stocken ließ.
Geschockt murmelte sie vor sich hin: „Scheiße! Ich bin zwar keine Ärztin, aber... scheiße... das sieht nicht gut aus!“

Und im selben Moment schrie sie erneut, jedoch so laut sie konnte „Scheiße!“, ließ ihre Handtasche fallen, stürmte aus dem Zimmer hinaus auf den Flur und rief so laut sie nur konnte: „Hilfe, ich brauch sofort einen Arzt! Schnell! Da stimmt was nicht!“

Das hörte auch Marc, der gerade in der Umkleide und dem Schwesternzimmer nach Sabines Korb suchte, den sie für ihn hätte packen sollen. Als er Gabis Rufe hörte, rannte er sofort auf den Flur und sah, dass sie kreidebleich vor dem Zimmer seiner Mutter stand und rannte sofort zu ihr. Er ahnte, dass etwas nicht stimmen konnte.





Im Hause Haase:


...21:38 Uhr und ich sitze noch immer hier. Marc kam nicht. Ob ihm etwas passiert ist? Oder ob er kalte Füße bekommen hat? Ich hätte es wissen sollen...



Gretchen griff nun frustriert nach der Whiskeyflasche auf dem Tisch, um ihr Glas zu füllen und es wirklich auszutrinken.
Maria hicksend: „Das ist die richtige Entscheidung, Haase!“
In diesem Moment klingelte ihr Handy. Auf dem Display stand:

Marc ruft an...


Maria: „Meier?“
Gretchen: „Ja!“
Gretchen wollte gerade den Anruf annehmen, da riss ihr Maria das Handy aus der Hand. Gretchen wollte es sofort wieder an sich reißen, da schmiss sie es auf einmal in die andere Ecke der Couch, sodass Gretchen auf ihren Schoß fiel.
Gretchen richtete sich wieder auf und war äußerst genervt: „Frau Dr. Hassmann! Das ist mein Handy!“
Maria abgeklärt: „Wenn Sie da jetzt rangehen, dann wird er Ihnen nur einen fadenscheinigen Grund nennen, warum er nicht gekommen ist. So sind sie, die Männer. Dann wird er Ihnen wieder Ihr kleines Herz brechen und Sie werden auf immer und ewig gekränkt sein! Und das will wirklich niemand! Sie haben jetzt die Möglichkeit sich heulend im Zimmer zu verkriechen, oder aber heute noch so richtig Spaß zu haben!“
Gretchen schluchzend: „Und wenn er sich nur verspätet?“
Maria: „Er ist jetzt schon wie lange zu spät? Zwei, drei, oder doch schon vier Stunden?! Wenn ihm etwas an Ihnen liegen würde, dann würde er sich auch nicht verspäten. Also, Sie haben jetzt zwei Möglichkeiten: entweder kommen Sie mit zur Party, oder Sie kommen einfach mit zur Party!“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=g0olJFaTY-8; "Beyonce - Single ladies - lyric video" © by Lyric chick. :3, YouTubeDE; aufgerufen am 11.01.2015 um 21:56




Gretchen: „Ähm, das sind keine zwei Möglichkeiten. Das ist immer dieselbe...“

Maria stand auf, packte Gretchen am Oberarm und zerrte sie mit: „Na also, ist ja noch einfacher. Dann sind wir uns einig und haben jetzt Spaß!“
Gretchen versuchte sich loszureißen: „Aber Frau Dr. Hassmann... mir ist wirklich nicht nach Party... was soll denn Ihr Freund dazu sagen?“
Maria: „Gegen Spaß kann doch niemand etwas haben!“
Gretchen misstrauisch: „Frau Dr. Hassmann, ich bin wirklich nicht...“
Maria: „Ruhe jetzt, Haase! Schonen Sie Ihr hübsches Stimmchen für die vielen, netten Männerbekanntschaften und für den Sex!“
Gretchen: „Sex?“
Maria: „Ja, das wird die Nacht der Nächte, Haase!“


Bärbel und Franz verfolgten beide kritischen Auges bis zur Haustüre.
Bärbel besorgt: „Ach, Gretchen, aber bitte bringe mir keinen Mann mit nachhause, ja! Ich habe doch dein Zimmer noch gar nicht ganz aufgeräumt!“
Gretchen stöhnte genervt, als sie das Haus verließen: „Ohhh, Mama!“





Später im Club:


Gretchen und Maria betraten gemeinsam den Club. Maria schickte sie zu einem Stehtisch, während sie Getränke holen wollte. Dort schaute sie sich kurz um, als sie die Stimme einer Person in ihrem Rücken vernahm, die ihr sehr vertraut war: „Na, schöne Frau!“
Gretchen drehte sich verdutzt um: „Gordon?“
Gordon: „So trifft man sich wieder. Eigentlich wollte ich Sie ja zum Essen einladen, aber dieser Club ist auch nicht schlecht!“
Gretchen lachte hysterisch: „Ja, die Frau Dr. Hassmann...“
Gordon unterbrach erstaunt: „Ich dachte Sie hätten heute ein Rendezvous mit Dr. Meier?!“
Gretchen lachte erneut hysterisch: „Ach, ja, das. Dem ist, ja, also...“
Gordon mitfühlend: „Er hat Sie sitzen lassen?“
Gretchen betrübt: „Tja, jetzt ist es raus. Auf Ihr geheucheltes Mitleid, Gordon, kann ich aber trotzdem verzichten...“
Gordon: „Keine Sorge, Mitleid habe ich keines. Lust zu tanzen?“
Gretchen perplex: „Wie bitte?“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=kPBzTxZQG5Q; "3 Doors Down - Here Without You" © by 3DoorsDownVEVO, YouTubeDE; aufgerufen am 11.01.2015 um 21:59




Gretchen bejahte gezwungenermaßen die Aufforderung und beide tanzten, während Maria sich an der Bar bereits einen Typen geangelt hatte.





Jeder wünscht sich ein perfektes, einmaliges erstes Date zu haben. Das Date, das wir uns schon immer ausgemalt haben, wie es sein würde.

Wir glauben fest daran. Das Schicksal wird uns wieder zusammenführen. Wir müssen keine Angst haben, denn er liebt uns. Das spüren wir.

Sabine betrachtet mit einem Lächeln im Gesicht Günni, der gerade wieder mit Headset am Obduktionstisch steht und zur Musik leicht hin und her wippt.


Ob wir jemals noch die Chance auf ein ganz besonderes Date haben werden, fragen wir uns.

Mehdi sitzt alleine in der dunklen Cafeteria, wo bereits alles aufgestuhlt ist, und schaut in die Nacht hinaus.


Vielleicht haben wir unsere Chance aber auch schon verspielt. Er wird uns schon verzeihen können, hoffen wir.

Urplötzlich reißt Maria während ihres Flirts an der Bar die Augen weit auf, um dann schließlich betroffen ihr Glas auf dem Tresen neben sich abzustellen.


Anderen bietet das Schicksal neue, unerwartete Chancen. Wir werden sie nutzen, schwören wir.

Marc sitzt betroffen im Stuhl in Elkes Zimmer, während andere Ärzte sie gerade untersuchen, als Gabi mit zwei Coffee-to-go Bechern wiederkommt, diese auf den Boden stellt, sich neben ihn kniet und ihn mitfühlend umarmt.

Gordon und Gretchen tanzen noch immer, als dieser sie plötzlich im Schein des bunten Discolichts küsst.


Doch wir werden uns unser erstes richtiges Date wahrscheinlich immer mit der Person wünschen, die wir schon immer geliebt haben...

GretchenHaaseFan Offline

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19.01.2015 22:28
#16  Vergeben und Vergessen Zitat · antworten

Vergeben und Vergessen



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S02,E10



WRITTEN BY

GretchenHaaseFan, Andrea


ASSISTED BY

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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=wi5NuaNY3lw; "Chic - Dance Dance Dance" © by Marcella Napoles, YouTubeDE; aufgerufen am 18.01.2015 um 11:55




Liebes Tagebuch!


Ein Tag veränderte mein Leben – gut, wohl eher eine Single-Party! Dank Frau Dr. Hassmann, denn die hatte mich mitgeschleppt, nachdem Marc mich sitzen gelassen hat...

»Gretchen griff nun frustriert nach der Whiskeyflasche auf dem Tisch, um ihr Glas zu füllen und es wirklich auszutrinken.
Maria hicksend: „Das ist die richtige Entscheidung, Haase!“
In diesem Moment klingelte ihr Handy. Auf dem Display stand:

Marc ruft an...

Maria: „Meier?“
Gretchen: „Ja!“
Gretchen wollte gerade den Anruf annehmen, da riss ihr Maria das Handy aus der Hand. Gretchen wollte es sofort wieder an sich reißen, da schmiss sie es auf einmal in die andere Ecke der Couch, sodass Gretchen auf ihren Schoß fiel.
Gretchen richtete sich wieder auf und war äußerst genervt: „Frau Dr. Hassmann! Das ist mein Handy!“
Maria abgeklärt: „Wenn Sie da jetzt rangehen, dann wird er Ihnen nur einen fadenscheinigen Grund nennen, warum er nicht gekommen ist. So sind sie, die Männer(...)«


Da ahnte ich schließlich auch noch nicht, warum er mich sitzen ließ...

»Elkes aufeinandergelegte Hände glitten urplötzlich auseiander, sodass der Rufknopf auf den Boden fiel, was Gabi den Atem stocken ließ.
Geschockt murmelte sie vor sich hin: „Scheiße! Ich bin zwar keine Ärztin, aber... scheiße... das sieht nicht gut aus!“

Und im selben Moment schrie sie erneut, jedoch so laut sie konnte „Scheiße!“, ließ ihre Handtasche fallen, stürmte aus dem Zimmer hinaus auf den Flur und rief so laut sie nur konnte: „Hilfe, ich brauch sofort einen Arzt! Schnell! Da stimmt was nicht!“

Das hörte auch Marc, der sofort auf den Flur rannte und sah, dass sie kreidebleich vor dem Zimmer seiner Mutter stand und rannte sofort zu ihr. Er ahnte, dass etwas nicht stimmen konnte.«


Vielleicht wäre ich aber auch so oder so nie auf diese Party gegangen, hätte ich gewusst, was mich dort erwarten würde...

»Gretchen und Maria betraten gemeinsam den Club. Maria schickte sie zu einem Stehtisch, während sie Getränke holen wollte. Dort schaute sie sich kurz um, als sie die Stimme einer Person in ihrem Rücken vernahm, die ihr sehr vertraut war: „Na, schöne Frau!“
Gretchen drehte sich verdutzt um: „Gordon?“
(...)
Gordon mitfühlend: „Er hat Sie sitzen lassen?“
Gretchen betrübt: „Tja, jetzt ist es raus. Auf Ihr geheucheltes Mitleid, Gordon, kann ich aber trotzdem verzichten...“
Gordon: „Keine Sorge, Mitleid habe ich keines. Lust zu tanzen?“
(...)
Gordon und Gretchen tanzen noch immer, als dieser sie plötzlich im Schein des bunten Discolichts küsst.«





Gordon küsste Gretchen noch immer, obwohl sie weder den Kuss erwiderte, noch sonst irgendein Zeichen von sich gab, das ihm hätte signalisieren können, dass es ihr Spaß macht.
Stattdessen versuchte sie sich von ihm loszureißen und ihn krampfhaft von sich wegzudrücken.



...Das gibt’s doch nicht! Gordon, lassen Sie mich sofort los, ansonsten knallt’s! Sollte ich ihm so sagen...Oder doch anders? Wie sagt man so etwas am besten?...



Nach einem kleinen Kraftakt hatte sie es endlich geschafft, ihn von sich wegzudrücken.
Gretchen entsetzt: „Gordon! Was ist nur in Sie gefahren!“
Gordon wollte sich ihr erneut annähern, doch das wehrte sie mit ausgestrecktem Arm vehement ab.
Gordon auf Wolke Sieben: „Aber Frau Doktor, sollten wir uns nicht langsam mal duzen?“
Gretchen im Wechselbad der Gefühle: „Oh nein, sicher nicht! Das hier ist nie passiert, verstanden?“
Gordon: „Aber Frau Doktor, es ist doch...“

Nun wurde Gretchen langsam bewusst, was eigentlich geschehen war. Aus Gefühlen der völligen Irritation und nach vollkommener Überrumpelung konnte sie endlich wieder einen klaren Gedanken fassen.
Gretchen schrie laut herum: „Frau Dr. Hassmann! Wir gehen ... SOFORT!“

Maria, die am Tresen immer noch mit einem jüngeren Mann flirtete, drehte sich Richtung Wand und meinte nur flüsternd zu ihm: „Die meint nicht mich, ich kenne diese Frau gar nicht...“

Gretchen ließ Gordon wie einen Dorfdeppen zurück und natürlich wusste sie auch, wo sie Maria finden würde. Schnellen Schrittes eilte sie auf sie zu, packte sie am Oberarm, riss sie vom Barhocker herunter und zerrte sie mit hinaus.
Draußen vor dem Club platzte ihr schließlich der Kragen.
Gretchen äußerst sauer: „Wissen Sie eigentlich, wie es ist von einem wildfremden Mann einfach so geküsst zu werden!“
Maria: „Haase, das ist doch jetzt nicht Ihr Ernst?!“
Gretchen: „Oh doch, Frau Hassmann! Dank Ihnen wird morgen das gesamte Krankenhaus eine einzige Gerüchteküche sein - und zwar eine Großküche! Glauben Sie mir eines, das zahle ich Ihnen heim... irgendwie!“
Maria: „Jetzt machen Sie sich doch mal locker...“
Gretchen kreischend: „Ich bin locker!“

Zweimal stampfte sie wütend auf den Boden, um dann für einen kurzen Moment in sich zu gehen. Dann öffnete sie ihre Handtasche, kramte in ihr herum, um dann schließlich verzweifelt festzustellen: „Mein Handy ist weg!“



...Oh nein, das liegt noch zuhause auf der Couch. Hoffentlich liest meine Mutter meine SMSen nicht. Wobei, wird es wohl nicht mal anbekommen. Ein Glück...




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=NEXyMcNmxm4; "Britney Spears - Work B**ch (Official Video)" © by Filtr Germany, YouTubeDE; aufgerufen am 21.10.2015 um 12:05




Gretchen: „Frau Dr. Hassmann, wären Sie so freundlich und würden uns ein Taxi rufen?“
Maria hicksend: „Aber die Party hat doch gerade erst angefan...“
Gretchen unterbrach erneut kreischend: „Und zwar JETZT!“
Maria: „Ist ja gut, ist ja gut...“

Maria kramte in ihrer Clutch, holte ihr Handy heraus, um dann monoton festzustellen: „Akku ist alle...“
Gretchen war dem Nervenzusammenbruch nahe: „Ohh, das darf jetzt echt nicht wahr sein!“



Schließlich entdeckte sie unweit von sich zwei junge Männer, die sich gegenseitig die Handys reichten und miteinander lachten.
Gretchen: „Ähm, Entschuldigung, das ist mir wirklich unangenehm, aber könnten Sie...“

Einer der jungen Männer führte schließlich fort: „...es mir besorgen?! Ne, sorry, aber auf Dicke stehe ich nicht...“
Gretchen räusperte sich zweimal, um dann in aller Ruhe nochmals anzusetzen: „Ich würde wirklich gerne...“
Dann meinte schließlich der andere: „Auch nicht für Geld und jetzt verpiss dich, du fette Qualle!“

Geschockt riss sie die Augen auf, drehte sich langsam um und ging schleichend von dannen. Maria hingegen lachte ebenso laut, wie die beiden, was Gretchen innerlich zum Wutausbruch brachte.





Am nächsten Morgen im Krankenhaus:


Gretchen betrat das Stationszimmer und setzte sich völlig übermüdet an den Tisch. Sabine kam ebenfalls herein und wollte sich gerade in den Empfangsbereich begeben und sich an den PC setzen, doch sie kam einfach nicht an Gretchen vorbei, ohne sie anzusprechen.

Sabine: „Frau Doktor... Sie sehen aber sehr müde aus!“
Gretchen im Halbschlaf: „Das bin ich auch, Sabine!“
Sabine erfreut: „Oh, dann war es also schön?“
Gretchen gähnend: „Nein, es war die Hölle. Eine Tortur! Einfach nur schrecklich...“
Sabine entsetzt: „Oh, aber... warum denn?“

Gretchen stützte ihren Kopf mit der Hand ab, der ihrem Empfinden nach immer schwerer wurde: „Weil er mich geküsst hat!“
Sabine irritiert: „Aber... ist denn das nicht gut?!“
Gretchen: „Nein!“
Sabine: „Aber er hat sich doch so viel Mühe gegeben, Frau Doktor!“
Gretchen genervt: „Ach ja? Und deshalb küsst er mich einfach so? Da war keine Romantik, da war keine Atmosphäre, da war nichts, gar nichts - null!“

Sabine verstand die Welt nicht mehr.
Sabine: „Keine Romantik? War es etwa schon dunkel, Frau Doktor?“
Gretchen: „Dunkel??? Es war finsterste Nacht!“
Sabine: „Also Frau Doktor, ich will ja nichts sagen, aber ich würde jetzt, nur, weil es schon Nacht war, nicht alles so duster sehen...“
Gretchen erleichtert: „Sie haben ja so recht, Sabine! Da ist die Chance relativ groß, dass uns niemand gesehen hat! Gott, war das peinlich! Ich wollte ihn ja auch nicht vor den Kopf stoßen...“

Plötzlich fasste sie sich entsetzt an den Kopf, was ihre Kopfschmerzen nur noch verstärkte.
Gretchen: „Und wenn er was für mich empfindet?“
Sabine: „Aber das wollten Sie doch immer, Frau Doktor!“
Gretchen kritisch: „Bitte? Sehe ICH etwa so aus, als würde ich etwas von IHM wollen?“


Sabine verstand wirklich die Welt nicht mehr. Sie schüttelte ungläubig den Kopf und meinte nur „Pfff, Sie wollten doch schon immer etwas von ihm...“, als sie sich an den PC setzte und mit ihrem Fuß gegen etwas stieß. Im selben Moment erkannte sie, dass das der Korb war, den sie für Marc gepackt hatte und den Gabi dort hatte stehen lassen.
Sabine erschrocken: „Oh Gott... wen hat sie denn jetzt schon wieder geküsst, wenn nicht den Herrn Doktor?“



Kaum hatte sie sich das gefragt, stand auch schon Maria vor ihr und wedelte mit irgendwelchen Papieren vor ihrem Gesicht herum, während ebenso, fast gleichzeitig, Marc das Stationszimmer betrat und Gretchen auf dem Tisch liegen sah. Gretchen spürte, dass jemand neben ihr stand und sie anschaute.
Sie erhob sich langsam und meinte dann: „Maaarc!“

Maria hingegen, die Marc nicht sehen konnte, lachte nur und beantwortete Sabines Frage anders: „Marc? Ach Quatsch! Den Gordon hat sie geküsst!“

Sabine blickte zu Marc hinüber, der nun den Ameisenblick auflegte und meinte immer leiser werdend: „Oh je, das gibt Ärger...“
Maria griff sich lässig einen Apfel aus dem Picknickkorb, den Sabine abgestellt hatte und erklärte ihr ebenso lässig: „Ach, ist doch nur ein Rettungssani... Das geht schon klar. Die Frau Doktor Haase war ganz wild auf ihn...“

Maria kam richtig in Fahrt, die Marc noch immer nicht sah, und ihr bereitete es sichtlich Freude ihre Sicht der Dinge zu schildern. Das war Gretchen so gar nicht recht, die einerseits immer wieder Marc anlächeln musste, um ihn wieder zu besänftigen, und andererseits wild herumfuchtelte und Maria zu verstehen geben wollte, dass sie doch bitte nicht weitererzählen solle.

Maria: „Und wie die geknutscht haben. Das war mir ja schon fast peinlich...“

Sie ging ein bisschen in Richtung Gretchen, um sie vor Sabine zu necken, als sie schließlich das ganze Stationszimmer einsehen konnte und schließlich auch Marc entdeckte.
Maria: „Oh, Meier. Lauschen ist aber nicht die feine englische Art...“



...Oh Gott, der Ameisenblick! Dass die Hassmann auch nicht einmal ihre Klappe halten kann! Sollte in Deckung gehen... Moooment einmal, er hat mich sitzen lassen! Werde nicht kleinbeigeben. Bin schließlich erwachsen... Es scheint ihm aber etwas auszumachen!...



Marc versuchte unterdessen auch standhaft zu bleiben, obwohl er sichtlich schockiert war.
Marc: „Zu Ihnen wollte ich!“
Dabei blickte er Gretchen und Maria immer abwechselnd an.
Gretchen und Maria miteinander: „Zu mir?“


Beide blickten sich herablassend an, so, als würden beide um ihn kämpfen. Wieder einmal wurde in beiden der Kampfgeist geweckt und so waren sie auch festentschlossen, sich gegenseitig zu necken.

Gretchen: „Ähm, warum sollte er ausgerechnet zu Ihnen wollen, Frau Dr. Hassmann?“
Maria fasste sich ans Kinn, während sie an die Decke blickte und meinte: „Lassen Sie mich kurz überlegen, Haase...“, um dann schließlich forsch anzufügen: „Vielleicht, weil er Sie ja gestern schon hat sitzen lassen?! Und zu Schwester Sabine will er ganz bestimmt nicht...“

Sabine verdutzt: „Aber das können Sie doch nicht wissen...“
Gretchen und Maria wandten sich beide gleichzeitig Sabine zu und forderten sie ebenfalls gleichzeitig dazu auf, still zu sein. Maria rief „Schnauze!“, während Gretchen nur in bestimmender Tonlage „Sabine!“ sagte.

Dann schauten sich beide wieder kampferprobt in die Augen, was Marc und Sabine verständnislos begutachteten.

Gretchen neckisch: „Sie haben ja auch soooo einen großen Fang bei Männern... der Typ gestern war doch glatt erleichtert, als ich Sie mitgenommen habe...“

Marc wurde es derweil zu viel: „Äh, könntet ihr mal damit aufhören?!“
Maria wie ein beleidigtes Kind: „Aber sie hat angefangen!“
Marc genervt: „Boah, ist mir doch scheißegal, wer wie angefangen hat und mit wem Hasenzahn rumfickt!“
Gretchen betroffen: Das meinst du nicht so, Marc!“

Dennoch beharrte Marcs Blick auf Gretchen, als er gereizt aufforderte: „Doch, und würden Sie jetzt endlich mal die Güte haben Ihren Arsch zu bewegen?“
Gretchen und Maria erneut gleichzeitig: „Ich?“
Marc genervt: „Die Hassmann natürlich!“
Gretchen eingeschnappt: „Und warum jetzt ausgerechnet sie?“

Maria ebenso eingeschnappt: „Geht das auch in einem freundlicheren Umgangston, Herr Kollege?!“
Marc: „Äh nein, und jetzt los!“
Maria: „Ja, ist ja gut! Um was geht‘s denn?“
Marc: „Sage ich Ihnen gleich...“

Marc blickte Gretchen noch eine Sekunde lang mehr oder weniger angewidert an, dann drehte er sich um, verließ zielstrebig das Stationszimmer mit Maria im Schlepptau.

Gretchen betrübt: „Meinen Sie er ist sauer?“
Sabine monoton: „Ja... ich glaub schon!“

Gretchen legte sich wieder auf den Tisch, noch immer mit quälenden Kopfschmerzen, und meinte noch: „Sie sind auch keine Stimmungskanone, Sabine!“
Sabine lachend: „Ja, da haben Sie recht, Frau Doktor... Mir wären das auch einfach zu viele Männer. Da würde ich irgendwann den Überblick verlieren, glaube ich...“





Auf Station:


Marc betrat schnellen Schrittes die Intensivstation, während Maria ihm nur schwer folgen konnte, so schnell war er.
Maria: „Meier, was soll ich hier? So viel habe ich gestern nun echt nicht getrunken, dass Sie mich hier einweisen müssten...“
Marc: „Sie finden das auch noch okay?“
Maria: „Ich glaube nicht, dass ich meine Freizeitgestaltung mit Ihnen absprechen müsste... außer, Sie machen mit...“
Marc: „Äh, ihr hattet nen Dreier? Boah, ich glaube ich kotze gleich...“
Maria: „Also bei mir sitzt noch alles, Meier. Keine Fettpölsterchen und alles noch perfekt und straff...“
Marc: „Äh gut, ich möcht’s mir ehrlichgesagt nicht vorstellen...“
Maria: „Gut, entgeht ja nur Ihnen dieser göttliche Frauenkörper, der der Venus gleicht. Nein, vielmehr noch! Der sie übertrifft...“
Marc: „Sie haben die Kontaktdaten von Gisele Bündchen? Dann mal her damit...“
Maria: „Ich meinte ja eigentlich mich damit!“
Marc: „Äh ja, dann wohl eher nicht...“


Die beiden kamen vor einem Zimmer an.
Maria: „Und was machen wir jetzt hier? Haben Sie dieses Zimmer etwa für uns beide reserviert... Meier, Meier, Sie stehen wohl auf Rollenspiele? Sie - der Unnahbare, ich - die Venus, zusammen in einem Raum. Uns bleibt keine andere Wahl, als unsere Körper aneinander...“
Marc grätsche dazwischen: „Sie halten jetzt sofort die Klappe, bevor Sie sich richtig blamieren! Sie sind aus einem rein medizinischen Grund hier, verstanden? Ich habe nämlich sicher keine Lust auf ein Schäferstündchen mit Ihnen...“


Marc riss die Tür auf, Maria ging langsam hinein, um dann zu fragen: „Wer ist das?“
Am Krankenbett saß Elkes Verlegerin, Gisela Lilienthal.
Gisela: „Sie werden doch die große Elke Fisher kennen?“

Maria schaute fragenden Blickes zu Marc, der aber auch nicht antwortete.
Maria: „Elke Fisher? Ist sie Privatpatientin?“
Gisela: „Aber selbstverständlich, für unsere Elke nur das Beste. Sie hat uns ja auch Sternstunden mit ihren Romanen beschert. Schwester Monique stellte die Venus in den Schatten!“

Maria drehte sich erneut kritischen Blickes zu Marc, der aber plötzlich wie erstarrt erschien. Dann drehte sie sich wieder zu Gisela um, die aufgesprungen war und zum Fenster hinausblickte, während sie ihren Gedanken Ausdruck verlieh, indem sie imaginär etwas in die Luft zeichnete.
Maria leicht von Fremdscham betroffen: „Ähm, ja...“

Plötzlich rannte sie auf Maria zu und fragte voller Entsetzen: „Großer Gott! ... Und dabei bin ich doch Atheistin...“
Maria fühlte sich merklich unwohl, denn sie wurde von ihr an den Schultern gepackt.
„Dr. Hassmann reicht!“, meinte sie zu ihr.
„Wer soll denn jetzt die Dr. Rogelt-Reihe fortführen, wenn sie nicht mehr... Großer Gott! ...Ich kann es nur erneut sagen... und das als...“
Maria setzte mit einem befremdlich gespielten Lächeln fort: „...und das als Atheistin, ich weiß!“
Gisela: „Das wäre das Ende einer Ära! Dr. Rogelt kann nicht enden, nicht so!“

Maria: „Ach... Dr. Rogelt? Sind das nicht diese Schrottromane, auf die Sabine so abfährt? Ich musste ihr einen zum Geburtstag kaufen!“
Nun ließ Gisela sie erbost los: „Ich muss ja sehr bitten! Das ist Kunst! Sie sind die Antwort auf alle unsere Fragen!“




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Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=6s6JPdJiSfA; "Joachim Heinrich • Broken bits (Cinematic Music | Sad) [HD]" © by Joachim Heinrich, YouTubeDE; aufgerufen am 07.08.2014 um 10:04




Maria: „Okay, Meier! Was ist hier los?“
Plötzlich veränderte sich die Stimmung merklich.

Marc: „Meine Mutter hatte eine Subduralblutung. Man musste sie in ein künstliches Koma versetzen. Ich möchte, dass Sie sich das ansehen.“
Maria ergriffen: „Sie ist Ihre Mutter?“

Marc nickte zweimal, um sich dann zu setzen, während Maria zu Elke hinlief und sich die Vitalfunktionen und CTs anschaute.





Unterdessen im Stationszimmer:


Gretchen hatte sich unterdessen wieder aufgerafft und nach einer Tasse Kaffee fühlte sie sich auch einigermaßen wieder fit. Sabine saß derweil immer noch am PC, als Gretchen Richtung Flur lief und am Picknickkorb vorbeikam.
Gretchen: „Gehen Sie heute noch picknicken? Mit Günni?“
Sabine leicht errötet: „Nein... der war eigentlich für Sie... also für den Herrn Doktor Meier.“
Gretchen verblüfft: „Er möchte sich tatsächlich bei mir entschuldigen?“

Sabine begutachtete sie eine Weile, wie sie den Korb anschaute und darin herumwühlte, um dann kundzutun: „Nein, ich glaube eher nicht...“
Gretchen: „Und warum nicht?“
Sabine: „Nun ja, Sie haben ihn betrogen...“
Gretchen: „Also Sabine! Das war nur ein kleiner Kuss und der ging sicher nicht von mir aus!“
Sabine wenig überzeugt: „Wenn Sie das sagen, Frau Doktor...“



...Ein voller Picknickkorb von Marc... Was hätte ich vor zwanzig Jahren dafür nur gegeben? Er wollte sich tatsächlich bei mir entschuldigen. Ich glaub’s nicht. Muss unbedingt herausfinden, wie...



Gretchen setzte sich auf den anderen freien Bürostuhl und war fest entschlossen, Sabine auszuhorchen.
Gretchen: „Sabine, Sie wissen es doch. Wir sind doch so etwas wie Freundinnen, mir können Sie das ruhig erzählen...“
Sabine: „Warum küssen Sie auch Gordon?“


Genau in diesem Moment kam Gordon herein.
Gordon: „Redet ihr über mich?“
Gretchen drehte sich peinlich berührt sofort um und schaute aus dem Fenster, strich sich die Haarsträhne hinters Ohr und hoffte, dass er sie nicht erkennen würde.



...Oh nein! Was will der denn jetzt hier?...


Gordon: „Frau Doktor, ich weiß, was Sie denken...“


...Haha, gar nicht! Als ob der Gedanken lesen kann...


Gordon: „Sie wollen mit mir picknicken?“


...Ha! Wusste es doch nicht!...



Gretchen drehte sich erleichtert um und meinte nur sarkastisch: „Genau!“
Sabine entsetzt: „Aber Frau Doktor!“
Gordon: „Wirklich?“
Gretchen: „Ja, hey... kann halt eben nicht jeder Gedanken lesen...“
Gordon: „Na, ich ja scheinbar schon. Also dann, ich hole Sie nachher ab, Frau Doktor!“

Gretchen verwundert: „Moment einmal! Wie... abholen?“
Gordon: „Na, zum Picknick!“
Gretchen: „Ähm, nein?“
Gordon: „Sie haben aber zugesagt...“
Gretchen: „Schwester Sabine, würden Sie ihm bitte sagen, dass ich nicht zugesagt habe...“
Sabine herumdrucksend: „Sie haben aber...“

Gretchen bekam einen hysterischen Lachanfall bei dem Gedanken.
Gretchen: „Habe ich gar nicht...“
Sabine: „Sie haben aber ‚genau‘ gesagt!“
Gordon: „Genau!“
Gretchen: „Sabine, würden Sie ihm bitte sagen, dass ich nicht ‚genau‘ gesagt habe!“
Sabine: „Aber Frau Doktor, Sie haben...“

Gretchen lehnte sich langsam zu ihr hinüber, lächelte dabei Gordon an und flüsterte ihr ins Ohr: „Überlegen Sie genau, was Sie jetzt sagen, Sabine!“

Gordon: „Hat eigentlich schon mal jemand so richtig um Sie gekämpft?“
Gretchen irritiert: „Ähm, bitte?“
Gordon: „Ob sich schon mal jemand so richtig für Sie ins Zeug gelegt hat?“
Gretchen: „Ähm, nun ja, also... ich...“
Gordon: „Frau Doktor, wer länger als eine Sekunde überlegen muss bei dieser Frage, kann sich die Antwort auch gleich sparen... Ich werde Sie schon noch überraschen!“

Gordon lief siegessicher davon, war gar nicht mehr aufzuhalten.
Gretchen wollte ihm noch „Gordon, ich möchte das eigentlich nicht...“ nachrufen, doch das hörte er schon nicht mehr, weshalb sie schließlich auch aufgab und verstummte.

Sabine: „Jetzt haben Sie aber ein richtiges Problem, Frau Doktor!“
Gretchen hysterisch lachend: „Ach, von denen kann man doch gar nicht genug haben, nicht wahr, Sabine?“
Sabine monoton: „Na ja...“





Später im Hause Haase:


Gretchen betrat völlig k.o. das Haus. Bärbel saugte wieder einmal Staub.
Bärbel: „Gretchen, du bist schon da?“

Gretchen schmiss ihre Tasche auf die Treppe, warf den Mantel in die Garderobe und setzte sich frustriert auf die unterste Treppenstufe.
Bärbel schaltete sofort den Staubsauger aus.

Bärbel: „Aber Kind, was ist denn passiert? Du siehst so fertig aus! Und es ist noch nicht einmal Mittag...“
Gretchen: „Ich habe mich krankschreiben lassen...“
Bärbel: „Geht denn das überhaupt? Du bist ja schließlich Ärztin und könntest es allen vormachen. Du bist natürlich aber auch keine Schauspielerin. Wobei, warum können dann Schauspieler Krankheiten so gut rüberbringen... Ich meine, schließt sich das nicht gegenseitig aus...“

Gretchen wie ein Schulmädchen: „Hörst du bitte auf zu philosophieren und machst mir eine heiße Schokolade, Mama?“
Bärbel: „Aber Margarete! Was ist denn nun schon wieder passiert?“



...Was passiert ist? Fühle mich schuldig. Kann einfach nicht alles perfekt sein? Ist das zu viel verlangt? Nur ein einziges Mal! Ich würde dafür sogar auf Schokolade verzichten... Ich schwöre es!...



Gretchen: „Ich weiß nicht, wie ich einen unliebsamen Liebhaber wieder loswerden kann...“
Bärbel fühlte sich angegriffen: „Gretchen, das finde ich jetzt sehr, sehr, sehr gemein!“
Gretchen: „Das war doch keine Anspielung auf dich!“
Bärbel zynisch: „Als ob du einen Liebhaber hättest.“

Gretchen beleidigt: „Schön, dass du so viel von deiner Tochter hältst, Mama!“
Bärbel: „Margarete, ich bitte dich! Jetzt komme mir nicht auf diese Tour! Du bist 33...“

Gretchen grätschte wütend dazwischen: „Ja, ich weiß, nach deiner Vorstellung sollte ich jetzt schon mit drei Kindern in meinem eigenen Haus mit Ehemann hocken. Ja gut, das klappt eben nicht. Ja und? Vielleicht finde ich auch nie einen. Und selbst wenn es so wäre, ich wäre nicht traurig, Mama!“

Bärbel: „Das glaubst du dir doch selber nicht, Margarete!“
Gretchen: „Ach komm schon, wie soll es denn aussehen? So, wie bei euch? In spätestens 30 Jahren betrügen wir uns gegenseitig und machen unseren Kindern das Leben zur Hölle?“
Bärbel: „Margarete, das muss ich mir nicht gefallen lassen!“
Gretchen: „Ach, und ich soll mir die Wahrheit immer wieder aufs Neue gefallen lassen, während du dich immer schön drückst? Du bist doch selber nur noch frustriert, Mama! Also lass es gefälligst nicht an mir aus! Schrei wegen mir deinen ollen Staubsauger an. Der kann sich immerhin nicht wehren, ansonsten würde der dir auch keine Beachtung schenken!“

Gretchen stand wütend auf und stampfte die Treppen hoch in ihr Zimmer.
Bärbel betroffen: „Margarete!“



...Ach, was hätte ich nicht alles gegeben, dass der letzte Tag nicht geschehen wäre? Ich hätte alle meine Schokoladenvorräte hergegeben. Einfach so!...




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=Lo7f-qGLVQo; "System of a down - Such a Lonely Day ( with Lyrics)" © by Manoushaz, YouTubeDE; aufgerufen am 21.10.2015 um 12:10




...Ich blieb den ganzen Tag in meinem Zimmer und hoffte doch so sehr, dass er mich anrufen würde und ich ihm alles erklären könnte.
Der Kuss hatte mir nichts bedeutet. Dafür bedeutete er mir einfach zu viel.

In dieser Nacht schlief ich unruhig. Und nicht nur ich – auch Marc träumte schlecht...





Marc stand am Bett seiner Mutter, die sich noch immer nicht rührte, als Gretchen das Krankenzimmer betrat. Als sie die Tür öffnete, gab es einen unglaublichen Durchzug. Ihre Haare wehten im Luftstrom, ihr weißes, knielanges Kleid wehte ebenso im abgedunkelten Raum. Nur der helle Mondschein dieser frischen Nacht beleuchtete das Krankenbett, darin Elke liegend.

Gretchen: „René, ich hörte, etwas Schlimmes ist geschehen?“
Marc drehte sich um: „Schwester Monique! Was machen Sie hier?“

Gretchen reichte ihm ein Medikamentenfläschchen.
Gretchen: „Das ist das Antiserum, Dr. Rogelt!“
Marc verblüfft: „Aber Schwester Monique, sie wurde vergiftet?“

Er drehte sich wieder Elke betrübt zu, während der Durchzug immer stärker wurde.
Gretchen theatralisch: „Ja, René! Die Schatten des Lebens haben sie in die Knie gezwungen! Ihr Herz hat aufgehört im Takt zu schlagen, nachdem es ihr gebrochen wurde. Der unaufhörliche Liebesschmerz hat sie vergiftet, René!“

Sie packte ihn am Arm, sodass er sich wieder zu ihr wandte, die verstörten Blickes wimmerte: „Nehmen Sie das Antiserum, René und injizieren Sie es ihr! Ansonsten muss ich es tun!“
Marc: „Schwester Monique, was bewirkt dieses Wundermittel nur?“
Gretchen: „Es wird sie ins Leben zurückholen. Doch es wird mich für immer aus Ihrem Leben verbannen, René. Ich bin bereit, dieses Opfer zu bringen, für Sie, René!“
Marc griff entsetzt ihre Hand: „Aber Schwester Monique, ich kann Sie nicht gehen lassen!“
Gretchen traurig flehend: „Sie müssen, René! Es bleibt Ihnen keine andere Wahl. Entweder sie, oder ich. Ich werde auch ohne Antiserum leben, René! Aber sie... sie wird es nicht schaffen! Sie braucht es dringend! Ansonsten ist sie des Todes geweiht, René!“

Sie deutete zitternd auf Elke und drückte sich näher an Marc heran.
Gretchen: „Injizieren Sie es ihr, René! Mein Herz wird zwar gebrochen sein, aber der Schmerz kann mich nicht umbringen! Es ist besser so, René!“

Ehe er sich versehen konnte, injizierte sie es ihr in den Oberarm mit einer Spritze, die auf wundersame Weise aus dem Nichts erschienen war. Er wollte sie noch daran hindern, doch es war zu spät...




Schweißgebadet wachte Marc im Krankenzimmer seiner Mutter auf, der im Stuhl eingeschlafen war, und betrachtete geschockt und mit stockendem Atem seine Mutter, die noch immer im künstlichen Koma lag und deren Zustand sich nicht verändert hatte. Doch die Szenerie erschreckte ihn: Es war jene, die er im Traum gesehen hatte, denn der Mond allein erhellte sporadisch das dunkle Zimmer.



...Und auch ich wachte auf. Es schien so, als hätte die Party nicht nur mein Leben verändert – sondern auch meine Träume...





Am nächsten Morgen:


...Marc hatte natürlich nicht angerufen. Ich sagte mir aber: Das Leben geht weiter! Würde auch noch mit Marc klarkommen, irgendwann... Männer eben – sind immer gleich eingeschnappt...



„Guten Morgen, Mama!“ rief Gretchen, als sie noch im Halbschlaf und im Pyjama das Wohnzimmer betrat.
Dort sah sie ihre Eltern auf der Couch sitzen. Franz hielt Bärbel im Arm, die furchtbar weinte.

