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Dieses Thema hat 185 Antworten
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 Pausierende und abgebrochene Fortsetzungen!
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Olivia<3 Offline

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Beiträge: 1.373

13.03.2012 20:25
#126 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Und von nun an ging es bergauf. Mit jedem Tag ging es Gretchen besser und auch Marc schien sich von seinem Trauma erholt zu haben. Die Beerdigung Christians hatte Marc noch ein mal mitgenommen und ihn zum Nachdenken gebracht, aber auch dies hatte er überwunden. Die vielen Ereignisse in letzter Zeit hatten Marc und seine Mutter zusammengeschweißt. Es gab Zeiten, da verstanden sie sich sogar richtig gut.
Marc war jeden Tag bei Gretchen und unterhielt sich mit ihr, erzählte ihr von dem Alltag im Krankenhaus oder sie genossen einfach nur ihre gegenseitige Nähe.
Ihr Körper hatte sich nun fast wieder erholt, aber eine Sorge quälte immer noch Gretchens Seele. Sie hatte gemerkt, wie mitgenommen Marc nach der Beerdigung seines Vater war. Und es war nicht normal, wenn Marc mitgenommen war.
Als sie wieder ein mal allein im Krankenzimmer saß, dachte sie über den Tod Marcs Vaters nach. War es nicht eigentlich sogar ihre Schuld? War es nicht ihre Schuld, dass Marc litt? Und man sah ihm an, dass er gelitten hatte. Was wenn er ihr auch die Schuld geben würde?
Sie seufzte, nein so durfte es nicht sein. Marc liebte sie doch, auch wenn sie Mitschuld daran trug, dass sein Vater gestorben war? Versuchte sie sich selbst zu beschwichtigen.
Und Marc machte wirklich nicht den Anschein, dass es ihm schlecht gehen würde.
Auch sein Zustand besserte sich von Tag zu Tag. Und jedes mal wenn er Gretchen sah, wurde ihm bewusst, wie wichtig sie ihm war. Wie schlimm ein leben ohne sie war. Schlimm war eigentlich keine Bezeichnung dafür. Es wurde ihm auch bewusst, wie kurz er davor gestanden hatte, sie für immer zu verlieren.
„Hasenzahn!“, sagte er und kam zu ihr ans Bett, „In einer Woche geht es raus aus dem Krankenhaus!“
Gretchen lächelte und setzte sich im Bett auf. Marc setzte sich neben sie und bat sie ein Stück zur Seite zu rutschen, damit er auch seinen Platz in ihrem Bett finden konnte.
„Endlich“, sagte sie und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
„Kann es auch nicht mehr erwarten, bis du mir endlich wieder die Abende versüßt“, säuselte er.
„Marc“, sagte Gretchen und ein Rotschimmer überzog ihre Wangen.
„Gib es doch zu, dass du es auch willst“, sagte er.
Gretchen seufzte, sie hatten sich in letzter Zeit schon ziemlich in Enthaltsamkeit geübt, aber was sollten sie machen? Gretchen war eben noch nicht ganz wieder auf den Beinen.
Sie schmiegte sich ein Stück näher an Marc und strich verträumt über seine Brust, die nur mit einem Hemd bedeckt war.
Marc genoss jede einzelne Berührung von ihr, als wäre es seine letzte. Er zog ihr Gesicht zu seinem hoch und sah ihr tief in die Augen.
Gretchen versank in seinen grünen Augen und verlor sich darin.
„Marc, ich bin froh, wieder aufgewacht zu sein“, sagte sie schließlich schwach.
Aber Marc zog ihr Gesicht nur nähre zu sich und legte seine weichen Lippen auf ihre. Sofort erwiderte sie seinen Kuss. Der Kuss wurde von vorsichtig-zärtlich zu fordernd-leidenschaftlich. Marc küsste sie mit einer Inbrunst, als wäre es seine letzte Überlebensmöglichkeit. Aber leider wollte das Schicksal sie wieder trennen.
„Frau Doktor!“, rief Sabine und kam ins Zimmer, „Es geht ihnen besser!“
Erst jetzt merkte sie, dass Gretchen scheint wieder ein mal mit
ihrem Freund beschäftigt war.
Als Marc die Stimme der Krankenschwester hörte, ließ er von Gretchen ab und blickte zur Tür.
„Ach Herr Doktor, Sie auch?“, fragte Sabine schon und kam auf Gretchens Bett zu.
Marc nickte und betrachtete skeptisch das „Etwas“ in Sabines Hand, was wohl so etwas wie einen Blumenstrauß darstellen sollte.
Sabine bemerkte seinen Blick.
„Der ist von Günni und mir“, sagte sie, „Für die Frau Doktor“
Sabine sah sich suchend nach einer Vase um. Sie ging auf die Fensterbank zu, auf der sie eine Vase erblickte.
„Was ist das?“, fragte Marc mit hochgezogenen Augenbrauen.
In der Tat, der Strauß gab ein seltsames Bild ab. Es waren blaue Blumen und oben ragte ein Männchen, das aussah wie ein Roboter, ebenfalls blau.
„Das ist ein Andoreaner-Strauß“, erklärte Sabine stolz, „Die sind blau“
Gretchen lächelte und stellten den Strauß auf den Nachtschrank.
„Frau Doktor, erzählen Sie doch mal“, sagte Sabine und holte sich einen Stuhl, „Wie geht es Ihnen?“
„Schon besser. War keine schöne Zeit“, sagte Gretchen.
Sabine nickte.
„Dem Herrn Doktor ging es auch nicht gut. Er hatte wieder ganz schlimme Laune“
Marc räusperte sich laut.
„Entschuldigung Herr Doktor, ich habe sie kaum gesehen“, sagte die Schwester mit rotem Kopf, „Aber so ist es nun mal“
Gretchen nickte, das wusste sie. Sie wusste wie schlimm es Marc ging.
„Ich hab für zwei Wochen mein Gedächtnis verloren, das war sehr schrecklich“, sagte sie schließlich.
„Das wäre doch mal was für den neuen „Dr. Rogelt““, sagte Sabine mit einem Leuchten in den Augen, „'Dr. Rogelt – Vergessene Liebe'“
Marc verdrehte die Augen und erntete einen Rippenstoß von Gretchen.
„Das ist eine sehr gute Idee, Sabine“, sagte Gretchen.
„Finden Sie wirklich?“, fragte diese aufgeregt.
„Vielleicht“, sagte Gretchen, „Schlagen Sie es Frau Fisher doch mal vor“
Sabine sah fragend zu Marc.
„Sie verlangen jetzt aber nicht, dass ich meine Mutter danach fragen sollte, oder?!“, fragte er etwas säuerlich, er wollte nicht, dass seine und Gretchens Geschichte die Runde machte.
Aber wenn man vom Teufel spricht, dann kommt er auch. Keine zwei Minuten stand Elke auf der Matte.
„Marc Olivier! Es ist etwas schreckliches passiert!“, jammerte Elke, als sie das Zimmer betrat.
„Mutter, nenn mich nicht so, was ist los?“, fragte Marc.
„Ich habe eine Blockade!“, Elke seufzte und ließ sich auf den letzten freien Stuhl fallen.
Sabines Augen leuchteten, wenn sie jetzt keiner stoppen würde, würde sie losreden wie ein Wasserfall.
„Ich hätte da eine Idee“, sagte sie schüchtern.
„Reden Sie, Kind“, sagte Elke und sah gar nicht, mit wem sie sich da unterhielt.
„Die Frau Doktor hatte doch die Amnesie. Wenn man das auf den Neuen 'Dr. Rogelt' übertragen könnte. Wenn Monique sich nicht mehr an René erinnert...“, begann sie.
„Kindchen, mal sehen“, sagte Elke und stand wieder auf, „Die Grundidee ist nicht schlecht“
„Mutter!“, mahnte Marc seine Mutter vor dem teuflischen Plan, ganz Deutschland sein Schicksal ,in Form eines Groschenromanes, aufzutischen.
„Wir werden später darüber reden, ich habe noch ein Meeting“, sagte Elke und war schon auf dem Weg zur Tür, „Schicke Blumen hast du da übrigens“

Olivia<3 Offline

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Beiträge: 1.373

15.03.2012 16:20
#127 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Sorry für die zwei Tage Pause, aber ich hab es nit früher geschafft. ich kann auch nihct sagen, wann der nächste Teil kommt, denn ich bin mit der Zeit im MOment knapp bemessen.
Ich hoffe ihr habt trotzdem Spaß beim Lesen und natürlich beim Kommentieren!
Liebste Grüße,
Olivia


Als auch Sabine das Zimmer wieder verlassen hatte, waren Marc und Gretchen endlich wieder unter sich.
„Himmel die beiden machen mich noch wahnsinnig!“, sagte Marc und seufzte.
„Lass sie doch. Was hältst du von der Idee, für den neuen Roman deiner Mutter?“, fragte Gretchen schließlich.
„Ich weiß nicht. Willst du denn, dass unsere Geschichte die Runde macht?“, fragte Marc.
„Weiß doch keiner, dass wir das sind“, sagte Gretchen und zuckte mit den Schultern.
„Aber das ganze Krankenhaus“, sagte Marc, „Weiß, dass wir es sind“
„Das ganze Krankenhaus hält uns aber eh schon für verrückt“, sagte Gretchen, „Ich wollte schon immer ein mal in einem Buch vorkommen“
Marc nickte, so ganz konnte er ihr den Wunsch nicht abschlagen.
„Mal sehen, was ich tun kann“, er lächelte und gab ihr einen Kuss. Nicht aber nur des Zweckes halber, sondern auch, um von dem Thema abzulenken. In letzter Zeit hatte er seinen guten Ruf schon ziemlich ruiniert, da konnte er sich einen autobiographischen Roman nicht auch noch leisten.

An diesem Abend ging Marc schon früher nach Hause, die Müdigkeit zehrte an seinen Nerven. Noch immer bekam er zu wenig Schlaf, musste immer noch alles verdauen. War immer noch dabei die letzten Wochen zu verarbeiten.
Müde warf er den Schlüssel auf die Anrichte und knallte die Tür hinter sich zu.
„Olivier! Knall die Tür doch nicht so!“, kam eine Stimme aus dem Wohnzimmer.
Marc stöhnte, was machte seine Mutter schon wieder hier?!
„Mutter, was willst du hier?“, fragte er und ging ins Wohnzimmer.
Seine Mutter saß auf dem Sofa, den Laptop auf den Knien.
„Ich schreibe, Olivier“, sagte Elke und wandte sich wieder dem Bildschirm zu.
„Und warum hier?“, fragte Marc entgeistert.
„ich habe auf dich gewartet, ich brauche deine Unterstützung“, sagte Elke und nahm das Head-Set ab.
Marc ließ sich neben seiner Mutter auf das Sofa fallen.
„Muss das sein?“ fragte er mürrisch.
„Du hast Talent zum Schreiben, mein Sohn“, sagte Elke, „ ich erinnere mich noch an das letzte Mal. Glaub ja nicht, ich wüsste das nicht“
Elke hob den Finger.
„Woher weißt du das?“, fragte Marc und setzte sich aufrecht hin.
„Sabine, die kleine Krankenschwester, hat mir alles gesagt und vorgelesen“, erklärte Elke und deutete auf den Bildschirm.
Marc überflog die ersten Zeilen, kein Zweifel, das war der Text den er damals geschrieben hatte. Er lief rot an.
„Diese blöde Kuh“, nuschelte Marc in seinen nicht vorhandene Bart.
„Rede deutlich“, ermahnte ihn Elke auch schon, „Was ist jetzt, hilfst du deiner armen Mutter?“
„Wenn es sein muss, was muss ich denn machen?“, fragte Marc.
„den neuen Dr. Rogelt schreiben, mit der Idee von der kleinen Schwester“, sagte Elke, „Ich sehe schon die großen Schlagzeilen: 'Erfolgsautorin Elke Fisher hat sich wieder ein mal selbst übertroffen'“
Marc verdrehte die Augen, womit hatte er das verdient?
„Hast du auch mal einen Moment daran gedacht, dass es mir etwas ausmachen könnte, überall rumzuposaunen, dass ich auch mal nen...sentimentalen Moment hatte?!“
„Aber das ist doch nichts verwerfliches“, tadelte Elke.
„Mein Gott, ich werde es machen, gib mir dein Schreibdings und ich geh zu Sabine“, sagte er vollkommen entnervt, das war dann wohl sein entspannter Abend.
„Braver Junge“, sagte Elke und reichte ihm den Laptop.
Dann stand sie auf und ging auf die Tür zu.
„Du wirst das schon schaffen“, sagte Elke und öffnete die Tür, „Auf Wiedersehen“
„Tschüss“, sagte Marc und wandte sich dem Bildschirm zu, wieso eigentlich immer er?!
Er griff zum Telefon und wählte di eNummer des Krankenhauses.
„Elisabeth-Krankenhaus, Station 3, Schwester Sabine“, meldete sich Sabine.
„Sabine! Herkommen! Roman schreiben“, kommendierte er knapp.
„Aber wohin denn, Herr Doktor?“, fraget die verwirrte Schwester.
„Na bestimmt nicht zum Bundeskanzler! Zu mir natürlich!“, seufzte er.
„Wir haben aber eine Bundeskanzlerin“, erwiderte Sabine.
„Sabine!“, meckerte Marc.
„Ist ja schon gut, ich komm ja schon“, murmelte die Schwester, „Auf Wiedersehen“
Marc legte auf, das konnte ja noch was werden.

Zwanzig Minuten später stand Sabine Vögler aufgeregt bei ihrem Oberarzt auf der Matte, hier war sie noch nie gewesen. Sie klingelte bei „Meier“.
Der Türsummer schaltete sich ein und Sabine trat ein. Das Haus machte von innen einen sehr modernen, gepflegten Eindruck, genau wie der Herr Doktor es bevorzugte.
Im ersten Stockwerk angekommen, stand Marc schon im Türrahmen gelehnt an der Tür und deutete in die Wohnung.
„Guten Abend, Herr Doktor“, sagte Sabine und trat ein.
Schüchtern blickte sie sich um. Die Wohnung war mit hellen Möbeln bestückt und machte einen kühlen Eindruck.
„können Sie mein Prachtexemplar von Wohnung vielleicht später anstarren, es gibt was für Sie zu tun“, sagte Marc und deutet an den Tisch, aus dunkler Eiche.
Aufgeregt setzte sich die Krankenschwester auf einen der Stühle.
„Was gubt es denn?“, fragte sie vorsichtig, den Blick nicht von Marc abgewandt.
„Der neue 'Dr. Rogelt'“, sagte Marc und gab Sabine den Laptop.
„Oh...“, sagte sie und ihre Augen begannen zu leuchten.
„Jetzt nicht gleich, hyperventiliren, ne?!“, fragte Marc genervt.
Sabine wurde rot und legte die Finger auf die Tastatur.
„Können wir beginnen?“, fragte Marc und nahm einen Schluck aus der Bierflasche.
Sabine nickte eifrig und begann zu tippen: 'Können wir nun beginnen?'
„Was tippen Sie denn da?“, fragte Marc uns starrte auf den Bildschirm.
„Na Sie haben doch gesagt...“, sagte Sabine.
„Nein! Das sollten Sie nicht tippen, sondern das war nur..Ach ist auch egal. Machen Sie das wieder weg, wir beginnen vom Neuen“, sagte Marc und winkte ab.
Sabine legte wieder die Hände auf die Tastatur.
Und dann begann Marc zu diktieren... die Worte kamen, ohne dass er groß darüber nachzudenken brauchte. Sie waren einfach da.

Olivia<3 Offline

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Beiträge: 1.373

17.03.2012 10:39
#128 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Heute dann mal ein bisschen Dr. Rogelt. ich hoffe es gefällt euch. ich bin nit gaaaaanz so zufrieden. Aber naja, mal sehen. Würde mich über Kommentare mehr als viel freuen!
Viel Spaß beim Lesen!
Kuss,
Olivia


Dr. Rogelt wusste, dass es eine Intrige war. Die Intrige einer Wahnsinnigen. Aber niemand würde es schaffen, ihm das zu nehmen, was ihm am meisten bedeutet. Gegen alles würde er sich auflehnen. Komme was möge.
„René! Ich kann nichts mehr spüren, glaub mir, ich werde diese Erde verlassen“, sagte Monique schwach und klammerte sich an Dr. Rogelts Hand.
„Niemals werde ich dich gehen lassen können“, sagte René, „Nicht hier und jetzt“
„René, ich spüre, dass es vorbei ist“, sagte Monique und ihr Atem ging nur noch schwach.
Dr. Rogelt sah, wie das Licht in ihren Augen erlosch. Es durchfuhr ihn ein Schmerz.
„Monique, verlass mich nicht“, sagte er und rüttelte an ihrer Schulter, „Diesen Gefallen kannst du dieser Frau nicht tun“
Aber Monique antwortete ihr nicht, es hatte ihr das Leben ausgehaucht.
Dr. Rogelt brach an ihrem Sterbebett zusammen, er sah keinen Sinn mehr in seinem Leben.


Sabines Augen leuchteten während Marc ihr diktierte und ein Tränchen hatte sich über ihre Wange geschlichen.
„Herr Doktor, das ist wundervoll“, säuselte sie ihr.
Marc nahm das Lob der Schwester nicht wahr, sondern war ganz bei sich und seiner Konzentration.

Als Dr. Rogelt die Augen aufschlug, saß er immer noch dort, Moniques Haut war weiß und kalt wie Schnee.
Aber in ihre ruhte die Seele, die sich wehrte aufzugeben.
Dr. Rogelt war am Boden zerstört, als er ihren perfekten Körper in solch einem Zustand sah.
„Monique, wie konnte sie dir das nur antun“, sagte Dr. Rogelt.
Seine Gedanken waren bei der Frau, die Monique mit einer Intrige umbringen wollte. Grenzenlose Wut war in ihm.
Aber Dr. Rogelt vernahm eine Stimme. Fein und klar.
„Ich werde wieder kommen“, es war die Stimme von Monique.
„Monique! Was sagst du?“, fragte Dr. Rogelt und fasste ihre kalte Hand. Die Leichenstarre hatte bereits eingesetzt.
„Wenn dein Verlangen so groß ist, werde ich zurückkommen“, sagte die Stimme.
„Monique, alles würde ich tun, wenn ich nur ein mal deine Lippen berühren und dich ein mal in meine Arme schließen könnte“, sagte Dr. Rogelt und klammerte sich an sie.
„Aber es wird nicht so sein, wie du es dir vorgestellt hast“, warnte die Stimme.
Dr. Rogelt aber kümmerte sich nicht um die Warnung, er wollte nur sie. Er wollte, dass sie wieder zurück ins Leben kam.
„Komm nur zurück“, sagte er unter Beherrschung.
Die Stimme schwieg, die Stimmung zum Zerreißen gespannt. Dr. Rogelt wagte es nicht, sich zu bewegen. Immer noch hielt er ihren toten Körper in seinen Händen.
Langsam spürte er, wie der Körper in seinen Händen immer wärmer wurde, die Haut verfärbte sich zart rosé.
René überkam ein Glücksgefühl, als er ihr Herz langsam schlagen hörte.
„Monique“, sagte er und blickte ihr ins Gesicht.
Genau in diesem Moment schlug die junge Schönheit die Augen auf. Aber das waren nicht die Augen, die Dr. Rogelt erwartet hatte. Sie waren nicht strahlend blau, sondern kalt und fast schon grau. In den Augen standen Fragen. Sie erkannte ihn nicht. Sie sagte nichts, er merkte nur, dass sie nicht viel von ihm mitbekam. Denn ihre Seele war tot, das einzige was ihm noch blieb, war ihr wunderbarer Körper.


Als Marc den letzten Satz gesagt hatte, liefen Sabine die Tränen in Bächen herunter.
„Herr Doktor, haben Sie sich auch so gefühlt?“, fragte sie unter Schluchzern.
Marc nahm einen Schluck Bier und setzte sich erschöpft aufs Sofa. Er zuckte mit den Schultern.
„Sabine, Sie können gehen. Für heute sind wir fertig“, sagte er und deutete zur Tür.
Sabine wischte sich die Tränen bei Seite und ging hastig zur Tür.
„Herr Doktor, ich bin Ihnen zu großem Dank verpflichtete, dass ich dabei sein durfte, es war wirklich ganz großes Kino. Es scheint, sie haben doch ein Herz“, sagte Sabine, bevor sie die Tür hinter sich zuzog.
Marc sah ihr noch nach. Eigentlich hatte er vor gehabt, sich über die Krankenschwester aufzuregen. Aber er spüre wie es ihm besser ging, nachdem er einen Teil seiner Gefühle herausgelassen hatte. War das der Grund, warum Gretchen Tagebuch schrieb? Weil sie sich danach befreit fühlte? Und es war das erste Mal, dass Marc Meier das rosa Büchlein nachvollziehen konnte.

