Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Willkommen im Doctor´s Diary Fan-Forum!!Hier klicken! Bild anklicken!
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 83 Antworten
und wurde 2.448 mal aufgerufen
 Fanfics,Grafik über AudL
Seiten 1 | 2 | 3 | 4
Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

06.03.2011 13:10
Verlust, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Anna sitzt wie in Trance auf dem Sofa in Nataschas Wohnung, sie kann die Ereignisse der letzten Wochen noch immer nicht fassen, es erschient ihr alles wie ein schrecklicher Alptraum. „Anna“, hörte sie Nataschas Stimme in weiter Ferne, jetzt wurde sie auch schon von deren Hand aus ihrer geistigen Umnachtung gerissen. Während sie sich an Natascha lehnte, entfuhr ihr ein vom Zorn durchzogenes und von der Lautstärke untermauertes verzweifeltes „Warum“, währenddessen fuhr sie sich mit der rechten Hand über ihren Bauch. Nun brach wieder alles über sie herein. Es kullerte ihr eine Träne über die Wange die sich eine gerade Straße bis zum Kinn hinunter bahnte, von dort aus fiel sie auf ihr schwarzes T-Shirt, wo jener Fleck sehr einsam aussah, doch schnell bekam sie Gesellschaft von 100 ihrer Artgenossen, schneller als Anna lieb war. Nun schluchzte Anna wieder hemmungslos, wie sooft seit der Tragödie.“ Natascha, ich schaffe, dass alles nicht, ich komm doch nicht mal mit mir selber klar, wie soll ich dann“ Mitten im Satz brach sie ab und verfiel wieder in das Tränengewitter das schon gerade eben über ihr gehangen hat.

Mia steht mit rasendem Puls, gedankenverloren und doch hochkonzentriert, getrieben von der Angst vor seiner Reaktion betrachtet sie ihr neues blaues Kleid. Eigentlich sollte sie sich freuen, sie hat nun endlich den Mann ihrer Träume für sich, er hat ihr ja sogar schon einen Antrag gemacht und in diesem Moment zur glücklichsten Frau des Universums, doch muss sie erst noch ein Klärendes Gespräch mit ihrem Freund führen, sich von ihm trennen. Na, super Maschke, das hast du wieder einmal toll hingekriegt, zuerst keinen und dann gleich zwei, die dir die ewige Liebe versprechen, das Klopfen an der Tür riss sie aus ihren Gedanken, „Mia du schaffst das“, sprach sie sich noch ein letztes Mal selbst Mut zu, bevor sie mit lauter selbstbewusster Stimme, sie versuchte zumindest sie annähernd so klingen zu lassen „Herein“ sagte.
Die Türe öffnete sich langsam „Ich weiß du wolltest zuerst Klarheit schaffen, aber ich hab es einfach nicht mehr ausgehalten ohne dich, ich hab dich so vermisst das es weh getan hat, ich konnte einfach nicht anders“ sagte Alexander während er langsam seine Hände von hinten um Mias Taille schlang und sie behutsam in den Nacken küsste. „Ich liebe dich“ sagte Mia mit zärtlicher Stimme, als sie plötzlich das Knallen der Zimmertür aus der innig romantischen Stimmung riss. „Scheiße“, entfuhr es Mia während sie von Verzweiflung und Schuldgefühlen geplagt sich die Hand auf den Mund hielt.

„Anna du schaffst das, hörst du! Ich weiß wie weh das tut, man glaubt sein Herz zerberstet und so naiv und unsinnig es in dieser Situation auch klingen mag, die Schmerzen lassen nach, sie werden von Tag zu Tag kleiner, verschwinden werden sie jedoch nie. Aber ich verspreche es dir, du lernst mit ihnen zu leben.“ Anna schluchzte immer noch herzzerreißend, den Kopf an Nataschas Schulter gelehnt. So schmerzlich der Gedanke auch war, sie wusste das ihre Schwiegermutter recht hatte und sie wusste auch das sie ihr leben schnellstmöglich auf die Reihe kriegen musste. Schon alleine ihrem Baby zu Liebe. „Anna, ich weiß du hast gerade das liebste verloren, das du hattest, aber du musst nach vorne sehen, dein Kind braucht dich“
„Natascha, ich weiß, aber ich habe das Gefühl ich schaffe es nicht, nicht ohne ihn. Solange er bei mir war, hatte ich das Gefühl ich könnte alles schaffen, aber jetzt? Wie soll ich für ein Kind sorgen, wenn ich es nicht mal schaffe aus dem Haus zu gehen?“,sagte Anna mit tränenerstickter Stimme.


Mia hatte nur noch einen Gedanken. Sie musste unbedingt mit Enrique sprechen und zwar sofort. Sie musst e ihm hinterher, ihm alles erklären, das war sie ihm schließlich schuldig. Alex erkannte ihre Absicht und trat mit einem großen Schritt auf sie zu, er packte sie am Arm und sagte:“Lass ihn, das hat doch keinen Sinn, er wi“ Mia unterbrach ihn mitten im Satz, denn es war nicht nur das, was er sagte, sondern vor allem wie. Man konnte förmlich den Spott in seiner Stimme mitschwingen hören. „Halt dich da raus, du bist erst Schuld an dem ganzen Schlamassel, wärst du nicht hergekommen, wäre das alles nicht passiert, also halt dich jetzt gefälligst aus meinem Angelegenheiten“, pfefferte sie ihm mit bitter klingender Stimme und beißendem Unterton entgegen, während sie ihn mit deinem festen Hieb von sich stieß.

Alles habe ich für sie getan, alles. Ich Idiot habe sogar Runge diesen hirnlosen Abfall, mit Schallgeschwindigkeit ins Jenseits befördert und was habe ich dafür bekommen, nichts Für die mit ich sogar zum Mörder geworden! Was bildet die sich eigentlich ein?, schoss es David immer wieder durch den Kopf. Von der Wut beflügelt wurden seine Hände manövrierunfähig und so fegte er den gesamten Belag seines Schreibtisches mit voller Wucht unter einem ohrenbetäubenden Klirren und Krachen auf den Boden. Seine Verzweiflung und in irgendeiner Weise auch Trauer, dies sich in einer unermesslichen Wut kompensierte trieb ihn sogar so weit, den grauen Schreibtisch komplett umzuwerfen und die Skulptur, das Finale Werk eines Künstlers kurz bevor er sich selbst richtete, mit seinem Golfschläger regelrecht zu zerhacken, er schlug auf die einzelnen immer kleiner werdenden Teilchen solange ein, bis nur noch ein grauer Staub an das exotische Kunstwerk erinnerte. Währenddessen schrei er so laut es seine Stimmbänder zuließen: „Du bist tot, tot, tot Du miese kleine Schlampe, ich habe dich geliebt, verdammt“ von der Aggression lief Davids Kopf nun dunkelrot an und glich nun schon mehr einer Tomate als einem menschlichen Körperteil. Sein Hals schmerzte und seine Finger wurden schwer, der Golfschläger fiel ihm aus der Hand und er lag nun mit angewinkelten Beinen zusammengekauert auf dem Fußboden. Die Tränen bahnten sich einen Weg über die glühendroten Wangen, sie fluteten sie wie das Hochwasser die Dörfer.

„Natascha, ich frag mich momentan wirklich, wie du es geschafft hast mit Roberts, Gerrits, Richards und nun auch noch Jonas Tod fertig zu werden, wie hast du es geschafft, jeden Morgen aufzustehen und dem geregelten Alltag nachzugehen, wo dich ja noch dazu alles an die Verschiedenen erinnert?“ Anna war es unmöglich zu begreifen wie Natascha das alles verwinden konnte, sie hatte ja schließlich ihren Sohn verloren, ihren letzten wohlgemerkt. „Weißt du, nur weil ich dir eine starke Schulter zum ausweinen biete, bedeutet das noch lange nicht das meine Trauer und mein Schmerz kleiner sind als jene die du empfindest aber ich weiß einfach das das leben außerhalb dieser Mauern hart ist und die Zeit nicht still steht weil es das Schicksal nicht gut mit mir meint. Ich habe eine Agentur zu leiten, ich trage die Verantwortung für all meine Mitarbeiter und deren Familien, ich kann es mir nicht leisten mich vollends meiner Trauer zu widmen und wenn ich ehrlich bin ist das auch gut so. Es lenkt mich ab, den Alltag leben zu können, so herzlos das jetzt auch klingen mag, aber es ist wie wie, ja wie soll ich sagen wie eine Therapie für mich, einmal die Ereignisse der letzten Zeit ein wenig wegzurücken. Das solltest du auch tun, mein Kind“

Enrique raste mit seinem grauen Audi ziellos durch die Straßen des nächtlichen Berlins. Die Straßenlaternen flogen nur so an ihm vorbei, die Tränen liefen über seine Wangen. In der letzten ½ Stunde war sein Leben zerbrochen, alles was ihn die letzten 20 Jahre über Wasser gehalten hat. Peng einfach weg. Er hat sie verloren, endgültig, seine Mia, wie konnte sie ihm das nur antun, wie, diese drei Wörter rotierten in seinem Kopf, sie spukten unaufhörlich darin herum. Es war für ihn unbegreiflich was Mia nur an diesem grünäugigen Langweiler dessen einzig wahres Talent darin bestand sich selbst zu belügen und den Hobbypsychopathen zum Besten zugeben findet. Was hatte dieser Hornochse dessen Frisur aussah, als würde er sich jeden Tag mit der Zahnbürste frisieren, was er nicht hatte? Das waren alles Fragen auf die ihm so sehr er auch nachdachte partout keine Antworten einfielen.

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

24.03.2011 13:47
#2 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Anna lief nun durch die Straßen von Berlin. Irgendwie zog der Alltag der die einzelnen Verkehrswege flutete unbemerkt an ihr vorbei. Sie erlebte alles etwas zeitversetzt, so als ob die Welt immer wieder anhalten und auf sie warten würde, was natürlich totaler Quatsch war. Sie sah irgendwie nicht die Gegenwart, nein sie sah die Vergangenheit, egal wohin sie auch blickte, ob links oder rechts immer war Jonas dabei. Einmal tanzte sie im Hühnchen Kostüm, oder als sie aus Amerika zurückgekehrt waren und die Plakate ihres Modelabels bewunderten... Es war das erste Mal seit Jonas, sie vermied immer noch es auszusprechen, seit er eben nicht mehr hier war. Das Wort tot, hatte so etwas endgültiges und das konnte sie immer noch nicht ertragen, obwohl es nun schon fast 2 Monate waren, das hatte sie in der unendlichen Trauer die sie seit damals gefangen hielt gar nicht war genommen. Sie realisierte erst jetzt langsam das es nun schon Ende September war und der Sommer dem Herbst platzt gemacht hatte und der Abend einen raueren Ton anschlug. Sie musste also schnellstens eine Herberge finden, sie konnte doch nicht auf einer Parkbank übernachten. Da fiel ihr ein das Mia und ihr Freund ihr einmal angeboten haben, falls sie mal Abwechslung brauche, bie ihnen herzlich willkommen sei. Sie kannte diesen Enrique zwar kaum, aber nachdem was Mia ihr erzählt hatte, musste er ein ganz netter Typ sein.

"Wer ist den diese Mia?" drang die schrille Stimme der Krankenschwester in sein Ohr. Der Tonfall in welchem sie sprach zerstörte die liebliche Stimmung die ihn in seinem Miaversum umgab. Er hegte den starken Wunsch in sich, das die Schwester sich wieder dorthin verzog wo sie hergekommen war und ihn mit ihrem därben geprabbel veschonte, doch entgegen all seiner tiefen Hoffnungen blieb sie und nun hatte sie auch ihr Ziel erreicht. Er hatte einige male versucht wieder in seine Traumwelt hinabzugleiten doch es war jedes Mal misslungen. So ergab er sich und begann der Schwester ihre brennenden Fragen zu beantworten auch wenn mit etwas grimmigem Unterton. Mia ist meine Verlobte. Wir kennen uns schon seit 20 Jahren, na ja wir haben uns damals im Krankenhaus kennengelernt. Wir hatten beide unsere Eltern verloren und ich habe ihr dann immer Geschichten erzählt mit denen wir uns gegenseitig über Wasser gehalten haben. Ich war Captain Fly und sie meine Copilotin Flumina, wir sind durch die ganze Welt gereist, natürlich nur in unserer Fantasie....Ja, ich habe ihr dann auch noch nach unserer Entlassung Briefe geschrieben, doch sie hat nie geantwortet, also haben wir uns aus den Augen verloren, denn ich wurde von einer spanischen Familie adopiert. Aber die Entfernung hat nichts für mich geändert, denn sie war immer ein Teil meines Lebens, sie war immer da, egal ob ich in dem fremden Land aufgewachsenen oder einfach nicht mehr weiter wusste, denn allein die Gewissheit das Mia da draußen irgendwo ist, hat mir Kraft gegeben und mich dazu animiert nie aufzugeben, egal wie schwer es manchmal war. Das klingt nun vielleicht ein wenig kitischig aber ich habe mich sogar nach einem Jahr wieder scheiden lassen, weil es für mein Herz nur eine geben konnte, nämlich Mia. Und nun nach 20 langen Jahren haben wir uns hier in Berlin wiedergetroffen, sie wollte mich bei unserer ersten Begegnung sogar verhaften lassen, weil ich sie mit dem Fahrrad umgefahren haben...........Nach dieser rührenden Geschichte standen sogar der sonst so abgebrühten Krankenschwester die Tränen in den Augen. Sie kannte solche Sachen nämlich nur aus den unzähligen Rosamunde Pilcher, Inga Lindström und Lilly Schönauer Verfilmungen und hätte es nie für möglich gehalten das es eine so große Liebe die alles überdauert auch in der Realität gibt.

Alexander vertrieb sich die Zeit in der er auf die Rückkehr seiner Liebsten wartete in dem er das Zimmer nach der Art einer läufigen Hündin erkundete. Er wurde von Minute zu Minute nervöser, die er sich mit warten vertreibn musste. Normalerweise heißt es Kommt Zeit - Kommt Rat, doch in diesem besonderen,dem sogenannten zeissischen Fall verändert es sich zu Kommt Zeit - Kommt EAV(Erste alexandersche Verunsicherung), denn Alexanders Unverständnis und komischeweise auch seine Eifersucht wurden durch die fortwährenden 60 Sekunden Intervalle der Einsamkeit mehr und mehr gesteigert. Es machte ihn rasend, wenn er daran dachte, dass seine Mia gerade bei diesem verhinderten Torerro in der Wohnung war, sich mit ihm unterhielt etc. Einerseits wusste er das Mia sich für ihn und gegen diesen weltenbummelden Hochglanzburli entschieden hatte und er sich somit ihrer Liebe sicher sein konnte, anderseits sorgte sein innerer Kritiker mit seinen verunsichernden Gedankeneinwürfen dafür, das er der sonst so vernunftgesteuerte Werbeagenturgeschäftsführer begann sich den Untiefen der Unsicherheit und der Utopie hinzugeben.

------------------

Teil 9
Irgendwie begann in Alexander die Angst zu wuchern Mia könnte ihn bloß verarscht haben und ihm einfach nur eine gewaschene Abreibung verpassen, dafür das er sie damals so eiskalt abserviert hat und noch einen drauf gelegt hatte in dem er meinte sie lediglich bemittleidet jedoch nie geliebt zu haben. Dann hat sie das alles inszentiert und nun lachen sie sich gemeinsam krum über ihn. Einerseits trieb es ihm den Angstschweis auf die Stirn und sein Herz bekam einen schnelleren Rythmus, andererseits könnte er es ihr gar nicht verübeln. Sie hatte ihm schließlich vertraut und sich ihm mit all ihren Schwächen offenbart. Er hatte damals mit seiner Feigheit alles kaputt gemacht und erst zu spät realisiert das sie seit dem Augenblick in dem er sie bei der Personalmotivation im famililiären Kreis beobachtet hatte, die Liebe seines Lebens ist.
Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar die von seiner emotionlen Aufgewühltheit gezeichnet einem Parkinsonpatienten glich. Er hielt das warten nicht mehr aus und so zog er ihn letzter Konsequenz sein Mobiltelefon aus der Tasche. Er suchte mit pochendem Herzen, gott sei Dank war er allein, sonst hätte man sein Herz durch die Haut und die Bekleidung hinduch schlagen gesehen und wahrscheinlich auch gehört, Mia im Namensspeicher. Er hatte den Finger schon auf der Anruftaste, da hielt er inne und ließ es wieder in den Untiefen der rechten Hosentasche seiner Jeans verschwinden um es nach einer Minute erneut an die Oberfläche zu befördern und das Vorhaben erneut zu starten. Diesmal brach er nicht ab sondern rief seine Angebete wirklich an. Zu seiner Enttäuschung erreichte er aber nur die Blechbox und nicht Mia persönlich. Erst wollte er ihr eine Nachricht hinterlassen, belies es jedoch dann. Von der Enttäuchung übermannt schlug er mit der flachen Hand gegen die blaugestrichene Wand "Verdammt" entfuhr es ihm. Wütend drehte er sich um und ging.

Mia saß vor Enriques Wohnungstür. Sie war fest entschlossen so lange hier auszuharren, bis er kommt, wenns eine Woche sein muss. Es war ihr egal. Plötzlich fiel ihr ein das sie ihr Handy vorhin ausgemacht hatte, weil sie mit Enrique ungestört reden wollte, obwohl sie sich nicht vorstellen konnte, das er versucht hatte sie zu erreichen. Kaum hatte sie es eingeschaltet, schellte es auch schon."Nein, bitte nicht, Oh mein Gott Wie geht es ihm?" stammelte sie aufgebracht. "Was ist passiert" "Frau Maschke bitte beruhigen sie sich Herrn Vegaz geht es den Umständen entsprechenden gut. Er hatte einen kleinen Zusammenstoß mit einem Auto, aber wie gesagt in ein paar Wochen ist er wieder der Alte." Wie konnte das passieren?" "Wie schon gesagt,machen sie sich keine Sorgen, bis zum Heiraten ist alles wieder gut" Danke, das sie mich angerufen haben Schwester Elke. Auf Wiede Ach, in welchem Krankenhaus liegt er denn ?" "Im Luisenkrankenhaus" "Okay, danke auf Wiedersehen" Mia rannte schon durchs Eingangstor von Enriques Wohnhaus hinaus auf die Straße, doch plötzlich hielt sie innne. "Verdammt das ist alles meine Schuld. Enrique liegt wegen mir doofer Kuh im Krankenhaus. Oh, mein Gott er hätte sterben können und alles nur wegen mir. Mann Maschke du bist echt das letzte, erst treibst du Enrique fasst in den Tod und dann willst du ihn auch noch im Krankenhaus besuchen, nur um dein schlechte Gewissen zu beruhigen. Wie scheinheilig ist das denn!" flüsterte sie mit tränenerstickter Stimme in die stille dunkle Nacht während der Wind ihr um die Nase bließ. Was willst du ihm eigentich sagen? Das es dir leid tut, du aber bemerkt hast das du doch Alex liebst, vergiss es. Du kannst ihn jetzt nicht besuchen gehen.
Noch schwerer als der Schock über Enriques Verzweiflungstat, denn sie wusste das es kein Unfall sondern eine Kurzschussreaktion eines Hoffnungslosen war, saß ihr die Gewissheit in den Knochen, die sich förmlich zu erdrücken schien, das sie der Auslöser war. Es war ihre Schuld. Hätte ich bloß Alex nicht nachgeben. Ich hätte Alex wieder wegschicken müssen, so wie ich es geplant hatte.

Susanne und Ingo saßen immer noch wie versteinert auf dem Sofa. Jeder an einem Ende, schwiegen sie in die ohnehin schon unerträgliche Stille. Sie konnte Ingo seine Anteile an ihrem Disput irgend wie einfach nicht vergessen. Der schrille Ton der Glocke zerriss die gespenstische Stimmung. Ingo sprang sofort auf um zu öffnen. "Hallo Natascha "Grüß dich Ingo" Nun trat auch Susanne langsam in den Wohnungsflur. "Natascha, ist irgend etwas mit Anna?" fragte sie sofort mit mütterlicher Besorgnis. "Sie ist also nicht bei euch" kam Nataschas von entsetzten geprägte Antwort. " Nein, habt ihr euch gestritten, was ist passiert?" " Ich konnte es einfach nicht weiter mit ansehen wie Anna sich in ihrer Trauer verkriecht, deshalb habe ich ihr vorgeschlagen sich an Dr. Viktorienthaler zu wenden." "Und was soll das heißen, Wer ist dieser Dr. Viktorienthaler?" unterbrach Ingo. " Er ist ein ausgezeichneter Psychologe und Psychiater. Eine Korrifäe auf seinem Gebiet" "Wieso soll Anna zum Psychiater?" Ingos unverständnis begann immer mehr zu wachsen.

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

24.03.2011 13:51
#3 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Teil 10

David saß inzwischen wieder auf seinem Sofa und überblickte das Chaos, das sich ihm bot. Seine Wohnung sah aus als hätte eine Horde Elefanten Fußball gespielt.
Seine Augen blieben wiedererwarten frei von der bisher alltäglichen Kälte . Irgend etwas war anders, es war in ihm etwas gebrochen, etwas das beim ihm das böse stützte. Eigentlich passierte es schon in dem Augenblick in dem Annett ihm offenbart hatte, das ihr Herz oder was auch immer sich bei ihr an dieser Stelle befindet, NICHT für ihn sondern lediglich für Alexander schlägt. "Ich wollte es wohl selbst nicht wahrhaben, das ich nicht das personifizierte Böse bin, sondern bloß ein emotionsgesteuerter Volltrottel, deshalb habe ich wohl auch noch nach ihrem Abgang meine Erfüllung in Rache und Verschlagenheit gesucht." Es war die Verbitterung über die Erkenntins das der Großteil seines Lebens eine einzige Lüge war, die ihm seelische Höllenqualen bereitete. Er wollte sich einfach nicht eingestehen das er Annett hörig war, er tat alles für sie, weil er ihr verfallen war und versuchte ihr immer alles recht zu machen in der Hoffnung einmal eine Chance bei ihr zu bekommen. Sogar zum Mörder ist er geworden wegen ihr, er hatte einfach alles was die jeweiligen Situationen abverlangt haben für sie getan. Es hatte sich eben immer schon alles nur um sie gedreht, erinnerte David mit schmerzendem Herzen. Nun saß er da, mit gefalteten Händen und gesenktem Blick, geleutert von der Vergangenheit und bereit für einen Neuanfang. Wahrscheinlich um sich selbst zu beweisen, das es ihm ernst war, fasste er den Entschluss die Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen, auch wenn das bedeutete das er seine Anwaltskarriere für immer in den ewigen Jagdgründen versenken muss. Man kann eben aus dem Buch des Lebens keine Seiten heraustrennen, aber immer wieder ein neues Kapitel beginnen.

Anna stand nun vor Enriques Wohnungstür. Sie hatte in der Dunkelheit nur mit Mühe hergefunden, schließlich war sie erst einmal hier und das war bei Tageslicht, da hat die Stadt eben immer ein anderes Gesicht. Bei dem Gedanken an ihren ersten Besuch trübte sich ihr Blick wieder durch einen Schleier aus Tränen. "Jonas" schluchzte sie in die Stille und rutschte an der Wand lang auf den Fußboden. Doch plötzlich stoppte sie ihren tränenfluss abbruppt. " STOPP, Anna hör auch, denk an deine Zukunft. Du willst doch nicht das Natascha rechtbehält und du wirklich zum Psychiater musst, weil du ausschließlich in der Vergangenheit lebst." Nur mit Mühe gelang es ihr sich aufzurichten, der Babybauch der inzwischen schon eine stolze Größe erreicht hatte war ihr dabei auch keine Hilfe. Sie drückte auf die Klingel doch nichts rührte sich, die Stille verharrte." Man, wo soll ich denn jetzt hin, Paloma kommt erst morgen aus Spanien" Ihre Mutter hatte sich den Mittelfußknochen gebrochen und musste das Bett hühten." Zu meinen Eltern kann ich auch nicht." Irgend wie spührte sie das sie sich gerade nicht in der Verfassung befand den Fragen ihrer Mutter Rede und Antwort zu stehen und ebenso wenig die Kraft besaß Verständnis für ihr das Unverständnis ihrer Eltern aufzubringen, wenn sie tief in sich hineinhörte.

Susanne und Ingo waren außer sich vor Sorge, diese vereinte sie jedoch ebenso wenig wie all die bisherigen Versuche. Während Susanne durchaus Verständnis für Nataschas Handeln aufbrachte, war ihr Mann außer sich vor Empörung. "Für wen hälst du dich eigentlich? Für den Richter über Gedei und Verderben? Vielleicht bin ich nicht so reich und gut gebildet wie du, aber eines weiß ich, meine Tochter ist ganz sicher nicht verrückt!" "Ingo, ich habe nie behauptet das Anna verrückt ist, ich meinte lediglich" " Ach ja, wie konnte ich das vergessen, Du meintest natürlich lediglich das sie zu einem Irrendompteur gehen soll" " IRRENDOMPTEUR, Irrendompteur" Natascha lachte hämmsich "Ich fasse es nicht, ich glaube mein lieber Ingo du überschätzt da ein wenig deine Kompetenzen" gab Natascha mit frotzlerischem Unterton zurück. "Ach ja, du hast ein Problem mit einem Psychiater, aber das deine Tochter an ihrer Trauer fast zu Grunde geht, scheint dir völlig schnuppe zu sein. Du tickst doch nicht mehr richtig" brüllte Natascha nun regelrecht, machte am Absatz kehrt und verließ laut vor sich hin fluchend die Polaukesche Wohnung.
Der Disput war in der stimmlichen Intensität so sehr aus dem Ruder gelaufen, das sogar Mia aus ihrem Zimmer gelaufen kam. "Tante Susi, Onkel Ingo, Was ist denn hier los?" "Das fragst du mal besser den da, der hat nämlich allem anschein nach gerade komplett den Verstand verloren" ätzte Susanne mit dem Blick in Richtung Ingo gerichtet, drehte sich um und ging in Richtung Schlafgemach."Ingo, Ingo, mit ihr hast du es dir ja ordentlich verscherzt. Wenn Blicke töten könnten" meinte Mia kopfschüttelnd und Ingo ergänzte sie. "dann wäre ich jetzt ein Fall für die Bestattung"

----------------

Teil 11

Anna hatte in der WG übernachtet. Palomas Bett ist ja schließlich leer. Sie hatte so gut wie schon lange nicht mehr geschlafen. Wahrscheinlich war es der Abstand und die fehlenden Erinnerungsgegnstände an Jonas die Anna eine so fantastische Nachtruhe geschert hatten. Gleich nach dem Frühstück zu dem sie von Jojo, Maik und Lily zur Feier des Tages, sie waren einfach überglücklich das Anna bereit war ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen, eingeladen wurde, machte sie sich auf den Weg in die Else. Sie hatten alle ganz gespannt gefragt wie es ihr geht und wie sie sich fühle und sie konnte ihnen ihre Neugier nicht einmal verdenken, bei all dem was sie sich nach Jonas, nach dem er verschwunden war geleistet hatte. Sie lag ja mit einem Nervenzusammenbruch eine Woche im Krankenhaus, weinte non stopp, sodass die durch das viele Weinen verursachten Kopfschmerzen die seelischen Quallen unter denen sie bei dem Gedanken an Jonas heute noch leidet nahezu überdeckt wurden, sie ließ niemanden an sich heran außer Natascha und eigentlich war ihr alles egal, so gar das Baby wurde für sie bedeutungslos, obwohl sie sich vorher so sehr darauf gefreut hatten. Sie und Jonas

Mia hatte sich nun doch dazu entschlossen, nach dem sie eine Nacht darüber geschlafen hatte, Enrique zu besuchen. Die Schwester hätte sie ja sicher nicht angerufen, wenn Enrique sie nicht sehen wolle.
Im Luisenkrankenhaus angekommen, marschierte sie sofort auf Station auf der Enrique lag und wurde dort nachdem sie nach Herrn Vegaz gefragt hatte von Schwester Elke überschwenglich begrüßt. "Fräulein, Entschuldigung sind sie mit Herrn Vegaz verwandt" rief die eine Schwester Mia hinterher. "Sie ist seine Verlobte" antwortete Schwester Elke wie aus der Pistole geschossen. Mia erstarrte innerlich zu einer Litfaßsäule und jegliche Farbe wich aus ihrem Gesicht. Seine Verlobte, aber wieso sagt Enrique ich sei seine Verlobte, nachdem er Alex und mich beim Küssen erwischt hat. Irgenwie verstehe ich gerade gar nichts mehr. "Frau Maschke sie sind auf einmal so blass, geht es ihnen nicht gut" fragte die Schwester besorgt. " Nein, nein, aber ich weiß nicht ob Herr Vegaz" weiter kam sie nicht. "Machen sie sich nicht so viele Sorgen Kindchen, er spricht die ganze Zeit nur von ihnen und wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, ihre Geschichte ist so unglaublich schön, unsereins kann nur von soetwas träumen, aber sie beide haben die wahre Liebe gefunden und das auch noch auf so ungewähnlichem Wege. Ich war wirklich sprachlos als mir Herr Vegaz ihre Geschichte erzählt hatte...." Mia wurde mit jedem Wort das die Schwester sprach mulmiger, ihr kamen die ganzen Momente mit Enrique wieder hoch, ihre Gefühle fuhren Achterbahn, sie konnte nicht mehr denken oder wollte sie es nicht mehr. Sie wusste es nicht, sie bemerkte lediglich das sie die Stimme von Schwester Elke in ihrem Kopf immer ferner wahrzunehmen begann. Sie klang irgendwie als wäre ihr Gegenüber in Amerika und sie hier. " Bitte sehr, hier wären wir" riss die Schwester Mia aus ihren Grübbeleinen. Mias Herz rutschte in die Hose als sie langsam das Zimmer betrat, denn sie wagte sich nicht auszumahlen was jetzt alles passieren könnte, welche Reaktion er auf ihr erscheinen zeigen wird. Langsam trat sie weiter in das Zimmerinnere bis sie Enrique, der gerade schlief, erblickte. Er sah so friedlich aus.

-------

Teil 12

Nun war er da, der Moment den sie gestern Abend vor dem einschlafen so oft in Gedanken hat durchlaufen lassen. Ihr Herz begann schneller zu schlagen, ihr Gehirn litt unter einem totalen Blackout, trotzdem drückte sie die Klinke der Tür in die Goldelse hinunter und trat hinein. Die ganze Angst von vorhin war wie verflogen, denn kaum war sie eingetreten umgab sie ein Gefühl der Wärme und der Heimat. Ihre Mutter stand gerade hinter der Theke und begann über das ganze Gesicht zu strahlen als sie ihre verlorenegeglaubte Tochter erblickte. Sie konnte ihr Glück kaum fassen, ihr Herzschlag setzte einmal aus und sich musste sich zwingen konstant weiterzuatmen, das Glas das sie gerade mit Bier füllen wollte,ließ sie fallen. Sie rannte hinter der Theke hervor und rief währenddessen "Ingo, Jojo, kommt schnell" und dann war sie auch schon bei Anna, die etwas erstarrt war und einen kurzen Moment lang nicht recht wusste wie auf die Freude ihrer Mutter reagieren sollte. Natürlich freute sie sich auch wieder hier zu sein, ihre Mama wiederzusehen etc., aber andererseits trübten die Schuldgefühle etwas ihren Glücksschub. "Anna" stieß Susanne in einem glücklichen Seufzer aus während Mutter und Tochter in einer tiefen innigen und langen Umarmung versanken. "Mama, ich" begann Anna vorsichtig." Anna, mein Kind ich bin so froh das du da bist! Wie geht es dir? Willst du etwas essen, trinken?" Susanne konnte ihre Euphorie über den Besuch ihrer Anna kaum bündeln und quasselte in einem fort. Nun waren auch Ingo und Jojo aus der Küche getreten und kamen strahlend auf das wiedergekehrte Familienmitlied. "Anna" rief Ingo und nahm sie in den Arm. "Papa, Mama, es tut mir alles so leid" versuchte Anna erneut ihre Erklärung zu beginnen, doch sie wurde auch diesmal wieder unterbrochen. "Anna, ich bin einfach nur glücklich, das du wieder hier bist, das ist alles. Eines würde mich dann aber doch interessieren"fügte Ingo nach einer kurzen Atempause hinzu. "Was, Papa?" " Wo warst du heute Nacht." In der WG, Palomas Bett ist ja frei" "Anna, Schatz du hast uns echt einen Mordschrecken eingejagt, du kannst dir gar nicht vorstellen was dein Vater und ich uns für Sorgen gemacht haben. Ich habe die ganze Nacht wachgelegen aus Angst das dir etwas zu gestoßen ist. Versprich mir das du soetwas nie wieder machst" warf Susanne besorgt ein. "Ja, Mama ich verspreche es, ich weiß das war dumm von mir, aber ich war einfach so außer mir vor Wut, als Natascha mich zum Psychiater schicken wollte, das ich aus meiner Verzweiflung heraus einfach abgehauen bin."

Mia stand schon eine Weile im Krankenzimmer und beobachtete den schlafenden Enrique. Gerade als sie sich umdrehte und wieder gehen wollte, nebenbei bemerkt war sie froh darüber, wachte Enrique zu ihrem entsetzen auf."Mia, schön das du endlich gekommen bist. Ich hab dich schon so vermisst" erreichte sie Enriques vor Freude strotzende Stimme. Obwohl sie sein Gesicht nicht sehen konnte, wusste sie das er über das ganze Gesicht strahlte. Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen und begann. " Enrique, hast du der Schwester erzählt das wir verlobt sind?" "Ja, hätte ich das nicht tun sollen, ist das ein Problem für dich? Ich bin einfach so glücklich das wir bald heiraten, das ich es am liebsten jedem erzählen würde" "Nein, nein aber ich dachte nachdem" begann Mia vorsichtig, Enrique unterbrach sie jedoch. "Weißt du, ich habe von dir geträumt und im Traum auch nach dir gerufen und Schwester Elke hat das gehört und mich geweckt und darauf wollte sie unbedingt wissen, welche Frau mich so sehr berührt das sie sogar den Weg in meine Träume findet." "Das ist ja toll" brachte Mia etwas gequält hervor. Langsam dämmerte ihr der Gedanke das Enrique durch den Unfall an einer Amnesie leiden könnte, da er sich ja offensichtlich nicht an die ungeplante Begegnung mit Alexander erinnerte.

Ihre Befürchtung betätigte sich bei ihrem Gespräch mit dem diensthabenden Oberarzt Dr. Stein. Er hatte kurzes schon ergrautes Haar und war sehr darum bemüht sie zu beruhigen. Normalerweise achtete sie nicht weiter auf das Aussehen ihrer Gegenübers, aber heute war das irgendwie anders, vielleicht lag es daran das sie momentan mit der Situation etwas überfordert war. Mia wusste einfach nicht wie sie weiter mit Enrique umgehen sollte, denn schließlich war sie ja nun wieder mit Alex zusammen, der Arzt hatte jedoch ausdrücklich erwähnt das sie ihn mit keinen negativen Nachrichten belasten soll. Enrique braucht jetzt einfach viel Ruhe um wieder zu Kräften zu kommen. Aber wie soll ich das jetzt alles Alex erklären, dachte Mia verzweifelt, sie hatte einfach keine Ahnung wie das alles weiter gehen sollte.

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

20.06.2011 18:24
#4 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Sorry, erstmal das ich soglange nichts mehr gepostet habe.
Ich hab inzwischen 58 Teile von meiner FF und circa bei 30 habe ich eine radikale Veränderung vorgenommen, deshalb ist diese Übergangsphase etwas sonderbar
Erst waren Tom und Paloma liiert und jetzt sollen es Anna und Tom werden,ich hoffe ihr wisst was ich meine.
Sollte trotzdem noch jemand die FF lesen wollen, poste ich natürlich gerne weiter.
Liebe grüße Gretchen18

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

21.06.2011 16:14
#5 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Falls sich in den kommenden Teilen Anna und Tom über den weglaufen sollten, bitte ich das zu entschuldigen, ich werde die Paloma und Tom Szenen so gut es geht entfernen, aber alles geht irgendwie nicht.
BItte um Verständnis

Teil 13
Susanne und Anna saßen mittlerweile an einem der freien Tische in der Goldelse und unterhielten sich. Jojo war zurück in die Küche,einer musste ja schließlich kochen. "Ich möchte das ihr wisst, das mein Verhalten nichts mit euch zu tun hatte, ich habe Jonas so sehr geliebt, sein Tod hat mich einfach so sehr aus der Bahn geworfen" "Anna, das wissen wir doch, wir sind dir nicht böse." antworte Susanne während sie ihrer Tochter behutsam über den Rücken strich, während Ingo seine Frau mit einem grimmigen Blick löcherte, wusste er doch um die Wahrheit, die noch gestern mit aller Härte in den 4 Wänden geherrscht hatte. "Bei Natascha im Penthouse hatte ich anfangs immer das Gefühl das Jonas noch da ist, das er gleich bei der Tür herein kommen würde, mich in den Arm nehmen würde und sagen, das alles gut ist." " Ich dachte auch, das mich nur jemand verstehen kann, der so etwas schon einmal durchlebt hat. ich hab euch damals sehr verletzt, aber das wollte ich nicht, ihr seid doch meine Eltern." Bei diesem Wort begann sie wieder herzzerreisend zu schluchzen, denn es wurde ihr wieder einmal bewusst das das Kind in ihrem Bauch diese Familienkonstelation nie erleben wird. Es wird nie einen Vater haben. Susanne nahm ihre Tochter nun in den Arm und wollte natürlich gleich voller Besorgnis wissen, was der Auslöser für ihren Weinkrampf war, auch wenn sie es tief in ihrem Inneren ahnte. " Mein Kind, es wird nie einen Vater haben" "Ach, Anna, dafür wird es eine wundervolle Mutter haben und liebe Großeltern und ...; glaub mir, es wird alles gut" " Mama ich habe das Gefühl ich schaffe das alles nicht, das mit dem Baby. Mit Jonas an meiner Seite hatte ich immer das Gefühl alles schaffen zu können, doch seit er nicht mehr da ist, fühle ich mich sooft alleine und hilflos, manchmal denke ich ohne ihn hat nichts einen Sinn." "Anna, so etwas darfst du nicht einmal denken, hörst du. Wir schaffen das! Du bist stark, viel stärker als du denkst. Du warst nach Jonas Tod in einer Ausnahmesituation und das kann ich auch verstehen, aber du musst jetzt an die zukunft denken, an dein Kind. Es braucht dich.." ja, Mama, Anna hatte irgendwann aufgehört ihrer Mutter zu zu hören, es war ihr einfach zu beschwerlich geworden, obwohl sie wusste das sie es nur gut meinte, aber sie hatte einfach unerträgliche Kopfschmerzen in der Stirnregion, die letzte Zeit war wirklich sehr schwer gewesen. Doch nun war es Zeit nach vorne zu sehen, das wusste Anna, auch wenn sie es noch nicht begreifen will, denn dann müsste sie auch einsehen, das das Kapitel Jonas endgültig zu ist.
Mia war gleich vom Krankenhaus zu Alexander in die Wohnug gefahren. Er war nicht gerade freundlich, da er sauer war, weil sie ihn gestern hat einfach sitzen lassen. Doch so sauer wie er wurde als er von Enriques Amnesie erfuhr war Mia unbeschreiblich. Sie hatte ihn noch nie so außer sich erlebt wie jetzt gerade. Er machte ihr mit seinem zügellosen Verhalten sogar ein wenig Angst. "Du willst was?" "Es ist doch nur für die Zeit bis Enrique sich wieder erinnert, bitte Alex" "Nein, nein, nein das mache ich nicht" brüllte Alex "Was ist denn dein Problem? Was bitte ist so schlimm daran, schließlich sind wir beide ja nicht ganz unschuldig an seinem Zustand?" "Ja, genau, was ist wenn er dir ein schlechtes Gewissen machen will und die Amnesiegeschichte einfach nur Show ist um dein Mitleid zu erwecken und du zu ihm zurückkehrst" " Das ist jetzt nicht dein Ernst. Ernique würde so etwas nie sagen" jetzt hatte auch Mia gefallen an dem lautstarken Tonfall gefunden. "Weißt du was, geh doch zu deinem Enrique und trag ihm von mir aus die Kachel aus, aber lass mich zu frieden, ich kann nämlich dieses ewige Theater nicht mehr ertragen." Alexander schrie nun schon so laut, das seine Stimme plötzlich erstarb und er nur noch heißer und kratzend seinen Satz beenden konnte. " Du verlässt mich also wieder mal, wo ist den jetzt der letzte Fußtritt? Alle haben sie mich vor dir gewarnt, alle aber ich wollte nicht auf sie hören, ich bin auf dein Theater reingefallen, ich doofe Kuh" machte Mia mit tränennassen Augen ihren Unmut Luft. " Mia, Mia bitte, ich habe das nicht so gemeint, ich liebe dich doch mehr als alles andere auf der Welt, ich hatte doch einfach nur Angst, das du mich verlässt" versuchte Alexander noch zu beschwichtigen, doch ohne Erfolg. " Ich wünsch dir ein schönes Leben" und schon knallte die Tür mit ohrenbetäubendem Lärm zu. Auch Alexanders Augen wurden glasig und er ging zu seinem Boxsack um seiner Trauer und seiner Wut gegen sich selbst Luft zu machen. "Scheiß verdammte Zweifel"

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

21.06.2011 16:15
#6 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Teil 14
Mittlerweile ist eine Woche vergangen. In dieser Woche ist jedoch viel passiert.
Anna hatte wieder einen Termin bei ihrer Frauenärztin, in der Praxis traten ihr wieder die Tränen in die Augen, obwohl ihre Mutter neben ihr saß fühlte sie sich alleine. Sie erinnerte sich wehmütig zurück, als sie das erste mal zur Untersuchung hier war, mit Jonas. Er hatte sich so gefreut auf das Baby und jetzt, jetzt war er nicht mehr da. Anna lehnte den Kopf an die Schulter ihrer Mutter, während die Buchstaben auf der gegenüberliegenden Wand immer mehr verschwammen. Susanne nahm ihre Tochter liebevoll in den Arm, doch Anna konnte nicht aufhören zu weinen.
Anna war leicht nervös wenn sie an die Geburt dachte, aber sie freute sich auch gleichzeitig auf den Moment in dem sie das kleine Würmchen das erste Mal im Arm halten kann. Sie weigerte sich jedoch das Gechlecht des Babys vor der Geburt zu erfahren, sie wollte sich einfach überraschen lassen, daher begann in ihrer Familie ein erbitterter Kampf um die Vornamen. Es mussten ja männliche sowohl weibliche gefunden werden. Susanne war z.B. für Katharina und Maximilian, Mias Favoriten waren Lena und Matthias, sie kam bei diesem Thema richtig ins schwärmen, denn sie beneidete ihre Cousine insgeheim um das Baby... Anna war mit den Vorschlägen ihrer Familie nicht so wirklich einverstanden, denn sie wollte keinen gewöhnlichen Namen für ihr Kind. Es war ja auch ein besonderes Kind, wenn man an die Liebesgeschichte seiner Eltern denkt. Jetzt wurde sie wieder traurig. Sie fragte sich im stummen, wie lange diese Trauer beim Gedanken an Jonas noch über ihr hängen wird. Ewig?, was war wenn sie dieses Gefühl nie wieder verlies. Anna wurde leicht panisch.

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

21.06.2011 16:16
#7 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Teil 15
Enriques Genesung schirtt den Umstränden entsprechend gut voran, doch die Amnesie für die Woche vor dem Unfall ist immer noch aufrecht. Mia kümmert sich rührend um ihn, sie besucht ihn jeden Tag, erzählt ihm Geschichten, sowie er es früher immer gemacht hatte, als sie noch Kinder waren und im Krankenhaus lagen. Mia genoss die Zeit mit Enrique. Anfangs fiel es ihr schwer zu verbergen, das sie traurig war, sie konnte Enrique ja schlecht von ihrem furchtbaren Streit mit Alex erzählen. Doch jeden Tag ging es ihr besser und ihr Lachen war inzwischen wieder echt. Sie musste sogar fast nicht mehr an Aley denken, sie fühlte sich bei Enrique einfach beborgen. Er war irgendwie immer noch ihre Heimat, daran hatte sich seit dem Tod ihrer Eltern nichts geändert, beim ihm konnte sie einfach sie sein.
Alexander war noch immer wütend auf sich selbst, denn seit seinem Ausrutscher vergangene Woche herrschte Funkstille zwischen ihm und Mia. Er hat sie gut hundertmal angerufen und 50 SMS geschrieben, doch sie hat ihn jedes Mal weggedrückt und auch auf die SMS nicht geantwortet. Er begann, obwohl es sonst nicht seine Art war, sich zu betrinken. Beim ersten Mal musste er sich noch zwingen, doch jetzt geht es schon zu gut. Er kann ohne Alkohol nicht mehr leben, denn der monströse Kater den er jeden Tag hat, betäubt seinen Liebeskummer. Ihm ist alles egal, einfach alles, er verlässt die Wohnung nur um Nachschub zu holen, wäscht sich nicht, pinkelt dort wo er steht, trägt den Abfall nicht raus, lüftet nicht, obwohl das noch das harmloseste von allem ist. Seine Wohnung stinkt schon schlimmer als eine Autobahntoilette die seit 3 Jahren nicht mehr gereinigt wurde.
David ging zur Polizei um ein Geständnis über seine Schandtaten abzulegen. Dem Polizisten fielen fast die Augen heraus als ihm David seine Schweinereien beichtete, denn er kannte solche Aktionen sonst nur aus dem Fernsehen. Sein Zustand verschlechterte sich noch um ein paar Grad als er den Antriebsgrund für all diese Gräueltaten erfuhr. Der Polizist konnte es erst ja nicht fassen und so wiederholte er es noch mal selbst laut um sicher zu gehen, das er sich nicht verhört hatte."Sie taten das aus Liebe zu ihre Schwester, das ich das richitg verstehe sie fanden sie sexuell anziehend?" fragte er in leisem Ton und mit einem Hauch von "das kann doch nicht war sein" in der Stimme. Er sichterte, wie es Pflicht seines Amtes war, David mildernde Umstände zu auf Grund seiner Selbstanzeige um eine längere Haftstrafe würde er jedoch trotzdem nicht herum kommen, das war sogar diesem uniformierten Analphabeten klar. Eigentlich hätte er noch Interesse an mehreren Details gehabt, denn dann hätte auch er endlich mal etwas spannendes am Stammtisch zu erzählen können, doch die Angst es könnte noch perverser werden stoppte seine Neugier. David wurde in Untersuchungshaft genommen. Der Polizist machte nach dem David abgeführt wurde ein Kreuzzeichen und sagte laut mit von Verzweiflung angehauchter Stimme "Um Gottes Christi Willen, was ist das für ein Mensch?" ( in Orginalsprache gehört es so: In Gootes Christi Wülln) und schlug sich mit der Hand an die Stirn.


