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Dieses Thema hat 51 Antworten
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 Pausierende und abgebrochene Fortsetzungen!
Seiten 1 | 2 | 3
trillian Offline

Schwesternhelferin:


Beiträge: 203

02.02.2011 23:22
story von trillian Zitat · Antworten



Von der heutigen Folge inspiriert habe ich den Beginn einer neuen Story niedergeschrieben. Viel ist es noch nicht, bin mir auch nicht ganz sicher ob es so funktioniert - da ich auch aus der Übung bin. (meine letzte Story für ein anders Fandome ist schon fast 6 Jahre her .

Wenn der Wunsch nach mehr da ist, dann werde ich mich bemühen Kids, Beruf und Haushalt mit der Schreiberei zu vereinbaren und regelmäßig einen weiteren Teil dieser Geschichte hier hinein stellen :)

So, nun genug gelabert... viel Spaß mit meinem Prolog








Edit: Vielen Dank an krauli, die ihre kreativen Energien in dieses tolle Cover gesteckt hat



Gegen jede Regel


Ich war immer ein braves Mädchen.

Eine gehorsame Schülerin und auch eine vernünftige Tochter. Meine Schulaufgaben waren stets sorgfältig und termingerecht erledigt, ich lernte wann ich sollte und die Regeln meiner Eltern – so sinnlos mir ein Zapfenstreich bei meinem nichtexistenten Privatleben auch erschien – wurden von mir höchstens ausgedehnt, jedoch niemals gebrochen.

Auch Jahre später, als ich mit Peter in meiner ersten ernsthaften Beziehung war, hielt ich mich an die Regeln. Ich war eine gute Freundin, Partnerin, Kollegin und Geliebte und gerade als ich glaubte als Gewinnerin aus dem Spiel der Liebe hervorzugehen, wurde mir der Boden unter den Füßen weggezogen.

Denn Peter spielte nicht fair und ich hatte verloren.

Also begann ich ein neues Spiel und nach ein paar Runden hatte ich schon wieder schlechte Karten.

Marc hat sehr deutlich gemacht, dass er die Regeln festlegt. Obwohl ich versucht habe mich danach zu richten und dieses Spiel auf seine Weise zu spielen, spüre ich dass ich im Begriff bin erneut zu verlieren.

Doch dieses Mal steht zu viel auf dem Spiel.

Zu oft bin ich schon verletzt worden, zu oft wurde ich beleidigt, hinters Licht geführt und viel zu oft wurde ich von ihm benutzt.

Die Karten liegen auf dem Tisch, mein Blatt könnte mich den Pott kosten und ich habe erkannt, dass es nun an der Zeit ist sie neu zu mischen und auszuteilen.

Es ist an der Zeit, dass ich meine eigenen Regeln festlege und das Spiel – und damit auch mein Leben – selbst in die Hand nehme.

Es ist Zeit Marc zu vergessen.

trillian Offline

Schwesternhelferin:


Beiträge: 203

03.02.2011 21:51
#2 Gegen jede Regel Zitat · Antworten

Feedback ist der Antrieb auf der Feder des Schreiberlings

Kap. 1
(Das Regelwerk)


Es war eine ungewöhnlich warme Herbstnacht. Gretchen Haase lag auf ihrem Bett und hatte ihr Tagebuch offen vor sich liegen, der Stift war bereits gezückt. Doch noch kamen keine Worte zu Papier.

Wie in letzter Zeit üblich, hatte sie den Abend mit ihrer Mutter verbracht, die seit Gretchens Beziehungsfiasko mit Alexis einen ganz ungewöhnlichen Ton anschlug.
Karriere soll sie machen. Auf eigenen Beinen stehen und unabhängig von einem Mann sein. Hmmm, alles Dinge von denen Gretchen zwar immer gedacht hatte, dass sie daran arbeiten würde, doch wenn sie ehrlich zu sich selbst war, war das für sie nicht das eigentliche Ziel gewesen.

Ehe war das Ziel gewesen – vorzugsweise mit Marc Meier. Als ihr dieser Gedanke durch den Kopf ging, musste sie mit dem Kopf schütteln. Wie dumm war es doch von ihr gewesen, immer wieder daran zu glauben, dass dieser beziehungsgestörte Mann jemals auch nur in Betracht ziehen würde, so etwas wie eine Beziehung einzugehen.

Jedenfalls war Bärbel nach dem fünfundsiebzigsten Schlachtplan und dem sechsten – oder war’s der siebte? - Tequila auf der Couch ins Alkoholkoma gefallen und nun nutzte Gretchen die Zeit um nachzudenken.

Sie seufzte, so hatte sie sich das wirklich nicht vorgestellt – doch nun mussten Entscheidungen gefällt werden und dazu musste sie erstmal ihre Gedanken strukturieren. Nach einem nach Antworten suchenden Blick auf die Zimmerdecke fing sie zu schreiben an.


Liebes Tagebuch!

Geliebt zu werden kann eine Strafe sein. Nicht wissen, ob man geliebt wird, ist Folter...
Die Liebe ist eine angenehme Wunde, ein süßes Gift, eine wohlschmeckende Bitterkeit, eine fröhliche Maske und ein sanfter Tod…
In der Liebe gibt es immer einen Verlierer, den der mehr liebt…
Und Liebe wagt, was irgend Liebe kann…
Es ist besser eine Liebe zu verlieren, als niemals geliebt zu haben…
Was Du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es Dir – für immer…

Manche Sprichwörter sind einfach abgenutzt, findest du nicht? Es sind einfach nur Wörter die wegen starken Missbrauchs ausgeblutet sind und ein REA Team benötigen.
Die Bedeutung des Wortes „Liebe“, zum Bespiel. „Seelenverwandte“, ist auch so eine Wortleiche. „Vertrauen“ was für eine Lüge.
Nur ein Abklatsch von dem, was sie einst für mich bedeutet haben. Zu groß ist die mit ihnen zusammenhängende Enttäuschung.

Ich, für meinen Teil, bin nun wirklich fertig mit der Liebe. Und nachdem was Marc sich in den letzten Tagen geleistet hat, bin ich vor Allem auch fertig mit Oberarsch Dr. Marc Meier, Aushilfsgott in Weiß.

Pah, von wegen „Professorentöchterchen“. Ich gebe zu, ich habe mich ein *bisschen* dazu hinreißen lassen, auf ein Leben als Ehefrau und Mutter hinzuarbeiten. Doch das heißt noch lange nicht, dass ich es nicht drauf habe.

Ne, mein lieber Marc Meier. Du hast die Rechnung ohne Gretchen Haase gemacht. Lass deine Kommentare und .. ähm… andere Dinge stecken, denn ich konzentriere mich ab jetzt auf meine Karriere und den ersten Schritt habe ich heute gemacht.

Fast tat er mir schon Leid. Fassungslos war er, als ich vor dem Fachsymposium aufgetaucht bin und ich bin mir sicher, er hält es immer noch für einen Albtraum, dass man mich dort anscheinend auch noch für recht kompetent hält. Glaube sogar, dass ich echt Chancen auf den Fellowship in Washington hätte. Wenn ich will... und ich denke, dass es besser so wäre.

Ich muss mich entlieben. Irgendwie… immerhin konnte ich mich wieder und wieder in ihn verlieben, also muss doch auch das Gegenteil möglich sein.

Darum brauch ich einen Plan. Regeln, deren Befolgung den Erfolg garantieren.

So etwas wie ein:

Regelwerk – für mein Leben ohne Liebe und ohne Marc Meier

1. Auf meine Karriere konzentrieren
Dass man mich für eine Witzfigur hält, die den Job nur wegen ihrem Vater bekommen hat, gibt mir zu denken. Das muss geändert werden. Ein seriöser Look muss her. Am Besten wäre wohl, ich behalte das heutige Outfit bei:
Brille, die Haare zu einem strengen Knoten binden und klassischer Kleidungsstil. Das sollte für den Anfang genügen.

2. Marc Meier so gut es geht ignorieren. Auf seine Sprüche nicht eingehen und nur berufliches mit ihn besprechen.

3. Tägliches Mantra: Marc ist ein Arsch. Auf Ärschen sollte man sitzen, man sollte sie nicht lieben.

4. Keine Blicke mehr über den OP-Tisch.

5. keine Umarmungen

6. wenn er etwas versucht – ich weiß ja wie man ihm eine scheuert.

7. nicht mehr an ihm riechen

8. mich nicht mehr für seine Zwecke einspannen lassen

9. Küssen verboten. Generell, vor Allem jedoch Marc Meiers. Seine Küsse sind Gift für mich.

10. Auch keine anderen Männer – vorerst.

11. Was auch heißt: Keine Beziehung. Sollten sich Spannungen aufbauen, spricht später nichts gegen unverbindlichen Sex. Doch dieser sollte auf jeden Fall nicht mit Marc Meier stattfinden.

12. Meine Vita aufbessern – ich WILL nach Washington

13. Weg aus dem Elisabethkrankenhaus.

14. Weg von Marc


Mit Tränen in den Augen las Gretchen sich ihre Regeln noch einmal durch, ehe sie das Tagebuch weglegte.

Ja, das könnte klappen. So müsste es gehen.

trillian Offline

Schwesternhelferin:


Beiträge: 203

04.02.2011 14:42
#3 RE: Gegen jede Regel Zitat · Antworten

Sodale - hier der erste Teil vom zweiten Kapitel.
Geplant ist, dass ich heute Abend noch den Rest davon poste - hängt aber von meinen Kids und dem lieben Feedbackgebern ab *gg*

Hoffe, es gefällt!


2 Kap.
Der Schlachtplan (1. Teil)


Irgendwas war im Busch - etwas stinkig faules, er konnte es förmlich riechen. Und trotzdem, er kam einfach nicht dahinter.

Nach Gretchens gestrigem Auftritt beim Symposium war er zuerst ein bisschen sauer gewesen, dass sie ihm so dreist in seine Karriere pfuschen wollte. Doch dann fand er es auch süß, dass sie so hohe Anstrengungen unternahm, um ihn nicht zu verlieren… denn dass Gretchen Haase sich nun auf ihre berufliche Zukunft konzentrierte – nein, das konnte er nicht ganz glauben. Eher würde der Teufel in der Hölle Schlittschuhlaufen, als dass Hasenzahn ihre fixe Idee von Liebe, Ehe und eitel Sonnenschein aufgeben würde. Sie mag zwar in dem Moment selbst daran geglaubt haben, doch unterm Strich war sie immer noch Hasenzahn.

Zugegeben, es hatte drei Biere lang gedauert, um diese Erkenntnis zu erlangen doch jetzt war es ihm klar. Einerseits wollte sie ihm wegen der – zugegeben dämlichen – Wette eins auswischen und andererseits hat sie wohl den komischen Plan ihm durch ihre Bewerbung für das Fellowship in Washington in Berlin zu halten.

Großzügig wie er war, würde er ihr noch einmal verzeihen.
So lautete sein heutiger Plan. Vielleicht noch ein bisschen im eigenen Saft schmoren lassen – immerhin war da ja noch dieser kleine Zwischenfall mit Mehdi, was für sich alleine schon ein ziemlicher Abtörner war. Aber er war ja nicht nachtragend und nahm sich vor sie heute Abend mit nach Hause nehmen, um sich für seinen Ausrutscher mit dem Diktiergerät zu entschuldigen. Dann würde die Natur seinen Lauf nehmen... endlich!

Zweifel, ob er seinen Plan denn auch in die Tat umsetzen würde können, kamen ihm nicht. Immerhin legte ER die Regeln fest.

Doch es sollte alles anders kommen.

Zuerst war Hasenzahn mit dieser komischen Verkleidung von gestern im Dienst erschienen. Er konnte es noch nie leiden, wenn sie ihre Haare zu einem strengen Knoten aufsteckt trug. Diese Frisur gibt den Blick auf ihren Nacken frei und – als wäre das nicht schon schlimm genug – weckt sie den Wunsch in ihm, ihr die Nadeln aus den Haaren zu nehmen, damit sie ungehindert über ihre Schultern fließen können. Das war die pure Ablenkung. Eine Frechheit, das machte sie sicherlich mit Absicht.

Schlimmer war jedoch diese Brille. Sie gab ihr etwas Strenges. Etwas, dass seiner Meinung nach ganz und gar nicht zu ihr passt. Außerdem lenkte das dunkle Gestell von den Tiefen ihrer Augen ab. Vorausgesetzt, dass er nicht gerade fürchterlich sauer auf sie ist und ihre alltägliche Hysterie den Standpegel hält, ist er eigentlich ganz gut darin, ihre Stimmungen von ihren Augen abzulesen. Doch heute wollte ihm das einfach nicht gelingen.

Und dann ihre Kleidung. Statt den von ihr bevorzugten, verspielten Klamotten, trug sie ein Kostüm… ein KOSTÜM, um Gottes Willen – das musste nun wirklich nicht sein.

Er war gerade dabei, sich eine Art Dresscode für seine Abteilung und eine Strategie diesen auch durchzusetzen zu überlegen, als ihm eine weitere Veränderung auffiel.

Sie sprach kaum mit ihm.
Ein prinzipiell begrüßenswertes Verhalten, trotzdem irritierte es ihn.

So wie jetzt.

Ein Autounfall, oder besser gesagt ein Unfallopfer war gerade frisch ins Elisabethkrankenhaus eingeliefert worden und Gretchen beugte sich über den ziemlich übel zugerichteten Patienten, um die Erstuntersuchung vorzunehmen.

„Also Hasenzahn, was haben wir hier?“

Sie würdigte ihn keines Blicks. „Autounfall, Patient Heribert Müllner, 48 Jahre alt. Offene Oberschenkelfraktur, ein paar Prellungen, zwei Rippen des linken Rippenbogens scheinen gebrochen zu sein…“ sie tastete den Oberbauch des Patienten ab, der vor Schmerz aufjaulte. „… Verdacht auf Milzruptur. Wir sollten ein CT machen.“

Marc schüttelte den Kopf, „CT? Sag mal, hab ich dir nicht gesagt, du sollst ein wenig sparsamer mit meinem Budget umgehen?“ Er drängte sie auf die Seite, um Müllners Bauch selbst nochmals abzutasten.
Im Normalfall wäre sie auf diese Ansage angesprungen, wie Opas Rasenmäher nach einem kräftigen Tritt, doch nicht heute. Stattdessen warf sie ihm einen leicht genervten Seitenblick zu. „Ultraschall?“
Marc nickte. „Jap!" Er schnappte sich den Wagen auf dem das Ultraschallgerät stand, griff nach der Sonde und glitt damit über den Brustkorb des Patienten.
„Bingo! Wir haben einen Gewinner. Einmal OP 1 für Herrn Müllner bitte. Vorher aber noch schnell das Bein röntgen – wenn wir schon dabei sind, können wir das ja gleich mit erledigen. “
„Hm, okay!“

Okay?
Okay? Einfach okay?
Kein Widerspruch, keine Diskussion oder Überleitung zu ihrem derzeitigen Lieblingsthema? Er war tatsächlich fünf Minuten im gleichen Raum wie sie gewesen und das Wort ‚Beziehung’ ist kein einziges Mal gefallen.

Sie konnte doch sonst nie die Klappe halten.
Was war los …?
Er kam einfach nicht dahinter. Also beschloss er erstmal abzuwarten und zu beobachten.

Die OP verlief gut und schweigsam. Die Milz wurde entfernt und der Bruch gerichtet. Es war erstaunlich wie effizient sie arbeiten konnten, wenn sie mal nicht ständig herumquasselte. Doch ehrlich, ohne die üblichen Wortgefechte, war es für ihn nur der halbe Spaß. Er wäre bereit dazu gewesen seinen Teil zur Schlacht beizutragen, doch Gretchen sprach nur wenn es fachlich notwendig wurde.

Was zum Teufel war los?

Ging sie etwa auf Distanz? Warum? Wegen dieser dämlichen Wette? Das war doch bei weitem nicht das schlimmste was er ihr angetan hatte. Marc grinste leicht in sich hinein, als er sich an die vielen kleinen Gemeinheiten erinnerte, die er verbrochen hatte. War doch alles nur Spaß. Zumindest für ihn.

Doch jedes Mal war sie am nächsten Tag wieder in der Schule, oder der Klinik aufgetaucht und hat ihm glubschäugige, liebestrunkene Blicke zugeworfen. Sie war ihm nie lange böse gewesen, warum also jetzt?

Was war anders?

* ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ *
„Das Leben ist voller Möglichkeiten, aber du kriegst nie eine.“
Charlie Brown, Comic-Figur

trillian Offline

Schwesternhelferin:


Beiträge: 203

04.02.2011 20:23
#4 RE: Gegen jede Regel Zitat · Antworten

Vielen lieben Dank für die netten Kommentare! Ich freu mich sehr darüber. Und damit eure Mühen nicht umsonst waren, kommt hier der zweite Teil des zweiten Kapitels. Wieder aus Marcs Perspektive. Der nächste wird dann wieder aus Gretchens Sicht sein.

Nicht vergessen: Feedback lässt meine Finger schneller über die Tastatur gleiten

Viel Spaß


Kap. 2
Der Schlachtplan (2.Teil)


Der Tag verging so, wie er begonnen hatte. Hasenzahn schwieg weitgehend und er zerbrach sich seinen Kopf darüber, wieso sie nichts Privates mit ihm reden wollte.

Konnte er es wirklich derartig verbockt haben, dass Fräulein-ich-verzeihe-alles-und-jedem ihren Grundsatz, die Welt als einen Ort zu sehen in dem alles rosarot ist und sich alle lieb haben, brach und ausgerechnet ihn zur Persona Non Grata deklarierte?

Marc saß im Aufenthaltsraum und grübelte über eine angemessene Becircstrategie nach, als Gretchen voller Elan hineinstürmte und auf ihren Spind zusteuerte. Blitzschnell zog sie ihren Kittel aus, schlüpfte aus ihren Pantoffeln und in ihre Schuhe.

War etwa schon Feierabend?

Schien so, denn schon hatte sie sich auch ihre Jacke um den Arm gelegt und ihre Tasche geschnappt. Sie konnte nicht einfach so gehen… er hatte doch Pläne. Pläne, die sie mit einschlossen und momentan hatte er keine Ahnung, wie er sie in die Tat umsetzen könnte.
Eines war klar, irgendetwas MUSSTE geschehen. Schnell sprang er auf, um sich ihr in den Weg zu stellen.

„Äh, Hasenzahn…“, setzte er an, wurde jedoch gleich unterbrochen.
„Marc, bitte nenn mich nicht mehr so!“
„Äh… wie bitte?“, wovon sprach sie? Er hatte sie doch nicht beleidigt.
„*Hasenzahn*. Denkst du nicht, dass es Zeit ist diesen alten Spitznamen abzulegen?“

Hä? Ablegen? Das fiel ihm im Traum nicht ein dieses lieb gewonnene Wort einfach so abzulegen. Er hatte es erfunden und war – wie er fand - für seine damaligen 13 Jahre wirklich kreativ gewesen. „Nein, denk ich nicht.“

Niemals nicht. Das war SEIN Wort für sie. Ursprünglich dazu kreiert sie zu verletzen, war es für ihn zu einem fast zärtlichen Kosewort geworden. So ähnlich wie ‚Schatz’ oder ‚Mäuschen’… nicht dass er sie das wissen lassen würde. So wie er sie kennt, würde sie in Kenntnis dieser Tatsache gleich beim Standesamt stehen, um das Aufgebot zu bestellen.

„Schau. Ich heiße *M A R G A R E T E*…. von mir aus darfst du mich wie jeder andere auch *G R E T C H E N* nennen, aber wenn ich noch einmal ‚Hasenzahn’ aus deinem Mund höre, dann nenn ich dich ‚Marcilein-Stachelschwein’.“ Diese gefährliche Drohung wurde von einem heftigen Piekser ihres Zeigefingers gegen seine Brust unterstützt.

„Äh… was?“, stammelte er verdutzt, und fragte gleich unmännlich kieksend nach „Marcilein-Stachelschwein?“ Bitte, wie dämlich war DAS denn?

Ihre Lippen verzogen sich zu einem Grinsen. „Ja! Genauso. Also würde ich mir genau überlegen, wie du mich in Zukunft ansprichst.“

Während er noch überlegte wie er sich dazu äußern sollte, klingelte Hasenza… äh… Gretchens Telefon. Sie kramte in ihrer Handtasche danach, ehe sie es an ihr Ohr hielt.
„Haase? …. Papa, hallo…“, durch die Bewegung rutschte ihr die Jacke vom Arm und ihre Tasche gleich mit, um mit einem ‚rumms’ auf dem Boden zu landen.
Marc bückte sich um die Sachen aufzuheben, doch Gretchen kam ihm zuvor. Schnappte sich Tasche und Jacke, winkte ihm kurz zu und verschwand. Marc bekam gerade noch mit, wie sie ihrem Vater ein: „Papa, ich bin Ärztin in diesem Krankenhaus, also sag bitte nicht mehr ´*K Ä L B C H E N* zu mir…“ ins Telefon zischte.
Offensichtlich musste sich der Chefarzt auch ein lieb gewonnenes Kosewort abgewöhnen.

