Ich habe mich nun dazuentschlossen Mia und Enrique eine seperate Geschichte zu widmen, die ersten sechs Teile entstammen deshalb meiner Anna und Tom FF- Verlust, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit- Der Weg zurück.
Teil 1
Mia war heute schon sehr zeitig in die Firma aufgebrochen, schließlich war in den vergangenen Tagen einiges liegen geblieben und für die tiefgreifende Kreativität ist Enrique wahrlich eine steile Fehlbesetzung. Während ihr Stift nun zielentfremdet über das weiße Papier glitt, als das piepsen ihres Handys kündigte den Eingang einer Sms an.
Du bist die Sonne Du bist die Sterne Du bist der Sinn für den ich lebe, Ich hoffe, dass hast du noch nicht vergessen.
Ein Lächeln schmückte Mias Lippen während ihre Augen über die Zeilen huschten und den Inhalt an ihr Gehirn weiterleiteten und für den Ausstoß einer gesunden Portion Serotonin sorgten. Enrique du bist so lieb zu mir, womit habe ich dich nur verdient. Schon wollte sie mit herzchen verzierten Augen eine liebkosende Antwort formulieren, als ihr Blick über die Ziffern der Telefonnummer glitten. Ihr neigte der Atem zu stocken und ihre Hand klatschte unsanft und platt auf ihren Halsansatz. Die Nummer war dem Herzen fremd, dem Geiste jedoch bestens bekannt.
Teil 2
Mias Hände zitterten, ihr Puls raste.... Was sollte das? Es war doch alles geklärt und außerdem ewig her. Wieso jetzt gerade? Das Rauschen in ihren Ohren erklärte in Windeseile alles um sie herum mit strotzender Überheblichkeit zu einer unbedeutenden Nebensächlichkeit. Der Schock über die Vorboten der kurzbevorstehenden Ohnmacht rissen nun auch ihre restlichen Körperteile zur Anteilnahme an den vorparkinsonischen Schub hin. Unzählige Wortfetzen schossen in schwindelerregender Geschwindigkeit durch ihr Gehirn, jedoch ohne sich zu einem intelligenten Satz zusammenzufügen. Ihr Blick verschwamm, das Rauschen wurde noch lauter und besitzergreifender und ihr Sehfeld wurde mit unförmigen Zick-Zack Linien dekoriert. Halbblind und mit dem Pulsschlag einer Hyperventilierenden fischte sie viel zu schnell atmend nach ihrem Handy, die Luft immer ausblasend wie Zigarettenrauch,die andere Hand mit den Nägeln voran in den Hals gekrallt, wo sie ihren Herzschlag immer lauter werden hörte. Das Handy endlich zwischen den Fingern tippte sie mit letzter Kraft Enriques Nummer, der kalte Schauer lief ihr über den Rücken hinab, der kalte Schweiß sprießte aus ihren Poren als wolle sie ihren emotionalen Zustand mit Nässe auf der Haut zum Ausdruck bringen. Das tuten bis Enrique abhob, wurde mit jedem Mal feiner bis es schließlich ganz verschwand und ein von geschwäzter Vorhang vor ihren Augen herunterlief, was sie mit einem letzten schwachen "Ah" komentierte, ehe ihr Kopf unsanft auf die Tischplatte schlug und sich schließlich der ganze Körper von der Erdanziehung überwältigt auf den Fußboden sacken ließ.
Teil 3
Enrique saß gerade mit Tom in der Ego Bar, denn er erhoffte von ihm einen Rat im Fall Zeiss, es behagte ihm immernoch ungehagen, wenn er daran dachte das er für ihren nächsten Auftrag ihr Partner sein sollte. Doch Tom schien gedanklich in anderen Sphären zu schweben. Erst das Klingeln von Enriques Handy unterbrach dieses Meeting der anderen Art mit einem Mal. "Mia, was gibts?" flötete Enrique fröhlich in den Hörer, doch es antwortete nur das nackte Schweigen. "Ah", kam es plötzlich ehe sich die gespenstische Stille wieder über die Leitung legte. "Mia,Mia, was ist" Enriques Stimme wurde panisch, sein Herzschlag überschlug sich beinahe. "Bitte, bitte Mia, sag doch was" schrie er nun schon mit hörbar planken Nerven in den Hörer. Mit zitternden Händen beendete er das Telefonat und wählte noch einmal neu, doch nichts. "Besetzt...Das gibt es doch nicht...Mia...nein" "Was ist passiert?" ertönte nun die Stimme seines Freundes neben ihm, dessen Sprache anscheinend aus ihrer Gefrierstarre aufgetaut war. "Mia...ich muss zu ihr...irgentwas zugestoßen" mehr brachte Enrique nicht hervor und war schon an der Türe. "Enrique, warte ich komme mit" "Ok,Ich fahre in die Firma und du nach Hause" Enrique sprießte der Schweiß auf der Stirn. Er "raste" mit dem Finger andauernd auf der Hupe durch den Berliner Morgenverkehr. Jedem der ihm zu langsam fuhr, sofern das bei der Dichte überhaupt anders ging, deutete er die Meise....Außer Atem erreichte er die Wohnung, wo er immer 3 Stufen auf einmal nehmend hinaufhechtete. Als er an der Wohnungstür ankam brannten seine Lungenflügel und seine Zunge hatte die eines Hundes nach einem Sprint. Für den Bruchteil einer einzigen winzigen Sekunde stützte er seine Hände auf die Knie, ehe er mit von Aufregung gebeutelten Fingern mühsam seinen Schlüssel aus der Hosentasche fischte und nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen fand sein Bangen endlich Erlösung mit dem vertrauten Geräusch des Aufsperrens. Die Türe driftete unverhofft schnell in den Innenraum und so hatte Enrique seine liebe Mühe das Gleichgewicht zu halten, als er unbeholfen in die Büroräumlichkeiten stolperte und sich in letzter Sekunde vor einem Bauchfleck rettete. "Mia! Mia? Bist du da, Mia?, mit vor Schreck bebender Stimme. Doch die einzige Antwort der er erhielt, war das betretene Schweigen das den Raum erfüllte. Er spürte es, nur ganz latent vorhanden, aber auch da. Etwas lag in der Luft das, das Klima beeinträchtigte. Er riss die Türe zum Kreativraum auf, sein T-Shirt war mittlerweile vom Schweiß durchsetzt, doch es gähnte ihm lediglich Leere entgegen. Enttäuscht ließ er die Türe wieder zu schellen und hastete schließlich auf Mias Büro zu. Enrique riss energisch die Türe auf, doch der Anblick, der sich ihm zu Füßen bot, ließ ihm jede Gesichtsfarbe entweichen. Einen Moment lang stand er da wie ein versteinertes Leintuch auf der Wäscheleine, unfähig auch nur eine Bewegung auszuführen. Seine Beine fielen in ein gespenstisches Zittern, das alsbald seinen ganzen Körper zu schütteln begann, wie der Barmann den Erdbeershake. Mit einem letzen Anflug von Energie kniff Enrique die Augen zusammen, um sie gleich wieder dem Licht entgegenzuspreizen. Das herbeigesehnte trat jedoch nicht ein, Fatamorganas gab es shließlich nur in der Wüste. Seine Augen brannten sich auf die immernoch regungslos am Boden liegende Mia ein, fortwährend handlungsunfähig. Er hatte kein Maß dafür wie lange seine Arbeit als Litfaßsäule andauerte,auf jeden Fall zu lange, es zählte doch schließlich jede Sekunde, denn erst das klingeln seines Handys entriss ihn seiner Trance und er fühlte sich immer noch zu benebelt um auf Mia zuzugehen. Verdammt, was ist...nein.. soetwas darf ich nicht mal denken...nein...es wird alles gut...aber was...nein...hör auf...geh lieber zu ihr hin...komm schon. Schließlich stürzte er doch mit stark fibrierenden Händen auf sein Leben zu und tastete mit seinen Fingern an ihrem Hals nach dem Puls. Er wiederholte diesen Vorgang gute 3-mal, da er immer fürchtete seinen eigenen gespürt zu haben, der ein wenig zu Laut jagte. Gott sei Dank, ein Erleichterungsschrei entwich durch den schmalen Spalt seiner aufeinander gepressten Lippen. Mias Puls war schwach, doch vorhanden.
Tom stieg die Treppen mit einem äußerst mulmigen Schleier der seine Magengegend umhüllte das alte Stiegenhaus hinauf. Die Räume waren hoch und Säulen stützten den Treppenraum ab, was ihn an einen Kaiserspalast erinnerte. Eigentlich sollte er rennen, Enrique hatte es als dringich vernommen, doch aus irgendeinem Grund wollten seine Füße dieser aufforderung keineswegs Folge leisten. Als er nämlich seinem Gehirn den Impuls sandte, vernahm er ein ihm unbekanntes Schweregefühl in seinen Beinen. Schließlich erreichte er aber doch die im 2. Stock befindliche Wohnung seines Freundes. Tom fasste erst in seiner Hosentasche nach dem Schlüssel um gleich darauf mit der flachen Hand an die Stirn. "Verdammt", entfuhr es ihm. Er hatte völlig vergessen Enrique um den Schlüssel zu fragen. Wütend trat Tom mit seinem Schuh gegen die Türe. Prompt hatte er sich die Besorgnis einer Nachbarin eingefangen, die neugierig ihren Kopf durch einen Spalt ihrer Türe durchschob. "Was machen sie denn für einen Lärm, junger Mann?" Das hat mir grad noch gefehlt, nicht das die mich für einen Einbrecher oder sowas hält, aber da kam ihm eine Idee. "Guten Tag, Wissen sie zufällig ob die junge Dame die hier wohnt zu Hause ist?" Dieser Ruth Drexel Verschnitt machte ihm einfach den Eindruck als würde die Neugierde sie zu einer Allwissenden machen. "Ne, weiß ich nicht. Tut mir leid. Ich war heute beim Arzt und bin erst vor einer halben Stunde wiedergekommen" So schnell wie sie aufgetaucht war, war sie nun auch wieder verschwunden. Schöne Hilfe, was mach ich denn jetzt. "Mia, bist du da?", rief er und schlug mit der Fraust gegen die Tür, innig hoffend vor einem erneuten Besuch der alten Dame verschont zu bleiben. Keine Reaktion, nichts. Das Treppenhaus war von einer unglaublichen Stille erfüllt, man hätte glatt eine Nadel fallen gehört. Enrique, ich muss Enrique anrufen. Schnell holte er sein Handy hervor, doch dieser meldete sich nicht. Mist, Mist, verdammter Mist, jagte es ihm durch den Kopf. "Mia, bist du da? MIIIA" brüllte er nun regelrecht, doch wieder rührte sich nichts. Nichts außer der Stille, die unerwartet durch das knacken einer Türe unterbrochen würde. Heiliger Bimbam, nicht schon wieder. "Schreinen sie nicht so, junger Mann, meine Lotti wird sonst taub. Wissen sie sie ist schon so eine alte Dame" Von was zum Kuckuck redet die da? Von ihrem vorletzten Mittagessen? "Tut, mir leid, aber ich also ich müsste dringend wissen ob Frau Maschke zu Hause ist." "Ich kann ihnen nichts dazusagen, wie gesagt" In diesem Moment schlüpfte ein kleiner Dackel zwischen den Beiner der Dame hervor und steurerte auf Tom zu. "Lotti komm, komm Lotti, es gibts Schmatzofack(Essen). komm schön zu Mami, komm" Nach erster Irritation wandte er sich um und trottete zurück in die Wohnung. Mensch, was soll ich jetzt machen. Ich kann doch nicht die Türe eintreten. Vielleicht ist Mia, ja auch gar nicht da oder aber, bei diesem Gedanken setzte Toms Herzschlag für einen Moment aus, was wenn sie bewusstlos ist. Plötzlich schien der eben noch so weite, helle Raum immer enger und dunkler zu werden. Die Säulen scheinen sich auf ihn zuzubewegen. Tom musste schlucken ehe er von aller Kraft verlassen an der Wand hinabrutschte und sich am Boden hockend wiederfand. Nein, tom hör auf. Mia ist sicher nichts passiert. Aber was wenn doch und wieder komme ich zu spät. Neiiiiiiiiiiin, das..ich..bitte nicht, bitte lass nicht zu das ich schon wieder machtlos bin, wenn jemandem etwas zustößt. Der rohe Raum verschwamm vor seinen Augen zu einem See, dessen Nass vom Sturm gepeitscht hohe Wellen schlug. Fannys verzweiflete Schreie brannten sich erneut auf seine geistige Festplatte. Von der Erinnerung und dem beißenden Schmerz übermannt schlug er seine hnde über dem Kopf zusammen und presste sie hart auf seine Ohren, eine kosmetische aber wirkungslose Handlung eines im Meer der unbewältigeten Vergangenheit Ertrinkenden. Nun ernannten auch noch die ihn überkommenden Tränen, seine Augen zu dem Spiegeln des Grauens. Die Häufigkeit seines Herzschlages verdreifachte sich, Gänsehaut ließ all seine am Körper befindlichen Häärchen zu Berge stehen. Die Aussichtslosigkeit schickte ihm zusätzlich noch einen kalten Schauer der sich in einer unpassenden Symbiose mit seiner glühenden Gesichtshaut verfing. Sein Magen schickte ihm ein Gefühl der übermäßigen Überfüllung und das obwohl er heute noch nichts zu sich genommen hatte, schon verspührte er auch schon die unangenehmen Vorboten eines Brechreizes in seinem Rachen. Der kalte Schweiß trat ihm auf seine heiße Stirn und schon spürte er eine breiartige Masse auf seinem Gaumen, deren ätzende Säure seine Mundhöhle zu einem Brandherd werden ließ. Ein erneuter Würgekrampf bahnte sich seinen Weg nach oben und Tom hatte übedimensionale Mühe die schmerzende
Enrique hatte den Notruf verständigt und wartete nun die längsten Minuten seines Lebens auf das Eintreffen der Sanitäter. Seinen Blick nicht von Mia wendend, schickte er angstgetränkte Stoßgebete zum Lieben Gott. Eine schändliche Mission, wenn man bedenkt, das ich die letzten Jahre als überzeugter Atheist zugebracht habe. Aber wie man sieht, treibt einen die Not immer zurück zu den heimeligen Idolen der Kindheit. Erschrocken schreckte er aus seinen Überlegungen hoch, als er glaubte eine Berührung an seinem Arm vernommen zu haben. Seine Augen flogen in empfundener Lichgeschwindigkeit in die Richtung seiner Liebsten, die ihn tatsächlich mit verwirrtem Ausdruck anschielte, was aber nichts an ihren wunderschönen strahlend blauen Augen änderte, in denen er unpassenderweise zu versinken drohte. Hilfesuchend ließ sie ihren Blick durch den Raum gleiten und blieb am Schreibtisch haften. Was war nur passiert? Wieso liege ich hier? Warum ist Enrique plötzlich hier? Weshalb fühle ich mich wie von einem Elefanten geknutscht? Lauter W-Fragen, die nur die Antwort gemeinsam hatten, nämlich: Ich habe nicht die leiseste Ahnung! Anna Enriques Mimik las sie ab, dass es wohl nicht erfreuliches Bedeuten konnte. "Wo bin ich?" "Es ist alles gut,meine Süße. Beweg dich nicht. Die Santiäter kommen sicher gleich. Reg dich nicht auf, okay" Die letzten Worten hörten sich an wie purer Hohn, doch ich muss sie ja irgendwie beruhigen. Es reicht doch wenn ich vor Angst am Rad drehe. Um seine Worte zu untermalen, strich er ihr sanft über ihre gerötete Wange und verwöhnte sie mit einem mitfühlenden Kuss auf die Stirn. Enrique konnte das Bergmassiv gar nicht beschreiben, dass ihm vom Herzen abgefallen war, als Mia ihre Augen aufgemacht hatte. Der Wilde Kaiser wäre zumindest ein erster Anhaltspunkt. Ehrfürchtig blickte er symbolisch in den Himmel, dessen Horizont von der Zimmerdecke großmächtig eingeschränkt wurde. Gab es ihn also doch, denn Mann da oben mit dem langen Rauschebart und der weißen Kutte, der kein gestrandeter Mönch im Weihnachtsmannkostüm sondern der Schöpfer alles seins persönlich sein sollte. Erneut wurden seine Überlegungen über Gott und seine Diener unterbrochen, diesmal aber von den Santitätern, die sich scheinbar selbst den Eintritt empfohlen hatten. "So, wo ist denn nun die Patientin?" fragte ein etwas in die Jahre gekommener James Dean, mehr proforma als ernst, denn Mia lag ja immernoch zu seinen Gehhilfen. Galant sprang Enrique auf und trat zur Seite, damit der Weg für die Profis frei war. "Und sie sagen, sie ist einfach so ohnmächtig geworden" Enrique holte tief Luft, der Schock saß ihm noch gehörig in den Knochen. Mia wollte etwas sagen, doch ihre Mundschleimhäute waren zu trocken, als das sie diesen Schritt wagen wollte. "Ja, also ich weiß es nicht. Ich hab sie hier bewusstlos aufgefunden" "Na, gut Mädl, dann wollen wir dich mal ins Krankenhaus bringen. Zur Durchuntersuchung" Sonst hätte sie protestiert, denn sie hasste Krankenhäuser seit dem schrecklichen ableben ihrer Eltern, doch in irgendetwas unterdrückte in ihr den Impuls zur Verweigerung.
Teil 5
Mia rennt im Atem der Nacht über eine einsam gelegene Wiese in von Wäldern umsäumt ist. Panisch blickt sie immer wieder zurück zu den dunklen Schatten die die großen Bäume auf die Wiese werfen. Ihre Lungen brennen, wie Feuerzungen, ihr Herz scheint sich zu überschlagen, in ihrem Kopf pulsieren Gedanken der nackten Panik. Plötzlich spürt sie den warmen nach Tomaten duftenden Atem, an ihrem Hals, der Luftstrom des Schreckens. Panisch beginnt sie zu schreien. Alex, was soll das? Nein, geh weg. Bitte nicht, Alexander, geh weg. Mia rennt verzweifelt davon, doch er ist schneller und holt sie ein, packt sie unsanft am Krangen ihrer Bluse und schlingt den anderen Arm um ihre Taillie. Das was jetzt kommt, hast du alleine dir selbst zuzuschreiben, flüstert Alexander mit einer bedrohlich und gehässig klingenden Stimme und feuchten Tönen in ihr Haar. Langsam und mit einem hämischen Grinsen auf den Lippen tritt er vor sie, packt sie an beiden Armen und beginnt sie zu schütteln. Grob stöst er die verängstigte Mia mit einem harten Tritt in den Bauch auf den feuchtkalten Wiesenboden, stürzt sich auf sie und beginnt sich an den Knöpfen ihrer Bluse zuvergreifen. Nein, bitte nicht. Hillllfeeeeeeeee. Halt die Klappe du niederträchtige Sch.lampe und jetzt flenn da nicht so rumm. NEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIN Mia schreckt mit Schweißperlen auf der Stirn aus ihrem Schlaf hoch. Ihr Herz und ihr Puls rasten im Gleichschritt als wollten zu einem Wettstreit ansetzen. Fahrig erkundete sie ihre Umgebung. Ich bin im Krankenhaus, Gott sei Dank. Von Hysterie gepackt sprang sie aus dem Bett wie eine Bergziege über einen Felsen und riss die Schranktüren auf. Nichts. Huch. Glück gehabt! Erschöpft taumelte sie nach hinten, lehnte sich schweratmend an die kühle Wand und verschnaufte für einen Moment, das alles wirklich nur ein Alptraum war. Kein Alexander weit und breit.