Teil 16
Susanne und Ingo hatten sich ebenso wieder zusammengerauft und waren wieder glücklich oder wie man diesen Zustand auch immer bezeichenen konnte. Anfangs war es ihnen schwer gefallen einander die Fehler einzugestehen, aber dank Annas geschickter Vermittlung, haben sie die Gemeinsamkeit dann doch wiedergefunden, nicht zu letzt die Aussicht auf ihre neue Rolle als Großeltern hatte sie diesen Schritt tun lassen natürlich ganz zu schweigen von der "Rückkehr" ihrer Tochter in die Welt der Lebenden." Susanne, bitte ich wollte dich nicht verletzten, ich habe Anna doch genauso vermisst wie du, aber ich kann das eben nicht zeigen. In solchen Dingen bin ich halt etwas ungeschickt, aber das müsstest du ja in der zwischen Zeit schon wissen. Verzeih mir,bitte" machte Ingo den etwas wackeligen Anfang. " Ingo, es tut mir auch leid, ich hatte kein Recht dich so anzufahren. Aber ich war eben total mit den Nerven am Ende. Ich habe ja kaum noch geschlafen, ich war sicher unausstehlich. Verzeihst du mir?" stellte Susanne ihre Bitte an ihren Mann mit Fragezeichen in den Augen. Ingo konnte ihr einfach nicht mehr böse sein, wenn sie ihn so ansah, mit diesem Blick hatte sie ihn immer noch weich gekriegt. "Klar, Susi schatz" sagte er lachend und gab ihr einen Kuss. "Ich verzeih dich auch, mein Schatz" Nun erhoben sie beide lachend ihre Kaffeetassen und sagten im Duett "Auf unsere Anna"
Anna hatte auch ihren Kanossagang zu ihrer Schwiegermutter angetreten. Erst war das Gespräch unterkühlt, später jedoch siegte die Vernunft und die Einsicht über den Stolz der Beiden. Doch Natascha hatte eine Bedingung." Anna, versprich mir da du auf dich bzw. euch aufpasst und wenn du jemanden zum reden brauchst, du weist ich bin immer für dich da. Ich wollte wirklich weder dich noch deinem Vater beleidigen als ich dich zu Dr. Viktorienthaler schicken wollte." stelle Natascha bestimmend fest " Natascha, das weiß ich doch, wahrscheinlich habe ich auch etwas über reagiert, du weist ja wie das mit den Hormonen ist" sagte Anna lächelnd uns streichelte glücklich ihren Bauch. Natascha fiel die Anspannung wie ein schwerer Stein ab. Sie war wirklich heil froh, das sie und Anna sich ausgeprochen haben und das ihre Schwiegertochter wieder an ihr Baby dachte. "Du musst entschuldigen, Papa hat das bestimmt nicht so gemeint, du musst wissen, er hat aus mir unbekannten Gründen einen ziemlichen Horror vor Psychiatern und Psychologen" fügte Anna noch bemerken hinzu. Natascha sah Anna etwas besorgt an, diese erfasste ihre mimische Deutung und entkräftete sie sofort. " Lieb das du dich sorgst, aber mir geht es gut, wirklich. Ich bin okay Tschüss" "Tschüss, Anna" Natasch sah ihr immer noch besorgt hinterher. "Ich hoffe wirklich das du recht hast, Anna"

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

21.06.2011 16:17
#8 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Teil 17
Heute ist Heilig Abend. Anna versetzt der Gedanke an die Weihnachten vor einem Jahr einen langen grellen Schmerz in der Brust. Sie zuckt regelrecht vor der Flut an Erinnerungen, die sie zu erdrücken scheinen zusammen. Damals hatten sie und Jonas noch geglaubt, das die Zukunft ihnen gehört, das sie unzertrennlich sind, nachdem sie alle Hürden die ihnen gestellt wurden, gemeistert hatten. Sie waren so glücklich, hatten so viele Träume und plötzlich veränderte eine beschissene, eine einzelne kleine Minute alles. Es zerstörte das Gute und säte das Böse. Weihnachten, Anna treten die Tränen in die Augen, sie hat absolut keine Ahnung wie sie diesen Tag überstehen soll. Wie sollte sie ihn jemals wieder glücklich feiern können, wenn sie doch weiß das Jonas nicht bei ihr ist, obwohl alle ihr zu erzählen versuchten, das er bei ihr wäre, über sie wachen würde. Vielleicht sollte sie anfangen daran zu glauben oder es ist gar kein Ammenmärchen, möglicherweise wachte Jonas ja wirklich über sie und das Baby. Sie blickte an sich hinab und strich sachte über ihre rundliche Babygarage. Jetzt wird es nicht mehr lange dauern, bis zur Geburt, sie freute sich irgendwie darauf, andererseits hatte sie Angst. Er wäre der beste Vater geworden, der beste auf der ganzen Welt, er hatte sich doch so gefreut. Bei diesem Wort wurde sie noch trauriger, obwohl sie sich oft gefragt hatte, ob das bei ihrem Emotionszustand in dem sie sich seit Jonas Abgang gefand noch eine negative Steigung geben konnte. Was sollte sie denn einmal ihrem Kind erzählen, wenn es nach seinem Vater fragt. Sie schaffte es doch nicht einmal das Wort, welches man von hinten und vorne lesen kann auszusprechen und das dazugehörige Nomen schon gar nicht. Susanne holte Anna aus ihren trübsinnigen Grübeleien. "Anna, kommst du! Wir müssen noch den Christbaumschmücken" Susanne die gerade in die Küche geeilt kam, stoppte apruppt ab, als sie ihre Tochter erblickte, die am Tisch saß und wie ferngesteuert guckte und deren Gesicht von den Tränen gezeichnet war. " Anna, Schatz was ist denn passiert?" Doch ihre Tochter antwortete ihr nicht sondern begann lediglich herzzerreisend zu schluchzen. Susanne nahm ihre Tochter in den Arm und strich ihr behutsam über den Rücken, sowie sie es früher immer gemacht hatte, als Anna noch klein war. Die Verzweiflung ihrer Tochter trieb auch Susanne die Tränen in die Augen.
Nach einer Weile hielt Anna inne und begann etwas schniefend zu reden, es war ihr egal was ihre Mutter darüber dachte, sie musste es einfach loswerden. "Ich habe irgendwie Angst vor der Geburt, das ein Kaiserschnitt gemacht werden muss, Angst das das Baby etwas haben könnte,...Aber vorallem kann ich mir nicht vorstellen ohne Jonas, also ich meine, wenn er bei mir war, durchdrang mich immer das Gefühl unbesiegbar zu sein und einfach alles meistern zu können, aber jetzt, jetzt ist alles so anders. Mama, ich weiß einfach nicht" weiter kam sie nicht, denn ihre Mutter warf besorgt ein. "Anna, mein Schatz, denk nicht so. Ich weiß es ist schwer für dich ohne Jonas, aber glaub mir du schaffst das" "Wie denn, ich schaff doch manchmal nicht mal mein leben zu leben, wie soll ich den so ein Kind großziehen" " Anna, du bist nicht allein, wir sind doch auch noch da und Paloma, Steve, Mia. Wir werden dir alle beistehen, du schaffst das mein Kind, ich weiß du bist stark" sprach Susanne ihrer Tochter Mut zu und hoffte das diese ihre vor Angst bebende Stimme nicht bemerkte.

Mia saß währenddessen in ihrem Zimmer auf ihrem Bett und grübelte, das sieihr Handy in der Hand hielt, bemerkte sie erst als es unter einem lauten Krach den Fußboden küsste. Was er wohl gerade macht? Denkt er noch an mich? Werd ich in jemals wiedersehen?, all diese Fragen schickte Mia seit nun schon gut 2 Monaten mit lichtgeschwindigkeit durch die engen Gänge ihrer Synapsen. Solange ist es her, das sie zuletzt von Enrique gehört hat, damals hatte sie sich zu der im Nachhinein von ihr als wenig geistreich eingestuften Vollwahrheitsvariante entschlossen, die die kurzzeitige Irrfahrt im Alexandergewässer beinhaltete. er hatte nämlich bei seinem Unfall einen Teil seiner Erinnerungen verloren. Als er von der Sache zwischen ihr und Alexander erfahren hatte, verschwand er spurlos, bevor sie ihm sagen konnte, das er ihre große Liebe ist und nicht Alexander. Ach, er fehlt mir so, aber wie heißt es so schön. Man neigt er das dazu etwas als wertvoll zu erachten, wenn man es verloren hat. Hast du recht bravorös hingekriegt Maschke, tadelte sie sich selbst. Heute scheint ihre unerfüllte Sehnsucht nach Enrique ihren Höhepunkt zu erreichen, schließlichist heute Weihnachten und man nennt es nicht grundlos das Fest der Liebe. Was würde ich dafür geben, heute mit dir feiern zu können. Mias Verzweiflung war so groß, das die bekennende Atheistin sogar den Lieben Gott um Hilfe anflehte. "Gott, wenn es dich geben sollte, wenn du irgendwo da oben ist und mich hören kannst, dann bring mir Enrique zurück, ich geh dann auch jede Sonntag brav in die Kirche und ich verspreche ich werde nie wieder an deiner Existenz zweifelen, Bitte" flehte sie mit zur Decke gerichtetem Blick und verzweifelter Stimme in das Meer aus Stille in dem ihr Zimmer schwamm.

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

04.08.2011 17:12
#9 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Teil 17.3
Mia saß währenddessen in ihrem Zimmer auf ihrem Bett und grübelte, das sieihr Handy in der Hand hielt, bemerkte sie erst als es unter einem lauten Krach den Fußboden küsste. Was er wohl gerade macht? Denkt er noch an mich? Werd ich in jemals wiedersehen?, all diese Fragen schickte Mia seit nun schon gut 2 Monaten mit lichtgeschwindigkeit durch die engen Gänge ihrer Synapsen. Solange ist es her, das sie zuletzt von Enrique gehört hat, damals hatte sie sich zu der im Nachhinein von ihr als wenig geistreich eingestuften Vollwahrheitsvariante entschlossen, die die kurzzeitige Irrfahrt im Alexandergewässer beinhaltete. er hatte nämlich bei seinem Unfall einen Teil seiner Erinnerungen verloren. Als er von der Sache zwischen ihr und Alexander erfahren hatte, verschwand er spurlos, bevor sie ihm sagen konnte, das er ihre große Liebe ist und nicht Alexander. Ach, er fehlt mir so, aber wie heißt es so schön. Man neigt er das dazu etwas als wertvoll zu erachten, wenn man es verloren hat. Hast du recht bravorös hingekriegt Maschke, tadelte sie sich selbst. Heute scheint ihre unerfüllte Sehnsucht nach Enrique ihren Höhepunkt zu erreichen, schließlichist heute Weihnachten und man nennt es nicht grundlos das Fest der Liebe. Was würde ich dafür geben, heute mit dir feiern zu können. Mias Verzweiflung war so groß, das die bekennende Atheistin sogar den Lieben Gott um Hilfe anflehte. "Gott, wenn es dich geben sollte, wenn du irgendwo da oben ist und mich hören kannst, dann bring mir Enrique zurück, ich geh dann auch jede Sonntag brav in die Kirche und ich verspreche ich werde nie wieder an deiner Existenz zweifelen, Bitte" flehte sie mit zur Decke gerichtetem Blick und verzweifelter Stimme in das Meer aus Stille in dem ihr Zimmer schwamm.

Teil 17.4
Steve und Alexander, die nach dem Tod von Jonas in ihrer Trauer die Freundschaft gefunden hatten, waren aus tiefstem gemeinsamen seelischen Empfinden übereingekommen, Weihnachten im klassischen Sinne heuer ausfallen zu lassen. Sie wollen statt der Geburt Christi, den Tod ihrer beider unglücklicher Liebe "feiern" und sich wieder einmal so richtig volllaufen zu lassen um wenigstens für ein kurzes Weilchen die amourösen Schmerzen zu betäuben.
Alexander und Steve wollen sich mit einem Brief von den Frauen, denen ihr Herz gehört "verabschieden", symbolisch zumindest. Alexander beginnt als erster mit seinem Brief an Mia.
"Liebe Mia,
Als ich dich das erste Mal gesehen habe, dachte ich mir nur: Man was ist das denn für eine verrückte Nudel, doch je besser ich dich kennen gelernt habe, desto mehr habe ich erkannt wie wunderbar du bist. Deine Intelligenz, deine Warmherzigkeit, deine Schönheit, es kam einfach irgendwann der Tag, an dem selbst ich verbohrter Hornochse erkannt habe, das der Mann, der sich deiner würdig erweist, der glücklichste auf der ganzen Welt ist. Dieses Gefühl bestätigte sich bei unserem ersten Kuss auf meiner Dachterasse, doch leider reichte allein die Erkenntins, das du, liebe Mia, die Liebe meines Lebens bist, nicht aus um unsere Herzen für die Ewigkeit zu verschmelzen. Erst war es dein Anaphabetismus, dann Annett, die ich aus Verzweiflung über das Scheitern unseres Glückes mit aller Gewalt zu lieben versuchte, doch schon als du mit Lars eine Beziehung eingingst, drohte mein Herz zu bärsten vor Schmerz und die Eifersucht schien mich nahezu aufzufressen. Trotzdem gelang es mir nicht dich erneut von meinen ehrlichen Gefühlen zu überzeugen. Erst in Rostock umringt von Kindheitserinnerungen gelang es mir, dich wieder für mich zu gewinnen und ich muss dir ehrlich gestehen es war die schönste Zeit meines Lebens, die ich Rindvieh dann wieder selbst zerstört habe. Geblendet von Annetts Gesundheitszustand habe ich ihr gelähmt von Davids Morddrohung die ewige Treue verschrochen und damit mein sowie auch dein Herz entzweit. Du kannst dir nicht vorstellen, wie weh es es mir getan hat, dich von dir zu lösen, ich dachte ich müsste sterben, als ich dir gesagt habe, das ich dich nie geliebt sondern lediglich gemittleidet habe, doch in meiner Verzweiflung, die mich in diesem moment gegeiselt hielt, wusste ich mir michts anderes. Es gab für mich damals keinen anderen Weg als dich mir aus meinem Herzen zu reißen. Leider wollte diese Wunde gegen jede Vernunft nicht heilen und als du dann mit diesem Vegaz zusammen gefunden hast, wäre ich ihm am liebsten jede Minute an die Gurgel gegangen, er hatte mir schließlich das Liebste genommen was ich hatte. DICH Mia! Für einen Tag hast du mich dann wieder zum glücklichsten Mann der Welt gemacht, doch dann ist dieser Vegaz aufgetaucht und er hat dich mit seinem Unfall wieder an sich gebunden und ich habe dich für immer verloren.
Es tut mir so unendlich leid, das ich dir in meiner scheinbar unendlichen Torheit so viele unnötige Schmerzen zugefügt habe.

In ewiger Liebe dein Alexander"
Nun saß Alexander mit wassrigen Augen auf seiner Couch und weinte seiner vergangenen Liebe nach, um seinen ihn übermanenden Emotionen zu entfliehen winkte er nur Steve an die Reihe, mit seinen Abschiedsworten an seine Prinzessin des Herzens.
Steve musste sich von den vielen Gefühlen, mit denen ihn Alexander in seinem Brief an Mia übermannt hatte auch erst wieder finden, denn er fühlte sich momentan unfähig zu sprechen. Er konnte die ganze Zeit an nichts anderes mehr denken als an seine große Liebe, die wohl für immer unerfüllt bleiben wird und von der er sich trotzdem nicht lösen kann. Zur Beruhigung nahm er einen langen Zug aus der vor ihm stehenden Bierflasche.
Nun begann er:

"Ich liebe dich seit dem Augenblick in dem du mir vorgestellt wurdest.
Ich habe immer versucht es mir nicht anmerken zu lassen.
Ich habe versucht es wegzuschieben, aber ich habe jedesmal Herzklopfen bekommen, wenn du neben mir standest.
Ich würde alles für dich tun, wirklich alles , doch du bist nicht bereit dafür.
Ich kann es dir nicht verübeln, ich weiß ihr habt euch mehr geliebt als euer Leben.
Nach Jonas Tod wünschte ich mir dir die Liebe geben zu dürfen, die dir Jonas nicht mehr geben kann.
Ich versuchte dir als guter Freund beizustehen, doch meine Gefühle quälen mich in jeder Minute.
Ich weiß nicht mehr was ich tun muss, um die Liebe dich ich für dich fühle, wieder los zu werden, denn ich weiß das du momentan einen guten Freund brauchen kannst, aber sicherlich keine neue Liebe.
Ich liebe dich, Anna Broda"

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

04.08.2011 17:16
#10 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Sollte Tom da irgendwo vorkommen, tut es mir leid, ich hab ihn nach bestem Wissen und gewissen rausgelöscht.

Teil 18
Es war die Nacht zum 28. Dezember. Anna hatte am späten Abend erste Wehen bekommen, kurz darauf kam sie von ihren Eltern begleitet im Luisenkrankenhaus an. Gleich nach ihrer Ankunft auf der Abteilung für Gynäkologie, nachdem ihre Daten aufgenommen wurden, wurde sie zum Ultraschall geführt. Annas Herz bekam einen schnelleren Schlag, wenn sie an das Baby dachte, sie hatte um ehrlich zu sein etwas pammel vor der Geburt, davor das mit dem Baby etwas nicht in Ordnung sein könnte oder..Nein, Anna, hör auf, das darfstdu gar nicht mal denken, versuchte sie sich selbst von diesem schrecklichen Gedanken zu entfernen. Der Arzt schien ihre Furcht zu erkennen, die aus ihren Augen schrie und setzte sich zu ihr, legte seine Hand auf ihren Arm. Mit beruhigendem Ton in der Stimme und einem Lächlen auf den Lippen versuchte er die Unnahbarkeit, die sein weißer Mantel verstrahlte, abzuschütteln. "Machen sie sich keine Sorgen, Frau Broda! Frau Dr. Sattmann macht gerade noch ein Ultraschall und dann wird sie Schwester Stephanie auf ihr Zimmer bringen. "Dr. Stein kommen sie bitte einmal, sie müssen sich das ansehen" unterbrach Assistenzärztin das Gespräch mit einer leicht pansichwirkenden Stimme.

Teil 19
Ingo, Susanne, Mia, Natascha und Steve, alle standen sie da, ihre Gesichter waren von ernsten Zügen geprägt, Mia und ihre Tante hielten einander so gar im Arm. Keuchend vor Aufregung und mit zittternden Knien, erkundigte sich Paloma über den Gesundheitszustand ihrer Freundin. " Was ist mit Anna?" "Die Ärzte haben sie vor einer 1/2 Stunde in den OP gebracht" brachte Susanne unter starkem Tränenfluss mit Mühe noch heraus, mehr schaffte sie nicht zu sagen, denn die Angst um ihre Tochter schwang in jeder Silbe die sich sprach mit und wurde irgendwann übermächtig. Mia, die Palomas nun noch mehr verzweiflelten Gesichtsausdruck wahr nahm, fügte hinzu: "Das Baby ist angeblich in der Steislage, deshalb müssen sie es jetzt per Kaiserschnitt holen" "Was, oh mein gott, die arme Anna" kam die Antwort der geschockten Paloma, der es sichtlich schwer fiel, das gehörte zu fassen.
Nun nahm übernahm die Ruhe von vorhin wieder die Führung.
Aus Minuten wurden gefühlte Stunden.
Susanne und Ingo saßen auf den Stühlen am Gang vor dem Op-Bereich mit den Köpfen zur Deke gesrichtet, fast so als ob sie den Lieben Gott um Hilfe antelefonieren wollten. Sie fühlte sich elendsmüde, doch konnte sie trotz einiger Versuche kurz aus der Realität in das Traumreich abdrifften. Es wollte einfach nicht klappen, so sehr sie es auch versuchte, die Angst um Anna erwies sich als zu übermächtig. Mia wandelte ein wenig verloren den Gang auf und zurück, mit ihren Händen an den Mund haltend während Steve wie versteinert mit dem Rücken an die Wand gelehnt und dem Blick auf den grauen Kunstharzboden gerichtet da stand.
In dem Gesicht eines jeden konnte man ohne große Mühen, den Wunsch erkennen an den sich jeder klammerte, das Ende der unerträglichen Totenstille, die in diesem Gang schwebte.
Die Ruhe vermochte sich postwendend zu kehren, als die Schwenktüre zum OP-Bereich sich öffnete und der Arzt heraustrat. Nun standen sie alle auf und traten mit von angstdurchfahrenen aber auch erleichterten Mienen auf Dr. Stein zu. Alle versuchten sie im Gesicht des Oberarztes eine verräterische Regung zu erkennen, doch niemand konnte etwas finden. "Was ist?" riefen sie alle im Chor, dem Arzt entgegen. "Ich kann sie beruhigen, es ist alles inm Grünenbereich. Ihre Tochter ist im Aufwachraum" weiter kam er nicht, denn alle waren nun daran interessiert, was mit dem Baby ist. " Was ist mit dem Baby, Dr.?" fragte Susanne mit zitternder Stimme und einem von Angst durchzucktem Leibe. " Es ist so," begann der Arzt mit gesenktem Blick, er schien die richitgen Worte für die Wahrheit noch zu suchen, was die Anwesenden in ein Panikkoma versetzte. "Wir müssen abwarten, was passiert. Es hängt alles von dieser Nacht ab" beendete der Oberarzt den Satz.
Man konnte regelrecht mitansehen wie die Farbe aus den Gesichtern der Anwesenden wich, sie sahen sich alle mit nach Verzweiflung schreienden Minen an, jeder dachte dasselbe, doch niemand besaß den Mut, das was er dachte auszusprechen.

Teil 20
In jedem von ihnen hallten die Worte des Arztes lange nach. Niemand fand sich so wahrlich im Stande das gehörte zu begreifen. Trotz das sie alle wie in Trance herumschwebten, folgten sie aufmerksam Susannes und Nataschas Rat, sich auf den Heimweg zu bewegen und sich etwas auszuruhen, während die anderen 3 hier weiter die Stellung hielten.
Mia stieg von den Straparzen erschöpft, mit schweren Beinen und ihren Stöckelschuhen in der Hand, die Treppen hinauf zur Polaukeschen Wohnung. Sie trug ihren Kopf gesenkt und die Augen waren nur noch einen Spalt weit geöffnet, die Müdigkeit schien sie jeder Sekunde zu übermannen. Sie war gerade an der vorvorletzen Stufe angelangt, als sie plötzlich Schuhe in ihrem Blickfeld war nahm. Erst schüttelte sie verwirrt den Kopf, denn sie war felsenfest davon überzeugt, dass ihre trägen Augen ihr einen Streich spielten, doch wiedererwarten verschwanden die Schuhe nicht von der Treppe. In Mia stieg Panik auf, sie konnte sich einfach nicht erklären wer das sein sollte, all ihre Freunde und Bekannten waren ja vorhin im Krankenhaus gewesen. Mit einem Schlag war sie hellwach, ihre Gedanken routierten. Langsam aber doch, rang sie sich dazu durch ihren runden Körperaufsatz aufzurichten und das Gesicht zu den Schuhen zu erforschen. Ihre Miene wurde starr, sie konnte es nicht fassen. Sie klatschte mit der flachen Hand auf den Kopf, um sich zu vergewissern, das das hier alles kein Traum war.

Währenddessen saßen Susanne, Natascha und Ingo noch immer im Krankenhaus auf ihren Stühlen, die sich anfühlten als wären sie allesamt mit Reißnägeln bestückt. Es sprach ebenso wie vorhin niemand ein Wort, die Stille versprühte einen gespenstischen Charakter, die durch das leicht dämmrige Licht auf dem Gang nur noch unterstrichen wurde. Alle hofften sie nur das eine, denn etwas war jedem von ihnen klar. Anna würde das nicht überleben, nicht noch einmal. Jonas Tod trieb sie schon an die Schwelle zwischen sein und nicht sein, aber wenn das Kind die Nacht nicht überstehen würde, wäre es Annas Ende. Natascha fasste sich einen Mut und ging zum Schwesternzimmer. Dort schlief die eine Schwester und die andere war zu vertieft in den Fernseher um Nataschas klopfen wahrzunehmen, deshalb trat diese einfach ein und fasste die Schwester an der Schulter, die daraufhin erschrocken herumfuhr und Natascha etwas grimmig anblickte. Natascha tat so als ob sie den Blick nicht bemerkt hätte und fragte um der Situation zu entfliehen gleich nach ihrem Enkelkind. "Mein Name ist Natascha Broda, ich bin die Schwiegermutter von Anna Broda, ich möchte gerne nach meinem Enkelkind sehen. Es liegt im Brutkasten" " Ja, aber ich weiß nicht, ich meine sie können nicht.." stammelte Schwester Elke leicht angesäuert "Man, jetzt stellen sie sich nicht so an, ich will es ja nicht entführen nur sehen" unterbrach Natascha Sw. Elke bitter. Nach längerem hin und her ließ sich die Schwester erweichen und führte Natascha zu ihrem Enkelkind. Diese sah durch die plexiglasscheibe auf das friedlich schlummernde Baby, die schmerzliche Erinnerung an ihre beiden leider viel zu früh und vorallem unnötig verschidenen Söhne trieb ihr die Tränen in ihre sonst so harten Augen. Die Maschinen die rundum standen blendete sie in ihrer Wahrnehmung aus. "Es ist ein Junge" erklang die Stimme der Schwester von hinten in ihrem Ohr. Natascha drehte sich zu ihr um, hob ihre hängenden Mundwinkel etwas und sagte: "Ist er nicht wunderschön!"

Für inkorrekte Medizinische Belangen bitte ich um Entschuldigung, ich bin damit nicht veranktert.

Teil 21
Seine Lippen formten sich zu einem Lächeln und Mia wusste was sie in den letzten Monaten so dringlich vermisst hatte. Nun hatte sie sich endlich wieder einigermaßen gefangen und so rief sie mit freudschwingender Stimme "Enrique". Dieser sprang daraufhin von der Treppe auf und breitete seine Arme bereit für eine Umarmung aus, in die Mia sich aufforderungslos fallen lies. Wie sollte es auch anders sein, schließlich war ihr innerlichster Wunsch in Erfüllung gegangen. Für einen Moment war die Sorge um Anna und ihr Kind aus ihrem Kopf verschwunden, aber eben nur für einen Augenbllick. Trotzdem bemühte sie sich nichts anmerken zu lassen und ließ ihr Glück sprechen. "Ichich bin so froh das du da bist, du kannst dir gar nicht vorstellen wie sehr ich dich vermisst habe." noch immer lag sie in Enriques Armen und hegte den Wunsch, das dies auch immer so verbleiben mag. Mia wurde von dem Gefühl durchzogen, das sie in diesem Moment alles schaffen könnte, so ging es ihr schon lange nicht mehr. Sie genoss diesen Moment einfach, doch war es ihr nicht möglich die Tränen in den Startlöchern wieder zurückzuschicken. Es brach alles aus ihr heraus, während sie ihr Gesicht in Enriques Schulter vergrub. Enrique strich ihr behutsam über den Rücken. "Ist ja gut" versuchte er Mia zu beruhigen. "Was ist denn los?"fragte er nach einer Weile, die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben, in der Hoffnung die Situation verstehen zu können. "Anna" schluchzte Mia, weiterzusprechen schien ihr schier unmöglich. "Was ist mit Anna?" bohrte Enrique weiter, während sein Herzschlag sich verdoppelte, denn ihm war klar, das Mia nicht ohne Grund so auf den Socken daherkam. " Anna ist, sie ist im Krankenhaus" unterbrach sie von den Tränen übermannt ihre Erklärung " Ihr Baby es ist, wir wissen nicht ob es", sie machte eine lange Atempause "überlebt" brachte sie mit hoch und niederfiebrierender Stimme mühsam heraus und man konnte in jeder einzelnen Silbe die Überwindung wahrnehmen, die darin mitschwang. Enrique wich jegliche Farbe aus dem Gesicht, er musste einmal kräftig schlucken ehe er wieder die Fassung erlangte um weiter nach zu fragen, woher das rührte.
Den Rest der Nacht brachten die beiden damit zu, das Mia Enrique alles über Annas Zustand erzählte, sich von ihm trösten lies und die Zeit bis zum Morgen tot schlugen, denn an Schlaf war in diesen Stunden sowieso nicht zu denken.

Den anderen erging es nahezuähnlich

Steve lag mit zur Decke gerichteten Augen auf seinem Bett, das Handy griffbereit direkt neben ihm. Seine Gedanken waren die ganze Zeit bei "seiner" Anna im Krankenhaus. Er wollte und konnte sich den Horror der Anna erneut zu übegiesen drohte, einfach nicht vorstellen. Gegen 4 Uhr morgens kam Alexander zur Tür herein gestolpert, er kehrte von einem Verwandtenbesuch in Heidelberg wieder und wusste von all dem Drama das hier seit dem Abend seinen Lauf nahm nicht das geringste. Als er davon Kenntins erlangte, hagelte es auch bei ihm Betroffenheit, schließlich ist Anna ja seine Schwägerin.

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

04.08.2011 17:18
#11 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Währenddessen fieberten im Krankenhaus Natascha, Susanne und Ingo dem Morgen und der anstehenden Wahrheit, die über ihnen wie ein Damoklesschwert zu schweben schien, entgegen. Unverändert hüllten sich alle 3 in düsteres schweigen, denn niemand fühlte sich bemächtigt dieses zu brechen, obwohl es sich alle 3 insgeheim wünschten. So nahm Natascha wieder einmal all ihre Courage zusammen. "Stille ist die Abwesenheit von Lärm" Sie ließ die Worte einige Minuten wirken, die die Geräuschlosigkeit wie eine Schere das Papier zerschnitten hatten. Ihr Blick fiel erneut in die von Ratlosigkeit und Verwirrtheit geprägten Minen ihrer Gegenüber und vermochte den Grund für das fortbestehen des Schweigens zu erkennen. "Anna hat das einmal als Werbeslogan präsentiert, ganz am Anfang als sie niemandem von uns ihr Talent so richtig klar war" In Susannes Gesicht konnte man die Erinnerung an die Anna von damals regelrecht aufblitzen sehen, ein kurzes flüchtiges Lächeln huschte über ihre Mundpartie. "Ja, Anna wollte es sich nicht nehmen lassen, bei euch zu arbeiten" sagte mit einem Anflug von Stolz in der Stimme. Ingo wurde in diesen Minuten zum wiederholten Male schmerzlich bewusst, wie viel er von seiner Tochter verpasst hatte, was ihn zusätzlich traurig stimmte. Die Unterhaltung der beiden Frauen schien die Zeit etwas beschleunigt zu haben, denn es kehrte Leben in die tristen dunklen Gänge, Essenswägen wurden geschoben, Pfleger eilten von einem zum nächsten Zimmer. Plötzlich erschien hinter ihnen ein Arzt. "Guten Morgen, Sind sie die Angehörigen von Anna Broda?" fragte er, obwohl er dies ohnehin zu wissen schien. "Ja" antworteten alle 3 im Chor. Nun begann ihr Herz wieder in einem schnelleren Takt zu schlagen, das Atmen wurde schwer, der kalte Schweiß stieg ihnen auf die Stirn, Susanne versuchte im Antlitz des Primars eine zu deutende Regung zu vernehmen, doch vergeblich, sie konnte nichts finden das auf das Schicksal ihres Enkels schließen lies. "Wer von ihnen ist die Mutter von Anna Broda, bitte?" gab er fragend in die Runde, Susanne die noch in ihren Gedanken verankert war, drangen die Worte nicht ans Ohr. Erst als Natascha sie am Arm packte, kehrte sie in die Wirklichkeit zurück. "Wwwas ist?" stammelte sie etwas verwirrt "Frau Polauke, wenn ich sie bitten dürfte mit mit mir zu kommen" "Was ist mit Anna oder ihrem Kind? Ist etwas passiert?" richtete sie ihre von panikgetrenkten Worte in den Gott in Weiß. Ohne auf Susannes Fragen einzugehen, wiederholte er seine Bitte, das sie mit ihm kommen möge. Susanne vernahm ihr Herz im Hals, alles um sie herum schien sich wie in Zeitlupe abzuspielen, während sie wie ferngesteuert hinter dem Arzt herwankte. Das Kopfkino bot ihr währenddessen eine Horrorvorstellung nach der anderen, sie war verzweifelt bis in die Unendlichkeit. Sie wollte nicht fassen was ihre innere Stimme in fortlaufend lauter werdender Geschwindigkeit durch ihr Innenleben jagte.

Teil 22
Susanne folgte mit zittrigem Gang dem Arzt, ihre Schritten fanden in den Wänden es engen Flures einen beängstigenden Wiederhall. Ihr kompletter Körper wurde binnen weniger Sekunden zum Austragungsort eines jämmerlichen Schauspiels, das die menschenmöglichste Verzweiflung, Angst und Ungewissheit geballt in einer einzigen Person darstellte. Der vergleichsweise kurze Weg zum Brutkasten schlug sich in ihren Gliedern in Form eines Marathons nieder, er wollte und wollte einfach nicht enden. Susanne hatte sich schon die ganze Zeit darin versucht, in dem Gesichtsausdruck des Arztes etwas zu erkennen, doch sie hoffte vergebens auf eine verräterische Regung. Nach einer gefühlten Ewigkeit tat er es zu Susannes Schrecken und gleichzeitig ihrer Erleichterung doch. Als sie die Plexiglasscheibe erblickte begann ihr Herz in noch schnellerem Takt zu rasen, obwohl sie bisher die feste Meinung trug, das eine Steigerung nicht mehr möglich war, ihre Kniee verwandelten sich zu Dr. Oetker Pudding als sie bemerkte, dass der Arzt zu sprechen begann. Sie nahm seine Worte mit jeder Silbe entfernter war bis sie endgültig im Reich der Nacht versank.

Währenddessen saßen Ingo und Natascha mit zusammengeballten Händen am Gang und fieberten Susannes Wiederkehr entgegen, denn die Ungewissheit brachte sie nahezu um den Verstand. Sie lebten jetzt schon seit dem gestrigen späten Abendstunden mit der quälenden Ungewissheit um das Leben von Anna und ihrem Baby. Als sich die Tür zu diesem Gang öffnete, waren die beiden schon von Erleichterung getränkt das sie die Feste Idee in ihrem Gehirn trugen, das es Susanne war, die ihnen endlich Auskunft erteilen wird, doch zu ihrer Enttäuschung war es lediglich Paloma, in der die gleichen Fragen brannten wie in ihnen selbst. Ohne lange auf eine Frage der beiden zu warten gab Natascha den Stand der Sache von sich. "Der Arzt ist mit Susanne vor etwa 35 Minuten verschwunden" Danach senkte sie betrübt den Kopf, ihre Angst das das ein schlimmes Omen war, schien übermächtig und erneut suchten sich die Tränen einen Weg über ihr Gesicht.

Mia schlug langsam ihre Augen auf und blickte direkt in jene von Enrique der neben ihr auf dem Bett lag und sie mit einem Lächeln auf den Lippen betrachtete. Sie genoss seine Nähe, ach wie sie sich freute das er wieder da war. Am liebsten würde sie die ganze Welt umarmen, so glücklich empfand sie sich momentan, ehe sie erschrocken hoch fuhr. "Oh mein Gott" "Was ist denn?" entgegente ihr Enrique der sichtlich verwundert schien. "Wie spät ist es? Ich ich muss zu Anna!" stotterte sie hastig während sie aus dem Bett sprang. "8:34" engegntete Enrique seelenruhig. "Mia, wenn sie etwas wüssten, hätte Susanne sicherlich angerufen und deshalb kannst du auch noch einen Kaffee trinken und etwas essen und danach gehen wir gemeinsam ins Krankenhaus" Mia wollte protestieren doch Enrique der sich inzwischen auch von dem Nachtlager erhoben hatte, hielt ihr bestimmt den Finger auf ihre Lippen.


Teil 23
Langsam kam Susanne wieder zu sich und ihr erster Blick fiel in das gesorgte Gesicht des Arztes. "Frau Polauke, Sie sind mir vielleicht eine" "Wieso?" entgegnete Susanne etwas geschockt und mit fragendem Unterton in der Stimme. "Sie kippen mir da einfach um, gleich so als ob sie die positive Nachricht nicht hören wollen" gab er mit einem sanften Lächeln auf den Lippen zurück. "Was, äh, Heißt das?" stammelte Susanne mit einem breiten Lächeln im Gesicht, während sie regelrecht spürte wie eine kiloschwere Last von ihr abfiel. "Ja, genau das heißt es! Ihr Enkel ist eine Kämpfernatur, er wird es schaffen" Susanne sezte sich von der Liege auf und war voller Euphorie "Ich muss sofort zu Anna" rief sie.

Anna schlug die Augen auf und war für einen Moment ziemlich verwirrt. Ihr Mund fühlte sich trocken, ihre Glieder schwer an. Wo bin ich, dachte sie, als sie mit der Hand über ihren Bauch fuhr. Sie erstarrte als sie bemerkte das er vollkomen glatt war. Panisch sah sie sich um, sie wollte aufstehen doch da durchfuhr sie ein grellender Schmerz in der Bauchgegend. Sie ließ sich vom Schmerz und der Verzweiflung zusätzlich geschwächt wieder zurück in das Kissen fallen, als sie die Glocke an ihrem Bett endeckte und mit zitternden Fingern nach der Schwester drückte. Was war passiert? Sie wusste es nicht, ihre Gedanken routierten fortwährend im Kreis.

Susanne schüttelte dem Arzt zum Dank ehe sie sich den übrigen gebandt wartenden Bekannten(Mia und Enrique waren inzwischen auch eingetroffen) zu wandte. Sie war so sehr in ihrer Freude versunken, das sie Enrique gar nicht bemerkte. Sie sah in die starren Gesichter, breitete ihre Arme aus und rief mit vor Glück hüpfender Stimme: "Er lebt!" Man konnte förmlich die abfallende Spannung in den einzelnen Gesichtern erkennen und das widerkehrende Leben, das in den letzen Stunden allen gefehlt hatte. Sie fielen einander alle in die Arme und nun vermochte Susanne auch Enrique zu erkennen, denn sie mit großer Freude willkommen zurück hieß. "Ich muss sofort zu Anna" unterbrach sie das Freudenfest, machte am Abstatz kehrt und öffnete die Tür zu ihrem Zimmer.
Der Anblick der sich Susanne jedoch bot, ließ ihre Freude gleich wieder aus ihrem Antlitz weichen. Anna lag mit starrem Blick in ihrem Bett und stierte an die gegenüberliegende Wand, sie rührte sich auch nicht als Susanne an ihr Bett trat und sie auf den Rand setzte. "Anna, Kind was ist denn los?" fragte sie besorgt, doch statt einer Anwort brach ihre Tochter nach einer Weile mit einem Weinkrampf die Stille. Susanne nahm sie behutsam in den Arm, so gut es eben ging. "Gratuliere Anna, es ist ein Junge" wandte sie sich in letzter Konsequenz an ihre Tochter, denn sie wusste nicht mehr wie sie den massiven Tränenfluss sonst stoppen könnte. Plötzlich hielt Anna inne, blickte ihrer Mutter tief in die Augen und ein zaghaftes Lächeln huschte über die Lippen. "Mama, ich hab schon gedacht- als ich da aufgewacht bin und mein Bauch-" Susanne hielt Anna den Zeigefinger auf die Lippen "Pssst, kleines, Es ist alles in Ordung" sagte sie und versuchte dabei nicht an die bangen Stunden der vergangenen Nacht zu denken. Um sich der Situation zu entwinden lenkte sie das Gespräch in eine andere Richtung. "Wie soll der denn nun heißen?" " Er soll glücklich sein" meinte Anna etwas teilnahmslos, während sie wieder geradeaus blickte. "Felix (lat. der glückliche) Jonathan (lat. Gottesgabe)" Susanne sah sie etwas besorgt an, denn sie hatte die Gleichgültigkeit bemerkt mit der ihre Tochter den Namen von sich gab und entschloss sich sie etwas ausruhenzulassen. "Brauchst du etwas?" fragte sie noch als sie ander Tür stand. "Etwas zu trinken, ich hab geläutet aber die Schwester ist nicht gekommen" anwortete sie während sie dau noch eine Erklärung verfasste. "Ich werd dir was holen, ruh dich etwas aus." Als Susanne die Zimmertür schloss verschwand das Lächeln von ihren Lippen und in ihrem Magen machte sich ein ungutes Gefühl breit. Irgendetwas stimmte nicht mit Anna, aber was, sie konnte es sich nicht erklären.

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

04.08.2011 17:24
#12 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Teil 24

3 Monate später:

Anna saß auf ihrem Bett, die Hände vorm Gesicht. Sie fühlte sich matt und abgekämpft und das sah man ihr auch an. Die Wiege in der Felix friedlich schlummerte, stand daneben. Sie genoss die Zeit in der der Kleine nicht schrie, wie andere einen Welnessurlaub. Das Mutter sein hatte sie sich irgendwie anders vorgestellt, viel leichter und vorallem mit viel mehr Freude verbunden. Anna war heillos verzweifelt, sie war einfach von dem Gefühl getränkt das ihr alles über den Kopf hinauswuchs, sie hatte von vielen Müttern gehört, das es einen mit Vollkommenheit übergießt, wenn man sein Baby im Arm hält, es stillt oder ihm einfach nur beim schlafen zu sieht. Doch all das fehlt bei ihr. Jedesmal wenn sie Felix ansieht, ist sie nicht befähigt etwas zu empfinden. fast so als ob er nicht ihr Kind ist. In ihrem Herzen herrscht einfach leere, leere die ihr aber nicht einmal Angst macht, dabei hatte sie sich so sehr auf das Baby gefreut und jetzt. Mit einem lauten Schrei riss Felix Anna aus ihren Grübelein. Man warum kannst du nicht einfach einmal still sein, fuhr es ihr durch den Kopf. Anstatt aufzustehen und nach dem Junior zu sehen, ließ sie sich zurück auf ihr Bett fallen und starrte entnervt an die Decke, in der Hoffnung das der Kleine sich von selbst wieder beruhigen würde, doch das tat er nicht. "Verdammt, sei doch endlich still" schimpfte sie in Richtung Kinderbettchen, doch in diesem Moment wurde die Tür zu ihrem Schlafgemach aufgerissen und ihre Mutter stand mit besorgter Miene auf der Schwelle. "Anna, was ist los?" "Nichts" antwortete Anna schnell, während sie sich zu einem Lächeln quälte und sich schnell von ihrem Lager er hob um zur Wiege zu gehen und ihr Kind zu beruhigen. " Ich dachte nur, weil Felix nicht aufgehört hat zu schreien" "Nein, nein alles bestens, ich war nur etwas müde, deshalb konnte ich mich nicht gleich aufraffen, aber mach dir keine Sorgen Mama, es ist alles bestens" log sie. "Wenn du etwas brauchst, Anna" "Ja, ja, ich weiß, Danke, aber ich komme zu recht" gab sie vor um ihre Mutter nicht zu beunruhigen.

Enrique war schon etwas aufgeregt, gespannt zählte er die Minuten bis seine liebste, endlich zur Tür herein kommen würde. 10 Minuten würde es noch dauern, um die Wartezeit etwas zu verkürzen kontrollierte er zum gefühlt 20ten Mal das Gedeck auf dem Tisch, ging seine Worte in Gedanken durch und stellte sich nun aufrecht mit einem großen Strauß weißer Rosen aufrecht neben den gedeckten Tisch.
Nun hörte er auch schon Mias Schlüssel im Schloss und atmete noch einmal tief durch, ehe er auf sie zu trat. "Hallo Mia" sagte er zur Begrüßung und gab ihr einen Kuss, Mia blickte ziemlich erstaunt erst Enrique, dann die Rosen in seiner Hand und weiters ließ sie ihren Blick über den festlich gedeckten Tisch schweiffen. "Hab ich irgendetwas vergessen?" fragte sie erstaunt. "Nein, nein, du hast nichts vergessen. Hier, die sind für dich!" Er überreichte ihr die Rosen, bettete ihre Hand in die seine und zog sie ins Esszimmer. Nachdem er Mia auf ihren Sessel geleitet hatte, verschwand er für einen Moment in der Küche. In Mias Gesicht nistete sich einstweilen der Ausdruck ein, das sie sich wie im falschen Film vorkam und dieser wollte auch nicht weichen als Ernique wiederkehrte. Er hielt die rechte Hand hinter seinem Rücken verschantzt, während langsam auf Mia zu ging. Bei seinem Vorhaben feierte er zwar nicht Premiere, jedoch seiner Nervosiät nach zu urteilen, empfand sein Körper so.
In Mia sah es nicht anders aus, auch bei ihr stand die Nervosität, genauso sehr wie aber auch die Spannung über das was nun kommen wird, über allem anderen.
Erst als Ernique vor ihr auf die Knie sank, dämmerte es ihr. Sie konnte die Freude überhaupt nicht fassen, ein wunderschönes breites Lächeln a la Julia Roberts ließ nun ihr Gesicht erstrahlen. Sie konnte ihr Glück kaum fassen. "Mia, du weißt du bist mein Leben, ich liebe dich seit ich dich kenne. Als du mich verlassen hast, ist für mich fast die Welt in alle einzelnen Teile zerfallen, doch das Leben scheint den richtigen Weg für uns gekannt zu haben, drum hat es uns noch ein paar Prüfungen auferlegt, ehe es den Moment herbei geführt hat in dem es uns erneut einander zugeführt hat. Ich kann und ich glaube ich muss dir nicht sagen, wie glücklich du mich jeden Tag machst an dem du mir die Chance einräumst, am Morgen neben dir aufzuwachen und am Abend neben dir ins tiefe Reich der Träume zu gleiten. Jede Minute in der du mir deine Anwesenheit schenkst, empfindet mein Herz als ob die Sonne 24 h am Tag 365 Tage im Jahr ihr Licht auf mich, auf uns werfen würde. Nun Mia Maschke frage ich dich hier und jetzt, willst den Weg des Lebens ab sofort gemeinsam mit mir beschreiten?" Enrique blickte Mia bei jedem seiner Worte tief in ihre Augen. Mia war so fassungslos ergriffen, das sie sich für einen Moment lang nicht im Stande fühlte zu antworten und das obwohl ihr Herz die Antwort schon seit der ersten Silbe von Enrique pausenlos vor sich hin schrie. Sie empfand als ob sich gerade Feuer und Wasser in ihr vereint hätten, der Sturm der draußen mit brutaler Geschwindigkeit alles wegfegte was sich ihm in den Weg stellte für einen Augenblick lang inne halten würde. Einfach unbeschreiblich, das mussten wohl die richitgen Worte sein, um ihren momentanen emotionalen Ausnahmezustand fassbar zu machen.
Schließlich schaffte sie es doch, ihren Mund zu öffnen und mit ihrer kurz zuvor widererlangten Stimme "Ja, ich will" zu sagen. Voll Freude sprang Mia aus dem Sessel auf, fiel Enique direkt in die Arme, während sie ihr innerstes nach außen kehrte.