Olivia<3 Offline

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Beiträge: 1.373

18.03.2012 17:09
#129 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Nachdem Sabine gegangen war, war Marc erschöpft. Er setzte sich an den Tisch und überflog die Zeilen, die er Sabine diktiert hatte. Er erschrak über sich selbst, hatte er das wirklich geschrieben? Das war ein wenig zu viel Gefühle auf einmal. Er war kurz davor, das ganze Dokument zu löschen, konnte sich aber noch beherrschen. Er klappte den Laptop zu und stand auf. Das konnte er sich nicht länger durchlesen, er hatte er schon immer gehasst, die schrecklich kitschigen Bücher seiner Mutter Korrektur zu lesen. Und jetzt hatte er selbst auch noch einen Teil davon produziert. Der Gedanke daran war schrecklich.
Als Marc im Bett lag, dachte er noch lange über den vergangenen Abend, immer noch hatte er die Erlebnisse nicht richtig verarbeite. Aber seit er einen Teil niedergeschrieben hatte, ging es ihm besser. Vielleicht hatte er doch die Gene seiner Mutter.
Er drehte sich von der einen auf die andere Seite. Das Bett war die letzten Wochen so leer gewesen, aber nun kam es ihm größer denn je vor. Er legte sich schließlich auf den Rücken und starrte an die Decke. Nie hätte er gedacht, dass er wegen einer Frau wach liegen würde, oder all das, was in den letzten Wochen passiert war. Aber er hatte gemerkt, wie wichtig sie ihm wirklich geworden war. Es gab ihm das Gewissen, dass Gretchen die Richtige sein würde, die es vielleicht sogar ein Leben lang mit ihm aushalten würde. Und ja, er liebte sie wirklich. Mit Haut und Haar. Mit jeder Macke die sie hatte, mit jeder einzelnen Neurose, die sie mit sich trug. Er konnte sich ein leben ohne sie nicht mehr vorstellen.
All das wurde ihm in diese Nacht klar. Schon ein mal hatte er einen teil der Buchreihe seiner Mutter geschrieben und auch dort ging es um Gretchen. Auch damals war es ihm danach besser gegangen. Aber er hatte es immer wieder versaut. Doch jetzt war alles perfekt. Er hatte alles, was er wollte. Auch wenn es schwere Zeiten momentan waren, empfand er ein winziges Bisschen Glück. Glück, dass er wusste, dass sie da war. Er wusste, dass er ihr vertrauen konnte.
Mit Gedanken an Gretchen schlief er ein. Und er schlief das erste mal seit Langem durch und wurde nicht von Alpträumen geplagt.

Als er am nächsten Morgen aufwachte, fühlte er sich das erste Mal ausgeruht und ausgeschlafen. Dabei war es doch grade mal halb acht. Mit neuem Mut, dass alles gut werden würde stand er auf, um sich fürs Krankenhaus fertig zu machen. Als er auf dem Kalender das Datum erblickte, lächelte er, es waren nur noch 6 Tage, bis zu Gretchens Entlassung. Mit einem Lächeln auf den Lippen, ging er zu Gretchen ins Krankenzimmer. An ihrem Bett saß schon Sabine und redete wild gestikulierend mit Gretchen. Marc konnte schon ahnen, worum es ging.
Gretchens Augen leuchteten, als sie ihn erblickten.
„Marc, erst jetzt erfahre ich, wie sehr du wirklich um mich getrauert hast“, sagte sie und in ihren Augen hatten sich fast schon ein paar Tränen angesammelt.
„Sabine“, murmelte er, „Was haben Sie erzählt“
„Aber doch nicht das, was Sie denken Herr Doktor“, sagte Sabine und schüttelte den Kopf, „Doch nur, wie sehr Sie die Frau Doktor wirklich vermisst haben“
Marc fiel ein Stein vom Herzen. Die Sache mit dem Dr. Rogelt sollte vorerst keiner erfahren. Er musste erst noch darüber nachdenken, ob er ihn seiner Mutter zeigte.
„Was war denn noch, Marc?“, fragte Gretchen neugierig, „Gibt es da etwas, was ich wissen sollte?“
„Aber nein“, sagte Marc und gab ihr einen Begrüßungskuss.
Gretchen glaubte ihm nicht ganz, aber da sie sich eine Überraschung erhoffte, ließ sie das Thema auf sich beruhen.
„Noch sechs Tage, dann bin ich hier raus“, sagte Gretchen und lächelte glücklich.
Marc nickte und grinste sie an.
„Das müssen wir dann aber ordentlich feiern“, sagte Marc und zwinkerte ihr verführerisch zu.
„Maaarc“, ermahnte sie ihn, als sie Sabines neugierigen Blicke sah, „Es sind auch noch andere in diesem Raum“
„Weiß doch eh jeder“, sagte er offen und fröhlich heraus“
„Wass denn, Herr Doktor?“, fragte Sabine, die ganz offensichtlich nicht wusste, worum es geht.
„Um die Willkommensfeier“, sagte Marc.
„Welche Feier?“, fragte Sabine, „Bin ich da eingeladen. Wissen Sie, dann könnte ich so einen Salat machen, das Rezept hat Günnis Mutter...“
„Sabine, es gibt keine Willkommensfeier“, sagte Gretchen, um den Redeschwall der Krankenschwester zu stoppen, „Marc meint was anderes“
„Was meint denn der Herr Doktor?“, fragte Sabine naiv.
„Das wovon Sie und ihr Günni keine Ahnung haben“, sagte Marc.
Sabine fühlte sich auf den Schlips getreten, da sie offenbar immer noch nicht wusste, wovon ihr Macho-Oberarzt sprach.
„Ich rede von Sex, Sabine“, sagte Marc ohne Hemmungen.
Gretchen versetzte ihm einen Rippenstoß.
„Oh“, sagte Sabine nur, nun war ihr die Situation doch ein wenig peinlich, „Dann werd ich Sie nun nicht weiter stören“
Sabine stand auf und ging zur Tür.
„Bis später Frau Doktor“, sagte sie und ging.

Und auch Marc musste wieder an seine Arbeit. Aber als er auf den Flur ging, kam ihm eine nur allzu bekannte Person entgegen.

Olivia<3 Offline

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20.03.2012 18:53
#130 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

„Mutter, was machst du hier?“, fragte Marc, bevor sie überhaupt zum „Olivier“ ansetzen konnte.
„Ich suche dich!“, sagte Elke, „Aber jetzt habe ich dich ja gefunden“
Marc nickte.
„Also, was gibst?“, fragte er.
„Es geht um den Roman, hast du schon was getan, mein Sohn?“, fragte sie neugierig.
„Es ist noch nicht fertig und ich..“, setzte Marc an.
„Das wird veröffentlicht, keine Widerrede! Es war schon schwierig mich davon zu überzeugen nicht deinen Namen darunter zu setzen“, unterbrach Elke ihn.
„Du wolltest meinen Namen darunter setzen?!“, fragte Marc entgeistert.
„Das habe ich beim letzten Buch auch getan“, sagte Elke und zuckte mit den Schultern.
„Du hast bitte was?!“, fragte Marc fast schon ein wenig angewidert.
Er erinnerte sich, wie er den ganzen Roman umgeschrieben hatte und ihn dadurch zu einer eher pornographischen Lektüre gemacht hatte.
„Nicht direkt, habe dich aber in Vorwort und Danksagung erwähnt“, sagte Elke, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt.
„Schön, dass ich das dann auch mal erfahre“, sagte Marc und verdrehte die Augen.
„Aber was hast du denn?“, fragte Elke erstaunt, „Dadurch bist du doch erst populärer geworden“
„Davon habe ich nichts gemerkt“, sagte Marc. Daher könnten die ganzen schrägen Blicke kommen. Diesen Gedanken verschob er aber wieder ganz schnell.
„Ist nun auch egal, wichtig ist der neue Band“, sagte Elke, „Hau rein, mein Sohn. Er soll noch nächsten Monat fertig werden“
Marc seufzte, das alles hatte ihm grade noch gefehlt.
„Ich werde es versuchen, aber kannst du denn nicht mehr selbst schreiben?“, maulte Marc.
„Es sind deine Gefühle. Die kann gewiss keiner so gut rüberbringen, wie du“, sagte Elke und zuckte die schultern.
Marc blieb also nichts anderes übrig, als wohl oder übel den neuen 'Dr. Rogelt' zu Ende zu bringen. Auch wenn es seinen ruf ruinieren würde, der war eh hinüber, vor allem nach der Aktion mit Gretchens Fast-Tod.

Nachdem Elke verschwunden war, machte er sich auf den Weg zu seiner Arbeit. Visite stand an. Als er sich auf den Weg ins Schwesternzimmer macht, um Sabine zu suchen, saß diese schon dort. Allerdings schien sie Besuch zu haben. Eine scheinbar aufgeregte Frau saß neben ihr und redete wild gestikulierend auf sie ein.
„Bienchen, wieso hast du denn nichts erzählt?!“, fragte sie gespielt empört, „Die Schwesterherz ist doch neugierig!“
Marc stockte, das war Sabines Schwester?!
Er blieb im Türrahmen stehen und beobachtete die beiden Frauen.
„Und ihr seid wirklich so richtig zusammen?“, fragte Sabines Schwester, „Wie lange denn schon? Mensch, ich bin ja so neugierig!“
„Seit fast einem halben Jahr“, sagte Sabine schüchtern.
„Und? Wie läuft es so?“, fragte sie weiter.
„Günni ist wirklich süß. Er macht alles für mich“, schwärmt die junge Krankenschwester.
„Das freut mich so für dich. Wenn ich ganz ehrlich bin, hätte ich nei gedacht, dass du auch mal einen Mann abkriegst“, sagte ihre Schwester und schüttelte ungläubig den Kopf.
Marc stimmte ihr in Gedanken.
„Und wie läuft es so im Bett?“, fragte die Neugierige weiter.
„Aber Kathi“, mahnte Sabine ihre Schwester und wurde rot.
„Sie doch nicht immer so schüchtern“, sagte sie, „Erzähl doch mal!“
„Also..“, setzte Sabine an, aber Marc unterbrach sie. Details aus Sabines Sexleben wollte er nicht hören.
„Sabine! Visite!“, sagte Marc ruppig.
„Und wer ist das? Ist das der sexy Oberarzt, von dem du erzählt hast?“, fragte Kathi.
„Nicht nur sexy, sondern auch talentiert, gutaussehend, göttlich?!“, setzte Marc einen drauf. Er konnte das Macho-Gelaber dann doch nicht ganz abschalten.
Sabine aber wurde rot.
„Ja, das ist er wohl“, sagte sie mit scharlachrotem Kopf, „Darf ich vorstellen, Dr. Meier“
„Schön Sie kennen zu lernen, Herr Doktor“, sagte Kathi und lächelte ihn verführerisch an.
Das sah auch Sabine und versetzte ihrer frechen Schwester einen Tritt vors Schienbein.
„Er ist vergeben“, raunte sie.
„Ach so“, das Glänzen in Kathis Augen verschwand augenblicklich.
„Ja, genau“, sagte Marc und er gab Sabine zu verstehen, dass er jetzt endlich mit der Visite anfangen wollte.
Die Krankenschwester stand auf und folgte ihrem Oberarzt.
„Kathi, ich muss dann auch leider“, sagte Sabine schulterzuckend.
„Ach Bienchen, das ist doch kein Problem, ich wollte doch eh noch ein Mal mit Oberschwester Stefanie sprechen“, sagte Kathi und stand ebenfalls auf.
Marc seufzte.
„Könnt ihr euren Plausch nicht später halten, ich hab echt keine Zeit mehr“, sagte Marc entnervt.
„Bin ja schon weg“, sagte Kathi und verschwand aus der Tür. Allerdings nicht ohne Marc noch ein mal verführerisch anzulächeln.
„Es tut mir wirklich Leid, Herr Doktor, aber so ist meine Schwester nun mal“, sagte Sabine entschuldigend.
„Ein Wunder, dass Sie verwand sind“, sagte Marc und wandte sich um.
Die Visite konnte beginnen.

Olivia<3 Offline

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Beiträge: 1.373

26.03.2012 17:51
#131 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Sorry, dass so lange nichts von mir gekommen ist. Aber ich hatte eine Art "Schreibblockade". Den einzigen zwei Kommentatoren ein liches Dankeschön für die Unterstützung. Ihr seid die besten. Aber ich würde mich wirklich über mehr Feedback freuen, ihr Lieben. Wo seid ihr denn alle hin?
Viel Spaß beim Lesen und noch viel Spaß bei dem schönen Wetter
Olivia


Währenddessen stattete Kathi Vögler Oberschwester Stefanie einen Besuch ab. Sie wollte sich schließlich um einen Arbeitsplatz als Krankenschwester im EKH bewerben. Während sie fröhlich lächelnd über die Flure lief, sah sie am Ende des Ganges, eine ihr bekannte Person. Es war Schwester Gabi. Sie war mit ihr in der Schwesternschule gewesen. Fröhlich lief sie auf Gabi zu.
„Gaaabi“, rief sie ihr entgegen.
Die junge Krankenschwester zuckte zusammen und wandte sich um.
„Kaaathi, bist du es wirklich?“, fragte diese und sah zu Kathi herüber.
„Wer denn sonst?“, fragte Kathi und nahm Gabi in den den Arm.
„Schön dich mal wieder zu sehen“, sagte Gabi, als sie sich aus der Umarmung gewunden hatte.
„Gleichfalls. Und was geht so ab?“, fragte Kathi.
Gabi zuckte mit den Schultern.
„Nicht viel“, sagte sie gelangweilt.
„Wie geht’s denn deinem Ehemann? Dem Oberarzt. Du hast doch mal davon erzählt“, fragte Kathi, „Ich glaub ich hab den grade gesehen. Er meinte auch er wäre vergeben. Der sieht ja schon gut aus“
Gabi schluckte. Sie erinnert sich, wie sie Kathi damals von der Geschichte mit Marc erzählt hatte.
„Ach, die Sache mit Marc. Nein, er ist nicht mein Ehemann. Ist eine lange Geschichte. Jedenfalls ist er jetzt mit dem dicken Haasen liiert“, Gabi winkte ab, aber in ihren Augen lag eine Spur von Traurigkeit, dabei war sie doch längst wieder glücklich.
„Er ist schwul?! Das hätte ich jetzt nicht gedacht, er wirkte so...männlich“, sagte Kathi mit großen Augen.
„Nein! Wie kommst du denn darauf?“, fragte Gabi kopfschüttelnd.
„Du sagtest doch 'dicker Haase'“, sagte Kathi.
„Aber nein. 'Dicker Haase' nenn ich nur seine Freundin, wegen dem Nachnamen und weil sie dick ist. Außerdem ist sie dich Tochter vom Professor Haase. Professoren-Töchterchen, du verstehst?“, sagte Gabi.
Kathi verstand, das waren ja ganz andere Ansichten.
„Was machst du eigentlich hier?“, fragte Gabi.
„Ich besuche meine Schwester und wollte eventuell anfangen hier zu arbeiten“, sagte Kathi.
„Deine Schwester?“, fragte Gabi ungläubig.
„Sabine, vielleicht kennst du sie. Sie scheint ein bisschen merkwürdig“, sagte Kathi, „Hat aber im Grunde einen sanften Kern“
„Sabine? Klare kenn ich die. Das ist wirklich deine Schwester?!“, Gabi konnte das nicht so ganz glauben, „Ihr seid so verschieden“
„Ich weiß es nicht. Das stimmt, wir sind wirklich sehr unterschiedlich. Aber das ist wirklich meine Schwester“, sagte Kathi.
„Schwestr Gabi, wo bleiben Sie denn so lange? Die Patientin wartet nicht ewig auf Sie“, ertönte eine genervte Stimme.
Gabi verdrehte sie Augen.
„Thorsten, ich komm ja schon“, moserte Gabi.
„Musst du los?“, fragte Kathi.
Gabi nickte.
„Dann will ich dich nicht weiter stören“, verabschiedete sich Kathi, „Ach, kannst du mir zufällig sagen, wo ich das Büro der Oberschwester finde?“
„Flur abwärts, dritte Tür links“, sagte Gabi, lächelte noch ein mal und drehte sich dann um.

Marc machte sich nach der Visite auf den Weg in den OP. Eine Gallenblase stand an. Lustlos griff er nach seiner OP-Kleidung und zog sich an. Mit schnellen Schritten ging er an den Waschbecken vorbei, als er in der hintersten Ecke eine Gestalt erkannte, auf 100m hätte er sie erkannt.
„Was wollen Sie in meinem OP?!“, fragte Marc und zog Dr Menz ans Tageslicht.
„Ich soll ihnen assistieren“, sagte Dr. Menz, „Der Knechtelsdorfer ist doch heut auf der Neuro“
„Einen Teufel werden Sie tun, hat man Sie nicht gefeuert?“, fragte Marc erstaunt.
„Nein, ich war für zwei Wochen suspendiert“, sagte sie und blickte auf ihre Schuhe.
„Für zwei Wochen. Ich könnte Sie anklagen“, sagte Marc.
„Nein, das könnten Sie nicht, da mir nichts nachzuweisen ist“, sagte Menz und auf ihr Gesicht hatte sich ein fieses Grinsen gelegt.
Marc blieb der Mund offen stehen, was bildete sich diese Person ein?!
„Was muss ich machen, dass ich Sie loswerde?!“, fragte Marc und trat wütend gegen einen der Schränke.
„Das müsstest du doch genau wissen!“, sagte Menz.
„Für Sie immer noch DR. Meier“, sagte Marc und atmete tief durch, „Glauben Sie mir, ich werde sie noch loswerden. Egal wie“
„Ach ja?“, fragte Menz.
„JA“, sagte Marc und ging durch die OP-Tür, „Und Sie werden diese OP nicht mehr betreten! Haben wir uns verstanden?!“
Dr. Menz nickte. Sie wandte sich um und ging. Eines Tages würde sie noch auf ihre Kosten kommen. Sie Frage war nur wie und wann.

Olivia<3 Offline

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29.03.2012 18:42
#132 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Gretchen hatte währenddessen Besuch von ihren Eltern bekommen.
„Kind, schau mal, ich hab dir etwas zu Essen mitgebracht!“, sagte Bärbel und setzte sich zu Gretchen ans Bett.
Sie stellte Gretchen eine überdimensionale Tupper-Dose vor die Nase.
Als Gretchen den Blick ihres Vaters. Jener sagte Allerdings 'Ich konnte sie nicht davon abhalten'.
Gretchen lächelte ihre Eltern an und unter Bärbels fordernem Blick öffnete sie die Box und fand ein komplettes Mittagessen vor. Sie merkte, dass ihre Mutter ihr Lieblingsessen gemacht hatte.
Diese lächelte ihre Tochter an uns sagte: „Hier im Krankenhaus verhungerst du doch bestimmt“
„Mama, nein das tu ich nicht. Marc bringt mir schon genug zu Essen“, winkte Gretchen ab.
Bärbel war über die Bemerkung mehr als nur verzückt.
„Vielleicht wird ja doch noch mal ein guter Mann aus ihm“, sagte Bärbel schwärmend.
„Mama!“, ermahnte Gretchen sie mit vollem Mund.
„Wie geht es dir denn? Ist der meier auch gut zu dir?“ fragte Franz.
„Warum sollte er das nicht? Papa, das müsstest du doch wissen“, sagte Gretchen, „Es geht mir mit jedem Tag besser. Gestern bin ich schon drei mal um den kleinen Teich gelaufen“
„Das freut mich wirklich sehr, mein Kälbchen. Ich glaube, dass die ganze Sache dem Meier ganz schön an die Nieren gegangen ist“, sagte der Professor.
„Was ist eigentlich mit der Menz passiert?“, fragte Gretchen.
„Sie war suspendiert. Für zwei Wochen“, sagte er achselzuckend, „Man konnte ihr nichts nachweisen“
„Bin ich denn nicht Beweis genug gewesen?“, fragte Gretchen empört.
„Kälbchen, das ist nicht so einfach“, sagte Franz.
„Was soll Marc denn sagen? Er muss mit ihr im OP stehen. An seiner Stelle würde ich an die Decke gehen“, empörte sie sich weiter, „Das ist doch dann kein gutes Arbeitsklima mehr“
„Sorg du dich lieber um dein eigenes Klima, bevor du dich über andere Leute aufregst Ich denke, dass der Meier das packen wird. Dich hat er ja schließlich auch ausgehalten“, Franz lachte.
Aber Gretchen fand das weniger lustig.
„Papa, das ist nicht witzig. Außerdem kann ich mich aufregen, so viel ich will“, beschwerte sie sich.
„Kälbchen, so war das doch gar nicht gemeint“, sagt Franz und strich ihr übers Haar, „Komm mal wieder runter“
„Ach Papa, das ist auch nicht immer alles einfach für mich. Ich mein, ich liege hier seit einer gefühlten Ewigkeit ans Bett gefesselt und das größte, was ich bis jetzt gesehen habe, war der Ententeich! Da kann es schon mal sein, dass man nicht jeden Witz auch witzig findet“, sagte Gretchen und ließ den Kopf zurück ins Kissen fallen.
Bärbel hatte sich während dem Gespräch zwischen Vater und Tochter dezent zurückgehalten. Jetzt war es an der zeit sich einzumischen.
„Franz, nun lass das Kind. Sie ist echt bemitleidend, immer im Bett“, sagte Bärbel, „Ach Margarethe, jetzt habe ich die Blumen doch tatsächlich zu hause vergessen, dabei hatte ich extra Lilien gekauft. Die hast du doch so gern“
„Mutter, ich habe eine Lilien-Allergie. Das letzte Mal, als ich Lilien im Zimmer hatte, bin ich fast erstickt“, sagte Gretchen und verdrehte die Augen.
„Ach Gottchen, das habe ich ja ganz vergessen. Das Gedächtnis lässt nach“, Bärbel seufzte.
„Gut, dass du die Blumen vergessen hast“, sagte Geretchen lächelnd.
Schon klopfte es an der Tür. Marcs Kopf steckte sich durch die Tür.
„Hasenzahn?“. Fragte er und kam rein, „Ach guten Tag, Herr Professor und Frau Haase, schön Sie zu sehen“
„Hallo Marc“, sagte Gretchen lächelnd.
„Ach, Herr Professor ich müsste da noch wegen etwas mit Ihnen reden“, sagte Marc und ging auf Gretchen zu, um ihr einen kleinen Kuss zu geben.
„Was denn Meier, gibt es Probleme?“, fragte Franz.
„Eigentlich nur EIN Problem“, sagte Marc.
„Und das wäre?“, fragte er.
„Menz. Was macht die noch hier?!“, fragte Marc, darauf bedacht, seine Wut im Zaum zu halten.
„Ich konnte sie nicht entlassen, so Leid mir das für Sie tut, Meier. Man konnte ihr nichts nachweisen“, Franz zuckte mit den Schultern.
„Wirklich nicht?“, fragte Marc, „Aber es ist doch klar, was sie getan hat! Das ist MINDESTENS ein Kunstfehler“
„Meier, glauben Sie mir, ich wollte sie loswerden. Immerhin ins Gretchen auch meine Tochter“, argumentierte Franz vergeblich.
Marc nickte traurig. Also würde er Menz noch ein wenig ertragen müssen.
Marc setzte sich zu Gretchen ans Bett und sah sie prüfend an.
„Und wie geht es uns heute?“ fragte er und setzte sein Arzt-Gesicht auf.
„Sehr gut Herr Doktor Meier, ich will meiner Entlassung doch nicht im Wege stellen“, sagte Gretchen grinsend.
„Dann ist gut“, sagte er und gab ihr einen kleinen Kuss, da er die Blick ihrer Eltern auf sich spürte.
„Wir wollen dann auch nicht weiter stören“, sagte Bärbel und stand auf.
Franz sah sie erstaunt an, aber Bärbel zog ihn an der hand aus dem Zimmer.
„Bis dann, Margarethe“, sagte Bärbel und lächelte, „Tschüss, Dr. Meier“
Dann war es still in dem Zimmer.
Gretchen sah ihrem Freund tief in die Augen.
„Ich habe dich vermisst“, sagte sie lächelnd.
„Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte ich sagen, dass ich das auch habe“, er schmunzelte.
Gretchen zog sein Gesicht zu sich heran und küsste ihn vorsichtig.
Marc ging darauf ein und bald vergaßen sie die Welt um sich herum. Ihre Zungen umspielten einander mit einer Zärtlichkeit, die kaum zu beschreiben ist.
„Marc“, sagte sie, als sie sich voneinander lösten, „ich liebe dich“
Marc lächelte nur.
„Ich dich auch“, sagte er schließlich, „Und ich werde nie wieder aufhören können, das zu tun“
Die Worte hallten in ihr wieder. 'Nie wieder...'

