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Dieses Thema hat 71 Antworten
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 Erfindet eure eigene Fortsetzung!
Seiten 1 | 2 | 3
Elli Offline

stellv. Admine


Beiträge: 2.105

28.08.2014 21:12
#51 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Hallo Ladies,

vielen, vielen und nochmals vielen Dank, dass ihr mich so tatkräftig unterstützt und euch jedes Mal die Mühe macht mir ein paar (- lange) Worte dazu lassen. An dieser Stelle sei euch gleich mal gesagt, wie ich es liebe viele Worte zu bekommen. Eure Kommentare sind spitze.
Ich war zugegeben sehr überrascht, dass das 50. Kapitel so gut bei euch ankam und jetzt beginnen wir schon Seite 3! Ich weiß, heute sind die Vögel mit mir durch.

Also Schluss mit dem Geschreibsel und viel Spaß mit dem neuen Kapitel!
Genießt den Abend,
Eure Elli




„Na Hasenzahn, wieder nüchtern?“

Da stand sie nun am Türrahmen in klatschnassen Sachen und mit einem pochenden Herzen. Zu allem Überfluss lehnte Marc am Türrahmen der Terrassentür, weil er sich sicherlich eine mundende Zigarette zum Abend gegönnt hatte.
Jetzt oder nie, Gretchen!

Ihren Atem regulierte sie noch ein letztes Mal lautstark, knetete nervös ihre Finger. Sie fühlte sich so durcheinander, konfus, zerstreut, irritiert, ahnungslos und doch wohlwissend. Alle Faktoren mischten sich unter und Gretchen schöpfte bei einem intensiven Augenaufschlag und dem darauffolgenden Blick in Marcs grüne Augen neue Hoffnung, dass sie es schaffen könnten, beide. „Marc, wir müssen reden, okay?“

Sein Kopf zuckte kurz zurück und er war sichtlich überrascht von ihren klar gewählten Worten, denn damit hätte er frühestens morgen gerechnet. Perplex antwortete er, während er auf sie zukam, ungewohnt sachlich. „Okay!“ Abwartend nahm der Jungchirurg in dem gemütlichen Ledersessel Platz und wartete gespannt mit dem selbigen Gesichtsausdruck plus verschränkten Armen, was Gretchen so zu sagen hatte. Während sie anfing mit stotternder Stimme und einem Hauch Angst zu sprechen, ließ sich Gretchen auf dem linken Sessel nieder. „Ich… also, Marc.“

„Ja, so heiß ich!“, nickte er, wurde aber barsch von Gretchen mit erhobenem Finger unterbrochen.

Marc Meier zuckte kaum merklich mit dem Kopf zurück und schaute sie mit großen Augen ungläubig an. Identisch wie damals als Gretchen wie ein kleines Schulmädchen vor dem großen Gott gesessen hatte und meinte, ob er auch etwas essen wollte. Als er daraufhin ihr Gesicht bemerkte, fuhr sein Blick langsam auf und er schaute in dem Moment genauso drein, wie jetzt.

„Pschttt jetzt! Was ich sagen wollte ist, dass ich nachgedacht habe und-“ Doch Marc unterbrach sie schnell nachfragend. „Was? Jetzt im Bad?“ Ungläubig zeigte er auf die Tür, doch Gretchen schüttelte mit dem Kopf, obwohl das ja eigentlich der Wahrheit entsprach. „Nein, schon eher.“, winkte sie gespielt pustend ab, Marc durchschaute sie allerdings sofort und hob belustigt die Augenbraue, diese glitt aber wieder nach unten als Gretchen ihre ernste Miene abermals aufsetzte und auf ihren Schoß blickte, fast träumerisch.

„Jedenfalls ich muss dir was sagen. Nein, anders… wir müssen reden!“
„Du wiederholst dich, Hasenzahn!“, meinte er resigniert.

„Pschttt,… hab ich gesagt. Also…“

Ruckartig stand Gretchen auf und machte einen riesigen Schritt vor das große Bett, um sich bei ihrer nächsten Aussage mit verschränkten erhobenen Fingern ruckartig zu Marc zu drehen. „Angenommen ja? Jetzt mal rein rhetorisch Gigi hätte…“ Wieder ein Schritt in den Raum und so ging das schleichend weiter. Es versetzte Marc kurzzeitig in einen Zeitsprung, als Gretchen plötzlich in seinem Büro eine schnelle Nummer wollte. Gretchen pustete genervt mit verdrehten Augen aus und versuchte renommierter und autoritärer weiterzusprechen. „Sie hätte dich nicht davon abgehalten mit mir zu sprechen, dann hättest du logischerweise etwas gesagt…“ Mit großen Augen versuchte sie Marcs Blick zu erhaschen um sicher zu gehen, dass er ihr soweit folgte, und das tat er mit einem kurzen Anheben seiner Augenbrauen, wenn auch etwas verwirrt und konfus. Langsam tastete sie sich weiter vor, denn das war gar nicht mal so simple, wie es gedacht schien. Gut, wenn sie ehrlich war, hatte sie sich schon gedanklich auf eine Tortur der Extraklasse und zusätzlichen Aufklärungsrunden eingestellt.

„Es ist nicht immer leicht über seine Gefühle und seine Emotionen zu sprechen Marc, aber ich weiß, dass du in Ausnahmesituationen durchaus befugt bist, die richtigen Worte passend zu finden. Jedenfalls hab ich ja nachgedacht…“

Nuschelnd brummte Marc nicht merklich augenverdrehend in seinen drei Tage Bart. „Zum dritten!“ Überspielte dies aber mit einem Räuspern und schaute Gretchen mit aufforderndem Blick von oben bis unten an, unterdessen strich er sich locker durch die braunen Haare. Gretchen lief unbeirrt weiter und stimmte etwas durcheinander in ihren Monolog ein.

„Wir schaffen es nicht normal wie Kollegen es eben tun, miteinander umzugehen, aber wir können uns auch nicht ignorieren, geschweige denn, naja…“ Sie stutzte, biss sich kurz auf die Unterlippe und wog die beiden Seiten sichtlich mit zusammengekniffenen Augen und einer verzerrten Grimasse ab. „Marc das ist alles so kompliziert und durcheinander…“, seufzte sie mit erhobenen Händen und suchte das erste Mal Blickkontakt mit ihrem Gegenüber.

„… aber da ist doch irgendwas zwischen uns und das kann keiner leugnen. So sauer ich auch auf dich war oder teilweise noch bin und verletzt über die Sache damals, aber ich schaffe es nicht, dich aus meinen Gedanken zu löschen… Noch schlimmer, dich aus meinem Herzen zu streichen…“ Jetzt sah Marc sie nur noch hypnotisiert an, er starrte und das nicht gerade minder. Da musste sich Gretchen beeindruckt eingestehen, dass sie einen Marc Meier sprachlos gequatscht hatte, Respekt.

Schwere Geburt! Jetzt ist es heraus. Komme langsam zu der Erkenntnis, dass ich mich bedeutend leichter fühle… wobei, das Gewicht auf der Waage sagt mir da täglich was anderes. Trotzdem hast du es endlich, endlich, endlich… halleluja… fertig gebracht. Gretchen Haase, ich bin so stolz auf mich!

Erleichtert, dass sie ihren Gefühlen nun teilweise Luft gemacht hatte, wünschte sie sich nur noch, dass Marc ihre Statements erwiderte. Genauso ratlos stand sie noch vor ihm, wobei ihre Augen seinen Gesichtsausdruck inständig musterten, denn die Assistenzärztin hatte schon etwas Bammel, was er ihr jetzt dementieren oder eingestehen würde. Zu allem Überfluss wirkte der Alkohol immer noch und demzufolge drückte die müde Ader immer mehr gegen ihre Muskeln an. Sie war sich sicher, dass diese es noch nicht schaffen konnten, nicht jetzt. Marc überforderte diese spontane offene Art von Gretchen sichtlich, als er sich zum 10. Mal die Haare raufte und mit der Zunge über die Zähne strich, während seine Augen aufgewühlt von rechts nach links blickten. Der Chirurg war täglich mit neuen medizinischen und hochkarätigen Aufgaben konfrontiert, aber sowas… und dann ausgerechnet von Hasenzahn, die er beinahe wie ein offenes Buch auswendig kannte, dass machte ihm doch ein wenig Angst.

„Ich weiß ehrlich gesagt jetzt nicht, was ich dir sagen soll, Hasenzahn. Puhhh…“

So schrieb sich das Wort Ernüchterung und Gretchens Augen kullerten wie Kugeln zu dem stilvollen Fußboden. „Wenn das das Einzige ist, was dir einfällt…“

Da hörte Marc wieder die verletzte Seele sprechen, die er sich so sehr zu überhören wünschte.
„Was wolltest du mir sagen, als Gigi dich im Fahrstuhl unterbrochen hat?“

Jetzt saß er in der Zwickmühle und überlegte eisern, wie er hier heraus kam. Würde er fliehen, war das ein Eingeständnis und bei aller Liebe, hier saß Marc Meier. Jüngster Oberarzt, begnadeter Frauenschwarm, Gott auf Erden und Intelligenzgrad unbeschreiblich, außerdem schlagfertig, einfallsreich, gutaussehend mit drei Ausrufezeichen und und und… UND tief drinnen in sein ewiges Mobbing-/ Kindheitsopfer Gretchen Haase verliebt.

Er folgte bereits einmal seinen Impulsen und damals hatte er ganz schön Muffensausen als sie hoppla hopp nach Afrika aufbrechen wollte. Nach diesem emotionalen und vor allem ernst gemeinten Brief hielt er der Beherrschung einfach nicht mehr stand, konnte man machen, was man wollte. Er lebte und das das erste Mal richtig mit dem Herzen. „Ich… ich… boa… Hasenzahn, ich glaub du hast zu viel getrunken. Komm geh schlafen.“ Stand er resigniert auf und zeigte gen Bett, doch Gretchen schüttelte widerspenstig den Kopf und verschränkte die Arme. „Lenk nicht ab, Marc. Wir klären das genau jetzt und hier. Schluss aus!“
„Ähm…“ Wieder ein Räuspern und Gretchen ergriff zum erneuten Male die Chance. „Marc Meier, jetzt sag mir endlich, was du mit Gigi bereden wolltest! Ähm… ich meine, was du mit mir bereden wolltest, als Gigi dazu kam. So!“ Zwischendrin schüttelte sie schnell den Kopf, weil sie schon ganz durcheinander von dem ganzen Hin und Her war. Dazu kamen die aufsteigenden Kopfschmerzen. Das letzte Glas Wein war doch überflüssig.
Vielleicht auch die anderen?

Marc beobachtete sie mit gesenktem Blick, wich dem ihren aber ab und an aus.
„Pass mal auf Hasenzahn. DU brauchst gar nicht denken, dass ich hier zum schwulen Weichspüler mutiere. Ich bin immer noch ein… hier Dings halt…“ Er schnippte suchend nach einer Antwort mit dem Finger, wobei in seiner Stimme ziemlich viel Marc gepaart mit einem überspielenden Witz steckte. Seine Stimme dunkelte sich ab und er fuhr sie fahrig an, während ihre beiden Augen blitzten. Es war ein Spiel mit dem Feuer, durch und durch.

Immerhin kann Hasenzahn hier nicht meine Bude abfackeln…
Gut, dass ich so gut treffen kann…


„Jahaaa?“, nickte sie ihm auf die Sprünge helfend entgegen und wartete auf eine plausible Erklärung. Die gab es in ihrer Situation sowieso nicht und bei Marc und Gretchen gestaltete sich selbst die einfachste Kommunikation zum äußersten Kampf der Geschlechter.

„Alphamännchen! Kapiert?“

„Ein Alphamännchen?“
„Ehm ja…“

Da musste Gretchen tatsächlich mit den Waffen einer Frau spielen und das tat sie. Geknickt drehte sie sich halb von ihm weg und senkte bewusst den Kopf. In sich hinein musste sich die einfältige Ärztin beherrschen nicht lautstark los zu lachen. Marc seufzte gepeinigt und griff nach ihrem Arm. „Jetzt warte halt.“

Yeah… 1:0 für dich Hasenzahn! Um Himmelswillen, hab ich mich gerad Hasenzahn genannt? Sympathien für Marc Meier nehmen unkontrollierte Ausmaße an.

„Wieso denn? Ich meine, wenn du es doch nicht kannst und nicht willst, dann sei’s halt drum.“

Er verstärkte seinen Griff um ihren Oberarm und zog sie ein Stück zurück. Seine Brust hämmerte wahllos gegen ihre Schulter und Gretchen durchfuhr ein wärmendes Gefühl. Genussvoll schloss sie kurz die Augen, um Energie zu tanken. Als sie ihren Blick wieder fing, spürte sie deutlich Marcs Atem an ihrem Ohr, machte sich aber zügig los und drehte sich fahrig um. „Marc, was soll das werden, mh? Erst pöbeln, dann schmusen? Nein, so läuft das nicht. Ich will jetzt eine Antwort von dir.“ Ihre aufgewühlten blauen Augen tranken in die leuchtend grünen ein. Jetzt musste sie ihrem Ärger Luft machen, der Widerstand bröckelte. „Du weißt ja gar nicht, wie das ist, wenn man ewig in einen Mann verliebt ist und du nur die Breitseite kriegst.“

Sie schluckte schwer und Marc folgte ihr interessiert. Doch irgendwie wirkte er mitfühlend, fast wie auf der Bank, als sie sich vor guten 4 Monaten unterhalten hatten und Gretchen endlich mit der Sprache herausrückte. „Ich will das nicht mehr, verstehst du? Ich möchte endlich glücklich sein und das…“ Die letzte Hürde musste überwunden werden, weshalb ihre Stimme trotz der Brüchigkeit etwas Hoffnung und Halt herausstrahlte. „am liebsten mit dir.“

Jetzt zog Marc mittleidig die Augenbrauen zusammen. In Nasennähe zogen sie sich nach oben, aber bis hin zu seinem Augenverlauf lagen sie tief unten. „Du bist ein Arsch…“

Beide mussten Schmunzeln, wobei Marc eine Augenbraue anzüglich hob.

„das weiß ich, aber du bist mein Arsch, verstehst du?“ Marc schmalzte und hob abermals die Braue. „Ich bin mein ganzes Leben hinter dir her gelaufen, hab mich dermaßen also wirklich irreparabel zum Affen gemacht und nie aufgegeben. Und ich weiß, dass da bei dir auch was ist.“, drängte sie ihn auf eine Aussage. Das verdächtige Schimmern in ihren Augen kannte er nur zu gut und im schlimmsten Fall würden gleich alle Dämme brechen. Marc würde das Zimmer allerdings schon gern behalten und nicht in einem Wasserbett nächtigen müssen oder die Nacht in einer dreckigen Spielunke hausen.

Jetzt reiß dich mal am Riemen, Meier! Du bist ein Mann und ne so ne Memme wie Kaan! Zeig mal Rückgrat!!!

„Scheiße Hasenzahn…“, fluchte er und wischte sich über das Gesicht, ehe er sie fest anblickte. „Ja Mensch, ich hab dich gern, okay?“

Er sah gepeinigt aus und Gretchen verfiel kurz in eine Schockstarre. Er mag sie? Jetzt so richtig oder nur so halb?

„Und ja man… nicht so für nebenbei sondern eher so… dass du es auch kapierst, ‘Tagebuch-gern‘.“

„Wa-wa-was?“

„Boa Hasenzahn jetzt treib es nicht auf die Spitze!“, mahnte er wirsch und studierte präzise ihren Gesichtsausdruck.
„Und was wolltest du mir damals sagen?“, fragte Gretchen neugierig, worauf Marc abermals wehleidig aufseufzte und sie mit leichten Grübchen von den zusammengepressten Lippen, ansah. „Dass ich dich…(nuschelnd und halb verschluckend) gern habe!“

„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, Marc!“ Marc Meier hatte sie gern? Das konnte doch nur einer ihrer Träume sein, oder? Aber andererseits wirkte der Traum sehr real und Marc Meier hatte gesagt, dass er sie Tagebuch-gern hatte.
Hach, Gretchen Haase… du Glückspilz!

„Da wüsste ich was Besseres!“

Da war er wieder, ihr Marc, charmanter denn je. Seine Gesichtszüge blichen und die kleinen Haarsträhnen, die seine Stirn zottelten, ließen das Bild nicht weniger niedlich aussehen. Als er ihre Wange umfasste und mit dem Daumen filigran hinüberstrich, machte sich eine kleine Träne aus Gretchens Augenwinkel sichtbar. Ruhig rann sie über ihre weiche Haut und hinterließ eine glasige Spur, sodass Marc seinen Kopf an ihren legte. „Ich hab dich so vermisst.“, schmachtete sie sehnsuchtsvoll, während Marc den Moment genoss und sich entspannte. Es tat so gut diese Frau zu spüren, ihr nah sein zu dürfen, das konnte selbst ein gefühlsbehinderter Oberarzt nicht leugnen.

„Komm her Hasenzahn! Na mach schon, nicht so zaghaft.“, zwinkerte er authentisch, als sie sich angrinsten. „Arsch!“, schlug sie ihm spielerisch auf die Brust, wandte den Blick allerdings ruckartig zu seinem markanten, hübschen Gesicht. Seine Narbe, sie machte ihn vollkommen und gleichzeitig trug sie etwas Kindliches, Geheimnisvolles. „Ey, darüber sprechen wir nochmal!“

Und endlich durchbrach er die letzten Zentimeter zwischen ihren Lippen. Anfangs lagen sie scheu aufeinander, nahmen aber an Intensität und Stärke immer mehr auf. Das Gefühl spannte schon von der ersten Berührung seine Bahnen, aber umso mehr sich ihre Lippen ineinander schlossen, desto süchtiger wurden sie. Und es tat Gretchen so unglaublich weh und gleichzeitig gut, deshalb liefen ihr stille Tränen über die Wangen, die Marc nur noch mehr dazu animierten seinen zweiten Arm um ihre Taille immer enger zu schlingen. Immer enger und immer liebender. Zusammengehörigkeit und sie wussten endlich, dass es ohne den anderen nicht mehr ging. Es nicht mehr gehen wollte, sollte, tat… Sie brauchten sich.

Es war nichts mit Kitsch, tausend Herzchen und rosa Blüten, aber es bildete ein Band der Zukunft, gemeinsam. Zwei Gegensätze, die sich nicht mehr anziehen könnten, sich aber auch nicht mehr loslassen wollten. Ankommen, gemeinsam, zusammen… Das Band festhalten und von ihm immer wieder zurückgezogen werden.

Zu Marc. Zu Gretchen. Zusammen.

Es ist vollbracht! Oh Gott ich bin dieses Mal echt dermaßen gespannt, was ihr zu dem Kapitel sagt, dass ich es kaum erwarten kann von euch zu hören. Habt ihr's überlebt?

Elli Offline

stellv. Admine


Beiträge: 2.105

05.09.2014 21:40
#52 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Hallo Ladies,

zum Start des Wochenendes dachte ich mal, dass ich euch etwas Futter gebe. Danke, danke, danke für eure mehr als tolle Kommentare und auch die Klickzahl überrascht mich jedes Mal aufs Neue. Dass meine Story so gut ankommt, hätte ich mir nie im Leben träumen lassen. Vielen Dank für eure Unterstützung. Natürlich will auch Seite 3 gefüllt werden und deswegen legen wir damit jetzt mal los.

Schönes Wochenende euch allen.
Eure Elli




Sie saß mit einem Traum von einem Kleid aus fliederfarbenem Tüll, besetzt mit blinkenden Steinapplikationen in einem Hinterhaus der Rogelts. Da! Ein Geräusch! Mit dem Öffnen einer eisernen, knarrenden Tür, kam das Bild eines attraktiven Oberarztes im aufkommenden Licht des Raumes zum Vorschein. Ihr Herz schlug den Takt der Liebe und als sie in seinen grünen stechenden Augen versunken war, spürte sie diesen Takt im selben Metronom wie seinem. Ihr strahlendes Blau brach die eisige Schutzschicht des talentierten Arztes und seine Härte schwand der bloßen Wärme der Liebe. Doktor Rogelt wusste, dass ihn jetzt nur eines stillen konnte, das Verzehren von Monique. Gebannt umfassten seine schmalen Chirurgenfinger die zierliche Schwester mit geballter Kraft, sodass Monique der unberührbaren Leidenschaft ausgesetzt war. Als sich Renés Körper an ihre umwerfenden Rundungen anschmiegten, formten genießerische Züge ihre Tätigkeit. „René!“, hauchte sie entschlossen. „Monique, es ist soweit.“ Begehrend fuhren seine Lippen über ihre Halsschlagader, sein Arm dem ihren empor und ließ seine Männlichkeit in vollen Zügen dominieren. Sie schloss schweren Herzens die Augen. „Doktor Rogelt, ich kann das nicht. Unsere Liebe malt keine Bilder, René. Es ist zu spät!“ Am Ende ihrer impulsiven Worte, drehte sie sich dem geliebten Mann mit blasser Haut entgegen. Seine Haut blasste von Tag zu Tag mehr und die sonnengeküsste Haut wich einem kühlen, festen Überzug. „Du gehörst zu mir! Ich lass dich nicht gehen.“, dominierte sich seine rauchige Stimme abermals und seine straffen Züge umrahmten sein Gesicht. Wie ein seidenes Taschentuch federten ihre mit Empfindsamkeit überzogenen Finger über seine Haut. Sein Blick starr auf die Pupillen ihrer gerichtet. „Es ist zu spät!“, spähte ihre zarte Stimme gegen seine blassen Lippen. Doktor Rogelt wusste, dass er in der roten Flüssigkeit ihrer Ertrinken wollte. Die geballte Manneskraft schoss in ihm hinauf, fesselte Schwester Monique ein weiteres Mal auf zauberhafte Weise und formte tragende Silben, die sich zu Sätzen kristallisierten. „Du bleibst bei mir, egal was passiert. Ich lass dich nicht gehen! Denk an die rinnende Schwärze der Nacht.“ Seine geheimnisvolle Note umspielte verführerisch ihr Ohr und sehnsüchtig schloss Monique für einen Augenblick die Augen. „Die Nacht mit ihrer unersättlichen Ruhe. Der Kälte und ihrer Abstraktion. Eine Schönheit, Monique, die du nur du mir noch geben kannst.“ Sie saugte seine Worte mit einem unruhigen Schrecken, einer Panik auf. Da wollte ihr geliebter Doktor Rogelt die Zeit beim Schopfe packen und sie in die Tiefen der Dunkelheit ziehen. Der Klang nach Licht, Stärke, Wärme und Geborgenheit, denen sie entrissen wurde durch die wunderbaren Zwänge ihres Liebsten. „René, denke doch daran, was mit jenen Vampiren passierte. Ich bin nicht bereit, dich an den Pranger zu stellen und deinem erblassten Körper die letzte Ausdruckslosigkeit zu entlocken. Nein, Doktor Rogelt. Ich gehöre nicht mehr zu Ihnen.“ Seine Hände umgriffen ihre Schultern, hinauffließend zu ihrem Hals den er begehrend umfasste. „Kein anderer hat je mehr zu mir gehört als Sie, Monique. Meine Lust nach dir ist unersättlich, fast wie die Gier nach rotem Blut. Du wirst meine Art, meine Braut.“ Ein letztes Mal erhob sich sein Blick in die aufschreckenden Augen ihrer, als er entschlossen seinen Kopf senkte, den ihren zu sich empor zog und die satte menschliche Haut auf seinen vereisten Lippen spürte. Sie schrie, schrill und von frischer Angst zerflossen. „René, es ist nicht die Liebe, die dich lenken lässt, es ist die Gier nach etwas unerreichbarem.“ Und plötzlich fassten seine Hände, die von einem kühlen Blau durchzogen waren ins Leere. Vor seinen verwirrten Augen stand Monique und im Schein ihrer ein Mann, dessen Umrisse immer deutlicher wurden. Erhaben schüttelte sie ihr blondes Haar und gab sich den Lippen dieser widerspenstigen Gestalt hin, bevor sie Doktor Rogelt ein letztes Mal in die Augen blickte und hauchte. „Es ist zu spät, René. Für immer!“

„Hasenzahn, ich hab gesagt, du sollst den Fuß röntgen lassen. Zum Träumen bleibt später noch Zeit, so wie immer.“

Gretchen schreckte aus ihrem Unterbewusstsein hervor und schaute perplex zu ihrem Oberarzt, der gerade eine ähnliche Wortwahl wie sie gegenüber ihrem Spielpartner in dem schlechten Roman von Elke Fisher hatte.

„Was-wie… ähm ja röntgen, klar!“

Marc schaute den vorbei fliegenden Locken leicht irritiert und ungläubig hinterher.
Was hat sie denn jetzt schon wieder geträumt. Sicherlich mit einem Synonym meinerseits verbindbar.

„Der Unterschenkel ist gebrochen. Keine akute Gefahr auf Splitter. Ich denke ein Gips reicht vollkommen aus.“, rasselte Gretchen kompetent herunter, als sie das Röntgenbild gegen das Licht hielt. „Zeig mal her. Die Diagnose überlassen wir mal lieber dem Oberarzt, nicht dass der Mann am Ende noch sitzen gelassen wird, weil er die Handtasche seiner Ollen nicht mehr schleppen kann.“ Keck zwinkerte er Gretchen zu und entzog ihr flink das Bild um selbst einen fachmännischen Blick darauf werfen zu können. „Sabine, sieht so aus als ob Sie den OP wieder absagen können und bitte…“, hob Marc mahnend Hände und Stimme. „Vertauschen Sie nicht wieder die Bilder.“ Tadelnd warf er ihr noch einen letzten scharfen Blick zu, der mit genügend Ehrfurcht bei der quirligen Krankenschwester ankam, dass sie prompt runde Augen bekam und rasch nickte, ehe sie stolpernd aus dem Zimmer sprintete.

So, jetzt sind wir endlich unter uns… naja… bis auf den Patienten, aber der dürfte nicht viel verstehen…

Gretchen überließ die genaue Übersetzung lieber Marc, der dem Patienten alles so weit so gut schilderte, denn sie selbst wäre mal wieder viel zu nervös gegenüber Marc bzw. seiner Anwesenheit gewesen, als dass sie einen graden Satz in Englisch herausbekommen hätte. Momentan geisterten sowieso Sabines Storys von ihrem heißgeliebten Doktor Rogelt durch Gretchens Lockenkopf und aus Gründen auch immer, stellte sie sich Marc und sie in diesem Szenario bildlich vor. Dass Marc mal einen ähnlichen Traum hatte und einige Zeit davor auch schon, wusste ja Hasenzahn nicht, deshalb grübelte sie der ganzen Sache skeptisch nach und entschloss letztendlich sich vielleicht doch diesen Newcomer von Sabine auszuleihen, den sie, soweit es Gretchen verstanden hatte, am letzten Abend ausgiebig studierte. „Doktor Rogelt- Verbissene Liebe“ hieß der Schundroman ihres Wissens. Bei Gelegenheit würde sie Marc mal auf die höchst interessante Wahl der Namensgebung seitens Elke Fisher ansprechen, was Gretchen brennend wissen wollte, wie man so einen kitschigen, klischeehaften und irrealen Roman überhaupt drucken lassen konnte, geschweige denn sich ein Verlag finden ließ.

Kopfschüttelnd wandte sich die Assistenz wieder ihren Tätigkeiten zu und lugte ab und an verstohlen zu Marc, der mit einem Klemmbrett und übereinander gelegten Beinen am Medizinschrank lehnte und zwischen seinen rechten Fingern einen Kuli balancierte. Die letzte Nacht war wahrhaftig zauberhaft gewesen. Nichts im Vergleich zu Frau Fishers Liebesromanen, es war echt und rundum gelungen.

Oh nein Gretchen, jetzt denkst du schon wieder an diesen Mist. Was hat mir Sabine da nur für einen Floh ins Ohr gesetzt? Sollte sie bei Gelegenheit fragen, wie sie das länger als zwei Kapitel durchhält ohne vollkommen irre vom Stuhl zu fallen. Es geschehen noch Wunder!

Hasenzahn denkt wohl ich merk nicht, dass sie mich jedes Mal ansieht, als wäre ich der Bravo-Girl entsprungen und wäre Justin Bieber, David Hasselhoff und Brad Pitt in einem. Aber falsch gedacht, ein Marc Meier ist unübertrefflich. (grins)

Der Oberarzt zog interessiert seine Stirn nach oben und schaute durch das schmale Blickfeld, das sich ihm bot und durch die einzelnen Haarsträhnen die widerspenstig in sein gebräuntes Gesicht fielen. Aus Gründen auch immer machte seine sonst so taffe und eins a sitzende Föhnfrisur in diesem argwöhnischen Land einen Abgang nach dem nächsten.
Vielleicht’s Klima oder so…

„Hasenzahn mach du den Gips fertig, ich muss!“ Er zeigte auf seinen Pieper und warf das Klemmbrett belanglos auf die Ablage. „Wenn was ist, hol Knechtelsdorfer und…“

Er blieb noch einmal am Türrahmen stehen und warf ihr einen schelmischen, aber trotzdem ernsten Blick über die Schulter zu. Den Spaß daran konnte Gretchen nur durch die aufkommenden Grübchen und das leichte Zucken seiner Mundwinkel erkennen. Mahnend hob er den Finger und meinte tadelnd- belustigt. „vergiss nicht 13.30 Uhr am Stationszimmer. Klar?“ Augenrollend stimmte sie nickend zu. „Von mir aus.“, und wandte sich an den Patienten. Mit einem Krachen nahm sie wahr, dass ihr Oberarzt nun den Gang entlang sprintete und dem nächsten Notfall hinterher jagte.

Sie hatte mit Absicht nicht wirklich freudig, geschweige denn euphorisch auf seine Aufforderung reagiert, obwohl sich Margarete Haase glücklich schätzen konnte einem Treffen mit Marc Meier entgegen zu fiebern. Doch der Grund hinter dieser freudigen Tatsache war mager und abschreckend. Mehdi und er hatten wohl unter sich beschlossen, dass Gigi und Gretchen ihre Nerven sowie Kräfte ganz schön gefordert haben, nicht zuletzt als Marc Gretchen samt ihrer Kleidung in die Dusche manövriert hatte. Deshalb hatten sie den Damen eine Wiedergutmachung angepriesen und die hieß: Balaton-Ahoj!

Gedanklich verzweigt widmete sich der Lockenkopf dem Bein des Mannes Mitte 30 und schenkte ihm ab und an ein verlegenes Lächeln. Nicht, dass sie es niemals in Erwägung gezogen hätte, schwimmen zu gehen, aber ausgerechnet mit Marc und Mehdi? Nein, danke!

Ich muss mir sowieso noch einen Badeanzug, Bikini oder was weiß ich kaufen. Den von Gigi könnte ich theoretisch auch tragen, aber ich weiß nicht. (grübelnd) Mal gucken, was sich ergibt. Vielleicht hab ich ja heut auch mal das Glück auf meiner Seite und ganz zufällig (stark betont) kommt ein schwerer Notfall rein, sodass ich Frau Hassmann assistieren muss und nicht mit zum See kann, wie schade das aber auch wäre.(sarkastisch)

Nachdem der Patient ambulant versorgt war, räumte Gretchen in Ruhe ihre Utensilien beiseite, ihre aktive Tätigkeit galt allerdings philosophischen Redewendungen aus dem Vampirroman der unzähligen Buchreihe von Marcs Mutter. Ob er die wohl alle schon gelesen hatte? Immerhin stand ihr Oberarzt in Notsituationen auf Elkes Liste als Nummer 1 und sie war sich keiner Scheu bewusst, ihn in die Handlungsstränge primär mit einzubinden. Eigentlich ein Grund die autobiografischen Bücher mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wer weiß, vielleicht entdecke ich noch einige brisante Informationen über Marc Meier. Vielleicht steht da ja auch irgendwo eine Anleitung wie man den smarten Oberarzt zähmen kann…

Diese Erkenntnis brachte Gretchen in den genüsslichen Zustand von letzter Nacht. Dieser atemberaubende Kuss in jeglicher Hinsicht hatte ihr den letzten Rest gegeben und als ob es zu ahnen gewesen wäre, musste sich Gretchen zwangsläufig unfreiwillig aus der Intimität winden, weil sich ein unangenehmer Würgereiz durch ihre Speiseröhre zog und sie kurzerhand der Toilettenschüssel „Hallo“ sagen durfte. Trotzdem bescherte es dem Lockenkopf abermals eine dicke angenehme Gänsehaut, wenn sie nach dem kleinen Zeitsprung in die Geschehnisse einsetzte, die unvorhergesehen gut ausgegangen waren. Beide hatten es sich nach einer Weile in dem gemütlichen Bett bequem gemacht und noch lange in Gedanken geschwelgt mit der Sicherheit den anderen neben sich zu wissen. Gretchen lächelte liebenswürdig, aber angemessen verhalten auf, als sie Marcs zarte Berührungen an ihrem Oberarm zu spüren glaubte, wie er sie in der Nacht verwöhnte.

Unweigerlich schüttelte sie sich und schloss für einen Moment die Augen. Sie hatten nichts weiter geklärt als vor dem Kuss und trotzdem fühlte sie sich befreit. Wahrscheinlich, weil er nun komplett um ihre jetzige Emotionslage Bescheid wusste und sie deshalb heute nicht einmal aufgezogen hatte oder komische, gar anspielende Bemerkungen auf ihren Monolog machte.

Sie gingen locker miteinander in Gespräche, lachten sogar ab und zu und agierten kollegial perfekt gemeinsam, wie lang nicht mehr.
Ich hoffe das bleibt auch so, wenn wir nachher mit Gigi und Mehdi am Wasser sind. Oh je auf was hast du dich da nur eingelassen, Gretchen? Es ist Hoffnungslos, rhetorisches Denken und gleichzeitig verliebte Gedanken hegen, kann nur in einem Desaster enden. Ganz klar: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen… (überlegend) oder doch anders herum?

Heute würde sie den Tag auch noch glimpflich über die Bühne bekommen, dessen war sich Gretchen Haase 100%- ig sicher und da sie im Moment eine Energiegewinnung wie 10 Elefanten hatte, trotzte dem mulmigen Gefühl von diesem Nachmittag ein willkommenes Selbstbewusstsein, was sie ab und an schubweise überkam. Vielleicht sollte sie bei Bofrost anrufen und nachhaken ob es dies auch eingefroren auf Bestellung gab? Einen Versuch war es wert, nur bezweifelte Gretchen stark, dass dieser für die nächsten 2 ½ Wochen extra für sie nach Ungarn fahren würde. Da half dann nur der altbekannte Stimmungsknaller namens Schokolade und davon gab es hier in Hülle und Fülle und in den exotischsten Variationen eine Bandbreite an Auswahl.

Elli Offline

stellv. Admine


Beiträge: 2.105

14.09.2014 01:58
#53 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Hallo meine Lieben,

ich hoffe ihr genießt euer Wochenende und habt besseres Wetter als ich. War schon jemand in Florians neuem Film "Lügen und andere Wahrheiten"? Ich fand den grandios und kann ihn wärmstens empfehlen. Nichts desto trotz: Hier das neue Kapitel, in der Hoffnung, dass es euch gefällt. Vielleicht gibt's auch die eine oder andere - Szene.

Liebe Grüße,
Eure Elli




Wie wurde das gleich bei Exklusiv gezeigt? Erst Luft anhalten, Bauch einziehen, Brust heraus und tief ins Becken ausatmen? Naja hoffentlich platzt dann nicht meine Bikinihose (grübelnd) oder soll ich doch lieber einen Badeanzug anziehen? Oder Monokini? Das wäre doch die perfekte Gelegenheit meinen überschüssigen Schokokonsum galant zu kaschieren…

Mit großen Schritten machte sich Gretchen auf den Weg Richtung Stationszimmer. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihr, dass es bereits fünf nach halb war und Marc deshalb sicherlich schon mit überkreuzten Füßen und verschränkten Armen vor dem Zimmer warten würde. Unwillkürlich schmunzelte die junge Ärztin niedlich in sich hinein und bei dem Gedanken an das Bild, welches sich gleich zeigen würde, legte sie träumerisch den Kopf schräg. Ihre Lockenflut hing ihr bereits kraus über den Schultern und obwohl die Hitze fast unerträglich schien, ließ es sich Gretchen nicht nehmen einen kleinen Eyecatcher an Bord zu haben. Jetzt noch schnell den Kittel weg, dann ab ins Hotel und los geht’s!

Bin äußerst gespannt, was der Nachmittag so mit sich bringt. Hoffentlich guckt mich Marc nicht so eindringlich an, dann kommt wieder diese nicht unterdrückbare Röte und alle lachen sich halb tot. Durchatmen, Gretchen, dann wird alles schief gehen…

Gesagt getan, stand Gretchen zwei Minuten später vor dem akklimatisierten Raum und fand keinen anderen als ihren Oberarzt wartend dort stehen. Dieser hob mit hochgezogenen Augenbrauen den Kopf, zuckte glatt mit der linken Augenbraue als sein Blick lässig auf Gretchen fiel und begab sich aus seiner gemütlichen Position aufwärts.

„Na Hasenzahn, auch endlich da?“, fragte er belustig, währenddessen Gretchen mit ihrem Spint beschäftigt war und ihm einen beiläufigen Blick zuwarf. Mit milder Stimme und einem kurzen Wedeln ihrer Frisur, erklärte sie Marc. „Ja tut mir leid, aber ich hatte noch eine Verbrennung.“

„Mh… echt unfassbar wofür die hier ihre Kohle ausgeben und bei jedem Wehwehchen zum Arzt rennen.“, zuckte Marc lässig mit den Schultern und warf einen Blick auf seine silberne Armbanduhr, die, wie Gretchen fand perfekt zu seinem Stil passte und seiner Berufung nur den letzten Schliff verlieh. In seinen weißen Lacoste Schuhen, den dunkelblauen Kniehosen und dem locker an den Armen nach oben gerafften Hemd, sah er noch besser aus als sonst. So erholsam und unbeschwert, dass Gretchen ihn unbemerkt für einige Sekunden anstarrte. Der Chirurg grinste nur in sich hinein und überlegte akribisch das wievielte Mal sie dies heute schon tat.

„Hasenzahn, wenn das so weitergeht, muss ich bald Eintritt verlangen.“

Unweigerlich schnippte er vor ihrer Nase und Gretchen schreckte mit dem Effekt der aufsteigenden Röte und Hitze auf ihren Wangen, aus ihrer Traumwelt. „Was? Wie? Ich? Ach quatsch… Das bildest du dir nur ein!“, winkte sie unbeholfen und überspielte lächelnd von der Tatsache ab.

Marc sollte nicht offensichtlich auf diese Tatsache hingewiesen werden, wo sie einem sowieso schon ins Gesicht sprang, zumindest vermutete das Gretchen. Jetzt schnell den Kittel provisorisch in dem eckigen Metallkasten verbarrikadiert, während der junge Oberarzt mit der Zeit etwas drängender wurde, als Gretchen dann auch noch mit ihrem Beautyprogramm-Deluxe anfing. Abgesehen davon, dass ein Marc Meier nie in die seelische Lage seiner betitelten „Weiber“ Einblick bekommen würde, lagen die Grundzüge des Verständnisses doch noch in den Kinderschuhen.

„ZZ jetzt, Hasenzahn. Sonst ist die Sonne weg, ehe du deinen Hintern aus dem Bunker geschleppt hast.“ Keck zwinkerte er ihr zu, nicht ohne vorher einen scannenden Blick über seine Assistenzärztin geworfen zu haben, was Gretchen nur leicht räuspernd aufnahm. Umso schneller machte sie sich auf, seinen Augen zu entkommen, zumal die vollkommene und unbarmherzige Blamage noch folgen würde, da konnte dem rohen Angriffsfleisch noch etwas Schonfrist gewährt werden.

Marc hingegen empfand es jedes Mal aufs Neue als eine Vorzüglichkeit der Extraklasse, Hasenzahn etwas zu „salzen“, schließlich würde es ihr keinerlei Abbruch machen, den ein oder anderen wohlgewählten Spruch auszuhalten. So lief Gretchen wenigstens ab und an heiß und die Arbeitszeit wurde für alle Beteiligten unwiderruflich versüßt.

Auf ihrem Weg in Richtung Hotel kreuzten sich ihre Blicke mehrmals, was der Lockenkopf jedes Mal mit einem ausweichenden geradeaus starren in die andere Blickrichtung kommentierte. Ihrem brünetten Gegenpartner hingegen machte der knappe Pupillenaustausch wenig aus, geschweige denn dass seine natürlich-lässige Art einen Abbruch bekam. Das bewunderte Margarete schon früher an ihrem offiziell-heimlichen Schwarm, der zu jeder Zeit perfekt sitzende Klamotten trug und nie um einen einschlagenden Spruch verlegen war. Dieser Mann besaß das Talent seine äußere Hülle perfekt unter der Masse getarnt anzupreisen und trotzdem als eine Art Wunderwerk durchzugehen. Deshalb machte es ihm keinerlei Scharm oder Peinlichkeit, Hasenzahn auf offener Straße, die sicherlich von der Menge an Ungarn besiedelt war, lässig mit der passenden Note an Charme zu fragen.

„Kommst du wieder zu mir ins Bett?“

Prompt erreichte er den gewünschten Effekt und ihr Gesicht platzte förmlich vor anschwellender Röte. Da hatte er wieder einmal einen Meister abgeseilt, nahm er gedanklich wahr und klopfte sich breit grinsend mit hervorblitzenden Zähnen auf die Schulter.
Ich bin einfach der Beste…

„Maharc!!!“, fühlte sich die Blondine offensiv an das schwarze Brett genagelt, dem sie nicht gern ausgeliefert war. Dort schauten Sabine und Co. stündlich um die 3 Mal nach, nur um dem Kollegium dann mitteilen zu können, dass die Sitzordnung für den Ärzteball erst nächste Woche ausgehangen werden würde. Unwillkürlich hing Gretchen in dem absurden Szenario von heute Morgen fest als Sabine enthusiastisch einige Zeilen ihres heißgeliebten Schmöker Bandes preisgegeben hatte.

Innerlich machte Marc den zwanzigsten Strich mit Kreide, als er durch einen beiläufigen Blick gen Hasenzahn ihre erneute Denkerfalte auf der Stirn wahrnahm und anhand ihrer Mimik deutlich erkennen konnte, wie sehr sie wieder ein Katz- und Mausspiel austrug. Manchmal fragte er sich inständig, welches Potential außer ihre Großherzigkeit und ihre medizinischen Kenntnisse, Gretchen aufwies, um in diesem Beruf fußfassen zu können, an der Standhaftigkeit konnte es allemal nicht liegen, die besaß sie nur in gewählten Notsituationen und wenn es um die neue Sommerkollektion von Madonna ging.

Flink bahnten sich seine Chirurgenfinger einen Weg zu Gretchens Taille, um Millisekunden später ein heftiges Zucken an den besagten Stellen auszulösen. Da flogen ihrem griffigen Haar auch glatt einige Strähnen um Marcs Nase, die er kräuselnd wegpustete. „Sagen wir mal, du warst gerade beschäftigt?!“, grinste Marc lässig und bildete bei Gretchens genauerem Hinsehen kleine Grübchen um die Mundwinkel.

Zu ihrer Verteidigung beschloss die junge Assistenz nun doch einmal das Wort zu ergreifen. „Ich hab nur an… (ausweichend) später gedacht…“

Falsche Aussage, was Marc richtig für sich zu nutzen wusste, als er sie vor dem Hotel mit einem typischen Meier Blick konfrontierte, sodass es Gretchen leicht schwindelig ums Herz wurde. „Aha, wusste ich’s doch, dass du es nicht abwarten kannst mit mir ins Bett zu gehen.“ Ohne Umschweife steuerte Marc locker mit den Händen in den Hosentaschen versunken, den Gang ins hoteleigene Zimmer an. Gretchen Haase hingegen blieb ruckartig stehen, starrte Marc für einen Moment ungläubig hinterher und schüttelte verwirrt den Kopf.

Benötige dringend 500 Gramm reiste Vollmilchschokolade. Am besten schön gekühlt, damit mein Hirn nicht samt der Leckerei dahinschmelzt.

„Was ist denn jetzt?“, drängelte Marc Meier mit einem relativ genervten Gesichtsausdruck. Langsam schwand seine Geduld, die von Natur aus begrenzt war.

***

Seit einer geschlagenen halben Stunde standen die Frauen samt Mehdi und natürlich einem richtigen Mann namens Marc Meier vor der Kasse. Bzw. ließen sie den tatkräftigen Kunden den Vortritt, denn wie Frauen so sind, fällt ihnen kurz vor knapp ein, nachdem eine Stunde das Bad blockiert wurde, dass der Bikini doch nicht mehr tragefähig ist und sich nach einem Auswahlmodell umgeschaut werden muss. Selbst Mehdi, der die Ruhe quasi auf dem Kopf balancierte, schnaubte langsam aber sicher immer unregelmäßiger auf, von dem lauten Schlucken ganz zu schweigen.

„Hätte ich gewusst, dass ich noch langsamer seit, als ein Rentner auf LSD, wäre ich mit Mehdi allein gegangen.“

Marc verdrehte mehr als genervt die Augen, wippte sekündlich von rechts nach links und gab seine Entsetzung und Missgunst lautstark mit stöhnenden Gesten kund. Gretchen Haase beirrte das herzlich wenig, denn sie und Gigi hatten immerhin gerade mit schwereren Kalibern zu kämpfen: Der Auswahl des perfekten Bikinis!

Einmal und nie wieder! Da ist ja ne Schnecke schneller, boa Meier deine Kreativität in allen Ehren, aber langsam wird es Zeit, dass dein Chirurgengehirn mal wieder ordentlich gefördert wird und zwar in jeder Lebenslage…

„Zieh doch einfach den Bikini an, den ich dir geschenkt hab, Mausi!“, warf Gigi selbstverständlich ein, was Marcs provokante Art in jeglicher Weise animierte weiter zu machen. „Gut, ich nehm alles zurück. Hasenzahn, du brauchst definitiv nen Neuen!“
„Marc bitte!“, zischte Gretchen und überspielte seine unangebrachte Aussage mit einem entschuldigenden Lächeln an Gigi.

„Dann lasst uns doch in das Geschäft gehen!“, versuchte Mehdi die Situation gar nicht erst in die Nähe einer Explosion kommen zu lassen und zeigte auf ein anschauliches Strandgeschäft, typisch Touristen.

Da bin ich andere Standartklassen gewohnt, wobei ich nicht glaube, dass Hasenzahn auch nur annähernd in eins der Modelle passt. Vielleicht haben sie ja auch Umstandsmode (grins).

Während Gretchen freudig auf das Geschäft zusteuerte, rollten ihrem sonst so charmanten Oberarzt nur Fettnäpfchen über die Lippen. „Glaube kaum, dass du da was findest.“ Er zeigte lässig in die entgegengesetzte Richtung, unterdessen zog Mehdi seinen kleinen Vogel in einen schmachtenden Kuss, sodass sie seine Intension nicht wahrhaftig aufschnappten. Gretchen glaubte sich im ersten Moment verhört zu haben. Sollte das heißen, dass sie unter Umständen die eine oder andere Schokolade zu viel gegessen hatte? Natürlich positiv ausgedrückt. Moment, stutzte sie sichtlich mit wankenden Augen. Seit wann konnten Gemeinheiten positiv formuliert werden? Korrektur: Wenn sie von Marc Meier in Person kamen, könnte eine Überlegung in Erwägung gezogen werden.

„Entschuldige Marc, willst du mir unter Umständen irgendwas sagen?“, formulierte Margarete äußerst feinfühlig mit allerlei unterlegen wirkenden Gesten. Subtil den Kopf nach vorn beugen und schräg legen oder ein überspieltes Lächeln wirken lassen. „Dazu muss ich dir nichts sagen, das liegt ganz deutlich auf der Hand.“, nickte er selbstsicher auf ihre Hüften, die Gretchen im nächsten Moment kritisch beäugte. Immer diese Einflüsse der Männer, schrecklich. So konnte Frau sicherlich nie glücklich und mit Kohlenhydraten und Schokolade auf dem Essensplan leben. Nie, wenn es da die Spezies namens „Mann“ gab. „Ich muss doch sehr bitten.“

„Das seh‘ ich aber auch so. Gretchen ist überhaupt nicht zu dick, du eher ungehobelt.“, richtete Gigi ihre Brille und rümpfte mit tödlich wirkendem Blick ihre Nase. So viel zu dem Thema Frauen sind Sexsymbole.

Da hat Gott wohl nen tiefen Einschlag hinterlassen und ausnahmsweise spreche ich nicht von mir…
Wie geht das nur? Freundlich, akzeptabel, gemein und das alles in weniger als 24 Stunden?

„Wir könnten unter Umständen einen Kompromiss finden…“, versuchte sich Mehdi mit wankendem Kopf und ausfallender Stimme zu behaupten. Marc lachte auf. „N’en Kompromiss?“

„Jap…“
„Und der wäre?“ Interessiert verschränkte der gutaussehende Chirurg die Arme und schielte ab und an kritisch zu Hasenzahn herüber, nur sicherheitshalber, dass sie sich nicht schon auf den Weg in die falsche Hütte gemacht hatte. Behauptend klatschte der Gynäkologe in die Hände und rief enthusiastisch. „Wir Männer suchen schon mal ein schattiges Plätzchen und ihr Hübschen versorgt euch mit sämtlichen Beautyutensilien, die das Strandhaus so hergeben. Was meint ihr?“

Jetzt stand es für Marc fest: Mehdi war vollkommen durchgeknallt.

„Alter, du mutierst wirklich (stark betont) zur Frau der Nation.“ Gretchen hingegen schwelgte in ihrem Gedankenkarussell, das auf Hochtouren ratterte, was der Fall mit der Übergewichtssache nur deutlich unterstrich. „Ich geh jetzt, sonst kommen wir morgen noch nicht zum Strand. Nur zur Erinnerung an das schwache Geschlecht, einschließlich dem Gynäkologen: Wir müssen in 3 Stunden wieder im Bunker, Ghetto und was weiß ich sein, also ist die Zeit eures philosophischen Hausfrauengeschwafels leider nur begrenzt.“

Provokant hob er die rechte Augenbraue und blitzte Gretchen aus seinen unwiderstehlich grünen Augen andeutend an, währenddessen seine Körperhaltung langsam gen Eingang rotierte.

Trotze vor Selbstbewusstsein und Willenskraft. Auch das ist nur eine weitere Phase des Lebens die ich mit Bravur und Abenteuerlust meistern werde. Gretchen Haase, aus dem schleimigen Pott der Hyänen namens Ärzte auf den Gipfel der Frauenhelden hinauf.

Triumphierend lächelte die Ärztin verschmitzt in ihre Lockenmähne und spielte mit einer ihrer blonden Strähnen, die Marc täglich mit einem frischen Duft auffielen. „Na dann, hopp hopp!“, nuschelte Marc und wandte sich nun vollends ab, um endlich zu seiner wohlverdienten Pause überzugehen.

