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Dieses Thema hat 498 Antworten
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Greta Offline

stellv.Admine

Beiträge: 98.108

01.07.2013 10:54
Proteste in Ägypten Zitat · antworten

10 Tote, 400 Verletzte – größte Proteste in der Geschichte
Blut-Nacht in Ägypten
Millionen demonstrieren landesweit gegen Präsident Mursi +++ Demonstranten stürmen Zentrale der Muslimbrüder


Kairo – Sie sind alle Ägypter. Sie alle sind stolz auf die Kultur im Land der Pyramiden. Und doch stehen sie sich als Feinde gegenüber!

Ägypten, 30 Monate nach der Revolution, ein Jahr nach der Wahl von Islamist Mohammed Mursi (61) zum Präsidenten. Das einstige Touristenparadies am Rande des Bürgerkrieges. Auf der einen Seite stehen die Mursi-Anhänger der radikalen Muslimbrüder. Auf der anderen Seite all jene, die nicht wollen, dass aus Ägypten ein Islam-Staat wird – mit Alkoholverbot und Schleierpflicht für Frauen.

Am Montag stürmten regierungskritische Demonstranten den zentralen Sitz der islamistischen Muslimbruderschaft in Kairo. Bereits in der Nacht war es dort zu Ausschreitungen gekommen. Das Gebäude im Viertel Mokattam wurde in Brand gesetzt, Protestierende stürmten hinein und warfen Gegenstände aus den Fenstern.

Die ägyptische Opposition hat Mursi indes ein Ultimatum zum Rücktritt bis Dienstag gesetzt. Mursi habe bis 17.00 Uhr „Zeit, die Macht abzugeben und es den Behörden zu ermöglichen, eine vorgezogene Präsidentschaftswahl zu organisieren”, teilte das Bündnis Tamarod („Rebellion“) auf seiner Internetseite mit. Sollte der Staatschef der Aufforderung nicht nachkommen, werde es „eine Kampagne des vollständigen zivilen Ungehorsams” geben.

Das klingt nach noch mehr Chaos, noch mehr Aufruhr, noch mehr Gewalt. und: Mursi hat einen Rücktritt mehrmals ausgeschlossen.

Ein Jahr nach Mursis Amtsantritt ist Ägypten zutiefst gespalten. Während seine Anhänger darauf verweisen, dass er der erste demokratisch gewählte Präsident Ägyptens ist, werfen seine Gegner ihm vor, allein die Interessen der islamistischen Muslimbruderschaft zu vertreten, aus der er hervorging. Tamarod sammelte nach eigenen Angaben bereits rund 22 Millionen Unterschriften für Mursis Rücktritt. Bei der Präsidentschaftswahl hatten 13,2 Millionen Ägypter für ihn gestimmt.

Bei Protesten von Millionen Menschen gegen Mursi wurden in der Nacht zum Montag bis zu zehn Menschen getötet. Laut Gesundheitsministerium gab es mindestens 400 Verletzte. Die Opposition rief ihre Anhänger auf, bis zum Rücktritt Mursis auf den Straßen zu bleiben.

Laut Militär handelte es sich um „die größte Demonstration in der Geschichte Ägyptens“.

Hunderte Demonstranten griffen dann in der Nacht zu Montag die Parteizentrale der Muslimbrüder mit Molotowcocktails und Schüssen an.

Mursi-Gegner versuchten, das Gebäude zu stürmen und setzen es teilweise in Brand. Wachen und Muslim-Brüder feuerten aus dem Gebäude. Zwei Demonstranten wurden nach Angaben von Aktivisten erschossen.

Ich, der BILD-Reporter, treffe am Sonntag den Mursi-Anhänger Ahmed (23). Er schwingt einen Holzknüppel, brüllt: „Ich verteidige meinen Präsidenten bis aufs Blut. Er wurde von Allah bestimmt.“

Hier, in „Nasser City“, 15 Kilometer vom Kairoer Stadtzentrum entfernt, haben sich Zehntausende Anhänger von Mursi versammelt, die meisten von ihnen mit Schlagstöcken und Holzlatten bewaffnet. Sie singen: „Wir lieben Mursi!“ Und: „Keiner hat ein Recht, ihn zu stürzen.“

Die, die den Präsidenten nur ein Jahr nach Amtsantritt stürzen wollen, demonstrieren nur zwei Kilometer Luftlinie entfernt, direkt am Präsidentenpalast. Mohammed (41): „Mursi macht unser Leben kaputt. Die Korruption wird schlimmer, die Wirtschaft ist am Boden – und er interessiert sich nur für den Islam. Aber Anti-Alkoholgesetze helfen nicht, unsere Kinder zu ernähren.“

Der Flughafen von Kairo, Samstagnacht. Man sieht kaum noch Touristen, nur Ägypter, die nach Hause kommen. Das deutsche Außenministerium warnt vor Menschenansammlungen, in den Hotels in Kairo werden Flugblätter für das „Verhalten im Notfall“ verteilt. An den Tankstellen wird das Benzin knapp, viele Bankautomaten sind komplett gesperrt.

Der Tahrir-Platz am Abend. Der Ort, auf den im Januar 2011 die Welt blickte, als die Ägypter Machthaber Hosni Mubarak stürzten.
Zehntausende Ägypter haben sich wieder hier versammelt, junge Frauen mit Smartphones, die via „Twitter“ eine „neue Revolution“ fordern. Bis in die Nacht singen sie: „Mursi muss gehen …“


Quelle: http://www.bild.de/politik/ausland/aegyp...56494.bild.html

Greta Offline

stellv.Admine

Beiträge: 98.108

02.07.2013 12:35
#2 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Staatskrise in Ägypten: Mursi weist Ultimatum des Militärs zurück


Der Machtkampf in Ägypten spitzt sich dramatisch zu: Präsident Mursi hat ein 48-Stunden-Ultimatum der Armee zurückgewiesen. Gleichzeitig verliert er sein bisher höchstes Kabinettsmitglied.


Kairo - Die Lage in Ägypten hat sich in der Nacht zum Dienstag noch einmal verschärft, die Wahrscheinlichkeit für einen Putsch der Streitkräfte wächst. Der umstrittene Präsident Mohammed Mursi ließ ein von den ägyptischen Streitkräften formuliertes Ultimatum zurückweisen, das der Politik 48 Stunden Zeit zur Konfliktlösung gegeben hatte. Eine entsprechende Erklärung der Armeeführung sei mit ihm nicht abgesprochen gewesen, erklärte Mursis Büro.

Die Regierung werde auf dem eingeschlagenen Weg zur Beruhigung der Lage "fortfahren", heißt es in der Erklärung. Der Präsident verfolge seinen Plan zur nationalen Aussöhnung weiter. Er sei nach wie vor zum Dialog mit der Opposition bereit. Der zivile demokratische ägyptische Staat bedeute eine der wichtigsten Errungenschaften der Revolte des Jahres 2011, heißt es mit Bezug auf den Sturz des ägyptischen Machthabers Husni Mubarak weiter. Ägypten werde daher "unter keinen Umständen zulassen", wieder einen Schritt zurückzugehen.

Doch der Druck wächst - immer mehr Minister sagen sich von der Regierung Mursi los. In der Nacht reichte mit Außenminister Mohamed Kamel Amr das bislang ranghöchste Kabinettsmitglied seinen Rücktritt, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Mena. Weitere Details waren zunächst nicht bekannt. Am Montag waren fünf Minister offenbar aus Sympathie für die Opposition gegen Mursi zurückgetreten.

Am Montagabend hatte die Armee in einer dramatischen Erklärung für eine weitere Eskalation der Situation im dem nordafrikanischen Land gesorgt. Die "Forderungen der Bevölkerung" müssten "binnen 48 Stunden" erfüllt werden, hieß es in der im Fernsehen verlesenen Mitteilung. Das rasche Eingehen auf die Forderungen aus dem Volk sei die "letzte Chance" für die Staatsführung, den "historischen Umständen" gerecht zu werden, erklärten die Streitkräfte. Andernfalls werde das Militär selbst einen Fahrplan und Maßnahmen zu dessen Umsetzung verkünden - eine kaum verschleierte Putschdrohung also.

Unter Mursis Gegnern auf dem Tahrir-Platz in Kairo brach nach der Ankündigung der Armee Jubel aus. Zehntausende liefen durch die Straßen der Hauptstadt, auch in Alexandria und anderen großen Städten des Landes gab es erneut Demonstrationen. Die Oppositionsbewegung hatte ihre Anhänger zuvor aufgerufen, bis zum Rücktritt Mursis auf den Straßen zu bleiben.

Seit Tagen fordern viele Ägypter Mursis Abgang. Mehrere Millionen Menschen waren am Sonntag zum Jahrestag des Amtsantritts des Staatschefs auf die Straße gegangen. Bei den Protesten wurden 16 Menschen getötet.

Allein acht Menschen starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums bei Zusammenstößen zwischen Mursi-Gegnern und Anhängern vor dem Sitz der Muslimbruderschaft in Kairo. Am Montagvormittag hatten Demonstranten das Gebäude gestürmt und in Brand gesetzt.



Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/st...k-a-908899.html

Greta Offline

stellv.Admine

Beiträge: 98.108

03.07.2013 12:56
#3 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Ausschreitungen gegen Mursi in Ägypten
Brände, Festnahmen, Tote: Militär stellt Kairo Ultimatum



Das ägyptische Militär hat den regierenden Islamisten ein Ultimatum gestellt: Wenn nicht innerhalb von 48 Stunden Ruhe im Land einkehre, werde die Armee einschreiten. Die Demonstranten jubeln – Fünf Minister reichen ihren Rücktritt ein.
Die ägyptischen Streitkräfte dringen auf eine rasche Lösung des Machtkampfes um den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi. Er gebe der Politik 48 Stunden Zeit, die Forderungen der Bevölkerung zu erfüllen, erklärte Generalstabschef Abdel Fattah al-Sisi am Montag.

Sollte das nicht gelingen, werde die Armee einen eigenen Ausweg aus der Krise vorschlagen. Je mehr Zeit die Politiker verschwendeten, desto größer werde die Spaltung des Landes. Die Demonstrationen gegen Mursi seien eine beispiellose Willensbekundung der Bevölkerung.


Demonstranten bejubeln Militärhubschrauber
Die Streitkräfte hätten aber keinesfalls die Absicht, sich in die Politik oder die Regierungstätigkeit einzumischen, versicherte Sisi. Unter dem 2011 gestürzten Präsidenten Husni Mubarak war die Armee der entscheidende Machtfaktor. Sie hat voriges Jahr die Wahl Mursis akzeptiert, der den lange verfolgten Muslimbrüdern nahesteht.

Die Demonstranten scheint die Ankündigung des Militärs in ihrer Hoffnung auf einen baldigen Wechsel bestärkt zu haben. Auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo, wo Zehntausende gegen Präsident Mohammed Mursi protestieren, rief die Nachricht Jubel hervor. „Das ist eine großartige Erklärung“, sagte ein 40 Jahre alter Geschäftsmann. „Mursi wird in zwei Tagen weg sein.“ Zehntausende jubelten in Kairo Militärhubschraubern zu, als diese mit ägyptischen Flaggen über die Menschenmassen hinwegflogen.


Fünf Minister reichen Rücktritt ein
Fünf Minister haben nach Angaben aus Regierungskreisen ihren Rücktritt eingereicht. Es handele sich um die Ressortchefs für Tourismus, Umwelt, Kommunikation, öffentliche Versorgungsunternehmen und Parlamentsangelegenheiten, hieß es. Premierminister Hescham Kandil habe ein Treffen mit den Ministern einberufen, um ihre Entscheidung zu diskutieren.


Brände und Festnahmen
Nach Informationen aus Sicherheitskreisen wurden außerdem mehrere Leibwächter des führenden Mitglieds der Muslimbruderschaft, Chairat Schater, festgenommen. Zuvor soll es eine Schießerei in der Nähe seines Hauses gegeben haben. Der Unternehmer Schater gilt als mächtigster Mann der Muslimbruderschaft. Ob er sich zum Zeitpunkt der Festnahmen in seinem Haus aufgehalten hatte, blieb zunächst unklar.

Unterdessen haben die Demonstranten ihre Angriffe auf Gebäude islamistischer Parteien ausgeweitet. Am Montagabend wurde die Zentrale der Wasat-Partei in Kairo in Brand gesteckt. Die Partei war in den 1990er Jahren von Mitgliedern der Muslimbrüder gegründet worden und erst nach dem Sturz von Machthaber Husni Mubarak offiziell erlaubt worden. Demonstranten hatten zuvor bereits den Hauptsitz der Muslimbrüder gestürmt und in Brand gesetzt.


Quelle und mehr hier: http://www.focus.de/politik/ausland/kris...id_1031364.html

Alex Offline

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Beiträge: 2.908

03.07.2013 18:54
#4 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Ultimatum der Armee in Ägypten abgelaufen
Mursi-Berater: „Jetzt beginnt der Putsch“


Präsident versteckt sich in Kaserne, Rücktritt abgelehnt +++ Reiseverbot gegen Mursi und die Muslimbrüder +++ Armee marschiert nahe Präsidentenpalast auf +++ Panzer vor Staats-TV +++



Dramatische Stunden in Ägypten: Um 17 Uhr ist das Ultimatum des Militärs an Präsident Mohammed Mursi (61) und Opposition abgelaufen. Die Generäle hatten unmissverständlich erklärt: Einigt euch, oder wir nehmen die Sache selbst in die Hand.

Kairo bebt, Hunderttausende protestieren – gegen aber auch für den Präsidenten. Keine Spur von einer Lösung – im Gegenteil:

Mursi bleibt stur. Er tritt auf keinen Fall zurück, sagte er kurz vor Ablauf des Ultimatums.


Reiseverbot für Mursi
Nach Angaben eines Beraters versteckt er sich in einer Kaserne der Republikanischen Garden. In Sicherheitskreisen heißt es, für Mursi und Mitglieder der Muslimbruderschaft gilt ab jetzt ein Reiseverbot.

Nahe des Präsidentenpalastes marschieren hunderte Soldaten auf.

Sein Sicherheitsberater spricht schon von Staatsstreich: „Der Putsch hat begonnen“, sagt er.

