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Dieses Thema hat 29 Antworten
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 Erfindet eure eigene Fortsetzung!
Seiten 1 | 2
GretchenHaaseFan Offline

Mitglied


Beiträge: 1.083

08.06.2015 22:39
#26  Super... Und wer entführt mich? Zitat · antworten

Hey ihr!
So, hier nun das neue Kapitel in Doppellänge. Es sind wieder mehrere Teile. Ich hoffe sehr, ihr habt viel Spaß beim Lesen!

Wie immer würden wir uns sehr über euer Feedback freuen, also, wenn ihr Lust habt, dürft ihr gern sagen, wie es euch gefallen hat. Dazu einfach die Kommiseite besuchen:
Kommentare zur FF von GretchenHaaseFan und Missing_DD (20)
Ich freue mich schon total darauf neue Teile zu posten. Bis dann. HG AndreaImage and video hosting by TinyPic

PS: Bitte entschuldigt, dass der Teil im Herbst spielt, aber so ist es, wenn man vorschreibt. Ich hoffe, ihr könnt euch trotzdem hineinversetzen und trotzdem den Sommer, der jetzt ja endlich da ist, genießen


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Super... Und wer entführt mich?



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S03,E01



WRITTEN BY

GretchenHaaseFan, Andrea


ASSISTED BY

Missing_DD, Elena


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©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=yca2BCwAnBQ; "Tom Jones It's Not Unusual" © by top401965, YouTubeDE; aufgerufen am 28.06.2015 um 14:37




Liebes Tagebuch! Ein Jobangebot der Berliner Charité sollte die ultimative Wendung bringen: Marc Meier würde zu mir aufsehen und erkennen, wie gut ich doch bin! Eine meisterhafte Chirurgin, die es anzubeten gilt und die Mann nur lieben kann!
Doch irgendwie hatte ich nicht das Gefühl, dass er mich deshalb mehr respektieren oder gar lieben würde ...


»Gretchen näherte sich ihm selbstsicher, strich ihm einen Wassertropfen von der Nase, der nach dem Waschen des Gesichts dort verharren blieb, und tat freudig kund: „Ja, was ist denn jetzt? Macht die Frau Dr. Haase doch Karriere? Ohhhh, da ist aber der kleine Marci ganz arg beleidigt. Will doch die Charité lieber die Frau Dr. Haase als den Dr. Meier.“

Marc drückte sie doch leicht angesäuert und genervt von sich. Diese Neuigkeit schockierte ihn innerlich doch irgendwo, doch das wollte er sich nicht anmerken lassen.
„Ach komm, Hasenzahn. Vermisch doch nicht immer deine Träume mit der Realität...“«



Dafür entdeckte aber ein anderer seine Gefühle für mich von Neuem ...

»Gretchen war nach dem langen Tag einfach nur fertig und schlief auf Mehdis Couch ein. Er deckte sie vorsichtig zu, strich ihr zwei Haarsträhnen aus dem Gesicht und meinte zärtlich flüsternd: „Ich werde dich wohl immer lieben, Gretchen!“«



... Ich hatte aber aus meinen Fehlern gelernt! So konnte mir auch ein noch so romantischer Abend in meinem Lieblingsrestaurant direkt am Wannsee kein überstürztes und unüberlegtes Ja-Wort entlocken ...

»„Gretchen, ich liebe dich!“, flüsterte er ihr im romantischen Kerzenschein zu.
Sie riss ihre Hand von ihm los, stand auf, strich sich die Locken aus dem Gesicht und blieb so verharren.

„Gretchen, sag doch bitte was!“, flehte er sie an.
„Können wir jetzt bitte gehen?“, war lediglich ihre Antwort darauf.«



... Wenigstens wusste ich jetzt, dass ich gegen die Romantikmasche endlich immun war. Offensichtlich war ich da nicht die einzige ...

»Franz kam endlich nach Hause und das erwartete Bärbel ungeduldig, die sich schick gemacht hatte für ihr Vorhaben: in hochwertigen Dessous stand sie vor ihm und strich sich gekonnt über Stellen des Körpers, die auch ihn ansprechen sollten.
Doch Franz schien nicht wirklich darauf anzuspringen, er ließ stattdessen Bärbel im Flur zurück, ging ins Wohnzimmer und ließ sich geschafft aufs Sofa fallen.

Bärbel ließ sich ebenso fertig aufs Sofa neben ihn fallen, strich sich einmal durchs Haar, um dann entkräftet zu fragen: „Franz, hast du wieder eine andere?“
Franz: „Butterböhnchen, ich könnte doch nicht...“
Bärbel entkräftet: „Franz, wir wissen beide, dass du kannst!“«



Somit befanden wir uns alle wieder im Liebeskampf, während eine andere womöglich liebend gerne mit uns getauscht hätte ...


»„Was fällt dir eigentlich ein, deine Frau fast tot zu prügeln, du widerwärtiger Dreckskerl?“
„Wie sprechen Sie mit mir?“, fragte er in harschen Tonfall.

Gabi voller Einsatz: „So, wie es sich gehört! Sie sind doch krank! Ihre Frau wäre fast gestorben und dann lassen Sie sie auch noch einfach so im Gebüsch liegen, als wäre sie Müll!“

Plötzlich spürte sie, wie jemand hinter ihr stand. Sie drehte sich um und sah, dass es ein Mann war, der dem, den sie gerade erst noch zu Rede gestellt hatte, sehr ähnlich kam.
(...)
„Johnny, die Alte weiß zu viel. Die müssen wir loswerden! Los, lass uns abhauen!“

Er öffnete den Kofferraum des geräumigen Wagens, in den Gabi unsanft hineingeworfen wurde. (...) Die beiden Männer stiegen schnell ein und fuhren mit quietschenden Reifen davon, während Marc noch in letzter Sekunde versucht hatte die Kofferraumtür zu öffnen, doch es dazu nicht mehr reichte.«






©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=UEIAPvz6HeI; "Ace of Base- I Saw The Sign With Lyrics" © by AFwifey44875, YouTubeDE; aufgerufen am 29.06.2015 um 14:41




Es war das Jahr 1990. Ein turbulentes Jahr. Keiner wusste so genau, ob die Erde nach der Jahrtausendwende zehn Jahre später überhaupt noch existieren würde. Und so war meiner Mutter bereits zu Beginn des neuen Jahrzehnts klar, dass sie vorsorgen müsste. Es war womöglich das erste Jahr, in dem sie sich Dosen- und Fertiggerichten annäherte und das Risiko einging, sich auf eine längerfristige Beziehung mit ihnen einzulassen ...

Auch politisch gesehen läutete es einen Umbruch ein. Man spürte es förmlich. Etwas lag in der Luft! Schließlich war 1990 die Luft noch sehr klar und noch nicht so schadstoffbelastet wie heute. Man konnte sogar noch riechen, dass der erste Schnee bald fallen würde.

Auch sonst war es ein ereignisreiches Jahr. Legenden wie Friedrich Dürrenmatt, dessen „Physiker“ mich im Deutschunterricht schon immer an den Rand der Verzweiflung brachten, B.F. Skinner oder Greta Garbo verließen uns. Andere, wie Emma Watson, Cro oder Toni Kroos wurden geboren, wobei ich jetzt zu Cro und Toni Kroos nicht das beste Verhältnis habe ... Der eine singt immer nur von Liebe und Shoppen in LA, was ich beides so gerne hätte und machen würde, aber jeden Tag wieder aufs Neue daran erinnert werde, dass ich beides wohl nie haben werde, während der andere Fußballer ist und mein Verhältnis zu Fußball nicht erst seit den Bundesjugendspielen in der 3. Klasse gestört ist, als mir Matthias – Matze – Wiegenbrecht, mein männliches Pendant aus der Parallelklasse, einen Ball an den Kopf donnerte und mich damit nicht nur zu einer Lachnummer, sondern auch noch zur unsportlichsten Nichtsportlerin überhaupt machte...

Naja, wie auch immer: Das Jahr 1990 war ein ganz besonderes – auch für die Filmindustrie: So flimmerte doch in diesem Jahr der womöglich erfolgreichste Western aller Zeiten über die Bildschirme. Kevin Costner verkörperte in „Der mit dem Wolf tanzt“ wohl den Traum eines jeden Jungen und wurde so gleich zum zweifachen Oscarpreisträger.

Es war die Geschichte der ganz großen Emotionen, die auch erwachsene Männer, wie meinen Vater, nicht kalt ließ: Ein Mann, im Bürgerkrieg verwundet, hat Angst, sein Bein zu verlieren und möchte sich vom Feinde lieber erschießen lassen - wird dadurch aber unerwartet zum Helden. Ein Mann, der dann einen Außenposten, der verseucht war, besetzt und neu aufrichtet und sich dadurch sogar mit einem Wolf anfreundet und ihn zähmt.
Schließlich verteidigt er auch noch das Dorf der Lakota, woraufhin er zum Mitglied derer wird und – als hätte es nicht anders kommen können– trifft er die Frau seines Lebens.



Ja, nicht erst seit Seifenopfern Mitte der 90er etabliert wurden war mir bereits klar, dass Fernsehen keinesfalls die Realität wiederspiegeln kann...


Trotzdem war ich sehr erstaunt, wie sich Männer doch in diesem Genre wiederfanden. Western waren, abgesehen von dieser Dauerschießerei und diesen barbarischen Kampfszenen, sowieso noch nie meins und auch mein Vater, der diesen Film auf unserer Couch gebannt mit verfolgte, hatte spätestens dann nichts mehr zu lachen, als Kevin Costner in seiner Rolle des Dunbar von seinen ehemaligen Angehörigen seiner früheren Kultur als Verräter gefangen genommen wurde und sein Pferd, wie auch sein geliebter Wolf, erschossen wurden.


Immerhin bestätigte sich dadurch für mich, dass selbst im Fernsehen nicht immer alles rosarot war. Das gab mir durchaus neue Hoffnung ... Gut, das wollte ich mir einreden, denn schließlich hatte ich da ja auch noch nicht das Ende gesehen:
So wurde aus John Dunbar ein Indianer – frei, mit seiner Frau zu fliehen und in die Ferne zu ziehen ...


Aus meinem Vater hingegen wurde eine regelrechte Heulsuse. Diese tragische Geschichte hatte ihn scheinbar doch sehr mitgenommen. Naja, es könnte durchaus aber auch sein, dass ihn nur meine Mutter damit in den Wahnsinn trieb, den Keller als Logistikzentrum für unerwartete Krisen äußerst präzise einzurichten.


Ihre Devise lautete: Kein Millimeter Stauraum darf verschwendet werden.

Meine Devise lautete damals schon: Männer haben einfach keinen Geschmack, was das abendliche Fernsehprogramm angeht! Western rauf und runter schauen, aber „Titanic“ sieben Jahre später mal als kitschigen Schrott abtun ... MÄNNER, echt!!! Tzzzz ...


Ja, das Jahr 1990 brachte viele Veränderungen mit sich. Nur eines hatte sich nie geändert: Ich liebte Marc immer noch abgöttisch und ich hätte ihn auf ewig geliebt, auch, wenn die Welt zur Jahrtausendwende tatsächlich untergegangen wäre, was jammerschade gewesen wäre ... Ich meine, wir hätten dann ja nicht mal Smartphones im Irgendwo oder Nirgendwo, oder wo auch immer ... Muss doch schrecklich langweilig dort sein!
Und noch eines veränderte sich 1990 nicht: Das Ziel, endlich mein Idealgewicht zu erreichen, die Hoffnung, dass endlich kalorienfreie Schokolade erfunden wird und der Traum mit Marc Meier für immer zusammen zu sein.


Ein knappes Vierteljahrhundert später musste ich schließlich einsehen, dass alle drei Wünsche noch nicht wirklich in Erfüllung gegangen waren. Nur die Western hatten nachhaltigen Eindruck hinterlassen und bestimmten auch heute noch meine Träume ...






Langsam sank die Sonne nach einem langen, heißen Tag in der kleinen Wüstenstadt im fernen Texas. Sehnsüchtig hatten einige Ladys auf ihre Helden gewartet. Es hatte eine Schlacht stattgefunden, nur unweit der kleinen texanischen Stadt.
Jedoch wurde es immer später und später. All die anderen Damen, in ihren wunderschönen Kleidern, hatten sich bereits verabschiedet und zurückgezogen. Schließlich wollte sich auch Gretchen zurückziehen, da auch sie den ganzen Tag auf die Heimkunft der Cowboys aus ihrem Dorf gewartet hatte.


Doch alsbald die Sonne hinter den Bergen langsam verschwand, erblickte sie einen ewiglangen Schatten, der beinahe bis fast vor ihre edlen Schuhe reichte.
Erfreut winkte sie ihm damenhaft zu, als dieser sich ihr immer weiter näherte.

Laut und voller Stolz rief sie ihm zu: „Sie sind zurück, starker Held?“
Marc: „Es war ein langer Kampf, edle Dame. Aber die Schlacht konnte ich für uns entscheiden.“

Da standen sie nun, vor den Toren der kleinen Stadt, während die Sonne bald ganz hinter der Bergkette verschwunden war und umarmten sich, während hier und dort in der abendlichen Sommerbrise ein paar Steppenläufer an ihnen vorbeizogen.

Sie ließen sich glücklich wieder los und blickten sich tief in die Augen, als Gretchen bekannte: „Sie sind ein wahrer Held!“

Dann schaute sie sich um und musste schockiert feststellen: „Aber wo ist denn nur Ihr Pferd und Ihr Wolf und wo sind nur die ganzen anderen Cowboys aus unserer Stadt?“

Dabei ließ sie entsetzt ihren Fächer fallen, denn sie ahnte es bereits, als sie sah, wie sich sein Blick veränderte.
Marc drehte sich betrübt in Richtung des Sonnenuntergangs, um die letzten Sonnenstrahlen des Tages noch zu erhaschen und meinte schließlich betrübt: „Sie haben es alle nicht geschafft.“
Gretchen erstaunt: „Sie konnten die Schlacht für sich alleine gewinnen?“
Kurz dachte er nach, dann wandte er sich ihr besonnen zu und fragte lediglich: „Einen Wolf? Ich hatte nie einen Wolf! Nur einen Hasen.“
Dann blickte er ihr erneut tief in die Augen, woraufhin sie einen Schritt auf ihn zutat, da nur dieser sie in diesem Moment voneinander trennte. Dabei fielen ihr die letzten Sonnenstrahlen des Tages ins Gesicht.

Leise hauchte sie ihn an, als sie fragte: „Einen Hasen? Etwa einen mit zwei ‚a‘?“
Sie schloss ihre Augen und erwartete sehnlichst einen Kuss, während die Sonne noch immer ihr Gesicht in einem warmen Ton erstrahlen ließ.

So verweilten sie einen Moment. Er genoss ihren Anblick, während sie in sehnsüchtiger Erwartung zu träumen schien. Doch dann war auch das letzte Tageslicht hinter der Bergekette verschwunden und die Nacht brach schließlich herein, während er ihre Frage nur wie folgt beantwortet: „Oh nein! Einen mit zwei Ohren.“

Nun schlug auch sie wehmütig ihre Augenlider wieder auf, räusperte einmal damenhaft, um ihm dann zu entgegnen: „Nun ja, es ist schließlich immer gut ein zweites Standbein im Leben zu haben.“





©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=HJW7WPhKPsg; "Dances With Wolves - John Barry, Conductor" © by Chris Chivers, YouTubeDE; aufgerufen am 28.02.2015 um 15:12




Marc verunsichert: „Sie haben recht! Es könnte ja eines einmal ausfallen.“

Gretchen: „Zu dumm nur, dass wir nicht auch ein zweites Herz haben!“

Dann drehte sie sich um und wollte sich auf den Heimweg machen. Doch nun ergriff er endlich die Chance und nahm sie sanft bei der Hand, sodass sie keine andere Wahl hatte, als sich noch einmal umzudrehen.

Marc: „Lassen Sie uns einem Moment verweilen ‚Die nach bedingungsloser Liebe sucht‘! Der Sternenhimmel ist heute Nacht so schön zu betrachten, so klar und so edel, wie Sie es sind!“
Gretchen musste geschmeichelt schmunzeln: „Sie sind aber ein Charmeur ‚Der nur geliebt werden will‘.“
Marc: „Dieser Name wurde mir verliehen. Ich würde vorschlagen, Sie nennen mich bei dem Namen, den ich bevorzuge.“
Gretchen überrascht: „Ach ja, und welcher wäre das?“
Marc: „Mister Universe!“

Gretchen ein wenig wehmütig: „Ich muss doch sehr bitten! Bis zur Jahrtausendwende ist es noch hin. Und das wird ganz schrecklich, sage ich Ihnen! Diese ganzen Hochhäuser und diese Computer und dieses Liebeschaos, das diese neue Technik mit sich bringt!“
Marc entsetzt: „Großer Gott! Wird es denn unser Städtchen dann noch geben?“

Gretchen redet sich in Rage: „Nein! Eigentlich kämpfen Sie vergebens ‚Der nur geliebt werden will ‘ ... ähhh ... ich meine ‚Mister Universe‘. Später wird das alles hier mal industrialisiert sein und wir Frauen müssen uns in so enge, äußerst enge, Jeans quetschen, wo man jedes Mal, wenn man sich hinsetzt, Angst haben muss, dass sie einem reist. Sooo peinlich, sage ich Ihnen! Das wollen Sie sich gar nicht mit ansehen!“

Marc führte sie zu einer Bank an einem kleinen Felsen, auf der sie beide Platz nahmen.
„Dann lassen Sie uns das hier genießen, solange es uns noch möglich ist! Und sie dürfen mich gerne wieder ‚Der nur geliebt werden will‘ nennen!“
„Sehr gerne!“, meinte sie nur zufrieden und kuschelte sich an ihn heran, während sie gen Himmel blickten und die Sterne betrachteten und die Kamera langsam von ihnen wegzoomte ...





Doch auch der schönste Traum hat einmal ein Ende ...



„Gretchen, schläfst du noch?“, hörte sie eine weibliche Stimme leise fragen.
„Mhmm“, war ihre Antwort, während sie sich an Marc anschmiegte, der auch an diesem Morgen wieder mal nur ihr Kissen war.

Doch die Stimme, die sie im Halbschlaf vernahm, forderte indes eher lauterwerdend auf: „Gretchen!“
„Lass uns doch noch ne Weile den wunderschönen Sternhimmel betrachten, ja?“, murmelte Gretchen vor sich hin, während sie immer fester das Kissen an sich heran drückte.

„Gretchen, es ist sieben Uhr in der Früh und selbst wenn wir jetzt noch den Sternenhimmel betrachten könnten, würdest du mich nachher eh nur wieder anmeckern, weil dein Frühstücksei in der Zeit wieder hart und kalt geworden ist“, merkte die Stimme entschlossenen Tones deutlich an.

„Wir sind doch aber in Texas, hier ist es nicht kalt!“, murmelte das verschlafene Gretchen vor sich hin.
Schließlich reichte es Bärbel, denn mit großen Schritten näherte sie sich dem Bett ihrer Tochter, zog ihr die Decke weg und rüttelte sie wach.

„Mama, was machst du denn hier in Texas?“, fragte Gretchen noch immer verträumt, als sie sich die Augen gerieben hatte und erkannte, wer da vor ihr stand.
„Wir sind nicht in Texas, Gretchen Schatz! Zudem: Was willst du in Texas? Florida ist doch viel schöner!“, meinte Bärbel lächelnd.



-Das ist nicht gut! Das ist definitiv nicht gut! Träume werden mit jedem Mal intensiver. Sollte eine Anti-Traum-Therapie beginnen!-



Danach stand sie, noch ein bisschen wackelig, auf und machte sich auf den Weg ins Bad. Jedoch konnte sie eine Bemerkung nicht unterlassen: „Da gibt’s aber Schlangen, Krokodile und gaaaanz große Spinnen!“

Während sie ihr Zimmer verließ und in Richtung Bad schlürfte, entsetzte sich Bärbel für einen Moment und faselte vor sich hin: „Ach ja?! Ach du liebe Güte! Dann doch lieber Island als späteres Domizil... Oh nein, aber da gibt’s ja Eisbären!“


Eine andere dagegen hatte auch von Freiheit geträumt, jedoch fand sie sich in einem wahrgewordenem Albtraum wieder ...





In einem verlassenen, dunklen Lager auf einem stillgelegten Industriegebiet:




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Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=NWaNW-aYhVY; "Suspenseful background Music - BRINK - action instrumental Intense Dramatic Film Movie Soundtrack" © by FesliyanStudios, YouTubeDE; aufgerufen am 28.06.2015 um 15:24




„Macht mich endlich los, ihr verdammten Dreckskerle!“, schrie sich eine brünette Krankenschwester schon seit Stunden die Kehle aus dem Hals – angekettet an einen Deckenpfeiler in einer riesengroßen, leeren und staubigen Halle.
Immer wieder flackerte eine Neonröhre an der Decke auf. Die anderen hatten bereits ihren Dienst komplett versagt und Tageslicht war dort nur wenig vorhanden. So saß sie da, schweißgebadet, scharrte immer wieder mit beiden Füßen und zog an den Ketten, um loszukommen, wobei sie jedoch nur Staub aufwirbelte, der sich auf ihr und ihrer schwarzen Lederjacke deutlich sichtbar niederlegte. Sie war dem Nervenzusammenbruch nahe und schrie immer und immer wieder den gleichen Satz, wurde aber mit jedem Mal leiser.

„Das darf doch alles nicht wahr sein“ murmelte sie beinahe geistesabwesend vor sich hin und gab nicht auf, sich nicht doch noch irgendwie befreien zu können.







Derweil am Frühstückstisch der Haases:


Gretchen stürmte etwas hektisch ins Esszimmer und sah Bärbel und Franz schweigend am Frühstückstisch sitzen. Bärbel hielt die Kaffeetasse in der rechten Hand, während sie zum Fenster hinaus starrte.
Franz hingegen schrieb etwas, während er abwechselnd Stift und Marmeladenbrötchen in die Hand nahm. Jedoch konnte er sich immer wieder mal ein kurzen Blick zu Bärbel hin nicht verkneifen, die ihm starr gegenüber saß und stillschweigend hinausschaute – ohne dabei ein einziges Mal zu blinzeln.




Gretchen hingegen machte sich, nachdem sie die bizarre Situation ein paar Sekunden lang begutachtet hatte, auf zum Tisch, setzte sich freudestrahlend und nahm zielstrebig das Nutellaglas mitsamt Wecken in ihre Obhut.



An diesem Morgen schien die Zweisamkeit zwischen meinen Eltern erneut etwas unterkühlt zu sein, es schien etwas vorgefallen zu sein. Könnte aber auch am Wetter liegen ...



Mit einem freudigen „Na, gut geschlafen?“ versuchte sie die Situation aufzuheitern, musste jedoch schnell feststellen, dass sie außer einem irritierten Blick ihres Vaters und einem lauteren Atemzug ihrer Mutter keine weiteren Reaktionen erwarten brauchte.


-Wahnsinn, was für eine Stimmung! Dagegen ist die After-Show-Party der Oscars gar nichts! ... Mit Marc und mir am Frühstückstisch sähe das ganz anders aus. Ach, ja ... Eine traute, heile Familienwelt. So, wie man es sich eben für seine Kinder wünscht-


Verträumt und in Gedanken versunken, wie die Zukunft mit Marc Meier aussehen würde, öffnete sie das Nutellaglas fachmännisch und es schien so, als würde das automatisch ablaufen. Nicht einmal einen einzigen Blick musste sie dabei verschwenden, um das Messer zielsicher ins Glas hinein zu manövrieren. Plötzlich hatte das Messer jedoch Berührungskontakt mit dem Boden des Glases, was sie aus ihren Träumereien riss.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=-Kobdb37Cwc; "The Boomtown Rats - I Don't Like Mondays" © by TheBoomtownRatsVEVO, YouTubeDE; aufgerufen am 28.06.2015 um 15:36




-Mist! Nutella ist alle! Tag fängt schon mal großartig an. Passiert doch meiner Mutter sonst auch nie, dass sie ein leeres Glas auf den Tisch stellt ...-


„Mama, Nutella ist alle!“, sagte sie wie ein quengelndes Kleinkind, während sie sich ihrer Mutter dabei zuwandte.
„Mhmmm“ war allerdings die einzige Antwort ihrer Mutter darauf, die noch immer nicht die Tasse aus der Hand gestellt hatte und noch immer zum Fenster hinaus stierte.
„Ohhhh!“ ließ Gretchen daraufhin nur genervt verlauten, weil sie so einen Start in den Tag schon mal gar nicht gebrauchen konnte.





Wenig später vor dem Haus:


Ein hektischer Morgen im Hause Haase, denn Gretchen, die gerade noch die Haustüre hinter sich zugezogen hatte, eilte hastig ihrem Vater zum Auto hinterher, während sie sich dabei noch ihre Jacke zuknöpfte und den rosa Schal um den Hals warf und fest zuzog, da doch ein kalter Wind an diesem Morgen wehte.


Hatte schon als Kind gelernt, sich nicht alles zu Herzen zu nehmen. Gut, vielleicht außer in Sachen Marc. Jedenfalls würde ein leeres Nutellaglas meine Laune an diesem Morgen nicht trüben. Habe es auch einigermaßen verkraftet, dass nicht einmal im Vorratsraum noch eines war. Lebte schon immer nach dem Motto die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen und immer das Beste draus zu machen ...


„Papa, jetzt warte doch mal! Warum rennst du denn so? Wir müssen erst in einer Stunde im Krankenhaus sein!“, rief sie Franz auf halber Strecke zum Gartentor hin zu, als sie feststellte:

-Verdammt, Mütze vergessen!-, während ihr der eisige Wind nur so um die Ohren pfiff.

Franz, der in der Zwischenzeit schon am Wagen angekommen war und den Öffnungsmechanismus betätigt hatte, meinte nur: „Ich kann dich heute nicht mitnehmen, Kälbchen!“

Gerade erst hatte sie sich umgedreht, um nochmal schnell ins Haus zurück zu rennen und um ihre Mütze zu holen, da blieb sie stehen, wandte sich Franz wieder zu, während ihr der Wind die Haare förmlich ins Gesicht peitschte, und fragte bloß entsetzt „Bitte?“, um ihr Gesicht schließlich im gleichen Moment von ihrer eigenen Lockenmähne wieder zu befreien.


-Gaaaanz, toll! Und warum bin ich dann bitte extra noch früher aufgestanden?!“-


Franz, dem auch seine wenigen Kopfhaare im Wind durcheinandergeraten waren, rief vom Auto aus: „Ich habe noch einen Termin! Du musst zu Fuß oder das Fahrrad nehmen, Kälbchen!“


-Warum frage ich eigentlich noch?! Klar, ich bin extra früher aufgestanden, um bei diesem Scheißwetter ins Krankenhaus zu laufen. Suuuper ...-


Kaum hatte sie ihre gedankliche Erörterung abgeschlossen, sah sie mit an, wie Franz offensichtlich seine Armbanduhr suchte, indem er den schwarzen Mantelärmel leicht zurückschob. Dann ließ er sie anhand seines Augenrollens wissen, dass er eh schon viel zu spät dran war, schlug zusätzlich noch ein paar Mal mit dem Zeigefinger auf seine Uhr, öffnete die Tür, stieg ein und war weg.