Nachdem die beiden den Eintritt tilgten, suchten sie sich einen relativ freiräumigen Platz unter der großen Eiche. Die Handtücher waren schnell ausgelegt, was bei Männer sowieso nur eines war, und die Klamotte ausgezogen. Marc trug eine dunkelblaue Badehose, fast im selben Farbton wie seine Shorts, Mehdi hingegen hatte beim genaueren Hinsehen kleine graue Flugzeuge auf der schwarzen hautengen Hose. Das chirurgische Grinsen setzte sich wieder einmal durch und strahlte nur so vor Glanz und Überlegenheit. Marcs Grübchen prägten sich träumerisch anschaulich heraus und seine weißen Zähne blitzten um die Wette.

„Das ist nicht dein Ernst, oder?!“, spielte Marc ganz klar auf Mehdis „Ausrüstung“ hin. Der halbe Perser guckte ungläubig an sich herunter und antwortete stotternd. „Naja… also Gina gefällt’s und-“ Barsch fiel ihm Marc ins Wort, dabei schwang seine Stimme ein paar Noten nach oben und seine Stirn legte sich in Falten. „Um Himmelswillen, wo soll das nur hinführen?!“ Theatralisch seufzte er, während seine Arme sein restliches Körpergewicht trugen. Beide lagen der Länge nach auf dem Rücken bzw. stützten ihren Oberkörper auf einem der Arme ab. „Meinst du eigentlich, dass das bei euch ewig so weitergeht?“

„Was meinst du?“, fragte Marc unberührt und schweifte mit seinem Blick über die einzelnen Liegen und Handtücher, auf dem die eine oder andere hübsche Frau halbnackt lag und sie bräunte. Mehdis Blick folgte inspizierend dem seinen und er drehte kurz ungläubig den Kopf in Marcs Richtung. „Das ist doch nicht dein Ernst, oder?“

„Wieso denn? Ich bin ein freier Mann. Dazu noch gutaussehend, attraktiv, ehrgeizig, erfolgreich-“
„Und vor allem größenwahnsinnig.“

Marc trotzte und gab das durch ein abfälliges „Tz“ kund. Nicht, dass er ein Unschuldslamm gewesen sei, aber unter Größenwahn war die Sache nun auch nicht einzuordnen. Zumindest sah er seine Ansichten als Normalität an, zumindest für einen richtigen Mann. „Wer hat der kann?!“, zwinkerte er daraufhin keck. „Das ist echt der Wahnsinn.“

„Was?“, seufzte Marc selbst bemitleidend. „Du bist so verknallt in Gretchen und trotzdem spielst du lieber den überheblichen Gockel, der sich nach jedem Rock umguckt.“ Dementierend blickte Marc in Mehdis abwertendes Gesicht. Eine Ausrede der Extraklasse musste am Besten in Schallgeschwindigkeit herbei. Aber Physik war eben auch nur eine Illusion, nie war sie da, wenn der alltäglich Mensch, Entschuldigung, der super talentierte, gutaussehende Chirurg sie mal brauchte. „Niemand sagt, dass ich verknallt bin.“ Mit erhobenem, drohendem Finger fuhr er fort. „Und ey… in Hasenzahn schon mal gar ne… kapiert?“

Klar mochte er Gretchen auf skurrile Art und Weise, aber letztendlich würde er Mehdi dies nie auf die Nase binden, schon gar nicht, wenn er ihn damit in der Hand hatte und das rege Treiben zwischen Tiefmeier und hoch Gretchenhausen virtuell steuern konnte. Wenn es mal in ferner Zeit, in einem anderen Universum und in Zeiten, wo Schokolade schlank machte, passieren sollte, dann wollte er das Zepter in der Hand halten und am Ende sagen können, dass er Herr seiner Gefühle war, der aus reinem Gefühl so handelte.

„Dir ist schon bewusst, dass du Gretchen nur in die Arme von anderen Männern treibst, wenn du so weitermachst?“, stellte er rhetorisch in den Raum, was Marc gleich irritiert und überrollt wirkend aufschauen ließ. Da hatte Mehdi seine gewünschte Reaktion mit dem Sahnehäubchen oben drauf.

Da musst du kontern Meier, sonst ist dein Image im Arsch! Gib’s ihm!!!

„Mehdi…“, fing er erklärend mit fester Stimme an und sah ihn mindestens genauso eindringlich an. „… Gretchen hat es 16 Jahre nicht geschafft mich zu vergessen. Warum also sollte sich das auf einmal ändern? Mh? Sie wird nicht von mir los kommen.“

Da sprach die Selbstgefälligkeit aus Marc Meiers Stimme, bei der sein bester Kumpel nur abwertend mit dem Kopf schüttelte und dann in letzter Sekunde den Blick auf das Wasser legte. „Es ist wirklich der Wahnsinn, wie du eure Beziehung dermaßen verallgemeinerst.“ Er hob vollkommen irritiert die Schultern, schüttelte den Kopf und konnte mehr Fassungslosigkeit nicht aufbringen, worauf der brünette Oberarzt nur die Oberlippe schräg zog und die Stirn genervt in Falten legte. „Einfach so…tz… als wäre nichts gewesen!“

„Mehdi, ich weiß, dass du eine von ihnen bist, aber versuch mal annähernd wie ein Mann zu denken. Man könnte fast meinen du stehst noch auf Hasenzahn…“, lachte er bei dem Letzteren selbstgefällig auf, weil er diesen Gedanken für zu absurd als real einzustufen hielt. Doch der Frauenversteher schluckte hörbar und stammelte ein ungläubiges „Quatsch“, während seine Lippen fest aufeinander gepresst lagen und er fast mechanisch mit dem Kopf wackelte im Takt der zuckenden Schulter.

Das gibt’s doch ne, der steht immer noch auf Hasenzahn- wohlbemerkt, dass nur ICH sie so nennen darf!

Marc versuchte sich selbst zu maßregeln, indem er die Zähne hart aufeinander biss und sich überspielend räusperte. Das ging 100%- ig nicht an, dass er sich Avancen auf SEINE Assistenzärztin machte, nie und nimmer.

„Von wegen, tz… du stehst noch auf sie.“, setzte sich der begnadete Jungchirurg aufrecht hin und legte die Arme locker über die angewinkelten Beine. „Mehdi, dir ist schon klar, dass der Zug abgefahren ist?!“ Etwas behauptend richtete sich Marcs Gegenspieler auch auf und sah seinem Kumpel in die grünen funkelnden Augen. Es wirkte als ob er Dr. Meier herausforderte zu einem Wettkampf, den wohl oder übel nur Marc gewinnen würde. Deshalb winkte er nur beschwichtigend ab und sagte mit belegter Stimme. „Ach, du spinnst, Meier! Hast zu viele Frauen ge… ge… Sex gehabt, ich lieb nur Gigi!“

„Wer’s glaubt!“, zischte Marc und ließ einen prüfenden Blick über Mehdi wandern.

Dieses Mal würde er schneller sein, niemals bekäme Mehdi die Chance SEINE Assistenz nochmals so rapide abzufüllen, dass sie sich nicht mal mehr an die vergangenen Schäferstündchen erinnerte, niemals. Dafür hieß er Marc Meier!

Elli Offline

stellv. Admine


Beiträge: 2.105

17.09.2014 16:38
#54 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Hallöchen ihr Lieben,

haben wir heute nicht traumhaft schönes Sommerwetter? Ich persönlich liebe ja den Herbst von seiner Klarheit, die hinter dem Nebel steckt und den Farben, aber gegen Sommer habe ich erst recht nichts. Und um euch wieder mal abzulenken, dass ihr doch lieber im Forum bleiben sollt, gibt's hier das neue Kapitel. Ihr habt ja kräftig spekuliert, ob jemand träumt oder das nur eine Illusion ist, voice over.

Einen traumhaft schönen Tag,
Eure Elli




„Ich werde das jetzt nicht mit dir diskutieren Marc! Nimm’s hin oder tu’s nicht!“

Fast wirkte Mehdi ein wenig melancholisch, denn der Gedanke an eine Beziehung mit Gretchen bereicherte dem Gynäkologen doch noch zaghaft Schmetterlinge im Bauch. Marc stutze, denn er sah deutlich wie Mehdi mit sich kämpfte, um dem Druck zu entkommen. Deshalb versuchte er so beiläufig wie nur irgendwie möglich zu fragen. „Ehm Mehdi, sag mal…“, strich er sich nachdenklich über den Nasenrücken.

„Was wäre eigentlich, wenn du die Brillenschlange nicht gevögelt hättest?“

„Mensch Meier!“

„Was denn? Ist doch so!“ Da stand es definitiv 1:0 für das Team Meier. „Das kann ich dir erst sagen, wenn ich in der Situation bin. Quasi.“, nickte er mehr schlecht als recht und hoffte mit einem aufgesetzten Lächeln, dass Marc sich damit zufrieden geben würde. Der machte keinerlei Avancen das Verhör frühzeitig zu beenden und hob die Stimme ungläubig an. „Quasi! Alles klar, das sagt auch alles.“

„Müssen wir das unbedingt jetzt debattieren? Ich liebe Gigi! Sie ist das Beste, was mir passieren konnte, auch wenn ich unter Umständen… also… naja mal auf Gretchen… nun ja... fixiert war!“

„Fixiert?“, fragte Marc genauso abhebend, was Mehdi nur noch mehr auf die Palme brachte. „Jetzt hör doch mal auf mit dem ständigen Nachfragen!“

„Was soll ich denn deiner Meinung nach, fragen? Wie die Brillenschlange im Nest ist? Ne danke, da wird mir schlecht.“, zeigte er gespielt angeekelt auf seinen Bauch, während seine Stimme vor Ironie und einem Hauch von Sarkasmus tropfte. Ein Meier musste solche Augenblicke ins lächerliche ziehen, sonst hätte man hinter die Fassade blicken können, was ihm mehr als missfiel. „Wenn es dich beruhigt, der Sex ist grandios!“ Schnell räusperte sich Mehdi und tat so als wäre nichts gewesen, während Marc in eine Art Kokon versetzt wurde. Seine Stirn lag angewidert in Falten, die Augen spiegelten diese Geste ebenfalls wieder. „Bitte, Mehdi!“, wehrte er mit erhobener Hand und weggedrehtem Kopf ab. Ein Meier war vieles gewöhnt und hielt so einiges aus, aber was zu viel war, war zu viel. Und der Punktestand zeigte eindeutig 1:1 an! „Du hast gefragt!“

„Ja, rein rhetorisch!“, nickte er wohlwissend und überzeugter denn je. „Ist ja auch nicht so wichtig, jedenfalls ist sie meine Traumfrau. Keine Angst ich spann dir deinen ‘Hasenzahn‘ (stark betont) schon nicht mehr aus…“

Das löste bei dem Chirurgen doch so etwas wie Erleichterung aus. Sein Brustkorb senkte sich ruckartig, obwohl er die Luft nie anhielt, das zeigte die Euphorie und auch das minimale Zucken seiner Mundwinkel trug dazu bei. Er wurde dann doch relativ schnell aus seinen Phantasien gerissen, als Mehdi noch ein letztes Mal eindringlich rief. „Versau es nicht schon wieder! Auch Gretchen wird dir nicht ewig vergeben, denn irgendwann ist auch der letzte Funken Vertrauen aufgebraucht.“

„Jetzt ist dein Image komplett im See versunken, nur so viel zu deiner Verteidigung!“, schloss Marc Meier resigniert an, denn er wollte nicht zugeben, dass ihm diese Worte doch die eine oder andere Grübelei bescherten. Andererseits…

Die ist mir 16 Jahre bedingungslos und vor allem willenlos hinterher gedackelt, wenn also einer Geduld hat, dann ist das in diesem Falle Hasenzahn zuzusprechen. Sie wird mich nicht vergessen können, wenn sie es in 16 Jahren nicht geschafft hat, dann jetzt erst recht nicht mehr. Glaub ich ne…

Letztendlich bemerkte der 33 jährige den bohrenden Blick seines Arbeitskollegen nur stark und schielte gekonnt unbeeindruckt zu diesem herüber, denn immerhin wollte er nie und nimmer den Eindruck verbreiten, dass ausgerechnet Mehdi derjenige war, der ihn mit dieser deutlich gespaltenen Aussage zum grübeln brachte. Zwar stände auch ihm mal ein kleiner Triumph zu, doch Marc hielt es für den falschen Zug ausgerechnet in dieser verstrickten Liebeskiste Punkte zu verteilen. Er selbst dirigierte das Gespräch zwar schon die ganze Zeit damit, aber was sein Kumpel nicht weiß, das macht ihn bekanntlich nicht heiß.

Und dieser Gedanke brachte Marcs Gesichtszüge auch zu diesem anzüglichen Grinsen, dass Mehdi ohne nachzudenken in seinen charmanten Oberarztblick einordnete. Doppelt so selbstsicher, strich sich der Chirurg über die Brust, als er im selben Atemzug die Luft in seine Lunge pumpte und schmatzte genüsslich, ehe er selbstsicher und mit einem Hauch Arroganz antwortete. „Tzz, von was träumst du eigentlich nachts?! Mh?! Das ist Hasenzahn, wohlbemerkt der schlimmste und hartnäckigste Groupie, den ich je hatte. Die hat mich 16 Jahre nicht vergessen können. Nenn‘ mir mal einen Grund, warum sich das so plötzlich ändern sollte?“ Mehdi überraschte diese gnadenlose Selbstüberzeugung dermaßen, dass er im ersten Moment weder fähig war ein klares Wort zu formen, noch dass er schlagfertig auf diese absurde Aussage kontern konnte. Auch er hegte durchaus gewisse Standartgedanken, dass es wahrscheinlich Gretchens letzte verzweifelte Aktion sein würde, Marc endgültig freizugeben bzw. ihm den Laufpass zu geben, allerdings mit dem Zweck, dass er in ihrer Verzweiflung seine Liebe für sie offenlegt und endlich einsieht, dass sie es schaffen könnten. Während Mehdi starr vor sich hin nickte, in seiner Traumwelt schwebte, fand es Marc faszinierend wie eine belanglose Aussage dermaßen glorifiziert werden konnte. Da zeigte sich dann wiedermal eindeutig, dass Mehdi zu der Sorte „Mann“ gehörte, die mehr weibliche Hormone von dem nervenden Geschlecht vererbt bekommen hatte. Deshalb schnippte er vorsichtshalber einmal lautstark vor Doktor Kaans Nase. Der zuckte ertappt zusammen, fand Marcs unverständlichen, aber doch amüsierten Blick recht schnell und versuchte einen letzten einschneidenden Zug zu setzen.

„Mag ja sein, dass Gretchen seit Jahren auf dich…fix-“

„Geil ist.“, unterbrach ihn Marc überzeugt, dafür erntete er von Mehdi prompt eine Kopfnuss, worauf er sich gerade echauffieren wollte, doch der Gynäkologe ließ ihn gar nicht zu Wort kommen und erstickte seinen Ansatz. „-iert ist, aber jede Frau hat eine Schmergrenze und auch so ein liebenswürdiges, großherziges…“

Marc verdrehte nur theatralisch über Mehdis Schwärmereien die Augen. Der sprach allerdings unbeirrt weiter. Eben doch zum Großteil Frau!

„… und rundum geniales Geschöpf einer Frau sieht irgendwann keinen Sinn mehr zu kämpfen. Sie hat vielleicht ein großes Herz, Marc. Doch die ganze Menschheit plus dein Ego haben da keinen Platz und überleg mal, was sie alles so für dich geopfert hat und wahrscheinlich noch tun würde.“
Bei seiner letzten Aussage hob Mehdi fragend, gleichzeitig wohlwissend und hoffend, etwas bewegt zu haben die Augenbraue nach oben.

Und tatsächlich, Marc blinzelte, wobei das aussah, als hätte man ihn vor den Kopf gestoßen und immer wenn für einen Moment nicht weiter wusste, presste er aus Selbstschutz die Lippen aufeinander, was Mehdi nicht verborgen blieb und im Stillen freute er sich. „Womit wir wieder beim Thema wären: Sie wird mich nie vergessen!“

„Vergessen vielleicht nicht, aber abschließen. Irgendwann (verträumt, was Marc kurz stutzig machte) wird sie loslassen!“

„Schwachsinn!“, überspielte der Chirurg mit einem quecken Lachen, was innerlich ganz schön an Farbe verlor, ohne es zuzugeben, aber es wurmte ihn, wenn er daran dachte, dass seine Assistenzärztin ihn irgendwann in den Wind schießen würde.

Ist doch alles Quatsch… Meier, jetzt lass dir mal von Mehdi dem Weichspüler nicht zu pflegeleicht oder samtig-weich mit Pfirsich- Orchidee Geruch umwandeln. Das ist ja schlimm! Ein paar Minuten mit dem Frauenversteher und schon fühlt man sich ein Stück flüssiger… Ehm also ich natürlich nicht, ne? Bin schließlich Marc Meier und es wäre ja wohl gelacht, wenn ich mich von so einer… (überlegend) Hornisse wie Mehdi runterziehen lassen würde. Boa, wo wären wir denn dann heute?! (stutzen) Wahrscheinlich in der Toskana (hämisch auflachend)… Oh Gott ey, hab ich Hornisse gedacht???

Mehdi sah ein, dass es keinen Sinn machte, Marc weiter aufs Glatteis führen zu wollen, dafür waren die Kufen nicht geschliffen genug, deshalb winkte er nur kopfschüttelnd ab und ließ seinen Blick über die Wiese gleiten.
Bemerkenswerte Exemplare, das musste er dem Ganzen schon lassen, aber seiner Gigi konnte da keiner das Wasser reichen. Naja… vielleicht Gretchen, aber nur unter äußersten Umständen, die sowieso niemals eintreffen werden… Genau! So sah er das.

Schließlich war er ein Mann, wenn auch mit Ambitionen zum Frauenversteher, aber definitiv und unumgänglich 100 Mal besser, als einer von Marcs Spezies.

„Guck mal Mehdi, hier gibt’s richtige Frauen!“, erkannte Marc Mehdis große Augen und deutete auf eine hübsche Brünetten mit großem Vorbau, schlanken Beinen, aber keineswegs einer billigen Ader. „Lauter heiße Weiber!“ Marc hatte Geschmack, das musste Mehdi ihm lassen, während er ihn akribisch in Augenschein nahm, als der brünette Arzt die Arme lässig hinter dem Kopf verschränkte und sich zurücklehnte. Kurzerhand tat er es Marc gleich und streckte alle 4 von sich.

Er seufzte tief als Marc zu ihm herüber schaute und animierend die Stirn kraus zog. Plötzlich fielen Mehdis braune, bernsteinfarbene Augen auf eine hellhäutige Frau mit einer definierten Designerbrille, somit hatte er das beste Argument von allen, womit er Marc bewusst auf die Palme bringen konnte. „Mhm, besonders die da!“

Interessiert von Mehdis Aussage folgte Marc seiner Hand und seine Euphorie erlosch geradewegs so schnell, wie sie gestiegen war, als er die Brillenschlange entdeckte. Einmal fuhr er sich über die trockenen Lippen und ließ mindestens genauso locker diese tanzen und vor Humor sprudeln. „Seit wann bist du denn unter die Blindschleichen gegangen?“

„Seitdem du den Primaten Gesellschaft leistest.“

Der Chirurg war ganz baff von den schnellen Worten seines Gegenspielers, dass er doch einen Moment ins Stillschweigen verfiel, passierte schließlich nicht alle Tage, dass Mehdi seine annähernd maskuline Ader zum Vorschein brachte, deshalb nahm sich Marc fest vor dieses Datum im Kalender zu markieren, insofern er einen besaß.

Sein Blick rutschte allerdings weiter zu einer ihm wohlbekannten Person.

Hasenzahn!

Auch Mehdi kam um ein Staunen nicht drum herum und es sah vermutlich äußerst komisch aus, wie die zwei Männer versuchten unauffällig und wenig überrascht wirkend zu den beiden Frauen zu schauen. Wobei das Augenmerk definitiv auf einer lag und die trug Kleidergröße 40, hatte lange, lockige Haare und einen unsicheren Gesichtsausdruck auf der makellosen Haut. Bevor sich Marc vollends zum Idioten machen würde, gab er seiner schwarzen Rebel Sonnenbrille einen Stoß und seine Augen hüllten sich in einen dunklen Schein, dabei verbarg sich der Anblick dieser Grazie keineswegs.
Jetzt guck halt weg, Meier!

Bewusst desinteressiert wandte er sich ab und schenkte seine Aufmerksamkeit lieber einer Blondine die tiefe Einblicke gewährte. Um genau zu sein, zeigte sie sich obenrum ziemlich ungeniert und ihre pralle Schönheit raubte Marc kaum merklich, aber kurz den Atem. Als die junge Dame den drehenden Kopf in ihre Richtung von dem hübschen Mann bemerkte, zwinkerte sie ihm selbstbewusst, aber mit der nötigen Portion femininem Charme entgegen, was Marcs Zähne blitzen ließ. Als sie aus seinem Augenwinkel vollends weg war, drehte er sich leicht auf die rechte Seite und stützte sich auf dem selbigen Arm ab, um die Rückenansicht der anturnenden Frau zu begutachten. Der Gynäkologe gab währenddessen seiner Muse einen innigen Kuss und Gretchen kam sich mal wieder völlig falsch am Platz vor. Nicht mal ein Kompliment zu ihrem neuen Tankini erntete sie, das machte die junge Nachwuchschirurgin mehr als grimmig, schließlich hatte sie extra ihre Lieblingsfarbe gewählt. Gut, an der einen oder anderen Stelle sah man schon, dass sie gern Schokolade in allen Variationen und Arten aß, aber ansonsten war es mindestens eine 3. Ein „ich sehe nicht mal hin“, stellte sie sich selbst nicht zu, auch wenn das aufgepumpte Selbstbewusstsein, was Gigi ihr notdürftig eingeflößt hatte, mit jedem Augenaufschlag schwand, so versuchte sie es auch mal mit einer Art Fassade.

Marcs Blick hat ja für sich gesprochen. Er findet mich mal wieder so abstoßend, dass er nicht einmal längerfristig hinsieht. (überlegt) Aber hält er mich tatsächlich für so minderwertig, dass ich hier einen auf Dita Von Teese mache? Ich hab Abitur und bin angehende Chirurgin!

Langsam aber sicher trottete sie von einem Fuß auf den anderen und überlegte schon, ob sie nicht einfach wieder gehen sollte. Merken würde das eh keiner.

Immerhin: Marc glotzt irgendwelchen biederen Frauen hinterher und verschluckt sich wahrscheinlich gleich an seiner Spucke und Mehdi zeigt wenigstens Gigi wie sehr er sie begehrt. Besser eine als keine! Trotzdem, habe das Gefühl alle benehmen sich als wäre ich Luft und das lässt die Farbe ja nun wirklich nicht zu. Hätten mir ruhig auch mal sagen können, dass ich (räuspern) se…sexy aussehe. Genau.

Diese Erkenntnis trieb Gretchen doch die Scharmröte auf die Wangen und die heißen Temperaturen trugen ebenfalls ihren Teil dazu bei, dass sich Frau Doktor wie in Alufolie zwischen 30 Bratwürstchen auf einem Grill fühlte, der ihr langsam aber sicher den Hintern verbrannte. Auch die drei anderen rüsteten sich und warfen Gretchen einen vielversprechenden Blick zu, bis auf Marc, der innerlich litt und äußerlich feierte. Mehdi ertränkte seine aufkommenden Gefühle in Bauchnähe immer wieder aufs Neue indem er Gigi regelrecht nötigte, dass sie seine Zunge in Empfang nahm. Marc konnte darüber nur angewidert zur Seite schauen und sah dabei einige verstohlene Blicke von äußerst interessanten Objekten.

„Gretchen…“

Endlich ergriff Mehdi das Wort und sie schaute wie aus der Pistole geschossen zu ihrem Freund hinunter und lächelte beschämt. Die Hände fest vor ihren Bauch gepresst, wippte sie unsicher mit dem linken Fuß im Gras und schaute abwechselnd zu ihren Kollegen und dem blau-glitzernden Wasser, in das sie unbedingt wollte. Zur Sicherheit, dass ihre Blickwinkel deutlich minimiert wurden und auch die Röte unter Umständen sinken würde-hoffentlich.

„Hasenzahn hat ihre Zunge verschluckt!“

Da hörte sie doch tatsächliche eine smarte Aussage von ihrem Lieblingschirurgen. Hasenzahn hatte offensiv damit gespielt, dass er sie unbedingt bei sich haben wollte nach den ganzen Strapazen mit der Pünktlichkeit, doch wie es schien wollte er mal wieder zeigen, wie begehrenswert und anschaulich er war. Innerlich sträubte sich Gretchen wage gegen diese Gedanken, doch sie rissen nicht ab. Immer und immer wieder hatte sie Marc und sich vor ihrem geistigen Auge und ab und zu tanzte die freizügige Dame von eben ins Bild. Ihr Bauch verkrampfte sich und auch wenn es absurd war, schien sie für einen Moment weg gewesen zu sein.

Liegt aber vielleicht auch nur an dem hohen Schokoladenkonsum. Ich sollte dringend Mal einen Zuckertest machen, nicht dass das noch chronisch wird.

„Erde an Gretchen!“, wedelte Gigi planlos mit der neuen Gala vor ihrer Nase, die es Gott sei Dank auch in Ungarn gab und zwar auf Deutsch. Der Nachmittag war also gerettet. „Ehm ja, wie bitte? Entschuldigung!“, stotterte sie konfus und nahm kurzerhand neben Mehdi platz, was Marc gleich seine Sonnenbrille heben ließ.

„Ehm, warum setzt du dich neben den?“

„Der hat auch einen Namen!“, setzte Gina zuckersüß an und zeigte ihm letztendlich eine Fratze, auf die Marc nicht im Geringsten einging, jedoch aber innerlich eine leichte Unruhe aufbrachte. Was war denn schon wieder in sie gefahren? Sicherlich weil er der Tussi mit den geilen Titten hinterher geschaut hatte, aber mein Gott er war eben auch nur ein Mann und diese hatten bekanntlich Bedürfnisse. Und sie, ja sie hatte ebenfalls Bedürfnisse, nur ging die Definition über diese Sache bei Marc und Gretchen deutlich auseinander. Und vielleicht unter erschwerten Umständen fanden diese Wünsche, diese Gier und diese Leidenschaft irgendwie zusammen.

Wer sagte denn schon, dass es einfach werden wird?
War es das jemals bei Marc oder gar Gretchen? War es einfach und simple, klar und deutlich gewesen?
Nein und genau das war auch der Grund, weshalb ihnen noch so einige Dinge im Weg stehen würden,… ganz sicher!



Gretchens Tankini:


(Schwierig was Passendes zu finden, aber ich dachte etwas verspielt mädchenhaftes unterstreicht ihren Typ. Und bitte bedenkt, dass GIGI mit war!)

Marcs Sonnenbrille:


(Passt doch zu dem Meier oder?)

Elli Offline

stellv. Admine


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20.09.2014 20:58
#55 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Hallo Mädels,

vielen lieben Dank für euer Feedback und auch die Klicks werden jedes Mal mehr. Es sind also noch einige anonyme Leser dabei. Lasst mich vielleicht auch irgendwann mal wissen, was ihr über die Story denkt. Es geht momentan etwas schneller weiter, weil sehr gut gerüstet bin und die Motivation zum Posten allein durch eure lieben Worte stetig wächst. Ich hab immer noch Spaß wie am ersten Tag beim schreiben und posten.

Drück euch und einen tollen Abend,
Eure Elli




Wie mit dem Zug des richtigen Glückslos, verhält es sich auch mit der passenden Figur. Zwar glauben einige Frauen ihr Ziel erreicht zu haben, scheitern doch am Ende an der klitzekleinen Aufgabe beim Freirubbeln der geheimnisvollen Zahl. Ja, diese Zahl liegt dann auch physisch richtig, doch gedanklich deutlich falsch auf der Waage, die so einige Frauen ab einem bestimmten Alter verfluchen. Es wird vermutet eine bessere Perspektive auf das Wesentliche zu bekommen, bewiesen ist es allerdings nicht und welche Frau hat schon eine klare Sicht auf die Dinge? Genau- keine! Zumindest kannte Gretchen Haase keine von diesen zauberhaften Wesen. Sie sah viele tolle Köper, ob weiblich oder männlich, viele waren ansprechend, andere wiederum abstoßend, doch insgeheim hatte doch jeder Mensch ein kleines buntes Päckchen in sich sitzen. Ein Päckchen, das genau im richtigen Moment leuchtet und die nötige Portion an Selbstbewusstsein und Stärke gibt. Aus Gründen, die Gretchen unerklärlich erschienen, öffnete sich ihr Packet nicht, ganz im Gegenteil, denn die Schnur zog sich immer mehr zu und Margarete Haase wusste, dass es an der Zeit war ins Wasser zu gehen oder eine möglichst stumpfe Schere zu finden, die ohne Blut ihr Päckchen öffnen konnte.

Letzteres fällt vermutlich aus, denn selbst ein klasse Chirurg wie Marc könnte nur Schaden an meinem… ehm… Körper anrichten.

„Ich meine, also ich wollte sagen, dass…“

Die junge Assistenzärztin tat sich sichtlich schwer mit der Sprache rauszurücken und entgegen der typischen Frauenklischees endlich eine klare Ansage zu machen, doch selbst ein weiterer fragender Blick von Marc riss sie nicht zu einer deutlichen Aussage hin. „Ich warte!“, trommelte Marc auf seinen Oberschenkel und schenkte Gigi einen abwertenden Blick von oben bis unten. Die rüttelte sich die Brille zu Recht und Mehdi warf Marc einen warnenden Augenaufschlag entgegen, was den Chirurgen nicht sonderlich beeindruckte. „Ich hol mir ein Eis! Will noch jemand was?“

Gretchen hätte ihre beste Freundin abknutschen können und in ihrem Kopf zündete klein Gretchen gerade ein Feuerwerk der Extraklasse.

Deshalb kam es wie aus der Pistole geschossen. „Ich komm mit!“

Marc sowie Mehdi warfen sich einen skeptischen Blick zu, ehe sie die Köpfe wieder drehten und den beiden Frauen hinterher sahen. Marc hatte nur ein schlichtes „Frauen“ übrig, während Mehdi akribisch nachdachte, was wohl mit Gretchen sein könnte. Sie fühlte sich 100%- ig minderwertig und allein gelassen. Woher er das wusste? Tja, Mehdi war Gynäkologe und bei dem reichte ein einziger Blick und die weibliche Psyche lag ausgebreitet und in 100 Einzelteilen vor ihm verstreut.

Marc würde diese wahrscheinlich zu einem hochexplosiven Gemisch anrühren und letztendlich noch in Mitten einer Frauenrunde platzen lassen, darüber musste Mehdi einfach lachen, denn der Gedanke an einen verdutzten Meier war goldig. „Die hat bestimmt ihre Tage!“ Da schaltete sich der Frauenverstand ein. Ungläubig schielte Mehdi zu Marc, der nur unwissend mit den Schultern zuckte und die Sonnenbrille wieder auf die Nase schob um unbeobachtet Frauen auf den Hintern glotzen zu können. „Dann hätte sie keinen Bikini an, Marc!“, stellte er wohlwissend klar.
Oh…

Das gab er schließlich genauso trocken, für Mehdi aber super tollpatschig wirkend, kund. „Was lachst du denn jetzt so?“, fragte er deshalb perplex und setzte sich leicht auf. „Weil du keine Ahnung von Frauen hast, Marc!“ Wieder traf den Chirurgen ein schallendes Gelächter mitten ins Gesicht und währe Mehdi nicht sein Freund, hätte er ihm spätestens jetzt einen ordentlichen Kinnhaken gegeben. Auf diesen verzichtete er lieber, denn sonst konnte er sich von Gretchen wieder ein Ohr abkauen lassen, von wegen „Freundschaft, Loyalität und Fairness“. Imaginär hörte er sie schon aufgebracht blubbern. Mit etwas weniger Temperament, dafür aber mit einem vernichtenden Blick, der von einem leichten Hauch übertriebener Freude geführt wurde, sprach Marc Mehdi an.

„Im Gegensatz zu dir, hab ich schon mit zwanzig mehr Frauen gebumst als du in deinem ganzen Leben. Bist ja auch schon etwas älter als ich, ne?“

Triumphierend gab er einen „Ah“- Laut von sich und strahlte Mehdi entgegen. „Meinst du, Gretchen ist traurig?“ Daraufhin veränderte sich das Lachen in ein nervtötendes Augenrollen und Stöhnen. Was sich Mehdi auch immer tausend Gedanken um nichts machen musste. Optisch war Hasenzahn zwar nicht zu übersehen, aber rein rhetorisch konnte es doch nicht sein, dass er auf jeden ihrer schief gegangenen Blicke eine Interpretation von Gefühlen folgen ließ.

Unterdessen kamen auch schon Gigi und Gretchen zurück. Zu ihrem Leidwesen hatte Gigi ihre Minderwertigkeitskomplexe in keinster Weise toleriert, geschweige denn befürwortet. Und aus diesen Gründen entpuppte sich Gretchens Fluchtplan als nicht sonderlich sinnvoll oder gelungen. Wortlos nahm sie auf dem Handtuch Platz, während Gigi freudestrahlend das Eis verteilte. „Alles in Ordnung?“, flüsterte Mehdi, allerdings hörten es Gigi und Marc sehr wohl, die kurz verwundert aufsahen. „Ja, wieso denn nicht?“, lächelte Gretchen überspielend und fragte sich, wie Mehdi schon wieder anhand einiger Blicke sehen konnte, dass sie diverse Defizite in ihrem kleinen Köpfchen aufwies.

Ob Mehdi so einen Frauenradgeber zu Hause hat und abends heimlich unter der Bettdecke bei Taschenlampenlicht liest? (stutzen) Nee, das wäre auch zu absurd. Wahrscheinlich sehe ich wieder Gespenster.

Treudoof lugte er zu Gigi, die durchaus interessiert die Ohren spitze und mit erhobener Nase an ihrem Zitroneneis leckte. „Ach, bloß so.“, winkte Mehdi sicherheitshalber ab und kroch im nächsten Moment in Gigis Halsbeuge hinein.

Angeekelt verzog Marc abermals das Gesicht und als er Gretchens Reaktion darauf sah, zwinkerte er ihr keck entgegen. Die Wirkung hatte also nicht nachgelassen, das verschaffte ihm gleich ein paar Ego-Punkte mehr. „Marc, du verschluckst dich gleich.“, wies die blonde Assistenzärztin ihren Oberarzt verlegen darauf hin, als er schon wieder am Bikinioberteil einer hübschen Blondine klebte. „Neidisch?“

„Was, ich… pf… ach… Was denkst du denn?“

Aus Gründen auch immer, kam ihr schauspielerisches Talent heute nicht zur Geltung, konnte allerdings auch an dem auffälligen Tankini liegen, den Gigi ihr zwanghaft aufgedrängt hatte. „Übrigens, hübsch seht ihr aus.“

Ujjj… Wenigstens ein Kompliment. Wobei? Davon kann Frau eigentlich nie genug bekommen.

Vergnüglich lächelten sich die beiden Freundinnen an und riefen ein zuckersüßes „Dankeschön“ entgegen. Marc stutze, warum bekam man mit so einem durchtriebenen Süßholzgeraspel Frauen um den Finger?

Vielleicht weil er Gynäkologe ist?! Wobei, da würde ich ja eher schreiend davonlaufen, wenn der mir solche Dinge sagt. Weiber halt!

„Kaum hat Mehdi nen anzüglichen Spruch drauf, bedankt ihr euch schmachtend, aber wenn ich mal was sage, heißt’s immer gleich: (er hob seine Stimme) Boa der Meier, immer diese versauten Anspielungen.“

„Im Gegensatz zu dir, weiß sich Mehdi wenigstens zu benehmen und hat Manieren.“, erklärte Gretchen mit nickendem Kopf und vollkommener Überzeugung in der Stimme. Das schrie ja regelrecht nach einem Meier-liken Spruch mit passender Manier. Gesittet zeigte er dabei mit dem Finger zwischen ihnen allen umher.

„Also wenn du mit Manieren meinst, dass er fremden Weibern an die Wäsche geht, dann kann ich das auch und zwar schon viel länger und weniger eklig.“ Baff wie sie war, wusste Gretchen natürlich keinen konternden Spruch darauf, der zugegebenermaßen nicht zu toppen war, dachte auch Mehdi, der sich trotz des Spruches über ihn ein aufkommendes Lachen wegen Gretchens weltklasse Gesichtsausdruck der Verwunderung nicht verkneifen konnte. „Hat jemand Lust schwimmen zu gehen?“, lockerte Gina die Situation animierend auf und intensivierte ihre Aussage mit einem bedeutenden Lächeln plus Handzeichen in Richtung Wasser.
Gott sei Dank!

„Ja, klar!“
„Warum nicht?!“ meinte Mehdi und ergriff im Stand sofort ihre Hand. Gretchen schmunzelte niedlich, sodass Marc kleine Anzeichen von Grübchen auf ihren roten Wangen erkennen konnte. „Jo!“ Keine drei Schritte gegangen, pfiff ein deutlich jüngerer Mann, worauf sich alle vier auf unterschiedlichste Art und Weise umdrehten. Marc hob nur interessiert den Kopf und sah über seine linke Schulter, während Gretchen eine halbe Drehung hinnahm. „Sexy, sexy!“, rief der Mann anzüglich und schon lief er weiter. Da Gigi in ihrem biederen Outfit nicht gemeint sein könnte, es sei denn der Typ litt an Geschmacksverkalkung, galt Gretchen das Kompliment, was sie prompt erröten ließ.

Chancen, dass ich mich hier und jetzt im Erdboden versenken lasse, liegen bei null!

„Ehm ja… können wir dann?“

Als Gigi und Mehdi schon wieder gegenseitig schnäbelten, hatte Gretchen noch ganz andere Probleme, nämlich war das Wasser deutlich kühler als angenommen. Leicht hilflos wischte sie jedes Mal über die Oberfläche des glitzernden Wassers und schaute sich die wässrigen Tropfen an, die auf der blauen Flüssigkeit aufprallten.

„Na Hasenzahn, Angst vor Wasser?“, spritzte sie Marc von der Seite voll, worauf sie laut aufquiekte und die Nase rümpfte. „Maharc!!!“, keifte sie alarmierend, was dem angesprochenen kein Beinbruch war ihr eine Handvoll Wasser direkt in die Nackengegend zu schütten.

„Nein!“, quietschte sie abermals und brachte den Oberarzt zu einem neckenden Grinsen mit Grübchen.

„Entweder du machst dich nass oder ich werf‘ dich rein! Du hast die Wahl!“

Erschrocken sah sie auf und konnte anhand seiner Gesichtszüge erkennen, dass er nicht spaßte. Gut, in gewisser Weise schon, aber die Kernaussage passte. Trotzdem fragte sie bestimmt lässig. „Das machst du nicht!“

„Wollen wir wetten?“
Und schon hatte er einen Schritt näher auf sie zu getan und Gretchen abschreckend die Hände gehoben. Eine an seine freigelegte Brust zu tun, traute sie sich irgendwie nicht, da saß wieder der prüde Vogel im Kopf. „Marc, was sollen denn die Leute denken?“, zischte sie ihm keineswegs böse entgegen und lugte verstohlen durch ihre Locken von rechts nach links. „Tja, das liegt ganz im Auge des Betrachters.“

Und zack, so schnell konnte sie weder reagieren, noch schauen, hatte er sie auf seine Arme genommen. Eine Gänsehaut bildete sich auf ihrer Haut gepaart mit einem fröstelnden Schütteln ihres Körpers, weil er im Gegensatz zu ihr vor Nässe triefte. „Lass mich runter!“, zeterte sie, doch er überhörte dies galant und schritt mit ihr in tiefere Gewässer. Als er letztendlich bis zum Becken im Wasser versunken stand, fragte er nochmal, mit dem Gedanken im Hinterkopf sie leicht provozieren zu können. „Entenflug, Tauchgang oder Fontäne?“

„Was?“, rief der Lockenkopf erschrocken und wedelte hilflos mit den Beinen, in der Hoffnung runter zu kommen. „Wehe…“ Sie verengte gefährlich die Augen, doch Marc kaute trocken mit seinem Mund, presste die Lippen aufeinander und spannte die Muskeln an. „Gut, okay. Wenn du drauf stehst!“

Ein letztes Mal zuckte er mit den Schultern und kniff ihr kurz in die Taille damit Hasenzahn den Griff lockerte, was auch sofort geschah. Den Moment nutze er.

„Guten Flug!“

Und schon flog sie einen hohen Bogen durch die Luft ehe sie einige Meter weiter im tiefen Wasser wortwörtlich Baden ging. Ein lautes Platschen und ein ebenso temperamentvoller Schrei, versetzten Gigi, Mehdi, die durch dieses Geräusch aufmerksam geworden waren und auch Marc in einen herzlichen Lachanfall. Gretchen stand wie ein begossener Pudel im Wasser, dazu die Locken platt an und in ihrem Gesicht verteilt.

Das kriegst du alles wieder, Marc Meier!
Meier, du bist definitiv der Beste und wirst es auch immer bleiben! Genial!

„Marc Meier!“

„Ja, der bin ich!“ Gretchen nutzte einfach den Moment, vielleicht auch um sich einmal Luft zu machen und holte weit aus, als eine geballte Ladung feinperliges Wasser in Marcs Gesicht spritze. Der war deutlich verwundert über ihre mutige Art und schaute empört drein, als er seine Brille abnahm und sich kurz durch das Gesicht und durch die Haare fuhr.

OMG, er sieht aus, als ob er Werbung für Schokopudding mit Nougatcreme macht. Lecker…
Hasenzahn, ich mach keine Werbung für Schokolade!


„Hasenzahn, mach den Mund zu. (zwinkernd) Ich schlag vor, wir begraben das Kriegsbeil und schwimmen ne Runde raus?“

Abwartend sah er sie an, während Gretchen nach einem kurzen biss auf die Lippen, die Marcs Blick unwillkürlich einfingen, mit überschlagender Stimme antwortete. „Ja, das klingt gut.“ Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, schwamm Marc mit geballter Ladung Wasser zu ihr herüber, ehe er sie kurz fragend musterte, weil Frau Haase keinerlei Anstalten machte, sich wieder ins Wasser zu gesellen. Doch als sich ihre Augen kurz streiften, flog sie von ihrer rosa Wolke und sie schwammen los. Zögerlich, aber ausgeglichen warf sie ihrem smarten Oberarzt immer wieder verliebte Blicke zu, die er durch kaum merkliche Augenaufschläge deutlich interpretieren konnte.

Sie sah schon verdammt heiß aus in dem engen Teil da, zumal es nicht ihre kleinen Speckpolster kaschierte, sodass er seit langer Zeit fast freie Sicht auf ihren Körper hatte. Deshalb warf er ihr ein trockenes, aber im Kern des Satzes nettes „Sieht gut aus übrigens!“ entgegen. Sie lächelte zart, biss die Zähne kräftig aufeinander und schaute beschämt zur Seite. Ein Kompliment von Marc Meier, so direkt, das war eine Seltenheit der Extraklasse.

Nach einiger Zeit ließ Gretchens Ausdauer deutlich nach, was sie offensiv nie zugegeben hätte, doch Marc merkte ihre tiefen Atemzüge, die sie japsend von sich gab. Also drehten sie um, und als sie wieder sandigen Boden unter den Füßen spürten, trudelten auch die verhasste Brillenschlage und der Frauenversteher in spe wieder ein. Eigentlich eine ganz lockere Runde, bis auf Marcs Sprüche und die Revierkämpfe der Männer, aber das gehörte nun einmal dazu.

Als Gigi Gretchen gerade fragte, wann sie zurück ins Krankenhaus müsse, erstarrte sie in kompletter Linie.

Anfangs fanden Marc und Mehdi dies noch ganz witzig, aber als sie selbst nach ein paar demonstrativen Sprüchen keine Anspielung machte, zogen sich Marcs Augenbrauen kraus und er stellte sich prüfend vor sie.

„Erde an Hasenzahn! Was ist denn?“ In seiner Stimme lag Ahnungslosigkeit. Ahnungslosigkeit, die ihm bald vergehen würde, als Gretchen kurz die Augen aufeinander presste und mit trockener Kehle schluckte. Kaum merklich, aber Marc bewusst, fiel ihr Blick direkt auf ihn, während sie ein Wort rau und fast etwas benommen rief.

„Alexis!“

Elli Offline

stellv. Admine


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25.09.2014 19:59
#56 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Salut meine Lieben,

Dankeschön für die positiven Anmerkungen, die mich jedes Mal in Verlegenheit bringen. Und wie ich schon sagte, bin ich kapitelweise gespannter und ungeduldiger, was ihr davon haltet.

Liebe Grüße,
Eure Elli




Das Leben schreibt manchmal komische Geschichte. Sie könnten absurder, skurriler und fiktiver nicht sein, doch leider Gottes entsprechen sie der Wahrheit. Vielleicht ist es Schicksal, vielleicht Absicht, dass genau in dem Moment, wenn es einigen Menschen gut geht, diese eine Geschichte, die schon fast vergessen geglaubt ist, wieder ans Licht taucht. Keiner kann ihnen sagen, was, wann und wo geschehen wird, aber treffen wir im Angesicht dessen auf diese unnötige Überraschung, schlägt es zu wie ein Hammer, bei dem die Betroffenen nur den Nagel imitieren können. Sie geben es nicht gern zu, weil es das menschliche Ego ist, was uns tagtäglich an so einigen Entscheidungen hindert, doch es trifft. Mit dieser irrealen Mutation eines Augenblickes, schlagen sich besonders Frauen, die sowieso gern etwas tiefgründiger forschen, eine Nacht nach der anderen um die Ohren. Neben dem Resultat der existenten Augenringe, bleibt das Gewissen mit einem dunklen Fleck und so einigen Fragen, die wieder einmal nicht beantwortet werden können.

„Schläft sie?“

Gigi stand gleich mit neben der Spur, als sie erfuhr, dass es tatsächlich Alexis war, den Gretchen glaubte gesehen zu haben, deshalb durchzog ihre Stimme Wehmut und Sorge, die nicht zuletzt nur Gretchen galt. Hoffend schaute sie gen Marc und rieb sich beruhigend über die Oberarme, was Mehdi durch eine feste Hand an ihrem Rücken unterstütze. „Ja, endlich.“

Momentan gelang es nicht einmal dem besten Oberarzt und selbsternannten Sprüche-Meister, etwas mehr als die einfachsten Worte mit einer starken ernsten Mine rüber zu bringen. Er hatte wahrhaftig geglaubt, Gretchen sähe wieder einmal Gespenster, schließlich wäre es bei Frauen kein großes Wunder gewesen, die bildeten sich sowieso ständig neue Neurosen ein. Doch als sie nach einer halben Stunde immer noch vollkommen neben sich stand, beunruhigte es ihn doch in gewisser Weise. Nicht, dass er ein Problem mit schleimenden Betrügern hätte, ganz im Gegenteil, wenn er ihm unter die Augen treten würde, gäbe es von Marc Meier persönliche noch die Revanche für die überraschende Prügelei inklusive Schussverletzung, aber Gretchen knabberte daran jetzt schon öfter, als an einer ihrer heißgeliebten Vollmilchtafeln.
Also wenn das nichts heißt, dann weiß ich auch ne.

Gigi überlegte kurz, was man ihr deutlich ansah, denn ihre Augen ruhten seit geschlagenen zwei Minuten, in denen wohlbemerkt komplette Ruhe herrschte, auf einem Punkt in der Lobby. Letztendlich fasste sie sich ein Herz und sprach Marc ausnahmsweise zurückhaltend und schüchtern an.
„Und wie soll es jetzt… weitergehen?“

Zu ihrer Überraschung stöhnte keiner der beiden Männer genervt auf oder verdrehten die Augen, sie warfen sich nur einen unwissenden, ratlosen Blick zu, der von Marc sofort wieder abgebrochen wurde indem er versuchte wenig bedrückt und locker zu wirken. „Frag das nicht mich…“, nuschelte er unverständlich während er überspielend durch die große Glasfront schaute, wo einige an Touristen und wahrscheinlich Hotelbewohner hin und her liefen. „Ich schlage vor, wir schlafen erstmal eine Nacht drüber und entscheiden dann morgen?“, hakte Mehdi unsicher ein, allerdings behielt er einen klaren Kopf. Gigi warf ihm einen nicht sonderlich überzeugten Blick in die dunklen Augen zu, wusste leider auch keinen Ausweg, weshalb sie von rechts nach links schaute und letztendlich kaum merklich nickte. Marc warf ein paar rasche Worte dazwischen und an seiner Stimme erkannten Gigi und Mehdi genau, dass es ihm auch nahe ging, Hasenzahn so zu sehen.

„Was gibt’s denn da bitte zu entscheiden? Wenn ich die Alge nochmal sehe, kriegt er aufs Maul, so einfach ist das. Der brauch gar nicht wieder bei Hasenzahn angekrochen kommen und das könnt ihr euch auch gleich hinter die Kantleisten schreiben, wir halten den von ihr fern. Immerhin weiß ja jeder, wie die abgeht in solchen Situationen. Selbstschutz, quasi.“ Zum Abschluss räusperte sich der Chirurg und nickte solide in die Runde.

Er bekam auch prompt das Einverständnis der zwei und meinte nur kurz angebunden während seine Augen über die silberne Uhr huschten. „Gut, dann wäre das geklärt. Ich hab im Ghetto schon angerufen und gesagt, dass Hasenzahn außer Gefecht ist.“ Marc drehte sich um und lief im zügigen, aber anschaulichen Gang die Lobby entlang, als Gigi ihn nochmals ansprach. „Ehm, du sagst uns doch bescheid, wenn was mit ihr ist, oder?“ Kurz hatte er darüber nachgedacht, ob er ihr einen schiefen Spruch drücken sollte, schüttelte diesen Gedanken schnellstmöglich wieder ab und tat desinteressiert als er nickte und dann wirklich ging.

„Na, ob das gut geht?“, stellte Mehdi ungläubig und für Gina beängstigend in den Raum, die ihn gleich musterte als er eine Ladung Haare ins Gesicht bekam. „Wie meinst du das, Mehdi?“ Der zuckte nur unwissend mit den Schultern und räusperte sich ausweichend.

„Ich glaub‘ kaum, dass Marc eine Gelegenheit auslassen wird, um dem Volltrottel eine reinzuhauen.“

„Zu Recht!“ Im ersten Augenblicke stutze Mehdi, denn seine Freundin hatte doch tatsächlich seinem besten Freund Recht gegeben. Wenn die ganze Sache hier vorbei war, würde er das bei einem kühlen Bier und ein paar tanzenden Ladys mal ansprechen. Bis dahin mussten sie allerdings noch die außergewöhnlichen, haarsträubenden Umstände überstehen.

Marc lief unterdessen durch die Gänge und erreichte gedankenverloren sein Zimmer, das ihm eigentlich seit heute allein gehören würde. Doch Gretchen jetzt separat zu lassen und nicht zu wissen, was sie in einem überstürzten Moment tat, sah er als zu riskant an. Immerhin sollten die Hotelbewohner morgen früh nicht ohne eine Probe der hauseigenen Schokolade da sitzen, weil Hasenzahn alles vertilgt hatte in ihrem Kummer und den entstandenen Depressionen. Bei diesen skurrilen Spekulationen stahl sich unwillkürlich ein kleines Schmunzeln auf sein Gesicht, was seine Züge weicher wirken ließ. Um dieses gleich wieder zu verbannen, senkte er den Kopf und lugte kurz an sich herunter. Schließlich ging er dann mit gewohnter Marc Meier- Note in das Appartement und kickte die Tür lässig mit dem linken Fuß zu, als er schon ein Auge auf das schlummernde Gretchen warf, die in zwei Decken gehüllt und durch abgedunkelte Vorhänge abgeschottet ruhte. Erleichterung machte sich in ihm breit, denn er wäre ehrlich gesagt nicht dazu bereit gewesen, sich jetzt als Seelsorger ansehen zu lassen. Das war dann doch etwas viel auf einmal.