Teil 6
Mias Körper wurde vor der Panik zur Statue, nur am leichten Senken und Heben des Brustkorbs konnte man ihre Menschlichkeit ablesen. Stramm presste sich ihren stark Sekret absondernden Körper an die raue Wand. Die Türschnalle drückte sich nun das allerletzte Stück nach unen und schon schwang die Türe in das Innere. Statt einer Gestalt bahtne sich ein großer und zugleich wunderschöner Strauß aus roten Rosen, den Weg in ihr Blickfeld. Normalerweise wäre sie in Jubel über solch ein Präsent ausgebrochen, denn sie konnten ja nur von ihrem Herzbub sein, doch aufeinmal war alles anderes. Was sollte sie tun, wenn das der Stalker mit den Löckchen (nein, nicht Atze Schröder ;)) war. Schreien? Mich hört doch hier kein Mensch. "Hallo, mein Schatz", drang eine Stimme an ihr Ohr. Sie kannte diese Stimme, doch das aufkeimende Rauschen in ihren Ohren verfälschte ihre Kenntnis aufs äußerste. Den Fängen der Panik entrissen, zuckte sie zusammen, presste ihre Handflächen an die Wand und atmete tief ein. Mia kannte den Rosenkavalier, das stand fest, doch graute es ihr die Augen zu öffnen. Zu groß war die Panik vor dem Mann der nun vor ihr stand.
Enrique strich mich zart über die Wange, als sie plötzlich ohne Grund zu schreien begann. "Mia, es wird alles gut. Ich bin ja bei dir, meine Sonne" meine Sterne, mein Leben, fügten ihre Gedanken hinzu. "Verschwinde, geh weg GEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEH" brüllte Mia nun die Nerven merklich blank liegend. Die Stimmen der beiden Männer, wechselten sich in den Worten immer wieder ab und Mia drohte der Kontrollverlust. "Aber, ich bins doch Enrique" antwortete dieser ganz ruhig. Was ist plötzlich mit Mia los, erst fällt sie gestern im Büro um wie ein Bahnschranke und jetzt das. Und wieso um alles in der Welt steht sie hier an die Wand gekuschelt wie ein von seiner Garde verstoßener Zinnsoldat der scih mit Kalk das Gesicht gepudert hat. Enrique kam aus dem Grübeln nicht mehr heraus. Verdammt, was hatte das alles nur zu bedeuten. "Enrique? Bist du es wirklich?", fragte sie zaghaft und erst jetzt bemerkte er wie heftig die Töne die ihrem Munde entsprangen zitterten. An der Temperatur konnte es wohl nicht liegen, denn der Ort aus dem die Töne kamen, gehörte doch zu einer jener Höhlen wo es immer warm ist. Was also war los? Zu gerne hätte er gefragt, denn die Unwissenheit zertrieb ihn fast, doch er wusste, dass sie es ihm nicht sagen würde. So ließ er es ganz bleiben. Enrique unterbrach seine Überlegungen als Mia plötzlich die Augen weit aufpresste und ihm in einer stürmischen Umarmung und ihr hübsches Gesicht mit einem Lächlen, nein stopp, einem wunderschönen strahlen , das sogar ihre Augen liebkoste, ihre Hände um sein Genick schlang und ihren Kopf auf seiner Schulter zur Ruhe setzte. Die Überraschung über diesen unerwarteten Vorstoß war ihm ins Antlitz tätowiert. Mia hingegen konnte ihre Erleichterung kaum in Worte bündeln, zu ershcöpft war sie nach diesem nervlichen Großkampfereignis. Das Gefühl das sich um ihr Herz eingefunden hatte, als sie realisierte das es wirklich Enrique war, der vor ihr stand, war einfach ubeschreiblich, fast schon wie ein zweiter Geburtstag. Meine Sonne, so bei diesem Wort zog sich ihr Herz zusammen. So hatte mich Enrique noch nie genannt. Unter anderen Umständen hätte ich wahrscheinlich gefallen an dieser Bezeichnung gefunden, doch jetzt wo-. Mia hielt kurz inne ehe ihre Haut wieder weiß und die Luft in ihrem Hals dünn wurde. Wieso konnte nicht einmal alles gut sein? Vorsichtig löste sie sich von Enrique und taumelte auf schwachen Füßen zurück in ihr Bett. Enrique wird sich wahrscheinlich schon den Kopf zermatern, warum ich aus heiterem Himmel so ein Bäumchen wechsel dich geworden bin. Aber ich kann es ihm einfach nicht sagen. Ich hab solche Angst, dass ihm etwas zustoßen könnte und das würde ich mir nie verzeihen.NIE, hob sie es gedanklich noch einmal heraus. Der Typ ist unbereichenbar, einfach durchgeknallt, wer weiß zu was der allem fähig ist. Ich muss das irgendwie alleine durchstehen. Vielleicht sollte ich mit ihm reden? Weiter kam sie nicht, denn Enrique riss sie mit einem Räuspern aus ihren Überlegungen. Schnell richtete sie sich auf und ihre Lippen wurden von einem Lächeln umspielt. Der Anblick des leicht knieweich stehenden Enrique, die ratlose Miene, die seinen Gesichtsaudruck dominierte und dich wohl oder übel auf die Rosen in seiner Hand bezog, amüsierten sie zu tiefst. "Ähm. Am Besten ich geh mal ne Vase holen, ehe die Rosen mich als einen Teil ihrer selbst anerkennen" sagte Enrique mit seinem typischen Schmunzeln. Auch aus Mias Antlitz wich die Ratlosigkeit. "Ja, mach das" gab sie mit Freudesfunken in den Augen zurück. "Ach, bevor ich es vergesse" Enrique ließ seine freie Hand tief in seine Hosentasche eintauchen. "Dein Handy, es lag auf deinem Schreibtisch. Du hast glaube ich eine SMS gekriegt" Mia sah Enrique erstaunt an. "SMS, bist du sicher? Wer soll mir schon eine SMS schicken?" "Tja, das weiß ich nicht, aber du dafür gleich" Enrique lächelte wieder sein Lächelen und Mia erwiderte es und gab ihm einen Kuss. Enrique verließ den Raum in Richtung Vasenfindung und Mia öffnete ihre SMS. Ihr Gesicht verwandelte sich in eine Maske aus nackter Panik, in sekundenschnelle saß sie aufrecht im Bett. Ihr Herzchlag beschleunigte erneut wie Kate Allein auf der Zielgeraden, als sie 2004 Silber in Athen gewann. Ich hätte dich für robuster gehalten, mein Schnuckelchen. Die Buchstaben stierten sie an, fast so als wollten sie aus der Nachricht direkt in ihr Gesicht springen. Jeder einzelne entlockte ihr ein jämmerliches Wimmern. Entmutigt pfefferte Mia mit dem Gedanken, es wäre der Absender, ihr Handy an die Wand, wo es unter einem dumpfen Knall in einige seiner Bestandteile zerfiel und unter einme Scheppern den Fußboden erreichte. "Ich kann nicht mehr. Ich halt das nicht mehr aus. Der Typ ist völlig irre. Der beschattet mich ja. Dieses miese, verdammte, kleine A.rschloch" brach es unter dem Mantel der Hysterie, eingehüllt in ein starkes Schluchzen aus ihr heraus. "WARUM? WARUM ICH? WARUM?" schniefte Mia herzimplodiernd in den vermeintlich leeren Raum. Erst das klirren, das auf eine Knutscherei zwischen einer Porzellanvase und dem Fußboden hindeutete, riss sie aus ihrer Schmerzargonie. Enrique, verdammter Mist, Was mach ich denn jetzt? Enrique, Enrique? Sag doch bitte was. Enrique! Doch das Schweigen blieb am Regiestuhl.
Teil 7
Sanfte Schritte bahnten sich den Weg in ihr Zimmer. In der Hoffnung das sie zu Enrique gehörten, erhellte sich ihre Gesicht in einem Strahlen und ihr Gehirn suchte nach den richtigen Worten um das unfassbare aussprechbar zu machen. "Enrique, ich wollte", blitzschnell verschwanden die Töne wieder in ihrer Kehle, in der ersten Panik fasste sie sich mit der Hand an den Mund und verschluckte einen Aufschrei. Mias Miene versteinerte sich noch um ein paar weitere Nuancen, obwohl sie bisher nicht geglaubt hätte, das dies überhaupt noch im Bereich der menschlichen Möglichkeiten ansäßig war. Ihr Geist wollte es einfach nicht fassen in wessen lieblich grinsende und doch verärgert angehauchte Visage ihre Augen sie zu blicken zwangen. Die bis eben vom Schock unterdrückten Empfindungen der leibhaftigen Panik begannen sich in ihrem ganzen Körper breitzumachen, immer noch mit nahezu stoischer Ruhe den Teufel in weiß zu fixieren. Jegliches Leben entwich ihrem Körper, sie empfand sich plötzlich als leere Hülle deren Herzschlag im Kopf wie wild pulsierte. "Wie...nein...doch...nicht...was", Mia fühlte sie außerstande einen klaren Gedanken zu fassen. Ihre Verzweiflung sichtlich spürend trat der bekannte Unbekannte näher an ihr Bett heran. Mia, die sich unfähig empfand etwas zu sagen, deutete ihm mit ihrer flachen Hand in seine Richtung, stehen zu bleiben. Doch sie erntete für diese Geste nur ein syphistantes Grinsen und in seinen Augen konnte man die Gegnugtuung erkennen, die ihm diese Kanninchen vor der Schlange Situation bereitete. In Mias Augen traten Tränen, die sich mit allem ihr zur Verfügung stehenden Methoden zurückzuhalten versuchte und schlussendlich doch den Kampf gegen die Naturgewalt aus dem Sehorgan verlor. Beschämt glitt ihr Blick auf die weiße Bettdecke, wo sie begann die nicht vorhandenen Knitter zu zählen. Er wird dir nichts tun, schließlich liebt er dich. Er hat dir nachgestellt, er ist verrückt... Plötzlich ertönte der Laut des Porzellanbruchs wieder in ihren Ohren und es beschlich sie ein neuer beklemmender Gedanke...Gott, was hast du nur mit Enrique gemacht?...Lass ihm nichts zugestoßen sein... Omg...Er muss ihn niedergeschlagen haben...Dieser Gedanke raubte ihr letztendlich fast den kompletten Atem, doch ehe sie sich weiter in ihrer Angst verlieren konnte, katapultierte sie die kalte mit Schweiß versetzte Hand, die behutsam über ihre, vor Aufregung glühende Wange strich zurück in Realität. Sie blickte in seine mitfühlend wirkenden Augen, seine Lippen zu einem Lächlen verformt. Am liebsten hätte sie seine eklige Hand aus ihrem Antlitz gerissen und ihre Bettkante mit einem Stoß von seiner Lagertätigkeit dort befreit, doch die Angst, was er dann machen würde, hielt sie zurück. Mit einem Würgen in der Kehle ertrug sie seine erzwungenen Liebkosungen. "Mein Schatz, bitte reg dich nicht auf. Versprich es mir, aber ich musste es tun. Er hätte unser Glück nie akzeptiert." Mia glaubte die Worte die über seine von herpesangeknabberten Lippen glitten nicht richtig zu hören, ehe sich die Panik um enriques Gesundheitszustand in ihr breit machte. Sie warf alle Regeln der Vernunft über Bord und brüllte schließlich wie von Sinnen. "Was hast du mit ihm gemacht, du mieses Schwein?...WAS? Sag es mir", Mia begann ihn zu schütteln wie ihre Oma einst den Obers für den Kuchen, als sie plötzlich seine starken Arme umfassten und sein Gesicht sich zu einer gehässigen Fratze verzog. "Alles was jetzt kommt, hast du deiner eigenen Torheit zu verdanken, mein Engel" Mia stieg die Hitze nun so richtig in den Kopf, ihr Herz begann noch schneller zu hämmern als bis jetzt. Die Angst begann ihren Körper zu kontrollieren und so brach sie in ein starkes frösteln aus.
Wie er so da steht mit seinem sabbernden Knopflochblick und sich selbst zum Erfinder des Blumen schenkens krönt. Wo doch heute schon jeder Idiot um die Wirkung von Blumen auf Frauen weiß. Man, wie ich diesen Typen hasse und das nicht nur weil er mir meine Mia weggeschnappt hat sondern auch noch so blöd ist und der Idee aufsitzt damit durchzukommen. Was bildet der sich eigentlich ein, sogar in den 10 Geboten ist es schon verankert. Du sollst nicht die Frau eines anderen Begehren! Aber der scheint offensichtlich mit dem Hubschrauber durch den Religionsunterricht geflogen zu sein oder ist so ein Verhalten im Land von Juan Carlos an der Tagesordnung. Frei nach dem Motto: Was dem König mundet, steht auch seinen Volke zu. Na ja, wie auch immer, jedenfalls danke ich Hitler oder wer die Intelligenzbestie auch immer war für die Abschaffung der Monarchie. Ein Landesoberhaupt das den Schwur vor Gott mehrfach gebrochen hat ist meines Erachtens einfach besser als eines das ohne Rückgrad seine Zuneigungen auslebte. Es fiel ihm sehr schwer sich wieder für die Realität zu begeistern, die befriedigenden Gedankenflüsse sagten ihm momentan mehr zu, als diese importierte faulende spanische Tomate mit Wurzeln in einem deutschen Kartoffelacker. Schlussendlich bekehrte er sich doch zu seinem Plan zurückzukehren, das ihm das Schicksal dabei so wohlwollend in die Hände spielte, zauberte ein Glücksgefühl in seinen von Verzehrung nach Mia geschundenen Körper. Das erste positive Empfinden seit über einem halben Jahr. Die Kurve im Tunnel zum Glück hatte er also passiert, denn das Licht liebkoste bereits seine von der ewigen Dunkelheit entmutigten AugenIn stoischer Ruhe tänzelten seine auf Lautlosigkeit dresierten Beine auf das Glück fressende Ungeziefer zu. Den ungeliebten Nebenbuhler dem Blickwinkel nicht entrinnen lassend , fasste er siegessicher an seinen im Lendenbereich angesiedelten Hosenbund. Als er sein Wundermittel berührte spürte er förmlich wie das Machtgefühl in seinem Inneren nahezu detonierte , seine Brust sich aufrichtete und Vorfreude auf seine Sonne sich breit machte. Es war definitiv einer der schönsten Momente in seinem dasein, so viel Genugtuung hatte er schon lange nicht mehr in seinem Körper geortet. Behutsam streichelt er über die glatte kaltwirkende Plstikobefläche. Schnell lässt er seinen Blick den Gang hinauf und hinunter jagen. Nichts. Perfekt! Das Schicksal schien ihn heute wirklich mehr als nur zu lieben. mit Freudesfalten im Gesicht zog seine Hand die Spritze mit dem Schlafmittel hervor, das kurz darauf veranlasste, dass diese Ratte unter einem schwachen Seufzer zu Boden glitt und die Vase es ihm unter einer weitgrößeren Geräuschkulisse gleich tat. ein weiteres Mal flog sein nun etwas im panischen Bereich angesiedelter Blick durch den Gang. Schnell warf er den bewusstlosen Haufen mit menschlichen Umrissen über seine Schulter und ehe er ihn in sein neues zu hause geleitete, hielt er getroffen von Mias Worten einen Moment inne. Es schmerzte ihm sehr tief mit welch von Angst belegter Stimme die nach diesem Idioten wimmerte. Was findet sie an dem, wenn sie doch mich haben kann? Weiß sie denn wirklich nicht, das niemand außer mir sie Krähe geben? Doch nicht etwa meine Mia, nein spätestens wenn sie bei mir ist, wird sie erkennen das meine Liebe die einzig wahre ist, da bin ich mir ganz sicher. Am liebsten hätte er sofort damit begonnen sie mit lieblichen Worten und honigverzierten Tönen zu umgarnen, doch die immer schwerer werdenede Last, die gehörig auf seiner Schulter drückte erinnerte ihn daran, dass er erst noch den Balast abwerfen musste, bevor er sich endgültig dem Vergnügen mit seinem Liebchen unterwerfen konnte. Wäscheräume findet nicht nur Boris Becker nützlich, dachte er während seine Hände den bekleideten Fleischkloß unter nassen Handtüchern und blutverzierten Leintüchern verstauten. Angeeckelt rieb er seine Finger an dem weißen Kittel in den er sich zur Tarnung gehüllt hatte ab und schielte in Agathe Heiland Manier durch einen winzigen Türspalt auf den Gang. Das hallen von Schritten ließ seine Nase wieder zurück in den Innenraum gleiten, mit pochendem Herzen hoffte er das diese nicht der Wäscherin gehörten. Schließlich verklangen die Schritte und er huschte unendeckt zu Mias Zimmer wo noch immer die am Boden verstreuten Rosen, garniert mit den Porzellansplittern der Vase ein ihn befriedigendes Bild hergaben. Gleich bin ich bei ihr. Endlich hat die Zeit des bangen Wartens ein Ende. Von der Wiedersehensfreude auf Mia beflügelt, begann ein erfrischendes Kribbeln seinen Bauchraum zu massieren. Und nun war er endlich da, der Moment der ihn die letzte Zeit bis in die Träume verfolgt hatte. Seine Mia saß auf dem Bett, er lächelte sie glücklich an, doch was war das. Ihr Augenausdruck versteinerte sich und ihre Mimik wurde böse und verängstigt, was bei ihm Wut auslöste, eine Wut die er nicht kontrollieren konnte. Wieso hatte sie solche Furcht und Anbegung vor meiner Person. Wir lieben uns doch! Wahrscheinlich nur der erste Schock, sie hat mit meinem Besuch ja nicht rechenen können, das legt sich bestimmt wenn wir erst wieder zusammen sind, beruhigte er sich in Gedanken. Erst jetzt fiel sein Blick auf das in unzählige Teile zerfallene Mobiltelfion zu seinen Füßen, sie hatte sich also gefreut über seine Nachricht. Sein Blick glitt zurück in ihre wunderschönen Augen die jedoch leider ihren Glanz verloren hatten und ihn mit nackter Panik gespickt anstarrten. Sie hatte also Angst vor ihm, dabei sollte sie doch wissen, das er ihr nie etwas zu fügen würde, er wusste doch um ihre Gefühle für ihn, die sie aus Angst um Vegaz leben unterdrückt hatte. Es war also völlig normal, das sie Abneigung simulierte, sie konnte ja nicht um den Verbleib von ihrem Rosenkavalier Kenntnis haben. Mia hat ihren Blick gesenkt, wahrscheinlich weil sie sich gerade davon abhalten muss, gleich hier und jetzt über mich herzufallen. Das kann ich verstehen mein Engel, mir geht es ja nicht viel anders, aber wir müssen vorsichtig sein, der Feind ist überall, deshalb werden wir bis zu unseren Liebesbekundungen noch etwas Zeit verstreichen lassen müssen. Langsam trat er an ihr Bett und setzte sich auf die Kante. Ihre Aufmerksamkeit galt immernoch der weißen Decke sie sie wie von Sinnen anstarrte. Deine Selbstbeherrschung, meine Sonne ist mir eine große Hilfe, sie erspart mir wirklich einige Mühen. Ich werde ihr als Zeichen meiner tiefsten Anerkennung ein winziges Stückchen meines Körpers mit ihrem verschmerlzen lassen. Das stillt etwas unsere Sehnsucht nach einander. Plötzlich fanden sich ihre Augen in meinen, ich gedachte zu explodieren, doch was war das in ihren Augen. Das war keine treusorgende Liebe, keine Verzehrung vor Sehnsucht, nein es war fast planker Hass. Wie konnte das sein mein Engel? Gott bin ich ein Hornochse, na klar, sie sorgt sich ja um Enrique, schließlich schwebt sie in der Sorge er könnte jeden Moment das Zimmer stürmen mit seinen dämmlichen Blumen. Ich werd es ihr sagen, dann wird alles gut. Da will man einmal nett sein und dann so eine Undankbarkeit, das kann es doch nicht geben, huschte es durch seine hohle Birne. Sie beschimpft mich dafür das ich sie von diesem Balast befreit habe? Mich, ihren Retter und das noch in einer lautstärke wie bei einem BnJovi Konzert. Wenn uns jemand hört. Nein...doch...ich muss es tun...sie lässt mir mit ihrer Aufgesetzten Verachtung einfach keine andere Wahl...wir müssen hier schnellstens weg...bevor jemand diesen spanischen Stinkstiefel findet...aber...verdammt das ist so niederträchtig...ich kann das er Frau die ich liebe doch nicht antun...ich muss...es gibt keine andere Chance. Eilig lasse ich meine Hand in meine Tasche gleiten, Arzt sein ist schon praktisch und betreufle das Tuch mit dem Beteubungsmittel, ehe ich es ihr aufs Gesicht drücke und währenddessen meine Augen fest zusammenkneife, damit ich meine eigene Schandtat und ihren Übergang zur willenlosen Galionsfigur nicht miterleben muss. Ich hasse mich für diesen Schritt doch ihr Wiederstand hat mir keine andere Option überlassen.