Was war das nur? Warum mochte sie ihren Spitznamen nicht mehr, fragte er sich unglücklich. Wie soll er sich das nur abgewöhnen? Er schauderte bei dem Gedanken auf ihre angedrohte Retourkutsche. ‚Marcilein – Stachelschwein’ das ging ja mal gar nicht.
Als er sich hinsetzen wollte, stieß sein Fuß gegen einen Gegenstand. War das nicht…? Ja, Gretchens Tagebuch! Es musste ihr vorhin aus der Tasche gefallen sein. Schon oft hatte er sich gefragt, was da wohl über ihn drinsteht. Doch eigentlich wollte er nicht so tief sinken…

… obwohl

… vielleicht

… ein kurzer Blick nur!

… wann bietet sich einem schon so eine Gelegenheit?

… sie ist ihm ja wortwörtlich vor die Füße gefallen.

… nein, das wäre ja ein Vertrauensbruch.

… aber vielleicht steht drin, warum sie sich den ganzen Tag so verhalten hat?

… okay - nur der letzte Eintrag. Dann ihren Spind aufbrechen, um es unauffällig zurück zu legen.

Marc schnappte sich ihr Tagebuch, versteckte es unter seinem Kittel und ging flott in sein Büro. Er setzte sich an seinem Schreibtisch, blätterte schnell zum letzten Eintrag und begann begierig zu lesen.

Je weiter er las, desto mehr runzelte er die Stirn.

Das war doch, OBERARSCH auf dem man sitzen sollte? Sie will sich das Fellowship unter ihren manikürten Nagel reißen… unverbindlicher Sex mit anderen Männern... nicht mit mir, warum nicht?... sie will sich ENTLIEBEN?.

„Da soll mich doch…“

So wie es aussah, hatte man in der Hölle nun doch einen Eislaufplatz angelegt und während der Teufel darauf seine Bahnen zog, entwickelte Marc Meier einen Plan wie er Gretchen dazu bringen könnte, ihre Regeln zu brechen.

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„Das Leben ist voller Möglichkeiten, aber du kriegst nie eine.“
Charlie Brown, Comic-Figur

trillian Offline

Schwesternhelferin:


Beiträge: 203

05.02.2011 21:14
#5 RE: Gegen jede Regel Zitat · Antworten

Hallöle!
Viel hab ich heute aufgrund des schönen Wetters und meiner heute extrem anstrengenden Kinds nicht geschafft. Da es gerade passt, wollte ich euch das bisschen was ich vom 3ten Kapitel habe, nicht vorenthalten. Ich arbeite heute noch weiter dran, versprechen kann ich aber nicht, dass ich den Rest heute noch poste. ;o)

Ich möchte mich für die vielen netten Kommentare bedanken. Wenn ich sehe wieviele Clicks dieser Thread schon hat, bin ich überwältigt.Image and video hosting by TinyPic Und ehrlich, eure Feedbacks treiben mich wirklich an euch rasch neuen "Stoff" zu liefern. Also schön weiter feedback schreiben

LG
Claudia

Weil es etwas später im Text vorkommt zur Info. Mausmakis sind nachtaktive kleine Tiere mit riesigen Augen: http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-33350.html






Kap. 3
Versuchungen (1. Teil)


Gretchen war gut drauf.
Der heutige Tag war ein guter Neuanfang gewesen und Marcs Anblick gerade eben wie die Schokoglasur auf einer hausgemachten Tagestorte.

Einfach köstlich.

Sie war standhaft geblieben. Sogar als er diesen völlig verlorenen Ausdruck in den Augen hatte, der sie normalerweise umkippen ließ wie Schwester Sabine bei einer Sturzgeburt. Was für ein Gefühl endlich mal die Oberhand zu haben. Sie hatte das Gefühl heimwärts zu schweben und nicht zu radeln.

Zu Hause angekommen, endete Gretchens Höhenflug in einem zuckerfreien ‚fall down’ als ihr einfiel, dass ihre Schokoladenvorräte der ‚Bradley-Räuberei’ zum Opfer gefallen waren. Selbst ihr heißgeliebtes Nutella hatte in der Mülltonne seine letzte Ruhe gefunden.
Friede seiner Asche. Nach einer kurzen Gedenkminute, drang sie in die eher unbekannten Gefilde des elterlichen Kühlschranks vor… dem Gemüsefach.

Da saß sie nun ein wenig später, gemeinsam mit ihrer Mutter auf dem Sofa, knabberte lustlos an einer Stange Sellerie und ließ den Tag noch mal Revue passieren.

„Das hast du nicht...!“ rief Bärbel gerade schockiert aus. Ihre Augen nahmen tellergroße Ausmaße an und ihr Anblick erinnerte ein wenig an einen verschreckten Mausmaki.
„Doch“, Gretchen machte einen mutigen Biss von der Gemüsestange. „Du hättest sein Gesicht sehen sollen. Marc sah aus als hätte ihm jemand sein Lieblingsskalpell aus der Hand gerissen“, sie stockte kurz… „Papa hat mich angerufen.“
Sie schielte ein wenig zu ihrer Mutter, die ein plötzliches Interesse an dem Sofakissen entwickelte. „Na und?“, tat diese nun besonders unbeteiligt.
„Nix und. Er hat von meiner Bewerbung für Washington gehört und wollte wissen was dran ist. Hab ihn gebeten, mich nicht mehr ‚Kälbchen’ zu nennen.“
Ihre Mutter schnaubte. „Viel Glück, ich versuche schon seit 30 Jahren ihm das abzugewöhnen.“
„Glaub’ dass ich Erfolg gehabt habe.“
„Wie das?“
Diese Frage zauberte ein niederträchtiges Grinsen auf Gretchens Lippen. „Erinnerst du dich an dieses extrem peinliche Foto von eurem letzten Urlaub auf den Malediven?“
Bärbel sah erstaunt auf und vergaß dabei das Kissen weiter zu malträtieren „Das wo er völlig besoffen mit meinem Badeanzug bekleidet in den Hotelpool gehüpft ist?“
„Ja, genau das!“, Gretchen knabberte ein bisschen an ihrer Sellerie, um den Moment noch ein klein wenig zu genießen. „Ich hab ihm angedroht es vervielfältigen zu lassen und auf jedes einzelne schwarze Brett im Krankenhaus zu pinnen.“
Bärbels Kinnlade klappte hinunter, ihre Augen wurden noch größer – so groß, dass selbst der eben erwähnte Mausmaki vor Neid erblasst wäre. „Wie hinterhältig… Also Gretchen, das hätte ich dir nun wirklich nicht zugetraut.“

Ja, genau das war ja das Problem. Niemand traute ihr etwas zu – doch das sollte sich ändern.

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„Das Leben ist voller Möglichkeiten, aber du kriegst nie eine.“
Charlie Brown, Comic-Figur

trillian Offline

Schwesternhelferin:


Beiträge: 203

06.02.2011 00:16
#6 RE: Gegen jede Regel Zitat · Antworten

So, irgendwie bin ich jetzt noch in Fahrt geraten. Hier also der Rest des Kapitels.
Bin müde, also geh ich ins Bett und wünsche euch viel Spaß beim Lesen.
Gute Nacht :o)




Kap. 3
Versuchungen (2. Teil)




Die nächsten Tage vergingen ereignislos.
Marc hielt sich zurück.
Es gab keine unpassenden Bemerkungen mehr, keine Witze über ihren ‚fetten’ Arsch und auch keine Annäherungsversuche.
Und - es schallte auch kein ‚Hasenzahn’ durch die Krankenhausflure. Die eingetretenen Nebenwirkungen der verbalen Medizin die sie speziell für Marc Meier entwickelt hatte, waren enorm. Hätte sie früher gewusst, was eine kleine Drohung in Verbindung mit einem fiesen Spitznamen so bewirken kann – die Möglichkeiten wären endlos gewesen.

Die Veränderungen ansich waren… ‚nett’.
Die Patienten nahmen sie endlich ernst und sie wurde kein einziges Mal für eine Krankenschwester gehalten.

Okay, okay – zumindest zu sich selbst sollte sie ehrlich sein: sie hasste es. Nicht den Respekt, sondern der persönliche und körperliche Abstand von Marc.

Irgendwie war es schwieriger, als gedacht. Doch es musste sein wenn sie ihren Plan durchziehen wollte. Und das wollte sie um jeden Preis.

Es war ein langer Tag gewesen und so wie es aussah, sollte die Nacht wohl ebenfalls nicht so schnell enden. Tagsüber war sie mit ihren Vorbereitungen für ihre Facharztprüfung kommender Woche beschäftigt gewesen. Und jetzt hatte sie Nachtschicht. Gemeinsam mit Marc. Eigentlich wollte sie ihm aus dem Weg gehen, doch das Schicksal hatte andere Pläne und bescherte dem Elisabethkrankenhaus eine ereignisreiche Nacht.

Gretchen hatte das Gefühl, auf der Stelle einschlafen zu können. Was, in Anbetracht der Tatsache, dass sie gerade mit ihren Fingern in den Eingeweiden eines Patienten steckte um seine inneren Blutungen zu stoppen, äußerst ungünstig gewesen wäre.

Es musste schnell gehen.
Der Patient war Partizipant einer Massenkarambolage gewesen und zuerst völlig stabil. Sie hatten ihn zur Beobachtung aufgenommen, doch plötzlich wurde er bradykard und nähere Untersuchungen deuteten auf innere Blutungen hin.
Leberriss, wie sich herausstellte. Das Blut strömte wie verrückt, eine Blutkonserve nach der anderen floss durch die Infusionsnadel in die Venen, um – so schien es - gleich wieder aus der Leber zu sprudeln. Es war verdammt knapp gewesen, fast hätten sie ihn verloren. Doch Marc hatte die Blutung mit ihrer Hilfe letztendlich stoppen können und nun waren sie damit beschäftigt, den Patienten wieder zu zu nähen.

„Geht’s noch? Du siehst müde aus“, Marcs besorgte Worte, ließen sie ein wenig hochschrecken. War es tatsächlich schon so offensichtlich, dass sie einfach nur noch schlafen wollte?
„Ja, klar!“
„Sicher? Nicht dass du mir hier noch umkippst.“ bohrte er weiter.
Mensch, das hier war eine OP – er sollte sich um den Patienten kümmern und nicht um den Zustand seiner Assistenzärztin. War ja nicht so, dass sie nicht konzentriert arbeitete.
Sie hatte schon eine scharfe Bemerkung auf der Zunge, da passierte es. Der erste Regelbruch. Denn sie blickte auf… und geradewegs in seine Augen.

In letzter Zeit zielte sie, wenn sie ihn ansah, ja eher auf seine Stirn oder Nase und so war sie auf das was sie in seinen Augen las, nicht vorbereitet gewesen. Ehrliche Besorgnis, Anteilnahme und ein Funkeln, das sie nicht genau einordnen konnte. Nähere Spekulationen schloss sie gleich rigoros aus. Nein, keine gute Idee – so würde sie nur auf dumme Gedanken kommen.
„Es geht schon noch“, brachte sie schließlich hervor. „Danke.“
Er nickte kurz und sie widmeten sich wieder ihrer Arbeit.


Ein wenig später hatte sie es geschafft.
Die Schicht neigte sich dem Ende zu, das Bett rückte in greifbare Nähe und Gretchen war gerade dabei, ein paar Eintragungen für die Tagschicht in die Krankenakten zu machen.

Gah, alle Knochen taten ihr weh. Sie hob ihre Füße und rotierte abwechselnd mit ihren Knöcheln, um die Gelenke ein wenig zu lockern. Müde reckte sie sich, ließ ihren Nacken kurz kreisen, um schließlich mit ihren Handballen über ihre Augen zu reiben.
Ihr Fahrrad würde heute vor dem Krankenhaus stehen bleiben – sie würde sich ein Taxi rufen, oder vielleicht könnte sie Gordon überreden sie mit dem Krankenwagen nach Hause zu bringen? Wobei, letzteres wohl doch keine so gute Idee war.

Seufzend strich sie sich eine Haarsträhne, die sich aus ihrem Knoten gelöst hatte, hinter ihr Ohr und schloss die Krankenakte. Als sie aufblickte, blickte sie genau in Marc Meiers Augen... wie war der denn so nahe gekommen?
„Warum schleichst du dich so an?“, blaffte sie. Mensch, sie war müde! Konnte man hier denn gar keine Ruhe haben?
„Entschuldigung. Ich wollte dich nicht erschrecken. Mir ist noch eingefallen, dass wir beim Leberriss für morgen einen Kontrollultraschall anordnen sollten… Kannst du den bitte noch schnell eintragen?“
Sie seufzte. Hatte er denn das Schreiben verlernt, maulte sie innerlich und schlug das Krankenblatt des Patienten auf, um das gewünschte einzutragen. So, erledigt. Jetzt ab nach Hause.

Gerade als sie aufstehen wollte, bemerkte sie, dass er sich keinen Millimeter weiter bewegt hatte. Er blockierte sie. „Maahaarc! Kannst du bitte auf die Seite gehen, ich kann nicht aufstehen.“

Doch Marc blieb stehen, bewegte sich keinen Zentimeter vom Fleck. Genervt sah sie ihn an und bereute es gleich, denn der spekulative Ausdruck in seinen Augen, ließ nichts Gutes erahnen.

Sie wusste noch in dem Moment an dem sie es aussprach, dass es ein Fehler war – doch die Worte waren schneller als die Warnung ihrer Intuition, die ihr Sprachzentrum leider ein wenig verzögert erreichte.
„Was ist?“

„Ich hab dich vermisst“, flüsterte er. Seine Stimme war ein dunkles, schokoladiges Grollen, dass sämtliche Härchen auf ihren Armen habt acht stehen ließ.

Oh Gott!
Wie konnte das passieren?

Er war nun viel zu nahe. Er war vor ihr in die Hocke gegangen, seine Arme griffen links und rechts von ihr vorbei, um am Schreibtisch Halt zu finden. So war sie zwischen ihm, seinen Armen und dem Tisch eingeschlossen. Sein Körper versperrte ihr den Fluchweg und seine Augen zwangen sie dazu, seinen Blick zu erwidern. Sie starrte ihn an wie ein hypnotisiertes Karnickel… naja, wie ein ‚Hase’ um genau zu sein.

Das war nicht gut… das war gar nicht gut.

Sie konnte seinen Atem schmecken, die Wärme seines Körpers spüren… und ihr Körper, der Betrüger, verbündete sich mit ihrer Libido.

Er hob eine Hand, um ihre Wange zu streicheln. Die Hand eines Magiers, der sie verzauberte. Seine Fingerspitzen schickten mit der kleinsten federleichten Berührung kribbelnde Stromstöße durch sie hindurch. Sie war sich sicher, dass sie für einen Moment lang aufgehört hatte zu atmen und konzentrierte sich sehr stark darauf, die Luft hinauszulassen und gleichzeitig den verräterischen Laut, der sich den Weg durch ihre Kehle bahnte zu unterdrücken.

Ihr Herz schlug wie verrückt in ihrer Brust. Wie schafft er das bloß, dachte sie. Diese brennende Reaktion… jedes Streicheln seiner Finger fühlte sich so an, als ob es für sie entwickelt und getestet wurde. Unter großen Anstrengungen konnte sie sich an den Grund erinnern, warum sie ihre Augen jetzt nicht schließen sollte. Warum sie ihre Stirn jetzt nicht an die seine legen wird.

Das ist nicht fair, das ist nicht fair…

Seine Augen waren dunkel, sein Blick intensiv.

Und ihre verbleibenden drei Gehirnzellen, die bislang tapfer die Stellung gehalten hatten, ließen ihre Waffen fallen und gesellten sich zu dem Rest ihrer Axon und Dentrid - Nervenzellen, die in dem Moment eine Party schmissen, an dem Marcs Lippen den ihren gefährlich nahe kamen.

Hilfe…!

* ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ *
„Das Leben ist voller Möglichkeiten, aber du kriegst nie eine.“
Charlie Brown, Comic-Figur

trillian Offline

Schwesternhelferin:


Beiträge: 203

06.02.2011 19:51
#7 RE: Gegen jede Regel Zitat · Antworten

Habe beschlossen, nun doch noch eine Kleinigkeit zu posten ;o)

Kap. 4
Widerstände (Teil 1)


Zeitgleich mit der Kapitulation von Gretchens Gehirnzellen, wähnten sich die Hormone in Marcs Testosteronspiegel schon an ihrem Ziel. Es war irgendwie einfacher gewesen, als er sich gedacht hatte. Fast war er enttäuscht darüber, dass er nicht auf größere Gegenwehr gestoßen war.

Aber nur fast.

Zu süß schmeckte der Triumph, zu stark war sein eigener Wunsch die verbleibenden Millimeter, die ihre Lippen von den seinen noch trennten, zu überwinden.
Gott, diese Frau machte ihn wahnsinnig… auf jede erdenkliche gute wie auch schlechte Weise. Manchmal war er sich nicht sicher, ob er sie übers Knie legen oder doch lieber andere Sachen mit ihr anstellen sollte.

Im Moment war er eher für das letztere.

Gerade als er sein Vorhaben in die Tat umsetzen wollte - als das sanfte Rot ihrer Lippen die seinen berührte - platzte die Seifenblase in der sie sich gerade befanden.

Schallwellen waren der Grund, für die Zerstörung des perfekten Augenblicks – Schallwellen in Form einer tollpatschigen, nervigen Stationsschwester die den Bann den er über Gretchen hatte, wie die sprichwörtliche Seifenblase platzen ließ.

Gretchen zuckte wie von der Tarantel gestochen zurück und ehe er sich von dem Schock über diese plötzliche Wende erholen konnte, versetzte sie ihm einen kräftigen Stoß, der ihn recht unsanft auf den Boden der Tatsachen – und auf den Hosenboden - landen ließ.

Marc unterdrückte einen derben Fluch und rappelte sich in die Höhe. „Sag mal geht’s noch?“ stieß er keuchend hervor, während er sich sein schmerzendes Hinterteil rieb.

„Das fragst DU mich?“, so willig sie ihm zuvor noch erschienen war, so wütend kam sie ihm jetzt vor. „Was fällt dir ein mich einfach so zu küssen?“
„Noch haben wir uns nicht geküsst!“, rechtfertigte er sich mit einem bitterbösen Seitenblick auf Schwester Sabine, die wie zur Salzsäure erstarrt dastand und ihn wie eine kleine Maus die todbringende Schlange ansah.
„Aber du wolltest“, konterte sie gereizt.
„Na, da war ich aber nicht alleine!“, warf er ihr mit einem süffisanten Lächeln vor.

Ha! Das hatte gesessen!

Er konnte förmlich sehen, dass er damit ins Schwarze getroffen hatte. Wenn sie so empfindlich darauf reagierte, wenn er sie so in Versuchung führen konnte, dann war der Kampf noch nicht verloren. Und der Kampf um sie, dessen war er sich sicher, der würde sich lohnen.

Sie bot einen bezaubernden Anblick. Wie sie dastand, die Haare lösten sich bereits aus ihrem Knoten, die Wangen leicht gerötet. Ihre Brust hob und senkte sich mit jedem heftigen Atemzug und ihre Augen, Gott – diese Wut in ihnen, dieser Widerstand… dieser… Kampfgeist, das machte sie in seinen Augen sogar noch anziehender.

Er hatte sie schon oft bumsen wollen. Sie war wie eine Trophäe gewesen, die ihm noch in seiner Sammlung fehlte. Er wollte sie schon seit dem Tag besitzen, an dem sie ihre Assistentenstelle im Elisabethkrankenhaus antrat. Doch noch niemals im Leben hatte er ein so heftiges Verlangen danach gehabt, die Frau vor ihm auch zu behalten.

„Weißt du eigentlich wie wunderschön du aussiehst, wenn du wütend bist?“ fragte er und erschrak fast selbst vor der Ernsthaftigkeit, mit der er diese Worte aussprach.

Sie verfehlten ihre Wirkung nicht. Die Wut in ihren Augen, war einer ungläubigen Fassungslosigkeit gewichen. Er machte zwei Schritte auf sie zu und strich mit einer zärtlichen Geste, eine lose Haarsträhne hinter ihr Ohr.

„Schlaf gut, mein Gretchen!“ raunte er ihr noch zu, drehte sich um und verließ mit schnellen Schritten den Aufenthaltsraum.

Im Hintergrund konnte er Schwester Sabine noch aufseufzen hören, doch im Moment war es ihm gleich, was sie über ihn und seine ‚Gefühle’ dachte.