Leise ließ er sich in den rechten Sessel fallen und fuhr sich schlaff über die Augen. Ein Blick auf seine Uhr verriet ihm abermals, dass noch nicht viel Zeit verstrichen war, seit er unten losgegangen war. Furchtbar.

So eine verfluchte Scheiße aber auch. Wenn ich den Idioten zwischen die Finger kriege, mach ich den zu Wachs. Das is‘ echt faszinierend, wie Weiber innerhalb von ein paar Augenblicken die komplette restliche Beherrschung verlieren. Naja… (spitz) viel dürfte da eh nicht da sein…

Seine Uhr hatte mittlerweile Bekanntschaft mit dem kleinen Tisch gemacht und Marc hockte nur noch tief im Sessel versunken, die Beine locker aufgestellt. Ehrlich gesagt, wusste er überhaupt nicht, wieso ihn das urplötzlich so beschäftigte, immerhin war Hasenzahn nur etwas mehr als sonst neben der Spur, also eigentlich kein Grund zur Sorge. Sie stand ihr ganzes Leben immer wieder auf und zog sich wortwörtlich selbst aus der Scheiße, da würde das doch ein Klacks sein, zumal eine hundertprozentige Garantie nicht mal ansatzweise bestand. Aber irgendetwas hatte es in Marc Meier ausgelöst und so plump und einfältig es vielleicht klang, es wurmte ihn. Nicht, dass er mal über andere Menschen nachdachte und mitfühlte, insofern das überhaupt möglich war, sondern weil es Schwäche zeigte, die er nur sehr ungern an sich heran ließ. Wieder fiel ein akribischer, prüfender Blick auf Gretchens Seitenansicht, ihre Silhouette.

Die sieht wirklich aus, wie ein Ha(a)se. Oh Gott, hab ich das gerade real gedacht? Meier, du bist auch nicht mehr das, was du mal warst.
Und kaum hatte er seine Gedanken wieder auf StandBy gestellt, da vernahm er ein verdächtiges Geräusch aus Gretchens Richtung.
Die schnarcht??? Wohoo, da hab ich bis jetzt was verpasst. Trägt vielleicht zur Auflockerung bei, wenn sie ihren Arsch heut nochmal aus meinem Bett bewegt. Sonst sollte ich mir mal Ausweichmöglichkeiten suchen. (schelmisch)

Da stahl sich doch ein freches Grinsen auf Marcs Lippen, was er mit erhobener Hand vor diese versuchte zu regulieren. Schnell schnappte sich der gutaussehende Chirurg ein Fachmagazin und blätterte wesentlich interessierter, als an seinen Grübeleien darin. Doch hin und wieder drückte sie durch seine angestrengte Miene, wodurch er recht wenig von den Texten und neuen Forschungen mitbekam.
Is‘ doch zum kotzen, boah…

Tief und fest wie Gretchen eben noch geschlafen hatte, so steckte sie jetzt ihre Nase tiefer in die gutriechenden Federn und presste die Augen stark aufeinander. Langsam setzte die Realität wieder ein und ein Blick an die Wand ließ sie wünschen, gleich wieder in ihren deutlich positiveren Träumen zu versinken. Leider half auch ein bisschen Fantasie und ein umgebendes wärmendes Gefühl nicht, sodass sie seufzend die Hand vor ihr Gesicht drückte und dann die Decke mit ihren Füßen wegdrückte.

„Na, auch mal wach?“

Rückartig drehte sie den Kopf und schaute verdattert in die grünen Augen ihres Oberarztes. Für den Moment hatte sie doch tatsächlich geglaubt, dass sie sich in ihrem Einzelzimmer befände. Jetzt seine männliche, feste und halt gebende Stimme zu hören, brachte ihr die Gänsehaut auf die Arme und eine Art Schutz.

„Hast du mich erschreckt! Was machst du denn hier?“

Klasse Frage, Gretchen…

Verwundert schaute er nach rechts und dann wieder zu ihr, während seine Augenbrauen prüfend wippten. „Ehm, ich wohne hier?!“ Nach einer kurzen Pause, in der sie überraschenderweise nichts hinzuzufügen hatte, schloss er im altbekannten Befehlston an. „Du heut übrigens auch noch.“ Doch Gretchen meinte felsenfest ein wenig Mitleid drin gehört zu haben, was sie innerlich schmunzeln ließ.
Hach Marc… heute so und morgen so…(träumerisch) Wie soll eine Frau denn da mitkommen?

„Oookay?“, stotterte sie. „War das jetzt ne Frage?“ Schnell streckte sie die Brust raus, was Marc mit einem vielsagenden Zwinkern kommentierte. „Ehm nein! Eine Tatsache.“ Er nickte nur und dachte sich seinen eigenen Teil hinzu. „Oh Gott, Marc!“, fuchtelte sie auf einmal los und verhedderte sich mit dem Fuß in der Decke, als sie einen ungemütlichen Abgang aus dem Bett machte. „Au…“ „Was denn?“, fragte der Jungchirurg belustigt und stand ebenfalls auf, nur weniger tollpatschig. „Wir müssen ins Krankenhaus…“, meinte Hasenzahn mit verzerrter Miene, während sie sich unauffällig, nur nicht für Marc, den Hintern rieb.
Das wird ein blauer Fleck!

„Keine Sorge, Hasenzahn! Schon alles geklärt, bin ja nicht umsonst Oberarzt.“ Da hörte sie wieder die vollkommene Überzeugung und das Ego, was ihr „Hallo“ sagte. Durcheinander, wie sie war, fragte sie mit angehobener Stimme. „Wieso jetzt?“ Gespielt überlegend drehte Marc den Kopf hin und her, schaute dann aber zu ihr mit großen Augen und einem sarkastischen Spruch, der eigentlich der Wahrheit entsprach. „Weil du vielleicht gepennt hast?!“

Und geschnarcht… (lachen)
Der Punkt geht an dich, Marc!

Gretchen zupfte sich irritiert an den Haaren herum, wobei Marc ihren aufgewühlten Blick in den sonst so hellen Augen bemerkte, die hin und her wankten. Unruhig. Wahrscheinlich dachte sie wieder an diesen Betrüger, anders konnte Marc sich ihre plötzliche Reaktion nicht erklären. Allerdings wusste der smarte Oberarzt auch nicht, wie er sich verhalten sollte, zu fremd war die Situation für ihn. Vielleicht hätte doch lieber die Brillenschlage dableiben sollen?

Doch er ergriff gefasst und überzeugt mit demselben Ausdruck in den Augen das Wort. „Hör zu Hasenzahn! Der Arschkriecher-“

So schlecht schien es ihr dann doch nicht zu gehen, dass sie ihn wiedermal unterbrach. „ Marc!“ Nichts desto trotz ließ er sich nicht beirren und redete einfach weiter.

„wird kaum hier her kommen… zumindest nicht am Tag…“ Den letzten genuschelten Absatz, hatte sie dann doch deutlicher als gedacht verstanden und schaute ihn wie ein aufgescheuchtes Hühnchen an. „Du du du… du meinst, dass er… also nachts? Oh Gott, ich kann nie wieder von uns träumen!“ Sofort biss sie sich auf die Lippen, doch Marc verstand ebenfalls jedes ihrer Worte und schaute sie belustigend mit geneigtem Kopf an.

„Du tust was?“, hakte er nach. „Ich ehm… träumen…“ Schnell schüttelte sie den Kopf. „Quatsch, denken! Genau denken. Ich denk über die anstehenden OPs nach, um mich mental drauf vorzubereiten. Ja, genau.“

Puh… nochmal die Kurve gekriegt.
Das war knapp, Hasenzahn…


„Wer’s glaubt. Du träumst sicher von dem begnadetsten Oberarzt aus ganz Berlin.“, schnurrte er ihr entgegen, unterdessen holte er den nötigen Abstand zu ihr auf und stand dicht vor ihr. Den Kopf dabei leicht nach unten geneigt, um ihre Mimik genau scannen zu können. „Sag mal, du leidest auch unter Selbstüberschätzung oder?“

„Naja, zumindest leide ich nicht an Übergewicht.“

Frechheit.

Das baut wenigstens auf, hoff‘ ich zumindest. Meier, ich geb‘ es ungern zu, aber auf diesem Gebiet bist du nicht unbedingt der Allwissendste.

Sie echauffierte sich, immerhin litt sie nicht an Übergewicht, sie hatte nur bestimmte Defizite, wie eigentlich jede Frau. Gut, nicht jede, aber die Meisten hätten gern die eine oder andere Korrektur. „Mein BMI ist immer noch im grünen Bereich, wie schon gesagt.“ Gezielt wusste Marc gleich eine Antwort. „Naja, wie ich schon sagte, der ist recht dehnbar.“ Sein zuckersüßes Grinsen machte Gretchens Knie schon wieder etwas weich. Der Gedanke an eine zweite traumhafte Nacht mit ihrem Prinzen, bescherte ihr kurzerhand Herzrasen, der ganz speziellen Meier-Art. „Können wir die Diskussion jetzt bitte beenden, Marc. Ich hab heute wirklich keine Nerven für diese Revierkämpfe mit dir.“

„Revierkämpfe?“, hob er eine Oktave höher an. Sie hatte aber auch was, wenn sie aufgeklärt und emanzipiert tat. Schnell schritt Gretchen zum Fenster und ließ das Licht in den schön geschnittenen Raum fluten. „Also müssen wir erst morgen wieder zum Dienst?!“, stellte sie vorsichtshalber nochmal in den Raum. Sie hatte keine Lust von ihrem Chef eine aufs Dach zu kriegen. „Jo, so sieht’s aus.“ Marc schnappte sich die Decke und warf sie unbedacht zur Seite, um sich auf dem gemütlichen Bett zu platzieren, den Oberkörper lehnte er an die beige Lederwand und an das weiße luftige Kissen. Er machte einen entspannten „Ah“- Laut und schloss genüsslich die Augen, woraufhin Gretchen verlegen zu Boden schaute, denn sie wollte nicht den Eindrucken erwecken, dass sie ihn bedingungslos anstarrte.

„Und was machen wir jetzt?“, quengelte sie nach langen 10 Minuten, in denen sie unwillkürlich an die Zeit mit Alexis, nein eigentlich Frank erinnert wurde. Marc stöhnte gepeinigt, hatte er doch für einen Moment vergessen, dass Frauen durchgängig beschäftig werden mussten und sich zu allem Überfluss nie allein ein Hobby oder was anderes suchen konnten.
Definitiv genetisch!!!

„Hasenzahn, kannst du nicht mal relaxen oder geh stricken, oder was ihr Weiber sonst so macht!“

Empört über seine Aussage richtete Gretchen den Blick auf ihn und musste zugeben, dass er im Gegensatz zu ihr ein überdimensional großes Fach für sein Selbstbewusstsein besaß. Ihre Gedanken unterbrach er schier, als er murmelnd hinzufügte. „Wobei dein größtes Hobby Schokolade essen sein dürfte.“ Bedacht, dass sie sich gleich wieder künstlich aufregte, hob er die linke Augenbraue und sperrte sein Auge demzufolge etwas auf. Sie pustete und die Locken flogen quer durch die Gegend. „Nicht schon wieder dieses Thema.“, stöhnte sie und legte den Kopf auf die Brust.

„Weil du keine schlagkräftigen Argumente hast. Mh… wenn du ganz nett fragst, erbarmt sich der Doktor Meier vielleicht und gibt dir mal Nachhilfe, wie damals in der Schule.“

Daran erinnert er sich noch? Bin begeistert. Hätte ich der männlichen Spezies nicht im Geringsten zugetraut, dass die Erinnerung doch einen erheblichen Bogen gespannt hat.

„Das weißt du noch?“ Dabei lag ihre Betonung stark auf dem „Das“, was Marc nickend, als ob nichts dabei wäre hinnahm. „Wieso sollte ich denn nicht? Ich bin Chirurg und kein Pfarrer. Ich vergesse nie!“

Immer dieses Ego!

„An deiner Stelle würde ich mal aufpassen, vielleicht kommst du irgendwann nicht mehr in deine Wohnung, weil dein Ego zu groß ist.“ Marc machte eine zustimmende Geste über ihre Schlagfertigkeit und schloss sein Auge wieder. „Siehste Hasenzahn, das wird schon mit der Schlagfertigkeit. Sollte ich vielleicht nebenberuflich machen.“

„Bloß nicht. Sonst können wir Frauen gleich alle zum Marc Meier- Anhängsel mutieren.“ Wieder biss sie sich auf die Unterlippe und presste fast wehmütig die Augen aufeinander. „Du hast schon wie-“, zeigte Marc auf sie, was sie schnell zu unterbinden versuchte. „Quatsch, da hast du dich verhört. Also was machen wir jetzt?“ Marc brummte etwas unverständliches, auf ihre euphorische Frage, die als Ausweichung ihrer Gedanken dienen sollte.

Gretchen wollte nicht als wehleidig oder hilfebedürftig rüberkommen, weil sie Marcs Reaktionen genau kannte, aber so vollkommen ihren Gefühlen ausgesetzt, machte es ihr schwierig. Ihr kam nie eine Idee, wie sie reagieren würde, wenn Alexis mal vor ihr stehen würde, weil sie davon ausging, dass das nie geschehen würde. Doch als sie sein Gesicht klar und deutlich erkannte, gab es keine Zweifel mehr, er musste es sein. Ansonsten würde sie doch noch so eine zugegeben gewöhnungsbedürftige Brille wie Gigi tragen müssen und dann stände Marcs Schnabel nie wieder still. Der verengte zwischenzeitlich seine Augen und fragte sich gespannt, worüber sie schon wieder nachdachte. Das konnte doch nicht mehr gesund sein, vielleicht sollte er sie bei Gelegenheit mal durchchecken. Der Gedanke an eine persönliche Marc Meier Untersuchung mit diversen Abschweifungen, gefiel ihm sichtlich gut und er hob anzüglich die Augenbrauen.

„Sag mal, worüber denkst du denn schon wieder nach? Mach dich doch mal locker.“

Gretchen ging diese Aussage doch näher als sie dachte, weil er mit seinen lockeren Worten eine weitere Schwachstelle gefunden hatte. Abwartend hob er wieder die Augenbrauen, während Gretchen tief ein und aus atmete und schließlich mit aufgebrachter Stimme, die immer mal wieder weg war, antwortete und ihn scharf ansah, wobei in ihrem Blick immer diese liebliche Art mitschwang.

„Locker machen? Weißt du was, Marc? Locker machen ist so ziemlich das Letzte, was ich kann. Alexis steht heute einfach so vor mir, mit dir muss ich in einem Zimmer wohnen und das einzige, was du zu sagen hast ist, dass ich mich locker machen soll?!“

Inzwischen stand Marc auf und trat an sie heran. Eingreifend legte er seine Hände auf die ihren, welche die ganze Zeit wild gestikulierten und sah sie durchdringend an.

„Jetzt komm mal runter!“

Ehe sie erbost reagieren konnte, schaute er sie nochmal kurz an, ließ seine Augen letztendlich aber zu ihren vollen Lippen schweifen und drückte die seinen sachte darauf. Im ersten Augenblick weiteten sich ihre Augen und sie zuckte deutlich zusammen, weshalb Marc kurz die Luft lächelnd durch die Nase ausblies, die Gretchens Haut streifte. Der brünette Mann wartete kurz ab, und öffnete minimal die Augen, sodass er sie kurz ansah, bemerkte er auch, wie sie bereits die Wimpern aufeinander gelegt hatte und sinnlicher nicht aussehen könnte. Bei ihm bildeten sich kleine, niedliche Grübchen, die ihn um so einiges sanfter wirken ließen und der Oberarzt bewegte sich leicht gegen sie, sodass ihre Lippen ineinander übergriffen. Auch Gretchen erwiderte den Kuss nach anfänglichem Zögern und sie beide durchfuhr eine bekannte Wärme, die Gretchen nie wieder loslassen sollte. Sie suchte Halt an Marcs Brust, fuhr seinen Thorax nach oben und klammerte sich fest an seinem Hemd, das er wie immer etwas offen trug. Er fuhr mit der rechten Hand ihren linken Arm nach oben und strich beruhigend über ihr Schulterblatt, die andere legte er etwas fester in ihren Nacken.

Für Gretchen die beste Medizin, Männer. Ein ganz spezieller Typ hatte es ihr allerdings schon seit 16 Jahren angetan: Marc Meier!

Elli Offline

stellv. Admine


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05.10.2014 21:38
#57 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Hey Leute,

habt ihr das WE gut verlebt? Morgen geht's zumindest bei mir wieder los, deshalb kommt heute noch ein zugegeben *zuckerreicher Teil, den Diabetiker unter euch vielleicht umgehen sollten. Nein, Spaß! Es ist ein wenig feinfühliger, wie ich hoffe... Es ist bis jetzt auch mein persönliches Highlight, sowohl von der Handlung als auch von den Akteuren!
Mehr möchte ich auch gar nicht vorweg nehmen. Dankeschön an die Leser und Kommentatoren unter euch!

LG
Eure Elli




Die Intensität des Kusses nahm stetig zu und Gretchen gab sich Marc Stück für Stück mehr hin, allerdings griff er dirigierend ein, als die Blondine sich gerade an seinen Knöpfen zu schaffen machte. Die Augen öffnete sie nur langsam und sah ihn etwas ungläubig mit leicht schüttelndem Kopf und einem missverständlichen Lächeln an. „Was? Ich versteh gerad nich…“ Ihre Stimme klang sanft und gefühlvoll, was Marc erneut die Augen schließen ließ, ehe er ihr entgegen raunte. „Ich glaub das ist keine gute Idee.“

„Nein, das ist eine gute Idee, ganz sicher!“, nickte die junge Assistenzärztin eifrig und wollte sich ihm wieder entgegen strecken, als Marc sie an den Schultern packte und auf Distanz hielt. „Stopp, Hasenzahn! Ich denke nicht, dass… na… hier… (stöhnend über seine undeutlichen Worte) Ich bin in weniger als drei Wochen weg. Ich… ich…will…“ Marc haderte sichtlich mit sich und griff quer über sein Gesicht ehe er den Blickkontakt zu Gretchen wieder aufstellte. „Gretchen, ich hab keinen Bock, dass das wieder von vorne losgeht. Verstehst du?“ Hoffend zog er die Stirn kraus und sah sie eindringlich an, als er schon ahnte, dass sie ihm nicht folgen konnte. Wie auch, wenn er sich selbst so unsicher war. Etwas perplex röchelte Gretchen und meinte daraufhin ziemlich unsicher. „Ehrlich gesagt, nee!“

Hab ich mir fast gedacht.
Wieso müssen Männer immer in Rätseln sprechen? Das ist doch auch eine Art Neurose, oder?


Erklärend suchte der 33 jährige nach Worten. „Überleg mal, wenn du ne Niere rausnimmst…“

Hä? Was fängt der denn jetzt mit Nieren an. Oh Gott, Marc…

„… dann kannst du ohne eine noch leben, aber wenn die zweite auch bakteriell angegriffen ist, dann sieht es mies aus. Hat ja nicht jeder Glück auf nen Spender.“

Langsam dämmerte es ihr. Mit erhobenem Finger zeigte Gretchen zwischen ihnen hin und her.
„Du willst mir also gerad sagen, nur dass ich richtig liege Marc, dass du dabei bist mich zum 2. Mal zu verletzen, was du unter bakteriell verstehst?“ Er nickte resigniert. „Genau!“ Seine Augen glitten an ihr vorbei aus dem Fenster und für Gretchen sah es fast so aus, als ob er stur war, doch Marcs Gehirn lief auf Hochtouren und ratterte, nicht zuletzt, weil das Blut verdächtig in seine Lendengegend schoss und er sich dringend ablenken musste. „Marc, das ist doch quatsch.“ Schnell nahm ihre Stimme wieder fahrt auf und sie appellierte mit ihren blauen Augen drängend an seinen Verstand, was er an ihrer Mimik klar erkannte. „Ich hab dir doch gestern erklärt, wie ich dazu stehe. Wir können das schaffen, aber du musst mitziehen.“

Vorsichtig tasteten sich ihre Hände zu den seinen und bohrten sich in seinen Griff. Sie trat den Schritt wieder nach vorn und ihre Oberkörper berührten sich bereits, sodass Marcs Kinn ihre Locken streifte. Er schaute immer noch starr geradeaus und seine Kieferknochen prägten sich eckig und fest hervor. Sein Hals pulsierte, denn Gretchen hatte diesen genau in ihrem Blickfeld, bevor sie schüchtern nach oben sah und auf eine Antwort hoffte, die sie stimulieren würde. Gleichzeitig überraschte sie es sichtlich, dass Marc Meier offensichtlich doch so etwas wie ein Gewissen und Schuldgefühle ihr gegenüber besaß.

„Gretchen…“, setzte er deutlich sanfter an, hatte aber weiterhin die Spur Meier-Manier in der rauchigen Stimme. Seine Augen schweiften nach unten und kaum merklich legte er den Kopf nach vorn um sie ansehen zu können. Auch ihm viel es nicht leicht, weil sein Unterbewusstsein genau richtig handelte. „Ich will dich nicht nochmal so aus der Bahn werfen, verstehst du?“, hauchte er ihr entgegen und strich mit der rechten freigegebenen Hand sachte über ihren Haarschopf, wie damals im Auto, als es um das leidige Thema Sex und Gefühle ging. „Dann tu es nicht, Marc. Lass uns doch einfach die Zeit genießen, die wir haben. Meinst du nicht, dass wir eine Chance verdient haben?“ Er zuckte nur mit den Schultern und schluckte den ironischen Spruch gleich runter. „Es weiß keiner was passiert, aber probieren geht bekanntlich über studieren.“, schmunzelte sie feinfühlig und tat einen Schritt zurück.

Er lugte sie immer noch an, wobei seine Augen an Kühle und Standhaftigkeit gewannen. „Wenn du meinst…“, brummte er und Gretchen trat sofort in seinen mehr oder minder Redefluss ein. „Ja, mein ich.“ Er grinste keck. „Siehste, schon wieder schlagfertig.“ Beide lachten, als sie ihm dann auf die Brust schlug, locker und unbeschwert. Es war keineswegs eine bösartige Geste, eher neckend. „Und jetzt? Die Stimmung ist weg!“, zog sie geknickt die Schultern hoch und schmollte vor sich hin, was Marc akribisch beobachtete.

„Keine Sorge, dafür sorg ich schon.“, raunte Marc ihr heißer ins Ohr und gab ihr einen kleinen Kuss auf die Ohrmuschel, ehe er ihrer Nase nahe kam und beide kaum merklich ineinander lächelten.

Bevor es weitergehen konnte, zog Marc die 30 jährige auf das Bett und begab sich in seine Ausgangsposition, nur Gretchen schaute ihn etwas ratlos an. Wollte er sie jetzt einfach so stehen lassen? Doch Marc hatte bereits andere Gedanken und packte sie etwas fester an dem Handgelenk und deutete mit erhobener Augenbraue auf seinen Schoß. Da Gretchen offensichtlich auf dem Schlauch stand, verdrehte der Chirurg kurz die Augen und packte sie dann an der Hüfte um sie sicher auf sich zu platzieren.
Oh je… das ging aber schnell jetzt…
Nicht denken, Hasenzahn. Machen!


Kaum saß sie rittlings auf seinem Schoß, da hatte er ihre Augen schon eingefangen und gab sie erst wieder frei, als er ihren Hals mit anheizenden Zärtlichkeiten benetzte. Gretchens Körper durchzog abermals diese geborgene und unantastbare Wärme, die sie nur mit Marc erreichen konnte und eine leichte Schicht an Gänsehaut baute sich stetig auf, was Marc durch seine schlanken Chirurgenhände deutlich spüren konnte. Auch ihm gefiel das Gefühl, wie sie sich ihm offensiv vollkommen hingab und das, obwohl er sie vor nicht all zu langer Zeit sehr verletzt hatte, wovon heute noch deutliche Spuren da waren. Aber sie tat es, hier und jetzt und das machte den Chirurgen stolz, dass ihm die Brust anschwoll und Gretchen kurz die Luft anhielt.

Er wollte ihr das zurückgeben, was sie ihm seit Jahren tagtäglich schenkte: Bedingungslose Liebe!

Schon der Gedanke daran, entzündete eine aufsteigende Wärme in seiner Kehle, die er durch einen schluckenden Kuss versuchte zu regulieren. Seine linke Hand strich Gretchen sachte über die Taille und fuhr immer wieder die kleine Einkerbung ihrer nach, bis er ihren Rippenbogen weiterging und seine Hand für eine Weile ruhend auf ihrem Rücken angrenzend ihrer Wirbelsäule blieb. Auch bei Gretchen war längst ein Feuer entfacht und das wurde hauptsächlich durch Sehnsucht, Liebe und Zusammengehörigkeit dirigiert. Sie hatte sich so lange dagegen gewährt, gesträubt und es ignoriert, aber irgendwann platzte auch der beste Vorsatz wie ein Luftballon auf einer Nadel. Und genau die war es, die dieses Gefühl ins Rollen brachte und beide waren in dem Moment unendlich dankbar, dass sie dem Impuls folgten und einander in den Armen hielten. Und so abgedroschen, perfide und kitschig es klang, aber auch Marc Meier fühlte sich geborgen.

Unterdessen setzte Gretchen kleine unschuldige Schmatzer auf seine Halsschlagader, die bei Marc mehr verursachten als sie sich denken konnte. Er zog die Luft scharf durch die Nase ein, als er Gretchens Lippen mit einem atemberaubenden Zungenkuss verwöhnte und sie nur noch seufzend in das Spiel ihrer Muskeln mit einsteigen konnte. Zugegeben, sie zitterte schon und ihre Beine fingen besonders an zu spannen. Dass es Marc ähnlich ging, ahnte sie nicht, aber auch wenn, momentan wäre es das Letzte gewesen, was sie hätte tun können. Nachdenken. Marc schob ihre Locken von den Schultern und betrachtete sie einen Moment mit festem Blick und einem unglaublichen Blitzen in den smaragdgrünen Augen. Er legte seine Lippen abermals an ihren Hals und fuhr hinab bis zu ihrem Schlüsselbein, was ihm Gretchen nur zu gern genüsslich entgegen reckte. Als sie ein Zucken bis in den kleinsten Zeh durchzog, rutschte sie auf seinem Schoß um einige Zentimeter nach vorn, was auch Marc leise aufstöhnen ließ.

Ruckartig beendete er seine Küsse und schaute sie fast ein wenig perplex an, weshalb Gretchen einen Moment zweifelte, doch als er sich von der Sitzposition hervor drückte und mit seinem linken Arm ihre Hüfte umschlang, wusste sie, dass er nur den Winkel verändern musste.

Die Decke lag immer noch aufgeschlagen auf der hinteren Betthälfte, auf die Gretchen jetzt gebettet wurde und ihr Kopf tauchte tief in das satte weiß ein, was Marc einen unglaublich sinnlichen Blick auf Hasenzahn bescherte. Und ihr zartes Lächeln verstärkte das Gefühl. Der smarte Chirurg stütze sich mit den Unterarmen ab, als er ihr noch kurz einen Kuss entgegen hauchte und schon in ihrem Dekolleté verschwand. All die Frauen mit denen Marc zwischenzeitlich Sex hatte, hatten nie so ein unbeschreibliches Gefühl in Anbetracht ihres Brustansatzes mit sich gebracht, aber Gretchens liebkoste er dafür umso intensiver. Seine rechte Hand schob sich ihren Oberschenkel aufwärts unter ihr liebliches Sommerkleid, welches Marc schon vor ein paar Stunden ins Auge gestochen war. Dabei spürte er deutlich ihren Slipansatz und ihren BH, wo er galant vorbei griff hinter ihren Rücken, den BH Verlauf entlang.

Unterdessen griff Gretchen etwas zögerlich an seinen Hosenansatz und weckte so kurz Marcs Aufmerksamkeit, als er aufsah. Schnell biss sie sich auf die Unterlippe, was ihre natürliche Miene für eine „Peinlichkeit“ darstellte, die eigentlich keine war. Forschend gab er sich wieder ihrem Kleid hin, was er am Brustansatz stückweise zur Seite schob und so immer mehr Haut freilegte, die heiß gemacht werden konnte. Gretchen hatte es gerade geschafft mit geschlossenen Augen seinen Hosenknopf zu öffnen, als sie sich ihm erbarmungslos entgegen wölbte, denn Marc traf da auf eine empfindliche Stelle mit noch empfindlicher Haut, das hatte er schon bei ihrem ersten Mal herausgefunden.

Unwillkürlich stahl sich ein verdrängter Gedanke in ihren Kopf. Damals…

So lang war es noch gar nicht her gewesen und ihre Augen öffneten sich punktgenau und starrten wie hypnotisiert an die Decke. Anfangs nahm Marc das noch als eine Art Kompliment hin, als sie mit ihren Gesten und Streicheleien aufhörte, weil sie vermutlich vor Lust zerfloss, doch ein kurzer unbedachter Augenaufschlag in ihr sonst so verträumtes Gesicht, ließ ihn abermals inne halten und er kam etwas nach oben um ihre Augen auf seine zu lenken. „Was is‘?“, raunte er nur willig und Gretchen merkte, dass er für den Moment etwas genervt klang, weshalb sie lächelte und sagte. „Mach weiter…“

Gesagt getan, machte der Doktor Meier dies und schob ihr die Träger des Kleides über die Schultern, sodass er es ihr nur noch überstreifen musste, deshalb erhob er sich und fing Gretchens irritierten Ausdruck ein. Hatte er etwas schon genug? War es nicht das Wahre für ihn? Doch er schüttelte kaum merklich den Kopf und zog sie nach oben, sodass sie vorn ihm saß und er geschickt ihr Kleid an den Oberschenkeln aufraffte und nur noch auf das Hochheben ihrer Arme wartete. Das untermauerte der Jungchirurg auch mit dem selbigen Blick und Gretchen tat rasch wie ihr befohlen. Langsam verflogen die Gedanken auch bei ihr wieder und sie sah ihn aufgewühlt an, aber mit der gewissen Note Herz, dass es Marc zum Schlucken brachte. Sie tastete sich hastig zu seinen Knöpfen, was er belustigt wahrnahm und öffnete alle in erstaunlicher Geschwindigkeit. Spreizend, weil sie das auch schon aus Erfahrung wusste, tänzelte sie mit ihren Fingern über seine Schultern und streifte ihm den leichten Stoff ab. Er sah gut aus, braun gebrannt… nein eigentlich war er immer dunkel. Aber sie hatte ihm so lang nicht nah sein dürfen. Liebevoll griff sie an seine Wange und legte die Hand danach in sein dunkles, gutriechendes Haar. Sofort zog sie ihn zu sich und ihre Lippen verschmolzen, dieses Mal wieder etwas zärtlicher und weniger drängend.

Unterdessen drückte Marc sie zurück in die Laken und betrachtete ihren Körper genüsslich. Neben dem hellen Licht, leuchtete jede ihrer Locken filigran und anmutig vor sich hin, während sie ruhig und doch dynamisch auf dem Bett ruhten. Ihre feinen Konturen wurden von den aufsteigenden Decken umrahmt und Marc gönnte sich unbeobachtet eine Sinnespause, in der er sie nur ansah. Verbal und fad, doch ihr zog es durch Mark und Bein, wie er sie intensiv und doch feinfühlig mit den Augen verfolgte.

In Gretchens goldener Mitte brach ein unbeschreiblich warmes und klammerndes Gefühl aus, eines, was ihr einen Impuls von Drang und Willen bescherte. Unterdessen machte sich Marc an ihrem Bauchnabel zu schaffen, denn Gretchen spürte seine Lippen wortwörtlich über die zarte Haut tanzen, die so empfindlich war, dass es ihr kleine Blitze durch die besagten Stellen jagte.

Ungeniert schielte der Chirurg nach oben und nahm den erwünschten Ausdruck von vollkommener Hingabe und dem Genuss war. Neben ihren geschlossenen Augen, taten es ihm besonders intensiv ihre Lippen an, die von einem leichten Feuchtigkeitsfilm überzogen zuckten und einen Kussmund formten. Seine Hände strichen bewusst etwas drängender über ihre Seiten und kurzerhand drückte er sich aus den nachgiebigen Kissen nach oben und stimulierte ihre Lippen für einige Zeit stillend mit einem festen, aber gefühlvollen Kuss, dass Gretchens Gehirnströme endgültig in die weiten Jagdgründe gingen. Nachdem sich die pummelige Blondine einige Zeit verwöhnen ließ, und dies noch zu gern länger genossen hätte, hob sie ihre schwere und doch leichte Hand, denn jede überflüssige Bewegung war eine neue Energieverschwendung und griff Marc etwas nervös an die Hüfte, um ihm im nächsten Atemzug die dunkelblaue Hose abzustreifen. Bevor er allerdings den Blick mit ihr kreuzte, nutzte sie ihr mehr oder minder non- existentes Schauspieltalent und kniff die Augen unnatürlich fest zusammen. Auch ihr festes Stöhnen glich Marcs Sinneswahrnehmung eher einem hechelnden Hund im Sumpftopf, als einem Hasenzahn, doch er grinste nur schelmisch besserwissend in sich und begab sich auf Wanderung zwischen ihre Brüste.

Würde dieses Spiel noch lange weitergehen, hätte Marc Meier wortwörtlich eine original getreue flüssige Wachsabbildung eines Hasenzahns, soviel war sie sich sicher und im nächsten Augenblick reckte sie ihren Brustkorb überdehnend nach oben, um Marc möglichst viel Angriffsfläche zu bieten, die er nur zu gern nutzte. Schnaufend hielt Gretchen den letzten Atemzug an, als sie seine schlanken Finger ihre Taille hinab streichen spürte und er letztendlich an dem heiß ersehnten Teil namens Slip zum Stillstand kam. Sein Haarschopf lag quer durcheinander, denn Gretchen griff tendenziell hinein, denn nicht nur die Gier, sondern auch Halt bot sich dort in dem dominant sportlich frisch riechenden Ansatz Marc Meier. Ungeniert bückte sich der Chirurg über seine Assistenz und fing ihren blauen Blick ein. Ehrlich gesagt, hatte er nach spätestens dem BH gedacht, sie würde einen Rückzieher machen, aber in ihren Augen lag eine unbarmherzige Willensstärke die ihn für den Moment leicht schockte, doch wie Männer so sind, gab er nicht allzu viel darauf und stupste leicht gegen ihre Nase. Daraufhin platzierte sie ihre Hand an seinem Nacken bzw. seinem Haaransatz und schielte seine Gesichtsansicht durch schmale Augen an. Kehlig schluckte die 30 jährige und Marc verfolgte mit präzisen und minimalistischen Augenaufschlägen ihre Speiseröhre, als sich zwischen ihren Brüsten der Luftdruck deutlich anhob. Der Chirurg machte sich nicht die Mühe noch einmal in ihr verträumtes Profil zu gucken, durch welches er merkte, dass ihr Blick nach rechts ging, viel lieber schenkte er seine volle Aufmerksamkeit Gretchens Busenfreundinnen.

Ungeniert grinste er lasziv, aber mit dem gewissen Maß an Stil, der einem Marc Meier hauptsächlich zu Gute kam. Diesen Gedanken musste er sich unumgänglich merken und Gretchen dann im richtigen Moment damit foppen, nur um zuzusehen, wie sie keine zwei Sekunden später an die Decke ging und gleichzeitig vor Scharm erröten würde. Stetig aufbauend, übte der Mann mit den unzähligen Fassetten immer mehr Druck aus und brachte so seinen Willen zum Ausdruck. Natürlich gefiel es Gretchen, denn unkontrolliert schoss ihr Oberkörper immer mal wieder nach oben, dass sie Marc noch fester an der besagten Stelle spürte. Nach schier unendlichen Runden um ihre Brust, erreichte er endlich den Gipfel des Berges, was der jungen Nachwuchschirurgin ein ungehaltenes Seufzen entlockte, dass Marc Gänsehaut bekam.

Doch leider warfen ihre Gedanken einen Anker, der Gretchens Stammhirn kalt erwischte. Den Kopf stets nach rechts und im Nacken schon eine schweißige Nässe durch die Haare spürend, strahlte ihr die Sonne beim Blinzeln warm und grell entgegen.

Das war ein Déjà-vu zu dem Tag, als sich ihre Liebeslage Schlag auf Schlag änderte. Sie wollte nicht einen sinnlosen Gedanken daran verschwenden, wie es doch wehtat und getan hatte, als sie allein aufwachte und nur einen elenden Zettel fand, den sie zu allem Überfluss nicht einmal heute entsorgen konnte. Gott war es erbärmlich. Es gab höchstwahrscheinlich eine Frau, die sich willig und bewusst wöchentlich einmal die Breitseite abholte und am Schluss noch „Danke“ sagte. Gretchen Haase. Sie wollte doch die Zeit im hier und jetzt genießen und plötzlich machten ihr vergebene Gedanken einen Strich durch die Rechnung? Nein, das durfte nicht sein!

Deshalb drückte sie das Licht aus ihren hellblauen Augäpfeln und schloss sie. Konzentrierend wollte sich die Blondine den Berührungen des wohlbemerkt gutaussehenden Marc Meiers hingeben, aber wenn es schon nach Konzentration und Disziplin ging, war das Gefühl erloschen. Aber sie hielt krampfhaft daran fest, besonders als ihr Körper signalisierte, wie gut er das Verwöhnprogramm ohne entstehende Kosten doch fand. Vielleicht hatte es seinen Preis, aber der war zielsicher nicht an irgendwelchen Zahlen auf der Bank abzulesen. Jetzt tastete sich die junge Frau bedacht nach vorn oder sollte man lieber unten sagen? Da lag der Mann ihres Lebens auf ihr und sie grübelte über alte Kamellen nach, bei Gretchen stimmte ziemlich sicher nicht alles, weshalb sie Marc bei der Hüfte packte und ein Stück zu sich nach oben zog. Der willigte unter denselben Umständen ein und spürte kurz darauf, wie ihre Fingernägel an seinen Boxershorts Halt fanden und sie ihm zögernd abstreiften. Marc rutschte nach oben und platzierte seinen Oberkörper anschmiegsam auf ihrem, was beiden sichtlich imponierte.

Es tat verdammt gut, endlich wieder den nötigen Halt zu bekommen, abgesehen von den unzähligen Alkoholabhängigen Typen in den Nachmittagsopern, die bewiesen, dass Gretchens Leben gar nicht mal so beschissen war, wie sie immer dachte. Auf Marcs Gesicht bildete sich ein Ausdruck vollkommener Freiheit und Unbeschwertheit, den Gretchen tief aufsog und nie wieder von ihren Bildern im Kopfkino streichen wollte. Seine männlichen Finger glitten über ihre Schläfe und fanden den Weg zu ihrem Kieferknochen, wo er mit Nachdruck seine Lippen auf ihre presste und an besagter Stelle halt fand. Beide wurden drängender, heißer, feuriger und williger, deshalb fuhr Marcs linke Hand ihren kompletten Körper einmal hinab, um sich zwischen ihre prallen Beine zu schieben, die er mit einer aufgewandten Kraft entzweite um sich dazwischen zu positionieren. Gretchen spürte seine Lust und ihre Anziehung auf ihn, was Marc wohltuend wahrnahm. Der 33 jährige Brünette strich sich durch die verschwitzen Haare, in die Gretchen zu gern griff und legte sich dann kurz mit vollem Gewicht auf sie.

Abwartend schaute sie mit zusammengezogenen Augenbrauen zu ihm herab und bekam einen spitzen Blick ihres schlagfertigen Oberarztes, der ihr eben den Slip entreißen wollte. Da sah er allerdings urplötzlich, wie ihre Augen runder wurden und sie einen Hauch von Panik zu übermannen schien, weshalb er inne hielt und sie fragend musterte. „Alles klar?“, atmete er tief und seine Augen flogen über ihr Gesicht, das nur nickte und die Augen wieder schloss.

Marc nahm ihre Geste kommentarlos hin und schob ihr den anschaulichen Slip über die Schenkel und letztendlich über die Wanden und Füße. Seine linke Hand legte er neben Gretchens Gesichtshälfte und strich kurz über ihr Haar, als sie merkte, dass Marc etwas nach oben rutschte und nun auf Augenhöhe mit ihr war.

„Schau mich an!“, forderte er Meier-like auf und sie tat sich sichtlich schwer, als sie die blitzenden Steine ihres Gesichtes öffnete und erst einmal rundum sah, nur nicht zu ihm. Marc hatte sich schon seit eben gedacht, dass wieder etwas quer ging bzw. ihre Gedanken einen ausschlaggebenden Punkt fanden. Nur warum taten sie das immer jetzt? Er würde jede Minute bei längerer Enthaltsamkeit explodieren, soviel stand fest, aber der Jungchirurg empfand es als durchaus wichtig, dass seine Gespielin ihn wenigstens eines Blickes bei ihrem Akt würdigte. Aber Gretchen war da offensichtlich anderer Meinung, denn sie sah momentan auf seine Stirn, in der einzelne Strähnen seiner Haare lagen. Er hoffte mit einem aussagenden Kuss ihre Zweifel dieses Mal endgültig zu besiegen und küsste sie voller Leidenschaft und pulsierender Lust.

Gretchen merkte den knappen Vorstoß, dass es ihr den Atem stockend unterbrach und sie lediglich ein deskoordiniertes Keuchen offenbarte. Lange konnte sie den Blickkontakt, der bei ihrem ersten Moment entstand nicht festigen und schloss die Augen. Einerseits aus Schutz, weil es sie schmerzte. Nicht körperlich, das war wunderschön sondern seelisch. Andererseits, weil ihr Körper dieser Liebe nachging. Marc stütze sich auf den Unterarmen ab und griff nach ihrer rechten Hand, die nahe seiner ruhte, als er auf sie hinabsah. Auch ihm entwich ein angestautes Stöhnen mitsamt einem Gefühl, dass er seit ihrer letzten Nacht nicht mehr gespürt hatte. Seine Rückenmuskulatur prägte sich malerisch hervor, als ihn jede Bewegung, anfangs sanft, doch später steigender immer mehr mitriss. Der junge Mann senkte seinen Kopf und küsste ihre Wange, die unwirsch von rechts nach links flatterte. Seine linke Hand rutschte an ihre Hüft um sie zu führen und gleichzeitig um Halt zu beten, den ihm Gretchen gewährte.

Um nicht ständig von ihr ins Kissen gedrückt zu werden, küsste er nun ihre Halsschlagader und konnte ihr Herz bis dahin schlagen hören und fühlen. Ihre Finger hingen ineinander, als er etwas kraftvoller ihre vermeintliche Leere füllte und Gretchen lautstark stöhnte, sodass Marc es abermals wagte ihre Wange zu küssen. Vertieft fuhr er ihren Kiefer entlang und fing am Rande ihres Ohres an, bis er plötzlich etwas Nasses frontal auf ihrer rosigen linken Wange wahrnahm. Kurz schloss er die Lippen aufeinander, um sich der Versuchung hinzugeben, doch da merkte der trainierte Mann zum zweiten Mal eine salzige Feuchte, die definitiv nicht aus schweißtreibendem Sport entstand. So sehr konnte selbst Hasenzahn nicht schwitzen, weshalb er ruckartig, aber nicht zu dynamisch seinen Kopf hob und sie aus grünen Augen ansah.

Sie weinte. Moment mal, wieso weinte sie, wo sie doch gerade so etwas Schönes zusammen erlebten? Doktor Meier hielt in seiner tiefen Position inne und war darauf bedacht keine Regung mehr zu erzeugen, bevor sie nicht einmal sagte, was nun wieder in sie gefahren war.

„Gretchen?“, fragte er dann doch etwas milder und sah sie entgeistert an, als sie langsam ihre glasigen Augen öffnete. Wie sie so unter ihm lag und ihn ansah, trieb es ihm den unguten Gedanken in den ratternden Schädel, dass er Recht hatte und sie dies nicht hätten tun dürfen. Wenn man es genau nahm, waren sie noch dabei. Ihre Lider flatterten suchend nach einer Ausrede, die ihr der Mund nur zögerlich bot. „Das ist die Sonne, blendet so.“, log sie offensiv, aber weniger stotternd und hilflos, als Gretchen es von sich dachte. Irgendwie wusste sie nicht wie weiter…

Marc stützte sich auf die Handflächen und konnte sie nun umgehend studieren, als er recht unwissend antwortete. „Sicher doch. Was ist denn auf einmal los?“ Er glaubte kaum, dass ein Marc Meier mal so eine Fragen stelle würde, aber er tat es, sich tatsächlich fragen, was los war. „Hab ich… also ist… hab ich was falsch gemacht, Hasenzahn?“ Die Intension seiner Worte ließen sie gleich wieder die Augen aufeinander pressen und dicke Tränen liefen tropfend heraus.

„Gretchen?“, fragte Marc vorsichtig und mit einem ungläubigen Blick, immerhin lagen sie hier übereinander kurz vor der gemeinsamen Sinnflut und er hätte im Leben nicht davon geträumt, ausgerechnet Gretchen weinend unter sich liegen zu haben, wohlbemerkt beim Sex. „Mach einfach weiter…“, sah sie ihn verschlungen an, doch er wäre ein Unmensch, hätte er ihre Bitte verfolgt und sich hier einen pulsierenden Höhepunkt beschert, während seine Assistenzärztin unter ihm flennte. So nötig hatte er es dann doch nicht. „Von wegen!“

Gegensätzlich weiter zu machen, entzog er sich ihr vorsichtig und schnappte sich im selben Zug die andere Decke, um sie über ihre unbedeckte Haut locker zu legen. Er selbst griff kurz entschlossen nach seiner Shorts und setzte sich gerade auf das Bett, die eine Hand immer noch ineinander verhakt und es schien ihm so, als ob Gretchen diese mit aller Kraft festhielt. Mit der anderen Hand wischte sie sich jetzt die Tränen von den Wangen und umfasste die Decke an ihrer Brust fest, um sich aufrecht hinzusetzen. Dabei folgte Marc ihrem Blick. „Warum hast du aufgehört?“, fragte sie wohlbedacht schüchtern und mied seinen Augenkontakt. Denn sie würde nur Fassungslosigkeit zu sehen bekommen und genauso schüttelte er mit einem „Tzzz“- Laut den Kopf.

„Meinst du, ich hab es so nötig, dass ich jetzt schon mit Frauen schlafen muss, die lieber heulen, als sich zu entspannen?“

Ungewollt schwang eine Art Vorwurf mit, was bei Marc nichts Böses hieß, nur wusste er anders seine Empörung nicht kund zu tun. Zumal fragte er sich, was denn falsch war, dass sie es nicht einmal sagen konnte und anstatt es zu beenden, weinte. Doch er bekam keine Antwort, deshalb senkte er den Blick und hob die Augenbrauen hoch in die Stirn. Gretchen versteckte sich lieber hinter ihren Locken. „Das war nicht so gemeint.“, nuschelte sie entschuldigend. „Aber getan hast du’s trotzdem, also was war los?“

Der hält mich doch für vollkommen bescheuert, wenn ich jetzt sage, dass er Recht hatte! Gretchen, du unentschlossene Kuh!

Nachdem wieder keine Antwort kam, wedelte er mit dem freien Arm vor ihrem Gesicht und rief fest. „Hallo? Jemand zu Hause?“

Die Hände, welche noch ineinander waren, wurden von Gretchen regelrecht zusammengepresst, was Marcs Blick einfing.
Was war denn nur los? Und vor allem, wie würde er es erfahren, wenn sie nicht mit ihm sprach?

Elli Offline

stellv. Admine


Beiträge: 2.105

12.10.2014 18:26
#58 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Hallo ihr Lieben,

zum Sonntag wieder etwas Futter für euch! Danke an meine lieben Kommentatoren und auch die Klickzahlen sind jedes Mal gigantisch, wie ich finde. Ihr habt ja reich spekuliert, wollen wir doch mal gucken, wie es denn nun wirklich weitergeht und wie lange ich euch noch "hinhalte" .

Ich wünsche euch noch einen erholsamen Sonntagabend!
GLG
Elli




„Mein Gott, jetzt sag doch, was du hast! Ist ja wie im Kindergarten hier…“ Den Rest des Satzes nuschelte er unverständlich in seinen Dreitagebart, worauf Gretchen zu ihm aufsah und ihm entschuldigend versuchte kommentarlos zu erklären, dass es nicht an ihm lag.

Meier, sowas gab es nun aber wirklich noch nie in deinem sexuellen Wertegang. Normalerweise heulen sie vor Freude, weil ich sie bis zum Mond und wieder zurück befördert habe, aber nie weil… Ja, weil bzw. warum eigentlich?

Gretchen wollte aber offensichtlich nicht mit der Sprache rausrücken, allerdings wollte sie seine Hand nach einem Versuch auch nicht loslassen. Tja, was wollte sie denn dann? Marc jedenfalls fühlte sich auf deutsch gesagt schon verarscht und noch wichtiger war, dass er dachte, sie irgendwie verletzt zu haben. Das sagte er ihr auch offensiv und etwas drängend mit Nachdruck in der Stimme sowie in den Augen, die eine gewisse Treue ausdrückten, wie Gretchen es noch nie bei ihm gesehen hatte. „Hab ich dich verletzt?“ Sie rang mit sich, nickte letztendlich stumm vor sich hin, nicht darauf bedacht, dass Marc körperlich in Erwägung zog. „Was? Wo?“ Aufgewühlt glitt sein Blick über die Decke und er richtete sich weiter auf. „Nicht körperlich. Seelisch!“, sah die Blondine ihm ebenso verwirrt entgegen, als Marc auf eine Art erleichtert ausatmete.

Gott sei Dank!
Was ist denn daran bitte beruhigend?


Sie konnte seinen Blick mit der gewissen Euphorie und Erleichterung nicht einordnen, aber Marc meinte solide und räusperte sich dabei. „Wäre auch was Neues bei mir.“ Da meinte Gretchen fast so etwas wie Arroganz gepaart mit Beleidigung zu hören und entwickelte ungewollt ein Hochziehen ihrer Mundwinkel.

„Nein, im Ernst Hasenzahn. Was ist los? Und dieses Mal bitte direkt, verständlich und in einem erklärlichen Deutsch!“ Anforderungen stellte er auch noch, na super. Zumindest drehte sich Gretchen schon einmal etwas in seine Richtung, das konnte doch nur ein positiver Hoffnungsschimmer sein, oder etwa nicht? Aus Frauen konnte Mann einfach nicht schlau werden.
Kannste machen, was de willst. Von Fachmagazinen bis hin zu Pornos. Einmal will sie den harten, dann den gefühlsdusligen Schmusesex. Die soll mal einer verstehen, denn ich tu es nicht.

