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Dieses Thema hat 185 Antworten
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 Pausierende und abgebrochene Fortsetzungen!
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Olivia<3 Offline

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Beiträge: 1.373

09.08.2012 20:37
#176 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

„Woran denkst du?“, durchbrach Gretchen plötzlich die Stille.
„Hm?“, Marc konzentrierte sich wieder, „An die Zukunft“
„Und, was kommt da so vor in der Zukunft?“, fragte Gretchen neugierig weiter.
„Hmm“, Marc seufzte, „Lass dich doch mal überraschen“
Gretchen sah ihn fragend an.
„Wie meinst du das?“, fragte sie.
„Na, das wirst du dann sehen, wenn es so weit ist“
„Marc, ich hasse Überraschungen“
„Stimmt, du bist nämlich viel zu neugierig“, sagte er lächelnd und parkte das Auto gekonnt in seiner Parklücke.
„Wann ist es denn so weit?“, Gretchen wurde ganz hibbelig.
„Auch das wirst du dann sehen“
„Na dann“, sagte Gretchen ihn und stand auf, „Ich werd dich dran erinnern“

Aber das Gespräch geriet schnell in Vergessenheit. Schnell gab es andere Sorgen, denn Elke Fishers Aufforderung an ihren Sohn wurden immer penetranter. Ständig kamen Briefe und Anrufe. Marc hatte schon ernsthaft die Idee gehabt Telefon und Handy zu erneuern.
„Marc, das kann doch nicht angehen, dass deine Mutter dich so bedrängt“, sagte Gretchen, nachdem Elke sage und schreibe 10 Nachrichten auf dem Anrufbeantworter hinterlassen hatte.
„Die kriegt sich schon wieder ein“, winkte Marc ab und löschte alle Nachrichten.
„Rede doch mal mit ihr!“, forderte Gretchen ihn auf.
„Später“
„Jaja“, sagte Gretchen und stand auf.

Und so machten sie sich wieder auf den Weg ins Krankenhaus:
„Guten Morgen Herr und Frau Doktor“, begrüßte Sabine ihren Oberarzt und dessen Freundin.
„Guten Morgen Sabine“, Gretchen ging in die Umkleide.
„Frau Doktor, Ihr Vater bittet Sie in sein Büro“, richtete die Schwester Gretchen aus.
„Was wollte er denn?“, fragte Gretchen und schlüpfte in ihren Kittel.
„Irgendetwas von wegen Facharzt“, sagte Sabine, „Ich habe gehört Sie haben bestanden! Herzlichen Glückwunsch, Frau Doktor“
Sabine war drauf und dran Gretchen zu umarmen und diese ließ das über sich ergehen.
„Danke Sabine“
„Frau Dr. Haase, haben Sie endlich Ihren Facharzt geschafft?“, mischte sich auf einmal Maria Hassmann in das Gespräch ein, „Na dann herzlichen Glückwunsch, Sie sind endlich auf dem richtigen Weg“
„Danke, Frau Dr. Hassmann“ sagte Gretchen, „Dann werd' ich mich mal auf den Weg zu meinem Vater machen“
Gretchen verließ die Umkleide und schlug den Weg zu dem Büro ihres Vaters ein.
„Herein“, war die Antwort auf ihr Klopfen. Gretchen trat ein-
„Hallo Papa“, sagte sie.
„Kälbchen, komm doch rein“, Franz erhob sich von einem Sessel und kam auf seine Tochter zu.
„Was gibt’s denn?“, fragte Gretchen.
„Ich habe etwas für dich“
„Was denn?“, Gretchen war neugierig geworden.“
„Ich hab gehört, du hast deinen Facharzt geschafft?“, Franz sah sie fragend an.
„Das stimmt schon“, sagte Gretchen.
Ihr Vater griff nach dem Namensschild, nahm es ab und drehte es nachdenklich in der Hand.
„Dr. Margarethe Haase, Assistenzärztin Chirurgie“, sagte er und schüttelte den Kopf.
„Ich habe lange nachgedacht, bin deine Patientenfälle durchgegangen und hab wieder nachgedacht“, Franz drehte das Schild wieder in seiner Hand, „Aber ich kann nur sagen, dass deine Referenzen mehr als hervorragend waren. Meinen vollen Respekt. Auf keiner anderen Station waren die Patienten so zufrieden mit der ärztlichen Kompetenz und das lag mit Sicherheit nicht nur an Dr. Meier“
Gretchen sah ihn fragend an.
„Meine Tochter, dass einmal eine solch erfolgreiche Chirurgin aus ihr wird“, Franz sah verträumt aus dem Fenster, während er zum Schreibtisch ging, „Und aus dem Grund habe ich eine besondere Aufgabe für dich“
Franz holte ein neues Namensschild hervor und sah noch mal drauf, um sich zu vergewissern, dass es auch das richtige war:
Er gab es Gretchen.
„Herzlichen Glückwunsch, mein Kälbchen“
Gretchen betrachtete das Schild genauer:
'Dr. Margarethe Haase, Fachärztin für Chirurgie, Stationsärztin'
„Stationsärztin?“, Gretchen sah ihren Vater ungläubig an, „Aber...“
„Kein Aber, du bist die beste und du verdienst den Posten“, sagte er, „Dr. Meier bleibt natürlich weiterhin dein Vorgesetzter“
„Papa“, sagte Gretchen, „Ich weiß gar nicht was ich sagen soll“
Gretchen war komplett überwältigt. Es fehlte nicht viel und ihr wären die Tränen gekommen.
„Komm her“, Franz ging auf seine Tochter zu und nahm sie in den Arm, „Und noch mal: 'Herzlichen Glückwunsch'“
„Danke Papa, danke“, Gretchen erwiderte die Umarmung.
„Und du hast gleich morgen deine erste Solo-OP als Stationsärztin“, sagte Franz Haase lächelnd.
„So schnell?“, Gretchen staunte nicht schlecht, „Worum geht’s denn?“
„Ach, nur eine Routine-OP“, sagte Franz, „Eine Darmresektion, ich denke das schaffst du mit links“
„Ich denke“, sagte Gretchen.
„Nun aber ab zu deinem Job“, sagte Franz, „Die Patienten warten schon auf dich“
„Bis später Papa“, verabschiedete sich Gretchen, „Und noch mal Danke“

Mit einem Grinsen auf dem Gesicht machte sich Gretchen zurück auf den Weg zu 'ihrer' Station, auf der sie jetzt Stationsärztin war. Die Visite hatte schon angefangen. Gretchen schlüpfte in das Patientenzimmer.
„Entschuldige meine Verspätung“, sagte Gretchen und stellte sich neben Marc an das Bett von Frau Schultheis.
„Die OP ist gut verlaufen, haben Sie noch Schmerzen?“, fragte Marc die Patienten.
„Nein, alles in bester Ordnung“, sagte sie, „Wann werde ich entlassen?“
„Einen Tag noch zur Beobachtung, dann können Sie gehen“, sagte Marc, dann wandte er sich zu dem nächsten Bett.
„Frau Meininger, morgen steht die OP an, Darmresektion, Hasenzahn stellst du vor?“, Marc drückte ihr die Akte in die Hand.
„Darf sie das denn?“, fragte Frau Meininger skeptisch.
„Sie hat zwar manchmal ihre Phasen, aber immerhin ist sie meine beste Assistenz“, Marc grinste frech.
„Ich will ja nichts sagen, Herr Dr. Meier“, Gretchen sah Marc streng an und tippte provokant auf ihr Namensschildchen.
'Dr. Margarethe Haase, Fachärztin für Chirurgie, Stationsärztin'

Olivia<3 Offline

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Beiträge: 1.373

11.08.2012 20:57
#177 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Hallo ihr Lieben!
Zum folgenden teil kann ich nur sagen, das ich keine Ahnung von Medizin habe und deshalb hier und da mal in die kreative Kiste gegriffen habe. Ich hoffe das macht euch nichts aus.
Ich warte auf eure Kommis,
Olivia


Marc staunte nicht schlecht.
„Seit wann bist du denn Stationsärztin?“, fragte er ungläubig.
„Tja Marc, in Zukunft solltest du aufpassen, mit deinen Sprüchen“, sagte Gretchen, „Seit heute“
„Aber...“, Marc schüttelte den Kopf.
„Kein aber“, sagte sie, „Ach übrigens, Frau Meininger ist meine Patientin, ich werde die OP morgen um 9 machen“
„Da haben wir aber die Gallenblase“, erwiderte Marc.
„Korrigiere, DU hast die Gallenblase“, sagte Gretchen und nahm dem verdutzten Marc die Akte aus der Hand.
Marc lächelte die Patientin entschuldigend an und zuckte mit den Schultern.
„Frau Meininger“, sagte Gretchen, „Ihre Werte haben sich verschlechtert, es wird wirklich Zeit für die OP. Aber Sie sind bei uns in besten Händen“

