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Dieses Thema hat 185 Antworten
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 Pausierende und abgebrochene Fortsetzungen!
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Olivia<3 Offline

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Beiträge: 1.373

08.02.2012 19:35
#101 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Der Tag im Krankenhaus war zermürbend. Jetzt wo Marc nicht da war, gab es noch mehr Arbeit zu tun.
Als Gretchen nun gegen 16 Uhr vor der Wohnungstür stand, freute sie sich schon auf einen gemütlichen Abend, wo sie einfach mal gar nichts tun musste.
Aber da hatte sie die Rechnung ohne Marc gemacht.
Als sie sich aufs Sofa fallen lassen wollte, zog Marc sie wieder hoch.
„Marc was soll das?“ protestierte sie.
„Wir sind morgen bei einer Silvesterparty eingeladen?“ sagte er.
„Und was hat das damit zu tun?“ fragte Gretchen genervt.
„Das heißt, dass du dich morgen ganz schön in Schale schmeißen musst, meine Süße!“, sagte Marc, als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt.
Gretchen sah ihn fragend an.
„Dass du aber auch immer so begriffsstutzig sein musst“, nuschelte Marc. „Na ja, was könnte das denn heißen Hasenzahn? Vielleicht, dass wir einkaufen müssen?“
Gretchen blickte ihn erstaunt an.
„Du willst FREIWILLIG mit mir shoppen gehen?“, fragte sie ungläubig.
„Ja, warum nicht?“, Marc zuckte mit den Achseln.
„Aber Marc, doch gerne!“, Sie umarmte ihn freudig und küsste ihn. Alle Müdigkeit war augenblicklich vergessen.

Und so machten sie sich auf den Weg in die Berliner Innenstadt. Auf dem Weg dorthin plapperte Gretchen unentwegt. Sie erzählte von ihrem Tag im Krankenhaus, von ihren OPs. Und als Marc fragte wie es dem Patienten von gestern ginge, sagte sie, dass er immer noch nicht aufgewacht war. Es fiel ihr schwer Marc nicht zu erzählen, wer der Patient wirklich war. Aber sie hielt dicht.

In der Stadt angekommen steuerte Gretchen auch schon ihre Lieblingsboutiquen an. Als Gretchen sich durch die verschiedensten Kleider probierte, saß Marc nicht wie sonst gelangweilt daneben, sondern er sagte, was ihm gefiel und was nicht:
„Und was sagst du?“ fragte Gretchen und drehte sich in dem dunkelgrünen Kleid ein mal um die eigene Achse.
Marc runzelte die Stirn.
„Nee, das gefällt mir nicht, nimm doch mal was ganz schlichtes“, antwortete Marc, „Wie wäre es mal mit Schwarz. Schwarz ist sexy“
Gretchen nickte und Marc reichte ihr eines der schwarzen Kleider.
„Und das?“ Sie kam wieder aus der Umkleide heraus.
Marc nickte anerkennend.
„Das sieht super aus“, sagte er. Unter einem schelmischen Grinsen fügte er hinzu: „Das könnt ich dir auch glatt wieder ausziehen“
Gretchen verdrehte die Augen. Sie blickte in den Spiegel. In der Tat, das Kleid stand ihr ziemlich gut.
„Das nehmen wir!“, entschied Marc und legte die anderen Kleider bei Seite.
Gretchen sah noch ein mal in den Spiegel.
„Und ich seh auch nicht fett aus?“ fragte sie skeptisch.
„Hasenzahn, wann verstehst du endlich, dass du super aussiehst? Auch wenn du gar nichts an hast?“ Marc lächelte sie aufmunternd an.
Gretchen wurde rot und nickte.

Nachdem sie sich wieder umgezogen hatte, gingen sie zur Kasse. Marc zahlte ohne mit der Wimper zu zucken. Gretchen wusste, dass Widerstand zwecklos wäre. Also sagte sie nichts, als Marc seine Kreditkarte zückte.
Mit einer Tüte in der Hand verließen Marc und Gretchen den Laden wieder.
„Und was willst du morgen anziehen?“ fragte Gretchen.
Marc zuckte mit den Schultern.
„Weiß nicht“, sagte er.
„Och Marc, da suchen wir dir aber was schönes raus, nicht?“ fragte Gretchen und griff verschränkte ihre Finger mit seinen.

Zu Hause ließen sie sich hungrig auf das Sofa fallen:
„Marc, ich habe Hunger!“, sagte Gretchen.
„Ich auch“, gab er zu.
„Und jetzt?“, fragte Gretchen.
„Hmm, wie wäre es mit Pizza, die hatten wir lange nicht mehr“, schlug Marc vor.
„'Lange nicht mehr' heißt bei dir auch eine Woche“, stellte Gretchen vor.
Marc nickte, da hatte sie recht. Es war kaum eine Woche her, dass es bei den beiden Pizza zum Abendbrot gab.
„Okay, dann eben was vom Chinesen?“ schlug Marc vor.
„Schon besser, das hatten wir ganze zwei Wochen lang nicht mehr“; sie lachte.
Marc stimmte mit ein.
Den Abend verbrachten sie chinesisch essend auf dem Sofa und guckten eine Liebeskomödie und sogar Marc konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.
Gretchen hatte irgendwann ihren Kopf an seine Schulter gelegt. Seine Wange ruhte auf ihrem weichen Haar. Er atmete ihren süßen Duft ein und es durchströmte ihn ein Glücksgefühl. Er schloss die Augen und genoss einfach nur ihre Nähe.
Ja, er konnte lieben und zwar vom ganzen Herzen, mit Haut und Haar.

Olivia<3 Offline

Mitglied


Beiträge: 1.373

10.02.2012 16:40
#102 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Hey! Heute geht es dann auch mal ein Stückchen weg von Martchen, aber naja. Ich hoffe es gefällt euch trotzdem!
Freu mich auf Kommis!
Liebe Grüße,
Olivia


Marc wartete noch eine Weile und lauschte ihrem ruhigen Atmen, bevor er beschloss sie ins Bett zu tragen.
Sanft nahm er sie hoch und trug sie langsam ins Schlafzimmer. Er deckte sie sanft zu und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Ich liebe dich“, sagte er und ging ins Bad um sich fertig zu machen.
Als er neben ihr in dem großen Bett lag und ihre blonden Locken ihn an der Nase kitzelten, wurde ihm mal wieder bewusst, was er an ihr gefunden hat. Er strich sich ihre Locke aus dem Gesicht und schloss die Augen. Langsam glitt er in einen tiefen Schlaf.

Der Abend sollte auch bei anderen Ärzten harmonisch verlaufen. Am Abend des 30. Dezember war Gigis und Medhis erstes Date.
Gigi war schon Stunden vorher aufgeregt gewesen. Sie hatte vor dem Spiegel gestanden, hatte Frisuren ausprobiert und sich geschminkt. Aber es hatte alles nichts gebracht. Sie hatte sich nicht wohl gefühlt. Als Medhi dann schließlich um Punkt sieben Uhr vor ihrer Tür stand war ihre Schminke verwischt und die Haare waren durcheinander. Medhi war von ihrem Anblick ein wenig überrascht gewesen.
„Das ist nicht witzig“, beschwerte sich Gigi und blickte Medhi gespielt böse an.
„Ich lache doch auch nicht“, sagte Medhi, sich ein Lachen verkneifend.
Unter Druck und mit hochrotem Kopf zupfte Gigi die Haare zu einer halbwegs anständigen Frisur und verschwand schnell im Bad, um das Make-Up endgültig abzuwaschen. Medhi wartete all dies geduldig ab.
„Oh Gott, das ist mir jetzt aber peinlich“, sagte Gigi und sie lief wieder rot an.
„Wir haben doch Zeit“, sagte Medhi und lächelte sie aufmunternd an.
In letzter Zeit hatte er wirklich Gefallen an ihr gefunden. Hinter der Fassade der nervigen Klette steckte doch noch ein tiefgründiger Kern. Medhi wusste, dass er mit Gigi über alles reden konnte. Er erinnerte sich an die Sache mit Gretchen. Gigi war da gewesen und hatte sie getröstet.
Medhi war ganz in Gedanken versunken, dass er gar nicht merkte, dass Gigi bereits fertig war und auf ihn wartete.
„Medhi?“, fragte sie, „Wir können dann jetzt los“
Als er aufblickte wurde ihm warm ums Herz. So mochte er Gigi, mit dem Designer-Gestell von Brille, ihrer üblichen Frisur und den weiten Hosen. Er lächelte.
Die beiden machten sich auf den Weg zu dem Restaurant, das sie ausgewählt hatten. Es war ein nett gelegener Italiener.
Sie verbrachten lange Zeit in der kleinen Stube und aßen, tranken und redeten.
„Weißt du, ich glaube, irgendwann hat jeder denjenigen gefunden, mit dem man den Rest seines Lebens verbringen will“, sagte Gigi irgendwann und sah Medhi in die Augen.
Medhi nickte
„Ja, das kann man sagen, auch wenn der Weg lang und beschwerlich ist“, fügte er hinzu.
Er senkte seinen Blick und nahm einen Schluck Wein.
„Weißt du Medhi, in Afrika, da habe ich auf ein mal gewusst, was ich wollte“, setzte Gigi fort.
„Und das wäre?“ fragte Medhi lächelnd.
„Einen Mann fürs Leben“, sagte sie, „Weißt du, ich habe bis jetzt immer gedacht, dass ich nach Jeromè nicht mehr lieben könnte. Aber jetzt“, sie sah ihm wieder in die Augen.
Die Stimmung war perfekt. Man hörte leide Musik im Hintergrund, das Restaurant war in ein warmes Licht getaucht.
Und dann ergriff Medhi endlich die Initiative. Er beugte sich über den Tisch und küsste sie.
Gigi war mit der Tatsache, dass Medhi offensichtlich das selbe empfand, etwas überfordert. Aber sie erwiderte den Kuss. Es war ein zarter und vorsichtiger Kuss.
Als sie sich voneinander lösten, sahen sie sich in die Augen. Gigis Augen glänzten vor Glück, Medhi lächelte sie an.
„Ich...“, begann Gigi einen Satz, „ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Darauf“, sie rutschte aufgeregt auf ihrem Stuhl hin und her, „Darauf war ich gar nicht vorbereitet“
Das war auch eines der Dinge, die Medhi an Gigi mochte, sie war (fast) immer ehrlich und sagte, was sie dachte. So eben auch jetzt.
Medhi stimmte ihr zu.
Es wurde noch ein langer Abend. Denn als sie den Italiener verließen, gingen sie noch in eine der Bars, um zu tanzen. Es kam so über sie. Medhi stellte fest, dass Gigi ziemlich gut tanzen konnte. Das hatte er nie von ihr erwartet. Immer wieder fanden sie sich zu einem Kuss zusammen.
Für Gigi war es der schönste Abend seit langem und sie genoss ihn in vollen Zügen.
Als Medhi sie vor ihrer Tür absetzte, war sie traurig, dass dieser schöne Abend ein Ende haben musste.
„Ich darf doch davon ausgehen, dass wir das noch mal machen?“, fragte Medhi.
Gigi nickte angetan.
„Sicher doch“
„Ich geh morgen auf eine Silvesterparty“, erzählte Medhi, „Hast du...naja, vielleicht Lust mitzukommen?“
„Gerne, da würde ich mich freuen“, sagte sie zu.
„Soll ich dich morgen um sechs abholen?“ fragte Medhi.
Gigi nickte. Dann beugte sie sich vor, um ihn zu küssen. Es dauerte lange, bis sie sich voneinander lösten.
„Tschüss“, sagte Gigi.
„Es war ein schöner Abend“, sagte Medhi und drehte sich um.
„Ja, das war es“, wisperte sie und blickte ihm hinterher.
Und dann war er weg. Gigi aber war verwirrt. Auch wenn sie sich den Abend in ihren Träumen nicht so schön, hatte vorgestellt, war sie jetzt überrumpelter denn je.
Als sie in ihrem Hotelzimmer ankam, ließ sie sich erst mal auf das Sofa fallen. Sie musste sofort Gretchen von ihrem Abend erzählen. Sie griff nach ihrem Handy und tippte eine SMS:
Mausi, Medhi hat mich geküsst. Und er will ein zweites Date. Was hat das zu bedeuten? :* Gigi
Dann ging sie zu Bett. Aber sie konnte noch lange nicht einschlafen. Ihre Erinnerungen an den vergangenen Abend hielten sie wach. Als sie fast schon eingeschlafen war, machte sich ihr Handy bemerkbar:
Eine SMS. Schlaftrunken nahm sie ihr Handy und rief die Nachricht ab:
Es war wirklich ein schöner Abend. Ich freu mich schon auf Morgen. Gute Nacht. Kuss, Medhi
Gigis Herz schlug schneller. Mit zittrigen Fingern tippte sie eine Antwort:
Ja, das war es. Ich freue mich auch. Schlaf schön. Kuss, Gigi.
Nun konnte Gigi gut einschlafen. Sie schloss die Augen und versank sofort in einem Traumland.

Olivia<3 Offline

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Beiträge: 1.373

11.02.2012 14:27
#103 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Als Gretchen am nächsten Morgen aufwachte, merkte sie, dass sie noch ihre Klamotten trug. Sie sah sich Marc um, seine Bettseite war leer.
„Marc?“ fragte sie.
„Hm?“ kam es aus der Küche.
Gretchen stand auf und ging schlaftrunken zu ihrem Freund in die Küche.
Dort stand Marc und schnitt Brötchen auf.
„Warst du schon Brötchen holen?“ fragte Gretchen unglüubig.
„Du hast so fest geschlafen. Ich wollte dich nicht wecken, um dich zu bitten das zu tun“, er lächelte.
„Wie nett“, sagte Gretchen und setzte sich an den Küchentisch.
Marc stellte die Brötchen vor ihr ab.
„Bin ich gestern beim Fernsehen eingeschlafen?“ fragte Gretchen und deutete auf ihr zerknittertes Shirt.
Marc nickte.
„Das kann man so sagen“, er lachte, „Und wieder wollte ich dich nicht wecken“
Gretchens Augen strahlten vor Glück, wie süß dieser Mann doch sein konnte.
„Danke, war aber auch ein anstrengender Tag“, sagte Gretchen und nahm sich ein Brötchen. Sie bestrich es mit Nutella.
Marc sah dies mit einem Schmunzeln an.
„Zum Glück haben wir heute keinen Dienst“, sagte Marc und nahm sich ebenfalls ein Brötchen.
„Hmm“, nuschelte Gretchen kauend.
„Ich wüsste da schon was, was wir tun könnten“; sagte Marc und sah sie lassziv an.
„Maaarc“, seufzte sie, „Manchmal bist du echt unersättlich“
„Tu nicht so, als würde es dir nicht gefallen“, erwiderte Marc.
Gretchen verdrehte die Augen und wurde wieder rot. Ihr Handy klingelte.
„Ich muss mal eben dran gehen“, sagte Gretchen und stand auf, um ins Schlafzimmer zu gehen.
„Haase“
„Mausi, warum antwortest du denn nicht?“ fragt Gigi am anderen Ende.
„Antworten worauf?“ fragte Gretchen.
„Auf meine SMS!“, sagte Gigi mit aufgeregter Stimme.
„Was stand denn da so Interessantes drin?“fragte Gretchen mit einem Lächeln auf dem Lippen. Als wüsste sie bereits worum es gehen würde.
„Es geht um Medhi“ raunte Gigi.
„Und was gibt es da Neues?“ fragte Gretchen, hatte sie es doch gewusst, dass es um Medhi ging.
„Wir hatten ein Date!“, sagte Gigi noch aufgeregter, als zuvor.
„Und? Erzähl!“, forderte Gretchen ihre Freundin auf.
„Können wir uns nicht treffen?“ fragte Gigi, als könnte man sie am Telefon belauschen.
„Meinetwegen“, sagte Gretchen, „Ich frag mal Marc, ob er mich entbehren kann“, sie grinste.
Keine zwei Minuten später kam sie wieder.
„Klar, sollen wir ins Café gehen?“ fragte Gretchen.
„Geht klar, in einer Stunde, beim Café Centro?“, fragte Gigi.
Gretchen willigte ein.
„Okay, dann bis gleich“, sagte Gigi.
„Ich will aber alles wissen!“, sagte Gretchen noch lachend.
Dann beendete sie das Gespräch.
„Was hat die Amsel denn so dringend?“ fragte Marc, als Gretchen zurück in die Küche kam.
„Ach, ist nicht so wichtig“, winkte Gretchen ab. Musste Marc doch nicht wissen, dass zwischen Gigi und Medhi was lief.
„Na, dann“, sagte Marc.

Fast eine viertel Stunde zu spät, da Marc sie doch noch zu einer Runde Speedboat überreden konnte und das seine Zeit brauchte, kam Gretchen am Café an. Ein wenig abgehetzt öffnete sie die Tür und sah sich nach Gigi um.
„Gretchen! Da bist du ja!“, rief Gigi auf ein mal und Gretchen drehte sich um. Sie erblickte sie Freundin und machte sich auf den Weg zu ihr.
„Hey Gigi“, begrüßte Gretchen sie und umarmte sie.
„Mausi, komm setz dich“, Gigi bot ihr einen Platz an.
Gretchen setzte sich zu ihr.
„Nun erzähl doch mal“, forderte Gretchen ihre Freundin auf.
„Also wie gesagt, Medhi und ich hatten gestern Abend ein Date. Und oh Gott, hab ich mich da erst mal blamiert. Als er kam, da hatte ich mich nämlich noch nicht ganz entschieden was ich anziehen sollte und meine Haare waren die reinste Katastrophe.“ Gigi verdrehte die Augen, „Aber er hat gewartet und hat keine fiesen Sprüche abgezogen. Er ist so anders als Jeromè und all die anderen“.
Gretchen lächelte, ihre Freundin schien es so richtig erwischt zu haben.
„Und dann, wie war denn das Date?“ fragte Gretchen neugierig.
„Wir waren in einem richtig schönen Restaurant. Die Stimmung war gemütlich. Und wir konnten über alles reden“, begann Gigi Bericht zu erstatten, „Und dann...“, sie stoppte kurz, „Dann haben wir uns geküsst. Er war so zärtlich“ Gigi schloss verträumt die Augen.
„Das ist doch schön“, sagte Gretchen, „Ich freu mich doch für dich“
„Und dann, dann waren wir noch den ganzen Abedn unterwegs. Und haben getanzt. Es war so schön mit ihm. Wir hatten einfach nur Spaß“, erzählte Gigi mit einem Glänzen in den Augen.
„Und wie geht es jetzt weiter mit euch?“ fragte Gretchen.
„Wir haben wieder ein Date!“, sagte Gigi aufgeregt.
„Und wann?“
„Heute“, sagte Gigi, „Er ist auf so ner Silvesterparty von einer Kollegin eingeladen. Und da wollte er mich mitnehmen“
„Oh, das ist doch schön! Ich glaube, dass es ein gutes Zeichen ist, wenn er sofort nach einem neuen Date fragt“, sagte Gretchen, „Aber überstürz nichts, du weißt schon“
„Jaaa“, sagte Gigi gedehnt, „Das musst du grade sagen!“
„Was soll das denn heißen?“ fragte Gretchen gespielt empört.
„Na, du und Marc, ihr habt doch ständig Sex“, sagte Gigi grinsend.
„Gigi!“ sagte Gretchen wurde rot, etwas wahres war an der Sache ja dran.
Und schon waren die beide in ein typisches Frauengespräch vertieft. Es wurde gelacht und gespaßt.
Erst gegen halb drei machte sich Gretchen wieder auf den Weg zu Marc.
„Wo warst du denn so lange?“ fragte Marc und in seiner Stimme schwang ein hauch Verzweiflung mit. Seine Augen waren seltsam geweitet. Er sah aus, als hätte er einen Gei

Olivia<3 Offline

Mitglied


Beiträge: 1.373

12.02.2012 14:06
#104 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Da ich aufgefordert wurde schnell weite rzu schreiben, kommt jetzt schon der neue Teil! Vielen Danke an meine Leser, die stimmen und die kommentierenden! Freu mich auf hoffentliche Neuzugänge und viele Kommis!
Liebe Grüße und viel Spaß,
Olivia


„Marc, was ist los?“ fragte Gretchen, als sie seinen Blick bemerkte.
„Nichts...“, Marc winkte ab.
„Marc, ich weiß, dass irgendetwas ist“, sagte Gretchen.
„Mein Gott, mein Erzeuger liegt im Koma, aber was geht es mich an“, überbrachte Marc schließlich die Nachricht.
„Was?“ fragte Gretchen, die einen Schreck bekam.
„Was gibt es denn daran nicht zu verstehen?“ fragte Marc genervt.
„So war das nicht gemeint“, sagte Gretchen und ging einen Schritt auf ihn zu.
„Meine Mutter hat es mir erzählt, mein Gott diese Frau hängt doch im Ernst noch an ihm“, sagte Marc spöttisch, „Sie ist fast in Tränen ausgebrochen“
„Marc, regt das denn gar nichts in dir?“ Gretchen war verwundert, dass Marc es immer noch schaffte, sich selbst zu verleugnen.
„Pff, was soll das denn regen?!“ fragte er und winkte ab.
„Marc, du kannst nicht ewig so über ihn reden“, sagte Gretchen, „Das weißt du ganz genau“
„Ich kann sagen, was ich will“, gab Marc zurück.
„Mein Gott, sei doch nicht immer gleich so gereizt!“, beschwerte sich Gretchen.
„Ich bin nicht gereizt, ich sag's nur wie es ist“, sagte Marc lässig.
„Wer's glaubt wird selig“, sagte Gretchen und ließ sich aufs Sofa fallen, Marc würde eh nicht mit sich reden lassen.
Fünf Minuten später, kam Marc dann aber doch an.
„Es tut mir Leid“, sagte er und setzte sich neben sie.
„Ach, jetzt auf ein mal“, sagte Gretchen patzig.
„Jetzt sei doch nicht beleidigt“, sagte Marc und strich ihr einen Strähne aus der Stirn.
„Ich kann beleidigt sein, so viel ich will“, gab Gretchen zurück. Sie hatte beschlossen, ihn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen.
„Dann eben nicht“, Marc wandte sich von ihr ab.
Und so saßen sie dort auf dem Sofa, jeder guckte in eine andere Richtung, beide mit dem selben Gedanken: 'Na toll, jetzt ist er/sie beleidigt'
Gretchen schielte vorsichtig zu Marc herüber, aber dieser machte keine Anstalten sich zu ihr zu wenden.
Auch Marc warf einen kurzen Blick zu Gretchen, diese bemerkte ihn aber nicht.
Auf ein mal drehten sie sich beide zu einander um:
„Entschuldigung“, sagten sie wie aus einem Munde.
Marc lächelte sie an.
„Gretchen, es tut mir Leid, vielleicht war ich ein bisschen gereizt, wegen meinem Erzeuger und so“, sagte Marc.
„Und ich wollte doch nur beweisen, dass ich auch die beleidigte Leberwurst spielen kann“, gab Gretchen zurück.
„Hasenzahn, das brauchst du nicht zu beweisen, das weiß ich auch so“, Marc lächelte schief.
„Marc, das ist nicht witzig“, sagte Gretchen, konnte sich ein Lächeln aber nicht verkneifen.
Keine halbe Minuten lagen sie sich auch schon wieder in den Armen.
„Marc, magst du denn nun erzählen, was passiert ist?“ fragte Gretchen schließlich und nahm seine Hand.
„Gretchen, das ist eine lange Geschichte. Du weißt sicher, dass ich nicht gut auf ihn zu sprechen bin“, sagte Marc.
Gretchen nickte.
„Ja, er liegt im Koma. Und ich bin nicht begeistert darüber. Gerne hätte ich ihm noch meine Meinung gesagt. Aber ich war noch nicht bereit dazu. Und jetzt, jetzt ist er nicht mehr ansprechbar“ Marc fuhr mit der Hand durch sein Gesicht.
„Marc, es gibt da etwas, was ich dir sagen muss“, sagte Gretchen und sah auf ihre Schuhe.
Marc sah sie fragend an.
„Erinnerst du dich an die OP, die ich hatte, vor zwei Tagen? Das Unfallopfer?“ fragte Gretchen.
Marc nickte: „Ja, was ist damit?“
„Der Patient war dein Vater?“ sagte Gretchen traurig.
„Du hast von Anfang an gewusst, wie es um ihn steht?!“ fragte Marc verärgert, „Und du hast nichts gesagt?!“
„Nein, so war es nicht gewesen. Ich habe es nicht gewusst. Es ging ihm nach der OP gut. Es hat uns auch nicht gewundert, dass Christian bei der nächsten Visite nicht wieder aufgewacht ist“, sagte Gretchen.
„Es hat euch nicht gewundert?“, fragte Marc, „Mein Gott, das muss einem doch wundern! Und warum hast du mir nicht gesagt, dass er der Patient war?“
„Marc, beruhige dich“, sagte Gretchen, „Deine Mutter hat mich darum gebeten, sie war an dem Tag im Krankenhaus“
„Gretchen, du hättest mir trotzdem etwas sagen müssen!“, sagte Marc.
„Marc, bitte, es tut mir Leid“, sagte Gretchen, „Warum regst du dich eigentlich so auf? Er bedeutete dir doch nichts!“
Das war ein wunder Punkt bei Marc.
„Das tut doch jetzt nichts zur Sache!“, winkte Marc ab.
„Marc, du kannst nicht immer so tun, als wäre dir alles egal!“, versuchte sie ihn zur Vernunft zu bringen, „Denn das ist es nicht!“
Marc schwieg, er wusste, dass sie Recht hatte.
„Ich war nicht bereit mit ihm zu reden. Meinetwegen lässt es mich nicht ganz kalt, dass er nicht mehr aufgewacht ist“, gab er zu, „Aber ich kann es nicht haben, wenn man mir etwas vorenthält“
„Es tut mir ja auch Leid, aber du hattest dich grade erholt, da wollte ich dich nicht wieder mit so etwas konfrontieren“, entschuldigte sich Gretchen.
„Mein Gott, es ist einfach eh schon alles so kompliziert gewesen und jetzt auch noch das!“, sagte Marc, „Ich weiß doch gar nicht, wie ich damit umgehen soll“
Gretchen staunte, das aus Marcs Mund zu hören, verwunderte sie.
„Ich weiß es auch nicht“, sagte Gretchen, „Was hat deine Mutter denn erzählt?“
„Sie hätte mit der Hassmann gesprochen. Und diese meinte, dass er immer noch nicht aufgewacht wäre. Er läge im Koma“, sagte Marc betreten.
„Marc, was wenn er wieder aufwacht?“ fragte Gretchen mit einer Spur Hoffnung in der Stimme.
„Ich weiß es nicht“, sagte Marc, „Ich glaube es nicht. Dafür klang meine Mutter viel zu überzeugend“
„Du kennst doch deine Mutter“, versuchte Gretchen ihm Hoffnung zu machen, „Sie übertreibt doch häufig“
Marc nickte.
„Da hast du Recht, aber ich glaube, dass sie es diesmal ernst meint“, sagte er, seine Stimmer zeigte kaum Regung.
„Ich werde mit ihr reden“, schlug Gretchen vor, „Und auch mit Dr. Hassmann. Wenn du magst gleich heute Abend“
„Heute Abend wird mit niemanden geredet. Schließlich wollen wir glücklich ins neue Jahr“, erwiderte Marc.
„Das ist auch gut“, sagte Gretchen und lächelte ihn an, „Weißt du Marc, ich glaube, dass wir das schaffen, vor allem du“
Marc nickte und küsste sie. Dafür liebte er sie. Dafür, dass sie immer versuchte ihn zu verstehen und ihm aus der unerdenklichsten Situation half. Dafür, dass sie einfach da war, wenn er mal Hilfe brauchte.

