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Dieses Thema hat 347 Antworten
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 Abgeschlossene Fortsetzungen!
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Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

03.06.2010 12:19
#226 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Nachmittags waren die beiden mit dem Zug wieder in Berlin angekommen. Hier waren sie zwar nicht mehr abgeschirmt von störenden Familienmitgliedern, aber dennoch freuten sie sich auf den Alltag. Sowohl auf ihre private Beziehung, als auch darauf, am OP-Tisch ihre Teamfähigkeit unter Beweis zu stellen. Sie packten ihre Koffer in Marcs Auto, das schon am Bahnhof bereit stand und setzten sich anschließend selbst hinein.
„Erst zu dir und dann zu mir?“, fragte Marc sie beiläufig, der sie am liebsten eigentlich sofort mit zu sich genommen hätte. Da sie aber noch ihren Koffer mit dabei hatte, wäre es vielleicht sinnvoller, wenn sie zuerst einen kleinen Umweg über ihr Zuhause nehmen würden.
„Solange du mitkommst, können wir vorher auch noch zu mir fahren.“, antwortete Gretchen und lehnte sich mit dem Kopf auf Marcs Schulter. Ein Lächeln breitete sich auf seinen Lächeln aus, wie eigentlich immer, wenn er ihre Liebe spürte. Und alleine würde er sie bestimmt nie mehr lassen. Stumm drehte er den Zündschlüssel um und startete den Motor. Gretchen nahm den Kopf wieder von seiner Schulter und lehnte sich gegen ihren Sitz. „Wie geht’s jetzt eigentlich weiter?“
„Erst zu dir und dann zu mir, haben wir doch grad ausgemacht!“, erklärte Marc ihr grinsend auf ihre Frage und wandte dafür kurz seinen Blick von der Straße auf seine Beifahrerin und legte ihr seine Hand auf ihren Oberschenkel und scheute sich dabei auch nicht, relativ weit oben anzusetzen. Jetzt durfte sie ja schließlich auch merken, worauf er hinauswollte. Bei ihrem ersten Versuch waren sie ja schließlich noch nicht einmal dazu gekommen, die Monate aufzuholen, die sie unnötigerweise noch nicht zusammen waren, obwohl sie es doch beiden gewollt hatten. Das musste nun alles noch abgearbeitet werden.
„Ich meinte ja eher, wie das mit uns weitergeht. Also wie wir’s im Krankenhaus auch sagen.“, sagte Gretchen und schob Marcs Hand ein Stück weiter in Richtung ihrer Knie, hielt sie aber auch noch umklammert. Denn auch so simple Körperkontakte wie Händchenhalten standen noch im Minus und galten nachgeholt zu werden.
„Naja, ich würd sagen, wir gehen einfach wieder in mein Büro. Dann hört bestimmt jeder, dass da wieder was geht!“
„Ganz abgesehen davon, dass ich es nie mehr mit dir in deinem Büro… naja, du weißt schon…“ Schon allein der Gedanke an das letzte Mal trieb Gretchen die Schamesröte ins Gesicht und sie sank in ihrem Sitz etwas tiefer. „Das war der peinlichste Moment meines Lebens…“
„Gut, vielleicht sollten wir nächstes Mal das Abschließen nicht vergessen.“
„Nein! Außerdem will ich nicht, dass alle denken, ich wäre dein Betthäschen.“
„Bist ja mehr mein Betthaase.“
„Wahnsinns Wortwitz!“, kommentierte Gretchen seinen Einwurf nur sarkastisch und widmete sich dann wieder dem ursprünglichen Thema, ihrer Beziehungsfrage. Irgendwer musste sich darüber ja Gedanken machen und Marc wollte das anscheinend lieber nicht sein. „Aber ich würde das jetzt wirklich gerne klären.“
„Ja, keine Ahnung, wie wir das machen. Du bist hier doch die Expertin!“, gab Marc die Verantwortung weiter, hatte dann aber doch einen Einwand zu machen. „Aber eigentlich geht das die ganzen Schnarchnasen sowieso nichts an!“ Es war ihr gemeinsames Glück. Außerdem konnte ihre Liebe doch sowieso niemand verstehen. Im Krankenhaus hatte er doch seinen Ruf weg und der passte ganz und gar nicht zu Gretchens romantischer Ader. Dass sie aber dennoch zusammenpassten, war wohl nicht jedem klar.
„Ja, aber ich will, dass jeder weiß, wie glücklich ich bin!“ Und dass sie das wirklich war, zeigte sie mit einem fröhlichen Strahlen, das wirklich von ganzem Herzen kam. Sie war einfach glücklich und strahlte das mit ihrem ganzen Körper aus und auch Marc konnte sich dieser Magie nicht entziehen und musste ebenfalls lächeln.
„Dann sagen wir’s einfach Sabine. Verbreitet sich dann doch wie ein Lauffeuer.“

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Verena1991 Offline

Frauenversteher:

Beiträge: 4.598

04.06.2010 03:05
#227 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Minuten später kamen sie vor Gretchens Elternhaus an und Gretchen stellte sich wie selbstverständlich neben den Kofferraum und wartete, dass Marc die beiden schweren Gepäckstücke raushieven würde. Doch der sah sie nur genauso erwartungsvoll an und wartete darauf, dass sie diese Aufgabe erledigen würde. Ihre Koffer, ihre Aufgabe. Das war zumindest sein Eindruck von der Sachlage, doch nur zu gut konnte er ihr ablesen, dass sie das anders sah. Er stöhnte schon genervt aus und wollte gentlemanlike ihr Gepäck rausholen, als die Tür der haasschen Villa geöffnet wurde und ein erzürnter Franz auf sie zustürmte.
„Kälbchen, du kommst bitte sofort ins Haus!“, stellte er schnell klar und ging dann selbst zum Auto und holte die beiden Koffer seiner Tochter raus. Er wollte schon zurückgehen, doch als er bemerkte, dass Gretchen stur am Platz blieb, wandte er sich ihr doch zu. „Kommst du dann jetzt?“
„Seit wann wohnst du hier eigentlich wieder? Habt ihr euch endlich wieder vertragen?“, fragte Gretchen mit einem glücklichen Lächeln nach. Ihre Eltern gehörten einfach doch zusammen. Und auch sie hatte endlich einen Mann gefunden, mit dem sie ewig so eine Beziehung führen wollte.
„Und du mit dem Meier? Geschworen hat er mir, dass er dir nicht mehr weh tun wird und trotzdem hat er es getan!“
„Ja, Papa, ich weiß. Aber das ist eben Marc und er ist ja auch noch manchmal ein Idiot…“, erklärte Gretchen und wurde an dieser Stelle mit einem entsetzten „Bitte?“ von Marc unterbrochen, der sie mit einem etwas dümmlichen verständlichen Ausdruck ansah. Gretchen nickte nur kurz entschuldigend zu ihrem Vater, um ihrem Freund klarzumachen, dass sie ihn gerade verteidigen wollte. Dass er dennoch ein Idiot war, würde sie ihm später vielleicht besser nicht so direkt sagen.
„Na, und wie er das ist! Gretchen, wie oft soll ich dir noch sagen, dass du dich von diesen Ärzten fernhalten sollst?“
„Ich bin selber Ärztin. Da sollte es etwas schwer für mich werden, mich fernzuhalten.“, teilte Gretchen ihrem Vater ironisch mit. Seine Sorge war ja nun auch wirklich unbegründet. Zumindest in dem Maße, das der Professor an den Tag legte.
„Du weißt doch, wie ich das meine! Keine Ärzte in deinem Privatleben!“
„Und was ist dann bitte mit dir? Du bist auch Arzt, wenn ich mich richtig erinnere.“
„Außer deinem Vater natürlich! Und jetzt komm endlich mit. Deine Mutter und ich haben ein ernstes Wörtchen mit dir zu reden!“, wollte Franz die Diskussion auf offenen Straßen beenden und wandte sie für ein letztes Wort nur noch an Marc. „Sie können dann ja wieder fahren!“
„Äh, eigentlich wollten wir ja gleich noch zu mir fahren…“, erwiderte Marc und kassierte dafür auch gleich einen ‚Das hättest du besser nicht gesagt’-Blick. Ihr Vater war ja so auch schon nicht gut auf Marc und dessen bestehende Beziehung zu Gretchen zu sprechen.
„Um die Dienstpläne durchzugehen…“, log Gretchen dann schnell und lachte kurz gekünstelt auf. „und die Akten… und das alles… Ist ja genug liegengeblieben!“
„Dienstpläne…“ Der Professor schnaubte nur verächtlich auf. Niemals im Leben würden die beiden medizinische Arbeit machen. Und als Vater war es wohl seine Aufgabe, seine Tochter zu beschützen. „Das lässt sich auch später erledigen.“
„Du kannst mir trotzdem nicht verbieten, dass ich noch mit zu Marc fahre.“ Der Professor war alles andere als erfreut darüber, aber er musste seiner Tochter Recht geben. Sie war eben doch schon erwachsen und traf ihre eigenen Entscheidungen, auch wenn er sich das nur schwer eingestehen konnte.
„Gut. Aber ihr seid beide heute Abend zum Essen eingeladen!“
„Aber Papa…“
„Keine Widerrede! Ihr kommt und damit ist das Thema beendet!“

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Verena1991 Offline

Frauenversteher:

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05.06.2010 03:34
#228 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Gretchen suchte sich ein paar Sachen aus, die sie mit in Marcs Wohnung nehmen würde. Ihr Freund wiederum konnte es hingegen gar nicht abwarten, bis sie endlich wegkamen. Zum einem mochte das natürlich daran liegen, dass er seine Freundin gerne wieder in seine Arme und mehr nehmen würde und zum anderen lag es daran, dass er stets einen strengen Blick von seinem Schwiegervater in spe im Rücken spürte. Und der begleitete sie auch so lange, bis er das Auto seines besten Oberarztes vom Fenster aus nicht mehr sehen konnte. Bärbel stellte sich zu ihrem Mann und legte ihm tröstend eine Hand auf die Schulter.
„Sie muss selbst rausfinden, ob er der Richtige ist.“, versuchte Bärbel ihm zu erklären, auch wenn sie selbst nicht richtig damit einverstanden war. Aber was sollte sie daran ändern, dass ihre Tochter sich schon vor vielen Jahren in den Kopf gesetzt hatte, dass Marc Meier der Mann ihres Lebens sein sollte? Und das obwohl der ihr immer wieder neue Tränen beschert hatte, kaum, dass die alten getrocknet waren.
„Wenn er nicht so ein verdammt talentierter Chirurg wäre, hätte ich ihm seine Hände schon längst abgeschnitten!“
„Ich mag diesen Meier ja auch nicht. Peter hat doch viel besser zu ihr gepasst. Oder dieser Doktor Laan.“
„Kaan.“, korrigierte Franz seine Frau, die daraufhin nur eine kurze Handbewegung machte und unbeirrt weitersprach.
„Ja, der auch! Mit denen hätte sie Kinder bekommen können und heiraten.“, träumte Bärbel vor sich hin, während Franz nur verächtlich aufschnaubte. Am besten sollte sein Kälbchen überhaupt keine Kinder bekommen. Am Ende waren ihre Männer ja nun doch immer eine Niete.
„Bei dem Meier kann das ja auch nicht mehr lange dauern, wenn er einfach nicht seine Pfoten bei sich behalten kann! Der hatte doch ohnehin schon mehr Glück als Verstand bei seinen ganzen Frauenbekanntschaften!“
„Meinst du?“, fragte Bärbel skeptisch und strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr. „Aber der ist doch kein Umgang für Kinder! Genauso wenig wie seine Mutter, dieses… du weißt schon!“
„Warten wir einfach erstmal das Essen heute ab. Wenn sich der Meier gut macht, können wir den beiden ja vielleicht eine Chance geben. Aber auch nur unter meiner Aufsicht!“

„So, dann hab ich jetzt offiziell eine Schublade bei dir!“, stellte Gretchen mit einem glücklichen Lächeln fest, nachdem sie die paar Sachen eingeräumt hatte, die sie mitgenommen hatte. Sie stützte sich mit den Händen auf der Kommode ab und blickte zu Marc, der gerade dabei war, seine eigenen Sachen auszupacken. „Du weißt schon, was das bedeutet?“ Bei ihrer Frage ließ Marc von seiner Arbeit ab und schritt auf Gretchen zu. Er legte seine Arme um ihren Körper und sie stütze ihre auf seinen Schultern ab und kreuzte sie hinter seinem Nacken.
„Mhm.“, murrte er kurz, bevor sich ein unverkennbares Grinsen auf sein Gesicht schlich. „Wir können die Zeit, in der du neue Klamotten holen müsstest auch anders nutzen! Und ich würde vorschlagen, dass wir gleich damit anfangen!“ Und da hatte er seine Lippen auch schon auf ihre gelegt. Sanft küssten sie sich und wieder wurde ihnen das Glück bewusst, dass sie hatten. Was gab es Schöneres als die große Liebe in den Armen zu halten und eine solche Wärme und Geborgenheit dabei zu spüren?
„Du weißt aber schon, dass wir später noch wohin müssen?“, fragte sie ihn, nachdem sie vorsichtig den Kuss gelöst hatte, den restlichen Körperkontakt jedoch nicht abbrechen wollte.
„Später. Aber bis dahin haben wir ja noch Zeit!“, erkannte er ganz richtig und machte sich auf sofort wieder daran, diese Zeit optimal zu nutzen. Er hob Gretchens Beine an, sodass sie kurz erschrocken auflachte und ihre Beine um seine Taille schlang. So torkelten sie gemeinsam die paar Schritte zum Bett, auf das sie sich gemeinsam lachend fallen ließen. Doch eben dieses Lachen unterbrachen sie dann doch lieber mit einem innigen, zärtlichen Kuss.

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Verena1991 Offline

Frauenversteher:

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05.06.2010 21:11
#229 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Nicht nur Gretchen und Marc waren heute zu einem Familienabend eingeladen, sondern auch Gabi. Doch die plante nicht, dass sie diese Einladung annehmen würde. Mit Kalles Familie hatte sie nun wirklich nichts zu tun. Zumindest nicht mehr. Also hatte sie wirklich besseres zu tun als sich den Abend mit diesen Leuten zu verderben. Sie war eine junge, attraktive Frau und es wäre doch gelacht, wenn sie nicht ein bisschen Spaß haben konnte. Sie betrat eine Bar und spürte sofort einige Blicke auf ihrem Körper. Es war schön zu wissen, dass sie scheinbar noch immer großen Eindruck auf die Männer machen konnte. Sie hatte sich kaum erst auf einen Barhocker gesetzt, da kam auch schon der erste Interessent vorbei, um sie anzusprechen und schlecht sah der auch nicht aus. Wer brauchte schon Kalle? So war das Leben doch viel schöner.