„Hasenzahn, was sollte das?!“, fragte Marc sie, als sie das Zimmer verlassen hatten.
„Was sollen deine Sprüche? Ich dachte echt, das wäre vorbei“, erwiderte Gretchen.
„Es tut mir Leid“, sagte Marc, „Aber du kannst mich doch nicht einfach so vorführen“
„Was heißt hier vorführen, der einzige der hier irgendwen vorführt bist ja wohl du!“, sagte Gretchen.
„Ich habe doch gesagt, dass es mir Leid tut“, sagte Marc und sah sie lieb an.
„Ist schon gut“, Gretchen lächelte, „Mir tuts auch Leid“
„Und jetzt zeig doch mal her“, Marc deutete auf ihr Namensschild.
Er betrachtete es genau.
„Dann herzlichen Glückwunsch“, sagte er und gab ihr einen Kuss.
„Danke“, sagte sie.
„Du weißt, was das heißt, wenn es neue Fachärzte gibt?“, fragte Marc.
„Neue Assis?“, fragte Gretchen.
„Richtig“, sagte Marc, „Neue Studenten, die man rumkommandieren darf und ab heute bist du auch dazu befugt“
Marc grinste frech.
„War klar, dass du wieder nur daran denkst, andere Leute in den Wahnsinn zu treiben“, Gretchen verdrehte die Augen.
„Dann werde ich meine beste Assistenzärztin wohl vermissen“, sagte Marc, fast schon ein bisschen traurig, „Schade eigentlich“
„Och Marc“, sagte Gretchen und gab ihm einen dicken Kuss, „Du wirst das schon überstehen“
„Muss ich wohl“, sagte er, „Mal gucken, welche heiße Schnitte da eingestellt wird?“
Marc sonnte sich regelrecht in Gretchens verärgerten Blicken.
„Einen Teufel wirst du tun!“, ermahnte Gretchen ihn, „Ach Dr. Schneider hat mich neulich gefragt, ob ich noch mal für ein paar Tage auf seine Station kommen wolle, so als kleiner Schnupper-Kursus“
„Ganz gewiss nicht“, sagte Marc, „Du bleibst gefällig auf meiner Station“
„Mal sehen, so eine Woche in der Unfall-Chirurgie, das wäre schon ne tolle Erfahrung“, Gretchen sah Marc an.
„Der Typ will dich doch nur bumsen“
„Aber Herr Dr. Meier, wie kommen Sie denn auf die Idee?“, Gretchen sah ihn fragend an, „Ist da etwa jemand eifersüchtig? Wie süß“
„Ich bin weder eifersüchtig, noch Süß“, sagte Marc mit Nachdruck.
„Jaja“, sagte Gretchen, „Dann kann ich ja auch ruhig für eine Woche ein Praktikum machen“
„Mach doch was du willst“, sagte Marc beleidigt.
„Jetzt sei doch nicht gleich eingeschnappt“, sagte Gretchen.
„Bin ich doch gar nicht“, sagte Marc, „Aber ich wüsste was, wie du meinen Gemütszustand erheblich aufbessern könntest“
Marc zwinkerte ihr zu.
„Und das wäre?“
„Hmm, lass mich nachdenken“, Marcs Blick wanderte zur Wäschekammer. Dann begann er sie stürmisch zu küssen und zog sie auf die Tür zu.
„War klar, dass so was wieder mal nur von dir kommen konnte“, seufzte Gretchen zwischen Marcs heißen Küssen.

„Ein Notfall!“, mit schnellen Schritten machten sich Marc und Gretchen auf den Weg in die Ambulanz.
„Was gibt es?“, Marc knöpfte die obersten Knöpfe seines Hemdes wieder zu.
„Autounfall auf der Avos, drei Verletzte ein Toter“, Dr. Schneider erklärte den Unfallverlauf, „Stellt euch auf einen langen Nachmittag ein“
Gretchen seufzte.
„Frau Doktor, ihre Haare“, bemerkte Schwester Sabine.
„Was ist denn damit?“, Gretchen begann hektisch ihre Haare zu sortieren.

Dann kam der erste Krankenwagen und der Stress begann.
„Verdachte auf Schädelfraktur“, rief Gordon, „Der muss in die Neuro“
„Dr. Haase, piepen Sie Dr. Hassmann an, wir können sie hier gebrauchen“
„Klar“, sagte Gretchen.
„Außerdem eine offene Unterschenkelfraktur und Verdacht auf schwere Innere Blutungen. Nicht bei Bewusstsein, aber stabil“

Und schon erreichte der nächste Krankenwagen das Krankenhaus. Die Rettungssanitäter versuchten den Mann zu reanimieren.
„Sofort in den Schockraum! Hasenzahn mitgehen!“, rief Marc ihr zu.
Dr. Schneider ging mit Gretchen zu dem Unfallopfer.
„Halten Sie durch“, sagte Gretchen, „Wir haben einen Herzschlag“
Sie transportierten den Verletzten auf die Trage.
„Eins, Zwei, Drei!“
Ein Stöhnen des Mannes war zu hören.
Der Rettungssanitäter schilderte die Verletzungen.

Derweilen war auch die dritte Patientin angekommen.
„Schwangere, 32 Jahre, beidseitige Oberschenkelfraktur, Schädel-Hirn-Trauma, eventuelle innere Blutungen“, rief die Sanitäterin.
Marc befahl den Sanitätern sie in den Schockraum zu fahren.
„Knechtelsdorfer, Schneider, mitkommen“, rief Marc und folgte in den Raum.
„Eins, Zwei, Drei!“, die Frau lag auf der Liege.
„Sabine! Ultraschall und Kaan anpiepen, aber PRONTO!“, rief Marc. Er tastete derweilen die Oberschenkel der Frau ab.
„Wir müssen so schnell es geht operieren!“, sagte Marc, „Wo bleibt denn Kaan?!“
Die zahlreichen Schnittwunden der Frau, die durch die Scheibe geflogen war, wurden notdürftig vernäht, als Dr. Kaan endlich auftauchte. Er schlüpfte in ein Paar Handschuhe und griff nach dem Ultraschallkopf.
„Die Frau ist im 8. Monat!“, sagte Mehdi, „Wir holen das Kind, die Plazenta ist halb gelöst“
„Die Frau ist am Rand ihrer Kräfte, sie wird das nicht überstehen“, sagte Marc.
„Ein versuch ist es wert“, sagte Mehdi und war schon dabei, die Frau aus dem Raum zu fahren.
„Sabine! OP vorbereiten, aber zackig!“, rief Marc.
Sabine sprang auf und machte sich an die Arbeit.
„Wird sie durchkommen?“, fragte sie zaghaft.
„Ich weiß es nicht“

Auch Gretchens Patient hatte mittlerweile den OP erreicht. Sie operierte zusammen mit Dr. Schneider.
„Wir brauchen einen Herz-Spezialisten. Ein Fremdkörper hat sich in ihr Herz gebohrt! Solch einen Fall hatten wir noch nie“, sagte er, „Ich werde die kleineren Blutungen stillen, während Sie im Nordstadt-Krankenhaus anrufen. Beeilen Sie sich, lange wird er es nicht durchstehen“
„Klar doch“, sagte Gretchen und riss sich den Mundschutz ab. Schleunigst rannte sie zum Telefon und wählte die Nummer.
„Dr. Hamedorn, hier spricht Dr. Haase vom Elisabeth-Krankenhaus. Wir benötigen die Hilfe eines Spezialisten“
Gretchen schilderte Dr. Hamedorn, einem Herzspezialisten, den Fall und er entschied sofort.
„Kann er mit dem Hubschrauber herkommen?“, fragte Dr. Hamedorn.
„Er ist zu schwach“, sagte Gretchen, „Er ist bradykard und verliert zu viel Blut“
„Dann muss ich herkommen“, sagte er, „Ich bin sofort bei Ihnen“
„Beeilen Sie sich“, sagte Gretchen und legte auf.
„Dr. Hamedorn ist informiert“, sagte Gretchen, als sie zurück im OP war.
„Gut, es steht schlecht um den Patienten“, sagte Dr. Schneider, „Können Sie hier mal absaugen?“
„Sicher“, Gretchen tat wie ihr geheißen.

In Marcs OP ging es derweilen um Leben und Tod.
„Marc, beeil dich!“, sagte Mehdi, „Das Kind stirbt“
„Im Zweifel soll immer die Mutter überleben“, sagte Marc, „Und jetzt beruhig dich mal wieder“
Und so schwieg Mehdi, bis Marc ihn aufforderte.
„Hol das Kind, aber beeil dich!“, sagte Marc, „Wir haben noch einiges zu machen“
Und Mehdi machte sich an den Kaiserschnitt.
„Skalpell“, forderte er.
„Das Bein klemmt“, Mehdi seufzte, der Schweiß stand ihm auf der Stirn. Wenn es nicht schneller gehen würde, würde das Kind ersticken.
„Marc, halt bitte die Haken!“, befahl Mehdi, „Ich muss mehr sehen“
Und dann hatte er es geschafft.
„Ich hab das Kind!“, sagte Mehdi erleichtert, „Schwester, ich brauche ein Tuch"
Er nahm das Kind auf seinen Arm und Erleichterung war in seinen Augen zu sehen. Schon begann der Säugling zu brüllen.
„Meier, trenn mal die Nabelschnur durch“, sagte Mehdi, während er das Kind in das Tuch wickelte.
Aber in dem Moment passierte es:
'Kammerflimmern'

Olivia<3 Offline

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Beiträge: 1.373

14.08.2012 15:28
#178 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Währenddessen war Dr. Hamedorn im EKH angekommen. Er streifte sich grade die Operationskleidung über.
„Wo ist der Patient?“, fragte er.
„Schon im OP. Wir haben kleinere Blutungen gestillt und mit Fibrin geklebt“, sagte Gretchen.
„Dann werden wir mal sehen, was ich tun kann“, er stieß die Tür zum OP auf.
„Dr. Hamedorn, die Lage ist kritisch, durch den Riss in ihrem Herzen verliert sie zu viel Blut“, begrüßte Dr. Schneider den Herz-Patienten.
„Ich sehe schon“, sagte Dr. Hamedorn, „Aber ich habe dort ein spezielles Verfahren“
„Es freut mich wirklich sehr, jenes kennenzulernen“, sagte Gretchen.
„Dann packen Sie mal mit an“, sagte Dr. Hamedorn, „Ich sage Ihnen, was zu tun ist“
„Gerne doch“, Gretchen griff nach Sauger und Haken.
„Aber was machen Sie da? Das ist Aufgabe der Assistenten!“, sagte Dr. Hamedorn und drückte Gretchen besteck in die Hand, „Sie da, übernehmen Sie Haken und Sauger“
Eine Woge Stolz durchfuhr Gretchen.
„Haben Sie schon mal am offenen Herzen operiert?“, fragte Dr. Hamedorn derweilen Gretchen.
„Ein Paar mal, aber hier haben wir eher Fälle, die in den Aufgabenbereich der Allgemeinen Chirurgie fallen“, antwortete jene.
„Dann können Sie ja heute richtig was lernen“
„Hoffentlich“
Und so begannen sie eine riskante Herz-Operation. Und man musste sagen, Gretchen schlug sich wirklich gut. Sie erntete sogar Lob von Spezialist Dr. Hamedorn.

Dr. Meier kämpfte währenddessen aber um das Leben seiner Patientin.
„Adrenalin aufziehen!“, rief er, als da Herz der jungen Frau versagte.
Knechtelsdorfer tat wie ihm geheißen.
Dann noch mal Herz-Lungen Wiederbelebung.
„Das kann doch nicht wahr sein“, in Marcs Gesicht war wilde Entschlossenheit, „Sie verrecken uns jetzt nicht“
„Herr Doktor wir haben drei Minuten Null-Linie“, sagte Schwester Sabine.
Er hielt in der Bewegung inne. Es war zu spät. Die Frau war tot. Marc seufzte und erinnerte sich an die Regel, dass man den Tod nie zu nah an sich heran lassen durfte.
„Knechtelsdorfer zumachen und Leiche in die Patho“, befahl er und riss sich dem Mundschutz aus dem Gesicht.
„Klar doch Herr Doktor“
Vorsichtig bedeckte Marc das mit Schnittwunden gezierte Gesicht der Frau mit einem Tuch.
Und in diesem Moment musste er an das Kind der Frau denken. Das Mädchen würde nie eine Mutter haben. Es war von nun an auf sich selbst gestellt. Marc seufzte noch einmal und verließ dann den OP.

