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Dieses Thema hat 77 Antworten
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 Pausierende und abgebrochene Fortsetzungen!
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SoulSister Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 863

23.07.2010 20:07
#51 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Vielen Dank für die Rückmeldung! Hoffe euch gefällt auch dieser Teil...

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„Kannst du mir nicht mal ein bisschen von dem erzählen, über was ihr so sprecht?“ Ich sah Mehdi an, der neben mir auf dem etwas ungemütlichen Boden seines Behandlungszimmers lag. Der schüttelte nur den Kopf und drückte mir einen weiteren Keks in die Hand. „Männergespräche eben, versteht ihr Frauen nicht.“ „Och Mehdi, ich versteh die Männer schon, manchmal zumindest... Also erzähl jetzt!“ Ich warf ihm einen bittenden Blick zu, worauf der Gynäkologe mich nur genervt ansah. „Aber erzähl es keinem weiter, okay?“ „Mehdi, ich werde sicher keinem erzählen was du und Marc so bereden, interessiert jetzt auch nicht direkt jeden.“ „Also willst du es nicht wissen?“ „Doch, und jetzt erzähl!“ Ich stieß ihm mit meinem Arm in die Hüfte, worauf hin er sich fast an seinem Keks verschluckte. „Wenn du gewalttätig wirst sage ich hier gar nichts!“ „Gut, keine Gewalt gegen harmlose Gynäkologe mehr, okay?“ „Hm... Also wir-...“
Wir wurden durch jemanden unterbrochen, der ohne Vorankündigung die Tür aufriss. Mehdi biss schnell von seinem Keks ab, dann richtete er sich auf, wobei er mit dem Kopf gegen seinen Schreibtisch knallte. „Aua!“ Er schrie laut auf und presste sich seine Hand auf den Kopf. „Meine Güte Mehdi, pass doch-... Aua!“ Da mein IQ in den letzten Tagen wirklich gesunken war, stieß ich mich ebenfalls an seinem Schreibtisch und strich mir gequält über die schmerzende Stelle.
„Mehdi, bist du hier?“ Unsere Schmerzorgien wurden von einer panischen Stimme unterbrochen, die mir seltsam bekannt vorkam. Mehdi stand nun auf und ließ im nächsten Moment die Schachtel Kekse fallen, die er in der Hand gehabt hatte. „Anna?“

„Wilden Sex?“ Marc Meier sah seine Mutter überrascht an und schüttelte nachdenklich den Kopf. „Na was auch sonst? Und du dürftest auf diesem Gebiet ja nicht wirkliche Schwierigkeiten haben, nachdem du sogar fast das mittellose Böse in Form dieser Schwester da-..." Sie machte eine abfällige Handbewegung, "geschwängert hättest...“ Elke Fisher sah ihren Sohn pikiert an und trank einen weiteren Schluck ihres Kaffees. „Und den am besten ganz schnell.“, fügte sie hinzu, worauf ihr Sohn sie noch verwirrter ansah. „Jetzt gleich... Wilden Sex?“ „Na warte noch, bis ich wieder weg bin.“ Er seufzte genervt und kassierte einen verständnislosen Blick seiner Mutter.

Ich richtete mich ebenfalls schnell auf, nachdem sich der Störenfried als Mehdis Frau herausstellte. Etwas unsicher sah ich ihn an, als seine Frau auf ihn zukam. „Mehdi, du musst mitkommen, es ist wegen Lilly...“ Sie begann zu schluchzen und zu weinen, als Mehdi ihre Hand, mit der sie nach seinem Arm gegriffen hatte, unsicher abgeschüttelt hatte. „Sie bekommt keine Luft mehr.. Ich weiß nicht weiter...“, fügte Anna Kaan schluchzend hinzu. „Wie... Was?“ Mehdi warf mir einen verwirrten Blick zu, worauf ich ihn in Richtung seiner Frau schubste. Verstand er nicht, was hier los war? Wenn seine Frau nicht komplett fantasierte, war seine Tochter krank und er stand hier einfach so rum? Gut, vielleicht hatten die beiden Streit gehabt, weil sie mal wieder verschwunden war, trotzdem musste er seiner Tochter helfen!
Etwas verwirrt folgte der Gynäkologe Anna, die ihn nun am Arm gegriffen hatte und aus dem Raum zerren wollte. Als ich den den beiden folgen wollte, drehte sie sich wütend zu mir um. „Sie doch nicht...“, zischte sie mir wütend zu und knallte dir Tür vor meiner Nase zu. Wie, ich nicht? Zu ihrer Erinnerung, Mehdi war nur Gynäkologe, ich hingegen Chirurgin und konnte sicher besser helfen, wenn seiner Tochter etwas bedeutendes fehlte. Und da ich der festen Überzeugung war, mich jetzt nicht abwimmeln zu lassen, riss ich die Tür auf und wollte den beiden nachlaufen, als mir Marc entgegen kam. „Gretchen?“ Er lächelte mich an und ihm nächsten Moment hatte ich schon fast vergessen, warum ich durch die Gegend rannte. „Hm?“ Ohne mir zu verraten was er vorhatte, legte er seinem Arm um meine Schulter und schleifte mich mit sich.

SoulSister Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 863

24.07.2010 20:22
#52 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Also erst mal Danke für die Kommentare, was würde ich ohne euch alle machen?
Also viel Spaß mit diesem Teil! Was denkt ihr: Ist Lillys Herz stark genug?





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„Marc, was hast du denn?“, flüsterte ich leise, als er mich endlich vor seinem Büro abstellte. Ich war mir sicher es ging um seinen Entschluss, was jetzt mit uns los war und deshalb wollte ich nichts falsches sagen, schließlich konnte man nie wissen, ob er sich dann nicht umentschied.
„Wirst du schon sehen Hasenzahn...“

„Da!“ Anna Kaan rannte mit ihrem Mann im Schlepptau auf ihre kleine Tochter zu, die sich auf eine Parkbank gelegt hatte, die im Park vor der Eingangstür des Elisabethenkrankenhauses stand. „Mama?“, nuschelte sie verwirrt und streckte ihre zittrigen Finger in Richtung ihrer Mutter aus. „Papa?“ Im nächsten Moment startete sie einen kläglichen Versuch sich aufzurichten. „Lilly Schätzchen, der Papa ist hier, er wird sich um dich kümmern!“, beruhigte die völlig aufgelöste Anna ihre kleine Tochter. Wieder startete das Mädchen einen versuch, ihren Vater anzusehen, doch es gelang ihr nicht. „Ich bin ja hier Mäuschen...“, flüsterte Mehdi Kaan seiner Tochter etwas unsicher zu, als er ihre Hand nahm. Er hatte sie so lange nicht gesehen und plötzlich war sie wieder hier. Er hätte platzen können vor Freude, wäre da nicht das Gewissen, dass das Mädchen vor ihm gar nicht seine Tochter war. Doch als würde sie ihm alle Zweifel nehmen wollen, lächelte sie ihn an und zog ihn zu sich hinunter, um ihm einen Kuss auf die Wange zu geben. „Ich habe dich vermisst Papa, ganz viel sogar.“ Dann ließ sie ihn schwer atmend wieder los und lächelte ihre Eltern glücklich an. „Wir sind jetzt wieder eine Familie, oder?“ Mehdi drückte ihre Hand ein wenig fester und nickte unsicher. „Klar Schätzchen. Ich habe dich auch vermisst...“ Unsicher drehte er sich zu Anna um und hoffe, gleich würde seiner Tochter sich aufrichten und alles für einen Scherz erklären. Für einen schlechten Scherz.

„Ähm Marc, was soll das bitte?“ Etwas verwirrt beobachtete ich wie er seinen Kittel auszog und auf mich zukam, um meine Proteste durch einen Kuss zum schweigen zu bringen.
Im nächsten Moment hatte er mich näher an sich gepresst, was dazu führte, dass nicht nur seine Küsse mir den Atem verschlugen. Noch bevor ich fragen konnte was das hier werden sollte, hatte er mich auf den Boden gedrückt, wo ich nun etwas unbequem hinter seinem Schreibtisch lag. Marc jedoch schien Gefallen daran zu finden, denn er grinste mich an und gab mir einen weiteren langen Kuss. „Ich würde wirklich gerne wissen, warum du so plötzlich-...“ „Soll ich es lassen?“ Er richtete seinen Blick nun zu mir auf und ich schüttelte etwas unsicher den Kopf. „Ja.. Ich.. Nein...“, flüsterte ich leise und im nächsten Moment gab er mir wieder einen Kuss, um dann an meinem Hals fortzufahren, denn er nun küsste. Ich wusste nicht, was er vorhatte, aber wenn es dazu diente, dass er mich nicht wieder fallen ließ, sollte es mir recht sein. Meine Hand wanderte währenddessen unter sein Hemd, wo ich an seinem Rücken hinunterfuhr. Meine anfänglichen Zweifel waren verflogen. Erstens war das hier alles, was ich mir je gewünscht hatte und zweitens gab es nicht viel, was ich hier zu widersprechen hatte, wahrscheinlich würde er mich eh umstimmen.
Gerade als auch seine Hand unter meine Bluse fuhr, wurde die Tür aufgerissen. Marc hörte auf mich mit Küssen zu übersähen und richtete seinen Kopf verwirrt auf. „Meier?“ Erschrocken riss ich meine Augen auf, als ich die Stimme meines Vaters erkannte, der es anscheinend ziemlich eilig hatte. Marc gab mir zu verstehen einfach liegen zu bleiben und richtete sich schnell auf, wobei ich mir nicht ganz sicher war, was mein Vater sagen würde, wenn er seinen besten Oberarzt mit zerzausten Haaren und wirrem Blick hinter seinem Schreibtisch hervorkommen sah. „Da sind sie ja!“, bellte mein Vater Marc wütend an und ich konnte förmlich spüren, wie er ihn musterte. „Äh, ja, da bin ich.“ Marc räusperte sich leise und sah zu meinem Vater. „Meier, ich will lieber gar nicht wissen, was sie da getrieben haben.“, murmelte er kühl und räusperte sich ebenfalls. „Getrieben habe ich noch gar nichts...“, flüsterte Marc leise und sah zu mir hinunter. „Marc!“, zischte ich leise und verpasste ihm einen leichten Tritt. Mein Vater sah Marc verwirrt an und beugte sich nun über den Tisch um zu sehen, mit wem sein bester Oberarzt da gesprochen hatte. Ich hoffte nur er würde mich nicht entdecken. Und tatsächlich, Marc sprang schnell auf und stellte sich vor meinen Vater. „Warum sind sie hier, Herr Professor?“, lenkte er schnell ab und räusperte sich leise. „Da sie nicht reagieren wenn man sie anpiepst, musste ich persönlich vorbeikommen, draußen gibt es einen Notfall, also beeilen sie sich gefälligst!“ Marc nickte eilig und fuhr sich schnell durch die Haare, als mein Vater den Raum wieder verließ. Erleichtert atmete mein Oberarzt auf, als wir beide endlich wieder alleine waren. Auch ich richtete mich wieder auf und konnte mir ein erleichtertes Lächeln nicht verkneifen. Dieser gescheiterte Versuch war sicher nicht ganz nach seinen Vorstellungen verlaufen und wenn ich daran dachte, was mein Vater zu dem ganzen gesagt hätte, konnte ich einfach nur lachen. „Du brauchst gar nicht so blöd zu grinsen, Hasenzahn!“ Er räusperte sich wieder und zog schnell seinen Kittel an.

„Hier Herr Doktor!“ Als Marc und ich aus seinem Büro hinaus liefen, kam uns gleich Schwester Sabine entgegen, die aufgeregt in Richtung Park deutete. Im nächsten Moment wurde mir klar, dass es sich nur um Lilly handeln konnte, die ich komplett vergessen hatte, was mir ein schlechtes Gewissen bereitete.
Draußen angekommen, blieb Marc kurz stehen. „Ist das nicht-...“ „Ja, das ist Mehdis Tochter und jetzt mach schon Marc, wir müssen ihr helfen!“ Er seufzte genervt und schob Sabine zur Seite, die uns gefolgt war, um im nächsten Moment los zu rennen.
Die Kleine lag schon auf einer Trage, als wir draußen ankamen. „Aus dem Weg bitte!“, herrschte ich die umstehenden Leute an, darunter einige ältere Leute und natürlich Mehdi & Anna. „Meine Güte, die erstickt ja gleich!“, begann Marc verwirrt. „Sie muss sich unbedingt aufrecht auf die Trage setzten, wenn wir sie rein transportieren, klar? Sofortige Versorgung – Sabine?“ Die Schwester kam eilig angerannt und ließ sich von Marc Anweisungen geben, während einige Sanitäter Lilly auf der Trage hievten und sie ins Krankenhaus trugen. Marc schüttelte verwirrt den Kopf und setzte sich sofort in Bewegung. Da ich herzlich wenig Zeit gehabt hatte auch nur einen Blick auf die Kleine zu werfen, war mir nicht ganz klar was sie hatte. Ich hoffte nur es war nicht so schlimm wie Marc es wirken ließ, indem er kopfschüttelnd das Krankenhaus betrat.

SoulSister Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 863

25.07.2010 19:44
#53 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Meinen Kommentar zu dem ganzen findet ihr auf meiner Kommentarseite.

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„Und Papa, was passiert, wenn die Mama aufhört zu schlafen? Geht sie weg und lässt und ganz alleine hier?“ Mehdi Kaan überlegte einen Moment. Wenn seine Tochter ihn so fragte, bekam er selber etwas Angst. Was, wenn sie wirklich nicht wieder aufwachte? „Weißt du Lilly, die Mama die wird nie wirklich gehen, sie bleibt immer bei uns beiden und allen anderen, die sie lieb hat.“ „Also sieht sie immer noch, wie ich mir jeden morgen mein Brot schmiere?“ „Hm, ganz bestimmt. Weißt du Lilly, wenn die Mama irgendwann nicht mehr aufwacht, dann ist sie wirklich nicht ganz gegangen. Sie ist nur da, wo ihr keiner mehr weh tun kann. Von da kann sie immer sehen was wir machen. Und vielleicht trifft sie da, wo sie ist, auch ein paar Leute, die sie kennt. Vielleicht trifft sie ja sogar den Paul?“ „Der Paul, der in den Himmel gegangen ist?“ „Genau. Da kommt die Mama sicher auch hin.“ Lilly seufzte traurig und kuschelte sich an ihr geliebtes Kuscheltier. „Aber ich werde die Mama dann ganz dolle vermissen, Papa.“ Mehdi Kaan seufzte ebenfalls, dann lächelte er seine Tochter jedoch aufmunternd an. „Sieh mal Mäuschen, wenn man traurig ist, freut sich die Mama im Himmel auch nicht. Aber wenn man immer fröhlich bleibt, kann man vielleicht sogar manchmal spüren, wie die Mama einem zulächelt, wenn sie da oben im Himmel sitzt und sich freut, dass es dir hier unten so gut geht.“ „Papa?“ „Hm?“ „Ich wünsche der Mama, dass sie bald nicht mehr aufwacht. Ich glaube, da oben im Himmel beim Paul hat sie es besser.“ „Vielleicht Lilly, vielleicht...“ „Bleibst du denn auch fröhlich wenn die Mama weg ist?“ „Klar! Solange du nicht in den Himmel gehst bin ich immer fröhlich.“ „Wie, ich muss auch gehen?“ Mehdi lächelte seine Tochter, die ihr Kuscheltier nun fester an sich presste, etwas unsicher an. „Wir müssen alle irgendwann hoch zum Himmel.“ „Aber Papa, du musst mir versprechen, dass du fröhlich bleibst wenn ich gehe, ja? Ich schmiere dir da oben schon mal ein paar Brote und warte bis du kommst.“ Mehdi Kaan begann zu lachen und auch seine Tochter grinste ihn nun zufrieden an. „Darf ich dann da oben auch mit dem Paul spielen?“ „Selbstverständlich, Schätzchen. Hauptsache, du bist immer fröhlich, auch wenn du gehen musst.“ „Klar, ich werde dich immer anlächeln, nur hoffentlich habe ich dann wieder alle Zähne von der Zahnfee bekommen, dann kann ich nämlich am aller schönsten Lächeln!“

„Sofort Blut abnehmen, schnell!“ Schwester Sabine nickte schwerfällig und griff nach den nötigen Utensilien, um der mittlerweile bewusstlosen Lilly Blut abnehmen zu können. Die künstliche Beatmung, die dem Kind zugefügt worden war, hatte keine Wirkung gezeigt und nun war Marc Meier sichtlich nervös. „Wie viel Doktor?“ „Wir versuchen es mit 150 Milliliter, aber ich befürchte... Scheiße!“ Er beugte sich über das leichenblasse Mädchen, als ich nun ebenfalls in den Raum kam. „Sabine, haben sie das Blut abgenommen?“ „Ja Herr Doktor...“ „Hasenzahn, Blutdruckmanschetten anlegen, aber flott!“, herrschte er nun mich an. Ich nickte nur stumm und als wieder kam, legte ich die Manschetten an ihren Beinen an, doch so wie es aussah, stand es schlecht um das kleine Mädchen. „Marc hat sie...“ „Ja, ein Lungenödem, aber ich fürchte, wir kommen schon zu spät... Katecholamine, schnell!“ „Marc, bist du sicher-...“ „Ja, jetzt mach schon Hasenzahn!“ Ich griff schnell nach dem Stoff, doch als ich mich wieder umdrehte, hatte Marc seine Handschuhe ausgezogen und sie wütend weggeworfen.

„Aber ich verstehe dass nicht, was ist denn hier los?“ Als Marc und ich den OP verließen, kam und eine weinende Anna Kaan entgegen, die völlig aufgelöst und hysterisch zu reden begann. „Es tut mir Leid Anna, aber wir konnten nichts mehr für sie tun. Warum hast du sie nie in Behandlung wegen ihrerAtemnot gegeben?“ Plötzlich tauchte Mehdi hinter der nun schreienden Anna auf und sah und fassungslos an. „Ist sie.. tot?“ Ich nickte nur und warf ihm einen mitleidigen Blick zu. Im ersten Moment dachte ich, er würde nicht reagieren oder weinen, doch ganz im Gegensatz zu all meine Erwartungen lächelte er mich kurz an und ging zum nächsten Fenster, um sich hinaus zu lehnen. Marc sah Mehdi irritiert nach und räusperte sich dann leise. „Ja, ich hätte Lust auf einen Kaffee. Sonst noch wer?“ Anna begann laut zu weinen und ich schüttelte bedrückt den Kopf. Dieser Mann war doch wirklich auf seinen Beruf fokussiert – Ich hoffte nur, ihm war die Sache wenigstens etwas nah gegangen, sonst war er wirklich nicht mehr ganz menschlich. Schnell drehte ich mich um und folgte Mehdi etwas unsicher. Als wir nebeneinander standen, folgte ich seinem Blick hoch zum strahlend blauen Himmel.
„Sie hat mir mal versprochen, mir da oben jeden Tag ein Brot zu schmieren, wenn ich nicht traurig bin, wenn sie gehen muss. Ich glaube, ich schulde ihr das jetzt.“ Ich musste unwillkürlich lächeln und sah kurz zu Mehdi, dann wieder zum Himmel, wo plötzliche die Sonne hinter den Wolken auftauchte. „Ich glaube, sie freut sich darüber, Mehdi.“

SoulSister Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 863

26.07.2010 20:05
#54 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Es geht weiter & ich hoffe, dass Mehdi diesmal wieder reagiert, wie er es in diesem Fall tun würde. Danke für eure Kommentare!

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Anna Kaan wurde ein Beruhigungsmittel verabreicht, weil sie hysterisch zu schreien und weinen begann, als wir ihr gesagt hatten, was geschehen war.
Mehdi hatte sich in sein Büro verzogen und ich war mir sicher, er hatte mir das eben nicht nur vorgespielt. Er war vielleicht traurig, aber nicht zu verstört wie Anna es war. Trotzdem hatte ich ihm versprochen, bei ihm zu bleiben wenn er mich brauchen sollte.
Da in nächster Zeit keine OP anstand hatte ich mich mit Marc in die Cafeteria gesetzt, wo wir nun beide etwas betreten aßen. „Warum hat Anna sie nie in Behandlung gegeben? Sie hätte nicht sterben müssen, wenn sich schon früher jemand darum gekümmert hätte.“ Er nickte nachdenklich und räusperte sich dann. „Der Anfall, den sie eben hatte, der war zu heftig für sie. Ihr armes kleines Herz hat das nicht mehr mitgemacht...“ Ich brachte mich mit meinen eigenen Worten fast zum weinen, denn wenn ich daran dachte, dass ich die kleine Lilly nie wiedersehen würde, schmeckte mir nicht mal der leckere Schokoladenkuchen was. Marc räusperte sich wieder und ich war mir sicher, die Sache ging ihm doch ungewollt nahe. „Ach komm Marc, du hast dein bestes gegeben, mach dir keinen Kopf.“ Er sah mich fast etwas wütend an und reagierte mehr oder weniger auf seine Art. „Ich weiß das ich mein bestes gegeben habe, klar Hasenzahn? Wenn diese Irre ihr eigenes Kind nicht mal in Behandlung geben kann, was soll ich da machen?“ Ich seufzte nur und aß gedankenverloren meinen Kuchen. Hoffentlich würde Mehdi sich am Ende keine Schuldgefühle geben, weil er in der letzten Zeit nicht bei Lilly gewesen war? Warum hatte Anna ihn eigentlich wieder verlassen? Die Fragen musste ich mir wohl für später aufheben, in seiner jetzigen Gefühlslage waren sie wohl nicht gerade einfach zu beantworten für ihn. „Ich weiß gar nicht, was ich jetzt weiter machen soll. Irgendwie...“ Ich schob mir ein Stück Kuchen in den Mund und suchte nach den richtigen Worten. Ja, es ging mir nahe, dass die kleine Lilly gestorben war. Aber sollte ich das vor Marc sagen? Ich hatte herzlich wenig Lust auf einen dummen Spruch von ihm, den er sich anscheinend nicht mal jetzt verkneifen konnte.
„Wir können ja da weitermachen, wo wir vorhin aufgehört haben...“, flüsterte er mir leise zu, nachdem er sich zu mir rüber gelehnt hatte. „Also Marc, das finde ich jetzt echt etwas geschmacklos, ja?“ Ich sah ihn empört an und stand auf. „Ich gehe.“ „Boa Hasenzahn, jetzt reg dich doch wieder ab, ist ja schon gut!“ Marc seufzte genervt auf, aber ich hatte nicht die Absicht, ihm nachzugeben. Sollte er doch sehen, wo er mit seinen dummen Sprüchen hinkam.

Ich wollte gerade bei Mehdi klopfen, als ich hörte das Marc mich rief. Wirklich bewundernswert, wie sehr er sich in letzter Zeit um mich kümmerte. „Hasenzahn?“ Gut, bis auf ein paar kleine Macken hatte er sich ja schon ein bisschen gebessert. „Hm?“ Ich drehte mich lächelnd zu ihm um, als er direkt hinter mir stand. Der Gang zu Mehdis Büro war leer, keiner schien sich hier aufzuhalten. Auch Marc war das anscheinend aufgefallen, weshalb er mir ohne weitere Worte einen Kuss gab. Ich seufzte zufrieden und nahm seine rechte Hand, um meine andere um seine Hüfte zu legen. Er schwieg und wir küssten uns eine geraume Zeit, ohne auf die Schwestern zu achten, die verwundert an uns vorbei liefen. Und obwohl es mir fast weh tat ihn gehen zu lassen, löste ich mich schnell wieder von ihm. „Marc, Mehdi braucht mich jetzt mehr als du mich.“ „Hm, später vielleicht...“, nuschelte er und gab mir einen weiteren Kuss, dann wanderte er wie heute morgen weiter zu meinem Hals hinunter. „Marc, hast du mir überhaupt zugehört?“, zischte ich wütend und stieß ihn etwas unsanft von mir weg. „Hasenzahn, stell dich doch nicht so an, wenn er traurig ist stopft er sich mit Süßkram zu, dafür braucht er dich ja nicht.“ „Und was, wenn ich mitessen will?“ „Dann wirst du ähm... noch fetter?“ „Was heißt denn hier noch fetter? Bin ich fett?“ Noch bevor er etwas sagen konnte, hatte ich ihm das Wort abgeschnitten. „Wenigsten stimmt bei mir noch alles im Kopf, ganz im Gegensatz zu dir.“ Ich warf ihm einen wütenden Blick zu, dann riss ich die Tür zu Mehdis Büro auf und setzte mich zu ihm. Tatsächlich aß er gerade voller Hingabe eine Tafel Schokolade.. Ich hörte Marc genervt seufzen und ich war mir nicht sicher, ob er mir noch ein mal nachlaufen würde.
„Hey Mehdi...“, begrüßte ich den Gynäkologe etwas niedergeschlagen, worauf er sich lächelnd zu mir umdrehte. „Habt ihr euch vor meiner Tür geküsst?“ „Ähm...“ „Schon gut, aber lass es in nächster Zeit lieber.“ Ich sah ertappt zu Boden und bekam von Mehdi einen Keks in die Hand gedrückt. „Denk dran, ich sehe alles!“ Ich nickte nur verwirrt und wir begannen, gemeinsam 2 Schachteln Kekse zu essen. Irgendwie lag es praktisch in der Luft, dass ich etwas essen musste wenn ich bei Mehdi war. „Sag mal, warst du mal wieder bei Anna? Sie dürfte noch schlafen, aber du wirst dich doch jetzt um sie kümmern, oder?“ „Ich soll mich... um sie kümmern?“ „Ja willst du sie denn einfach wieder wegschicken, jetzt wo... Du weißt schon?“ „Hm...“ Er sah gedankenverloren aus dem Fenster und aß seine Kekse. „Soll ich dich wieder alleine lassen?“ Mehdi drehte sich kurz zu mir um, dann nickte er. „Wäre besser...“ „Och Mehdi...“ Ich seufzte leise und bemitleidete ihn in diesem Moment so sehr, dass ich fast wieder weinen musste. Zum Abschied umarmte er mich voller Hingabe, indem er seine Wange an meine presste und seine Arme um meine Hüften schlang. Schon wollte ich mich von ihm lösen, als ich seine Tränen an meiner Wange hinunterlaufen spürte.