-Was hat der denn jetzt für einen Termin? Ich dachte, seine Vorlesungen wären in diesem Semester abends. Gut, so oder so eine Möglichkeit seine Tochter extrem dummdastehen zu lassen. Werde sicher nicht laufen und sicher auch nicht Radfahren. Es ist Ende Oktober. Könnte gut, sein, dass es sogar noch schneit. Okay, eher unwahrscheinlich bei immerhin noch 12°C, aber trotzdem ...
Bitte ... fahre ich halt mit der Bahn. Bin selbstständig und erwachsen und habe jetzt noch reichlich Zeit in den Keller zu gehen, um nachzuschauen, ob sich da nicht doch noch ein Nutellaglas irgendwo versteckt hat!-



Und so machte sich Gretchen mit einem kleinen Lächeln im Gesicht wieder auf den Rückweg ins Haus.





Eine Stunde später:




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=bEJOSvsfYNA; "Fallout 3 Soundtrack - Into Each Life Some Rain Must Fall - The Ink Spots" © by FalloutMusicChannel, YouTubeDE; aufgerufen am 28.06.2015 um 16:11




Natürlich fand ich kein Nutellaglas mehr. Musste also schon kurz vor acht Uhr an diesem Tag feststellen, dass ich wohl zu vorschnell urteile: Es war schwer das Beste aus dem Allerschlechtesten zu machen ...


„Ach Gretchen, heute Abend kommt der Brad Hollister vorbei“, rief Bärbel, die, wenn sie etwas zu sagen hatte, ihren Kopf immer wieder hinter dem Türrahmen der Tür, die ins Wohnzimmer führte, hervorstreckte, sodass sie Blickkontakt zu ihrer im Flur an der Haustür stehenden und wartenden Tochter aufnehmen konnte, die immer wieder hinaus blinzelte und zu allem Überfluss genervt feststellen musste, dass es auch noch zu regnen angefangen hatte.

Gretchen rollte noch genervter mit ihren Augen, während sie sich an die Wand zurückfallen ließ - perfekt präpariert für den Kampf gegen den Sturm mit der tief ins Gesicht gezogenen Mütze, dem fest um den Hals gewickelten Schal und den Handschuhen im Gepäck – um letztlich wenig begeistert darauf zu reagieren: „Brad? Was will DER denn hier?!“


Diese Frage veranlasste Bärbel dazu, nicht mehr nur hinter der Tür hervor zu spicken, sondern vor ihre Tochter zu treten.
„Na, der gibt mir doch jetzt Privatstunden und heute Abend ist doch dein Vater in der Uni. Da dachte ich mir, ich könnte mich doch...“

Gretchen drückte sich fassungslos von der Wand weg, packte ihrer Mutter an die Schultern und versuchte traurigen Blickes den Satz ihrer Mutter zu vervollständigen: „Du hast mit ihm etwas am Laufen? Aber Mama, ihr könnt euch doch nicht hier treffen, also hier ... ich meine ... in unserem Haus. Mama, das finde ich so ... so ... ahhh ... ich dreh durch ...“

Ruckartig ließ sie ihre perplexe Mutter los, fasste sich theatralisch an die Stirn, um sich daraufhin einmal um die eigene Achse zu drehen und sie dann fassungslos anzustarren.
Bärbel leicht erzürnt: „Also, Gretchen! Was denkst du denn von mir? Wir treffen uns hier nur, um ...“
„NUR um Sex zu haben?! Ich glaube es hackt bei dir, Mama! Ist dir Papa so wenig wert, dass du ihn hier in unserem Haus aus Rache betrügen musst? Gut, mit deiner anderen Affäre hast du wenigstens nur in Indien ... oh, diese Vorstellung ... aber doch nicht hier ...“, wies sie ihre Mutter in die Schranken, als sie plötzlich ins Stottern kam, was der Gesichtsausdruck ihrer Mutter nur bekräftigte und sie schließlich erkennen ließ ...



-Oh, Gretchen! Wie wäre es mal zur Abwechslung mit ‚nachdenken‘?! ... Der ist doch schwul!-



Und im selben Moment erkannte sie, was sie ihrer Mutter da unüberlegt eigentlich unterstellt hatte.
„Och Mama, es tut mir leid! Wie konnte ich nur? Ich bin doch wirklich das Letzte...“, gestand sie sich selber ein und umarmte ihre Mutter versöhnlich.

„Ich weiß doch, mein Schatz. Dafür liebe ich dich ja auch!“, flüsterte ihr Bärbel sarkastisch ins Ohr, was Gretchen im ersten Moment allerdings gar nicht erfreute, im zweiten Moment jedoch lachte auch sie schon darüber, während sich beide in den Armen lagen.


Als sie sich wieder losgelassen hatten, versuchte Gretchen, so neugierig, wie sie ist, doch noch in Erfahrung zu bringen, warum die Stimmung zwischen ihren Eltern heute wieder so unterkühlt war.
Gretchen: „Aber jetzt sag doch mal, Mama. Wie war’s gestern mit Papa?“
Bärbel betrübt: „Eine Vase ist zu Bruch gegangen.“
Gretchen in Stimmung: „Oh, dann ging es aber heiß her bei euch. Ich hoffe doch aber nicht, dass ihr es auf dem Sofa ...Oh Mama, sag mir bitte nicht, dass ihr es ...“
Bärbel schaute sie wie erstarrt an, während Gretchen noch hinzufügte: „Ich kann mich doch da nie wieder hinsetzen, wenn ihr es da ...“
Dann aber wies Bärbel sie entrüstet in ihre Schranken: „Also Margarete! Ich bitte dich!“

Nun wandte sie sich von ihr ab und es wurde deutlich, dass der Abend nicht so verlaufen ist, wie sie es sich erhofft hatte. Langsam schlich sie zur Treppe und setzte sich auf die untersten Stufen.

„Was ist denn passiert, Mama?“, wollte sich Gretchen fürsorglich erkundigen, da sie nicht mit ansehen konnte, wie ihre Mutter da auf der Treppe saß – wie ein Häufchen Elend.
„Nichts ist passiert, gar nichts, mein Gretchen. Dein Papa hat mich nicht einmal gesehen ...“, gab sie schluchzend Auskunft.

Dann näherte sich auch Gretchen ihrer Mutter und setzte sich neben sie.
„Jaaa, das habe ich vorhin wiederum gesehen...“, bestätigte sie, um dann gleich darauf noch feststellend zu korrigieren: „Wobei ich es eher andersherum wahrnahm!“

Bärbel fragte kritisch nach: „Wie meinst du das?“
„Na, so, wie ich es sage! Papa hat immer versucht mit dir Blickkontakt aufzunehmen, aber du hast ja nur zum Fenster rausgeglotzt. Man hätte fast meinen können du wärst tot oder eine Wachsfigur, oder aber schon senil und komplett geistesabwesend...“, beschrieb Gretchen ihrer Mutter die Situation, wobei sie mit jedem Wort immer lauter wurde.

Bärbel blickte sie stattdessen mit jedem Wort, das sie sagte, böser an, um sie schließlich leicht erbost zu unterbrechen: „Nun hör mal, ich bin noch voll da und weder krank, noch tot! Du tust ja so, als wäre ich behindert und könnte nicht anders, als nur in eine Richtung zu schauen!“

Leicht sauer erhob sie sich von der Treppe. Gretchen verteidigte sich nur mit einem leicht eingeschnappt wirkenden „Tschduligung“, nachdem sie mit ihrer Mutter noch einen Blick gewechselt hatte, der sagte, dass sie besser nicht weiterfortfahren solle.


Aber auch Bärbel war am Liebesleben ihrer Tochter, wie immer, sehr interessiert. Deshalb zögerte sie nicht lange, um Gretchen auf ihre charmant fürsorgliche Art und Weise auszuhorchen, selbstverständlich verschmitzt grinsend und in entsprechender Tonlage: „Wie war denn eigentlich dein Abend mit dem Herrn Dr. Kaan?“

Das war nun der Anlass für Gretchen, um auch erbost aufzuspringen.
„Mama, dass du das Ganze mit ihm davor auch noch durchgesprochen hast, finde ich unmöglich! Und ich dachte mir noch, woher er wohl weiß, dass ich lieber mit Blick in Richtung Osten sitze“, stellte sie nachdenklich fest, nachdem die ersten forschen Töne schnell abgeklungen waren.

„Gretchen, du hast doch nicht wieder wegen des Sitzplatzes gestritten wie mit deinem Vater früher immer?!“, merkte Bärbel kritischen Untertons an.


„Nein, aber ich glaube, ich habe ihn trotzdem verärgert...“, gab es Gretchen mit einem Mal zu denken, sodass sie sich wieder leicht betrübt auf die Treppe setzte.
Bärbel dagegen ahnte Schlimmes, was man ihrer Frage, die eher nach einem Vorwurf klang, deutlich anmerken konnte: „Gretchen, du hast doch nicht wieder...“

Gretchen blinzelte zweimal genervt, um dann gleich darauf verunsichert nachzuhaken: „Wieder WAS?“


Bärbel theatralisch: „Einen Heiratsantrag gemacht?!“

Ein äußerst genervtes „Ohhh“, das Gretchen nicht unterdrücken konnte, kam über ihre Lippen, wobei sie wütend die Augen zukniff und mit beiden Fäusten auf die Trennstufe schlug, da sie wusste, eine unsachliche Bemerkung würde seitens ihrer Mutter kommen.
„ICH mache sicher nicht jedem dahergelaufenen Mann, der ein bisschen auf Romantik macht, einen Antrag!“, schrie sie ihre Mutter verzweifelt an, die nur betroffen nickte, da sie bemerkte, wie sehr das ganze Liebeschaos an ihrer Tochter zehrte, als diese sich wieder fasste und verunsichert anfügte: „Aber er hat mir einen gemacht, naja, indirekt. Aber hätte ich gesagt, dass ich ... dass ich ... ach, Mama, du weißt schon ...“

Diese schüttelte fragend mit dem Kopf, woraufhin Gretchen klar war, dass sie nicht wusste, auf was sie hinauswollte und weswegen sie sich leicht in Rage redete – dort, auf der Treppe.

„Ich glaube, er hätte mich gefragt, ob ich ihn heiraten möchte. Wozu denn sonst dieses ganze Romantik-Hütten-Edel Diner-Dreckszeugs?!“, fragte sie Bärbel rhetorisch und wusste zugleich schon, welche Reaktion sie von Bärbel erwarten durfte. Diese trat natürlich auch umgehend ein: Zuerst schrie sie kurz laut auf, ballte beide Fäuste zusammen, schmiss sich diese regelrecht an ihre Backen und grinste wie ein Honigkuchenpferd. Dann rannte sie auf Gretchen zu, setzte sich neben ihre leicht geknickt wirkende Tochter und umarmte sie das zweite Mal an diesem Morgen.



-Wahnsinn, so viel Liebe habe ich an einem Tag von meiner Mutter auch noch nie erhalten ...-



„Ach mein Gretchen, das sind doch so schöne Neuigkeiten!“, tat sie kund und strahlte dabei über beide Ohren, ehe sie hinzufügte: „Und ich hab dem Dr. Kaan noch geraten dir keinen Antrag zu machen, weil das Frauen ja auch so verunsichert beim ersten Candle Light Dinner.“


„Das glaube ich jetzt ja nicht!“, brach aus Gretchen heraus, die nun nicht mehr geknickt, sondern stocksauer zu sein schien. Mit einem Mal riss sie sich von Bärbel los, stand abermals auf, ging in Richtung Haustür, wobei sie sich mehrmals an den Kopf fasste, um sich wieder zu ihr zu drehen und außer sich den Zeigefinger auf Bärbel zu richten.
„Warum zwangsverheiratest du mich denn nicht gleich, Mutter?!“, schrie sie zornig.
„Na, sooo viel Geld haben wir dann nun auch wieder nicht, Gretchen!“, war Bärbels Antwort. Doch ihre Aussage hatte etwas an sich. Sie sagte es so, als würde es ihr leid tun, dass sie sie nicht zwangsverheiraten könnte.

Und während Bärbel so sinnierte, erlitt Gretchen beinahe wieder einen hysterischen Anfall.



-Sollte Mütze und Schal besser ausziehen, sonst drohe ich noch zu explodieren, so koche ich! Und DAS wäre nicht förderlich für die Frisur, zumal es ja auch noch so windet ... Ohhh ... Wie kann sie nur?!-



Kaum hatte sie zu Ende gedacht und sich gedanklich aufgeregt, klingelte es an der Tür. Während Gretchen ein paar Sekunden brauchte, um sich wieder zusammenzureißen, war Bärbel in dieser Zeit bereits aufgesprungen, nachdem sie sich gefragt hatte „Wer ist denn das um diese Zeit?“ und gen Tür gerannt. Als sie an dieser angekommen war und gerade aufmachen wollte, pfiff Gretchen sie zurück: „Ich mach auf, Mama! Ist schließlich auch meine Mitfahrgelegenheit bei diesem Sauwetter ...“

„Ahja“, ließ Bärbel betrübt verlauten, da sie insgeheim gehofft hatte, es wäre jemand für sie. Sie trat einen Schritt zur Seite, sodass Gretchen öffnen konnte. Bis diese allerdings an der Tür angekommen war, hatte Bärbel schon überlegt, wer es denn sein könnte.

„Ist ER es?“, fragte sie und erhoffte sich, dass sie recht hatte. Dazu versuchte sie einen Blick durchs Fensterglas der Tür zu erhaschen, hatte jedoch keinen Erfolg.
„Wen meinst du, Mama?“, fragte Gretchen sichtlich erfreut, als sie zur Tür lief.

Gerade, als sie die Hand an die Türklinke gelegt hatte und öffnen wollte, äußerte Bärbel ihren Verdacht, um sie darauf gleich in Sachen Lebensplanung zu unterrichten: „Der Dr. Kaan, stimmt’s? Aber vermassel es nicht wieder, Gretchen! Und wenn er dir einen Antrag macht, dann sag ‚Ja‘! Könnte schließlich der Letzte sein, der dir einen macht. Du wirst ja auch nicht jünger. Bald bist du 34! Ab 35 machen dir nur noch Verrückte einen ...“


Umgehend ließ Gretchen die Klinke los, drehte sich nach rechts, um ihre Mutter zurechtzuweisen: „Mutter, es reicht! Ich heirate, wann ich es für richtig halte und werde sicher nicht dem Nächstbesten um den Hals fallen. ICH hab aus meinen Fehlern gelernt, ja!“

„Ja, aber der Dr. Kaan ist doch...“, wollte Bärbel noch anmerken, doch Gretchen unterbrach sie frühzeitig: „Es ist nicht Mehdi. Es ist Marc!“
„Etwa Marc MEIER?!“, hakte Bärbel kritisch nach, wobei sie ‚Meier‘ sehr sonderbar, fast schon wie von Sinnen, betonte.

Gretchen hingegen war immer noch leicht genervt und wollte sich einen Scherz mit ihr erlauben, als sie sarkastisch antwortete: „Ähm, nein... Marc-O-POLO natürlich!“

Als sie aber Bärbel für ein paar Sekunden ansah, musste sie feststellen: -Gut, ich glaube den Gag hat sie jetzt nicht geschnallt-


„Natürlich ist es Marc, Mama!“, entgegnete sie ihr daraufhin erklärend.
Bärbel hingen äußerte Bedenken: „Aber Gretchen, ich dachte der will sich nicht festlegen und du ...“

Bärbel konnte den Satz jedoch nicht vollenden, denn es klingelte ein zweites Mal und Gretchen bat anhand ihrer Handgestik, dass sie doch bitte wieder ins Wohnzimmer gehen soll, was sie erstaunlicherweise auch umgehend tat – wenn auch leicht widerwillig.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=8SbUC-UaAxE; "Guns N' Roses - November Rain" © by GunsNRosesVEVO, YouTubeDE; aufgerufen am 28.06.2015 um 16:37




Dann öffnete sie schwungvoll die Tür und es war tatsächlich Marc, der da stand.


-Gott, sieht der sexy aus, wie er sich da so lässig mit einer Hand an der Wand abstützt und dann auch noch diese leicht zerzausten Haare und die paar Regentropfen, die an ihm herunter perlen. Ja, so könnte jeder Regentag beginnen und schon wäre es kein schlechter Tag mehr ...-


Dem Schwärmen wurde jedoch schnell ein Ende gesetzt.
Marc genervt: „Boah, Hasenzahn, warum dauert das so lange? Es pisst!“


-Hatte jetzt irgendwie doch eine nettere Begrüßung erwartet. Gut, Schneefall im Sommer wäre realistischer gewesen, aber trotzdem ...-


Gretchen zynisch: „Dir auch einen wunderschönen guten Morgen, Marc!“
Marc begutachtete Gretchen kritisch, um dann schließlich monoton festzustellen: „Du siehst heute irgendwie wie vom Winde verweht aus ...“, woran sich sein hämisches Grinsen anschloss.
„Danke, mir geht’s auch super!“, konterte sie ebenso monoton.

„Wenn man so sexsüchtig ist wie du, Hasenzahn. Kein Wunder, dass du so aussiehst ... ein bisschen durchgenudelt, würde ich mal sagen“, meinte er in abfallendem Ton, ohne dabei an seinen Macho-Blicken zu sparen.

Hektisch drehte sich Gretchen kurz mehrmals um, da sie merkte, wie ihre Mutter sie belauschte und immer wieder mal hinter dem Türrahmen hervor spickte. Marc beobachtete dieses Spektakel interessiert.

Gretchen hingegen war die Situation äußerst unangenehm, was auch Marc bemerkte, denn sie sprach doch mit deutlich reduzierter Lautstärke: „Marc, bitte! So redest du nicht über mich vor meiner Mutter. Klar?“

„Äh, Hasenzahn ... Hast du Halluzinationen? Ich seh deine Mutter ehrlich gesagt nicht“, erwiderte er, nachdem er sich mehrmals schauspielernd umgeblickt hatte.


Da Gretchen aber genau wusste, dass ihre Mutter sie beobachtete, fasste sie kurzerhand die Türklinke, machte einen großen Schritt hinaus und zwang Marc dazu, ebenso zurückzugehen, sodass er wieder im Regen stand, während sie die Türschwelle übertrat und die Tür hinter sich zuzog.

„Wollen wir nicht noch auf Mehdi, oder vielleicht Gordon warten?“, fragte Marc leicht gekränkt.
„Bitte? Warum sollte Mehdi hier sein?“, fragte sie so, als würde sie vertuschen wollen, dass sie sich gestern erst noch getroffen hatten.
Danach ging sie auf Marc zu, der aber scheinbar keine Annäherung zulassen wollte, denn er drehte sich um und lief zu seinem Wagen. Es machte sie fuchsig, dass er einfach wieder davonlaufen wollte, weshalb sie ihm umgehend hinterherrannte.


Natürlich stürmte sie ihm, der schnellen Schrittes Richtung Wagen lief, sodass sie kaum eine Chance hatte ihn einzuholen, hinterher. Gerade, als er den Bürgersteig verließ und um den Wagen herum zur Fahrertür gehen wollte, hatte sie ihn doch noch endlich eingeholt und ging vor ihm auf die Knie, nicht real, sondern indem sie ihm mit ihren Worten um Vergebung bat.

„Marc, ich hatte nichts mit Gordon und auch nichts mit Mehdi oder sonst wem! Und ich habe auch sonst mit keinem etwas ...“, gestand sie ihm in flehend-bittender Tonlage, was ihn dazu veranlasste, sich umzudrehen und ihr in die Augen zu schauen.

In ihnen erkannte er, dass sie ernst meinte, was sie beteuerte. Denn diesen Blick hatte sie schon seit jeher, wenn sie etwas bereute, wie jetzt, wo sie doch eigentlich gar nichts getan hatte.
„Ich habe wirklich mit keinem etwas...“, beteuerte sie abermals mit einem bittenden Hundeblick und dachte dabei: -Außer jeden Tag in meinen Gedanken und jede Nacht in meinen Träumen mit dir, du Arsch!-


Und auch, wenn er ihr Glauben schenkte, konnte er seiner Manier einfach nicht wiederstehen und ließ sie, wie sie da vor ihm stand – im Regen und Wind, flehend und bittend – weiter zappeln, indem er zynisch anmerkte: „Äh, gut. War’s das jetzt oder bist du mit deiner peinlichen Schmierenkomödie immer noch nicht fertig? So, wie du hier rumheulst, könntest du glatt in einem SAT1-Film Protagonistin sein.“

Gretchen tat Marcs Aussage lediglich mit einem vorgetäuschten Lächeln ab, bis er schließlich feststellte: „Das heißt also: Wir können dann endlich?“
Gretchen neckisch: „Wieso haste es denn so eilig? Sind etwa die von ‚Alarm für Cobra 11‘ hinter dir her, weil du so schlechte Witze machst, oder so schlecht Auto fährst, dass du eingebuchtet gehörst?“

„Hasenzahn, lehn dich nicht zu weit aus dem Fenster!“, rief er ihr zu, als er sich daran machte die finalen Meter zur Autotür hin zu beschreiten.
„Ach du, da es heute regnet, hatte ich eh nicht vor offen zu fahren. Versaut mir nur meine Frisur“, entgegnete sie ihm, während sie sich auf den Weg zur Beifahrertür machte.

Als sie schließlich eingestiegen waren und sich angeschnallt hatten, merkte Gretchen interessiert an, wobei sie sich umblickte: „Ich bin noch nie in deinem neuen Sportwagen mitgefahren, sondern das letzte Mal war es noch diese alte, hässliche, weiße Schrottkarre.“

Marc zynisch: „Äh, Hasenzahn ... für dich hat die definitiv auch ausgereicht.“
„Ähm, was meinst du damit?!“, erkundigte sich Gretchen etwas beleidigt und leicht angesäuert.
„Dass ich sie trotzdem geliebt habe!“, stotterte Marc murmelnd vor sich hin.

Gretchen hingegen entdeckte in dieser Bemerkung eine tiefere Botschaft, und hakte zuversichtlich nach: „Sie?“
Doch Marc meinte damit wohl keine Person, so, wie er Gretchen durch Gestik und Mimik in diesem Moment auflaufen ließ: „Äh ja, das Auto ...?!“

Gretchen hatte ein anderes Geständnis erwartet. Das erkannte wohl auch Marc, so laut atmete sie genervt aus. Dann öffnete sie ihre Tasche, die sie auf den Schoß gelegt hatte und kramte darin herum, ziellos, so, als würde sie gar nichts suchen. Das begutachtete auch Marc und kurz schien er zu überlegen, ob er ihr nicht doch noch etwas sagen wolle. Das las sie seiner Mimik ab, als sie kurz einen Blick riskierte und sah, wie er wie versteinert in den Fußraum stierte. Sichtlich hoffnungserfüllt und sehnsüchtig wartete sie auf Worte aus seinem Mund, die sie schon ewig hören wollte.


-Ihm liegt etwas auf der Zunge. Oh Gott ... und wenn es endlich das Liebesgeständnis ist, auf das ich schon seit Ewigkeiten warte? Sollte vielleicht meine Mütze ausziehen, hinterlässt sicherlich einen besseren Eindruck und wirkt romantischer ... Ach Marc, jetzt sag es doch endlich. Bitte! Ich kann nicht mehr länger warten! Ich bin bald 34 und ab 35 bekommt Frau nur noch Verrückte ab. Bitte, Marc, lass es mich endlich wissen, wie du für mich empfindest!-


Doch dann erwachte er aus seiner kurzen Trance, drehte den Zündschlüssel um, während Gretchen gerade ihre Mütze auszog und sich in die Haare griff und sie über die Schultern legte, damit sie besser aussahen. In freudiger Erwartung blickte sie ihn an. Marc hingegen meinte nur: „Du, also wenn du hier was dreckig machst, kannste nachher gleich noch sauber machen!“

-DAS war jetzt wirklich nicht das, was ich hören wollte ...- dachte sich Gretchen nur genervt und blickte ihn erbost an, bevor sie sich kopfschüttelnd nach rechts drehte und zum Fenster hinaus blickte.

GretchenHaaseFan Offline

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29.06.2015 21:19
#27  Super... Und wer entführt mich? (Teil 2) Zitat · antworten

Merklich gekränkt holte sie einmal ganz tief Luft, um ihn dann anzuschauen, ihm direkt und ganz tief in die Augen zu blicken.
Was sie vor allem sah war Verunsicherung und Angst davor, das auszusprechen, was doch beide insgeheim wollten.

„Eigentlich wollte ich etwas anderes hören, Marc!“, gestand sie ihm so, als hätte sie den letzten Funken Hoffnung noch nicht verloren gehabt.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=S_Z8htqeArc; "Katy Perry-The One That Got Away-Sub al español-Video Official.wmv” © by Stephany Salcedo, YouTubeDE; aufgerufen am 21.10.2015 um 10:39




Stotternd, aber ohne mit seinem Blick von ihren Augen zu lassen, kam er nur über seine Lippen: „Äh ... du kannst auch den Handstaubsauger nehmen?!“

Ein verzweifeltes „Ohh!“, das so klang, als befände sie sich am Rande eines Nervenzusammenbruchs, kam über ihre Lippen, während sie dabei ihre Tasche griff und wütend vom Schoß in den Fußraum schmiss. Dieser Wutausbruch kam auch für Marc unerwartet, der kurz zusammenzuckte.

Gleich darauf bemerkte er allerdings, wie sie zu schluchzen anfing und er sollte recht damit behalten, dass sie ein paar Tränen auch an diesem kühlen Morgen nicht unterdrücken konnte.
„Mein Gott, warum kannst du es nicht einfach sagen, Marc? Ich weiß doch, dass es dir weh tut, wenn mich mit anderen siehst“, eröffnete sie ihm, während sie sich nach und nach die Tränen von den Wangen wischte.

„Ich ... ich ... gar nichts tut mir weh!“, druckste Marc nur rum, nachdem er seine Blicke wieder von ihr abgewandt hatte. Doch er konnte nicht wegsehen. Immer wieder musste er Blickkontakt mit ihr aufnehmen.

Gretchen: „Und deshalb sprichst du auch immer von Gordon oder Mehdi, mit denen ich etwas gehabt haben soll, ja?! Deshalb hast du Gordon eine reingehauen, weil er mich auf einer dämlichen Party geküsst hat, ja?! Weißt du Marc, ich wünsche mir doch nur ...“

Dann sah auch Marc den Moment gekommen, in dem er sich verteidigen musste: „Boah, Hasenzahn! Was wünschst du dir?“
Auch er atmete einmal tief aus und schlug dabei mit beiden Händen gegen das Lenkrad.
„Dass du mir einfach nur sagst, ob du mich liebst und ob du dir mit mir eine Zukunft vorstellen kannst, oder nicht! Ich halte das einfach nicht mehr aus, Marc“, gestand sie ihm schluchzend, aber bestimmt.

„Boah, Gretchen!“, schrie er, während er dabei die Augen zukniff und mit beiden Händen erneut fester gegen das Lenkrad schlug.