Olivia<3 Offline

Mitglied


Beiträge: 1.373

13.02.2012 16:58
#105 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Hey!
Huete wird dann Silvester gefeiert! Ich hoffe es gefällt euch! Ein Dankeschön noch mal an Rabea und Nicki662, die so gut, wie immer etwas hinterlassen! Aber auch ein Danke an die stillen leser. Aber ich freue mich auch über neue Kommis!
Liebe grüße,
Olivia


Gen Nachmittag machten sich die beiden dann daran, sich für die anstehende Party vorzubereiten.
Nach der gemeinsamen Dusche, trocknete Marc seine Freundin liebevoll ab.
„Wir können uns auch hier einen schönen Silvesterabend machen“, säuselte Marc ihr ins Ohr und machte Anstalten, sie wieder aus dem Badetuch zu wickeln.
„Nein Marc!“, sagte Gretchen und schlug ihm gespielt auf die schlanken Finger.
Marc seufzte und ging ins Schlafzimmer, um sich umzuziehen. Gretchen folgte ihm.
Aus dem Schrank holte sie das schwarze Kleid, dass Marc und sie gekauft hatten. Allerdings erwies es sich als schwierig den Reißverschluss auf dem Rücken zu schließen:
„Marc, kannst du mir mal helfen?“ fragte Gretchen ihren Freund.
Marc sah sie an, lächelte und kam zu ihr herüber.
„Dreh dich um“, befahl er liebevoll.
Sie tat, wie ihr geheißen.
Schön fühlte sie seine kalten Finger sanft übe ihren Rücken streichen. Sie schloss verträumt die Augen. Mit einer ruckartigen Bewegung zog Marc den Verschluss hoch. Der Reißverschluss war zu. Gretchen erschrak, auf Grund der hektischen Bewegung. Sie betrachtete sich im Spiegel und lächelte. Sie fand, dass das Kleid gut aussah.
„Und?“ fragte sie Marc.

Quelle: Google

„Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du super aussiehst?“ fragte Marc und legte die Arme um ihre Hüften. Sein Kinn bettete er auf ihrer Schulter, „Es steht dir super“
„Danke“, sagte Gretchen und legte ihre Hände auf seine.

Nachdem auch Marc das richtige Outfit herausgesucht hatte, verschwand Gretchen im Bad, ums ich zu schminken. Marc seufzte und ließ sich aufs Sofa fallen. Das konnte ja nur ewig dauern. Aber Gretchen war erstaunlicher Weise nach zehn Minuten schon fertig. Marc war so konzentriert in seine Gedanken versunken, dass er gar nicht mitbekam, wie sich die Badezimmertür öffnete. Von hinten küsste seine Freundin seinen Nacken.
„Wir können gehen“, hauchte sie ihm zu.
Bevor er allerdings aufstand, drehte er sich herum, nahm ihr Gesicht zwischen seine Hände und gab ihr einen leidenschaftlichen Kuss.
„Marc, jetzt müssen wir uns aber wirklich auf den Weg machen“, sagte Gretchen, als sie sich von ihm löste, „Sonst kommen wir noch zu spät“
Marc stöhnte und erhob sich schwerfällig vom Sofa. Die Fahrt zu Marias Apartment verlief schweigsam.
„Das ist unser erstes gemeinsames Silvester“, durchbrach Gretchen auf ein mal die Stille, „Das ist doch etwas Besonderes“
„Das du aber auch immer so abergläubisch sein musst“, beschwerte sich Marc gespielt.
„Ich bin überhaupt nicht abergläubisch“, erwiderte Gretchen.
Schon kamen sie an der besagten Adresse an.
Keine fünf Minuten später klingelten sie auch schon an die Wohnungstür.
Eine scheinbar gut gelaunte Neurochirurgin empfing das junge Paar.
„Hallo! Kommt doch rein!“ rief sie und hielt ihnen dir Tür auf.
Marc und Gretchen traten ein. Die Party schien schon voll im Gange zu sein. Überall standen und saßen Leute, ins Gespräch vertieft oder am essen und trinken. Gretchen entdeckte Schwester Sabine, die aber von der Party nicht viel zu halten schien. Günni Gummersbach schien auf sie einzureden.
In einer anderen Ecke entdeckte sie Dr. Schneider, in ein Gespräch mit Dr. Schulz vertieft. Beide hatten ein Sektglas in der Hand. Maurice Knechtelsdorfer unterhielt sich mit Chaos-Menz. Die beiden waren so etwas wie Leidensgenossen geworden. Marc konnte sie offenbar beide nicht ausstehen, zu mindest im OP. Maria Hassmann lief herum und verteilte Getränke und goss Sekt ein. Auch Marc und Gretchen hatte sie etwas angeboten.
Die beiden gesellten sich zu Dr. Schneider und Dr. Schulz.
„Frau Haase, schön Sie hier zu sehen“, begrüßte Dr. Schulz sie.
„Sie auch“, sagte Gretchen.
Eine Weile unterhielten sich die Chirurgen über Operationstechniken. Marc war in ein Streitgespräch mit Dr. Schneider vertieft. Sie stritten sich, ob es besser wäre, zu nähen oder zu klammern.

Als ein Großteil der Gäste sich auf der kleinen Tanzfläche eingefunden hatte, kamen auch Gretchen und Marc dazu. Allerdings glich ihr Tanz eher einem ständigem in die Augen sehen und dabei schunkel. Egal ob das Lied schnell war oder eine Schnulze. Immer wieder verfielen sie einem Kuss. Es störte sie nicht, dass sie angestarrt wurden. Es ströte sie auch nicht, dass Dr. Menz vor Neid fast platzte, denn es gab für den Moment nur sie beide.

Der Rest des Abend verlief, wie es Silvesterpartys eben verlaufen. Es wurden Trinkspiele gespielt, gelacht, getratscht und gute Vorsätze für das neue Jahr ausgetauscht.

Bis auf ein mal Maria Hassmann an ihr Glas klopfte:
„Damit wir uns alles auf dieser Party auch amüsieren, habe ich ein Karaoke-Duell vorbereitet!“, verkündete sie.
Allgemeines Stöhnen, aber auch einige positiven Rückmeldungen kamen.
„So, wenn keiner sich freiwillig meldet, dann werde ich wohl jemanden aussuchen müssen!“, redete Maria Hassmann weiter.
Marc seufzte, das hatte ihm grade noch gefehlt. Er hoffte inständig, dass er nicht dran kommen würde. Ihm war nicht nach Singen zu Mute.
„Und ich wääääääähle“, plärrte Maria, „Dr. Menz uuuuuuund Schwester Gaaaaabi“
„Die ist auch hier?“ fragte Marc abschätzig.
Er erntete einen Rippenstoß von Gretchen.
Schüchtern kam Dr. Menz nach vorne zu Maria. Sie nahm ihr Mikro entgegen. Kurz bevor sie zu singen begann, sah sie Marc an. Dieser aber schien ihren blick kaum zu bemerken. Er hatte eh nur Augen für seine beste Assistenz.
Jedesmal, wenn Dr. Menz das glückliche Pärchen sah, durchfuhr sie ein Kälteschauer, wie sehr wäre sie an Dr. Haases Stelle gewesen.
Marc und Gretchen interessierten sich nicht weiter für das Geschehen.
„Marc, können wir nicht ein bisschen an die frische Luft gehen? Mir ist ein wenig schwindelig“, sagte Gretchen.
Marc nickte.
„Alles okay mit dir?“ fragte er mit einem besorgten Unterton.
„Ist vielleicht ein bisschen stickig hier“, sagte Gretchen und lächelte.
„Da magst du Recht haben“, sagte Marc.
Bedauerlicherweise besaß die Wohnung keinen Balkon. Also gingen Marc und Gretchen vor die Tür.
Als sie die Tür nach draußen öffneten und das Haus verließen, schlug ihnen die kalte Abendluft entgegen.
Sie gingen ein Stück die Straße entlang. Gretchen nahm Marcs Hand.
„Geht es nun besser?“ fragte Marc.
„Ja, ich weiß auch nicht, was das war“, sagte Gretchen.
Sie kamen an der Spree vorbei. Gretchen stellte sich an die Berüstung und sah hinunter in das dunkle Wasser.
Marc stellte sich hinter sie und schlang die Arme um sie herum. Der kühle Wind wehte Marc ihre Haare ins Gesicht. Sanft strich er sie bei Seite.
„Ich kann es gar nicht glauben, dich hier bei mir zu haben“, durchbrach Gretchen auf einmal die Stille.
Marc seufzte. Er sog ihren süßen Duft ein. Er merkte, wie sie fror, er spürte ihre Gänsehaut.
„Als wir das letzte mal an dieser Stelle standen, da wärst du danach fast gestorben“, sagte Gretchen und erinnerte sich an die Nacht, die eigentlich ihre Hochzeitsnacht hätte sein sollte, „Aber du bist zu mir nach draußen gekommen“
Marc erinnerte sich und diese Erinnerung war schmerzhaft. Wie sehr hatte er gelitten, als sie den Schleimbeutel geheiratet hatte.
„Marc, was wolltest du mir eigentlich an meinem Polterabend sagen?“ fragte Gretchen plötzlich.
Marc seufzte, er hatte es ihr nie gesagt. Das, was sie wahrscheinlich daran gehindert hätte, Alexis von Buren zu heiraten.
„Wolltest du mich von der Hochzeit zurückhalten?“ fragte Gretchen, als sie merkte, dass Marc nicht antwortet.
„So könnte man es sagen“, sagte Marc, „Ich wollte dir nur drei Worte sagen“
„Und die wären“, Gretchen starrte wieder auf das dunkle Wasser.
Marc aber drehte sie zu sich um und nahm ihr Gesicht zwischen seine Hände. Er sah ihr tief in die Augen.
„Ich liebe dich“, sagte er.
Und dann küsste er sie, mit einer Inbrunst und Leidenschaft, die man ihm gar nicht hätte zugetraut.
„Ich dich doch auch“, sagte Gretchen und strich über seine Brust. Eine kleine Träne wanderte über ihre Wange.
Vorsichtig strich Marc sie mit seinem Daumen beiseite.
„Ich will dich nie mehr verlieren“, sagte Gretchen und warf sich in seine Arme.
Marc strich einfach nur über ihren Rücken. Immer wieder rauf und runter. Keiner der beiden sagte ein Wort. Bis auf das leise Rauschen der Blätter und dem fernen Geräusch einer Straße war es leise.
Dann aber ging der erste Feuerwerkskörper in die Luft. Gretchen zuckte zusammen. Und schon kam der nächste und der nächste. Der Himmel verwandelte sich in ein buntes Meer der Farben. Es knallte, zischte und prasselte.
„Frohes neues Jahr, Gretchen“, sagte Marc, „Dass es ein noch schöneres Jahr werde, als das Letzte“
Und dann küsste er sie wieder. Es war ihr erster Kuss im Jahr 2012. Gretchen konnte ihr Glück kaum fassen. Sie schaltete ihre Gedanken ab und gab sich Marc ganz und gar hin.

Olivia<3 Offline

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14.02.2012 15:42
#106 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Gemeinsam sahen sich Marc und Gretchen das prächtige Berliner Feuerwerk an. Marc hatte sie eng an sich gezogen, denn in dem kurzen Kleid mit nur einem Mantel darüber, war ihr kalt geworden. Für Gretchen war klar, dass 2012 ein Jahr voller Freude und Liebe werden würde, mit Marc und ihr.
Erst als auch die letzten Feuerwerksraketen ihre Farben in den Himmel gespuckt hatten, kehrten Marc und Gretchen zurück zu Maria Hassmanns Wohnung.

http://www.youtube.com/watch?v=msgkwqh_1OY&feature=related

Die Party war nun voll im Gange, nun hatte es auch die letzten auf die Tanzfläche gezogen und alle bewegten sich mehr oder weniger im Takt zur Musik.
Auch Marc und Gretchen ließen sich von der lauten Musik mitreißen und schwangen das Tanzbein. Diesmal auch mit mehr Pepp und weniger Geschunkel. Marc stellte fest, dass Gretchen sehr gut tanzen konnte. Schon wieder verloren sie das Gefühl für Zeit und Raum. Marc umfasste Gretchens Hüfte und tanzte mit ihr. Ihr Körper bewegte sich perfekt zur Musik. Sie tanzten ausgedachte Figuren und hatten eine Menge Spaß dabei. Auf Marcs Gesicht war das Lächeln wie festgewachsen. Er konnte seine Mundwinkel kaum mehr nach unten ziehen.
Als der Anstrom auf der Tanzfläche langsam wieder sank, ließen Gretchen und Marc sich außer Atem auf eines der Sofas fallen.
„Wusste gar nicht, dass du so gut tanzen kannst“, sagte Gretchen und lächelte.
„Du weißt doch, Marc Meier ist zu allem fähig“, witzelte Marc.
„Du hast echt ein zu großes Ego“, sagte Gretchen. Sie gab ihm einen Kuss.
Dieser wurde aber durch eine erfreute Stimme unterbrochen:
„Ach Gretchen, du bist auch hier?“ riss Gigi die beiden aus ihrem Tagtraum. Prompt setzte sie sich neben Gretchen auf das Sofa.
„Ja, sieht ganz so aus“, sagte Gretchen und richtete ihr Haar, „Wo hast du denn Medhi gelassen?“
„Der quatscht noch mit Dr. Hassmann“, sagte Gigi und einen Moment sah es so aus, als wäre eine Spur Eifersucht in ihrem Blick zu sehen.
„Bist du etwa eifersüchtig?“ fragte Gretchen und knuffte Gigi in die Seite.
„Nein, ich doch nicht“, Gigi wurde rot.
Marc spitzte die Ohren, was hatte denn die Brillenschlange mit Medhi?
„Und wie war der Abend bei euch so?“ fragte Gretchen neugierig.
„Wir haben zusammen getanzt. Und dann“, sie senkte die Stimme, „Dann hat er mich wieder so geküsst“
Ganz offensichtlich war das Gespräch nicht für Marcs Ohren gedacht, aber es hatte niemand ihn gebeten wegzugehen, also lauschte er clam und heimlich dem Frauengespräch.
Gretchen sah das Glänzen in Gigis Augen.
„Und dann?“ fragte sie weiter.
Gigi hatte offenbar mitbekommen, dass Marc dem Gespräch folgte.
„Sag mal, kannst du deinem Macker mal sagen, er soll verschwinden“, fragte Gigi energisch, „Soll doch nicht jeder wissen...“
Aber weiter kam sie gar nicht erst, Marc hatte sie schon unterbrochen:
„Was soll keiner wissen?“, sagte er extra laut, „Dass die Brillenschlange dabei ist Dr. Kaan aufzureißen?!“
In der Tat hatten sich bereits einige Menschen zu Marc umgedreht und schauten nun von ihm zu Gigi.
„Marc, das ist nicht witzig“, sagte Gretchen und setzte ihren bösen Blick auf.
Gigi wurde rot wie eine Tomate, vor allem als sie mitbekam, dass auch Medhi Marcs Aussage mitgehört hatte. Er sah sie an.
„Also ich fands witzig“, sagte Marc und wand sich an Gretchen, „Das war die Rache für damals vor deiner Hochzeit“
Gigi stand auf und sagte zu Gretchen:
„Das besprechen wir morgen, wenn dein Macker mal seine schmutzigen Finger von dir lassen kann“
„Alles, aber nicht schmutzig“, rief Marc ihr hinterher.
„Jetzt hast du sie verscheucht“, tadelte Gretchen ihren Freund, der immer noch in sich hinein lachte.
„Och komm, als fändest du es so schön, wenn sie uns beim Knutschen stört“ meinte Marc ironisch.
Gretchen seufzte, diesem Mann war einfach nicht mehr zu helfen.

„Es war ein schöner Abend“, sagte Gretchen, als sie in Marcs Auto auf dem Weg nach Hause waren.
„Hmm“, Marc folgte der Fahrbahn, seine Hand hatte er auf Gretchens Knie platziert.
Gretchen sah eine Weile nur aus dem Fenster. Die Laternen flogen an ihr vorbei, das monotone Geräusch des Motors beruhigte sie.
„Und die Brillenschlange hat also was mit Kaan?“ fragte Marc plötzlich.
„Marc, nenn sie doch nicht immer so“, mahnte Gretchen, „Ja, sie hatten ein Date“
„Sie hat ja richtig von ihm geschwärmt“, sagte Marc belustigt.
„Sie findet ihn halt romantisch“, sagte Gretchen, „Ist er ja auch“
„Und ich nicht?“ fragte Marc sofort.
„Wenn kein anderer in der Nähe ist schon durchaus“, meinte sie, über seine Eifersucht lächelnd, „Aber ein kleiner Macho steckt immer noch in dir“
Sie legte ihre Hand auf seine und strich zärtlich darüber.
„Man kann sich eben nicht von jetzt auf gleich ändern“, schmollte Marc.
„Marc, ich liebe dich so wie du bist, mit allen Schwächen und Stärken“, sagte Gretchen und verschränkte ihre Finger mit seinen. Marc lenkte das Auto nur mit einer Hand. Er schwieg. Es berührte ihn sehr, was sie gesagt hatte. Auch wenn es kitschig war. Es gab ihm das Gefühl, dass er geliebt wurde. Egal was für einen Mist er baute.
Schweigend fuhren sie weiter.

Als sie ankamen, schmiss Gretchen ihre hohen Schuhe in die Ecke und ließ sich aufs Sofa fallen.
„Himmel, wenn man den ganzen Abend in solchen Schuhen rumrennt, kriegt man ja ne Wadenverkürzung“, sie stöhnte vor Schmerzen, „Marc, kannst du mir die Füße massieren?“
Es kam keine Antwort.
„Marc?“ fragte sie noch ein mal.
„Warte mal Gretchen“, sagte er.
Er stand im Wohnzimmer neben dem Anrufbeantworter.
„Dies ist der Anrufbeantworter von Marc Meier, ob ich zurückrufe...Weiß ich noch nicht...“ Piiiiiiiep
„Marc Olivier! Es ist etwas schlimmes passiert! Ruf mich bitte zurück“, plärrte Elke Fishers Stimme durch den Hörer.
Wieder Piiiiiep
„MARC OLIVIER! Wie lange willst du denn noch auf dich warten lassen! Es geht um Leben und Tod“
Marc seufzte.
Wieder Piiiiieeep
„MARC OLIVIER, wenn du nicht bald zurückrufst hast du deinen Vater auf dem Gewissen“
Marc schluckte. Dann wählte er mit zittrigen Fingern ihre Nummer.
Gretchen hatte die Gespräche auf dem Anrufbeantworter gehört und Gretchen hatte sich zu ihm gestellt.
„Marc Olivier! Das wurde aber auch Zeit“, kam eine hysterische Stimme aus dem Hörer.
„Mutter, nenn mich bitte nicht so. Was ist denn los, dass du meinst, es geht um Leben und Tod?“ fragte er lässig, aber anhand seiner unnatürlichen Gesichtsfarbe konnte Gretchen ausmachen, dass Marc innerlich nicht ganz so ausgeglichen war, wie es schien.
„Marc, komm bitte sofort ins Krankenhaus, du bist unsere letzte Rettung“, sagte Elke mit heiserer Stimme. Auf ein mal war die Hysterie verschwunden und in Elkes Stimme hörte man nur noch Verzweiflung und Bitten.
Marc aber legte wortlos auf.
„Marc, das kannst du doch nicht machen“, sagte Gretchen erschrocken.