Gretchen: „Ist etwa schon wieder der Toaster kaputtgegangen?“
Franz: „Kälbchen, bitte!“
Gretchen: „Oh nein, nicht die Kaffeemaschine! Wie soll ich es denn ohne Kaffee nur ins Krankenhaus schaffen?“

Bärbel schluchzend: „Ich habe sie umgebracht, Franz! Ich wollte das doch nie...“
Gretchen scherzend: „Ach Mutter, das ist doch nur eine alte Kaffeemaschine. Als ob man Maschinen umbringen könnte... Dann kaufen wir uns eben eine neue. Und ich kann heute auch mal ohne Kaffee aus dem Haus...“

Bärbel nachdenklich: „Ja geht das denn? Kann man ein neues Gehirn einsetzen, wenn das alte nicht mehr so ganz...“
Gretchen wurde die Situation nun unheimlich: „Okay, worum geht es hier?“
Franz begann ebenfalls zu schluchzen: „Die Elke Fisher, die hatte eine Subduralblutung und liegt im künstlichen Koma. Ich habs gestern Abend erfahren...“
Bärbel: „Und ich bin schuld, Margarete! Was ist denn, wenn sie jetzt stirbt?“

Gretchen begann ebenfalls hektisch zu atmen und zu schluchzen: „Und ich erfahre das erst jetzt? Mein Gott, ich habe ihm auch noch unterstellt er hätte mich sitzen lassen. Ich habe unsere Beziehung ermordet und dann habe ich auch noch Gordon geküsst - also er mich...“

Franz wütend: „Du hast was? Was bist du eigentlich? Man könnte ja glatt meinen, du seist eine Pros... eine Pros... eine...“

Gretchen erlangte langsam die Fassung wieder und wurde auch ernster im Umgangston: „Ich sei was? Du kannst gern offen mit mir sprechen, Papa!“
Franz erzürnt: „Na, du führst dich auf wie die letzte Prostituierte! Mit jedem bändelst du in meiner Klink an! Noch nicht einmal vor den Rettungssanitätern machst du Halt! Ich habe einen Ruf zu verlieren. Du bist schließlich meine Tochter.“

Nun ließ Franz Bärbel plötzlich los, die aufs Sofa fiel, stand auf und näherte sich mit erhobenem Zeigefinger seiner Tochter.
Franz schreiend: „Wenn du dich nicht wie eine anständige Frau verhalten kannst, Margarete Haase, dann pack deine Sache, verschwinde von hier und lass dich nie mehr wieder in meinem Krankenhaus blicken!“

Gretchen war völlig schockiert, denn mit einer derartigen Reaktion hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Ihren Vater kannte sie so gar nicht...



...Okay, das ist sicher nur die Situation. Papa meint das nicht so. Obwohl er sehr einschüchternd sein kann mit diesem Blick... könnte glatt den Bösewicht in irgendwelchen langweiligen, ewig laufenden Soaps spielen...



Franz schreiend: „Und wenn du dich jetzt fragst, ob ich das wirklich so meine, dann kann ich dir sagen: JA! Genau so und nicht anders meine ich das!“

Gretchen betroffen: „Papa, ich bin deine Tochter!“
Franz: „Den Anschein macht es momentan nicht... So verhält sich keine Haase!“
Gretchen: „Ach, und wie verhält sich eine Haase dann? Ich bin doch nur so geworden, weil ich in dir ein perfektes Vorbild hatte. Wie oft hast du Mama betrogen? Zweimal, dreimal, oder kannst du es schon gar nicht mehr an beiden Händen abzählen? Und glaube mir eines, Papa, wenn ihr Chirurgen nicht alle so herzlos wärt, dann hätte ich jetzt schon längst den Mann fürs Leben gefunden und würde mit 33 nicht mehr bei meinen Eltern wohnen, die mich ständig nur belehren wollen und dabei kein Stück besser sind!“

Gretchen riss ihm die erhobene Hand runter, die noch immer auf sie gerichtet war und drehte sich wütend um, um wieder in ihr Zimmer zu gehen.
Doch dann musste sie ihm doch noch etwas mitteilen: „Mama hat dir alle deine Affären verziehen, das solltest du vielleicht auch mal, Papa. Und dabei könntest du ihr gleich mal sagen, was zwischen dir und Elke in letzter Zeit lief! Ich habe euch zusammen in der Stadt gesehen. Also spiel vor mir nicht den Moralapostel. Du bist wirklich kein Stück besser, kein Stück! Noch nicht mal ein winziges Stückchen!“





Später an diesem Tag im Stationszimmer:


Sabine stand gerade an der Anrichte und wollte Kaffee kochen, als Günni in der Türschwelle stand.
Günni: „Schwester Sabine, ich bin untröstlich!“
Sabine drehte sich wie erstarrt zu ihm: „Oh, was ist denn passiert, Herr Doktor Gummersbach?“
Günni: „Ich bekomme Sie einfach nicht aus meinem Kopf, Sabine!“
Sabine: „Oh, Entschuldigung!“
Günni: „Nein, nein, dafür müssen Sie sich nicht entschuldigen.“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=iWU4DKzlGzw; "Joachim Heinrich • Lost in you (Cinematic Music - Piano) [HD]" © by Joachim Heinrich, YouTubeDE; aufgerufen am 09.08.2014 um 22:54




Sabine, die während des Gespräches das Wasser in die Kaffeemaschine füllte, merkte gar nicht, dass sie alles daneben leerte, so sehr war sie von seiner Stimme und seinem Blick angetan.
Günni: „Es läuft an Ihnen herunter, Sabine!“
Sabine erschrocken: „Oh Gott! Ist es denn ein großes Insekt? Bitte machen Sie es weg, Herr Doktor...“
Günni: „Günni!“
Sabine: „Das Insekt heißt wie Sie? Haben Sie es etwa entdeckt?“
Günni lächelnd: „Oh nein, es ist kein Insekt. Es sind viele kleine Tropfen und die gehören wohl eher zur Gattung ‚H2O‘.“

Sabine blickte an sich hinunter, und sah, dass das Wasser von der Anrichte herunterlief und auf ihren Kittel tropfte: „Oh, das ist ja nur Wasser!“
Günni: „Was halten Sie von einer Verabredung?“
Sabine: „Nun ja, das kommt ganz drauf an, um welche Art Verabredung es sich dabei handelt.“
Günni: „Lassen Sie sich überraschen, Sabine! Und können wir nicht endlich wieder zum Du übergehen?“
Sabine erfreut: „Oh, ja sehr gerne und ja, sehr gerne, Doktor Gummer... ich meine Günni...“
Günni in Wolke Sieben schwebend: „Ich freue mich, Sabine!“

Sabine: „Oh, aber hat denn die Frau Doktor Amsel gar nichts dagegen, dass Sie...“
Günni: „Dr. wer?“
Sabine: „Na, die Gina Amsel...“
Günni: „Ach, ist das etwa die, die ihre Brille zertreten hat?“
Sabine: „Ja, genau, die ist das!“
Günni lachend: „Aber Sabine, was sollte die denn dagegen haben? Sie ist ja schließlich nicht meine Mutter...“
Sabine erleichtert: „Das ist gut... das ist gut!“

Günni wollte gerade wieder gehen, da rief sie ihm noch nach: „Aber bitte keine Überraschung in Form eines Picknicks im Abendrot am Wannsee mit einer Bootstour zuvor. Das kann nämlich nur schiefgehen...“
Günni: „Kein Problem, das hatte ich nicht vor.“
Sabine konnte ihr verliebtes Grinsen nicht mehr verbergen während sie das Wasser wieder aufwischte.





Nebenan in der Umkleide:


Gretchen warf sich ihren Arztkittel und das Stethoskop über, während sie mit voller Wucht die Spindtür zuschmiss. Mehdi stand daneben und zog sich ebenfalls gerade um.

Gretchen betrübt: „Hast du das gehört?“
Mehdi: „Ja, der Knall war aber auch nicht zu überhören. Was ist denn jetzt schon wieder passiert?“
Gretchen betrübt: „Marc ist passiert!“

Mehdi zog ebenfalls seinen Arztkittel an und versuchte Gretchen zu trösten, der es sichtbar nicht gut ging.
Gretchen: „Sogar Sabine hat ein Date!“
Mehdi: „Das wurde doch auch wirklich langsam mal Zeit, oder?“
Gretchen leise: „Und bei mir hat es noch ewig und drei Millionen Jahre Zeit, oder wie?!“
Mehdi fürsorglich: „Du weißt genau, wie ich das meine, Gretchen!“

Gretchen lehnte sich an den Spind an: „Ja, natürlich und ich freue mich doch auch für sie...“
Mehdi: „Das hört sich aber ehrlichgesagt nicht so an...“
Gretchen: „Oh, jaaa! Entschuldigung, aber ich bin gerade echt nicht gut gelaunt!“



In diesem Moment betrat Gabi die Umkleide, sichtlich gut gelaunt, nachdem sie Sabine im Vorbeigehen nur kurz komisch anblickte, die gerade in gebückter Haltung auf dem Boden das Wasser aufwischte und meinte: „Hast du hier etwa hingepisst? Ihhh...“


Mit einer riesen Sporttasche unterm Arm betrat sie lächelnd die Umkleide.
Mehdi zu Gretchen: „Andere Leute sind noch gut gelaunt...“
Gretchen flüsterte ihm zu: „Tja, diese anderen Leute sind aber auch nicht ganz dicht...“

Gabi stellt die schwere Tasche ab und ging auf ihren Spind zu.
Gabi: „Wer ist nicht ganz dicht?“
Gretchen lief rot an und druckste herum: „Ähm, also... ähm...“
Mehdi war ihr natürlich gleich behilflich und führte fort: „Die Wasserleitungen, deshalb muss Sabine gerade alles aufwischen. Wird aber gleich repariert werden...“

Gretchen flüsterte ihm nun ganz leise zu: „Danke!“
Woraufhin er ganz leise flüsternd „Bitte!“ antwortete.

Gabi hingegen kramte Schokolade aus ihrem Spind heraus und stopfte sie in die Tasche, was beide kritischen Blickes verfolgten.

Mehdi: „Haben Sie heute nicht eigentlich frei, Schwester Gabi?“
Gabi: „Achso, ja. Aber ich wollte die Sachen hier vorbeibringen.“

Gretchen lief zur Tasche hin und schaute hinein. Es fanden sich etliche Kleider und Oberteile wieder.
Gretchen scherzend: „Gute Entscheidung, Gabi, dass Sie diesen altmodischen Plunder nicht mehr tragen wollen. Bringen Sie diese Kleider in die Altkleidersammlung? Die armen Menschen freuen sich bestimmt.“

Gabi lachte kurz, um dann mit ernster Miene zu unterstreichen: „Das sind nicht meine Kleider! Sowas würde ich niemals anziehen.“
Gretchen irritiert: „Ah, okay, aber warum schleppen Sie die dann rum?“
Gabi: „Das sind doch die Kleider von Marcs Mutter, Frau Dr. Haase! Ich bringe Sie ihr vorbei. Man weiß ja nicht, ob sie es... Sie wissen schon. Aber es ist immer gut, wenn man für jeden Fall gewappnet ist.“

Gretchen begann hysterisch zu lachen: „SIE holen die Kleider seiner Mutter?“
Gabi: „Ähm, ja!“
Gretchen geknickt: „Und Marc hat Sie wirklich gebeten die Kleider für seine Mutter zu holen?“

Gabi kramte in ihrer Jackentasche herum, zog einen Schlüssel heraus, den sie vor Gretchens Gesicht hin und her schwenkte und meinte abgeklärt und mit Nachdruck in der Stimme: „Jaaa! Hätte ich sonst den Schlüssel von ihm bekommen?“



...Das gibt’s doch nicht! Er hätte ja auch mich fragen können. Aber nein, stattdessen fragt er diese... diese... Schlange! Gott, Männer! Ich könnte ausflippen! Wie kann man nur so störrisch sein und das wegen einem kleinen Kuss! Wäre ich bei jedem Kuss, den er einer anderen schon gegeben hat so, dann, ja, dann... dann würde er aber dumm gucken.
Wie mein Vater, echt. Chirurgen, ich könnte... Ohhh, bin ich so sauer!!!...




„Und für wen ist dann die Schokolade? Sie wissen schon, dass sie im Koma liegt und keine essen kann?“, fügte sie hinzu und versuchte dabei krampfhaft nicht beleidigt zu klingen.
Gabi in den höchsten Tönen erfreut: „Ach, die? Die ist für Marc. Der Arme ist ja ständig bei ihr. Da tut Nervennahrung einfach unglaublich gut.“

Gretchen grätschte dazwischen, und zwar so, dass alle merkten, dass sie doch beleidigt war.
Gretchen: „Also, das ist doch purer Schwachsinn!“
Gabi: „Aber Sie essen die doch auch immer?“
Gretchen stotternd: „Ja, aber das ist... das ist... etwas ganz anderes ist das!“

Gretchen stupste Mehdi an, von dem sie sich dieses Mal auch erhoffte, dass er ihr zustimmen würde.
Gretchen: „Nicht wahr, Mehdi?“
Mehdi: „Nun ja, also, ich glaub...“

Gretchen und Gabi blickten ihn beide an, da beide von ihm erwarteten, dass er ihr recht geben würde.
Mehdi: „Ich glaube Schokolade tut ihm jetzt gut...“
„Na, vielen Dank auch!“ flüsterte Gretchen vor sich hin, die mitansehen musste, wie Gabi stolz die Schokolade wieder einpackte, die Tasche nahm und gehen wollte.

Gretchen: „Ach, das kann ich doch Marc vorbeibringen. Ich muss mich mit ihm sowieso noch...“


...Aussprechen! Ihn um Verzeihung bitten, ihm meine unendliche Liebe gestehen und versichern, dass wir das gemeinsam durchstehen und Elke irgendwann einmal eine gute Oma für unsere Kinder sein wird – auch, wenn diese Vorstellung jetzt noch so unglaublich surreal ist, dass sich so manch ein Politiker eine große Scheibe von meiner Fähigkeit des Schönredens abschneiden könnte...


Während sie das dachte und dabei die Tasche festhielt, sodass Gabi nicht weitergehen konnte, diese sich aber wieder von Gretchen losreißen wollte und sie dadurch aus ihren Gedanken riss, fuhr Gretchen schließlich stotternd fort: „...noch über eine Behandlungsmethode bei einer Patientin fachsimpeln... ja, genau... eine Behandlungsmethode bei einer Patientin!“



...Okay, sie hat die Tasche tatsächlich von mir losgerissen. Ich glaube die Option nehme ich wieder zurück. Würde kein Geld mit meiner Fähigkeit des Schönredens verdienen und jeden Politiker damit wohl ins Aus schießen...



Gabi: „Nein, danke. Ich geh lieber selber vorbei!“
Gabi lief schließlich schnellen Schrittes los und murmelte noch vor sich im Hinausgehen: „Nachher frisst die noch die ganze Schokolade alleine auf...“


Gretchen ging geknickt zu Mehdi zurück und lehnte sich wieder an die Spindwand an.
Gretchen: „Sie hatte seinen Schlüssel! Hast du das gesehen?“
Mehdi: „Ja, ich bin nämlich nicht blind!“
Gretchen schluchzend: „Und er hat sie darum gebeten! Hast du das gehört?“
Mehdi: „Ähm, jahaa, ich hab’s gehört. Taub bin ich auch noch nicht!“
Gretchen: „Und sie bringt ihm Schokolade mit! Kommt dir denn das gar nicht komisch vor?“
Mehdi: „Das ist doch eine nette Geste von ihr.“
Gretchen entsetzt: „Nett? Das ist Diebstahl von Gedankengut!“
Mehdi irritiert: „Wie meinst du das jetzt?“
Gretchen: „Na, hätte ich vorher gewusst, was mit seiner Mutter passiert ist und in welchen Umständen er sich befindet, dann hätte ich diese Idee schon vor Gabi gehabt und dann wäre das jetzt Diebstahl meines Gedankenguts!“

Mehdi scherzend: „Ich glaube nicht, dass man das so sehen kann...“
Gretchen genervt: „Vielen Dank auch, Mehdi! Sag doch gleich, dass ich alte Ulknudel einfach zu dick, zu dumm und zu eifersüchtig für diese Welt ... und vor allem für Marc ... bin!“
Mehdi wurde ernster: „So habe ich das nicht gemeint, Gretchen, und das weißt du!“

Gretchen ging ins Stationszimmer und holte sich einen Kaffee, den Sabine gerade erst gekocht hatte und setzte sich an den Tisch. Mehdi folgte ihr.
Gretchen: „Glaubst du er ist sauer?“
Mehdi: „Ich glaube nicht. Er weiß bestimmt, dass du ihm auch Schokolade mitgebracht hättest.“
Gretchen: „Und was mache ich jetzt?“
Mehdi: „Ähm, zu ihm gehen?“
Gretchen: „Meinst du?“
Mehdi: „Ja!“

Gretchen trank einen Schluck Kaffee, um dann noch mal nachzuhaken bei Mehdi, wie sie vorgehen solle.
„Meinst du, ich soll ihm die Sache mit dem Kuss gleich erklären oder soll ich ihm noch Zeit lassen?“, fragte sie mit ihrem bittenden Hundeblick.

„Wann habt ihr euch denn geküsst?“, fragte Mehdi und trank danach ebenfalls einen Schluck.
Gretchen: „Wir haben uns nicht geküsst. Gordon hat mich geküsst.“
Als er das hörte, verschluckte er sich schlagartig am Kaffee und musste sehr darum kämpfen, den Kaffee nicht auszuspucken.

„Sag mal wie blöd kann man eigentlich sein?“, schrie er sie an, als er sich wieder gefangen hatte.
Gretchen genervt: „Okaaay, das ist natürlich auch eine Möglichkeit eine konstruktive Konversation zu führen...“
„Du küsst Gordon?“ schrie er sie fassungslos an und erhob sich, lief Richtung Tür und dann wieder zurück.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=m2-71JcL8BY; "Joshua Radin - When You Find Me (Lyrics) HD" © by Joachim Heinrich, YouTubeDE; aufgerufen am 19.01.2015 um 15:17




Gretchen sah nun die Zeit gekommen, um sich zu rechtfertigen: „Ich? Oh nein, ER hat MICH geküsst! Ist das so abwegig, dass ein Mann mich küssen möchte? Für euch bin ich doch nur die trampelige Kuh, die keinen abbekommt und für die sich kein Schwein interessieren könnte! Ihr denkt wirklich, ich würde mich wie die letzte Schlampe an jedes x-beliebige männliche Individuum ranschmeißen. Glaub mir eines, Mehdi, langsam bin ich echt der Meinung, dass es keinen Mann auf dieser Welt gibt, der ansatzweise auch nur einmal verstehen könnte, was ich in letzter Zeit durchmache.
Erst nähert sich Marc mir an, dann lässt er mich wieder fallen, dann nähert er sich mir wieder an und lässt mich wieder fallen. Darauf habe ich einfach keine Lust mehr! Gut, Marcs Mutter geht es schlecht. Das habe ich jetzt begriffen. Aber weder du, noch Gordon oder Gabi, noch sonst irgendjemand kann mich jetzt davon abhalten, dass ich in dieses Krankenzimmer gehe, ihm sage, wie sehr ich ihn liebe und er zwei Möglichkeiten hat: entweder er entscheidet sich für mich und vergisst diesen lächerlichen Kuss einfach, der mir überhaupt nichts bedeutet hat, oder aber er sagt mir ins Gesicht, dass er damit nicht klarkommt und ich packe wirklich meine Sachen, wie es mir mein Vater geraten hat und verschwinde von hier! Ich habe da drauf nämlich echt keine Lust mehr, Mehdi! Wirklich, es reicht mir! Es steht mir bis hier... ich könnte kotzen!“


Wütend sprang sie vom Tisch auf und lief los. Mehdi hingegen hatte mit einer derartigen Ansage keinesfalls gerechnet. So setzte er sich auch wieder zusammengestaucht an den Tisch.

Schließlich kam sie wieder zurück und fragte ebenso schreiend: „Auf welche Station und in welches Zimmer muss ich?“

Doch Mehdi war so perplex, dass er gar nicht reagierte. Schließlich haute sie mit voller Wucht auf die Anrichte, sodass Mehdi kurz zusammenzuckte, um dann noch einmal ernst zu fragen: „Wo muss ich hin?“
Mehdi: „Ähm, 202 ITS!“

Gretchen machte sich schleunigst auf den Weg. Sie rannte so schnell, wie sie nur konnte und es kam ihr heute wie eine halbe Ewigkeit vor, bis endlich ein Fahrstuhl öffnete. Schließlich öffnete sich nach Ewigkeiten endlich einer, in dem sie aber eine unangenehme Überraschung erwartete.

„Gordon?“ fragte sie völlig außer Puste.

Gretchen stieg in den Fahrstuhl, ohne ihn dabei anzuschauen und stellte sich neben ihn.


...Hoffentlich stellt er jetzt keine Fragen!...


Gordon: „Frau Doktor, mal wieder im Einsatz? Welches Leben retten wir denn heute?“


...Ach manno! Kann nicht einmal etwas so sein, wie ich es haben möchte?...


Gretchen drehte sich ihm zu, blickte ihm in die Augen, holte einmal ganz tief Luft und meinte dann: „WIR retten gar kein Leben, Gordon! ICH rette jetzt mein Liebesleben und zwar ganz ALLEINE! Und in diesem Leben gibt es für Sie keinen Platz, Gordon!“

Gordon wollte schon anfangen für sich selber Werbung zu machen: „Aber, Frau Doktor, ich...“

Gretchen drückte ihm den Zeigefinger auf die Lippen und bewegte ihn dazu nur ihr zuzuhören.
Gretchen: „Gordon, ich möchte Sie nicht enttäuschen. Aber nochmals: In meinem Liebesleben haben Sie keinen Platz, verstanden?“

Gordon nickte, sodass Gretchen ihre Finger wieder von seinen Lippen nehmen konnte.
Einen kurzen Moment blieben sie stillschweigend stehen. Doch dann fragte Gordon leise bittend: „Aber in Ihrem normalen Leben schon, oder?“
„Wie meinen Sie das?“ hakte Gretchen nach.
„Na, einfach mal so einen Kaffee trinken gehen, oder so“, meinte er.

Gretchen schwieg eine Weile lang, um dann zu erwidern: „Ja, sehr gerne. Aber nur, wenn Sie mir einen ausgeben.“
„Aber selbstverständlich, Frau Doktor. Irgendwie war’s mir klar, dass es nichts wird“, gestand er ihr.
Gretchen verwirrt: „Und deshalb küssen Sie mich?“
Gordon: „Einen Versuch war’s doch wert, oder?“
Gretchen nickend: „Ja, einen Versuch war’s wert. Wünschen Sie mir jetzt für meinen Versuch viel Glück, Gordon!“

Die Fahrstuhltür öffnete sich und Gretchen rannte wieder los. Gordon rief ihr noch nach: „Aber sicher doch, Frau Doktor!“





Vor Elkes Krankenzimmer:


Gretchen sammelte sich einen Moment vor der Tür zum Krankenzimmer, um sie dann ruckartig zu öffnen. Sie staunte nicht schlecht, wer sich dort alles versammelt hatte.
Gabi, die ganz nah bei Marc saß und ihn verliebt anschaute, Marc selbst, der Maria beobachtete, die Elke untersuchte und auch Gisela war noch da, die wild auf ihren Fingernägeln herum kaute. Selbst Bärbel und Franz waren da.

Gretchen: „Mama, Papa? Was macht ihr denn hier?“
Bärbel flüsternd: „Wir wollten ihr gute Besserung wünschen, aber sie kann ja gerade nicht sprechen. Sie wird es schon hören...“
Gretchen verwundert: „Ja, ganz bestimmt, Mama.“

Eine Weile lang betrachtete sie die Situation. Dann fasste sie sich schließlich ein Herz und fragte Marc: „Marc, könnte ich dich bitte mal sprechen?“
Marc war völlig abwesend und meinte nur: „Äh, ne. Geh lieber wieder zu deinem Gordon und lass dich flachlegen.“
Gretchen flehend: „Marc, bitte! Ich...“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=kYUjytcfn1g; "Joachim Heinrich • Take my hand (Cinematic Music | Piano) [HD]" © by Joachim Heinrich, YouTubeDE; aufgerufen am 06.08.2014 um 21:08




Doch sie konnte sich nicht mehr erklären, da sie ihr Vater tatsächlich des Raumes verwies: „Margarete, du hast gehört, was Dr. Meier zu dir gesagt hat! Bitte geh jetzt!“

Gretchen war völlig fassungslos: „Wie redest du mit mir, Papa? Meine Güte, jaaa, es tut mir leid, was ich da vorhin zu dir...“
Franz erneut erzürnt: „Margarete, bitte verschone uns mit deinen Kleinmädchenträumereien und geh jetzt!“

Bärbel war ebenso fassungslos: „Franz!“
Gretchen betrachtete eine Weile lang Marc, der sie noch nicht einmal angeblickt hatte.

Betrübt ging sie zurück, nahm die Türklinke in die Hand und meinte nur unter aufsteigenden Tränen: „Ist schon gut, Mama. Ich glaube, ihr habt euch alle bereits entschieden.“

Langsam schloss sie die Tür hinter sich und wollte gerade anfangen zu weinen, da kam Maurice angerannt und schrie völlig außer Atem: „Frau Doktor, warum hauen’s denn ab? Ich bin die ganzen Treppen hier rauf gerannt, weil Sie mich gar nicht mehr gehört habn, als Sie den Fahrstuhl betretn habn!“

Gretchen fragte verweinten Auges: „Was ist denn, Knechtelsdorfer?“
Maurice: „Ihr Patient stirbt, Frau Doktor! Und jetzt heulens bitte ned lange rum, denn sonst ist es schon zu spät.“
Gretchen wischte sich die Tränen von der Wange und fragte: „Wer?“
Maurice: „Na, der Herr Sperling!“




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=cjVQ36NhbMk; "The Fray - How to Save a Life" © by thefrayVEVO , YouTubeDE; aufgerufen am 19.01.2015 um 15:01




„Was? Jan Sperling?!“ fragte sie entsetzt und dachte zuerst an einen bösen Scherz. Doch Maurice nickte. Sofort gab sie ihm zu verstehen, dass er sie sofort zu ihm bringen solle. Beide rannten eilig in Richtung Fahrstühle, während sie sich kaum vorstellen konnte, dass es der Jan Sperling ist, von dem er sprach.





Nicht jeder Liebesroman nimmt auch ein gutes Ende.
Manchmal endet unsere Gesichte schon, bevor sie so richtig begonnen hat...


Marc hört, wie die anderen auch, gebannt Maria zu, die erklärt, wie sie weitermachen wird: Elke muss operiert werden. Ein schwieriger Eingriff – es kann gut ausgehen, aber auch schlimm enden.


Wir müssen aber nicht nur zusehen, was aus uns wird. Wir können selbst mitbestimmen und unser Schicksal in die eigene Hand nehmen...

Günni klingelt bei Sabine und als diese öffnet, übergibt er ihr einen riesigen Blumenstrauß. Sabine ist überglücklich, umarmt ihn direkt und küsst ihn herzlich auf die Wange. Daraufhin folgt ein richtiger, inniger Kuss.


Ja, es wäre langweilig, wenn wir unsere Geschichte selbst schreiben könnten. Nichts würde uns herausfordern. Wo wäre die Spannung, die uns das Leben immer wieder bietet?
Warum also aufgeben?! Es ist noch lange nicht zu Ende...


Gretchen und Maurice steigen in der Notaufnahme aus dem Fahrstuhl, als sie voller Entsetzen und noch immer unter Tränen erkennt, dass es tatsächlich Jan, ihr ehemaliger Mitschüler, ist, der eingeliefert wurde. Die Notärztin war bereits dabei, sein Herz zu massieren. Gretchen übernimmt ihn mit Maurice und setzt mit der Herzmassage fort, während sie ihn in den Schockraum fahren.

GretchenHaaseFan Offline

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Beiträge: 1.083

20.01.2015 17:44
#17 Info Zitat · antworten

-Edit-

GretchenHaaseFan Offline

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Beiträge: 1.083

26.01.2015 21:29
#18  Ärzte gehören bestraft! Zitat · antworten

__________________________________________________________________________________________


S02,E11



WRITTEN BY

GretchenHaaseFan, Andrea


AND

Missing_DD, Elena


__________________________________________________________________________________________





Ärzte gehören bestraft!




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=h1qQ1SKNlgY; "Chic - Le Freak" © by CaptainCarlossi, YouTubeDE; aufgerufen am 25.01.2015 um 11:25




Das geschah im letzten Teil:


Ich fand heraus, dass Marc mich nicht versetzt hatte. Seine Mutter wurde an diesem Abend nach einer Subduralblutung in ein künstliches Koma versetzt. Den Kuss mit Gordon konnte ich allerdings nicht mehr rückgängig machen und natürlich erfuhr das ganze Krankenhaus und vor allem Marc sofort davon...

»Sabine erschrocken: „Oh Gott... wen hat sie denn jetzt schon wieder geküsst, wenn nicht den Herrn Doktor?“

Kaum hatte sie sich das gefragt, stand auch schon Maria vor ihr und wedelte mit irgendwelchen Papieren vor ihrem Gesicht herum, während ebenso, fast gleichzeitig, Marc das Stationszimmer betrat und Gretchen auf dem Tisch liegen sah. Gretchen spürte, dass jemand neben ihr stand und sie anschaute.
Sie erhob sich langsam und meinte dann: „Maaarc!“

Maria hingegen (...) beantwortete Sabines Frage anders: „Marc? Ach Quatsch! Den Gordon hat sie geküsst!“

Sabine blickte zu Marc hinüber, der nun den Ameisenblick auflegte und meinte immer leiser werdend: „Oh je, das gibt Ärger...“ «



Marc war stinksauer...

»Marc genervt: „Boah, ist mir doch scheißegal, wer wie angefangen hat und mit wem Hasenzahn rumfickt!“
Gretchen betroffen: Das meinst du nicht so, Marc!“«


Das bewies er mir auch, als ich endlich den Entschluss gefasst hatte, ihm zu gestehen, wie sehr ich ihn liebe. Doch dann musste ich feststellen, dass Chirurgen wohl immer zusammenhalten würden, egal, wie gemein und ungerecht sich der andere auch verhalten würde...

»Gretchen sammelte sich einen Moment vor der Tür zum Krankenzimmer, um sie dann ruckartig zu öffnen. Sie staunte nicht schlecht, wer sich dort alles versammelt hatte.

Gretchen: „Mama, Papa? Was macht ihr denn hier?“
(...)
Marc: „Marc, könnte ich dich bitte mal sprechen?“
Marc war völlig abwesend und meinte nur: „Äh, ne. Geh lieber wieder zu deinem Gordon und lass dich flachlegen.“
Gretchen flehend: „Marc, bitte! Ich...“
(...)
Franz erneut erzürnt: „Margarete, bitte verschone uns mit deinen Kleinmädchenträumereien und geh jetzt!“«


Doch nicht nur ich hatte Herzensprobleme. Nein, auch mein ehemaliger Schulkamerad Jan Sperling, den ich mal mit Steffi verkuppeln wollte, bis sich dann herausgestellt hat, dass er auf Männer steht. Er wurde mit einem Herzstillstand eingeliefert...

»Gretchen fragte verweinten Auges: „Was ist denn, Knechtelsdorfer?“
Maurice: „Ihr Patient stirbt, Frau Doktor! Und jetzt heulens bitte ned lange rum, denn sonst ist es schon zu spät.“
Gretchen wischte sich die Tränen von der Wange und fragte: „Wer?“
Maurice: „Na, der Herr Sperling!“«





Gretchen konnte es nicht fassen, auch noch nicht, als sie den Schockraum betreten hatten. Verzweifelt versuchte sie alles Menschenmögliche, um Jans Leben zu retten.
Sie führte die Herdruckmassage so lange fort, bis sie ihn von der Trage auf die Behandlungsliege im Schockraum hievten.
Kurz horchte sie ihn mit dem Stethoskop ab, konnte aber weder Atmung, noch Puls feststellen.
Man merkte förmlich, wie angespannt die Lage war. Auch Maurice schien kurzzeitig mit der Situation überfordert.

Maurice: „Soll ich den Herrn Dr. Meier holn, Frau Doktor?“



...Okay, ich schaffe das! Ganz ruhig, ich schaffe das! Ich brauche Marc nicht. Ich komme ganz gut ohne ihn aus...



Gretchen fasste sich ein Herz, nahm allen Mut zusammen, denn sie war sich sicher, dass sie es schaffen würde.
Gretchen in Befehlstonlage: „Sie, Knechtelsdorfer, holen jetzt ein Intubationsset und einen Ambubeutel und ich führe solange die Herzdruckmassage fort. Und Sie, Schwester, rufen bitte sofort das REA-Team“
Maurice im siebten Himmel: „Ich darf intubieren, Frau Doktor?“

Gretchen massierte wieder regelmäßig sein Herz, während Maurice sein Glück kaum fassen konnte. Doch sie holte ihn schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Gretchen selbstbewusst: „Ja, sicher nicht, Knechtelsdorfer! Dieser Patient hat durchaus noch die Chance ins Leben zurückgeholt zu werden und deshalb werde ich ihn sicher nicht Ihnen überlassen...“
Maurice: „Aber, aber...“
Gretchen auffordernd: „Ja, los! Worauf warten Sie noch?“

Maurice rannte davon, um alles zu holen, während sie weiter sein Herz im Takt massierte, das nicht mehr schlug.
Alles schien wie in Zeitlupe abzulaufen. Immer wieder betrachtete sie das EKG, das einfach keine Herzaktivität anzeigte. Ihr kam es ewig lange vor.
Eilig kam Maurice wieder zurück. Sie forderte ihn auf mit der Herzmassage weiterzumachen, während sie Jan intubieren würde.

Nachdem er vom REA-Team lokal anästhesiert wurde, fragte einer des REA-Teams: „Sollen wir die Intubation übernehmen?“




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Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=NWaNW-aYhVY; "Suspenseful background Music - BRINK - action instrumental Intense Dramatic Film Movie Soundtrack" © by FesliyanStudios, YouTubeDE; aufgerufen am 07.08.2014 um 10:22




„Oh nein, das ist mein Patient, das ist mein Mitschüler und ich habe ihm schon einmal das Leben versaut. Dieses Mal werde ich es retten!“ erwiderte Gretchen angespannt.

So führte sie unter Beobachtung aller Anwesenden die Intubation gekonnt durch und war, nachdem sie den Tubus eingeführt hatte, selbst ziemlich erleichtert.
Sie forderte Maurice dazu auf, ihn nun mit dem Ambubeutel im 3 Sekunden-Takt zu beatmen, während sie sich wieder daran machte, sein Herz zu massieren.

Und dennoch blieb sein Zustand weiterhin unverändert. Das REA-Team, sowie die Schwester, die allesamt noch im Raum waren, beobachteten die Situation, jedoch verriet ihr Blick, dass sie selbst keine großen Hoffnungen mehr hatten. Für Gretchen lief immer noch alles wie in Zeitlupe ab – sie blickte zu Maurice und erkannte in seinen Augen, dass er den Patienten schon längst für tot erklärt hatte.

Doch so schnell wollte und konnte sie nicht aufgeben. Sie machte unablässig weiter.



...Bitte, Jan! Du darfst nicht sterben, nicht hier und nicht heute! Tu‘ mir das nicht an! Bitte...



Maurice riss sie schließlich aus ihren Gedanken, aus ihrem Beten, Bangen und Hoffen: „Solln ma defibrillieren, Frau Doktor?“
Gretchen, während sie weiterhin dir Herzdruckmassage fortsetzte: „Sie haben definitiv zu oft ‚die Schwarzwaldklinik‘ gesehen, Knechtelsdorfer! Eine Defibrillation bringt nichts, wenn gar kein Herzschlag mehr vorhanden ist!“

Maurice eingeschnappt: „Ah geh, damals war ich ja noch ‘n kleiner Bub! Also so alt war i damals noch ned, Frau Doktor!“
Gretchen schaute ihn mit rollenden Augen an: „Ja, meinen Sie ich, oder was? Sooo alt bin ich auch noch nicht!“

Maurice lächelte sie nur an, jedoch hatte sie etwas Wichtigeres zu tun. Einige Minuten später zeigte das EKG noch immer keine Herzaktivität an, stattdessen gab es unaufhörlich einen Alarm von sich, den kein Arzt hören möchte und der doch zum Leben gehörte, den sie aber doch während der Behandlung in den letzten Minuten scheinbar konsequent überhören konnte. Doch nun drang er auch in ihre Ohren:




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=ag0u03G2jD0; "EKG static flatline (no beats)" © by Nadav Cuky, YouTubeDE; aufgerufen am 25.01.2015 um 13:00




Gretchen unterbrach schließlich die Herdruckmassage, die so anstrengend war, dass Schweißperlen auf ihrer Stirn sichtbar waren.
Schließlich fragte sie die Notärztin, die ebenfalls noch im Raum stand und ihn als Erste behandelt hatte: „Wie lange haben wir schon keinen Herzschlag mehr?“
Notärztin: „Asystolie seit 18 Minuten.“

Gretchen musste einmal tief und kräftig durchatmen, wischte sich die Schweißperlen von der Stirn, schaute Maurice an, der noch immer im 3 Sekunden-Takt den Ambubeutel presste.
Gretchen leise und tief betroffen: „Sie können aufhören, Knechtelsdorfer!“
Maurice entfernte langsam den Ambubeutel vom Tubus, während Gretchen auf die Uhr blickte und es kaum über ihre Lippen brachte, es aber tun musste, sodass es die Schwester eintragen konnte.

„Zeitpunkt des Todes: 19:42 Uhr“ gab sie mit leiser, zittriger Stimme bekannt. Die Schwester schaltete den Ton des EKG ab, der noch immer dieses unerträgliche, ewig anhaltende Alarmsignal von sich gab.
„Soll i den Tubus entfernen, Frau Doktor?“ fragte Maurice ganz vorsichtig, der sah, dass sie innerlich zusammenbrach. Doch sie musste und wollte stark sein.
„Ich mach das nachher, Knechtelsdorfer!“ war ihre Antwort.

Die Schwester wollte allerdings auch ihrer Aufgabe nachkommen: „Aber ich muss ihn in die Patho...“
Da grätsche Gretchen völlig entkräftet dazwischen: „Das mache ich auch nachher! Ich mach ihn für die Patho fertig und bringe ihn selber runter, ja?“

Die Schwester nickte nur und Maurice war klar, dass sie jetzt ihre Ruhe haben wollte. Mit Handzeichen bat er alle, den Raum zu verlassen. Auch er wollte gehen, drehte sich aber, als er an der Tür angekommen war, noch zu ihr um und sprach ihr zu: „Bei Ihnen hatte er wirklich ‘ne ganz große Chance, Frau Doktor. Wenn i a mol umfalln sollt, dann hoffe i Sie behandelns mi!“

Noch immer sichtlich betroffen, und im Wechselbad der Gefühle, wandte sie sich ihm zu und schenkte ihm ein kleines Lächeln. Er zwinkerte ihr zu, als er schließlich den Raum verließ und leise die Tür schloss.

Gretchen betrachtete Jan eine Weile lang, wie er da lag – regungslos, angeschlossen ans EKG, das noch immer die Asystolie in Form der Nulllinie abzeichnete und mit dem Tubus im Rachen.
Ihr stiegen die Tränen hoch, doch sie versuchte, standhaft zu bleiben, als sie schließlich den Tubus langsam und vorsichtig die Luftröhre hochzog und die Elektroden des EKG vom Oberkörper entfernte. Obwohl sie wusste, dass er tot war, machte sie alles sehr behutsam, so, als wäre sie sich sicher, dass er noch Schmerz empfinden würde.
Immer wieder wischte sie sich mit dem Ärmelende ihres Kittels die Tränen aus den Augen und meinte leise: „Es tut mir so leid“.
Vorsichtig deckte sie ihn zu, betrachtete ihn noch eine Weile lang, um ihn dann letztlich für die Fahrt in die Pathologie vorzubereiten.





Kurze Zeit später in der Pathologie:


Gretchen brachte ihn in die Pathologie. Langsam, in Gedanken schwebend schob sie die Liege den langen Gang hinunter. Als sie schließlich den Raum mit den Kühlkammern betrat, fand sie dort jedoch nicht Günni vor.

Pathologe Dr. Schmidt: „Oh, eine neue Leiche?“
„Ja, Herzstillstand, Reanimation nicht erfolgreich“ antwortete sie mit zittriger Stimme.
Schmidt: „Sieht man, dass die Reanimation nicht erfolgreich war. Dabei sieht der Tote noch sehr jung aus!“
Gretchen: „Ja, 33, wie ich.“

Dr. Schmidt übernahm Jan schließlich und fragte nach den Unterlagen. Gretchen überreichte ihm diese, woraufhin er nur meinte: „Die sind aber nicht vollständig!“
„Oh, stimmt. Das habe ich ganz vergessen“ bekundete sie noch immer mit zittriger Stimme.
Schmidt: „Sie sind die behandelnde Ärztin?“
Gretchen: „Mhm, ich war es zumindest, bis er...“

Gretchen stiegen bei seinem Anblick erneut die Tränen hoch, weshalb sie bitterlich schluchzte, versuchte aber dennoch, die Fassung vor dem Pathologen zu wahren.
Dieser übergab ihr die Unterlagen wieder und meinte: „Sie sollten sie noch vollständig ausfüllen und mir nachher vorbeibringen. Ich kann ihn heute wahrscheinlich sowieso nicht mehr obduzieren, da wir gerade relativ voll sind. Dr. Gummersbach wird morgen zuständig sein...“

Gretchen nahm die Unterlagen wieder entgegen, nickte nur abwesend, so, als hätte sie gar nicht ganz zugehört und verließ betroffen die Pathologie wieder, nachdem sie nur ein leises „Okay“ von sich gab.