In diesem Moment gab es nur eines, was für ihn zählte. Die Gewissheit, dass das Spiel noch lange nicht aus war und er würde alles dafür geben, es zu gewinnen.

Denn er hatte einfach viel zu viel zu verlieren.

* ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ *
„Das Leben ist voller Möglichkeiten, aber du kriegst nie eine.“
Charlie Brown, Comic-Figur

trillian Offline

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09.02.2011 22:14
#8 RE: Gegen jede Regel Zitat · Antworten

ein bisschen anders, als die bisherige story. musste die letzte folge irgendwie verarbeiten - some things just hit someone too close to home.
hoffe es gefällt. und natürlich würde ich mich über feedback sehr freuen - es motiviert mich schnell weiter zu schreiben :)

mein persönlicher soundtrack zu diesem Kapitel:
http://www.youtube.com/watch?v=rhN7SG-H-3k&feature=feedlik
http://www.youtube.com/watch?v=V1LegWs8xdc

Viel Spaß beim Lesen!



Kap. 4
Widerstände (Teil 2)


Genau 4 Minuten und 24 Sekunden lang hatte Marc das Gefühl auf der Gewinnerseite zu sein – eine Sekunde später stürmte Gretchen Haase in sein Büro, um ihm ihre flache Hand auf die Wange zu klatschen.

„Au! Spinnst du?“, schrie er erschrocken auf. Das hatte er nicht kommen sehen – vielmehr hatte er eher auf das Gegenteil gehofft.

„Da fragt ja genau der Richtige! - Hast du deinen Verstand verloren?“ zischte sie wütend. „Was zum Teufel ziehst du hier ab? Du hast kein Recht dazu, mir so etwas zu sagen.“ Sie stockte kurz, um einen zittrigen Atemzug zu nehmen. „Nicht mehr.“

„Ich hatte bisher nicht das Gefühl, dass ich bei dir irgendwelche Rechte habe“, murmelte er und wackelte leicht mit seinem Unterkiefer hin und her, um es wieder einzurenken. Mann, die Frau konnte zuschlagen.

Und böse gucken.

„Du hättest alle Rechte haben können – DU wolltest sie nicht!“ sie verdrehte die Augen und fuchtelte wild mit den Armen, so als ob sie es nicht fassen könnte.

„Ja, weil ich mit den damit verbundenen Pflichten nicht zurechtkomme.“
Mist! Wieso konnte er nicht einfach mal die Klappe halten? Er fing ihren Blick ein, versuchte ihn zu halten und hoffte, dass sie die wortlose Entschuldigung in seinen Augen lesen konnte.

Sie brach den Blick, schloss ihre Augen und nahm einen tiefen Atemzug. Fast hatte es den Anschein, als ob sie Kraft für das was sie noch zu sagen hatte sammeln wollte.

„Wieso tust du das dann?“, sagte sie schließlich mit leiser Stimme. Verletzt – sie war viel zu verletzlich für ihn.
„Ich weiß nicht, was ich dir darauf antworten soll. Ich bin mir noch nicht mal sicher, ob ich weiß worauf du hinaus willst“, entgegnete er müde und rieb sich den Nasenrücken. Mann, das war anstrengend.

„Jedes mal wenn ich versuche mich von dir zu lösen, dann hältst du mich fest nur um mich gleich wieder von dir wegzustoßen.“ Ihre Augen glänzten höchst auffällig und er beobachtete, wie die erste Träne von ihren Wimpern tropfte und über ihre Wange lief.

„Du übertreibst. “, sagte er. „Ich kann dir nicht das geben, was du brauchst – ich weiß einfach nicht wie!“ Er ballte seine Hände zu Fäusten – zu gerne hätte er die Träne weggewischt… sie weggeküsst, doch er wusste, dass er es damit nur noch schlimmer machen würde.

Er würde es doch nur versauen.

Denn er glaubte einfach nicht an die ewige Liebe.

Gefühle machten das Leben nur komplizierter. Gefühle machten dich verletzlich und am Ende steht man da. Blutend, mit der Gewissheit, dass man denen die man liebt nur wehgetan hat. Gefühle sind irrational. Sie lassen dich nicht schlafen, sie nehmen dir die Luft zum atmen und dann verliert man die Beherrschung…

War es da nicht besser tiefe Gefühle erst gar nicht zuzulassen?

Er hat es gesehen. Er war dabei - hat sich des Nachts die Ohren zugehalten, als die Liebe seiner Eltern sich in blinden Hass verwandelte. Und darum weiß er was Gefühle anrichten können. Wie schnell ein Mann, dessen Frau erfolgreicher war als er selbst, aus verletztem Stolz zuschlagen kann.

Die Tränen strömten nun ungehemmt über ihre Wangen. „Manchmal glaube ich, du hast einfach nur Angst davor glücklich zu sein.“

Dieser Satz traf ihn wie ein Schlag in die Magengrube. Für einen Moment lang bekamen seine Lungen nur eine unzureichende Luftzufuhr und er schnappte keuchend nach Sauerstoff.

Er blieb stumm. Denn er wusste nicht, wie er es sagen sollte.

‚Ich frage mich: Um wie viel mehr du mich hättest lieben müssen, um alles aufzugeben?’

Diese Frage hatte Gretchen ihn einmal gestellt, als er seine Karriere vor alles andere stellte und sich von dieser Schlampe Gabi hatte erpressen lassen.
Noch vor Kurzen hätte er diese Frage nicht beantworten können, doch wenn er wirklich ehrlich zu sich selbst war, dann hatte er die Antwort nun endlich gefunden.

Sie hatte Recht. Er hatte Angst.

Eine Scheißangst.

Angst davor, dass er am Ende dasteht und feststellen muss, dass er genauso ist wie sein Vater.

Und er fühlte sich hilflos – hilflos seinen Emotionen ausgesetzt, als sie ihm den Rücken zukehrte und ihm mit gebrochener Stimme den verbalen Todesstoß versetzte:

„Wir sind fertig miteinander, Marc – ich bin so was von fertig mit dir.“

Und da erkannte er, dass es etwas gab, das er mehr als alles andere fürchtete: Dass es zu spät sein könnte – dass er letztendlich seine Chance glücklich zu werden verspielt hatte.

* ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ *
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trillian Offline

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11.02.2011 13:54
#9 RE: Gegen jede Regel Zitat · Antworten


und wieder mein persönlicher stimmungsmacher-soundtrack für dieses kapitel
http://www.youtube.com/watch?v=z9iBmP-Jpsk&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=BYE4CVhVkhw

Viel Spaß und bitte weiter schön den Autor mit feedback belohnen - er dankt es euch mit schnellen Tippfingern




Kapitel 5
The Game is on again (Teil 1.)


Es wäre die Untertreibung des Jahrhunderts gewesen, wenn man behauptet hätte, dass Gretchen Haase sauer war. Nachdem sie ihre Emotionen in den Griff bekommen hatte, blieb nur noch die Wut auf Marc Meier übrig.

„Oh – was hat er schon wieder getan?“, war das erste, was Gretchen von ihrer Mutter hörte, als sie endlich nach Hause kam. Wie geplant hatte sie das Fahrrad stehen lassen, doch anstatt sich ein Taxi zu nehmen, war sie gelaufen. Und laufen – das tat sie immer noch quer durchs Wohnzimmer. Hin und her – sie konnte einfach nicht sitzen.

„Wer?“, eigentlich war diese Frage überflüssig – ihre Mutter und sie wussten ganz genau, wer ‚er’ war. Hatte es denn jemals wirklich einen anderen ‚er’ als ‚ihn’ gegeben?

„Na dieser Doktor Meier“, stellte Bärbel das offensichtliche fest. „Du bist ja völlig durch den Wind.“

Durch den Wind? Ja, das war sie wirklich.
Ihre Frisur war nun vollständig aufgegangen, die Haare hingen ihr wirr ins Gesicht und irgendwo in diesem Vogelnest, das einmal ihr Haar gewesen war, hingen vereinzelte Haarnadeln. Die Augen waren verheult, die Nase gerötet – kurzum, bei ‚Germanys Next Top Model’ hätte sie in diesem Zustand keine Chancen gehabt.

Angenommen sie wäre um geschätzte 12 Jahre jünger gewesen, ein wandelnder Kleiderständer und ein wenig größer….

„Marc ist einfach nur er selbst gewesen“, zischte Gretchen. „Ein selbstgefälliger, feiger Arsch… er macht mich so wütend.“

Und wütend war sie wirklich, fuchsteufelswild – um genau zu sein, sie tobte, war aufgebracht… Mann, war sie stinkig. Der Mann hatte Nerven – hatte sie ihm in den letzten Tagen nicht deutlich genug gezeigt, dass sie Distanz wollte? Und brauchte.

„Kind, wie redest du? Komm setz dich… ich mach dir einen Tee und dann erzählst du mir mal…“ setzte Bärbel an, doch sie wurde sofort harsch von ihrer Tochter unterbrochen.

„Mama, ich will keinen Tee – und auch nicht reden… ich will einfach nur meine Ruhe. Warum kann man mich nicht einfach mal in Ruhe lassen?“

Bärbel starrte sie erschrocken an. „Aber ich hab’s doch nur gut gemeint.“

„Ich weiß Mama“, Gretchen hatte ein schlechtes Gewissen, ihre Mutter konnte ja nun wirklich nichts dafür. „Ich will einfach nur alleine sein…okay?“

„Ist gut!“
Sie drehte sich um und machte sich auf den Weg in ihr Zimmer. Dort angekommen, lehnte sie sich gegen die verschlossene Tür, schloss die Augen und nahm einen tiefen Atemzug.

Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, dann gab es jemanden auf den sie – sofern das überhaupt möglich war –noch wütender als auf Marc Meier war: sich selbst.

Sie hätte es wirklich besser wissen müssen.

Zu oft war sie schon an diesem Punkt angelangt. An dem Punkt, wo sie den Scherbenhaufen aufsammeln durfte der einmal ihr Herz gewesen ist. Doch jedes Mal, wenn sie es in mühsamer Kleinstarbeit wieder zusammengesetzt hatte, war er wieder gekommen und hatte es mit einem Vorschlaghammer zertrümmert.

Diesmal war sie gerade noch mit einem blauen Auge davon gekommen. Doch es hätte nicht mehr viel gefehlt und sie wäre wieder vor einem Scherbenmeer gestanden.

Und das durfte nicht mehr passieren, denn sie hatte Angst, dass sie eines Tages nicht mehr alle Teile finden könnte und dann würde für immer ein Stück aus ihrem Herzen fehlen. Also blieb nur noch eine Konsequenz – sie musste ihm den Hammer wegnehmen und damit auch all die Macht, die er über sie hatte.

Es war Zeit sich selbst wieder ins Gewissen zu reden.
Gretchen setzte sich auf ihr Bett, holte ihr Tagebuch aus ihrer Tasche und kramte nach einem Stift.

Dann fing sie zu schreiben an.

Liebes Tagebuch!

Marc Meier ist ein Arsch!

Ja! Ich weiß, dass *das* keine Neuigkeiten sind.
Neu ist, dass er ein feiger Arsch ist! Okay, okay. Das mit dem „feig sein“ hab ich wohl auch schon mal erwähnt. Doch in Kombination *ist* das eine Neuigkeit.

Was bildet er sich ein? Mir zu sagen, dass ich wunderschön aussehe… okay, ehrlich, das war zwar süß, doch zugleich auch etwas, das ich im Moment gar nicht gebrachen kann. Ich will mich nicht mehr auf sein Spiel einlassen – seine Regeln sind mir zu gefährlich.

Ich werde mich wieder an den Plan halten und heute Nachmittag das Komitee für das Fellowship anrufen, um einen Termin auszumachen.

Wär doch gelacht, wenn ich das nicht schaffen könnte Marc auszubooten. Seine Vita ist zwar etwas eindrucksvoller als meine, doch ich hab mir die Unterlagen durchgelesen und meine Chancen sind gar nicht mal so schlecht.

Es muss einfach klappen – ich muss einfach nur weg von hier.

Also muss ich mich noch strikter an meine Regeln halten – ich darf ihn nicht mehr an mich ranlassen…

Am besten wird es sein, wenn ich ihm eine Dosis seiner eigenen Medizin gebe!



Mit Schwung setzte Gretchen den letzten Punkt und schlug ihr Tagebuch zu.

Marc Meier würde sich warm anziehen müssen, denn Gretchen Haase hatte die Eiszeit ausgerufen.

* ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ *
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trillian Offline

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11.02.2011 20:23
#10 RE: Gegen jede Regel Zitat · Antworten

Weil ich gerade Lust dazu habe, poste ich den 2ten Teil des Kapitels obwohl noch ein kleiner Teil fehlt, an dem ich gerade arbeite. (diesen liefere ich vielleicht noch heute nach)

Hoffe es gefällt (und ihr wisst wo der feedbackthread ist ;o))

Soundtrack: http://www.youtube.com/watch?v=DzU-jd3A0QY
(WARNUNG: österreichisches Dialektgefärbtes Poplied :o) )




Kapitel 5
The Game is on again (Teil 2)


Der nächste Tag verlief quälend langsam. Es war kaum etwas zu tun, nur ein Blinddarm. Visite, Routineuntersuchungen… und Langeweile – so musste sie feststellen - machte ihr Vorhaben auch nicht leichter.

Es fiel ihr schwer mit Marc nur das Notwendigste zu reden, wenn nichts zu tun ist. Doch trotzdem schaffte sie es… zumindest bis zum frühen Nachmittag.

Sie saßen im Aufenthaltsraum und wälzten Krankenblätter, als ihr die Idee kam, wie sie sich die Langeweile vertreiben könnte.

„Und? Wann hast du deinen Interviewtermin für Washington?“ fragte sie im beiläufigen Tonfall. Sie betrachtete ihre Fingernägel – zumindest tat sie so, während sie vorsichtig zu ihm hinüberschielte um seine Reaktion zu beobachten.

Sie wurde nicht enttäuscht. Sein Gesicht sprach Bände. Die Augenbrauen wanderten in die Höhe und seine Kinnlade klappte hinunter. „Termin?“ fragte er überrascht. „Mir haben sie gesagt, man soll sich nächste Woche bei ihnen melden, um überhaupt erst zu erfahren, ob man in das weitere Aufnahmeverfahren weiter gekommen ist.“

Das wusste sie auch – immerhin hatte man ihr das am Telefon auch so erklärt, als sie gestern Nachmittag dort angerufen hatte. Doch sie hatte einen Todesfall in der Familie vorgeschwindelt – die arme fiktive Tante Erni - und so in Erfahrung bringen können, dass man sie gerne wieder sehen würde. Einen Termin hatte sie auch in der Tasche… oder eigentlich am Kalender stehen.

Er wusste jedoch nicht, dass sie das wusste und sie würde es ihm ganz sicher *nicht* auf die Nase binden.

„Hmmmm…Interessant“, murmelte sie stattdessen um dann noch ein gönnerhaftes. „Na, vielleicht melden sie sich ja noch bei dir“, hinzuzufügen.

Das saß. Sein Erstaunen wurde noch größer und sie begann sich zu fragen, wie hoch seine Augenbrauen wohl noch wandern könnten.

„SIE haben bei DIR angerufen?“ fragte er ungläubig.

„Mmmhhhh, ja – gestern Nachmittag schon“, antwortete sie. Als sie sah, dass ihm seine Gesichtszüge zusehends entglitten, tat er ihr schon fast wieder Leid… aber nur fast, denn das Ganze begann ihr einen Mordsspaß zu machen.
„Sie waren sehr daran interessiert, mich schon nächste Woche zu sehen, doch leider kann ich da nicht. Du weißt ja, meine Facharztprüfung ist am Montag und dann ist auch noch meine Tante Erni gestorben und ich muss zum Begräbnis.“

„Du hast eine Tante Erni?“, fragte er zerstreut.

„Hatte, Marc – sie ist ja gestorben“, besserte sie ihm mit Grabesmiene aus.

„D..da… das tut mir leid”, beeilte er sich zu versichern.

„Danke sehr“, nickte sie traurig. „Wir standen uns aber nicht sehr nahe.“

Einen Augenblick herrschte Schweigen zwischen ihnen, doch nicht lange und schon wurde nochmals nachgefragt.

„Sie haben dich gestern angerufen?“, sie beobachtete wie seine Hand in die Tasche seines Kittels griff – wohl um zu überprüfen, ob sein Handy in Rufweite gewesen ist.

„Ja, unglaublich nicht wahr? Hätte auch nicht gedacht, dass sie MICH vor DIR anrufen“, schulterzuckend gab sie sich bescheiden, um dann in einem leicht herablassenden Tonfall zum letzten Schlag auszuholen. „Na, sie werden sich sicher auch noch bei dir melden… und wenn nicht, dann kannst du ja nächste Woche mal da anrufen“, sie klopfte ihm kurz auf die Schulter. „Ich muss dann mal in die Radiologie, also bis dann.“

„Ähm…“, machte er.

Sie schaffte es gerade noch aus dem Aufenthaltsraum ehe sie prustend loslachte.

Ja, das würde ihr definitiv Spaß machen.

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trillian Offline

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12.02.2011 00:13
#11 RE: Gegen jede Regel Zitat · Antworten

Viel Spaß


http://www.youtube.com/watch?v=bd2B6SjMh_w



Kapitel 5
The Game is on again (Teil 3)



Oder auch nicht.

Zugegeben – es hatte ihr ein kurzzeitiges Hochgefühl gegeben, Marc ein bisschen zu verunsichern. Immerhin war er das arroganteste Arschloch, das jemals ihren Weg gekreuzt hatte. So von sich selbst überzeugt und… was sie noch mehr wurmte… ernst genommen hatte er ihre Bewerbung für den Fellowship auch nicht.
Sie dachte, dass es ihm ganz gut täte, mal ein wenig Unsicherheit zu fühlen – ganz so wie der Rest der Welt auch.

Doch hinter jedem Sieg, steckte auch eine Niederlage und mit Niederlagen kam Marc, allem Anschein nach, so gut zurrecht wie ihre Mutter mit der Fernbedienung des DVD-Players… nämlich gar nicht. Mit jedem Blick auf sein stummes Handy, verschlechterte sich seine Laune und natürlich ließ er das an seiner Umwelt aus.

Denn das wiederum konnte er gut.

Schwestern, Assistenzärzte, die Kantinenkraft.

Schwester Sabine nannte er ein spätpupertierendes Clerasilmodell, Knechtelsdorfer einen Dummdödel (was Gretchen jetzt aber nicht soooo schlimm fand) und der arme Dr. Gummersbach wurde als schwächlicher Sockenschläfer bezeichnet…

… niemand war vor seinen spitzen Kommentaren sicher.

Auch Gretchen nicht, als sie ihm beim Verlassen eines Krankenzimmers bat sich ein bisschen zu mäßigen.

„Mensch Hasenzahn – hast du keinen Frisör den du mit diesem Quatsch Vollabern kannst?“ entgegnete er scharf.

Gretchen reichte es langsam mit seiner schlechten Laune und setzte schon zu einer gepfefferten Erwiderung an, als.... „Sag mal, WIE hast du mich gerade genannt?“...ihr seine Wortwahl bewusst wurde.

Er stockte kurz, irritiert.

„Na wie schon? Hasenza…“, setzte er ungeduldig an, um sich dann gleich selbst zu unterbrechen. „Das wagst du nicht.“

Sein Blick wurde drohend. So einschüchternd, dass sie fast Angst vor ihrer eigenen Courage bekam, als sie eine Augenbraue hochzog und ihm ein unschuldiges Lächeln schenkte.

„Was denn…?“, sie klimperte mit den Wimpern, während sie sich innerlich auf das was nun wohl auf sie zukommen mag wappnete.

„Du wirst das jetzt NICHT sagen…!“, raunte er drohend, seine Hände zu Fäusten geballt, scheinbar mühsam nach Beherrschung ringend.

Wenn sie schielte, konnte sie beinahe den Rauch aus seinen Ohren dampfen sehen. Sie bewegte sich nicht nur auf sehr dünnem Eis, nein – sie war auch noch so wahnsinnig darauf herumzuhüpfen. Doch sie war schon zu weit gegangen. Es gab kein zurück mehr. Also holte sie tief Luft, um es laut und deutlich zu sagen:

„Maaarrrrcccciiiiilllleiiiiiiiinnnnn Staaa…autsch....!”
Weiter kam sie nicht, denn Marcs Arme schnellten mit Lichtgeschwindigkeit vor. Er packte sie, schleifte das zappelnde, um sich tretende Gretchen über den Krankenhausflur in sein Büro, drängte sie durch die Tür – die er anschließend verschloss.

Der hatte Nerven.