„Du kannst reinkommen, also jetzt stell dich doch nicht so an Mehdi!“ Genervt schloss ich die Tür auf und warf etwas verärgert als ich spürte, dass Mehdi sich nicht bewegte. „Wenn du jetzt nicht gleich reinkommst lasse ich dich hier draußen stehen und ich garantierte dir, hier laufen überall wilde Tiere rum!“ Er schniefte laut, dann folgte er mir. Als wir im Wohnzimmer ankamen, drehte sich mein Vater verwirrt zu uns beiden um und musterte Mehdi fragend. „Was sucht der denn jetzt hier? Und warum heult er? Waschlappen werden hier nicht geduldet!“ „Papa!“ Ich sah ihn zornig an und versuchte ihm verständlich zu machen, dass er jetzt besser schwieg. „Komm Mehdi, ich bringe dich hoch...“ Ich schnappte mir schnell seine Hand und führte ihn unsicher in mein Zimmer. Da Marc sich schon zu genüge darüber lustig gemacht hatte, dass ich Pferdeposter an der Wand hängen hatte, befürchtete ich auch Mehdi würde mich auslachen, jedoch schwieg er nur und musste sogar ein bisschen lächeln, als er die Poster sah. Danach zeigte ich ihm die restlichen Räume oben und hoffte, er würde nicht wieder weinen, denn es verwirrte mich, ihn so aufgelöst zu sehen.
„Und wo soll ich jetzt schlafen?“ „Sehen wir dann. Jetzt beruhige dich erst mal wieder, ja?“ Ich setzte mich auf mein Bett, worauf er sich neben mich setzte. „Gretchen?“ „Hm?“ Er sah mir in die Augen und griff nach meiner Hand, was mich verwirrte, doch noch mehr verwirrte es mich, als sein Gesicht sich meinem näherte.

SoulSister Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 863

27.07.2010 20:16
#55 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Weiter gehts im Text, ich bedanke mich für alle, die mitlesen & kommentieren!

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Mehdi küsste noch immer so gut wie früher, seine Lippen waren zudem weich und sie schmeckten einfach herrlich, weshalb ich meine Augen genüsslich schloss – Bis mir im nächsten Moment bewusst wurde, dass seine Lippen trotzdem auch total deplatziert waren!
Hastig löste ich mich von ihm und wischte mir mit dem Handrücken über den Mund. Auch er sah mehr als erschrocken aus. Er sah mich irgendwie wie einer dieser kleinen treuen Dackel an und wenn ich nicht total immun gegen alles und jeden gewesen wäre, weil ich ja gerade in dieser „Ohne Meier geht’s nicht“ - Phase steckte, hätte ich ihn sicher nicht einfach so da sitzen lassen, vielleicht hätte er sich einen weiteren Kuss eingefangen?
Oh Gott, Gretchen, stopp diese Gedanken! Nur weil Marc nicht da ist und du zu wenig Liebe bekommst musst du ja nicht gleich deinen besten Freund anspringen, also bitte...
Ich räusperte mich leise und legte mich unsicher auf mein Bett, ohne mich zu zu decken. „Was sollte das jetzt?“, brach ich nach einer Weile das schweigen, während Mehdi mich nur merkwürdig ansah. „Ich dachte, also Gretchen ähm...“ „Mehdi, ich dachte das hätten wir geklärt, hm? Was sind wir?“ Ich sah ihn wie eine Lehrerin ihren Schüler an und hoffte, er würde wirklich zu meiner Zufriedenheit antworten. „Beste Freunde?“, antwortete der Gynäkologe genervt und ich nickte lächelnd. „Richtig. Und warum hast du mich geküsst wenn das eigentlich geklärt ist?“ Er kratzte sich nervös am Kopf und schien zu überlegen. „Ja das ist so... Weil.. Beste Freunde machen so was. Ist jetzt modern.“ „Freunde küssen sich total gefühlvoll, erotisch-...“ „Du fandest den Kuss erotisch?“ Ich seufzte laut und verpasste Mehdi einen leichten Klaps auf den Hinterkopf. „Nein, natürlich nicht! Ich finde den Trend sinnlos, also vergessen wir das ganz schnell wieder, okay Mehdi?“ Er nickte etwas gequält, doch ich gab mich damit zufrieden. Er hatte es ja im Moment nicht leicht, schließlich war seine Tochter gestorben, er durfte sich das also mal erlauben. Ich meine, so schlimm war es ja jetzt auch nicht gewesen, auch wenn ich in ihm nun noch weniger den besten Freund sah, den ich eigentlich haben wollte. Warum hatte er sich nicht zurück halten können? Jetzt stand ich da und hatte ein Problem mehr. Nämlich ihn.
Da mir das zu viel wurde stand ich schnell auf und kündigte an, Zeitschriften meiner Mutter zu holen, was eine meiner besten Ausreden war, wenn man mal darüber nachdachte. Was wollten Mehdi und ich mit der Brigitte? Seufzend schlürfte ich aus meinem Zimmer, als mein Vater mir entgegen kam. „Ist der Waschlappen immer noch hier? Mit dem werden aber keine Kinder gemacht Kälbchen!“ Oh Gott. Ich hoffte nur Mehdi war am weinen oder ähnliches, bloß sollte er meinen Vater nicht hören. „Papa, seine Tochter ist heute gestorben, könntest du vielleicht mal ein bisschen rücksichtsvoller sein?“ Ich sah ihn flehend an und hoffte nur, er würde sich wenigstens jetzt zurückhalten. Seit Mama weg war benahm er sich so wieso ziemlich daneben, wahrscheinlich vermisste er sie mehr als er zugeben wollte.
„Kann ich doch nicht wissen!“, erwiderte er aufgebracht und verschwand in sein Schlafzimmer. Ich seufzte genervt und lief runter ins Wohnzimmer, um sämtliche Klatschzeitungen meiner Mutter aus allen Ecken zu kramen. Zugegeben, vielleicht fand sich da ja irgend ein Bericht drin, der mir helfen konnte, Marc mal ein bisschen pflegeleichter zu machen oder so was. Die hatten ja schon Ahnungen, diese überbezahlten Tanten die Leserbriefe beantworteten, also meistens.
Als ich mit einem bunten Stapel wieder zurück kam sahs Mehdi auf meinem Bett und meditierte laut vor sich hin. „Ich bin ganz ich selber, ich bin der Kranich, ich bin der Erdfrosch, ich bin der Nasenaffe...“, summte er leise vor sind hin und begann nun sich merkwürdig zu bewegen, was irgendwie den Anschein machte als würde er gleich durchdrehen. Ich räusperte mich leise und warf ihm einen irritierten Blick zu ('Ich bin der Nasenaffe'?!). Erschrocken sah er mich an und beendete seine Übungen. „Ich frage lieber gar nicht was du da gemacht hast...“, murmelte ich leise und setzte mich neben ihn. „Also wenn du auch mal mitmachen willst, wir könnten mit dem Nacktmull anfangen, der ist am einfachsten.“ Er lächelte mich kurz an und nun hatte ich die weitere Befürchtung, dass er heimlich Drogen genommen hatte. Oh Gott, Drogen, mit denen hatte ich ja in letzter Zeit wirklich Erfahrung genug gemacht. Also passiv, nicht aktiv.
„Nein danke Mehdi, ich denke ich möchte also ähm.. nicht... der Nacktmull sein.“, antwortete ich so gut es ging freundlich, um ihm sein letztes Stückchen Ruhe nicht zu nehmen. Geduldig drückte ich ihm eine Brigitte in die Hand um mir selber eine zu nehmen.
Während er die Zeitung musterte als wäre sie von einem anderen Planeten (Ach ja, Frauen waren sein Job? Frauen waren ja praktisch mit Klatschzeitungen auf die Welt gekommen...), blätterte ich sie durch, bis ich zu einem interessanten Artikel kam. „So zähmen sie einen Bad Boy, hm?“, murmelte ich leise und las mir die Tipps durch. 'Trauen sie sich ruhig sich sexy anzuziehen, denn wenn sie zu prüde sind könnten sie bei ihrem Bad Boy schnell auf Ablehnung stoßen.' Na dann war ich bei Marc in diesem Punkt schon mal durchgefallen. Wirklich sexy sah ich im Kittel ja jetzt nicht aus, ganz im Gegensatz zu ihm.
Der nächste Punkt lautete, 'Gefühle zeigen'. Wenn Marc nicht vollkommen auf dem Schlauch stand, wovon er mich in letzter Zeit leider öfter überzeugt hatte, dürfte er ja meine Gefühle für ihn gelegentlich bemerkt haben.
'Der Familie vorstellen'. Gut. Mein Vater hat ihn gefeuert weil Marc angeblich Drogen besessen hat, meine Mutter hat ihm ihre Drogenplantage unterschieben wollen und mein Bruder würde es nur interessieren, ob Marc gut im Wettessen war. Diesen Punkt strich ich einfach weg, ging ja bestimmt auch anders.
Ich wurde von Mehdi unterbrochen, der mich neugierig ansah. „Was liest du da? Scheint ja ziemlich interessant zu sein.“ Er lächelte mich eine Spur zu freundlich an, weshalb ich schnell einige Seiten weiterblätterte und bei der Seelsorgenseite gelandet war. „Ich also.. Diese Leserfragen sind ja echt der Hammer!“, antwortete ich gespielt aufgeregt und sah ihn lächelnd an. „Lies doch mal vor.“ Ich seufzte leise und begann zu lesen: „Hilfe! Mir ist letztens etwas furchtbares passiert. Ich war mit meinem besten Freund im Kino, als er mich plötzlich küsste-... Oh.“ Ich sah erschrocken zu Mehdi, der die Lippen zusammengekniffen hatte. „Äh, die ist besser, die andere war ja.. Langweilig. Liebes Brigitte Team, ich habe mich verliebt! Und zwar in meinen besten Freund... Ähm ja.“ Ich lachte nervös und pfefferte die Zeitung zur Seite, um schnell nach Mehdis Hand zu greifen, die nun zu einer Faust geballt war. „Ach Mehdi...“ Ich sah ihn mitleidig an und kassierte einen wütenden Blick. „Mein Kind ist weg, ich habe keine Freundin, alles was ich habe ist Schokolade, aber die schmeckt auch nichts mehr...“ Er schniefte laut und im nächsten Moment lief ihm eine Träne über die Wange. „Och Mehdi, alles wird gut!“
Ich konnte es nur hoffen...

SoulSister Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 863

28.07.2010 20:38
#56 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Hatte Besuch, deshalb kommt der Teil etwas später. Und ja, Mehdi hat noch nicht realisiert, was passiert ist, bis jetzt.. Ich hoffe, euch gefällt der Teil, vielen lieben Dank für die Kommentare!

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„Papa, jetzt lass Mehdi doch mal duschen!“ Genervt klopfte ich an unsere Badezimmertür, die von meinem Vater verriegelt worden war. „Hat der kein eigenes Haus? Ich ernähre doch keine obdachlosen Gynäkologen, bin ich der Papst?“ Wütend öffnete sich die Tür und mein, mit einem Handtuch bekleideter Vater kam heraus. „Aber er duscht kalt, klar?“ Seit wann hatte er eine Abneigung gegen Mehdi? Wahrscheinlich war ihm Marc einfach lieber, was ich auch nachvollziehen konnte.
„Mehdi, du kannst jetzt kommen!“, rief ich in Richtung meines Zimmers, aus dem Mehdi nun auch kam. „Du musst kalt duschen...“, sagte ich so laut es ging, um meinen Vater den Eindruck zu vermitteln, Mehdi würde sich wirklich kaltes Wasser antun. Dem Gynäkologe zwinkerte ich jedoch kurz zu, worauf er mir einen dankbaren Blick zuwarf. „Willst du.. also mit reinkommen?“ Er lächelte mich treuherzig an, was mich zusätzlich verwirrte. Entsetzt sah ich Mehdi an und schüttelte schnell den Kopf. „Ich will nicht mit dir duschen, danke Mehdi...“ „Einen Versuch war es wert...“, murmelte er leise und verschwand in unserem Badezimmer. Er schien anscheinend nur mit Lillys Tod klar zu kommen, wenn er etwas Bestätigung bekam. So würden es zu mindestens die ganzen hochgestochenen Frauen in den Magazinen formulieren.

http://www.youtube.com/watch?v=HXMNAJs7qCA&feature=related

Nachdem Gretchen ihn alleine in sein Büro hatte gehen lassen, hatte Mehdi Kaan sich eingeschlossen, ohne wirklich zu wissen, was er tat. Seine Hände arbeiteten mechanisch, genau wie sein Kopf, der seinem Armen und Beinen Dinge befahl, die Mehdi nicht begriff. Nichts machte mehr Sinn, über diese Erkenntnis hinaus hatte Gretchen ihn auch nicht helfen können. Bei ihr zu sein hatte das Loch, das der plötzliche Tod von Lilly in seine Brust gerissen hatte, etwas verringert, doch sobald er alleine war, brach es wieder auf und tausend Erinnerungen brachen auf ihn ein und jede Erinnerung brachte ihn dazu, sein kleines Mädchen zu vermissen wie er es nie zuvor getan hatte. Wie hatte er in den letzten Monaten nur so nachsichtig sein können? Warum hatte er sich nicht oft genug gefragt, wie es seiner kleinen Tochter ging? Er hätte nicht einfach so aufgeben sollen, er hätte kämpfen müssen, doch nun war der Kampf verloren und es gab keinen Grund mehr, weiter darüber nach zu denken, was gewesen wäre, wenn er anders gehandelt hätte.
Nur ließ sich durch diese Gedanken das Loch in seiner Brust nicht schließen, im Gegenteil, es vergrößerte sich nur mit jedem weiteren Gedanken.
Langsam stand er auf und schloss die Tür zu seinem Büro wieder auf. Ihm kam eine verwirrte Schwester Gabi entgegen, die ihm einen besorgten Blick zuwarf. Er hatte nicht bemerkt, dass sie geklopft hatte. Er wollte nicht wissen, welche belanglosen Dinge sie ihm erzählen wollte. Sie zählte nicht.
Zielstrebig lief er an ihr vorbei, ohne ihr einen Blick zu würdigen. Sein Weg führte ihn durch viele Gänge, an vielen Zimmern vorbei, in denen Menschen im sterben lagen. Warum hatte er nie einen Gedanke daran verschwendet, dass Menschen hier, nur wenige Schritten von seinem Büro entfernt, um ihr Leben kämpften? Er hatte es ausgeblendet, doch plötzlich kam es auf ihn zu und er konnte nicht ausweichen, ob er wollte oder nicht.
Endlich stoppten seine Füße, vor einem kleinen Patientenzimmer. Mechanisch öffnete er die Tür und sein Blick viel auf das Bett, in dem eine zierliche Person lag. Anna.
Seine Füße trugen ihn an ihr Bett, seine Hände griffen nach ihren, sein Kopf wollte ihm klar machen, dass sie den gleichen Schmerz wie er fühlte. War er wütend? Sie hatte ihn verlassen, hatte ihm verschwiegen, dass Lilly nicht seine Tochter war, Anna hatte Lilly sterben lassen. Anna war zurück gekommen, um Lilly hier sterben zu lassen. Oder hatte sie nicht gewusst, wie schlimm es um das kleine Mädchen stand, um ihre eigenen Tochter?
Doch er empfand nichts, keine Wut, keine Trauer, einzig und alleine Verzweiflung machte sich in ihm breit, eine größere als er sie je gespürt hatte.
Langsam richtete sich der Gynäkologe wieder auf, nicht ohne seiner Exfrau einen Kuss auf die Stirn zu geben. Sie standen beide ohne Kind da, hatten beide etwas verloren, dass ihnen alles bedeutet hatte. Er fühlte Trost, wenn er seine schlafende Frau ansah und wusste, er war nicht alleine.
Er machte sich auf den Weg, wusste nicht, wohin seine Füße ihn trugen, wusste nur, dass es kein Ziel mehr für ihn gab. Er wollte nur entkommen, er wollte die Verzweiflung nicht mehr spüren.
Seine Füße trugen ihn in die Cafeteria, wo er mitleidige Blicke zugeworfen bekam. Er ignorierte sie. Was hatten die Leute für eine Ahnung? Er bediente sich mit einer Scheibe Brot und etwas Nutella, um sich an einen einzelnen Tisch zu setzten. Nun sahen die Leute ihn verwirrt an. Bemerkte man seine mechanischen Bewegungen? Er schmierte das Brot, ohne einen Bissen zu nehmen. Stattdessen nahm er es und seufzte.
Mehdi Kaan verließ den Raum wieder und steuerte den Aufzug an, der zu seinem Glück verlassen war. Er betätigte den Knopf für den letzten Stock. Der Aufzug setzte sich abrupt in Bewegung, mit seinen kalten, grauen Wänden die wie Mauern wirkten. Mauern, die Mehdi umschlossen.
Als sich die Türen des Aufzugs wieder öffneten kam ihm die kalte Luft des Kellers entgegen, in dem er sich nun befand. Er hatte das Nutellabrot noch immer in seiner Hand, er umklammerte es fast hilfesuchend.
Hier unten war er noch nie gewesen. Nie. Und wenn er ehrlich war, er hatte es immer vermeiden wollen. Unsicher schritt er durch die grauen Gänge, sein Brot fest in der Hand, setzte mechanisch Fuß vor Fuß.
Als er am Ende des Gangs ankam, traf er auf einen Pathologen, der Mehdi Kaan einen fragenden Blick zuwarf. „Lilly Kaan.“, mehr brachte er nicht heraus und er war überrascht, wie sicher seine Stimme sich anhörte. Der Pathologe warf einen Blick auf das kleine Namensschild und nickte dann. Das Brot schien er nicht bemerkt zu haben, denn er führte Mehdi ohne Widersprüche in einen großen Raum, der so grau wie die Gänge hier unten war. Es erstreckten sich scheinbar hundert Kühlfächer an der Wand. Mehdi Kaan sah bedächtig an der Wand entlang, überlegte, welche Menschen wohl in diesen Fächern lagen, überlegte, warum sie hier lagen, überlegte, welche Menschen sie einst geliebt hatten.
Schließlich kamen die beiden vor einem Kühlfach stehen, dass fast noch grauer als die anderen schien, noch verlorener, kälter, liebloser. Der Pathologe öffnete das Fach mit der Nummer 32 langsam und warf Mehdi Kaan einen besorgten Blick zu.
Er bestätigte dem besorgten Mann, dass er bereit war, im nächsten Moment hatte Mehdi Kaan seine kleine Tochter vor sich, unter einem großen Grünen Tuch verborgen.
Der Pathologe nickte kurz und drehte sich dann um. Ein letztes Mal schloss Mehdi die Augen, dann zog er das Tuch etwas zur Seite. Der Kopf seiner Tochter kam zum Vorschein. Das kleine Mädchen hatte die Augen geschlossen und sah fast friedlich aus. Die Blässe ignorierte der Gynäkologe, er wollte die Anzeichen für den Tod seiner Tochter einfach übersehen.
Sie hatten den Mund nicht zu einem Lächeln verzogen, jedoch sah sie auch nicht traurig aus. Eher sah Lilly so aus, als wäre sie mit ihren Gedanken nicht mehr hier. Ja, sie war nicht mehr hier.
Jeden Abend ohne sie einschlafen, sie nie wieder lächeln sehen. Als eine Träne an seiner Wange hinunterlief, wischte er sie schnell weg und sah seine Tochter beschämt an. Er hatte versprochen, nicht traurig zu sein. Und wie hatte Lilly immer gesagt? Wer ein Versprechen brach, war ein doofer Blödmann. Unwillkürlich musste Mehdi lächeln. Sie war ein Engel auf Erden gewesen, mehr noch, sie war alles gewesen, was er ihm Halt gegeben hatte, wenn er ihn gebraucht hatte.
Unsicher biss er ein Stück von seinem Nutellabrot ab. Ohne es verhindern zu können kamen ihm wieder die Tränen und er schloss die Augen. Hoffentlich hatte Lilly, wo auch immer sie gerade war, die Augen geschlossen. Sie sollte ihn nicht weinen sehen.
Fast andächtig aß er sein Nutellabrot zu Ende und dachte bei jedem Bissen an Lilly und hoffte, sie würde wirklich weitere Brote für ihn schmieren, da oben.

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29.07.2010 20:01
#57 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Ihr kennt Hugh Grant? Ihr wisst, was Al Qaida ist? Sehr gut! Vorhang auf für.. den Al Qaida Bomben – Gangster à la Hugh Grant!