In einem Statement ruft Mursi die Generäle auf, in dem Konflikt keine Partei zu ergreifen. Gleichzeitig bietet er an, eine Koalitionsregierung zu bilden. Die Militärführung will sich 20.30 Uhr erklären.



Der Tahrir-Platz bebt
Die Menschen stürmen wieder zum Tahrir-Platz, dem Zentrum der Demonstrationen. Hunderttausende sind unterwegs, der Lärm der Proteste ist auch jenseits des Nils zu hören. Gegner und Anhänger von Präsident Mursi sind bereit – was bringt diese Nacht?

Steht Ägypten vor dem Bürgerkrieg? Oder kann die Armee zwischen den Wut-Bürgern beider Seiten vermitteln?



Mohammed El Baradei verhandelt
Oppositionssprecher und Friedensnobelpreisträger, Mohammed El Baradei und hohe religiöse Würdenträger trafen in der Hauptstadt mit Verteidigungsminister und Armeechef, Abdel Fattah al-Sisi (58), zusammen. An den Gesprächen im Verteidigungsministerium über den von der Armee angekündigten „Fahrplan” nahmen auch Vertreter islamistischer Parteien teil. Al-Sisi hatte sich zuvor bereits mit seinen Generälen beraten.

Offenbar plant das Militär auch, das Staatsfernsehen zu übernehmen.

Soldaten bezogen in dem Bürogebäude am Ufer des Nils Stellung und überwachten die Nachrichtenproduktion. Mitarbeitern zufolge versuchten sie aber zunächst nicht den Inhalt der Nachrichten zu beeinflussen.


Polizei nimmer Leibwächter fest
Die Polizei nahm derweil Leibwächter des Vorsitzenden der Muslimbrüder, Mohammed Badia, fest. Die Zentralbank ordnete die Schließung aller Banken bis zum Donnerstag an. Vor dem Gebäude des ägyptischen Staatsfernsehens fahren nach Angaben aus Sicherheitskreisen gepanzerte Fahrzeuge vor.


Kampf auf Leben und Tod
Auf beiden Seiten, unter extremistischen Mursi-Anhängern und radikalen Gegnern des Präsidenten, zeigen sich viele unnachgiebig und sprechen von einem Kampf auf Leben und Tod.


In der Nacht waren alleine in Kairo mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen, alleine 16 bei Schüssen auf Mursi-Anhänger nahe der Universität von Kairo.

In einer 45-minütigen Fernsehansprache donnerte Mursi häufig mit geballter Faust, er werde nicht zurücktreten. Am Mittwochnachmittag sagte sein Sprecher, der Präsident sei entschlossen, notfalls im Kampf für die Demokratie zu sterben.

Die Streitkräfte erklärten, sie seien bereit, Blut zu vergießen. Medienberichten zufolge gibt es für eine Zeit nach einem Rücktritt oder einem Sturz Mursis bereits konkrete Pläne der Militärkommandeure.


Was plant das Militär?
Die Rede ist von einer Verfassungsänderung, von einer Regierung der nationalen Einheit – und neuen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in nicht allzu ferner Zukunft.

Dass das Militär selbst wieder die Macht übernehmen will, davon gehen Beobachter nicht aus. „Die Militärs wollen nicht in der ersten Reihe stehen“, sagt der Politikwissenschaftler Asiem El Difraoui zu BILD.de. „Das ist eine reine Verteidigungsarmee, ein außenpolitisches Militär, das im Umgang mit der Zivilgesellschaft völlig überfordert ist.“

Im Hintergrund gehe es vor allem darum, Machtprivilegien zu erhalten. Die ägyptische Armee (460 000 Angehörige) gilt als Staat im Staat.

„Sie hat ein eigenes Gesundheitssystem, eigene Sportklubs, eigene Industrieunternehmen, Beteiligungen an Hotelgruppen am Roten Meer zum Beispiel“, so El Difraoui (Autor des Buches: „Ein neues Ägypten – Reise durch ein Land im Umbruch“, ab Herbst bei Edition Körber Stiftung). Dazu kommt die Einflussnahme bei zivilen Landentwicklungs-Projekten.

Bis zu 15 Prozent des ägyptischen Bruttoinlandsprodukts soll von Armeeunternehmen erwirtschaftet werden. Und: Die Mehrheit der Provinzgouverneure stammen aus dem Militär, ehemalige Generäle leiten zivile Institutionen.


Wer ist der mächtige Militär?
Wer ist der Mann, der Präsident Mursi herausfordert und auf den die Demonstranten ihre Hoffnungen konzentrieren?

Abdel Fattah al-Sisi (58) gilt als der neue starke Mann des von Unruhen erschütterten Landes. Der Karriereoffizier mit Ausbildungsstationen in Großbritannien und den USA hat in den vergangenen Tagen klargemacht, dass die Streitkräfte eine zentrale Rolle bei der Überwindung der Staatskrise übernehmen wollen.

Der 58-Jährige ist der erste Verteidigungsminister der ägyptischen Geschichte, der von einem demokratisch gewählten Präsidenten ernannt wurde. Manche munkelten, al-Sisi sei „der Mann der Muslimbruderschaft in der Armeeführung”. Nun ist gerade er es, der den islamistischen Staatschef Mohammed Mursi womöglich entmachtet.

Nach dem Sturz Husni Mubaraks im Februar 2011 und vor der Ernennung zum Verteidigungsminister und Armeechef im August 2012 leitete der als fromm geltende al-Sisi den Militärgeheimdienst. Außerdem gehörte er dem Oberkommando der Streitkräfte an.

Als Chef des Militärgeheimdienstes trat al-Sisi lediglich ein einziges Mal hervor – und das in unrühmlicher Weise, wie sich Ägypter erinnern. Er verteidigte zynisch das Vorgehen von Militärpolizisten, als diese im März 2011 jugendliche Demonstranten vom Tahrir-Platz verschleppten und misshandelten. Mädchen und junge Frauen erfuhren damals eine besonders grausame und erniedrigende Behandlung: den sogenannten Jungfräulichkeitstest.


Die Zeit nach dem Ultimatum
Die Armee hat schon konkrete Pläne in der Schublade, die Zeitung „Al-Ahram“ veröffentlichte Teile davon auf ihrer Internetseite:



Demnach plant die Armee, die Verfassung außer Kraft zu setzen. Ein Expertenteam soll sich mit der Ausarbeitung eines neuen Verfassungstextes befassen, der schließlich zur Volksabstimmung gestellt werden soll, wie die Zeitung berichtete. Auch die oberste religiöse Autorität der Sunniten, Al-Ashar, soll den Text absegnen.

► Dem Plan zufolge soll außerdem ein Präsidentialrat eingesetzt werden, der die Verwaltung des Landes in einer „Übergangsperiode zwischen neun Monaten bis zu einem Jahr” übernehmen soll. Für diesen Zeitraum soll auch eine Übergangsregierung eingesetzt werden, die unter der Leitung eines Chefs der Armee stehen und Präsidentschafts- und Parlamentswahlen vorbereiten soll.

Die Uhr tickt...


Quelle http://www.bild.de/politik/ausland/aegyp...06662.bild.html




Showdown in Ägypten
Mursi-Sprecher: «Das ist ein Militärputsch»


KAIRO - Was wird die Armee verkünden? Das von ihr gestellte Ultimatum für Ägyptens Präsidenten Mohammed Mursi ist abgelaufen.



Alle Infos im Live Ticker & Live Video direkt aus Ägypten http://www.blick.ch/news/ausland/mursi-s...-id2359485.html




Der Präsident unter Druck
Militär kontrolliert Mursis Staatsfernsehen


Wie Medien berichten, soll sich die ägyptische Armee Zugang zu den Bürogebäuden von Mursis staatlichem Fernsehsender verschafft haben. Mursi selbst lehnt einen Rücktritt weiterhin ab.



Alle Infos & News im Live Ticker http://www.20min.ch/ausland/dossier/tune...nsehen-13805489

Alex Offline

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Beiträge: 2.908

03.07.2013 19:04
#5 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Mursi darf das Land nicht mehr verlassen
Militärputsch in Ägypten hat begonnen



Das ägyptische Militär leitet einen Putsch gegen Präsident Mursi ein. In Kairo ist von einem Staatsstreich die Rede. Sollte sich Mursis Muslimbruderschaft widersetzen, würde das Militär notfalls gewaltsam vorgehen. Gegen Mursi wird ein Reiseverbot verhängt. Hunderttausende Mursi-Gegner feiern auf dem Tahrir-Platz bereits ihren Sieg.



Der Konflikt zwischen den ägyptischen Streitkräften und dem islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi steuert auf einen Militärputsch zu. Hunderte Soldaten haben den Präsidentenpalast in Kairo umstellt. Gegen Mursi sowie gegen mehrere führende Mitglieder der islamistischen Muslimbruderschaft ist zudem ein Ausreiseverbot verhängt worden.

Mursi selbst arbeitet nach Angaben eines Beraters in einer Kaserne der Republikanischen Garden weiterhin als Präsident. Er habe die Ägypter zum gewaltfreien Widerstand aufgerufen.

Mursis außenpolitischer Berater warnte vor einem erheblichen Blutvergießen. "Lassen Sie uns das, was geschieht, bei seinem richtigen Namen nennen: Militärputsch", teilte Essam al-Haddad auf Facebook mit. Hunderttausende Ägypter hätten sich zur Unterstützung ihres Präsidenten versammelt und würden nicht weichen, teilte al-Haddad weiter mit. "Um sie wegzubewegen, wird Gewalt nötig sein." In jedem Falle werde es "beträchtliches Blutvergießen" geben, warnte er.

Der Sprecher der regierenden Muslimbruderschaft, Gehad al-Haddad, bekräftigte den Widerstand der Islamisten gegen eine Entmachtung Mursis. "Der einzige Plan, den die Menschen angesichts eines Putschversuchs haben, ist, sich vor die Panzer zu stellen", erklärte er über Twitter.

Zuvor war ein Ultimatum der Armee für eine Lösung in dem Machtkampf abgelaufen, ohne dass sich ein Ausweg bezeichnete. Auf dem Tahrir-Platz haben sich Hunderttausende Menschen versammelt, die Fahnen schwenken und feiern. Für sie steht fest: Mursi ist gestürzt.

Das Präsidialamt hatte noch unmittelbar vor Ablauf des Ultimatums seine Bereitschaft erklärt, eine Koalitionsregierung unter Mursi zu bilden. Der Schritt sollte dabei helfen, die Staatskrise zu überwinden. Bei Auseinandersetzungen zwischen Opposition und Mursi-Anhängern gab es zuvor mindestens 22 Tote und viele Verletzte.


Muslimbrüder verweigern Dialog
Die Armee hatte noch am Nachmittag einen letzten Versuch unternommen, die dramatische Lage zu entschärfen. Verteidigungsminister Abdel Fattah al-Sisi hatte die Konfliktparteien in Kairo zu einem Krisentreffen eingeladen, an dem auch Oppositionsführer Mohammed ElBaradei sowie Vertreter der Protestbewegung "Tamarud", der Salafisten und der Geistlichkeit teilgenommen hatten. Die Muslimbruderschaft blieb dem Treffen trotz Einladung demonstrativ fern.

Die ägyptische Zentralbank ordnete die Schließung aller Geldinstitute im Land an. Am Donnerstag sollen sie aber mehrere Stunden wieder öffnen. Auch sollten Einschränkungen bei Geldtransfers ins Ausland aufrechterhalten bleiben, die seit dem Arabischen Frühling und dem Sturz von Langzeitpräsident Husni Mubarak im Februar 2011 bestehen.

Seit mehreren Tagen erschüttern massive Proteste für und gegen Mursi das Land. Bei Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern des Staatsoberhaupts starben Dutzende Menschen, allein in der Nacht zum Mittwoch gab es in Kairo mindestens 22 Tote. Die Armee kündigte über Facebook an, sie kämpfe gegen die, die das Volk verängstigten. Sie werde Terroristen und Extremisten bekämpfen und ihr Blut für Ägypten opfern.


Quelle http://www.n-tv.de/politik/Militaerputsc...le10930926.html




Weitere Infos (Das kommt nach Mursi) http://www.n-tv.de/politik/Das-kommt-nac...le10926526.html

Greta Offline

stellv.Admine

Beiträge: 98.108

04.07.2013 11:41
#6 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Mursi-Sturz in Ägypten: Putsch des listigen Generals


Ägyptens Präsident Mursi ist gestürzt, neues Staatsoberhaupt wird ein Jurist. Doch er soll nur eine Marionette sein - hinter den Kulissen wollen die Militärs weiter die Fäden ziehen. Wichtigster Mann im Staat bleibt General Abd al-Fattah al-Sisi - aber seine Armee hat sich schon einmal verspekuliert.


Kairo/Berlin - Adli Mansur hat einen rasanten Aufstieg hinter sich. Am Montag wurde der Karrierejurist als Vorsitzender des Verfassungsgerichts eingeschworen. Am Mittwoch wurde Präsident Mohammed Mursi gestürzt und Adli Mansur, der Oberste Richter, vom Militär zum neuen Staatsoberhaupt erklärt. Am Donnerstag soll Mansur vereidigt werden. Dann soll er vorübergehend mit einem Technokraten-Kabinett das Land regieren bis zu neuen Wahlen.

Ob und wann diese stattfinden, weiß keiner. Mansur wird nicht der wichtigste Mann Ägyptens sein, auch wenn sich der Richter, der schon unter Husni Mubarak im Obersten Gerichtshof saß, nun Staatsoberhaupt nennen darf. Hinter den Kulissen werden weiterhin General Abd al-Fattah al-Sisi und der Militärapparat die Fäden ziehen.

Das Militär ist und bleibt einer der wichtigsten politischen Akteure in Ägypten, seit es sich 1952 an die Macht putschte. Daran haben weder der Sturz von Mubarak 2011 noch die kurze Regentschaft der Muslimbrüder etwas geändert. Wie groß der politische Einfluss der Generäle ist, hat Militärchef Sisi eindrucksvoll am Mittwochabend demonstriert. Nach einem 48-Stunden-Ultimatum informierte er kurzerhand Mursi, dass er nicht mehr Präsident sei. Dabei war dieser Ägyptens erstes demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt.