„Was?“, fragte sie zunächst etwas irritiert und auch ein bisschen eingeschüchtert.

Einmal schnaufte er tief durch, um danach wieder seine Augen zu öffnen und sich zu ihr hinüberzulehnen. Vier Sekunden wartete er, ehe er ausholte – sachlich, in sanfter Tonlage: „Äh ... du hältst das nicht mehr aus?! DU bist doch die, die mir immer nachrennt. DU bist die, die immer alles gleich falsch und am liebsten gleich als Heiratsantrag auffasst ... DU rufst mich morgens an, ob ich dich abholen kann und zwängst dich in mein Auto. DU, Hasenzahn, bist dein eigenes Problem!“


Das konnte und wollte sie nicht auf sich sitzen lassen und nachdem sie ein wenig über das, was er gesagt hatte, nachgedacht hatte, kurz die restlichen Tränen aus den Augen gewischt hatte, einmal hinausgeschaut hatte, und wieder Blickkontakt mit ihm aufgenommen hatte, merkte sie gereizt an: „Ohhh ... Ich hab mich sicher nicht hier reingezwängt, Marc. Ich bin nämlich nicht Beth Ditto!!!“

Das war der Moment, in dem Marc erkannte, sie würde nicht zusammenbrechen, weshalb er sich eine zynische Bemerkung auch nicht sparen konnte: „Aber auch nicht Heidi Klum oder Gisele Bündchen, Hasenzahn!“

Kurzzeitig schien sie ebenso wie Marc darüber zu schmunzeln, doch schnell musste er erkennen, dass dem ganz und gar nicht so war, spätestens ab dem Zeitpunkt, als sich ihre Trauer in Wut wandelte und er das Gefühl hatte, dass der Regen auch immer lauter aufs Autodach prasseln würde.

„Ja, jetzt kommt wieder die Nummer. Mach dich und mich ruhig lächerlich, Marc. Ich bin bald eh weg“, gestand sie ihm, ohne ihn noch eines Blickes zu würdigen.
„Du ... du ... nimmst also das Angebot von der Charité an?!“, fragte er ungläubig und so, als würde es ihm den Hals zuschnüren.

„Nein, Marc! Ich habe mich fürs NASA-Programm eingeschrieben und flieg demnächst zum Mars!“, schnauzte sie ihn von der Seite an und verzog dabei wütend und getroffen zugleich das Gesicht, um dann in nachdenklicherer und traurigerer Tonlage anzufügen, während sie aus dem Fenster blickte: „Oneway. Dann muss ich dich wenigstens nie mehr wieder sehen und du brauchst mich auch nie mehr wieder abzuholen.“

Marc dachte wohl wirklich, sie würde das ernst meinen, so geschockt, wie er fragte: „Das meinst du doch jetzt wohl nicht ernst?!“

Gretchen wandte sich ihm zu, rollte mit den Augen, um dann wieder lauter kund zu tun: „NATÜRLICH NICHT!!!“

-Bin für eine Marsmission schließlich viel zu unsportlich und egal, wie oft Marc mir noch weh tun würde: Selbst wegen ihm würde ich KEINESFALLS auf feste Nahrung verzichten wollen. Nie und nimmer!-


Für ein paar Sekunden herrschte Stillschweigen im Wagen. Einzig und allein der Regen meldete sich kontinuierlich zu Wort.
Dann fasste sich Gretchen jedoch ein Herz: „Maaarc, ich wünschte mir, dass du einfach mal das sagen könntest, was du wirklich denkst.“


Erneut überkam sie die Hoffnung, Marc könnte sich endlich durchringen. Das verriet allein ihr Blick. Doch schnell wurde ihr klar, dass sie darauf wohl noch lange warten könnte.

„Ich ... äh ... ich denke“, fing Marc stotternd an, während Gretchens Augen immer größer wurden und ihr ein erwartungsvolles „Jaaa?“ über die Lippen kam, das sie ihm sehnsüchtig zu hauchte.
„Ich denke... wir sollten los. Sonst sind wir zu spät“, meinte er erbarmungslos.

Mit einem enttäuscht klingenden „Mhmmm“ bestätigte Gretchen Marcs Feststellung, wandte sauer ihren Blick von ihm ab, um nach ihrer Handtasche im Fußraum zu greifen und sie sich genervt wieder auf den Schoß fallen zu lassen, während Marc die Scheibenwischer betätigte, den ersten Gang einlegte, dabei noch einmal zu ihr hinüberblickte und sah, wie sie enttäuscht zum Beifahrerfenster hinaus starrte, um dann loszufahren.





Die ganze Fahrt über wechselten wir kein Wort mehr miteinander. Ich war so wütend, so enttäuscht. Es tat so weh, dass er einfach nicht dazu stehen konnte. Obwohl ich wusste, er liebt mich.
Andere waren da schon weiter als wir. Zwar nicht alle, aber immerhin welche ...






Im Stationszimmer:


Sabine saß wieder einmal vor dem Computer im Stationszimmer und hackte auf die Tastatur ein, um Akten elektronisch zu vervollständigen, als Maria hereinstürmte, um sich einen Kaffe zu holen.

Das tat sie auch, doch irgendwie schien sie etwas von Sabine in Erfahrung bringen zu wollen. Das war der einzige Schluss, der daraus gezogen werden konnte, dass sie sich mit der Kaffeetasse an die Schrankwand anlehnte und eine geraumen Zeit Sabine zuschaute, wie sie da rumhackte.
Gerade, als sie mit Sabine eine Konversation beginnen wollte, stürmte Günni herein.


Günni: „Oh, guten Morgen, Frau Dr. Hassmann!“
„Mhm!“, tat diese lediglich kund, wobei sie wenig erfreut nickte.

Das war auch der Moment, in dem Sabine aus ihrer Konzentration gerissen wurde und bemerkte, dass Maria da an der Schrankwand stand.
Dennoch schenkte sie vor allem einem, nachdem sie die Situation realisiert hatte, ihre vollste Aufmerksamkeit.

Sabine erhob sich vom Stuhl und strahlte über beide Ohren, als sie „Günni!“ liebevoll ausrief.
„Ich wollte fragen ...“, fing dieser leicht beschämt an, da Maria ihn ständig von oben bis unten begutachtete.

„Jaaa?“, fragte Sabine glücklich.
„Ob ... ob ...“, blickte dabei aber immer zögerlich zu Maria, um dann schließlich mutig und entschlossen zu fragen: „Frau Dr. Hassmann, würde es Ihnen etwas ausmachen, uns kurz allein zu lassen?“

„Oh, danke, dass Sie mich vorwarnen, Gummersbach. Ihre Schweinerein, die Sie beide miteinander im Bett treiben, will ich nun wirklich nicht wissen!“, konterte die ein wenig eingeschnappt, da sie sich doch ausgegrenzt fühlte.
Natürlich war das für sie auschlaggebend, um noch einmal nachzulegen: „Andere haben einen Leder- und Latexfetisch und Sie beide ... einen Alien-Fetisch? Ohh, wenn ich mir vorstelle: Sie in Alien-Kostümen beim Sex ... DAS ist selbst für mich zu viel!“, meinte sie herablassendem Tonfall und schlich ums Eck, um am Tisch platzzunehmen.

Natürlich konnte sie es nicht lassen, während sie Kaffee trank, die beiden zu belauschen.




©:
Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=E-Z7bHOPyY0; "i Corti di Ula" © by Pataterna, YouTubeDE; aufgerufen am 28.08.2014 um 10:27




Günni fing erneut an mit „Ich wollte ...“, ging dann aber doch noch ein paar Schritte zur Wand hin, um das Eck besser einsehen zu können und um sicherzugehen, dass Maria nicht doch lauscht. Da er sie nicht entdeckte, ging er davon aus, sie wäre auch nicht mehr da.

„Jaaa Günni?“, fragte Sabine abermals verliebt nach.
„Willst du heute in der Cafeteria mit mir Mittag machen?“, fragte er nun endlich liebevoll.
„Ja, ich will!“, war Sabines verträumte Antwort, während es Maria am Tisch fast völlig verging bei derartigen Gefühlsduseleien und Schwärmereien.

„Und willst du heute Abend mit mir ausgehen?“, war seine zweite Frage.
Doch mit Sabines Antwort darauf hatte er nicht gerechnet: „Nein, ich will nicht ... also ich kann nicht ...“, wobei sie sich in den Stuhl zurückfallen ließ.
„Aber warum denn nicht?“, fragte Günni perplex und verzweifelt zugleich.
„Heute Abend habe ich meiner Mutter versprochen mit ihr Mühle zu spielen...“, erklärte sie traurig.

„Das verstehe ich natürlich!“, gab er geknickt bekannt.
Kurze Zeit herrschte Stille, in der Maria – dem Gesichtsausdruck nach – fast das Kotzen kam.
Dann kam Günni eine Idee: „Und wenn ich einfach mitspiele?“
Sabine kritisch: „Aber ... du kannst doch gar nicht Mühle ...“
„Verdammt, das stimmt natürlich auch wieder“, musste er zustimmen, ehe ihm ein neuer, genialer Einfall kam: „Ich kann es aber lernen! Deine Mutter könnte es mir doch beibringen! Oder meinst du ... sie ...“
Sabine unterbrach erschrocken: „Du meinst ... sie ... sie täuscht nur vor, dass sie es kann?“

„Nein, ich meine eher, ob sie überhaupt schon so weit ist, um mit mir ...“, überkam ihn die Unsicherheit.
„Ich ... ich denke schon. Sie redet sogar schon wieder von Papa!“, merkte sie freudig an.
„Und das ist ein gutes Zeichen?“, hakte Günni noch immer unsicher nach.
Dann stand Sabine wieder auf, lehnte sich über den Tresen und flüsterte ihm lächelnd zu: „Ein sehr gutes!“


Auch Günni lehnte sich über den Tresen und gab ihr einen Kuss, direkt auf den Mund, denn seine Unsicherheit war verflogen. Das hörte auch Maria, die eher angewidert vom Glück anderer schien.

„Dann werfen wir heute Abend die Mühlen an!“, freute sich Günni, als er das Stationszimmer verließ und Sabine noch einmal zum Abschied winkte. Diese war überglücklich und strahlte wie ein Honigkuchenpferd, als Maria endlich ihre Chance sah, sich nach dem zu erkundigen, was sie bewegte.
So schlich sie wieder ums Eck, näherte sich Sabine und stellte sich hinter sie. Diese erschrak und ließ sich in den Stuhl zurückfallen, drehte sich um und fragte nur entsetzt: „Haben Sie etwa alles mit angehört, Frau Dr. Hassmann?“

„Ja, aber keine Sorge, Sabine. Ich werde Ihre kranken Vorlieben nicht als Buch veröffentlichen! ‚50 Shades of Günni‘ klingt dafür einfach zu unsexy“, stellte sie gehässig fest.

„Das verstehe ich jetzt nicht ...“, gab Sabine zu, während sie im selben Moment darüber lachte.
„Das war mir klar!“, bekannte Maria, die danach einen Schluck Kaffee trank.


Sabine lächelte verunsichert, ehe sie sich wieder umdrehte und dem PC-Bildschirm widmete.
Maria hingegen lag doch noch etwas auf dem Herzen und so versuchte sie sich, ein bisschen beschämt, zu erkundigen: „Sagen Sie mal, Sabine ...“, während sie nach vorne ging, sich an den Tresen stellte und die Kaffetasse darauf abstellte.
Sabine, die gerade wieder mit dem Tippen begonnen hatte, blickte fragend zu ihr auf, als diese fortfuhr: „Hat er sich nach mir erkundigt?“

„Nein!“, riss die ihre Augen entsetzt auf, was Maria dazu veranlasste, kurz zu schlucken.
„Ach, wirklich nicht?“, fragte sie noch einmal, worauf sie als Antwort lediglich ein zögerliches Kopfschütteln bekam. Betroffen nickte sie, ehe sie nochmals nachhakte: „Und was meinen Sie: Warum nicht?!“

„Nun ja, wir sprechen nicht über Kollegen“, erhielt sie als Antwort.
„Ach so ... ja klar. Kollegiale Ebene und so, ich versteh schon ...“. So versuchte Maria ihre Gefühle zu überspielen.

„Nein! Wir lieben uns!“, kam es aus Sabine herausgeschossen.
„Bitte?“, fragte Maria außer sich.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=fhafRxHUHm8; "Blondie Rip Her to Shreds 1976" © by Beto Lujano, YouTubeDE; aufgerufen am 28.06.2015 um 17:17




„Das ist keine kollegiale Beziehung, Frau Dr. Hassmann!“, schrie Sabine sie an, da sie meinte, Maria würde nicht an ihre Liebe glauben.

„Was sind Sie eigentlich für eine Schlampe?“, warf sie Sabine wütend an den Kopf, wobei sie sich wie ein Gorilla auftürmte und auf Sabine zustürmte, die mit ihrem Bürostuhl aus lauter Angst ruckartig nach hinten rollte.

„Wie reden Sie mit mir?“, schrie sie eher hilferufend, als sie von Maria eingeholt wurde und diese sie am Kittelkragen packte.
„So, wie es sich gehört, Sie ... Sie ... billige Vorzimmerschlampe!“, schrie sie Sabine wutentbrannt an.


„Lassen Sie das!“, versuchte sich Sabine krampfhaft zur Wehr zu setzen und packte sie, noch immer im Stuhl sitzend, auch am Kragen. Beide zogen heftig aneinander, als Sabine mitsamt dem Stuhl nach hinten kippte und reflexartig noch versuchte, sich am Tischrand festzuklammern, dabei aber eine Schachtel, die am Tischrand stand, so wie eine Aktenablage mit hinunterriss. Und so gingen Sabine und Maria zu Boden, während auch die Schachtel auf den Boden krachte und ein lautes Klirren ertönte, das beide zusammenzucken ließ und Sabine Böses erahnen ließ.

Einen kurzen Moment verblieben sie so, Maria auf Sabine liegend und rechts neben ihnen die Schachtel und eine ganze Aktensammlung und links von ihnen der umgekippte Bürostuhl.


Erst, als eine Stimme, die beiden bekannt vorkam, ertönte und bestimmend fragte: „Was ist hier los?!“, erhob sich Maria schlagartig von Sabine, rückte ihre zerzausten Haare und die hochgerutschte Bluse zurecht, während Sabine nur die Schachtel im Blick hatte, schnell hinübergriff, sie öffnete und entsetzt gleich wieder zu machte und vor sich hin murmelte: „Großer Gott, ich bin tot!“

Maria hingegen drehte sich schnell um und beteuerte peinlich berührt: „Es ist nicht so, wie es aussieht, und tot ist Sabine auch nicht, Herr Professor!“

„Das sehe ich auch!“, meinte Franz wenig erfreut, um sich gleich darauf zu erkundigen: „Was ist hier vorgefallen?“
„Eine ganz unglückliche Verkettung ganz unglücklicher Umstände, Herr Professor!“, schoss es wie aus der Pistole aus Maria heraus.

„Für mich sah es eher so aus, als hätten Sie miteinander einen Zickenkrieg ausgeführt!“, meinte Franz ermahnend.

„Naja, das kommt ganz drauf an, wie lange Sie schon zuschauen ...“, murmelte Maria mit einem aufgesetzten, falschen Lächeln im Gesicht, das die Situation bestenfalls heruntergespielt hätte, während Franz sich dem Tatort schleichenden Schrittes näherte und die Situation kritisch beäugte, wie Sabine da betroffen auf dem Boden in einem Meer aus Aktenblättern saß, die Schachtel in den Händen hielt.


Lauterer Stimme fragte er Sabine: „Schwester Sabine, was sagen Sie dazu?“
Diese erschrak erneut, schnellte hoch und stand, mit der Schachtel in der Hand, die sie fest umklammerte, wie eine Soldatin vor ihrem Offizier und blickte ins Leere, während Maria neben ihr versuchte Blickkontakt mit ihr aufzunehmen und sie dringlich darum bitten wollte nichts dazu zu sagen.

Monoton äußerte sie sich aber doch: „Die Nilpferde sind alle tot, Herr Professor!“

Natürlich hatte Franz keine andere Antwort von Sabine erwartet, was man an seinem Augenrollen mehr als deutlich erkennen konnte und auch Maria verstand nicht, was sie damit sagen wollte. Franz jedenfalls gab noch die Anweisung „Sie bringen das alles in Ordnung hier, aber flott“, was Maria immer noch peinlich berührt abnickte, ehe er das Stationszimmer wieder verließ.


Wie versteinert blieben beide noch kurz nebeneinander stehen, bis Maria das Gewissen plagte: „Es tut mir leid, Sabine! Mir ist so etwas schon mal mit Haase passiert, als es um Dr. Kaan ging! Aber Maurice ist mir wichtig. Ich kann einfach nicht fassen, dass Sie Günni mit ihm betrügen!“. Dabei rückte sie sich ihren Kittel zurecht und strich nochmals sicherheitshalber durchs Haar.

„Ich mach was?“, fragte Sabine, die noch immer ins Leere starrte, zögerlich, bis sie verstand, was Maria ihr da unterstellte.
„Ich mach gar nix!“, fauchte sie Maria an. „Was verbreiten Sie denn schon wieder für Lügenmärchen?“, fragte sie erbost.

„Also, ich bitte Sie, Sabine! Sie, ja ... Sie haben es ja schon zugegeben!“, versuchte sie sich krampfhaft zu verteidigen.

„Ich dachte sie meinen Günni! Und mit dem bin ich zusammen, auch, wenn Ihnen das nicht passt!“, setzte sich Sabine zur Wehr.
„Achso, und ich dachte, Sie reden von Maurice!“, erläuterte Maria, wobei ihre Stimme immer mehr versagte, als sie erkannte, dass es nur ein Missverständnis war.

„Oh, Sabine. Das tut mir leid. Ach, ich weiß auch nicht. Seit Maurice ausgezogen ist, weiß ich einfach nicht, was mit mir los ist ...“, erklärte sie ihr tief bereuend.
„Wie kann ich dieses peinliche Fehlverhalten nur wieder gut machen?“, fragte sie Sabine flehend.

„Sie könnten mir Nilpferde kaufen!“, meinte die mit zittriger Stimme.
„Ähm ja, vielleicht fangen wir mal mit ... Meerschweinchen... an?!“, konterte sie zynisch.
„Nein, Sie verstehen nicht! Da drin sind... nein, da drin waren die Nilpferde von Oberschwester Stefanie. Die bekommt doch ein neues Büro und zieht gerade um und gab sie in meine Obhut! Ich sollte auf sie aufpassen und jetzt sind sie kaputt!“, redete sich Sabine in Rage, während sie immer wieder auf die Schachtel deutete, die sie in Händen hielt.

„Dann kaufen Sie ihr halt neue ...“, wollte Maria als Lösungsansatz vorschlagen.
„Aber das sind die Unikate! Die gibt es sonst nirgendwo mehr!“, schrie sie Maria verzweifelt an.
„Ja, blöd gelaufen, was?“, meinte Maria nur, da sie auch keine wirkliche Idee hatte, was Sabine hätte tun können.

„Das ist das Ende, Frau Dr. Hassmann!“, gestand sie ihr geknickt.
„Immerhin haben Sie Günni“, war Marias Reaktion darauf.

„Das stimmt ... Frau Dr. Hassmann! Das könnte funktionieren!“, dankte Sabine, von neuer Hoffnung gepackt und machte sich auf und davon.

Da pfiff Maria sie zurück: „Äh, Sabine...“
„Ja?“ rief die ihr vom Gang aus zu.
„Und wer räumt das hier auf?!“, wobei sie auf das Blätterchaos am Boden deutete.
Sabine ging ein Licht auf und formulierte dieses eine Personalpronomen auch so: „Sie...!“, drehte sich daraufhin um und rannte den Gang hinunter.

Genervt schüttelte Maria den Kopf, bückte sich und murmelte vor sich hin: „Alles muss man hier selber machen ... von der Oberärztin zur Putze. Ich fass es nicht!“


Genau in diesem Moment kam Maurice herein und sah sie, wie sie da auf dem Boden kniete, um gleich darauf sichtlich gekränkt wieder davon zu laufen.





Vor dem Krankenhaus:


Gretchen und Marc kamen derweil am Krankenhaus an und Marc fuhr lediglich rechts ran, stellte aber weder den Motor ab, noch machte er irgendeinen Anschein austeigen zu wollen.

Das war auch für Gretchen der Moment, um das Schweigen, das seit der Abfahrt herrschte, zu unterbrechen: „Willst du nicht vom Recht auf einem Parkplatz zu parken, Gebrauch machen? Mein Gott, Marc! Das ist doch sooo kindisch. Ob wir nun zusammen reingehen oder nicht, spätestens in zehn Minuten laufen wir uns doch sowieso wieder irgendwo über den Weg.“

Marc: „Ich geh nicht mit rein.“
Gretchen zog sich währenddessen ihre Mütze wieder über, strich sich ein zwei Haarsträhnen aus dem Gesicht, um ihn dann verunsichert zu fragen: „Wie... Du gehst nicht mit?“
„Ich habe noch einen Termin“, war lediglich seine Antwort, ohne sie eines Blickes zu würdigen.
„Du hast jetzt noch einen Termin?“, fragte sie ungläubig.
„Boah, ja! Oder spreche ich etwa Telugu?“, schnauzte er sie an.

Genervt schüttelte Gretchen den Kopf und auch in ihr machte sich ganz schlechte Stimmung breit. Wütend zerrte sie am Sitzgurt, da dieser sich partout nicht lösen wollte. Auch nach mehreren Versuchen schien sie keine Chance zu haben von Marc loszukommen.
Das Spektakel, das doch ein wenig Zeit in Anspruch nahm, schaute sich auch Marc an, ehe er sich ihrer erbarmte und mit einem einzigen Daumendruck den Sitzgurt aus dessen Schließmechanismus lösen konnte.

Dann riss sie wütend die Tür auf, und wollte gerade aussteigen, hatte schon einen Fuß draußen im Regen stehen, als er doch noch etwas zu ihr sagte: „Wie willst du es eigentlich alleine in der Charité schaffen?! Du brauchst mich doch!“

Dieser Ausspruch gab ihr zu denken. So verharrte sie einen Moment in dieser Position, mit einem Fuß im Regen stehend, kurz vor der Explosion.

Dann besann sie sich, fasste neuen Mut, zog ihren Fuß wieder ins Auto herein und die Tür zu.
Für etwa fünf Sekunden schenkte sie Marc keinen einzigen Blick, sondern starrte zur Windschutzscheibe hinaus, wo sie Mehdi sah, wie dieser gerade das Krankenhaus betrat.

Dreimal schüttelte sie grinsend den Kopf, ehe sie angewidert zu Marc hinüberblickte.




Ich hatte die Wahl: Ich hätte wieder einmal vor Marcs abgrundtiefer Gemeinheit fliehen können, verdrängen können, wie sehr ich ihn liebe.

Doch das wollte ich nicht. Egal, wie weh er mir noch getan hätte – ich hätte nicht aufgegeben.

Schließlich bin ich eine Frau. Wie würde die Welt wohl aussehen, wenn es Frauen nicht gäbe?
Emanzipation wäre wohl ein Fremdwort. Die Parkanlage würde im Frühjahr nicht bunt blühen, denn es hätten wohl irgendwelche Männer jämmerliches Dauergrün eingepflanzt. Die Schokoladenindustrie wäre wohl nie auf Kreationen wie Erdbeer-Schoki gekommen, stattdessen müssten wir wohl andauernd Bier-Schokolade essen.
Ja, Frauen hatten schon immer viel bewegt. Frauen regieren sogar Länder. Sie sind immer mit Problemen konfrontiert.
Meines hieß Marc Meier und sah unglaublich gut aus. Die Chance, dass er mich abweisen würde, stand zwar extrem gut, aber das nahm ich in Kauf. No risk, no fun.
Auch wenn er mich wieder auflaufen lassen hätte, ich wusste, dass ich kämpfen würde.
Hasenzahn lebt und liebt vor allem einen: Dr. Marc Meier. Auf in die Schlacht! Hasenzahn, du schaffst es ...





„Äh, drehst du jetzt völlig durch?“, fragte Marc verblüfft, als Gretchen aus ihren Gedanken gerissen wurde.
„Bitte?“, fragte sie zögerlich.
„Äh ... ja ... du hast irgendwie ‚Hasenzahn du schaffst es‘ oder so gesagt...“, berichtete er ihr.

„Waaas?!?!“, fragte sie extrem laut, sodass Marc dem Gesichtsausdruck nach wirklich glaubte, jetzt drehe sie vollends durch. Gerade wollte sie dazu ansetzen, nochmals zu beteuern, dass sie das nicht gesagt habe, doch da fing sie an ein wenig hysterisch zu lachen und versuchte ihm beizubringen: „Das hast du sicher nur geträumt“.
Dabei klopfte sie dem Augenschein nach ein bisschen peinlich berührt zweimal auf ihre Handtasche, was Marc schmunzelnd betrachtete.


-Gott, jetzt rede ich nicht nur im Schlaf, sondern auch schon bei simplen Gedankengängen. Gretchen, es geht definitiv bergab mit dir ... In zehn Jahren sitze ich zu Hause und bin dement ... Naja, so lange Marc dann wenigstens bei mir ist ...-


„Na, was ist jetzt?“, fragte Marc drängelnd und fügte hinzu: „Ich muss jetzt langsam echt weiter.“

Und als sie ihn so ansah, wie er da auf dem Fahrersitz saß, hätte sie beinahe kein Wort mehr herausgebracht. Doch dann nahm sie allen Mut zusammen, nachdem sie nochmals sich ihre Strähnen aus dem Gesicht strich, und fing verträumt an: „Ich brauche dich ja gaaar nicht...“
Darauf folgte eine kleine Pause, in der sie ihn anlächelte und sie auch der Meinung war, es hätte sich ebenso in seinem Gesicht ein winziges Lächeln abgezeichnet.
Verträumt führte sie fort: „Nicht mal in zehn Jahren, wenn ich dann schon dement bin...“

„Du hast Demenz?“, fragte er entsetzt und erschrak sich dabei doch.
„Nein, natürlich nicht“, versuchte sie abermals mit einem leicht hysterisch wirkenden Lachen zu überspielen, als sie realisierte, dass sie schon wieder ihre Gedanken laut geäußert hatte.
„Aber man muss ja auch ans Altern denken, irgendwie... Man wird ja auch nicht jünger“, fügte sie nun doch schon recht melancholisch an.
„Gretchen, du wirst 34!“, entgegnete Marc ihr daraufhin so, als würde ihm das Überdramatisieren der Situation gewaltig auf den Keks gehen.
„Ja eben!“, schrie sie doch leicht verzweifelt. „In sechs Jahren bin ich 40. Ich habe zwei gescheiterte Hochzeiten hinter mir. Wenn ich Glück habe, dann werde ich mit 50 mal Oberärztin, wenn ich bis dahin wieder nicht auf eine neue Fachrichtung gekommen bin, die ich ja mal ausprobieren könnte...“

„Ich dachte du wolltest Notfallmedizinerin werden?“, hakte Marc kritisch nach.
„Eigentlich weiß ich gar nicht, was ich will. Ich weiß nur, dass ich nicht mit Ende 30 dastehen will, nach einer Fehlgeburt, verlassen von meinem Freund, wie die Hassmann... Ich will nicht so enden, Marc!“, gestand sie ihm.