Olivia<3 Offline

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06.04.2012 15:19
#133 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Für Marc und Gretchen verging die Zeit schneller, als sie dachten. Jeden Morgen und in den Pausen kam Marc bei Gretchen vorbei, um sie zu besuchen.
Die Tage vergingen und schließlich stand der Tag an, an dem es auch für Gretchen wieder nach Hause ging. An diesem Tag kam Marc schon morgens mit den Papieren zu ihr.
„Herr Doktor, was gibt es denn für Neuigkeiten?“, fragte sie grinsend.
Marc kam zu ihr ans Bett und hörte sie ab.
„Hmm, ich würde sagen, dass es heute schon wieder nach Hause geht“, sagte er nach einer gründlichen Untersuchung.
„Endlich, ich kann die Krankenhausluft echt nicht mehr riechen“, sagte Gretchen und seufzte zufrieden.
Sie freute sich auf zu Hause. Endlich hatten sie und Marc wieder Zeit füreinander und waren nicht ständig den neugierigen Blicken des Pflegepersonals ausgesetzt.
„Heute Mittag, nach meiner OP hol ich dich dann ab“, sagte Marc und grinste sie verführerisch an, „Mach dich auf was gefasste“
Er stierte ihr unverschämt in den Ausschnitt.
Als Gretchen seine Blicke bemerkte, nahm ihre Gesichtsfarbe ein zartes Rot an.
„Maaaarc“, sagte sie und verdrehte die Augen.
„Komm schon“, er grinste.
„Kommst du nicht zu spät zur Visite?“, fragte sie, um weiteren anzüglichen Bemerkungen aus dem Weg zu gehen.
Marc musterte ihre üppigen Brüste noch ein mal mit einem dreckigen Grinsen und verschwand dann in der Tür.
Der Tag war für Beide nur ein stetiges Warten auf einander. Marc konnte sich bei der Visite kaum konzentrieren, ständig wanderten seine Gedanken zum kommenden Nachmittag. Die OP brachte er schnell hinter sich.
Aber auch Gretchen konnte es kaum erwarten, endlich aus dem Krankenhaus raus zu kommen. Bereits um halb zwölf hatte sie ihre Sachen zusammengesucht und saß nun auf gepackten Koffern. Schwester Sabine leistete ihr ein wenig Gesellschaft, während sie darauf wartete, dass Marc endlich seine OP fertig gebracht hatte.
Als Sabine gegen zwölf Uhr ihre Pause machen wollte, war Gretchen wieder allein. Sie vertiefte sich in ihre Zeitschrift und wartete weiter auf Marc.
Marc aber hatte schnell die OP-Kleidung abgeworfen und war in sein Büro gehetzt, um sich umzuziehen.
Gegen halb eins öffnete sich dann endlich Gretchens Tür. Ein fertig umgezogener und besser denn je aussehender Marc Meier öffnete die Tür und das Verlangen war ihm aus den Augen zu lesen. Gretchen sah sofort, dass Marc nicht darauf aus war, sie nach Hause zu kutschieren, um sich dann mit ihr gemütlich aufs Sofa zu setzten. Aber damit hatte sie momentan auch kein Problem.
Marc schnappte sich ihre Tasche und grinste sie noch ein mal an.
„Hasenzahn, du warst lang genug im Krankenhaus, jetzt geht es ab nach Hause“, sagte er und schulterte ihre Tasche.
Gretchen lächelte ihn an und folgte.
„Die Papiere hast du den Schwestern auf der Station gegeben?“, fragte Marc.
„Sicher, will meiner Entlassung doch nicht im Wege stehen“, sagte sie und grinst, „Lass uns gehen“
Marc nahm ihre Hand und sie gingen zum Auto.
Aber schon die Stimmung im Auto war geladen. Marc versuchte sich intensiv auf den Straßenverkehr zu konzentrieren, aber Gretchen machte es ihm nicht grade einfach. Immer wieder legte sie ihre Hand auf sein Knie und kam der Gefahrenzone immer näher.
Marc war froh, als er das Auto endlich vor seiner Wohnung parken konnte.
Die Tasche ließ er einfach im Auto. Schon im Treppenhaus nahm die Knutscherei ein nicht jugendfreies Niveau an. Während er sein Gesicht in ihrem Ausschnitt vergraben hatte, versuchte er mit der linken Hand die Wohnungstür aufzukriegen.
Als er es endlich geschafft hatte, knallte er die Tür hinter sich zu und widmete sich wieder ihren Küssen.
Marcs Küsse und auch seine Hände wurden immer verlangender. Bald konnte Gretchen ihn nicht mehr davon abhalten, dass seine Hände unter ihrem T-Shirt immer weiter nach oben wanderten. Aber schon bald schaltete sie ihre Gedanken ab und war ganz bei Marc und seinen wundervollen Berührungen.
Und auch sie überkam ein Verlangen, dass man ihr nach all dem, was alles passiert war, gar nicht zugetraut hätte. Es setzte sämtliche Gehirnaktivitäten auf Sparflamme. Ihre Hände bahnten sich einen Weg zu seinem Hemd, um es langsam, Knopf für Knopf aufzuknöpfen. Es entblößte sich ihr eine makellose, durchtrainierte Männerbrust. Andächtig strich sie über seine Brust und seinen Bauch. Mit dem Finger fuhr sie über die Operationsnarbe.
Marc liebte es, wenn sie ihn einfach nur streichelte, aber das reichte ihm heute nicht. Wie lange hatte er sie nicht mehr richtig gespürt? Pures Verlangen machte sich in ihm breit. Verlangen nach ihr und ihrem sündigen Körper.
Mit einem Ruck zog er sie wieder an sich und seine Küsse wurden forscher. Gretchen war erst verwundert über seine Reaktion, aber sie merkte schnell, dass Marcs Verlangen heute wohl kaum mit Streicheleinheiten befriedigt werden konnte. Aber auf Grund der langen Zeit ohne einander packte auch sie eine unstillbare Lust.
Sie ging auf seine leidenschaftlichen Küsse ein. Geschwind zog sie ihm das Hemd ganz aus und warf es achtlos in die Ecke. Sie schob Marc aufs Bett und beugte sich über ihn. Marc war verwundert über solch ein selbstbewusstes Gretchen. Gretchen aber machte sich bereits am Reißverschluss seiner Hose zu schaffen.
Marc flippte fast aus, als sie ihre Hände an solch einer Stelle spürte. Er atmete schwer aus, als sie endlich aufhörte an seiner Hose zu nesteln und stattdessen begann sich ihrer eigenen Kleidung zu entledigen.
Bei jedem Kleidungsstück, dass auf dem Boden landete, stieg Marcs Körpertemperatur um ein Grad. Als sie nur noch in Unterwäsche vor ihm stand und ihn lüstern anblickte, war es für ihn kaum mehr auszuhalten. Das Verlangen war durch ihre Show um einiges gestiegen. Marc zog sie zu sich herunter und gab ihr einen Atemberaubenden Kuss, während er gleichzeitig an ihrem Höschen zupfte, um es ebenfalls in die nächste Ecke zu schmeißen.
Der Moment, als er unter höchster Erregung in sie eindrang, war für sie beide für jedes mal der Schönste auf Erden. Aber diesmal war er bombastisch. Marc musste sich schwer beherrschen, um nicht laut aufzustöhnen.
Gretchen spürte Marcs Anspannung und sie merkte, wie sehr er sich beherrschen musste. Und sie genoss es. Sie begann ihr Becken zu bewegen und Marc entfuhr ein Seufzer der Lust. Er bewegte sich in dem gleichen Rhythmus wie sie. Mit jeder Bewegung kamen sie dem Höhepunkt ein Stückchen näher. Und mit jeder Bewegung stieg die Herzfrequenz der zwei.
Marcs Erregung stand kurz vor der Entladung, das wusste er. Wieder stieß er in sie ein. Gretchen stöhnte. Marc genoss es ebenfalls, dass sie sich von seinen Bewegungen verwöhnen ließ. Er zog sie näher an sich heran.
Und im nächsten Moment explodierte sie. Es war ein angenehmes Kribbeln, dass sich langsam in ihrem ganzen Körper ausbreitete. Sie spürte, wie Marc ein letztes Mal in sie einstieß und dann war sie erlöst. Es war, als würde sie fliegen. Sie konnte nicht anders, sie stöhnte auf, aber das Geräusch wurde durch Marcs atemberaubenden Küsse gedämpft.
Für Marc war es eine Explosion. Um nicht laut zu stöhnen, drückte er seine heißen Lippen auf ihren sündigen Mund. Das Gefühl, das ihn durchfuhr war kaum in Worte zu fassen. Es schoss durch seine Adern, wie Gift. Er fühlte sich frei. Seine Bewegung hörte auf und er stöhnte ein letztes Mal. Dann war das Schauspiel vorbei. Gretchen legte sich erschöpft neben ihn. Auf Gesicht und Dekolleté hatten sich Schweißperlen gebildet. Ihre blauen Augen glänzten sündig und Marc lächelte sie an. Ein unbeschreibliches Gefühl durchströmte ihre Körper. Das erste Mal wieder vereint sollte etwas ganz Besonderes werden. Und das war es auch, mehr als besonders.

Olivia<3 Offline

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07.04.2012 14:55
#134 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Hallo ihre Lieben!
Da ich ein bisschen was auf Vorrat habe, kann ich in Zukunft erst mal regelmäßiger was posten! An dieser Stelle auch noch mal ein großes Dankeschön an meine beiden treuen Kommi-Schreiberinnen Nicki662 und Hassi1 Obwohl ich mich auch sehr über mehr Kommis freuen würde.
Aber auch an meine Vorher-Überfliegerin Bichi91 Danke für eure Unterstützung.
Liebe Grüße,
Olivia


Den Nachmittag verbrachten sie größtenteils im Bett. Marc und Gretchen hatten schließlich einiges nachzuholen.
Auf Grund der Anstrengung und Gretchens noch nicht ganz erholtem Gesundheitszustand ging das Paar verhältnismäßig früh zu Bett. Glücklich einander wieder zu haben, schliefen sie Arm in Arm ein. Das letzte was Gretchen wahr nahm, bevor sie in den Schlaf dämmerte, war Marcs angenehmer Duft und seine Körperwärme. In dieser Nacht schlief sie das erste Mal durch. Im Krankenhaus hatte sie nie gut schlafen können und Marc war auch nicht bei ihr gewesen.
Auch Marc war froh, dass die Bettseite neben ihm nicht mehr leer war. Wie oft hatte er sich nachts frustriert wieder zur Wand gedreht, wenn er merkte, wie kalt und leer die Seite neben ihm war. Er strich ein letztes Mal über ihre Blonden Locken, bevor auch er die Augen schloss.
In dieser Nacht träumte er von ihr. Von ihrem goldenen Haar und ihrem bezaubernden Lächeln. Als er mitten in der Nacht aufwachte und sich an seinen Traum erinnerte, ging er der Gewissheit nach, dass sie neben ihm lag und ruhig atmete. Er betrachtete sie eine Weile. Ihre Haut war weiß und die Augen ruhig geschlossen. Auf ihren Lippen lag die Andeutung eines Lächelns, als würde sie süße Träume haben. Vorsichtig fuhr er mit dem Finger durch ihr weiches Haar. Er lächelte, als er sah, dass Gretchen sich ein Stück näher an ihn kuschelte. Er zog sie in seine Arme und vergrub seine Nase in ihren Haaren. Ihr süßer Duft benebelte ihn. Er schloss die Augen.

Am nächsten Morgen wurde Gretchen davon geweckt, dass sie Marcs warmen Hände auf ihrem Bauch spürte. Sie lächelte, es war die erste Nacht seit Langem, dass sie wieder neben ihm aufwachte. Sie drehte sich in seiner Umklammerung um und betrachtete sein entspanntes Gesicht. Ein Sonnenstrahl versetzte seinem makellosen Gesicht einen warmen Stich. Sie strich ihm eine braune Haarsträhne aus dem Gesicht. Seine Augenlider zuckten. Er zog die Nase kraus. Gretchen schmunzelte und drückte Marc einen kleinen Kuss auf die Nase.
Marc murrte und zog sie näher an sich. Gretchen kicherte, Marc schien noch im Halbschlaf zu sein.
Sie nahm sein Gesicht zwischen ihre Hände und betrachtete ihn innig. Dann legte sie ihre Lippen sanft auf seine und begann ihn zärtlich zu küssen. Marcs Augenlider zuckten wieder und dann öffnete er seine grünen Augen, um sie anzusehen.
Er erwiderte ihren Kuss kurz und sah ihr in die Augen.
„Guten Morgen, Hasenzahn“, sagte er und lächelte.
„Marc, du bist auch schon wach“, sagte sie grinsend und gab ihm einen weiteren Kuss, „Musst du nicht zur Arbeit?“
„Arbeit?“, fragte er, „Ich hab mir frei genommen“
„Dass das immer so einfach geht“, sagte Gretchen und lächelte.
„Ich bin Oberarzt“, sagte Marc, „Werde mir ja wohl noch frei nehmen können, wenn du mal einen Tag zu Hause bist“
„Das ist süß von dir“, sagte sie.
„Nein das ist das Mittel zum Zweck“, sagte er grinsend und begann sie zu küssen.
Seine Hände wanderten unter der Decke gefährlich weit nach oben.
„Maaarc“, ermahnte sie ihn, „Du bist manchmal echt unausstehlich“
„Ich weiß“, nuschelte er.
Aber Gretchen ließ das morgendliche Programm widerstandslos über sich ergehen.

„Und was machen wir den Rest des Tages?“, fragte Gretchen am Frühstückstisch.
„Weiß nicht“, sagte Marc und sah aus dem Fenster, „Auf Grund des Zustandes deiner Gesundheit, würde ich vorschlagen, verlassen wir de Wohnung nicht“
„Es ist aber so schönes Wetter“, sagte Gretchen und deute aus dem Fenster.
In der Tat, sie Sonne schien aus voller Kraft und für Anfang Februar waren sogar die Temperaturen im angenehmen Bereich.
Marc zuckte die Schultern.
„Was schlägst du denn vor?“
„Wir könnten an den Wannsee fahren und spazieren gehen“, sagte Gretchen.
„Spazieren gehen?“, fragte Marc und zog eine Augenbraue hoch.
„Ja, warum denn nicht?“, fragte Gretchen, „Marc komm schon, ich mach auch nichts, was meiner Gesundheit schaden könnte“, Gretchen sah ihn bittend an.
Aufgrund des Blickes, den sie ihm zuwarf, konnte ihr Marc diesen Wunsch nicht abschlagen.
„In Gottes Namen“, sagte er deshalb.
Gretchen strahlte ihn an und gab ihm einen dicken Schmatzer.
„Danke“, sagte sie.
„Aber wehe, du überanstrengst dich!“, sagte Marc und hob spielerisch den Zeigefinger.
Sich immer wieder in die Augen sehend brachten sie das Frühstück hinter sich.
„Marc, ist es warm draußen?“, fragte Gretchen aus dem Schlafzimmer.
„Es geht“, sagte Marc, „Warum?“
„Damit ich weiß, was ich anziehen soll“, kam es von ihr, „Wo sind überhaupt meine ganzen Sachen?!“
Marc kam zu ihr ins Zimmer. Vor ihm stand ein in Unterwäsche bekleidetes Gretchen. Sie sah ihn verzweifelt an.
„Marc, wo ist denn meine Tasche?“, fragte sie.
„Ich glaub noch im Auto“, er grinste, „Es musste wohl gestern etwas schneller gehen.
Gretchen verdrehte die Augen.
„Kannst du sie holen?“, sie sah ihn mit ihren großen, blauen Augen an.
Marc lächelte ergeben und machte sich auf den Weg.

Eine Stunde später saß das Paar dann endlich in Marcs Auto und war auf dem Weg zum Wannsee. Die Sonne strahlte durchs Fenster und auf Gretchens Gesicht lag ein seliges Lächeln.
Marcs Hand lag auf ihrem Knie und ihre Hand auf seiner.
„Kannst du mir mal verraten, wieso du so scharf darauf bist, spazieren zu gehen?“, fragte Marc nach einer Weile, des Schweigens.
„Marc“, sagte sie, „Es ist schönes Wetter, die Sonne scheint. Normale Menschen gehen bei so einem Wetter immer spazieren, außerdem tut frische Luft gut“
Demonstrativ ließ sie das Fenster herunter und lies sich den Wind um die Nase wehen.
„Dann werden wir doch mal gesund sein und die frische Luft genießen“, Marc beschleunigte den Wagen.
„Marc! Wie oft habe ich dir gesagt, dass du nicht so schnell fahren sollst?!“, beschwerte sich Gretchen auf dem Beifahrersitz.
Aber Marc lächelte sie nur an und ließ das Verdeck seines Cabriolets herunter. Der Wind packte Gretchen und zauberte auch ihr ein Lächeln aufs Gesicht.
So fuhren sie über die Autobahn zum Wannsee und ließen sich einfach den Wind durch die Haare wehen. Und das war erst der Anfang eines schönen Tages.