Jetzt steht Mursi ebenso wie die meisten Mitglieder des früheren Präsidententeams unter Hausarrest. Außerdem sind zwei führende Politiker der von den Muslimbrüdern gegründeten Partei für Freiheit und Gerechtigkeit (FJP) verhaftet worden. Laut der staatlichen Zeitung "al-Ahram" wird zudem nach 300 Mitgliedern und Führern der Muslimbruderschaft gefahndet.

Mursi konnte Militärs nicht entmachten

Die Muslimbrüder sind in Ungnade gefallen. Genauso wie die Militärs 2011 einen der ihren, Mubarak, fallen ließen, wollten sie sich nun des ihnen unliebsamen Mursi entledigen. Dabei war Sisi zumindest nominal von ihm abhängig. Erst im August 2012 hatte Mursi Sisi zum Militärchef gemacht, nachdem er den mächtigen Mohammed Hussein Tantawi gefeuert hatte. Damals befürchteten manche eine Allianz zwischen Militärs und Muslimbrüdern.

Sisi gilt als strenggläubig. Allerdings versteht er sich als treuer Anhänger des säkularen, autoritären Gamal Abdel Nasser, dem Übervater des modernen Ägyptens und einem Kritiker der Muslimbruderschaft. Wahrscheinlich hatte Mursi angenommen, mit dem Austausch der Führung den Militärapparat entmachtet zu haben. Offensichtlich hat er sich geirrt.

Sisi ist mit 58 einer der jüngsten Generäle. Er hat niemals im Krieg gekämpft. Die Auseinandersetzungen mit Israel kennt er nur aus Erzählungen. Stattdessen gehört er zu einer Generation, die zu Militärtrainings in den Westen eingeladen wurden. Sisi war 1992 in Großbritannien und 2006 in den USA.

2011 sorgte er für internationale Schlagzeilen, als er die "Jungfräulichkeitstests" rechtfertigte - die sexuelle Belästigung von Ägypterinnen durch Soldaten. Aus dem Debakel von 2011 hat Sisi gelernt. Damals stellte das Militär selbst die Regierung nach dem Sturz Mubaraks. Für alle sichtbar zogen sie die Fäden - und gerieten schnell selbst ins Visier der Ägypter.

Die Generäle wollen eine Arbeitsteilung mit den Zivilisten

Dieses Mal versucht der Militärchef von Anfang an, sich im Hintergrund zu halten. Zwar sind die Ereignisse vom Mittwochabend klar ein Putsch - das Militär erklärt den demokratisch gewählten Präsidenten für abgesetzt und die Verfassung für aufgehoben. Doch tat Sisi gerade so, als seien die Generäle von den Ägyptern zum Eingreifen genötigt worden.

Tatsächlich haben viele Ägypter den Putsch begrüßt. Den Militärs schwebt eine Arbeitsteilung vor: Zivilisten sollen in der ersten Reihe stehen. Sie sollen den Unmut der Bevölkerung auf sich ziehen, wenn sie sich an der katastrophalen Wirtschaftssituation und der tiefen politischen Spaltung abarbeiten.

Hinter den Kulissen wollen weiter Sisi und seine Kollegen den Ton angeben, vor allem in zwei Bereichen: Die Sicherheitspolitik ist traditionell ihre Domäne. Auch von den Pfründen der Generäle soll die Regierung die Finger lassen. Die Armee gehört auch in der Wirtschaft zu den wichtigsten Strippenziehern Ägyptens.

Ob die Arbeitsteilung klappt, muss sich erst noch zeigen. Genau dies hatten die Militärs schon mit den Muslimbrüdern versucht - vergebens. Mursi wurde aufmüpfig, fing an, sich in die Sicherheitspolitik einzumischen und nahm die scharfen Warnungen der Generäle nicht ernst. Nun soll es aus ihrer Sicht besser klappen in der Neuauflage mit dem Duo aus Militärchef und Oberstem Richter.


quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/st...r-a-909338.html

Greta Offline

stellv.Admine

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05.07.2013 13:10
#7 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Schlagen die Mursi-Anhänger heute zurück?
Angespannte Lage in Kairo vor dem Freitagsgebet: Muslimbrüder treffen sich zu Protesten gegen den Sturz ihres Präsidenten +++ Überall Panzer +++ BILD.de berichtet live.



Es brodelt in Kairo! Heute ist Freitag, der heilige Tag der Muslime.

Nach den Gebeten am Mittag könnte es noch einmal hoch hergehen am Nil – Muslimbrüder gegen die, die Mohammed Mursi (61) aus dem Präsidentenamt gejagt haben.

Die Mursi-Anhäger haben für heute zu einem „Tag des Zorns” aufgerufen. Der „Militärputsch” dürfe nicht hingenommen werden, heißt es in einer von arabischen Medien verbreiteten Erklärung der Muslimbrüder und verbündeter Parteien.

Die Stimmung ist aufgeladen, die Muslimbrüder brüllen: „Wir schwören Rache!“ Gestern gab es erste Schießereien mit dem Militär. Auf der Sinai-Halbinsel griffen Islamisten gar einen Armee- und Polizeiposten an – ein Toter!

Das Vorgehen der Streitkräfte sei ein Putsch gegen die Demokratie, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung. Mit dem am Donnerstag vereidigten Übergangspräsidenten Adli Mansur (67) werde sie nicht zusammenarbeiten.

Der stand nur 17 Stunden nach dem Sturz von Mursi als neuer Mann an der Spitze des Staates. Mansur wurde von den Militärs vorübergehend als Staatschef eingesetzt.

Das Militär forderte alle Konfliktparteien des Machtkampfes auf, ihre Proteste friedlich vorzutragen.

Was bringt dieser Tag?

BILD.DE BERICHTET LIVE AUS KAIRO:

Hier der Link: http://www.bild.de/politik/ausland/aegyp...37506.bild.html

Greta Offline

stellv.Admine

Beiträge: 98.108

06.07.2013 11:46
#8 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Chaos-Nacht in Kairo
Wie lange wird Ägypten diesmal brennen?

Mindestens 30 Tote, 1100 Verletzte – nach dem Sturz Mursis eskaliert die Lage. Doch das Land ist längst am Boden, die Wirtschaft liegt brach – es MUSS schnell zu neuer Stabilität findenx



Was für eine blutige Nacht! Am heiligen Freitag der Muslime eskalierte die Lage in Ägypten erneut. Anhänger und Gegner des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi (61) lieferten sich heftige Straßenschlachten in Kairo. Auf der Nil-Brücke „6. Oktober“ beschossen sie sich mit Feuerwerkskörpern, warfen Steine. Panzer rollten durch die Stadt.

Mindestens 30 Menschen kamen bei solchen Auseinandersetzungen im ganzen Land ums Leben.

Allein in Alexandria (Nord-Ägypten) wurden laut Staatsmedien zwölf Menschen getötet. 1100 weitere seien bei Straßenschlachten verletzt worden, teilte das Gesundheitsministeriums in Kairo weiter mit. Allein 16 Menschen seien an Schussverletzungen gestorben.

Schüsse in Kairo

Militärhubschrauber kreisten die ganze Nacht über Kairo, berichtet BILD.de-Reporter Paul Ronzheimer. Demonstranten zeigten ihm Aufnahmen, die einige Szenen der Gewalt dokumentieren.

Bereits am Freitagnachmittag fielen in der Hauptstadt die ersten Schüsse. Das Staatsfernsehen berichtete zu diesem Zeitpunkt von zwei getöteten Demonstranten und 70 Verletzten. Die Lage beruhigte sich vorerst, als die Armee beide Seiten mit gepanzerten Fahrzeugen trennte.

Doch am späten Abend, in der Nacht, eskalierte die Lage aufs Neue.

Vier Mursi-Anhänger wurden nach offiziellen Angaben vor dem Hauptquartier der Republikanischen Garde getötet, als Demonstranten versuchten, Porträts des islamistischen Ex-Präsidenten dort aufzuhängen.

Der Chef der Muslimbrüder, Mohammed Badie, hatte bei einer Massenkundgebung zum Protest aufgerufen.

Militär nimmt Muslimbrüder fest

Badies Stellvertreter Chairat al-Schater wurde im Osten Kairos festgenommen, wie ein Vertreter des Innenministeriums der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Gegen al-Schater und Badie lag ein Haftbefehl vor. Sie sollen die tödlichen Zusammenstöße zwischen Anhängern und Gegnern Mursis am Sonntag vor dem Hauptsitz der Muslimbrüder in Kairo provoziert haben.

Chaos auf der Sinai-Halbinsel

Auf der Sinai-Halbinsel verübten Islamisten mehrere Angriffe auf die regulären Streitkräfte. Vor einem Regierungsgebäude in El-Arisch wurden fünf Polizisten erschossen. Bei Attacken auf Sicherheitskräfte und die Polizei wurde ein Soldat getötet. Als Reaktion schloss die Armee den Grenzübergang Rafah zum Gazastreifen.

Am Abend stürmten bewaffnete Mursi-Anhänger den Sitz des Gouverneurs in Nord-Sinai. Sie lieferten sich ein Feuergefecht mit Sicherheitskräften, bevor diese das Gebäude in El-Arisch aufgaben, wie ein AFP-Reporter berichtete.

Wie lange wird Ägypten noch brennen?

Die Muslimbrüder, die sich nach dem Sturz ihres gewählten Präsidenten betrogen fühlten, rufen zu neuen Protesten auf. Die „Partei für Freiheit und Gerechtigkeit“, der politische Arm der Muslimbrüder, begrüße die Mobilisierung „von Millionen Ägyptern in allen Provinzen” des Landes, um „friedlich” gegen den „brutalen Staatsstreich” zu protestieren und eine Rückkehr Mursis zu fordern, hieß es in einer Erklärung.

Fakt ist: Einen Zustand wie diesen kann sich das Land nicht lange leisten.

Wirtschaft am Boden

Seit der Revolution im Februar 2011, die den Langzeitherrscher Husni Mubarak stürzte, wächst die Wirtschaft kaum. Neue Jobs entstanden nicht. Eher stieg die Arbeitslosigkeit weiter – von 12,3 Prozent im Vorjahr auf 13,5 Prozent im ersten Halbjahr 2013.

Betroffen ist vor allem die Jugend des Landes, die jetzt gegen Mursi rebelliert hatte.

Subventionen für Kfz-Treibstoffe und Grundnahrungsmittel kosten den Staat hohe Summen, sie verschlingen acht Prozent des Staatshaushaltes.

Die einjährige Herrschaft Mursis hat die Situation noch verschlimmert. Die Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über einen Kredit im Umfang von 4,8 Milliarden US-Dollar (3,73 Mrd. Euro) kamen nicht von der Stelle. Befreundete Länder wie das Golfemirat Katar sprangen mit Milliarden-Hilfen ein – aber: ungewiss, wie lange diese Großzügigkeit noch anhält.

Die Inflation stieg auf mehr als acht Prozent und könnte im nächsten Jahr nach IWF-Berechnungen auf 14 Prozent klettern.

Vor den Wahlen 2012 köderte Mursis Muslimbruderschaft die Wähler mit dem wohlklingenden Nahda-(Renaissance-)Projekt für mehr Arbeitsplätze und die Überwindung der Armut. Zu spüren ist davon nichts. Gut die Hälfte der Bevölkerung lebt weiter unter der Armutsgrenze von zwei Dollar am Tag.

Proteste, Gewalt, kein stabiles politisches System – wer will in dieses Land noch investieren?

Jetzt muss Verfassungsgerichts-Präsident Adli Mansur, Staatschef für den Übergang, Neuwahlen organisieren. Die Zeit drängt.



Quelle: http://www.bild.de/politik/ausland/aegyp...57668.bild.html

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07.07.2013 11:56
#9 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Verwirrspiel in Ägypten
ElBaradei doch nicht neuer Regierungschef



Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei ist doch nicht Chef einer ägyptischen Übergangsregierung. Der Präsidentensprecher dementierte am späten Samstagabend entsprechende frühere Meldungen. Es liefen Verhandlungen über die Besetzung des Postens. ElBaradei führe weiter Gespräche mit Übergangspräsident Adli Mansur, sagte der Sprecher.


Angst vor weiterer Gewalt

Unterdessen grassiert in Ägypten die Angst, dass in den Wirren des Umsturzes die Gewalt auf den Straßen weiter eskalieren könnte.
Ägyptens Sicherheitskräfte rüsteten sich im Laufe des Tages bereits für neue Zusammenstöße. An mehreren Straßenkreuzungen und Brücken Kairos bezogen bewaffnete Bereitschaftspolizisten Stellung.

In der Nacht auf Samstag hatte es wilde Straßenschlachten zwischen Anhängern und Gegnern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi gegeben

Bei den Massenprotesten nach den Freitagsgebeten starben nach Angaben des staatlichen Ambulanzdienstes vom Samstag mindestens 36 Menschen, davon 16 durch Schüsse. Mehr als 1100 weitere wurden am Abend oder in der Nacht zum Samstag verletzt.

Der von den Islamisten ausgerufene „Freitag der Ablehnung” gipfelte in landesweiten Massendemonstrationen mit Zehntausenden Teilnehmern.

Der Protesttag gegen den „Militärputsch” hatte ein chaotisches Nachspiel. In der Nähe des zentralen Tahrir-Platzes in Kairo prallten in den Abendstunden Mursis Anhänger und Gegner aufeinander, um sich heftige Straßenschlachten zu liefern. Sie bewarfen sich mit Pflastersteinen und gingen mit Stöcken, Brandsätzen und Feuerwerkskörpern aufeinander los. Die Sicherheitsleute griffen nicht ein. Zu Zusammenstößen kam es auch in Alexandria, Suez und in Al-Arisch auf dem Sinai.

Im Norden des Sinai entglitt den Behörden die Kontrolle. Hunderte Islamisten stürmten in der Nacht zum Samstag den Sitz des Gouverneurs in Al-Arisch.

Dutzende von ihnen hielten das Gebäude auch am Tag danach noch besetzt. Bewaffnete Extremisten erschossen in der Stadt einen koptisch-orthodoxen Priester. In der Nähe der oberägyptischen Stadt Luxor starben bei religiös motivierten Zusammenstößen vier Christen und ein Muslim.