„Lass mich los“, zischte sie, als sie versuchte sich aus seinem eisernen Griff zu lösen. Doch er ließ nicht locker. Also setzte sie das ein, was sie einmal in ihrem Selbstverteidigungskurs gelernt hatte. Mit einem kräftigen Schwung legte sie ihm aufs Kreuz.

„Hast du deinen Verstand verloren?“, knurrte er wütend, während er nach einer Schrecksekunde wieder auf die Beine kam. Sein Blick war tödlich, seine Körperhaltung bedrohlich. Wie ein Jäger ging er auf sie zu und aus reinem Instinkt trat sie einen Schritt nach dem anderen zurück, bis sie die Wand an ihrem Rücken spürte. Ihr Fluchtreflex machte es ihr unmöglich eine andere Option zu wählen.

Einen Schritt von ihr entfernt blieb er schließlich stehen. Seine Brust bewegte sich heftig bei jedem Atemzug, sein Körper war angespannt… „Was glaubst du was das hier ist?“, stieß er zwischen zusammengepressten Lippen hervor.

Gretchen schwirrte der Kopf… wie hatte sie sich nur hier hineinmanövriert? Zitternd streckte sie ihre rechte Hand nach seinem Gesicht aus, doch er packte sie – stieß sie zurück an die Wand und schloss die Lücke zwischen ihnen. Er senkte den Kopf und knurrte. „Das ist kein Spiel mehr, Gretchen.“

Sein Körper drängte sich an sie …
…und dann sah sie es. Unter all der Wut in seinen Augen, lag eine blinde Begierde – eine Erregung, die ihr in dieser Intensität für einen Augenblick lang den Atem raubte. Sie zwang sich dazu, einen tiefen Atemzug zu nehmen und als sie die Luft wieder hinausließ, war ihre Angst verschwunden.

Zu sehr war sie sich seinem Körper bewusst, der sich an den ihren drängte. Roch seinen Geruch, spürte die brennende Hitze die sie beide erfasste.

Er würde ihr nicht wehtun… zumindest nicht körperlich. Und als sie spürte, wie die Leidenschaft die sie in seinen Augen las, auch von ihrem Körper Besitz ergriff gab sie auf, schnappte sich den Stoff seines T-Shirts und zog seinen Kopf zu sich hinunter.

Als seine Lippen hart auf die ihren trafen, versagte ihr Verstand und sie hörte auf an die Konsequenzen zu denken.

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trillian Offline

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13.02.2011 00:17
#12 RE: Gegen jede Regel Zitat · Antworten


e voila – hier präsentiere ich einen neuen Teil :o)
An dem hier hab ich wirklich hart gearbeitet, ich hoffe es gefällt! Meinungen dazu sind erwünscht und aufs sehnlichste erwartet :o)

Mein soundtrack – ist aber keine Kuschelnummer: http://www.youtube.com/watch?v=u5HtcXwqJ38


Kapitel 6
Mayday (Teil 1)


So war das nicht geplant.

Ursprünglich wollte er einfach nur verhindern, dass sie ihn zur Lachnummer machte. Doch sie wehrte sich, legte ihn flach auf den Boden… und dann geriet irgendwie alles außer Kontrolle.

Wut verwandelte sich in Lust und plötzlich wollte ER SIE auf eine ganz spezielle Weise flachlegen.

Bevor er noch wusste wie ihm geschah, griff sie nach ihm und küsste ihn wie von Sinnen. Eifrig reagierte er auf diese Attacke und der Kuss ließ das letzte bisschen was er noch an Selbstbeherrschung übrig hatte, weg schmelzen wie Butter in der Sonne.

Marcs Verstand war nicht mehr zu Hause. Er hatte seine Sachen gepackt und war resignierend in tiefere Regionen verschwunden.

Seine Zähne stießen gegen ihre; Lippen wurden gebissen, ihre Zungen kollidierten…flüchtig registrierte er den metallischen Geschmack von Blut, doch er hatte keine Ahnung ob es Gretchens oder sein eigenes war. Und eigentlich war es ihm egal.
Finesse wurde dem Verlangen geopfert und er fühlte sich wild, bar jeglicher Kontrolle… und das Beste von allem war, dass es Gretchen genauso zu gehen schien.

Sie sollte den Kopf verlieren, ihre Kühle abstreifen… dann wäre sie wieder sein Hasenzahn.

Fieberhaft wanderten seine Hände über ihren Körper.
Zuviel Stoff – da war viel zu viel Stoff. Das fühlte sich SO nicht richtig an. Er brauchte sie nackt.
Hände tastend, ungeduldig zerrend, reißend.. er kümmerte sich nicht um die springenden Knöpfe. Wenn sie sich darüber beschweren würde, dann würde er sie ihr höchstpersönlich wieder annähen… ihre nackte Haut unter seinen Fingern wäre diese niedere Arbeit wert.

Doch sie beschwerte sich nicht.
Vielmehr kopierte sie sein Handeln, riss und zerrte an seinem Hemd, bis es endlich von seinen Schultern glitt. Schnell wechselten sie ihre Position und er ächzte als er ein bisschen zu heftig an die Wand gestoßen wurde. Er beklagte sich nicht... solange sie nur nicht aufhörte, in ihm diese Gefühle auszulösen.
Ihre Hände wanderten über seinen Oberkörper; ihre Lippen ließen von den seinen ab, um von seinem Kinn hinab über seinen Hals zu seinem Schlüsselbein zu wandern. Mehrere tausend Volt fuhren durch seinen Körper hindurch genau in seine Leistengegend.

Gott – sie machte ihn auf die vorzüglichste Weise wahnsinnig.

Seine Hände lösten den Knoten in ihrem Haar, die Finger glitten durch die goldenen Locken – griffen in ihren Nacken, um ihre Lippen wieder zu den seinen zu führen.

Dieser Kuss war jetzt anders – ihr lang gezogenes "ohh..." brachte seine Augen dazu, in seinem Hinterkopf zurückzurollen. Ihr Mund war zum Küssen geschaffen und er widmete sich aufs eifrigste dieser Angelegenheit. Ließ seine Zunge leicht über ihre Oberlippe gleiten, dann über die untere, er nahm ihre Oberlippe für eine Sekunde zwischen seine Zähne und zupfte leicht. Sie keuchte auf und ihre Arme strafften sich um seine Taille.

Nicht nah genug… nicht nah genug..

Mit einer ruckartigen Bewegung drehte er sie wieder an die Wand. Seine Hände schoben ihren Rock hoch, fassten sie an ihrem Hinterteil und hob sie hoch. Irgendwie flocht sie sich um ihn, seine Hüften stießen heftig gegen sie. Ließen sie sein Begehren deutlich spüren und die entstandene Reibung raubte ihnen den Atem.

So gut… so gut… so gut…

Seine Lippen liebkosten ihren Hals und glitten hinab, tiefer… und gerade als er ihre Brüste aus dem BH befreien wollte, hörte er sie flüstern.

„Marc…“, sein Name kam wie ein Hauch über ihre Lippen. Sehnsuchtsvoll, so voller Gefühl und es verwirrte ihn. Sein Kopf flog hoch, seine rechte Hand glitt hinauf zu ihrer Wange, um sie zu streicheln.

Noch niemals hatte eine Frau seinen Namen auf diese Art ausgesprochen. Als ob er alles war, was sie wollte… was sie brauchte. Gretchen öffnete ihre Augen und sah ihn aus großen glasigen Augen an.

Das Verlangen darin, spiegelte sein eigenes wieder – trotzdem traf es ihn wie ein Schwall kaltes Wasser.

Denn genauso wie er zuvor – hatte sie völlig die Kontrolle verloren. Handelte völlig nach Instinkt.

Was tat er hier? War er denn verrückt geworden, sie hier und auf diese Weise vögeln zu wollen? Er wusste doch was danach passieren würde. Sie würde ihm die Schuld dafür geben und weglaufen.

Die Erkenntnis, dass das wonach er am meisten verlangte, ihn auch das kosten könnte, was er am dringendsten brauchte, ließ ihn inne halten.

Verdammt, er musste denken, doch er konnte nicht atmen!
Einatmen, ausatmen. Ein, aus. Ist nicht so schwer, wenn man es erst mal begriffen hatte.

„Gretchen, ich denke das ist keine gute Idee.“

Einen Schritt zurück tretend, ließ er sie los. Seine Arme fühlten sich augenblicklich leer an und er bereute diesen Schritt sofort, als er sah, wie ihr Gesichtsausdruck sich von lustvoll über verwirrt zu verletzt verwandelte.

Gott – warum musste er es immer wieder versauen?

War das irgendein kranker, kosmischer Witz?

* ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ *
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Charlie Brown, Comic-Figur

trillian Offline

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15.02.2011 23:26
#13 RE: story von trillian Zitat · Antworten

Soundtrack:
http://www.youtube.com/watch?v=wzIE3mRFypQ

Viel Spaß :o)


Kapitel 6
Mayday (Teil 2.)


Verdammt, verdammt, verdammt, VERDAMMT - und noch mal verdammt.

Warum musst er gerade jetzt so etwas wie ein… Gewissen… entwickeln?

Es war doch früher auch so einfach gewesen mit den Doktorspielen: Rein, wieder raus – die Nächste bitte.
Auf die Gefühle der Frauen hatte er niemals Rücksicht genommen. Immerhin hatte er auch niemals einen Zweifel daran gelassen, dass sich das was er wollte rein auf das körperliche bezog. Die Weiber waren doch selber schuld, wenn sie den Sex nicht von ihren Gefühlen trennen konnten.

So wie die Frau vor ihm… und genau das war das Problem.

Da stand sie, wunderschön. Halbnackt. Die Haut gerötet, heftig atmend… und vor einigen Momenten noch so willig, dass er schon beim bloßen Gedanken daran, eine lange kalte Dusche nehmen müsste – wenn er sie nicht sowieso schon brauchen würde.

Doch die Lust in ihren Augen, war einem Ausdruck der Demütigung gewichen. Und ehrlich, sie zu demütigen war so ziemlich das Letzte gewesen, was er gewollt hatte.

„Ich, ich… sollte gehen.“ stammelte sie.
Sie mied seinem Blick; ihre Arme waren in einer schützenden Geste über der Brust gekreuzt, als sie die ersten Schritte zur Tür machte.

„Gretchen…“, setzte er an, doch sie unterbrach ihn heftig.

“Lass mich!”

Sie ging weiter zur Tür und hatte Hand schon an der Türklinke. „Gretchen!“
Er konnte sie so nicht gehen lassen.

„Scheiße Marc, ich kann jetzt nicht mit dir reden!“ sagte sie. Sie klang müde…? Resigniert?

Doch selbst wenn er wollen würde, SO konnte er sie nicht gehen lassen.
„Meinst du nicht, du solltest dir erstmal etwas anziehen?“, er wollte noch hinzufügen, dass sie in diesem Zustand noch die Patienten verschrecken würde, doch er verkniff sich den Kommentar. Zumal es auch nicht stimmte.

Die Hand, die eben noch im Begriff gewesen war, die Tür zu öffnen verharrte mitten in der Bewegung. So wie er sie kannte, überlegte sie wohl in diesem Augenblick, wie hoch die Chancen standen ungesehen in die Garderobe zu kommen.

Sie drehte sich nicht um. Ihre Körperhaltung war starr - mühsam unterdrückte er den Wunsch, sie aus dieser Starre zu befreien.

Er war wahnsinnig gewesen, das zu beenden. Wen war damit nun wirklich geholfen? Sauer wäre sie so oder so gewesen und er hätte wenigstens gewusst, wie es ist. Schnell schob er diesen Gedanken beiseite, es brachte nichts darüber noch nachzudenken.

„Kannst du mir bitte meine Bluse und meinen Kittel geben?“ ihre Stimme war nur ein Flüstern. Er konnte förmlich spüren, dass es sie eine hohe Überwindung gekostet hatte ihn darum zu bitten.

„Sicher“, schnell klaubte er ihre Sachen auf, um sie ihr zu reichen. „Ich glaube aber nicht, dass du damit weniger Aufsehen erregen wirst.“
Und er hatte Recht. In seiner Leidenschaft hatte er sämtliche Knöpfe ihrer Bluse gesprengt und bei ihrem Kittel sah es auch nicht wesentlich besser aus.

„Hast du etwas zum Wechseln in deinem Spind?“, fragte er sie. Sie nickte wortlos. „Schlüssel sind im Kittel?“

Abermals ein kurzes Nicken. Schön langsam beunruhigte ihn das. Kein Schreien, kein Weinen, keine Diskussionen oder Vorwürfe… sie war viel zu ruhig.

„Ich hol dir was“, während er diese Worte sprach, zog er sich seine eigenen Sachen wieder an. Sie sahen ebenfalls ein bisschen mitgenommen aus, aber es würde gehen.

Raus aus seinem Büro kam er nicht – sie blockierte die Tür. „Kannst du mich mal vorbei lassen?“, fragte er und beugte sich nach vor, um nach der Türschnalle zu greifen. Plötzlich zuckte sie wie von Sinnen zurück, dabei hatte er sie noch nicht mal berührt… wirklich, höchst beunruhigend.

„Warte hier – ich bin gleich wieder da“, kündigte er an, ehe er aus der Tür trat.
Sicher war er sich nicht, aber hatte sie gerade ’wo soll ich denn sonst hingehen?’ gemurmelt?

Als er wenige Minuten später wieder in seinem Büro stand, bot sich ihm ein jämmerlicher Anblick. Sie saß zusammengekauert in einer Ecke hinter seinem Schreibtisch, ihre Hände umklammerten ihre Knie und sie zitterte am ganzen Leibe. Ihren Kopf hatte sie gegen die Wand gelegt, ihre Augen geschlossen. Lautlose, stille Tränen liefen ihr über die Wangen hinunter.

Oh, verdammt. Wieso musste das alles so schwierig sein? War er tatsächlich so dämlich gewesen, einfach gegen kompliziert zu tauschen?

Er kniete sich langsam vor sie hin und wollte schon einen Arm ausstrecken, ehe er sich daran erinnerte, dass ER wohl der letzte Mensch wäre, von dem sie sich anfassen ließe.

Okay, also reden.

Was, reden?

Ja reden.
Buchstaben bilden Worte, Worte bilden Sätze und das Ganze am Besten laut und deutlich.

Er räusperte sich.

„Hasenzahn, ich glaube du verstehst da etwas völlig falsch.“

* ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ *
„Das Leben ist voller Möglichkeiten, aber du kriegst nie eine.“
Charlie Brown, Comic-Figur

trillian Offline

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18.02.2011 17:57
#14 RE: story von trillian Zitat · Antworten


Viel Spaß beim Lesen

Soundtrack:
http://www.youtube.com/watch?v=Czb5P_pw8Fc&feature=relmfu



Kapitel 6
Mayday (3.Teil)


Marc hatte die Stille eigentlich immer gerne gemocht.

Denn die seltenen Momente in denen Gretchen mal den Mund hielt, waren meist von einem gemeinsamen Konsens geprägt gewesen, in dem Worte überflüssig waren.
Niemals unangenehm, vielmehr komfortables Schweigen das ihn wie in eine Decke einhüllte.

Doch Schweigen ist nicht gleich Schweigen. Und – so unwahrscheinlich das auch klingen mag - im Moment hätte Marc viel darum gegeben Gretchens Stimme zu hören. Denn die Stille um sie herum war drückend und für sein Empfinden dauerte sie schon viel zu lange an.

Es war Zeit sie zu durchbrechen.

„Gretchen?“, begann er vorsichtig. „So unglaublich es auch ist, das aus meinem Mund zu hören, doch wir müssen darüber reden…ich wollte nicht…“

„Was gibt es da falsch zu verstehen?“ unterbrach sie ihn heiser. Ihre Augen waren immer noch geschlossen, doch wenigstens hatte sie mit dem Zittern aufgehört. .„Du willst mich nicht.“

Er hatte es bereits geahnt, doch wie konnte sie so etwas auch nur denken?

Ungeheuerlich.

Sie musste doch in jeder seiner Berührungen, in seinen Küssen und … nun ja, in anderen Regionen gespürt haben, wie groß sein Verlangen nach ihr war. Und wenn er ehrlich zu sich selbst war, immer noch ist.

„Du warst gerade eben schon dabei, oder?“ fragte er sie.

„Was soll die Frage?“ fuhr sie ihn gereizt an. „Natürlich war ich dabei – und du hast ziemlich klar gemacht, dass du nicht willst…“

Endlich hatte sie ihre Augen aufgemacht und zu seiner Erleichterung sah er den trotzigen Widerspruchsgeist der ihr eigen war, wieder daraus blitzen.

„Gott, Gretchen... hast du wirklich keine Ahnung, was du mit mir machst? Ohne eingebildet klingen zu wollen – aber das kannst du nicht NICHT gespürt haben…“ er schüttelte ungläubig mit dem Kopf. „Ich werde heute Nacht unter der kalten Dusche übernachten müssen.“

Und das war noch nicht mal ansatzweise übertrieben.

„Aber warum hast du dann…?“ sie sprach den Satz nicht zu Ende, doch er wusste auch so, was sie ihn hatte fragen wollen.

„Konsequenzen“, versuchte er ihr zu erklären „Wenn wir jetzt miteinander geschlafen hätten - denkst du wirklich einer von uns beiden wäre mit den möglichen Konsequenzen fertig geworden?“

An ihrem Gesichtsausdruck konnte er erkennen, dass sie daran noch gar nicht gedacht hatte.
„Welche Konsequenzen?“, fragte sie ihn erstaunt.

Gelinde gesagt, irritierte ihn das ein wenig. Sie wusste doch genauso wie er, was dann passiert wäre. „Muss ich dir das jetzt wirklich erklären?“

„Ja, das musst du“, sie runzelte ihre Stirn „Vor allem… seit wann denkst du beim Sex an die Konsequenzen, die es nach sich ziehen könnte?“

Das begann er sich langsam auch zu fragen.

„Ach komm schon, Gretchen“, langsam wurde er ein wenig ungeduldig. „Wir beide wissen doch, dass du sofort wieder mit dem Thema ‚Beziehung’ angefangen hättest. Sex mit dir hat
Folgen… und ehrlich, dafür hätte ich jetzt keine Nerven.“

„Hmmm“, machte sie nachdenklich.

Hmmm? Wieso ‚Hmmm?’ Was soll das schon wieder heißen?

Ihr Gesichtsausdruck war grüblerisch und sie knabberte leicht an ihrer Unterlippe. Plötzlich hob sie den Blick und sah ihn direkt an. „Ich glaub dir nicht.“

„Hä?“

Hä? HÄ?
Das durfte nicht wahr sein. Er hatte Abi und ein jahrelanges Medizinstudium erfolgreich absolviert. Er war also durchaus als intelligent einzustufen und alles was er darauf antworten konnte war ‚Hä’?

„Äh…“
Auch nicht besser! Wurde er jetzt auf einen einsilbigen Vollidioten reduziert?

„Ich glaub dir nicht“, wiederholte sie, um gleich darauf nachzusetzen. „Vielleicht versuchst du dir selbst einzureden, dass das der Grund ist. Aber das ist es nicht Marc. Ich für meinen Teil hab ganz genau gewusst, was ich tat. Schließlich habe ich dich zuerst geküsst.“

Da hatte sie zwar Recht, trotzdem verstand er nicht ganz worauf sie hinaus wollte. „Ich weiß jetzt nicht was du meinst.“

Sie sah ihn prüfend an und um ehrlich zu sein, wurde ihm unter ihrem Blick recht unbehaglich zumute. Was war es was sie in seinem Gesicht suchte? Wieso gab sie sich mit seiner Erklärung nicht zufrieden?

„Du denkst zwar, dass du Rücksicht auf mich und meine Gefühle genommen hast, Marc – doch das ist nicht die ganze Wahrheit“, sie legte ihren Kopf ein bisschen schräg, so als ob sie abwiegeln würde, was sie ihm noch sagen sollte. „Ich glaube, dass du dich selbst schützen wolltest.“

Bitte? Niemals. Da war sie auf dem Holzweg. Sich selber schützen, pffft… so ein Schwachsinn. Er war ein männlicher Mann, er musste sich nicht schützen. Vor allem nicht vor so etwas schwulem wie ‚Gefühle’. Er war doch nicht wie Mehdi…

„Ähm… das ist…also…“, Ach komm, reiß dich doch zusammen! Ganze Sätze können doch nicht so schwierig sein. „Ich glaube nicht…“

„Marc, lass gut sein“ fiel sie ihm ins Wort. „Ich weiß ja, dass ich hier etwas andeute, was du niemals zugeben würdest... doch Marc…“ sie sah ihm so eindringlich an, dass er das Gefühl bekam, sie würde ihm bis auf den Grund seiner Seele blicken. „... hast du dich schon gefragt, was die Konsequenzen sind, vor denen DU dich am Meisten fürchtest?“

Ja, um ehrlich zu sein - das hatte er. Allerdings nur kurz, weil ihm die Möglichkeiten dahinter nicht wirklich behagten. „Äh…Nein.“

Sie lachte ein leises humorloses Lachen. Es schien fast so, als ob sie diese Antwort erwartet hätte. Kopfschüttelnd stand sie auf, griff sich das Shirt das er zuvor noch aus ihrem Spind geholt hatte und wandte sich zum Gehen. Sie zog es sich auf dem Weg zum Ausgang an, öffnete die Tür einen Spalt breit, ehe sie sich noch einmal umdrehte.