Leblos sackte Mias Haupt auf das weiche Kopfkissen des Krankenhausbettes. Er betrachtete mit gemischten Gefühlen den Anblick der sich ihm bot. Behutsam zog er seine Hand unter ihrem Hinterkopf hervor, obwohl er doch wusste, dass er sie nicht wecken könnte, gab er sich von seiner sensibelsten Seite. Dieser Mann bestand wahrlich aus Kontrasten, die Grauzone schien er schon lange hinter sich gelassen zu haben. „Was musstest du auch so schreien, aber mach dir keine Kopf, ich bin dir nicht böse, ich weiß ja, welch herzensguter Mensch du bist und dafür liebe ich dich ja nicht zu letzt. Jetzt wird endlich alles gut, meine Sonne.” Sanft glitt sein Finger über ihre von der Aufregung glühende Haut. “Meine Sonne, mein Herz berstet fast, wenn ich dich hier so hilflos im Bett liegen sehe. Du musst wissen, es war zu keinem Zeitpunkt meine Absicht dir irgendwelchen Kummer geschweige denn Schmerz zu bereiten. So hoffe ich das es nach meiner unholden Aktion gerade, deine Seele tröstet, dass dein Anblick dem eines schlummernden Engels gleich kommt. Dein Haar ist so wunderschön, ich muss mich wahrlich tadeln, um es nicht mit tausend Küssen zu bedecken. Doch verzeih mir, du wirst verstehen das ich meinen Begierden nicht länger Kunde sein kann. Die Zeit eilt, denn die Feinde schlafen nicht.“ Flüchtig presste er seine von Herpes angeknabberten Lippen auf die seiner schlafenden Schönheit.
Teil 10
Als hielten seine Hände eine wertvolle handbemalte Vase aus der Antike, bettete er seine Sonne in das mit bunten Pölstern krampfhaft lebensfroh gestaltete Himmelbett mit der einfallsarmen weißen Bettwäsche. Gekonnt drapierte er ihre Haare links und rechts von ihrem Haupt. Sehnsüchtig streifte seine Nase ihre blonde Pracht, wobei ihm der romantikschädigende Duft nach Krankenhaus die empfindlichen Nasenschleimhetue hochkroch. "Du musst unbedingt duschen, mein Liebling. Sobald du aus deinem Dornröschenschlaf wiederkehrst. Zu mir - Zu unserer gemeinsamen Zukunft" Ein tiefgreifendes Strahlen stahl sich in seine in seine sonst so ernste Miene.
Enriques Lider schlugen langsam auf, sein Kopf dröhnte als hätte er während eines Rockkonzertes unter dem Schlagzeug gepennt, seine Nase wurde von dem Geruch der Feuchtigkeit und irgend wie...was war das, das ihm in seinem Richorgan dieses Jucken bescherte...das is...Blut. Schneller als ein Ferrari von 0-10 beschleunigen kann, fuhr sein Oberkörper hoch. Das unangenehme dröhnen in seinem Haupt wurde immer lauter, ein Rauschen in seinen Ohren leistete ihm Gesellschaft. Sein Blick flog durch den Raum. Ein hartes Schluckerlebnis folgte. Die Finsternis, die hier mit eisener Hand regierte, schenkte ihm nicht die Freiheit seine Umgebung zu erkunden. Wo zum Henker bin ich? Panik kleidete sein Inneres aus. Ich wollte zu Mia...mit den Rosen...ich hatte eine Vase geholt...Was war passiert?...Wie bin ich hier her gekommen?. Der spitze kurze Schmerz hallte durch seine Erinnerung...Seine Glieder fühlten sich müde und schwerer als fünf Bleimäntel an, als er sich mühsam aufzurichten versuchte. Irgendwo musste in diesem verdammten Kammerl doch eine Türe sein, wenn das Fenster schon eingespart wurde. Den erhitzten und alles andere als dezent hämmernden Kopf an die Abkühlung spendende Wand gepresst, den Schweiß unaufhörlich aus den Drüsend strömend, die Hände tastend links und rechts vom Körper ausgestreckt kämpfte er sich im Kreis, seine Beine kollidieren mit unzähligen Kübeln, aus einem ergoss sich sogar eine Flüssigkeit über seine Schuhe, die von nun an wie ein Badentchen quietschten... in letzter Sekunde konnte er sich noch davor retten, Opfer des Bananenschaleneffekts in Gestalt eines Tuches zu werden...nach zwei Ecken mühsamem Kampf spürte er endlich die veränderte Materialform. Gott sei Dank eine Türe. Erleichterung bahnte sich ihren Weg durch sein Gehirn. Die Schwäche unterdrückend drückte er die Schnalle hinunter einmal, zweimal, dreimal... doch es rühre sich nichts auch nicht nach dem zwanzigsten, fünfundzwanzigsten und dreistigsten Mal. Verdammt, jemand hat mich eingeschlossen. Er empfand wie kurz vor dem Einsetzten der Narkose, mit letzter Kraft hämmerte er aufgebracht gegen die Türe, schrie um Hilfe wie ein Ertrinkender. "Hilfe...ich bin hier drin...hört mich jemand" Seine Fäuste begannen zu brennen, seine Mundhöhle war staubtrocken. Der kalte Schweiß lief ihm in Bächen über seinen Rücken und degradierte sein T-Shirt zu seiner zweiten Haut. Das konnte doch nicht sein, in diesem verdammten Krankenhaus musste doch jemand sein, an der Türe vorbeilaufen, irgendetwas. Entmudtigt aber vorallem dem Großteil seiner Körperenergien beraubt, sackte er auf den Boden, sein Hinterteil gemütlich in einer nassen Lacke residierend...Enrique konnte die durch den Stoff kriechende Feuchtigkeit regelrecht spüren, wie immer mehr seiner Hose von der Nässe eingenommen wurde, während er den traurigen Geräuschen seines Magens lauschte und von Verzweiflung geprägte Gedanken auf Rettung durch seinen Kopf jagten.
Langsam näherte sich Mia wieder der Stelle, die sie zur Herrin ihrer Sinne machte. Ihr Schlaf war tief und traumlos gewesen. Ihre Augen schlugen auf und musterten den feinen in sich gemusterten Stoff, der in Form eines Satteldaches von der Decke hing. Von ihrem Magen strahlte Übelkeit aus, ihr Kopf übte sich in Schmerzerzeugung. Der nächste Blick glitt an ihr hinab. Ihr Körper lag reglos in ein sanftfließendes pinkfarbenes Satinkleid mit blauen Pailliettenornamenten gehüllt. Das Dekoltee hingebungsvoll in Handarbeit zu einer edelwirkenden Neckholderformation verarbeitet, schrie ihr die gehobene Preisklasse aufdringlich entgegen. Was um Himmelswillen bescherte ihr die Ehre dieses Kleides?...Wer war sein Käufer?...Enrique?...Gar nicht sein Geschmack...er zählte doch eher zu den Verfechteren der Mia Style Edition..mehr ihr zuliebe als sich selbst….aber wer soll es sonst gewesen sein. Mit zitternder Hand steichelte sie den weichen Stoff ehe sich ihre Augen den Weg durch das in Dämmerlicht getauchte Zimmer bahnten und schließlich auf einer Person haften blieben. Seine Miene war mit einem Lächeln verziert, seine Finger im Schoß in einander verknotet, die Haltung leicht der einer zum Absprung bereiten Katze mit Rheuma gleich. Ihr Blick wurde ausdruckslos, ihre Pupillen sperrten sich weit auf. Mit einem Mal saß sie aufrecht in ihrem Bett. Gleich darauf fixierte ihr Blick den in Wellen gelegten Saum ihres Kleides um sofort wieder zu dieser Gestalt zurückzukehren. Es war tatsächlich wahr, aber wie konnte es sein. Erneut flog ihr Blick durch den Raum, nur dieses Mal war er von Panik geschwängert. Wo bin ich?...Was soll das hier? Das Atemen fiel ihr plötzlich noch schwerer, obwohl die Luft sich bisher auf dem Weg in die Lungen und zurück sowieso schonn mehr gequält hatte, als ein Asthmakranker beim extrembergsteigen.
Jede Faser seines Körpers angespannt saß er in seinem Sessel, gebannt den Moment erwartend, wenn seine Sonne die Augen aufschlug. Als Willkommensgeschenk und Zeichen der Reue hat er sie in dieses wunderschöne Lanford Luxery Exemplar gebettet, dessen Schönheit nur von der Person überstrahlt wird die es trägt, denn diese eintönige Krankenhauskutte, jene an Geschmacksarrmut leidende Menschen als Nachthemd bezeichnen würden hat Mias Attraktivität mit ihrem verwaschenden Teint verschlungen. Was sie wohl dazu sagen wird?...Sie wird es lieben was sonst...Was dem Gönner gebührt, gilt auch für sein Geschenk. Ein von Selbstbewusstsein umgarntes Lächeln bahnte sich den Weg von seinen Lippen in Richtung seiner vor Aufregung leuchtenden Augen. Um nicht vor Freude auf das Bett zu zu stürzen und seinen Engel aus dem Regenerationsschlaf zu reißen, in den die Nebenwirkungen des Betäubungsmittels seine Liebste geschickt hatten, krallte er seine Finger unter enormem Kraftaufwand und Schmerzverbrauch in das hölzerne Gestell seiner Sitzgelegenheit. Die Füße stemmte er mit eben so viel Aufwand in den kälteausströmenden weißen Laminat, das er für einen Moment sogar das brechen einiger Latten fürchtete. Die Minuten des Wartens gestalteten sich für seine Geduld wie unzählige Tage. So mussten sich also die Postler im Pool fühlen. Grauenhafte Vorstellung. Sein Blick wich bei all den Gedanken und Mühen der Beruhigung jedoch nicht von seiner Liebsten. Er wollte auf keinen Fall den Moment verpassen, in dem sie ihre wunderschönen Augen aufschlug und ihm eines ihrer eisschmelzenden Lächeln schenkte. Jetzt wo sie ungestört waren, konnte sie sich ja ihren wahren Gefühlen hingeben ohne eine Katastrophe fürchten zu müssen. Ob sie mir lange böse sein wird, wegen meiner unholfen Aktion?...Ach was, Liebe überwindet doch jede Schlucht, sei sie noch so tief und furchterzeugend...obwohl bei Mias Temperament weiß man nie. Das zucken eines ihrer Finger riss ihn jedoch aus der Bereitschaft sich weiterhin als Versuchskanninchen seiner Gedanken missbrauchen zu lassen, wie vom Wind getrieben eilten seine Finger unter dem Stuhl hervor und legten sich ineinander verschlungen auf seinen Schoß. Unbewusst hatte er sie zu der Skulptur tiefer Verbundenheit verformt, auch die Spannung die seine Füße gegen den Boden presste, löste sich vorsichtig und schenkte ihm die Chance auf ein entspanntes Erscheinungsbild. Seinen Gesichtsausdruck prüfte er noch einmal ehe er ihn in Gips goss um ihn auf keinen Fall erlöschen zu lassen. Nun waren nicht nur sein Blick auf die schlafende Schöne gerichtet sondern auch die gesamte Aufmerksamkeit. Ihre Augen blitzten vor Begeisterung auf, als sie das Kleid, das auf ihrem Leibe hing inspizierte. Während Mia den Raum erkundete, ging in ihm ein Feuerwerk der Gefühle nieder. Es war in den wunderschönsten Farben gehalten, eben bunt wie es Mias Stil nunmal war. Für einen kurzen Moment trafen sich ihre Blicke, all seine Gedanken waren wie weggefegt, er konnte nicht anders als in ihren atemberaubend schönen Augen zu versinken, obwohl er sie durch die finsternis beeinträchtigt nur erahnen konnte. Er fühlte sich wie Gott Vater persönlich. Am liebsten wäre er im Eilesschritt zu ihr gehüpft, um ihre Haut zu riechen, selbst das Krankenhaus bekam an ihr noch einen edlen Touch, ihre weiche Haut unter seinen Fingern zu spühren und sie einfach nur im Arm halten und ihr Wärme in sich aufnehmen, diese Wärme, deren fehlen, den heurigen Winter für ihn so kalt gemacht hatte. Dieser Wunsch schien in seinem inneren gerade schier übermächtig zu werden, doch er wicklete sich unter großer Anstrengung in die dicke Decke der Beherrschung. Ich will sie schließlich nicht drängen und überfordern. Erst soll sie ankommen, sich aklimatisieren, wir haben ja schließlich noch unser ganzes gemeinsames Leben vor uns.
Teil 12
In Mia gefror der Atem, als sie registrierte das er sich erhob. Sein Blick ihre Augen suchend, seinen Mund immer noch zu einem Lächeln verformt. Ein starkes Würgebedürfnis küsste den weitläufigen Umkreis ihres Kehlkopfes, das Mia durch vermehrtes Schlucken zu entsorgen versuchte. Schließlich senkte sie den Blick und beglückte lediglich seine Beine mit ihrer Aufmerksamkeit, die mit jedem Schritt unaufhaltbar näher an ihr Ruhelager herankamen und während sie dies wahllos zur Kenntnis nahm, focht sie tief verborgen unter ihrer Haut den härtesten Kampf ihres bisherigen Lebens. Es war ihr zum Schreien zu Mute und doch unterdrückte sie jeden Laut mit einer furchteinflößenden Beharrlichkeit. Seine Schritte halten hohl durch den Raum und schienen sich am Wiederhall der Wände zu erfreuen, was in ihre das berühmte Kanninchen vor der Schlange Gefühl auslöste. Mia wagte nicht in seine Augen zu blicken und doch wünschte sie deren Ausdruck vernehmen zu können. Seine graue Bughose streifte an der Bettkante und legte sich für einen kurzen Moment an dieser Stelle in Falten. Am liebsten wäre Mia zurückgewichen, doch die Aussichtslosigkeit ließ sie verharren. Mit dieser Handlung würde sie ihm nur zeigen, dass er ihr Angst machte, doch das musste er ja nicht wissen und wo sollte sie den überhaupt hin? Etwas sich hinter dem Stoffhimmel des Bettes verschanzen wie sie es als Kind immer getan hatte? Das wilde und viel zu laute hämmern ihres Herzens vernahm sie in ihrem Hals, das Atmen im normalen Rythmus fiel ihr äußerst schwer, doch ihr Mut und letztendlich auch ihr Stolz hinderten ihr marodes Nervenkostüm daran ihre tief unter der vor Aufregung gebleichten Haut brodelnden Ängste nach außen zu kehren. Zu ihrer Erleichterung aber auch Verblüffung steuerten die in der Bughose verpackten Beine an ihrem Bett vorbei, hinein in das dunkle des künstlich verfinsterten Gemachs. Diese Tatsache sorgte bei Mia ein wenig Entspannung im weiten Ozean der Verkrampfung, denn bald verklangen die Schritte vollkommen. Von weit her drang das knallen einer Türe an ihr Ohr, dass nun ihr Einsamkeit besiegelte.
Für einen Moment fiel all die Spannung von ihr ab und sie ließ sich entkräftet zurück auf ihr Lager fallen, nur um einen Augenblick später wieder hochzufahren. Mehr als ein entspanntes Ein und Wieder ausatmen schien ihr heute nicht vergönnt zu sein. Denn so froh sie eben noch über seinen Abgang war, so sehr fürchtete sie ihn nun. Was wenn er nicht mehr wiederkehrt? Was wenn er mich hier verhungern lässt? Einfach verrecken wie einen Penner. Tränen traten wieder in ihre Augen und ihr Puls beschleunigte auf die mittlerweile als Normaltempo anerkannte überhöhte Geschwindigkeit. Der kalte Schweiß schoss aus sämtlichen Hautöffnungen, ihre Finger verkrallten sich von der Panik animiert in dem fließenden Stoff ihres Kleides.