Besonders ausgeprägt ist die Spannung rings um die Universität Kairo, wo die islamistischen Muslimbrüder Barrikaden errichteten und den Sicherheitskräften Porträts ihres Idols Mohammed Mursi entgegenrecken.

Die Zufahrtsstraßen zum Universitätsgelände sind übersät von Steinen und ausgebrannten Reifen – Überbleibseln der nächtlichen Straßenschlachten.

Auf dem zentralen Tahrir-Platz, den mit Stöcken bewehrte Mursi-Kritiker vor gegnerischen Aktivisten abriegelten, verbrachten hunderte Demonstranten die Nacht in Zelten. Die Tamarod-Bewegung, die voriges Wochenende schon den „Marsch der Millionen” gegen Mursi initiiert hatte, rief für Sonntag zu neuen Massenprotesten auf.

Der vom Militär ernannte vorläufige Nachfolger Mursis, Adli Mansur, zog am Samstag in den Präsidentenpalast im Kairoer Außenbezirk Heliopolis ein.

Mursis Anhänger wollen nach eigenem Bekunden aber so lange mobil machen, „bis der Militärputsch rückgängig gemacht und der legitime Präsident wieder eingesetzt ist”

Eine Beteiligung an einer künftigen, von Mansur zu bildenden Übergangsregierung lehnen sie ab.


Quelle: http://www.bild.de/politik/ausland/aegyp...62776.bild.html

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08.07.2013 12:30
#10 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Machtkampf in Ägypten: Präsident Mansur zieht ElBaradeis Nominierung zurück


Verwirrung um Ägyptens neue Regierung: Präsident Mansur hat die Nominierung von Mohamed ElBaradei zum Regierungschef im letzten Moment zurückgezogen. Offenbar wurde Mansur vom Widerstand der salafistischen Partei des Lichts überrascht.


Kairo - Die Nominierung eines neuen ägyptischen Ministerpräsidenten sorgt für Verwirrung: Der neue Präsident des Landes, Adli Mansur, hat die Ernennung von Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei zum Ministerpräsidenten wieder zurückgezogen.

ElBaradei sollte ursprünglich schon am Samstagabend als Chef einer Übergangsregierung vereidigt werden. Sie sollte nach dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi durch das Militär eine neue Verfassung ausarbeiten und die Neuwahl von Präsident und Parlament vorbereiten. Allerdings war ElBaradeis Nominierung auf Widerstand der Muslimbrüder gestoßen. Am Abend hatte sich auch die radikal-salafistische Partei des Lichts, die den Kurs des Militärs bislang prinzipiell unterstützt, gegen ElBaradei ausgesprochen.

Ein Sprecher von Präsident Mansur erklärte, dass die Verhandlungen noch im Gange seien. ElBaradei sei aber "die logische Wahl" für den Posten. Munir Fakhry Abdelnur, ein führender Politiker der oppositionellen Wafd-Partei, sagte der Nachrichtenagentur AP, dass der Widerstand der Partei des Lichts den Sinneswandel des Präsidenten ausgelöst habe.

Der Sprecher erklärte auch, dass die Muslimbruderschaft bei den anstehenden Wahlen teilnehmen könne. Die bisherige Regierung der islamistischen Gruppierung unter Präsident Mursi war nach landesweiten Protesten vom Militär gestürzt worden.

ElBaradei war nach jahrzehntelanger diplomatischer Tätigkeit im Ausland ein Jahr vor dem Sturz des ägyptischen Machthabers Husni Mubarak im Februar 2011 in seine Heimat zurückgekehrt und hatte sich für einen demokratischen Wandel in dem nordafrikanischen Land stark gemacht.

Die Sicherheitslage in Kairo ist weiter angespannt. Bereitschaftspolizisten bezogen am Samstag Stellung - es wurde eine neue Nacht blutiger Zusammenstöße befürchtet. In der Nacht zu Samstag gab es Straßenschlachten zwischen Anhängern und Gegnern der Islamisten. Bei den Massenprotesten nach den Freitagsgebeten starben nach Angaben des staatlichen Ambulanzdienstes vom Samstag mindestens 36 Menschen, davon 16 durch Schüsse. Mehr als 1100 weitere wurden am Abend oder in der Nacht zu Samstag verletzt.

US-Präsident Barack Obama verurteilte die andauernde Gewalt in Ägypten und äußerte sich besorgt über die politische Polarisierung im Land. Wie das Weiße Haus am Samstag mitteilte, analysierte Obama in einer Telefonkonferenz mit dem Nationalen Sicherheitsrat die Lage in Ägypten. Der Präsident unterstrich erneut, dass die USA nicht mit einer bestimmten politischen Partei oder Gruppe in Ägypten verbunden seien oder sie unterstützten. Der künftige Weg des Landes könne nur von den Ägyptern selbst bestimmt werden. Der Präsident rief alle Ägypter auf, die bestehenden Gräben zu überwinden und die Stabilität und die ägyptische Demokratie wiederherzustellen.

Koptischer Priester erschossen


Im Norden des Sinai entglitt den Behörden die Kontrolle. Hunderte Islamisten stürmten in der Nacht zu Samstag den Sitz des Gouverneurs in al-Arisch. Dutzende von ihnen hielten das Gebäude auch am Tag danach noch besetzt. Bewaffnete Extremisten erschossen in der Stadt einen koptisch-orthodoxen Priester. In der Nähe der oberägyptischen Stadt Luxor starben bei religiös motivierten Zusammenstößen vier Christen und ein Muslim.

Angesichts der Gewalt hat das Auswärtige Amt seine Warnung vor Reisen in das Land verschärft. Es warnt nun auch vor Reisen in den Nord-Sinai und in das ägyptisch-israelische Grenzgebiet. Weiterhin "dringend abgeraten" werde von Reisen in das Nildelta, auf die Halbinsel Sinai und das Grenzgebiet zu Libyen. Überlandfahrten zwischen den genannten Landesteilen seien zu vermeiden.

Nicht betroffen von der Reisewarnung sind die Touristengebiete am Roten Meer und die Touristenzentren in Oberägypten wie Luxor und Assuan, wie den Reise- und Sicherheitshinweisen zu entnehmen ist. Auch Nilkreuzfahrten gelten weiterhin als sicher. Der Flughafen der Hauptstadt Kairo funktioniere normal und sei gut gesichert.


quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/ae...k-a-909846.html

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09.07.2013 10:35
#11 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Der starke Mann am Nil -Abdel Fattah al-Sisi
Führt dieser General Ägypten aus dem Chaos?



Liegt Ägyptens Schicksal jetzt in den Händen dieses Generals?

Je tiefer das Land in Chaos und Gewalt versinkt, desto atemloser wartet die Welt auf die nächsten Schachzüge des derzeit wohl mächtigsten Mannes am Nil: Abdel Fattah al-Sisi (58).

Er ist nicht nur Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber der Armee, Er war zugleich der eigentliche Strippenzieher beim Sturz des Präsidenten Mohammed Mursi und spielt hinter den Kulissen wohl auch jetzt die Schlüsselrolle im dramatischen politischen Ringen um Ägyptens Zukunft.


Al-Sisi selbst war es gewesen, der am Mittwoch vergangener Woche Mursis Entmachtung im TV verkündet hatte. Al-Sisi hatte schon in den Tagen davor klargemacht hatte, dass die Streitkräfte eine zentrale Rolle bei der Überwindung der tiefen Staatskrise übernehmen würden, in die das Land in den letzten Tagen vor Mursis Entmachtung geschlittert war.

Schaffen es die Militärs jetzt, dem Land wieder Stabilität zu geben und die Weichen für eine bessere Zukunft in einer demokratischen Gesellschaft zu stellen?

Fakt ist: Ägyptens derzeit mächtigster Mann ist eine Figur, der viel zugetraut wird. Al-Sisi gilt als hochintelligenter Kopf mit glanzvoller Karriere, als gewiefter Stratege und als Mann, der das klare Wort nicht scheut und auch konsequent zu handeln versteht.

Bester Beweis: Mursis Sturz. Ausgerechnet al-Sisi entmachtete den Mann, der ihm nach seiner Wahl zum Präsidenten vor einem Jahr als relativ jungem General das Kommando über die Armee übertragen hatte.

Damals schien die Ernennung Sisis zum Generalstabschef und zum Verteidigungsminister sowohl Mursi als auch den nach Beförderung gierenden jüngeren Offizieren ins Konzept zu passen. Jahrzehntelang hatten weit im Rentenalter stehende Generäle wie der 78-jährige Feldmarschall Hussein Tantawi, der Machthaber Husni Mubarak 20 Jahre lang treu diente, die führenden Posten besetzt gehalten.

Nach dem Sturz Mubaraks 2011 führte die Armee das nordafrikanische Land durch 16 tumultartige Monate und schien sich nur zögerlich mit der Wahl des Islamisten Mursi zum Präsidenten abzufinden. Doch Sisi überzeugte seine Kameraden, sich in die Kasernen zurückzuziehen.

„Die Loyalität der Streitkräfte gilt dem Volk und der Nation”, verkündete Sisi, als im November 2012 Anhänger und Gegner Mursi im Streit über die Verfassung mehr auf die Fäuste als auf Debattierkunst setzten. Die Armee schritt nicht ein.

Doch als Mursi das Land immer tiefer in die Krise führte, machte die Armee seiner Herrschaft ein Ende. Aber wer führt künftig das Land?

Findet sich eine Figur, die bei Wahlen bestehen und die tief gespaltene Bevölkerung zusammenführen kann?

Wandelt sich womöglich der Militär al-Sisi selbst zum Zivilisten, der die Uniform auszieht, selbst in die Politik einsteigt und um die Stimmen seiner Landsleute kämpft? Vieles scheint dieser Tage nach Mursis Sturz in Ägypten möglich.

Fakt ist: Die Streitkräfte sind die einzige öffentliche Institution, der die Ägypter vertrauen.

Und der Berufssoldat al-Sisi ist im Lauf seiner Karriere auf höchste Weihen vorbereitet worden. Im November 1954 in Kairo geboren, schloss er 1977 eine Ausbildung an der ägyptischen Militärakademie ab. Er bildete sich 1992 an einer britischen Militärakademie fort und absolvierte wie viele seiner Offizierskollegen 2006 auch Lehrgänge bei den US-Streitkräften.

Er war Kommandierender General auf dem an Israel grenzenden Sinai und im Norden Ägyptens. Dass er sich auch auf dem glatten diplomatischen Parkett sicher bewegen kann, bewies er als Militärattaché in Saudi-Arabien.

Der 58-Jährige ist gläubiger Muslim. Seine Frau trägt die Nikab, das Ganzkörper-Kostüm mit Gesichtsschleier.

Die Muslimbrüder und der ihnen nahestehende Mursi seien aus al-Sisis Sicht aber dabei gewesen, den Islam zu diskreditieren, so der Experte Michael Wahid Hanna.

Bestens vertraut ist al-Sisi mit den USA. „Insider in US-Regierung und -Militär kennen ihn. Sie hatten ihn bei Gesprächen über die nächste Generation (der Generalität) auf dem Zettel”, sagt der Militärexperte Robert Springborn, der sich besonders gut mit den ägyptischen Streitkräften auskennt.

Sisi habe bei den Amerikanern einen guten Ruf, obwohl sein politisches und militärisches Denken von einem islamischen Weltbild durchdrungen ist und er den Islam für einen wichtigen Bestandteil für die nationale Sicherheitspolitik halte...

Beides, seine enge Bindung an den Islam und sein guter Ruf in den USA könnten für al-Sisi wichtig sein, um einerseits bei seinen Landsleuten und in der islamischen Welt zu punkten, aber um andererseits auch in der westlichen Welt Vertrauen zu gewinnen.



Quelle: http://www.bild.de/politik/ausland/aegyp...83062.bild.html

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10.07.2013 11:27
#12 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Hazem al-Beblawi
Ägyptens neuer Premier: Angebot an Muslimbrüder

Islamisten bleiben auf Konfrontationskurs ++ Angriffe auf Polizeiposten: 2 Tote



Ägyptens Führung schlägt zum Fastenmonat Ramadan versöhnliche Töne an. Die Muslimbrüder wollen jedoch keine Zusammenarbeit. Die Spaltung der Gesellschaft ist weiter tief.

Übergangspräsidenten Adli Mansur hat eine Versöhnungsinitiative in der kommenden Woche angekündigt. In einer Erklärung vom Dienstagabend hieß es, Ziel des Vorstoßes sei es, die Spaltung in der ägyptischen Gesellschaft zu überbrücken und Blutvergießen zu vermeiden, schreibt die Zeitung „Al-Ahram” online. Alle seien eingeladen, an dieser allumfassenden Initiative mit dem Namen „Eine Nation” teilzunehmen. Es solle die humanitäre Basis für eine Koexistenz gelegt werden.

Auch der neue Chef der Übergangsregierung, Hazem al-Beblawi, will offensichtlich Brücken bauen. Der Wirtschaftswissenschaftler bot Vertretern der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit Kabinettsposten in der neuen Regierung an. Die Partei ist der politische Arm der Muslimbruderschaft, aus der der vor einer Woche gestürzte islamistische Präsident Mohammed Mursi stammt. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Mena weiter schrieb, sollen auch Mitglieder der ultra-konservativen Nur-Partei der Übergangsregierung angehören.

Die Absage der Muslimbrüder folgte prompt: „Wir machen keine gemeinsame Sache mit Putschisten“, sagte ein Sprecher der Muslimbrüder am Mittwoch Die Muslimbrüder wiesen „alles zurück“, was mit
dem „Staatsstreich“ zu tun habe, sagte der Sprecher der Nachrichtenagentur AFP.

Außer al-Beblawi bekam auch Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei einen neuen Job: Er wurde zum Vizepräsidenten an der Seite von Adli Mansur ernannt.

Zwar beginnt an diesem Mittwoch in Ägypten der Fastenmonat Ramadan, aber ein Ende von Protesten und Gewalt ist damit nicht in Sicht.

In Kairo und anderen Städten demonstrierten am Dienstag erneut Zehntausende Anhänger der Muslimbruderschaft gegen die Absetzung Mursis.