„Die Hassmann hatte eine Fehlgeburt?“, fragte Marc und klang so, als würde es ihn doch treffen.
Es war ein ehrlicher Moment zwischen den beiden. Der eine entsetzt, die andere den Tränen wieder einmal unglaublich nahe, so nahe, dass sie einfach raus mussten.

„Ja, aber bitte behalt‘s für dich, Marc“, flehte sie ihn um Fassung ringend an.
Marc: „Hat Knechtelsdorfer sie deshalb sitzen lassen?“
Gretchen verneinte kopfschüttelnd, während sie nach einem Tempo in ihrer Handtasche kramte: „Sie hat es ihm nie erzählt, glaube ich. Aber bitte Marc, das muss unter uns bleiben! Ich glaube, die Steigerle ahnt schon wieder was. Die versuchte erst kürzlich mich wieder so komisch auszuquetschen...“




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=tdCY0CgMoq8; "10cc - I m Not In Love" © by Ichnos71live, YouTubeDE; aufgerufen am 28.06.2015 um 17:37




In ihrer Handtasche fand sie zwar kein Tempo, doch in ihrem linken Blickwinkel sah sie, wie eines auf sie zukam. Mit einem kleinen Lächeln nahm sie es entgegen, was sich nur vergrößerte, als Marc Frau Dr. Steigerle nachäffte: „Ha, seh i etwa so aus, als wär I a alda Tratschtanta?! I kann mei Gosch halda, versprocha!“

Gretchen musste einfach verliebt lachen, während er das sagte und schnell war all die Trübsal vertrieben.

„Woher kannst du so gut Schwäbisch?“, fragte sie schmunzelnd nach, während sie sich die Augen trocknete.
„Ich... ich war eben schon immer fremdsprachbegabt“, brüstete er sich.


Ein nochmaliges verträumtes Schmunzeln konnte sie sich nicht verkneifen, und auch Marc nicht, doch dann wurde sie wieder ernster: „Marc, auch, wenn ich damit die Magie zwischen uns wieder zerstöre...“, fing sie an auszuholen, wobei sie kurz die Augen schloss, um in sich zu gehen, bevor sie erneut mit den Tränen ringend weiterfortfuhr: „Warum fällt es dir nur so verdammt schwer die Sprache deines Herzen zu sprechen und sie in die richtigen Worten zu fassen? Warum kannst du nicht einfach sagen, was du fühlst? Warum hast du so große Angst davor?“

Erneut bleib es nicht nur beim Ringen mit den Tränen, als sie noch zugab: „Ja gut, ich geb’s zu: Ich brauche dich! Warum kannst du es nicht auch zugeben? Ich weiß nämlich, dass du nicht anders fühlst!“

„Ich... äh... ich weiß nicht“, war Marcs stotternde Antwort darauf. Doch sie merkte, dass es auch ihn nicht kalt ließ.
Stille machte sich breit, die einzig und allein durch Gretchens Schluchzen gestört wurde. Nach wenigen Sekunden entschloss sie sich die Tür zu öffnen.




Ich wollte gehen. Für einen Moment wollte ich den Kampf doch aufgeben. Wie John Dunbar in ‚Der mit dem Wolf tanzt‘, wollte ich mich dem Feind – seiner Unfähigkeit mit dem Herzen zu sprechen – geschlagen geben, weil ich Angst hatte ihn ganz zu verlieren. Ich wollte keine Schmerzen, keine Abfuhr mehr. Ich wollte gar nicht wissen, ob ich nicht doch irgendwann gewonnen hätte.
Ja, ich wollte weg. Doch wie John Dunbar wurde auch ich ungeahnt und erwartet zur Heldin, zu Marcs Herzensheldin, denn er überwand unsere Sprachbarriere, ganz plötzlich und vollkommen unerwartet...





Gerade wollte sie aussteigen, da spürte, sie, wie er sie an der Schulter festhielt, sodass sie nicht mehr entkommen konnte.

Sanft legte er seine beiden, warmen Hände an ihre Wangen, lächelte sie liebevoll an und flüsterte ihr zart hauchend zu: „Vielleicht, weil ich lieber Taten sprechen lasse ...“,
So beantwortete er ihre erste Frage und zog sie schlussendlich zu sich heran, um sie zu küssen, so, wie sie es sich immer gewünscht hatte. Ihre Lippen berührten sich und zum ersten Mal fühlte sie sich an diesem Morgen nicht wie im Regen stehen gelassen, denn er küsste sie.



...und es war eine Sprache, die auch ich verstand ... Doch nicht nur mein Schicksal änderte sich urplötzlich auf wundersame Weise ...





Unterdessen in der Lagerhalle:


Gabi hatte es indes aufgegeben. Sie dachte, sie müsse sterben, als sich plötzlich die schwere Eisentür auftat und die zwei Gestalten, die sie entführten, eintraten.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=tnb-YZPt7iM; "Epic Suspenseful Action Music Instrumental #2 Dramatic Intense Heroic Movie / Film Soundtracks" © by FesliyanStudios, YouTubeDE; aufgerufen am 12.02.2015 um 16:27




Kaum fiel der Lichtkegel des von draußen hereinbrechenden Tageslichts auf sie, fing sie von neuem an: „Macht mich sofort los, oder ich... ich“ und zog mit aller Kraft wieder an den Ketten, die sie festhielten.

Die beiden Männer näherten sich ihr und zu ihrer Verwunderung hatten beide keine Maskierungen auf. An das Gesicht dessen, den sie angemacht hatte wegen der verletzten Frau, konnte sie sich noch erinnern, an den zweiten, den er „Johnny“ nannte, jedoch nicht. Umso erstaunter war sie, als die ohne Maskierung vor sie traten.

„Hilfe, jetzt bringen die mich um, jetzt ist’s aus, jetzt bin ich tot...“, murmelte sie schockiert und zog sich doch wieder komplett an den Pfosten zurück und verharrte ruhig bleibend.

Als dann einer auch noch etwas aus seiner Lederjackentasche kramte und etwas hervorholte, schrie sie, so laut sie konnte: „Ahhhhhhh! Nicht schießen! Bitte nicht schießen!“
Dabei drückte sie fest die Augen zu, denn sie rechnete fest damit, dass ihre letzten Sekunden auf dieser Welt angebrochen waren.

„Schießen? Aber wir sind hier doch net in ner Schießbude, junge Dame!“, lachte sie einer der Typen an. Beide hatten sie schwarze Lederjacken und schwarze Hosen an, der eine, den sie als ‚Johnny‘ schon kennenlernen durfte, war von kräftigerer Statur, während der andere Kompagnon nicht ganz so kräftig war, aber auch nicht gerade schlank. Dieser ‚Johnny‘ war so um die 2,00 Meter, während sein Kompagnon so um die 1,80 Meter groß war.


Zögerlich öffnete sie beide Augen, und traute denen erst gar nicht, als sie sah, wie ihr dieser ‚Johnny‘ eine Tüte hinreichte, in denen sich normalerweise Backwaren eines Bäckers befinden.

„Ja, nun nehmen’s schon, junge Dame!“, forderte er sie auf und hielt die Tüte noch weiter in ihr Gesicht.
„Was ist das?“, fragte Gabi noch immer am Boden zerstört und dieses Empfinden rührte nicht daher, dass sie angekettet war und im Staub auf dem kalten Boden hocken musste, sondern vielmehr verdankte sie das dem Auftritt der beiden.

„Ne Seele mit Käse und Gurke!“, sagte der Typ ganz lässig mit seiner tiefen Stimme.
„Was?“, rief sie verzweifelt, da sie die Welt gerade nicht mehr verstand.


Der Typ namens ‚Johnny‘ haute zur Verwunderung und zum Entsetzen Gabis zugleich die Tüte mitsamt der Seele darin seinem 20 Zentimeter kleineren Kompagnon auf den Kopf, der reflexartig zusammenzuckte und Gabi „Ahhh!“ aufschreien ließ.

„Und ich sagte noch: Was ist, wenn die Veganerin ist? Die essen doch gar nix Tierisches! Das nächste Mal geh‘ ich einkaufen und du bleibst im Wagen, Walde!“, gab ‚Johnny‘ in bestimmender Tonlage bekannt, während er mit der Tüte wild herumfuchtelte.

„Das nächste Mal? Es wird kein nächstes Mal geben!“, meinte sein Partner verzweifelt und in etwas höherer Stimmlage.
„Das hilft uns jetzt auch nix mehr!“, meinte der andere erbost, worauf er schreiend als Antwort erhielt: „Ja, wegen dir stecken wir mächtig in der Scheiße!“

Gabi verstand derweil die Welt nicht mehr.
„Walde?“, fragte sie ungläubig mit weit aufgerissenen Augen, während sie das bizarre Spektakel, der Streit der beiden Entführer, der sich ihr unmittelbar vor ihren Augen in der halbdunklen Lagerhalle bot, verdutzt mit anschaute.

„Oh... Sie haben recht! Schlechte Manier unsererseits. Das ist Waldemar Hees und ich bin Joachim Gau...“, meinte der größere der beiden, als er Gabis leise Frage hörte und sich wieder ihr zuwandte.

Der kleinere Entführer riss seinem größeren Partner schließlich die Tüte aus der Hand und wollte sie ihm ebenfalls über den Kopf ziehen, jedoch musste er, scheinbar nicht zum ersten Mal, genervt feststellen, dass er einfach zu klein war.

„Was ist denn?!“, fragte der Größere.
„Du kannst doch nicht unsere Namen preisgeben, du Idiot!“, wurde er angeschrien.


Dann meldete sich auch Gabi wieder zu Wort, die während des gesamten Verlaufs ordentlich zu sortieren hatte: „Okaay ... das heißt ihr seid zu dritt?“
„Du dritt? Wieso das denn?“, fragte der Kleinere nach.

„Na, gestern hieß noch einer ‚Johnny‘, als ihr mich...“, stellte Gabi fest.
„Ach so, das. Ne, ne. Das ist Joachims Spitzname...“, meinte der Kleinere erklärend, während er auf den Größeren zeigte und dabei lachte.

Den Satz konnte er jedenfalls nicht ganz aussprechen, da wurde ihm die Seele aus der Hand gerissen und über den Kopf gezogen, was Gabi erneut zusammenzucken und kurz aufschrien ließ.

„Bist du bescheuert?“, fragte der Kleinere genervt und strich sich über seine Halbglatze, so, als hätte ihm der sanfte Schlag extrem zugesetzt.

„Wieso? Zuerst maulst mich an, dass ich unsere Namen nicht sagen darf, aber du darfst es, oder was?“, verschränkte Joachim beleidigt wie ein kleiner Schuljunge die Arme.


Gabi, die noch immer am Boden lag und gebannt zuschaute, wusste nicht, was gerade geschieht. Alles war so surreal. Die Entführer schienen keine zu sein, da sie noch nicht einmal einer Meinung waren.
Nachdem sie sich langsam wieder gesammelt hatte und die beiden Entführer vor ihr wie beleidigte Leberwürste standen, musste sie sich doch nochmal vorsichtshalber erkundigen: „Okaaay... Was ist hier eigentlich los?“

Die beiden schauten sich gegenseitig an, nickten und gingen dann auf Gabi zu, was ihr abermals Angst machte, sodass sie sich zusammenkauerte und zitternd die Augen schloss.

Die beiden gingen allerdings in die Hocke und als Joachim anfing auf sie einzureden, öffnete sie auch wieder verunsichert ihre Augen: „Nun ja, sagen wir mal so... Es lief alles etwas aus dem Ruder...“


„A... aus... aus dem Ruder?“, hakte Gabi zögerlich und verwirrten Blickes nach.
„Sagt man das nicht so?“, fragte er irritiert, da er annahm, er hätte ein falsches Sprichwort von sich gegeben.

Nun wurde Gabi aber sauer, dass er die Situationen so bagatellisierte und aus ihrem ängstlichen Blick und der zittrigen Erscheinung wurde ein finsterer Blick und eine aufbrausende Erscheinung, die selbst den beiden Angst machte.
„Aus dem Ruder gelaufen? Aus dem Ruder gelaufen?!“, schrie sie wie verrückt und zerrte wie wild an den Ketten, sodass die beiden vor Schreck aus der Hocke heraus zurückfielen und nun ebenfalls auf dem Boden saßen.

„Ihr werft mich in einen Kofferraum, kettet mich an diesen dämlichen Pfeiler an und lasst mich hier im Staub verrotten!“, schrie sie und wurde mit jedem einzelnen Wort noch lauter.

„Das tut uns leid! Das war ja auch nicht so gepla...“, wollte der andere geschockt ansetzen, um sich zu erklären, als Gabi ihn mitten im Satz unterbrach: „Das kann euch auch leidtun! Guckt doch mal, wie ich aussehe!“
Vollkommen rot angelaufen, außer sich und schwer atmend hörte sie auf an den Ketteln zu rütteln, sank wieder zu Boden, nachdem sie sich während ihres Wutanfalles leicht aufgerichtet hatte – so gut es angekettet eben ging – wobei sie eine leichte Staubwolke auslöste, wartete einen Moment erschöpft, um sich dann selber entkräftet Haarsträhnen aus dem Gesicht zu pusten.

„Das war wirklich nicht so geplant“, bekräftigte Joachim und versuchte um Verständnis zu werben.
„Ja, das will ich auch hoffen!“, schrie sie abermals, nachdem sie wieder zu Kräften gekommen war, um noch als Anmerkung anzufügen: „Sonst hätte ich doch nie diese sauteure Lederjacke angezogen! Guckt sie euch doch mal an!“

„Die ist schön, sieht ein bisschen aus wie unsere...“, entgegnete ihr Waldemar erstaunt und erfreut zugleich, woraufhin sie erzürnt schrie: „NEEE... die sieht jetzt ganz VERDRECKT und KAPUTT aus, ihr HORNOCHSEN!!! Wisst ihr eigentlich, was die gekostet hat?!“

Aus Gabis Wut wurde plötzlich Trauer: „Ich habe so lange auf die hin gespart und jetzt... womit habe ich das nur verdient? WOMIT NUR?!“
Die beiden hatten durchaus Mitleid mit ihr, wie man ihrer Mimik entnehmen konnte, als sie so da saß und um ihre Jacke trauerte.

„Ne Reinigung kriegt das sicher wieder hin!“, meinte Waldemar zuversichtlich und tröstend, woraufhin er nur einen bitterbösen Blick erntete, Gabi jedoch danach gleich in Tränen ausbrach.




Und während Schwester Gabi allen Grund zu trauern hatte, hatte ich allen Grund zu jubeln. Keine Träne musste ich mehr vergießen, weil mir etwas kaputtgemacht wurde. Nein, zum ersten Mal seit langem hätte ich vor Glück heulen können und das nicht nur, weil meine Mutter endlich wieder einen Schokokuchen gebacken hatte, oder ich sage und schreibe fünf Gramm abgenommen hatte. Nein, es war noch viel besser und unbeschreiblicher, denn es war der beste Kuss, den ich je bekommen hatte ...




Unterdessen im Auto vor dem Krankenhaus:


Gretchen und Marc küssten sich noch immer und es wurde allmählich heiß im Wagen. Es knisterte förmlich und das lag nicht nur am laufenden Motor. Sie hatten sich gefunden, nachdem sie sich auch lange genug gesucht hatten. Es schien endgültig, denn sie konnten nicht mehr voneinander lassen.


-Es hätte ewig so weitergehen können. Ich liebte ihn und ich spürte, dass er mich auch liebte. Es war kein Abschiedskuss. Es war der Kuss, der sagte: Ich bin bereit. Ich brauche dich! Ich liebe dich ... Ja, er liebt mich! ... Oh Gott, aber doch nicht hier im Auto ... vor allen...-




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=RVEohM8BOQQ; "Chesney Hawkes - The One And Only (1991)" © by Walter Tan, YouTubeDE; aufgerufen am 28.06.2015 um 18:06




„Maarc!“, rief die junge Assistenzärztin langgezogen und leicht beschämt, als er ihr den Schal abgenommen hatte und gerade dabei war ihre Jacke zu öffnen, nachdem er sich küssend vom Hals aus auf zum Dekolleté machte. Doch er konnte gar nicht von ihr lassen. Seine Lippen berührten immer wieder ihre Haut, was sie genoss, doch als er gerade die Knöpfe ihrer rosaroten Bluse öffnen wollte, stieß sie ihn von sich und stoppte das innige Liebkosen.


„Was ist denn?“, fragte Marc nur äußerst überrascht und so, als ob er etwas falsch gemacht hätte, was ihm gar nicht aufgefallen war.
Schnell hielt sie ihre Jacke provisorisch zu, ohne sie dabei zuzumachen, denn Maurice stürmte über die Straße, hielt im Regen kurz an, starrte Gretchen angewidert an, woraufhin die ihm nur peinlich berührt zuwinkte. Er jedoch tat das mit einer Handgestik ab, die man mit ‚Ach, halt doch einfach die Goschn‘ übersetzen könnte und das, obwohl sie nichts gesagt hatte. Die Situation sprach aber für sich, insofern waren keine Worte nötig.


„Maarc, wir können doch nicht hier im Auto...“, antwortete sie leicht verklemmt.
„Willst du nicht?“, hakte er irritiert nach, um danach die Augen zu verdrehen und genervt anzufügen: „Boah, Gretchen! Was soll ich denn noch...?“

Da grätschte sie dazwischen und wollte sich erklären: „Doch, ich will. Aber nicht hier! Und du bist mir zuerst noch eine Antwort schuldig, Marc!“
„Ich dacht es ist alles gesagt?“, merkte er irritiert an!

„Marc, bitte! Ich möchte doch nur wissen, ob wir damit endlich zusammen sind...“, bat sie ihn.

„War das nicht gerade Antwort genug?“, fragte er grinsend und zärtlich zugleich.
„Das heißt also ‚Ja‘?“, hauchte sie zart und grinste dabei wie ein Honigkuchenpferd.

Und auch Marc grinste verliebt und erleichtert, so, als hätte er auf diesen Moment auch sehnlichst gewartet.



Es brauchte nicht viele Worte, denn endlich verstand ich die Sprache, die Marcs Herz sprach. Es war endlich die Sprache der Liebe. Es war so, als hätte er mir die Tür zu seinem Herzen geöffnet und die fiesen Türsteher, die es bewachten, gewährten mir endlich Eintritt: Egozentrik und Gemeinheiten lagen hinter mir. Und vor mir lag, was ich mir schon immer ersehnte ... Marcs Liebe ...



Gerade wollte er erneut zu einem Kuss ansetzen, als es an die Beifahrerscheibe klopfte. Beide erschraken und wurden mit einem Mal aus der Romantik hinein in den Alltag katapultiert, was dennoch nicht sofort geschah.

Gretchen blickte wie in Trance nach rechts zum Fenster hinaus und sah dort Gina in grauer Weste im Regen stehen, wie sie ihr zuwinkte. Dreimal kniff sie die Augen zu, und kam mit jedem Mal, mit dem sie die Augenlider wieder hob, näher an die Scheibe heran und realisierte es dennoch nicht.

Verträumt wandte sie sich wieder Marc zu und sagte ungläubig lachend: „Gott, bin ich sooo übermüdet. Da draußen sehe ich Gigi stehen. Wahnsinn ... meine Mutter hätte mich heute Morgen doch nicht eine Stunde früher wecken sollen, konnte ja eh nicht mit Papa mit.“

Marc rieb sich kurz die Augen, drehte sich nach rechts, blickte an Gretchens Gesicht und dessen umgebende Haarpracht vorbei, um dann monoton festzustellen: „Also, äh ... ich sehe sie auch.“

Kaum hatte er das gesagt, rissen beide entsetzt die Augen weit auf, drehten sich im selben Moment nach vorne und schrien gleichzeitig: „Verdammt!“
Bei Marc klang es eher hasserfüllt und wenig begeistert, so, als hätte er Angst, sie könnte alles wieder kaputt machen.
Bei Gretchen klang es eher so, als hätte man sie beim Sex erwischt, weswegen sie am liebsten im Boden versunken wäre.

Dann drückte sie peinlich berührt auf den Knopf, um die Scheibe herunterzulassen, räusperte sich zweimal, als die Scheibe halb unten war und fragte, ohne ihr in die Augen zu blicken: „Gigi, MENSCH... was machst du denn hier?! Ich dachte du wärst wieder in London?“

Die beugte sich herunter und blickte durchs Fenster ins Auto hinein, winkte erneut, nachdem sie ihre Brille zurecht gerückt hatte, und begrüßte erst einmal freudig: „Hi, Gretchen! Hi, Marc!“, um sich dann kurz umzublicken.
Gretchen und Marc rechneten beide damit, dass ein dummer Spruch kommen würde, doch zu ihrer Verwunderung meinte Gigi lediglich: „BOAH, hast du ne geile Soundanlage!“
Gleichermaßen kritisch beäugten Gretchen und Marc Gigi, deren staunende Augen durch die Brille noch größer als sonst zu sein schienen.

Dann fing sie sich allmählich wieder und kam endlich zum Punkt: „Du, Gretchen. Ich muss unbedingt mit dir sprechen.“
Dabei blinzelte sie zu Marc hinüber, und betonte: „Unter vier Augen!“
„Ja, um was geht’s denn?“, fragte Gretchen genervt und noch immer peinlich berührt.
„Haha, das glaubst du mir gar nicht! Nachdem ich bei dir daheim angerufen hatte und deine Mutter meinte du wärst schon los und die am Empfang wiederum meinte, du wärst zwar noch nicht da, aber du hättest gleich Dienst, habe mich zum Warten auf so eine Bank hingesetzt ...“, erzählte Gigi und wurde dabei immer schneller und undeutlicher, was Gretchen allerdings in der Situation gar nicht so recht war und auch Marc nur mit seinem altbekannten Macho-Blick abwertete.

„Gigi, komm bitte zum Punkt!“, forderte sie entnervt, während sie sich immer noch provisorisch die Jacke zuhielt und versuchte, ihr weitgeöffnetes Dekolleté zu verstecken.

„Ja, und da saß dann so ein älterer Herr, der meinte, er hätte so starke Kopfschmerzen, nachdem ihn eine Ärztin namens Gretchen Haase ins Robbenbecken geschmissen hätte ...“

„Bitte, was?“, rief Gretchen entsetzt, wobei sie die Jackenteile losließ, sodass sich ihr Dekolleté allen eröffnete, was Marc dem Blick nach aber sehr zu gefallen schien.
Gigi hingegen konnte sich darauf gar nicht konzentrieren und meinte: „Jahaa, sowas in der Art habe ich ihm auch gesagt ... Aber ist doch irgendwie auch witzig, dass es hier scheinbar eine Ärztin gibt, die den gleichen Namen hat, wie du...“

Gigi lachte und rückte sich die Brille wieder zurecht.
„Ohhh, Gigi, bitte...“, bekam Gretchen in heller Aufregung lediglich über ihre Lippen.
Daraufhin wandte sie sich Marc zu, blickte ihn so an, damit er gleich wusste, dass sie los muss.

„Du ... äh ... hast doch aber nicht wirklich ...?“, fragte er dann noch mal kurz verunsichert nach.
„Halloho? Es ist zu Beginn einer Beziehung nicht gerade förderlich, wenn Mann denkt, Frau würde andere Männer zu Fischfutter verarbeiten ...“, entgegnete sie ihm konternd, um dann noch zu bestätigen: „Natürlich nicht! Meine Mutter war’s!“

„Deine Mu... Mutter?!“, fragte er perplex.
„Jahaaa, lange Geschichte. Ich hoffe bloß nicht, dass der sich schwerer verletzt hat...“, deutete sie augenrollend an und bat mit ihren Blicken zudem darum gehen zu dürfen.

Marc nickte lediglich und meinte: „Ja, ich muss dann auch mal los...“
„Wohin eigentlich?“, wollte Gretchen wissen.
„Ich äh ... ich ... zum ... zum Zahnarzt!“, stotterte er vor sich hin.

Doch Gretchen hatte das Gefühl, als würde das nicht stimmen. „Zum Zahnarzt?“, fragte sie kritisch.
Er nickte erneut bloß und sagte nichts mehr.
„Marc, ich fände es nicht gut, wenn wir am Anfang schon Geheimnisse voreinander hätten!“, ließ sie ihn wissen.

Daraufhin fasste er ihr mit seiner rechten Hand an die Wange, ließ die rechte Scheibe wieder hochfahren, um Gigi auszugrenzen und versprach ihr zärtlich flüsternd: „Ich erzähle dir heute Abend alles, ja?“

Auch sie nickte, doch dann realisierte sie: „Heute Abend? ALLES?! ... Ich dachte, du musst zum Zahnarzt?!“
„Äh ... ja ... größerer Eingriff, aber nichts Schlimmes...“, beteuerte er wenig überzeugend.




-Marc druckste wieder so herum. Verheimlichte er mir schon wieder etwas? Ich erinnerte mich daran, dass er sich damals nicht anders verhielt, als er Gabi den Antrag machte. Wollte aber auch nicht zu misstrauisch sein.
Mein Ziel war es, dass die Beziehung dieses Mal länger als 48 Stunden hält. Wäre ich zu misstrauisch gewesen, wäre wohl ein neuer Tiefstwert von höchstens 48 Minuten erreicht worden. Wollte das sicher nicht riskieren...
Es heißt zwar: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Diese Weisheit hatte mich allerdings bisher immer ins Unglück gestürzt. Es war an der Zeit, ihm zu vertrauen.
Um ihn nicht einzuschüchtern, übergab ich ihm auch die kreative Macht in unserer Beziehung ... Ahhhh!!! Ich kann es immer noch nicht fassen. Ich führe mit Marc Meier eine Beziehung. Wahnsinn! Nichts würde mir heute noch den Tag vermiesen können...-





„Gut, du rufst mich dann nachher an?“, bat sie ihn verliebt.
Marc nickte und gab ihr tatsächlich einen Abschiedskuss, was sie doch sehr erstaunte, der dank Gigi erneut ein jähes Ende fand, denn sie klopfte abermals an die Scheibe, was beiden nur gleichgenervte Blicke entlocken konnte.

„Ich kann dich aber wahrscheinlich nicht nach Hause bringen!“, flüsterte er ihr zu.
„Das ist schon okay, mitnehmen kann mich mein Vater!“, entgegnete sie ihm ebenfalls flüsternd.

Dann blinzelte Gretchen ihm noch zum Abschied zu, woraufhin sie ein authentisches Lächeln von Marc erhielt, nahm ihre Tasche, vergaß aber ganz und gar, die Jacke zuzumachen und stieg aus, ließ die Tür hinter sich zufallen, woraufhin Marc davon düste.