Niedergeschlagen setzte er sich mit einer Flasche Cola in die Cafeteria. Was würde mit dem Kind geschehen? Immer noch machte er sich Gedanken darüber. Bis ihm jemand auf die Schulter klopfte.
„Na Meier, wie ist die OP gelaufen?“, es war Mehdi.
„Sie ist tot“, sagte er, „Kammerflimmern, wir haben Reanimiert, dann Herzstillstand. 3 Minuten Nulllinie“
„Das tut mir Leid“, sagte Mehdi.
„Das Kind tut mir Leid“, sagte Marc, „Es wird wohl nie eine Mutter haben“
Bei den Worten seines Freundes verschluckte sich Mehdi fast an seinem Kaffee.
„Meier, alles in Ordnung mit dir?“, fragte Mehdi.
„Ja, wieso?“
„Weil du dir grade Sorgen um das Kind der Frau gemacht hast?“, Mehdi sah ihn sehr ungläubig an.
„Na, um die Mutter muss ich mir ja keine mehr machen“, sagte Marc locker heraus.
„Wirklich seltsam, was mit dir passiert ist“, Mehdi schüttelte den Kopf, „Nie hätte ich gedacht, dass du mal so etwas sagen würdest“
„Ein mal ist immer das erste mal“, erwiderte Marc.
„Da hast du wohl Recht“, sagte Mehdi, „Sag mal, hast du etwas von den anderen OPs gehört?“
„Nicht wirklich“, sagte Marc, „Aber da soll es auch nicht so gut laufen“
„Schrecklich, was da passiert ist“, sagte Mehdi, „Der Ehemann der vrestorbenen Frau ist auch tot“
„Was?“, fragte Marc mit großen Augen.
„Er war der Fahrer, er war sofort tot“, antwortet Mehdi.
„Ja, es passieren schlimme Dinge“, sagte Marc und seine Stimme klang traurig, „Wird die Polizei uns auch befragen?“
„Wahrscheinlich“, sagte Mehdi, „Aber erst wenn die anderen Operationen auch gelaufen sind“
„Das kann noch dauern“, sagte Marc und nahm einen weiteren Schluck Cola.
In dem Moment wurde die Tür aufgestoßen und Dr. Hassmann, mit Dr. Rössel betrat die Cafeteria, sie steuerten direkt auf Marc und Mehdi zu.
„Ist hier noch frei?“, fragte Maria Hassmann.
„Ja“, sagte Marc, „Und wie war eure OP?“
„Ist gut gelaufen“, sagte Dr. Hassmann, „Er hat großes Glück gehabt und er wird durchkommen. Und bei euch?“
„Die Frau ist tot, aber ihr Baby lebt“
„Großer Gott, das ist tragisch“, sagte Maria, „Ich hol mir nen Stück Kuchen, wer will noch?“
Keiner konnte ablehnen, zu strapaziert waren die Nerven. Als das erste Stück Kuchen leer war, wurde die Tür erneut aufgestoßen und Dr. Schneider und Gretchen kamen mit einem fremden Mann.
Das gleiche Procedere auch hier:
„Sind die Plätze noch frei?“, fragte Gretchen.
„Klar“, sagte Mehdi, „Wie war eure OP?“
„Klasse“, sagte Gretchen, „Anstrengend, aber klasse, er wird durchkommen. Und bei euch?“
„Alles in bester Ordnung“, sagte Dr. Hassmann.
„Das Baby lebt und die Frau ist tot“
„Du hast eine Schwangere operiert?“, fragte Gretchen.
Marc nickte.
„Das ist schrecklich“sagte Gretchen, „Was ist denn mit dem Vater?“
„Auch tot“
„Oh Gott“, sagte Gretchen, „Das ist ja schrecklich“
„Da magst du Recht haben“, sagte Mehdi, „Aber ich bin mir sicher, dass Marc im OP alles getan hat“
„Wer ist das eigentlich, den ihr da mitgebracht habt?“, fragte Dr. Rössel schließlich.
„Das ist Dr. Hamedorn“, stellte Dr. Schneider ihn vor, „Herzspezialist vom Nordstadt-Krankenhaus“
„Freut mich Sie kennenzulernen“, sagte Maria Hassmann, „Dr. Hassmann, Neurochirurgie“
Und schon waren die Chirurgen und Mehdi in ein Gespräch vertieft. Geredet wurde, wie nicht anders zu erwarten, über Operationen, Techniken und nochmal Operationen. Dem Herz-Spezialisten wurden viele Fragen gestellt, da das Herz-Zentrum am Nordstadt-Krankenhaus bekannt war.
„Frau Dr. Haase hat sich heute wirklich sehr gut geschlagen in der OP. An ihr geht eine Herz-Chirurgin verloren“, sagte Dr. Hemedorn plötzlich, „Ich denke es wäre eine große Chance für sie, wenn sie zu uns ans Nordstadt-Krankenhaus wechselt, um Herz-Chirurgin zu werden. Wir haben noch Stellen frei“

Olivia<3 Offline

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Beiträge: 1.373

16.08.2012 16:12
#179 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Gretchen sah Dr. Hamedorn verwirrt an.
„Ich soll Herz-Chirurgin werden?“, fragte Sie ungläubig.
„Sie haben das richtige Händchen dafür und außerdem einen kühlen Kopf. Ich denke, dass Ihnen in diesem Bereich viele Türen offen stehen, um Karriere zu machen“
Im ersten Moment empfand Gretchen stolz und sie zog es in Erwägung wenigstens einen Probetag zu machen. Aber dann bemerkte sie Marcs Blicke und sie bekam Gewissensbisse. In seinem Blick lag Schmerz und Enttäuschung. Gretchen erschrak über die Intensivität seines Blickes.
„Ich werde da noch mal drüber nachdenken“, sagte Gretchen zu Dr. Hamedorn, „Marc, können wir kurz reden?“
„Gerne doch“, sagte er zwischen zusammengebissenen Zähnen.
Gretchen zog ihn aus der Cafeteria.
„Marc, was soll denn das?“, Gretchen war den Tränen nah.
„Was soll was?!“, fragte Marc angriffslustig, „Ach, Fr. Dr. Haase hat sich heute so gut gemacht“, Marc äffte Dr. Hamedorn nach.
„Marc, jetzt hör doch auf“, sagte Gretchen schluchzend.
„Hey“, Marc strich ihr über die Wange, „Warum weinst du denn jetzt?“
„Marc, ich kann die Stelle nicht annehmen, selbst wenn ich es wollte“, schluchzte sie, „Weil das doch immer dein Traum war und ich weiß wie sauer du warst, als du den Professor vom Nordstadt-Krankenhaus nicht überzeugen konntest. Und dann kann ich doch nicht so mir nichts, dir nichts eine Stelle als angehende Herz-Chirurgin annehmen“
„Gretchen, das...“, Marc seufzte, „Ich weiß, was du meinst und ich weiß auch, dass ich nie so denken würde. Aber jetzt hör mal, wenn dir wirklich Chirurgin sein willst, dann musst du lernen dir das zu nehmen, was du willst. Du kannst es nicht immer allen recht machen“
Gretchen war über seine Reaktion überrascht. Also konnte sie nur matt antworten.
„Marc, ich weiß ja“, sagte Gretchen, „Aber ich bringe es einfach nicht übers Herz. Du wirktest so verletzt“
„Gretchen, ich gönne dir wirklich jeden beruflichen Erfolg“, sagte Marc, „Aber ich kann auch nicht verbergen, dass es mich wurmt, dass du plötzlich so eine Stelle angeboten bekommst“
„Also bist du doch sauer?“, Gretchen fing noch mehr an zu weinen.
„Ich bin nicht sauer“, sagte Marc, „Vielleicht ein bisschen, aber nicht auf dich“
„Nicht?“
„Nein“, sagte Marc, „Es ärgert mich allerdings zu wissen, dass ich dich dann nicht mehr um mich hätte“
Gretchen rang sich ein Lächeln ab.
„Ich weiß nicht“, sagte Gretchen, „Das ist in der Tat ein Problem für mich“
„Hasenzahn, jetzt hörst du mir mal zu, ja?“, Marc fasste sie an den Armen, „Das sollte nicht ein Grund sein. Du wohnst bei mir, es gibt Mittagspausen und all das. Wenn du etwas wirklich willst, dann musst du dafür Opfer bringen. Und ja ich weiß, das klingt sehr egoistisch. Aber man kann eben nicht alles haben. Man muss auch Kompromisse eingehen können.
Nichts desto Trotz ärgert es mich schon ein bisschen.
Aber wenn du das wirklich willst, dann mach ne Probewoche. Ich bin mir sicher, Dr. Hamedorn wäre einverstanden. Und wenn du dann wirklich wechseln willst, dann können wir immer noch reden“, so viel hatte Marc selten auf einmal gesagt und Gretchen war erstaunt.
„Meinst du das ernst?“, fragte Gretchen und sah Marc mit großen Augen an.
„Gretchen, ich will nur das Beste für dich“, sagte er.
„Marc ich kann das nicht glauben. Ich dachte, deine Karriere wäre das Wichtigste, was es für dich gibt?“, Gretchen wishcte einen Träne beiseite.
„Schon lange nicht mehr“, sagte Marc, „Aber ich dachte, das wüsstest du“
Jetzt war er es, der ein wenig traurig aussah.
„Es tut mir Leid Marc“, sagte Gretchen, „Aber die Selbstlosigkeit steht dir“
„Gretchen, du bist das Wichtigste in meinem Leben“, sagte Marc auf einmal.
„Marc, so etwas schönes hat noch nie jemand zu mir gesagt“, sagte Gretchen und brach erneut in Tränen aus, aber diesmal waren es Freuden-Tränen.
„Nicht weinen“, sagte Marc und wischte ihr die Tränen beiseite.
Dann besiegelte er seine Worte mit einem sanften Kuss.
„Marc, wir werden einen Weg finden“, sagte Gretchen schließlich, „Und du bist mir wirklich nicht böse, wenn ich mir die ganze Sache nicht wenigstens einmal anschaue?“
„Nein bin ich nicht, versprochen“, sagte Marc und strich ihr einen Strähne aus dem Gesicht.
„Weißt du, was ich letztens bei einem Gespräch von meinem Vater mit dem Geschäftsführer gehört habe?“, fragte Gretchen.
„Nein“, sagte Marc, „Was denn?“
„Mein Vater will die Chirurgie vergrößern, man will den Nordflügel neu ausbauen und neue OPs schaffen“, erzählte sie, „Und weißt du, was er dann gesagt hat?“
„Jetzt mach es nicht so spannend“
„Er braucht einen neuen Chefarzt in dem neuen Trakt, da er das alles nicht mehr alleine Leiten kann“
„Ja und?“
„Marc, mein Vater hat dich vorgeschlagen“, schoss Gretchen schließlich den Vogel ab.
„Das ist nicht dein Ernst!“, Marcs Augen glänzten.
„Doch, das ist es“, sagte Gretchen, „Er will alsbald mit den Planungen anfangen“
„Das ist ja der Wahnsinn“, sagte er und umarmte sie freudig.
„Aber Marc, das ist Top Secret“, ermahnte ihn Gretchen.
„Klar doch“, sagte Marc, „Und jetzt geh zu Dr. Hamedorn und willige ne Probewoche ein, bevor wir hier festwachsen“
„Danke Marc“, sie gab ihm einen Kuss.
„Für dich doch immer“
Dann gingen sie Hand in Hand zurück in die Cafeteria.
„Hat das Ehepaar in Spe sich zur Beratung zurückgezogen?“, witzelte Maria Hassmann, als sie sich wieder setzten.
„Sie haben den Humor heute aber auch wieder mit Löffeln gefressen, Frau Dr. Hassmann“, sagte Gretchen, „Ach Herr Dr. Hamedorn, ich würde gerne eine Probewoche an ihrem Herz-Zentrum machen. Es ist mir eine sehr große Ehre“
Gretchen vernahm anerkennende Blick und sah auch, wie Marc ihr verschwörerisch zuzwinkerte.
„Dann lass uns anstoßen“, sagte Dr. Hamedorn und hielt seine Kaffee-Tasse in die Höhe, „Auf einen angehende Herz-Chirurgin“