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Es regnete wie aus Eimern, als ich mir den Mundschutz für die vorstehende Operation anzog. Marc wartete schon und schien über meine leichte Verspätung nicht gerade begeistert.
„So Hasenzahn, der Blinddarm muss raus, wir holen ihn uns minimalinvasiv, klar?“ Er drückte mir mit einem überheblichen Grinsen einen Skalpell in die Hand, damit ich den ersten Schnitt setzen konnte. „Marc, also wenn ich ehrlich bin, ich habe herzlich wenig Lust zu operieren...“, nuschelte ich unsicher und sah ihn verlegen an. „Gut, dann brechen wir die OP ab, Hasenzahn hat keine Lust!“, rief er nun etwas lauter, sodass alle anderen es hören konnten. Genervt sah ich ihn an und riss ihm den Skalpell aus der Hand und setzte den ersten Schnitt. Kaum hatte ich mal schlechte Laune, wurde gleich ein Aufstand geprobt oder was? Er hatte ja nicht selten genug schlechte Laune...
„Sag mal, hat der Gynäkologe bei dir geschlafen?“, fragte er nach einer Weile beinahe beiläufig, ohne seinen Blick von dem kleinen Monitor zu nehmen, auf dem die Innereien des Patienten zu sehen waren. Überrascht sah ich ihn an, auch die anderen, besonders Schwester Sabine, waren hellhörig geworden.
„Also..“ Ich lachte nervös auf und spürte Sabines bohrenden Blick, auch Marc sah mich nun mit hochgezogenen Augenbrauen an. Ich presste die Lippen aufeinander und sah auf den Skalpell hinunter. „Also hat er bei ihnen geschlafen?“, meldete sich nun Sabine zu Wort. Wütend drehte ich mich zu ihr um und nur mit etwas Glück konnte ich mich selber dazu überreden, den Skalpell nicht nach ihr zu werfen. „Ach?“ Marc sah mich nun neugierig an und ich konnte förmlich spüren, wie er unter seinem Mundschutz grinste. „Ja Marc, es gibt auch andere Männer, die Gefallen an mir finden!“ Gut, musste ich die Sache eben etwas umändern, der Selbstachtung wegen! Ich lasse mich von Marc sicher nicht wieder in eines dieser tiefen schwarzen Löcher schubsen weil mir bewusst wird, dass ich eigentlich nur an ihm hänge und andere Männer mich unattraktiv finden.
Bevor er etwas erwidern konnte, wurde die Tür zu unserem OP aufgestoßen. Alle sahen etwas erschrocken zu der Person, die sich sichtlich verwirrt umsah. „Äh.. Raus?“ Marc drehte sich nun zu dem Mann um, der einen Aktenkoffer in der Hand hatte und mich im ersten Moment dazu veranlasste, ihn für einen Al Qaida Terroristen zu halten, der in seinem Koffer eine Bombe mit sich schleppte und hier war, um meine momentane Gefühlslage zu demonstrieren: Kurz vor der Explosion durch Atombombe Meier.
Als er den Koffer im nächsten Moment auf den Boden stellte, bekam ich noch mehr Panik, denn schließlich könnte er im nächsten Moment aus dem Raum stürmen, damit er sich nicht selber opfern musste. Sabine schien die gleichen Gedanken zu haben, denn sie riss sich ihren Mundschutz ab und begann fast zu hyperventilieren. „Ein Gangster!“, murmelte sie leise und kassierte einen verwirrten Blick von Marc, der ganz die Ruhe in Person war.
Auch der Al Qaida Bomben – Gangster hatte anscheinen gehört, was Sabine gesagt hatte und nun sah er sich zum ersten Mal genauer um. Verwundert musste ich feststellen, dass es anscheinend auch hübsche Gangster gab, denn er erinnerte mich stark an Hugh Grant in seiner besten Zeit. Irgendwie musste ich ihn ziemlich komisch angestarrt haben, denn sein Blick blieb ebenfalls an mir hängen. Er grinste mich etwas verwirrt an, was mein Herz fast zum schmelzen brachte. Der war ja fast süßer als Hugh Grant! Als sein Blick zu Sabine wanderte, erkannte sie anscheinend auch, dass es sich hier um einen Al Qaida Bomben – Gangster à la Hugh Grant handelte und sie begann, wieder normal zu atmen.
„Ja was, raus!?“, herrschte Marc Hugh Grant nun energischer an, denn auch er schien bemerkt zu haben, dass sie weiblichen Personen im Raum ziemlich begeistert wirkten.
„Ja tut mir Leid, ich wollte nicht stören, hab mich im Raum geirrt, Kumpel.“ Er lächelte Marc unglaublich charmant an, klopfte ihn freundschaftlich auf die Schulter und nahm dann seinen Koffer und drehte sich um. Marc hingegen war sichtlich geschockt und als einige Schwestern leise zu kichern begannen, schien er richtig wütend zu werden.
„Könnte mir vielleicht eine der hübschen Damen den Weg zum Schwesternzimmer zeigen?“ Hugh Grant drehte sich ein letztes Mal um und ich vernahm ein leises Quietschen von Sabine, die plötzlich wild mit ihrem Arm zu winken begann. „Hier, ich könnte sie zum Schwesternzimmer bringen!“ Er lächelte sie mit einem sympathischen Lächeln an, worauf Sabine nickte und die beiden verließen den Raum, während Marc den beiden etwas ungläubig hinterher sah.
Langsam drehte er sich um, der Patient war in der Zwischenzeit ganz in Vergessenheit geraten, gut nur, dass wir die OP fast beendet hatten, bevor der gutaussehende Terrorist uns gestört hatte. „Äh.. wir sind.. fertig.“ Er räusperte sich leise und verließ im nächsten Moment den Raum. Nachdem er draußen war, begannen alle zu tuscheln, während ich mich kurz sammeln musste.
Marc war anscheinend ziemlich gekränkt darüber, dass der Typ sich in keinster Weiße von seiner Art hatte beeindrucken lassen, und das alle weiblichen Personen im OP einen kleinen Herzaussetzer bekommen hatten, als der Fremde gelächelt hatte, war ihm wohl auch bewusst geworden. Tja, es gab sie eben doch: Die Männer, die zwar wirkten wie Terroristen von Al Qaida, aber super aussahen. (Und wie er gelächelt hatte! Hatte er mich nicht besonders lange angelächelt?)

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30.07.2010 19:47
#58 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Danke für die lieben Kommentare!

3x62

Von Schwester Ingeborg und Schwester Julia verfolgt, machte ich mich auf den Weg zum Schwesternzimmer. Mein Herz sagte mir, es wäre das beste zu Marc zu gehen und ihm dabei zu helfen, sei gekränktes Ego wieder aufzubauen, denn zugegeben, er sah nicht viel schlechter aus als Hugh Grant in Spe, aber sein Ego war größer als erlaubt, weshalb er wohl bei Frauen nur im ersten Moment einen kleinen Herzaussetzer verursachte (Mit Ausnahmen – Von denen ich wohl die größte war). Ganz im Gegenstatz zu Hugh Grant, der einfach nur himmlisch schien.
Im Schwesternzimmer angekommen, sahs Sabine mit ihm am Tisch und erklärte in Rekordgeschwindigkeit, wie man sich Heilsalbe aus Honig, Ingwer und Pfeffer mischen konnte, was normalerweise keinen interessierte – Der Fremde jedoch hatte sein süßes Lächeln aufgesetzt und hörte Sabine gespannt zu. Aber hatte Sabine nicht eigentlich ihren Doktor Gummersbach? Gut, der hatte sie sitzen gelassen, aber die beiden passten doch besser zusammen, oder?
Als hätte er es gehört, platzte plötzlich Doktor Gummersbach in den Raum, einen riesigen Strauß Blumen in der Hand, hinter dem er fast nicht mehr zu sehen war. Anscheinend sah auch er nicht viel (Oder er konnte gekonnt ignorieren), denn er kniete vor Sabine nieder, ohne die anderen Personen im Raum zu beachten. Sabine hatte ihre Erklärungen für die Salbe währenddessen gestoppt und sah nun ungläubig den Strauß Blumen an, der ihr da unter die Nase gerieben wurde. „Er kann laufen... Der Blumenstrauß kann laufen!“, murmelte die blonde Schwester plötzlich überwältigt, während sie nach den Blumen griff. Schwester Ingeborg räusperte sich und schloss die Augen für einen Augenblick genervt, Schwester Julia verließ den Raum und ich, ja ich war mal wieder sprachlos über Sabines.. Art. Ganz im Gegensatz zu Hugh Grant, der sich durch Sabines Wesen nicht aus der Bahn werfen ließ und sich neben Doktor Gummersbach kniete, der bis dahin sprachlos geblieben war, anscheinend hatte es ihm die Sprache verschlagen. Der Al Qaida Gangster à la Hugh Grant flüsterte dem nervös Gummersbach etwas zu, klopfte ihm wie zuvor Marc auf die Schulter und stand schließlich auf. Schwester Ingeborg schien ganz außer Atmen, als Hugh Grant an ihr vorbei lief, um das Schwesternzimmer zu verlassen & uns ein Handzeichen zu geben, dass wir beide ihm folgen sollten, damit Schwester Sabine und Dr. Gummersbach alleine waren.
„Wer sind sie?“, nuschelte Schwester Ingeborg schließlich, als wir im Gang standen, und stellte somit die ultimative Frage. Noch hatte er Zeit, sich als Terrorist zu outen!
Er lächelte die nervöse Schwester freundlich an, nahm seinen Koffer, um eine kleine Visitenkarte heraus zu ziehen, die er Schwester Ingeborg in bester Manier in die Hand drückte, selbstverständlich nicht ohne sein Lächeln. „Sie sind Staatsanwalt?“ Die braunhaarige Krankenschwester wedelte nervös mit der Hand vor ihrem Gesicht herum, anscheinend um sich die Nervosität zu nehmen. Wieder lächelte der Unbekannte charmant, dessen Namen ich immer noch nicht kannte, und sein Blick wanderte kurz zum Namensschild der aufgeregten Schwester. „Ja Schwester Ingeborg, ich bin bin Anwalt. Wenn sie also noch mal wegen einem Mann keine Luft mehr bekommen, rufen sie mich an, ich verklage den Blödmann.“ Schwester Ingeborg riss peinlich berührt die Augen auf und ich konnte mir ein leises Kichern nicht verkneifen, während Hugh Grant kurz zwinkerte und seinen Koffer wieder schloss. „So meine Damen, ich muss auch wieder weiter, eine Kundin wartet! Schwester Ingeborg, sie denken über mein Angebot nach?“ Er fuhr sich kurz durch die Haare und lächelte die Schwester, die nun heftig zu nicken begann, freundlich an, ohne eine Spur von Spott.
Dann sah er mich kurz an, nickte und drehte sich um. Wir sahen ihm beide mehr oder weniger versteinert nach, bis Schwester Ingeborg plötzlich zu kichern begann. „Dieser Hintern!“ Sie nickte anerkennend, um mir im nächsten Moment mit seiner Karte vor den Augen herum zu wedeln. „Er ist Staatsanwalt mit Doktortitel!“, wiederholte sie überglücklich, während sie einen merkwürdigen Tanz aufführte, der mir das Gefühl hab, dass sie Drogen genommen hatte. Besser gesagt war Hugh Grant die Droge... „Ich glaube er mag mich!“, fügte sie quietschend hinzu und tänzelte in Richtung Gynäkologie. Verwirrt drehte ich mich wieder in die Richtung des mysteriösen Fremden, doch der Gang war leer.

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31.07.2010 19:58
#59 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Ich bedanke mich für die lieben Kommentare, ich freue mich natürlich riesig! Jaja, der Hugh ist ein Sahneschnittchen...
@Amira: Geht mir nicht anders, ich mag seine Filme auch sehr!


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Etwas unsicher drehte ich mich wieder in Richtung Schwesternzimmer, aus dem lautes Gekicher von Sabine zu hören war. Oh Gott, sie würde doch nicht, also hier, im Schwesternzimmer-? Gut, ich war ja selber nicht viel besser, indem ich nur durch meinen Vater davon abgehalten worden war, mit Marc in seinem Büro auf den Fußboden zu schlafen...
Trotzdem wurde mir fast schlecht, wenn ich daran dachte, dass Sabine und Dr. Gummersbach das Schwesternzimmer für nicht ordnungsgemäße Dinge missbrauchen würden, weshalb ich kurzerhand die Tür aufriss und die beiden tatsächlich störte – Jedoch nicht beim Sex. Der Raum stank fürchterlich und ich meinte die Salbe, die mir Sabine zu meinem Geburtstag geschenkt hatte, zu erkennen. Tatsächlich war Doktor Gummersbach gerade dabei gewesen, Sabines Gesicht mit der Salbe einzucremen, genau wie ihre Arme und ihre Füße. Als die beiden mich verwirrt ansahen, lachte ich nervös auf und griff unsicher in meine Manteltasche. „Huch, äh.. hier.. Also ich musste... Schokolade!“ Ich griff schnell nach der Schokolade in meiner Tasche und wedelte nervös damit herum. „Juhu, Schokolade!“, murmelte ich leise und wunderte mich über meine eigene Blödheit. Ich hatte die beiden also gestört, um ihnen eine Tafel Schokolade zu zeigen? „Tja, dann gehe ich mal wieder, ne? Also.. Tschüss!“ Ich winkte den beiden schnell, worauf Dr. Gummersbach grinsend den Kopf schüttele.
Ich verließ den Raum eilig und knallte die Tür hinter mir zu. Oh Gott! Luft holen. Als wäre das noch nicht genug, rannte eine ganze Horde von Schwestern an mir vorbei, die aufgeregt über etwas sprachen. Ich erkannte Schwester Ingeborg, die jeder ihre Karte von Hugh Grant zeigte. Zu allem Überfluss kam nun auch Marc um die Ecke, sein Gesicht hinter einer Mappe verborgen. „Ma-..“ Mein Versuch ihn anzusprechen, scheiterte daran, dass er kommentarlos an mir vorbeilief. Wenn da kein gekränktes Ego im Spiel war... Nun kam auch Doktor Hassmann an, die einen kleinen Handspiegel in der Hand hatte, in dem sie sich eingehend musterte. Als sie mich entdeckte kam sie mit einem selbstgefälligen Grinsen auf mich zu. „Habe gehört, hier rennt ein gutaussehender Anwalt rum? Den schnapp ich mir!“ Sie betrachtete sich ein letztes mal im Spiegel und wurde kurzerhand zum Tiger, indem sie zu fauchen begann und ihre Hand zur Kralle wurde. „Ich bin echt so verdammt heiß...“, gab sie schließlich von sich und ließ den Spiegel in ihrer Tasche verschwinden. „Aber was soll man machen?“, fügte sie leise hinzu und stöckelte zu den anderen Schwestern, die anscheinend überlegten, wo sie nach Hugh Grant suchen sollten, da er scheinbar noch im Krankenhaus war. Ich schloss genervt die Augen und stand kurz vor dem kompletten Zusammenbruch. Spielten hier gerade eigentlich alle verrückt? Nur fürs Protokoll: Sabine ließ sich von Doktor Gummersbach im Schwesternzimmer mit stinkender Salbe einschmieren, Marc war wieder in sein altes Muster verfallen, wenn er es denn jemals überwunden hatte und alle weiblichen Wesen waren Hugh Grant verfallen? Ich äffte Frau Doktor Hassmann und ihre Tiger Aktion nach, um mich auf den Weg in die Cafeteria zu machen.

Mal wieder war der Schokoladenkuchen in der Cafeteria die letzte Rettung in der Not. Unsicher sah ich mich um und entdeckte Jochen, der alleine an einem Tisch sahs und einen Salat aß. „Na Bruderherz?“, begrüßte ich meinen Bruder, der mich kurz anlächelte. „Hat Papa nicht gesagt, du wirst fetter wenn du zu viel Schokoladenkuchen ist?“, bemerkte er misstrauisch, als er mein Essen entdeckte. „Och Jochen, mach mir kein schlechtes Gewissen.. Aber irgendwie spielen gerade alle verrückt. Ich meine, er sieht schon verdammt gut aus, aber-“ „Meinst du diesen Anwalt?“ Jochen spießte wütend ein Salatblatt auf und schüttelte den Kopf. „Alle Frauen rasten hier komplett aus wegen dem!“ Ich wollte etwas erwidern, als mein Vater sich zu uns an den Tisch setzte. „Kälbchen, was habe ich dir gesagt?“ Er ersparte uns eine Begrüßung und deutete auf meinen Kuchen. „Ich habe mir den verdient Papa!“ „Warum, hast du abgenommen?“ Ich schloss genervt die Augen und schob mir zum Protest eine große Ladung Kuchen in den Mund.
Da es das Schicksal heute wirklich zu gut mit mir meinte, betrat nun Hugh Grant den Raum, der sich etwas nervös nach allen Seiten umsah. Ja, wenn man so viele weibliche Fans hatte, konnte das auch negativ sein. „Ach, ist das nicht dieser Anwalt? Der sieht ja aus wie dieser Schauspieler da, aus dem Film mit der.. mit dieser..“ „Ja, er sieht aus wie Hugh Grant aus Notting Hill Papa..“, flüsterte ich leise, als der Fremde auf unseren Tisch zusteuerte. „Oh Gott...“, murmelte Jochen und starrte seinen Salat an, ohne einen Bissen zu nehmen. Mein Vater jedoch schien ganz begeistert und stand sogar auf, als der Fremde sich zu uns stellte und gerade fragen wollte, ob er sich setzten konnte. „Guten Tag Herr Hugh Grant!“, begrüßte mein Vater ihn lächelnd und todernst. Die beiden schüttelten sich die Hand und Hugh schien zum ersten Mal etwas verwirrt. „Herr Haase ich-“ „Schon gut, schon gut, setzten sie sich!“ Mein Vater zwang ihn förmlich sich neben mich zu setzten und gab ihm sogar seinen Pudding. „Also, sie sind also Staatsanwalt?“, begann er neugierig, während er zu essen begann. „Richtig.“, bemerkte er mit einem Blick auf seinen Pudding. „So? Und sie haben sich das Amt nicht erpresst, durch Mord beispielsweiße?“ Hugh Grant begann zu lachen, weshalb Jochen ihn wütend und ich ihn begeistert ansah, schön Lachen konnte er also auch noch! „Bis jetzt noch nicht, ich bin nicht der Typ, der über Leichen geht.“ Mein Vater nickte anerkennend, und sah Hugh beim essen fast wie sein neues Idol an. „Wissen sie, mein Kälbchen sucht noch einen passenden Mann, nachdem sie einen Betrüger geheiratet hat!“ Geschockt sah ich meinen Vater an. Hatte er mich gerade Kälbchen genannt, hatte er gerade in meinem Namen mit Hugh Grant geflirtet? Er grinste Hugh Grant wie ein Honigkuchenpferd an und deutete mit seiner Gabel auf mich. Hugh sah mich nun lächelnd an. „Hi Kälbchen.“, begrüßte er mich lächelnd und hielt mir sogar seine Hand hin. Ich nahm seine warme, weiche Hand und schüttelte sie verunsichert. „Hey Hugh...“, erwiderte ich leise, worauf er mich nur breiter angrinste.
Ich hörte wie Jochen fast würgen musste, und mein Vater Hugh auf die Schulter klopfte. „Nennen sie mich Franz, Hugh.“ Er strahlte den Anwalt wieder begeistert an, worauf der seine Hand ebenfalls auf die Schulter meines Vaters legte. „Danke.. Franz, aber ich heiße-“
Er wurde durch ein lautes Klirren unterbrochen, weshalb er sich etwas verwirrt umsah. Es waren Mehdi und Marc, sie nun ebenfalls mit ihrem Essen neben unserem Tisch standen und gerade ihre Tablette auf den Tisch geknallt hatten. Mehdi schien leicht überfordert und Marc war ziemlich wütend. Oh Gott, eine weitere Eifersuchtsattacke? Jochen atmete erleichtert auf, als er die männliche Unterstützung erkannte. Mehdi und Marc setzten sich zu uns, worauf mein Vater etwas wütend schien. „Na hören sie mal Meier, dass hier ist eine Familiensitzung!“ Ich verschluckte mich fast an meinen Stück Kuchen, Jochen sah meinen Vater erschrocken an und Hugh schüttelte lächelnd den Kopf, den Blick auf seinen Pudding gerichtet. „Gehören wir nicht auch zur Familie?“, murmelte Mehdi und er klang ehrlich verwirrt. Fast hätte ich vergessen, dass sein Zustand ja nach dem Tod von Lilly mehr als Labil war. Schnell nickte ich ihm zu und sah mahnend zu meinem Vater. „Doooch, ihr gehört auch zur Familie!“ „Gut.“, antwortete Marc mit gepresster Stimme und begann, seinen Salat zu essen. Gott sei Dank wurden wir erlöst, denn plötzlich begann Marcs Piepser sich zu melden, genau so wie meiner. „Äh, ja!“, murmelte ich nervös und stand schnell auf. Auch Marc richtete sich schnell auf, worauf wir nacheinander die Cafeteria verließen. Ich meinte noch zu hören, wie mein Vater Hugh fragte, wie es gewesen war einen Film mit Julia Roberts zu drehen...

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01.08.2010 19:58
#60 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Es freut mich echt, dass ihr den letzten Teil so lustig fandet! Aber wie sagt man so schön? Irgendwann ist Schluss mit Lustig, im wahrsten Sinne des Wortes.. Ich kann euch sagen, dieser Streit wird nicht ohne Folgen bleiben. ;)
Auf jeden Fall bedanke ich mich für eure lieben Worte, ich habe mich sehr gefreut!
PS (Schleichwerbung!): Heute Abend könnt ihr Hugh Grant in Bridget Jones 2 auf RTL sehn. Rwwwr! :D


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Marc. Ich sah, wie er in eiligen Schritten vor mir ging, sich durch die Haare fuhr, sich räusperte. Ich sah ihn, und dachte zum ersten Mal darüber nach, ob er das alles wert war, auch wenn es in dieser Situation völlig abwegig schien. Manchmal redete ich mir ein, er war der einzige Grund, warum meine Arbeit mir Spaß machte, warum ich mir jeden morgen im Bad überlegte, ob ich mich so ins Krankenhaus trauen konnte, dass er der Grund dafür war, dass ich bei jeder Tafel Schokolade daran dachte, dass ich bloß nicht mehr zu viel essen durfte, damit er mir irgendwann gestand, dass ich schlank war, oder dass er mich so mochte, wie ich war. Aber alles was ich bekam, war eine Person, die mich manchmal küsste, mir den Atem raubte – Und im nächsten Moment alles zerstörte, was ich mir im vorherigen Moment noch so erhofft hatte. Vielleicht war es seine Art, aber es war auch eine Art, die jedes Mal aufs neue etwas in mir zerbrechen ließ. Ihn jedes Mal anzulächeln, in seine perfekten Augen zu sehen und den Schmerz zu vergessen, dass viel langsam immer schwerer.
Meine Gedanken wurden abrupt gestoppt, als ich gegen Marc stieß, der vor mir stehen geblieben war. Er drehte sich verwirrt zu mir um und ich musste wohl ziemlich komisch aussehen, denn er musterte mich eingehend und etwas irritierte ihn sichtlich. „Was denn?“, maulte ich leise und sah mich verzweifelt nach einem Spiegel um. „Du.. weinst?“, bemerkte er gepresst und drehte sich schnell wieder um. „Ich weine gar nicht..“ Unsicher wischte ich mir mit der Hand über die Wangen und tatsächlich, sie waren tränennass. Er kommentierte meine Aussage nicht weiter und betrat das Schwesternzimmer, vor dem wir stehen geblieben waren.
Es war Schwester Sabine, die uns stürmisch begrüßte. „Da sind sie ja, ich dachte schon, ihre Piepser wären kaputt!“, murmelte sie kopfschüttelnd und schob uns beide in den Raum, in dem sich auch einige andere Schwestern aufhielten. Dr. Gummersbach stand etwas verlassen im Raum und wartet darauf, dass Sabine wieder neben ihm auftauchte. Das tat die blonde Schwester im nächsten Moment auch, sie ergriff seine Hand und lächelte fröhlich. „Hallo!“, begann sie glucksend, als würde sie gleich ihren Gewinn im Lotto verkünden. „Wir, Günni und ich, haben etwas zu verkünden“, fügte sie laut hinzu und ihr Blick wanderte zu mir. „Wir sind jetzt..-“ Sie ließ Günnis Hand los und ging zum Tisch im Zimmer, um einen Korb zu holen, in dem anscheinend ein Glas ihrer Creme für jeden war, „Wir sind jetzt zusammen!“, beendete sie den Satz und einige der Schwestern begannen zu klatschen, während Marc neben mir laut seufzte. „Ich kotze gleich!“ Da er nicht gerade leise gesprochen hatte, sahen ihn alle schockiert an, besonders Sabine schien schwer getroffen. Unglaublich dieser Mann! Das schrie ja fast nach der Rettung durch eine selbstbewusste, konsequente Frau wie mich. Ich atmete ein letztes Mal tief durch, überlegte ein letztes Mal, ob ich wirklich sagen sollte, was mich bedrückte, dann räusperte ich mich, sodass alle Blicke sich auf mich richteten. „Mensch Marc, jetzt lass doch deinen Frust darüber, dass du keine Beziehung zustande bekommst, nicht an Sabine aus!“ Ich drehte mich wütend zu ihm, worauf er mich nur noch wütender ansah. „Du solltest mal lieber schön still sein Hasenzahn! Nur weil du nach einem Kuss einen Heiratsantrag willst, den du natürlich nicht bekommst, eine Beziehung gleich als gescheitert ansieht, dafür kann ich ja herzlich wenig!“ Marc deutete nun auf mich, was bei Sabine für Panik sorgte. „Nicht schlagen..!“, murmelte sie mit schriller Stimme, worauf Marc sie wütend ansah. „Ich-...“ „Wehe sie schlagen zu!“ Nun mischte sich auch Doktor Gummersbach ein, der sich schützend vor Sabine stellte. „Hah Marc, siehst du! Kein anderer Mann ist so steinzeitlich veranlagt wie du. Du kannst ja nicht mal zugeben, dass du etwas empfindest! Wenn du sagen sollst 'Ich liebe dich' sagst du 'Ich liebe nur mich', du.. du.. du Höhlenmensch!“ Schwester Ingeborg begann zu kichern, weshalb ich sie am liebsten attackiert hätte. Marcs Blick wanderte von Günni zu mir und er wurde scheinbar etwas ruhiger. „Wenigstens würde ich damit die Wahrheit sagen.“, brachte er gepresst hervor und drehte allen eilig den Rücken zu, um das Schwesternzimmer zu verlassen. Die Schwestern warfen mir mitleidige Blicke zu und Sabine hatte Tränen in den Augen. Dr. Gummersbach nahm sie in den Arm und warf mir ein aufmunterndes Lächeln zu. Ich ignorierte jedoch die Gesten der anderen und sah zu Boden. Es war sicher nur ein Spiel für Marc und ich hatte mitgespielt, dumm wie ich war. Alles auf was sich mein Kopf bisher beschränkt hatte war Schokolade und Marc, was mir jetzt als äußerst geistreich vorkam. Wie hatte ich nur so fixiert sein können? Ich brauchte neue Ziele. Neue Männer? Was ich wusste war, dass ich der Schokolade treu bleiben würde.

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02.08.2010 19:45
#61 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Danke für die Kommentare, es geht weiter, diesmal ist Franz wieder mit von der Partie.