Olivia<3 Offline

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16.02.2012 19:46
#107 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Hey!
ja, heute gibt en einen neuen Teil, aber eigentlich relativ ungern. Es mangelt doch echt mal wieder an Feedback. ich würde mich sehr sehr freuen, wenn mehr Leute einen Kommi hinterlassen würde, denn es macht so doch kaum noch Spaß zu schreiben. Wie soll ich denn wissen, was ecuh gefällt, was euch nicht gefällt? Also, es wäre echt schön, wenn es mehr Kommis gäbe! Ich hoffe, dass sich nun ein paar Neuzugänge melden!
Nun aber viel Spaß,
Liebe Grüße,
Olivia


„Kommst du nun mit?“ fragte Marc genervt und griff nach seinem Mantel, den er grade erst hatte ausgezogen.
Gretchen verstand nicht ganz, schlüpfte aber auch wieder in ihren Mantel und zog sich Schuhe.
Marc hielt ihr die Tür auf und zog sie die Treppe herunter.
„Marc, was wird das?“ fragte Gretchen, als sie im Auto saßen.
„Na was wohl, wir fahren zu...Christian“, sagte Marc uns startete den Motor.
Marc fuhr schnell, obwohl er seit seinem Unfall das Schnellfahren und seine Spritztouren aufgegeben hatte.
Bereits in kurzer Zeit, hatten sie das Krankenhaus erreicht. Marc schaltete den Motor ab und atmete ein mal durch.
„Dann mal los“, sagte er mehr zu sich selbst.
Sie betraten das Krankenhaus und machten sich auf den Weg zu der Station, auf der Christian untergebracht war.
Sie ließen sich von einer Schwester das Zimmer zeigen. Marc holte noch ein mal tief Luft, bevor er die Tür zu dem Krankenzimmer öffnete. Er nahm Gretchens Hand und trat ein.
„Marc Olivier!“, empfing seine Mutter sie, „Ach Frau Haase, sie auch“ Elke lächelte.
Marc schwieg, er sah zu seinem Vater, der auf der Intensivstation lag und an viele Geräte angeschlossen war. Es verwirrte Marc ihn so schutzlos zu sehen. Er kannte Christian Meier immer nur als stark und aggresiv, immer auf der Hut. Aber so malträtiert hatte er ihn noch nie gesehen.
Erst jetzt bemerkte Marc Dr. Rössel.
„Kollege, Meier“, begrüßte Dr. Rössel ihn, „Und Frau Haase“
Gretchen nickte.
„Warum sollte ich kommen?“ fragte Marc und wandte sich an Elke.
„Dr. Rössel, erklären Sie es ihm“, sagte Elke mit geschlagener Stimme.
Marcs Blick wandte sich zu seinem Kollegen.
„Herr Meiers Leberwerte sind rapide gesunken, er schwebt in einem kritischen Zustand. Wenn wir nicht bald etwas tun, wird er sterben“, fing Dr. Rössel an.
„Und jetzt? Was gibt es zu tun?“ fragte Marc.
„Er benötgt eine neue Leber“, schloss Dr. Rössel ab, „Die Verletzungen haben seine Leber zu sehr beeinträchtigt.“
„Und?“ fragte er, „Warum fragen Sie mich?“
Dr. Rössel blickte herüber zu Elke.
„Olivier, du musst dich testen lassen, ob deine Leber passt“, sagte Elke. Als sie Marcs fassungslosen Blick sah. „Du bist seine letzte Rettung!“
„Das kannst du nicht von mir verlangen“, sagte Marc.
„Ich bitte dich“, sagte Elke flehend.
„Mutter, warum soll ich dem Menschen ein Teil meiner Leber spenden, der mein Leben buchstäblich zerstört hat? Sag mir einen plausiblen Grund“, entgegnete Marc.
„Marc, es ist dein Vater. Dein eigen Fleisch und Blut“, sagte Elke mit theatralisch.
„Mutter, erspar mir die Melodramatik. Ich kann das einfach nicht machen“, sagte er.
Gretchen wusste, dass sie nichts sagen sollte. Sie wollte, dass Marc sich wenigstes testen ließe, aber sie wusste, dass Marc dann nur wieder sauer sein würde. Also schwieg sie.
Elke blickte traurig zu Boden. Ihr war bewusst, dass ihr Sohn stur wie ein Esel sein konnte.
Nun mischte sich aber Dr. Rössel in das Gespräch ein:
„Dr, Meier, Sie könnten sich wenigstens auf die Werte testen lassen, es besteht immer noch die Möglichkeit, dass sie nicht übereinstimmen“, sagte dieser.
Marc schwieg und betrachtete Christian Meier. Und dann waren sie auf ein mal wieder da, seine beiden Zwillinge:
„Marc, soll der alte Kerl doch verrecken, er hat dein Leben in Stücke gerissen“, Dr. Meier stand lässig an der Wand gelehnt.
„Nein, tu das nicht, lass dich testen. Ich bin mir sicher, es gibt eine Lösung!“, sagte Jogginghosen-Marc.
„Es wäre der Fehler seines Lebens“, Dr. Meier schnaubte spöttisch, „Organspenden hat so viele Nachteile, denk n´doch mal daran, Krankenhaus und all das. Und das für jemanden, denn du hasst?“
„Wer spricht denn von hassen?“ Marc in Jogginghose empörte sich, „Es ist immer noch sein Vater! Noch nie was von dem 3. Gebot gehört? Du sollst Vater und Mutter ehren?“
„Jetzt komm mir nicht mit Gott ja? Es gibt keinen gerechten Gott, capito?!“

„Marc!“, riss Gretchens Stimme ihn aus seiner Vision.
„Was?“ fragte er verwirrt.
„Lässt du dich jetzt testen oder nicht?“fragte Gretchen.
„Ja“
„Nein“
„JA“
„NEIN“

„Mein Gott, es reicht“, sagte Marc laut. Die Stimmen in seinem Kopf schwiegen.
Drei verwirrte Augenpaare starrten ihn an.
„Was guckt ihr denn so? Ist doch nur nen Gewissenskonflikt“, sagte Marc genervt, „Ich werde mich testen lassen. Aber bitte schnell, bevor ich mich noch umentscheide“
Elke atmete erleichtert aus und auch Gretchens Blick entspannte sich.
„Gut, dann kommen Sie doch gleich mal mit, Dr. Meier“, sagte Dr. Rössel.
„Kollege, ich müsste dann auch noch mal mit Ihnen über das Patientenbild reden, Kollegin Hassmann meinte doch, er würde im Koma liegen?“fragte Marc.
„Was meinte sie? Ja, sicher, er liegt im künstlichen Koma“, sagte Dr. Rössel und lächelte, „Woher haben sie denn diese Information?“
„MUTTER!“, Marc wandte sich zu Elke, „Du hast gesagt er würde im KOMA liegen! Er würde nicht mehr aufwachen! Und was jetzt? Er liegt im KÜNSTLICHEN Koma! Man kann ihn jederzeit wieder aufwecken!“
Auch Gretchen konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Elke Fisher hatte ein mal wieder maßlos übertrieben und damit alle in Angst und Schrecken versetzt.
„Ich dachte...“, setzte Elke an, „Mein Gott, ich hab halt keine Ahnung von so was“
Die Situation war ihr schon peinlich und die sonst so gefasste Elke Fisher, wurde ein wenig rot im Gesicht. Sie hatte ihre Geschichte ja selbst geglaubt...

Gretchen hatte beschlossen, sich so lange mit Elke zu unterhalten, während Marc die Tests über sich ergehen ließ.
„Frau Fisher, was wollen Sie machen, wenn Marc kein potentieller Spender ist?“ fragte Gretchen.
„Ich weiß es nicht. Wie sie ja grade gesehen haben“, sie konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, „kenne ich mich mit so etwas nicht so gut aus. Was kennen Sie denn da für Möglichkeiten?“
„Durchaus gibt es da noch andere Möglichkeit, dass wir im Verwandtenkreis von Christian einen potentiellen Spender finden ist hoch, aber dennoch gering. Ansonsten müssten wir ihn auf eine Spenderliste setzten, Zum anderen wäre da noch das Problem, oder mehr die Frage, ob solch eine Operation effektiv wäre und seine Überlebenschancen danach hoch wären. Wenn nicht, hätte er schlechte Chancen in solch einer kurzen Zeit eine Spenderleber zu bekommen“
Elke nickte, sie hatte zwar kaum folgen können, aber ihr war bewusst, dass es ernst werden würde.
„Und wie stehen seine Chancen?“ fragte sie daher.
„Ich weiß es nicht, ich müsste mich intensiver mit seinem Fall beschäftigen, aber ich denke Dr. Rössel wird sie schon ausreichend informieren“, sagte sie, „Aber so weit ich weiß, sehe ich nichts, was einer Transplantation im Wege stehen würde“ Sie lächelte ihr aufmunternd zu.
„Ich verstehe ja nicht viel von Medizin“, gab Elke zu, „Aber sie klingen doch nicht so unkompetent, wie ich es immer behauptet habe“
Gretchen wurde ein wenig rot.
„Danke“, sagte sie deshalb.
„Und noch etwas“, sagte sie, „Mein Sohn kann stolz sein, so etwas wie Sie gefunden zu haben. Sie machen auf mich einen sehr hilfsbereiten und einfühlsamen Eindruck. Sie wissen aber sicherlich, wie mein Sohn sein kann, oder?“
Gretchen nickte:
„Das kann ich wohl sagen, aber er hat sich verändert. Zum Positiven natürlich. Er hat gelernt Verantwortung zu übernehmen...Und all das.“
Elke lächelte.
„Vielleicht schafft er es besser als ich, eine aufrichtige Beziehung zu führen“, sagte Elke mit einem traurigen Unterton.
Gretchen schwieg.
Das Schweigen wurde durch eine aufgestoßene Tür unterbrochen.
„Dr. Meier, wenn Sie morgen zum Dienst erscheinen, werde ich Ihnen über ihre Ergebnisse berichten“, sagte Dr. Rössel.
„In Ordnung“, sagte Marc. Bei dem Gedanken an die anstehende Nachtschicht allerdings war ihm schon ein wenig mulmig zu Mute.
„Sie können, dann jetzt nach Hause gehen“, sagte Dr. Rössel.
Marc nickte und forderte Gretchen mit Blicken auf, dass sie zum Aufbruch bereit waren.
Gretchen ging zu Marc.
„Auf wiedersehen“, sagte sie zu Elke und Dr. Rössel.
„Bis Morgen“, sagte Dr. Rössel, „Und für Dr. Meier dann die Ergebnisse.
So fuhren Marc und Gretchen zurück nach Hause. Sie waren beide todmüde. Immerhin, hatten sie die Nacht über viel gefeiert.
Dementsprechend gingen sie sofort zu Bett, denn am nächsten Abend stand dann die Nachtschicht an.

Olivia<3 Offline

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18.02.2012 19:48
#108 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Schön, dass sich auf meinen AUfruf doch einige gemeldet haben! Da habe ich mich sehr gefreut! Aber keine Bange, ich höre vorerst nicht auf zu schreiben! Ihr müsst es also noch ein Weilchen mit mir aaushalten!
Viel Spaß bei dem neuen Teil!
Liebe Grüße,
Olivia


Als Marc und Gretchen am nächsten Nachmittag das Krankenhaus betraten, um zur Nachtschicht anzutreten, war Marc ein wenig aufgeregt. Immerhin würden heute die Ergebnisse der Tests da sein.
Marc ging nicht wie üblich erst mal in sein Büro, um Aktenkram zu erledigen, sondern er besuchte sofort Dr. Rössel.
„Dr. Meier, ja wir haben die Ergebnisse“, sagte Dr. Rössel, „Kommen Sie doch herein“
Vorsichtig betrat er das Büro. Dr. Rössel bat ihn sich zu setzten. Er setzte sich auf einen der Stühle. Sonst war er es immer gewesen, der hinter dem Schreibtisch saß und gute oder schlechte Nachrichten verkündete. Nun aber saß er als unwissender „Patient“ da und wartete auf die Ergebnisse der Tests.
„Dr. Meier, wir haben die Ergebnisse ausgewertet“, sagte Rössel und blickte in seine Unterlagen, „Aber wir haben leider feststellen müssen,...“
Ohne, dass er es wollte, klopfte Marcs Herz.
„...dass sie leider kein potentieller Spender für Herrn Meier sind“
Marc schluckte. Auf der einen Seite, wollte er aus Trotz seinem Vater keine Leber spenden, aber andererseits fühlte er sich nun auch schuldig.
Marc schwieg weiterhin.
„Gut, dann werde ich jetzt gehen“, sagte Marc und stand auf. Seine Finger waren kalt und zittrig.
„Sie müssen sich nicht schuldig fühlen“, sagte Dr. Rössel und setzte den Mitleidsblick auf.
„Ich fühle mich überhaupt nicht schuldig“, sagte Marc eine Spur zu laut.
Dr. Rössel nickte und Marc verließ den Raum.

Gretchen hatte genau gewusst, dass Marc zu erst zu Dr. Rössel gehen würde. Sie hatte beschlossen vor dessen Bürotür auf ihren Freund zu warten. So wie sie nun auf ihn wartete, gesellte sich Dr. Schneider zu ihr.
„Dr. Haase, schön sie zu sehen“, sagte Dr. Schneider.
„Gleichfalls“, sagte Gretchen verwundert.
„Haben Sie nicht mal Lust mit mir einen Kaffee trinken zu gehen?“ fragte Dr. Schneider, „Es geht unter anderem darum, welche Abteilung Sie nach Ablegung ihre Prüfungen, wählen werden. Neulich bei dem Unfall habe ich gemerkt, dass Sie eindeutig ein Talent für die Unfallchirurgie haben“
„Das freut mich zu hören“, sagte Gretchen und wurde ein wenig rot, „Gerne würde ich dies, wann wäre ihnen das denn recht?“
„Wie wäre es mit Morgen Nachmittag?“ fragte Dr. Schneider.
„Sicher“, sagte Gretchen.
„Gut, ich werde alles daran setzten, Sie in die Unfallchirurgie zu holen“ Er zwinkerte ihr zu.
Als er weg war seufzte Gretchen, sie wollte eigentlich bei Marc auf der Station bleiben, aber es sprach ja nichts dagegen, wenn sie sich mal umhören würde, was es für andere Möglichkeiten gäbe.
Schon kam Marc aus der Tür heraus. Er sah niedergeschlagen auf, auch wenn er versuchte dies zu vertuschen. Es gelang ihm nicht allzu gut.
„Hey Marc, was ist denn los?“fragte Gretchen.
„Nichts, was soll sein?“ er versuchte locker zu wirken.
Gretchen verdrehte die Augen.
„Und wie ist der Test ausgefallen?“ fragte Gretchen.
„Negativ. Ich bin kein geeigneter Spender. Und wenn ich ehrlich sein soll, dann wollte ich das auch nie richtig“, sagte Marc kühl.
„Marc...“, sagte Gretchen und fasste ihn am Arm.
„Mach dir lieber Sorgen, wie wir das meiner Mutter beibringen“, sagte Marc.
„Wir müssen ihr die Wahrheit sagen“, sagte Gretchen.
„Klar doch, die Frage ist nur, wie sie sie aufnimmt“, sagte er und verdrehte die Augen.
„Sollen wir gleich zu ihr gehen?“ Fragte Gretchen.
„Ich weiß nicht, ob sie momentan im Krankenhaus ist“, bezweifelte Marc.
„Dann werde ich sie anrufen“, sagte Gretchen.
„Du?“ fragte er.
„Wer sonst, siehst du hier noch wen?“ erwiderte sie.
„Gut, dann ruf du sie an und sag ihr, sie soll herkommen“, sagte Marc, „Ich mach in der Zeit Visite“
Gretchen nickte, sie ging ins Schwesternzimmer und wählte Elkes Nummer.
„Fisher?“ nahm diese ab.
„Frau Fisher, Gretchen Haase, hier“, sagte Gretchen.
„Ach Frau Dr. Haase, gibt es etwas Neues wegen Christian?“ fragte sie nervös.
„Ja, allerdings, haben Marc und ich beschlossen es Ihnen persönlich zu sagen“, sagte Gretchen und es fiel ihr schwer, Elke nicht die ganze Wahrheit zu sagen.
„Wann soll ich denn kommen?“ fragte Elke aufgeregt, „Im Krankenhaus, oder?“
„Ja, gerne. Wie wäre es mit in einer Stunde, in Marcs Büro?“ fragte Gretchen.
„Das ist gut, ich werde da sein“, sagte Elke.
„Bis gleich“, sagte Gretchen.
„Ja, bis gleich. Grüßen Sie meinen Sohn“, sagte Elke.
Gretchen legte auf.
Sie ging zurück zu Marc und beendete die Visite mit ihm.

Gemeinsam machten Sie sich auf den Weg zu seinem Büro.
„Sie wird einen Nervenzusammenbruch erleiden“, sagte Marc ironisch.
„Marc, es ist eine schwere Zeit für sie“, beschwichtigte Gretchen ihn.
Elke wartete schon auf die beiden. Als sie eintraten stand sie vom Sofa auf und kam ihnen entgegen.
„Olivier!“, sagte sie.
„Mutter bitte nenn mich nicht so!“, beschwerte sich Marc.
Elke seufzte.
„Was gibt es denn Neues?“ fragte sie neugierig.
„Schlechte Nachrichten“, sagte Marc.
Elkes Augen weiteten sich vor Schreck.
„Ich bin kein potentieller Spender“, er blickte auf den Boden.
„Großer Gott!“, Elke ließ sich auf das Sofa fallen und fasste sich theatralisch an die Stirn.
„Frau Fisher, es tut mir wirklich Leid“, sagte Gretchen nun.
„Was soll ich denn jetzt tun? Wird er sterben? Wir müssen ihn auf eine Warteliste setzten“, Elke fuchtelte nervös mit den Händen vor ihrem Gesicht herum.
„Ganz ruhig, wir werden alles Mögliche tun, um Herrn Meier am Leben zu halten“, sagte Gretchen beschwichtigend.
In dem Moment wurde die Tür aufgestoßen:
Dr. Rössel kam herein. Er war ganz außer Atem.
„Dr. Haase, Dr. Meier, ein Notfall! Um Herrn Meier steht es schlecht. Er braucht bald eine neue Leber. Er liegt fast im Sterben“

Olivia<3 Offline

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20.02.2012 11:04
#109 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Hey!
Schon mal ans Ankündigung: Ich weiß nicht, wann ich es in der nächsten Woche mit dem Schreiben schaffe! Ich werde versuchen so viel wie möglich zu schaffen. Und auch beim Kommentieren tue ich mein bestes!
Morgen feier ich dann erst mal meinen Geburtstag!
Noch einen schönen Rosenmontag!
Liebe Grüße,
Olivia


Als Elke die Nachricht hörte fiel sie in Ohnmacht und Gretchen hatte Mühe, die Frau zu halten, ohne, dass sie fiel.
Marcs Augen aber formten sich zu Schlitzen. Er fragte sich, warum er jetzt so ein Pech mit seinem Vater hatte. Er hatte schon als Kind akzeptiert, dass er keinen Vater haben würde und nun musste er sich um ihn kümmern.
Dann aber fasste er sich ein Herz, verpasste Elke eine beherzte Ohrfeige, damit sie wieder aufwachte und wollte zu Christian. Denn er war ihm eine Erklärung schuldig und die konnte er nicht ablegen, wenn er starb.
„Nun kommt doch!“, sagte er ungeduldig zu Gretchen und Dr. Rössel.
Elke saß sich verdutzt die Wange reibend auf dem Sofa und starrte dem Ärzteteam hinterher. Als sie sich halbwegs gesammelt hatte, rannte sie in trippelden Schritten hinterher.
„Olivier, so warte doch“, keifte sie.
Aber Marc verlangsamte seine Schritte nicht. Er hatte jetzt eine Mission und diese Mission lautete „Christian retten und zur Rede stellen“.
Gretchen staunte, dass Marc auf ein mal so viel Energie für den Mann aufbringen konnte, der ihm das Leben zur Hölle gemacht hatte. Aber ein Funke Stolz baute sich in ihr auf, denn Marc hatte sich auch in diesem Fall verändert, er schien nun entschlossen etwas Gutes für seinen Vater zu tun, auch wenn er ihn nicht ausstehen konnte.

Um Christian Meier schien es wirklich nicht gut zu stehen, immer wieder sanken seine Leberwerte in den Keller. Und es sah aus, als würde auch das Herz nicht mehr lange mitspielen.
Marc seufzte, als er die Krankenakte betrachtete und die letzten Blutergebnisse überflog.
„Herr Dr, Meier, was schlagen Sie vor?“ fragte Dr. Rössel.
„Wir werden ihn auf die Transplantationsliste setzen, wenn wir keinen freiwilligen Spender finden“, sagte Marc.
„Ist es nicht sicherer, ihn sofort auf die Liste zu setzen?“ fragte Rössel, „Wir könnten auch so nach einem Freiwilligen suchen“
Marc nickte.
„Gut, aber wie suchen wir einen Freiwilligen?“ fragte Marc.
„Ich weiß es nicht. Ich kann auch nicht sagen, wie lange er bei diesem Zustand überlebt. Außerdem ist es in seinem Fall fast unmöglich eine Leber von der Liste zu bekommen“, zweifelte Rössel.
„Aber es muss doch etwas geben, wie wir ihn retten können!“, sagte Marc mit fester Stimme.
Gretchen folgte dem Gespräch gespannt und stellte fest, dass Christian Meier es kaum schaffen würde, wenn er nicht bald eine Leber bekäme. Und dann fasste sie einen Entschluss.
„Marc, komm doch mal kurz vor die Tür“, sagte sie, „ Ich möchte etwas mit dir besprechen“
Marc nickte und gab Dr. Rössel zu verstehen, dass er mal kurz mit Gretchen reden wollte.
„ich weiß eine Freiwillige Spenderin“, sagte Gretchen, „Aber ich weiß nicht, ob dir das Recht ist“
„Nun sag schon“, meinte er, „Mein Vater schuldet mir noch etwas und das kann er mir nicht geben, wenn er tot ist“
„Marc, ich werde mich auf die Werte testen lassen“, sagte Gretchen mit fester Stimme.
„Du?“ fragte marc entgeistert.
„Ja, ich“, sagte sie fest entschlossen.
„Gretchen, das kannst du doch nicht einfach machen“, erwiderte er, „Du bist dir doch über die Risiken dieser OP bewusst, oder etwa nicht?“
„Marc, du wolltest diese Risiken selbst eingehen“, meinte Gretchen.
Marc seufzte.
„In Ordnung, lass dich testen“, sagte Marc letztendlich.
Sie gingen zurück in das Krankenzimmer. Genau in diesem Moment kam auch Elke.
„Wie steht es um ihn?“ fragte sie aufgeregt. Sie hielt sich immer noch die Wange.
„Wenn wir Glück haben, gibt es eine Freiwillige“, sagte Marc.
Dr. Rössel wandte seinen Blick zu ihm.
„Was?“, fragte er.
„Ja, Sie haben schon richtig gehört, Dr. Haase möchte sich auf die Werte testen lassen“, sagte Marc.
Nun starrte auch Elke ihrne Sohn an.
„Geht das denn einfach so? Sie ist doch nicht mit uns verwandt“, fragte sie.
„Sie ist einen freiwillige Spenderin“, sagte Rössel und nickte anerkennend.
„Wann geht es los?“ fragte Gretchen, ein wenig aufgeregt war sie ja schon.
„Von mir aus jetzt gleich“, sagte Dr. Rössel, „Es steht wirklich schlecht um Herrn Meier“
Und so ließ auch Gretchen eine Reihe an Tests über sich ergehen und würde morgen mitgeteilt bekommen, ob sie eine passende Spenderin ist.
Nach den Tests kommt sie zu Marc ins Büro:
„Hey Marc“, sagte sie.
„Hey“, sagte er und winkte sie zu sich.
Sie setzte sich auf das Sofa und Marc setzte sich zu ihr.
„Und du willst das wirklich durchziehen?“ fragte Marc und legte seinen Arm um sie.
„Marc, ich mache das für dich. Ich will, dass du dich mit deinem Vater aussprichst“, sagte Gretchen.
„Das ist nicht so einfach“, meinte Marc und fuhr mit der Hand durch sein Gesicht, „Aber er schuldet mir eine Erklärung“
„Deshalb willst du unbedingt, dass er durchkommt?“, fragte sie.
Marc nickte.
„Das hätte ich nie geglaubt“, sagte Gretchen, „Ich habe immer gedacht, dass du mit ihm abgeschlossen hättest“
„Das hatte ich auch, glaub mir“, sagte Marc, „Aber ich hätte auch nie geglaubt, dass er noch ein mal hier herkommen würde“
Gretchen schwieg. Sanft malte sie Kreise auf sein Knie.

Die restliche Nachtschicht verlief ruhig. Es gab keinen großen Unfall und nur wenige kleine Notfälle.
Als Marc und Gretchen nach ihrer Schicht nach Hause gehen wollten, kam Dr. Rössel zu ihnen.
„Dr. Haase“, sagte er, „Die Ergebnisse sind da“

Olivia<3 Offline

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21.02.2012 17:36
#110 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Hey! Hab es dann doch geschafft, heut noch was zu schreiben! Ecuh allen viel Spaß und vergesst die Kommis nicht!Euch noch einen schönen Faschingsdienstag, bevor Aschermittwoch dann alles vorbei ist!
Liebe Grüße,
Olivia


Gretchen warf Marc einen vielsagenden Blick zu und löste sich von seiner Hand.
Dr. Rössel führte sie in sein Büro.
„Frau Dr. Haase, ich muss Ihnen noch ein großes Lob aussprechen, es ist nicht selbstverständlich, dass eine Ärztin so selbstlos ist“, sagte Dr. Rössel mit anerkennenden Blick, „Nun ja, kommen wir zu den Ergebnissen“
Gretchne setzte sich auf ihrem Stuhl kerzengerade hin und blickte ihn gespannt an. Ihr Herz pochte und sie war aufgeregt. Sie hoffte, dass sie eine passende Spenderin war.
„Ich freue mich Ihnen mitteilen zu dürfen, dass Sie eine geeignete Spenderin sind“, sagte Dr. Rössel lächelnd.
Gretchen verschlug es die Sprache. Auf ein mal überkam sie ein Ansturm von Ängsten und Sorgen, die bisher noch nicht ans Licht gekommen waren. Ihr wurde bewusst, welch großer Operation Sie sich stellen müsste, wie lange sie im Krankenhaus sein müsste. Die Tatsache, dass man ihr ein Stück ihrer Leber etfernen würde, hatte sie bis jetzt gut verdrängt.
„Ist alles in Ordnung mit Ihnen?“ fragt Dr. Rössel auf ein mal, „Sie sehen so blass aus“
„Es geht schon“, sagte Gretchen und winkte ab, „Wann wäre die Operation?“
„Frau Haase, wir müssen uns wirklich beeilen, es steht sehr schlecht um ihn“, sagte er, „Es wäre mit lieb, wenn wir gleich heute Nachmittag operieren könnten“
Gretchen nickte, eigentlich hatte sie heute schlafen wollen, zu erschöpft war sie von der vergangenen Nachtschicht, aber wenn sie erst ein mal operiert war, würde sie noch genug schlafen können.
„Das geht in Ordnung“, sagte sie mit trockener Stimme.
„Wenn Sie sich dann gen Mittag einweisen lassen würden. Sie kennen das Procedere?“
„Sicher doch“, sagte Gretchen und stand mit wackeligen Beinen auf.
„Wir sehen uns dann heut Mittag“, sagte er und reichte ihr die Hand, „Auf Wiedersehen“
„Ja, auf Wiedersehen“, sagte auch Gretchen und ging wie benommen zur Tür.