Olivia<3 Offline

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08.04.2012 12:03
#135 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Als sie an dem Ufer des Sees ankamen, nahm Gretchen Marcs Hand. Gemeinsam folgten sie dem Weg am Ufer entlang. Der leichte Wind wehte ihnen durch das Haar.
„Ich bin froh, dass du dich doch noch dazu entschieden hast, den Spaziergang zu machen“, sagte Gretchen und sah Marc glücklich an.
Marc lächelte zurück.
„Du weißt, was mir noch besser gefallen hätte“, er grinste fies.
„Mensch Marc, kannst du eigentlich ein mal an etwas anderes denken?!“, fragte Gretchen und sah ihn tadelnd an.
„Wenn ich dich sehe“, er betrachtete sie eingehend, „Leider nein“
Gretchen seufzte und verdrehte die Augen.
Eine Weile gingen sie einfach nur am See entlang. Aber bald war Gretchen das Gehen zu anstrengend geworden.
„Marc, können wir uns eine Weile setzten?“, fragte sie ihren Freund.
„Klar, das mit der Überanstrengung war durchaus ernst gemeint“, sagte ihr Freund.
Gretchen steuerte ein nahegelegenes Café an. Zum Draußensitzen war es zwar zu kalt, aber auch so konnte man eine Auszeit genießen.
Sie führte Marc zu einem der am Fenster gelegenen Tische und setzte sich.
„Mensch, das war vielleicht ein bisschen viel gelaufen“, sagte sie erschöpft.
„Habe ich doch gleich gesagt, dass ein Spaziergang vielleicht ein bisschen viel ist“, sagte Marc uns zuckte mit den Schultern.
„Mensch Marc, wären wir zu Hause geblieben, hätten wir nun das gleiche Problem“, sagte sie und verdrehte demonstrativ die Augen.
Marc zog die Augenbraue hoch und nickte.
Gemütlich tranken sie ihren Kaffee und unterhielten sich.
„Du Marc, wann kann ich eigentlich wieder arbeiten?“, fragte Gretchen, sie konnte es gar nicht erwarten, wieder in ihren Job einzusteigen.
„Ich denke in einer Woche“, sagte Marc und nahm ein Schluck Kaffee.
„Noch eine Woche?“, Gretchen schluckte.
Am Liebsten würde sie gleich wieder anfangen zu arbeiten, aber es war sicher besser.
„Hasenzahn, du wirst es alleine zu Hause schon aushalten“, sagte Marc.
„Wer spricht denn davon?“, fragte Gretchen, „Mir macht mein Job halt Spaß, ich möchte gerne wieder arbeiten“
Marc nickte, allzu gerne verzichtete er auch nicht auf sie. Immerhin musste er dann mit Mörder-Menz zusammen arbeiten und das störte ihn mehr als nur ein bisschen.
„Wir werden sehen, wann es dir wieder so gut geht, dass du wieder arbeiten kannst“, einigte Marc sich schließlich mit ihr.
„In Ordnung“, sagte Gretchen, „Wollen wir nicht weiter gehen?“
Marc bezahlte die Getränke und dann standen sie wieder in der kühlen Frühlingsluft.
„Weißt du Marc, ich habe mir nie denken können, dass wir mal so etwas machen, wie auch normale Pärchen. Spazieren gehen, einen Kaffee trinken“, Gretchen nahm seine Hand.
„Wir sind aber auch nicht normal“, sagte er, „Denn wir beide sind halt irgendwie 'spezial'“
„Marc, das hast du wirklich sehr schön gesagt, aber immer aus der Reihe zu tanzen, das kann doch nicht sein“, setzte Gretchen an, „Ich möchte gerne normal sein“
„Was soll das heißen?“, fragte Marc etwas verwundert.
„Naja“, Gretchen druckste ein bisschen herum, „Ich denke, dass ein bisschen 'Normal-Sein' uns auch nicht schaden könnte“
„Was mache ich falsch?!“, fragte Marc sofort, in der Angst, er könnte wieder falsch gehandelt haben, sie aus unerklärlichen Grunde verärgert haben.
„Nichts machst du falsch, nur du bist halt eben nicht die stinknormale Bürgerschiene“, sagte Gretchen schließlich.
„Jetzt sag nicht, dass du heiraten und Kinder willst“, traf Marc den Nagel auf den Kopf.
Als Gretchen sah, dass Marcs Augen von Fassungslosigkeit geprägt waren, sah sie beschämt nach unten.
„Nein Marc, ich weiß, dass du keine Kinder willst und Heiraten ist auch nicht dein Ding“, sagte sie, „Aber...Ich weiß auch nicht was ich meine. Eigentlich wollte ich doch nur sagen, dass es schön ist, dass du auch mal etwas normales machen kannst“
Marc verstand sie nicht recht. Aber es war ja nicht das erste mal, dass er Gretchen komplizierter fand, als die Millionen-Frage bei 'Wer wird Millionär?'.
„Ja, sogar ein Marc Meier kann mal normal sein und seine Freundin zum Kaffee einladen und mit ihr spazieren gehen“, sagte er deshalb.
Gretchen lächelte.
„Du bist süß“ sagte sie.
„Nein, das bin ich 100% nicht!“, sagte Marc mit gespielter tadelnder Miene.
„Mensch, das war ein Kompliment“, wehrte Gretchen sich grinsend.
„'Süß' ist für einen Marc Meier kein Kompliment, sondern ein Schimpfwort“, klärte Marc sie auf, „Ich frage mich, wann du das begreifst“
„Och Marci-Schatzi, dafür liebe ich dich doch“, sagte sie frech grinsend.
„Nenn mich nicht Marci-Schatzi“, empörte sich Marc.
„Wäre dir“, sie verstellte ihre Stimme, „'Marc Olivier' lieber?“
„Du hörst dich schon fast an wie meine Mutter“, sagte Marc und verdrehte die Augen.
„Keine Bange, vielleicht nenn ich dich in Zukunft nur noch 'Marc'“, sagte sie schließlich.
„Ist Okay, Hasenzahn“, sagte er.
Dann gingen sie Hand in Hand zurück zum Auto. Aber dort erwartete sie eine böse Überraschung...

Olivia<3 Offline

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09.04.2012 09:43
#136 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Als Marc und Gretchen den Parkplatz betraten, sahen sie das Desaster. Da wo Marcs Auto stand, war eine gähnende Lücke zu sehen. Das Auto stand nicht mehr an Ort und Stelle, wo Marc es noch vor wenigen Stunden geparkt hatte.
„Wo ist mein Auto?“, fragte Marc komplett verwirrt und sah sich um.
Auch Gretchen konnte das Cabriolet nirgends erblicken. Sie gingen auf die Stelle zu, wo es gestanden hatte. Aber dort war nichts, kein Auto.
„Welches Schwein hat mein Auto geklaut?!“, rief Marc, außer sich.
Auch Gretchen war fassungslos. Zwar war das Auto neu und auch teuer. Aber sie waren doch nicht in Hellersdorf, sondern am Wannsee, immerhin eine angesehene Gegend. Da wurden keine Autos gestohlen.
„Wie sollen wir denn jetzt nach Hause kommen?!“, Marc sah sich ein weiteres Mal um.
„Es wird uns nichts Anderes übrig bleiben, als mit Bus und Bahn zu fahren“, sagte Gretchen seufzend.
„Ich will aber verdammt noch mal wissen, wo mein Auto ist!“, sagte Marc mit Nachdruck.
„Marc, beruhige dich, das ist auch nur ein Auto“, versuchte Gretchen ihn zu besänftigen.
„Das ist nur ein Auto? Das war schweineteuer“, beschwerte sich Marc, „Wir gehen zur Polizei!“
„Lass uns doch erst mal nach Hause fahren, bevor wir Alarm schlagen, außerdem bin ich erschöpft“, sagte Gretchen seufzend.
Marc zuckte mit den Schultern, ihnen würde nichts Anderes übrig bleiben. Außerdem wollte er, was den Gesundheitszustand seiner Freundin anging, nichts riskieren.
Marc sah sich suchend nach der nächsten Haltestelle um. Nie hatte er mit dem Bus fahren müssen.
„Wo ist denn hier die blöde Haltestelle?“, fragte Marc.
„Suchen Sie die Bushaltestelle?“, fragte ihn einer der Passanten höflich.
Gretchen nickte, Marc hatte den Blick immer noch stur zur Straße gerichtet.
„Die ist gleich dort drüben“, der Passant zeigte hinter Marc auf eines der Haltestellenhäuschen.
„Danke, das ist wirklich freundlich von Ihnen“, sagte Gretchen und lächelte.
„Aber gerne doch“, sagte der Mann und ging wieder seiner Wege.
Dass sie die Haltestelle nicht von Allein gefunden hatten, war fast schon ein bisschen peinlich, da sie wirklich ziemlich genau hinter ihnen war.
„Marc komm, da vorne ist die nächste Haltestelle“, sagte Gretchen und zupfte Marc am Ärmel.
Widerwillig folgte Marc ihr zu der kleinen Überdachung.
Mit hochgezogenen Augenbrauen blickte er auf den Fahrplan.
„Hasenzahn, wie liest man denn so ein Ding?“, fragte er und sah sie verständnislos an.
„Du willst mir jetzt aber nicht sagen, dass du nicht weißt, wie man einen Fahrplan liest, oder?!“, Gretchen konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Doch, eigentlich schon“, sagte Marc und zuckte die Achseln.
Gretchen kam auf ihn und den Fahrplan zu.
„Der nächste Bus fährt in zehn Minuten“, sagte Gretchen und deutete auf die Fahrzeiten.
Marc nickte und ließ sich genervt auf einen der Sitzplätze fallen. Er hatte keine Lust mit Bus und Bahn zu fahren und noch weniger Lust 10 Minuten zu warten. Aber am allermeisten ärgerte ihn, dass irgendein Idiot seinen Wagen gestohlen hatte.
Gretchen merkte, dass Marc angespannt war und setzte sich zu ihm. Beruhigend strich sie ihm über den Handrücken.
„Das wird schon“, sagte sie, „Wir finden dein Auto schon“
„Was glaubst du eigentlich was das ist? Ein Ermittlungsfall von TKKG?“, fragte Marc genervt, „Hier wird nix wieder gefunden! Mein Wagen kann sonst wo gelandet sein! Stell dir vor, er geht in diesem Moment durch die Schrottpresse“
Gretchen nahm ihre Hand weg und starrte beleidigt auf die Fahrbahn, dass das Auto ein so wichtiger Teil in Marcs Leben war, hatte sie bis jetzt noch gar nicht gemerkt.
Eine Weile schwiegen sie sich gegenseitig an, bis der Bus kam.
„Ein mal in die Auguststraße“, sagte Marc dem Fahrer.
„Ick weiß ja net, was se denken, aber wia sind hier keen Taxi-Unternehmen. Ick nehm se mit, bis zur S-Bahn an Wannsee“, sagte der Fahrer und guckte Marc schräg an.
„Und was muss ich bezahlen?!“, fragte Marc energisch, schon jetzt hatte er keine Lust mehr.
„Das macht denn 4.40 €“, sagte der Fahrer.
Gretchen konnte sich nach dem Auftritt ihres Freundes das Grinsen nicht verkneifen.
„Was grinst du denn so?“, fragte Marc, als sie saßen.
„Du hast dem Busfahrer grad gesagt, wohin er fahren soll“, sagte Gretchen grinsend.
„Und?“, fragte Marc skeptisch, „Was ist daran so witzig?“
„Sag mal, wie lange bist du eigentlich kein Bus mehr gefahren?“, fragte Gretchen.
„Ist schon länger her“, sagte Marc achselzuckend, „Warum?“
„Das merkt man“, sagte Gretchen.
„Wie gut, dass du sich da so gut auskennst“, sagte Marc schnippisch und sah aus dem Fenster.
„Mensch, was wackelt denn das hier so!“, meckerte Marc auch schon, als sie über die holprige Straße fuhren, „Jetzt weiß ich wieder, warum ich Busfahren hasse“
„Mir scheint, da ist jemand aber ziemlich auf sein Auto angewiesen“, sagte Gretchen.
„Mhh“, brummte Marc.
Als die holprige Busfahrt endlich beendet war, stand das Paar am S-Bahnhof Wannsee.
„Und wo müssen wir jetzt hin?“, fragte Marc und sah sich skeptisch das alte Gebäude an.
„Bin ich vielleicht der Touristen-Guide“, beschwerte sich Gretchen.
„Nee aber du kennst dich mit der BVG ja bestens aus“, sagte Marc und ging auf die Fahrpläne zu.
„Wo ist denn die nächste Haltestelle zu unserer Wohnung?“, fragte Gretchen und sah auf den Fahrplan.
„Keine Ahnung“, sagte Marc.
„Ja und jetzt?“, fragte Gretchen.
„Fragen wir doch den Mann da, er sieht aus, als hätte er Ahnung“, sagte Marc.
Gretchen nickte.
„Ich geh aber lieber selbst“, sagte sie und ging auf den Bahnhofsbeamten zu.

Nach einer Weile kam sie wieder auf Marc zu.
„Ich weiß jetzt wo wir hin müssen“, sagte Gretchen, „Wir steigen erst mal in die S-Bahn und dann sehen wir weiter“
„Wie dann sehen wir weiter?“, fragte Marc mit aufgerissenen Augen, „Hat der Typ dir nicht gesagt, wohin wir dann müssen?“
„Mensch Marc, vertrau mir doch mal“, sagte Gretchen lächelnd, „Und jetzt komm endlich“
Gretchen zog Marc in die Bahnhofshalle.
„Mensch hier stinkts vielleicht“, sagte Marc und sah sich angewidert um.
„Mensch Marc, jetzt stell dich mal nicht so an! Ein bisschen Bus und Bahn kann dir mal nicht schaden. Es ist echt nicht zu fassen“
Murrend ließ Marc sich von seiner Freundin auf das Bahngleis ziehen. Als er in die überfüllte Bahn stieg wurde ihm wieder ein mal klar, warum er ein Auto hatte.

Olivia<3 Offline

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10.04.2012 09:55
#137 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Unzählige Minuten, Fragen und angesprochene Bahnhofsbeamte hatte das Paar endlich die Meiersche Residenz erreicht.
„Das mache ich nie wieder“, sagte Marc leicht angesäuert und ließ sich erschöpft auf das Sofa fallen.
Die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln hatte sie mehr als eine Stunde Zeit gekostet.
„Und jetzt rufen wir erst mal bei der Polizei an, denn es kann doch nicht wahr sein, dass man mir mein Auto am hellichten Tag stiehlt“, sagte Marc und griff zum Telefon.
Gretchen lauschte dem Gespräch.
„Nein, dies ist KEIN Notfall...Was? Wie bitte?!...Ganz bestimmt nicht...Kann ich jetz vielleicht mal mein Anliegen schildern?..Da muss ich erst herkommen? Wer bin ich denn?...Ach ja...Nein, es geht um mein Auto...Ja gestohlen...Also doch herkommen?...In Gottes Namen... Ich bin in zehn Minuten da“
Er legte auf.
„Jetzt soll ich doch tatsächlich aufs Präsidium kommen“, Marc seufzte und schmiss das Telefon neben sich auf das Sofa.
„Jetzt reg dich nicht so auf“, sagte Gretchen, „Soll ich mitkommen?“
„Bleib du mal hier, nicht, dass du sich noch überanstrengst“, sagte Marc und zog sich seine Schuhe wieder an.
„Okay“, Gretchen zuckte mit den Schultern, „Aber sei bitte ein bisschen freundlicher“
„Ich bin NICHT unfreundlich“, erwiderte Marc und schlüpfte in den Mantel.
Gretchen seufzte, ihrem Freund war nicht mehr zu helfen.
„Gut, dann bis gleich“, sagte sie.
„Tschüss“, schon hörte man das Zuschlagen der Wohnungstür.

Als Marc die Wohnung verlassen hatte, klingelte das Telefon.
Gretchen nahm ab.
„Haase?“, fragte sie.
„...“, die Leitung summte, man hörte nur ein unregelmäßiges Atmen.
Gretchen legte auf, da hatte sich wohl jemand in der Nummer geirrt. Da es ihr doch ein wenig unheimlich schien, schaltete sie den Fernseher ein. Nachrichten. Mehr oder weniger gelangweilt folgte sie den Neuigkeiten über Landtagswahlen, Terror-Anschlägen und dem Wetterdienst.
Schon wieder klingelte das Telefon.
„Haase?“, fragte sie wieder.
Aber wieder war nur ein Atmen zu hören. Gretchen wurde es zunehmend unheimlicher. Marc war immer noch nicht zurück. Die belanglosen Nachmittags-Soaps.
Eine halbe Stunde später drehte dich der Schlüssel im Schloss um. Gretchen setzte sich aufrecht, in der Hoffnung, dass es Marc war. Und schon lugte sein brauner Haarschopf durch die Tür und das vertraute Geräusch von in die Ecke geschleuderten Schuhen war zu hören.
„Hasenzahn“, sagte er, „Die auf der Polizei haben doch alle einen Sockenschuss. Wollen mein blödes Auto nicht suchen. 'Abwarten' haben sie gesagt, vielleicht finde ich es wieder. Als wäre ich so blöd und würde mein AUTO verlieren!“
Marc schmiss sich aufs Sofa und zog Gretchen näher zu sich.
„Und, was gibt es hier Neues?“, fragte Marc, „Hat meine Mutter angerufen?“
„Nee, nur so nen unheimlicher Typ“, sagte Gretchen, „Der oder die hat nur in die Leitung geatmet“
„Wahrscheinlich nur ein blöder Telefonstreich“, sagte Marc und griff nach der Fernbedienung, „Ich will jetzt erst mal Fußball gucken“
Gretchen verdrehte die Augen und stand vom Sofa auf.
Marc hatte sich ein Bier geholt und sah sich das Spiel seiner Lieblings-Mannschaft an, allerdings schien er weniger begeistert.
„Mensch, spiel doch ab!“, regte er sich auf.
Gretchen belächelte dies und nahm sich nach langer Zeit mal wieder das Schlachtfeld 'Küche' vor. Leere Pizzakartons und Verpackungen von Fertigessen und Sushi stapelten sich auf der Anrichte. Marc schien in der ganzen zeit, wo sie weg war, nicht ein mal aufgeräumt , geschweige denn den Mull rausgebracht zu haben. Angewidert sammelte sie den Verpackungsmüll in einer Tüte und knotete sie zu. Dass Männer aber auch immer so eine Unordnung haben mussten, dabei legte Marc doch sonst immer so einen großen Wert auf ein ordentliches Wohnheim. Nachdem sie die Küche vom groben Müll befreit hatte, machte sie sich ans Putzen. Sie hasste es alles mit einem Lappen abzuwischen, aber in diesem Zustand konnte sie den sonst so freundlich wirkenden Ort nicht lassen.
Ein Paar mal hörte sie Marc im Wohnzimmer, wie er sich beschwerte, aber es wurde zunehmend leiser. Als Gretchen sich ein Brot geschmiert hatte und sich zu Marc aufs Sofa setzen wollte, sah sie ihn selig schlafen, die Bierflasche noch in der Hand.
Lächelnd setzte sie sich neben ihm und nahm ihm die Flasche aus der Hand. Marcs Kopf sank an ihre Schulter und sie konnte den angenehmen Duft seiner weichen Haare einatmen. Gretchen aß ihre Schnitte und kuschelte sich anschließend an Marc. Mit der Hand durchkämmte sie sein leicht verzaustes Haar. Er seufzte wohlig und Gretchen lächelte.
Mit der freien Hand griff sie nach der Fernbedienung und schaltete das nervige Gedudel des Fernsehers aus.
„Ey, mach das wieder an“, murrte Marc, so ganz geschlafen schien er noch nicht zu haben.
Gretchen grinste und schaltete den Fernseher wieder an.
„Und jetzt weiter kraulen“, murmelte Marc.
Jetzt konnte sich Gretchen das Grinsen wirklich nicht mehr aufsparen, Marc schien heute wirklich sehr verschmust zu sein. Bus war er noch nie gefahren und von Streicheleinheiten konnte er nicht genug kriegen. Sie vergrub ihre Hände wieder in seinem braunen Haar.
Marc lächelte und lauschte den Geräuschen des Fernsehers.
„Mach mal lauter“, kommandierte er.
Gretchen tat wie ihr geheißen. Ein bisschen wollte sie ihren Freund heute verwöhnen, immerhin hat er heute auf sein Auto verzichten müssen.
Er seufzte wieder zufrieden und genoss ihre zarten Bewegungen.
Gretchen versank ihren Gedanken. Sie merkte wieder ein mal, wie gerne sie Marc hatte und wie liebenswert er doch war und, dass auch in ihm ein kleiner Tollpatsch steckte.
Plötzlich aber schnellte Marcs Kopf hoch.
„Tooor!“, rief er, „Hasenzahn, hast du das gesehen?!“
Gretchen brauchte eine Weile um zu realisieren, dass Marc mit ihr sprach.
„Was?!“, fragte sie perplex.
Ein hellwacher Marc saß neben ihr und jubelte, da seine Lieblings-Mannschaft ein Tor geschossen hatte.
„Ob du gesehen hast, wie der das gemacht hat? Das war ja weltklasse!“, sagte Marc und seine Augen klebten am Bildschirm.
Natürlich hatte Gretchen nicht mitbekommen, dass dort wohl eben Sport-Geschichte geschrieben sein musste, sie hatte von Fußball nicht die geringste Ahnung.
„Super“, sagte sie deshalb ironisch.
So waren Männer eben, in der einen Minute noch die kraulsüchtigen Kuschelbären und in der nächsten Sekunde die kleinen Fußballfans aus dem Stadion. Eigentlich hätte Gretchen Marcs Reaktion ja ein wenig gestört, aber sie gönnte ihm, dass er auch mal einen Abend vor dem Fernseher verbringen konnte. Immerhin hatte er heute einen Spaziergang mit ihr gemacht, hatte sie zum Kaffee-Trinken eingeladen, ihm wurde sein Auto geklaut und er war mit ihr mit Bus und Bahn zurück nach Hause gefahren. Da hatte er sich schon mal einen Abend mit Fußball und Bier verdient.

Olivia<3 Offline

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11.04.2012 09:32
#138 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Als Marc am nächsten Tag im Krankenhaus auftauchte, wohl bemerkt mit dem Taxi, lief er auch direkt Dr. Menz über den Weg.
„Warum sind Sie denn mit dem Taxi unterwegs, Dr. Meier?“, fragte sie mit einem fiesen Grinsen auf den Lippen.
„Ich weiß gar nicht, was sie meinen“, sagte Marc und lief an ihr vorbei, ohne sie eines Blickes zu würdigen.
„Herr Doktor, warum sind sie jetzt erst da?“, fragte Sabine im Schwesternzimmer, in der Hand schon die Akten für die Visite.
„Man hat mir mein Auto gestohlen, da musste ich ein Taxi nehmen!“, sagte Marc und zog seinen Kittel über.
„Sabine, Visite!“, sagte Marc.
Als Marc den Weg zu den Patientenzimmern anschlug, sah er Dr. Menz nicht. Sie stand in einer Nische und hatte ein wirklich teuflisches grinsen aufgesetzt.
„Glaub mir, Meier, du wirst das schon ausbaden“, zischte sie.

Marc brachte sie morgendliche Visite hinter sich, um anschließend den OP zu betreten. Dort wartete schon Dr. Menz auf ihn. Aber heute sah sie nicht schüchtern aus. Ihre Körperhaltung hatte sich verändert, sie wirkte selbstbewusster. Ihre Augen strahlten Blitze. Marc fragte sich, was diese plötzliche Wandlung auf sich hatte.
„Menz, geht das auch ein bisschen schneller!“, motzte er, als sie die OP-Tür betrat.
Marc hatte sich vorgenommen, ihr das Krankenhaus-Leben so schwer wie möglich machen. Immerhin hatte sie um ein Haar sein ganzes Leben zerstört.
„Absaugen!“, meckerte er, obwohl es eigentlich nicht nötig war, noch mehr Blut abzusaugen.
Aber Menz ließ auch nicht locker, sie saugte tapfer ab. Sie hatte beschlossen, versuchen ihrem Oberarzt die Stirn zu bieten.
„Haken halten“, befahl Marc und seine Hände versanken im Operationsbereich.
„Ich seh nichts“, sagte Marc, „muss man denn alles alleine machen?!“
Marc riss ihr die Haken aus der Hand und hielt sie selbst zur Seite.
Sophie Menz schluckte heftig, aber sie erwiderte nichts, Marc würde noch sehen, was er versaut hatte.
Trotzdem war sie mehr als froh, dass die OP endlich vorbei war.
Wortlos schmiss Marc die OP-Kleidung in die Behälter und knallte die Tür hinter sich zu.
Genervt machte er sich auf den Weg ins Schwesternzimmer.
„Sabine! Kaffee!“, er griff nach einem Stapel Akten, „In mein Büro“
Man hörte einen Türknall und die Urgewalt Meier war verschwunden. Sabine machte sich an der Kaffee-Maschine zu schaffen und füllte den Kaffee nun in eine Tasse.

