Hallo Leute! Vanessa und ich haben uns zusammen gesetzt und das hier geschrieben. Wir hoffen es gefällt euch Den Schreibstil werdet ihr schon selber herausfinden. Viel Spaß!
Liebe Grüße Vanessa&Ann
Man sagt, dass es im Leben 7 verschiedene Ich-Zustände gibt. Mein Körper-Ich sorgt dafür, dass ich weiß, dass der Körper mit dem ich lebe, tatsächlich mein Körper ist. Mein Verortungs-Ich sagt mir, dass ich mich gerade auf dem Weg ins Krankenhaus befinde. Völlig neben der Spur, in meinem Hochzeitskleid. Mein perspektivisches Ich vermittelt mir, dass ich der Mittelpunkt der von mir erfahrenen Welt bin. In diesem Fall hätte ich mir wirklich gewünscht, das auch länger in der Welt der anderen zu sein. Diese Welt wäre perfekt gewesen. Als ich auf den Altar zuschritt, war sie das auch noch gewesen, bis sie ein grausames Ende fand. Und ich rede nicht nur vom Krankenwagen. Mein Ich als Erlebnissubjekt sagt mir, dass meine Sinneseindrücke und Gefühle tatsächlich meine eigenen sind und nicht der, der anderen. Wobei ich jetzt lieber die Sinneseindrücke einer Angelina Jolie, die gerade Brad Pitt knutscht, hätte. Wobei wir wieder bei einer perfekten Wirklichkeit wären, die anscheinend tatsächlich nur im Märchen mit einem Happy End aufhören. Mein Kontrollich macht mir klar, dass ich diejenige bin, die meine Gedanken und Handlugen zu verantworten hat. Dass sich gerade stärker denn je anfühlte, wenn ich daran dachte, vielleicht den Fehler meines Lebens begangen zu haben. Und nebenbei noch, um wahrscheinlich zahlreiche Menschenleben zu retten. Mein autobiographisches Ich sorgt dafür, dass ich nicht aus meinem eigenen Film falle, dass ich mich durchgängig als ein und dieselbe erlebe. Doch ein schlechter Film mit Tom Cruise in der Hauptrolle wäre mir jetzt eindeutig lieber, als die Realität. Mein selbstreflexives Ich ermöglicht mir über mich selbst nachzudenken, was bei mir aus genug Selbstzweifeln besteht. Das moralische Ich schließlich bildet soetwas wie mein Gewissen, dass mir sagt, was gut und was schlecht ist. Und das hier ist definitiv schlecht. ,,Dr. Haase!", reißt mich eine Stimme aus den Gedanken. Gordon spricht mich an. Erst da bemerke ich, dass alle bereits außerhalb des Krankenwagens stehen. ,,Auf was warten Sie?" Peinlich berührt nehme ich meine Atemmaske ab und verlasse also den Wagen, in dem vorher noch mein Vater gelegen hatte und begebe mich so schnell wie möglich ins Krankenhaus. Als ich dieses betrete herrscht das völlige Chaos. Ärzte rennen kreuz und quer, mal mit und mal ohne Schutzanzug. Alle reden durcheinander, keiner weiß, was wirklich los ist. Schließlich drücke ich die Taste und warte bis der Aufzug im Erdgeschoss ankommt. Kaum öffnen sich die Türen, steht Marc vor mir, ohne Schutzanzug. Er nimmt mich wahr. ,,Ist das", er deutet auf mein Brautkleid, ,,nicht unpassend?!" ,,Ja tschuldigung Marc, dass gerade auf meiner Hochzeit alle wegkippen müssen!" Das ist ja mal wieder so typisch. Statt dass er sich um irgendwen sorgt, muss er lieber einen seiner Sprüche loslassen. Zum Glück kommt der Fahrstuhl schnell im ersten Stock an und Mehdi steht vor uns.,,So Leute, heute wird nach meiner Pfeife getanzt. Warum habt ihr noch keine Schutzanzüge an. Hopp, hopp!" ,,Mehdi du kannst mich mal. Ich fahr jetzt erstmal eine rauchen!" Selbst in solch ernsten Situationen, kann er nicht seriös bleiben und muss an sich denken. Dabei zählt jede Sekunde, um Menschenleben zu retten. ,,Ich möchte dich nicht noch einmal bitten!", wird nun also auch Mehdi fordender.,,Als wenn ich mich von deiner Autorität beeindrucken lassen würde. Selbst die Toten haben keinen Respekt vor dir!" Doch bevor ich ihn belehren kann, schließen sich die Aufzugstüren und Mehdi und ich bleiben irritiert zurück. ,,Gib mir fünf Minuten", sage ich und gehe in die Schleuse, um mir - anders als Marc es vorhat - den Schutzanzug anzuziehen.
Gretchen
Komme in der Cafeteria an, als die ersten Hysteriker sich von der Dachterrasse stürzen wollen. Die Leute sind mir nicht nur zu anstrengend, sondern auch viel zu geisteskrank. Hab auf meinem Weg nach unten vorsichtshalbar den Psychologen angepiept. Bin an der Schleuse vorbei. Hab Hasenzahn bei sehr merkwürdigen Bewegungen endeckt. Nein, sie hat keinen Sex. Sie versucht lediglich ihren dicken Hintern, in den zu kleinen Schutzanzug zu quetschen. Denke mir, sie könnte meine talentierten Hände gebrauchen. Ich geh näher an sie heran und fasse sie ohne Vorwarnung mit beiden Händen an die Taille. Merke ein komisches Gefühl in der Bauchgegend. Ist es Hunger? Ich hab immerhin wegen dieser bescheuerten Hochzeit nicht gefrühstückt. Oder ist es das wovon Mehdi so oft spricht... Gretchen dreht sich um und sieht mich an. Als sie merkt, wer sie da berührt hat, fängt sie an verträumt zu lächeln. Mein Mund nähert sich ihren Lippen einen Augenblick, bevor ich wieder an diesem widerlich kitschigen Moment in der Kirche denken musste. Ich geh sofort einen Schritt zurück. ,,Hast du die Hochzeitstorte schon vor der Hochzeit gegessen?!", versuche ich es so vorwurfsvoll wie möglich klingen zu lassen. Habe schließlich einen Ruf zu verlieren. Daraufhin ziehe ich ihr schnell den Reißverschluss hoch und verlasse fluchtartig den Raum.
Das Leben mag vielleicht keinen Sinn haben, was aber noch lange nicht heißt, dass es sinnlos ist. Mal wieder wird mir klar, wie nah Tod und Leben beieinander liegen. Noch gestern hat Gundis einen gesunden Jungen zur Welt gebracht und jetzt weiß ich nicht, wie ich ihre Blutungen in den Griff kriegen soll. Es sind zu viele. Marc stürmt in den OP, in Schutzkleidung. Er stellt sich neben seinen Assistenten Knechtelsdorfer und gibt Anweisungen, als er die vielen Blutungen sieht. Doch es ist zu spät. Alle Organe versagen und aus jeder Körperöffnungen strömt das Blut, selbst an den Einstichstellen der Spritzen und Nadeln. Marc beginnt die Reanimation, aber es scheint alles vergebens. Nun endlich kommt auch Gretchen und sieht die Geschehnisse. War sie nicht eher als Marc los gegangen, um sich einen Schutzanzug überzuziehen? Als ich wieder zu Gundis sehe, legt Marc die Paddles beiseite. Ich schaue zur Uhr und sage noch:,,Todeszeitpunkt 13:09."
Mehdi
,,Dr.Haase, die Tote sofort in die Pathologie",, weist Mehdi an, als ich gerade den Raum betrete. Die Patientin war also verstorben. Erst da wird mir bewusst, dass wenn wir nicht schnell etwas unternehmen, das nicht unsere einzige Tote bleiben wird. Was immer es auch ist, unsere ganze Kompetenz als Arzt oder auch Ärztin ist hier gefragt. Wir bereiten alles vor, um die Leiche in den Keller befördern zu können. Auf dem Weg nach unten erzählt Mehdi mir, was in meiner Abwesenheit dieses Chaos verursacht hatte. Erst als wir im Fahrstuhl sind, fallen mir die Fragen wie Schuppen von den Augen. ,,Hast du das Tropeninstitut informiert? Die Station wurde schon geräumt, oder? Die Sanitäter wissen doch auch, dass sie uns keine nicht infizierten Patienten mehr bringen sollen? Mehdi du hast hier die Verantwortung!" ,,Gretchen, kannst du bitte damit aufhören! Ich hab alles im Griff!" Ich beobachte ihn und vertraue seinen Worten augenblicklich. Mehdi scheint wirklich alles im Griff zu haben. Noch ist keiner von uns der Verzweiflung nahe. Noch wissen wir auch nicht, was hier vor sich geht. Es wird viele solcher Opfer geben, das ist unumstritten. In der Pathologie angekommen, begrüßen wir den unglaublich sympathischen Gerichtsmediziner, wie mir nur wenig später klar wird. ,,Dafür, dass bei ihnen einer nach dem anderen eingeliefert wird, haben Sie aber noch ein freundliches Lächeln auf den Lippen", bemerke ich nicht nur das, sondern auch, dass er gar nicht mal so unattraktiv ist. Bin geschockt von mir selbst. Habe gerade am Tag meiner Hochzeit mit dem bereits zweiten Mann geflirtet. Fühlt sich aber nicht an, wie der glücklichste Tag meines Lebens. Könnte unter Umständen daran liegen, dass dabei ziemlich viele Menschen versammelt waren, von denen mindestens einer einen tödlichen und noch unbekannten Virus in sich trägt. ,,Den Tod empfinden wir nur als etwas Schreckliches, weil wir ihn nicht kennen. Vielleicht ist er nur eine Erlösung in eine bessere Welt. Anders könnte ich auch nicht so arbeiten. Und wer weiß vielleicht ist jeder Toter mehr, ein Aufschluss für unsere Welt". ,,Wow, sie leben sehr optimistisch, Dr....?" ,,Gummersbach. Aber sagen Sie doch einfach Günni." Erst als ich mich umdrehe, bemerke ich Mehdi, der wohl schon etwas länger vorwurfsvoll zu mir rüber schaut. Im Fahrstuhl waren wir diesmal nicht alleine. 4 weitere Personen in Schutzanzügen, hatten gerade ebenfalls eine Leiche abliefern müssen. ,,Was sollte das schon wieder?", fragt Mehdi mich plötzlich. Ich sehe ihn nur verständnislos an. Meint er etwa Günni? Das würde heißen, dass er eifersüchtig ist. Nicht schon wieder. ,,Mit dem Pathologen?! Hast du etwa doch nicht 'Ja' gesagt und suchst dir wieder einen Neuen?" Das geht mir zu weit. Ich bin doch keine Schlampe, die sich nimmt, was sie braucht. Wobei ich ja gar keinen mehr brauche. Bin verheiratet. Da fällt mir gerade ein, dass Mehdi das ja gar nicht wissen konnte. Er hat ja die Patientin versorgt. ,,Was bist du denn schon wieder so cholerisch? Es kann dir doch egal sein mit wem ich... was habe, oder wie auch immer. Aber das hab ich ja auch nicht nötig. Ich bin nämlich verheiratet." ,,Das hat man ja gerade gesehen." ,,Sag mal Mehdi, was soll das? Ich liebe Alexis." So langsam fühle ich mich wirklich angegriffen. Ob er noch an mir hängt? Erst vor kurzem wollte er mich noch heiraten... Jedenfalls scheint ihn dieser Satz ruhig gestellt zu haben. Zumindest vorerst. Denn sobald die Fahrstuhltüren sich wieder öffnen, springt uns Schwester Sabine entgegen. ,,Der Dr. Knechtelsdorfer ist umgekippt!", schreit sie hysterisch. Aber ich habe keine Zeit mir Gedanken darüber zu machen, als Sabine auch schon hinzufügt:,,Und der Dr. Meier operiert gerade ohne Assistenz den Herrn Professor!" Ich mache mich also umgehend auf dem Weg zum OP, während Mehdi Sabine folgt.
Wir haben soweit alles vorbereitet. Der infizierte Chef muss so schnell wie möglich operiert werden. Ich bin nicht die Einzige, die schon von den ersten Kranken gehört hat, die an den teuflischen Blutungen gestorben sind. Dieses Schicksal wollen wir dem Professor ersparen. Jede Sekunde zählt. Wir warten nur noch darauf, dass der Herr Dr. Meier endlich den Raum betritt und anfängt. Soeben musste er auf seinen Assistenzarzt verzichten, der mit Blut aus der Nase umgekippt war und Versorgung braucht. Nun endlich kommt auch der Oberarzt in den Raum. Aber er ist nicht alleine. ,,Wieso hast du mich nicht angepiept?", keift hinter ihm Dr. Haase. ,,Es geht hier um Sekunden. Hasenzahn, wir haben keine Zeit mehr zu verlieren." Allerdings. Die OP-Räume sind alle belegt, jeder muss jetzt mit anpacken. Denn es wird einer nach dem anderen eingeliefert. Die Operation am Professor verläuft besser als gedacht. Es ist absolut still im Raum. Die Ärzte sind konzentriert. Selbst auf Dr. Meiers Anweisungen reagiert Dr. Haase sofort. Normalerweise lässt sie sich ja weniger rumkommandieren und ist selten still. Die Blutungen konnten soweit alle lokalisiert und gestoppt worden. Alle Anwesenden sind zufrieden. Jetzt heißt es abwarten. Abwarten, dass schnell eine Lösung gefunden wird und die Infizierten überleben können.