Marc erwartete sie schon. Er sah sofort, dass Gretchen etwas verstört war.
„Gretchen?“ fragte er und nahm sie erst mal in den Arm.
Gretchen konnte ihre Tränen einfach nicht mehr zurückhalten. Noch auf dem Flur weinte sie sich an Marcs Schulter aus. Dieser strich ihr immer wieder besänftigend über den Rücken.
„OP morgen Nachmittag“, schluchzte Gretchen.
Marc schluckte und hielt einen Moment seine Bewegung inne. Sie Nachricht traf ihn wie ein Blitz. Seine Freundin würde seinem verhassten Vater einen Teil ihrer Leber spenden. Sie hatte die passenden Werte? Einerseits fiel Marc ein Stein vom Herzen aber es bedrückte ihn auch. Es wäre seine Aufgabe gewesen, aber das Universum meinte es wieder ein mal nicht gut mit ihm.
„Gretchen, es tut mir Leid“, sagte Marc, auch wenn er eigentlich nichts dafür konnte. Es gab keinen Sinn sich zu entschuldigen, aber er konnte in dieser Situation einfach nicht Nichts sagen.
„Marc, es war meine eigene Entscheidung“, sagte Gretchen, „Damit muss ich jetzt leben“
„Gretchen, du musst gar nichts. Das hier ist kein Spiel mehr. Du riskierst dein eigenes Leben!“, sagte Marc.
„Es geht hier auch nicht um irgendwen. Marc, das ist dein Vater, der eine neue Leber braucht“, erwiderte Gretchen.
„Du sollst dir nur über die Risiken dieser OP im Klaren sein“, sagte Marc.
„Glaub mir, das bin ich“, seufzte sie, „Was ich je angefangen habe, das bringe ich auch zu Ende“
„Aber du musst es nicht“, sagte Marc, „Wir können ihn immer noch auf eine Liste setzen“
„Werden wir aber nicht. Dieser Mann braucht eine Leber, dann kriegt er auch eine“, sagte sie schließlich entschlossen.
Marc nickte, er musste ihre Entscheidung akzeptieren.
„Lass uns jetzt nach Hause gehen“, sagte Marc, „Du wirst das Krankenhaus in nächster Zeit wohl noch oft genug zu sehen kriegen“
Gretchen wischte sich die letzten tränen bei Seite und nahm seine Hand.
„Da hast du Recht“, sagte sie und rang sich ein Lächeln ab.
Und so gingen sie nach Hause.

Dr. Rössel hingegen hatte die ehrenvolle Aufgabe, den Angehörigen Christian Meiers die frohe Botschaft zu überbringen. Die Angehörigen waren in diesem Fall nur Elke Fisher. Er wählte ihr Nummer:
„Fisher?“ meldete sich eine verschlafene Stimme.
„Guten Morgen Frau Fisher, es gibt gute Nachrichten“, sagte Dr. Rössel.
„Was?“ fragte Elke, als hätte sie nicht richtig verstanden.
„Wir haben eine passende Spenderin für Herrn Meier“, sagte er.
„Großer Gott! Die Freundin meines Sohnes?“ fragte Elke.
„Wenn sie Frau Haase meinen, dann ja“, sagte er.
„Haben sie ihr ein besondern Dank ausgesprochen?“ fragte Elke.
„Ja, das habe ich“, er lächelte.
„Wann werden sie denn operiert?“ fragte Elke.
„Gleich heute Nachmittag, Sie kennen bereits den Zustand, nicht wahr?“
„Ja, ich weiß“, sagte Elke betrübt.
„Wir werden gegen 15 Uhr operieren. Wenn Sie die tapfere Spenderin und Herrn Meier noch sehen wollen, dann müssen Sie gegen 14 Uhr da sein“, sagte Dr. Rössel.
„Sicher, ich werde da sein“, sagte Elke.
„Gut“, sagte er, „Auf Wiedersehen“
„Auf Wiedersehen“, Elke legte auf.
Die Nachricht musste Sie erst mal sacken lassen. Sie griff zu ihrem Aufnahmegerät.
„Dr. Rogelt war gerettet, man hatte eine passende Leber für ihn gefunden. Es war zwar ausgerechnet die Freundin seines lange verschollenen Sohnes, aber er würde wieder leben können“, sprach sie und der Computer speicherte.

Den Vormittag verbrachte Gretchen größtenteils mit Schlafen und packen. Es war ein Krankenhaus-Aufenthalt von mindestens einer Woche geplant.
„Marc, hast du meinen anderen Schlafanzug gestern gewaschen?“ fragte Gretchen.
„Nee, sollt eich das?“ fragte er und kam zu ihr ins Schlafzimmer.
„Och Marc, was soll ich denn jetzt mitnehmen?“
„Du hast doch schon einen Schlafanzug“, sagte Marc, während er im Schrank kramte.
„Ich brauch aber doch zwei!“, erwiderte sie.
„Wie wäre es damit?“ fragte er und hielt ihr sein M-Shirt und ihre Jogginghose hin, „Das kann man doch zum Schlafanzug umfunktionieren“
Marc wusste genau, wie sehr Gretchen diese Shirt liebte.
„Marc, du bist ein Schatz!“, sie drückte ihm einen Schmatzer auf den Mund.
Sie verstaute alles in der Tasche und machte diese zu. Sie guckte auf die Uhr.
„Marc, wir müssen gleich schon gehen“, sagte sie, die Aufregung hatte sie gepackt.

Marc hatte es dann schließlich doch geschafft, Gretchen ein Wenig zu beruhigen und sie ohne weitere Zwischenfälle, ins Krankenhaus zu bringen.
Als Gretchen die Tür betrat, traf sie zum ersten mal das bedrückende Gefühl, dass sie noch aus ihrer Kindheit kannte, wenn sie Krankenhäuser besucht hatte. Denn es war so ziemlich das erste Mal, dass sie ein Krankenhaus als Patient betrat. Um das Gefühl zu verdrängen, nahm sie Marcs Hand.
Sie würde die Operation einfach auf sie zukommen lassen, Marc würde ihr beistehen.

Olivia<3 Offline

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23.02.2012 16:33
#111 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Als Gretchen auf ihrem Zimmer war, packte sie allerdings wieder die Unruhe. Am liebsten hätte sie jetzt Schokolade gegessen, aber sie musste vor der Operation nüchtern bleiben. Marc saß neben ihr auf dem Bett und beruhigte sie. Bis Gretchen einfiel, dass sie eigentlich verabredet war.
„Du Marc, könntest du eine Verabredung für mich absagen, ich komm doch hier nicht weg“, fragte sie.
„Mit wem warst du denn verabredet?“ fragte er lächelnd.
„Ach, mit Dr. Schneider, er-“
Marc hatte sie schon unterbrochen:
„Wie bitte? Du warst mit Dr. Schneider verabredet?“, Marc stand auf und stemmte die Arme in die Seiten.
„Jetzt stell dich mal nicht so an“, sagte Gretchen, „Er wollte mit mir wegen einer Versetzung in die Unfallchirurgie reden. Er meinte ich hätte Talent“
„Talent? In der Unfallchirurgie?“ Marc zog zynisch die Augenbrauen hoch, „Aber sonst geht’s noch, der Kerl wollte dich nur aufreißen“
„Genau Marc, ich hätte mich auch ganz sicher von ihm aufreißen lassen!“, beschwerte sich Gretchen, was war Marc nur wieder so eifersüchtig?
„Was weiß ich! Ich habs halt nicht so gerne“, sagte Marc.
„Ach nee, der Herr Meier ist eifersüchtig?“, Gretchen lächelte, das fand sie einfach so unsagbar süß.
„Nein“, sagte Marc entschlossen, „ich bin nicht eifersüchtig. Kann es nur nicht haben, wenn ich mein Mädchen in schlechten Händen weiß“
„Marci-Schatzi, ich hätte nur mit ihm einen Kaffee getrunken und über die Unfallchirurgie geredet“, sagte Gretchen, „da wäre überhaupt nichts dabei gewesen“
„Was willst du denn in der Unfallchirurgie?“ fragte Marc.
„Was wäre, wenn ich dorthin wechseln wollen würde?“
Das Lächeln auf Marcs Gesicht verschwand augenblicklich. Wenn er nur eine OP ohne Gretchen durchführen musste, konnte er es schon nicht haben. Aber sein Mädchen so gar nicht mehr um sihc zu haben, nein, das war unvorstellbar.
„Passt dir das nicht?“ fragte Gretchen, als sie Marcs Blicke sah.
„Nee, eigentlich nicht“, sagte Marc, „Du willst mir doch nihct ernsthaft den Knechtelsdorfer und die Menz dalassen und dich selbst verdrücken? Was willst du denn schon bei Dr. Schneider lernen, der beste Chirurg im Hause, bin immer noch ich“
„Da ist aber einer von sich überzeugt“, sagte Gretchen.
„Fakt ist, dass du weder mit ihm einen Kaffee trinken gehst, noch in die Unfallchirurgie wechselst“, setzte Marc schließlich einen Punkt.
„Geht ja auch nicht, da ich ja operiert werde. Deswegen will ich ja, dass du ihm sagst, dass das heut nicht geht“, erklärte Gretchen, sie wusste genau, dass sie Marc in den Wahnsinn trieb.
„Hasenzahn, du wirst mit gar niemanden einen Kaffee trinken gehen, außer mit mir, aber ich weiß durchaus eine bessere Beschäftigung in angeblichen Kaffeepausen“, er lächelte sie lasziv an.
Gretchen beschloss Marc ein wenig zu provozieren.
„Oh, ja“, sagte sie deshalb, ihr Mund näherte sich gefährlich dem Seinen.
Aber kurz bevor sich ihre Lippen berührten versetzte sie ihm einen Klaps auf den Hintern und sagte:
„So und jetzt sag Dr. Schneider Bescheid“
Marc starrte sie perplex an.
„Bitte?“ fragte er im typisch Meierschen Tonfall.
„Du sollst zu Dr. Schneider gehen und ihm sagen, dass ich heute nicht kann“, wiederholte Gretchen.
Marc grummelte.
„Dem werd ich dann auch mal ordentlich die Meinung sagen“, murmelte er bevor er sich auf den Weg machte.
„Nein, das wirst du nicht“, sagte Gretchen etwas säuerlich.
Marc seufzte und ging letztendlich aus der Tür.

Als er bei Dr. Schneider gewesen war, konnte er sich dann wohl doch nicht so ganz im Zaum halten.
„Und dass Sie mir ja nicht auf die Idee kommen, meiner Freundin einzureden, sie gehörte auf die Unfallchirurgie. Und fragen sie Sie NIE mehr um ein Date“, meckerte Marc.
Der schmächtige Dr. Schneider wirkte neben Marc fast schon mickrig und auch des Meiers Autorität stellte ihn nicht grad ein ein starkes Licht.

Als Marc zurück zu Gretchen kam, war Elke gekommen.
„Frau Haase, ich möchte ihnen noch ein mal ein Dankeschön aussprechen, dass Sie sich freiwillig dazu bereit erklärt haben“, sagte Elke.
„Gretchen“, sagte diese, „Sie können mich Gretchen nennen“
Elke lächelte.
„Gut, ich bin die Elke“, sagte sie.
„Oh, Mutter, ihr scheint euch ja prächtig zu verstehen“, sagte Marc, als er den Raum betrat und sich wie selbstverständlich zu Gretchen auf das Bett setzte und den Arm um sie legte.
„Olivier, du bist ja auch hier“, sagte Elke.
„Nenn mich nicht so“, war sein einziger Kommentar.

Keine fünf Minuten später kam Dr. Menz, um Gretchen für die Operation vorzubereiten. So ganz recht war es Marc nicht, dass sie Gretchen operieren würde, aber Knechtelsdorfer war auf der Neuro und eine andere Assistenz gab es zur Zeit nicht. Also musste er mit Dr. Menz vorlieb nehmen.
Auch Sophie Menz war es nicht recht, die Freundin ihrer großen Liebe zu operieren. Als sie den Raum betrat und Marc sah, wurden ihre Knie weich und ihr Herz zog sich zusammen.
„Menz, so wird das nichts“, mahnte Marc sie, als sie es immer noch nicht geschafft hatte, Gretchen eine Infusion zu verpassen, „Muss man denn immer alles allein machen?“
Er griff selbst zur Nadel und zack, saß die Kanüle an Ort und Stelle. Dr. Menz lief leuchtend rot an.
Des weiteren konnte sie es kaum mit ansehen, wie ihr Macho-Oberarzt ständig mit seiner anderen Assistenz flirtete und sich sogar Sorgen um sie machte. Innerlich kochte sie vor Wut. Eigentlich hätte sie an Gretchens Stelle besorgt werden müssen. Marc Meier hätte ihre Hand halten müssen. Wie würde es sich wohl anfühlen, wenn sie von ihrem Oberarzt geliebt werden würde.
Sie versank komplett in ihren Gedanken. Ihr Blick wanderte an Marc auf und ab. Ihre Gehirnzellen checkten jede einzelne Faser seines perfekten Körpers ab, während sie mit halben Gedanken ihren Job machte. Sie war froh, als die OP-Vorbereitung endlich vorbei war. Schnell machte sie sich aus dem Staub und ging zu Dr. Rössel. Wie gemein Marc gegenüber ihr doch war!
Auch Elke war die Auffällige Abwesenheit, Marcs Kollegin aufgefallen.
„Olivier, diese Frau hat dich angestarrt, als wärst du eine göttliche Erscheinung“, sagte Elke.
„Hat sie das?“ fragte Marc, er hatte eh nur Augen für Gretchen gehabt.
„Sie war doch gar nicht bei der Sache“, stellte sie fest.
„Die ist einfach nur inkompetent“, sagte Marc und wandte seinen Blick wieder Gretchen zu.
„Olivier! Diese Frau hat sich in dich verschossen“
„Und wenn schon“, winkte Marc ab.

Dann betrat Dr. Rössel den Raum.
„Kann es los gehen?“ fragte er.
Gretchen nickte, ihr Gesicht hatte ein ängstlich weiße Farbe angenommen und sie hielt Marcs Hand so fest, dass ihre Knöchel weiß wurden.
„Gretchen, du schaffst das“, sage Marc.
Sie rollten Gretchen aus dem Zimmer, aber sie ließ Marcs Hand nicht los. Ihm blieb also nichts weiter übrig, als dass er mitgehen musste.
Er ließ ihre Hand nicht los, bis die Schwestern ihm den Weg zu den OPs versperrten.
„Falls irgendetwas in der OP passieren sollte“, sagte Gretchen, „Vergiss nie, ich liebe dich“
Marc nickte.
„Ich dich auch Gretchen“, er küsste sie auf die Stirn, „Ich dich auch. Komme, was wolle“
Dann schloss sich die Tür hinter ihr und es überkam ihn ein Gefühl der Beklemmung, dass etwas nicht so lief, wie es laufen sollte...

Olivia<3 Offline

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24.02.2012 16:02
#112 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Hey!
Was ich vorherh noch sagen wollte ist, dass ich so gut wie gar keine Ahnung von Medizin und so habe, also wundert euch nihct, wenn das was jetzt kommt unlogisch ist, das ist nämlich mehr oder weniger zusammengebastelt! Hoffe ihr habt trotzdem Freude beim Lesen (oder auch nicht)

Wo die Kommis hinmüssen wisst ihr ja, oder?
Liebe grüße,
Olivia


Marc setzte sich ins Wartezimmer. Ja, man hat richtig verstanden, er, Marc Meier, setzte sich ins Wartezimmer. Er war immer der gewesen, der schlechte oder gute Nachrichten überbrachte. Immer der, der das Leid und die Freude der Familien verwünscht hatte, der ihre Ungewissheit nervtötend fand. Und jetzt saß er dort, im Ungewissen, in Hoffnung auf gute Nachrichten und ängstlich, dass etwas passieren würde. Nun saß er im Wartezimmer, zwischen all den andern Leuten, die auf andere Patienten warteten. Er fühlte sich unwohl, irgendwie fehl am Platz, er war es nicht gewohnt, nicht zu wissen, was im OP passierte und das machte ihn wahnsinnig. Sein Mädchen in den Händen von Dr. Menz zu sehen, aufgeschnitten auf einem OP-Tisch, bereitete ihm Sorgen. Und es war das erste mal, dass er eine OP im Ansatz unangenehm fand. Er wollte nicht, dass man Gretchen aufschnitt.
Marc blickte sich im Raum um, überwiegend Familien saßen dort, mit lärmenden Kindern. Marc war es zu laut. Aber auf ein mal sprach ihn eine fremde Stimme an:
„Und auf wen warten Sie?“ fragte eine ältere Frau, die sich neben Marc gesetzt hatte.
„Ich?“, sagte Marc, er wusste nicht recht, was er sagen sollte, das Gespräch war ihm schon jetzt peinlich, also „Auf meine Freundin“
„Das freut mich zu hören, was hat sie denn?“ farget die ältere Frau mit einem Lächeln im Gesicht.
Marc würde am liebsten aufstehen und der Frau sagen, dass seine Freundin so geisteskrank war und seinem hirnamputierten Vater eine Leber spendete und grade dabei war sich aufschlitzen zu lassen. Aber er behielt seinen kleinen Gefühlsausbruch für sich und antwortete nur:
„Sie spendet eine Leber“
„Ach wirklich?“fragte sie interessiert, „Freiwillig?“
„Ja“, sagte Marc kurz angebunden.
„Das finde ich sehr mutig!“, sagte dir Frau.
Marc nickte und sah wieder in die Runde. Dr. Schneider sprach grade mit einer Familie. Es sah aus, als würde er eine sehr schlechte Nachricht überbringen müssen. Als Dr. Schneider zu Ende gesprochen hatte, brach die Frau in Tränen aus. Es war wohl jemand gestorben. Dr. Schneider redete auf sie ein und versuchte sie zu beruhigen.
Marc schluckte, er konnte es nicht haben, wenn die Familien dann in Tränen ausbrachen oder selbst den Behandlung brauchen.
Er wandte seinen Blick wieder der Frau zu.
„Ich bin ja hier, wegen meiner Tochter. Ihr Mann wird operiert“, sagte die Frau inzwischen.
„Was hat er denn?“
„Ich weiß es nicht“, die Alte zuckte mit den Schultern, „Sie wollte ja doch nix sagen. War mit ihm doch lange verstritten. Ganz lange Geschichte...“
Marc folgte nur mit halbem Ohr, denn Dr. Rössel sah sich grade im Wartezimmer um. Marc stand auf:
„Ich muss dann mal kurz“, entschuldigte er sich und ging auf ihn zu.
„Herr Doktor Meier, ihre Freundin hat innere Blutungen und wir kriegen sie nicht gestoppt“, sagte er mit besorgter Miene.
„Was heißt das?!“ fragte Marc und sah ihn erschrocken an.
„Nimmt sie irgendwelche Medikamente? Blutverdünner?“ fragte Dr. Rössel.
„Nein, verdammt“
Medikamente...
Marc erinnerte sich an Dr. Menz, wie sie einen Infusionsbeutel an das Stativ hängt. Sie prüft noch ein mal die Aufschrift und misst dann den Blutdruck. Der Infusionsbeutel. Eigentlich sollte er nur harmlose Kochsalzlösung enthalten, was aber wenn...
Marc riss erschrocken die Augen auf und stürmte an Dr. Rössel vorbei in Gretchens Krankenzimmer. Die Infusionsbeutel, die von vor der OP hingen noch dort. Er blickte auf das Etikett und zuckte zusammen, es darf nicht wahr sein. In seinem Gedächtnis spielte er sämtliche Daten Gretchens Blutwerte und Faktoren durch und schluckte heftig.
Als Marc aus dem Zimmer kam, lief er fast Dr. Rössel über den Haufen.
„Dr, Meier?“ fragte er.
„Was hat sie gemacht?!“ war das einzige was er sagen konnte.
„Wer?“
„Menz“
„Wieso?“
„Mein Gott, sie hat nen falschen Infusionsbeutel genommen“
„Wie bitte?“
„Sie haben schon richtig gehört und jetzt mitkommen“, Marc hatte wieder die Führung übernommen.

Dr. Rössel folgte Marc. Dieser erteilte ihm eine Reihe an Medikamenten, die er anschaffen sollte, wenn es Rössel um seinen Job lieb wäre.
Dann ging er schnurstracks in den OP und nahm sich Menz vor.
„Menz“, stürmte er in den OP, „Mitkommen, aber PRONTO!“
Die junge Ärztin drückte der Schwester neben sich den Sauger in die Hand und folgte Marc vor die Tür.
„Was soll das?!“ fragte er.
„Was soll was?“
„Stellen Sie sich nicht blöder, als Sie eh schon sind!“, sagte Marc, „Sie wissen genau was ich meine. Infusionsbeutel“
„Wie bitte?“ fragte sie.
„Stehen Sie auf mich?“ fragte Marc plötzlich.
Sophie Menz konnte nun die Tränen nicht mehr zurückhalten.
„Ich..Ja...Nein...Was weiß ich“; sagte sie unter Tränen.
„Was sollte das mit dem Beutel?“
„Ich wollte doch nur...“
„Sie wollten bitte was?“ Marc war außer sich, was viel dieser unverschämten Person ein.
„Als sie damals bei mir waren und mit mir geschlafen haben...“ setzte sie an.
„Sie können sich ihre Erklärungen sparen, Sie sind entlassen“, sagte Marc, „Fristlos“
Er drehte sich um und ging in den OP.

Sophie Menz blieb draußen stehen und die Tränen liefen ihr nur über die Wangen. So hatte sie das doch alles gar nicht gewollt. Sie wollte nur Marc für sich haben und seine Freundin hatte ihn gestört. Sie wollte sie aber doch nicht umbringen. Eigentlich hatte sie Marc erschrecken wollen, um zu zeigen, dass sie keinesfalls schwach war. Warum, das wusste sie auch nicht genau. Es war ein kurzfristiger Plan. Sie hatte das falsche Medikament gesehen und dann war es einfach so über sie gekommen.
Sie merkte nicht wie Dr. Rössel mit vorwurfsvollem Blick an ihr vorbei lief.

Die Szene, die sich im OP bot, war schrecklich. Marc hatte es mittlerweile geschafft ihre Blutungen zu stoppen, aber ihr Herz schlug zu langsam.
Dr. Rössel verabreichte sofort Medikamente. Aber es wurde nicht besser. Mit geschickten Fingern klebte er, aber von irgendwoher kam immer noch Blut. Seine Augenbrauen waren vor Konzentration zusammengezogen und seine Stirn schlug falten.
„Rössel, absaugen“, befahl Marc.
Er tat wie ihm geheißen.
„Blutdruck kaum mehr vorhanden“, sagte eine der Schwestern.
Marc schluckte, aber er gab nicht auf. Sie konnte jetzt nicht sterben.
Er operierte weiter, aber die Blutung war immer noch nicht gestoppt.
„Blutdruck nicht mehr messbar“
Hoffe ihr seid alle noch am Leben und könnt noch weiter Kommis hinterlassen!