Teil 25
Anna stand am Fenster und blickte starr in die schwarze Nacht hinaus, die gerade über Berlin ihre Pflicht abhing. Der stumme Schrei ihrer Seele schoss wie eine Rakete durch das Glas hinaus in die geisterhafte Stille und entfernte sich immer mehr von ihr und trotzdem empfand Anna als würde er ganz nah an ihrem Körper haften, als würde er mit immer engerwerdenden Kreisbewegungen um sie rotieren. Sie fühlte sich als würde ein riesiges Feuer in ihrem inneren lodern, das langsam alle Regionen befällt und ihr Denken blockiert. "Was ist nur mit mir los?", Anna zermürbte diese Frage schon seit Wochen, sie hatte sich doch so über ihren Sohn gefreut und jetzt, jetzt schaffte sie nicht einmal die nötigsten Mutterpflichten zu erfüllen. Traurig blickte sie zu der hölzernen Wiege hinüber, die neben ihrem Bett stand. Felix schlief friedlich und bekam von den Gewissenqualen seiner Mutter nichts mit. Langsam trat sie näher und trotzdem hielt sie einen gewissen Abstand, fast so als ob Felix nicht zu ihr gehören würde bzw. von dem schlummernden Baby eine Gesundheitsgefahr für sie ausgehen könnte.
Erneut trat sie an das weißgestrichene Fenster mit dem Kreuz, bisher hatte sie das Holzkreuz nie gestört, doch seit wenigen Wochen hauchte es ihr ein beklemmendes Gefühl ein, vermittelte ihr eine Art Gefängnisflair. Es engte sie ein, in diesem Raum sein zu müssen, es zaubert ihr ein Gefühl der Enge in die Brust und es bestieg sie die Ahnung das der Druck der sie in der Brust beherbergte stündlich anstieg bis er sich dann in einer riesigen Explosion entladen wird.
"Ich muss es tun, er soll glücklich sein" sprach Anna lautlos mit Röhrenblick in die Ferne, die vor ihren Augen zu einer einzigen dunklen Ebene mit gelben Punkten verschwamm.

Mia und Enrique schwebten im siebenten Himmel. Mias Augen leuchten wie geschliffene Kristalle, sie konnte ihr Glück kaum fassen. Ihr klein Mädchentraum war endlich Wirklichkeit geworden. Sie blickte Enrique tief in die Augen und just in diesem Moment sagte er, "Ja, es ist war", so als wollte er Mias Gedanken bestätigen. Ihre Lippen trafen sich und verschmolzen in einem innigen Kuss, der ein neues Kapitel im Leben der Beiden besiegeln sollte. Möge das Glück sich nie mehr von ihnen wenden. "Ich verspreche dir, ich werde dich nie wieder alleine lassen" sagte Enrique und strahlte wie eine zweite Sonne mitten in Mias Gesicht und ein bisschen auch in ihr Herz, das ihm sowieso schon ganz gehörte. "Langsam machst du mir Angst" erwiderte Mia mit gespielter Furcht während sie ihn in die Seite kniff. "Wieso" gab er mit echter Ratlosigkeit zurück, bevor er ihrem Lachen erlag und freudig einstimmte. Mia konnte sich ihrem Lachanfall nicht entreißen und so dauerte es einige Späße und Minuten ehe sie sich dazu durchringen konnte sich erneut der Ernsthaftigkeit zu widmen und ihrem Liebesten zu antworten. "Weil ich genau darüber nachgedacht habe, werter Verlobter" gab sie ihm als Erklärung. "Oh, wie das klingt VERLOBTER" kichterte Mia, über ihre eigenen Worte. "Es klingt richtig, Verlobte" gab Enrique spaßig zurück, während er das letzte Wort mit Bedacht betonte um dessen Bedeutung noch einmal eigens zu unterstreichen und die beiden verfielen wieder in ihre kindlichen Späße.

Teil 26

Susanne war gerade dabei den Abwasch zu machen, als sie durch das herzzerreisende Geschrei ihres Enkels Felix aufgeschreckt wurde. Sie schenkte dem nicht weiter Beachtung, da er des öfteren seine kräftige Stimme zum Ausdruck brachte, doch als nach 15 Minuten das Gebrüll immer noch nicht enden wollte, streifte sie sich die Latexhandschuhe von den Fingern und entschied sich nach zusehen ob alles okay ist.
Susanne trat langsam an die Tür zu dem Zimmer ihrer Tochter, ein mulmiges Befühl breitete sich in ihrer Bauchgegend aus, behutsam drückte sie die Klinke nach unten und steckte vorsichtig den Kopf durch den schmalen Spalt der Tür und versuchte vergeblich und mit sekündlich wachsender Verzweiflung in dem buntgestalteten Zimmer ihre Tochter zu erspähen. Doch vergebens, Anna war nirgendwo zu sehen. In Susanne begann sich das mulmige Gefühl das erst nur ihre Bauchregion bevölkert hatte auf den ganzen Körper auszuweiten während sie mit zittrigen Beinen auf die Wiege ihres immernoch brüllenden Enkels zu taumelte. Sie streckte ihre Hände in Richtung des Gitterbetts, als sie sah wie sehr diese zitterten. Sie zwang sich die eine Hand in die andere zu legen um die Nerven etwas zu beruhigen. Nach einer Weile hatte sie ihre Hände wieder so weit im Griff das sie nicht fürchten musste ihren Enkel fallen zu lassen. Behutsam hob sie das weinende Baby, dessen Kopf vom Lärm erzeugen schon in ein dunkles rot getaucht war, aus seinem blaueingesäumten Bettchen. Beruhigend wiegte sie Felix in ihren Armen hin und her und griff zu dem Fläschchen das auf dem Tisch stand. Als sie jedoch jenes anhob entdeckte Susanne einen Zettel, dessen Beschriftung ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ. Ihr Herz setzte einen Moment lang den Schlag aus, ihre Glieder wurden schlaff. Gott lob kam Ingo just in dem Moment als sie die Kräfte verließen und nahm ihr Felix ab, ehe sie ihn hätte fallen gelassen. Ingo erblicke in den Augen seiner Frau die tiefe Verzweiflung und die Tränen die sich langsam einen Weg über ihre Wangen bahnten. Während er seinem Enkel las Fläschchen gab, versuchte er von Susanne zu erfahren was sie in eine derartige Verfassung manövriert hatte. "S- S-S-Sie i-ist w-w-w-ww-weg" stammelte sie mit Tunnelblick regungslos vor sich ihn. "Wer ist weg? " fragte Ingo obwohl ihm die Antwort schon längst durchs Gehirn jagte, doch er wollte es trotzdem hören um sich darüber bewusst zu werden, denn es fühlte sich auch für ihn alles so unwirklich und weit weg an. So als ob der ein unbekümmerter Beobachter seines Lebens wäre. "Susanne" versuchte er es erneut, doch vergebens, sie zeigte keinerlei Reaktion.

Mia und Enrique wachten eng umschlungen, überglücklich und leider viel zu spät auf. Ein Blick auf den Wecker ließ das Lächeln aus Mias Gesicht, dass eigentlich ihrem bald Angetrauten gelten sollte, aus ihrem Antlitz weichen. "Enrique, wir haben verschlafen!" rief sie panisch während sie wie mit einem Turbo aus dem Bett sprang, nach Klamotten fischte und ins Bad rannte. Bei Enrique dauerte es einen Moment länger ehe der Groschen fiel. Schliesslich hatten sie um 9:00 einen Termin mit dem ersten Kunden ihrer eigenen Firma "Butterfly Effect" und nun war es bereits 8:40. Schnell enthob es auch ihn aus dem Federgemach, denn er selbst hasste schließlich nichts mehr als Unpünktlichkeit, er konnte sich noch genau erinnern, als er noch Marketingchef war, schrieb er jeden potentiellen Parnter ab, wenn er sich nichts aus exactem Eintreffen machte und seine Arbeit mit einem winzigen Anflug von Lethargie versüßte. Mia und Enrique überschlugen sich nahezu um noch bis kurz vor 9 Uhr in ihrem Büro anzukommen. Exact 8:59 stellte Enrique den Motor seines Wagens vor dem Gebäude ab, 9 Minuten so schnell waren sie noch nie von ihrem Ruhegemach zu ihrer Lebenserleichterungsinstitution gelangt, einer neuer Rekord also noch dazu, dachte sich Mia im Stillen, während sie neben Enrique zum Lift hastete, wo jener mit einer für ihn ungewöhnlichen Portion Ungeduld den Liftknopf maltretierte, jehe sich die Türen endlich öffneten und sie in den 4. Stock beförderten, wo sie atemlos aus dem Lift stolperten und sich hastig umsahen, doch Gott sei Dank schien der Kunde noch nicht vor Ort zu sein. Sie atmeten beide tief durch ehe Mia mit der Hand an der Brust zum Fenster stapfte um den Raum mit morgendlicher mit Sonne getunkter Berliner Luft zu fluten. Sie streckte ihren Kopf ins Freie, Enrique trat neben sie, einen Moment lang schwiegen beide, "Ich wusste immer schon, das ich mit dir alles schaffen kann" versuchten Mias Worte gegen den Vogelgesang zu konkurieren. Sie blickte zu Enrique, der mehr aus Pfllicht als aus Überzeugung seine Lippen zu einem Lächeln formte und um diese Situation zu beenden, Mia einen Kuss gab,denn so ruhig er außen wirkte , so sehr rumorte es in seinem inneren. Wie konnte es ihm nur passieren? Das hatte es noch nie gegeben, er war bisher nie zu spät gekommen, er hatte immer alles exakt eingehalten. Der Kuss wie auch seine gedankliche Kasteiung wurden jäh durch das räuspern hinter ihnen zu einem abrupten Ende geführt. Etwas peinlich berührt fuhren beide herum, Mia wischte sich unbewusst und von einem Anflug von Unsicherheit überrascht über die Lippen ehe sie beide zur Begrüßung des ersten Kunden übergingen. Es erfüllte beide mit Stolz das die gleich jemanden wie den Modezarren Charles Vögele für sich gewinnen konnten, der nur mit Leuten wie Penelope und Monica Cruz wie auch Til Schweiger wirbt. " Hermann Landgrebe, Angenehm Guten Tag" stellte sich der Herr mit dem schon leicht ergrauten Haar vor. Nach einer knappen 3/4 Stunden hatten sie alles geklärt und konnte sich des Auftrags sicher sein, was beiden einen irrsinnigen Auftrieb gab, auch wenn Enrique sein "Versagen" noch nicht ganz aus seinen Gedanken gestrichen hatte, freute er sich unbeschwert ebenso wie Mia über ihren ersten Auftrag für ihre Agenur "Butterfly Effect, was sie mit einem Glas Sekt feierten und mit einem innigen und langen Kuss gesiegelten.

Teil 27

Paloma konnte es immer noch nicht fassen, wie konnte Anna nur so etwas tun. Schließlich war sie doch ihr beste Freundin und als jene hätte sie ja etwas merken müssen. Auch in Nataschas Gesicht hatte Annas Verschwinden seine Spuren hinterlassen. Es wurmte sie, das sie ihren Bedenken im Bezug auf Anna nicht mehr Glauben geschenkt hatte, schließlich hegte sie damlals Zweifel an dem plötzlichen Optimismus ihrer Schwiegertochter. Natascha konnte sich noch genau erinnern mit welch ungutem Bauchgefühl sie damals Anna nachgeblickt hatte, doch sie verkniff sich dies zu äußern, schließlich hatten Ingo und Susanne schon genug zu knabbern.
"Susanne, ich weiß es auch nicht" beantwortete Paloma eine der unzähligen unausgesprochenen Fragen die im Raum hingen.
Es herrschte einfach Fassungslosigkeit und vorallem suchte jeder nach dem übermächtigen WARUM, das über ihnen wie ein damokles Schwert schwebte.
"Ich hätte doch etwas merken müssen, ich bin doch ihre Mutter" meinte Susanne mit Tränengetränkten Augen, die schon ganz geschwollen vom vielen Weinen waren.
"Du kannst nichts dafür" kam es von Paloma und Ingo wie aus einer Kehle, während Ingo seine Frau noch etwas näher an sich zog, so als ob er sagen wollte Es wird doch alles wieder gut, doch er wusste es nicht, er konnte es ihr nicht versprechen, weil er selbst in der Sorge und Verzweiflung um seine einzige Tochter zu versinken drohte.
Es tat so unendlich weh, dieser Schmerz fühlte sich an, als würde sein Herz bersten, doch er musste die Fassung waren, Susanne zu liebe.

Teil 28

Die Stimmung im Hause Polauke war seit Annas Verschwinden sehr angespannt. Susanne ging am Zahnfleisch, ihre Nerven lagen durch das andauernde Geschrei ihres Enkels blank. Früher hatte ihr das alles keine Probleme bereit, aber das ist nun schon lange her und vorallem hatte sie damals nicht unter solch einem psychischen und emotionalen Druck gestanden. Sie kam zu nichts mehr, in der Küche der Else war sie schon seit Tagen nicht mehr, ihr Betätigungsbereich belief sich ausschließlich noch auf windeln wechseln, füttern, in den Schlaf singen und sich um ihre Tochter zu sorgen, die seit ihrem Verschwinden nichts mehr von sich hören gelassen hat. Es tat ihr sehr weh, nun auch noch die zweite Tochter an die Welt verloren zu haben, als Katja ging oder Anna nach Jonas Tod den Kontakt zu ihr abgebrochen hatte, geriet sie sehr nah an den Abgrund, doch das hier, das sprengte alles. Susanne wachte nachts schweißgebadet auf, weil ihr von irgendwelchen blutrünstigen Alpträumen die Nachtruhe geraubt wurde.
Es versuchten zwar alle ihr unter die Arme zu greifen bzw. ihr seelischen Beistand zu leisten, doch wirklich in sie hinein versetzen konnte sich niemand. Paloma hatte sich in den letzen Tagen wirklich rührend um den kleinen Felix gekümmert, fast so als ob er ihr eigenes Kind wäre, sie hatte sogar hier die Nacht zugebracht, doch die stummen Schreie von Susannes geschundener Seele konnte dies alles nicht mildern

Teil 29

"Ich kann es immer noch nicht fassen", brachte Enrique seine Fassunglosigkeit zum Ausdruck.
"Ich auch nicht, es hat mir fast den Boden unter den Füßen weggezogen als mir Onkel Ingo davon erzählt hat."
"Wieso hat Anna das gemacht?. Ich meine, sie hat sich doch so sehr auf ihr Baby gefreut!"
"Ich weiß es nicht, Ernique, ich weiß es nicht."
Bei Mia und Enrique herrschte Ratlosigkeit, sie konnten sich beide keinen Reim aus Annas Verhalten machen.
"Wie geht es denn Susanne und Ingo überhaupt? Für die beiden muss es ja besonders schlimm sein?"
"Susanne ist völlig fertig, sie versucht zwar die Fassung zu wahren, aber es treibt sie an den Rand der Erträglichkeit. Ich mach mir totale Sorgen um sie."
"Die Arme. Es ist bestimmt schwer für sie. Ich wünschte wir könnten ihr irgendwie helfen." sagte Enrique mit tiefer Betroffenheit und echtem Mitgefühl.
Die Tristess hing wie eine dunkle Wolke über der Couch auf der die beiden saßen, eine Weile sprachen sie kein Wort, starrten lediglich vor sich hin. Mia begann nervös an ihrem roten Rock zu zupfen, denn die Stille machte sie zusätzlich zu der Sorge um ihre Tante und ihre Cousine kribbelig.

Mit Tränen getränktem Blick stand Anna am Fenster in ihrem Hotelzimmer und blickte über das Lichtermeer, das ihre Heimatstadt auszeichnete.
Die Entscheidung zu gehen war die einzig richige. Ich hatte keine andere Chance, es ist das beste für Felix. Ohne mich ist er besser dran, versuchte Anna gedanklich ihre Entscheidung ihren Sohn zurückzulassen vor sich selbst zu rechtfertigen. Mama wird sich gut um ihn kümmern, genaus so wie sie sich immer um mich und Katja gekümmert hat. Ich hoffe so sehr das ich alle nicht zu sehr vor den Kopf gestoßen habe, mit meinem stummen Abgang, aber alles andere hätte mir das Herz gebrochen.
Erst jetzt wo sie sich so klein und unwahr vorkam, begann sie zu realisieren welche Dimension an Menschen Berlin beheimate.
Eine Heimat die ab morgen um mindestens einen Bürger ärmer sein würde.
Mama hätte es sicherlich auch nicht verstanden und mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte sie alles daran gesetzt mich von meinem Vorhaben abzuhalten, was ich ihr nicht mal verübeln hätte können. Sie ist meine Mama und sie liebt mich, genau diese Liebe die ich für Felix empfinden sollte, die mich zu einer guten und fürsorglichen Mama machen würde, die Liebe die mir fehlt.



Teil 30

Anna kullerten die Tränen über die Wangen, als ihre Augen den Grabstein mit der Inschrift "Jonas Broda 1979-2010" musterten. Nun waren schon 8 Monate vergangen, seit ich dir hier geschworen habe, das ich für immer dein bleiben und gut für unser Kind sorgen werde.
Der Tränenfluss wurde stärker. "Ich habe es nicht geschafft. Es tut mir leid" schluchzte sie in die Stille. Erschrocken fuhr Anna herum, wie aus dem nichts hatte sich aus den Baumkronen hinter ihr, ein Vogelschwarm erhoben und war unter lautem getöse in die Ferne geeilt. "Sogar die Tiere fliehen vor mir" schniefte sie weiter. "Jonas du warst mein Leben, du gabst mir das Gefühl alles schaffen zu können, doch dann warst du plötzlich nicht mehr da und ich so furchtbar alleine. Bitte verzeih mir, ich konnte nicht anders", versuchte die Witwe ihrem Mann das unerklärliche zu erklären. "Ich habe ihn Felix getauft, weil ich wollte das unser Sohn glücklich ist und das wird er auch sein, so wie ich es als Kind war. Mama und Papa werden gut zu ihm sein und ihm die Liebe schenken, die ich nicht bereit bin ihm zu schenken" beendete sie ihren verzeifelten Versuch, die Unfähigkeit ihrerseits begreiflich zu machen. "Ich hoffe du verstehst es oder kannst mir irgendwann verzeihen. Ich liebe dich", appelierte sie und beugte sich über den dunkelmarmorierten Grabstein um das Foto ihres geliebten und viel zu früh verschiedenen Gatten mit ihren Lippen zum Abschied vorsichtig zu benetzen.

Teil 31

Anna saß im Zug mit den Augen aus dem Fenster gerichtet. Die Landschaft zog wie an ihr vorüber, je mehr das Schienenfahrzeug beschleunigte, je schneller änderte sich das Landschaftsbild. Es erschien ihr jedoch nicht als Landschaft, die ihr Augen streifte, sondern ihr Leben, ihre Vergangenheit. Anna sah sich und Jonas am Strand von Osteroog, wie sie beide gegen das Getöse des Meeres gebrüllt hatten, vor einer Welle geflohen und aufeinander gefallen waren. Damals hatten sie sich zum allerersten Mal geküsst. Annas Körper füllte sich mit einem Gefühl der Wärme, obwohl sie zuvor noch gefroren hatte. Auf ihrem Gesicht machte sich ein Lächeln breit. Jonas, schoss es ihr den Sinn, doch als sie den irritierten Blick ihres Gegenübers erkannte, dämmerte ihr ein Gedanke. Hab ich das jetzt wirklich laut gesagt?. Sie versuchte sich an einem lieben Lächeln und schickte es in die Richtung des männlichen Fahrgasts, was dieser erwiderte.
"Ihr Mann?", fragte dieser zaghaft.
Schüchtern sind wir wohl nicht, schoss es Anna durch den Kopf und sie zwang sich erneut zu deinem freundlichen Gesichtsaudruck.
"Ja" antwortete sie knapp und ihre Mundwinkel wanderten sofort wieder in Richtung Erdoberfläche. Was sollte diese blöde Frage überhaupt, ich meine was geht den an wer Jonas war, bei dem Gedanken an Jonas wurde sie wieder mit der Vergänglichkeit konfrontiert und Tränen traten in ihre blauen Augen.
"Es geht mich zwar absolut nichts an, aber, Hat er sie verlassen?" fragte der Fremde zaghaft und beschämt gleichzeitig.
"Ja" antwortete Anna erneut knapp und brach in ein herzzerreißendes Schluchzen aus. So sehr sie sich auch zu beherschen versucht hatte, es ging einfach nicht mehr.
Der Fremde verkniff sich eine weitere Frage, stattdessen hielt er ihr ein Tempo hin.
"Danke" sagte Anna leise, doch er hörte es trotzdem.
"Bitte gerne, ich wollte ihnen nicht zu nahe treten. Es tut mir leid, aber wenn sie reden möchten, ich kann gut zuhören" formulierte er sein Angebot höflich.
Eine Weile saßen beide schweigend da, plötzlich begann Anna wie aus dem nichts heraus zu sprechen.
"Jonas, er war mein Mann, aber letzten Juli ist er gestorben......." aprubt stoppte sie. Anna was machst du da, du kennst den Mann doch überhaupt nicht, der kann doch weiß Gott was sein. Ein Mörder oder.., es ist doch egal was er ist, töten kann er mich nicht, denn ich bin schon mit Jonas gestorben, geisterte es ihr duch die Gedanken, als sie aus ihren Gedanken gerissen wurde.
"Stimmt, sie kennen mich nicht, ich kann verstehen, wenn sie mir nichts weiter erzählen wollen" gab sich der Fremde verständnisvoll.
"Ach, sie verstehen das. Dann frag ich mich, warm sie mich überhaupt so blöd anquatschen." giftete sie mit lauter Stimme in Richtung ihrer Gegenübers.

Mia und Enrique freuten sich ganz besonders auf den heutigen Arbeitstag, denn sie dürfen heute erstmals in ihrer eigenen Agentur einen Spot vorstellen. Auch wenn ihre Freude etwas durch die Schicksale in ihrem Freundeskreis überschattet wurde, aber immerhin. Es war eine erste Etappe auf dem weiten und nahezu nie endenden Weg zum Erfolg. Nach einem ausgibigen Frühstück machten sich Arm in Arm und strahlend wie Honigkuchenpferde auf den Weg ins Büro, denn diesmal wollten sie auf jeden Fall pünktlich sein. Schließlich reichte die Aufregung über ihren ersten Spot weitgehend aus.
"Meinst du Paloma ist zu Tom gegangen?" fragte Mia, denn ihr war plötzlich wieder eingefallen das ihre Freundin ihnen einen Zettel mit Danke hinterlassen hatte und als sie aufstanden schon weg war.

"So etwas würdest du mir doch nie antun." und gab sich gespielt ernst, doch als er ins Mias Gesicht blickte, deren Augen ihrer Strahlens beraubt wurden, stimmte dies in wirklich ernst. Und seine Erinnerung bescherte ihm den selben Gedanken wie Mia.
"Tut mir leid, ich wollte dich nicht so verletzten" sagte Mia, während sie Enrique tief in seine Augen sah, ach wie schön diese doch waren, sie hätte doch glatt drin versinken können. Ernique antwortete nicht sondern gab nahm einfach ihr Gesicht in seine Hände und drückte seine Lippen auf die ihren, bis sie in einem langen und innigen Kuss mit auf dem Gehweg versanken. Viele Leute gingen kopfschüttelnd an ihnen vorbei, doch es war ihnen egal, in diesem Moment gab es einfach nichts als sie beide. Keine Sorgen, keine Probleme, nichts ausßer ihnen beiden und ihrer großen Liebe, die endlich nach so vielen Jahren ihr Happy End gefunden hatte.

Teil 31

Mia und Enrique wussten das der heutige Tag einer der entscheidensten im Bezug auf ihren beruflichen Werdegang werden würde. Nach Vögele Moden hatten sie auch Vöslauer aqirieren können. Ein Hoffnungschimmer in dem endlos finsteren Tunnel, denn sie waren zwar mit Euphorie und Elan an ihr Projekt herangeganen, doch nagte die Agenturgründung schön langsam an ihrem Kontosstand. Wenn es so weiter geht und es nur Ausgaben aber keine Einnahmen gibt, könnte ihr Lebensstil der sich sowieso schon auf Sparflamme bwegt ernsthaft in Gefahr befinden.
So versuchten beide die Probleme die ihre Gedanken beanspruchten, an der Tür abzuschieben um sich vollends auf ihren neuen Kunden zu konzentrieren.
Mia schwebte da auch schon etwas vor, eine Geschichte eine richtige Geschichte, getragen von zwei Menschen, zwei Frauen, die auf dem festen Boden der Mutter Erde nicht die Chance haben sich zu begegnen und doch nicht ohne einander können. Erst im Wasser finden sie die Möglichkeit einer Begegnung.
Nun musste diese Idee nur noch dem Vöslauerchef zusagen, dann würde alles gut werden und der Grundstein für ihre berufliche Zukunft wäre ebenfalls gelegt. Unruhig ging Mia in ihrem Büro auf und ab. "Du schaffst das", hörte sie plötzlich Enriques Stimme an ihrem Ohr. Von Unsicherheit übrflutet schnaufte sie durch, so als wolle sie alle schlechten Gedanken und Zweifel mit dem nächsten Atemzug aus ihrem Körper fegen. "Die Idee ist gut, hörst du Mia! Mach dir nicht so viele Gedanken, es wird alles gut gehen" sprach ihr Enrique Mut zu und küsste sie auf die Stirn. "Meinst du?" gab Mia zweifelnd zurück.
Ehe sie sich noch weiter in irgendwelche Zweifel stürzen konnte betrat der Kunde auch schon die Agentur. Er ließ interessiert seine Augen durch den Raum schweifen, den er gerade im Begriff war zu betreten. "Schön, Schön" bemerkte er während er seine fast schulterlangen Haare in einer routinierten Bewegung zurückwarf. Sie waren dunkelbraun, glatt und frischgeföhnt, womit sein Anzug keineswegs mithalten konnte, denn der sah schon ziemlich abgetragen aus, fast so als ob er schon seinem Urgroßvater ein treuer Diener gewesen wäre. Enrique zog bei diesem Anblick seine Brauen hoch, sodass sich seine Stirn für einen moment in Falten legte. Komischer Kauz ging es ihm durch den Kopf, der letzte war bei weitem ansprechender.
Nach dem Mia ihn ihre Idee presentiert hatte, formte er seinen vielzugroßgeratenen Schmollmund zu einem Lächeln. "Schöne Idee" kam es über seine Designerlippen während er aufgeregt auf seine Wangen klopfte, fast so als ob er prüfen wollte, ob das Make up noch hielt. "Wir sind sehr glücklich sie als unsere Partner begrüßen zu dürfen" Mia und Enriques Gesicht verformte sich zu einem überglücklichen strahlen. "Jaah" enfuhr es Mia.
Ich möchte ihr kleines Freundenfest ja nicht unterbrechen, aber. Bei dem Wort aber, verschwand das Lächeln aus den Gesichtern und sie blickten bebannt auf Karl-Heinz Grassers "jüngere Schwester". Was soll den noch kommen, er hatte ihnen eben den Zuschlag für die Kampagne gegeben. Mit großen Fragezeichen blickte sie erst einander und dann dieses verhinderte Model an.
"Es ist, wir haben die Berliner Agentur, vielleicht kennen sie sie ja, Broda und Broda ebenso mit diesem Auftrag betraut und des", weiterkam die verhinderte Sprechbarbie nicht. "Sie haben WAAAS?" kam es aus Enriques Mund, die Lautstärke ließ sein Gegenüber zusammenfahren und kurz danach über seine Mähne steichen. Er hatte offensichtlich Angst das seine Frisur bei seinem zusammenzucken einen Schaden erlitten hatte. "Nun ja, sie sind ein engagiertes Jungunternehmen, jedoch sind wir uns nicht sicher ob sie mit einer solchen Kapazität, wie sie hier vorliegt, fertig werden, deshalb haben wir als Stütze Broda und Broda zu Rate gezogen."
Mia wie auch Enrique waren weiß wie die Wand, sie konnten einfach nicht fassen was sie da gerade gehört hatten. Das konnte doch nicht sein Ernst sein, wieso engagierten sie überhaupt so eine Agentur wie die ihre, wenn sie von einer erfolgreichen Auftragsausführung so oder so nicht überzeugt waren.
Fast so als ob er weitere Schreianfällen fürchtete, sagte er abschließend. "Wenn sie sich entschieden haben, bitte melden sie sich bei uns. Es hat mich sehr gefreut Auf Wiedersehen" ehe er mit einem überweiblichen Hüftschwung zum Aufzug tänzelte.
"Der hat sie doch wohl nicht mehr alle, ich meine will er uns verarschen, Broda und Broda, nie im Leben der kann sich seinen Auftrag sonst wohin schieben"
"Enrique, denk doch mal nach"
"Was soll ich da bitte groß nachdenken, eine Zusammenarbeit mit Broda und Broda kommt nicht in Frage. Pasta"
"Wieso bist du nur immer so stur"
"Ich stur" brüllte Enrique jetzt regelrecht, diese Frau hatte nerven, was glaubte sie eigentlich. Er merkte regelrecht wie seine Gedanken zu Alexander schwenkten und die Eifersucht Besitz von ihm ergriff.
"Ja, verdammt, kannst du deine Persönlichen Differenzen mit Alexander einmal vergessen. Enrique wir brauchen das Geld, dringend"
"NEIN, nicht mit mir. Glaubst du wirklich ich schau dann zu wie er dich wieder anschmachtet, nein sicherlich nicht"
"Was ist dein Problem? Ich" brüllte nun auch Mia
Enrique würdigte sie keines Blickes sondern schnappte sich mit bösen Worten auf den Lippen seine Jacke und stürmte auf den Aufzug zu. Er musste einfach weg von hier, weg von Mia. Er musste nachdenken. In Ruhe.

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

04.08.2011 17:25
#13 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Teil 32

Enrique lief durch Berlin, heute war wieder einer der Tage an dem der Winter in seinen letzten Zügen lag. Die Wärme war anwesend doch die Kälte versuchte ihren Platz zu verteidigen. Heute morgen als er mit Mia zur Arbeit gegangen war, hatte er das gar nicht gemerkt, die Liebe täuschte anscheinend über alles hinweg.
Er wusste, dass er Mia mit seinen eben gesprochenen Worten sehr verletzt hatte, doch es ging nicht anders. Gehen, gehen würde es schon anders, aber bei dem Namen Alexander sah er jedesmal nur noch rot. Es war wie automatisch, sonst konnte man ihn die wandelnde Contenanse nennen, doch in diesem Fall ging es einfach mit ihm durch. Er konnte es sich selbst nicht erklären.

Vertraut er mir denn wirklich so wenig?
Er sollte doch eigentlich wissen, dass er und nur er der Mann ist, dem ich als einzigen ein Eheversprechen geben möchte. Weiß er denn wahrlich nicht, wie sehr ich ihn liebe, das ich mit ihm Tisch und Bett teilen möchte bis der Allmächtige seine Hand nach einem uns ausstreckt.
Von den Gedanken inspiriert holte sie ihr Handy hevor und wählte Enrique Nummer. Während der Rufaufbau von statten ging, begann Mias Herz in einem schnelleren Rhytmus zu schlagen, einerseits aus Angst vor Enriques Reaktion andererseits weil sie sich so sehr nach ihm sehnte. Es war schrecklich wie sehr sie ihn schon nach so kurzer Zeit vermisste, wie hatte sie das nur all die Jahre aushalten können?
Nach dem gefühlten 100 Klingeln sprach sie leise ein Stoßgebet zum Himmel. "Enrique los bitte nimm ab, ich muss mit dir reden", fast so als ob sie so seine Reaktion beeinflussen wollte. Leider brachte diese Stille bitte nicht die erwünschte Reaktion, denn plötzlich drückte Enrique sie weg.
Entmutigt rutschte Mia an der Wand, an jener sie gelehnt hatte zu Boden, wo sie als heulender Haufen eine ganze Weile hocken blieb.

Enrique hatte lange mit sich gerungen, ob er den Anruf abnehmen sollte oder nicht. Er wusste das sie eine Erklärung für sein Verhalten verdient hatte bzw. das seine Worte vorhin ziemlich ungerechtfertigt waren und er sie auch sehr verletzt hatte mit dem was er sagte. Aber es ging momentan nicht anders, er konnte jetzt nicht mit ihr sprechen. Erst musste er sich selbst über ein paar Dinge klarwerden und unbewusst hatte es ihn an die Spree getrieben. Das war immer schon ein Ort gewesen an dem er gut nachdenken konnte, schon als Kind hatte es ihn zum Grübeln ans Wasser getrieben.


Teil 33

Mia fuhr erschrocken vom Boden hoch, als ihr bewusst wurde welche Macht Alexander im Grunde noch über ihr Leben hatte. Er war nicht mal da und trotzdem schaffte er es mich und Enrique zu entzweien. Erneut füllten sich ihre Augen mit Tränen und verringerten den Flüssigkeitspegel in ihrem Körper. Doch was sollte sie nur tun, wie konnte sie Enrique von ihrer Loyalität, aber vor allem von ihrer uneingeschränkten und ehrlichen Liebe zu ihm überzeugen. Wie konnte sie ihn ihm das Vertrauenswachstum, das sie damals, als sie unter Geschmacksverwirrung und Emotionalererinnerung leidend, gestoppt hatte wieder zum Leben erwecken. Wie konnte sie ihm begreiflich machen, das sie buchstäblich nicht bei Sinnen war, als sie sich seinem Erzrivalen hingegeben hatte, sie für kurze Zeit ihrer uneingeschränkten Liebe für ihn sicher war und Enrique so unendlich vor den Kopf gestoßen hatte.
Lange lehnte sie mit von Verzweiflung gezeichnetem Gesicht an der kalten Wand und grübelte, es es ihr wie Schuppen von den Augen fiel.

Teil 34

"Guten Tag, Herr Beyerle" sagte Mia, mit einem sehr bunten Emotionscocktail im Magen. Was es wirklich richtig, ja das war es, es war der einzige Weg. Es ging einfach nicht anders.
"Schönen Guten Tag, Frau Maschke" grüßte er ebenfalls und warf in einer routinierten Bewegung seine Haarbracht nach hinten. Mia blickte leicht beschämt zu Boden ehe sie begann. " Herr Beyerle, es ist so, ich-, also wir- mein Verlobter und ich"
" Werden den Auftrag annehmen" beendete Enrique Mias Gestotter. Erschrocken fuhr diese herum. Ungläubig blickte sie in Enriques blaue Augen, aus denen ein Strahlen kam, ebenso war sein Mund zu einem Lächeln geformt. Sie konnte es kaum fassen, für Sekunden fühlte sie sich nicht mehr Herr ihrer Sprache.
"Aber-" begann sie entsetzt, doch Enrique unterbrach sie erneut.
"Wie gesagt, Herr Beyerle, wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit ihnen"
"Auf Gute Zusammenarbeit"
"Herr Vegaz, Frau Maschke" Herr Beyerle neigete den Kopf und schwang seine Hüften eine Spur zu unmännlich in Richtung Aufzug.
"Enrique, wieso, ich versteh nicht"
"Mia, weißt du", vorsichtig trat er weiter auf seine Verlobte zu und strich ihr sanft über ihre vond er Aufregung leicht geröteten Wangen. "Ich habe lange überlegt, über dich, über uns über Alexander und ich bin zu dem Schluss gekommen, das ich dir vertrauen soll. Schließlich hast du dich ja für mich entschieden, bist mit mir zusammen und wirst mich heiraten. Also wofor sollte ich Angst haben und wie du schon gesagt hast. Wir können finanziell gerade auch kein Pungijumping betreiben und es ist ebenso eine große Chance für unsere Agentur sich auf dem internationalen Markt zu etablisieren." Ehe Mia etwas entgegnen konnte, küsste er sie. Als sie sich wieder von einander lösten, sagte Mia "Danke",stieß einen erleichterten Seufzer aus und lehnte ihren Kopf an Enriques Schulter.
"Für was?" fragte dieser
"Dafür das du eingesehen hast, das du dich zu Unrecht aufgerecht hast"
"Wie bitte, ich im Unrecht?", abrupt stieß er Mia von sich.
"Ja, oder glaubst du, dein Auftritt war okay. Du hast dich benommen wie der letzte Gockel"
"Wie der letzte Gockel" Enrique lachte hämmisch auf "Das kommt jetzt ausgerechnet aus deinem Mund. Wer erleidet den einen postpubertären Hormonschub sobald der den Namen Alexander hört?" äfferte er in Richtung Mia.
Seine Worte versetzten Mia einen tiefen Stich in ihrem Herzen, wie konnte er nur so von ihr denken, Tränen versuchten sich ihren Weg zu bahnen, doch Mia versuchte sie so gut es ging zurückzudrängen, denn vor Enrique wollte sie jetzt nicht schwach wirken.
"Wenn du so von mir denkst, dann verschwinde, Raaaaaaaaaaaaaaaausssssss" schrie sie nun mit letzter Mühe ihre Fassade aufrechterhaltend.
"Mia, ich"
"Bist du taub? VERSCHWINDE!!!"
Enrique blickte beschähmt zu Boden, dann zu Mia, die ihm den Rücken zu wandte und auch wenn er ihr Gesicht nicht sehen konnte, spürte er das sie weinte. Sie weinte wegen ihm, sein Herz verkrampfte sich, wieso nur hatte er das gesagt. Er liebte sie doch mehr als sein Leben, sie war doch sein Leben.
So gerne er jetzt zu ihr gehen würde, sie in seine Arme schließen und ihre Tränen trocknen würde, drehte er sich um und verließ schweigend und ebenfalls als Opfer der flüssigen Trauer das Gebäude.

Teil 35

Mia griff nach der schönen tiefblauen Vase, die Enrique ihr als Einstand zur Firmengründung geschenkt hatte und donnerte sie mit einer Handbewegung in die sie all ihre Wut verpackte gegen die Tür durch jene Enrique eben verschwunden war. Unter einem herzereissenden Klirren regnete ein Scherbenschauer auf den grauschattierten Granitboden hinunter. Instinktiv zuckte Mia bei diesem Geräusch zusammen, ehe der Vulkan gefüllt mit Perlen aus flüssigem Gold engültig zum Ausbruch kam und ihre von der Aufregung geröteten Wangen mit seinem Innersten flutete. Gegeiselt von ihrem unerträglichen Seelenpein flüchtete sie in die einzige dunkle Ecke ihrer Räumlichkeiten, ließ von psychischer Erschöpfung niedergerungen auf den Boden sinken und stützte ihren Kopf auf ihre Knie, die gerade noch von ihrem Kopf überdeckt wurden und gab sich vollends ihrer maßlosen Enttäuschung hin, die sie im Bezug auf Enrique in jedem noch so kleinen und unbedeutenden Winkel ihres Körpers spürte.
Sie wusste nicht wie lange sie mit tränenden Augen in der Ecke hockte, doch es muss ziemlich lange gewesen sein, denn außerhalb des Gebäudes war bereits der Abend über Berlin hereingebrochen.
Taumelnd richtete sie sich auf und wandelte auf extrem wackeligen Beinen in Richtung Tür, wo sich jedoch nicht mehr an die Scherben dachte, die vor jener Tür ihren Dienst als Ersatzfußmatten ablagen und so trat sie mitten hinein. Da sie ohnehin schon sehr wackelig unterwegs war, warf sie das umknicken mit ihren hohen Absätzen so sehr aus dem Gleichgewicht, das sie ihre Hände hilfesuchend durch den dunklen Raum steuerte, diesen jedoch nur noch am Fußboden fand. Ein stitzer Schmerz, ein schriller Schrei.
Vezweifelt ballte sie die verseerte Hand zu einer Faust, im Glauben die Blutung stoppen zu können. Benommen taumelte sie nun hinaus auf die Straße, presste ihre Hand unbedacht an ihren Hals und wunderte sich mehr als sehr, dass die wenigen Leute die Straßen noch säumten sie mit entgeisterten bis angeekelten Minen scannten. Dem einen oder anderen konnte man seine Gedanken ohne Große mühen von den Zügen ablesen, doch all das war Mia egal, sie wollte nur noch in ihr Bett um sich dort für die nächste Zeit zu verkriechen.
Endlich an der Else angekommen zitterten Mias Hände so sehr von den Erlebnissen des heutigen Tages, dass sie erst nach dem 6. Versuch den Schlusses ins Schloss bekam. Mit den Schuhen in der Hand haltend schlich sie sich in Richtung ihres Zimmers. Das Einschleichen hatte fast geklappt, doch hatte sie die Rechnung ohne die knarrende Diele gemacht, auf jene sie gerade ihren Fuß gesetzt hatte. Das Geräusch ließ sie zusammenfahren und wieder legte sie ihre verseerte Hand auf den Bauch, wo das Blut sich nun durch das gelbe T-Shirt arbeitete. Sie war so benommen, das sie die Schritte nicht hörte, erst der Schrei ließ sie wieder in diese Sphäre zurückkehren. Als sie aufblickte sah sie in die verschreckten Augen ihrer Tante, die die Hand auf den Mund gepresst hielt und in ihrer Kehle versuchte sie einen weiteren Schrei zu ersticken. "Kind, Was ist passiert?", geschockt ließ sie ihre Augen über Mias verquollene Augen, zu ihrem Hals und schließlich zu ihrer T-Shirtverzierung auf dem Bauch gleiten. Erneut presste sie sich beide Hände auf den Mund.
Mias Blick senkte sich erneut ohne ein Wort über die Lippen zu schicken, als ihre Augen über ihen Pullover glitten, stockte ihr Atem. Gott, die Wunde in ihrer Hand hatte sie ja total vergessen, zitternd öffnete sie jene und schluckte hart. Der Anblick war grauenhaft, es sah aus als hätte sie beim schlachten geholfen und aufs Hände waschen vergessen. Sie stand da wie paralysiert. Rührte sich nicht. Hoffte nur inständig, das alles ein Alptraum war und sie jeden Moment aufwachen würde.
Wortlos trat Susanne an ihre Nichte heran, zog sie in ihre Arme, die sich draufhin wieder ihrem Schmerz versprach und den Tränen die Schleusen öffnete. Behutsam strich Susanne Mia immer und immer wieder über den Rücken.

Währenddessen saß Enrique mit außdrucksloser Miene in der Ego Bar vor seinem 5.Whiskey. Alkohol war normal nicht seine Kragenweite, doch wann sollte er trinken, wenn nicht heute. Sein Blick war starr in das Glas gerichtet, seine sonst so schönen blauen Augen matt und glanzlos. Warum hatte er das getan? Warum? Immer wieder jagte ihm diese Frage durch den Kopf, doch Antwort wollte sich auch nach sovielen Durchgängen keine finden. Was in Gottes Namen hatte ihn dazu getrieben, dem einzigen Menschen der ihm etwas, wirklich etwas bedeutete so weh zu tun. Wie sie das stand, den Rücken zu ihm, es hatte ihm beinahe das Herz zerrissen, der Schmerz hatte die Luft regelrecht zerschnitten. Dabei war sie doch der einzige Mensch der ihn zum Leben erwecken konnte, der sein Lachen echt machen konnte, nur bei Mia lachten seine Augen mit, sie begannen regelrecht zu strahlen, ansonsten endete seine Freude immer am Rande seiner Lippen.
Jedesmal wenn er Mia sah, begann ein Feuer in ihm zu brennen, es erfüllte ihn mit Wärme und kleidete ihn in das Gefühl angekommen zu sein. "Mia ist das Ende, nein das Ziel einer langen Reise zu mir selbst. All meine Gedanken haben seit unserem ersten Treffen bei Mia geendet, sie ist immer schon das Ziel gewesen, aber bis ich nach Berlin kam, war dieses Ziel immer nur ein Traum, ein Traum der wahrscheinlich nie seine Erfüllung finden würde. Aber dann, dann stand sie plötzlich vor mir und ich hätte Gott den A R S C H küssen können vor Glück, bis ich bemerkte das sie einen anderen liebte....." Interessiert lauschte die hübsche blonde Bedienung den Erzählungen des Alkoholopfers, blickte zwischen ihm und dem Glas hin und her und in tief in ihrem inneren reifte ein teuflischer Plan.

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

04.08.2011 17:26
#14 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Teil 36

Anna konnte es nicht fassen, was bildete sich dieser Mensch eigentlich ein. Er wusste nichts von ihr, absolut nichts. Er möge sich vielleicht für einen guten Zuhörer halten, aber zum Experten von geschundenen Seelen machte ihn das noch lange nicht. Sie hatte sich wieder einigermaßen gefangen, da öffnete der Fremde erneut seinen Mund und in Anna begann es wieder zu brodeln. Was wollte er von ihr?
"Die Flucht vor den Erinnerungen ist keine Lösung, wissen-"
"Ach, ist das so Herr Psychologe.
Wissen sie was, wenn sie mich flachlegen wollen, weil keine Frau mit Verstand sich mit ihnen einlässt. Ich geb ihnen einen Rat, gehen sie ins Puff, da werden die Frauen dafür bezahlt" brüllte Anna, riss ihre Tasche vom Sitz und stapfte wütend davon.
Der Mann sah ihr entgeistert nach, die Leute schüttelten entsetzt die Köpfe oder starrten einfach nur ungläublig vor sich hin, da sie nicht glauben konnten welch Worten ihre Ohren gerade zeugen wurden bzw. sich dieser schämten.