Im Gegenzug warnte das Oberkommando der bewaffneten Streitkräfte die Islamisten vor einer Fortsetzung ihrer Verweigerungspolitik. „Das Schicksal der Nation ist zu wichtig und zu heilig, als dass es - unter welchem Vorwand auch immer - Gegenstand von Manövern und Blockaden werden kann”, hieß es in der Erklärung, die im staatlichen Fernsehen verlesen wurde. Die Armee werde dies nicht hinnehmen, fügte der General hinzu.

Die Fronten bleiben verhärtet: Die Mursis Muslimbruderschaft hat den Fahrplan von Interimspräsident Adli Mansur zur Wiederherstellung der politischen Ordnung abgelehnt.

Mit dem Plan stünde das Land wieder am Anfang, teilte der stellvertretende Chef der Freiheits- und Gerechtigkeitspartei, Essam al-Erian, am Dienstag im Internet mit. Die Partei ist der politische Arm der Muslimbruderschaft.

Die Armee und ihre Verbündeten würden „nicht nur den Präsidenten angreifen, sondern auch die Identität der Nation, die Rechte und Freiheiten der Menschen und das demokratische System, das in der Verfassung verankert ist”, schrieb al-Erian auf seiner Facebook-Seite. „Die Menschen haben die Verfassung mit ihren Stimmen geschaffen”, erklärte er im Bezug auf die islamistisch geprägte Verfassung, die Mursis Anhänger im Eilverfahren beschlossen hatten und die in einem Referendum vom Volk gebilligt wurde.

Der am Montagabend vorgestellte Plan Mansurs sieht vor, diese Verfassung zu ändern und Anfang des kommenden Jahres Parlaments- und Präsidentschaftswahlen abzuhalten.

Milliardenbeträge aus dem Ausland sollen Ägypten stabilisieren. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate kündigten am Dienstagabend Hilfen in Höhe von acht Milliarden Dollar (6,3 Milliarden Euro) an. Der Zeitplan, den Übergangspräsident Adli Mansur zur Beendigung der Staatskrise vorlegte, stieß überwiegend auf Ablehnung.

In der Nacht zu Mittwoch kam es indes zu weiteren Zusammenstößen! Islamistische Extremisten griffen im Norden der Halbinsel Sinai einen Polizeistützpunkt nahe der Stadt Rafah an der Grenze zu Gaza an und töteten zwei Menschen. Auch aus El Arisch, etwa 45 Kilometer westlich von Rafah, meldeten die Sicherheitskräfte einen Angriff auf einen Polizeiposten.

Das Auswärtige Amt wird in seiner Einschätzung der Lage im krisengeschüttelten Ägypten immer vorsichtiger: Erstmals forderte das Ministerium die Urlauber in den Badeorten am Roten Meer zu erhöhter Wachsamkeit auf. Reisen an Küstenorte wie Hurghada oder Sharm el-Sheikh seien zwar nach wie vor unbedenklich, doch seien die Auswirkungen der Unruhen im restlichen Ägypten auf die Touristengebiete nicht absehbar, teilte das Auswärtige Amt am Dienstagnachmittag mit. „Reisende werden daher gebeten, besondere Vorsicht walten zu lassen und die Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen.”

Von Abstechern in den Rest des Landes rät das Ministerium weiterhin dringend ab. Lediglich der Kairoer Flughafen gilt als sicher. Der Reisemarktführer TUI hat nach früheren Angaben 5000 Gäste aus Deutschland am Roten Meer untergebracht. Eine Stellungnahme war von dem Unternehmen unmittelbar nicht zu erhalten.

Nach einem Zeitungsbericht hat der Krisenstab der Bundesregierung zusammen mit der Tourismusbranche bereits einen Notfall-Plan Urlauber vorbereitet. „Wir sind mit einem Sitz im Krisenstab der Bundesregierung vertreten und könnten sofort mit Rückholaktionen eingreifen”, sagte Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reise-Verbands (DRV), der Nordwest-Zeitung.

Der Tourismus ist eine der Haupteinnahmequellen Ägyptens. Ägypten zählt zu den Top Ten der beliebtesten Reiseziele der Deutschen.




Quelle: http://www.bild.de/politik/ausland/aegyp...05194.bild.html

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11.07.2013 11:21
#13 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Ägyptens enttäuschte Revolutionäre: Die Abgehängten


Hurra, Mursi ist weg - erst haben die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz noch gejubelt, schon eine Woche später folgt die Ernüchterung. Ägyptens Jugend fürchtet, dass wieder andere von den Protesten profitieren. Doch selbst in die Politik? Das will kaum einer.


Eigentlich sollte Samich al-Masri zufrieden sein. Der 32-Jährige war einer der Koordinatoren der "Front 30. Juni", einem buntgemischten Bündnis von Tahrir-Platz-Aktivisten, das den Sturz von Mohammed Mursi forderte. Seit einer Woche ist der Islamist nicht mehr Präsident, sondern steht unter Hausarrest. Und Masri ist enttäuscht.

Nicht über das Schicksal der Muslimbruderschaft. Den Religiösen trauert Masri nicht nach. Er schenkt sich ein Glas Cola ein und zündet eine Zigarette an, trotz Fastenzeit. Sein nachgemachtes Marken-T-Shirt zieren die Namen westlicher Metropolen.

Was Masri ärgert, ist das neue Verfassungsdekret, das der vom Militär eingesetzte Präsident Adli Mansur Montagnacht veröffentlichte. "Ich lehne es rundum ab", sagt Masri. "Die tun gerade so, als hätte es unsere Proteste nie gegeben."

Vergangene Woche hatte Militärchef Abd al-Fattah al-Sisi Präsident Mohammed Mursi für abgesetzt erklärt. Dabei zeigte er sich mit einer seltsamen Koalition. Hinter ihm stand die Führung der salafistischen Nur-Partei, der koptische Papst, die Revolutionsjugend, die Gelehrten der Al-Azhar-Moschee und die Nationale Heilsfront, das Bündnis der wichtigsten liberalen Parteien.

Doch als Mansur am Montagabend die neue Verfassung und den zukünftigen Fahrplan veröffentlichte, waren mehrere Koalitionspartner wütend: Sie wurden vor der Erklärung gar nicht erst befragt.

Liberale haben viele Einwände gegen Verfassungsdekret

Die neue Verfassung garantiert dem Militär seine Rolle als Staat im Staate. Sie kommt den Salafisten entgegen, indem sie die Interpretation der Scharia zur Hauptquelle der ägyptischen Gesetze erklärt. Den Übergangspräsidenten macht sie zum allmächtigen Herrscher, der keiner Kontrolle untersteht - außer der des Militärchefs Sisi, der ihn einsetzte.

"Wir haben ein paar Vorbehalte", sagt Chaled Dawud, Sprecher der liberalen Nationalen Heilsfront SPIEGEL ONLINE. So sei man unzufrieden mit der Art, wie die Erklärung zustande kam, dem Artikel über die Rolle der Scharia und der Allmacht des Präsidenten. Auch am politischen Fahrplan für die Zukunft sei etwas zu bemängeln. Man wolle erst Präsidentschafts- und erst dann neue Parlamentswahlen, nicht wie bisher vorgesehen umgekehrt. Ob er auch ein Problem in der Unabhängigkeit des Militärs sehe? "Wir haben derzeit wichtigere Probleme", sagt Dawud.

Auch für Masri ist Ägyptens Militär eine Art heilige Kuh. Wie jeder Ägypter kennt er viele, die dort gerade ihren Wehrdienst ableisten. Er selbst hat sogar freiwillig länger gedient. Wie viele Jahre es waren, möchte er nicht verraten - "zu lange" ist alles, was er dazu sagt. Inzwischen verdient er sein Geld als Informatiker.

Viele junge Ägypter wollen nicht in die Politik

Zwar schimpft Masri über das neue Verfassungsdekret. Er bezeichnet es sogar als "Versuch, unsere Revolution wieder rückgängig zu machen". Dennoch lässt er auf Militärchef Abd al-Fattah al-Sisi nichts kommen. "Sisi ist die Stimme der Jugend in der Armee", sagt Masri. Der 58-jährige Sisi war der Jüngste im obersten Kreis der Generäle, als Mursi ihn 2012 zum Militärchef machte. "Ihm liegt das Wohlergehen des ägyptischen Volkes am Herzen", sagt Masri.

Auch wenn das Militär hauptverantwortlich für das Verfassungsdekret ist, wettert Masri lieber über die "Felul", die Überbleibsel des Mubarak-Regimes. Husni Mubarak wurde zwar 2011 gestürzt, doch seine Funktionäre haben nun wieder Aufwind.

So sind Präsident Adli Mansur und Premierminister Hasim al-Beblawi beide Technokraten, die schon unter Mubarak führende Posten innehatten. Die neue Verfassung wird von zehn Richtern und Jura-Professoren geschrieben werden, die unter Mubaraks autoritärer Herrschaft Karriere machten. "Die Alten wollen uns wieder zurückdrängen, dabei sind wir die Zukunft", klagt Masri.

Ägyptens Revolutionsjugend schaut wieder nur hilflos zu. 2011 halfen sie mit, Husni Mubarak zu stürzen. Anschließend mussten sie mit ansehen, wie die Muslimbrüder die Macht übernahmen. Nun haben sie mitgeholfen, die Islamisten zu verdrängen. Doch wieder werden es andere sein, die davon profitieren.

Masri will nicht in die Politik. Wie so viele seiner Altersgenossen hält er wenig davon. Sein Traum ist es, sich um Straßenkinder und Slum-Bewohner zu kümmern. "Dann, wenn die Revolution ihr Ziel erreicht hat und wir Brot und soziale Gerechtigkeit haben." Doch noch, sagt er, sei die Zeit nicht gekommen.


Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/ae...t-a-910512.html

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12.07.2013 11:47
#14 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Ägypten: Mursis Anhänger rufen zum Marsch der Millionen


Ägyptens Islamisten machen mobil: Anhänger des gestürzten Präsidenten Mursi rufen für Freitag zu einem Marsch der Millionen auf Kairo. Das schürt die Furcht vor neuen blutigen Zusammenstößen.

Hamburg/Kairo - Die Anhänger des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi wollen die Massen mobilisieren: Für diesen Freitag rufen die Islamisten auf zu einem "Millionen-Menschen-Marsch" auf Ägyptens Hauptstadt.

Mit der Massendemonstration wollen sie ihrer Forderung Ausdruck verleihen, dass Mursi wieder in sein Amt eingesetzt werden solle. Der geplante Großaufmarsch birgt die Gefahr neuer gewalttätiger Zusammenstöße. Am Montag waren mehr als 50 Menschen getötet worden. Sicherheitskräfte hatten auf Islamisten geschossen, die vor einer Kaserne demonstrierten. Daraufhin hatten die Muslimbrüder ihre Anhänger zum Aufstand gerufen.

Die Ausschreitungen der vergangenen Tage sorgen international für Besorgnis. Nach den Unruhen hat Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon Ägypten zur Einhaltung der Menschenrechte gemahnt. Er sei "tief besorgt" wegen fortgesetzter Festnahmen, sagte Ban am Donnerstag nach einem Telefongespräch mit Ägyptens Außenminister Kamel Ali Amr. Er habe ihn an internationale Verpflichtungen erinnert und daran, dass Ägypten Versammlungs- und Redefreiheit garantieren müsse. Vergeltungsmaßnahmen gegen eine Partei oder deren Ausschluss seien nicht akzeptabel.

"Für Mursis Sicherheit ist es besser, ihn festzuhalten"

Mit dem Verfassungsrichter Adli Mansur hat die Militärführung einen Übergangspräsidenten eingesetzt. Der Interimspräsident hatte am Montagabend in einem Dekret Parlamentswahlen innerhalb von etwa sechs Monaten in Aussicht gestellt.

Der islamistische Präsident Mursi war vor etwas mehr als einer Woche nach Massenprotesten von der Armee abgesetzt worden. Die islamistische Muslimbruderschaft, aus der Mursi stammt, spricht von einem Putsch. Sie hatte Kundgebungen und Dauerproteste angekündigt, so lange, bis der gestürzte Präsident wieder im Amt ist.

Es ist noch immer unklar, wo sich Mursi aufhält. Seit seinem Sturz wird er vom Militär an einem unbekannten Ort und ohne Anklage festgehalten. Ein Sprecher des ägyptischen Außenministeriums erklärte, Mursi befinde sich "an einem sicheren Ort" und würde "in würdiger Weise" behandelt. "Zugleich ist es für seine eigene Sicherheit und die Sicherheit des Landes besser, ihn festzuhalten", fügte der Sprecher hinzu.

Vor dem Umsturz in Ägypten hatten Millionen Menschen im ganzen Land gegen Mursis Herrschaft demonstriert. Die Armeeführung begründete seine Entmachtung damit, dass Mursi zu Kompromissen unfähig gewesen sei und die Stabilität des Landes aufs Spiel gesetzt habe.

Die Vereinigten Staaten werden wie ursprünglich geplant vier Kampfflugzeuge vom Typ F-16 an Ägypten liefern, berichtete die BBC unter Berufung auf US-Offizielle. Die USA unterstützen das ägyptische Militär mit Zahlungen von jährlich 1,3 Milliarden Dollar. Würde Washington den Umsturz als Putsch einstufen, müssten die USA die Militärhilfe an Ägypten einstellen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, Ägypten müsse jetzt "möglichst schnell in die Spur eines demokratischen Übergangsprozesses" kommen. "Es ist wichtig, dass alle wichtigen politischen Akteure in diesen Prozess einbezogen werden", erklärte sie nach einem Treffen mit der Kommissionspräsidentin der Afrikanischen Union (AU), Nkosazana Dlamini-Zuma, in Berlin. Die Kanzlerin bezog sich damit auch auf Mursis Muslimbruderschaft.

Die AU hatte Ägypten vor einer Woche wegen der Absetzung Mursis ausgeschlossen. "Wenn in Ägypten eine gewählte Regierung an der Macht ist, dann wird auch die AU ihre Türen wieder öffnen", erklärte Dlamini-Zuma nach der Begegnung mit Merkel.


Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/ae...n-a-910698.html

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13.07.2013 12:00
#15 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Massenproteste in Ägypten: General Sisi eint die Islamisten


Die Unterstützer von Mohammed Mursi geben sich nicht geschlagen. Hunderttausend Ägypter gingen Freitagnacht auf die Straße. Einig sind sie sich in ihrem Hass auf den Militärchef Abd al-Fattah al-Sisi. Die Rivalität zwischen Muslimbrüdern und Salafisten ist vergessen.