Olivia<3 Offline

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25.02.2012 11:29
#113 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Hey!
Schön, dass doch ein paar Kommis gekommen sind! Ich hoffe ich hab eure Nerven nicht zu sehr strapaziert! Und noch mal: Ich hab keine Ahnung von Medizin, also kann ich auch nicht sagen, ob das, was ich da geschrieben habe, in echt so passieren kann. Aber das nennt sich ja künstlerische Freheit
Wünsch euch viel Spaß!
Eure Olivia


Marc sah alles wie in Zeitlupe: Schwester Sabine, wie sie in Ohnmacht fiel, das viele Blut, Dr. Rössel, der es vergeblich mit Blutkonserven versuchte. Aber all das war nur Nebensache, seine volle Konzentration war der Operation gewidmet. Seine Finger verfolgten jeden noch so kleinen Blutstrom und suchten immer noch nach der Ursache.
„Absaugen!“, schrie er wieder, „Ich seh nichts!“
Aber es war kein Schreien, dass von Autorität zeugte, sondern ein verzweifeltes Rufen.
Seine Gedanken während seine Finger ihre Arbeit taten waren immer die selben:
Du darfst nicht sterben, nicht jetzt und nicht auf meinem OP-Tisch! Halt durch! Ich habs gleich.
Und dann er die Ursache. Er versuchte die Blutung zu stillen.
„Mein Gott, wann setzt das verdammte Medikament endlich ein! Das Blut ist ja immer noch wie Wasser“
Dr. Rössel sah Marc verzweifelt an.
„Immer noch keinen Blutdruck, Herzschlag bradykard“
Marc packte die Verzweiflung und Hilflosigkeit.
„Halt durch“, sagte er und klemmte die blutende Arterie ab.
Er hielt einen Moment inne und horchte, es war totenstill in dem Raum, keiner wagte etwas zu sagen. Nur die Maschine piepste vor sich hin. Marc betrachtete eingängig den Monitor und flehte, dass er wieder einen Blutdruck anzeigen würde.
Und dann war da das vertraute Geräusch und die Blutdruckzahlen stiegen, langsam, aber sicher.
Marc seufzte erleichtert, er wusste aber, dass Gretchen noch lange nicht gerettet war.

Elke Fisher war mittlerweile ebenfalls ins Wartezimmer gegangen, sie hatte sich eigentlich mit ihrem Sohn verabredet, aber als sie ankam, war er nirgendwo zu sehen.
Sie sah sich weiter nach ihm um und setzte sich schließlich auf einen der freien Stühle.
Wo war ihr Sohn denn hin?
Auf ein mal sprach sie eine ältere Frau neben ihr an:
„Und warum sind Sie hier?“ fragte diese.
Elke wandte sich ihr zu und ihr Herz machte einen Satz.
Genauso ging es der Frau gegenüber:
„Mutter?“ fragte Elke ehrfürchtig, „Du bist also doch gekommen?“
„Du bist meine Tochter und er ist dein Mann“, sagte die Frau.
In Elke herrschte ein Chaos an Gefühlen, wie lange hatte sie ihre Mutter nicht gesehen? Und wie oft hatte sie sie angerufen, nach dem großen Streit, um sich wieder zu vertragen? Und dann kam sie genau jetzt?
„Wie geht es Olivier?“ fragte die Frau weiter.
„Es geht im gut, aber das hat dich die letzten 30 Jahre ja auch nicht interessiert“, sagte Elke abschätzig.
Ihre Mutter schaute weg, ihr war klar geworden, dass sie sich völlig falsch verhalten hatte.
„Und wie läuft Christians OP?“, fragte sie weiter.
„Ich weiß es nicht“, sagte Elke, „Mir sagt ja niemand Bescheid“

Währenddessen hatte sich die Lage im OP ein weiteres mal zugespitzt:
„Ihr Herz macht das nicht mehr mit“, sagte Dr. Rössel, als er merkte, wie der Herzschlag immer schwächer wurde.
Aber Marc ignorierte die Aussage und vernähte tapfer weiter, inzwischen hatte das Medikament abgeschlagen und das Blut war nicht mehr ganz so dünn. Nun drohte das Herz zu versagen und das passte Marc mal so überhaupt nicht in den Kram. Während er noch dabei war die Blutung zu stillen, klebten Dr. Rössels Augen an dem Monitor und konnten nur noch ein immer schwächer schlagendes Herz hören.
„Ich habs“, sagte Marc und zog seine Hände aus dem Operationsbereich.
Nun wandte auch er seinen Blick dem Monitor zu.
„Adrenalin aufziehen“, befahl er.
Aber die Wirkung war nicht die erwartete:
„Kammerflimmer“, sagt Dr. Rössel und wandet sich um zu dem Defibrillator.
Marc starrte immer noch den Monitor an.
„Aufladen auf 150“, schrie Dr. Rössel.
„Alle weg“, Marc trat ein Stück vom Tisch zurück.
Er konnte immer noch keinen regelmäßigen Herzschlag erkennen.
„Aufladen auf 200“, rief Dr. Rössel erneut, „Alle weg“
Ein Herzschlag, schwach aber konstant. Marc war erleichtert.
Er griff wieder zum Besteck und operierte weiter, so schnell er konnte.
„Meier, schaffen Sie das?“ fragte Rössel.
Unter voller Konzentration nickte Marc, so schnell hatte er noch nie vernäht. Er war grade dabei die endgültige Naht zu machen, als ein weiterer Schock ihn aus der Fassung brachte:
Herzstillstand.
„Beginne Reanimation“, sagte Marc, „Halt durch“

Auf ein mal erblickte Elke am anderen Ende des Raumes Schwester Sabine, ihren größten Fan, sie sah mitgenommen aus. Sie ging auf Elke zu.
„Frau Fisher, wir haben schlechte Nachrichten für Sie“, sagte sie.
Aus Elkes Gesicht wich die Farbe.
„Wie geht es meinem Mann?“, fragte sie.
„Ihm geht es den Umständen entsprechend“, sagte Sabine.
„Warum dann die schlechten Nachrichten?“, fragte Elke verwundert.
„Der Frau Doktor geht es sehr schlecht. Jemand hat ihr ausversehen Blutverdünner verabreicht und wir konnten ihre Blutung kaum stoppen“, sagte Sabine erschöpft, „Als wir dieses Problem beseitigt hatten, hat ihr Herz versagt. Kammerflimmern. Es steht sehr schlecht um sie“
„Großer Gott“, sagte Elke und fasste sich an die Stirn, „das kann doch nicht sein! Wer hat ihr denn das Zeugs gegeben?“
„Darüber darf ich ihnen leider keine Auskunft geben“, sagte Sabien und zuckte mit den Achseln.
„Und was passiert jetzt mit Christian?“
„Wir können der Spenderin keinen Teil der Leber entnehmen, in ihrem Zustand! Wir werden ihn auf eine Liste setzen müssen“, sagte Sabine.
„Darf ich mit einem Arzt sprechen?“
„Zur Zeit ist kein Arzt verfügbar, der dem Fall vertraut ist. Im OP haben alle die Hände voll zu tun“, erklärte die Krankenschwester, „Ich werde sie aber informieren, sobald es etwas Neues gibt“
Elke nickte. Die Nachricht schockte sie doch sehr. Da htte jemand, den sie früher nicht ausstehen konnte, freiwillig sein Leben für ihren Ex-Ehemann geopfert und drohte nun dabei draufzugehen, wegen eines falschen Medikaments? Das konnte sie nicht verstehen und das wollte sie auch nicht.
Sabine ging zurück in den OP.

Marc war immer noch dabei zu versuchen per Herz-Druck-Massage, seine Freundin zurück ins Leben zurufen. Bei jedem Druck, den er tat, holte ihn die Angst immer mehr ein. Bei jedem Druck, wuchs die Verzweiflung und die Hoffnung auf Leben sank.
Der Monitor zeigte immer noch keine Regung.
„komm zurück“, sagte er in seiner Verzweiflung, biss die Zähne zusammen und begann von Neuem. Immer und immer wieder.
„Dr. Meier“, sagte Rössel.
Aber Marc hörte ihn nicht.
„3 Minuten Null-Linie“, sagte Dr. Rössel schließlich, „Wir hören auf“

Olivia<3 Offline

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26.02.2012 15:42
#114 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Hey. Ich such mir schon mal ein Erdloch, okay? *unauffällig rausschleich*
Aber vielleicht surchschaut ihr mich ja auch...
Ach, an dieser Stelle muss ich mich noch ein mal bei meiner Leserein Bichi91 bedanken, die mir bei diesem Teil beigestanden hat und ihn mitgeplant hat! Also dankeschön
Liebe Grüße auch an alle anderen!
Olivia


http://www.youtube.com/watch?v=XaKr98ktoxU

Marc wurde schwarz vor Augen. Aber nur für einen Moment, dann war seine volle Konzentration wieder da. Der Gedanke daran, dass er aufhören müsste, brachten ihn zurück und gaben ihm neue Energie.
Automatisch fuhr er mit der Herz-Massage fort.
Ohne Erfolg.
„Dr. Meier“, Dr. Rössels Stimme wurde lauter, „Es ist zu spät“
„Nein“, sagte Marc, „Nichts ist zu spät“
Er fuhr fort. Das monotone Piepen der Maschine durchschnitt die angespannte Stille.
Alle OP-Schwestern und anwesenden Ärzte hatten Augen und Mund vor Schreck aufgerissen. Sabine war in Ohnmacht gefallen.
„Es reicht“, sagte Dr. Rössel.
Aber mit Marc war nicht zu reden, als Dr. Rössel ihn von Gretchen wegziehen wollte, stieß er ihn einfach bei Seite.
Er versuchte es immer noch mit Reanimation. Vergeblich, das EKG zeigte keine eigene Regung des Herzens.
Er hatte es noch eine Weile versucht, bevor Dr. Rössel in gemeinsamer Arbeit mit Dr. Schneider ihn von Gretchen getrennt hatte. Verzweifelt hatte er sich dagegen gewehrt. Hatte um sich geschlagen und getreten, aber vergeblich, die beiden waren stärker gewesen. Man hatte ihn in einen Nebenraum deponiert. Er hatte geschrien und an die Tür geklopft, aber niemand hatte ihn erhört. Er war verzweifelt an der Wand hinuntergerutscht. Er konnte es immer noch nicht fassen. Sie war tot. Gestorben, hatte diese Welt verlassen und jetzt saß er hier in der Scheiße, musste ohne sie durchs Leben gehen. Als er sich halbwegs beruhigt hatte, traf ihn die Traurigkeit. Er merkte, dass die Tür, die ihn von der Außenwelt trennte, gar nicht verschlossen war und kam heraus. Langsam ging er über den OP-Flur. Der Flur, der sein zweites Zu Hause gewesen war.
Automatisch ging er auf den Leichenraum zu. Die Kälte schlug ihm entgegen. Er fröstelte, aber das war ihm egal. In der Mitte lag sie, mit noch halb offener Operationswunde, die Augen friedlich geschlossen. Er wusste, dass er ihre blauen Augen nie mehr sehen würde und es packte ihn die Verzweiflung. Er rollte einen Hocker neben die Trage und setzte sich. Er betrachtete sie genau. Nahm ihre Hand. Sie war steif und kalt wie Eis. In der Hoffnung, dass sie doch noch überlebt hatte, fühlte er nach ihren Puls. Aber dort schlug kein Herz einen Takt, den er beeinflussen konnte. Er strich eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht. Nie wieder würde er ihre Haare auf seiner Haut fühlen können.
Und dann passierte das, was er seit Jahren versucht zu unterdrücken. Es war eine einzige Träne, die über sein Gesicht lief und schließlich auf ihre Hand tropfte. Und noch eine...
Marc saß einfach da und ließ die Tränen laufen, er sagte nichts und seine Gedanken waren kaum in Worte zu fassen.
Einzelne Bilder schossen ihm durch den Kopf, aber er versuchte die Gedanken und Bilder von Gretchen zu verbannen.
Als er ihre Kälte nicht mehr ertragen konnte, verließ er den Leichenraum. Er gab ihr noch einen Kuss auf die Stirn und überdeckte sie mit einem Leichentuch.
„Ich liebe dich“, sagte er heiser.
Dann lief er wieder durch die Krankenhausflure. Er wurde angeguckt und angesprochen, aber er hörte nichts. Das Krankenhaus wirkte auf ein mal nicht mehr als Arbeitsplatz, als sein zweites Zu Hause, sondern als dunkler, angsteinflößender Ort.
Er sah seine Mutter, wie sie in Ohnmacht fiel, als sie die Nachricht überbracht bekam. Aber sie sah ihn nicht.
Er sah Dr. Schneider mit dem Professor reden. Er fasste sich ans Herz und schrie „Kälbchen“. Marc wandte seinen Blick ab.
Sah Dr. Menz, die die Augen weit aufgerissen hatte. Wie gerne hätte er ihr seine Meinung gesagt, hätte sie geschlagen oder sonst etwas. Aber Wut hatte momentan keinen Platz in seinem Herzen.
Marc lief immer weiter geradeaus. Treppe hoch, immer weiter nach oben. Er fand sich auf der Dachterasse wieder.
Die Kälte von draußen und der eisige Wind weckte ihn wieder aus seiner Trance.
Er ging bis zum Geländer und sah in die Tiefe. Ihm wurde ein wenig schwindelig.
Was hatte sein Leben jetzt noch für einen Sinn? Was wenn er einfach springen würde? Dann hätte er keine Sorgen mehr.
Er kletterte auf die erste Stufe des Geländers und ließ sich den eisigen Wind um die Nase wehen. Er schmeckte süß. Er sah in den Himmel.
Er beugte sich ein Stück nach vorne und sah auf den Parkplatz. Es herrschte kaum Betrieb.
Würde es wohl wehtun von dort oben zu springen? Würde er etwas von dem Aufprall merken?
Auf ein mal wurden seine Gedanken von einer vertrauten Stimme unterbrochen:
„Marc, so wirst du auch nicht glücklich“, sagte das Nichts in Gretchens Stimme.
„Ich will doch nur bei dir sein“, sagte Marc zurück.
„Deshalb musst du nicht sterben“
„Aber du bist tot“, murmelte er und sah wieder nach unten.
„Ich werde bei dir sein“
„Aber wie? Du bist tot“
„In deinem Herzen“, sagte Gretchens Stimme.
Marc kletterte zurück auf den Boden. Er würde leben müssen, auch ohne sie. Aber, wo war der starke Marc Meier hin? Der Marc Meier, der mit jeder Situation klar kam? Der immer einen Rat wusste?

Er malte sich jeden einzelnen Tag aus, den er ohne sie verbringen müsste, und es war schrecklich. Er dachte an alles, was er ohne sie machen müsste: Operieren, Wohnen, Leben... Er beschloss seinen Job aufzugeben. Er brauchte Abstand zu Berlin, Abstand zu allem, was ihn an Gretchen erinnerte.
Er sank am Geländer zusammen und schloss die Augen.
Jeder Tag ohne sie, wäre ein Tag zu viel für ihn...

Sorry noch mal...

Olivia<3 Offline

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27.02.2012 16:03
#115 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Aber er musste nach vorn sehen. Langsam rappelte er sich auf, ging zurück ins Krankenhaus. Auf dem Weg durch die Flure überkamen ihn Gedanken, an die er vorher gar nicht zu denken geglaubt hätte. Vor seinem inneren Auge sah er Gretchen, wie sie ein wunderbares Hochzeitskleid trug. Er schüttelte den Kopf, auf ein Mal sah er ein Kinderbett und hörte das Schreien eines Babys. Marc wunderte sich und blieb stehen. Dann sah er Gretchen, die auf das Baby aus dem Bett holte. Die großen Augen sahen Marc liebevoll an. Es waren die gleichen Augen, die Gretchen auch hatte, so strahlend blau. Er erschrak, war das ihr Kind?!
„Marc, nimm deine Tochter doch auch mal“, sagte Gretchen auf ein mal.
Marcs zuckte zusammen, war das seine Tochter?! War Gretchen denn nicht tot? Was war mit ihm los?
Die Berührung des Babys fühlten sich so echt an, dass Marc für einen Augenblick vergaß, dass dies nicht die Wirklichkeit sein konnte. Aber was war es dann? Ohne, dass er sich dagegen wehren konnte, überkam ihn das Glücksgefühl, welches ihm schon bekannt war.
„Baba“, sagte das kleine Mädchen und patschte mit ihrer Babyhand in sein Gesicht in ihren Augen war Freude zu sehen. Marc wusste, dass all das nicht wahr sein konnte, aber es überkam ihn ein winziges bisschen Stolz.
Auf ein Mal war das Baby verschwunden und auch Gretchen war nicht da. Er fand befand sich wieder auf dem Krankenhausflur und hatte sich an der Wand abgestützt. Er rieb sich die Augen, aber der Flur war immer noch leer, nur sein Herz klopfte einen unregelmäßigen Takt. Jetzt begann er auch noch zu fantasieren und dann auch noch so einen Schrott. Er schüttelte den Kopf und setzte seinen Weg fort. Er erinnerte sich wieder an ihren Tod und sein Blick senkte sich. Wie würde es weiter gehen? Er konnte ihr doch nicht ewig nachtrauern, wer war er denn?!
Seine Füße gingen, wie von selbst den Weg zu seinem Büro. Ohne aufzusehen nahm er sich Jacke und Autoschlüssel.
Er knallte die Tür hinter sich zu und stand wieder auf dem Flur, jemand rannte besorgt auf ihn zu, aber er kam nicht bei ihm an, denn Marc war schon in die andere Richtung geflohen. Er verließ das Krankenhaus, aber ging nicht wie gewohnt zu seinem Auto, sondern geradewegs in den Park. Die Stille beruhigte ihn langsam aber sicher. Er verlangsamte seine Schritte, blieb schließlich ganz stehen, er war am See angekommen. Er sah in das Wasser und sah sein gespiegeltes Gesicht. Als er sich sah, erschrak er. Seine Augen waren blutunterlaufen und seine Haut weiß wie Schnee. Ein Regentropfen tropfte ins Wasser und sein Bild verschwamm. Er richtete sich wieder auf. Immer mehr Regentropfen fielen auf ihn nieder. Aber in Marc hatte sich mittlerweile eine Wut angestaut, die jetzt ihren Weg nach außen finden musste. Er war sauer auf alles und jeden: Auf Gott, da er es zu ließ, ihm sein ein und alles zu nehmen, auf Menz, da sie Gretchen umgebracht hatte und letztendlich doch auf sich selbst, da er nihct gut genug aufgepasst hatte. Marc stand im Regen und nun musste diese ganz eWut raus. Raus aus ihm, aus seinem Kopf, nur bloß weg. Marc setzt zum Schrei an. Der Schrei zeugt von Wut, Trauer und Verzfeiflung. Immer noch fällt der Regen auf ihn nieder.

Als Marc die Augen aufreißt, da er über seinen eigenen Gefühlszustand erschrickt, sitzt er aufrecht in einem Krankenbett. Er erschrak, grad eben war er doch noch am Teich. Nach einer kurzen Schrecksekunde, bemerkt er seine Mutter.
Sie saß neben seinem Bett und sah erschrocken aus.
„Olivier!“, entfuhr es ihr.
„Mutter“, sagte er, „Wo bin ich?“
„Du bist im Krankenhaus und in Ohn...“, setzte sie an.
Auf ein mal aber erinnerte sich Marc an alles. An Menz, und an den Mord. Er springt auf.
„Menz! Wie konnte sie nur!“, sagte Marc und griff nach seiner Hose, er trug ja nur das Krankenhaushemd.
„Olivier, nun hör doch mal zu“, sagte Elke, „Es ist doch gar nihcts passiert“
Aber Marc ignorierte sie, er wusste, dass Gretchen tot war und er wusste leider auch, wer sie umgebracht hatte.
Ohne seiner Mutter noch ein wenig Aufmerksamkeit zu schenken, rauschte er aus dem Zimmer und lief gradewegs Menz über den Haufen. Sie hatte wohl ihre Sachen zusammenpacken müssen.
„Oh, die Frau Doktor Menz“, sagte er mit wütendem Unterton
Menz guckte ihn schüchtern an.
„Und so was schimpft scih Ärztin! Mein Gott, dein Job ist es Menschenleben zu retten und nicht sie umzubringen“
Menz versuchte an ihm vorbei zu kommen.
„Nenn mir einen Grund, warum du das gemacht hast?!“ Marc wurde bei ihrem Anblick schlecht vor Wut. Was diese Frau in seinem Leben alles zerstört hatte!
Sie schwieg und traute sich nicht ihn anzusehen.
„Ich werde dich Anzeigen, wegen Fahrlässiger Tötung oder sogar Mord. Und dann bist du nicht nur deinen Job los!“, sagte Marc und rempelte sie zur Seite.
Dr. Rössel hatte scheins einiges von dem Gespräch mitbekommen zu haben, denn er komm tmit saurer Miene auf den jungen Oberarzt zu.
„Dr. Meier?“, fragte er und gab Menz zu verstehen, dass sie gehen konnte, „Warum wollen Sie sie anzeigen?“
„Sie hat meine Freundin umgebracht, falls Ihnen das noch nicht aufgefallen ist?“ sagte Marc zynisch.
„Wie bitte?“
„Umgebracht, ermordet, abgemurkst?!“ versuchte Marc ihm zu verdeutlichen, was „tot“ bedeutet.
„Es geht ihr gut“, sagte Dr. Rössel.
„Ja, sicher, nach ihrer Vorstellung gibt es ja auch den Himmel“, sagte Marc patzig, „Wie kann es einem denn gut gehen, wenn man tot ist?!“
„Sie ist nicht tot. Mein Gott, Sie sind in Ohnmacht gefallen. Kurz darauf kam wieder Leben in Frau Haase“
„Was?“, fragte er ungläubig und mit leiser Stimme.
„Ihre Freundin liegt auf der Intensiv“, sagte Rössel, „Und nächstemal bitte ich Sie, nicht sofort auszurasten“
Marc nickte, das war zu viel Information auf ein mal. Sie war gar nicht tot? Sie lebte? Er hatte sich zum Affen gemacht, obwohl sie diese Welt gar nicht verlassen hatte? Marc war von der Tatsache komplett überwältigt.
„Kann ich zu ihr?“ fragte er immer noch verwirrt.
„Es geht ihr sehr schlecht“, sagte Dr. Rössel.
„Das ist mir egal, ich will sie nur sehen“, sagte er.
„Okay“, sagte Dr. Rössel, „Sie müssen sich aber ruhig verhalten“

Als er wieder seine Sachen trug, ging er zu Dr. Rössel, der ihn wahrscheinlich nie wieder ernst nehmen würde. Verschämt ließ er sich den Weg zu Gretchen zeigen. Sie lag auf der Intensivstation.
Marc konnte sie kaum erkennen. Ihre Haare waren zurückgebunden und ihre Haut war weiß. Sie sah schrecklich schwach aus. Die ganzen Geräte, an die sie angeschlossen war, machten alles noch schlimmer. Marc musste schlucken, als er sein Mädchen so sah. Dr. Rössel hatte es für besser gehalten, Marc mit Gretchen allein zu lassen.
Er ging auf sie zu und nahm ihre Hand. Sie war kalt und hing fast leblos herunter. Marc erinnerte sich an seinen schrecklichen Traum und ein Schauer überkam ihn. Er konzentrierte sich schnell auf etwas Anderes. Das EKG zeigte einen langsamen, regelmäßigen Herzschlag. Das EEG war unauffällig. Er saß da und hielt ihre Hand.
„Wie konntest du nur dieses Risiko auf dich nehmen?“ fragte Marc vorwurfsvoll und strich über ihre Hand.
Gretchen konnte ihn natürlich nicht hören. Aber das war Marc egal:
„Ich habe echt gedacht, du wärst tot. Was machst du nur mit mir?“
Zur Antwort piepsten die Maschinen monoton.
„Mensch, ich hab mir Sorgen gemacht“, fuhr Marc fort, „Dr. Menz wollte dich umbringen. Sie hat mich geliebt“
Marc redete noch eine Weile mit Gretchen, obwohl sie ihn weder hörte, noch wahrnahm.
„Ich verspreche dir alles, was ich dir geben kann. Was du immer wolltest. Es sei mir egal, wenn du nur wieder aufwachen würdest“, er gab ihr einen Kuss auf die Stirn, „Bitte, lass mich nicht im Stich, nur dieses eine mal! Ich brauche dich doch“

Und hatte i-wer den Verdacht?!