Mia entlud ihren Pein in den Armen ihrer Tante an deren Arm sie sich klammerte wie eine Ertrinkender an einen Baumstamm. Mia empfand die Körperwärme die von ihrer Tante ausging, als Balsam für die Seele, es tat einfach nur gut nach dem heutigen Tag Geborgenheit zu spühren. Lange verharrte sie in dieser Position, immer wieder verteidigten die Gedanken an den Streit ihren Platz und öffneten dem Tränenfluss somit die Schleusen ehe sie all ihren Mut zusammennahm und Susanne von den Ereignissen erzählte. Bei jedem Wort wurde Susannes flaues Gefühl schlimmer und irgendwann presste sie nur noch die Hand an den Mund. Mia hingegen begann sich mit jedem Wort welches ihren Mund verließ, sich befreiter zu fühlen. Reden tat wirklich gut, das merkte sie heute zum ersten Mal. Früher empfand sie das als überbewertet und zog es vor alles in sich hineinzufressen und mit sich selbst auszumachen, aber nun hatte sie das Gegenteil erkannt.
Ingo, der gerade mit dem weinenden Felix auf dem Arm über die Schwelle trat, riss Mia aus ihren Erkenntnissen.
"Mia", brachte ihr Onkel gepresst hervor, der Anblick seiner Nichte hatte ihn sichtlich geschockt, doch Susannes dezentes aber dennoch bestimmtes Kopfschütteln hielt ihn von weiteren Nachbohrungen ab und hüllte sich in Schweigen. Die Stille hing nun leicht gespenstisch im Raum und die von Fragen geschwängerte Luft machte die Atmosphäre auch nicht erträglicher. Um die Situation zu entschärfen, bot Ingo Mia Felix an. Mia zuckte darauf erschrocken zusammen.
"Sie mich mal an, der Kleine bekommt ja glatt nen Schock fürs Leben bei meinem Anblick", mit den Händen an ihre kajalverschmierten Augen während ein zaghaftes Lächeln für einen kurzen Moment für ihre Lippen huschte. Susanne holte ein Taschentuch aus ihrer Rocktasche hervor und deutete Mia sich damit die Augen wieder gesellschaftsfähig zu machen.
Kaum war die kosmetische Verschönerung abgeschlossen, legte Ingo Mia den kleinen Racker auf den Arm. Felix fuchtelte mit seinen winzigen Fingerchen in der Luft herum und zauberte Mia in windeseile ein sanftes Lächeln ins Gesicht. Er ist einfach zu süß um wahr zu sein, ging es Mia durch den Kopf und aufeinmal sprang sie eilig auf und drückte Ingo den Kleinen wieder in die Arme, welcher das Geschehen etwas verdutzt zur Kenntnis nahm.
Erneut verglasten Perlen aus Wasser ihre Augen und mit ihnen kehrten ihre Gedanken an Enrique zurück, an das wovon sie miteinander geträumt hatten.
"Es ist nur, weil ich hab mir mit Enrique auch eine Familie gewünscht und wenn ich Felix so sehe, dann kommt alles von heute wieder hoch"
Susanne deutete Ingo zu gehen, während sie Mia behutsam zudeckte, die sich hingelegt hatte. Vorsichtig drückte sie ihr noch einen Kuss auf die Stirn, löschte das Licht und verließ das Zimmer.

Teil 37

Enrique öffnete seine Augen, doch die Lieder waren von der Nacht noch so schwer das sie wieder zu fielen, doch hoppla was hatte sich da vor seinen Augen autgetan? Was das etwas ein Kuscheltier? Blitzschnell flogen seine Lider wieder nach oben, erschrocken blickte er in das kokette Grinsen einer gelben Plüschente. Wo bin ich hier und vorallem wie bin ich hier her geraten?, ging es ihm durch den Kopf. Seine Augen wanderten über seine nackte Haut und blieben schließlich an seiner schwarzen Unterhose haften. Was zum Kuckuck war passiert?
"Mia" rief er erschrocken, raffte sich vom Nachlager überstürzt auf um sich gleich wieder zurück fallen zu lassen. Das dröhnen in seinem Kopf war schier unerträglich.
Was zum Henker hatter er nur gestern getrieben, dass er so einen Brummschädel hatte. Mit schmerzverzertem Gesichtsausdruck hielt er seine Hände auf den Kopf gepresst.
Weit entfernt hörte er unter tosendem Gepolter eine Tür ins Schloss fallen und dann ertönte Mias Stimme.
"Jojo, hier sind die Tappas, Tante Susi hat gesagt du brauchst sie ganz dringend"
Er war also in der WG, aber warum. Mit den Händen immer noch an den Kopf gepresst sprintete er nun hinaus. Seine Mia stand über jedem Schmerz, um bei ihr zu sein, war er bereit alles zu ertragen.
Paloma, Jojo, Lily, Maxi und Mia drehten sich verdutzt um als er mit der Unterhose vor ihnen zum stehen kam.
"Mia, Gott sei Dank da bist du ja"
Mit freudestrahlendem Gesicht trat er auf sie zu und wollte sie küssen, doch sie entzog sich seiner Annäherung und sah ihn nur verständnislos an.
"Du mieses Schwein, erst schläfst du mit mir und dann küsst du sie" brüllte jetzt die empörte Maxi.
Schon stand sie vor ihm und er spürte auch schon ein brennen auf seiner rechten Wange.
"Ach, so bist du also, erst mir die ewige Liebe vorgaukeln und wenns mal nicht läuft einfach mit der nächstbesten Dumpfbacke in die Kiste steigen. Du bist echt keinen Deut besser als Alexander"
"Mia, ich hab nicht"
"Ach, jetzt leugnest du es auch noch", mischte Maxi sich erneut ein.
Mia fegte ihre Tasche vom Tisch und lief mit tränenden Augen aus der WG.
"Mia, Mia warte"
Jojo, musterte Enrique mit einem abschätzigen Blick, er wollte lieber nicht wissen was er gerade dachte, einzig Palomas Gesicht war nicht ganz so hasserfüllt und verständnislos.
"Wenn du sie liebst, lauf ihr nach" riet sie ihm.
Das lies er sich natürlich nicht zwei Mal sagen, eilig flitze er aus der WG, die Stufen immer 2 auf einmal nehmend hinunter, hinaus aus der Haustür. Der Wind blies ihm messerscharf über die nackte Haut und erst jetzt erinnerte er sich wieder, das er nur mit einer Unterhose bekleidet war. Aber es war ihm egal, er musste zu Mia, so schnell wie möglich. Gehetzt fegten seine Augen die Straße hinauf und hinab, er erspähte in der Ferne einen bunten "Vogel", das musste sie sein, eilig sprintete er in diese Richtung, seine Sohlen brannten auf dem eiskalten Asphalt, die Leute drehten sich kopfschüttelnd nach ihm um, aber auch das kümmerte ihn wenig, er wollte einfach nur zu IHR.

Mia stolperte atemlos und das Gesicht erneut von Tränen entstellt in die Wohnung der Polaukes. Als Susanne ihre Nichte erblickte nahm sie sie nach demselben Schema wie gestern einfach nur in den Arm und wartete bis sie von selbst zu reden begann.
"Enrique-"
Mia schluchzte auf, allein der Gedanke an die Szene in der WG zerriss ihr beinahe das Herz vor Schmerz,
"er hat-"
wieder brach sie ab.
"er hat bei Maxi-" weiter kam sie nicht, denn in diesem Moment schellte die Klingel der Polaukeschen Wohnung.
"Geh du zu Ingo in die Küche, ich seh mal nach wer draußen ist"
Als Susanne die Tür öffnete glaubte sie ihren Augen nicht zu trauen, ihre vor Entsetzen geweiteten Augen wanderten vom Gesicht, über den Oberkörper hinab bis zu den nackigen Füßen. Irgendwie tat er ihr leid, am liebsten hätte sie ihn herein gebeten, ihm ein heißes Bad eingelassen, einen warmen Ingwertee gekocht und ein paar Anziehsachen gegeben.
Susanne das kannst du nicht machen, denk dran, er hat Mia in 2 Tagen 3-mal das Herz am lebendigen Leibe herausgerissen. Du wirst doch mit einem solchen Schuft nicht Mitleid haben., schoss es ihr ins Gedächtnis.
Ein beschämtes Grinsen huschte über Enriques Lippen ehe er tief Luft holte und zu einer Frage ansetze.
"Frau Polauke, ist Mia da?" entfuhr es seinem Mund zaghaft.
"Für sie sicher nicht" gab Susanne grimmig zurück.
"Ich-Bitte, Frau Polauke"
"Ich hätte nicht gedacht, das sie so einer sind", dann warf Susanne die Türe ins Schloss, in diesen Handgriff hatte sie all ihre Wut gepackt.

Susanne kehrte an den Tisch zurück, sie verlor kein Wort über Enrique, gab Ingo seinen Besuch jedoch über eine Augenbewegung zu verstehen.

Enrique blieb verdattert vor der Türe stehen ehe er betrübt von dannen zog, hinaus in die Kälte, in die herzlose Welt, in die dunklen Straßen, obwohl es morgen war und die Sonne danach strebte jeden Winkel zu erleuchten, kam es ihm unendlich vor, denn erst Mia brachte für ihn den Tag zum Strahlen
Und so kehrte auch der Kater in seinen Kopf zurück und trieb ihn nahe an einen Zusammenbruch.

Anna hatte sich derweil auf einen anderen Platz in einem anderen Wagon begeben. Erleichtert stieß sie eine große Portion Luft aus. Menschen gibt es, noch immer entsetzt von ihrer Begegnung mit diesem seltsamen Mann, legte sie den Kopf schief und richtete ihren Blick erneut aus dem Fenster, wo die Landschaft in Windeseile an ihr vorüberzog. Was hatte sich dieser Typ aber auch eingebildet, sie einfach so anzuquatschen. Was bist du so blöd und schüttest ihm dein Herz aus, tadelte sie die Stimme in ihrem Kopf. Ihre Worte schossen rückblendend zurück in ihre Gedanken und so mit auch ihr Anstand. Wieder meldete sich die Stimme. Anna was ist dir nur eingefallen, du kannst ihn doch nicht einfach zum notgeilen Bock degradieren. Vielleicht wollte er ja wirklich nur nett sein, du siehst ja ernsthaft nicht aus, wie das fleischgewordene Glück. Lass mich, ich falle nicht mehr auf deine Ratschläge rein, aus pasta. Setzte Anna dem Gedankenkrieg in ihrem Kopf abrupt ein Ende.
Aber war es damit wirklich zu Ende? War verdrängen nicht wirklich nur etwas für Wappler?

Teil 38

Das Klingeln ihres Telefons riss Mia aus ihren Gedanken. Erst wollte sie es schellen lassen, da sie sowieso Enrique als Anrufer vermutete, doch dann hielt ihr Susanne die anscheinend ihren Gedanken erraten hatte, das Handy unter die Nase.
"Es ist Paloma"
"Paloma, Hallo"
"Morgen Mia, hab ich irgendetwas verpasst? Ich meine was war das heute morgen?"
Mia trat nervös von einem Fuß auf den Anderen. Sollte sie sich ihrer Freundin anvertrauen? Was wenn Ernique diesen Anruf von ihr verlangte? Immerhin war er sehr gut mit ihr befreundet. Ach, was Paloma würde das nicht tun, sie würde mir sicherlich nicht in den Rücken fallen.
"Mia, Mia bist du noch da? Ist alles in Ordnung?" drang Palomas Stimme an Mias Ohr und entfesselte sie somit aus dem Netz der Grübeleien.
"Können wir uns treffen! Jetzt gleich!"
"Natürlich, in 10 Minuten in der Ego Bar?"
Ego Bar, nein bitte nicht, ich habe echt keine Kraft für Enrique und seine neue Flamme.
"Wie wär es mit dem Cafe Antik? Ich hab grad keinen Nerv Maxi über den Weg zu laufen oder Enrique"
"Okay, bis später"
"Tschü, bis gleich"

15 Minuten später saßen die beiden Freundinnen in den aus Bäumstämmen geschnitzten Stühlen bei einem Bio Traubensaft und einer Apfelschorle. Das Cafe bestand nur aus einem einzigen Raum, der von futuristischer Kunst gesäumt war. Das bäuerliche und das moderne waren einerseits die schärfsten Konkurenten, andererseits verliehen sie dem Raum gerade durch diese Gegensätze einen einzigartigen Touch. Mia blickte während sie sprach außnahmslos in ihr Glas als würde sie auf dessen Grund nach etwas bestimmtem suchen. Paloma hörte sich Mias Erzählungen und Erklärungen gespannt an und versuchte sich eine eigene Meinung zu bilden.
"Verstehst du, wir haben einmal Streit, dann geht dieser Schuft sofort her und und steigt mit der nächstbesten Schlampe in die Kiste. Ich meine, wie falsch muss man sein. Als er heute so vor mir stand in der WG, das hat so weh getan, ich dachte mein Herz bricht auf der Stelle in zwei Hälften."
Erneut bahnten sich die Tränen ihren Weg über ihre Wangen und auch der Schmerz in ihrem Herzen kehrte mit den Erinnerungen zurück. Sanft ergriff Paloma die Hand ihrer besten Freundin und streichelte sie ein wenig. Nun senkte auch sie ihren Blick in das Glas mit Apfelschorle, fast als würde sie dort nach Halt und Bestätigung für das suchen, was ihr nun bevorstand. Nun lies sie ihre Augen über die Kunstwerke schweifen die den Raum zierten und blieben dann an einem lilafarben gestrichenen Holzauge stehen, das auf einem geschwungenen Metallstab befestigt war.
"Weißt du", immer noch fixierte sie das hölzerne Meisterwerk, schwenkte dann aber doch in das Gesicht ihrer Freundin.
"Ich glaube du hast Enrique da gerade verdammt unrecht getan, zumindest was die Sache mit Maxi angeht. Gestern sp-"
"Ach, willst du mich jetzt für vollkommen blöd verkaufen?. Ich weiß doch was ich gesehen"
"Ja, ich weiß was DU gesehen hast, das will ich auch gar nicht bestreiten, aber das was gestern Abend passiert ist bzw. heute Nacht das kannst du nicht wissen. Ich jedoch weiß es."
"Ach hast du ihnen die Lampe gehalten" spottete Mia nun, diese Art von Aussagen entsprachen normalerweise nicht ihrer Niveauklasse, aber sie war einfach am Ende.
"Mensch, Mia" Palomas Blick sprühte Funken.
"Mia, Enrique war gestern sturzbetrunken als Maxi ihn buchstäblich anschleppte. Ich war verduzt, konnte mir keinen Reim draus machen, aber heute früh, verstand ich plötzlich warum Maxi das alles getan hatte."
"Ach, und woher willst du wisssen, das sie keinen S E X hatten, du warst ja schließlich nicht in Maxis Zimmer"
"Das vielleicht nicht, aber ich hörte wie Maxi darüber fluchte das Enrique eingepennt ist. Ungefähr eine Minute nachdem sie ihr Zimmer betreten hatten.
"Selbst wenn es so war, woher willst du wissen, das er nicht doch noch munter geworden ist?. Ich meine, wenn er eingepennt ist, wieso stand er dann heute morgen nur in Unterhose bekleidet vor mir? Die Kleider werden ihn wohl nicht von Geisterhand verlassen haben"
"Mia, du solltest wissen"
"Sag mal hat dich Enrique auf seine Gehaltsliste gesetzt oder wieso erzählst du mir sonst so einen Stuss?", Mia war rasend vor Wut.
Sie hatte immer gedacht das Paloma loyal zu ihr ist.
"Bitte was?" Paloma konnte ihr entsetzen über die Unterstellung ihrer Freundin nicht verbergen und das wollte sie auch nicht.
"Mia, hör mir zu, wenn du mir nicht glaubst, kannst du ja in 2 Minuten immer noch davon rennen, aber bitte hör dir an was ich dir zu sagen habe."
In Mia arbeitete es während sie mit einer Pobacke am Sessel der anderen schon in der Luft den Worten ihrer Freundin lauschte. Sollte sie darauf ein gehen oder einfach abhauen? Gab es die Möglichkeit das Enrique wirklich nichts mit Maxi hatte? Mia war sich ganz und gar unschlüssig wie sie sich entscheiden sollte, gehetzt und mit vor Aufregung laut pochendem Herzen schickte sie ihre Augen hilfesuchend durch den Raum, schlussendlich blieben sie auf ihrer Freundin haften und sie entschloss sich zu bleiben. Schließlich hatte sie nichts mehr zu verlieren, schlimmer konnte es kaum werden. So schwang sie also ihr gesammtes Hinterteil zurück auf das Sitzmobilar, verschränkte ihre Arme in demonstrativer Abwehrhaltung vor der Brust und blickte Paloma fordernd an.
"Maxi hat schon vor einiger Zeit mir gegenüber erwähnt das sie ein Auge auf Enrique geworfen hat."
Entgeistert und auch eine Spur gelustigt blickte Mia nun ihre Freundin an, die sich vor kam wie im falschen Film.
"Was ist?"
Mias Gesichtsmuskeln begannen zu zucken bis sie schließlich in schallendes Gelächter ausbrach und den Kopf auf die Tischplatte legte.
"Ich hab mir gerade vorgestellt wie Maxi ihr Auge herausnimmt und es Enrique hinterher wirft" brachte die immer noch sichtlich amüsierte Mia hervor.
Paloma blickte sie erst etwas angeeckelt an stimmte jedoch dann in das Gekicher ihrer Freundin ein. Die Vorstellung war einfach zu köstlich.
Plötzlich endete Mias herzliches Gelächter, ihre Gesicht fand zurück zu den ernsten und strengen Zügen von vorhin und dieser Ausdruck erstarrte an ihr wie an einer Steinbüste.
Sie blickte nur starr gerade aus, auf die Gestalt die in der Eingangstür stand. Sie konnte nicht fassen was bzw. wen sie das sah.

Teil 39

Anna freute sich endlich am Ziel ihrer Reise zu sein. Es war wie damals. Mit treibenden Gedanken steuerten ihre Schritte an den Strand. IHREN Strand.
Der Ort an dem sie erstmals die winzigen Triebe des absoluten Glücks empfunden hatte. Der Wind fegte mit all seiner Kraft über die weite Ebene die hin und wieder von einer Sanddüne durchsetzt war hinweg und verwandelte das Meer in eine entusiastisch fauchende Todesdrohung. Anna konnte sich nur mit Mühe der vorherrschenden Naturgewalt wiedersetzen und so taumelte sie mehr als sie ging den Strand entlang, zerrieben zwischen dem Kräfte messen der Lüfte.
Erschöpft ließ sie sich genau an jener Stelle unsanft in den Sand fallen, wo Jonas und sie sich zum ersten Mal geküsst hatten.
Mit ihren von der Kälte beleidigten Fingern forschte sie in den Innenräumen ihrer Jackentasche. Irgendwo musste dieser Stein doch sein. Der Stein des Anstoßes , das stille Symbol ihrer Liebe.
Endlich bekam sie ihn zu fassen, zog ihn hervor und ließ sich beseelt von der tiefen Verbundenheit die sie in diesem Moment zu Jonas spürte, zurück in den Sand plumpsen, so dass sie nun ausgestreckt mit ihrem Körper den Menschenleeren Strand schmückte. Die Kälte hüllte sie schweigend ein und Anna wandte ihren Blick nicht von dem Stein, ihre Finger schmerzten bereits und nahmen eine alamierende Röte an.
"Weil etwas nicht perfektes auch wunderschön sein kann" mit diesen Worten auf den Lippen schloss sie ihre Lieder, in inständiger Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Jonas.

Blitzschnell flog Mias Blick , dessen Ausdruck sich zu einem aus Enttäuschung, Wut und Verzweiflung bestehenden Emotionsshake gewandelt hatte, zwischen dem immer noch am Ausgang verharrenden Enrique und Paloma hin und her bis sie schließlich ihre Freundin mit einem messerscharfen Augenkontakt diese gedanklich ermorderte, blitzschnell ihre rote Polyurethantasche ergriff und Richtung Ausgang stürzte, ohne Enrique eines Blickes zu würdigen. Doch da hatte sie die Rechnung ohne jeden gemacht. Bestimmt umfasste er ihren Arm mit einem gezielten Griff. Mia versuchte sich loszureißen, doch dazu fehlte ihr merklich die Kraft.
"Hör mir bitte zu, es ist" begann Enrique.
"Lass mich los oder ich schreie" unterbrach ihn Mia, den Blick starr auf seine Hand an ihrem Arm gerichtet.
"Mia, bitte lass uns reden"
"Ich will aber mit dir nicht reden und jetzt lass mich los"
Widerwillig lockterte er seinen Griff und im nächsten Moment war Mia auch schon durch die Tür ins Freie gerannt. Langsam und sichtlich traurig trat er zu Palomas Tisch. Sein Blick sagte mehr als tausend Worte.
Mia lehnte sich schnaufend gegen die Hauswand. Palomas Worte geisterten durch ihren Kopf. Maxi und Enrique hatten nichts miteinander. Es klang wie eine billige Ausrede, aber was wenn es doch stimmte. Was wenn sie Enrique in diesem Punkt unrecht tat? Seine Augen, wie er sie eben angesehen hatte, er war so traurig, so enttäuscht, Mensch Mia, er hat eine Chance verdient, eine Chance sich zu erklären.

Teil 40

Der Wind frisierte ihm sein Haar, zaghaft tasteten sich seine Füße durch den Sand voran. Je näher er dem Wasser kam, umso lauter ertönten ihre verzweifelten Hilfeschreie in seinem Kopf. Die Laute schnitten ihm sein Herz entzwei, sein gesamter Körper verwandelte sich in eine einzige hilflose Schmerzoase. Er musste schlucken, am liebsten hätte er sich umgedreht und wäre davongerannt, weg von diesem Meer, weg vor diesen Erinnerungen die ihm fast die Kehle zuschnitten, weg von den Schmerzen, doch tief in seinem Inneren wusste er, dass es ihn bis an das Ende der Welt verfolgen würde.
Man kann vor dem davonlaufen was hinter einem her ist, jedoch nicht vor dem was in einem ist, hatte seine Mutter einmal zu ihm gesagt und so wenig er ihre Gesellschaft schätzte, so wertvoll war dieser eine Auspruch, der in ihren Gedanken vermutlich seinen Ursprung fand.
Also zwang er sich stehen zu bleiben, hinaus auf das Meer zu sehen, das vom Wind angestachelt zu einer unkontrollierbaren Bestie wurde und seine Macht zusätzlich noch mit gruselerregenden Schreien untermalte. Der Grusel entlud sich mit einem kalten Schauer, der über seinen Rücken wanderte, seine Hände begannen zu zittern wie Espenlaub, Tränen schmückten seine Wangen. Er hatte gar nicht gewusst, dass er noch weinen konnte, denn die letzten Jahre hatte er sich diese menschliche Regung ja erfolgreich verboten, doch heute lies er es geschehen.
Er wusste nicht wie lange er sich den Tränen hingegeben hatte, aber irgendwann war seinenm Augen keine Flüssigkeit mehr zu entlocken.
Mit einem Gefühl der inneren Leere wandte er sich von der tosenden Flucht ab, er wollte schon den Rückweg in die heimelige Wärme seiner Unterkunft antreten, als er einen schwarzen Haufen in einiger Entfernung im Sand liegen sah. Erst dachte er an einen Hund, doch weit und breit kein Mensch, das konnte es doch nicht geben und vorallem würde ein Tier nie solange bei diesem Sauwetter nochdazu in Ruhe verharren.
Je näher er kam, desto klarer erschienen der Haufen als Umriss eines Menschen, der auf die Seite gelehnt im Sand lag.
"Hallo" schrie er mit 3-fachdem Stimmaufwand gegen den Wind, doch eine ANtowrt oder gar eine Bewegung erfolgten nicht. Nun stand er direkt vor dem schwarzen Haufen mit blonden langen Haaren, abermals rief er, doch wieder antwortete niemand außer dem Wind. Vorsichtig beugte er sich hinunter, sein Herz raste, Panik stieg in ihm auf. Zaghaft streckte er seine Hände nach der Frau aus, fasste sie am Arm, sein Atem begann sich zu überschlagen. Mit einem Ruck kippte der Körper in seine Richtung und die junge Frau blieb auf dem Rücken liegen.
Erschrocken riss er seine Hand zurück, fast so als ob er sich verbrannt hätte, blitzschnell sprang er hoch, presste die Hände an den Mund und erstickte mir dieser Geste einen Entsetzenschrei, taumelte ein paar Schritte zurück und riegelte mit seinen Lidern das Blickfeld ab.
Er sah sie vor sich, wie sie da lag, so stumm, so wunderschön, doch die Blässe störte das Bild ebenso wie die arg zerzausten Haare, die Meerespflanzen als Netz missbraucht hatten. Die weiße Decke bis an den Hals gezogen, wo sie unachtsam zurückgeschlagen war, Fanny hatte Unordnun gehast, durchfuhr ihn in diesem Moment der Gedanke, ebenso wie damals. Sein Atem wurde noch unregelmäßiger, sein Herz pochte lauter als das Signalhorn von Rettung, Feuerwehr und Polizei zusammen. Er würgte, Magensäure trat in seine Mundhöhle, sein Körper füllte sich mit Kälte. Vor seinem inneren Auge lief eine Horrordiashow ab. Gleichgewichtsstörungen trübten seinen Sinn zusätzlich, er schwankte im Takt mit dem Wind.
Er schluckte einige Male heftig ehe er es cchaffte seine Augen wieder zu öffnen, seine Hände zitterten wie jene eines Parkinsonpatienten, als er sie von seinem Mund nahm.
Langsam wurde seinem biederen Verstand bewusst, das die Frau die zu seine Füßen lag, nicht von einer weißen Decke verhüllt, nicht leichenblass nicht Fanny war. Doch kannte er sie, es war die Frau die ihm im Zug so eine Szene gemacht hatte, die Frau die das gleiche durchlebte wie er.
Mit immernoch sehr zittrigen Händen kniete er sich neben sie hin und fühlte ihren Puls. Gott sei Dank, die Erleichterung fiel ihm wie ein Stein vom Herzen, ihr Puls war sehr schwach, abe er war vorhanden, noch. Weiß Gott, wie lange sie schon hier draußen in der Kälte lag. unter Panik wählte er die Nummer des Notrufs.

Enrique saß ab seinem Schreibtisch, Ein Kloß schmückte seinen Hals. Der Schmerz, die Enttäuschung, die in Mias Augen lagen, als er sie heute am Arm hielt, allein der Gedanke daran versetzte ihm einen Stich im Herzen, sein Magen schmerzte und dröhnende Kopfschmerzen vernebelten ihm den Verstand, was natürlich peantas waren, in Anbetracht zu seinen Herzensqualen, die er sich noch zu allem überfluss selbst beschert hatte. Der Stift lag schwer zwischen seinen Fingern, das Papier gewann ein unermessliches Format vor seinen Augen und die Buchstaben spielten Fangen in seinem Kopf.
Nach unzähligen erfolglosen Versuchen, Mia einen Brief zu schreiben, begann er sich zu fühlen, wie eine Insel in einem von quallendurchsetzten Meer. Dem Untergang geweiht. Enrique warf den Stift weg, sodass dieser über die Tischplatte hinwegsegelte, nahm in bald darauf jedoch wieder in die Hand und startete den 1001 Versuch.
"
Liebe Mia!

Als du mir zum ersten Mal, die drei berühmten Worte ins Ohr geflüstert hast, habe ich mich gefreut wie der Schneekönig, ich habe mich für den glücklichsten Menschen der Welt gehalten, ganz schön egoistisch von mir, ich weiß, aber es war so. Damit hatte sich der sehnlichste und größte Wunsch der mein Herz je während meiner nun schon fast 30-jährigen Erdenbürgerschaft verlassen hat, erfüllt.
Mia, ich weiß nicht wie ich dich davon überzeugen kann, das meine Liebe dir und nur dir gehört. Weder Maxi oder sonst irgendeine Frau haben eine Chance gegen dich und so soll es auch sein, denn du bist die einzige Frau die ich jemals wollte, die ich will und ich immer wollen werde.
Ich habe wirklich keine Ahnung wie ich dich dazu bringen kann meinen Beteuerungen ein Ohr zu schenken, den großen Graben den das Misstrauen zwischen uns gebaut hat, wieder zuzuschützen.
Mia du bist einfach die einzige die in dem weiten Cosmos unserer Sphären, die Macht hat, mich zum Lachen, zum weinen... zu bringen, du bist der einzige Mensch, dessen Meinung, dessen Fürsprache mir etwas bedeutet.
Wieso sollte ich also das Liebste das ich habe, den einzigen Menschen der mich wirklich kennt, so sehr verletzten das er nichts mehr mit mir zu tun haben will.
Ich verzichte auf Entschuligungen und Theorien im Bezug auf die Begegnung in der WG, denn ich kenne ich gut genug um zu wissen, das du ihnen keine Glauben schenkst und so appeliere ich nochmal an dein Herz und bitte dich mit allem was ich habe mir noch eine Chance zu geben, wenigstens eine für ein Gespräch.
Vielleicht kannst du mir irgendwann verzeihen, ich kann warten, wenn es sein muss bis an mein Lebensende, aber die Gewissheit das es dich gibt, wird mich am Leben erhalten.

In ewiger und ungebrochener Liebe
Dein Enrique
"

Enrique faltete das Papier mit laut pochendem Herzen zusammen, legte es in ein franktiertes Kuvert und brachtes es zum nächsten Briefkasten.

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

04.08.2011 17:27
#15 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Teil 41

Die Minuten ehe die Sirenen des Rettungswagens über den Strand gegen den Sturm anheulten, erlebte Tom wie in Trance.
Sein Herz arbeitete auf Hochtouren, plötzlich ertönte in seinen Ohren ein rauschen, dann ging alles ziemlich schnell. Seine Umgebung begann Karusell zu fahren und seine Augen schalteten auf Nacht.
Als er wieder Herr seiner Sinne wurde. lag er auf Decken gebettet im Sand. Erschrocken fuhr er hoch, doch der Sanitäter, der an seinem "Bettchen" Wache hielt, schob ihn sachte aber bestimmt wieder zurück auf den Boden.
Das Rauschen kehrte unvermittelt zurück, ich habe mich wohl zu eifrig aufgerichtet, ging es ihm durch den Kopf.
Im gleichen Augenblick schickte er seine Augen auf Erkundungstour, doch konnte er die Fremde weder rechts noch links erkennen, auch vor ihm war sie nicht zu erspähen, als er sich sachte etwas aufrichtete. Sollte er es als gutes oder als schlechtes Zeichen werten? Tote transportiert die Rettung nicht. Das wusste er, aus eigener Erfahrung und wieder kamen die Erinnerungen an Fanny hoch, an ihren leblosen Körper, seine Augen wurden zu einem Kaktus, bis zum bersten gefüllt mit Wasser.
"Keine Panik, ihre Frau ist bei uns in den besten Händen" erklang plötzlich die väterlich fürsorgliche Stimme des Sanitäters.
"Meine Frau...aber...das...sie...ist nicht... meine Frau. Ich weiß nicht" verzweifelt schwenkte sein Blick auf das immernoch gefährlich tosende Meer.
"Wird sie...es...schaffen? Ich meine" fragte er nach einer Weile des blanken Schweigens.
"Sie haben sie im wahrsten Sinne des Wortes im letzten Moment gefunden. Sie ist bei uns in guten Händen. Die Ärzte werden ihr möglichstes tun"
"Sie darf...ich...nicht...sterben",aus Toms Stimme schrie die planke Angst.
Obwohl er diese Frau nicht kannte, würde er ihren Tod nicht verwinden, ein zweites Mal das Gefühl zu spät zu sein, nicht helfen zu können zu druchleben würde er nicht schaffen. Der Sanitäter sagte nichts, er hielt nur für eine Weile seine Hand und Tom dankte ihm insgeheim dafür.

Mias Herz begann bei dem Gedanken von Enrique schneller zu schlagen. Wieder geisterten die Worte von Paloma durch ihren Kopf. Sollte ich ihm nicht doch eine Chance geben bzw. jene nutzen die gerade vor mir liegt.
Vorsichtig trennte sie das Papier vom Klebstoff, 2-mal Riss es ein, doch konnte sie den Brief dann entnehmen.
Als ihre Finger das Papier berührten setzte Mias Herzchlag für einen Moment aus, ebenso machten die Schmetterlinge in ihrem Bauch einen Rundflug, was sie etwas verärgert zur Kenntnis nahm. Warum musste sie ausgerechnet so einen Typen so sehr lieben. Ich hab immer gedacht er ist anders als Alexander, aber da habe ich mich wohl getäuscht. Mein Schicksal ist es wohl mich immer in Scheißtypen zu verlieben, ging es ihr durch den Kopf.
Trotzdem rang sie sich dazu durch seine Brief zu lesen.
Sie las seine Worte immer wieder, saugte sich förmlich in sich auf, immer und immer wieder, bis sie schließlich jede Silbe auswendig konnte, immer noch unschlüssi wie sie sich entscheiden sollte.
Sollte sie mit ihm sprechen oder sollte sie ihn ignorieren.
Ihr Herz forderte ersteres, ihr Verstand letzteres. Mia war mehr als nur unschlüssig.


Enrique saß in seinem Büro, bemüht seine Arbeit zu tun, doch wollte ihm das nicht gelingen, denn jeder Gedanke endete irgendwann bei Mia. Egal ob es um die Fashionweek, Lanford Life oder einen Pressetermin ging. Mia ist für ihn einfach der Stoff aus dem die Träume sind, wie konnte es in einem Modeunternehmen dann anders sein, als dass jeder Gedanke bei ihr endete. Zu gerne wäre er jetzt einfach aufgestanden und nach Hause spaziert, um sich etwas Abstand zu schaffen oder wenigstens auf einen Plausch mit seinem besten Freund in die Ego Bar, aber der war ja auch nicht da. Entmutigt schlug er den Ordner zu an dem er sich gerade tätig gemacht hatte, lehnte sich in seinem Stuhl zurück und grübelte eine Weile.
Irgendwann erhob er sich von seinem Stuhl, verließ sein Büro um sich an einen Tee zu genemigen. Als er die Treppen hinab stieg, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen, wen den er da sah.


Teil 42

Tom stand am Fenster seines Appartements und starrte hinaus in die kalte Nacht, die eine beängstigende Stimmung über die Landschaft streifte, obwohl das Meer immer noch gegen den Strand peitschte und der Wind mit verstörten Lauten um das Haus jaulte. Seine Augen glitten hinaus auf das imposant und ebenso erschreckend tosende Meer, doch wirklich nahmen sie es nicht war, denn der echte Film lief vor seinem inneren Auge ab. Die Bilder aus dem Zug, sein Ausflug, die Panik, ihr Anblick, all das kam wiederhervor. Er wusste nicht ob er es verdrängen oder der Erinnerung einfach mit einem lächeln die Tür öffnen sollte. Einerseits schmerzten ihn die Gedanken an die Szenen am Strand, andererseits hatte er sich eben dort geschworen, dem ewigen Verdrängen ein Ende zu setzen. Aber was war nun wirklich das richtige? Tom konnte es nicht sehen im Strudel der Emotionen, die sich in ihm auftaten. Irgendwann wandte er seinen Blick von der geräuschvollen Finsternis ab und legte sich aufs Bett. Sein Kopf schmerzte, seine Gedanken routierten und so kam es, dass er anstatt in die heilenden Welten der Träume abzudriften, unentwegt an die Decke starrte und sich immer wieder durch die Bilder des heutigen Tages klickte.
Er blickte auf den Wecker, es war 3.38, trotzdem sprang er auf, fasste seine Jacke vom Stuhl und lief hinaus in die eisige Nacht.


Enrique wandte seinen Blick ab, um gleich darauf wieder zurück zu schwenken. Konnte das sein, oder träumte er nun schon am helllichten Tag mit offenen Augen oder war vielleicht der Wunsch Vater des Gedanken? Das Spiel wiederholte sich erneut, doch auch diesmal blieb das Objekt beständig, am selben Fleck wie zuvor, nur das sich der Ausdruck von leichter Freude in tiefgreifende Verwirrtheit gewandelt hatte. Langsam trat er die restlichen Stufen herunter, hielt einen winzigen Moment inne, atmete tief ein ehe er sich in jene besagte Richtung aufmachte. Auch sie trat auf ihn zu. Starr fixierten seine Augen den Punkt, um ihn nur ja nicht aus den Augen zu verlieren bis er endlich vor ihr stand. Enrique sagte kein Wort, er sah sie einfach nur an und ohne den Grund ihres Erscheinens zu kennen, siedelte sich ein zartes aber grundehrliches Lächeln auf seinen Lippen an, das jedoch seine Sehorgane ebenso aufsuchte.
"Hallo" kam es nach einiger Zeit über seine Lippen und er lächelte immer noch.
"Hallo" kam die Antwort, doch die Verlegenheit rang sie nieder und ihr Blick glitt zu Boden.
Diese Geste hatte die Magie, die zwischen ihnen herrschte, diese unbrechbare Einheit, die sie verband, die er seit ihrem Streit so sehr vermisste, war gebrochen.

Mias Herz begann zu flattern, als sie ihn so locker über die Stiege herunter kommen sah. Für einen Moment hielt sie den Atem an. Ihre Beine hatten sie einfach zu ihm getrieben, sie waren den Weg zu ihrer Agentur quasi selbst gelaufen, doch jetzt wo sie da stand und ihn sah, da zitterten ihr Knie und sie spielte einen Moment mit dem Gedanken einfach umzukehren und wegzulaufen. Sie wusste das sie mit ihm sprechen musste, wenn sie blieb. Aber wollte sie das überhaupt?
Zeit für diese Überlegung blieb ihr keine, denn in diesem Moment wandte er seinen Kopf und sah ihr direkt in ihre Augen, ein äußerst zaghaftes Lächeln huschte über ihre Lippen. Sie war vermundert über das was sie zu sehen bekam, er schien nicht glauben zu können, das sie wirklich hier stand, denn er drehte seinen Kopf zweimal in die entgegengesetzte Richtung um wohl sicher zu gehen, das sie keine Fatamorgana war. Das stimmte sie etwas verwirrt, denn so kannte sie Enrique gar nicht so unsicher, normalerweise war er immer von sich überzeugt. Von der Überraschung und irgendwie auch der ungewollten Freude übermannt trat auch sie ein paar Schritte auf hin zu, heraus aus dem Schatten des Halbstockes.
Sie wusste nicht wie ihr geschieht, als er dicht vor ihr stand und sie nur mit seinen Blicken streichelte. Mia wollte es nicht geschehen lassen und tat es doch, denn tief in ihrem inneren hatte sie ihm schon verziehen. Tief in ihrem inneren weiß sie nämlich das er nicht so ist wie Alexander und das er sie bedingungslos liebt und ihr niemals absichtlich Schmerz zu fügen würde.
Als er jedoch Hallo sagte und sie ihm antwortete, begann sie zu lächeln, doch das wollte sie ihm nicht zeigen. Schließlich sollte er schon ein wenig um sie kämpfen und nicht glauben, dass er mit einem einzigen rührseeligen Briefchen alles wieder ins Lot bringen konnte. Obwohl es für sie sehr qualvoll war, hatte sie es getan, denn sonst hätte sie sich wohl oder übel von ihm küssen lassen und alles wäre wieder in Butter gewesen, auch wenn es das noch nicht war.


Teil 43

Anna schlug ihre Augen auf, doch sie fühlte sich zu müde um sie offenzuhalten. Doch so sehr sich es sich wünschte sie konnte nicht mehr zurück, in ihren Traum zu Jonas. Es ging einfach nicht mehr, sie blieb zu iher Enttäuschung wach. So öffnete sie nach einer Weile doch ihre Augen, die sich nun schon an den Wachzustand gewöhnt hatten. Wo bin ich?, ging es ihr durch den Kopf.
"Jonas, Jonas wo bist du" rief sie panisch, doch er trat nicht ins Bild. Erschrocken blickte sie sich um, sah es so im Himmel aus? Anna hatte sich den immer ganz anders vorgestellt, so mit vielen kleinen Wölcken und Englen etc. doch nichts von all dem konnte sie in ihrem Blickfeld wiederfinden. Da waren nur ein Tisch ,ein Sessel, zwei Betten sogar Fenster, na j a vielleicht ist es der Warteraum, spektulierte sie, aber das Mobilar und das Aussehen waren ihr egal hauptsache sie und Jonas waren zusammen.
"Normalerweise nennen mich meine Patienten nicht beim Vornamen, aber bei so einer bezaubernden Dame wie ihnen, will ich das mal durchgehen lassen" ertönte die Stimme eines Mannes, der mit Sicherheit nicht Jonas war und sogleich auch vor ihr stand.
Dieser Mann war definitiv nicht Jonas und sie war hier nicht im Himmel sondern in einem stinknormalen Krankenhaus auf Osteroog, wo der Arzt zufällig auch den Namen Jonas trug. Jonas hatte also rechtbehalten, ihre Zeit ist noch nicht gekommen.
Der Arzt bemerkte Annas enttäuschtes Gesicht und versuchte sie aufzumuntern, doch die Methode war nicht besonders originell.
"Ihrem Antlitz nach zu schließen bin ich nicht der den sie erwartetet hatten.
Dr. Jonas Jacobson", stellte er sich mit einem Lächlen vor.
Anna war immer noch enttäuscht, sie hatte sich doch extra an den menschenverlassenen Strand geflüchtet, damit niemand ihrem Vorhaben in die Quere kam und das Wetter entsprach ja auch nicht gerade einem Traum, wer also hatte ihr Leben gegen ihren Willen verlängert.
"Wie gehts es ihnen?"
Die Worte des Arztes rissen Anna aus ihren im Grunde völlig schwachsinnigen Überlegungen.
"Ich weiß nicht, ich bin hundemüde und meine Glieder tun sehr weh"
"Sie hatten wirklich Glück, dass der junge Herr sie gefunden hat, normalerweise schickt man ja bei so einer Witterung nicht mal die Hunde vor die Tür. Was wollten sie eigentlich da draußen?"
Anna stand die Verlegenheit auf die Wangen tätowiert, was sollte sie antworten? Die Wahrheit, konnte oder besser sollte sie die ihm wirklich offenbaren? Der steckt dich sofort in die Klapse du wolltest dich schließlich umbringen, sagte ihre innere Stimme. Lügen konnte sie jedoch ebenso wenig, das konnte sie nämlich nicht, also entschloss sie sich für eine Halbwahrheit.
"Ich bin spazieren gegangen, wissen sie ich liebe es wenn das Meer so wild umsich schlägt. Nun ja und da muss ich wohl gestürzt sein, ich kann mich an nichts was danach passiert ist mehr erinnern"
Während sie die Worte sprach sah sie unentwegt auf die weiß bezogene Bettdecke, die sie mit ihrer Hand unentwegt glatt strich und hoffte inständig das sie überzeugend klang. Irgendwo hatte sie mal gehört das Amnesie nicht beweisbar ist, also eine gute Ausrede.

Eine Weile standen sie beide nur da, kosteten die Stille und waren froh das der andere sie nicht zum Sprechen zwang. Das gemeinsame schweigen bot ihnen die Möglichkeit, wieder eine gemeinsame Frequenz zu finden.
Von der Verlegenheit niedergerunden senkte auch Enrique nun den Blick. Die innere Anspannung schien bei beiden ins unermessliche anzuschwellen, doch übten sie sich weiterhin in Schweigsamkeit.
Das vielzuschnelle schließen einer Türe im Treppenhaus zerschnitt die Stille für einen winzigen Moment.
Mia rang schon eine Weile mit sich um ihrem Kehlkopf einen Laut zu entlocken, doch es wollte und wollte ihr einfach nicht gelingen. Wo waren sie denn hin, die Zeiten in denen die Worte nur so herausgesprudelt sind, wenn sie Enrique sah.
Worte können heilen, Worte können jedoch auch töten, spukten ihr die Stimme ihrer Mutter durch den Kopf. Diese hat das immer als Ratschlag benutzt, wenn sich zwei gestritten haben, das war eine unsichtbare Warnung, den Mund zu zügeln, erst nachzudenken und nicht der Wut das Feld zu überlassen.
Ihr Ruf als gute Ratgeberin war in ihrem Freundeskreis unangefochtet. Ach wenn sie doch nur hier wäre und ich sie um Rat fragen könnte, ging es Mia durch den Kopf.

Ebenso gewissenhaft wie sonst hat auch in diesem Akt diese besagten Wortkombination ihre Pflicht erfüllt, den eben genauso war es ihr im Leben immer wieder wiederfahren. Erst haben sie sich getröstet und dann verletzt. Egal ob es Ole, Jannik, Alexander waren, doch nun gehörte auch Enrique zu diesen jenen, das tat ihr am meisten weh.
Sollte sie aber Enrique eben diesen Schmerz offenbaren? Sollte sie ihm sagen wie sehr sie sein Brief berührt hatte? Was soll ich nur machen, ich kann momentan nicht mit dir, aber ebenso wenig ohne dich leben, geisterte es durch ihr Gehirngänge.
Mensch, Mia, warum bist du überhaupt hierher gelaufen, wenn du noch nicht bereit bist ihm zu verzeihen. Wahrscheinlich macht er sich jetzt Hoffnungen, die du ihm nicht erfüllen kannst.
Mia wäre am liebsten auf dem Absatz umgekehrt und in die Weite der Straßen Berlins geflohen.
" So...ich muss dann mal...Ideen...Akten...also... ich...oben"
Gott, Maschke was soll dieses Gestammel, du benimmst dich wie in der Grundschule wenn du dich vor dem lesen drücken wolltest und dann erst dieses nervöse und völlig überflüssige Defummel mit deinen Fingern. Das sieht ja aus als würdest du eine Biene fangen wollen.
Am liebsten würde sie auf der Stelle im Boden versinken.