Wenige Stunden nach Sonnenuntergang und dem Ende des Fastens ist kaum noch ein Durchkommen auf dem Platz um die Rabaa Adawija Moschee im Osten Kairos. Rund Hunderttausend Unterstützer des am 3. Juli abgesetzten Mohammed Mursi schieben und drängen sich über den Platz.

Die Islamisten schwingen die ägyptische Fahne über den Kopf. Viele halten das Porträt Mursis in die Höhe. Neu hinzugekommen ist an diesem ersten Freitag im Fastenmonat Ramadan das Porträt von Militärchef Abd al-Fattah al-Sisi. Auf den Bildern fließt dem General das Blut aus dem Mund wie einem Vampir. Seine Uniform ist blutüberspritzt. "Sisi, du Verräter", steht darauf.

Der oberste General hat die Spaltung Ägyptens noch vertieft. Sein erbittertes Vorgehen gegen Mohammed Mursi und die Muslimbruderschaft hat das islamistische Spektrum Ägyptens im Hass auf den Militärchef vereint. "Hau ab, Sisi!", schallt es Freitagnacht über den Rabaa-Platz.

Damit auch ganz Kairo die Machtdemonstration der Islamisten mitbekommt, besetzen sie wichtige Verkehrsknotenpunkte im Osten der Stadt. Im Zentrum blockieren sie die 6. Oktober-Brücke. Der Straßenverkehr der Hauptstadt ist damit erfolgreich verlangsamt. Wo man sonst 15 Minuten unterwegs ist, braucht man nun zwei Stunden.

Die sonst gespaltenen Islamisten sind sich einig

Unter den Mursi-Unterstützern ist nahezu das gesamte islamistische Spektrum vertreten. Neben den Muslimbrüder-Anhängern aus der Provinz, die in Bussen angereist sind, haben sich auch viele Mittelklasse-Familien den Protesten angeschlossen. Auch viele Salafisten demonstrieren. Manche fordern lautstark die Einführung eines Gottesstaats.

Bis vor kurzem waren diese verschiedenen islamistischen Strömungen erbitterte Rivalen. Im Parlament stritten sie beispielsweise darüber, wie die Scharia, die islamische Gesetzgebung, korrekt anzuwenden sei. Nun streiten sich nur noch die Parteispitzen: Die Führung der salafistischen Nur-Partei hat sich gegen die Muslimbruderschaft gewandt und sich de facto für vorzeitige Präsidentschaftswahlen ausgesprochen. Doch an der Basis sind sich momentan alle einig: Mursi muss wieder zurück ins Präsidentenamt.

"Ich bin kein Anhänger der Muslimbrüder", sagt auf dem Rabaa-Platz der 22-jährige Billal Issel aus Kairo mit dichtem Bart und rotem T-Shirt. "Aber das ist kein Angriff mehr auf die Muslimbruderschaft, sondern auf den Islam", glaubt er. "Das Militär signalisiert uns, dass sie keinen Islamisten als Präsidenten dulden."

Nach den Massenprotesten am 30. Juni gegen den damaligen Präsidenten Mohammed Mursi hatte General Sisi den Politiker abgesetzt. Mursi und seine Vertrauten werden seitdem an einem unbekannten Ort ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten. Deutschland und die USA fordern Mursis sofortige Freilassung. Am Montagmorgen dann schossen Sisis Soldaten auf Mursi-Anhänger. 55 Menschen kamen ums Leben. Die Islamisten sind empört über die Gewalt. Manche Mursi-Gegner dagegen haben die Schüsse gerechtfertig - die politischen Gegner, in ihren Augen alles "Terroristen", hätten es ja nicht anders verdient.

Auf dem Tahrir-Platz dagegen wird Sisi als Held gefeiert

Es scheint, als werde Kairo noch einige Zeit von Demonstrationen lahmgelegt. Auch der Fastenmonat Ramadan, während dem viele tagsüber nichts trinken oder essen, hat bisher die Proteste nicht vollständig abklingen lassen, sondern lediglich in die Nacht hineinverlegt.

Doch während die Islamisten an Mursi als Präsidenten festhalten, schaffen die Mursi-Gegner neue Fakten. In den kommenden Tagen soll das Übergangskabinett verkündet werden, an dem sich die Muslimbruderschaft nicht beteiligen will. Überwunden wird die Spaltung Ägyptens so wohl nicht.

Auch die Mursi-Gegner haben am Freitagabend wieder demonstriert. Tausende versammelten sich auf dem Tahrir-Platz. Wie auf dem Rabaa-Platz war auch dort das Porträt von Militärchef Sisi allgegenwärtig - allerdings ohne Blut, dafür schneidig in Uniform.

Für viele Mursi-Gegner ist Sisi ein Held, der das Land vor den Islamisten gerettet hat. In den Ladenfenstern um den Tahrir-Platz verbreitet sich sein Porträt zusammen mit Ägyptens Übervater Gamal Abd al-Nasser. Nur ein paar Straßen weiter dagegen tauchen neue Graffiti auf, halb englischsprachige Abkürzung, halb Arabisch: "CC katil", "Sisi ist ein Mörder".


Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/ae...i-a-910933.html

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14.07.2013 11:44
#16 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Ägypten:
Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Spionage gegen Mursi

Die Behörden in Ägypten prüfen schwere Vorwürfe gegen den gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi. Auch gegen andere Mitglieder der Muslimbruderschaft wird ermittelt.



Die ägyptische Staatsanwaltschaft prüft Vorwürfe gegen den gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi wegen des Verdachts der Spionage und anderer Straftaten. Auch gegen andere führende Mitglieder der islamistischen Muslimbruderschaft werde ermittelt, teilte die Behörde in Kairo mit. Es würden Verdachtsmomente geprüft wie "Zusammenarbeit mit ausländischen Agenturen zum Zwecke der Schädigung nationaler Interessen, Anstiftung zum Mord an friedlichen Demonstranten, Angriffe gegen Militäreinrichtungen und Schädigung der Volkswirtschaft". Weiter wurden die Vorwürfe nicht erläutert.


Neben Mursi sind nach Angaben der Behörde acht Führungspersönlichkeiten der Muslimbruderschaft angezeigt worden, darunter ihr Vorsitzender Mohammed Badie und der stellvertretende Chef der Partei der Muslimbrüder, Essam Al-Erian. Wer Mursi und die Islamisten angezeigt hat, teilte die Behörde nicht mit.


Der abgesetzte Präsident wird derzeit vom Militär an einem unbekannten Ort und ohne formelle Anklage festgehalten. Deutschland und die USA sprechen sich für seine Freilassung aus.

Proteste für und gegen Mursi


Am Wochenende protestierten wieder zahlreiche Anhänger Mursis im Protestcamp in der Kairoer Vorstadt Nasr City gegen die Absetzung des Präsidenten. Sie wollen ihre Demonstrationen fortführen, bis Mursi wieder im Amt ist. Auch islamische Abgeordnete des aufgelösten Parlaments verlangten die Rückkehr des abgesetzten Präsidenten und appellierten an andere Parlamente, die Übergangsregierung in Kairo nicht anzuerkennen. Der ägyptische Außenminister Mohammed Kamel Amr reichte seinen Rücktritt ein - offenbar in Erwartung einer möglichen Kabinettsumbildung kommende Woche.

Ägyptens Ministerpräsident Hasem Beblawi hat derweil Gespräche zur Bildung einer Übergangsregierung aufgenommen. Beblawi wollte nach eigener Aussage die am Samstag begonnenen Telefonate mit den möglichen Kabinettsmitgliedern fortsetzen. Beblawi hofft, bis Mitte der Woche eine Regierung zu bilden. Tausende Gegner der Islamisten hatten unterdessen auf dem zentralen Tahrir-Platz das Ende der Islamisten-Herrschaft gefeiert.

Der deutsche Nahost-Experte Volker Perthes, der auch die Bundesregierung berät, sieht trotz der andauernden Proteste keine Bürgerkriegsgefahr. Sowohl die Muslimbrüder als auch die Armee seien viel zu stark im Volk verwurzelt, sagte der Vorsitzende der Stiftung Wissenschaft und Politik dem Südwestrundfunk. "Die Ägypter sind irgendwie doch eine große Familie. Sie wissen, dass sie alle Ägypter sind, auch wenn sie unterschiedliche Vorstellungen haben, wie Ägypten regiert werden sollte", führte er weiter aus. Es gebe in dem Land zwar eine Tradition von Straßengewalt, aber überhaupt keine von Bürgerkrieg.

Angriffe auf Sinai-Halbinsel


Im Norden der Halbinsel Sinai griffen Bewaffnete derweil den Flughafen der Stadt Al-Arisch mit schultergestützten Panzerabwehrraketen an. In Rafah - an der Grenze zum Gazastreifen - wurde ein Armeeposten attackiert. Die Armee setzte nach Angaben aus Sicherheitskreisen Hubschrauber im Kampf gegen Dschihadisten ein. Beobachter halten es für möglich, dass das Militär in den nächsten Tagen mit einer größeren Offensive auf dem Sinai vorgeht.

Auf der Halbinsel tummeln sich seit den arabischen Aufständen und dem Sturz von Langzeitmachthaber Husni Mubarak im Februar 2011 immer mehr islamistische Milizen, Schmuggler und bewaffnete Banden. Seit der Entmachtung Mursis nehmen die Angriffe auf ägyptische Sicherheitskräfte weiter zu. Militäroperationen in der Region - die es auch unter Mursi gab - blieben in der Vergangenheit ohne langfristigen Erfolg.




Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-...pionage-anzeige

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15.07.2013 11:09
#17 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Nach Umsturz in Ägypten
ElBaradei als Vizepräsident vereidigt


Gut eineinhalb Wochen nach dem Sturz von Präsident Mursi kommt die Bildung einer ägyptischen Übergangsregierung voran. Friedensnobelpreisträger ElBaradei wurde als Vizepräsident vereidigt, weitere Schlüsselressorts besetzt.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Mohammed ElBaradei, der neue Vizepräsident, war in den letzten Monaten der Führer des Oppositionsbündnisses Nationale Rettungsfront. Ende April 2012 gründete er die liberale Partei Al Dustour. Die Jugendbewegung Tamarrod, die zu den Massenprotesten vom 30. Juni aufgerufen hatte, machte ihn kurzzeitig zu ihrem Sprecher.


Der Friedensnobelpreisträger ist innerhalb Ägyptens allerdings weniger populär als im Ausland. Nach dem Sturz von Präsident Mursi durch die Proteste und das Militär war er für das Amt des Premierministers im Gespräch. Die salafistische Al-Nour-Partei, die die Bildung einer Übergangsregierung unterstützt, lehnte diesen Vorschlag jedoch strikt ab. Zum Premier wurde der liberale Ökonom Hasem al Beblawi ernannt.

Die Anhänger von Ex-Präsident Mohammed Mursi bereiten derweil in Kairo auf dem Platz vor der Moschee Rabaa al Adawiyya neue Protestaktionen vor. Sie bezeichnen die Maßnahmen des Militärs, die zur Entmachtung Mursis führten, als Putsch. In großen Lettern schreiben einige Mursi-Anhänger ihre Forderung mit weißer Farbe auf die Straße: "Verschwinde Sisi!"

"Wir malen diese Botschaft auf den Asphalt für den Fall, dass Verteidigungsminister General Sissi die vielen Demonstranten hier nicht sieht, wenn er mit dem Flugzeug drüber fliegt. Ich nehme mal an, dass er lesen kann", sagt einer der Mursi-Anhänger. Ein Demonstrant drängelt sich ans Mikrofon. Er hat eine Botschaft für den General: "Wie konntest Du einen Militärputsch gegen einen Moslem durchführen, der an Gottes Wort glaubt?", fragt der Mann. "Mursi kann ja keine Wunder vollbringen - nur eines von vier Jahren Amtszeit ist erst vorbei. Bring Doktor Mursi zurück!"


Weitere Schlüsselressorts besetzt
Gut anderthalb Wochen nach dem Sturz des gewählten Präsidenten kommt die Bildung einer Übergangsregierung offenbar voran. Premier Beblawi besetzte am Wochenende mehrere Schlüsselressorts. Der Christ Hani Kanri soll neuer Finanzminister werden. Er hatte bereits die letzten Gespräche mit dem Internationalen Währungsfonds über einen Milliardenkredit geführt. Nabil Fahmy, einst Ägyptens Botschafter in Washington, könnte neuer Außenminister werden.

Für Premier Beblawi ist die Regierungsbildung eine Gratwanderung. Er muss die liberalen Kräfte zufriedenstellen, aber auch die konservativen islamistischen von der Al-Nour-Partei. Auch der Muslimbruderschaft hatte er angeboten, sich an der Bildung des Kabinetts zu beteiligen. Doch die hatte das Angebot abgelehnt.



Quelle: http://www.tagesschau.de/ausland/aegypten1658.html

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16.07.2013 12:04
#18 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Ägypten: Mursi-Anhänger liefern sich Straßenschlachten mit Polizei


Hunderte Anhänger des gestürzten Präsidenten Mursi haben sich in Kairo gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Sie warfen Steine und blockierten eine wichtige Brücke. Die Einsatzkräfte antworteten mit Gummigeschossen und Tränengas.



Kairo - In der ägyptischen Hauptstadt Kairo hat es erneut Massenproteste gegeben, die Stimmung bleibt aufgeheizt. Hunderte Anhänger des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi zogen durch die Straßen. Sie lieferten sich laut al-Dschasira Auseinandersetzungen mit Einheimischen, blockierten eine wichtige Nilbrücke und warfen Steine auf vorrückende Polizisten. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. Dutzende Menschen wurden verletzt.


Bis nach Mitternacht dauerten die Krawalle, berichteten die Zeitung "al-Ahram" auf ihrer Website und der arabische Nachrichtensender al-Dschasira. Am frühen Dienstagmorgen waren noch Hunderte Mursi-Anhänger auf der Straße. Auch aus anderen Städten Ägyptens wurden Pro-Mursi-Demonstrationen gemeldet.