Schwester Anke
Als ich den Waschraum verlasse, muss ich eigentlich direkt los zum nächsten Patienten. Doch - meine Mutter. Komplett aufgelöst läuft sie auf mich zu. ,,Magarethe, was ist passiert? Wie geht es deinem Vater? Was sagen die hier alle von einem tödlichen Virus? Ist Franz infiziert? Oh Gott, er wird sterben..!" Diese Frau hat wirklich Nerven. Das Letzte, was wir gerade gebrauchen können, ist eine Massenpanik. Ich sollte also meine Mutter beruhigen, bevor sie irgendetwas Unüberlegtes tut. ,,Mama, das wird schon wieder." ,,Aber ihr wisst doch noch nichtmal was es ist. Dauernd werden hier Leute eingeliefert. Und gestorben sind doch auch schon zwei! Sag mir einfach, ob ich eine Beerdigung planen muss!" ,,Hier wird gar nichts geplant. Jetzt fahr nach Hause, hier kannst du eh niemandem helfen." Widerwillig lässt sich meine Mutter tatsächlich aus dem Krankenhaus vertreiben. Im letzten Moment ruft sie mir nur entgegen:,,Kind, deine Schwiegermutter wurde übrigens eingeliefert!" Schön, dass sie das so nebenbei erwähnt. Habe also endlich nach langer Fragerei das richtige Untersuchungszimmer gefunden. Sehe meine Schwiegermutter also unbehandelt auf einer Liege. Offenbar fehlte jemandem die Zeit, sie zu untersuchen. ,,Frau von Buren!", versuchte ich sie anzusprechen, aber sie ist wohl bewusstlos. Noch zeigt sie keinerlei Anzeichen einer Infektion. Ich beginne also damit ihre Atmung und den Puls zu kontrollieren. Es scheint alles in Ordnung zu sein. Sogar mehr als in Ordnung. Denn als ich ihre Augen dann mit der Taschenlampe beleuchte, zeigen die Pupillen eine Reaktion. Das kann doch nicht sein! Ich muss mich verguckt haben. Die Frau ist blind, sie darf keine Reaktion zeigen. Ich überprüfe ihre Augen erneut. Und - schon wieder! Sie ist wohl nur ohnmächtig geworden. Nur weiß ich nicht, ob sie infiziert ist. Die Symptome können auch erst wesentlich später auftreten. Wir wissen ja nicht, was es ist. Im nächsten Moment wird auch schon die Tür aufgerissen und Marc steht im Raum. ,,Hier bist du. Mitkommen!" ,,Marc, ich hab hier eine Patientin?!" Er stöhnt genervt und stellt sich zu mir. ,,Symptome?", fragte er und sah sich Frau von Buren genauer an. ,,Bis jetzt keine", antworte ich. ,,Na also, was stehst du dann hier noch so rum. Die Frau kommt in die Quarantänestation und fertig." Er hat nun wirklich kein Taktgefühl.,,Marc das ist meine Schwiegermutter?!" Und da schweigt er, geht aus dem Raum und ruft eine Schwester, die Alexis' Mutter auf die Quarantänestation bringen soll. Huch, was ist denn mit dem los? Ich folge ihm, schließlich wollte er doch irgendetwas von mir. Im Flur hole ich ihn ein. ,,Hast du endlich dein Mitgefühl gefunden, oder wo bleibt der Spruch?" Da bleibt er auch schon stehen, mitten im Flur, neben Mehdi.
,,Ich hab jetzt echt Besseres zu tun. Wir können natürlich auch noch ein kleines Kaffeekränzchen machen, aber nicht den Beerdigungskuchen vergessen, für die Leute, die nebenbei sterben werden", meint Marc, als er endlich Gretchen gefunden hat. Die beiden müssen sich auch immer in den unpassensten Situationen kabbeln.,,Was wolltet ihr jetzt von mir?", fragt Gretchen. ,,Die Tropenmediziner werden gleich da sein. Das heißt für euch, dass nur sie und ich die Quarantänestation betreten dürfen, damit sie in Ruhe arbeiten können." ,,Was?! Ich muss aber zu meiner Schwiegermutter." Meine Mutter hätte sie bestimmt auch gerne als Schwiegermutter... Vertreibe den Gedanken unverzüglich und frage lieber:,,Wieso?" ,,Was? Du warst doch gerade bei ihr! Ich dachte du hast das neureiche Arschloch geheiratet und nicht sie. Seine Schwiegermutter hasst man doch eigentlich, oder hab ich da was missverstanden?" Sie ignoriert Marc. ,,Also eigentlich ist ja blind, ne", dabei schaut sie auf ihre Fingernägel, ,,Aber als ich ihre Augen gerade untersucht habe, da waren sie ganz...gesund. Deswegen dachte ich vielleicht, dass..." Marc unterbricht sie. ,,Ja genau Hasenzahn oder soll ich lieber Jesus sagen?" Das ist mal wieder so typisch für Marc. Er liebt sie und nur weil sie verheiratet ist, muss er den Beleidigten spielen und ihr seine Sprüche aufdrücken, statt dass er einfach um sie kämpft. Und Gretchen kommt trotzdem nicht von ihm los. Sollte sie vielleicht öfter necken. Setzte meinen Plan auch gleich in die Tat um. ,,Müssen wir dich dann nachher auch noch ans Kreuz nageln?" ,,Eh, versucht du jetzt einen auf... Meier zu machen oder wie?" Marc lacht und erwidert:,,Vergiss es. Dafür muss er noch sehr sehr viel lernen." Versuche abzulenken.,,Jedenfalls glaube ich auch nicht, dass sie plötzlich wieder sehen kann. Vielleicht ist das hier einfach zu viel Stress für dich." Daraufhin verschwinde ich lieber und kümmer mich um die wirklich wichtigen Dinge, die gerade zählen.
Mehdi
Die Patienten sind soweit versorgt. Der Dr. Meier hat daraufhin mir und der Frau Doktor aufgetragen, die Angehörigen der Opfer zu informieren. Achja eigentlich ist das ganze Leben wie ein Dr. Rogelt Roman. Diese Virusgeschichte könnte auch aus der Feder einer begnadeten Elke Fisher stammen. Und in jedem Krankenhaus gibt es auch mindestens eine Romanze. Aus denen von der Frau Doktor könnte man eine ganze Buchreihe machen. Aber ihre einzig wahre Liebe bleibt Dr. Meier, der ihr zu Liebe ein ganz anderer Mensch wird. Zumindest will es der Aszendent der Frau Doktor so. Für die Liebe heißt es, wird sie über den ein oder anderen Mann in ihrem Leben stolpern, bevor sie erkennt, wer ihr wahrer Prinz ist. Wäre ich nur so wie Frau Doktor... Ich würde mich schon mit einem der drei zufrieden geben... ,,Sabine!!!" Oh da habe ich wohl ein wenig zu lang geträumt. ,,Hat Knechtelsdorfer irgendwelche Angehörige?" Ich suche in seinen Unterlagen und finde eine Nummer.,,Das sind seine Eltern." Frau Doktor tippt die Rufnummer und muss, so wie die letzten 7 Male, die Angehörigen der Leidtragenden informieren. Doch diesmal scheint niemand abzuheben. ,,Anrufbeantworter", murmelt sie. Ich suche also weiter und finde via Rechner eine weitere Nummer.,,Diese hier ist von seiner Schwester. Sie wohnt sogar in Deutschland." ,,Na, Gott sei Dank, dann besteht ja noch Hoffnung, dass man sie versteht."
,,Mitzi Knechtelsdorfer", meldet sich eine Stimme, die tatsächlich akzentfrei klingt. ,,Elisabeth-Krankenhaus Berlin, Dr. Haase hier, hallo. Es geht um Ihren Bruder." ,,Arbeitet der nicht bei Ihnen? Jetzt sagen Sie mir nicht, dass er wieder gefeuert worden ist, weil er.-" Der ist schon mal geflogen? Kläre aber mal lieber auf:,,Nein, nein. Darum geht es nicht. Es ist so, dass eine Patientin einen unbekannten Virus in unser Krankenhaus geschleppt hat. Und Dr. Knechtelsdorfer ist infiziert." ,,Oh, ist es sehr schlimm?" Muss an die Massenpanik denken und darf gleichzeitig nicht lügen. Als Ärztin hat man es wirklich nicht einfach. Hätte Polizistin oder so werden sollen. Wobei - nein ganz schlechte Idee. Würde lieber mit den Verbrechern einen Schokoladen-Deal aushandeln, anstatt zu schießen. Bleibe doch lieber Ärztin. Also.. ,,Ähm... wir wissen leider noch nichts Genaues." War doch nicht mal so schlecht. ,,Okay, dann muss ich wohl vorbei kommen. Vielen vielen Dank für den Anruf, Frau Doktor Haase." Nach dem Gespräch mit Knechtelsdorfers Schwester, erzähle ich also auch Sabine von meiner Begegnung mit Frau von Buren. Und - wie ich es mir fast gedacht hatte - glaubt Sabine mir. Auch wenn sie mir daraufhin einen Vortrag über den Zusammenhang zwischen Homöopathie und Wunderheilung hält. Außerdem weiß sie, dass Dr. Kaan den Pass für die Schleuse immer bei sich trägt. In seiner hinteren rechten Hosentasche. Diese Frau macht mir manchmal wirklich Angst. Egal, habe eine neue Mission. Wenn meine Schwiegermutter wirklich wieder sehen kann, muss das einen Grund haben und den geht es zu erforschen. Zudem muss doch jemand bei ihr sein, sie findet sich doch alleine nicht zurecht. Kann sie da unmöglich ihrem Schicksal überlassen. Habe auch schon einen Plan mit Sabine ausgearbeitet. Auftrag: Milchzucker (Sabine meinte, es muss unauffällig klingen) kann beginnen. Gretchen
Esse gerade meine dritte Tafel Schokolade, als die Tür aufspringt und Gretchen in mein Büro stürmt. ,,Gibt es Neuigkeiten wegen des Viruses? Haben die Ärzte schon was herausgefunden?", frage ich sie. Doch sie antwortet mir gar nicht erst, sondern geht auf mich zu, packt meinen Kittel und zieht mich ganz fest an sie heran. ,,Was wird das?" Ich starre sie entsetzt an. Hatte mein Macho-Spruch doch gewirkt? ,,Mehdi, ich konnte dich einfach nie vergessen. Du bist doch immer noch der Vernünftigste!" Träume ich schon wieder? Oder meint sie das gerade ernst? Ich glaub, ich bin im Himmel! ,,Uuund Alexiiiis?", stammel ich irgendwie vor Aufregung. ,,Wer ist schon Alexis? Das war doch nur Spaß!" Daraufhin lehnt sie sich näher an mich und beginnt mich heiß zu küssen. Das ist der beste Traum, den ich je hatte. Unsere Küsse werden immer wilder und sie fängt an mir nach und nach meine Kleidung zu entledigen. Als ich anfange ihre Bluse aufzuknöpfen, stehe ich schon nackt vor ihr. Doch sie schupst mich kurz nach hinten, sodass ich in meinen Bürostuhl zurückfalle. Plötzlich zieht sie eine Mullbinde aus ihrer Kitteltasche hervor und bevor ich mich versehen kann, bin ich an meinem Stuhl festgebunden. Sie knöpft ihre Bluse zu und holt sich den Schleusen-Pass aus meiner Hosentasche. ,,Tut mir Leid, Mehdi, aber es ging nicht anders." Da verschwindet sie auch schon wieder und ich sehe noch, wie die Tür sich schließt. Bin so überrascht, dass ich gar nicht reagieren kann. Soetwas hätte ich von Gretchen nie erwartet. Dass sie meine Gefühle ausnutzt, um hinterhältig zu agieren. Mehdi