Olivia<3 Offline

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29.02.2012 17:17
#116 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Hey Ihr stillen und lauten Leser und Leserinnen!
Trotz Stress beim Praktikum geht es heut weiter, da ich euch ja nihct auf den Trockenen sitzen lassen kann.
Mit dem letzten Kapitel haben wir eine schwere Zeit erst mal hinter uns gebracht. Aber das heißt nicht, dass alles überstanden ist. Gretchne geht es immer noch sehr schlecht und es kann noch viel passieren.
So, jetu´zt will ich euch aber gar nihct lange aufhalten.
Also: Viel Spaß bei dem neuen Teil!
Liebe Grüße,
Olivia


Marc musste irgendwann eingeschlafen sein, denn als er aufwachte, fühlte er eine warme Hand in seinem Nacken. Er schreckte hoch, war Gretchen etwa aufgewacht?! Warum hatte sie ihn dann nicht geweckt?
Als er sie ansah, waren ihre Augen aber immer noch geschlossen. Auf ihren Lippen lag aber die Andeutung eines Lächelns. Hatte sie ihn etwa gesehen?
Marc setzte sich endgültig auf und griff nach ihrer Hand. Sanft strich er darüber, malte mit seine Finger Kreise und Kringel. Erst jetzt fiel ihm auf, dass Gretchens Haut blass und dünn wie Papier war. Unter ihren Augen waren kaum wahrnehmbare Schatten, aber ihre Gesichtszüge waren entspannt. Marc saß eine Weile da und betrachtete sie einfach nur. Seine Blicke wanderten ihre Gestalt auf und ab, bemerkten jeden noch so kleinen Makel.
Und ihm fiel wieder ein, was passiert war, was er geträumt hatte. Bei dem Gedanken wurde ihm schlecht.
Nur um zu wissen, dass es jetzt wirklich kein Traum mehr war, kniff er sich heftig ins Bein.
„Autsch“, sagte er, eine Spur zu laut.
Gretchens Augenlider flatterten und ihre Hand bewegte sich in seiner. Marc erschrak und strich besänftigend über ihren Handrücken.
Gretchens Augen beruhigten sich wieder. Ihr Atem ging wieder ruhiger.
Marc konnte so aber wenigstens feststellen, dass Gretchen auf Berührungen und Geräusche reagierte und es fiel ihm ein Stein vom Herzen.
In dem Moment kam auch Dr. Rössel ins Zimmer:
„Sie sind ja immer noch hier“, stellte er etwas verwundert fest.
Marc blickte ihn an.
„Sehen Sie doch“, sagte er und stand auf, sein Magen knurrte. Er wandet sich zu Gretchen: „Hasenzahn, ich geh dann jetzt kurz was essen, in Ordnung?“
„Sie kann Sie nicht hören“, sagte Dr. Rössel ein wenig belustigt.
„Wohl“, gab Marc patzig zurück und drückte Gretchen die Hand. Und wenn ihn nicht alles täuschte, erwiderte sie seinen Druck. Es durchfuhr ihn, wie ein Stromstoß.
Er drehte sich um und ging in Richtung Cafeteria.
Dr. Rössel aber wunderte es, dass Dr. Meier sich offenbar so sicher war, dass Dr. Haase auf Geräusche oder sogar Gespräche reagierte.
Prüfend sah er sie an, sprach sie an:
„Dr. Haase, können Sie mich hören?“, sagte er deutlich, aber es kam keine Reaktion.
Er rüttelte ihr leicht am Arm, aber weder die Herzfrequenz stieg, noch gab es eine Reaktion, der Zustand blieb unverändert.
Dr. Rössel runzelte die Stirn und fragte sie, was der Meier denn dann da erzählen würde. Er entfernte sich von ihrem Bett und orderte eine neurologische Untersuchung, sobald sich ihr Zustand verbessert. Man weiß immer noch nicht, wie hoch eventuelle irreparablen Schäden am Hirn sein könnten.

Marc aber war währenddessen in der Cafeteria angekommen und wie der Zufall es wollte, traf er dort Medhi.
„Meier, du siehst ja komplett fertig aus! Hat dich der Psychologe so übel hergerichtet?“, fragte Medhi provozierend.
„Welcher Psychologe?“ fragte Marc mürrisch.
„Hab dir doch einen angeordnet“ sagte Medhi und ließ sich auf einen Stuhl fallen.
„Mensch Kaan, als ob“, sagte Marc und setzte sich neben ihn, er balancierte sein Tablett geschickt vor sich.
„Nun sag schon, was ist los?“
„Hast du das noch nicht gehört?“, Marc nahm einen Schluck Cola.
„Nee, was denn?!“, fragte Medhi und biss in seinen Kuchen.
„Mensch, Menz hat Hasenzahn fast umgebracht“, sagte Marc
Medhi blieb der Bissen im Hlse stecken.
„Bitt was?“ fraget er unter Husten.
„Hat ihr starken Blutverdünner gegeben, kam bei der OP zu Blutungen und den Rest kannste dir ja denken“, sagte Marc und nahm Hungrig ein Stück Pizza.
„Welche OP?“ fragte Medhi, als er den Bissen endlich unten hatte.
„Sie hat meinem Erzeuger ne Leber gespendet“, sagte Marc, dass sein Freund aber so uninformiert war, das ging doch rum!
„Dein Alter ist hier?“, Medhi trank einen Schluck.
Marc nickte mit vollem Mund:
„Unfall, Kolateral Schaden“, sagte er.
„Leberversagen, warum hat sie das gemacht und nicht du?“
„Hab nicht gepasst“, Marc blickte aus dem Fenster, „Sie hat einfach ein zu gutes Herz“
Medhi nickte.
„Da hast du recht, aber was hat Menz mit der Sache am Hut?“
„Die war in mich verschossen, hatte wohl mal was mit ihr“, er zuckte die Schultern, „Jedenfalls hatte sie ne Eifersuchtsattacke“
„Und dann hat sie einfach den Infusionsbeutel verfälscht?!“, fragte Medhi und ihm blieb der Mund offen stehen.
„Jep, konnt ich auch nicht glauben“
„Und wie geht es Gretchen?“
„Den Umständen entsprechend“, sagte Marc mit traurigem Unterton, „Sie liegt auf der Intensiv“
„Wie hast du das denn überstanden?“, fragte Medhi.
„Mensch Medhi, ich bin noch kein Weichei“, sagte Marc eine Spur zu sicher.
Medhi zog skeptisch eine Augenbraue hoch.
„Ach wirklich?“, fragte er misstrauisch.
„Na ja, war schon in Sorge“, gab Marc murrend zu. Dass er in Ohnmacht gefallen war und wie ein Irrer durch die Gänge geirrt war, ließ er lieber gleich ganz weg.
„Krasse Story, Alter“, sagte Medhi und nahm sein letztes Stück Kuchen in die Hand.
Marc konnte dies nur benicken. Immer noch verwirrte ihn die Tatsache, dass er seinen Verstand so hatte verlieren können. Es verwirrte ihn, dass ihm eine Frau so wichtig geworden war, dass er an ihrem Bett saß und betete, dass sie aufwachte. Er schämte sich, dass er sich selbst so vergessen hatte und komplett unwissend eine gesamte Station in Aufruhr gebracht hatte. Er hatte einen furchtbaren Alptraum gehabt und Zukunftsvisionen gehabt.
„Marc?“ Medhi stupste ihn an.
„Hm?“, fragte Marc abwesend.
„Deine Mutter“, sagte Medhi und deutet zum Eingang der Cafeteria.
„Nicht auch noch das....“, sagte Marc.

Olivia<3 Offline

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01.03.2012 15:32
#117 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

„Marc Olivier“, seine Mutter kam näher.
„Mutter, was ist?“, fragte Marc.
„Wo bist du denn auf ein mal hingelaufen?“, fragte Elke.
„Zu Rössel“, sagte Marc.
„Und wen hast du auf dem Flur so angeschrien?!“, fragte Elke empört.
„Das war Menz, die Mörderin“, sagte er kalt.
„Es ist niemand gestorben, Olivier“, Sie sah ihn ungläubig an.
„Aber fast“, sagte Marc.
„Wieso bist du grad denn so ausgetickt und hast rumgebrüllt, es wäre jemand gestorben. Olivier, du warst nicht du selbst. Was war los?“, Elke hatte sich zu Marc und Medhi gesetzt.
„Genau, Meier, was war denn los?“, fragte Medhi interessiert.
„Was weiß ich“, sagte Marc, ihm war die Situation äußerst peinlich, sollte doch keiner wissen, was er für Alpträume gehabt hatte.
„So rede doch“, Elke war imemr noch der Überzeugung, dass etwas mit ihrem Sohn nicht stimmte, „War es wegen Gretchen?“
„Hmm“, murrte Marc.
Über Medhis Gesicht huschte ein Lächeln. Sein Freund würde noch merken, wie wichtig Gretchen ihm geworden war.
„Geht es noch genauer“, Elke verdrehte die Augen, „Dass man dir aber auch alles aus der Nase ziehen muss“
„Mutter, es ist doch alles wieder gut, wir reden später darüber“, er wandte seiner Mutter einen flehenden Blick zu und machte Anstalten aufzustehen.
„Olivier!“, sagte Elke streng, „Das muss jetzt geklärt sein und eher verlässt du diesen Raum nicht“
Marc hatte vergessen, wie hartnäckig seine Mutter sein konnte.
„Mein Gott, ich hab mir doch nur Sorgen gemacht. Du fällst doch auch ständig in Ohnmacht, wenn irgendjemand nur ne Warze am Fuß hat!“, meinte Marc genervt.
Medhi starrte den Freund erstaunt an.
„Du bist in Ohnmacht gefallen?!“, fragte er verwundert.
„Nein, Quatsch. Was weiß ich“; versuchte sich Marc herauszureden.
Aber Elke kam ihm dazwischen.
„Doch das ist er. Und dann ist er schreiend aufgewacht. Wenn Sie mich fragen, hätte er auch noch fast geweint“
Marc lief Scharlachrot an, wenn seine Mutter ihn schon nicht mit Dr. Rogelt in den Wahnsinn trieb, dann mit ihrer Fähigkeit ihn immer wieder bloßzustellen.
„Mutter, es reicht“, sagte Marc mit zusammengebissenen Zähnen.
Aber es war schon zu spät. Sie hatte mal wieder so laut geredet, dass mindestens die Nebentische, wenn nicht sogar die ganz Cafeteria es gehört haben musste. Marc wollte sich ein Erdloch suchen und verkriechen. Wenn DAS nicht mal ein schlimmer Alptraum war.
Marc stand auf und ging unter fragenden Blicken aus der Cafeteria. Spätestens jetzt war er nicht mehr Oberarzt Meier, sondern „Verknallter Dorfdepp vom Dienst“. Mit schnellen Schritten ging er auf die Intensivstation, in Gretchens Zimmer. Es war kein anderer Arzt oder eine Schwester da. Er setzte sich zu ihr ans Bett und nahm wieder ihre Hand. Und wieder vernahm er einen leichten Gegendruck. So hauchzart, dass er es selbst kaum spürte.
„Jetzt halten mich alle für einen verknallten Dorfdepp“, sagte er und schüttelte den Kopf, „Wenn du aber auch solch schlimmme Sachen machst“
Marc sah sie gespielt tadelnd an.
Elke war Marc gefolgt aber er schien sie nicht gehört zu haben. Sie stand nun an der Scheibe zu Gretchens Zimmer und lugte neugierig herein.
Das was sie dort sah, verwirrte sie mehr als nur ein bisschen. Dort saß ihr Sohn, dem Gefühle ein Fremdwort waren und sprach mit seiner bewusstlosen Freundin. Schon das Wort Freundin war im Zusammenhang mit ihrem Sohn immer ungewöhnlich gewesen. Elke beobachtete wie er auf sie einredete, dabei gestikulierte er mit den Händen.
„Sind Sie das von ihm gewöhnt?“, fragte auf ein mal Medhi, der sich zu Elke gesellt hatte.
Sie zuckte zusammen. Dann aber schüttelte sie den Kopf.
„Nein, nicht wirklich“, sagte sie.
„Stimmt es, dass er wegen Gretchen in Ohnmacht gefallen ist?“, fragte Medhi ruhig.
Elke nickte.
„Sie wollten mit der Dings-Bums aufhören. Und dann ist er weggekippt, einfach so. Muss zu viel gewesen sein. Dabei ist er doch sonst so hart im Nehmen“, Elke zuckte mit den Schultern.
„Ja, das muss es. Ihr Sohn hat sich sehr verändert“, sagte Medhi und sah zu Marc, der Gretchen grade die Blumen zeigte, die eine Schwester ins Zimmer gestellt hatte. Marc nahm dazu ihre Hand und berührte damit die Blüte.
„Das hat er, er ist rücksichtsvoller geworden. Wollte Christian sogar seine Leber spenden. Und er geht neuerdings auf Silvesterpartys“, sagte Elke verwundert.
„Na, wenn das mal nichts Neues ist“, Medhi lächelte.
„Ich will meinen Sohn aber nicht verlieren“, sagte Elke auf ein mal.
„Bitte?“, fragte Medhi als hätte er nicht richtig verstanden, dabei war er einfach ein wenig perplex.
„Ich kann ihn nicht gehen lassen“, sagte Elke mit einem traurigen Unterton.
„Das müssen Sie auch nicht“, sagte Medhi beruhigend.
„Aber er hat doch seit ihr so wenig Zeit für mich“, sagte Elke.
„Sie sind immer noch sein Mutter und er wird Sie nie richtig verlassen“, sagte Medhi.
„Meinen Sie?“, fragte Elke.
„Ja, und ich glaube, dass Gretchen die Richtige für ihn ist“, sagte Medhi, auch wenn er das vor wenigen Monaten noch von sich selbst behauptet hatte.
„Sie hat ein großes Herz“, sagte Elke nur, „Ich werde damit klarkommen.
In dem Moment bemerkte Marc seine Mutter und seinen Freund.
„Was steht ihr denn hier rum? Reicht es nicht, dass ihr mich grade blamiert habt?“, fragte er genervt.
„Olivier, renn nicht immer vor der Wahrheit weg. Du kannst nicht ewig so gefühlskalt sein“, sagte Elke mit fester Stimme und sah ihm tief in die Augen.
„Und das aus deinem Munde?“, fragte Marc perplex.
Aber Elke hatte schon auf dem Absatz kehrt gemacht, vermutlich zu Christian.

Olivia<3 Offline

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02.03.2012 20:29
#118 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Medhi war zu Marc ins Zimmer gekommen.
„Sie sieht übel aus“, sagte er.
Marc konnte nur zustimmen:
„Das kann man so sagen“, sagte er, „Dem Tod grade noch entronnen“
Immer wenn er daran dachte, konnte er es kaum aushalten, es bedrückte ihn so sehr.
„Ich finde es nicht schlimm“, durchbrach Medhi nach einiger zeit die Stille.
„Was?“ fragte Marc, ein wenig abwesend.
„Na, dass du zum verknallten Dorfdepp mutierst“, Medhi grinste.
„Ich mutiere zu überhaupt nichts!“, sagte Marc beleidigt.
„So war das nicht gemeint“, beschwichtigte Mehdi ihn, „Ganz im Gegenteil. Ich denke, dass du dich zum positiven verändert hast“
„Wirklich?“, Marc war immer noch vollkommen mitgenommen.
„Ja, du bist verantwortungsvoller geworden. Machst dir sogar Sorgen“, Medhi deutete auf Gretchen.
„Ich weiß nicht“, sagte Marc ein bisschen beschamig.
„Dafür brauchst du dich nicht schämen. Verliebtheit ist doch was schönes“
„Wer liebt ist immer schwach“, sagte Marc, „Aber ich will nicht schwach sein“
„Mensch, du bist doch nicht schwach. Meier, hast du ihr gesagt, dass du sie liebst?“
Marc nickte.
„Siehst du, und wenn so etwas schon über deine Lippen kommt, dann muss da doch etwas dran sein, oder nicht?“
Marc zuckte mit den Schultern.
„Du siehst ja, wo das hinführt“, sagte Marc und zeigte auf Gretchen, „Und vorher hab ich mich selbst fast umgebracht“.
Auf ein mal war es für Marc wieder ein Problem, seine Gefühle richtig zu deuten.
„Wegen deinen Komplexen. Mensch Meier, jetzt mach dir doch keinen Kopf“
„Kann ich doch nicht abstellen“, erwiderte Marc.
„Dann versuch es wenigstens. Hör doch mal auf dein Herz, was sagt das?“
„Seit wann kann ein Herz sprechen?“, fragte Marc, als hätte man ihm grade gesagt, dass die Welt ein Würfel ist.
„Meier, das war ne Methapher“, sagte Medhi genervt, „Dir ist echt nicht mehr zu helfen“
Marc quälte sich ein Lächeln ab.
„Ich weiß schon, was du gemeint hast. Ich werds versuchen“, er sah Gretchen an und es schien als würde sie lächeln.
Marcs Hand krallte sich in Medhis Arm.
„Marc, was ist denn jetzt?!“, fragte Medhi perplex.
„hast du das gesehen?“, Marcs Augen glänzten.
„Was?“
„Sie hat gelächelt! Wirklich!“, sagte Marc, „Gretchen, lächle noch mal, für Medhi“
Aber als Medhi zu Gretchen sah, war ihr Gesichtsausdruck unverändert.
Marc verstand nicht. Konnte nur er ihre Reaktionen sehen? Spielte sein Unterbewusstsein ihm wieder einen Streich?
„Ich glaube es ist das Beste, wenn du jetzt nach Hause gehst“, sagte Medhi und tätschelte Marcs Unterarm, „Du fantasierst schon“
Marc nickte, seine Augenlider waren schwer, aber er konnte sein Mädchen doch nicht allein hierlassen.
„Es wird gut auf sie aufgepasst“, sagte Medhi, als hätte er Marcs Gedanken gelesen.
Die Vernunft in Marc siegte auch diesmal und er erhob sich.
„Morgen bin ich wieder für dich da“, sagte Marc leise und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Er tat es, auch wenn er sich blöd dabei vorkam. Das war ihm in diesem Moment egal.
Medhi sah all dies mit einem Lächeln auf den Lippen, vielleicht würde Marc doch mal auf sein Herz holen.
Als Marc die Tür zu seiner Wohnung aufschloss, überkam ihn wieder das Gefühl von Beklemmung. Es war zwar müde, aber bei dem Gedanken sich einfach ohne Sorgen ins Bett zu legen, wurde ihm mulmig zu mute. Was wenn etwas im Krankenhaus passieren sollte, wenn er selig vor sich hinschlief. Er würde sich das nie verzeihen. Er hatte den Schwestern extra gesagt, man sollte ihn umgehend anpiepen, dann würde er sich sofort aufmachen. Aber was wenn es dann schon zu spät wäre?
Voller Sorge legte er sich ins Bett und starrte an die Decke. Was spielte das Leben mit ihm? Warum war es seine Freundin, die Blutverdünner injeziert bekam? Warum hatte er eine verkorkste Kindheit gehabt und nicht irgendjemand anders? Warum er?! Auch wenn diese Gedanken egoistisch und nicht nett waren, er hatte keine Lust mehr auf dieses ganze Theater. Ständig steckte er in schrecklichen Situationen. Und das Krankenhaus verfolgte ihn schon in seiner Freizeit. Konnte er ja gleich dort einziehen.
Er drehte sich auf die Seite und sah eine leere Bettseite. Frustriert drehte er sich zurück. Das war ja kaum zum Aushalten.

Währenddessen spannte sich die Situation auf der Intensivstation an:
„Sie ist immer noch nicht aufgewacht“, sagte Dr. Rössel und sah skeptisch zu Gretchen.
Sein Gegenüber, Dr. Michalski aus der Intensivmedizin, nickte.
„Ihr Zustand ist weiter kritisch. Hat man schon eine neurologische Untersuchung angefragt?“, fragte er.
„Ja, aber in dem Zustand?“, sagte Rössel skeptisch, „Sie ist doch nicht mal aufgewacht“.
„Wir geben ihr weiterhin ein beruhigendes Mittel“, sagte Michalski.
„Wir werden Sie bald wecken müssen“, sagte Dr. Rössel, „Sie zeigt keinerlei Reaktionen“
„Sie wissen wie das dann enden kann?“, fragte Dr. Michalski.
Dr. Rössel nickte betrübt.
„Wie steht es mit Angehörigen?“
„Ihr Freund war hier. Dr. Meier. Ihre Eltern konnten wir noch nicht erreichen“, sagte Rössel.
Michalski seufzte, es würde noch ein langer Heilungsprozess werden, falls ihr Gehirn überhaupt noch dazu im Stande war. Aber es half nichts, man konnte nur hoffen.
„Wir werden bald ein EEG machen können und dann bitte Hassmann rufen“, sagte er schließlich.
Dr. Rössel nickte und ging zurück auf seine Station. Eigentlich war dies nicht mehr sein Fall, aber da es vorher seine Patientin war, musste er einfach dranbleiben.

Gretchen aber bekam von all dem nicht viel mit. Ihr Kopf war schwer und sie spürte, dass etwas falsch war. Sie hatte Marcs Stimme gehört konnte sich aber nicht daran erinnern, was er gesagt hatte. Oder war es irgendjemand anders gewesen?
Schon dieser kleine Gedankengang strengte sie stark an und bereitete ihr Schmerzen. Sie versuchte die Augen zu öffnen, aber es ging nicht. Langsam dämmerte sie wieder in einen traumlosen Halbschlaf...

Olivia<3 Offline

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03.03.2012 14:45
#119 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Hey
Heute mal wieder etwas kürzer, aber immerhin! Ich wünsch euch viel Spaß! Und warte auf eure Kommis!
Liebe Grüße,
Olivia


http://www.youtube.com/watch?v=aWyzQRApa6E&feature=related

Auf ein mal aber wurde sie unsanft aus dem Schlaf gerissen. Man rüttelte sie an der Schulter und rief etwas:
„Frau Haase!“, rief Dr. Rössel.
Gretchen reagierte kaum, sie schaffte es nicht richtig ihre Augen zu öffnen. Sie wollte um Ruhe bitten, aber sie brachte auch kein Wort heraus.
Sie spürte wie etwas durch ihre Venen schoss. Mit einem Schlag war sie hellwach. Sie riss die Augen auf. In ihrem Hals steckte ein Schlauch, sie würgte. Wollte ihn herausziehen, aber die Hände waren fixiert. Sie sah in den Raum, überall Geräte und Menschen. Viel zu viele Menschen. Kannte sie diese Personen?
Die Menschen rannten mit Spritzen herum und schraubten an den Geräten. Was machte sie hier?
Es dauerte eine Weile bis sie realisiert, dass das um sie herum Ärzte waren. Sie beruhigte sich ein wenig.
Immer noch riefen die Menschen alle durcheinander. Immer noch steckte der lästige Schlauch in ihrem Hals. Sie versuchte ihn auszuspucken, aber es ging nicht. Nach einer Weile nahm ihr ein, ihr unbekannter, Mann im weißen Kittel den Schlauch aus dem Mund und sie konnte wieder atmen.
„Frau Haase, können Sie mich hören?“, rief wieder einer der Weißkittel.
Sie reagierte kaum, kannte sie diesen Namen? Wer war gemeint?
Auf ein mal war es totenstill in dem kleinen Raum. Lediglich die Geräte waren zu hören. Gretchen sah sich verwirrt um. Konnte noch jemand anders gemeint sein? Sie erblickte niemand anderen, alle hatten ihre Aufmerksamkeit auf Gretchen gerichtet. Dann war sie wohl gemeint.
Sie nickte.
Allgemeines Aufatmen ging durch die Ärzteschaft. Was hatte sie gemacht, dass auf ein mal alle erleichtert waren?
„Wie alt sind sie?“, fragte der Weißkittel weiter.
Gretchen sah ihn fragend an.
„Kennen Sie diesen Mann?“
Ein gut aussehender Mann ebenfalls im weißen Kittel wurde ihr vorgeführt.
Hatte sie ihn schon mal gesehen? Er kam ihr bekannt vor. Sie schwieg, sie war sich sicher ihn schon mal gesehen zu haben, aber wo und wann?
„Hasenzahn“, sagte er und nahm ihre Hand.
Sie fragte sich, was dem Kerl einfiel ihn so zu nennen und dann auch noch dreister Weise ihre Hand zu nehmen.
„Ich bins, Marc“, sagte er und in seinem Gesicht lag Zweifel.
Marc, der Name sagte ihr was. War das Marc Meier? Welche Bedeutung hatte er in ihrem Leben gehabt?
Aus ihr unerklärlichen Gründen, klopfte ihr Herz, als er sie berührte.
„Immer noch keine verwertbare Reaktion“, sagte eine kühle Stimme.
„Sie wird sich erinnern“, sagte der Mann, den sie als Marc Meier identifiziert hatte.
Sie sah ihn fragend an.
Er schien ihre Blicke zu bemerken, er wandte seinen Blick zu ihr. Ihr Herz begann zu schlagen. War sie etwa in diesen Mann verliebt gewesen? Aber sie liebte doch Peter.
„Hasenzahn“, sagte er traurig.
Hasenzahn, so hatte sei in ihrem ganzen Leben nur einer nennen dürfen, und das war Marc Meier gewesen. Sie hatte ihn also richtig identifiziert. Aber wo war Peter, ihr Ehemann? Und seit wann war Marc ihr Arzt? Den weißen Kittel trug er ja.
Gretchen wollte nach Peter fragen, brachte aber kein Wort heraus. Sie malte mit den Fingern auf die Bettdecke.
Jemand bemerkte ihre wackligen Berührungen und wollte ihr einen Stift geben. Aber sie konnte den Stift nicht halten, immer wieder glitt er ihr zur Seite.
Mit zittrigen Fingern zupfte sie Marc, der auf der Bettkante saß am Hemdärmel, sofort wandte er sich ihr zu.
Sie wollte nach seiner Hand greifen, um darauf zu schreiben, aber Marc verschränkte nur seine Finger mit ihren.
Was fiel ihm ein? Sie hatten sich doch bestimmt zehn Jahre nicht gesehen! Was würde Peter sagen?
Langsam und schwach, wandte sie sich aus seinem Griff und malte auf seine Handfläche.
„Was willst du sagen?“, fragte Marc und sah ihr tief in die Augen.
Ihre Lippen formten 'Peter?'. Aber Marc schien nicht zu verstehen.
Er reichte ihr wieder seine Hand und mit zittrigen Fingern malte sie erst ein 'P', dann ein 'E' und so weiter.
Marc sah sie verwundert an. Scheinbar schien er sie nicht verstanden zu haben.
„Peter?“, sagte er, „Wer ist das?“
Gretchen sah herunter zu ihrem Finger. Wo war ihr Ehering? Was war hier los?
Sie schloss die Augen und eine Träne floss ihr langsam übers Gesicht. Es war zu viel für sie.
Das letzt was sie hört, bevor sie weg dämmerte war:
„Erinnerung nicht intakt, Reflexe in Ordnung. EEG dringen erforderlich. Leute, wir haben eine Gehirnfunktion“

Olivia<3 Offline

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05.03.2012 15:47
#120 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Hallo erst mal!
Bevor es weiter geht, möchte ich mich aber doch erst mal bedanken: Bei meinen zwei außerordentlich netten und zuverlässigen Kommentarschreiberinnen Hassi1 und Rabea und natrülich bei Bichi91 und ihren netten Mails! Aber auch ein Dankeschön an die Stillen Leser unter euch, denn ihnen habe ich die Klicks zu verdanken. Obwohl ich mich auch imemr mal freuen würde, wenn sich welche outen würden!
In dem Sinne noch einen schönen Montag!
Eure Olivia


Marc konnte es nicht fassen. Gretchen hatte keine Erinnerungen. Zumindest konnte sie diese scheinbar nicht richtig ausdrücken. Seine einzige Hoffnung war, dass sie einfach noch zu schwach war und der Körper sich erst mal wieder einkriegen musste. Immer wieder redete er sich ein, dass es so war.
Als man ihr wieder ein Schlafmittel gegeben hatte, war er noch lange bei ihr sitzengeblieben. Er hatte das erste mal wieder Angst vor der Zukunft. Was wenn sie sich nie mehr an ihn erinnern könnte? Wie könnte er mit dieser Situation umgehen?
Niedergeschlagen stand er auf und strich ihr über den Handrücken.
„Wir kriegen dich schon wieder hin“, sagte Marc zuversichtlich.
Er verfluchte die Situation, in der er steckte. Er verfluchte, dass er ihr diese OP erlaubt hatte. Er verfluchte, dass er Dr. Menz nicht besser beim Legen der Infusion zugesehen hatte.
Aber was half es ihm, wenn er jetzt im Selbstmitleid versank? Er musste auf Gretchen Acht geben, dass sie heil aus dieser Situation herauskam.