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Mit einer Tafel Schokolade in der Hand sahs ich auf der gleichen Bank, auf der ich vor Urzeiten mit Gigi gesessen hatte. Meine Güte, war das lange her! Etwas wehleidig dachte ich an meine Hochzeit mit Alexis zurück und ich wünschte mir so sehr, dass ich jetzt immer noch eine glückliche Ehefrau wäre, womit mein Leben jetzt sicher um einiges leichter wäre.
Meine Gedanken wurden unterbrochen, als sich jemand langsam neben mich setzte. Etwas unsicher und vielleicht ein bisschen in der Hoffnung, dass es Marc war, sah ich mich um – Und erkannte Hugh. Er sah mich nicht an, sondern hatte seinen Blick auf einen fernen Punkt gerichtet und lächelte ein wenig. Unsicher biss ich ein Stück meiner Schokolade ab und folgte seinem Blick. Was sollte ich schon sagen? Ich kannte ja nicht mal seinen Namen. Gott sei Dank übernahm Hugh den Part und räusperte sich zuerst leise, dann sah er mich kurz an. „Und, wer hat ihnen das Herz gebrochen, Frau Haase? Denken sie dran, ich bin Anwalt!“ Unwillkürlich musste ich lächeln. „Sie verklagen auch wegen Herzschmerz?“ „Da gibt es mindestens 3 Jahre drauf, und wenn ihr Herz nicht mehr zu retten ist, kann ich vielleicht 4 Jahre raus schlagen. Ohne Bewährung natürlich, versteht sich.“ „Ich werde mich auf jeden Fall an sie wenden, Herr..“ Nun lächelte er kurz und sein Blick streiften mein Namensschild. „Ja, leider kann ich den Erwartungen ihres Vaters nicht genügen, ich bin tatsächlich nicht Hugh Grant." Er grinste mich kurz an und fuhr fort. „Nennen sie mich einfach Elyas, Frau Haase, oder sollte ich sie lieber Kälbchen nennen?“ „Gretchen wäre mir am liebsten..“, antwortete ich und lächelte ihn um einiges fröhlicher, als ich es vor wenigen Minuten gewesen war, an.
Unser Gespräch wurde jedoch unterbrochen und nicht zum ersten Mal verschluckte ich mich heute. „Kälbchen!“ Die laute Stimme meines Vaters hallte laut durch die Gegend und ich konnte förmlich die Blicke der Leute auf mir ruhen spüren. Ich schluckte schnell das Stückchen Schokolade, dass mir im Hals stecken geblieben war hinunter und sah kurz zu Hugh, der seinen Blick zu Boden gerichtet hatte und grinste. „Ja.. Papa?“ Mein Vater kam nun zu uns und quetschte sich zwischen mich und Hugh alias Elyas. „Tag Sportsfreund!“, begrüßte mein Vater Elyas mit einem Schlag auf die Schulter. „Tag Herr Haase“, erwiderte er lächelnd, während er mich kurz ansah, wahrscheinlich dachte er gerade darüber nach, ob ich nicht genau so drauf war wie mein Vater. Gott sei Dank war seine Art nicht vererbbar...
„Ich habe etwas zu verkünden!“, posaunte mein Vater nun fröhlich heraus, während er seine Arme auf Elyas' und meine Schultern legte, um andächtig mit den Kopf zu nicken. „Papa, wenn du und erzählen willst, dass du beim Golfen wieder-“ „Ach was, Golfen!“ Er schüttelte den Kopf und schloss einen Moment die Augen. „Ich habe eine Reise gewonnen!“ Nun begann er fröhlich zu lachen und verpasste Elyas einen erneuten Schlag (der nicht gerade sanft aussah) auf den Rücken. „Und wohin?“ „In die USA!“ Nun schlug er auch mir auf den Rücken, was mich fast dazu brachte, ihm ebenfalls einen festen Schlag zu verpassen, allerdings nicht auf den Rücken. „Gratulation Herr Haase!“, antwortete Elyas freundlich, während er einen beunruhigten Blick auf die Hand meines Vaters warf, die auf seinem Rücken ruhte. „Wunderbar, oder?“, erwiderte mein Vater glücklich. „Ja und wie willst du zum Flughafen kommen? Jochen ist doch gestern mit dem Auto campen gefahren und du hast doch mal gesagt, Taxifahrer seien Abzocker?“ Ich wollte ihm Amerika ja nicht schlecht reden, aber als er das letzte mal in ein Taxi gestiegen war, hatte der Taxifahrer eine Aspirin nehmen müssen, weil mein Vater den ganzen Weg von Berlin nach Stuttgart darüber geklagt hatte, wie unverschämt das doch alles war. „Ach Kälbchen, jetzt übertreib doch nicht! Sie waren doch auch schon in Amerika, oder?“ Nun drehte er sich wieder zu Elyas, der nickte. „Ja, ich bin hin gelaufen.“, antwortete dieser nun. Etwas verwundert sah ich ihn an, worauf mein Vater ihm nur ein zweites Mal anerkennend auf den Rücken schlug. „Donnerwetter, sie sind ein echter Mann! Neulich hat mein Kälbchen so einen heulenden Waschlappen mit nach Hause gebracht, aber Männer wie sie, die bis nach Amerika laufen, die lobe ich mir!“ Elyas nickte lächelnd und ich musste mir ein Lachen verkneifen. Wo war mein Vater denn heute mit seinen Gedanken? „Und wie sind sie über den großen See gekommen?“ „Mit meinem eigenen Boot, aber ich wurde auf halbem Weg von Piraten angegriffen!“ Mein Vater sah Elyas geschockt an. „So was gibt es auch noch? Gibt es auch Luftpiraten? Ja meine Güte, gut, dass ich geplant habe, eine Waffe mit auf die Reise zu nehmen, schließlich kommen nur die Harten in den Garten!“ Nun sah er wieder entspannt aus und lehnte sich gegen die Bank. „Wirklich, klasse Idee Herr Haase!“ Elyas lächelte meinen Vater immer noch freundlich an und ich konnte keine Spur von Spott oder Verwunderung zu bemerken. Ich sah meine Tafel Schokolade an und dachte darüber nach, was ich in Amerika machen würde. Vielleicht würde ich erst mal nach New York, da gab es bestimmt tolle Läden.. Und neue Schokoladensorten! Die Amerikaner aßen ja sogar frittierte Schokolade und wenn ich mich nicht irrte-.. „... nicht wahr, Kälbchen?“ Erschrocken sah ich meinen Vater an, der mich ansah, genau wie Elyas. „Jaaa, genau!“, erwiderte ich lächelnd, ohne wirklich zu wissen, um was es ging. „Na ja, ihr jungen Spunde, ich werde mich wieder an die Arbeit machen, Geld wächst ja nicht auf Bäumen!“ Er schlug uns beiden ein letztes Mal auf den Rücken, dann verschwand er wieder in Richtung Krankenhaus. „Ihr Vater ist wirklich..“ Elyas schüttelte lächelnd den Kopf und versuchte, einen Blick auf seinen Rücken zu werfen. „Ich hoffe, alle Bandscheiben sitzen noch so, wie sie sollen...“ Ich lächelte ihn kurz an, dann begann mein Piepser sich zu melden. „Oh Gott..“, murmelte ich leise, während Elyas mich neugierig ansah. „Ich muss leider gehen...“, murmelte ich ehrlich traurig und stand schnell auf. „Hoffentlich ist ihr Vater nicht Schuld!“, bemerkte er mit einem Blick auf den Piepser, weshalb ich zu lachen begann. „Nein, ich glaube mein Vater lässt die Bandscheiben anderer Leute weitgehend in Ruhe.“ Nun begann auch er zu lachen, worauf es mir ein weiteres kleines Stückchen schwerer fiel, jetzt ins Krankenhaus zu gehen und mit Marc operieren zu müssen... Er schien meinen Unmut zu spüren und warf mir einen fragenden Blick zu. „Bereit, ihrem Herzensbrecher entgegen zu treten?“ Ich sah lächelnd zu Boden und wunderte mich über sein Feingefühl. „Ich glaube schon. Wenn nicht, ich werde mich an sie wenden, Elyas!“ Er nickte lächelnd und fuhr sich kurz durch die Haare. „Also dann, Gretchen.. Wünschen sie ihrem Vater viel Spaß in Amerika und passen sie auf, dass er nicht wirklich von Luftpiraten angegriffen wird.“ Elyas zwinkerte mir kurz zu und ich nickte lächelnd. „Mache ich..“ Ich winkte ihm kurz und wir beide drehten uns um.
Nach wenigen Sekunden drehte ich mich ein letztes Mal kurz um und sah Elyas, der sich ebenfalls im gehen zu mir umgedreht hatte, und mir ein aufmunterndes Lächeln schenkte, dass fast alle Tafeln Schokolade der Welt ersetzen konnte.

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03.08.2010 18:37
#62 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Danke für die Kommentare! Was Marc fühlt, kommt übrigens noch, später. Habe aber aus 2 Teilen einen gemacht und seine Gefühle dafür vorerst gestrichen..

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„Gott sei Dank, da sind sie ja!“ Ich wurde auf halbem Weg von Günni abgefangen, der ziemlich gestresst aussah. Mit den Gedanken noch halb bei Elyas hätte ich ihn fast umgelaufen. „Frau Haase, sie müssen unbedingt kommen, es ist wegen Sabine!“ Er griff nach meinem Arm und zog mich mit sich. Unsicher sah ich ihn an und dabei fiel mir auf, dass Sabine gar keinen so schlechten Geschmack hatte, um genau zu sein sah Dr. Gummersbach sogar ziemlich gut aus. Oh Gott – Würde ich Sabine jetzt ihren Freund ausspanne wollen, weil ich ohne Marc auskommen musste?
Als wir am Aufzug zum stehen kamen, hämmerte Günni gegen den Knopf und als der Aufzug endlich zum stehen kam, schubste er eine alte Oma rücksichtslos aus dem Weg und mich dafür hinein. Nachdem er auch im Fahrzug den Knopf zur richtigen Etage eingehend bearbeitet hatte, atmete er laut ein uns aus. „Ähm, Doktor Gummersbach, dürfte ich vielleicht wissen, warum sie mich verschleppen? Ich hätte da außerdem eine OP vor mir – Obwohl, auf die hab ich herzlich wenig Lust...“ Er sah mich einen kurzen Moment verwirrt an, dann stoppte der Aufzug auch schon und er zerrte mich hinaus. „Es ist wegen Sabine, sie-..“ Dr. Gummersbach schien zu überlegen, was er sagen sollte, dann hatte er mich auch schon weiter gezogen.
Als wir am Schwesternzimmer ankamen, trafen wir einen Haufen Schwestern, die sich vor der Tür versammelt hatten und versuchten, einen Blick in den Raum zu erhaschen, allerdings hatte sich Sabine gut versteckt.
„Aus dem Weg!“, rief Günni der Menge zu, die ihm sofort Platz machten. Er klopfte gegen die Tür und rief leise nach Sabine, die erst keine Anstalten machte, die Tür zu öffnen, nach einer Weile öffnete sie sich jedoch einen Spalt und ein lautes Schluchzen war zu hören. „Sabine, hier ist Doktor Haase. Willst du noch mit ihr reden?“ Etwas verwirrt sah ich Günni an, der mich jedoch nicht weiter beachtete und nur Augen für die weinende Sabine hatte, die auf dem Tisch lag und laut schluchzte. „Äh-..?“, begann ich verwirrt, doch ich wurde unterbrochen, als Sabine sich aufrichtete und nach meinem Arm griff. Sie nickte Günni kurz zu, der ließ uns darauf hin alleine.
„Da sind sie ja endlich, Frau Doktor..“, begann die Schwester schluchzend, während sie sich mit ihrem Ärmel über die Augen wischte. „Sabine, was haben sie denn?“ Etwas geschockt sah ich die verweinte Schwester an, deren Gesicht voller Schminke war. „Es ist wegen.. wegen ihnen, Frau Doktor!“, begann sie und brach erneut in Tränen aus. „Wegen mir?!“ Nun war ich ernsthaft überrascht. Sabine hatte sich wegen mir heulend im Schwesternzimmer verbarrikadiert und hielt das ganze Krankenhaus in Schach? „Ja, weil sie doch jetzt.. Weil der Doktor Meier doch.. Na weil sie..“ Verzweifelt suchte Sabine nach den richtigen Worten, jedoch schien sie nicht fündig zu werden. Bevor ich etwas erwidern konnte, begann sie wieder zu schluchzen. „Jetzt muss die Welt untergehen, sicher gibt es jetzt im Krankenhaus ein Massensterben, weil sie nicht mehr operieren können...!“ Ich riss erschrocken den Mund auf und setzte mich wie in einer Starre auf einen Stuhl. „Ein.. ein Massensterben?“, wiederholte ich verwirrt und sah die blonde Schwester wohl so an, als ob stände ich völlig auf dem Schlauch. Sie begann tief ein und aus zu atmen, bevor sie wieder zu sprechen begann. „Er hat alles kaputt gemacht und jetzt werden sie ganz viel Schokolade essen und er wird noch gemeiner und ich.. Und ich bin glücklich, wo sie doch jetzt unglücklich sind!“ Sie sah mich mit verweinten Augen an und ich lachte fast etwas wütend auf. „Sabine, sie müssen doch nicht.. Also wenn ich, ja also wenn ich unglücklich bin, dann müssen sie doch nicht weinen, außerdem.. Ja, eigentlich kann ich auch ohne Schokolade.“ Sie sah mich etwas erleichterter an und wischte sich wieder über ihre Augen. „Jetzt machen sie hier bloß keine falschen Versprechungen, Frau Doktor..“, antwortete sie lächelnd, während eine letzte Träne an ihrer Wange hinunter lief.
Erleichtert nahm ich ihre Hand und war trotzdem noch etwas verwirrt. „Und sie haben jetzt nur geweint, weil der Doktor Meier ein.. ein riesiges Arschloch ist?“ Sie nickte und ich musste plötzlich leise loslachen. Es war so absurd, dass ich selber keine Träne mehr verdrücken konnte, weil diese Situation doch Standard war, wenn ich Marc ein Stückchen näher gekommen war, abgesehen davon, dass es diesmal um einiges heftiger geendet hatte, als sonst. Er hatte vor allen Leuten gesagt, dass er mich nicht liebte, dass er anscheinend nicht mal ein kleines Stückchen in seinem Herz für mich reserviert hatte, nachdem jeder gemerkt hatte, welche Hoffnungen ich mir gemacht hatte und wie überflüssig sie anscheinend gewesen waren.
Mit einer kleinen Träne in den Augen sah ich zu Sabine, die ihren Blick aus dem Fenster gerichtet hatte, während sie anscheinend immer noch gegen die Tränen ankämpfte. „Sie haben recht, Sabine, es ist zum weinen, aber wissen sie.. Ich.. Er ist es nicht wirklich wert, oder?“ Nun sah sie mich wieder an und nickte schnell. „Sie haben so recht, Frau Doktor. Sie sind eine starke Frau, ich wünschte, ich könnte öfters so sein wie sie..“ Nun hatte Sabine einen verträumten Ausdruck angenommen, der mich fast wieder zum lachen brachte, wäre da nicht die Tatsache, dass mir im Moment selber zu weinen war und ich eigentlich gar nicht so sicher war, wie sie es dachte. Marc war es wirklich nicht wert, trotzdem würden mir heute Abend im Bett wieder hundert Dinge einfallen, die es an ihm wert waren, zu weinen. Und ja, dann war ich vielleicht noch schwächer als Sabine es war.
Nun stand Sabine auf und ich tat es ihr gleich, ohne zu wissen, ob ich die anstehende OP schaffen würde. Wahrscheinlich riss Marc mir den Kopf ab, wenn ich jetzt aufkreuzen würde, mit so einer Verspätung. Völlig unerwarteterweise umarmte Sabine mich nun und flüsterte mir ein leises 'Danke' in mein Ohr. Ich wollte ihr widersprechen, es gab keinen Grund sich bei mir zu bedanken, jedoch schwieg ich lieber. Schwester Sabine war einfach Gold wert und ich wollte ihr den Moment nicht kaputt machen.
Nach einer Weile löste sie sich wieder von mir und ich sah erneute Tränen an ihrer Wange hinunter laufen, jedoch waren es Freudentränen. Wann hatte ich das letzte Mal vor Freude geweint? Ich konnte mich nur an die tausend Male wegen Marc erinnern und die waren selten vor Freude gewesen.

Marc Meier machte sich auf den Weg in die Cafeteria, um noch schnell etwas zu essen und dann nach Hause zu fahren. Hasenzahn war nicht aufgetaucht, was ihn etwas gekränkt hatte, aber wenigstens konnte er sich jetzt sicher sein, dass seine Botschaft angekommen war. Und wenn sie nicht in der Lage war, aufzutauchen, hatte er einen weiteren Grund, einem Gespräch mit ihr auszuweichen und zusätzlich noch einen Grund, ihr eins auszuwischen. Kurz vor seinem Ziel kam ihm Gretchen entgegen und als er sie von weitem sah, schwor er sich, sie nicht anzusehen. Wollte er wirken, als hätte er nichts besseres zu tun, als etwas gescheitertem hinterher zu weinen? Nein, und genau deshalb würde er einfach er sein und sich nicht von ihr beeindrucken lassen.
Sie schien jedoch auf genau denselben Gedanken gekommen zu sein, denn sie lief mit gesenktem Blick an ihm vorbei und er hätte sich gewünscht, sie hätte ihn wenigstens kurz angesehen, auch wenn ihre Augen verweint gewesen wären, was die Sache sogar erträglicher gemacht hätte. Aber sie würdigte ihm keinen Blick. Flüchtig sah er sich um und konnte nur ein paar Assis und wenige Schwestern erkennen, die sich ebenfalls im Gang aufhielten, also keine wirklich Gefahr. Vorsichtig drehte er sich um, nur ein kurzer Blick zurück zu Gretchen. Jedoch trafen sich völlig unerwartet ihre Blicke, denn sie hatte sich ebenfalls zu ihm umgedreht. Und sie hatte geweint.


Er hatte mich nicht angesehen, nicht mal im vorbeigehen. Er hatte sich nur kurz zu mir umgedreht, wahrscheinlich, weil er sich davon überzeugen wollte, dass ich doch noch schwach werde, und mich zu ihm umdrehe. Gretchen Haase, kannst du nicht einfach mal stark sein?
Denn kaum war ich aus dem Schwesternzimmer gekommen, waren mir die ersten Tränen an der Wange hinunter gelaufen. Musste es so verdammt schwer sein? Ich wünschte, ich könnte weiter mit Elyas reden. Ich kannte ihn nicht, aber er schien mich wenigstens zu verstehen. Hoffentlich hatte Schwester Ingeborg noch seine Karte, vielleicht könnte ich ihn ja anrufen. Denn Mehdi war im Moment nicht mehr wirklich ansprechbar, meine Mutter hatte sich länger nicht mehr gemeldet (Und mein Vater war der einzige, der in letzter Zeit doch etwas mit ihr sprach..) und sonst? Mir blieben nicht viele Leute, die mir etwas über Marc hinweg helfen konnten.

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04.08.2010 18:36
#63 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Weiter gehts, wie gesagt Danke für die Kommentare!

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Warum können Frauen, besser gesagt ich, nicht ein mal konsequent sein? Ich meine, müssen wir immer wieder dem Einen hinterherlaufen, ohne wirklich einen Grund zu haben? Vielleicht, weil er der einzige ist, den man wirklich liebt? Klar, davon kann ich ja laut reden, musste ja bis hierhin immer Pech haben in der Liebe. Dabei kann es doch nicht so schwer sein, mal so richtig abweisend zu sein. Ich meine, Marc macht es ja vor. Man muss sich eben eine Mauer bauen und wenn dann Rammbock Meier kommt, darf man nicht so schnell einstürzen, was ja auch nicht so schwer sein dürfte, zumal ich ja eine ziemlich dicke Mauer abgeben würde.

Ich hielt kurz auf zu schreiben und stand auf, um mich vor meinen Spiegel zu stellen. Ich musste wirklich aufhören, Schokolade in rauen Mengen zu essen. Und natürlich mehr auf Kalorien achten. Hatte ich nicht noch so eine Tabelle? Die würde ich jetzt zu meiner Bibel machen, es konnte ja nicht sein, dass ich mich so gehen ließ.

Ja, also wo war ich? Ach ja. Ich muss auf jeden Fall weiter versuchen, stark zu bleiben, auch wenn ich es noch nie wirklich gewesen bin, körperlich und geistig nicht. Ich muss ja gestehen, alles was ich schleppen kann sind meine Klamotten schön in Tüten verpackt, wenn ich vom shoppen komme. Ein fieser Spruch von Marc wirft mich ja innerlich fast aus der Bahn und ich philosophiere stundenlang darüber, ob der Spruch nicht doch einen zweiten, gutgemeinten Sinn hatte. Hat er aber meistens leider nicht. Tja, Pech für mich.
Aber damit will ich mich mehr länger abfinden, obwohl ich ja schon hundert Mal beschlossen habe, selbstbewusster zu werden. Eigentlich bin ich es ja auch, nur merkt das keiner, weil ich immer wieder dazu raus gefordert werde, genau das Gegenteil zu zeigen. Aber mir darf man auch nichts vorwerfen, ich meine.. Der erste Mann, mit dem es mir wirklich ernst war, betrügt mich kurz vor der Hochzeit, der zweite hat eine Frau die plötzlich aus dem Koma aufwacht, der dritte ist ein Betrüger mit blauen Augen und der Rest.. der Rest war ja Marc. Marc ist also der Rest, hm..
Mit dem Rest sollte man sich ja eigentlich nicht lange zu schaffen machen. Rest eben. Leider habe ich mich mit dem Rest ja fast länger als mit allen drei Kandidaten zuvor beschäftigt.. Echt, dass war der Rest wirklich nicht wert gewesen. Super nur, dass ich das jetzt einsehe, wo eh schon alles zu spät ist... Der Rest war kurz mein Rest gewesen und jetzt hatte er sich verselbstständigt und war wieder in seine Masche, der ober coole Rest zu sein, verfallen. Also wenn Marc der ober coole Rest sein konnte, war ich mindestens der noch ober coolere Hasenzahn. Das war jetzt beschlossene Sache. Tja, so schnell hilft Frau sich mit etwas Verstand wieder aus dem Mist raus! Zu Belohnung habe ich mir jetzt wirklich einen Abend vor dem Fernseher mit vieeel Schokolade verdient.


Zufrieden klappte ich mein Tagebuch wieder zu und schlürfte hinunter ins Wohnzimmer, wo mein Vater versuchte, seinen Koffer zu schließen, anscheinend jedoch ohne sichtlichen Erfolg. „Was machst du da, Papa?“ Er ächzte laut und und warf sich auf seinen Koffer, doch sein Gepäckstück blieb unbeeindruckt und gab höchstens ein verdächtiges Knacken von sich. „Kälbchen, komm du doch mal her, wenn du dich da drauf wirfst, geht der Koffer sicher zu!“ Ich hatte mich gerade auf die Couch gesetzt und warf ihm jetzt wütende Blicke zu. Er sah mich flehend an, weshalb ich augenrollend nachgab. „Nehm aber am besten noch etwas Anlauf, bevor du dich drauf wirfst, aber pass auf, dass du den Koffer nicht unter dir zerquetschst!“ „Also Papa echt.. Gleich springe ich auf dich drauf..“, erwiderte ich trotzig und atmete kurz durch, dann stellte ich mich neben die Couch und nahm Anlauf auf den Koffer. Mein Vater klatschte begeistert in die Hände und rief mir Motivationssprüche zu, als ginge es hier um mein Leben. Na ja, war vielleicht der erste Schritt in Richtung neues Ich. Dem blöden Koffer mal zeigen, wo es lang ging.
Gerade als ich los rannte, schloss jemand unsere Haustür auf und trat ins Wohnzimmer. Mein Vater hörte abrupt auf zu klatschen, doch ich ließ mich nicht beirren und rannte weiter auf den Koffer zu. Als ich mich mit voller Geschwindigkeit mit dem Po auf den Koffer warf und mein Leben an mir vorbeiziehen sah, die schönsten Momente noch einmal erlebte (Und auch die vielen schrecklichen), hörte ich meinen Vater nicht klatschen, was mich dann noch verwirrte. Hallo? Hatte mich hier gerade voller Hingabe in bester James Bond Manier auf den Koffer geworfen, und er hielt es nicht mal für nötig, mir zu applaudieren? Schon wollte ich protestieren, als ich Jochen entdeckte, der mit einem Polizisten im Schlepptau im Wohnzimmer stand.

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05.08.2010 20:07
#64 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Freut mich, dass es euch gefallen hat!