Komme gerade mit der Hassmann von einem Gespräch mit den Urwaldaffen. Für was habe ich eigentlich so erfolgreich Medizin studiert, um mir jetzt von einem Teletubbyzurückwinker die Verantwortung nehmen zu lassen?! Die Hassmann meinte mich unterstützen zu müssen. Als wenn ich das nicht selber hinbekomme. Wenn alle Überredungskraft nicht wirkt, kann sie ja zur Not noch ihre Titten zeigen. Sehe Sabine vor Kaans Tür. Braucht er jetzt schon Schutz von ihr? Doch dann kommt plötzlich Gretchen aus Kaans Büro gestürmt. Knöpft noch den obersten Knopf ihrer Bluse zu. ,,Oh", bemerkt Hassmann neben mir. Bin geschockt. Hatte Gretchen etwa dieselbe Idee wie ich?! Für so billig hätte ich Hasenzahn nicht gehalten, hat immerhin gerade einen Millionär geheiratet. Wenigstens nimmt sie Sabine mit, als sie verschwindet. Wäre mir an ihrer Stelle auch peinlich gewesen, so rot wie sie ist. Reiße Kaans Bürotür auf. Der Kerl ist echt zu notgeil, hätte ihn vernünftiger eingeschätzt. ,,Mehdi, sag mal warum hat Hasenzahn gerade...", bemerke in dem Moment, dass er nackt in seinem Bürostuhl sitzt. Bin enttäuscht. Gretchen macht heimlich Fesselspiele mit dem Kaan, will aber nicht mit mir unter die Dusche?! ,,Ah, verstehe. Schon so verzweifelt, dass man die verheirateten Frauen poppen muss." Hassmann stellt sich an den Schreibtisch. ,,Hab mir den irgendwie größer vorgestellt", fängt sie an zu lachen.,,Hab da mehr zu bieten." Gebe ihr deutlich zu verstehen, dass ich Leute kenne, die eindeutig mehr zu bieten haben. Sie guckt daraufhin komisch. ,,Da gabs wohl schon die erste Ehekrise. Hab ich ja doch noch eine Chance bei dem Millionär!" Mit Absicht betont sie das letzte Wort. Das Wichtigste ist sowieso, dass eine Frau das noch zu schätzen lernen wird. ,,Könnet ihr mich dann vielleicht mal losmachen?", bat Mehdi. Wird mir zu blöd hier. Haue lieber ab und suche Hasenzahn. Die ist doch verheiratet, einer muss ihr ja mal die Leviten lesen. Ist um die Ecke nicht mehr aufzufinden. Gehe also zurück, habe ja schließlich noch was zu klären. Als ich ankomme, hat er zumindest schon wieder ne Hose an. ,,Wenn du dann jetzt auch noch für wichtige Sachen Zeit hättest, solltest du ein Schwein organisieren", erzähle ich ihm von dem Geschwafel der Tropengorillas. ,,Schwein?", fragt er und zieht sein T-Shirt über.,,Ja, äh zur Serumgewinnung. Dem Schwein wird der Virus injiziert. Mit Glück bildet dessen Blut Antikörper, die wir den Patienten verabreichen können", erklärt die Hassmann. ,,Du bist in der Zeit unser Bimbo. Du musstest ja die Verantwortung an dich reißen, anstatt es denen zu überlassen, die wirklich Ahnung davon haben." Sowieso immer ich. ,,Kommt drauf an. Im Moment komme ich nicht mehr in den Bereich..." Hat man ihn doch nicht für würdig gehalten? Wieso hat man mich dann noch nicht gefragt? ,,Wieso, ich dachte Sie sind hier verantwortlich?!", fragt Dr. Hassmann. ,,Gretchen hat den Pass...", erwidert er. ,,Mehdi, du Strichmädchen. Du hast Gretchen erpresst. Sie musste mit dir schlafen, damit du ihr den Pass gibst?! Das ist echt das...Allerletzte! Was ist aus dir bloß geworden?" Naja anders hätte er Gretchen sowieso nie rumgekriegt.,,Du brauchst nicht eifersüchtig sein. Habe nicht mit Gretchen geschlafen." Das kann er seinen Patienten erzählen. ,,Hat sie dir etwa nur einen geblasen oder was?" ,,Boah Meier, checks endlich, sie will nichts mehr von mir. Außer den Pass, den wollte sie." ,,Ist mir auch scheiß egal, ich geh jetzt." Muss grinsen. Hasenzahn ist wirklich cleverer, als ich dachte. Hatte ja auch den besten Lehrer.
Danke für die tollen Kommentare, die wir bis jetzt bekommen haben Das motiviert weiter zu schreiben!!!! Achja und bevor ich es vergesse: Falls ihr euch gefragt habt, was das mit dem Milchzucker sollte, das benutzt man, um homöopathische Arzneimittel herzustellen Viel Spaß beim Lesen!
Als ich die Quarantänestation betrete, ist es ungewohnt still. Die Hektik im Krankenhaus scheint an dieser Station völlig vorbei gelaufen zu sein. Lediglich ein paar Menschen in Schutzanzügen kreuzen meinen Weg. Nun heißt es das richtige Zimmer zu finden. Immerhin habe ich mir vorgenommen nicht nur meine Schwiegermutter, sondern auch meinen Vater zu suchen. Ich hoffe einfach, dass es allen den Umständen entsprechend geht und vor allem, dass mein Vater stabil ist. Denn auch wenn die Operation gut verlaufen ist, heißt das noch lange nichts, in Hingblick auf die Ausbreitung der Krankheit. Meine Suche gestaltet sich schwieriger als gedacht. Aus Platzmangel stehen in jedem Zimmer vier, ja manchmal sogar fünf Betten. Und jedes Mal, wenn ich die Tür aufmache, fragt jeder der "Insassen", ob es schon neue Informationen gibt, ob sie sterben werden oder eben wann sie wieder nach Hause können. So verbringe ich viel Zeit auf den Zimmern, da die meisten sich nicht mit meinen Antworten zufrieden geben. Sie erzählen mir dann von ihrer Familie und ihren Kindern. Einmal habe ich sogar ein Paar, dessen Kinder alleine Zuhause sind. Konnte nicht anders und habe mir die Nummer der Familie auf ein Verbandstuch geschrieben, um mich nachher darum zu kümmern. Im nächsten Zimmer treffe ich drolligerweise meine Mutter an. Hab ich sie nicht nach Hause geschickt? ,,Mama, was machst du denn hier?" ,,Gretchen???" Achja, sehe immer noch aus wie eine übergroße Kartoffel. ,,Ja, Mama. Wieso bist du nicht Zuhause?" ,,Die haben mich nicht gehen lassen. Stell dir vor, alle, die in der Kirche waren, wurden hier eingebuchtet. Dabei muss ich Zuhause noch die Wäsche sortieren." Irgendwann treibt sie mich noch in den Wahnsinn. Aber - wenn alle hier sind, dann muss doch auch...,,Ist Alexis dann auch hier?" Den, den ich am Tag meiner Hochzeit am seltesten gesehen habe, ist mein Ehemann. Sollte mich eigentlich schämen. ,,Alle sind hier." Ich weiß nicht, ob ich ihn wirklich sehen will. Nachdem mein Vater umgekippt war, hatte er nichts Besseres zu tun, als an sich zu denken.
,,Was hat er denn?", hatte Alexis mich gefragt. Ich kniete neben meinem Vater und überprüfte gerade die Vitalfunktionen. ,,Ich...wweiß...es nicht!", stammelte ich nur noch. Sowas musste auch immer ausgerechnet mir passieren. Meine Gedanken konnte ich in dem Moment nicht zuordnen. Sie schwammen irgendwo zwischen Verzweiflung und Hilflosigkeit. Ich hätte mir wirklich gerne gewünscht, dass mich einfach jemand in den Arm nimmt und sagt, dass alles besser wird. Aber stattdessen.-
,,Wissen Sie denn schon was es ist? Werden wir sterben?", werde ich in meinem kurzen Flashback unterbrochen.,,Nein, sie werden nicht sterben. Wir finden eine Lösung", antworte ich fast schon genervt der Frau, die im Bett neben meiner Mutter liegt.,,Wie geht es Franz?", fragt meine Mutter besorgt. ,,Ich war noch nicht bei ihm", erwidere ich wahrheitsgemäß. Und dann passiert etwas, mit dem ich nie mehr gerechnet hatte. Meine Mutter schweigt, obwohl ihr die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben ist. Bestürzt bilden sich sogar die ersten Tränen in ihren Augen.,,Die Tropenmediziner sind hier, sie tun alles, um die Patienten zu heilen. Papa, wird wieder gesund", versichere ich ihr. Dann lasse ich sie alleine und suche vorerst die Zimmer auf, in denen die Patienten liegen, die Symptome aufweisen oder sogar bereits operiert worden sind. Wie der Professor. Im Zimmer meines Vaters lag nur ein weiterer Mann. Es war still, man hörte nur das regelmäßige Piepen des Pulsoximeters.
@ Edina Sorry, war nicht böse gemeint. Wenn es dich beruhigt, andere Dialekte versteht man auch schlecht.
Irgendwie hat mich das mit Hasenzahn doch ganz schön angepisst. Daraufhin muss ich erstmal eine rauchen. Stecke mir ne Zigarette in den Mund, muss schließlich alles schnell gehen. Wenn das Schwein kommt, ist hier wieder Hysterie. Als die Aufzugstüren sich öffnen, wagt es jemand achtlos in mich rein zu laufen. Wollte erst was Dummes sagen, doch dann beobachte ich die Person vor mir genauer. Ist ziemlich scharf. Sage deshalb: ,,Hey, sowas Schönes wie mich kann man doch nicht übersehen." ,,Dann hättest du mich ja auch nicht übersehen sollen", erwidert sie und sieht mich verständlicherweise verführerisch an, ohne im Vorbeigehen nochmal ihre Hand an meinen Arsch zu spüren. Gar nicht mal so schlecht. Vielleicht kann da ja nachher noch was laufen. Wenn Gretchen schon ihren Spaß hat, brauch ich das ja allemal.
Marc
Nach dem kurzen Besuch bei meinem Vater kann ich also beruhigt weiter, denn es scheint ihm ja den Umständen entsprechend gut zu gehen. Auch wenn ich seit den ersten Todesfällen keine ruhige Minute mehr habe. Irgendwie wird einem erst da immer bewusst, was Tot eigentlich bedeutet. Besonders nach der Reaktion meiner Mutter. Mir wird jedes Mal nur umso mehr klar, dass ich dieses Schicksal nicht nur meinem Vater, sondern auch den anderen Famlilien ersparen möchte. Komme also nach langer Sucherei an meinem eigentlichen Ziel, Mechthilds Zimmer, an. Öffne die Tür uns sehe sie in ihrem Bett liegen. Sie scheint ein wenig verwirrt zu sein und ich trete langsam an ihr Bett. ,,Sagen Sie, wann komme ich hier raus? Es wird mich wirklich zu langweilig hier. Wenn man wenigstens raus aus diesem Zimmer könnte, sind ja immerhin ganz viele Patienten, da könnte doch der ein oder andere dabei sein. Aber nein, nichts davon", meckerte sie. ,,Frau von Buren...ich bin es, Gretchen!" ,,Ach Gretchen, bist du so gütig und reichst der alten Frau ihre Brille?" Hatte mich schon gewundert. Das heißt, falls ich mir das wirklich eingebildet habe und das nur eine Stressreaktion meines Gehirns war und sie immer noch blind ist. Ist sie aber nicht. Wer bin ich denn, dass ich mir einreden lasse, dass ich im Unrecht bin? Nein, bin wegen etwas ganz anderem hier. Nicht, um ihr die Brille zu reichen. ,,Sagen Sie mal, kann es sein, dass sie die gar nicht brauchen?", frage ich sie also. Verstört sieht sie mich an. ,,Natürlich brauche ich sie, Kind. Ich bin doch schließlich blind." Doch zu viel Stress? Warum müssen andere immer Recht behalten? Ich bin doch nicht blöd. ,,Mechthild, ich habe dich untersucht. Deine Augen zeigen ganz normale Reaktionen." ,,Du kannst dich nur getäuscht haben. Bin mein ganzes Leben lang blind." Solangsam fühle ich mich verarscht. ,,Kann ich dich nochmal untersuchen? Nur um sicher zu gehen..." Erst nickt sie, doch als ich näher komme und sie anscheinend merkt, dass ich das ernst meine, gibt sie ihren Widerstand plötzlich auf. ,,Na schön, dann bin ich eben nicht blind. Du weißt gar nicht wie viel einfacher das Leben ist." Das glaube ich jetzt nicht. ,,Du...du warst nie blind?!" ,,Nein, es ist viel schöner die Leute von ihrer wahren Seite kennen zu lernen. Wenn du verstehst, was ich meine." Ist es denn zu viel verlangt, dass nur ein Mann auch mal komplett ehrlich zu mir ist? Wieso lügt er mich an? Ich bin seine Ehefrau. Ich dachte, er vertraut mir. ,,Wieso hast du mir das nie gesagt? Ich meine wenigstens nachdem du meine", deute mit Absicht Anführungszeichen an, ,,'wahre Seite' kennen gelernt hast. Wir sind doch quasi jetzt so etwas wie...eine Familie?!" ,,Es tut mir Leid", antwortet sie. Hoffe doch, dass sie das diesmal ehrlich meint. Bin sprachlos vor so viel Rücksichtslosigkeit und Betrug. Sage ihr noch, dass ich die Entschuldigung annehme und verschwinde dann. Muss jetzt erst Recht Alexis finden. Denke er wird sich ausreichend Argumente zurecht legen müssen. Gretchen
Es hat sehr viel Zeit gekostet, alle Zimmer durchzusehen. Doch ich habe wirklich alle abgeklappert. Alexis ist nicht hier. Weder er, noch seine Schwester. Langsam habe ich das Gefühl, dass hier irgendein Spiel gespielt wird. Fühle mich dabei ziemlich unwohl. Bisher dachte ich Alexis wäre perfekt, aber jetzt bin ich mir wegen nichts mehr sicher. Anscheinend kenne ich ihn ja nicht genug oder er vertraut mir nicht, was irgendwie auf dasselbe hinaus läuft. War es falsch ihn zu heiraten? Hätten wir warten sollen? Habe ich ihm Unrecht damit getan? Ne, immerhin hat er mir den Antrag gemacht. Er wollte das genauso wie ich. Aber wieso ist er dann...-so. Wieso lügt er mich an? Er weiß doch, dass seine Mutter nicht blind ist! Vielleicht hat er sich es doch anders überlegt. Denkt ja auch nicht daran, sich bei mir zu melden. Ist ja auch nichts. Ich meine, hey, mein Vater ist mit einem tödlichen Virus umgekippt, mitten in der Kirche, auf meiner Hochzeit. Und der Bräutigam ist der Einzige, der nicht mehr aufzufinden ist. Wieso war er so seltsam?