„Ich glaube einfach, du hattest Recht!“

„Womit?“, zog ihr Marc stückchenweise die Erklärung aus der Nase. „Dass es so nicht funktioniert.“ Stöhnend schielte der Jungchirurg an die Zimmerdecke und strich sich über die Nase. „Womit?“, fragte er fast etwas genervt. Ebenso leicht impulsiv, aber auf der Gefühlsebene, antwortete die blonde Frau mit dem sonst so sonnigen Lächeln.

„Mit uns. Du hast es doch so glorreich zusammengezogen. Du gehst und ich bleibe, das hat doch keine Zukunft, Marc.“

Jetzt klang es fast so, als ob Gretchen dem kleinen Marc beibringen musste, dass er das Auto nicht bekommen konnte, weil die Lackfarbe giftig war. Und zu allem Überfluss wurmte es den Oberarzt, dass er genau dasselbe vorhin ihr nahegebracht hatte, allerdings war der Sturkopf größer.
Gut Gretchen, eine kleine Notlüge muss noch dazu, sonst geht Marc gleich vollkommen an die Decke. Er hatte ja Recht…
Aber er hatte ihr dieses Mal nicht Unrecht getan oder sie überredet, geschweige denn manipuliert oder bezirzt. Nein, er hatte offen und ehrlich mit den Karten gespielt, dass es so nicht funktionieren würde, und trotzdem war ihre Vernunft geblichen und ihre Gefühle siegten, aber scheinbar hatten die auch einen noch pikanteren Sprung als er glaubte.

„Und warum sagst du mir das bitte so, als ob ich es nicht verstehen würde? Sorry Hasenzahn, aber dasselbe hab ich dir vor ner Stunde gesagt und da hieß es, das macht nichts und es sei egal.“ Sichtlich verwirrt senkte Marc die dunklen Augenbrauen und verschmälerte die grünen Steine, um sie prüfend zu beäugen. Noch etwas benommen säuselte sie mit gesenktem Blick auf ihre Hände, die schon ineinander schwitzten.
„Ich weiß, Marc! Ich…“ Rapide wurde sie unterbrochen.

„Das ist ja schön für dich, Gretchen. Allerdings bleibt da immer noch die Frage nach dem ausschlaggebenden Grund? Bevor wir gevögelt haben-“ Tadeln rief sie laut. „Marc!“ Doch der ging nicht im Geringsten auf ihren erhobenen Wortlaut ein. „meinteste, dass du dir dessen bewusst bist, dass ich in drei Wochen weg bin und auf einmal heulst du, als wir Sex haben? Also normal ist das nicht, kannst du mir erzählen, was du willst…“, brummte er das Letztere eher und wollte sich ihr abwenden, als Gretchen resignierter das Wort ergriff. Ihre Stimme überschlug sich an einigen Stellen und es wirkte wie ein sprudelnder Wasserstrom. „Ich war im Moment, in Ordnung?“

„Ja, ich war auch im Moment. Oder glaubst du, ich dreh Däumchen, während du unter mir flennst?“

„Mensch, jetzt lass mich doch mal bitte ausreden, Marc.“ Daraufhin bekam sie keine Antwort, sondern nur einen auffordernden Blick direkt in die Augen, dass sie kurzzeitig wieder die Luft anhielt. „Mir kamen Zweifel zwischen also… zwischen dem, als wir… du weißt schon Punkt Punkt Punkt “ Das fand Marc echt faszinierend. Nach gut 30 Jahren leben, wusste Hasenzahn nicht mal, dass ihre oft angewandte Titulierung „Punkt Punkt Punkt“ einfach mit drei Buchstaben und zusammengezogen „Sex“ zu begründen ging. Darüber musste der Chirurg dann doch ungewollt schmunzeln, was sie nicht wirklich wahrnahm. „Ich hatte das Bild vor Augen von damals und dann ergab ein Gedanke den anderen. Der Zettel und auch der bloße Gedanke an die ganzen Defizite haben immer noch einen festen Platz in meinem Herzen, Marc.“ Ernst und mit einer Spur Traurigkeit sah sie ihren Vorgesetzten an, der ihr interessiert an den Lippen klebte und immer mal wieder versuchte ihre Worte zu interpretieren mit unbemerkten Mimiken.

„Hasenzahn, nur nochmal zum Mitschreiben! Du wusstest schon vorher, dass du dir nicht sicher bist und lässt dich trotzdem von mir-“, zeigte er mit erhobenem Finger und ungläubig missverständlicher Miene auf sie, doch als er das letzte Wort aussprechen wollte, senkte Gretchen schon unglücklich über die Formulierung den Kopf, sodass Marc kurz die Augen verdrehte, dann aber etwas menschlicher zu Ende sprach. „Ehm… befriedigen?! Das ist mit Abstand das Unverschämteste, Demütigste und Dreiste, was mir eine Frau je gesagt hat.“ Seine Stimme festigte sich und er schwank in die Kälte sowohl vom Blick als auch von der Redensart über. Gretchen schauderte es, immerhin waren räumlich gesehen tropische Temperaturen und der Geruch nach Sex und Lust lag noch in dem Zimmer.

Dieses Mal zog Marc seine Hand ganz weg und stand kopfschüttelnd auf. Als ob er Gretchens Gedanken gehört hatte, öffnete er die Balkontür und schnappte sich seine Zigaretten, die er jetzt bitter nötig hatte. Gleichzeitig bot er Gretchen die Chance sich wieder ordentlich anzuziehen, ohne dass sie vermutlich auf den Gedanken kam, er würde sie anglotzen. „Marc, so war das doch nicht gemeint!“, seufzte sie leidig und ließ sich wieder ins Bett fallen, als sie die Abdrücke wieder einnahm, setzte sie sich dann doch schleunigst wieder aufrecht hin und robbte zur Stirnseite des Bettes, um ihren Oberkörper dagegen zu lehnen. Nach einer Minute hatte er immer noch nicht geantwortet und Gretchen wankte nach rechts um durch die Tür schauen zu können. Abermals seufzte sie und verdrehte dieses Mal theatralisch die Augen. Männer konnten schlimmer sein als Frauen! Gut, er hatte ein Recht drauf sauer zu sein, aber ihr ging es auch nicht gut, ganz im Gegenteil.

Ich hätte es doch so gern genossen. Hasse mich für diese Aktion, aber ich wollte es so sehr, da hab ich den Rest ausgeblendet…

Ihre Gehirnzellen liefen auf Hochtouren, deshalb bekam sie nicht mit, wie Marc sie verwundert musterte, als er vom rauchen hineinkam, dass sie noch genauso aussah, wie eben und sich nicht schon in Hülle und Fülle voller Stoff verkrochen hatte.

„Findest du deine Klamotten nicht mehr, oder was?“, hakte er emotionslos nach, als sie sichtlich aufschreckte und ihn für den Moment erschrocken ansah. „Sei doch nicht beleidigt.“

„Tzzz, was glaubst du denn, dass es mich stört?! Nee, danke. Dafür ist mir meine Zeit zu kostbar.“

Marc wusste genau, dass sie seine harten Worte trafen, das sah er spätestens, als er ihr kurz einen bedeutungslosen Seitenblick zuwarf, indem sie wie auf etwas Bitteres gebissen, den Mund verzog. Dieses Mal sagte sie nichts, sondern ließ ihren Blick ins Leere verschwimmen, nachdem Marc zehn Minuten später aus dem Badezimmer geduscht und mit einem Handtuch bekleidet heraus trat. Stöhnend keifte er ihr entgegen. „Ja, willste dir vielleicht auch mal was anziehen oder…?“

Zum Schluss schüttelte er fragend mit dem Kopf, was sie allerdings nur am Rande wahrnahm. Gretchen überlegte krampfhaft, wann das Gespräch so aus den Fugen gelaufen war. Warum war genau er es auf einmal, der die Worte falsch verstand? Sonst lag das doch in Gretchens Natur. „Boa Gretchen, ich hab jetzt echt keinen Bock auf den Mist.“

„Und soll ich dir mal sagen, worauf ich keinen Bock habe?“, stahl sie ihm auf einmal direkt entgegen und funkelte Marc Meier fest an. Nicht böswillig, aber entschlossen. „Nein, aber das sagst du mir sicherlich trotzdem gleich.“, schüttelte er abermals fragend den Kopf und erwiderte ihren festen Blick. Gretchen seufzte tief und ließ die Hände in den Schoß fallen, sodass ihre Schultern nach vorn klappten.

„Vor dir als berechnende… (stutzend) Frau dazustehen, ok? Ich wollte das so sehr, das kannst du dir gar nicht vorstellen und du bedeutest mir so viel, aber ich hab nun mal ein geschundenes Herz und bin zerbrechlich…“ Belustigt schnaubte Marc auf. Klar, jetzt dachte er wieder, Gretchen und zerbrechlich, das passt nicht in eine Kategorie. „Man Marc, das tut mir weh, in Ordnung?!“, rief sie etwas ungehaltener und fasste sie an den Brustkorb. Ihre aufgewühlten Augen tanzten zwischen seinen hin und her, sodass Marc schluckte und die Augen kurz denkend schloss. Dass Margaretes Oberarzt in spe auch noch halbnackt vor ihr stand, machte ihr die Erklärung der ganzen Misere nicht einfacher, im Gegenteil. „Hasenzahn, jetzt komm mal von dem Drama-Trip runter…“, lachte er, sah aber, dass sie es in keinster Weise amüsant fand und seufzte kapitulierend.

Mit etwas Überwindung setzte er sich auf die Bettkante und sah sie musternd an. Ihre Hände lagen wieder schützend um den Bund der Decke und sie stierte Löcher vor sich hin. „Warum sagst du sowas nicht vorher?“, kam eine überraschend ruhige Frage aus Marcs Mund, wodurch Gretchen aufsah. Jetzt war es an ihr, mindestens genauso viel Ehrlichkeit zu zeigen und deshalb sprach sie leise. „Weil ich mir dem nicht hundertprozentig bewusst war. Ich hab es genossen. Deine…“ Jetzt war es die Assistenzärztin die kapitulierend seufzte und die Augen verdrehte. „… Berührungen und dir so nahe zu sein, aber dann hab ich immer wieder solche Gedankenbrücken bekommen.“

„Warum hast du geweint, als wir miteinander…“

Weiter musste er nicht sprechen, denn sie verstand wortlos und nickte. „Weil es so schön war!“ Das brachte Marc unwillkürlich eine Trockenheit in die Kehle und ihre glasigen Augen taten den Rest. „Ich… ich… ich hab mit mir gerungen und…den Kampf verloren.“, nickte die junge Ärztin gedankenverloren und sah Marcs Blicke ihr gegenüber nicht. Sie musste aber auch wieder theatralisch sein, zumindest sah es so aus. Dass Gretchen einfach aus purem Gefühl handelte, lag Marc noch nicht offen auf dem Silbertablett serviert.

„Alles klar, dann schick ich dich beim nächsten Strippokerabend wohl besser nicht an den Roulettetisch.“, grinste der smarte Arzt selbstsicher und zuckte leicht mit der rechten Augenbraue.

„Ich bevorzuge Monopoly!“, sagte Gretchen mit erfreuter und stolzer Stimmlage, worauf Marc belustigt nachhakte. „Lass mich raten! Family?!“ Ertappt biss sich Gretchen auf die Unterlippe und Marc pustete humorvoll aus.

„Das ist nicht komisch, Marc Meier!“ In gewohnter Mama- Manier. „Doch…“, presste er unter einem mitreisenden Gesichtsausdruck von Grübchen bis hin zu strahlend weißen Zähnen hervor. „Woher weißt du das?“
„Gott weiß alles, Hasenzahn. Mal ehrlich, dass du nicht Banking spielst, war mir fast klar.“ Gretchens Gefühlswelle wurde von frischem Wind umspült und sie lächelte natürlich gegen Marc, was seine Miene kurz verharren ließ. Sie sah gut aus, besser als vorhin, als sie heulte, da stand der Doktor Meier nämlich sowas von gar nicht drauf. Das war schon eher seine Assistenzärztin und die nächtliche Bettpartnerin. „Na siehste…,“ fuhr Marc sich über das Gesicht und seine Augen flogen über Gretchens Lockenbracht, die heute besonders gut roch.

Frei von Zweifeln oder Ängsten schwang er seine Beine herum und platzierte seine starken Arme rechts und links von ihrem Kopf, sodass sie eingekesselt war. Den stetigen Blickkontakt unterbrach Marc Meier, als er auf ihre satten Lippen schaute und Gretchen wie hypnotisiert an seinen hing. Langsam strich ihre Hand seinen Unterkiefer entlang, während sie sich in die Augen sahen. Kurz darauf verengten sich ihre Augen und ihre Lippen trafen seitens Gretchen scheu aufeinander. Denn auch Marc ließ es langsamer angehen, indem er erst nach dem dritten Mal Luftholen seine Zunge ins Spiel brachte. Als sie sich wieder voneinander lösten, merkte Marc ziemlich schnell, dass Gretchen noch etwas loswerden wollte.

„Ehm, du Marc… wie kommst du eigentlich drauf, dass ich schlecht im Strippoker bin?“

Scheu und mit einem Lachen überspielend, was sie immer aufsetzte, wenn sie in peinliche Situationen verstrickt war, also immer, kratzte sich die Ärztin hinter dem Ohr und lugte verstohlen zu dem gutaussehenden Mann. Der ließ seine Zunge über die Lippen tanzen, den Blick kurz zur Seite gehend und sie dann mit einem intensiven Marc Meier- Blick fesselnd, sprach er ihr verführerisch gegen die Lippen.

„Kannst mich ja vom Gegenteil überzeugen!“

Elli Offline

stellv. Admine


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04.12.2014 23:01
#59 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Meine Lieben,

vielen Dank für eure Geduld. Mittlerweile ist es schon fast 2 Monate her, seitdem das letzte Kapitel kam. Jetzt ist jedenfalls wieder alles in Ordnung und ich freu mich sehr euch nun endlich ein neues Kapitel präsentieren zu können.

Ich hoffe, dass es euch auch allen gut geht?

Ganz viele liebe Grüße!
Eure Elli




Knapp zweieinhalb Wochen später, betraten die acht EKH Mitarbeiter endlich wieder deutsches Land. Nach drei restlichen Wochen in dem sonnigen Ausland, freuten sie sich alle auf ihre Heimat, obwohl eine von ihnen wusste, dass es nicht mehr dasselbe sein würde. Etwas fehlte. Jemand fehlte. Gut, jetzt noch nicht, da er sich die ganze Rückfahrt wieder einmal lautstark bemerkbar machen musste und keiner richtig fuhr oder einparken konnte. Auf die unzähligen Aufrufe seiner Kollegen hatte er nur schnaubend reagiert, immerhin war er Oberarzt und somit der Chef, wenn auch nicht mehr gegenwertig in diesem Krankenhaus ließ er es sich nicht nehmen, Sabine nach allen Regeln der Schikane herum zu scheuchen. Die Zeit in Ungarn verlief ohne großartige Komplikationen und auch wenn Gretchen hier und da ein Gespenst sah, was Alexis‘ Miene haargenau glich, wusste sie dass es kompletter Nonsens war, ihm ausgerechnet dort zu begegnen. Deshalb gab sie schlicht und ergreifend nach, als die anderen ihr jedes weitere Mal den Vogel zeigten, wohlwissend, wie sie das erste Mal reagiert hatten.

Letztendlich bekamen Maria und Marc bescheid, dass sie als zwei der qualifiziertesten Ärzte nach Budapest durften und dort die restlichen zwei Wochen praktizierten. Die blonde Assistenzärztin ärgerte sich im Stillen, mit den Gedanken, dass Marc nun bald endgültig weg war und sie zu allem Überfluss hier ebenso allein ließ. Zum Glück nistete sich die liebevolle Nachwuchschirurgin in dem Zimmer besser gesagt Bett ihres Oberarztes ein und verbrachte die freie Zeit von Abends bis Schichtbeginn mit inhalierenden Schnüffelattacken auf sein Kopfkissen. Das half ihr wenigstens ansatzweise über den körperlichen Verlust hinweg.

Gretchen war sich nicht im Klaren, was seit dem verpatzten Nachmittag zwischen ihnen knisterte. Ab und an küssten sie sich, gaben aber in der Öffentlichkeit, vor Marcs Abreise, kein glücklich verliebtes Pärchen ab, was sie genau genommen auch nicht waren. Sie hatte sich mental auf den Abschied eingestellt, doch als sie jetzt hier stand und sich hilfesuchend nach ihm umsah, stand es um ihre Gefühle wieder einmal kompliziert.

Ja, kompliziert traf es passend. Alle anderen waren bereits gefahren, nur Marc und Gretchen packten noch ihre Koffer in den weißen Volvo, der Gretchen ausnahmsweise nach Hause chauffieren würde. Die Stimmung strapazierte sich dermaßen, dass es Gretchen nicht lange aushielt ihm entgegen zu blicken, um schmerzlich feststellen zu müssen, dass er keinerlei Einfühlungsvermögen für sich übrig hatte. Marc gehörte definitiv zu einen der hochkarätigen Bücher, deren Zahlenschloss die junge ambitionierte Assistenz nie knacken würde.

Derweil lenkte Marc das Auto galant mit einer Hand um die Kurve und schielte kurz unbedeutend gen Hasenzahn, die wie er vernahm immer noch starr auf dem Fenster schaute. Schnell drückte er auf das Radio und atmete genießerisch aus als er endlich wieder seine heißgeliebte Metallica vernahm und die Lautstärke etwas regulierte, als er Gretchens zerknirschten Ausdruck wahrnahm. Locker und wenig emotional fragte er Gretchen, um die Stimmung wenigstens ein kleinwenig anzuheben.

„Und… was machst du jetzt?“

Die Insassin weitete kurz die Augen, weil sie es unmöglich fand, wie er nur so etwas fragen konnte. Immerhin brach hier für Gretchen mehr oder weniger eine Welt zusammen, auch wenn Marc nicht aus der Stadt war. Das Krankenhaus legte durchaus eine weitere Strecke als das EKH zurück, aber Doktor Meier dachte nicht mal im Traum daran sein Appartement zu verkaufen. Dafür steckten auch zu viele Erinnerungen drin, das musste er sich knirschend eingestehen. „Das fragst du mich nicht wirklich, Marc?!“ Fassungslos fand ihre Aussage Anklang und Marc streifte kurz ihre Augen, um dann wieder den Blick zur Straße zu wenden. „Doch, natürlich. Was soll denn bitte daran falsch sein?!“ Sichtlich irritiert, und welche Hirngespenste dieser Lockenkopf jetzt schon wieder ausheckte, zog er die Augenbrauen in die Stirn und hob sie schließlich wieder auffordernd an. Gretchen deutete auf ihre Armbanduhr, die sie seit langem wieder trug. Immerhin konnten hier keine Sonnenreifen entstehen, denn das Wetter ließ zu wünschen übrig.

„Du gehst vielleicht gleich und willst tatsächlich wissen, was ich noch mache?“

„Ehm, naja ich dachte wäre doch ganz nett, ne?“ Fast mit etwas Zynismus lachte sie auf und starrte auf die Motorhaube.
„Tz, du und nett. Ich glaub, dass erleb ich im 50. Jahrhundert noch nicht.“ Keck flog ihr rasch ein Spruch entgegen.

„Wenn du mir dann auch noch an den Hacken hängst, könnte es sein, dass ich Migräne kriege, sodass ich es dir mal zeigen würde.“ Seine Gesichtszüge wurden weicher, nicht weichlich, aber anschaulich sittig. Gretchen musste ungewollt einmal unsexy schniefen, als Marc vor der Villa Haase parkte, die wie ausgestorben aussah, denn Gretchens Eltern waren punktgenau an dem heutigen Morgen in ihren Urlaub geflogen. Sie wusste nicht einmal, wann sie wiederkamen, aber momentan störte sie die Ruhe weniger, eher der Gedanke an die Zeit allein im Krankenhaus.

Marc schaute mit gekrauster Stirn zu ihr herüber und stöhnte ungehalten. „Du fängst jetzt aber nicht an zu flennen, oder?“

Wie immer, wenn sie nicht weiter wusste, setzte sie ihr überspielendes Lächeln auf, was bei Marc noch nie zog und meinte bedeutend lässig. „Ich hab nur Heuschnupfen!“

„Jetzt auf einmal?“, hakte der Chirurg belustigend nach, wobei er sich die Ausrede fast aus den Fingern saugen konnte. Sie senkte stattdessen ihren Kopf und schaute auf ihre Finger, nur um im äußersten Augenwinkel zu sehen, dass ihr ehemaliger… oh nein… Oberarzt sie weiterhin ansah. „Ich geh dann besser!“, schlich sich die 30 jährige leise aus dem Auto und hörte keine zwei Sekunden später, wie die Autotür ein weiteres Mal aufging.

Gerade wollte sie die Kofferraumklappe öffnen, als Marc ihr die Hand auf diese legte und den Koffer umstandslos zwischen sie hinstellte. Der nächste folgte und dann standen sie wie bestellt und nicht abgeholt da. Nuschelnd drehte sie sich um, bedacht seine Augen nur kurz anzusehen, denn hätte sie länger geschaut, würde sie weinen und das wollte sie nicht. Seit der Aktion mit dem Sex hatte sie nicht mehr geweint, nun gut, die eine Träne als Marc nach Budapest ging, konnte da nicht mitgezählt werden. „Tja, das war’s dann wohl…“, zuckte sie mit leiser Stimme mit den Schultern und griff nach ihren Koffern.

Marc stand wie er stand mit versenkten Händen in den Hosentaschen und hatte den Kopf auf den Brustkorb gesenkt, doch als seine Ex-Assistenz an ihm vorbei schritt, schaute er ungläubig auf.

„Wie und das war’s jetzt?“, fragte er ein wenig vorwurfsvoll und hob fragend die Hände, die wenig später an seine Hose klatschten.

Gretchen konnte nicht einmal etwas erwidern, denn Marc nahm ihr Gesicht bereits fest zwischen seine weichen Hände und küsste sie mit der nötigen Portion Nachdruck und Gefühl. Lange strich sein Daumen dabei über ihren Wangenknochen und ihre Hände flogen wie automatisch von den Koffern, stattdessen platzierte sie diese an seiner Hüfte. Gretchen wie auch Marc durchfuhr diese unbändige Kraft, die sie nur durch den jeweils anderen verspürten und sich gern selbst gaben. Die Realität hatte sie ausgeblendet und wollte ihren Marc am Liebsten nicht mehr loslassen, aber es musste sein. Das dachte auch er und entfernte sich sanft von ihren Lippen, darauf die Augen öffnend und sie tief anschauend. Jetzt trieb es ihr doch die Tränen auf die Wangen, aber nur eine klitzekleine, die Marc sofort an der Wurzel wegwischte und Gretchen ihre Lider wieder schloss. So konnte er besser mit ihr sprechen, da war es nicht so ein unangenehmes Gefühl, wenn er gehen musste. „DAS nenn ich Abschied!“, grinste er und biss sich daraufhin auf die Zunge, da Gretchen zuckte.

„Marc ich…“, wollte Gretchen etwas sagen und Marc wusste genau, welche Grundsatzdiskussion nun einsetzen würde, weshalb er sie dominant mit rauer Stimme und dem Marc Meier Lächeln unterbrach.

„Mach’s gut, Hasenzahn!“

Ein letzter Blick über ihre Ansicht und dann drehte er sich rasch um und brauste keine zwei Minuten später im hohen Tempo davon.

Elli Offline

stellv. Admine


Beiträge: 2.105

07.12.2014 23:28
#60 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Schönen guten Abend ihr Lieben,

voller Vorfreude und Euphorie möchte ich euch nun das neue Kapitel präsentieren. Danke auch an die vielen lieben Kommentatoren zur Weihnachtsstory.

Habt einen schönen Abend und genießt das nachträgliche Nikolaus- Geschenk!
Eure Elli




I come home in the morning light
my mother says when you gonna live your life right
oh mama dear we're not the fortunate ones
and girls they wanna have fun
oh girls just wanna have fun

Was macht ein Mädchen aus gutem Hause aus?

Richtig- tolle Musik, einen knackigen Hüftschwung, diverse Liebesschnulzen, Aloe Vera- Taschentücher, feinste Vollmilchtafeln en Masse, eine rosa Kuscheldecke und bequeme Sachen, die den Touch Verspieltheit nicht verfehlten. Welche Sängerin konnte die Gefühle einer quirligen und erstaunlicherweise einigermaßen gutgelaunten Berliner Ärztin mehr in einen fetzigen Song stecken, wie es das Wort allein bewies, als Cindy Lauper?

Es sprach durchaus für sich, wenn man das Haus über einige Zeit für sich hatte. Immerhin kamen die täglichen Heul- und Schnulzenorgien nie zu kurz und selbst der hinterste Part der Wohnstube konnte mit etwas deskoordiniertem Hüftschwung zum Strahlen gebracht werden.

Draußen dämmerte es, was Anfang Herbst keine wunderliche Tatsache war. Das Haus, spezifisch die Wohnstube leuchtete allerdings in einem gemütlichen, aber leicht grellen Energiesparlampen- Licht, das durch den impulsiv entflammten Kamin etwas Wärme beigesteuert bekam. Inmitten dieses kunterbunten Teenagertraums eine 30 jährige Frau mit blonden Locken und einer schrillen Stimme, die sie um keinen Preis vor ihren Nachbarn geheim halten wollte. Es ergab ein urkomisches Bild als Margarete Haase bei dem millionsten Refrain der Imitation einer Stil- und Musikikone nachkommen wollte und sie ihren Gang zur Küche mit taktgerechten Hüftkreisen füllte. Der Erdbeertee ging so langsam zur Nichte, denn mittlerweile hatte Gretchen den 3. Abend apathisch versucht Marc Meier aus ihrer Gedankenwelt zu streichen. Das Stichwort hieß Ersatzdroge, aber da außer Patrick Swayze, Leonardo DiCaprio und Orlando Bloom keiner in Sicht war, musste der Tee seinen erfüllten Ersatz spielen. Komischerweise sog Gretchen den Zuckergehalt, welcher enorm sein musste, magisch auf, als sie wie von Sinnen und man könnte tatsächlich meinen unter Drogen, eine Standhebefigur wie Baby hinlegte.

Die Betonung lag auf hinlegte, denn kurzerhand schepperten die Dielen einen Ticken zu schmerzhaft und Gretchen rieb sich mit quälendem Gesichtsausdruck die Stirn inklusive Hinterteil. Trotzdem galt dieser kurze Absturz keineswegs als Bremse für ihre Ein-Frau-Party! Die nächste Kanne Tee stand bereit und der Standbildschirm wurde euphorisch gelöst, als Baby einen ebenso irritierten Gesichtsausdruck aufsetzte, wie Gretchen eben bei ihrem Abflug, wie sie die Melone zwischen zahlreichen tanzenden Pärchen balancierte. Die Augen der Assistenzärztin leuchteten, als sie zum ersten Mal sah, wie Johnny Penny über den verstaubten Saal schwang und Babys Blick an ihm haftete. Beim genauen Hinsehen zeigte sich die übertriebene, überspitzte und überdrehte Art und Weise, die Gretchen Haase für einen weiteren Abend beherrschte nur um dem Drang an Leere und unerfüllter Liebe in ihrem Innersten zu entkommen. Die Decke erhitzte ihren wolligen Körper abermals und das weiche Kissen bot eine gute Stütze um der Handlung des Films exzellent folgen zu können. Klar, nicht alles was glänzt war Gold und sie wusste in einem lichten Moment durchaus, dass dies keine akzeptable Dauerlösung mit Potential zum Aufstieg war, doch für Gretchen reichte schon Silber. Oder doch Bronze?

The phone rings in the middle of the night
my father yells what you gonna do with your life
oh daddy dear you know you're still number one
but girls they wanna have fun
oh girls just wanna have

Wäre Gretchen wahrhaft multitaskingfähig gewesen, hätte sie spätestens jetzt den Sprung der CD und das Vibrieren ihres Handys erkannt, aber die Spannung lag eindeutig auf dem ersten Tanz zwischen ihrem persönlichen Traumpaar, das gleich nach ihr und Marc kam.

Kurz hingen ihre Augen, obwohl der Bildschirm und dessen Inhalt weiterliefen, aber ein unbeschreibliches Gefühl machte sich in ihrer Herzgegend breit. Es war faszinierend, wie ein paar Zärtlichkeiten und Küsse das komplette Köpergleichgewicht zum Wanken brachten, doch möglich schien es. Sie fühlte keine Trauer oder Schmerz, nur ganz leicht vielleicht. Das Hauptmerkmal basierte auf der unerkannten Sehnsucht, welche sich Gretchen nur zähneknirschend eingestand. Grundsätzlich war sie die letzte Person auf der Welt, die gegen das Offenlegen von Gefühlen war, aber es zeugte von persönlicher Stärke nicht jede noch so kleine Schmachtminute in einen nicht enden wollenden Sehnsuchtstraum zu verschleiern. Am Ende brachte ihr das den Mann mit dem unbeschreiblichen Lächeln auch nicht zurück. Seit mittlerweile 3 Tagen hatte sie noch keine andere Luft als die des Hauses Haase geschnüffelt. Im Krankenhaus erschien die Blondine nur kurz um ihren Urlaub einzureichen, obwohl ihr Vater mehrmals deutlich erwähnt hatte, sie in der ersten Zeit mehr als zu brauchen. Sie hatte beschlossen nach den ganzen Strapazen erst einmal ihre Seele baumeln zu lassen und das funktionierte bis hier hin super.

Die Tatsache, dass ihre Waage zwei Kilos mehr anzeigte und das nicht nur vom massiven Zucker im Tee kam, ignorierte sie gekonnt und ging ab und an einige Möglichkeiten durch, die nächste Diät in absehbarer Zeit zu starten. Gretchen hatte ihrem Vater den Gefühlszustand geschildert, nicht zuletzt, dass Marc und sie eine Annäherung erlebten, die Franz voraussah, als er Marc verabschiedet hatte. Gleichzeitig legte sie das Eisen ins Feuer, Franz habe ihr keinen Ton über die Kündigung ihres Oberarztes mit gewissen Vorzügen gesagt. Da hatte er somit selbst als Chef keine Wahl und willigte der Beurlaubung ein. Am Telefon vermachte die junge Assistenz meistens einen ausgeglichenen, fröhlichen Eindruck, der nicht trübte, immerhin gaben ihr die Schokolade und der restliche Krimskrams den nötigen Kick und das Selbstbewusstsein. Eigentlich erbärmlich, dachte sie. Doch großartige Debatten mit ihren Gedanken vermied sie geschickt, indem die vollkommene Aufmerksamkeit dem Film galt.

That's all they really want some fun
when the working day is done
oh girls they wanna have fun
oh girls just wanna have fun

Wiedermal stimmte ein Refrain ein, beidem sich Gretchen die Foregroundstimme nicht entreißen ließ.

Eigentlich kaum ein Unterschied zwischen Cindy und mir. Gut, äußerlich gibt es schon einige Abstriche, aber stimmlich… ganz gut eigentlich…

Als ihr Handy erneut vibrierte, warf die Blondine mit den gut duftenden Locken endlich einen Blick darauf. Die Schrift zeigte niemand anderen als Gigi, worüber Gretchen nur schmunzelnd die Augen verdrehen konnte. Seit 3 Tagen schrieb sie ihr stündlich, ob denn alles im Loht bei ihr sei oder sie nicht lieber vorbeikommen sollte. Und jedes Mal bekam ihre beste Freundin dieselbe Antwort. „Nein Gigi, bei mir ist alles prima. Bis später!“ Langsam wurmte sie es sichtlich, dass Gretchen sich nicht einmal die Mühe machte und eine andere Wortwahl an den Tag legte.

Im Moment schien sie sowieso freizudrehen, abgesehen davon, dass sie nicht bei jedem Impuls eine Typveränderung wie mit 13 vornahm. Das zeugte zusätzlich von Beruhigung. Gretchen widmete sich voller Energie, als sie aufgebracht fluchte. „Was will denn jetzt dieser dämliche Neil bei Baby?“

Wie auf die Sekunde ertönte ein Klirren aus der obersten Etage.

Erschrocken sah die junge Nachwuchschirurgin an die Decke und hielt für einen Moment die Luft tief in ihrer Kehle an.

Oh Gott, bitte kein Einbrecher…

Instinktiv folgte ihr Griff zur Fernbedienung, welche sie fest umklammert hielt und die Augen aufgelöst von rechts nach links wandern ließ.

Mein letzter Selbstverteidigungskurs ist definitiv zu lange her, da ist keine Ressource mehr da! Hilfe!

Als sie ein erneutes Scheppern vernahm, zuckte sie um ein vielfaches mehr zusammen, als sie es eben noch bei ihrem Kuss mit dem Boden getan hatte. Jetzt brachte es auch nicht viel, die Musik auszumachen oder den Fernseher stumm zu stellen, denn wenn hier wirklich ein Einbrecher war, dann hatte er sie spätestens bei ihrer Musikorgie gehört. Nun musste sie Ruhe bewahren. Ruhe und Selbstbewusstsein!

Komm schon Gretchen, das hast du alles nicht. Zumindest nicht wenn es um einen nicht eingeladenen Gast geht.

Langsam flatterten auch schon ihre Knie und sie wusste unumgänglich, dass sie keinen einzigen Schritt von diesem Sofa machen würde. Die schlimmsten Sachen malte sich die Blondine mit dem mitreißenden Lächeln lieber erst dann aus, wenn ihr letztes Stündlein geschlagen hatte. Der nächste komischerweise strategisch überlegte Griff ging zu dem Telefon, indem sie die Kurzwahltaste 1 wählte. Gretchen war es so ziemlich egal, wer sich jetzt melden würde, wobei sie inständig hoffte, dass es überhaupt jemand tat.

Some boys take a beautiful girl
and hide her away from the rest of the world
I want to be the one to walk in the sun
oh girls they wanna have fun
oh girls just wanna have

Gott sei Dank hatte der Alte dort oben- noch etwas höher als die nächste Etage, Mitgefühl mit schokosüchtigen, neurotischen Ärztinnen, dass sich seine Menschengestalt mit dem überdimensional großen Ego gleich solide und desinteressiert zu Wort meldete. „Meier.“ Gretchen war sich bewusst, dass Marc doch ihre Nummer gesehen haben musste, es sei denn er hatte sie zu den Akten gelegt und nicht einmal im Inhaltsverzeichnis behalten.
Schlimm genug, dass ich schon nicht in seinem Telefonbuch stehe! Immerhin hatten wir auch… also… ähm… körp… körperliche Liebe zusammen…

Mehr Zeit für ihre Gedanken gewährte ihr das Schicksal dann doch nicht, denn ein ohrenbetäubendes Knallen ertönte plötzlich und Gretchen schaute ängstlich, fast panisch nach oben. Dem glich auch ihr Atem, der unregelmäßig und unnormal laut in den Hörer hallte. Die Reaktion zeigte sich stöhnend, als Marc tief seufzte und fragte. „Hasenzahn?“ Sie nickte, nur zu dumm, dass es keine Skype-Konversation war, die sie führten.

„Hallo?“, kam es genervt, gleichzeitig mit einem Touch Unverständnis. Kaum hörbar hauchte Gretchen der markanten Stimme entgegen, die eine Menge an Angst mit sich brachte. „J-a!“ Dabei sprach sie jeden Buchstaben nahezu einzeln aus. Ihr Blick war auf die Tür gewandt, als sie flüsterte. „Marc, du musst kommen.“ Wieder schaute sie apathisch auf, als sie glaubte ein Dielenknarren zu vernehmen. „Du-du-du… ganz schnell. Hier ist jemand!“, stotterte sie und presste bei der letzten Aussage Lippen und Augen fest aufeinander.

Der Prozess wurde wage unterbrochen, als sie die rosa Gehirnzellen ansteckte und vermutete, dass sie denjenigen SO nicht sehen konnte.
„Willst du mich verarschen?“, hakte Marc ungläubig nach, was Gretchen infolge seines Tonfalls deutlich einordnen konnte. Sie befürchtete schon, gleich würde Marc schallernd laut lachen, im schlimmsten Falle hörte sie so die gruseligen Geräusche nicht mehr, deshalb meinte sie mit wenig Stimmkraft in dieser. „Bitte komm!“ Unwillkürlich stutze der Oberarzt hörbar mit einem „Äh“ und meinte ausnahmsweise kapitulierend. „Ich schick dir dann die Rechnung.“ Erleichterung machte sich in seiner ehemaligen Assistenzärztin breit, als sie schnappweise in den Brustkorb atmete und kurz die Augen schloss, ehe sie den Kopf leicht drehte und versuchte um die Ecke zu schielen. Zugegeben musste es irre komisch aussehen, wie sie vor einigen Minuten fast körperliche Brüche und jetzt mentale Abstürzte erleben musste. „Marc warte… Komm bitte zur Terrassentür rein, ich kann nicht zur Haustür kommen. Und sei still!“

„Sonst noch was?“, fragte er überspitzt, doch sie legte bereits bedacht leise auf und presste das Handy an ihre Brust, um wenige Sekunden später unter der Decke zu verschwinden. Es schauten nur noch ihre blauen aufgewühlten Augen heraus, die sie von rechts nach links wanken ließ.

That's all they really want some fun
when the working day is done
oh girls they wanna have fun
oh girls just wanna have fun

Die Musik begann wieder von vorn, als Gretchen krampfhaft versuchte irgendwelche skurrilen Geräusche aus dem Obergeschoss wahrzunehmen. Dann fiel ihr urplötzlich wieder ein, wie ein Einbrecher hereingekommen war- die Spekulation um einen selbst, hatte sie längst aufgegeben. Sie war sich sicher.

Ich hab das Schlafzimmerfenster offen gelassen und davor is doch der Baum. Gretchen Haase, du blöde… mh… Frau?!

Die CD und sämtliche Geräusche weiter, blickte sie noch einen Ticken erschrockener zu dem durchsichtigen Glas, als ein Fuß in ihrem Blickfeld erschien und Gretchen sich imaginär schon auf einen schönen Aufenthalt im Bunker gefasst machte. Fest kniff sie die Augen zusammen und vergrub ihr Gesicht zwischen den angewinkelten Beinen und der flauschig warmen Decke, die schon eine Menge Angstschweiß aufgesaugt hatte. Als es kurz klopfte, rutschte ihr Herz in die Hose und sie wünschte sich, doch zu Gigi gegangen zu sein oder ins Krankenhaus. Eine feste Männerstimme verfrachtete sie schreckhaft auf den Boden der Tatsachen zurück.

„Hasenzahn!“

Das ist Marc! Kein Einbrecher! Marc!

Ein wenig erleichtert sah sie die dunkle Gestalt von der Tür an und zählte gedanklich bis 3, ehe sie für Gretchens sportliche Verhältnisse unnatürlich schnell aufsprang und die Tür fast aus den Angeln riss, nur um Marc Meier 100%- ig unerwartet in die Arme zu fallen. Dessen Augen schauten zwar wenig emotionsvoll, dafür aber sichtlich verwundert gen Süden, als Gretchen wie eine zweite, zugegeben schwerere Haut wie seine, an ihm hing. Unbeholfen drückte er sie von sich und nickte ihr wenig überzeugt entgegen, als sein Blick ins Hausinnere verlief, wo es zwar turbulent aber keineswegs gefährlich aussah.

„Gott sei Dank bist du da.“, zitterte ihre Stimme verdächtig und der Chirurg wagte einen nicht einordnenden Blick auf ihre Knie, die ebenfalls schlotterten. „Ehm ja, danke für die Begrüßung. Welche Halluzination plagt dich jetzt schon wieder?“ Gretchen nahm seine leicht verengten Augen wahr, die vergebens nach etwas oder jemandem im Inneren des Hauses suchten. „Da ist jemand. Ich hab ganz merkwürdige Geräusche gehört.“ Wie selbstverständlich griff sie nach seiner Hand, die Marc ansah, als ob irgendwas Unmenschliches dran hing.

Seine Augen lugten fragend zu ihrem Gesicht, das ängstlich in die Wohnstube schaute. „Is‘ doch Schwachsinn!“, trat er an in das Haus Haase und inspizierte jede Ecke mit einem prüfenden Blick. „Hier doch nicht.“, flüsterte Gretchen mit bedachtem Blick gen Flur und zeigte in dieselbe Richtung, als Marc sie mit einer Mischung aus Unglauben und absurden Gedanken beäugte. „Oben!“ Wie auf Stichwort ertönte ein lautes Klirren, was Gretchen dazu veranlasste die Fernbedienung erneut zu ergreifen und sich hinter Marc in Kaminnähe zu stellen. Der konnte ein Lachen nur schwer unterdrücken und meinte belustigend. „Und damit willst du den Dieb in die Flucht schlagen?“

„Was denn für ein Dieb? Was machen wir denn, wenn mich jemand entführen will?“ Ihre Stimmlage nahm um einige Oktaven zu und Marc sah deutlich, dass sie Angst hatte. Der eine oder andere Spruch machte sich dahingehend automatisch locker. „Keine Sorge, die bringen dich im Hellen wieder. Wobei ich bezweifle, dass die dich wegkriegen.“
Klasse, Marc spielt selbst in der ungünstigsten Situation auf meine Figur an. Das ist doch echt-

Ihre Gedanken wurden bedacht leiser unterbrochen, nicht aber scheu. „Du bleibst hier!“, wies Marc sie gen Sofa, auf dem die Assistenz so schnell nicht mehr Platz nehmen würde. Wusste sie doch, wie ihr der Gedanke an jemandem im Haus die Angst in die Knochen trieb. Aus diesem Grund und weil sie Marcs Heldentat gerne Live und in Farbe erleben würde, schüttelte sie zügig mit dem blonden Kopf. Augenverdrehend griff der Oberarzt nach einem Kaminstab und ging bedeckt um die Ecke. Gretchens Hand wanderte abermals zu seinem Oberarm, den sie als muskulös und stark empfand, dass der Kerl sofort das Weite suchen würde. Mit ihrer Masse und Marcs gestandener Manneskraft konnte doch nichts mehr schief gehen, oder? „Hallo?“, rief er laut die Treppen empor, worauf keine Antwort kam.

„Der ist bestimmt durchs Fenster gekommen. Das ist alles meine Schuld…“, faselte sie in ununterbrochenem Redeschwall, dass Marc Meier die Augen verdrehte und skeptisch reagierte. „Du hast das Fenster offen gelassen?“

„Jaaaa, ich hatte wichtigeres zu tun!“

Desinteressiert schoss er zurück. „Lass mich raten Sex and the City gucken. Gib’s auf Hasenzahn, die Maße erreichst du nie. Im Endeffekt haste dir sicherlich gewünscht, dass ich dich aus der Scheiße ziehe, in die du dich wieder manövriert hast.“ Perplex klappte ihr Mund auf. Sie konnte nicht glauben, was dieser Mann alles über sie dachte und wie viel Selbstüberzeugung noch gesund sein konnte. Allerdings widmeten sich die beiden dem Treppengang, der sich für Marc schwierig mit einem Anhängsel gestaltete, das aller einem Schritt wie eine Bekloppte an seinem Arm zog, dass sie lieber die Polizei rufen sollten und sie nicht für Hausvandalismus versichert sei. Schließlich ging das dominante Geschlecht allein den restlichen Weg und Gretchen entfuhr kurz ein Aufschrei, als sie etwas wedeln sah, das Marc offensichtlich entgegenblickte.

Der lachte daraufhin herzlichst los und krümmte sich fast vor unaufhörlicher Euphorie, die Gretchen absurd und unnachvollziehbar erschien. War es vielleicht ein Lachbär, der Marc kurzzeitig mutierte?

Schwachsinn! Gretchen Haase, du hast mit Abstand die blühendste Fantasie, die die Menschheit je gesehen hat.

Plötzlich trat ihr Retter in der Not mit etwas buschigem in der Hand in den Schein des Lichtes im Obergeschoss. Es glänze verdächtig rot und wenn Gretchen in einer anderen Stimmung gewesen wäre, hätte sie auf eine ihrer früher heißgeliebten Faschingsperücken gesetzt. Doch seit wann bewegten sich Perücken und hatten Augen? „Was ist das?“, hakte sie immer noch benommen nach und schloss die Hände vor ihre Augen um keine zwei Sekunden später durch zwei Fingerschlitze zu lugen.

„Ein Eichhörnchen, Hasenzahn. Fast so eine Sorte, wie du. Vielleicht etwas schlanker und schneller. Intellekt dürfte bei beiden die gleiche Masse ergeben.“, grinste er Meier like und trat die Treppe im nächsten Moment ambitioniert nach unten. Aufgestochen folgte die Blondine dem Mann und sah zu, wie er das Eichhörnchen an den nächsten Baum setzte, um dann mit erhobener Augenbraue auf sie zu zukommen und überlegen die Lippen breit zu ziehen!

Na supi! Wie war das? Girls just wanna have fun? Wohl eher Marc just wanna have fun!

They just wanna they just wanna
they just wanna they just wanna
oh girls girls just wanna have fun

Elli Offline

stellv. Admine


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15.12.2014 19:03
#61 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Hey Leute,

ich hoffe es geht euch allen gut?! Heute mal wieder ein neues Kapitel, bin echt gespannt, wie es ankommt.

Viel Spaß beim lesen!
Elli



„Ich hab gesagt, du sollst dich bewegen!“, formte eine männliche Stimme forsche, kalte Worte, die einer Frau schnell die Angst ins Angesicht trieben. Vor Kälte schlotternd, trat sie unsicher einen Fuß vor den anderen. Eigentlich kein schwerer Akt, aber situationsweise gut, dass diese Kombination technisch im Kleinhirn verankert war. Die muffig- durchnässten Wände gaben ihr wenig Halt, eher ein Ekelgefühl, bei dem Freddy Kruger keine Träume auslösen konnte. Immer wieder traf sie ein fester, grober Schlag an das linke Schulterblatt. Und jedes Mal verkrampften sich ihre Muskeln eine Stufe mehr, bis sie eine ernüchternde Stimme wahrnahm die von einer anderen durchkreuzt wurde. „Schlampe-“ „Lass sie in Ruhe!“ Oh Gott, vielleicht war das der Messias und sie hatte doch noch regelmäßig Kirchensteuer gezahlt, dass jetzt Hilfe nahte? Doch einen Augenaufschlag später, stellte sie mit Unverständnis fest, dass dieses Gesicht wenn dann einem Affen gehören musste. Ziemlich menschlich, um es genau zu nehmen. Die Tatsache, dass die Gestalt feinfühlig „Sternchen“, rief, ließ sie den absurden Gedanken schnell wieder verwerfen. „Komm her, Gretchen!“ Seine Hand reckte sich ihr entgegen und bei einem erneuten Schulterblick, sah Gretchen nichts als dunkle Leere. Ihre Augen verschmälerten sich und die sonst so strahlenden Augen tauchten tief in die Dunkelheit ein, als sie schnellen Schrittes auf den Mann zuging. Kaum fasste sie nach dessen Hand, wurde ein massiver Zug ausgelöst, der die junge Frau geradewegs an die Brust des Kerls beförderte. Benommen schaute sie auf und traf wie in Zeitlupe auf Alexis grinsendes Gesicht, dass sekündlich gehässiger, aber doch vertrauter wurde. Die eben noch kleinen Augen, erreichten mittlerweile Rädergröße und wankten undeutlich hin und her. Sie schluckte fest und krächzte mit wenig Farbe im Gesicht. „A-A-A-Alexis. Was ma… machst du denn hier?“ Die Antwort konnte nicht schnell genug kommen, als ihr Gegenüber zur Seite grinste und sie mit einem besitzergreifenden Blickkontakt an sich band. Aus Zwang. „Ich hol mir das, was mir zusteht.“ Dabei strich er flau ihren Haaransatz entlang und legte die linke Hand fest um ihre Taille. Ihr Gesichtsausdruck erstarrte und sämtliche Fluchtversuche schlugen fehl, als sie verzweifelt gegen seine Brust trommelte. Er grinste laut und mit jedem Schritt an Angst und Verzweiflung seitens der Blondine, bekam er ein Stück Selbstbewusstsein mehr. „Schhh…“, flüsterte er bedrohlich, als Gretchen in endlich ansah und abermals zuckte. Sein Daumen strich filigran über ihre Lippen und er hauchte mit festem Blick. „Du gehörst zu mir. Für immer!“ Die hallende Stimme des Tunnels erblasste und langsam setzte die Fiktion aus.

Angestochen schrie die 30 jährige Assistenz die hauseigenen Wände zusammen und saß kerzengerade auf dem gelben Albtraum. Ihr Puls raste ungemein schnell und hätte sie Herzprobleme, wäre jetzt der perfekte Zeitpunkt um ein EKG zu starten. Die Locken lagen ihr wirsch um den Kopf, als neben ihr ein weiteres Geräusch ihre Aufmerksamkeit nur sekundär weckte.

„Au“, fluchte Marc mit gedämpfter Stimme, als sein Kopf mit zusammengekniffenen Augen auf die blonde Geisterjägerin fiel. Er machte ebenfalls ein super Abbild als Stuwwelpeter, doch Gretchen Haase, die unangefochtene Schussel Liese bekam von diesem Hingucker nichts mit. Unverständlich zog Marc die Stirn tief ins Gesicht, legte es allerdings parallel in Falten und sagte mit aufgebrachter Stimme.

„Boah, spinnst du? Willst du mich umbringen?“

Die gewünschte Aktion erzielte wenige Resultate, denn starr wie sie war, bewegte sich Gretchen keinen Millimeter. Mit Müden Knochen setzte sich Marc auf die Sofakante und stütze die Arme auf den Knien ab um sich einmal kräftig gähnend durch das Gesicht zu fahren.
Die Frau bringt dich echt nochmal ins Grab Meier! Alles nur eine Frage der Zeit!

Da Worte wenig brachten, packte Marc seine ehemalige Schülerin bei der Schulter und rüttelte wenig feinfühlig daran. „Was? Wie? Was is‘ passiert?“ Ihre Stimme hackte kurz ab, sodass Marc wieder einmal merkte, wie durcheinander dieses Weib war.

Ist sicherlich genetischer Veranlagung. Wobei das in letzter Zeit rapide zugenommen hat. Vielleicht die Sonne?

„Sag mal Hasenzahn, welcher Film läuft’n bei dir?“
„Dirty Dancing?“, stellte sie eiskalt als Gegenfrage, dass der Oberarzt sich wahrhaft fragte, ob eine Sicherung durchgebrannt war. „Ehm ja. Das hab ich befürchtet. (ruhiger) Was ist denn los, Hasenzahn?“ Abwesend patschte sie auf seinen Oberschenkel, der verwundert mit großen grünen Augen von Marc beäugt wurde und langsam drehte er den Kopf, um sie gleich darauf mit einer Mischung aus Zweifel, Unverständnis und Abstand anzuschauen.