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Mein Vater kam entsetzt auf Jochen zu, der jedoch ganz gelassen aussah. „Wenn er wieder Drogen genommen hat – Das liegt bei uns in der Familie!“, startet mein Vater einen hilflosen Versuch, seinen Sohn aus der Situation zu befreien, jedoch winkte der Polizist lächelnd ab. „Es geht nicht um ihren Sohn, Herr Haase. Eher um ihre Frau.“ Erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich auf einem Koffer lag und vielleicht wie ein Fisch an Land aussah, denn der Polizist hatte mir ein merkwürdiges Lächeln geschenkt, dass ich erst jetzt zu deuten wusste. Schnell richtete ich mich auf und lächelte peinlich berührt zurück. Mein Vater hingegen ignorierte mich weiter und sah den Polizisten nun etwas verwundert an. „Meine Frau?“ „Ja, ihre Frau.. Bärbel Haase, richtig?“ Der Polizist kramte kurz in seiner Jacke und zog einen Block hervor, auf dem er sich etwas notiert hatte. Erst jetzt wurde mir bewusst, dass es hier ja um meine Mutter ging. Wenn wir sie im Knast besuchen würden, was sollte ich dann anziehen? Kannte mich ja da herzlich wenig aus.
Mein Vater nickte monoton und Jochen verschwand auf sein Zimmer. „Ja, sie hat bald ihre Gerichtsverhandlung mit den beiden anderen Mittätern. Da sie die Anrufe ihrer Frau nicht annehmen, die ihr vom Gefängnis aus gestattet wurden-“, er sah meinen Vater streng an, „kam ich um einen persönlichen Besuch nicht herum. Ihr Sohn hat mir freundlicherweise den Weg gezeigt.“ Wieder kramte er in seiner Tasche und zog einen Brief aus seiner Tasche, dem er meinem verwirrten Vater in die Hand drückte. „Es wurde sich schon um alles weitere gekümmert, ihre Frau wünscht jedoch, dass sie ebenfalls anwesend sind.“ Nun sah er kurz zu mir und nickte schließlich. „Nun gut, einen schönen Abend noch!“ Der Polizist drehte sich schnell um und ließ meinen Vater und mich alleine zurück. Es herrschte einige Minuten Stille und ich hatte Angst, mein Vater könnte einen Wutausbruch bekommen, weshalb ich einfach einen Baum imitierte und starr neben ihm stehen blieb. Da aber auch nach weiteren Minuten keine Reaktion folgte, räusperte ich mich leise. „Der Koffer.. der ist jetzt zu, ich hab mich eben-...“ „Also ich fasse es ja nicht!“ Er unterbrach mich laut und ich zuckte kurz zusammen. Mein Vater wedelte mit dem verschlossenen Brief herum und schüttelte fassungslos den Kopf. „Papa, ich-..“ „Tz, nichts da! Nun ging er nervös auf und ab und gab mir zu verstehen, dass er alleine sein wollte. Manchmal war er wirklich schlimmer als ich eine Woche ohne Schokolade..

„Papa, du musst mich ins Krankenhaus fahren, mein Fahrrad hat einen Platten, bitte!“ Mit flehender Miene sah ich meinen Vater an, der mit verschränkten Armen am Küchentisch sahs und seit gestern Abend kein Wort mehr gesprochen hatte. Ich startete weitere Versuche, doch mein Vater reagierte nicht. Musste ich eben zu härteren Mitteln greifen. Ein letztes Mal durchatmen, dann ist schauspielern angesagt! Ich griff mir schnell an meine rechte Wade und schrie auf, weshalb mein Vater mich etwas erschrocken ansah. „Oh, aua, Krampf!“, quietschte ich unter gespielten Schmerzen, während ich auf einem Bein im Wohnzimmer durch die Gegend hüpfte. Plötzlich begann mein Vater leise zu lachen und ich entschloss, meinen Krampf einen Krampf sein zu lassen und lieber nach meinem Vater zu sehen, den ich leider aus meinem Blickfeld verloren hatte, nachdem ich bis zur Haustür gehumpelt war. „Du warst schon immer die schlechteste Schauspielerin in der ganzen Familie..“, murmelte mein Vater plötzlich und kam mir mit einem Lächeln entgegen. Na Gott sei Dank, da zahlte sich das nicht vorhandene Talent ja einmal aus..

„Schwester Ingeborg? Wo ist Schwester Ingeborg?“ Eilig lief ich ins Schwesternzimmer und sah Sabine fragend an, die jedoch hatte ihren Blick begeistert auf ein großes Bild von Günni gerichtet, auf dem er sie freundlich anlächelte. „Äh, Sabine..?“ Nun schreckte die blonde Schwester erschrocken auf und begann etwas verschwörerisch zu grinsen. „Frau Doktor, da sind sie ja! Ich habe sie heimlich aus allen Operationen mit dem Doktor Meier ausgetragen, damit sie nicht mehr so oft mit ihm arbeiten müssen!“, verkündete sie stolz, während sie mich zu sich gezogen hatte. Einen Moment musste ich überlegen, ob das jetzt eher gut oder schlecht war, dann jedoch kam mir mein neues Ich in den Sinn uns es war klare Sache, dass ich das nicht durchgehen lassen konnte. „Och Schwester Sabine! Ich bin gerade eine starke Frau geworden und brauche das jetzt einfach. Ich bin doch kein Angsthase!“, maulte ich leise und sah Schwester Sabine etwas wütend an. „Aber Frau Doktor, ich dachte-“ „Ja, sie dachten, ich denke aber auch!“ Nun sah mich die blonde Schwester verwirrt an. „Das verstehe ich jetzt nicht, Fr-“ Ich seufzte laut und wollte gerade etwas sagen, als wir unterbrochen wurden. Schwester Sabine sah etwas erschrocken zur Tür, worauf ich mich etwas verwirrt umdrehte. Marc. Ich biss mir kurz auf die Lippe, dann drehte ich mich schnell wieder zu Sabine um. Jetzt cool bleiben - Und ihn an besten Eifersüchtig machen. Schließlich soll er ja wissen, was ihm da durch die Lappen gegangen ist.
„Ja, wie gesagt, wir hatten wirklich eine sehr schöne Nacht, der.. der.. äh.. Elyas und ich!“, stammelte ich etwas nervös und schlug Sabine eine Spur zu fest gegen den Arm und vermasselte mir somit die Chance, dass es ansatzweise wie eine freundschaftliche Geste wirkte und Marc mich ernst nahm. Sabine sah mich verwirrt an und verstand anscheinend nicht, dass ich gerade dabei war, mich vor Marc zu retten. „Du weißt doch, Sabine, der Elyas.. der.. dings, Anwalt. Ich meine, Staatsanwalt!“ Ich lachte laut auf, worauf Sabine anscheinend ein Licht aufging. „Ja, Frau Doktor, man hat sie bis hier her gehört, sie müssen wirklich eine schöne Nacht gehabt haben..“, antwortete die Schwester und gluckste laut. Erschrocken sah ich sie an und hätte Marc am liebsten gesagt, dass es gar nicht stimmte, doch als ich mich umdrehte, war er verschwunden. „Mensch Sabine, dass hätte doch jetzt wirklich nicht sein müssen!“, fuhr ich die blonde Schwester wütend an und eilte schnell zu den Spinden, um mir meinen Kittel anzuziehen. Jetzt musste Marc mich wirklich für ein kleines, billiges Flittchen halten.. Na gut, war ja von seiner Meinung nur ungefähr so abhängig wie vonSchokolade. Super.
„Da sind sie ja, Frau Doktor Haase!“ Ich hörte die aufgeregte Stimme von Schwester Ingeborg hinter mir, die von Schwester Julia gefolgt das Schwesternzimmer stürmte und schließlich vor mir zum stehen kam. „Schwester Theresa hat gesagt, sie hat von der Patientin aus Zimmer 37 gehört, dass diese von einer alten Dame aus dem Park gehört hat, dass sie von ihrem Mann erzählt bekommen hat, dass sie eine andere Patientin auf Zimmer 211 kennt, die sie gestern im Park mit dem Anwalt gesehen hat?“ Etwas verwirrt sah ich sie an, auch Schwester Julia schien verwirrt. „Ja, also..“ „Ja, haben sie jetzt gestern mit ihm im Park gesessen?“ Ich nickte schwerfällig und drehte mich schnell zu meinem Spind um, damit ich keine weiteren Fragen mehr gestellt bekommen konnte. Ich hörte das aufgeregte quietschen der beiden hinter mir und hätte mich am liebsten in meinem Spind eingeschlossen, in der Hoffnung, dem ganzen zu entkommen. Trotzdem wollte ich die Telefonnummer von Elyas haben, wehe Schwester Ingeborg würde jetzt die Flucht ergreifen. Ruckartig drehte ich mich zu den beiden kichernden Schwestern um, was wohl ziemlich energisch ausgesehen haben musste, denn sie hörten sofort auf zu kichern und warfen mir einen erschrockenen Blick zu. „Ich äh.. haben sie seine Telefonnummer?“ Schwester Ingeborg sah mich verwundert an und nickte dann, um aus ihrer Tasche eine kleine Karte zu ziehen. „Ich.. habe sie kopiert und an alle verteilt.“ Ich seufzte genervt auf. Da würde ja er wohl auf einen weiteren Anruf nicht mehr reagieren, seine Leitung war doch bestimmt ständig blockiert, weil alles weibliche aus diesem Krankenhaus bei ihm anrief. Ich schnappte mir die Karte und schob sie in meine Manteltasche, um an der immer noch etwas verunsichert drein blickenden Schwester Sabine vorbei aus dem Schwesternzimmer hinaus zu verschwinden.
„Margarethe Haase?“ Verwirrt drehte ich mich um und entdeckte Elke Fisher, die laut nach mir rief und ihre Hand theatralisch auf die Stirn gepresst hatte.

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06.08.2010 19:53
#65 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Etwas länger - Aber es wird heiß!

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„Wo ist er?“, begann sie schwer atmend, ohne mich direkt anzusehen. „Wer? Ma-“ „Was will ich mit meinem verkommenen Sohn? Deinen Vater will ich, deinen Vater!“ „Sie.. wollen meinen Vater?“ Nun sah sie mich wütend an und lief schnell an mir vorbei. „Was ist bei ihrer Geburt nur schief gegangen? Na, es lag wahrscheinlich an der Mutter..!“ Sie lief kopfschüttelnd an mir vorbei. „Äh, Frau Fisher das ist der Weg in die Pathologie!“, rief ich ihr nach, ohne auf ihre Sticheleien einzugehen. Einige Sekunden später lief sie wieder an mir vorbei, anscheinend hatte sie eingesehen, dass sie meinen Vater nicht unter einem Haufen Toten finden würde. „Was wollen sie eigentlich von ihm?“ Ich lief ihr schnell nach, um sie davon abzuhalten, in eine sterile OP zu platzen, bei dieser Frau wusste man nie..
„Na, eine musste sich ja opfern, um diesen Kasper aus dem Land zu schleusen!“, antwortete sie und sah sich verwirrt um. Sie fuhr also meinen Vater zum Flughafen? Hoffentlich würde sie ihn nicht unterwegs entführen oder als neuen Dr. Rogelt missbrauchen.. „Ja wo ist er denn nun?!“, fuhr sie mich zornig an, nachdem ich stehen geblieben war. „Zuhause, er arbeitet heute nicht.“ Sie kniff die Augen zusammen und taumelte kurz durch den Gang. „Frau Fisher? Frau Fisher, geht es ihnen gut?“ Ich eilte schnell hinter ihr her, doch sie hatte sich wieder gefasst und sah mich nun nicht weniger zornig an. „Sie lassen mich, in diesem Schuppen hier, diesem verkommene Krankenhaus, länger als nötig weilen? Warum haben sie nicht gleich gesagt, dass er nicht hier ist?“ „Weil sie mich nicht ausr-“ „Gelogen!“, fuhr sie empört auf und eilte schnell an mir vorbei. Ich sah ihr fast erschrocken hinterher. Ich hoffte nur, Marc würde sie und ihre Dr. Rogelt Bücher irgendwann in einem Keller einsperren, aber wahrscheinlich würde sie sogar da wieder raus kommen.
„Was hast du mit meiner Mutter gemacht?“ Schnell drehte ich mich um und sah Marc hinter mir stehen, seinen Blick auf mich gerichtet, die Stimme gepresst. Oh Gott.. Was sollte ich tun? War meine Mauer gerade schon wieder eingestürzt, obwohl er nur einen Satz gesagt hatte? Ich war wirklich eine Versagerin.. „Warum heulst du jetzt schon wieder?“, fügte er nach einer kurzen Pause entnervt hinzu, doch ich antwortete nicht und presste mir meine Hand auf den Mund. Es tat so weh, wenn er mich so behandelte. Rasch drehte ich mich um und ging mit gesenktem Kopf davon. „Hasenzahn, würdest du vielleicht stehen bleiben, wenn dein Chef mit dir spricht?“ Nun ging ich noch schneller, doch auch seine Schritte wurden schneller, weshalb er bald neben mir lief. „Bleib stehen, los!“ Nun schob er sich vor mich und griff nach meinem Arm, den er so fest umschlossen hielt, dass es weht tat. „Marc, fass mich nicht an!“, schrie ich laut auf, sodass einige Schwestern erschrocken in unsere Richtung sahen. „Erst wenn du mir versprichst, nicht die ganze Zeit wegen mir loszuheulen!“, herrschte er mich wütend an und für einen Moment zog ich die Möglichkeit in Erwägung, dass er es mir verbieten wollte, weil er mich nicht gerne weinen sah, auf den Gedanken schien er jedoch auch gekommen zu sein. „Das ist.. peinlich für mich, also lass es.“, fügte er gepresst hinzu und ließ meinen Arm los. Als ich keine Antwort gab, räusperte Marc sich kurz, sah mich nicht mehr an, drehte sich dann um und ging eilig davon.
Plötzlich kam jemand auf mich zu gerannt, nahm mich in den Arm und ohne zu wissen wer es war, begann ich wieder zu weinen, dabei war er es verdammt noch mal, kein bisschen wert. Plötzlich begann die Person zu singen und ich erkannte Sabine, die anscheinend auch weinte. „Was.. was singen sie da, Sabine?“, murmelte ich leise und etwas verwirrt. „Ein Schlaflied..“, antwortete sie wahrheitsgemäß und drückte mir ein Tempo in die Hand. Ich lachte leise auf, als mir bewusst wurde, dass ich hier weinend stand, Sabine umarmend, die mir ein Schlaflied sang.. Mein Leben war wirklich mehr als verwirrend.

Überall in meinem Zimmer waren Kerzen angezündet, ansonsten war es vollkommen dunkel. Ich wusste nicht, was ich damit erreichen wollte, mein Zimmer fast in Brand zu setzen. Wenigstens hatte ich den ganzen Nachmittag Zeit in Selbstmitleid zu versinken. Im stockdunklen.
Ich warf mir auch mein Bett und sah zur Decke. Weinen würde ich nicht mehr, dass hatte ich mir im Krankenhaus versprochen, nachdem Sabine mich wieder alleine gelassen hatte. Ich war wahrscheinlich einfach zu nah am Wasser gebaut.
Langsam griff ich in meine Tasche und zog mein Handy hervor. Ich klickte auf 'Telefonbuch' und spielte kurz mit dem Gedanken, Marc anzurufen. Um seine Stimme zu hören. Aber ich würde ihn natürlich nicht anrufen.. Ich griff ein weiteres Mal in meine Tasche und kramte die Visitenkarte von Elyas heraus, die mir Schwester Ingeborg gegeben hatte. Es tutete einige Male, doch es ging niemand ran. Seine Stimme auf Band erklärte mir, eine Nachricht nach dem Piep würde es ja auch tun und ich überlegte kurz, wie unfreundlich Marc wohl auf seiner Bandansage Leute aufforderte, eine Nachricht nach dem Piep zu hinterlassen, während ich Elyas anflehte, mich zurück zu rufen.
Danach legte ich auf und sah wieder zur Decke und schreckte im nächsten Moment auf, als mein Handy vibrierte. Verwirrt nahm ich ab und hörte Elyas' Stimme. „Gretchen?“ „Elyas? Gott sei Dank..“ „Tschuldigung das ich nicht gleich abgenommen habe, aber Schwester Ingeborg ruft hier alle 10 Minuten an und deshalb habe ich mein Telefon ausgestellt. War wohl keine wirklich gute Idee mit der Visitenkarte..“ Ich lachte leise, worauf er seufzte. „Also, was gibt’s? Verklagt mich dein Vater wegen der Geschichte mit den Piraten?“ Wieder lachte ich leise, während ich nach einer Tafel Schokolade suchte, hier musste doch irgendwo noch eine sein! „Nein, dafür hat meine Mutter bald ihre Gerichtsverhandlung..“, nuschelte ich leise und war endlich fündig geworden. „Deine.. deine Mutter?“ Er klang etwas verwirrt und nervös, was mich irritierte. „Ja, ich weiß, man denkt ja wirklich nur mein Vater wäre etwas.. komisch, aber meine Mutter ist sitzt wegen-“ „Drogen im Gefängnis?“ Ich biss verwirrt ein Stück von der Schokolade ab und stand auf, um eine Kerze wieder anzuzünden die ausgegangen war, als Elyas meinen Satz beendete. „Äh, ja, sie sitzt wegen einer-“ „Hanfplantage im Untergeschoss eures Krankenhauses?“ „Elyas, kannst du meine Gedanken lesen oder bist du vielleicht ein Stalker?“, erwiderte ich und lachte, doch er blieb still. „Nein, nur klage ich gegen deine Mutter..“ Ich hatte gerade die Kerze angezündet und sah jetzt erschrocken auf. „Was?“ „Ja, die Staatsanwaltschaft hier klagt gegen deine Mutter!“, antwortete er. Erschrocken sah ich auf ein kleines Foto auf dem Papa, Jochen ich und Mama zu sehen waren. Langsam drehte ich mich um und wollte mich wieder auf mein Bett legen, als ich mit dem Fuß gegen eine Kerze kam, die sofort umkippte und ein T-Shirt, dass auf dem Boden gelegen hatte, in Brand setzte. Ich schrie laut in den Telefonhörer, worauf Elyas seufzte. „Ich weiß, es ist blöd, aber-“ „Es brennt, ES BRENNT!“, schrie ich panisch in den Hörer und versuchte verzweifelt etwas zu finden, womit ich löschen konnte. Dabei kam ich gegen eine weitere Kerze, die auf meiner Komode gestanden hatte und setzte somit ein Pferdeposter in Brand. „Äh, Gretchen, was genau-“ „Oh Gott, mein Pferdeposter!“ „Gretchen, ich-“ „Ich.. ich werde obdachlos, ich habe.. das Haus.. Oh Gott, es wird abfackeln!?“, schrie ich panisch in den Hörer und warf das Telefon auf mein Bett, um nach meinem Kissen zu greifen, dass nun als Feuerstopper dienen sollte, jedoch half es herzlich wenig. Ich lief schreiend im Raum herum und versuchte, das Feuer zu löschen, doch es gelang mir nicht. Ich hörte Elyas in den Hörer rufen, aber ich konnte ja jetzt schlecht nebenbei noch telefonieren. Es verging eine geraume Zeit, in der ich blindlings auf die Flammen einschlug, dabei laut am schreien war und nicht wirklich wusste, was ich tun sollte.
Plötzlich öffnete sich meine Zimmertür und mein Vater stand mit einem merkwürdig aussehenden Anglerhut auf dem Kopf in der Tür. „Kälbchen, Elke ist gleich da, wir fahren dann zum-.. Was wird dass denn?!“ Nun schien er auch bemerkt zu haben, dass mein Zimmer in Flammen stand, denn er kam nun zu mir und schien angestrengt nachzudenken. Plötzliche riss er sich seinen Anglerhut vom Kopf und schlug damit gegen mein Pferdeposter, dass mittlerweile kein Pferdeposter mehr war, doch nun stand ebenfalls sein Hut in Flammen. „Papa, wir werden obdachlos!“, rief ich ihm zu, doch er schien mich nicht wirklich zu verstehen. „Aber das hier ist doch nicht bedeutungslos!“, rief er mir zu, worauf ich ihn verwirrt ansah. „Ich sagte nicht bedeutungslos, sonder-“ Ich schrie laut auf, als ich etwas warmes an meinen Füßen spürte. Ich war in das brennende T-Shirt getreten!
Ein weiteres Mal wurde meine Tür aufgerissen, als plötzlich ein schwer bewaffneter Polizist in den Raum stürmte, die Waffe auf mich und meinen Vater gerichtet hatte, im Hintergrund eine ganze Horde weiterer Polizisten. Mein Vater hob sofort die Hände und warf den kleinen Rest seines Anglerhuts, der ganz schwarz war, weg. Auch ich hob langsam meine Hände.

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10.08.2010 19:38
#66 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

So, es geht weiter, nach einer kurzen Pause. Danke für die Kommentare zum letzten Teil!

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„Mitkommen, los!“, herrschte uns der Polizist an und seine Waffe richtete sich langsam im Richtung Tür. Etwas hilflos sah ich zu meinem Vater und da zu dem Rest an Polizisten, doch ich konnte Mister Bond nicht entdecken.
Unten im Wohnzimmer stand Elyas, eine Polizistin befragte ihn aus und als er mich und meinen Vater entdeckte, kam er verwirrt und erleichtert auf uns zu. „Elyas?“ „Meine Güte, ich hatte schon gedacht, hier gäbe es einen Notfall..“, gab er gepresst hervor. Mein Vater jedoch schien erleichtert und senkte seine Hände, weshalb ich von oben hörte, wie einer der Polizisten seine Waffe entsicherte. Auch mein Vater schien es gehört zu haben, denn er drehte sich protestierend herum und deutete mit seinem Finger auf den Polizisten. „Na hören sie mal, wehe sie erschießen mich, ich fliege gleich in die USA, außerdem wird mich mein Freund Hugh beschützen!“ Nun drehte er sich zu Elyas um, der ihn etwas verwirrt ansah. „Herr Haase, ich heiße-“ „Ich weiß ihren Mut wirklich sehr zu schätzen mein Junge, sie sollten Bundeskanzler werden!“ Er ging auf Elyas zu und schlug ihm ein weiteres Mal ziemlich fest auf den Rücken. Der Polizist senkte verwirrt seine Waffe und drehte sich zu seinen Kollegen um, die ebenfalls sichtlich irritiert schienen. „Diese Vögel, haben die wenigstens den Brand gelöscht?“, maulte mein Vater laut und sein Blick wanderte wieder zu den Polizisten am oberen Ende der Treppe. Einer nickte und im nächsten Moment kam der Rest aus meinem Zimmer heraus, mit rußschwarzen Gesichtern. Die Polizistin, die Elyas befragt hatte, sah nun meinen Vater und mich an und zückte Block und Stift. „Sie sind..?“ „Haase, Franz Haase. Und das ist mein Kälbchen.“ Er drehte sich zu mir um und ich kniff entnervt die Augen zusammen. Auch die Polizistin musste kurz lächeln, dann sah sie mich an. „Ich nehme an, sie heißen nicht wirklich Kälbchen?“ „Nein, eigentlich-“, ich sah zu meinem Vater, „heiße ich Margarethe Haase.“ Mein Vater sah mich etwas beleidigt an, dann drehte er sich zu Elyas um. „Sagen sie Hugh, haben sie zufällig einen Anglerhut? Ich habe meinen gerade verbrannt..“

„Jetzt geben sie diese Tafel Schokolade her!“ „Schwester Gabi, ich warne sie eindringlich! Ich bin zwar fett und deprimiert, aber zu allem bereit!“ Die Schwester sah ihn böse an, als plötzlich die Tür aufgerissen wurde. „M-..ehdi?“ Doktor Kaan drehte sich schnell zur Tür um und entdeckte seien Frau, die leichenblass in der Tür stand, sich mit der einen Hand am Türrahmen abstützte und in der andern hielt sie ihren Tropf. „Anna?“ Er stand auf und eilte auf seine geschwächte Frau zu. „Wir müssen. r-..eden...“, flüsterte sie leise und griff schwach nach seinem Kittel, um ihn mit sich zu ziehen. Unsicher drehte sich Mehdi zu Schwester Gabi um, die nun die Tafel Schokolade an sich gerissen hatte und ihn ratlos ansah. „Äh.. jetzt?“ Sein Blick wanderte zu seiner Exfrau, die ihm einen flehenden Blick zuwarf. „Okay, Schwester Gabi, bin gleich wieder da!“, rief er ihr zu, bevor Mehdi Kaan und seine Frau den Raum verließen.