Wenig später im Empfangsbereich:


Draußen war es bereits dunkel an diesem kalten Herbstabend. Es hatte zuvor noch geregnet. Gretchen saß im Empfangsbereich am Computer mit Blick aus dem Fenster. Die Unterlagen, die vor ihr lagen, hatte sie bereits ausgefüllt. Starr blickte sie aus dem Fenster in die Nacht und hielt ebenso starr noch immer den Stift in ihrer Hand. Immer wieder kullerten ihr Tränen über die Wangen, die auf die Unterlagen tropften. Nur die Straßenbeleuchtung und der Bildschirm des PCs beleuchteten den Empfangsbereich, ansonsten war alles abgedunkelt. Die Uhrzeiger zeigten 21:10 Uhr an, als jemand den Empfangsbereich betrat. Im Glas der Fensterscheiben spiegelte sich die Silhouette der Person wieder und sie erkannte sofort, wen sie da im Rücken hatte.

Marc in sanfter Stimmlage: „Gretchen?“
Gretchen wischte sich erneut mit ihrem Ärmel die Tränen von der Wange und wollte gerade ein Taschentuch aus ihrer Kitteltasche holen, um sich, so gut es eben gegangen wäre, frisch zu machen.

Marc näherte sich ihr langsam und begutachtete betroffen die Situation. Sie schnäuzte einmal und warf das Taschentuch in den Papierkorb neben ihr, als sich Marc ihr noch ein bisschen weiter näherte und fragte: „Du heulst jetzt aber nicht wegen dem Vorfall vorhin?“

Gretchen versuchte sich zusammenzureißen, jedoch klang ihre Stimme nicht so: „Welchen Vorfall meinst du?“
Marc: „Na, dass ich dich rausgeworfen habe und...“

Da drehte sie sich schließlich zu ihm und er konnte ihr völlig verweintes Gesicht erkennen. Gretchen hingegen versuchte stark zu bleiben in der Hoffnung, er würde es nicht merken, dass sie so unglaublich traurig war.

Gretchen: „Du glaubst doch nicht wirklich, dass sich immer alles um dich dreht, oder? Stell dir vor, Marc, es gibt tatsächlich auch Situationen, in denen ich keine einzige Sekunde an dich denke und so eine Situation hatte ich gerade eben.“

Marc: „Was ist denn passiert?“
Gretchen stand auf, näherte sich ihm und drückte ihm die Unterlagen in die Hand: „Was passiert ist? Das interessiert dich doch nicht wirklich. In deiner Welt dreht sich der ganze Kosmos doch sowieso nur um Marc Meier.“

Marc wollte nochmals nachhaken: „Aber, ich...“
Gretchen: „Ja, genau! Du, du, du! Du glaubst doch auch nur, dass ich mit Gordon geschlafen habe, weil es dein Ego kränken würde! Ich bin dir doch egal.“

Gretchen lief in Richtung Umkleide, als Marc sich rechtfertigen wollte: „Mein Gott, Hasenzahn, ich glaube doch gar nicht, dass du mit dem im Bett warst!“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=kYUjytcfn1g; "Joachim Heinrich • Take my hand (Cinematic Music | Piano) [HD]" © by Joachim Heinrich, YouTubeDE; aufgerufen am 06.08.2014 um 21:08




...Das alte Gretchen hätte sich gefreut. Sie hätte ihn umarmt, ihm verziehen. Sie hätte vergessen, wie er sie behandelt hat. Sie hätte vergeben, was er ihr unterstellt hat.

Doch Gretchen hat sich geändert. Ein Tag veränderte ihr Leben. Es wäre dieses Mal nicht nur eine leere Floskel, wie schon so oft zuvor.

Gretchenhausen wurde verwüstet: Leid und Tod überfielen das malerische Örtchen. Die Einwohner Gretchenhausens durchlebten schreckliche Zeiten. Doch sie fassten neuen Mut: sie würden ein neues Gretchenhausen errichten, eines mit stärkeren Mauern und einem besseren Gesundheitssystem, damit das Leid sie nicht mehr überfallen konnte und keine Seuche namens „Liebeskummer“ mehr Herzen brechen konnte...
.



Gretchen drehte sich zu ihm um, der sie anblickte, als würde er wirklich zutiefst bereuen, was er ihr an den Kopf geworfen hatte.
Gretchen atmete einmal tief durch und entgegnete ihm nur: „Das ist schön, Marc! Brauchst du sonst noch etwas?“

Mit dieser Reaktion hätte er nicht gerechnet. Kurz stand er schweigend da, überlegte einen Moment lang, ob es nur eine Fata Morgana gewesen war und Gretchen in Wirklichkeit überglücklich ist. Doch es war keine.
Marc stotternd: „Äh, ich... also ich...“
Gretchen: „Ja?“
Marc: „Kekse, ich wollte Kekse. Der Automat unten ist kaputt.“
Gretchen: „Ah!“

Sie drehte sich wieder um und wollte in die Umkleide rein, da versuchte Marc sie irgendwie aufzuhalten.
Marc: „Äh, also...“
Gretchen drehte sich erneut fragenden Blickes um.
„Sie wird morgen früh operiert“ fügte er an.
Gretchen: „Alles Gute!“
Marc völlig perplex: „Ja, danke!“


Die Situation kam ihm äußerst merkwürdig vor. So hatte er Gretchen noch nie erlebt. Dann schaute er sich die Unterlagen an, die sie ihm in die Hand gedrückt hatte und war ebenso schockiert, als er las, dass Jan Sperling gestorben ist.
Er lief schnellen Schrittes in die Umkleide und fragte sie nur betroffen: „Jan ist tot?“

Gretchen, die schon ihren Mantel und ihren rosa Schal angezogen hatte, ihre Tasche herausgeholt hatte, schloss ihren Spind, wandte sich ihm zu und nickte nur betroffen.
„Könntest du die Unterlagen in der Patho vorbeibringen?“ fragte sie.
Marc wusste nicht, wie er mit der Situation hätte umgehen sollen und stotterte erneut herum: „Äh, ja, klar...“

„Danke!“ erwiderte sie, ohne ihn dabei direkt anzuschauen. Dann wollte sie gehen, kramte die Autoschlüssel aus ihrer Handtasche heraus und wollte die Umkleide verlassen, als Marc sie wieder zurückrief. Sie blieb stehen, drehte sich dieses Mal aber nicht mehr um, um ihm nicht mehr in die Augen schauen zu müssen.

Marc besorgt: „Äh, du willst jetzt aber nicht Autofahren?“

Gretchen genervt: „Marc, ein Patient ist gestorben! Einer, den ich sehr mochte und der den Tod sicher nicht verdient hat, aber das gehört eben zu meinem Job dazu.“
Marc: „Du kannst mir nichts vormachen! Ich sehe doch, wie traurig du bist!“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=OxaXKJD9jso; "The Beatles - Yesterday" © by Frederic Kühnen, YouTubeDE; aufgerufen am 25.01.2015 um 19:50




Gretchen wieder einmal den Tränen nahe: „Ja, Marc. Wie oft war ich wegen dir schon traurig? Bin ich da gegen einen Baum gefahren?! Nein! Jetzt habe ich einen Grund traurig zu sein. Und eigentlich tut es wirklich gut, dass du einmal nicht der Grund bist. Es hätte vielleicht nicht sein Tod sein müssen, aber jetzt weiß ich endlich, wie sich richtige Trauer anfühlt! Wer weiß, vielleicht habe ich mir ja immer nur etwas vorgemacht und ich war wegen dir gar nie wirklich traurig, sondern habe mir das immer nur eingebildet.“

Marc irritiert: „Äh, was soll das heißen?“
Gretchen: „Weißt du, Marc. Ich gebe es mir ja wirklich immer wieder gerne, mich hier vor allen vorführen zu lassen, mich rausschmeißen zu lassen und dir immer wieder hinterherzurennen. Heute habe ich das erste Mal so wirklich begriffen, wie wertvoll das Leben ist und dass man wirklich jede Sekunde sein Leben leben sollte, solange es einem vergönnt ist. Es kann schneller vorbei sein, als wir alle denken...“

Marc perplex: „Äh, Gretchen, worauf willst du hinaus?“
Gretchen abgeklärt: „Vielleicht genieße ich es beim nächsten Mal, wenn sich ein Mann wirklich für mich interessiert. Heute denke ich sogar, dass ich Gordon besser nicht hätte abblitzen lassen sollen...“

Marc stotternd: „Das... das ist doch wohl jetzt ein Witz!“
Gretchen: „Glaube mir, Marc! Mir ist heute wirklich nicht zum Scherzen zumute.“


Ohne ein weiteres Wort verließ Gretchen die Umkleide und ließ Marc dort zurück, der noch immer kaum fassen konnte, was sie ihm dort gerade gesagt hatte.

GretchenHaaseFan Offline

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26.01.2015 21:30
#19  Ärzte gehören bestraft! (Teil 2) Zitat · antworten

Am nächsten Morgen im Stationszimmer:


Sabine saß bereits am PC und erstellte konzentriert neue Pläne. Gabi saß am anderen PC und lackierte sich kaugummikauend ihre Fingernägel, als Maria mit Melanie im Schlepptau stürmisch hereinplatzte.

Maria: „Ach, Sabine, gut, dass ich Sie hier antreffe. Könnten Sie ein Auge auf Melanie haben?“
Sabine: „Aber warum das denn?“
Maria hektisch: „Jetzt fragen Sie nicht so blöd, Sabine! Sie wissen doch, dass ich jetzt Dr. Meiers Mutter operiere!“

Nun horchte auch Gabi auf.
Gabi: „Und warum informiert mich da niemand?“
Maria: „Weil Sie vielleicht in dieser Sache nichts zu sagen haben?“
Gabi: „Aber, ich...“
Maria würgte sie ab: „Ja, ja. Also Sabine, ich verlasse mich auf Sie!“
Sabine überfordert: „Ich habe doch aber so viel zu tun, Frau Dr. Hassmann!“

Diese winkte nur ab, meinte „Aber nicht so viel wie ich!“ und ließ Sabine keine andere Wahl.
Melanie hingegen stand nur da und lächelte die heillos überforderte Sabine an, als Gretchen ankam.

Gretchen freundlich: „Guten Morgen, Schwester Sabine!“
Sabine: „Oh, guten Morgen, Frau Doktor!“
Gretchen kühl zu Gabi: „Gabi!“
Gabi monoton: „Frau Dr. Haase!“

Da erkannte sie auch die junge Frau, die vor ihr stand, als sie ihre Tasche ablegte: „Du bist doch die Tochter von der Frau Dr. Hassmann?“
Melanie: „Ja, richtig! Eigentlich hätte ich heute zu meinem Vater dürfen, aber der hat mich wieder mal vergessen...“

Gabi zynisch: „Ach, das kennt die Frau Dr. Haase nur zu gut! Die wird auch immer von allen Männern vergessen.“
Gretchen: „Schön, dass Sie heute so eine gute Laune haben, Gabi! Sie sind ja glatt witzig. Haben Sie sich noch nie überlegt als Komikerin so richtig durchzustarten?“
Gabi: „Ne, das sind doch immer nur so dicke, verklemmte Tanten. Wäre ja eigentlich genau das Richtige für Sie!“
Gretchen nickte genervt lächelnd ab, während Gabi hinzufügte: „Und da hat man doch keinen Kontakt zu heißen Oberärzten. Also, definitiv nichts für mich.“



...Wie sie guckt! Die hat es doch auf Marc abgesehen. Das sehe ich in ihren Augen...



Gretchen, die Gabi noch kurz begutachtete, wie sie provokant weiter ihre Nägel schliff und dabei kampferprobt lächelte, wandte sich räuspernd Sabine zu, die wie verrückt auf der Tastatur herumhackte.

Gretchen: „Mensch Sabine, wie war denn Ihre Verabredung gestern?“

Plötzlich hörte sie damit auf, wild herumzuhacken und fing regelrecht an in den höchsten Tönen zu schwärmen. Da staunte auch Gabi nicht schlecht.
Sabine träumerisch: „Günni und ich…. Es ist alles gut gegangen, Frau Doktor.“
Gretchen: „Das freut mich für Sie. Was haben Sie denn gemacht?“

Gabi konnte sich allerdings eine zynische Bemerkung nicht verkneifen: „Was werden die beiden schon getan haben? Sicher irgendwas Freakiges. Wahrscheinlich haben sie sich verkleidet und sind zu den anderen Freaks gegangen.“
Gretchen empört: „Ich darf doch sehr bitten, Schwester Gabi.“
Gabi: „Dürfen Sie nicht. Wer hat Sie denn eigentlich irgendwann mal nach Ihrer Meinung gefragt, wo Sie doch sowieso keine Ahnung von Männern haben?“
Sabine: „Gabi bitte...“

Da mischte sich auch Melanie ein: „Oh ne, muss ich da zuhören? Ich habe doch keine Lust mir das Sexleben von Omis anhören zu müssen!“
Gretchen empört: „Omis? Deine Mutter ist doch nicht viel älter...“
Melanie konternd: „Ja eben...“
Gretchen leicht gekränkt: „Also, ich fühle mich nicht wie ein Omi...“
Gabi zynisch: „Oho... was der medizinische Fortschritt heutzutage nicht alles schon bewirken kann...“

Melanie war jedoch an anderem interessiert: „Sagt mal, habt ihr hier einen WLAN-Hot Spot?“
Gretchen: „Was haben wir?“
Melanie zynisch: „Oh man, keine Omis... Ja klaaaar...“
Gabi genervt: „Oh man, sie möchte netzloses Internet fürs Smartphone!“
Gretchen fragte Sabine: „Haben wir?!“
„Das weiß ich nicht so genau, Frau Doktor...“ war die Antwort, während sich Melanie mehrmals genervt an die Stirn fasste.



...Stelle fest, dass ich keine Ahnung von Technik habe. Sollte mich dringend upgraden – oder wie man das auch immer nennt...



Gretchen: „Weißt du was, Melanie, nimm doch einfach den PC, an dem Schwester Gabi sitzt. Die wird sicher gern ihren Platz räumen, nicht wahr, Gabi?“

Gabi erhob sich und meinte schließlich: „Boah…das ist mir hier sowieso zu stressig mit euch. Wenn ihr die Wahrheit nicht vertragen könnt…. Ich geh wieder. Diese Schwärmereien sind ja nicht zu ertragen.“

Gerade, als sie an Gretchen vorbeikam, meinte sie noch siegessicher zu ihr: „Den Platz dort habe ich vielleicht geräumt, aber den Platz in Marcs Herzen werde ich nicht räumen, Frau Dr. Haase! Verlassen Sie sich drauf!“
Danach verließ sie stolz den Raum, woraufhin ihr Gretchen noch nachrief: „Da wäre ich mir aber so gar nicht sicher, Gabi. Und übrigens: nur weil Sie kein eigenes Leben haben, müssen sie nicht auf Sabine rumhacken.“
Gabi im Rausgehen: „Wer hat nochmal nach Ihrer Meinung gefragt?“

Nachdem Gabi schließlich gegangen war und Melanie am PC ebenfalls versorgt war, wollte Gretchen weitere Details wissen und Sabine wieder aufmuntern, die geknickt zur Tür schaute.
Sabine beleidigt: „Dann mach ich mich mal wieder an die Arbeit, Frau Doktor.“
Gretchen: „Ach, Sabine, lassen Sie doch den Kopf nicht hängen. Erzählen Sie lieber, was passiert ist. Hatten Sie einen schönen Abend?“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=iWU4DKzlGzw; "Joachim Heinrich • Lost in you (Cinematic Music - Piano) [HD]" © by Joachim Heinrich, YouTubeDE; aufgerufen am 09.08.2014 um 22:54




Schnurstracks kehrte Sabines Strahlen wieder zurück.
Sabine: „Ach, Frau Doktor. Wir waren bei der langen Star Trek – Kinonacht. Das war wirklich schön.“
Gretchen: „Das hört sich auch so an. Und wann treffen sie sich wieder?“
Sabine überrascht: „Darüber haben wir noch nicht gesprochen. Wir waren ja erst im Kino.“
Gretchen: „Aber Sabine, da müssen Sie dranbleiben. Jetzt dürfen Sie nicht lockerlassen. Beim letzten Mal hat er sie eingeladen, nun sind sie am Zug. Laden Sie Dr. Gummersbach ein.“
Sabine verunsichert: „Und wozu soll ich ihn einladen?“

Bevor Gretchen antworten konnte, platzte Maurice herein.
Maurice: „Schwester Sabine, wo habens denn die Werte, die ich für die Nachsorge meines nächsten Patienten brauche?“
Sabine: „Ähhh…“
Maurice: „Scheiß die Wand an. Heute läuft aber auch wieder alles falsch.“

Melanie erstaunt: „Maurice? Du bist hier?“
Maurice verblüfft: „Ja, Servus Melanie! Wir ham uns aber auch schon lange nicht mehr gsehn!“
Melanie: „Ja, seit wann bist du denn wieder aus Wien zurück?“
Maurice irritiert: „Wien?“
Melanie: „Ja, meine Mutter meinte du müsstest zuerst noch fertig studieren...“

Gretchen überrascht: „Sie sind noch nicht mal mit dem Studium fertig? Und ich dachte immer, Sie würden sich nur so blöd anstellen und wären einfach nur inkompetent! Dabei sind Sie ja noch nicht mal fertig. Ihnen ist aber schon klar, dass Sie eigentlich gar keine Assistelle antreten dürfen, wenn Sie noch nicht fertig sind. Das mag in Österreich anders sein...“
Maurice grätschte dazwischen: „Moment einmal, i bin fertig mit dem Studium und sicher ned inkompetent!“
Gretchen zynisch: „Mhm, und deshalb wissen Sie ja auch, wo die Werte Ihrer Patienten sind und müssen die Schwestern gar nie danach fragen...“
Maurice eingeschnappt: „Also hörens mal! Wem is denn gestern einer...“
Gretchen ebenfalls eingeschnappt: „Worauf wollen Sie hinaus, Knechtelsdorfer?“
Maurice: „Ja, es tut mir ja leid, aber i verstehe einfach ned, warum Maria sagt, i wäre in Wien und...“
Gretchen betrübt und unüberlegt: „Und mit jedem flirtet, der ihr über den Weg läuft. Ja, ich verstehe Sie da, Knechtelsdorfer! Ich meine, wie kann man auch einfach so Mehdi küssen...“
Melanie und Maurice geschockt miteinander: „Sie hat was?“

Sabine wollte konstruktive Lösungsansätze beisteuern, warum sie sich so verhielt: „Vielleicht ist es ja etwas Psychisches. Ich weiß natürlich nicht, wie sich andere Frauen verhalten, die ihr Kind verloren haben, aber...“
Melanie und Maurice erneut miteinander: „Sie hat was?“

Gretchen klatschte sich an die Stirn: „Sabine, sie wollte doch nicht, dass wir es anderen sagen!“
Maurice entsetzt: „Sie wusstens auch davon?“
Gretchen überspielend: „Ja, so ein klein wenig vielleicht...“
Maurice entsetzt: „Des ist wohl die Höhe! Warum wussten denn ausgerechnet Sie davon?“
Gretchen: „Ja, das müssen Sie schon Maria oder vielleicht mal sich selber fragen, warum es wohl andere zuerst erfahren...“

Maurice wurde immer wütender, das sah man ihm an, als er ausrief: „Die kann was erleben!“
Als er davon stampfen wollte, erhob sich auch Melanie und meinte: „Der mach ich die Hölle heiß!“

Auch sie wollte ihre Mutter zur Rede stellen, was Gretchen nur beschämt mitansah. Beide wollten erzürnt den Empfangsbereich verlassen, da hielt sie Sabine auf: „Aber das geht nicht!“
Maurice: „Und wieso ned?“
Sabine: „Na, laut Plan hat sie jetzt Visite, dann ein Meeting mit dem Herrn Professor und dann operiert sie!“

Maurice und Melanie schauten sich gegenseitig an, kehrten von ihrer Angriffshaltung in eine normale Haltung zurück und Maurice fragte sie: „Bis dahin ein Schokoladeneis?“
Melanie: „Oh ja!“

Maurice nahm sie in den Arm und beide wollten sich auf den Weg in die Cafeteria machen, als Gretchen noch eine Bitte äußerte: „Für mich einen Schokoriegel, bitte!“
Doch Maurice war noch immer geladen, als sie schließlich von dannen zogen: „Ach, leckens mich doch am Arsch!“

Gretchen rollte genervt die Augen, da meinte Sabine erklärend: „Ich glaube er meinte damit so etwas wie: Holen Sie sich doch Ihren Scheißdreck alleine, Sie dumme Kuh!“

Gretchen blickte sie wie erstarrt an und meinte sarkastisch: „Darauf wäre ich im Leben nie gekommen. Danke, Sabine!“
Sabine lächelte sie verschmitzt an. Sie sah nun den richtigen Zeitpunkt gekommen, sich zu verabschieden: „Ich muss sowieso noch in die Patho! Und wir sprechen noch wegen Günni und Ihnen...“

Sabine mit einem breiten Grinsen im Gesicht: „Oh ja! Oh, Frau Doktor! Warten Sie kurz!“
Gretchen: „Was gibt’s noch?“
Sabine: „Könnten Sie dann das Käsebrötchen für Günni mitnehmen, das ich sehr liebevoll für ihn vorbereitet habe?“
Gretchen: „Ähm, ja klar. Wenn’s sonst nichts ist.“

Sabine verneinte lächelnd, rannte zum Kühlschrank, holte das in Folie eingepackte Brot heraus und drückte es Gretchen in die Arme, die sich schließlich damit auf den Weg in die Pathologie machte.





In der Pathologie:


Gretchen betrat eilig die Pathologie, da sie sie auch so schnell wie möglich wieder verlassen wollte. Günni saß gerade an Unterlagen, die er bearbeitete, als Gretchen den Raum betrat.
Langsam näherte sie sich ihm und versuchte über seine Schulter hinweg einen Blick auf die Unterlagen zu erhaschen.
Günni erschrak: „Frau Dr. Haase!“
Gretchen: „Dr. Gummersbach!“

Günni betrachtete kritischen Blickes das Käsebrot, mit dem sie gestikulierte.
Gretchen: „Sind das die Unterlagen im Fall Sperling?“
Günni ermahnend: „Frau Dr. Haase, hier drin ist Essen verboten!“
Gretchen eingeschnappt: „Entschuldigung? Mein Mitschüler ist gerade gestorben. Glauben Sie da denke ich ans Essen?“
Günni: „Oh, das tut mir leid!“
Gretchen: „Jaaa, das kann es Ihnen auch! Wissen Sie eigentlich, wie schrecklich es ist, wenn man jeden Tag auf die Waage steht und jeden Tag mehr wiegt, obwohl man zwanzig Diäten auf einmal ausprobiert hat?“
Günni: „Nein, diese Erfahrung machen zu dürfen ist mir erspart geblieben!“

Gretchen fuchtelte wild mit dem Käsebrot umher: „Ich habe ein Trauma, Dr. Gummersbach!“
Günni: „Von Käsebroten?“
Gretchen nickend: „Unter anderem... ja! Vor allem aber von Männern! Ich brauche dringend eine ganz, ganz gute Traumabewältigung!“

Günni betrachtete sie eine Weile lang mit großen Augen, um dann zu fragen: „Soll ich ihn rausholen?“
Gretchen peinlich berührt: „Bitte?“



...Bietet der mir jetzt etwa ernsthaft Sex in der Leichenkammer an? Mein Gott, wie geschmacklos ist das denn? Wenn Sabine das wüsste...



Günni: „Ja, was ist denn nun, Frau Dr. Haase?“
Gretchen angewidert: „Ähm, ja, ganz sicher nicht! Das ist wirklich richtig geschmacklos, Dr. Gummersbach!“
Günni verwirrt: „Ich fürchte, ich verstehe nicht...“
Gretchen grätschte dazwischen: „Warum nicht jede Frau auf Sie anspringt und Ihr Ding sehen möchte? Tja, vielleicht sollte man dazu andere räumliche Gegebenheiten aussuchen, also... wenn überhaupt, meine ich. Jetzt nicht falsch verstehen... ich möchte nicht, ich meine, das geht nicht – allein schon wegen Sabine. Tut mir leid!“
Günni verunsichert: „Mein Ding?“
Gretchen stotternd: „Na, Sie haben mir doch gerade noch angeboten, dass Sie ihn...“

Dabei deutete sie mit dem Käsebrot auf den Schritt, was Günni sichtlich peinlich berührt abwinkte.
Auch Gretchen war die Situation äußerst unangenehm und peinlich.

Gretchen: „Und was wollten Sie dann rausholen, wenn ich fragen darf?“
Günni abgeklärt: „Den Toten!“
Gretchen wurde plötzlich schummerig bei dem Gedanken, in welch peinliche Situation sie sich da hineinmanövriert hatte.
Gretchen wie benebelt: „Achsooo...“

„Gut“ meinte Günni, der blitzschnell vom Stuhl aufsprang und in Richtung Kühlkammern ging. Gerade wollte er die Tür öffnen, da fing sich Gretchen wieder und meinte nur schreiend: „Nein!“
Günni irritiert: Nein?!“
Gretchen: „Nein! Ich habe ihn gestern schon gesehen und mich von ihm verabschiedet. Heute ertrage ich das nicht noch einmal!“
Günni verschloss die Tür wieder und meinte abermals nur „Gut“.

Gretchen wurde die Situation langsam mehr als nur unangenehm und sie bestand durch wildes Gestikulieren darauf, dass er sofort seine Obduktionsergebnisse kundtun solle.

Gretchen angespannt: „Dr. Gummersbach, mir wäre es wirklich lieb, wenn Sie mir jetzt einfach sagen könnten, ob ich einen Fehler gemacht habe und Jan deshalb gestorben ist!“

Günni näherte sich ihr, blickte sie einige Sekunden lang streng an, schlug dann die Unterlagen auf und meinte: „Ich vermute, Frau Kollegin Haase, dass Ihr erster Verdacht sehr richtig war!“

Gretchen irritiert: „Bitte? Welcher Verdacht denn? Oh Gott, ich habe ihn auf dem Gewissen? Das darf doch nicht...“
Günni nahm eine Pose ein, die man so oft nur bei Lehrern oder Dozenten beobachten konnte. Daher fuhr Gretchen nicht weiter fort, denn sie fühlte sich plötzlich auch so, als würde sie gerade vor ihrem Professor stehen.

Günni monoton: „Dem Bericht zufolge haben Sie, als er eingeliefert wurde, den Verdacht geäußert, er leide unter dem hyperkinetischen Herzsyndrom...“
Gretchen unterbrach rechtfertigend: „Ja, deshalb habe ich ihn ja auch an die Kardiologie überwiesen!“
Günni: „Das war vollkommen...“

Plötzlich überkam sie eine heftige Schnappatmung, sie strich sich betroffen über die Stirn und meinte nur abwesend: „Oh Gott, ich habe einen Fehler gemacht! Es war vollkommen falsch? Oh mein Gott, Dr. Gummersbach, ich glaube ich kippe gleich um...“
Günni: „Das wäre aber nicht sonderlich förderlich, Frau Kollegin!“
Gretchen genervt und extrem angespannt: „Entschuldigung! Ich habe meinen Mitschüler umgebracht... da darf ich ja wohl kurz noch hyperventillieren, oder nicht?“

Günni näherte sich ihr, fasste sie an beiden Armen an, blickte ihr in die Augen, um sie zu beruhigen und meinte: „Sie haben keinen Fehler gemacht. Sie haben die Ausschlussdiagnose äußerst präzise durchgeführt und nach der Obduktion kann ich Ihren Verdacht nur bestätigen.“

Gretchen fing sich wieder, nachdem sie so langsam aber sicher verstand, dass er ihre Diagnose bestätigte: „Ich wusste es doch! Zunächst dachte ich, okay, er ist ein bisschen unsportlich und das Schwindelgefühl und die Kopfschmerzen könnten auf berufsbedingten Stress zurückgeführt werden. Aber er war ständig tachykard und als ich mit ihm das Belastungs-EKG durchgeführt habe, dachte ich, er bekommt gleich einen Herzanfall, so extrem schnell stieg seine Herzfrequenz an. Und als ich dann die Werte bekommen habe und ich diesen systolisch völlig erhöhten Blutdruckwert vor mir hatte, da wusste ich, dass es organische Beschwerden sind und er wirklich Herzprobleme hat.“

Günni bejahend: „Ihr detaillierter Bericht lässt auch keinen anderen Schluss zu! Fakt ist, Dr. Haase, Sie hätten ihn gestern nicht mehr retten können.“
Gretchen betrübt: „Ich würde Ihnen jetzt gerne `Danke` sagen, Dr. Gummersbach. Viel lieber würde ich ihn jetzt aber besuchen...“
Günni: „Unser Job ist ein schweres Los, Frau Kollegin! Besonders dann, wenn es Menschen sind, die wir kannten.“

Gretchen nickte traurig und ihr stiegen erneut die Tränen hoch. Daher wollte sie auch gehen und verabschiedete sich von Günni, jedoch ohne ein Wort, sondern allein mit einem dankenden Nicken.

Gerade wollte sie zur Tür hinaus, da drehte sie sich plötzlich wieder um, um schließlich entsetzt zu fragen: „Wie kann ein Patient mit hyperkinetischem Herzsyndrom drei Tage später munter in der Weltgeschichte herumlaufen, um dann schließlich mit Herzversagen hier wieder eingeliefert zu werden?“

Günni: „Nun ja, dem Bericht zufolge wurde er von Prof. Dr. Sandberg wieder entlassen. Er hatte eine Hyperthyreose diagnostiziert.“
Gretchen musste schlucken, und verfiel schließlich wieder in Schnappatmung: „Bitte?! Überfunktion der Schilddrüse. Das ist eine glatte Fehldiagnose! Differenzialdiagnostisch konnte ich eine Überfunktion der Schilddrüse zu mindestens 99 % ausschließen! Das Labor war da eindeutig!“

Günni: „Nun, Frau Dr. Haase. Eine Hyperthyreose kann ich nach der Obduktion auch ausschließen. Die Schilddrüse war völlig intakt, was auch das Labor bestätigt!“

Gretchen war wie erstarrt. Sie konnte es einfach nicht fassen und verfiel wieder in leichtes Stottern: „Aber... die Ergebnisse lagen Prof. Sandberg doch vor! Meine Differenzialdiagnose ergab ganz klar, dass sein Herz Probleme macht. Hätte ich ihn sonst an die Kardio überwiesen?“

Günni: „Das muss aufgrund eines schrecklichen Versehens so gekommen sein, ein bedauerlicher Fehler...“
Gretchen: „Äh, bitte? Ein Fehler? Prof. Sandberg ist Chefarzt der Kardiologie und es deutete alles darauf hin. Das wäre ja so, wie wenn meine Mutter ein rotes Kleidungsstück in die weiße Wäsche wirft. Das wäre kein Fehler, Dr. Gummersbach! Das wäre grobe Fahrlässigkeit, eine Verfehlung, das würde den Weltuntergang einleiten!“
Günni: „Oh, dann bin ich froh, dass ich nicht im Hause Haase...“
Gretchen grätsche dazwischen: „Oh jaaa, da können Sie froh sein, nicht im Hause Haase zu leben! Noch schlimmer ist es, wenn Wäschestücke plötzlich fehlen und der absolute Super-Gau – wenn die Maschine kaputt ist!

Günni wollte darauf eingehen, da packte sie schon ein anderer Gedanke: „Aber irgendwie habe ich den Verdacht, dass da etwas ganz gewaltig schiefgelaufen ist...“
Günni irritiert: „Bei der Wäsche?“
Gretchen stütze nachdenklich ihren Kopf mit der Hand ab und fügte nachdenklich an: „Ich weiß nicht, irgendwie habe ich ein ganz komisches Gefühl bei der Sache! Ich muss mit Prof. Sandberg sprechen.“


Kaum hatte sie sich das vorgenommen, eilte sie davon.





Wenig später in der Cafeteria:


Franz saß zusammen mit den leitenden Kollegen der einzelnen Stationen bei einer Besprechung, für die er die Cafeteria nutzte, darunter auch Prof. Dr. Sandberg. Ein Mann mit graumeliertem Haar, 61 Jahre alt, von großer Statur, jedoch nicht sonderlich muskulös, aber dennoch fit. Sein Markenzeichen war seine große, viereckige Hornbrille mit einem Designergestell aus edlem Bernstein.

Gerade hielt Dr. Kerry Weaver in ihrer Funktion als leitende Chefärztin der Notaufnahme einen Vortrag, der allen darlegte, wie sie, seit sie ihr Amt ausübt, bereits Kosten einsparen konnte – und das, obwohl man die Notaufnahme umgebaut hatte. Natürlich beabsichtigte sie immer noch Franz‘ Nachfolge anzutreten und die Klinik in Zukunft zu leiten. Dieser Vortrag wurde von ihrer Konkurrentin, Frau Dr. Hassmann, die kurz vor Elkes OP stand, natürlich äußerst kritisch beäugt, während es schien, dass alle anderen etwas anderes machen würden, als wirklich zuzuhören. Lediglich Dr. Morgenstern, Prof. Dr. Sandberg und Franz, die allesamt in der ersten Reihe saßen und auch gute Golffreunde sind und sich neuerdings auch zum Skat treffen, taten zumindest so, als würden sie gebannt Kerrys Ausführungen zuhören.
In diesem Moment platzte Gretchen zur Tür herein und erweckte, dadurch, dass sie eher hineinstolperte, großes Aufsehen, was auch den ein oder anderen, der wohl mit offenen Augen geschlafen hatte, nun wieder aufgeweckt hat.

Gretchen: „Oh, Entschuldigung, wenn ich diese heitere Rund gestört haben sollte...“
Kerry: „Frau Dr. Haase? Haben Sie keine Patienten?“
Gretchen leicht peinlich berührt: „Um ehrlich zu sein – die habe ich, ja. Deshalb müsste ich kurz mit Herrn Prof. Dr. Sandberg sprechen.“
Franz irritiert: „Kälbchen! Wir sind hier mitten in einem Vortrag, der sehr spannend ist!“
Kerry lächelte ihn freudig an, während Maria nur genervt ihre Miene verzog.

Gretchen: „Ach, worum geht’s denn?“
Franz stotternd: „Nun ja, also... das war doch... ich meine... also... ich...“
Gretchen: „Du weißt gar nicht, worum...“
Franz fühlte sich ertappt und wollte es mit einem Schmunzeln überspielen: „Also, Kälbchen, du und dein Humor. Ich bin hier der Klinikleiter, natürlich weiß ich, worum es geht!“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=G333Is7VPOg; "Madonna - Papa Don't Preach” © by madonna , YouTubeDE; aufgerufen am 25.01.2015 um 20:40




Gretchen nickte lächelnd, dachte sich aber:



...Mhm, und ich bin deine Tochter und weiß ganz genau, dass du keine Ahnung hast, wovon sie redet... Und wenn man sich sonst so umschaut... Nein! Die von der Inneren liest schon die neue Gala. Hoffentlich sind die Winter-Diät-Tipps der Promis wenigstens in diesem Jahr zielführend... Und hoffentlich kommen sie mal ganz ohne Sport aus!...



Franz: „Kälbchen, könntest du vielleicht...“
Gretchen aus ihren Gedanken gerissen: „Oh, ja klar. Herr Prof. Dr. Sandberg, wenn Sie mal kurz mitkommen könnten...“

Er nickte, beide gingen in Richtung Tür und blieben dort stehen, während Kerry ihre Präsentation fortführte und so mancher wieder schlafen konnten.
Gretchen und Prof. Sandberg unterhielten sich angeregt, doch das Flüstern wurde nach kurzer Zeit immer lauter, was Franz missfiel und auch die anderen beobachteten. Die Blicke aller, außer derer, die schliefen, wandten sich von Kerry ab und zu den beiden an der Tür hinüber. Und je lauter es wurde, desto größer wurden die Augen der anderen. Auch Kerry unterbrach ihre Präsentation und blickte vom Stehpult aus ebenfalls in Richtung Tür. Dann erwachten schließlich auch die, die schliefen, als Prof. Sandberg mit einem Mal laut schrie: „Es reicht!“, was Gretchen und alle anderen zusammenzucken ließ. Er war richtig in Rage, als er wütend an seinen Platz zurückkehrte, das Gesicht komplett rot und sogar ein paar Haare standen ihm zu Berge.

Franz völlig geschockt: „Was ist denn passiert?“
Sandberg laut und wütend: „Deine Tochter, Franz, unterstellt mir einen schwerwiegenden Fehler gemacht zu haben! Das kann mich meine Approbation kosten! Das ist eine einzige Unverschämtheit, Rufmord ist das! Ich muss mir als leitender Kardiologe in diesem Krankenhaus nicht von einer Professorentochter Fehler zuschreiben lassen.“

Franz entsetzt: „Margarete!“
Gretchen: „Papa, ich beschuldige hier niemanden, aber es ist doch mehr als nur verwunderlich, wenn Herr Sandberg eine so fatale Fehldiagnose stellt!“

Franz erhob sich vom Platz, ging auf sie zu und bat sie gestikulierend mit ihm vor die Tür zu gehen.
Als sie schließlich die Tür hinter sich geschlossen hatten und so auf dem Flur standen, meinte Franz wütend: „Was fällt dir ein, Margarete?“
Gretchen: „Bitte? Was mir einfällt? Ich habe keine Fehldiagnose gestellt und wegen ihm ist jetzt mein Mitschüler tot!“
Franz erzürnt: „Margarete, treib es nicht zu weit!“
Gretchen irritiert: „Bitte? Ich soll es nicht zu weit treiben? Meines Wissens nach ist mir so eine Fehldiagnose noch nie unterlaufen!“


Und auch Franz wurde immer lauter, so laut, dass es die Anwesenden in der Cafeteria selbst durch die geschlossene Tür hindurch sehr gut hören konnten, ohne dabei lauschen zu müssen.

Franz erbost: „Das ist kein Spaß, Margarete! Weißt du eigentlich, was du ihm da unterstellst?“
Gretchen: „Ich unterstelle hier gar nichts, Papa! Du kannst gerne Dr. Gummersbach fragen, der...“
Franz unterbrach sie extrem wütend: „Ich werde hier gar niemanden mehr fragen und schon gar nicht dich! Du lehnst dich sehr weit aus dem Fenster und dass du jetzt schon auf den Kollegen herumhackst, nur weil dein Meier nichts von dir will, brauchst du nicht anderen Fehldiagnosen unterjubeln. Such dir lieber ein richtiges Hobby...“

Gretchen verstand die Welt nicht mehr. „Bitte?“ fragte sie nur ungläubig.
Franz: „Abnehmen zum Beispiel!“
Gretchen wurde ebenfalls lauter: „Jetzt wirst du ungerecht, Papa! Das ist kein Hobby! Er hat einen schwerwiegenden Fehler begangen und deshalb ist ein Mensch gestorben! So ein Arzt ist nicht tragbar für dieses Krankenhaus!“

Franz schrie nun regelrecht: „Wer hier tragbar ist, das entscheide immer noch ich! Solange ich hier Leiter dieser Klinik bin, werde ich mir nicht reinreden lassen und so langsam glaube ich, dass du nicht mehr tragbar bist für dieses Krankenhaus! Deine ständigen Fressattacken, dein durchgängiges Geheule, jeden Tag bändelst du mit einem neuen Mann hier an, dann wolltest du Chirurgin werden, dann willst du jetzt plötzlich in die Notaufnahme, weil du mit deinem Meier nicht klar kommst und jetzt sollen auch noch meine Freunde, wohl gemerkt sehr gute, renommierte und äußerst begabte Fachärzte für deine Neurosen herhalten? Was sollen denn die Patienten denken? Wir sind doch hier nicht in der Geschlossenen! DU bist nicht mehr tragbar, Margarete! DU einzig und allein!“


Wütend zeigte er mit ausgestrecktem Zeigefinger auf seine Tochter, nachdem er sich vor ihr aufgebaut hatte.
Marc, der gerade in die Cafeteria zu Maria wollte, die gleich seine Mutter operieren sollte, bekam das ganze Streitgespräch mit.
Gretchen hingegen war einfach nur fassungslos.

„Ich soll gehen?“ fragte sie.
Franz: „Ja, Margarete! Manchmal denke ich wirklich, dass es besser wäre!“

Gretchen kalt: „Gut, wenn du das so siehst! Ich packe meine Sachen, wie du es wolltest und bin weg...“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=UHPTHP4dihA; "The Blower's Daughter" © by Dreaming Prophecies, YouTubeDE; aufgerufen am 25.01.2015 um 17:45




Sie steckte beide Hände in die Kitteltaschen, als sie weg wollte. Doch dann sah sie Marc dort stehen, blickte ihn kurz an, um dann noch ihrem Vater zuzurufen: „Vielleicht auch für immer!“


Ohne ihren Vater eines weiteren Blickes zu würdigen lief sie davon, direkt auf Marc zu. Der wollte sie trösten, wollte ihr seine Hand reichen, doch die schlug sie von sich und ließ auch ihn stehen – ebenfalls, ohne ihn dabei anzublicken. Als sie beide hinter sich gelassen hatte, die ihr nachblickten, wie sie den langen Gang scheinbar in Zeitlupe hinunter lief, stiegen ihr dann doch Tränen in die Augen, denn es hatte sie nicht wirklich kalt gelassen.