„Da war… war… Alexis. Verstehst du?“

Marc, so Leid es mir tut. Diese Logik wird wohl für immer ein unlösbares Rätsel bleiben…

Endlich guckte sie in seine Richtung und sog seinen Schuljungen-Blick magisch auf, dass ein kleines Lächeln vollkommen unwillkürlich über ihre Lippen huschte. „Ehrlich gesagt, nee!“ Beim nächsten Atemzug setzte er sich gerade auf und schob das Bein um ein Müh auf die Couch. „Hasenzahn, es wird Zeit, dass du wieder unter die Menschen kommst. Du vegetierst hier vor dich hin mit deinem Selbstmitleid.“

„Da war Alexis!“ Marcs Gesichtszüge zuckten zurück und er hob zweifelnd die Oberlippe, schaute sich daraufhin kurz fragend um. „Naja, ich seh‘ keinen. Ist sicherlich schon weg, ne?!“ Jetzt knipste auch bei der neurotischen Ärztin ein Schalter um und sie lachte apathisch auf und grinste überspielend. „Haha, Scherzkeks.“ Forsch schlug sie ihm auf den Oberarm, der seinen Blick einfing. „Ja, haha…“, imitierte Marc trocken. „Marc, ich glaube es ist besser, wenn du jetzt gehst.“ Plötzlich wirkte sie fast normal, was in der Unterordnung bei Gretchen Haase eine Unmöglichkeit der Sonderklasse darstellte. Sie fand dafür keine Worte. Die letzte Zeit war so konfus, dass sie auf emotionaler wie körperlicher Ebene einem Dummies ähnelte. „Sag mal Gretchen, was is‘ mit dir los? Mh? Du rennst wie Nina Hagen auf Extasy durchs Haus und rufst mich komplett hysterisch an…“ Resigniert fuchtelte sie vor seinem Gesicht herum und stellte mit großen Augen klar. „Ich war nur leicht hypochondrisch.“

„Ja was dasselbe in grün ist!“ Immer musste Marc das letzte Wort haben. Komischerweise kamen die auch immer schlagkräftig und selbstverständlich. Verlegen schaute die junge Ärztin auf ihre Beine, in denen ihre Hände verschränkt lagen und murmelte schüchtern. „Bleib hier!“ Jetzt verstand Doktor Meier gar nichts mehr, deshalb zeigte er kurz irritiert gen Terrassentür und suchte dann stumm nach passenden Worten. „Eben haste noch gesagt, ich kann gehen!“

„Du sollst gehen!“ Jetzt deutete sein Finger geradewegs auf sie. „Da siehste! Schon wieder.“ Schnell flogen ihre bereits verwirrten Locken über Gretchens Schultern, dass Marcs Augen diese einfingen. „Nein, ich meinte damit, dass ich gesagt hab, du sollst gehen. Nicht kannst.“
Oh je… Man is‘ die kleinkariert.

Anmerkung an mich: Jetzt hab ich den Status zum gefühls- und gehirnamputierten Krüppel tatsächlich erreicht.

„Was jetzt?“

Selbstverständlich kippte sie nach links und lag mit der linken Wange an seiner Brust. „Du bleibst.“

„Ah ja.“, nickte er langsam und bedeckt. Mechanisch zierte er seine Hand, bevor er mehr schlecht als Recht ihren Rücken empor strich. Man sollte meinen mit der Zeit käme die Übung, aber für Marc Meier lag es nicht in der biologischen Natur, solche feinfühligen Gesten auszuüben. Sein Gegenüber schloss genießerisch die Augen und zog den maskulinen Duft tief in die ausgetrockneten Lungen. Marc bot sich als perfekte Grundlage zum Schlafen. Reden konnten sie später noch.

Dass ich nochmal für solche Worte zu haben bin. (Begeistert) Es geschehen noch Zeichen und Wunder…

Im Halbschlaf nuschelte die ambitionierte Frau. „Alexis war hier…“ Marc foppte keck entgegen.

„Was? Der Sack war das Streifenhörnchen? Hätteste mal eher sagen können. Dann hätte ich vorher noch ein geeigneten Gegenstand gesucht.“
„Er… er… hat es geschickt….“ Und schon wieder lag sie etwas enger an ihrem Traummann, der langsam Rückenschmerzen bekam, da Gretchen schon fast in seinem Schoß lag. Deshalb rutschte er an die Stirnseite und zog sie halb auf sich, etwas höher an seine Brust, damit sie ihn unter skurrilen Träumen nicht noch kastrierte. „Du meinst, der hat das Ding mit Fell geschickt?“ Kurz lachte er auf, während er den Kopf in den Nacken und an die tiefe Lehne legte. „Wie würde Sabine jetzt sagen?! Teuflisch…“ Schmatzend grinste er auf seine Brust, wie Gretchen leise brummte und sie fest nach seinem Hemd griff. Seine Hand flog sanft über ihren Haarschopf.

„Schlaf gut, Hasenzahn!“

Berliner Allgemeine, 15.09.2011
Schwerer Flugunfall der Air Berlin über Kairo mit 95 Insassen!
Zahlreiche Schwerverletzte, einige Tote und desidentifizierte Fluggäste!
Schnelle Hilfe naht!
Angehörige der Fluggäste werden dringend gebeten, sich am Flughafen Berlin Tegel zu melden!

Elli Offline

stellv. Admine


Beiträge: 2.105

17.01.2015 23:18
#62 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Hallo meine Lieben,

entschuldigt die lange Wartezeit, ich war zeitlich so eingespannt, dass die freie Zeit leider anders nutzen musste. Nichts desto trotz geht es heute weiter! Ich freu mich wie immer über Feedback und hoffe ihr seid noch mit dabei!

GLG
Eure Elli




„Ich will jetzt sofort wissen, ob meine Eltern betroffen sind. Hören Sie mich?“

Ungewohnt unfreundlich sowie unsagbar nervös tippte Gretchen mit der Kulikappe sekündlich auf einige flache Unterlagen, die ursprünglich bearbeitet werden mussten. Allerdings nicht von außen. Ihre Gesichtszüge waren hart hervorgeprägt und unter ihren Augen lag ein leichter Schatten, der zusätzlich ihre Nase verschmälerte. Seitdem sie den Zeitungsartikel vor knapp zwei Tagen fand, schlief noch aß Gretchen viel lieber, telefonierte sie fast aggressiv mit dem Personal des Flughafens oder machte ihnen vor Ort die Hölle heiß. Das konnte doch nicht der Wahrheit entsprechen. Immerhin hatte sie zwangsläufig vor 5 Tagen mit ihrem Vater gesprochen. Genau an dem Tag, als sie losflogen und das Gespräch durch ungünstige Verhältnisse frühzeitig beenden mussten. Und dann brachte es die Presse tatsächlich zu Stande nach 3 Tagen einen Artikel über eine verunglückte Linie herauszubringen? Das ließ Gretchen Haase, 30 Jahre aus Berlin nicht auf sich sitzen.

„Wie Sie wissen nichts? In der Zeitung stand doch ganz deutlich, dass sich die Angehörigen melden sollen und ich bin die Tochter von Franz und Bärbel Haase!“ Aufgebracht pustete sie sich eine Locker aus der Stirn und lugte diese gefährlich an. Wehe sie kam auf den Gedanken ein weiteres Mal Bekanntschaft mit ihrem Sichtfeld zu machen. Plötzlich hielt Gretchen den Hörer vor ihr Gesicht, weil keine Rückmeldung erschien. Stattdessen ein ohrenbetäubendes Piepen, welches die junge Frau noch in den Wahnsinn trieb, als das Telefon locker auf den Tisch flog und ihre Hände den Weg zu ihren Augen fanden.

Das Krankenhaus hatte so eine Art Quarantäne und einen unsichtbaren Schutzanzug eingeweiht, als sie die für Gretchen ungläubigste Nachricht aller Zeiten hörten. Die Blondine schwebte nur noch in Zwischendimensionen und Fantasien. Die Realität zog wie ein Nebenschleier an ihr vorbei, umso besser, dass Gigi die vorübergehende Leitung des Krankenhauses und der Chirurgie hatte. Letzteres würde sie sicherlich behalten, da Franz Gigis Kenntnisse zu schätzen wusste und sie unglaublich gern in seinem Team hatte. Im Moment hielt sich die Euphorie und Sympathie darüber leicht in Grenzen, zumal Gigi ebenso traurig gestimmt war.

Es kam aber auch alles dicke. Erst die Geschichte mit Marcs plötzlicher Kündigung, die sie bis heute noch nicht richtig begründet wusste und dann die Geschichte. Zum Glück musste sie sich über Marc keine Sorgen machen, denn offensichtlich schien er sein Leben in vollen Zügen zu genießen. Ein, zwei, drei flache Anrufe war ihm die ganze Sache also wert. Gretchens Empfindungsvermögen hatte ebenfalls einen Schliff bekommen, so waren es keine unwichtigen Anrufe, die Marc im Übrigen täglich vollzog, so kam er bereits vorbei und sah nach dem Rechten. Gigi brachte Gretchen nur ein zynisches Zischen entgegen, als diese abermals gegen Marc stichelte, der sich ausnahmsweise nichts zu Schulden kommen ließ. Und Gina Amsel galt sicherlich als die letzte Person auf Erden, die diesen Macho Urtrieb noch unterstütze, aber er tat was er kann. Ansehen würde man es Marc sicherlich nie, da musste schon mehr passieren, doch der Gedanke zählte. Bei Mehdi hatte er bedeckt nachgehakt wie sich Gretchen machte, weil er ihr nicht unbedingt unter die Augen treten wollte. Nach dem letzten Abend, als sie morgens eng ineinander verschlungen auf dem Sofa aufgewacht waren, hatte Marc ganz deutlich gemerkt, dass Gretchen mehr Gefühle als anfangs vermutet hegte.

Bei ihr kam der Druck stetig, dass sie ihre Gefühle nicht mehr zu kompensieren wusste und es so unglaublich ungewohnt war, auf einmal völlig allein dazustehen. Es sollte auch der erste Tag sein, an dem sie seit langen ihren Emotionen freien Lauf lassen konnte. Mittlerweile steuerte die junge Frau ihre Lieblingsparkbank an, um wenigstens einen groben Überschlag über ihren jetzigen Stand der Dinge zu haben. Zu dumm, dass heute nicht ihr bester Tag werden würde, denn es goss wie in Strömen.

Super Gretchen, das Wetter könnte nicht passender sein. Aber Moment, noch sind keine Tatsachen konkretisiert, d.h. es besteht Hoffnung!

Ihr äußerer Anschein trübte von einer melancholischen Ader, die innerlich nur gefestigt wurde. Sie wusste genau, dass sie die Hoffnung als aller letztes aufgeben würde, aber genauso spielte viel Furcht in ihren Nerven mit. Ihre Hände knetete sie nervös und warf alle paar Sekunden die Locken über ihre Schultern. Ihre Emotionen kochten, wenn sie an die vergangenen Wochen zurückdachte, die teilweise schöner, skurriler und aufregender, aber auch verwirrter nicht sein konnten. Ungarn brachte unzählige Erkenntnisse mit sich, die einen schmerzhafter, die anderen zukunftsorientiert und imponierend.

Gretchen war sich eines sicher, sie hatte Marc nicht vergessen und das würde sie so schnell nicht können.

Egal, wie absurd andere Personen ihr Verhältnis fanden, sie fühlte sich darin geborgen. Die Tränen rannen mental immer wieder in Strömen, als ihre Gedanken zu den letzten 1 ½ Jahren schweiften und trotz einer missglückten Beziehung, kam sie nicht von ihm los. Vielleicht zeigte der Moment sich als etwas Besonderes und Gretchen verstand in einem Anfall von Erinnerungen, dass sie keine Kraft mehr hatte Dinge zu verleugnen, die in Wahrheit unaufhaltsam waren. Sie wollte es nicht mehr. Schlichtweg machten ihr die unkontrollierbaren Gefühle seit 1 ½ Jahren Assistenzzeit täglich einen Strich durch die Rechnung, wenn sie in die Augen ihres smarten Oberarztes blickte, der seit neustem nicht mehr zu ihrem Kollegium gehörte. Mit Bedauern, denn Marc war abgesehen von diversen menschlichen Defiziten ein hervorragender Arzt, dem hunderte von Leuten ihr Leben anvertraut hatten und dessen er rettete.

Ihre Haut brannte und ihr Blick trübte, als zwei blaue Augen glasig wurden, weil Gretchen an seine zarten Berührungen dachte, bei denen sie geschworen hätte, dass sie etwas bedeuteten. In der letzten Zeit galt ihr Interesse weniger den unsichtbaren Problemen in ihrem Kopf, sondern den positiven Tatsachen. In Filmen und auf Pralinenschachteln strahlte durchgehend die Sonne und selbst wenn ein Happy End aussichtslos war, so geschah es in den letzten absurdesten Momenten. Gretchen sah bei sich hingegen kein Happy End und kein „Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute!“. Diese Wende über ihre Lage zog doch tiefere Kratzer mit sich, als ein Mann sie je erleben könnte, zumindest dachte das die blonde Schönheit, deren Augen nun keinen Platz mehr für die unzähligen warmen Wassertropfen hatten. Demzufolge traten sie zart brennend über ihren Wimpernkranz hinweg und schmiegten sich in fließenden Bewegungen an ihre helle Haut, die zugegebenermaßen schon leicht fröstelte. Der Regen verfiel Gretchens Absicht sowieso durchnässt auszusehen keineswegs und doch erkannte man die leichte Röte ihrer Augen und den unumgänglich weinerlichen Ausdruck in den blauen Gesichtspunkten.

Allein die aussagelosen Gespräche, die sie tagtäglich führten und welche doch auf nichts zurückzuführen waren, trieben ihr einen unentwegten Hass auf sich selbst entgegen. Jeder Mensch konnte glücklich sein, stand mit Anfang 30 meistens mit beiden Beinen im Leben, hatte einen Partner zum Anlehnen und vielleicht schon das zweite Kind unter dem Herzen. Sie hingegen vermach biologischer Natur definitiv der Voraussetzung Kinder bekommen zu können, ihr instabiles Lebensumfeld bot sich allerdings als nicht tauglich für eine kleine Ausführung ihrerseits. Den passenden Mann glaubte sie zu kennen, noch viel verrückter, sie kannte ihn, aber er stellte sich als Frosch heraus, aus dem bis jetzt kein Prinz wurde. Was die Karriere anging tigerte Gretchen irgendwo zwischen absehbarem Erfolg und Unsicherheit hin und her, was ihr kaum Stärke brachte.

Ihr Kittel triefte mittlerweile durch die Nässe und sie fühlte sich in ihrer Haut sichtlich unwohl, doch bewegen tat sich die Blondine keinen Millimeter. Wenn man alles zusammenfasste, dann lenkte ihr Schicksal kontinuierlich in eine Richtung und die hieß abgekürzt MM. Ob Kämpfen eine Möglichkeit war? Oder doch lieber warten? Nein, warten auf was denn?- Dass sie wieder einmal auf den Boden der Tatsachen geholt wurde und unter ihr kein Kissen zum Abfedern lag? Seitdem Marc weg war, verspürte Gretchen Leere und Einsamkeit. Da konnte der Macho sie foppen und aufziehen, wie ihm lustig war, ohne ihre Jugendliebe war sie nur noch eine halbe Persönlichkeit. Das Schlimmste zeigte sich ihrer Meinung nach darin, dass Marc es nicht einmal sah.

Er war blind vor Erfolg und den nichtigen Dingen des Lebens, als sich auf die einzige Frau zu konzentrieren, die ununterbrochen an das Gute in ihm glaubte. Die schokosüchtige 30 jährige wusste im Moment nicht nach vorn oder zurück, nur dass sie mit voller Hingabe gern von ihm geliebt werden wollte. Leise wimmerte sie und hob ihre hole Hand an die Nasen- Mund- Partie um dem Ganzen etwas weniger Platz einzuräumen. Das Leben war doch furchtbar und da sagten alle immer, man lebe nur einmal und sollte das genießen, was man hat. Pah, lächerlich. Frustriert strich sich Gretchen mit dem Handrücken über das Kinn, als sich dort schon einsame Tränen sammelten und Gefahr liefen einen Abgang in ihren Ausschnitt zu machen. Es war legitim, dass Marc andere Aufgaben hatte und sich nicht rund um die Uhr bei ihr meldete, aber ein kleiner Anruf nach zwei Tagen wäre doch kein Beinabbruch gewesen. Zumal wusste Gretchen, Marc konnte sich die Zeit als leitender Chirurg einteilen und verfügte über die Wahl seine Arbeitszeiten frei einzutragen. Im Grunde keine Erneuerung seitdem er vom EKH weg war, doch für seine unangefochtene Klette machte dies sehr viel aus.

Wie sie gedankenverloren vor sich hin vegetierte, stand ein junger Chirurg an der anderen Seite der Stadt, zentral, vor seinem Bürofenster mit ebenfalls direktem Blick über das gesamte Gelände vom Westflügel. Die Arbeit barg jeden Tag neue Herausforderungen mit sich, wie er es liebte und er scheute keine Mühen abends noch vor laufendem Fernseher in seine prunkvoll teuren Bücher zu schauen. Hier wurde er vor waghalsige Aufgaben gestellt, wo vorausgesetzt wurde sie exzellent zu bestehen, von den zahlreichen Transplantationen, die sich für die kommenden Wochen ankündigten ganz zu schweigen. Marc war ausgelastet. Seine Aufmerksamkeit auf die strömenden Wassermassen wirkten verträumt, so als ob er einen Vorwand brauchte, um in seinen Gedanken versinken zu können.

Die Hände hingen locker in den teuren schwarzen Hosen, darüber der weiße Kittel und das Littmann Stethoskop. Er gab definitiv den perfekten Arzt ab. Vermutlich hatten solche Männer normalerweise eine Frau zu Hause sitzen und holten in der Mittagspause ihr kleines Kind von der Oma ab. Oder aber es waren solche Typen. Leider galt Marc Meier unumgänglich zu Kategorie zwei, weshalb er im Gegensatz zu einer Frau gleich 5 an jedem Finger hatte.

Irgendetwas unter dem sündhaft teuren Lacoste Hemd zog verdächtig, weshalb Marc mit flacher Hand über seine Brust strich und kurz die Stirn in Falten legte als ein umschweifender, prüfender Blick die Runde über das Gelände machte. Was Hasenzahn jetzt wohl anstellen würde? Besser noch, wen sie für ihre absurden Kinderein einspannen würde? Vielleicht Mehdi? Skeptisch starrte Marc mit erhobener rechter Augenbraue auf die Schreibtischkante und überlegte krampfhaft, ob sich bei den beiden nun womöglich wieder etwas anbahnen könnte. Die Brillenschlange stellte keine angemessene Konkurrenz da, das musste er sich abwiegend eingestehen und sah Mehdi mit Gretchen wieder vor einer Flasche Wein sitzen. Im schlimmsten Fall nutzte sein bester Kumpel, woraufhin Marc kurz zynisch auflachte die Situation scharmlos aus und bequatschte sie in ihre jetzigen Lage so lange, bis Hasenzahn willenlos ihren Kopf reckte und seine schleimige Zunge in Empfang nahm. Er fand es wunderlich, wie man sich selbst solche Hirngespinste einreden konnte, war er sich doch vor einigen Monaten sicher, als Gretchen die erste Nacht neben ihm verweilte, dass er der letzte sein würde, der sie küssen geschweige denn berühren dürfte. Das Blatt wendete sich drastisch und kopfschüttelnd verwarf er den Gedanken, beschloss im gleichen Atemzug lieber, seinem Freund mal auf den Zahn zu fühlen. Ganz nebenbei konnte er geschickt nach Neuigkeiten bezüglich des Professors und seiner Gattin fragen oder auch auf Gretchens Lage dezent einen Einblick erhaschen.

Sein gemütlicher Ledersessel bot die perfekte Kulisse und das schwarze Handy wählte kurzerhand die Wahlwiederholung. Immerhin hatte sich Marc oft bei Mehdi in letzter Zeit gemeldet, dass Gretchen nicht bescheid wusste, war ihm klar.

Auch dass es so bei einer zufälligen Begegnung zu unersichtlichen Streitereien kommen kann. Die Steppvisite hatte er galant um Gretchens Rücken gemacht, zwar war sie wenigstens darüber informiert, nicht aber über seine eigentliche Sorge um das ganze Dilemma. An der Leitung hörte er ein zwanghaft fröhliches „Marc!“, woraufhin er kurz die Augen gen Decke richtete und sich räusperte.

„Na Kaan! Steht das Mombasa noch?“

Mehdi seufzte tief und Marc erahnte nur, dass er eine lange Nacht hinter sich hatte. Ausnahmsweise schob er dies nicht auf die Vogelscheuche sondern auf eine lange Schicht oder eine noch turbulentere Begegnung mit Hasenzahn. „Wie man’s nimmt…“ Irritiert legte Marc die Hand in sein Haar und lehnte sich zurück in den Sessel. „Ähm… geht’s auch konkreter?“

„Es gibt keine Neuigkeiten vom Professor und seiner Frau. Sabine pendelt in Dauerschleife. Gina ist überarbeitet und zusätzlich… ja zusätzlich gibt die Fluglinie keine Auskunft über eventuelle Verletzte außer in dem Artikel der Zeitung.“ Müde gähnte der Halbperser ins Telefon und schloss im nächsten Moment sein Büro ab, da Marc das Handy genommen hatte und lief Richtung Schwesternzimmer. „Ja gut, das war die Bild! Der würde ich zwangsläufig nichts glauben.“, legte Marc in einer Selbstverständlichkeit hin, dass Mehdi kurz die Luft stoßweise ausatmete. „Du weißt doch, wie es läuft und das es stimmt.“

„Ja, leider!“, lachte Marc eher gequält als wahrhaftig auf. Diese Auflockerung baute er bewusst ein, um Mehdi ab und an mal einen gescheiten Gesprächspartner zu vermitteln. Seine Gedanken schwankten sofort wieder auf das Interessante um, als er getarnt belanglos fragte. „Und… und was hier Dings macht…“ Ehe er den Satz zu Ende stammeln konnte, fiel Mehdi ihm dominant ins Wort, was Marc nicht von seinem Kumpel kannte.

„Wie glaubst du wohl, wird es ihr gehen? Mh?“ Jetzt war Marc derjenige, der in die Enge gedrängt wurde, sollte doch eigentlich Mehdi dem Verhör standhalten. „Keine Ahnung! Du, deshalb frag ich ja.“, meinte der Oberarzt bedacht unwissend und spielte nebenbei mit einem hauseigenen Kugelschreiber. Edel, schlicht und immer einsatzbereit, doch da fehlte der Funken Kitsch, den Hasenzahn so mochte. Schnell schüttelte er mit grimmigem Ausdruck über sich selbst, die Föhnfrisur von rechts nach links und lauschte aufmerksam den Worten seines Gesprächspartners. „Schlecht, schlechter, am schlechtesten. Ist das konkret genug?!“ Als keine Antwort kam, fuhr Mehdi unbeirrt freundlich aber geschafft fort.

„Sie versucht stark zu sein. Für das Krankenhaus, aber man sieht ihr an, dass sie dem Druck nicht mehr lang standhält. Gigi meinte, dass sie in den letzten zwei Tagen 3 Kilo abgenommen hat.“

Interessiert hob Marc seinen Kopf und guckte verdutzt durch sein Büro. „Das kommt wieder drauf.“, versuchte er monoton zu antworten und nestelte an seinem Geschenk des Professors herum. Dabei störte allerdings das gute Stethoskop, weshalb er es kurzerhand auf den Schreibtisch flackte und tief einatmete. „Dieses Mal nicht, Marc.“, schüttelte der Gynäkologe besorgt den Kopf, was Marc als Kopfkino genau vor Augen hatte. „Sie igelt sich dermaßen ein, dass es ein Wunder war, als wir gestern kurz miteinander gesprochen haben.“ Schnell schluckte der Chirurg und hob anspielend die Augenbraue, was sein Gesprächspartner zum Glück nicht sehen konnte, denn bei seiner Antwort hätte er sich vollends als eifersüchtiger Gockel bloßgestellt. „Wo?“

„Ähm, Zuhause?! Wo auch sonst?“ Kurz überlegte Mehdi, musste dann aber schräg grinsen, als er Marcs Anspielung verstand und sofort alles richtig stellte. „Keine Sorge, ich glaub kaum, dass sie momentan an Sex denkt. Da hat sie andere Methoden als du, sich abzulenken.“ Empört hob Marc seine Stimme. „Wer sagt denn bitte, dass ich jemanden gebumst hab‘? Hm?“

„Das muss keiner sagen, es reicht, dass ich dich kenne, Meier!“

Zügig lief Mehdi vom Stationszimmer eine Etage nach oben, als er im Gang zum Stillstand kam.

Marc redete unbeirrt weiter, wusste er nicht, dass Mehdi soeben die unangefochtene Sorgenliese entdeckte. „Im Gegensatz zu dir hab ich wenigstens Weiber, die ich vögeln kann. Von deiner Scheuche brauch ich ne erst anzufangen. Meine Meinung kennst du!“

„Ach du meine Güte!“, nuschelte Mehdi geistesabwesend während er Gretchens durchnässte Rückenansicht beäugte, die ein Müh zu weit entfernt war.
„Is‘ was?“, hakte Marc der Norm halber nach und streckte ebenfalls gähnend wie Mehdi vorhin den Rücken durch. Das war eine wohlverdiente längere Pause, nachdem er 24 Stunden auf dem Buckel hatte und sich diese Pause wohlverdiente. „Ich glaub das wird dir nicht gefallen…“, schloss er konzentriert auf ihre Körpersprache an, die Schultern ihrerseits bebten verdächtig. Marc stöhnte gepeinigt und fuhr Mehdi barscher an.

„Jetzt sag schon, Mehdi. Ist ja nicht zum Aushalten!“
„Mhm…“, stimmte er Marc zu und erklärte bedacht feinfühlig. „Das denkt sich Gretchen sicherlich auch gerade.“

„Wie meinst du das?“, wollte der Arzt interessiert wissen, während er die Augenbrauen verdächtig in der Mitte zusammenzog. „Sie sitzt im Regen und weint, soweit ich das einschätzen kann.“

Marcs Kopf zog sich zu seinem Fenster, wo durchgängig Wasser dran runter lief, sodass jeder normale Mensch mit Schirm keinen freiwilligen Spaziergang machen würde. „Bei dem Mistwetter? Wie lange?“ Marcs Aussagen beschränkten sich aufs Nötigste, genauso wie Mehdi übernommen meinte. „Keine Ahnung, sie sieht aber ziemlich durchnässt aus.“

Marc erhob sich von dem gemütlichen Platz, auf dem er ursprünglich ein kleines Nickerchen halten wollte bevor die Magenverkleinerung anstand. Er lehnte sich gegen den Tisch und schaute wieder kritisch über das Gelände, dessen Wiese halb unter Wasser stand und die Abflüsse nur so pumpten.

„Ja holst du sie vielleicht mal rein?“, fragte er verständnislos, nachdem keine Antwort kam und Mehdi Gretchen nicht aus den Augen ließ.

Es war eine Situation, in der sie sich 100%- ig Marc wünschte, der sie von der Straße kratzte, dachte sich Mehdi und nickte zustimmend über seine Gedanken. Gerade setzte er zur Einwilligung ein, da tat sich was in dem Regenstrom. „Aha, ich glaub sie merkt es selbst.“
„Was denn?“, stöhnte Marc leidig auf, weil Mehdi in Rätseln sprach. „Gretchen steht auf.“ Schnell grüßte er einen Kollegen und wandte sich dann wieder an Marc. „Außerdem wärst du derjenige, den sie jetzt gern bei sich hätte.“ Er vernahm bei seinem Kumpel ein Grummeln und Murren, als er weniger freundlich antwortete. „Das hatten wir doch schon. Sie soll ihr Leben leben und nicht immer an alten Erinnerungen festhalten.“, mahnte Marc und legte Zeigefinger und Daumen um seinen Nasenrücken. „Du weißt genau, dass das nicht geht. Ihr habt so gut wie euer halbes Leben zusammen verbracht, da stellt es sich schwierig da, zu vergessen.“

„Na du musst es ja wissen…“, nuschelte Marc grinsend auf seine Brust und horchte gespannt als Mehdi ein lautes fluchendes „Mist“ formte.

„Was denn nun schon wieder?“

Elli Offline

stellv. Admine


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30.01.2015 23:45
#63 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Hey ihr lieben Leute,

ich hoffe es geht euch allen gut? Ich glänze ja mittlerweile mit aktionslosen Posts hier im Forum. ABER ich gelobe Besserung. Die letzte Zeit war echt sehr stressig für mich, weswegen ich einen besonderen Dank an @Greta , @Sally , @GretchenHaaseFan und @MissMeier aussprechen möchte. Ich drück euch ganz fest und verspreche mich die nächsten Tage ausführlich bei euch zu melden. Besonders Sally hat da noch einiges von mir zur Rezension zu bekommen.

So, aber nun genug der vielen Worte, es gibt ein neues Kapitel! Also wünsche ich euch ganz viel Spaß beim lesen und hinterlasst mir einen klitzekleinen Kommentar!

Liebe Grüße,

Eure Elli




„Kaan? Hallo? Jemand zuhause?“

Seit geschlagenen zwei Minuten versuchte Marc Mehdi ein Wort zu entlocken, was bis jetzt kläglich gescheitert war. Benommen blinzelte dieser und strich sich über den Bart, als er Marc etwas hypnotisiert antwortete. „Ich glaube wir haben einen Patienten…“ Jetzt war es für Marc an der Zeit zu fragen, ob sie hier noch von ein und derselben Person sprachen, schließlich hatten seine reifenden abrunden Schrullen nichts mit Hasenzahn zutun. „Spinnst du jetzt völl-“ Ehe Marc zu Ende sprechen konnte, schoss Mehdi schon mit wehleidigem Gesicht entgegen. „Sie hat sich glaub ich den Fuß gebrochen. Ich muss mal runter!“ Verdattert über die plötzliche Änderung der Ausgangssituation schaute Marc kurz auf das Telefon und dann auf seine Armbanduhr. Seufzend stellte er fest, dass seine Pause in zwei Minuten vorbei war, weshalb er das Gespräch noch kurz informativ beenden musste. „Sag dem Rössel bescheid! Du kannst das nicht! Ich ruf dann nochmal an… Ach und Mehdi?“ „Ja?“ „Fahr sie nachhause!“ Ehe der noch etwas antworten konnte, hatte der Sohn der Autorin, die Sabine offensiv verehrte aufgelegt. Schnell zischte Mehdi keineswegs böse gemeint „Vielen Dank für die Blumen“ und machte sich im Joggingtempo auf zu Gretchen, die sich benommen aufrappelte und schmerzend das Gesicht verzog.

Ihr Fuß hackte und sie fühlte wie etwas an ihrer rechten Wange brannte. Als sie langsam dorthin tastete, zuckte sie zurück. Es waren nur ein paar Schrammen, aber in Kombination mit Dreck, Tränen und Wasser schmerzte er doch um ein vielfaches mehr als sie je gedacht hätte. Reumütig rappelte sie sich auf die Knie und hielt fluchend ihren Knöchel, denn sie war unglücklich über den glatten Bordstein mit dem Gesicht auf den Asphalt gefallen. Jetzt fühlte sich die junge Frau nicht nur innerlich fertig, sondern auch körperlich. Die Demütigung und der Schmutz gaben da die perfekte Paarung, weshalb sie gleich in einem neuen Anfall von Tränen erstickte, als Mehdi helfend auf sie zukam und die Arme unter ihre Achseln schob.

Unterdessen stand ein sehr unkonzentrierter Oberarzt im OP und gab gereizte Anweisungen an sein Team, das hilfesuchend die Augen verdrehte.
„Wir setzen das Band ein. Lose, zuschauen und lernen!“ Marc setzte das Magenband millimetergenau als eine Art Oberbauch ein und platzierte er mit der Hilfe spezieller Geräte an der richtigen Stelle. Konzentriert, aber multitaskingfähig sprach Marc seinen Assistenzarzt an.

„Was wird freigesetzt, wenn wir die Instrumente entfernen?“, hakte er fragend nach, als er den jungen Mann fachmännisch musterte.
„CO2?“

„War das jetzt ne Frage oder ne Antwort?“, meinte er flüchtig. „Eine Antwort!“, nickte der Mann und widmete sich ohne Anweisung wieder dem Bauchraum. „Stichinzisionen mit zwei Einzelknopf-Nähten. Aber etwas zügig!“, gab Marc trocken in den Raum und schaute zur Sicherheit auf die Werte des älteren Patienten, dem das Band nur zugute kommen konnte. „Halt!“, rief er gereizt. „Weiter links!“, maulte er und verdrehte genervt die Augen. Dieser Typ assistierte genauso schlecht wie Knechtelsdorfer, wobei sich der Österreicher in letzter Zeit steigerte. In diesem Alter besaß Marc bereits eine feste Einstellung als Chirurg und wurde wenige Jahre später zum jüngsten Oberarzt aus Berlin. Unwillkürlich dachte er an das EKH, schaute aber bedacht konzentriert auf die Tätigkeit des „Assis“.

Hasenzahn würde in Windeseile die paar Griffe geübt ausführen, dessen war sich Marc sicher. Er gab oft nur zähneknirschend zu, dass sie ein unglaubliches Potential aufwies, welches durch ihn angemessen gefördert wurde. Wenn sie sich allerdings auf private Befindlichkeiten spezifizierte, würde sie das Ding an die Wand fahren. Er verübelte er ihr nicht im Geringsten, dass sie wegen der Sache mit ihren Eltern neben der Spur stand, doch darunter konnte nicht alles andere leiden.

Der Feierabend kam ihm wie gerufen, als er sich rasch umzog, den Parka schnappte und die restlichen Meter bis zu seinem Parkplatzt sprintete um dem Regen so unberührt wie möglich zu entkommen. In dem weißen Volvo sitzend, kramte er fluchend in der Hosentasche und wählte wieder einmal die Wahlwiederholung. Es war ja klar, dass Hasenzahn ein unangefochtener Tollpatsch war, aber sie musste nicht gleich jede Gelegenheit nutzen um das unter Beweis zu stellen. Sichtlich fertig nahm Mehdi mit einem geübten „Marc“ ab und empfand den Zeitpunkt als äußert ungünstig, da Gretchen noch beschmutzt vor ihm im Untersuchungsraum mit geschientem Bein saß.

„Wie sieht’s aus?“, kam der Chirurg gleich zum Punkt und stellte den Motor an, um einarmig loszufahren. Gretchen lugte trotzig über ihre Augenbrauen zu Mehdi und giftete ihn fremd entgegen, was er so nie von ihr kannte. Trotzdem wirkte es typisch Gretchen und umso putziger, wie einzelne Grashalme in ihrem Haar hin und her wippten. Seit der Diskussion mit der Krankschreibung hatte sie lediglich die Arme vor der Brust verschränkt und schmollend dabei zugesehen, wie Rössel einen Verband anlegte. Nicht einmal Gehgips bekam sie, was Gretchen wurmte. Dass Marc es noch wagte anzurufen, egal bei wem, war ihr ein Dorn im Auge. War sie eben noch tieftraurig, so würde sie momentan am liebsten mit dem Teufel beim Kartenspielen sitzen.

Rein hypothetisch…

„Aussichtslos?!“, nuschelte Mehdi beobachtet und lugte beängstigt zu seinem Handy, worauf Gretchen lautstark rief.

„Wehe du erzählst irgendwas, Mehdi. Ich möchte das nicht!“

Ihre Stimme relativierte sich von Wort und Wort, sodass er am Ende Mitleid mit ihr hatte. „Das ist nur Marc, Gretchen.“, versuchte der Halbperser vergebens zu erklären.

„Was heißt hier nur Marc?!“, fragte dieser sichtlich empört und starrte auf eine rote Ampel. „Sag jetzt endlich.“ Bevor Gretchen losplappern konnte, ging Mehdi mit erhobener Hand aus dem Zimmer und hockte locker gegen der Wand. „So jetzt… Sie hat einen gebrochenen Knöchel und eine große Schramme an der rechten Wange. Zudem ist sie unterkühlt und vollkommen fertig.“

„Und?“, hakte Marc weiter nach.

„Und will es nicht einsehen…“ Marc nickte leicht schmunzelnd. „Das war’s, was ich befürchtet hab. Bring sie runter, ich schaff sie heim.“ Marc hörte es undefinierbar stöhnen, als Mehdi kapitulierte und ihn freundlicherweise darauf hinwies, dass Gretchen in diesem Zustand nicht allein bleiben kann. „Jaja Doktor Sommer!“ „Ich mein das ernst, Marc! Wenn du sie in der Villa allein lässt, hol ich Gretchen wieder ab.“ Marc hob ungläubig die Augenbrauen und brummte. „Sicher, weil sie ja auch so gut auf dich zu sprechen ist. Hm?“ Langsam schlich sich ein keckes Grinsen auf seine Lippen, als er im Stadtverkehr nur noch fluchen konnte. „Du hast doch selbst gesagt, dass Abstand besser für sie ist! Also was soll das jetzt?“ Marcs Nasenflüge weiteten sich, als er bedacht ruhig ausatmete und dann ansetzte.

„Schon klar! Aber… (resigniert) ich muss da noch was klarstellen.“ Als er den Wagen dynamisch um die nächste Kurve wandte und nicht mehr allzu lang vom EKH entfernt war, worüber er sich insgeheim minimal freute, fügte er im typischen Meier’schen Ambiente hinzu.
„Also verfrachte sie nach unten. Pass aber auf dein Kreuz auf, ich bin mir nicht sicher, ob bei Hasenzahn die zwei Kilo Wunder bewirkt haben. Und sei pünktlich, sonst fahr ich wieder!“

Eine Menge Anweisungen, die Marc durch ein rasches Auflegen standhaft machte, worüber Mehdi nur lächelnd aber verständnislos zugleich den Kopf schüttelte und krampfhaft überlegte, wie er Gretchen jetzt geistig soweit kriegt, mit Marc zu fahren.

„Mehdi bitte! Du kannst das nicht verantworten! Ich meine…. Schau… mal, was Marc sagt, wenn ich so in sein heißgeliebtes Auto steige? Meinst du, der lässt mich mitfahren?! Nein!“ Viele Worte für nicht mal 5 Minuten waren bis jetzt gefallen und Gretchen hatte mindestens 4 ½ davon ununterbrochen gequasselt.

Als es auf die Zielgrade zuging, fielen ihr nur noch flaue Ausreden ein „Wenn es so wäre, dass…“ Damit raubte sie dem sowieso schon angeschlagenen Gynäkologen das letzte Bisschen Frauenverstand. Manchmal konnte er Marcs Denkweise nachvollziehen, ab und an fiel sogar der Wunsch, selbst so ein Lotterleben wie Herr Meier zu führen, was ihm beim Anblick an Gigi oder eher Gretchen schnell den Wind aus den Flügeln nahm. „Sie es doch mal positiv… ähm also… ich er…“ Vergebens suchte der Halbperser nach plausiblen Ausreden, die ihm zum eigenen Leidwesen nicht so locker von den Lippen gingen, wie Gretchen. Den Rollstuhl fuhr er vorsichtig über die Schwelle des Fahrstuhls, indem Gretchen notgedrungen Platz nehmen musste und stellte sich an die große Glasfront mit automatischer Türöffnung.

Na super! Marc Meier wird in lebenslustiger Euphorie über die entstandenen Missverständnisse und Unglücke lachen und mir werden nur die Schmutzstellen bleiben. Da sag ich doch mal herzlichen Dank und merke nebenbei an, dass ich nie mehr Lotto spiele. (kurzes überlegen) Er hat nicht mal ein bisschen Mitgefühl gezeigt, dass ich wenigstens merke, ihm liegt was an mir. Rein gar nichts!!! Sein blöder Kontrollgang war vielleicht gut gemeint, aber geholfen hat er mir auch nicht. Die unzählbaren Anrufe lasse ich galant weg und von dem Telefonat mit Mehdi… tzzz… was glaubt der?! Dass ich ihm himmelhochjauchzend um den Hals falle? Ganz sicher nicht! Gretchen Haase, du bist eine starke, emanzipierte und… beschmutzte Frau, die ab und an in kleine Missgeschicke manövriert wird, (stutzen)… also nichts weiter?! Oder???

Wie sich die blonde Menschenliebhaberin in ihre Gedanken verstrickte, merkte Gretchen nicht, dass ein weißer Volvo mit einem bestimmten Fahrer vorfuhr und direkt vor ihr und Mehdi halt machte.

Marcs erster Blick galt Skepsis und Verwunderung, ob Hasenzahn nicht womöglich auf den Kopf gefallen war und ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatte, weshalb sie so abwesend und komisch starr geradeaus schaute. Ungewollt hob er eine Augenbraue, kam dabei an seinem Kofferraum zum Stehen und warf Mehdi einen festen aber deutlich abschätzigen Augenaufschlag mit einer Portion Irritation entgegen. Nur zu gern zog er die Lippen wenig begeistert breit und nickte kurz gen Marc, bevor er sich zu Gretchen herunterbückte und die Hände locker auf den Beinen zusammenfaltete, ehe er sie vorsichtig und einfühlend ansprach. „Gretchen, soll ich dich ins Auto setzen? Marc bringt dich heim.“ Bei der Blondine kam die Stimme ihres besten Freundes nur gedämmt an, als ihre Auge wie vom Geist gesehen etappenweise zu Marc hinaufblickten, der ihr ungewohnt viel Aufmerksamkeit mit seinen Augen schenkte.

Gleich durchfuhr sie ein warmer Schauer und das Schlimmste war, sie mochte ihn und kannte diese Empfindung besser als ihr lieb war. Schnell unterbrach er die Stimmung mit einem kehligen Räuspern und hob fast ein wenig hilflos die Hand zum Gruß, den Blick wendete er schleunigst ab.

„Na?! Kann’s losgehen?“

Gretchens Augen hefteten immer noch stetig auf seinem makellosen Gesicht, doch sie spürte eine deutliche Veränderung. Ihre Augen verengten sich minimal als sie bedeutend kühler und unnatürlich gefasst rief.
„Keine Sorge, ich werde dir keine Sekunde deiner kostbaren Zeit stehlen.“

Mehdi und Marc warfen sich einen vielsagenden Blick zu, ehe der Chirurg leicht grinsend den Kopf nach unten senkte und sie mit gekreuzten Beinen charmant ansah. „Hut ab! Du lernst dazu, Hasenzahn!“, nickte er nicht schlecht. „Marc, du weißt, was wir besprochen haben?!“ Immer sprach die Mutter aus ihm, dessen war sich Marc Meier sicher als er theatralisch die Augen eine Runde kreisen ließ und seinen Kumpel wenig begeistert ansah. „Keine Sorge Mehdi, ich leide nicht an Demenz.“

„Können wir dann jetzt endlich los?“, maulte Gretchen und unterbrach die zwei Männer mit einem aufgesetzten Lachen. Ehe Marc auf sie zuschreiten konnte, packte Mehdi schon unter ihre Gelenke und verstaute sie sicher auf dem Beifahrersitz, um ihr kurz darauf die Krücken zu reichen und Gretchen Haase mit einer festen Umarmung zu verabschieden. Der Oberarzt fühlte sich sichtlich fehl am Platz und klopfte Mehdi solide auf die Schulter. „Bis später, Marc!“

Die Hoffnung von einer schnellen Flucht verflogen auf die Sekunde, denn der Gynäkologe hielt seinen ehemaligen Arbeitskollegen am Oberarm fest. „Ich mein das ernst...“

„Ja, ich auch…“, blaffte der zurück und stieg zügig in sein Auto.

Kaum startete er den Motor, bereute Marc es, Gretchen mitgenommen zu haben, denn da kam ein ihnen beiden bekanntes Lied. „When you say nothing at all“ und der smarte Arzt verfluchte den Moderator oder die treu-doofe Frau, die sich den Schrott gewünscht hatte. Spätestens jetzt würde jeder Kerl, der Verstand, Männlichkeit und Eier in der Hose besaß, die Flucht ergreifen und die Schreckschraube für ewig aus dem kleinen Telefonbuch streichen. Auch seine Nachbarin schaute kurz verwundert auf, so bemerkte er ihren anhaltenden Atem und den flackernden Blick ihrer schönen Augen. „Was hast du eigentlich wieder angestellt? Mh?“, hakte er überspielend interessiert aber überlegen nach und schlug vorher auf das Radio, welches sofort verstummte. „Nichts, wie du immer so schön zu meinen glaubst…“, nuschelte sie abweisend und warf den Kopf Richtung Fenster. Ihre letzte Sympathie galt jetzt keinem Gespräch mit Marc Meier. „Musst du immer alles dramatisieren? Das is‘ echt zum kotzen!“, stöhnte er zügellos auf und blinkte.

„Was? Jetzt bin ich wieder die Blöde? Wer hat sich denn nicht einmal für meine Situation oder mich interessiert? Hä?“ Marc kam nicht zu Wort, denn schluckend nuschelte sie abschätzig. „Aber was sollte ich auch anderes von dir erwarten.“ Es war der richtige Zeitpunkt um das Radio wieder anzustellen und zum Glück von Marc kam prompt ein ungeliebter, aber differenzierter neuer Hit. „Ich hab null Bock mit dir banale Sachen auszudiskutieren. Meine Schicht war lang!“ Unterstreichend gähnte er genüsslich und warf einen flüchtigen Blick auf Gretchens Knöchel, dessen Verband seiner Meinung nach von einem Amateur gebunden wurde.

Tja, sieht man mal was passiert, wenn Gott nicht im Haus ist! Wundert’s mich?! Ne!
Der braucht es gar nicht wagen, mich anzugaffen. Blöder Egomane… Männer!!!


„Was guckst du denn so?“

„Ich kann hingucken, wo ich will. Das ist nämlich mein Auto!“

Auf Revierkämpfe hatte Gretchen eindeutig keine Lust, weshalb sie kapitulierend die Hände hob und ihre Aufmerksamkeit dem Fenster schenkte. Währenddessen überlegte Marc krampfhaft, was er nun mit Hasenzahn anstellen sollte. Schließlich sah er das tollpatschige Etwas auf einem Bein nun direkt vor sich, somit heftete der Gedanke fast penetrant an ihm, dass er sie unter diesen Umständen unmöglich allein lassen konnte. Die flog wahrscheinlich über die Schwelle im Wohnzimmer oder kam vom Klo nicht mehr runter. Seine letzte Lust galt auch noch nachts als Rettung gerufen zu werden, wobei ihm der Gedanke an einen feststeckenden Hasenzahn zugegebener Maßen gefiel. Seine ehemalige Assistenzärztin mit Selbstbewusstseinsmangel überlegte indessen fieberhaft, wie sie galant aus dem Auto steigen konnte, ohne dass Marc ihren beschmutzten Hintern sah. Beim Gedanken daran schüttelte sie kaum merklich, aber peinlich berührt den Kopf und hob als eine Art Sichtschutz die Hand.
Ich seh keine Sonne, Hasenzahn!

Mal wieder bekam sie nicht mit, wie Marc anstatt die Erste Kreuzung rechts, die zweite links nahm und so geradewegs zu einer anderen Straße düste. Von einer rauen, distanzierten Männerstimme wurde sie aus den Gedanken gerissen, als sie irritiert in Marcs Gesicht blickte und die Umgebung erkannte. „Wir sind da!“

Angekommen zu sein, beinhaltet nicht automatisch ein Geborgenheitsgefühl zu verspüren. Oftmals brauchen wir sehr lange, um uns wohlzufühlen, zu genießen und zu schätzen. Die Frage ist nur, ob man sich zwischen Scherben, Erinnerungen und missglückten Momenten wohlfühlen kann? Können alle Wunden heilen, auch wenn ihre Gründe noch offen vor uns auf dem OP-Tisch liegen? Kann ihm verziehen werden, wenn kein offensiver Funke von Willensstärke und Kampfgeist in uns aufkommt, der uns schon so oft zu unüberlegten Taten verleitete?
Ist es möglich das zu tun und sich glücklich schätzen zu können, wovor wir eine unbändige Angst haben? Sind Frauen so stark und emanzipiert, lieben wir so sehr, dass wir uns von ihnen unterscheiden?- Den Männern, die uns ewig im Herzen herumschwirren und die wir gleichzeitig trotz unzähligen Fehlern nicht aus ihm verbannen wollen? Sind wir wie sie? Ein Spiegelbild der anderen?

Elli Offline

stellv. Admine


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01.02.2015 14:29
#64 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Hey Leute,

vielen Dank für die vielen Klicks und die lieben Kommentare! Ich hab mir überlegt, dass es schon heute weitergeht, weil ich zwischen den beiden kommenden Kapiteln eine nicht zu große Spanne haben möchte. Das liest sich dann auch besser. Des Übrigen geht es jetzt auch regelmäßig weiter und nicht nur in Abständen von einem Monat. Ich mag das selbst nicht sonderlich, drum wird das wieder auf den Ursprung zurück gesetzt.

Das heutige Kapitel ist etwas intensiver und trotzdem hoffe ich an einigen Stellen die Leichtigkeit, die uns DD immer vermittelt beibehalten zu haben. Aber die Gefühle müssen eben auch mal heraus... Wortwörtlich!

Genug der langen Reden, überzeugt euch einfach selbst!
Viel, viel Freude beim lesen!
Eure Elli




Fragen über Fragen und bis jetzt keine einzige Antwort in Sicht! Aber wer wäre sie, wenn Gretchen nicht diejenige war, die nach dem Rätsels Lösung suchte?

Gut, in Mathe war ich nie ein Genie, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt? Meine Devise steht fest: Werde das Geheimnis um Marc Meier lüften! Komme was wolle! Hasenzahn kämpft!

„Bei dir?!“, wollte sie ungläubig umschauend wissen und reckte den Hals über, als sie vergebens versucht nach hinten zu schauen.

„Soll ich vielleicht zur Confiserie fahren und dich dort absetzen? Dann garantier ich aber für nichts, da du sicherlich morgen früh an Überzuckerung stirbst.“ Charmant wie eh und je. Dynamisch lief er um das Auto, hielt die Tür einladend auf und sah sie auffordernd an, während Gretchen mit herausgestreckter Zunge versuchte halbwegs gesund und ohne Schäden für das Auto auszusteigen. Ihre Beine wackelten und die Krücken schienen auch schon mal stabiler gewesen zu sein, weshalb die junge Nachwuchschirurgin angespannt neben Marc zum Stehen kam. Der verdrehte kurz leicht angetan die Augen und zog den linken Mundwinkel leicht an, bevor sie in seine Wohnung stiefelten. Nach 5 Minuten, in denen Marcs Nerven und Gretchens non-existente Muskulatur deutlich litten, schloss der begnadete Oberarzt rasch die Tür auf und warf kurzerhand die Jacke unbedacht auf den Fußboden gefolgt vom Schlüsselbund. Margarete Haase hingegen grübelte mal wieder, ob es denn richtig war, sich unweigerlich auf diese Situation einzulassen. Hätte sie sich lieber sträuben sollen? Andererseits hatte sie nicht jeden Tag die Chance etwas über die vergeigte Beziehung und den spontanen Arbeitswechsel herauszubekommen. Sie wurde jäh unterbrochen von Marcs lautstarkem Gebrumme.

Wahrscheinlich räumt er gerad seine alten Klamotten weg, weil er ein Gentleman ist und mich im Bett schlafen lässt. Hach… OMG, was denkst du hier, Gretchen Haase? Werde unter keinen Umständen hier übernachten, geschweige denn in Marc Meiers Bett! (schmachtend) Auf seiner Matratze, mit seinem körpereigenen Duft, mit kleinen Härchen und dem schönen warmen Bettbezug… Moment! Schluss! Melde dringende Überprüfung, weil Verdacht auf Systemabsturz!