Bärbel hatte ein wundervolles Mahl zubereitet, für das sie Franz extra noch einmal in die Stadt schicken musste. Immerhin war es seine Idee gewesen, seine Tochter mit ihrem Freund so kurzfristig einzuladen und so hatte sie ihm keine Möglichkeit zur Beschwerde gegeben. Denn wenn sich Besuch angekündigt hatte, musste, davon war Bärbel überzeugt, ein ordentliches Essen auf den Tisch kommen. Das würde auch noch Gretchen lernen. Am besten würde Bärbel ihrer Tochter so bald wie möglich zeigen, wie man einen Haushalt richtig zu leiten hatte. Vielleicht sollte sie das Thema schon heute vorsichtig anschneiden. Bärbel geriet schon in Gefahr, mit ihren Gedanken zu weit abzuschweifen, als sie von der Türklingel aufgeschreckt wurde.
„Franz, machst du mal auf? Ich muss mich noch eben um den Pudding kümmern!“, rief sie ihrem Mann zu, der ungeduldig im Wohnzimmer saß und versuchte sich an einige Entspannungstipps von Elke zu erinnern. Zu irgendetwas musste es doch gut sein, dass sie ihm immer die innere Ruhe gepredigt hatte. Doch sobald er daran dachte, dass ihre Brut sein Kälbchen verletzt hatte, war an Entspannung nicht mehr zu denken. Dennoch stand er auf und versuchte so freundlich wie möglich die Tür zu öffnen.
„Hallo, mein Kälbchen!“ Zumindest die Begrüßung seiner Tochter fiel ihm einfach und noch vermiet es der Professor tunlichst, Marc auch nur mit einem Blick zu würdigen.
„Hallo Papa!“
„Guten Abend, Herr Professor!“, begrüßte Marc seinen Chef und nun ließ es sich für diesen vermeiden, dass er den Gast ansehen musste. Doch es war ein drohender Blick, den Franz Haase dem ‚Eindringling’ zuwarf und am liebsten wäre Marc sofort abgehauen. Das fiel auch Gretchen auf, die ihren Freund vorsichtshalber gleich an der Hand packte und ihn mit ins Haus zog. Franz beobachtete jeden Schritt mit Argusaugen, was in Marc wieder Fluchtgedanken auslöste. Vielleicht sollte er sich einfach selbst anpiepen und dann vorgeben, dass er ganz schnell ins Krankenhaus musste. Ja, so würde er das am besten machen.
„Papa, geh schon mal vor, wir kommen gleich nach!“, wies Gretchen ihren Vater an, der ihrer Bitte, wenn auch widerwillig, nachgab. Anschließend konnte sich Gretchen Marc widmen und richtete ihm dabei auch noch schnell seinen Hemdkragen. „Mach dir mal nicht zu viele Gedanken! Es ist nur ein Abendessen.“
„Nur? Der würde mich doch am liebsten töten und als Abendessen sehen!“
„Ach, Quatsch! Der will dich höchstens auf deine Ehrlichkeit testen. Dabei sollte ja eigentlich nichts schiefgehen, hm?“, ermutigte Gretchen ihren Freund und strich abschließend noch sein Hemd glatt. Zufrieden sah sie ihn an, konnte aber nichts von ihrer guten Laune abgeben. „Marc, es ist nur ein Essen! Sei mal nicht so ein Feigling!“
„Ich bin gar kein Feigling!“
„Ja, dann komm jetzt endlich!“, wies Gretchen ihn noch an und ging ihm dann voraus Richtung Esstisch.

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Verena1991 Offline

Frauenversteher:

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06.06.2010 14:50
#230 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Zusammen saßen später alle an dem Esstisch und eine unangenehme Stille lag in der Luft. Für Marc war nicht daran zu denken, das Essen genießen zu können, spürte er doch stets den stechenden Blick des Professors auf sich ruhen. Sagen würde der junge Chirurg nun unter keinen Umständen etwas und auch Franz war viel zu sehr damit beschäftigt, dem Freund seiner Tochter gehörigen Respekt einzuflößen. Und Gretchen hatte schlichtweg keine Ahnung, was sie sagen sollte, sodass es am Ende Bärbel war, die als erstes das Wort ergriff.
„Und wie war es denn auf dem Seminar? Habt ihr viel dazugelernt?“
„Ja, also… war auf alle Fälle sehr informativ.“, antwortete Gretchen noch unsicher und ließ ihren Blick immer wieder zu ihrem Vater wandern, um sich zu vergewissern, dass dieser noch immer schräg gegenüber von Marc saß und niemandem an die Gurgel gesprungen war.
„Und was sind Ihre nächsten Pläne, Meier?“, fragte Franz anschließend mit betonter Ruhe in der Stimme und fuhr dann auch schon fort, ehe der Angesprochene sich eine Antwort zurechtlegen konnte. „Wollen Sie beruflich noch weiter aufsteigen? Immerhin wollen Sie doch bestimmt gut eine Familie ernähren können.“ Vor Schreck hätte sich Marc fast an seinem Essen verschluckt und hustete ein paar Mal schwerfällig, um sich wieder zu beruhigen. Auch für Gretchen war die Sachlage gerade sehr unangenehm. Sie wollte Marc wirklich zu nichts drängen, aber nun schien ihr Vater ja liebend gerne diese Rolle zu übernehmen, auch wenn sonst lieber Bärbel Gretchens Familienplanung am Herzen lag. Doch nun wollte scheinbar Franz den Freund seiner Tochter ganz genau prüfen. Da hätte sie sogar Verständnis, wenn Marc nun schreiend das Weite suchen würde. Aber noch saß er mehr oder weniger ruhig neben ihr und konnte so langsam wieder normal durchatmen.
„Fa…milie?“, stotterte Marc und hatte schwer zu schlucken. Was sollte er darauf antworten, wenn ihm der Professor so die Pistole auf die Brust setzte? Er wollte dem Professor keinen Grund zu einem Mord liefern, aber was dafür die richtige Antwort war, vermochte der Chirurg nicht zu sagen. Oder es war eine Fangfrage und alles, was er jetzt antworten könnte, wäre die falsche Möglichkeit. Gretchen wollte ihren Freund irgendwie aus seiner Situation befreien und räusperte sich, bevor sie nun zum Sprechen ansetzte.
„Also, Papa… Darüber haben wir ja jetzt auch noch nicht so nachgedacht…“ Ich weiß nur schon, dass ich mindestens drei Kinder mit Marc will, aber das binde ich ihnen jetzt besser nicht auf die Nase. „Außerdem will ich ja sowieso noch arbeiten und meinen Facharzt machen. Danach können wir uns darüber ja noch immer Gedanken machen.“
„Ja, und… beruflich aufsteigen will ich sowieso auch noch. Dann könnte man bestimmt auch eine Dings… hier… äh… also eine… Familie… ernähren.“, begann Marc erneut das Stottern, welches auch Edmund Stoiber nicht besser hätte machen können. Doch auch wenn die Worte zaghaft gekommen waren, ließen sie ihn Gretchen doch ein angenehmes Kribbeln aufsteigen. Schon allein die Vorstellung, dass sie tatsächlich mal eine Familie mit Marc haben würde, trieb ihr ein Lächeln aufs Gesicht. Sie hoffte nur wirklich, dass ihr Freund diese Worte nicht nur gesagt hatte, um ihren Vater zu besänftigen, sondern er es auch wirklich ehrlich meinte. Aber das könnten sie später irgendwann klären. Der Professor schien sogar halbwegs zufrieden mit der Antwort und ließ sich zu einem leichten Lächeln hinreißen. Vielleicht konnte der Meier ja doch der Richtige für sein Kälbchen sein. Aber ganz so leicht würde sich der Professor doch nicht überzeugen lassen.

Gabi tanzte in dem Club ausgelassen mit einen jungen, attraktivem Mann und war auch davon überzeugt, dass der Abend noch sehr vielversprechend werden würde. Früher war sie ja auch keine Kostverächterin gewesen und hatte sie gerne genommen, was ihr vor die Linsen gekommen war. Erst als sie sich in einen gewissen Marc Meier verliebt hatte, wollte sie mehr als nur Sex. Sie wollte eine Familie. Und sie war kurz davor gewesen, diese auch zu bekommen. Zwar nicht mit Marc, dafür aber mit einem Mann, der sie liebte. Womöglich war er auch der einzige Mann gewesen, der sie jemals wirklich geliebt hatte. Der Kerl, mit dem sie gerade antanzte, sah vielleicht besser aus als Kalle, aber er würde bestimmt schon am nächsten Morgen ihren Namen vergessen haben.
„Was ist denn los?“, fragte sie der Mann, als sie aufgehört hatte zu tanzen, und legte dabei provokant seine Hand auf ihren Hintern. Und das ging Gabi zu weit. Es tat einen lauten Knall, als ihre Hand gegen seine Wange klatschte und er vor Schmerz kurz aufschrie.
„Lass mich einfach in Ruhe!“, riet sie ihm noch und verschwand schnell aus dem Club.

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Verena1991 Offline

Frauenversteher:

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07.06.2010 18:48
#231 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Als entspannt konnte man die Atmosphäre im Hause Haase zwar nicht einstufen, aber es lag auch keine Mordlust mehr in der Luft. Gegen 10 Uhr wollten sich Gretchen und Marc verabschieden, doch als sie das kundtaten, trug Franz nun seinen Einwand vor.
„Wollt ihr jetzt noch fahren? Es ist doch schon spät.“ Für Kinder vielleicht. Aber Marc und ich haben die 30 ja nun auch schon überschritten. Außerdem halte ich es für eine ganz schlechte Idee, wenn wir noch weiter hierbleiben.
Der Meinung war auch Marc, der es kategorisch ausschloss, dass er die Nacht hier verbringen würde. Denn noch würde er nichts darauf verwetten, dass der Professor sich mit einem Messer nachts nicht doch über ihn beugen würde. Und das, obwohl das verliebte Paar den Abend lang immer wieder beteuert hatte, dass die Probleme aus der Welt geschafft worden waren und jetzt wirklich alles wieder in Ordnung war. Nur ob der Professor dem Ganzen auch traute, war fraglich.
„Na, so spät ist es ja auch noch nicht.“, widersprach Marc schnell Franz’ Vorschlag, doch so leicht gab es für die beiden kein Entrinnen.
„Aber Sie haben ja nun doch auch etwas getrunken. Da kommt es überhaupt nicht in Frage, dass Sie noch fahren!“ Mit einem Mal bereute der junge Chirurg, dass er auch nur einen Schluck getrunken hatte. Zwar nicht so viel, dass er nicht noch gut und leicht fahren könnte, aber das Argument würde Franz nicht durchgehen lassen, da war sich Marc mittlerweile sicher. Aber nicht so sicher, dass er es nicht wenigstens versuchen würde.
„Die paar Gläser Wein werden uns schon nicht in den Graben bringen.“, erklärte er optimistisch und legte den Arm um Gretchen, damit hier auch niemand dachte, dass er ohne seine Freundin fahren würde. Und für sie war er sogar extra vorsichtig hinter dem Steuer.
„Meier, Sie sind doch selber Arzt und wissen, dass mit Alkohol nicht zu spaßen ist!“
„Gut, dann ruf ich uns eben ein Taxi.“, suchte Marc weiter nach Ausflüchten, wurde sich aber immer sicherer, dass er aus der Nummer nicht so leicht rauskommen würde. Und damit sollte er Recht behalten.
„Das ist doch viel zu umständlich. Jochen ist heute Abend sowieso nicht da, da können Sie ruhig in seinem Zimmer schlafen.“, erklärte der Professor ruhig und ließ Gretchen und Marc nicht schlecht staunen, wie ernst es ihm war. Und dann sollten die beiden die Nacht noch getrennt verbringen? So sehr Gretchen ihren Vater auch liebte und Marc seinen Chef respektierte, war das ein Wunsch, den sie Franz nicht erfüllen wollten.
„Papa, Marc kann doch bei mir…“, wollte Gretchen vorschlagen, doch Franz unterbrach sie auch schon und rief Bärbel in der Küche etwas zu.
„Butterböhnchen? Würdest du dem Meier Jochens Zimmer zurecht machen? Der Meier wird heute hier schlafen!“ Anschließend wandte er sich wieder den jungen Ärzten zu und lächelte sie zufrieden an. Gretchen und Marc warfen sich nur einen hilfesuchenden Blick zu und konnten dem Vorschlag des Professors am Ende nur zustimmen.
„Okay, Papa. Aber das Zimmer können wir auch zusammen herrichten.“ Zusammen schlichen sich Gretchen und Marc nach oben, wo sie so wenigstens noch etwas Zeit zusammen verbringen würden. Doch Franz blieb nicht lange allein und Bärbel gesellte sich mit einem fragenden Blick neben ihn.
„Warum soll der Meier denn in Jochens Zimmer schlafen?“
„Charakterprüfung, Butterböhnchen. Wenn der Meier Anstand hat, lässt er wenigstens unter meinem Dach die Finger von unserer Tochter!“, erklärte er ihr seinen Plan, den Bärbel skeptisch zur Kenntnis nahm. Aber da sie an Franz’ Einstellung nichts bewirken könnte, sparte sie sich jede Worte und ging lieber zurück in die Küche, um das Geschirr weiter zu spülen.

Gabi Kragenow wusste nicht genau, warum sie hier war, aber sie stand tatsächlich vor dem Haus von Kalles Eltern. Er hatte ihr die Adresse über eine SMS mitgeteilt und bis zuletzt gehofft, dass sie noch kommen würde. Ursprünglich hatte sie das wirklich nicht vor, aber jetzt war sie nun mal hier. Unsicher klingelte sie an der Tür des kleinen Hauses und wartete, bis ihr geöffnet wurde. Sie lächelte leicht, als eine ältere, nett aussehende Frau ihr die Tür öffnete und sie freundlich begrüßte.
„Hallo, ich bin Gabi Kragenow.“, stellte sich auch die Krankenschwester vor und ein Strahlen breitete sich auf dem Gesicht der Gastgeberin aus, das Gabi zu ermutigen wusste. Und ehe sich die junge Frau versah, wurde sie auch schon von zwei Armen umschlungen und an sich gedrückt. Überrumpelt von dieser Begrüßung stand Gabi nur steif da, bis ihr Körper wieder freigegeben wurde.
„Ach, ich freu mich so, dass Sie doch noch vorbeigekommen sind. Kalle hat ja schon gesagt, dass sie vielleicht kommen und jetzt darf ich sie endlich mal persönlich kennenlernen. Kommen Sie doch rein!“, wies sie freundlich an und Gabi trat an ihr vorbei in das Haus. So freundlich war sie noch nie aufgenommen worden und sie wurde sich immer sicherer, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatte, als sie hierher gekommen war.