,,Was hat er denn?", hatte Alexis mich gefragt. Ich kniete neben meinem Vater und überprüfte gerade die Vitalfunktionen. ,,Ich...wweiß...es nicht!", stammelte ich nur noch. Sowas musste auch immer ausgerechnet mir passieren. Meine Gedanken konnte ich in dem Moment nicht zuordnen. Sie schwammen irgendwo zwischen Verzweiflung und Hilflosigkeit. Ich hätte mir wirklich gerne gewünscht, dass mich einfach jemand in den Arm nimmt und sagt, dass alles besser wird. Aber stattdessen weicht Alexis einige Schritte zurück und bleibt wie erstarrt stehen. ,,Uuund jetzt?", fragte er. Erst jetzt fällt mir auf, dass er da ziemlich nervös gewirkt hatte, wenn ich mich so daran erinnere. Da war einer der Ärzte, dessen Pieper sich ständig gemeldet hatte, weil sie im Bereitschaftsdienst gewesen waren, an meine Seite getreten. Er faselte etwas von unbekanntem Virus und Bewusstlosigkeit, Blut aus der Nase usw. Zu dem Zeitpunkt war ich berechtigterweise nicht aufnahmefähig. Entsinne mich, dass mein Ehemann mich rufte. ,,Gretchen?? Was soll das heißen? Virus?" ,,Ich weeiiiß es nicht", wiederholte ich nur. Musste immerhin währenddessen auch auf meinen Vater Acht geben.,,Quarantäne?", fragte er. ,,Ich denke schon." Irgendwie schien er Angst vor etwas zu haben.,,Für uns alle???" Hatte mich zu ihm gedreht und nickte. In seinem Gesicht war Panik zu erkennen gewesen. Ich dachte es wäre wegen des Viruses, aber offenbar muss das einen ganzen anderen Grund gehabt haben. Einen viel komplizierteren, der Anlass genug ist, sich nicht untersuchen zu lassen.
Mir macht das Angst. Angst zu wissen, eigentlich nichts zu wissen. Vor allem Angst davor, dass meine Ehe doch nicht so perfekt läuft, wie sie sollte. Angst, das Falsche getan zu haben. Angst vor einer Scheidung und dem Gefühl wieder versagt zu haben. Mir selber Unrecht getan zu haben. Dabei bin ich eigentlich selbst nicht besser. Habe zu oft an ihm gezweifelt, immerhin hätte ich fast die Hochzeit abgeblasen und dass nur, weil Marc mich mal wieder geküsst hatte. Ja, Marc habe ich auch irgendwie Unrecht getan. Moment mal, Marc? Der Idiot schleicht sich auch immer irgendwie in meine Gedanken. Wenn er nur nicht mit Gigi geschlafen hätte, vielleicht wäre alles ganz anders. Wenn ich nur an heute Morgen denke, wie er mich so angeschaut hat und sich... Muss mich kurz räuspern, um meine eigenen Gedanken zu vertreiben. Habe erst einmal etwas ganz anderes zu klären, bevor ich mich ernsthaft mit Macho-Arschlöchern beschäftige, die der Vergangenheit angehören. Gretchen
„Hey Du!“, höre ich jemanden hinter mir sagen. Drehe mich um und will diejenige Person erst anschnauzen, wie man mich einfach so in meiner wohlverdienten Raucherpause stören kann, bis ich sehe, wer da zu mir spricht. „Also ich will hier jetzt nicht lange rumquatschen und so. Ich meine, wir beide sind nicht gerade uninteressiert aneinander, wenn ich das eben richtig interpretiert habe, oder? Also ich gehe jetzt noch schnell nach wem schauen und dann hätte ich Zeit. Du auch?“ Das kommt jetzt schon ein wenig unerwartet für mich, war in letzter Zeit ja nur von Frauen umgeben, die zu kompliziert waren und es auch immer noch sind. Nun muss ich mich noch nicht mal mehr anstrengen. Wobei das an einer Person liegt, auf die ich mich in letzter Zeit viel zu viel konzentriert habe. Doch werde aus meinen Gedanken gerissen. „Hallo? Ist jemand Zuhause?“. „Jaja!“, erwidere ich schnell. „Wenn du mir jetzt noch deinen Namen verraten magst.“ „Mitzi! Also in einer Stunde genau hier? Und dann fahren wir am besten zu dir, hier ist mir das alles ein wenig zu stressig. Lauter Menschen, die einfach nur total ausflippen.“ Stimme ihr zu und verabschiede mich für die eine Stunde. Endlich - Marc Meier is back -, auch wenn er eigentlich nie richtig weg war. Habe mich in letzter Zeit einfach zu sehr hängen lassen, aber mein natürliches Sexappeal lässt eben keine Frau kalt, was ich gut verstehen kann. Hoffe nur, dass das Schwein jetzt schell kommt und ich die Sau raus lassen kann.
Marc
Gegen Nachmittag hole ich mir einen Kaffee. Bei diesem blöden Automaten funktioniert das Becherfach mal wieder nicht. Scheiß Ding. Höre jemanden telefonieren. Gehe näher heran und erkenne Haase. ,,Alexis, wieso bist du nicht hier? Ich mach mir Sorgen verdammt!" Aha, könnte interessant werden. ,,Die haben dich gehen lassen, wie? Aber alle anderen wurden in Quarantäne geschickt! Du musst so oder so hierhin kommen. Ich hab was zu klären." ,,Das ist mir egal, du wirst nochmal untersucht. Ich will nur dein Bestes, Glodie." Ist ja herzallerliebst.,,Nein, ich komme nicht nach Hause, weißt du was hier los ist? Oder kannst du dich zufällig nicht mehr erinnern, warum ich hier und nicht auf dem Weg in die Karibik bin???" Haase legt einfach auf. Hätte nicht gedacht, dass sie so abgebrüht ist. ,,Aber Dr.Haase, hier ist es doch mindestens genauso schön wie in der Karibik! Warum haben Sie ihm denn nichts von der Sache mit Dr.Kaan erzählt?", frage ich sie. Ich liebe diesen wütenden Blick, den sie drauf hat. Ist irgendwie genugtuend. Sie schweigt und geht an mir vorbei.
Bin mit dem Fahrstuhl unterwegs zur Pathologie. Das Ding hält aber im Erdgeschoss an. Na toll, in diesem Krankenhaus hat man nicht mal seinen Freiraum. Die Türen gehen auf und die Spakken stehen alle versammelt vor dem Haupteingang. Die, die denkt die neue Jacky - O' zu sein, die Deppen, die meinen, dass sie immer noch bei ihr landen könnten und Jackys Schoßhündchen. Scheinen sich zu streiten. Gehe mal dran vorbei, um was zu erfahren. ,,Nächstes Mal musst du mich nicht nackt an den Stuhl fesseln!" Klingt interessant. ,,Anders hättest du mir den Pass doch nicht gegeben! Und ich brauchte ihn, dringend." ,,Es gibt nichts dringenderes als diesen Virus, Gretchen. Und ich hätte echt nicht gedacht, dass du soweit gehst und meine Gefühle für dich ausnutzt", in dem Moment stöhnt Marc genervt auf, war klar, dass er sowas nicht hören kann, ,,Du weißt genau, was ich noch für dich empfinde!" Sein Beruf macht das mit ihm. Warum ist er nur so verweichlicht? Kann echt nicht verstehen, wie man derartig abhängig von einem übergewichtigen Walross sein kann und das über Monate hinweg. Aber da ist er ja nicht der Einzige. Marc guckt auch wie ein angeschossenes Reh. Wenn die nur wüssten. Umso besser für mich, wenn alle vom Unglück verfolgt sind und ich meinen allwissenden Spaß habe. ,,Mehdi, es tut mir Leid, dass ich dich verführt habe und dich nackt an den Stuhl gefesselt habe. Ich wollte dich nicht verletzten!" Ohhh, jetzt kommt die Mitleidsschiene. ,,Du hättest mich auch einfach fragen können, aber nicht gleich demütigen." Jetzt wirds lustig, sehe den Betrüger. Scheint etwas mitbekommen zu haben. Ohoh, da wird aber jemand böse. Auch Meier bemerkt ihn.,,Das Schwein kommt!", ruft er. Alle drehen sich um. ,,Na endlich, Rettung für die Patienten", ruft die Heiltante Sabine. Dumme Nuss. So wenig Gehirn ist mir selten begegnet. Als Madame den Besucher erkennt, sagt sie noch:,,Sehr witzig, Marc. Die beim Kabarett brauchen noch ne Putze." ,,Ha, ich finde die Ähnlichkeit verblüffend. Vielleicht ist Herr Nierenspender ja wieder gütig und opfert sich als Versuchskaninchen. Wenn er überlebt kannst du ihn ja wieder bewusstlos nerven." Gott, den hats ja schlimmer erwischt, als ich dachte. Pure Eifersucht. ,,Noch ein Wort und ich polier ihm die Fresse!" ,,Alexis!", schreit seine angebliche Frau, die mitlerweile neben ihm steht. ,,Ja, was. Der kanns doch nur nicht ertragen, dass Menschen glücklich sind." ,,Naja, Glück ist ja auch immer relativ. Wie Fesselspiele mit dem Ex, ne Mehdi?", kommentiert Marc das Ganze. Jede GZSZ-Folge ist ein Witz gegen das hier. Die Haase hat wieder was mit dem Kaan? ,,Was meint er damit Sternchen?" ,,Alexis, hör nicht auf ihn. Er hat nur einen Denkvorgang in seinem Gehirn. Habe lediglich zu ein paar Methoden gegriffen, um Mehdi den Schleusen-Pass zu entleihen..." ,,Dafür musstest du mit ihm schlafen??? Dann kriegt der eben eine rein gehaut!" Dr.Kaan weicht einige Schritte zurück.,,Bitte? Ich hab gar nichts getan." ,,Leute, das Schwein kommt!", wiederholt Marc. Gretchen ruft ihm entgegen:,,Marc, der 'Witz' ist auch beim 2. Mal nicht lustig." ,,Okay, ich geh jezt arbeiten und ihr könnte euch kloppen." Da wird wirklich gerade ein Schwein durch den Glasgang eingeliefert.