„Warum kommt bei uns immer etwas dazwischen, Marc? Hast du dich das schon mal gefragt? Warum sind wir einfach niemals auf derselben Seite?“ Er für seinen Teil wäre schon froh gewesen, wenn sie im selben Buch sein könnten.

Ohne seine Antwort abzuwarten, schlüpfte sie durch seine Bürotür und war verschwunden.

Und nun stellte Marc sich die Frage, die er sich eigentlich nicht hatte stellen wollen… und die Antwort darauf, verschlug ihm den Atem.

* ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ *
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trillian Offline

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20.02.2011 15:10
#15 RE: story von trillian Zitat · Antworten

Damit ihr nicht solange warten müsst, eine klitzekleine Kleinigkeit :o) Mehr habe ich bisher leider nicht geschafft.

Viel Spaß

Soundtrack: Katie Melua - I cried for you
http://www.youtube.com/watch?v=-UJXPkRMe4I




Kapitel 7
Renées Geheimnis (1. Teil)




Liebes Tagebuch!

Wenn es jemals einen Plan gegeben hat, der gründlich daneben gegangen ist, dann ist das wohl meiner.
Die meisten meiner Vorsätze wurden gebrochen… und eigentlich hätte ich es wissen müssen. Alle meine Pläne scheitern, sobald Marc Meier darin auch nur am Rande vorkommt. Warum sollte sich also ausgerechnet dieser hier von den anderen unterscheiden?

Ich werde einfach nicht schlau aus diesem Mann.
Mal will er mich, dann wieder nicht. Kaum bin ich ihm nahe, stößt er mich weg und lasse ich ihn in Ruhe, überrollt er mich wie eine Sturmflut die nichts ahnende Küste. Nur um mich danach gleich wieder in den Trümmern stehen zu lassen.

Es sind jetzt drei Tage seit unserem kleinen ‚Zwischenfall’ vergangen. Drei Tage, in denen Marc mir so gut es ging aus dem Weg gegangen ist. Was ihm erstaunlich gut gelungen ist, wenn man bedenkt dass ich ‚seine’ Assistenzärztin bin.

Doch mehr noch als seine Abwesenheit, irritiert mich seine Gegenwart.
Immer wenn ich nicht hinsehe, habe ich das Gefühl als wäre seine Aufmerksamkeit völlig auf mich fokussiert. Seine Augen scheinen förmlich an mir zu kleben.

Schwester Sabine meinte, er sähe mich an ‚als wäre ich besonders schweres Rätsel, das es zu lösen gilt’ oder ‚als ob ich ein besonders saftiges Schaf wäre und er der hungrige Wolf’, oder aber auch ‚wie ein Verdurstender die rettende Wasserquelle, von der er befürchtet, dass sie doch nur eine Fata Morgana sein könnte’.

Sie wollte sich nicht auf eine Interpretation festlegen lassen, also bin ich genauso schlau, wie ich es vorher war.

Was ist es nur, was Marc davon abhält zu seinen Gefühlen zu stehen? Dass er Gefühle für mich hat… irgendwie ist das etwas, das ich nicht mehr in Frage stellen kann.
Er sagt es nicht, er kann oder will es nicht zeigen, doch seine Aktionen sprechen eine ganz andere Sprache. Ich weiß jedoch nicht, wie stark sie sind, oder ob sie in die richtige Kategorie einzustufen sind, doch ehrlich – will ich das noch?

Ich kann nicht mehr darauf warten, bis er dazu bereit ist, sich das – was auch immer er fühlt – auch einzugestehen. Denn das Risiko am Ende mit leeren Händen dazustehen ist mir mittlerweile zu hoch geworden. Ist es da nicht besser, wie China zu sein und mir selbst eine lange hohe Mauer zuzulegen?

Was bleibt ist die Frage, ob ich zumindest das was von meinem ursprünglichen Vorhaben noch übrig ist, umsetzen kann?

Unabhängig von Marc.

Etwas tun, ohne dass ich mir Gedanken darüber mache, ob ich ihn beeindrucke oder ob das was ich tue gut genug ist.

Denn es wird gut genug sein, solange ich es nur für mich selbst tue.



Gretchen schlug ihr Tagebuch zu, legte den Stift zur Seite und rieb sich mit ihren Händen über die Augen.
Warum musste alles nur so kompliziert sein?

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trillian Offline

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20.02.2011 23:24
#16 RE: story von trillian Zitat · Antworten

Viel Spaß

Soundtrack: The Sulfaris – Wipe Out
http://www.youtube.com/watch?v=gG2naf70MbY&feature=related



Kapitel 7
Renées Geheimnis (2. Teil)


Falls Gretchen Haase sich jemals die Frage gestellt hatte, warum Sport nichts für sie war, so hatte sie jetzt die Antwort gefunden:

Es war einfach brutal.
Menschenunwürdige Folter, die man eigentlich sofort an Amnesty International melden sollte.

Und das Fitnesscenter war eine als Tempel getarnte Folterkammer, voll gestellt mit Martergeräten die dazu entworfen wurden, arme Seelen dazu zu bringen Geld dafür auszugeben, dass sie sich dort mit dem guten Gefühl seinem Körper einen Dienst erwiesen zu haben, in der anaeroben Schwellenzone einen mörderischen Muskelkater antrainieren.

Doch das Schlimmste an diesem ganzen Sport und Fitnesswahn waren die Folterknechte, auch Fitnesstrainer genannt.

Und Brad war ein wirklich sadistischer Folterknecht.
Nachdem sie Tonnen an Gewichten gestemmt und sich an den bedrohlichsten Gerätschaften verbogen hatte, hatte er immer noch nicht genug. Nein, nun hatte er sie noch auf das Laufband getrieben.

„Come on Gretchen… move your big ass, you can do it… faster... come on...”, feuerte er sie an.

Gretchen schwitzte und fragte sich insgeheim, warum noch niemand die Menschenrechtskommission angerufen hatte… sah man nicht, wie grausam das alles hier war?

„Come on… don’t you wanna be pretty…? Move your FAT ass…“

Ehrlich?
Der Mann spielte mit seinem Leben.
Nicht nur, dass sie sich langsam fragte, warum sie das alles überhaupt auf sich nahm… nein, der Sadist hatte ihr auch noch die Schokolade weggenommen und – um dem Ganzen auch noch die Krone aufzusetzen - dann wagte er es auch noch sie zu beleidigen.

Sie keuchte… stolperte… transpirierte… stöhnte…
…und überlegte sich gerade wie sie möglichst elegant vom Laufband stürzen könnte, um sich eine leichte Verletzung zuzuziehen, die es ihr *leider* unmöglich machen würde das Training fortzusetzen, als sie…

„Ich wusste gar nicht, dass hier auch Elefantenkühe trainieren dürfen.“

… plötzlich eine unverkennbar raue Stimme hinter sich vernahm.
Mann, das hatte ihr zu ihrem Glück noch gefehlt. Marcs Mutter.

„Na ja, wo sie schon die Hyänen hier rein lassen“, konterte sie japsend.

Elke Fisher warf ihr einen vernichtenden Blick zu, doch Gretchen störte sich nicht daran. Die Abneigung die Marcs Mutter für sie empfand, stieß durchaus auf Gegenlie… ne, wohl eher Gegenhass. Immerhin hatte sie mal ein Verhältnis mit ihrem Vater.

Sie zoomte Brads enthusiastisches „Elke Darling, bla bla“ aus. Der Wind war günstig, die Aufmerksamkeit ihres Peinigers von der ‚fabulous’ aussehenden *hust* Erfolgsautorin *hust* in Beschlag gelegt… und so schaffte sie es sich unbemerkt in die Sauna abzusetzen.

Das war so ziemlich das einzige, was ihr an diesem Fitnesswahnsinn Spaß machte. Sich nach der Tortur im Dampf ausdampfen zu lassen.
Das tat sie dann auch ausführlich, ehe sie sich nach einer Muskelentspannenden Dusche auf den Weg machte, das Fitnesscenter zu verlassen.

Jetzt, wo sie es hinter sich hatte, kam es ihr gar nicht mehr so schlimm vor. Vielleicht sollte sie dem Ganzen doch noch eine Chance geben…?

„Hasenzahn? Was machst du denn hier?“, hörte sie Marc Meiers erstaunte Stimme hinter sich.
Na Großartig! Was war das hier? Traf sich der Meier-Fisher-Clan hier um sie zu nerven?

„Ähm.. Marc… Hallo? Das ist ein Fitnesscenter?“, seit wann redete er wieder mit ihr? Und warum musste er sich ausgerechnet diesen Ort dazu aussuchen um den kommunikativen Umfang ihrer … äh… Freundschaft…’beruflichen’ Beziehung…(?) oder was auch immer… neu zu definieren.

„Ja eben. Du weißt doch noch nicht mal wie man das buchstabiert“, griente er sie frech an. Der hat Nerven… und ein süßes Funkeln in den Augen, wenn er grinst und…

Halt, was dachte sie da? Er ist ein Arschloch und NICHT süß. Und überhaupt, so geschwächt wie sie war, konnte man ihre Gedanken sowieso nicht ernst nehmen.

„Was machst du hier?“, beschloss sie seine dreisten Unterstellungen, sie wäre der deutschen Rechtschreibung nicht mächtig, zu ignorieren.

„Ich bin mit meiner Mutter verabre…“, setzte er an und wurde – wie um seine Worte zu bestätigen – von einem „Marc Olivier“ unterbrochen.

Marc verdrehte die Augen, um sein übliches „Boah… Mutter, nenn mich nicht so!“ vom Stapel zu lassen.

Wie immer ignorierte Elke den Einwand ihres Sohnes.
„Marc Olivier, stell dir vor wie diese Person mich vorhin genannt hat“, sie machte eine dramatische Pause „…eine H Y Ä N E!“ um das gesagte zu unterstreichen, fächelte sie sich mit der flachen Hand Luft zu. „Ist das zu fassen?“

Marc lachte. „Wirklich Mutter?“, er warf Gretchen einen undefinierbaren Blick zu, den sie nicht so recht deuten konnte und ihr eine unerwünschte Wärme ins Herz spülte.

Es wurde Zeit zu gehen. Sie hatte keine Lust sich mit Elke Fisher zu unterhalten und für die komischen Blicke ihres Sohnes hatte sie momentan sowieso keine Nerven.

„Ähm, ich werd dann nach Hause gehen“, sagte sie also. „Tschüß Marc… Frau Fisher!“ mit einem kurzen Nicken verabschiedete sie sich und machte, dass sie davon kam.

Sie warf keinen Blick zurück.

Und so entgingen ihr auch die Blicke, die ihr nachgeworfen wurden.

Ein Blick, so vielfältig in seinen Emotionen, dass er schwer einzustufen war.

Und ein weiterer:

Erstaunt und sehr nachdenklich.

* ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ *
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trillian Offline

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22.02.2011 22:14
#17 RE: story von trillian Zitat · Antworten


Aufgrund des für das Kapitel geplanten Inhalts, wird es diesmal auf 4 Teile aufgeteilt. Der vierte Teil folgt dann morgen oder übermorgen... hoff ich ;o)

Viel Spaß beim Lesen :o) Ihr wisst ja wo IHR mir etwas zum Lesen hinterlassen könnt *gg*

Soundtrack: Cocoon – Tell me
http://www.youtube.com/watch?v=LWbiYamUnRU


Kapitel 7
Renées Geheimnis (3. Teil)


Vierundzwanzig Stunden später saß Gretchen in ihre Bücher vertieft auf ihrem Zimmer, um sich auf ihre Facharztprüfung vorzubereiten, die am nächsten Tag stattfinden sollte.

Nun, eigentlich stimmte das nicht so ganz.

Sie war vorbereitet – sehr gut sogar. So gut, dass sie eigentlich nicht mehr zu lernen brauchte, doch ihre Mutter machte sie wahnsinnig. Ständig scharwenzelte sie um Gretchen herum.
‚Margarete dies, Margarete das.’ Und dann noch dieses herumgedruckse, wenn sie irgendetwas über Gretchens Vater herausfinden wollte, ohne direkt danach zu fragen.
Echt, man könnte meinen, sie wäre in der ‚willst-du-mit-mir-gehen-kreuz-ja-oder-nein-an’-Zettelchen Phase stecken geblieben.

Warum mussten Eltern manchmal solche Kinder sein?

All dies war Grund genug, um sich unter den Vorwand noch etwas für die morgige Prüfung machen zu müssen, in ihr Zimmer zu verkriechen.

Da saß sie nun, die Bild-Zeitung geschickt auf den Büchern drapiert, die ihr zur Tarnung dienten und versuchte sich mit belanglosem Zeug die Zeit zu vertreiben, als sie die aufgebrachte Stimme ihrer Mutter hörte.

„Wie können Sie es wagen hierher zu kommen…?“

Was war denn hier los?

„Ach kommen Sie…werfen Sie mir immer noch den belanglosen Schnee von gestern vor?“ hörte sie eine unverkennbar raue Stimme. „Wo ist Ihre Tochter?“

War das…?
Nein, das konnte nicht sein!
„Also… mein Franz ist kein belangloser Schnee.“

Marcs Mutter? Was machte die denn hier?

„Hören Sie. Ich will meine Aura nicht mit diesen alten Geschichten verschmutzen, die reinigende Meditation würde mir zuviel von meiner kreativen Energie rauben – also, wo ist Ihre Tochter?“

Und was will sie von mir? fragte Gretchen sich verblüfft, als sie die Treppen hinunter zur Eingangstür ging.

„Frau Fisher?“, ihr Erstaunen war ihr deutlich anzumerken. „Was kann ich für Sie tun?“

„Gretchen, Gott sei dank!“, japste Bärbel Haase aufgeregt. „Diese…“

„Ich muss mit Ihnen reden!“ unterbrach Elke Fisher ihre Mutter forsch und in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete. „Gibt es hier einen Ort wo wir *ungestört* sind“, fügte sie mit einem verächtlichen Seitenblick auf Bärbel hinzu.

Bärbels Blicke sprachen Bände. Gretchen wurde das ungute Gefühl nicht los, ihre Mutter würde sich, mit dem Ziel Elke Fisher in Flammen aufgehen zu lassen, in der Kunst der Pyrokinese versuchen… wo war noch gleich der Feuerlöscher?

„Ähm... Wieso?“ eigentlich hatte Gretchen weder Lust noch Laune mit Marcs Mutter eine Unterhaltung zu führen, obwohl – neugierig war sie schon.

„Das würde ich Ihnen gerne unter vier Augen sagen“, erwiderte Elke. Gretchens Mutter machte ein lang gezogenes ‚Hmmmmpffff’ und unter normalen Umständen hätte sie ihr zugestimmt. Doch die Umstände waren nicht normal, denn Elkes Tonfall war freundlich… ja schon fast bittend. Sie konnte sich vorstellen, welche Überwindung das die ältere Frau gekostet haben musste, die in ihrer zynisch-misanthropischen Art fallweise nur von ihrem Sohn übertroffen wurde.

„Mama? Können wir in Papas Arbeitszimmer?“
Bärbels Kinnlade klappte hinunter, sie schnappte laut hörbar nach Luft. „Also Gretchen, ich weiß nicht…“
„Mama, bitte?“ unterbrach Gretchen sie mit faserschmeichelweicher Stimme.

Mit einem misstrauischen Blick auf Elke, nickte Bärbel schließlich zustimmend und so kam es, dass Gretchen eine Minute später mit Marcs Mutter alleine war.
Im Arbeitszimmer ihres Vaters… irgendwie musste sie in ein Parallel-Universum geraten sein. Oder sind Halluzinationen etwa eine Nebenwirkung bei Schokoladenentzug…?

Gretchen sah die Kitschromanautorin abwartend an. „Wir sind jetzt alleine… was führt sie also zu mir?“

„Wie ist Ihre Beziehung zu meinen Sohn?“
Eines musste man Marcs Mutter lassen: Sie fackelte nicht lange herum.

Sie war sich sicher, dass ihr Schlucken hörbar war, ehe sie die Frage mit „Wir sind… Kollegen…?“ beantwortete.

Elke musterte Gretchen misstrauisch: „Wieso klingt das nach einer Frage?“, hakte sie schließlich nach.

Gute Frage, dachte Gretchen. Die Antwort wusste sie selbst nicht so genau.
„Na ja…. Vielleicht… weil wir das noch nicht so genau definiert haben?“, stammelte sie nach einer kurzen Denkpause.

„Lieben Sie ihn denn?“
Elke sah sie so an, als ob sie die Antwort auf die Frage schon wüsste und nur noch auf Bestätigung wartete.

Und Gretchen?

Gretchen verschlug es - im wahrsten Sinne des Wortes - die Sprache. Sie spürte wie eine verräterische Röte ihren Hals hochgekrochen kam.

„Äh.. was?“

* ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ *
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trillian Offline

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25.02.2011 23:22
#18 RE: story von trillian Zitat · Antworten


Etwas später als geplant ein neuer Teil :o)
Viel Freude damit und nicht vergessen mir auch eine kleine Freude in Form eines Kommentars zu machen :o)

Soundtrack: Pink – Family Portrait
http://www.youtube.com/watch?v=hSjIz8oQuko



Kapitel 7
Renées Geheimnis (4. Teil)



Sie musste sich verhört haben.
Niemals im Leben würde Marcs Mutter zu ihr kommen, um ihr diese Frage zu stellen. Das konnte nicht sein. Sicher war das nur ein Irrtum…

„Ich habe Sie gefragt, ob Sie meinen Sohn lieben?“

Da! Schon wieder diese Frage. Also doch kein Irrtum.

Gretchens Brust zog sich zusammen und weigerte sich wieder einzuatmen. Unter großer Anstrengung schaffte sie es ein leises „Ich wüsste nicht, was Sie das angeht?“ herauszuquetschen.

„Er ist mein Sohn… natürlich geht mich das etwas an“, bohrte Elke beharrlich nach.

Wenn Gretchen sich jemals gefragt hatte, woher Marc seine Impertinenz hatte – nun kannte sie die Antwort. Denn die Unverfrorenheit mit der seine Mutter von ihr verlange ihre Gefühle offen zu legen, war schon allerhand.

„Es tut mir Leid. Ich werde Ihnen auf diese Frage keine Antwort geben“, Gretchen verschränkte ihre Arme in einer abwehrenden Haltung vor der Brust. „Fragen Sie doch Ihren Sohn nach seinen Gefühlen – die meinen gehen Sie nun wirklich nichts an.“
Eher würde sie einen Sack Reisnägel verspeisen und mit einer Flasche Terpentin nachspülen, als mit dieser Frau über ihre Gefühle zu sprechen. Letzteres kam ihr nämlich beiweiten unangenehmer vor.

Elke verdrehte die Augen ehe sie „Ha! Ich wusste es!“ ausrief.

Äh…
„Was denn?“, fragte Gretchen nach.

„Sie lieben ihn“, sie sagte das mit Nachdruck und Gretchen kam nicht umhin sich zu fragen, woher Marcs Mutter diese Gewissheit haben konnte.

„Das hab ich nicht gesagt.“
Wirklich – das hatte sie nicht, oder?, grübelte Gretchen

Ihr Gegenüber schien anderer Meinung zu sein. Der Blick den sie ihr zuwarf sprach Bände. „Frau Dr. Haase, manchmal sagt das was man nicht ausspricht mehr aus, als das tatsächlich gesprochene Wort.“

Kam die ihr jetzt mit Binsenweißheiten?
Sie hatte NICHT nichts gesagt, was man anders als gedacht oder gesprochen hören, beziehungsweise verstehen, könnte…Äh… was?
Na toll, jetzt verstand sie noch nicht mal mehr ihre eigenen Gedanken.

Am Besten wäre wohl diese Frage beiseite zu schieben und selbst eine zu stellen…

„Frau Fisher – Sie stellen mir diese Frage doch nicht ohne Grund“, hakte Gretchen nun ihrerseits nach.

Zögernde braune Augen trafen auf Gretchens blaue. Der Blick war prüfend… suchend und es schien, dass Elke das, was auch immer sie gesucht hatte, aus Gretchens Gesicht ablesen konnte. Denn der vorsichtig zögernde Ausdruck veränderte sich in einen offensiv entschlossenen.

„Ich habe den Blick gesehen, den Marc Olivier Ihnen zugeworfen hat“, erklärte sie schließlich.