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Verena1991 Offline

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08.06.2010 16:40
#232 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

„Ich möchte ja gar nicht wissen, was dein Vater mit mir gemacht hätte, wenn er von unsrer Trennung erfahren hätte, als wir auch wirklich noch getrennt waren.“, überlegte Marc, während er dabei zusah, wie Gretchen grobflächig Jochens durchstrukturiertes Chaos durcheinanderbrachte, um es für Marc bewohnbar zu machen.
„Wahrscheinlich hätte er dich umgebracht.“, antwortete sie nur abwesend, während sie eine einzelne schon verwesende Socke von Jochen angewidert ein paar Meter weiter in die nächste Ecke pfefferte.
„Freddy Kruegers Methoden wären gegen den Mord wahrscheinlich lächerlich.“, philosophierte Marc vor sich hin und lehnte sich noch immer lässig gegen die Tür, während er Gretchen beim Aufräumen beobachtete.
„Wer?“, fragte sie noch immer nur halb anwesend und versuchte weiter für Ordnung zu sorgen.
„Egal.“, winkte er das Thema ab und kam nun von hinten ein paar Schritte auf sie zu bis er direkt hinter ihr stand und schlang die Arme um sie, als sie sich gerade wieder von ihrer Putzaktion erhoben hatte. „Warum räumst du hier überhaupt auf?“
„Äh… Damit du nicht in diesem Drecksloch schlafen musst?“, antwortete sie ihm verwundert über die Frage. Keiner möchte freiwillig in Jochen Haases als Müllkippe getarntes Zimmer schlafen.
„Wer sagt denn, dass ich das tun werde?“
„Naja, ich könnte hier auch nicht schlafen. Ich glaube, die Pizza da lebt schon!“, stellte sie angewidert fest und es schüttelte sie leicht. Umso verwunderter stellte sie fest, dass Marc gerade ganz anderen Gedankengängen nachging und mit der Hand ihren Bauch hochfuhr und schließlich auf ihrer Brust zum Liegen kam, nachdem er sich mit der Hand den Weg unter ihr Oberteil gesucht und gefunden hatte.
„Ich dachte, ich schlaf bei dir!“ Entspannt wollte sich die Blondine ganz gegen ihn lehnen und seine Berührungen genießen, als sie über seine Worte nachdachte und sich aus seinen Fängen befreite, um sich mit dem Gesicht zu ihm zu drehen.
„Bist du lebensmüde? Du hast doch gesehen, wie mein Vater auf dich zu sprechen ist! Wenn der jetzt mitbekommt, wie wir… Du weißt schon!“
„Der weiß doch eh, dass wir miteinander vögeln! Ist doch scheißegal, wo wir das tun!“, verteidigte Marc seinen Vorschlag und schlang wieder seine Arme um Gretchen, um sie ganz nah an sich zu drücken. Und mitten in der Nacht würde er sie noch näher bei sich haben, da war er sich sicher. Alles andere würde er auch gar nicht zulassen. Er war einfach zu verrückt nach seinem Hasenzahn.
„Ja, aber…“
„Sag bloß, du hast noch nie davon geträumt, dass ich mich nachts in dein Zimmer schleiche?“, provozierte Marc sie weiter und traf damit genau ins Schwarze. Es hatte sogar mal eine Zeit gegeben, in der Gretchen selbst im tiefsten Winter das Fenster offen gelassen hatte, damit Marc jederzeit zu ihr hineinklettern konnte. Aber natürlich war er nie gekommen und sie hatte das Fenster doch geschlossen. Dafür hatte sie danach immer die Ohren gespitzt, ob nicht zufälligerweise jemand mit kleinen Steinchen gegen ihr Fenster schlagen würde. Aber auch das war natürlich nie passiert. Dafür hatte sie Marc ja jetzt bei sich und war nicht mehr auf so etwas angewiesen. „Schrei einfach bisschen leiser, wenn du kommst! Ich weiß ja, ich bin gut, aber das müssen deine Eltern ja nicht unbedingt mitbekommen.“, lachte Marc und Gretchen befreite sich wieder aus seinem Griff.
„Ich bin gar nicht laut!“
„Doch und wie! Aber gefällt mir!“ Exponential zu Marcs Lachen wuchs die Röte in Gretchens Gesicht und sie stand verlegen in dem Raum und wusste nicht, was sie darauf noch antworten sollte. Marc kam erneut auf sie zu und schenkte er ein liebevolles Lächeln, ehe er wieder die Arme um sie legte. „Ich komm dann zu dir, sobald dein alter Herr eingeschlafen ist, Hasenzahn!“, versprach er ihr und auch Gretchen schlang nun ihre Arme ganz dicht um Marcs Körper. Sie wollte ihren Freund die Nacht über auch unbedingt bei sich haben. Egal, ob ihr Vater das guthieß oder nicht.

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Verena1991 Offline

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08.06.2010 21:35
#233 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Gegen Mitternacht war der Moment dann gekommen. Vorsichtig und so leise wie möglich öffnete Marc die Tür von Jochens Zimmer und schlich rüber zu Gretchens kleinem Reich, das er ebenso schleichend betrat. Als Gretchen ihren Besuch bemerkte, legte sie ihr Buch, das sie eben noch gelesen hatte, auf ihren Pferdekopfnachttisch und lächelte ihren Freund voller Freude an. Was hatte der Mann nur an sich, dass schon allein sein Anblick sie immer wieder glücklich machte? Er trug noch seine Klamotten, die er auch tagsüber anhatte, aber er machte sich gleich daran, die Knöpfe seines Hemdes auszuknöpfen, während er auf das Bett zuging.
„Na, hast du schon auf mich gewartet?“, fragte er mit einem frechen Grinsen und streifte sich das Hemd von seinen Schultern.
„Ja, hab ich! Immerhin hast du ja versprochen, dass du noch kommst!“
„Glaub mir, das werden wir beide heute noch!“, gab er mit einem Lachen zurück und beugte sich anschließend vor, um sie stürmisch zu küssen. „Das ist verrückt!“, dachte er sich noch. „Da haben wir uns nur so kurz nicht gesehen und jetzt küssen wir uns, als hätten wir uns Wochen nicht gesehen. Du bist krank, Marc Meier! Ach, scheißegal! Hauptsache, wir haben uns endlich!“ In Sekundenschnelle flogen sämtliche Kleidungsstücke zu Boden und Marc lag auf seiner nackten Freundin und bedeckte ihren Hals mit brennenden Küssen, während seine Hand ihre Brust massierte und ihre Körper sich immer wieder aneinander rieben. Auch wenn Gretchen am Anfang unsicher der Sache gegenüber war, genoss sie die Runde Speedboat nun doch sehr und krallte sich mit ihren Fingern gierig in seinen Haaren fest und atmete schnell und schwer aus. Gerne hätte sie lauter aufgestöhnt, doch immer wieder rief sie sich ins Gedächtnis, dass ihre Eltern nur ein paar Meter weiter schliefen. Und von denen war sie schon einmal zu oft beim Sex erwischt worden. Aber solange keine akute Gefahr bestand, dass ihre Eltern etwas mitbekamen, wollte sie das Liebesspiel nicht aufgeben. Und was sie auch selbst sehr erschreckte, war, dass es sie enorm reizte, dass dennoch immer ein gewisses Restrisiko bestand, dass man sie hier zusammen unter der Decke entdecken konnte. Dabei war das Spiel mit dem Feuer doch sonst nie ihres gewesen. Sie wusste selbst nicht, was sie in diese Stimmung brachte, aber es machte ihr gerade herzlichst wenig aus. Zumindest bis sie auf dem Gang Schritte hörte und sie augenblicklich innehielt. Verwundert darüber ließ auch Marc von ihrem Hals ab und richtete sich schwer atmend auf, um Gretchen anzusehen. Sie nickte mit dem Kopf Richtung Tür und machte Marc so auf die Geräusche aufmerksam.
„Na und?“, flüsterte dieser ihr nur zu und beugte sich wieder herab, um dort weiterzumachen, wo sie aufgehört hatten.
„Marc, da ist jemand!“, erinnerte sie ihn, was ihn jedoch recht wenig begeisterte und er machte stur weiter. Als sie jedoch weiter darum kämpfte, dass er die Küsse einstellte, gab er ihrem Drängen nach und stellte wieder Blickkontakt her.
„Die werden schon nicht kontrollieren, ob wir schon brav schlafen!“
„Und wenn doch? Du hast meinen Vater doch vorhin selbst miterlebt! Und jetzt pssssst“, zischte sie ihm zu und ihr Blick war im ständigen Wechseln zwischen Marc und Tür. Irgendetwas sagte ihr, dass es sehr wohl sein konnte, dass Franz Haase dahinter lauschte, was seine Tochter nachts so trieb. Und tatsächlich irrte sie sich nicht, dass der Professor tatsächlich Marcs Charakter prüfte und zornig registriert hatte, dass sein Kälbchen nicht alleine da im Zimmer war. Doch während es nun mucksmäuschenstill in dem rosa Mädchenzimmer war, tapste Bärbel nun leise zu ihrem Mann, der gerade sein Ohr von der Tür genommen hatte und nun nach der Türklinke greifen wollte.

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Verena1991 Offline

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09.06.2010 12:37
#234 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

„Franz, lass das!“, ermahnte sie ihn leise und kam noch die letzten Schritte auf ihn zu. Der brach seine Aktion zwar tatsächlich ab, aber der Plan existierte nach wie vor.
„Nichts werde ich lassen! Der Meier und mein Kälbchen…“
„Franz, Margarethe ist alt genug! Und die beiden scheinen sich wirklich zu lieben! Außerdem leben wir nicht mehr im Mittelalter!“
„Aber…“
„Du kommst jetzt mit und fertig! Lass die Kinder in Ruhe oder muss ich dich daran erinnern, was wir früher so alles getan haben?“ Franz musste einräumen, dass er und Bärbel früher wirklich auch wild waren. Aber das waren eben die 70er gewesen und somit vollkommen andere Zeiten. Nur weil er das früher getan hatte, durfte das seine Tochter noch lange nicht.
„Es geht hier aber verdammt nochmal um meine Tochter!“
„Deine 30-jähige Tochter! Lass ihr doch ihr Glück!“
„Aber der Meier…“
„Ist der Mann, den sie liebt und der sie auch liebt! Also halt dich da raus und geh wieder ins Bett. Du bist alt und brauchst deinen Schlaf!“, stellte sie klipp und klar fest und duldete auch keinen weiteren Widerspruch mehr. Denn wenn Bärbel Haase eines klar geworden war, dann, dass ihre Tochter über beide Ohren unsterblich in ihren Oberarzt verliebt war. Warum sonst sollte sie ihm immer wieder alles verzeihen und ihm noch eine Chance geben. Bärbel wusste ja selbst, wie das war. Franz hatte sie betrogen, aber das hinderte ihr Herz nicht daran, ihn zu lieben. Marc Meier war vielleicht nicht der Typ Mann, den sie sich als Schwiegersohn gewünscht hatte, aber er schien ihre Tochter wirklich glücklich zu machen. Und das war es doch, was auch sie als Mutter wollte. Dass ihre Tochter glücklich war.
In Gretchens Zimmer hörten die beiden, wie es still auf dem Gang wurde und die Schritte langsam leiser wurden. Sie hatten durchaus gehört, dass da draußen eine geflüsterte Diskussion stattgefunden hatte, aber worum genau es ging, hatten sie nicht mitbekommen.
„Glaubst du, die haben uns gehört?“, fragte Gretchen mit gedämpfter Stimme den nackten Mann auf ihr und drehte ihr Gesicht weg von der Tür wieder ihm zu.
„Selbst wenn. Jetzt sind sie weg!“, hakte Marc das Thema ab und hatte das dringende Bedürfnis, seine Freundin erneut zu küssen. Das war ihm nun immerhin schon fast eine Minute her, dass er sie schmecken durfte. Gretchen wollte ihm etwas erwidern, doch da ihre Zunge gerade zu anderen Zwecken missbraucht wurde als Reden, kamen dabei nicht mehr als Murrlaute heraus. Anfangs ließ sich Marc davon nicht beirren, doch nachdem sie damit einfach nicht aufhören wollte, beschloss er, doch mal nachzugeben und ihre Lippen wieder freizugeben.
„Marc, lass das bitte!“ Der Chirurg hatte ja viel vorgehabt, aber es zu lassen, gehörte nicht dazu und dementsprechend fragend sah er sie noch an. Bis eben war sie der kleinen Nummer im Kinderzimmer ja auch nicht abgeneigt gewesen.
„Äh… Warum?“
„Weil meine Eltern uns hier jederzeit erwischen könnten!“
„Das war dir doch eben auch noch egal!“, erinnerte er sie und hoffte, dass er sie wieder umstimmen könnte. Denn wenn er eines wollte, dann war es Margarethe Haase. Er wollte sie ganz spüren, und das einfach zu jeder Zeit. Dabei kannte er auch recht wenig Schamgefühl. Erwischt hatte man sie sowieso auch schon, da gab es also kein Tabu mehr, das gebrochen werden konnte. Zumindest nicht für ihn.
„Jetzt bin ich aber nicht mehr in Stimmung…“
„Gib mir ne Minute, dann bist du wieder in Stimmung!“ Marc wollte gerade damit anfangen und beugte sie wieder weiter herunter, doch Gretchen stützte rechtzeitig ihre Arme gegen seine Brust und hielt ihn auf Abstand.
„Ich mein das ernst!“
„Ich auch!“, konterte Marc und fing Gretchens Blick genau ein, der ihm verständlich machte, dass er so nicht weiterkommen würde und es diese Nacht wirklich keinen Eintritt in Gretchenhausen mehr gab. Genervt stöhnte er auf und ließ sich neben sie aufs Bett fallen. „Dafür schuldest du mir aber noch was!“
„Jaja!“, stimmte Gretchen ihm nur noch zu und drehte ihm ihren Rücken zu. Er robbte näher an sie heran und legte den Arm um ihren Körper. Wenn es schon keinen Sex gab, dann würden sie zumindest so die Nähe des anderen genießen und zusammen einschlafen.
„Darf ich wenigstens noch fummeln?“
„Tu, was du nicht lassen kannst. Aber ich würde jetzt gerne schlafen!“

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Verena1991 Offline

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10.06.2010 15:28
#235 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