Enrique wusste nicht recht mit welcher Reaktion er aufwarten soll. Zu groß war die Angst Mia vor den Kopf zu stoßen.
Immerhin ist sie hierher gekommen, aber ist sie auch wirklich bereit für das was ich ihr sagen bzw. geben möchte. Ich will sie ja schließlich nicht unter unnötigen Entscheidungsdruck setzen, mein innigster Wunsch beruht ja schlussendlich auf überdimensionaler Freiwilligkeit und nicht auf emotionalaufgebauten Verlustängsten. Sie soll mir aus freien Stücken verzeihen.
Mein Brief erzählt doch, dass ich warten will auf sie, auf ein Leben mit ihr, egal wieviele leere Jahre ich dafür erleben oder besser ertragen muss. Was zählt ist die Hoffnung! Die Hoffnung auf die Erfüllung meines größten Wunsches.
So steht es mir nach diesen Äußerungen keinesfalls zu, Worte des Drängens über meine Lippen gleiten zu lassen.
Mein Befehl ist es nun also mit der Stille vorliebzunehmen und die Zeit des Wartens zum nachdenken zu nutzen.
Dieses Gestammel jedoch, das wie aus heiterem Himmel ihren Mund verließ, verdutzte ihn bis zu tiefst, denn es passte auf gar keinen Fall zu der Mia die er kannte. Wühlte sie die allem Anschien nach unbeabsichtigte Begegnung so sehr auf, das sie einen großen Anteil ihres Selbstbewusstseins und ihrer Kommunikationsfähigkeit eingebüßt hatte?
Einerseits freute es ihn, da sie allem Anschein nach noch etwas für ihn empfand, andererseits tat es ihm sehr weh, Mia so zu erleben.
Nach ihrem völlig misslungenen Entschuldigungsversuch für ihre Anwesenheit war die Luft zwischen ihnen erneut zum zerreisen gespannt. Eine Tatsache die Enrique sehr zu schaffen machte.
"Also, ich werd dann mal" brach er das gefühlte Vakuum, drehte sich um und setzte seinen Weg die Treppen hinab fort.

Zurück blieb eine verdutze und einen Hauch auch enttäuschte Mia, die sich nicht vom Fleck rührte und mit hängenden Mundwinkeln den Klängen, welche Enriques Schuhe auf den Treppenstufen hinterließen, lauschte.


Teil 44

Annas Gedanken kreisten um alles mögliche, bloß nicht um das Leben. Sie verfluchte diesen jungen Herrn regelrecht, der ihre Reise zu Jonas vereitelt hatte.
Ein leises fast schon entschuldigendes Klopfen unterbrach ihre Flucheshymne auf ihren Retter.
Wer kann das sein? Es weiß ja schließlich niemand um meinen Aufenthaltsort oder doch? Bei dieser Überlegung rutschte ihr das Herz in der Hose. Was wenn es wirklich ihre Eltern oder Paloma waren, die würden die Geschichte vom Spaziergang nicht glauben.....Nein, das konnte nicht sein, verwarf sie die Überlegung, doch das Herzklopfen blieb. Tief sog sie die Luft ein bevor sie sich bereit fühlte der Überraschung Eintritt zu gewähren.
"Herein", kam es leicht genervt und gepresst über ihre kaum geöffneten Lippen. Das Wort war fast nur ein flüstern und doch hatte es den Besucher erreicht. Wie entwich ihrem Verständnis.
Die Türe öffnete sich wie in Zeitlupe, Annas Herz pochte wie bei einem Marathon, erst erschien ein schwarzer eleganter Herrenschuh. Das kann unmöglich mein Vater sein, ging es ihr durch den Kopf, solche Schuhe entsprechen nicht seiner Klasse. Doch wer sollte das sonst sein, irgendwoher kenne ich diese Luxustreter, schoss es ihr durch den Kopf. Doch wer war ihr Träger. Fragen über Fragen, auf deren Antworten sie einerseits brannte, sie andererseits jedoch fürchtete.
Die Gestalt trat nun in voller Erscheinung in den Raum und Anna stockte der Atem.
Erst war Annas Blick ausdrucklos und auch ein wenig verängstigt gewesen, denn sie konnte sich nicht erklären, wer der Besucher sein sollte, doch nun glaubte sie an Hallzuinationen. Sie schloss ihre Augen und öffnete sie erneut, doch er stand tatsächlich da. Einen Moment lang rang Anna um ihre Fassung. Wie konnte das sein? Was zum verfluchten Neunerl machte der hier? Nachdem die ersten Schrecksekunden verstrichen waren, verhärteten sich Annas Züge auf das härteste. In demonstrativer Abwehrhaltung verschränkte sie ihre Arme vor der Brust und lenkte ihre Augen gekonnt zum Fenster, wo sie ihren Blick haften lies.
"Guten Tag", gab sich der Fremde, der ihr gar nicht so fremd war, höflich.
Anna sah keinen Grund seinen Gruß zu erwidern. Stalker lud man ja schließlich auch nciht zum Kaffeekränzchen.

Mia taumelte leicht selbstfremd die restlichen Stufen hinauf bis zuihren Büroräumen. Die Begegnung mit Enrique steckte ihr noch in sämtlichen Gliedern, daran mag es wohl auch gelegen haben, dass sie den Schlüssel nur mit Müh und Not nach etlichen Anläufen ins Schloss bekam. Der ganze Raum war mit dem Duft nach Enrique durchsetzt und Mia sog die Luft ein, wie ein Raucher den Qualm der Zigarette. Entkräftet von ihrem Zusammentreffen mit Enrique lies sie den Schlüssel erschöpft auf ihren Schreibtisch klatschen. Völlig geistesabwesend begann sie in irgendwelchen Ordnern zu suchen ohne das Ziel zu kennen. Immerwieder wanderte ihr Blick zu Enriques Schreibtisch, der an der anderen Seite des Raumes stand. Der Drehstuhl war ordentlich zum Tisch gestellt, das passte zu ihm, doch das Chaos auf seinem Tisch schon viel weniger. Unschlüssig stand sie nun in der Mitte des Raumes, sollte sie es wagen hin zu gehen oder nicht? Sie entschied sich dafür und als sie vor seinen Sachen stand, konnte sie ihn förmlich spüren., ihn sehen, wie er etwas seiner Gelassenheit beraubt sich durch die Ordner fraß. Tränen raubten ihren Augen das uneingeschränkte Sehvermögen. Allein der Gedanke an ihn schmerzte ihr mehr als sie ausdrücken konnte. Egal in welchem Winkel des Raumes sie ihren Blick auch pilotierte, überall erschien ihr Enrique.
Mia machte am Abstatz kehrt und stürzte völlig übereilt aus dem Büro. Im Eiltempo hastete sie die 4 Stockwerke hinunter. Die Absätze ihrer Stöckelschuhe protestierten heftig, doch das kümmerte sie mehr als überahupt nicht. Ihr tiefster Wunsch war es lediglich, so schnell wie möglich aus diesem Gebäude zu entfliehen und wieder die Luft auf ihrer Haut zu spühren. Unten angekommen klammerte sie ihre Finger um den Türknauf wie eine Ertrinkende an den Rettungsring, mit einem Ruck öffnete sich jene und die frische Frühlingsbrise kühlte ihre vom weinen und der Aufregung geröteten Wangen.

Enrique wollte sich ursprünglich in der Ego Bar einen Tee genehmigen, doch nach der Begegnung mit Mia fühlte er sich nicht mehr gewappnet um unter lauter lustigen Leuten seinen Seelenschmerz zu begießen. So zog es ihn auch diesmal, wie schon sonst immer an das Ufer der Spree. Wo um diese Jahreszeit das kühlende Wasser und die wärmende Sonne eine Symbiose eingingen.
Als er über die Treppen des Bürogebäudes hinabgestiegen war, hatte er immer mit einem hoffenden Ohr nach Schritten gehorcht, die ihm folgten. Mias Schritten. Fehlanzeige! Sie war ihm nicht gefolgt, wieso auch, schließlich war sie stinksauer auf ihn.
Wie gerne er doch einfach wiederhochgelaufen wäre, sie in seine Arme gezogen und geküsst hätte. Enrique konnte sich jedoch gerade noch in letzter Sekunde davonabhalten, denn tief in sich selbst weiß er dass er ihr Zeit geben muss und sie nicht überumpeln darf. Mia brauchte Zeit und die wird er ihr geben, rang er sich das schwerste Versprechen der letzten Monate ab. Du hast über 20 Jahren auf sie gewartet, also wirst du das bisschen Zeit auch überstehen. Bist doch sonst nicht so ungeduldig, wandelten seine Gedanken durch seinen Kopf.


Teil 45

Tom hatte mit so einer Reaktion durchaus gerechnet, schließlich war ihr Zusammentreffen im Zug nicht besonders harmonisch verlaufen. Andererseits konnte sie ihm doch dankbar sein, das er sie gefunden hat. Wusste sie das er ihr Retter war? Ihrer Reaktion nach zu urteilen, konnte dem kaum so sein oder war sie ihm etwa seines Handelns böse? Schnell schob er diesen Gedankenansatz wieder beiseite.

Anna fühlte sich wie das Kanninchen vor der Schlange, was sollte sie nur tun? Das sie nicht fliehen konnte war ihr mehr als bewusst. Den Blick fixierte sie weiterhin auf einen inexistenten Punkt irgendwo im Nirvana der Inselweiten. Der Wind war immernoch sehr stark, doch das Meer peitschte nicht mehr mit allzu übermächtiger Gewalt gegen den Strand.
Wiedermal, wie in der zerronnen Zeit seit Jonas Tod, überkam sie das Bedürfnis ihrem Schmerz Ausdruck zu verleihen. Den Gedanken nicht erst zu Ende gedacht, befeuchtete die erste Träne in einer schmalen Spur schon ihre Wange. Ihre Finger begannen von der Aufregung gezeichnet zu zittern, ein Kloß begann seine Bautätigkeit in ihrem Hals.
Wie sollte sie nur reagieren bzw. wie konnte sie diese unausweichliche Situation ausweichlich gestalten.
"Wie gesagt-das im Zug also das ich ihnen da zu nahe getreten bin, dafür habe ich mich ja schon entschul-"
"Und deshalb folgen sie mir?" schrie Anna nun mit von Bitterkeit nahezu zerfressener Stimme ohne den Blick auf ihn zu richten.
"Hören Sie, ich bin ihnen nicht gefolgt"
"Ach nicht, dann wollen sie mir also erklären das Bibi Blocksberg sie hier her gezaubert hat. Wird ja immer unverschämter mit ihnen"
"Würden sie mir freundlicherweise erst zuhören und dann Gift spritzen oder sind dort wo sie herkommen die Hochhäuser zu groß, als das Sonne zu ihrem Hirn kommen würde."
Anna atmete tief ein, schnaufte laut, riss den rechten Arm aus der Verschrenkung und deutete mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die Tür. Da sie keine Schritte vernahm brüllte sie völlig entnervt.
"RAAAAAAAAUUUUUUUUUUS"
Beschämt richtete Tom außerhalb von Annas sehbarem Bereich den Blick zu Boden, hielt einen Moment inne, ehe er von ihrem Gebrüll aufgescheucht, das Zimmer verlies. Dieser Besuch war ja gründlich aus dem Ruder gelaufen, das es kein Zuckerschlecken werden würde, wusste er zuvor schon, doch das sie ihm unentwegt das Wort abschnitt oder seine Erklärungsversuche, die immer hilfloser wurden, in die Speiseröhre bekam, war dann schon eine Überraschung für ihn.

Enrique war nach einer Weile an der Luft wieder zurück ins Büro gekehrt. Auf dem Weg dorthin hat sein Herz wie wild gepocht, sein Herz und sein Verstand haben derweil um den Verbleib von Mia gefochten. Das Symbol der Liebe hatte für ihre Anwesenheit plädiert, hätte es sie doch so gerne noch einmal gesehen, eventuell auch mit ihr ein paar Worte gewechselt. Der Sitz des Realismus, sozusagen, hingegen klammerte sich an das Gegenteil, denn er befand die heutige Begegnung im Treppenhaus als qualvoll genug. Enrique ist nun hin un her gerissen, wem sollte er sein Vertrauen schenken? Inständig hoffte er und betete insgeheim auch das Mia noch da war, das wäre für ihn das größte Geschenk überhaupt.
Doch als er mit etwas geleidigten Lungenflügeln vom Treppen steigen, in seinem Büro ankam, war keine Regung zu vernehmen. Die Stille ließ eindeutig den Chef raushängen, doch halt was ist das auf dem Schreibtisch. Das sind doch Mias Schlüssel, ging es ihm durch den Kopf, den Anhänger mit dem kleinen Doppeldecker hatte er ihr einmal geschenkt.
"Mia"
Keine Antwort
"Mia bist du da?"
Doch wieder antwortete ihm nur das bekannte schweigen. Enrique überlegte einen Moment, ehe er sich der Schlüssel bemächtigte und sie ihn seine Manteltasche gleiten ließ.
Die Zeit bis der Abend in Berlin endlich seinen Dienst antrat, schien unendlich zu sein. Am liebsten wäre er sofort zu Mia gerannt, doch er musste noch einiges abarbeiten, das schon viel zu lange unbeachtet auf seinem Schreibtisch gastierte. Er kniff die Augen angestrengt zusammen um der momentan auf den Seychellen urlaubenden Konzentration den vefrühten Rückflug schmackhaft zu machen, doch dieses unterfangen erwies sich als ebenso sinnlos wie all seine Vorgänger. Eine ganze Weile noch brütete er mit halbherzigem Ehrgeiz über den Unterlagen bis er schließlich aufstand, sich seinen Mantel schnappte und sich auf den Weg in die Else machte. Jetzt musste er es nur noch schaffen an Susanne vorbeizukommen, die ihn anscheinend als ihr neues Feindbild auserkoren hatte.
Mit vor Aufregung etwas ledierten Fingern drückte er die Kllinke der Else hinunter. Würde er es schaffen oder würde ihn der Haushund beißen? Diese Bezeichnung für Susanne ließ in selbst etwas zusammenfahren, denn eigentlich war sie ihm immer sympatisch gewesen. Wieso dachte er also zu unschön von ihr, nur weil sie Mia vor so einem Schuft wie er es wohl war beschützen wollte.
Sein Blick flog hektisch durch das Lokal, überall Gäste, die Kellnerin war auch zu gange, doch Susanne schien an ihrem Platz in der Küche. Das Abendgeschäft war ja auch in voller Blüte, nun brauchte er nur noch ein bisschen Glück, das sie auch an ihrem Platz verharrte. Leicht geduckt und mit dem Gefühl ein Einbrecher zu sein, schlich er sich unbemerkt zur Treppe. Fast schon erleichtert setzte er den rechten Fuß auf die erste Stufe, der linke wollte gerade die zweite erklimmen.
"Hab ich ihnen nicht gesagt, dass sie hier nichts verloren haben"
Enrique faste den Handlauf, der Schreck hätte ihn fast zu Fall gebracht. Mit riesen Schritten und verhärteter Miene steuerte sie auf ihn zu, ehe sie sich vor ihm aufblusterte die ein Vogel Strauß, der gerade seine untere Federschicht mit Luft versorgt.
Bevor Enrique seine Fassung wiederfand, löschte ein Räuspern die brennende Luft zwischen ihm und Susanne.


Teil 46

Anna saß immernoch wie vom Blitz gestreift in ihrem Krankenbett und kämpfte mit der Verarbeitung des ebenen erlebten. Wie um alles in der Welt konnte es das geben? Konnten zwei sich völlig unbekannte Menschen den selben Weg haben? Gab es so etwas wie Vorsehung? Anna schien der Ratlosigkeit wahrhaftig bestes Opfer.
Ihre Stirn legte sich in Falten, als ihre Gedanken zurück zu Jonas schweiften. Was hatte er zuletzt gesagt, kurz bevor sie ins Leben zurück geholt wurde. Anna, verdammt denk nach, versuchte sie sich selbst anzuspornen. Doch so sehr sie ihre grauen Zellen auch zu tunen versuchte, Erfolg brachte es keinen, sie kam und kam einfach nicht darauf.
Ihre Erinnerungsversuche wurden jäh unterbrochen, als der halblustige Gott in Weiß in ihr Zimmer getänzelt kam.
"Je später der Nachmittag desto schöner die Frauen" flötete er mit einem Lächeln auf den Lippen.
Es sollte wohl lustig klingen, doch das Gegenteil trat ein. Jonas Jacobsen war ein mittdreißiger, nicht schön aber telegen. Er hielt sich wohl für einen Aufreißer, in Wahrheit schienen jedoch alle Frauen die weglaufen konnten, genau das zu tun und so versuchte er von der Frustration beflügelt alle weiblichen Patientinnen zwangszubeglücken. Anna machte sich nicht einmal die Mühe ihre Lippen zu einem Lächeln zu formen, die Floskel war einfach zu abgedroschen.
"Wie geht es uns den jetzt?" legte er nun eine beruflichangehauchte Scheiter nach.
Nicht schon wieder so ein Klassiker, uns geht es weder gut noch schlecht, denn uns gibt es nicht. Mir tut der Kopf höllisch weh und ich wollte eigentlich im Himmel bei meinem Engel und nicht in diesem beschissenen Krankenhaus bei so einem Psyeudokomiker von Arzt sein.
"MIR geht es zum Leben zu schlecht und zum Sterben zu gut"
"Was fehlt uns denn? Wollen wir ein Schmerzmittel?"
Nein, nicht schon wieder. Hat der als Kind zu viel Sand gefressen oder warum hat er ihn so zahlreich im Getriebe? Warum konnte der Typ nicht einfach Leine ziehen, dessen Anwesenheit habe ich so notwendig wie einen Kropf. Anna atmete tief ein.
"Nein, danke" Es reicht schon wenn du dich vom Acker machst, fügte sie in Gedanken hinzu.
"Dann ist ja alles Spaghetti, äh Paletti. Wenn etwas ist, sie wissen, einmal kurz auf das rote Knopferl und die Schwester Birge bringt sogleich ein Topferl" Darauf brach er in schallendes Gelächter aus, Alfons Mensdorff-Pouiy ist ein Samariter dagegen.
Anna verdrehte genervt die Augen und Gott zum Dank machte der Antiwitz mit zwei Beinen endlich einen Abgang.
Erleichtert schnaufte Anna durch und blickte zur Decke. Das hier war ja schlimmer als die Hölle es jemals sein konnte.

Erschrocken blickten Susanne wie auch Enrique nach oben. Sie konnten nicht fassen, wen sie im Türrahmen zur Polaukschen Wohnung entdeckten.
"Mia"sagten beide wie aus einem Munde und waren immer noch etwas entgeistert.
"Tante Susi ich bin dir wirklich dankbar das du auf mich aufpasst, aber das ist eine Sache zwischen Enrique und mir und das muss ich selber klären."
Susanne sah erst Enrique und dann Mia an und ließ den Blick ein paar Mal zwischen den beiden hin und her gleiten. Fast so als wollten ihre Augen eindringlich prüfen, ob sie Mias Behauptung Glauben schenken und die beiden für sich lassen konnte. Prüfung bestanden, denn wie aus dem nichts, nahm sie ihre Hände von den Hüften, drehte sich am Absatz um und ging wieder zurück in ihr Kochlöffeluniversum.
Enrique sah Mia einige Momente lang einfach nur an, ehe er seine Fassung zurückeroberte und Mias Einladung in die Wohung folgte.
"Den hast du im Büro vergessen. Ich...dachte du kannst ihn vielleicht brauchen"
Währenddessen zog er ihren Schlüssel aus der Tasche und legte ihn in ihre ausgestreckte Hand. Dabei berührten sich ihre Finger und die Welt schien für einen winzigen Moment still zu stehen. Wie durch Magie sahen sich beide tief in die Augen und selbst wenn sie sich wehren hätten wollen, sie waren zu schwach um gegen die überirdische Anziehung ankämpfen zu können.

Teil 47

Die vergangenen Tage hatten sein Gehirn Wort wörtlich überstrapaziert. Bisher hatte er immer damit geprahlt belastbar zu sein, doch nun schien er gerade die Erkenntnis gewinnen zu müssen, dass dies wohl reine Ilusion gewesen ist.
Tom konnte es sich ja selbst nicht begreiflich machen, aber irgendwie schien ihn die Fremde aus dem Zug nicht mehr loszulassen. Egal was ich denke oder auch tue, all meine Gedanken münden in der selben Sackgasse und das letzte Haus in dieser Gasse trug die Handschrift der geheimnisvollen Fremden. Ich kenne diese Frau doch nicht mal, also was soll das alles. Es schien fast so als ob ein unsichtbarer Faden seine Hand umwoben hielt und ihn immer und immer wieder zuihr trieb, obwohl sie ihm jedesmal die Tür wies.
Welche Beduetung soll ich denn diesen Geschehnissen wohl schenken? Haben sie denn überhaupt eine Bedeutung verdient?
Doch das hatte es!
Tief in seinem inneren begann sich diese Meinung immer mehr zu versteifen, doch bis er sie akzeptieren wird, wird die Spree noch einiges an Wasser hinunterlaufen. Akzeptieren bedeutet die Suche nach der Ursache, doch er kannte diese schon längst, wollte sie jedoch nicht ändern.
Bis jetzt zumindest


Nach verrichteter Arbeit in der Else saß Susanne gezeichnet vom Stress in ihrer Küche. Einen Moment lang versuchte sie an gar nichts zu denken, einfach nur zu entspannen, doch der kleine Felix machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Sie liebte ihren kleinen Enkel wirklich sehr, doch sie fühlte sich irgendwie schon zu alt für diese Aufgabe. Stöhnend erhob sie sich von ihrem Sessel. Ingo der ihre Erschöpfung bis ins Wohnzimmer vernahm deutete ihr sich wieder zu setzen.
"Susanne, ich geh schon" sagte er um seine Geste zu untermahlen.
Felix Geschrei ließ ihre Gedanken unvermittelt zu Anna gleiten. Wo sie wohl war? Ob es ihr gut ging? Oh, mein Gott sie riss ihre rechte Hand auf den Mund, als wollte sie damit die nächsten Überlegungen stoppen, doch das konnte sie freilich nicht. Was, wenn Anna etwas zugestoßen war? Nein, das durfte nicht sein, ihr Herz begann zu flattern vor Angst. Sie hatten von ihr nun schon seit fast einer Woche kein Wort mehr gehört, kein Anruf, kein Brief, einfach gar nichts. Tränen speisten ihre Augen.
Ingo der Felix inzwischen beruhigt hatte, legte Susanne seine Hand auf die Schulter, doch ihr Tränenfluss wurde immer wilder und so nahm sie Ingo einfach in seine Arme und hielt sie solange fest bis das schluchzen wieder die Rückreise antrat.


Diesaml war es nicht Mia, die ihre Augen umplatzierte. Nein, es war Enrique der sich der Bremse bemächtigte. Hatte er sich eben noch nach einem so innigen Moment und so viel Sehnsucht in Mias Augen gesehnt, wurde ihm jetzt schmerzlich bewusst wie tief die Verletzungen bei ihm eigentlich waren. Von dem Wunsch nach Versöhnung getrieben, hatte er seine Seelenschmerzen und die Enttäuschung über ihr Misstrauen gegenüber seiner Person erfolgreich verdrängt, bis jetzt.
Fast einer Verbrennung ähnlich ließ er seine Finger mit einer ruckartigen Bewegung aus Mia`s gleiten.

Ihren Augen entwich der Glanz und schenkte der Verwirrung die komplette Bühne. Mia fühlte sich wie nach einem Schlag auf den Kopf. Benommen und Handlungsunfähig. Erst bettelt er mit Zuckerstimme um einen Blick in mein Herz, als er ihn dann bekommt zieht er eiskalt die Waffe und drückt ab, so als ob nie etwas zwischen uns gewesen wäre.
Ihre Intuition hatte ihr schon den richtigen Weg gewiesen, doch hatte sie die Warunung weggestoßen. Eigentlich wollte sie Enrique nicht so tief blicken lassen, doch als sie ihm in seine wunderschönen Augen sah, war all der Schmerz und die Ereignisse vergessen. Mia hatte sich in diesem Moment einfach treiben lassen, von dem Gefefühl im Zielbahnhof einzufahren.
Doch diese Leichtsinnigkeit sollte wie sie eben bei ihrer harten Landung auf dem Boden der Tatsachen aufgeklatscht ist, hart bestraft werden.

Die Stimmung war verflogen, die Minen der beiden unentschlossen und bei Mia schlug der Ärger durch. Sie wünschte sich seinen Abgang, doch diesen Gefallen erwies er ihr nicht. Anstatt dessen begann er zu sprechen.
"Mia, ich weiß du bist nun wieder enttäuscht von mir, weil ich dir nicht gewährt habe Einblick in mein Herz zu erhaschen sowie du es mir erlaubt hast. Glaub mir bitte, das ich diesen Zug nicht mit Absicht versäumt habe, denn es ist nicht war. Es tat einfach plötzlich so weh, dein Misstrauen, deine Ablehnung, ich konnte mich dir nicht öffnen ohne dabei heilende Narben ungewollt zu öffnen. Ich will nicht andauernd fühlen, wie es war als du mich verließt, ich will nicht denken, wie sinnlos das Leben ohne dich für mich erscheint, denn Mia DU bist mein Leben, nur du.
Das war immer so und es wird für immer so bleiben, doch schenk mir und meinem geschundnen Herzen die Zeit um dir zu vergeben."

Mia wollte schon etwas auf seine letzen Worte entgegnen, doch Enrique hob bestimmt den Finger und ließ ihre Wörter gekonnt in ihrer von der Aufregung trockenen Kehle versiegen.

"Ich weiß, dein Herz ist ebenso zerbrochen, an unserem Streit und... doch hattest du die letzten Tage Zeit mir zu vergeben, ich jedoch war damit beschäftigt deine Liebe, dein Vertrauen wieder für mich zu entscheiden. Deshalb musst du mir nun die gleiche Chance doch geben!"
Mit diesen Worten drehte er sich um und verlies mit dem knacken des Schlosses die Wohnung. Mia sah ihm lange nachdem er weg war noch nach. Erst hatte sie Wut für seine Worte verspührt doch jetzt bekam sie Einsicht. Je länger sie darüber grübelte, desto klarer wurde ihr das er recht hatte. Er musste die Chance haben, die sie hatte und die würde er auch bekommen.

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

04.08.2011 17:28
#16 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Teil 48

Anna wartete mit Sehnsucht auf das Auftauchen der Visite und gleichzeitig betete sie, dass sie von der Anwesenheit des wandelnden Antiwitzes verschont blieb. Mit zur Decke gerichtetem Blick wandte sie sich mit ihrem Anliegen an den Lieben Gott. Da ertönte auch schon ein Klopfen an der Zimmertür und schon traten sie ein. Annas Herz pochte und machte einen erleichterten Hüpfer, als sie in dem Arzt nicht Dr. Jacobsen erkannte.
"Guten Morgen
Haben sie keine Sorgen einem Arzt wie mir bleibt nichts verborgen!
Tut ihnen am Morgen die Blase weh, haben sie getrunken am Abend viel zu viel Kaffee"
Ein hohles und viel zu lautes Lachen ließ das Interieur erzittern, in das die medizinischen Beiwagerln getrost einstimmten.
Grund gütiger, was habe ich bloß verbrochen, das du mir schon wieder so einen Kopfschüssler von Arzt schickst. Ist das die Strafe dafür das ich ohne deine Zustimmung zu Jonas reisen versuchte.
"Frau Broda, trinken sie gerne Soda"
Anna verdrehte nur noch genervt die Augen und hoffte das er bald wieder die Tür von aussen schließen wird. Osteroog ist eine so kleine Insel und wird von so vielen Idioten besiedelt, ging es Anna durch den Kopf.
"Nun ja, wenn sie wünschen können sie heute gerne nach hause gehen, es sei denn die Vollpension mit Putzfrau gefällt ihnen zu gut, dann könnten sie gerne noch etwas hierbleiben." versuchte er erneut einen Scherz zu reißen.
"Sagen sie Doktor, arbeiten in diesem Krankenhaus eigentlich alles solche patientenfreundlichen Ärzte ?", die nicht spaßig sondern nur pathogen sind. Ist wahrscheinlich eine Art von Patientenaquirirung, fügte sie in Gedanken dazu.
"Ach, sie haben meinen Bruder Jonas auch schon kennengelernt" entgegnete er erfreut. "Wir beide sind die Spaßkanonen der Insel"
Oh man, die beiden sind eine tödliche Dosis, ging es Anna durch den Kopf.
"Dann wünsche ich ihnen noch gute Besserung, Frau Soda, äh Broda. Auf Wiedersehen"
"Das will ich nicht hoffen" murmelte Anna ganz leise, als er mit seinem Gefolge das Zimmer verlies. Erleichtert atmete Anna auf, der war mal überstanden, doch was sollte sie jetzt machen? Wo sollte sie hin, sie war auf diese Insel gekommen um vor den geistlichen Richter zu treten.

Mia hatte am Abend noch lange wach gelegen und über Enriques Worte gegrübelt. Je länger sie dies tat desto bewusster wurde ihr wie sehr sie ihn mit ihrem Misstrauen verletzt hatte.
Am nächsten Morgen wandelte sie von Müdigkeit gezeichnet an den Frühstückstisch. Die Grübeleinen der letzten Nacht hatten Spuren hinterlassen.
"Mia, wie gehts dir?" fragte Susanne besorgt als sie die Ringe unter den Augen ihrer Nichte sah.
"Alles was Liebende wollen ist verliebt sein, doch das Leben kommt immer dazwischen"
"Enrique?"
Mia nickte nur stumm und senkte den Blick in die Kaffe Tasse.
"Wie soll es nun weitergehen mit euch beiden und eurer Firma?"
"Tante Susi, ich weiß es nicht, es...es ist alles so verdammt kompliziert. Ich habe einfach keine Ahnung wie es weitergehen soll bzw. ob. Einerseits lieb ich ihn mehr als mein Leben und wünsche mit nichts mehr als die Frau an seiner Seite zu sein und andererseits weiß ich nichts was ich tun soll. Ich glaube ihm ja, das er nichts mit Maxi hatte, aber unser Streit liegt mir trotzdem noch immer in den Knochen. Ich kann es einfach nicht vergessen und dann träume ich wieder davon einfach nur in seinem Armen zu liegen bzw. das er mir vergeben kann, das ich ihm in einem ratlosen Moment misstraut habe. Es tut einfach so weh. verstehst du.
Selbst wenn er nicht bei mir ist habe ich den Klang seiner Stimme in meinem Herzen"
Nun glitten Mia wieder Tränen über die Wangen und Susanne schloss sie einfach nur in ihr Arme und strich ihr mit der Hand sanft über den Rücken.

Enrique kämpfte derweil mit ganz anderen Sorgen. Gerade hatte ihn Herr Mayerle angerufen um sich nach dem Stand des Auftrags zu informieren. Er hatte ihm unmissverständlich klar gemacht, das er unverzüglich Ergebnisse sehen möchte. Schließlich hatte er ihnen den Auftrag ja nicht gegeben, damit wieder etwas Papier verbraucht wird.
Enrique hatte in dem ganzen Tumult den Vöslauer Spot völlig vergessen. Wieder schweiften seine Gedanken zu Mia, nein ich kann sie jetzt nicht anrufen, aber wie soll das alles weitergehen. Nein, ich sie ist der kreative Kopf von uns beiden, Mia muss sich etwas einfallen lassen und zwar schnell, sonst verklagt der uns auf Schadenersatz. Eilig aber mit zitternden Händen zog er sein Handy aus seiner Hosentasche. Sein Herz pochte unvermittelt lauter und 5-mal so schnell, allein nur bei dem Gedanken, das er gleich ihre Stimme hören wird. Seine Finger zitterten so sehr, das er mühe hatte die Tasten zu drücken. Endlich Rufaufbau, sein Herz überschlug sich fast vor Freude, diese überwog, doch das hieß nicht das die Angst nicht in ihrem Sessel saß. Es leutete, einmal, zweimal, dreimal.....doch niemand hob ab.
"Sie sprechen mit Mia Maschke, wenn sie eine Nachricht hinterlassen möchten sprechen sie nach dem Piep"
"Hallo Mia,
Ich bins, okay du kennst mich ja, also Mayerle will Ergebnisse sonst verklagt er uns, könntest du dich bitte dransetzen. Wenn du, ach vergiss es. Tschau"
Das waren die schwersten Worte seines Lebens, die je seine Lippen verließen.
Mein Herz ist leergeräumt und ich kann es nicht reparieren. Die einzige die mich zum glücklichsten Mann der Welt machen kann bist DU, Mia. Jede Minute stelle ich mir vor wie du im Türrahmen erscheinst, mich anlächelst und mir sagst das du mich liebst wie am ersten Tag. Ich hoffe irgendwann wird es diesen Moment in unser beider Leben geben. Ich hoffe mein gekränkter Verstand lässt es irgendwann zu, denn mein Herz hat dir schon längst vergeben.

Teil 49

Tom saß im Inselkaffee bei einem Cappucino, der schmeckte als hätte man ihn durch die Hosentaschen eines Tankwarts gefiltert. Ausdruckslos blickte er auf das Meer hinaus, das mit schier endloser Energie gegen die Kaimauer peitschte. Seine Gedanken kreisten immernoch oder schon wieder um die unbekannte vom Strand. Ihre Worte geisterten immerwieder durch seinen Kopf. Ihre Augen ermordet vom Schmerz, ihre Züge verhärtet, nichts an ihr Sprach für das Leben. Da fiel es ihm wie schuppen von den Augen. Schnell legte er 5 Euro für den Cappucino hin, wo er doch nicht mal einen müden Cent wert war, doch er hatte keine Zeit.
Eilig rannte er zum Krankenhaus als wäre der Teufel hinter ihm her. Als er an der Schwesternkabine stand konnte er nicht einmal sprechen, so sehr fehlte ihm der Atem.
"Entschuldigen Sie, es geht um die junge Dame, die vor 4 Tagen hier eingeliefert wurde" sagte er nachdem seine Lungen sich wieder einigermaßen regeneriert hatten.
"Welche, ach so meinen sie Frau Broda?"
"Ich muss ehrlich gestehen,ich kenne ihren Namen nicht, aber sie müssen acht auf sie geben, sie ist"
"Wir haben sie heute entlassen, tut mir leid"
Tom konnte nicht fassen was er da hörte.
"Wie bitte? Diese Frau ist akut Selbstmord gefährdet, sie wollte sich das Leben nehmen, am Strand, damals. Sie müssen sie finden. Schnell bevor es zu spät ist." schrie Tom nun regelrecht.
"Wir müssen überhaupt nichts und im übrigen hat sich nicht den Eindruck erweckt als wäre sie des Lebens nicht mehr froh. Schönen Tag junger Mann" mit diesen Worten drehte sie sich um und setzte sich wieder an ihren Computer.
Verdammt, er war zum platzen angespannt, was sollte er jetzt bloß tun. Die Ratlosigkeit war ihm auf die Wangen gemalt. Tom lehnte sich an die Wand, sein Herz pochte wie ein Geigerzähler in Fukushima, die Verzweiflung ran mit dem Schweiß aus all seinen Poren, was sollte er nur tun, wo könnte sie nur sein. Gekonnt stieß er sich von der Wand ab und begann zu rennen so schnell er konnte. Der Sand bremste unter seinen Schuhen, nur mit Mühe konnte er verhindern hinzufallen, seine Lungen brannten, er hatte Seitenstechen, doch seine Sorge um die Fremde ließen all jene Hinderungen mikrig und unbedeutsam erscheinen. Seine Füße wurden mit jedem Schritt weicher und konnten der Belastung schlussendlich nicht mehr standhalten und so klatschte er mit dem Gesicht voraus in den Sand, der es sich mit Freude in allen Öffnungen seiner Kleidung und seines Körpers gemütlich machte. Fluchend raffte er sich wieder auf, die Menschen die sich um ihn tummelten sahen ihn entgeistert an. Ihre Gedanken schrien förmlich aus ihren Gesichtern, doch das interessierte ihn überhaupt nicht, es zählte nur eins für ihn. Anna Broda vor dem Selbstmord zu bewahren.

Mias Augen waren inzwischen wieder der Trockenheit verfallen und auch sie selbst hatte sich ein wenig gefasst. Fest hielt sie ihr Handy umklammert, unschlüssig ob sie ihr Gehör für die Nachricht auf ihrem Anrufbeantworter öffnen soll. Eine Weile blickte sie einfach nur das Display an, dann wanderte ihr Blick zu Tante Susi, die am Tresen ihrer Küche lehnte und als ob sie Gedanken lesen konnte, ihr aufbauend zu nickte. Tief sog sie die Luft ein letztes Mal ein ehe sie auf abhören drückte. (kenn mich da leider nicht aus, da ich Handylos bin).
"Hallo Mia,
Ich bins, okay du kennst mich ja, also Mayerle will Ergebnisse sonst verklagt er uns, könntest du dich bitte dransetzen. Wenn du, ach vergiss es. Tschau"
Mia schluckte schwer, sie wollte es sich nicht eingestehen und doch ist es wahr. Sie ist enttäuscht, enttäuscht das er kein privates Wort verloren hat. Seine Stimme hatte kein Herz, sie klang so geschäftsmäßig und dieser Umstand tat ihr verdammt weh, obwohl sie doch wusste das er um Zeit gebeten hatte. Aber was wenn er nach der Bedenkzeit kein Interesse mehr hat, wenn ich ihm zu anstrengend bin. Die Zusammenarbeit mit Alexander macht diese Tatsache auch nicht gerade unwahrscheinlicher.
Mia war mit ihren Gedanken eigentlich ganz wo anders und doch setzte sie sich an die Idee für den Vöslauer Spot. Ihre Gehirnzellen verkrampften sich, denn sie waren eigentlich schon mit Enrique beschäftigt, das reichte, doch Mia blieb eisern und tüftelte weiter an den Feinheiten. So schwer wie heute war ihr das kreativ sein jedoch wahrlich noch nie gefallen. Die groben Umrisse wollten und wollten keine Feinstruktur in ihrem Kopf annehmen.

Enrique dagegen stand eines der schwersten Telefonate seines gesamten Erdendaseins bevor. Sein Partner niemand geringerer als Alexander Zeiss. - Sein ewiger Rivale
Mit gemischten Gefühlen wählte er die Nummer von Broda und Broda, jedes Klingeln war für ihn wie ein Schuss aus nächster Nähe. Zu schmerzhaft die Erinnerungen an die Zeit in der er Mia hatte aber nicht haben konnte.
"Broda&Broda Empfang Hauschke Schönen guten Tag" erklang Steffis Stimme in seinem Ohr. Sie war wirklich eine Perle von Mensch, durchstreifte es seine Gedanken.
"Hallo Steffi, Enrique hier. Ist Herr Zeiss im Haus?" Enriquse vermied es tunlichst den Vornamen jenes Menschen auszusprechen der Gehirnwindungen von einem Pferd hatte, jedoch nur damit er nicht beim Essen den Teller mit verspreiste.
"Einen Moment, ich muss sehen, ob er Zeit hat"
Enrique verfluchte sich nun schon das er überhaupt angerufen hatte, am liebsten würde er auflegen und Mia den Anruf überlassen, doch sein Sinn für Höflichkeit verbot ihm diese Geste.
"Wie geht es euch überhaupt? Wir haben ja schon so lange nichts mehr von einander gehört!"
"Ach, ging schon mal besser, aber das das Leben einem viele Prüfungen erteilt muss ich dir ja nicht sagen"
"Nein, dass musst du nicht, aber was macht dir denn grad solche Probleme und was willst du eigentlich von Alexander?"
"Mia und ich, wir haben uns furchtbar gestritten - wegen Alexander. Unser neuer Kunde Vöslauer wollte uns den Zuschlag nur geben, wenn wir mit Broda zusammenarbeiten. Da hab ich dann ziemlich rot gesehen"
"Verstehe... Ihr beiden kriegt das wieder hin, das weiß ich. Also viel Glück euch beiden noch."
"Danke, vielmals, ich hoffe du behälst recht" sagte Enrique mit begrenztem Optimismus in der Stimme.
"Enrique ich verbinde dich dann",ein knacken folgte.
"Zeiss" kam es aus dem Hörer, die Stimme bekannt gepresst, fast so als ob er wissen würde, das Enrique der Anrufer war.
Du schaffst das, komm schon, diese miese Kröte ist doch kein Hindernis für dich, baute Enrique sich selbst auf.
"Guten Tag, Herr Zeiss Enrique Veg-"
"Vegaz, was verschafft mir die Ehre? Ist ihre "Firma" schon pleite oder was wollen sie von mir" frotzelte dieser in den Hörer, den Grund des Anrufts genau kennend.
Enrique hatte Mühe eine Zunge an ihrem üblichen Ruhepol zu halten um Alexander nicht durch das Telefon eine zu verpassen, das man die nächsten 5 Jahre sein Gesicht nicht mehr von seinem Hinterteil unterscheiden kann. Er erschrak über seine eigenen Gedanken, doch dieser Typ brachte ihn mit jeder Handbewegung zum implodieren. Du machst das für Mia und nur für Mia, sprach er sich selbst zu, damit er dieses Gespräch ohne große emotionale Eskalationen hinter sich brachte. Der Vöslauer Spot würde sie schließlich am Markt etablieren und ihm zukünftig die Arbeit mit diesem sprechenden Brechreizbeschleuniger ersparen.
"Nun, dann will ich ihnen den Grund mal erklären, Herr Zeiss. Es geht um den Vöslauer Spot den wir zusammen mit Broda und Broda produzieren sollen. Klingelt es?"
"Ach so, den der ist so mikrig der wäre mir fast aus dem Gedächtnis gehuscht, hätten sie mich jetzt nicht daran erinnert. Solche Peantuts beschäftigen mich sonst nie. Vielen Dank noch mal, nicht auszurechnen welche Katastrophe das augelöst hätte." Alexander lächelte schief, denn er wusste genau das er Vegaz damit auf die Palme bringen konnte.
Enrique schnaufte schwer, was bildete sich dieser Mensch eigentlich ein. Mich beschäftigen solche Peanuts nicht mehr. Hat er noch alle? Was soll das werden, die Rache dafür das Mia mit mir zusammen ist? Konnte sich der Typ nicht seinem Alter entsprechend verhalten? Diese Art von Spielchen sind doch nur im Kindergarten lustig.

Teil 50

Tom kämpfte sich weiter mühsam durch den Sand bis er endlich eine zierliche blonde Gestalt erspähte. Sie stand mit dem Blick auf das Meer gerichtet, den Rücken ihm entgegen gewandt. Eine leichte Brise spaltete ihr Haar in einzelne Strähnen und wehte es einzeln um ihren Kopf.
Ein paar wenige Schritte hinter ihr brachte Tom seine Beine zum Stillstand. Sie schien so in ihre Gedanken vertieft, dass sie seine Person nicht bemerkte.
Er verschnaufte bis er seinen Atem wieder im Griff hatte, ehe er zu seiner Moralpredigt ansetzte.
"Wenn man den Menschen verliert der einen vollständig macht, seine zweite Hälfte, so glaubt man nicht mehr stehen zu können. Der Gleichgewichtssinn ist einfach verschwunden, man kann sich nicht mehr erinnern wie man die Balance gehalten hat, ehe man die Bekanntschaft seines Lebensmenschen gemacht hat.
Die Leere die der Tod in das Herz implantiert, ist unausgleichbar. Zumindest klammert sich jeder Trauernde an diesen Gedanken, weil er glaubt so die Erinnerung an den verblichen besser zu waren, doch das entspricht nicht der Wahrheit.
Wir haben das Recht weiterzuleben ohne an unseren Schuldgefühle kaputtzugehen, denn einer hat uns verlassen, doch all die anderen Menschen umgeben uns noch. Sie sind da, sie zerbrechen fast an ihrer Sorge um unser Wohl und niemand hat es verdient aus Fürsorge etc. denselben Schmerz zu verspühren.
Denken sie an ihren Sohn!
Besser eine von der Trauer belagerte Mutter als eine tote Mutter
Das mag für sie vielleicht alles ziemlich amateurhaft und unglaubwürdig erscheinen, doch es ist war."
Anna drehte sich langsam um, was sie bisher gekonnt vermieden hatte. Als sie seine Stimme hinter sich vernahm verspührte sie den Impuls wegzurennen, doch irgendetwas hielt sie zurück. Irgendetwas flüsterte ihr seinen Worten ein Ohr zu schenken.
Er stand hinter ihr, den Blick zu Boden gerade aus gerichtet, der Wind streichelte sein Haar und seine Augen wurden von den Tränen glasig gestaltet. Sie sahen aus wie Perlen - die ihrer Schönheit beraubt worden waren.
Langsam trat er neben sie, den Blick immernoch starr auf das Meer gerichtet, dessen sanfte Bewegungen ihn etwas beruhigten.
"Vor 4 Jahren hab ich auf diesem Boden gestanden, durchnässt von den Gedanken an den Tod. Fanny war mein Leben und für sie war ich bereit zu sterben, damit ich für immer mit ihr vereint sein konnte. Allein der Gedanke sie nie wiederzusehen, ließ mein Herz in 1000 Stücke bersten."
Tom schluckte schwer, den der Schmerz über ihren Verlust kam wieder doch, die Bilder in seinem Kopf konstruierten einen Horrorfilm, einen Film der niemals Enden würde, denn es war die Realität, die wieder einmal mit aller Bitterkeit über ihn herfiel. Doch es gab eine Möglichkeit und die musste er...
Weiter kam er nicht, denn Anna unterbrach seine Gedanken mit einer Frage.
"Aber sie haben es nicht getan?
Was hat sie davon abgehalten ihrem Leben zu folgen?"
Wieder schoben sich quälende Bilder vor Toms Augen.
"Die Erkenntnis das der Tod die Erlösung wäre.
Ich müsste mich nie mehr mit Selbstvorwürfen steinigen , nie würden ihre verzweifelten Hilferufe mehr durch meine Gehörgänge hallen. Mein Herz würde sich nicht andauernd selbstverletzten, denn bei ihr wäre ich glücklich.
Das Glück das jemand mit Schuldgefühlen nicht verdient hat.
Leid und Selbstkasteiung sind meine Heimat.
Deshalb entschied ich mich für ein Leben das keines ist. Ich esse, ich schlafe, ich atme - doch leben tu ich seit Fanny Tod trotzdem nicht mehr sondern existiere lediglich noch."
Anna sah Tom ratlos an. Sie verstand seinen Schmerz , denn sie weiß wie sich eine unfreiwillige Herzspende bei vollem Bewusstsein anfühlte. Die von Verzweiflung geschwängerten Hilferufe erreichen jeden Winkel deines Körpers, ist er auch noch so eng. Scheigend wandte sie ihre Augen wieder dem elegant gewellten Meer zu, dass sanft seine Wellen an den Strand trug.