„Denk dran Papa, die sprechen da kein Deutsch!“ Ich klopfte ihm ein letztes Mal auf den Rücken und versuchte, die Stärke seiner Schläge zu erreichen, aber mein Schlag glich eher einer Massage. Er ließ Jochen los, den er umarmt hatte, drehte sich lächelnd zu mir um und nickte. „Ich bringe denen Deutsch schon noch bei!“, antwortet er und umarmte mich ebenfalls. „Ich werde dich vermissen, Papa..“, murmelte ich leise und konnte mir eine Träne nur schwer verkneifen. „Ach Kälbchen, der Hugh ist doch da..“, antwortet er fröhlich und ließ mich wieder los, um mit offenen Armen auf Elyas zuzugehen, der etwas abseits neben uns gestanden hatte. Ohne das Elyas etwas erwidern konnte, hatte er meinen Vater in den Armen, der ihm herzhaft auf den Rücken schlug. „Der Hut ist wirklich klasse!“, bemerkte mein Vater mit einem breiten Lächeln und einen kurzen Blick in den Spiegel, nachdem er 'Hugh' losgelassen hatte. Der lächelte ihn nur freundlich an und nickte. „Nur das Beste für.. den Franz.“ Mein Vater nickte stolz und ich musste mir wieder ein Lachen verkneifen, als ich den merkwürdig aussehenden Hut sah, den Elyas an meinen Vater losgeworden war.
Mein Vater drehte sich wieder zu uns um und sah mich und Elyas abwechselnd mahnend an. „Aber Hugh, wenn sie meine Tochter hier im Haus.. Also in meinem Haus.. Es werden keine Kinder gemacht, verstanden!?“ Elyas grinste meinen Vater an und schüttelte den Kopf. „Ich werde mich zurückhalten, Franz. Aber wenn es schon keine Kinder gibt, kann ich dann vielleicht noch kurz sagen, dass ich eigentlich-“ „Hugh, sind sie schwul?“ Mein Vater sah Elyas geschockt an und drehte sich kurz zu mir um. „Nein, Herr Haase, ich bin nicht schwul!“, antwortete Elyas schnell. „Na gut, ich will es für sie hoffen mein Freund..!“ Er warf ihm einen kurzen drohenden Blick zu, der Jochen zum lachen brachte. Plötzlich war von draußen ein lautes Hupen zu hören. „Fraaaaaaanz!“ Mein Vater sah kurz geschockt aus, dann schien er sich daran zu erinnern, dass es 'nur' Elke war. „Bis dann, Papa!“, rief ich ihm nach, nachdem er seine Koffer genommen hatte und zu Elkes Auto gegangen war. Er drehte sich kurz zu uns um und lächelte, als könnte er es kaum noch erwarten, Amerika zu zeigen, wie der Haase läuft. Wie schnell wir uns wiedersehen würden, ahnte niemand.
Er winkte uns dreien kurz, dann stieg er auf den Beifahrersitz und ich konnte mir schon denken, dass er mit seinem Hut bei Elke Fisher nicht auf Begeisterung stoßen würde.
Es nieselte leicht, als das Auto mit den beiden los fuhr und Elyas sich leise räusperte. „Ich bin.. also ich bin wirklich nicht schwul..“ „Das sagen sie alle!“, bemerkte Jochen leise und grinste Elyas freundschaftlich an. Der begann ebenfalls zu grinsen und wir drei gingen zurück ins Haus. „Wann wird er eigentlich aufhören, mich Hugh zu nennen?“ „Nie!“

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11.08.2010 19:40
#67 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

So, es geht weiter, der Teil passt zum Wetter (Wenn bei euch nicht die Sonne scheint & die Vögel zwitschern ;D).

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Mehdi Kaan sah seine Frau schweigend an und konnte nicht fassen, was sie ihm gerade gestanden hatte. Es klang falsch und nicht so, als würde sie es wirklich getan haben. Sie war immerhin Lillys Mutter. Taten Mütter so etwas, aus Liebe?
Seine Frau lag weinend in ihrem Bett, doch ihre Tränen erreichten Mehdi nicht. Er hatte sich entschieden. Der Fehler war unverzeihlich. In den letzten Tagen hatte er schwer mit dem Gedanken gekämpft, dass es vielleicht Meiers Schuld war, dass sie gestorben war, aber jetzt ergab alles Sinn.
Er richtete sich auf und warf seiner Frau einen gehässigen Blick zu. Ja, es war Hass was er fühlte, nicht mehr und nicht weniger. Die Frage, wie er diese Frau je hatte lieben können, wurde immer größer und wo eben noch alles klar war, verschwamm alles. Sie hatte Lilly auf dem Gewissen? Wie hatte sie so nachlässig sein können? Es war nicht seine Schuld. Du hast keine Schuld, Mehdi Kaan. Oder doch, wenn er hartnäckiger gewesen wäre?
Ich laufe im Kreis, hämmerte es unaufhörlich in seinem Kopf. Wer hatte Schuld? Sie oder er? Seine Frau schien seine Gedanken erfasst zu haben und drehte sich mit einem milden Lächeln, dass Gesicht tränennass, zu ihm um. „Es ist meine Schuld, Mehdi. Mach.. mach dir keine S-..orgen. Ich werde meine Strafe bekom-..men..“ Schwer atmend begann sie erneut zu weinen und er drehte sich um, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Oder würde er ihr auf wiedersehen sagen? Ein letztes mal, bevor er sie aus seinem Leben streichen würde? Sie war nicht mehr länger Mutter von Lilly, sie war Mörderin, seine Frau war sie schon lange nicht mehr.. Also was wollte er noch von ihr?
Doch diese eine Frage ließ sich so leicht beantworten, wie keine andere Frage, die Mehdi Kaan sonst im Kopf herumschwirrte: Sie ließ die Gleichgültigkeit in ihm verschwinden. Auch wenn es vielleicht nur Hass war, der ihn hier bei ihr hielt.. Er fühlte.

Die Fahrbahn war regennass und es goss aus Strömen, als die ersten Schilder auf den Flughafen hinwiesen. Franz Haase konnte es kaum erwarten, endlich in den Flieger in die USA zu steigen. Endlich eine Reise in eine andere Welt, neue Leute, neue Dinge, die er entdecken konnte. Etwas Abstand von der Sache mit Bärbel, ja, er freute sich auf diese Reise.
„Franz, packst du jetzt bitte dieses.. Essen weg? Die Inhaltsstoffe machen einen bösen Eindruck auf mich..“, bemerkte Elke pikiert, als sie das Sandwich entdeckte, dass Franz in der Hand hielt. „Ich dachte, nur Weizen wäre böse?“, antwortete er verwirrt und packte das Sandwich langsam wieder in die Folie ein. „Franz, wenn du wüsstest, was es alles böses gibt..“ Elke Fisher sah kurz zu ihm hinüber und konnte sich ein spöttisches Lächeln nicht verkneifen. Er war wirklich ein alter Mann.
Um sie herum war alles grau, Nebel war aufgestiegen und der Scheibenwischer verlor den Kampf gegen die Regenströme haushoch. Elke kniff ihre Augen zusammen, um zu erkennen, was sich vor ihr abspielte. Sie warf einen kurzen Blick auf ihre Uhr und sah kurz erschrocken auf. „Wenn du du deinen Flieger bekommen willst und ich dich loswerden möchte, sollten wir uns beeilen.“, bemerkte sie leise und fuhr schneller, obwohl es in dieser Situation wohl mehr als gefährlich war. Aber Elke Fisher scheute das Risiko eben nicht.
Da sie eingehend mit der Fahrbahn beschäftigt war, nutzte Franz Haase die Situation und kramte das Sandwich wieder aus seinem Rucksack hervor, um seinen knurrenden Magen zu besänftigen. Doch Elke schien es anscheinend wichtiger zu halten, ihn davon abzuhalten, dieses böse etwas zu essen, denn sie sah ihn wütend an, als sie das Sandwich entdeckte und hielt die eine Hand am Lenkrad, mit der anderen griff sie nach der Mahlzeit. „Elke, jetzt lass mich doch essen!“ Franz sah sie irritiert an und biss schnell einen Bissen ab. „Franz Haase, gib mir sofort dieses.. schlechte Etwas!“ Wieder griff sie nach dem Sandwich und als Franz geschickt auswich und Elke lediglich eine Gurke erwischte, wurde sie wütend. „Hah!“ Triumphieren biss er ein weiteres Stückchen ab. „Du bist schlimmer als deine Frau, deine Tochter und mein Sohn zusammen, du bist ein Schurke, Franz Haase!“, rief sie empört und schlug auf die Hupe, was bei einem Fahrer neben den beiden für Verwirrung sorgte. „Und jetzt gib mir das Böse in Form von Nahrung!“ Wieder griff sie nach dem Sandwich und diesmal hatte sie mehr Erfolg. Geschockt musste Franz Haase mitansehen, wie sie das Fenster öffnete und das Sandwich verschwinden ließ. „Siehst du Franz, jetzt lebt es sich gleich viel besser.“ Zufrieden sah sie zu ihm und kassierte einen wütenden Blick. „Ich hätte da etwas viel besseres für dich, du alter Mann!“ Wieder sah Franz sie wütend an und wollte protestieren, doch sie griff rasch nach ihrer Tasche, die zu ihren Füßen stand.
Diese Frau war wirklich unglaublich! Jetzt knurrte sein Magen wahrscheinlich so laut, dass sogar die aus der USA es hören konnten. Wütend sah er nach vorne und außer dem Regen war nicht viel zu erkennen. Wann würde es jemals wieder aufhören? Plötzlich war ein lautes Hupen zu hören und noch ehe Franz sich darüber wundern konnte, sah er, warum. „Elke, ein Baum!“ „Ja, die wachsen hier üblicherweiße..“, bemerkte Elke trocken und war endlich fündig geworden. Stolz hielt sie ihm einen Apfel hin, der fast zu schön war, um hinein zubeißen, rot und vollkommen. Ja, der Apfel, den Franz Haase nie essen würde, war rot wie Blut.

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12.08.2010 20:16
#68 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Vielen Dank für die Kommentare, ich hab mich riesig gefreut! Was Anna Mehdi erzählt hat? Hm.. erfahrt ihr vielleicht bald. :)

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Es regnete, ununterbrochen. Die Frage, wann es wohl jemals aufhören würde, musste man sich wohl kaum stellen, so wie es aussah, regnete es bis der liebe Gott nicht mehr weinen musste. Dabei hatte ich ja auch alle Gründe, mal wieder so richtig zu weinen, aber ich hatte genug geweint, zu mindestens fürs erste. Trotzdem, dass sie nur noch Knödel und Salat da hatten, war wirklich ein Grund zu weinen. Diese Situation ohne Schokoladenkuchen überstehen? Wohl eher ein schlechter Scherz.
Mit einem Salat, auf den ich herzlich wenig Lust hatte, setzte ich mich in die menschenleere Cafeteria und starrte aus dem Fenster, doch der Nebel raubte mir die Sicht.
Wo Papa wohl gerade war? Ob er schon das Personal am Flughafen in die Irre getrieben hatte? Machte mich schon mal auf mögliche Beschwerdeschreiben vom Flughafen gefasst, wie viele es wohl werden würden?
Mit einem nachdenklichen Blick begann ich, den Salat zu essen und meine Gedanken wanderten ungewollt zu Marc, der wieder der war, der er eigentlich immer gewesen war, oder? Wie konnte er nur so abweisend sein? Er war es immer gewesen, aber ich hatte es oft ignorieren können. Jetzt aber konnte ich es nicht mehr verbergen, es war klar. Er liebte mich nicht und selbst wenn, er tat es auf eine Weiße, die ich nicht verstand und die ich nicht verstehen konnte.
Bäh, dieser Salat schmeckte schlechter als die Bohnendiät... Schnell schob ich ihn von mir und starrte aus dem Fenster. Früher hatte ich mir immer gewünscht, er würde sich ändern. Aber was, wenn ich mich ändern musste? Was für ein Recht hatte ich, ständig etwas an ihm zu kritisieren? Er blieb so, ich würde es nicht ändern können, selbst wenn ich ihn so bedingungslos liebte, dass es mir irgendwann sogar weh tat, ihn zu lieben. Plötzlich begann es draußen lautstark zu donnern und ich musste wieder an meinen Vater denken. Er hatte es gut, eine Reise nach Amerika, weg von allen Problemen. Noch während draußen der graue Himmel von den Blitzen erleuchtet wurde, begann mein Magen zu knurren, dabei hatte ich nicht mal sonderlichen Hunger. Doch das Knurren verstärkte sich und mein Magen begann zu schmerzen. Entzugserscheinungen wegen zu wenig Schokokuchen? Dabei wurde ich fett, wenn ich zu viel aß und ich würde Marc nicht mehr gefallen.
Oh Gott, kindlicher Gedanke.. Doch genau diese Gedanken schossen mir in jeder möglichen Situation durch den Kopf, wenn ich Marc den Skalpell reichte, wenn er den Raum betrat, wenn er mit einer anderen Frau sprach. Gedanken, wie ich ihm gefallen könnte. Aber wie konnte man Marc mit meinen Werten schon gefallen? Jetzt kam wieder die Sache mit meinen Komplexen. Wann würde das aufhören? Und während mir hundert Dinge einfielen, die ich wieder an mir verändern musste, damit ich wenigstens einen von diesen Gedanken, wie ich Marc besser gefiel, beenden konnte, wurde mir klar, dass mein Leben wirklich nur aus Marc bestanden hatte. Und sein Leben bestand definitiv nicht aus mir. Vielleicht gehörte ein kleines Stückchen in seinem Kopf mir, in der Schublade 'Hoffnungslos naive, fette Assistenzärztin'. Ich konnte nur hoffen, dafür erwartete er kein Danke.
Draußen grollten die nächsten Blitze und mir wurde schlecht. Das musste aufhören, dass mit Marc und mir. Wenn es denn jemals da gewesen war.

„Ausspülen und vernähen, los..“, forderte Doktor Meier die etwas überforderte Schwester auf, die unter deinen Anweisungen zusammenzuckte. Die letzten Operationen hatte er alle ohne Hasenzahn geführt, sie hatte sich aus allen ausgetragen, die sie mit ihm hätte führen sollen, nur um eine war sie nicht herum gekommen. So umging er das Gespräch mit ihr, aber er hatte auch keine sonderliche Lust darauf, sich wieder von ihr anhören zu müssen, was für ein arrogantes Arschloch er doch war. Wirklich glücklich konnte ihn der Gedanke jedoch nicht machen, aber damit hatte er sich in der letzten Zeit abgefunden. Er wollte keine Beziehung, er brauchte keine Beziehung, er hatte seinen Job, der ihn voll einnahm. Warum hatte er es nötig, sich auf Gretchen einzulassen? Er brauchte sie nicht, er war nicht auf sie angewiesen. Was hatte er schon davon, wenn er sich zu etwas hingab, dass tausend Menschen durchlebten, ohne wirklich glücklich zu werden? Etwas Liebe, etwas Sicherheit – Für den Moment? Er müsste die ganze Zeit nett sein, sich aufgeben, entwürdigende Dinge wie 'Ich liebe dich' oder 'Du bist einfach wunderschön' sagen, er durfte Gretchen nicht mehr Hasenzahn nennen, was sie aber nicht verdient hätte, sie blieb einfach Hasenzahn.. Und ein paar Wochen später würde die Trennung kommen und alles war umsonst gewesen. Also warum taten Menschen so etwas? Man musste sich nur Sabine und diese Doktor Gummersbach ansehen. Wie hatte dieser Mann sich in Sabine verlieben können? Das grenzte fast an das achte Weltwunder. Und er war ja nicht mal verliebt, weshalb die ganze Sache noch überflüssiger wurde.
Er musste nicht wie diese ganzen anderen Männer enden, völlig verweicht und ohne wirkliche Ziele im Leben, außer die Ex wieder zu erobern. Er hatte es ja versucht, vor Hasenzahn. Aber es hatte nicht funktioniert und er war so dumm & naiv gewesen, einen Versuch zu starten. Es hatte ihn nicht glücklich gemacht, also brauchte er es auch jetzt nicht.

Wann würde er kommen, der Schmerz? Er hörte ihre Schreie neben sich, laut, panisch und ohne Hoffnung. Das Auto rollte auf die Leitplanke zu, mit einer Geschwindigkeit, die fast doppelt so hoch war wie die, die hier erlaubt war. Und er erwartet, dass das Leben nun an ihm vorbeizog, doch alles, was er sah waren Bilder von Gretchen, Jochen und seiner Frau, die an der Haustür standen und auf ihn warteten, obwohl er nie wieder zurück kehren würde.
Das Auto war gegen die Leitplanke gerast und nun konnte er förmlich spüren, wie es sich überschlug. Einmal, zweimal? Da kamen weitere Bilder, er dachte an Amerika, dass er dort nie Urlaub machen würde, dachte an damals, als er Bärbel betrogen hatte, mit der Frau, mit der er gleich sterben würde, wegen einem Sandwich. Ein letztes Mal schrie Elke laut auf, dann wurde es still im Auto und alles was zu hören war, war das schrecklichste Geräusch, dass er in seinem ganze Leben gehört hatte. Das Auto krachte gegen den Baum und alles, was er spürte, war eine Träne, die an seiner Wange hinunterlief. Wenn es da einen Gott gab, konnte er dafür sorgen, dass der Schmerz ausblieb? Aber nicht bei ihm. Bei seinen Kindern. Sie würden es hier auf der Erde härter haben als er dort oben, wenn er denn dort hin kam. Schließlich hatte er ein Sandwich gegessen, wegen dem er jetzt sterben musste. Das Leben war ungerecht, aber wenn es Zeit war zu gehen, konnte er nicht ändern. Eine weitere Träne rann an seiner Wange hinunter, dann schloss Franz die Augen und wartete auf den Tod.

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13.08.2010 19:41
#69 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Ich bedanke mich für die Schläge, es hat mich wirklich unheimlich gefreut, dass ihr mir Rückmeldungen gegeben habt, die böse Annabelle war glücklich. :) Jetzt geht es ein bisschen weiter mit Martchen, dass muss auch jetzt sein!
(Vielleicht kommt morgen übrigens kein Teil)


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„Anna, bist du sicher?“ Er stützte die zerbrechliche Frau wo es nur ging, nachdem ihr Versuch alleine zu laufen, kläglich gescheitert war. Sie nickte und er ließ sie unsicher los und dieses mal fruchtete der Versuch, denn auch wenn sie nur sehr langsam lief, es klappte.
Vorsichtig öffnete er ihr die Tür und die beiden machten sich langsam auf den Weg in die Cafeteria. Draußen schlug der Regen gegen die Fenster und man verstand die Stimmen der Schwestern, die nur wenige Meter entfernt standen, kaum verstehen, so laut schlug der Regen gegen die Scheiben. Auf halbem Weg kam ihen Gretchen entgegen, das Gesicht tränennass und die Hand auf den Mund gepresst. „Gret-.. Gretchen?“ Sie drehte sich kurz zu ihm um und er verspürte den dringenden Bedarf, sie in den Arm zu nehmen und mit ihr zu sprechen, doch nun wurde er von seiner Frau angetippt, die nicht wusste, wie lange sie sich noch auf ihren Beinen halten konnte. Auch Gretchen war weiter gelaufen, weshalb Mehdi sich zu seiner Frau umdrehte, ihren Arm nahm und sie in die Cafeteria führte.

Er pfefferte die OP – Kleidung von sich und machte sich auf den Weg in die Cafeteria, um seine Pause zu genießen. Kurz sah er aus dem Fenster, gegen den der Regen prasselte. Die Blitze erleuchteten den grauen Himmel und am liebsten wäre er jetzt nach Hause gefahren, hätte es sich mit einem Bier auf der Couch bequem gemacht und einfach abgeschaltet, aber es wartete noch Arbeit auf ihn.
Marc sah ein letztes Mal aus dem Fenster, dann machte er sich auf den Weg, natürlich nicht um auf halbem Weg Hasenzahn zu begegnen. Sie weinte wieder und schien schwer mitgenommen. Hatte er jetzt wieder Schuld daran? Dabei hatte er nicht mal mit ihr gesprochen. Unbeeindruckt lief er an ihr vorbei, doch als sie laut aufschluchzte, blieb er stehen und biss sich auf die Lippe. Was sollte er tun?Hatte er nicht gerade eben beschlossen, dass er nicht lieben wollte? Aber zwischen wollen und es tun lag ein Unterschied. Scheiße. Hatte er sich gerade eingestanden, dass er auf Hasenzahn stand? Große Scheiße. Er schloss die Augen, seufzte laut und drehte sich dann um. Gretchen war mittlerweile schon fast um die nächste Ecke gebogen, doch nach wenigen Schritten war er bei ihr. Eine Weile gingen die beiden stumm nebeneinander, sie weinte leise, er suchte nach Worten.
„Das.. das Wetter ist ziemlich beschissen, oder?“ Er warf ihr einen kurzen Seitenblick zu und hoffte, sie würde reagieren, auch wenn ihm weiß Gott besseres hätte einfallen können. „Ja.. ja, ich.. sehe das genau so“, antwortet sie leise und wischte sich schnell letzte Tränen von der Wange. „Ich.. hast du.. ich meine, hast du Hunger?“ Marc fuhr sich schnell durch die Haare. Die beiden liefen zwar direkt in die Pathologie und er wusste nicht, was Gretchen hier wollte, doch er folgte ihr. „Hunger? N-..ein.“ Sie schluchzte kurz und schien anscheinend auch zu bemerken, dass sie die falsche Richtung eingeschlagen hatte. „Ich glaube, wir sind hier falsch..“, bemerkte sie leise und drehte sich schnell um, ohne ihn anzusehen. „Du.. du hast keinen.. keinen Hunger?“, antwortete er etwas verwundert und folgte ihr ohne Widersprüche. „Was willst du, Marc?“ Nun blieb sie stehen und sah ihn an, doch ihr Blick war nicht gerade freundlich. Er fuhr sich mit der Zunge kurz über seine spröden Lippen, dann griff er in seine Hosentasche. Ohne Worte drückte er ihr eine Packung Tempotaschentücher in die Hand. Als sie das Päckchen mit einem fragenden Blick entgegen nahm, sah er sich kurz im Gang um und beugte sich schließlich so zu ihr hinunter, dass er ihr etwas ins Ohr flüstern konnte. „Das sind die neuen super soften Tempos, solltest du mal probieren..“ Mit einem Grinsen richtete er sich wieder auf und als Hasenzahn ihn unwillkürlich anlächelte, war er erleichtert. „Werde ich bei Gelegenheit tun..“, murmelte sie leise und sah lächelnd zu ihm auf.

Das Display des Handys hatte einen Riss, das Glas war zersplittert, doch es funktionierte noch. Ihre Finger zitterten und waren voller Blut und die Hälfte fühlte sich gebrochen an, doch unter großer Mühe ließen sich die kleinen Tasten des Handy bedienen. Es gab nur eine Person, die sie jetzt anrufen konnte.

Gerade als ich etwas sagen wollte, klingelte Marcs Handy, worauf er eilig in seine Tasche griff und einen kurzen Blick auf den großen Display warf. Er seufzte genervt auf und drehte mir kurz den Rücken zu. „Ja, Mutter?“ Es herrschte einen Augenblick Stille, in dem ich nur den Regen hörte, der gegen die Fensterscheiben im Glasgang schlug. Etwas verträumt sah ich neben Marc aus dem Fenster, wo der graue Himmel oft durch die Blitze erleuchtet wurde.
Urplötzlich wurde ich aus meinen Gedanken gerissen, als sich Marc in einer ruckartigen Bewegung zu mir umdrehte. Ich hatte ihn nie so gesehen, nie und wenn ich später darüber nachdachte, hätte ich alles dafür gegeben, wenn dieser Tag einfach nicht da gewesen wäre. Denn alles, was er mir in den darauffolgenden Momenten sagte, brachte meine kleine, heile, rosarote Schokoladenwelt, auf der ich mit Marc Meier über eine Blumenwiese lief, ins schwanken.

SoulSister Offline

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15.08.2010 19:58
#70 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Es geht weiter, ich danke euch für die Kommentare zum letzten Teil! Ob Franz lebt.. Erfahrt ihr im nächsten Teil. Bis dahin dieser hier, der mir sehr am Herzen liegt.. Viel Spaß. :)

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http://www.youtube.com/watch?v=OLVLpT5w4Yc

Endlose Sekunden. Der Regen, lauter, erbarmungsloser als er es je zuvor gewesen. Die Blitze, greller, unberechenbarer, als sie es vorher gewesen waren. Es würde alles gut werden. Einen Autounfall gab es hundertfach am Tag. Er war stark, Franz Haase war stark. Er würde es schaffen, jede Wunde überwinden und später über Elkes schreckliche Fahrweise scherzen. Doch trotzdem. Es war nicht irgendeiner dieser hundert Autounfälle, es war dieser, in dem es um das Leben meines Vaters ging. Atme Gretchen, Atme. Was würde er jetzt sagen, wenn er hier wäre? Frauen konnten einfach kein Auto fahren, selber schuld, wenn dieser Blödmann von einer zum Flughafen fahren ließ? Ja. Nur, dass er selber dieser Blödmann war. Einer, der jetzt schwerverwundet an einem Fahrbahnrand lag, womöglich bewusstlos, in den Trümmern eines Autos. Ich hätte am liebsten geschrien, doch ich blieb stumm. Ich hätte weinen können, doch ich konnte nur daran denken, dass er es schaffen würde. Ich hoffe es. Ich hoffte es inständig, ja. Mein Herz schlug unregelmäßig und machte heftige Sprünge, als ich an meinen Vater dachte. Alles würde ich dafür geben, alles, wenn er jetzt hier neben mir stünde. Gesund. Warum wurde einem die Lieben du einem Menschen erst dann bewusst, wenn es vielleicht zu spät war? Ein Donner grollte laut und ich griff in meine Kitteltasche, wo ich die Tempos verstaut hatte. Ich musste weinen, endlich, denn es half. Er war am leben, ganz bestimmt. Mein Blick war zum Himmel gerichtet und ich hoffte inständig, meinen Vater würde noch nicht auf mich herabsehen.