Die Freiheits- und Gerechtigkeitspartei der Muslimbruderschaft, aus der Mursi stammt, erklärte, viele Menschen seien verletzt worden, als Tränengas- und Gummigeschosse auf friedliche Protestierende auf dem Ramses-Platz in Kairo abgefeuert worden seien. Al-Dschasira sprach von mindestens 22 Verletzten. Viele Menschen seien festgenommen worden.


Die Demonstranten erklärten, sie würden die Proteste bis zur Freilassung Mursis fortsetzen. Das ägyptische Militär hatte Mursi am 3. Juli, etwa ein Jahr nach dessen Amtsantritt, gestürzt.

Die neue ägyptische Führung arbeitet derzeit an einem Plan für die Übergangszeit bis hin zu Neuwahlen. Ministerpräsident Hasim al-Beblawi will am Dienstag oder Mittwoch seine vollständige Regierungsmannschaft vorstellen. Die Parlamentswahl hat Übergangspräsident Adli Mansur für Anfang 2014 angekündigt.

"Gewisse demokratische Prinzipien"

Bei einem Besuch in Kairo rief der stellvertretende US-Außenminister William Burns die Akteure in dem tief gespaltenen Land zu Dialog und Gewaltverzicht auf. Der Spitzendiplomat ist der erste hochrangige amerikanische und auch westliche Regierungsvertreter, der das Land nach dem Umsturz vom 3. Juli besucht.

"Wir werden nicht versuchen, irgendein Modell aufzuzwingen", erklärte Burns nach seinen ersten Gesprächen in der ägyptischen Hauptstadt. Washington lege aber Wert auf "gewisse demokratische Prinzipien".

Der US-Nahost-Diplomat will bis Dienstag in der Nil-Metropole bleiben. Er traf am Montag Verteidigungsminister Abdel Fattah al-Sisi, der als neuer starker Mann in Kairo gilt, sowie mit Übergangspräsident Mansur und Regierungschef al-Beblawi. Burns kam weder mit Vertretern der Muslimbruderschaft noch mit der Tamarod-Bewegung zusammen, die mit Massendemonstrationen dessen Sturz in Gang gesetzt hatte.

Die USA verlangen - wie Deutschland - die Freilassung Mursis. Dieser wird seit seiner Entmachtung vom Militär an einem unbekannten Ort und ohne formelle Anklage festgehalten.

Die USA unterstützen Ägypten mit jährlichen Hilfen in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar. Davon sind 1,3 Milliarden Dollar für das Militär bestimmt. Diese Zahlungen müssten nach US-Rechtslage eingestellt werden, falls Washington den Umsturz als Militärputsch einstuft. Zu diesem Schritt hat sich die US-Regierung bislang nicht durchgerungen.




Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/st...i-a-911286.html

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17.07.2013 11:32
#19 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Ägypten: Präsident vereidigt Übergangsregierung



Ägyptens Übergangsregierung ist komplett: Mehr als 30 Minister wurden am Dienstag vereidigt. Die Muslimbrüder sind im neuen Kabinett nicht vertreten - die Rolle des Militärs ist stärker als erwartet.


Kairo - Zwei Wochen nach dem Umsturz in Ägypten ist in Kairo eine Übergangsregierung vereidigt worden. Das staatliche Fernsehen zeigte Bilder von der Zeremonie am Dienstag, bei der die einzelnen Minister ihren Amtseid vor Übergangspräsident Adli Mansur ablegten.


Der von den Islamisten scharf kritisierte Kommandeur der Streitkräfte, Abd al-Fattah al-Sisi, behält nicht nur das Verteidigungsressort, sondern übernimmt auch den Posten des ersten Stellvertreters von Ministerpräsident Hasim al-Beblawi. Damit wird das Militär eine stärkere politische Rolle einnehmen als allgemein erwartet.

Militärchef Sisi hatte ursprünglich versprochen, dass die Macht in die Hände ziviler Politiker gelegt werde. An den Spitzen der Wirtschaftsministerien überwiegen indes Fachleute. Finanzminister wurde Ahmed Galal, ein langjähriger Experte der Weltbank.

Außenminister wurde Nabil Fahmi, der von 1999 bis 2008 Botschafter in Washington war. Auch Beblawi ist ein Wirtschaftsfachmann mit langjähriger Erfahrung in Entwicklungsbanken und Uno-Organisationen. Die Übergangsregierung soll bis zu den Neuwahlen im Amt bleiben, die in sechs Monaten vorgesehen sind.

Keiner der mehr als 30 Minister des Übergangskabinetts gehört einer islamistischen Partei an. Beblawi hatte als Geste der Versöhnung auch den Muslimbrüdern Posten in der Interimsregierung angeboren, doch die Islamisten lehnten ab - den "Staatsstreich" werde man dadurch nicht legitimieren.

Die Muslimbruderschaft will ihre Anhänger so lange demonstrieren lassen, bis der gestürzte Präsident wieder im Amt ist. In der Nacht zum Dienstag eskalierten die Proteste erneut, sieben Menschen starben bei Ausschreitungen in Kairo.



Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/ae...t-a-911508.html

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18.07.2013 11:53
#20 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Mit Mursis Sturz kommt das Geld
Ein Jahr haben sie sich versteckt, jetzt kommen sie zurück: Ägyptens Geschäftsleute. Die Probleme sind gewaltig, eine rasche Besserung ist nicht in Sicht.




Seit Mohammed Mursi gestürzt ist, kehren ägyptische Geschäftsmänner in ihr Heimatland zurück – und mit ihnen ihr Geld. Zum Beispiel Samih Sawiris, Sohn der gleichnamigen koptischen Familie. Die Sawiris sind wohlhabende Geschäftsleute. Samihs Vater Onsi hat Orascom gegründet, einen Konzern, zu dem mittlerweile Unternehmen des Baugewerbes, der Telekommunikations- und der Tourismusbranche gehören. Sein Bruder Naguib ist Chef von Orascom Telecom. Samih Sawiris selbst baut Touristenzentren, ursprünglich in Ägypten, seit einiger Zeit auch in Andermatt.

Ein Jahr lang hielt sich Samih Sawiris vom ägyptischen Finanzmarkt fern: genau so lange, wie die Muslimbrüder an der Macht waren. Jetzt investiert er wieder. Mit ihm kamen andere ägyptische Geschäftsleute zurück an die Börse in Kairo, die ihr Vermögen zuvor im Ausland gebunkert hatten.

Alles passierte ganz schnell: Schon am Tag nach dem Militärputsch stiegen die Kurse an der Börse in Kairo so rasant, dass der Handel vorübergehend ausgesetzt werden musste.

Auch das ägyptische Pfund hat seither an Wert gewonnen. Sieben Pfund muss man im Moment für einen Dollar bezahlen. Vor einem Monat waren es noch neun Pfund. Es fließen wieder harte Devisen nach Ägypten.


Verschwörung gegen Muslimbrüder

Anhänger der Muslimbrüder wittern dahinter eine Verschwörung. Sie glauben, der Mangel an Kapital während Mursis Regierungszeit habe gezielt die Wirtschaft schwächen und Mursi zu Fall bringen sollen. Vielleicht wollten manche der reichen Ägypter ihr Geld einfach nur in Sicherheit bringen. Die Familie Sawiris aber und auch andere erklärten mehrfach deutlich in der Öffentlichkeit, die Gegner Mursis zu unterstützen. Naguib Sawiris gab viel Geld für die Protestbewegung Tamarod.

Die Familie Sawiris hatte ihr Vermögen schon einmal verloren, als General Gamal Abdel Nasser im Ägypten der sechziger Jahre den arabischen Sozialismus ausrief. Onsi Sawiris wurde damals enteignet und verlor seine Bauunternehmen. Auch Nasser gelang durch einen Putsch an die Macht. Anders als damals locken die Militärs diesmal die Vermögenden zurück ins Land.

Auch aus dem arabischen Ausland kommt frisches Geld. Mehrere arabische Medien berichten, Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Saudi Arabien planten einen großangelegten Wiedereinstieg in die ägyptische Wirtschaft. Einige von ihnen investierten schon kurz nach dem Putsch in Aktien.

Die Regierungen in Abu Dhabi, Kuwait-City und Riad versprachen zudem, der klammen Regierung in Kairo zwölf Milliarden Dollar zu überweisen. Drei Milliarden davon müsste Ägypten noch nicht mal zurückzahlen. Sie sind ein Geschenk der Scheichs. Die Finanzspritze verschafft den politischen Parteien in Ägypten einige Monate Zeit, um sich neu zu ordnen. Die Geldgeber wollen sich dadurch die Gunst der neuen Regierung sichern.

Doch wie nachhaltig sind die Geldströme? An den tieferlegenden Problemen der ägyptischen Wirtschaft können sie so schnell nichts ändern. Schon vor zwei Jahren, als die Massen gegen Hosni Mubarak protestierten, sahen viele Ägypter für sich keine ökonomische Zukunft. Seither hat sich die Lage noch verschlechtert.

Die Regierung im Subventionsdilemma
Mehr als 13 Prozent der Ägypter sind arbeitslos. Unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen liegt die Quote sogar bei über 30 Prozent. Die Inflation ist hoch, die Menschen können sich immer weniger leisten. Zugleich werden Grundnahrungsmittel und andere Alltagsprodukte knapp. Eine Mischung, die den Keim für soziale Unruhen in sich trägt.

Noch unter dem Ex-Präsidenten Mursi erklärte die Regierung, die Vorräte an Weizen und anderem Getreide seien "immer ausreichend". Doch Basem Auda, der mittlerweile entlassene Subventionsminister Mursis, ließ in der vergangenen Woche verlauten, dass die Reserven nur noch für maximal zwei Monate reichen. Dabei ist zurzeit Ramadan, und im Fastenmonat erhöht sich der Verbrauch um ein Vielfaches.

Noch hält die Regierung die Energie- und Brotpreise durch Subventionen niedrig. Doch eigentlich kann sich der Staat das nicht mehr leisten. Die öffentlichen Kassen sind leer, der Internationale Währungsfonds prognostiziert für das laufende Jahr ein Haushaltsdefizit von rund zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung. Seine Fachleute verlangen ein Ende der Subventionen – doch folgte die Regierung dem Rat, hätte das noch mehr Proteste zur Folge.

Tourismuskrise belastet die Wirtschaft

Die Misere wird dadurch verschlimmert, dass die politische Unsicherheit die Touristen fernhält. Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Ägyptens und war immer ein wichtiger Devisenbringer. Der ägyptischen Zentralbank zufolge macht der Sektor mehr als zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung aus und beschäftigt Millionen Ägypter.

Auch Geschäftsmänner wie Sawiris machen das meiste Geld mit Nilkreuzfahrten und Klubanlagen. Doch die traditionellen Urlaubsorte an den Pyramiden und am Roten Meer sind in diesen Tagen wie leer gefegt. Hotels in Luxor und Sharm El-Sheikh melden bis zu 100 Prozent Stornierungen. Medien berichteten, dass alleine in Luxor mehrere Dutzend Hunde von ihren deutschen Herrchen zurückgelassen wurden, als diese überstürzt abreisten.

Die fehlenden Einnahmen aus dem Tourismus können mittel- und langfristig weder vom Geld der ägyptischen Oligarchen noch durch die Petrodollars aus den Golf-Emiraten oder durch ausländische Hilfskredite ersetzt werden. Außerdem bleiben Investoren aus Europa und den USA weiterhin skeptisch. Deutsche Firmen zum Beispiel, die in Ägypten meist in Infrastruktur und in den Energiesektor investieren, sehen die jüngsten politischen Entwicklungen mit Sorge. Viele legten ihre Pläne gerade auf Eis oder dächten sogar über einen Rückzug aus dem Markt nach, sagt Stefan Liebing, Präsident des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft.

Nur wenn die Wirtschaft sich wieder fängt, kann Ägyptens Börse sich auf lange Sicht erholen. Dazu aber sind stabile politische Rahmenbedingungen nötig. Mindestens bis zur nächsten Wahl stehen dem Finanzmarkt unruhige Zeiten bevor.




Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/geldanlage...oerse-rueckkehr

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19.07.2013 13:31
#21 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Rede des ägyptischen Übergangspräsidenten

Mansur kündigt Härte bei gewaltsamen Protesten an


Der ägyptische Übergangspräsident Adli Mansur hat in seiner ersten Ansprache an seine Landsleute für Vertrauen in seine Arbeit geworben. Es müsse Gerechtigkeit und Versöhnung ausnahmslos für jeden im Land geben.

Er werde das Land gegen jene schützen, die Gewalt schüren wollten, sagte er in einer im Staatsfernsehen ausgestrahlten Botschaft. Ägypten befände sich in einer "entscheidenden Phase", sagte Mansur in seiner etwa achtminütigen Rede. Der Kampf um Sicherheit werde bis zum Ende geführt, so der Interimspräsident. "Die Revolution wird erhalten."

Mansur nannte diejenigen, die "das Land in Richtung Abgrund stoßen" nicht beim Namen. Es wurde jedoch klar, dass er die Anhänger des von der Armee gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi meinte. Er betonte, dass die Mursi-kritischen Demonstranten die Inhaber der Legitimität seien.


Armee zeigt sich kompromisslos
Zuvor hatte die Armee in scharfen Worten zur Mäßigung aufgerufen. "Wer auch immer zur Gewalt greift und bei den Kundgebungen am Freitag vom Frieden abweicht, gefährdet sein Leben", hieß es in einer Erklärung der Streitkräfte. Soldaten würden gegen jegliche Form des Aufruhrs mit aller Härte vorgehen.

Für heute haben sowohl die Anhänger als auch die Gegner des gestürzten Präsidenten zu Massenprotesten aufgerufen. Während Mursis Muslimbruderschaft die Wiedereinsetzung des demokratisch gewählten Präsidenten fordern will, feiern die Mursi-Gegner dessen Entmachtung und die Bildung der Übergangsregierung.


Ein Sprecher der Muslimbruderschaft wies zurück, dass es Aufrufe zu gewalttätigem Protest gegeben habe. Seine Organisation befürworte nur friedliche Demonstrationen. Ein nicht namentlich genanntes Mitglieder der islamistischen Organisation sagte der Nachrichtenagentur AP, dass Agenten der Sicherheitskräfte diese Aufrufe verbreitet hätten.