Menz hatte das Schauspiel mitbekommen. Sie ging in eines der leeren Patientenzimmer und drückte den Notrufschalter. Auf leisen Sohlen schlich sie zurück ins Schwesternzimmer.
Sie sah wie Sabine auf das Rufgerät sah und den Mund aufriss. Dann war die junge Krankenschwester verschwunden.
Sophie Menz schloss leise die Tür zum Schwesternzimmer hinter sich. Sie sah sich noch ein mal um, ob auch kein Geräusch auf dem Flur zu hören war, dann zog sie ein kleines Fläschchen aus ihrer Kittel-Tasche. Jetzt war der Moment der Wahrheit gekommen, nun würde sich auch Marc eins auswischen.
Sie tröpfelte de Flüssigkeit in die Tasse und steckte das Fläschchen zurück in ihre Tasche. Sie schlich wieder aus dem Schwesternzimmer und ging über den Gang.

Sabine kam von dem Notruf zurück, es war niemand dort gewesen. Verwundert ging sie den Flur entlang.
Der Kaffee war ja schon fertig. Sie griff danach und brachte ihn zu Dr. Meier in sein Büro.
„Ihr Kaffee, Herr Doktor“, sagte Sabine und trat ein, „Entschuldigung, dass es so lange gedauert hat. Es gab einen Notfall“
„Das wurde aber auch Zeit“, sagte Marc und nahm einen Schluck, „Sie können gehen“
Marc widmete sich wieder seinen Akten, als Sabine das Zimmer verließ.

Dr. Menz hatte alles genau beobachtet. Sie stand auf dem Gang und tat so, als würde sie sich die Akten durchlesen, die sie in der Hand hielt. Sie wartete fünf Minuten. Und klopfte dann an Marcs Tür. Es regte sich nichts. Sie öffnete vorsichtig die Tür und sah Marc an. Das Mittel hatte gewirkt, ihr teuflischer Plan konnte beginnen...

Ich würde sagen: Die guten zeiten sind schon wieder vorüber. Das tut mir Leid
Hoffe ihr bleibt dran
Olivia

Olivia<3 Offline

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12.04.2012 09:34
#139 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Hallo!
An dieser Stelle muss ich noch mal sagen, dass ich Menz' Plan zusammen mit meiner Assistentin Bichi91 geschreiben habe! Einen herzlichen Dank an sie.
Aber auch ein Dank an alle Kommi-Schreiberinnen und stillen Leserinnen!
Liebe Grüße,
Olivia


Als Marc die Augen aufschlug, schmerzte sein Kopf. Er saß an seinem Schreibtisch und hatte den Kopf auf einen Stapel Akten gelegt. Er musste wohl eingeschlafen sein. Komisch, dabei war er doch gar nicht müde gewesen. Er gähnte und richtete sich auf. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er wohl ca. zwei Stunden geschlafen haben musste. Seltsam,, dass ihn keiner geweckt hatte. Er griff zur Kaffeetasse, aber die Brühe war eiskalt. Angewidert stellte er die Tasse wieder bei Seite und stand auf. Er sah in den kleinen Spiegel. Die Hautfarbe war seltsam blass und sein Haar ziemlich zerzaust. Er spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht. Nicht, dass er schon wieder drohte krank zu werden.
Er trocknete sich wieder ab und richtete seine vom Schlaf zerknitterte Kleidung gerade.
Dann machte er sich auf den Weg ins Stationszimmer. Dort begegnete er Sabine.
„Sabine, machen Sie mir einen Kaffee“, seltsam, er konnte nicht ein mal mehr die Energie aufbringen, sie anzuschnauzen.
„Ist alles in Ordnung mit Ihnen, Herr Doktor?“, fragte sie, „Als ich Sie eben wecken wollte, haben Sie so fest geschlafen“
„Was?“, fragte Marc, „Sie konnten mich nicht wecken?“
Marc ließ sich auf einen der Stühle fallen.
„Sie haben tief und fest geschlafen. Werden Sie krank?“, fragte Sabine und schaltete die Kaffee-Maschine an.
„Ich kann mich gar nicht daran erinnern, eingeschlafen zu sein“, sagte Marc und zuckte mit den Schultern, „War wohl etwas viel die letzten Tage“
Dr. Menz hatte das Gespräch der Beiden heimlich aus der Umkleide beobachtet. Sie grinste fies. Er schien sich wirklich an nichts mehr erinnern zu können. Ihr Plan war aufgegangen. Sie packte ihre Sachen zusammen und kam aus der Umkleide.
„Ich werden dann jetzt gehen, Dr. Meier“, sagte sie und betrat das Stationszimmer.
„Machen Sie doch was Sie wollen“, sagte Marc gleichgültig, „Nur lassen Sie mich in Frieden“
Es fiel Dr. Menz schwer, sich ein Grinsen zu verkneifen. Mit unschuldigem Blick verließ sie das Stationszimmer. Sie tat so, als hätte sie Marcs Bemerkung verletzt, Aber in ihrem Inneren tobte ein Sturm der Gefühle. Marc würde noch sehen, wozu sie fähig war.

Marc wandte sich wieder dem Kaffee zu.
„Sabine, ich werde heute früher gehen“, sagte er, „Es geht mir nicht so gut“
Er nahm einen Schluck Kaffee.
„Soll ich Sie krankschreiben, Herr Doktor?“, fragte die Krankenschwester.
„Aber sicher“, sagte Marc und trank den Kaffee in einem Zug leer, „Ich muss dann auch mal weiter“
Sabine machte sich daran den Krankenschein vorzubereiten.

Als Marc die Tür zu seiner Wohnung aufschloss, saß Gretchen auf dem Sofa und folgte einer ihrer Lieblings-Soaps.
„Hallo Marc, was machst du denn schon hier?“, fragte sie und ging zu ihm hin.
„Mir ging es nicht so gut. Kopfschmerzen“, er zog den Mantel aus und schmiss die Schuhe in die Ecke.
„Ist alles okay bei dir?“, fragte sie besorgt und legte ihre Hand an seine Stirn, „Fieber hast du aber nicht“
„ich weiß auch nicht“, sagte Marc und zuckte mit den Schultern, „Hast du was zu Essen da?“
„Trocken Brot und Wasser?“, sagte sie seufzend.
„Wie wäre es mit Pizza?“, fragte er, als treuer Kunde des Pizza-Services. Dieser kannte ihn schon beim Vornamen.
Gretchen nickte.
„Meinetwegen“, sie setzte sich wieder aufs Sofa, „ich guck das eben noch zu Ende“
Marc setzte sich neben sie und zog sie in seine Arme.
„Marc, ich kann nichts sehen wenn du mich so umklammerst“, sagte Gretchen und schob seinen Arm zur Seite.
Marc schmollte, befreite sie aber und beschränkte sich darauf, nur einen Arm um sie zu legen.
Der Pizza-Bote schellte.
„Hey Marc, mal wieder am Pizza-Essen?“, fragte er und gab Marc die Bestellung.
Dieser drückte ihm einen Zwanziger in die Hand.
„Stimmt so“, sagte Marc und grinste.
„Ach, ich hab da noch was für Sie“, sagte der Pizza-Bote und drückte Gretchen einen Umschlag in die Hand.
„Was ist das?“, fragte sie und betrachtete den dicken Umschlag.
„Ich weiß es nicht, das lag auf der Fußmatte“, der Pizza-Bote zuckte die Schultern.
„Gut, dann bis das nächste Mal“, sagte Marc und verabschiedete Frederico, den Pizza-Boten.
„Tschüss“, sagte dieser und marschierte mit seinem Karton wieder ab.
„Mensch, hab ich Hunger“, sagte Gretchen und sog den leckeren Duft der frischen Pizza ein, der Brief war schon wieder in Vergessenheit geraten.
Marc stellte die Kartons auf den Küchentisch und holte ein Messer zum Schneiden.
Gemütlich aßen die beiden ihre Pizza.
„Wollen wir heute noch einen Film gucken?“, fragte Gretchen mit vollem Mund.
„Nee, ich nehm gleich erst mal eine heiße Dusche, fühle mich echt nicht gut“, erwiderte Marc.
„Ist auch okay, nicht, dass du mir noch krank wirst“, sagte Gretchen.

Nach dem Essen verschwand Marc im Bad. Als Gretchen den Fernseher anschalten wollte, fiel ihr der Brief wieder ein. Sie griff nach dem Umschlag. Es stand kein Absender drauf. Das Kuvert war schwer und es klebte keine Briefmarke drauf. Gretchen holte sich Marcs Brieföffner aus dem Arbeitszimmer und setzt sich wieder hin. Vorsichtig, um den Inhalt nicht zu beschädigen, öffnete sich das Kuvert. Gretchen fühlte ein Blatt Papier und Fotos. Warum waren in dem Umschlag Fotos? Und von wem, zum Teufel, war der Brief?
Gretchen sah sich das erste Bild an und ihr blieb der Atem stehen. Bei zweiten liefen ihr die Tränen hinunter und beim dritten Bild konnte sie nicht mehr hinsehen. Mit offenem Mund griff sie zu dem Blatt Papier.
In krakeliger Schrift war zu lesen:
„Sie haben es so gewollt, Frau Dr. Haase“

Olivia<3 Offline

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13.04.2012 11:11
#140 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Heute leider etwas kürzer, aber immerhin

Wie in Trance stand Gretchen auf, ließ Fotos und Brief liegen und ging ins Schlafzimmer. Im Bad hörte sie Marc unter der Dusche stehen, als wäre nichts gewesen.
In Gretchen sammelte sich eine unglaubliche Wut auf diesen Mann an. Wie konnte er ihr das antun?
Gretchen ging zum Schrank nahm ihre Tasche und schmiss ohne Gedanken irgendetwas hinein. Tränen tropften auf die Tasche und hinterließen schwarze Flecken auf dem weißen Bettlaken. Es entfuhr ihr ein Schluchzen. Sie zog den Reißverschluss zu und wuchtete die Tasche aus der Tür. Sie schlüpfte in Schuhe und Mantel, griff nach ihrer Handtasche und knallte schließlich die Tür hinter sich zu. Sie sagte kein Wort. Knallte einfach nur die Tür zu. Sollte Marc doch sonst was denken!
Sie stolperte fast die Treppen herunter. Erst, als sie wieder an der frischen Luft war, konnte sie frei atmen. Es war mittlerweile dunkel geworden. Vor ihrem Mund bildeten sich Rauchschwaden, es war kalt geworden. Gretchen lief den ganzen Weg bis nach Hause, ohne eine Miene zu verziehen. Die Tränen liefen ihr immer noch über die Wangen. Man starrte sie schräg an, aber das merkte sie nicht. Sie hatte den Blick stur nach vorne gerichtet. In Gedanken nur bei Marc. Was hatte er ihr nur wieder angetan?
Sie klingelte bei sich an der Haustür. Ihre Mutter öffnete.
„Margarethe, wie siehst du denn aus?“, fragte sie und zog ihre Tochter ins Haus, „Was ist passiert?“
„Es ist etwas Schreckliches passiert“, sagte Gretchen und dann begann sie erst richtig zu weinen. Ihre Mutter nahm sie in die Arme und Gretchen weinte und weinte. Die Tränen kamen einfach.
Bärbel verfrachtete Gretchen aufs Sofa.
„Jetzt sag doch mal endlich was passiert ist“, fragte Bärbel, als Gretchen die Tränen ausgingen.
„Marc...“, sagte sie nur unter Schluchzern.

Marc hatte noch das Zuschlagen der Tür gehört. Was war passiert? Er machte die Dusche aus und wickelte sich geschwind in ein Handtuch. Das, was er noch zu hören bekommen hatte, waren Schluchzer und Gepolter auf der Treppe. Marc rannte nur in Handtuch bekleidet auf die Wohnungstür und riss sie auf.
„Gretchen! Was ist denn?“, rief er ins Treppenhaus.
Aber sie hörte ihn nicht. Am Fenster sah er sie, mit ihrer Tasche über den Bürgersteig humpeln. Immer noch nur ihm Handtuch rannte er auf die Straße und rief ihr hinterher, aber sie drehte sich nicht um. Fassungslos ging Marc zurück in die Wohnung. Er würde ihr hinterher fahren. Er griff nach den nächstbesten Klamotten und wollte schon nach dem Autoschlüssel greifen, als ihm einfiel, dass sein Auto gestohlen worden war.
„Fuck!“, rief er und schmiss wütend die Schuhe in die Ecke. Er griff nach seinem Handy und wählte ihre Nummer.
„Dies ist die Mail-Box von Gretchen Haase...“, wütend legte Marc auf.
Er ließ sich aufs Sofa fallen und vergrub den Kopf in seinen Händen. Erst dann merkte er, dass er auf irgendetwas drauf saß. Er griff nach dem Gegenstand. Es waren viele Fotos, ein ganzer Stapel. Marc drehte den Stapel und betrachtete das erste. Auch er riss die Augen auf, beim zweiten den Mund und beim dritten konnte er nur rufen:
„Dieser verdammte Schlampe“
Auch er griff nach dem Brief und erkannte neben den Zeilen „Sie haben es so gewollt, Frau Dr. Haase“, auch den Satz: „Vögelst du sie eigentlich oft im Auto, Marc?“ Das Wort 'Auto' war dick unterstrichen.
Kein Zweifel, das war die Intrige einer Wahnsinnigen...

Olivia<3 Offline

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14.04.2012 10:35
#141 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Marc schmiss die Fotos zur Seite und sank auf das Sofa. Wie kann man in zwei Stunden ein ganzes Leben zerstören? Wie konnte jemand nur so krank sein? Wie kam diese Person an solche Bilder? Er musste geschlafen haben. Und er wusste, dass Gretchen ihm unter Umständen nicht glauben würde. Ratlos stand er auf und griff wieder nach dem Handy. Aber es ging nur die Mail-Box ran. Er setzte sich wieder und begann zu überlegen. Wo würde Gretchen hingehen? Zu Gigi? Nein, die Amsel hatte wegen Medhi kaum Zeit.
Wahrscheinlich eher zu ihren Eltern.
Er stand auf und rief sich ein Taxi.
„Können Sie nicht ein bisschen schneller fahren?!“, motzte Marc den Fahrer an.
Der Fahrer murrte und drückte aufs Gaspedal. Die Gedanken in Marcs Kopf glichen einem Karussell, dass sich unumwunden dreht.
Als Marc endlich vor dem Haaschen Anwesen stand, wusste er nihct, was er sagen sollte. Wie sollte er sich rechtfertigen? Er wusste, dass er das, was auf den Bildern zu sehen ist, nicht gemacht hatte. Da war er sich sicher.
Mit zittrigen Fingern drückte er die Klingel. Mit jeder Sekunde, wurde Marc aufgeregter.
Endlich hörte man Schritte und kurz darauf öffnete Bärbel Haase die Tür.
„Herr Meier, was wollen Sie hier?“, fragte sie mit unverändertem Gesichtsausdruck.
„Ich muss mit Gretchen reden“, sagte Marc.
„Meine Tochter will Sie nicht sehen“, sagte Bärbel.
„Sie soll mir nur ein mal zuhören“, sagte Marc, fast schon flehend.
„Haben Sie nicht verstanden, Dr. Meier. Sie will Sie nicht sehen, Sie haben ihr das Herz gebrochen“, sagte Bärbel.
„Was wenn ich es nicht war?“, fragte Marc.
„Wer soll es denn sonst gewesen sein?“, fragte sie schnippisch.
„Mensch, Menz war doch nur eifersüchtig“, sagte Marc.
„Ach, und deshalb haben Sie meine Tochter mit ihr betrogen?“, sagte Bärbel spöttisch.
„Mein Gott, ich habe sie nicht betrogen. Die Olle hat mir KO-Tropfen verpasst“, sagte Marc wütend.
„Ach, warum sollte sie das tun?“, fragte Bärbel.
„Weil sie KRANK ist?!“, sagte Marc, „Immerhin hat sie Gretchen schon die falsche Infusion angehängt, wie das geendet ist, wissen Sie ja“
„Ich kann Ihnen das leider nicht glauben“, sagte Bärbel, „Ich brauche Beweise“
„Gerne“, sagte Marc, „Ich werd mich auf die Tropfen testen lassen“
Dann drehte er sich um und stapfte wütend weg. Mit dem Handy rief er ein Taxi und ließ sich ins Krankenhaus fahren.

„Sabine!“, sagte Marc, „Stellen Sie einen Test auf KO-Tropfen aus“
„Herr Doktor, was machen Sie denn hier, es ging Ihnen doch schlecht“
„Das ging es mir auch, weil Menz mich mit KO-Tropfen vollgepumpt hat. Und jetzt bringen Sie den Test, aber ein bisschen plötzlich“
Sabine nickte und machte sich auf den Weg ins Labor.

Marc war währenddessen auf dem Weg zu Dr. Menz.
„Menz!“, brüllte er über den Gang, als er die Ärztin am Ende des Ganges sah.
Sie zuckte zusammen und kam mit hängenden Schultern auf ihn zu.
„In mein Büro, PRONTO“, sagte Marc energisch.
Insgeheim freute sich Sophie Menz. Sie erhoffte sich ein heißes Date mit ihrem Oberarzt. Aus genauen Beobachtungen wusste sie, dass Marc Dr. Haase auch immer so ins Büro rief, wenn er mit ihr schlafen wollte. Das Grinsen, sich kaum verkneifen könnend, folgte Dr. Menz ihren Oberarzt.
Als sie eingetreten war, knallte er mit dem Fuß unsanft die Tür zu. Alles in Sophie stellte sich darauf ein, dass sie mit Marc schlafen würde. Aber da hatte sie sich geirrt.
Marc setzte sich lässig in seinen Bürostuhl. Aber man konnte sehen, dass er sich stark beherrschen musste. Sich beherrschen, um nicht auf Menz loszugehen. Sie nicht anzuschnauzen.
„Frau Doktor“, sagte er mit einem zynischen Lächeln, „Es gibt da etwas, was ich mit Ihnen zu bereden hätte“
Dr. Menz deutete all dies falsch.
„Was denn, Herr Dr. Meier?“, sie sah ihn verführerisch an.
„GEBEN SIE MIR VERDAMMT NOCH MAL MEIN AUTO ZURÜCK“, schrie Marc die junge Ärztin an und stand aus seinem Sessel auf, „Und, dass Sie es mir nie wieder wagen, die Beziehung zwischen mir und Gretchen, anzugreifen!“
Sophie Menz zuckte unter seiner plötzlichen Reaktion zusammen. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte.
„Und was soll das hier?!“, Marc griff in seine Jackentasche und zog die zerknitterten Fotos hervor, „Sag mal, wie krank sind Sie eigentlich?“
Dr. Menz aber fasste neue Energie.
„Was würden Sie denn tun?“, versuchte Sie zu kontern.
„Ich würde weder irgendjemanden versuchen umzubringen, noch würde ich das Auto meiner Liebsten stehlen! Auch würde ich niemanden mit KO-Tropfen vollpumpen, oder gar gestellte Sex-Fotos machen!“, warf Marc ihr an den Kopf.
Ein einzelner guter Kern in Sophie Menz sagte, dass sie zu weit gegangen war. Der verdorbene Teil ihre Inneren aber sagte, dass Marc all diese Strafen verdient hatte. Wie gemein er zu ihr gewesen ist. Was er ihr angetan hatte.
„Ich habe nur das getan, was du auch verdienst“, sagte sie kühl.
„Ach, was ich verdiene? Kannst du mir auch sagen warum?“, sagte Marc, „Vielleicht weil ich nicht so krank und eifersüchtig wie du bin?“
Er lachte spöttisch.
„Du bist das größte Arschloch des Universums“, sagte sie wütend.
„Ach ja? Das bin ich“, sagte Marc, „Und was sind Sie? Wenn ich das größte Arschloch des Universums bin, was sind Sie dann? Ich hatte keine Mordgedanken und gestohlen habe ich auch nicht. Jetzt kann ich Sie wenigstens anzeigen“
Sophie Menz schwieg.
„Es tut mir Leid“ sagte sie.
„Ach ja? Wissen Sie was?“, er achte zynisch, „Das geht mir so was von am Arsch vorbei. Ich werde Sie anzeigen. Wegen Diebstahl, versuchten Mordes und sexuellem Missbrauches“
„Machen Sie doch“, sagte sie trotzig, „Vielleicht muss ich Sie dann endlich nicht mehr sehen“
„Na dann gehen Sie doch, hier ist keiner scharf drauf, mit ihnen zusammen zu arbeiten“, meinte Marc Schulterzuckend.
„Wissen Sie was? Sie sind ein wirkliches Weichei! Als Macho, da standen die Frauen noch drauf, aber jetzt“, Sie sah ihn abschätzig an, „Halten Sie alle nur noch für ein Weichei“
„Und wissen Sie was? Das kümmert mich nicht. Wissen Sie, Menschen können sich verändern“, sagte Marc, als würde ihm das nihcts ausmachen.
Aber Menz versuchte es weiter, Marc aus der Fassung zu bringen.
„Und Sie sind eine Niete im Bett“, sagte Dr. Menz.
„Ach ja? Und deshalb rennen Sie mir eine halbe Ewigkeit hinterher? Belästigen mich und wollen meine Freundin umbringen. Geben Sie es doch zu, Sie sind mir verfallen“, Marc schaffte es, trotz aller Wut, immer noch ein wenig locker zu klingen, „Ich bin halt einfach ein Sexgott“
Dr. Menz lief wütend rot an.
„Für Leute, die auf Blümchensex stehen vielleicht“, sagte Dr. Menz, dann ging sie.
Sie drehte sich einfach um und verließ den Raum. Mit Genugtuung sah er, dass Menz an der nächsten Ecke ein Taschentuch aus ihre Kitteltasche zog und zu weinen begann. Nichts anderes hatte sie verdient.
Marc ging zurück ins Schwesternzimmer.
„Ist Sabine schon da?“, fragte er Schwester Ingeborg.
„Sie ist grade gekommen“, sagte Schwester Ingeborg.
„Sabine? Haben Sie den Test?“, fragte Marc.
Sabine nickte und kam mit dem Test.
„Hier, Herr Doktor“, sie reichte ihm die entsprechende Gerätschaften.
Wortlos nahm Marc die Sachen und verzog sich in sein Büro. Seufzend ließ er sich in seinen Sessel fallen und schob den Ärmel seines Hemdes hoch. Er band seinen Arm ab und setzte die Nadel an.