Enrique lag am Boden, die Beine auf einem Stuhl parkend, umringt von in weiß gekleideten Frauen, deren Gesichter alle auf ihn hinab blickten. Im ersten Moment war er der Verwirrung gütiges Opfer, ehe er seine Umgebung als Krankenhaus um genau zu sein als Schwesternzimmer indentifizierte. Aprupt riss er seinen Kopf in die Höhe, was er mit einem dröhnenden Schmerz bezahlte und ihn schließlich dazuveranlasste diesen wieder zurück auf das weiche Kissen fallen zu lassen. Wenig später saß er immer noch etwas mitgenommen auf dem Stuhl, ein Glas Wasser in Händen und sich seiner Lage nicht im geringsten bewusst. Starr fixierte sein Blick das geschäftige Treiben der Damen in Weiß. Seine Gedanken kreisten um vieles und doch um nichts. "Mia" schrie er plötzlich auf. Sofort war eine Schwester an ihn heran geeilt und versuchte ihn zu beruhigen, doch je mehr sie versuchte beschwichtigend auf ihn einzureden umso wilder begann er mit seinen Armen hilfesuchend Akrobatik zu betreiben. Jetzt auf einmal war alles wieder so klar. Der Schmerz, die dunkle Kammer... "Sie müssen mir helfen Schwester...Hören sie, jemand hat mich nieder...schlagen und...un...einperrt...gefund...sie...te...fahr...laube...Mia" Irgendwann gingen seine Worte in seiner Verzweiflung unter und verkamen zu einer Geheimsprache, deren Artikulation die Schwester eine Weile mit verzweifeltem Gesichtsausdruck beiwohnte, während sie wohl überlegte einen Neurologen zu Rate zu ziehen, was ihre gerade eintreffende Kollegin ihr abnahm.
Als Enrique die Augen aufschlug lag sein Rachen in eine unangenehme Rauheit gebettet, seine Arme und Beine strahlten Schmerzen aus, sein Kopf hämmerte als hätte ihn die Branke eines sibirischen Tigers gestreichelt. Sein Blick traf den besorgten Gesichtsaudruck eines in den besten Jahren befindlichen Mannes mit an den Schläfen ergrauter schwarzer Lockenpracht. Seine Brille thronte in seiner Mähne. Sein Blick schien ihn zu durchbohren, worauf Enrique den Blick abwand. "Herr Vegaz schön das sie wieder bei uns sind. Wie gehts ihnen?" Wo bin ich? Wer ist das? Was soll das alles hier? "Hören sie, ich muss zu meiner Verlobten. Wir können uns gerne später unterhalten" sagte Enrique ein wenig genervt und versuchte sich aufzurichten, doch es blieb bei dem Versuch. Er musste mit Entsetzen feststellen das er an Armen und Beinen am Bett festgeschnallt war, daher kamen also die Schmerzen. Er strampelte mit allen beweglichen Körperteilen, um sich zubefreien, doch zu seinem Missmut rührte sich nichts. "Lassen sie mich gehen. Sofort...Mia sie ist in Gefahr...Ich muss zu ihr...Bitte schnell" flehte er nun voll Verzweiflung. Er wusste tief in seinem Inneren, das er so viel quasseln konnte wie er wollte, er würde ihn nicht gehen lassen, ebenso wie er spürte das es Mia schlecht ging. Frügher hätte er gelacht, wenn ihm jemand von so einer zwischenmenschlichen Verbindung erzählt hätte, doch jetzt war er eines besseren belehrt. Und so jammerte er immer weiter, das er zu Mia müsse, bis der Neurologe schließlich eine Schwester nach ihr schickte. Die Zeit bis zur Rückkehr dieses Esels, nach den Regeln der Gleichberechtigung eigentlich Eselin, entpuppte sich für ihn als Marsch durch die Atacama, jedoch ohne Essen und vorallem aber ohne Wasser. Als er die Schritte und das öffnen der Türe vernahm, war er schon fast ohnmächtig, doch die Worte der Schwester machten ihn im Nu wieder hellwach. Sie schnaufte entsetzlich laut, sie musste ziemlich gerannt sein. "Herr Primar, Frau Maschke...sie ist tatsächlihc nicht mehr auf ihrem Zimmer. Ihre Sachen sind allerdings alle noch da und auf dem Fußboden liegen die Teile eines Mobiltelefons."
Sein gehen hatte eine Leere in ihrem Inneren hinterlassen. Gerade eben hatte sie sich doch genau das noch gewünscht, alleine zu sein, sicher zu sein vor seinen Berührungen, dem hoffnungs geschwängerten Ausdruck seiner Knopfaugen, mal abgesehen von ihren Todesfürchtungen, hier alleine zurückgelassen und von der Welt vergessen qualvoll auf die Erlösung durch den Allmächtigen zu warten...Enrique wird mich finden, ganz bestimmt...Das Band das sie Liebe zwischen uns geknüpft hat wird ihm den Weg zu mir weisen, ganz betimmt...das glaubst aber auch nur du in deiner Hilflosigkeit, damit dich die Verzweiflung nicht gleich dahin rafft, was, so eine Art von Rettung gibts es doch auch nur aus der Feder von Christiane Sadlo oder hälst du dein Herz für so eine Art Black Box die Signale zur Ortung aussendet, die nur dein Angebeter, aber der Richtige hören kann...Mensch, die Anwesenheit von diesem Typen hat mich ja schon richtig gaga gemacht. So schnell konnte sich also Wohlgefallen in Grauen verwandeln. Langsam hob sie ihre Beine aus dem Bett und ließ sie behutsam suchend auf den Boden zu gleiten, die inständige Hoffnung bei sich tragend, das der Boden keine Fallen für nackte Füße borg. Auf wackeligen Beinen und von der Dunkelheit geblendet tastete sie sich vorsichtig durch den Raum. Am liebsten hätte sie sich diesen geschmacklosen Stofffetzen an Ort und Stelle vom Leibe gerissen, anstatt sich mit seiner Last auf den Weg zu machen, doch einen Auftritt in Unterwäsche vor wem auch immer, hielt sie doch eher für kontraproduktiv und so ließ sie den ekelerzeugenden Stoff doch, wenn auch extrem wiederwillig an sich kleben. Ein dumpfer Knall und ein stumpfer Schmerz entrissen sie ihrer Gedankenwelt und machten ihr bewusst, das sie gerade mit einer Türe kollidiert war, ebenso er ging es ihr weniger später als sie sich in allerletzter Sekunde vor einem verhängnisvollen Treppensturz retten konnte. Gar nicht auszudenken, was ihr alles hätte zu stoßen können. Nach etlichen weiteren Mühen kam sie schlussendlich erschöpft aber wohlauf im unteren Stockwerk ihres Gefängnisses an um sich sogleich an dem Tor zur Freiheit zu schaffen zu machen. Jedoch um gleich darauf die Ohnmacht in ihren Gliedern zu spüren, da sie sich allem Anschein nach in einem Verlies befand und dem zu entrinnen ein Ding der Unmöglichkeit zu sein schien.
Enrique wusste nicht wie im geschieht als er den immerwiederkehrenden Hall der Worte in seinem Kopf wahrnehmen musste. Er hörte das Blut in seinen Schläfen pulsieren, das Solo des Presslufthammers war in einer Lautstärke angesiedelt die für das Trommelfell durchaus bedenkliche Ausmaße angenommen hatte und seine Haut wurde von einer dünnen Schicht aus kaltem Schweiß benetzt. Seine Kehle labte nach Flüssigkeit, dass viele reden hatte den Rachen in bedenklicher Art und Weise aufgeraut, seine Arme und Beine strahlten Schmerzen aus, hevorgerufen wohl durch die Striemen, die von den medizinisch genehmigten Foltermethoden herrührten. Mühsam hob er seine Finger, ein stechender Schmerz erforschte selbstbewusst seinen Körper, der schwerste Schluckreflex seines Lebens bahnte sich seinen Weg durch seinen Rachen. Eine Schwester trat an sein Bett und tätschelte mit verständnisvollem Augenausdruck seinen Arm. Enrique wollte etwas sagen, doch seine Kehle war zu trocken um auch nur einen einzigen Laut hervorkommen zu lassen. Als könnte sie Gedanken lesen, reichte ihm die Schwester ein Glas Wasser, das er gierig seine Kehle hinunterstürzte, was sich jedoch nur als Tropfen auf dem heißen Stein entpuppte. Allerdings reichte es um wieder einigermaßen verständlich und schmerzfrei sprechen zu können. "Mia...was ist mit...ihr?" brachte Enrique mühsam hervor. Innerlich wusste er das die Schwester ihm diese Frage auch nicht beantworten konnte, weil sie die Antwort nicht wusste, aber etwas in ihm konnte einfach nicht an sich halten, da er sich das Wissen um Mias Verbleib so sehr wünschte. Die Angst um sie stieg minütlich immer weiter ins unermessliche. Enrique hatte da so ein unterschwelliges Gefühl, dass Mia in Gefahr schwebt und dringend seine Hilfe braucht. "Es tut mir leid..äh..." Sie ließ ihren Blick kurz über das Namensschild am Fuße des Bettes gleiten. Rückwärts lesen, das soll ihr mal einer nach machen, dachte Enrique anerkennend. "...Herr Vegaz, ich weiß es leider nicht, sie können sich gar nicht vorstellen, wie gerne ich es ihnen sagen würde, also ich meine, das ich weiß wo sie ist, aber das kann ich nicht. Es tut mir wirklich sehr leid...Aber schenken sie der Hoffnung einen Platz in ihrem Herzen...Sie wird ihnen die Kraft geben, die Ungewissheit zu überstehen und Alles Gute...Ich wünsche ihnen von Herzen das sich die ganze Sache in Wohlgefallen auflöst" Erneut malte sie die Zuversicht mit ihrer Hand auf seinen Arm und entfernte sich mit einem Augenzwinkern aus seinem Blickfeld. "Ich werde den Doktor bitten, sie wieder zum Herr ihrer Sinne zu erklären, wenn sie nichts dagegen haben" Das war ihm in der ganzen Aufregung vollkommen entfallen, der Wunsch sich wieder ohne Schmerzaufschrei bewegen zu können und so war er der Schwester unendlich dankbar für ihr Mitdenken.
Wenig später trat er mit einem Atemverhalten, dass weniger einem Menschen denn einer stürmischen See glich auf den Gang der neurologischen Abteilung hinaus. Seine Gedanken routierten unaufhörlich um Mia. Er versuchte sich krampfhaft an das Gemurmel von Mia zu erinnern, bevor man ihn in die Bewusstlosigkeit befördert hatte. Irgendetwas hatte sie gesagt, jedoch wusste er nicht genau um was es ging, zu schnell war die Finsternis über ihn hereingebrochen. Verdammt, verdammt, verdammt. Von seinem Ärger animiert steuerte er seinen linken Fuß gegen einen Sessel, der daraufhin ziellos über den Gang schebberte und seine Zehen sagten leise Aua. Schritte die im Doppeltakt an seine Ohren drangen ließen ihn hochschrecken und der Anblick ließ ihn hart schlucken. "Entschuldigen Sie, sind sie Herr Enrique Vegaz?" Was wollen die jetzt hier? Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Gott, sein Herz raste wie Sebastian Vettel am Nürburgring auf Siegeskurs. Er merkte wie ein Kribbeln sich den Weg durch seinen gesamten Körper bahnte. Bevor er sich fähig für die Wahrheit fühlte, schluckte er erneut hart das brennen in seinem Rachen hinunter. "Ja, der bin ich" sagte er nun mit gespielt fester Stimme.
Es hatte ihm förmlich das Herz zerrissen, als er die Angst in ihren Augen erblickt hat. Er musste sich regelrecht an seinen harten Zügeln reißen, um seine Enttäuschung nicht gleich an Ort und Stelle zu offenbaren. Schrecklich war es, wo einst Herzchen standen, konnte man nur noch Entsetzen erkennen. Nicht um sonst gab es die Formulierung: Wenn aus Liebe Hass wird. Er hatte sich das nie vorstellen können, doch jetzt schien es ihm mit listiger Gewalt vor Augen geführt zu werden, aber vielleicht war es doch nur der erste Schock. Wie würde ich mich denn fühlen, wenn ich in einem stark verdunkelten Raum, in einem Traum von einem Kleid aufwachen würde, noch dazu in Anwesenheit meiner großen Liebe. Nun ja, wahrscheinlich würde ich mich wie Hella von Sinnen fühlen, wenn sie jemand zwingen würde Hugo Egon Balder zu heiraten. Er schüttelte sich angewidert und verzog einen Mund, als hätte ihm gerade eine Kakerlake einen Zungenkuss gegeben. Wie kann man aber auch nur so blöd sein und vergessen sich jeweils das richtige Geschlecht in der Vorstellung zu erschaffen, besonders wenn man genau weiß das die Vorstellung von Knutschenden Männern einen den Ekel in den Kopf treibt. Na ja, wie auch immer, Dummheit wird bestraft. Er irrte ziellos durch die Straßen von Berlin, den ersten warmen Wind dieses jungen Jahres genießend. Endlich kam wieder leben in die Natur und füllte den Krater den die Kälte in die Erde geschlagen hatte, wieder auf. Unfassbar wie sehr er den Früling liebte. Angestrengt kniff er die Augen zusammen, da ihm ein Sonnenstrahl direkt ins Auge leuchtete. Wie wird das alles bloß weitergehen? Wird sie jemals wieder die Liebe für mich empfinden können, wie sie es einst getan hat? Erneut stahl sich der Ausdruck ihrer Augen in seinen Kopf, ein gruseln jagte seinen Rücken hinab und ein spitzer Schmerz erfüllte sein Herz. Wieso gelang es ihm einfach nicht diese ihre Augen aus seinem Gedächtnis zu verbannen. Egal was er dachte oder auch tat, sie kehrten immer wieder zurück, fast wie ein Mantra.
Als er es endlich geschafft hatte sich von ihrem Duft zu lösen und die Türe hinter ihm ins Schloss gefallen war, hatte er sich für einige Momente an jene gelehnt und krampfhaft versucht diesen Blick abzuschütteln. Es war ein Gemisch aus Angst, Gespanntheit und ja, ich habe es keineswegs verkannt und das macht mir auch so sehr zu schaffen. Es war eindeutig, kein Zweifel. Ablehnung und auch ein Stückchen Hass.
Wie kann sie mir das antun? Mir, ausgerechnet mir. Wo ich sie doch gerettet habe, aus ihrer lieblosen Beziehung mit diesem psychsichlabilen Spinner, der glaubt nur weil er schneller Ole sagen als ich mir die Fingerkuppe verbrühen kann, etwas besonderes zu sein. Sie konnte doch nicht allen ernstes diesen spanischen Flamingo mir vorziehen. Alleine die Vorstellung davon ist schon abartig. Ich werde ihr Zeit geben, so viel Zeit wie sie möchte damit sie sich mit der ganzen neuen Situation aklimatisiern konnte, was natürlich auch für ihr nun mehr neues zu Hause gilt und dem Platz an meiner Seite. Ich sehe es schon vor mir, die Schlagzeile, wir beide sonnen uns im Blitzlichtgewitter und unsere Arbeit wird über alle Maßen gelobt. Wir werden damit sozusagen mit dem Oscar unserer Branche ausgezeichnet, denn ich bin überzeugt das wir beide zusammen unschlagbar sind. Einfach das perfekte Team! Das gurren einer Taube zu seinen Füßen hatte er als aufmunternde Zustimmung empfunden und erst jetzt wurde ihm gewusst wie weit ihn seine Füße samt seiner Unsicherheit und Verzweiflung eigentlich getrieben hatten. Bis ans Ufer der Spree. Hier lehnte er sich nun siegessicher und in lässiger Pose auf das Geländer und genoss den herrlichen Sonnenuntergang, der sich seinen Augen in diesen Momenten bot. Rot, groß, wärmend, einfach unbeschreiblich schön. Ein Muss für jeden Menschen mit einem Sinn für Schönheit und Estetik. Früher hatte es ihn auch nicht gekümmert, doch seit er Mia kannte, wusste er die Schönheit dieses imposanten Naturschauspiels erst würdig zu schätzen. Doch auch die Magie des Augenblickes konnten die Zweifel um seine Sonne nicht vollends wegwischen, ein Rest blieb und das würde sich noch lange nicht ändern. Das wusste er.
Trotz dem Wissen um die Sinnlosigkeit ihrer Tätigkeit kämpfte Mia den ungewinnbaren Kampf gegen Windmühlen, in dem sie mit ihren beiden Fäusten unter enormem Kraftaufwand gegen die harte Fläche der Türe schlug. Begeitend dazu brüllte sie im Halbminuten Takt um Hilfe und das, obwohl sie tief in sich spürte das niemand ihr flehen um Freiheit erhören wird, weil sie sich mit größter Wahrscheinlichkeit in der amtlich erklärten Pampa befand. Aufgeben, war für Mia trotzdem kein Thema, denn sie hielt sich an die Lebensweisheit ihrer Großmutter. Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren. Doch innerlich fühlte sie, das die weisen Sprüche ihr nicht weiterhelfen konnten, denn diese Situation war mit einem Wort beschrieben ausweglos. Dem Intelligenzquotienten von diesem Typ nach zu urteilen, hatte er in seinem Leben vermutlich zu viel Zeit neben dem Ventilator zugebracht, doch das hieß noch lange nicht das er so verblödet war um nicht zu wissen, das man eine Entführte Person in einer gewissen Abgeschiedenheit lagerte. Lagern, ein trauriges Lachen entfoh aus Mias Kehle und erfüllte für einen kurzen Moment den mit so unendlicher Leere ausgestatteten Raum. Mia wusste nicht ob er es tatsächlich war, doch empfand sie ihn als so. Enrique, er wird mich vermissen und er wird mich suchen, ganz bestimmt, aber bis er mich findet bzw. wenn überhaupt. Woher sollte er auch wissen, wo er zu suchen hatte. Es flammte jedoch plötzlich die Erinnerung in ihr auf, das er schwor sich um Enrique gekümmert zu haben. Was hat er ihm angetan? Ihn etwa auch unter privat Arrest gestellt oder vielleicht...Nein, an so etwas darfst du nicht denken, versuchte sie sich selbst einzuschärfen und doch endete jeder Gedankenansatz eben dort. Mit einem Mal wurde ihr das komplette Ausmaß ihrer Ausweglosigkeit begreiflich und so bahnten sich die Tränen einen Weg aus ihrem Versteck und Mia sackte von dem plötzlichen Schweregefühl auf ihren Schultern übermannt auf den Boden, der ihrem Beckenknochen einiges an Schmerz abverlangte. Was wird mich erwarten, wenn er zurück kommt? Die Betonung liegt wirklich auf dem winzigen Wörtchen wenn. Jetzt brach der Tränenstrom endgültig über sie herein und sie ging für einige Zeit vollkommen in ihrem Geschluchze auf. Seine Augen, ging es ihr aufeinmal auf. Den Ausdruck den sie mir entgegenbrachten, der spiegelte keinen Hass wieder sondern Liebe, es waren die verletztlichen Augen eines Liebenden. Ein fahler Hoffnungschimmer durchuckte sie.