Irgendwann komm er – der Moment, der alles verändert. Wir geben auf, weil wir nicht mehr können. Wir geben uns geschlagen. Zu viel ist zerbrochen, zu viel steht zwischen uns.

Gretchen läuft unter Tränen an den Empfang zu Sabine, reißt ihr Namensschild vom Kittel und übergibt ihr beides.


Dabei wollten wir stark sein. Doch wenn er da ist – dieser Moment – dann erkennen wir, dass wir uns selbst nur etwas vorgemacht haben. Wir sind es eigentlich gar nicht.

Maurice platzt mit Melanie in die Cafeteria, was erneut großes Aufsehen erregt. Beide stellen Maria zur Rede vor versammelter Mannschaft, der vor Augen geführt wird, wie belastend alles war und wie schäbig sie sich verhalten hat.


...Was uns dann nur noch bleibt ist die Flucht. Die Flucht, die schon längst überfällig war. Denn das Alte hat uns vergiftet. Auf in ein neues Leben, das wir nie haben wollten...

Gretchen packt ihre Sachen aus dem Spind, was Sabine zutiefst schockiert und betrübt mitansieht, ebenso Gabi mit einem breiten Grinsen im Gesicht, die scheinbar endlich das hatte, was sie immer wollte.
Unter Tränen verabschiedet sie sich von Sabine und auch von Gabi, die so tut, als wäre auch sie traurig, und verlässt weinend das Stationszimmer.
Marc war ihr gefolgt. Erneut möchte er sie aufhalten, doch sie blockt erneut ab und verlässt unter Tränen schnellen Schrittes das Krankenhaus.
Zuhause angekommen, packt sie ihren Koffer, verabschiedet sich von ihrer Mutter, die nicht versteht, was gerade geschieht. Schließlich zieht sie hinter sich die Tür zu.

Gretchen kehrt mit gepackten Koffern unterm Arm ins Krankenhaus zurück und geht in die Pathologie, wo sie Günni darum bittet, Jan noch einmal sehen zu dürfen. Dieser holt ihn aus der Kühlkammer und Gretchen verabschiedet sich richtig von ihm.


Und selbst, wenn dieser Moment grausam erscheint, blicken wir irgendwann mal auf ihn zurück und gestehen uns vielleicht ein, dass es sein musste...




Später am Abend:


Gretchen lief durch die Nacht - eine lange Straße entlang, die ihr wohl bekannt war. Immer wieder hielt sie an, stellte den Koffer ab und schaute sich um. Dann packte sie den Koffer wieder, bis sie an einer Tür klingelte, die zu einem Haus gehörte, das ihr ebenso gut bekannt war. Als die Tür geöffnete wurde, ertönte nur ein verwundert klingendes „Gretchen?“, woraufhin sie nickte.
Sie klingelte bei Mehdi, der sein Haus zurückgekauft hatte, nachdem ein Gerichtsprozess geführt worden war und dabei herausgekommen ist, warum er wirklich alles verlor.

Er bat sie herein, nahm ihr den Mantel ab und sah sofort, dass es ihr sehr schlecht ging. Beide setzten sich auf die Couch, wo es erneut aus ihr herausbrach. Immerhin hatte sie nun jemanden, der sie tröstete und von dem sie sich verstanden wusste.

„Kann ich für ein, zwei Tage hier bleiben, bis ich was gefunden habe?“ fragte sie ihn schluchzend, der sie in den Arm nahm und nur fürsorglich meinte: „Aber klar doch! Und wenn ich mit dem Meier fertig bin, dann kannst du seine Wohnung haben...“

Und so verblieben beide bei Rotwein und gegenseitigem Trösten.





Am nächsten Morgen im Stationszimmer:



...Mehdi verstand mich. Er war für mich da und er war es auch, dem es, wie mir, ziemlich komisch vorkam, dass Prof. Sandberg so ein Fehler unterlief...Und er hatte tatsächlich Schokocroissants da! Ein Traum...



„Frau Doktor?!“ fragte Sabine äußerst verblüfft und froh zugleich, als sie Gretchen sah, die ins Stationszimmer hereingeschlichen kam.
Und auch Gabi war anwesend.
Gabi: „Eigentlich können Sie das Schleichen lassen, Frau Dr. Haase! Man hört sie so oder so. Sie sind nicht überhörbar und schon gar nicht übersehbar...“
Gretchen: „Wollen Sie mir sonst noch irgendetwas sagen, Schwester Gabi?“
Gabi: „Sie haben Schokolade an der Nase!“
Gretchen: „Oh, die ist wohl noch von Mehdis Croissants.“
Gabi: „Boah, Sie wechseln die Männer ja öfters wie Ihre Unterwäsche!“
Gretchen: „Entschuldigung, aber hätten Sie mich aufgenommen?“
Gabi lachend: „Ne, ganz sicher nicht!“
Gretchen: „Ja, sehen Sie!“
Gabi: „Das spricht dann aber nicht wirklich für Dr. Kaan!“
Sabine verwirrt: „Wieso denn aufgenommen?“
Gabi scherzend: „Sie meinte eher zugenommen, Sabine!“
Gretchen: „Oh, Gabi! Bitte sparen Sie sich das, wenigstens einmal!“
Sabine: „Aber was ist denn nun und warum sind Sie hier, Frau Doktor? Ich dachte Sie hätten gekündigt!“

Gretchen begann hysterisch zu lachen: „ICH? Gekündigt... also, Sabine...“
Gabi beugte sich zu Sabine hinüber und meinte: „Sie wurde entlassen - vom Professor!“
„Ja, und deshalb darf mich mein Vater auch nicht sehen“ antwortete Gretchen, um dann schließlich entsetzt festzustellen: „Wie jetzt? Das weiß hier schon wieder jeder? Och neee...“
Gabi lachend: „Halloho... der Flurfunk funktioniert perfekt. Wir sind bestens aufgestellt: Hier und da ein paar Posten und alles wird schön und schnell weitergeleitet...“
Gretchen ermahnend: „Und alles läuft bei Ihnen zusammen?!“
Gabi selbstüberzeugt: „Aber selbstverständlich!“
Gretchen: „War ja klar...“
Gabi: „Wobei, ein bisschen werde ich Sie hier schon vermissen. Es gibt ja sonst niemanden, mit dem ich mich so anlegen könnte. Sabine ist ja nicht wirklich auf der Höhe...“

Sabine verwirrt: „Ich verstehe nicht so ganz...“
Gabi monoton: „Ich weiß, Sabine! Ich weiß...“

Gretchen unterbrach nun die nette Plauderrunde mit ihrem Anliegen: „Schwester Gabi, Schwester Sabine, ich brauche Ihre Hilfe!“

Sabine und Gabi reagierten beide zur gleichen Zeit darauf, jedoch etwas unterschiedlich.
Gabi genervt: „Warum das denn?“
Sabine erfreut: „Oh, ist das spannend!“

Gretchen: „Schwester Gabi, ich habe den Verdacht, dass Prof. Sandberg einen Kunstfehler verschweigt.“
Gabi: „Ist der Schönheitschirurg? Und sind Sie sicher, dass er bei Ihnen nur einen Kunstfehler begangen hat? Also ich sehe da locker eins, zwei, drei...“

Gretchen unterbrach fordernd: „Gabi! Es geht um Menschenleben! Ich habe ein ganz komisches Gefühl...“
Sabine in Ermittlungsstimmung: „Vielleicht ist er ja gar kein Arzt und operiert, obwohl er nicht studiert hat, oder er hat Gefallen daran, andere zu verstümmeln, oder er...“

Nun unterbrach Gabi genervt: „Okay, was muss ich tun? Ansonsten quatscht mich Sabine in Grund und Boden!“
„Sie wollen wirklich helfen?“ war ihre Frage, da sie damit nicht gerechnet hatte.
Gabi: „Hey, in Sachen Marc werde ich Ihnen sicher nicht helfen, aber, wenn es um unschuldige Leute geht, dann ist das Ehrensache, Frau Dr. Haase!“

„Prima!“ rief sie aus und erklärte dann den Plan: „Also, ich werde in seinem Büro die Berichte durchschauen und überprüfe, ob es ähnliche Fälle schon mal gab und er schon mehrmals eine Fehldiagnose gestellt hat. Sabine wird vor seinem Büro Schmiere stehen und klopfen, wenn jemand rein möchte, damit ich durchs Fenster raus kann. Zum Glück ist sein Büro im Erdgeschoss! Und Sie, Gabi, werden ihn vorher abfangen und mit Ihren weiblichen Reizen ein bisschen gefügig machen, oder Sie sagen einfach, dass er mal Ihr Herz abhorchen soll, weil Sie denken, dass es nicht im Takt schlägt und holen dann in einem unbemerkten Moment den Schlüssel zum Büro aus seiner linken Kitteltasche. Da steckt er ihn immer rein. Nicht vergessen: Er ist Linkshänder! Und, was meinen Sie?“

Sabine: „Ein perfekter Plan, Frau Doktor!“
„Ich hasse Sie!“, meinte Gabi, um dann letztlich doch zu lächeln.
Gretchen lächelnd: „Ich Sie auch, Gabi! Also, los geht’s!“




Liebes Tagebuch!
Wider Erwarten funktionierte der Plan reibungslos. Gabi schaffte es tatsächlich an den Schlüssel ranzukommen und das, ohne dabei ihre Bluse aufknöpfen zu müssen. Sie meinte, ihr Herz würde manchmal stolpern und das sehr überzeugend. Sie stellte ihm sogar anschließend noch medizinische Fragen, nachdem sie Sabine in einem unbemerkten Moment den Schlüssel zukommen ließ, um mir mehr Zeit zu verschaffen.

Was ich dann herausfand, ließ mir den Atem stocken. Etlichen Berichten zufolge entließ er Patienten in dem Glauben eine Grippe zu haben oder gab an, die Schmerzen wären stressbedingt und hätten psychische Ursachen, obwohl sie offensichtlich organische Herzbeschwerden hatten.
Zusammen mit Schwester Sabine und Schwester Gabi suchte ich die letzten Patienten auf und konnte sie davon überzeugen ins Krankenhaus zu gehen und sich richtig durchchecken zu lassen.

Prof. Dr. Sandberg wurde verhaftet.

Später stellte sich heraus, dass Prof. Sandberg nie darüber hinwegkam, dass seine Frau ein Pflegefall war, nachdem sie einen Herzstillstand erlitten hatte und ihr Gehirn zu lange nicht mit Sauerstoff versorgt wurde. Sein Sohn, ebenfalls Arzt, leistete seiner Mutter Sterbehilfe und brachte sich anschließend selbst um, bevor er sich vor Gericht verantworten konnte. All das hatte ihn geprägt. Seitdem war er scheinbar der Meinung, dass man der Natur nicht dazwischen reden solle und jedes Herz dann aufhören soll zu schlagen, wenn es an der Zeit ist.

Anderenorts fühlte sich unterdessen jemand so, als hätte man ihm das Herz rausgerissen...






Im Krankenhauspark:


Elkes OP lief. Maria ging Maurice und Melanie aus dem Weg und operierte Elke doch. Marc musste frische Luft schnappen und wollte sich eigentlich seine Beine vertreten. Stattdessen ertappte er sich selbst, wie er nervös im Park auf und ablief.
Da kam Gordon auf ihn zu. Seine ganze Wut, Trauer und Verzweiflung ließ er schließlich an ihm aus. Marc lief schreiend auf ihn zu: „Du bist an allem schuld, du Wichser!“
Gordon perplex: „Was?“




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=6dOwHzCHfgA; "Cutting Crew - (I Just) Died In Your Arms" © by emimusic , YouTubeDE; aufgerufen am 25.01.2015 um 18:00





Marc packte ihn am Kragen und schrie ebenso laut: „Das weißt du ganz genau!“
Und ehe sich Gordon versehen konnte, zettelte Marc auch schon eine Schlägerei an und schlug ihn mit der Faust ins Gesicht. Das ließ Gordon nicht auf sich sitzen...




Tja, der Moment, der alles verändert, mag vielleicht auf den ersten Blick grausam sein. Er kann aber nichts daran ändern, dass unser Herz schlägt und für wen...



Gretchen war nach dem langen Tag einfach nur fertig und schlief auf Mehdis Couch ein. Er deckte sie vorsichtig zu, strich ihr zwei Haarsträhnen aus dem Gesicht und meinte zärtlich flüsternd: „Ich werde dich wohl immer lieben, Gretchen!“

GretchenHaaseFan Offline

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02.02.2015 20:14
#20  Marc kämpft um mich! Zitat · antworten

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S02,E12



WRITTEN BY

GretchenHaaseFan, Andrea


ASSISTED BY

Missing_DD, Elena


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Marc kämpft um mich!




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=dvgZkm1xWPE; "Coldplay - Viva La Vida" © by parlophone , YouTubeDE; aufgerufen am 01.02.2015 um 15:06




Das geschah letztes Mal:


Zusammen mit Schwester Sabine und Schwester Gabi fand ich heraus, dass Jan Sperling sterben musste, weil das Schicksal einen Arzt von Grund auf verändert hatte...

»Prof. Dr. Sandberg wurde verhaftet.

Später stellte sich heraus, dass Prof. Sandberg nie darüber hinwegkam, dass seine Frau ein Pflegefall war, nachdem sie einen Herzstillstand erlitten hatte und ihr Gehirn zu lange nicht mit Sauerstoff versorgt wurde. Sein Sohn, ebenfalls Arzt, leistete seiner Mutter Sterbehilfe und brachte sich anschließend selbst um, bevor er sich vor Gericht verantworten konnte. All das hatte ihn geprägt. Seitdem war er scheinbar der Meinung, dass man der Natur nicht dazwischen reden solle und jedes Herz dann aufhören soll zu schlagen, wenn es an der Zeit ist.«



Mein Vater wollte mir aber nicht wirklich glauben, weshalb er mich rausschmiss. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und packte meine Koffer...

»„Ich soll gehen?“ fragte sie.
Franz: „Ja, Margarete! Manchmal denke ich wirklich, dass es besser wäre!“

Gretchen kalt: „Gut, wenn du das so siehst! Ich packe meine Sachen, wie du es wolltest und bin weg...“

Sie steckte beide Hände in die Kitteltaschen, als sie weg wollte. Doch dann sah sie Marc dort stehen, blickte ihn kurz an, um dann noch ihrem Vater zuzurufen: „Vielleicht auch für immer!“«


Bei einem guten, alten Freund fand ich Unterschlupf...

»Als die Tür geöffnete wurde, ertönte nur ein verwundert klingendes „Gretchen?“, woraufhin sie nickte.
Sie klingelte bei Mehdi (...).
„Kann ich für ein, zwei Tage hier bleiben, bis ich was gefunden habe?“ fragte sie ihn schluchzend, der sie in den Arm nahm und nur fürsorglich meinte: „Aber klar doch! Und wenn ich mit dem Meier fertig bin, dann kannst du seine Wohnung haben...“«


...schließlich ahnte ich da ja noch nicht, dass er mir seine Liebe gestehen würde!

»Gretchen war nach dem langen Tag einfach nur fertig und schlief auf Mehdis Couch ein. Er deckte sie vorsichtig zu, strich ihr zwei Haarsträhnen aus dem Gesicht und meinte zärtlich flüsternd: „Ich werde dich wohl immer lieben, Gretchen!“«


Und auch Marc kämpfte um mich – auf seine ganz eigene Art und Weise...

»Da kam Gordon auf ihn zu. Seine ganze Wut, Trauer und Verzweiflung ließ er schließlich an ihm aus. Marc lief schreiend auf ihn zu: „Du bist an allem schuld, du Wichser!“
(...)
Und ehe sich Gordon versehen konnte, zettelte Marc auch schon eine Schlägerei an und schlug ihn mit der Faust ins Gesicht. Das ließ Gordon nicht auf sich sitzen...«


...Ja, das Liebeschaos war wieder einmal perfekt.





An einem wunderschönen, sonnigen Mittwochmorgen hörte Gretchen die Klingel. Sie stand gerade in der Küche und kochte Kaffee, als plötzlich jemand rief: „Machst du auf, Gretchen? Ich dusche noch schnell!“
„Aber sicher doch, Mehdi!“ rief sie laut und machte sich auf den Weg zur Haustür.

„Mama? Was machst du denn schon wieder hier?“ fragte sie leicht genervt, als sie die Tür schwungvoll geöffnet hatte.
Bärbel freudig: „Ach, Gretchen. Es ist so schön, dich zu sehen!“

Bärbel huschte eilig an ihr vorbei hinein ins Wohnzimmer. Gretchen schloss langsam wieder die Tür und murmelte nur „Ja, gaaanz toll. Wir haben uns ja auch erst gestern Abend das letzte Mal gesehen...“ und folgte ihr nach.

Bärbel legte hocherfreut ihren Mantel und ihre Tasche ab und lief in die Küche. Gretchen räumte ihr hinterher und versuchte in Mehdis Räumlichkeiten Ordnung zu halten.

„Oh, ihr macht Frühstück?“
Gretchen: „Ja, Mama. Normale Menschen machen das ab und zu...“
Bärbel entsetzt: „Aber Margarete! Wie sieht denn der Toast aus? Der ist doch total verbrannt!“

Bärbel nahm einen in die Hand, begutachtete ihn kritisch, so, als wäre sie Testerin und meinte kritischen Untertons: „Also deine hausfraulichen Tätigkeiten waren wirklich noch nie vorzeigbar, Kind!“
Gretchen peinlich berührt: „Mutter, wir sind nicht zusammen! Hier sind hausfrauliche Tätigkeiten definitiv nicht notwendig! Das hier ist nur... nur eine Art... also...“

Bärbel legte den Toast wieder hin, stemmte die Arme in die Hüfte und fragte nachhakend: „Eine was?“
Gretchen: „Naja, wie eine Art WG eben.“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=Dqb1FB4_fUA; "justin timerlake-sexy back (remix)" © by nufc, YouTubeDE; aufgerufen am 21.10.2015 um 11:36




In diesem Moment kam Mehdi aus dem Bad heraus, nahm Kurs in Richtung Küche und fragte noch im Gehen: „Wer ist es denn?“
Gretchen schrie ihm noch zu „Ach, niemand...“, doch sie verstummte, als Mehdi die Küche betrat. Und auch Bärbel riss die Augen weit auf und staunte nicht schlecht, als Mehdi lediglich mit einem Handtuch um die Hüften bekleidet vor ihnen stand und durchs nasse Haar wuschelte.

Gretchen konnte gar nicht mehr ihren Blick von ihm lassen.

Mehdi gelassen: „Frau Haase!“
Bärbel schmunzelnd: „Dr. Kaan!“



...Oh Gott, ist der sexy! Ich wusste gar nicht mehr, dass er so einen tollen Oberkörper hat und wie er dasteht... so männlich, so cool, so lässig... Moment einmal, was mache ich hier eigentlich? Und warum gaffe ich so? Gott, ist das peinlich! Gretchen Haase, reiß dich gefälligst zusammen... Auch, wenn es bei diesem Anblick schwer fällt. Du schaffst das, du bist stark... Oh, sieht der gut aus...



Schnell versuchte sie sich nichts anmerken zu lassen, nahm das Teller mit den Toasts in die Hand und streckte es ihm und ihrer Mutter entgegen.
„Wer möchte verbrannten Toast?“ fragte sie und versuchte zu überspielen, was sie gerade noch dachte. Sie wollte nicht, dass es ihr jemand anmerkt.
Doch Bärbel meinte dagegen nur schmunzelnd: „Nur eine WG also... Tz... wer’s glaubt!“

Mehdi: „Ich gehe mich dann mal anziehen...“
Gretchen wie in Trance: „Was? Warum das denn?“



...Habe ich das gerade wirklich gefragt?!...



Gretchen räusperte sich einmal, um sich dann hysterisch lachend zu erklären: „Ha, ich meinte eigentlich... also... ich wollte...“
Mehdi: „Ja?“
Gretchen näherte sich ihm, klopfte ihm auf die Schulter und meinte nur: „Schon gut, Mehdi. Ich meinte: Warum das denn? ... Waaaarum will keiner einen Toast haben. Die sind doch sooo schön knusprig!“
Mehdi perplex: „Nachher vielleicht...“


Mehdi ging schließlich wieder, was Gretchen ziemlich erleichterte, während ihre Mutter verschmitzt lächelte.
„Was ist denn, Mama?“ fragte sie noch immer peinlich berührt.
„Nichts...“ entgegnete ihr Bärbel mit einem breiten Grinsen, das ziemlich viel aussagte.

Gretchen: „Warum bist du eigentlich schon wieder hier?“
Bärbel: „Na, ich wollte doch sehen, wie es meiner Tochter in ihrer ‚WG‘ so geht.“
Gretchen: „Gut, danke. Siehst du doch!“
Bärbel schwärmend: „Oh jaaa, das sehe ich! Und so attraktiv... äh, also das WG-Leben meine ich...“
Gretchen: „Mama, ich weiß genau, woran du denkst! Aber ich denke nicht daran, jedenfalls jetzt ab sofort nicht mehr!“



...Hoffentlich!...



Bärbel: „Ach Gretchen. Ich möchte ja keine Details wissen. Hauptsache ihr habt Spaß zusammen. Das tut dir gut!“
Gretchen: „Mama, wir haben keinen Sex!“
Bärbel irritiert: „Wieso denn Sex? Also Margarete, ich bitte dich...“



...Was versteht sie denn bitte sonst unter ‚Spaß‘? Heiteres Fensterbildchen malen, oder was? Gott, wie peinlich...



Bärbel: „Hast du heute schon etwas vor?“
Gretchen genervt: „Mama, ich bin zur Zeit arbeitslos, weil dein Mann und mein Ex-Vater mich rausgeschmissen hat, nur, weil ich im Recht war! Ich habe so viel vor, dass mein Terminkalender platzt. Dummerweise kann ich die Schrift nicht mehr lesen, weil ich die Termine mit unsichtbarer Tinte eingetragen habe...“
Kurz atmete sie tief ein, um dann verzweifelt zu schreien: „Was glaubst du denn? Natürlich habe ich nichts vor!“

Bärbel betrachtete ihre Tochter, die sichtlich an der Situation zu knabbern hatte, die dann schließlich noch betrübt anfügte: „Und Fensterbilchen werden hier auch nicht gemalt, verstanden?!“

Bärbel verwirrt: „Fensterbildchen?“
Gretchen: „Ach, egal...“
Bärbel betroffen: „Was heißt hier ‚egal‘? Ihm ist es nicht egal. Es tut ihm doch leid!“
Gretchen: „Und warum kann er es mir nicht einfach sagen? Was glaubt er denn, dass ich ihn hasse? Er ist mein Vater... also Ex-Vater, irgendwie...“
Bärbel: „Ach Gretchen, du weißt doch, wie Männer sind...“
Gretchen geknickt: „Ja, leider!“
Bärbel ermunternd: „Lass uns heute was Schönes machen, ja Schatz?!“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=cJqjlFGZxtE; "The Rascals - It's A Beautiful Morning" © by mirrorro77, YouTubeDE; aufgerufen am 01.02.2015 um 16:08




In diesem Moment betrat Mehdi wieder die Küche, dieses Mal auch angezogen und schnappte sich einen Toast, den Gretchen gemacht hatte.

Bärbel: „Ach, Dr. Kaan! Haben Sie heute schon etwas vor?“
Mehdi, der währenddessen aß: „Nein, ich habe heute frei, Frau Haase!“
Bärbel entzückt: „Na, wunderbar! Dann machen wir uns zu dritt einen schönen Tag! Schaut doch raus, Kinder! Die Sonne scheint. Man weiß ja nie, aber das heute könnte der letzte schöne Herbsttag sein. Und mild soll es auch noch werden. Lasst uns doch in den Zoo gehen, das tut uns allen sicher gut!“

Gretchen entsetzt: „In den Zoo?!“
Bärbel überglücklich: „Ja!“
Gretchen weniger begeistert: „Och, Mama, muss das sein? Das letzte Mal, als ich im Zoo war, da war ich sieben und ein Kamel hat mich angekotzt...“
Mehdi berichtigend: „Ein Lama! Kamele spucken nicht...“
Gretchen belehrend: „Ach nein? Dann schau dir mal Marc, das alte Kamel an – und wie der spucken kann, mein lieber Mehdi! Da vergeht dir alles...“

Mehdi nickte nur einsichtig, während er den verbrannten Toast zu Gretchens Bewunderung tatsächlich aufaß und Bärbel meinte: „Na prima, dann lasst uns gehen!“





Später im Zoo:


Bärbel stand am Robbengehege und blickte hinunter. Es war der höchste Punkt, von dem man das gesamte Areal mit den Robben im Blick hatte. Sie schaute den Robben zu, die da im Wasser herumschwammen und sich auf den Steinen sonnten. Immer wieder drehte sie sich freudestrahlend zu Gretchen und Mehdi um, die etwas weiter hinten standen, um miteinander reden zu können, und winkte ihnen zu, woraufhin beide zurück winkten.

Mehdi: „Deine Mutter scheint den Zoo zu lieben.“
Gretchen verträumt: „Ja, das tut sie. Und ich kann es ihr doch nicht abschlagen, vor allem jetzt nicht. Sie hat es auch nicht gerade einfach mit meinem Vater. Aber du hättest wirklich nicht mitkommen müssen, Mehdi! Du hättest doch sicher etwas Besseres mit deinem freien Tag anzufangen gewusst...“




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=kYUjytcfn1g; "Joachim Heinrich • Take my hand (Cinematic Music | Piano) [HD]" © by Joachim Heinrich, YouTubeDE; aufgerufen am 06.08.2014 um 21:08




Mehdi: „Warum nicht? Ich war hier früher gerne...“

Plötzlich merkte Gretchen, wie er nachdenklicher und auch trauriger wurde.
Gretchen fragte einfühlsam nach: „Mit Lily?“
Mehdi traurig: „Ja, sie hat den Zoo auch geliebt...“
Gretchen: „Mehdi, das tut mir so leid. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie schwer das sein muss“

Eine Weile lang starrten beide auf den Boden. Mehdi sagte kein Wort mehr.

„Du vermisst sie sehr, oder?“ fragte Gretchen einfühlsam.

Als sie das fragte, sah sie, wie seine Augen immer feuchter wurden. Sie nahm ihn schließlich in den Arm und tröstete ihn, während Bärbel von jemandem angesprochen wurde, der auf den Steinrand klettern wollte.

Olaf: „Entschuldigen Sie, junge Frau, aber wären Sie so freundlich und würden mir behilflich sein?“

Bärbel lehnte dankend ab, als sie die Kamera in seinen Händen sah: „Oh nein, danke, aber diese Bilder sind doch immer so überteuert hier. Meine Tochter und der Dr. Kaan können bestimmt mit ihren Handys Bilder machen. Sie wissen schon, diese Smartphones da. Die sind doch heute zu allem in der Lage. Mit denen kann man sogar berechnen, wie viel man von den Zutaten für einen Rührkuchen bei einer bestimmten Anzahl an Personen braucht. Also ich bitte Sie, das sollte man doch noch eigenständig hinbekommen, finden Sie nicht auch?“

Olaf: „Ich kenne mich da auch nicht so aus mit diesem neumodischen Kram. Ich habe nur meine Kamera, mein geliebtes Schätzchen! Wie alt ist denn Ihre Tochter, wenn ich fragen darf?“
Bärbel freudestrahlend: „33!“
Olaf irritiert: „Ach, dann war das die Dame in dem Rollstuhl, die mir entgegen kam? Naja, aber immer ist sie nicht komplett auf Sie angewiesen, wobei diese Dame irgendwie älter aussah...“

Bärbel perplex: „Rollstuhl?“
Olaf: „Ja, also eine behinderte Tochter zu haben, das ist sicher nicht immer einfach, auch, wenn es sicher schön ist...“

Bärbel entrüstet: „Also jetzt hören Sie mal! Nur, weil sie noch keinen Mann gefunden hat, heißt das ja noch lange nicht, dass sie behindert ist! Sie ist vielleicht leicht liebesblind, aber sicher nicht behindert!“
Olaf: „Nun, es wird sicher schwer sein einen Mann zu finden, der sich darauf einlässt. Es ist ja auch eine große Verantwortung, die man zu tragen hat...“

Bärbel: „Oh ja, da sagen Sie was! Wobei ja der Dr. Kaan sehr süß ist. Der könnte durchaus der Richtige sein. Der Dr. Meier war doch nichts für sie! Und so wie der sie immer behandelt hat, glaube ich wirklich, dass der sie nie richtig geliebt hat!“
Olaf: „Sie ist verliebt in ihre Ärzte? Das arme Ding! Ich hoffe nur, dass diese Ärzte ihre Behinderung nicht ausnutzen. Wissen Sie, das ist ja sehr tragisch. Ich habe ja schon von Fällen gehört, in denen die Ärzte sich an den Frauen dann vergangen haben, weil sie sich nicht wehren konnten!“

Bärbel blickte fassungslos zu Gretchen hinüber: „Ach du meine Güte! Ich hoffe doch nicht, dass der Dr. Kaan...“
Olaf: „Zuerst trösten sie die Frauen, um ihr Vertrauen zu gewinnen und dann... jahaa... das möchte man sich gar nicht ausmalen! Widerlich, sage ich Ihnen!“

Bärbel starrte vollkommen benebelt die beiden an, wie sie sich umarmten und flüsterte nur entsetzt: „Margarete! Das ist ja schrecklich!“

Sie wollte schon los und Mehdi zur Rede stellen, da hielt sie der Mann namens Olaf auf, der in blau-gelb kariertem Hemd und mit seiner heißgeliebten Kamera unterm Arm auftrat.
Olaf: „Jetzt warten Sie doch! Könnten Sie das Kameragestell halten? Ich brauche es nicht!“
Bärbel verwirrt: „Legen Sie es doch einfach auf den Boden.“
Olaf: „Das ist mir heilig, junge Frau! Also, würden Sie? Bitte!“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=18EAqHx2lMk; "Jimmy Cliff - You Can Get It If You Really Want" © by ShamrockVibes, YouTubeDE; aufgerufen am 01.02.2015 um 16:20




Bärbel fühlte sich geschmeichelt und gab schließlich nach und hielt das Gestell, während er ganz an den Rand ging und nach und nach Fotos schoss.


Bärbel: „Und Sie sind Zoo-Fotograf?“
Olaf, der sich weit hinaus lehnte und Bilder knipste, antwortete: „Nein, ich bin Tierschützer und möchte der Öffentlichkeit zeigen, wie schlecht es den Tieren hier geht...“
Bärbel: „Aber die sehen doch alle ganz glücklich aus.“
Olaf: „Oh nein! Das täuscht, werte Frau!“
Bärbel verwundert: „Aha, aber...“

Den Satz konnte sie jedoch nicht mehr vervollständigen, da sie im selben Moment von einem kleinen Mädchen angestupst wurde. Sie drehte sich schwungvoll um, hielt das Gestell jedoch waagerecht in ihren Händen, sodass sie es mit voller Wucht Olaf in die Rücken schlug, der vor lauter Schreck die Kamera fallen ließ und nach vorne taumelte, dabei den Halt verlor und circa fünf Meter in den Abgrund stürzte. Unmittelbar danach war ein dumpfer Knall zu hören. Doch davon bekam Bärbel nichts mit, in der nämlich Muttergefühle beim dem Anblick des kleinen Mädchens mit ihren geflochtenen Zöpfen aufkamen.

Bärbel: „Ja, wer bist du denn?“
Mädchen: „Machst du ein Foto, wo Mama, Papa und ich drauf sind? Bitteeee!“
Bärbel: „Oh, bist du ja goldig. Aber selbstverständlich, meine Kleine!“

Bärbel drehte sich mit einem breiten Grinsen im Gesicht wieder um und schaute zunächst nur ziellos in der Gegend umher und fragte: „Herr Tierschützer? Wo sind Sie? Ich müsste schnell mal ihr Gestell ablegen. Oder Sie nehmen es schnell selber...“

Bärbel drehte sich erneut zu dem Mädchen um und meinte nur scherzend: „Ach, ich lege das blöde Ding einfach ab! Das wird der sowieso nicht merken!“

Doch dann hörte sie es blubbern und ihr fiel es wie Schuppen von den Augen. Mit dem Gestell in den Händen drehte sie sich abermals um und sah schließlich seine Kamera auf der Steinmauer liegen, die kaputtgegangen war. Langsam näherte sie sich dem Abgrund, blickte hinunter und sah ihn dort im Wasser treiben. Ihr stockte der Atem, bis sie schließlich endgültig begriff, dass er abgestürzt war.
Urplötzlich ließ sie das Gestell fallen, sodass ein lauter Knall bei dessen Aufprall ertönte, doch noch lauter schrie sie: „M-A-R-G-A-R-E-T-E!!!“


Diesen Schrei kannte Gretchen nur zu gut, die sofort begriff, dass etwas passiert war. Sie riss sich von Mehdi los und beide rannten zu Bärbel hin, die fassungslos hinunterblickte.

Gretchen besorgt: „Was ist denn Mama?“
Bärbel erschüttert: „Oh je, jetzt ist er Fischfutter!“

Gretchen verstand nicht so recht, die mit Mehdi hinter ihr stand und nicht hinuntersehen konnte. Als sie sich schließlich ganz an die Mauer anlehnte und nach vorne beugte, sah auch sie, wie er im Wasser trieb und die Robben Kurs auf ihn nahmen.

Gretchen schockiert: „Oh Gott! Sind Otter Fleischfresser?“
Mehdi grübelte: „Mhm, ich denke nicht...“
Bärbel fassungslos: „Aber das sind doch Robben, Margarete!“
Gretchen schockiert: „Und die sind Fleischfresser?! Wir müssen was tun!“
Bärbel: „Margarete, da ist Blut im Wasser!“
Mehdi, der nicht sah, was vor sich ging: „Verdrecktes Wasser ist für Tiere aber gar nicht gut! Da müsste man mit der Zooleitung sprechen!“

Gretchen zog ihn an den Rand heran und meinte verzweifelt: „Mehdi, da ist einer abgestürzt! Wir müssen einen RTW rufen!“

Schließlich sah auch Mehdi, dass da tatsächlich jemand im Wasser trieb. Er holte sein Handy aus seiner Jackentasche und rief sofort den Notruf, während Gretchen und Bärbel wie gelähmt schienen, als die Robben den Mann erreicht hatten.





Wenig später im Krankenhaus:


Gretchen, Bärbel und Mehdi waren alle drei dem Rettungswagen hinterhergefahren, der Olaf ins Elisabeth-Krankenhaus brachte und so liefen sie auch mit Olaf, der auf einer Trage liegend von Gordon und einer weiteren Rettungssanitäterin den langen Gang hinunter in einen Schockraum gefahren wurde, mit.

Marc und Maurice kamen ihnen entgegen. Marc hatte jedoch eine Armstütze um den rechten Arm und drei Pflaster im Gesicht.
Als Gretchen Marc sah, war sie doch sehr verwundert: „Ist heute Mottotag? Rettungssanis und Ärzte laufen wie Patienten rum?“

Denn auch Gordon hatte Pflaster im Gesicht.

Marc: „Was haben wir?“
Gordon: „So richtig Stress, du Vollidiot!“
Marc erbost: „Willst du noch mal eine aufs Maul, du Wichser?“

Gordon ließ die Trage los, die alleine weiter den Gang hinunter rollte und beinahe Maurice über den Haufen fuhr, als er sich erbost Marc näherte, der sich schon aufrichtete.
Gordon gelassen: „Ich lege mich doch nicht mit Mädchen an...“

Gretchen war schockiert, ebenso Bärbel und Mehdi. Sie rannte schließlich der Trage hinterher, die fast gegen die Wand geprallt wäre.
Gretchen: „Was ist denn los mit euch?“
Marc erzürnt: „Schnauze!“
Gretchen ließ die Trage wieder los, die nun unbemerkt wieder alleine weiterrollte.

„Sag mal, geht’s noch? Wie redest du mit mir?“ rief sie Marc zu und stemmte wütend ihre Hände in die Hüfte.
„Boah, ich sagte Schnauze! Hier unterhalten sich gerade Männer!“ keifte er zurück.
Gretchen: „Mhm... das sieht man!“

Da bemerkte sie, dass die Trage weggerollt war und lief ihr weiter hinterher.
Gretchen zitierte Maurice zu sich: „Knechtelsdorfer, kommen Sie bitte?“
Maurice: „Aber Sie sind doch...“
Gretchen gereizt: „Äußerst genervt, Knechtelsdorfer! Also bewegen Sie Ihren Arsch hierher und zwar in Lichtgeschwindigkeit!“

Maurice rannte zu Gretchen, ebenso Bärbel und Mehdi, denen es neben Gordon und Marc sichtlich unwohl wurde. Da kam auch schon Franz daher.



...Oh nein! Nicht der auch noch!...



Franz verwundert: „Kälbchen? Was ist denn passiert?“

Nun meldete sich auch Olaf zu Wort: „Die haben meine Kamera ruiniert!“

Bärbel war dagegen noch immer äußert angespannt: „Wird er denn überleben?“
Olaf verzweifelt: „Nein, ohne meine Kamera schaffe ich das nicht! Ich werds nicht überleben!“

Gretchen genervt: „Oh, Mama! Er ist doch nur mit dem Arm auf den Stein geknallt. Nur eine Platzwunde und daher das Blut. Ansonsten geht es ihm doch gut!“
Bärbel weinend: „Aber die Robben...“
Franz irritiert: „Robben?“
Gretchen: „Du hast doch den Tierpfleger gehört, Mama! Die haben nur zugebissen, weil sie sich bedroht gefühlt haben. Ansonsten geht es ihm aber wirklich gut. Wir müssen trotzdem noch weitere Untersuchungen machen...“


Doch Bärbel war noch immer völlig neben der Spur, während Olaf auf der Trage schluchzte und Franz die Welt nicht mehr verstand.
Schließlich gingen sich Gordon und Marc auch noch an die Gurgel, so gut sie konnten, jedenfalls. Gretchen bat schließlich Mehdi durch eine Gestik dazwischen zu gehen.


Gretchen näherte sich den beiden und fragte leise und bedächtig: „Prügelt ihr euch wegen mir?“
Marc und Gordon schauten sich beide immer mal wieder fragend an, so, als würden sie mit Blicken untereinander vereinbaren, ihr nichts zu sagen.

Doch das verstand auch Gretchen, woraufhin sie beide extrem laut anschrie: „Prügelt ihr euch wegen mir?“
Damit hatten beide nicht so wirklich gerechnet, woraufhin sie mehr oder weniger offensichtlich rumdrucksten.


Doch auch Franz lag etwas auf dem Herzen: „Kälbchen?“
Zornig drehte sie sich um und schrie: „Jetzt nicht, Papa!“
Franz wie vor den Kopf gestoßen: „Tschuldigung!“


Gretchen schaute Marc an, der versuchte ihr auszuweichen. Sie spürte, dass er sich ertappt fühlte.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=_MOt0wDhXMc; "michael jackson - bad (lyrics)" © by Lovesongs Mj, YouTubeDE; aufgerufen am 21.10.2015 um 11:41




...Ja, was hätte ich damals in der Mittelstufe nur dafür gegeben? Marc prügelt sich wegen mir...



Es war im Sommer 1987, als Michael Jackson sein neues Album veröffentlichte. Die ganze Welt stand Kopf! Und selbst Gretchen Haase stand Kopf... Gut, sie hing vielmehr kopfüber...

An jenem Freitagnachmittag im September wurde ich wider Willen Zeugin der Männlichkeit pubertierender Jungs. Marc hatte mit seinem damals besten Freund Simon darum gewettet, wer Susanne als Erster aufreißen würde. Derjenige, der gewinnt, hätte sie zu einem Michael Jackson Konzert einladen dürfen. Schon damals erkannte ich, dass der männliche Horizont nicht weit zu reichen scheint. Wir waren Teenager – und die meisten unserer Eltern waren von Michael Jackson damals nicht wirklich begeistert. Es wäre unmöglich gewesen, sich eine Karte zu leisten, es sei denn, man hätte die nächstbeste Bank überfallen. Doch das traute ich selbst Marc nicht zu.

Natürlich war ich damals schon der festen Meinung, dass Frauen zusammenhalten müssten. Und natürlich handelte ich schon damals nicht unüberlegt, sondern stets mit dem einen Hintergedanken im Kopf: Marc gehört mir und wenn jemand mit ihm auf ein Konzert geht, dann bin ich das!


Ich erzählte Susanne also, was die beiden vorhatten. Dumm nur, dass Susanne es schließlich allen weitererzählten musste und dabei meinen Namen leider nicht vergessen hatte. Schon damals war mir klar, dass Susanne wohl nie für einen Geheimdienst arbeiten würde...