Auf dem Flur begegnete Marc seiner Mutter.
„Marc, wir müssen reden“, sagte sie, in ihren Augen stand Verzweiflung.
„Worum geht’s Mutter?“, fragte er mit schwacher Stimme.
„Christian“, sagte Elke traurig, „Wir bekommen keine Leber für ihn“
Marc seufzte, das Problem gab es ja auch noch.
„Ist er auf der Liste?“, fragte Marc.
Elke nickte.
„Aber Dr. Rössel meinte, dass es in seinem Fall sehr schwierig sein würde“, sagte Elke betrübt.
„Mutter, mach dir keine Sorgen, das wird schon“, versuchte Marc seine völlig aufgelöste Mutter zu beruhigen.
„Wegen dieser kleinen Schlampe von Assistenz hat mein Mann schon wieder keine Leber bekommen! Ich werde vom Unglück verfolgt“, sagte Elke.
„Du meinst jetzt aber nicht Gretchen?!“, Marc ging auf Abstand.
„Nein, die Andere. Die Eifersüchtige“, winkte Elke ab.
Marc nickte, da hatte sie recht.
„Mutter, es ist besser wenn du jetzt nach Hause gehst. Hier stresst du dich zu sehr“, sagte Marc schließlich.
„Ich kann ihn in dieser Situation nicht alleine lassen“, sagte Elke aber es war nur ein schwacher Protest. Die Müdigkeit zerrte an ihren Nerven.
„Es wird sich gut um ihn gekümmert“, sagte er.
Genau das hatte man zu ihm auch gesagt und das hatte er nie haben wollen.
„Wirst du mitkommen, Olivier?“, fragte Elke, sie wollte in dieser Situation nun wirklich nicht alleine sein.
Marc zögerte, er hatte noch Dienst. Aber ab Nachmittag, hätte er eh alleine in der Wohnung sein müssen, also entschied er sich dafür.
„Am Nachmittag“, sagte Marc, „Vorher habe ich noch Dienst“
„Ist in Ordnung, Junge“, sagte Elke und zog sich die Jacke an.
„Dann bin heute Nachmittag“, sagte Marc, er ging wieder seiner Wege.
Glücklicher Weise stand heute keine Operation an, das hätte er heute nicht geschafft, ständig war er mit den Gedanken wo anders. Er machte sich Sorgen um Gretchen und um seine Zukunft. In den Pausen besuchte er mehrmals Gretchen, aber sie zeigte keine Regung. Nicht mal auf seinen Händedruck reagierte sie. Das machte Marc traurig, nie hatte er so enden wollen.
Er war froh, dass der tag endlich vorüber war. Er hatte es nicht mehr aushalten können, dass von Gretchen nichts kam. Er wollte nur noch ins Bett und schlafen und am liebsten aus diesem schrecklichen Traum aufwachen, aber es war nun mal kein Traum.
Er klingelte bei seiner Mutter an. Sie öffnete, sah aber nicht gut aus. Das Make-Up verwischt und dunkle Ringe unter den Augen.
„Junge, komm doch rein“, sagte Elke.
Vorsichtig trat Marc ein. Lange war er nicht mehr hier gewesen, in dieser ansehbaren Villa.
„Möchtest du auch einen Lavendelblüten-Tee?“, fragte Elke.
„Nein, Mutter verschone mich“, sagte Marc und winkte ab.
„Dann nicht“, sagte Elke traurig.
Langsam ging Marc in das Wohnzimmer. Seine sonst so ordentliche Mutter, hatte in letzter Zeit das Aufräumen wohl vergessen, denn es sah aus, als wäre ein Hurricane durch das Zimmer gefegt.
Marc fegte sich einen Platz auf dem Sofa frei und setzte sich. Sein Blick fiel auf ein Foto auf der Kommode. Er stand auf und nahm es in die Hand.
Es war er, mit seiner Mutter und seinem Vater. Er musste ungefähr 4 gewesen sein, als das Foto gemacht worden war. Er sah glücklich aus, gemau wie sein Vater und Elke. Damals hatte er von all dem, was gelaufen war, noch nicht viel mitbekommen. Man hatte ihn immer ins Zimmer geschickt, wenn es los ging. Bis dann schließlich der Tag kam, an dem Marc das Erste mal auch rangenommen wurde. Schmerzhaft erinnerte er sich. Schnell stellte er das Foto wieder beiseite und ging zurück zum Sofa.
„Das war im Urlaub, auf Sylt“, sagte Elke und deutete mit der Teetasse auf das Bild.
„Sylt?“, fragte Marc.
Elke nickte.
Bei dem Gedanken an Sylt allerdings schlug sein Herz höher. Es war eine schöne Zeit dort gewesen.
Marc setzte sich zu Elke.
„Olivier, es ist an der Zeit, dir etwas zu sagen“, sagte Elke.
„Was denn?“, fragte Marc.
„Liebst du sie?“, fragte Elke.
„Gretchen?“, murmelte Marc, „Ja, ich glaube schon. Warum?“
„Dann wird sie auch zurückkommen“, sagte Elke.
„Sie hat ihr Gedächtnis verloren“, sagte Marc traurig.
„Was?“, fragte Elke und verschluckte sich fast an ihrem Tee.
„Du hast schon richtig gehört“, sagte Marc, „Nach einem Peter hat sie gefragt und mich nicht erkannt“
„Das hört sich schrecklich an“, sagte Elke, „Aber wenn sie dich auch liebt, wird sie zu dir zurückkehren“
„Wie kommst du eigentlich dazu, dass du auf ein mal so sentimental bist? Und mir alles gönnst? Mutter, du wolltest nie dass ich eine feste Freundin habe!“, erklärte Marc schließlich.
„Ich habe etwas verstanden“, sagte Elke, „Ich hatte immer Angst dich zu verlieren, aber ich habe gemerkt, dass ich dich nur noch mehr verloren habe, als ich dich eingeengt habe, will ich dem ein Ende setzen“, erklärte Elke ihm ihre Ängste.
„Das war der Grund?“, fragte Marc erstaunt, „Und wolltest mich nur nie verlieren?“
„Außerdem warst du nicht für eine Beziehung gedacht. Aber wenn ich jetzt sehe, wie du mit ihr umgehst, habe ich gemerkt, dass du dich doch verändert hast. Und ich bin stolz auf dich, mein Sohn. Du hast auf dein Herz gehört. Ich sage dir, es war die richtige Wahl“, setzte Elke fort.
Marc nickte, immer war er vor Gefühlen weggelaufen, aber er musste sich ihnen stellen. Er würde zu Gretchen halten, auch wenn sie ihr Gedächtnis vielleicht für immer verloren hatte. Da war er fest entschlossen.

Olivia<3 Offline

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07.03.2012 19:49
#121 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Als Marc und Elke dann gemeinsam auf dem Sofa redeten, klingelte es an der Tür.
„Olivier, könntest du bitte die Tür öffnen?“, fragte Elke.
Marc stand auf. Ging zur Tür und öffnete diese. Vor ihm stand die Frau aus dem Wartezimmer.
„Olivier? Bist du es?“, fragte die Frau und fasste sich an die Brust.
Marc nickte verdattert.
„Und wer sind Sie?“, fragte er, „Mutter, kommst du mal bitte?“
„Ich bin Eleonore Fisher“, sagte sie.
„Die Mutter meiner Mutter?“, fragte Marc.
Die Frau nickte. Auch Elke tauchte nun an der Tür auf.
„Mutter, was willst du hier?“, fragte Elke und stellte sich neben ihren Sohn.
„Unser Gespräch war noch nicht beendet“, sagte Eleonore, „Es ist dir ja scheints etwas dazwischen gekommen“
Elke nickte.
„Komm doch rein“, sagte Elke und öffnete die Tür ein Stückchen weiter, dass Eleonore eintreten konnte.
Sie folgte mit einer arroganten Haltung ihrer Tochter und dem Enkel ins Wohnzimmer.
„Hast du lang nicht mehr aufgeräumt?“, fragte Eleonore, „Bist immer noch die Selbe wie früher“
Es klang ein wenig abschätzig und Marc fragte sich, wo die nette Frau aus dem Wartezimmer geblieben war.
Elke wurde rot und räumte ihrer Mutter einen Platz auf dem vernachlässigtem Sofa frei. Sie setzte sich.
„Elke, du weißt warum ich hier bin?“, fragte Eleonore.
Elke schüttelte den Kopf.
„Kind, ich bin hier um mich zu entschuldigen“, sagte Eleonore und blickte zu Boden, „Das wollte ich schon lange tun, aber ich habe mir nie ein Herz fassen können“
„Mutter, du hast ihn angezeigt!“, sagte Elke, „Kannst du dir vorstellen was dann zu Hause los war?! Es mag ja sein, dass er ab und zu ein Bisschen gewalttätig war, aber...“
„Ein bisschen?“, Eleonore konnte nicht fassen was ihre Tochter da für ein Stuss erzählte, „Er hat dir den Arm gebrochen und Marc mindestens zwei mal die Nase!“
„Aber wir haben es ausgehalten. Ich habe diesen Mann geliebt“, sagte Elke empört, „und danach ist unsere Beziehung in die Brüche gegangen“
„Elke, welche Beziehung? Du warst doch nur abhängig von ihm. Finanziell und seelisch. Irgendwer musste dich doch aus diesem Schlamassel wieder herausholen! Und wer sonst, wenn nicht deine Mutter?“
Elke sah betreten zu Boden, sie merkte, dass es schwachsinnig war, was sie sagte und tat.
„Es war das Beste für dich und für ihn, das müsstest du doch wissen“, sagte Eleonore, „Ich wollte dir doch nur helfen“
„Ich war ein Wrack“, sagte Elke theatralisch.
„Er hat dich geschlagen. Guck ihn dir an, jetzt wo er aus der Therapie raus ist“, sagte ihre Mutter wissend, „Es geht ihm besser, er hat sich verändert und das weißt du“
„Und nur deshalb bist du gekommen?“, fragte Elke zweifelnd, sie hatte ihrer Mutter schon lange verziehen und eingesehen, dass Christian ihr damals nur geschadet hatte.
Eleonore nickte, all ihr Stolz war aus ihrem Gesicht gewichen.
„Ich konnte es einfach nicht mehr aushalten“, sagte sie traurig.
„Nicht mehr aushalten?“, sagte Elke abschätzend, „Du hast es fast dreißig Jahre sehr gut ausgehalten! Wieso ausgerechnet jetzt?“
„Es gibt keinen Grund“, sagte Eleonore.
Elke musste es so hinnehmen. Sie schüttelte den Kopf.
„Wie steht es um Christian?“, fand Eleonore schließlich die Stimme wieder.
„Schlecht“, sagte Elke kurz angebunden.
„Was soll das heißen? Warum wurde er überhaupt operiert?“
„Er brauchte eine neue Milz“, sagte Elke.
„Eine neue Leber“, verbesserte Marc. Er war immer noch ein wenig überrascht, dass es seine Großmutter war, die neben ihm im Wartezimmer saß und sich mit ihm über den Mut seiner Freundin unterhalten hatte.
„Olivier, dann war es deine Freundin, die deinem Vater eine leber spendete?“, fragte Eleonore, „Aber warum steht es dann schlecht um ihn?!“
„Man hat ihr ein falsches Medikament gegeben“, sagte Marc traurig, „Sie ist fast gestorben. Und dann konnte man ihr kein Stück der Leber entnehmen.“
„Junge, das hört sich ja schrecklich an, wer macht denn so etwas?“
„Eifersuchtskranke Menschen“, sagte Marc matt.
Eleonore nickte schwach.
„Und was passiert jetzt mit meinem Schwiegersohn?“, fragte Eleonore.
„Er kommt auf so ne Liste, dann kriegt er eine fremde Leber“, sagte Elke.
Ihre Mutter verstand. Es hörte sich schrecklich an.
„Es musste so kommen“, sagte sie schließlich, „Irgendwann verlässt uns alle das Glück“
So sah auch Marc es, obwohl er weniger an seinen Vater dachte, als an seine Freundin, die in einer anderen Zeit lebte, seit der OP.
„Mutter, ich werde jetzt nach Hause fahren“, sagte Marc, „Du hast ja jetzt deine Gesellschaft“, er deutete auf Eleonore.
„Ist in Ordnung, mein Sohn“, sagte Elke, „Versuch nicht dauernd an sie zu denken“
„Wer sagt denn so was?“
„Na deine Aura“, gab Elke zurück und deutete zur Tür.
Marc fragte sich, welche Sinneswandlung Elke erlebt hatte. Nie hatte er mit ihr über Gefühle reden können, aber jetzt war sie auf ein mal der festen Überzeugung, dass er seine ganz große Liebe gefunden hatte. Das verwirrte ihn in einer gewissen Art und Weise schon.
Er schloss die Tür hinter sich und stand in Elkes trostlosem Vorgarten. Langsam ging er auf sein Auto zu.
An der Kreuzung überlegte er, ob er noch ein mal zu Gretchen fahren sollte, oder einfach nach Hause zu fahren. Entschied sich aber dafür, noch mal nach Gretchen zu sehen. Vielleicht war sie wieder aufgewacht.
Er nahm also den Weg in Richtung Krankenhaus.

Als er in ihre Zimmer trat, überkam ihn wieder ein Anflug von Angst. All diese Geräte, an die sie angeschlossen war, bedrückten ihn immer wieder vom Neuen.
Er setzte sich an ihr Bett und sah sie an. Ihre Augen waren offen, zeugten aber von Verwirrung.
„Gretchen“, sagte er, „Wie geht es dir? Mensch, was machst du nur für Sachen?“
„Wo ist Peter?“, fragte sie mit schwacher Stimme.
„Wer ist das?“, fragte Marc.
Gretchen deutete auf ihren leeren Ringfinger und sah ihn mit fragenden Augen an.
„Was ist damit?“, fragte Marc verwirrt, meinte sie einen Ring. Aber verheiratet war sie doch nur mit dem Schleimbeutel gewesen.
Gretchen antwortete nicht, sondern blickte nur traurig in den Raum.
Plötzlich zog sie ihn am Ärmel ein Stück zu sich und nahm sein Handy aus der Tasche.
„Hey, was machst du?“, fragte Marc verunsichert, händigte ihr aber sein Telefon aus.
Mit zittrigen Fingern tippte sie eine Notiz.
'Wo ist mein Ehemann?'
Marc nahm ihr das Handy ab und begann ebenfalls zu tippen.
'Welcher Ehemann? Du warst nie mit einem Peter verheiratet'
Als Gretchen las, war ihr Gesichtsausdruck komplett desorientiert. Sie tippte wieder.
'Warum bin ich hier?'
Marc schluckte schwer. Es war für ihn schrecklich zu sehen, dass sie sich an nichts erinnerte. Sie lebte in einer Welt, in der es ihn nicht gab.
'Du hast eine Leber gespendet'
Unter Anstrengung runzelte sie die Stirn und gab ihm sein Handy zurück.
„Gretchen, es wird alles gut werden, vertrau mir“, sagte Marc und stand auf. Er tätschelte noch ein mal ihre Hand und ging dann aus dem Raum. Er konnte es nicht fassen. Es war zu viel für ihn. Was wenn er um sie kämpfen musste? Gegen einen Gegner, den es nicht richtig gab. Der nur in ihrem Kopf existierte.

Olivia<3 Offline

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09.03.2012 15:16
#122 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Derweilen stand es um Christian Meier sehr schlecht. Elke war mit Eleonore zu ihm gefahren. So saßen sie nebeneinander an seinem Bett.
„Er sieht nicht gut aus“, sagte Eleonore.
Eleonore hatte sich noch nie gerne in Krankenhäusern aufgehalten, aber die vielen Geräte der Intensivstation verunsicherten sie nur noch mehr. Bei dem Gedanken, dass ihr Schwiegersohn an all den Maschinen hing, verwirrte sie.
In dem Moment, wo sie grade das Zimmer verlassen wollten, kam Dr. Rössel herein.
„Frau Fisher, wir haben ihn nun auf eine Liste gesetzte, aber seine Chancen stehen nicht gut“, sagte Dr. Rössel und zog die Stirn kraus.
Elke nickte und blickte nach unten. Es war eine schreckliche Nachricht. Eleonore war auch betroffen, sie nahm Elkes Hand.
„Hat er noch eine Chance?“, fragte Elke mit brüchiger Stimme.
Dr. Rössel seufzte.
„Es ist nie zu spät. Wir müssen es versuchen“, sagte er schließlich.
Die beiden Fishers nickten betreten.
Dr. Rössel verließ wieder den Raum und ließ Elke und Eleonore mit den vielen Geräten an Christian alleine.
„Es ist das Beste, wenn wir jetzt nach Hause gehen“, sagte Elke und seufzte noch ein mal.
Ihre Mutter konnte ihr nur zustimmen.
Als sie zu Hause waren, kam Eleonore wieder auf ihre Familiensituation zu sprechen.
„Erinnert sich Olivier eigentlich an mich?“, fragte sie, als sie Lavendelblütentee tranken.
Elke zuckte die Schultern.
„Ich glaube kaum, er hat dich nicht ein mal erkannt“, sagte sie, „Hatte ja auch kaum Kontakt zu dir“
Dem konnte Eleonore nur zustimmen. Allerdings hatte sie sich ungerecht behandelt gefühlt, wenn sie ihren Enkel nicht sehen konnte. Wie gerne hätte sie Olivier aus dem ganzen Schlamassel der Familie Fisher-Meier herausgeholt, aber es war ihr nie möglich gewesen.
„Meinst du, er wird mit mir reden?“, fragte Eleonore.
„Ich weiß es nicht, er hat momentan ziemlichen Stress und er war ja eh nie der Typ gewesen, der große Reden schwingt“, sagte Elke zweifelnd.
„Ich werde es versuchen. Im Wartezimmer hat er auch geredet“, sagte Eleonore.
„Wann hast du ihn denn im Wartezimmer getroffen?“, fragte Elke erstaunt.
„Bevor du kamst. Er hat auf seine Freundin gewartet“, erklärte ihre Mutter.
„Das kenn ich gar nicht von ihm“, sagte Elke, aber es freute sie.
„Er war nicht richtig gesprächig, aber man sah ihm an, dass er sich Sorgen gemacht hat“, sagte Eleonore.
Elke lächelte, vielleicht brachte Marc es ja doch noch zu mehr, als nur einen angemessenen Job. Obwohl ihr bei dem Gedanken, ihren Olivier für immer zu verlieren, schon ein wenig schlecht wurde.
„Er war ein gefühlskalter Mensch“, sagte Elke, „Früher“
„Jetzt nicht mehr?“, fragte Eleonore.
„Er hat sich verändert, seit er mit dieser blonden Ärztin zusammen ist. Hat aber auch lange gedauert diese Geschichte“
„Hatte er vorher noch keine Freundin?“, fragte Eleonore.
„Freundin?“, Elke winkte abschätzig ab, „Halb Berlin hat er durchgevögelt. Aber eine Freundin? Nein, wirklich nicht. Da war mal ne Story mit nem Flittchen von Schwester, aber das war alles nichts“
„Wieso hatte er denn mit ihr was?“, fragte ihre Mutter.
„Lange Geschichte, von wegen Erpressung. Himmel, war er deprimiert“, erzählte Elke.
„Ist ja ganz schön was los bei euch“, lächelte Eleonore.
Elke nickte. Genau in diesem Moment ging das Telefon.
„Fisher?“, fragte Elke.
„Dr. Rössel hier“
„Herr Doktor, was ist denn los?“, fragte Elke.
„Sie sollten ins Krankenhaus kommen“, sagte er.
„Jetzt sofort?“, fragte Elke aufgeregt.
„Ja, jetzt“
„Wir kommen sofort“, sagte Elke, „Auf Wiedersehen“
„Ja, Frau Fisher“, beendete Dr. Rössel das Telefonat, „Auf Wiedersehen“

Elke hatte schnell ihre Mutter ins Auto verfrachtet und war dann ins Krankenhaus gefahren.
Außer Atem kamen Eleonore und Elke auf der Intensivstation an.
Vom Weitem sahen sie schon Marc mit Dr. Rössel reden. Die beiden Frauen kamen auf die Ärzte zu.
„Frau Fisher, schön, dass sie so schnell kommen konnten“, sagte Dr. Rössel freundlich.
„Gleichfalls“, sagte Elke, immer noch ein wenig außer Atem.
„Worum geht es denn?“, fragte Eleonore schließlich neugierig.
„Es geht um Christian“, sagte Dr. Rössel, „Und es gibt schlechte Nachrichten“
Eleonores Augen weiteten sich und Elke umfasste ihre Tasche fester. Was konnte es nun schon wieder sein?
Marcs Gesicht aber zeigte keine Regung. Er hatte seine gewohnte Oberarzt-Miene aufgesetzt, aber hinter der Fassade steckte etwas. Etwas, was ihn dann doch bewegte.
Elke sah seinen Blick und rechnete schon mit so ziemlich dem schlimmsten.
„Christian Meiers Leber hat versagt“, sagte Dr. Rössel, „Er ist um 15:12 Uhr verstorben“
Eleonore schluckte heftig und Elke verlor den Halt. Man hatte ihr wahrhaftig den Boden unter den Füßen weggezogen.
Im freien Fall segelte sie zu Boden. Aber Marc konnte seine Mutter in letzter Sekunde noch halten.
„Mutter, mach jetzt kein Drama“, sagte er, bemüht, seine Stimme fest klingen zu lassen.
Dr. Rössel seufzte, auch wer konnte es nicht haben, Angehörigen, solch schlechte Nachrichten zu überbringen.
„Wollen Sie ihn sehen?“, fragte er mit ruhiger Stimme.
Eleonore blickte zu Elke, die grade die Augen öffnete.
„Ich denke es ist besser“, sagte Marc und stellte seine Mutter wieder auf die Beine, „Ich übernehme hier“
Dr. Rössel nickt, er wusste, dass sein Kollege Meier bei solchen Nachrichten der Gefasstere war.
Marc führte Elke und Eleonore in das Zimmer. Es herrschte eine Atmosphäre, die reichlich unangenehm war. Die Maschinen piepsten und leuchteten nicht mehr, wie auch Christians Herz zu Schlagen aufgehört hatte.
Elke nahm Christians Hand, ließ sie aber sofort wieder los. Die hand war kalt und ein wenig klamm. Sie erschrak. Eine Träne lief ihr langsam über die Wange und tropfte auf seine Haut.
Für Marc war das wie ein Déjà-vu. Er erinnerte sich an seinen schrecklichen Traum. Er konnte sich nicht daran erinnern, dass seine Mutter das Letzte mal geweint hatte. Aber nun tropften die Tränen nur so auf seine schneeweiße Haut.
Eleonore stand still neben dem Bett, auch ihre Haut war bleich. Aber sie wirkte gefasster als Elke.
Für Marc waren die wenigen Minuten in dem engen Zimmer ein einprägsames Erlebnis, kaum auszuhalten. Er versuchte weiterhin einen gefassten Eindruck zu machen. Aber die Tatsache, dass sein Erzeuger das Leben ausgehaucht hatte und seine Mutter zum ersten mal seit langem wieder die Tränen über die Wangen liefen, verunsicherten ihn. Die Welt kam ihm verkehrt vor. Er fragte sich, ob das nicht ein weiterer Traum war, der ihm lieber erspart geblieben wäre. Aber leider war dies kein Traum, sondern die kalte und harte Realität, die auch Marc Meier manchmal den Wind aus den Segeln nahm...