Mia quälte sich mit der Arbeit, es wollte und wollte ihr einfach nichts gelingen.
Die Liebe ist der Motor des Glücks, formten ihre Gedanken.
Unschlüssig blickte sie zu ihrem Handy. Soll ich oder soll ich nicht. Nach kurzem hin und her suchte sie Enrique in ihrem Namensspeicher und drückte auf Anruf.

Enrique brütete immer noch über denselben Akten. Seine Gehirnzellen wollten und wollten einfach keinen Zahn zu legen. Entnervt pfefferte er seinen Kugelschreiber über die Oberfläche seines Schreibtisches. Früher hatte er seinen besten Freund immer für seine Unkontrolliertheit getadelt, doch nun war er selbst nicht besser. Verkrampft versuchte er sich zu entspannen, doch seine Gedanken trieben ihn lediglich zu Mia. Wie gerne ich sie jetzt bei mir hätte. Mensch Enrique, warum gehst du nicht einfach zu ihr? Mia würde sich sicherlich freuen, wie ein Kind über ein Osternesterl. Erinnere dich welch tiefe Enttäuschung aus ihren Augen blitzte, als du ihr letzens, sagtest, das du Zeit brauchst. Sie liebt dich, also will sie dich sehen und dir geht es doch genauso. Dein Herz schreit unaufhörlich ihren Namen.
Eilig zog er sein Mobiltelefon aus der Tasche und wählte Mias Nummer.
Verdammt, Besetzt, fluchte er. Hab ich endlich den Mumm sie anzurufen, telefoniert sie.
Natürlich konnte er nicht ahnen, dass Mia einfach nur im selben Moment die selbe Idee hatte.
Traurig widmete er sich wieder seinen Akten, als ihm der perfekte Einfall kam.

Teil 51

Eine Weile hüllten sie sich nur in bloßes Schweigen, unaufhörlich dem Gesang des Meeres lauschend. Die Musik der Wellen klang heute äußerst friedlich, einer schnurrenden Katze gleich. Fast so als ob sich das Meer der Stimmung seiner Beobachter anpassen würde.
"Man sieht ihnen ihr Schicksal nicht an" mit diesen Worten untebrach Anna das Konzert des Meeres. Die Klänge waren zwar immernoch vorhanden, doch verkamen sie zur Begleiterscheinung.
Erst wusste Tom nicht was bzw. ob er antworten sollte. Wieder übernahm das Schweigen das Regiment.
"Tut mir Leid, ich...wollte ihnen nicht...zu Nahe treten" sagte Anna vorsichtig.
"Schon gut"
Toms Kehle entfloh ein bitteres Lachen ehe er weitersprach. Anna lies dieses Lachen zusammenfahren, es klang so hohl so hoffnungslos, was sie sehr erschreckte.
"Sie haben mich vor dem Tod meiner Frau nicht gekannt. Ich war ein lebensfroher Mensch mit Perspektiven.
Jetzt bin ich nur noch ein Mann der krampfhaft versucht sich die Menschen vom Leib zu halten, damit niemand zu erkenne vermag, dass ich mit ihr gestorben bin. Von meiner Trauer gegeiselt, habe ich meine eigene Schwester von mir gestoßen und die Beziehung zu meinem Vater funktioniert mehr schlecht als recht.
Sie sind die erste der ich das erzähle" fügte er mit einer kurzen Pause hinzu.
Seine Augen wurden erneut zu Oasen der Tränen, normalerweise entsprach es nicht seinem Naturell vor fremden Menschen und schon gar nicht vor Frauen seine Emotionen zu enthüllen, doch jetzt konnte er nicht mehr anders, nein falsch er wollte nicht anders. Denn wenn er jemals wieder leben wollte muss er den Tränen die Tür öffnen und die Trauer zu lassen. All den Schmerz den er seit 4 Jahren verdrängte zu lassen, um mit der Erinnerung an sie weiterleben zu können.
Und diese Frau verstand ihn. Das wusste er!

"Mia", Susanne klopfte zaghaft an die weiße Zimmertüre ihrer Nichte. Es war muchsmäuschen still und so verblieb es auch. Langsam öffnete sie die Türe einen Spalt breit, schob ihrne Kopf hindurch und sagte mit etwas lauterer Stimme.
"Guten Morgen"
Verschlafen blickte Mia in das Antlitz ihrer Tante. Hätte sie nicht das Lächeln auf ihren Lippen erspäht, hätte sie an eine Katastrophe geglaubt. Susanne kam ja sonst nie um sie zu wecken. War es wirklich schon Zeit zum aufstehen, Mia Müdigkeit nach zu urteilen musste es erst mitten in der Nacht sein. Als ihre Tante keine Anstalten machte sich wieder zu entfernen sagte sie mit verschlafener Stimme.
"Morgen"
Ein zufriedenens Lächeln shcmückte nun das Antlitz ihrer Tante.
"Was gibts?" fragte Mia schließlich das Susanne immernoch den Türstock dekorierte.
Währenddessen streckte sich Mia ausgiebig um die Müdigkeit aus ihren Gliedern zu vertreien.
"Auf, auf mein Kind" frohlockte Susanne und strahlte dabei wie ein Honikkuchenpferd.
Mia streifte sie nur mit einem verwirrten Blick ehe sie sich aufrichtete.
"Es gibt eine Überraschung. Los zieh dir was hübsches an!"
Hab ich irgendeine Geburtstag vergessen? Nein, das kann nicht sein. Mia war mehr als verwirrt, so beschwingt hatte sie ihre Tante seit Annas Verschwinden nicht mehr gesehen. Anna. Ja das musste es sein, sie war wieder da. Nun kam auch in Mia Freude auf.....
....10 Mintuen später stand sie gestiefelt und geschnürrt in der Küche, doch von Anna keine Spur. Am Tisch saß nur Ingo der Felix gerade sein Fläschchen gab, sonst war alles so ruhig wie eh und je.
"Mia, kommst du" hörte sie Susanne hinter sich. Sie blickte ihren Onkel fragend an, doch dieser hob nur unwissend die Schultern.
Ungewohnt unbeschwert hakte sie sich bei Mia unter und verließ mit ihr pfeifend das Haus. Am Auto angekommen deutete Susanne ihr kurz stehen zu bleiben.
"Nicht erschrecken, aber das muss jetzt sein, damit die Überraschung auch eine bleibt."
Nun verstand Mia gar nichts mehr. Gekonnt legte Susanne ihr das Halstuch vor die Augen, band an ihrem Hinterkopf einen Knoten und geleitete sie in das Auto.
Kurz darauf ertönte der Motor und schon tauchten sie in den Berliner Frühverkehr ein. Die Straßen mussten ziemlich verstopft sein, denn andauernt umspielte das Geräusch einer Hupe ihr Ohr und sie fuhren nur im Schritttempo. Gerne hätte sie ihrer Tante entlockt wohin die Reise geht, doch sie kannte Susanne mittlerweile gut genug um zu wissen, das sie es ihr nicht verraten würde., also lies sie es gleich bleiben. Nach einer Weile wich das Hupfgeräusch dem wohlwollenden Klang von Vogelstimmen. Sie hatten den Stadtkern also verlassen und waren auf einem Feldweg unterwegs, denn das Auto wurde immer wieder von Schlaglöchern durchgebeutelt, so etwas gab es auf Asphaltierten Berliner Straßen so gut wie üerhaupt nicht. Plötzlich erstarb das Geräusch des Motors. Die Autotüre wurde aufgerissen und Mia gleich darauf von ihrer Blindheit erlöst.
Mia riss ihre Hände an den Mund. Sie konnte nicht fassen, welcher Anblick sich ihren Augen bot. Es war einfach unglaublich.
"Damit hast du wohl nicht gerechnet" ertönte eine ihre sehr vertraute Stimme hinter ihr. Erschrocken fuhr sie herum.

Teil 52

Anna war mehr als überrascht von den etwas bedrückenden Offenbarungen des "Perverslings" aus dem Zug. Nie hatte sie gedacht das hinter dieser Fassade ein Mensch existiert, der ihre Qualen verstand wie kaum jemand anderer.
Gibt es nun doch ein Schicksal?
Wieso begegnen sich zwei einander völlig fremde Menschen auf eine Art und Weise, die schon an Vorsehung glauben lässt. Der Zug in dem ich meine letzte Reise antreten wollten, hatte so viele Plätze und so viele Passagiere, doch ich mach ausgerechnet die Bekanntschaft eines Mannes, der die selben Höllenqualen leidet und auch noch das selbe Reiseziel hat wie ich. Kann es so viel Zufall wirklich geben.
Anna war gewaltig am schwanken, wo sie zuvor keine verfechterin der Schicksalstheorie war, erschien es ihr jetzt nun als nachvollziehbare Möglichkeit.
War es nun alles Vorsehung? Die Grübeleien trieben sie unvermittelt zu Jonas und die Tränen in ihre Augen.
Nun standen sie beide nebeneinander, von den Tränen gesteuert, der Wind verschluckte liebevoll die Boten der Trauer.
"Wir müssen beide lernen mit der Erinnerung an das vollkommene Glück zu leben, ohne dass wir dabei diesen stechenden Schmerz empfinden." kam es plötzlich von Tom, der Anna damit aus ihren Überlegungen riss.
"Wie soll das gehen?" fragte Anna unglaubwürdig.
Einerseits klang die Vorstellung davon schön, andererseits belagerte sie die Angst vor dem Vergessen schwer.
"Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht, aber zusammen finden wir sicherlich einen Weg" sagte Tom aufmunternd, obwohl er eigentlich nicht einmal die Kraft hatte sich selbst zu trösten.
"Aber jetzt kommen sie, sonst erkälten wir uns noch" fügte er hinzu.
Erst sah Anna etwas verzweifelt, denn erst jetzt wurde ihr bewusst das sie keine Bleibe hatte, doch dann foglte sie einfach den Schritten des Unbekannten.

Mia war noch immer fassungslos. Sie glaubte zu träumen, deshalb schloss sie ihre Augen um sie gleich darauf wieder zu öffnen. Nein, es ist wahr. Alles war noch da. Sie rang mit der Fassung und erste Tränen schmückten ihre Wangen. So etwas schönes hatte sie noch nie in ihrem Leben gesehen. Das Picknick mitten in der Wiese, es war alles bis ins kleinste Detail geplant. Ihr Herzschlag wurde um das doppelte schneller und die Schmetterlinge in ihrem Bauch begannen wie wild zu flattern. Erst jetzt nahm sie die Hände vom Mund. Schon war Enrique an ihrer Seite, überreichte ihr eine himmlischduftende weiße Rose. Mia verstand den Wink mit dem Zaunpfahl sofort, weiße Rosen waren das Symbol für Keuschheit. Glücklich fiel sie ihm um den Hals und drückte ihm einen herzlichen Kuss auf die Wange. Enrique war echt eine Wucht, nun war ihr wiedereinmal mehr als deutlich warum sie ihn so sehr liebte. Galant küsste er ihre Hand und geleitete sie dann ganz Gentleman like zur Picknickdecke, wo er ihr deutete sich zu setzten. Mia verfolgte mit den Augen Enrique, der sich gerade ein Stück von der Decke entfernte. Stirnrunzelnd blickte sie in die Richtung, wo eine alte hölzerne Scheune stand, auf die er zielstrebig zu steuerte. Was wird jetzt, Mia war vollkommen ratlos? Von der Anspannung gefesselt schnappte sie sich eine weiße Weintraube, auf der sie dann nervös herumbiss, während sie immer noch gebannt Enrique nachsah, der nun an der Scheune angelangt war. Strahlend drehte er sich zu ihr um, fast so als ob er sich vergewissern wollte, ob Mia ja herguckte.
Langsam trat er mit einem letzten großen Schritt auf die Schnalle zu, steckte einen Schlüssel in das Bogenschloss und schob vorsichtig die Scheunentüre zurück, die das laut quietschend mit sich geschehen ließ.
Der Anblick der sich Mia nun bot, ließ ihr den Atem stocken. Sie war von dem Picknick schon so sehr fasziniert gewesen, doch das was sich ihr nun bot, toppte das bei weitem. Nie hätte sie gedacht, das er das wirklich wahr machen würde.
Enrique drehte sich nun wieder in ihre Richtung und rief hocherfreut.
"Taaaaaaaaaaaaddaaaaaaaaaaaaa"

Teil 53

Schweigend bewegten sie sich, der Sand unter ihren Beinen ab und an knirschend, in RIchutng Hotel. Am Inselhotel angelangt hielt Anna einen Moment inne, unschlüssig ob sie das Haus betreten sollte, doch was war die Alternative. Es gibt keine, eine Bleibe hatte sie schließlich ebenso wenig wie frische Klamotten.
Tom schien ihre Gedanken zu erahnen oder war es mehr nur ein Reflex. Bestimmt fasste er Anna am Arm und zog sie wortlos mit sich. Eine heimelige Wärme strömte in ihre Gesichter , die geschunden von der rauen Witterung diese Annehmlichkeit mit Freude begrüßen.
"Aber...ich habe...doch...kein Geld" stammelte Anna plötzlich.
Tom deutete ihr einen Moment zu warten, während er an den Tresen trat und sich mit der Rezeptionistin unterhielt.
Einige Minuten und unzählige Worte später kam Tom wieder auf sie zu in den Händen einen Schlüssel haltend.
"Bitte sehr, Zimmer mit Blick an den Strand"
Anna stockte das Wort in der Kehle, das konnte sie nicht annehmen, schießlich trug sie gerade mal 10 € bei sich.Damit konnte sie das nie bezahlen, andererseits, hatte sie auch keine andere Bleibe.
"Aber", sie wollte protestieren
"Nein, das ist okay. Sie haben mir das schönste aller Geschenke gemacht, sie haben mich aus meinem Glashaus geholt. Nun will ich ihnen helfen"
Ein Lächeln zierte seine Lippen während er Anna den Schlüssel in die Hand drückte und ihre Finger sich sachte berührten. Anna durchfuhr ein seltsames Gefühl und so zog sie erschrocken ihre Hand zurück. Klirrend klatschte der Schlüssel auf den Marmorboden. Tom sowohl auch Anna bückten sich und wieder fanden ihre Finger einander. Tief bohrte sich Toms Blick in Annas Augen, die ihren Blick beschähmt zu Boden richtete, den Schlüssel ergriff ein leises "Danke" flüsterte und davon eilte.
Zurück blieb ein verwirrter Tom, der die Welt nicht mehr verstand.


Mia fehlten die Worte, die Freude durchzog ihren ganzen Körper mit einem Kribbeln. Das war eindeutig, das schönste, nein, der reine Wahnsinn, verbesserte sie ihre eigenen Gedanken. Sie wollte sofort aufstehen und zu Enrique rennen, doch ihre Beine streckten. So sehr sie auch kämpfte , sie schaffte es nicht sich von der Picknickdecke zu erheben.Die in ihrem inneren pulsierende Freude hatte wohl ihre Beine in Bleirohre verwandelt und wäre das noch nicht genug, verschluckte sie sich auch noch an der Weintraube, die sie bis eben zwischen ihren Zähnen hin und her getrieben hatte.Ein Hustenanfall in beängstigenden Ausmaß folgte.
Enrique beobachtete Mias verzweiflete Versuche sich vom Boden zu trennen, mit einem für ihn typischen Schmunzeln, doch als er ihr Husten und ihre Würgekrämpfe wahrnahm, entwich der Schalk aus seinem Antlitz und wandte sich in rohe Sorge um das Wohl seiner Mia. Mit schnellen Schritten eilte er seiner Liebsten zu Hilfe, um ihr mit mitfühlender Miene auf den Rücken zu klopfen. Natürlich half diese Geste nichts, da sie sich nicht verschluckt hatte sondern von der Säure überfallen wurde, doch von diesem Umstand trug er natürlich keine Kenntnis.
So dauerte der bittere Kampf noch weitere elendig lange 5 Minuten. Erst ein Schluck Wasser, eingenommen zwischen zwei Hustenperioden, brachte die lang ersehnte Erlösung von den Qualen. Mias Kopf war von der Aufregung gerötet, ihre Stimme vom vielen Husten heiser, ihr Serotoninsiegel auf dem Höchststand seit langem. Das Glück überwog einfach, getrieben von eben diesem, umarmte sie Enrique voller Überschwang. Jener blickte immer noch etwas mitgenommen von den qualvollen Minuten der Ungewissheit. Auch wenn er es nie zu gegeben hätte, zitterten ihm jetzt noch die Knie vor Angst, Mia könnte etwas zustoßen. Da war sie nun wieder die Gewissheit, das Mia seinen Auf aber genausogut seinen Untergang bedeutete. Die Frau, die ihn gerade so engelshaft anstrahlte mit ihren schönen Augen (bevor ich mir wieder einen Fauxpax leiste, lass ich die Farbe aus), ist sein Überlebenselexir. Ihre Anwesenheit erfüllte ihn mit dem puren Glück, dieser Moment war einfach zu schön um wahr zu sein.
Die Verbundenheit die Mia und Enrique in diesem besonderen Moment verband, lag wie ein Zauber in der Luft, tief begannen sich ihre Augen in einander zu verkeilen. Umschlungen von der Magie bewegten sich ihre beiden Gesichter wie in Zeitlupe aufeinander zu. Kurz bevor ihre Lippen aufeinander trafen, hielten beide noch einmal inne, ehe sie in einen innigen und langen Kuss voller Verlangen nach dem Anderen verfielen......
Den Rest überlasse ich eurer Fantasie.

Teil 54

Anna presste sich mit dem Rücken an die Innenseite der hölzernen Zimmertüre, deren Schnörkel sich schmerzhaft in ihrem Rücken bemerkbar machten. Ihr Herz schlag pulsierte viel zu laut und zu schnell an ihrem Hals, die Szene von eben in der Lobby immernoch vor Augen. Was sollte das? Der Ausdruck in seinen Augen, am Strand war es unendlicher Schmerz gewesen, doch eben, sie konnte es nicht deuten wie er sie ansah. Sein Blick war anders, er war nicht so beiläufig. Er hatte sie nicht angesehen wie ein Leidensgenosse eine Leidensgenossin sondern. Anna stockte der Atem, tief sog sie danach die Luft ein, zu tief denn für einen Moment glaubte sie zu erticken. Nein, der Fremde hatte sie angesehen wie ein Mann eine Frau ansieht.
Immer noch mit den Gedanken beim heutigen Tag, stieß sie sich von der Tür ab und wankte ins Badezimmer. Ihre Augen weiteten sich vor erstaunen, das in orangefarbenen Fließen verkleidete Badezimmer mit dem Waschbecken aus weißem Marmor raubte ihr den Atem, in so einer nobelen Bleibe hatte sie noch nie genächtigt, das lag eindeutig über ihrer Klasse. Sie hätte nie gedacht, das es auf dieser Insel so eine edle Bleibe gibt, an den Preis pro Nacht wollte sie gar nicht denken. Diesen Gedanken beiseite schiebend streifte sie sich ihre von der Kälte leicht erstarrte Kleidung vom Leib und stieg in die Dusche.
Das warme Wasser über ihren Körper streichelnd, schweiflten ihre Gedanken zurück zu dem Unbekannten, der ihr zu dieser Bleibe verholften hatte. Warum macht er das? Er kennt mich doch schließlich nicht einmal, was wenn ich morgen früh über alle Berge bin, dann. Oh, nein was wenn er mich einfach nur ins Bett kriegen möchte?, kam es ihr plötzlich in den Sinn und mit einem Mal schüttelte sich ihr Körper vor Kälte trotz das sie unter dem Strahl warmen Wassers stand. Mensch, Anna du bist so naiv, kaum kommt dir einer mit der Mitleidstour fällst du auch schon rein. Im Zug hatte ich doch gleich so einen merkwürdigen Eindruck von ihm, warum habe ich mich meiner Intuition wiedersetzt. Weil er dir aus der Seele gesprochen hat, antwortete ihre innere Stimme.
In den weißen Hotelbademantel gehüllt legte sie sich zusammengekrümt auf das Bett. Sie fühlte sich unendlich gerädert von dem heutigen Tag, doch konnte sie trotzdem nicht in das Reich der Unbeschwertheit entweichen. Lange lag sie noch da und grübelte über die Ereignisse des heutigen Tages, bis ihre Lider irgendwann schwer auf ihre Augen sanken.

Tom schlug mit der flachen Hand gegen die weiße Wand des Hotelzimmers. Er ärgerte sich über sich selbst. Was sollte das eben in der Lobby? Wieso hast du ihr so tief in die Augen gesehen? Sie gefällt dir, antwortete seine innere Stimme mit einer Wehemenz die keinen Wiederspruch erlaubte. Verdammt das darf nicht sein, es gibt nur eine Frau die mir gefallen darf, aber die ist seit 4 Jahren tot, nur sie hat einen Platz in meinem Herzen, nur Fanny hat ein Recht darauf. Das stimmt nicht und das weißt du auch, kam es wieder von seiner inneren Stimme. Ja, das stimmte, er wusste es, aber gegreifen wollte er es trotzdem nicht. Tränen traten ihm in die Augen, wenn er daran dachte, welche Angst ihn erfüllte als ihn die Gedanken quälten die Fremde könnte sich das Leben nehmen. Er hätte es nicht ertragen noch einmal jemandem nicht rechtzeitig helfen zu können. Die Tränen zogen eine Spur über seine Wangen, doch er bemühte sich nicht wie sonst immer, sie wegzuwischen. Benommen von der Erkenntnis das seine Person dochnoch zu empfinden fähig war, taumelte er zu dem mit einer lindgrünen Bettwäsche bezogenen Bett und ließ sich samt des Mantels darauf fallen. Das Zimmer war gut beheizt und trotzdem lief ihm der kalte Schauer über den Rücken.


Mia und Enrique lagen eng aneinander gekuschelt auf ihrer Picknickdecke, beseelt von ihrer Versöhnung. Nie im Leben hatte Mia heute morgen als Susanne sie aus dem Bett geholt hatte daran geglaubt, das sie so glücklich sein würde. Das Schicksal hat mich sprichwörtlich auf den Arsch geküsst, ging es ihr durch den Kopf.
Mit einem fast schon überirdischen Strahlen im Gesicht, fuhr Enrique Mia mit seinem Zeigefinger über ihre Nase, zeichnete die Konturen ihrer Lippen nach und lies ihn schließlich über ihren Hals gleiten, wobei Mia dann lachend zusammenzuckte.
"Hey, ich bin kitzlig" belehrte sie ihn spielerisch.
"Na, dann" sagte er lachend und begann ihren Kehlkopf zu umkreisen, was Mia mit ihrer Hand zu unterbrechen wusste, indem sie seinen Finger gefangen nahm und etwas fest umschloss.
Die Beiden lachten und alberten mit einander herum. Für beide war es der schönste Tag seit langem.
"Das ist das schöne am Streiten" Mia grinste Enrique frech an "Die Versöhnung"
"Ach dann sollten wir also öfter streiten" fragte er spielerisch ernst
Mia antwortete nur mit einem herzlichen Lachen, das Enriques Herz noch schneller schlagen lies, als jenes so schon tat.
"Dann wollen wir die Versöhnung mal gebührend feiern" sagte Enrique und schon hatte er Mia auf sich gezogen.
Sein Lippen näherten sich den ihren und seine Hand begann ihr Haar zu erforschen. Mias Körper durchfuhr ein Kribbeln und mit der rechten Hand begann sie nach etwas zu fischen. Gefunden, löste sie sich von Enriques Lippen, der sie mit überraschtem Ausdruck anblickte.
"Raubtierfütterung. Einmal Mund öffnen bitte, Herr Vegaz"
Erst blickte Enrique verwirrt doch dann folgte er brav der Anweisung und lies sich die makellose Riesenerdbeere wiederstandslos in den Mund führen.Drei Weintrauben, zwei Kiwis und ein Stück Banane folgten. Nun griff auch er nach einer Erdbeere.
"Raubtierzähmerinnenfütterung. Arbeit macht doch schließlich hungrig und wir wollen ja nicht das du umfällst" sagte er nun mit einem Grinsen im Gesicht.
So fütterten sie sich gegenseitig mit Obst bis Mia die letzte Erdbeere nahm, doch Enrique wollte sie ebenso, also bis er einfach hinein, bis die Frucht irgendwann verspeißt war und nur noch ihre Lippen aufeinander trafen und schließlich in einem innigen Kuss miteinander verschmolzen.
Märchen gibt es also noch, ging es Mia durch den Kopf, während Enriques Hand über ihre nackte Haut streichelte.

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

04.08.2011 17:29
#17 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Teil 55

Tom saßs mit einem mulmigen Gefühl am Frühstückstisch. Wie sollte er ihr heute begegnen? Er wusste das es eine Gradwanderung werden würde, den richtigen Umgangston zu finden.
Und da erschien sie auch schon, Tom mühte sich ein unverfängliches Lächlen auf seine Lippen zu bekommen. Wieso ist dir aufeinmal so wichtig das du freundlich aussiehst? Die letzten 4 Jahre war es dir ja auch egal. Verdammt, was ist mit mir los? Du willst ihr gefallen, kam es prompt von seiner inneren Stimme. Beschämt über diese Feststellung senkte er den Blick.
Anna betrat nun den Speisesaal der eher einem Königsbemach glich. Sie wusste nicht recht ob sie sich setzen durfte wo es ihr beliebte oder auf die Zuweißung warten musste. Flehend sah sie sich nach einem Uniformierten um, doch sie sah keinen.
"Kann ich ihnen Behilflich sein, Madame"
Erschrocken fuhr Anna herum, den Ober hinter ihr hatte sie gar nicht bemerkt.
"Äh...also...ich...gestern...setzen"
"Ihre Zimmernummer, Madame"
"57"
Schnell ließ der Hotelangestellte seinen Blick über seine Liste fliegen.
"Bitte, Tisch 6, Frau Lanford" mit diesen Worten wies ihr der Ober den Weg.
Anna schluckte hart, als sie Frau Lanford genannt wurde und zweitens, weil an dem besagten Tisch schon jemand saß. Niemand geringerer als Herr Lanford, wie er wohl zu heißen schien, in der Aufregung hatte sie ihn gar nicht nach seinem Visitenkartenfußabdruck gefragt. Einen Moment lang stand sie nur still und überlegte ob sie überhaupt an seinen Tisch treten sollte, doch ihr Magen nahm ihr ganz bald diese Entscheidung ab. Er brauchte dringend etwas vernünftiges zu essen.
"Morgen" sagte Anna knapp und setzte sich
"Morgen" kam es zurück, ohne das er sie auch nur eines Blickes würdigte.
"Ich hab wohl zu danken für das Zimmer und meine Ernennung zu Frau Lanford"
"Schon gut", der Ausdruck Frau Lanford versetzte ihm einen Stich.
Wieso hatte er das gemacht, er hätte sie doch zu allem machen können, aber nicht zu Frau Lanford. Die einfachste Variante wäre sowieso gewesen, sie nach ihren Personalien zu fragen. Aber hat-, es hat doch eh keinen Sinn, ich hab es nun mal gemacht. Als er aufblickte war sie nicht mehr da, er hatte gar nicht gemerkt das sie sich erhoben hatte. Nun stand sie auch schon wieder da, mit einem Teller voll Käse und Schinken in der einen und einem Korb mit Semmeln und einer Laugenstange in der anderen.
Die Luft zwischen ihnen war zum zerreißen gespannt, niemand sprach ein Wort, Anna schmierte sich ein Brötchen und Tom stocherte in seinem Obstsalat. Hatte er eben noch so einen Appetit verspürt, konnte er sich jetzt nicht einmal mehr vorstellen einen Bissen zu essen.
"Dürfte ich nun nach ihrem Namen fragen, schließlich interessiert mich ja wem ich das hier zu verdanken habe" sagte Anna und biss genüsslich in ihre Semmel.
"Tom Lanford" entgegnete er mit einer Kälte in der Stimme, das Anna sich fast an einem Stück ihrer Semmel verschluckte.
Als Anna mit dem Husten kämpfte blickte er für einen Moment auf und bei diesem Anblick der sich ihr bot, wurde ihr Hustenreiz beinahe noch schlimmer. Nicht nur seine Stimme war kalt sondern auch seine Augen, die sie abweisend musterten. Ich werd einfach nicht schlau aus dem Typen, erst rettet er mir das Leben, dann besorgt er mir ein Zimmer unter seinem Namen und dann sieht er mich an wie Hundekot.
Erneut glitt Toms Blick in seinen Obstsalat der von der vielen Stocherei seinerseits schon mehr Obstmus war. Dann sprang er plötzlich auf wie vom wilden Affen gebissen.
"Tut mir Leid, ich kann das nicht" murmelte als er davon eilte, gerade so laut das Anna es noch hören konnte.


Der Nachmittag strich mit einer kühlen Brise zärtlich über die Haut der Liebenden. Mia öffnete als erste die Augen und hob ihren Kopf der die vergangene Zeit auf Enriques Brust geruht hatte. Etwas verträumt blickte sie in die Umgebung, die sie ihre Orientierung schnell wiederfinden ließ. Mit einem Super Size Grinsen auf ihrem Gesicht bettete sie ihren Kopf wieder zurück auf Enriques Brust, der ihr leise ins Ohr flüsterte.
"Hab ich dir heute schon gesagt wie sehr ich dich liebe?"
"Nein" antwortete Mia keck
"Dann wollen wir das mal schnell nachholen.
Die letzten Tage ohne dich waren wie eine endlose Reise durch die Wüste. Bei jedem Schritt habe ich die Oase herbeigesehnt doch sie kam nicht.
Am Abend wenn ich in meinem Bett lag, da habe ich mir vorgestellt das du meinen Arm zierst , denn ohne meinen ganz persönlichen Engel hätte ich den Übergang in das Reich der Träume nicht geschafft, wo natürlich du reizendes Wesen schon auf mich wartest.
Natürlich kein Vergleich mit der Tatsache, das du nun wirklich meinen Arm zierst, dein Kopf auf meiner Brust ruht und ich deinen regelmäßigen Atemzügen lauschen darf.
Jedes Mal wenn ich dich ansehe , bekommt mein Herz Flügel und nur die Rippen die den Brustkorb bilden, verhindern das es meinem Körper entweicht und sich in deine schütznde Obhut begibt.
Mia, du bist mein Leben, du bist der Grund weshalb ich jeden Morgen die Kraft aufbringe meinen Laken zu entsteigen, mich gegen die Härte des Tages aufzubäumen und einen Sieg zu erringen.
Du bist der Stoff aus dem die Träume sind, Mia.
Für mich bist du wie ein Licht in der Nacht
Ohne dich hat mein Leben keinen Glanz, nein es hat keinen Sinn, den du bist der Sinn des Lebens für mich.
Die Gefühle die ich für dich empfinde, kann ich nicht in Worte fassen, den diese müssten erst erfunden werden.
Auf die Gefahr hin das ich mich wiederhole, aber die Wahrheit kann man nie zu oft aussprechen. Du bist mein Leben, ein Leben voller bunter Farben, Herzensgüte und Wärme. Ich bin der glücklichste Mann unter der Sonne, seit ich dich an meiner Seite weiß.
Ich liebe dich, Mia Maschke, jetzt und hier und auch in den nächsten 60 Jahren"
Aus Mias Augen floss das nass, das ihre glühenden Wangen kühlte. Jedes einzelne von Enriques Worten hatte ihr Herz gestreichelt, ein unbeschreiblich schönes Gefühl durchzog ihren ganzen Körper. Nie hätte sie sich erträumen lassen, das ein Mann ihr einmal mit so wunderbare Worten schmeicheln würde. Hatte sie zwischenzeitlich an Enriques Liebe gezweiflet, waren diese jetzt vollkommen verflogen. Schöne Worte sprechen konnten viele, doch den Schmerz, die Freude und all die anderen Emotionen in jeder einzelnen Silbe so stark mitschwingen zu lassen, das konnte nur jemand der die Liebe kannte und der sie tief in seinem inneren lebte. Jemand der bereit war für dieses wunderbare Gefühl sein letztes Hemd herzuschenken und eben diese Bereitschaft spürte sie bei Enrique so deutlich.
"Das war die wunderbarste Liebeserklärung die ich mir vorstellen kann, Schatz"
"Tja, bei der wunderbarsten aller Frauen ist das ja eine Leichtigkeit"
"Du bist absolut der beste Mann den man sich wünschen kann"
Enrique lächelte sie nur verführerisch an, ehe das klingeln seines Handys die unbeschreibliche Magie des Moments zerstörte. Er wollte nicht abnehmen da der Tag nur ihm und seiner Mia galt, doch als es nach dem 20 klingeln noch immer nicht aus war, deutete Mia ihm abzunehmen.
"Vegaz" raunte er in den Hörer
Mia schlang währenddessen ihre Arme um Enriques Körper, der nun aufrecht saß udn legte den Kopf an seine Schulter.
"Du bist WO?" fragte er mit etwas erregter Stimme.
Mia zuckte erschrocken zusammen, der Tonfall hatte sie aus ihrer Harmonie gerissen.

Teil 56

"Was zum Kuckuck machst du auf Osteroog? Da warst du doch zuletzt-"
Einen Augenblick lang beherrschte schweigen die Telefonleitung.
"Mit Fanny" ertönte Toms ziemlich gepresste Stimme während sein ausdrucksloser Blick auf das Meer hinaus glitt, das auch heute wieder sanfte Wellen formte.
"Wozu um alles in der Welt bist du gerade jetzt an diesen Ort zurückgekehrt?"
Erneut übernham das Schweigen das Regiment.
"Wer ist dran?" erklang Mias besorgte Stimme an Enriques Ohr.
Enrique deutete ihr still zu sein, da er nicht wusste wie Toms Reaktion ausfallen würde, wenn er wüsste das ihr Gespräch einen Zuhörer hatte. So nahm er stattdessen seinen Finger und schrieb mit der Kuppe des Daumens TOM in die Decke. Mia dankte ihm diese Geste mit einem Nicken und erhob sich lautlos von der roten Picknickdecke und spazierte langsam in Richtung der hölzernen Scheune, wo der Flieger seinen Winterschlaf hielt.
Enrique war Mia überaus dankbar, das sie sich so dezent zurückgezogen hatte und warf ihr als Ausdruck seiner Dankbarkeit eine Kusshand zu, die Mia lachend auffing.
Enrique konnte nicht fassen, was sein Freund ihm da gerade sagte. Er war ausgerechnet an den Ort zurückgekehrt an dem er vor 4 Jahren seine Frau verloren hat. Was war nur in Tom gefahren, so kannte er ihn gar nicht. Bis jetzt kämpfte er hart um den Sieg für den Titel als Verdränger des Jahrtausends und jetzt das.
"Ich...ich weiß nicht, ich saß im Zug nach Hamburg und plötzlich verspührte ich den Wunsch. Ach, ich hab keine Ahnung wieso ich auf diese verdammte Insel befahren bin"
Tom hielt einen Moment inne und verfluchte sich innerlich für die letzten Tage. Wozu war er auf diese Insel gekommen. glaubte er wirklich jemals Fannys Tod verwinden zu können. Diese Gedanken entlschloss er jedoch vor Enrique zu verbergen und kehrte stattdessen zum Auslöser für seinen kaschierten Hilferuf zurück.
"Der eigentliche Grund weshalb ich dich anrufe ist...Ich hab jemanden getroffen. Jemanden der mir irgendwie nicht mehr aus den Gedanken will. Ich weiß einfach nicht was mit mir plötzlich los ist."
"Deinen Worten nach zu urteilen, scheint es wohl eine Frau zu sein"
Bei diesem Gedanken musste Enrique lächeln, er konnte sich Tom nur schwer vorstellen ohne seine harte Schale und ohne seine Geschäftsmäßigkeit.
"'Verdammt Enrique, ich weiß einfach nicht was ich machen soll" sprach Tom mit einer von Verzweiflung betrunkenen Stimme, die einem schon fast Angst machte.
Es klang so aussichtslos, hilflos wie ein kleines Kind, wie er sprach.
Enrique machte sich das erste Mal seit Fanny gestorben war, ernsthaft Sorgen um seinen Freund und so wusste er sich nur einen Weg.
"So du packst jetzt deine Sachen, schnappst dir die nächste Fähre zum Festland, schwingst dich in den nächsten Zug und dann reden wir mal ausgiebig. Okay" sagte Enrique bestimmend in der Hoffnung das sein Freund einwilligte.
"Aber-" weiter kam er nicht
"Kein aber, du machst das jetzt, bevor du auf dieser Insel völlig den Verstand verlierst."
"Ist ja gut. Bis dann"
"Bis später"
"Ach Enrique. Du bist ein echter Freund"

Anna blickte immernoch verwirrt in die Richtung in die ihr Gegenüber verschwunden war. Was in aller Welt sollte das? Das der Typ sonderbar ist, kam ihr schon öfter in den Sinn, aber dieser Abgang hatte dem ganzen noch die Krone aufgesetzt. Was bildet der sich eigentlich ein? Als wollte sie die Verwirrung hinunterspülen nahm sie einen ordentlichen Schluck von dem Frühstückskaffee, der viel zu heiß war und sich deshalb gleich wieder über die Tischdecke, ihre Hand und die Tasse ergoss.
"Verdammt, nicht auch das noch" schimpfte sie in sich hinein während sie das braune Chaos begutachtete und mit der Serviette den Schaden zu minimieren versuchte.
Sofort war ein Kellner zur Stelle und begann den Tisch abzuräumen um ein neues Tischtuch aufzulegen. Erst half ihm Anna dabei, doch plötzlich hatte sie es eilig auf ihr Zimmer zu kommen.


Teil 57

Enrique war Mia inzwischen zur Scheune gefolgt und umschloss von hinten sachte die Taillie seiner Liebsten mit seinen Händen. Diese wandte ihr Gesicht zu ihm nach hinten und fragte mit von Verständnis durchsetztem Blick.
"Was ist mit Tom?"
Ehe er antwortete entfuhr ihm die eingeatmete Luft in Form eines tiefen Seufzers.
"Ach, weißt du, dieser Tag hier gehört uns beiden, nur uns beiden. Da wird kein Tom und niemand was dran ändern, also lass uns solange wir hier draußen sind nicht mehr davon reden. Okay"
Als Zeichen für die Ernsthaftigkeit seiner Aussage küsste er sie mit Überschwang voller Leidenschaft auf den Mund. Als ihre Lippen einander wieder freigaben deutete Mia stumm auf den Flieger, worauf Enrique seine Arme von ihr löste und stattdessen ihre rechte Hand mit seiner Linken festumschloss und sie mit sich zog.
"Darf ich bitten", galant zeigte seine Hand auf den Doppeldecker aus ihren Kinderträumen.
Schon zum wiederholten Male fehlten Mia am heutigen Tage die Worte um ihrem entzücken Ausdruck zu verleihen. Sie schüttelte lediglich den Kopf und umarmte Enrique schließlich nach dem der erste Schub der Überwältigung nachgelassen hatte, stürmisch.
"Du bist verrückt" flüsterte sie an seinem Ohr.
"Ja, nach dir" gab Enrique vor Glück strotzend zurück.
"Ich liebe dich, Enrique Vegaz und du hast mich heute zur glücklichsten Frau des Universums gemacht"
"Na, dann. Ich denke wenn wir Berlin heute noch von oben sehen wollen, sollten wir uns mal beeilen" mit diesen Worten löste Enrique sich schweren Herzens aus der Umarmung.
Sein einziger Trost war, das er Mia in Zukunft wieder wann und sooft er wollte in den Arm nehmen konnte.
Keuchend schoben die beiden den rot-weißgestreifen Blechvogel auf die Wiese hinaus, schmissen sich in eine warme Montur, hüllten ihre Köpfe in Helme und verdeckten ihre Augen mit Pilotenbrillen.
"Bist du bereit"
"Ich bin bereit, Captain Fly"
"Dann kann das Abenteuer ja beginnen, Flumina"
Kurz darauf erfüllte das dröhnen des Motors ihre Ohren und schon hoppelte das Flugobjekt etwas unsanft über die weite grüne Wiese, bis es sich schließlich sachte vom Boden abstieß und leichtfüßig durch die Lüfte glitt und Mia einen Aufschrei des entzückens entlockte. Jetzt war der heutige Tag endgültig perfekt.

Anna spazierte ein letztes Mal über den Strand bevor sie ihre Heimreise antrat. An jener besagten Stelle lies sie sich in den Sand fallen und blickte eine Weile einfach nur auf das Meer hinaus. Langsam kroch die Nässe in die Fasern ihres Stoffes, doch die Kälte im Bereich ihres Gesäßes kümmerte sie nur zweitrangig. Sie brauchte einfach die Zeit und die hier wunderbar vorherrschende Stille um mit Jonas und ihrer gemeinsamen Vergangenheit ins Reine zu kommen, zu lernen mit der Erinnerung an den Wegabschnitt den sie als Paar beschreiten durften ohne Stiche im Herzen zu verspühren zu leben. Es würde ein harter und von Felsen gesäumter Weg werden, das wusste sie, aber ihn zu gehen ist ihre einzige Chance und die ihres Kindes, das wusste sie jetzt. Sie fuhr in ihre Jackentasche, doch dort befand sich nur gändende Leere, ebenso wie in all den anderen. Wo war nur dieser verdammte Stein? Als sie, da kam es ihr. Der fremde dieser Tom Lanford musste ihn eingesteckt haben, das war die einzige Möglichkeit und diesen Typen würde sie unter Garantie nie wieder sehen.
"Na, toll" fluchte Anna
Eigentlich war es ihr Plan gewesen, dem Stein hier auf seinem heimatlichen Boden eine Ruhestätte im Sand zu ermöglichen, frei nach dem Motto. Dort wo es begonnen hat, soll es auch ein Ende nehmen. Aber daraus würde jetzt wohl nichts werden.
Mit einer enormen Wut im Bauch stampfte sie über den Strand hinweg.

Tom packte in Windeseile seine Sachen um die 14:00 Fähre zum Festland noch zu erreichen. Oder um Anna Broda nicht mehr zu begegnen, kam es von seiner inneren Stimme. Quatsch, das hatte damit überhaupt nichts zu tun oder doch?. Nein, ich fahre zurück weil mir diese Insel nicht gut tut, versuchte Tom seine Ansicht zu festigen. Oder vielleicht doch diese Frau? Ist es nicht viel mehr sie die dir nicht gut tut, zumindest scheinst du das zu glauben,ertönte wieder die Gegendarstellung.
"Verdammt, du machst mich wahnsinnig" fluchte er den Koffer an, der sich partout nicht schließen lassen wollte.
Ignorieren das konntest du immer schon am besten, geisterte es durch seinen Kopf. Halt doch einfach mal die Klappe, brüllte er in Gedanken seine innere Stimme nieder, die sich davon jedoch nur wenig beeindrucken ließ. Tom ich bin ein Freund und nicht dein Feind, wann kapierst du das endlich mal. Diese ewige Verdrängerei bringt dich doch auch nicht weiter, komm schon gib dir einen Kopf. Willst du wohl still sein, kam es wieder von Tom. Wasser predigen und Wein trinken, die sind mir die liebsten. Was soll das nun wieder?, gab Tom sichtlich genervt zurück. Kannst du dich noch erinnern was du am Strand zu ihr gesagt hast, kannst du das? Tom verdrehte genervt die Augen, er wusste welche Worte über seine Lippen geglitten waren. Das war etwas völlig anderes, ich musste sie ja irgendwie vom Leben überzeugen....
Etliche Minuten und unzählige innere Streiterein später checkte er an der Rezeption aus und machte sich auf den Weg zur Fähre, die er gerade noch im letzten Moment erwischte. Erleichtert atmete er durch, er hatte sie nicht mehr getroffen. Hier blickte er sich panisch um, doch er konnte die zierliche Person nirgends erspähen und wieder verließ ein fast schon glücklicher Seufzer der Erleichterung seinen Körper. Entspannt lehnte er sich an die Reyling und sein Blick schweifte über den Strand von Osteroog der sich immer weiter von ihm entfernte. Von der Kälte des Meeres aufgefordert ließ er seine Hände in die Taschen seines Mantels gleiten, wo er rechts auf Wiederstand stieß. Was hatte er da kaltes zwischen den Fingern? Er konnte es sich nicht erklären und ließ es langsam aus dem Sack gleiten. Sein Blick erstarrte, sein Herzschlag beschleunigte. Den hatte er ja total vergessen was sollte er damit machen, er würde diese Frau ja schließlich nie mehr wiedersehen.
Festentschlossen hob er seinen Arm, den Stein festhaltend und schob ihn über die Reyling.


Teil 59

Carla war frühmorgens aus seiner Wohnung gestürmt, ihn demonstrativ ingorierend. Die zur Schau getragene Beleidigung puschte sie dabei so sehr das jegliche Aufrichtige Kränkung reisausgenommen hätten, wären sie jemals vorhanden gewesen, so sehr schrie die Inszenierung aus ihren Blicken.
Ein Läuten an der Türe kündigte Tom Enriques Besuch an. Obwohl er ihn um Beistand angefleht hatte, wusste er momentan nicht genau ob er sich über sein Auftauchen freuen sollte. War er wirklich bereit über seine Qualen zu sprechen.
"Herein" entfloh es in mattem Ton seinen Lippen.
Vorsichtig schob Enrique die Türe auf und steckte seinen Kopf hindurch.
"Morgen, Tom
Tut mir Leid das sagen zu müssen, aber du siehst aus als hättest du aus einer Urne gefrühstückt."
Tom seufzte.
"Schon gut. Du hast ja vermutlich recht. Tom hielt kurz inne. Ich hab seit 2 Nächten nicht mehr richitg geschlafen. Ich...ich" er stützte den Kopf erneut auf seine Hände und gab sich dem Schweigen hin.
Enrique brauchte von Tom keine großen Worte, er wusste auch so worum es hier ging. Wie immer in den vergangenen 4 Jahren auch. FANNY Was musste er auch auf diese gottverdammte Insel fahren und das noch zu allem alleine. Am liebsten hätte er ihm jetzt eine Standpauke gehalten, wie einem zweijährigen der zum 10. Mal mit dem Finger auf der heißen Herdplatte Kreise gemalt hat. Und wenn Enrique ehrlich mit sich und seiner Meinung war, sah Tom auch gerade so aus. Nichts war mehr übrig von dem großen und uneinschüchterbaren Geschäftsmann, der seine Ziele ohne Rücksicht auf andere erreichte. Der Mann der hier auf diesem schwarzen Ledersofa neben ihm saß, nein kauerte, korrigierte er sich in Gedanken war nichts als ein Häufchen Elend.
Eine Weile dirigirte lediglich die Stille die beiden sich anschweigenden Freunde.
"Was ist jetzt eigentlich mit der Person die dir nicht mehr aus den Gedanken will" das Wort "Person" betonte er besonders und versah es zusätzlich mit seinem ganz gestimmten Unterton. Enrique wusste nicht ob dieser Vorstoß falsch war, ob er Tom damit noch mehr in seinen inneren Kerker trieb...er musste es einfach versuchen.
Wieder riss ein langes kaltes Schweigen die Herrschaft an sich. Enrique hatte die Hoffnung schon längst begraben, als plötzlich Toms stark zitternde Stimme an sein Ohr drang. Erstaunt und ebenso erschrocken fuhr er herum. Träumte er oder sprach Tom grad wirklich.
"Im Zug, du weißt ich wollte eigentlich nach Hamburg, da hab ich mich mit einer Frau unterhalten. Sie hatte auch ihren Mann verloren, er hielt einen Moment inne, Jedes einzelne ihrer Worte war so getränkt vom Schmerz, das...ich weiß nicht irgendwie verspürte ich den Impuls an den Ort zurückzukehren, wo mein Leben geendet hat. Am Strand...ich...sie...Panik...Krankenhaus...Ohnmacht...Umbringen...Angst..."
Enrique sah ihn nur verwirrt an, er hatte kein Wort verstanden. Er verstand wahrlich nur Bahnhof. Doch der Schmerz der aus Toms Augen schrie, machte ihm den Ernst der Lage bewusst, er hatte ihn seit 4 Jahren nie mehr so durcheinander erlebt.