Olivia<3 Offline

Mitglied


Beiträge: 1.373

18.08.2012 11:11
#180 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Doch nach einer kurzen Verschnaufpause rief das Berufsleben wieder. Gretchen und Marc machten sich auf den Weg zurück auf ihre Station. Nach den stressigen Operationen war immer noch einiges zu tun. Unter anderem musste der nervige Aktenkram der letzten Woche abgearbeitet werden.
Gretchen folgte Marc in sein Büro. Dieser ließ sich auf seinen Schreibtischstuhl plumpsen und griff nach einem Stapel Akten:
„So Frau Dr. Haase“, sagte Marc, „Da Sie ja jetzt Stationsärztin sind, haben Sie auch einiges an Aktenkram zu erledigen!“
Gretchen stöhnte und nahm den Stapel entgegen. Dann setzte sie sich zu Marc an den Schreibtisch. Dieser rückte bereitwillig zur Seite.
Und so arbeiteten sie stapelweise Akten ab. Bis es an der Tür klopfte.
„Herein!“, rief Marc.
Schwester Sabine betrat das Büro und sah Marc und Gretchen, wie sie in aller Seelen-Ruhe Akten-Kram erledigten.
„Ich soll Sie darauf hinweisen, dass gleich der Leistenbruch ansteht“, sagte Sabine.
„Danke“, sagte Gretchen, „Sie können die OP dann vorbereiten, wir kommen sofort“
„In Ordnung“, Sabine verließ das Zimmer und schloss die Tür hinter sich.
„Auch das noch“, Gretchen seufzte und stand aus ihrer unangenehmen Sitz-Position auf.
Auch Marc erhob sich.
Gemeinsam brachten sie diese Routine-OP noch hinter sich. Danach war endlich Feierabend.
Aber nicht für Gretchen. Kaum hatte sie die Meiersche Residenz betreten, war sie auch schon im Arbeitszimmer verschwunden und kramte ihr Lehrbuch hervor.
Marc, der sich derweilen aufs Sofa hatte fallen lassen, fragte:
„Was machst du denn da?“
„Ich bereite mich auf meine Solo-OP vor“, sagte Gretchen und kam mit dem Buch zu Marc aufs Sofa.
„Das hast du doch gar nicht nötig“, sagte Marc, „Wie oft haben wir eine Darmresektion durchgeführt?“
„Oft, ich weiß ja“, Gretchen seufzte, „Aber ich will mich lieber noch einmal vorbereiten“
Marc verdrehte nur die Augen und griff zur Fernbedienung.
„Musst du den Fernseher denn so laut machen?“, fragte Gretchen, als sie versuchte sich auf das Buch zu konzentrieren.
„Ja“, war Marcs plumpe Antwort.
Gretchen seufzte und konzentrierte sich wieder auf das Buch. Schließlich wollte sie am nächsten Tag vorbereitet sein.

Der nächste Tag begann mit der Visite und Gretchen schlug sie wirklich gut. Sie schaffte es die Patientin von ihrer Kompetenz zu überzeugen und auch ihr die Angst vor der OP zu nehmen.
„Frau Meininger, jetzt geht es los und ich versichere Ihnen, danach geht es Ihnen viel besser“, munterte Gretchen sie auf, „Knechtelsdorfer, OP vorbereiten“
Der nickte. Es ärgerte ihn massiv, dass seine Kollegin jetzt Stationsärztin war und er immer noch an seiner Assistenz-Zeit zu nagen hatte. Aber er tat wie ihm geheißen und bald schon konnte die OP beginnen.
Kurz davor kam Marc noch mal zu ihr.
„Hasenzahn, warte mal“, sagte er und fasste sie am Arm.
„Marc, was ist denn?“, fragte sie, „Ich muss jetzt operieren“
„Ihc wollte dir nur viel Glück wünschen“, sagte er, „Auch wenn du das hoffentlich nihct nötig hast“
„Danke, das ist ganz lieb von dir“, sagte Gretchen und strich ihm über die Wange.
„Un jetzt ab mit dir“, saget Marc, „der Professor hat heut Mittag eine Besprechung angesagt“
Marc zwinkerte ihr verschwörerisch zu. Natürlich wussten sie beide, dass es sich wahrscheinlich um das Ausbauen des Nord-Traktes handelte.
„Klar“, sagte Gretchen, „Dann bis später“
Marc gab ihr noch einen kleinen Kuss, bevor sie sich auf den Weg in den OP machte.

Die OP verlief mehr als gut. Gretchen hatte das Team gut unter Kontrolle und bekam keine Panik, als es kurz mal brenzlig wurde. Als sie den OP verließ, war sie mehr als stolz. Nicht nur über den geschafften Erfolg, sondern auch, dass sie (fast) ganz alleine einer Patientin das Leben gerettet hatte. Mit einem breiten Grinsen ging sie ins Schwesternzimmer. Dort tramk Marc grade einen Kaffee.
„Hey Marc“, sagte sie und setzte sich zu ihm.
„Wie war die OP?“, fragte Marc.
„Super“, sagte Gretchen lächelnd.
„Freut mich“, sagte Marc, „Wollen wur uns dann mal aufmachen?“
„Klar“, sagte Gretchen und stand wieder auf.

In der Cafeteria wuselte Franz Haase schon zwischen den Tischen her. Schnell setzten sich Marc und Gretchen an einen der freien Tische und warteten auf die Rede des Professors.
„Wie immer, wenn hier eine Rede gehalten wird, gibt es eine wichtige Ansage!“, fing der Professor an, „Und zwar werden wir expandieren“
Der Professor wartete den kleinen Applaus ab, bevor er mit seiner Rede fortfuhr.
„Wir werden zwei weitere Chirurgische Stationen eröffnen und neue OPs bekommen. Und da ich das alles nicht allein leiten kann“, Franz blickte vielsagend ins 'Publikum', „Brauchen wir einen neuen Chefarzt für die beiden neuen Stationen“
Ein Raunen ging durch die Ärzteschaft, alle Chirurgen wollten sich natürlich für den neuen Posten bewerben.
„Und da wir einen gute Ärzteschaft haben und sicher mehrere Kollginnen und Kollegen mit Elan haben, werden wir eine Art Wettbewerb machen“, Franz Haase kicherte fast wie ein kleines Kind, „Es gibt nur eine Regel“
Mehr als zehn gespannte Augenpaare ruhten auf dem Chefarzt.
„Überzeugt mich von Ihrem Können, egal wodurch“