Eine Woche später erhielt ich die Quittung für mein Handeln. Sie banden mich doch tatsächlich kopfüber an einen der großen Bäume mitten auf dem Schulhof.

Gretchen: „Marc und Simon, macht mich sofort los!“
Marc: „Haha, Hasenzahn bekommt Schiss!“
Gretchen: „Diese Position ist für den Organismus nicht gut, Marc! Ich werde Arzt und weiß das, also mach mich los!“


Natürlich machten sie mich nicht los. Sie machten sich nur auf und davon, während ich schon mit dem Schlimmsten rechnete. Mein ganzes Blut würde in meinen Kopf laufen und irgendwann würde er explodieren.
Es dauerte geschlagene zwanzig Minuten, die mir wie zwanzig Jahre vorkamen, bis unsere Konrektorin endlich meine Rufe gehört hatte – und das trotz offenem Fenster! Ich glaube ja bis heute, dass sie dort in ihrem Rektorenzimmer immer heimlich Michael Jackson hörte.






...Und heute schien es endlich so weit: Marc Meier kämpfte also nicht mehr gegen mich, sondern für mich...



In diesem Moment meldete sich Olaf wieder zu Wort, der ein ganzes Stück weiter unten im Gang stehen geblieben war und den scheinbar alle vergessen hatten.
Olaf: „Ja, was ist denn nun?!“


Gretchen lächelte Marc an, der erahnte, dass sie sich alles ausmalen konnte und meinte nur leicht verträumt: „Dr. Meier, ein Patient wartet!“

Marc schein völlig irritiert und stotterte daher auch leicht: „Ja, äh, ich weiß. Knechtelsdorfer, Sie machen, was ich sage! Nicht, dass wieder einer stirbt...“
Nun verfiel Olaf in richtige Panik.

Gretchen lächelte ihn hingegen ununterbrochen an, bis er sich schließlich aufraffte und mit Maurice und dem Patienten in einen Schockraum ging.



Bärbel, Mehdi und Franz standen derweil immer noch herum, während Gordon bereits den Gang in die andere Richtung hinunterlief.

Bärbel: „Ja, was ist denn jetzt? Stirbt er?“
Gretchen: „Nein, aber ich lass ihn noch eine Weile lang zappeln...“

Franz: „Ich werde aber nicht mehr zappeln, Kälbchen! Ich möchte, dass du wieder nach Hause kommst!“

Gretchen verwundert: „Nach Hause?“
Franz: „Ja, nach Hause in dein zu Hause und nach Hause in deine Klinik. Ich weiß nicht, was da in mich gefahren ist, Kälbchen, aber ich konnte doch nicht ahnen, dass Sandberg ein Todesengel ist!“

Gretchen: „Du bietest mir wirklich an, wieder hier zu arbeiten?“
Franz: „Ja, denn das EKH darf dich nicht verlieren, Kälbchen!“
Gretchen: „Das EKH, oder du?“

Bärbel: „Gretchen, Kind. Nun nimm doch das Angebot deines Vaters an! Was soll denn aus dir werden, wenn du nie einen Mann findest. Arbeitslos und ohne Mann... Gretchen, das war doch nie die Zukunft, die wir für dich wollten...“

Gretchen: „Jaaa genau. Ich hätte ja auch nirgendwo anders eine Stelle gefunden. Ich bin ja so auf die Gnade meines Vaters angewiesen. Mama, ich bin selbstständig und erfolgreich...“
Bärbel: „Du kannst doch nicht mal Toasten.“
Gretchen: „Ohh, ich meine das auch auf meine ärztlichen Fähigkeiten bezogen!“
Bärbel ging zu ihrer Tochter hin, strich ihr über die Wange und meinte mit einem breiten Grinsen im Gesicht: „Nun ja, ist ja schon gut, Kind. Ich weiß doch, dass du eine ganz tolle Ärztin bist!“

„Mama!“ rief Gretchen, während sie versuchte ihre Mutter dazu zu bewegen, ihr nicht mehr über die Wange zu streichen.

Franz: „Was ist denn nun, Kälbchen? Bist du wieder im Team?“
Gretchen: „Aber nur, wenn du mir eines versprichst!“
Franz erstaunt: „Was denn?“
Gretchen: „Dass du dich endlich mit Mama aussprichst und ihr nochmal ganz neu anfangt und zwar gemeinsam.“


Gretchen lächelte beide hoffnungsvoll an, während Bärbel und Franz erkannten, wie viel ihrer Tochter wohl daran liegt, dass sie sich endlich wieder versöhnen.


Franz stotternd: „Also... ich, ich...“
Gretchen: „Papa, bitte!“
Franz wie vor den Kopf gestoßen: „Nun ja, also...“

Gretchen: „Das kann doch nicht so schwer sein! Geht doch einfach mal zusammen in den Zoo...“



...Gut, schlechtes Beispiel...



Franz und Bärbel blickten sich nur verhalten an, da keiner so richtig den ersten Schritt machen konnte bzw. wollte.




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=ye5BuYf8q4o; "Lynyrd Skynyrd - Sweet Home Alabama" © by ShawnxXxMichaels, YouTubeDE; aufgerufen am 01.02.2015 um 18:02




Gretchen: „Okay, wir machen es einfach so: Ich packe meine Sachen, komm dann wieder nach Hause und dann machen wir uns heute einen schönen Familienabend! Was haltet ihr davon?“

Franz misstrauisch: „Familienabend?“
Bärbel unsicher: „Ja, und was sollen wir machen?“
Gretchen total happy: „Wir schauen zusammen Titanic bei einem schönen Gläschen Wein und viel Knabberzeug!“

Franz weniger begeistert: „Aber ich... ich... muss noch den Keller ausmisten!“
Bärbel: „Ja, und ich muss doch noch die Treppen bohnern!“

Gretchen, die total glücklich schien, ließ sich jedoch nicht von ihrer Idee abbringen: „Ach, das könnt ihr doch auch nächste Woche machen! Das wird total schön, ich versprech’s euch!“


Freudestrahlend bat sie Mehdi, der sich die ganze Situation mitangeschaut hatte, mitzukommen und ließ ihre Mutter und ihren Vater stehen. Beide schauten ihrer Tochter nach, wie sie glücklich das Krankenhaus verließ.

Franz jammernd: „Ich hasse Titanic!“
Bärbel verhalten: „Ach Franz, da müssen wir jetzt durch!“
Franz: „Drei Stunden Dauergeheule...“
Bärbel: „Drei Packungen Chips...“
Franz: „Drei Kuscheldecken...“
Bärbel: „Drei Stunden Extrawäsche...“





...An diesem Nachmittag zog ich wieder zu Hause ein. Zum Glück half Mehdi mit. Es waren zwar nur ein Koffer und eine große Tasche, aber trotzdem... man möchte sich ja schließlich nicht verheben.

Und während ich wieder zu Hause einzog, fasste ein anderer den Entschluss, seine Sachen zu packen, sollte seine Geliebte nicht endlich zu ihm stehen...

GretchenHaaseFan Offline

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02.02.2015 20:15
#21  Marc kämpft um mich! (Teil 2) Zitat · antworten

In Marias Büro:


Maria saß gerade am PC, als Maurice ohne anzuklopfen hereinstürmte.
Maurice aufgebracht: „Ich möcht jetzt sofort wissn, woran ich bei dir bin!“
Maria genervt: „Ich habe jede Menge zu tun und nur sehr wenig Zeit.“

Maurice näherte sich ihr, schaute sie wütend an und haute mit voller Wucht auf den Tisch, sodass sie regelrecht erschrak.
Maurice: „Ich hab es endgültig satt, Maria!“


Gerade in diesem Moment platzte Marc herein und fragte, ohne die gesamte Situation zu betrachten: „Sie wollen was von mir?“

Maurice entsetzt: „Was? Mit dem machst du auch schon rum?“
Maria: „Nein!“
Maurice: „Sicher!“
Maria: „Nein!“
Marc irritiert: „Äh, ich kann auch später wieder kommen... wobei. Wichtige Dinge müssen höchste Priorität haben und ich bin immer wichtig!“

Maurice außer sich: „Da siehst‘s! Er sagt, er sei dir wichtig! Des kann doch nicht dein Ernst sein, Maria!“
Marc selbstüberzeugt: „Knechtelsdorfer. ICH bin immer wichtig, denn ICH bin hier die Nummer eins!“
Maurice in harschem Tonfall: „Ach ja? Und deshalb heult sich die Frau Dr. Haase auch lieber bei Dr. Kaan aus, anstatt bei Ihnen? Deshalb zieht sie sogar zu ihm und geht mit ihm in den Zoo und mit der baldigen Schwiegermutter? Sicher, weil Sie ja die Nummer eins sind...“

Marc sichtlich vor den Kopf gestoßen: „Sie ist bei Mehdi?“
Maria scherzend: „Ach, das haben Sie noch nicht mitbekommen? Das geht hier doch schon wieder rum wie Gastroenteritis im Altenheim.“

Maurice wandte sich eingeschnappt wieder Maria zu und meinte nur betroffen: „Sag mal, warum bist denn du eigentlich noch so gut drauf?“
Maria schrie genervt: „Was willst du denn?!“

Marc stand derweil noch immer neben der Spur, denn damit hatte er nicht gerechnet, dass sie ausgerechnet bei Mehdi zuerst anklopfen würde.

Marc stotterte leicht: „Ich... meine Mutter... die Endergebnisse...“
Maria: „Ich meinte doch nicht Sie, sondern Maurice!“

Maurice: „Da siehst‘s! Wenn du was sagst, meint der sofort, du würdest ihn ansprechen. Der ist dir doch wichtiger als ich!“
Maria: „Hast du einen an der Klatsche?“
Maurice: „Ne!“
Maria: „Dann hör auf dich wie ein Kleinkind zu benehmen! Ich will nichts von Meier. Ich sag’s dir aber gern nochmal in aller Deutlichkeit: Ich will NICHTS von Meier!“

Maurice: „Ja, und was will der dann von dir?“
Maria: „Wissen, wie es um seine Mutter steht! Stimmt’s, Meier?“


Maria wandte sich Marc zu, der aber noch immer wie benebelt da stand.
Maria genervt: „Okay, mir wird’s zu viel! Raus und zwar alle beide!“
Maurice: „Du kannst mich doch jetzt ned einfach so vor die Tür...“
Maria schreiend: „Doch, kann ich! Und wenn du nicht gehst, dann bringt dich auch gern der Sicherheitsdienst vor die Tür!“

Maurice: „Du schmeißt mich einfach so aus deinem Leben?“
Maria: „Ganz ehrlich, Maurice, ja! Mir wird es einfach zu viel.“
Maurice: „Ich soll wirklich gehn?“
Maria mit Nachdruck in der Stimme: „Jaaaa, bitte tu‘ mir den Gefallen!“
Maurice eingeschnappt: „Gut, ich möchte aber meinen Lieblingspyjama und meine anderen Sachen noch haben. Ich werde ja ab jetzt wohl nicht mehr bei dir schlafn...“

Maria: „Aber so war das doch auch nicht...“
Maurice: „Ne, ne. Ist schon gut. Ich hau ab aus deinem Leben, wie du es willst.“

Maurice verließ wütend das Büro, huschte an Marc vorbei, der sich langsam wieder fing und knallte hinter sich die Tür zu. Maria hingegen hing völlig fassungslos im Stuhl, schaute Marc wütend an, um ihm klar zu machen, dass er doch bitte auch gehen solle.


Das tat Marc schließlich auch. Als er gerade die Tür hinter sich schließen wollte, rief Maria ihm völlig fertig nach: „Ach ja, Ihre Mutter ist auf die Normalstation verlegt worden!“

Marc nickte und machte die Tür hinter sich zu, während sich Maria in den Stuhl zurücklehnte und sich durchs Haar fuhr.





Wenig später im Stationszimmer:


Eilig platzte Marc herein, lief hastig an Sabine vorbei, die am Tisch saß und Dr. Rogelt las.

Marc: „Sabine! Was machen Sie da?“
Sabine: „Oh, Herr Doktor. Ich lese...“
Marc zynisch: „Ja, das sehe ich!“

Sabine schlug das Buch zusammen und zeigte Marc stolz den Umschlag.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=z8nxKxqlcbA; "Stroke 9 - Little Black Backpack (With Lyrics!)" © by ~ NC ~, YouTubeDE; aufgerufen am 01.02.2015 um 18:20




„Dr. Rogelt, Band 36 ‚Kampf meines Herzens‘. Dr. Rogelt stellt fest, dass er ohne Schwester Monique nicht mehr sein kann, fasst sich ein Herz und plant ihres endgültig zu erobern. Dr. Rogelt wurde verwundet. Er hatte sich mit seinem Kontrahenten angelegt, weil er Monique für sich haben wollte. Dr. Rogelt steht im Ärztezimmer vor dem Spiegel und verarztet seine Wunden. Da kommt Schwester Monique herein...“




Gretchen: „Dr. Rogelt! Was ist Ihnen denn zugestoßen? Ich hoffe, es handelt sich lediglich um einen Blechschaden?

Dr. Rogelt betrachtete seine Wunden im Spiegel. Dort konnte er auch Schwester Monique hinter sich stehen sehen.
Marc betrübt: „Monique, es sind nicht die Wunden eines Blechschadens!“
Gretchen überrascht: „Nicht?“
Marc: „Nein, es sind die Wunden eines schweren Unfalls, Monique. Meine Lunge wurde gequetscht. Ich konnte ohne Sie nicht mehr atmen und mein Herz erlitt einen Infarkt – zu groß waren die Schmerzen.“

Gretchen näherte sich ihm, schmiegte sich sanft an ihn an, während er sie noch immer im Spiegel betrachtete.
Gretchen sanft: „Großer Gott, Dr. Rogelt! Ich wusste nicht, wie es um Sie steht...“
Marc: „Ich kann es Ihnen nicht verübeln, Monique!“
Gretchen: „War es denn ein tragischer Auffahrunfall?“
Marc: „Ja, Monique. Mir war, als hätte ich Sie vor mir gesehen. Ich musste einfach notbremsen. Ich könnte Sie doch nie überfahren, Monique!

Gretchen: „Aber Dr. Rogelt, ich war doch die ganze Zeit hier und habe auf sie gewartet.“

Marc drehte sich zu ihr um, legte seine Hand auf ihre Wange und sprach: „Sie haben schon zu lange gewartet, Monique. Es war mir, als hätte ich eine Erscheinung gehabt.“
Gretchen erstaunt: „Eine Erscheinung? Waren Sie in Indien, oder sind Sie unter die Mystiker gegangen, Dr. Rogelt?“

Marc: „Keins von beidem. Es war nur so, als hätte mein Herz zum ersten Mal zu mir gesprochen.“
Gretchen verträumt: „Werden Sie denn auf Ihr Herz hören, Dr. Rogelt?“

Marc hatte noch immer seine Hand an ihrer Wange und schenkte ihr so unglaubliche Geborgenheit, woraufhin er ihr eine Haarsträhne hinters Ohr strich, und sich ihr langsam näherte, so als würde er sie küssen wollen. Zärtlich flüsterte er ihr zu: „Ich höre gerade in diesem Moment auf mein Herz, Monique. Es schreit förmlich nach...





In diesem Moment wurde Marc aus seinem Tagtraum gerissen, der durch Sabines Worte genährt wurde, denn plötzlich schrie eine ihm wohlvertraute Stimme laut: „Marc Olivier!“


Und wie schon seit jeher musste er auch dieses Mal nicht lange überlegen, wie er darauf antworten würde: „Boah, Mutter, nenn mich nicht so!“

Elke außer sich: „Marc Olivier! Ich möchte nach Hause!“
Marc: „Du wurdest gerade am Gehirn operiert. Und außerdem sollst du hier nicht rumrennen, sondern dich schonen!“

Elke stürmte ins Stationszimmer herein, beäugte Sabine kritisch, um dann vor Marc ihr Leid zu demonstrieren.

„Ich lag im Koma, Marc! Ich fühle sie! Marc Olivier, ich spüre sie! Sie überwältigt mich!“ trug sie den beiden theatralisch vor.
Marc irritiert: „Bitte? Wer überwältigt dich?“
Elke: „Die Leere, Marc!“
Marc: „Äh, Mutter, ich versteh kein Wort.“
Elke: „Was ist denn, wenn ich keine Ideen mehr habe? Marc Olivier, dann muss ich noch putzen gehen...“

Marc zynisch: „Keine Ideen? Ist doch eine geniale Idee, Mutter! Bei mir sollte auch mal wieder gewischt werden...“
Elke entsetzt: „Wie sprichst du denn mit deiner Mutter?“
Marc genervt: „Mutter, jetzt ab ins Bett. Ruhe dich aus und dann kommen dir sicher wieder geniale Ideen!“
Elke: „Wie kannst du nur so etwas sagen? Ich lag im Koma...“

Marc korrigierte: „Im künstlichen Koma, Mutter.“
Elke: „Die Folgeschäden sind doch noch gar nicht absehbar. Was ist, wenn ich Dr. Rogelt nicht mehr fortsetzen kann?“

Elke legte sich die Hand auf sie Stirn und tat so, als würde sie bald einen Zusammenbruch erleiden, während Sabine geschockt den Roman aus ihren Händen fallen ließ und beide schließlich gleichzeitig ausriefen: „Großer Gott!“
Marc hingegen meinte nur sarkastisch: „Naja, vermissen würde Dr. Rogelt wohl niemand so wirklich...“

Elke richtete sich eilends wieder auf, blickte zu Sabine hinüber, die scheinbar wirklich zusammenzubrechen drohte.
Elke: „Was hat die denn?“
Marc abgeklärt: „Keine Lebensgrundlage mehr. Ich muss mich wohl korrigieren: Niemand würde Dr. Rogelt vermissen, außer Sabine.“

Elke selbstbewusst: „Siehst du, Marc! Manche Menschen wissen hervorragende, überwältigende, geniale, unermesslich wichtige, überragende, göttliche Literatur eben doch zu schätzen.“

Marc belächelte seine Mutter nur, die wieder in Hochform zu sein schien, als Gabi das Stationszimmer betrat.

Gabi: „Hallo!“
Marc kühl: „Mhm...“

Gabi öffnete den Kühlschrank, holte die Milch heraus und schenkte sich ein Glas ein, während sich Elke ein Herz fasste: „Auch, wenn ich das nicht gerne sage, aber Sie haben mir das Leben gerettet, Kindchen. Ohne Sie wäre ich jetzt womöglich ein Individuum, das an Schläuchen dahinvegetiert. Ohne Sie wäre die Marke ‚Elke Fisher‘ gestorben. Ohne Sie gäbe es Elke Fisher nicht mehr. Darüber möchte ich nicht einmal nachdenken. Die Welt würde eine großartige Autorin verlieren, ein literarisches Genie. Was für ein Verlust! Ich möchte es mir nicht ausmalen. Deshalb: Danke!“


Gabi trank, während Elke sich bei ihr bedankte, und schaute sie nur mit großen Augen an, wie sie wild mit Gestik und Mimik ihre eigene Lobeshymne an sich richtete.
Gabi: „Ja, schon gut Frau Fisher.“
Elke: „Ich möchte mich natürlich erkenntlich zeigen und Ihnen etwas schenken. Was wünschen Sie sich denn?“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=3_iQZiVD_zA; " Money (That's What I Want) The Flying Lizards" © by mauibuilt0230, YouTubeDE; aufgerufen am 01.02.2015 um 16:30




Gabi bekam auf einmal große, funkelnde Augen. Sie stellte das Glas auf die Anrichte, näherte sich Elke und fragte überglücklich: „Ich darf mir echt was wünschen?“

Elke nickte freundlich. Doch als Gabi anfing, verging ihr das Lachen schnell.
Gabi: „Also, einen Ferrari hätte ich gerne und eine schöne, große Villa mit Außenpool und Whirlpool innen. Große, sonnendurchflutete Räume, einen großen Garten mit eigenem Gärtner, Hauspersonal und Designerkleider, Designerschuhe und jede Menge Geld... Dann hätte ich noch gerne...“

Elke winkte ab, verzog ihr Gesicht, schaute sich kurz um und sah den Roman auf dem Tisch neben Sabine liegen. Sie schnappte ihn, bat Marc um einen Stift, öffnete den Roman und schrieb eine Widmung hinein, die sie persönlich unterschrieb:
Für Schwester Moni.

Dann drückte sie den Roman mit einem Lächeln im Gesicht Gabi in die Hände, die nun aus ihrer Traumwelt in ihrer Villa gerissen wurde und auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurde. Auch sie verzog ihr Gesicht und meinte nur abfällig: „Ich heiße Gabi!“

Elke klopft ihr zweimal auf die Schulter und meinte nur: „Auch schön. Würden Sie mich jetzt auf mein Zimmer bringen? Mir wird so schummerig.“


Marc belächelte die Situation nur und ebenso Gabi, die enttäuscht und ein wenig widerspenstig Elke bei der Hand nahm und sie zurück auf ihr Zimmer geleitete.
„Und keine Sorge, Mutter! Du hast keinen Hirntumor! Schwindel ist nach so einer OP ganz normal!“ rief er den beiden noch hinterher, die sich kurz umdrehten. Er konnte es einfach nicht lassen, Gabi einen Blick zuzuwerfen, der sagte: ‚Geschieht dir recht‘.
Gabi hingegen warf ihm einen Blick zurück, der sagte ‚Wer zuletzt lacht, lacht am besten‘.



Marc schaute noch eine Weile lang zur Tür hinaus, ehe er schrie: „Sabine!“
Diese erwachte wieder und meinte: „Ja, Herr Doktor?“

„Hasenzahn war bei Mehdi?“ fragte er, während er immer noch auf den Gang blickte.
„Oh ja, das war sie“ lautete ihre Antwort.
„Und warum, wenn ich fragen darf?“ wollte Marc wissen.

Sabine: „Aber Herr Doktor, das kann ich doch nicht...“
Marc: „Sie sind aber eine Frau!“
Sabine scherzend: „Ich bin mit Dr. Gummersbach zusammen, Doktor Meier!“

Nun blickte er fragend zu ihr hinüber: „Äh, ja und was geht mich das an?“
Sabine: „Wenn Sie flirten wollen, dann müssen Sie sich jemand anderes suchen.“
Marc zynisch: „Äh, ja. Mit Ihnen, Sabine, würde ich noch nicht mal flirten wollen, wenn Sie das letzte weibliche Wesen auf diesem Planeten wären.“

Sabine: „Aber Herr Dok...“
Marc grätschte dazwischen: „Sabine. Ich brauche Ihren Rat als Frau!“
Sabine: „Worum geht es denn Herr Doktor?“
Marc: „Wie kann man eine Frau beeindrucken?“
Sabine nachhakend: „Eine Frau oder eine ganz bestimmte Frau?“
Marc: „Eine ganz bestimmte!“
Sabine: „Ist sie denn in Sie verliebt?“
Marc: „Äh, ich glaube das ist jede Frau, Sabine!“
Sabine: „Nun ja, ich nicht, Herr Doktor.“
Marc zynisch: „Ich meinte auch FRAU, Sabine!“
Sabine: „Ich fürchte, ich verstehe nicht, Herr Doktor.“
Marc: „Ja, ja. Schon gut, Sabine. Ich dachte da so an einen romantischen Film. Was würden Sie auswählen? Eher ‚Spiderman‘ oder Hitchcocks ‚Die Vögel‘?“

Sabine stotternd: „Also... ich... ich...“
Marc: „Sprechen Sie ruhig offen!“
Sabine: „Ich fürchte, dass beide Filme nicht sonderlich romantisch sind.“
Marc ahnte Schlimmes: „Noch mehr Romantik?“

Sabine nickte lediglich.
„Okay, was schlagen Sie vor, Sabine?“ fragte er, während er sich verzweifelt an den Kühlschrank anlehnte.

„Wie wäre es denn mit ‚Titanic‘, Herr Doktor?“ fragte sie mit weit aufgerissenen Augen und voller Freude.

„Titanic? Ernsthaft? Stirbt der am Ende nicht?“ fragte Marc verunsichert.
Sabine blühte dagegen richtig auf: „Ja, aber nur, weil er sie so sehr liebt, dass er auf sein Leben verzichtet. Das ist so romantisch, Herr Doktor, fast wie in Band 37: „Dr. Rogelt und Schwester Monique“. Schwester Monique meinte, sie hätte Dr. Rogelt verloren. Sie dachte, er wäre beim Absturz des Rettungshubschraubers gestorben. Sie nimmt Gift, um auch zu sterben und zu ihm zu kommen. Doch Dr. Rogelt ist nicht tot. Er hatte überlebt und als er schließlich Monique im Krankenhaus trifft, da...“

Marc unterbrach irritiert: „Das ist doch Romeo und Julia – nur umgeschrieben!“
Sabine: „Aber nein, Herr Doktor! Wo denken Sie denn wieder hin? Romeo hatte doch keinen Hubschrauber! Und schließlich konnte er doch Monique retten und zurück ins Leben holen. Die sterben doch nicht beide...“

Marc zynisch: „Nun, wenn meine Mutter keine Ideen mehr hat, dann schon...“
Sabine entrüstet: „Oh! Herr Doktor! Darüber macht man keine Witze!“

Marc nickte zweimal und meinte „Schon gut, Sabine!“. Dann ging er ins Umkleidezimmer und zog sich um und verschwand schnell, während er Sabine zurückließ, die schon einmal um Dr. Rogelt trauerte.





Später im Hause Haase:


Nachdem Mehdi Gretchen geholfen hatte ihre Sachen aufs Zimmer zu bringen, standen beide an der Haustür, als sich Mehdi verabschieden wollte.
Mehdi: „Es war ein schöner Tag.“
Gretchen nickte: „Ja, das finde ich auch.“
Mehdi: „Ja, dann werde ich mal gehen.“
Gretchen: „Mhm...“


Da tönte aus dem Wohnzimmer: „Margarete, jetzt hilf mir doch mal. Wie bekomme ich denn die CD an? Muss ich da auf ‚Play‘ drücken?“

Gretchen rief zurück: „Ich komme gleich, Mama!“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=UUDP6LoQtE0; "Regina Spektor On the Radio + Lyrics" © by djeliteplaylist, YouTubeDE; aufgerufen am 01.02.2015 um 18:36




In Mehdis Gesicht zeichnete sich ein Grinsen ab, als er Gretchen begutachtete, wie sie ihrer Mutter zurückrief und nun vor ihm stand. Ein bisschen verlegen hielt sie ihre Hände zusammen, nachdem sie sich eine Strähne aus dem Gesicht gestrichen hatte.

Mehdi: „Wir können ja mal auch so in den Zoo... als...“
Gretchen: „Als...? Als was?“
Mehdi stotternd: „Freunde!“
Gretchen lächelnd: „Wenn du mir danach ein Eis spendierst, gerne.“

Mehdi: „Ich glaube deine Eltern nähern sich wieder an.“
Gretchen: „Oh ja, sonst wäre mein Vater jetzt nicht im Keller und würde den Wein holen. Das hat er bisher noch nie gemacht...“
Mehdi: „Wein ist immer gut!“
Gretchen: „Mhm...“
Mehdi verlegen: „Also, wenn man die Situation nicht ausnutzt... was ich nie tun würde!“
Gretchen lachte ein wenig aufgesetzt, da es ihr so vorkam, als hätte er nur gescherzt.



...War da nicht mal was? Ach ja, der Mehdi. Ausnutzen würde der so eine Situation nie... jedenfalls jetzt nicht mehr... hoffe ich zumindest!...



Eine Weile lang lächelten sich beide an, dann zog Mehdi den Reißverschluss seiner Jacke hoch, steckte verlegen die Hände in die Jackentaschen und meinte: „Gut, also ich geh dann jetzt...“

Gretchen nickte und meinte „Mhm...“

Mehdi ging zur Tür, nahm die Klinke in die Hand und öffnete sie, da riss sie die Hände auseinander und ging ein Stück auf ihn zu. Er drehte sich wieder zu ihr um.
Gretchen: „Also, du kannst ja noch bleiben. Du hast mir ja schließlich auch geholfen. Also... ich meine, es ist zwar nur Titanic, aber...“

Mehdi: „Aber?“

Gretchen lächelte ihn erneut an und meinte nur: „Kein aber. Freunde schauen gemeinsam Filme an.“
Mehdi: „Ich kann jetzt ja auch nicht einfach so deine Einladung ausschlagen...“
„Richtig!“ antwortete sie ihm nur und nahm ihm seine Jacke ab, hängte sie in die Garderobe, führte ihn ins Wohnzimmer und bat ihn auf der Couch platzzunehmen, während Bärbel die Weingläser und Snacks auf dem Tisch platzierte und Franz den Wein einschenkte.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=nXOE6EQtKcU; "Celine Dion - My Heart WIll Go On - Official Music Video (HD)" © by MusicLoverGal369, YouTubeDE; aufgerufen am 01.02.2015 um 14:14




Und so saßen alle vier auf der Couch und schauten sich Titanic an. Gretchen mit ihrer Kuscheldecke, die natürlich immer mal wieder bei diesem Film ein paar Tränen verdrückte, daneben Mehdi, der immer wieder die Taschentücher reichte und Franz und Bärbel im anderen Eck, die beide ein Weinglas nach dem anderen tranken, um den Film halbwegs zu ertragen.


In dem Moment, als die zwei auf dem Ausguck die Glocke läuteten und schrien „Eisberg voraus!“, klingelte es bei den Haases an der Tür, was alle vier kurz zusammenzucken ließ vor Schreck. Bärbel sogar so sehr, dass sie ihren Wein unbemerkt auf Mehdis Hemd kippte.



...Oh nein, Gretchen! Reiß dich zusammen! Jetzt beginnen die traurigsten Momente dieses Abends. Werde versuchen nicht zu weinen. Habe den Film immerhin schon tausendmal gesehen. Muss aber feststellen, dass Alkohol nicht dagegen hilft. Ist ja peinlich. Immerhin ist Mehdi hier. Sollte mich erkundigen, ob ihm langweilig ist...



Gretchen blickte zu ihm mit verweinten Augen hinüber, als sie schließlich den Weinfleck auf seinem Hemd sah, den er versuchte auszuwischen.



...Oh Gott, war ich das? Definitiv peinlicher als Heulen! Sollte wohl doch eher heulen, anstatt mit Wein um mich zu schütten...


Währenddessen klärten Bärbel und Franz andere Fragen, die vom Missgeschick, obwohl sie gleich daneben saßen, nichts mitbekommen haben.

Bärbel: „Du meine Güte, dieser 3D-Effekt ist aber sehr authentisch!“
Franz: „Die DVD ist ohne den 3D-Effekt, Butterböhnchen!“
Bärbel: „Achso... naja, hörte sich jedenfalls sehr relaistisch an, so, als wäre es hier in diesem Haus. Hoffentlich bleibt das Wasser nachher im Fernsehgerät drin. Soll ja sehr kalt sein. Aber ich muss schon sagen: Dieser Steven Spielberg hat sehr gute Arbeit geleistet!“

Franz: „Der Film ist von James Cameron, Butterböhnchen!“
Bärbel: „Na, sag ich doch!“


Plötzlich drückte Gretchen auf die Stopptaste der Fernbedienung, sodass schließlich auch Bärbel und Franz mitbekamen, was gerade vorgefallen war.
Bärbel entsetzt: „Herrjemine, Dr. Kaan! Sie bluten ja! Franz, mach doch was!“
Gretchen: „Das ist Wein, Mama! Ich glaube ich habe ihn verschüttet. Mein Glas ist auch leer...“
Bärbel: „Also Margarete, so geht man doch nicht mit seinen Gästen um!“
Gretchen: „Ja, ich weiß. Es tut mir ja auch leid...“
Mehdi: „Ach, das macht doch nichts. Der Fleck ist doch winzig.“

Gretchen versuchte ihm dabei zu helfen den Fleck mit der Hand auszuwischen, woraufhin sich beide berührten und für einen Moment innehielten.



...Halte die Hand von Mehdi! Das ist gar nicht gut, das ist gar nicht gut! Freunde berühren sich nicht so... und vor allem schauen Freunde nicht so verliebt, wie er!...



Da klingelte es erneut, sodass alle wussten, es handelt sich doch um die eigene Haustürklingel. Diese riss Gretchen schließlich auch aus ihren Gedanken und beendete den tiefen Blickaustausch der beiden.

Bärbel: „Dr. Kaan, Sie müssen das Hemd schon ausziehen! Sonst kann ich es nicht waschen.“
Gretchen hysterisch lachend: „Bitte? Er muss... er muss...“
Franz: „Jetzt ziehen Sie es halt aus, Kaan! Sie bekommen ein gewaschenes von mir!“
Mehdi schmunzelnd: „Jawohl, Herr Professor!“



...Der legt es doch drauf an! Gretchen Haase, du notgeiles Stück. Bis selbst schuld, hast ihn ja schon heute Morgen mit deinen Blicken ausgezogen – gut, er war zwar schon ausgezogen, aber trotzdem!...



Zum dritten Mal klingelte es an der Tür.
Franz: „Macht bitte mal jemand auf?“
Bärbel erhob sich schnurstracks und rief: „Jahaaa, ich komme ja schon!“, um sich danach mit leiserer Stimme an Gretchen zu wenden: „Ach und Gretchen, zeig doch dem Herrn Dr. Kaan die Hemden. Aber nimm doch bitte eines aus dem untersten Schrankfach, ja? Die wollte ich sowieso in die Altkleidersammlung bringen...“

Gretchen peinlich berührt: „Mama!“
Bärbel war sich keines Fauxpas bewusst: „Was denn?“


Gretchen war die Situation sehr unangenehm. Doch das wollte sie sich nicht anmerken lassen und ging schließlich mit Mehdi hoch ins elterliche Schlafzimmer und holte ihm ein Hemd heraus.
Der zog es vor ihr aus, sodass sie erneut seinen Oberkörper sehen konnte.



...Gretchen Haase, reiß dich zusammen! Wir sind nur Freunde, nicht mehr und nicht weniger. Man sieht seine Freunde schon mal nackt... also halbnackt... nicht ganz nackt, versteht sich!...



Gretchen und Mehdi machten sich schließlich wieder auf den Weg nach unten. Doch am Ansatz der Treppe musste sie schockiert feststellen, dass Marc geklingelt hatte, während sich Mehdi sein Hemd zuknöpfte.

Marc entsetzt: „Ah... ich wollte... ich wollte... nicht stören!“
Gretchen: „Marc?“
Bärbel entzückt: „Oh, Dr. Kaan, das Hemd steht Ihnen aber ausgezeichnet.“
Mehdi: „Danke, Frau Haase. Ich möchte jetzt aber auch nicht weiter stören, ich gehe dann besser wohl.“


Gretchen, Mehdi und Marc war die Situation deutlich peinlich.
Bärbel: „Ach, jetzt bleiben Sie doch noch! Die Titanic ist doch noch gar nicht gesunken...“

Nach einem kurzen Moment des Schocks meinte Marc schließlich zu Gretchen: „Oh doch, das ist sie! Für dich nun ganz!“

Dabei schaute er sie direkt an. Sie konnte ihm aber nicht wirklich in die Augen schauen, weil sie wusste, dass die Situation einen ganz komischen Eindruck auf ihn gemacht haben musste.

Kurz legte er den Ameisenblick auf, doch dann drehte er sich, ohne ein weiteres Wort zu sagen, einfach nur um.

Gretchen wollte ihm noch nach und rief noch „Maaarc...“, doch der zog hinter sich die Tür zu und verließ das Anwesen der Haases.


Bärbel irritiert: „Was wollte denn der Dr. Meier?“
Gretchen betrübt: „Den OP-Plan für morgen vorbeibringen?!“
Bärbel: „Aber der hatte doch gar keinen dabei...“
Gretchen verzweifelt: „Ja, ich weiß, Mama!“


Langsam schleppte sie sich in Richtung Wohnzimmer, bis sie auf dem Sekretär einen Brief, der an sie adressiert war, liegen sah. Sie schnappte sich den Brief, auf dessen Umschlag das Logo der Charité abgedruckt war, riss ihn auf und holte das Schreiben heraus.

Gretchen: „Liegt der schon lange hier?“
Bärbel: „Der kam heute Morgen an. Ist sicher nur wieder Werbung...“


Auch Franz war durch die Unruhe im Flur dazu animiert worden, nachzusehen, was vor sich ging, während Mehdi langsam die Treppe herunterkam und seine Augen, sowie auch Bärbels und Franz‘ Augen auf Gretchen gerichtet waren, die ihren Brief las.

Auf einmal kreischte sie voller Freude laut, hüpfte umher und meinte: „Die Charité will mich!“
Jedoch konnte nur sie sich freuen. Weder Bärbel, noch Franz oder Mehdi machten einen besonders glücklichen Eindruck.




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=u9Mfdzo1BuI; "Agnetha Faltskog ABBA "The Winner Takes It All"" © by miron603, YouTubeDE; aufgerufen am 21.10.2015 um 11:50






Ziele im Leben zu haben bedeutet auch immer mit der Gefahr zu leben, dass man scheitern kann. Ein Grund sie aus den Augen zu verlieren?

Wir sollten den Kampf um unsere große Liebe deshalb nicht aufgeben. Und selbst, wenn wir ihn verlieren sollten, stehen wir am Ende nicht als Verlierer da...


Marc sitzt auf einer Parkbank, raucht eine Zigarette, betrachtet die ‚Titanic-DVD‘ und wirft sie schließlich in den Mülleimer neben sich.

Mehdi verabschiedet sich von den Haases, bei denen die Stimmung deutlich getrübt ist, und macht sich auf den Heimweg.


Man sollte sich aber immer gut überlegen, wie weit man gehen möchte. Irgendwann einmal ist Schluss. Dann sollte man einen Schlussstrich ziehen...

Maurice hat seine Sachen bei Maria abgeholt und verabschiedet sich an der Tür von Melanie, die stinksauer auf ihre Mutter ist.


Vielleicht muss auch nur ein wenig Zeit verstreichen. Und vielleicht merken wir dann, dass wir noch gar nicht so richtig um unseren Traummann gekämpft haben und wir uns eigentlich gar nicht so uneinig sind...

Bärbel und Franz sitzen gemeinsam auf der Couch. Er schenkt wieder Wein ein, beide blicken sich wegen Gretchens Bewerbung einen Moment lang genervt an, um dann schließlich miteinander anzustoßen.


Es lohnt sich aber immer einen Plan B zu haben. Man weiß ja nie, was die Zukunft noch so alles bringen wird...

Gretchen liegt auf ihrem Bett, schreibt Tagebuch und wedelt mit dem Brief von der Charité in der anderen Hand herum, den sie immer wieder mal anblickt.

Missing_DD Offline

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14.02.2015 01:39
#22 RE: FF: S02 von GretchenHaaseFan und Missing_DD Zitat · antworten

Unsere lieben Leserinnen!

Vor geraumer Zeit haben Andrea und ich uns überlegt, Specials in die Geschichte einzubauen. Diese Specials gehören zur Geschichte, aber irgendwie auch nicht, weil sie die Handlung nicht fortführen. Es wird vielmehr ein Aspekt unserer Story vertieft oder mal von einer anderen Seite betrachtet.
Dieses Special betrifft den Valentinstag und wird daher auch an selbigem gepostet. Specials haben keine bestimmte Regelmäßigkeit oder Form. Sie werden je nach Situation in die Story eingebaut, sofern sie euch denn gefallen.
Für dieses Mal habe ich auf jeden Fall die Ehre, euch unser erstes Special vorzustellen.

Ich wünsche euch allen einen schönen Valentinstag.

Drück euch,
Elena




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Special:

My Valentine



WRITTEN BY
Missing_DD, Elena


ASSISTED BY
GretchenHaaseFan, Andrea

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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=zzJS1-EfR_g; „Amazed – Lonestar“ © by Nadine124d7, YoutubeDE; aufgerufen am 13.02.2014 um 20:23



Am Morgen des 14. Februar erwachte eine wunderschöne junge Frau in einem Traum aus Rosa und sah den ersten Sonnenstrahlen an diesem winterlichen Tag entgegen.
Bei einem entspannten Frühstück ließ sich der Tag doch viel besser planen, entschied die blonde Ärztin, die heute weder arbeiten musste noch in Bereitschaft war. Es war also wahrlich Zeit für die schönen Dinge des Lebens: Die Liebe. Welcher Tag im Jahr bot sich besser an als dieser??

Nach einer Begegnung mit der Waage, die der jungen Ärztin 500 Gramm weniger bescheinigte, konnte sie gar nicht mehr aufhören zu lächeln, bis sie die Küche betrat und einen reich gedeckten Tisch vorfand. Allerlei Köstlichkeiten befanden sich dort, sogar Schokocrossaints und Nutella. Verwundert blickte Gretchen sich um und fand einen Zettel neben einem Teller.


Guten Morgen meine Schöne,

deine Eltern sind ausgeflogen und genießen den Tag. Sie werden erst morgen zurück sein. Genieß in Ruhe dein Frühstück. Ich habe mir eine Menge Mühe damit gemacht. Doch für dich tue ich das gerne. Gönn dir eine Pause und entspann dich, ich habe nämlich noch eine Überraschung für dich geplant.
Was es ist, wird noch nicht verraten.