Mehdi hatte seine Frau wieder auf ihr Zimmer gebracht. Sie hatten in der Cafeteria nicht viel gesprochen, doch wenn er sie nur ansah, fühlte er dieses Gefühl. Es war überwiegend ein klein wenig Hass, der sich in ihm breit machte und in seinem Kopf hämmerte es Mörderin. Doch genau dieses Gefühl brachte ihn wieder zu den Lebenden zurück. Er brauchte keine Schokolade mehr. Er brauchte diese unbeschreiblichen Gefühle.
Auf dem Weg zu seinem Büro sah er Gretchen im Regen vor dem Krankenhaus stehen, sie stand da, unbewegt, den Blick gen Himmel gerichtet.

Weitere quälend langsame Sekunden. Wenn ich eine Uhr gehabt hätte, ich hätte sie verflucht, denn in diesem Moment hatte ich die Zeit außer Kraft gesetzt. Ich spürte etwas warmes an meinem Rücken, im nächsten Moment hatte mich jemand in den Arm geschlossen. Der unverkennbare Geruch nach Süßkram und Frauenparfüm. Mehdi. „Was machst du hier?“ Er ließ mich nicht los, sondern drückte mich ein kleines Stückchen fester, als ich nicht antwortete. Ich hoffte, er verstand ohne Worte.
Im nächsten Moment hörte ich hinter mir eilige Schritte von mehreren Leuten. Unverkennbar, Sabine. Auch ihr Geruch war zu markant. Mehdi ließ mich kurz los und nun umarmte mich Sabine, die leise weinte. „Er wird es schaffen, er wird es schaffen..“, flüsterte sie mir leise zu und ich wollte nicht wissen, woher sie wieder Bescheid wusste. Nun hörte ich hinter mir ein wütendes schnauben. Jochen. Ich hatte ganz vergessen, dass es ihm nun ähnlich gehen dürfte. Sabine löste sich von mir und machte Platz für meinen Bruder, der nun neben mich trat. Er biss sich so fest auf seine Lippe, dass sie zu bluten begonnen hatte. Alle waren regennass, doch niemand kümmerte sich darum. Und so standen wir, Mehdi, der seinen Arm um meine Schulter gelegt hatte, Sabine, die weinte, im Arm von Günni und Jochen, dessen Blut mit Regen vermischt an seinem Kinn hinunterlief, im Regen, der Himmel erleuchtet von Blitzen und Donnern.

Blut, wohin er auch sah, Blut und Trümmer ihres Wagens. Nie, nie in seinem Leben hatte er zuvor etwas schlimmeres gesehen, dachte er. Bis die Sanitäter des Krankenwagens, mit denen er hier her gefahren war, seine Mutter aus dem Auto heraus zogen. Er presste seine Hand auf den Mund und rannte auf die Gruppe von Männern zu, die seine Mutter auf eine Trage hievte. Ausatmen, einatmen. Schritt vor Schritt setzten. Beherrschen. In seinem Kopf herrschte Chaos, er sah viele Bilder, Bilder seiner Mutter, doch die schönen Bilder wurden von all dem Grauen, dass vor seinen Augen herrschte, vertrieben. Plötzlich bargen die Männer einen weiteren Körper aus dem Frack. Er sah Gretchen vor sich, weinend. Er presste seinen Augen zusammen, wollte den blutverschmierten Körper seiner Mutter nicht sehen, die abstrakte Haltung ihrer Arme, Gretchens Vater, dessen Beine voller offener Wunden waren. Im nächsten Moment wurde er von einem Sanitäter angestoßen und riss die Augen auf. Und er handelte, wie er es musste. Er musste Leben retten, dafür war er hier.
Und als der Krankenwagen den Unfallort verließ, hoffte Marc Meier inständig, der Regen würde das Blut verwischen. Und die eine Träne, die an seiner Wange hinunterlief.

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17.08.2010 19:54
#71 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Entschuldigung für die kleine Verspätung, gestern war Schulanfang und da hatte ich viel zutun. Aber das euch der letzte Teil gefallen hat, dass hat mich unheimlich gefreut, wirklich! Was mit Franz ist, gibt's jetzt. Viel äh.. Spaß. ;D

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http://www.youtube.com/watch?v=2Hre5fkdq-0&feature=related

Sabine Vögler schloss das Schwesternzimmer ab und es war ihr egal, für welche Umstände sie somit sorgte. Draußen war es noch grauer geworden und der Regen war stärker geworden, als würde der Himmel weinen. Sie drehte sich langsam zu Günni um, der gedankenverloren aus dem Fenster starrte, daneben Dr. Kaan, der seinen Blick zu Boden gesenkt hatte. Die drei waren regennass, doch es störte niemanden. Langsam setzte sich die blonde Schwester zu den beiden Männern und griff nach ihren Händen. Ihr Freund griff dankbar danach, Mehdi Kaan wischte sich über die Augen und starrte die Hand der Schwester an, dann ergriff er sie ebenfalls. Und während draußen die Blitze den Himmel erleuchteten, sahsen der Pathologe, der Gynäkologe und die Schwester im dunklen und warteten, bis die Sonne irgendwann das dunkel der Wolken durchbrach und ein bisschen Licht herzauberte.

Immer und immer wieder sah ich, wie der Krankenwagen angekommen war, wie Marc zu uns gesehen hatte, leichenblass und mit unbewegter Miene. Neben mir Jochen, der seine Hand zu einer Faust geballt hatte und Sabine, die laut angefangen hatte zu weinen. Mehdi, der mich fester in den Arm geschlossen hatte und Günni, der auf Sabine einredete. Und als ich einen kurzen Blick auf meinen Vater geworfen hatte, war mir klar geworden, dass ich ihm meine Hilfe schuldete. Ich schuldete ihm sein Leben.
Trotzdem zitterte meine Hand ununterbrochen und zum ersten Mal sah ich auch das Marc nicht wirklich fähig war. Und immer wieder kamen mir die Tränen, ich schluchzte laut, doch Marc reagierte nicht darauf. Erst, als meine Hand noch stärker zitterte, sah er mich an. Ich hoffte inständig, er würde meine Hand nehmen und sie halten, damit das letzte Bisschen Wärme nicht aus meinem Körper verschwand, doch er sah mich nur an und richtete seinen Blick dann wieder auf die offenen Wunden, die überall am Körper meines Vater verstreut waren.

„Sie sind ein freier Mann!“ Die Polizistin schloss seine Zelle auf und gab ihm seine Klamotten zurück, die er bei seiner Einweisung getragen hatte. Der schicke Anzug, der an seine Vergangenheit erinnerte, die piekfeine Krawatte. Er hasste es. Trotzdem warf er der Frau ein Lächeln zu und griff nach den Klamotten, um 10 Minuten später als ein freier Mann ein Taxi zu bestellen. Er musste seine Schwester suchen. Und dann Gretchen.

Als sich die OP Tür öffnete, spürte ich die bohrenden Blick von vielen Leuten. Tatsächlich hatte sich auf dem Gang fast das ganze Krankenhaus versammelt und wartete auf Marc und mich. Ich entdeckte Jochen, dessen Haare regennass waren und seinen verlorenen Blick, der zur OP Tür und mir wanderte, die vielen Fragen der Anderen und Sabine, die weinte, doch vielen anderen ging es nicht besser. Jetzt musste ich wirklich stark sein, ich musste Optimismus vermitteln, den ich selber nicht hatte. Marc räusperte sich neben mir und als ich ihm einen kurzen Blick zuwarf, war ich mir sicher, dass er kurz lächelte. Ja, er konnte fröhlich sein, schließlich ging es seiner Mutter im Gegensatz zu meinem Vater blendend...
Und als er begann zu sprechen, warf mir Sabine einen kurzen Blick zu und als Marc zuende gesprochen hatte, pressten sich einige Schwestern geschockt die Hände auf den Mund. Ich sah Schwester Gabi, die zum ersten mal nicht wirklich glücklich darüber schien, dass es mir schlecht ging. Ja, das ganze Krankenhaus stand unter Schock, nachdem Marc verkündet hatte, dass mein Vater im Koma lag.
Plötzlich rannte Schwester Sabine auf mich zu und umarmte mich so herzhaft und es tat gut, zu spüren, dass ich nicht alleine dastand. Immer mehr Leute kamen auf mich zu, sagten mir, dass er es schaffen würde und auch wegen Frau Fisher gab es einige Genesungswünsche. Sogar Schwester Gabi kam auf mich zu und ich wusste, dass sie nicht nur bewegt tat. Nach ihr kam Jochen auf mich zu und ich sah ihn zu ersten Mal nach dem aus bei der Weltmeisterschaft weinen, doch diesmal war es um einiges heftiger, auch wenn es nur einige Tränen waren, die an seiner Wange hinunterliefen. Schnell ging ich auf ihn zu und schloss ihn in den Arm. Er begann zu schluchzen und die Rolle der großen Schwester machte mir zu schaffen, auch wenn ich es früher immer geliebt hatte, groß und stark zu spielen, jetzt begann ich ebenfalls zu weinen. „Was hat er alles?“, flüsterte Jochen mir plötzlich zu und ich war unsicher, ob ich es ihm wirklich sagen sollte, trotzdem, er musste es erfahren. Die wichtigsten Dinge zumindest. „3 Rippen sind gebrochen, seine ist Leber gequetscht, beide Beine sind gebrochen und er hat schwere Kopfverletzungen..“ Seine Hand bohrte sich ein wenig fester in meine Schulter und ich schluchzte laut, als ich über meine eigenen Worte nachdachte.

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18.08.2010 19:29
#72 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Ich danke euch für die Kommentare, ihr seit klasse (& Ich eine Dramaqueen & schreibe "saßen" falsch, danke Amira )! Weniger klasse geht es jetzt weiter.. ;)

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Nach einer geraumen Zeit löste Jochen sich wieder von mir und sah mich kurz an, dann nuschelte er irgendwas undeutliches, wahrscheinlich wollte er nach Hause fahren. Mittlerweile hatten sich alle wieder im Krankenhaus verteilt, nur Marc stand noch neben mir. Ich wischte mir ein letztes Mal über die Augen und sah ihn dann an. Wir wollten beide gleichzeitig etwas sagen, doch er war schneller und brachte mich zum schweigen. „Hast du jetzt.. Hunger, Hasenzahn?“

Etwas verwirrt drückte er auf den Klingelknopf der Tür und nachdem tatsächlich seine Schwester öffnete, warf er ihr einen erstaunten Blick zu. Sie trug teuren Schmuck, eine große Sonnenbrille und auch der Rest ihrer Klamotten entsprach dem alten Standard. „Frank?“ Fast entsetzt riss sie sich die Brille von den Augen und musterte ihren Bruder. „Was machst du denn hier?“ Er sah sie aus großen Augen an und breitete seine Arme aus, um sie zu umarmen, doch sie gab ihm mit einem angeekelten Blick zu verstehen, dass er sich erst eine Dusche genehmigen durfte, um in den Genuss einer Umarmung zu kommen. „Also, was willst du?“, wiederholte Lissy ihre Frage, jedoch mit einem wesentlich unfreundlicheren Ton. „Ich bräuchte deine Hilfe..“, gestand der ehemalige Millionär und sah seine Schwester flehend an. Seufzend gab sie ihm nach und ließ ihn hinein.

Ich saß neben Marc, Mehdi, Sabine, Günni und Jochen in der Cafeteria, nachdem wir Frau Fisher und meinem Vater in ihren Zimmern besucht hatten. Als Sabine das verschrammte Gesicht ihrer Lieblingsautorin gesehen hatte, war sie in einen erneuten Tränenausbruch geraten und langsam kam mir die Frage, wie Günni das aushalten konnte. Marcs Mutter sah wirklich nicht vorteilhaft aus, dabei war sie noch harmlos davon gekommen. Ihr Genick war leicht angebrochen, ihr rechter Arm war gebrochen, sie hatte einen Rippenbruch und einen leichten instabilen Beckenbruch, der aber nicht weiter gefährlich war. Zudem hatte sie viele Schrammen und 7 Finger gebrochen. Marc schien ziemlich froh über diese milden Umstände, auch wenn er weiter fachlich blieb und Witze über die Fahrweise seiner Mutter machte, als ginge ihn die ganze Sache herzlich wenig an. Wie ich zu meiner Schande bemerken musste, war mir der Gedanke gekommen, dass Marcs Mutter eigentlich an allem Schuld war, also praktisch auch Marc. Ich war kurz unheimlich wütend auf ihn und seine Mutter gewesen, aber ich hatte mir das erfolgreich ausreden können. Vorerst. Im Zimmer meines Vaters waren dann alle um einiges schweigsamer geworden. Ich konnte das Gesicht meines Vaters nicht ansehen, es war voller blutiger Schrammen und seine geschlossenen Augen machten mir schmerzlich bewusst, dass er sie auch auf längere Dauer nicht öffnen würde.
Unsanft wurde ich aus meine Gedanken gerissen, als Mehdi seinen Arm um meine Schulter legte und irgendetwas erzählte. Ich sah ihn kurz an und er lächelte mir fröhlich zu, aber ich konnte sein Lächeln nur schlecht erwidern. Konnte mir nämlich momentan wirklich besseres vorstellen, als hier in der Cafeteria Kuchen zu essen und dabei blöde Witze anhören zu müssen.
Sabine wollte gerade etwas sagen, als sie von einer lauten Stimme unterbrochen wurde, die meinen Namen rief. Verwirrt sahen wir alle auf, worauf wir Elyas entdeckten, der gerade die Cafeteria betreten hatte und auf und zu kam. Marc seufzte genervt auf, während alle anderen ihn fröhlich begrüßten. Er nahm sich einen freien Stuhl und zog ihn zu uns an den Tisch, um sich zwischen Marc und Mehdi zu quetschen. Ich warf ihm einen kurzen Blick zu und traute mich nicht, auch nur ein Wort zu sagen. Hoffentlich würde er mir wenigstens die ganzen Beileidssprüche ersparen, darauf konnte ich im Moment genau so gut wie auf alles andere verzichten – Also auch Schokolade? Oh Gott, es stand ernst um mich!
„Also..“, begann Elyas leise, „auch wenn dein Vater mich bis heute für Hugh Grant hält und nebenbei bemerkt denkt ich wäre schwul-“, Marc räusperte wieder sich leise, „ich mag ihn doch sehr. Ich hoffe, wenn er wieder aufwacht hat er nicht noch mehr Sprüche auf Lager..“ Sabine schniefte laut und lächelte Elyas dankbar an, auch ich war über seine Worte erleichtert, sie waren besser gewesen als all die blöden 'Es tut mir so Leid!' - Sprüche. Aber woher wusste er eigentlich wieder über die Sache bescheid? Ich sah mich kurz in der Cafeteria um und entdeckte Schwester Ingeborg, die mich ansah und mir ein aufmunterndes Lächeln schenkte. Hatte sie-.. Sie hatte. Ich seufzte leise und sah wieder zu Elyas, der sich mit Günni unterhielt. Während Marc weiter aß, hatte Elyas seinen Stuhl zwischen mich und Mehdi geschoben, um mich kurz zu umarmen. „Hast du ihn operiert?“ Ich nickte und wir wurden von Marc unterbrochen, der sich nun zu uns rüberlehnte. „Und mir, ich bin Oberarzt.“ Er deutete auf sein Namensschild und sah Elyas mit einem überheblichen Lächeln an. „Ich erinnere mich an sie Doktor Meier, sie waren der unfreundliche Typ im OP der noch etwas Muskeln in den Armen aufbauen könnte..“, bemerkte er mit einem freundlichen Ton, lehnte sich zu Marc rüber und schlug ihm erneut freundschaftlich auf den Arm, dann sah er wieder zu mir. „Ich bin mir sicher, dass dein Vater-“ „Ich sollte Muskeln aufbauen?“ Genervt drehte ich mich zu meinem Oberarzt um. „Marc, könntest du bitte einfach mal.. den Mund halten? Du solltest wirklich Muskeln aufbauen!“, reagierte ich genervt und drehte mich wieder zu Elyas um. „Also-“, begann Elyas etwas verwirrt und sah mich an, doch im nächsten Moment wurden wir wieder von Marc unterbrochen. „Willst du einen Beweiß, dass ich Muskeln habe, häh?“ Er stand auf und stellte sich vor Elyas. „Ich stehe nicht so drauf, wenn sie sich jetzt ausziehen würden um mir ihr aufgemaltes Sixp-“ Sabine sah erschrocken zu, wie Marc nach Elyas griff. „Sagt mal wie alt seit ihr eigentlich? 5?!“ Ich stand ebenfalls auf und zwängte mich zwischen die Beiden. „Ach komm Gretchen, reg dich nicht auf, ja? Wir können ja auch einfach wann anders noch mal reden, soll ich morgen bei dir vorbei ko-“ „Jetzt grab sie nicht an, okay?!“, herrschte Marc ihn plötzlich an und kassierte einen verwirrten Blick von allen anderen am Tisch. „Marc, was soll-“ „Hasenzahn, halt die Klappe..“, wimmelte er meine Frage wütend aber sichtlich nervös ab. „Warum gehen sie eigentlich so unfreundlich mit ihr um?“, funkte nun Elyas dazwischen, der ruhig geblieben war. Bevor Marc etwas erwidern konnte, meldete sich Mehdi zu Wort. „Ach, die beiden sind wie Feuer und Regen, Jeckyll & Hyde, Venus und Mars..“ Ich warf ihm einen irritierten Blick zu und Marc wurde deutlich wütender, auch wenn Mehdi das wohl irgendwie.. nett gemeint haben musste. „Ja, von verschiedenen Sternen sind wir allerdings..“, murmelte Marc leise und sah Mehdi wütend an. Ich drehte mich nun ebenfalls zu ihm um. „Was?“ „Ja, wir kommen von zwei verschiedenen Sternen! Du kommst nämlich vom Planeten Romantik, wo sie heiraten, Kinder kriegen und durch Schokolade fett werden, und ich komme vom Planeten Scheiß auf Liebe!“

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20.08.2010 19:13
#73 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Weiß noch jemand von euch wer Bärbel ist? Wenn nicht, hier eine kleine Auffrischung eures Gedächtnis.

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Nachdem ich eine Stunde am Bett meines Vater gesessen hatte, ihm die aktuellen Geschehnisse der Welt aus der Zeitung vorgelesen und das Radio angestellt hatte, war mir eingefallen das jemand Mama davon erzählen musste und das ich jetzt alleine mit Jochen zur Gerichtsverhandlung gehen konnte. Super.
Zuhause stellte ich mir dann nicht mehr die Frage, was ich anziehen sollte, denn es war mir ziemlich egal. Ich kam sie besuchen um ihr zu sagen, dass Papa im Koma lag, da musste ich nicht im Kleid vorbeischauen.
Nachdem ich am Gefängnis angekommen war, wusste ich nicht so wirklich, was ich sagen sollte. Würden die mich anpöbeln? War meine Mutter inzwischen zur Zielscheibe der viel stärkeren Mitinsassen geworden? Oder wollte sie mich schon gar nicht mehr sehen?
Ich wurde von einem netten Polizisten (Der mich zu Anfang für eine Kriminelle gehalten hatte) in einen Raum geführt, der durch eine Glasscheibe in der Mitte geteilt war. Auf der anderen Seite entdeckte ich meine Mutter, die mich glücklich ansah. Lächelnd ging ich auf die Glasscheibe zu und setzte mich vor diese. Vor mir war ein kleiner Tisch auf dem ein Hörer lag, durch den ich anscheinend sprechen musste, genau wie meine Mutter, auf deren Seite der Glaswand es ebenfalls so aussah.
Sie setzte sich auf ihren Stuhl und sah mich lächelnd an. Ich musterte sie und musste erstaunt feststellen, dass sie sich ziemlich gut gehalten hatte, wahrscheinlich hatte sie sich zum Führer der Gefängnisbande hochgearbeitet. Ich griff nach dem Telefonhörer und wusste nicht, was ich sagen sollte. 'Hallo Mama, schön, dass man dich unter einem Haufen Verbrechern noch so gut gehalten hast, ach ja – Papa liegt im Koma. Sonst so?' Definitiv keine brauchbare Variante! Schnell griff meine Mutter nach ihrem Hörer und begann, zu sprechen, doch ich konnte nichts verstehen. „Mama? Mama, red mal lauter, ich verstehe-.. Och Mama, du hälst den Hörer falsch rum!“ Etwas genervt sah ich sie an und stellte zufrieden fest, dass sie den Hörer richtig drehte. „So, jetzt aber.. ah ja, ich dachte schon, dass wäre ein Münztelefon.. Margarethe, endlich kommst du mich besuchen!“ Sie lächelte mich wieder überglücklich an und ihr lief eine Träne an der Wange hinunter. „Dein Vater hat mich auch etwas länger nicht mehr besucht-“ „Papa hat dich besucht?“ Ich sahs sie fragend an und sie nickte. „Ja, oft, aber in den letzten Tagen, da war er nicht mehr hier.. Hat irgendwas von einer Reise geredet, aber ich habe gedacht, er fantasiert. Wo ist er denn?“ Nun sah sie mich lächelnd an und ich wusste nicht, wie ich jetzt sagen sollte, was ich sagen wollte. „Er.. Papa.. er liegt im.. äh.. Bett.“ Erster Idiotenpunkt an Gretchen Haase. Na ja, wenigstens war es nicht gelogen. „Um diese Uhrzeit?“ „Ja, er hat gestern Nacht noch.. gegolft.“ Zweiter Punkt! „Golfen? Nachts?“ Meine Mutter schüttelte den Kopf und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. „Dein Vater ist schon ein Wilder! Nachts golfen, da kann auch nur er drauf kommen..“ Sie lachte in den Hörer und ich fühlte mich schlecht, weil ich es nicht über mich brachte, die Wahrheit zu sagen. „Und, wie geht es dir?“ „Wie du siehst lebe ich noch, aber die wollen mir meine Wunschgardinen nicht in die Zelle hängen, dass ist schon eine Frechheit, oder? Dieser Wärter, der-“ „Er liegt im Koma.“ Ich unterbrach sie ja nur ungern, aber länger hielt ich es nicht aus. „Der Wärter?“ Meine Mutter sah mich erst fragend an, dann drehte sie sich im Raum an und deutete auf einen Polizisten, der neben der Tür stand. „Aber der Norbert ist doch hier?“, fügte meine Mutter hinzu und sah mich wieder verwirrt an. „Nicht.. nicht Norbert Mama..“, antwortete ich leise, doch er hatte es anscheinend gehört und lächelte mich augenbrauenwackelnd unter seinem überdimensional großen XXL – Schnauzer an. „Wer dann?“, nuschelte sie leise und drehte sich ebenfalls zu Norbert um. „Papa..“, flüsterte ich zurück und warf einen letzten Seitenblick auf Norbert, der jetzt seine Lippen zu einem Kussmund formte und mir einen Schmatzer zuwarf. Schnell drehte ich mich wieder zu Mama um, die etwas aus der Bahn geworfen schien, jedoch nicht durch Norbert. „Ich dachte, der liegt im Bett?“ „Ja, aber im Krankenhaus..“, gestand ich kleinlaut und machte mich extra klein auf meinem Stuhl. „Franz liegt im Koma?!“ Meine Mutter quietschte unbeschreiblich laut in den Hörer, sodass ich in mir nicht weit genug vom Ohr weghalten konnte. Wir schwiegen uns einige Momente an und meine Mutter legte den Hörer kurz ab, um ein Taschentuch aus ihrer Hosentasche zu kramen, mit dem sie sich über ihre Augen wischte. „Aber was hat er denn gemacht?“, murmelte sie nach einer Weile, mit einem kurzen Blick auf mich. „Er.. er war mit Elke auf dem Weg zum Flughafen, weil er doch eine Reise nach Amerika gewonnen hat und da müssen die beiden.. wohl frontal gegen einen.. Baum gefahren sein.“ Mein Blick wanderte zu Boden und ich wusste nicht, was ich noch sagen sollte. Mir kamen wieder die Tränen und ich hörte meine Mutter in den Hörer schluchzen. Ich wunderte mich kurz darüber, dass meine Mutter keinen Kommentar über Elke Fisher abgab, doch sie war anscheinend mehr damit beschäftigt, nicht wirklich loszuweinen. „Wie stehen seine Chancen?“ Ich biss mir kurz auf die Lippe und wischte mir eine einzelne Träne von der Wange. „Ich denke.. Gut. Er wird es schaffen, Mama..“ Sie lächelte mich nun an und hatte sich mit einem Mal wieder gefasst. „Etwas anderes hätte ich auch nicht von ihm erwartet.“

„Blumen? Du bist echt so einfallslos..“ Lissy sah ihn kopfschüttelnd an und setzte sich ihre teure Sonnenbrille auf. „Wie wäre es mit was besserem, wie Diamanten, einer Kette oder einem Kleid?“ Er warf ihr einen genervten Blick zu und sie grinste ihn frech an. „Ach stimmt ja, bist gar kein Millionär mehr.“ „Nur weil du dir gleich einen reichen Freund geangelt hast, musst du mir nicht ständig mit deiner Gucci Brille vor der Nase rumwedeln Lissy.“, kommentierte Frank ihre Aussage trocken und griff nach ihrem Geldbeutel, der neben den beiden auf einer Kommode lag. „Und jetzt gib mir Geld für eine schönen Strauß..“, fügte er hinzu und griff nach einem 20 € Schein. „Morgen bist du hier raus Frank, klar?“ Sie sah ihn wütend an, griff nach ihrer Tasche und lief an ihm vorbei. „Und jetzt kauf deiner Herzdame die Blumen, wenn sie nicht schon längst einen Andern hat..“ Sie öffnete ihm die Haustür und er lief mit einem nicht weniger wütendem Seitenblick an ihr vorbei.