„Steh halt nicht so rum und setz dich schon hin. Bist ja schließlich nicht das erste Mal hier…“, rief er durch die Wohnung, denn sein Kopf lugt kurz hinter der Wand des Schlafzimmers hervor. „Ja-ja-ja… klar!“, stotterte sie munter drauf los und entspannte sichtlich als die Krücken einen Abflug nach rechts und links Unten machten. Den Kopf legte sie vorsichtig an die weiche Sofalehne und schloss für einen Moment genießerisch die Augen. Es hatte sich also nichts verändert. Zumindest äußerlich nicht.

Wie viele Türen nun verschlossen waren, imaginär versteht sich, wusste Gretchen nicht, umso nervöser wurde sie, als Marc mit einer Flasche Bier und hochgekrempeltem Hemd auf sie zukam. „Dir scheint’s ja zu gefallen.“, spottete er und lachte kurz sarkastisch auf, setzte sich dann lässig neben sie und sah für eine Weile geradeaus.

Gretchen hingegen beäugte Marc kritisch und prägte sich die markanten Gesichtszüge tief ein, immerhin hatte sie ihn tief drinnen vermisst. Marc überlegte kurz, wandte seinen Blick offensiv nicht zu ihr, so hatte der Chirurg schon längst mitbekommen, wie sie ihn offensichtlich anschmachtete. Das wollte er nicht erwidern, weshalb er ihr kurze Seitenblicke schenkte und dann tief stöhnte und den Rücken durchdrückte. Schnell schaute die junge 30 jährige nach links und somit in die andere Richtung, sodass Marc Meier ihr Gesicht auch endlich studieren konnte. Sie sah müde, fertig und geschafft aus. Mehr dachte er nicht, denn sie löste mit ihrem Anblick etwas Mitgefühl bei ihm aus. Es ging nicht spurlos an Doktor Meier vorbei, war er sich bis vor 15 Minuten noch totsicher, dass Abstand Gretchens beste Medizin gegen eine verlorene Liebe war. Er hätte es mit weniger emotionalen Worten umschrieben, aber der Sinn blieb gleich.

„Siehst ganz schön fertig aus, Hasenzahn.“, bemerkte er an, woraufhin sie müde auflachte und dann den Blick wieder abwandte. Ihre Augen fielen dabei als letztes von dem Mann ihres Herzens.

„Willst du duschen?“

Euphorisch drehte er sich nun ein Stück weiter in ihre Richtung, wo er genau sah, wie Gretchen mit dem korrekten Wortlaut rang. „Ich… also glaube… naja… also… Mensch… das… Was ich eigentlich sagen will ist, dass es sich schwierig gestalten wird.“ Dabei zeigte sie auf ihren geschienten Fuß. „Mhm.“, nickte der Arzt und ließ die Augen wieder in ihr Gesicht wandern. „Soll ich dir helfen?“ Oh je, da kam die verklemmte Seite zum Vorschein, denn prompt bildeten sich rote Stellen in Hasenzahns Gesicht.

„Nicht so hastig, Hasenzahn…“, amüsierte er sich. Verlegen zeigte Gretchen ihm den Vogel und seine Empörung sprang ihr förmlich ins Gesicht, als er leicht irritiert antwortete. „Hey, ich bin immer noch dein Ober-“ Schnell verschluckte er die eben gedachten Worte, weil es nicht mehr der Wahrheit entsprach. „Leider nicht mehr…“, flüsterte sie betrübt und wartete neugierig auf eine Aussage. Leider hatte der Oberarzt ihre Anspielung genau verstanden. Noch einmal schloss er die Augen und sprach Gretchen daraufhin ernst an. Seine Gesichtszüge versteiften. „Jetzt pass mal auf Gretchen! Ich hab keine Lust auf das ewige Theater und will im Leben weiter kommen, als ein paar Blinddärme und Gallensteine. Dass ihr Amateure daran Freude habt, ist mir kein Rätsel, aber ich wollte weg. Mehr Forschungen, Förderungen und mehr Verantwortung. Nimm du lieber dein Leben in die Hand, anstatt auf Prinzen zu warten, die sich als elende Frösche entpuppen…“

So wie du also…
Leider so wie ich… Blödsinn, Meier!


Zum Schluss wurde Marc immer ruhiger und eindringlicher, dass es Gretchen eine dicke Gänsehaut bescherte. Der Punkt, an dem sie gehen sollte, wäre passender nicht gewesen, aber ihr Herz spielte mal wieder andersherum.

„Bist du deswegen gegangen? Weil du mir nicht mehr in die Augen gucken konntest?“

Verträumt starrte er auf eine ihrer Locke und streckte nun präzise den Arm aus, um sie zwischen seinen Fingern hin und her tanzen zu lassen. Ein leichtes Lächeln und eine selten weiche Linie durchzog sein kleines „Vielleicht“.
„Meinst du nicht, dass… naja dass es andere Möglichkeiten gibt?“ Etwas benommen hing sie an seinen Lippen, während er in der Bewegung inne hielt und sie akribisch mit verengten Augen musterte.

„Nicht für uns!“

Damit stand er auf und machte sich auf den Weg ins Schlafzimmer. Gretchen guckte hypnotisiert auf den Fleck, wo er eben noch gesessen hatte. Es tat ihr weh und übertrug sich komischerweise auf ihre Luftzufuhr, denn Gretchen hielt sich schützend die Brust. Da gab es keine Kompromisse, dieser Mann verletzte sie in den letzten Monaten unglaublich oft, war er gleichzeitig der Einzige, der ihr näher als zuvor kam. Die körperliche Sehnsucht stieg ins Unermessliche und auch geistig vermisste sie ihn. Im OP, im Stationszimmer. Er fehlte ihr so sehr, dass es wie ein Grundnahrungsmangel stauchte. Die Filme, die Lieder, die Schokolade, das alles war nur eine unnütze Ablenkung, die letztendlich in seinen Armen geendet hatte und dann als sie eine kleine Annäherung hatten, entzog er sich dem Moment. Ihr Körper war kühl und Marc kam nach schier 15 Minuten aus dem Bad zurück. Der frische Duft von seinem Shampoo und dem Rasierwasser kräuselten benebelnd in ihrer Nase und doch hatte er sich eine Jogginghose und das heißgeliebte M-Shirt übergestreift. Ihre Rückenansicht war süß, das stellte er unumgänglich fest, aber Marc hatte beschlossen, es ihr ab jetzt leichter zu machen, sich von ihm zu lösen. Für eine Zukunft nach ihren Vorstellungen und ohne einen Gefühlskrüppel der Extraklasse. Als er sie abweisend ansprach, zuckte sie scheu zusammen und er sah, dass die Blondine den Kopf senkte.

„Hopp hopp, Hasenzahn! Ab ins Bad, ich helf dir.“

Als keine Reaktion folgte, seufzte Marc einmal tief und lief um die linke Ecke der Sofalandschaft um vor ihr zu stehen. Nach der Überlegung meinte er wärmer. „Na komm, Hasenzahn!“ Ebenfalls etwas zurückhaltend zog er sie auf einen Fuß und reichte ihr die Krücken. Nun standen sie dicht voreinander, als wie durch einen Zufall Gretchens Kopf nach oben schoss und ihre Augen die seinen verfingen. Beide schluckten haargenau. Da prickelte und knisterte die Spannung wie das Adrenalin in ihren Körpern.

„Ich bin nicht gut für dich…“, hauchte Marc ihr beinahe schwach entgegen und wechselte den Blick von ihren Augen zu den Lippen. Sie kam ihm mit jedem Atemzug näher.

„Du bist der, den ich schon immer wollte!“, stellte Gretchen dünn fest und Marc glaubte, ein Funkeln in dem tiefen Blau zu sehen.
„Wir hätten das nicht tun sollen, Gretchen!“, sprach er und räusperte sich. Ihre Köpfe fuhren auseinander, die Augen hafteten dauerhaft aneinander. Sie schüttelte schmerzend den Kopf.

„Wir hätten uns nie wiedersehen dürfen.“, schluckte sie schwer und lugte ihn durcheinander entgegen, dass er ihr parallel etwas Unglauben schickte. Vergessen, dass die Krücken Teil ihres momentanen Gehwerkes waren, trat sie fest nach hinten auf und taumelte mit verzogenem Gesicht.

„Vorsicht, Hasenzahn.“ Instinktiv griff Marc nach Gretchens Oberarmen und hielt sie sicher, doch dem wollte sich die junge Frau schnellstmöglich wieder entziehen und riss die Arme wirsch los.

„Fass mich nicht an.“

Da blitzte eine einsame Träne aus dem Augenwinkel.

„Mein halbes Leben hat sich immer um den Mittelpunkt namens ‘Marc Meier‘ gedreht. Ich hab in der Schule schon alles möglich gemacht, um dir zu Imponieren und zu gefallen. Wenn ich gewusst hätte, was für ein ignorantes, gefühlskaltes und unbarmherziges Arschloch du wirst, säße ich jetzt definitiv nicht hier. Dabei stehen meine Chancen 50 zu 50, dass ich längst verheiratet wäre und Kinder hätte. Ich verlange keinen und ich meine wirklich keinen Prinzen mehr, aber um die Liebe verlange ich nicht weniger, als es angebracht ist. Ich hab mittlerweile verstanden, dass du mich dermaßen zum… kotzen- Entschuldigung- findest, dass du dir eine Beziehung mit dem dicken, doofen und untalentierten Hasenzahn nicht vorstellen kannst. Allerdings hab ich immer geglaubt, dass da drinnen (zeigt auf sein Herz) wenigstens ein kleinwenig Gefühle für mich übrig sind und nicht nur Spott und die ach so lustigen Streiche aus der Schule. Das Schlimme ist, dass ich nicht mal was dagegen machen kann, ich denk ununterbrochen an dich und auf die Gefahr hin, dass du dich gleich lustig drüber machst, muss ich es loswerden. Ich hab mir so gewünscht, dass du merkst, dass da etwas fehlt und du durch den neuen Job zu dem Ursprung zurück findest, aber da lag ich wohl falsch. Wie immer… (schlucken) Wenn du mich nie wieder sehen willst, dann sag es mir jetzt ins Gesicht und ich lass dich wohl oder übel in Ruhe. (Auflachen) Auch wenn ich stark bezweifle, dass ich dich je vergessen kann,… (Pause) denn ich… liebe dich einfach und das ist so ein beschissenes Gefühl, wenn man weiß, dass es nicht erwidert wird. Mittlerweile über 16 Jahre. Ich toppe Bridget Jones und Carry aus Sex and the City um Längen, aber was soll ich tun… Weißt du Marc, ich hab mir immer vorgestellt, wie das wäre, wenn wir uns lieben. Wenn wir mal heiraten und ganz viele Kinder kriegen, die deine Augen, deine Grübchen und deinen Charme haben. Von mir muss gar nichts weiter dabei sein, nur dass Gefühl für Liebe und die gefühlvolle Art- gut die Neurosen können weg bleibe, wie auch immer… Jedenfalls würde ich selbst darauf verzichten, wenn ich nur eine Chance mit dir gehabt hätte. Was hast du dir eingeredet, als du der Überzeugung warst, das mit uns klappt nicht und ist zum Scheitern verurteilt? Mh? Dass ich drüber hinweg komme und für immer dort bleibe? Dass Gretchen wieder einen Betrüger heiratet um ein weiteres Mal feststellen zu müssen, dass es rein gar nichts an meinen Gefühlen für dich ändert? Gibt dir das einen Kick, wenn ich leide? (abwartend) Sag’s mir, ich kann es leider nicht nachvollziehen. Vielleicht schlägt da das blonde blöde Mädchen wieder zu, wer weiß?! Ich bin Gretchen geblieben, zwar mit Änderungen- aber gut- die haben wir alle, nur du bist der Meinung, dass Marc Meier keine Entwicklung durchleben darf. Du musst der freiheitsliebende Macho für eine Nacht bleiben, um dir die Frauen auf den Bauch zu binden, die dir in Schaaren hinterher rennen. Ich hab keine Idee, was du dir damit versprichst, aber es scheint sich zu lohnen, oder? Weißt du was Marc? Leb dein tolles Leben! (direkter Blick in seine Augen und ernst) Ich geb‘ dich frei! Du wirst nie mir allein gehören, geschweige denn, dass du es nie willst. Lieber weiß ich dich glücklich, wie du offensichtlich gerade bist, als vagabundierend auf dem Sofa. Schlaf dich durch sämtliche Betten Berlins, aber dann komm nie wieder auf die Idee, dass du meinen Namen auch nur einmal in Erwägung ziehst. Versprich’s mir, nie wieder!“

Elli Offline

stellv. Admine


Beiträge: 2.105

09.02.2015 21:08
#65 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Guten Abend ihr Lieben,

ich muss mal vorab sagen, dass ich mich jedes Mal aufs Neue riesig, also wirklich außerordentlich sehr freue, euch ein neues Kapitel dazulassen und später eine Rückkopplung von euch zu bekommen. Das ist noch wie am ersten Tag, nur die Aufregung ist deutlich zurückgegangen, was aber nicht heißen soll, dass ich ohne Bedenken hieran gehe und vollkommen überzeugt bin. Nein, nein... Ich bin jedes Mal happy, wenn das Kapitel gut bei euch ankommt.

Das wollte ich nur mal los werden und wünsche euch jetzt ganz viel Spaß!

GLG
Eure Elli




Es war ein Moment, der vorher nie direkt konfrontiert auf sie beide traf. In dem Gesicht des Chirurgen spielte sich ein Empfindungswechsel der besonderen Spezies ab. Unbeschreiblich ehrlich waren ihre Worte von eben, die unumgänglich wie ein Wasserstrahl auf ihn trafen und ihm kurz die Reaktion sowie die Luft zum atmen nahmen. Ihre Sehnsüchte, Ängste, Wünsche und realitätsnahen Tatsachen warf sie ihm teilweise begründet vor die Füße, immer darauf bedacht den Funken Wärme und Liebe einfließen zu lassen. Marcs Augen lagen starr auf ihrem hellen, markanten Gesichtsmittelpunkt, während seine Gedanken Achterbahn fuhren. Hatte sie tatsächlich gerade über Dinge geredet, die ihm schon seit Monaten den Schlaf einschließlich Gedanken raubten? Offensichtlich schon! Wenn das auch der perfekte Zeitpunkt für fiktive Halluzinationen gewesen wäre, so kam die Devise doch von weit hergeholt. Aufgewühlt und durcheinander, wie es sonst nur Frauen und halbe Männer wie Mehdi waren, aber mit dem gewissen Touch an Selbstliebe und- Bewusstsein, stand der 32 jährige Oberarzt vor der blonden fülligen Schönheit und bekam ausnahmsweise keinen Ton heraus. Langsam wurde es Gretchen zu bunt, sodass sie ihre Krücken straffte und kehrt machte, immer mit dem Gedanken, dass jetzt alles vorbei war. Es bereitete ihr, nicht nur körperliche Probleme durch das Zittern in ihre Jacke zu schlüpfen, vor allem ihr Kopf kreiste unentwegt und fing stückweise an in einer Runde Karussell zu münden. Mehr oder weniger angezogen, machte sie sich keinerlei Mühe nochmal nach dem vermeintlich geglaubten Prinzen zu schauen, der schon über Jahre die offensive Gestalt eines Frosches trug, sondern hielt eine Sekunde inne um die deutlich lauten, aber kurzen Atemzuge ihres Ex-Chefs aufzusaugen und dann die Tür anzupeilen. Benommen wurde Marc aus seiner Gedanken- Rally gerissen und sah auf den Augenblick genau auf. Er besaß wie Gretchen das Talent der unpassendsten Takte in unsichtigen Momenten und doch wurde ihm jetzt bewusst klar, dass er sie nicht gehen lassen konnte.

Es ging nicht. So banal, unmännlich und vielleicht falsch es war, der Gedanke an ein Leben ohne diese Locken oder dieses Lächeln brannte ihm ein schwarzes Loch in den Kopf und in sein Herz, wie es bis jetzt nur einer geschafft hatte, eine Reihe an Emotionen in ihm auszulösen. Schnell schüttelte der Brünette entschlossen den Kopf und fuhr während dem schnellen Gang zur Tür über seinen drei Tage Bart. Der Versuch die Tür geräuschlos ins Schlossen fallen zu lassen, scheitete kläglich und Gretchen wippte unsicher hin und her, als sie ein dunkles Hosenbein in ihrem Augenfeld erhaschte.

Ihre Reaktion war nicht annähernd ausgeprägt, so zügig fuhr Marc unter ihre Beine und hob sie fest entschlossen hoch. Da half auch ein überraschtes „Huch“ nicht, geschweige denn dass es etwas an der Handlung richtete. Das Adrenalin schwoll in Marcs Adern dermaßen an dass allein der Augenaufschlag aus purer Kraft und Willensstärke bestand.

„Marc, was machst du denn da?“, wuselte Gretchen sichtlich nervös von rechts nach links mit dem Oberkörper und er steuerte unbeirrt das Badezimmer an. Mit einem Fuß kickte der sportliche Mann die Tür zu, welche lautstark einrastete.

Sein erstes Merkmal, Gretchen nicht gehen zu lassen, aber ob das Badezimmer dafür der geeignetste Ort war?

Mindestens genauso impulsiv vor Wut, Unbehagen und Selbsthass setzte er sie auf den WC-Deckel, während er die Dusche warm anstellte und sich mit verschränkten Händen vor Gretchen stellte. „Zieh dich aus!“, forderte er ernst und monoton auf, sodass die 30 jährige erschrocken die Augen weite und schluckte. Sie meinte sich verhört zu haben.

„Wie bitte?“
„Na los!“ Ein Pfiff schallte durch den Raum und in Gretchen machte sich das Gefühl breit, dass Marc keine absurden Hirngespinste hatte, sondern diese Aufforderung ernst meinte. „Bist du fiebrig?“, hakte sie vorsichtshalber nach, erkannte aber in dem Ausdruck seiner Augen, dass er gereizter denn je war. Berührungsängste kannte ein Marc Meier nicht, als er sie unter ihre Arme griff und den Versuch startete ihr das T-Shirt über den Kopf zu ziehen. „Sag mal, Marc… lass das!“, quiekte sie und klatschte ihm dominant auf die Hände.

Nach einem Stöhnen, richtete er sich auf und beäugte sie inspizierend. „Was soll das denn? Ich wollte gehe-“

„Ich aber nicht, ok?“, fragte er überzogen und hob leicht angestochen die Augenbrauen.
„Wie…?“, schüttelte die junge Chirurgin fragend den Kopf. Ihre Lippen flossen ineinander über und pressten sie fest aufeinander, denn die Antwort interessierte sie brennend. Seine Hand zeigte drohend auf Gretchen, als er den Blick immer mal wieder abwandte und sie belehrend anfuhr.

„Du ziehst dich jetzt aus und steigst unter die Dusche. Weißt du noch Ungarn?! Von jetzt auf gleich hattest du klare Gedanken. Also los, pssst…“

Sein Kopf nickte gen Dusche, die edel glänzte und in ihrem Schein erstrahlte. „Ich will sofort gehen! Hast du das verstanden, Marc Meier?“, stand sie ebenfalls wütend über seine Interpretation auf, dass sie keine klaren Gedanken hätte. Lächerlich, die besaß eine Gretchen Haase durchgängig… Na gut, vielleicht nicht bei der Frage nach der nächsten Schokoladentafel oder beim lesen der Gala, aber kontinuierlich hob sie die Synapsen an. Impulsiv überwand der Chirurg, ebenso überraschend wie ihre „Entführung“ in die heiligen Hallen des Waschsalons, die restlichen Zentimeter zwischen den beiden und streifte ihre Brüste leicht. In Gretchens Gesicht sah er Verwunderung und Angst, dass sie schwach werden könnte und genau das wollte er. Beide endlich schwach sehen. Wie kam ihm nur der lästige Gedanke diese penetrant nervende Klette aus seinem intelligenten Hirn streichen zu wollen? Abgesehen von der Kunst es zu können?

„Marc? Was?“, stammelte die gutduftende Assistenz verwundert, lugte dabei verstohlen in seine Augen, die sie anblitzten und die Spannung wieder einmal aufbauten.

„Klappe, Hasenzahn!“ hatte er eben noch rau herausgebracht und schon umfassten seine Hände fest, aber sinnlich ihre weichen Gesichtszüge. Die Schultern leicht erhoben, kam er ihrem Gesicht näher, dabei bedacht ihre Augen nicht außer Acht zu lassen. Der Funke sprang über, sodass bei Gretchen die Willenlosigkeit folgte, seine Augen schlossen sich knapp vor dem Zusammentreffen ihrer Lippen. Ein klitzekleines Lächeln umschmeichelte seine Lippen, als sie tief in ihre Liebkosung seufzte und mental die letzten Hüllen fielen. Die unüberwindbare Kälte von gerade war wie weggeblasen, stattdessen gab dieser Mann eine herzliche, undefinierbare und nicht speicherbare Wärme von sich, dass es Gretchen kalt den Rücken herunterlief. Seine Hand fuhr kurz darauf anschmiegsam um ihre Taille, den Rücken eingeschlossen. Eine Hand ruhte weiterhin an ihrer Wange bzw. ihrem Kiefer. Dieser Kuss verlangte Marc so viel ab, war er gleichzeitig federleicht, als ihre Emotionen tanzten. Unkontrollierbar griff Gretchen nach dem T-Shirt und krallte sich darin fest. Bevor sie den Kuss intensivierten und ihr stärkster Muskel zum Einsatz kam, beendete Marc Meier ihn. Seine Nase berührte weiterhin die Ihre und die Augen ließ er tief aufsaugend zusammen. Ihre allerdings bildeten einen verschwommenen Umriss, als sie seine unübersehbare Sinnlichkeit wahrnahm.

„Wow… das war einfach…“

„Ich weiß!“

„Besser als jede Transplantation…“, dachte Gretchen laut und riss erschrocken ein weiteres Mal die Augen auf, als auch der talentierte Mann ihr gegenüber die Stirn runzelte und etwas von Gretchen abließ um sie sehen zu können. „Hast du gerad?“ „Nein!“, meinte sie einen Ticken zu resigniert. Um Marcs Mundwinkel bildeten sich kleine Grübchen, die Gretchen leicht erwiderte und dann nachdenklich zu ihm aufsah.

„Du gehörst zu mir, kapiert?!“

Marc Meiers Stimme klang fester, entschlossener und willensstärker denn je, umso schöner nahm Gretchen diese Aussage wahr. Wieder packte er sie bei der Hüfte und zog sie humpelnd zu sich, als er die eben begonnene sinnliche Knutschorgie intensivierte und seiner Aussage Ausdruck verlieh. Tief flossen ihre Lippen und Gefühle ineinander und beide wünschten sich, dass dieser Augenblick, der unromantischer in einem klinisch reinen Badezimmer nicht hätte sein können, nie vorbei gehen würde. Nach schier unendlichen Minuten überredete der Chirurg sie deutlich gelassener mit dem bekannten arroganten Marc Meier Charme, dass sie trotz innerlicher Wärme lieber eine Dusche nehmen sollte, immerhin hatte er eine kostenlose im Angebot. Das aussagestärkste Argument war allerdings die Vermutung und Schlussfolgerung, dass sie ansonsten noch länger in ihrem geliebten Krankenhaus ausfallen würde.

Inzwischen gesellte sich Marc befreit lässig aufs Sofa und lauschte ab und an dem Rauschen der Dusche, hatte er ihr eben noch so unsagbar schwer widerstehen können, als ihre Unterwäsche das einzige war, was ihre Unterschiede von ihm verborgen. Allerdings war das Fußballspiel eine willkommene Abwechslung, der er nur zu gern seine Aufmerksamkeit schenkte. Marcs Köper entspannte sichtlich, so durchzog ihn langsam aber sicher die Müdigkeit von den letzten strapazierenden Schichten im Krankenhaus. Eigentlich untypisch für diese Spezies, so fragte er sich ernsthaft, ob es nach gefühlvollen Momenten jetzt weiter Berg ab mit ihm ging. Schnell wurde sein Gedanke durchbrochen, als ein Tor für die Gegner fiel und Marc lautstark seinen Frust, der nur oberflächlich vorhanden war, kundtat. Gretchen kuschelte sich unterdessen in ein großes grünes Badehandtuch und genoss den Geruch von Marcs vermeintlichem Waschmittel, das soviel Erinnerungen an den Mann selbst in ihr weckte. Schnell zog sie sich auf den WC-Deckel und lehnte sich an die kalte Wand, um entspannt die Augen zu schließen und das Handtuch eine Spur fester um ihren Hals zu schlingen. Ihr entstehendes Lächeln glich einem Lebkuchenmännchen, das mit einer Extraportion Smarties bestückt wurde. Als sie ihren Blick wenig später in dem Raum herumschweifen ließ, stellte sie erneut fest, wie viel Geschmack Marc Meier doch besaß.

Ihre Züge von Kitsch und Romantik fehlten hier ganz klar, doch diese schlichte Eleganz mit einem Touch von seinem Beruf stand ihm grandios. Als sie sich in ein graues T-Shirt von ihm getan hatte und die Hose annähernd an der richtigen Stelle saß, kontrollierte sie ein letztes Mal ihr Make-Up freies Gesicht im großen Spiegel, auf dem nicht einmal ein Fingerabdruck zu finden war. Pauschal gesehen war Marc eine echte Hausfrau, deshalb legte er sich ziemlich sicher nie eine Freundin zu.

Sie wirkte ebenfalls erschöpft, so zeichneten sich leichte Schatten unter ihren Augen, dennoch sah sie unglaublich natürlich und wunderschön aus. Die Locken noch leicht feucht und ungewöhnlich maskulin duftend, aber frisch. Ein letzter Griff an die silberne Herzkette, dann öffnete sie die weiße Massivtür und trat erstmal ins Schlafzimmer. Als sie im Rahmen dessen mit ihren Krücken auf die Rückenfront des Mannes ihrer Träume schaute, schmunzelte sie leicht und ihre Augen bildeten kleine Fältchen, die sie noch freundlicher wirken ließen. Kurz darauf, drehte Marc nachschauend den Kopf und erblickte sie, frech schmunzelnd mit einzelnen braunen Strähnen im Gesicht. „Danke für die Bestätigung, Hasenzahn!“, meinte er zwinkernd und schwang sich locker über die Rückenlehne des Sofas.

„Steht dir!“, nickte er, räusperte sich Marc nachher schnellstmöglich überspielend und fuhr sich durch die Haare. Sie lachte auf.
„Ist ja immerhin von dir, du Egomane.“

„Das Letzte hab ich mal großzügig überhört. Das nächste Mal unter anderen Umständen, versohlt dir der Doktor Meier dafür nämlich den Arsch…“ Überzeugt streifte er ihre Schulter und lief ins Schlafzimmer. Kopfschüttelnd folgte sie dem Sprücheklopfer und schnaufte erleichtert, als sie die Krücken neben dem Bett platzierte und sich auf diesem niederließ. Das erste Mal seit langem.

Sie kuschelte sich kraftlos in die warme Decke und schob ihre Arme bis unter die Nase gepaart mit dem weichen Stoff. Ihre Augen suchten zügig die seinen, Marc lag auf dem Rücken, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und drehte auf ihrer Suche den Kopf nach rechts. In gewohnter Manier blinzelte er sie an und verursachte sofort ein wärmendes Gefühl bei ihr, ohne eine Berührung versteht sich. „Was macht der Fuß?“, wollte er kompetent wissen und zog seine Augen auf das Ende des Bettes, wo ihre Beine vermeintlich angezogen ruhten. „Dem geht es gerade super gut. Ich glaub das liegt an der Gesellschaft!“ Anspielend schielte sie nachdenklich nach oben und biss auf ihre Unterlippe, was Marc interessiert schmunzelnd wahrnahm und dann den Kopf kurz auf seinen Brustkorb senken ließ. „Was du nicht sagst, Hasenzahn.“

Ein Gähnen durchdrang das dumpfe Licht aus den Fenstern, wodurch sich beide noch gut anschauen konnten. „Du solltest schlafen!“, stellte der Oberarzt belehrend ernst fest und blickte nun wieder gen Wohnungsdecke, als Gretchen eine Hand aus dem weichen Stoff nestelte und sie ungeniert aber feinfühlig auf seinem Zwerchfell platzierte.

Leicht tanzten ihre Fingerkuppen massierend von rechts nach links und von oben nach unten. Die Augen schloss sie erschöpft und Marc nahm keine 5 Minuten später einen ruhigen, gleichmäßigen Atemzug war, der ihm bei einem Seitenblick bestätigte, dass Gretchen längst in anderen Dimensionen hing und mit schokoverschmiertem Mund auf einer Blumenwiese saß und Tee trank.

Naja, bei Hasenzahn ist’s wohl eher der Kakao…

Vorsichtig, dennoch ohne Berührungsängste hob der 32 jährige die rechte Hand und strich ihr frontal über den Kopf am Scheitelansatz. Seine Mundwinkel zuckten daraufhin noch kurz gen Norden, als er von ihr abließ und entspannt den Rücken durchstreckte und sich auf die andere Seite drehte um auch endlich wieder zur Ruhe zu kommen. Diese Nacht würde er garantiert fantastisch schlafen, wie ein Stein, nur etwas weicher!

Elli Offline

stellv. Admine


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19.03.2015 19:54
#66 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Hay ihr Lieben,

Himmel, wie schnell vergeht die Zeit? Eine riesige Entschuldigung von mir für die lange und ungewisse Wartezeit. Wie war der Ausspruch? Bis Weihnachten wird es auch in der Story dementsprechend weit sein? Haha, dass ich nicht lache. Aber und das verspreche ich euch, es wird jetzt wieder regelmäßig einmal bis mehrmals die Woche ein Kapitel kommen. Es ist mir echt sehr unangenehm. Nichts desto trotz schreibe ich noch immer leidenschaftlich gern und würde es nie in Erwegung ziehen, euch ein offenes Ende zu hinterlassen. Das abgeschlossene Ende jedoch wird noch lange auf sich warten müssen, denn ich habe nicht vor die Story so schnell zu Ende gehen zu lassen. So viel zur Beruhigung. Wie dem auch sei, wünsche ich euch jetzt viel Spaß beim neuen Kapitel und freu mich wie immer über konstruktive Kritik!

GLG und fühlt euch gedrückt!
Eure Elli



Rund 3204 km weiter kam ein älteres Ehepaar erschöpft am Tagesanbruch in ihrem luxuriösen Hotelzimmer an und seufzte leidig auf. Ihre große Reise hatten sie sich definitiv anders vorgestellt. Franz Haase war fasziniert, wie gut Bärbel die letzten Tage überstanden hatte. Kurzer Check, Krankenhausuntersuchung für sie beide, Polizei, Sicherheitsvorkehrungen und Genesungsgeschenke von der Fluglinie, alles schien gut an seinem Butterböhnchen vorbeigezogen zu sein, denn sie kramte bereits eilig in ihren Koffern, die mittlerweile etwas ramponiert aussahen und holte die ehemals gut riechende Wäsche heraus. Gott sei Dank hatte das Hotel eine Reinigung, doch Bärbel Haase wäre nicht sie selbst, hätte sie nicht auf ihre Anwesenheit und Hilfe bestanden. So würde der heutige Tag in keinem erholsamen Massageraum vollzogen werden, sondern im hauseigenen Waschsalon. Wenn ihre Tochter darüber bescheid wüsste, würde sie genau in diesem Moment mahnend herzlich „Mama!“ rufen, was die ältere Dame schmunzeln ließ.

„Butterböhnchen, jetzt lass doch mal den Ha(a)sen im Bau und… wie sagt man so schön… relax ein wenig!“

„Franz, ich hab noch so viel zutun, bevor ich Wäsche waschen gehe. Das Hotelzimmer muss ich noch unter die Lupe nehmen, ich meine du kennst mich ja… hihi, ich kann mich erst dann ausruhen, wenn die Arbeit erledigt ist.“ Aufgeregt wuselte die kleine Rothaarige von einer Ecke in die andere und verstaute systematisch ihre Wertgegenstände, während Franz kapitulierend die Augen verdrehte und die Hände hob. „Ich will nichts gesagt haben!“ Mit einem ähnlichen Grinsen wie Marc, was manchmal etwas kühl und beklemmt wirkte, schaute er sie an und lief dann in das angrenzende Badezimmer um ausgiebig zu duschen. Darauf freute sich der Chefarzt die ganze Hinfahrt und doch folgte der nächste Höhepunkt, wenn er mit seiner Frau bei einem guten Tropfen Wein auf der Terrasse sitzen würde und sie einander Freude und Liebe schenkten. Bis dahin hatte er sich fest vorgenommen eine Runde zu Ruhen und die Tage Revue passieren zu lassen, einschließlich einigen Gedanken an sein Krankenhaus in Deutschland.

Der OP fehlte ihm jetzt schon, noch mehr aber sein eigen Fleisch und Blut. Sie hatten eine festere Bindung, da sie unter seinem Haus und Herzen wohnte. Tagtäglich bei ihren impulsiven Ausbrüchen dabei zu sein und sie am Ende des Tages sicher eine Etage über ihnen zu wissen, freute den Familienvater ungemein. „Mein Schatz, soll ich dir ein Handtuch bringen?“, flötete seine Göttergattin animiert und trat ohne eine Antwort abzuwarten in das marmorierte Bad um nicht schlecht ein „Wow“ auszusprechen. „Was hast du gesagt, Bärbel?“

Diese schüttelte mit angezogenem Mund den Kopf und meinte. „Was möchtest du essen? Ich bin mir nicht sicher, ob es hier solche Köstlichkeiten wie aus meiner Küche gibt. Margarete sagte mal, dass hier viel mit variierten Sorten experimentiert wird. Naja, das Kind ist ja nicht nahrhaft in dem Krankenhaus. Du solltest mal einen ordentlichen Koch einstellen, Franz. So nimmt sie nichts fruchtbarkeits-förderndes auf und wir müssen unendlich lang auf ein Enkelchen warten. Ihre biologische Uhr tickt nicht durchgängig, hoffentlich beeilt sie sich mit der Wahl ihres Mannes.“ Hoffnungsvoll seufzte sie und drehte sich wiedermal ohne eine Antwort ihrer emanzipierten Hälfe um, um schwungvoll in die Küche zu marschieren.

Das neumodische Technikleben war nichts für eine gestandene Hausfrau und Mutter. Franz gönnte sich nach der Dusche ein gekühltes Glas Wasser und wählte trotz des Zeitunterschiedes die Festnetznummer seines Hauses. Er wollte Gretchen auf die Mailbox sprechen, so konnte sie nach ihrer Schicht oder morgen früh gleich wissen, dass es ihnen gut ging und Bärbel bereits am Werkeln war. Die Mailbox besprach er großzügig und ging dann Richtung Fenster, was ihm den ersten, lang ersehnten Blick auf die schöne Landschaft und Stadt gab, in der er die nächsten Wochen seine Zeit verbringen würde. An Bort eine talentierte, leicht veraltete Frau mit modernem Haarschnitt und einer mindestens genauso großen Klappe, die bekanntlich bei Frauen nie still stand. Seine Frau und seine Tochter zeigten allerdings täglich, dass sie eine Extraportion davon besaßen.

Auf einem anderen Kontinent

Bedeckt schlich eine brünette Frau Mitte 30 um die Straßenlaternen von Berlin. Ihr Ziel war ungebunden, ihre wertvolle und liebenswerte Ballast abgelagert. Schmerzlich lief ihr eine Träne die gerötete Wange herunter und versperrte ihr kurzzeitig die Sicht auf das Wesentliche. Ein Leben ohne sie war nicht möglich, gleichzeitig galt der Erkenntnis eine unbändige Verantwortung und Taten, die sie nicht erfüllen konnte. Die einzig vernünftige und richtige Lösung vollzog sie eben und doch schmerzte es mehr, als eine Schusswunde mitten ins Herz. Sie hatte eine Pflicht, nebenbei versagte sie kläglich, wenn auch nicht offensiv dem Menschen gegenüber. Da gab es Dinge, die das Leben nur negativ auslegte und dazu gehörte ihr Leben. Vor Jahren noch gut gehütet und endlich angekommen, im nächsten Moment durch ein Schicksal gezeichnet und letztendlich abermals abgerutscht. Der Bus kam verspätet und doch konnte er nie spät genug kommen, ohne den Menschen, der ihr halbes Leben selbst war und ihr Herz einnahm. „Flughafen Tegel, bitte!“

Damit warf die Frau einen letzten sehnsuchtsvollen Augenaufschlag nach hinten und nahm schließlich wortlos platz.

Unterdessen ruhte ein weiterer Mensch weniger durcheinander, dafür umso ängstlicher in dem kühlen Haus. Schlotternd, trotz einer Wolldecke spürte sie ihr Herz hüpfen und rang hörbar nach Luft. So lange hatte sie sich gewünscht an diesen Ort zurück zu kommen. Zu ihnen! Lange war es reines Wunschdenken und nun von heut auf morgen die unumgängliche Wahrheit und Realität. Würde die Dunkelheit bald gegen ein helles Zimmer mit einer Tasse Tee ausgetauscht werden und es bestimmte Menschen gab, die diesen mit ihr teilten, so war das Leid fast vergessen. Wie auch die andere weibliche Person, hegte sie Tränen, die unkontrolliert flossen. Allein und desorientiert. Wo gehörte sie hin? Gab es für sie überhaupt noch so etwas wie ein Zuhause? Alles Fragen, deren Antworten noch unklar waren. Der Blick in die sternenklare Nacht ließ sie hoffen, bald einiges an Wissen zu diesen Fragen etablieren zu können, dennoch umschlich sie Freude. Hier sein zu dürfen war eines ihrer größten Geschenke und sie würde es sich lange aufheben um es auszupacken. Plötzlich ging ein grelles Licht an und ihre Hand flog vor ihre Sicht.


Ich bin sehr gespannt welche Vermutungen ihr aufstellt!

Elli Offline

stellv. Admine


Beiträge: 2.105

29.04.2015 19:30
#67 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Hallo meine Lieben,

oh ich habe so ein schlechtes Gewissen! Wollte ich doch mittlerweile vor mehr als einem Monat posten. Aber ich musste dann zwischenzeitlich mal weg und der Computer ist ausgegangen- kennt ihr ja sicherlich?! Da war's das dann... Nichts desto trotz kann ich es nur immer wieder betonen, dass mir das Schreiben weiterhin viel Freude bereitet und ich definitiv aktiv bleibe, auch was das Forum betrifft wieder aktiver da sein werde. Zwar schaue ich täglich rein und lese auch sämtliche Infos bis hin zu Grafikdesigns und Storys, aber die Zeit ist momentan echt ein Lauf gegen die Unendlichkeit.

Jetzt wird es aber besser! Wenn ihr wollt folgt Freitag schon das nächste Kapitel? Hoffe, es liest überhaupt noch jemand.

GLG
Eure Elli



„Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, sondern im Geben. Wer andere glücklich macht, wird glücklich.“ André Gide fasste die richtigen Silben zu Wörtern, die richtigen Wörter zu Wortgruppen und die richtigen Wortgruppen zu aussagekräftigen Sätzen zusammen. Wer gibt, ist glücklich. Eigentlich keine schwere Tat, die leicht umsetzbar war, wenn man es denn wollte, doch in der Realität lagen Taten und Untaten nah beieinander, weshalb oftmals der negative Pfad gegangen wurde, anstatt mit ein bisschen Feingefühl und einem Blick für die Ehrlichkeit zu handeln.

Gretchen und Marc erging es dabei ziemlich identisch. Sie empfanden Sympathien füreinander, hassten sich aber mindestens genauso wie Chilischoten und Wasser. Sprangen beide nach dem unzähligen Wortgefecht dann einmal über die Klippe, merkten beide, dass die Höhenangst nur bedingt eine Rolle spielte, so hatten sie einen Menschen an ihrer Seite, der das Leid und die Sorgen teilte und der identisch genau dasselbe wollte, wie er selbst. Apropos Klippen, die beiden Quellen des unangefochtenen Nervenraubens erlebten ein unbeschreiblich inniges Gefühl, als sie einander an diesem schönen Tag in die Augen sahen. Keinesfalls kitschig, schnulzig und mit Süßholzgeraspel glasiert, eher auf menschlich moralischer Basis geborgen und entspannt.

Leise gab der Chirurg einen hörbaren Atemzug durch die einmalige Nase frei, die Gretchens Aufmerksamkeit weckte, während sie immer noch benommen glücklich blinzelte. Der Mann ist einzigartig. Gut, das wahrscheinlich in jeder Hinsicht, seien es auch die negativen, aber im Moment genoss sie die süße Seite des Morgens. Dieses Mal jedoch musste nicht sie den ersten bekennenden Annäherungsversuch machen, als sie Marcs Hand ungeniert auf ihrem Bauch spürte, woraufhin sie diesen kurz einzog und hoffte, dass er seine talentierten Werkzeuge schnell wieder entfernte. Kurz darauf zuckte die junge Ärztin beherzt zusammen und verbannte seinen Arm nach einem gewaltigen Kniff in ihre Hüfte mit einem Schlag und einem gespielt rechenden Blick in seine Augen. Im nächsten Moment kuschelte sich Gretchen abermals fest in die warmgewordene Decke und spürte an ihrem linken Bein Marcs streifen. Er fühlte sich gut an, maskulin und fest.

Beide hatten so gut geschlafen wie lang nicht mehr, schwirrte in Gretchens Kopf dennoch die Unsicherheit über ihre Eltern herum, so sah sie grübelnd auf Marcs Kissenecke und überlegte eifrig wie sie an Informationen kommen sollte. Doktor Meiers Gedankenwelt stand still, war es so ein viel intensiveres Gefühl den Moment auszukosten und frei von jeglichen unwichtigen Nebensächlichkeiten in den Tag zu leben. Sie lag das erste Mal seit knapp 5 Monaten in seinem Bett, ohne auch nur eine Anstalt zu machen, gehen zu wollen mit irgendwelchen störrischen Hausfrauen Theorien. Mit dem humorvollen Spruch auf den Lippen, glitt seine Zunge über seine Lippen, worauf seine Augen ihr Gesicht suchten.

„Ich hab dich nicht mal ins Nirwana gevögelt und du hast trotzdem geranzt wie ein Einzeller im Schlaflabor.“

Empört flogen ihre Augen auf sein Gesicht, das schadenfroh vor sich hin lachte. „Maaarc!“, mahnte sie in der speziellen Tonlage, die Marc nicht gerade gefiel. Das war unsexy und wirkte definitiv wie seine Mutter, von der hatte er Gott sei Dank wenig in letzter Zeit gehört. „Geht’s auch ein bisschen romantischer?“ Unverständlich hob er die Hand. „Was ist denn bitte rom... na ding du weißt schon, als mit deinem ehemaligen Oberarzt wenig bekleidet in einem Bett zu liegen, mh?“

„Ein schönes Frühstück mit einer roten Rose?“, schaute sie überlegend auf seinen Oberarm und zog beherzt die Augenbrauen hoch, als sie seine Unsicherheit schüren wollte.

Das war bei einem selbst anerkannten Sprücheklopfer, Frauenschwarm und Macho ein großes Mango, denn sehr selten wies er Anzeichen auf eine solche Reaktion auf. „Oder eine Runde Speedboat auf der Waschmaschine!“ Anzüglich wanderten seine Augen auf die Stelle, wo er die Wölbung ihrer Brüste sah und lächelte schelmisch in sich rein. Das verstand er unter Romantik? Hoffentlich war das ein schlecht gemeinter Scherz. „Das ist nicht dein Ernst, Marc?!“

„Seh ich aus, als ob ich Witze mache?!“

Ihre Stimme klang aufgeregt, so haderte die 30 jährige nicht lange und fragte aufgebracht nach. „Hast du das etwa schon mal gemacht?“

„Nee…“ Puh, tief ausatmend wiegte sie sich in Sicherheit, als er überlegend locker das Wort erneut ergriff. „Nicht nur einmal. Beim 37. Mal hab ich aufgehört zu zählen.“ Schnell ruderte die Assistenzärztin in dem weichen Bett hin und her und antwortete wenig erfreut, im Gegenteil eher echauffierend. „Das ist ja wohl… Ich geh jetzt was trinken!“ Und zack, ehe Marc Meier die Chance hatte eine neue Frechheit herauszuhauen und über sein vielseitiges Sexleben zu tratschen, humpelte sie auf einem Fuß zur Tür.

Die Frau versteht keinen Spaß am Morgen, echt der Wahnsinn!

Das kalte Glas Wasser floss rasch ihre trockene Kehle entlang, als sie ein leichtes Ziehen in ihrem Fuß spürte, beschloss Gretchen dann doch sicherheitshalber auf einem der lederbezogenen Stühle platz zu nehmen. Marc gab ihr nach 10 Minuten immer noch nicht die Ehre aufzutauchen, also schwang sie sich vorsichtig auf und hüpfte zurück ins Schlafzimmer. Dort bot sich ihr ein Anblick, der ungewollt ein Schmachten gepaart mit Herzrasen bei ihr auslöste. Ihre Jugendliebe schlief, als ob sie kein Wässerchen trüben würde und trug ein kleines, kaum wahrnehmbares Schmunzeln auf den weichen Lippen. „Hach Marc.“, meinte sie und setzte sich vorsichtig auf die Kante. Ihre moralische Seite schob sich zwischen das freiheitsliebende Gefühl und brachte sie zum Nachdenken, wann die Stimmung gestern gekippt war. Ein leichtes Gähnen zeichnete sich auf Gretchens Lippen und ihre Augen wurden abermals schwer. Was sollte schon sein? Ein wenig Schlaf der letzten Tage nachholen konnte immerhin nicht schaden und neben diesem Mann tat er ihr gleich doppelt gut. Sie kletterte umständlicher denn je in die warme Kuhle und kroch mit dem Kopf weiter in die Mitte. Marc lag auf dem Bauch und hatte ihr den Kopf zugewandt, als sie seine Schulter küsste und sich sachte anschmiegte.

„Erde an Hasenzahn! Genug gepennt, Hasen halten keinen Winterschlaf. Zumindest nicht die, die im Frühling auf dem Teller landen.“

Benommen wackelte etwas unter der Decke. Die Stimme hätte ruhig sanfter sein können, dessen war sich die 30 jährige Nervensäge mit Herz sicher. Das Licht war wirklich penetrant, wie sie die Augen öffnete und in ein gebräuntes Gesicht blickte. Marc bot sich ein zugeben niedlicher Blick und er schenkte ihr doch ein leichtes zucken seiner Mundwinkel, setzte er kurz darauf den gewohnten überlegenen aber mit der Augenbraue zuckenden Ausdruck auf, der jede Frau schwach machte. Gegen ihre Erwartungen hämmerte ihr Fuß ununterbrochen, sodass sie auf keinen Fall aufstehen wollte.

„Mein Fuß…“, nörgelte sie wehleidig und paschte koordinationslos auf die Decke.
„Komm schon, im Krankenhaus gibt’s bestimmt Schmerzmittel. Also beweg deinen Hintern!“ Da half auch die gutgemeinte Aussage ihres Lieblingsarztes nicht. Sie konnte und wollte nicht, fühlte sich wie unausgeschlafen und kaputt. „Ich bleib hier. Du holst das!“

„Ey! So läuft das nicht, Hasenzahn! Wenn du was willst, kannst du dich gefälligst selbst drum kümmern.“

„Ich kann aber nicht.“
„Dann lern zu fliegen oder Telepathie!“

„Haha, sehr witzig. Echt Marc, können wir nicht lieber bei dir bleiben?“

Stöhnend entfernte er sich leicht von ihrem Gesicht, so sah Gretchen, dass er bereits geduscht war. Mit nassen Haaren und frischen Klamotten stand er vor ihr. Zum Anbeißen gutaussehend! Als sie sich jedoch nicht rührte schaute er ihr mit einer Mischung aus Unmut und Skepsis ins Gesicht, denn normalerweise feierte Hasenzahn nicht gern im Bett. Etwas weicher musterte er sie und zog die Stirn nach oben. „Komm erstmal, wir überlegen uns was!“ Das „Wir“ deutete definitiv auf sie beide, doch Marcs Interpretation lag frei vom deutschen Wortschatz, so verstand er darunter „Sie“. Das würde sicherlich diskussionsreiche Minuten ergeben, dessen konnte man sich bewusst sein.

Wie vermutet standen sich die beiden 1 Stunde später mit blitzenden Augen gegenüber und keiften sich mehr oder minder gewohnt an.

„Jetzt fang doch nicht mit solchen Lappalien an… Man ey…“, stöhnte der Oberarzt augenverdrehend und mit ungehaltener Stimme auf, als er dem Thema leidig aufstand und sich deutlich zusammenreißen musste. Gretchen hingegen plapperte nur so mit erhöhter Stimmlage drauf los, dass es für einen Moment unglaublich verpeilt und niedlich wirkte. „Ist doch so, Marc! Du kannst ja nicht mal mit mir ins Krankenhaus fahren…“ Er war sich der Sache im Klaren, dass Gretchen unmöglich fahren konnte, geschweige denn mit SEINEM Wagen, allerdings kotzte es ihn aus unerklärlichen Gründen an, dass ihr anfangs entspannter und wohlbemerkt dialogarmer Morgen in einer dermaßen unmöglichen Auseinandersetzung endete. Dabei wollte er seinen freien Tag effektiv nutzen. Joggen gehen, vielleicht Golf spielen solange das noch ging und dann relaxen. Stattdessen musste er Hasenzahn wecken und ihre nörgelnden Wehwehchen aushalten. Dafür war er gar nicht.

Abgesehen von dem nicht unbedingt komfortablen Bruch, war sie doch eigentlich nicht weiter eingeschränkt, weshalb er sie ursprünglich nachhause gefahren hätte. Die zugegeben gute Nacht verfing sich in der unendlichen Diskussion, um die es Marc leid war immer wieder auf der Stelle zu treten.
„Mein Gott Hasenzahn, was musste dich auch immer so anstellen? Nimm einfach eine Tablette und fertig ist der Lack!“ Gretchen verblüffte die hoppla hopp eingetretene Kühle in seinem Blick, einschließlich seinen Augen. Ebenso wie er, empfand sie den Tagesbeginn äußert harmonisch und geborgen. War bis jetzt alles geregelt, schlich sich ihr unweigerlich der Gedanke an ein vorzeitiges Ende ihrer gemütlichen Zweisamkeit ein, dem sie nur zähneknirschend Aufmerksamkeit schenkte.

Erst wirkte Marc wie ausgewechselt und urplötzlich interessierte es ihn nicht die Bohne, wie es ihr ging. Diese Vermutung machte sie ungemütlich, gepaart mit einem unbeschreiblichen kalten Gefühl, woraufhin der jungen Ärztin orientierungslos die Mundwinkel und die Unterlippe zuckten, während ihr ehemaliger Oberarzt mit Aufstiegsqualitäten nur ein spöttisches „Boa“ für sie übrig hatte. „Der Tag hat so schön begonnen Marc, jetzt mach nicht alles kaputt.“, warf sie ihm ausgeglichener entgegen und wachte ambitioniert über seine Gesichtszüge, die eine Fratze aus Scream mimten und er fassungslos fragte. „Ich?“ Dabei spitzte sich seine Stimme unweigerlich zu und seine Hand fand den direkten Weg an seine Brust.

„Wer denn sonst?“, fragte sie ironisch und sah sich dementsprechend spielend im Raum um.