PS: Lass dir die Schokocrossaints schmecken.

M.


Die junge Frau legte die Nachricht beiseite und begann zu strahlen. Konnte ein Tag schöner beginnen? Wahrscheinlich nur, wenn besagter Mann jetzt auch hier wäre, aber er plante eine Überraschung. Was es wohl sei, fragte sich die blonde Ärztin neugierig, während sie genüsslich vom ersten Schokocrossaints abbiss. Doch bald würde sie es erfahren, da war sie sich sicher.


Nachdem Gretchen den Tisch abgeräumt hatte, entschied sie sich dazu mal wieder in ihr Tagebuch zu schreiben. Das war in letzter Zeit angesichts der vielen Arbeit einfach zu kurz gekommen und das wollte sie nun nachholen. Immerhin gab es noch ein paar Gedanken, die sie zu Papier bringen wollte.
Gerade als sie oben angekommen war und ihr Zimmer betreten hatte, klingelte es an der Tür.
„Wer mag das sein?“, fragte sich die junge Frau, auf dem Weg zur Tür.
„Guten Tag.“, erwiderte ein freundlicher junger Mann, „Kurierdienst Tissen und Hafen. Ich habe hier ein wichtiges Paket für Margarete Haase.“
Gretchen: „Das bin ich.“
Kurier: „Wundervoll, dann müssen Sie einmal hier unterschreiben.“
Gretchen unterschrieb und er überreichte ihr das Paket.
Kurier: „Dann wünsche ich Ihnen noch einen wunderschönen Tag heute.“

Hach, man merkt einfach, dass Liebe in der Luft liegt. Alle sind viel netter und man führt nette kleine Gespräche statt grummelig seine Arbeit zu tun. Das hat sogar der Paketbote verstanden.

Neugierig öffnete Gretchen ihr Paket, als ihr plötzlich der Atem stockte. Im Paket befand sich ein wunderschönes nachtblaues mit Spitze besetztes Abendkleid.
Während die junge Frau das Kleid aus dem Paket nahm, glitt ein Zettel zu Boden, den Gretchen aufhob.


Für die wunderschönste Frau der Welt.

Ich möchte, dass du dieses Kleid heute Abend trägst. Immerhin haben wir noch einiges vor. Sei bitte um sechs bei „Portovino“, dem kleinen Italiener an der Breiten Straße. Ich werde dort auf dich warten.

M.






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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=447yaU_4DF8; „The Moment – Kenny G“ © by KennyGVEVO, YouTubeDE; aufgerufen am 13.02.2014 um 20:15



Jubelnd machte sich die Ärztin zurecht und traf pünktlich um 18:00 Uhr vor der Tür des Italieners ein, wo bereits jemand auf sie wartete. Nach einem romantischen Dinner mit einem wunderbaren Tiramisu zum Abschluss bedankte sich die junge Frau für den schönen Abend.
Gretchen: „Marc, das Essen war einfach fantastisch. Es ist hier so gemütlich. Wie bist du darauf gekommen?“
Marc: „Das war eigentlich ein riesiger Zufall, aber das erzähl ich dir ein anderes Mal, denn nun haben wir noch was vor.“
Gretchen überrascht: „Noch etwas? Aber Marc, das Frühstück, das Kleid, das schöne Essen. Das ist doch genug. Wie willst du das außerdem noch übertreffen?“
Marc hielt zwei Karten hoch: „Tja, wenn man dich kennt, ist das nicht so schwer.“
Gretchens Augen weiteten sich und sie fing an, zu strahlen: „Der König der Löwen? Wir gehen ins Musical?“
Marc: „Jap. Das tun wir. Und nun sollten wir uns beeilen, weil wir sonst zu spät kommen.“
Gretchen: „Ok.“

Nachdem das Musical vorbei war, ließen die beiden Verliebten den Abend noch bei einem Spaziergang an der Spree ausklingen. Gretchen war immer noch voller Glückshormone und konnte kaum einen vollen Satz zustande bringen.
Gretchen: „Marc, das ist.. ich meine… ich war… und all das…“
Marc lächelte wissend: „Lass gut sein, Gretchen. Ich weiß, was du sagen willst, und du musst es nicht. Lass es uns einfach genießen.“
Gretchen: „Selbst wenn du es weißt, schadet es nicht, das auszusprechen. Ich bin dir unglaublich dankbar. Das war wohl mit Abstand der schönste Valentinstag meines Lebens. Die ganze Mühe, die du dir gemacht hast. Ich bin immer noch hin und weg.“
Marc hielt in seiner Bewegung inne und schaute seine Freundin im Schein des Vollmondes verliebt an: „Das ist wirklich nicht nötig. Ich habe es gerne getan. Das gehört eben zu den Dingen, die man für den Menschen tut, den man liebt. Und das tue ich. Ich liebe dich. Du bist der wichtigste Mensch in meinem Leben und ich bin froh, dass wir es nach langer Zeit endlich geschafft haben, miteinander glücklich zu werden.“
Gretchen gerührt: „Ich liebe dich auch.“
Dieses Geständnis wurde mit einem Kuss im Schein des Mondlichts besiegelt.






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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=z7nBiQMN0jg; „Final Masquerade – Linkin Park“ © by rockmusicuk93, YouTubeDE; aufgerufen am 13.02.2014 um 20:22



Meint die das etwa ernst? Das hat die doch aus einem Rosamunde Pilcher-Streifen oder aus irgendeiner Soap. Die spinnt jawohl. Da wird einem ja schon vom Zuhören schlecht.
Auf der anderen Seite würde das natürlich optimal in Hasenzahns Weltbild passen. Genauso stellt sie sich den perfekten Valentinstag vor. Pah, vom ganzen Kitsch wird einem ja förmlich schummerig. Das ist ja nicht zu ertragen. Mit mir nicht. Definitiv. Forever never.
Da kann ich mir echt was Schöneres vorstellen. Zum Beispiel ein Fußballspiel live zu erleben. Ich meine, sollte das Unterhaltungsprogramm nicht beiden Spaß machen?
Ok, das dürfte bei Fußball im Stadion nicht der Fall sein. Spätestens bei mir, wenn ich ihr die Regeln erklären muss und deswegen vom Spiel nichts mitkriege. Hmm, wie wäre es denn, wenn man sich Fußball im Fernsehen ansieht und nebenbei könnte Hasenzahn ihr Tagebuch vollkritzeln? Immerhin könnte so jeder seinen Interessen nachgehen und man wäre trotzdem zusammen. Sollte das nicht das wichtigste sein. Warum muss das immer so scheiße schnulzig sein? Damit Männer das nur einen Tag im Jahr ertragen müssen? Als ob das funktioniert.



Marc lag mit einer Flasche Bier bewaffnet auf dem Sofa und sinnierte über Gretchen und ihre Einstellung und Vorstellung vom Valentinstag. Er hatte ihre Worte noch im Ohr, als sie mit Sabine über den Valentinstag sprach.

Gretchen: „Ach Sabine, der Tag muss schon großartig beginnen. Am besten mit einem gemeinsamen Frühstück. Und dann muss man irgendwas unternehmen und ein Essen gehört natürlich auch dazu. Selbstverständlich darf da die Romantik nicht zu kurz kommen. Und man sollte definitiv auch über seine Gefühle sprechen. Das macht den Tag perfekt. Und wenn man dann noch überrascht wird… Wovon kann ein Mädchen mehr träumen….“


Das stimmte wohl. Ein Mädchen. Das waren doch wieder Hasenzahns Klein-Mädchen-Träume. Ist die Frau eigentlich jemals erwachsen geworden? Hört sich zumindest nicht so an. Sie lebt immer noch in ihrer kleinen perfekten rosa Seifenblase. Ja, perfekt. In einer perfekten Welt. Ohne Schmerz, ohne Angst, ohne Verlust.
Und wer weiß, in einer perfekten Welt mit einem perfekten Mann wäre dieser Traum vielleicht auch wahr geworden. Doch was ist schon perfekt? Gibt es Perfektion überhaupt? In meinem Leben jedenfalls nicht.
Valentinstag als Tag der Liebenden – pah, das ist doch lächerlich. Eine Erfindung der Amis, damit sie ihr Gestrüpp und ihre Schokolade besser verkaufen können. Warum sollte man sich an einem Tag im Jahr Liebe schwören, während man sich die restlichen 364 Tage des Jahres nicht ausstehen kann? Warum sollte ein Datum etwas ändern? Entweder ist die Liebe da oder nicht. Das geht doch nicht auf Knopfdruck. Daran ändert auch ein Valentinstag nichts. Oder ist dies nur meine eigene Vorstellung?





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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=tAGnKpE4NCI; „Nothing Else matters – Metallica“ © by MetallicaTV, YouTubeDE; aufgerufen am 13.02.2014 um 20:31



Ich meine, bei anderen scheint es ja zu funktionieren.
Wenn ich da an Medhi und Anna denke…naja, es hat nicht ewig gehalten, aber das hat nichts mit dem Valentinstag oder mit Medhi’s Plänen ……oder mit seinen Gefühlen zu tun gehabt. Es gab sogar ein Jahr, in dem die beiden sich kurz vorher gestritten haben und trotzdem haben sie einen schönen Valentinstag gehabt. Ich kann mich noch erinnern, wie er mir von seinem geplanten Paristrip erzählt hat. Mir wird jetzt noch schlecht, wenn ich an die ganze Romantik denke, die er da geplant hatte. Er war ja sogar mit ihr im französischen Balett und hat ihr dann auf dem Eifelturm seine Liebe gestanden. Gut, er ist nunmal Gynäkologe, da gehört sowas eben zum Job dazu.

Doch auch bei Maria und dem Knechtelsdorfer scheint es zu klappen. Die Hassmann ist doch sonst auch ein überwiegend normal denkender Mensch. Abgesehen von der Tatsache, dass sie eine Frau ist. Waren die nicht auf irgendeiner Studentenparty und haben richtig gefeiert? Hat die Hassmann nicht sogar noch erzählt, dass das die beste Nacht ihres Lebens war, und hat der Knechtelsdorfer nicht geschwärmt, dass sie die ganze Nacht gevögelt haben??? Der hat gegrinst, als hätte er den Mount Everest bestiegen. Naja, vom Alter her passt es ja…. Der Punkt ist auf jeden Fall, dass die beiden glücklich waren, zumindest sah es so aus.

Und auch unser Freak-Paar hat es hingekriegt. Die beiden haben es mittlerweile echt geschafft. Wer hätte das gedacht??? Unsere Kitschroman-besessene, Mond-anbetende Krankenschwester hat sich einen verrückten Pathologen gefunden. Sogar die beiden haben für Valentinstag was geplant. Hat der Gummersbach nicht Karten für irgendeine Astro-Veranstaltung, bei der wahrscheinlich der Mond angebetet wird? Ganz genau habe ich das nicht mehr auf dem Schirm, hab ja auch nicht zugehört, aber das ist eben der Punkt.

Medhi und Anna, die Hassmann und der Knechtelsdorfer und auch Gummersbach und Sabine… alle haben irgendwie einen Kompromiss gefunden. Keiner hat seine Wunschvorstellung mit allen Mitteln durchgeboxt. Alle sind einen Kompromiss eingegangen und sei es nur, um dem anderen eine Freude zu machen. Geht es an einem solchen Tag nicht einfach darum, zusammen zu sein, glücklich zu sein? Vielleicht ist dieser Tag einfach dazu da, sich darauf zu besinnen, was wirklich wichtig ist…

Aber warum mache ich mir darüber überhaupt Gedanken? Warum sollte mich das interessieren? Ich meine, die letzten 20 Jahre hat mich das auch nicht interessiert. Das ist doch nicht der erste Valentinstag, seit ich Hasenzahn kenne…
Aber wahrscheinlich ist das der erste seit Jahren, an dem ich nicht arbeiten muss. Und wenn man Zeit hat, dann denkt man nach. Außerdem sind Gretchen und ich… naja, wir sind uns echt schon näher gekommen, sogar einige Male. Doch irgendwie geht immer irgendwas schief. Immer kriegen wir uns in die Haare. Warum kann es nicht einfach mal glatt laufen? Das ist echt zum verrückt werden. Diese Frau macht mich einfach wahnsinnig. Alles muss nach ihrem Plan laufen. Von allem hat sie ganz genaue Vorstellungen. Nimmt man nur mal unsere Begegnung am Flughafen, nachdem sie den Flug nach Afrika hat sausen lassen.

Gretchen: „Und warum bist du hier?“
Marc: „Du schuldest mir einmal Aufwachen.“
Gretchen lächelt.
Marc: „Du bist…“
Marc will sie küssen, doch sie entzieht sich ihm.
Marc verwirrt: „W..Was ist denn jetzt schon wieder?“
Gretchen: „Ich weiß nicht. Ich find… ich hab mir das alles hier nur so anders vorgestellt.“

Und sie hat ihre Wunschvorstellung gekriegt. Ich habe mitgespielt. Sie hat ihr perfektes Happyend erhalten.
Aber das war ja nicht das einzige Mal. Nachdem sie quasi in meine Wohnung eingebrochen ist und sich in meiner Dusche versteckt hat, hätte ich Sex mit ihr gehabt, aber das passte ihr auch nicht, weil sie sich das anders vorgestellt hat. Genauso wenig wie mein Angebot als wir Schokofondue gegessen haben. Da wollte sie lieber Kinderfotos schauen. Naja, ich gebe zu, dass das nicht gerade das beste Beispiel ist, immerhin hatte ich unlautere Absichten, aber in dem Moment wusste sie nichts davon. Es entsprach nunmal einfach nicht ihren Vorstellungen.

Um ihren Wünschen gerecht zu werden, habe ich sie sogar auf meinen Armen rausgetragen, als sie von diesen abgedrehten Medizinstudenten entführt wurde, obwohl ich verletzt und sie weder schwach noch ohnmächtig war. An der Verletzung war sie ja auch nicht ganz unschuldig. Immerhin hat die Polizei mich angeschossen, während sie mich als Lockvogel für ihren Quasi-Ehemann benutzt hat.






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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=2W3u5yXt9Zc; „Leave out all the rest – Linkin Park“ © by Annabellp98, YouTubeDE; aufgerufen am 13.02.2014 um 20:38



Sollen wir ihr Tagebuch jetzt quasi als Drehbuch nutzen für das perfekte Leben, das sie sich über die Jahre mit mir ausgemalt hat. Ich bin doch kein Zirkusaffe. Und ich will bestimmt keiner werden. Ich kann nicht in ihrer romantisch verklärten Welt auf einer rosa Plüschwolke leben, wo alles immer schön ist. Das bin ich einfach nicht. Wieso kann sie das nicht akzeptieren? Wieso kann sie nicht sehen, dass ich ein normaler Mensch bin? Mit Fehlern. Mit Macken. Mit Narben.

Instinktiv fuhr Marc sich über seine Narbe auf der Nase.

Mit einer beschissenen Kindheit. Ich bin kein Held. Kein Ritter mit schillernder Rüstung. Kein Prinz, der bis ans Ende aller Tage mit ihr glücklich sein wird. Ihrem Idealbild kann ich nicht gerecht werden. Wieso kann sie das nicht sehen? Warum kann sie nicht einfach versuchen, mit mir einen Weg zu finden, statt mit dem Idealbild, das sie aus mir gemacht hat und mit dem ich nie mithalten kann. Das wusste ich schon, als Gabi mich dazu erpresste, ihr einen Antrag zu machen. Es wäre niemals so, wie sie sich das wünschen würde.

Warum kann sie mich nicht so nehmen, wie ich bin? Wieso kann sie nicht darauf vertrauen, dass es auch so funktionieren würde? Tja, die Frage muss ich mir wohl selbst beantworten. Weil ich ihr nie einen Grund gegeben habe, mir zu vertrauen. Und ich habe ihr nie Hoffnung darauf gemacht, dass es auch so klappen könnte.

Seit 20 Jahren hat sie diese Gefühle für mich und ich habe sie ihre ganze Jugend immer wieder fertig gemacht. Vielleicht ist genau das der Grund, warum sie so ideale Vorstellungen von mir, von uns hat. Vielleicht wollte sie damit kompensieren, was ich ihr all die Jahre zugemutet habe.

Doch nun ist sie erwachsen. Eigentlich wäre dies die Zeit ihr Idealbild über Bord zu werfen und mich zu nehmen, wie ich bin. Denn ich habe ihr durchaus schon gezeigt, dass da was ist bei mir.

Ich habe eine Nacht mit ihr verbracht und wollte mit ihr aufwachen. Ich habe ihr nach der Hochzeit mit diesem Millionär eine SMS geschrieben, um ihr zu zeigen, dass da was ist. Ich wollte sie von der Reise nach Afrika abhalten. Ist denn das nicht genug, um zu zeigen, dass ich sie will?



Doch wahrscheinlich war es das nicht. Denn so gerne Marc sich auch einreden wollte, dass er für Gretchen kämpfte, wusste er tief in seinem Inneren, dass er für jeden Schritt, den er auf sie zugegangen ist, mindestens fünf Schritte zurückgegangen ist. Beide wollten nach eigenen Spielregeln kämpfen. Niemand wollte mehr nachgeben. Doch würden Sie so glücklich werden? War gemeinsames Glück so überhaupt möglich?


Marc holte sich eine neue Flasche Bier und legte sich wieder auf die Couch.





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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=GLQs0OrHiPY; „Breaking the habit – Linkin Park“ © by d4rk3rst4r, YouTubeDE; aufgerufen am 13.02.2014 um 21:01



Wahrscheinlich wird es Zeit, dass wir beide erwachsen werden. Vielleicht gibt Gretchen dann ihre Idealvorstellung auf und vielleicht habe ich dann nicht mehr das Gefühl, zu versagen. Vielleicht kann ich endlich mal einen Schritt auf sie zugehen, ohne zurückzugehen, und vielleicht schöpft sie dann genug Hoffnung, um weiter für uns zu kämpfen.

Doch dafür wird kein Tag ausreichen. Kein Tag kann all dies bewirken. Nichtmal der Tag heute. Was wir brauchen, ist Zeit. Und Mut. Mut, der mir mal wieder gefehlt hat.
Denn auch wenn am Valentinstag nicht alle Probleme geklärt werden könnten, wäre es ein guter Tag gewesen, damit anzufangen, um es Hasenzahn vielleicht ein wenig leichter zu machen. Immerhin glaubt sie an die besondere Magie dieses Tages. Stattdessen habe ich sie mal wieder vor den Kopf gestoßen.



Marc belauschte Gretchen und Sabine, während sie sich über den Valentinstag unterhielten.

Gretchen: „Ach Sabine, der Tag muss schon großartig beginnen. Am besten mit einem gemeinsamen Frühstück. Und dann muss man irgendwas unternehmen und ein Essen gehört natürlich auch dazu. Selbstverständlich darf da die Romantik nicht zu kurz kommen. Und man sollte definitiv auch über seine Gefühle sprechen. Das macht den Tag perfekt. Und wenn man dann noch überrascht wird… Wovon kann ein Mädchen mehr träumen….“
Sabine verträumt: „Ach Frau Doktor, das hört sich ja wundervoll an.“
Gretchen: „Ja, das ist es auch.“
Sabine: „Und haben sie sowas auch geplant?“
Bevor Gretchen dazu was sagen konnte, platzte Marc ins Schwesternzimmer.
Marc: „Na, träumen wir uns wieder auf unsere rosa Plüschwolke mit einem Haufen Schokolade?“
Gretchen: „Entschuldigung, ich…“
Marc: „Angenommen.“
Gretchen: „Hä? Was hast du angenommen?“
Marc: „Na, deine Entschuldigung.“
Gretchen verwirrt: „Was für eine Entschuldigung? Marc, wovon redest du?“
Marc: „Du hast dich doch gerade für deine Träumereien entschuldigt. Es grenzt ja auch an Körperverletzung, dem zuhören zu müssen.“
Gretchen wütend: „Wie bitte? Das einzige, was hier an Körperverletzung grenzt, sind deine Gemeinheiten. Das ist echt unfassbar. Es gibt keinen Grund, warum ich mich entschuldigen müsste. Das ist ganz klar dein Metier.“
Marc: „Jaja, Hasenzahn, du mich auch.“
Ohne ein weiteres Wort griff Marc sich die Zeitung und holte sich einen Kaffee.
Gretchen: „Naja, vergessen wir die unqualifizierten Kommentare anwesender Oberärzte. Sabine, was haben Sie denn geplant?“
Sabine verträumt: „Günni will mir nicht sagen, was er geplant hat. Es soll eine Überraschung werden. Er ist ja so aufmerksam.“
Gretchen: „Sabine, das freut mich für Sie.“
Sabine: „Und was haben Sie geplant?“
Gretchen stottert: „Nun ja, Sabine,… ich habe ebenfalls was vor.“
Marc zieht schockiert die Zeitung weiter vor sein Gesicht und hält in seiner Bewegung inne, bis er seine Fassung wiederfindet.
Marc eifersüchtig: „Du hast ein Date?“
Gretchen: „Hast du ein Problem damit?“
Marc: „Das jetzt nicht gerade, aber mal ehrlich, wer sollte denn mit dir an Valentinstag ausgehen wollen???“
Gretchen wütend: „Das glaube ich einfach nicht. Ich..“
Marc unterbricht Gretchen: „Ja, ich glaube es auch nicht. Wahrscheinlich hast du gar kein Date, sondern ziehst dir irgendeine DVD mit einem Haufen Schokolade rein. Am besten irgendeine zum Heulen. Sowas wie Titanic oder noch besser wäre Bridget Jones. Mit der hast du ja am meisten Ähnlichkeit.“
Gretchen mit Tränen in den Augen: „Das ist doch echt unglaublich. Dir habe ich echt nichts mehr zu sagen.“
Verletzt und wütend zugleich stürmt Gretchen aus dem Schwesternzimmer.
Sabine: „Herr Doktor, das hätte wirklich nicht sein müssen.“
Marc: „Sabine, keine unqualifizierten Kommentare. Überschreiten Sie nicht ihre Kompetenzen.“
Sabine senkt den Kopf: „Jawohl Herr Doktor.“






©

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=1lyu1KKwC74; „Bitter sweet symphony – The Verve“ © by emimusic, YouTubeDE; aufgerufen am 13.02.2014 um 21:11



Bei dieser Erinnerung schloss Marc die Augen.

Ich habe es echt übertrieben. Das hätte ich einfach nicht sagen sollen. Aber ich war so schockiert. Ich hätte nicht gedacht, dass Hasenzahn ein Date hat. Das war einfach zu viel. Und da sind mir die Sicherungen durchgebrannt. Wieso verbrachte sie den Valentinstag immer mit irgendwelchen Idioten, nur nie mit mir?

Dabei hätte es wirklich schön werden können. Ich hätte sogar einen Plan gehabt. Wir hätten einen schönen Tag verbringen können, auch wenn es dieser eine kitschige Tag im Jahr ist. In dem Fall hätte ich sogar darüber hinwegsehen können.
Ich hätte sie zu mir eingeladen und was vom Italiener geholt. Wir hätten gemeinsam gegessen und uns unterhalten. Aber das alles ganz intim, nur wir beide. Ohne großen Aufriss. Nur ein Candlelight-Dinner. Und dann hätten wir uns vielleicht noch eine DVD angucken können. Da hätte ich mich sogar zu einer Schnulze hinreißen lassen. Hätte ja niemand mitbekommen.

Das wäre ein perfekter Tag gewesen. Ein perfekter Valentinstag. Heute hätte es endlich so perfekt sein können.



Ja, heute war der 14. Februar. Valentinstag. Der Tag der Liebenden. Und er war allein. Das war alles andere als perfekt. Doch was in seinen Leben war je perfekt gelaufen???

GretchenHaaseFan Offline

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16.02.2015 21:33
#23  Habe den perfekten Plan Zitat · antworten

Habe den perfekten Plan



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S02,E13



WRITTEN BY

GretchenHaaseFan, Andrea


AND

Missing_DD, Elena


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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=sttWmXkYkd8; "Phil Collins - You Can't Hurry Love [Official Music Video]" © by MrPhil46, YouTubeDE; aufgerufen am 08.02.2015 um 11:13




Das geschah letztes Mal:


Mein Vater hatte sich bei mir entschuldigt und ich zog wieder zu Hause ein. Zur Feier des Tages schlug ich einen Familienabend vor, denn ich war wieder einmal im Titanic-Fieber. Und meine Eltern kamen sich scheinbar wirklich wieder näher...

»Franz: „(...)So verhält sich keine Haase!“
Gretchen: „Ach, und wie verhält sich eine Haase dann? (...) Mama hat dir alle deine Affären verziehen, das solltest du vielleicht auch mal, Papa.“
(...)
Franz jammernd: „Ich hasse Titanic!“
Bärbel verhalten: „Ach Franz, da müssen wir jetzt durch!“
(...)
Bärbel und Franz sitzen gemeinsam auf der Couch. Er schenkt wieder Wein ein, beide blicken sich wegen Gretchens Bewerbung einen Moment lang genervt an, um dann schließlich miteinander anzustoßen.«


Und so verbrachte ich den Abend zusammen mit meinen Eltern – und Mehdi. Das gefiel Marc allerdings so gar nicht...

»Gretchen und Mehdi machten sich schließlich wieder auf den Weg nach unten. Doch am Ansatz der Treppe musste sie schockiert feststellen, dass Marc geklingelt hatte, während sich Mehdi sein Hemd zuknöpfte.

Marc entsetzt: „Ah... ich wollte... ich wollte... nicht stören!“
(...)
Mehdi: „(...)Ich möchte jetzt aber auch nicht weiter stören, ich gehe dann besser wohl.“


Gretchen, Mehdi und Marc war die Situation deutlich peinlich.
Bärbel: „Ach, jetzt bleiben Sie doch noch! Die Titanic ist doch noch gar nicht gesunken...“

Nach einem kurzen Moment des Schocks meinte Marc schließlich zu Gretchen: „Oh doch, das ist sie! Für dich nun ganz!“«


Ich konnte ja auch wirklich nicht ahnen, dass Marc dasselbe Abendprogramm geplant hatte und mich überraschen wollte...

»Marc grätschte dazwischen: „Sabine. Ich brauche Ihren Rat als Frau!“
(...)
Marc: „(...) Ich dachte da so an einen romantischen Film. Was würden Sie auswählen? Eher ‚Spiderman‘ oder Hitchcocks ‚Die Vögel‘?“
(...)
„Wie wäre es denn mit ‚Titanic‘, Herr Doktor?“ fragte sie mit weit aufgerissenen Augen und voller Freude.

„Titanic? Ernsthaft? Stirbt der am Ende nicht?“ fragte Marc verunsichert.«


Doch nicht nur für ihn nahm der Abend ein ganz anderes Ende, als geplant...

»Marc sitzt auf einer Parkbank, raucht eine Zigarette, betrachtet die ‚Titanic-DVD‘ und wirft sie schließlich in den Mülleimer neben sich.«


»Langsam schleppte sie sich in Richtung Wohnzimmer, bis sie auf dem Sekretär einen Brief, der an sie adressiert war, liegen sah. Sie schnappte sich den Brief, auf dessen Umschlag das Logo der Charité abgedruckt war, riss ihn auf und holte das Schreiben heraus.
(...)
Auf einmal kreischte sie voller Freude laut, hüpfte umher und meinte: „Die Charité will mich!“





Ich wusste schon früh, dass eine große Karriere auf mich warten würde. Zwar glaubte ich nicht wirklich dran, aber ich war mir ganz sicher: Ich, Gretchen Haase, würde einmal ganz groß rauskommen. Gut, vielleicht würde ich nie die großen Mediziner der Geschichte in den Schatten stellen können, aber dennoch war ich felsenfest davon überzeugt, dass Marc Meier einmal zu mir aufblicken würde – und nicht, wie damals in der Schule, mich immer nur links liegen lässt.

14 Jahre, nach dem ich mein Abitur erfolgreich bestanden hatte, mich durch das Medizinstudium gequält habe und noch nicht einmal schlecht abschloss und gefühlte 50 Milliarden Tonnen Schokolade später sollte es sich also bewahrheiten: die Bewerbung an der Berliner Charité lief mehr als nur erfolgreich, denn sie wollten mich! Mich, Dr. Gretchen Haase!

Es gab da nur ein Problem... Sie wollten mich als Chirurgin. Schließlich war ja meine Zeit als Notfallmedizinerin noch lange nicht zu Ende...






Morgens um 9 Uhr am Frühstückstisch bei den Haases:


Gretchen, Bärbel und Franz saßen am Frühstückstisch zusammen und aßen miteinander an diesem kalten Herbstmorgen.

Franz begeistert: „Sie nehmen dich als Chirurgin?“
Freudig schrie sie „Jaaa!“ auf, während sie genussvoll in ihr Schokobrötchen biss.
„Aber Gretchen, kannst du das denn überhaupt?“, hakte Bärbel kritisch nach.

Gretchen legte ihr Schokobrötchen beiseite, um mit ihren Händen besser ihre Visionen aufzeigen zu können und meinte mit funkelnden Augen: „Mama, ich habe ein neues Ziel: Ich werde meinen Facharzt in der Unfallchirurgie machen. Ich habe es satt immer nur Assistenzärztin zu sein!“

„Du willst wieder in die Chirurgie?“, fragte Franz verblüfft.
Gretchen stiegen schon die Freudentränen in die Augen, als sie schließlich bekannte: „Ja, und die 5 Kilo werde ich auch noch los!“


Bärbel und Franz hingegen sahen sich eher skeptisch an, da sie annahmen, es würde sich dabei nur wieder um eine Neuorientierungsphase ihrer Tochter handeln.

Franz skeptisch: „Und die Charité will dich jetzt als was...“
Gretchen kam von ihrer Wolke Sieben wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und sah ihren Eltern an, dass sie nicht wirklich viel davon zu halten schienen, woraufhin sie ihm zynisch entgegnete: „Als Raumpflegerin, Papa!“


Bärbel entsetzt: „Aber Margarete, du willst doch jetzt nicht auch noch Architektin werden? Du kannst doch nicht noch einmal studieren. Dann sitzt du ja noch mit 60 hier bei uns herum!“
Gretchen genervt: „Mama! Eine Raumpflegerin ist eine Putze, also so etwas wie du, nur mit dem Unterschied, dass sie damit eben Geld verdient!“
Bärbel beleidigt: „Also hör‘ mal, ich bin doch hier nicht nur eure Putze!“
Gretchen reuig: „Jahaaa, das war doch nur ein Scherz, Mama! Ich bin ja so froh, dass ihr euch wieder näher gekommen seid. Wenigstens euch hat ‚Titanic‘ etwas gebracht! Ich glaube, ich sollte den Film besser nie wieder sehen...“

Franz hocherfreut wie ein 5 jähriger Junge, dem das größte Geschenk gemacht wurde: „Darf ich ihn in den Ofen werfen, Kälbchen?“
Gretchen entrüstet: „Ähm, nein! Sicher NICHT!“

Franz nahm seine Tasse in die Hand, während er von Gretchen kritisch beäugt wurde und von Bärbel angelächelt wurde, trank einen Schluck, um sie dann wieder abzustellen und monoton zu erklären: „Das war doch nur ein Scherz, Kälbchen!“


Eine Weile lang saßen sie alle still am Tisch. Gretchen genoss, dass es scheinbar wieder so harmonisch zwischen allen war, wie früher. Doch dann, als sie ihrem Vater beim Essen des Marmeladenbrötchens zuschaute, überkam sie urplötzlich ein schlechtes Gewissen.

In leisem Tonfall und so, als würde ein kleines Mädchen ihren Vater um einen großen Gefallen bitten, fing sie an, sich bei ihm zu erkundigen: „Und es macht dir wirklich nichts aus, dass ich eventuell doch an die Charité möchte?“

Franz legte betroffen sein Marmeladenbrötchen beiseite, wandte sich seiner Tochter zu, die flehenden Blickes eine Antwort erwartete: „Kälbchen, du weißt genau, was ich von der Charité halte...“

Gretchen setzte seine schon oft gehörte Meinung zu diesem Thema fort: „Ja, ich weiß: Nicht familiär, alle denken nur an sich, und alle sind...“

Doch da unterbrach Franz sie und meinte versöhnlich: „Vor allem aber ist die Charité eine der besten Ausbildungskliniken ganz Europas. Viele, die es in der Medizin zu etwas brachten, waren dort. Ich bin doch froh, wenn sich mein Kälbchen für ihre Berufung entscheidet. Vielleicht feiern wir ja in ein paar Jahren deinen Nobelpreis.“


Gretchen erkannte, dass ihr Vater in diesem Punkt doch voll hinter ihr steht. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht ergriff sie seine Hand und bedankte sich herzlich bei ihm: „Ach Papa, du bist der Beste! Der beste Klinikleiter und der beste Vater der Welt.“

Dann griff sie mit der anderen Hand auch nach dem Handrücken ihrer Mutter und wandte sich ihr zu, um dann auch noch ihr freudestrahlend zu danken: „Und du bist einfach die beste Mutter dieser Welt! Was würde ich nur ohne euch tun?“

Bärbel sarkastisch: „Ja, das frage ich mich auch! Du würdest ja noch nicht einmal die Verpackung der Fertiggerichte aufbekommen, geschweige denn deine Feinwäsche waschen können, ohne, dass sie gleich einläuft und dann nur noch so ganz dünnen Models wie der Heidi Klum passt...“

Gretchen riss sich von den Händen beider los, stützte beschämt den Kopf auf dem Tisch ab, blickte Richtung Boden und meinte nur peinlich berührt: „Mama!“





Später vor dem Krankenhaus:


Gretchen hatte an diesem Morgen das Fahrrad genommen, um ins Krankenhaus zu fahren. Der erste Frost lag bereits auf den Grünflächen und zierte die Bäume, von denen immer mehr Blätter fielen.
Den rosa Schal hatte sie fest um den Hals gewickelt und die Mütze tief ins Gesicht gezogen, als sie am Fahrradständer ankam, vom Fahrrad stieg und es ebendort ankettete.

Unmittelbar nach ihr kam Gabi an, die ebenfalls das Fahrrad nahm. Freudig stieg sie herab, lächelte Gretchen an, die etwas verdutzt zurücklächelte.

Gabi: „Ach, Frau Dr. Haase!“
Gretchen: „Schwester Gabi?“
Gabi: „Ich habe mich ja auch dazu entschlossen, mehr Sport zu treiben. Und ich habe schon, seitdem ich Rad fahre, also seit gestern, ein Kilo verloren! Wahnsinn, oder? Wie viele sind es denn bei Ihnen?“



...Das glaube ich jetzt ja nicht! Die fährt einmal und hat ein Kilo weg?! Wo wohnt die denn? In München?...



Gretchen stotternd: „Ja, ich... also... vier...“
Gabi: „Wahnsinn, und wie lange fahren Sie schon?“



...Gefühlte zwanzig Milliarden Jahre, habe aber kaum 800 Gramm weg...



Gretchen stotternd: „Ähm also... vier... joa, so um die vier Tage!“




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=tKiLGysBO7U; "Over My Shoulder (1995) - Mike + the Mechanics - Voc. Paul Carrack" © by etnopollino, YouTubeDE; aufgerufen am 15.02.2015 um 11:00




Gabi euphorisch: „Mensch, ist das super! Und wenn Sie weiter machen und noch mehr abspecken, dann sieht man es sicher auch bald!“

Gretchen nickte betroffen, gaukelte jedoch ein Lächeln vor, da Gabi selbst so strahlte, als wäre heute Weihnachten, Ostern und ihr Geburtstag an einem Tag.





Ja, die guten Vorsätze, die wir uns machen. Sie sind oft schnell zunichte! Spätestens dann, wenn wir wieder einmal vor Augen geführt bekommen, wie leicht es doch andere im Gegensatz zu uns haben. Ich ließ mich aber nicht davon abbringen: ich wäre bald erfolgreich und Heidi Klum würde nur noch als meine dickere Stiefschwester durchgehen...

So manchen traut man aber nicht über den Weg, auch dann nicht, wenn sie sich noch so Gutes vorgenommen haben.

Andere hingegen scheinen auch mit sich und ihren Vorsätzen, die ihr Leben verändern sollten, im Konflikt zu stehen...






Gretchen fing sich so langsam wieder, denn sie sah da etwas in einem Busch liegen, als sie über Gabis Schultern hinwegblickte, die noch weiter grinste. Keine Sekunde später stockte ihr schließlich der Atem.

„Da liegt jemand im Busch!“, stellte sie fassungslos fest.
Gabi schüttelte gut gelaunt den Zeigefinger vor ihrem Gesicht hin und her und meinte nur heiter: „Aber, aber... Frau Doktor! Auf den Trick falle ich nicht rein. Sie wollen doch nur, dass ich mich umdrehe, um mir dann einen Zettel wie ‚Schnepfe‘ oder so auf den Rücken kleben zu können...“

„Nein! Jetzt schauen Sie doch mal, da guckt ein Fuß raus!“, meinte sie lauter werden, während sie Gabi packte und so eigenhändig umdrehte.
Diese ließ schlagartig ihre Handtasche fallen und schrie nur: „Ihhhh... Und die Hose ist ja voll dreckig!“


Gretchen rollte mit ihren Augen und meinte nur genervt „Ohhh!“, als sie sich schließlich eilig auf den Weg zu der Person im Gebüsch machte.





Währenddessen im Schwesternzimmer:


Sichtlich schlecht gelaunt betrat Marc das Schwesternzimmer. Dort stand Sabine gerade an der Anrichte und schenkte sich eine Tasse Kaffee ein, die er im Vorbeigehen ihr vor der Nase wegschnappte. Einen Schluck trank er, dann stellte er die Tasse wütend auf den Tisch und meinte in abfälligem Ton: „Sabine, dieser Kaffee schmeckt wie Dreck!“

Sabine entsetzt: „Oh Gott, ich habe doch hoffentlich nicht die Blumenerde aus dem Baumarkt mit dem Kaffepulver verwechselt!“


Marc schaute sie kurz perplex an, dann rannte er hastig zur Anrichte, schob sie beiseite und spülte seinen Mund mit Wasser aus dem Wasserhahn aus.


„Warum zum Teufel haben Sie hier Blumenerde im Krankenhaus?“, schrie er sie an, nachdem er das Gefühl hatte, dass sein Mund wieder sauber war.

Sabine eingeschüchtert: „Naja, man soll doch im Herbst die Zwiebeln setzen, damit im Frühli...“
Marc unterbrach sie erbost: „Das war NICHT die Antwort auf meine Frage, Sabine!“
Sabine druckste aber nur herum: „Also ich... ich... es ist...“

Marc fordernden Blickes: „Jaaaa...?“
Sabine: „Ich wusste nicht, wo ich sie sonst hätte lagern sollen. Ich war doch heute Morgen schon im Baumarkt, Herr Doktor, und da hatte ich dann keine Zeit mehr sie nachhause zu bringen und dann...“

Marc genervt: „Jaja, schon gut Sabine! Schaffen Sie den Scheiß einfach woanders hin und quatschen Sie mich hier nicht voll! Und jetzt Abflug!“

Marc winkte sie hinaus, doch auch Sabine bemerkte, dass er mies gelaunt war.

Sabine hakte vorsichtig nach: „Es lief nicht so gut mit der Titanic und der Frau Doktor?“
Marc blickte sie finsteren Blickes an und meinte nur monoton, aber doch bestimmt: „Die Titanic ist gleich nach ein paar Sekunden gesunken, Sabine! Zu viel Blumenerde an Bord, viel zu schwer! Blubb, blubb, blubb... und niemand hat sie je wieder gesehen...“


Sabine nickte, ging dabei langsam aber sicher immer weiter zurück, bis sie schlussendlich an die Wand andockte, dann drehte sie sich um und verließ schnurstracks das Schwesternzimmern. Schließlich war mit Marc nicht zu spaßen, besonders dann nicht, wenn der Ameisenblick im Spiel war.





Unterdessen vor dem Krankenhaus:


„Schwester Gabi, könnten Sie mir bitte mal helfen!“, rief Gretchen zu ihr vom Busch aus hinüber, während Gabi ihr Sammelsurium vom Boden aufsammelte und in die Handtasche zurückverfrachtete.
Dann lief sie schließlich auch los.




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Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=NWaNW-aYhVY; "Suspenseful background Music - BRINK - action instrumental Intense Dramatic Film Movie Soundtrack" © by FesliyanStudios, YouTubeDE; aufgerufen am 07.08.2014 um 10:22




Gretchen hingegen fühlte bei der Frau, die im Busch lag, den Puls.
„Die ist ja voller Blut!“, stellte Gabi entsetzt fest, als sie schließlich da war. Daraufhin ließ sie erneut ihre Handtasche vor Schreck fallen, sodass erneut alles, wie ihre Lippenstifte, Haarbürsten und weitere diverse Make-up-Artikel auf dem Teerbelag rumrollten.

„Was ist denn passiert?“, fragte sie kreidebleich, als sie die Frau näher betrachtete und sich zu Gretchen hinunter beugte.
„Sehe ich so aus, als wäre ich allwissend?“, entgegnete ihr Gretchen angespannt.