,,Alexis, ich muss arbeiten. Wir reden gleich." Jetzt muss ich sie abfangen. Benötige Rat, das Horoskop kann mir keine Auskunft darüber geben. Und die Frau Doktor kennt sich mit sowas ja aus. ,,Frau Doktor, Frau Doktor!" ,,Was ist denn Sabine?" ,,Ich bräuchte da einen Tipp." Oh, da reagiert sie aber erbost. ,,Sabine, ich hab jetzt wirklich Besseres zu tun, wir haben hier Leben zu retten." Muss zu drasterischen Mitteln greifen. Habe ich von der Frau Doktor selbst gelernt. Ich ziehe sie beiseite.,,Sabine!!!" ,,Frau Doktor, es ist wirklich wichtig!" ,,Dann erzählen Sie schon ihr kleines Geheimnis!" Ich wusste, dass die Frau Doktor einfach zu gütig ist. ,,Kennen Sie den Pathologen?" Jetzt werde ich schon wieder rot. Sonst werde ich das nur, wenn ich an Dr. Rogelt und Moniquwe denke. Das muss ein Zeichen sein!,,Flüchtig", antwortet sie mir. Ich flüster ich weiter zu.,,Wissen Sie wie er heißt?" Dabei kann ich es nicht verhindern, lächeln zu müssen. Die Frau Doktor tut es mir gelich.,,Sabine, haben Sie sich verguckt?" Mmmh, was würde die Frau Doktor antworten, wenn ich sie fragen würde? Abstreiten... ,,Nein." Ich hab das Gefühl, dass das geübt werden muss. War viel zu lieb. Dr. Haase durchschaut mich. ,,Er heißt Günni. Laden Sie ihn doch auf einen Kaffee in die Cafeteria ein." Oje, wenn ich das nur könnte. Vielleicht versuch ich es mal. ,,Hasenzahn, antreten. Plauderstunde nach Weltverbesserungsaktion ist nicht. Wir haben Arbeit!" Die arme Frau Doktor. Jetzt bin ich Schuld. Wir sind ganz schön hinter dem Schwein zurück geblieben. ,,Entschuldigung, ich hab mich um unsere Patienten gekümmert!" Sie läuft nach vorne, wo Dr. Meier das Schwein auf einer Liege und an der Leine führen lässt.
Sabine
Für die Inijektion des Schweines müssen wir uns alle Schutzanzüge überziehen. In einem internen Zimmer auf der Quarantänestation wird sie durchgeführt, damit der Virus keinen weiten Weg hat. Nachdem also eine Blutprobe eines Patienten genommen wurde, spritzt Doktor Meier dem Tier den Virus. ,,So jetzt müssen wir warten. Dann kann ich endlich nach Hause. Hab nämlich noch was vor", meint er. ,,Marc, wir brauchen dich hier!", protestiert Dr. Haase. ,,Wieso du bist es doch gewohnt Schweine zu versorgen", erwidert er. Also entweder hat Dr. Haase wirklich ein Schwein Zuhause, Dr. Meier ist eifersüchtig oder er hat schlichtweg schlechte Laune. Wobei er ja niemanden so richtig bevorzugt, außer Dr. Haase. Ich wette, dass er auf sie steht. Hab da Gerüchte gehört, in denen es heißt, dass er die Braut noch auf dem Polterabend geknutscht haben soll. Wäre zu gerne dabei gewesen. Das Liebesleben der Ärzte ist sowieso Topthema Nr.1 hier. Dann hätte ich auch mal was zu erzählen. Ich folge den beiden also, als sie das Schwein aus der Quarantäne schleusen. ,,Du kannst dir deine Eifersucht sparen, Marc!", höre ich Dr. Haase. ,,Auf was sollte ich bitte schön eifersüchtig sein?! Ich bin talentierter, erfolgreicher, gut aussehender und nicht zu vergessen schlanker als du." Als wenn seine Assistenz dick wäre. ,,Dich lässt das nicht kalt. Du bist nur zu stolz. Ich habe Alexis geheiratet und ich will, dass du das respektierst und akzeptierst." ,,Akzeptiert, zufrieden? Hab jetzt echt Besseres zu tun, wie mit Schwachsinn vollgequatscht zu werden. Es gibt auch noch andere Frauen, die auf mich stehen." Ha, den muss ich mir merken. ,,Ehm Marc, ich steh nicht auf dich", das sagt sie zumindest. ,,Hab ich doch auch gar nicht behauptet", antwortet er gewohnt lässig und grinst ihr entgegen, bevor er die Schleuse verlässt. Da geht doch was.
Fühle mich verarscht. Soll hier antanzen und dann hat sie doch keine Zeit für mich. Dabei ist es abslout gefährlich hier rum zu laufen. Bin doch mit Absicht nicht mit ins Krankenhaus und hab mich mit Lissi davon geschlichen. Immerhin kontrollieren die Identitäten im Falle eines tödlichen Viruses genauer, als wenn man nur zur Routine-OP hier ist. Jetzt kommt mir auch noch diese Vogelscheuche von Freundin entgegen. Da hab ich gerade echt keinen Bock drauf. Moment mal, ist die auch abgehauen? ,,Ähhh wieso bist du nicht auf Quarantäne?", frage ich sie. ,,Das könnte ich dich fragen. Ich bin Ärztin." Mir geht ihre Art wie sie redet jetzt schon auf die Nerven. Und diese Brille. ,,Das geht dich nen scheiß Dreck an!" ,,Sei mal ein bisschen netter zu mir, ohne mich hätte diese Hochzeit gar nicht statt gefunden." Wie meint die das jetzt? Sie redet doch nicht etwa von Gretchen? Dem gütigsten Wesen, das mir je begegnet ist, die nie an Treue zweifeln würde? Blufft bestimmt nur. ,,Wie jetzt?" ,,Bist du so naiv? Ich würde mir an deiner Stelle mal Gedanken machen!" Ey, die hat sie doch nicht mehr alle. Man ist hier echt nur von Bekloppten umgeben. Bin froh, wenn ich hier wieder weg kann.
Alexis
Brauche Kondome. Mehdi hat doch immer diese nervigen, unaufgeklärten Pubertierenden bei sich. Muss sofort in sein Büro. Ich hoffe, er hat auch meine Größe da. Sehe im Vorbeigehen ein offenes Zimmer. Stand da gerade ein Kinderbett? Gehe zurück und betrete das Zimmer. Da kniet doch tatsächlich Hasenzahn am Boden und versorgt das Schwein. In einem Kinderbett. Mit Plüschtieren. Hat die sie noch alle? ,,Ähm, was wird das?" ,,Marc, das arme Ferkel wird Leben retten und bis dahin sollte es auch so behandelt werden!" Dieses Helfersyndrom muss schrecklich sein.,,Das Ding ist Mittel zum Zweck, wenn nicht bei uns, dann als Steak!" Sie ist total angepisst. ,,Wolltest du nicht schon längst weg sein?" Jetzt lenkt sie ab. Kriegt sie zurück. ,,Gegenfrage: Wieso bist du nicht bei der größeres Variante des porcus?" Scheint gesessen zu haben. Sie schaut nichtmal auf und streichelt das Nutztier. ,,Er hat auch einen Namen." Glaube sie wird mich dafür hassen. Ist doch immer so für Weltfrieden. Gretchen kommt einfach nicht damit klar, dass ich ihren Macker nicht ausstehen kann, verdammter neureicher Strohsternbastler. Habe keinen Bock auf Beziehungsgespräche. Scheint wohl Probleme zu geben. Und damit kann ich echt nicht. Hol mir meine Kondome und habe meinen eigenen Spaß.
So jetzt der nächste Teil, der vielleicht noch nicht aufklärt, ob die Kondome benutzt wurden, was den Meisten von euch bestimmt auch erstmal egal sein wird, würden wir jetzt mal vermuten. Freuen uns natürlich über Kommentare ;)
Bin erleichtert. Nach 14 Stunden Qualen, haben wir die betroffenen Patienten mit Antkörpern versorgen können. Vor wenigen Stunden hatte das Schwein endlich Antikörper aufgewiesen und wir konnten mit der Seruminjektion beginnen. Wenigstens eine gute Nachricht am Tag. Auch wenn das keine sichere Überlebensgarantie ist. Es ist nicht nur dieser Virus. Irgendetwas ist seltsam an dieser Sache mit Mechthild. Alexis ist auch so seltsam. Er war zwar hier, aber als Marc und ich von der Quarantänestation wieder kamen, war er wieder verschwunden. Eine Schwester hat mir gesagt, dass sie gesehen hat, wie er das Krankenhaus verlassen hat. Solangsam verstehe ich gar nichts mehr. Möchte ich auch nicht. Nach mehr als einem halben Tag auf den Beinen, hätte ich gerne Schlaf. Aber jeder muss mit Anpacken. Und der Herr Oberarzt hat sich ja gerade die Pause genommen. Mein Piepser meldet sich. Notfall. Notfall? Kann ja nur ein weiterer Virusfall sein. Alle weiteren Patienten kommen in die Charité. Aber es sollten doch eigentlich alle in Quarantäne sein.... Renne so schnell ich kann. Am Eingang warten bereits Mehdi und Schwester Sabine. Frage:,,Weiß jemand schon Genaueres? Kann ja nur ein Virusfall sein..." Doch keiner kann mir eine Antwort geben. Dann hält der Krankenwagen und Gordon steigt mit Schutzmaske aus. Als ich auf die Liege schaue, beginnt mein Herz schneller zu schlagen. Aus Angst. Blut aus der Nase, eindeutig ein Virusfall. Im nächsten Moment fange ich an zu schreien. ,,Marc!!!!" ,,Oh scheiße", murmelt Mehdi neben mir. Doch keiner unternimmt irgendwas. Wieso unternimmt keiner was? ,,Wir müssen sofort in den OP!", rufe ich und will mich nach vorne zur Liege stürzen, zu Marc. ,,Gretchen!", schreit Mehdi zurück und hält mich fest. Scheiße, Tränen haben mir gerade noch gefehlt. ,,Lass mich", versuche ich mich loszureißen. Stattdessen drückt Mehdi mir eine Schutzmaske in die Hand. Es ist mir gerade sowas von egal, ob ich mich infizieren könnte oder nicht. Als ich mir die Maske aufsetze, steigt eine Frau aus dem Krankenwagen, scheint völlig aufgelöst. Konzentriere mich wieder auf das Wesentliche. Wir müssen Marc retten, ihn operieren. Wenn er innere Blutungen hat und wie zu lange warten und - oh Gott wie lange er schon bewusstlos sein muss!!! Ich will gar nicht daran denken. Beschleunige meine Schritte und ziehe die Liege immer schneller mit.,,Schneller, schneller. Wir haben keine Zeit zu verlieren!", schreie ich unbewusst immer wieder. Meine Tränendrüsen machen sich mitlerweile schon selbstständig. Warum muss auch immer mir sowas passieren? Wieso muss dieser Virus ausbrechen? Wieso muss es immer die Menschen treffen, die mir am nahesten stehen. Wenn auch nur einer von ihnen nicht durchkommt, wenn Marc nicht durchkommt.... Wir kommen am OP an. Ziehe mir in Rekordtempo sämtliche OP-Kleidung über. Vielleicht zu schnell. Bin nämlich schon startbereit, als Mehdi sich gerade mal die Hände wäscht. Ich brülle ihn weiter an, dass er sich gefälligst beeilen soll. Doch bevor er sich die Handschuhe überzieht, holt er seinen Pieper raus und tippt etwas ein.,,Mehdi, wir müssen Marc retten! Und du hast nichts Besseres zu tun, als dich um deinen Pieper zu kümmern?!?! Ich mach das hier jetzt alleine...!!!" Wo haben die alle ihre Ruhe her? Breche bald zusammen, wenn wir nicht bald anfangen.
Hier mal wieder ein kleiner Teil! Tut uns Leid, dass gerade nicht so viel kommt. Es geht aber leider nicht anders, da ich gerade mehr Zeit im Krankenhaus verbringe, als Zuhause. Naja wünsche euch viel Spaß beim Lesen und hoffe, dass ihr einen kleinen Kommentar übrig habt =)
Mehdi steckt seinen Pieper wieder weg und macht sich operier bereit. Will gerade die Tür zum OP aufstoßen, da springt er noch dazwischen und hält mich fest. ,,Du machst hier gar nichts alleine. Ich hab mir Hilfe dazu geholt." ,,Wieso, wir beide und die paar Schwestern reichen doch, man verstehst du nicht, dass er sterben kann?!" Er sieht mich einige Sekunden betroffen an. ,,Das meine ich. Du wirst hier niemanden operieren. Kannst zugucken wenn du willst." Wie? Was? Das kann doch nicht sein Ernst sein! ,,Wir haben keine Zeit für Witze, ich lass mir nichts verbieten!" ,,Du stehst ihm zu nahe." Bitte?! Was denkt er eigentlich? Dass ich nicht alles geben würde, um Marc zu helfen? Versuche mich an ihm vorbei zu drängen. Aber vergeblich, er ist stärker als ich.,,Jetzt lass mich durch verdammt, Mehdi!!!" ,,Gretchen", faucht er mich an, ,,jetzt sieh es doch ein! Du solltest dich sehen, du bist doch vollkommen durch den Wind!" Ignoriere ihn und beginne erneut den Versuch mich loszureißen. Gebe letztendlich auf und lasse mich auf den Fensterflur verfrachten. Kann von dort aus nur zuschauen, wie sie Marc operieren. Kann nichts tun, um sein Leben zu retten. Er muss durchkommen, er muss einfach. Ich könnte mir das nie verzeihen, wenn er wie die Frau... Nein er wird durchkommen, er muss einfach. Er muss. Okay sie fangen an. Bis jetzt ist alles in Ordnung. Die ersten Minuten sehen gut aus. Noch ist alles in Ordnung. Sie beginnen damit die Blutungen zu stillen. Ein Tuch nach dem anderen wird blutgetränkt. Und mit einem mal fängt alles an hektischer zu werden. Immer mehr Tücher werden umso schneller gereicht. Mehdi gibt eins nach dem anderen zurück. Scheiße, gar nichts ist mehr in Ordnung. Das sind zu viele Blutungen. Ich kann hier nicht stehen bleiben und zusehen. Ich kann das einfach nicht. Beobachten, wie sie um sein Leben kämpfen. Nichts ist gerade wichtiger als er. Was sollte ich auch machen, wenn er nicht mehr da wäre? Wenn er nicht mehr morgens alle zusammenschreien würde? Wenn keiner mich mehr Hasenzahn nennen würde? Wenn... Mir bleibt der Atem stocken, als das schrille Geräusch mich aus meinen Gedanken reißt. Herzstillstand. Die Hektik in dem OP-Raum ist jetzt unermesslich. Mehdi flucht. Ich kann nicht mehr, ich halt das hier nicht mehr aus. Das ist alles nur ein Traum, alles nur ein Traum....