Enrique war auf dem Weg zu seiner Wohnung. Irgendetwas in ihm hoffte darauf, Mia dort in gewohnter Frische und mit einem fröhlichen Lächlen anzutreffen. Doch nun kam ihm das Gespräch mit den beiden Polizisten wieder ins Gedächtnis. Sie hatten entgegen der ersten Befürchtungen seiner Person, nur die üblichen Routinefragen, damit sie zwischen dem Genuss von zwei Wurstsemmeln, ihrer täglichen Faulheit die Stirn bieten konnten, in dem sie sich an einem Protokoll die Faulheitspickel unterm Arm abarbeiten konnten und sich nebenbei eine Chance erschaffen um die doofen Beamtenwitze ihrer Bekannten ins Leere laufen zu lassen. Endlich war er zu Hause angekommen. Mit einem undeutbaren Kribbeln im Magen sperrte er auf, parkte seinen Mantel an die Garderobe und setzte sich Teewasser auf, als ihm plötzlich der Haufen Briefe auf dem Küchentisch in die Augen stach. Erst war er verwundert, dann überkam ihn Freude und schlussendlich die Furcht. Mia war also hier gewesen, es ist ihr nichts passiert, von der Freude animiert drehte Enrique sich einmal um sich selbst. "Mia, Mia bist du da?...Mia....Mia?" rief er beschwingt durch die Wohnung, doch nichts brach das Schweigen. Sie war also schon wieder weg, anders konnte es nicht sein, aber es gab immerhin ein Lebenszeichen von ihr. Wieso ist sie jedoch ohne ein Wort aus dem Krankenhaus unter revers getürmt und wer hat mich in diese Kammer gesperrt? Na ja, wenn Mia nach Hause kommt wird sie mir das sicher alles erklären. Beschwingt machte er sich daran die Post zu öffnen. Das meiste waren Rechnungen, ein an Mia adressierter Quellekatalog, ein Brief von Vöslauer. Vöslauer, schoss es Enrique durch den Kopf. Oh, mein Gott das habe ich ja total vergessen. Entgeistert griff er sich an die Stirn, ehe er mit zittrigen Händen das Papier vom Kleber trennte, was nicht so ganz gelingen wollte. Immer wieder glitt sein Finger an die Oberfläche. Schließlich hatte er es allen Mühen zum Trotz doch geschafft, doch der Inhalt ließ ihm das Blut in den Adern gefieren. Beyerle, diese aufgeblasene Modellpuppe von Eva Wegrostek hatte ihnen allen ernstes eine Frist bis übermorgen gesetzt und wenn wir bis dahin kein Werbekonzept liefern, betrachtet er dies als Vertragsbruch und krönt es mit einer Klage. Enrique der normal nie so oberflächlich Menschen beurteilte, war so in Rage, das er aus seinem Küchentisch am liebsten Brennholz gemacht hätte, doch er riss sich am Riemen und besinnte sich stattdessen darauf seine Verlobte von der neuen Lage in Kenntnis zu setzen, als ihm aufging das Mias Mobiltelefon, in seine Einzelteile zerlegt am Krankenhausboden lag. Es bestand also so gut wie keine Chance, außer auf ihr selbstständiges erschienen zu warten. Warum muss immer alles so kompliziert sein? Kann denn nicht einmal irgendetwas glatt laufen in meinem Leben? Ist das denn verdammt noch mal wirklich zu viel verlangt! Vollends entnervt fegte er den Stapel Briefe sowie den Katalog und eine Tasse mit einer einzigen Handbewegung vom Tisch und überblickte schließlich das Chaos zu seinen Füßen, als seine Augen an einem gefalteten Stück Papier haften blieben, das ihn friedlich zwischen den Scherben der Tasse eingebettet anlächelte. Er wusste nicht warum, aber dieses Stück Papier übte eine magische Anziehung auf ihn aus. Er bückte sich schnell danach, wo bei er unbeholfen an einem Spitzen Splitter der Tasse anlangte und kurz darauf eine lange rote Linie über seinen Finger floss. Das auch noch, war es heute nicht schon schwer genug, muss ich mich auch noch verschneiden.
Es zerbricht mir fast das Herz, dir diese Zeilen schreiben zu müssen, aber es geht einfach nicht anders. Du musst mir glauben, ich habe alles versucht um den Verfall meiner Gefühle im Bezug auf deine Person zu stoppen, doch es funktionierte nicht. Anscheinend war die Taste kaputt, zerstört durch höhere Mächte die, das erkannt haben, wofür wir zu blind waren, nämlich das unsere gemeinsame Zeit schon lange abgelaufen ist. Aufgewährmtes Schnitzel schmeckt schon scheußlich, doch in der Liebe sind die Geschmacksnerven noch empfindsamer, außer man entfernt sie, so wie ich es tat nach deinem Unfall. Meine Angst, du könntest dir in der Überflutung negativer Emotionen einen irrreparablen Schaden an deinem Körper zu fügen, ließ mich meine Erkenntnis niederpressen. Ich quälte mich meine Empfindungen wieder zu erlangen, doch es ging nicht. Die Zeit verging, doch die Gleichgültigkeit blieb. Liebe ist die Frucht des Glücks und in meinem Fall hat sie erst streng zu riechen begonnen, ist schließlich komplett verfault und nun abgefallen. Was dafür steht das ich unsere Lebensgemeinschaft aufgelöst habe. Im Prinzip kannst du mich dafür mit dem Handkuss belohnen, das ich noch vor dem Altargang die Notbremse gezogen habe, sonst hätte es nur uns beide für immer ins Unglück gestürzt. Ich halte dich für Intelligent genug, um mir diesen Schritt nach zu sehen und die Gedanken an meine Person ohne Hass auskommen zu lassen. Tut mir aufrichtig Leid, das ich so sang und klang los aus deinem Leben entwichen bin, doch ich hielt es für das beste. Im Prinzip wollte ich dir, aber vorallem mir selbst eine tränenreiche Abschiedsdramödie ersparen. Mein Handy hat aus selbigem Grund den Weg an die Wand gefunden, damit eine Kontaktaufnahme mit mir für dich unmöglich ist. Ich wünsche dir ein schönes Leben und das du nicht komplett Opfer deiner Trauer über meinen Weggang wirst. Mia"
Enriques Hände zitterten, die Buchstaben auf dem Blatt verschwammen von den Tränen die aus seinen Augen schossen und sich schließlich im weißen Papier einrichteten, das zusätzlich von weißen Fäden durchzogen wurde. Jedes dieser ihrer Worte fühlte sich an, als hätte sie ein Messer immer und immer wieder in sein Herz geführt. Dieser Brief tat ihm so weh, wie er nie gedacht hätte Schmerz fühlen zu können. Enrique konnte sich nicht erinnern wie lange er sich am Boden hockend seinen Tränen hingegeben hatte, denn erst das klingeln seines Mobiltelefons hatte ihn seiner Argonie entrissen. Voll Freude war er hochgesprungen und hatte abgenommen. Die Hoffnung starb gekanntlich zu letzt, doch es war eine ernüchternde Erfahrung, ausgerechnet ihn in der Leitung zu haben.
"Vegaz, sind sie das?" raunte er hörbar angesäuert in den Hörer. Was sind das für Geräusche, die der da in das Gespräch, das eigentlich noch gar keines ist, miteinbringt?, geisterte es durch seine leicht in finstere abdriftende Birne. Enrique zog die Flüssigkeit die, das weinen in seiner Nase angesammelt hatte hoch, er wollte nicht das der Anrufer seine emotionale Lage mitbekam. Das geht ihn nun wirklich nichts an, dachte er und ärgerte sich im nächsten Moment über die geräuschintensive Säuberungsmaßnahme. "Ja, Zeiss, da hast du das erste Mal in deinem Leben etwas richtig erkannt" gab Enrique zurück, doch seine Stimme klang nicht so siegessicher und erhaben, wie er es sich wünschte. Es war mehr ein zwischen zwei bedeutungslauten Schniefern eingebettetes flüstern. Heult der oder hat er seine Stimmbänder mit denen eines Vogels vertauscht, dachte Alexander belustigt und vergrämt gleichzeitg, denn das Gespräch mit diesem spanischglasierten deutschen Weichei wurde allmählich sehr zeitintensiv. Eine Verschwendung, die ihren Verursacher keinesfalls wehrt war. "Hören Sie zu, Vegaz! Ich kann Mia auf ihrem Handy nicht erreichen, da ist ja ein Termin bei Angela Merkel als Penner noch einfacher zu bekommen, deshalb blieb mir nichts anderes als mit ihnen Kontakt auf zu nehmen, bilden sie sich also bloß nichts ein auf meinen Anruf. Die Sache ist folgend. Beyerle lässt seit heute morgen die Telefonleitung erglühen, denn er kann bei ihnen niemanden erreichen, will aber schnellstmöglich Ideen sehen. Also am besten schon vorgestern, wenn sie mich verstehen" Die Erinnerung an Mia, die Zeiss Worte indirekt in ihm aufflammen ließen, sorgte für ein erneutes entgleiten eines Schniefens. Enrique hasste sich im nächsten Moment für seine Unprofessionalität. "Passen Sie auf, Vegaz, den Segen der Rührung können sie später spenden. Sorgen Sie lieber dafür, das Beyerle bekommt was er will, denn sonst sorge ich bei ihnen für ganz was anderes, nämlich das ihr verdammter Rückenfortsatz mächtig auf Grundeis geht...Vegaz heute so still, sind sie ins Kloster eingetreten und haben ein Schweigegelübte abgelegt oder hat Mia endlich begriffen was für eine Lusche sie sind." Alexander schickte ein selbstgefälliges Grinsen hinterher und da er wusste, das man sein Gesicht durchs Telefon nicht sehen kann, beschallte er diese erfreuliche Muskeltätigkeit. Enrique hätte ihm am liebsten durch das Telefon eine Gelangt oder ihn einfach nur einmal so richtig beschimpft, diesen verdammten Darmausgang, doch stattdessen zog er die Zügel der Beherrschung noch strenger an. Er durfte ihm einfach nicht zeigen, dass seine billigen Diskountpfeile erfolgreich in seinem Herzen eingetroffen waren. Diesen Triumph darf ich diesem W.ixxer einfach nicht geben auch wenn es mir sehr schwer fällt, denn am liebsten würde ich meinen Schmerz, der mich zum implodieren zu bringen droht in die Welt hinausschreien und als Ziel würde mir sogar diese aufgeblasene idiotische Parodie eines intelligenten Menschen reichen, der seiner geistigen Mittel nach zu urteilen Anhänger der Zwetschkenpartei ist. Enrique suchte sich so seine gesamte Selbstbeherrschung zusammen um die Antwort an Zeiss darin zu verpacken. "Sagen sie Beyerle, er bekommt was er will, so schnell wie möglich" presste Enrique gequält hervor. "Und sie sind sich sicher Vegaz, das sie nicht gerade etwas versprochen haben, was sie nicht einhalten können" drönte es in dem für seinen Sprachgebrauch üblichen von Überheblichkeit angetrunkenen Tonfall aus dem maßlose Selbstüberschätzung sprach, tief in Enriques Gehörgang und fand dort einen mantraartigen Wiederhall. "Ich erspare es nun aus Gründen der Höflichkeit ihnen und in erster Linie mir selbst, unser Gespräch mit einem Wunsch auf einen angenehmen restlichen Tag zu beenden, Zeiss" "Tschüss pappa bis morgen um Zwa( 14 Uhr )" "Und Tschüss", setzte Enrique belustigt einen drauf, während ihm eine Ulli Stein Karikatur in den Kopf schoss. Um genau zu sein, schwebte ihm dabei das Bild der Maus auf der Klomuschel vor, aus deren Mund die Worte "Und Tschüss" entweichen. Seine Meinung über Zeiss dürfte mit diesem Bild sehr deutlich an die Wand tapeziert worden sein, was Enrique an diesem tristen Tag zu einem leisen Freudenaufschrei ermutigte
Mia verharrte in der statuenhaften Pose an der Wand. Es war als würde die Furcht vor der Zukunft ihr das Leben aussaugen, denn mittlerweile war sie einen Schritt weiter. Mia war überzeugt davon zu wissen, das es in keiner Weise in seiner Absicht lag sie zu töten oder wie sie gerade noch gefürchtet hatte elendig verrecken zu lassen, nein er wollte ein Leben mit ihr und sie wusste nicht zu deuten, was ihr mehr Furcht einflößte. Ein Übelkeitsgefühl breitete sich wellenartig in ihrer Bauchgegend aus. Er würde wiederkommen, wahrscheinlich sehr sogar sehr bald, so viel war klar. Wie soll ich mich ihm gegenüber verhalten? Wenn ich nett bin, dann glaubt er mit seiner miesen, nein kranken Masche auch noch Erfolg zu haben, andererseits wenn ich ihm mit totaler Auflehnung begegne...verschlechtert das meine Lage nur. Verdammt was soll ich nur tun, eine Paillette piekste sie in die Haut. Am liebsten würde ich mir diesen Fummel vom Leib reisen...doch dann müsste ich diesem Verrückten in Unterwäsche gegenüber treten und diesen Anblick will ich ihm nicht bieten, zumindest nicht mehr...Mia lief der kalte Schauer über den Rücken, wenn sie daran dachte, dass er sie angefasst, sie entkleidet und in diesen Tussenfummel gesteckt hatte...er hatte sie überall berühren können, ohne dafür eine Gegenwehr fürchten zu müssen, zuvor hatte er sie schließlich betäubt. Was ist...Mia brach ab, nein, weiter kam sie nicht, denn sie hörte das Geräusch eines Schlüssels in der dafür geeigneten Öffnung. Ihr Atem wurde schneller und ihr Herzschlag erneut unregelmäßig. Sie versuchte sich hoch zuraffen, doch ihre Beine hielten der ihnen zugedachten Last keines Wegs stand und so sackte sie wieder zurück auf ihr Gesäß. Kurz darauf schenkte auch schon ein Spalt durch den Licht den Raum erhellte, einen schwachen Blick auf das Zimmer an dessen Wand Mia kauerte. Sie hatte die Arme demonstrativ vor der Brust verschränkt und blickte trotzig in Richtung Türe, wo sie auf das erscheinen ihres ganz persönlichen Kerkermeisters wartete.
Sein Gesicht wurde von der Sonne beschienen und diese verlieh ihm einen heiligen Teint. Ein Frevel, wie Mia meinte, denn dieser Mann war ja nun wirklich kein Heiliger. Seine Lippen formten sich zu einem Lächeln als er Mia erblickte, mit großen Schritten trat er auf sie zu. Diese wandte panisch den Blick nach hinten um gleich darauf resigniert festzustellen, dass sie ihm schutzlos ausgeliefert war. Ihr Atem wurde noch panischer und ihr Herz schlug in ihrem Hals und in ihrem Kopf gleichzeitig. Jetzt konnte sie seinen warmen nach Knoblauch riechenden Atem ganz dich an ihrem Gesicht spüren, der Angstschweiß sprießte aus sämtlichen Poren ihrer Haut. Sachte glitt seine Hand über ihre Wange, während ihre Lippen zitterten wie Espenlaub. Seine Augen trugen einen weichen Ausdruck, der von einem Hauch Mitleid gespickt wurde, als er ihren desolaten nervlichen Zustand erkannte. "Mein Schatz, es wird alles gut, hörst du es wird alles gut. Du brauchst keine Angst zu haben, ich bin ja wieder da" "Ich bin nicht dein Schatz und gut ist es erst wieder, wenn" ihre Stimme brach ab und die Tränen übernahmen. Eigentlich wollte sie diese Worte scharf und bestimmend klingen lassen, doch waren sie nur ein klägliches, erbärmliches Piepsen einer zutiefst hoffnungslosen Gefangenen. Sie hatte sich dafür ohrfeigen können, mit solchen Äußerungen spielte sie ihm lediglich in die Hände und das war ja keinesfalls ihr Ziel. Mit dieser Aktion habe ich die Kaninchen vor der Schlange Situation erst so richtig untermalt. Bravo Maschke, grandiose Leistung! "Nicht weinen, meine Sonne. Deine Tränen brechen deine so sagenhafte Schönheit" Er kramte ein ziemlich zerknautschtes Taschentuch aus seiner Sakkotasche hervor und hielt es ihr hin. Mia jedoch ließ ihren Tränen weiter freien Lauf und schüttelte verneinend den Kopf, woraufhin er selbst hand anlegte und behutsam jede einzelne Träne im Stoff verschwinden ließ. Mia war diese Geste seinerseits zu tiefst unangenehm, jedoch brachte sie nicht mal den Funken einer Kraft auf um seiner Handlung gegenzusteuern. Sie war einfach am Ende ihrer Kräfte. Mit mitfühlendem Blick hob er sie hoch, trug sie zurück in ihr Bett und deckte sie zu. Seine Fürsorge hatte schon fast etwas liebenswürdiges, dachte Mia, wenn man vergisst, dass er mich hier gefangen hält. "Schlaf ein bisschen, meine Sonne. Morgen geht es dir bestimmt wieder besser" Er strich ihr ein weiteres Mal über die Wange und verließ das Zimmer mit einem lieblichen Lächeln auf den Lippen. Mia wollte ihn beschimpfen, um Hilfe schreien, doch sie blieb stumm, denn ihr Körper besaß offensichtlich nicht mehr die Kraft für solche Aktivitäten. Sie musterte noch eine Weile den Stoff ihres Betthimmels, der in fließenden Bahnen auf sie herab lugte, ehe sie einschlief.