Olivia<3 Offline

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19.08.2012 18:55
#181 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Marcs Blick wanderte zu Gretchen. Diese zuckte nur entschuldigend die Schultern. Dann beugte sie sich zu ihm.
„Aber du bist der Beste“, sagte sie, „Du wirst ihn schon überzeugen“
Marc verzog das Gesicht, so ganz sicher war er sich da nicht.
„Wer käme denn sonst in Frage?“, Gretchen schüttelte den Kopf.
„Da würden mir viele einfallen“, sagte Marc und machte Gretchen stutzig.
„Was ist denn in dich gefahren?“, sie sah ihn an wie einen Außerirdischen, „Seit wann ist dein Ego denn mal nicht am platzen?“
Marc fühlte sich ertappt und riss sich augenblicklich zusammen:
„Wer spricht denn davon, dass ich nicht besser bin als die?“, Marcs Blick viel auf den Tisch mit Dr. Hassmann, Dr. Schneider und Dr. Rössel, „Marc Meier ist denen doch mehr als nur überlegen“
Gretchen lächelte, so kannte sie ihren Marc.
Auf einmal kam Mehdi auf sie zu.
„Marc, kann ich kurz mit dir sprechen?“, fragte er.
„Sicher“, sagte Marc und gab Gretchen zu verstehen, dass er kurz mit Mehdi reden wollte.
Die beiden Ärzte gingen auf den Flur und vorn da aus zur Gyn.
„Mehdi, was ist denn?“, fragte Marc.
„Komm doch mal mit“, er strebte das Babyzimmer an.
Marc folgte ihm. Bei den ganzen Babys zauberte sich ein klitzekleines Lächeln auf die Lippen, aber es blieb dem Gynäkologen unerkannt.
„Es geht um das Kind der verstorbenen Frau“, sagte Mehdi schließlich.
„Was ist denn mit ihm?“
„Er kann nicht mehr lange hierbleiben“, sagte Mehdi, „Er kommt ins Heim“
„Was hab ich damit zu tun?“, fragte Marc genervt, Mehdi schien ihn wieder vollquatschen zu wollen.
„Marc, wir können ihn nicht dem Jugendamt ausliefern, du kennst doch die Heimgeschichten“, Mehdi seufzte.
„Mehdi, jetzt sag endlich was Sache ist!“, Marc wirkte genervt.
„Die Frau vom Jugendamt hat gesagt, dass Sie nach einer Pflegefamilie sehen kann, wenn das Kind noch zwei Wochen hier bleibt oder wo aufgenommen werden kann“, sagte Mehdi, „Aber das geht nicht. Wir können ihn nicht hier behalten. Keine zwei Wochen“
„Und was hast du vor?“
„Wir müssen jemanden finden, der das Kind übernimmt, für die zwei Wochen“, sagte er schließlich, „Dann kommt er später in eine nette Familie, die sich um ihn sorgt“
Und dann fiel bei Marc der Groschen.
„Du hast jetzt aber nicht ernsthaft die Idee, dass ich das Kind übernehme, oder?“, Marc schüttelte heftig den Kopf.
„Ich kann es nicht aufnehmen. Du weißt doch in welcher WG ich momentan wohne“, Mehdi seufzte, „Bitte Marc“
„Mehdi, das geht nicht. Ich kann doch nicht einfach ein Kind mit nach Hause nehmen! Es gehört mir doch gar nicht“
„Das wäre mit dem Jugendamt abgesprochen“, sagte Mehdi, „Außerdem würde Gretchen sich wirklich freuen. Und ihr beide seid ihm sicher eine gute Familie“
„Das ist mir alles schon klar“, sagte Marc, „Aber ich wollte nicht Kinder. Nicht meine eigenen und schon gar nicht die von anderen. Außerdem weißt du, dass ich kein Familien-Mensch bin“
„Seine Eltern sind tot“, erwiderte Mehdi, „Spring doch einmal über deinen Schatten“
„Und aus welchem Grund sollte ich das tun?“
„Weil du ein aufrichtiger Mann bist, der sicher ein guter Vater wäre“, sagte Mehdi, „Und weil du dem kleinen eine schöne Kindheit bieten willst und die kriegt er nicht in einem Heim“
„Und ich kann das Kind nach zwei Wochen auch sicher wieder abgeben?“, Marc sah ihn fragend an.
„Heißt das du machst es?“, Mehdi sprang vor Freude fast auf und ab.
„Nein, das heißt, dass ich es mir überlege“, erwiderte Marc, „Und wirst du mir noch heute eine Antwort geben?“
„Zwei Wochen plus minus“, sagte Mehdi, „Bitte Marc“
„Ich rede mit Gretchen“, willigte er schließlich ein, „Aber ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist“
„Ich aber“, sagte Mehdi, „Ich weiß, dass es eine gute Idee ist. Eine sehr gute sogar“
Mehdi war sich ganz sicher, dass dieser Crash-Kurs Marc helfen würde, ein verantwortungsvoller Mensch zu werden. Vielleicht würde es in Marc Vater-Gefühle wecken.

Als Marc sich auf den Weg zu Gretchen machte, überkam ihn ein seltsames Gefühl. War das die richtige Entscheidung? Vater auf Zeit?
Er seufzte.
Aber war das nicht eine Möglichkeit, vielleicht doch noch mal über eine eigene Familie nachzudenken. Denn ganz tief in seinem Innern, verborgen hinter Hass und Schuldgefühlen meldete sich der Wunsch, endlich sesshaft zu werden, immer lauter zu Wort.
Schnell schlug sich Marc den Gedanken wieder aus dem Kopf. Aber so recht schien das nicht zu funktionieren.
Immer wieder musste er an das kleine Kind denken, das keine Eltern mehr hatte. Und das hing davon ab, ob er jetzt zwei Wochen den Vater spielte.
Kaum hatte er den Gedanken zu Ende gedacht, lief ihm auch schon Gretchen über den Weg.
„Marc, ist alles in Ordnung?“, fragte sie ihn, „Du bist ja ganz blass“
„Können wir kurz reden?“, fragte Marc.
„Klar“, Gretchen nickte, „Lass uns doch in dein Büro gehen, da sind wir ungestört“
„Okay“
„Worum geht es denn?“, fragte Gretchen auf dem Weg dorthin.
„Um das verwaiste Kind“, sagte Marc, „Die Eltern sind doch bei dem Unfall ums Leben gekommen“
Gretchen sah ihn fragend an. Marc öffnete die Tür und schloss sie hinter sich wieder.
„So, jetzt erzähl“
Marc erzählte ihr von dem Problem, was Mehdi hatte.
„Und jetzt?“, fragte Gretchen, „Was passiert mit dem Kind?“
„Mehdi hat gefragt, ob wir es für zwei Wochen aufnehmen können“, sagte Marc schließlich.
Auch Gretchen die die Kinnlade herunter.
„Er hat bitte was?“, fragte sie.
„Er hat gefragt, ob wir den Jungen für drei Wochen aufnehmen könnten“, sagte Marc nun etwas lauter, „Du hast schon richtig verstanden“
„Aber...“, Gretchen musste schlucken, „Und was hast du gesagt?“
„Dass ich das noch mal mit dir besprechen muss und es mir überlege“
Jetzt staunte Gretchen erst recht.
„Sag mal, kann es sein, dass du grade eine Familie gründest?“, fragte Gretchen ungläubig.
„Ähm, so weit ich weiß, ist das nicht MEIN Kind“, sagte Marc, „Also lautet die Antwort nein“
„Also, wenn du mich fragst, dann habe ich kein Problem damit“, sagte Gretchen. Sie stellte sich die zwei Wochen so wunderbar vor. Sie und Marc als eine echte Familie. Es war zwar nicht ihr Kind, aber immerhin.
„Du hast kein Problem damit, so mir nichts, dir nichts ein Baby aufzunehmen, das nicht einmal dir gehört?“, Marc sah sie ungläubig an, „Du hast doch überhaupt keine Vorbereitung“
So langsam wurde es Marc klar, dass er Gretchen von dieser Aktion kaum noch abbringen konnte.
„Das lernt man doch schnell“, Gretchen lächelte überglücklich, „Stell dir das doch mal vor, wir beide mit einem Kind“
„Wir sind voll berufstätig, wie sollen wir denn das alles unter einen Hut bekommen?“, Marc schüttelte den Kopf.
Er war drauf und dran, sich diesen klitzekleinen Wunsch wieder aus dem Kopf zu schlagen.
„Es sind doch nur zwei Wochen“, sagte Gretchen, „Bitte, bitte, bitte“
Marc schluckte, sollte er das wirklich tun? Er war sich nicht sicher...
Seine linke Hand griff zum Telefonhörer. Er wählte.
„Mehdi?“, sagte er, „Wir haben uns entschieden“

Und wieder weiß ich nicht, ob es realistisch ist, mit den Behörden oder so. Aber naja. Hoffe es gefällt euch trotzdem.
Bin ganz gespannt auf eure Reaktionen!

Olivia<3 Offline

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20.08.2012 16:04
#182 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

„Und zwar?“, tönte es aus dem Telefon.
Gretchen sah Marc erwartungsvoll an.
Marc schwieg eine Weile, dann gab er Gretchen den Hörer.
„Ich kann das nicht verantworten“, brachte er zwischen den Zähnen hervor.
Gretchen sah ihn fragend an.
„Hallo, Mehdi“, sagte sie, „Was ist denn?“
„Was ist denn nun?“, sagte dieser, „Würdet ihr den Jungen aufnehmen?“
Gretchen sah Marc an, dessen Gesicht war aber steif und ohne Regung. Seine Gedanken waren fern.
„Ähm, also“, sie seufzte und rammte Marc sanft den Ellenbogen in die Seite, „Marc, jetzt sag doch auch mal was“, zischte sie.
Dieser zuckte die Schultern.
„Ich dachte ihr habt euch entschieden“, sagte Mehdi und seufzte.
Gretchen sah wieder zu Marc und diesmal sah er sie an:
„Für zwei Wochen“, sagte er, „Ich will es versuchen“
Im nächsten Moment schon lag auf Gretchens Lippen ein breites Grinsen.
„Mehdi, ja“, sagte sie, „Es wäre uns eine große Freude“
„Das habe ich mir doch gedacht“, sagte Mehdi, „Kinder waren ja immer dein Traum und dann auch noch mit Marc“
„Ja, jetzt ist es aber dann erst mal für zwei Wochen“, winkte Gretchen.
„Kann ich auch noch mal mit Mehdi sprechen?“, fragte Marc und verlangte nach dem Hörer.
„Ich gebe dir dann noch mal Marc“, sagte Gretchen und übergab den Hörer.
„Mehdi?“, fragte Marc, „Und wie läuft das jetzt ab“
„Also, da ich denke, dass ihr vollkommen unvorbereitet seid, gibt es erst mal einen Crash-Kurs inklusive Einkaufsliste“, begann Mehdi, „Und ab morgen dann der Ernst des Lebens“
Marc nickte.
„In Ordnung“, sagte Marc, „Wann sollen wir da sein?“
„Du hast dich also wirklich dazu entschlossen Vater auf Zeit zu sein?“, Mehdi schüttelte den Kopf, „Ich kann das immer noch nicht glauben. Du wolltest nie Kinder“
„Ich weiß“, sagte Marc nur ,“Also wann?“
„Kommt nach Schichtende einfach in die Gyn“, sagte Mehdi.
„Ich kann es zwar selbst nicht glauben, aber ich werde da sein“, das Schicksal des kleinen Jungen war Marc sehr ans Herz gegangen. Das Wohlergehen des Jungen war einer der Gründe gewesen, warum er dieses waghalsige Experiment eingewilligt hatte.
„In Ordnung“, sagte Mehdi, „Ach Marc, ich wollte noch sagen, dass ich sehr stolz auf dich bin. Das hätte keiner von dir erwartet. Wirklich nicht“
„Hätte ich ja selbst nicht“, winkte Marc ab.
„Grade deshalb“, sagte er, „Vielleicht ist bei dir noch nicht alles verloren“
Und dann war das Gespräch beendet. Im Raum herrschte Schweigen. Man hörte die Uhr ticken.
Dann aber ging Gretchen auf Marc zu.
„Warum tust du das?“, fragte sie.
Marc aber zuckte nur die Schultern.
„Ich weiß es selbst nicht so genau“, er seufzte.
Gretchen beschloss nicht weiter darauf rumzureiten.