Blutiger Protest
Seit dem Sturz Mursis vor rund zwei Wochen war es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit vielen Toten gekommen. Am 8. Juli waren bei Zusammenstößen mehr als 40 Mursi-Anhänger und drei Sicherheitskräfte getötet worden.

Morgen ist zudem der zehnte Tag des Ramadan, an dem Ägypten seine Armee feiert. Anlass ist der Tag, an dem ägyptische Soldaten im Krieg gegen Israel 1973 den Suez Kanal überquerten.



Quelle: http://www.tagesschau.de/ausland/aegypten-mansur100.html

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20.07.2013 11:34
#22 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Gewaltsame Zusammenstößen in Ägypten
Drei Tote bei Massenprotesten



Kairo – Ungeachtet der Warnungen des ägyptischen Militärs haben am Freitag erneut zehntausende Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi für dessen Wiedereinsetzung demonstriert. Trauriger Höhepunkt: Drei Tote bei gewaltsamen Zusammenstößen in der Stadt Mansura im Nildelta.

Die rivalisierenden Gruppen gingen mit Stichwaffen und Schrotmunition aufeinander los. Außerdem gab es sieben Verletzte, wie das Krankenhaus in Mansura mitteilte.

In Kairo versammelten sich die Demonstranten vor der Rabaa-al-Adawija-Moschee und zogen anschließend zum Verteidigungsministerium und zum Sitz der Präsidentengarde, wo sie allerdings von Soldaten gestoppt wurden. Auch in anderen Städten des Landes gab es Proteste.

„Islamisch, Islamisch” rief die Menge in Kairo in Anspielung auf ihre Forderung nach einem islamischen Staat. Viele schwenkten ägyptische Fahnen, einige hielten Schilder mit der Aufschrift „Wo ist meine Stimme?” in den Händen.

Mursi war Anfang Juli nach nur rund einem Jahr im Amt vom Militär gestürzt worden. Seine Anhänger beharren darauf, dass er der rechtmäßig gewählte Präsident des Landes sei.

Die ägyptische Armee hatte am Donnerstag mit „entschiedenen Reaktionen” gedroht, sollte es bei den Demonstrationen am Freitag zu Ausschreitungen kommen. Übergangspräsident Adli Mansur sagte am Donnerstagabend im Staatsfernsehen, der „Kampf für Sicherheit” werde bis zum Ende geführt.

In den vergangenen Wochen sind bei Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern Mursis sowie bei Zusammenstößen mit dem Militär mehr als 100 Menschen getötet worden.



Quelle: http://www.bild.de/politik/ausland/aegyp...18206.bild.html

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21.07.2013 11:20
#23 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Gewaltsamer Protest in Ägypten: Tote bei Demonstrationen von Mursi-Anhängern


Erneut eskaliert die Gewalt: Bei Demonstrationen von Zehntausenden Anhängern des abgesetzten Staatschefs Mursi in Ägypten kamen mehrere Menschen ums Leben, viele wurden verletzt. Übergangspräsident Mansur will jetzt die islamistisch geprägte Verfassung überarbeiten lassen.


Kairo - Tausende führten am Samstag vor der Rabaa-al-Adawija-Moschee in Kairo einen Sitzstreik fort: Die Muslimbrüder in Ägypten protestieren weiterhin gegen die Absetzung von Präsident Mohammed Mursi. Meistens verlaufen die Proteste friedlich - doch immer wieder eskaliert die Gewalt.


So kam es in der Stadt Mansura im Nildelta zu gewaltsamen Zusammenstößen, bei denen mindestens drei Frauen getötet wurden. Weitere 34 Menschen sollen durch Angriffe mit Messern und Schrotmunition verletzt worden sein, teilten die Gesundheitsbehörden mit. Bewaffnete Mobs hätten die Kundgebung im Zentrum von Mansura am späten Freitagabend überfallen, berichtete die Webseite der Tageszeitung "Al-Masry Al-Youm" unter Berufung auf Augenzeugen.

Ägyptens Ministerpräsident Hasim al-Beblawi forderte die Demonstranten am Samstagabend zum Dialog mit seiner Übergangsregierung auf: "Wir müssen jetzt zur Harmonie zurückkehren", sagte al-Beblawi im ägyptischen Staatsfernsehen.

Danach sieht es aktuell aber nicht aus: Essam al-Arian, ein Mitglied der Führung der Muslimbruderschaft, erhob am Samstag schwere Vorwürfe gegen die Sicherheitskräfte. "Es ist eine Schande für die Verschwörer des blutigen Militärputsches, ihre Unterstützer und alle, die über die Menschenrechtsverletzungen schweigen, dass Frauen in Mansura vor den Augen von Armee und Polizei mit Messern und scharfer Munition getötet werden", schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter.

Seit Mursi Anfang Juli vom Militär gestürzt wurde, kamen bereits mehr als 100 Menschen ums Leben. Trotz Warnungen der Armee waren am Freitagabend erneut Zehntausende Anhänger des abgesetzten Staatschefs auf die Straße gegangen. Die größten Kundgebungen gab es in Kairo und in der Mittelmeer-Metropole Alexandria. Sie verliefen weitgehend friedlich. Die Demonstranten verlangten die Freilassung Mursis und seine Rückkehr an die Macht. Gegner der einjährigen Herrschaft Mursis hatten am Freitag auf dem zentralen Tahrir-Platz demonstriert.

Der Islamist Mursi war am 3. Juli nach tagelangen Massenprotesten vom Militär entmachtet worden. Der bisher einzige frei gewählte Präsident in der Geschichte des Landes wird seitdem an einem unbekannten Ort und ohne formelle Anklage festgehalten. Die Muslimbruderschaft bezeichnet den Umsturz als "Militärputsch". Ihre Anhänger demonstrieren seitdem für die Wiedereinsetzung ihres Präsidenten.

Komitee soll Verfassung überarbeiten

Seither wird Ägypten von einer Übergangsregierung ohne Beteiligung der islamistischen Wahlsieger geführt. Das Land steuert nun offenbar auf eine Verfassungsänderung zu. Übergangspräsident Adli Mansur beauftragte am Samstag ein Komitee aus Rechtsexperten, von Sonntag an die Verfassung des Landes zu überarbeiten. Die vier Professoren und sechs Richter haben 30 Tage Zeit, ihre Änderungsvorschläge für die ausgesetzte Verfassung zu präsentieren.

Danach wird sich eine größere Kommission aus 50 Persönlichkeiten der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen Ägyptens mit den Änderungsvorschlägen befassen. Diese habe zwei Monate Zeit, einen Verfassungsentwurf auszuarbeiten, der anschließend Mansur vorgelegt wird. Der Übergangspräsident hat dann 30 Tage Zeit, ein Referendum über die Verfassung anzusetzen.

Die Verfassung war im vergangenen Jahr von einer von Islamisten dominierten Versammlung entworfen worden. Die Armee hatte diese Verfassung nach dem Sturz Mursis außer Kraft gesetzt. Eine überarbeitete Version muss vorliegen, bevor in Ägypten neu gewählt werden kann.

Dass sich die neue Regierung auch außenpolitisch von Mursi zu distanzieren versucht, zeigte eine weitere Ankündigung vom Samstag: Außenminister Nabil Fahmy kündigte eine Überprüfung des Beschlusses an, die diplomatischen Beziehungen zur Regierung im Bürgerkriegsland Syrien abzubrechen. Ägypten habe nicht die Absicht, einen "Heiligen Krieg" gegen die syrische Regierung zu führen, sagte Fahmy. Er ließ aber offen, ob dies die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen bedeute.

Westerwelle spricht mit ägyptischem Außenminister


Mursi hatte die diplomatischen Beziehungen zu Damaskus im Vormonat abrupt abgebrochen. Das Regime von Machthaber Baschar al-Assad führt in Syrien einen blutigen Bürgerkrieg gegen Aufständische, unter denen Angehörige der syrischen Muslimbruderschaft stark vertreten sind.

Ein anderer Vorfall deutet darauf hin, dass die Beziehungen zu Iran indes wieder abkühlen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, haben ägyptische Sicherheitskräfte das Büro eines iranischen TV-Senders durchsucht und dessen Direktor festgenommen. Der arabischsprachige Sender Al-Alam teilte am Samstag auf seiner Internetseite mit, die Behörden hätten zudem Material und Geräte beschlagnahmt, ohne eine Erklärung abzugeben. Ein Vertreter der Sicherheitsbehörden sagte, die Razzia sei erfolgt, weil der Sender keine Lizenz habe.

Unterdessen telefonierte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) mit seinem ägyptischen Kollegen Fahmy. Fahmy habe Westerwelle den politischen Fahrplan der Übergangsregierung erläutert, teilte das Auswärtige Amt am Samstagabend in Berlin mit. Westerwelle habe seinerseits die "Notwendigkeit der Wiederaufnahme des Demokratisierungs- und Reformprozesses" in dem nordafrikanischen Land hervorgehoben. Dieser müsse "alle wesentlichen Kräfte der Gesellschaft" einschließen.



Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/ae...n-a-912224.html

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22.07.2013 11:26
#24 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Drei Menschen sterben bei tödlichen Krawallen
Mit Schusswaffen und Messern gehen in Ägypten erneut Mursis Anhänger und Gegner aufeinander los. Zehntausende demonstrieren für seine Wiedereinsetzung als Präsident – zwei Frauen und ein Kind sterben.




In Ägypten sind bei erneuten Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi drei Menschen getötet worden. Es handele sich um zwei Frauen und einen 13-jährigen Jungen, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in der Nacht zum Samstag. Sie seien bei Krawallen in der im Nildelta gelegenen Stadt al-Mansura umgekommen. Acht weitere Menschen seien verletzt worden, als Anhänger Mursis und Gegner des Islamisten mit Schusswaffen und Messern aufeinander losgingen.

Damit stieg die Zahl der seit Mursis Entmachtung durch das Militär am 3. Juli gewaltsam Getöteten auf etwa 100. Mehr als die Hälfte von ihnen starb am 8. Juli vor einer Kaserne, in der vermutlich Mursi gefangen war, im Kugelhagel der Armee. Zu Beginn dieser Woche waren bereits sieben Menschen bei Zusammenstößen der gegnerischen Lager umgekommen.

Nach den Freitagsgebeten waren landesweit Zehntausende für Mursi auf die Straßen gegangen. Am frühen Samstagmorgen warfen Armee-Hubschrauber ägyptische Flaggen über Tausenden Mursi-Anhängern ab, die sich auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo versammelt hatten.

Die größten Kundgebungen gab es in der Hauptstadt Kairo. Demonstranten beider Lager harrten dort auch bis in den Morgen aus. Zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam es auch in Qina in Oberägypten. Dort setzte die Polizei Tränengas ein, um die verfeindeten Parteien auseinanderzuhalten.


"Mursi ist unser Präsident!"

Die Mursi-Unterstützer hielten bei ihren Kundgebungen vielfach Bilder des gestürzten Politikers hoch, riefen "Mursi ist unser Präsident!" – und schrien Parolen gegen Armeekommandeur Abdel Fattah al-Sissi, der den Islamisten vor mehr als zwei Wochen entmachtet hatte.

Die größte Demonstration fand vor der Raba-al-Adawija-Moschee im Osten Kairos statt, wo die Muslimbruderschaft unmittelbar vor dem Sturz Mursis ein Protest-Camp eingerichtet hatte. Große Menschenmengen füllten auch im Westen Kairos den Platz vor der Universität.

Die Gefolgsleute des Islamisten fordern eine Wiedereinsetzung des Präsidenten, der demokratisch gewählt worden war. Die Armee hatte ihn aber entmachtet, nachdem Millionen Menschen gegen Mursi protestiert hatten, weil sie eine schleichende Islamisierung des Landes fürchteten. Mursi wird derzeit vom Militär an einem nicht öffentlich bekannten Ort festgehalten.

Quelle: http://www.welt.de/politik/ausland/artic...-Krawallen.html

Greta Offline

stellv.Admine

Beiträge: 98.108

23.07.2013 10:34
#25 RE: Proteste in Ägypten Zitat · antworten

Ägyptens Ex-Präsident in Gefangenschaft
EU verlangt Freiheit für Mursi


Die Europäische Union macht sich für die Befreiung des entmachteten ägyptischen Machthabers Mohammed Mursi stark: In einer gemeinsamen Stellungnahme riefen die EU-Außenminister die ägyptische Führung auf, "alle politischen Gefangenen freizulassen, einschließlich Mohammed Mursi". Die Minister zeigten sich "tief besorgt" über die Lage in Ägypten und forderten schnelle Neuwahlen.

Mursi war am 3. Juli nach Massenprotesten gegen seine islamistische Herrschaft gestürzt worden. Seitdem wird er an einem unbekannten Ort und ohne formelle Anklage festgehalten. Weder Angehörige noch Anwälte hatten bislang Zugang zu ihm.



Familie spricht von Entführung

Die Familie Mursis erhob schwere Vorwürfe gegen das Militär. Der Armeekommandant Abdel Fatah al-Sisi und die anderen Putschführer hätten Mursi entführt, sagte dessen Sohn Osama auf einer Pressekonferenz in Kairo.

Die Familie wolle nun juristisch gegen die Gefangennahme vorgehen. Man wolle auch erreichen, dass sich internationale Menschenrechtsorganisationen mit dem Fall befassen. Das ägyptische Außenministerium hatte zuvor mitgeteilt, dass es Mursi gut gehe und er zu seiner eigenen Sicherheit festgehalten werde.

Tote bei neuen Ausschreitungen
Unterdessen wurde bei neuen gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern Mursis in Ägypten am Montag ein Mann und in der Nacht zu Dienstag ein weiterer Mann getötet. Etwa 40 Menschen wurden verletzt

Den Berichten zufolge sollen Hunderte Mursi-Anhänger in der Nähe der Universität demonstriert haben, als es zu Zusammenstößen mit Anwohnern, Straßenverkäufern und Passanten gekommen sei. Die Polizei habe Tränengas eingesetzt, um die Gewalt zu unterdrücken. Mehrere Auto seien demoliert und angezündet worden. Außerdem seien Gewehrschüsse abgegeben und Steine geworfen worden.



Quelle: http://www.tagesschau.de/ausland/mursi314.html

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