„Aufstehen, Traumfrau, aufstehen! Aufstehen, Traumfrau, aufstehen!“, hallte es am frühen Morgen durch Gretchens Zimmer und verschlafen blinzelte das darin schlafende Paar mit den Augen. Und das Geräusch war etwas, das Marc sehr zu bespaßen wusste und dazu führte, dass er sich gleich viel wacher fühlte und loslachen musste.
„Was das denn?“, fragte er belustigt, während der Wecker einen erneuten Weckruf startete. Peinlich berührt streckte sich Gretchen schnell und schaltete das Gerät aus. Vielleicht sollte sie sich mal überlegen, sich einen neuen Wecker zuzulegen. Könnte sie ja machen, wenn sie sich um einen Umzug kümmern würde. Dieses Ziel hatte sie in den letzten Tagen vernachlässigt, aber es war noch nicht ganz in Vergessenheit geraten. Man hatte ja auch erst gestern gesehen, dass sie in diesem Haus keine erwachsene Beziehung führen konnte, solange ihre Eltern und vor allem ihr Vater sie so beobachteten. Nein, sie musste wirklich hier ausziehen.
„Mach dich ruhig lustig! Ich will sowieso bald ausmisten.“
„Dann fang mal mit dem Ding da an. Bist ja keine zwölf mehr!“
„Ja, ich weiß…“, gab ihm Gretchen Recht und sie saß sich auf die Bettkante und begann, ihre Klamotten vom Boden aufzuheben.
„Aber wenn ich mir dein Zimmer so anschaue… Bist du vielleicht doch noch zwölf?“, widerrief Marc seine Aussage und legte sich wieder entspannt aufs Bett zurück, wobei er seine Hände hinter seinem Kopf zusammenfaltete und seinen Kopf darauf ablegte. Gretchen schlüpfte währenddessen schon in ihre alten Sachen und trottete dann langsam Richtung Kleiderschrank. So ging wenigstens sie mit gutem Vorbild voran, wenn Marc schon nicht ans Aufstehen dachte.
„Das war ja nur ne Übergangslösung, bis ich was Neues hab.“
„Und wie lange ist das jetzt schon deine Übergangslösung?“
„Ich such mir ja bald was Eigenes!“
„Gut! Weil hier schlaf ich bestimmt nicht mehr!“, stellte Marc klar. Es hatte ihm gereicht, dass Gretchen das eine Mal Panik gemacht hatte, dass man sie erwischen könnte. Wobei diese Angst ja doch berechtigt war und er nun, wo sich wieder sein oberes Gehirn eingeschaltet hatte, ihre Reaktion auch ein Stück weit nachvollziehen konnte. Und es würde Gretchen und auch ihrer Beziehung sicherlich nicht schaden, wenn sie eigenständiger wäre. Am praktischsten für die Beziehung wäre es ja, wenn sie bei ihm einziehen würde. Darüber hatte Marc auch schon nachgedacht. Und er hatte wirklich nichts dagegen, wenn sie immer bei ihm wäre, aber es wäre besser, wenn sie doch eine Rückzugsmöglichkeit hätte. Noch wollte er sich und auch ihr ein ständiges Zusammensein ohne Fluchtmöglichkeit nicht zumuten, wobei er das auch nicht für die Zukunft ausschließen wollte.
„So sind meine Eltern nun mal… Aber als Tochter muss ich sie ja irgendwie lieben.“ Noch immer stand Gretchen unschlüssig vor ihrem Kleiderschrank und überlegte, was sie heute anziehen sollte. Sie musste dringend mal wieder shoppen. Wenn sie heute nur nicht arbeiten müsste… Marc schien sich hingegen noch immer keine Sorgen zu machen, dass er sich langsam mal zurecht machen musste. „Und du willst ewig da liegenbleiben?“
„Wenn du dich zu mir legst, dann gerne!“, antwortete Marc ihr nur grinsend und Gretchen hob daraufhin seine Unterhose auf, um sie ihm neckisch zuzuwerfen. Er selbst hätte sie wohl in Jahren noch nicht aufgehoben.
„Zieh dich an! Wir müssen noch arbeiten, falls du es nicht vergessen hast! Und keine Angst, ich hab den Wecker auch etwas früher gestellt, damit du dich noch heimlich rausschleichen kannst! Und wir sehen uns dann später auf der Arbeit!“ Mit einem Lächeln kam sie auf ihn zu und beugte sich zu ihm herunter, um ihm einen flüchtigen Schmatzer auf die Lippen zu drücken. Doch in Marc Meiers Welt gab es so etwas nicht und blitzschnell hatte er schon seine Arme um seine Freundin geschlungen und zog sie zu sich runter aufs Bett. Vergnügt jaulte die Blondine auf und vergrub ihre Hände in seinem braunen Haar. Gegen ein paar Minuten weiter im Bett sprach ja nichts.

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Verena1991 Offline

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11.06.2010 13:53
#236 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Aus ein paar Minuten wurden dann doch ein paar mehr, in denen sie küssend zusammen auf dem Bett lagen und ihre Hände gelegentlich den anderen kitzelten. Am liebsten hätten sie auch noch den ganzen Tag hier im Bett verbracht, aber leider war heute auch ihr erster Arbeitstag nach Hamburg und ewig konnten sie in der Klinik nicht fehlen.
„Marc, ich liebe dich ja auch, aber so langsam sollten wir wirklich…“, startete Gretchen doch einen neuen Versuch, um Marc und auch sich selbst endlich aus dem Bett zu kriegen. Konnte ja auch nicht gesund für die Knochen sein, wenn sie tagelang nur im Bett lagen. Wobei Matratzensport ja auch fit halten sollte. Aber OPs konnte man dabei keine durchführen und dafür wurden sie schließlich bezahlt.
„Ich finde auch, dass wir mal sollten, aber du willst ja nicht so ganz!“, scherzte Marc und fuhr mit seiner Hand ihren Körper etwas weiter nach oben. Bestimmt zog sie eben diese wieder unter ihrem Oberteil hervor.
„Marc!“
„Wir haben doch noch Zeit!“
„Aber nicht, wenn du um’s Frühstück herumkommen willst.“, machte sie ihm klar und spürte auch zugleich, wie das Gewicht auf ihr leichter wurde und Marc sich langsam wieder aufsetzte. Ein Essen mit den Schwiegereltern in spe hatte ihm fürs Erste gereicht.
„Dann machen wir nach unserer Schicht weiter. Oder während, wenn wir Zeit haben!“ Frech grinste er sie an, bevor er sich runterbeugte, um seine Sachen vom Boden aufzuheben. Unter Gretchens aufmerksamen Blick zog er sich langsam wieder an und war sich dabei seiner Wirkung auf die hübsche Ärztin durchaus bewusst. „Wohl eher während unserer Schicht, hm?“
„Das hättest du wohl gerne!“
„Wenn du mich so fragst…“ Die Quittung für sein verschmitztes Grinsen erhielt er auch prompt in Form eines Kissens, das ihm ins Gesicht geworfen wurde.
„Wir sehen uns später, mein Schatz!“
„Du hast mich gerade nicht wirklich so genannt?“, fragte Marc vorsichtshalber mal nach. Marc Meier bekam keine Kosenamen. Diese Lektion hatten schon all seine Freundinnen lernen dürfen und scheinbar reihte sich nun auch Gretchen in diese Reihe ein.
„Was dagegen, Schatz?“, neckte sie ihn mit einem breiten Grinsen und setzte sich weiter zu ihm auf den Rand ihres Bettes. Sie hatte ja schon vermutet, dass Marc nicht der Typ für Kosenamen war, aber ihr gefiel es trotzdem. Und da Marc sich von ihr nichts vorschreiben ließ, würde sie nun auch nicht zwingend auf ihn hören. Es reichte doch schon, wenn sie das bei der Arbeit tun musste.
„Ja, allerdings! Ich bin nämlich kein Schatz!“ Stimmt auch wieder. Noch ist er das nicht. Aber das kann ja alles noch werden.
„Dann muss ich ‚Hase’ wohl gar nicht fragen.“
„Bist du doch eh schon. Bleib doch einfach bei ‚Marc’. Oder ‚Gott’. Meinetwegen auch ‚Mein Herr und Meister’.“, schlug er scherzend vor und brachte Gretchen damit auf die naheliegende Idee eines Gegenvorschlags.
„Wie wär’s mit ‚Mister-Mein Ego ist so groß wie ein LKW’?“ Passt ja auch wie Arsch auf Eimer. Aber ich hab mir den Typen ja selber angelacht. Und er macht mich wirklich glücklich.
„Damit kann ich auch leben!“, antwortete er ihr nur gelassen und hatte sich in dem Moment auch fertig angezogen. Und darüber war er auch sehr froh, bevor sie wieder in der Tierabteilung nach Namen für ihn suchen würde. Da stand er lieber schnell auf und ging ein paar Schritte zur Tür. „Dann bis später, Hasenzahn!“

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Verena1991 Offline

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11.06.2010 21:34
#237 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Auf der Gynäkologie spielte sie an diesem Morgen Ungewöhnliches ab. Ohne Motzen und Murren ging Gabi ihren Aufgaben nach und schien dabei so gut gelaunt, dass es ihrem Chef schon fast unheimlich vorkam. Und da ihm seine Krankenschwester nun doch auch schon trotz ihrer Fehler ans Herz gewachsen war, weckte das doch sein Interesse. Sie hatte viel falsch gemacht, aber im Grunde sah er in ihr einfach eine junge Frau, die niemanden hatte, der sie an der Hand nahm. Also beschloss er, einfach mal nachzufragen, woher die gute Laune denn kam, als gerade eine Patientin das Büro verlassen hatte.
„Und wie geht es Ihnen so, Schwester Gabi?“
„Äh… Ja, ganz gut soweit.“, antwortete die Brünette unsicher. Sie wusste ja selbst nicht genau, wie ihre Laune nach dem letzten Abend einzustufen war. Sie hatte nie wirklich eine Familie gehabt und das gestern Abend war sozusagen ihre Premiere. Nur war es eben nicht ihre Familie. Sie war freundlich aufgenommen worden und alle waren nett zu ihr, aber sie kannte diese Leute im Grunde gar nicht. Dabei wäre das die Familie ihres Babys gewesen. In diesem Umfeld wäre ihr Kind glücklich aufgewachsen, da war sie sich sicher. Doch leider würde es niemals so weit kommen.
„Gibt es dafür auch einen bestimmten Grund?“
„War ein ganz netter Abend gestern.“, gab sie ihm knapp zur Antwort und war etwas verwirrt über das Interesse des Arztes an ihrer Person. Es war gar nicht so lange her, da hatte er noch kein Wort mit ihr geredet.
„Wo waren Sie denn, wenn man fragen darf?“
„Familienfeier…“
„Aha?“, fragte er neugierig nach und sah sie eindringlich an. Im Grunde genommen wusste er überhaupt nichts über Gabis Familie. Es ging ihn auch nicht wirklich etwas an, aber er wollte einfach etwas mehr Interesse für die junge Frau aufbringen, die ja nun auch schon viel mitmachen musste.
„Kalles Eltern… Die hatten Hochzeitstag oder so was.“, erklärte sie, als sein fragender Blick nicht abreißen wollte.
„Sind Sie und Kalle denn wieder…?“
„Was? Nein!“, winkte sie sofort ab und schüttelte energisch den Kopf. Sie konnte ja auch nichts dagegen machen, dass sie einfach keine Gefühle für den jungen Mann aufbringen konnte. Dafür war er einfach nur ein Freund.
„War ja nur so ein Gedanke. Hätte mich für Sie gefreut. So ein schönes familiäres Umfeld.“, führte er an und Gabi stimmte ihm stumm zu. In dieser Familie hätte ihr Kind so viel Liebe bekommen. Und sie wäre auch bereit für ein Baby gewesen. Warum sollte sie also nicht wieder schwanger werden? Auch wenn sie und Kalle kein Paar waren, konnte sie bestimmt auf den familiären Rückhalt seiner Familie hoffen. Sie wollte Mutter sein. Vielleicht würde ihr das ja über ihren Verlust hinweghelfen.
„Gabi? Sind Sie noch da?“, fragte Mehdi lieber nach, nachdem die Schwester einige Zeit stur und mit trüben Blick auf irgendeinen Punkt geschaut hatte. Gabi schreckte auf, hatte dabei ihre Überlegungen aber noch genau im Kopf.
„Ja? Aber… ich bin dann auch mal weg.“, teilte sie ihm mit und öffnete im nächsten Moment schon die Türe, die auch von außen gerade geöffnet werden wollte. An Maria Hassmann drängte sich Gabi vorbei und daraufhin trat die Ärztin in das Büro ihres Kollegen.
„Ich hoffe, ich hab nicht gestört?“
„Ne, Quatsch! Ich weiß auch nicht, was die wieder hat. Was ist denn?“, fragte Mehdi interessiert seine Kollegin aus der Neurologie und lehnte sich in seinem Stuhl etwas weiter nach hinten.
„Ich wollte nur fragen, ob du morgen Abend Zeit hast.“, teilte sie ihm ihr Anliegen mit und versuchte dabei so viel Sex wie möglich in ihre Stimme zu bringen. Dass ihr das aber weniger gelungen war, wurde ihr schon recht bald klar.
„Wegen den Kindern?“
„Ich dachte eigentlich, dass wir beide mal alleine was unternehmen könnten!“, schlug sie vor und überforderte Mehdi damit sichtlich. Wollte diese Frau wirklich ein Date mit ihm? Oder doch nur ein Feierabendbier mit ihm zischen? Wobei er sich das eher weniger vorstellen konnte. Aber war er schon so weit, sich auf etwas Neues einzulassen? Was war denn mit Gretchen? „Die liebt doch eh nur den Meier!“, meldete sich eine Stimme in seinem Kopf und er musste ihr Recht geben. Gretchen war Geschichte, damit musste er sich abfinden.
„Klar! Warum nicht?“