Nach Dienstende machten sich Gretchen und Marc auf den Weg zu Mehdi. Dieser hatte sich schon geduldig erwartet.
„Na ihr beiden“, begrüßte er sie, „Freut ihr euch schon auf eure zukünftige Elternschaft?“
„Ich weiß nicht“, sagte Gretchen, „Ist ja schon eine komplett neue Erfahrung“
„Ach, ich denke du gewöhnst dich schnell daran“, besänftigte Mehdi sie, „Und Marc ganz sicher auch“
Dieser nickte nur und sah sich in dem Babyzimmer um. Zehn kleine Bettchen standen dort, sorgsam aneinander gereiht. Eigentlich kannte er dieses Zimmer. Aber heute betrachtete er es noch intensiver.
Über jedem Bett hing ein Mobilé und die Wände waren mit Baby-Fotos verziert.
Marc betrachtete die Betten. In jedem Bett ein Baby. Die Augen geschlossen und die Arme neben dem Kopf, die Hände zu kleinen Fäustchen geballt.
„Marc?“, rüttelte Gretchen ihn aus seinen Gedanken, „Mehdi sagt uns grade worauf wir achten sollen, jetzt hör doch mal zu!“
Marc nickte. Und er versuchte sich zu konzentrieren, aber seine Gedanken wichen immer wieder ab. Seine Augen fuhren wieder an den Wänden entlang, realisierten die Fotos, die Betten und die Babys. Und wieder von vorne: Fotos, Betten, Babys, Fotos, Betten...
Er kam ganz durcheinander. Und dann waren SIE wieder da:
„Ach, ein Kind willst du jetzt auch noch?“, Dr. Meier schnaubte.
„Lass ihn doch“, erwiderte Jogginghosen-Marc, „Er ist ein guter Vater“
„Pff, das einzige, was Marc Meier wichtig ist, ist seine Karriere!“
„Das stimmt doch gar nicht. Er ist so viel einsichtiger geworden“, sagte Jogginghosen-Marc wieder, „Ein Kind würde sein Glück perfekt machen“
„Wer's glaubt“

Marc schüttelte heftigst den Kopf, diese Gewissenskonflikte, wie er sie nannte, machten ihn schier wahnsinnig.

„Marc, möchtest du ihn nicht auch mal auf den Arm nehmen?“, fragte Gretchen.
Marc zuckte wieder zusammen.
„Was?“, er blickte sich rasch um, „Klar doch“
„Sag mal ist alles okay?“, fragte Gretchen besorgt, „Du bist ja ganz neben der Spur“
„Nee, bei mir ist alles okay“, sagte Marc, er schob es auf die nächsten zwei Wochen, „Muss wohl erst damit klar kommen, dass ich jetzt erst mal Vater bin“
Er versuchte ein Grinsen, aber es gelang ihm nicht so recht.
Gretchen glaubte ihm nicht so ganz. Irgendetwas hatte Marc, das sagte ihr Instinkt. Und auf den konnte sie sich verlassen.
Dann gab sie Marc das Kind. Dieser nahm es vorsichtig auf den Arm und wiegte es hin und her.
„Wie heißt er eigentlich?“, fragte Gretchen.
„Leonard“ antwortete Mehdi.
„Schöner Name“, sagte Gretchen, „Habt ihr den ausgesucht?“
„Genau“, meint Mehdi.

Marc war mittlerweile komplett in Gedanken versunken. Das Kind immer noch auf dem Arm, sanft hin und her wiegend, dachte er über die nächsten zwei Wochen nach. Was würde auf ihn zukommen? Wickeln, Fläschchen geben, ins Bett bringen. Das war ein 24-Stunden-Job. Er war doch schon voll berufstätig.
Einen Moment lang bereute er seine Entscheidung. Aber dann sah er wieder in die großen braunen Augen des neugeborenen Jungen. Er hatte dieses Kind zur Welt gebracht, seine Nabelschnur durchtrennt, ganz entgegen seines Naturells. Und er würde das jetzt durchziehen. Standhaftigkeit war schließlich auch eine Eigenschaft Marc Meiers.
Er würde es durchziehen. Für Gretchen. Und natürlich für den kleinen, unschuldigen Jungen, der seine Eltern verloren hatte...

Olivia<3 Offline

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23.08.2012 20:19
#183 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Und so kam es, dass Marc den Vertrag unterschrieb. Als er seinen Namen schrieb kam es noch einmal dazu, dass Zweifel aufkamen. Aber er verschob diese schnell wieder.
Auch Gretchen unterschrieb. Als sie ihren Namen daruntersetzte traf sie Marcs Blick.
Es würden schöne drei Wochen werden. Anstrengend aber schön. Da war sie sich sicher. Sie konnte es immer noch nicht glauben, dass Marc eingewilligt hatte und er jetzt für zwei Wochen ein Kind in seiner Obhut hatte. Aber Gretchen war glücklich. Mehr als nur glücklich. Es war immer ihr Traum gewesen und jetzt ging er in Erfüllung, zumindest für kurze Zeit.

„Dann ist hier noch die Einkaufsliste“, sagte Mehdi, „Kinderbettchen stellen wir vom Krankenhaus und auch der Autositz geht auf meine Rechnung. Ich habe noch einen alten von Lilly. Irgendwie konnte ich mich nicht von ihm trennen“
„Danke“, sagte Gretchen und nahm die Liste an: Windeln, Feuchttücher, Creme, Babypuder...
„Dann müssen wir wohl noch einkaufen gehen“, sagte Marc und lächelte.
„Dann nichts wie ab mit euch“, sagte Mehdi, „Damit ihr morgen ausgeschlafen seid. Eltern sein ist ein Full-Time-Job“
„Hmpf“, murrte Marc, „Das hatte ich ja ganz vergessen“
Gretchen aber winkte ab.
„Dann bis morgen Mehdi“, sagte sie und hakte sich bei Marc unter.

Ratlos stand Marc vor einem Regal mit Windeln. Er betrachtete die verschieden großen Packungen genau, konnte aber kaum einen Unterschied ausmachen. Wahllos nahm er eine Packung in die Hand und sah sie an.
'Für Kinder bis 12 Monaten', er stellte die Packungen wieder weg. Jetzt wusste er wenigstens wonach er suchen musste.
Endlich hatte er die richtige Packung in der Hand. Ein Neugeborenes war abgebildet. Er deponierte die Packung in seinem Einkaufswagen.
Er rollte in den nächsten Gang: 'Babynahrung'
Wieder betrachtete er die verschiedenen Angebote. Was es alles gab! Sogar fertige Nudelgerichte in kleinen Gläschen. Aber Marc war sich sicher, dass so kleine Babys noch keine Nudeln aßen. Dann erblickte er die verschiedenen Milchpulver-Sorten und wieder bildete sich ein großes Fragezeichen in seinen Augen. Schon wieder ein so großes Angebot. Es dauerte lange, bis er die vermeintlich richtige Packung gefunden hatte.
Derweilen kam Gretchen um die Ecke, die Hände voller Sachen:
„Marc, ich hab meinen Teil der Liste abgearbeitet: Wie weit bist du?“, sie ließ den Haufen in ihren Armen in den Einkaufswagen fallen. Sie sah Marc an.
„Wie ich sehe noch nicht weit“, sie grinste, „Wo ist denn das Problem“
„Ja bei dem Angebot!“, Marc deutete auf die ellenlangen Regale voller Babynahrung.
Gretchen lächelte:
„Zeig mal her“, sie nahm Marc den Einkaufszettel aus der Hand, „Pflegeöl, Babypuder und Waschgel, ach Marc, das steht doch da vorne“
Marc folgte ihrem Finger. Ein riesiges Regal türmte sich dort auf und er seufzte. Dann rollten sie gemeinsam ihren Einkaufswagen auf das Regal zu und Gretchen hatte schon mehrere Artikel aus dem Regal gezogen und in den Wagen geworfen.
Sie lächelte ihn an.
„Ich freu mich ja so“, sagte Gretchen und gab ihrem Marc einen dicken Kuss.
Dieser nickte nur.
„Haben wir dann jetzt alles?“, fragte er.
„Ich denke schon“, Gretchen checkte noch mal die Liste und nickte schließlich.
„Dann ab zur Kasse“, sagte Marc und lenkte den Einkaufswagen auf die Kasse zu.
Marc zahlte und wunderte sich über den Preis, den man für die Verpflegung eines Babys hinblättern musste.

Der Abend verflog schnell. Gretchen und Marc unterhielten sich noch einmal über die bevorstehenden zwei Wochen. Aber Marc ging mit einer Gewissenhaftigkeit mit dem Thema um, dass Gretchen gar nichts recht zu sagen wusste.
Am Ende des Abends legte Gretchen die Hand auf Marcs und sagte:
„Wir schaffen das“
Marc nickte und zog sie zu sich, um sie zu küssen. Und so begann eine lange Nacht für die zwei.

Olivia<3 Offline

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26.08.2012 17:33
#184 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Mit dem neuen Tag begann für sie quasi ein neues Leben. Als Marc dann 'sein' Kind in den Armen hielt, das er die nächsten Wochen beaufsichtigen würde, durchfuhr ihn ein warmes Gefühl.
Gretchen sah die Glückseligkeit in den Augen ihres Freundes und war überglücklich.
Das Gesräch mit den Vertretern vom Jugendamt war gut verlaufen und sie hatten einen guten Eindruck hinterlassen. Die junge Frau war ganz verzückt gewesen von dem jungen Ärzte-Pärchen. Diesen Menschen würde sie den Jungen ohne Zweifel anvertrauen können. Sie waren verantwortungsbewusst, herzlich und freuten sich auf das Kind.
In diesem Moment stellte sie wieder einmal fest, dass sie all das hatte, was sie nicht einmal zu träumen gewagt hatte. Es war alles noch schöner, als sie es sich in ihren kühnsten Träumen hatte vorstellen können.
Sanft legte Marc den kleinen Leonard in den vom Krankenhaus bereitgestellten Kinderwagen. Gretchen lächelte ihn aufmunternd zu.
Und dann rollten sie den Wagne durch die Iengangshalle auf den Prkplatz zu. Eine alte Frau blieb stehen und betrachtet das Pärchen eingehend.
„Wann ist es denn geboren?“, sie sah in den Wagen, „Die Ähnlichkeit ist ja verblüffend“
„Es ist gar nicht unser Kind“, erklärte Gretchen schnell.
„Nicht?“, die Frau sah sie fragend an, „Seltsam“
Gretchen und Marc lächelten sich an. Wie frischgebackene Eltern.