Verdammt! Das trieb sie langsam aber sicher in den Wahnsinn.
Was war das nur für ein Blick, den Marc ihr – immer wenn er sich unbeobachtet fühlte - zuwarf?
Rätselnd? Wölfisch hungrig oder illusorisch durstig?

Gerade als Gretchen überlegte wie sie eine dahingehende Frage formulieren könnte, sprach Elke weiter.

„Wissen Sie ich habe noch niemals gesehen, dass mein Sohn eine Frau so angesehen hat“; fügte sie erklärend hinzu.

DA! Schon wieder! Bitte WIE guckt er denn? Warum musste sie so kryptisch sein?
„Ich weiß nicht genau…?“

„Er sieht sie an, als ob sie die Antwort auf all seine Fragen sind. Als ob Sie die einzige sind, die seinen Hunger stillen kann. Als ob ein einziger Blick auf Sie, seine dürstenden Augen vor dem vertrocknen bewahren kann.“
Äh…was?
Hatte Elke sich mit Sabine verbündet?
„Entschuldigen Sie, aber ich verstehe nicht ganz?“ Kitschromanisch gehörte eindeutig nicht zu Gretchens Fremdsprachenrepertoire.
Marcs Mutter sah sie leicht ungeduldig an. „Herrgott – ich glaube, dass mein Sohn Sie liebt und ich weiß, dass er zuviel Angst davor hat um diesem Gefühl nachzugeben.“

Plötzlich war das Arbeitszimmer ein luftleerer Raum. Sämtlicher Sauerstoff war daraus gewichen – oder zumindest kam es ihr so vor, denn Atmen schien ein Ding der Unmöglichkeit geworden zu sein.
Ihr schwirrte der Kopf… nein, nein… das geht nicht. Nicht jetzt. Nicht mehr. Und wenn doch…?

Sie schloss für einen kurzen Moment die Augen und zwang sich einen tiefen, zittrigen Atemzug zu machen. Das war zuviel. Sie durfte das nicht glauben – denn im Glauben daran, dass ihr Traum von Liebe und Geborgenheit mit Marc wahr werden könnte, lag der absolute Wahnsinn, dem sie doch so dringend entkommen wollte. Entkommen musste.

Trotzdem, sie musste fragen…

„Wieso hat Marc Angst vor seinen Gefühlen?“ wollte sie nun wissen.

Elke zuckte kurz zusammen und zum ersten Mal bemerkte Gretchen den verletzten Ausdruck hinter der arroganten Fassade. Genauso wie ihr Sohn.
„Ich...“, sie stockte kurz, machte eine kleine Denkpause, ehe sie fortfuhr. „Marc Olivier ist mein Sohn, ich glaube es steht mir gar nicht zu, Ihnen diese Frage zu beantworten.“ Gretchen wurde das Gefühl nicht los, dass Marcs Geheimnis nicht das einzige war, das Elke schützen wollte.
„Warum sind Sie dann sonst hier?“, fragte Gretchen nochmals nach. Der Sinn dieses Besuchs war ihr immer noch nicht klar. Was waren Elkes Intentionen?

„Ich liebe meinen Sohn, das ist Grund genug“, sie stand auf und griff in ihre Tasche, um ein Buch herauszuholen. Noch bevor sie den Titel lesen konnte, wusste Gretchen dass es wohl einer ihrer Kitschromane war. „Ich würde Ihnen gerne eines meiner Bücher schenken.“

Eleganter Themenwechsel… aber oje.. ojemine!

„Das ist nett von Ihnen“, begann Gretchen so diplomatisch wie es ihr möglich war „aber ich lese keine Liebesromane!“

Elke zog eine Augenbraue in die Höhe, doch ihre Hand mit dem Buch nicht zurück. „Wissen Sie, ich verarbeite sehr viel von meinem Leben in meinen Büchern. Sie sind bis zu einem gewissen Grad autobiografisch“, sie machte eine kurze Pause – so als ob sie sicher gehen wollte, dass ihre Worte richtig bei Gretchen ankamen. „Natürlich bin ich davon überzeugt, dass sie nach dem Genuss dieses Buches alle Romane von mir lesen wollen… doch an Ihrer Stelle würde ich mein besonderes Augenmerk auf Kapitel zwölf richten.“

Gretchens Interesse war geweckt, also nahm sie das angebotene Buch schließlich mit einem leisen „Danke“ an. Sie sah es sich genauer an. ‚Dr. Rogelt – Band 6 - Renées Geheimnis’ lautete der Titel. Wenn es autobiografisch war, könnte das ja vielleicht doch ganz interessant sein.

„Ich finde alleine hinaus“, sagte Marcs Mutter und nickte Gretchen kurz zu. Sie wartete Gretchens Abschiedsgruß noch nicht mal ab, drehte sich um und verließ das Arbeitszimmer ohne sich noch einmal umzusehen.

Gretchen konnte gedämpftes Stimmengewirr hören, als Elke auf Bärbel traf und beschloss die Ablenkung ihrer Mutter zu nutzen, um unbemerkt in ihr Zimmer zu schlüpfen. Sie hatte keine Lust auf die bohrenden Fragen ihrer Mutter – denn ihre eigene Neugierde war geweckt und sie wollte nun unbedingt wissen, was in Kapitel zwölf stand.

Was war Renées Geheimnis?

Kaum in ihrem Zimmer angekommen, warf sie sich auf ihr Bett und kümmerte sich gar nicht, um ihre Fachbücher die durch den Schwung hinunterpurzelten. Schnell blätterte sie die Seiten um, bis sie das richtige Kapitel gefunden hatte und begann zu lesen.

Die ersten Zeilen, die erste Seite… nichts Besonderes stand da. Gretchen überlegte schon, das Buch wieder zur Seite zu legen… doch dann hatte Elkes Hauptcharakter einen Flashback…



Renée hielt sich die Ohren zu, um die hasserfüllten Worte seines Vaters nicht hören zu müssen… „Du wertloses Stück Scheiße… du bist die Luft nicht wert, die du atmest.“
Er schloss die Augen, damit er die Faust nicht sah, die auf sein Gesicht zuraste. Als die geballte Hand seines Vaters sein Gesicht traf verlor er sein Gleichgewicht und ging zu Boden. Noch ehe sein Körper den Boden berührte, stellte Renée sich vor an seinem sicheren Ort zu sein. Da wo ihm nichts passieren konnte… wo er die Tritte seines Vaters nicht spüren konnte…


Oh mein Gott… oh mein Gott… oh mein Gott.
Gretchens Gedanken schwirrten wild im Kreis. Es dauerte einen Moment, ehe sie fähig dazu war, sie wieder richtig zu sortieren.

War Elke deswegen hier gewesen? Um sie das wissen zu lassen, ohne es ihr zu sagen?
War das der Grund, warum Marc sie immer wieder von sich stieß? Warum er sie niemals richtig an sich heran ließ?
War er deshalb so ein beziehungsgestörtes, gemeines Arschloch?

War Renées Geheimnis eigentlich Marcs?

Und – wenn es so wäre – würde das irgendetwas ändern?

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„Das Leben ist voller Möglichkeiten, aber du kriegst nie eine.“
Charlie Brown, Comic-Figur

trillian Offline

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27.02.2011 15:21
#19 RE: story von trillian Zitat · Antworten


Viel Spaß!

Soundtrack: Damien Rice - The Blower's Daughter
http://www.youtube.com/watch?v=5YXVMCHG-Nk


Kapitel 8
Mehr bitter als süß (1.Teil)


Hätte man Marc Meier gefragt, wie es ihm die letzten Tage gegangen ist, dann hätte er schlicht und ergreifend mit ‚beschissen’ geantwortet.

Es fragte ihn aber keiner – denn die Meisten gingen ihm aus dem Weg, wenn er seine Launen hatte. Und die letzten Tage bestanden aus einer einzigen, hasenzahninduzierten Stinklaune.

Dabei hatte er wirklich versucht es in den Griff zu bekommen.
Er hatte ihre Gesellschaft, soweit es arbeitstechnisch vertretbar war, gemieden und versucht Distanz zu schaffen. Hatte die Notbremse gezogen, denn diese Frau ging ihm einfach zu sehr unter die Haut.

Beschämenderweise dauerte es jedoch nicht lange und er bemerkte, dass ihm etwas fehlte.
Sie fehlte.
Das nervte zwar, aber trotzdem – er hielt sich fern. Denn sicher waren das nur die ersten Entzugserscheinungen seiner ‚Gretchenentwöhnung’. Ähnlich einem Cold Turkey würde der Effekt abklingen und dann wäre der Fleck wo sein Herz sitzt Hasenzahnfreie Zone.

Die Theorie klang gut – die Umsetzung scheiterte kläglich.

In Wahrheit musste er sich eingestehen, dass es nicht so einfach war. Marc hatte darin einfach keine Übung, denn noch keine Frau hatte sich so nachhaltig in seine Gefühlswelt gedrängt wie Hasenzahn.

Die Sache begann echt zum Problem zu werden. Und Probleme trugen nicht gerade dazu bei, seine Stimmung zu heben.

Doch es wurde noch schlimmer.

Es war an einem gewöhnlichen Hasenzahnvermeidenden Arbeitstag gewesen, als er sich in der Cafeteria einen kleinen Happen zu essen holen wollte.
Sie saß alleine an einem Tisch, in irgendeine Zeitschrift vertieft, während sie hin und wieder von ihrem Brötchen abbiss. Kein ungewöhnlicher Anblick und er wollte schon wieder gehen… doch dann bemerkte er, wie sie sich gedankenverloren mit einer losen Strähne ihres Haares – die sich wohl aus dem Gefängnis des strengen Haarknotens befreit hatte – spielte. Und aus irgendeinem Grund, wirkten die zwirbelnden Bewegungen ihrer Finger auf seine Augen wie ein Magnet. Er konnte nicht anders, er musste hinsehen. Seine Finger erinnerten sich noch genau daran, wie seidig sich diese Haare anfühlten und er schwelgte noch ein wenig in seinen Erinnerungen, als die Erkenntnis ihn traf wie eine Dachlawine…

… er benahm sich ganz genauso wie Mehdi, den er immer als verknallten Dorfdeppen bezeichnet hatte. Das war der gelebte Albtraum. Denn wenn es etwas gab, was er auf keinen Fall sein wollte, dann war es ein gefühlsdusseliger Waschlappen.

Schwanzgesteuert? Von mir aus.
Hormongetrieben? Na immer doch.
Karriereorientiert? Das sowieso.

Aber gefühlsdusselig im Zusammenhang mit Waschlappen? DAS ging einfach gar nicht. Denn da müsste er ja erstmal Gefühle zulassen. Was nicht zur Diskussion stand.

Das Problem war seiner Meinung nach, dass seine Cold Turkey Theorie sich schlichtweg als falsch herausgestellt hatte. Er war nicht auf Entzug, dazu hätte er ja erstmal süchtig sein müssen.
Gretchen war vielmehr wie Schokolade – wenn man sich nicht hin und wieder ein Stückchen gönnte, dann entwickelte man einen Heißhunger darauf.

Gerade als er dabei war, seine neue Theorie in einen Plan umzuwandeln, begegnete er ihr im Fitnesscenter, als er seine Mutter abholen wollte. Sie schien gerade frisch geduscht zu haben und diese Mischung aus leichter Erschöpfung und wohliger Entspannung, die sich in ihrem Gesicht widerspiegelte, ließ seine Fantasie mit ihm durchgehen. Denn zu leicht konnte er sich ein oder zwei Tätigkeiten vorstellen, die diesen Gesichtsausdruck auf ihre Züge zaubern könnten – und sie wären mindestens genauso anstrengend wie ein Besuch im Fitnessstudio.
Moment mal… was machte sie im Fitnessstudio?
Er war der Frage nachgegangen und hatte sich sehr über den neuen Spitznamen amüsiert, den sie seiner Mutter verpasst hatte. Viel zu schnell ergriff sie die Flucht und ließ ihn mit seiner Mutter alleine, die plötzlich ein recht nerviges Interesse an seinem Leben entwickelte und ihn mit absurden Fragen bombardierte.

Er hatte bei dem Gedanken ertappt, dass er ihr am Liebsten nachgegangen wäre… Herr Gott, sie fehlte ihm einfach.

Wenn ihm diese letzten Tage irgendetwas außer schlechter Laune gebracht hatten, dann war es die Einsicht, dass er nicht wusste wie er das Jahr in Washington überstehen soll, wenn – und davon ging er ja mal sehr stark aus – er das Fellowship bekommen würde. Er schaffte es noch nicht mal im gleichen Krankenhaus wie sie zu sein, ohne sie zu vermissen. Wie würde es erst sein, wenn ein ganzer Ozean sie voneinander trennt…? Er hatte nun mal absolut keine Lust wie ein liebestoller Tölpel das geilste Jahr seiner Karriere zu verplempern.

Was ihn das Dilemma in dem er sich befand nur noch deutlicher vor Augen führte.

Lieben, wollte er sie nicht. Das war eine Option, die er für sich schon lange ausgeschlossen hatte. Mitnehmen kam also nicht in Frage, denn sie würde dem Ganzen sofort den Stempel ‚Beziehung’ aufdrücken.

Himmel, wann war die Situation so vollends aus seiner Kontrolle geraten? Alles was er ursprünglich wollte, war sie endlich mal zu bumsen und nun saß er da und zählte die Muttermale auf ihrem Gesicht.

Passte irgendwie zum heutigen Tag.
Denn irgendwas war faul im Staate Dänemark.

Nach dem gestrigen Tag – ein höllischer Tag, an dem sie wegen ihrer Facharztprüfung nicht im Dienst gewesen war, er mit Knechtelsdorfer operieren musste und Mehdi irgendwann wegen seiner dauerhaft schlechten Laune der Kragen geplatzt war und ihm ein ‚Bring es doch endlich hinter dich’ an den Kopf geworfen hatte – hatte er beschlossen, seinen Plan mit der Distanz über Bord zu werfen. Brachte ihm doch sowieso nichts außer Ärger ein.

Er wollte einfach so tun, als ob nichts gewesen wäre. Den Reset-Knopf drücken und all die verwirrenden Geschehnisse der letzten Wochen einfach vergessen. Genial – wie er fand.

Mit diesem Vorsatz war er an diesem Tag zur Arbeit gegangen und seine begrüßende Beleidigung war ihm gleich mal im Hals stecken geblieben, als er ihren Blick bemerkte.

„Was guckst du so?“ fragte er ein wenig irritiert um dann gleich ein arrogantes „Kennst mich doch schon eine Ewigkeit, also solltest du dich inzwischen an meinen göttlichen Anblick gewöhnt haben“, nachzusetzen.

Sie rollte kurz mit den Augen und zuckte mit den Schultern. „Ich guck doch nicht“, rechtfertigte sie sich mit Unschuldsmiene und drehte sich sogleich demonstrativ weg.

Komisch… sie hatte doch… Da, schon wieder.

Mittlerweile kannte er alle ihre Blicke. Er hatte sie in Kategorien eingeordnet und wann immer er mal wieder nicht aus ihr schlau wurde, ging er vor seinem inneren Auge seine ‚Hasenzahn’ Datenbank durch, um ihrer Stimmung oder ihren Blicken einen Namen geben zu können. Reine Überlebensstrategie, denn bei dieser Frau fuhr ‚Mann’ besser, wenn ‚Mann’ weiß woran man ist.

Doch diesmal kam er einfach nicht drauf.
Und schon langsam begann ihm das zu nerven. Jedes Mal wenn er sie ansah, hatte sie diesen absolut nervtötenden Kuhaugenblick in ihren Augen.

Traurig vielleicht…? Ne, wenn sie traurig ist, dann zittert ihre Unterlippe.
Sauer war sie auch nicht, denn dann waren ihre Augen ein wenig zusammen gekniffen.
War sie vielleicht müde? Hmm, nein… sie gähnt nicht und macht auch sonst keinen schlappen Eindruck.

Es war zum aus der Haut fahren.

Doch es sollte bis zum Mittagessen dauern, bis Marc auf die Lösung des Blickrätsels stieß und sich gleichzeitig wünschen würde, er hätte es nicht getan.

Sie saß bereits in ein Buch vertieft an einem Tisch im hinteren Drittel der Cafeteria und da er ja entschieden hatte, dass es witzlos war Distanz zu ihr zu halten, beschloss er ihr Gesellschaft zu leisten. Er fragte nicht lange, setzte sich einfach zu ihr und griff zu ihrem Teller, um ihr eine Fritte zu stibitzen.

„Na?“, sagte er frech „Meinst du nicht, dass diese Dinger im Zusammenhang mit deinem *Training* eher kontraproduktiv sind?“ er wackelte mit der Fritte hin und her, ehe sie in seinem Mund verschwand.

„Äh.. Marc… hallo“, kiekste sie erschrocken und schlug hastig ihr Buch zu, um es schnell in ihrer Tasche zu verstauen. Ihre Wangen nahmen ein hektisches Rot an und wenn es sie so in Verlegenheit brachte, dass er sie beim Lesen erwischte… na, dann musste es eine peinliche Lektüre sein.

So dachte er. Neugierig beugte er sich nach vor, um über den Tisch zu greifen und riss ihr das Buch aus der Hand. „Was haben wir denn da…?“ fragte er grinsend… doch dann gefror ihm das schadenfrohe Grinsen zu einer starren Grimasse.

Er kannte das Buch. Seine Mutter hatte es geschrieben und als es veröffentlicht wurde, hatte er fast ein halbes Jahr lang kein Wort mehr mit ihr gewechselt. Dieses Buch war sein persönlicher Albtraum in gedruckter Form. Zu persönlich, als das er den Inhalt mit zehntausenden hysterischen Frauen teilen wollte.

Und schon gar nicht mit Hasenza…

Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.

Nun wusste er, warum seine Mutter ihn mit absolut lächerlichen Fragen genervt hatte.
‚Du und die Tochter von Franz… ist da was?’

Und nun erkannte er den Blick den Gretchen ihm nun schon den ganzen Vormittag zugeworfen hatte. Es war der Blick, den sie bisher noch nie auf ihn gerichtet hatte. Der Blick, den sie üblicherweise nur für todgeweihte Patienten reservierte.

Das in ihren Augen…

… war Mitleid.

Sein Innerstes krampfte sich zusammen und der Schmerz den er empfand, wurde nur von der unbändigen Wut überrollt, die von seinem Bauch ausgehend von seinem ganzen Körper Besitz ergriff.

Sich nur mühsam beherrschend quetschte er eine Frage zwischen seinen zusammengekniffenen Zähnen hervor.

„Sag mal Hasenzahn, hattest du in letzter Zeit Besuch von meiner Mutter?“

* ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ *
„Das Leben ist voller Möglichkeiten, aber du kriegst nie eine.“
Charlie Brown, Comic-Figur

trillian Offline

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28.02.2011 22:17
#20 RE: story von trillian Zitat · Antworten



Viel ist es nicht - aber für einen Montag Abend muss es reichen *gg*

Viel Spaß beim lesen und nicht vergessen mir im Kommentarthread auch etwas zum Lesen dazulassen


Soundtrack: Evenescence – Hello
http://www.youtube.com/watch?v=GfBenJfeF7c



Kapitel 8
Mehr bitter als süß (2.Teil)


Gretchens schuldbewusste Miene sagte ihm alles - er hatte ins Schwarze getroffen.

Trotzdem versuchte sie ihm die Ahnungslose vorzuspielen.

„Äh… deine Mutter?“, sie blinzelte ein bisschen. „Wiiiieeesoooo?“ dann riss sie ihre Augen weit auf und bemühte sich um einen möglichst überrascht-unschuldigen Gesichtsausdruck.
Irgendwie erinnerte sie ihn gerade an ein Kleinkind, das mit den Fingern in der Keksdose ertappt worden war und der Mutter - der erdrückenden Beweislast zum Trotz - weismachen will, dass die Hand versehentlich in die Dose geraten war.

„Ja, meine Mutter!“, sagte er im Plauderton. „Du weißt schon. Die Autorin, deren Bücher du als literarischen Schund bezeichnest und jetzt trotzdem liest?“
Er schaffte es die Worte ruhig und freundlich klingen zu lassen, doch das täuschte. Seine Körperhaltung war gespannt und seine Hände krampfhaft zu Fäusten geballt. Ein Termin beim Zahnarzt würde wohl auch in nächster Zeit fällig werden, denn er knirschte so kräftig mit seinen Zähnen, dass er sicherlich den ganzen Zahnschmelz abscheuerte.

Oh diese Frauen. Dass sie sich auch überall einmischen mussten…

„Ich… Marc… sie hat mir nur dieses Buch vorbei gebracht“, stammelte Gretchen. „Ist doch nett von ihr.“
Ihr Versuch dem eigentlichen Thema irgendwie auszuweichen, war nur allzu deutlich. Nett und seine Mutter waren zwei Begriffe, die in diesem Zusammenhang schon mal gar nicht zusammen passten.