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Verena1991 Offline

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12.06.2010 22:35
#238 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Gretchen betrat nach Tagen der Abwesenheit wieder die Chirurgie. Nur hatte sich hier, im Gegensatz zu ihrem Leben, nicht wirklich etwas verändert. Und ihr persönliches Glück hieß es jetzt erstmal kundzutun. Sie ging Richtung Schwesternzimmer und hörte auch schon rechtzeitig, dass Sabine ein Telefonat zu führen schien.
„Nein, Papa, das geht wirklich nicht! … Ja, aber… ich kann die Frau Doktor nicht alleine lassen.“, sprach die Krankenschwester in den Telefonhörer und Gretchen beschloss, dass sie später da erstmal nachfragen müsste. Auf irgendeine Weise fand sie es auch befremdlich, dass Sabine so etwas wie Eltern hatte. Dann mussten die ja verantwortlich dafür sein, dass ihre Tochter doch etwas anders war. „Vielleicht das nächste Mal. Tschüß!“ Kaum hatte Sabine aufgelegt, drehte sie sich auf dem Stuhl auch um und sah nun Gretchen vor sich stehen, die sie fragend ansah. Dennoch freute sich die Schwester erstmal, ihre Lieblingsärztin wiederzusehen „Guten Morgen, Frau Doktor!“
„Ja, Ihnen auch. Und was können Sie nicht?“
„Mit meinen Eltern in den Urlaub. Nach Bora Bora.“ Mit meinen Eltern würde ich aber auch nicht mehr in den Urlaub. Wobei Bora Bora ja sehr schön sein soll.
„Ist das nicht ein bisschen teuer?“
„Mein Vater hat mal im Lotto gewonnen. Er hat die Zahlen ausgependelt.“, erklärte Sabine monoton, als wäre das ja selbstverständlich. Gretchen hingegen dachte sich einfach ihren Teil.
„Ah ja…“ Womit jetzt auch geklärt wäre, wie Sabine so geworden ist. „Aber warum können Sie da wegen mir nicht hin?“
„Na, wegen dem Doktor Meier. Der ist ja nur noch schlechter gelaunt seit Sie…“ Noch während Sabine sprach, breitete sich ein unverkennbar glückliches Strahlen auf Gretchens Gesicht breit. Jetzt durfte sie endlich wieder sagen, was sie am liebten ganz laut in die Welt hinausschreien würde.
„Machen Sie sich um den Meier mal keine Sorgen. Ich glaub, den hab ich schon ganz gut im Griff!“
„Soll das heißen, dass Sie…“, fragte Sabine noch etwas ungläubig, doch als Gretchens Blick immer mehr vom Glück erfüllt war, wurde der Krankenschwester klar, dass das Paar wirklich wieder zusammengefunden hatte.
„Ja, Marc und ich sind wieder zusammen!“
„Das war also in Ihrem Horoskop damit gemeint, dass Veränderungen auf Sie zukommen werden.“
„Sogar sehr positive Veränderungen!“, stellte Gretchen verträumt fest. „Er hat sogar gesagt, dass er sich eine richtige Zukunft mit mir vorstellen kann! Vielleicht auch mal mit Heirat und Kindern. Ist das nicht einfach unglaublich?“
„Sind Sie sicher, dass das auch der echte Doktor Meier ist?“ Wer soll’s denn sonst sein? Irgendein Klon? Und selbst wenn… Solange er eine nettere Variante von Marc ist, nehm ich ihn gerne! Würde mich nur interessieren, wo dann der echte Marc ist…
„Zu 99 Prozent! Ich bin dann mal eben in der Umkleide.“, sagte Gretchen und wollte schon weitergehen, als ihr noch etwas einfiel und sie sich doch wieder Sabine zuwandte. „Und Sabine?“ Interessiert sah die Krankenschwester wieder auf und wartete darauf, was Gretchen ihr zu sagen hatte. „Sorgen Sie dafür, dass was rumgeht?“
„Natürlich, Frau Doktor!“, bejahte Sabine sofort mit einem Lächeln. Endlich wieder schöner Tratsch, den man im Krankenhaus verbreiten und besprechen könnte. Außerdem konnte sie kaum die erleichterten Gesichter erwarten, wenn das Personal erfuhr, dass ein schlechtgelaunter Oberarzt weniger durch die Gänge wandelte und sein Unwesen trieb.

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Verena1991 Offline

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13.06.2010 16:08
#239 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Wenige Minuten nach Gretchen traf auch Marc im Krankenhaus ein und dachte sich noch nichts dabei, dass Schwester Sabine mit einer kleinen Gruppe von Krankenschwestern zusammenstand und heimlich tuschelte. Es interessierte ihn auch herzlichst wenig, was da geredet wurde. Stattdessen marschierte er weiter schnurstracks Richtung Umkleide und freute sich innerlich sehr, dass er dort Gretchen antraf. Und noch besser war, dass sie alleine war. Sie hatte ihm den Rücken zugewandt und hatte sich auf die Zehenspitzen gestellt und schien nach irgendetwas in ihrem Spind zu suchen. Und wer war er denn, dass er die Situation nicht für sich ausnutzte und sich von hinten an die blonde Frau heranschlich? Und diese erschrak nicht schlecht, als sich von hinten jemand mitsamt seinem Becken ganz dicht an sie drückte und dessen warmen Atem durch ihre Haare wehte. Sobald sie jedoch den Geruch des Mannes in die Nase bekam, konnte sie sich schon beruhigen und konnte ihre Selbstverteidigungstaktiken wieder getrost vergessen.
„Musst du dich eigentlich immer so anschleichen?“
„Hast du dich etwa erschreckt?“, fragte er, obwohl er ja zu genau gespürt hatte, wie sie eben in seinen Armen zusammengezuckt war. Aber sie hatte ja rechtzeitig erkannt, dass es ihr Freund war, der sie in den Armen hielt und hatte diesmal nicht mit ihrem Ellbogen oder Sonstigem ausgeschlagen.
„Bisschen vielleicht. Aber ich freu mich, dass du da bist!“, gestand sie ihm und drehte sich in seinen Armen um, sodass sie sich gegenseitig ins Gesicht sehen konnten und sie konnten nicht anders, als sich anzulächeln. Zudem strahlten auch die Lippen des anderen eine solche Anziehungskraft auf den anderen aus, dass sie gar nicht anders konnten, als diese sich langsam näher kommen zu lassen und zu einem zärtlichen Kuss zusammenzuführen. Der Chirurg setzte seine Hände vorsichtig auf ihrer Taille ab und führte sie ein paar Schritte weiter zur Seite, sodass er sie gegen die kalte Schranktür lehnen konnte. Dieser zusätzliche Halt war auch ganz gut für Gretchen, waren ihre Beine doch schon wieder wie Wackelpudding und hatten keine Kraft mehr, um ihren Körper eigenständig aufrecht zu halten. Nach einiger Zeit löste Marc den Kuss wieder und sah Gretchen nun wieder tief in die Augen.
„Vielleicht lieber nach dem Dienst?“
„Ja, wär vielleicht besser…“, stimmte sie ihm zu und malte sich im selben Moment aus, was passieren könnte, wenn er sie nun schon loslassen würde, bevor ihre Knochen wieder fest wurden. „Aber könntest du mich noch bisschen festhalten?“ Verwirrt über diese Bitte sah Marc Gretchen fragend an, schlang seine Arme aber wieder fester um sie und gab ihr so die Stütze, die sie brauchte.
„Ewig haben wir aber nicht Zeit.“, erinnerte Marc seine Assistenzärztin daran, dass gleich noch die Visite war und zudem auch noch zwei OPs am heutigen Tag anstanden. Gretchen nickte und signalisierte ihm, dass er sie wieder loslassen könnte. Gretchen ging wieder zu ihrem Spind und nahm die Tür in die Hand, um ihn wieder zu schließen. Bevor sie jedoch dazu kam, hatte Marc die Tür ebenfalls umgriffen und hinderte sie am Schließen. „Hast du da nicht noch etwas gesucht?“
„Ist doch egal!“, winkte sie schnell ab und übte wieder einen stärkeren Druck gegen die Spindtür aus, kam aber dennoch nicht gegen Marcs Kraft im Arm an und so blieb die Tür auf. Die sanfte Röte, die sich über Gretchens Gesicht zog, machte ihn doch etwas neugierig.
„Ne, das würde mich jetzt doch mal interessieren!“ So leicht ließ sich Marc nicht abwimmeln und Gretchen trat etwas beiseite, sodass Marc besser ihren Spind untersuchen konnte. Er durchsuchte das oberste Fach und zog schließlich etwas hervor, das er so nicht erwartet hätte.

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Verena1991 Offline

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13.06.2010 22:55
#240 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

„Was ist das denn?“, fragte er die tomatenrote Gretchen neben sich, die nur auf ihre Füße sah, während sie nervös ihr Gewicht von einem Bein aufs andere verlagerte.
„Gar nichts?“, versuchte sie sich noch irgendwie rauszureden, obwohl die Beweislage eindeutig war und Marc nur zu genau sah, dass das nicht ‚gar nichts’ war. Man konnte viel abstreiten, aber man konnte nicht die Existenz eines Fotos verleugnen, wenn es jemand in den Händen hielt. Und Marc hielt gerade ein Foto in den Händen und auf dem war ganz eindeutig er abgebildet.
„Soweit ich weiß, hatte ich so ein Foto mal in irgendeiner Schublade.“, stellte er fest und ließ seinen Blick abwechselnd zwischen Gretchen und dem Foto hin- und herpendeln. Das Bild war vor etwa 2 Jahren bei irgendeiner Feier aufgenommen worden und seitdem er es zugeschickt bekommen hatte, hatte er auch keinen Blick mehr darauf geworfen. Die Frage war nur, wie Gretchen in Besitz dieses Bildes gekommen war und warum es in ihrem Spind lag.
„Lag im Schlafzimmer…“
„Und warum liegt es jetzt hier?“
„Ja, weil… Ich wollte eben ein Bild von dir haben… und dann hab ich das Foto entdeckt und fand’s irgendwie… süß!“, gestand die Verdächtige und sah noch immer beschämt zu Boden. Sie hatte ja gehofft, dass Marc niemals etwas von dem Diebstahl mitbekommen würde. Sie hatte ihn noch nicht nach einem gemeinsamen Foto fragen wollen und deshalb hatte sie das einfach mal schnell genommen. Das Bild hatte es ihr einfach angetan, wie Marc da auf dem Bild leicht gequält in die Kamera lächelte und dabei aber so unheimlich süß aussah.
„Also erstens bin ich nicht süß! Zweitens weiß ich schon, warum ich die Fotos lieber einfach in irgendeiner Schublade lasse und drittens hättest du auch einfach mal fragen können, anstatt in meiner Wohnung rumzuschnüffeln!“, teilte Marc ihr mit und zumindest beim letztem Punkt musste Gretchen ihm zustimmen. Marc hingegen war etwas belustigt über ihren peinlich berührten Blick und versuchte noch weiter etwas sauer zu sein.
„Ja, aber… das Foto war doch auch irgendwie zu schade dafür, dass es einfach so in einer Schublade verstaubt…“
„Sah so aus, als würde es jetzt in deinem Spind verstauben!“
„Ich wollte es nicht mehr sehen, als wir getrennt waren. Deswegen wollt ich es vorhin ja wieder da rausholen!“
„So, wie du es einfach aus meiner Schublade geholt hast?“, fragte Marc grinsend, doch das sah Gretchen nicht, da ihr Kopf noch immer gesenkt war.
„Ich hätte ja auch lieber eins von uns beiden gehabt, aber ich wusste ja nicht, wie du darauf reagiert hättest. Bist ja auch gar nicht so der Beziehungstyp mit gemeinsamen Fotos und so…“, verteidigte sich Gretchen weiter und tippelte noch immer nervös mit ihren Füßen. Marc sah ein, dass es genug war und er kam auf sie zu und hob ihr Kinn an, damit sie ihm in die Augen sehen musste. Als er sie leicht anlächelte, verzogen sich auch ihre Mundwinkel leicht nach oben und sie fühlte sich auch gleich etwas erleichterter.
„Wenn du willst, können wir auch gerne paar Fotos machen!“, schlug er ihr vor und erfreute sich an Gretchens begeistertem Blitzen in den Augen und mutmaßte, dass sie gerade schon ein reges Fotoshooting mit ihm plante. Aber wenn sie es gerne wollte, würde er sich dem einfach mal beugen. Aber die schönsten Bilder von ihr hatte er ohnehin in seinem Kopf gespeichert. „Dürfen auch gerne schmutzige Bilder sein!“

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Verena1991 Offline

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14.06.2010 10:14
#241 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Gabi Kragenow saß in der Cafeteria und dachte nach. Sie dachte darüber nach, wie es denn nun mit ihr und Kalle weitergehen sollte. Wie sollte sie ihm denn weismachen, dass sie ein Kind wollte? Oder sollte sie es ihm einfach unterschieben und sich ohne sein Wissen von ihm schwängern lassen? Oder war die Sache doch eine ganz blöde Idee und sie sollte besser die rein platonische Beziehung zu Kalle aufrechterhalten? Eigentlich wollte sie darüber einfach nur nachdenken, aber Schwester Ingeborg riss sie mit einem hartnäckigen „Gabi?“ aus den Gedanken.
„Ja, verdammt, was ist denn?“
„Worüber denkst du denn nach?“
„Geht dich nichts an!“, blaffte die Krankenschwester ihre Kollegin an und hoffte, dadurch zu der gewünschten Ruhe zu kommen. Doch da hatte sie sich zu früh gefreut.
„Etwa über das mit dem Meier?“, fragte Ingeborg und weckte somit Gabis Neugier. Auch wenn sie im Grunde Gleichgültigkeit Marc gegenüber spüren wollte, tat sie das nicht. Denn leider hatte sie es noch nicht geschafft, sich endgültig von diesem Mann zu lösen. Irgendetwas in ihr liebte ihn noch immer und ein anderer Teil hasste ihn. Sie hatte selbst keine Ahnung, wie sie das fühlen konnte, aber Gefühle ließen sich einfach nicht bestimmen.
„Was ist denn mit dem?“
„Der war ja mit der Haase auf diesem Seminar. Und jetzt sind sie wieder zusammen!“ Diese Nachricht durchfuhr Gabi wie ein Blitz. Hatte diese Frau nun also doch gegen sie gewonnen und hatte das Glück, das ihr zustand? Doch es sollte noch schlimmer für Gabi kommen. „Und jetzt das Neueste. Schwanger soll sie auch noch sein!“ Das war zu viel für die junge Krankenschwester. Gretchen Haase bekam von Marc Meier ein Kind? Von dem Mann, der sie zu einer Abtreibung zwingen wollte, obwohl sie nichts mehr als eine Familie gewollt hatte? Und dann sollten die beiden Menschen ein Kind bekommen, die es nicht geschafft hatten, ihres zu retten? Gabi wollte mit den Hassgefühlen und Schuldzuweisungen aufhören, aber unwillkürlich ballte sie ihre Hand zu einer Faust.
„Was?“, war das einzige, das sie zwischen ihnen Zähnen hervorpressen konnte.
„Also das hat zumindest Melanie von Paula gehört. Und die soll’s wohl von Rieke haben und die hat’s von Anke. Und die hat das von…“
„Boah, jetzt halt die Klappe!“, unterbrach Gabi die Ausführungen ihrer Kollegin. Es interessierte sie nicht im Geringsten, wer es wem erzählt hatte. Es war nur entscheidend, dass es erzählt wurde und das ganze musste ja einen wahren Ursprung haben. Aber wenn die beiden glaubten, dass sie ihr Glück haben durften und Gabi nicht, dann hatten sie sich gewaltig geschnitten. Entschlossen stand Gabi auf und packte schnell ihre Sachen. „Sagst du dem Kaan, dass es mir nicht gut ging? Danke!“, sagte Gabi ohne eine Antwort abzuwarten und machte sich dann schleunigst auf den Weg aus der Cafeteria. „Jetzt erst recht…“, flüsterte sie noch beim Rausgehen. Ingeborg sah ihrer Kollegin nur verwirrt nach und zuckte nur mit den Schultern. So ganz normal war Gabi ja noch nie gewesen. Auf der Suche nach einer neuen Tratschpartnerin ließ sie ihren Blick durch die Cafeteria wandern und fand dabei noch etwas viel besseres. Marc Meier höchstpersönlich saß da an einem Tisch und genehmigte sich sein Mittagessen. Ingeborg stand auf und setzte sich nur kurz darauf ungefragt an den Tisch von Marc. Der sah sie nur schweigend und mit einem fragenden Blick an, während der Krankenschwester das Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht zu wischen war.
Sabine war inzwischen erneut in der Tratschkette angekommen und hatte so nun die Weiterentwicklung mit den Fehlinformationen gehört. Nun hieß es zu retten, was es noch zu retten gab, und sie versuchte das Ganze wieder richtigzustellen, dass die Frau Doktor nicht schwanger war. Als nächstes wollte sie in der Cafeteria ansetzen, wo sie allerdings eine unheilvolle Szene mitbekam. Ingeborg, bekennendes Tratschweib, mit Marc Meier an einem Tisch. Das konnte doch nicht gut gehen.
„Ist irgendetwas?“, fragte Marc die noch immer schweigende Schwester und bekam nicht mit, wie Sabine möglichst schnell auf ihn zukam, jedoch noch zu weit weg war, um das Unheil zu verhindern.
„Nö!“
„Und warum sitzen Sie dann hier?“
„Herzlichen Glückwunsch!“