„Möge der Test Klarheit bringen“, murmelte er, als er den Test ins Labor brachte, „Klarheit“

Olivia<3 Offline

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15.04.2012 10:53
#142 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Gretchen hörte ihre Mutter, wie sie mit Marc redete. Sie konnte seine Stimme in diesem Moment nicht mit anhören. Zu groß war die Wut, die Enttäuschung. Und wieder kamen die Tränen, als sie die Bilder vor ihren Augen sah. Marc, mit der Menz. Ihr wurde fast schlecht bei diesem Gedanken. Sie lauschte dem Gespräch zwischen Bärbel und Marc kaum. Hin und wieder nahm sie einen Gesprächsfetzen auf. Sie merkte, dass Marc versuchte sich raus zu reden, aber sie glaubte ihm kein Wort. Sie war kurz davor aufzuspringen und Marc fort zu schicken, damit sie seine Lügen nicht anhören musste. Aber dann hörte sie die Tür ins Schloss fallen, Marc war verschwunden. Ihre Mutter kam zurück ins Wohnzimmer.
„Danke Mama“, sagte sie unter Tränen, „Danke, dass du ihn nicht zu mir gelassen hast“
„Aber Kind, das war doch selbstverständlich“, sagte sie und nahm Gretchen in den Arm.
Bärbel versuchte es gar nicht erst, Gretchen einzureden, dass Marc all das vielleicht doch gar nicht getan hatte. Sie wusste, dass ihre Tochter all dies im Moment nicht hören wollte. Sie musste sich erst mal wieder beruhigen. Sie war ja doch nicht gan zurechnungsfähig.
„Ach Margarethe“, sagte sie, „Das wird schon wieder“
„Mama, nein, es ist alles so schrecklich“, sie schluchzte weiter, „Marc hat mich betrogen. Mit der, die mich umbringen wollte“
„Ich bin mir sicher, das klärt sich“, sagte Bärbel.
Gretchen beantwortete dies nur mit einem Weinen.
Bärbel tat alles, um ihre Tochter bei Laune zu halten. Mit Schokolade, ihrer Lieblingsmusik und unendlich vielen Taschentüchern schaffte Bärbel es schließlich, dass Gretchen mit dem Weinen aufhörte.
„Ich habe mit Marc geredet“, sagte Bärbel schließlich.
„Und was hat er gesagt?“, fragte Gretchen schwach.
„Diese andere Frau Doktor, war ja schon lange in sie verliebt. Schließlich hat sie auch dir eine falsche Medizin gegeben. Und Dr. Meier meinte, sie hat ihm Drogen gegeben, um die Fotos zu machen“, erklärte Bärbel.
„Mama, das klingt doch so was von aus den Fingern gezogen“, sagte Gretchen.
„Aber Margarethe, ganz ehrlich“, Bärbel sah sie mitleidig an, „Diese Frau hat dich immerhin fast umgebracht, warum sollte er dich ausgerechnet mit ihr betrügen?“
„Mama! Sag jetzt bloß nicht, dass du Marc verteidigst“, Gretchen stiegen wieder die Tränen in die Augen, „Nee, das kann jetzt echt nicht sein!“
Gretchen stand beleidigt auf, griff nach Taschentüchern und Schokolade und machte sich auf den Weg in ihr Zimmer. Mittlerweile liefen ihr wieder die Tränen über die Wangen.
Es kam ihr vor, als würde sich das ganze Leben wieder gegen sie wenden. Marc hatte sie betrogen und ihre Mutter hielt auch noch zu ihm.
Wütend drehte sie die Stereo-Anlage auf und schmiss sich aufs Bett. Sie nahm sich fest vor, weder mit Marc, noch mit ihrer Mutter auch nur ein Wort zu reden, bevor man nicht handfeste Beweise für Marc hatte.
Die traurige Musik machte sie schläfrig und ihre verquollenen Augenlider wurden schwer. Mit dem Gedanken, dass Marc sie betrogen hatte, schlief sie ein. Und landete in einer wilden Traumwelt. Aber es gab eine Linie, an die sich der Traum hielt und das war Marc.

Auch Marc ging es schlecht. Er hatte bereits eine schwierige Zeit hinter sich. Schmerzlich erinnerte er sich, wie Gretchen fast gestorben wäre, er erinnerte sich an seinen Alptraum und an ihre Amnesie.
Seufzend ließ er sich in seinem Büro in den großen Schreibtischstuhl fallen.
Marc dachte daran, dass man ihm schon wieder einen Stein in den Weg legte. Dass man ihm schon wieder das Leben schwer machte.
Vergeblich wartete er auf das Ergebnis des Testes. Wusste, dass es vielleicht zu spät gewesen ist, den Test zu machen. Wenn er diesen Test nicht als handfesten Beweis vorweisen konnte, war alles aus. Denn er wusste, dass Gretchen ihm in dieser Hinsicht nie ganz vertrauen würde. Und er wusste, dass alles gegen ihn sprach. Aber er musste sie überzeugen können, dass das eine Intrige war. Dass er nicht mit Dr. Menz geschlafen hatte. Aber er allein mit seinem Wissen konnte nicht überzeugen. Er brauchte Beweise.
Marc wandte sich seinem Computer zu. Er betrachtete das Bildschirm. Ein Foto von ihm und Gretchen. Er sah ihre strahlenden Augen und auch das Glück in seinen eigenen Augen. Was waren dies für schöne Zeiten gewesen. Mit dem Zeigefinger fuhr er sanft über den Bildschirm. Seufzend sank er zurück in seinen Stuhl.
Auf ein mal klopfte es an die Tür.
„Ja?“, fragte Marc.
Sabine trat ein.
„Herr Doktor, die Ergebnisse sind da“, sagte sie.
„Her damit“, sagte Marc und stand auf.
Sabine überreichte ihm den Umschlag.
„haben Sie reingeschaut?“, fragte Marc Sabine.
„Nein“, sagte diese, „Das würde ich doch nie tun“
„Dann ist gut“, erwiderte er.
Marc ging zu seinem Schreibtisch und kramte unter bergeweise Akten einen Brieföffner hervor.
„Sabine, Sie können gehen“, sagte Marc.
Als die Schwester gegangen war, sah er sich das Kuvert an.
Der Brief war weiß und unschuldig. Aber in ihm steckte seine letzte Hoffnung. Eine letzte Hoffnung, Gretchen zu sagen, dass er sie nicht betrogen hatte.
„Na dann mal los“, murmelte er und begann vorsichtig das Kuvert zu öffnen.
Langsam holte er das Blatt Papier hervor. Er begann zu lesen. Und dann bekam er es mit der Angst zu tun. Seine Welt drohte zusammen zu brechen. Mit nur einem einzigen Satz:
„Spuren von Ketaminen: Negativ“

Olivia<3 Offline

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16.04.2012 15:41
#143 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Hey Ihr Lieben
Trotz Schulanfang, tausend angekündigter Tests und Arbeiten und den üblichen Hausaufgaben-Bergen, geht es heute weiter. ich wünsche euch allen viel Freude mit dem neuen Teil!
Liebe Grüße,
Olivia


Marc ließ den Brief sinken. Jetzt war endgültig alles aus. Was sollte er jetzt noch tun. Wie würde er Gretchen davon überzeugen können, dass er unschuldig war?
Er sah nur eine Lösung, Menz müsse die Tat gestehen. Aber wie hoch war der Preis? Marc legte den Kopf auf den Aktenstapel vor sich und seufzte tief.
Er hörte es zaghaft an der Tür klopfen.
„NEIN“, sagte er laut.
Aber die Tür öffnete sich trotzdem. Schwester Sabine trat ein.
„Was wollen Sie?“, fragte Marc.
„Ich habe Ihnen etwas zu erzählen“, sagte Sabine.
„Was denn?“, Marc zog mürrisch die Augenbrauen hoch.
„Ich habe Beweise“, Sabine senkte geheimnisvoll die Stimme.
„Was gibt es zu beweisen? Der Test ist negativ. Die Schlampe hat mir keine KO-Tropfen gegeben“, erwiderte Marc.
„Herr Doktor, hören Sie mir doch zu“, sagte Sabine, „Ich habe das hier in Ihrer Kitteltasche gefunden“
Sabine zog einen Handschuh aus ihrer Kitteltasche.
„Sabine, das ist ein Handschuh“, Marc seufzte.
Sabine aber zog sich selbst einen Handschuh über und holte aus dem anderen ein Fläschchen hervor.
„Das hab ich aus Dr. Menz' Kitteltasche“, sagte Sabine und riss die Augen auf, als hätte sie etwas Verbotenes getan.
„Bitte was?“, fragte Marc ungläubig und stand von seinem Stuhl auf, „Zeigen Sie mal her“
„4-Hydroxybutansäure“, sagte Marc, „Kein Wunder, dass das nicht nachweisbar ist“
Sabine sah ihren Oberarzt erwartungsvoll an.
„Sabine“, sagte er, „Sie haben mir diesmal buchstäblich den Arsch gerettet“
Als die Schwester vor Freude drohte ihn umarmen zu wollen, fügte er schnell noch etwas hinzu:
„Was natürlich nicht ihre Grundkompetenz verbessert“
Aber Marc hatte neue Hoffnung geschöpft und das ausgerechnet in Schwester Sabine.
„Es gibt da nur ein Problem“, sagte Sabine und senkte den Blick, „Wir können nicht beweisen, dass die Flasche Dr. Menz gehört“
Sabine sah das Fläschchen skeptisch an.
„Nen DNA-Test?!“, sagte Marc, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt, „Kennen Sie wen, der das für umsonst machen würde?“
„Günni hat das schon mal gemacht“, sagte Sabine und ihre Augen begannen bei seinem Namen zu glänzen.
„Dann suchen Sie sich das zusammen, was sie brauchen“, sagte Marc, „Und dann ordern sie einen Test auf Oxybate “
Sabine nickte.
„Aber gerne doch, Herr Doktor“, sagte sie und packte das Fläschchen sorgfältig in einen Gummihandschuh, „Ich werde mich gleich auf den Weg machen“
Marc nickte.
„Beeilen Sie sich“, sagte er und hoffte, dass die Schwester es schaffte.

Sabine packte das Fläschchen wieder in ihre Tasche und verließ den Raum. Nun würde sie sich Dr. Menz vorknöpfen. Auf leisen Sohlen schlich sie zum Schwesternzimmer. Dr. Menz schien drinnen zu sein und zu telefonieren.
Sabine schlich durch die Hintertür in die Umkleide. Von dort konnte sie die junge Ärztin beobachten. In der Hand hatte sie einen Kugelschreiber, in der anderen das Telefon. Sie schien sehr beschäftigt. Sabine hatte einen Plan.
Leise schlüpfte sie in ihre Handschuhe und nahm ihren eigenen Kuli. Sie verließ die Umkleide wieder durch den Hinterausgang und stand auf den Flur. Geschwind ging sie auf den anderen Eingang zu. Durch die Fensterscheibe konnte sie Dr. Menz erkennen. Der Kuli war in der linken Hand. Jetzt würde es auf alles ankommen. Sabine umfasste ihren Kuli fester und stieß kraftvoll die Tür zum Schwesternzimmer auf. Sie rempelte Dr. Menz so an, dass ihr Kuli zu Boden fiel.
„Sabine!“, sagte sie, „Können Sie nicht aufpassen“
Sabine bückte sich, um den Kuli aufzuheben. Tauschte aber ihren eigenen gegen den von Dr. Menz aus.
„Entschuldigung“, Sabine gab Dr. Menz ihren eigenen Kuli zurück.
Menz bemerkte nichts von dem Tausch.
Sabine entschuldigte sich noch ein mal und verließ dann wieder das Schwesternzimmer. In der im Handschuh verpackten Hand, hielt sie den Kuli, den Dr. Menz zuvor noch i der Hand gehalten hatte.
Stolz grinsend machte sie sich auf den Weg zu Günni auf die Pathologie.

„Yeaaaah“, Günni Gummersbach steckte bis zum Handgelenk in einer Leiche und sang unmelodisch zu seiner Musik, „Wheeen youuu caaaame araouuuund“
Sabine pirschte sich von hinten an ihren Freund heran und tippte ihn an.
Der Pathologe zuckte unter der Bewegung zusammen und setzt die Kopfhörer ab.
„Huh?!“, er schreckte herum, „Sabine!“
„Günni“, sagte sie und lächelte ihn an, „Ich habe eine Art Auftrag für dich“
Dr. Gummersbach schlüpfte aus seinen Handschuhen und desinfizierte sich die Hände.
„Was gibt es denn?“, fragte er und schmiss die verdreckten Handschuhe in den Abfall.
„Es geht um einen DNA-Test“, sagte Sabine.
„Welcher Verbrecher wird denn diesmal gesucht?“, fragte Günni grinsend.
„Niemand Besonderes“, sagte Sabine, sie wusste nicht, ob es ihrem Oberarzt gefallen würde, wenn sie die ganze Geschichte erzählte.
„Aha“, sagte Günni, „Und das Material?“
„Hier“, Sabine kramte in ihrer Tasche, holte das Fläschchen und den Kuli, beides in einem Handschuh eingewickelt aus ihrer Tasche.
Günni betrachtete das Fläschchen genauer.
„Das hört sich aber weit aus nicht nach 'Niemand Besonderes' an“, sagte er, die Augenbrauen hochgezogen.
„Günni, bitte sei so lieb“, sagte Sabine flehend.
Schließlich ging es um ihre Lieblingsärzte. Und um ihre Beziehung!
„Ich werde s machen“, sagte Günni, „Aber ich hoffe, dass ich dich Geschichte eines Tages doch noch erfahre“
„Ganz sicher“, sagte Sabine lächelnd.
Sabine hoffte, dass Dr. Menz so unumsichtig gewesen war, dass sie bei ihrer Tat keine Handschuhe getragen hatte. Denn sonst war es nicht nur für Marc und Gretchen aus, sondern auch für ihre freien Nachmittage und relativ entspannten Vormittage mit Dr. Meier...

Olivia<3 Offline

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17.04.2012 15:01
#144 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Sabine ging zurück ins Schwesternzimmer. Dr. Menz war nicht mehr dort, das Telefon war frei.
Sabine nahm den Hörer in die Hand, um im Labor anzurufen und einen weiteren Test zu ordern.
„Station 6, Schwestern Sabine hier...Eine Versicherung was den HBS-Spiegel angeht...Was? Das ist jetzt aber sehr schlecht...Nein, nicht für mich...Für Dr. Meier...Lange Geschichte...Er wird sehr böse sein!...Es muss aber gehen...Ich werde es ihm ausrichten“, Sabine legte den Hörer bei Seite. So einfach ließ man eine weitere Untersuchung wohl nicht zu.
Mit der schlechten Nachricht machte sich Sabine auf den Weg zu Dr. Meier, der immer noch in seinem Büro saß.
„Haben Sie den Test?“, fragte Marc und sah vom Schreibtisch auf.
„Nein“, sagte sie traurig.
„Und warum nicht?“, Marc sah die Schwester prüfend an.
„Sie machen das nicht so einfach“, sagte Sabine.
„Haben Sie gesagt, dass Sie von mir kommen?!“, fragte Marc.
„Sicher, was denken Sie denn Herr Doktor?“, Sabine sah zu Boden.
„Und warum ist dann kein Test da?!“, fragte Marc energisch.
„Sie meinten, dass das nicht so einfach gehen würde“, erwiderte Sabine, „Von wegen Zahlen und so“
„Meine Güte!“, Marc stand auf, „Immer muss man alles alleine machen“
„Aber Herr Doktor, wo wollen Sie denn jetzt hin?“, fragte Sabine, als Marc an ihr vorbei ging.
„Ins Labor, da sie es anscheinend nicht hingekriegt haben“, erwiderte Marc und bat Sabine aus dem Raum.
Schon war er auch schon hinter der nächsten Ecke verschwunden.
„Ein Danke hätte auch gereicht“, sagte Sabine geknickt, als Marc außer Reichweite war.

„Kann das denn so schwer sein?“, meckerte Marc, auf den Tresen vor dem Labor gelehnt.
„Herr Dr. Meier“, sagte der junge Laborant.
„Ich erwarte diese Untersuchung, aber ein bisschen zügig!“, sagte Marc mit Nachdruck, „Und selbstverständlich werde ich das auch bezahlen! Machen Sie sich darum mal keine Sorgen!“
Der Laborant nickte.
„Ich werde sehen, was wir tun können“, sagte er.

Keine halbe Stunde später konnte Marc eine weitere Ampulle seines Blutes ans Labor weitergeben, immer noch in der Hoffnung, dass Dr. Menz endlich gestellt werden konnte.
Als er wieder in seinem Büro war, griff er wieder nach seinem Telefon. Er wollte es ein weiteres Mal versuchen, Gretchen anzurufen.
Aber wieder nur die Mailbox ran. Marc seufzte, würde dieses Schauspiel denn nie ein Ende nehmen. Er griff zu den Fotos, die Dr. Menz gemacht hatte. Er zwang sie jene anzusehen, um sich eventuell zu erinnern. Aber als er sein Gesicht auf den Fotos sah, erkannte er Nichts.
Dort hatte er die Augen geschlossen, sein Gesicht auf den Fotos zeigte keine Regung, war immer gleich. Marc wusste, dass Dr. Menz zwar manchmal etwas tollpatschig war, aber nicht dumm. Es waren nur wenige Fotos, auf denen sein bewusstloses Gesicht zu sehen war. Aber es war schrecklich das zu sehen. Es war sogar mehr als schrecklich.
Er war kurz davor, den ganzen Stapel in den Aktenschredder zu stecken. Aber man konnte diese Fotos bestimmt als Beweismittel einsetzen. Deshalb sammelte er die, durch seine Wut, im ganzen Zimmer verteilten Fotos, auf und verstaute sie in der untersten Schublade.
Mittlerweile war es draußen dunkel geworden. Aber Marc wollte nicht nach Hause gehen. Er wollte nicht in die leere Wohnung, da schlief er doch lieber hier und hatte morgen einen krummen Rücken. Er lehnte sich zurück und verschränkte die Hände hinter dem Kopf. Er drehte sich zum Fenster und sah auf die Bäume vor seinem Fenster. Der Wind fuhr durch die Äste und er meinte es bis hier rauschen zu hören. Er seufzte und schloss die Augen. Aber vor seinen Augen sah er auch nur die gleichen Bilder. Gretchen, wie sie lachte. Dann wieder die Fotos von Dr. Menz. Dann wieder Gretchen, wie sie an alle Geräte angeschlossen liegt und kein Gedächtnis hat. Der Kuss mit Peter. Ihren Blick, wenn sie miteinander geschlafen haben. Und letztendlich ihr verletzter Gesichtsausdruck, wenn er sie wieder ein mal vor den Kopf geschlagen hatte.
Er seufzte und sah auf die Uhr. Es war halb elf. Wenn der Test nicht bald fertig war, wäre das Ergebnis eh ungültig. Er zählte die Schläge der Uhr und ihm fielen die Augen zu.
In seinen Träumen war er wieder allein. Er hatte Gretchen verloren. Sie war weggezogen, hatte einen neuen Geliebten und er war allein. Ganz allein. Immer wenn er sie anrief ging die Mailbox ran und auf seine Briefe kamen keine Antworten. So ging es ihm sein ganzes Leben.
Als er träumte, dass er mit 90 Jahren auf ihrer Beerdigung eingeladen wäre und ihre kalte Leichenhand sich um seine klammerte, wachte er schweißgebadet auf.
An den Rückenschmerzen erkannte er, dass er auf seinem unbequemen Sessel im Büro eingeschlafen sein musste. Er streckte sich und stöhnte vor Schmerz.
Er gähnte ein Mal ausgiebig und sah dann auf die Leuchtziffern der Uhr. Es war halb drei Uhr nachts. Man hatte wohl das Licht ausgemacht, denn es war stockdunkel in dem kleinen Raum. Die Bäume draußen raschelten verräterisch. Marc knipste sein Schreibtischlicht an.
Auf dem Schreibtisch stand ein Glas Wasser und zwei Umschläge. Marcs Hand griff zu dem Wasserglas und sein Blick wanderte zu den beiden Umschlägen. Er trank und las.
'Elisabeth-Krankenhaus, Fachbereich: Pathologie'. Das musste die DNA-Analyse sein.
Der Andere schien das Laborergebnis zu sein.
Er stellte das Glas bei Seite und griff zum Brieföffner. Geschickt öffnete er das Kuvert des Briefs von Dr. Gummersbach.
Er überflog die ersten Zeilen. Die DNA der beiden Gegenstände schien überein zustimmen. Das Fläschchen gehörte wirklich Dr. Menz. Sie hatte ihm wirklich K.O.-Tropfen verabreicht.
„War doch klar“, murmelte er.
Er öffnete den zweiten Brief. Es waren wirklich die Testergebnisse. Und diesmal fiel ihm ein Stein vom Herzen.
Privat-Detektiv Dr. Meier hatte wieder ein mal die richtige Fährte gehabt.
Jetzt musste nur noch Gretchen all dies verstehen. Und eine Gewisse Portion Vertrauen musste auch vorhanden sein.
Aber würde das noch gehen, nachdem wirklich alle Beweise gegen ihn gesprochen haben?
Marc ließ den Brief sinken. Was wenn es längst zu spät war?