Bärbel Haase war nur auf dem Weg, um ihren Mann abzuholen. Fröhlich pfeifend lief sie durch die Eingangshalle, als sie ihre Tochter erblickte. Sie stand wie immer neben Marc Meier, ihrem Freund und Oberarzt. Aber was war das, was neben ihr stand? Angestreng versuchte sie diesen Gegenstand zu identifiziern. Und im Näherkommen merkte sie, dass es sich um einen Kinderwagen handeln musste. Sie zog die Augenbrauen hoch. Was wollte ihre Tochter dnen mit einem Kinderwgane? Es sei denn...
Aber Gretchen hatte doch gar nichts von einer Schwangerschaft erzählt und Anzeichen eines Bauches oder Ähnliches waren Bärbel mit ihrem Kennerblick auch nicht aufgefallen.
Sie seufzte und ginga uf das Paar, das sich mit einer älteren Frau unterhielt, zu.
„Margarete?“, fragte Bärbel und sah Gretchen fragend an.
„Mama“, sagte Gretchen, „Was machst du denn hier?“
„Ich wollte eigentlich nur meinen Mann abholen“, sagte Bärbel, „Aber was ist das für ein Kind?“
„Ach das...“, Gretchen seufztem in der Aufregung hatte sie vergessen ihrer Mutter Bericht zu erstatten, „Marc und cih haben ein Pflegekind aufgenommen“
„Ein Pflegekind?“, Bärbel glaubte nicht richtig verstanden zu haben.
„Mama, das ist eine lange Geschichte“, sagte Gretchen und zuckte mit den Achseln, „Ich werde sie dir bei einem Kaffee erzählen, aber nicht jetzt, in Ordnung?“
„Ja...“, sgate Bärbel und blickte etwas verloren durch die Eingangshalle, „Aber bist du dir denn sicher, dass ausgerechnet ein Pflegekind das Richtige für euch ist?“
„Aber Mana“, Gretchen berührte ihre Mutter am Arm, „Sonst hätten Marc und ich uns doch nicht dafür entschieden“
„Aber warum denn so plötzlich?“, Bärberl war wirklich verwirrt.
„Das hat sich so ergeben“, Gretchen zuckte lächelnd die Schultern.
„Aber ich freu mich doch so!“, nun überkam Bärbel das große Glück, „Ich habe mir doch immer Enkelkinder gewünscht“
In ihren Augen war ein unverkennbares Glänzen zu sehen.
„Wenn du magst kannst du ja mal auf Leonard aufpassen“, sagte Gretchen, „Das mit dem Job gestalten sich ja generell sehr schwierig“
„Das wäre mir mehr als nur eine große Freude“, freute sich Bärbel, „Und Lenoard istw irklich ein schöner Name“
Gretchen nickte.
„Ach Gretcneh?“
„Ja, Mama?“
„Hast du zufällig Franz gesehen, ich wollte ihn abholen“, erklärte Bärbel.
„Nein, tut mir Leid“, sagte Gretchen entschuldigend, „Aber guck doch mal in seinem Büro nach“
„In Ordnung“, Bärbel nickte, „Bis später ihr zwei“
„Bis später“, saget Gretchen.
Dann machten sie sich auf den Weg nach Hause.

Schon seit einer geschlagenen viertel Stunde waren Schreie in der Meier-Haaschen Residenz zu hören. Und seit einer geschlagenen viertel Stunde versuchten Marc und Gretchen es vergeblich den jungen Säugling zum Schweigen zu bringen.
„Leonard“, versuchte Gretchen es, „Ist ja gut. Die Mami ist ja da“
Sie schaukelte den kleinen Jungen liebevoll in den Armen, während Marc versuchte sein Fläschchen zu wärmen. Weil alles so schnell gehen musste und ihm die Schreie des kleinen Jungen durch Mark und Bein gingen, verbrannte er sich und goss sich schließlich auch noch Milch über die ehemals schwarze Boxershort.
„Gleich bringt der Papa dir das Fläschchen“, redete Gretchen beruhigend auf den Jungen ein, aber der schrie unbeirrt weiter.
Gut Zureden, liebevoll schaukeln und übers Köpchenstreicheln brachte nichts. Dicke Kullertränen rannen über seine Wangen und Gretchen bekam bei dem Anblick eine gehörige Ladung Mitleid. Sie wischte ihm die Tränen bei Seite. Aber Leonard schrie weiter.
Gretchen hasste es Babys schreien zu hören und war heilfroh, als Marc das rettende Fläschchen herbeitrug.
Sie setzte sich aufs Sofa und nahm den Jungen auf ihren Schoß. Marc gab ihm die Flasche und er begann gierig daran zu nuckeln. Sofort verstummten die Schreie.
Vorsichtig, ohne den kleinen zu stören gab er Gretchen das Fläschchen in die Hand und legte Leonard ein Spültuch auf Bauch und Brust, damit der frisch gewaschene Strampelanzug verschont bleib.
Die Tränen hatten aufgehört zu fließen und schon bald hörte man nur noch ein zufriedenes nuckeln an der Flasche.
Marc lächelte und Gretchen seufzte erleichtert. Sie strich ihrem Sohn auf Zeit übers Haar und die letzte Träne beiseite.
„Ich räume derweilen das Desaster in der Küche weg“, sagte Marc, konnte den Blick aber nicht von dem trinkenden Baby abwenden. Gretchen sah all die mit einem Lächeln auf den Lippen.
Der warme Körper in ihrem Arm und die minimalen Bewegungen ihres 'Sohnes' gaben ihr eine Ruhe, die sie glücklich machte. Es war alles so wunderbar. Nie hatte sie sich erträumen können, ein fremdes Kind so zu lieben, wie ihren eigenen Sohn.
Sie hörte Marc in der Küche kramen und das Sauggeräusch Leonards. Und fast hätte sie selbst weinen müssen. Vor Freude und Glück, welches sie kaum fassen konnte.
Marc kam wieder, als das Fläschchen leer war.
„Er muss noch Bäuerchen machen“, sagte Gretchen und reichte Marc das Spültuch.
Marc legte es sich auf die Schulter und nahm ihr Leonard ab.
Gretchen warf ihm einen liebevollen Blick zu, dann ging sie samt Fläschchen in die Küche und stellte es in die Spülmaschine.
Marc aber klopfte Leonard auf den Rücken, bis ein Rülpser zu hören war. Marc lächelte.
„Fein gemacht“, sagte er und lächelte, „Jetzt geht es aber wieder schlafen, ja?“
Marc ging mit Leonard ins Schlafzimmer und legte ihn ein sein Babybettchen. Der kleine Junge ließ sich widerstandslos in sein Schlafsäckchen verfrachten und sich von seinem 'Vater' übers Haar streicheln.
Erst als der Junge die Augen geschlossen hatte und ruhig atmete wagte Marc es sich leise zu entfernen.
Gretchen war bereits aus der Küche zurückgekommen, hatte die Lichter gelöscht und sich aufs Bett gesetzt.
Marc lächelte, löschte leise das Licht und legte sich neben seine Freundin.
Es war das dritte mal in dieser Nacht gewesen, dass sie durch Babygeschrei hatten aufstehen müssen...

Olivia<3 Offline

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18.11.2012 12:00
#185 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Hallo ihr Lieben,
es tut mir Leid, dass ihr so lange auf deisen Teil warten musstet. Ich habe es aber einfach nihct geschafft, früher etwas zu schreiben. Sorry noch mal.
Ich hoffe ihr bleibt trotzdem weiter dran und schreibt mir Kommis.
Liebe Grüße,
Olivia


Am nächsten Morgen war die Müdigkeit daher groß. Müde setzte Marc einen Fuß neben das Bett. Er gähnte ausgiebig. 4 Mal war er in dieser Nacht aufgestanden, um Leonard ruhig zu stellen. Nun schlief dieser friedlich in seinem Bettchen. Gretchen neben ihm hatte den Wecker überhört und schlief ebenfalls. Marc aber hatte bei dem schrillen Gedröhne des Radioweckers senkrecht im Bett gesessen. Er streckte die Arme noch mal und stand schließlich ganz auf.
Nur eine eiskalte Dusche konnte ihn aus seinem Halbschlaf erwecken, dann war er wieder in der Realität. Als er sich angezogen hatte, fiel sein Blick wieder auf Gretchen, die immer noch schlief. Er rüttelte sie sanft am Arm.
Sie seufzte im Halbschlaf.
„Lass mich, Marc“, murmelte sie und drehte sich auf die andere Seite.
„Du musst aber zur Arbeit“, sagte Marc und bückte sich zu ihr herunter.
In Gretchens Nase lag der Geruch von Marcs Aftershave. Sie seufzte wieder.
„Nur noch fünf Minuten“, murmelte sie.
„Als ob“, Marc richtete sich wieder auf und ließ sie gewähren. Sollte sie zusehen, dass sie es schaffte in einer halben Stunde komplett fertig zu sein.
Er ging in die Küche und kurbelte an der Kaffee-Maschine. Schon bald verströmte jene einen angenehmen Geruch nach frischem Kaffee.
Nun doch von diesem Geruch angelockt, rappelte sich Gretchen auf und ging duschen. Auch sie war von der letzten Nacht mehr als müde.

„Na, bist du auch mal aufgestanden?“, fragte Marc, als sie die Küche betrat.
„Hmmm“, Gretchens Hand griff nach einer Kaffeetasse und Marc reichte ihr bereitwillig die Kanne.
„Ich geh dann mal Leonard wecken“, sagte Marc und stellte seine leere Tasse ab.
Er ging ins Schlafzimmer und trat an das kleine Bettchen heran. Dort lag sein Ziehsohn und schlummerte selig. Ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht und es tat ihm schon fast ein bisschen Leid, den Schlaf des Kleinen zu stören.
Vorsichtig nahm er den Säugling auf den Arm. Der Kleine wachte langsam auf.
Marc trug ihn ins Wohnzimmer und legte ihn auf den großen Tisch, der als provisorischer Wickeltisch diente.
Mit einer Geduld, die man Marc Meier gar nicht zugetraut hätte, wickelte er den kleinen Jungen und zog ihm einen frischen Strampel-Anzug an.
Mit der mini Baby-Bürste kämmte er die vereinzelten Härchen auf dem winzigen Kopf des Jungen, dieser gluckste. Marc lächelte.
„So, jetzt geht’s aber erst mal zur Mami, dann gibt’s was zu Essen“, er nahm Leonard wieder auf den Arm und überreichte ihn Gretchen, die schon das Fläschchen bereit gestellt hatte. Sie setzte sich mit ihm auf einen Küchenstuhl. Gierig begann Leonard zu trinken.