Enrique ließ sein Handy über den lackierten Boden schlittern, lieber hätte er es gegen die Wand gepfeffert, doch bei seinem Verschleiß in letzter Zeit hätte selbst der Mobiltelefonverkäufer ihm ein Aggressionsproblem athestiert und ihn postwendend in eine Antiaggressionstherapie geschickt, ein Umstand der ihm gerade nicht willkommen war, um ehrlich zu sein, er hatte dies gerade so nötig wie einen Kropf. Momentan plagten ihn wirklich andere, vorallem prioritärere Sorgen, als diese. Enrique fühlte sich wie nach einer Geburt nach 14 Stunden, obwohl er noch nie geboren hatte und sich dieser Zustand auch nie ändern wird. Ein elendes Empfinden, die Erschöpfung rann aus allen Gliedern, der Kopf dröhnt...so stellte er sich das einfach vor. Wäre es nun wirklich noch nicht Schmerz genug, dass seine Liebste auf deren Zuneigung er beinahe sein gesamtes Leben gewartet hatte, ihm die kalte Schulter zeigt und mit einem herzauflösenden Brief ohne Hinweis aus seinem Leben verschwindet, anscheinend nicht, denn sonst hätte er nicht noch diesen Blutsauger von Zeiss am Hals, der schon lange auf der Lauer lag um ihm ein Versagen diagnostizieren zu können und dann wäre da noch Beyerle, dieser möchtegern Karl-Heinz Grasser ohne Skandale, den außer der Föhnlage seiner Haarpracht nicht viel interessierte außer natürlich wenn man ihm einen karrieretechnisch wichtigen Auftrag erteilte, was in meinem Falle zu trifft. Beyerle muss dafür sorgen, das alles im zur Verfügung stehenden Zeitfenster korrekt abläuft. Eine Forderung die ich nicht erfüllen kann, wie auch ohne Mia und vorallem mit Zeiss im Boot. Der verdammte Vertrag ist so aufgesetzt, dass ich alles mit ihm absprechen muss. Verfahrender könnte dieser Karren echt nicht mehr sein. Warum wiederfährt immer mir soviel Unheil auf einmal?... Enrique begann in die Selbstbemittleidung abzudriften, ein Tatbestand der angesichts der Tatsache, das er früher andere gerne dafür gerügt hatte, wenig rühmlich war...vorallem aber von seiner uferlosen Verzweiflung zeugte. Seine Augen bekamen einen feuchten Glanz, während der sich in der Vorstellung, Mia ist hier und arbeitet zu ertränken versuchte. Zu einem Handfesten Weinkrampf fehlte ihm schlussendlich aber die Energie und so verblieb er mit seinen feuchten Augen an die Wand gelehnt sitzen. Ohne Hoffnung, ohne Persektive, alleine sein gebrochenes Herz war sein ständiger treuer Begleiter.
Alexander selbst blieb in dem im unteren Geschoß angesiedelten Wohnzimmer, in einen alten Fauteuil geknatscht liegen mit Musikgeschallung in den Ohren. Den verzaubten Steinzeitradio in der Ecke auf dem Kasten wollte er nicht benutzen, keinesfalls sollte eine Situation entstehen die den Schlaf seiner Sonne gefährdet, denn noch einen weiteren Tag ohne ihr strahlen würde er nicht überstehen, so viel stand fest. Tausend Gedanken schossen ihm durch den Kopf, sein Gehirn entschied sich für eine gemeinsame Erinnerung aus glücklichen Tagen, bevor Annett und Enrique ihr gemeinsames Glück zerstören konnten. Das waren noch Zeiten, friedlich, sonnig und viel zu lange her. In seinen Gehörgängen erklang Tim Benzko mit seiner Hitsingle - Nur mal kurz die Welt retten. Aufmerksam, über diesen Grad des zu hörens hätten seine Lehrer eine Party geschmissen, hätte er ihn jemals erreicht, lauschte er auf die bedachtsam ausgewählten Worte des jungen Mannes. Wie recht er doch hat. Alexander kam zu dem Schluss, dass er ihm aus der Seele sang. Ich selbst habe auch eine große Mission und ich muss auch die Welt retten, dachte er, meine Welt. Ohne Mia empfinde ich meine Existenz als berechtigungslos, wie habe ich mein Leben nur bewältigt ehe es durch sie bereichert wurde und wie konnte ich vorallem so blind sein und das nicht sofort zu erkennen. Ich verkleideter Hofnarr! Verärgert über seine eigene Torheit riss er einen Ohrstöpsel heraus und die Töne verklangen in der weite des Raumes, der sich zunehmend mit dem Lichtpegel der Dämmerung auskleidete. Sein Blick schweifte scheinbar ziellos umher und doch war jeder Wimpernschlag genauestens geplant. Der Raum lag farblos und lebensarm vor ihm, dieser Umstand depriemierte ihn zunehmends, einzig die Hoffnung , dass seine Sonne diesen triesten Mauern bald wieder Leben einhauchen würde, ließ seinen Stimmungsparometer über dem Untergeschoss haften. Über sein Gesicht huschte ein Lächeln, scheu und doch bestimmt. Es kann wirklich nicht mehr lange dauern und sein langgehegter Traum wird von den bloßen Skizzen in die Produktion übergehen. Das leblose Haus wird durch Mias Lachen und in naher Zukunft durch das fröhliche Geschrei unserer Kinder zu einer neuen Blüte erwachen und vom lieblosen Ziegelklotz zu einem realen Paradis auf Erden werden. Ein eben noch zaghaftes und nur andeutungsweise vorhandenes Lächlen war jetzt einem handfesten Strahlen gewichen, das wie er zu erkennen meinte, die nun schon ausgeprägte Finsternis des Raumes verweißen konnte.
Mia schreckte in der Nacht immer wieder aus ihrem ohnehin äußerst unruhigen Schlaf hoch. Achtsam lauschte sie in die Stille, die im Innern des Hauses hing, immerzu bereit ein Geräusch wahrzunehmen, doch dieses Ereignis blieb jedesmal aus. Die Ruhe blieb bestehen, man hätte glatt das Fallen einer Stecknadel wahrnehmen können. Langsam und darauf bedacht kein Geräusch zu erzeugen richtete Mia sich in ihrem Himmelbett auf. Der Reifen ihres BH's drückte ihr in die Rippen, worauf Mia einen Aufschrei mit verzerrtem Gesicht gerade noch unterdrücken konnte. Normalerweise war sie ja nicht so zimperlich, das sie gleich aufschrie wenn es irgendwo zwickte, doch momentan waren ihre Nerven schon so blank, das sie nicht einmal den kleinsten Schmerz ertragen konnte. Ein grauenhafter Zustand, wie sie selbst fand. Mia stützte ihren Kopf auf die Hand, strich mit der anderen die Bahn des Betthimmels die in den Raum hineinragte zurück und blickte in die Dunkelheit wohl in der Hoffnung, dass sich diese in Licht wandelt. Das finstere flößte ihr Angst ein, seit sie hier gefangen gehalten wurde, es beunruhigte Mia nicht zu wissen was vor, hinter und neben ihr lag oder passierte, die Dunkelheit verschluckte einfach jede Gefahr. Auch Alexander, die momentan größte Bedrohung auf zwei Beinen im Umkreis von 200 km. Es wurde ihr ganz mulmig bei dem Gedanken, dass er hier im gleichen Raum wie sie hocken könnte und sie beobachten ohne, das sie irgendetwas mitbekommt. Ihr Herz hämmerte laut und viel zu schnell, sie legte ihre Hand auf die Brust und versuchte damit dessen Schlag wieder in den normalen Rhythmus zu bekommen. Zusätzlich atmete sie langsam und viel bewusster ein und aus als sonst, der Herzschlag normalisierte sich zwar etwas, doch die Unruhe blieb. Unter anderen Umständen hätte Mia sofort zum Schalter der Nachtischlampe gegriffen, doch hier kannte sie einerseits ihren Standort nicht bzw. ob überhaupt eine Vorhanden war, schließlich hatte sie das Zimmer noch nie so richtig inspizieren können, da es bisher immer im Dunklen gelegen hatte und andererseits fürchtete sie sich davor wirklich in einem Winkel Alexander zu erspähen. Für diesen Fall konnte sich die Reaktion ihrer ohnehin schon lädierten Nerven nicht abschätzen und da sie nichts riskieren wolle, machte Mia sich erst gar nicht auf die Suche nach der Lichtquelle, sondern bettete, ihr Inneres immer noch in hellster Erregung, zurück auf den weichen Kopfpolster, schloss die Rolläden ihrer Augen und versuchte krampfhaft an etwas schönes zu denken und doch endete jeder Versuch bei Alexander und der Angst die sie vor ihm verspührte. Nach einer empfundenen Ewigkeit wurde sie dann doch noch von der Müdigkeit in ihren Gliedern übermannt. So zog sich dieses Spiel des Aufwachens und wieder abdriftens in die Welt der Träume durch die ganze Nacht. Als Mia am Morgen aufwachte, fühlte sie sich wie gerädert. Elender und vorallem müder als sie am vorherigen Tag zu Bett getragen wurde. Herrlicher Duft von frischem Kaffee erfüllte die Luft. Gierig sog Mia diese ein. Ihre Müdigkeit mochte wohl ihren Ursprung in der Anspannung haben, die sie selbst noch mit den Schlaf nahm, warum konnte sie sich nicht erklären. Alexander wollte ihr doch nichts an tun, so viel war ja mittlerweile klar und doch konnte sie nicht abschalten. Oder war es gerade was er wolllte, das Mia so sehr beunruhigte? So sehr sie auch grübelte, eine Antwort würde sie nicht finden, das war Mia klar. Diese lag zwar in ihr, doch war sie zu gut in der Erde verbuddelt, als das sie diese mit bloßen Händen hätte ausgraben können. Die Schritte die Mia von der Treppe her vernahm, rissen sie aus ihren Überlegungen.
Seit Enrique diesen niederschmetternden Brief von seiner Liebsten erhalten hatte, kam es ihm vor als würde die Welt still stehen, was natürlich vollkommener Blödsinn war. Draußen lief alles genauso schnell und gehetzt wie an jedem bisherigen Tag auch ab, doch diese Mauern in denen er sich vor dem Leben verschanzte, hielten all das von ihm fern, wofür er insgeheim unheimlich dankbar war. Etwas zu sehen, was man sich selbst so sehr wünscht und doch nicht haben kann, ist eine der größten Waffen des Teufels. In diesem, seinen speziellen Fall war es das zwischenmenschliche Glück. Wie konnte Mia mir das antun? Enrique lag zusammengekauert wie ein Embryo im Mutterleib in seinem Bett, während er sich in Gedanken mantraartig immer wieder diese Frage stellte und doch wusste, dass er die Antwort darauf nicht finden wird. Die einzige Person in deren Macht es stand ihn aus seiner quälenden Ungewissheit zu befreien, zog es vor sich seinem Dunstkreis zu entziehen um ihm oder besser ihr selbst eine tränenreiche Abschiedsdramödie zu ersparen. Er hatte den Brief sooft gelesen, an die genaue Zahl konnte er sich nicht erinnern, aber jedenfalls war es oft genug um jede einzelne Silbe auswendig zu können. Bei jedem Mal als er von neuem begann und sein Herz zu bersten drohte vor Schmerz, schwor er sich das es das letzte Mal war, das er seine Seele mit diesen Worten quälte, doch als er fertig war, setzte er erneut am Anfang an um sich zu vergewissern, das er nicht träumte oder sich verlesen hatte. Dieser Brief...er war einfach so unrund, irgendwie passte es nicht zu Mia, sie hätte ihm nie so einfach abserviert. Wenn Mia sprach quoll jedes einzelne ihrer Worte nur so über vor Liebevolligkeit und Fürsorge. Mia war doch immer eine dieser Frauen gewesen, die sich vor lauter Sorge um andere kaputt schuften und sich ausnutzen lassen vor lauter Gutmütigkeit und jetzt das! Das passt einfach nicht zusammen. Irgendetwas ist da faul...wenn ich nur wüsste was. Enrique lag noch eine ganze Weile auf seinem Bett, seine einzige Gesellschaft war die Ratlosigkeit.
Alexander lehnte an der gegenüberliegenden Wand. Er sah sie mit dem Augenausdruck eines geprügelten Hundes an, aus seiner Nase tropfte Blut. Mia erschrak maßlos bei diesem Anblick, sie fühlte sich wie gelähmt, aber es war nicht der Anblick der sie in diesen Zustand manövrierte sondern viel mehr die Tatsache, das sie dafür verantwortlich war. Wie würde Alexander reagieren? Immerhin habe ich ihn ins Gesicht geschlagen - natürlich aus purem Versehen, aber weiß er das auch? Er hält mich hier gegen meinen freien Willen fest, das wäre auf jeden Fall ein Grund mir jetzt zu zeigen wer hier der Boss ist. Mia spürte wie sie am ganzen Körper zu zittern begann. Wie in Zeitlupe begriff sie, dass es ihre Stimme war, die in ihrem Ohr erklang. "Es tut mir l...eid...ich...ich wollte das nicht. Die Sonne...das Fenster...meine Augen hab...en die Helli...gkeit nicht ver...tragen...blind...dich nicht gese...hen" Ihr Schock war selbst in ihrer Stimme noch zu hören, jeder Buchstabe zitterte und jedes Wort fand nur mühevoll den Weg aus ihrer Kehle. Die Angst vor dem was sie jetzt erwartet, war einfach überirdisch. Mia kannte das ja so aus Fernsehfilmen, wie die Entführer dann nach einer Schrecksekunde auf ihre Opfer losgingen und sie halb oder manchmal auch ganz totschlugen. Mias Herz bekam einen unregelmäßigen Schlag. Der Gedanke daran brachte sie fast um den Verstand. Er wird dir nichts tun. Er liebt dich, das ist der einzige Grund warum du hier bist...Mia versuchte krampfhaft ihre Angst vor den nächsten entscheidenden Minuten zu vertreiben, was ihr jedoch nicht gelang. Ihre positiven Gedanken waren nicht mehr als Oberflächenkosmetik, eine ziemlich schlechte noch dazu. Es half im Prinzip null. "Das sollte es auch" Seine ausdruckslose Stimme zerschnitt die gruselige Stille. Mia versuchte aus seiner Artikulation seinen Gemütszustand abzulesen, doch keine Chance. Da war absolut nichts, einfach nur pure nüchterne Neutralität. Schützend legte Mia ihre Hände um ihren Kopf, ihr Herz hämmerte an allen erdenklichen Stellen, ihr Kopf dröhnte...und dann geschah es.
Die letzten Worte meines vorherigen Teils waren nicht besonders gut gewählt...etwas unfassbares...wäre wohl treffender gewesen! Teil 23
Alexander fühlte sich für einen Moment wie in Trance als ihn der Schlag ins Gesicht traf. Erst realisierte er gar nicht, was da gerade zwischen seine Augen geflogen ist, er fühlte sich wie unter einer Glocke, das drumherum nahm er irgendwie etwas fern wahr. Was habe ich falsch gemacht?, schoss es ihm nach der ersten Schrecksekunde durch den Kopf. Der Schmerz, der seine Nase erfüllte dröhnte über sein gesamtes Gesicht, die warme Spur die sich über seine Haut von seiner Nase abwärts einen Weg bahnte, meinte er als Blut zu deuten und sogleich efüllte auch schon der metalische Geschmack jenes roten Körpersaftes seine im Mundraum angesiedelten Geschmacksnerven seine Wahrnehmung. Um den von ihm empfundenen Schmerz etwas zu lindern drückte er seine Augen ganz fest aufeinander und biss sich zeitgleich noch auf die Zähne, was ihm auch eine weitere Blutmahlzeit ersparte. Hatte Mia ihm wirklich ins Gesicht geschlagen? Das Mia sich wehren würde gegen seine Maßnahme zur Wiedervereinigung ihrer beider Herzen, die ohne das andere zu keinen Glücksgefühlen fähig waren, dass war Alexander von Anfang an bewusst, doch das...damit hätte Alexander wirklich nie gerechnet. Was soll ich jetzt machen? Wie soll ich reagieren? Schließlich kann ich ihr diese törichte Handlung doch nicht einfach durchgehen lassen, sonst glaubt sie womöglich noch, das sie so Eindruck schinden kann bzw. Macht über mich hat, ein Umstand den es auf keinen Fall geben darf. Wie könnte ich ihr auf recht langwirkende Art und Weise zeigen wer hier der Dirigent ist? Ich könnte z.B...Wie wäre es mit 3 Tagen ohen Essen, Besuch und Licht...mit Sicherheit stirbt sie fast vor Angst, weil sie denkt ich hätte mich auf nimmer wiedersehen verprunzt (sorry, für die vulgäre Wortwahl, ist normal nicht mein Stil, aber ich dachte zu ihm passt das) oder vielleicht sollte ich ihr auch einfach eine versetzen...nein, das wäre zu brutal, danach hätte sie sicherlich nur noch mehr Angst vor mir...also überhaupt nicht zielführend...obwohl ich irgendwie gerade große Lust dazu hätte...warum muss sie aber auch so bockig sein, wo sie doch um meine einzigartigen Empfindungen im Bezug auf ihre liebreizende Erscheinung genauestens Kenntnis trägt...Was soll ich nur machen? Mir will und will wirklich keine adäquate Methode zur Zügelung ihrer Unbeherrschtheit einfallen...Was zum Kuckuck soll ich jetzt nur machen?? Alexander schickte in letzter Instanz seiner Ratlosigkeit eine stumme aber deutlich bittende Geste zum Himmel, vielleicht weiß der Allmächtige ja Rat für mich, dachte er ziemlich entmutigt. Die Gedanken, besonders die an Rache, auch wenn sie nicht sonderlich orginell waren, hatten Alexander etwas von seinem dröhenden Schmerz im Gesicht abgelenkt und so fühlte er sich animiert nach ein paar verstrichenen Sekunden der Grübelfreiheit seine Augen wieder zu öffnen und sein Blick fiel auf seine Angebete.
Mia presste ihre Augen so fest sie nur konnte aufeinander. Gespannt und völlig verängstigt wartete sie auf ein Brennen eines Schlages, dass über ihre nackte Haut jagte oder ein akustischüberladenes Wortunwetter, das über sie herunter prasselt. Doch so seltsam das klingen mag, nichts geschah. Der Raum verharrte in der quälenden Stille, die von einem Faden der Angst durchzogen war. So entschloss sich Mia nach einer empfundenen Ewigkeit das Wagnis einzugehen und öffnete die Augen. Das Bild, das sich ihrem Sehfeld offenbarte, ließ Mia stocken. Alexander lehnte mit stark zu einem X geformten Beinen an der Wand, die Erschöpfung schrie aus all seinen Gliedern, das Blut sickerte noch immer in einem dünnen Rinsal aus seinem Nasenrohr, Gesicht abwärts bahnte es sich einen Weg über seine Lippen, was nicht in der Mundhöhle unterschlupf fand, rann das Kinn hinab und schlengelte auch noch über den Hals. Für Mia ergab dieser Anblick ein gruseliges Bild, komprimiert mit der Tatsache, dass seine Gesichtszüge immernoch unleserlich waren stieg Mias Furchtpegel schier ins Unermessliche.