„Jetzt halt mal den Ball flach, ja?! Ich halte nicht viel davon, wenn Frauen am frühen Morgen mit einer dermaßen penetranten Unausgeglichenheit rumnörgeln und sich selbst bemitleiden. Das ist nebenbei extrem unsexy!“ Seine unverschämt lässige Umgangsform und sein unverschämt anziehendes Zwinkern, ließen Gretchen tief ein und ausatmen. Als ob sie sich selbstbemitleidete.

Nie und nimmer, Marc Meier! Lieber fress‘ ich einen Besen samt Stiel. (kurzes Überlegen) Und selbst wenn… na und… ich bind dir das bestimmt nicht auf die Nase!

Stutzend beäugte der Chirurg ihren abweisenden Ausdruck und dachte allen Ernstes darüber nach, ob er nicht einfach das Weite suchen sollte. Doch dementierend flog ihm der Gedanke ein, dass das immer noch SEINE vier Wände waren. Wenn, dann würde Gretchen gehen. Als er explizit die zwei Seiten abwog, formte er stumm ein „Idiot“ und sah dementsprechend genervt und kühl zur Raumdecke. Gretchen konnte er mit 10 Tonen Schokolade nicht ausschmeißen, dass würde nur für erneute Selbstjustiz bei ihm sorgen und außerdem wollte er vor Mehdi nicht zwangsläufig als Seelsorger dastehen, weil er sich erneut über Hasenzahns Lage informieren musste.

„Vergiss es einfach!“, fuhr er sie an und schüttelte abschätzig seine Frisur, die wohlmerkt extrem anturnend aussah und auf die Gretchen in einem freien Moment zu gern ein oder zwei Augen warf. Kaum kniff sie die Augen zusammen und erwachte aus ihrer Trance, da knallte die massive weiße Schlafzimmertür schwer ins Schloss und sie presste automatisch die Lippen aufeinander.

Mist! Jeder schwierig verzweigte Weg läuft im Endeffekt auf ein riesiges Dilemma hinaus. Hätte ich in Geografie mal lieber nicht nur an Marcs Lippen gehangen, sondern mal ein wenig meiner Faszination an Herrn Blauer verschwendet. Dann wüsste ich, welcher Zweig nun in Frage kommt.

Marc kramte unentwegt unter einem Bücherstapel um sich etwas abzulenken und nicht völlig die Beherrschung zu verlieren. Seitdem sie diese komische Beziehungskiste angefangen hatten und die schneller als gedacht, dafür aber umso ernüchternder wieder geendet hatte, nicht zuletzt durch seinen Unmut, kamen sie sich vor wie zwei Fremde. Die Küsse waren nach Marcs Ausdrucksweise nicht von schlechten Eltern, doch die lockere Umgangsform hatten sie gänzlich verloren und das wurmte ihn unwissend. Gretchen klopfte unterdessen zaghaft und mit klopfendem Herzen an seine Tür, weil sie ihr Herz bis zum Hals schlagen fühlte, da sie sich nicht sicher war in welchen Honigtopf sie nun bei Marc treten würde.

„Marc?“

Wie auf Stichwort erhob sich der Angesprochene mit leicht unerwartetem Blick Richtung Tür, hinter der er Gretchens Kratzen ihrer Nägel vernahm. „Kann ich reinkommen?“, kroch schüchtern gegen das Ohr des Oberarztes, der sich ungläubig lächelnd über die Stirn strich. Manchmal konnte sie überraschend Wortkarg sein, wo ihre große Klappe sonst nie still stand außer sie hatte Schokoladeintus. Wenn er genauer über die Ereignisse nachdachte, empfand er es als äußerst albern und kindisch, dass sie wegen einer solchen Lappalie eine Auseinandersetzung hatten. Normalerweise wäre das kein Beinabbruch für Marc Meier, doch der Morgen war von Kopf bis Fuß Entspannung und dann wurde dieser Leichtigkeit ein Strich durch die Rechnung gemacht. Da konnte Mann schon einmal schmollen.

Gretchen sollte es ihm nicht verübeln, immerhin wusste sie, was mit einer Gottespartie wie ihm auf sie zukam. Seine logischen Schlussfolgerungen wurden jäh unterbrochen, als er Hasenzahn kurz stöhnen hörte, was ihm unbekannt suspekt vorkam und sie humpelnd in der Tür auftauchte.

„Hallo…“, lächelte sie schüchtern und entzündete mit ihrem Augenfang bei Marc regelrechte Lust und Begierde, die er zu gern gestillt wüsste. „Müssen wir jetzt streiten? Der Morgen hat-“ Räuspernd unterbrauch Marc sie, woraufhin Gretchen etwas entgeistert aber durchaus interessiert zu dem Brünetten hinaufschaute.

„Hör zu, Hasenzahn! Ehrlich gesagt hab ich wenig Lust, mich mit dir wegen irgendwelchen Wehwehchen zu streiten, also lassen wir’s gut sein. Alles klar?!“

Höchst überraschet von Marc souveräner und standhafter Rede, musterte sie den 32 jährigen und schmolz bei seinem ernsten Ausdruck gepaart mit dem Marc Meier Charme, dem Gretchen Haase bereits in der Schule verfallen war. Dem Mann konnte sie aus ihrer Natur heraus nicht lange böse sein. Das wusste ihr ehemaliger Schulkamerad ebenfalls immer auszunutzen, weshalb sich Gretchen nicht zu schade war, ihrem unendlich geliebten Marc Meier durch eine neue Peinlichkeit ein Stückchen näher zu kommen.

Gretchen träumte immer weiter und ihr Körper vermach einer urplötzlichen Leichtigkeit, dass die junge Assistenz nicht bemerkte, wie Marc Meier sich heimlich an sie pirschte und den einen oder anderen prüfenden Blick über ihr Gesicht warf, immer mit einer gewissen Portion an reifer, aber ungesunder Selbstüberzeugung. Erst als zwei Finger an ihren Hüften nestelten, schüttelte es sie kurz, ehe in Marcs Gesicht ein überrascht- überforderter Gretchen Haase Ausdruck ankam. „Wieder mal in deinen fiktiven Schokoträumen versunken?!“, forderte er sie mit erhobener Augenbraue amüsiert auf.

„Keine Sorge, Marc! Du wirst schon nicht zu kurz kommen!“ Ihre Stimme klang Selbstbewusst, was nicht zuletzt eine gewisse Faszination bei dem smarten Oberarzt auslöste.

„Ich werde besser, stimmt’s?“, fragte sie keck lächelnd, woraufhin Marc überlegen den Kopf schüttelte und ihrem Ohr mit einem verschmitzten Blick näher kam, dass seine Grübchen hervor traten.
„Das ist nichts im Gegensatz zu dem Weltmeister, der vor dir steht.“

Der anfänglichen Skepsis mit Gänsehautfaktor wich der Faszination über Marcs unbeschreiblich großes Selbstwertgefühl inklusive Selbstbewusstsein. Intuitiv drehte sie ihren Kopf leicht nach links, sodass sie Marcs Wange streifte und hauchte mit warmherziger Stimme, wie Marc sie schon immer kannte.

„Aber so ein kleines Bisschen…“

Schlag auf Schlag fanden sich ihre Augen und verfolgten einander fasziniert, prägend und schützend.

Elli Offline

stellv. Admine


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31.05.2015 01:05
#68 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Hallo Leute,

danke für das positive Feedback und dass ihr noch immer angetan seid, wissen zu wollen, wie es weitergeht! Ich für meinen Teil bin darüber sehr glücklich, ist es doch immer ein schönes Gefühl zu posten und euch damit eine Freude zu machen.

Wie immer- ich hoffe es gefällt euch?
LG
Eure Elli




Am folgenden Abend wäre die Titulierung „Schock“ unter dem Meeresspiegel als Untertreibung des Jahrhunderts durchgegangen. 3 ½ jung begnadete Ärzte hingen wortlos dafür aber mit einer riesigen Portion Verwunderung in ihren eigenen Labyrinth- ähnlichen Gedanken. So richtig wusste keiner das Thema erneut aufzugreifen, so herrschte vor einigen Minuten eine rege Diskussion mit nicht minder Verzweiflung oder Tränen, als sie jetzt bei der weiblichen Spezies immer noch sichtbar war. Gretchen Haase ließ ihre Gedanken Revue passieren und spulte zu dem Anfang dieses impulsiven Gesprächs hin, denn sie fand keine mentalen Silben für diese absurde Neuheit. Keine Einzige und sie hieß Margarete Haase, die normalerweise immer irgendetwas zu reden wusste.

Krachend fiel die Wohnzimmertür ins Schloss und Gina Amsel zuckte erschrocken aufgescheucht zusammen, fing sich Marcs Meinung nach recht zügig wieder, als Mehdi aufgelöst und mit derselben Spur Wut seinem angestauten Frust Luft machte. „Und da steht sie plötzlich. Einfach so aus dem Nichts. Das ist unglaublich. Ich… ich… ich find ehrlich gesagt keine Worte dafür. Ich mein- nein also Lilli ist meine Tochter und ich habe sie mir täglich hier her gewünscht, aber dass Anna so weit geht. Unfassbar!“ Marc stoppte relativ solide und die Situation im Überblick beobachtend Mehdis Redeschwall. „Mehdi, denk mal an dein unausgewogenes, übergewichtiges Herz. Trink lieber nen Schnaps, das hilft! (nuschelnd) Naja… so sicher kann man sich da auch ne sein.“ Sein flunkerndes Brummen unterbrach Mehdi, als Marc aufsah mit einem starren Blick, sodass Marc Meier kurz inne hielt und von seiner leicht geneigten Kopfposition zu seinem besten Kumpel lugte.

„Marc ich hab jetzt eindeutig keine Nerven für deine ironischen Anspielungen. Es geht hier um mein Kind, ja?“ Der Angesprochene zuckte nur unverständlich über diese aufgescheuchte Art mit den Schultern und meinte. „Da bist du dir doch nicht mal sicher, Mehdi. Mensch!“

„Jetzt lasst die Streitereien! Dafür bleibt euch später genügend überflüssige Zeit. Viel wichtiger ist doch, wie es jetzt weitergeht!“ Gretchen zustimmend, atmete ihre bessere Hälfte tief durch und wischte sich die immer wieder fließenden Tränen aus den Augenwinkeln. „Gretchen hat Recht! (schnief) Wir sollten eine Lösung finden.“
„Da gibt’s nur eine und zwar dass Anna ihren billigen Arsch hierher bewegt und die Gö-“ Gretchen strafte ihn mit einem ausdrucksstarken Blick und einem Kopfnicken gen Mehdi, woraufhin der Chirurg noch abbremste. „Die… das… genau das Kind abholt. Ich bin mir sicher, die hat keinen Trottel, der auf die…“

„Marc!“

„Oar, das Kind aufpasst und deswegen schickt sie die zu dir.“ In Marcs Worten schwang eine unkonventionell lockere Art mit sich, dass Gigi und Gretchen kurz einen anspielenden Blickkontakt austauschten. Die Situation konnte für einen Gefühlskrüppel, wie Marc Meier nicht unpassender sein, doch Gretchen wäre allein viel zu nervös und durcheinander gewesen um dem Ganzen stand zu halten.

Gigi brauchte momentan umgänglich ihre Hilfe und eine starke Schulter zum Anlehnen. Bei Mehdi sah es noch eine Spur schlimmer aus. Allerdings hätte Gretchen sowohl Probleme mit Gigi als auch Marc bekommen, wenn sie ihn tröstend und bremsend in den Arm genommen hätte, was sich gedanklich als ziemlich absurdes Bild darstellte.

„Marc, so simple ist es leider nicht immer. Aber dass du sowas nicht verstehst, wusste ich spätestens, als du mit mir schlafen wolltest um Gretchen eifersüchtig zu machen.“, griff Doktor Amsel flink das Gespräch auf und rückte ihre altbackene Brille unbeholfen nach oben. Gretchen schaute mit zusammengezogenen Brauen zu ihrer besten Freundin, die sie bereits seit Jahren in und auswendig kannte. Ihr plötzlicher Ausbruch war ein Rätsel, genauso angewidert warf Marc der Brillenschlange einen unpassenden, undefinierbaren Augenaufschlag entgegen. „Kau mir hier kein Ohr ab!“

„Schluss jetzt!“, unterbrach die blonde liebevolle Ärztin die angehende Streiterei und tadelte mit dem gewissen Gefühl zwischen den beiden Erwachsenen hin und her.

Ihre Stimme dämpfte ab und sie lächelte Mehdi zaghaft entgegen, als sie sich nur schwer auf die Beine tat und unbeholfen zu ihm herüber humpelte. „Mehdi, beruhig dich erstmal. Ich weiß, dass es schwierig ist, aber Lilli ist und bleibt deine Tochter. Freu dich, dass sie unversehrt wieder gekommen ist.“ Gretchens mitfühlende Worte brannten in Mehdis Brustraum wie Feuer. Das liebte er noch heute an ihr. Diese emotionale Geborgenheit, welche Gretchen jedem Menschen aus vollstem Herzen schenkte. „Ich sehe das doch genauso, aber dass Anna so skrupellos ist, macht mich wahnsinnig.“ Dabei hielt er sich imaginär die Hände breitgefächert um den Kopf und hoffte, dass seine Arbeitskollegen ihn verstanden.

„Und was willst du jetzt machen?“, schluckte seine Freundin schwer und nippte durcheinander mit wankenden Augen an ihrem Wasserglas. Sowohl Marc als auch Gretchen schauten interessiert auf. Das war eine durchaus angebrauchte und gute Frage.

„Wenn er das wüsste, säßen wir nicht hier, Emanze.“, nuschelte Marc in seinen 3 Tage Bart und musste unwillkürlich schmunzeln, was im Keim der strafenden Blicke sofort erstickte.

„Sie bleibt doch bei euch? Oder etwa nicht?“ In Gretchen sah Marc abermals Mutter Teresa, die sich um jede Staubfliege kümmerte. Das eigene Wohl stand dabei stetig an zweiter Stelle. Wie jetzt! „Aber natürlich! Das ist meine Tochter…“
„Ja, rhetorisch vielleicht…“
„Marc Meier! Halt jetzt die Klappe!“, fuhr Gina Amsel den 32 jährigen fahrig mit aufgewühlten Augen an und stand ruckartig auf, um das Wohnzimmer zu durchqueren. „Streit bringt uns überhaupt nicht weiter!“ mischte sich Gretchen schlichtend ein. Sie fand es unmöglich, dass die beiden ihre Revierkämpfe, speziell Marc seine unangebrachten Anspielungen nicht unterlassen konnten. Mehdi nahm währenddessen geistesabwesend mit starrem Blick auf das Foto von Lilli und ihm, einen Schluck aus seinem Bier und atmete beruhigend aus. Irgendeine Lösung musste es geben, dass Lilli behütet aufwachsen konnte und Mehdi die Sicherheit bekommen würde, dass Anna nicht nach einer spontanen Eingebung vor seiner Tür aufkreuzte und das Mädchen abermals aus ihrem natürlichen Lebensumfeld reißen wollte. Ein weiteres Mal würde der Halbperser darüber nie und nimmer hinwegkommen, das wussten alle vier.

„Hast du noch ihre Nummer?“, fragte Mehdi mit geradlinigem Gesichtsausdruck. Überrascht flog der Kopf des Chirurgen nach oben, als er seinen besten Freund ungläubig studierte. „Ähm, klar?! Wieso?“

Gretchen und Gina mischten sich parallel ein und hakten unverständlich nach. „Hä? Warum hast DU Annas Nummer?“ Die beiden Ärzte tauschten einen aufgescheuchten Blick aus und räusperten sich nahegehend gleichzeitig. „Lange Geschichte…“, brummte Marc. In Windeseile guckte er zu Mehdi und nickte abwiegend.

Warum hab ich die eigentlich noch? Naja… so schlecht scheint’s ja nicht zu sein! Meier, du bist ein Genie!

„Gut, ich ruf sie gleich morgen früh an! Das muss geklärt werden! Ich will das Sorgerecht und ein eingeschränkten Abstand zu Anna.“ Sofort mischte sich Gretchen in das Gespräch ein und hob zustimmend den Finger. „Da hast du Recht Mehdi. Das ist keine Mutter und Lilli braucht ein stabiles Umfeld. Wenn du Hilfe brauchst, dann sag bescheid.“ Zum Abschluss ihres Angebotes nickte und lächelte die junge Ärztin, was Mehdi dankend ansah und sie kurzerhand in ihre Arme schloss.

Jaja (stöhnend) und mir einreden wollen, eine Portion Realismus gehört nicht hier her. Einfältig, Hasenzahn! Einfältig.
Gut
(langgezogen) Gretchen, wir sollten das nicht ausweiten. Gigi ist seine Freundin und Marc… ja (tief einatmend) Marc ist Marc,… ist und bleibt Marc! Leider… naja manchmal…

„Wollt ihr noch was trinken?“

Alle bejahten die Aussage und lächelten gequält, als der Gynäkologe dicht gefolgt von seinem Vögelchen in die anliegende Küche Schritt und noch eine Runde aus dem Kühlschrank holte. Zurück blieben Meier und Haase, beide nicht sonderlich gesprächig. Der eine tippte desinteressiert auf seinen Fingerkuppen herum, die andere kreiste konzentriert ihre Zunge, um die Balance halten zu können und sich letztendlich auf das weiche Sofa fallen zu lassen.

Marc Meier ergriff überraschender Weise als erster das Wort und fragte deutlich unangenehm: „Du kommst doch wieder mit zu mir?! Oder?“

Gretchen Haase freute sich innerlich wie ein Honigkuchenpferd und hätte ohne das Handycape tatsächlich einen Freudentanz aufgeführt. So zeigte es Marcs Interesse an ihr und das brachte sie zum blühen. Leider gab die junge Blondine diesen Gedanke wieder einmal laut kund. „Ich blühe…“ Marcs Gesicht zeichnete ein deutliches „O“, denn er hatte nicht den blassesten Schimmer, was diese Frau interpretierte oder gar falsch verstanden hatte. Alles hätte glaubwürdig geklungen, aber dass sie blüht war nun doch sehr weit her gegriffen.

„Bist du’n Primel?“

„Äh? Was… nein… quatsch, … ach (überspielend) Ich meinte, es wird bald wieder blühen…“ Irritiert warf er ein Blick aus dem Fenster, das ganz klar Herbstblätter zeigte. „Jahaaa…“, meinte der Chirurg ironisch grinsend, wobei die Wirkung eher gequält bei Gretchen ankam. Musste er doch denken, dass sie nicht mehr alle Schokoriegel im Kühlschrank hatte. „Können wir ihm nicht irgendwie helfen?“, wechselte Hasenzahn konzentriert das Thema und ließ die Hände nachdenklich unter ihr Kinn wandern. „Hoffe für ihn, dass der Gentest positiv ausfällt.“

Gentest… tz… Marc Meier. Diese ärztliche Schiene ist unglaublich anziehend. Sollte dringend auf meinen Zuckergehalt achten. Nicht, dass ungeahnte Folgeerkrankungen auftreten.

„Mhmmm… wie Recht du hast.“ Die beiden konnten ihre Unterhaltung nicht weiter ausfächern, denn Gretchens Traumpaar betrat just in diesem Augenblick den Raum und warf ihnen einen fragenden Ausdruck entgegen, den Marc abgewandt unterbrach.

Keine 30 Minuten später wäre Gretchen Haase übermüdet fast auf dem gemütlichen Sofa eingeschlafen. Sie hatte bereits einige Abende darauf verbracht, zuweilen nicht nur in Mehdis Armen. Marc hatte dann dominant beschlossen, dass der Tag nervenaufreibend genug war und sie langsam aber sicher den Rückzug antreten konnten. Im Auto herrschte eine bedrückende Stille. Die dieses Mal nicht von Gretchen, sondern Marc wunderlich wahrgenommen wurde. Unauffällig schielte er an den Ampeln zu seiner… ja was war sie denn? Ex- Assistenzärztin? Womöglich Freundin? Die Titulierung kam Marc Meier abscheulich fremd vor, schüttelte es ihn bei dem Gedanken an eine feste dauerhafte Bindung. Die Nacht drückte trüb, kühl und breit gefächert über die Dächer und Straßen von Berlin. Sie umhüllte das weiße Auto, dass Marc bei der Jahreszeit bereits die Autoheizung anstellen musste. Immer mal wieder warf sich ein Schein über Gretchens Gesicht, das kontinuierlich aus dem Fenster geneigt war. Sie träumte, war in ihren Spekulationen verzweigt und knabberte auf ihren satten und prallen Lippen herum.

Die Fahr verlief karg und fad, ohne dass einer der beiden das Bedürfnis nach einem Gespräch hatte. Zusätzlich belastete die lockige Blondine die Ungewissheit über ihre Eltern. Sie hatte ein paar Anrufe von Unbekannt auf ihrem Handy, kam allerdings durch die zahlreichen Umstände nicht auf den Gedanken, dass es ihre Eltern sein konnten. Es zeigte normalerweise eine bekannte Nummer an, deshalb verwarf die 30 jährige ihre Euphorie seufzend. Es hätte sich frühzeitig als riesige Lastabnahme herausgestellt, wäre die neurotische Nachwuchschirurgin einmal in ihr Elternhaus gegangen. Bei Marc verweilte sie in einfarbigen, nicht allzu weiten T-Shirts und ein paar Jogginghosen. Die Not machte immerhin erfinderisch, hatte der Oberarzt keinen Drang sie in die Villa zu kutschieren. Da gab es effektivere, mehr als entspannende Beschäftigungen, die ausnahmsweise nicht mit drei Buchstaben oder einer unmöglichen Formulierung seitens Marc beschreibbar waren. In dem Moment beschlich Gretchen ein unbändiges Hoffnungsgefühl, dass sie unaufhaltbar heute noch nach Hause musste.

„Marc, könntest du mich bitte nach Hause bringen?“

Die geglaubte Reaktion kam ruckartig, als der Angesprochene verständnislos zu Gretchen schaute, als ob sie nicht mehr ganz richtig im Kopf wäre. „Ich brauch mal frische Sachen.“, lächelte sie mild und erkannte die Gegenreaktion mit ihrem gespiegelten Ausdruck.

Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, fuhr der Golfliebhaber vor den Eingangsbereich des Geländes und warf ihr einen leicht arroganten Ausdruck entgegen, der ihr wohl erkennend verdeutlichte, dass sie den Finger ziehen sollte. Mit ihren Krücken bewaffnet beeilte sie sich und griff im Haus routiniert nach einer Reisetasche.

Schnell waren die nötigsten Dinge darin verstaut. Sei es Zahnpasta, wovon sie bei Marc ein ganzes Orsonal gefunden hatte, Socken bis hin zu etwas eleganterer Unterwäsche oder ihrer warmen farbenfreudigen Decke, die sie vergebens in ihrem Zimmer suchte. Dann konnte sie nur im Wohnzimmer auf dem hässlichen Sofa liegen, kam ihr in den Sinn, als sie drauf und dran war über eine Stufe zu fallen. Kurz vor knapp zeigten sich ihre minimalen Armmuskeln, die sie federnd hielten. Wenn sie die Gelegenheit einmal besaß, griff sie schmunzelnd und gierig nach einer… nein zwei Vollmilchtafeln, die deponiert auf der Küchenanrichte ihren Platz gefunden hatten. Marc hatte nur Hanuta. Das ging zur Not auch und hatte durchaus einen leckeren Geschmack, vergleichbar mit ihrer heißgeliebten Schokolade für alle Lebenslagen, landete Dr. Meiers Lieblingssnack nur auf Platz zwei.

Sie stopfte gerade die große Decke in ihre wohlbemerkt viel zu kleine Tasche und fluchte leise vor sich hin, als das Schicksal vermutlich ein positives Licht auf sich selbst werfen wollte und Gretchen automatisch auf den Anrufbeantworter starrte, der immerhin drei neue Nachrichten aufwies. Die Taste wurde verschwitzt betätigt, als der jungen Ärztin mit dem gebrochenen Gelenk ein massiver Stein vom Herzen fiel und eine Träne aus den Augen kullerte. Ihre Eltern waren unversehrt, zumindest sagte das ihre Mutter voller Freude, Erleichterung und Euphorie. Unter anderen Umständen hätte sich Gretchen trotzdem nicht in Sicherheit gewogen, die Anspielungen auf Küche und Waschsalon überzeugten sie dahingehend tief ausatmend vom Gegenteil. Jetzt nahm sie erst den vertrauten heimischen Duft war, der sich treu um ihre Nasenflügel schloss, sodass sie am Liebsten hier geblieben wäre. Der Gedanke an ihre nette Begleitung, wenn es titulierend richtig war, bereitete Gretchen Haase ein erneutes Glücksgefühl. Der Super-GAU, wenn er hier mit ihr einen Abend verbringen würde. Doch beim genauen Hinsehen an ihre Umgebung gruselte es sie und sie war doch recht froh in die heiligen Hallen von Gott persönlich steigen zu können.

Elli Offline

stellv. Admine


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08.06.2015 12:44
#69 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Hallo meine Lieben,

vielen herzlichen Dank für die tollen Resonanzen beim letzten Kapitel, was mich enorm beglückt hat. Ja, Mehdis vermeintliche Tochter ist wieder mit von der Partie und auch Marc und Gretchen bieten ihre Hilfe an, auch wenn sie selbst genügend Baustellen haben. Wie? Was? Wo? Lest im nächsten Teil und ihr erfahrt mehr!

LG und einen tollen Tag!
Eure Elli




Liebes Tagebuch,

wäre in letzter Zeit Not am Mann gewesen, so hätte ich Tine Wittler, die Supernanny und Sophie Koch persönlich einladen können. Die Fernsehprogramme lassen allerdings stark nach! Gut, wenn ich ehrlich bin lief in letzter Zeit entweder Dirty Dancing oder seitdem ich das Lager gewechselt habe Fußball. Mit Ausnahmen von nicht identifizierbaren, gruseligen Geschöpfen, die in Marcs allnächtlicher Filmorgie einen Platz fanden. Da zeigt sich mal wieder, wie stark er doch ist, mein Marc. Ich weiß, liebes Tagebuch, er ist nicht unter meiner Fuchtel, doch das Gefühl morgens mit ihm aufzuwachen und abends naja sagen wir mal, in der Nähe von ihm einzuschlafen, birgt gewisse Risiken, die ein Haase-Gehirn schon deutlich an die Grenze des Absturzes manövrieren können. Er ist unglaublich liebenswert, zumindest geht er dementsprechend mit mir um. Hasenzahn ist Standard, daher dazu keine überflüssige Tinte. Gebe aber dir offen gegenüber zu, dass Frauen auf animalische Nummern stehen. Hat etwas Neandertaler mäßiges, das den bloßen Gedanken an Marc Oberkörper frei mit sich bringt. Tja, außen Ärztin innen Frau. Das Krankenhaus kann ich frühestens in zwei Wochen wieder mit einem Gehgips betreten. Ärgerlich! Hatte geplant, mich die nächsten Jahre auf meine Weiterbildung zu konzentrieren, stattdessen sitz ich hier und esse- Rate!- Schokolade. Marc ist auf Arbeit und ich muss mich schonen. Anmerkung: Ärzte sind nicht die schwierigsten und schlimmsten Patienten, sondern vor allem die Uneinsichtigsten. Bevor ich es in meinem rosa Kopf vergesse, meinen Eltern geht es gut. Mama bringt den Hotelangestellten glaub ich bei, wie man ordentlich wäscht und putzt, während Papa am Liebsten wieder in seinen weißen Kittel schlüpfen würde. Sie haben neben dem ganzen unnützen Stress noch einige freie Minuten für sich. Ist wichtig, hinsichtlich späterem Alltag. Ich kann es kaum fassen, dass mein liebster Favorit eines Filmes, der bis jetzt in jeder Lebenslage ging, auf einmal uninteressant auf mich wirkt. Oh Gott Gretchen, du bist auch nicht mehr das, was du mal warst. Moment… So, jetzt hab ich schnell noch ein Glas frischen Kirschsaft hergeholt. Schwester Sabine meinte, das würde die Lebensgeister wecken und neben dem überzuckerten Fruchtgehalt neue Energie für den Tag geben. Apropos Energie, Marc und ich haben noch nicht… Du weißt schon, was ich mein. Er hat zwar deutliche Signale gesendet, allerdings erschließt sich mir nicht richtig, ob er nicht nur einen Blick auf seine Bierflasche in der Hand ergattern wollte. Wenn man vom Teufel spricht. Engel kann ich ihn ja immerhin schlecht nennen. Ich mach dann mal Schluss, bevor mein ehemaliger Oberarzt noch auf die Idee kommt meine Intimitäten zu lesen.

Dein Gretchen

P.S. Marc ist eigentlich fern von Engel oder Teufel, eher eine gottesähnliche Gestalt auf der Erde mit Ambitionen zum Teufel. Mental natürlich!

P.P.S. Mit Intimitäten meine ich ganz klar das Tagebuch… was auch sonst?!


Lächelnd und doch etwas rational von ihren Worten, legte Marc Meier das kleine Buch an seinen Ursprung zurück und deponierte sorgsam das zerknüllte Papier ihrer Lieblingsschokolade darauf. Gretchen schnarchte immerhin schon seit guten zwei Stunden zwei Zimmer weiter und hatte unter dem Anflug von plötzlicher Müdigkeit ihr Tagebuch ausnahmsweise außer Acht gelassen. Die Chance konnte sich Dr. Marc Meier in Person nicht entgehen lassen, bot sich ihm nun die Möglichkeit endlich aussagekräftige Fakten über ihn nach Gretchens Gedanken zu bekommen.

Er stellte nur ernüchternd fest, dass sie offensichtlich nicht mehr mutig war, als real. Sie konnte nicht mal Sex ausschreiben, worüber er die Luft tief einsog und sich wohltuend die Brust rieb. Sein Wandel überraschte ihn selbst täglich, war er wie er war, doch Marc empfand es als etwas Gutes, dass er nicht dauerhaft allein in seiner Bude hocken musste. Nebenbei versuchte ihm Gretchen ungenießbare Gerichte vorzusetzen, die sie aus einem dick verstaubten Kochbuch gefischt hatte und glaubte durch den kleinen Zettel darin zu wissen, dass dies Marcs Lieblingsgericht sein musste. Tja, falsch gedacht! Nichts desto trotz amüsierte er sich herzlichst, da waren die beklecksten Haare eine Minderheit, viel eher über Positionen, wie sie hilflos wie ein Fisch an Land über der Kücheninsel hockte und mit ihrer Krücke vergebens versuchte den Topf von der Platte zu nehmen, weil dahinter offensichtlich Tortellini verstreut lagen. Eins musste er ihr lassen: Langweilig wurde es nie.

Ein Gähnen durchzog seinen Körper letztlich seine Kiefermuskeln und Marc streckte knackend seine muskulösen Glieder.

Bei einem unbedachten Blick auf ihre DVD Sammlung fragte er sich, wie weit er hier überhaupt ging. War das der Inbegriff einer Beziehung? Jeden Abend für ein paar Stunden vor der flachen Kiste zu verweilen und sich anschweigen, nur dass einer die Bettdecke wärmte, ehe der andere todmüde hineinfiel? Morgens gab es seit den zwei Wochen selten Momente, die sie intensiv zusammen genossen, doch ihn erfüllte tief in seinem Inneren das Gefühl von ihrer bloßen Anwesenheit! Doch Marc erreichte die Grenze der Bedingungslosigkeit in Bezug auf seine Empfindungen noch längst nicht. War es ein Defizit, das er nur ungern schließen, aber doch leicht füllen wollte, so rieb er zwiegespalten sein Gesicht und grummelte ratlos mit einer Kombination eines tiefen ausschlagenden Atemzuges.

Bei der Gelegenheit würde er Hasenzahn mal auf Herz und Nieren testen, inwieweit sie tatsächlich dem Konstrukt aus aktiven Lebenserwartungen auf ihre Beziehung glich und sich womöglich, nein eher hundertprozentig sicher, auf eine feste Bindung mit ihm versteifte. Heute spürte der junge Mann einen letzten traktierenden Impuls, der ihm unweigerlich zu Verstehen gab, seine Füße von dem Wohnzimmertisch zu schwingen und endlich ins Bett zu gehen. Als er aus dem Bad ins angrenzende Schlafzimmer trat, knackten nicht nur die Dielen, viel eher ranzte Gretchens sonst so liebliche Stimme vor sich hin. Dass die Bettdecke kurz angehoben wurde, die Matratze nachgab und ein attraktiver Mann nun neben ihr verweilte, störte das schlafende Etwas nicht im geringsten. Doch intuitiv streckte sie unkoordiniert eine Hand aus und legte sie mit genügend Luft locker um Marcs Bizeps, der sich ruckartig entspannte. Die Magie war kein bloßer Ausdruck für kitschig- animalische Heulsusen in Strumpfhosen, sondern ein wahrer Wert, der sehr selten zwischen zwei Menschen zum Einsatz kam, geschweige denn glühte. Bei ihnen spielten noch einige unerklärliche Komponenten ein, mit denen Marc Meier nach einem Gefecht aus Spekulationen, zufrieden die Augen schloss und keine drei Minuten später tief und fest neben seinem Hasenzahn schlummerte.

Nächster Morgen

Der Wecker zeigte 4.18 Uhr. Definitiv keine gute Zeit um aufzustehen oder bedenkenlos die inTouch zu lesen, munkelte die junge Chirurgin und kuschelte sich halt suchend in die große Decke, unter der sie fast zu verschwinden drohte. Das Bett war gemütlich warm und ihr Nachbar vermach derselben Ausstrahlung, ohne nur eine Bewegung von sich zu geben. Leider fand Gretchen keinen ruhigen Schlaf mehr, hatte diese Nacht mit einem herrlichen Traum begonnen und einem festen Platz im Land der uneingeschränkten Möglichkeiten. Sie wollte sich nicht großartig wälzen, sonst hätte Marc wahrscheinlich zu ihrer Überraschung ein Auge aufgeschlagen und sie einen Herzinfarkt erlitten. Dann eher warten und hoffen, dass der Schwall der Müdigkeit sich nochmal über ihr ausbreitete.

In der Zwischenzeit gab es eine schöne Beschäftigung, der sie zu gern und mit vollem Körpereinsatz nachging. Die vier Buchstaben in seinem Vornamen fanden einen regen Platz auf seiner Brust, die nur von einem weißen T-Shirt bedeckt wurden war. Im Dunkeln tastete sie sich zu seinem Gesicht, was sich als neue Herausforderung entpuppte, sah sie tatsächlich null Komma nichts! Das unbeschreibliche Gefühl neben ihm zu liegen und seinen Atem deutlich über ihrem Handrücken entlang streifen zu spüren, versetzte Gretchen Haase in einen Schmachtmodus mit Kuschelambitionen.

So sollte es sein! Immer. Mit ihm. Mit ihnen. Zusammen.

Nach einiger Überlegung fasste sie den Mut und sprach mit derselben Intension, aber einer hörbaren Weiche in der Stimme. „Das hab ich mir immer gewünscht. Hier zu sein, bei dir und am liebsten würde ich die Zeit anhalten, weil ich denke, dass es ein endender Traum ist, wenn wir morgen… naja eigentlich heute aufwachen und du nicht mehr neben mir liegst.“

Langsam aber sicher bildete sich ein heller Schein vor ihren dunkelblauen, von der Nacht getränkten Augen und sie sah die weichen Umrisse seiner Zimmerdecke sowie die Wände. Das hier ist Marcs Zuhause und sie besaß die glorreiche Chance hier sein zu dürfen. Fabelhaft! Einfach träumerisch grandios und real unbeschreiblich fantastisch. Unter ihren zarten Berührungen, die in ihrer gedanklichen Abwesenheit keine Ruhe fanden, drehte der Chirurg seinen Kopf tiefer mit der rechten Gesichtshälfte ins Kissen und er atmete mit einem höheren Lautstärke- und Dynamikpegel tief ein und aus.

Gretchen Haase, wie was das mit dem Lotteriegewinn? Du hast den ersten Platz erreicht und den möchte ich nie wieder verlassen…Hach…

In ihrem überaus ideenreichen Köpfchen abgetaucht, bemerkte Gretchen nicht im geringsten, dass Marc leicht verwirrt- irritiert dreinblickte und sie keine zwei Sekunden später mit schmalen Augen und zerzausten Haaren ansah. Vermutlich wäre sie sofort an die Decke gegangen, denn der Oberarzt wusste nur zu gut, was Hasenzahn für ein Schissha(a)se sein konnte und diese Tatsache zeichnete ihm ein schelmisches Lächeln auf die Lippen. Kurz überlegte er, hatte dann aber den Drang sie unumgänglich aus der Starre zu lösen, ehe der Kopf noch qualmte.

„Nicht mal nachts haben deine Gedanken Ruhe vor dir!“, löste er locker, dennoch mit fester Stimme, den selbigen Blick los.

Gretchen zuckte kurz mit den Schultern, sah allerdings verdattert zu ihrer Jugendliebe und verfing sich in seinen dunkel- leuchtenden Augen, was Marcs Selbstbewusstsein eine Schippe aufsetzte, dass ihm die Brust anschwoll. Es war auch herrlich, dass er eine dermaßen überdimensionale Auswirkung- von der Anziehung abgesehen, auf sie hatte. Nicht minder benebelt stutze sie leise. „Ehm (räuspernd)… ich hab nur… (leicht hysterisch lachend) also eigentlich wollte ich…“ Doch leider stand ihr aktives Gehirn noch auf standby, sodass kein klarer Satz ihre Lippen verlassen wollte.

„Mich beim Schlafen anschmachten?“, grinste er auflachend und sah ihren entsetzt- echauffierenden Gesichtsausdruck, der Millionen wert war.
„Wenn das so weitergeht, muss ich schwer darüber nachdenken, Eintritt zu verlangen, obwohl ich sagen muss, dass…“

… ich mich denkbar an dich gewöhnt hab, Hasenzahn! Idiot Meier! Pass ma‘ auf, was du für sinnlosen Mist von dir gibst, sonst ist der Status schneller weg, als Hasenzahn ihre Nutella isst.

„Ja, dass?“, drängte sie ihn wohlwissend, dass es ein Zuspruch auf ihre Person sein musste und das stärkte die engagierte Assistenz mächtig.

„Is‘ egal! Und jetzt schlaf!“

Da giftete der altbekannte kühle Eisblock aus dem attraktiven Mann, der sich demonstrativ auf die linke Seite von ihr wegdrehte. Noch einmal zog er verärgert die Nase kraus und verdrehte über sich selbst die Augen.

Die Blondine verharrte kurzzeitig verwundert über die plötzliche Meinungsänderung ihres ehemaligen Chefs, atmete schließlich angestrengt aus und erfasste mit einem drängenden Unterton abermals das Wort. „Mensch Marc, dann sag doch einfach, dass du es nicht willst. Immer diese ignorante Art.“ Schnell schüttelte sie wegwerfend den Kopf und zog die Decke ein Stück höher.

„Du und deine Profilneurose!“

Wie auf Stichwort drehte sie sich ebenfalls auf die gegenüberliegende Seite, sodass sie Rücken an Rücken mit dem nötigen Sicherheitsabstand versuchten erneut einen ruhigen Schlaf zu finden.

Vielleicht ist es besser, wenn ich nach Hause zurückziehe. Wobei? Eingezogen bin ich hier nicht offensiv. Marc ist kein Typ für dauerhafte Zweisamkeit, dass war dir doch schon vorher klar. Ich muss ihm Zeit geben… genau Zeit und Luft! Irgendwann wird er sich schon für mich entscheiden!

Die Frage war nur, wann Gretchen? Wann?

Elli Offline

stellv. Admine


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03.07.2015 18:05
#70 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Hallo meine Lieben,

was für ein schwüles Wetter. Aber ich will mich nicht beschweren, habe mir den Sommer mit dreißig Grad im Schatten lang genug herbeigesehnt. Die Chancen stehen fünfzig zu fünfzig, dass bei besagten Temperaturen überhaupt einer das neue- mittlerweile 70. Kapitel liest. Und immer wieder stelle ich fest, wie lang ich schon schreibe und euch gleichzeitig in Unwissenheit lasse, was die Frage der Fragen angeht. Vielleicht kommen wir ja schrittweise weiter?

Genießt die Sonne und besorgt euch ein Eis!
In diesem Sinne,
schönes Wochenende!

LG Eure Elli




1 Woche später!

„Ja, Marc! Ich beeil mich, versprochen! Nein, keine Trödelorgien, keine Probleme mit dem Makeup oder meinem Kleid!“
„Du trägst’n Kleid?“
„Oh äh… hab ich gesagt Kleid? Nein, kein Kleid, sondern eine Hose und eine Bluse…“
„Egal. Zack zack! Die Uhr bleibt nicht stehen, nur weil du Minderwertigkeitskomplexe hast.“
„Also Marc Meier, ich hab hundertprozentig KEINE Minderwertigkeitskomplexe und überhaupt, wo gehen wir denn hin?“
„Ein Nomen. Frühstes Deutsch. Konjugierbar. Ü-ber-ra-schung!“
„Sehr komisch, Witzbold. Naja, wenn ich es mir recht überlege, dann könnte ich auch zu Mehdi, Lilli und Gigi gehen. Die haben mich nämlich zum Essen eingeladen und da wäre ich sicher und gefahrlos… und…“
„Würdest nicht verhungern. Verstehe! (grinsend)“
„Das hätte ich anders formuliert, aber die Kernaussage… also theoretisch… stimmt schon… irgendwie.“
„Sehr selbstsicher, wie du dich wiedermal gibst, Hasenzahn!“
„Wann holst du mich ab?“
„Guck doch mal aus’m Fenster!“
„Nein, Marc! (hysterisch) Da-da-da-das geht doch nicht.“
„Wieso?“
„Weil ich noch nicht zurechtgemacht bin und keine Kosmetik trage und sowas alles.“
„Womit wir wieder beim Thema Minderwertigkeit in allen Lebenslagen wären. Also los, schwing deinen Arsch in mein Auto! Ich warte ganz bestimmt nicht ewig!“
„Stimmt, ein Marc Meier- Marc? Hallo? Das ist ja jetzt wirklich…“

Da hatte der feine Herr Oberarzt kurz und knapp die Leitung gekappt. Entrüstet und gleich darauf herumwuselnd, weil der eben genannte bereits auf sie wartete, verblieb nicht lang Zeit, um sich über seine Dreistigkeit aufzuregen, die jedes Mal mit einem gewissen Charme untermauert wurde, nicht zu vergessen die Lässigkeit, die Gretchen gern schwach werden ließ. In ihrem Zimmer zog sie unwirsch an dem eben mit schweren Geschützen angezogenen Kleid, was nach dieser deutlichen Schwindelattacke keinesfalls ihren Körper an diesem Abend zieren durfte. Stattdessen kramte sie mit geröteten Wangen, zerzausten Haaren und einem nicht minder aufgeregten Gesicht hilfesuchend nach einem Jeansrock, der sich allerdings auch nicht als das Wahre herausstellte.

Mist, Mist, Mist… was mach ich denn jetzt? Ich kann schlecht nach meiner mehr als gehirnamputierten Aussage in einem Kleid kommen. Das ist nicht… tragbar! Aber ganz ruhig Gretchen, du schaffst das schon, er wird ja hoffen-

Ein lauter Schrill drang an ihre Ohrmuschel. Ein Hupen!

-tlich noch etwas warten können! Ja toll, reife Leistung von mir!

Ihre Verwirrung erreichte umschweifend den Höhepunkt des hoffend schönen Abends und Gretchen streifte sich notgedrungen das schwarze Kleid mit den kaschierenden Reifungen an der Hüfte abermals über und zupfte kurz motorisch total daneben an ihren blonden Locken, die heute sowieso schon taten, was sie selbst für richtig empfanden. Ihr Rekord fürs Schminken wurde eben von Grund auf getoppt, denn sie schaffte es bis auf den Lippenstift, den Marc sowieso nicht mögen würde, ein annähernd ordentliches Ergebnis unter Zeitdruck zu erzielen!

Meine Güte, sollte dringend an meiner Kondition feilen… Herrje Gretchen, Sport wäre doch kein so schlechter Ansatz. Auch für Dich!

Mit ihrer Tasche, der gemütlichen Jacke und dem sowieso festsitzenden Gehgips bewaffnet, humpelte sie rasch durch die Haustür, ehe sie sich durch das regnende Wetter fast auf die Nase gelegt hätte und erreichte mit einem satten und sinnlichen Rot auf den Apfelbäckchen Marcs altbekannten weißen Volvo. „So, da bin ich.“, begrüßte sie ihn freundlich und Marc vernahm einen Ansatz an Stolz in ihrer Stimme, was er gleich trübte und sie mit einem prüfenden Blick musterte, der durch ein breites Grinsen und ein Zucken seiner rechten Augenbraue gefestigt wurde, als seine Augen ihr schwarzes Kleid ausmalten.

„Wird auch Zeit. Ich weiß gar nicht, was du da drinnen ewig gemacht hast, siehst aus wie immer.“

Bitte was sehe ich? Erde an Gehörgang? Jemand sollte das System wieder anstellen, vernehme Schallwellen von Marc Meier, die eindeutig nicht nach einem „Du siehst wunderschön aus, Gretchen!“ klingen. Jemand sollte dieses Problem beheben und zwar schnell…

Die Ernüchterung schrieb sich mit Großbuchstaben auf ihr spärlich geschminktes Gesicht, was bis eben noch mit einem angenehm seligen Lächeln verziert war. Trotzdem nahm sie es nicht zu Ernst und wusste, wie Marc Meier unverständliche Komplimente kundgab. Der startete, unterdessen sie in ihren Spekulationen fischte, den Motor und fuhr dynamisch durch die Innenstadt Berlins. „Dir auch Hallo Marc!“
Daraufhin schenkte er ihr ein schiefes Lächeln, das mehr schlecht als recht bei der Blondine mit Herz ankam, jedoch ging sie nicht zu sehr ins Detail, freute sie sich viel zu sehr auf die kommenden Stunden.

Kann diese Frau nicht mal für einen Abend den Kopf ausschalten? Das kann doch ne so kompliziert sein! Naja, wobei ich spreche hier von Hasenzahn, die wortwörtlich immer was zu bequatschen oder zu analysieren hat. Vermutlich nimmt sie mich gerade auseinander. Bin ja immerhin auch der Beste!

Gut, dass Gretchen die vagen Gedanken des attraktiven Mannes neben sich nicht hörte, sonst wäre ihre Schamgrenze gleich null und undefinierbarer Erschütterung gewichen, in der sie nichts überzeugend den Kürzeren gezogen hätte. Umso unvorbereiteter wirkte sie, als Marc seine Konversationsseite zeigte, die lässig, gleichzeitig unglaublich männlich aufgeklärt war.

„Und, wie war’s beim Akten bearbeiten?“ Frech schaute er mit einem ungenierten Funkeln in den Augen auf ihren Oberschenkel, ehe sein Kopf aufwärts in ihr von Scham erfülltes Gesicht wanderte und letztendlich wieder zur Straße schwankte. Gretchen röchelte kurz und meinte eher wenig euphorisch: „Eher wenig aufschlussreich. Im Moment kommen wenig spannende Fälle rein, obwohl das meinem OP- Katalog nicht schlecht täte. So ein paar komplizierte Eingriffe…“, wog sie mit nickendem Kopf ab, sodass der Oberarzt sie für den Bruchteil einer Sekunde unverständlich mit gekrauster Stirn studierte.

„Wird schon!“, nickte er solide und presste die Lippen fest aufeinander.

An der nächsten Ampelkreuzung warf er seinen Kopf kurz nach rechts und zog die Augenbrauen weit nach oben, als er die Ampel durch die Scheibe betrachtete. Das fand Gretchen unglaublich niedlich, flog ihm so unkontrolliert eine kleine braune Strähne nach vorn und baumelte allein vor seiner makellosen Stirn herum. Zu gern würde sie den Arm heben und sie ihm zärtlich nach hinten streichen, wäre da nicht ihr Packt alles langsam angehen zu lassen. „Was denkst du?“, hakte der Oberarzt desinteressiert nach, hoffte so, dass sie nicht sonderlich viel über die Wortwahl nachdachte.
„Wo fahren wir denn nun hin, Marc? Ich bin aufgeregt!“

„Das dachte ich mir!“, lachte er und zwinkerte kurz in ihre Richtung, dass Gretchen fest an seinem Gesicht hängen blieb. Drängender nörgelte sie leicht und verschränkte betend die Hände vor ihrer Brust, sodass Marc der bloße Anblick auf ihr pralles Dekolleté verwehrt wurde. „Kannst du auch sein, Hasenzahn! Keine Sorge, du wirst nicht verhungern, aber dazu später mehr.“ Genüsslich schmatzte er und zeigte liebend gern seine strahlend weißen Zähne, während Gretchen nur kurz stutzte, was Marc ebenfalls mit einem durchdringenden Augenaufschlag zu verstehen gab.

„Herrje… (seufzend) Wie war dein Tag?“

Sie versuchte etwas authentischer, euphorischer ein Gespräch mit ihm zu beginnen, denn das ständige Schweigen hüllte sie nur umso mehr in einen Kokon aus Unwohlsein und Missmut. Wahrheitsgemäß antwortete der 32 jährige solide.

„Im Gegensatz zu dir aufschlussreich. Einige komplizierte OPs, ansonsten hab ich mich aufs Ohr gelegt und mit meiner Assistenz gebumst!“ Augenblicklich schoss ihr Kopf herum und sie schnappte hörbar nach Luft. „Du… du hast bitte was?“

Zu Ende hin brach ihre Stimme, das war die warme Heizungsluft, die Marc sicherlich ihretwillen angestellt hatte. Der Angesprochene gab sich ziemlich locker und zeitlassend, während Gretchen neben ihm einmal zu Nord-, Südpol und wieder zurückgeschickt wurde. So fühlten sich sicherlich die Wechseljahre an.

Na hoffentlich lassen die noch auf sich warten!

Unwillkürlich breitete sich eine Unruhe gepaart mit Unwissenheit in ihren Gliedern aus, was Marcs Angesicht nicht verborgen blieb. Da schluckte er kurz mit gesenktem Kopf auf seine Brust, bevor er beiläufig und sich deutlich unwohl fühlend dem Ganzen den festen Stein entzog.

„Das nennt man Ironie, Hasenzahn! Keine Sorge, die ist so hässlich, da würde nicht mal Mehdi ran gehen. Glaub mir und der nimmt fast jede!“

Echauffierend gluckste Hasenzahn wirr und strich sich beruhigt durch die Lockenpracht, dass sich der Herr Doktor ein keckes Auflachen nicht verkneifen konnte. Flüchtig suchte sie daraufhin nach einer Aussage. „Außerdem…“, tadelte sie mit dem Zeigefinger. „Mehdi hat finde ich einen sehr guten Geschmack. Gut, Anna jetzt nicht so, aber immerhin hat er Lilli mit ihr. Da müssen sich schon ein paar zuckersüße Gene durchgeschlagen haben, AUCH von Annas Seite!“ Sich selbst zustimmend nickte sie mit einem analysierenden Gesichtsausdruck. „Naja, wenn es denn seine Gö-“

„Marc!“, fuhr Gretchen ihn scharf an, der wiederum nur gelassen „Kind ist.“ meinte. Die junge Nachwuchschirurgin überhörte das galant, viel lieber sprach sie den eben gedachten Satz zu Ende aus. „Jetzt ist er glücklich mit Gigi und ich würde mich nicht als schlechte Partie bezeichnen…“

Nee, du bist mindestens ein 3-er im Lotto, Hasenzahn! Mein 3-er!