„Mein Mann...“, hauchte die Frau leise, die scheinbar wieder zu Bewusstsein kam.
„Bitte?“, hakte Gretchen nach, die sie, so gut es dort im Gestrüpp eben ging, untersuchte.
„Es war... mein... Mann“, hauchte die Frau immer leiser werdend und völlig entkräftet.

„Ich glaube sie meinte, es war ihr Mann!“, wiederholte Gabi wie in Trance.
Gretchen blickte zu ihr, rollte abermals mit ihren Augen, um dann zu betonen: „Das habe ich schon verstanden, Gabi!“

Gabi, die der Anblick der blutüberströmten Frau sichtlich mitgenommen hatte, fragte und wiederholte dabei nur fassungslos: „Es war ihr Mann?“

Gretchen hingegen drängte sie, sofort Hilfe zu holen: „Schwester Gabi, holen Sie sofort Hilfe und am besten auch gleich noch eine Heckenschere! Ich weiß nicht, wie schwer sie verletzt ist, aber ich möchte auf keinen Fall innere Blutungen in Kauf nehmen, wenn wir sie da nur rausziehen!“

Eilig hastete Gabi von dannen, zertrat dabei noch ihren Spiegel und verschwand im Krankenhaus.


Gretchen hingegen blieb bei der Frau, während sie immer wieder versuchte, ihre Haare aus den Ästen zu befreien. Dann merkte sie, wie die Frau sie vollkommen entkräftet anblickte und dabei eine Träne vergoss.

Gretchen strich ihr über die Wange, beugte sich zu ihr hinunter und sprach ihr zu: „Keine Sorge, das wird wieder! Wir schaffen das.“





Später im OP:


Marc war gerade dabei, sich die Hände zu waschen und zu desinfizieren, als Gretchen in voller Montur, mit OP-Bekleidung und zielstrebigen Schrittes sich neben ihn stellte und ebenfalls damit anfing, sich die Arme zu waschen und zu desinfizieren.


Marc verblüfft: „Äh, was machst du hier?“
Gretchen zynisch: „Meine Arbeit?!“

„Ne, ne. Ich sollte jetzt mit dem Professor operieren...“, entgegnete er ihr.
„Tja, Marc. Und der Professor ist mein Vater. Wir haben heute getauscht“, warf sie ihm konternd an den Kopf.

„DAS HIER, Hasenzahn, ist aber die Chirurgie und du bist doch jetzt... äh, wie nennt sich das... Notfallmedizinerin?! Oder sagen wir... äh... Stümperin. Gut, aber das warst du ja davor auch schon...“, verkündete er in herablassendem Ton.

Gretchen drehte sich, nachdem sie ihre Hände gewaschen hatte, um und bat die Schwester ihr den Rest der OP-Kleidung noch überzuziehen, während sie Marc ungewohnt gekonnt in seine Schranken wies: „Ach, Marc. Du wirst dich noch gewaltig umschauen, wenn du einmal zu mir aufblicken musst, oder sagen wir DARFST. Du rechnest zwar nicht damit, dass ich mal ganz da oben bin, aber da gehöre ich nun mal hin. Ich weiß, daran hast schwer zu schlucken, Marci Marc...“

„Äh, was hast du eingeworfen, Hasenzahn?“, fragte er perplex.
Gretchen selbstsicher: „Meine Bewerbung, Marc!“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=pc2BXCEeJMg; "Madonna - 01. Like A Prayer" © by ☆Madonna HD Audio☆, YouTubeDE; aufgerufen am 15.02.2015 um 11:34




„Bewerbung? Du, äh... sprichst in Rätseln!“, entgegnete er ihr zögerlich, als auch er sich von der Schwester den grünen Bindemantel überziehen ließ.

Abgeklärt ging sie darauf ein: „Tja, Marc. So ist das Leben. Ein ewiges Rätsel und immer wieder müssen wir neue Lösungsansätze suchen. Spannend, stimmt’s?“

Marc: „Äh, Gretchen, du bist irgendwie komisch...“

„Ich? ICH bin komisch? Ich frage dich wohl besser nicht, was du gestern Abend bei mir zu Hause wolltest...", rechtfertigte sie sich mit ihrem typisch, leicht hysterisch wirkenden Lachen in derartigen Situationen.

Marc hingegen druckste auch nur herum: „Ich... ich...“
„Ach, komm. Spar’s dir, Marc. Es war doch sicher wieder nur eine Gemeinheit, die du loswerden wolltest, nicht wahr?“, fragte sie ihn mit einem Blick, der etwas völlig anderes sagte. Vielmehr sagte er das, was sie in diesem Moment dachte...



...Jetzt sag doch endlich, dass du mich liebst und mit mir zusammen sein willst, du Vollidiot!...



Jedoch bekam sie von ihm lediglich zu hören: „Ich wollte dir nur sagen, dass du so viel mit Mehdi rumficken kannst, wie du willst. Das ist mir scheißegal! Du bist mir nämlich scheißegal, Hasenzahn!“

„Bitte?“ fragte sie entsetzt, nachdem sie sich zweimal räusperte.


Einen Moment lang musste sie tief ein- und ausatmen.



...Werde nicht heulen und nicht ausrasten. Werde Marc zeigen, dass ich stark bin. Lass mich nicht provozieren, sondern provoziere mit meiner Kompetenz! ... Wahnsinn, das würde ich mir selbst sogar abkaufen...



Gretchen: „Wie gehen wir vor?“
Marc stotternd: „Äh... wir?! Ich werde mich sicher auf keinen Dreier mit euch... euch... Trotteln einlassen!“

Gretchen betrat genervt den OP und meinte nur: „Ohhh, Marc! Ich meinte die OP. Kannst du mal ausnahmsweise nicht an Sex denken?“

Marc begriff, während er ihr folgte, dass sie auch dieses Mal nicht anfangen würde zu weinen. Verdutzt begann er die Routine, was ihm jedoch merklich schwer fiel, während beide ihren Platz einnahmen: „Patientin ist narkotisiert, Anästhesist ist heute Dr. Müller. Patientin hat diverse Platzwunden, wahrscheinlich durch den Aufprall auf dem Boden verursacht, die nähen wir, die kleineren kleben wir mit Cyanacrylatkleber. Wobei, das kannst ja du auch alleine machen. Dazu braucht man keine allzu begabten Leute...“

Gretchen zynisch: „Mhmm... witzig!“

Marc fuhr schließlich fort: „Zuerst müssen wir aber die Milzruptur in Angriff nehmen. Uns bleibt keine andere Wahl als eine Splenektomie.“

Gretchen betroffen: „Oh Gott, die Arme. Sie meinte, ihr Mann war es...“
Marc hatte sich derweil wieder gefangen und lief zur Höchstform auf. Daher erwiderte er auch zynisch: „Ist die etwa mit einem Boxer verheiratet, der ihr immer mal wieder eine mitgibt? Muss ja die ganz große Liebe sein...“

Gretchen erbost: „Marc! Ein bisschen mehr Respekt vor anderen Menschen würde dir wirklich mal gut tun! Gerade du, ich meine, du solltest ja am besten wissen, wie es ist, wenn...“

Nun wurde Marc zornig und unterbrach sie wütend: „Wenn was? Was willst du damit sagen, Hasenzahn? Du bist KEINE Psychologin! Also hör‘ auf mit deiner widerlichen Küchenpsychologie! Du kotzt mich an!“

Doch das ließ sich Gretchen nicht gefallen.
„Jahaa, Marc! Dir täte es wirklich mal gut, zu einem richtigen Psychologen zu gehen. Schlimmer als jetzt kann es ja gar nicht mehr werden. Und ich sage dir jetzt eines: entweder du reißt dich hier zusammen und wir entfernen die Milz dieser armen Frau, oder du gehst und schickst mir einen Kollegen rein, der keinen cholerischen Trip fährt!“

Marc hingegen fühlte sich wie ein kleiner Junge, der von seiner Lehrerin zurecht gewiesen wurde. Das passte ihm so ganz und gar nicht.
„DU schmeißt mich hier sicher nicht raus!“, schrie er sie an.
Doch Gretchen wies ihn erneut zurecht, indem sie noch lauter schrie als er: „Dann halt einfach mal deinen Mund, Marc! Oder ist das so schwer, dass es dich vollkommen überfordert?! DANN solltest du vielleicht besser doch nicht operieren!“




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=sVhsO-Nbl5M; "Pavement - Silence Kit" © by Patrick Collins, YouTubeDE; aufgerufen am 15.02.2015 um 12:18




Erschrocken, aber auch erstaunt zugleich, dass sie sich selbst einmal so gegen Marc durchsetzen könnte, begutachtete sie kurz alle um sich herum, die sie alle bewunderten. Das konnte sie in den Augen aller Anwesenden sehen, besonders aber in Sabines. Diese warf ihr ein Lächeln zu, das sie in ihrem Zurechtweisen nur bestätigte. Dann blickte sie Marc an, der keinen Ton mehr herausbrachte.



...Eine Genugtuung für meine geschundene Seele! Erster Schritt auf dem Weg zum Karriereolymp: Charité will mich – yippie! –, zweiter Schritt: Papa damit einverstanden – großartig! –, dritter Schritt: Marc Meier gezeigt, was ich kann – phänomenal! –, vierter und fünfter Schritt: Erreiche mein Idealgewicht und Marc wird mich für immer und ewig lieben – unbeschreiblich! – ... Gut, muss noch dran arbeiten, bin aber optimistisch! Das wird schon noch... irgendwie...hoffe ich jedenfalls...



Und so begannen alle, ohne noch ein weiteres Wort zu vermelden, die Frau, die Gretchen und Gabi erst vor kurzem im Gebüsch gefunden hatten, zu operieren. Selbst Marc kuschte und beließ es nach Gretchens Standpauke dabei. Diese konnte gar nicht mehr aufhören zu grinsen. Zum Glück hatten sie alle einen Mundschutz an. So konnte es Marc, der jedoch durchaus eingeschnappt war, nicht sehen...





Später, nachdem die OP beendet ist:


Nachdem die OP beendet war, verließen Marc und Gretchen gemeinsam die Räumlichkeiten und begegneten auf dem Flur Gabi.

Gabi: „Und? Hat sie’s geschafft?“
Marc: „Ja, dank mir hat’s Hasenzahn geschafft die Milz zu entfernen und das ohne daraus resultierende Komplikationen.“
Gretchen: „Ohhh... jetzt mach dich doch nicht auch noch kleiner, als du bist, du Schein-Lebensretter.“
Marc: „Hasenzahn, das heute war ein Teilerfolg. Glaub bloß nicht, dass auf dich die ganz große Karriere wartet...“

Gretchen entgegnete ihm sarkastisch: „Ach nein?! Komisch, ich wusste gar nicht, dass die Charité nur aus inkompetenten... wie sagst du immer so schön, lass mich mal kurz überlegen... ach ja: Stümpern... besteht!

Gabi war hingegen immer noch am Wohle der Frau interessiert: „Ja, was ist denn jetzt?“

Doch Gretchen und Marc fuhren ihre eigene Schiene und neckten sich kontinuierlich weiter.

Gretchen näherte sich ihm selbstsicher, strich ihm einen Wassertropfen von der Nase, der nach dem Waschen des Gesichts dort verharren blieb, und tat freudig kund: „Ja, was ist denn jetzt? Macht die Frau Dr. Haase doch Karriere? Ohhhh, da ist aber der kleine Marci ganz arg beleidigt. Will doch die Charité lieber die Frau Dr. Haase als den Dr. Meier.“

Marc drückte sie doch leicht angesäuert und genervt von sich. Diese Neuigkeit schockierte ihn innerlich doch irgendwo, doch das wollte er sich nicht anmerken lassen.
„Ach komm, Hasenzahn. Vermisch doch nicht immer deine Träume mit der Realität...“


„Tja, Marc. Ob du das noch so sehen wirst, wenn du erst mal mit mir auf meinen Nobelpreis anstoßen wirst?“, entgegnete sie ihm zielsicher, strich sich dabei, ohne ihn anzublicken, imaginäre Fusseln vom grünen OP-T-Shirt, um dann in Richtung Fahrstuhl zu gehen und die beiden stehen zu lassen.

Marc rief ihr merklich immer noch vor den Kopf gestoßen nach: „Nobelpreis, ja?! Ich wusste gar nicht, dass man fürs Fett sein einen Nobelpreis bekommt!“




Doch Gretchen verschwand, ohne das zu kommentieren, im Fahrstuhl, dessen Tür sich gerade geöffnete hatte.




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=ioE_O7Lm0I4; "Bill Conti - Gonna Fly Now (Theme From Rocky)" © by Wardrip06, YouTubeDE; aufgerufen am 15.02.2015 um 13:16




...Irgendwann wirst du mich auch als Ärztin ernstnehmen, Marc! Irgendwann ganz bestimmt sogar...



Dann holte sie ihr Stethoskop aus der Tasche, zog den Haargummi ab, sodass sich ihre Haare öffneten, drehte sich einmal schwungvoll um, woraufhin ihre Lockenmähne im Windzug wehte, warf sich das Stethoskop demonstrativ über die Schultern, grinste und blickte Marc solange mit einem Blick in die Augen, der sagte ‚Ich beweise es dir noch, wirst es schon sehen!‘. Dieser stand, wie auch Gabi, nur mit offenem Mund da und schaute ihr solange zu, bis sich die Fahrstuhltür schloss.

GretchenHaaseFan Offline

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16.02.2015 21:49
#24  Habe den perfekten Plan (Teil 2) Zitat · antworten

Derweil im Hause Haase:


Bärbel war gerade dabei, Planungen anzustellen, wie sie Franz wieder voll und ganz für sich gewinnen kann. Dieses Mal war sie sich sicher, dass es klappen würde und sie wieder eine heile Familie werden würden, so, wie es schon lange nicht mehr war.


Schließlich kramte sie alle ihre Schränke durch und stieß auf ihre Dessous, die sie sich mal gekauft hatte, aber nie wirklich zum Einsatz kamen.

Da erinnerte sie sich daran, dass sie etwas in einer Zeitschrift gelesen hatte. Eilig lief sie also zurück ins Wohnzimmer und blätterte alle Zeitschriften durch, in der Hoffnung, die Stelle zu finden, die ihr in den Sinn gekommen war.


Schnell rannte sie wieder zurück ins Schlafzimmer und betrachtete sich im Spiegel, während sie die Dessous so vor ihrem Körper platzierte, als wolle sie testen, wie sie an ihr heute aussehen.





Ja, unsere Pläne, die wir verwirklichen wollen, nutzen nichts, wenn wir selbst nicht hinter ihnen stehen. Es kann sein, dass wir uns bis auf die Knochen blamieren. Riskieren wir das?


Wir ahnen, dass sie uns nicht so sehr liebt, wie wir es uns wünschen. Wir ahnen, dass sie sich nach einem anderen sehnt. Und trotzdem versuchen wir alles, um zu retten, was vielleicht gar nicht mehr zu retten ist...


Mehdi steckt einen Briefumschlag in die Tasche von Gretchens Ärztekittel, der in der Umkleide an einem Kleiderhaken hängt.





Wenig später in der Cafeteria:


Gretchen schlürfte in die Cafeteria, die zu diesem Zeitpunkt überraschend leer war.



...Och menno! Wahrscheinlich ist wieder der Schokokuchen alle... Sollte mir täglich ein Stück reservieren lassen. Moment einmal, Gretchen Haase, wie war das mit irgendwann mal ist Heidi nur noch meine dicke Stiefschwester. Werde mich zusammenreißen, sonst wird das nie was! Aber so ganz auf Schoki verzichten?! Gretchen Haase, es muss doch auch noch etwas anderes in deinem Leben geben...



Sie musste sich regelrecht zwingen, um von der Theke mit den Kuchen loszukommen. Als sie es schließlich geschafft hatte, sah sie dort an einem Tisch Sabine sitzen.



...Ah ja, habe Opfer... ähm... ich meine natürlich Ablenkung gefunden! Wollte Sabine und Günni sowieso verkuppeln. Neuer Plan: Widme mich statt Schoki wieder Projekt Amor... Muss feststellen: Gute Wahl und vor allem seeehr kalorienarm!...



Gretchen fröhlich: „Sabine, hallihallo, hier bin ich.“
Sabine: „Oh, hallo Frau Doktor.“
Gretchen: „Also, haben Sie sich Gedanken gemacht?“
Sabine: „Ich weiß doch auch nicht, wo ich die Blumenerde nur hin tun soll. Ich habe ja gar kein Auto, wissen Sie!“
Gretchen irritiert: „Blumenerde?“
Sabine: „Ja, die, die der Herr Doktor Meier heute Morgen getrunken hat!“

„Sabine, geht es Ihnen gut?“, fragte sie besorgt, während sie sich auf einen Stuhl setzte.
„Ich habe sie jetzt in meinen Spind gepackt und zum Glück habe ich die Werte des Patienten gefunden. Der Herr Doktor wäre sonst sicherlich wütend. Nachdem ich ins Schwesternzimmer kam, klingelte das Telefon und dann sollte ich noch was ausdrucken, aber die Druckerpatrone war leer, und dann…“

Gretchen unterbrach Sabine: „Sabine, wovon reden Sie?“
Sabine: „Von einem normalen Arbeitstag?“

Gretchen monoton: „Achsooo...“, um dann erneut fröhlich anzufügen: „Aber ich rede doch nicht von ihrem Arbeitstag oder Marcs Patienten, sondern von Ihrem nächsten Date mit Günni.“
Sabine: „Achsooo??“
Gretchen: „Und?“
Sabine: „Nun ja, ich musste arbeiten und bin nicht dazu gekommen.“

Gretchen hingegen war voller Tatendrang: „Gut, dann machen wir es jetzt gemeinsam. Wie wäre es mit einem Konzert oder der Oper oder dem Theater.“
Sabine: „Äh…., ich glaube nicht, dass…“
Gretchen: „Museum, ein Musical, kulturelle Veranstaltungen, eine Party?“
Sabine: „Nun, Frau Doktor, Günni und ich kennen uns ja noch nicht so gut. Ich bevorzuge da eher einen ruhigen Abend, damit wir auch miteinander sprechen können.“
Gretchen: „Aber das ist es doch. Dann kochen Sie doch was und laden Günni zu sich nach Hause ein.“
Sabine: „Beim letzten Mal ist das eher nicht gut ausgegangen. Er hat nach einer Stunde die Flucht ergriffen.“

Gretchen: „Das lag aber nicht an Ihnen, sondern an Ihrer Mutter.“
Sabine beiläufig: „Die besucht gerade Ihre Schwester in der Pfalz. Sie wäre also sowieso nicht da.“
Gretchen springt auf, sodass sich alle nach ihr umdrehen: „Hervorragend.“

In diesem Moment bemerkte sie die Aufmerksamkeit, die gerade wegen der paar Leute, die alles mit anhören konnten, auf ihr ruhte, und setzte sich schließlich schleunigst wieder:„Dann ist das doch die perfekte Gelegenheit. Los, fragen Sie Dr. Gummersbach einfach.“
Sabine: „Und was soll ich ihm sagen?“
Gretchen: „Dass sie ihn gerne zum Essen einladen wollen?“
Sabine: „Meinen Sie?“
Gretchen: „Aber sicher. Los jetzt.“

Gretchen drängte Sabine mit Handbewegungen schnell ein Date mit Günni auszumachen.

Sabine meinte nur noch: „Ich geh ja schon.“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=260i9fJE_Z0; "”Weird Al" Yankovic - Eat It Unplugged" © by Bridger987, YouTubeDE; aufgerufen am 21.10.2015 um 11:17




Doch Gretchen konnte sich schon gar nicht mehr so wirklich auf Sabine konzentrieren, sondern war vielmehr von ihrem Teller angetan, der direkt vor ihr stand.



...Oh nein! Schokokuchen und sie hat ihn noch nicht einmal gegessen! Das Schicksal meint es auch nie gut mit mir... Werde stark bleiben und ihn nicht essen! Gehe jetzt einfach ins Schwesternzimmern, oder stürze mich gleich wieder auf Patienten. Ich schaffe das!...



Natürlich war die Versuchung groß und sie musste eine kurze Zeit lang wirklich mit sich ringen, doch dann stand sie schließlich auf und machte sich auf den Weg ins Schwesternzimmern.

Dort angekommen, entschied sie sich, doch schnell noch in die Umkleide zu gehen, um auf ihr Handy zu sehen, ob sie irgendjemand namens Marc Meier kontaktiert hatte.

Schließlich entdeckte sie in der Umkleide ihren Kittel, den sie schon gesucht hatte. „Da ist er ja“, meinte sie erleichtert. Dann zog sie ihn schließlich über, griff in die Tasche und zog den Umschlag heraus, den sie dort fand.


Der Brief war an ‚Gretchen‘ adressiert, also öffnete sie ihn schnell und las dort:

Liebes Gretchen!

Ich habe lange gerungen, doch nun weiß ich endlich, was ich will. Ich bin ganz sicher. 100% reichen da gar nicht aus.
Ich will nur Dich!

Hiermit frage ich Dich, ob ich Dich zu einem Date einladen darf. Heute Abend um 20 Uhr in deinem Lieblingsrestaurant, dem kleinen Restaurant direkt am Wannsee.
Ich freue mich auf Dich! Ich kann es gar nicht beschreiben.
Ein Chauffeur holt Dich heute direkt zu Hause um 19.30 Uhr ab.

Bis später, in Liebe...

P.S.: Ich weiß, dass du heute Abend frei hast. Solltest Du also nicht kommen, was ich nicht hoffe, weiß ich wenigstens, woran ich bin...



Darunter standen in einem großen, roten Herz die Initialen ‚G + M‘



Gretchen konnte es gar nicht fassen. Ein riesiges Grinsen zeichnete sich in ihrem Gesicht ab, als sie vor Freude in die Luft sprang und dabei den Brief fest an ihre Brust drückte.



...Jahaaa! Da hat es sich doch wirklich gelohnt auf den Schokokuchen zu verzichten... Bestimmt habe ich dadurch weniger Bauchumfang... Marc lädt mich zu einem Date ein, ich fasse es nicht! Muss mich unbedingt schick machen, hoffentlich finde ich da was...





Währenddessen in der Pathologie:


Zögerlich öffnet Sabine die Tür zur Pathologie.
Dr. Gummersbach, vertieft in seine Arbeit und mit Kopfhörern auf dem Kopf, bewegte sich zur Musik, die nur er vernehmen konnte. Träumerisch beobachtete Sabine das merkwürdige Bild, bis der Pathologe sie entdeckte und in seiner Bewegung innehielt.




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Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=E-Z7bHOPyY0; "i Corti di Ula" © by Pataterna, YouTubeDE; aufgerufen am 28.08.2014 um 10:27




Günni: „Sch…Schwe…Schwester Sabine. Wie lange stehen Sie denn schon hier?“
Sabine: „Noch nicht sehr lange. Ich wollte Sie nicht stören.“
Günni: „Wenn ich Sie nun jedoch nicht entdeckt hätte, stünden Sie immer noch dort?“
Sabine ernst: „Aber sicher.“
Günni: „Und wie lange hätten Sie gewartet?“
Sabine: „Bis Sie Zeit gehabt hätten. Ich hätte Sie niemals von ihrer Arbeit abgelenkt.“
Günni: „Aber wenn ich doch…“

Sabine fiel ihm ins Wort, solange sie noch den Mut dazu hatte: „Dr. Gummersbach, ich wollte Sie einladen.“
Günni verwundert: „Mich einladen? Und wozu?“
Sabine: „Ja, ich möchte Sie zum Essen zu mir einladen.“
Günni wurde etwas nervös: „Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist. Ich meine, Ihre Mutter und ich …“

Sabine: „Meine Mutter ist aber nicht da. Und wir hatten so einen schönen Abend im Kino. Haben Sie denn keine Zeit?“

Günni: „Nun ja, ich hatte für das Wochenende tatsächlich etwas anderes geplant, aber die Zeit könnte ich mir natürlich nehmen, wenn Sie Wert auf meine Gesellschaft legen.“
Sabine: „Wunderbar, dann sehen wir uns am Samstag um acht.“





Abends im Hause Haase:


Gretchen eilte hin und her, vom Bad zurück in ihr Zimmer und wieder zurück ins Bad. Das begutachtete Bärbel, die nebenher im Schlafzimmer ihren Abend vorbereitete.

Stolz schmiegte sie die neuen Dessous, die sie sich noch gekauft hatte, an ihren Körper und war überglücklich, so, als würden die Hormone überkochen.


„Ach Mama, meinst du ich kann das Kleid heute anziehen?“, rief Gretchen, die in einem kurzen, schwarzen Kleid das Schlafzimmer in genau diesem Moment betrat.

Bärbel hingegen war es vor ihrer Tochter unangenehm, woraufhin sie die Dessous unter der Bettdecke verschwinden ließ. Natürlich hatte Gretchen das mitbekommen.

„Was hast du denn da?“, fragte sie neugierig und näherte sich ihrer Mutter und dem Bett.
Bärbel lief rot an und setzte sich noch auffällig drauf. „Nichts“, meinte sie schreckhaft und nicht sonderlich glaubwürdig.

Gretchen sah ein Stück Stoff heraushängen und zog daran, was Bärbel noch verhindern wollte, doch da hatte sie schon den nahezu durchsichtigen BH in der Hand, den sie sich ganz genau anschaute.

„Also, Mama. Dafür musst du dich doch nicht schämen. Ist zwar nicht mein Geschmack, aber wem’s gefällt...“, meinte sie, während sie ihn sich vors Dekolleté hielt.

Nun wurde auch Bärbels Interesse geweckt: „Ach ja, meinst du das gefällt deinem Vater?“
„Mama, bitte! Woher soll ich denn wissen, was ihm gefällt. Ich habe nie mit ihm... du weißt schon!“, meinte sie leicht peinlich berührt.


In diesem Moment klingelte es auch schon an der Tür.

„Oh Gott, das muss der Chauffeur sein! Ist es denn schon halb acht?“, fragte sie entsetzt.

Bärbel blickte auf ihre Armbanduhr und stellte klar: „Es ist 10 vor halb!“
Gretchen: „Dann muss er jetzt noch 10 Minuten warten. Ich muss mich zuerst noch fertig machen.“

Bärbel schwärmte hingegen regelrecht, während Gretchen zurück ins Bad wollte: „Sogar einen Chauffeur hat er bestellt. Ist das nicht romantisch, Gretchen?“

„Du wusstest davon?“, fragte sie leicht verwirrt, und drehte sich nochmals um.
Bärbel: „Aber sicher doch. Er hat sich doch bei mir erkundigt!“
Gretchen: „Ach, daher wusste er also, dass das mein Lieblingsrestaurant ist! Und du hast mir mal wieder nichts gesagt, Mama!“

Bärbel schmunzelnd: „Na, hör‘ mal. Eine Überraschung sollte eine bleiben, besonders dann, wenn sie so romantisch ist!“

„Ja, das ist wirklich sehr romantisch“, bestätigte sie und verließ das elterliche Schlafzimmer wieder. Und als sie auf dem Weg ins Bad war, konnte sie nicht anders, als vor lauter Freude laut „Jaaa!“ zu schreien und wild umher zu hüpfen.

Doch Bärbel wies sie zurecht, indem sie vom Schlafzimmer aus schrie: „Gretchen, nicht hüpfen! So geht doch deine Frisur kaputt!“





Wenig später vor dem kleinen Restaurant am Wannsee:




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=VVt0AfcRtJQ; "Märchenmusik - A Winter Land" © by epic music journey, YouTubeDE; aufgerufen am 10.02.2015 um 16:23




Die Limousine fuhr vor und Gretchen konnte ihr Glück kaum fassen, als der Chauffeur ihr die Tür öffnete und sie vor dem Weg zum Eingang stand. Links und rechts am Wegrand waren Kerzen aufgestellt und der Weg war mit Rosenblättern übersät – bis hin ins Restaurant hinein.
Die Angestellten bildeten sogar einen Spalier und begrüßten sie. Einer überreichte ihr dann schließlich ein Glas Champagner und bat sie, einzutreten.

Selbst innen waren überall Rosenblätter gestreut.
„Sind heute gar keine anderen Gäste da?“, fragte sie, als sie das leere Restaurant sah.

„Heute hat man nur für Sie reserviert, Madame!“, berichtete ihr einer der Kellner.


Das ließ ihr Herz ungemein höher schlagen und ein breites Grinsen zeichnete sich in ihrem Gesicht ab, während sie dennoch bedacht feststellte: „In was für Unkosten er sich da wohl geworfen haben muss, und das nur für mich...“



Wie sehr hatte ich mir das damals schon gewünscht. In der 8. Klasse wusste ich schon, dass er mich eines Tages über einen mit Rosen bestreuten Weg in seinen starken Armen tragen würde. Ich malte es mir natürlich schon damals aus, wie es gewesen wäre: natürlich hätte er mir einen Heiratsantrag gemacht, und mich dann erst über die Schwelle getragen. Ordnung muss sein. Womöglich hätte ich es bis zum Heiratsantrag aber gar nicht mehr durchgehalten...

Marc kniete nieder: „Gretchen, ich liebe dich von ganzem Herzen. Hiermit frage ich dich, vor unserer Klasse und der Lehrerschaft, vor allen anderen Schülerinnen und Schülern: Willst du mich heiraten?“
Gretchen fiel ihm in die Arme und rief fröhlich: „Ja, ich will, Marc!“

Alle Anwesenden in der Turnhalle klatschten und freuten sich mit uns und wir küssten uns...




...Und genau heute, an diesem Abend, sollte es also soweit sein. Marc Meier bekannte sich dazu, dass er mich liebt! Marc Meier und Gretchen Haase hatten ihr erstes Date. Das schönste Date, das man sich nur vorstellen kann. Wenn der Abend nur halb so gut verläuft, wie er bereits angefangen hat, dann werden wir bald ein Traumpaar abgeben! Dann fehlt nur noch ein Punkt, um den Karriereolymp zu besteigen: Sollte dringend abnehmen. Gut, wenn ich jetzt esse, dann darf ich eben morgen nicht so viel... Ich meine, jetzt nichts essen, sieht ja auch blöd aus, wenn er sich doch schon so viel Mühe gegeben hat...



Doch dann, als sie schließlich das gesamte Restaurant im Überblick hatte, sah sie dort an der Theke jemanden stehen, mit dem sie nicht gerechnet hatte...


„Mehdi?!“, kam nur leise über ihre Lippen, so sprachlos war sie.



...Und auch für andere verlief der Abend nicht so, wie geplant...





Im Hause Haase:


Franz kam endlich nach Hause und das erwartete Bärbel ungeduldig, die sich schick gemacht hatte für ihr Vorhaben: in hochwertigen Dessous stand sie vor ihm und strich sich gekonnt über Stellen des Körpers, die auch ihn ansprechen sollten.

Doch Franz schien nicht wirklich darauf anzuspringen, er ließ stattdessen Bärbel im Flur zurück, ging ins Wohnzimmer und ließ sich geschafft aufs Sofa fallen.

Bärbel war äußerst betrübt, schließlich hatte sie gehofft, dass sie sich endlich wieder einmal richtig lieben würden. Nicht zuletzt, weil sie sich auch so viel Mühe gegeben hatte. Wütend stampfte sie ins Wohnzimmer, stellte sich vor ihn, sodass er nicht mehr fernsehen konnte, und fing an, ihn zur Rede zu stellen: „Franz, ich dachte wirklich, wir lieben uns!“
Franz versuchte immer und immer wieder seinen Kopf so auszurichten, dass er an ihr vorbei in den Fernseher blicken konnte.

Das machte Bärbel so wütend, dass sie die Fernbedienung schnappte und den Fernseher ausmachte.
„Was soll denn das?“, fragte er mürrisch.
„Das frage ich mich auch, Franz! Ich dachte, du liebst mich und wir könnten wieder...“. Zwar konnte Bärbel nicht so wirklich aussprechen, was sie eigentlich wollte, doch Franz verstand genau, was sie eigentlich meinte.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=WVvUROaq6Mk; "MC HAMMER U CAN'T TOUCH THIS legendado" © by José Marcos, YouTubeDE; aufgerufen am 21.10.2015 um 11:23




Franz wollte schlichten, doch das schaffte er nicht so recht: „Butterböhnchen, ich... ich weiß, dass du... aber ich... ich bin echt fertig!“
Bärbel empört: „Du bist fertig?! Ich dachte du warst beim Skat?“
Franz rechtfertigend: „Das war ich auch!“
Bärbel: „Ach so, und danach ist man so fertig, dass man noch nicht mal mehr seine Frau lieben kann?“
Franz monoton: „Ja, das ist sehr anstrengend!“

Bärbel ließ sich ebenso fertig aufs Sofa neben ihn fallen, strich sich einmal durchs Haar, um dann entkräftet zu fragen: „Franz, hast du wieder eine andere?“

Franz: „Butterböhnchen, ich könnte doch nicht...“
Bärbel entkräftet: „Franz, wir wissen beide, dass du kannst!“

Franz: „Natürlich kann ich...“
Bärbel schrie plötzlich verzweifelt: „Ja, und warum dann nicht mit mir?!“

Franz hingegen meinte nur um Vertrauen flehend: „Weil ich müde bin!“





Unterdessen im Restaurant:


Gretchens romantische Stimmung war schlagartig verflogen, doch sie versuchte, so gut es ging, Mehdi auch nicht als Volltrottel dastehen zu lassen. Und doch war es eine unangenehme Situation, so empfanden es beide, denn natürlich hatte auch Mehdi bemerkt, dass das Funkeln in ihren Augen nach ein paar Sekunden schon nicht mehr zu sehen war.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=_vId_4r925o; "Kate Winslet - What If - Official Music Video" © by Chris Horton Productions, YouTubeDE; aufgerufen am 15.02.2015 um 17:37




Doch er versuchte weiter, das Funkeln zurückzugewinnen. So bat er sie an einen Tisch, auf dem ebenfalls Rosenblätter lagen, drei Kerzen für Atmosphäre sorgen sollten und das Geschirr dem eines Adelshauses glich.


Schließlich setzte sie sich hin und ließ zwei Gänge über sich ergehen, die heute nicht mehr so schmeckten, wie sonst dort. Doch sie wollte ihn nicht enttäuschen. Das war wirklich nicht in ihrem Sinne. So aß sie immer ein klein wenig. Als dann aber das Dessert bevorstand, nahm er ihre Hand, und machte ihr ein Geständnis, jedoch konnte sie einfach nicht mehr so tun, als würde sie sich darüber wirklich freuen.

„Gretchen, ich liebe dich!“, flüsterte er ihr im romantischen Kerzenschein zu.

Sie riss ihre Hand von ihm los, stand auf, strich sich die Locken aus dem Gesicht und blieb so verharren.

„Gretchen, sag doch bitte was!“, flehte er sie an.
„Können wir jetzt bitte gehen?“, war lediglich ihre Antwort darauf.
„Aber.. aber... das Dessert...“, druckste er herum, um sie doch noch dazu zu bewegen, zu bleiben.
„Ich sollte sowieso nicht so viel essen. Ich mache Diät!“, gestand sie ihm.

Mehdi wollte sie aber einfach nicht gehen lassen: „Das hast du doch nicht nötig, Gretchen! Du bist so wunderschön, so unfassbar...“
Doch sie unterbrach in vehement: „Mehdi, bitte! Hör‘ auf und lass uns einfach gehen, ja?“

Mehdi versuchte es abermals: „Aber, ich...“
Gretchen hingegen wurde nun lauter: „Bitte!“, woraufhin er schließlich geknickt seine Sachen packte und ihr hinaus folgte.





Derweil im Krankenhaus:


Gabi war gerade dabei, sich auf den Heimweg zu machen, da wollte sie unbedingt noch nach der Frau sehen, die sie zuvor mit Gretchen im Krankenhauspark gefunden hatte.
Die OP verlief gut, sie war auch schon aus der Narkose erwacht, doch sie war noch sehr schwach, als Gabi das Krankenzimmer betrat.

Die Frau namens Martina merkte sofort, dass jemand ihr Zimmer betrat, was sie ängstlich stimmte. Das erkannte man unter anderem auch daran, dass ihre Herzfrequenz stieg.

Als sie sah, dass es nur Gabi ist, beruhigte sie sich aber wieder allmählich. Diese setzte sich neben sie ans Bett, war jedoch noch immer geschockt, dass ihr jemand so etwas antun konnte, denn auch behandelt sah sie nicht wirklich besser aus.


Sie versuchte mit ihr ins Gespräch zu kommen.
Gabi: „Ich habe Sie zusammen mit einer Ärztin gefunden...“
„Danke!“ versuchte die schwache Frau über ihre Lippen zu bekommen.
„Schon gut. Ist doch selbstverständlich!“, erwiderte Gabi fürsorglich.


In diesem Moment ergriff sie ihren Oberarm und gab ihr mit ihren Blicken zu verstehen, sich schnell umzudrehen. Dort sah sie einen Mann, der durch einen Türspalt das Zimmer ausspionierte.
Als er bemerkte, dass Gabi ihn sah, schloss er zügig die Tür.


Gabi drehte sich wieder zu ihr um und fragte sie: „Ist er das?“
Sie erkannte in ihren Augen, dass sie enorme Angst vor ihm hatte, und fasste einen Entschluss: „Den schnapp ich, dann kann das widerwärtige Schwein das niemandem mehr antun!“

Kaum hatte sie das gesagt, rannte sie zum Zimmer hinaus und den Gang hinunter. Dort sah sie noch, wie er im Fahrstuhl stand, dessen Tür sich gerade schloss.
Und so nahm sie die Treppen und rannte hinunter.

Unten angekommen, sah sie, wie der Mann geradewegs das Krankenhaus verlassen wollte. Sie rannte eilig hinterher, nach draußen in den Park, wo sie ihn auch einholte. Dort wollte er gerade in einen dunklen Wagen steigen, als sie ihn zur Rede stellte.

„Hey, Sie!“, schrie sie.

Gabi ein wenig kleinlaut, als er sich zu ihr umdrehte: „Oh, Sie sind ja ganz schön muskulös...“
„Boxer!“, war die einzige Antwort des Mannes, der vollkommen in schwarz gekleidet war, nachts eine Sonnenbrille trug und von sehr kräftiger Statur war.

„Wat willste?“ fragte er mit tiefer Stimme.
Gabi hingegen konnte bei diesem Anblick nur noch stottern: „Ich... also... ich...“

Doch dann nahm sie allen Mut zusammen und stellte ihn zur Rede: „Was fällt dir eigentlich ein, deine Frau fast tot zu prügeln, du widerwärtiger Dreckskerl?“
„Wie sprechen Sie mit mir?“, fragte er in harschen Tonfall.

Gabi voller Einsatz: „So, wie es sich gehört! Sie sind doch krank! Ihre Frau wäre fast gestorben und dann lassen Sie sie auch noch einfach so im Gebüsch liegen, als wäre sie Müll!“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=tnb-YZPt7iM; "Epic Suspenseful Action Music Instrumental #2 Dramatic Intense Heroic Movie / Film Soundtracks" © by FesliyanStudios, YouTubeDE; aufgerufen am 12.02.2015 um 16:27




Plötzlich spürte sie, wie jemand hinter ihr stand. Sie drehte sich um und sah, dass es ein Mann war, der dem, den sie gerade erst noch zu Rede gestellt hatte, sehr ähnlich kam.
Bedrohlich war die Situation, sodass sie schließlich abhauen wollte. Doch ehe sie sich versehen konnte, packte sie der Mann hinter ihr am Arm. Sein Griff war so fest, dass sie dachte, allein der Griff würde ihr den Oberarmknochen brechen.

Schließlich sah sie eine einzige Möglichkeit noch heil aus der Sache zu kommen und setzte an „Hilfe!“ zu schreien, so laut sie konnte, doch der Mann hielt ihr sofort den Mund zu, sodass nur ein „Hil“ ertönte.



Das hörte auch Marc, der gerade circa zwanzig Meter davon entfernt an einem Baum lehnte und eine rauchte. Er drehte sich um, und sah, was dort vor sich ging. Er meinte nur „Scheiße!“, denn er begriff, dass Gabi in Gefahr war, warf seine Zigarette weg und wollte zu den Dreien rennen, während jener, dem sie gefolgt war, zu seinem Komplizen sagte: „Johnny, die Alte weiß zu viel. Die müssen wir loswerden! Los, lass uns abhauen!“

Er öffnete den Kofferraum des geräumigen Wagens, in den Gabi unsanft hineingeworfen wurde. Diese konnte gar nicht so schnell reagieren, so schnell war auch schon die Kofferraumtür wieder zu.

Die beiden Männer stiegen schnell ein und fuhren mit quietschenden Reifen davon, während Marc noch in letzter Sekunde versucht hatte die Kofferraumtür zu öffnen, doch es dazu nicht mehr reichte.