Alexander schockierte der Ausdruck von Anspannung und Angst in ihren verhärteten Gesichtszügen, um nicht zu sagen, es erzeugte regelrechte Herzschmerzen bei ihm. Mias rechtes Lid stuckte stark in einem unregelmäßigen Rhythmus, bekanntlich ein Zeichen von großer innerer Aufruhr, diagnostizierte er ganz Weißkittel like im stillen. Alles was er jemals wollte war, dass sie glücklich ist und nicht das sie wie jetzt vollkommen verängstigt auf ihrem Bett hockte und inwendig hinunterschaute. Mit einem Mal waren alle Gedanken an Tadel und der Atem des Hasses verflogen und die pure Lieblichkeit regierte seine Züge. Ihre Verzweiflung hat mich immer schon zum schmelzen gebracht, etwa ein geschickter Schachzug ihrer seits? Mia kennt mich sehr gut, ich habe ihr nach einigem zögern mein Herz ummantelt mit einer roten Schleife überreicht, gut möglich also das sie sich das Tempo meines emotionalen Sekundenzeigers angeeignet hat, um sich jetzt der Strafe ihrer Tat zu entziehen? Mio Dio, wie soll ich jetzt nur reagieren? Es steht soviel am Spiel! Meine reellen Chancen bei ihr sind sowieso schon unter aller S.au, ein falscher Tritt und ich habe mein Glück auf ewig verspielt. Jetzt ist wirklich Fingerspitzengefühl angesagt, eine Taktik die ich nicht ernsthaft beherrsche, bisher bin ich damit ganz gut durchs leben geschlängelt, aber nun wird mir meine Unwissenheit auf diesem Terrain unweigerlich zum Verhängnis. Mein Herz sagt: "Vergiss die verdammte Rache, braucht eh kein Mensch" und mein Verstand wiederum sagt: " Lebe sie, denn Frauen belügen und manipulieren uns sowieso die ganze Zeit und ohne Skrupel." Vermutlich würde jeder dem mich meine Lage schildern würde, mich einen Narren schimpfen und mit dem nassen Fetzen aus seinem Dunstkreis jagen, aber ich kann einfach nicht anders. Ich liebe sie, doch!
Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Das kleine unscheinbare Detail am Rande, das diesen Wisch so unrund und glaubensarm gestaltete. Es war nicht nur das Was sondern auch das Wie. Diese Aneinanderreihung von niederschmetternden Worten, deren Wahl nicht besonders originell angelegt war, wurde durch die Tastatur eines Computers für mich lesbar gemacht. Wieso hatte Mia mir nicht mit der Hand geschrieben, ihre Rechtschreibung war ja mittlerweile ganz ordentlich und davon mal abgesehen, ihre Schrift durchaus lesbar. Oder wollte sie etwa auch die Erinnerung an ihre Handschrift, die kleinen oder manchmal auch viel zu groß geratenden krakeligen Buchstaben, die oftmals auf den Blättern lehnten wie Besoffene an der Wirtshaustheke, nicht in mir wecken und setzte davon ausgehend auf die unpersönliche Note dieses Schriftstückes. Ich kann es drehen und wenden wie ich will, aber es passt einfach nicht zu der Mia die ich kenne bzw. glaubte zu kennen. Dieser Brief, wie auch der Abschied...das ist alles so unpersönlich, Mia jedoch war der persönlichste Mensch den ich jemals kannte und vermutlich wird sich das im Verlauf meines weiteren Lebens auch nicht mehr ändern. Sie war schon alleine wegen ihres Analphabetismus auf den direkten Weg angewiesen, alles bekam einen persönlichen Touch. Sie musste die Menschen immer um jede Kleinigkeit fragen, da E-Mails schreiben nicht drin war oder Post-its lesen. Mia musste einfach immer nach einem Weg suchen um die Aufschrift von Zetteln zu erfahren ohne sich und ihr "Makel" zu verraten. So etwas prägt einen Mensch doch sehr stark, besonders wenn es über einen so langen Zeitraum geschieht, wie bei ihr, es handelte sich im groben ja fast um ihr gesamtes Leben, 26 Jahre sind kein Pappenstiel, schon gar nicht für jemanden der sich zur Zeit erst im 28. Lebensjahr befindet. Kann man das alles wirklich über Bord werfen, nur um sich unter dem scheinheiligen Vorwand, das Seelenwohl seines bisherigen Partners nicht schmutzig zu machen? Für mich persönlich undenkbar, vor allem als selbsternannter Mia-Experte. Die Liebe lässt einen Menschen doch immer zu seinem Ur-Ich zurückfinden, besonders wenn man die ganz, ganz große Liebe trifft. Dieser Mensch ist doch schließlich der Spiegel von einem Selber. Die Gefühle öffnen das Herz ohne, dass man dafür einen Schalter umlegen muss, es geschieht einfach. Wir nehmen es nicht bewusst war, sondern spüren es meist erst dann, wenn dieser Mensch aus unserem Leben tritt. Dieser Schmerz, den wir dann als Liebeskummer zu bezeichnen neigen, ist doch in Wahrheit nur der Muskelkater, der während des Schließvorgangs des Herzens entsteht.
Enrique saß plötzlich senkrecht in seinem Bett, er wusste nicht viel, aber zu den wenigen Dingen die er als sein geistiges Eigentum benennen durfte, gehörte die Gewissheit das dieser Brief eine hinterhältige und eindeutige Fälschung war, erschaffen zur Irreführung seiner Sinne. Hiermit will mich jemand ausschalten. Jemand der ganz genau weiß, das ich ohne Mia nur noch ein atmender Haufen ohne Lebensenergie und Kampfgeist bin. Aber wer um alles in der Welt war so frei von Respekt, Ehre und Selbstachtung, das er sich so tief beugte um mit diesem Mittel unter dem Mantel der Feigheit seinen Gegner ins Out zu kicken. In Enrique begannen die ersten Triebe der vollkommenen Wut zu wuchern. Ganz spontan kam für Enrique nur eine einzige Person in Frage, die mit all diesen Attributen vollständig beschrieben werden kann.
Mia wusste nicht recht ob sie sich freuen oder doch lieber fürchten sollte. Der Gesichtsausdruck der ihr aus Alexanders Visage entgegen sprang, war einfach zu unglaublich als, dass sie ihn fassen hätte können. Immerhin hatte sie ihm gerade ins Gesicht geschlagen und was macht er? Ich habe fest damit gerechnet das er mich anbrüllt, das die Wände sich wünschen würden, fliehen zu können oder das ich sogar einen Gleichgesinnten Tadel erhalte, doch nichts absolut nichts. Immer noch steht er da wie zuvor. Eine Litfasssäule ist ein ADHS-Patient dagegen. Ich meinte immer ihn zu kennen, man sagt doch, dass die Liebe nichts verborgen hält, an seinem Auserwählten und geliebt habe ich ihn. Daran besteht kein Zweifel, diese Liebe erlosch erst als Enrique in mein Leben trat bzw. als ich erkannte das hinter der Maske des peinharten Geschäftsmannes noch etwas ist, ein Mensch...ein verletzlicher Mann, der eigentlich auch nur darauf hofft, dass seine in ihm glosende Glut zu einem waschechten Buschfeuer der Leidenschaft ausartet...dessen Vollendung in trauter beidseitig einvernehmlicher Zweisamkeit sein Ziel findet und dem nie die Kohlen ausgehen mochten, zumindest nicht solange bis bei ihm Schicht im Schacht herrscht. Es war letztendlich auch sein Verständnis, seine hochromantische Ader, sein oftmals kindlich-trotziges Verhalten und noch viele winzige Teilchen, die aus ihm schließlich das formten was er für mich darstellte - meinen absoluten Traummann! Enrique war schlussendlich genau das, was ich in Alexander immer verzweifelt gesucht hatte und doch nie gefunden habe. Was um Himmelswillen war also geschehen, dass ich mich jetzt hier in einem stickigen Raum, in einem alten Gebäude in Anwesenheit meines ehemaligen irrtümlich ernannten Traummannes befinde.
Mia wollte sie gerade mit der Tatsache befassen, ob der Kabelbrand in Alexanders Gehirn jetzt endgültig die Regierung übernommen hatte, als ihr eine beklemmende Erinnerung die Kehle hochstieg. Wo ist Enrique? Verdammt, das habe ich ja komplett vergessen. Mia stockte augenblicklich der Atem. Alexanders hämisch gesprochene Worte hallten durch ihren Kopf. Ich habe mich um ihn gekümmert, vertrau mir. Mias Herzschlag begann wie auf Kommando erneut zu rasen, als wolle er Sebastian Vettel auf der Zielgeraden überholen, auf ihren Handflächen brach der kalte Schweiß aus und die begann unheimlich zu zittern. Die Vorstellung, dass Enrique etwas zugestoßen "worden" sein könnte, brachte sie beinahe um den Verstand, um das Leben ihres Verlobten sorgte sie sich zunehmend mehr als um ihr eigenes. Schließlich war Mia sich sicher einen Joker zu besitzen. Mich liebt Alexander, doch ihn, Enrique, meine große Liebe hasst er. In seinem kranken Verstand gibt er ihm aller Wahrscheinlichkeit nach die Schuld am zerreißen unseres Bandes, wobei er seine sinnfremde herumvögelei mit Annett galant außen vor lässt. Ein gewiefter Schachzug eines denkunfähigen Psychopathen. Wenn er mich hier gefangen hält, was hat er dann Enrique angetan? Schließlich betrachtet er ihn ja als das Anti, das Böse Büblein, das in seinem Revier gewildert hat und was hat man früher gern mit Wilderern gemacht? Richtig, abgeknallt, wie ein Stück Vieh. Oh, mein Gott, bitte, bitte lass das nicht war sein, bitte. Ich komme jetzt auch jeden Sonntag brav in die heilige Messe, aber bitte sorg dafür das ich meinen Verlobten heil wiederbekomme. Eigentlich wusste sie sehr gut, dass ihre Worte so eben vollkommen schwachsinnig waren, denn wenn er ihm bereits etwas angetan hat, dann kann ihn der liebe Gott auch nicht mehr retten. Am liebsten würde Mia jetzt in ohrenbetäubendes Gebrüll verfallen, um dem Schmerz der sie in diesem Moment erfüllt, den angemessenen Raum zu schenken, doch das Wissen um die Anwesenheit ihres ganz privaten Psychopathen versiegelte ihre Lippen. Mia drohte zu bersten, so viel Hass staute sich mittlerweile gegen den Mann der an der Wand in diesem Zimmer lehnte auf und aus dessen, durch ihre Hand malträtierte Nase, Blut sickerte. Das stumme Rinnsal hatte sich mittlerweile bis in seinen gelben Pullover, wo es sich einem See sammelte durchgekämpft. Das was gerade im Begriff war zu geschehen, raubte Mia erstens den Atem und zweitens glaubte sie sich wie so oft in den vergangenen Tagen im falschen Film gelandet zu sein. Ein Gedanke der allmählich zur Routine wurde.
Enrique eilte wie von einem unsichtbaren Wesen verfolgt hinaus auf die Straße. Ein lauer Frühlingswind blies im ins Gesicht und wehte sie sogleich die gerade erst entstandene Hoffnung wieder fort und Enrique blieb nicht mehr als ihr nach zu sehen bis die Hausfronten und letztendlich auch der weit entfernte Horizont sie verschlungen hatten. Am liebsten wäre er hier und jetzt auf den Boden der Tatsachen niedergesunken, aber der Gedanke, dass seine Mia irgendwo da draußen war, hielt ihn davon ab. Die Chance sie zu finden war einerseits verschwindend gering, doch andererseits lebte die Hoffnung sie dennoch zu finden. Die Vernunft war eben nicht immer der beste Partner, besonders bei solchen Dingen. Zu wissen bzw. es zu glauben etwas zu wissen heißt nicht immer auch die Lösung wirklich zu finden. Wenn Zeiss Mia wirklich in seiner Gewalt hat und sie gezwungen hat diesen Brief an mich zu schreiben, so kann er sie wirklich überall versteckt halten. Ich kenne ihn nicht, seine Familie genauso wenig...wo soll ich suchen um sie zu finden? Die Welt ist so weit, die Verstecke so zahlreich und meine Möglichkeiten so begrenzt. Enrique kullerte eine Träne der Verzweiflung über seine Wange. Es tat so weh an sie zu denken und zu wissen das sie nicht zu mir kommt. Nicht jetzt, nicht in einer Stunde, nicht heute Abend, nicht morgen...vielleicht nie mehr. Dieser Gedanke versetzte Enrique einen spitzen Stich im Herzen, so dass er sich krümmte. Verzweifelt blickte er um sich und musste erkennen, dass es nicht der Ort war, der ihn so faszinierte sondern Mia machte ihn faszinierend. Vermutlich würde er die Wüste als Blütenmeer wahrnehmen, nur weil Mia beim ihm war. Gequält von den Ereignissen machte er sich auf den Weg in die Else, vielleicht half ein wenig reden mit Susanne, Anna, Tom oder sonst wem ein wenig. Möglicherweise war geteiltes Leid wirklich halbes Leid. Früher hätte er an so etwas nie geglaubt, aber seit Mia verschwunden war, klammerte er sich mit letzter Kraft an jeden Strohhalm...es sorgte einfach dafür, dass das Licht der Hoffnung nie erlosch, denn das wäre sein Ende.
Ich weiß, ich hab ziemlich lange nichts mehr von mir hören lassen...Lag einerseits daran das sich mein Kopf am Anfang des Monats kurzfristig dazuentschlossen hatte mit einer Betonstiege zu schmusen und ich danach Ruhe geben musste, weiters wars meine Arbeit und auch der zündende Einfall zum weiterschreiben. Ist zwar nicht viel, aber alle mal wieder etwas. Lieb Grüße Gretchen
Teil 26
Entgegen jeder Vernunft oder Befürchtung Mias stieß sich Alexander von der Wand ab, drehte sich um und verließ ohne ein weiteres Wort das Zimmer. ER war fort, doch die Angst blieb. Sie saß auf Mias Schulter wie ein impulsaussendender Fleischkloß, der einem unaufhörlich bewusst macht in welcher Gefahr man sich aufhält ohne irgendeinen Einfluss darauf zu haben. In so einem Fall ist die Stille eines Menschen größter Feind. Wie viel würde ich drum geben, nur das klirren einer Scheibe oder das pfeifen eines Wäschetrockners zu hören. Es würde mir einfach etwas von dem geben, was aus mir schon lange verschwunden ist, zumindest seit ich hier festsitze und nicht weiß was mit Enrique ist. Egal was Alexander mit mir anstellt, selbst wenn er mich tötet...nichts wäre so schlimm wie ein Leben ohne Enrique, denn ohne ihn bin ich sowieso tot. Er ist das Licht am Ende des Tunnels, zu dem ich so verzweifelt zu finden versuche, doch bis jetzt scheine ich die Wegbiegung noch nicht gefunden zu haben, die mir die Aussicht auf meine Zukunft gewährt. Oder habe ich keine mehr. Ist das hier meine Zukunft, der Anfang vom Ende?...Aber wie soll ich auch weiterkommen, wenn der einzige Platz dieses Zimmer ist in dem ich michaufhalten darf. Mia war gewillt sich dieses grauenhafte Teil vom Leibe zu reißen, doch wieder hielt sie im letzten Moment inne, schließlich hatte sie sonst nichts anzuziehen und im Evakostüm ihrem Peiniger gegenüber zu treten, war nicht gerade der Traum ihrer schlaflosen Nächte...obwohl er konnte schließlich nichts sehen, was er ohnehin nicht kannte, schließlich waren sie ja mal zusammen, wenn man das überhaupt als so etwas bezeichnen konnte und Unterwäsche trug sie ja auch noch. Sie ließ es aber trotzdem bleiben.
Alexander trat hinaus auf die Straße, der Wind blies ihm auch heute wieder ins Gesicht. Das Wetter war verhangen, die Stimmung bedrückt. Stirnrunzelnd lenkte er seine Augen hinauf in Richtung des Himmels. Er empfand als wolle die Wolkendecke auf seinen Kopf herunterbrechen um ihn und seine Schuld unter sich zu begraben. Er schluckte schwer und senkte den Blick. Alexander wusste, dass sein Handeln tiefstens im Unrecht verankert war, doch sein Herz trieb ihn zu dieser Aktion. Der Schmerz der sonst durch dieses besagte Organ jagte, wenn Mia nicht bei ihm war...er konnte ihn einfach nicht mehr ertragen. Am Anfang als er zum ersten Mal realisierte, dass ihr gemeinsamer Lebensweg an dieser Stelle sein Ablaufdatum erreicht hatte, erfüllte ihn eine tiefe Traurigkeit, doch keineswegs begann in ihm die Gier nach einer erzwungenen Beziehungsreunion zu wuchern. Es tat unendlich weh zu wissen, dass sie für Enrique eine Art von Liebe empfand die sie für ihn nie entfachen konnte. Alexander hatte sich zurückgezogen wie ein verwundetes Tier um seine Wunden zu lecken. Ganz im Gegenteil er hatte Mia im geheimen sogar Glück gewünscht mit Enrique glücklich zu werden und bei sich einfach auf den Zeitpunkt gewartet bis der Liebeskummer verpufft. Schließlich war schon öfters eine Beziehung in die Brüche gegangen und irgendwann kam immer der Punkt an dem es aufhörte zu schmerzen. Doch diesmal war alles anders. Es verging sehr viel Zeit, ein gutes halbes Jahr, doch jedesmal wenn er an Mia dachte oder sie auch sah, war der Stich in seinem Herzen von derselben Intensität. Nichts half und so reifte schließlich dieser wenig rühmliche Plan. Ich ertrug den andauernden Schmerz nicht mehr, den die bevorstehende Zusammenarbeit mit Sicherheit nicht lindern würde. Eines Abends saß ich zu Hause auf dem Sofa und guckte einen Film, einen Liebesfilm. Ein Paar fand zueinander, weil es über einen längeren Zeitraum miteinander auf engestem Raum zusammen sein müsste. In mir begann die Erkenntnis zu reifen, dass Enrique an allem Schuld ist. Wäre er nicht aufgetaucht bzw. später mit dem Auto irgendwo reingekracht, wären wir beide heute ein Paar. Eine irrsinnige Wut kroch in mir hoch und so begann über Wochen hinweg dieser Plan zu reifen. Alexander war ohne es zu merken, ein ganzes Stück weit in Richtung Berlin Mitte gelaufen. Sein Blick war gesenkt und so merkte er auch nicht mit wem er im Begriff war zu kollidieren.