Gerade in dem Moment kam Maurice wieder zurück, der die letzten Sekunden mitbeobachtete hatte, nahm Kurs auf die zwei Frauen zu, die sich überglücklich anlächelten, streifte an ihnen vorbei, wobei er Gretchen abfällig anguckte, die mit offener Jacke, offener Bluse und einem breiten Grinsen im Gesicht da stand und schüttelte genervt und sauer den Kopf.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=G5DmNOaxtbM; "Tigarah-Girl Fight + Lyrics" © by Munur Yilmaz, YouTubeDE; aufgerufen am 21.10.2015 um 10:49




Dann stampfte er weiter, nachdem er hauptsächlich Gretchen angestarrt hatte und herablassend „Tzzz, ihr Frauen seids doch echt alle billige Schlampen!“ gerufen hatte, sodass alle, die sich vor dem Krankenhaus aufhielten, es auch deutlich mitbekamen.

Abtuend lächelte sie Gigi an und sagte ihr mit ihren Blicken ‚Ach, einfach gar nicht beachten‘, um gleich darauf dem davongehenden Maurice nachzuäffen, bis es auch Gretchen wie Schuppen von den Augen fiel...

Entsetzt blickte sie kurzerhand an ihrem Körper herunter, um eine Millisekunde später den Kopf schleunigst wieder zu heben und wie versteinert ins Leere zu gaffen.
-Mist! Zeige für einen derart kühlen Tag definitiv zu viel Dekolleté. Mehr als besondere Frauen an besonderen Straßenrändern...-


Dann blickte sie sich um, und stellte schockiert fest, dass die beiden ja tatsächlich am Bordstein standen, und es den Anschein machte, als wären sie Prostituierte. Schnell zog sie beide Jackenteile wieder zu und bedeckte provisorisch ihr Dekolleté, um dann Gigi mit ihren Blicken zu bitten, endlich reinzugehen, was diese auch bejahte.

Als sie sich auf den Weg zum Eingang gemacht hatten, blieb Gigi dann doch nochmal kurz stehen, denn es bewegte sie etwas. Sie blickte an sich herunter, hob zuerst das rechte Bein, begutachtete es und hob dann das linke und begutachtete dieses ebenfalls.

„Also, ich weiß gar nicht, was der hat ... Meine neue schwarze Leggings ist zwar eng geschnitten, aber ich finde nicht, dass ich deshalb wie eine Schlampe aussehe, oder?!“, fragte Gigi betroffen.

„Ohhh, Gigi! Der meinte mich!“, rief sie genervt!
„Wieso das denn? Du siehst doch aus wie immer?!“, meinte die grinsend.
„Vielen Dank auch, Gigiiii...“, konterte Gretchen schnippisch.
„Ja, sagt er das etwa jeden Tag zu dir?“, hakte sie ein wenig eingeschnappt nach.
Gretchens Antwort lautete „Oh nein, ganz bestimmt NICHT! Sonst würde der hier sicher nicht mehr auftauchen, so oft, wie ich dem dann schon eine gepfeffert hätte!“ und klang doch extrem genervt, was ihr hysterisches Lächeln unterstrich.
„Na, also!“, war Gigis Reaktion darauf und dabei wirkte sie ein wenig eingebildet.

Das gab Gretchen wiederum das Gefühl, dass es ihrer Freundin tatsächlich lieb gewesen wäre, wenn er sie damit gemeint hätte, was Gigis letzte Anmerkung auch bestätigte: „Und zudem sagte er Frau-EN!“

Leicht entsetzt über die Abgründe, die sich gerade auftaten, packte Gretchen Gigi am Arm und schleifte sie mit einem genervten Augenrollen ins Krankenhaus.

GretchenHaaseFan Offline

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29.06.2015 21:24
#28  Super... Und wer entführt mich? (Teil 3) Zitat · antworten

Wenig später in der Lagerhalle:


„Okay, jetzt lasst mich kurz nochmal zusammen, wie ihr auf so eine... dämliche... bescheuerte... VERBLÖDETE Idee gekommen seid, mich hier festzuhalten!“, schrie Gabi ihre beiden Entführer immer lauter werdend an.

Nun saß sie jedoch auf einem alten Stuhl, befreit von den Ketten, die sie bis vor kurzem noch an einen Pfosten banden, während ihre Entführer Joachim und Waldemar, beide um die Ende 30 bis Anfang 40, aufgeregt vor ihr auf- und abliefen.

„Also... ihr hattet da diese kleine Spielothek...“, fing Gabi an, während sie sich zu besinnen und konzentrieren schien.
„Nun ja, also klein war die jetzt auch nicht... eher so mittel bis halbgroß, also vielmehr...“, merkte Joachim an, wurde jedoch gleich wieder von ihr unterbrochen: „Ist doch scheißegal!“, was beide kurz zusammenschrecken ließ.

„Und die lief nicht so gut?“, hakte sie nach einer kurzen Denkpause nach.
„Sagen wir mal so: Die Zahlen in die Verlustzone liefen schon, sehr schnell sogar...“, musste sich Waldemar eingestehen.

„Und dann war da dieser Hans bei euch Stammkunde?“, wollte Gabi bestätigt haben.
„Ja, aber sicher! Der ging Tag und Nacht bei uns ein und als wir endlich seine Spielschulden beglichen haben wollten, kam der Drecksack einfach nicht mehr!“, wurde Joachim zornig.

„Ja, toll. Aber warum schlagt ihr dann seine Frau so zusammen, dass man ihr eine Niere rausholen musste?“, echauffierte sich Gabi.
„Das war ein Missverständnis. Die Alte hat...“, wollte er sich erklären, doch da unterbrach ihn Gabi, indem sie mit ihrem Zeigefinger schüttelte und ihn belehrte: „SO spricht man aber nicht von einer Frau, die man fast auf dem Gewissen gehabt hätte!“

„Ja, tut mir ja auch leid. Ich bin halt noch so wütend! Wissen Sie denn, wie es ihr geht?“, wollte er doch wissen und klang so, als würde er bereuen, was passierte.

„Aber sicher doch. Ich bin Hellseherin und vor meinem inneren Auge sehe ich immer und überall die Geräte meiner Patienten. Ich kann sogar sehen, wenn Gretchen Haase mit ihren schokoladenfettigen Wurstfingern den Monitor wieder verschmiert...“, antwortete Gabi zynisch.
„Echt jetzt?“, fragte Waldemar erstaunt, da er Gabis Zynismus nicht verstand, was ihr ein entnervtes Stöhnen entlockte, um schlussendlich auszurufen: „NEIEEEEN!!! Und ich habe auch keine integrierte Antenne, mit der ich alle Daten erfassen kann. Ihr habt mich hier eine ganze Nacht lang... ich betone... eine GANZE NACHT lang eingesperrt! Ich dachte ich müsste hier elendig verrecken und hätte jetzt gar keine Chance mehr dieses schöne Strandkleid für Malle zu kaufen, das seit heute reduziert ist!“

„Für diese Unannehmlichkeiten entschuldigen wir uns sehr...“, entschuldigte sich Joachim reuig.
„Entschuldigt euch bei dieser Frau!“, forderte sie auf. „Ich kann einfach nicht begreifen, warum ihr sie zusammengeschlagen habt. Ihr Mann hat doch die Spielschulden bei euch!“, fügte sie noch an.

„Wir wollten sie ja gar nicht schlagen. Joachim sollte nur ihrem Mann eine mitgeben, aber dann hat sie sich vor ihn gestellt!“, rief Waldemar aus.
„Und warum lag sie dann vor dem Krankenhaus im Gebüsch?!“, fragte Gabi genervt.
„Na, Johnny ist Kickboxer und ein Schlag sitzt halt bei dem. Der könnte selbst den Klitschko umhauen...“, erklärte er, während Joachim alles abnickte.

„Ja, und warum erzählte sie dann, dass ihr Mann das war?“, leuchtete Gabi noch immer nicht ein.
„Wegen der Spielschulden! Ich glaube, sie wusste davon. Aber der Feigling ist dann einfach abgehauen und hat sie mit uns alleingelassen. Wir waren selber so schockiert. Ich könnte doch nie eine Frau schlagen! Das lief alles dann aus dem Ruder... Wir wollten das alles nicht, das müssen Sie uns glauben! Hätten wir sie sonst ins Krankenhaus gebracht?“, flehte Joachim bei Gabi um Verzeihung, wobei er etwas auf sie zuging und eine Pose einnahm, als würde er sich vor sie auf die Knie werfen wollen.

Doch Gabi wehrte mit ihrer Handgestik ab, sodass er nicht zu nah an so herankommen konnte, ehe sie ihn wütend anschrie: „Ihr habt sie ins Gebüsch geworfen, ihr Vollidioten!“

„Nein! Wir haben sie auf einer Grünfläche abgelegt und ihr gesagt, dass sicher bald ein Arzt kommen wird und sie sich keine Sorgen machen muss. Aber wir konnten sie doch nicht reinbringen, dann wären wir jetzt dran, verstehen Sie nicht?“, jammerte Joachim.

„Nein, ich verstehe euch sicher nicht! Und dann entführt ihr mich auch noch, ihr Vollhonks!“, rief Gabi sauer.
„Das war so auch nicht geplant. Aber Sie sagten, dass Sie alles wissen und da dachten wir: Jetzt sind wir geliefert“, versuchte Waldemar zu erklären.
„Achsoooo... und was hättet ihr mit mir gemacht?“, fragte sie wütend und nachdenklich zugleich nach.

„Das wussten wir gestern noch nicht. Zuerst dachten wir daran Sie einfach hier zu lassen und darauf zu hoffen, dass man Sie irgendwann findet...“, gestand Waldemar.

Da platzte Gabi die Hutschnur. Sie stand schwungvoll von dem alten Stuhl auf, ging zwei Schritte auf die beiden zu, wollte Joachim den Zeigefinger ins Gesicht drücken, musste aber feststellen, dass dieser zu groß für sie war, und so drückte sie ihn Waldemar auf die Nase und fing an zu brüllen: „Als verwestes Skelett oder was?!“

„Das macht doch gar keinen Sinn ... wenn einer ein Skelett ist, dass ist er doch schon verwe...“, merkte der nuschelnd an, woraufhin sie noch lauter schrie: „Schnauzeee!“

„Jetzt regen Sie sich doch nicht so auf, wir hätten Ihnen ja auch eine überziehen können und Sie in einen Fluss oder so schmeißen können...“, ließ Joachim verlauten.

„Und warum habt ihr’s nicht getan?“, fragte sie doch recht geschockt, nachdem sie das hörte.
„Sehen wir etwa aus wie Profilkiller?“, fragte er sie.

„Ne, ihr seht eher aus wie zwei blöde Dorfdeppen, die zu blöd sind auch nur irgendetwas richtig zu machen!“, entgegnete Gabi sichtlich erbost.
„Und jetzt?“, fragte Joachim verzweifelt.

„Geh ich nach Hause, dusch und leg mich in mein Bett, damit ich wenigstens noch ein paar Stunden von meinem freien Tag für mich habe!“, schnauzte Gabi beide an.

Beide schauten sich verunsichert und baff an, während Gabi sich umschaute und dann zu ihrer Tasche hin lief, die weiter vorne im Staub lag.
„Prima, die ist die wohl auch hinüber“, fluchte sie vor sich hin, als ihr die beiden erneut folgten.

Laut schrie sie abermals „Ahhhh!“ und drehte sich kreideblich um, da sie dachte, sie würden sie wieder festketten wollen.
„Eine Ratte gesehen?“, erkundigte sich Waldemar interessiert.

„Ratte?!“, flüsterte Gabi geschockt.
„Ja, da schleichen welche rum“, meinte der nur trocken.
„Ihhhh... ich habe im Dreck gehockt und Ratten waren auch noch da. Schlimmer kann’s nicht mehr werden!“, stellte sie angewidert fest.

„Ja, und nun?“, fragte Joachim.
„Ich verschwinde?!“, entgegnete Gabi.
„Aber Sie gehen nicht zur Polizei, oder?“, fragte Waldemar hoffend, während er einen gekünstelten Hundeblick auflegte.

Da kam Gabi in den Sinn, dass, als sie in die Lagerhalle geschleift wurde, von Geld die Rede war und ihr kam eine Idee, wie sie doch noch etwas Gutes der Sache abgewinnen konnte.

„Kommt drauf an, was ihr mir bieten könnt!“, meinte die selbstsicher und erpresserisch, so, wie man sie eben kennt.
„Wollen Sie Sex?!“, fragte Joachim verdutzt und blickte seinen Kollegen verunsichert an.
„Na, wenn ihr George Clooney auch irgendwo angebunden habt, dann spiele ich doch gerne ein bisschen mit ihm...“, erwiderte sie leicht erotisch hauchend.

„Ne... haben wir nicht“, war seine Antwort darauf.
„Dann nur Bares!“, schoss es eiskalt aus Gabi wie aus der Pistole heraus.
„Wir... wir... äh... wir haben aber nichts, nicht wahr Waldemar, wir haben doch nichts!“, druckste er herum und stupfte seinen Kollegen in der Hoffnung, dass er nichts preisgibt.

Der verstand das allerdings nicht so wirklich und plauderte aus: „Na doch, Johnny! Die fünftausend vom Huber, die zweitausend vom Rudi und die viertausendfünf...“
Jedoch konnte er seinen Satz nicht mehr ganz vollenden, da ihm Waldemar in die Rücken haute, um ihn zum Schweigen zu bringen, was Gabi nur ein siegessicheres Lächeln entlocken konnte und ein genugtuendes „Na, also...“




Wenig später vor der Lagerhalle am Wagen:




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=PJKze_ukrXY; "Destiny's Child- Independent Women" © by MusicJams18, YouTubeDE; aufgerufen am 28.06.2015 um 18:48




Die drei standen um den Kofferraum herum, während Waldemar, der immer noch mit Staub beschmutzten Gabi, nach und nach Scheine reichte, die sie einzeln alle abzählte und nach und nach in ihre Handtasche stopfte.

Nachdem sie 6.000 Euro abgezählt hatte und dabei grinste wie ein Honigkuchenpferd meinte Waldemar nur „So, das war’s junge Dame!“ und wollte gerade den Kofferraum schließen, da kramte Gabi in ihrer Tasche nach ihrem Handy und meinte nur schauspielernd: „Mhm... was da wohl die Polizei zu sagt, die werden sich bestimmt freuen...“

„Und womit sollen wir bitte flüchten?!“, fragte Waldemar entsetzt, während ihm der Angstschweiß schon auf der Stirn stand.
„Na, mit dem Wagen da, oder der Bahn oder vielleicht mit dem Fahrrad?! Man könnte aber auch zu Fuß gehen...“, meinte Gabi sarkastisch.

„Fünfhundert!“, begann er genervt mit ihr zu feilschen.
„Tausend!“, war ihre bestimmte Reaktion auf das Angebot.
„Siebenhundertfünfzig!“, meinte er daraufhin.

Gerade wollte Gabi ein neues Angebot machen, da meldete sich Johnny zu Wort, der nicht gerade auf der Höhe schien und wohl meinte, es handle sich um ein Spiel und seinen Kompagnon unüberlegt überbot: „Neunhundertfünfzig!“

Gabi konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, das sagte ‚Wie dumm kann man eigentlich sein?‘ und nahm das Angebot fröhlich an: „Einverstanden!“, während sich sein Kollege Gabis Frage nicht nur gedanklich stellte und ihn mit „Bist du dumm, oder was?“ anpflaumte, um ihm gleich darauf eine Kopfnuss zu geben, was Gabi schmerzverfüllt beobachtete.


Widerwillig, nachdem er ihn ein paar Sekunden lang erbost anblickte, reichte er Gabi die neunhundertfünfzig Euro, die sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht in ihre Handtasche stopfte, diese schloss und fest umklammerte. „Es war schön mit euch Geschäfte zu machen, Jungs!“, meinte sie und wollte gehen. Da packte Waldemar sie noch an der Schulter, und vergewisserte sich: „Sie gehen aber nicht zur Polizei?“

„Ne, wozu denn. Ich halte mich an unsere Abmachung und mein Schmerzensgeld habe ich jetzt ja auch schon. Wir sind Quitt!“, woraufhin sie sich auf den Nachhauseweg machte.
Waldemar schrie ihr, als sie am Tor angekommen war, das vom verlassenen Industriegelände wegführte, noch „Abzockerin!“ nach.
Lässig öffnete sie das Tor, ging hinaus, schloss es wieder und als sie so auf den zivilisierten Straßen Berlins stand, mit der Tasche voll Geld im Arm, flüstere sie lediglich tiefenentspannt und zufrieden „Trottel!“ vor sich hin, um dann schnellen Schrittes und zielstrebig davonzulaufen.





Zur selben Zeit im Polizeipräsidium:


Eilig stürmte Marc durch die Tür in ein Büro im Polizeipräsidium, da er doch schon recht spät dran war. Kurz schnaufte er durch, wollte sich schon für die Verspätung entschuldigen, als er sah, wer da am Schreibtisch saß.

Marc völlig außer Puste: „Es tut mir leid, aber ich bin aufge...“, wollte er sich rechtfertigen, als er die Person erkannte, die da vor dem PC saß.
„Äh, was machen Sie hier?“, fragte er perplex.
„Ick arbeite hier, Dr. Meier. Ick arbeite!“, stellte Monika monoton fest, während sie gekonnt unberührt den Blick vom Bildschirm hin zum verdutzten Marc wandte.

„Oh, ne! Boah, das gibt’s doch nicht!“, rief Marc plötzlich laut und stürmte wieder davon, riss die Tür auf und schrie laut ins Präsidium hinein: „Gibt’s hier keine richtigen Polizisten?“

Alle Uniformierten, die um eine Kaffeemaschine herumstanden, blickten ihn zwar mit großen Augen an, doch keiner rührte sich wirklich, was Marc als eindeutige Antwort auffasste. In dieser Zeit konnte sich Monika erheben und sich Marc nähern.
„Tja, Sie müssen wohl oder übel mit mir Vorlieb nehmen, Dr. Meier!“, meinte sie gelassen, zog Marc wieder ins Büro herein, um dann die Tür zu schließen. Zuvor warf sie allerdings ihren uniformierten Kollegen einen Blick zu, der sagte ‚Ich regle das schon‘.

„Bitte nehmen Sie doch Platz!“, forderte sie ihn lächelnd auf, während sie langsam wieder um den Bürotisch herumschlich und sich auf ihren Stuhl setzte.
„Äh... Sie bearbeiten jetzt aber nicht wirklich den Fall?“, hoffte Marc verdutzt, während er sich zögerlich setzte.

„Aber natürlich, Dr. Meier!“, winkte die seine rhetorische Frage ab, um noch lächelnd zu ergänzen: „Sie wissen doch... Ick bin einfach die Beste!“

„Äh... Sie meinen die Beste unter den allerschlechtesten Schützen?“, konterte er gehässig.
„Sie wollen doch keine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung?“, entgegnete sie ihm provozierend.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=09ZSKE38lTU; "Donna Summer - She Works Hard For The Money" © by watashi81, YouTubeDE; aufgerufen am 28.06.2015 um 19:01




„Entschuldigung, aber Sie haben mich angeschossen! Ich, äh ... beantworte Ihre Frage mal so: Wenn dafür eine kompetentere Person den Fall bearbeitet, würde ich sogar diese beschissene Anzeige in Kauf nehmen“, ließ er sie provokant wissen.

„Ick bin die Kompetenteste, die es hier gibt!“, betonte sie selbstsicher, während sie ihre Handtasche heraufholte, und nach etwas suchte.

„Scheiße!“, war Marcs einzige Reaktion darauf, dass sie die Kompetenteste von allen ist.
„Also, Herr Dr. Meier! Solche unschönen Wörter möcht ick nicht in meinem Büro hö...“, belehrte sie ihn, als sie den Babybrei in ihrer Tasche griff, diesen herauszog und nur entsetzt, laut und langezogen „S-c-h-e-i-ß-e!“ rief.

„Na, na, na! So etwas Unschönes sagt man nicht, Frau B-e-a-m-t-i-n!“, drehte Marc den Spieß herum und konnte es nicht lassen seine typischen Grimmassen dabei zu machen.

„Jetzt hab icke doch vergessen Guiseppe den Babybrei mitzugeben. Oh ne und seine Mutter macht doch immer nur so Biozeugs. Ick sage Ihnen, Dr. Meier. Da bekommt der Begriff ‚Granatapfel‘ eine ganz neue Bedeutung. Da kann icke ja froh sein, dass unser Fratz noch keene Milchzähne frühzeitig verloren hat! Da würde ick mir bei deren Kochkünsten alle mit einem Mal ausbeißen, sage ick Ihnen...“, erzählte ihm Monika ganz aufgelöst, aber dennoch mit gehässigem Unterton.

Und während Monika so aus ihrem Familienleben berichtete, fasste sich Marc genervt immer mal wieder an den Kopf, bis er sie schließlich unterbrach: „Ja ja... haben Sie jetzt was rausgefunden?!“

„Jahjaaa, aber hallo, Dr. Meier! Was Sie nicht sagen! Sagt mir doch mein Exmann, nachdem wir uns getrennt hatten, dass er die gaaanze Zeit über ne Affäre hatte... Ick meine... ick hatte ja auch eine mit Guiseppe am Laufen, aber dass der mir ditt einfach so an den Kopf knallt... Ick war ganz außer mir, kann ick Ihnen sagen, dass...“, redete sich Monika in Rage.

„Äh... könnten Sie bitte mal zum Punkt kommen?!“, griff Marc erneut noch genervter ein.

„Oh ja, entschuldigen Sie bitte. Ditte macht mich ja so wütend... Wissen Sie, ditt ist ja so demütigend. Wie können Menschen nur so grausam sein? Dass man einer Frau so etwas Schreckliches antun kann... ick kann es gar nicht in Worte fassen...“, rang Monika plötzlich mit den Tränen, wobei es eher den Anschein machte, als würde sie ihren Emotionsausbruch nur spielen.

Fassungslos und geschockt zugleich hielt sich Marc die rechte Hand vor den Mund, um sich dann betroffen durchs Haar zu streichen.
„Diese miesen Schweine! Was haben die ihr angetan?“, wollte Marc betrübt wissen.

„Schweine?!“, hakte Monika nach, um dann zur Aufklärung anzufügen: „Also um ditte mal klarzustellen... Ick war nur mit einem verheiratet!“
„Bitte?“, war Marcs verdutzte Reaktion darauf.
„Ick halte nicht viel von Polygamie, Dr. Meier!“, bekannte sie forsch.

„Und ich halte im Allgemeinen nicht viel von den Eheproblemen anderer...“, ließ er sie wissen, um dann endlich auf das hinauszukommen, weswegen er schließlich da war: „Das heißt also... Sie wissen nicht, wo Gabi ist und wie es ihr geht?!“

„Nun ja, Dr. Meier. Sagen wir mal so...“, versuchte Monika zu erläutern.
„Also NEIN... Warum wundert mich das nicht im Geringsten?!“, fragte er genervt und hämisch zugleich.

„Wir konnten bisher nichts Stichhaltiges zum aktuellen Aufenthaltsort herausfinden!“, gestand sich Monika ein.
Genervt wertete er die Situation, wozu ihm ein Wort genau recht kam: „Aufenthaltsort?! Ah ja... sie ist bestimmt gerade irgendwo im Süden und lässt es sich gutgehen...“

„Was spricht denn dagegen?! Könnte gut möglich sein, Dr. Meier!“, stellte Monika fest.

„Dass ich vielleicht gestern schon gesagt habe, dass sie von zwei Männern in den Kofferraum eines Wagens geschmissen wurde und die davongefahren sind, als wäre hinter ihnen der Teufel her?! Ich denke ja, dass für jeden normalen Menschen ein Urlaubsantritt anders aussieht!!!“, schnauzte er sie wütend an.

„Da haben Sie natürlich auch wieder recht, Dr. Meier! Wir werden alles tun, um sie zu finden!“, versprach sie ihm, jedoch in leicht pessimistischem Ton.
„Ähh... sagen Sie mal, warum haben Sie mich eigentlich hierher bestellt, wenn es nichts Neues gibt?! Doch wohl hoffentlich nicht nur wegen Ihrem... ähm... dämlichen Kaffeklatsch?!“, fragte er mit einem Mal höchst interessiert.

„Wir müssen Ihre Aussage nochmals neu zu Protokoll nehmen!“, gestand sie ihm, während sie rot anlief.
„Äh, die habe ich aber gestern Abend schon gemacht?!“, hakte er kritisch nach.
„Naja, das schon, also rein theoretisch, denn... gestern gingen die Computer ja auch noch...“, erklärte sie zögerlich.
„Was soll das heißen?“, fragte Marc.

„Nun ja, das sage ick Ihnen jetzt aber ganz im Vertrauen, Dr. Meier!“, flüsterte sie ihm zu, beugte sich dabei langsam, nachdem sie sich kurz umgeschaut hatte, über den Tisch zu ihm hinüber, drehte dabei den Computerbildschirm ebenfalls in seine Richtung, auf dem er dann lesen konnte:

Polizei, Polizei – Hilfe, ich schrei! Nun ist es vorbei mit der Beamterei! Ich hacke und schrecke und wecke alle Beamtenverstecke. Polizei, Polizei – es ist vorbei mit der Nichtstuerei!

Und darunter war ein böser Smiley zu sehen, direkt gefolgt von einem zuzwinkernden.


„Nun ja, unsere ganzen Daten sind weg und ick möchte nicht, dass die Leute denken, wir von der Polizei hätten nichts im Griff, verstehen Sie?“, gestand ihm Monika betroffen.
Marc hingegen nickte lediglich entsetzt und erstaunt zugleich, als sie ihm noch erzählte: „Wissen Sie, Dr. Meier. Ick glaube, die Leute verlieren immer mehr das Vertrauen in die deutsche Polizeiarbeit...“

Marc nickte lediglich, während er immer noch den Bildschirm anstarrte, und meinte daraufhin nur zynisch vor sich hinmurmelnd: „Ja, gibt ja auch eigentlich keinen Grund zu, was?!“
„Ja, eben. Wir leisten hervorragende Arbeit. Dennoch ist so ein Hackerangriff natürlich nicht die beste Publicity für uns, versteht sich!“, sah sie sich bestätigt.

Verunsichert und doch an der Polizei zweifelnd nickte Marc Monikas Aussagen verständnislos ab.

„Und äh, was gedenken Sie jetzt zu tun?“, fragte er, als er sich wieder gefangen hatte.

Monika zog sich wieder auf ihren Stuhl zurück, wobei sie den Bildschirm wieder in ihre Richtung drehte, und antwortete dann gelassen: „Die Jungs aus der IT sind schon dran! Das ist in Null-Komma-Nichts wieder behoben. Sie sind ja auch erst seit acht Stunden dran...“

„Ich, äh, meinte eher in meiner Angelegenheit!“, hakte Marc abermals kritisch nach.
„Nun gut. Wir werden Ihre Aussage nochmals handschriftlich aufnehmen...“, erklärte sie ihm, ehe sie zu einem anderen Thema überging: „So, aber jetzt genug gequatscht. Wie läuft es denn zwischen Ihnen und Frau Dr. Haase?“

„Ich weiß nicht, was Sie das angeht!“, stotterte er herum, wobei man ihm anmerkte, dass er glücklich schien.
„Ick bin von der Polizei, Dr. Meier. Mich geht alles etwas an!“, meinte sie in einer Tonlage, die verriet, dass sie mehr in Erfahrung bringen wollte.