Das passierte, wenn man sich einmal dem Gequatsche einer Frau im frühen Alter hingab und das länger als 5 Minuten, man sinnierte selbst und wurde zum Gedankenfrack. Schnell schüttelte Marc den absurden Gedanken ab und konzentrierte sich lieber aufs Autofahren.

„Bist schon ganz in Ordnung, wie du bist.“, nuschelte er sichtlich peinlich berührt und strich sich flink über den Dreitagebart, den Gretchen so sehr mochte. Seine Figur war auch an diesem Abend wieder faszinierend, eine schwarze Hose, ein weißes Hemd und seine ebenfalls hellen Sneakers von Lacoste gaben seinem perfekt sitzenden Outfit den letzten Schliff. Die Haare lagen locker nach hinten geföhnt, fanden an seinem Scheitelansatz eine kleine Wölbung, die Gretchen in der einen oder anderen Nacht voller Liebe zur Nichte gemacht hatte. Daraufhin biss sie sich ertappt auf die Unterlippe und tat es Marc gleich aus dem Fenster zu sehen, allerdings abwesender als der Chirurg. Aus langen Schmachtanfällen oder wie Marc vorhin punktgenau formulierte Minderwertigkeitskomplexen wurde zu Gretchens Leidwesen, gleichzeitig aber auch Freude Nichts, die im Übrigen nicht lange wehren würde. Marc parkte auf einem riesigen Gelände.

Gretchen sah sich neugierig um, erstarrte aber gleich wieder, als sie eine unsagbare lange Menschenschlange sah.

„Was machen wir hier und vor allem was ist das?“

„Steig aus, dann siehstes!“

Zack. Da stand Marc auch schon vor dem Auto und wartete mit überkreuzten Füßen auf Hasenzahn. Schnell hastete sie ihm hinterher und hatte Not neben ihm Schritt zu halten. Marc schaute unauffällig räuspernd zu ihr herüber und verlor sich bei dem Seitenanblick auf ihren Vorbau.

Ok, wir hätten doch gleich Essen und dann zu mir fahren sollen… Abstinenz

Da bin ich jetzt aber wirklich gespannt! Vielleicht gehen wir ins Theater, in die Oper, ins Kino, zu einer schönen Kunstausstellung oder vielleicht-

Ihre Spekulationen unterbrachen wage, als sie die Aufschrift las, die das großräumige Gebäude zierte. „Gunter von Hagens‘ Körperwelten“

Das blieb auch dem Chirurgen nicht verborgen, sodass er sie gleich gemütlich gespannt aufforderte endlich ihren Arsch zu bewegen. Nachdem die Schockstarre einigermaßen überwunden schien, eilte sie Marc so schnell wie nur möglich, hinterher. Der blieb neben dem Eingang stehen, was Gretchen ein wenig irritiert die die Augenbrauen zusammenziehen ließ. Wenig begeistert, fast nörgelnd entrüstete sie sich.

„Marc, das ist nicht dein Ernst?! Da will ich nicht rein!“

Auf sein Unverständnis über ihren Zirkus und warum sie sich abermals so anstellte, fand Gretchen Haase nur ein apathisches Auflachen in Kombination mit einem weit ausgeholten Kopfschütteln. „Boa Hasenzahn, was is‘ n jetzt schon wieder dein Problem?! Sorry, aber ich raff das beim besten Willen ne. Du bist doch Ärztin. Naja,… sagen wir mal ne Halbe.“ Den letzten Abschnitt des Satzes grummelte er, gewusst dass sie es hörte mit einem leicht provokanten Unterton und sah sie daraufhin auffordernd an.

Ein Date habe ich mir irgendwie anders vorgestellt. Romantisch in einem Restaurant oder wenigstens bei ihm Zuhause. Aber nein, stattdessen müssen wir uns unwürdige Arbeiten an Toten ansehen. Ich bin Ärztin aus voller Überzeugung, aber eben aus dem Grund, dass der Tod nicht eintritt, oder wenn, wir alles versucht haben, was in unserer Macht steht. (stutzen) Eigentlich hätte ich ein „normales“ Treffen mit Marc noch wunderlicher empfunden. Und hey, wer kann schon sagen, dass er beim romantischen Rendezvous eine Milz und eine Raucherlunge gesehen hat? Oh je Gretchen, du hast echt einen schwarzen Humor! Hilfe!

„Muss das sein?! Ich hab mir unser Da… ehm… Treffen irgendwie grundlegend anders vorgestellt, Marc.“ Verlegen sah sie zu ihm herauf, als sich um seine Augen Ansätze eines Lächelns bildeten und er einen Schritt auf sie zuging. Mit Worten.

„Na los Hasenzahn! Du hast doch selbst gerad gesagt, dass im Mombasa nichts los ist, da kannste wenigstens jetzt was dazulernen. Und keine Sorge, es wird dich nicht überfordern!“ Seine Stimme spielte mit dem Feuer, diese Erkenntnis trieb der jungen engagierten Assistenz die Gänsehaut auf die Arme. Unter Umständen war dies zweideutiger Herkunft, so sah sie im Inneren des Hauses bereits die hässliche Dunkelheit und anhand ihrer gewählten Kleidung, die noch mit der Hoffnung auf einen kultivierten Ausflug ausgesucht wurde, konnte sie darin untergehen.

Schnell schüttelte die Blondine den Gedanken ab und sprach Marc wenig begeistert mit gedämpfter Stimme an. „Dann sag mir wenigstens, dass wir uns nicht an die Schlange anstellen müssen!“

Sichtlich verwundert sah er sie an. „Spinnst du!“
Sie zuckte kurz mit dem Kopf zurück.

„Was denkst du denn?! Schon mal was von vorbestellen gehört?!“

„Ehm ja Marc. Das weiß ich! Wie so vieles!“

Er schleifte sie mehr oder minder unfreiwillig bis zur Kasse, an der er die bereits gekauften Tickets zum Scannen abgab und sie zeitnah durch die Absperrung schob. Da standen sie nun, vor den mittlerweile gefühlten 50 Leichen. Marc war die Begeisterung sichtlich ins Gesicht geschrieben, wohingegen sich Gretchen jedes Mal zusammenreißen musste, um nicht auf der Stelle in eine der Kapuzen weiterer Passanten zu brechen. Das Schlimmste war auch noch, dass Marc Meier geschlagene 5 Plastinate weiter seine Faszination fand und Gretchen bei einem belanglosen Anblick schlecht wurde. Das war doch krank. An den bereits gesehenen Toten konnte sich die junge Assistenzärztin nicht viel abgewinnen, geschweige denn lernen, viel mehr schockierte sie die Tatsache, dass sich Menschen für solch eine Art von unnormaler Kunst freiwillig hingaben mit dem Wissen, was nach ihrem Tod mit ihnen geschah. Genauer wollte sich Gretchen damit nicht auseinandersetzen und übersprang die Plastinate gekonnt, ehe Marc an seinem linken Arm ihre Hände fest umklammert spürte.

„Na, wie gefällt’s dir?“

„Das ist keine ernstgemeinte Frage oder?!“, wollte sie fassungslos von ihrem ehemaligen Oberarzt wissen, den diese Ausstellung brennend interessierte. Sicher es war nichts verboten oder verwerfliches, doch zum Befürworten fehlte Gretchen Haase grundlegend das menschliche Verständnis. Angesprochener sah sie mit großen Augen und erhobener Augenbraue an. Dann nickte er fachmännisch. „Reg dich mal nicht so künstlich auf. Bekommst sonst noch Falten.“, kam er nahe an ihr Ohr und kniff mit breit gezogenem Mund in ihre Wange und ging weiter. „Sag mal!“ Doch ihr Missmut schien bei ihm keinen Anklang zu finden.

„Können wir jetzt bitte gehen, Marc? Mir ist nicht gut bei dem Gedanken.“

Marc Meier sah sie nur wenig emotional betroffen an und antwortete entspannt.

„Wir sind doch noch nicht mal durch. Hasenzahn, was ist eigentlich Plastination?“

Rede ich spanisch? Nein! Ich will hier jetzt weg! Wäre ich doch lieber zu Mehdi und Gigi zum Essen gegangen. Aber nein, ich dachte Marc Meier wird wenigstens ein bisschen feinfühlig. Was bekomm‘ ich? Ein Besuch mit…

Der bloße Gedanke daran, schüttelte sie. Die Schultern angezogen und die Hände fest um ihre Tasche gepresst, sah sie von rechts nach links und wirkte äußert angespannt. „Hasenzahn? Jemand Zuhause? Ich hab dich was gefragt!“, liefen sie beide nebeneinander, bis Marc abermals stoppte und Gretchen Haase notgedrungen hinter seiner rechten Schulter stand. Schützend.

„Ein Konservierungs-Verfahren. Mensch Marc, wirklich, ich möchte jetzt bitte gehen! Entweder du kommst mit oder ich warte draußen.“, forderte sie ihn auf und sah dabei eine für sie erschütternde Plastination. Schnell schluckte sie.

Der brünette Arzt nickte noch mit einem leichten Anzug seiner Mundwinkel, stutze dann aber doch, als er ihr bleiches Gesicht sah. Kaum war er ihrem Blick gefolgt, erahnte er den Grund dafür. Auch ihm war diese Art der „Kunst“ keineswegs tolerant.

„Gretchen, alles klar?“, neigte er den Kopf leicht schräg und sah sie mit verschmälerten Augen inspizierend an. Seine Hand fand den Weg zur ihrem Schulterblatt, an dem er sie ein kleines Stück nach vorn schob. Ihre Schritte waren mechanisch. Er sah zähneknirschend ein, dass dies nicht seine beste Idee war, viel lieber hätte er nochmal mit Mehdi herkommen sollen und einigen alten Kumpels. Seit der Studienzeit hatte sich einiges verändert, denn sie fanden damals schon eine große Faszination, Respekt und auch Ehrfurcht vor dieser Art der Darstellung.

Draußen angekommen holte seine Begleitung erstmal tief Luft und er bemerkte bewusst, wie nachdenklich ruhig sie doch plötzlich wurde.

Meier, ich gebe zu, du hattest schon bessere Ideen. Hättest mal lieber mit ihr ins Kino gehen sollen. Nachdem die Euphorie fürs Popcorn dagewesen wäre, hätte ich mit Sicherheit den Film aussuchen können.

Einmal und NIE NIE NIE wieder!


„Nie wieder.“, keuchte sie und strich sich eine Locke hinter das Ohr. „Na komm…“, nickte er überspielend und ging dabei einige Oktaven runter.

„So schlecht war’s jetzt auch nicht.“ Gretchen brannte noch eine wichtige Frage auf dem Herzen, sodass sie sich Marc mehr oder minder selbstsicher gegenüberstellte, ihn dabei eindringlich ansah. „Sag mal Marc, glaubst du, dass du mich für sowas Abartiges (Kopfschütteln) faszinieren kannst?“

Ihr helles Blau brannte in seinem Blick, fiel ihm doch gerade auf, was er für ein Glück hatte, dass sie bei ihm war. Jetzt und in diesem Moment, der nicht hätte schiefer verlaufen können. Doch seine Augen fixierten sie starr, während Gretchen Fragezeichen ins Gesicht geschrieben standen. Marc empfand allerdings genau diese verwirrte, mädchenhafte Ader an Hasenzahn unglaublich liebenswert. Wahrscheinlich bereitete er sich mit diesen Treffen schrittweise darauf vor, sich ihr einmal hinzugeben. Klar, Marc Meier hatte überdurchschnittliche Sympathien für diese Blondine entwickelt und ganz tief in seinem Herzen hatte er sich längst für sie entschieden. Wäre da nicht das Ego und die dominante Seite, die wiederum auch Gefallen bei Gretchen fanden. Eben nur grob. Deshalb meinte er ernst mit einer riesigen Anziehung in seinem Blick, sodass die 30 jährige keinen Augenaufschlag mehr tätigte.

„Ich weiß wo deine volle Konzentration liegt und für was du dich begeisterst…“

Dabei lächelte er milde und seine Hand rutschte über ihren Oberarm sanft in ihre Halsbeuge und fand schließlich die Mündung zwischen Ohr und Wange. Vollkommen von der Rolle formte Gretchen stumme Worte die Marc genau zu unterbinden wusste. Ein letztes Mal sah er auf ihre Lippen, fand den Weg abermals in ihre kristallklaren Augen und verengte sie schließlich. Als seine warmen „Zeichen“ auf ihre Sinnlichkeit trafen, drehte sich ein Rad, das die Verwirrung nicht besser hätte darstellen können. Zögerlich erwiderte die junge Ärztin mit Herz seine gefühlvolle Geste und legte ihre Hand auf seine Hüfte, die sich ein klein wenig näher zu ihr gesellte. Ineinander verschlungen bat Marc mit seiner Zunge um Einlass und massierte sachte ihren Wangenknochen mit seinem markanten Daumen.

Gretchen war so unsagbar willenlos, dass ihr Kiefer von allein nach unten klappte und sie im nächsten Moment nicht hätte mehr Feuerwerk bei Silvester sehen können. In ihr knallte, brannte und splitterte alles, was nur annähernd ging. Als sie sich wieder voneinander lösten, sahen Marc und Gretchen einander fest in die Augen. Und wie auf Stichwort lächelte sie ihn zärtlich an, was bei Marc ein ebenso glücklich erfülltes Gefühl freisetzte, dass es ihn kurz im Herzen kribbelte. Sie gingen nebeneinander zum Auto, als sie danach beschlossen etwas Leichtes zu Essen, was Marc als Schokolade assoziierte, zumindest bei Hasenzahn. Die Spannung schien eindeutig überwunden, nun würde sich zeigen, was der Abend noch mit sich brachte…

Elli Offline

stellv. Admine


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19.07.2015 13:43
#71 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Hallo Leute,

das Wetter ist zumindest bei mir wieder mäßig schön, da dachte ich mir, dass eine Portion Marc und Gretchen sicher allen zu Gute kommt. Vielen lieben Dank für die Kommentare, die jedes Mal zeigen, wie sehr ihr noch dabei seid und mitfiebert.

Ich hoffe ihr habt einen tollen Sommer?
LG
Eure Elli



Die Träume unserer Kindheit, oftmals verfallen sie zu Staub. Sie werden fiktiv erhofft, gelebt und geübt, jedoch demontiert die Realität die schwallhafte Umsetzung der Dinge, die wir uns scheinbar ewig wünschen. Vielleicht ist es ein Trick, vielleicht Zufall, dass an bestimmten Tagen, in bestimmten Momenten mit dem bestimmten Menschen unsere tiefsten Wünsche an Erfüllung erlangen, obwohl sie nicht gänzlich real eintreten. So sollten wir uns gründlich darüber im Klaren sein, ob es unserem Willen entspricht diese eine besondere Person trotz miserabler Vorgeschichten, aus unserem Alltag zu verbannen. Effektiv zählt doch die Zeit, welche uns gemeinsam bleibt. Und wenn wir einen weisen Moment haben, glauben wir diesem Abstrus einen klitzekleinen Schritt näher zu kommen…

Heute dachten sowohl Marc als auch Gretchen effektiv! Im Vapiano, einem der für Marcs Geschmack ansehnlichsten Restaurants in Berlin, endete ihre recht kommunikationsreiche Autofahrt durch die Hauptstadt und sie fanden sich in einer kleinen Sitznische mit Blick auf die anliegenden Gebäude wieder. Gretchen tauchte zaghaft im Schein des leicht gedämpften Lichtes ein, was dem Oberarzt eine Attraktivität entlockte, für die er selbst keine Erklärung fand. Ihr dunkles Kleid stach ihm bereits am Anfang ihres interessanten Ausflugs ins Auge, verfing er sich doch erst jetzt richtig in dem verführerischen Schwarz. Da konnte selbst ein wunderlicher Blick von Hasenzahn keine Abneigung in ihm aufkommen lassen. Dass es ihr unter Umständen peinlich war, merkte der 32 jährige letztendlich an ihren purpurroten Wangen, die trotz der Weichzeichnung grell in Marcs Augenlicht blitzten. Gretchen schlürfte einmal kräftig an ihrem mit Zitrone und Grapefruit getränkten Wasser und fing sich von Marc ein schelmisches Grinsen ein, das ihr direkt sagte, wie typisch die Situation für sie war.

Bevor er allerdings noch zu weit ging, schenkte er seine Aufmerksamkeit nur zu gern seinem Fleischgericht mit den dekadent drapierten Spaghetti. Laut Gretchens anfänglich skeptischem Blick auf die Gerichte, wahrscheinlich über die beschauliche Menge, trat sich für den Chirurgen sofort die Vermutung auf, dass Hasenzahn nicht oft bis gar nicht hier war. Umso überraschender sah und sprach er sie an, als sie sich mit einem mageren Salat mit Schokosauce- wie sollte es anders sein, zufrieden gab. Mit der Dressing Auswahl schrieb er sich insgeheim einen Bonuspunkt zu, zog er doch anzüglich die Augenbraue gen Stirn, als er Gretchen dieses Angebot, wenn schon ein Salat, unterbreitete.

„Sag mal Hasenzahn, haste deinen Frontallappen verschluckt oder warum bist du plötzlich so prüde. Du quatscht doch sonst immer jeden unter den Tisch.“

Skeptisch prüfend sah er auf ihre Gesichtspartie und formte fraglich die Augen rund. Etwas Schokolade verirrte sich durch ein sattes Salatblatt an ihren Mundwinkel und Marc Meier schmunzelte kurz in seine Brust mit herabgelegtem Kopf, ehe sie sein Gesicht aufs Neue gen sich gerichtete spürte.

„Mh…“, kaute sie munter drauf los. „Ich bin nur in Gedanken!“, winkte die Assistenzärztin summend ab, warf ein unsagbar friedvolles Lächeln gepaart mit einem Augenkniff zu Marc.

„Wie oft machst du das am Tag, mh?“

Die Frage trieb Gretchen sichtbar in einen Kokon und sie tat wie immer, wenn die Fantasie fehlte, stotternd hervor. „Ni-ni-ni… nicht so oft jetzt…“ Wenig überzeugt nickte ihr der Oberarzt entgegen, erkannte sie die Belustigung unumgänglich durch seine prägnanten Grübchen. „Keine Angst Hasenzahn, der Doktor Meier verschont dich ausnahmsweise von der Buße für deine Kleinmädchenlügen.“

Zu Marcs Verwunderung quasselte die Nervensäge, die ihm unter normalen Umständen den letzten Funken Hoffnung auf einen guten Tag raubte, heute minimal. Ja, fast kam es ihm vor, als müsste er den Alleinunterhalter spielen und dazu besaß er definitiv das falsche Talent. Ihm war nach der missglückten Nacht etwas klar geworden. Zwar dementierte er das ständige aufeinander Hocken, allerdings stahl sich das erste Mal die Wahrheit in seinen Kopf.

Die besagte nämlich und leuchtete neon-rot, dass er Gretchen nicht aus seinem Leben streichen konnte und wollte. Dazu verband sie trotz der unpässlichen Vorgeschichte ein riesiges Konstrukt aus Erinnerungen und schönen Momenten, die selbst einem harten Kern, wie Marc Meier ein tiefes Schlucken breiteten. Ein Räuspern riss beide aus den leicht nervösen Gedanken und dieses Mal nutzte Gretchen Haase den Moment, sprach ihn mit einem Schwall von Unruhe an.

„Schön hier. Bist du oft hier?“

„Geht. Hab mal was mit der Chefin gehabt, nachher bin ich lieber nicht hierher gekommen. Ansonsten hat mich meine Mutter immer zu ihren Lesungen mitgeschleppt und wir sind vorher noch was Trinken gegangen.“

„Du warst mit deiner Mutter hier?“, fragte Gretchen mit leuchtenden Augen und unauffällig hob sie die Hände Richtung Herz.

„Naja, anders hält man das Gelaber nicht aus. Da braucht es schon einen guten Roten, Hasenzahn.“ Marcs Augen zeichneten leicht quälende Züge und die Blondine erinnerte sich nur zu gut daran, wie er sich dadurch bereits zu Schulzeiten versuchte aus unangenehmen Situationen zu winden. Wahnsinn, es kam ihr vor wie Gestern. Sie kannten sich fast durchgängig 16 Jahre lang, wussten gleichzeitig so wenig voneinander.

Was war Marcs Lieblingsfarbe? Besaß er überhaupt eine? Gut, ihre konnte er sich wohl eindeutig denken, doch was aß er gern? So einen spannenden Film mit Alexandra Neldel würde er sicherlich, nein hundertprozentig NICHT schauen!

Diese unzähligen Konstruktionen verschlungen die junge Ärztin abermals in eine reine Gedankenwelt und so bekam sie nicht einmal nebenbei mit, wie der Oberarzt seine Hand hob und ihr mit dem nötigen Druck die Schokolade aus dem Mundwinkel wischte. Erst als seine Finger ihren Wangenknochen nicht verließen, schreckte sie aus der Fiktion auf und suchte seine grünen, leuchtenden Augen mit der magischen Anziehungskraft. Sanft schloss sie die Augen und spitzte die satten Lippen, dass es einem Traum ähnelte und Marc ihre Geste interessiert wahrnahm.

„Wollen wir gehen?“, sprach er sie direkt mit Nachdruck in der Stimme an und zwinkerte mit festem Blick.

Gretchen kollabierte innerlich bereits und wäre sie Schokolade, hätte sie jetzt die Schmelze erreicht. Butterweich war ihr Kern, noch etwas fester die Hülle. Zu einer Antwort wollte sie gerade ansetzen, als sie ein ihr bekanntes „Mausi“ hörte und fragend den Kopf durch die Gäste schweifen ließ. Von Marc nahm sie nur ein tiefes Stöhnen und ein grummelndes „Och nee…“ wahr, als sie ihm einen kurzen Seitenblick schenkte.

Locker fiel er in den Ledersessel zurück und legte den Kopf auf die Lehne, während vor dem Tisch zwei ihrer Freunde standen.

Mehdi mit Gigi im Schlepptau. „Was macht ihr denn hier?“, fragte Gretchen überschwänglich, dass Marc kurz den Kopf hob, weil er glaubte sich mit dermaßen viel Euphorie verhört zu haben. Schräg zog sich seine Lippe an, die Augenbraue tat es ihm gleich und er murmelte undefinierbare Worte in seinen Drei- Tage- Bart. „Meine Mutter hat kurzfristig einen Abend mit ihrer Enkelin geplant und da wollten wir nicht für uns allein kochen.“ Mehdi nickte freundlich zu Marc. „Marc hat mal beiläufig erwähnt, dass er hier… nun ja ein paar Bekannte hat und das ESSEN…“, zwinkerte Mehdi humorvoll, während Gigi sich ein Grinsen nur schwer verkniff. „sehr gut schmeckt.“ Ungläubig warf der Oberarzt seinem langjährigen Kumpel einen kopfschüttelnden Ausdruck entgegen und zog zeitgleich sein Handy aus der Hosentasche, um sich wichtigeren Dingen hinzugeben. Gina setzte sich ungefragt zu Gretchen und wollte interessiert wissen, was die beiden denn so getrieben haben. Marc schaute sie kurz angewidert an bei der Wortwahl und dachte unwillkürlich an ihre beinahe Schäferstündchen im See zurück.

Widerlich...

Schüttelte es ihn und nahm einen tiefen Schluck aus dem Glas. „Wir waren bei…“ Kurz stutzte sie und legte unterstreichend einen Finger unter ihr Kinn, als Marc ihr klar und deutlich, fast barsch ins Wort fiel und ergänzte. „Körperwelten, Hasenzahn. Körperwelten.“ Die gewünschte Reaktion von Gretchens bester Freundin zeigte sich, als diese angeekelt das Gesicht verzog. Marc ergänzte mit der gewissen Manier.

„Ja, so hab ich auch geguckt, als ich dich halbnackt gesehen hab.“

„Marc, keine Beleidigungen an diesem Abend!“

Irritiert wandte er sich Mehdi zu und dachte ernsthaft über eine schnelle, galante Flucht über das Fenster auf dem Männerklo nach. „Wieso dieser Abend?“

Stolz verkündete Mehdi und griff parallel nach Ginas heller Hand, was Marc kritisch beäugte. „Gigi und ich sind heute 5 Monate ein Paar!“ Ein Quieken ertönte und Marc Meier hielt sich gereizt das Ohr.

Ich hab nen Tinnitus…

Gretchen klatschte freudig und mit ein paar Tränchen in den Augen in ihre Hände und fiel ihrer besten Freundin gratulierend um den Hals. „Herzlichen Glückwunsch, Gigi. Davon hast du mir gar nicht viel erzählt…“ Ehe diese Einwände bringen konnte, stand sie schon neben Mehdi und umarmte ihn ebenfalls innig. Marc lachte trocken auf.

„Mein Beileid. 5 Monate schon? Ich bin echt klasse im verdrängen.“

Gretchen konnte sich den Umschwung von Marcs Laune nicht argumentativ erklären, weswegen sie stutze. „Marc!“ Da kam er, der tadelnde Spruch, für den der Angesprochene wie ein kleiner bockiger Junge nur ein schnalzendes „Boa“ übrig hatte.

„Gönn‘ den beiden doch ihr Glück und freu dich lieber mit! Ich jedenfalls finde das ganz, ganz toll! Es schafft schließlich nicht jeder so lange zusammen zu sein…“

Ruckartig schaute der Oberarzt auf und verfolgte ihren träumerischen Blick kritisch prüfend.

Sollte das eine Anspielung auf ihre von Kürze haltende Beziehung sein? Das war dann ebenfalls schon knappe 5 Monate her und versetzte den Oberarzt in einen Gemütszustand, der jegliche Laune an den wohltuenden Abend verblasste. Auch Doktor Amsel und ihr Göttergatte warfen sich einen skeptischen Blick zu, der in einem undefinierbaren Rundgang zu Marc wie auch Gretchen mündete. Schnell nickte Gina Mehdi drängend zu, dass er endlich das Thema wechselte. Freudig klopfte er auf seine Oberschenkel.

„Los! Lasst uns was zu Trinken holen! Marc, kommst du mit?“

„Mh…“, maulte er wenig begeistert, war er doch erleichtert, der kniffligen Situation zu entkommen. Ganz anders Gretchen, die atmete tief aus und lächelte Gigi herzlich an. „Mausi, geht’s dir gut?“

„Ja, sicher!“

„Na wenn du meinst… (skeptisch) Jedenfalls wie war’s bis jetzt zwischen euch? Hat er was angesprochen? Also… du weißt schon…“ Neugierig hastete die Chirurgin, schob sich interessiert die Brille zurecht und wartete nicht minder gespannt auf eine Antwort, die Gretchen mit einem kurzen Sprudeln begann und überlegte. „Ja, schon… (nickend) Gigi, ich sag dir, die Ausstellung war gruselig. (kurzes Schütteln) Da will ich nie wieder rein.“

„Und hat er jetzt… also?“

Gretchen lachte kurz über die Nervosität ihrer Besten und wollte sie nicht länger auf die Folter spannen.
„Naja nicht wirklich über das, was da zwischen uns ist oder seine Gefühle. Aber geredet hat er… also ein eher umschweifender Vorgang… sozusagen…“ Gigi lächelte und nickte nicht sonderlich begeistert und ergriff erneut das Wort, um ihrer langjährigen Freundin einen Vorschlag zu unterbreiten. „Wenn er sich weiter so anstellt, dann sag mir Bescheid und ich trete ihm in den Allerwertesten!“

Eigentlich keine so schlechte Idee. Mh, sollte ich mir merken!

Gretchens anfänglich erschrockene Miene wich einem herzhaften Gelächter, in das beide verfielen und so schnell nicht wieder herauskamen.

4 Stunden später im Restaurant

„Noch eine Runde!“ Lallten mittlerweile Mehdi und Marc, die mit der Zeit zutraulicher wurden.

Marcs Arm hing bereits locker über Hasenzahns Stuhl, während seine andere Hand immer mal wieder den Weg zu ihrem Oberschenkel fand. Tendenziell rotierte sie nach innen, doch Gretchen störte das durch den angestiegenen Alkoholpegel wenig. Nichts desto trotz befanden sie sich in einem hochklassigen Restaurant, deshalb wischte sie die Hand mit einem festen Druck weg.

„Nee nee, wir müssen doch noch… na heimfahren. Das wird sonst nichts mehr…“, lachte die Brillenträgerin ebenfalls nuschelnd und die einzelnen Wörter verschluckend, dass die anderen allein über ihre Formulierung erneut in Gelächter ausbrachen.

Einer der Mitarbeiter kam zu ihnen und meinte abgeneigt ernst. „Entschuldigen Sie die Störung, aber wäre es möglich, dass sie ihre Lautstärke etwas minimieren könnten? Wir haben noch andere Gäste, die sich durchaus belästigt fühlen.“

„Dann schmeißen Sie sie halt raus. Wo is’n das Problem?“, zuckte Marc gelassen mit den Schultern und stieß mit Mehdi erneut an.

Räuspernd verteidigte sich der Mitarbeiter und wurde drängender. Gretchen und Gigi schauten sich abwechselnd mit großen runden Augen an und mussten sich zügeln nicht wieder lautstark loszulachen.

„Das geht so nicht, meine Herrschaften! Ich muss Sie bitte das Vapiano umgehend zu verlassen.“ Anschließend zeigte er Richtung Tür und nickte unterstreichend, sodass Mehdi und Marc nur Zischen konnten, Gretchen und Gigi dahingegen wenig Sinnvolles verstanden.

„Spießer“, fluchte Mehdi trocken, während Marc Gretchen am Handgelenk nach draußen zog, nicht ohne dem Trottel einen finsteren Blick zuzuwerfen und soviel damit zu meinen, wie ich komme garantiert nicht mehr in so einen Saftladen.

„Was machen wir jetzt?“, fragte Gigi desorientiert und tapste neben Mehdi unbeholfen entlang.

„Zum Auto, Vogelscheuche…“, hob Marc den Finger und grinste sie an. „Haha du du du… du Oberarsch…“

„Der war schlecht, Gigi!“, kicherte Gretchen und erntete ein schiefes Lächeln von Marc.

„Wir fahren zu mir!“, beschloss der Oberarzt in vollem Rausch.

Wie das Auto heil dorthin kommen sollte, blieb ein Rätsel. Allerdings hatten sie unsagbar viel Spaß in den vergangenen Stunden gehabt, die ihnen wie 5 Minuten vorkamen. Wieso also vorzeitig den Spaß beenden? Hasenzahn war noch behindert und die zwei Liebesengel hatten sicher morgen frei. Marc ja Gott sei Dank auch.

Man hielt es kaum für möglich, doch da die Männer deutlich tiefer ins Glas geschaut hatten als die Frauen, stand fest, dass sie auf keinen Fall nach Hause fahren konnten. Gut, Mehdi musste im Endeffekt, doch Gretchen konnte Marcs Wagen schlecht lenken, wo sie ein Handycape aufwies. Daher musste die altbekannte… naja eigentlich neu-gehasste Vogelscheuche ran. Marc quartierten die beiden Frauen bei Mehdi ein, so waren sie sicher, dass sie es zusammen schaffen würden und sie selbst fuhren in dem weißen Volvo davon. Bei Marc in der geräumigen Altbauwohnung mit hohen Decken toppten sie ihre bislang erhaschten Getränke um ein Vielfaches. Die Spirituosen wurden härter, das Gelächter lauter und auch die ein oder andere Sache schien sich anzubahnen…

Wie war die Quintessenz des ganzen Abends? Unsere Träume sollten gelebt werden? Nun ja, manchmal stellt sich jedoch die Frage, ob wir diesen Wunsch auch ohne den Rausch von Alkohol haben. Denn spätestens am nächsten Morgen denken, nein hoffen wir inständig, dass alles nur Fiktion war, die sich wie eine Luftblase auflöst. Leider können spezielle Sachen nicht rückgängig gemacht werden. Die Frage ist nur: Was war passiert?

Elli Offline

stellv. Admine


Beiträge: 2.105

25.07.2015 18:46
#72 RE: 1.Story von Elli Zitat · antworten

Halli Hallo meine Lieben,

tja was soll ich sagen- das Wetter mal wieder gewöhnungsbedürftig, der Samstag ist auch nicht mehr der jüngste und es gibt ein neues Kapitel. Danke für das Feedback, auch wenn ich mir wünschen würde, dass es wieder mehr wird. Wenn Änderungen oder auch Kritiken zu äußern habt, immer her damit- ich beiße nicht und bin froh darüber.

Ich mache mir jetzt noch einen gemütlichen Abend und freu mich schnell von euch zu lesen!
GLG
Eure Elli




Eine lange Nacht, die einen strapazierbaren, aber tiefen Schlaf mit sich brachte, legte sich mit der aufblitzenden Sonne langsam hinter die Ärzte in Marc Meiers Wohnung. Decken. Kissen. Arme. Beine. Haare. Luft. Wärme. Kleidungsstücke. Laken. Zwei Köpfe ruhten mit leicht verzerrtem Mund und leicht verzogenen Lippen an der Halsbeuge einer hellen, sanften Haut. Der kratzige Drei- Tage- Bart kitzelte prickelnd und bekannt auf der warmen Knochendecke und die Lippen rutschten desorientiert von hier nach da. Margarete Haase blinzelte drei Mal ehe die grellen Sonnenstrahlen durch das Glasfenster auf ihre Pupillen trafen. Verwirrt mit dem Gedanken darüber, wo sie sich befand, versuchte die junge Ärztin ihre rechte Hand zu heben, die offensichtlich zwischen irgendetwas klemmte. Vergebens spannte sie den Arm ab und runzelte schmerzlich die Stirn, denn ein dumpfes Klopfen pochte in Form von kleinen Eichelhähern an ihre Schläfen.

Oh Gott, nie wieder Alkohol!

Eine frische Luftbrise zog durch den großräumigen Schlafbereich und ließ Gretchen kurz zittern.

Wo ist denn bitteschön eine Decke?

Da! An ihren Füßen konnte sie deutliche Anzeichen an etwas Deckenartiges spüren, ebenfalls zog sich ein dünner Stoff fester um ihren rechten Oberschenkel. Das war dann auch alles der Kunst, so versuchte Gretchen ihren schweren Lockenkopf anzuheben, was sie gleich wieder bereute.

Und wo bin ich eigentlich?

Die obligatorische Frage klärte sich schnell auf, als sie ein leichtes Schnarchen auf der linken Seite vernahm und ihren Kopf um ein Müh drehte, sodass ihr Blick auf Marcs verzerrte Seitenansicht fiel.

Hach mein Marc… Mo-mo-mo-moment mal, bitte was???

Ihre Augen zuckten und kniffen einander krampfhaft zusammen, allerdings verschwand das Bild nicht, im Gegenteil es wurde schärfer, sodass der beste Illusionist keine Arbeit gefunden hätte. Ihr Körper fühlte sich steif an und gegen diesen Impuls drehte sie sich leicht, kam nicht weit, denn die scheinbar unzähligen Griffe festigen sich und nun bemerkte Gretchen Haase eindeutig, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugehen konnte. Ein kritisch- misstrauisches Anheben ihres blonden Kopfes verriet ihr, dass eindeutig zu viele Arme in dem Bett waren. Sie war in Mathematik nie die Klassenbeste gewesen, wusste jedoch ziemlich sicher, was zwei plus zwei war. Vier! Vier Arme, die definitiv nicht zu einem menschlichen Individuum gehören konnten. Nie und nimmer!

Soviel Arzt bin ich dann doch schon… Wobei Ärztin trifft es eher!

Vollkommen durcheinander zuckten ihre Schultern um ein Erhebliches in ihren Nacken und Gretchen schaute ängstlich- überrascht nach rechts.

Oh Gott! Nein!

„Mist. Mist. Mist. Gretchen Haase, was machst du denn ständig für dummes Zeug?“, nuschelte sie glucksend vor sich selbst hin und bemerkte nicht im Geringsten, dass ihre Antipathie für elastischen und effektiven Sport dazu führten, dass Marc Meier sowie Mehdi Kann langsam zu dämmern schienen.

Dröhnend packte sich der Halbperser an den Kopf, erkannte er bis jetzt noch kein klar deutendes Bild vor seinen Augen, so entzog er sich dem Widerstand leicht und legte die Stirn fragend in Falten. Als seine bernsteinfarbenen Augen weiter nach oben flogen, vernahm er ihm bekannte Gesichtszüge, die nicht auf seine letztere Freundin zutrafen. „Mehdi“, formte Gretchen die Luft tief durch die Nase ausatmend und es klang als ob sie sich selbst nicht glauben geschweige denn vertrauen würde. Dem Bild, welches sich in diesem Moment bot ebenso wenig. Auch Marc drehte kurz den Kopf und blinzelte schwerfällig.

Boa, mein Schädel ey! Wieso ist das denn so hell?! Bin ich im Himmel, oder was?

Unkontrolliert paschte seine Hand über seine Augenpartie und dunkelte somit die grelle Lichtquelle minimal ab. Als er nun aber durch zwei Finger schielte und die Silhouette eines Hasenzahns entdeckte, stockte er nicht minder irritiert und gab dies mit einer erhobenen Augenbraue und einem emotionslosen allerdings fragenden Ausdruck preis. „Hasenzahn?“, kam es trocken aus dem Mund des 32 jährigen und Gretchen war sich sicher, dass Marc genauso ahnungslos wirkte, wie sie.

Umso schlimmer, wenn es nicht mal einen gibt, der diesen abscheulichen Abend mitgeschnitten hat. Mh… Gedanke an Investition in eine Kamera wäre eine Überlegung wert!

Haben wir miteinander gefickt oder warum sieht das hier so au-?

„Mehdi?“

Eine Spur erschrockener hob der Oberarzt den Kopf ein Stück weiter an und warf seinem Kumpel einen undefinierbar ungläubigen Gesichtsausdruck entgegen. Der Angesprochene hatte nicht sonderlich viel, als ein breitgezogenes, gekünsteltes Lächeln für ihn übrig und Marc ließ sich tief einatmend und mit streichender Hand über seine wohlwissend nackte Brust in die Kissen fallen. „Was machen wir hier?“, quiekte Gretchen und setzte sich ruckartig senkrecht auf das gemütliche Bett, auf dem sie einige Abenteuer erlebt hatte. Allerdings war Mehdi noch nie vorgekommen.

Naja, so viele Geschichten gibt’s da auch wieder nicht. Leider!

Von dem schrillen Ton kam ein nörgelnder, fast flehender Ton von den beiden wenig bekleideten Männern, worauf Gretchen apathisch von rechts nach links über ihre Schulter schielte. Sie selbst trug nur einen BH. Marc genoss trotz des klingelnden Clowns in seinem Quadratschädel die ungenierte Rückenansicht seiner… Gretchens. Mehdi räusperte sich schwer, kratzte sein Hals enorm. „Ich kann mich nicht erinnern. Aber es scheint so… also unter Umständen, dass die Tatsachen stimmen würden, haben wir-“

Stöhnend fiel ihm Marc ins Wort und sprach ebenso belanglos, wie er sich die Nase rieb. „Gebumst.“

Gretchens Blick hätte er sich zu gern eingerahmt, allerdings glaubte er ihre momentanen Depressionen nicht zu überstrapazieren, denn dann quakte sie ihn gelegentlich immer auf das Dilemma an.

„Bitte was haben wir?“

„Ge-“

Mit erhobener Hand stoppte sie den gleichzeitigen Einsatz der Ärzte. „Ich hab euch schon verstanden… aber wie? Also ich meine…“ Räuspernd hielt sie sich die Hand vor den Mund, die andere auf ihren Brustkorb. „Das geht doch gar nicht.“ Marc fragte sich ernsthaft, was sie jetzt für Hirngespinste verfolgte, hakte deshalb irritierter denn je nach. „Äh und warum bitte nicht?“

Von Gretchens plötzlichem Umschwung zuckten seine Augen zusammen, ehe er sie aus schmalen Schlitzen prüfend musterte.

Meine Fresse hat die einen Busen! Meier, du hast dir die falschen Schwestern geangelt…

„Weil wir noch Unterwäsche tragen und da ist das-“ Marc unterbrach ihre kopfschüttelnde Laudatio. „Genauso möglich. Schon mal was vom Zielen oder Befleckung gehört?“ Gretchens Stirn legte sich wage in Falten und keine zwei Sekunden später fand ihre Faust einen Abdruck auf Marcs Arm. Seine Augen funkelten sie rebellierend an, worauf sich ihre einließen. „Naja vielleicht war es nur einmalig.“

„Was willst du denn bitteschön damit sagen?“, hakte Gretchen gereizt nach und warf ihre Locken über die Schultern, sodass Marc bedauernd feststellte, dass er ihren Brustansatz so seitlich nicht sehen konnte.

„Vielleicht habt ihr auch und ich hab… (überlegend) zugesehen?!“

Gretchen und Marc hoben blitzschnell ihre Köpfe und stießen prompt aneinander, als sie laut fluchten und jaulten und Mehdi schließlich abschätzig ansahen.

„Du bist echt krank, Kaan! Und jetzt sieh zu, dass du Land gewinnst und zu deiner Vogelscheuche kommst!“

Marc zuckte in Richtung Tür und grinste schlussendlich schadenfroh. Währenddessen tadelte Gretchen verzweifelt mit greller Stimme. „Das ist nicht witzig Marc!“

„Oh doch!“, lachte dieser, fasste sich dabei kontinuierlich an den Kopf. Wie konnte dieser Kerl nur so unsensibel und oberflächlich sein, dass es ihn nicht im Geringsten interessierte, dass ihr die Situation peinlich war. Männer mögen vielleicht einen beschränkten Horizont haben, aber noch lange nicht so eine ausgeprägte Sehschwäche, dass man die Farbe Rot nicht mehr erkennen konnte. Unfassbar.

Und mit eben dieser Fassungslosigkeit stampfte Gretchen Haase ins anliegende Badezimmer, um sich mit dem aufgegriffenen T-Shirt vom Boden bekleiden zu können. Mehr fand sie auf die Schnelle nicht, wollte Gretchen nicht ungeniert vor den Beiden in Unterwäsche herumstolzieren. Ihr Herz pochte bis zum Hals, als sie der Gedanke beschlich, wie wenig Marc auf ihre Gefühle gab. Dass er nicht gerade auf Knien hinterher gekrochen kommen würde, wusste sie, aber langsam spitzte es sich zu und Gretchen hatte im Augenblick allen Grund sauer zu sein.

Dieses Mal lass ich mich nicht breitklopfen!

Das Letzte, was sie hörte war, wie Marc Mehdi ungehalten zu verstehen gab, dass das immer noch sein Bett sei und er sich schnellstmöglich vom Acker machen sollte. Dann war sie weg und mit ihr die Herzlichkeit im Raum. Der Oberarzt stöhnte gepeinigt auf, raufte sich die Haare und schaute theatralisch mit verdrehenden Augen gen Decke.

Womit hab ich das bloß verdient?

Gähnend trabte er ins Badezimmer und musste ernüchternd feststellen, dass die Tür verschlossen war.

Na klasse…

„Hasenzahn?“

Lässig stellte er sich an die Wand, überschlug die nackten Beine und streckte ausgiebig seine Arme. Wie vermutet kam keine Reaktion. Das ahnte Marc allerdings schon, als er vergebens klopfte und sie keinerlei Anstalten machte, ihm zu antworten geschweige denn zu öffnen.

Wäre doch total heiß, wenn sie nur knapp bekleidet in meinem Bad steht und ich sie unter der Dusche so richtig schön flachlegen- gut hochnehmen könnte.

Bei dem Gedanken streiften Marcs Augen bei einem galanten Blick über die Schulter seine Rückenpartie, die dabei sicherlich geschädigt werden würde. Eine tiefe Falte legte sich über seine Stirn während der Oberarzt desinteressiert über seine Schulter strich und abermals gen Badezimmertür schaute.

„Ich muss pissen, also mach jetzt hier kein Drama draus.“
Überraschend flog scheinbar eine Shampoo Flasche an die Tür, sodass Marcs Kopf unwillkürlich zuckte.

Jetzt demoliert die auch noch mein Bad oder was? Was hast du dir hier nur eingefangen, Meier…

Gretchen stand unterdessen mit kritisch beäugtem Blick vor dem Waschbecken, stützte sich an dessen Rand des fein poliertem Porzellans ab und zog die Unterlippe schräg nach rechts um die Zähne darauf abzustützen. Die Tatsache, dass Marc Meier vor seiner Tür stand, trieb der Assistenz die direkte Röte ins Gesicht, sodass sie Cindy Lauper unkompliziert Konkurrenz machen konnte. Allerdings überschüttete die Unterhaltung von eben diese handfeste These und Marc trat unwillkürlich in ihren Kopf. Gut- weg war er nie, dafür lag in Gretchens Hirn tief versteckt eine Dauerschleife, von der die junge Ärztin keine Fernbedienung zum pausieren oder gar ausschalten hatte. Sie merkte sofort, dass Marc energischer bzw. unausgeglichener wurde, Geduld war schließlich noch nie seine Stärke, das kannte sie bereits aus dem Kunstunterricht in der Schule. Da hatte er ihr den Ton einmal voller Wucht in die Haare geklatscht. „Gretchen, hab einmal deine Komplexe im Griff und schwing deinen Arsch vor die Tür.“ Fassungslosigkeit lag auf ihrem Gesicht, dass vor einigen Minuten noch friedlich zwischen zwei Männern geschlafen hatte- wohlbemerkt sehr gut.

Kannst du nicht einmal wenigstens so tun, als ob ich dir nicht vollends am…(räuspernd) Po vorbei gehe?

Es juckte ihr in den Fingern, dass sie ihm eine saftige Ohrfeige für die zahlreichen Unverschämtheiten gab, die er in den wenigen Augenblicke bereits von sich gegeben hatte. Deshalb unterbrach sie ihren Ignoranz-Vorsatz und öffnete ziemlich langwierig die Tür, um Marc beleidigt, allerdings mit einem Schwall Scharm und Traurigkeit in den Augen anzufunkeln. Dieser stieß sich leicht von der Wand und trat mit gestützten Armen auf den Hüften vor sie, während er noch einmal sein Becken anzog.

„Was?“, fragte sie rhetorischer denn je und Marc hob dementsprechend ungläubig über dieses Wort seine rechte Augenbraue und sah sie überlegen an.

Diese Augen trieben Gretchen ungewollt in einen Verfall von Erinnerungen und dem puren Suchtgefühl. Ohne einen weiteren Ausdruck schob sich Marc an ihr vorbei, stöhnte ein letztes Mal genervt und warf ihr denselben Blick auf die Rückenansicht, ehe er die Tür schwer ins Schloss fallen ließ und Gretchen ruckartig die Schultern hob.

Echt ohne Worte dieser Mann tzzz…

In der Hoffnung, dass Mehdi schon weg war, schritt die Blondine mit einem gespannten Gedankennetz im Kopf in die anliegende Küche, wo sie einen prima Ausblick auf das stilvolle Wohnzimmer hatte. Als sie den ersten blauen Augenaufschlag dahin warf, wurden diese rund wie ein Wagenrad.

Oh nein, Gigi! Habe berechtigte Zweifel, dass mein Leben vollkommen aus den Fugen läuft.

Hinzu kam ihr Fuß, der immer noch sediert war. Ihre beste Freundin wedelte bereits wirr in der Gegend herum, hätte Gretchen dies unter normalen Umständen zum Lachen gebracht, so schluckte sie heftig als die ebenso blonde Ärztin sie entdeckte und sofort finster ansah.

„Ach, da kommt ja meine beste Freundin.“, rief sie sarkastisch, dass es Gretchen Haase die Sprache verschlug und sie Gina nur noch wie ein kleines Schulmädchen ansehen konnte.

„Was fällt euch eigentlich ein, hm?“

Hatte sich die 30 jährige auf eine längere Rede eingestellt, so sprach Gigi die Kernaussage kurz und knackig aus. Deshalb ruderte Gretchen unwissend mit den Schultern und Armen, als sie vergebens versuchte sich zu erklären. „Gigi, ich weiß nicht mehr als du. Ich meine … ich ich… ich weiß nicht, wie das passiert ist bzw. was überhaupt passiert. Bitte Gigi…“ Sie betätschelte vergebens die Brillenträgerin am Arm, den sie ihr wenig gefühlvoll entzog, viel lieber ihre Brillen richtete und die Nase kraus zog. „… du musst mir glauben, dass das keine Absicht war.“ Abschätzig flogen deren Augen über ihren Körper, stoppten letztendlich auf ihrem Gesicht. „Tz“, zischte sie kühl. „Soweit kommt’s noch. Absicht.“ Dabei hob sie distanziert den Kopf und senkte ihn kurz darauf wieder in die Anfangsposition. Gretchen seufzte tief und warf ihrer Gegenüber einen kapitulierenden, nicht weniger impulsiven Blick zu.

„Gigi Amsel, du kennst mich doch mittlerweile… wie viele Jahre? 20? Dass du wissen müsstest, wie ich zu Ehrlichkeit und Betrug an sich stehe.“

„Na offensichtlich nicht. Gretchen, was denkst du eigentlich, wer du bist? Dass du jeden zu jeder Zeit haben kannst? Wie geschmacklos kann man eigentlich sein? Und dann gleich mit dem Meier und Mehdi? Sag mal, geht’s dir noch gut? Wahrscheinlich lagst du zu lange auf dem Asphalt vor einer Woche. Wenn du da mal keine irreparablen Gehirnschäden bekommen hast, dann bin ich mit meinem medizinischen Fachwissen am Ende.“

Marc schnappte die letzten Worte irritiert auf, trat locker mit neuen Boxershorts und einem feuchten zerzausten Haarschopf in die Küche, blieb dann am Türrahmen des Wohnzimmers interessiert stehen und rieb sich ein letztes Mal die Haare.

„Wer hat medizinische Kompetenz? Du, Brillenschlange?“, hakte er unwissend aufmüpfig nach und streifte kurz Mehdi, der wie angewurzelt vor dem Sofa stand und die Unterhaltung rege verfolgte. Marc erkannte etwas flehendes, unpassendes in seinen Augen, machte sich allerdings nicht wirklich die Mühe darüber nachzudenken, sondern zog nur leicht grinsend die Stirn nach oben und wandte sich den beiden streitenden Damen zu.

„Vögelchen, jetzt ber-“

„Mehdi, halt den Mund.“, stoppte sie mit erhobener Hand und schaute weiterhin provokant gen Gretchen. „Du bist kein Stück besser als dein toller Marc. Erzählst mir Tag ein Tag aus irgendwas von großer Liebe und dass du (zeigt auf Marc)… den da nicht vergessen kannst und machst dich dann hinter meinem Rücken an Mehdi ran. Das ist billig Gretchen, richtig, richtig billig.“

Ein letztes Mal sah sie sie scharf an, ehe sie Mehdi am Kragen hinter sich her zog und die Tür scheppernd ins Schloss fallen ließ. Gretchen starrte mit luftleeren Worten hinter ihrer Freundin und ihrem Kumpel hinterher. Sie wurde in einen eben erlebten Moment zurückversetzt, als Marc mit der ersten Tür geknallt hatte.

Hätte sie gewusst, wie das enden würde, wäre Gretchen heute nicht aufgestanden.

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