Erst als er den Zusammenstoß spürte, begriff er, dass er ziemlich blindlings durch die Straßen irrte. Alexander hob schnell den Kopf um sich zu entschuldigen, doch das Gesicht in das er blickte ließ seine Stimme an Ort und Stelle verharren. Berlin hatte so viele Millionen Einwohner doch musste er ausgerechnet in seiner kopflosen Phase den Mann anrempeln, der im näheren Sinne einen beträchtlichen Anteil an seinem emotionalen Chaos hatte. Ich meine, wenn er nicht gewesen wäre, dann hätten Mia und ich vielleicht doch noch eine Chance gehabt, trotz meiner peinlichen Irrfahrt mit Annett. Beide Männer starrten einander mit leeren Augen an und Enriques Kehle rollte ein trockener Schluckreflex hinunter, sodass es ihn fast würgte. Alexander würde am liebsten davon rennen, solange bis ihn seine Beine nicht mehr tragen, doch Enrique hatte sich auch schon wieder gefangen und setzte zum Angriff an. Entkommen war zwecklos, er würde ihn verfolgen. "Wo ist Mia!", Enriques Stimme klang eisig. Alexanders blick glitt beschämt zu Boden. Was sollte er nun antworten? Seine Schuldgefühle im Bezug auf die Freiheitsberaubung von Mia wurden immer größer, aber war Enrique wirklich die richtige Adresse um reinen Tisch zu machen. Er würde mir an die Gurgel springen und solange zu drücken, bis ich elendig an Luftverlust zu Grunde gehen würde...Natürlich erst nachdem ich ihm Mias Aufenthaltsort genannt habe. Eh klar. Nein, ich kann vor ihm nicht blank ziehen. Er würde mich wahrscheinlich wirklich umbringen. So bemühte sich Alexander um einen glaubwürdigen Tonfall und eine gleichgültig und leicht besorgte Miene. "Was soll das? Ich hab dir schon einmal gesagt, dass ich das nicht weiß, Vegaz", versuchte Alexander sich cool zu geben, obwohl es in seinem inneren vor Aufregung brodelte wie in einem Vulkan der kurz vor dem Ausbruch stand. Seine Handinnenflächen waren nass vor kaltem Schweiß und seine Hände zitterten und so ließ er sich schnell in seinen Hosentaschen verschwinden, bevor Enrique seine Nervosität bemerken konnte. "Das glaub ich dir nicht und das habe ich dir auch schon einmal gesagt", entgegnete Enrique mit nicht minder eisiger Stimme. "Hören Sie, Vegaz. Manchmal verlassen einen Frauen, das kommt vor. Man nennt diesen Vorgang auch Lauf des Lebens" In Alexanders Stimme duellierten sich nun Gelassenheit und Sarkasmus. Er fühlte sich von Enrique in die Enge getrieben und so wurde ihm schmerzlich bewusst, dass er sein Spiel nicht mehr lange unbemerkt fortsetzen konnte. Er musste dringend etwas unternehmen und so fasste er einen Entschluss. "Wenn ich sie sehen sollte, dann grüß ich sie von ihnen. Wie unser Aufeinandertreffen zeigt gibt es Wunder ja doch noch" Ein leichtes Grinsen huschte über Alexanders Lippen ehe er einfach ohne auf eine Antwort seines Gegenübers zu warten seine Füße in Bewegung setzte und davon schritt. "A.rschloch", schimpfte Enrique verärgert. Der Typ hat mich total auflaufen lassen. Einen Moment lang spielte er mit dem Gedanken Alexander nach zulaufen, doch dann siegte die Vernunft und er stufte dieses Unterfangen als Sporttraining mit sinnlosem Ziel ein, also ließ er es einfach gleich bleiben.
Währenddessen lag Mia total verschreckt auf ihrem Bett. Die Angst, dass Alexander sie nach diesem Vorfall einfach hier verrotten lassen würde, war schier übermächtig in ihr vorhanden. Niemand würde mich hier finden, weil doch niemand weiß wo ich bin. Enrique wird mich suchen, aber ob er mich findet? Alexander ist doch kein Idiot, er wird mich sicher an einen Ort gebracht haben, den man mit ihm nicht in Verbindung bringt und wo man selbst wenn man ihm auf die Schliche kommt nicht nach mir sucht. Erneut begannen Tränen über Mias Wangen zu rinnen. Sie waren jedoch nur ein winziger Ausdruck ihrer grenzenlosen Verzweiflung. Ich hab noch weniger als keine Chance hier lebend raus zukommen ohne, dass ich mein Leben an der Seite dieses Psychopathen abfristen muss. "Enrique...Enrique...Enrique...Wo bist du?", brüllte Mia vollkommen verzweifelt, jedoch frei von jeder Hoffnung auf baldige Freiheit.
Alexander lief nun noch kopfloser durch Berlin als zuvor. Die Begegnung mit Enrique hatte ihn noch mehr aus dem Konzept gebracht, als er es zuvor schon war. In seinem Gehirn duellierten sich die verschiedensten Gedanken miteinander und er fühlte sich immer hilfloser. Einerseits liebte er Mia so sehr, dass er die Schmerzen, die ihre Ablehnung in seinem Herzen hervorriefen kaum zu ertragen wusste und andererseits ging ihm ihr angsterfüllter, panischer Blick von vorhin nicht mehr aus dem Kopf. Hatte sie wirklich gefürchtet, das ich sie schlagen werde, weil ihre Hand sich in mein Gesicht verirrt hat?...Mia müsste doch wissen, dass ich zu so etwas niemals fähig wäre. Sie ist doch alles was ich habe. Ohne ihre Liebe bin ich ein niemand. Seit ich mich in sie verliebt habe ist sie morgens vom Aufstehen bis abends zum schlafen gehen in meinen Gedanken immer bei mir gewesen. Wie soll ich da leben ohne sie? Ohne ihr Lachen, ihr weinen, ihre Sturheit und ihre Macken...sie ist...es ist einfach unbeschreiblich was sie für mich ist. Andererseits will ich sie aber auch nicht mit Angst und Druck an meiner Seite halten. Ich will in Liebe mit ihr leben...Liebe die uns beide aus freien Stücken empfindet und kein Zwang...Ich bin so ein Idiot...Was habe ich nur getan? Habe ich ernsthaft geglaubt, dass sie mich durch diese bescheuerte Nummer wieder lieben wird? Alexander steuerte seine zur Faust geballte Hand gegen einen vor ihm befindlichen Laternenmasten. Ein hohles scheppern ertönte und durch seine Hand bzw. seinen ganzen Arm jagte mit höllischer Geschwindigkeit ein nahezu unendlicher Schmerz. Man könnte es mit einem Güterzug von 2 km Länge gleichsetzen. Doch damit nicht genug, startete Alexander gleich das nächste Manöver. Um sich des Schmerzes zu entledigen, trat er mit voller Wucht gegen den neben sich befindlichen Portstein. Danach ließ er laut eine ganze Serie von wüsten Flüchen vom Stapel ehe er mit einem bestimmten Ziel vor Augen davon marschierte. Er hatte eine Entscheidung getroffen und um sie perfekt umsetzen zu können musste er noch einige Besorgungen machen.
Dieser Typ ist das schlimmste Individuum seit es Menschen gibt, fluchte Enrique. Ich bin mir sicher, dass er weiß wo Mia ist, doch er wälzt sich in der Genugtuung es mir nicht zu sagen, da er genau weiß, dass ich ihm nichts beweisen kann. Weder die Nummer mit dem Brief noch seine Falschheit. Manchmal ist die Welt wohl wirklich ein ungerechtes Pflaster.
Mit einem für das Maß der Umstände erträglichen Lächeln auf den Lippen verließ er die letzte Station auf seinem Besorgungsmarathon der letzten Stunden. Seine Hände wurden von unzähligen Tüten nach unten gezogen. Eine Stunde später war er endlich bei Mia. Mit gemischten Gefühlen schloss er die Türe auf, stellte die Tüten ab und trat vor den Spiegel. Es war ein komisches Gefühl, dass seine Magengegend bevölkerte und die Schuldgefühle begannen ihn auch immer mehr zu erdrücken. Er senkte den Blick um sein Spiegelbild nicht mehr ertragen zu müssen. Du hast es geschafft...es ist ein Kunstwerk, das nur wenige Erdenbürger erfolgreich hinter sich bringen, aber du gehörst zu dieser wenig glorreichen Elite...ich bin ein verdammtes Sch.wein...ich...Mia, sie darf mich nicht verraten...es geht nicht anders...ich muss es tun...Gott, verzeih mir, das ich als einer deiner Söhne vom rechten Weg abgekommen, in der Pampa gestrandet...es ist meine einzige Chance...bitte vergib mir...
Enrique war inzwischen nach Hause zurückgekehrt. Natürlich hatte er unterwegs überlegt im nächstgelegenen Polizeirevier Halt zu machen und den Plan jedoch jedes Mal von neuem wieder verworfen. Was habe ich schon gegen Zeiss in der Hand? Einen Verdacht, einen Brief den jeder geschrieben haben könnte in dem auch noch steht, dass Mia mich verlässt...Nein, es wäre sinnlos...Vielleicht hätten sie mich letzen Endes sogar noch selbst eingebuchtet, weil sie dem Irrglauben aufgesessen wären, das ich Mia aus Eifersucht ums Eck gebracht habe und jetzt die Schuld meinem Nebenbuhler gebe...Nein, das ist es nicht wert. Da warte ich lieber bis ich was Handfestes habe und das werde ich finden. Zeiss ist schlau, na ja zumindest hält er sich dafür, aber er hat einen Fehler gemacht...ich bin mir ganz sicher. Allerdings muss ich diesen nur noch finden, was relativ problematisch werden könnte. Wie sucht man nach etwas von dem man nicht weiß was und wo es ist? Enrique schlug mit der flachen Hand gegen die Wand, ein Zeichen dafür, dass anscheinend mein letzter Nerv nun auch unter der Belastung zerrissen ist. Verdammt, ich vermiss sie so...Enrique schleuderte einen herumliegenden Schuh durch das Zimmer. Einer von unzähligen Versuchen seine Wut auf diese Kröte von Zeiss abzureagieren. Heute während des Gespräches mit ihm, es viel ihm von Minute zu Minute schwerer seine Wut zu zügeln...wie er mich angegrinst hat...er weiß das ich weiß, das er weiß wo Mia ist und er spielt damit...Sein Ass ist meine sinkende Belastbarkeit. Ich muss mich beherrschen...Er wünschte sich förmlich, dass ich ihm folge und ihm eine verpasse. Das ist Teil seines perfiden Plans mich auszuschalten, damit seine Bahn bei Mia endgültig frei ist. Enrique presste seine Finger zu einer Faust, sodass jene einzelne Sehne, Vene und etc. sich zum zerreißen bereit anspannte. Ich hab keine Chance gegen diesen Halsabschneider, wenn ich nicht bald etwas finde...einen Beweiß gegen ihn...Enrique rutschte an der Wand entlang auf den Fußboden wo er seinen Kopf auf seine Knie stütze und diese mit seinen Armen umfasste. Ein weiteres Indiz, dass er kurz vor einem Kollaps steht.
Hallo, Sorry, das ich solange nichts mehr von mir habe hören lassen, aber ich hab auf Grund eines Monsterviruses geschlagene 3 Wochen im Bett verbracht, da musste ich schulisch natürlich auch wieder einiges aufholen und eine Schreibblockade hatte ich auch... LG Gretchen
Teil 31
Alexander balancierte mit einem Tablett mit Kuchen und Kaffee mit vor Nervosität glitschigen Händen die Stiegen hinauf in Mias Gemach. Ihm stand nun der berühmte Gang nach Canossa bevor. Sein Herzschlag wurde mit jedem Schritt, mit dem er sich Mia näherte, schneller und drang immer lauter in sein Ohr. Bald vermutete er sein Herz schon neben dem Trommelfell befindlich. Kann meine Aufregung jetzt noch steigen? Ist die nächste Stufe nicht schon der Kreislaufkollaps? Als hätte er es geahnt, verschwamm sein Blick einen Moment später zu einer milchig-schwammigen Masse und Alexander taumelte erschrocken etwas zurück. Reflexartig klammerte er sich an den hölzernen Handlauf und der Kaffe auf dem Tablett schwabte über sein weißes Hemd. "Mist", schimpfte er, ehe ihm bewusst wurde, welches Glück er eben gehabt hatte. Alexander lehnte sich an den runden hölzernen Handlauf der ihn zuvor gekonnt vor dem tiefen Fall bewahrt hatte. Das Tablett hatte er auf die Stufe vor ihm gestellt und umklammerte nun mit seinen 10 zittrigen Fingern seiner beiden Hände, das dünne lakierte Holz, während er seinem gehetzten Athemrythmus lauschte. Einige Sekunden verstrichen, ehe er sich den Mut fasste verzagt, aber doch den Blick auf die hinter ihm verlaufende Treppe zu werfen. Oma würde jetzt sagen: Bei schönster Manier wäre ich die Treppe hinunter gefallen, dachte er. Das waren noch Zeiten damals, als Oma noch lebte. Wie ich sie für diese Satzkonstruktion immer belächelt habe. So redet doch kein Mensch, aber Oma hat hat halt viele Wörter am Flohmarkt gekauft. Doch jetzt wo er da stand, mit den Augen am Abgrund, gewann er plötzlich Respekt vor der ziemlich barock formulierten Äußerung. Alexander konnte es nicht erklären, es waren schließlich nur Worte und sie klangen immer noch äußerst lächerlich, doch irgendwie hatte er nun Respekt vor ihnen. Konnte eine einschneidende Erfahrung, die Sicht auf die Dinge wirklich so drastisch verändern? Er war ratlos , sein Klammergriff löste sich nur langsam ebenso wie sich sein Atem und herzrythmus nur widerwillig in den Umkreis des Normalsbereichs zurückbegab. Ist es mit Mia nicht genauso?, schoss es ihm plötzlich durch den Kopf. Es war nur ein winziger Tropfen im Fluss des Lebens und doch hatte er einen so großen Kältefleck in seinem Gehirn hinterlassen. Wir haben uns nicht mal richtig unterhalten, zumindest nicht wirklich. Enrique hat mir Vorwürfe gemacht, nein es waren wohl eher Anschuldigungen, die er mir entgegen geworfen hat. Nicht zuletzt mit einem großen Wahrheitsgehalt, aber das muss Enrique doch nicht wissen. Enrique ist nicht mein Freund und die Unterhaltung war weitdavon entfernt auch nur annähernd am Wort freundlich zu kratzen, doch sie hat mir etwas klar gemacht. Einerseits war es sicherlich das Wissen um Enriques Wissen, doch den Großteil seiner Entscheidung hatte eine Erkenntnis ausgemacht. Eine, die ihn bis ins Mark traf, davon jedoch keinesfalls weniger wahr wurde. Erschöpft senkte Alexander den Kopf und musterte die Schattierungen der Bretter aus denen die Stufen der Stiege gemacht waren. Leise schlich sich die Trauer in seine Augen und die Beklemmung gewann erneut oberhand. Die Verzweiflung ist wohl das einzige, was mir in inniger Liebe verbunden ist, dachte er resigniert, setzte sich auf die Stiege und trank aus der für ihn vorbereiteten Kaffeetasche. Igitt, schimpfte er leise. Das ist kein Kaffee sondern ein hinterhältiger Mordanschlag der Industrie.
Alexander hatte keine Ahnung wie lange er schon auf den Stufen hockte, mit der edlen Brühe in der Hand. Seit mein Leben so dermaßen aus dem Ruder gelaufen ist, habe ich mein komplettes Zeitgefühl verloren. Nichts ist mehr so wie es einmal war. Früher war die Welt für mich wirklich rosarot, ins besondere in der Liebe, jetzt hingegen ist sie nur noch lila und um sie so zusehen wie früher brauche ich die berühmte rosarote Brille. Schöner Kleister, was Alexander Zeiss. Insbesondere weil diese Brille dem Tageslicht nicht standhält, wagt man es doch mit ihr auf die Straße zu treten bzw. Vegaz gegenüber so zerbricht sie in tausend Teile und die einzelnen Glassplitter bohren sich unter enormem Schmerz tief in deine Augen+. Fast so als wolle sie einen für die Torheit des Regelbruches bestrafen. Mit schweren Knochen raffte er sich auf und stieg die Treppe weiter empor. Sein mulmiges Gefühl wurde mit jedem Schritt größer und sein Herzschlag immer schneller. Wie wird Mia reagieren?...Wieso habe ich das überhaupt gemacht? War ich wirklich so töricht zu glauben, dass sie zu mir zurückkehren wird, wenn ich sie gegen ihren Willen an mich binde? Wie konnte ich nur so dumm sein zu glauben, dass mein Feind mir ein Stück seines Kuchens anbieten wird? Obwohl er am liebsten auf der Stelle umgedreht hätte um die Flucht nach hinten anzutreten, zwang er sich weiter zu gehen. Alexander stellte das Tablett ab um die Türe zu öffnen. Stickige Luft und bedrückende Dunkelheit schlugen ihm entgegen. Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit einen Menschen den man liebt unter solchen Umständen gefangen zu halten und das in einem Land wo man als Verbrecher geächtet wird, wenn man ein Käsebrot ohne Butter serviert, dachte er sich selbst beschämend, während er sich vorsichtig in den Raum vortastete, schließlich den Rollraden unter lautem Getöse hochzog und das Fenster auf spreizte. Das Licht drang gierig in den Raum ein, sog die Dunkelheit in sich auf und über Alexanders Gesicht rollte eine Welle frischer, kühler Luft. Mia lag währenddessen friedlich im Bett und schlief, sie sah aus wie ein blondes Schneewittchen im gläsernen Sarg. Bei diesem Gedanken erschrak Alexander selbst zu tiefst. Auf leisen Sohlen schlich er durch das Zimmer, bedacht um ihre Ruhe nicht zu beeinträchtigen, hob den Kuchen vom Tablett und stellte ihn mit samt einer Gabel auf den Nachttisch neben Mia. Er selbst lehnte sich ans Fenster und genoss die atemberaubende Landschaft, die Ruhe und den melodisch einwandfreien Gesang der Vögel, die in den Bäumen rund um das Haus ihre Nester bezogen hatten. Die Landschaft war fast wie gemalt, wäre da nicht dieser kleine Schandfleck den er selbst mit wasserfestem Edding auf seine Stirn gemalt hatte und der nun als riesiges Loch in dieser von Lieblichkeit gezeichneten Idylle prangerte.