Es ist kalt und ein lauer Wind weht durch eine Lichtung am Rande eines Waldes. Die Stimmung ist gedrückt. Lange halte ich das hier nicht länger ohne Tränen aus. Ich lehne mich an Mehdis Oberarm, was mir ein wenig das Gefühl gibt nicht alleine zu sein. Genaugenommen muss ich das auch nicht, wenn ich mich umblicke und die Menschenmenge bzw. die Anzahl an Frauen erblicke. Wäre die Situation nicht so ernst, könnte es eigentlich schon wieder recht amüsant wirken. Hunderte Frauen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit abwertend von Marc behandelt wurden, erscheinen heute hier um sich von ihm zu verabschieden. Der Pastor redet und redet und doch macht er den Anlass dieser Versammlung nicht wett. Die Frauen, es müssen mindestens 100, wenn nicht sogar mehr, sein, blieben anfangs noch ruhig und gefangen. Aber nach und nach bricht die nächste in Tränen aus, in übernatürlichem Maße. Sie schluchzen lauthals und schreien vor Schmerz, kommen mit den Taschentüchern nicht mehr nach. Nur eine Frau fängt sich. Elke Fisher. Wahrscheinlich überlegt sie gerade, wie viel Botoxspritzen sie sich von den Kosten des Sargs hätte kaufen können oder wie viel Zeit sie verschwendet, immerhin muss ihr zichster Roman fertig werden. Nicht eine einzige Träne ist ihr zu entlocken. Sie steht starr und bleich an der Seite eines Mannes. Eines gutaussehenden Mannes, genau wie sein Sohn es gewesen war. Ja so hab ich mir Marcs Vater immer vorgstellt. Er gleicht Marc bis aufs kleinste Haar, nur das seine mitlerweile grau geworden waren. Doch auch er bleibt ähnlich starr wie Frau Fisher. Niemand von ihnen scheint die tobenden Frauen, die immer lebhafter werden, zu beachten, auch Mehdi oder der Pastor nicht. Dabei ist der Lärm, der mitlerweile von ihnen ausgeht, unerträglich. Plötzlich schlägt die Stimmung um. Die zuvor trauernden Frauen schreien nicht mehr vor Schmerz, sondern aus Wut. Immer wilder werden sie und keiner kann wohl noch mit Selbstkontrolle rechnen. Dann beginnen sie umher zu laufen und gehen auf die anderen los. Sie reißen sich an den Haaren und kämpfen bis ins Unermessliche. Noch immer scheine ich die einzige zu sein, die sie bemerkt. Das Chaos ist nicht mehr zu bremsen. Plötzlich haben die Frauen Waffen in der Hand und haben aufgehört sich zu bekämpfen. Mit Kettensägen, Hammern und sonstigem Werkzeug schreiten sie an uns vorbei und springen in das Loch mit dem Sarg. Dann vernehme ich das laute Geräusch der anspringenden Kettensäge und beginne zu schreien, doch aus meiner Kehle kommt kein einziger Ton... ,,Neeeeeeein", schreie ich über den Flur und versuche den kurzen Tagtraum zu vergessen. Ohne großartig zu überlegen, öffne ich die Tür zum OP Saal, als Mehdi gerade mit der Reanimation aufhören wollte. Daraufhin handle ich so schnell, wie ich es selten tue. Ich schiebe Mehdi stürmisch beiseite, dem ich nicht wirklich zuhöre, vermutlich will er mich wieder abhalten. An seiner Stimme habe ich gemerkt, dass jetzt auch ihm die Tränen vermutlich schon in den Augen stehen. Versuche alles auszublenden und mich nur auf die medizinische Handlung zu konzentrieren. Ich pumpe und pumpe, lasse immer wieder beatmen, doch die Linie am Pulsoxymeter bleibt unverändert. ,,Komm schon", krächze ich aus meinem Hals immer wieder noch hervor und pumpe und pumpe. Den Gedanken an den Traum verdränge ich dabei häufiger, was immer schwieriger wird, je länger Marcs Herz keine Reaktion zeigt. Ich darf einfach nicht daran denken, dass er nicht mehr aufwachen könnte, darf es nicht. Muss mich darauf konzentrieren, dass er wieder lebt und atmet. Ich darf nicht verzweifeln, ich muss pumpen. Nach wenigen Minuten, die mir wie Jahre vorkommen, höre ich das erlösende Piepen. Sein Herz schlägt wieder und alles beginnt zu arbeiten. So etwas, wie in diesem Moment habe ich noch nicht gefühlt. Solche Erleichterung, grausam wie eh und je. Mehdi erscheint es ähnlich zu gehen, doch er handelt schneller, als das ich es nach diesem Moment fähig bin. Er macht sich an die Arbeit und ruft mich zu sich. Gemeinsam operieren wir also weiter. Konzentriere mich auf die reine Arbeit und bin mir sicher, dass ich nie besser war als ich es gerade bin. Handlungsschnell und -sicher, wie nie zuvor.
Der Tratsch macht hier anscheinend gerne die Runde. Von einigen Schwestern habe ich gehört, dass Marc - The Body - Meier mit Virusverdacht eingeliefert worden ist. Geschieht ihm Recht. Das soll Gottes Strafe dafür sein, dass er Frauen immer so abschätzig behandelt, dass er mich so behandelt hat! Was denkt er eigentlich, wer er ist? Dass er sich nehmen kann, was oder besser wen er will? Und nur weil er sich dann urplötzlich mal eingesteht, doch mal mehr für Gretchen zu empfinden, muss das ausgerechnet dann sein, wenn sie heiratet? Ich bin mir sicher, dass er auch genau weiß, dass Gretchen noch mehr an ihm hängt, als sie sich manchmal eingesteht. Genau deswegen braucht sie auch meine Unterstützung, damit sie vor ihm sicher ist. Immerhin scheint Alexis doch ein ganz netter und anständiger Kerl zu sein und wer weiß, vielleicht merkt Marc ja noch früh genug, was er an mir gehabt hätte. Denn Gretchen kann er sowieso vergessen und daran wird er ewig leiden müssen. Dafür werde ich sorgen. Komme an dem Flur an der Schleuse vorbei, als die Tür vom OP gerade aufspringt. Gretchen stürmt hinaus und lehnt sich an die Fensterwand. Sie ist richtig fertig, hält sich die Hände vors Gesicht und weint. Ist etwa was schief gelaufen? Gehe auf sie zu und nehme sie in den Arm. ,,Hey, hey, was ist denn los? Ist was mit Marc?" Sie nimmt die Hände vom Gesicht weg und beruhigt sich wieder etwas. ,,Er hatte einen Herzstillstand." Nein, das wünsche ich keinem Macho-Arsch der Welt. Nicht mal Jerome. War vielleicht zu undankbar. Vor allem scheint Gretchen vollkommen ausgelaugt zu sein. ,,Und?", frage ich. Sie schluchzt einige Male und sagt dann:,,Musste ihn reanimieren, aber es ist alles soweit nochmal gut gegangen. Gigi, er hätte sterben können! Einfach so, von jetzt auf gleich und ich hätte nichts weiter machen können. Kannst du dir das vorstellen, wie...wie schrecklich das war?" Sie muss ganz schön traumatisiert sein. ,,Ich kann mir irgendwie kein Leben ohne Marc mehr vorstellen", flüstert sie. Bin mir gerade zumindest in einem sicher. Gretchen hängt nicht mehr an Marc. Sie liebt ihn und er liebt sie offenbar auch. Und wenn ich nicht dazwischen gegangen wäre, wäre es vielleicht nie soweit gekommen wie jetzt. Wollte sie nie so fertig sehen, sie bleibt immerhin noch meine Freundin. Und vielleicht war es nicht der richtige Weg, den ich gewählt habe.
Ist leider nur ein kleiner Teil, aber wir würden uns riesig über jeden kleinen Kommentar freuen
Liebe Grüße =)
Was ist wenn diese dumme Schlange Recht hat? Das etwas an der Sache mit dem Oberarsch dran ist? Sie steht doch auf den. Wieso heiratet sie mich dann überhaupt? Mir reichts. Packe den Scotch wieder aus und fange an zu trinken. Was hat diese Drecksau eigentlich, was ich nicht habe? Hab den Kerl letztens in der Sauna getroffen. Wirklich mehr zu bieten hat der auch nicht. Soll also nicht immer so breitbeinig tun, verdammtes Arschloch. Der sieht weder besser aus, noch hat er irgendwie mehr Kohle als ich. Vom menschlichen her mal ganz zu schweigen. Ich hab mich gebessert, ihretwegen. Ohne sie bin ich nich mehr ich. Sie tut mir gut. Ich liebe sie. Und das macht mir keine Schwuchtel der Welt kaputt. Niemand, das kriegt der auch noch zu spüren. Trete vor Wut in den Plasma- Fernseher. Eh scheiß egal. Gibt ja jetzt 3D. Brauche noch so ein Ding. Als die Flasche halb leer ist, bin ich immer noch keinen Schritt weiter. Wie kann sie mir das antun? Soll sie doch zu ihrem Oh-ich-bin-so-geil-dass-ich-sowieso-jede-kriege- Kerl gehen! Der behandelt sie doch nur wie Dreck, wie jede andere auch. Das hat Gretchen gar nicht verdient. Ich kann ihr alles geben, alles bieten und sie steht auf das Schwein, das sie abwertig behandelt. Gut, ich war nicht ganz ehrlich zu ihr. Aber wenn ich ihr jetzt von meiner wahren Identität erzähle, wird sie mich doch für ihn verlassen. Sie wartet wahrscheinlich eh nur auf einen Grund darauf mit mir Schluss zu machen oder dass ich Schluss mache. Doch meine Gefühle für sie sind echt. Ich hätte nie gedacht, dass ich so eine Frau mal finden würde. Die Frage ist, ob das noch reicht. Ob es reicht um gegen diesen Mistkerl anzukommen. Lange halte ich das mit dieser Lüge sowieso nicht aus. Irgendwann muss ich weg. Werde immerhin gesucht. Schon bei der letzten Aktienausschüttung hätten wir weg sein müssen. Ich muss es ihr sagen. Und dann hilft nur noch eins: Um unsere Liebe kämpfen. Damit sie mit mir mit kommt.