Völlig außer Atem stand er da und schaute dem Wagen nach, der um die nächste Kurve bog. Zugleich fragte er sich, ob das nur ein Traum war, in dem er sich gerade befand: „Was war das denn?“





Kurze Zeit später vor dem Hause Haase:


Mehdi hatte Gretchen nach Hause gebracht. Die gesamte Fahrt über hatten sie kein Wort mehr miteinander gewechselt.
Nun standen sie also vor dem Tor zum Anwesen, er stellte den Motor ab und eine Weile lang herrschte einfach nur Stille.


Irgendwann, nach circa fünf Minuten, die wie eine halbe Ewigkeit schienen, war der Punkt gekommen, dass jemand etwas sagen musste. Es schien so, als hätten beide diesen Gedanken gleichzeitig gehabt.
Und so drehten sich beide zueinander, um sich dann gleichzeitig beim Vornamen zu nennen.

Beide mussten daraufhin schmunzeln, bis sie beide, ebenfalls wieder gleichzeitig, anfangen wollten, sich zu erklären, was sie erneut zum Schmunzeln brachte.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=-fesv7_fXvs; "Puff Daddy - I'll Be Missing You" © by OoVeKyoO, YouTubeDE; aufgerufen am 15.02.2015 um 19:33




„Du zuerst!“, meinte Gretchen letztlich, als sie sich vergewissert hatte, dass er nicht auch wieder anfangen wollte etwas zu sagen.

„Ich weiß doch, dass du eigentlich Marc liebst! Das war eine so blöde Idee! Ich könnte mich selber... ohhh...“, gestand sich Mehdi selber zu.

Gretchen hingegen antwortete ihm: „Da weißt du mehr, als ich. Mehdi, du hast mit deiner Aktion heute wieder alles durcheinander gebracht!“
„War’s soooo schlimm?“, wollte er wissen.
Gretchen wie verzaubert: „So schlimm süß und romantisch, jaaa! Und ich hab’s kaputt gemacht...“

Mehdi: „Aber du liebst ihn doch, es konnte nicht funktionieren!“
Gretchen drehte sich zum Fenster und schaute nachdenklich hinaus und sah dort durchs Fenster Bärbel wild hin und her laufen. Dann wandte sie sich wieder ihm zu, um betrübt zu fragen: „Ach ja, tut er das?“

Mehdi schwieg, doch bevor sie ging, wollte sie noch eines von ihm wissen: „Wenn ich das Jobangebot der Charité annehmen würde, würdest du mich dann vermissen?“

Gretchen war an diesem Tag zum ersten Mal den Tränen nahe und erwartete eine Antwort von Mehdi, der diese zunächst scheinbar am Schaltknüppel suchte. Dann blickte er sie schließlich wieder an und schien, ebenso wie sie, Tränen in den Augen zu haben, jedoch lachte er, als er zugab: „Dich vermissen?! Du untertreibst wohl. Mit wem könnte ich denn sonst noch so toll quatschen? Natürlich würde ich dich vermissen, Gretchen! Zumal ich dich ja nach dieser Aktion heute nicht mehr so oft sehen werde. Ich würde mich ja selbst nicht mehr sehen wollen.“

Nun zeichnete sich auch in ihrem Gesicht ein Lächeln ab, während sie sich eine Träne aus dem Auge wischte: „Das stimmt nicht, Mehdi.“

Sie streichelte ihn sanft am Oberarm, zwinkerte ihm zu, um dann die Tür zu öffnen. Sie wollte aussteigen, doch dabei vergaß sie den Sicherheitsgurt zu lösen, weswegen sie leicht zurück in den Sitz katapultiert wurde.



...Peeeiiinlich!...



Dann öffnete sie den Gurt, stand auf, richtete sich ihr Kleid zurecht, drehte sich nochmal einmal zum Wagen um, ging leicht in die Knie und streckte den Kopf hindurch, um Mehdi noch etwas zu sagen: „Mehdi, ich weiß gerade gar nichts. Ich weiß nur, dass ich jetzt erst mal Schlaf brauche und ich weiß noch eines: du hast heute gleich zweifach gepunktet, denn ich bin wirklich nicht zu dick und muss sicher nicht auf Kalorien achten und dass du mich vermissen würdest, kaufe ich dir zu 100% ab, denn mir würde es nicht anders gehen. Du bist mit meinen Eltern zusammen der Erste, mit dem ich auf meinen Nobelpreis anstoßen werde und Marc, der kommt ganz, ganz, ganz zum Schluss. Sogar noch nach Michael Johannes, der mir in der 4. Klasse vor versammelter Mannschaft die Hose herunterzog!“


Gretchen sagte ihm mit einem Lächeln im Gesicht dann noch zum Abschied: „Du bist einfach nur toll, Mehdi! Und das nächste Mal gehen wir einfach nicht ganz sooo pompös essen... Gute Nacht und träum schön! Nimm’s dir nicht zu Herzen. Morgen sieht die Welt schon anders aus und wer weiß, wie ich dann darüber denke? Wir sehen uns morgen im KH, ja?“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=6MblcfUhTJ8; "Imagine Dragons - It's Time (Traducida al Español) HD " © by Karlivery Sánchez, YouTubeDE; aufgerufen am 12.10.2015 um 11:28




Mehdi nickte, woraufhin sie die Autotür zufallen ließ und sich auf den Weg zur Haustür machte. Mehdi war indes sehr erleichtert, dass sie es ihm nicht so krumm nahm, wie er zuerst gedacht hatte, fragte sich jedoch auch zugleich: „Nobelpreis?!“





Es ist ja gar nicht unser Lebensideal, über das wir immer und immer wieder stolpern. Es sind die Erwartungen, die wir an uns selber stellen...

Doch wir können die Vergangenheit nicht ungeschehen machen. Sie wird uns wohl immer wieder einholen...

Bärbel kommt im Bademantel wieder zurück ins Wohnzimmer, baut sich vor Franz auf und schmeißt ihm die Dessous wutentbrannt ins Gesicht.


...Es wäre wahrscheinlich auch viel zu einfach, wenn es beim ersten Mal immer gleich klappen würde. Wer hindert uns daran, es noch einmal zu versuchen?

Mehdi schaut Gretchen nach, die gerade dabei ist, die Haustür aufzuschließen und wirft dann den Motor an, um loszufahren.


...Kampflos aufgeben?! Nicht mit mir, nehmen auch wir uns dann vor!

Gretchen schaut Mehdi nach, der die Straße hinunterfährt. In diesem Moment hört sie, wie etwas drinnen zu Bruch geht. Schnell öffnet sie die Tür und rennt hinein. Dort sieht sie, wie Bärbel zwischen den Scherben des Silbergeschirrs auf dem Boden kniet.


...Wäre auch zu schön, wenn unser neues Leben so ganz ohne Probleme beginnen würde...

Marc fährt in rabenschwarzer Nacht umher und versucht den Wagen einzuholen.


Hoffentlich haben wir noch einmal die Gelegenheit, etwas daraus zu machen...

Gabi liegt schweißgebadet im dunklen Kofferraum, zittert und bangt um ihr Leben.

Missing_DD Offline

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27.05.2015 21:36
#25 RE: FF: S02 von GretchenHaaseFan und Missing_DD Zitat · antworten

Liebe Leserinnen!

Es ist mal wieder soweit: Zeit für ein Special.
Ich weiß, dass es lange her ist, dass es in der Story weiterging, aber vielleicht entschädigt euch ja das Special. Wenn die Temperaturen keine Frühlingsgefühle aufkommen lassen, müssen wir eben improvisieren. Und das ist dabei rausgekommen.

Ich hoffe, ihr habt Spaß beim Lesen.

Drück euch,
eure Elena



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Special:

Frühlingsträume



WRITTEN BY
Missing_DD, Elena

ASSISTED BY
GretchenHaaseFan, Andrea

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Der Frühling ist die Zeit zum Träumen. Jeder von uns träumt, auch wenn es sich immer um verschiedene Vorstellungen handelt. Jeder hat Träume, Wünsche, Hoffnung, die er verwirklichen will. Und im Frühling sind sie stärker denn je.


Manche träumen von kleinen Dingen wie Harmonie und Zufriedenheit im Hier und Jetzt, …





©:

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=rExJ6j5OeCo ; „ Just the way you are – Bruno Mars“ © by Marcel Webber, YoutubeDE; aufgerufen am 27.05.2015 um 20:58 Uhr


An diesem Tag betrat die junge Ärztin Dr. Margarethe Haase, liebevoll genannt Hasenzahn oder Kälbchen, das Elisabeth-Krankenhaus mit beschwingtem Schritt. Der Frühling war angebrochen und zum ersten Mal in diesem Jahr konnte man auf eine dicke Winterjacke verzichten. Die Sonne stand hell am Himmel, ein warmer Wind wehte sachte durch die Baumkronen, die sich sanft vor und zurück wiegten. Die Vögel in ihren Nestern begrüßten die Sonne ebenfalls mit ihrem Gezwitscher. Man bekam direkt schon gute Laune, wenn man aus der Tür trat und die Sonnenstrahlen im Gesicht spürte. So konnte ein Arbeitstag beginnen.

Auf der chirurgischen Station angekommen wurde Gretchen bereits von einer strahlenden Schwester Sabine begrüßt, die ihr eine Tasse Kaffee reichte.
S: „Guten Morgen Frau Doktor. Ist das nicht ein herrlicher Tag?“
G: „Ja Sabine, das ist wohl wahr.“

In diesem Moment betrat auch Marc das Stationszimmer.
M: „Guten Morgen meine Damen. Schwester Sabine, hätten Sie noch einen Kaffee für mich?“
S: „Aber sicher, Herr Doktor, für Sie doch immer.“

Nachdem Sabine Marc die gefüllte Kaffeetasse gereicht hatte, setzte sich dieser neben Gretchen, küsste sie und nahm die Zeitung zur Hand.
G: „Marc, müssen wir nicht zur Visite?“
M (entspannt): Sicher, doch zunächst trinken wir in Ruhe unserem Kaffee aus und dann ziehst du dich um. Wenn du soweit bist, legen wir los. Sabine, ist alles vorbereitet?“
S: „Selbstverständlich, Herr Doktor. Ich habe alles vorbereitet.“
M: „Gute Arbeit, Sabine. Dann können wir gleich in Ruhe loslegen.“ An Gretchen gewandt „bevor ich es vergesse, meine Mutter hat heute Morgen angerufen. Sie will mit uns essen. Morgen Abend.“
G: „Sicher, die Abendessen mit Elke sind doch immer schön.“
M: „Das stimmt. Sie freut sich auch schon. Ein Nein hätte sie wahrscheinlich nichtmals akzeptiert.“
G: „Es gibt auch keinen Grund, Nein zu sagen. Ich freu mich.“
M: „Ich mich auch.“



… andere träumen von beruflichem Erfolg in einer fernen Zukunft, …




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=k9EYjn5f_nE; „Auf uns - Andreas Bourani“ © by Digster Pop, YoutubeDE; aufgerufen am 27.05.2015 um 21:00 Uhr


Nach einem ereignisreichen Tag im Krankenhaus betrat ein geschaffter Chirurg die Wohnung.
G: „Marc, du bist schon da? Ich dachte, die letzte OP würde länger dauern.“
M: „Als ich den Patienten auf dem Tisch liegen hatte, hat sich eine neue Möglichkeit geboten. Das ging einfach schneller.“
G: „Du hast wieder eine neue Methode entwickelt? Das wäre die wievielte in dieser Woche.“
M: „Ach, wer zählt schon mit… Dafür habe ich andere.“
G: „Na, dann setzt dich mal. Gleich geht Fußball los. Ich hol dir eben ein Bier.“
M: „Danke.“
G: „Viel Spaß beim Fußballgucken. Ich habe noch einige interessante Artikel aus einer Fachzeitschrift, die ich durcharbeiten will.“
M: „Du solltest dir auch einen freien Abend gönnen.“
G: „Das werde ich auch, aber erst wenn die OP in 10 Tagen vorbei ist und die Siamesischen Zwillinge getrennt sind.“
M: „Na, das nenn ich mal ehrgeizig.“
G (grinst und küsst Marc): „Schließlich habe ich vom Meister gelernt, Prof. Dr. Meier. Genieß das Spiel.“ Geht in Richtung Büro, bevor sie wieder stoppt: „Ach, Marc?!"
M: „Ja?“
G: „Deine Mutter hat eine Karte geschickt. Liegt auf dem Tisch, wenn du sie lesen willst.“
M: „Was steht denn drin?“
G: „Ihr Selbstfindungstrip ist noch nicht vorbei. Sie hat sich nun komplett von der Außenwelt und jeglicher Technik abgeschottet und weilt in einem Tempel irgendwo in Japan. Sie will sich von ihren Depressionen und dem ganzen Stress erholen und weiß noch nicht, wann sie zurückkehrt.“
M: „Klar, 27 Dr. Rogelt-Romane von ewigem Leid, dazu noch diese Tweilight-Geschichte, da kann man nur depressiv werden.“
G: „Marc, sei bitte nicht so streng mit ihr.“
M: „Ich mit ihr? Sie hat mich doch jahrelang damit gequält. Das war pure Folter. Nun habe ich mir eine Pause von ihren Büchern und ihren Marotten verdient.“
G: „Aber Marc, deiner Mutter geht es wirklich schlecht. Sie weilt schon seit 3 Jahren in irgendwelchen Tempeln oder Klostern.“
M: „Und du meinst drei Jahre entschädigen für 27 Jahre unsäglichen Leids? Das klappt nicht mal bei dem talentiertesten Chirurgen der Welt.“
G: „Dann kannst du ja froh sein, dass du dafür noch einige Zeit haben wirst, denn laut deiner Mutter hat sie den Tiefpunkt noch nicht erreicht.“
M (grinst): „Dann habe ich mindestens noch 4 Jahre Zeit, so wie ich meine Mutter kenne.“
G (verdreht die Augen): „Na, wenn du meinst…“
Grinsend wand sich Marc dem Spiel zu. Nun war sein Leben endgültig perfekt.



… wieder andere wünschen sich Zeit und Ruhe, um einfach mal den eigenen Gedanken nachzuhängen, …




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=yJYXItns2ik; „Count on me - Bruno Mars“ © by FigureOutWhoThisIs, YoutubeDE; aufgerufen am 27.05.2015 um 21:03 Uhr


Franz saß auf dem Sofa seines Wohnzimmers und genoss die Stille. Der Tag im Krankenhaus war sehr turbulent gewesen. Nun war es schon mit einem Whiskey in der Hand den Tag in aller Stille ausklingen zu lassen.

Bärbel hatte das Essen für ihn in die Mikrowelle gestellt und war bereits weg gewesen, als er nach Hause kam. Seit sie als Schwester im Elisabeth-Krankenhaus entdeckt hatte, wie gern Sie anderen Menschen hilft, war sie in ihrem Feuereifer nicht mehr zu bremsen. Sie hatte bereits zwei Stiftungen ins Leben gerufen und kämpfte immer wieder um finanzielle Unterstützung für eben diese. Sie und ihre Freundinnen, überwiegend Ärzte- und Anwaltsgattinnen, nutzen ihre Bekanntschaften, um die Menschen zur Unterstützung für ihre Sache zu bewegen. Wann immer die Damen etwas ins Auge fassten, setzten Sie es um. Heute Abend ging es wieder einmal um die Vorstellung ihrer Stiftungsarbeit. Bärbel ging richtig auf, wenn sie das verteidigen konnte, was sie liebte.
Und die Arbeit mit Menschen, denen es nicht so gut ging, wie ihrer eigenen Familie, lies sie schließlich auch erkennen, dass ihre Kinder glücklich sind. Sie hörte also auf, sich in das Leben ihrer Kinder einzumischen, ihnen geradezu Vorschriften zu machen, und widmete sich stattdessen Aufgaben, die sie bewältigen konnte und wofür man ihr dankbar war.
Nach langer Zeit hatte sie endlich eine Aufgabe gefunden, die sie wirklich erfüllte. Das entspannte auch das Familienleben enorm, sowohl für ihn selbst, wie auch für die Kinder. Franz widmete sich wieder mehr dem Golfen und die Kinder lebten ihr Leben so wie sie es sich wünschten. Und einmal mehr erkannte Franz, als er über sein Leben nachdachte, dass er es sehr gut getroffen hatte. Nun endlich hatte er Zeit, sich dies einzugestehen. Keine Rechtfertigungen für Überstunden, keine Verteidigungen, keine Vorwürfe. Einfach nur Vertrauen und Liebe. Als wäre es nie anders gewesen.



… während auch wieder jemand von Familie und Zusammenhalt träumt.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=axmZ_5Rx4Go; „Zuhause - Adel Tawil“ © by Adel Tawil, YoutubeDE; aufgerufen am 27.05.2015 um 21:05 Uhr


Bärbel bereitete gerade das Abendessen vor, als das Telefon klingelte.
B: „Haase.“
F: „Hallo Butterböhnchen.“
B: „Oh Franz. Wie schön, dass du anrufst.“
F: „Butterböhnchen, die Kinder würden heute gerne zum Abendessen vorbeikommen. Es ist doch schon wieder zwei Wochen her, dass sie da waren. Ist das in Ordnung für dich?“
B: „Aber Franz, natürlich. Es sind doch die Kinder.“
F: „Doch dann machst du dir wieder so viel Arbeit.“
B: „Für meine Familie tue ich das doch gerne. Die Kinder sollen ruhig vorbeikommen. Wenn schon Jochen nicht hier ist, dann sollen wenigstens die beiden vorbeikommen.“
F: „Du weißt doch, dass Jochen in Wien ist. So ein Medizinstudium macht sich doch nicht von allein.“
B: „Ich weiß ja, dann mache ich mich mal an die Vorbereitungen.“
F: „Bis heute Abend.“

Am Abend bei den Hasses:

F (schließt die Tür auf): „Butterböhnchen, wir sind da.“
B (kommt aus der Küche und umarmt jeden einzelnen): Wie schön. Hallo Franz. Gretchen, schön, dass ihr da seid. Marc, ich freu mich sehr.“
M: „Bärbel, wir freuen uns. Der Strauß ist für dich.“
B: „Danke Marc, wie aufmerksam. Kommt rein und nehmt Platz. Das Essen ist gleich fertig.“

Nachdem Bärbel das Essen serviert hat, nahm sie selbst auch Platz.
M: „Bärbel, wie wunderbar das duftet.“ (nach dem ersten Happen) „Und wie köstlich das schmeckt.“
F: „Ja, Bärbel, du hast dich mal wieder selbst übertroffen.“
G: „Und wie viel Mühe du dir wieder gemacht hast, obwohl wir uns erst heute Nachmittag entschieden haben. Mama, du musst mir auch nochmal zeigen, wie das geht. Ein solches Menü möchte ich auch zaubern können.“
B: „Aber sicher, mein Kind. Doch nun genießt das Essen, bevor es kalt wird.“



Manche träumen von vergangenen schönen Zeiten und wünschen sich diese zurück,…




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=2fngvQS_PmQ; „I see fire - Ed Sheeran“ © by CLS Videos, YoutubeDE; aufgerufen am 27.05.2015 um 21:08 Uhr


Medhi saß gerade über einer Patientenakte, als er seinen Blick über seinen Schreibtisch gleiten ließ und ein Foto von Lily erblickte. Sofort fesselte das Lächeln seiner Tochter ihn und brachte ihn zum Lächeln. Doch so schnell wie das Lächeln gekommen war, verschwand es auch wieder und Medhi verspürte einen Stich. Er vermisste seine Tochter mehr, als Worte je ausdrücken konnten. Jeden Tag spürte er eine Leere in seinem Herzen, manchmal mehr, manchmal weniger. Doch sie verschwand nie gänzlich.
Die Sonne strahlte auf das Foto von Lily und unwillkürlich musste Medhi daran denken, wie sehr sie die ersten warmen Tage im Frühling geliebt hatte. Das waren immer die Tage, an denen sie am meisten unternahmen. Nach einem langen und kalten Winter wollte Lily endlich wieder in die Natur und die verrücktesten Dinge tun. Sie war nahezu nicht zu bremsen.

Er erinnerte sich noch genau daran, wie sie einmal Pony reiten gewesen war. Doch das Pony war ihr einfach zu langsam gewesen und sie beschwerte sich lautstark.
L: „Man Papa, mach doch was. Dieses Pony bewegt sich ja gar nicht. Das ist doch noch im Winterschlaf. So macht das keinen Spaß mehr. Papa……Papaaaa….. man, bist du auch eingeschlafen?“
M: „Lily-Maus, lass doch das arme Pony in Ruhe. Vielleicht ist es einfach gemütlicher als andere Ponys.“
L: „So will ich aber nicht mehr. Das macht keinen Spaß. Können wir was anderes machen. Vielleicht können wir in den Zoo.“
M: „Aber Lily, der ist am anderen Ende der Stadt.“
L: „Ja, und?.... Büüüüüüüüttteeeeeeeeee.“
Und schon hatte seine kleine Prinzessin ihn überredet. Lily war immer so voller Tatendrang, so aktiv.
‚Ob das wohl immer noch so ist? Wo sie nun wohl ist? Ob sie noch an ihn denkt?
Wieder bricht ein neuer Frühling ohne sie an. Wann werde ich sie wiedersehen? Werde ich sie je wiedersehen?‘
Diese Gedanken beschwerten Medhis Herz, während er aus dem Fenster in die Sonne und den Krankenhauspark blickte. Nach wenigen Minuten stahl sich erneut ein Lächeln auf die Lippen des Gynäkologen.
‚Pessimismus ist nicht meins. Irgendwann werde ich sie wiedersehen. Auf jeden Fall.‘
So schüttelte Medhi seine dunklen Gedanken ab und ließ sich wieder von neuer Hoffnung erfüllen.
Frühlingsbeginn. Die ersten Sonnenstrahlen. Die ersten Blüten und der Beginn einer neuen Zeit der Hoffnung, die irgendwann nicht mehr enttäuscht werden würde.



… andere genießen das Hier und Jetzt, weil es nichts Schöneres gibt, …




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=AL8pbQBhwO0; „Perfect World – Kodaline“ © by KodalineVEVO, YoutubeDE; aufgerufen am 27.05.2015 um 21:10 Uhr


Sabine und Günni hatten mal wieder eine ihrer Verabredungen gehabt und saßen nun gemütlich zusammen auf Günni‘s Sofa.
G: „Sabine, teuerste, kann ich dir etwas zu trinken bringen.“
S: „Aber Günni, nicht doch. Alles ist in Ordnung. Ich brauche nichts weiter.“
G: „Hat dir denn der Abend Freude gemacht?“
S: „Oh natürlich. Danke, dass du fragst.“
G: „Aber es war ein pathologischer Vortrag meines alten Mentors mit anschließendem Abendessen.“
S: „Ja, und deine Begeisterung war wunderbar genau wie der Charme deines Mentors. Außerdem war das Essen wundervoll.“
G: „Wirklich? Du hast doch…“
S (unterbricht ihn): „Wirklich, Günni. Du brauchst daran nicht zu zweifeln.“
G: „Ich interessiere mich doch nur für dein Wohlbefinden.“
S: „Ich fühle mich wohl, wenn ich in deiner Nähe bin. Dann ist auch egal, was wir tun. Darüber hinaus begleitest du mich auch zu dem Astrologie-Seminar Ende des Monats.“
G: „Nun, ich halte es für wichtig, dass man sich mit den Interessen seines Partners beschäftigt und sie auch miteinander teilt. Nur so kann man seinen Partner wirklich kennenlernen, auch wenn man die Interessen nicht teilt. Für eine funktionierende Beziehung ist das unumstößlich. Das ist mir wirklich wichtig.“
S (lächelt verliebt): „Ja, das finde ich auch.“
Mit einem Lächeln und einem sanften Kuss beendeten die beiden das Gespräch und gingen schlafen.



… wieder andere träumen von neuen Perspektiven…




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=u00aXmJo5oY; „Work Bitch - Britney Spears“ © by Bad Bitch's, YoutubeDE; aufgerufen am 27.05.2015 um 21:12 Uhr


Franz bat seine Assistentin darum, Maria in sein Büro zu zitieren. Verwundert folgte Maria der Anweisung und klopfte an die Tür ihres Vorgesetzten. Sie fragte sich, was der Professor nun wieder von ihr wollte. In letzter Zeit interessierte er sich auffällig häufig für ihre Arbeit. Die Frage war nur, warum. Sie hatte keine gravierenden Fehler gemacht. Es hat keine Beschwerden gegeben, zumindest keine, von denen sie wusste. Warum also stand sie unter besonderer Beobachtung und der Meier hatte mal wieder Narrenfreiheit.. Das war doch echt zum Durchdrehen. Nur weil der seine Tochter flachlegte, konnte sich der Meier mal wieder alles erlauben. Dafür hatte sie nicht jahrelang hart gearbeitet und vor allem würde sie dafür nicht ihre Karriere opfern.
Noch in Gedanken vernahm sie die Stimme von Franz, der sie hereinbat. Maria schob ihre Bedenken beiseite, atmete tief durch und betrat dann das Büro.
F: „Hallo, Frau Dr. Hassmann. Wie schön, dass Sie Zeit gefunden haben. Kommen Sie doch rein und nehmen Sie Platz.“
M: „Ja…äh…danke, also…was kann ich für sie tun?“
F: „Nun, Frau Dr. Hassmann. Ich habe mir in letzter Zeit häufiger Ihre Arbeit angesehen.“
M (unsicher): „Gab es irgendwelche Probleme? Fehler? Beschwerden?“
F: „Aber nein, wo denken Sie hin?“
M: „Und warum beobachten Sie dann meine Arbeit, wenn ich nichts falsch gemacht habe?“
F: „Nunja, das hat einen besonderen Grund.“
M: „Und der wäre?“
F: „Ich plane einen Urlaub mit meiner Frau.“
M (perplext): „Wie bitte?“
F: „Naja, genauer gesagt ist es nicht nur ein Urlaub, sondern eine längere Reise. Seit Jahren schiebe ich das bereits auf, weil immer irgendwas dazwischenkam. So ist es eben als Chefarzt. Aber…“
M (unterbricht ihn): „Was hat denn das mit mir zu tun?“
F: „Nun, ich brauche eine adäquate Vertretung für diesen Zeitraum.“
M: „Und?“
F: „Naja, ich habe da an Sie gedacht.“
M (schockiert): „Wie bitte?“
F: „Ich ziehe Sie als meine Vertretung in Betracht. Also genauer gesagt, habe ich sie als meine Vertretung ausgewählt.“
M: „Was?“
Maria stand der Schock sichtlich ins Gesicht geschrieben.
F: „Sie sollen mich für meinen ausgedehnten Urlaub hier im Krankenhaus als Chefarzt oder eher Chefärztin vertreten.“
M: „Ich?“
F: „Ist das ein Problem?“
M: „Ja….nein…..also…..ich meine, was ist denn mit dem Meier?“
F: „Nun ja, Dr. Meier ist….. ja, wie soll ich sagen….es ist eben Dr. Meier.“
Maria war so sprachlos, dass sie nichts sagen konnte. Daher sprach Franz weiter.
F: „Keine Frage, er ist talentiert und irgendwann auch sicher geeignet für den Posten als Chefarzt. Aber im Moment fehlt ihm einfach noch die Reife für diese Position. Stellen Sie sich mal vor, was passiert, wenn er und meine Tochter sich mal wieder streiten. Dann wüsste mal wieder das ganze Krankenhaus Bescheid und das kann sich ein Chefarzt nicht erlauben. Daher habe ich die anderen Oberärzte beobachtet und sie haben das Rennen gemacht.“
M: „Wow.“
F: „Nun, sind Sie bereit diese Verantwortung zu übernehmen, zunächst natürlich nur für einen begrenzten Zeitraum?“
M: „Was… ich meine doch…äääähhh ja….ja natürlich bin ich bereit. Vielen Dank für ihre Vertrauen.“
F: „Gut, das freut mich.“
M: „Vielen Dank, Herr Professor.“
F: „Das haben Sie sich durchaus selbst zu verdanken.“
M: „Trotzdem danke für die Chance.“
Wohlwollend nickt der Professor seiner Vertretung zu, während Maria sich von ihrem Stuhl erhebt. Bereits an der Tür hielt Franz Maria nochmals auf.
F (lächelt): „Ach und Frau Dr. Hassmann?“
M: „Ja?“
F: „Das ist ihre Chance, sich zu beweisen. Wenn jetzt alles gut läuft, haben sie natürlich auch sehr gute Chancen darauf, dauerhaft meine Nachfolgerin zu werden. Also nutzen Sie sie.“
M (grinst): „Das werde ich. Darauf können Sie sich verlassen.“
Mit diesen Worten verließ Maria das Büro ihres Chefarztes. Ihre Laune war merklich gestiegen und sie schwebte förmlich durch die Flure. Heute war der beste Tag Ihres Lebens. Definitiv. Endlich hatte Sie ihr Ziel erreicht. Endlich war das, wofür sie jahrelang gearbeitet hatte, in greifbare Nähe gerückt. Ihr größter Wunsch erfüllte sich.
Maria begab sich in ihr Büro, nahm auf ihrem Stuhl Platz und besah sich ihr Namensschild. Dr. Maria Hassmann, Oberärztin der Neurochirurgie. Bald würde es heißen: Dr. Maria Hassmann, Chefärztin der Chirurgie. Und darauf freute sie sich jetzt schon wahnsinnig.



… oder von neuen Entwicklungen und anderen Zielen.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=5TPXs5FnGb8; „Good days – Sasha“ © by Sasha, YoutubeDE; aufgerufen am 27.05.2015 um 21:15 Uhr


Schon seit längerer Zeit dachte Maurice über sein Leben nach. Er war nach Berlin gekommen, um zu lernen. Um ein toller Arzt zu werden. Und um dann nach Wien zu seiner Familie zurückzukehren.
Doch dann war alles anders gekommen. Er hatte Maria kennengelernt und langsam hatten sich seine Träume und Wünsche gewandelt. Mittlerweile war es ihm nicht mehr das wichtigste, der nächste Marc Meier zu werden. Auch die Rückkehr nach Wien stand nicht mehr an erster Stelle. Denn das Wichtigste für ihn waren Maria und Melanie.
Sicher war ihm seine Familie sehr wichtig, doch nun zählten auch Maria und Melanie dazu. Außerdem konnte er auch in Berlin ein guter Arzt sein.

In letzter Zeit waren da aber auch noch andere Wünsche. Wünsche, die sein Leben und das seiner Partnerin und ihrer Tochter gänzlich auf den Kopf stellen würden. Immer häufiger fragte der junge Arzt sich, ob es nun die richtige Zeit war. Ob sie als Paar bereit dazu waren. Doch je länger er darüber nachdachte, desto klarer wurde es ihm. Sie waren bereit, zumindest wenn man ihn fragte. Ob Maria das auch so sehen würde, wusste er nicht ganz genau, aber er war nun bereit, das herauszufinden.
Eines Abends nahm Maurice also all seinen Mut zusammen und begann das Gespräch.
Mau: „Maria, bist du glücklich?“
Ma (überrumpelt): „Was?“
Mau: „Bist du glücklich?“
Ma: „Wie meinst du das denn?“
Mau: „Genauso, wie ich es sage. Denk nicht lange darüber nach. Was sagt dir dein Gefühl, dein Verstand? Bist du glücklich?“
Ma (überrascht): „Wenn du mich so fragst, würde ich sagen: Ja. Ja, ich bin glücklich.“
Mau (erleichtert): „ Das ist hervorragend. Mir geht es nämlich ganz genauso. Und daher denke ich schon länger darüber nach, wie das noch gesteigert werden kann.“
Ma: „So, und was haben deine Überlegungen ergeben? Fahren wir in den Urlaub?“
Mau (direkt): „Ein Baby.“
Ma (schockiert): „WAS?“
Mau: „Naja, wir sind doch schon eine ganze Weile zusammen und auch sehr glücklich, wie du mir gerade bestätigt hast.“
Maria nickt.
Mau: „Ich versteh mich gut mit Melanie und wir sind schon richtig zur Familie geworden. Dann ist das doch der nächste logische Schritt, nachdem wir vor einem halben Jahr zusammengezogen sind, oder nicht?“
Ma (durcheinander): „Ja…nein…ich meine…das ist…“
Mau: „Also, ich wollte dich damit nicht überrollen.“
Ma (holt einmal tief Luft): „Nein, das ist schon ok. Du hast mich damit nicht überrollt, sondern eher überrascht. Ich habe einfach nicht damit gerechnet, dass du das ansprechen würdest.“
Mau: „Wie gesagt, ich finde, es ist gerade der richtige Zeitpunkt.“
Ma: „Ich muss sagen, ich hätte nicht gedacht, dass du so denkst. Aber ich bin froh, denn ich muss zugeben, dass ich auch schon darüber nachgedacht hab, vor allem wenn ich dich im Umgang mit Melanie beobachte. Sogar für sie bist du schon irgendwie zu einer Art Vater geworden und du wirst sicher ein wunderbarer Vater werden. Also tun wir’s.“
Mau (überrascht): „Was sagst du?“
Ma: „Naja, jeder Zeitpunkt ist so gut, wie der andere. Und wenn wir bereits beide darüber nachdenken, ist das sicher ein gutes Zeichen. Außerdem machen wir das ja nicht Hals über Kopf. Also lass es uns versuchen. Lass uns ein gemeinsames Baby haben.“
Mau: „Wow, ich freu mich das du das genauso siehst. Dann werden wir jetzt wohl unsere Familie vergrößern.“
Ma (lächelt): „Das werden wir wohl.“
Und glücklich fielen die beiden sich in die Arme. Neben der Karriere gab es nun einen anderen Plan in ihrem gemeinsamen Leben. Ein gemeinsames Baby.



Und dann gibt es diejenigen, die von einer alternativen Realität träumen. Einer Realität, die man vielleicht nie erleben wird. Doch manchmal werden Träume wahr, denn Wunder geschehen.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=DNSUOFgj97M; „Material girl – Madonna“ © by QueenMadonnaHD, YoutubeDE; aufgerufen am 27.05.2015 um 21:20 Uhr


Seit einiger Zeit datete Gabi bereits einen Typen namens Christian, den sie in einer Bar kennengelernt hatte. Gestern Abend eröffnete er ihr, dass er zwar gebürtig aus Deutschland komme, sein Leben nun aber im Ausland mit seiner eigenen Firma führe und deswegen Deutschland auch wieder verlassen müsse. Es gebe irgendwelche Probleme in seiner Firma. Und gehen müsste er bereits Ende dieser Woche.
Gabi war deprimiert. Mal wieder hatte sie sich einen Mann gesucht, der sie verlassen und nie zurückkehren würde und der sich offensichtlich beruflich nicht gerade auf dem aufsteigenden Ast befand. Dabei mochte sie Christian wirklich. Das hatte wirklich was mit den beiden werden können. Doch nun gab es mal wieder keinen Weg zurück. Sie würde allein zurückbleiben und sich jemand anderen suchen müssen.

Diese Erkenntnis zog Gabi so sehr runter, dass sie sich einen Schokopudding in der Cafeteria gönnen wollte. Vielleicht würde das ihre Laune ein wenig steigern.

Traurig löffelte Gabi ihren Pudding, als es plötzlich zu einiger Aufregung in der Cafeteria kam. Die Krankenschwester achtete nicht weiter darauf, da sich wahrscheinlich wieder Marc und Gretchen stritten. Das war immer noch die beste Unterhaltung hier, aber leider auch nichts Neues. Die beiden hatten immer mal wieder Auseinandersetzungen, die lautstark endeten. Statt darauf zu reagieren, sah Gabi weiter aus dem Fenster in den Krankenhauspark, bis eine Stimme sie plötzlich aus ihren Gedanken riss.
C: „Gabi?“
Gabi erstarrte. Was machte Christian denn hier? Wollte er sich nicht heute Abend erst melden, wenn seine Vorbereitungen abgeschlossen waren? Nur langsam erhob sich die Krankenschwester von ihrem Stuhl und wand sich demjenigen zu, der sie angesprochen hatte. Kaum dass sie Christian erblickt hatte, erstarrte sie.
Er stand in einem maßgeschneiderten Anzug von Armani vor ihr und hielt einen riesigen Strauß Rosen in der Hand. Etwas weiter entfernt stand ein Streichquartett, das sich zum Spielen bereit machte, und in der gesamten Cafeteria liefen ca. 20 Personen umher und verwandelten die Cafeteria in ein Meer aus Rosenblättern und Kerzen. Ungläubig blickte Gabi sich um und konnte nicht glauben, was um sie herum geschah.
G: „Was ist denn hier los?“
C: „Ich bereite hier gerade einen besonderen Moment vor. Naja, ich lasse vorbereiten.“
G: „Wie bitte?“
C: „Wozu sind meine Millionen denn gut, wenn ich sie nicht nutze.“
G: „Mi….Millionen?“
C (lächelt): „Ich habe wohl vergessen zu erwähnen, dass meine Firma durchaus erfolgreich ist. Aber das ist hier auch nicht das Wesentliche.“
Christian schaute sich um. Die Vorbereitungen waren beendet und das Ergebnis gefiel ihm durchaus. Daher konnte er seinen eigentlichen Plan nun in die Tat umsetzen.
C: „Gabi, die Rosen sind für dich.“
G: „Danke, sie sind wunderschön.“
C: „Sarah, könnten Sie Gabi die Rosen für den Moment abnehmen, bis wir so weit sind?“
S: „Selbstverständlich, Sir.“
G: „Sarah?“
C: „Sarah ist eine meiner Assistentinnen, aber das erzähl ich dir alles später.“
G: „Und was willst du mir dann jetzt sagen? Wozu das Ganze hier?“
Christian gab dem Streichquartett das Zeichen, zu spielen, bevor er zu reden begann.
C: „Gabi, ich weiß, ich hab dir so einiges verschwiegen, aber ich habe nun mal schlechte Erfahrungen gemacht und wollte das bei dir vermeiden. Daher habe ich dir nicht alles sofort erzählt. Ich wollte das nach und nach tun, doch nun muss ich zurück nach New York, weil es Probleme gibt. Allerdings kann ich den Gedanken nicht ertragen, dich hier zurückzulassen. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, ohne dich zu leben und ich hoffe, dir geht es genauso.“
Gabi konnte kein Wort sagen, also fuhr Christian fort.
C: „Mir ist klar, dass ein Leben an meiner Seite nicht einfach ist. Ständige Reisen. Kein richtiges Zuhause, weil ich 10 von 12 Monaten unterwegs bin, und auch deine Familie und Freunde wirst du weniger sehen. Aber ich werde da sein. An den schönsten Orten der Welt. Paris, New York, L.A., Dubai. All das können wir gemeinsam erleben, wenn du das willst. Wenn du mich willst. Und ich wünsche mir, dass es so ist.“
Während Gabi immer noch schwieg, kniete Christian vor ihr nieder und griff nach ihren Händen. Liebevoll sah er sein Gegenüber an.
C: „Ich weiß, dass ich viel von dir verlange oder eher dich um sehr viel bitte, aber ich könnte es mir nie verzeihen, wenn ich es nicht zumindest versucht hätte. Daher frage ich dich, Gabriele Kragenow: Willst du meine Frau werden und mein verrücktes Leben mit mir zusammen verbringen?“
Bei diesen Worten zog der kniende Mann eine Schatulle aus seiner Hosentasche, die er sogleich öffnete. Gabi leuchtete ein riesiger Verlobungsring mit einem Diamanten entgegen. Die Krankenschwester war so gerührt, dass sich Tränen in ihren Augen sammelten. Endlich erfüllten sich ihre Lebensträume. Endlich würde sie mit einem reichen Mann verheiratet sein und die Welt bereisen. Und dieser Mann war auch noch unwahrscheinlich attraktiv und hatte darüber hinaus noch einige Qualitäten. Was konnte man sich da noch mehr wünschen?
Daher sprudelten die Worte nur so aus Gabi heraus.
G: „Natürlich will ich dich heiraten. Wie könnte ich nicht.“
Christian stand auf, zog Gabi in seine Arme und küsste sie leidenschaftlich. Alle Anwesenden klatschten.
Nachdem die beiden sich voneinander gelöst hatten, wand sich Christian wieder an seine Verlobte.
C: „Na dann geht es jetzt wohl los. Mein Privatjet wartet schon.“
G: „Und was ist mit meinen Sachen, meiner Wohnung, meinem Job?“
C: „Darum kümmert sich Sarah. Deine Sachen werden uns nach New York nachgeschickt. Also los.“
Gemeinsam liefen die Frischverlobten aus der Cafeteria und ihrem neuen gemeinsamen Leben entgegen.



Ja, unsere Träume. Jeder von uns hat welche. Ob groß oder klein, ob realistisch oder nicht, ob in der Gegenwart oder in ferner Zukunft, ob im Beruf oder privat. Wir haben alle das Recht darauf, Wünsche zu haben. Wünsche, die uns antreiben und uns dazu bringen, jeden Tag aufzustehen. Wünsche, die uns ausmachen und die uns begleiten. Unsere Träume sind das, was uns ausmacht, was uns besonders macht. Und der Frühling ist Zeit der Träume. Jeder braucht eine Zeit, in der er träumen darf. Nur so halten wir sie am Leben und nur so können sie irgendwann mal wahr werden.

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