Olivia<3 Offline

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18.04.2012 16:05
#145 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Marc ist sauer auf Menz. Ihr könnt euch denken, was jetzt kommt?

Er sprang auf und schaltet das Deckenlicht an. Er sah noch mal auf das Ergebnis, ob er auch richtig gelesen hatte. Kein Zweifel, dort stand seine Unschuld schwarz auf weiß. Er strich sie eine Haarsträhne aus dem Gesicht und seine Hand griff nach dem Telefon. Er wollte Gretchens Nummer wählen. Ihr erzählen, dass es eine Intrige war. Seine Unschuld beweisen. Aber etwas in ihm sagte, dass er lieber bis morgen warten sollte. Er musste sie erst mal einen Blick über die Lage verschaffen.
Er griff nach den beiden Umschlägen und ging ins Schwesternzimmer. Nach einem Blick auf den Dienstplan stellte er fest, dass Sabine heute Nachtschicht hatte.
Mit der Andeutung eines Grinsens öffnete er die Tür zum Schwesternzimmer.
Sabine schreckte hoch, als sie das Schlagen der Tür hörte. Sie hatte wohl für einen Augenblick die Augen geschlossen und war eingeschlafen.
„Sabine, es gibt gute Nachrichten“, sagte Marc und knallte die Umschläge auf den Tisch.
Sabine zuckte zusammen und dachte erst, ihr Oberarzt wollte sie wieder zur Schnecke machen. Aber Marc hatte andere Absichten.
Er setzte sich an den Tisch und griff nach einer Kaffeetasse und goss etwas von der brauen Flüssigkeit in seine Tasse.
„Was denn, Herr Doktor?“, Sabine sah ihn fragend an.
„Na lesen Sie doch selbst“, Marc nahm einen Schluck Kaffee, „Mensch, die Brühe ist doch eiskalt“
Marc verzog das Gesicht, während Sabine sich die Umschläge nahm und vorsichtig das erste Blatt Papier herausholte.
Marc schob die Tasse von sich und stand auf, um zur Kaffee-Maschine zu gehen.
Sabine las und auf ihrem Gesicht breitete sich das Lächeln aus.
„Aber Herr Doktor, das sind doch gute Nachrichten“, sagte Sabine.
„Lesen Sie weiter“, sagt Marc und schraubte an der Maschine herum.
Sabine öffnete den anderen Umschlag.
„Die Laborergebnisse“, Sabines Augen waren voller Hoffnung.
Die Kaffee-Maschine gluckerte zustimmend.
„Aber Herr Doktor“, Sabines Augen klebten an dem Blatt Papier, „Die sind ja positiv. Dr. Menz hat Ihnen wirklich diese Flüssigkeit eingeflößt“
„Jap“, sagte Marc, „Da steht es, schwarz auf weiß“
Sabine nickte. Endlich ging es wieder bergauf.
„Aber das heißt ja, dass sie gar nicht echt mit ihr...“, Sabine senkte den Blick, „Nun ja, mit ihr geschlafen haben“
„Was?“, Marcs Augen weiteten sich, „Woher wissen Sie das?“
„Sie hat damit geprahlt“, sagte Sabine traurig, „Und Fotos gezeigt“
„Bitte?!“, Marcs Blick wurde todernst.
„Ich hab Sie ihr abgenommen“, sagte Sabine, „Hier“
Sabine stand auf und ging zu ihrem Spind und holte einen Stapel Fotos.
„Sie hat sie VERTEILT?!“, Marc war fassungslos, solch eine Gemeinheit war ihr noch nicht untergekommen.
Sabine nickte, ihr Blick fixierte einen imaginären Punkt auf dem Boden.
„Aber ich habe sie alle eingesammelt, alle ihre Fotos“, Sabine seufzte.
Marc setzte sich wieder. Dr. Menz hatte wirklich diese gestellten Fotos im Krankenhaus verteilt. Wie krank kann man sein?
„Was haben die Leute gesagt?“, fragte er schließlich.
„Sie haben gestaunt“, sagte Sabine, „Die meisten haben gestaunt“
Marc seufzte, das war zu viel für ihn. Die Sache, dass Gretchen diese Fotos bekommen hatte, war eine Sache. Dass aber das ganze Krankenhaus davon wusste, das war zu viel. Viel zu viel.
Er stand auf. Er musste zu Menz, sie zur Rede stellen.
„Ich geh zu ihr“, sagte er und sein Gesicht verfärbte sich rot, „Ich geh zu ihr. Sag ihr die Meinung, lösch die Fotos und hol mein VERDAMMTES Auto zurück“
Marc war mittlerweile einfach nur noch wütend.
„Dr. Menz ist nach Hause gefahren“, sagte Sabine schüchtern.
„Das ist mir so was von egal!“, sagte Marc, „Wo ist ihre Adresse?“
„Im Server“, sagte Sabine.
Marc ging zum Computer und hackte auf die Tasten ein. Er schaute auf den Bildschirm. Runzelte die Stirn, griff zum Stift und notierte sich eine Adresse.
„Sabine?“, fragte er, „Haben Sie ein Auto?“
„Nein“, sagte sie, „Aber ich kann das von Günni nehmen“
„Dann besorgen Sie sich den Schlüssel. Aber ein bisschen plötzlich!“, sagte Marc, „Diese Frau wird schon ihr Fett abkriegen“
„Aber sicher doch Herr Doktor“, Sabine ging zu ihrem Spind.
Marc lief in sein Büro und holte seine Jacke.

Die Fahrt zu Dr. Menz verlief chaotisch.
„Halten Sie sich eigentlich immer an die Geschwindigkeitsbegrenzung?!“, fragte Marc ungeduldig.
„Aber Herr Doktor“, sagte Sabine und beschleunigte ein wenig, „Natürlich“
Marc verdrehte sie Augen. Die Fahrt bis zu der besagten Adresse kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Dabei war es kaum eine viertel Stunde.
Endlich hatten Sie das Haus erreicht. Es war ein dreckiges Mehrfamilienhaus. Schon ziemlich heruntergekommen.
Marc suchte die Klingel ab. 'Menz'. Er schellte Sturm.
„Meier“, raunzte er in die Sprechanlage.
Der Türsummer schaltete sich ein. Sabine hatte er ihm Auto gelassen.
Wütend stapfte er die Stufen hoch. Sophie Menz stand lässig in die Tür gelehnt.
„Was wollen Sie hier?“, fragte sie genervt.
„Das wissen Sie nicht?!“, Marc schüttelte spöttisch den Kopf, „Das sollten Sie aber wissen“

Sophie Menz war komplett überrascht, dass ihr Oberarzt vor der Tür stand und um Einkehren bat. Aber er verstand etwas anderes unter Einkehren als sie.
„So, Frau Doktor“, er schmiss ihr den Stapel Fotos vor die Füße, „Und jetzt erklären Sie mir mal GANZ GENAU, was das soll?“
Marcs Farbe hatte eine dunkelrote Farbe angenommen.
„Die Nachbarn“, versuchte Dr. Menz.
„Sollen die Nachbarn ruhig wissen, mit was für einer INTRIGANTEN KUH sie unter einem Dach wohnen“, sagte er laut und deutlich, „Und mit was für einem perversen Wesen“
Marc deutete auf die Fotos.
„Mir reicht es mit Ihren Spielchen. Ich weiß, dass ich jede haben könnte. Aber ich will nicht jede. Und schon gar nicht SIE“, Marc verzog das Gesicht, „Und ich sehe keinen Grund für solch eine Aktion. Sag mal, wie KRANK sind Sie eigentlich?! Gestellte Sex-Fotos. Als ich Sie geknallt habe, musste ich echt hacke gewesen sein!“
Marc schimpfte. Er schimpfte und schimpfte. Und er schimpfte auch noch, als einer der Nachbarn neugierig aus der Tür spähte und ein Anderer lautstark um Ruhe bat.
Diese ganze Wut, die er auf Dr. Menz hatte, musste einfach raus. Raus in die Welt. Mit jedem Wort, das aus seinem Mund kam, wurde Sophie Menz immer kleiner.
Sie sah ein, dass sie es übertrieben hatte. Aber maßlos.
„Meinen Sie nicht, dass das krank ist?!“, Marc zeigte ihr den Vogel, „Stellen Sie sich vor, das würd einer mit Ihnen machen? Denken Sie auch ein mal an Andere?“
Sie sagte einfach gar nichts. Sie sah nur nach unten. Hatte nicht die Kraft Marc in die Augen zu sehen.
Aber seine Augen. Sie brannten vor Wut. Blinde Wut. Und hätte nicht einer der Nachbarn endlich eingegriffen, wäre Marc auf ihr Schweigen auch noch handgreiflich geworden.
„Ist das alles, was Sie dazu zu sagen haben?“, fragte Marc spöttisch, „Aber aus ihrem Mund kommt eh nichts Sinnvolles, schweigen Sie ruhig weiter“
Dann brach sie das Schweigen. Aber er war nur ein Satz, den sie sagte.
„Ich kündige“
Dann hörte man nur noch das Knallen ihrer Tür.
Als die Tür ein weiteres mal ging die Tür auf. Ein Schlüssel knallte vor ihm auf dem Boden.
„Ihr Auto steht vor der Tür, falls Sie es blind vor Liebe noch nicht gemerkt haben“
Und dann stand Marc dort. Komplett ausgelaugt vom vielen Schimpfen. Es starrten ihr zwölf Augenpaare der Nachbarn gespannt an.
„Was glotzt ihr denn so?“, fragte er, „Wisst ja nun, mit was für einer Person ihr unter einem Dach wohnt“

Olivia<3 Offline

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19.04.2012 16:06
#146 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Dann hob Marc den Schlüssel auf, sprang in ganzen Sätzen die Treppen herunter und knallte die Haustür hinter sich zu.
Er klopfte bei Sabine an die Autoscheibe und sie fuhr das Fenster hinunter.
„Herr Doktor, haben Sie es ihr gezeigt?“, Sabine sah ihn neugierig an.
Marc nickte.
„Sie hat gekündigt“, sagte er schließlich, „Sie können jetzt zurück ins Krankenhaus fahren. Ich hab mein Auto wieder“
„Sie hat Ihnen auch das Auto gestohlen?“, fragte Sabine fassungslos.
„Samt Autoschlüssel“, sagte Marc achselzuckend, „Auch noch eine Taschendiebin“
Sabine staunte nicht schlecht. So kriminell hatte sie die junge Ärztin nicht eingeschätzt.
„Ich werde dann jetzt fahren“, sagte Sabine und startete den Motor, „Passen Sie gut auf sich auf“
Der letzte Satz würde von den Motorengeräuschen übertönt.
Marc seufzte und suchte vor dem Haus nach seinem Auto. Ein Glück war es unversehrt. Als er sich in die weichen Ledersitze lehnte, überkam ihn ein angenehmes Gefühl der Geborgenheit. Endlich hatte er es wieder, sein Auto.
Jetzt musste er nur noch die Sache mit Gretchen gerade biegen, dann würde alles wieder gut sein.
Er schnallte sich an und startete den Motor. Er drückte aufs Gaspedal und mit einem Ruck war der Wagen aus der Parklücke. Marc beschleunigte und ein winziges Lächeln zauberte sich auf sein Gesicht. Ohne auf die Geschwindigkeit zu achten, fuhr Marc durch die nächtlichen Straßen zu sich nach Hause. Zufrieden parkte er das Auto und stieg aus.
Oben in seine Wohnung allerdings überkam ihn wieder ein Hauch von Traurigkeit. Die Wohnung war kalt und leer, als Marc seine Schlüssel auf die Anrichte knallte und seine Schuhe in die Ecke schleuderte. Er hängte seine Jacke an die Garderobe und seine Hand berührte ihren Schal. In der Eile hatte sie wohl keine Zeit mehr gehabt, jenen mitzunehmen. Vorsichtig nahm er den Schal vom Haken und sog ihren Duft ein. Marc seufzte.
Wieder hatte man ihm etwas zerstört und diesmal konnte er sich keiner Schuld bewusste sein. Es war eine Intrige gewesen, die ihm und Gretchen wieder ein mal das Leben schwer machen sollte. Aber er würde sich nicht ergeben, nein ganz bestimmt nicht.
Marc nahm den Schal mit ins Schlafzimmer. Sein Blick fiel auf den Radiowecker. Die frühen Morgenstunden hatte bereits begonnen und Marcs Augenlider waren schwerer denn je.
Er schlüpfte in Shirt und Shorts und schmiss sich aufs Bett, den Schal immer noch in der Hand.
Er verschränkte die Arme hinter dem Rücken und sah an die Decke.
Noch vor einem Jahr hätte er nie geglaubt, dass er ein mal hier liegen würde. In diesem Zustand. Dass er ein mal solche Unannehmlichkeiten für eine Frau auf sich nehmen würden. Schon gar nicht für Gretchen Haase.
Marc umfasste den Schal stärker. Er seufzte.

Aber auch Gretchen lag in dieser Nacht wach. Zwar hatte sie geschlafen, aber als sie mitten in der Nacht aus einem Alptraum aufwachte, konnte sie nicht mehr einschlafen.
Nachdem sie die laute Musik ausgeschaltet hatte und sich die verwischte Schminke aus dem Gesicht geschmiert hatte, konnte sie klarer denken.
Was, wenn Marc wirklich nicht zurechnungsfähig gewesen ist? Aber war das eine Entschuldigung für das, was er ihr angetan hatte.
Gretchen konnte es aber auch nicht so recht glauben.
Wie glücklich waren sie und Marc gewesen. Was hatte er alles für sie getan. Es passte nicht zu der Tatsache, dass er sie nun ausgerechnet mit Dr. Menz betrogen hatte.
Sie dachte über die Gründe nach, die Marc gehabt haben könnte. Aber ihr fiel keiner ein. Nicht ein einziger. Seufzend ließ sie ihren Kopf zurück in die Kissen fallen. Sie sollte sich Marc wenigstens ein mal anhören. Wenn er sie wirklich liebte, dann würde er alles daran setzen, dass er Recht behielt. Was aber, wenn Marc seine Untat zugab? Nein, das war undenkbar. Gretchen kamen wieder die Tränen hoch, bei dem Gedanken. Aber sie konnte das Schluchzen grade noch rechtzeitig hinunterschlucken.
Sie knipste das Licht aus und kuschelte sich wieder in ihre Decke. Aber so ganz schlafen konnte sie immer noch nicht. Sie dachte weiter über Marc nach, was wenn er sich die ganze Nacht Sorgen machte und Vorwürfe. Nun gut, Vorwürfe konnte er sich zurecht machen, aber Sorgen?
Gretchen griff nach ihrem Handy, sie musste ihm wenigstens eine SMS schicken.
Sie schaltete ihr Telefon ein. 17 Anrufe in Abwesenheit. Sie staunte. Es war immer Marc gewesen. Und SMS hatte er ihr geschrieben. Sie überflog seine Zeilen.
„Gretchen, was passiert ist stimmt nicht“ oder „Warum gehst du denn nicht ans Telefon?“, „Ich muss doch mit dir reden“ oder „Glaub mir, die Wahrheit kommt ans Licht“
Gretchen seufzte, so ganz traute sie ihm nicht. Aber sie tippte eine Antwort.
„Ich werde mir deinen Standpunkt anhören. Aber wehe, du erzählst auch nur EINE Lüge“, tippte sie.
Gut fühlte sie sich zwar immer noch nicht, aber immerhin besser. Sie schaltete das Telefon wieder aus, falls Marc auf die Idee käme, sie wieder anzurufen.
Sie kuschelte sie wieder ein und schloss die Augen. Endlich fand sie in einen traumlosen Schlaf.

Olivia<3 Offline

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22.04.2012 11:17
#147 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Als Marc am nächsten Morgen aufwachte und die leere Bettseite sah, überkam ihn die Traurigkeit. Er blinzelte und setzte sich auf. Seine rechte Hand griff, ohne dass er es wollte zu seinem Handy.
Er sah auf den Display und erkannte eine Nachricht. Marcs Herzfrequenz stieg. Die Nachricht war von Gretchen. Auf Marcs Lippen zeigte sich ein kleines Lächeln. Würde sie ihm doch verzeihen?
Er öffnete die Nachricht.
„Ich werde mir deinen Standpunkt anhören. Aber wehe, du erzählst auch nur EINE Lüge“, las er.
Marc seufzte, immerhin war es etwas. Er stand auf und zog die Rollladen hoch. Die Sonne strahlte ihm entgegen. Trügerisch, wie er sich dachte. Er ging ins Bad, um zu duschen und um sich fertig zu machen. Bei seinem ersten Auftreten vor Gretchen wollte er nicht ungewaschen und unrasiert auftreten.
Nachdem er frisch geduscht die Küche ansteuerte, holte er erneut sein Handy.
Er wählte ihre Nummer.
„Haase?“, sagte sie,
„Ich bin es, Marc“, sagte er.
„Was willst du?“, fragte sie.
„Wann kann ich dir erzählen, was wirklich passiert ist?“, fragte er, „Wo sollen wir uns treffen?“
„In einer Stunde, im Café Centro“, sagte sie ruhig.
„Ja“, sagte Marc und seufzte, „Versprich mir zuzuhören“
Aber Gretchen hatte schon aufgelegt, ohne sich zu verabschieden.
Marc legte sein Handy bei Seite und setzte sich an den Küchentisch. Es war noch Pizza von gestern übrig. Kalte Pizza war zwar nicht das Wahre zum Frühstück, aber der Kühlschrank hatte mehr nicht zu bieten. Er biss missmutig in ein Stück Margeritha und kaute. Wie würde er seine Gefühle in Worte fassen können? Würde sie ihm glauben.
Nach dem Essen sammelte er Fotos, beide Labor-Ergebnisse und das kleine Fläschchen von Dr. Menz zusammen. Er hoffte sie mit diesen sachlichen Beweisen überzeugen zu können.

Auch Gretchen war vor ihrem ersten Treffen mit Marc aufgeregt. Einerseits war sie immer noch ungemein wütend auf ihn, aber andererseits wollte sie, dass er Recht hatte. Sie wollte nicht, dass er sie betrogen hatte.
Als Gretchen einen Blick in den Spiegel warf, kriegte sie einen Mordsschreck. Ihre Augen waren rot unterlaufen und ihre Haut war blass, wie die einer Leiche. Ihre Haare standen verzaust von ihre Kopf ab und einige Reste der schwarzen Schminke, waren immer noch in ihrem Gesicht verteilt. Sie spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht, in der Hoffnung, dass es besser wurde. Aber nun nahm auch noch ihre zuvor blasse Haut eine unnatürlich rote Farbe an. Gretchen riss die Augen auf. Wie sollte sie es innerhalb einer Stunde schaffen, sich mental auf Marc vorzubereiten und auch noch den katastrophalen Zustand ihres Gesichtes halbwegs wieder grade zu biegen?
Sie machte die Dusche an und nahm erst mal ein eiskaltes Duschbad. Danach fühlte sie sich wenigstens nicht mehr ganz so verschlafen. Mit der Bürste fuhr sie durch ihr nasses Haar. Mit der freien Hand wischte sie sich mit einem Abschminktuch übers Gesicht, in der Hoffnung die Reste der Schminke abzukriegen. Die schwarzen Schlieren verschwanden, aber der rote Gesichtston blieb. Wieso hatte ihre Mutter aber auch nur DIESE Abschminktücher im Haus?!
Da half nur noch ordentlich Make-Up. Gretchen klatschte sich eine gewaltige Ladung ins Gesicht. Danach war auch der Farbton halbwegs ansehbar. Die Augen allerdings waren immer noch unzumutbar. Aber sollte Marc ruhig sehen, wie sehr sie unter ihm gelitten hatte. Mit einem trotzigen Blick, den sie ihrem Spiegelbild zuwarf, machte sie sich auf den Weg in ihr Zimmer.
In Anbetracht der Tatsache, dass sie in ihrer Eile nur das Nötigste in den Koffer gestopft hatte, waren sämtliche Blusen zerknittert. Gretchen stieß einen Laut der Verzweiflung aus und öffnete mit Wucht den Kleiderschrank, der in ihrem Zimmer stand.
Aber das Ergebnis war auch weniger befriedigend. All ihre ansehbaren Klamotten hatte sie mit zu Marc genommen. Wütend knallte sie den Schrank wieder zu und durchwühlte den Koffer nach einem Shirt, dass nicht dem Platzmangel zum Opfer gefallen war.
Seufzend schlüpfte sie in das einzige Shirt, das noch übrig blieb und zog die Jeans an. Sie blickte auf die Uhr. Sie hatte noch zehn Minuten Zeit, bevor sie losgehen müsste, um Marc zu treffen. Das Treffen, von dem alles abhing. Vielleicht ihr letztes Treffen. Aber nein, daran wollte Gretchen nicht denken.
Sie stand vom Bett auf und ging wieder ins Bad, um sich fertig zu schminken.
Als sie vor dem Café aus dem Taxi stieg, konnte sie Marc noch nicht sehen. Sei suchte sich einen Platz und bestellte einen Latte Macchiato. Und dann sah sie Marc. Sein Blick war nach unten gerichtet und auch seine Haltung zeugte von Müdigkeit. In seiner Hand hatte er mehrere Umschläge. Er öffnete die Tür und dann sah er sie an. Er sah ihr in die Augen. Und seine smaragdgrünen Augen trafen direkt in ihr Herz. Was hatte dieser Blick zu bedeuten?