„Und ich bin Arzt und unterliege der ärztlichen Schweigepflicht in diesem Falle, Frau Kommissarin!“, würgte er sie kurzerhand ab.





Unterdessen im Krankenhaus:


Auch Gretchen riss eilig die Tür zum Behandlungsraum 4 auf, in dem Maria gerade dabei war einen Patienten zu untersuchen.

Wütend platzte sie herein, wohlgemerkt mit bedeckter Oberweite, um den Patienten namens Olaf zur Rede zu stellen, mit dem sie ein paar Tage zuvor Bekanntschaft gemacht hatte, als er sich als Tierschützer zu erkennen gab und der auch heute, wie damals, wieder ein Karo-Hemd und eine alte, verwaschene Jeans trug.

„Sagen Sie mal, wie kommen Sie eigentlich dazu?“, fragte sie extrem laut, gereizt und betroffen zugleich.
Maria, die gerade den Blutdruck messen wollte, und gerade dabei war den Gummiball des mechanischen Sphygmomanometers aufzublasen, drehte sich zu Gretchen um, die mitten im Raum stand, hörte augenblicklich damit auf, nahm ihr Stethoskop ab und warf Gretchen einen bösen Blick zu, während Sabine mit dem Anamnesebogen in den Armen daneben stand und die Werte eintragen wollte.

„Empfang, vorne. Da werden Patienten üblicherweise zugeteilt. Wie lange sind Sie schon hier?! ... Fünf Jahre? ... Und sind immer noch in der Ausbildung?! Langsam aber sicher sollten Sie das aber wissen, Frau Dr. Haase!“, erläuterte ihr Maria auf gekonnt charmante Art und Weise, jedoch in abfälliger Tonlage mit ebenso abfälligem Blick, wie sie dazu kommt, einen Patienten zu behandeln.


-Wahnsinn! Mit 29 fing ich hier an und nun werde ich bald 34. Hilfe, ich werde alt! Dafür bin ich aber endlich mit Maarc zusammen... Wuhuuu... Ich könnte ausrasten! Lass es mir aber lieber noch nicht anmerken, bin schließlich professionell!-


Ein breites Grinsen erfüllte ihr Gesicht, dessen Züge zuvor noch auf Wut als Stimmungsgrundlage deuteten. Dieser plötzliche Stimmungswandel blieb auch den anderen Dreien nicht verborgen. Dann aber fing sie sich langsam wieder.

„Also... das ist ja wohl eine Frechheit! Ich bin sicher noch keine fünf Jahre hier! So alt bin ich dann doch wieder nicht!“, tat Gretchen hysterisch lachend ab.
„Also habe ich doch Recht!“, bestätigte Maria selbstlobend ihre Schätzung, da Gretchens Reaktionsweise keinen anderen Schluss zuließ.

„Na guuut... bin ich halt schon fast fünf Jahre hier... Dafür haben Sie aber auch kein Angebot von der Charitééé...“, lobte sich Gretchen selbst und freudestrahlend.

Genervt wandte sich Maria wieder dem Patienten zu, wobei ihr „Blöde Kuh“ über die Lippen kam.
„Das habe ich gehört, Frau Dr. Hassmann!“, eröffnete ihr Gretchen ein bisschen eingeschnappt.
Diese wollte aber gerade wieder dazu ansetzen, dem Patienten den Blutdruck zu messen.
„Ähm... wollen Sie sich vielleicht bei mir entschuldigen?!“, forderte Gretchen wie ein kleines beleidigtes Mädchen, wobei sie zudem auch ihre Arme verschränkte.

Erneut nahm Maria das Stethoskop ab, nachdem sie es sich gerade erst wieder in die Ohren gesteckt hatte, um sich erneut Gretchen zuzuwenden und ganz locker und lässig sarkastisch zu offenbaren: „Nö... Ich steh zu meiner Meinung!“

„Ohhh!“, rief Gretchen aus, wobei sie einmal wütend auf den Boden stampfte, was Maria, Sabine und der Patient Olaf kritisch begutachteten.

„Wenn Sie in die Charité wollen, sollten Sie sich besser beherrschen, Frau Kollegin!“, riet ihr Maria zynisch klingend, um dann gleich darauf entrüstet zu fragen: „Sagen Sie mal, was stören Sie eigentlich ungefragt einfach meine Untersuchungen?! Ich denke nicht, dass Sie sich das erlauben können in Ihrer Position als Assistenzärztin und jetzt raus! Wir sind hier schließlich nicht im Zoo!“

„Jahaaa! Gott sei Dank nicht, sonst würde die Irre mich wohl gleich ins Haifischbecken werfen!“, meldete sich nun auch Olaf aufgebracht zu Wort und zeigte dabei direkt auf Gretchen.
„Sie spinnen doch! Ich habe gar nichts gemacht!“, rief Gretchen laut aus, während sie sich dem Patienten näherte und dabei wild mit dem Zeigefinger herumfuchtelte.

„Was ist hier eigentlich los, wenn ich fragen darf?“, erkundigte sich Maria.
„Bekomme ich eigentlich Schmerzensgeld, wenn Sie jetzt etwas bei mir feststellen?“, fragte Olaf, der sich im Bett bereits aufgerichtet hatte, Maria am Arm gepackt hatte und sie näher zu sich herangezogen hatte.

Das konnte sie aber gar nicht leiden und riss ihren Arm zurück und meinte bestimmt, aber dennoch mit einem Lächeln im Gesicht: „Wenn Sie mich noch einmal angrabschen, dann sind Sie der, der hier teuer bezahlen wird. Haben wir uns?!“

Eingeschüchtert nickte Olaf, während Gretchen klar wurde, was er bezwecken wollte. Nun trat sie ganz ans Bett heran und fing an auszuholen: „Aha! Sie geben es ja auch noch zu! Sie wollen doch nur Schmerzensgeld, damit Sie ihre dämliche Kamera reparieren können oder sich eine neue davon kaufen können! Wissen Sie eigentlich, dass das Betrug ist!“

„Ja, besser als versuchter Totschlag!“, schrie der Gretchen daraufhin an.
„Ich... ich... ich...“, rief Gretchen immer lauterwerdend aus, um dann zu beteuern: „Das ist ja wohl eine bodenlose Frechheit! Ich habe Sie sicher nicht ins Robbenbecken geschubst!“

„Robbenbecken?!“, hakte Maria nach, die zusammen mit Sabine einen Schritt zurückgegangen war, um die Unterhaltung aus sicherer Distanz zu begutachten.

„Jahaa! Zack und drinne lag ich! Da hätte sonst was passieren können!“, versuchte Olaf Maria zu erklären.
„Also bitte! Ich dachte sie seien Tierschützer! Sollte man da nicht einen besseren Draht zu den Tieren haben und vor allem weniger Angst... Sie Pseudo-Tierschützer und Pseudo-Kranker...“, redete sich Gretchen förmlich in Rage.

Dann griff schließlich Maria ein und bat sie anhand ihrer Gestik mit nach draußen vor die Tür zu kommen, was Gretchen auch befolgte, nachdem sie einen Wutausbruch gerade noch verhindern konnte, innerlich aber kochte.


Gerade, als beide an der Tür angekommen waren, rief sie Olaf noch zu: „Und ich war das nicht! Das war ein Unfall!“

Als sie draußen waren, sprang Olaf auf, rannte zu seinem Aktenkoffer, der auf einem Stuhl weiter hinten lag und holte Papiere heraus, ging zu Sabine hin, lächelte sie an und macht ihr ein Angebot: „Sie können meinem neuen Tierschutzverein direkt beitreten!“
Dann drückte er ihr die Unterlagen in die Hand und hüpfte wieder ins Bett hinein.

„Was ist denn das Ziel Ihres Vereins?“, fragte Sabine interessiert nach.
Eine kurze Zeit überlegte er, während sie gespannt auf eine Antwort wartete, und meinte nur selbstsicher: „Tiere zu schützen!“
„Achsooo...“, freute sich Sabine und lächelte ihn an.





Derweil vor dem Behandlungsraum:


„Was ist denn los mit Ihnen, Haase?“, keifte Maria Gretchen an, als sie die Tür zugeschlagen hatte.
„Ich kann das doch nicht auf mir sitzen lassen! Nachher kommt der damit durch! Ich habe sicher niemanden in irgendein bescheuertes Robbenbecken geschubst!“, redete sie sich erneut in Rage.

„Ja, ist ja gut! Deshalb brauchen Sie mich nicht so anzuschreien!“, wies Maria sie zurecht, während sie sich ihr rechtes Ohr zuhielt.

Einen Moment brauchte Gretchen, um wieder herunterzukommen, bis sie schließlich entspannter fragen konnte: „Haben wir etwas übersehen? Wir haben nach dem Sturz sogar ein CT machen lassen. Keine Verletzungen, außer einer Prellung des linken Arms.“

„Ja, jetzt machen Sie sich keine Sorgen, Haase! Der Typ hat nichts und der hatte noch nie etwas, gut, außer einen an der Waffel ... aber sooo richtig!“, versicherte Maria ihr, während sie dazu die übliche Gestik vollzog.

„Wie meinen Sie das jetzt?“, hakte Gretchen nach, wobei sie ihre Lockenmähne mit einem Haargummi, den sie aus ihrer Kitteltasche holte, für den Dienst bändigte.

„Na, der ist hier einschlägig bekannt. Der wollte schon von allen möglichen Versicherungen Geld kassieren und spielte deshalb die seltensten Krankheiten vor, die selbst Dr. House nie im Leben hätte behandeln können!“, verriet Maria ihr.

„Ein Trickbetrüger?!“, stellte Gretchen entsetzt fest.
„Oh ja! Scheinbar sind seine neuesten Maschen Vereine. Tierschutzverein, dass ich nicht lache!“, meinte Maria abfällig.

„Müssen wir das nicht melden?“, fragte Gretchen betroffen.
„Er hat’s mir ja nie erzählt und zudem unterliegen wir der Schweigepflicht, Haase!“, entgegnete Maria ihr.

„Ja, dann mache ich ihn mal fertig!“, meinte Maria so, als liege ihr etwas auf dem Herzen.
„Aber Frau Hassmann, bitte nicht gleich Beton an die Füße ran und im Robbenbecken versenken!“, witzelte Gretchen.

„Ich werde mir Mühe geben meinen sadistischen Gelüsten zu widerstehen!“, antwortete Maria sarkastisch, woraufhin beide schmunzeln mussten. Für einen kurzen Moment schwiegen sich beide dann noch an, ehe Maria wieder ins Behandlungszimmer wollte.

„Ach... ähm... Frau Hassmann!“, pfiff Gretchen sie zurück. Maria drehte sich um und wartete ein paar Sekunden, bis Gretchen sagte, was sie zu sagen hatte: „Ich unterliege übrigens auch der Schweigepflicht und ich kann schweigen wie ein Grab ... gut, außer, wenn es um Marc Meier geht. Wenn Sie reden wollen, dann habe ich immer ein offenes Ohr für Sie. Ich wollte nur, dass Sie das wissen.“

Maria nickte währenddessen und man sah ihr an, dass sie sich über dieses Angebot innerlich freute, doch, da sie Maria Hassmann war, konnte sie sich eine Bemerkung nicht ersparen: „Solange Sie nicht wieder mit mir feiern gehen und mir alle Dates vermiesen und DANN AUCH NOCH Gordon abknutschen müssen, gerne ... Das war ja selbst für mich Fremdschämen pur!“

Dann öffnete sie wieder die Tür zum Behandlungsraum, woraufhin Gretchen noch korrigieren musste: „Er hat mich geküsst, nicht ich ihn, Frau Dr. Hassmann! Nur mal so zur Berichtigung des Protokolls.“
Diese musste doch schmunzeln, als sie die Tür hinter sich schloss, während Gretchen sich auch auf den Weg machte.





Später an diesem Tag vor dem Fahrstuhl:


Immer wieder holte Gretchen ihr Handy aus der Tasche heraus, während sie vor den Fahrstühlen wartete und betrachtete nervös das Display ihres Smartphones.


-Marc hat sich immer noch nicht gemeldet. Was der nur gerade macht? Oh Gott, es ist ihm doch nichts passiert?! ... Nein, ich bin wieder viel zu ungeduldig. Er sagte, er ruft mich noch an, aber es kann später werden. Werde ihn nicht drängen. Werde alles ruhig angehen lassen. Mich würde trotzdem brennend interessieren, was er vorhatte. Ohhhh Gott ... ich bin mit Marc Meier zusammen! Wenn nicht alles so real wäre, dann würde ich denken, ich träume das alles nur...-


In diesem Moment öffnete sich die Fahrstuhltür und Gretchen erblickte einen alten Bekannten: Mehdi.


-Mehdi! Hilfe, und wenn ich doch nur träume?! Ich meine... was soll ich ihm denn jetzt sagen? Ob er es schon weiß? ...-


Kurz zögerte Gretchen, ob sie nicht doch wieder gehen sollte und es schien fast so, als wäre sie erleichtert gewesen, dass sich die Fahrstuhltür wieder automatisch schloss. Doch sie erkannte, dass sie ihm nicht länger ausweichen konnte, denn das Geschenk machte er ihr nicht, weil er den Arm ausstreckte und die Lichtschranke die Tür wieder aufspringen ließ.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=Nf8FCLT8S6A; "Jazzy Elevator Music" © by Anthony Vapor, YouTubeDE; aufgerufen am 28.06.2015 um 19:42




„Du brauchst dich nicht vor mir zu verstecken!“, meinte er, während er sie hereinbat und sich wieder an die Fahrstuhlwand anlehnte.
„Ich gehe dir gar nicht aus dem Weg!“, meinte Gretchen wenig überzeugend, als sie den Fahrstuhl betrat.

„Nööö, gaaar nicht. Deshalb hast du ja auch den Knechtelsdorfer zu mir geschickt, obwohl ich dich bat zu kommen. Die Patientin hatte wirklich Angst und hätte sich gewünscht, dass du als ihre behandelnde Ärztin dabei bist!“, erklärte er ihr in harschem Tonfall.

„Sie hat nur eine Leberzyste. Das kann selbst Knechtelsdorfer einschätzen, dass man die noch nicht operieren muss!“, wollte sich Gretchen verteidigend herausreden.
„Vor allem aber ist die Frau schwanger und hat unheimliche Angst vor Ärzten und dann lässt du sie auch noch allein und schickst stattdessen den Knechtelsdorfer, der am liebsten sogar alle beiden funktionierenden Nieren rausnehmen würde, und das nur, um mir nicht unter die Augen treten zu müssen?!“, pflaumte Mehdi sie an.

„Was ist eigentlich dein Problem, Mehdi?!“, pflaumte Gretchen ebenso genervt zurück.
„Mein Problem ist, dass du nicht zu dir selber stehen kannst!“, warf er ihr vor.

„Du, das ist mit fünf Kilo Übergewicht auch wirklich nicht so einfach!“, gestand sie ihm, wobei sie auf ihn zuging und ihren Zeigefinger wütend erhob.
Da hielt der Fahrstuhl plötzlich an, die Tür öffnete sich und Franz stand davor, der ebenso wie Gretchen, sich fertig gemacht hatte und eintreten wollte. Gretchen richtete nun aber den Zeigefinger auf ihn und wies ihn zurück: „Papa, ich habe hier noch was zu besprechen!“

„Aber ... ich dachte, du wolltest mit nach Hause fahren?!“, meinte der irritiert.

„Ja, will ich auch. Nimm doch bitte einfach den anderen oder die Treppe, ja?! Wir sehen uns gleich am Auto!“, bat sie ihn und drückte auf die Taste, damit sich die Tür wieder schloss. Nun stand Franz so da, als hätte sie ihn im Regen stehen lassen.

Als sie endlich wieder alleine waren und Gretchen nicht mehr den Zeigefinger erhoben hatte, kam sie darauf zu sprechen, was beide zuerst versuchten zu umschiffen.

„Du weißt es schon, oder?“, fragte sie ihn betroffen.
„Knechtelsdorfer hat’s erzählt!“, meinte der ebenso betroffen.

„Ach Mehdi, ich wollte es dir persönlich sagen und nicht so - in diesem blöden Fahrstuhl ... Dass in diesem Krankenhaus auch keiner einfach mal etwas für sich behalten kann und sich stattdessen um seine eigenen Probleme kümmern kann...“, meinte Gretchen genervt.

Von Mehdi erntete sie allerdings Blicke, die so etwas sagten wie ‚Du bist doch selber nicht anders?!`, worauf sie mit einem Augenrollen einging, um dann gleich darauf festzustellen: „Ja, du hast ja recht. Ich bin selber nichts anders!“

„Das habe ich jetzt aber nicht gesagt!“, ließ er sie wissen.
„Aber gemeint!“, woraufhin er nur zustimmend nicken konnte.

Eine kurze Stille ließ beide nachdenklich werden.
„Das heißt also ich habe keine Chance mehr?“, hakte Mehdi nach.

Dann wandte sie sich ihm zu und begann versöhnlich anzustimmen: „Mehdi, was du da in diesem Restaurant für mich vorbereitet hast war einfach... WOW!... Und ich gehe da liebend gerne wieder mit dir, aber nicht mit so viel Aufriss! Als Freunde... Und nein, ich glaube nicht, dass du noch eine Chance hast, denn, wenn Marc es dieses Mal wieder versauen sollte, dann schreibe ich Männer komplett und für immer ab. Dann hat keiner mehr eine Chance, das garantiere ich dir!“, beendete sie ihr Ansprache bestimmt.


„Das war’s dann also mit uns!“, musste er bedrückt feststellen und blickte ebenso bedrückt zu Boden.
Er hatte verloren. Das wurde ihm bewusst, und auch Gretchen war klar, dass ihm diese Erkenntnis wehtat. Also näherte sie sich ihm, strich ihm sanft über die Wange, sodass er sie anblicken musste.

„Das hört sich endgültig an. Das war’s noch lange nicht, Mehdi. Du wirst immer in meinem Herzen bleiben. Ohne dich hätte ich wohl meinen Traum aufgegeben und würde heute in einer stickigen Praxis als Allgemeinmedizinerin sitzen und Warzen behandeln!“, bedankte sie sich zärtlich bei ihm.

„Und Fahrstühle sind so viel besser, oder was?“, fragte er, nachdem er doch rotanlief.
„Immerhin trifft man hier auf Menschen, die man mag!“, flüsterte sie ihm zu und gab ihm daraufhin einen Wangenkuss, als sich die Fahrstuhltür öffnete und Gigi draußen stand.


„Och ne, Gretchen! Du bändelst jetzt aber nicht wieder mit dem Kaan an?!“, ermahnte sie ihre beste Freundin, die sie in flagranti dabei erwischte.

„Wir verabschieden uns nur, Gigi. Wie Freunde es eben tun!“, war ihre Antwort darauf, der sie noch hinzufügte: „Sonst müsste ich ja lesbisch sein, so oft, wie wir uns schon zur Verabschiedung einen Kuss gegeben haben...“, was Gigi nur mit dem reflexartigen Zurechtrücken ihrer Brille abtat.

„Können wir dann jetzt endlich miteinander sprechen? Ich warte hier schon wieder den ganzen Tag auf dich und irgendein Assi, so sah er jedenfalls aus, wollte mich immer zum Urologen mitnehmen. Der meinte immer: ‚Sie scheinen aber starke Schmerzen zu haben, so verkrampft, wie Sie dasitzen‘. Der meinte wirklich, ich wäre eine alte, inkontinente Frau. Das habe ich mir natürlich nicht gefallen lassen! Dem habe ich so richtig die Meinung gegeigt! Ha, das kannst du mir aber glauben!“, brüstete sich Gigi stolz.
„Ah ja, und was hast du ihm gesagt?!“, fragte Gretchen vorsichtig nach.

„Na, dass er sich mal stundenlang im Wartebereich in einer äußerst engen Leggins auf eine extrem unbequeme Holzbank setzen soll!“, teilte sie mit, während sie immer wieder ein bisschen in die Hocke ging und an ihrer Leggins herumzog.

„Ja, dem haste’s so richtig gegeben. Ich bin stolz auf dich, Schatzi!“, meinte Gretchen lediglich, blickte Mehdi aber immer fragenden Blickes an, woran er erkannte, dass sie eigentlich genau gegenteilig darüber dachte.

Dann schenkte sie Mehdi noch ein Lächeln und rannte aus dem Fahrstuhl und umarmte Gigi, die verwundert fragte: „Und was ist jetzt mit unserem Gespräch?“

„Sorry, Gigi, aber ich muss los. Sonst kommt mein Vater noch auf die Idee die olle Schlager-CD zu suchen und dröhnt mich während der Autofahrt damit zu!“, um sich dann loszureißen und auf den Weg zu machen.

Gigi war aber nicht ganz so begeistert, als sie fragte: „Und wozu war ich dann hier?“
„Trink doch mit Mehdi einen Kaffee, der freut sich bestimmt!“, rief sie zurück und rannte dann schnell los.

„Ja, gut, Mausi!“, rief Gigi ihr wiederum nach, um sich danach umzudrehen, ihre Brille zurechtzurücken und Mehdi anzublicken, der zuerst auch nicht wirklich begeistert von der Idee zu sein schien, da Gigi keinen glücklichen Eindruck machte, bis sie sich schließlich dazu durchrang und verhalten äußerte: „Naja, wo ich jetzt schon mal da bin. Warum nicht?“

Beide grinsten sich dann doch erleichtert an, woraufhin Mehdi meinte: „Der Kaffee hier ist zwar meistens schlecht, aber der Käsekuchen ist nicht zu schlagen!“
„Das hört sich gut an!“, grinste Gigi verschmitzt, ehe sie in den Fahrstuhl stieg und beide wieder hochfuhren.





Unterdessen vor dem Krankenhaus:


Eilig hastete Gretchen zum Parkplatz und sah, dass Franz bereits eingestiegen war. So rannte auch sie zum Auto, während das Wetter sich derweil gebessert hatte, machte die Beifahrertür auf und sah ihn im Handschuhfach herumkramen.

„Suchst du was?“, fragte sie interessiert, da sie einsteigen wollte.
„Sag mal, hast du meine CD gesehen? Du weißt schon, die mit diesen tollen alten Schlagerhits. Ich finde die irgendwie nicht mehr...“, betrauerte Franz den Verlust.


-Vielleicht sollte er mal unter der Fußmatte auf dem hinteren Beifahrersitz nachschauen? Nein, ich werde es ihm nicht sagen, dass ich sie da versteckt habe...-


„Papa, jetzt mach doch bitte das Handschuhfach wieder zu. Es ist kalt, ich will mich reinsetzen und ich will heim!“, flehte Gretchen und versuchte zu überspielen, dass sie ganz genau wusste, wo sich die CD befindet.

„Du wolltest doch noch etwas mit dem Dr. Kaan klären. Ginge es nach mir, wären wir schon lange daheim“, meinte Franz eingeschnappt, während er das Handschuhfach wieder zumachte, sich zurück in seinen Sitz bequemte und Gretchen endlich einsteigen konnte.

„Ach, das kennst du doch auch, dass es manchmal einfach länger dauert...“, verteidigte sie sich, während sie die Tür schloss und ihren Gurt anlegte.
„Nein! Und wenn dann geht es bei mir um Wichtiges, und nicht nur um Liebeleien!“, empörte er sich noch immer eingeschnappt.

„Woher weißt du, dass es um Liebe ging?!“, hakte Gretchen kritisch nach.


-Mist! Stelle rhetorische Fragen. Ihm dürfte jetzt klar sein, dass es um die Liebe ging...-


„Also, falls es überhaupt darum ging... ich meine... wenn du uns nicht gerade belauscht hast. Aber es ging ja eigentlich gar nicht darum“, versuchte sie sich unglaubwürdig herauszureden.

„Ach Kälbchen, jetzt rede dich doch nicht raus! Ich bin dein Vater!“, meinte er lachend.


-Gut, muss noch an eigener Glaubwürdigkeit arbeiten...-


„Und ein guter Vater weiß, was seine Tochter auf dem Herzen hat...“, fügte er noch an.
„Vor allem lässt ein guter Vater seine Tochter aber nicht im Regen stehen, Papa!“, merkte sie schnippisch an, um dann verträumt hinzuzufügen: „Wobei, eigentlich kann ich dir heute sogar dafür dankbar sein! Sonst wäre ich jetzt wohl nicht...“

„Nicht was?“, wollte er wissen, da sie plötzlich aufhörte und verträumt zum Fenster hinausblickte.


-... nicht mit Maaarc zusammen ... Werde jetzt aber mit Papa kein Beziehungsgespräch beginnen. Sonst komme ich heute nie zu Hause an...-


„Nicht... nicht um 500 Gramm leichter...“, versuchte sie zu vermitteln.
„Das heißt du bist gelaufen?“, erkundigte er sich interessiert.
Gretchen strich sich durchs Haar und versuchte verzweifelt einem Beziehungsgespräch zu entkommen. „Theoretisch, ja...“, meinte sie, um nicht zu offensichtlich zu lügen.

„Und ich dachte du machst Diät?!“, hakte Franz noch kritischer nach.
„Ja und? Was hat das damit zu tun?!“, reagierte Gretchen leicht gereizt, da ihr Franz‘ Unterton merkwürdig vorkam.

„Naja, entschuldige, Kälbchen, aber da verbrenne ich ja mehr, wenn ich von meinem Büro zur Herrentoilette gehe.“
„Ähm, die ist doch aber höchstens fünfzehn Meter von deinem Büro entfernt?!“, stellte Gretchen fest.

„Ja, siehste!“, äußerte Franz lediglich monoton.
„Ohhh... Papa! Ich werde jetzt sicher nicht weiter mit dir über mein Gewicht diskutieren!“, stellte sie genervt klar.

Einen kurzen Augenblick lang regte sich Gretchen innerlich über Franz‘ Äußerung auf, ehe sie versuchte, ein anderes, ihr angenehmeres Thema, aufzugreifen.


„Sag mal, warum musstest du heute Morgen eigentlich so früh los? Ich dachte du hast erst nachher Univorlesungen?“, wollte sie wissen.

Franz blickte beschämt einen Moment lang aus dem Fenster, um dann festzustellen, dass er der Fragerei seiner Tochter wohl sowieso nicht mehr länger ausweichen kann.
Mit seiner Handgestik bat er, sich ein bisschen zu ihr hinüberzulehnen, was sie auch tat. Er lehnte sich ebenso zu ihr hinüber und flüsterte ihr ins Ohr: „Das darfst du aber keinem sagen und vor allem nicht deiner Mutter, Margarete. Bitte, versprich es mir!“

„Was ist denn los?“, fragte sie und wurde mit jeder Sekunde, die verging, neugieriger.
„Ich hatte heute Morgen einen Termin... bei... bei...“, druckste er flüsternd herum.
„Bei...?!“, fragte Gretchen aufgeregt.
„Aber bitte sage es keinem! Das kann mich meinen Ruf kosten, Kälbchen!“, bat er sie erneut.




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=qrO4YZeyl0I; "Lady Gaga - Bad Romance" © by LadyGagaVEVO , YouTubeDE; aufgerufen am 28.06.2015 um 19:59




„Jahaa, Papa. Was ist es denn? Arbeitest du nebenberuflich für irgendeinen Geheimdienst, oder führst du irgendwelche Nuklearexperimente durch?“, fragte sie zynisch.