Olivia<3 Offline

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10.03.2012 16:58
#123 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Die Tage kamen und die Nächte gingen. Jeden Tag ging Marc Meier mit neuer Hoffnung zu Gretchen und jedes mal ging er verzweifelt wieder aus ihrem Zimmer. Gretchen konnte wieder sprechen, aber die Erinnerung war noch nicht zurückgekehrt. Marc musste jetzt immer öfter mit Maria Hassmann zusammenarbeiten, da sie die Leitung in der Neurologie hatte. Aber auch sie verzweifelte an Gretchens Fall.
Auch sie hatte den Fall aufgegeben, das Handtuch geworfen. Aber nicht so Marc. Er besorgte einen Psychologen, für Gretchen. Er selbst durfte bei den Sitzungen nur dabei sein, wenn er gefragt wurde. Aber das kam selten vor, für Gretchen war er immer noch fremd. Und das machte ihn verrückt. Das Verlangen nach ihr war einfach zu groß. Er wollte sie wieder küssen und in den Arm schließen können, aber wenn er auch nur Anstalten machte, ihre Hand zu nehmen, dann schickte sie ihn schon weg. Beschimpfte ihn. Marc setzte das immer mehr zu, aber er hielt tapfer durch. Bis er schließlich glaubte, selber einen Psychologen zu brauchen. Er hatte ein mal ein Gespräch gehabt, mit Gretchens Psychologen, aber dieser konnte ihm nur raten, es ihr nicht übel zu nehmen.
Aber so einfach war das nicht. Marc kriegte immer noch einen Schreck, wenn er hörte, dass Gretchen wieder ein mal nach ihrem Ehemann fragte. Er war immer wieder kurz davor sie an den Armen zu packen und wachzurütteln, ihr die Wahrheit zu sagen. Aber der Psychologe meinte, dass genau das das Falsche gewesen wäre.
Marc Meier verwandelte sich immer mehr in einen Geist. Er aß nicht mehr richtig und seine Haare hätten auch einiges an Pflege vertragen können. Aber das war ihm egal. Er schlief schlecht und wenn dann wurde er von Alpträumen geplagt. Und jedes mal, wenn der Wecker schellte dachte er sich, dass es sich nicht lohnt aufzustehen. Die Hoffnung, dass sich Gretchens Zustand verbessert haben könnte, gab ihm jedes mal das letzte Bisschen an Motivation. So dass er sich aufraffte und ungeduscht bei der Arbeit erschien.
Wieder ein mal schnauzte er Sabine an, die auch unter Marc litt, wenn er schlechter Laune war. Ein persönliches Wort hatte er das letzte mal mit dem Psychologen gewechselt, aber das war schon lange her.
Und wieder ein mal war die Enttäuschung groß, dass Gretchen wieder ein mal nach Peter fragte.
Aber diesmal kam alles anders. Als Marc den Gang zu Gretchens Zimmer herunterlief, stand eine männliche Gestalt vor Gretchens Tür und unterhielt sich mit dem Psychologen und Dr. Rössel.
Marc kam neugierig näher. Als er dem Mann ins Gesicht blickte, konnte er niemanden erkennen.
„Wer sind Sie?“, fragte er deshalb.
Der Angesprochene sah Marc an.
„Peter. Der angebliche Ehemann“, sagte er, „Und Sie?“
Marc schluckte und wünschte sich, an diesem Tag doch geduscht zu haben, das war schließlich sein größter Konkurrent.
„Dr. Meier“, fasste er sich wieder, „Gretchens Freund“
Peter lächelte.
„Da macht sie es Ihnen aber nicht besonders leicht, was?“, stellte Peter fest.
„Nein, wahrlich nicht“, sagte Marc so gefasst wie möglich.
Auf ein mal ertönte Gretchens Stimme aus dem Zimmer:
„Wer ist denn nun an der Tür?“, fragte sie immer noch etwas heiser.
Peter nickte Marc zu und wandte sich um. Er machte Anstalten das Zimmer zu betreten. Marc wusste, dass er dann endgültig verloren hatte.
„Peter, was werden Sie tun?“, fragte Marc, um Zeit zu gewinnen.
„Das was ein Ehemann tut“, sagte Peter, „Sie ehren, lieben und beschützen“
Marcs Augen sprühten vor Verzweiflung.
„Sie lebt nicht in der Realität“, versuchte er es ein letztes mal, „Sie können das nicht ausnutzen“
„Wer spricht von Ausnutzen? Ich nehme mir nur das, was mir zusteht, als Ehemann“
„Aber sie kann das nicht verarbeiten! Sie weiß doch nicht mal, was sie sagt!“, Marcs Stimme klang verzweifelt.
„Gretchen wusste immer, was sie sagt“, sagte Peter.
„Aber wir haben neurologische Befunde...“, meinte Marc, wusste aber, dass es zu spät war. Dass es fast keine Chance auf Heilung gab.
„Und ich seelische“, erwiderte Peter.
„Wann werden Sie es verstehen?“, sagte Marc nun etwas lauter, „Sie ist nicht zurechnungsfähig! Sie hat keine Erinnerung! Wenn Sie das ausnutzen, dann-“, Marc hob drohend den Zeigefinger.
„Dann was?“, fragte Peter provozierend.
„Dann haben Sie ein Problem“ sagte Marc und ging zu Gretchen ins Zimmer. Ihre blauen Augen sahen ihn fragend an.
„Dr. Meier, wer steht denn nun vor der Tür?“, fragte sie neugierig.
Und schon hatte Peter das Zimmer betreten.
Das Glänzen, was sich in Gretchen Augen ausbreitete, versetzte Marc einen tiefen Stich. Das Lächeln galt nicht ihm, das wurde ihm bewusst, es galt ihrem „Ehemann“.
„Gretchen“, sagte dieser.
„Peter! Wo warst du denn so lange?“, fragte Gretchen und Peter warf Marc einen triumphierenden Blick zu.
„Ich war auf Geschäftsreise“, log er.
„Daran kann ich mich gar nicht erinnern“, sagte Gretchen lächelnd, die Freude war groß, dass Peter da war.
„Dr. Meier, wenn Sie uns doch einen Moment allein lassen würden“, sagte Gretchen und gab ihm zu verstehen, dass er störte.
Früher hätte Marc einen trotzigen Spruch abgelassen, aber nun ging er mit hängenden Schultern aus dem Raum. Das Letzte war das strahlenden Lächeln seiner Freundin, das ihm nicht galt. Sondern dem ominösen Anderen, der die Situation voll und ganz ausnutzte.
Marc Meier war noch nie scharf darauf gewesen andere Menschen zu beobachten, aber er wollte wissen, was dort hinter verschlossenen Tür lief. So stellte er sich an die Glasscheibe des Zimmers. Er fühlte sich schlecht. Aber nicht so schlecht, wie sehr er sich fühlte, als der sah, dass sich das „Ehepaar“ küsste. Gretchen hatte die Augen geschlossen, genau wie Peter und sie küsste ihn so hingebungsvoll, wie er es nur kannte, wenn sie ihn küsste. Mit einem lauten Rattern ließ er die Jalousie der Scheibe herunter und setzte sich. Das musste er erst mal verkraften. Er dachte er hätte die schlimmste Zeit hinter sich. Hätte das Schlimmste überwunden. Er dachte es wäre der schlimmste Moment gewesen, als sie ihn nicht erkannte. Aber das hier, das war noch schlimmer. Sein Mädchen, das er liebte, küsste einen Anderen. Er hätte nie gedacht, dass ihn dies so sehr verletzen konnte. Er hatte sich wieder ein mal getäuscht. Aber so spielt das Leben, Herr Meier.

Olivia<3 Offline

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11.03.2012 18:17
#124 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

So ihr lieben. Jetzt hab ich euch aber gequält, das tut mir Leid. Ich hoffe ihr haltets aus.
Viel Apaß beim neuen teil.
Liebe Grüße,
Olivia

Noch mal ein Dankeschön an Bichi91, die mir bei diesem teil emotional und mit Ratschlägen beigestanden hat.


Marc konnte sich das nicht länger mit ansehen. Er verließ den Raum und ging auf die Dachterasse. Es war das erste mal seit langem, dass er sich wieder eine Zigarette anzündete.
Leise blies er den Rauch über das Geländer hinaus. Er erinnerte sich. Es war das selbe Geländer wie aus seinem Traum. Hier oben hatte er gesessen und sich gefragt, was sein leben noch für einen Sinn hätte. Damals hatte er geträumt. Dies hier aber war die Realität, kälter denn je. Es war wahr, dass Gretchen ihn nicht erkannte. Es war wahr, dass sie glaubte einen Ehemann zu haben. Und es war auch war, dass er ihr im jetzigen Zustand nichts bedeutete. Und wieder stellte sich die Frage, was das Leben nun noch für einen Sinn hatte.
Er zog wieder an seiner Zigarette. Das letzte mal, als er hier stand, hatte er aufgegeben. Sich der bitteren Nachricht gestellt.
Aufgeben, Marc hätte einfach nur aufgeben müssen. Aber er wollte nicht aufgeben. Er wollte Gretchen nicht an Peter und Gedächtnisverlust verlieren. Dafür hatte er sich nicht ewig mit ihr rumgeschlagen. Er wäre nicht über seinen Schatten gesprungen, hätte sie nicht an sich herangelassen, hätte er gewusst, dass es so enden würde. Hätte er gewusst, dass sie ihn eines Tages nicht mal mehr richtig erkennen konnte.
Marc ließ den Zigarettenstummel fallen, sah ihm eine Weile nach. Und dann kam ihm der Entschluss. Es war zu spät, er konnte nichts mehr machen. Alles hatte er versucht. Er hatte auf sie eingeredet, ihr sogar einen Psychologen besorgt, aber es hatte alles nihcts gebracht.
Er hatte sich darein verbissen, ihr Gedächtnis zurückzugewinnen. Hatte nicht einsehen wollen, dass es aus war. Und nun stand er hier und der einzige Gedanken, der ihm kam, war es endlich loszulassen. Marc begann sich zu erinnern:

„Gib auf Olivier“, schrie Elke, „Es ist zu spät“
Aber Marc hatte nicht loslassen wollen. Er konnte nicht mit ansehen, wie sein Vater seine Mutter schlug, er wollte sie beschützen. Mit seinen kleinen Kinder-Fäusten schlug er auf seinen Vater ein, das Gesicht verbissen, die Augen zu Schlitzen zusammengezogen.
Seine Mutter versuchte Marc von seinem Vater wegzuziehen, aber Marc ließ nicht locker. Sollte sein Vater doch ihn verprügeln, aber seine Mutter war schon so nur noch ein Häufchen Elend.
„Olivier!“, sagte seine Mutter und eine Träne lief ihr übers Gesicht.
Aber Marc hörte sie nicht, war darauf fixiert, seinen Vater von der Mutter fernzuhalten. Aber er war zu schwach. Sein Vater schubste ihn zu Boden und holte aus zum Schlag. Marc schrie.
„Lass los, er prügelt dich zu Tode“, schrie Elke.
Ein weiterer Fausthieb traf Marc im Magen. Er schnappte nach Luft. Verzweifelt versuchte er zu atmen, aber es schnürte ihm die Luft ab.
Und dann ließ er los. Sah seinen Vater auf die Mutter zustürmen, mit erhobener Hand und dann wurde ihm schwarz vor den Augen.


Mit einem Schlag befand sich Marc wieder in der Realität. Automatisch hielt er sich den Bauch, auch wenn er eigentlich keine Schmerzen hatte. Er atmete tief durch und es wurde ihm klar. Er musste loslassen, dann würden die Schmerzen aufhören. Es würde nicht noch schlimmer werden, als es eh schon ist.
Mit einem schlurfenden Gang ging er wieder ins Krankenhaus. Es würde ihm schwerfallen loszulassen, aber es war bitter nötig. Er bahnte sich seinen Weg zu Gretchens Zimmer. Er klopfte an die Tür. Niemand sagte herein.
Er öffnete die Tür und trat ein.
„Dr. Meier, was wollen Sie hier?“, fragte Gretchen unschuldig.
„Ich muss dir etwas sagen“, sagte Marc.
Gretchen sah ihn fragend an.
„Ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll“, sagte Marc, „Ich weiß, dass du mich nicht erkennst. Nicht weiß, was wirklich zwischen uns war oder eigentlich noch wäre. Du musst wissen, dass ich das unglaublich schrecklich finde, schrecklicher als alles andere. Aber eins weiß ich, ich weiß, dass ich dich liebe und du mich. Auch wenn du dich nicht erinnern kannst.
Weißt du, ich habe mir geschworen, um dich zu kämpfen, aber es hat keinen Zweck mehr. Als du gestorben bist, da wollte man mit der Reanimation aufhören, aber ich habe mich verzweifelt dagegen gewehrt. Ich wollte dich nicht gehen lassen.
Aber nun muss ich es einsehen. Es ist vorbei, du weißt nicht wer ich bin. Ich muss lernen aufzugeben. Und ich finde es schrecklich dies zu sagen, aber ich muss. Ich muss aufgeben um dich zu kämpfen. Es ist zu spät“
Als Marc die Worte ausgesprochen hatte fühlte er sich erleichtert. Auch wenn es wahrscheinlich eine der schwierigsten Entscheidungen in seinem Leben war, war er froh endlich losgelassen zu haben.
„Reanimiert?“, fragte Gretchen.
„Du warst tot, aber ich wollte dich nicht aufgeben“, sagte Marc, „Und bevor ich gehe, muss ich dir noch eines sagen“
Gretchen sah ihn fragend an.
„Ich liebe dich“, und dann küsste er sie. Sanft und vorsichtig, als hätte er Angst sie zu verletzen.
Und es war wie ein Blitz, der sie durchfuhr, es war auf ein mal alles so klar.
Genau in diesem Moment betrat Peter das Zimmer.
Marc ließ von Gretchen ab und ging auf ihn zu.
„Passen Sie gut auf mein Mädchen auf“, sagte Marc, „Aber sie macht es einem nicht leicht“
Dann wandte er sich um, um den Raum zu verlassen. Mehr aus Schmerz, sie zu verloren zu haben, als um Peter und Gretchen allein zu lassen.
„Marc, was macht Peter hier?! Und was redest du da?“

So besser?

Olivia<3 Offline

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Beiträge: 1.373

12.03.2012 19:43
#125 RE: Story von Olivia<3 Zitat · antworten

Marc fuhr herum. Leuchten war in seinen Augen zu sehen.
„Gretchen? Bit du es wirklich?“, er wollte nichts überstürzen.
„Marc, was macht dieser Mensch hier?“, fragte Gretchen und deutet wütend auf Peter.
„Du...Er...“, Marc wusste nicht recht, was er sagen sollte, „Du hattest dein Gedächtnis verloren“
„Bitte was? Daran kann ich mich gar nicht erinnern“, sagte Gretchen verwirrt, „Das erklärt aber immer noch nicht, warum Peter hier ist!“
„Du hast nach ihm gefragt. Du meintest, mit ihm verheiratet zu sein. Das war nicht witzig“, tadelte Marc seine Freundin.
Gretchen schämte sich in Grund und Boden, vor Marc. Sie wusste genau wie eifersüchtig er werden konnte und jetzt hatte sie nach ihrem Ex-Verlobten gefragt. Sie konnte es nicht glauben.
„Marc, das...“, die Tränen stiegen ihr in die Augen. „Das tut mir so unendlich Leid“
„Gretchen, du kannst nichts dafür“, sagte Marc.
Peter fühlte sich überflüssig, er hatte doch wirklich geglaubt, mit Gretchen wieder ein Neues Leben anzufangen. Aber wieder musste alles anders kommen, als erwartet.
„Ich geh dann mal“, sagte Peter, den Blick nach unten gerichtet.
„Mit großem Vergnügen“, sagten Marc und Gretchen wie aus einem Munde.
Sie lächelten sich an. In Marc ging ein Feuerwerk der Gefühle hoch, endlich konnte er sie wieder in die Arme schließen. Sie wusste, wer er war. Wusste, dass Peter nicht ihr Ehemann war. Sie war wieder bei Sinnen, hatte sich auskuriert.
„Marc, was ist alles passiert?“, fragte Gretchen und griff nach seiner Hand.
Die Berührung war für Marc so überraschend, dass er erst mal einen Moment brauchte, um zu realisieren, das er etwas gefragt wurde.
„Hm?“, fragte er.
„Was noch alles passiert ist“, sagte Gretchen erneut, „War es sehr schlimm für dich?“
„Soll ich ehrlich sein?“, fragte Marc.
Gretchen nickte.
„Es war nicht schön mitanzusehen, wie du nach ihm gefragt hast und es war noch schlimmer, als du ihn geküsst hast“, sagte Marc und strich über ihre Hand.
„Ich habe ihn geküsst?! Oh Gott, Marc das tut mir schrecklich Leid“, sagte Gretchen und wurde rot, es war ihr wirklich peinlich. Wieso wusste sie all das nicht mehr?
„Gretchen, ich hatte mich damit abgefunden. Wollte mich grade von dir verabschieden, aber dann bist du aufgewacht“, sagte Marc.
Gretchen liefen nun die Tränen übers Gesicht. Sie hatte gemerkt, wie schrecklich Marc gelitten haben musste, wenn er schon mit Gefühlsduselei anfing.
Erst jetzt fiel Gretchen auf, dass Marcs Haare ihm strähnig ins Gesicht fielen und er seinen Bart schon seit langem nicht mehr rasiert haben musste. Auch der Geruch nach seinem Aftershave fehlte und wurde mit dem beißenden Geruch von Männerschweiß überdeckt. Alles ein einem stellte Gretchen fest, dass Marcs Zustand langsam aber sicher den Bach heruntergegangen sein musste.
„Marc, ist das alles? Was ist noch passiert?“, fragte Gretchen.
„Mein Erzeuger ist gestorben“, sagte Marc und schluckte.
Gretchen sah traurig nach unten.
„Das tut mir Leid, aber er hat doch eine neue Leber bekommen“, sagte Gretchen.
„Nein“, Marc schüttelte den Kopf, „Hat er nicht“
„Aber...“, Gretchen begann wieder zu weinen.
„In deinem zustand konnte man dir keinen teil deiner Leber entnehmen“, sagte Marc.
„Was heißt das?“, fragte sie ängstlich, „In meinem Zustand?“
„Man hat dir Blutverdünner gegeben“, sagte Marc traurig, die Erinnerung an diesem Tag, zerriss ihn innerlich.
„Wer macht so was?“, fragte Gretchen.
„Menz“, sagte Marc, „Sie war eifersüchtig“
„Und dann versucht sie mich umzubringen?!“, Gretchens Trauer wandelte sich in Wut um.
„Scheinbar“, sagte Marc, „Sie hat dich umgebracht. Wir mussten dich reanimieren“
„Wie lange war ich tot?“, fragte Gretchen.
„Über drei Minuten, es ist ein Wunder, dass du noch sprechen kannst“, sagte Marc.
„Wie lange war ich weg?“, fragte sie.
„Fast zwei Wochen“, antwortete er.
Gretchen schluckte, zwei Wochen war ein langer Zeitraum. Ein sehr langer Zeitraum.
„Es tut mir leid“, sagte sie, „So unendlich Leid“
„Du kannst nichts dafür“, sagte Marc, „Es war meine Schuld, hätte ich nur besser aufgepasst...“
Gretchen standen Mund und Augen ungläubig auf, jetzt nahm Marc die ganze Schuld aus sich.
„Marc, nein, Menz war es Schuld“, sagte Gretchen schnell, damit Marc sich keine Vorwürfe machte.
Marc schluckte.
„Ich bin so froh, dass es dir besser geht und so froh, dass du dich wieder erinnerst“, sagte Marc und küsste sie.
Und es war der erste Kuss, den beide nach dem Dilemma bewusst miterlebten und genossen.
Das ganze Verlangen, was sich in Marc zusammengestaut hatte, drohte nun mit ihm durchzugehen. Aber Gretchen zu liebe, die noch nicht ganz wieder fit war, versuchte er sich zu beherrschen. Seine Küsse wurden aber trotz der Vorsicht immer fordernder.
Sanft stieß Gretchen ihn bei Seite.
„Bring mich bitte nicht auch noch um“, sagte sie lächelnd.
Marc schmunzelte und ließ von ihr ab.
„Gretchen, ich liebe dich“, sagte er.
„Ich dich auch“, sagte sie und strich über seinen Unterarm, „Und jetzt geh dich duschen“
„Nicht frech werden, Liebes“, sagte Marc, musste aber zugeben, dass die Körperpflege in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen war.
„Kannst auch hier duschen“, sagte Gretchen bereitwillig und deutete auf das Bad, des Krankenzimmers.
„Ich hol mir nur schnell neue Sachen aus dem Spind“, sagte er und gab Gretchen einen langen Kuss.

Als Gretchen wieder allein in ihrem Zimmer war, überkam sie wieder die Traurigkeit. Sie konnte sich nicht an die Zeit nach der OP erinnern und um ein paar Ecken war hatte sie Schuld daran, dass Christian gestorben ist. Sie seufzte, der Raum kam ihr leer und kalt vor. An der Wand entdeckte sie ein Bild. Sie richtete sich auf, um zu sehen, was auf dem Bild zu sehen war. Es war das Porträt von Sylt. Gretchen schmunzelte, Marc musste es hier aufgehangen haben.
Überhaupt Marc, in diesem Moment, als sie wieder an ihn dachte, kamen ihr wieder die Tränen. Er musste sich schrecklich gefühlt haben. Er musste es fast nicht ausgehalten haben, als sie Peter geküsst hatte. Bei der Vorstellung daran sträubten sich ihr die Nackenhaare.
Gretchen wurde von Marc aus den Gedanken gerissen, der wieder in das Zimmer kam. In der Hand einen Stapel frischer Sachen. Er lächelte ihr zu, aber Gretchen erkannte in seinem Gesicht die Spuren der letzten Tage. Er war blass und wirkte ausgelaugt. Außerdem hatte er doch abgenommen.
„Ist was?“, fragte Marc, als er Gretchens nachdenklichen Blick sah.
„Ach nichts“, winkte Gretchen ab.
Marc zuckte mit den Schultern und verschwand im Bad.
Gretchen war wieder allein. Allein mit ihren Sorgen und den vielen Neuigkeiten, die ihr in weniger als einer Stunde eingeimpft wurden.

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