Anna vernahm ihren Herzschlag im Kehlkopf, die Aufregung malte ihr rote Muster auf ihre Wangen.
Wie werden Mama und Papa reagieren, ich bin ja einfach so...Oh, mein Gott, Annas Mut sank auf das Niveau der Berliner Kanalisation, auf Osteroog erschien mir alles so einfach und ich war von der Überzeugung es zu schaffen umgeben, die Zweifel weit auf das Meer hinaus geschwommen, doch nun stehe ich da, überfallen von Selbstzweifeln. Alles war dort so klar erschien, versteckte sich jetzt im undurchsichtigen Schleier des Nebels, der sich schwer über ihr Gemüt hang. Hab ich ernsthaft noch einen Anlauf verdient, ist der Tod nicht doch die einzige Option für mich?
"Besser eine trauernde Mutter als eine tote Mutter", die Worte von dem Fremden hallten durch ihr Gehirn. Der Schmerz der während diesen Worten in seiner Stimme lag, verriet ihr, das er wohl sehr tiefschürfende Eigenerfahrung mit dieser Thematik haben musste.
Das vergnügte Gesicht von Felix flimmerte für einen Moment vor ihrem geistigen Auge auf. Hatte ich ihn nicht Felix genannt, weil ich will das er glücklich ist. Aber hat er mit mir als seine Mutter denn überhaupt eine Chance glücklich zu sein, die Zweifel in ihrem Geiste wurden immer größer. Ist es wirklich meine Bestimmung zu leben, zu lachen zu hoffen, während Jonas in den Armen Gottes liegt.
Anna spührte wie sich Tränen in ihrem Augapfel platzverschafften, ehe die Wanne schließlich überlief und auf ihren beiden glühenden Wangen Streifen der Kühle erzeugten.
Das konnte doch nicht gerecht sein. Nein, sagte sie sich, ich kann da nicht hinein gehen, nicht zurückkehren in den Schoß der Familie, ich habe kein Recht zu leben, während Jonas um so viel betrogen wurde. Das wäre nicht rechtens, damit würde ich ihn doch nur verraten und Felix kann nur ohne mich ein glückliches Kind werden. Anna sang mit ihrem Tränenstrahl nun ein herzzereisendes Klagelied ehe sie eine Hand auf ihrer Schulter spührte und erschrocken herumfuhr.


Teil 60

Mia war heute schon sehr zeitig in die Firma aufgebrochen, schließlich war in den vergangenen Tagen einiges liegen geblieben und für die tiefgreifende Kreativität ist Enrique wahrlich eine steile Fehlbesetzung.
Während ihr Stift nun zielentfremdet über das weiße Papier glitt, wanderten ihre Gedanken zu Anna, die nun schon eine Woche von sich reden ließ und doch nicht da war. Wo ist sie nur und vorallem was um alles in der Welt hatte sie zu diesem drastischen Schachzug veranlasst.
´Jonas`, war das einzige, das ihr als Erklärung verwertbar erschien, jedoch kam sie nicht mehr weiter mit ihrer uferlosen Ursachenerforschung, denn das piepsen ihres Handys kündigte den Eingang einer Sms an.

Du bist die Sonne
Du bist die Sterne
Du bist der Sinn für den ich lebe,
Ich hoffe, dass hast du noch nicht vergessen.

Ein Lächeln schmückte Mias Lippen während ihre Augen über die Zeilen huschten und den Inhalt an ihr Gehirn weiterleiteten und für den Ausstoß einer gesunden Portion Serotonin sorgten. Enrique du bist so lieb zu mir, womit habe ich dich nur verdient. Schon wollte sie mit herzchen verzierten Augen eine liebkosende Antwort formulieren, als ihr Blick über die Ziffern der Telefonnummer glitten. Ihr neigte der Atem zu stocken und ihre Hand klatschte unsanft und platt auf ihren Halsansatz.
Die Nummer war dem Herzen fremd, dem Geiste jedoch bestens bekannt.


Anna hielt einen Moment mit laut pochendem Herzen inne ehe sie den elenden Gesang des nassen Trauerliedes krampfhaft zum versiegen bringen versuchte. Die Tränen wurden einsamer, doch das klappern ihrer Zähne setzte die Melodie in einem gespenstischen Tonfall fort. Fast schon wie in Zeitlupe wandten sich ihre Füße in die entgegengesetzte Richtung, ihr Körper bis in die letzten Winkel unter Hochspannung. Wer es wohl war, der es wagte an eine Hülle ohne Inhalt zu klopfen. Der Weihnachtsmann wohl nicht, dessen Zeit ist schon längst vorbei, sprang der Schalk für den Bruchteil einer Sekunde durch ihr Gehirn. Ein allzu seltener Begleiter ihres Gemüts in den letzten Monaten. Dieser Gedanke ließ ihre Seele abermals erschaudern und spornte ihren Tränenkanal zu Höchstleistungen an.
"Anna", eine Stimme vom Wind synchronisiert drang wie aus weiter Entferung in ihren Hörkanal ein. Sie konnte sie nicht deuten zu sehr war sie verzerrt. In Annas Gesicht spiegelte sich Überraschung, als sich der Blick auf die Person eröffnete, in dem Anlitz ihres Gegenübers war es plankes Entsetzten.


Ich bin gerade wiedereinmal auf dem Weg in die Else, als meine Augen den Anblick einer in schwarz gehüllten Frau mit schwerer Haarfarbe freigaben. Erst dachte ich mir nichts, doch als mein Blick auch noch ihre Hand erfasste, die in zweifelhafter Position zwischen ihr und der alten braunen Türe der Else verharrte, traf mich die Erkenntnis wie ein Donnerschlag. ANNA, es musste einfach Anna sein. Gott, bitte lass es Anna sein, schickte ich ein letztes Stoßgebet in den Himmel ehe sich meine Hand sachte auf ihrer Schulter zur Ruhe setzte. Sie hatte mich gar nicht bemerkt, unter meinen Vorfahren waren wohl doch Indianer , kaum zu glauben bei meinem Temparament. Eine wahre Sünde unter welch Verschwendung ich hier friste. Hollywood könnte meine Heimat sein, schrie der Größenwahn in mir kurz auf ehe er von meiner Vernunft schroff niedergebügelt wurde, ich kurz mein "bescheidenes" Leben lobte und meine Gedanken sich wieder voll auf Anna konzentrierten. Mein Herz schlug nun bis zum Hals, als ich erkannte das die Frau sich in meine Richtung bewegte. Groß präsentierte sich meine Aufregung, ob der Heimkehr des Sorgenkindes, die von allen aber insbesondere von ihren Eltern tiefgründig herbeigesehnt wurde, denn schließlich braucht Felix ja seine Mama, oder wie sollte es sonst weitergehen. Ich empfand wie in Trance, als sich die Gestalt mir in voller Front präsentierte. Der Schock schoss in Lichtgeschwindigkeit in sämtliche meiner Glieder. Konnte das wirklich Anna sein? Die Haare zerzaust, die Augen tief im inneren des Kopfes versenkt und mit großen schwarzen Halbkreisen ummahlt. Das Gesicht geschwollen und gerötet von den vielen Tränen. Nichts erinnerte mehr an die Anna die man kannte.

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

04.08.2011 17:31
#18 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Teil 61


Anna schockte das Entsetzen, jenes ihr aus dem Antlitz ihrer Freundin entgegensprang. Sieht man mir das Elend wirlich schon so deutlich an. Was erwartest du dir denn, deine Mimik sieht aus als hätte man dir während des Weinens die Gesichtszüge vereist. Und fast als ob die Tränen nur auf ihr Startsignal gewartet hätten, schossen diese über die Portwand des Augen und ergossen sich über ihre starküberröteten Wangen, ehe Paloma einen weiteren Schritt auf Anna bzw. das was von ihr übrig war zu trat und das vom schluchzen gebeutelte etwas fest in ihre Arme schloss. Anna genoss die schützende und wärmende Nähe zu Paloma, die sie wortlos einfach nur in ihren Armen den Tränen nachhängen ließ.

Mias Hände zitterten, ihr Puls raste.... Was sollte das? Es war doch alles geklärt und außerdem ewig her. Wieso jetzt gerade?
Das Rauschen in ihren Ohren erklärte in Windeseile alles um sie herum mit strotzender Überheblichkeit zu einer unbedeutenden Nebensächlichkeit. Der Schock über die Vorboten der kurzbevorstehenden Ohnmacht rissen nun auch ihre restlichen Körperteile zur Anteilnahme an den vorparkinsonischen Schub hin. Unzählige Wortfetzen schossen in schwindelerregender Geschwindigkeit durch ihr Gehirn, jedoch ohne sich zu einem intelligenten Satz zusammenzufügen. Ihr Blick verschwamm, das Rauschen wurde noch lauter und besitzergreifender und ihr Sehfeld wurde mit unförmigen Zick-Zack Linien dekoriert. Halbblind und mit dem Pulsschlag einer Hyperventilierenden fischte sie viel zu schnell atmend nach ihrem Handy, die Luft immer ausblasend wie Zigarettenrauch,die andere Hand mit den Nägeln voran in den Hals gekrallt, wo sie ihren Herzschlag immer lauter werden hörte.
Das Handy endlich zwischen den Fingern tippte sie mit letzter Kraft Enriques Nummer, der kalte Schauer lief ihr über den Rücken hinab, der kalte Schweiß sprießte aus ihren Poren als wolle sie ihren emotionalen Zustand mit Nässe auf der Haut zum Ausdruck bringen.
Das tuten bis Enrique abhob, wurde mit jedem Mal feiner bis es schließlich ganz verschwand und ein von geschwäzter Vorhang vor ihren Augen herunterlief, was sie mit einem letzten schwachen "Ah" komentierte, ehe ihr Kopf unsanft auf die Tischplatte schlug und sich schließlich der ganze Körper von der Erdanziehung überwältigt auf den Fußboden sacken ließ.

Teil 62

Enrique hob von Unschüssigkeit gequält seine rechte Hand. Soll ich oder soll ich nicht, schoss es ihm durch den Kopf, seine Hand immernoch über Toms Rücken schwebend, unschlüssig ob der Landung. Als ihm jedoch die bittere Miene und der glasige Ausdruck in Toms Augen entgegenschrie, setzte er mit ruhigem Gewissen seine Hand auf dessen Rücken zur Landung auf.
"Es tat so weh....sie nannten...Frau Frau Lanford"
Erneut brachen die Tränen über Tom herein, sein Herz verkrampfte sich und für einen Moment krümmte er sich mit schmerzverzehrter Miene den Seelenqualen entgegen, ehe das Schweigen wieder das Zepter üernahm. Enrique war unschlüssig, ob Tom nicht doch lieber für sich sein möchte, traute jedoch nicht zu fragen.
Erst das Klingeln von Enriques Handy, zerbrach die seltsame Stimmung mit einem Mal.
"Mia, was gibts?" flötete Enrique fröhlich in den Hörer, doch es antwortete nur das nackte Schweigen.
"Ah", kam es plötzlich ehe sich die gespenstische Stille wieder über die Leitung legte.
"Mia,Mia, was ist" Enriques Stimme wurde panisch, sein Herzschlag überschlug sich beinahe.
"Bitte, bitte Mia, sag doch was" schrie er nun schon mit hörbar planken Nerven in den Hörer.
Mit zitternden Händen beendete er das Telefonat und wählte noch einmal neu, doch nichts.
"Besetzt...Das gibt es doch nicht...Mia...nein"
"Was ist passiert?" ertönte nun die Stimme seines Freundes neben ihm, der anscheinend aus seiner Starre aufgetaut war.
"Mia...ich muss zu ihr...irgentwas zugestoßen" mehr brachte Enrique nicht hervor und war schon an der Türe.
"Enrique, warte ich komme mit"
"Ok,Ich fahre in die Firma und du nach Hause"
Enrique sprießte der Schweiß auf der Stirn.
Er "raste" mit dem Finger andauernd auf der Hupe durch den Berliner Morgenverkehr. Jedem der ihm zu langsam fuhr, sofern das bei der Dichte überhaupt anders ging, deutete er die Meise....Außer Atem erreichte er die Wohnung, wo er immer 3 Stufen auf einmal nehmend hinaufhechtete. Als er an der Wohnungstür ankam brannten seine Lungenflügel und seine Zunge hatte die eines Hundes nach einem Sprint. Für den Bruchteil einer einzigen winzigen Sekunde stützte er seine Hände auf die Knie, ehe er mit von Aufregung gebeutelten Fingern mühsam seinen Schlüssel aus der Hosentasche fischte und nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen fand sein Bangen endlich Erlösung mit dem vertrauten Geräusch des Aufsperrens. Die Türe driftete unverhofft schnell in den Innenraum und so hatte Enrique seine liebe Mühe das Gleichgewicht zu halten, als er unbeholfen in die Büroräumlichkeiten stolperte und sich in letzter Sekunde vor einem Bauchfleck rettete.
"Mia! Mia? Bist du da, Mia?, mit vor Schreck bebender Stimme.
Doch die einzige Antwort der er erhielt, war das betretene Schweigen das den Raum erfüllte. Er spürte es, nur ganz latent vorhanden, aber auch da. Etwas lag in der Luft das, das Klima beeinträchtigte. Er riss die Türe zum Kreativraum auf, sein T-Shirt war mittlerweile vom Schweiß durchsetzt, doch es gähnte ihm lediglich Leere entgegen. Enttäuscht ließ er die Türe wieder zu schellen und hastete schließlich auf Mias Büro zu. Enrique riss energisch die Türe auf, doch der Anblick, der sich ihm zu Füßen bot, ließ ihm jede Gesichtsfarbe entweichen. Einen Moment lang stand er da wie ein versteinertes Leintuch auf der Wäscheleine, unfähig auch nur eine Bewegung auszuführen. Seine Beine fielen in ein gespenstisches Zittern, das alsbald seinen ganzen Körper zu schütteln begann, wie der Barmann den Erdbeershake.
Mit einem letzen Anflug von Energie kniff Enrique die Augen zusammen, um sie gleich wieder dem Licht entgegenzuspreizen. Das herbeigesehnte trat jedoch nicht ein, Fatamorganas gab es shließlich nur in der Wüste. Seine Augen brannten sich auf die immernoch regungslos am Boden liegende Mia ein, fortwährend handlungsunfähig. Er hatte kein Maß dafür wie lange seine Arbeit als Litfaßsäule andauerte,auf jeden Fall zu lange, es zählte doch schließlich jede Sekunde, denn erst das klingeln seines Handys entriss ihn seiner Trance und er fühlte sich immer noch zu benebelt um auf Mia zuzugehen. Verdammt, was ist...nein.. soetwas darf ich nicht mal denken...nein...es wird alles gut...aber was...nein...hör auf...geh lieber zu ihr hin...komm schon. Schließlich stürzte er doch mit stark fibrierenden Händen auf sein Leben zu und tastete mit seinen Fingern an ihrem Hals nach dem Puls. Er wiederholte diesen Vorgang gute 3-mal, da er immer fürchtete seinen eigenen gespürt zu haben, der ein wenig zu Laut jagte. Gott sei Dank, ein Erleichterungsschrei entwich durch den schmalen Spalt seiner aufeinander gepressten Lippen. Mias Puls war schwach, doch vorhanden.


Tom stieg die Treppen mit einem äußerst mulmigen Schleier der seine Magengegend umhüllte das alte Stiegenhaus hinauf. Die Räume waren hoch und Säulen stützten den Treppenraum ab, was ihn an einen Kaiserspalast erinnerte. Eigentlich sollte er rennen, Enrique hatte es als dringich vernommen, doch aus irgendeinem Grund wollten seine Füße dieser aufforderung keineswegs Folge leisten. Als er nämlich seinem Gehirn den Impuls sandte, vernahm er ein ihm unbekanntes Schweregefühl in seinen Beinen. Schließlich erreichte er aber doch die im 2. Stock befindliche Wohnung seines Freundes. Tom fasste erst in seiner Hosentasche nach dem Schlüssel um gleich darauf mit der flachen Hand an die Stirn.
"Verdammt", entfuhr es ihm.
Er hatte völlig vergessen Enrique um den Schlüssel zu fragen. Wütend trat Tom mit seinem Schuh gegen die Türe. Prompt hatte er sich die Besorgnis einer Nachbarin eingefangen, die neugierig ihren Kopf durch einen Spalt ihrer Türe durchschob.
"Was machen sie denn für einen Lärm, junger Mann?"
Das hat mir grad noch gefehlt, nicht das die mich für einen Einbrecher oder sowas hält, aber da kam ihm eine Idee.
"Guten Tag, Wissen sie zufällig ob die junge Dame die hier wohnt zu Hause ist?"
Dieser Ruth Drexel Verschnitt machte ihm einfach den Eindruck als würde die Neugierde sie zu einer Allwissenden machen.
"Ne, weiß ich nicht. Tut mir leid. Ich war heute beim Arzt und bin erst vor einer halben Stunde wiedergekommen"
So schnell wie sie aufgetaucht war, war sie nun auch wieder verschwunden. Schöne Hilfe, was mach ich denn jetzt.
"Mia, bist du da?", rief er und schlug mit der Fraust gegen die Tür, innig hoffend vor einem erneuten Besuch der alten Dame verschont zu bleiben.
Keine Reaktion, nichts. Das Treppenhaus war von einer unglaublichen Stille erfüllt, man hätte glatt eine Nadel fallen gehört. Enrique, ich muss Enrique anrufen. Schnell holte er sein Handy hervor, doch dieser meldete sich nicht. Mist, Mist, verdammter Mist, jagte es ihm durch den Kopf.
"Mia, bist du da? MIIIA" brüllte er nun regelrecht, doch wieder rührte sich nichts. Nichts außer der Stille, die unerwartet durch das knacken einer Türe unterbrochen würde. Heiliger Bimbam, nicht schon wieder.
"Schreinen sie nicht so, junger Mann, meine Lotti wird sonst taub. Wissen sie sie ist schon so eine alte Dame"
Von was zum Kuckuck redet die da? Von ihrem vorletzten Mittagessen?
"Tut, mir leid, aber ich also ich müsste dringend wissen ob Frau Maschke zu Hause ist."
"Ich kann ihnen nichts dazusagen, wie gesagt"
In diesem Moment schlüpfte ein kleiner Dackel zwischen den Beiner der Dame hervor und steurerte auf Tom zu.
"Lotti komm, komm Lotti, es gibts Schmatzofack(Essen). komm schön zu Mami, komm"
Nach erster Irritation wandte er sich um und trottete zurück in die Wohnung.
Mensch, was soll ich jetzt machen. Ich kann doch nicht die Türe eintreten. Vielleicht ist Mia, ja auch gar nicht da oder aber, bei diesem Gedanken setzte Toms Herzschlag für einen Moment aus, was wenn sie bewusstlos ist. Plötzlich schien der eben noch so weite, helle Raum immer enger und dunkler zu werden. Die Säulen scheinen sich auf ihn zuzubewegen. Tom musste schlucken ehe er von aller Kraft verlassen an der Wand hinabrutschte und sich am Boden hockend wiederfand. Nein, tom hör auf. Mia ist sicher nichts passiert. Aber was wenn doch und wieder komme ich zu spät. Neiiiiiiiiiiin, das..ich..bitte nicht, bitte lass nicht zu das ich schon wieder machtlos bin, wenn jemandem etwas zustößt.
Der rohe Raum verschwamm vor seinen Augen zu einem See, dessen Nass vom Sturm gepeitscht hohe Wellen schlug. Fannys verzweiflete Schreie brannten sich erneut auf seine geistige Festplatte. Von der Erinnerung und dem beißenden Schmerz übermannt schlug er seine hnde über dem Kopf zusammen und presste sie hart auf seine Ohren, eine kosmetische aber wirkungslose Handlung eines im Meer der unbewältigeten Vergangenheit Ertrinkenden. Nun ernannten auch noch die ihn überkommenden Tränen, seine Augen zu dem Spiegeln des Grauens. Die Häufigkeit seines Herzschlages verdreifachte sich, Gänsehaut ließ all seine am Körper befindlichen Häärchen zu Berge stehen. Die Aussichtslosigkeit schickte ihm zusätzlich noch einen kalten Schauer der sich in einer unpassenden Symbiose mit seiner glühenden Gesichtshaut verfing. Sein Magen schickte ihm ein Gefühl der übermäßigen Überfüllung und das obwohl er heute noch nichts zu sich genommen hatte, schon verspührte er auch schon die unangenehmen Vorboten eines Brechreizes in seinem Rachen. Der kalte Schweiß trat ihm auf seine heiße Stirn und schon spürte er eine breiartige Masse auf seinem Gaumen, deren ätzende Säure seine Mundhöhle zu einem Brandherd werden ließ. Ein erneuter Würgekrampf bahnte sich seinen Weg nach oben und Tom hatte übedimensionale Mühe die schmerzende Masse in seinem mund zu behalten und den Schluckreflex einzuleiten, der die Ware wieder in ihrem Heimatort chauffierte. Tom stützte schließlich seinen Kopf auf die Knie, die flambierte Mundhöhle immer noch als Begleiter. In dieser Position verharrte er solange bis sich alle Körperfunktionen wieder auf Normalbetrieb fahren ließen.


Teil 63

Anna löste sich zaghaft aus der schützenden Umarmung ihrer Freundin. Das was ihr jetzt bevor stand, dagegen war der Gang nach Kanossa ein harmloser Spaziergang. Der kalte Wind bließ ihr unsanft ins Gesicht und tauchte ihr Gesicht in einen brennenden Schmerz, denn der Wind vermochte das Wasser der Tränen auf ihren Wangen in Eis zu verwandeln. Ein Zittern durchzuckte ihren Körper und ließ Anna erschrocken zusammenfahren, was in Paloma erneut Besorgnis hervorrief. Anna, warum haben wir nur alle nicht begriffen wie schlecht es wirklich um dich steht.
"Komm Anna", sachte legte sie ihren Arm um Anna und schob sie in die Else.
Im Türrahmen hielt Anna jedoch plötzlich inne und wäre Paloma nicht dicht an ihren Fersen gestanden, hätte sie wohl die Flucht nach hinten angetreten.
"Anna, du schaffst das"
Mutmachend legte sie ihrer Freundin die Hand auf die Schulter und schenkte Anna, die sich hilfesuchend in ihre Richtung kehrte, ein aufmunterndes Lächeln. Doch in deren Gesicht wütete die planke Hilflosigkeit gepaart mit hochgradiger Angst vor der Reaktion ihrer Eltern und der Zukunft im Allgemeinen. Felix, Anna stockte der Luftfluss, Gott das habe ich in den letzten Minuten in der Zweisamkeit mit Paloma ja ganz vergessen. Wie soll ich das nur alles schaffen? Gegen mich würde momentan sogar Katja als Mutter im gleisenden Licht erscheinen. Ich hab doch nicht mal die Kraft mich selbst auf dem Damm zu halten, wie soll ich denn da die Energie aufbringen für jemand anderes zu sorgen, der den Schutz, die Wärme und die Liebe so bitter nätig hat um zu überleben. Ich will seit Jonas gegangen ist nicht mehr Lieben, kein Kind, einen Mann schon gar nicht, einfach niemanden. Plötzlich erschien das besorgte Gesicht ihrer Mutter vor ihr, das sie langsam ihrer Parallelwelt entriss. Ihr Blick glitt durch das Restaurant und so erschien Jonas wieder vor ihrem Auge, wie er vor ihr auf die Knie geht und ihr den schönsten Heiratsantrag machte, denn sie je bekommen hatte. Ihr Blick wurde wieder durchsichtig.
"Susanne, ist das Geschenk, das ich draußen vor der Türe gefunden habe, nicht wunderbar." flötete Paloma freudestrahlend , man hörte ihre Erleichterung über das auftauchen von Anna in jeder einzelnen Silbe deutlich mitschwingen. Susanne erwiderte nur ein mattes Lächeln, das nicht einmal die Richtung zu ihren Augen fand.
Anna selbst konnte in den Freudentanz nicht einstimmen und starrte resigniert vor sich hin. Wohin führt das alles nur? Anna fühlte sich zu schwach um auch nur den Ansatz eines Gedanken an die Lösung dieser entscheidenden Frage zu verschwenden.


Enrique hatte den Notruf verständigt und wartete nun die längsten Minuten seines Lebens auf das Eintreffen der Sanitäter. Seinen Blick nicht von Mia wendend, schickte er angstgetränkte Stoßgebete zum Lieben Gott. Eine schändliche Mission, wenn man bedenkt, das ich die letzten Jahre als überzeugter Atheist zugebracht habe. Aber wie man sieht, treibt einen die Not immer zurück zu den heimeligen Idolen der Kindheit. Erschrocken schreckte er aus seinen Überlegungen hoch, als er glaubte eine Berührung an seinem Arm vernommen zu haben. Seine Augen flogen in empfundener Lichgeschwindigkeit in die Richtung seiner Liebsten, die ihn tatsächlich mit verwirrtem Ausdruck anschielte, was aber nichts an ihren wunderschönen strahlend blauen Augen änderte, in denen er unpassenderweise zu versinken drohte. Hilfesuchend ließ sie ihren Blick durch den Raum gleiten und blieb am Schreibtisch haften.
Was war nur passiert?
Wieso liege ich hier?
Warum ist Enrique plötzlich hier?
Weshalb fühle ich mich wie von einem Elefanten geknutscht?
Lauter W-Fragen, die nur die Antwort gemeinsam hatten, nämlich: Ich habe nicht die leiseste Ahnung!
Anna Enriques Mimik las sie ab, dass es wohl nicht erfreuliches Bedeuten konnte.
"Wo bin ich?"
"Es ist alles gut,meine Süße. Beweg dich nicht. Die Santiäter kommen sicher gleich. Reg dich nicht auf, okay"
Die letzten Worten hörten sich an wie purer Hohn, doch ich muss sie ja irgendwie beruhigen. Es reicht doch wenn ich vor Angst am Rad drehe. Um seine Worte zu untermalen, strich er ihr sanft über ihre gerötete Wange und verwöhnte sie mit einem mitfühlenden Kuss auf die Stirn. Enrique konnte das Bergmassiv gar nicht beschreiben, dass ihm vom Herzen abgefallen war, als Mia ihre Augen aufgemacht hatte. Der Wilde Kaiser wäre zumindest ein erster Anhaltspunkt. Ehrfürchtig blickte er symbolisch in den Himmel, dessen Horizont von der Zimmerdecke großmächtig eingeschränkt wurde. Gab es ihn also doch, denn Mann da oben mit dem langen Rauschebart und der weißen Kutte, der kein gestrandeter Mönch im Weihnachtsmannkostüm sondern der Schöpfer alles seins persönlich sein sollte. Erneut wurden seine Überlegungen über Gott und seine Diener unterbrochen, diesmal aber von den Santitätern, die sich scheinbar selbst den Eintritt empfohlen hatten.
"So, wo ist denn nun die Patientin?" fragte ein etwas in die Jahre gekommener James Dean, mehr proforma als ernst, denn Mia lag ja immernoch zu seinen Gehhilfen. Galant sprang Enrique auf und trat zur Seite, damit der Weg für die Profis frei war.
"Und sie sagen, sie ist einfach so ohnmächtig geworden"
Enrique holte tief Luft, der Schock saß ihm noch gehörig in den Knochen.
Mia wollte etwas sagen, doch ihre Mundschleimhäute waren zu trocken, als das sie diesen Schritt wagen wollte.
"Ja, also ich weiß es nicht. Ich hab sie hier bewusstlos aufgefunden"
"Na, gut Mädl, dann wollen wir dich mal ins Krankenhaus bringen. Zur Durchuntersuchung"
Sonst hätte sie protestiert, denn sie hasste Krankenhäuser seit dem schrecklichen ableben ihrer Eltern, doch in irgendetwas unterdrückte in ihr den Impuls zur Verweigerung.


Teil 64

Susanne und Paloma brauchten keine psychologische Ausbildung umzubegreifen, dass es mit einem erklärenden Gespräch inklusive einer auchgeistig anwesenden Anna nichts mehr werden würde und so hakten sie sich beide bei ihr ein und geleiten, die auf wackeligen Beinen stehende Heimkehrerin hinauf in ihr Schlafgemach, wo sie ganz Prinzessinnen like ihrer Schuhe und ihres Mantels entledigt wurde. Behutsam zog Susanne die Bettdecke über den bibernden Leib ihrer Tochter, drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und verließ zusammen mit Paloma in einem Umhang des Schweigens, das in ein düsteres Flaire getauchte Zimmer ihrer Tochter.
Sobald sich die Schritte von ihrer Zimmertüre merklich entfernt hatten, brachen die so mühsam zurücjgehaltenen Tränen aus Anna heraus. Sie rannen über ihre Wangen wie das Wasser aus einem vollen Regenfass, nebenbei verfiel sie in einen Cocktail aus Traurigkeit, Verzweiflung und Angst. Wie sollte das alles nur weitergehen? Gequält unterdrückt Anna dann aber aus einer weiteren Panik einen herzzerreisenden Schluchzer, denn das Mitleid ihrer Mutter war das letzte was sie sich jetzt sehnlichst herbeisehente. Entmutigt schlug sie die schwerfällig auf ihrem Körper ruhende Daunendecke mit einer einzigen Handbewegung zur Seite und formte aus ihr die Shilouette des schlafenden Jonas., schmiegte sich lieblich daran und wartete mit nassen geschlossenen Augen bis der Schlaf sie zu sich rief.

Susanne hingegen saß noch lange in der Küche, den Stubenwagen mitsamt ihrem friedlich schlummernden Enkel zu ihrer Rechten, immer noch leicht paralysiertvonihrer Begegnung mit Anna. Es hatte sie wirklich aus der Bahn geworfen, sie so zu sehen. Annas Augen hatten ihren sonst so alles überstrahlenden Glanz verloren, waren winzig in ihrem Gesicht verborgen, die Lieder geschwollen, sie musste bitterlich gweint haben. Ihre Gesichtszüge waren verhärtet und schmerzverzehrt, die Haut trug einen falen Teint. Susanne hatte der erste Anblick regelrecht erschreckt. Mensch Ingo, wenn man dich mal braucht verdrückst du dich zu einem Männerabend. Kannst doch nichts dafür, hast ja nicht wissen können, das ausgerechnet heute Anna den Weg in den Schoß ihre Familie zurück findet. Ob sie wirklich, nein, Susanne hör auf, du solltest dich lieber freuen, das wenigstens eine deiner beiden Töchter von der weiten Welt gerufen wieder heimgekehrt ist in den schützenden Schoß ihrer liebenden Familie. Ich muss jetzt stark sein, denn Anna braucht mich, mehr als irgendwann sonst, aber so sehr sie sich auch mühte, sie schaffte es nicht Gefühle der Freude aufkommenzulassen. Irgendetwas in ihrem Inneren sträubte sich bis zum Äußersten derartigen Gefühlen einen Weg zu errichten, obwohl Anna und ihr Enkel doch ihr ein und alles waren. Verloren glitten ihre Augen über die Wand, als sie bei einem Bild aus besseren Tagen haften blieben. Es zeigte eine von Glücksseeligkeit überhäufte Anna, die Lächeln an Jonas geschmiegt stand. Gott, waren die beiden glücklich an ihrem Hochzeitstag.
Anna war im wahrsten Sinne des Wortes nur noch ein dürftiger dunkler Schatten ihrer selbst. Kind wie soll das nur alles weitergehen?
"Susanne", Ingos besorgte Worte drangen an ihr Ohr.
Benommen schreckte sie hoch und sah Ingo mit großen Augen an.
"Anna...Sie ist" stotterte sie
"Was ist mit Anna?", Ingos Stimme hatte nun einen alamierten Ton angenommen, man konnte förmlich seinen Kehlkopf zucken sehen.
Susanne schaffte es nicht weiter zu sprechen und deutete mit dem Finger nach Annas Zimmer. Ingo schaute erst ungläubig zwischen ihr und der Türe hin und her. Er dachte wohl an Alkoholmissbrauch ehe er doch los trabte und behutsam die Zimmertüre auf Rollen ließ. Er glaubte seinen Augen nicht zu trauen, in diesem Bett lag wirklich seine Tochter, die Bettdecke eng umschlungen in ihrem Arm haltend. Das kann es doch nicht geben? Ingo legte seine hände vor den Mund, um keinen Freudenschrei auszustoßen und seine schlafende Prinzessin aus dem Träumeland zu reißen. Er konnte es kaum fassen, das Glück aus allen poren sprießend, kehrte er zu seiner am Küchentisch lungernden Frau zurück und nahm sie einmal kräftig in den Arm.
"Jetzt wird endlich alles gut" flüsterte er hoffnungsfroh an ihrem Ohr.
Immer und Immer wieder, fast schon wie ein Mantra.

Mia rennt im Atem der Nacht über eine einsam gelegene Wiese in von Wäldern umsäumt ist. Panisch blickt sie immer wieder zurück zu den dunklen Schatten die die großen Bäume auf die Wiese werfen. Ihre Lungen brennen, wie Feuerzungen, ihr Herz scheint sich zu überschlagen, in ihrem Kopf pulsieren Gedanken der nackten Panik. Plötzlich spürt sie den warmen nach Tomaten duftenden Atem, an ihrem Hals, der Luftstrom des Schreckens. Panisch beginnt sie zu schreien. Alex, was soll das? Nein, geh weg. Bitte nicht, Alexander, geh weg. Mia rennt verzweifelt davon, doch er ist schneller und holt sie ein, packt sie unsanft am Krangen ihrer Bluse und schlingt den anderen Arm um ihre Taillie. Das was jetzt kommt, hast du alleine dir selbst zuzuschreiben, flüstert Alexander mit einer bedrohlich und gehässig klingenden Stimme und feuchten Tönen in ihr Haar. Langsam und mit einem hämischen Grinsen auf den Lippen tritt er vor sie, packt sie an beiden Armen und beginnt sie zu schütteln. Grob stöst er die verängstigte Mia mit einem harten Tritt in den Bauch auf den feuchtkalten Wiesenboden, stürzt sich auf sie und beginnt sich an den Knöpfen ihrer Bluse zuvergreifen. Nein, bitte nicht. Hillllfeeeeeeeee. Halt die Klappe du niederträchtige Sch.lampe und jetzt flenn da nicht so rumm.
NEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIN
Mia schreckt mit Schweißperlen auf der Stirn aus ihrem Schlaf hoch. Ihr Herz und ihr Puls rasten im Gleichschritt als wollten zu einem Wettstreit ansetzen. Fahrig erkundete sie ihre Umgebung. Ich bin im Krankenhaus, Gott sei Dank. Von Hysterie gepackt sprang sie aus dem Bett wie eine Bergziege über einen Felsen und riss die Schranktüren auf. Nichts. Huch. Glück gehabt! Erschöpft taumelte sie nach hinten, lehnte sich schweratmend an die kühle Wand und verschnaufte für einen Moment, das alles wirklich nur ein Alptraum war. Kein Alexander weit und breit.



So jetzt wären wir endlich mal auf gleichstand, danke der Rüge von jemandem aus dem Forum
Danke nochmal fürs in den Hintern treten, solltest du das hier lesen.

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

08.08.2011 17:43
#19 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Zwei Teile kommen morgen, sind irgendwie verschwunden :(

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

09.08.2011 21:04
#20 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Teil 65

Sein Körper hatte wieder zur gewohnten Geschwindigkeit zurückgefunden, seine Gedanken pulsierten jedoch umso stärker. Ziellos irrte er durch die hektisch angehauchten Straßen der Bundeshauptstadt, verständnislos den unbeschwerten Bürgern zu sehend. Wie konnten sie nur so gedankenlos dem Glück frönen, wo es doch so ein unsicheres Terrain war. Warst du denn früher nicht genauso? Sahst du dich nicht auch immer unter dem persönlichen Schutz Gottes? Gott, ein hohles und von Verbitterung zerfressenes Lachen hallte düster durch seine Kehle. Missbilligend richtete er wie von Geisterhand glenkt seinen Blick in den Himmel. Planlos glitten seilne Augen über die vielen verschiedenen Formationen und blieben schließlich aprupt auf einer haften. Ein kleines niedliches Böötchen gesäumt vom tiefen blau des strahlenden Himmels. Toms Augen bekammen erneut die durchsichtige Glasur. Dich da oben gibt es doch gar nicht oder warum ist Fanny sonst von mir gegangen. Bist du etwa so herzlos, das du dir unbedingt meins an dich reißen musstest. Ich hoffe, es tut dir einen guten Dienst. Seine Gesichtszüge verhärteten sich, angetrieben vom schwer erträglichen Seelenpein. Von seiner Wut angestiftet, steuerte er seine rechte zur Faust gebeulte Hand frontal und ohne Bremsmanöver gegen einen unschuldig nebenstehenden Laternenmasten, der durch die Wucht des Aufpralls ein hohles scheppern aus seinem Inneren freigab. Toms Hand stieß stumme schmerzvolle Schreie aus, den der Hieb hatte es in sich. Er selbst hingegen presste sich schwermütig gegen eben diese Stange, seine Hand immer noch unter Hochspannung zur Faust geballt, den körperlichen Schmerz mit dem seiner Erinnerung kompensierend. Ich werd wohl nie wieder glücklich sein können, nie ohne das Gefühl zu haben, Fanny zu verletzen, sie auszuboten.
Unmöglich ist nur das, was wir dafür halten, hörte er die belehrende Stimme seines Vaters protestieren. Na klarr, für den war ja alles so einfach, bloß sich an die weisen Sprüche zu halten, dass konnte der große Bruno eben so wenig.
Geistesabwesend musterte Tom die Straße, die sich vor seinen Augen der rollenden Blechwelle unterwarf. Plötzlich erreichte ihn ein befreiender und zu gleich beklemmender Gedanke. Nun richtete sich sein Blick mit engagiertem Bewusstsein auf die rasende Gefahr, sein Respekt begann mit jedem PKW, der an ihm vorbei bretterte zu schwinden. Was wäre, wenn ich meinen Körper einfach der Straße überlassen würde? Mein Geist könnte zumindest zu Fanny. Ein Kribbeln durchfuhr seinen Körper und ihr wunderschönes Antlitz erschien vor seinem inneren Auge für einen Moment. Ein fremdes Gefühl der Wärme, nicht von panikartiger Hitze, nein eine richtig heimelige Wärme, die schon so lange nicht mehr Gast in seinem Körper gewesen war, durchströmte ihn bei dieser Vorstellung. Sie schickte ihm sozusagen, die Bestätigung, dass seine Idee der richtige Weg in die richtige Richtung bedeutete. Fanny ist einfach mein Leben, ohne sie fühle ich mich unvollständig und leer. Wer würde mich denn auch schon vermissen?
In meiner Schwester habe ich mit meiner Einigelung nach dem Unfall hohle Enttäuschung, wenn nicht auch noch ein Päckchen Hass geschürt.
Mein Vater , der hat mich doch schon längst abgeschrieben. Bruno besitzt eine zu gut ausgeprägte Menschenkenntnis, um nch tzu begreifen, dass mein Herz schon am 2.2007 in das Reich des Herrn aufgebrochen ist, an den ich nicht so recht zu glauben schaffe.
Carla, Häh, ein bitterer Laut entfloh seinen Stimmbändern. Die würde mich nicht vermissen, höchstens mein Geld, meine teuren Geschenke und meine Namen.
Was hat der Tod meines Lebens nur für einen Menschen aus mir gemacht? Frauen würde man als Huren beschimpfen, aber was sind die Männer wie ich, die solch einen unorthodoxen Lebenswandel führen. Vor Fannys Tod hätte ich nicht einmal einen Wimpernschlag an Carla und Co. verschwendet und jetzt, jetzt umgebe ich mich nur noch mit solchen. Lag es daran, das die meisten zu dämlich waren um etwas zu erwarten bzw. ich sie dafür hielt. Ich war ein hoffnungsloser Romantiker für den es nur einen Grund gab einer Frau näher zu kommen, naämlich diesen bestimmten Takt beim Herschlag. Die Liebessonate sozusagen! Immer habe ich über all jene Männer gelästert, die wie ich es gerne nannte, den Frauen die Würde nehmen, in dem sie, sie für den schnellen Spaß verführen. Und nun, seht mich an, bin ich selbst zu so einem geworden. Ich sollte mich wirklich was schämen, aber kann ich das denn überhaupt noch? Immerhin ist das ja ein Gefühl!
Genickt traf sein Blick auf dem von Kaugummis und Zigarettenstummeln gesäumten Aspalt zu seinen Füßen. Mit einer gefährlichen Langsamkeit stieß sich sein Rückgrad von der kalten Stange ab und seine Beine trieben ihn zielorientiert auf die Verkehrsmeile. Mit ruhigem Schritt überwand sein Schuh den Niveauunterschied zwischen dem Gehsteig und der Straße.


Mias Körper wurde vor der Panik zur Statue, nur am leichten Senken und Heben des Brustkorbs konnte man ihre Menschlichkeit ablesen. Stramm presste sich ihren stark Sekret absondernden Körper an die raue Wand. Die Türschnalle drückte sich nun das allerletzte Stück nach unen und schon schwang die Türe in das Innere. Statt einer Gestalt bahtne sich ein großer und zugleich wunderschöner Strauß aus roten Rosen, den Weg in ihr Blickfeld. Normalerweise wäre sie in Jubel über solch ein Präsent ausgebrochen, denn sie konnten ja nur von ihrem Herzbub sein, doch aufeinmal war alles anderes. Was sollte sie tun, wenn das der Stalker mit den Löckchen (nein, nicht Atze Schröder ;)) war. Schreien? Mich hört doch hier kein Mensch.
"Hallo, mein Schatz", drang eine Stimme an ihr Ohr.
Sie kannte diese Stimme, doch das aufkeimende Rauschen in ihren Ohren verfälschte ihre Kenntnis aufs äußerste. Den Fängen der Panik entrissen, zuckte sie zusammen, presste ihre Handflächen an die Wand und atmete tief ein. Mia kannte den Rosenkavalier, das stand fest, doch graute es ihr die Augen zu öffnen. Zu groß war die Panik vor dem Mann der nun vor ihr stand.


Teil 66

Vor seinen Toms Augen erschien das Bild, der jungen blonden vom Leben vergessenen Frau. Sein Gehirn, wie vom Donnerschlag erhellt und sein Körper wie vom Blitz gestreift, taumelte er benommen zurück in den schützenden Bereich des Passantencatwalks. Erneut geriet er an den Laternenmast und wieder wandte er sich schutzsuchend an ihn. Tom krallte seine Finger regelrecht um die unangenehneme Kälte ausstrahlende Röhre, die seine glühenden Handflächen erträglich machte. Unerträglich hingegen war das unaufhörliche pulsieren des Blutes in seinem Kopf und der viel zu schnelle Atem, der ihm den Ernst der Lage darstellte. Mensch, was war das eben? Wollte ich wirklich den letzten Strich auf meinem Block ziehen? Sie war auch bereit, sich den Gnadenschuss zu verpassen, kehrten seine Gedanken zu der Frau von Osteroog zurück. Was hast du ihr noch mal gesagt? Das du dich für das Leben entschieden hast? Überzeugende Show, denn die Wahrheit kann es nach dieser Nummer wohl kaum gewesen sein.
Ich hab dir das Leben gerettet und du nun mir, obwohl du es wahrscheinlich gar nicht weißt. Aber das macht uns wohl quitt. Es war nur ein kurzer Moment im langen
,Tom musste schlucken, Fluss des Lebens, doch er intensiv. Es hatte mehr Bedeutung als 10 Jahre mit Carla es je haben könnten. Sie hatten beide Klagelieder auf ihre Verblichenen gesungen, die geheimnisvolle Fremde ihr Leben dem Tod geweiht und trotzdem hatte sie ein Herz bestreichelt bzw. das Wasser zu dem der sonstige Platzhirsch ein gewisser Herr Eisklotz in ihrer Gegenwart geschmolzen war. Es war nicht das Schicksal, das ihren beiden wiederfahren ist, nein es"Halt", brüllte Tom in Gedanken und trotzdem raste es mit Höchstgeschwindigkeit zwischen seinen Lippen ins Freie. Er vermochte diese Tatsache erst zu erkennen, als ihm die ratlosen und teils verängstigten Mienen der Mitmenschen in seiner Umgebung in die Augen stachen. Seine Mundwinkel traten als Geisel der peinlichen Berührtheit den Weg nach unten an. Derweil versuchte sich der Satz in seinem Kopf zu beenden, was Toms Weltbild katastrophal ins Wanken brachte, natürlich hätte er dem Gedanken Raum bieten müssen. Für mich gibt es nur eine Frau und die ist tot. Das letzte Wort schickte durch seinen gesamten Körper einen stechenden Schmerz.
Um einen weiteren Vorstoß seines Gehirns zu vereiteln begann er so schnell zu rennen, wie seine Lunge nur zu ließ. Er sprang über einen Dackel, rempelte ein paar Leute an und versuchte sich mit einem Auto zu duellieren.
Tja, lieber Tom
Du kannst vor dem davonlaufen, was hinter dir ist, aber nicht vor dem was in dir ist.