Mit einem bestimmten und entsetzten „Margarete!“ forderte er seine Tochter dazu auf mit den wilden Spekulationen aufzuhören. Böse schaute er sie an, da kam ihr ein entsetzlicher Gedanke: „Du warst bei deiner Affäre, stimmt’s?! Gott, Papa! Weißt du, wie schlecht es Mama eigentlich geht? Jetzt holt sie sich schon diesen Fitnesstrainer ins Haus. Die Frau verfällt noch in einen Fitnesswahn und ich bin immer die Leidtragende!“

„Also, jetzt hör‘ mal, Margarete! Was denkst du eigentlich von mir?! Dass ich ein notgeiler...“, schrie Franz erbost, um dann von ihr unterbrochen zu werden, die aufbrausend seine Gedanken ins Worte fasste: „... alter Sack bist?!“

„Also was fällt dir eigentlich ein?“, schrie Franz noch lauter, sodass alle, die ums Auto herum liefen, stehen blieben und blöd aus der Wäsche guckten, während es drinnen weiterging.

„Ja, was denn?“, regte sich Gretchen auf. „Mama hat sich so viel Mühe gegeben eure Ehe zu retten. Sie war so stolz, als sie mir die Dessous vorgeführt hat und hat sich so auf einen Abend mit dir gefreut und du machst wieder alles kaputt, nur, weil du dich morgens schon so austobst, dass du abends völlig fertig bist!“, schrie sie wütend.

„Ich gebe mir auch Mühe!“, verteidigte sich Franz, der allmählich von seinem hohen Ross herunterzukommen schien.
„Ach ja?! Sei froh, dass ich ihr noch nicht erzählt habe, dass du wieder eine Affäre hast!“, betonte sie.

„Ich habe keine Affäre! Das habe ich deiner Mutter gestern auch schon gesagt!“, beteuerte Franz.
Nachdem sich Gretchen wieder durchs Haar gestrichen hatte, meinte sie entkräftet: „Ach komm, ich hab dich doch erst kürzlich mit deiner Elke gesehen. Und fast hätte Mama euch auch gesehen. Sei froh, dass ich euch nicht verpfiffen habe, auch, wenn ich es mir mehr als nur einmal überlegt habe es zu tun.“

„Wo hast du uns gesehen?“, fragte er verwundert.
„Na, in Brasilien, als ihr gerade während des Karnevalsumzugs in der heißen Mittagssonne eure verschwitzten Körper aneinander gerieben habt?!“

Franz schaute sie aber lediglich verdutzt an, woraufhin sie nochmals schrie: „Ohhh!!! In der Stadt natürlich, als ihr zusammen ein Haus verlassen habt!“, um dann abermals entkräftet anzufügen: „Da war, glaube ich, eine Pension drin! Und was macht man wohl zu zweit in der Pension, obwohl man eigentlich in der gleichen Stadt eigene Wohnhäuser hat?!“

„Nein, da waren wir bei einer Psychologin!“, versuchte Franz zu erklären.
„Bitte?! Du hast einen Dreier mit einer Psychologin und Marcs Mutter? Ohh Papa, das ist sooo widerlich. Ich kotze gleich, echt wahr!“, tat Gretchen entsetzt und angewidert zugleich kund, während sie sich an den Kopf fasste.

„Neeein, du verstehst nicht, Margarete!“, flüsterte er erneut, nachdem er sich umgeblickt hatte und sich sicher war, dass keiner etwas von dieser Unterhaltung mitbekommen würde.
„Oh doch, ich versteh sehr wohl und glaube mir, nachdem ich das jetzt weiß, werde ich Mama die ganze Wahrheit erzählen. Das ist so abartig, erbärmlich und widerlich. Professor, Psychologin und Kitschautorin... Ich fasse es nicht! Dagegen sind die Dr. Rogelt-Romane deiner Elke billiger Kitsch und Sexlektüren für Ü300-jährige...“, redete sie sich immer noch deutlich entsetzt in Rage.

„Jetzt hör doch einfach mal zu, Kälbchen!“, flüsterte Franz noch immer.
„Ohhh, bitte nenn mich nie wieder Kälbchen, wenn du nicht willst, dass ich an diesem Kopfkino, das ich jetzt habe, zugrunde gehe!“, wütete Gretchen im Auto.


„Ich will doch unsere Ehe retten!“, beteuerte Franz abermals flüsternd.

„Mit einem Dreier?! Das ist doch wohl ein Witz! Und du hast dich immer aufgeregt, weil ich in zwei Männer verliebt war. Aber selber... Ohhh... Papa...“, redete sich Gretchen immer noch in Rage, bis sie mit einem Mal von ihrem Vater zusammengeschrien wurde: „Hör doch endlich zuuuu!!! Ich habe K-E-I-N-E AFFÄRE!“

„Und warum geht ihr dann aus einer Pension raus?!“, wollte Gretchen dennoch wissen.
„Die Pension ist nur unten. Darüber ist die Praxis. Ich bin in Behandlung, Gretchen. Elke war nur einmal am Anfang dabei und meinte dann, dass das sowieso nur alles Humbug wäre.“, rang er bei ihr um Verständnis.

„Das heißt du hast gar keine Affäre mehr?!“, fragte Gretchen noch mal sicherheitshalber.
„Neiiiinnn!“, betonte er erneut genervt.


Obwohl Franz bald einer innerlichen Explosion nahe gekommen war, weil er immer beteuern musste, und sie ihm doch nie richtig zu glauben schien, erkannte auch er, dass er sie überzeugt hatte, denn in ihrem Gesicht zeichnete sich ein zufriedenes Lächeln ab.

„Och Papa, das ist sooo toll!“, freute sie sich wie ein Honigkuchenpferd und musste ihn einfach umarmen.
„Kälbchen bitte, wenn du deinem alten Herrn nicht den Kopf vom Corpus trennen willst, dann lass mich bitte wieder los! Der Sitzgurt schlitzt mich noch auf!“, äußerte er luftringend. Dann ließ sie ihn auch wieder los.

„Oh, Tschuldigung!“, bat sie um Verständnis, um gleich noch eine Frage dranzuhängen: „Aber, warum sagst du das Mama nicht einfach?“

„Margarete, wie sieht denn das bitte aus? Der Professor bei diesen Psychotypen. Als ob ich das nicht alleine hinbekommen würde!“, rief er aus, als hätte er lediglich eine Taste betätigt, die diese Ansage ablaufen ließ.

„Aber du gehst doch zu diesen Psychotypen?!“, fragte sie leicht perplex.
„Aber bitte sag es keinem und auch deiner Mutter noch nicht! Bitte Kälbchen!“.

Er wäre vor ihr auf die Knie gegangen, wäre ihm das Lenkrad und der geringe Fußraum nicht im Wege gestanden.
„Ist ja schon gut. Ich sag’s keinem!“, versprach sie ihm leicht halbherzig.
„Margarete, ich bitte dich!“, forderte er mit Nachdruck in der Stimme.
„Ohhh jaaa... ist ja schon gut. Versprochen!“, beteuerte sie.


„Gut“, meinte er sichtlich erleichtert, als er den Zündschlüssel umdrehte und den Motor startete.
„Sag mal, Kälbchen. Jetzt, wo wir so ein entspanntes Vater-Tochter-Verhältnis haben, wie läuft es eigentlich bei dir so?“, wollte Franz doch neugierig wissen.

Währenddessen kramte sie ihr Handy aus ihrer Tasche und schaute wieder auf das Display und hoffte auf eine Nachricht, doch da war keine.
„Papa, bitte! Ich sprech wirklich ungern mit dir über meine Beziehungen!“, ließ sie ihn wissen, da sie zuerst auf die Nachricht von Marc warten wollte, ehe sie allen alles verkündete.

„Schon gut. War ja nur eine Frage eines fürsorglichen Vaters!“, antwortete er schnippisch und vor den Kopf gestoßen auf die abweisenden Worte seiner Tochter, legte den Rückwärtsgang ein und verließ die Parklücke, während Gretchen ein bisschen enttäuscht zum Fenster hinausblickte.

GretchenHaaseFan Offline

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29.06.2015 21:29
#29  Super... Und wer entführt mich? (Teil 4) Zitat · antworten

Zur selben Zeit in der Cafeteria:


„So, hier der Kaffee!“. Mit zwei Pappbechern bis an den Rand gefüllt tänzelte er zu einem Tisch in der Cafeteria, an dem Gigi saß.

„Das ist wirklich sehr nett von Ihnen, Dr. Kaan! Und dann auch noch dieser Käsekuchen, der sehr köstlich aussieht...“, freute sich Gigi, dass sich wenigstens einer für sie Zeit nahm.

„Der entschädigt den schlechten Automaten-Kaffee, glauben Sie mir!“, scherzte er, als er sich zu ihr setzte.

Man sah ihr an, dass sie froh war, dass sich nach dem langen Warten überhaupt noch jemand für sie interessierte. „Oh, danke für die Vorwarnung!“, witzelte sie zurück.

Dann schwiegen beide, bedingt durch die leere Cafeteria, bedingt durch ihre aktuellen Lebensumstände. Nur am Nebentisch saß Maurice, der geknickt seinen Kaffee zu Tode zu rühren schien. Irgendwann nach einer gefühlten Ewigkeit, in der sie beide nur ihre Pappbecher betrachteten, versuchte Mehdi ein Gespräch zu beginnen: „Schicke Leggins übrigens!“

„Oh, danke. Finden Sie?“, fragte sie verblüfft.
„Ja, total Die ist so modern. Mir gefällt Sie!“, lobte er ihren Kleidungsstil.
„Danke. Da sind Sie aber wohl der einzige. Bisher fand sie noch niemand so toll“, meinte sie, während er seinen Käsekuchen aß, was auch sie dazu verleitete ihn zu probieren.

„Doch, hat was!“, bestätigte er noch einmal als er sie so betrachtete.
„Oh ja, der ist wirklich gut! Hat sich doch gelohnt, hierher zu kommen. Sonst hätte ich wohl keinen so guten Käsekuchen gegessen!“, gab sie zu.

„Ich meinte Ihre Leggins. Aber der Käsekuchen ist auch aller erste Sahne!“, eröffnete er ihr.

„Oh ja! Sahne dazu wäre jetzt einfach das Nonplusultra!“, schwärmte sie.
„Ich hab noch welche...“, bekannte Mehdi, da rührte sich Maurice am Nebentisch, stand auf, knallte seinen Kaffeelöffel hin, was Mehdi aus dem Konzept brachte und ebenso Gigi aufhorchen ließ, die sich gerade ein Stück Kuchen in den Mund schob.

Maurice hingegen stampfte genervt mit dem Fuß auf den Boden, wandte sich den beiden zu und geigte ihnen in seinem österreichischen Akzent die Meinung: „Ich kann es nicht mehr hören! Es geht hier nur noch um Sex, Sex, Sex! Nicht einmal mehr in der Cafeteria kann man mehr in Ruhe seinen Kaffee genießen! Glauben Sie mir, ich will wirklich nicht zuschauen müssen, wie Sie ihr Ihre Sahne spendieren, Dr. Kaan! Abartig seids ihr alle miteinand! Wirklich abartig!“


Schockierten Blickes und mit weitaufgerissenen Augen, die durch die Brille noch größer als sonst schienen, glotzte Gigi vollkommen zusammengestaucht Maurice an, und vergaß dabei vollkommen das Stück Kuchen in ihrem Mund hinunterzuschlucken oder die Gabel aus ihrem Mund zu nehmen, während auch Mehdi nur dasaß und ihn fassungslos anstarrte.
Als nach ein paar Sekunden immer noch keine Reaktion der zwei Versteinerten kam, meinte Maurice lediglich „Ach, leckts mich doch alle am Arsch!“ und stampfte wütend davon.

Nach einer Weile löste sich auch bei Gigi und Mehdi die Erstarrung wieder. Beide wandten sich einander wieder zu, blickten sich an und Mehdi vollendete stotternd und stückhaft, was er eigentlich sagen wollte: „...in...meinem...Kühlschrank...im...Behandlungszimmer“, während Gigi ihr Kuchenstück hinunterschluckte.
„Dann müssen wir die teure hier nämlich nicht zahlen und Verschwendung wäre es auch ja noch... irgendwie, wenn die übermorgen oder so abläuft...“, fügte er noch hinzu und rang bei ihr mit seinen Blicken um Verständnis. Gigi nickte nur bejahend, allerdings immer noch etwas geschockt.

Nun schien auch Gigi wieder im Hier und Jetzt anzukommen: „Was war das denn, bitte?!“

„Das war Knechtelsdorfer! Einfach nicht persönlich nehmen!“, riet ihr Mehdi.
„Nicht persönlich nehmen?! Also ich weiß ja auch nicht... Ich sollte heute schon zum Urologen, nur weil ich im Wartebereich auf Gretchen gewartet habe!“, stöhnte sie genervt.

„Laut seiner Meinung nach bin ich nur wegen meiner Leggins eine Schlampe und diese peinliche Story mit dem Urologen! Ich weiß nicht, aber irgendwie...“

Den Satz konnte Gigi nicht vollenden, denn plötzlich brach es aus Mehdi lachend heraus: „Zum Uro... Uro... Urologen...“, woraufhin schallendes Gelächter ertönte. Das war auch für Gigi zu viel, so ansteckend war sein Lachen, und so mussten beide lachen, als ob es kein Ende gäbe.

Beide liefen dermaßen rot an, dass man hätte meinen können, ihre Köpfe wären tatsächlich Tomaten.
Als sie sich wieder etwas gefangen hatten, meinte Gigi schließlich: „Vorschlag: Wir holen jetzt Ihre Sahne... also die aus Ihrem Kühlschrank und nicht die... Sie wissen schon...“, woraufhin beide wieder anfangen mussten zu lachen.

Gigi musste sich die Tränen aus den Augen wischen, da sie einfach nicht mehr anders konnte als zu weinen, weil der Lachanfall beider einfach kein Ende finden wollte.

Als sie nach etlichen Minuten wieder runtergekommen waren, schlug Mehdi schließlich vor: „Und danach gehen wir noch was trinken. Sind Sie dabei?!“

„Oh ja, aber hallo! Ich hoffe, Sie kennen eine gute Location?“, fragte Gigi, während sie sich wieder ihre Brille aufsetzte und das Taschentuch in ihre Handtasche stopfte.

„Aber selbstverständlich! Ich bin übrigens Mehdi!“, meinte der ebenfalls mit Lachtränen in den Augen und reichte ihr die Hand zum Handschlag. Nicht lange zögerte sie und schlug ein, indem sie sich vorstellte: „Gina, aber nennen Sie mich... Ups, also nenn mich ruhig Gigi!“
„Okay, Gigi! Freut mich. Wollen wir dann?!“, fragte er und deutete an gehen zu wollen.

„Aber selbstverständlich. Sollen wir noch schnell beim Urologen vorbei und fragen, welche Leggins er am liebsten trägt?!“
Kaum hatte sie das gesagt, mussten beide schon wieder anfangen zu lachen und machten sich so gemeinsam auf den Weg – lautlachend, sodass es das ganze Krankenhaus einfach hören musste.





Auf dem Anwesen der Haases:


Erschöpft riss Gretchen das Gartentor auf, schleppte sich zur Haustür hoch und klingelte ebendort.

Freudestrahlend öffnete Bärbel die Tür, ohne genau hinzusehen, wer da eigentlich steht und meinte: „Oh, Brad, Sie sind aber früh dran! Naja, egal. Dann können wir ein bisschen länger die Hüften kreisen lassen... Ich hoffe doch aber das kostet nicht extra...“

„Nur, weil ich mich mit dieser Dreckstechnik eures blöden Wagens rumschlagen musste, bin ich noch lange kein Mann und ich werde heute sicher keine Hüften mehr kreisen lassen!“, meinte Gretchen schlechtgelaunt.
Da erkannte auch Bärbel, dass es sich nicht um Brad handelte.
„Aber Margarete, wie siehst du denn aus?!“, fragte sie verwirrt, als sie die Augen öffnete und ihre Tochter sah. Schlagartig war das Grinsen weg.

„Na, beschissen! Sieht man doch!“, entgegnete die ihr genervt, drückte ihr einen Zettel in die Arme und quetschte sich an ihrer Mutter vorbei, um in Richtung Treppe zu laufen.

„Was ist das?“, fragte Bärbel perplex, als sie den Zettel näher betrachtete.
„Mein Schicksal! Weißt du eigentlich wie demütigend es ist, wenn dich alle blöd anglotzen, wie du vor einem qualmendem Auto stehst, das nicht mal dir gehört und das zu allem Überfluss auch noch mitten auf einer Kreuzung?“, wandte sie sich entnervt ihrer Mutter zu.

Bärbel hingegen widmete sich ganz und gar dem Zettel.




Um 19 Uhr war ich leicht gefrustet und das nicht nur, weil ich bald eine Stunde auf den Abschleppdienst warten musste, weil das Auto meines Vaters mitten auf einer Kreuzung zur Hauptverkehrszeit stehen geblieben ist und er mich da einfach stehen lassen hat, weil ER ja in die Uni musste, sodass alle wieder meinten die blonde, dicke Frau wäre zu blöd zum Autofahren und mir deshalb auch oft genug den Vogel zeigten... Nein! Dass Marc sich immer noch nicht gemeldet hatte, machte die Situation nicht wirklich besser.

Habe heute also die Erfahrung gemacht, dass Männer wesentlich schlechter mit Technik umgehen können, als ich dachte. Der eine vergisst Kühlwasser nachzufüllen, damit sich der Motor schön aufheizt um dann so richtig zu überhitzen und der andere war offensichtlich nicht in der Lage den Touchscreen seines Handys zu bedienen.

Werde in Zukunft wohl doch eher auf Taxi umsteigen, da einfach zuverlässiger, und vor allem Marc nie wieder die kreative Macht in unserer Beziehung überlassen – außer ich will mal irgendwann in 60 Jahren aus irgendeiner Zeitung erfahren, dass er überraschend verstorben ist... Ne, ne. Ab sofort nehme ich alles wieder in die Hand!

Ja, ich hatte mir den Abend definitiv anders vorgestellt...





„Und wo ist dein Vater, Margarete?“, fragte Bärbel voller Sorge, nachdem sie auf dem Zettel gelesen hatte: Ihr Personenkraftfahrzeug wird repariert. Wir kontaktieren Sie telefonisch, sobald Sie Ihren Pkw abholen können. Bei weiteren Fragen kontaktieren Sie bitte unser Kundencenter...

„In der Uni!“, antwortete sie gereizt.
„Oh Gott, ist ihm was passiert?!“, erkundigte sich Bärbel, die den Tränen nahe war vor lauter Sorge.
„Ne, aber dem wird noch was passieren, glaub mir das! Mich da einfach stehen lassen und selber ins nächste Taxi hüpfen, nur, damit man rechtzeitig zu seinen blöden Vorlesungen kommt... Pfff, dem wird noch was passieren! Mich so vorzuführen... das lasse ich nicht auf mir sitzen!“, schimpfte Gretchen vor sich hin, um dann wieder auf den Teppich zu kommen, und monoton mitzuteilen: „Ich geh duschen!“

Als sie die Treppe halb oben war, drehte sie sich doch nochmal um, um sicherzugehen: „Aber es gibt doch schon noch Pudding, oder Mama?!“

Perplex antwortete die nur: „Ähh.. ja... ich mache ja schon welchen...“
„Suuupi!“, bekam Bärbel noch zu hören, das doch schon deutlich gelassener und zufriedener klang, als sie den Zettel auf dem Sekretär ablegte und sich immer noch etwas verwirrt auf den Weg in die Küche begab.




Nachdem ich eine halbe Stunde lang ausgiebig geduscht hatte, blühte ich wieder von Neuem auf, und das lag nicht nur an meinem nach Lavendel duftenden Duschgel und der Haarkur mit blumig-wohligem Rosenduft, sondern auch daran, dass ich ruhig und gelassen war. Dieses Mal würde ich Marc und mir Zeit lassen. Ja, ich bin ruhig und gelassen, vollkommen entspannt. Schon allein deshalb würde ich nie wieder irgendjemanden drängen...


„Mamaaaaaa!!! Hier sind keine Handtücher! Ich friere! Kannst du mir bitte welche bringen? Und mach gaaanz schnell, ja!“, rief Gretchen laut durchs ganze Haus, als sie die Dusche verließ und feststellen musste, dass kein einziges Handtuch dalag.




Wenig später an diesem Abend, nachdem ich es mir in meinem rosa Lieblingspyjama gemütlich gemacht hatte, schon die dritte Portion Schokopudding verschlungen hatte und ich zum gefühlt zwanzigtausendsten Mal auf mein Handy geschaut hatte, ob Marc nicht doch schon angerufen hatte und ich es nur nicht gemerkt hatte und mich ebenso oft versichert hatte, dass es auch nicht im Stummmodus ist, klingelte es an der Tür...


„Ahhhh! Das ist er!“, schrie Gretchen laut, sprang vom Sofa auf und freute sich wie wild, rannte in den Flur, um sich noch einmal im Spiegel zu betrachten, während ihr Bärbel murmelnd folgte: „Na, das will ich auch hoffen! Ich bezahle die Stunden ja nicht zum Spaß! Und zehn Minuten Verspätung wird er ja wohl auch hinten dranhängen können!“

Schnell strich sich Gretchen durch die bereits getrocknete Lockenmähne und sauste an ihrer Mutter vorbei in Richtung Haustür, um sie verträumt und freudestrahlend zu öffnen. Dabei rief sie: „Endlich bist du da! Ich hatte mir schon solche Sorgen gemacht...“

Doch dann stellte sie fest, dass es gar nicht Marc war, der geklingelte hatte und so vollendete sie ihren Satz nur noch stotternd und immer leiser werdend:“... dass dir etwas passiert...sein könnte?“

„Oh no, Jesus! Wo denkst du denn nur hin?! Ick bin nur nickt von dieser Kreuzung weggekommen, weil da so ein Stau war. Mir kam es vor, als würde ick von New York hierher fliegen mit die Flugzeug, so lang hat das gedauert! So ein Polizist meinte nur, dass ein blonde, dicke Frau zu blöd zum Autofahren gewesen ist und deshalb ein Verkehrs-coll-apps... oder wie man das so sagt in Deutsch, dadurch entstanden ist!“, erzählte der ihr genervt, woraufhin sie kurz schlucken musste, um dann mit den Augen zu rollen und wütend zu fragen: „Bitte was hat der gesagt?!“

„Verkehrs-coll-appsss?“, zog Brad das Wort unnötig in die Länge, um dann nachzufragen: „Ist das nickt ricktig?“

„Neiiiin!“, schrie sie ihn wütend an, um dann auszuholen: „Mein Vater ist zu blöd zum Autofahren! Was fällt diesem Polizisten eigentlich ein? Und ZUDEM bin ich sicher NICHT blond und dick!“, betonte sie wutentbrannt.
„Dock, bist du!“, meinte er lässig, nachdem er sie prüfend von oben bis unten abgecheckt hatte.
„Ja, blond!“, gab sie bekennend zu, um dann aber noch betonend anzufügen: „Aber NICHT dick!“
„Dock, bist du!“, meinte der erneut.

Dann riss sie Hand von der Klinke, fuchtelte mit beiden Armen wild umher, wobei sie selbstlobend beteuerte: „Ich habe 300 Gramm abgenommen, mein Lieber! Und das trotz Schokopudding und Vanilleeis UND der Schwarzwälder Kirschtorte letzte Woche, die es auf der Geburtstagsfeier von Tante Elfriede gab und von der ich drei Stückchen essen musste, weil die immer noch meint ich wäre so verfressen wir mit neun, als sie mich noch damit regelrecht gemästet hat!“

„Also Margarete!“, meinte Bärbel entsetzt, die sich nun ganz hinter Gretchen stellte, sodass sie Brad auch sehen konnte und ihm zuwinken konnte. „Du hast die drei Stück aus freiem Willen gegessen. Elfriede hat dich doch noch nach dem zweiten Stück gefragt, ob du jetzt nicht lieber aufhören willst, nicht, dass du wieder so ganz auseinandergehst. Dann hast du mit Fleiß noch ein drittes in dich hineingestopft!“, nahm sie Elfriede daraufhin in Schutz.
Genervt lehnte sich Gretchen ein bisschen zurück, drehte den Kopf ganz nach rechts, um ihrer Mutter flüsternd um seelischen Beistand zu bitten: „Mama, du könntest ruhig mal hinter mir stehen!“
„Aber ich steh doch hinter dir, Gretchen! Und wenn du dich noch weiterzurücklehnst, dann falle ich gleich um!“, meinte sie abgeklärt.

„Ohhh, bitte! Wie soll man diese schrecklichen Familienfeiern auch sonst ertragen?!“, fragte Gretchen etwas gereizt.

„Sag mal, was ist denn eigentlich los mit dir?“, hakte Bärbel nach, da sie merkte, dass ihrer Tochter etwas auf dem Herzen lag.
Zuerst wollte sie schwiegen, doch dann konnte sie nicht anders, wandte sich ihrer Mutter zu und dann brach es verzweifelt aus ihr heraus: „Er hat immer noch nicht angerufen oder mir eine SMS geschickt, Mama!“

„Nun ja, ich glaube das dauert, bis der Wagen repariert ist. Nimm doch einfach das orange Cabriolet!“, schlug Bärbel vor.
„Nein! Marc hat sich noch nicht gemeldet. Weißt du, ich wollte ihm ja wirklich Freiraum lassen, aber dass er sich bis jetzt noch nicht gemeldet hat... Das ist doch komisch, oder nicht?“, schluchzte Gretchen.

„Was hat denn jetzt der Dr. Meier mit dem Wagen zu tun?“, fragte sich Bärbel verwirrt.
„Ich glaube wir sind zusammen“, gestand sie ihrer Mutter.
„Wie meinst du das jetzt?“, verstand die aber immer noch nicht so wirklich.
„Na, zusammen halt. Ein Paar!“, eröffnete sie ihr.
„Aber Margarete, das wolltest du doch immer!“, meinte Bärbel und freute sich innerlich doch sehr.

Ihre Tochter schien aber gar nicht begeistert zu sein. Schnell nahm sie Gretchen in den Arm und drückte sie fest.
„Ach weißt du, Männer, die vergessen schon mal sich rechtezeitig zu melden. So sind sie halt. Ich bin mir sicher, er ruft dich ganz bald an!“, tröstete sie ihre Tochter und blickte dabei Brad an, der immer noch vor der Haustüre stand.

„Was kuckst du mick dabei so an? Für Stau kann ick nicks!“, versuchte der sich zu verteidigen.

„Ich habe einfach Angst, dass es wieder nichts wird und ich am Ende wieder heulend dasitze“, vertraute sich Gretchen ihrer Mutter an.