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Verena1991 Offline

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14.06.2010 20:54
#242 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Nun war Marc nur noch verwirrter und auch Sabine war geschockt. Wie sollte sie das denn wieder gutmachen? Aber noch war nicht alles verloren und sie kam endlich an dem Tisch an.
„Äh… Danke? Und wofür?“, fragte Marc nun nach und beachtete Sabine nur mit einem kurzen Blick.
„Gar nichts!“, mischte sich Sabine nun ein und versuchte Ingeborg am Arm wegzuziehen, doch die riss sich nur schnell los und blieb beharrlich sitzen.
„Sabine, jetzt lass doch mal! Ich will dem Doktor Meier nur gratulieren!“
„Wozu denn überhaupt?“
„Na, Sie werden doch Va…“
„INGEBORG! Kommst du bitte mal mit!“ Noch rechtzeitig war Sabine ihrer Kollegin ins Wort gefallen, was von Marc skeptisch beobachtet wurde und ihn zu der Frage zwang, ob das Krankenhaus schon immer so ein Irrenhaus war.
„Ja, gleich!“
„Und was ist jetzt mit mir?“, lenkte Marc das Thema wieder auf sich. „Was werde ich?“
„Vater!“, antwortete Ingeborg nun, bevor Sabine etwas dagegen unternehmen konnte. Die blonde Krankenschwester sah die andere nur mit einem verzweifelt strafenden Blick an, während Marc die Kinnlade nach unten fiel. Wie sollte er denn bitte Vater werden? Gretchen war doch noch nicht einmal schwanger. Oder war sie etwa vor der Trennung schwanger geworden und hatte das erst jetzt festgestellt? Aber das konnte nicht sein, schließlich hatten sie immer aufgepasst. Außerdem hätte Gretchen ihm das doch bestimmt gesagt. Und mit anderen Frauen hatte er seit Gretchen auch nichts mehr gehabt. Jedenfalls nicht, dass er sich erinnern könnte. Bevor er sich hier jedoch unnötig den Kopf zerbrach, räusperte er sich und beschloss, besser mal nachzufragen.
„Äh… Wie kommen Sie darauf?“
„Das hat mir Schwester Melanie gesagt. Und die hat’s von Paula und die…“
„Ist mir egal, wer das von wem hat!“, unterbrach Marc wie Gabi zuvor die Krankenschwester. „Wer hat das ursprünglich gesagt?“ Mit einer auffallenden Gestik versuchte Sabine Ingeborg zum Schweigen zu bewegen, doch die konnte mittlerweile auch nur noch verwirrt zwischen Marc und Sabine hin- und hersehen. Und Marcs Blick machte ihr mehr Angst als Sabines Karateversuche und so antwortete sie ihm.
„Das war Sabine!“ Schlagartig setzte Sabines Herz aus und sie sah ihr letztes Stündlein geschlagen. Wenn sie jetzt ganz schnell fliehen würde, könnte sie sich vielleicht rechtzeitig doch nach Bora Bora absetzen.
„Sabine…“, begann Marc mit gelassener Stimme zu reden, was die Krankenschwester doch etwas erleichterte. „wie genau kommen sie auf diese HIRNRISSIGE Idee, dass ICH Vater werden könnte?“ So schnell die innere Ruhe der Sabine Vögler auch gekommen war, so schnell war sie auch wieder vorbei. Dabei hatte sie ja nie solche Gerüchte in die Welt setzen wollen.
„A…aber ich wollte dich gar nicht…“
„Ist mir scheißegal, was Sie wollten und was nicht! Fakt ist nur, dass hier offenbar herumgeht, dass Gretchen schwanger ist!“
„Ist Doktor Haase gar nicht…?“, fragte nun Ingeborg verwirrt in die Runde und bekam als Quittung dafür auch gleich eine patzige Antwort von dem aufgebrachten Chirurgen.
„Natürlich nicht! Das kommt davon, wenn Sie einfach den dümmsten Krankenschwestern hier Glauben schenken!“
„Ja, aber… das ist ein Missverständnis! Ich habe nur gesagt, dass Sie und die Frau Doktor wieder ein Paar sind…“, erklärte Sabine mit zitternder Stimme und wagte dabei nicht, ihrem Chef in die Augen zu sehen.
„Zwischen Paar und Familie liegt dann aber doch noch ein kleiner Unterschied!“
„Das muss irgendjemand falsch verstanden haben…“
„Wissen Sie was?“ Marc, dem die ganze Sache inzwischen mehr als auf die Nerven ging, stand auf und war Sabine noch einmal einen drohenden Blick zu, als sie es einmal gewagt hatte, doch wieder aufzublicken. „Ist mir scheißegal, wie das Gerücht hier entstanden ist! Sie bringen das wieder in Ordnung oder ich bringe Sie um.“ Er verzog seine Lippen kurz zu einem Lächeln, das jedoch nicht freundlich war und ihr nur zeigen sollte, wie ernst es ihm war, bevor er ohne ein weiteres Wort zum Fahrstuhl ging und hoffte, dass sonst niemand mehr auf die Idee kommen würde, ihm gratulieren zu wollen.

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Verena1991 Offline

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15.06.2010 14:04
#243 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Schlecht gelaunt, wie er gerade war, kam Marc auf seiner Station an und lief dabei auch direkt in Gretchen hinein, die gerade ebenfalls sehr in Gedanken war. Sie schwebte gerade im siebten Himmel und war in Gedanken nur bei Marc. Und so verschwand auch nicht ihr Lächeln, als er unbeabsichtigt in sie hineinlief.
„Hey, da bist du ja wieder!“, begrüßte sie ihn und nahm seine Hände, wobei sie auch ganz nah an ihn herankam und ihren Kopf anhob, damit er ihr auf die gespitzten Lippen einen Kuss geben konnte. Mit geschlossenen Augen wartete sie darauf, doch als ihre Lippen weiter unberührt blieben, fühlte sie sich doch etwas blöd dabei und öffnete die Augen wieder. Sie versuchte Marcs Blick zu deuten, doch dabei war sie hoffnungslos überfragt. Eine Spur von Verwirrung und Überraschung lag in seinen Augen, aber woher das rührte, wusste sie nicht. „Was ist denn los?“, fragte sie ihn schließlich und trat einen Schritt zurück, jedoch ohne die Hände von ihm zu lösen.
„Wurde dir heute auch schon gratuliert?“, fragte er nun sie und ein breites Strahlen breitete sie auf den Lippen der Ärztin aus, als sie daran dachte, wie sehr sich alle mit ihr freuten, dass sie wieder mit ihrem Traummann zusammen war. Da sie jedoch nie wirklich ein längeres Gespräch geführt hatte, wusste sie nichts von den Fehlinformationen, die im Krankenhaus kursierten.
„Ja! Ist das nicht lieb von allen?“
„Weißt du dann auch, dass die dir vermutlich zur Schwangerschaft gratuliert haben?“ Nun war es Gretchen, der die Verwirrung in die Augen geschrieben stand. Sie hatte Sabine doch lediglich den Auftrag gegeben, dass sie die Neuauflage ihrer Beziehung rumerzählen sollte, aber von einer Schwangerschaft war nie die Rede. Oder hatte Sabine etwas missverstanden, als Gretchen ihr erzählt hatte, dass sie für die Zukunft nichts ausschließen wollte?
„Schwanger?“ Obwohl Gretchen ihren Mund geöffnet hatte, um etwas zu erwidern, kam diese Gegenfrage nicht von ihr. Sie blickte an Marc vorbei und sah dann erschrocken, wer da aus dem Fahrstuhl kam. Marc erging es da nicht anders, als er sich ebenfalls umdrehte und nun wirklich die Person erkannte, deren Stimme er eben schon gehört hatte. Doch bis zuletzt hatte er eigentlich gehofft, dass es nur ein böser Streich seiner Ohren und seines Gehirns gewesen war. Doch nun stand da tatsächlich seine Mutter. Und was ihn auch noch verwunderte, war, dass sein Vater sie begleitete. „Marc Olivier! Sag mir bitte, dass diese Frau nicht von dir schwanger ist!“
„Äh… Sie ist nicht schwanger!“ Den Gefallen, ihr diese Worte zu sagen, konnte Marc ihr leicht erfüllen und musste dabei ja auch noch nicht einmal lügen. Nur ließ sich Elke nicht so leicht überzeugen, wie Marc es gerne hätte.
„Und warum sollte man ihr dann bitte gratulieren? Ich habe doch gerade erst meine Schreibblockade überwunden!“
„Ich bin aber wirklich nicht schwanger! Das ist nur… Krankenhaustratsch!“, erklärte nun auch Gretchen mit einem verlegenen Lachen und ließ dann auch Marcs Hände los, um sich für den Rückzug bereit zu machen. „Ich… muss dann auch mal wieder!“, verabschiedete sie sich und ließ Marc mit seinen Eltern wieder alleine, worüber der nicht wirklich begeistert war und seiner Freundin noch eine Weile neidisch hinterhersah, bis Elke ihn wieder ansprach.
„Wie kannst du deine Mutter nur so erschrecken?“
„War ja keine Absicht. Aber was macht ihr überhaupt hier?“

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Verena1991 Offline

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15.06.2010 22:32
#244 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Die Frage erschien dem Chirurgen doch mehr als angebracht, vor allem, da seine Mutter ja immer wieder beteuert hatte, wie sehr sie ihren Ex-Mann doch hasste. So ganz abkaufen konnte er ihr das, auch nach ihrem kleinen Ausrutscher, zwar nicht, aber dass es zwischen den beiden wohl wirklich zu einer Versöhnung gekommen war, überraschte ihn nun doch.
„Ich habe einen Termin bei Doktor Kaan.“, antwortete ihm Elke, doch das war nicht unbedingt das, was Marc wissen wollte. Über die Gesundheit seiner Mutter machte er sich momentan eher keine Sorgen.
„Und warum seid ihr hier zu zweit unterwegs?“, hinterfragte Marc nun direkt das gemeinsame Auftreten und wunderte sich über Elkes skeptischen Blick. Dabei konnte er ja auch nichts dafür, dass er keine Ahnung hatte, was da wieder zwischen seinen Eltern lief. Die Autorin drehte ihren Kopf nun zur Seite, sodass sie Oliver ins Gesicht sah und sprach diesen nun an.
„Du solltest es dem Jungen doch sagen!“, erinnerte sie ihm mit einem tadelnden Blick und stöhnte nur genervt auf. „Da verlangt man ein Mal was von dir und dann machst du es noch nicht einmal!“ In Marcs Gehirn herrschte noch immer ein Chaos und er wusste nicht, was genau das bedeuten sollte. Denn auch, wenn Elke wieder etwas rummeckerte, war er diesmal anders und klang nicht so vorwurfsvoll wie sonst. Vielmehr klang es doch etwas liebevoll.
„Mir was sagen?“
„Ich wollte es ihm ja sagen, aber er ist ja nie ans Handy gegangen!“, verteidigte sich Oliver gegenüber Elke und überging Marc einfach gnadenlos. Wobei dieser ja ohnehin schon vermutete, was man ihm sagen wollte. Und da die beiden offenbar auch in ihre eigene kleine Diskussion vertieft waren, beschloss er, die einfach alleine zu lassen und drehte sich schon um, um sich ebenfalls wieder an die Arbeit zu machen. Doch kaum war er ein paar Schritte gegangen, hörte er hinter sich schon das Klacken der hohen Schuhe seiner Mutter, die ihn mit einem schrillen „Marc Olivier!“ wieder zurückrief.
„Werde ich hier jetzt doch wieder beachtet? Und nenn mich nicht Olivier!“ Er wandte sich wieder um und blickte dabei skeptisch zwischen Mutter und Vater hin und her. Im Doppelpack schienen die beiden wirklich ziemlich nervenaufreibend zu sein. Wobei er vom Zusammenleben mit seiner Mutter in dieser Hinsicht schon ziemlich abgehärtet war.
„Ich musste das eben mal kurz mit deinem Vater klären. Ich hab mich nämlich entschieden, ihm noch eine zweite Chance zu geben!“, erklärte sie und verzog ihr Gesicht zu einem breiten Lachen und hakte sich mit einem Arm an ihrer neuen alten Liebe ein, der ebenfalls über sein neues Glück lächeln musste. Nur Marcs Miene erhellte sich nicht, sondern er nickte nur kurz. Er konnte auch nicht wirklich behaupten, dass er sich freute. Er zweifelte eher, dass das wirklich klappen könnte zwischen den beiden. Schon einmal hatte er mitbekommen, dass das Zusammenleben zwischen den beiden sehr viel Streit bedeutete und sie sich am Ende getrennt hatten. Und er wollte am Ende nicht wieder zwischen den beiden stehen. Also würde er sich da lieber heraushalten. Ausreden konnte er den beiden ohnehin nichts, also würde er sich zwangsläufig damit arrangieren.
„Wenn das alles war… Dann kann ich ja wieder an die Arbeit!“, war die äußerst verhaltene Reaktion von Marc und diesmal wurde er nicht zurückgehalten, als er sich von seinen Eltern entfernte. Sie hielten ihn nicht auf, obwohl sie doch etwas enttäuscht davon waren, dass er sich so gar nicht zu freuen schien.
„Er… hat sich schon immer mehr innerlich gefreut…“, sagte Oliver zu Elke, doch so recht waren beide nicht von dieser Erklärung überzeugt.