„Ach? Einfach so… und sie hat nichts gesagt?“, nun wurde er schon schroffer, denn sie stellte seine schon jetzt kaum noch vorhandene Geduld ziemlich auf die Probe.

„Naaaajaaaa, nicht direkt… also eher indirekt“, ihr Blick ging unruhig hin und her, so als ob sie sich schon einen Fluchtplan zurechtlegen würde.

„Indirekt? Wie? Das musst du mir jetzt aber genauer erklären?“ Er brannte förmlich auf eine Erklärung – so sehr, dass es schon brodelte.

„Marc… ich…“, sie schloss kurz die Augen, so als ob sie die richtige Antwort auf die Frage vom Inneren ihrer Augenlider ablesen könnte. „Ich glaube nicht, dass ich dir darauf eine Antwort geben sollte.“

Als sie die Augen wieder öffnete, war die Unsicherheit und Nervosität aus ihnen verschwunden. Ihr Blick war nun direkt und forschend.

„Und wieso nicht?“ zischte er. Er gab sich nun keine Mühe mehr, seine Wut zu verbergen. Seine Finger streckten sich und ballten sich rhythmisch zu Fäusten.

„Weil das was sie gesagt hat nicht für deine Ohren bestimmt war”, unbeirrt reckte sie ihm ihr Kinn entgegen.

Seine Augen zu Schlitzen zusammenkneifend, warf er ihr einen vernichtenden Blick zu.
„Sag mir jetzt sofort was meine Mutter zu dir gesagt hat, oder ich verpass dir einen Irokesenhaarschnitt.“

Eine leere Drohung, wie er wusste. Er war viel zu verrückt nach ihrer wilden Haarmähne, als dass er ihr – und damit sich selbst – das antun würde.

Sie seufzte und der Ausdruck in ihren Augen verwandelte sich wieder in das, was er in ihnen nicht sehen wollte.

Er brauchte kein Mitleid. Das war etwas für schwache Menschen… und schwach sein, das wollte er sich niemals erlauben.

„Marc“, sagte sie leise. „Ich denke du weißt ganz genau was der Zweck ihres Besuchs gewesen ist.“

Ja! Er hatte eine ziemlich deutliche Ahnung davon gehabt, die sich jetzt in Gewissheit verwandelt hatte.

Seine Mutter würde ihm jetzt einiges erklären müssen.

Schnell stand er auf. Der Sessel auf dem er eben noch gesessen hatte, fiel laut polternd um und er scherte sich nicht um die neugierigen Blicke, die ihm nun zugeworfen wurden. Oh ja, Erklärungen waren dringend nötig und er hoffte für seine Mutter, dass sie ein paar richtig gute auf Lager hatte.

„Wo willst du hin?“, fragte Gretchen ihn erschrocken.

Er warf Gretchen einen entnervten Blick zu und machte die ersten forschen Schritte Richtung Ausgang.

„Ich mach mich jetzt selbst zur Halbwaise.“

* ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ *
„Das Leben ist voller Möglichkeiten, aber du kriegst nie eine.“
Charlie Brown, Comic-Figur

trillian Offline

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02.03.2011 23:16
#21 RE: story von trillian Zitat · Antworten


Viel Spaß - hoff ich :o)

Johnny Cash – Hurt
http://www.youtube.com/watch?v=clq01TXQR0s


Kapitel 8
Mehr bitter als süß (3.Teil)


Marc hätte viel darum gegeben, wenn es auf dem Weg zu seinem Auto ein paar Mülltonnen zum dagegen treten gegeben hätte. Ein schepperndes Ventil, um genau die richtige Menge Dampf abzulassen… doch leider, kein geeignetes Material war auf den Krankenhausfluren zu finden.

„Marc… warte.“
Er hörte Gretchens klappernde Schritte hinter sich, als sie versuchte ihn noch einzuholen. Aber Marc dachte nicht daran, stehen zu bleiben. Er wollte jetzt nicht mit ihr reden. Nicht solange er… nein, wenn er es sich recht überlegte, wäre es sogar besser die Kommunikation mit ihr gänzlich einzustellen. Wenigstens solange, bis sie sich diesen absolut indiskutablen Blick abgewöhnt hatte.
Denn der Blick war mit einem Thema verbunden, über das zu reden er nicht beabsichtigte.

Sie abzuhängen war ein Leichtes. Und auch die Verkehrsgötter waren ihm wohl gesonnen, weshalb es nicht lange dauerte bis er sein Auto mit quietschenden Reifen vor dem Haus seiner Mutter zum Stehen brachte.

Abwechselnd läutete und trommelte er mit seiner Faust an die Tür und hätte beinahe gegen den Kopf seiner Mutter geschlagen, als sie ihm schließlich öffnete.

„Marc Olivier!“, sagte sie überrascht und sah ihn sogleich strafend an. „Ich brauche diese Tür noch, also würde ich vorziehen wenn du sie nicht zerstörst.“

Marc achtete gar nicht auf die Worte seiner Mutter und drängte sich mit dem gewohnten „Boah! Mutter, nenn mich nicht so!“ an ihr vorbei ins Haus und ging ins Wohnzimmer.

„Wie soll ich dich denn sonst nennen? Es ist nun mal dein Name“, leierte seine Mutter ihre automatische Konter hinunter. „Was verschafft mir die Ehre deines unangemeldeten Besuchs?“

„Ach, ich dachte das wäre jetzt so üblich“, antwortete Marc im Plauderton während er seiner Mutter einen bösen Blick zuwarf. „Ich meine, du besuchst Gretchen Haase – ich besuche dich. Du musst mir allerdings verzeihen, denn *leider* hab ich kein Buch für dich.“

Ihre Augen weiteten sich überrascht. „Ach…“, lachte sie gekünstelt und wich schnell seinem Blick aus. „…das passt mir jetzt aber gar nicht. Ich bin mitten in einer kreativen Schaffensphase und möchte nicht gestört werden.“
Sie machte eine ‚ausladende’ Handbewegung.

„Mutter!“, zischte Marc. „Warum gibst du meiner Assistenzärztin *dieses* Buch? Was bezweckst du damit?“

„Ich weiß nicht was du…“
Warum glaubten die Frauen eigentlich immer seine Intelligenz beleidigen zu müssen, indem sie versuchten ihn für dumm zu verkaufen? „Ach komm – ich hab sie mit ihrer Nase in dem Buch erwischt, das mir ein halbes Jahr deiner aufopfernden Mutterliebe erspart hat. Sie hat es gewissermaßen zugegeben, also tu jetzt nicht so als ob du von nichts wüsstest“, unterbrach er sie forsch.

„Diese dumme Person…“, murmelte Elke Fisher in sich hinein. „Lässt sich mit dem Buch erwischen… und da meint man, jemand mit abgeschlossenem Studium wäre als intelligent einzustufen.“

„Mutter…“
Ernsthaft… wenn er ihr jetzt den Hals umdrehen würde… wäre das dann nicht als Notwehr zu klassifizieren? Kein Richter würde ihn dafür verurteilen.

Sie seufzte – ihre Augen wurden sanft und ihre Gesichtszüge weich… das war ein Gesichtsausdruck den Marc bei seiner Mutter nicht oft sah.
Sie machte sich Sorgen.
„Mein Sohn, ich bin zwar nicht gerade glücklich darüber – aber du liebst diese Frau… meinst du nicht, dass sie wissen sollte worauf sie sich einlässt?“, sagte sie schließlich.

Äh.. wie bitte? Hatte er etwas verpasst?

„Ich weiß jetzt nicht wovon du sprichst?“

Elke kniff ihre Augen zusammen und musterte ihn streng. „Ich bin deine Mutter, mir brauchst du nichts vorzumachen.“

Marc schüttelte ungläubig mit dem Kopf. Es war zum Mäusemelken.
„Ähm…Hab ich die Therapiesitzung versäumt, in der wir uns weinend in die Arme gefallen sind und versichert haben, dass wir uns immer alles über unsere Gefühle erzählen?“ schnappte er bissig, was ihm ein Augenrollen seiner Mutter einbrachte.

„Ich habe den Blick gesehen, den du dieser Frau zugeworfen hast“, erklärte sie nun, als ob es offensichtlich wäre. „Diesen Ausdruck hattest du schon als Kind in deinen Augen, wenn du etwas unbedingt haben wolltest.“

Okay, noch mal schnell zum mitschreiben. Sie hatte Gretchen das Buch, in dem sie sein Kindheitstrauma verarbeitet hatte, geschenkt weil er ihr einen BLICK zugeworfen hatte?

„Mutter, du hast da etwas vorschnell gehandelt“, wehrte er ab. „Gretchen und ich… daraus wird nichts.“

„Wieso?“ bohrte sie nach. „Es ist doch offensichtlich, dass sie deine Gefühle erwi…“

„Mensch Mutter! Gerade du solltest wissen, dass ich nicht für Beziehungen gemacht bin.“ Das sollte sie – immerhin war sie dabei gewesen, als sämtliches Beziehungspotential aus ihm rausgeprügelt wurde.

„Olivier“, setzte sie an. „Du solltest die Vergangenheit da lassen wo sie ist und zur Abwechslung mal versuchen glücklich zu sein“, fuhr sie - nach seinem obligaten Einwand gegen seinen zweiten Vornamen - fort.

Bitte was soll das denn heißen. Er war Arzt – er hatte seinen Traumberuf gefunden, er war richtiggehend beseelt vor Glück.

„Mutter, ich bin glücklich“, klärte er sie mit Nachdruck auf.

„Bist du nicht“, widersprach sie. „Kannst du gar nicht sein. Dazu müsstest du erst loslassen. Du solltest wirklich mal mit meinem Therap…“

„Och, Mutter! Jetzt fang nicht schon wieder mit diesem Couchbewachenden Säusler an“, fiel er ihr schroff ins Wort. Niemals, würde er zu so einem Dampfplauderer gehen.

Elke Fisher setzte gerade zu einer Tirade an, als sein Handy klingelte. Schnell zog er es aus seiner Tasche.
„Meier.“
„Marc“, schallte ihm Gretchens Stimme entgegen und er konnte die leichte Besorgnis, die in ihr mitschwang hören. „Wir warten im OP auf dich. Die Gallenblase... du erinnerst dich?”
Verdammt – das hatte er vergessen!
“Bin schon auf dem Weg”, blaffte er. „Bis gleich.“
Marc drehte sich nochmals zu seiner Mutter um. „Ich muss jetzt los – eine OP wartet im Krankenhaus auf mich – aber glaub nicht, dass das Thema damit erledigt ist.“
Mit diesen Worten machte er sich zu Haustür auf und wollte schon das Haus verlassen, doch da kam ihm noch ein Gedanke.

„Ach und Mutter? Wenn ich von dieser Unterhaltung – oder der mit Gretchen - jemals etwas in deinen Büchern lese, dann rufe ich bei der Bild an und verrate ihnen dein richtiges Alter.“

* ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ *
„Das Leben ist voller Möglichkeiten, aber du kriegst nie eine.“
Charlie Brown, Comic-Figur

trillian Offline

Schwesternhelferin:


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04.03.2011 17:40
#22 RE: story von trillian Zitat · Antworten

Sodala! Hier der letzte Rest des 8ten Kapitels!

Dieses Wochenende wird es für mich leider kaum möglich sein, weiter zu schreiben. Morgen haben wir die (verschobene) Geburtstagsparty meiner Großen und am Sonntag feiern wir den Geburtstag meines Mannes.

Und ich muss jetzt noch die Rapunzeltorte fertig machen… und falls ihr euch fragt – die ist für meine Tochter ;o)

Noch kurz zum Kapitel:
Ich bin KEINE Medizinerin.
Die Beschreibung der OP zu Beginn, hab ich mir aus dem Internet gezogen und versucht halbwegs richtig in die Story einzubauen. Fachlich bewanderte Leser bitte ich die möglichen Ungereimtheiten zu überlesen (bzw. mich darüber zu informieren, damit ich sie korrigieren kann). Der Rest von euch wird wohl genauso wenig Ahnung haben wie ich. ;o)

Viel Spaß!
Und bitte nicht vergessen mir etwas im entsprechenden Thread dazulassen... vielleicht schaff ich es dann doch noch etwas zu schreiben ;o)

Soundtrack für den OP:
Elton John – Bennie and the Jets
http://www.youtube.com/watch?v=p5rQHoaQpTw&feature=related

*She’s got electric boots...*


Kapitel 8
Mehr bitter als süß (4.Teil)


Die OP verlief plangemäß.
Die Patientin hatte einen Steinverschluss der Gallenblase und nun wurde diese mittels eines laparoskopischen Eingriffs entfernt.
Minimal Invasiv.
Was man von Hasenzahns mitleidigen Blicken nicht gerade behaupten konnte. Und das raubte ihm den letzten Nerv. Das konnte er ihr nicht durchgehen lassen. Sie musste damit aufhören – und zwar JETZT.
Sie war gerade dabei unter seiner Anleitung die Gefäße an der Basis der Gallenblase frei zu präparieren und eigentlich stellte sie sich dabei gar nicht mal so ungeschickt an. Doch die Blicke die sie ihm zwischendurch zuwarf, relativierten ihre vorübergehende Zurschaustellung von chirurgischer Kompetenz.

„Wie machst du das denn – so erwischt du noch die Leber“, nörgelte er und korrigierte ihre Führung des Endoskops.
„Entschuldigung.“
DA, schon wieder diese große Kuhaugen.
Boah… ne!
„Den Ductus cysticus links nimm bitte auch noch mit.“ Flink und geschickt setzte sie seine Anweisung in die Tat um und wenn sie ihre Augen besser unter Kontrolle gehabt hätte, dann hätte er ihr auch ein ‚meierisch’ verpacktes Kompliment gemacht, doch so konnte sie es ihm einfach nicht recht machen.
„Liihhiiiiinks hab ich gesagt. Komm, jetzt gib mir mal das Endoskop… alles muss man hier selbst machen, wenn man will das es gut gemacht wird... na da bin ich ja schon mal auf das Ergebnis deiner Facharztprüfung gespannt“ Er drängte sie zur Seite und nahm ihr das Instrument aus der Hand. „Zusehen und lernen!“
Flott präparierte er den Ductus fertig, kontrollierte ihre Arbeit an der Arteria cystica, verschloss die Gefäße mit Clips und durchtrennte sie schließlich. Ein rascher Seitenblick auf sie zeigte ihm, dass sich ihr Gesichtsausdruck in einen fassungslos-konsternierten verwandelt hatte.

Geht doch!

Er war froh, dass er seine OP-Maske trug, denn so sah sie das zufriedene Lächeln das seine Lippen umspielte nicht, als er sich daran machte die Gallenblase aus dem Leberbett zu lösen.

Etwa eine Stunde später wandelte sich seine Zufriedenheit in Frust um, als er feststellen musste, dass sich ihre Miene schon wieder in das verabscheuungswürdige, mitleidige Etwas veränderte. Hmm gut…
… offensichtlich erforderte das Ganze nachhaltige Maßnahmen.

Die OP war zu Ende, sie wuschen sich, zogen sich um und er legte sich vor dem OP auf die Lauer, um auf sie zu warten.
Das dauerte… Mensch, was machte die denn so lange?
Als sich die Tür öffnete und Hasenzahn gemeinsam mit Schwester Sabine den OP-Waschraum verließ, wurde Marc aktiv. Die Schwester ignorierend, schnappte er sich Gretchens Ellbogen und zerrte sie mit den Worten „Wir zwei haben ein Hühnchen miteinander zu rupfen“ hinter sich her.
„Herr Doktor…Frau Doktor…“, rief Sabine noch hinterher, doch Marc ging - eine sich wehrende Gretchen hinter sich herschleppend – einfach weiter und rief ihr über die Schulter nur eine kurze Anweisung zu. „Schließen Sie die Patientin an die Sauerstoffsättigung an – ich schau dann später nach ihr.“
Schnell bugsierte er Gretchen in ein leeres Krankenzimmer und schloss die Tür hinter ihnen zu.



ab hier:
Peter Gabriel & Kate Bush – Don’t give up
http://www.youtube.com/watch?v=uiCRZLr9oRw


„Marc… was soll das?“, quietschte sie. „Wieso zerrst du mich wie der letzte Höhlenmensch hierher?“
Höhlenmensch? Hatten die ihre weibliche Beute nicht an den Haaren…?
Egal! Jetzt nicht vom eigentlichen Thema ablenken lassen.
Er baute sich vor ihr auf, drohend – so dass sie ein paar Schritte zurückwich bis die Tür ihr den Fluchtweg versperrte.
„Du hörst jetzt sofort damit auf, mich anzuglotzen als ob ich ein herrenloses Welpen wäre. Ist das klar?“, kam er gleich zum Thema. Irritiert sah sie ihn an.
„Aber..“
„Ah ah ah…“ sagte er fingerwackelnd. „Kein Aber. Wieso hör ich ein ’Aber’?“
„Marc, du solltest darüber reden“, warf sie in besänftigenden Ton ein.
„Wieso sollte ich?“, warum die Weiber immer alles zerreden mussten. „Es ändert nichts daran.“
„Marc, ich kann verstehen…“, setzte sie an, doch wurde sofort von ihm unterbrochen.
„Was verstehst du?“ Das war es, was er nicht ausstehen konnte. Das Mitleid, das Verständnis. „Du weißt jetzt etwas über mich – aber das ändert doch nichts daran wer ich bin. Ich will nicht darüber reden, sondern lediglich, dass du mit dieser Mitleidstour aufhörst.“
"Warum willst du dir nicht von mir helfen lassen?“ flüsterte sie und hob ihre Hand, um sie auf seine Brust zu legen.
Pffft, helfen lassen. Das war ja noch schlimmer, als er dachte.
"Weil ich ein einsames, menschenfeindliches Individuum bin und deine ‚Hilfe’ es für mich nur noch schlimmer machen würde", erwiderte er bissig.
Gefühle machten ihn zynisch und er würde lügen, wenn er behaupten würde, dass er jetzt nichts fühlte.
Eher im Gegenteil.
Durch den Stoff hindurch - da wo ihre Hand ihn berührte, brannte seine Haut. Die kleinen sensiblen Nervenenden, schickten kribbelnde Stromstöße durch ihn hindurch. Sein Herz pochte heftig in seiner Brust und ihm stockte der Atem.
Wie kann es sein, dass so eine kleine Berührung ihrer Hand so eine Wirkung auf ihn hat? In ihrer Nähe fühlte er sich schwach – und schwach wollte er nicht sein.
Marc schloss für einen Moment lang die Augen, um sich wieder ein bisschen zu fangen und als er sie wieder öffnete, erschrak er.

Denn in ihren Augen war ein Meer aus Tränen, die sich aus dem Gefängnis ihrer Lider befreiten, um ihre Wangen hinunterzulaufen. Wie von selbst hob sich seine Hand, um einige davon wegzuwischen.

„Du sollst doch nicht wegen mir weinen, Gretchen. Das ist es nicht wert“, krächzte er heiser.

Ihr Gesicht schmiegte sich in seine Hand, ihre Finger krallten sich an seinem Hemd fest und sie nahm einen zittrigen Atemzug, ehe sie ihm geradewegs in die Augen blickte.
„Und wenn es das doch ist, Marc? Jede einzelne Träne – ich glaube nämlich, dass man viel zu wenig um dich geweint hat.“
Sein Magen krampfte sich zusammen. „Ich will das nicht“, sagte er stockend. „Ich kann das nicht…“, er kämpfte um den letzten Rest seiner Würde – er wollte nicht… er konnte nicht… schwach sein.

„Was willst du nicht? Was kannst du nicht?“ fragte sie nach.
Ungehemmt liefen ihr die Tränen die Wangen hinunter und einem Impuls nachgebend, beugte er sich ein wenig hinunter, um ihr eine davon wegzuküssen.
Ein kurzer Moment der Schwäche!
„Ich kann nicht…“, flüsterte er wieder.
„Marc – was?“
Sie hatte nun ihrerseits eine Hand an seine Wange gelegt. Ihre Nähe machte es ihm nicht einfach sich zu konzentrieren, denn ihr Körper übte eine seltsame magnetische Anziehung auf ihn aus.
Noch ein Moment der Schwäche - der salzige Geschmack ihrer Tränen auf seiner Zunge.
„Ich kann dich nicht... lieben“, brach es nun aus ihm hervor.
Sie schluchzte kurz auf, ehe sie ihm ein kleines, zittriges Lächeln schenkte. „Ich weiß…“, in ihren Augen lag eine völlige, bedingungslose Akzeptanz, die seine Sehnsucht nach ihr… sein Verlangen nach ihrer Nähe noch verstärkte.
Ihr Atem roch süß, die Stellen an denen sie ihn berührte brannten wie Feuer und Marc erlaubte sich einen weiteren Moment der Schwäche.