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27.08.2010 19:52
#74 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Extra Large, schönes Wochenende euch! :)

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Da mein Vater im Koma und die bevorstehende Gerichtsverhandlung aber nicht meine einzigen Probleme waren, sondern auch Marc, der sich ziemlich komisch aufgespielt hatte, war ich zum Entschluss gekommen, ihn anzurufen. Ja, ich würde ihm sagen, was ich dachte. Der würde schon sehen, was er davon hatte, wenn er sich so aufführte.
Wieder zuhause legte ich mich auf mein Bett und kramte nach meinem Handy, um meinen Plan in die Tat umzusetzen. Es tutete einige Male, dann nahm er ab.
M: „Meier?“
I: „Marc?“
M: „Hasenzahn?“
I: „Kann ich mit dir sprechen?“
Es herrschte einen Moment Stille und ihm schien wahrscheinlich einzuleuchten, warum ich mit ihm sprechen wollte.
M: „Warum?“
Oder auch nicht.
I: „Du warst gestern Abend in der Cafeteria so komisch..“
M: „War Wetterbedingt.“
I: „Wetterbedingt?“
M: „Ja, der ganze Regen hat..“
Auf sein Gehirn gedrückt?
„.. mich irgendwie.. Es war einfach scheiß Wetter, klar? Außerdem habe ich Muskeln!“
I: „Jetzt werd nicht wieder vorlaut Marc!“
M: „Hasenzahn, ich habe Muskeln, sehr viele sogar, okay?“
I: „Sicher Marc, sicher.. Morgen reden wir, hm?“
Einer musste hier ja mal eine klare Ansage machen.
M: „Wenn ich gar nicht will?“
Stille. Ja, konnte ich ihn eigentlich zwingen?
I: „Och Marc..“
M: „Bist du beleidigt?“
I: „Ein bisschen schon..“, antwortete ich leise und starrte die Decke an. Warum konnte er nicht einfach ja sagen? Zu allem Überfluss begann er nun, irgendetwas zu essen.
I: „Hör auf zu Essen Marc, dass ist-“
M: „Eigentlich dein Part?“
I: „Marc!“ Er schmatzte lauter in den Hörer und ich seufzte genervt auf.
I: „Du schmatzt!“
M: „Ich? Ich schmatze nicht Hasenzahn.“
I: „Ich höre es doch! Soll ich aufnehmen das du schmatzt?“
M: „Wenn du mich damit später nicht erpressen willst..“
I: „Oh stimmt, du bist ja leicht erpressbar!“
M: „Was soll das heißen?“
I: „Weißt du was? Ich zwinge dich jetzt genau wie Gabi damals. Auf so was gehst du ja immer gerne ein.“
M: „Hasenzahn, ich wurde erpresst, hast du doch eben selber gesagt!“
I: „Ja, aber das war nicht sehr romantisch, wenn du dich so leicht erpressen lässt!“
M: „Es ging mir dabei.. weniger um die Romantik..“
I: „Mir aber.. Du bist echt unsentimental Marc..“
M: „Hasenzahn, ich bin ein Mann, unsentimental ist mein Zweitname.. Also, wann morgen?“
I: „Wir klären das morgen?“
M: „Wolltest du mich damit nicht eben noch erpressen?“
I: „Oh.. stimmt. Im Schwesternzimmer, okay? Und du kommst wirklich?“
M: „Ich habe Angst vor deinen Erpressungsmethoden, ich komme.“, bemerkte er sarkastisch und seufzte leise.
I: „Marc, du bist echt-“
M: „.. der Beste. Ja, ich weiß.“
Im nächsten Moment war ein lautes Tuten in der Leitung zu hören. Ja, er war wirklich der Beste..

Nach dem dritten Frühstück hatte ich mich dann selber aus dem Haus jagen können und war auch mental in der Lage, Marc gegenüber zu treten. Na ja, fast.
Im Krankenhaus angekommen, stattete ich erst meinem Vater einen Besuch ab, stellte das Radio an und las ihm wieder aus der Zeitung vor. Gut, dass er nicht wirklich hörte was ich vorlas, denn wenn er die neusten Aktienkurse erfuhr, war sicher Schluss mit lustig.
Danach fühlte ich mir bereit, um mit Marc zu sprechen, in der Hoffnung, dass unser Gespräch nicht ganz wie das gestern Abend am Telefon verlaufen würde.
Unsicher sah ich mich in Schwesternzimmer um und zu meinem Glück war niemand hier, konnte also ungestört mit Marc reden und ganz nebenbei hatte ich jetzt noch Zeit mich auf ihn einzustellen.
Nach einer Weile öffnete sich die Tür tatsächlich und ich machte es ganz professionell, dass hatte ich mir vorher überlegt. Also stellte ich mich mit dem Rücken zur Tür, sah zu Boden (Um etwas Mitleid von Marc zu bekommen, weil ich doch seine Liebe brauche) und um die Tränen musste ich mich nicht kümmern, ein fieser Spruch was meine Liebe betraf und sie waren da.
Marc wollte gerade etwas sagen, als ich begann zu sprechen. Ich ließ mich jetzt nicht unterbrechen.. „Ich mache es kurz, okay? Also.. ich verzeihe dir alles. Du hast zwar mein Herz gebrochen und dich wirklich ziemlich komisch aufgeführt, aber.. das ist nur halb so schlimm. Und ich hoffe du kannst mir auch verzeihen..?“ Nun richtete ich meinen Blick auf und wollte mich zu Marc umdrehen, um auf seine Antwort zu warten. Ich hörte hinter mir ein Rascheln und im nächsten Moment räusperte Marc sich. „Natürlich nehme ich deine Entschuldigung an, ich.. ich hätte nie erhofft, dass du.. Sternchen, ich liebe dich!“ Ruckartig drehte ich mich um und sah Alexis (Oder Frank) an, der mir einen riesigen Strauß Blumen hinhielt und dahinter schüchtern lächelte. „Du.. was machst.. ich meine.. du bist.. Warum sitzt du nicht.. Bist du ausgebrochen?!“ Schlagartig ging mir ein Licht auf und ich griff nach dem nächstbesten Gegenstand, der sich finden ließ.
So stand ich also meinem Exmann entgegen, mit einer Haarbürste von Sabine in der Hand. Da meine Reaktion anscheinend nicht ganz dem entsprach, was er erwartete, ließ er den Strauß schnell sinken und sah mich geschockt an. „Ich.. Gretchen, was soll das denn?“ Wieder sah Frank mich geschockt an, als ich begann, ihm mit der Bürste eins auszuwischen. „Du.. blöder.. angeblicher.. Millionär.. ich.. will.. dich.. nicht.. mehr.. sehen!“, brachte ich unter meinen Schlägen hervor. Plötzlich griff er nach meinem Arm und hielt mich fest. Den schönen Strauß hatte er mittlerweile fallen gelassen. „Gretchen, jetzt hör mir doch erst mal zu!“, herrschte Frank mich energisch an und er schien etwas wütend. „Lass mich los, ich schreie!“ „Jetzt werd nicht albern, du-“ Und im nächsten Moment schrie ich so laut es ging, womit alle Patienten aus dem Schlaf gerissen sein dürften und mein Rettungskommando anrücken konnte. Tatsächlich wurde die Tür im nächsten Moment von Sabine aufgerissen, die mit einem Teller voller Rühreier ins Schwesternzimmer kam und uns beide geschockt ansah. Hinter ihr tauchte Marc auf, der einen etwas verwirrten Blick in meine Richtung warf. „Rette mich!“, schrie ich in seine Richtung, weshalb er mich ungefähr so musterte, als hätte Sabine ihm gerade seine Liebe gestanden. Alexis, der meinen Arm nicht los ließ, drehte sich nun zu den beiden um und als er Marc erkannte, ließ er meinen Arm kurz los. Noch bevor er etwas sagen konnte, hatte auch Marc ihn erkannt und warf mir einen kurzen Blick zu, griff nach Sabines Teller, die mit weit aufgerissenen Augen in der Tür stand, ging mit einem überheblichen Grinsen auf Frank zu, der etwas verwirrt schien. Und im nächsten Moment hatte Frank das gesamte Rührei im Gesicht und bekam den Teller auf den Kopf gedonnert. Abrupt ließ er meinen Arm los, taumelte einen Moment und kippe um.
Es herrschte einen Moment Stille im Raum, nur das leise Stöhnen von Frank war zu hören. Plötzlich begann Sabine zu hyperventilieren, zu weinen und zu klatschen gleichzeitig, was bei mir-, neben der Tatsache dass Marc Meier meinen Ehemann niedergestreckt hatte, für Verwirrung sorgte.
„Es hat sich wirklich gelohnt zu kommen, Hasenzahn..“ Marc sah mich grinsend an, warf eine letzte Scherbe, die er in der Hand hielt auf den Boden und stieg über den benommenen Frank, der zu Boden lag. Sabine sah Marc verwirrt an und breitete sich in der Tür aus. „Und woher bekomme ich jetzt neues Rührei?“, nuschelte sie unsicher und sah Marc an. Er blieb kurz neben ihr stehen und begann wieder, überheblich zu grinsen, während er Sabine kurz gegen den Kopf tippte. „Gehirnmasse rein in den Mixer, salzen und pfeffern, da haben sie ihr Rührei, Sabine!“ Er ließ die irritierte Sabine alleine zurück, die sich nun zu mir umdrehte. „Woher weiß denn der Doktor Meier wie man Rührei macht?“

Da ich nicht mal ein einfaches Gespräch mit Marc auf die Reihe bekam und stattdessen praktisch Frank die ganze Sache vergeben hatte, sahs ich entsprechend begeistert an seinem Bett und warf wütende Blicke aus dem Fenster in der Hoffnung, gleich würde Marc in den Raum kommen und mir sagen, dass er mich auch ohne große Worte liebte – Was er dann auch tat, also in den Raum kommen. Schnell drehte ich mich zu ihm um und warf einen kurzen Blick auf Frank, der leise stöhnte und noch einiges an Rührei im Gesicht kleben hatte. Als er bemerkte, dass Marc den Raum betreten hatte, richtete er sich erstaunlich kraftvoll auf und sah wütend in die Richtung meines Oberarztes. „Sag mal bist du eigentlich völlig bescheuert, du blöder Arsch?“ Frank deutete wütend auf Marc und rieb sich mit der anderen Hand über seinen schmerzenden Kopf. „Wenn du nicht so erbärmlich wärst, dass du sogar jemanden umbringen musst um an ein bisschen Geld zu kommen, du ehemaliges“, er dehnte das Wort ins schier unendliche hinaus, „T – Aktien Schwein, dann würde ich fast sagen, du hättest das Rührei in deiner Visage verdienst, aber nicht mal das kann ich jetzt behaupten..“, antwortete Marc mit einem nachdenklichen Lächeln, dass ihn wieder ziemlich überheblich wirken ließ. Ich sah ihn etwas erschrocken an, denn Frank hatte seine Hand zu einer Faust geballt und schien mit sich zu kämpfen. Marc blieb unbeeindruckt und drehte sich zu Sabine um, die ich erst jetzt bemerkte. Er gab ihr eine Anweisungen, doch ich konnte nichts verstehen, denn Frank begann wieder leise zu stöhnen und ich war froh, dass er sich noch nicht übergeben hatte. Sabine kam Augenblicke später mit Tropen zurück, anscheinend wollte Marc ihm Beruhigungstropfen geben – Aber auch nur, um ihn endlich für eine Weile vom Hals zu haben, da sie völlig unnötig waren. Frank hatte sich wieder aufgerappelt und sah nun zu Marc, der die Tropfen zufrieden entgegen nahm und es kaum erwarten konnte, seinen „Feind“ ins Reich der Träume zu jagen. „Was ist das?“, nuschelte mein Ex Ehemann mit einem unsicheren Blick. „Das sind Leck mich am Arsch Tropen..“, antwortete Marc laut. „Ich werde diese Tropfen nicht-“ „Sabine? Haben wir noch mehr Rührei?“ Marc drehte sich zur blonden Schwester um, die eifrig nickte. „Ich glaube nicht nur ich hätte Lust, dir mit noch mehr Rührei die Visage zu polieren, hm?“ Wieder lächelte Marc gespielt freundlich und warf einen kurzen Blick in meine Richtung. Ach, jetzt wurde ich da auch noch mit rein gezogen? Frank schnaubte laut und lehnte sich in sein Kissen zurück.

Ich sahs am Bett meines Vaters und hielt seine Hand, doch ich konnte nichts sagen, denn hinter mir am Fenster stand kein geringerer als Marc und starrte meinen Rücken an. Dass er mir gefolgt war, nachdem ich verschwunden war, hatte mich etwas verwundert, doch ich war froh, wenigstens konnten wir jetzt reden. Wenn mal jemand was sagen würde.. Da hatte ich mein Gespräch und was passierte? Nichts.
„Marc, entweder du sagst irgendwas oder ich werfe dich raus, es.. macht mir Angst wenn du meinen Rücken anstarrst..“, murmelte ich nach einer Weile und drehte mich unsicher zu ihm um. Er stand mit einem etwas nachdenklichen Blick am Fenster und schaute tatsächlich in meine Richtung, jedoch eher auf den Boden als auf meinen Rücken. „Hasenzahn, du wolltest mit mir reden..“, antwortete er belustigt und sah mich nun an. Schnell drehte ich mich um und sah meinen Vater an, dessen Gesicht noch immer voller Schrammen war. „Ich wollte dir eigentlich nur sagen, dass.. ich möchte, dass du auf meinen Planeten Liebe umziehst..“, flüsterte ich leise und war im nächsten Moment über meine eigenen Worte überrascht, dass war so gar nicht das gewesen, was ich mir überlegt hatte. Leider hatte ich nicht leise genug gesprochen, denn Marc hatte mich gehört und kam nun zu mir. Erst sah er mich kurz an, dann setzte er sich zu den Füßen meines Vaters auf sein Patientenbett. „Ich glaube, da ist kein Platz mehr..“, antwortete er nach einer Weile und sah mich nachdenklich an. „Marc, der Planet Liebe ist groß genug für alle, wenn du wirklich-“ „Ich meine nicht deinen Planet Liebe Hasenzahn, ich meine-..“ Er sah kurz zu seinen Füßen, dann griff er nach meiner Hand und zog sie in Richtung seiner Brust, doch im nächsten Moment ließ er sie wieder los. „Ich meine hier“, er tippe kurz auf sein Herz, „ist kein Platz.“ Ich sah schnell zu Boden und presste meine Lippen bedrückt zusammen. Aber was hatte ich erwartet? Trotzdem.. „Ich weiß Marc, und deshalb hoffe ich, dass du vielleicht irgendwann Platz machen wirst.“ Er fuhr sich kurz durch die Haare und sah ebenfalls zu Boden. Ohne das er etwas erwidern konnte, stand ich auf und gab meinem Vater einen Kuss auf die Stirn, dann verließ ich den Raum. Ja, ich hoffte er würde irgendwann Platz machen, für mich.

SoulSister Offline

Krankenschwester:


Beiträge: 863

29.08.2010 19:39
#75 RE: Story by SoulSister Zitat · Antworten

Danke für die Kommentare!

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„Sie haben sich ihr Bein gebrochen?“ Ich sah die Patientin, die vor mir im Bett lag, fragend an, ohne wirklich ganz bei der Sache zu sein. Marc war nicht aufgetaucht, nachdem ich ihn angepiepst hatte und sowieso wäre ich jetzt viel lieber bei meinem Vater. Die junge Frau nickte kurz und zuckte mit den Schultern. „Aber mir ist egal, ob sie das wieder hinbekommen.“ „Wollen sie denn nicht, dass die Schmerzen verschwinden? Sie brauchen doch ihr Bein.“, antwortete ich etwas verwirrt. „Ersten ist Gott an meiner Seite und durch ihn vergeht jeder Schmerz“, erwiderte die junge Frau mit einem leichten Lächeln, „und zweitens wurde bei mir vorgestern ein Hirntumor im Endstadium festgestellt, ich habe nur noch ein paar Tage.“ Sie lächelte mich weiterhin freundlich an und ich wusste nicht wirklich, ob ich sie nur so tat, als wäre sie glücklich, oder ob sie gleich anfangen würde zu weinen. „Trotzdem Frau-“ „Nennen sie mich Mona..“ „.. Mona, es wäre besser, wenn wir das Bein behandeln würden. Wenn sie keinen operativen Eingriff wünschen, können wir das Bein auch in Gips legen, dadurch-“ „Tut mir Leid Hasenzahn, ich war.. - Scheiße, was ist dass denn?“, bemerkte Marc, der gerade den Raum betreten hatte, mit einem belustigten Blick auf Mona, die für seinen eingegrenzten Kosmos wohl zu gläubig war. Gut, die unzähligen Ketten mit Kreuzen, die Armbänder mit Bibelversen und die zwei Bibeln neben ihr konnten verwirrend wirken. Sie sah Marc unbeeindruckt an und seufzte leise. „Hasenzahn, so welche schicken wir in die Charité..“, fuhr er mich leise. „Marc, spiel dich nicht so auf, sie braucht eine Operation, aber sie hat einen T..-“ „Halt besser einfach die Klappe, okay?“ „Ich möchte keine Operation, sie können wieder verschwinden.“, meldete sich nun Mona zu Wort. Er schob mich zur Seite und rief nach Sabine, die im nächsten Moment auch den Raum betrat. „Wir machen die OP jetzt gleich, gegibst wird hier nicht, wir sind kein Buschkrankenhaus..“, antwortete er Mona, sich nun in ihrem Bett aufgerichtet hatte. „Durch Gottes Beistand vergehen all meine Schmerzen von alleine, junger Mann, ich brauche keine Operation!“ „Zu ihrer Information, er ist der Gott in diesem Krankenhaus“, funkte ich im Vorbeigehen dazwischen, nicht ohne Marc einen wütenden Blick zuzuwerfen. „Da hat sie ausnahmsweise mal recht, also stellen sie sich nicht so an..“, fügte Marc mit einem süffisanten Grinsen hinzu.

Eine Woche später sahs ich mit Mona, die sich noch immer über die OP beschwerte, in der Cafeteria. Sie war eigentlich ziemlich nett, würde sie nicht in jedem zweiten Satz von Gott reden, womit sie im übrigen nicht Marc meinte. Wir hatten uns Stunden unterhalten und manchmal erschien es mir, als würde ich sie schon ewig kennen. Außerdem lief sie mir nicht selten hinterher und ich bekam nachher von Marc zu hören, dass ich jetzt schon wieder jemanden adoptiert hatte, dabei konnte ich ja kaum was dafür.
„.. und ich kann immer noch nicht verstehen, dass Gott das zugelassen hat! Ich meine, ein Gips, ja, der hätte es auch getan.“ Ich nickte und schob mir das nächste Stückchen Kuchen in den Mund. „Wenn Marc eine Operation in Aussicht hat, stoppt ihn nichts, besonders wo er ihr vorübergehend der Chef ist..“, antwortete ich schmatzend und sah sie nachdenklich an. Es war zwar nie gesagt worden, dass er den Posten jetzt hatte, aber besonders für ihn war es mehr als klar. „Na ja, in diesem Krankenhaus arbeiten bis auf dich ja wirklich nur die aller Schlimmsten, hoffentlich hat Gott Erbarmen! Der alte Chef war bestimmt genau so schlimm.. Hat er den in die Flucht geschlagen?“ „Nein, der liegt im Koma.. und ist nebenbei.. mein Vater“, antwortete ich mit einem schnellen Blick auf Mona, die sich über ihren Fehltritt anscheinend nicht aufregte. „Gott sei mit ihm!“, antwortete sie. „Ach ja, der Doktor Meier, also Marc, wegen dem wollte ich ja auch noch mit dir reden, ansonsten muss ich zu ihm gehen, aber kann es sein das ihr beide-“ „Frau Doktor, ihr Bruder ist da, wollen sie mit ihm sprechen?“ Wir wurden von Sabine unterbrochen, die sich neben mich gestellt hatte und anscheinend etwas außer Atem war. Ich warf einen kurzen Blick zu Mona und nickte eilig. So entkam ich dem Thema auf eine nicht unfreundliche Weiße. „Ich muss gehen, tut mir Leid Mona, wir sehen uns, hm?“ Ich lächelte ihr freundlich zu und sie faltete ihre Hände, schloss die Augen und sprach ein stummes Gebet. „Äh..“ „Segenswünsche für dich, damit du nicht gleich eine Treppe runter fällst.“ Etwas verwirrt griff ich nach meinem Tablett, nickte ihr zu und verschwand mit Sabine aus der Cafeteria. Auf dem Weg hinaus begegneten wir Marc, der sich, wie ich sah, an einen leeren Tisch in die Cafeteria setzte.

„Doktor Meier?“ Die große, blonde Frau die sich vor ihm aufbaute, kam ihm bekannt vor und nach einigen Sekunden wurde ihm klar, dass es Gottes Groupie war.
„Kann ich mich kurz zu ihnen setzen?“ Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und zuckte mit den Schultern. Wenn sie unbedingt wollte. Ohne auf eine weitere Antwort zu warten, griff sie nach einem Stuhl und setzte sich gegenüber. „Ich wollte kurz mit ihnen reden, weil-“ „Hören sie zu, ich bin weder christlich, katholisch, buddhistisch, noch habe ich irgendwas mit-“ „Gretchen Haase.“ „.. zu tun.“, beendete er den Satz, durch Mona unterbrochen, etwas verwirrt. „Was ist mit Hasenzahn?“ „Sie mögen.. Hasenzahn doch, oder?“ Mona lehnte sich ebenfalls in ihrem Stuhl zurück und warf Marc Meier einen herausfordernden Blick zu. „Hatten sie eine Eingebung von Gott oder warum fragen sie-“ „Entweder“, sie lehnte sich zu ihm vor, „sie geben es zu oder ich renne ins Schwesternzimmer und sage es durch den Lautsprecher, klar?“ Sie warf ihm einen eingehenden Blick zu, dann lehnte sie sich wieder zurück und verschränkte die Arme. „Doktor Meier, sie halten mich für eine blöde Christenkuh, die nur Gott kennt und sonst von nichts eine Ahnung hat, aber sie vertuschen Gefühle schlechter als sie denken.. Deshalb-..“ „Ich unterbreche sie ja nur ungern, aber sie haben keine Ahnung..“, bemerkte Marc mit einem süffisanten Lächeln. „Sind wirklich ganz schön blöd oder?“ „Äh..“ „Ist ihnen aufgefallen, dass ihr Blick immer als erstes zu ihr wandert, wenn sie zusammen in einem Raum sind? Dass sie sich Gedanken machen, wie sie diese Frau zu ihrer Frau machen können? Dass es Gründe gibt, sie zu mögen, die nur sie kennen? Das nennt sich Liebe. Wissen sie, was das ist?“ Mona stand auf und sah den sichtlich verwirrten Doktor Meier eindringlich an. „Diese Frau hat es verdient, dass sie endlich erfährt, wessen Herz für sie schlägt und Gnade ihnen Gott, wenn sie mir jetzt nicht versprechen, dass sie es ihr sagen werden!“ Die junge Frau war sichtlich aufgebracht, was Doktor Meier verwirrte. Wer war sie, dass sie herkam und ihm sagen wollte, was er zu tun hatte? Und wer war sie, dass sie verdammt noch mal recht hatte?
Nun richtete auch er sich auf und sah sie kurz an. „Ich glaube, Gott hat ihnen ne Gehirnwäsche verpasst.“ Mit diesen Worten drehte er sich um und verließ die Cafeteria.

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