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Verena1991 Offline

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16.06.2010 14:03
#245 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck betrat Marc das Stationszimmer, wo Gretchen schon auf ihn wartete und ihm auch einen Kaffee hinhielt. Aufmunternd lächelte sie ihn an und konnte so auch Marcs Mundwinkel wieder leicht nach oben ziehen. Dankbar nahm er die Tasse entgegen und beide tranken erstmal einen Schluck des heißen Getränks.
„Sind die beiden wieder zusammen?“, fragte sie ihn dann, erhielt als Antwort aber auch nur ein Kopfnicken. Sie hatte sich ja sehr gefreut, als ihre Eltern es wieder miteinander versuchen wollten, aber bei Marc war das offensichtlich anders. „Ist doch toll, oder?“
„Hasenzahn, du hast die beiden nie miteinander erlebt! Auf Dauer können die nicht miteinander!“, erklärte Marc seiner Freundin und erinnerte sich zurück an seine Kindheit und die ein oder andere sehr laute Auseinandersetzung seiner Eltern, die er sehr wohl immer mitbekommen hatte. Und für ein Kind war das wirklich keine schöne Situation.
„Aber wenn sie nach über 20 Jahren wieder zusammengefunden haben, können sie ja scheinbar auch nicht ohne einander.“, stellte Gretchen doch optimistisch fest und dachte auch daran, dass sie in Marc ja fast genauso lange verliebt war. Und nach so langer Zeit konnte sie sich auch nicht mehr vorstellen, dass ihr Herz eines Tages nicht mehr für ihn schlagen könnte. Vielleicht erging es seinen Eltern da ja einfach ähnlich.
„Und wenn’s wieder nicht klappt, darf ich mich wieder um meine Mutter kümmern, wenn sie sich von nem Kreuzfahrtschiff stürzen will!“ Nur sehr ungern erinnerte sich Marc an dieses Geschehen und auch an die drei Tage, die die Autorin nach diesem Vorfall bei ihm gelebt hatte und ihm tagelang zur Last gefallen war. Erst als Marc es tatsächlich mal gewagt hatte, ein Telefonat mit seinem Vater zu führen, war Elke wegen des ‚Hochverrats’ ihres Sohnes ausgezogen und hatte sich ganze fünf Tage nicht bei Marc gemeldet. Eben bis sie ihn gebeten hatte, ihr neues Kapitel durchzulesen. Gretchen sah Marcs bedrückten Blick und stellte sich nun direkt neben Marc und lehnte sich wie er gegen den kleinen Empfangstresen und stütze ihren Kopf auf seiner Schulter ab, um ihm zu symbolisieren, dass sie auf alle Fälle immer hinter ihm stehen würde und er durch nichts alleine durchmusste.
„Vielleicht wird’s diesmal ja anders.“, ermutigte Gretchen ihn weiter, doch Marc antwortete nichts darauf. Gretchen hatte ja noch keinen Eindruck davon bekommen, wie die beiden miteinander umgingen. Er würde das ja auch gerne anders sehen, aber es glaubte einfach nicht daran, dass das funktionieren könnte. „In 20 Jahren entwickeln Menschen ja auch weiter.“
„Meine Mutter ist immer noch genauso neurotisch und eigen wie damals!“, konterte Marc nur, dem es rätselhaft war, wie das diesmal gut gehen sollte. „Also nimm’s mir bitte nicht übel, wenn ich da etwas pessimistisch eingestellt bin!“ Er lächelte sie schräg an und sie sah ein, dass sie nichts an seiner Meinung ändern konnte. Sie stellte sich wieder aufrecht hin und nahm stillschweigend einen weiteren Schluck aus ihrer Kaffeetasse. In diesem Moment kam jedoch Schwester Melanie vorbei, die momentan noch der Auffassung wäre, dass die blonde Chirurgin schwanger wäre.
„Doktor Haase? Sie dürfen doch in Ihrem Zustand keinen Kaffee trinken!“, ermahnte sie die Krankenschwester vorwurfsvoll und sollte das aber gleich auch bereuen. Denn Marc Meier war im Moment ohnehin schon schlecht gelaunt und hatte zudem auch die Nase voll davon, dass hier solche Gerüchte umgingen.
„Erstens geht Sie das einen Scheißdreck an und zweitens ist sie nicht schwanger! Und jetzt machen Sie nen Abflug und kümmern sich um Ihren eigenen Scheiß!“, motzte Marc ziemlich laut herum und verschreckte sie arme Krankenschwester sichtlich. So schnell sie konnte, stürmte sie schon aus dem Schwesternzimmer und begab sich in sichere Gefilde.
„Das hättest du auch freundlicher sagen können!“
„Die ist doch selber Schuld, wenn sie hier mit so nem Mist ankommt!“
„Reg dich nicht so auf, das gibt sowieso nur Falten!“, riet ihm Gretchen, bezweifelte aber, dass er sich damit von seinen Motztiraden abhalten lassen würde. „Und jetzt komm, wir müssen dann mal wieder an die Arbeit!“

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Verena1991 Offline

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16.06.2010 19:43
#246 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Gabi stand am frühen Abend vor Kalles Wohnung und drückte zielstrebig auf die Klingel. Nachdem er schon nicht auf dem Schrottplatz war, hoffte sie nun, ihn hier anzutreffen. Und es dauerte auch wirklich nicht lange, bis der junge Mann ihr öffnete.
„Hi Ga…“ Eigentlich hatte Kalle Gabi erstmal normal begrüßen wollen, doch dazu ließ es die Frau gar nicht erst kommen. Ehe er sich versah, hingen ihre Lippen an ihm und küssten ihn stürmisch. Sie lud sich selbst in die Wohnung ein und warf die Tür mit ihrem Fuß wieder ins Schloss. Zusammen stolperten sie in Kalles Schlafzimmer, wo sie sich aufs Bett fallen ließen. Kalle genoss den Moment sichtlich, auch wenn er nicht wusste, woher der plötzliche Sinneswandel bei Gabi kam. Er konnte nur vermuten, dass sie bei der gestrigen Familienfeier wohl doch bemerkt haben musste, dass sie mehr als nur Freundschaft verband. Und so half er Gabi gerne dabei, sich von den Klamotten zu befreien, dass beide schnell fast entkleidet waren. Als sich Gabi sich auf ihn setzte und sich auch an seiner Hose zu schaffen machte, packte Kalle sie jedoch an den Handgelenken und hielt sie davon ab, weiterzumachen.
„Was ist denn?“, fragte sie genervt darüber nach, dass sie ihren Plan nicht einfach durchziehen konnte. Sie wollte sich nur schnell ein Kind machen lassen und dann wieder abhauen.
„Hast du Kondome dabei?“ Gabi ärgerte sich, dass Kalle sein Gehirn offenbar noch nicht weit genug ausgeschaltet hatte, um das zu vergessen. Und sie konnte ihm ja auch schlecht sagen, dass sie nur ein Kind wollte und sonst eigentlich nichts von ihm. Aber vielleicht wäre er ja dumm genug, um sich von ihr bequatschen zu lassen, das zu vergessen.
„Ist doch scheißegal!“, antwortete sie ihm knapp und legte ihre Hände wieder an seine Hose, konnte aber nur genervt aufstöhnen, als ihre Handgelenke wieder umklammert wurden.
„Und wenn du schwanger wirst?“
„Das werde ich ganz bestimmt nicht, wenn du dich weiter so anstellst! Lass dich einfach fallen!“, hauchte sie ihm zu und beugte sich ein Stück runter, um ihn erneut zu küssen. So konnte er wenigstens keine Widerworte finden, während sie nun so versuchte, seine Hose zu öffnen. Doch mit dieser Taktik hatte sie nur kurzzeitigen Erfolg und Kalle drückte sie bestimmt von sich weg.
„Gabi, ich glaube nicht, dass das eine so gute Idee ist.“ So langsam reichte es der brünetten Krankenschwester. Sonst fraß er ihr doch auch aus den Händen und ausgerechnet jetzt wollte er seinen Kopf durchsetzen.
„Das ist eine verdammt gute Idee und jetzt halt die Klappe!“, fauchte sie ihn an und fingerte weiter an seinem Hosenknopf herum und konnte diesen schließlich wütend öffnen. Dabei musste sie aber auch feststellen, dass Kalle körperlich momentan gar nicht in der Lage wäre, ihr ein Kind zu machen. Jetzt war sie ohnehin schon genervt und jetzt sollte sie ihn nochmal heiß machen müssen?
„Vielleicht solltest du besser gehen.“, schlug er vor, auch wenn es ihm schwer fiel. Er liebte diese Frau schließlich und war froh, dass sie hier so nah bei ihm war. Aber auch eben weil er sie liebte, konnte er das nicht tun und es wäre ein Fehler, jetzt mit ihr zu schlafen.
„Ja, das wäre wohl das Beste!“, stimmte Gabi ihm trotzig zu und stand wieder auf. Sie schlüpfte in ihren Rock und hob auch ihr Top vom Boden auf, das sie sich schnell wieder überzog. „Ich hätte wissen sollen, was du für ein Schlappschwanz bist!“ Sie drehte sich zum Gehen um und Kalle stand nun ebenfalls auf und lief er hinterher, während er sich den Hosenknopf wieder zuknöpfte.
„Gabi, bitte warte!“
„Du hast doch selbst gesagt, ich soll gehen!“ Sie war an der Tür angekommen und hatte diese auch schon einige Zentimeter geöffnet, als Kalle auf einmal seine Hand dagegen stemmte und sie wieder zufallen ließ. Gabi rüttelte an der Türklinke und versuchte immer wieder den Weg nach draußen zu öffnen, doch Kalle hielt sie davon mit einer Hartnäckigkeit ab, die sie so nicht erwartete hätte.
„Wir reden jetzt!“

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Verena1991 Offline

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16.06.2010 22:48
#247 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

„Kalle, du lässt mich jetzt raus!“, forderte Gabi mit einem strengen Blick, doch Kalle sah sie nur ganz ruhig, aber auch entschlossen an. Und damit kam Gabi nur ganz schwer zurecht. Sie hatte Kalle immer nur für den naiven, leicht trotteligen Kerl vom Schrottplatz gehalten, der gerne alles etwas einfacher sah. Dass er sich hier aber ihr auf Augenhöhe gegenüberstellte und sogar noch über sie bestimmen wollte, überraschte die junge Krankenschwester zunehmend. „Kalle, bitte!“, flehte sie nun schon regelrecht an, doch sie biss auf Granit. Er blieb hart ihr gegenüber, aber dennoch strahlten seine Augen noch immer eine fast unheimliche Wärme aus.
„Gabi, du kannst doch auch nicht schon wieder ein Kind wollen!“
„Ach, und warum nicht? Wenn dein beknackter Kollege nicht gewesen wäre, hätte ich doch schon längst eines!“, verteidigte Gabi ihren Wunsch und hatte inzwischen auch schon von der Tür abgelassen. Als sie merkte, wie ihr langsam Tränen aufkamen, drehte sie sich um, damit Kalle das nicht sah.
„Aber warum willst du unbedingt jetzt schon wieder eins?“
„Weil ich nicht zulassen werde, dass dieser blöde Gockel mit seinem dicken Haasen hier einen auf heile Familie macht und ich nicht dasselbe Glück haben werde!“, schrie Gabi verzweifelt ihre Gedanken heraus und drehte sich zu Kalle um, ungeachtet der Tränen, die ihr in den Augen standen. Sie atmete schwer und ungleichmäßig und jeder würde merken, wie schlecht es dieser Frau ging. Doch Kalle wusste auch, dass ein Kind nicht die Lösung für ihre Probleme wäre. Damit machte sie sich doch nur etwas vor.
„Meinst du diesen Arzt?“, fragte Kalle, doch im Grunde war ihm die Antwort schon bewusst. Sie hatte ihn damals heiraten wollen und wahrscheinlich hatte sie diesen Wunsch auch noch immer ein wenig.
„Er hat dieses Glück nicht verdient! Und sie soll nicht das Kind bekommen, das mir zusteht!“
„Aber du kannst doch kein Kind bekommen, nur weil es jemand anderes tut! Man muss ein Kind doch aus Liebe bekommen!“
„Das will ich doch auch! Das andre ist doch nur noch ein Grund! Das gestern Abend… Das ist das, was ich will! Ich will eine Familie!“ Eine Träne fand den Weg über ihre Wange und sie schritt auf Kalle zu. Ihr Blick war verzweifelt und traurig und brach Kalle das Herz. Er wollte sie so nicht sehen, aber er konnte ihr ihren Wunsch nicht erfüllen. „Ich will doch nur mein Baby!“
„Gabi, du kannst ein Kind doch nicht einfach durch ein anderes ersetzen!“
„Bitte, Kalle! Ich will mein Baby!“, flehte Gabi weiter und hämmerte mit ihren Händen leicht gegen seine Brust, während die Tränen ungehalten aus ihren Augen liefen und ihre Stimme immer gebrechlicher wurde. „Bitte!“ Fürsorglich legte Kalle die Arme um die verzweifelte Frau und zog sie an sich heran. Anfangs wehrte sie sich vehement gegen diese Umarmung, doch Kalle ließ nicht locker und verstärkte den Druck seiner Arme. Es dauerte auch nicht lange, bis Gabi auch ihre restliche Kraft verlor und jeglichen Widerstand aufgab. Sie hielt sich gut an Kalle fest, den wohl einzigen Halt, den sie momentan hatte. Was hatte sie auch sonst? Sie hatte keine Familie, keine wirklichen Freunde und auf der Arbeit wurde ihr immer wieder vorgehalten, was sie nicht hatte. Sie hatte kein Kind bei sich. Alles, was sie hatte, war ein totes Kind. Ein Kind, das sie noch nicht einmal in den Armen hatte halten dürfen, obwohl sie es doch in sich gespürt hatte. Sie hatte die Tritte gegen ihre Bauchdecke gespürt. Gespürt, wie es lebte. Wie sollte sie damit umgehen, dass es nicht mehr da war? Nichts und niemand konnte ihr diesen Schmerz nehmen. Sie hatte alles verloren.