Fast eine viertel Stunde zu spät kamen sie mit Leonard am Krankenhaus an.
„Und was machen wir mit dem Kleinen?“, fragte Gretchen und befreite jenen aus seinem Autositz.
„Wir bringen ihn zu Mehdi“, sagte Marc, „Für heute muss das reichen“
Gretchen willigte ein. So machten sie sich auf den Weg zur Gyn.
„Na ihr zwei, die erste Nach gut überstanden?“, empfing Mehdi sie.
„Ansichtssache“, sagte Marc.
„Daran solltest du dich gewöhnen“, sagte Mehdi.
Marc nickte etwas betrübt. Auf Dauer würde er das nicht aushalten.
„Könnte der Kleine heute hier bleiben? Wir haben noch keinen babysitter gefunden, der ihn heute übernimmt“, fragte gretchen und sah Mehdi lieb an, „Wir haben es noch nicht geschafft uns darum zu kümmern. Und die Schwestern auf der Station...“
„Kein Problem“, unterbrach Mehdi sie, „Heute geht das noch klar“
„Danke“, sagten Marc und Gretchen fast wie aus einem Mund.
Sie überreichten den kleinen Jungen Mehdi und baten um Entschuldigung, der Dienst riefe.
Die Dienstzeit zog sich und Gretchen vermisste leonard schon in der ersten Pause, die sie einlegte. Ihr freund hingegen genoss die Ruhe ein wenig. Immerhin hatte er wegen dem kleinen Fratz nicht besonders gut schlafen können.
Aber Gretchen hatte in der Pause nun mal das Verlangen, nach ihrem Zieh-Sprössling zu sehen.
„Marc?“, rief sie fröhlich.
„Was ist denn?“, brummte jener, er wollte grade ein Nickerchen machen.
„Ich gen kurz zu Leonard, auf die Gyn“, meldete sie sich ab.
„Sag nicht, du vermisst den Kleinen?“, Marc schüttelte ein wenig ungläubig den Kopf.
Gretchen kommenteierte dies nur mit einem Seufzen. Dann war sie schon auf dem Sprung.

„Mehdi!“, Gretchen riss die Tür zu dem Behandlungszimmer des Gynäkologen auf und stürzte Prompt ins nächste Chaos.
„Gretchen“, Mehdi warf Gretchen ein strafenden Blick zu und die behandelte Patientin musterte die Ärztin mit einem Blick, der töten könnte.
Gretchen lief rot an und schloss die Tür schnell wieder. Dass aber auch immer sie solch einen Auftritt hinlegen musste.
Aufgrund dessen, dass Mehdi scheinbar beschäftigt war, ging Gretchen ins Schwesternzimmer. Sie hatte Pech, denn es war nur Gabi, die da war, nicht mal Maren.
„Gabi?“, fragte sie.
„Nein“, sagte Gabi, kam aber an die Fensterscheibe. Sie sah Gretchen genervt an, „Was ist denn?“
„Ich wollte zu Leonard“, sagte sie.
„Sicher, dritte Tür rechts“, sagte sie und machte Gretchen deutlich, dass sie sich wieder verziehen sollte.
Gretchen ging zu der besagten Tür und klopfte zaghaft an.
„Herein“, sagte eine freundliche Stimme.
Gretchen trat ein. In dem gemütlich eingerichteten Zimmer saß Maren auf einem Sofa, mit dem kleinen Leonard auf dem Schoß. Als Gretchen sie so sah, bekam sie Herzklopfen. Diese ganze Szene entzückte sie so sehr.
„Hallo Maren“, sagte Gretchen, „Ich wollte mal nach Leonard sehen“
„Du scheinst deine neue Mutter-Rolle ja wirklich sehr ernst zu nehmen“, Maren lächelte und Gretchen nickte.
„Der Kleine it wirklich reizend. Und er tut mri so Leid“, Maren schlug die Augen nieder, „Aber ich bin so froh, dass du und Marc iihn aufgenommen habt. Nun ist er sicher in guten Händen“
Gretchen nickte. Es schien, als wäre nicht nur ihr aufgefallen, was Marc für ein Händchen für Kinder hat.

Olivia<3 Offline

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Beiträge: 1.373

02.12.2012 15:32
#186 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Ich weiß, ich habe es shcon wieder nicht geschafft, früher etwas zu posten, das tut mir Leid. Ich weiß auch nihct, was im Moment mit mir los ist. Ihc bin schon wieder auf dem Sprung, deswegen schaff ich es nihct die Kommis zu kommentieren! Aber seid euch sicher, ich hab mich über jeden einzelnen riesig gefreut! Und war wahnsinnig froh, dass ihr trotz langer Abstinenz noch bereit seid, etwas zu schreiebn. Ich danke euch
Olivia


Die drei Wochen mit Leonard vergingen wie im Flug. Gretchen und auch Marc waren ziemlich überrascht, wie viel Freude so ein Kind bringen kann. Jedes mal, wenn er seinen vermeindlichen Vater anlachte, klopfte Marc ein wenig das Herz. Und jedes mal, wenn er an den Haaren der vermeindlichen Mutter zog, musste Gretchen lachen.
Sie hatten sich schnell an den Alltag von Eltern gewöhnt. Nachts mehrmals aufstehen, morgens das Fläschchen, tagsüber während der Arbeit nach dem Kleinen sehen. All das war für die beiden in der Zeit zur Tagesordnung geworden.
Und Gretchen war überrascht, wie gut Marc mit der Situation umging. In der Zeit wurde er nicht einmal aggressiv und auch auf der Arbeit, wurde Gretchen selten so weing angemeckert, wie in diesen drei Wochen. Es schien fast so, als hätte der Kleine Junge auf Marc eine beruhigende Wirkung. So wurden Gretchens Hoffnung auf eine richtige Familie mit Marc nur noch bekräftigt.
Als die Frau vom Jugendamt anrief, sie hätte eine geeignete Familie für Leonard gefunden, kamen Gretchen die Tränen.
Sie schluchzte und beendete den Anruf möglichst schnell.
;arc saß neben ihr auf dem Sofa und strich ihr über den Arm.
„Hey das wird schon“, sagte er, „Wir können ihn ja besuchen“
Gretchen schluchzte wieder.
„Die Wohnung ist doch dann aber so leer ohne ihn“, seufzte Gretchen, „Ich wünschte ich könnte ihn behalten“
„Abe rdas war doch von vorneherien klar, dass wir ihn in drei Wochen wieder abgeben müssen“
„Ich hatte immer noch gehofft, dass sie keine Familie für ihn finden“
Marc musste bei ihren Wörtern lächeln. Das war typisch Gretchen. Bei ihr starb die Hoffnung halt wirklich zuletzt.
„Wir können es nihct ändern“, sagte Marc. Aber auch wenn er es kaum zeigte, auch er hatte ein bisschen Bange von der Zeit, wenn Leonard nicht mehr da war. Auch er hatte das hübsche Geschöpf in sein Herz geschlossen und konnte sich auch nur 'schwer' von ihm trennen.
Aber er legte Gretchen nur den Arm um die Schulter und schwieg. Er wusste in dieser Situation nichts mehr zu sagen.
Und so kam der letzte Abend mit Leonard.
Wie jeden Abend gab Gretchen ihm das Fläschchen und Marc machte mit ihm das Bäuerchen. Da der Kleine diesmal auch spucken musste, war Marcs blaues Hemd reif für die Wäsche. Er zog es aus und warf es in den Wähsckorb.
Marc nahm den kleinen wieder auf den Arm und lächelte Gretchen an.
Diese nahm ihm kurz darauf aber Leonard ab, um ihn bettfertig zu machen.
Marc hatte die ehrenvolle Aufgabe die Windel zu entsorgen. Aber er tat dies mit einem Lächeln.
Gretchen zog ihm den Schlafanzug an und legte ihn in sein Bettchen. Sie holte sein Schnuffeltuch (ein eingelaufenes T-Shirt von Marc, welches Leonard immer in den Mund nahm) und legte es ihm auf den Bauch. Leonard griff träge danach. Gretchen lächelte und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.
„Gute Nacht mein Kleiner, und träum süß“
Leonard steckte sich einen Zipfel des Shirts in den Mund und nuckelte daran.
Marc war derweilen dazu gekommen und beobachtete das ganze. Auch er lächelte.
Auch er sagte Leonard gute Nacht und ging dann mit Gretchen ins Wohnzimmer.
„Hast du schon seine Sachen gepackt?“, fragte Gretchen ihn, als sie auf dem Sofa saßen.
Marc schüttelte den Kopf.
„Sollte ich das?“, fragte er.
„Wär ganz gut“, sagte sie, „Ich denke, wenn ich das mache, muss ich nur heulen“
Sie grinste schief und Marc nickte. Er stand auf und ging zum provisorischen Wickeltisch.
Sorgsam legte er die Sachen, die Leonard morgen anziehen sollte, auf einen Haufen, reservierte zwei Windeln und einen Body.
Den Rest der Sachen faltete er sorgsam zusammen und legte sie in die bereitgestellte Kiste. Auch die wenigen Spielsachen, die Leonard hatte, verstaute er in der Kiste.
Als er die Sachen vom Teppich im Wohnzimmer, auf dem Gretchen und er immer mit Leonard spielten, sammelte, wirkte der Teppich auf einmal leer und langweilig weiß.
Er seufzte und wendete den Blick vom weißen Teppich ab zu Gretchen. Diese saß auf dem Sofa und sah eine Liebesschnulze im Fernsehn.
Marc musste lächeln. Ihr würde der Abschied von Leonard wahrscheinlich noch wesentlich schwerer fallen, als ihm.
Endlich hatte er alles Sachen zusammengepackt und konnte sich neben Gretchen aufs Sofa setzen. Kaum saß er, hatte sie den Kopf an seine Schulter gelegt und war eingeschlafen.
Er lächelte und strich ihr vorsichtig übers Haar.
Später trug er sie behutsam ins Schlafezimmer und deckte sie zu. Auhc er schlief erschöpft.
Es war die erste Nacht, in der Leonard nachts nicht aufwachte...

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