Olivia<3 Offline

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23.04.2012 17:43
#148 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Ich würde mich sehr über Kommis freuen :)

Er kam langsam auf sie zu. Seine Augen immer noch auf sie gerichtet. Seine grünen Augen hatten ihren Blick gefesselt. Er setzte sich an ihren Tisch.
„Marc“, sagte sie und schaffte es, ihren Blick abzuwenden.
„Gretchen“, sagte er, „Es tut mir Leid“
„Was tut dir Leid?“, ihre Stimme klang ganz schwach und zerbrechlich.
„Alles was geschehen ist“, sagte er.
„Dann ist es also doch passiert“, ihr Blick war traurig nach unten gerichtet.
„Nein“, sagte Marc, „Es tut mir Leid, dass du wegen mir schon wieder solche Schwierigkeiten hast“
„Marc, erklär es mir“, sagte sie.
„Lies das hier“, sagte er und legte ihr die beiden Umschläge in die Hand.

„K.O.-Tropfen?“, Gretchen wandte den Blick von dem Brief ab und sah Marc in die Augen, „Aber warum?“
„Um die Fotos“, Marc schluckte, „Zu machen“
„Aber warum sollte sie diese Fotos machen? Was hat sie davon?“, fragte Gretchen.
„Macht“, sagte Marc, „Sie wollte nur Macht haben“
„Über mich?“
„Nein, über mich“, sagte Marc, „Sie war einfach nur eifersüchtig. Wollte uns auseinander bringen“
Gretchen nickte. Es waren zu viele Informationen für sie. Sie verstand das alles nicht.
Sie öffnete den anderen Umschlag.
„Und das?“, fragte Gretchen.
„Der Beweis, dass dieses Fläschchen“, Marc holte Menz' Ampulle hervor, „dieser Frau gehört“
Gretchen beäugte das Fläschchen misstrauisch. Aber sie las gehorsam auch den zweiten Brief.
„Du hast einen DNA-Test gemacht?“, fragte Gretchen skeptisch.
„Ja“, sagte Marc.
„Und wie bist du da rauf gekommen?“, fragte sie weiter und legte das Schreiben bei Seite.
„Sabine war es“, sagte Marc.
„Sabine?“, fragte sie, „Wieso ausgerechnet Sabine?“
„Sie hat die Fotos gesehen. Menz hat sie im Krankenhaus verteilt“
Marc nahm Gretchens fassungslosen Blick wahr, aber er sprach weiter:
„Und dann wollte Sabine der Sache wohl auf den Grund gehen. Sie hat das Fläschchen in Menz' Tasche gefunden. Die Sache mit dem DNA-Test war meine Idee“
Gretchen lächelte. Es war das erste mal an diesem Tag, dass sich ein Lächeln auf ihre Lippen legte.
„Und dieser Test war positiv?“, fragte Gretchen, „Du hast die Flüssigkeit verabreicht bekommen. Und als du 'weg' warst, hat sie diese Fotos gemacht?“
Für Gretchen klang das Ganze immer noch etwas unrealistisch, aber sie hatte beschlossen sich Marcs Version anzuhören.
„Genau“, sagte Marc und nickte.
„Und das soll ich dir glauben?“, fragte Gretchen immer noch skeptisch.
„Ich bitte dich darum“, sagte Marc, in seinen Augen lag ein Flehen.
„Gib mir einen Grund, warum ich das tun sollte“, sagte Gretchen.
„Ich habe nichts mit der Menz gehabt, das war eine Intrige. Das war der erste Grund. Und der zweite Grund“, Marc sah ihr in die Augen, „Ist, dass ich dich liebe“
Sie wandte den Blick ab und sah auf ihre Schuhe. Was sollte man in so einer Situation sagen?
„Und du meinst, dass die Sache damit gegessen ist?“, fragte Gretchen schließlich, „Einfach so?“
„Ja, ich hätte einen Grund mich zu schämen“, sagte Marc laut, „Wenn ich dich wirklich betrogen hätte! Aber das habe ich nicht! Du hast keinen Grund, so etwas zu behaupten!“
Die anderen Gäste hatten sich schon zu ihm gewandt. Aber das war, dem sonst so gefassten Marc, egal. Er hatte hier schließlich seine Freundin zu verlieren.
„Marc“, sagte sie, „Ich weiß, aber gib mir doch auch mal die Möglichkeit, all das zu verdauen! Weißt du eigentlich wie ich mich gefühlt habe?“
„Weißt du, wie ich mich gefühlt habe, als du dein Gedächtnis verloren hast und Peter geküsst hast? Das ist vom Prinzip das gleiche. Aber ich habe es dir nicht angehangen, da ich wusste, dass du nichts dafür konntest!“, Marc redete sich in Rage, „Ich konnte auch nichts dafür. Ich war doch ohne jegliches Bewusstsein!“
„Marc, das ist jetzt nicht gerecht“, sagte Gretchen flehend.
„Das was du machst ist nicht gerecht“, sagte Marc schwach, „Aber bitte. Du scheinst deine Entscheidung getroffen zu haben. Ich werde auf ewig der sein, der betrogen hat. Dabei war ich es nicht ein mal“
Marc stand auf, griff nach seiner Jacke und sah noch ein mal zu Gretchen, bevor er das Café verließ.
„Und ich dachte immer, du würdest mir vertrauen“

Olivia<3 Offline

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24.04.2012 15:42
#149 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Das hatte Gretchen nicht gewollt, ganz bestimmt nicht. Sie sprang auf, um Marc hinterherzulaufen. Sie legte 5 € auf den Tisch und folgte ihm.
„Marc!“, sagte sie, „Warte doch“
Marc drehte sich um.
„Was ist?“, fragte er, der Gesichtsausdruck ohne jegliche Regung.
„Ich...“, sie kam ein Stück näher, „Das war so nicht gemeint“
„Gretchen, wenn du ernsthafte Zweifel hast, dass ich dir treu bin“, sagte er, „Nach all dem! Dann mache ich mir ernsthafte Gedanken, ob das mit uns funktioniert“
Gretchen senkte den Blick.
„Marc, ich vertraue dir“, sagte sie und ihr kamen die Tränen, „Aber es war ein Schock. Stell dir vor, man würde dir diese Fotos unter die Nase reiben!“
Marc seufzte und ging auf Gretchen zu.
„Hey“, er strich ihr über die Wange, „Nicht weinen“
„Mensch Marc“, sagte sie, „Aber was soll ich denn machen? Du denkst ich würde dir nicht vertrauen“
„Aber doch nur, weil du Zweifel hast“, sagte er sanft.
Gretchen wischte sich eine Träne bei Seite.
„Gretchen glaub mir, ich würde dich nie betrügen“, sagte Marc.
„Ich weiß“, sagte Gretchen, „Deshalb war ich doch so geschockt“
Marc konnte sie ja verstehen, er hatte es ja selbst kaum fassen können
„Es tut mir Leid“, sagte Gretchen schließlich.
„Mir auch“, sagte Marc und strich ihr vorsichtig eine Haarsträhne bei Seite.
Aber sie warf sich ihm nur in den Arm. Ein Träne lief ihr noch über die Wange und versickerte in Marcs blauem Hemd.
Marc strich ihr immer wieder besänftigend über den Rücken und vergrub sein Gesicht in ihrem Haar.
„Was ist jetzt eigentlich mit Menz?“, fragte Gretchen schließlich.
„Sie hat gekündigt“, sagte Marc.
„Wirklich?“, Gretchens Augen begannen zu glänzen.
„Ich hab ihr einen kleinen Besuch abgestattet und danach hat sie gekündigt“, Marc grinste.
„Da hast du dich ja sicher von deiner besten Seite gezeigt“, Gretchen rang sich ein Lächeln ab.
„Wahrscheinlich“, Marc seufzte.

„Kommst du wieder nach Hause?“, fragte Marc vorsichtig.
Gretchen sah wieder auf dem Boden. Sie wollte nur Marcs Blick ausweichen.
Marc wurde bei Gretchens Schweigen nervös.
„Was ist denn?“, fragte er fast schon ängstlich.
„Doch Marc, ich komme wieder zu dir“, sagte sie und sah nach oben.
Auf Marcs Lippen hatte sich ein Lächeln gelegt, dass Gretchen das Gefühl gab, dass sie ihm wirklich vertrauen konnte.
„Freust du dich?“, fragte sie, als Antwort auf sein Lächeln.
„Schon“, sagte er und lächelte.
„Das freut mich“, sagte sie.
Marc aber sah ihr nur in die Augen. Seine Lippen kamen ihren immer näher.
„Ich bin froh, dass sich das geklärt hat“, flüsterte er.
Dann legte er seine Lippen auf ihre.
Gretchen erwiderte den Kuss. Es war für sie ein seltsames Gefühl, seine Lippen wieder auf ihren zu spüren. Aber sie mochte das Gefühl. Und dann waren sie Schmetterlinge, die bei jedem seiner Küsse durch ihren Bauch strömten, wieder da. Das angenehme Kribbeln gab ihr ein vertrautes Gefühl und sie gab sich Marc ganz hin.
Passanten, die vorbei gingen und stehen blieben und das küssende Paar betrachteten. Das Café-Personal, wie es das sich grade noch streitende Paar kopfschüttelnd ansahen. Und Dr. Menz, die mit ihrem Koffer auf dem Weg zum Bahnhof war. All das bemerkten Marc und Gretchen nicht. Denn an dieser Stelle gab es nur sie. Und niemanden anderen.
Als sie sich voneinander lösten, waren viele Augenpaare auf sie gerichtet. Aber Marc störte das gar nicht. Er nahm Gretchen bei der Hand und zog sie aus dem Tumult. Er steuerte sein Auto an.
„Ach, du hast dein Auto wieder?“, fragte Gretchen, während Marc ihr die Tür zum Beifahrersitz aufhielt.
„Hatte auch die Menz“, sagte Marc und setzte sich selbst ans Steuer, „Intrigante Kuh“
Gretchen nickte, da hatte er Recht.
Marc startete den Motor.
„Ich muss noch kurz zu meinen Eltern“, sagte Gretchen, „Meine Sachen holen“
Marc nickte.
„Ist okay“, sagte er.

So fuhren sie bei Haases vorbei.
Marc hatte beschlossen mit reinzukommen. Also standen sie vor der Tür und Gretchen drückte die Klingel.
Bärbel Haase öffnete die Tür.
„Margarethe!“, sagte sie, „Herr Meier?“
Aber im Hintergrund hörte man schon Franz' aufgebrachte Stimme:
„MEIER!“

Olivia<3 Offline

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25.04.2012 16:04
#150 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Marc zuckte bei der Stimme zusammen. Er hatte komplett vergessen, dass Gretchens Eltern wohl kaum gut auf ihn zu sprechen waren.
„Herr Professor?“, Marc sah sich verlegen um.
„Meier, was wollen Sie noch hier?“, fragte Franz Haase und ging auf seinen besten Oberarzt zu.
„Ich...“, sagte Marc.
„Sie haben meine Tochter betrogen?“, sagte Franz und hob drohend den rechten Zeigefinger. Sein Gesicht nahm einen ungewöhnlich rote Farbe an, „Und da wagen Sie es noch hier aufzukreuzen?!“
Marc sah hilfesuchend zu Gretchen, die ihren Vater eben so verdutzt anstarrte.
„Papa, nun beruhige dich mal wieder“, sagte sie, „Er hat gar nichts gemacht“
„Das klang gestern aber noch ganz anders“, sagte Franz.
„Das war alles ein großes Missverständnis“, sagte Marc.
„Stimmt das, Kälbchen?“, Franz wandte sich zu seiner Tochter.
„Ja, Papa“, sagte sie, „Das ist eine lange Geschichte“
„Ich hab Zeit“, sagte ihr Vater und deutete provokant auf seine Uhr.
„Nicht jetzt“, sagte Gretchen, „Ich wollte eigentlich nur meine Sachen holen“
„Aber du bist doch gestern erst gekommen. Fluchtartig“, Franz sah seine Tochter verständnislos an.
„Gestern war auch alles noch anders“, sagte Gretchen trotzig, sie hatte keine Lust sich jetzt lange mit ihren Eltern aufzuhalten.
„Ich erwarte eine Erklärung“, sagte Franz energisch.
„Die wirst du kriegen“, sagte Gretchen, „Spätestens morgen auf der Arbeit“
„Kälbchen, hast du vergessen, dass du noch nicht arbeiten darfst?“, Franz seufzte, „Und warum erst übermorgen?“
„Marc wir dir das erklären“, sagte Gretchen und stand schon auf der ersten Stufe, der Treppe.
„Dann werde ich mich wohl damit zufrieden geben müssen“, sagte Franz Haase und zuckte mit den Schultern.
„Genau“, sagte Gretchen und stapfte die Stufen hoch.
Marc blieb vorsichtshalber unten stehen.
„Marc?“, fragte Gretchen und sah von dem ersten Treppenabsatz erwartungsvoll zu ihrem Freund.
„Was denn?“, fragte der junge Oberarzt.
„Kommst du mit hoch? Ich brauch doch Hilfe beim Packen“, Gretchen rollte mit den Augen.
Marc seufzte und zog sich die Schuhe aus und folgte Gretchen die Haasche Treppe hoch.
Gemeinsam betraten sie Gretchens (Alb)traum in rosa.
„Da hast du aber wahre Arbeit geleistet“, sagte Marc grinsend, als er das Chaos um ihren Koffer betrachtete.
„Jaa“, sagte Gretchen gedehnt und sammelte erste Kleidungsstücke auf, um sie in den Koffer zu schmeißen.
Marc ließ sich auf das Bett nieder und betrachtete Gretchens Zimmer. Für ihn war es immer noch auf eine gewisse Weise schockierend, wie man in so einem Zimmer leben konnte.
„Marc, kannst du mir helfen?“, fragte sie, „Der Reißverschluss vom Koffer klemmt“
Marc seufzte und kam seiner Freundin zur Hilfe.
„Was hast du denn da drin? Der wiegst ja Tonnen“, sagte Marc, als er unter Ächzen das schwere Gepäckstück die Treppe hinunter wuchten musste.
„Nichts weiter“, sagte Gretchen.
Marc schüttelte augenrollend den Kopf.

„Tschüss Papa“, sagte Gretchen, als sie schon gehen wollten.
„Kälbchen, gehst du schon wieder?“, fragte Professor Haase.
„Ja, das hatte ich vor“, sagte Gretchen.
„Hmm, schade“, sagte er, „Aber ich wünsch euch viel Spaß. Packt der Meier das mit dem Koffer?“
„Aber klar doch, Herr Professor“, sagte Marc und hob zum Beweis den Koffer hoch.
„Dann ist gut. Tschüss ihr beiden“
„Tschüss“, sagten Marc und Gretchen.

Marc verlud den zentnerschweren Koffer in seinen Kofferraum und hielt Gretchen die Autotür auf.
„Wie hast du den eigentlich durch ganz Berlin geschleppt?“, fragte Marc, als er den Motor startete.
„Ich weiß auch nicht“, sagte Gretchen und legte den Sicherheitsgurt um.
Der Rest der Autofahrt verlief relativ schweigsam. Beide gingen ihren Gedanken nach. Aber der Hauptgedanke war, dass sie einander wieder hatten. Und das zauberte sowohl Marc, als auch Gretchen ein Lächeln auf die Lippen.
Als sie die Wohnung betraten, erwartete sie das selbe Chaos, das sie verlassen hatten.
Gretchen, die jetzt eine Nacht in einem sauberen und geputzten Haus verbracht hatte, war von dem Anblick, den Marcs Wohnung abgab schon ein wenig geschockt.
„Marc, wie sieht es denn hier aus?“, fragte sie.
„So, wie wir es hinterlassen haben“, sagte Marc schulterzuckend und hängte seine Jacke auf.
„Wirklich?“, Gretchen tat es ihm gleich, „Das geht aber so nicht weiter“
„Nicht?“, fragte Marc und zog die Schuhe aus.
„Nein“, sagte Gretchen entschlossen, „Wirklich nicht“
„Dann musst du wohl aufräumen“, Marc ging zum Sofa und griff zur Fernbedienung.
„Ich?“, fragte Gretchen, „Ist das meine Wohnung?“
„Nö“, sagte er, „Aber ich brauche keine Ordnung“
„Sicher?“, fragte Gretchen, „Wo du doch sonst immer so stilbewusst und gepflegt bist. Wenn wir weiter so leben, haben wir in einem Jahr das Team von 'Raus aus dem Messie-Chaos' vor der Tür stehen“
Marc sah sich um.
„Okay“, sagte Marc, „Wir könnten vielleicht ein bisschen aufräumen“
Gretchen nickte zufrieden und rollte ihren Koffer ins Schlafzimmer. Dort sah es nicht besser auf. Die Klamotten der letzten Runde Speedboat lagen noch im gesamten Raum verteilt. Peinlich berührt griff sie ihr Höschen von der Nachttischlampe.
Marc folgte ihr ins Schlafzimmer.
„Und was soll ich jetzt machen?“, fragte Marc.
„Vielleicht mal deine Hemden bügeln“, sagte Gretchen und deutete auf den Bügelhaufen, „Ich habe nämlich das Gefühl, dass du lieber neue Hemden kaufst, als die Alten zu bügeln“
Marc starrte den Berg an. Es hatte sich wirklich einiges an bügel-reifen Hemden angesammelt. Murrend verzog er sich ins Wohnzimmer und kramte das Bügelbrett, samt Bügeleisen aus der Abstellkammer.
Gretchen widmete sich währenddessen, dem Desaster 'Schlafzimmer'.
Nachdem sie alle Kleidungsstücke aufgesammelt und entweder in den Schrank gefaltet, oder in den Wäschekorb geworfen hatte, ging sie mit dem Wäschekorb zu Marc ins Wohnzimmer. Jener gab am Bügelbrett ein ziemlich amüsantes Bild ab.
„Autsch“, fluchte er, „Jetzt hab ich mich verbrannt“
Gretchen belächelte dies.
„Brauchst du Hilfe?“, fragte sie und stellte den Wäschekorb ab.
„Nein“, sagte Marc, „Ich schaff das schon“
„Das sehe ich“, Gretchen grinste, „Hast du noch Wäsche?“
„Nö“, sagte er, „Aber guck lieber noch mal in Küche und hinterm Sofa, ich kann für keine Runde Speedboat garantieren“
Marc grinste.
Gretchen verdrehte die Augen, folgte aber seinem Ratschlag und suchte Küche und Wohnzimmer ab. Die Ausbeute war doch recht mager.
„Ich geh dann in den Wäschekeller“, sagte Gretchen und schnappte sich den Wäschekorb.
„Okay“, sagte Marc und schmiss ihr einen Schlüssel entgegen, „Den wirst du gebrauchen“

Gretchen ging also in den Keller. Da sie keine Ahnung hatte, wie man eine Waschmaschine bediente oder Wäsche trennte, stopfte sie einfach das rein, was in die Trommel passte. Dann schüttete sie noch Waschmittel in ein Fach und drehte an dem Rädchen. Einfach mal sehen, was passierte.
Achselzuckend lies sie die, nun gurgelnde Waschmaschine, zurück und ging mit dem halb vollem Wäschekorb wieder nach oben.
„Marc, ich bin wieder da“, sagte sie und hängte den Schöüssel ans Schlüsselbrett.
„Wie ich sehe, bist du ja schon weit gekommen“, sagte Gretchen und betrachtete die zwei bereits gebügelten Hemden, „Wer hat denn sonst immer deine Wäsche gebügelt?“
„Meine Mutter hat manchmal ein paar Hemden mitgenommen, aber die war länger nicht mehr hier“, erklärte Marc.
„Ich werd mal meine Mutter fragen, ob die Lust hat ein paar Hemden mehr zu bügeln“, sagte Gretchen und suchte das Telefon.
Marc hörte das nur allzu gern und zog den Stecker vom Bügeleisen aus der Steckdose. Er setzte sich aufs Sofa.
„Nee, nee, mein Lieber, jetzt heißt es Badputzen“, befahl Gretchen, den Hörer in der Hand.
„Badputzen?!“, fragte Marc ungläubig.
„Genau“, sagte Gretchen und hielt ihm die Tür zum Schlafzimmer und angrenzendem Bad auf.
Marc murrte und rappelte sich vom Sofa auf. Er holte irgendein Putzmittel aus der Abstellkammer und verschwand im Bad. Man sah dem Bad an, dass schon lange nicht mehr geputzt wurde.
Aber Marc schnappte sich gehorsam einen Lappen und schrubbte das Bad, bis es glänzte. Schließlich legte er ja selbst Wert auf Sauberkeit.
Erst als die ganze Wohnung sauber war, gestatte Gretchen, dass Marc sich aufs Sofa fallen ließ.
„So“, sagte sie und rutschte nähre an ihn heran, „Jetzt hast du dir aber eine Belohnung verdient“
Ihr Hand legte sich auf seinen Oberschenkel.
„Und die wäre?“, Marc lehnte sich entspannt zurück.
„Hmm, ich hätte da an ein Verwöhnprogramm gedacht“, säuselte Gretchen verführerisch in sein Ohr. Ihr Hand wanderte an der Innenseite seines Beines gefährlich weit nach oben.
Das ließ sich Marc natürlich nicht zwei mal sagen...

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