Nur kurz, dachte er sich, als er seine Lippen auf die ihren legte…

…nur ein kleiner Kuss.


Ich weiß ich bin fies

* ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ *
„Das Leben ist voller Möglichkeiten, aber du kriegst nie eine.“
Charlie Brown, Comic-Figur

trillian Offline

Schwesternhelferin:


Beiträge: 203

06.03.2011 23:17
#23 RE: Gegen jede Regel Zitat · Antworten

Hallo meine Lieben!

Mein schlechtes Gewissen treibt mich zu dieser Stunde hierher. Ich weiß, es war fies von mir das letzte Kapitel an dieser Stelle aufhören zu lassen. Es tut mir auch fast leid .

Ich denke es ist jetzt mal an der Zeit „danke“ zu sagen.

Danke, an die vielen Leser die regelmäßig dran bleiben und meiner „Verrücktheit“ treu bleiben.

Ein besonderer Dank an
Schneewittchen
die sich eigentlich fast immer Zeit nimmt, einen Kommentar dazulassen und die sogar bereit war, sich für ein später folgendes Kapitel als Testleserin zur Verfügung zu stellen. Sandra, du weißt gar nicht, wie sehr deine Meinung dazu die letzten – hier geposteten - Kapitel beeinflusst hat. Wer weiß, welche Richtung die Story sonst eingeschlagen hätte.

Danke auch an
krauli
deine Kommentare zaubern regelmäßig ein Lächeln auf meine Lippen. Vor allem wenn du zitierst und deine Gedanken „live“ dokumentierst… das ist fast so, als ob ich ein Regisseur wäre, der die Reaktion des Publikums live im Kino mitbekommt. Und das Tolle daran ist, dass du genauso reagierst, wie ich es mir wünsche

Tamara
Auch wenn du nicht oft kommentierst, möchte ich dir für die langen ausführlichen Kommentare bedanken, die du mir – wenn du die Zeit findest – hinterlässt.

Jule
Für die gegenseitige Wertschätzung .
Ich werde dich regelmäßig an dein Versprechen an deiner Geschichte dran zu bleiben, erinnern

Collimatz
Dir schick ich einen virtuellen Schutzhelm, damit du dir hierbei nicht wehtust. Ich freu mich jedes Mal wenn du einen Kommentar hinterlässt :o)


Kussmausale, leela, kendra, DoctorDD, LiSina, Nora<3, Reela, Olivenbaum, Dr. Knalltüte, Moni und alle anderen… Danke fürs Dranbleiben und regelmäßige Kommentieren.

@ Alizee
sollte ich jemals ein Buch schreiben, dann werde ich dir ein signiertes Exemplar schicken – das bräuchtest du nicht zu kaufen

Und jetzt hab ich noch eine Kleinigkeit für euch. Da ich euch nicht länger warten lassen möchte, poste ich heute das was ich schon habe. Viel ist es allerdings nicht und ich weiß nicht, ob es nicht sogar besser gewesen wäre, euch noch ein-zwei Tage warten zu lassen…
Aber urteilt am Besten selbst.

Viel Spaß und nicht vergessen – Feedback lässt meine Finger schneller über die Tasten gleiten.

Soundtrack:

Yiruma – Love hurts
http://www.youtube.com/watch?v=M-6S1mGAS3Y&feature=related
(ich liebe seine Stücke einfach – unheimlich inspirierend)


Kapitel 9
No breath left (Teil 1)


Gretchen war sich nicht sicher, ob das hier eine gute Idee war.

Doch es war schwer sich an all die Gründe zu erinnern, warum sie das was nun geschah, nicht zulassen sollte. Denn als sein Mund sanft über ihre Lippen strich, sich an sie schmiegte, sie zärtlich streichelte…verließ jeder vernünftige Gedanke ihren Kopf und ihre ganze Existenz reduzierte sich auf die Gefühle, die er in ihr auslöste.

Seine Lippen öffneten sich über den ihren und als sie es ihm gleichtat, liebkosten sich ihre Zungen, kollidierten, schmeckten…Seine Hände umfassten ihr Gesicht und seine Zunge glitt noch tiefer in ihren Mund und wieder hinaus. Er wiederholte diesen Rhythmus immer wieder und sie fühlte, wie das ungezügelte Verlangen nach ihm, ganz ungeniert von ihrem Körper Besitz ergriff. Sie verlor den festen Stand, als ihre Knie sich in eine gummiartige Masse verwandelten… klammerte sich nach halt suchend an Marc fest.

„Ich kann nicht…“ flüsterte er zwischen seinen Küssen.

Ihr Herz zog sich bei seinen Worten schmerzlich zusammen und in ihren Augen brannten noch viele ungeweinte Tränen, trotzdem begegnete sie jedem seiner Küsse mit der gleichen Intensität.

„Ich weiß…“ seufzte sie schließlich, als sein Mund eine Wanderung über ihre Wangenknochen, zu ihrem Ohr und wieder zurück machte, um dann gleich wieder ihre Lippen in Angriff zu nehmen.

War der Kuss zuvor noch sanft gewesen, wurde er jetzt von einer rasenden Leidenschaft getrieben. Besitzergreifend rieb sich seine Zunge gegen ihre, es kam ihr fast vor, als ob er sie verschlingen wollte… Wie aus eigenem Antrieb, strichen ihre Hände seinen Oberkörper hinab, um sich unter den Stoff seines Hemdes zu stehlen. Die Haut dort, fühlte sich hart und glatt an.

Sie spürte das Brummen das durch seine Brust hindurch ging, noch ehe sie es hörte und sie schluckte sein Keuchen, saugte sich an seiner Unterlippe fest und biss leicht hinein, ehe sie mit ihrer Zunge den verursachten Schmerz linderte.

Eifrig wanderten seine Hände über ihren Körper, tastend, greifend. Seine Lippen verließen die ihren und der Protest blieb ihr im Hals stecken, als sie seinen heißen Atem auf ihrer Kehle spürte. Seine Lippen zogen eine brennende Spur aus Feuer, als sie hinunter zu ihrem Muttermal auf ihrem Schlüsselbein wanderten. Seine Zunge kostete kreisend ihr Muttermal, sein Mund nuckelte zärtlich an ihrer Haut, die sich unter seinem Angriff zur Gänsehaut kräuselte.
Hitzige Schauer liefen durch ihren Körper … so gut.

Oh Gott – wie konnte etwas, das so falsch war, sich so richtig anfühlen?

Ihre Hände vergruben sich in seinen Haaren und zogen seinen Kopf zu sich hoch.
Lippen kollidierten und sie küsste ihn, als ob ihr Leben davon abhing… denn er schmeckte so gut… küsste so gut… fühlte sich so gut an...

Keuchend brach er den Kuss ab, rau flüsternd …

„Gretchen.“

… und sie öffnete ihre Augen einen Spalt breit um in seine zu sehen. Sie waren dunkel vor Begierde, starrten sie konzentriert an. Nahmen ihren Anblick in sich auf…
Sie sah die Veränderung in seinem Blick, noch bevor seine Hände ihren Körper verließen.

Bedauernd… panisch… gequält…

„Ich kann nicht!“

* ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ *
„Das Leben ist voller Möglichkeiten, aber du kriegst nie eine.“
Charlie Brown, Comic-Figur

trillian Offline

Schwesternhelferin:


Beiträge: 203

09.03.2011 22:36
#24 RE: Gegen jede Regel Zitat · Antworten

Vielen Dank für die vielen netten und ausführlichen Kommis. Ihr seid der Wahnsinn

So - hier ist ein neuer Teil für euch.
Ehrlich, mir persönlich ist es fast ein wenig zu ernst, doch anders wäre es nicht glaubwürdig gewesen. humor ist in an dieser Stelle der Story einfach fehl am Platz.. bierernst liegt mir nicht so, also lag es in der Natur der Sache, dass ich mich sehr geplagt hatte und mir dem Ergebis ... naja, ich war schon zufriedener.

Hoffe ihr habt "trotzdem" Spaß beim Lesen.

LG
Claudia



Soundtrack: Kelly Clarkson – Beautiful disaster (Piano)
http://www.youtube.com/watch?v=yXPOyAxQl6o&feature=related



Kapitel 9
No breath left (Teil 2)


Wie hatte es nur soweit kommen können?

Eigentlich wusste es doch besser. Doch lernresistent wie sie war, war sie wieder genau an dem Punkt angelangt. In einer emotionalen Sackgasse – wobei sie sich diesmal nicht sicher war, ob sie den Weg der wieder hinaus führte, auch finden kann.

Schwer atmend stand Gretchen Haase an die Tür gelehnt, die Augen geschlossen, mühsam um Fassung ringend. Er stand immer noch dicht vor ihr. Sie spürte die Hitze, die von seinem Körper ausstrahlte – hörte seinen keuchenden Atem und die Worte, die er noch Sekunden zuvor wie einen Schwall kaltes Wasser über sie gegossen hatte, hallten in ihr nach wie ein höhnendes Echo.

‚Ich kann nicht’

Dummerweise konnte sie ihm noch nicht mal böse sein.
Sie hätte viel darum gegeben, wenn sie es könnte. Doch in ihr war keine Wut mehr übrig, es tat einfach nur noch weh.

„Ich weiß“, hauchte sie.

Das war ja das Problem. Jetzt wo sie wusste, was er durchgemacht hatte, war ihr einiges klar geworden. Dumm war nur, dass das Wissen darum sie zwar einerseits verstehen ließ, warum er so war wie er nun mal war – andererseits machte es das nicht besser.
Eher im Gegenteil.

„Es tut mir Leid“, murmelte er.

Sie sog einen tiefen Atemzug in ihre Lungen, um die Enge in ihrer Brust zu vertreiben und öffnete die Augen, um ihn anzusehen.

„Du musst dich nicht entschuldigen“, sagte sie tonlos. „Das macht es nur schlimmer.“

Sein Blick war intensiv, seine Augen dunkel, ihr Ausdruck wild. Und sie fühlte sich fürchterlich zerbrechlich und klein, als er sie musterte. Studierte.

„Wie meinst du das?“

Das war eine gute Frage, auf die sie selbst noch nicht so ganz die Antwort gefunden hatte.
Klar war ihr nur, dass sie vor einigen Augenblicken alles, was er ihr anbot, angenommen hätte. Sie hätte sich ihm bedingungslos hingegeben.
Hätte akzeptiert, dass er nicht im Stande war zu seinen Gefühlen zu stehen… dass er sie nicht ausleben wollte.

Sie hätte den Teil in ihm akzeptiert, der sie nicht lieben wollte – obwohl er es doch so offensichtlich tat. Sie wäre vielleicht untergegangen, doch das wäre nicht ohne Kampf passiert.

Das Schlimme daran war, dass er zu feige dazu war, darum zu kämpfen. Er zog es vor, seine Vergangenheit über sein Leben bestimmen zu lassen. War viel zu sehr darin verstrickt, um glücklich sein zu können.

„Vielleicht, dass wir uns hin und wieder erlauben sollten, einfach nur Mensch zu sein. Zu fühlen – zu *sein*“, sagte sie schließlich.

Sie konnte die Rädchen in seinem Kopf förmlich arbeiten sehen, ehe er sie fassungslos ansah. „Willst du mir zu verstehen geben, dass du…?“

Er sprach den Satz nicht zu Ende, doch sie wusste auch so, was er fragen wollte.

„Nein… vielleicht…“, setzte sie an, brach ab und fing seinen Blick ein, bevor sie ein ehrliches „Ja“, hauchte.

Ja, sie hätte mit ihm geschlafen.
Es wäre ihr egal gewesen, ob es hier passiert wäre, oder ob sie in seine Wohnung gefahren wäre. Ob einmal oder tausendmal.
Sie hätte nicht mehr von ihm verlangt, als das was er zu geben bereit war. Oder zumindest hätte sie versucht, sich damit zufrieden zu geben.

Marc hob seine Hand, um ihr eine vorwitzige Haarsträhne hinter ihr Ohr zu streichen und sie widerstand dem Reflex ihr auszuweichen. Eine Berührung von ihm würde sie in tausend Stücke zerbrechen lassen… doch sie hatte das Gefühl sterben zu müssen, wenn er sie nicht berührte.

„Weißt du, vor einem Jahr hätte ich dieses Angebot ohne zu zögern angenommen“, sagte er heiser. „Doch ich glaube, dass wir jetzt – hier – in diesem Augenblick, nicht mit den Folgen, die das unweigerlich nach sich ziehen würde, umgehen könnten.“

Wann hatten sie die Seiten getauscht? Wieso hatte sie jetzt die Rolle der Verführerin inne, während er sich wie die eiserne Jungfrau benahm?

Er beugte sich noch einmal zu ihr, küsste sie zärtlich auf den Mund. Sachte, beinahe keusch und ihre Augen flatterten zu. Seine Sanftheit schnürte ihr fast die Kehle zu, als die vielfältigsten Emotionen sich zu einem Kloß gebündelt, in ihrem Hals hinaufschoben.

Noch bevor sie die Gelegenheit hatte, den Kuss zu vertiefen, war er auch schon wieder zu Ende.
„Es tut mir leid… ich kann einfach nicht“, sagte er mit brechender Stimme, bevor er sie zur Seite schob, um aus der Tür zu schlüpfen.

Und Gretchen zerbarst in abertausende Stücke.

* ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ *
„Das Leben ist voller Möglichkeiten, aber du kriegst nie eine.“
Charlie Brown, Comic-Figur

trillian Offline

Schwesternhelferin:


Beiträge: 203

13.03.2011 00:40
#25 RE: Gegen jede Regel Zitat · Antworten

Hallo meine Lieben!

Hat leider ein bisschen gedauert.
Allerdings hab ich eine gute Ausrede in Form eines eingeklemmten Nervs an der HWS. Der hatte die letzten drei Tage zur Folge, dass ich meinen Kopf nur unter Schmerzen bewegen konnte. War sehr unangenehm, das Konzentrieren ist mir so recht schwer gefallen – aber jetzt geht’s mir schon besser. Zwar noch ein bisschen steif, aber nichts was ein Wärmepflaster nicht richten könnte.

Hier also wieder ein kleiner Teil – nichts aufregendes. Nur eine Art Überleitung zum nächsten Thema, ohne das aktuelle ganz unverarbeitet zu lassen.

Vielen Dank für die vielen Kommentare. Wenn ich die Zeit finde und es gerade passt, werde ich mich gebührend dafür bedanken… vielleicht mit einer heißen Szene?

Ansonsten bleibt nur noch die Frage – ihr wisst schon noch den Weg zum gaaaaaaaanz wichtigen Thread?

Viel Spaß

Claudia


Hurts – The Water
http://www.youtube.com/watch?v=srsQQjfN8RQ&feature=related


Kapitel 9
No breath left (Teil 3)


Wenn es etwas gab, worin Gretchen Haase richtig gut war, dann im Zusammensammeln des Trümmerhaufens, den Marc Meier in ihr hinterlassen hatte.

Sie hatte einfach viel Übung darin.

Kam ja nicht das erste Mal vor, dass er über sie hinwegfegte und einem Erdbeben gleich, in ihren Grundfesten erschütterte. Und auch wenn es diesmal die Dimensionen der Magnitude zehn erreicht hatte, so waren die Mechanismen des Wiederaufbaus doch die Gleichen geblieben.

Zwei Stunden nachdem er sie in dem Krankenzimmer zurückgelassen hatte, war sie immer noch da. Auf dem Boden. Sitzend. Ihre Knie hatte sie angezogen und ihr Kinn stütze sich auf ihnen ab. Die Tränendrüsen hatten ihr schon vor einer Weile wegen völliger Überlastung den Dienst quittiert. Es war keine Träne mehr übrig – nichts, was ihr in irgendeiner Weise noch Erleichterung verschaffen könnte.

Nachdem ihre Gedanken mühselig das „Warum“ und auch das „Wieso“ umschifft hatten, hatte sie den autoaggressiven Zug in ihr demontiert, der sie seine Worte immer und immer wieder stumm wiederholen ließ, um vielleicht irgendwo eine Antwort zu finden. Brachte doch sowieso nichts seine Motive zu verstehen… oder, vielleicht…?

Schluss jetzt!

Viel dringender war es im Moment doch sich der Frage zu widmen, wie sie das Zimmer und am Besten auch gleich das Krankenhaus ungesehen verlassen könnte. Sie war weder emotional noch optisch bereit dazu der Welt da draußen zu begegnen. Da hier bleiben außer Frage stand, musste sie einen Weg finden, wie sie hier raus kommen könnte, ohne zuviel Aufsehen zu erregen.
Es musste der direkte Weg nach draußen sein.
Ihre Sachen holen ging irgendwie nicht, denn im Aufenthaltsraum würde sie unweigerlich auf Schwester Sabine treffen und für die Theorien und die rogeltlastigen Hirngespinste der Krankenschwester, fehlten Gretchen im Moment einfach die Nerven.

Schnell in Richtung Aufzug, hinunter in die Eingangshalle und eine direkte Linie zum Ausgang?
Hmmm, nein – zu riskant.
Im Aufzug war die Gefahr hoch, auf Mehdi Kaan oder – noch schlimmer – auf Schwester Gabi zu stoßen. Mehdi würde sie wieder mal ‚trösten’ wollen und Gabi würde sich bei ihrem Anblick vor Schadenfreude ins Fäustchen lachen.

Also über die Treppe…?
Könnte klappen. Nur schnell über den Flur und schon wäre sie bei der Treppe… allerdings - in den Krankenhausfluren lauerte der Supergau in Form von Marc Meier. Ihm konnte sie jetzt auf keinen Fall begegnen. Ihm und seinen Blicken. Seinen Augen, in denen sie doch soviel lesen konnte, während seine Lippen eine ganz andere Sprache sprachen. Nein, ganz schlecht. Sie würde mit fliegenden Fahnen untergehen.

Was also tun?

Gretchen stand auf und reckte ihre schmerzenden Glieder. Ihre Augen schweiften durch das Krankenzimmer… ehe sie am Fenster hängen blieben.

Hmmm, vielleicht wenn man ein paar Laken aneinander…

Mit ein paar raschen Schritten durchquerte sie den Raum, um den Vorhang zur Seite zu schieben… wie hoch sind denn schon drei Stockwerke… cirka neun Meter? So um den Daumen gepeilt könnte das hinkommen. Und sich an ein paar Laken hinunterzuhanteln konnte ja nicht so schwer sein… oder? War ja nicht so wie im Turnunterricht, wo man sich am Seil hinaufhanteln musste… hinunter ist immer einfacher als hinauf. Also so rein theoretisch. Praktisch wusste Gretchen das nämlich nicht so genau, sie war damals ja schließlich schon an dem ‚hinauf’ gescheitert.

Schnell verwarf sie den Gedanken wieder. Ihre Knochen waren ihr in einem Stück dann doch etwas lieber und so schlimm war ein Aufeinandertreffen mit gewissen Personen im Vergleich zu einer möglichen Querschnittslähmung ja auch wieder nicht.

Also doch die Flur-Treppe-Ausgang Variante.

Auf Zehenspitzen schlich Gretchen sich zur Tür und öffnete sie einen Spalt breit. Vorsichtig linste sie durch die Öffnung. Keiner da. Mutig machte sie die Tür noch weiter auf, streckte den Kopf vor und lugte um die Ecke. Die Luft war rein, der Fluchtweg frei - Meierfrei sozusagen … also los.

Ein Schritt… noch ein Schritt… sie schaffte es bis zur Tür zum Treppenhaus und als diese hinter ihr ins Schloss fiel atmete sie erleichtert aus.

Der Rest war ein Kinderspiel.

Etwa eine Stunde später erreichte Gretchen das Haus ihrer Eltern. Blöderweise hatte sie die Schlüssel für ihr Fahrradschloss in ihrem Spind gelassen. Gemeinsam mit ihrem Portemonnaie, weswegen die Möglichkeit ein Taxi zu nehmen auch ausfiel.

Sie war müde. Körperlich und emotional erschöpft, als sie durch die Eingangstür ihres Elternhauses trat und ein lautes…

„Margarete!“

…gefolgt von einem nicht enden wollenden, besorgtem Redeschwall ihr mehr als deutlich machte, dass sie bei ihrem Fluchtplan auf eine wichtige Komponente vergessen hatte:

Wie man ungesehen in ihr Zimmer kommt.





@ Jule
Auf die Fenster-Idee hast du mich gebracht. Zuerst wollte ich sie wirklich rausklettern lassen, doch das wäre mir dann doch etwas zu slapstick-artig gewesen. :o)

* ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ *
„Das Leben ist voller Möglichkeiten, aber du kriegst nie eine.“
Charlie Brown, Comic-Figur

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