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Verena1991 Offline

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17.06.2010 14:12
#248 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Fertig umgezogen schloss Gretchen ihren Spind ab und freute sich auf ihren langersehnten Feierabend. Es war noch ein Autounfall hereingekommen und die letzte OP an einer Sechsjährigen war nicht ganz komplikationsfrei verlaufen und sie hatten das kleine Mädchen gerade noch retten können und die Patientin war soweit stabil. Dennoch war die junge Ärztin nach ihrer 16-Stunden-Schicht geschlaucht von dem Eingriff und wollte nur noch ins Bett. Vorher machte sie sich aber noch auf den Weg zu Marcs Büro, wo ihr Oberarzt noch einige Akte durcharbeiten musste. Sie klopfte kurz an die Tür und trat auch prompt ein, nachdem er sie hineingebeten hatte.
„Hey!“, begrüßte sie ihn mit einem freundlichen Lächeln, welches auch Marc erwiderte, als er von dem Papierkram aufsah und seine Freundin erblickte. Er lehnte sich in seinem Schreibtischsessel zurück und blickte die Frau mit einem müden Blick an. Die vergangenen Stunden waren auch an ihm nicht spurlos vorbeigegangen und die wenigen Stunden Schlaf, die er bekommen hatte, taten ihr Übriges.
„Schon Feierabend?“, fragte er sie und wäre am liebsten gleich aufgestanden und mit ihr mitgegangen.
„Ja. Ich wollte nur noch schnell Tschüß sagen, bevor ich nach Hause fahr!“ Um ihr Vorhaben auch wahrzumachen, kam sie noch weiter auf ihn zu und setzte sich auf den Schoß ihres Freundes. Marc legte auch gleich seine Arme um sie, damit sie auch ja einen gesicherten Halt hatte und zog sie noch eine Spur näher an sich heran. Er sah sie erwartungsvoll an, bis sie ihren Kopf zu ihm herunterbeugte und ihre Lippen sanft auf seine legte. In diesem Moment war die ganze Müdigkeit und Erschöpftheit vergessen und eine aufweckende Wärme durchströmte ihre Körper. Sie hätten Stunden so weitermachen können, doch Marc wurde bewusst, dass er dann mit der Arbeit nie vorankommen würde. Vorsichtig löste er den Kuss und sah Gretchen noch eine Weile in ihre Augen. Er konnte ihr das Glück ablesen, was in diese blauen Kristalle geschrieben stand und das bereicherte ihn mehr als alles andere. Und das wollte er so oft wie möglich sehen.
„Fährst du zu dir?“
„Würde sich anbieten.“, antwortete sie ihm mit einem matten Lächeln, doch Marc hatte eine bessere Idee, auch wenn er nicht genau wusste, wie das über die Bühne gehen sollte und wie er dastehen würde, wenn sie es ablehnen würde. Aber das war Gretchen Haase und er war Marc Meier. Warum sollte sie da nicht freudestrahlend zustimmen?
„Hasenzahn? Also Gretchen…? Was würdest du dazu sagen, wenn du schon mal zu mir fährst?“, fragte Marc sie schließlich und Gretchen sah ihn nur etwas irritiert an.
„Damit ich dann vor der Tür stehe und ohne Schlüssel nicht reinkomme?“ Marc ließ mit seinen Armen von ihr ab und deutete ihr, dass sie sich erheben sollte. Gretchen hatte keine Ahnung, was Marc vorhatte, aber sie stand von seinem Schoß auf und sah ihm stumm dabei zu, wie er seine Schublade öffnete und darin etwas herumkramte, bis er einen kleinen Schlüssel hervorkramte. Gretchen konnte sich schon denken, wofür der war und sie hüpfte aufgeregt auf der Stelle.
„Das ist der Zweitschlüssel für meine Wohnung. Meine Mutter ist da schon seit Monaten scharf drauf, aber ich glaube, den solltest besser du bekommen!“, erklärte ihr Marc und erfreute sich an Gretchens Grinsen, das immer breiter wurde. Marc Meier schenkte ihr einen Schlüssel zu seiner Wohnung. „Natürlich nur, wenn du willst, dass du jederzeit vorbeikommen kannst! Ansonsten freut sich meine Mutter!“, fügte er noch grinsend hinzu und wedelte verführerisch mit dem Schlüssel vor ihren Augen hin- und her. Schnell schnappte sich Gretchen den kleinen Gegenstand und verschloss ihn fest in ihrer Faust.
„Bevor du dir das antust, nehm ihn doch lieber ich! Wir sehen uns dann später, ja?“ Sie beugte sich noch einmal zu ihm herunter, um ihm einen innigen und dankbaren Abschiedskuss zu geben und winkte ihm mit dem Schlüssel in der Hand zu, während sie zur Tür zurückging.
„Aber nicht, dass du auf die Idee kommst, gleich deinen ganzen Kram anzuschleppen!“, rief Marc ihr noch nach, doch sie gab ihm darauf schon gar keine Antwort mehr und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen.
Noch nicht, Marc! Nicht alles auf einmal. Das will nach und nach gemacht werden. Gib mir 6 Monate und ich bin bei dir eingezogen.

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Verena1991 Offline

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18.06.2010 15:45
#249 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Lange hatte Gabi bitterlich geweint und Kalle hatte sein Möglichstes getan, um sie zu beruhigen. Und ansatzweise war ihm das nun auch gelungen und Gabi schaffte es, wieder regelmäßig zu atmen und auch der Tränenfluss war gestoppt. Aber sie hatte ohnehin das Gefühl, dass sie gar keine Tränen mehr in sich hatte, die noch nach draußen laufen konnten. Sie wusste wirklich nicht, was sie getan hätte, wenn Kalle sie in dieser Situation nicht aufgefangen hätte.
„Danke!“, sagte sie ihm schließlich und brachte dabei sogar ein kleines, schwaches Lächeln auf ihre Lippen. Beruhigend strich Kalle ihr über ihr Bein und lächelte sie dabei auch aufmunternd an.
„Ist doch klar!“
„Nein, ist es nicht! Du kümmerst dich immer so gut um mich, hörst mir zu, nimmst mich in den Arm und bist einfach da. Und ich nutze das einfach aus, weil ich einfach nur ein Kind will! Das ist nicht fair von mir…“, räumte die Krankenschwester schuldbewusst ein und blickte Kalle entschuldigend an. Sie hatte nie geplant, dass sie ihm wehtun wollte, aber jetzt war ihr klar, dass dieser Plan nur so ausgehen konnte.
„Ist schon okay! Und vielleicht kriegen wir ja auch nochmal ein Baby…“ Hoffnungsvoll blickte Kalle seine Traumfrau an und sie sah nun auch wieder den naiven jungen Mann vor sich, den sie kennengelernt hatte. So erwachsen und besonnen er eben noch gewirkt hatte, so wenig hatte er nun davon an sich. Aber er dachte nun verständlicherweise, dass sie wohl noch etwas von ihm wollte und ihn vielleicht auch so liebte wie er sie. Musste sie seine Hoffnungen nun wirklich zerstören? Sie wollte ihm nicht wehtun, aber sie konnte ihn auch nicht anlügen und so tun, als wären Gefühle da, die sie einfach nicht hatte.
„Kalle, ich glaube nicht, dass das passieren wird…“ Zögerlich begann Gabi mit ihrer Abweisung, doch das fiel ihr sichtlich schwer. Sie sah wie die Hoffnung in Kalles Augen durch Verwirrung ausgetauscht wurde, aber Gabi wusste, dass sie da durchmusste.
„Aber du wolltest doch unbedingt ein Baby!“
„Ja, schon… Aber nur weil ich eben eine Familie wollte und als ich deine gestern kennengelernt habe… Das war wirklich ein toller Abend und alle waren so nett.“ Verträumt dachte Gabi an die Feier zurück, doch sie wusste, dass sie daran jetzt keinen Gedanken verschwenden sollte. Kalle griff nach ihrer Hand und verstand noch immer nicht, was sie ihm sagen wollte.
„Das können wir noch oft zusammen erleben! Wir sind eine große Familie.“
„Wir werden aber nie eine Familie sein. Es tut mir Leid, aber ich liebe dich einfach nicht!“, sagte Gabi ihm nun klipp und klar und Kalle hatte daran erstmal schwer zu knabbern. Sie musste doch auch etwas gefühlt haben, als sie sich so gut verstanden hatten. Er konnte nicht einsehen, dass ihr Herz nicht für ihn schlug. Sonst hätte sie ja auch kein Kind mit ihm gewollt. Sie wollte es nur nicht einsehen.
„Aber das kann ja noch werden!“, antwortete Kalle mit seinem grenzenlosen Optimismus. Gabi hätte wohl darüber geschmunzelt, wenn es nicht gerade so verdammt ernst wäre.
„Das glaube ich nicht. Du bist so ein netter Kerl und ich wünschte mir wirklich, ich könnte dich lieben, aber es geht nicht. Du hast alles für mich getan und ich mag dich auch. Aber eben nicht so wie du mich und das werde ich wohl auch niemals tun! Wenn ich könnte, hätte ich mich schon lange in dich verliebt.“ Einige Zeit herrschte ein unangenehmes Schweigen zwischen den beiden, aber Kalle brauchte diese Zeit, um über Gabis ehrliche Worte nachzudenken. Sie war doch seine Traumfrau, sie verstanden sich gut und sie war schon einmal schwanger von ihm gewesen. Das konnte sie doch nicht einfach wegwerfen wollen.
„Dann werde ich warten, bis du so weit bist!“
„Bitte tu das nicht! Es gibt bestimmt so viele Frauen, die froh wären, so einen Mann wie dich zu haben, aber das mit uns wird einfach nichts mehr!“ Sie hatte im Grunde noch nie Rücksicht auf die Gefühle anderer genommen, aber Kalle war einfach ein so lieber Mensch, der Respekt verdient hatte und den wollte sie ihm nun erweisen. „Ich geh dann auch mal lieber. Vielleicht kannst du mir ja irgendwann verzeihen und wir können wieder Freunde sein!“ Mit einem ebenfalls traurigen Gesicht stand Gabi auf und beugte sich ein letztes Mal zu Kalle herunter, um ihm einen Kuss auf die Wange zu geben, bevor sie schweren Herzens zur Tür ging und seine Wohnung und sein Leben wieder verließ.

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Verena1991 Offline

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19.06.2010 00:23
#250 RE: 2. Story von Verena Zitat · Antworten

Das zweite Mal in ihrem Leben steckte Gretchen den Schlüssel zu Marcs Wohnung ins dazugehörige Schlüsselloch. Und das erste Mal tat sie das auch mit seiner Erlaubnis. Vor diesem historischen Ereignis atmete sie noch einmal zur Beruhigung tief durch und öffnete dann die Türe und betrat die Wohnung, die sozusagen schon ihr neues Zuhause war. Zwar noch nicht offiziell, aber nach und nach würde Marc schon merken, dass ein richtiges Zusammenleben doch viel schöner war. Nach und nach würde sie sich hier ein wenig einrichten, aber so, dass Marc nichts davon merkte. Ihr gefiel dieser Plan und Marc hatte mit Sicherheit auch nichts dagegen, solange er nichts davon wusste. Jetzt stand sie zwar hier in der Wohnung, aber sie wusste nicht, was sie nun tun sollte. Müde war sie zwar, aber sie wollte andererseits auch warten, bis Marc wieder hier wäre und sie gemeinsam einschlafen konnten. Sie fühlte sich noch etwas unbeholfen, als sie Richtung Fernseher schlenderte und sich auf eines der großen Sofas setzte. Sie schaltete den Fernseher an und sah sich irgendeine Serie an, um sich wachzuhalten. Dass das jedoch ein schwieriges Unterfangen werde würde, spürte sie, als sie nach nicht mal zwei Minuten schon herzhaft gähnte. Dabei wollte sie wirklich gerne wachbleiben und Marc begrüßen, bevor sie zusammen ins Bett gingen. Aber das auch wirklich nur noch zum Schlafen, für jeglichen Sport, sei er auch im Liegen, war sie nicht mehr zu haben. Aber sie wollte mit allen Mitteln wachbleiben.

Zwei Stunden später hatte Marc dann endlich alles abgearbeitet, was in letzter Zeit auf seinem Schreibtisch liegengeblieben war. Er schloss die Wohnungstür auf und erwartete eine Totenstille, wie immer, wenn er nach Hause kam. Doch diesmal hörte er sofort den Fernseher und so führte ihn sein erster Weg auch gleich zur Couch und musste schmunzeln, als er dort Gretchen schlafend vor dem Fernseher auffand. Unbestreitbar war es ein gutes Gefühl, wenn es jemand gab, der zu Hause schon auf einen wartete. Die Entscheidung, ihr den Schlüssel zu geben, war also goldrichtig gewesen. Auf dem Wohnzimmertisch stand eine nun halbleere Colaflasche, doch diese hatte die blonde Ärztin wohl nicht von ihrem Drang, einzuschlafen, abgehalten. Er schaltete den Fernseher aus und beugte sich dann über Gretchen. Zwar war er selbst müde und seine Glieder auch schon erschöpft, aber er hatte seinen Hasenzahn in die Wohnung eingeladen, damit er neben ihr einschlafen konnte. Und so nahm er gerne die Mühe auf sich, sie vorsichtig in seine Arme zu nehmen und hochzuheben.
„Da bist du ja!“, murmelte Gretchen schläfrig ohne die Augen zu öffnen und seufzte dabei glücklich. Marc war froh, als er endlich im Schlafzimmer angekommen war und seine Freundin auf dem Bett ablegen konnte.
„Du bist ganz schön schwer, Hasenzahn, weißt du das?“, fragte er sie grinsend, doch sie war schon wieder eingeschlafen. Vermutlich zu seinem Glück. Er zog sich bis auf die Unterwäsche aus und versuchte nun dasselbe bei seiner Freundin, die noch immer ihre Straßenklamotten trug. Doch während er ihre Hose ausziehen wollte, geriet Gretchen wieder in ihren Halbschlaf.
„Bitte keinen Sex!“, nuschelte sie, unternahm aber nichts gegen Marcs Aktionen, sondern unterstützte ihn dabei, so gut es ging. „Bin zu müde!“
„Kannst ja einfach so liegenbleiben, ich mach das schon!“, scherzte Marc und legte sich neben Gretchen, nachdem ihre Jeans erfolgreich ausgezogen war. Er hob die Decke an und breitete sie über sich und Gretchen aus, die inzwischen schon wieder vollkommen in ihrer Traumwelt gefangen war und wohlig aufseufzte. „Möchte ja mal wissen, wovon du so träumst!“, dachte sich der Chirurg und legte den Arm um Gretchens Bauch und robbte sich noch ein Stück näher an sie heran. Genau für dieses Einschlafen hatte er ihr den Schlüssel gegeben. Und das war eine wirklich gute Idee gewesen.

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