Danke für die tollen Kommentare Das motiviert zum Weiterschreiben
Ich bin froh, dass Gigi für mich da ist. Auch wenn es um Marc geht. Wenn er gestorben wäre, hätte ich mir das nie verziehen. Sollte aufhören darüber nachzudenken, habe immerhin schon genug Tränen vergossen. Gigi fährt mich jetzt nach Hause. Freue mich nach fast einem ganzen Tag Arbeit schon auf mein Bett. Will diesen Tag einfach nur noch vergessen. Alles zieht sich gerade hin. Der Fahrstuhl fährt doch langsamer als sonst? ,,Gretchen, ich muss dir was beichten", sagt Gigi irgendwie ziemlich nervös. Da bin ich aber mal gespannt. ,,Okay...ähmm..mmmh...", stottert sie. ,,Ja sag schon", erinnere ich sie. So schlimm kanns doch nicht sein. ,,Marc hatte Recht." Das hat er ja leider öfter. ,,Womit? Gigi komm zum Punkt." ,,Ich...wir haben gar nicht miteinander geschlafen." Bin geschockt. Meine beste Freundin hat mich angelogen, obwohl sie wusste, dass sie damit alles kaputt macht, was ich ihr noch zuvor anvertraut hatte. Da stellt sich mir nur eine Frage:,,Warum? Gigi, warum?!", schreie ich schon fast. Das kann einfach nicht ihr Ernst sein. ,,Gretchen du weißt genau, dass du nachgegeben hättest, wenn er das gesagt hätte, was er eigentlich sagen wollte. Du hättest Alexis für Marc sitzen lassen und das kurz vor der Hochzeit. Ich hab dir doch nur geholfen." Das glaube ich jetzt nicht. So kann man sich die Situation auch schön reden. ,,Ach und du hast geglaubt so könntest du mir helfen? Indem du mich glauben lässt, dass meine Jugendliebe etwas mit meiner besten Freundin an meinem Polterabend hatte? Ein Gespräch hätte es da vielleicht auch getan?!" ,,Ganz so war es auch nicht. Er hat mir immerhin die Vorlage gegeben." Bitte wie? Was kommt denn jetzt? ,,Marc wollte wirklich mit mir schlafen." ,,Aber?", frage ich gereizt. Kann mir immer noch nicht vorstellen, dass Marc wirklich die Absicht hatte, mit ihr ernsthaft zu schlafen. Okay ich meine, zuzutrauen wäre es ihm. Aber sie ist doch gar nicht sein Typ? ,,Also er wollte mit mir schlafen, um dich eifersüchtig zu machen. Wahrscheinlich damit Alexis merkt, wie sehr du noch an ihm hängst. Hat ja auch halbwegs geklappt, ne." Sie lächelt kurz und ich erinnere mich gerade an die Szenerie, als ich für einen Moment dachte, dass Marc genau die drei Worte sagen wollte. Ich lasse Gina fortfahren:,,Jedenfalls hat er es nicht getan. Also er wollte auf einmal nicht mehr. Ich glaube da ist ihm vielleicht das erste Mal eingefallen, dass er dich", sie schaut in dem Moment auf und sieht mich an ,,lieben könnte. Männer halt, brauchen immer etwas länger. Und da ich ja dann wusste, dass du bei jeder Kleinigkeit seinerseits alles hinschmeißen würdest, musste ich etwas unternehmen." Mir fehlen dazu gerade die Worte. Wenn das stimmt, was Gigi sagt, mal abgesehen davon, dass sie mich angelogen hat, würde das heißen, dass Marc mich vielleicht wirklich lieben könnte und er mir das sogar sagen wollte. Wenn Gina nichts getan hätte. Sie erzählt weiter:,,Als ich dich gerade gesehen habe, wusste ich, dass das flasch war. Es tut mir Leid. Wenn du ehrlich zu dir bist, liebst du Marc, mehr als Alexis. Und er..." ,,liebt mich", vollende ich den Satz. Kann gerade nicht mehr klar denken. Es ist einfach zu viel passiert heute. Nicht mal Gigi kann ich wirklich böse sein. Ich lasse mich von ihr nach Hause fahren und muss erst einmal eine Nacht darüber schlafen. In der Hoffnung, dass ich dann weiß, was richtig und was falsch ist.
Nach einer sehr kurzen Nacht stehe ich früh morgens wieder vor dem Fahrstuhl. Auch wenn augenscheinlich eine Lösung für den Virus gefunden wurde, heißt das noch lange nicht, dass sie wirkt. Oder dass es nicht noch weitere Infizierte gibt. Wir können uns nicht sicher sein, das hat man gestern an Marc gesehen. Damit hatte wirklich keiner gerechnet. Erst recht nicht damit, dass er uns fast unter den Händen weggestorben wäre. Ich habe die ganze Nacht die Bilder von dem Moment nicht aus dem Kopf bekommen, wo Gretchen, wie von Sinnen, alle beiseite stößt und mit Marcs Reanimation beginnt. Gerade weil es so ein unglaublich emotionaler Augenblich war, hat man Gretchen die Anspannung deutlich angemerkt. Ob sie bei mir auch so reagiert hätte? Immer wenn man vom Teufel spricht, ertönt ein grummeliges:,,Morgen", hinter mir. Gretchen sieht ziemlich fertig aus. Hatte wahrscheinlich genauso wenig Schlaf wie ich, wenn nicht sogar weniger. ,,Morgen", erwidere ich. ,,Wie geht es dir?", frage ich sie vorsichtig. Daraufhin werde ich kurz irritiert gemustert, bis sie meint:,,Wie soll es mir schon gehen? Ich hab gestern den ganzen Tag gearbeitet, an meinem Hochzeitstag! Und nur wenige Stunden später stehe ich schon wieder hier." Ich glaube, der Vorfall gestern hat sie mehr mitgenommen, als sie es gerade zugeben will. Sonst will sie doch auch immer so offen reden! Nur bei Marc macht sie dicht. ,,Gretchen, ich meinte eigentlich.-", doch da werde ich unterbrochen. Gleichzeitig öffnen sich die Fahrstuhltüren. ,,Schon gut, ich weiß, was du fragen wolltest. Aber es ist okay, spars dir." Denke ich sollte dringend mit ihr sprechen. Irgendetwas stimmt da doch nicht. Schließlich betreten wir den vollen Fahrstuhl. Neben Gabi und Sabine warten darin schon meine ersten Patienten bzw. Patientin. Immerhin muss ich auch wieder meiner Pflicht als Gynäkologe nachgehen. ,,Guten Morgen Frau Doktor. Morgen Dr. Kaan", begrüßt Sabine uns gut gelaunt. Ein erneutes Grummeln, bevor die schwangere Patientin fragt:,,Dann sind Sie also der Gynäkologe?" ,,Dr.Kaan, Oberarzt der Gynäkologie", schüttel ich ihr und ihrem Mann die Hand. Sie will gerade ein Gespräch beginnen, als ich Sabine und Gretchen in der Ecke wahrnehme. ,,Frau Doktor, ich muss ihnen unbedingt etwas erzählen. Also der Dr. Meier..." Uh, ganz schlechte Idee. Sollte Gretchen vor Sabine retten.,,Ähm, Gretchen bevor ich es vergesse. Du...du...ähhh...",da hält der Fahrstuhl gerade im ersten Stock. Ich stelle meinen Fuß vor die Lichtschranke und zeige Richtung Flur. ,,Du musst unbedingt mitkommen, hätte ich fast vergessen!" Sie sieht mich verstört an. Das Pärchen eher schockiert. ,,Was ist denn mit unserem Termin?", fragt der Mann. ,,Verschiebt sich um ein paar Minuten. Gretchen, kommst du?" ,,Mehdi, was...? Hat das nicht noch Zeit bis später?" Grr, warum immer so umständlich? ,,Aber Frau Doktor ich muss...", bevor Sabine weitersprechen kann, ziehe ich Gretchen aus dem Fahrstuhl und sage noch:,,Nein, hat es nicht!" Ich ziehe sie solange mit mir, bis ich sicher bin, dass der Aufzug weitergefahren ist, ohne dass eine verrückte Schwester ausgestiegen ist.,,Sag, mal Mehdi, was soll das?!" Dann reißt sie ihre Hand aus meinem Griff. ,,Wir müssen reden." Gut, wie fange ich am Besten an? ,,Ich wüsste nicht worüber." Na toll, sie macht dicht. ,,Gretchen, komm. Du sagst sonst immer, dass ich über meine Gefühle reden soll. Wie wäre es, wenn du bei dir anfängst?" Sie verschränkt die Arme vor der Brust und schaut konsequent aus dem Fenster, während ich rede:,,Der Tag gestern war bestimmt alles andere als einfach für dich." Immer noch keine Reaktion.,,Okay, pass auf. Ich weiß genau, was los ist. Gestern als Marc eingeliefert worden ist, als du in wiederbelebt hast - das lässt dich nicht kalt." Sie dreht ihren Kopf, sieht mich kurz und an und dann beschämt auf den Boden. Als sie wieder aufsieht, leuchten die Tränen in ihren Augen. Daraufhin nehme ich sie in den Arm und drücke sie fest an mich. Wie gut es tut ihr so nah zu sein, sie halten zu können. Schade, dass sie mich nicht haben will. ,,Geht wieder", meint sie nach einigen Minuten.,,Also wenn du reden willst...-", Gretchen unterbricht mich, ,,Danke, Mehdi." Und damit verschwindet sie einfach.
Wieso müssen Krankenhäuser immer so verdammt...groß sein? Ich finde weder das Zimmer meines Bruders, noch habe ich Dr. Meiers irgendwo gefunden. Da sehe ich die Ärztin, die sich gestern um Marc gekümmert hatte. ,,Entschuldigen Sie, Dr...?" ,,Haase, Dr. Haase." ,,Oh, Dr. Haase. Wir haben telefoniert, Mitzi Knechtelsdorfer mein Name. Aber sagen Sie einfach Mitzi." Ihr Lächeln wirkt irgendwie ziemlich gequält und erstarrt dann. ,,Suchen Sie Ihren Bruder?", fragt sie mich. ,,Jaja, richtig. Wo finde ich ihn?" ,,Die Virusopfer befinden sich auf einer internen Station. Nur Zutritt für Ärzte." Wofür bin ich dann überhaupt gekommen? ,,Wissen Sie denn, wie es ihm geht?" ,,Den Umständen entsprechend, denke ich. Gestern wurden den Patienten die Antiviren gespritzt. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis Sie ihren Bruder sehen können." Dr. Haase scheint ganz sympathisch zu sein, im Gegensatz zum Rest der Truppe, die man hier antrifft. Entweder hier sind alle biestig, egoistisch oder verrückt. Trotzdem ist sie etwas verstört. Liegt bestimmt an der vielen Arbeit. ,,Wenn Sie mich dann entschuldigen würden", sagt sie und will gehen. Habe da aber noch eine Frage. ,,Wie...geht es Dr. Meier?" Dr. Haase schweigt einige Sekunden und ihr Blick wird trauriger. ,,Er hatte während der OP einen Herzstillstand." Oh mein Gott, ich hätte alles vermutet, aber sowetwas?! ,,Wir konnten ihn stabilisieren." Na zum Glück! ,,Hat er diesen Virus?", frage ich. Sie nickt nur. Danach herrscht betroffene Stille. So schnell die Ärztin gerade noch gehen wollte, desto länger steht sie jetzt da und mustert mich. ,,Waren Sie gestern mit ihm...zusammen?", bricht sie vorsichtig das Schweigen. ,,Wir haben den Abend zusammen verbracht." Sie räuspert sich und fährt fort:,,Also der Virus verbreitet sich unter anderem durch...Tröpfeninfektion." Sie will doch nicht etwa wissen, ob.- , ,,Hatten Sie und Dr. Meier...ähhh...also haben...", beginnt sie zu stammeln. ,,Ich weiß, was Sie meinen, Frau Doktor." Zufreiden scheint sie mit dieser Antwort nicht. Deswegen nicke ich. Dr.Haase scheint schockiert. Doch dann fängt sie sich und meint:,,Dann kommen Sie besser mal mit."
Wir sagen kein Wort. Was soll ich dazu auch noch sagen? Erst soll er mich lieben und dann schläft er mit der nächst besten Frau. Und dann auch noch mit der Schwester vom Knechtelsdorfer. Mit dem habe ich sowieso noch eine Rechnung offen, seit der Müller-OP. Ich fasse es einfach nicht. Wieso ist Marc...Marc? Nachdem Gigi mir gestern die Wahrheit gestanden hat, habe ich die ganze Nacht nicht geschlafen. Bis gerade habe ich auch noch gedacht, dass er sich geändert hat und ich vielleicht doch noch irgendwo Gefühle für ihn habe. Aber jetzt, jetzt ist da nur noch Wut und Enttäuschung und... doch eben die Erkenntnis, dass wenn er gestern gestorben wäre, auch ein großer Teil von mir getorben wäre. Dabei ist er nicht mehr als ein Idiot, als ein fremdgehender Idiot. Wie kann er erst so kämpfen, um dann doch aufzugeben. Ist das Ernst oder ist das Spiel? Gut, ich habe Alexis geheiratet. Vielleicht ist das auch einfach seine Reaktion zu zeigen, dass er verletzt ist? Mitzi Knechtelsdorfer und ich betreten den Fahrstuhl.,,Ist Doktor Meier eigentlich vergeben?", fragt sie mich. Das sind gerade genau die richtigen Fragen. ,,Nein", antworte ich und versuche die Fassung zu bewahren. ,,Dann ist er verliebt?" Womit habe ich das verdient? ,,Nicht, dass ich wüsste." ,,Mmmh...komisch...kam mir irgendwie ganz anders vor...", murmelt sie. Wie ist das denn jetzt schon wieder gemeint? Ist echt genauso hilfreich, wie ihr Bruder.,,Wieso?" Sie fängt an zu grinsen und beginnt zu erzählen:,,Naja der Sex mit ihm war grandios." Oh Gott, Tratschalarm. Wobei ich gerade bezweifle, dass es einen solchen Gott gibt! ,,Aber ich hatte das Gefühl, dass er nicht ganz bei der Sache war." Ich sage besser gar nichts dazu und ziehe es vor zu schweigen. Vielleicht wechselt das Thema dann automatisch. ,,Wissen Sie, ich vermute ja, dass er an wen anders gedacht hat. Irgendwann hat er auch mal...", ich halte das nicht aus! Einfach weghören, einfach ignorieren. Irgendeine Melodie summen. Nur leider bin ich nicht nur nicht spontan, sondern auch unentschlossen in der Musikwahl. Höre zudem zu wenig Rundfunk, weswegen mir auch gerade kein bescheuerter Ohrwurm einfallen würde! Es nützt alles nichts. ,,Ich hab den Namen nicht genau verstanden, dazu war ich dann zu sehr auf etwas anderes konzentriert, wenn Sie wissen, was ich meine. Aber da war ich mir sicher, dass er an eine andere Frau gedacht haben muss. Also kennen Sie wirklich niemanden?" ,,Niemanden, tut mir Leid", antworte ich und verschwinde so schnell wie möglich aus dem Fahrstuhl. Im Schwesternzimmer rufe ich Mehdi an, dass er sich jetzt um Knechtelsdorfer kümmern kann. Daraufhin meint er, dass er keine Zeit für unqualifizierte Assistenzärzte hat, weil er wegen der Arbeitsverzögerung ein wütendes Pärchen in seinem Büro hat. Habe ihm gesagt, dass es sich um die Schwester handelt und aufgelegt. Auf mehr Sexgott-Tratscherein habe ich echt keine Lust.