Enrique strich mich zart über die Wange, als sie plötzlich ohne Grund zu schreien begann.
"Mia, es wird alles gut. Ich bin ja bei dir, meine Sonne" meine Sterne, mein Leben, fügten ihre Gedanken hinzu.
"Verschwinde, geh weg GEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEH" brüllte Mia nun die Nerven merklich blank liegend.
Die Stimmen der beiden Männer, wechselten sich in den Worten immer wieder ab und Mia drohte der Kontrollverlust.
"Aber, ich bins doch Enrique" antwortete dieser ganz ruhig.
Was ist plötzlich mit Mia los, erst fällt sie gestern im Büro um wie ein Bahnschranke und jetzt das. Und wieso um alles in der Welt steht sie hier an die Wand gekuschelt wie ein von seiner Garde verstoßener Zinnsoldat der scih mit Kalk das Gesicht gepudert hat. Enrique kam aus dem Grübeln nicht mehr heraus. Verdammt, was hatte das alles nur zu bedeuten.
"Enrique? Bist du es wirklich?", fragte sie zaghaft und erst jetzt bemerkte er wie heftig die Töne die ihrem Munde entsprangen zitterten. An der Temperatur konnte es wohl nicht liegen, denn der Ort aus dem die Töne kamen, gehörte doch zu einer jener Höhlen wo es immer warm ist. Was also war los? Zu gerne hätte er gefragt, denn die Unwissenheit zertrieb ihn fast, doch er wusste, dass sie es ihm nicht sagen würde. So ließ er es ganz bleiben. Enrique unterbrach seine Überlegungen als Mia plötzlich die Augen weit aufpresste und ihm in einer stürmischen Umarmung und ihr hübsches Gesicht mit einem Lächlen, nein stopp, einem wunderschönen strahlen , das sogar ihre Augen liebkoste, ihre Hände um sein Genick schlang und ihren Kopf auf seiner Schulter zur Ruhe setzte. Die Überraschung über diesen unerwarteten Vorstoß war ihm ins Antlitz tätowiert. Mia hingegen konnte ihre Erleichterung kaum in Worte bündeln, zu ershcöpft war sie nach diesem nervlichen Großkampfereignis. Das Gefühl das sich um ihr Herz eingefunden hatte, als sie realisierte das es wirklich Enrique war, der vor ihr stand, war einfach ubeschreiblich, fast schon wie ein zweiter Geburtstag. Meine Sonne, so bei diesem Wort zog sich ihr Herz zusammen. So hatte mich Enrique noch nie genannt. Unter anderen Umständen hätte ich wahrscheinlich gefallen an dieser Bezeichnung gefunden, doch jetzt wo-. Mia hielt kurz inne ehe ihre Haut wieder weiß und die Luft in ihrem Hals dünn wurde. Wieso konnte nicht einmal alles gut sein? Vorsichtig löste sie sich von Enrique und taumelte auf schwachen Füßen zurück in ihr Bett. Enrique wird sich wahrscheinlich schon den Kopf zermatern, warum ich aus heiterem Himmel so ein Bäumchen wechsel dich geworden bin. Aber ich kann es ihm einfach nicht sagen. Ich hab solche Angst, dass ihm etwas zustoßen könnte und das würde ich mir nie verzeihen.NIE, hob sie es gedanklich noch einmal heraus. Der Typ ist unbereichenbar, einfach durchgeknallt, wer weiß zu was der allem fähig ist. Ich muss das irgendwie alleine durchstehen. Vielleicht sollte ich mit ihm reden? Weiter kam sie nicht, denn Enrique riss sie mit einem Räuspern aus ihren Überlegungen. Schnell richtete sie sich auf und ihre Lippen wurden von einem Lächeln umspielt. Der Anblick des leicht knieweich stehenden Enrique, die ratlose Miene, die seinen Gesichtsaudruck dominierte und dich wohl oder übel auf die Rosen in seiner Hand bezog, amüsierten sie zu tiefst.
"Ähm. Am Besten ich geh mal ne Vase holen, ehe die Rosen mich als einen Teil ihrer selbst anerkennen" sagte Enrique mit seinem typischen Schmunzeln.
Auch aus Mias Antlitz wich die Ratlosigkeit.
"Ja, mach das" gab sie mit Freudesfunken in den Augen zurück.
"Ach, bevor ich es vergesse" Enrique ließ seine freie Hand tief in seine Hosentasche eintauchen.
"Dein Handy, es lag auf deinem Schreibtisch. Du hast glaube ich eine SMS gekriegt"
Mia sah Enrique erstaunt an.
"SMS, bist du sicher? Wer soll mir schon eine SMS schicken?"
"Tja, das weiß ich nicht, aber du dafür gleich" Enrique lächelte wieder sein Lächelen und Mia erwiderte es und gab ihm einen Kuss.
Enrique verließ den Raum in Richtung Vasenfindung und Mia öffnete ihre SMS. Ihr Gesicht verwandelte sich in eine Maske aus nackter Panik, in sekundenschnelle saß sie aufrecht im Bett. Ihr Herzchlag beschleunigte erneut wie Kate Allein auf der Zielgeraden, als sie 2004 Silber in Athen gewann. "Ich hätte dich für robuster gehalten, mein Schnuckelchen." Die Buchstaben stierten sie an, fast so als wollten sie aus der Nachricht direkt in ihr Gesicht springen. Jeder einzelne entlockte ihr ein jämmerliches Wimmern. Entmutigt pfefferte Mia mit dem Gedanken, es wäre der Absender, ihr Handy an die Wang, wo es unter einem dumpfen Knall in einige seiner Bestandteile zerfiel und unter einme Scheppern den Fußboden erreichte.
"Ich kann nicht mehr. Ich halt das nicht mehr aus. Der Typ ist völlig irre. Der beschattet mich ja. Dieses miese, verdammte, kleine A.rschloch" brach es unter dem Mantel der Hysterie, eingehüllt in ein starkes Schluchzen aus ihr heraus.
"WARUM?
WARUM ICH? WARUM?" schniefte Mia herzimplodiernd in den vermeintlich leeren Raum.
Erst das klirren, das auf eine Knutscherei zwischen einer Porzellanvase und dem Fußboden hindeutete, riss sie aus ihrer Schmerzargonie. Enrique, verdammter Mist, Was mach ich denn jetzt? Enrique, Enrique? Sag doch bitte was. Enrique! Doch das Schweigen blieb am Regiestuhl.

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

16.08.2011 15:17
#21 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Teil 67

"Anna, was soll der Blödsinn? Steh auf Mach schon, Anna, hörst du mich. Anna", seine Stimme klang hoch panisch. "Mensch, Anna versteh doch! Ich weiß das du dich dem Tod näher als dem Leben fühlst, aber du musst kämpfen. Wenn du es schon nicht um deineteigenwillen machst, dann wenigstens für unseren Sohn... Auch wenn es sich an deinem Schmerz orientiert nicht mehr lohnt zu leben, deine Zeit ist noch lange nicht vorüber. Kämpf Anna! Lerne wieder zu leben, zu lachen, zu lieben.." "Es gibt für mich keinen anderen Mann als dich, begreif es endlich", hörte sie ihre eigene bockige Stimme. " Anna, könntest du mir einfach nur zu hören, bitte. Ich war noch nicht fertig" "Ach, wie schön. Wieso sollte ich das tun, damit du weiter die Ketten der Vernunft um meine Arme und Beine legen kannst, weil du glaubst mich damit vom Strand zerren zu können. Aber soll ich dir etwas sagen! Das kannst du nicht, mein Entschluss steht fest. Ich wünsche mir seit dem Tag an dem du mich verlassen hast, nichts mehr als in deinen Armen zu liegen und jetzt bin ich so nah dran, deshalb kannst du zuckersüß seuseln wie du willst, ich geh nicht mehr zurück. Aus Schluss" "Gott, Anna Früher habe ich deinen unbeugsamen Willen und deine überirdische Durchsetzungskraft geliebt, aber jetzt treiben eben diese Eigenschaften meine Geduld hinab in das Reich des hörnernen Buben..Reicht es dir denn nicht, dass unser Kind seinen Vater nie kennenlernen wird, willst du ihm jetzt auch noch die Mutter rauben? Bedeutet er dir denn wirklich so wenig, das du es in Kauf nimmst, die Last zu tragen, dass seine Mutter ihn nicht liebte. Ihn nicht wollte! Trotz seiner Existenz die Liebe zum Tod praktizierte! Anna, wach auf, du machst einen riesigen Fehler, bitte, Anna. Glaub mir du wirst es bereuen." "Nein, Jonas, unser Sohn ist ohne mich besser dran, meine Mutter wird sich gut um ihn kümmern. Versteh doch, für mich ist mein Leben ohne dich sinnlos, jeder Tag besteht nur aus Schmerzen, die ich jeden Tag weniger ertrage. Wenn ich das Kind in meinem Arm halte, empfinde ich nichts, ich kann es nicht lieben, denn mit deinem Tod habe ich der Liebe abgeschworen. Verstehst du denn nicht, du bist mein Leben, nichts zwischen Himmel und Erde hat für mich jemals größere Bedeutung erlangt als die Verbindung die wir zu einem uns immer verbindenden Seil knüpften, an dem Tag an dem wir uns die ewige Treue schworen."
Erschrocken fuhr sie hoch. Nun saß sie aufrecht in ihrem Bett, das Herz pochend wie der Geigerzähler in Tschernobil. Tränen quollen aus ihren Augen. Das also hatte er während ihres Kurztrips in das Reich der Mitte zu ihr gesagt. Kein Wunder das ich mich im Krankenhaus nicht mehr dran erinnern konnte, seine Worten hatten ja keinesfalls, die Bedeutung die ich von ihm erwünscht hätte. Anna starrte zur Decke, die Muster beobachtend die das Helle und das dunkle miteinander spielen ließen.

Verdammt, Jonas was soll dein Geschwafel? Was willst du mir damit sagen? Du kannst doch...Ich werde unsere Liebe niemals fallen lassen Jonas, auch wenn sie so schwer wiegt wie Ottfried Fischer und Joseph Hannesschläger zusammen... Versteh das doch bitte. Anna beförderte die Bettdecke, die bis gerade eben Jonas Shilouette simulieren sollte auf den Boden. Ich solle wieder leben. Du warst mein Leben...Ohne dich ist alles was ich sehe von einem verfinsternden schwarzen Schleier umhüllt. Wenn ich in den blauen Himmel über Berlin sehe, schieben sich dunkle schwarze Wolken in mein Bild, obwohl der Horizont in seinen Farben konstant bleibt. Mit vor Unschlüssigkeit zitternden Händen wischte sie die Bäche der Trauer von ihren Wangen bzw. versuchte es und verteilte das Nass eher auf ihren gesamten Wangenflächen. Wo also soll ich in diesem Karusell der Hoffnungslosigkeit einen Weg zurück zu dem finden, das ohne dich Jonas keinen Sinn macht.
Einer ist gestorben, doch die anderen Menschen umgeben uns noch...Sie sind da, sie sorgen sich um unser wohl, sie haben es nicht verdient den selben Schmerz zu fühlen...Du musst kämpfen!...Denken sie an ihren Sohn.Reicht es dir denn nicht, dass unser Kind seinen Vater nie kennenlernen wird...Besser eine trauernde Mutter als eine tote Mutter...Bedeutet er dir denn wirklich so wenig. Willst du ihm jetzt auch noch die Mutter rauben? In Annas Kopf vermischten sich die Stimmen, von Jonas und diesem Fremden von der Insel. Am liebsten wäre sie schreiend davon gerannt, doch sie wusste, das die Gedanken davon keinen Dezibell einbüßen würden. So ging sie langsam zu ihrem Fenster und ließ ihre Augen über das in die ruhige Stimmung der Nacht getauchten Berlins schweifen. Die Lichter erhellten das Dunkel und nahmen ihm das Unheimliche. Was soll ich nur tun? Wieder glitt ihre Hand an ihr Auge, um die Tränen zu entfernen, die ihren Blick trübten. Wie soll man ein Leben ohne das Leben führen? Annas Kehle entfloh ein erstickter aber merklich trauergesteuerter Seufzer. Mein Herz würde sich nich andauernd selbstverletzen, denn bei ihr wäre ich glücklich, wieder hallten die Worte des Fremden durch ihren Kopf. Erneut fegte ihre Hand eine Träne, die über ihre Wange floss, diesmal jedoch mit Bestimmung, weg. Unschlüssig, aber dennoch entschieden, trat sie aus der Helligkeit des Mauerlochs und schickte ihre Beine zielstrebig durch den dunklern Raum. Mit stark hämmerndem Herzen trat sie auf den ebenfalls von der Nacht okupierten Gang hinaus und steuerte auf das Schlafzimmer ihrer hoffentlich im Reich der Tagbewältigung schwebenden Eltern zu. Langsam und vorallem mit Vorsicht geimpft ließ sie die Türe aufgleiten. Auf sanften Sohlen schlich sie auf den neben dem Bett stehenden Stubenwagen zu, hielt auf halber Strecke inne und ihr Blick fiel auf ihre Arm in Arm friedlich schlummernden Eltern. Nur mühsam erstickte sie einen Schmerzschrei der durch ihre Kehle hallte, den dieses Bild erinnerte sie an Jonas. Eine Wunde, die fast überhaupt kein Salz vertrug, da sie noch viel zu frisch für eine solche Behandlung war bzw. sich so anfühlte und doch damit gewürzt wurde, begann wieder unerträglich zu schmerzen...doch die Anderen umgeben uns noch...erneut hallten diese Worte durch ihre Synapsen. Anna schluckte noch einmal hart, ein brennen erfüllte ihren Rachen, dann aber setzte sie ihren Weg zu der Schlafstette ihres Sohnes fort. Vorsichtig und auch immer noch etwas unentschlossen wagte sie einen Blick auf das friedlich schlummernde Baby, das eingebettet in sein wärmendes Bettchen, sogar im Schlaf ein winziges Schmunzeln auf seinem Gesicht trug, zumindest nahm es Anna so wahr. "Ach, mein kleiner, wenn du wüsstest, wie kompliziert die Welt da draußen ist, du hast es gut in deinem Bett, du wirst von allen mit Liebe überschüttet, bloß nicht von der Frau, die dir am nähesten sein sollte. Mir. Weißt du, ich hege keine Antipatie gegen dich, du bist mit Abstand das süßeste Baby das ich jemals gesehen habe, aber" Anna pausierte einen Moment, denn er Gedanke der nun ihrn Gehirn erfüllte, trieb ihr wieder die Tränen in die Augen und einen stechenden Schmerz in ihr Herz. Einen Schluchzer schluckend setzte sie ihre stummen Entschuldigungsversuche fort. "Ich habe einfach Angst, dass du auch noch stirbst, also habe ich einfach nach deiner Geburt beschlossen dich nicht zu lieben. Ich weiß, dieser Entschluss war ungerecht, aber er gab mir die Chance dein Leben zu ertragen. Weißt du, wenn man etwas nicht liebt, dann kann man auch keine Angst bekommen, es zu verlieren. Es tut mir wirklich leid, mein...Felix"

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

16.08.2011 15:21
#22 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Teil 68

Susanne und Ingo saßen wie jeden Morgen an ihrem Küchentisch um das Frühstück einzunehmen. Alles um sie herum, schien denselben Trott zu laufen, wie auch sonst jedes Mal wenn der Mond der Sonne die Türklinke übergab und trotzdem schwebte der Schleier der Veränderung über ihren Häuptern. Bloß schafften sie es nicht zu erkennen, ob er Positiv oder negativ motiviert ist. Was wenn es der Anfang vom Ende ist?, ging es Susanne durch den Kopf und wie auf Bestellung erschienen Annas von den Seelenqualen ihres Glanzes beraubte Augen. Deutlich spürte sie das Zittern ihrer Lieder die das brechen der Tränenstaumauer ankündigten, doch Susanne wollte sie auf keinem Fall dieser Naturgewalt kampflos unterwerfen und so versuchte sie sich Bilder aus glücklicheren Tagen ins Gedächtnis zu rufen. Gar nicht so einfach, wenn das Jetzt so besitzergreifend ist und so brach die Staumauer letzten Endes doch. „Ingo…ich hab einfach das Gefühl…es nicht mehr zu schaffen…es geht nicht mehr…alles zu viel“ entfloh es zwischen ihren immer wiederkehrenden Schluchzern. „Anna“, wieder ließ ein neuer Tränenschub sie erzittern wie Espenlaub. „Was soll nun aus ihr werden, ich meine, du hättest sie gestern erleben müssen, sie ist ein Schatten ihrer selbst“ „Susanne“, in Ingos Kopf rotierte es, denn er suchte nach den passenden Worten um seiner Frau trost zu spenden, doch er konnte sie nicht finden. Gab es die vielleicht gar nicht? Schnell verwarf Ingo diesen Gedanken wieder, während er seiner, immer noch vom Schwall der flüssigen Verzweiflung gepeinigte Frau behutsam über den bebenden Rücken strich. In solch einer Verfassung hatte er Susanne noch nie erlebt und gerade das machte ihm Angst. Angst vor dem was noch kommen würde. Wohin führt diese Straße ohne Laternen? Wann kommt das Licht?, Fragen über Fragen die die Beruhigung von Susannes Nerven immer und immer wieder vereitelten, wenn gerade nicht Annas Anblick ihre mühsam herbeigeschaffte Hoffnung in die Flucht trieb. Mit immensem Kraftaufwand krallte sie ihre zitternden Finger in Ingos vom Weichspüler sanft gemachten Pullover. „Susanne, bitte beruhige dich“, doch Ingos Worte verfehlten ihre Wirkung auf fatale Art und Weise. Die Verzweiflung die eben noch aus den von den Tränen verquollenen Augen seiner Frau schrie, räumte bereitwillig und in Windeseile den Platz für Wut. Das Zittern der Hilflosigkeit war mit einem Mal, Stärke gewichen. Aus der besorgniserregenden Blässe ihres Teints wurde alarmierende Röte. Ingo trat direkt einen Schritt zurück, so sehr hatte ihn die Wandlung von Susannes Gesicht aufgeschreckt. Er wusste genau, so gut kannte er sein Susannchen inzwischen, das der Punkt erreicht war, an dem es es mit den Späßen gewesen war. Entschuldigend hob er die Hände mit den Handflächen in ihre Richtung zeigend, doch der Susannokan hatte bereits die letzte Stufe vor dem Ausbruch erreicht. Diesen Gedanken noch nicht einmal beendet, prasselte auch schon ein mit großen Steinbrocken versehener Ascheregen auf sein Haupt herab. „Ich soll mich beruhigen. Hab ich dich grad richtig verstanden? Unsere Tochter tanzt auf dem Gipfelkreuz des Mount Everest mit hochhackigen Schuhe Ballett, obwohl sie nie darin Unterricht hatte und du erlaubst dir, mir seelenruhig zu offenbaren, während du mir den Rücken kraulst wie einem raudigen Hund, das ich mich beruhigen soll? Sag mal welche Sicherung haben sie dir beim Pokern eigentlich durchtrennt, das du so einen menschenverachtenden Müll redest“ Ingo schluckte beklemmt, denn die Worte mit denen sie ihm ihren Standpunkt kund getan hatte, schmerzten ihm unaufhörlich in der Seele. Er hatte ja mit vielem gerechnet, aber das, das hatte es wirklich in einer Art und Weise in sich, die ihm im Bezug auf seine langjährige Ehefrau mehr als nur fremd war und ihn zu tiefst verletzt hatte. Ingo hätte wirklich nicht damit gerechnet, das sie ihn so einschätzen würde, fast so als ob ihm Annas Leben nichts wert wäre, dabei wusste sie doch genau wie sehr er sie liebte. Anna ist doch mein einziges Kind. Vom Schweigen anscheinend noch mehr angestachelt, öffnete sie ihren Mund erneut und ließ ein Gewitter der verletzenden Worte über ihrem Ehemann niederprasseln. Als sie fertig war, schien sie sichtlich außer Atem, doch forderte sie von ihrem Mann eine Stellungnahme, die Ingo ihr unter diesen Umständen nicht bereit war zu geben, denn er kämpfte nun auch mit den Tränen, die Susannes Worte in seine Augen getrieben hatten, so verletzlich waren sie gewesen.Weine war jedoch das letzte was er nun vor ihr wollte und so verließ er wortlos die Küche ,nahm seine Jacke von der Garderrobe und verließ die Wohnung. “Ja, verschwinde nur, das ist das einzige was ihr Männer wirklich drauf hat, wetterte Susanne hinterher, ehe sie erneut von der Verzweiflung übermannt Opfer der Tränen wurde und sich hilfesuchend auf die Küchenplatte stützte. Toll, Susanne, jetzt hast du den letzten Menschen, der dich verstanden hat auch noch vertrieben. Bravo.Trauern und schrein, scheint im Moment das einzge zu sein, was du wirklich drauf hast, steinigte sie ihre Tat in Gedanken.

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

16.08.2011 15:24
#23 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Teil 69

Anna schreckte vom lauten allesübertönenden Wortaneinandergereie ihrer Mutter aus ihrem erholsamen Schlaf hoch. Anna rieb sich noch mit der Mühigkeit des unterbrochenen Schlafs in den Gliedern, die Augen. So gut wie heute Nacht, hatte sie eine gespührte Ewigkeit schon nicht mehr im Königreich Sandmann verweilt, doch diese eben noch empfundene Ruhe wurde durch das hysterische Gebrüll ihrer Mutter erfolgreich durchbrochen. Susannes Stimme schellte von der Panik gepuscht, furchteinflößend in die Höhe. Anna zuckte vom Schreck umarmt zusammen, so hatte sie ihre Mutter noch nie erlebt. Als Anna dann auch noch begriff, das dieses Streitgespräch sie als Ursache nannte, suchte erneut ein Zucken ihren ohnehin schon über die Maßen strapazierten Körper heim. Das ihre Eltern sich wegen ihr in den Haaren hatten, bereitete ihr deutlich spürbares Unbehagen. "Du nimmst es also in Kauf , dass sie dem Leben eine Abfuhr erteilt...Wahrscheinlich macht es dich sogar glücklich, dass du ihr dann das Begräbnis spendieren kannst...So wäre sie dann wenigstens für ewig zurückgekehrt, nicht wahr Ingo" drangen die weit über der Dezibellgrenze angesiedelten Worte ihrer hocherregten Mutter an ihr Ohr, wo die Lautstärke ihrem Trommelfell einiges abverlangte. Es waren gar nicht die Worte selbst, die Anna so sehr trafen, sondern eher die Art wie Susanne sie ausgesprochen hatte. Einerseits schwang die verständliche Panik in ihrer Stimme, andererseits jedoch hallte so eine Entschlossenheit, als ob ihre Tochter schon längst, Anna schluckte schwer und wischte sich eine einzelne Träne von ihrer Wange, ihr Vorhaben von Osteroog erschien vor ihrem geistigen Auge und plötzlich füllte sich ihr Magen mit einem flauen Gefühl. Was habe ich mir dabei nur gedacht?, kam ihr das erste Mal ein Zweifel an ihrer "Jonas, ich komme" Aktion. Auf einmal graute ihr der Gedanke an den Tod sogar ein wenig, denn die Entscheidung verwandelt Wünsche in Ziele und ihres war das Leben. Felix eine Mutter zu sein, ihren Eltern eine Tochter, Paloma eine Freundin, Mia und Jojo eine Cousine und, wieder stoppte Anna. Nein, das war in ihrem Leben endgültig abgeschlossen. Jonas ist der einzige, auf ewig. Sie war selbst überrascht, in der Nacht wünschte sie sich noch ein Teil des Reiches der Nacht zu werden und jetzt. Erst jetzt viel ihr die Ruhe auf, die die Polaukesche Wohnung beherbergte. Eine Weile lauschte sie der Stille, die sich anscheinend während ihrer geistigen Abstinenz den Dirigentenposten geschnappt hatte und durch das Knallen der Wohnungstüre und ein paar Kommentaren von Seiten ihrer Mutter, diesen nach kurzer Regentschaft wieder verloren hatte. Erst wollte Anna in die Küche gehen und ihrer im Strudel der Verzweiflung zu ertrinken drohenden Mutter die Hand reichen, doch einge Minuten und Flüche von seitens Susanne später entschied sie sich dagegen. Vor wenigen Stunden habe ich noch nicht mal den Hauch einer Chance empfunden, wieder in den Kreislauf des Lebens einzusteigen und jetzt will ich schon wieder andere trösten. Anna, verdammt, wann begreifst du endlich das du nicht mehr Kraft aufwenden kannst, als du in deinem Speicher hast und der ist momentan sowieso auf Null, wenn nicht noch tiefer. Eilig zog sie ihr Mobiltelefon hevor und wählte Palomas Nummer. Sie wollte unbedingt an der Pilgerreise zurück in ihr Leben arbeiten und dazu brauchte sie 1. noch ein paar Utensilien und 2. ihre treue Freundin Paloma.


Tom saß in seinem Büro, starrte auf die Berge von Akten die er zu erledigen hatte, doch irgendwie fühlte er sich dieser Arbeit heute nicht gewachsen. Der Schock über das Ereignis das sich am gestrigen Tag auf der Stralauer Allee zugetragen hatte, saß ihm immer noch tief in den Knochen.Tom stützte den Kopf auf seine Hände, die Gedanken in seinem Kopf pulsierten. Die Begegnung mit dieser Frau hatte ihn mehr aufgewühlt, als er sich erst eingestehen wollte. Die Angst die durch seinen Körper gejagt hatte, als er diesen schwarzen Haufen auf dem Sand gefunden hatte. Es war alles so real, so als ob sie ein Teil seiner selbst gewesen wäre. Die Angst vor ihrem Tod hatte ihn regelrecht zerfetzt, es war fast so schlimm wie damals bei Fanny. Es hatte ihn fast in den Wahnsinn getrieben, nicht zu wissen wie es um ihre Gesundheit stand, dabei kannte er sie doch kaum. Seine Grübeleien wurden aprupt durch das Klopfen an seiner Türe unterbrochen, kaum waren die Laute dessen verhallt, steckte sein Vater sein Gesicht herein. Gott, das hatte ihm gerade noch gefehlt. Er hält mir jetzt sicher gleich eine seiner von Metaphaern geschwängerten Ansprachen, wo ich die letzten Tage verblieben bin. "Tom, ich muss...Junge wie siehst du denn aus?" Bruno stand das entsetzten ins Gesicht gemalt. Sieht man mir die Straparzen der letzten Tage wirklich schon so deutlich an, das sie sogar ein egozentrischer Künstler zu erkennen vermag. Das brauch ich jetzt so nötig wie einen Kropf, bestimmt kommt wieder einer von Brunos gutgemeinten aber nicht umzusetzenden Ratschlägen. "Tom, an deiner Stelle" begann Bruno. "Du bist aber nicht an meiner Stelle" unterbrach Tom seinen Vater in barschem Tonfall und wollte sofort zu einem geschäftlichen Thema zurückkehren, doch fehlte ihm aus irgendeinem Grund die Kraft dafür oder war es der Wille? Dieser entgegnete nichts , doch zog er wissend die Augenbrauen nach oben. Er kannte seinen Sohn und diese Laune konnte nur eins bedeuten... "Als gut, wie sieht es aus. Hast du schon einen Ersatz für Anke gefunden?" Bruno ließ seinen Blick durch die Glaswand gleiten auf den verlassenen Schreibtisch, der sich seit 2 Wochen im Mutterschutz befindlichen Anke Behrent. Bruno wartete auf eine Antwort, doch es kam keine, leicht genervt wandte er seine Vorderseite erneut seinem Sohn zu, welcher ihn nur anstarrte, nein, falsch. Tom starrte nicht ihn an, sondern durch ihn durch, seine Augen schienen etwas zu suchen, es jedoch nicht finden zu können. Toms Gehirn war wieder zurück nach Osteroog getrampt, wie so oft seit seinem Aufenthalt dort. Wieder erschien die blonde Frau, ihre Augen wie sie leuchteten und von unendlicher Trauer besetzt waren in einem, als sie von ihrem Mann sprach. Er hatte noch nie zuvor jemanden erlebt, der genauso vom Schicksal zerrüttert gewesen war, wie er selbst. Ich selbst habe meine wahren Gefühle auch nie jemandem offenbart, sondern mich immer hinter einer dicken Mauer, getarnt als emotionsverhungerter Erbsenzähler, den Leuten gezeigt, seit damals, gab er sich selbst die Antwort. "Tom, ich habe Carla gefeuert", die Stimme seines Vaters drang an sein Ohr, aber nicht weit genug hinein um ihn zu erreichen. "Okay, finde ich gut", gab Toms zurück, seinem Vater recht geben, kann in einem Moment in dem man in sich sein möchte, nie eine falsche Handlung sein. Leider galt das für diesen Moment nicht. Bruno begann sein vielzulautes von Selbstbewusstsein überquillendes Lachen zu lachen und hoffte damit seinen Sohn ins hier und jetzt zurückzuholen und es schien zu klappen. Toms Pupillen malten Fragezeichen, ein guter Ansatz, sein Geist war also zurück. "Tom was ist mit dir los...Komm schon...du weißt, auch wenn ich etwas ausgeflippt bin, ich bin immer für dich da, also" Tom baute gerade seine Mauer wieder auf und das bedeutete auch für Bruno,das er nicht mehr an ihn rann kam. "Sturer Hund" enfuhr es Bruno während seine Hände sein Gesicht bedeckten. Tom hätte nur zu gern die Meinung seines Vaters zu den Vorkommnissen der letzten Zeit in Empfang genommen, doch fehlte ihm der Mut, den Mund zu öffnen, seinen Panzer zu verlassen und sich seinen uneingestandenen Schwächen zu stellen. Denn er wusste, ganz genau, Bruno würde ihm schonungslos das sagen, was er selbst weder hören noch sehen wollte. Stattdessen verkroch er sich hinter dem Panzer der ihn vor dem alltäglichen Leben schützte. Für das Leben entschieden, Quatsch mit Soße, eigentlich bin ich schon längst gestorben oder will es zumindest sein, denn ich öffne mich ja lediglich den Dingen, die mich nicht an die Grundbestandteile des Lebens erinnern. Lieben tu ich Carla nicht, sie ist ein überteuerter Schmuck, der mich vor den Fragen der anderen beschützt, Lachen ist mir an Fannys Todestag vergangen. Wo also ist bei mir das Leben, außer in der Vergangenheit. Diesmal war es Brunos Räuspern, dass ihn zurückholte in das, was Menschen als Realität zu bezeichnen vermochten. "Nun, wo waren wir stehen geblieben" gab er seinem Vater in äußerst geschäftsmäßigem Tonfall seine Ankunft in seinem eigenen Körper zu verstehen. Dieser schüttelte nur verständnislos den Kopf, ehe er antwortete. "Anke Behrent Hast du schon einen Ersatz für sie" "Nein, aber du hast doch Carla",das hatte er in diesem ganzen Gefühlstumult ja völlig vergessen. Was muss die aber auch ein Kind kriegen. "Die habe ich vorhin mit deiner Zustimmung gefeuert, Tom Schon vergessen?", sprach Bruno mit einem überbreiten Grinsen im Gesicht und mit einer vor Sarkasmusvergiftung torkelnden Stimme. Gespannt wartete er auf Toms Ausbruch. "Du hast WAS?...Ich habe niemals...niemals...verdammt" Brunos Grinsen mutierte zu einem handfesten Lachen als er den Gesichtsausdruck seines Sohnes einsog. Es war eine Mischung aus Wut, Gleichgültigkeit, Überraschung und Selbststeinigung, denn er schien begriffen zu haben, welche Worte er vorhin gedankenlos bejat hatte. Bruno wartete auf die Sprengung des Wulkankegels, wie es sonst immer zwischen ihnen ablief, aber es kam nicht, zumindest nichts hochemotionales, wie er es erwartete hätte. "Gut und wie stellst du dir das jetzt vor, ohne Designerinnen?Ach und deine kreativegesteuerte Bauchentscheidung überbringst du ihr" "Mehr hast du dazu nicht zu sagen", Bruno war enttäuscht und erleichtert zu gleich. Carla als Toms zweite Hälfte war so passend wie edelste Bouretteseide kombiniert mit einem Lendenschurz voll Exkrementen aller Art aus der Steinzeit. Carla versucht mit hochhackigen Schuhen, viel zu kurzen Röcken und tief dekolltierten Oberteilen die Lieblichkeit zu erschaffen, die ihrer Person so unübersehbar fehlt. Leider Gottes besitzt sie nicht den nötigen Grips, um zu erkennen, dass sie nicht aussieht wie eine Männer betörende Frau sondern eher wie eine ****. "Du machst doch eh immer was du willst" gab Tom in mattem Ton von sich. "Also bis vor kurzem hättest du mir den Hals umgedreht für diese Entscheidung und jetzt...Tom bist du sicher das es dir gut geht?...übrigens das mit Carlas Kündigung war ein Scherz...Besser Carla als gar keine Designerin" Tom sah in Verdutz an. "Ich will eine Neue, ich geb dir 3 Tage" mit diesen Worten ließ er seinen mehr als nur verwirrten Sohn in seinem Büro zurück und machte sich wieder auf den Weg zurück zu seiner hochintensiven Kreativarbeit der Extraklasse. Tom sah noch eine Weile nachdem sein Vater diese von außen geschlossen hatte, auf jene. Er konnte nicht fassen, wie viel Gleichgültigkeit durch seinen Körper geströmt war, als sein Vater von Carlas Kündigung gesprochen hatte. Das er sie nicht liebte wusste er, aber das sie ihm so egal war überraschte ihn doch.

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

17.08.2011 17:19
#24 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Teil 70

Paloma hatte ihre Freude , die sie nach Annas Anruf empfand, nur mit Mühe im Zaum halten können. Am liebsten wäre sie dem nächstbesten, der ihr begegnet um den Hals gefallen, hätte es sich dabei nicht um eine witterungsunempfindliche Gewitterzelle in Gestalt des Juniorchefs Tom Lanford gehandelt. Wenn sie sich an die Tränen geplagte Körperhülle von gestern erinnerte, lief ihr gleich wieder der kalte Schauer die Wirbelumhüllung hinab. Was mochte nur passiert sein? Immerhin lag nur eine einzige Nacht dazwischen und eben am Telefon schwang in Annas Stimme direkt schon ein leichter Hauch von Enthusiasmus mit, als sie sie um ein Treffen bat. Nicht etwa in ihrem Zimmer oder der schützenden Umgebung der Else, nein in der Linsche Buchhandlung, in der die als Jugendliche immer so gerne gewesen waren. Aber was wollte sie ausgerechnet dort, Palomas Augen wurden von Fragezeichen erfüllt, als sie von hinten angerempelt und zugleich mit schnippischen Worten die morgendliche Ehrung a la Rhonstedt erhielt. Sie spielt sich hier gerne als die neue Chefin auf, was meiner ungefragten Meinung nach, ihre einzige Qualifikation ist, obwohl eine andere fällt mir da schon noch ein. "Haben sie nichts zu tun oder hat meine Post neuerdings Füße und geht alleine zu meinem Schreibtisch" züngelte sie spitz in Palomas Richtung, diese jedoch nicht wirklich ansehend. "Gott, diese Frau hat nicht Haare auf den Zähnen sondern einen ganzen Kakteenwald", murmelte Paloma in die Richtung in dieser die Absätze ihrer Schuhe verklangen. "Frau Greco, das habe ich gehört. " "Schön für sie, dann brauche ich es wenigstens nicht in ihre Geburtstagskarte zu schreiben", entfoh es Palomas locker sitzendem Mundwerk. "Unter Arbeitsmoral verstehe ich wahrlich etwas anderes" Diese Frau ist wirklich die achte Plage Gottes. Wütend packte sie den Briefstapel und machte sie auf den Weg zu Madame, bloß ohne Dame.

Anna kribbelte es vor Aufregung schon regelrecht in den Fingern. Sie konnte es plötzlich kaum erwarten, sich Lektüre zum Leben zu besorgen. Um sich die Zeit des Wartens zu vertreiben, begab sich Anna auf die Suche nach ihrem einst so treuen Begleiter, ihrem I-Pod. Intuitiv zog es sie zur Schublade ihres Schreibtisches hervor und tatsächlich lachte er heraus. Anna hob ihn behutsam heraus und wischte mit ihrer rechten Hand die Zeichen der Zeit vom Display. Wahllos arbeitete sie sich durch den Liedspeicher. Kiss from a Rose von Seal, Quit playing games with my heart von den Backstreetboys, I´m outta Love von Anastacia...sie waren alle so unendlich schön und herrlich unpassend ihrer Auffassung nach...Geboren um zu Leben, an dem Titel blieb sie hängen. Ein Lächlen huschte über ihre Lippen, wie oft hatte sie die Zeilen des Grafen im letzten Jahr durch ihren Gehörgang gejagt. Sie hatte sich nie groß Sorgen über den Text gemacht, es hatte ihr einfach nur gefallen. Ob ich jemals dem Leben wieder mit dieser Unbeschwertheit begegnen können werde? Ich denk so oft zurück an das was war, an jedem so geliebten vergangenen Tag...Anna spürte wie sich wieder Tränen den Weg aus ihrem Augapfel bahnten...Ich stell mir vor, dass zu zu mir stehst und jeden meiner Wege zusammen mit mir gehst...Was war ich damals glücklich, als wir endlich zusammenkamen und du damlas in der Else vor mir auf die Knie gingst...Zeitgleich suchte die Aufregung und die Freude gepaart in einem kribbeln ihren Körper heim, genauso wie in diesem Moment...Es fällt mir schwer ohne dich zu leben, jeden Tag zu jeder Zeit einfach alles zu geben...Die Angst, eine Vollpfeife von Mutter zu werden ist mein größtes Laster, aber ich habe jetzt begriffen, das ich mir selbst eine Chance geben muss. Es wird sicher schwer, aber Felix ist mein Kind...Ich denk so oft zurück an das was war, an jedem so geliebten vergangenen Tag...Ein Lächlen erstreckte sich über Annas Gesicht, unüblich in den Monaten seit Jonas Tod erreichte es auch ihre Augen, die ihren Tränenfluss nicht aufgaben...Wir waren so glücklich, als ich erfahren habe, dass du schwanger bist...Du hast mich hochgehoben, durch die Luft gewirbelt, bis ich das Gefühl hatte zu schnell in einem Karusell zu fahren...zurück am Boden hast du mein Gesicht in deine Hände genommen und wir versanken in einen innigen Kuss...Ich habe mich in diesem Moment gefühlt, als könnte ich die Welt alleine mit dem kleinen Zeigefinger regieren...Ich denke an sovieles seitdem du nicht mehr bist, denn du hast mir gezeigt, wie wertvoll das Leben ist...anfangs, anfangs...ein Stummer laut der Belächelung entfuhr ihrer Kehle...bis gestern habe ich daran festgehalen...ich habe gedacht, wenn ich zu dir komme, kann ich wieder glücklich sein, aber du hattest recht...meine Zeit ist noch nicht gekommen und deshalb werde ich lernen wieder zu leben. Für Felix...Wir waren geboren um zu leben mit den Wundern jener Zeit, sich niemals zu vergessen bis in alle Ewigkeit...Jonas, du wirst auf ewig und noch einen Tag, solange meine Erdenüberschaft auch dauern mag, immer einen Platz in meinem Leben bekommen. Du warst für mich der EINE...
Wir waren geboren um zu leben für den einen Augenblick bei den jeder von uns spürte wie wertvoll Leben ist...Ich konnte einfach nicht begreifen, dass der Tod ein Teil des Leben ist. Viele sagen ja, danach fängt das Leben erst so richtig an. Du weißt jetzt, ob es stimmt oder nicht, mein Engel...Bei diesen Gedanken brach ein Weinkrampf über sie herein, der die zierliche Blondine bedrohlich schüttelte...es fühlte sich jedoch anders an als bisher...sie betrauerte jedoch nicht mehr ihr überleben sondern den tragischen, viel zu frühen Tod ihres geliebten Ehemannes...Es tut noch weh, wieder neuen Platz zu schaffen, mit gutem Gefühl etwas neues zu zu lassen...Ich hatte immer Angst Felix einen Platz in meinem Herzen anzubieten...jetzt weiß ich das ich es tun muss, wenn ich dem Leben eine zweite Chance einräumen will...er ist das was mir von dir geblieben ist, das einzige...so wie du es mir jedoch vorgeschlagen hast, dazu wird es nie kommen...es gibt keinen Mann den ich wieder so sehr lieben könnte wie dich...In diesem Augenblick bist du mir wieder nah, wie am jeden so geliebten vergangenen Tag...Es ist mein Wunsch wieder Träume zu erlauben ohne Reue nach vorn in eine Zukunft zu schauen. Die Empfindung eines Fingers auf ihrer Schulter ließ Anna hochschrecken aus ihrer gesitigen von den Zeilen des Songtexts angefeuerten Erinnerungschollage mit Zukunftsvisionen.

Gretchen18 Offline

Mitglied


Beiträge: 295

20.08.2011 17:30
#25 RE: Verlust, Verzweiflung, Hoffnungsosigkeit, der Weg zurück Zitat · antworten

Teil 71

Anna blickte in das von Tränen entstellte Antlitz ihrer Mutter. Immer noch bahnten sich die Ausdrüke der Verzweiflung ihren Weg über die von der Aufregung geröteten Wangen. Beschämt richtete sie ihren Blick zu Boden und versuchte sie wegzuwischen , als sie den sorgenden Gesichtsausdruck ihrer Tochter vernahm. Mensch, was soll das geflenne...ich bin doch hergekommen um Anna zu fragen wie es ihr heute Morgen geht und nicht um mich von ihr trösten zu lassen. Als hätte sie den stummen Gedankengang iher Mutter vernommen und als widerlegungspflichtig erkannt, erhob Anna sich und trat auf Susanne zu. "Mama", suchte sie vorsichtig einen Zugang zu ihr. Diese kämpfte noch immer einen ungerechten Hader, doch die Verzweiflung, Angst und all die anderen negativen Empfindungen die gerade ihren Campingurlaub in in ihrem Körper angetreten hatten, erwiesen sich als schier übermächtig. Wie konnte es auch anders sein, die letzte Konstante war ihr schließlich gerade eben wegegebrochen. Sie wollte aus Annas Zimmer fliehen, doch ehe sie die Kraft dazu aufbringen konnte, hatte ihre Tochter ihre Arme um ihren zitternden Körper gelegt und strich ihr behutsam über den Rücken. Gestern war noch ich die jenige, die nach einer Schulter zum ausweinen gewimmert hat und jetzt tröste ich meine Mutter. Das Leben hält wirklich ziemliche Wirrungen bereit. "Dein Vater...ich glaube ich habe ihn aus dem Haus getrieben", brachte Susanne zwischen den Schluchzern verängstigt hervor. Da sie seitens ihrer Tochter keine Reaktion vernahm fügte sie noch hinzu. "Für immer, verstehst du, für immer", Anna fühlte sich in diesem Moment so hilflos, sie wollte ihrer Mutter so gerne halt geben und ihr eine Stütze sein, aber sie hatte doch für sich selbser keine Kraft, wie sollte sie da noch die für jemand anderes aufbringen. Wie vom Donner gerührt entzog sich Susanne plötzlich der Umarmung. Beschähmt wischte sie sich eine Träne von der Wange. "Tut mit leid, Anna. ich sollte dich nicht noch mit meinen Sorgen belasten, du hast ja selber genug, mein Kind, entschuldige...ich werd dann mal versuchen Ingo an zu rufen" sagte sie knapp, während sie auf die Türe zu trat. "Schon gut, wir sind doch eine Familie und wir müssen einander gegenseitig helfen...Ach und lass Papa etwas Zeit, ich denke die braucht er um Abstand zu gewinnen" "Mmmh" mehr brachte sie als Antwort nicht mehr zu Tage. Sie presste ihre Lippen hart aufeinander um einen erneuten Weinkrampf wenigstens bis sie die Zimmertüre ihrer Tochter von außen geschlossen hatte zu unterdrücken. Kraftlos lehnte sie sich dann von außen an jene. Susanne fühlte sich von einem Schleier der Beschähmtheit umworben, als sie begriff, dass sie ihrer schicksalsgebeuteleten Tochter ihr Herz ausgeschüttet hatte und das obwohl Anna schon genug mit ihren eigenen Sorgen zu kämpfen hat. Wenn ich nur zurückdenke mit welch abwesenden Augen sie gestern durch mich durch geschaut hat. Bei dieser Erinnerung fuhr sie vor Schreck zusammen, plötzlich war all die Angst die der Streit mit Ingo verdeckt hatte, wieder so real, so spürbar, so da. Susanne schnürte allein der Funke eines Gedankens zur vollkommenen Panik, das er Kummer um Jonas ihre Anna in das Reich der Finsternis hinunter ziehen könnte, die Kehle zu. Am liebsten wäre sie auf der Stelle in Annas Zimmer gestürmt um sich zu vergewissernd das alles okay ist, doch sie hielt sich schweren Herzens davon ab.

Anna durchzog ein komisches Gefühl, seit ihre Mutter sichtlich von den Tränen gezeichnet überstürzt ihr Zimmer verlassen hatte. Sie fühlte sich irgendwie beteiligt, schuldig an dem Disput ihrer Eltern. Schließlich war es um sie gegangen. Ich bin weggelaufen und als ich dann endlich zurückkam, sah ich mehr tot als lebendig aus. Anna fühlte sich einerseits tief schuldig und andererseits wusste sie das ihr eben diese Belastung momentan überhaupt nicht bekam, da ihr neuer Lebensmut auf sehr morschen Pfählen gebaut war.
Wie konnte sie sich also ihrer miesen Stimmung entledigen? Nach einiger Zeit kam ihr endlich eine brauchbare Idee, nämlich ihren Vater anzurufen und mit ihm ein ausführliches Gespräch zu führen. Ja, das war es, das musste sie tun.

Seiten 1 | 2 | 3 | 4
 Sprung  
Unsere offiziellen Partner
Türkisch für Anfänger
Weitere Links
Xobor Forum Software von Xobor.de
Einfach ein Forum erstellen