Die ließ sie wieder los und kniff ihr lächelnd in ihre linke Backe: „Na, das will ich wirklich nicht hoffen! Taschentücher werden auch nicht gerade billiger!“

Allein die Zuwendung ihrer Mutter heiterte Gretchen wieder auf, jedoch gab sie ihrer Mutter zu verstehen, dass sie das Backenkneifen nicht sonderlich mag.
„Und was ist jetzt mit dem Dr. Kaan?“, fragte Bärbel sicherheitshalber nochmal nach.
„Ich hoffe er findet auch sein Glück!“, meinte Gretchen doch zufrieden, da sie ihrer Mutter ansah, dass sie sich mit ihr freute.

„Ach, Gretchen! Du bist mit dem Dr. Meier zusammen!“, strahlte Bärbel freudig ihre Tochter an und konnte es eigentlich kaum glauben. Auch Gretchen selbst konnte es kaum fassen. Eine jede von ihnen grinste bis über beide Ohren, bis Gretchen die Freude nicht mehr zurückhalten konnte, ihre Mutter an den Händen fasste und begann freudestrahlend auf und ab zu hüpfen, was Bärbel ihr nachmachte.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=78LAgl90UyM; "YMCA Legendado" © by Marcelo Tavares, YouTubeDE; aufgerufen am 28.06.2015 um 20:26




Sie konnte es einfach nicht mehr zurückhalten und so schrie Gretchen überglücklich „Jahaaaaaaaa!“. In diesen Freudenschrei stimmte auch Bärbel kreischend mit einem „Ahhhhhh“ ein. Und auch Brad konnte nicht anders, als ebenfalls voller Freude mit zu hüpfen und in den Freudenschrei mit einzustimmen. So hüpften alle drei miteinander herum, bis Gretchen sich die Augen zukniff, während sie fast zu explodieren drohte vor Freude und erneut betonte: „Ich bin mit Marc zusammen!!!“

„Ahhhh... Und das, obwoll du so viel Schwabbel an dir hast!“, schrie Brad freudig und noch immer hüpfend.


Schlagartig stoppte Gretchen ihren Freudenschwall, was Bärbel ihr ebenso nachtat, blickte erbost zum noch immer hüpfenden Brad hinüber, der langsam aber sicher auch merkte, dass er die Freude erheblich gestört hatte.

„Mama, dein Fitnesstrainer beleidigt mich!“, merkte sie böse blickend an.
„Jetzt kommt doch alle erst einmal rein“, versuchte Bärbel zu schlichten und bat Bard herein, machte hinter ihm die Haustür zu und bat ihn ins Wohnzimmer zu gehen. Auch Gretchen bat sie, mitzukommen, die jedoch nicht so begeistert zu sein schien. So wurde sie kurzerhand gegen ihren Willen mitgezogen.





Eine halbe Stunde später im Wohnzimmer:


Ungeduldig saß Gretchen auf einem der gelben Sofas und starrte immer wieder auf ihr Handy, das sie neben sich liegen hatte, während sie immer wieder mal verdutzt nach vorne in Richtung Esszimmer blicken musste, wo Bärbel zusammen mit Brad steppte.
Die Fitnessübungen auf dem Stepper schienen Bärbel sehr anzustrengen, während Brad vor ihr stand und die Übungen vorgab und sie immer wieder anfeuerte.


„Gretchen Kind, jetzt mach halt mit. Es macht so viel Spaß!“, schrie Bärbel völlig außer Atem.
„Mhm, ja... das sehe ich...“, murmelte Gretchen halbherzig vor sich hin, während sie immer wieder in die Schlüssel mit den Salzstangen griff.

„Und eins und zwei und drei und vier und eins und zwei und drei und vier“, wiederholte Brad derweil immer und immer wieder, wozu Bärbel abwechselnd Beine und Arme anstrengen musste, was jedoch nicht wirklich gekonnt aussah. Es hatte eher etwas von einem Krampfanfall, wie Bärbel sich da auf dem Stepper abmühte.

„Können wir kurz eine Pause machen?“, fragte Bärbel entkräftet.
„Aber wir macken Stepp doch erst seit five minutes?!“, meinte Brad verwundert.
„Ich kann aber trotzdem nicht mehr! Bitte!“, flehte Bärbel regelrecht.
„Na, gut. Wir müssen aber nock sehr an deine Kondition arbeiten!“, ermahnte Brad.


Erschöpft schleppte sich Bärbel zu Gretchen und ließ sich auch ins Sofa fallen.
„Warum tust du dir das überhaupt an?“, wollte Gretchen von ihrer Mutter wissen, während sie immer wieder mal in die Schüssel mit den Salzstangen griff.

„Ich bin nicht mehr die Jüngste, Gretchen. Ich muss mich fit halten!“, erklärte sie schweratmend.

Eine Weile lang saßen sie still nebeneinander und beobachteten Brad, wie er weitere Fitnessgeräte aufbaute.
„Mach doch einfach mit, Gretchen!“, bat ihre Mutter sie.
„Bitte?! Ich bin doch nicht lebensmüde, Mama!“, entgegnete sie ihr.
„Aber du bist doch auch angemeldet!“, erinnerte Bärbel.
„Ja, Dank dir, Mutter. Ich wollte mich nie zu einem Fitnessprogramm anmelden!“, meinte Gretchen leicht mürrisch.


Wieder kehrte für einen kurzen Moment Stille ein, ehe sich Gretchen doch noch bei ihrer Mutter nach etwas erkundigen musste, was ihr doch nachging: „Sag mal, findest du auch, dass ich zu viel Schwabbel habe?“

Entkräftet drehte Bärbel ihren Kopf zu Gretchen hinüber, wobei es so schien, als hätte sie Muskelkater, scannte sie einmal von oben bis unten durch, drehte ihren Kopf wieder zurück, und versicherte ihr daraufhin: „Gut, du siehst zwar nicht unbedingt aus wie Beth Ditto, aber eine Heidi Klum oder Gisele Bündchen bist du auch nicht wirklich.“

Kurz überlegte Gretchen, warum ihr dieser Vergleich so bekannt vorkam und wo sie ihn schon mal gehört hatte, um dann entsetzt zu hinterfragen: „Hast du uns etwa belauscht?!“

„Belauscht?“, fragte Bärbel abwesend, während sie sich versuchte ihre Schultern und Halsmuskeln zu massieren.
„Ja, genau das sagte Marc auch zu mir!“, meinte Gretchen fassungslos.

„Ach Kind, wie sollte ich dich denn belauschen? Ich bin doch nicht die vom... Navy CIS... du weißt schon... die da von diesem amerikanischen Geheimdienst“, bekräftigte Bärbel.

„Ja, zum Glück! Sonst wäre unsere Welt womöglich schon lange heillos verloren!“, meinte sie daraufhin, erhob sich vom Sofa, nahm ihr Handy mit und schlürfte in Richtung Flur.

„Wo willst du denn hin, Gretchen?“, fragte Bärbel immer noch erschöpft.
„In mein Zimmer!“, meinte sie im Gehen.
„Aber warum denn?“, fragte Bärbel die Böses ahnte, als sie sah, wie Brad Hometrainer zusammenbaute.

„Damit ich mir das Elend hier nicht länger mit anschauen muss!“, meinte Gretchen zielsicher.

„Lass uns doch ein paar Übungen zusammen machen, Kind“, versuchte Bärbel sie umzustimmen, wobei ihre Stimme allerdings sehr zittrig klang, so als hätte sie fast schon Angst vor dem Hometrainer.

„Ne, lass mal, Mama. Ich warte noch auf einen Anruf!“, entgegnete sie ihr zurufend, als sie bereits die Treppen hinaufging.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=VuNIsY6JdUw; "Taylor Swift - You Belong With Me" © by TaylorSwiftVEVO , YouTubeDE; aufgerufen am 28.06.2015 um 20:40




Bärbel hingegen hielt sich krampfhaft am Sofa fest und hauchte leise vor sich hin: „Oh ja, den könnte ich jetzt auch gebrauchen...“





Und während meine Mutter sich mit den Fitnessgeräten herumplagen musste, plagte mich die Stille in meinem Zimmer.

Marc hatte immer noch nicht angerufen und es war bereits kurz nach 23 Uhr. Nachdem ich ungefähr fünfzigtausendmal auf den Handybildschirm gestarrt hatte und ich dank eines Kurses in Ophthalmologie bereits davon ausgehen musste, dass sich demnächst meine Netzhaut ablösen würde, schlief ich irgendwann dann doch ein und das, obwohl ich befürchten musste, dass ich in dieser Nacht besonders unter Albträumen leiden müsste.

Zu meiner Überraschung war das allerdings nicht der Fall und so weckte mich mein Wecker gnadenlos aus meinem Tiefschlaf.
An diesem Morgen wusste ich allerdings, dass Gretchen Haase das nicht auf sich sitzen lassen würde und Marc zur Rede stellen würde.

Ja, ich würde ihm ein Ultimatum stellen! Und noch nicht einmal Nutella konnte mich an diesem Morgen von meinem Plan abbringen...






Unterdessen im Krankenhaus:


Am Empfang saß an diesem Morgen erneut Schwester Sabine, die erneut gekonnt auf der Tastatur herumhackte, als Maria hereinstürmte und Kurs auf das Umkleidezimmer nahm, worin sich Marc gerade befand.

„Guten Morgen“, grüßte ihn Maria wenig glaubwürdig, während sie auf ihren Spind zuging und diesen öffnete.
„Morgen“, war Marcs Antwort darauf, der sich seinen Mantel überzog.
„Sagen Sie mal, haben Sie zufälligerweise eine blonde Frau gesehen. So ungefähr 40, wenig gebildet, die durchaus Kommissarin sein könnte?“, fragte er nach.

„Ne, Meier. Haase ist mir heute noch nicht über den Weg gelaufen!“, meinte sie zynisch, als sie sich ihren Arztkittel überwarf und sich dabei im Spiegel, der an ihrer Spindtür hing, betrachtete.

Gerade wollte Marc etwas schnippisch kontern, da stürmte Sabine herein und meinte nur aufgewühlt: „Herr Doktor, die Polizei ist da!“

„Was?! Die ist echt Kriminalkommissarin?“, drehte sich Maria entsetzt um und schaute abwechselnd Sabine und Marc ungläubig an, um dann anzufügen: „Wobei, so schlecht, wie die Auto fährt, erlässt sie mir dann vielleicht die Knöllchen, die mir diese dämlichen Politessen immer an die Windschutzscheibe hauen.“

Marc schüttelte genervt den Kopf, ging Richtung Tür, drückte Sabine beiseite, um dann an den Empfang zu gehen, wo Monika bereits wartete. Selbstverständlich folgten ihm Maria und Sabine umgehend.


„So, Dr. Meier. Wir würden dann gerne Aussagen aufnehmen“, meinte Monika gelassen.
„Haben Sie schon was rausgefunden?“, fragte Marc doch gebannt.

Sabine ging urplötzlich als sie so neben Maria stand ein Licht auf, woraufhin sie geschockt nachhakte: „Oh Gott... geht es etwa um... um... um die Nilpferde?“

„Sie kennen die Täter?“, fragte Monika doch erstaunt.
„Bitte?! Und das sagen Sie erst jetzt?“, schrie Marc auf einmal, sodass Sabine und Maria zusammenzuckten.

„Ich konnte doch nicht...“, wollte sie sich dann erklären, doch da stauchte er sie erneut zusammen: „Sabine!“


Nun stieß auch Oberschwester Stefanie hinzu.
„Was ist denn hier schon wieder los?“, fragte die genervt in die Runde.

Da sah nun Maria den Moment gekommen, in dem sie Sabine verteidigen musste. Also machte sie drei große Schritte auf Stefanie zu, bauschte sich vor ihr auf und fragte in ermahnender Tonlage: „Sie haben Sie wegen ein paar blöden Nilpferden angezeigt?“

„Ich... ich habe gar... Was? Wovon reden Sie eigentlich, Sie Akademikerin?!“, reagierte Stefanie gelassen darauf, bis sie realisierte, dass von Nilpferden die Rede ist, was sie dazu veranlasste noch einmal genauer nachzufragen: „Nilpferde? Sprechen Sie hier gerade etwa von MEINEN Nilpferden?“


„Entschuldigen Sie mal bitte, aber worum geht es denn hier jetzt?“, hakte nun auch Monika ein, die gar nichts mehr verstand.
„Was ist mit ihnen passier?!“, fragte Stefanie und wurde dabei kreidebleich.

„Nichts!“, meinte Maria unglaubwürdig und versuchte zu vertuschen, was wirklich passiert war.
Eilig lief Stefanie auf Sabine zu, bauschte sich vor ihr auf, wie Maria es noch vor kurzem bei ihr tat, und fragte abermals: „Was ist mit meinen Nilpferden passiert?“

„Nun ja... also... ich... das war... also...“, stotterte Sabin herum.
„Was?“, fragte Stefanie lauter und energischer.
„Sie sind... zerbrochen sind sie!“, brachte es Sabine schließlich mutig übers Herz.


„Was?!“ schrie Stefanie verzweifelt und fassungslos, während auch Marc und Monika im selben Moment „Was?!“ schrien, nur eben deutlich angespannter und genervter.

„Das wird mir hier jetzt echt zu blöd! Ich geh sie selber suchen, ansonsten wird das hier nie was!“, murmelte Marc genervt vor sich hin, während er seine Autoschlüssel aus der Manteltasche heraus kramte und an Sabine und Stefanie, Maria und Monika vorbeistürmte.

„Sie können doch jetzt nicht einfach...“, wollte Monika ihn noch aufhalten, doch er ließ sich von seinem Plan nicht mehr abbringen.

„Doch, das kann ich! Und Sie machen jetzt endlich mal Ihre Arbeit!“, schnauzte er Monika in harschem Tonfall an.

„Ick mach meine Arbeit sehr gut!“, wollte sie Maria vermitteln, die da zwischen ihr und Sabine und Stefanie stand und sich wie im Irrenhaus vorkam, dementsprechend auch Monikas Beteuerung nur halbherzig abnickte.





Kurze Zeit später auf dem Krankenhaus-Parkplatz:




Gerade wollte Marc in seinen Wagen einsteigen, nachdem er seinen Mantel auf dem Rücksitz abgelegt hatte, da fuhr Gretchen in ihrem orangen Cabrio vor. Franz saß auf dem Beifahrersitz und hatte ein schwarzes Stirnband auf, das ihm aber immer wieder runterrutschte und die Augen verdeckte, sodass er im 20-Sekunden-Takt dieses immer wieder hochkrempeln musste. Er hatte darauf bestanden, da es an diesem Tag doch sehr sonnig war, offen zu fahren. Es hätte ja das letzte Mal in diesem Jahr sein können. Als Gretchen, eingepackt in Mütze und Schal sah, wie er einstieg, befreite sie sich schleunigst von ihrem Gurt und aus ihrem Sitz, zog die Handbremse an, riss die Tür auf, ließ den Wagen gekonnt absterben und rannte hastig zu Marcs Wagen hinüber, um schnell noch einzusteigen, bevor er losfährt.

„Äh, was soll das?“, fragte Marc, der gerade den Motor anspringen lassen wollte.
„Ja, nachher bist du wieder weg, wie gestern!“, deutete sie an, dass sie leicht sauer auf ihn war.
„Hasenzahn, ich muss jetzt Gabi suchen gehen!“, gestand er ihr und bat sie anhand seiner Gestik den Wagen wieder zu verlassen.

„Gabi?“, wiederholte die betroffen, um sich durchs Haar zu streichen, kurz zum Fenster hinauszublicken, und feststellen zu müssen, dass ihr Vater gerade ans Steuer ihres Cabrios wollte.
Schnell riss sie, nachdem sie nur „Oh Gott“ sagte die Tür auf und rief ihm zu: „Papa, weg vom Steuer! Aber SOFORT!“, um dann die Tür wieder zu schließen und „Nachher ist auch noch meiner in der Werkstatt“ vor sich hinzumurmeln.


„Du bist wieder mit Gabi zusammen?“, fragte sie ihn schließlich kurz darauf innerlich doch sehr betroffen.
„Was?! Nein!“, verteidigte er sich schließlich lautstark.

„Und warum suchst du sie dann?“, wollte Gretchen wissen.
„Oh, Gretchen!“, holte Marc aus, um dann doch kurz zu überlegen und festzustellen, dass es das Beste ist ihr die Wahrheit zu sagen. So ergänzte er schließlich leicht unter Druck stehend: „Sie wurde entführt und diese dämliche Monika von der Polizei bekommt doch nichts auf die Reihe!“

„Achsooo...“, meinte Gretchen daraufhin so, als wäre sie richtig erleichtert, dass sie ‚nur‘ entführt wurde, ehe sie nochmals kurz Marc Worte auf der Zunge zergehen ließ und dann entsetzt schrie: „Bitte was?“

„Ja, und ich geh sie jetzt suchen, da das mit Monika sicher nichts mehr in diesem Jahrtausend wird“, eröffnete er ihr, während er den Zündschlüssel umdrehte und den Motor startete.

„Okay, Marc. Ich komme mit!“, versprach sie ihm.
„Wirklich?“, fragte er nochmals nach, woraufhin sie zuversichtlich nickte und meinte „Nur einen Moment...“

Abermals riss sie die Tür auf und rief ihrem Vater zu, der am Wagen stand wie bestellt und nicht abgeholt: „Papa, du darfst ihn einparken. Ich muss los, aber wehe ich muss ihn nachher in irgendeiner Werkstatt abholen!“




©:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=mZqmX-c7Ey0; "Madonna - Hollywood (Video)" © by REIKO MKX, YouTubeDE; aufgerufen am 28.06.2015 um 20:48




Dann schloss sie die Tür wieder, legte den Gurt an, sicherheitshalber vergewisserte sie sich nochmals, indem sie nachfragte: „Ist auch ausreichend Kühlwasser drin?“, woraufhin Marc nickte und sie „Gut“ meinte. So konnten beide davonbrausen.

Von der anderen Seite kam genau in diesem Moment Schwester Gabi daher, mit einer Dolce & Gabbana-Tüte unterm Arm, einem Coffee-to-go Becher in der rechten Hand, einem Croissant in der linken und einer Hugo Boss-Sonnenbrille im Gesicht.

„Guten Morgen, Herr Professor!“, grüßte sie ihn freudig, der immer noch mitten auf der Straße stand und den Verkehr behinderte, aber nicht schlecht staunte, als sie wie eine Hollywood-Größe an ihm vorbeimarschierte.





Derweil im Krankenhaus:


Monika musste sich derweil die Standpauke mit ansehen, die Stefanie Sabine erteilte.
„Das ist wirklich unerhört! Ich gebe Ihnen meine Schätzchen in die Obhut und Sie? Sie zerstören Sie einfach! Von einer Nichtakademikerin hätte ich wirklich mehr erwartet, Sabine. Ich möchte sie sehen und danach dürfen Sie Ihre Sachen packen“, meinte Stefanie betroffen und wütend zugleich.

„Was soll das heißen?“, fragte Sabine zögerlich.
„Sie sind entlassen!“, war Stefanies kühle Reaktion.

Das schockierte nicht nur Sabine, nein, auch Maria, die danebenstand, war fassungslos.
Monika war spätestens in dem Moment fassungslos, in dem Gabi einfach so fröhlich an ihr vorbeispazierte und ins Umkleidezimmer wollte.

Zur Sicherheit betrachtete sie noch einmal das Foto, das man ihr von der Vermissten gegeben hatte, mit Gabi in Natura und musste feststellen, dass bis auf die teure Sonnenbrille die Person Gabi war.

„Wo waren Sie gestern?“, rief ihr Monika erstaunt hinterher, als diese gerade dabei war im Umkleidezimmer zu verschwinden.
„Ich hatte frei?!“, gab Gabi als rhetorische Frage getarnt zu verstehen, nachdem sie Croissant und Kaffeebecher abgestellt und die Sonnenbrille angehoben hatte, um Monika in die Augen blicken zu können.

„Frei?“, fragte sich Monika abergläubisch, die feststellte, dass sie wieder mal einen Fall nicht wirklich lösen konnte.





Kurze Zeit später im Auto auf einer Landstraße außerhalb Berlins:


Während Gretchen und Marc noch ziellos durch die Gegend düsten und einer Spur folgten, die es gar nicht gab, klingelte plötzlich Marcs Handy. Da es aber in der anderen Manteltasche war und dieser auf dem Rücksitz lag, kamen beide nicht heran. Also musste Marc notgedrungen auf einen kleinen Waldweg einbiegen. Als er schließlich ausstieg und nachschaute, wer ihn da angerufen hatte, und sah, dass es Monika war, rief er umgehend wieder zurück.

„Sie ist da. Unversehrt. Alles ist gut, bis auf die enormen Einsatzkosten für nichts!“, teilte sie ihm mit, wobei er den Teil ab ‚Bis auf‘ schon gar nicht mehr mitbekam. Erleichtert atmete er einmal tief durch, strich sich durchs Haar und ließ das Handy in den Rücksitz fallen.

„Was ist? Hat man sie gefunden?“, wollte nun auch Gretchen wissen, die doch merklich nervös zur hinteren Tür hinausblickte.
Leicht ging er in die Knie, sodass er sie sehen konnte, nickte nur sichtlich erleichtert und auch Gretchen fiel ein Stein vom Herzen, als sie sich wieder nach vorne drehte und erleichtert wieder in den Beifahrersitz fallen ließ.


Marc schloss die hintere Tür wieder, stieg vorne ein und musste doch lächelnd zu Gretchen hinüberblicken.
„Du hast gestern gar nicht mehr angerufen“, ließ sie ihn, nachdem auch sie zurückgelächelt hatte, doch noch wissen.

„Seit meine Mutter diese OP hatte ist sie ziemlich anhänglich geworden“, versuchte er erklären.
„Oh ja, das kenne ich – auch ohne OP!“, gestand sie ihm lächelnd, da sie spürte, dass eine ganz besondere Atmosphäre in diesem Moment zwischen ihnen herrschte. Und auch er schmunzelte, was ihr letztlich recht gab.

„Sollen wir dann wieder los?“, fragte Marc sie und wollte den Motor anlassen.
Doch sie hatte etwas anderes im Sinn und entgegnete ihm leidglich: „Ich glaube mein Vater kann auch alleine einparken“ und nutzte die Gunst der Stunde.




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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=eS0UDi1kD3Q; "Meat Loaf - I`d Do Anything for Love (But i won`t do that)" © by Muzic Freakz, YouTubeDE; aufgerufen am 21.10.2015 um 11:02




Gretchen packte ihn am Hemdkragen und zog ihn zu sich heran. Entschlossen, mutig, verliebt. Er sollte wissen, dass sie ihn nun nicht mehr loslassen würde. Er sollte wissen, dass sie ihn wirklich will. Und so küsste Gretchen Marc, dem es keineswegs unangenehm war.





Es gibt sie doch noch, die Momente, die alles verändern. Ganz plötzlich treten sie ein, von jetzt auf gleich. Aus diesem Grund sollten wir immer wachsam sein, denn man weiß nie, wann genau einer dieser Moment kommt, der alles verändert, der uns vom scheinbaren Opfer und Verlierer zum glücklichen Gewinner machen kann...

Gabi schließt die Tür der Umkleide hinter sich, stellt ihren Kaffebecher und den Croissant ab, greift anschließend freudig in ihre Dolce & Gabbana-Tüte und begutachtet im Glücksrausch ihre neue, teure und edle Lederjacke, die sie ein Stück weit aus der Tüte herauszieht.



Selbst, wenn heute noch alles danach aussieht, als ob uns das Schicksal diese Momente wohl nie gönnen wird, sollten wir dennoch nicht aufhören an sie zu glauben...

Maria und Maurice treffen sich auf dem Flur vor dem Empfang, um sich gleich darauf entschlossen aus dem Weg zu gehen, während Maria sich entschließt das Schwesternzimmer zu betreten, in dem Sabine sichtlich am Boden zerstört unter den strengen Blicken Stefanies ihre Sachen zusammensucht, was ihr merklich ein schlechtes Gewissen bereitet.

Bärbel hingegen schleicht betrübt um ihren Hometrainer herum, als ihr plötzlich die Kommode im Wohnzimmer ins Auge sticht, zu der sie geht und auf der das Hochzeitsfoto von Franz und ihr steht, das sie schließlich nimmt und sehnsüchtig an sich drückt.



...Schließlich weiß man nie, wer nicht doch gerade irgendwo die entsprechenden Fäden zieht. Denn manchmal muss man seinem Glück einfach auf die Sprünge helfen...

Franz ist in seinem Büro und betrachtet die zwei Flugtickets, die vor ihm auf dem Schreibtisch liegen, um dann seinen Blick nach rechts zu schwenken, wo ein Bild von seiner Bärbel steht, das auch er sich sehnsüchtig an die Brust drückt.

Gigi und Mehdi laufen in der Morgensonne nach einer durchzechten Nacht doch recht angetrunken, aber dennoch fröhlich lachend die Straßen Berlins ab.



Und dafür muss man eben auch seine eigenen Eitelkeiten über Bord werfen können...

„Du willst es wirklich hier im Auto tun?“, fragte Marc ziemlich erstaunt, oberkörperfrei und mit zerzausten Haaren, während sie sich da im Auto auf dem Waldweg wild küssten und Gretchen gar nicht von ihm ablassen konnte. Diese nickte kurz, und gab sich dann wieder voll und ganz dem Moment hin.




Ja, und an diesem Morgen hatte ich Sex mit Marc Meier - und zwar im Auto, liebes Tagebuch! Gut, es war jetzt keine Nacht im Ritz-Carlton, dafür entschädigte mein erstes Mal im Auto aber den letzten Abend, sowieso alle anderen Tage zuvor, denn es war das erste Mal während unserer richtigen, wirklich ernsthaften ersten Beziehung und was soll ich sagen?! ... Es war einfach nur himmlisch und das, obwohl wir auf einem Schotterweg standen...

GretchenHaaseFan Offline

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Beiträge: 1.083

21.01.2016 13:48
#30 Umfrage Zitat · antworten

Ihr Lieben,

nun ist doch auch schon wieder etwas Zeit verstrichen... Doch die tolle Nachricht von Flora, dass sie in jedem Falle das Forum bestehen lassen möchte, kam ja zum Glück. Ich war so unglaublich froh, als ich das von ihr las! Und als uns diese Nachricht erreichte, fingen Elena und ich schon einmal an ein bisschen zu planen, wie es denn mit unserer Story weitergehen könnte.

Da uns der letzte Teil als vorläufiges Ende (obwohl so eigentlich gar nicht vorgesehen) aber auch so gut gefallen hat, möchten wir gerne von euch wissen, wie ihr es seht und ob ihr euch eine Fortsetzung wünscht. Wir würden jetzt einfach gerne mal Rückmledungen einholen. Es kann ja durchaus sein, dass manche sagen sie sind so mit dem letzten Teil als Ende zufrieden. Denn wenn dem so ist, dann würden wir einfach getrost dem Motto "Wenn es am Schönsten ist, sollte man aufhören" leben. Und das Ende des letzten Teils war ja auch schön...

Also, schreibt uns einfach, ob ihr noch etwas von uns lesen wollt (und ich glaube da gäbe es schon noch etwas zu erzählen) oder wie ihr es auch sonst noch so seht.

Wir würden uns über eure Rückmeldungen im Kommentarbereich: Kommentare zur FF von GretchenHaaseFan und Missing_DD (20) oder als PM sehr freuen.

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