Och näh, hier ist man ja nie ungestört. Stehe im Fahrstuhl, dessen Türen sich gerade schließen wollten, als eine ecklig behaarte Hand meint meine Privatsphäre zu zertstören. Nun sehe ich auch endlich, wer zu dieser Hand gehört. Irgendwie kommt er mir bekannt vor. ,,Gabi, du olle Schlampe. Hast dich ja gar nicht verändert." Jetzt weiß ich, an wen er mich erinnert. So nannte mich im Plattenbau nur einer. ,,Günni, du Bastard. Lange nicht gesehen!" Erst dann bemerke ich Sabine, die einen bösen Blick aufgesetzt hat. ,,Woher kenn ihr euch denn?", fragt sie. Was geht die das denn bitte an? Günni antwortet:,,Das fing damals alles im Plattenbau an. Wir waren Nachbarn, nicht war Gabi?" Dabei zwinkert er mir zu. Er hat sich wirklich gemacht in den Jahren. Äußerlich, wie anscheinend auch beruflich. Zwar war er damals schon immer gut in der Schule, aber dass er jetzt im Arztkittel vor mir steht, hätte ich nicht gedacht. Erst Recht nicht bei seinem asozialen Verhalten. Wir haben schon echt krasse Sachen durchgezogen. ,,Richtig", antworte ich, ,,Hauptschule war dir wohl nicht genug? Du arbeitest hier?" ,,Ich bin jetzt Pathologe." Zum Glück. Den Patienten hätte ich ihn auch nicht zumuten wollen. ,,Und was ist aus dir geworden?" ,,Krankenschwester", erwidere ich. Plötzlich meldet sich ein leises Piepsen aus der Ecke. ,,Das hätte ich gar nicht von dir erwartet. Ich dachte du wärst ein ganz netter... Kerl". ,,Wir haben doch nur kurz miteinander gesprochen, Schwester...?" Das hat gesessen. Dummerchen ist fast am Heulen. ,,Sabine", winselt sie. ,,Aber vielleicht kann man das ja noch ändern", sagt er ganz provisorisch. Jetzt strahlt sie wieder. Die steht doch nicht etwa auf Günni? Und er geht darauf ein? Was für ein Depp. Muss sich echt um 180° gedreht haben seit damals, als seine Eltern noch mittellos waren und er nicht mehr als ein armes, gesellschaftsunfähiges Etwas war. Und jetzt flirtet er mit einer Verrückten. Ich hoffe nur aus Mitleid. Und wenn nicht, werde ich ihn wieder auf den richtigen Weg bringen. Lasse doch nicht zu, dass er was mit so einer anfängt. Der Aufzug hält im Erdgeschoss und eine Schwangere und ein Mann treten ein. Im Keller verabschiedet Günni sich von uns, ehe der Fahrstuhl erneut im Erdgeschoss stoppt. ,,Schon gut, ich weiß, was du fragen wolltest. Aber es ist okay, spars dir." Na toll, die hat mir gerade noch gefehlt. GZSZ jetzt auch schon am Morgen. Als wäre es nicht schon genug mit Sabine im Fahrstuhl zu stehen, müssen jetzt auch noch der dicke Haase und Mehdi einsteigen. Sollte mir angewöhnen die Treppe zu nehmen, um solchen Menschen zu entgehen. Würde dem Haasen auch mal gut tun, da könnte man seinen Winterspeck mal verlieren. Nachdem die beiden nach großem Drama irgendwie direkt wieder ausgestiegen sind, meint Sabine plötzlich:,,Und da wollte ich der Frau Doktor sagen, dass der Dr. Meier aufgewacht ist". Als wenn das hier irgendwen interessieren würde.
Eindeutig zu viel Info an einem Tag, als dass ich ohne Schokolade auskomme. Es gibt doch nichts Besseres, wenn man mal nicht weiter weiß und keine Lust hat zu wissen wie es weiter gehen soll. Oder wenn man weiß wie man gerne weiter machen würde, die Realität aber dazwischen funkt. Bin also auf dem besten Weg 3 Kilo zuzunehmen, als ich vor der Schleuse lande, hinter der sich die Quarantänestation befindet. Also entweder gehe ich jetzt zum Schokoladenautomaten oder mache noch einen kleinen Abstecher zu Marc. Mhhh. Eigentlich hab ich mir ne Tafel viel mehr verdient. Aber andererseits... er ist bestimmt schon wach und da müsste ich ja mal nachsehen wie es ihm so geht. Bin ja Ärztin und so. Okay, Entscheidung fällt eindeutig auf Marc, ist eh viel gesünder. Nehme mir einen Schutzanzug und mache mich auf zu seinem Zimmer. Schaue durch das Fenster, sieht so aus, als würde er noch schlafen. Sollte trotzdem mal nach seinem momentanen gesundheitlichem Zustand schauen. Das gestern war ja nicht ohne. Ich öffne also die Tür und schleiche mich leise zu seinem Bett. Warum ich das tue, ist mir in diesem Moment auch eine Frage. Allerdings bekommt er doch eh nichts mit... Setzte mich also auf sein Bett und starre ihn an. Nein ich starre nicht. Sehe nur etwas genauer hin. Wie süß, bei jedem zweiten Atemzug zieht er seine Augenbrauen so merkwürdig nach oben. Hab ich gerade süß gedacht? Hab glaub ich nicht mehr alle Latten am Zaun. Versuche mich hinterm Ohr zu Kratzen für mein eigenes beschämtes Denken zu einem anderen Mann. Werde nur daran gehindert. Verdammtes Ding. Erinnert mich irgendwie an den Fallschirmsprung. Achja als ich mal wieder von Marc los kommen wollte... Naja auch egal. Jedenfalls ist es viel zu warm in diesem Ding und Ansteckungsgefahr herrscht ja wohl auch keine mehr. Also runter mit dem Ding.
Gretchen
Habe das Gefühl, dass ich meinen Körper noch nie so sehr gespürt habe wie gerade. Aber nicht auf eine schöne und angenehme Weise. Mir tut gerade jede einzelne Zelle weh. Will erst gar nicht meine Augen aufmachen und wissen wo ich bin. Vielleicht liege ich gerade auf dem Highway und wurde von einem 40 - Tonner umgefahren und befinde mich gerade auf dem Weg in eine schönere Welt, in der geile Weiber sich um mich kloppen. Oh das war die Realität. Wenn ich aber die Augen nicht aufmachen werde, werde ich dies nie erfahren. Öffne erst mein linkes und dann mein rechtes Augenlied. Es scheint wahr zu sein. Habe das erdliche Reich verlassen und bin im Himmel gelandet. Das was gerade passiert, kann einfach keine Realität sein. Sonst würde Gretchen sich nie im Leben freiwillig vor mir ausziehen. Vor allem mit ihrem neuen Beziehungsstatus. Okay ich nehme alles wieder zurück! Hahaha ich muss noch leben! Denn so tollpatschig wäre Hasenzahn in meiner Vorstellung nicht. Wer schon beim Ausziehen eines Schutzanzuges stolpert und sich dann auf die Fresse packt, das kann nur eine höchstpersönlich sein. Sie dreht sich zu mir. Sollte mich lieber schlafen stellen, um diesen Augenblick nochmal in Ruhe genießen zu können.
Okay das kann ich mir jetzt nicht weiter kommentarlos ansehen. ,,Hasenzahn, bin leider ans Bett gefesselt und wenn du so weiter machst, kann ich dir leider nicht das Leben retten. Also spar dir das für irgendwann anders auf, wenn ich wieder gesund bin." Und Volltreffer! Leichte Röte auf Gretchens Wangen, welche sich im Gesicht immer weiter ausbreitet. Höhepunkt errreicht. Ihr Kopf scheint gleich zu explodieren, so rot vor Scham ist sie schon. Aber sie scheint sich wieder zu fangen, um zum Gegenschlag auszuholen. Sie braucht ja immer ein wenig Anlaufzeit.,,Die Frage ist, wer hier wem das Leben gerettet hat, mein Lieber!" Jetzt will sie Anerkennung. Kann sie vergessen. ,,Jaja, habe ich alles schon ausführlich von Mehdi gehört, was soll ich jetzt machen?! Vor dir auf die Knie gehen? Könntest du aber auch als Heiratsantrag interpretieren. Du warst mir ja eh noch was schuldig, habe dich ja jetzt schon oft genug retten müssen. Außerdem zeigt das, dass du mich gerettet hast nur, dass ich einfach ein großartiger Lehrer bin!"
Marc
Das ist doch nicht zu fassen. Da macht man sich einmal, nur einmal sorgen um ihn und rettet nebenbei seinen Arsch, der beiläufig Platz 1 in meiner Skala der "knackigsten Ärsche - ever" belegt, und trotzdem bekommt man nicht einmal ein Danke zu hören! Aber das Tüpfelchen auf dem i ist ja, dass er es wagt Knechtelsdorfers Schwester flach zu legen. Oh Gott, begebe mich auf sein Niveau herab. Naja mal sehen, was er dazu zu sagen hat, wenn er doch ach so verschossen sein soll. ,,Ich hab übrigens Knechtelsdorfers Schwester auf den Virus untersuchen lassen..." Mmmh, ein seltsam, verwirrter Blick. Ha, mit Sherlock Haase hat er wahrscheinlich nicht gerechnet. Weit gefehlt. ,,Ja super. Wo ist der Bus mit den Leuten, die das interessiert?", antwortet er nur. Bin verwirrt und zugleich enttäuscht. Auch wenn es für ihn nur ein One-Night-Stand war, kann man doch so abgebrüht nicht sein. Sie könnte, falls sie den Virus hat, sterben.,,Marc, ich wusste ja schon immer, dass du ein gefühlsloses Arschloch bist, aber das geht doch jetzt ein wenig zu weit. Du gehst ja immer mit deinen Betthasen scheiße um, das ist jetzt aber etwas anderes. Du könntest sie mit dem Virus angesteckt haben und dann lässt du so einen niveaulosen Spruch ab." Scheine ihn komplett aus der Bahn geworfen zu haben, er ist sprachlos. Ich glaube, jetzt hat er es verstanden. Es stimmt also, Arschloch. ,,Tja, das passiert, wenn man mit der nächst besten... daher gelaufenen...Sch....Frau ins Bett geht, Marc!" Rege mich vielleicht etwas zu sehr für eine von Buren auf. ,,Das war Knechtelsdorfers Schwester?! Mmmh scheint doch eine ganz nette Familie zu haben. Sollte seinen Lohn erhöhen." Eh - sowas glaub ich einfach nicht. ,,Sag mal hast du sie nicht mehr alle?!" ,,Was denn?" Okay, fange gleich an zu heulen. Warum eigentlich? Vielleicht weil ich ihm das Leben gerettet habe und er nichts Besseres zu tun hat als von seinen Eroberungen zu schwärmen? Wieso kümmer ich mich überhaupt darum? ,,Du hast echt nicht mehr alle Tassen im Schrank. Falls du es vergessen hast, du hattest einen tödlichen Virus in dir, den du eventuell leichtsinnig weitergereicht hast?! Außerdem habe ich von dir ja auch noch kein Danke gehört, weil ich dir zufällig das Leben gerettet habe?! Hast du überhaupt soetwas wie Reue?" Er scheint kurzfristig zu überlegen. ,,Hasenzahn, das ist dein gottverdammter Job. Also wieso soll ich dir dafür danken? Und außerdem hat es dich nicht zu interessieren mit wem ich rumvögel. Es ist mein Leben, du hast doch deinen "Goldie". Ihr seid doch soooo glücklich, dass du sowas von eifersüchtig bist."